diff options
| -rw-r--r-- | .gitattributes | 3 | ||||
| -rw-r--r-- | 7276-8.txt | 6762 | ||||
| -rw-r--r-- | 7276-8.zip | bin | 0 -> 92522 bytes | |||
| -rw-r--r-- | LICENSE.txt | 11 | ||||
| -rw-r--r-- | README.md | 2 |
5 files changed, 6778 insertions, 0 deletions
diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes new file mode 100644 index 0000000..6833f05 --- /dev/null +++ b/.gitattributes @@ -0,0 +1,3 @@ +* text=auto +*.txt text +*.md text diff --git a/7276-8.txt b/7276-8.txt new file mode 100644 index 0000000..4c23537 --- /dev/null +++ b/7276-8.txt @@ -0,0 +1,6762 @@ +Project Gutenberg's Hamlet, Prinz von Dannemark, by William Shakespeare +#26 in our series by William Shakespeare + +Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the +copyright laws for your country before downloading or redistributing +this or any other Project Gutenberg eBook. + +This header should be the first thing seen when viewing this Project +Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the +header without written permission. + +Please read the "legal small print," and other information about the +eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. Included is +important information about your specific rights and restrictions in +how the file may be used. You can also find out about how to make a +donation to Project Gutenberg, and how to get involved. + + +**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts** + +**eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971** + +*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!***** + + +Title: Hamlet, Prinz von Dannemark + +Author: William Shakespeare + +Release Date: January, 2005 [EBook #7276] +[Yes, we are more than one year ahead of schedule] +[This file was first posted on April 6, 2003] + +Edition: 10 + +Language: German + +Character set encoding: ISO-Latin-1 + +*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK HAMLET, PRINZ VON DANNEMARK *** + + + + +Produced by Delphine Lettau + + + + +This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE. +That project is reachable at the web site http://gutenberg.spiegel.de/. + +Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE" +zur Verfügung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse +http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar. + + + + +Hamlet, Prinz von Dännemark. + +William Shakespeare + +Übersetzt von Christoph Martin Wieland + +Ein Trauerspiel. + + +Personen. + +Claudius, König in Dännemark. +Fortinbras, Prinz von Norwegen. +Hamlet, Sohn des vorigen, und Neffe des gegenwärtigen Königs. +Polonius, Ober-Kämmerer. +Horatio, Freund von Hamlet. +Laertes, Sohn des Polonius. +Voltimand, Cornelius, Rosenkranz und Güldenstern, Hofleute. +Oßrich, ein Hofnarr. +Marcellus, ein Officier. +Bernardo und Francisco, zween Soldaten. +Reinoldo, ein Bedienter des Polonius. +Der Geist von Hamlets Vater. +Gertrude, Königin von Dännemark, und Hamlets Mutter. +Ophelia, Tochter des Polonius, von Hamlet geliebt. +Verschiedene Damen, welche der Königin aufwarten. +Comödianten, Todtengräber, Schiffleute, Boten, und andre stumme +Personen. + +Der Schau-Plaz ist Elsinoor. + +Die Geschichte ist aus der Dänischen Historie des Saxo +Grammaticus genommen. + + + + + +Erster Aufzug. + + +Erste Scene. +(Eine Terrasse vor dem Palast.) +(Bernardo und Francisco, zween Schildwachen, treten auf.) + + +Bernardo. +Wer da? + +Francisco. +Nein, gebt Antwort: Halt, und sagt wer ihr seyd. + +Bernardo. +Lang lebe der König! + +Francisco. +Seyd ihr Bernardo? + +Bernardo. +Er selbst. + +Francisco. +Ihr kommt recht pünktlich auf eure Stunde. + +Bernardo. +Es hat eben zwölfe geschlagen; geh du zu Bette, Francisco. + +Francisco. +Ich danke euch recht sehr, daß ihr mich so zeitig ablöset: Es ist +bitterlich kalt, und mir ist gar nicht wohl. + +Bernardo. +Habt ihr eine ruhige Wache gehabt? + +Francisco. +Es hat sich keine Maus gerührt. + +Bernardo. +Wohl; gute Nacht. Wenn ihr den Horatio und Marcellus antreffet, +welche die Wache mit mir bezogen haben, so saget ihnen, daß sie +sich nicht säumen sollen. (Horatio und Marcellus treten auf.) + +Francisco. +Mich däucht, ich höre sie. halt! he! Wer da? + +Horatio. +Freunde von diesem Lande. + +Marcellus. +Und Vasallen des Königs der Dähnen. + +Francisco. +Ich wünsche euch eine gute Nacht. + +Marcellus. +Ich euch desgleichen, wakerer Kriegs-Mann; wer hat euch abgelößt? + +Francisco. +Bernardo hat meinen Plaz; gute Nacht. + +(Er geht ab.) + +Marcellus. +Holla, Bernardo!-- + +Bernardo. +He, wie, ist das Horatio? + +Horatio. (Indem er ihm die Hand reicht) +Ein Stük von ihm. + +Bernardo. +Willkommen, Horatio; willkommen, wakrer Marcellus. + +Marcellus. +Sagt, hat sich dieses Ding diese Nacht wieder sehen lassen? + +Bernardo. +Ich sah nichts. + +Marcellus. +Horatio sagt, es sey nur eine Einbildung von uns, und will nicht +glauben, daß etwas wirkliches an diesem furchtbaren Gesichte sey, +das wir zweymal gesehen haben; ich habe ihn deßwegen ersucht, diese +Nacht mit uns zu wachen, damit er, wenn die Erscheinung wieder +kömmt, unsern Augen ihr Recht wiederfahren lasse; und mit dem +Gespenste rede, wenn er Lust dazu hat. + +Horatio. +Gut, gut; es wird nicht wiederkommen. + +Bernardo. +Sezt euch ein wenig, wir wollen noch einmal einen Angriff auf eure +Ohren wagen, welche so stark gegen unsre Erzählung befestigt sind, +deren Inhalt wir doch zwo Nächte nach einander mit unsern Augen +gesehen haben. + +Horatio. +Gut, wir wollen uns sezen, und hören was uns Bernardo davon sagen +wird. + +Bernardo. +In der leztverwichnen Nacht, da jener nemliche Stern, der westwärts +dem Polar-Stern der nächste ist, den nemlichen Theil des Himmels wo +er izt steht, erleuchtete, sahen Marcellus und ich--die Gloke hatte +eben eins geschlagen-- + +Marcellus. +Stille, brecht ab--Seht, da kommt es wieder. (Der Geist tritt auf.) + +Bernardo. +In der nemlichen Gestalt, dem verstorbnen König ähnlich. + +Marcellus. +Du bist ein Gelehrter, Horatio, rede mit ihm. + +Bernardo. +Sieht es nicht dem Könige gleich? Betrachte es recht, Horatio. + +Horatio. +Vollkommen gleich; ich schauere vor Schreken und Erstaunung. + +Marcellus. +Red' es an, Horatio. + +Horatio. +Wer bist du, der du dieser nächtlichen Stunde, zugleich mit dieser +schönen Helden-Gestalt, worinn die Majestät des begrabnen Dähnen- +Königs einst einhergieng, dich anmassest? Beym Himmel beschwör' +ich dich, rede! + +Marcellus. +Es ist unwillig. + +Bernardo. +Seht! es schreitet hinweg. + +Horatio. +Steh; rede; ich beschwöre dich, rede! + +(Der Geist geht ab.) + +Marcellus. +Es ist weg, und will nicht antworten. + +Bernardo. +Was sagt ihr nun, Horatio? Ihr zittert und seht bleich aus. Ist +das nicht mehr als Einbildung? Was haltet ihr davon? + +Horatio. +So wahr Gott lebt, ich würde es nicht glauben, wenn ich dem +fühlbaren Zeugniß meiner eignen Augen nicht glauben müßte. + +Marcellus. +Gleicht es nicht dem Könige? + +Horatio. +Wie du dir selbst. So war die nemliche Rüstung die er anhatte, als +er den ehrsüchtigen Norweger schlug; so faltete er die Augbraunen, +als er in grimmigem Zweykampf den Prinzen von Pohlen aufs Eis +hinschleuderte. Es ist seltsam-- + +Marcellus. +So ist es schon zweymal, und in dieser nemlichen Stunde, mit +kriegerischem Schritt, bey unsrer Wache vorbey gegangen. + +Horatio. +Was ich mir für einen bestimmten Begriff davon machen soll, weiß +ich nicht; aber so viel ich mir überhaupt einbilde, bedeutet es +irgend eine ausserordentliche Veränderung in unserm Staat. + +Marcellus. +Nun, Freunde, sezt euch nieder, und saget mir, wer von euch beyden +es weißt, warum eine so scharfe nächtliche Wache den Unterthanen +dieser ganzen Insel geboten ist? Wozu diese Menge von Geschüz und +Kriegs-Bedürfnissen, welche täglich aus fremden Landen anlangen? +Wozu diese Gedränge von Schiffs-Bauleuten, deren rastloser Fleiß +den Sonntag nicht vom Werk-Tag unterscheidet? Was mag bevorstehen, +daß die schwizende Eilfertigkeit die Nacht zum Tage nehmen muß, um +bald genug fertig zu werden? Wer kan mir hierüber Auskunft geben? + +Horatio. +Das kan ich; wenigstens kan ich dir sagen, was man sich davon in +die Ohren flüstert. Unser verstorbner König, dessen Gestalt uns +nur eben erschienen ist, wurde, wie ihr wisset, von Fortinbras, dem +König der Norwegen, seinem Nebenbuhler um Macht und Ruhm, zum +Zweykampf herausgefodert: Unser tapfrer Hamlet (denn dafür hielt +ihn dieser Theil der bekannten Welt) erschlug seinen Gegner in +diesem Kampf, und dieser verlohr dadurch vermög eines vorher +besiegelten und nach Kriegs-Recht förmlich bekräftigten Vertrages, +alle seine Länder, als welche nun dem Sieger verfallen waren; eben +so wie ein gleichmässiger Theil von den Landen unsers Königs dem +Fortinbras und seinen Erben zugefallen seyn würde, wenn der Sieg +sich für ihn erklärt hätte. Nunmehro vernimmt man, daß sein Sohn, +der junge Fortinbras, in der gährenden Hize eines noch +ungebändigten Muthes, hier und da, an den Küsten von Norwegen einen +Hauffen heimathloser Wage-Hälse zusammengebracht, und um Speise und +Sold, zur Ausführung irgend eines kühnen Werkes gedungen habe: +Welches dann, wie unser Hof gar wol einsieht, nichts anders ist, +als die besagten von seinem Vater verwürkten Länder uns durch +Gewalt der Waffen wieder abzunehmen: Und dieses, denke ich, ist die +Ursach unsrer Zurüstungen, dieser unsrer Wache, und dieses hastigen +Gewühls im ganzen Lande. + +Bernardo. +Vermuthlich ist es keine andre; und es mag wol seyn, daß eben darum +dieses schrekliche Gespenst, in Waffen, und in der Gestalt des +Königs, der an diesen Kriegen Ursach war und ist, durch unsre Wache +geht. + +Horatio. +Es ist ein Zufall, welchem es schwer ist auf den Grund zu sehen. +In dem höchsten und siegreichesten Zeit-Punkt der Römischen +Republik, kurz zuvor eh der grosse Julius fiel, thaten die Gräber +sich auf; die eingeschleyerten Todten schrien in gräßlichen +ungeheuren Tönen durch die Strassen von Rom; Sterne zogen Schweiffe +von Feuer nach sich; es fiel blutiger Thau; der allgemeine Unstern +hüllte die Sonne ein, und der feuchte Stern, unter dessen +Einflüssen das Reich des Meer-Gottes steht, verfinsterte sich wie +zum Tage des Welt-Gerichts. Ähnliche Vorboten schrekenvoller +Ereignisse, Wunder-Zeichen, welche die gewöhnliche Vorredner +bevorstehender trauriger Auftritte sind, haben an Himmel und Erde +sich vereiniget, dieses Land in furchtsam Erwartung irgend eines +allgemeinen Unglüks zu sezen. (Der Geist tritt wieder auf.) + +Aber stille, seht! Hier kommt es wieder zurük! Ich will ihm in +den Weg stehen, wenn es mir gleich alle meine Haare kosten sollte. +Steh, Blendwerk! + +(Er breitet die Arme gegen den Geist aus.) + +Wenn du fähig bist, einen vernehmlichen Ton von dir zu geben, so +rede mit mir. Wenn irgend etwas gutes gethan werden kan, das dir +Erleichterung und Ruhe, und mir das Verdienst eines guten Werkes +geben mag, so rede! Wenn du Wissenschaft von dem Schiksal deines +Landes hast, und es vielleicht, durch deine Vorhersagung noch +abgewendet werden könnte, o so rede!--Oder wenn du, in deinem Leben +unrechtmässig erworbene Schäze in den Mutterleib der Erde +aufgehäuft hast, um derentwillen, wie man glaubt, die Geister oft +nach dem Tode umgehen müssen, so entdek es. + +(Ein Hahn kräht.) + +Steh, und rede--Halt es auf, Marcellus-- + +Marcellus. +Soll ich mit meiner Partisane darnach schlagen? + +Horatio. +Thu es, wenn es nicht stehen will. + +Bernardo. +Hier ist es-- + +Horatio. +Izt ists hier-- + +Marcellus. +Weg ist's. + +(Der Geist geht ab.) + +Wir beleidigen die Majestätische Gestalt, die es trägt, wenn wir +Mine machen, als ob wir Gewalt dagegen brauchen wollen; und da es +nichts als Luft ist, so ist es ja ohnehin unverwundbar, und unsre +eiteln Streiche beweisen ihm nur unsern bösen Willen, ohne ihm +würklich etwas anzuhaben. + +Bernardo. +Es war im Begriff zu reden, als der Hahn krähete. + +Horatio. +Und da zitterte es hinweg, wie einer der sich eines Verbrechens +bewußt ist, bey einer fürchterlichen Aufforderung. Ich habe sagen +gehört, der Hahn, der die Trompete des Morgens ist, weke mit seiner +schmetternden, scharftönenden Gurgel den Gott des Tages auf, und, +auf sein Warnen, entfliehe in Wasser oder Feuer, Luft oder Erde, +jeder herumwandernde Geist in sein Bezirk zurük: Und daß dieses +wahr sey, beweiset was wir eben erfahren haben. + +Marcellus. +Er verschwand sobald der Hahn krähete. Einige sagen, allemal um +die Zeit, wenn die Geburt unsers Erlösers gefeyert wird, krähe der +Vogel des Morgens die ganze Nacht durch: Und dann, sagen sie, gehe +kein Geist um; die Nächte seyen gesund, und die Planeten ohne +schädliche Influenzen; keine Fee könne einem beykommen, keine Hexe +habe Gewalt zu Zauber-Wirkungen; so heilig und segensvoll sey diese +Zeit. + +Horatio. +Das hab ich auch gehört, und glaub es auch zum Theil. Aber seht, +der Morgen, in einen rothen Mantel eingehüllt, wandelt über jenen +emporragenden östlichen Hügel durch den Thau; wir wollen von unsrer +Wache abziehen; und wenn ihr meiner Meynung seyd, so laßt uns dem +jungen Hamlet entdeken, was wir diese Nacht gesehen haben. Ich +wollte mein Leben dran sezen, dieser Geist, so stumm er für uns ist, +wird für ihn eine Sprache bekommen. Seyd ihrs zufrieden, daß wir +ihm, aus Antrieb unsrer Liebe und Pflicht gegen ihn, Nachricht +davon geben? + +Marcellus. +Thut es, ich bitte euch: Wir werden diesen Morgen schon erfahren, +wo wir ihn zur gelegensten Zeit sprechen können. + +(Sie gehen ab.) + + + + + + +Zweyte Scene. +(Verwandelt sich in den Palast.) +(Claudius, König von Dännemark, Gertrude die Königin, Hamlet, + Polonius, Laertes, Voltimand, Cornelius, und andre Herren vom Hofe, + nebst Trabanten und Gefolge treten auf.) + + +König. +Ungeachtet, bey dem noch frischen Andenken von Hamlets, unsers +theuren Bruders, Tode, sichs geziemen will, daß wir unsre Herzen in +Trauer hüllen, und das Antliz unsers ganzen Königreichs in +allgemeinen Schmerz zusammengezogen sey: So haben wir doch der +Klugheit so viel über die Natur verstattet, daß wir, unter dem +gerechten Schmerz über seinen Verlust, nicht gänzlich unsrer selbst +vergessen. Wir haben also unsre vormalige Schwester, nunmehr unsre +Königin, als die gebietende Mitregentin dieses kriegerischen +Reiches, wiewol mit niedergeschlagner Freude, das eine Auge von +hochzeitlicher Freude glänzend, das andere von Thränen +überfliessend, und mit einer in gleichen Waag-Schalen gegen unsern +Schmerz abgewognen Lust, zur Gemahlin erkießt. Auch haben wir +nicht unterlassen, uns hierinn euers guten Raths zu bedienen, und +erkennen mit gebührendem Danke, daß ihr uns in diesem ganzen +Geschäfte durch eure einsichtsvollen Rathschläge so frey und +gutwillig unterstüzt habt. Nun ist noch übrig euch zu eröffnen, +daß der junge Fortinbras, aus einer allzuleichtsinnigen Berechnung +unsrer Kräfte, oder weil er sich vielleicht einbildet, daß der Tod +unsers abgelebten Bruders unsern Staat verrenkt und aus seiner +Fassung gesezt habe, ohne einen andern Beystand als diesen Traum +eines eingebildeten Vortheils über uns, sich hat zu Sinne kommen +lassen, uns durch eine Abschikung zu behelligen, welche nichts +geringers als die Zurükgabe aller der Länder fordert, die sein +Vater, nach allen Gesezen des Kriegs-Rechts, an unsern +heldenmüthigen Bruder verlohren hatte. So viel von ihm--Nunmehr zu +uns selbst, und dem besondern Zwek der gegenwärtigen Versammlung!-- +Wir haben hier an den alten Prinzen von Norwegen, den Oheim des +jungen Fortinbras (welcher, unvermögend und bettlägerig wie er ist, +nichts von diesem Vorhaben seines Neffen weiß) zu dem Ende +geschrieben, damit er dessen weitern Fortgang hintertreiben möge: +Es sind alle Umstände, die Anzahl seiner angeworbnen Truppen, die +Namen der angesehensten Theilnehmer seines Vorhabens, und seine +ganze Stärke hierinn enthalten: Und nunmehr ernennen wir euch, +Voltimand, und euch, wakrer Cornelius, dem alten Norwegen diesen +unsern Gruß zu überbringen. Die persönliche Vollmacht die wir euch +ertheilen, mit diesem Prinzen zu handeln, erstrekt sich nicht +weiter, als die besondern Artikel dieser schriftlichen Instruction +euch anweisen werden. Gehabt euch also wol, und beweiset uns eure +Treue durch eine schleunige Ausrichtung. + +Voltimand. +Hierinn, so wie bey allen andern Gelegenheiten, werden wir unsre +Schuldigkeit thun. + +König. +Wir zweifeln nicht daran; gehabt euch wol. + +(Voltimand und Cornelius gehen ab.) + +Und nun, Laertes, was bringt ihr uns neues? Ihr sagtet uns was +von einer Bitte. Was ist es, Laertes? Ihr könnet nichts billiges +von euerm Könige begehren, das euch versagt werden sollte. Was +kanst du verlangen, Laertes, das ich dir nicht schon bewilligen +sollte, eh du es begehrt hast? Das Haupt ist dem Herzen nicht +unentbehrlicher, noch dem Mund der Dienst der Hand, als es dein +Vater dem Throne von Dännemark ist. Was willst du haben, Laertes? + +Laertes. +Mein gebietender Herr, eure gnädige Bewilligung nach Frankreich +zurükkehren zu dürfen, von wannen ich zwar aus eigner Bewegung nach +Dännemark gekommen bin, um bey Eurer Krönung meine Schuldigkeit zu +beweisen; nun aber, ich gesteh es, da diese Pflicht erstattet ist, +drehen sich alle meine Gedanken und Wünsche wieder nach Frankreich +um, und beugen sich, um Eurer Majestät Gnädigste Erlaubniß und +Vergebung zu erhalten. + +König. +Habt ihr euers Vaters Einwilligung? Was sagt Polonius dazu? + +Polonius. +Gnädigster Herr, er hat mir durch unablässiges Bitten meine +Erlaubniß abgedrungen; und, weil ich nicht anders konnte, so drükte +ich seinem Willen endlich das Siegel meiner Einwilligung auf. Ich +bitte euch, ihm auch die eurige zu ertheilen. + +König. +Reise in einer glüklichen Stunde ab, Laertes, und bestimme die Zeit +deiner Abwesenheit nach deinem Willen, und der Erforderniß deiner +lobenswürdigen Absichten--Und nun ein Wort mit euch, Vetter Hamlet-- +Mein geliebter Sohn-- + +Hamlet (vor sich.) +Lieber nicht so nah befreundt, und weniger geliebt. + +König. +Woher kommt es, daß immer solche Wolken über euch hangen? + +Hamlet. +Es ist nicht das, Gnädigster Herr; ich bin zuviel in der Sonne. + +Königin. +Lieber Hamlet, leg einmal diese nächtliche Farbe ab, und sieh aus, +wie ein Freund von Dännemark. Geh nicht immer so mit gesenkten +halbgeschlossnen Augen, als ob du deinen edeln Vater im Staube +suchest. Du weissest ja, es ist das allgemeine Schiksal; alle, +welche leben, müssen sterben-- + +Hamlet. +Ja, Madame, es ist das allgemeine Schiksal. + +Königin. +Wenn es denn so ist, warum scheint es dir denn so ausserordentlich? + +Hamlet. +Scheint, Madame? Nein, es ist; bey mir scheint nichts. Es ist +nicht bloß dieser schwarze Rok, meine liebe Mutter, nicht das +Gepränge einer Gewohnheits-mässigen Trauer, noch das windichte +Zischen erkünstelter Seufzer, nicht das immer-thränende Auge, noch +das niedergeschlagene Gesicht, noch irgend ein anders äusserliches +Zeichen der Traurigkeit, was den wahren Zustand meines Herzens +sichtbar macht. Diese Dinge scheinen, in der That; denn es sind +Handlungen, die man durch Kunst nachmachen kan; aber was ich +innerlich fühle, ist über allen Ausdruk; jenes sind nur die Kleider +und Verzierungen des Schmerzens. + +König. +Es ist ein rühmlicher Beweis eurer guten Gemüths-Art, Hamlet, daß +ihr euern abgelebten Vater so beweinet: Aber ihr müsset nicht +vergessen, daß euer Vater auch einen Vater verlohr, und dieser +Vater den seinigen; den überlebenden verband die kindliche Pflicht, +mit Ziel und Maaß um seinen verstorbnen zu trauern: Aber in +hartnäkiger Betrübniß immerfort zu beharren, ist unmännliche +Schwachheit oder gottlose Unzufriedenheit mit den Fügungen des +Himmels; ein Zeichen eines ungeduldigen, feigen Gemüths, oder eines +schwachen und ungebildeten Verstandes. Denn warum sollen wir etwas, +wovon wir wissen daß es seyn muß, und daß es so gemein ist als +irgend eine von den alltäglichen Sachen die immer vor unsern Sinnen +schweben, aus verkehrtem kindischem Eigensinn, zu Herzen nehmen? +Fy! Es ist ein Vergehen gegen den Himmel, ein Vergehen gegen den +Gestorbnen, ein Vergehen gegen die Natur; höchst ungereimt in den +Augen der Vernunft, welche kein gemeineres Thema kennt, als den Tod +von Vätern, und von der ersten Leiche bis zu dem der eben izt +gestorben ist, uns immer zugeruffen hat, es müsse so seyn. Wir +bitten euch also, werfet diese zu nichts dienende Traurigkeit in +sein Grab, und sehet künftig uns als euern Vater an; denn die Welt +soll es wissen, daß ihr unserm Thron der nächste seyd, und daß die +Liebe, die der zärtlichste Vater zu seinem Sohne tragen kan, nicht +grösser ist als diejenige, welche wir euch gewiedmet haben. Was +euer Vorhaben, nach der Schule zu Wittenberg zurük zu gehen betrift, +so stimmt es gar nicht mit unsern Wünschen ein, und wir bitten +euch davon abzustehen, und unter unsern liebesvollen Augen hier zu +bleiben, unser erster Höfling, unser Neffe, und unser Sohn. + +Königin. +Laß deine Mutter keine Fehlbitte thun, Hamlet; ich bitte dich, +bleibe bey uns, geh nicht nach Wittenberg. + +Hamlet. +Ich gehorche euch mit dem besten Willen, Madame. + +König. +Nun, das ist eine schöne liebreiche Antwort; seyd wie wir selbst in +Dännemark! Kommet, Madame; diese gefällige und ungezwungne +Einstimmung Hamlets ist mir so angenehm, daß dieser Tag ein +festlicher Tag der Freude seyn soll--Kommt, folget mir-- + +(Sie gehen ab.) + + + + + + +Dritte Scene. + + +Hamlet (bleibt allein.) +O daß dieses allzu--allzu--feste Fleisch schmelzen und in Thränen +aufgelöst zerrinnen möchte! Oder daß Er, der Immerdaurende, seinen +Donner nicht gegen den Selbst-Mord gerichtet hätte! O Gott! o +Gott! Wie ekelhaft, schaal, abgestanden und ungeschmakt kommen mir +alle Freuden dieser Welt vor! Fy, fy, mir graut davor! Es ist ein +ungesäuberter Garten, wo alles in Saamen schießt, und mit Unkraut +und Disteln überwachsen ist. Daß es dahin gekommen seyn soll! Nur +zween Monate todt! Nein, nicht einmal so viel; nicht so viel--Ein +so vortrefflicher König--gegen diesen, wie Apollo gegen einen Satyr: +Der meine Mutter so zärtlich liebte, daß kein rauhes Lüftchen sie +anwehen durfte--Himmel und Erde! Warum muß mir mein Gedächtniß so +getreu seyn? Wie, hieng sie nicht an ihm, als ob selbst die +Nahrung ihrer Zärtlichkeit ihren Hunger vermehre?--und doch, binnen +einem Monat--Ich will, ich darf nicht dran denken--Gebrechlichkeit, +dein Nam' ist Weib! Ein kleiner Monat! Eh noch die Schuhe +abgetragen waren, in denen sie meines armen Vaters Leiche folgte, +gleich der Niobe lauter Thränen--Wie? Sie--eben sie--(o Himmel! +ein vernunftloses Thier würde länger getraurt haben) mit meinem +Oheim verheyrathet--Meines Vaters Bruder; aber meinem Vater gerade +so gleich als ich dem Hercules. Binnen einem Monat!--Eh noch das +Salz ihrer heuchelnden Thränen ihre rothen Augen zu jüken aufgehört, +verheyrathet!--So eilfertig, und in ein blutschänderisches Bette!-- +Nein, es ist nichts Gutes, und kan zu nichts Gutem ausschlagen. +Aber--o brich du, mein Herz, denn meine Zunge muß ich schweigen +heissen. + + + + +Vierte Scene. +(Horatio, Bernardo und Marcellus treten auf.) + + +Horatio. +Heil, Gnädigster Prinz! + +Hamlet. +Ich erfreue mich, euch wohl zu sehen--Ihr seyd Horatio, oder ich +vergesse mich selbst. + +Horatio. +Ich bin Horatio, Gnädiger Herr, und euer demüthiger Diener auf ewig. + +Hamlet. +Sir, mein guter Freund; das soll künftig das Verhältniß unter uns +seyn. Und was führt euch von Wittenberg hieher, Horatio?--Ist das +nicht Marcellus? -- + +Marcellus. +Ja, Gnädigster Herr. + +Hamlet. +Ich bin erfreut euch zu sehen; guten Morgen, Sir + +(zu Bernardo) + +--Aber, im Ernste, Horatio, was bringt euch von Wittenberg hieher? + +Horatio. +Ein Anstoß von Landstreicherey, mein Gnädigster Herr. + +Hamlet. +Das möchte ich euern Feind nicht sagen hören, auch sollt ihr meinen +Ohren die Gewalt nicht anthun, sie zu Zeugen einer solchen Aussage +gegen euch selbst zu machen. Ich weiß, ihr seyd kein Müssiggänger. +Was ist euer Geschäfte in Elsinoor? Wir müssen euch trinken +lehren, eh ihr wieder abreiset. + +Horatio. +Gnädigster Herr, ich kam, euers Vaters Leichenbegängniß zu sehen. + +Hamlet. +Ich bitte dich, spotte meiner nicht, Schul-Camerade: ich denke, du +kamst vielmehr auf meiner Mutter Hochzeit. + +Horatio. +Die Wahrheit zu sagen, Gnädigster Herr, sie folgte schnell hinter +drein. + +Hamlet. +Das war aus lauter Häuslichkeit, mein guter Horatio--Um die Braten, +die von dem Leichenmahl übrig geblieben, bey der Hochzeit kalt +auftragen zu können--O Horatio, lieber wollt' ich meinen ärgsten +Feind im Himmel gesehen, als diesen Tag erlebt haben--Mein Vater-- +mich däucht, ich sehe meinen Vater-- + +Horatio (lebhaft.) +Wo, Gnädiger Herr? + +Hamlet. +In den Augen meines Gemüths, Horatio. + +Horatio. +Ich sah ihn einmal; er war ein stattlicher Fürst. + +Hamlet. +Sag', er war ein Mann, in allen Betrachtungen ein Mann, so hast du +alles gesagt; seines gleichen werd' ich niemal sehen. + +Horatio. +Gnädigster Herr, ich denke ich sah ihn verwichne Nacht. + +Hamlet. +Du sahest ihn? Wen? + +Horatio. +Den König, euern Vater. + +Hamlet. +Den König, meinen Vater? + +Horatio. +Mässiget eure Verwunderung nur so lange, und leihet mir ein +aufmerksames Ohr, bis ich, auf das Zeugniß dieser wakern Männer +hier, euch das Wunder erzählt haben werde. + +Hamlet. +Um des Himmels willen, laß mich's hören. + +Horatio. +Zwo Nächte auf einander haben diese beyden Officiers, Marcellus und +Bernardo, auf der Wache, in der todten Stille der Mitternacht, +diesen Zufall gehabt: Eine Gestalt, die euerm Vater glich, vom Kopf +zu Fuß, Stük vor Stük bewaffnet, erscheint vor ihnen, und geht mit +feyerlichem Gang, langsam und majestätisch bey ihnen vorbey; +dreymal gieng er vor ihren von Furcht starrenden Augen, mit seinem +langen Stok in der Hand, hin und her; indeß daß sie, von Schreken +beynahe in Gallerte aufgelöst, ganz unbeweglich stuhnden, und den +Muth nicht hatten ihn anzureden. Sie entdekten mir diesen Zufall +in Geheim, und bewogen mich dadurch in vergangner Nacht mit ihnen +auf die Wache zu ziehen; und hier sah ich um die nemliche Zeit, +diese nemliche Erscheinung, von Wort zu Wort, wie sie mir selbige +beschrieben hatten. Ich erkannte euern Vater: Diese Hände sind +einander nicht ähnlicher. + +Hamlet. +Und wo geschahe das? + +Horatio. +Gnädiger Herr, auf der Terrasse, wo wir die Wache hatten. + +Hamlet. +Habt ihr es nicht angeredet? + +Horatio. +Ich that es, Gnädiger Herr, aber es gab mir keine Antwort; nur ein +einziges mal kam mir's vor, es hebe den Kopf auf, und mache eine +Bewegung als ob es reden wolle: Aber in dem nemlichen Augenblik +krähte der Hahn, und da zittert' es plözlich weg, und verschwand +aus unserm Gesicht. + +Hamlet. +Das ist was sehr Wunderbares! + +Horatio. +So wahr ich lebe, Gnädiger Herr, so ist es; und wir hielten es für +unsre Schuldigkeit, euch Nachricht davon zu geben. + +Hamlet. +In der That, ihr Herren, ich muß es bekennen, ich bin unruhig +hierüber. + +(Zu Marcellus und Bernardo.) + +Habt ihr die Wache diese Nacht? + +Beyde. +Ja, Gnädiger Herr. + +Hamlet. +Es war bewaffnet, sagt ihr? + +Beyde. +Bewaffnet, Gnädiger Herr. + +Hamlet. +Von Fuß zu Kopf? + +Beyde. +Ja, Gnädiger Herr. + +Hamlet. +So konntet ihr ja sein Gesicht nicht sehen? + +Horatio. +O ja, Gnädiger Herr; er trug sein Visier aufgezogen. + +Hamlet. +Sagt mir, sah er ungehalten aus? + +Horatio. +Seine Gebehrdung schien mehr Traurigkeit als Zorn auszudrüken. + +Hamlet. +Bleich oder roth? + +Horatio. +Sehr bleich. + +Hamlet. +Und sah er euch ins Gesicht? + +Horatio. +Sehr starr. + +Hamlet. +Ich wollte, daß ich dabey gewesen wäre. + +Horatio. +Es würde euch in kein geringes Schreken gesezt haben. + +Hamlet. +Sehr vermuthlich; blieb es lange? + +Horatio. +So lange man brauchte, um mit mässiger Geschwindigkeit Hundert zu +zählen. + +Beyde. +Länger, Länger. + +Horatio. +Als ich es sah, nicht. + +Hamlet. +War sein Bart grau? Nein-- + + +Horatio. +Das war er, so wie ich ihn in seinem Leben gesehen habe, silbergrau. + +Hamlet. +Ich will mit euch auf die Wache, diese Nacht; vielleicht geht es +wieder. + +Horatio. +Ich bin euch gut dafür, das wird es. + +Hamlet. +Wenn es meines ehrwürdigen Vaters Gestalt annimmt, so will ich mit +ihm reden, wenn gleich die Hölle selbst ihren Schlund aufreissen +und mich schweigen heissen würde. Ich bitte euch, wofern ihr diese +Erscheinung bisher geheim gehalten habet, so laßt es immer ein +Geheimniß unter uns bleiben; es mag heute Nacht begegnen was da +will, beobachtet es, aber schweigt. Ich will erkenntlich für eure +Freundschaft seyn: Nun, gehabt euch wol. Zwischen eilf und zwölf +Uhr, auf der Terrasse, will ich euch besuchen. + +Alle. +Eure demüthige Knechte, Gnädiger Herr-- + +(Sie gehen ab.) + +Hamlet. +Meine Freunde, wie ich der eurige: Lebet wohl. + +(Allein.) + +Meines Vaters Geist in Waffen! Es ist nicht alles wie es seyn +soll! Ich besorge irgend eine verdekte Übelthat: Wenn nur die +Nacht schon da wäre! Bis dahin, size still, meine Seele: +Schändliche Thaten müssen ans Licht kommen, und wenn der ganze +Erdboden über sie hergewälzt wäre. + + + + +Fünfte Scene. +(Verwandelt sich in ein Zimmer in Polonius Hause.) +(Laertes und Ophelia treten auf.) + + +Laertes. +Mein Geräthe ist eingepakt, lebet wohl Schwester, und wenn die +Winde meiner Reise günstig sind, so verschlaft mein Andenken nicht, +sondern laßt mich Nachrichten von euch haben. + +Ophelia. +Wie könnt ihr daran zweifeln? + +Laertes. +Was den Hamlet und die Tändeley seiner Liebe betrift, haltet sie +für einen flüchtigen Geschmak, und ein Spiel des jugendlichen +Blutes; ein Veilchen in den ersten Frühlings-Tagen der Natur, +frühzeitig aber nicht dauerhaft; angenehm, aber hinfällig; ein +lieblicher Geruch für eine Minute; nicht mehr-- + +Ophelia. +Nicht mehr als das? + +Laertes. +Glaubt mir, nicht mehr, liebe Schwester. Wir nehmen in unsrer +Jugend nicht nur an Grösse und Stärke zu; die Seele wächßt mit, und +ihre innerliche Verrichtungen und Pflichten dehnen sich mit ihrem +Tempel aus. Vielleicht liebt er euch izt aufrichtig, mit der +reinen Zuneigung eines noch unverdorbnen Herzens: Aber ihr müßt +bedenken, daß, sobald er seine Grösse in Erwägung ziehen wird, +seine Neigung nicht mehr in seiner Gewalt ist: Denn er selbst hangt +von seiner Geburt ab; er darf nicht für sich selbst wählen, wie +gemeine Leute: Die Sicherheit und das Wohl des Staats hängt an +seiner Wahl, und daher muß sich seine Wahl nach der Stimme und den +Wünschen des Körpers, wovon er das Haupt ist, bestimmen. Wenn er +also sagt, er liebe euch, so kömmt es eurer Klugheit zu, ihm in so +weit zu glauben, als er nach seiner Geburt und künftigen Würde, +seinen Worten Kraft geben kan; und das ist nicht mehr, als wozu er +die Einwilligung des Königs erhalten kan. Überleget also wol, was +für einen grossen Verlust eure Ehre leiden kan, wenn ihr seinem +lokenden Gesang ein zu leichtgläubiges Ohr verleihet; entweder ihr +verliehrt euer Herz, oder sein Ungestüm, den zulezt nichts mehr +zurükhalten wird, sieget gar über eure Keuschheit. Fürchtet es, +Ophelia, fürchtet es, meine theure Schwester; steuret einer noch +unschuldigen Neigung, die so gefährlich ist, und überlaßt euch +nicht dem Strom schmeichelnder Wünsche. Das gefälligste Mädchen +ist verschwenderisch genug, wenn sie ihre keusche Schönheit dem +Mond entschleyert: Die Tugend selbst ist vor den Bissen der +Verläumdung nicht sicher; nur allzu oft frißt ein verborgner Wurm +die Kinder des Frühlings, bevor ihre Knospen sich entwikelt haben; +und mengender Meel-Thau ist nie mehr zu besorgen als im Thauvollen +Morgen der Jugend. Seyd also vorsichtig; hier giebt Furcht die +beste Sicherheit; die Jugend hat einen Feind in sich selbst, wenn +sie auch keinen von aussen hat. + +Ophelia. +Ich werde diese guten Erinnerungen zu immer wachsamen Hütern meines +Herzens machen. Aber, mein lieber Bruder, macht es ja nicht, wie +manche ungeheiligte Seelen-Hirten, die euch den engen und +dornichten Pfad zum Himmel weisen, indessen daß sie selbst, ihrer +eignen Lehren uneingedenk, in ruchloser Freyheit auf dem breiten +Frühlings-Wege der Üppigkeit dahertraben. + +Laertes. +O, davor seyd unbekümmert. + + + + +Sechste Scene. +(Polonius zu den Vorigen.) + + +Laertes. +Ich halte mich zulang auf--Aber hier kommt mein Vater: Desto besser; +ich werde seinen Abschieds-Segen gedoppelt erhalten. + +Polonius. +Du bist noch hier, Laertes! Zu Schiffe, zu Schiffe, mein Sohn; der +Wind schwellt eure Segel schon, und man wartet auf euch. Hier, +empfange meinen Segen, + +(Er legt seine Hand auf Laertes Haupt) + +und diese wenigen Lebens-Regeln, womit ich ihn begleite, schreib +in dein Gedächtniß ein. Gieb deinen Gedanken keine Zunge, und wenn +du je von unregelmässigen überrascht wirst, so hüte dich wenigstens, +sie zu Handlungen zu machen: Sey gegen jedermann leutselig, ohne +dich mit jemand gemein zu machen: Hast du bewährte Freunde gefunden, +so hefte sie unzertrennlich an deine Seele; aber gieb deine +Freundschaft nicht jeder neuausgebruteten, unbefiederten +Bekanntschaft preiß. Hüte dich vor den Gelegenheiten zu Händeln; +bist du aber einmal darinn, so führe dich so auf, daß dein Gegner +nicht hoffen könne, dich ungestraft zu beleidigen. Leih' dein Ohr +einem jeden, aber wenigen deinen Mund; nimm jedermanns Tadel an, +aber dein Urtheil halte zurük. Kleide dich so kostbar als es dein +Beutel bezahlen kan, aber nicht phantastisch; reich, nicht +comödiantisch: Denn der Anzug verräth oft den Mann, und in +Frankreich pflegen Leute von Stand und Ansehen sich gleich dadurch +anzukündigen, daß sie sich mit Geschmak und Anstand kleiden. Sey +weder ein Leiher noch ein Borger; denn durch Leihen richtet man oft +sich selbst und seinen Freund zu Grunde; und borgen untergräbt das +Fundament einer guten Haushaltung. Vor allem, sey redlich gegen +dich selbst, denn daraus folget so nothwendig als das Licht dem +Tage, daß du es auch gegen jedermann seyn wirst. Lebe wohl, mein +Sohn; mein Segen befruchte diese Erinnerungen in deinem Gemüthe! + +Laertes. +Ich beurlaube mich demüthigst von euch, Gnädiger Herr Vater. + +Polonius. +Du hast hohe Zeit; geh, deine Bediente warten-- + + +Laertes. +Lebet wohl, Ophelia, und erinnert euch dessen was ich gesagt habe. + +Ophelia. +Es ist in mein Gedächtniß verschlossen, und ihr sollt den Schlüssel +dazu mit euch nehmen. + +Laertes. +Lebet wohl. + +(Er geht ab.) + +Polonius. +Was sagte er denn zu euch, Ophelia? + +Ophelia. +Mit Eu. Gnaden Erlaubniß, etwas, das den Prinzen Hamlet angieng. + +Polonius. +Wahrhaftig, ein guter Gedanke! Ich habe mir sagen lassen, daß er +euch seit einiger Zeit ziemlich oft allein gesprochen habe, und daß +ihr ihm einen sehr freyen Zutritt verstattet, und geneigtes Gehör +gegeben habt. Wenn es so ist, (wie es mir dann von sichrer Hand +zukommt) so muß ich euch sagen, daß ihr euch selbst nicht so gut +versteht, als es meiner Tochter und eurer Ehre geziemt. Was ist +denn zwischen euch? Sagt mir die reine Wahrheit. + +Ophelia. +Gnädiger Herr Vater, er hat mir zeither verschiedene Erklärungen +von seiner Zuneigung gemacht. + +Polonius. +Von seiner Zuneigung? He! Ihr sprecht wie ein junges Ding, das +noch keine Erfahrung von dergleichen gefährlichen Dingen hat. +Glaubt ihr denn seine Erklärungen, wie ihr es nennt? + +Ophelia. +Ich weiß nicht was ich denken soll, Herr Vater. + +Polonius. +Potz hundert! Das will ich dich lehren; denk du seyst ein +Kindskopf, daß du seine Erklärungen für baar Geld genommen hast, da +sie doch falsche Münze sind. Du must bessere Sorge zu dir selbst +haben, oder ich werde wenig Freude an dir erleben-- + +Ophelia. +Gnädiger Herr Vater, er bezeugt zwar eine heftige Liebe zu mir, +aber in Ehren-- + +Polonius. +Ja, in Thorheit solltest du sagen; geh, geh-- + +Ophelia. +Und hat seine Worte durch die feyrlichsten und heiligsten Schwüre +bekräftiget. + +Polonius. +Ja, Schlingen, um Schnepfen zu fangen. Ich weiß wie +verschwendrisch das Herz in Schwüre aussprudelt, wenn das Blut in +Flammen ist. Mein gutes Kind, du must diese Aufwallungen nicht für +wahres Feuer halten; sie sind wie das Wetterleuchten an einem +kühlen Sommer-Abend, sie leuchten ohne Hize, und verlöschen so +schnell als sie auffahren. Von dieser Stunde an seyd etwas +sparsamer mit dem Zutritt zu eurer Person; sezt eure Conversationen +auf einen höhern Preiß als einen Befehl, daß man euch sprechen +wolle. Was den Prinzen Hamlet betrift, so glaubt so viel von ihm, +daß er jung ist; und daß er sich mehr Freyheit herausnehmen darf, +als der Wolstand euch zuläßt. Mit einem Wort, Ophelia, trauet +seinen Schwüren nicht; desto weniger, je feyrlicher sie sind; sie +hüllen sich, gleich den Gelübden, die oft dem Himmel dargebracht +werden, in Religion ein, um desto sichrer zu betrügen. Einmal für +allemal: Ich möchte nicht gern, deutlich zu reden, daß du nur einen +einzigen deiner Augenblike in den Verdacht seztest, als wißtest du +ihn nicht besser anzuwenden, als mit dem Prinzen Hamlet Worte zu +wechseln. Merk dir das, ich sag dir's; und geh in dein Zimmer. + +Ophelia. +Ich will gehorsam seyn, Gnädiger Herr Vater. + +(Sie gehen ab.) + + + + + + +Siebende Scene. +(Verwandelt sich in die Terrasse vor dem Palast.) +(Hamlet, Horatio und Marcellus treten auf.) + + +Hamlet. +Die Luft schneidt entsezlich; es ist grimmig kalt. + +Horatio. +Es ist eine beissende, scharfe Luft. + +Hamlet. +Wie viel ist die Gloke? + +Horatio. +Ich denke, es ist bald zwölfe. + +Marcellus. +Nein, es hat schon geschlagen. + +Horatio. +Ich hörte es nicht: Es ist also nah um die Zeit, da der Geist zu +gehen pflegt. + +(Man hört eine kriegrische Musik hinter der Scene.) + +Was hat das zu bedeuten, Gnädiger Herr? + +Hamlet. +Der König hält Tafel, und verlängert den Schmaus, wie es scheint, +in die tiefe Nacht, und so oft er den vollen Becher mit Rhein-Wein +auf einen Zug ausleert, verkündigen Trompeten und Kessel-Pauken den +Sieg, den Seine Majestät davon getragen hat. + +Horatio. +Ist das so der Gebrauch? + +Hamlet. +Ja, zum Henker, das ist es; aber nach meiner Meynung, ob ich gleich +ein Dähne und zu diesem Gebrauch gebohren bin, ein Gebrauch der mit +größrer Ehre gebrochen als gehalten wird. Diese taumelnden Trink- +Gelage machen uns in Osten und Westen verächtlich, und werden uns +von den übrigen Völkern als ein National-Laster vorgeworffen: Sie +nennen uns Säuffer, und sezen schweinische Beywörter dazu, die uns +wenig Ehre machen; und in der That, der Ruf worinn wir deßwegen +stehen, nimmt unsern Thaten, so groß und rühmlich sie sonst sind, +ihren schönsten Glanz. In diesem Stüke geht es oft ganzen Völkern +wie einzelnen Leuten, welche um irgend eines Natur-Fehlers willen, +als etwann wegen der angebohrnen Obermacht eines gewissen +Temperaments (woran sie doch keine Schuld haben, da sich niemand +seine ursprüngliche Anlage selber auswählen kan,) welches sie +manchmal durch den Zaun der Vernunft durchbrechen macht; oder wegen +irgend einer angewöhnten Manier, einer Grimasse oder so etwas, +welches mit dem eingeführten Wohlstand einen allzugrossen Absaz +macht--ich sage, daß solche Leute um eines einzigen solchen Fehlers +willen, es mag nun seyn, daß die Natur oder ein Zufall Schuld daran +habe, sich's gefallen lassen müssen, ihre guten Eigenschaften, so +groß und zahlreich sie immer seyn mögen, in dem Urtheil der Welt +abgewürdiget zu sehen. (Der Geist tritt auf.) + +Horatio. +Hier, Gnädiger Herr; seht, es kommt. + +Hamlet. +Ihr Engel und himmlischen Mächte alle, schüzet uns! Du magst nun +ein guter Geist oder ein verdammter Kobolt seyn, du magst +himmlische Lüfte oder höllische Dämpfe mit dir bringen, und in +wohlthätiger oder schädlicher Absicht gekommen seyn; die Gestalt +die du angenommen hast, ist so ehrwürdig, daß ich mit dir reden +will. Ich will dich Hamlet, ich will dich meinen König, meinen +Vater nennen: O, antworte mir; laß mich nicht in einer Unwissenheit, +die mir das Leben kosten würde: Sage, warum haben deine +geheiligten Gebeine ihr Behältniß durchbrochen? Warum hat das Grab, +worein wir dich zu deiner Ruhe bringen sahen, seinen schweren +marmornen Rachen aufgethan, um dich wieder auszuwerfen? Was mag +das bedeuten, daß du, ein todter Leichnam, in vollständiger Rüstung +den Mondschein wieder besuchst, um die Nacht mit Schreknissen zu +erfüllen, und unser Wesen auf eine so entsezliche Art mit Gedanken +zu erschüttern, die über die Schranken unsrer Natur gehen. + +(Der Geist winkt dem Hamlet.) + +Horatio. +Es winkt euch, mit ihm zu gehen, als ob es euch etwas allein zu +sagen habe. + +Marcellus. +Seht, wie freundlich es euch an einen entferntern Ort winkt: Aber +geht ja nicht mit ihm. + +Horatio (Den Hamlet zurükhaltend.) +Nein, um alles in der Welt nicht. + +Hamlet. +Weil es nicht reden will, so will ich ihm folgen. + +Horatio. +Das thut nicht, Gnädiger Herr. + +Hamlet. +Und warum nicht? Wofür sollt' ich mir fürchten? Mein Leben ist +mir um eine Stek-Nadel feil, und was kan es meiner Seele thun, die +ein unsterbliches Wesen ist wie es selbst?--Es winkt mir wieder weg-- +ich will ihm folgen-- + +Horatio. +Und wie dann, Gnädiger Herr, wenn es euch an die Spize des Felsens +führte, der sich dort über die See hinaus bükt, und dann eine noch +fürchterlichere Gestalt annähme, welche euern Verstand verwirren +und in sinnloser Betäubung euch in die Tiefe hinunter stürzen +könnte? Denket an diß! Der Ort allein, ohne daß noch andere +Ursachen dazu kommen dürfen, könnte einem, der so viele Faden tief +in die See hinab schaute, und sie von unten herauf so gräßlich +heulen hörte, einen Anstoß von Schwindel geben. + +Hamlet. +Es winkt mir noch immer: Geh nur voran, ich will dir folgen. + +Marcellus. +Wir lassen euch nicht gehen, Gnädiger Herr. + +Hamlet. +Zurük mit euern Händen! + +Marcellus. +Laßt euch rathen, ihr sollt nicht gehen. + +Hamlet. +Mein Verhängniß ruft; seine Stimme macht jede kleine Ader in diesem +Körper so stark, als den Nerven des Nemeischen Löwens: Er ruft mir +noch immer: Laßt eure Hände von mir ab, ihr Herren-- + +(Er reißt sich von ihnen los.) + +Beym Himmel, ich will ein Gespenst aus dem machen, der mich halten +will--Weg, sag ich--Geht--Ich will mit dir gehen-- + +(Hamlet und der Geist gehen ab.) + +Horatio. +Seine Einbildung ist so erhizt, daß er nicht weiß was er thut. + +Marcellus. +Wir wollen ihm folgen; bey einer solchen Gelegenheit wär' es wider +unsre Pflicht, gehorsam zu seyn. + +Horatio. +Das wollen wir--Was wird noch endlich daraus werden? + +Marcellus. +Es muß ein verborgnes Übel im Staat von Dännemark liegen. + +Horatio. +Der Himmel wird alles leiten. + +Marcellus. +Fort, wir wollen ihm nachgehen. + +(Sie gehen ab.) + + + + + + +Achte Scene. +(Verwandelt sich in einen entferntern Theil der Terrasse.) +(Der Geist und Hamlet treten wieder auf.) + + +Hamlet. +Wohin willt du mich fuhren? Rede; ich gehe nicht weiter. + +Geist. +Höre mich an. + +Hamlet. +Das will ich. + +Geist. +Die Stunde rükt nah herbey, da ich in peinigende Schwefel-Flammen +zurükkehren muß. + +Hamlet. +Du daurst mich, armer Geist! + +Geist. +Bedaure mich nicht, sondern höre aufmerksam an, was ich dir +entdeken werde. + +Hamlet. +Rede, ich bin schuldig, zu hören-- + +Geist. +Und zu rächen, was du hören wirst. + +Hamlet. +Was? + +Geist. +Ich bin der Geist deines Vaters, verurtheilt eine bestimmte Zeit +bey Nacht herum zu irren, und den Tag über eng eingeschlossen in +Flammen zu schmachten, bis die Sünden meines irdischen Lebens +durchs Feuer ausgebrannt und weggefeget sind. Wäre mirs nicht +verboten, die Geheimnisse meines Gefängnisses zu entdeken, ich +könnte eine Erzählung machen, wovon das leichteste Wort deine Seele +zermalmen, dein Blut erstarren, deine zwey Augen, wie Sterne, aus +ihren Kreisen taumeln, deine krause dichtgedrängte Loken trennen, +und jedes einzelne Haar wie die Stacheln des ergrimmten Igels +emporstehen machen würde: Aber diese Scenen der Ewigkeit sind nicht +für Ohren von Fleisch und Blut--Horch, horch, o horch auf! Wenn du +jemals Liebe zu deinem Vater getragen hast-- + +Hamlet. +O Himmel! + +Geist. +So räche seine schändliche, höchst unnatürliche Ermordung. + +Hamlet. +Ermordung? + +Geist. +Jeder Mord ist höchst schändlich; aber dieser ist mehr als +schändlich, unnatürlich, und unglaublich. + +Hamlet. +Eile, mir den Thäter zu nennen, damit ich schneller als die Flügel +der Betrachtung oder die Gedanken der Liebe, zu meiner Rache fliege. + +Geist. +So bist du, wie ich dich haben will; auch müßtest du gefühlloser +seyn, als das fette Unkraut, das seine Wurzeln ungestört an Lethe's +Werft verbreitet, wenn du nicht in diese Bewegung kämest. Nun, +Hamlet, höre. Es ist vorgegeben worden, eine Schlange habe mich +gestochen, da ich in meinem Garten geschlaffen hätte. Mit dieser +erdichteten Ursach meines Todes ist ganz Dännemark hintergangen +worden: Aber wisse, edelmüthiger Jüngling, die Schlange, die deinen +Vater zu tode stach, trägt izt seine Krone. + +Hamlet. +O, meine weissagende Seele! Mein Oheim? + +Geist. +Ja, dieser ehrlose blutschändrische Unmensch verführte durch die +Zauberey seines Wizes, und durch verräthrische Geschenke (o! +verflucht sey der Wiz und die Geschenke, welche die Macht haben, so +zu verführen,) das Herz meiner so tugendhaft scheinenden Königin. +O Hamlet, was für ein Abfall war das! Von mir, dessen Liebe, in +unbeflekter Würde Hand in Hand mit dem Ehe-Gelübde gieng, so ich +ihr gethan hatte--zu einem Elenden abzufallen, dessen natürliche +Gaben gegen die meinigen nicht einmal in Vergleichung kamen! +Allein, so wie die Tugend sich niemals verführen lassen wird, wenn +das Laster gleich in himmlischer Gestalt käme, sie zu versuchen; so +würde die Unzucht, und wenn sie an einen stralenden Engel +angeschlossen wäre, sich nicht enthalten können, selbst in einem +himmlischen Bette ihre heißhungrige Lust an Luder-Fleisch zu büssen. +Doch sachte! Mich däucht, ich wittre die Morgen-Luft--Ich muß +kurz seyn. Ich lag, wie es nachmittags immer meine Gewohnheit war, +unter einer Sommer-Laube in meinem Garten, und schlief unbesorgt, +als dein Oheim sich ingeheim mit einer Phiole voll Gift +herbeyschlich, welches eine so gewaltsame Wirkung thut, daß es +schnell wie Queksilber alle Adern durchdringt, und das sonst +flüssige und gesunde Blut gerinnen macht, wie Milch wenn etwas +Saures darein gegossen wird; dieses Gift schüttete er mir in die +Ohren, und es wirkte so gut, daß es mir eine plözliche +Schwindeflechte verursachte, die meinen ganzen Leib mit einem +ekelhaften Aussaz überzog, und in einem Augenblik in ein gräßliches +Scheusal verwandelte. Solchergestalt wurde ich dann schlafend, +durch die Hand eines Bruders, auf einmal des Lebens, der Krone und +meiner Königin beraubt; mitten in meinen Sünden weggerissen, ohne +Vorbereitung, ohne Sacrament, ohne Fürbitte; eh ich meine Rechnung +gemacht, mit allen meinen Vergehungen beladen, zur Rechenschaft +fortgeschikt. O, es ist entsezlich, entsezlich, höchst entsezlich! +Wenn du einen Bluts-Tropfen von mir in deinen Adern hast, so duld' +es nicht; laß das Königliche Bette von Dännemark nicht zu einem +Tummel-Plaz der Üppigkeit und blutschändrischer Unzucht gemacht +werden. Doch, so strenge du auch immer diese Greuel-That rächen +magst, so befleke deine Seele nicht mit einem blutigen Gedanken +gegen deine Mutter; überlaß sie dem Himmel und dem nagenden Wurm, +der in ihrem Busen wühlet. Lebe wohl! Der Feuer-Wurm kündigt den +herannahenden Morgen an, und beginnt sein unwesentliches Feuer +auszustralen. Adieu, adieu, adieu--Gedenke meiner, Sohn! + +(Er verschwindet.) + +Hamlet. +O du ganzes Heer des Himmels! O Erde! Und was noch mehr?--Soll +ich auch noch die Hölle aufruffen?--O Fy, halte dich, mein Herz! +Und ihr, meine Nerven, werdet nicht plözlich alt, sondern traget +mich aufrecht--Deiner gedenken? Ja, du armer unglüklicher Geist, +so lange das Gedächtniß in diesem betäubten Rund + +(er schlägt an seinen Kopf) + +seinen Siz behalten wird!--Deiner gedenken? Ja, ja, ich will sie +alle von der Tafel meines Gedächtnisses wegwischen, alle diese +alltägliche läppische Erinnerungen, alles was ich in Büchern +gelesen habe, alle andern Ideen und Eindrüke, welche Jugend und +Beobachtung darinn eingezeichnet haben; ich will sie auslöschen, +und dein Befehl allein, unvermischt mit geringerer Materie, soll +den ganzen Raum meines Gehirns ausfüllen. Ja, beym Himmel!--O! +abscheuliches Weib! O Bösewicht, Bösewicht, lächelnder verdammter +Bösewicht!--Meine Schreib-Tafel--ich will es niederschreiben--daß +einer lächeln und immer lächeln, und doch ein Bösewicht seyn kan-- +wenigstens weiß ich nun, daß es in Dännemark so seyn kan-- + +(Er schreibt.) + +So, Oheim, da steht ihr; izt zu meinem Wortzeichen; es ist: Adieu, +adieu, gedenke meiner: Ich hab' es beschworen-- + + + + + +Neunte Scene. +(Horatio und Marcellus treten auf.) + + +Horatio. +Gnädiger Herr, Gnädiger Herr-- + +Marcellus. +Prinz Hamlet-- + +Horatio. +Der Himmel schüze ihn! + +Marcellus. +Amen! + +Horatio. +Holla, ho! ho! Gnädiger Herr-- + +Hamlet. +Hillo, ho, ho; Junge; komm, Vogel, komm-- + + +Marcellus. Horatio. +Wie geht es, Gnädiger Herr? Was habt ihr Neues gehört? + +Hamlet. +O, Wunderdinge! + +Horatio. +Entdekt sie uns, Gnädiger Herr. + +Hamlet. +Nein, ihr würdet es ausbringen. + +Horatio. +Ich nicht, Gnädiger Herr, beym Himmel! + +Marcellus. +Ich auch nicht, Gnädiger Herr. + +Hamlet. +Nun, sagt mir denn einmal, könnte sich ein Mensch zu Sinne kommen +lassen--Aber wollt ihr schweigen? + +Beyde. +Ja, beym Himmel, Gnädiger Herr. + +Hamlet. +Es wohnt nirgends im ganzen Dännemark kein Bösewicht, der nicht ein +ausgemachter Schurke ist. + +Horatio. +Es braucht keinen Geist, Gnädiger Herr, der aus seinem Grabe +aufstehe, uns das zu sagen. + +Hamlet. +Richtig, so ist's; ihr habt recht; und also ohne weitere Umstände, +hielt ich für rathsam, daß wir einander die Hände geben und +scheiden; ihr, wohin euch eure Geschäfte und Absichten weisen, +(denn jedermann hat seine Geschäfte und Absichten, wie es geht) und +was mich selbst betrift, ich will beten gehen. + +Horatio. +Gnädiger Herr, das sind nichts als wunderliche und schnurrende +Reden. + +Hamlet. +Es ist mir leid, daß sie euch beleidigen, herzlich leid; in der +That, herzlich. + +Horatio. +Die Rede ist von keiner Beleidigung, Gnädiger Herr. + +Hamlet. +Ja, bey Sanct Patriz! Die Rede ist hier von einer Beleidigung, +Gnädiger Herr, und von einer schweren, das glaubt mir. Was diese +Erscheinung hier betrift--Es ist ein ehrlicher Geist, das kan ich +euch sagen: Aber euer Verlangen zu wissen was zwischen uns +vorgegangen ist, das übermeistert so gut ihr könnet. Und nun, +meine guten Freunde, wenn wir Freunde, Schul- und Spieß-Gesellen +sind, so gewährt mir eine einzige arme Bitte. + +Horatio. +Was ist es, Gnädiger Herr? + +Hamlet. +Saget niemanden nichts von dem, was ihr heute Nacht gesehen habt. + +Beyde. +Wir versprechen es Euer Gnaden. + +Hamlet. +Das ist nicht genug, ihr müßt mir's zuschwören. + +Horatio. +Auf meine Treu, Gnädiger Herr, ich will nichts sagen. + +Marcellus. +Ich auch nicht, Gnädiger Herr, bey meiner Treue. + +Hamlet. +Schwört auf mein Schwerdt. + +Marcellus. +Wir haben ja schon geschworen, Gnädiger Herr. + +Hamlet. +Auf mein Schwerdt sollt ihr schwören, in der That. + +Der Geist (ruft hinter der Bühne:) +Schwört. + +Hamlet. +Ha, ha, Junge, sagst du das? Bist du noch da?--Kommt, kommt, ihr +hört ja was der Bursche dahinten sagt--Schwört! + +Horatio. +Was sollen wir dann beschwören, Gnädiger Herr? + +Hamlet. +Daß ihr niemals von dem was ihr gesehen habet, reden wollt. +Schwört bey meinem Schwerdt.* + +{ed.-* Eine Anspielung auf die Gewohnheit der alten Dähnen, auf ihr +Schwerdt zu schwören, wenn sie den feyrlichsten Eid thun wollten. +Sehet den Bartholinus, (de Causis contemp. mort. apud Dan.) +Warburton.} + +Geist +Schwört! + +Hamlet. +Hier und überall? So wollen wir uns einen andern Plaz suchen. +Kommt hieher, ihr Herren, leget eure Hände nochmals auf mein +Schwerdt, und schwört, daß ihr gegen niemand sagen wollt, was ihr +gehört habt. Schwört bey meinem Schwerdt. + +Geist. +Schwört bey seinem Schwerdt. + +Hamlet. +Wolgesprochen, alter Maulwurf, kanst du so schnell in den Boden +arbeiten? Das heiß' ich einen geschikten Schanz-Gräber!--Noch ein +wenig weiter weg, gute Freunde. + +Horatio. +O Tag und Nacht, aber das ist ausserordentlich seltsam. + +Hamlet. +Eben darum, weil es euch so fremd vorkommt, so heißt es als einen +Fremdling willkommen. Mein guter Horatio, es giebt Sachen im +Himmel und auf Erden, wovon sich unsre Philosophie nichts träumen +läßt. Aber kommt; schwört mir, wie zuvor, daß ihr niemals (so wahr +euch Gott gnädig sey!) So seltsam und widersinnisch ich mich auch +immer anstellen und betragen mag (wie ich, vielleicht, künftig vor +gut befinden könnte, zu thun) daß ihr, wenn ihr mich alsdann sehen +werdet, niemals durch eine solche Stellung der Arme, oder ein +solches Kopfschütteln, oder durch irgend eine geheimnisvolle +abgebrochne Redensart, als gut--wir wissen was wir wissen--oder, +wir könnten, wenn wir wollten--oder, wenn wir reden möchten--oder, +es könnte wol vielleicht--oder andere solche zweideutige +Andeutungen zu erkennen geben wollet, daß ihr mehr von mir wisset +als andre; das schwört mir, als euch der Himmel in eurer höchsten +Noth helfen wolle! Schwört! + +Geist. +Schwört! + +(Sie schwören.) + +Hamlet. +Gieb dich zur Ruh, gieb dich zur Ruh, unglüklicher Geist. So, ihr +Herren; ich empfehle und überlasse mich euch wie ein Freund seinen +Freunden, und was ein so armer Mann als Hamlet ist, thun kan, euch +seine Liebe und Freundschaft auszudrüken, das soll, ob Gott will, +nicht fehlen. Wir wollen gehen, aber immer eure Finger auf dem +Mund, ich bitte euch: Die Zeit ist aus ihren Fugen gekommen; o! +unseliger Zufall! daß ich gebohren werden mußte, sie wieder +zurecht zu sezen! Nun, kommt, wir wollen mit einander gehen. + +(Sie gehen ab.) + + + + +Zweyter Aufzug. + + + +Erste Scene. +(Ein Zimmer in Polonius Hause.) +(Polonius und Reinoldo treten auf.) + + +Polonius. +Übergieb ihm dieses Geld und diese Papiere. + +Reinoldo. +Ich werde nicht ermangeln, Gnädiger Herr. + +Polonius. +Es würde überaus klug von euch gehandelt seyn, ehrlicher Reinold, +wenn ihr euch vorher, eh ihr zu ihm geht, nach seiner Aufführung +erkundigen würdet. + +Reinoldo. +Das war auch mein Vorsaz, Gnädiger Herr. + +Polonius. +Meiner Treu, das war ein guter Gedanke; ein sehr guter Gedanke. +Seht ihr, Herr, zuerst erkundiget euch, was für Dähnen in Paris +seyen, und wie, und wer, und wie bemittelt, und wo sie sich +aufhalten, und was sie für Gesellschaft sehen, und was sie für +einen Aufwand machen; und findet ihr aus ihren Antworten auf diese +Präliminar-Fragen, daß sie meinen Sohn kennen, so kommt ein wenig +näher; stellt euch, als ob ihr ihn so von weitem her kenntet--zum +Exempel, so--Ich kenne seinen Vater und seine Freunde, und zum +Theil, ihn selbst--Merkt ihr was ich damit will, Reinoldo? + +Reinoldo. +Ja, sehr wohl, Gnädiger Herr. + +Polonius. +Und zum Theil ihn selbst--Doch könnt ihr hinzu sezen--nicht sehr +genau; aber wenn es der ist, den ich meyne, so ist er ein ziemlich +wilder junger Mensch--Solchen und solchen Ausschweiffungen ergeben-- +Und da könnt ihr über ihn sagen, was ihr wollt; doch nichts was +seiner Ehre nachtheilig seyn könnte; auf das müßt ihr wol Acht +geben; aber wol solche gewöhnliche Excesse von Muthwillen und +Wildheit, welche gemeiniglich Gefährten der Jugend und Freyheit zu +seyn pflegen-- + +Reinoldo. +Als wie Spielen, Gnädiger Herr-- + +Polonius. +Ja, oder trinken, fluchen, Händel machen, den Weibsbildern +nachlaufen--So weit dürft ihr schon gehen. + +Reinoldo. +Aber das würde ja seiner Ehre nachtheilig seyn. + +Polonius. +Das nicht, wenn ihr euch in den Ausdrüken ein wenig vorsehet: Ihr +müßt eben nicht so weit gehen, und ihn beschuldigen, daß er ein +öffentlicher Huren-Jäger sey, das ist nicht meine Meynung; ihr müßt +so von seinen Fehlern reden, daß sie für Fehler der Freyheit, +Ausbrüche eines feurigen Blutes, einer noch ungebändigten Jugend- +Hize, die allen jungen Leuten gemein sind, angesehen werden können. + +Reinoldo. +Aber, warum, Gnädiger Herr-- + +Polonius. +Warum ihr das thun sollt? + +Reinoldo. +Ja, Gnädiger Herr, das wollt' ich fragen. + +Polonius. +Gut, Herr, das will ich euch sagen; es ist ein Kunstgriff, Herr, +und, beym Element, ich denke einer von den feinen. Seht ihr, wenn +ihr meinem Sohn dergleichen kleinen Fehler beyleget, daß man denken +kan, es sey ein junger Bursche, der ein wenig im Machen mißgerathen +sey--versteht ihr mich, so wird derjenige, mit dem ihr in +Conversation seyd, und den ihr gern ausholen möchtet, wenn er den +jungen Menschen, von dem die Rede ist, gelegenheitlich etwann einer +oder der andern von vorbesagten Ausschweiffungen sich schuldig +machen, gesehen hat, so zählt darauf, daß er sich folgender massen +gegen euch herauslassen wird: Mein werther Herr, oder Herr +schlechtweg, oder mein Freund, oder wie er dann sagen mag-- + +Reinoldo. +Sehr wohl, Gnädiger Herr-- + +Polonius. +Und dann, Herr, thut er das--thut er--was wollt ich sagen--Ich +wollte da was sagen--wo blieb ich? + +Reinoldo. +Bey dem, wie er sich gegen mich herauslassen würde-- + +Polonius. +Wie er sich herauslassen würde--ja, meiner Six--er würde sich so +herauslassen--Ich kenne den jungen Herrn, ich sah ihn gestern oder +vorgestern, oder einen andern Tag mit dem und dem; und wie ihr sagt, +da spielte er, da gerieth er in Hize, da fieng er beym Ballspiel +Händel an; oder vielleicht, ich sah ihn in diß oder jenes +verdächtige Haus gehen, Videlicet in ein Bordell, oder dergleichen-- +Seht ihr nun, daß auf diese Weise der Angel eurer Lüge diesen +Karpen der Wahrheit fangen könnt--Das sind die Wege, wie wir andern +Gelehrten und Staatisten, durch Winden und Sondiren, (per +indirectum), hinter die wahre Beschaffenheit der Sachen zu kommen +pflegen: Ich mache euch kein Geheimniß aus dieser Frucht meiner +ehmaligen Lectur und Erfahrung, damit ihr sie nun bey meinem Sohn +applicieren könnt--Ihr habt mich doch begriffen; habt ihr nicht? + +Reinoldo. +Ja wohl, Gnädiger Herr. + +Polonius. +So behüt euch Gott; lebt wohl. + +Reinoldo. +Mein Gnädiger Herr-- + +Polonius. +Ihr müßt trachten, daß ihr durch euch selbst hinter seine Neigungen +kommt. + +Reinoldo. +Das will ich, Gnädiger Herr. + +Polonius. +Und macht, daß er seine Musik fleissig exerciert. + +Reinoldo. +Wohl, Gnädiger Herr. + +(Reinold geht ab.) + + + + + + +Zweyte Scene. +(Ophelia tritt auf.) + + +Polonius. +Lebt wohl--Ha, was giebts, Ophelia? Was wollt ihr? + +Ophelia. +Ach, Gnädiger Herr Vater, ich bin so erschrekt worden! + +Polonius. +Womit, womit, ums Himmel willen? + +Ophelia. +Gnädiger Herr Vater, weil ich in meinem Zimmer saß und nähte, da +kam der Prinz Hamlet, sein Wammes von oben an bis unten ungeknöpft, +keinen Hut auf dem Kopf, seine Strümpfe nicht aufgezogen, ohne +Kniebänder, bis auf die Zehen herunter gerollt, so bleich wie sein +Hemde, zitternd, daß seine Kniee an einander anschlugen, und mit +einem Blik von so erbärmlicher Bedeutung, als ob er aus der Hölle +herausgelassen worden wäre, damit er von ihren Schreknissen reden +sollte; in dieser Gestalt stellte er sich vor mich hin. + +Polonius. +Er wird doch nicht aus Liebe zu dir toll worden seyn? + +Ophelia. +Ich weiß es nicht, Gnädiger Herr Vater, aber, auf meine Ehre, ich +besorg es. + +Polonius. +Was sagte er dann? + +Ophelia. +Er nahm mich bey der Hand, und hielt mich fest; hernach trat er um +die ganze Länge seines Arms zurük, und die andre Hand hielt er so +über seine Stirne, und dann sah er mir scharf ins Gesicht, als ob +er es abzeichnen wollte. So stuhnd er eine gute Weile; zulezt +schüttelte er mir den Arm ein wenig, wankte dreymal so mit dem Kopf +auf und nieder, und holte dann einen so tiefen und erbärmlichen +Seufzer, daß ich nicht anders dachte, als er würde den Geist +aufgeben. Drauf ließ er mich gehen, drehte seinen Kopf über die +Schulter, und schien seinen Rükweg ohne Augen zu finden; denn, er +kam ohne ihre Hülfe zur Thür hinaus, und heftete sie zulezt noch +mit einem traurigen Blik auf mich. + +Polonius. +Komm mit mir, ich will den König aufsuchen. Das ist nichts anders, +als die Wirkung einer übermässigen und ausser sich selbst +gebrachten Liebe; denn die Gewalt der Liebe ist so heftig, daß sie +den Menschen zu so verzweifelten Handlungen treiben kan, als irgend +eine andre Leidenschaft, womit unsre Natur behaftet ist. Es ist +mir Leid dafür; habt ihr ihn etwa kürzlich hart angelassen? + +Ophelia. +Nein, Gnädiger Herr Vater; alles was ich that, war bloß, daß ich +nach euerm Befehl keine Briefe von ihm annahm, und ihn nicht vor +mich kommen ließ. + +Polonius. +Und darüber ist er närrisch worden. Es ist mir leid, daß ich die +Natur seiner Zuneigung zu dir nicht besser beobachtet habe. Ich +besorgte, er kurzweile nur so, und suche dich zu verführen; aber +der Henker hole meine voreilige Besorgniß; es scheint es sey eine +Eigenschaft des Alters, die Vorsichtigkeit zu weit zu treiben, so +wie bey jungen Leuten nichts gemeiners ist als gar keine zu haben. +Kommt, wir wollen zum Könige gehen. Er muß Nachricht hievon +bekommen; die Entdekung dieses Geheimnisses kan uns lange nicht so +viel Verdruß zuziehen, als wir davon haben könnten, wenn wir länger +schweigen würden. + +(Sie gehen ab.) + + + + + + +Dritte Scene. +(Verwandelt sich in den Palast.) +(Der König, die Königin, Rosenkranz, Güldenstern, Edle und andre + vom Königlichen Gefolge.) + + +König. +Willkommen, Rosenkranz und Güldenstern. Ausserdem, daß wir ein +besonderes Verlangen getragen haben euch zu sehen, hat uns noch die +Nothwendigkeit, Gebrauch von euch zu machen, zu dieser eilfertigen +Beschikung vermocht. Ihr habet vermuthlich etwas von Hamlets +Verwandlung gehört; so muß ich es nennen, da er weder dem +Äusserlichen noch Innerlichen, noch sich selbst mehr ähnlich ist. +Was das seyn mag, was, ausser seines Vaters Tod, ihn zu dieser +Entfremdung von sich selbst gebracht hat, kan ich mir nicht träumen +lassen. Ich bitte euch also beyde, da ihr von eurer ersten Jugend +an mit ihm auferzogen worden, und die Gleichheit des Alters euch zu +seiner Vertraulichkeit mehr Recht als andern giebt, so haltet euch +nur eine kleine Zeitlang an unserm Hofe auf, um ihm Gesellschaft zu +leisten, ihn in allerley Lustbarkeiten zu ziehen, und zu versuchen, +ob ihr nicht Gelegenheit findet von ihm heraus zu loken, was die +uns unbekannte Ursache seiner ungewöhnlichen Schwermuth ist, und ob +sie so beschaffen ist, daß wir derselben abzuhelfen im Stande sind. + +Königin. +Meine liebe Herren, er hat viel von euch gesprochen, und ich bin +gewiß daß niemand in der Welt ist, auf den er mehr hält als auf +euch beyde. Wenn ihr uns so viele Gefälligkeit und guten Willen +erweisen, und euch so lange hier bey uns aufhalten wollet, als zu +Erreichung unsrer Absicht und Erwartung nöthig seyn mag, so seyd +versichert, daß euer Besuch einen Dank erhalten soll, wie es der +Erkenntlichkeit eines Königs anständig ist. + +Rosenkranz. +Eure Majestäten haben beiderseits eine so unumschränkte Macht über +uns, daß sie da befehlen können, wo es ihnen beliebt zu bitten. + +Güldenstern. +Wir gehorchen also beyde, und geben alles was wir sind zum Pfand +des Eifers, womit wir uns bestreben werden, unsre Dienste zu euern +Füssen zu legen. + +König. +Ich danke euch, werther Rosenkranz und Güldenstern. + +Königin. +Ich danke euch, werther Güldenstern und Rosenkranz, und ersuche +euch, sogleich zu gehen, und meinem ganz unkenntlich gewordnen Sohn +einen Besuch zu geben. Geh einer von euch, und führe diese Herren +zu Hamlet. + +Güldenstern. +Gebe der Himmel, daß ihm unsre Gegenwart und unsre Verwendungen +angenehm und heilsam sey! + +(Rosenkranz und Güldenstern gehen ab.) + +Königin. +Amen! (Polonius zu den Vorigen.) + +Polonius. +Gnädigster Herr; die Abgesandten nach Norwegen sind glüklich wieder +angelangt. + +König. +Du bist immer der Vater guter Zeitungen gewesen. + +Polonius. +Bin ich, Gnädigster Herr? Seyd versichert, mein Gebieter, ich +halte auf meine Pflicht wie auf meine Seele, beydes gegen meinen +Gott und gegen meinen huldreichesten König; und ich denke, (oder +mein Kopf müßte alle die Mühe, die ich in meinem Leben auf die +politische Wahrsager-Kunst gewandt, vergebens gehabt haben,) ich +denke, ich habe die wahre Ursache von Hamlets Wahnwiz ausfündig +gemacht. + +König. +O, so redet von dem, was mich am meisten verlangt zu hören. + +Polonius. +Gebet vorher den Abgesandten Audienz; meine Neuigkeit soll der +Nachtisch von diesem grossen Schmause seyn. + +König. +So erweiset ihnen die Ehre, und führet sie selbst ein. + +(Polonius geht ab.) + +Er sagt mir, meine liebste Königin, er habe die wahre Quelle von +unsers Sohnes Krankheit ausfindig gemacht. + +Königin. +Ich besorge, es ist im Grunde keine andre, als seines Vaters Tod +und unsre übereilte Vermählung. + + + + +Vierte Scene. +(Polonius kommt mit Voltimand und Cornelius zurük.) + + +König. +Gut, wir wollen ihm die Würmer schon aus der Nase ziehen-- +Willkommen, meine guten Freunde! Redet, Voltimand, was bringt ihr +uns von unserm Bruder Norwegen? + +Voltimand. +Die verbindlichste Erwiederung euers Grusses mit allen +freundschaftlichen Erbietungen. Auf unsre erste Anzeige schikte er +aus, die Werbungen seines Neffen abzustellen, welche er für eine +Zurüstung gegen Pohlen gehalten hatte; wie er aber besser zur Sache +sah, befand sich's, daß es in der That gegen Eu. Majestät +abgesehen war: Bey dieser Entdekung führte er grosse Klagen, daß +seine Alters-Schwachheit und Unvermögenheit so mißbraucht werde, +und ließ den Fortinbras sogleich in Verhaft nehmen; dieser (damit +wir unsre Erzählung kurz zusammen fassen) unterwarf sich, nahm von +seinem Oheim einen scharfen Verweiß ein, und gelobete demselben +zulezt in die Hand, daß er die Waffen niemals gegen Eu. Majestät +ergreifen wolle. Hierüber hatte der alte Norwegen eine so grosse +Freude, daß er ihm auf der Stelle ein jährliches Gehalt von +dreytausend Kronen ausmachte, mit dem Auftrag, die bereits +angeworbnen Truppen gegen den König in Pohlen zu gebrauchen; zu +welchem Ende er dann Eu. Majestät in gegenwärtigem Schreiben +ersucht, daß es ihr gefallen möchte, selbigen den ruhigen Durchzug +durch ihre Staaten zu dieser Unternehmung zu gestatten, unter +denjenigen Bedingnissen und Sicherheits-Clausuln, welche in +bemeldtem Schreiben enthalten sind. + +König. +Wir sind es ganz wol zufrieden, und werden, bey gelegnerer Zeit +dieses Schreiben lesen, überdenken und beantworten. Inzwischen +danken wir euch für eure glüklich angewandte Bemühung. Gehet izt +und ruhet aus; auf die Nacht wollen wir uns mit einander lustig +machen. Seyd nochmals freundlich willkommen! + +(Die Gesandten gehen ab.) + +Polonius. +Dieses Geschäfte ist nun glüklich geendigt. Mein Gnädigst +gebietender Herr, und meine Gnädigste Frau; weitläufig zu +exponieren, was Majestät und was Pflicht ist, warum der Tag Tag, +die Nacht Nacht, und die Zeit Zeit ist, wäre nichts anders als Tag, +Nacht und Zeit verderben. Demnach und alldieweilen dann die Kürze +die Seele des Wizes, und Weitläufigkeit im Vortrag nur den Leib und +die äusserliche Auszierung desselben ausmacht, so will ich mich der +Kürze befleissen: Euer edler Sohn ist toll; toll, nenn ich es, denn +um von der wahren Tollheit eine Definition zu geben, was ist sie +anders, als sonst nichts zu seyn als toll? Doch das wollen wir izo +beyseite sezen-- + +Königin. +Mehr Stoff mit weniger Kunst, wenn es euch beliebig wäre. + +Polonius. +Gnädigste Frau, ich kan drauf schwören, daß ich vor dißmal gar +keine Kunst gebrauche. Daß er toll ist, ist wahr; daß es wahr ist, +ist zu bedauren--eine drollige Figur--Aber sie mag reisen; denn ich +will hier gar keine Kunst gebrauchen. Wir wollen also zum Grund +legen, daß er toll ist; nun ist übrig, daß wir die Ursache von +diesem Effect, oder richtiger zu reden, die Ursache von diesem +Defect ausfindig machen. Das bleibt übrig, und dieses Residuum ist +diß--Überleget die Sache. Ich habe eine Tochter; habe, sag' ich, +so lange sie mein ist; und diese hat, aus schuldiger Pflicht und +Gehorsam, merket wol, mir dieses zugestellt; nun rathet einmal, +oder bildet euch ein was es seyn mag. + +(Er öffnet einen Brief und ließt:) + +"An den himmlischen Abgott meiner Seele, die reizerfüllteste +Ophelia"--Das ist eine schlimme Redensart, eine abgeschmakte +Redensart: Reizerfüllteste ist eine abgeschmakte Art zu reden: Aber +ihr werdet's erst noch hören--"Diese Zeilen auf ihren +unvergleichlichen weissen Busen, diese-- + +Königin. +Kommt das von Hamlet an sie? + +Polonius. +Gnädigste Frau, nur eine kleine Geduld, ich will meine Schuldigkeit +thun. + +(Er ließt:) + +Zweifle an des Feuers Hize, +Zweifle an der Sonne Licht, +Zweifle ob die Wahrheit Lüge, +Schönste, nur an deinem Siege +Und an meiner Liebe nicht. O, meine liebste Ophelia, ich bin böse +über diese Verse; ich verstehe die Kunst nicht meine Seufzer an den +Fingern abzuzählen, aber daß ich dich so vollkommen liebe als du +liebenswürdig bist, das glaube. Adieu. Der deinige so lange diese +Maschine sein ist, Hamlet." Dieses hat mir also meine Tochter aus +pflichtschuldigem Gehorsam gezeigt, und überdas noch weiters meine +Ohren mit allen seinen Nachstellungen, so wie sie nach Zeit, Ort +und Umständen sich begeben haben, bekannt gemacht. + +König. +Aber wie hat sie seine Liebe aufgenommen? + +Polonius. +Was denket ihr von mir? + +König. +Daß ihr ein ehrlicher und pflichtvoller Mann seyd. + +Polonius. +So möchte ich in der Probe gerne bestehen. Aber was könntet ihr +denken? Wie ich diese feurige Liebe gewahr wurde, (und ich muß +euch gestehen, daß ich sie merkte, eh mir meine Tochter was davon +sagte,) was hätten Eu. Königliche Majestäten denken können? Wenn +ich einen Pult oder eine Schreib-Tafel vorgestellt, oder aus +weitaussehenden Absichten den Tauben und Stummen gemacht, oder über +diese Liebe mit gleichgültigen Augen hingesehen hätte, was würdet +ihr denken? Aber nein, ich gieng fein gerade durch, und besprach +mein junges Frauenzimmer folgender maassen: Prinz Hamlet ist ein +Prinz, und also über deiner Sphäre; es kan nicht seyn; und dann gab +ich ihr Regeln, wie sie sich vor ihm unsichtbar machen, keine +Bottschaften von ihm vor sich lassen, und weder Briefchen noch +Geschenke annehmen sollte--Das that sie nun; aber sehet was die +Früchte meines Raths gewesen sind. Denn, daß ich es kurz mache, +wie er abgewiesen wurde, so gerieht er in Traurigkeit, hernach +verlohr er den Appetit, darauf den Schlaf, dadurch verfiel er in +Schwachheit, aus dieser in ein Delirium, und so von Grad zu Grad, +endlich in die Tollheit, worinn er nun raset, und welche wir alle +beweinen. + +König. +Denkt ihr das? + +Königin. +Es kan gar wol möglich seyn. + +Polonius. +Ist jemals eine Zeit gewesen, das möcht' ich doch gerne wissen, wo +ich positive gesagt habe, es ist so, und es hat sich anders +befunden? + +König. +Meines Wissens nicht. + +Polonius. +Wenn es anders ist, will ich meinen Kopf verlohren haben. Wenn ich +nur einige Umstände weiß, so will ich allemal finden, wo die +Wahrheit verstekt liegt, und wenn sie im Mittelpunkt der Erde +stekte. + +König. +Aber wie könnten wir der Sache gewisser werden? + +Polonius. +Ihr wißt, daß er manchmal vier Stunden hinter einander hier in der +Galerie auf- und abgeht. + +Königin. +Es ist so. + +Polonius. +Um eine solche Zeit will ich meine Tochter zu ihm lassen: Ihr und +ich wollen uns hinter eine Tapete versteken, und da wollen wir +beobachten, was vorgehen wird: Liebt er sie nicht, und hat seine +Vernunft nicht darüber verlohren, so will ich meine Minister-Stelle +aufgeben, ein Bauer werden und Mist auf meine Felder führen. + +König. +Wir wollen die Sache näher erkundigen. + + + + +Fünfte Scene. +(Hamlet, in einem Buche lesend, tritt auf.) + + +Königin. +Seht, da kommt der arme Tropf daher, in einem Buch lesend--wie +schwermüthig er aussieht! + +Polonius. +Ich bitte euch, entfernt euch beyde. Ich will ihn anreden. + +(Der König und die Königin gehen ab.) + +O, mit Erlaubniß--Wie befindet sich mein Gnädigster Prinz Hamlet? +-- + +Hamlet. +Wohl, Gott sey Dank. + +Polonius. +Kennt ihr mich, Gnädiger Herr? + +Hamlet. +Sehr wol; ihr seyd ein Fisch-Händler. + +Polonius. +Das bin ich nicht, Gnädiger Herr. + +Hamlet. +So wollt' ich, ihr wäret so ein ehrlicher Mann. + +Polonius. +Ehrlich, Gnädiger Herr? + +Hamlet. +Ja, Herr; ehrlich seyn, das ist, so wie die heutige Welt geht, so +viel als aus Zehntausenden ausgeschlossen seyn. + +Polonius. +Das ist wol wahr, Gnädiger Herr. + +Hamlet. +Denn wenn die Sonne Maden in einem todten Hunde zeugt, die doch ein +Gott ist, aber sobald sie ein Aaß küßt--Habt ihr eine Tochter? + +Polonius. +Ja, Gnädiger Herr. + +Hamlet. +Laßt sie nicht in der Sonne gehen; Empfängniß ist ein Segen, aber +wie eure Tochter empfangen könnte, ist keiner; gebt Acht auf das. + +Polonius. +Was wollt ihr damit sagen?-- + +(vor sich.) + +Immer die gleiche Leyer, von meiner Tochter; und doch kannte er +mich anfangs nicht; er hielt mich für einen Fisch-Händler. Es ist +weit mit ihm gekommen; aber ich erinnre mich wol, daß ich in meiner +Jugend erschreklich viel von der Liebe ausgestanden habe, es war +diesem ziemlich nahe--Ich will ihn noch einmal anreden. Was leset +ihr, Gnädiger Herr? + +Hamlet. +Worte, Worte, Worte. + +Polonius. +Wovon ist die Rede, Gnädiger Herr? + +Hamlet. +Zwischen wem? + +Polonius. +Ich meyne, was der Inhalt dessen, was ihr leset, sey? + +Hamlet. +Calumnien, Herr; denn der satirische Bube da sagt, alte Männer +hätten graue Bärte, und runzlichte Gesichter, ihr Augen trieften +Amber und Pflaumen-Baum-Harz, und sie hätten vollen Mangel an +Verstand mit sehr schwachen Schinken. Welches alles, mein Herr, +ich zwar mächtiglich und festiglich glaube; aber doch halt' ich es +für Unhöflichkeit, daß es so niedergeschrieben worden; denn ihr +selbst, Herr, würdet so alt als ich seyn, wenn ihr wie ein Krebs +rükwärts gehen könntet. + +Polonius (vor sich.) +Wenn das Tollheit ist, wie es dann ist, so ist doch Methode drinn-- +Wollt ihr nicht ein wenig aus der freyen Luft gehen, Gnädiger Herr? + +Hamlet. +In mein Grab. + +Polonius. +In der That, das wäre aus der freyen Luft-- + +(vor sich.) + +wie nachdrüklich manchmal seine Antworten sind! Das ist ein +Vortheil der unsinnigen Leute, daß sie zuweilen Einfälle haben, die +einem der bey seinen Sinnen ist, nicht so schnell und leicht von +statten giengen--Ich will ihn verlassen, und sogleich Anstalt zu +einer Zusammenkunft zwischen ihm und meiner Tochter machen-- + +(laut) + +Gnädigster Herr, ich nehme meinen unterthänigen Abschied von euch. + +Hamlet. +Mein Leben ausgenommen, könnt ihr mir in der Welt nichts nehmen, +dessen ich so leicht entrathen kan. + +Polonius. +Lebet wohl, Gnädiger Herr. + +Hamlet (vor sich.) +Die verdrießlichen alten Narren! + + + + +Sechste Scene. +(Rosenkranz und Güldenstern treten auf.) + + +Polonius. +Ihr sucht vermuthlich den Prinzen Hamlet; hier ist er. + +(Er geht ab.) + +Rosenkranz. +Gott erhalte euch, Gnädiger Herr. + +Güldenstern. +Mein theurester Prinz! + +Hamlet. +Ah, meine werthen guten Freunde! Wie lebst du, Güldenstern? Ha, +Rosenkranz, ihr ehrlichen Jungens, wie geht's euch beyden? + +Rosenkranz. +Wie es so unbedeutenden Erden-Söhnen zu gehen pflegt. + +Güldenstern. +Eben darinn glüklich, daß wir nicht gar zu glüklich sind--Wir sind +eben nicht der Knopf auf Fortunens Kappe. + +Hamlet. +Doch nicht die Solen an ihren Schuhen? + +Rosenkranz. +Das auch nicht, Gnädiger Herr. + +Hamlet. +Ihr hangt also an ihrem Gürtel--Gut; was bringt ihr denn neues? + +Rosenkranz. +Nichts, Gnädiger Herr, als daß die Welt ehrlich worden ist. + +Hamlet. +So ist der jüngste Tag im Anzug; aber eure Zeitung ist falsch. +Verstattet mir einmal eine vertrauliche Frage: Womit habt ihr euch +an der Göttin Fortuna versündiget, meine guten Freunde, daß sie +euch hieher in den Kerker geschikt hat? + +Güldenstern. +In den Kerker, Gnädiger Herr? + +Hamlet. +Dännemark ist ein Kerker. + +Rosenkranz. +So ist die ganze Welt einer. + +Hamlet. +Ein recht stattlicher, worinn viele Thürme, Gefängnisse und Löcher +sind, unter denen Dännemark eines der ärgsten ist. + +Rosenkranz. +Wir denken nicht so, Gnädiger Herr. + +Hamlet. +Nicht? Nun so ist es auch nicht so für euch: Es ist nichts so gut +oder so schlimm, das nicht durch unsre Meynung dazu gemacht wird: +Für mich ist es ein Gefängniß. + +Rosenkranz. +Wenn das ist, so macht es euer Ehrgeiz dazu; es ist zu enge für +euern Geist. + +Hamlet. +O Gott, ich wollte mich in eine Nußschale einsperren lassen, und +mir einbilden, daß ich König über einen unendlichen Raum sey; wenn +ich nur nicht so schlimme Träume hätte. + +Güldenstern. +Welche Träume im Grunde nichts anders als Ehrgeiz sind; denn was +ist das ganze Wesen des Ehrsüchtigen, als ein Schatten von einem +Traum? + +Hamlet. +Ein Traum ist selbst nur ein Schatten. + +Rosenkranz. +Allerdings, und ich halte den Ehrgeiz für etwas so leichtes und +unwesentliches, daß er nur der Schatten eines Schattens genennt zu +werden verdient. + +Hamlet. +Nach dieser Art zu urtheilen, sind unsre Bettler, Körper; und unsre +Monarchen und aufgespreißten Helden, der Bettler Schatten. Wollen +wir nach Hofe? Denn, auf meine Ehre, raisonnieren ist meine Sache +nicht. + +Beyde. +Wir sind zu Euer Gnaden Aufwartung. + +Hamlet. +Keine solche Complimente: Ich möchte euch nicht zu meinen übrigen +Bedienten rechnen: Denn wenn ichs euch als ein ehrlicher Mann sagen +soll, ich habe ein sehr fürchterliches Gefolge; aber in vollem +Vertrauen, was thut ihr hier in Elsinoor? + +Rosenkranz. +Wir sind blos hieher gekommen, euch unsern Besuch abzustatten. + +Hamlet. +Ich bin so bettelarm, daß ich so gar an Dank arm bin; doch dank ich +euch, und versichert euch, meine theuren Freunde, mein Dank ist zu +theuer um einen Halb-Pfenning. Seyd ihr nicht beruffen worden? +war es euer eigner Gedanke? Ist es ein Besuch aus freyem gutem +Willen? Kommt, geht mit der Sprache heraus--Kommt, kommt; nun so +sagt dann-- + +Güldenstern. +Was sollen wir sagen, Gnädiger Herr? + +Hamlet. +Das gilt mir gleich, wenn es nur zur Sache taugt. Man hat euch +holen lassen; ich sehe eine Art von Geständniß in euern Augen, +welches eure Bescheidenheit nicht Kunst genug hat zu maskieren. +Ich bin gewiß, der gute König und die Königin haben euch holen +lassen. + +Rosenkranz. +Zu was Ende, Gnädiger Herr? + +Hamlet. +Daß ihr mich ausforschen sollt; aber laßt mich euch bey den Rechten +unsrer Cameradschaft, bey der Übereinstimmung unsrer Jugend, bey +den Banden unsrer niemals unterbrochnen Liebe, und bey allem was +ein beßrer Redner als ich bin, euch noch theurers vorhalten könnte, +beschwören, mir aufrichtig und gerade heraus zu sagen, ob man euch +nicht habe holen lassen? + +Rosenkranz (zu Güldenstern.) +Was sagt ihr hiezu? + +Hamlet. +Nicht so, denn ich hab' ein Aug auf euch; wenn ihr mich liebet so +haltet nicht zurük. + +Güldenstern. +Man hat uns ruffen lassen, Gnädiger Herr. + +Hamlet. +Ich will euch sagen wofür; so habt ihr euch doch keine Verrätherey +vorzuwerfen, und eure Treue gegen den König und die Königin wird um +keine Feder leichter. Ich habe, seit einiger Zeit, warum weiß ich +selbst nicht, alle meine Munterkeit verlohren, alle meine gewohnten +Übungen aufgegeben; und in der That es ist mit meiner Schwermuth +so weit gekommen, daß diese anmuthige Erde mir nur ein kahles +Vorgebürge; dieses prächtige Baldachin die Luft, seht ihr, dieses +stolze über uns hangende Firmament, diese majestätische Deke mit +goldnen Sphären eingelegt, mir nicht anders vorkommt, als wie ein +stinkender Sammelplaz pestilenzischer Ausdünstungen. Was für ein +Meisterstük ist der Mensch! Wie edel durch die Vernunft! Wie +unbegrenzt in seinen Fähigkeiten! An Gestalt und Bewegungs-Kraft +wie vollendet und bewundernswürdig! Im Würken wie ähnlich einem +Engel! Im Denken wie ähnlich einem Gott! Die schönste Zier der +Schöpfung! Das vollkommenste aller sichtbaren Wesen! Und doch, +was ist in meinen Augen diese Quintessenz von Staub? Der Mensch +gefällt mir nicht, und das Weib eben so wenig; ohngeachtet ihr es +durch euer Lächeln zu verstehen zu geben scheint. + +Rosenkranz. +Gnädiger Herr, ich hatte keinen Gedanken an das. + +Hamlet. +Warum lachtet ihr dann, wie ich sagte, der Mensch gefalle mir nicht? + +Rosenkranz. +Ich lachte, weil mir dabey einfiel, was für einen magern Unterhalt, +bey solchen Umständen, die Comödianten, bey Euer Gnaden finden +werden; wir stiessen unterwegs auf sie, und sie sind im Begriff +hieher zu kommen, um euch ihre Dienste anzubieten. + +Hamlet. +Derjenige, der den König macht, soll mir willkommen seyn; seine +Majestät soll Tribut von mir empfangen; der irrende Ritter soll +sein Rappier und seine Tarsche brauchen; der Liebhaber soll nicht +gratis seufzen; die lustige Person soll ihre Rolle ruhig bis zu +Ende spielen; der Hans Wurst soll alle lachen machen, deren Lunge +ohnehin von scharfen Feuchtigkeiten gekizelt wird, und die Damen +sollen sagen was sie denken, oder die reimlosen Verse sollen es +entgelten. Was für Comödianten sind es? + +Rosenkranz. +Die nemlichen, welche sonst euern Beyfall hatten, die Schauspieler +von der Stadt. + +Hamlet. +Wie kommt es, daß sie reisen? Ihre Residenz war für ihren Ruhm und +ihren Beutel vorteilhafter. + +Rosenkranz. +Ich denke, ihre Abdankung ist die Folge einiger Veränderungen, +welche neuerlich gemacht worden sind. + +Hamlet. +Stehen sie noch in dem nemlichen Credit wie vormals, als ich in der +Stadt war? Haben sie noch so viel Zulauf? + +Rosenkranz. +Nein in der That, den haben sie nicht. + +Hamlet. +Wie kommt das, fangen sie an rostig zu werden? + +Rosenkranz. +Nein, sie geben sich noch immer so viele Mühe als zuvor; aber es +ist ein Nest voll Kinder zum Vorschein gekommen, kleine Kichelchen, +die beym Haupt-Wort eines Sazes aus allen Kräften ausgrillen, und +auch jämmerlich genug geschlagen werden, bis sie es so gut gelernt +haben; die sind izt Mode, und überplappern die gemeinen +Schauspieler (so nennen sie's) dermassen, daß manche, die einen +Degen an der Seite tragen, vor Gänsespulen erschraken, und das Herz +nicht haben, sie zu besuchen.* + +{ed.-* Diese ganze Stelle bezieht sich auf einen damaligen +theatralischen Streit, durch gewisse Schauspiele veranlaßt, welche +von den Chor-Knaben von des Königs Jacob I. Capelle aufgeführt +wurden.} + +Hamlet. +Kinder, sagt ihr, seyen es? Und wer unterhält sie? Wie werden sie +salariert? Werden sie das Handwerk nur so lange treiben, als sie +singen können? Und wenn sie sich endlich zu gemeinen Comödianten +ausgewachsen haben, (wie sie doch zulezt werden müssen, wenn sie +keine Mittel haben,) werden sie sich alsdann nicht beschweren, daß +ihre Autoren ihnen vormals so schöne Exclamationen gegen ihre eigne +künftige Profession in den Mund gelegt haben? + +Rosenkranz. +Bey meiner Ehre, es wurde auf beyden Seiten grosser Lerm gemacht, +und die Nation hält es für keine Sünde, sie noch mehr zum Streit +aufzureizen. Es war eine geraume Zeit lang mit dem schönsten Stük +von der Welt kein Geld zu verdienen, wenn der Poet und der +Schauspieler diese wichtige Streitfrage nicht mit hineinbrachten, +und ihren Gegnern links und rechts Ohrfeigen austheilten. + +Hamlet. +Ist's möglich? + +Güldenstern. +O, ich kan Euer Gnaden versichern, es ist hizig hergegangen. + +Hamlet. +Und tragen die Jungens es davon?** + +{ed.-** Man hat diese Redensart, welche auch im Französischen +gewöhnlich ist, + +(est-ce que les Enfans l'emportent?) + +um der Antwort willen beybehalten müssen.} + +Güldenstern. +Das thun sie, Gnädiger Herr; den Hercules mit samt seiner Ladung. + +Hamlet. +Mich wundert es nicht; denn mein Oheim ist König in Dännemark, und +die Nemlichen, welche bey meines Vaters Leben Frazen-Gesichter +gegen ihn geschnitten hätten, geben izt zwanzig, vierzig, fünfzig, +ja hundert Ducaten, um sein Bildniß in Miniatur zu haben.*** Es ist +etwas mehr als natürliches hierinn, das wol werth wäre, daß die +Philosophen sich Mühe gäben, es zu erforschen. + +{ed.-*** Ein Stich über den Beyfall den die Chor-Knaben bey dem +König und dem Hofe fanden.} + +(Man hört ein Getöse.) + +Güldenstern. +Da kommen die Comödianten. + +Hamlet (zu Güldenstern und Rosenkranz.) +Meine Herren, ihr seyd willkommen in Elsinoor, gebt mir eure Hände; +kommt, kommt; wir wollen die Ceremonien bey Seite legen. Das muß +unter uns ausgemacht seyn, sonst würde mein Betragen gegen diese +Comödianten (gegen welche ich, gewisser Ursachen wegen, höflich +seyn werde,) mehr Verbindliches zu haben scheinen, als mein +Bezeugen gegen euch. Ihr seyd willkommen; aber mein Oheim-Vater, +und meine Tante-Mutter haben sich betrogen. + +Güldenstern. +Wie so, Gnädiger Herr? + +Hamlet. +Ich bin nur toll bey Nord oder Nord-West; wenn der Wind von Suden +bläßt, kan ich einen Falken sehr wol von einer Hand-Säge +unterscheiden.**** + +{ed.-**** Ein damals gewöhnliches Sprüchwort. Eigentlich soll es +heissen, einen Falken von einem Reyger-Nest; allein das gemeine +Volk machte aus (Hern-shaw, (I know a hawk from a hern-shaw) +hand-saw) eine Hand-Säge, vermuthlich, damit die Redensart +possierlicher klinge, wie es vielen Sprüchwörtern zu gehen pflegt.} + + + + + +Siebende Scene. +(Polonius zu den Vorigen.) + + +Polonius. +Ich wünsche euch viel Gutes, meine Herren. + +Hamlet. +Hört ihr, Güldenstern, und ihr auch; diß grosse Wiegen-Kind, das +ihr hier vor euch seht, ist noch nie aus seinen Windeln gekommen. + +Rosenkranz. +Vielleicht ist er zum andern mal drein gekommen, denn man sagt, +alte Leute zweymal Kinder. + +Hamlet. +Ich seh es ihm an, daß er kommt, mir von den Comödianten zu +sprechen--Gebt Acht darauf--Ihr habt recht, mein Herr; lezten +Montag früh war es so, in der That. + +Polonius. +Gnädiger Herr, ich habe euch was neues zu sagen. + +Hamlet. +Gnädiger Herr, ich habe (euch) was neues zu sagen; als Roscius ein +Comödiant zu Rom war-- + + +Polonius. +Die Comödianten sind hier angekommen, Gnädiger Herr. + +Hamlet. +Was? + +Polonius. +Auf meine Ehre-- + +Hamlet. +Jeder Comödiant kam also auf seinem Esel-- + +Polonius. +Die besten Schauspieler in der Welt, es sey nun für Tragödie, +Comödie, Historie, Pastoral, Tragi-Comödie, Comical-Pastoral, oder +was ihr immer wollt; für sie ist Seneca nicht zu schwer, und +Plautus nicht zu leicht. Wenn Wiz und Freyheit das einzige Gesez +sind, so findet man ihres gleichen nicht in der Welt. + +Hamlet. +(O Jephta, Richter in Israel)*, was für einen Schaz hast du! + +{ed.-* Dieses und was Hamlet dem Polonius antwortet, scheinen +Bruchstüke aus alten Balladen zu seyn.} + +Polonius. +Was hatte er für einen Schaz, Gnädiger Herr? + +Hamlet. +(Ein' Tochter hatt' er, und nicht mehr, +Ein hübsches Mädchen, das liebt er sehr.) + +Polonius (vor sich.) +Immer stekt ihm meine Tochter im Kopf + +Hamlet. +Hab' ich nicht recht, alter Jephta? + +Polonius. +Wenn ich der Jephta bin, den ihr meynt, Gnädiger Herr, so hab ich +eine Tochter, die ich sehr liebe. + +Hamlet. +Nein, das folgt nicht. + +Polonius. +Was folgt denn, Gnädiger Herr? + +Hamlet. +Was? Zum Exempel, + +(Da trug sich zu, wie ich sagen thu--) ihr kennt ja das Liedchen? +Aber da kommen die ehrlichen Leute, die mir heraushelfen-- +(Vier oder fünf Schauspieler treten auf.) Willkommen, ihr Herren, +willkommen allerseits--Es freut mich, dich wohl zu sehen-- +Willkommen meine guten Freunde--Ha! Alter Freund! Du hast ja +einen hübschen Bart bekommen, seit dem wir uns gesehen haben--wie, +meine hübsche Jungfer, ihr seyd ja um eine Pantoffel-Höhe +gewachsen? Ich will hoffen, daß es eurer schönen Stimme nichts +geschadet haben werde--Ihr Herren, ihr seyd alle willkommen; wir +wollen nur gleich zur Sache--eine hübsche Scene, wenn ich bitten +darf; kommt, kommt; eine kleine Probe von eurer Kunst, eine Rede, +worinn recht viel Affect ist-- + +1. Schauspieler. +Was für eine Rede, Gnädiger Herr? + +Hamlet. +Ich hörte dich einmal eine declamieren, aber auf die Schaubühne kam +sie nicht; wenigstens nicht mehr als einmal; denn das Stük, so viel +ich mich erinnere, gefiel dem grossen Hauffen nicht; es war Stör- +Rogen (Caviar) für den Pöbel; aber, wie ich und andre, deren +Urtheil ich in solchen Sachen traue, es ansahen, war es ein +vortreffliches Stük; viel Einfalt und doch viel Kunst in der Anlage +des Plans, und die Scenen wol disponiert; nichts affectiertes in +der Schreibart; kein Salz, (sagte jemand) in den Worten, um der +Mattigkeit der Gedanken nachzuhelfen; keine Redensarten noch +Schwünge, worinn man statt der redenden Person den sich selbst +gefallenden Autor hört; kurz, ein natürlicher, ungeschminkter Styl, +wie der Kenner sagte. Ich erinnre mich sonderheitlich einer Rede, +die mir vorzüglich gefiel; es war in einem Dialoge des Äneas mit +der Dido, die Stelle, wo er von Priams Tochter sprach. Wenn ihr's +noch im Gedächtniß habt, so fangt bey der Zeile an--Laßt sehen, +laßt sehen--"Der rauhe Pyrrhus, gleich dem Hyrcanischen Tyger"-- +Nein, so heißt es nicht--es fangt mit dem Pyrrhus an--"Der rauhe +Pyrrhus, dessen Rüstung, schwarz wie sein unmenschliches Herz, +jener Nacht glich, da er auf Verderben laurend, im Bauch des +fatalen Pferdes verborgen lag, hatte nun die furchtbare Schwärze +seiner Waffen mit einer noch gräßlichern Farbe beflekt; nun ist er +von Kopf zu Fuß ganz blutroth; entsezlich besprizt mit Blut von +Vätern, Müttern, Söhnen, Töchtern, in die düstre Flamme gehüllt, +deren verdammter Schein den Weg schnöder Mörder beleuchtet--So von +Wuth und Hize lechzend, so mit gestoktem Blut überzogen, sucht mit +funkelnden Augen der höllische Pyrrhus den alten Anherrn Priam auf." + +Polonius. +Bey Gott, Gnädiger Herr, das war gut declamirt; mit einem guten +Accent, und mit einer geschikten Action. + +1. Schauspieler. +Er findet ihn, von Griechen umringt, die er aber mit zu +kurzgeführten Streichen, zurükzutreiben sucht. Sein altes Schwerd, +ungehorsam dem kraftlosen Arm, führt lauter unschädliche Hiebe und +bleibt liegen, wohin es fällt--welch ein Gegner, die Wuth des +daherstürzenden Pyrrhus aufzuhalten, der Wütrich hohlt zu einem +tödtlichen Streich weit aus; aber von dem blossen Zischen seines +blutigen Schwerds fällt der nervenlose Vater zu Boden. Das +gefühllose Ilion selbst schien diesen Streich zu fühlen, seine +flammenden Thürme stürzten ein, und der entsezliche Ruin macht +sogar den Pyrrhus stuzen; denn, seht, sein Schwerd, im Begriff, auf +das milchweisse Haupt des ehrwürdigen Priams herab zu fallen, blieb, +so schien es, in der Luft steken; Pyrrhus stuhnd, wie ein +gemahlter Tyrann, unthätig, dem Unentschloßnen gleich, der zwischen +seinem Willen und dem Gegenstand im Gleichgewicht schwebt; aber, so, +wie wir oft wenn ein Sturm bevorsteht, ein tiefes Schweigen durch +die Himmel wahrnehmen das Rad der Natur scheint zu stehen, die +trozigen Winde schweigen, und unter ihnen liegt der Erdkreis in +banger Todes-Stille; auf einmal stürzt der krachende Donner, +Verderben auf die Gegend herab: So feurt den unmenschlichen Pyrrhus, +nach dieser kleinen Pause, ein plözlicher Sturm von Rachsucht +wieder zur blutigen Arbeit an: Gefühlloser fielen nie die Hämmer +der Cyclopen auf die glühende Masse herab, woraus sie des Kriegs- +Gottes undurchdringliche Waffen schmieden; als nun des Pyrrhus +Schwerdt auf den hülflosen Greisen fällt--Hinaus, hinaus, du Meze, +Fortuna! O ihr Götter alle, vereiniget euch, stehet alle zusammen, +sie ihrer Gewalt zu berauben: Zerbrechet alle Speichen und Felgen +ihres Rades, und rollet die zirkelnde Nabe von dem Hügel des +Himmels bis in den Abgrund der Hölle hinab! + +Polonius. +Das ist zu lang. + +Hamlet. +Es soll mit euerm Bart zum Barbier--Ich bitte dich, fahre fort; er +muß Wortspiele oder schmuzige Mährchen haben, oder er schläft ein-- +Weiter fort, zur Hecuba-- + +1. Schauspieler. +Aber wer, o wer izt die vermummte Königin gesehn hätte-- + +Hamlet. +Die vermummte Königin? + +Polonius. +Das ist gut, vermummte Königin, ist gut. + +Schauspieler. +Wie sie, in Verzweiflung, mit nakten Füssen auf- und nieder rannte, +und weinte, daß die Flammen von ihren Thränen hätten verlöschen +mögen; ein besudelter Lumpe auf diesem Haupt, wo kürzlich noch das +Diadem funkelte; und statt des Königlichen Purpurs ein Bettlaken, +das erste was sie im betäubenden Schreken ergriff, um ihre +schlappen, von häufigem Gebähren ganz ausgemergelte Lenden +hergeworffen; wer das gesehen hätte, würde mit in Gift getauchter +Zunge Verwünschungen gegen das Glük ausgestossen haben--Doch, wenn +die Götter selbst sie gesehen hätten, in dem Augenblik sie gesehen +hätten, da Pyrrhus, mit unmenschlichem Muthwillen, die Glieder +ihres Gemahls vor ihren Augen in kleine Stüke zerhakte, das +ausberstende Geschrey, das sie da machte, würde sie, (es wäre dann, +daß sie von sterblichen Dingen gar nicht gerührt werden,) würde die +brennenden Augen des Himmels in Thränen aufgelöst, und die Götter +in Leidenschaft gesezt haben. + +Polonius. +Seht nur, ob er nicht seine Farbe verändert, und ob er nicht +Thränen in den Augen hat? Ich bitte dich, laß es genug seyn. + +Hamlet. +Gut, wir wollen den Rest dieser Rede auf ein andermal sparen--Mein +guter Herr, + +(zu Polonius) + +wollt ihr dafür sorgen, daß diese Schauspieler wohl besorgt +werden? Hört ihr's, laßt ihnen nichts abgehen; es sind Leute, die +man in Acht nehmen muß; sie sind lebendige Chroniken ihrer Zeit; es +wäre euch besser, eine schlechte Grabschrift nach euerm Tod zu +haben, als ihre üble Nachrede, weil ihr lebt. + +Polonius. +Gnädiger Herr, ich will ihnen begegnen, wie sie es verdienen. + +Hamlet. +Behüt uns Gott, Mann, weit besser! Wenn ihr einem jeden begegnen +wolltet, wie er's verdient, wer würde dem Staup-Besen entgehen? +Begegnet ihnen, wie es eurer eignen Ehre und Würde gemäß ist. Je +weniger sie verdienen, je mehr Verdienst ist in eurer Gütigkeit. +Nehmt sie mit euch hinein. + +Polonius. +Kommt, ihr Herren. + +(Polonius geht ab.) + +Hamlet. +Folget ihm, meine guten Freunde: Morgen wollen wir ein Stük hören-- +Hörst du mich, alter Freund, kanst du die Ermordung des Gonzago +aufführen? + +Schauspieler. +Ja, Gnädigster Herr. + +Hamlet. +So wollen wir's Morgen auf die Nacht haben. Ihr könnt doch, im +Nothfall eine Rede von einem Duzend oder sechszehn Zeilen studieren, +die ich noch aufsezen, und hinein bringen möchte? Könnt ihr nicht? + +Schauspieler. +Ja wohl, Gnädigster Herr. + +Hamlet. +Das ist mir lieb. Geht diesem Herrn nach, aber nehmt euch in Acht, +daß ihr ihn nicht zum besten habt. + +(Zu Rosenkranz und Güldenstern.) + +Meine guten Freunde, ich verlasse euch bis diese Nacht; ihr seyd +willkommen in Elsinoor. + +Rosenkranz. +Wir empfehlen uns zu Gnaden-- + +(Sie gehen ab.) + + + + + +Achte Scene. + + +Hamlet (allein). +Ja, so behüt euch Gott: endlich bin ich allein--O, was für ein +Schurke, für ein nichtswürdiger Sclave bin ich! Ist es nicht was +ungeheures, daß dieser Comödiant hier, in einer blossen Fabel, im +blossen Traum einer Leidenschaft, soviel Gewalt über seine Seele +haben soll, daß durch ihre Würkung sein ganzes Gesicht sich +entfärbt, Thränen seine Augen füllen, seine Stimme bricht, jeder +Gesichtszug, jedes Gliedmaß, jede Muskel die Heftigkeit der +Leidenschaft, die doch bloß in seinem Hirn ist, mit solcher +Wahrheit ausdrükt--und das alles um nichts? Um Hecuba--Was ist +Hecuba für ihn, oder er für Hecuba, daß er um sie weinen soll? Was +würd er thun, wenn er die Ursache zur Leidenschaft hätte, die ich +habe? Er würde den Schauplaz in Thränen ersäuffen, und mit +entsezlichen Reden jedes Ohr durchbohren; die Schuldigen würden von +Sinnen kommen, und die Schuldlosen selbst wie Verbrecher erblassen-- +und ich, träger schwermüthiger Tropf, härme mich wie ein +milzsüchtiger Grillenfänger ab, fühle die Grösse meiner Sache nicht, +und kan nichts sagen--nein, nichts, nichts für einen König, der +auf eine so verruchte Art seiner Crone und seines Lebens beraubt +worden ist!--Bin ich vielleicht eine Memme? Wer darf mich einen +Schurken nennen, mir ein Loch in den Kopf schlagen, mir den Bart +ausrauffen, und ins Gesicht werfen? Wer zwikt mich bey der Nase, +oder wirft mir eine Lüge in den Hals, so tief bis in die Lunge +hinab? Wer thut mir das? Und doch sollt' ich es leiden--Denn es +kan nicht anders seyn, ich bin ein Daubenherziger Mensch, der keine +Galle hat, die ihm seine Unterdrükung bitter mache; wenn es nicht +so wäre, hätte ich nicht bereits alle Geyer der Gegend mit dem +vorgeworfnen Aas dieses Sclaven gemästet? Der blutige kupplerische +Bube! Der gewissenlose, verräthrische, unzüchtige, unbarmherzige +Bösewicht!--Wie, was für eine niederträchtige Geduld hält mich +zurük? Ich, der Sohn eines theuren ermordeten Vaters, von Himmel +und Hölle zur Rache aufgefodert, ich soll wie eine feige Meze, mein +Herz durch Worte erleichtern, wie eine wahre Gassen-Hure in Schimpf- +Worte und Flüche ausbrechen--und es ist Hirn in diesem Schedel! Fy, +der Niederträchtigkeit! Es muß anders werden!--Ich habe gehört, +daß Verbrecher unter einem Schauspiel durch die blosse Kunst des +Poeten und des Schauspielers so in die Seele getroffen worden, daß +sie auf der Stelle ihre Übelthaten bekennt haben. Wenn ein Mord +gleich keine Zunge hat, so muß doch ehe das lebloseste Ding Sprache +bekommen, als daß er unentdekt bleiben sollte. Ich will diese +Comödianten etwas der Ermordung meines Vaters ähnliches vor meinem +Oheim aufführen lassen. Ich will sein Gesicht dabey beobachten; +ich will ihm die Wike bis aufs Fleisch in die Wunde bohren; wenn er +nur erblaßt, so weiß ich was ich zu thun habe. Der Geist, den ich +gesehen habe, kan der Teufel seyn; denn der Teufel hat die Macht +eine gefällige Gestalt anzunehmen; vielleicht mißbraucht er meine +Schwermuth und Trübsinnigkeit (Geister, durch die er eine besondere +Gewalt hat) mich zu einer verdammlichen That zu verleiten. Ich +will einen überzeugendern Grund haben als diese Erscheinung; und im +Schauspiel soll die Falle seyn, worinn ich das Gewissen des Königs +fangen will. + + + +Dritter Aufzug. + + + +Erste Scene. +(Der Pallast.) +(Der König, die Königin, Polonius, Ophelia, Rosenkranz, + Güldenstern, und Herren vom Hofe treten auf.) + + +König. +Ihr habt also nicht von ihm herausbringen können, was die Ursache +ist, warum er in den schönsten Tagen seines Lebens in diese +stürmische und Gefahr-drohende Raserey gefallen? + +Rosenkranz. +Er gesteht, daß er sich in einem ausserordentlichen Gemüths- +Zustande fühle; aber was die Ursache davon sey, darüber will er +sich schlechterdings nicht herauslassen. + +Güldenstern. +Auch giebt er nirgends keine Gelegenheit, wo man ihn ausholen +könnte, und wenn man würklich ganz nahe dabey zu seyn glaubt, ihn +zum Geständniß seines wahren Zustands zu bringen, so hat er, seiner +vorgeblichen Tollheit ungeachtet, doch List genug, sich immer +wieder aus der Schlinge zu ziehen. + +Königin. +Empfieng er euch freundlich? + +Rosenkranz. +Mit vieler Höflichkeit. + +Güldenstern. +Doch so, daß man die Gewalt die er seinem Humor anthun mußte, sehr +deutlich merken konnte. + +Rosenkranz. +Mit Fragen war er sehr frey, aber überaus zurükhaltend, wenn er auf +die unsrigen antworten sollte. + +Königin. +Schluget ihr ihm keinen Zeitvertreib vor? + +Rosenkranz. +Gnädigste Frau, es begegnete von ungefehr, daß wir unterwegs auf +eine Schauspieler-Gesellschaft stiessen; von dieser sagten wir ihm, +und es schien, als ob er eine Art von Freude darüber hätte: Sie +befinden sich würklich bey Hofe, und (wie ich glaube,) haben sie +bereits Befehl, diese Nacht vor ihm zu spielen. + +Polonius. +Es ist nichts gewissers, und er ersucht Eure Majestäten, Zuschauer +dabey abzugeben. + +König. +Von Herzen gern, es erfreut mich ungemein, zu hören, daß er so gut +disponiert ist. Erhaltet ihn bey dieser Laune, meine guten Freunde, +und seyd darauf bedacht, daß er immer mehr Geschmak an dergleichen +Zeitvertreib finde. + +Rosenkranz. +Wir wollen nichts ermangeln lassen, Gnädigster Herr. + +(Sie gehen ab.) + +König. +Liebste Gertrude, verlaßt ihr uns auch; wir haben heimliche +Anstalten gemacht, daß Hamlet hieher komme, damit er Ophelien, als +ob es von ungefehr geschähe, hier antreffe. Ihr Vater und ich +wollen einen solchen Plaz nehmen, daß wir, ungesehn, Zeugen von +allem was zwischen ihnen vorgehen wird, seyn, und also durch uns +selbst urtheilen können, ob die Liebe die Ursache seines Trübsinns +ist oder nicht. + +Königin. +Ich gehorche euch; und an meinem Theil, Ophelia, wünsch' ich, daß +eure Reizungen die glükliche Ursach von Hamlets Zustande seyn mögen: +Denn das würde mir Hoffnung machen, daß eure Tugend ihn, zu euer +beyder Ehre, wieder auf den rechten Weg bringen würde. + +Ophelia. +Gnädigste Frau, ich wünsch' es so. + +(Die Königin geht ab.) + +Polonius. +Ophelia, geht ihr hier auf und ab--Gnädigster Herr, wenn es +beliebig ist, wollen wir uns hier verbergen-- + +(Zu Ophelia.) + +Thut, als ob ihr in diesem Buche leset; damit das Ansehn einer +geistlichen Übung eure Einsamkeit beschönige. Es begegnet nur gar +zu oft, daß wir mit der andächtigsten Mine und der frömmsten +Gebehrde an dem Teufel selbst saugen. + +König (vor sich.) +Das ist nur gar zu wahr. Was für einen scharfen Geissel-Streich +giebt diese Rede meinem Gewissen! Die Wangen einer Hure durch +Kunst mit betrügerischen Rosen bemahlt, sind nicht häßlicher unter +ihrer Schminke, als meine That unter der schönen Larve meiner Worte-- +O schwere Bürde! + +Polonius. +Ich hör' ihn kommen; wir wollen uns entfernen, Gnädigster Herr. + +(Alle, bis auf Ophelia gehen ab.) + + + + + + +Zweyte Scene. +(Hamlet tritt auf, mit sich selbst redend.) + + +Hamlet. +Seyn oder nicht seyn--Das ist die Frage--Ob es einem edeln Geist +anständiger ist, sich den Beleidigungen des Glüks geduldig zu +unterwerfen, oder seinen Anfällen entgegen zu stehen, und durch +einen herzhaften Streich sie auf einmal zu endigen? Was ist +sterben?--Schlafen--das ist alles--und durch einen guten Schlaf +sich auf immer vom Kopfweh und allen andern Plagen, wovon unser +Fleisch Erbe ist, zu erledigen, ist ja eine Glükseligkeit, die man +einem andächtiglich zubeten sollte--Sterben--Schlafen--Doch +vielleicht ist es was mehr--wie wenn es träumen wäre?--Da stekt der +Haken--Was nach dem irdischen Getümmel in diesem langen Schlaf des +Todes für Träume folgen können, das ist es, was uns stuzen machen +muß. Wenn das nicht wäre, wer würde die Mißhandlungen und Staupen- +Schläge der Zeit, die Gewaltthätigkeiten des Unterdrükers, die +verächtlichen Kränkungen des Stolzen, die Quaal verschmähter Liebe, +die Schicanen der Justiz, den Übermuth der Grossen, ertragen, oder +welcher Mann von Verdienst würde sich von einem Elenden, dessen +Geburt oder Glük seinen ganzen Werth ausmacht, mit Füssen stossen +lassen, wenn ihm frey stühnde, mit einem armen kleinen Federmesser +sich Ruhe zu verschaffen? Welcher Taglöhner würde unter Ächzen +und Schwizen ein mühseliges Leben fortschleppen wollen?--Wenn die +Furcht vor etwas nach dem Tode--wenn dieses unbekannte Land, aus +dem noch kein Reisender zurük gekommen ist, unsern Willen nicht +betäubte, und uns riehte, lieber die Übel zu leiden, die wir +kennen, als uns freywillig in andre zu stürzen, die uns desto +furchtbarer scheinen, weil sie uns unbekannt sind. Und so macht +das Gewissen uns alle zu Memmen; so entnervet ein blosser Gedanke +die Stärke des natürlichen Abscheues vor Schmerz und Elend, und die +grössesten Thaten, die wichtigsten Entwürfe werden durch diese +einzige Betrachtung in ihrem Lauf gehemmt, und von der Ausführung +zurükgeschrekt--Aber sachte!--wie? Die schöne Ophelia?--Nymphe, +erinnre dich aller meiner Sünden in deinem Gebete. + +Ophelia. +Mein Gnädiger Prinz, wie habt ihr euch diese vielen Tage über +befunden? + +Hamlet. +Ich danke euch demüthigst; wohl-- + +Ophelia. +Gnädiger Herr, ich habe verschiedne Sachen zum Andenken von euch, +die ich euch gerne zurükgegeben hätte; ich bitte euer Gnaden, sie +bey dieser Gelegenheit zurük zu nehmen. + +Hamlet. +Ich? ich wißte nicht, daß ich euch jemals was gegeben hätte. + +Ophelia. +Ihr wißt es gar wohl, Gnädiger Herr, und daß ihr eure Geschenke mit +Worten, von so süssem Athem zusammengesezt, begleitet habt, daß sie +dadurch einen noch grössern Werth erhielten. Da sich dieser Parfüm +verlohren hat, so nehmt sie wieder zurük. Geschenke verliehren für +ein edles Gemüth ihren Werth, wenn das Herz des Gebers geändert ist. + +Hamlet. +Ha, ha! Seyd ihr tugendhaft? + +Ophelia. +Gnädiger Herr-- + +Hamlet. +Seyd ihr schön? + +Ophelia. +Was sollen diese Fragen bedeuten? + +Hamlet. +Das will ich euch sagen. Wenn ihr tugendhaft und schön seyd, so +soll eure Tugend nicht zugeben, daß man eurer Schönheit +Schmeicheleyen vorschwaze. + +Ophelia. +Machen Schönheit und Tugend nicht eine gute Gesellschaft mit +einander aus, Gnädiger Herr? + +Hamlet. +Nicht die beste; denn es wird allemal der Schönheit leichter seyn, +die Tugend in eine Kupplerin zu verwandeln, als der Tugend, die +Schönheit sich ähnlich zu machen. Das war ehmals ein paradoxer Saz, +aber in unsern Tagen ist seine Wahrheit unstreitig--Es war eine +Zeit, da ich euch liebte. + +Ophelia. +In der That; Gnädiger Herr, ihr machtet mich's glauben. + +Hamlet. +Ihr hättet mir nicht glauben sollen. Denn Tugend kan sich unserm +alten Stamme nie so gut einpfropfen, daß wir nicht noch immer einen +Geschmak von ihm behalten sollten. Ich liebte euch nicht. + +Ophelia. +Desto schlimmer, daß ich so betrogen wurde. + +Hamlet. +Geh in ein Nonnenkloster. Warum wolltest du eine Mutter von +Sündern werden? Ich bin selbst keiner von den Schlimmsten; und +doch könnt' ich mich solcher Dinge anklagen, daß es besser wäre, +meine Mutter hätte mich nicht zur Welt gebracht. Ich bin sehr +stolz, rachgierig, ehrsüchtig, zu mehr Sünden aufgelegt, als ich +Gedanken habe sie zu namsen, Einbildungs-Kraft sie auszubilden, und +Zeit sie zu vollbringen. Wozu sollen solche Bursche, wie ich bin, +zwischen Himmel und Erde herumkriechen? Wir sind alle ausgemachte +Taugenichts; traue keinem von uns--Geh in ein Nonnen-Kloster--Wo +ist euer Vater? + +Ophelia. +Zu Hause, Gnädiger Herr. + +Hamlet. +Laß die Thür hinter ihm zuschliessen, damit er den Narren nirgends +als in seinem eignen Hause spielen könne--Adieu. + +Ophelia. +O hilf ihm, Gütiger Himmel! + +Hamlet. +Wenn du einen Mann nimmst, so will ich dir diesen Fluch zur Mitgift +geben--Sey so keusch wie Eis, so rein wie Schnee, du wirst doch der +Verläumdung nicht entgehen--Geh in ein Nonnen-Kloster--Adieu--Oder +wenn du es ja nicht vermeiden kanst, so nimm einen Narren; denn +gescheidte Leute wissen gar zu wohl, was für Ungeheuer ihr aus +ihnen macht.--In ein Nonnen-Kloster, sag ich und das nur bald: +Adieu. + +Ophelia. +Ihr himmlischen Mächte, stellet ihn wieder her! + +Hamlet. +Ich habe auch von eurer Mahler-Kunst gehört; eine feine Kunst! +Gott hat euch ein Gesicht gegeben, und ihr macht euch ein anders. +Ihr verhunzt unserm Herrn Gott sein Geschöpf durch eure tändelhafte +Manieren, durch eure Ziererey, euer affektiertes Stottern, euern +tanzenden Gang, eure kindische Launen; und seyd unwissend genug +euch auf diese Armseligkeiten noch wer weiß wie viel einzubilden. +Geh, geh, ich will nichts mehr davon, es hat mich toll gemacht. +Ich meyne, keine Heyrathen mehr! Diejenigen die nun einmal +verheyrathet sind, alle bis an einen, mögen leben; die übrigen +sollen bleiben wie sie sind. In ein Nonnen-Kloster, geh. + +(Hamlet geht ab.) + +Ophelia. +O was für ein edles Gemüth ist hier zu Grunde gerichtet! Das Aug +eines Hofmanns, die Zunge eines Gelehrten, der Degen eines Helden! +Die Erwartung, die blühende Hoffnung des Staats! Der Spiegel, +worinn sich jeder besah, der gefallen wollte; das Modell von allem +was groß, schön und liebenswürdig ist, gänzlich, gänzlich +zernichtet! Ich unglükselige! Die einst den Honig seiner +Schmeicheleyen, die Musik seiner Gelübde so begierig in mich sog; +und izt sehen muß, wie der schönste Geist, gleich einem verstimmten +Glokenspiel, lauter falsche, mißklingende Töne von sich giebt, und +diese unvergleichliche Tugend-Blühte in finstrer Schwermuth +hinwelkt! O! wehe mir! daß ich leben mußte, um zu sehen, was ich +gesehen habe. + + + + +Dritte Scene. +(Der König und Polonius treten auf.) + + +König. +Liebe, sagt ihr? Nein, sein Gemüth ist von ganz andern Dingen +eingenommen, und was er sagte, ob es gleich ein wenig seltsam klang, +war auch nicht Wahnwiz. Es liegt ihm etwas im Gemüth, worüber +seine Melancholie brütend sizt, und ich besorge es möchte +gefährlich seyn, es zeitig werden zu lassen. Es ist mir in der +Geschwindigkeit ein Mittel beygefallen, wie diesem Übel vorgebogen +werden kan. Ich will ihn ohne Aufschub nach England schiken, um +den Tribut zu fodern, der uns zurükgehalten wird: Vielleicht, daß +die See-Luft, ein anders Land und andre Gegenstände, diese böse +Materie zerstreuen mögen, die sich in seinem Herzen gesezt, und +sein Gehirn mit schwarzen Vorstellungen angefüllt hat, denen er +nachhängt, und darüber in diesen seltsamen Humor verfallen ist. +Was denkt ihr davon? + +Polonius. +Es wird eine gute Wirkung thun. Und doch glaub ich noch immer, daß +verachtete Liebe die erste Quelle und Ursach dieser Schwermuth +gewesen--Wie steht's, Ophelia? Ihr habt nicht nöthig uns zu +erzählen, was Prinz Hamlet sagte; wir haben alles gehört-- + +(Ophelia geht ab.) + +Gnädigster Herr, handelt nach euerm Gefallen; wenn es euch aber +nicht entgegen ist, so laßt die Königin seine Frau Mutter nach der +Comödie in einer geheimen Unterredung einen Versuch machen, die +Ursache seines Grams von ihm zu erfahren; laßt sie mit der Sprache +gerad gegen ihn herausgehen; und ich will mich, wenn ihr's für gut +anseht, an einen Ort stellen, wo ich alles was sie mit einander +reden, hören kan. Will er sich nicht erklären, so schikt ihn nach +England, oder verwahrt ihn sonst irgendwo; was eure Klugheit das +rathsamste finden wird. + +König. +Wir wollen es so machen--Wahnwiz ist an den Grossen allemal was +verdächtiges das man nicht unbewacht lassen soll. + +(Sie gehen ab.) + +(Hamlet mit zween oder dreyen Schauspielern tritt auf.) + +Hamlet. +Sprecht eure Rede, ich bitte euch, so wie ich sie euch vorgesagt +habe, mit dem natürlichen Ton und Accent, wie man im gemeinen Leben +spricht. Denn wenn ihr das Maul so voll nehmen wolltet, wie manche +von unsern Schauspielern zu thun pflegen, so wäre mir eben so lieb, +wenn der Ausruffer meine Verse hersagte. Und sägt auch die Luft +nicht so mit eurer Hand, sondern macht es manierlich; denn selbst +in dem heftigsten Strom, Sturm und Wirbelwind einer Leidenschaft +müßt ihr eure Bewegungen so gut in eurer Gewalt haben, daß sie +etwas edels und anständiges behalten. O, es ist mir in der Seele +zuwider, wenn ich einen breitschultrichten Lümmel in einer grossen +Perüke vor mir sehe, der eine Leidenschaft zu Fezen zerreißt, und +um pathetisch zu seyn, sich nicht anderst gebehrdet, als wie ein +toller Mensch; aber gemeiniglich sind solche Gesellen auch nichts +anders fähig als Lerm und seltsame unnatürliche Gesticulationen zu +machen. Ich könnte einen solchen Burschen prügeln lassen, wenn er +die Rolle eines Helden kriegt, und einen Dragoner in der Schenke +daraus macht; Herodes selbst ist nur ein Kind dagegen. Ich bitte +euch, nehmt euch davor in Acht. + +Schauspieler. +Dafür stehe ich Euer Gnaden. + +Hamlet. +Indessen müßt ihr auch nicht gar zu zahm seyn; in diesem Stüke muß +eure Beurtheilungs-Kraft euer Lehrmeister seyn. Laßt die Action zu +den Worten, und die Worte zur Action passen, mit der einzigen +Vorsicht, daß ihr nie über die Grenzen des Natürlichen hinausgehst-- +Denn alles Übertriebne ist gegen den Endzwek der Schauspieler- +Kunst, der zu allen Zeiten, von Anfang und izt, nichts anders war +und ist, als der Natur gleichsam einen Spiegel vorzuhalten, der +Tugend ihre eigne wahre Gestalt und Proportion zu zeigen, und die +Sitten der Zeit, bis auf ihre kleinsten Züge und Schattierungen +nach dem Leben gemahlt darzustellen. Wird hierinn etwas +übertrieben, oder auch zu matt und unter dem wahren Leben gemacht, +so kan es zwar die Unverständigen zum Lachen reizen; aber +Vernünftigen wird es desto anstössiger seyn; und das Urtheil von +diesen soll in euern Augen allemal ein ganzes Theater voll von +jenen überwiegen. Ich kenne Schauspieler, und sie wurden von +gewissen Leuten gelobt (so sehr man loben kan,) die ihre Rollen so +abscheulich heulten, sich so ungebehrdig dazu spreißten, daß ich +dachte, irgend einer von der Natur ihren Tagwerks-Jungen habe +Menschen machen wollen, und sie seyen ihm nicht gerathen; so +abscheulich-grotesk ahmten sie die menschliche Natur nach. + +Schauspieler. +Ich hoffe, wir haben diesen Unform so ziemlich bey uns abgeschaft. + +Hamlet. +O, schaft ihn durchaus ab. Und denen, die eure lustigen Bauren +machen sollen, schärfet ein, daß sie nicht mehr sagen sollen, als +in ihrer Rolle steht; denn es giebt einige unter ihnen, die sich +selbst einen Spaß damit machen wollen, daß sie eine Anzahl alberner +Zuschauer zum Lachen bringen können, wenn gleich in dem nemlichen +Augenblik die Aufmerksamkeit auf eine wichtige Stelle des Stüks +geheftet seyn sollte: Das ist was infames, und zeigt eine +erbärmliche Art von Ambition an dem Narren, der es so macht. Geht, +macht euch fertig. + +(Die Schauspieler gehen ab.) + + + + + + +Vierte Scene. +(Polonius, Rosenkranz und Güldenstern treten auf.) + + +Hamlet. +Wie ists, mein Herr? Will der König dieses Stük hören? + +Polonius. +Und die Königin dazu, und das sogleich. + +Hamlet. +So seht, daß die Schauspieler hurtig machen. + +(Polonius geht ab.) + +Wollt ihr beyde nicht auch gehen, und ihnen helfen, daß sie fertig +werden? + +Beyde. +Wir wollen, Gnädiger Herr. + +(Sie gehen ab.) + +Hamlet. +He, holla, Horatio--(Horatio zu Hamlet.) + +Horatio. +Hier, liebster Prinz, was habt ihr zu befehlen? + +Hamlet. +Horatio, du bist durchaus so ein ehrlicher Mann, als ich jemals in +meinem Leben einen gefunden habe. + +Horatio. +O, mein Gnädigster Herr-- + +Hamlet. +Nein, bilde dir nicht ein, ich schmeichle; denn was für Interesse +könnt' ich von dir hoffen, dessen ganzer Reichthum darinn besteht, +daß du Verstand genug hast, dir Nahrung und Kleider zu verschaffen? +Die Zunge der Schmeicheley lekt nur um die Füsse der Grossen, und +beugt ihre kupplerische Kniee nur, wo sie Belohnung hofft. Hörst +du? Seitdem meine Seele fähig ist zu wählen, und Menschen von +Menschen zu unterscheiden, hat sie dich aus allen für sich selbst +auserkohren. Denn ich habe dich als einen Mann kennen gelernt, der +gutes und böses Glük mit gleicher Mässigung annahm, und wenn alle +Widerwärtigkeiten sich gegen ihn vereinigten, so gutes Muthes war, +als ob er nichts zu leiden hätte. Und glüklich sind diejenigen, +deren Blut und Gemüths-Art so wol gemischt ist, daß sie keine +Pfeiffe für Fortunens Finger sind, und tönen müssen, wie sie greift. +Zeigt mir den Mann, der kein Sclave der Leidenschaft ist, ich +will ihn im Kern meines Herzens tragen; ja, in meines Herzens +Herzen, wie ich dich trage--Genug, und ein wenig mehr als genug +hievon!--Es soll diese Nacht ein Schauspiel vor dem König +aufgeführt werden, worinn eine Scene demjenigen sehr nahe kommt, +was ich dir von den besondern Umständen von meines Vaters Tod +erzählt habe. Ich bitte dich, wenn diese Scene kommt, so beobachte +meinen Oheim mit dem äussersten Grade der Aufmerksamkeit, der +deiner Seele möglich ist. Wenn bey einer gewissen Rede seine +geheime Schuld sich nicht selbst verräth, so ist der Geist den wir +gesehen haben, aus der Hölle, und meine Einbildungen auf des +Teufels Ambose geschmiedet. Verwende kein Auge von ihm, ich will +es auch so machen, und hernach wollen wir unsre Beobachtungen +zusammentragen, und ein Urtheil über sein Bezeugen festsezen. + +Horatio. +Gut, Gnädiger Herr. Wenn er was stiehlt, während daß die Comödie +gespielt wird, und der Entdekung entgeht, will ich den Diebstahl +bezahlen. + + + + +Fünfte Scene. +(Der König, die Königin, Polonius, Ophelia, Rosenkranz, + Güldenstern, und andere Herren von Hofe, mit Bedienten, welche + Fakeln vortragen. Ein dänischer Marsch, mit Trompeten.) + + +Hamlet. +Da kommen sie zur Comödie--ich muß hier den Geken machen-- + +(zu Horatio.) + +Sieh dich um einen Plaz um. + +König. +Wie steht's um unsern Neffen Hamlet? + +Hamlet. +Unvergleichlich, in der That, nach Cameleons Art; ich esse Luft, +mit Versprechungen gefüllt; eure Capunen werden nicht fett dabey +werden. + +König. +Ich weiß nichts mit dieser Antwort zu machen, Hamlet-- + +Hamlet. +Ich auch nicht-- + +(Zu Polonius.) + +Nun, mein Herr; ihr spieltet ja ehmals auch Comödien auf der +Universität, sagtet ihr? + +Polonius. +Das that ich, Gnädiger Herr, und man hielt mich für einen guten +Schauspieler. + +Hamlet. +Und was machtet ihr für Rollen? + +Polonius. +Ich machte den Julius Cäsar, ich wurde im Capitol umgebracht; +Brutus brachte mich um. + +Hamlet. +Das war brutal von ihm gehandelt, ein solches Capital-Kalb da +umzubringen--Sind die Comödianten fertig? + +Rosenkranz. +Ja, Gnädiger Herr, sie warten auf euern Befehl. + +Königin. +Komm hieher, mein liebster Hamlet; seze dich zu mir. + +Hamlet. +Um Vergebung, Frau Mutter, hier ist ein Magnet der stärker zieht. + +Polonius (zur Königin.) +O, ho, habt ihr das bemerkt? + +Hamlet. +Fräulein, wollt ihr mich in euerm Schooß ligen lassen? + +(Er sezt sich zu ihren Füssen auf den Boden hin.) + +Ophelia. +Nein, Gnädiger Herr. + +Hamlet. +Ich meyne, meinen Kopf auf euerm Schooß? + +Ophelia. +Ja, Gnädiger Herr. + +Hamlet. +Denkt ihr, ich habe was anders gemeynt? + +Ophelia. +Ich denke nichts, Gnädiger Herr. + +Hamlet (etwas leise.) +Das ist ein hübscher Gedanke, zwischen eines Mädchens Beinen zu +ligen-- + +Ophelia. +Was ist's, Gnädiger Herr? + +Hamlet. +Nichts. + +Ophelia. +Ihr seyd aufgeräumt, Gnädiger Herr? + +Hamlet. +Wer, ich? + +Ophelia. +Ja. + +Hamlet. +O Gott! ein Spaßmacher, wie ihr keinen mehr sehen werdet. Was +sollte einer thun, als aufgeräumt seyn? Denn, seht ihr, was meine +Mutter für ein vergnügtes Gesicht macht, und es ist doch kaum zwo +Stunden, daß mein Vater todt ist. + +Ophelia. +Um Vergebung, es sind zweymal zween Monate, Gnädiger Herr. + +Hamlet. +Schon so lange? O, wenn das ist, so mag der Teufel schwarz gehen, +ich will meinen Hermelin-Pelz wieder umwerfen. O Himmel! schon +zween Monat todt, und noch nicht vergessen! So kan man doch hoffen, +daß eines grossen Mannes Andenken sein Leben ein halbes Jahr +überleben werde: Aber, bey unsrer Frauen! in diesem Fall muß einer +wenigstens eine Kirche gebaut haben; sonst mag er leiden, daß man +nicht mehr an ihn denkt, wie das Steken-Pferd; dessen Grabschrift +ist: + +Au weh! das ist beklagens werth, +Man denkt nicht mehr ans Steken-Pferd.* + +{ed.-* Ein satyrischer Stich auf die damaligen Puritaner, welche man +in den Gassen-Liedern, die über sie gemacht und gesungen wurden, +ihren bekannten scheinheiligen Eifer gegen alle Spiele bis gegen das +Steken-Pferd treiben ließ, auf welchem doch sie, und ihres gleichen, +bis auf den heutigen Tag, so weydlich herumtraben.} + + + + + +Sechste Scene. +(Musik von Hautbois. Die Pantomime tritt auf.) +(Ein Herzog und eine Herzogin mit Cronen auf den Häuptern, treten + sehr liebreich mit einander auf; die Herzogin umarmt ihn, und er + sie; sie kniet nieder, er hebt sie auf und neigt seinen Kopf auf + ihren Hals; er legt sich auf einen Blumenbank hin; sie sieht daß er + eingeschlafen ist, und verläßt ihn. Darauf kommt ein Kerl hervor, + nimmt seine Crone weg, küßt sie, schüttet dem Herzog Gift ins Ohr, + und geht ab. Die Herzogin kommt zurük, und da sie den Herzog todt + findet, gebehrdet sie sich gar kläglich. Der Vergifter kommt mit + zween oder drey Stummen wieder, und stellt sich, als ob er mit ihr + jammere. Der Leichnam wird weggetragen. Der Vergifter buhlt + hierauf um die Herzogin, und bietet ihr Geschenke an; sie scheint + eine Zeit lang unwillig, und unschlüssig; doch zulezt nimmt sie + seine Liebe an.) + +(Die Pantomime geht ab.) + + +Ophelia. +Was soll das bedeuten? + +Hamlet. +Poz Stern, Fräulein, es bedeutet Unheil. + +Ophelia. +Vermuthlich wird es den Inhalt des Stüks vorstellen sollen? (Der +Vorredner tritt auf.) + +Hamlet. +Das werden wir von diesem Burschen hören: Die Comödianten können +nichts Geheimes bey sich behalten; sie werden alles sagen. + +Ophelia. +Wird er uns sagen, was das stumme Schauspiel bedeutet? + +Hamlet. +Ja, oder irgend ein Schauspiel das ihr ihm zu schauen gebt. Schämt +euch nicht, es ihn sehen zu lassen, so wird er sich nicht schämen, +euch zu sagen was es bedeutet. + +Ophelia. +Ihr seyd unartig, sehr unartig; ich will auf die Comödie Acht geben. + +Vorredner. +Der Prologus tritt hier hervor +Und bittet eure Huld +Um ein nicht allzu-critisch Ohr +Und ziemlich viel Geduld. + +(Sie gehen ab.) + +Hamlet. +Ist das ein Prologus, oder Poesie auf einen Ring? + +Ophelia. +Es war ziemlich kurz. + +Hamlet. +Wie Weiber-Treue. + +(Der Herzog und die Herzogin des Schauspiels treten auf.) + +Herzog.* +Dreissig male schon hat Phöbus seinen glänzenden Lauf durch den +Himmel vollbracht, und zwölfmal dreissigmal der Mond seinen Silber- +Wagen um den Erdkreis getrieben, seit Amor unsre Herzen und Hymen +unsre Hände durch das Band geheiligter Liebe vereinigt hat. + +{ed.-* Dieses ganze kleine Schauspiel ist im Original in Reimen von +unübersezlicher Schlechtigkeit abgefaßt.} + +Herzogin. +Und eben so viele Reisen möge Sonne und Mond uns noch zählen lassen, +eh das unerbittliche Geschik dieses theure Band zertrennen dürfe. +Aber ach! weh mir! ihr befindet euch Zeit her so übel, und eure +Gesundheit hat einen so starken Abfall erlidten, daß ich nicht +anders als zittern kan: Doch lasset euch meine zärtliche +Besorgnisse nicht erschreken, liebster Gemahl: Weiber fürchten +allezeit wie sie lieben, in beydem mit Übermaaß. Wie weit meine +Liebe geht, hat euch die Erfahrung gelehrt; und so wie meine Liebe, +ist meine Furcht. Wo die Liebe groß ist, werden die kleinsten +Zweifel zu ängstlichen Besorgnissen-- + +Herzog. +Deine Besorgnisse täuschen dich nicht, meine Liebe; ich werde dich +verlassen müssen, und das bald: Ich fühle es, daß meine Lebens- +Kräfte ihren Verrichtungen nicht mehr gewachsen sind; ich werde +dich verlassen, und den Trost haben dich in dieser schönen Welt +geehrt und geliebt zurük zu lassen; und vielleicht wirst du bald in +den Armen eines eben so zärtlichen Ehegatten-- + +Herzogin. +O haltet ein, liebster Gemahl, vollendet den entsezlichen Gedanken +nicht! Diese auf ewig eurer Liebe geheiligte Brust, ist keiner +Verrätherey fähig. Der Fluch falle auf den Tag, der mich in die +Arme eines andern Mannes legen wird! Nur diejenige heyrathet den +zweyten Mann, die den ersten ermordet hat-- + +Hamlet. +Wurmsaamen, Wurmsaamen! + +Herzogin. +Die Betrachtungen, wodurch man sich zur zweyten Ehe bewegen läßt, +sind niederträchtiges Interesse, niemals Liebe. Mir würde es seyn, +ich stösse allemal den Dolch in meines ersten Mannes Herz, so oft +mich der zweyte küßte. + +Herzog. +Ich zweifle nicht, daß alles was ihr izt sagt, euer wahrer Ernst +ist: Aber wie oft brechen wir was wir uns selbst versprochen haben! +Unsre Vorsäze sind den zu frühzeitigen Früchten gleich, die zwar +eine Zeit lang fest am Baume steken, aber zulezt faulen, und dann +ungeschüttelt fallen. Wir vergessen nichts leichter zu bezahlen, +als was wir uns selbst schuldig sind; und es ist natürlich, daß +Vorsäze, die wir aus Leidenschaft fassen, zugleich mit ihrer +Ursache aufhören. Übermaaß in Vergnügen und Schmerz reibt sich +allezeit selber auf; und es ist billig, daß in einer Welt, die +nicht für immer gemacht ist, Schmerz und Lust ihr Ziel haben. Es +ist gar nichts befremdliches darinn, wenn unsre Liebe mit unsern +Umständen sich ändert, und es ist noch immer eine unausgemachte +Frage, ob die Liebe das Glük, oder das Glük die Liebe leite. Ihr +seht, wenn ein Grosser fällt, so fliehen seine Günstlinge, und der +Arme, der emporkommt, macht seine Feinde zu Freunden; wie hingegen +derjenige, der in der Noth einen hohlen Freund auf die Probe sezen +will, sich geradezu einen Feind macht. Um also zum Schluß dessen +was ich angefangen habe zu kommen, so däucht mich, unsre Wünsche +und unsre Umstände durchkreuzen einander so oft, daß unsre Vorsäze +selten in unsrer Gewalt bleiben; unsre Gedanken sind unser, aber +nicht ihre Ausführung. Denke also immer, meine Liebe, daß du +keinen zweyten Gemahl nehmen wollest, aber laß diese Gedanken +sterben, sobald dein erster Mann gestorben ist. + +Herzogin. +O! dann gebe mir weder die Erde Nahrung, noch der Himmel Licht! +Dann komme bey Tag und bey Nacht weder Freude in mein Herz noch +Ruhe auf meine Auglieder! Elender sey mein Leben als das Leben des +büssenden Einsiedlers, ein fortdaurender Tod; jeder meiner Wünsche +begegne dem was ihm am meisten entgegen ist, und ewige Qual +verfolge mich hier und dort, wenn ich aus einer Wittwe, jemals +wieder eine Vermählte werde. + +Hamlet. +Wenn sie diese Schwüre bricht-- + +Herzog. +Das sind grosse Schwüre! Meine Geliebteste, verlaß mich izt eine +Weile; meine Geister werden matt; ich will versuchen, ob ich +schlafen kan-- + +(Er entschläft.) + +Herzogin. +Ruhe sanft, und niemals, niemals komme Unglük zwischen uns beyde! + +(Sie geht ab.) + +Hamlet (zur Königin.) +Gnädige Frau, wie gefällt euch dieses Stük? + +Königin. +Mich däucht, die Dame verspricht zu viel. + +Hamlet. +O, wir werden sehen, wie sie ihr Wort halten wird. + +König. +Kennt ihr den Inhalt des Stüks? Ist nichts anstössiges darinn? + +Hamlet. +Nein, gar nichts; es ist alles nur Spaß; sie vergiften nicht im +Ernst; auf der Welt nichts anstössiges. + +König. +Wie nennt sich das Stük? + +Hamlet. +Die (Maus-Falle;)--In der That, in einem figürlichen Verstande, +vermuthlich--Das Stük ist die Vorstellung eines Mords der in Wien +begegnet ist; Gonzago ist des Herzogs Name, seine Gemahlin heißt +Baptista; ihr werdet gleich sehen, daß es ein schelmisches Stük +Arbeit ist; aber was thut das uns? Eure Majestät und andre, die +ein gutes Gewissen haben, geht es nichts an; der mag sich krazen, +den es jukt; wir haben eine glatte Haut. (Lucianus tritt auf.) + +Das ist einer, Namens Lucianus, ein Neffe des Herzogs. + +Ophelia. +Man kan den Chor mit euch ersparen, Gnädiger Herr. + +Hamlet.** +--Nun, fang einmal an, Mörder. Hör auf, deine verteufelte +Gesichter zu schneiden, und fang an. Komm, der krächzende Rabe +schreyt um Rache. + +{ed.-** Hier hat man zwey Scherz-Reden Hamlets weglassen müssen, +wovon die erste dem Übersezer unverständlich, und die andre eine +zweydeutige Zote ist.} + +Lucianus +Schwarze Gedanken; willige Hände; schnellwürkendes Gift, und +gelegne Zeit--Alles stimmt zusammen, und kein Mensch ist da, der +mich sehen könnte. Ergiesse, du fatale Mixtur, aus +mitternächtlichen Kräutern gezogen, und dreyfach mit Hecates Zauber- +Fluch geschwängert, ergiesse deine verderbliche Natur und magische +Eigenschaft, und mach' einem mir verhaßten Leben ein plözliches +Ende! + +(Er gießt dem schlaffenden Herzog das Gift in die Ohren.) + + + +Hamlet + +(zum Könige.) + + +Er vergiftet ihn in seinem Garten, um Herr von seinem Vermögen zu +werden; sein Nam' ist Gonzago; die Historie davon ist im Druk, sie +ist im besten Toscanischen geschrieben. Sogleich werdet ihr sehen, +wie der Mörder auch die Liebe von Gonzago's Gemahlin gewinnt-- + + +Ophelia. +Der König steht auf. + +Hamlet. +Wie, von einem blinden Lermen erschrekt? + +Königin. +Was fehlt meinem Gemahl? + +Polonius. +Hört auf zu spielen! + +König. +Gebt mir Licht. Weg! weg! + +Alle. +Lichter, Lichter, Lichter! + +(Sie gehen in Verwirrung ab.) + + + + + +Siebende Scene. +(Hamlet und Horatio bleiben.) + + +Hamlet. +Laßt weinen den verwundten Hirsch, +Der unverlezte scherzt: +Denn billig wacht die Missethat +Indem die Unschuld schläft. Würde das, Herr, (wenn alles andre +fehlschlüge) und ein Wald von Federn auf dem Hut, und ein paar +ungeheure Rosen auf meinen gestreiften Schuhen, mir nicht einen +Plaz unter einen Kuppel von Comödianten verschaffen? + +Horatio. +Ich mache mit, wenn's dazu kommt. + +Hamlet. +O mein guter Horatio, ich wollte des Geists Wort für zehntausend +Thaler annehmen. Hast du's gesehen? + +Horatio. +Nur gar zu wohl, Gnädiger Herr. + +Hamlet. +Wie die Rede vom Vergiften war? + +Horatio. +Ich hab' es sehr wol beobachtet. (Rosenkranz und Güldenstern +treten auf.) + +Hamlet. +He! holla! kommt, spielt uns eins auf. Kommt, wo sind die +Flöten? Wenn die Comödie dem König nicht gefällt, nun, so gefällt +sie ihm eben nicht, und er muß wissen warum. Kommt, spielt auf, +sag ich. + +Güldenstern. +Mein Gnädiger Prinz, erlaubet mir ein Wort mit euch zu reden-- + +Hamlet. +Eine ganze Historie, Herr. + +Güldenstern. +Der König, mein Herr-- + +Hamlet. +So, mein Herr, was giebt's von ihm? + +Güldenstern. +Hat sich in sein Cabinet verschlossen, und befindet sich +ausserordentlich übel-- + + +Hamlet. +Vielleicht von zu vielem Wein? + +Güldenstern. +Nein, Gnädiger Herr, von Galle-- + +Hamlet. +Eure gewöhnliche Weisheit hat euch nicht wohl gerathen, mein Herr, +da sie euch zu mir gewiesen hat; zum Doctor hättet ihr gehen sollen; +ich kan hier nichts; denn wenn ich ihm auch ein Purgier-Mittel +eingeben wollte, so möcht' es ihm leicht noch mehr Galle machen. + +Güldenstern. +Gnädiger Herr, höret mich an, anstatt durch solche seltsame +Absprünge meinem Vortrag auszuweichen. + +Hamlet. +Ich will stehen bleiben, Herr--Sprecht! + +Güldenstern. +Die Königin, eure Frau Mutter, schikt mich in grössester Betrübniß +ihres Herzens zu euch. + +Hamlet. +Ihr seyd willkommen. + +Güldenstern. +Nein, Gnädiger Herr, dieses Compliment ist hier ausser seinem Plaz. +Wenn es euch beliebig ist, mir eine gesunde Antwort zu geben, so +will ich mich des Auftrags entledigen, den mir eure Mutter +aufgegeben hat; wo nicht, so werdet ihr mir verzeihen, wenn ich +gehe, und mein Geschäft für geendigt halte. + +Hamlet. +Herr, das kan ich nicht-- + +Güldenstern. +Was, Gnädiger Herr? + +Hamlet. +Euch eine gesunde Antwort geben; mein Wiz ist gar nicht wohl auf +Aber, Herr, so gut als ich eine Antwort geben kan, steht sie euch +zu Diensten; oder vielmehr wie ihr sagt, meiner Mutter--also nur +ohne fernern Umschweif zur Sache!--Meine Mutter, sagt ihr-- + +Rosenkranz. +Nun dann, das sagt sie; euer Betragen hat sie in das äusserste +Befremden und Erstaunen gesezt. + +Hamlet. +O erstaunlicher Sohn, der seine Mutter so in Erstaunen sezen kan! +Aber stolpert nicht etwann eine Folge hinter dieser Erstaunung her? + +Rosenkranz. +Sie wünscht, eh ihr zu Bette geht, in ihrem Cabinet mit euch zu +sprechen. + +Hamlet. +Wir werden gehorchen, und wenn sie zehnmal unsre Mutter wäre. Habt +ihr noch weiter was mit uns zu handeln? + +Rosenkranz. +Gnädiger Herr, ihr liebtet mich einst-- + +Hamlet. +Das thu ich noch-- + +Rosenkranz. +Nun, dann, liebster Prinz, um unsrer alten Freundschaft willen, was +ist die Ursache dieses euers seltsamen Humor's? Seyd versichert, +ihr sezt eure eigne Freyheit in Gefahr, wenn ihr euch länger +weigert, eure Beschwerden einem Freunde zu vertrauen. + +Hamlet. +Mein Herr, ich möchte gern Befördrung. + +Rosenkranz. +Wie kan das seyn, da ihr das Königliche Wort für eure Thronfolge in +Dännemark habt? + +Hamlet. +Schon gut, aber, (weil das Gras wächßt)--Das Sprüchwort ist ein +wenig schmuzig. (Einer mit einer Flöte tritt auf.) O, die Flöten; +laßt mich eine sehen--Wir gehen mit einander, mein Herr--Wie, warum +geht ihr so um mich herum, mir den Wind abzugewinnen, als ob ihr +mich in ein Garn treiben wolltet? + +Güldenstern. +O mein Gnädiger Prinz, wenn mich meine Pflicht zu kühn macht, so +zwingt mich meine Liebe so gar unhöflich zu seyn. + +Hamlet. +Das versteh' ich nicht allzuwol. Wollt ihr auf dieser Flöte +spielen? + +Güldenstern. +Ich kan nicht, Gnädiger Herr. + +Hamlet. +Ich bitte euch. + +Güldenstern. +Glaubt mir, auf mein Wort, ich kan nicht. + +Hamlet. +Ich bitte recht sehr. + +Güldenstern. +Ich kenne keinen Griff, Gnädiger Herr. + +Hamlet. +Es ist eine so leichte Sache als Lügen; regiert die Windlöcher mit +euern Fingern und dem Daumen, blaßt mit euerm Mund darein, und es +wird die beredteste Musik von der Welt von sich geben. Seht ihr, +hier sind die Griff-Löcher. + +Güldenstern. +Aber das ist eben der Fehler, daß ich sie nicht zu greiffen weiß, +damit eine Harmonie heraus komme; ich verstehe die Kunst nicht. + +Hamlet. +So? seht ihr nun, was für ein armseliges Ding ihr aus mir machen +wollt; ihr möchtet gern auf mir spielen; ihr möchtet dafür +angesehen seyn, als ob ihr meine Griffe kennet; ihr möchtet mir +gern mein Geheimniß aus dem Herzen herausziehen; ihr wollt daß ich +euch von der untersten Note an bis zur höchsten angeben soll; das +wollt ihr; und es ist so viel Musik, ein so reizender Gesang in +diesem kleinen Stüke Holz, und doch könnt ihr sie nicht +herausbringen? Wie, bildet ihr euch ein, daß ich leichter zu +spielen bin als eine Pfeiffe? Nennt mich welches Instrument ihr +wollt, aber wenn ihr schon auf mir herumpfuschen könnt, so könnt +ihr doch nicht auf mir spielen--Grüß euch Gott, mein Herr-- + +Polonius (zu den Vorigen). +Gnädiger Herr, die Königin möchte gern mit euch sprechen, und das +sogleich. + +Hamlet. +Seht ihr dort jene Wolke, die beynahe wie ein Camel aussieht? + +Polonius. +Bey Sct. Veit, in der That, vollkommen wie ein Camel. + +Hamlet. +Mich däucht, sie gleicht eher einer Amsel. + +Polonius. +Sie ist schwarz wie eine Amsel. + +Hamlet. +Oder einem Wallfisch? + +Polonius. +Sie hat viele Ähnlichkeit mit einem Wallfisch, das ist wahr. + +Hamlet. +Nun, so will ich gleich zu meiner Mutter kommen-- + +(vor sich.) + +--Die Kerls werden mich noch toll machen--Ich will kommen, +augenbliklich. + +Polonius. +Ich will es so sagen. + +Hamlet. +Augenbliklich ist bald gesagt. Laßt mich allein, gute Freunde. + +(Sie gehen ab.) + +Es ist nun Mitternacht, die Zeit wo Zauberer und Unholden hinter +dem Vorhang der Finsterniß ihre abscheulichen Künste treiben; die +Zeit, wo Kirchhöfe ihre Todten auslassen, und die Hölle selbst +verpestete Seuchen in die Oberwelt aufdünstet. Nun könnt ich +heisses Blut trinken, Dinge thun, von deren Anblik der bessere Tag +zurükschauern würde. Stille! Nun zu meiner Mutter--O mein Herz, +verliehre deine Natur nicht! Laß nicht, o! nimmermehr! die Seele +des Nero in diesen entschlossenen Busen fahren; ich will grausam +seyn, nicht unnatürlich; ich will Dolche mit ihr reden, aber keinen +gebrauchen. Hierinn sollen meine Zunge und mein Herz nicht +zusammen stimmen. So unbarmherzig immer meine Worte mit ihr +verfahren werden, so fern sey es doch auf ewig von meiner Seele, +sie ins Werk zu sezen. + +(Er geht ab.) + + + + + + +Achte Scene. +(Der König, Rosenkranz und Güldenstern treten auf.) + + +König. +Er gefällt mir gar nicht, und es würde auch nicht sicher für uns +seyn, diese Tollheit so ungebunden fortschwärmen zu lassen. Macht +euch also reisefertig; ich will euch unverzüglich eure Instruction +aufsezen, und er soll mit euch nach England. Die Umstände +gestatten nicht, uns den Gefahren bloß zu stellen, welche stündlich +aus seinen Mondsüchtigen Launen entstehen können. + +Güldenstern. +Wir wollen uns anschiken; es ist eine höchst gerechte und heilige +Furcht, für so vieler tausend Personen Sicherheit besorgt zu seyn, +die in Eu. Majestät leben. + +Rosenkranz. +Es ist die Privat-Pflicht eines jeden Menschen, alle Kräfte seines +Verstands dazu anzustrengen, sich selbst vor Schaden zu bewahren: +Aber vielmehr ist es eine Pflicht deßjenigen Geists, der die Seele +des ganzen Staats-Körpers ist, und von dessen Wohl das Leben so +vieler andern abhängt. Der Tod eines Königs ist nicht der Tod +eines einzigen, sondern zieht, wie ein Strudel alles was ihm nahe +kommt, in sich. Er ist wie ein Rad, das von dem Gipfel des +höchsten Bergs herunter gewälzt, unter seinen ungeheuren Speichen +tausend kleinere Dinge die daran hangen zertrümmert. Ein König +seufzt nie allein; wenn er leidet, leiden alle. + +König. +Rüstet euch, ich bitte euch, aufs eilfertigste zu dieser Reise; wir +müssen dieser Gefahr Fesseln anlegen, die bisher so frey herum +gegangen ist. + +Beyde. +Wir wollen unser äusserstes thun. + +(Sie gehen ab.) + +(Polonius tritt auf.) + +Polonius. +Gnädigster Herr, er ist im Begriff, in seiner Frau Mutter Cabinet +zu gehen; ich will mich hinter die Tapeten versteken, um zu hören, +wie sie ihm den Text lesen wird. Denn wie Euer Majestät sagte, +(und es war weislich gesagt) es ist nicht überflüssig, daß noch +jemand andrer als eine Mutter, (die das mütterliche Herz immer +partheyisch zu machen pflegt) mit anhöre, was er zu seiner +Verantwortung sagen wird. Lebet wohl, mein Gebieter, ich will euch +wieder aufwarten, eh ihr zu Bette geht, und euch erzählen, was ich +gehört haben werde. + +(Er geht ab.) + +König. +Ich danke euch, mein ehrlicher Polonius. + +(allein.) + +O! Mein Verbrechen ist stinkend; es riecht zum Himmel hinauf; es +ist mit dem ältesten Fluche beladen; ein Bruder-Mord--Beten kan ich +nicht--wie könnt' ich, da ich, in innerlichem Streit zwischen +meiner Neigung und meinem Vorsaz demjenigen gleich bin, der zwey +Geschäfte vor sich liegen hat, und unterm Zweifel, welches er +zuerst thun soll, beyde versäumt.--Wie, wenn diese verbrecherische +Hand diker als sie ist, mit Bruder-Blut überzogen wäre? Hat der +allgütige Himmel nicht Regen genug, sie schneeweiß zu waschen? +Wozu dient Barmherzigkeit, als dem Verschuldeten Gnade zu erweisen? +Hat nicht das Gebet diese doppelte Kraft, uns Unterstüzung zu +verschaffen, eh wir fallen, oder Vergebung, wenn wir gefallen sind? +So will ich dann aufschauen--Mein Verbrechen ist hinweg. Aber, o! +was für eine Formul von Gebet kan ich gebrauchen?--"Vergieb mir +meinen schändlichen Mord!"--Das kan nicht seyn, da ich noch immer +im Besiz der Vortheile bin, um derentwillen ich diesen Mord begieng-- +meiner Krone, und meiner Königin? Wie kan ein Verbrecher +Vergebung hoffen, so lang er sich den Gewinn seiner Übelthat +vorbehält? Ja, nach dem verkehrten Lauf dieser Welt kan es seyn, +kan des Verbrechens übergüldete Hand das Auge der Gerechtigkeit +zuschliessen; hier, wo oft der Lohn der Ungerechtigkeit selbst das +Gesez auskauft; aber so ist es nicht dort oben: Dort gelten keine +Ausflüchte; dort liegt die That in ihrer natürlichen Blösse da, und +wir sind gezwungen, ihr Zeugniß wieder uns, im Angesicht unsrer +Sünden, zu bekräftigen. Wie dann? Was bleibt übrig?--Versuchen, +was Reue vermag: Was vermag sie nicht?--Aber was vermag blosse +unfruchtbare Reue?--O unseliger Zustand! O, im Schlamme versunkene +Seele! die du desto tiefer versinkst, je mehr du dich losarbeiten +willst. Helft mir, ihr Engel! helfet! Zur Erde, ihr +ungeschmeidigen Kniee! Und du, Herz mit Fibern von Stahl, enthärte +dich, und werde so weich wie die Sehnen eines neugebohrnen Kinds!-- +Es kan noch alles gut werden. + +(Er begiebt sich in den hintersten Theil der Scene und kniet nieder.) + + + + + + +Neunte Scene. +(Hamlet tritt auf.) + + +Hamlet. +Izt könnt' ich's am füglichsten thun, izt da er betet, und izt will +ich's thun--so fährt er doch gen Himmel--Und das sollte meine Rache +seyn? Das würde fein lauten!--Ein Bösewicht ermordet meinen Vater, +und davor schik ich sein einziger Sohn, diesen nemlichen Bösewicht +gen Himmel--O, das wäre Belohnung nicht Rache! Er überfiel meinen +Vater unversehens, bey vollem Magen, mit allen seinen in voller +Blüthe stehenden Sünden--und wie es nun um ihn steht, weiß allein +der Himmel--Unsern Begriffen nach übel genug. Wär ich also +gerochen, wenn ich ihm in dem Augenblik wegnähme, da sich seine +Seele ihrer Schulden entladen hat, da sie zu diesem Übergang +geschikt ist?--Hinein, mein Schwerdt; du bist zu einem +schreklichern Dienst bestimmt! Wenn er betrunken ist und schläft, +oder im Ausbruch des Zorns, oder mitten in den blutschänderischen +Freuden seines Bettes, wenn er spielt, flucht, oder sonst etwas +thut, das keine Hoffnung der Seligkeit übrig läßt, dann gieb ihm +einen Stoß, daß er seine Beine gen Himmel streke, indem seine +schwarze Seele zur Hölle fährt--Meine Mutter wartet auf mich--eine +Arzney, die zu nichts dient, als eine unheilbare Krankheit zu +verlängern. + +(Er geht ab.) + +(Der König steht auf, und tritt vorwärts.) + +König. +Meine Worte fliegen auf, meine Gedanken bleiben zurük; und Worte +ohne Gedanken langen nie im Himmel an. + +(Er geht ab.) + + + + + + +Zehnte Scene. +(Verwandelt sich in das Cabinet der Königin.) +(Die Königin und Polonius treten auf.) + +Polonius. +Er wird sogleich da seyn; seht, daß ihr rund mit ihm zu Werke geht; +sagt ihm, die Streiche die er gespielt habe seyen zu grob, zum +Ausstehen; der König sey sehr ungehalten darüber, und wenn ihr +nicht seine Fürsprecherin gewesen wäret, so hätte es Folgen haben +können--Ich will mich hier verbergen; ich bitte euch, sagt ihm die +Meynung fein scharf. + +Hamlet (hinter der Scene.) +Mutter! Mutter!-- + +Königin. +Seyd deßwegen ohne Sorge; verlaßt euch auf mich--Entfernt euch, ich +hör' ihn kommen. + +(Polonius verbirgt sich hinter die Tapeten.) + +(Hamlet tritt auf.) + +Hamlet. +Nun, Mutter, was ist die Sache? + +Königin. +Hamlet, du hast deinen Vater sehr beleidiget. + +Hamlet. +Mutter, ihr habt (meinen) Vater sehr beleidiget. + +Königin. +Kommt, kommt, ihr gebt mir eine verkehrte Antwort. + +Hamlet. +Sie schikt sich auf eine boshafte Anrede. + +Königin. +Wie, was soll das seyn, Hamlet? + +Hamlet. +Was wollt ihr dann? + +Königin. +Kennst du mich nicht mehr? + +Hamlet. +Nein, beym Himmel, das nicht; ihr seyd die Königin, euers Gemahls +Bruders Weib, aber ich wollte, ihr wäret es nicht!--Ihr seyd meine +Mutter. + +Königin. +Gut, wenn du aus diesem Ton anfängst, so will ich dir jemand +antworten lassen, der reden kan-- + +Hamlet. +Kommt, kommt, und sezt euch nieder; ihr sollt mir nicht von der +Stelle: Ich laß euch nicht gehen, bis ich euch einen Spiegel +vorgehalten habe, worinn ihr euch bis auf den Grund eurer Seele +sehen sollt. + +Königin. +Was hast du im Sinn? Du wirst mich doch nicht ermorden wollen? +Hülfe! ho! + +Polonius (hinter der Tapete.) +Wie? He, Hülfe! + +Hamlet. +Was giebt's da? Eine Maus? Todt um einen Ducaten, todt. + +(Er ersticht den Polonius.) + +Polonius. +O, ich bin ein Mann des Todes. + +Königin. +Weh mir! Was hast du gethan? + +Hamlet. +In der That, ich weiß es nicht: Ist es der König? + +Königin. +O, was für eine rasche und blutige That ist das! + +Hamlet. +Eine blutige That; beynahe so schlimm, meine gute Mutter, als einen +König ermorden und seinen Bruder heyrathen. + +Königin. +Einen König ermorden? + +Hamlet. +Ja, Gnädige Frau, das war mein Wort. + +(Zu Polonius.) + +Du unglüklicher, unbesonnener, unzeitig-geschäftiger Thor, fahr du +wohl! Ich hielt dich für einen Grössern als du bist; habe nun, was +du dir zugezogen hast; du erfährst nun, daß es gefährlich ist, sich +gar zu viel zu thun zu machen-- + +(Zur Königin.) + +Macht nicht so viel Hände-Ringens, still, sezt euch nieder, und +laßt mich euer Herz in die Presse nehmen; denn das will ich thun, +wenn es anders von lasterhafter Gewohnheit nicht so eisenhart +worden ist, daß es alles Gefühl verlohren hat. + +Königin. +Was hab ich gethan, das dich vermessen genug macht, mich so rauh +anzulassen? + +Hamlet. +Eine That, welche die keusche Röthe der Unschuld selbst verdächtig +macht, und die Tugend eine Heuchlerin nennt; die Rose von der +schönen Stirne einer rechtmäßigen Liebe wegreißt und eine Eyter- +Beule an ihre Stelle sezt; eine That, die den Ehgelübden nicht mehr +Glauben übrig läßt, als die Schwüre falscher Würfel-Spieler haben-- +O! so eine That, die den ehrwürdigsten Verträgen die Seele +ausreißt, und die holde Religion in leeren Wörter-Schall verwandelt. +Des Himmels Angesicht sieht, seit dem diese That geschehen ist, +mit trübem Auge auf diesen Erdball herab; so düster und traurig, +wie beym Anbruch des Welt-Gerichts. + +Königin. +Weh mir, was für eine That? + +Hamlet. +Die so laut brüllt, daß sie bis in die Indien donnert--Seht hieher, +seht auf dieses Gemählde, und auf dieses, die Abbildungen zwoer +Brüder: seht, was für eine Würde saß auf dieser Stirne--Hyperions +Loken--die Stirne des Jupiters selbst--ein Auge, wie des Kriegs- +Gottes, zu schreken oder Befehle zu herrschen; eine Stellung, wie +des Herolds der Götter, der sich eben auf einen himmelküssenden +Hügel herabgeschwungen hat; eine Gestalt, auf welche jeder Gott +sein Siegel gesezt zu haben schien um der Welt zu urkunden, daß das +ein Mann sey. Das war euer Gemahl--Seht nun hieher; hier ist euer +Gemahl, er, der wie der Mihlthau eine gesunde Ähre, seinen Bruder +vergiftete. Habt ihr Augen? Konntet ihr die gute Weyde auf diesem +schönen Berge verlassen, um euch in diesem Morast zu wälzen? Ha! +habt ihr Augen? Ihr könnt es nicht Liebe heissen; denn, in euerm +Alter, ist das Blut zahm, und läßt sich von der Vernunft leiten; +und welche Vernunft würde von (diesem) zu (diesem) übergehen? +Sinnlichkeit habt ihr, das ist gewiß; sonst könntet ihr keine +Vorstellung haben; aber diese Sinnen sind vom Schlage getroffen: +Wahnwiz könnte sich nicht so sehr verirrt haben; so toll wird +niemand, daß ihm nicht noch immer so viel Unterscheidungs-Kraft +übrig bleibe, eine solche Verschiedenheit wahrzunehmen--Was für ein +Teufel hat euch denn die Augen verbunden, wie ihr diese Wahl +machtet? Augen ohne Gefühl, Gefühl ohne Augen, Ohren ohne Hände +oder Augen, oder nur ein kranker Rest eines einzigen unverblendeten +Sinn's hätte sich nicht so verfehlen können--O Schaam! wo ist +deine Röthe? Rebellische Hölle, wenn du in den Gebeinen einer +Matrone einen solchen Aufruhr machst, so laß immer die Keuschheit +der Jugend Wachs seyn, und in ihrem eignen Feuer wegschmelzen. +Ruft keine Schande aus, wenn der ungestüme Trieb der Jugend-Hize in +Ausschweiffung auflodert, da der Frost selbst eben so ungezähmt +brennt, und Vernunft die Kupplerin schnöder Lüste wird. + +Königin. +O Hamlet, halte ein! Du drehst meine Augen in meine innerste Seele, +und da seh ich so schwarze, so häßliche Fleken, daß sie nimmermehr +ihre Farbe verliehren werden. + +Hamlet. +Gewiß nicht, so lang ihr fähig seyd in dem stinkenden Schweiß eines +blutschändrischen Bettes zu leben, der Liebe in einem unflätigen +Schwein-Stalle zu pflegen-- + + +Königin. +O höre auf; diese Reden dringen wie Dolche in meine Ohren--Nichts +mehr, lieber Hamlet. + +Hamlet. +Ein Mörder, und ein schlechter Kerl oben drauf!--Ein Sclave, der +nicht der zwanzigste Theil eines Zehentheils von euerm ersten Herrn +ist, der Pikelhäring unter den Königen, ein feiger Schurke und +Gaudieb, der die Krone von einem Küssen wegstahl, und sie in seinen +Schnapsak stekte-- + +Königin. +Genug, genug-- + +(Der Geist läßt sich sehen.) + +Hamlet. +Ein zusammengeflikter Lumpen-König--Himmel! + +(Er starrt mit Entsezen auf.) + +umschwebet mich mit euern Flügeln, ihr himmlischen Wächter!--Was +will deine ehrwürdige Erscheinung? + +Königin. +O weh! er ist wahnsinnig-- + +Hamlet. +Kommt ihr nicht, euern trägen Sohn zu beschelten, der die Zeit in +unthätigem Gram verliehrend, das grosse Werk, das ihr ihm +anbefohlen habt, liegen läßt? + +Geist. +Vergiß es nicht: Dieser Besuch hat sonst keine Absicht, als deinen +fast stumpfen Vorsaz zu wezen. Aber, siehe! Erstaunen ergreift +deine Mutter! O tritt zwischen sie und ihre kämpfende Seele: In +den schwächsten Körpern wirkt die Einbildung am stärksten. Rede +mit ihr, Hamlet. + +Hamlet. +Wie steht es um euch, Gnädige Frau? + +Königin. +O weh! wie steht es um dich? daß du deine Augen so auf einen Ort +ohne Gegenstand heftest, und mit der unkörperlichen Luft Gespräche +führst? Deine Geister schauen wild aus deinen Augen heraus, und +gleich schläfernden Soldaten bey einem plözlichen Alarm, starren +deine Haare, wie beseelt, empor, und stehen unbeweglich auf ihren +Enden--O mein lieber Sohn, sprize kalte Geduld auf das Feuer deiner +Leidenschaft--Was schauest du so an? + +Hamlet. +Ihn! Ihn selbst!--Seht ihr den düstern Schein, den er von sich +giebt? Seine Gestalt und seine Sache zusammengenommen, könnten +Steine in Bewegung und Leidenschaft sezen--O sieh mich nicht an, +oder dieser traurige Blik verwandelt meinen frömmern Vorsaz in Wuth-- +und macht hier Blut für Thränen fliessen. + +Königin. +Mit wem redet ihr? + +Hamlet. +Seht ihr denn nichts hier? + +(Er zeigt mit dem Finger auf den Geist.) + +Königin. +Nicht das geringste; und doch seh ich alles was ist. + +Hamlet. +Hört ihr auch nichts? + +Königin. +Nein, nichts als uns beyde. + +Hamlet. +Wie, seht nur dorthin! Seht, wie es hinweg gleitet! Mein Vater in +seiner leibhaften Gestalt! Seht, eben izt geht es durch die Thüre +hinaus. + +(Der Geist verschwinde.) + +Königin. +Es ist ein blosses Gespenst euers Hirns, ein unwesentliches +Geschöpf der schwärmenden Phantasie. + +Hamlet. +Was Phantasie? Mein Puls schlägt so regelmässig als der eurige-- +Ich habe nicht in tollem Muth gesprochen; sezt mich auf die Probe; +ich will euch alles von Wort zu Wort wieder hersagen; das kan der +Wahnwiz nicht--Mutter, um des Himmels willen, legt diese +schmeichlerische Salbe nicht auf eure Seele, als ob nicht euer +Verbrechen, sondern meine Tollheit rede: Das würde nur den +eyternden Schaden mit einer Haut überziehen, indeß das fäulende +Gift inwendig um sich frässe und das Übel unheilbar machte. +Beichtet eure Sünde dem Himmel; bereuet, was geschehen ist, und +vermeidet, was noch geschehen kan--Leget keine Düngung auf Unkraut, +um es noch üppiger zu machen. Vergebet mir diese meine Tugend; +weil doch in dieser verdorbnen Zeit die Tugend das Laster um +Vergebung bitten, und sich noch büken und krümmen muß, um Erlaubniß +zu erhalten, ihm Gutes zu thun. + +Königin. +O Hamlet! Du hast mir das Herz entzwey gebrochen. + +Hamlet. +O werft den schadhaften Theil weg, und lebt desto gesünder mit der +andern Hälfte. Gute Nacht; aber geht nicht in meines Oheims Bette: +Zwingt euch zur Tugend, wenn ihr sie nicht in euerm Herzen findet. +Die Gewohnheit, dieses Ungeheuer, welches das Gefühl aller bösen +Fertigkeiten wegfrißt, ist doch darinn ein Engel, daß sie auch die +Ausübung schöner und guter Handlungen erleichtert: Thut euch diese +Nacht Gewalt an; das wird die folgende Enthaltung schon weniger +mühsam machen; die nächstfolgende wird schon leichter seyn: Denn +Übung im Guten kan sogar den Stempel der Natur auslöschen, ja den +Teufel selbst überwältigen und austreiben, so sehr er sich entgegen +sträubt. Noch einmal, gute Nacht! und wenn ihr selbst nach dem +himmlischen Segen begierig seyd, denn will ich euch um euern Segen +bitten--Was diesen ehrlichen Mann betrift, + +(er zeigt auf die Leiche des Polonius) + +so ist mir's leid; aber es hat nun dem Himmel so gefallen, einen +durch den andern zu straffen, und mich zur Geisel zu machen, um sie +zu züchtigen. Ich will für ihn sorgen, und für den Tod, den ich +ihm gab, soll sein Geist Genugthüung von mir haben; hiemit noch +einmal gute Nacht! Ich muß grausam seyn, um eine gute Absicht zu +erhalten--Der Anfang ist nun gemacht, aber das Schlimmste steht +noch bevor. + +Königin (in Verlegenheit.) +Was soll ich thun? + +Hamlet (entrüstet und spöttisch.) +Ja bey Leibe nichts von allem, warum ich euch gebeten habe--Euch +von euerm strozenden König wieder in sein Bette loken, in die Baken +zwiken, sein Mäuschen nennen lassen; um ein paar stinkende Küsse, +oder dafür, daß er euch mit seinen verdammten Fingern am Halse +herum krabbelt, euch den ganzen Inhalt unsrer Unterredung abtändeln +lassen, und daß ich nicht wirklich, sondern nur verstellter Weise +toll bin. Es wäre recht gut, wenn ihr ihn das wissen liesset. +Denn warum sollte auch eine so schöne, kluge, tugendsame Königin +Sachen von solcher Wichtigkeit vor einer Kröte, vor einer +Fledermaus, vor einer Meer-Kaze geheim halten? Wer wollte das +thun? Nein, troz der Vernunft und Verschwiegenheit! Zieht den +Nagel aus dem Korb auf dem Dach, laßt die Vögel ausfliegen, und +kriecht, wie der Affe in der Fabel, dafür in den Korb hinein, und +wenn ihr euern eignen Hals darüber brechen solltet. + +Königin. +Sey du versichert, wenn Worte aus Athem, und Athem aus Leben +gemacht sind, so hab ich kein Leben, um zu athmen was du mir gesagt +hast. + +Hamlet. +Ich muß nach England, das wißt ihr doch? + +Königin. +Ach ja, das hatt' ich vergessen; so ist's beschlossen worden. + +Hamlet. +Die Briefe sind schon gesiegelt, und meine zween Schul-Cameraden +(denen ich trauen will, wie ich einer Otter in meiner Hand trauen +wollte) tragen die Instruction; sie sollen mit mir reisen, und +meine Wegweiser in die Grube seyn, die mir gegraben ist: Wir wollen +sehen, was daraus wird--Denn das ist eben der Spaß, wenn der +Artillerist in seiner eignen Mine in die Luft gesprengt wird; und +es muß hart hergehen, wenn ich nicht eine Ruthe tiefer als sie +grabe und sie in den Mond hinein blase. O es ist ein Vergnügen, +wenn eine List in gerader Linie auf die andre stößt!--Diesen wakern +Mann hier will ich aufpaken--Er ist zu schwer; ich will den Wanst +in das nächste Zimmer schleppen; gute Nacht, Mutter--In der That, +dieser geheime Rath, der in seinem Leben ein alberner plauderhafter +Bube war, ist nun auf einmal gesezt, gravitätisch und verschwiegen +worden. Kommt, Sir, wir wollen euch an Ort und Stelle bringen-- +Gute Nacht, Mutter. + +(Hamlet geht ab, und schleppt den Polonius nach.) + + + + + +Vierter Aufzug. + + + +Erste Scene. +(Das Königliche Zimmer.) +(Der König, die Königin, Rosenkranz und Güldenstern treten auf.) + + +Der König (zur Königin.) +Diese Seufzer sind von Inhalt schwer; es ist nöthig, daß wir ihre +Bedeutung verstehen. Wo ist euer Sohn? + +Königin. +Laßt uns auf einen Augenblik allein. + +(zu Rosenkranz und Güldenstern welche sich entfernen.) + +König. +Was ist's, Gertrude? Was macht Hamlet? + +Königin. +Er ist rasender als die See und der Wind, wenn beyde kämpfen, +welches das mächtigste sey; in einem solchen Anstoß von unbändiger +Wuth hört er etwas hinter den Tapeten sich rühren, zieht den Degen, +ruft, eine Maus! und ersticht in dieser Einbildung den ungesehenen +guten alten Mann. + +König. +Himmel! welch ein Unfall--So würde es (uns) gegangen seyn, wenn +wir an des Alten Plaz gewesen wären: Seine Freyheit drohet +allgemeine Gefahr, euch selbst und jederman. Wehe uns! Wie werden +wir diese blutige That rechtfertigen können? Sie wird uns zur Last +gelegt werden, weil wir die Vorsicht hätten haben sollen, diesen +rasenden jungen Menschen eingesperrt zu halten. Aber so weit gieng +unsre Liebe zu ihm; wir verblendeten uns selbst gegen das was die +Klugheit erforderte, und glichen hierinn einem Menschen, der mit +einem bösen Schaden behaftet ist, und ihn aus Furcht daß er bekannt +werden möchte, so lange nährt, bis er das Mark seines Lebens +weggefressen hat. Wo ist er hingegangen? + +Königin. +Den Leichnam des Ermordeten wegzuschaffen, bey dem er sich so +gebehrdet, daß man deutlich siehet, wie sein Wille keinen Theil an +dem Werk seiner Raserey habe. Er beweint, was er gethan hat. + +König. +O Gertrude, kommt mit mir; die Sonne soll nicht bälder die Gebirge +berühren, als wir ihn von hier zu Schiffe senden wollen: Und was +diese böse That betrift, so werden wir alles unsers Ansehens und +unsrer Klugheit nöthig haben, um ihren Folgen vorzubauen--He! +Güldenstern! (Rosenkranz und Güldenstern kommen zurük.) Meine +Freunde, geht, und nehmet noch einige Leute mit euch; Hamlet hat in +einem Anfall von Raserey den Polonius erschlagen, und ihn aus +seiner Mutter Cabinet weggeschleppt; geht, sucht ihn auf, redet +freundlich mit ihm, und bringt den Leichnam in die Schloß-Capelle. +Ich bitte euch, säumt euch keinen Augenblik. + +(Rosenkranz und Güldenstern gehen ab.) + +Kommt, Gertrude, wir wollen die Klügste von unsern Freunden +zusammenberuffen lassen, und ihnen anzeigen, sowol was wir zu thun +vorhaben, als was Hamlet unglüklicher Weise gethan hat. Es ist nur +allzu besorglich, daß das Gerücht diese That in kurzem durch die +ganze Welt flüstern, und vielleicht unsern Namen durch heimliche +Anschuldungen vergiften wird--Kommt, kommt; mein Gemüth ist voller +Unruh und innerlichem Streit-- + +(Sie gehen ab.) + + + + + + +Zweyte Scene. +(Hamlet tritt auf.) + +Hamlet. +Nun liegt er wo er hin gehört-- + +(Hinter der Scene: Hamlet! Prinz Hamlet!) + +Hamlet. +Was für ein Lerm? Wer ruft Hamlet? Ha, da kommen sie angestochen-- + +(Rosenkranz und Güldenstern treten auf.) + +Rosenkranz. +Was habt ihr mit dem todten Körper angefangen, Gnädiger Herr? + +Hamlet. +Ihn dem Staub gegeben, zu dem er ein Anverwandter ist. + +Rosenkranz. +Sagt uns, wo er liegt, damit wir ihn abholen und in die Capelle +tragen können. + +Hamlet. +Das bildet euch nicht ein-- + +Rosenkranz. +Was einbilden? + +Hamlet. +Daß ich euer Geheimniß verschweigen könnte und mein eignes nicht. +Zudem, wenn der Fräger ein Erdschwamm ist, was für eine Antwort kan +der Sohn eines Königs geben? + +Rosenkranz. +Seht ihr mich für einen Schwamm an, Gnädiger Herr? + +Hamlet. +Ja Herr, für einen Schwamm, der des Königs Blike, Winke und Minen +aufsaugt; aber solche Diener thun einem König den besten Dienst +erst am Ende; wenn er dessen bedarf, was ihr eingeschlukt habt, so +drukt er euch aus, und ihr werdet wieder der trokne löchrichte +Schwamm, der ihr vorher waret. + +Rosenkranz. +Ich weiß nicht was ihr damit sagen wollt, Gnädiger Herr? + +Hamlet. +Das ist mir lieb; eine spizige Rede schläft in einem närrischen Ohr. + +Rosenkranz. +Gnädiger Herr, ihr müßt uns sagen, wo der Leichnam ist, und mit uns +zum Könige gehen. + +Hamlet. +Der Leichnam ist schon beym Könige, aber der König nicht bey dem +Leichnam. Der König ist ein Ding-- + + +Güldenstern. +Ein Ding, Gnädiger Herr? + +Hamlet. +Von--Nichts: fährt mich zu ihm; Verstek dich, Fuchs, und alle +hinten drein. + +(Sie gehen ab.) + + + + + + +Dritte Scene. +(Der König tritt auf.) + + +König. +Ich habe Befehl gegeben, ihn zu mir führen, und den Leichnam +aufsuchen zu lassen; wie gefährlich es ist, diesen Menschen so frey +herumgehen zu lassen! Und doch dürfen wir ihn nicht nach der +Strenge des Gesezes behandeln; der Pöbel, der seine Neigungen nicht +nach seiner Vernunft, sondern nach seinen Augen abmißt; der Pöbel, +der ihn liebt, würde in seiner Bestraffung, nicht ihr Verhältniß +gegen sein Verbrechen, sondern nur die Härte der Straffe sehen. +Glüklicher Weise fügt es sich, daß dieser Vorfall zu seiner +plözlichen Verschikung einen Vorwand giebt. Gegen verzweifelt +gewordene Schäden muß man verzweifelte Mittel gebrauchen oder gar +keine. (Rosenkranz tritt auf.) Was giebts? Was ist vorgefallen? + +Rosenkranz. +Gnädigster Herr, wir können nicht von ihm heraus bringen, wo der +Leichnam hingekommen ist. + +König. +Wo ist dann er? + +Rosenkranz. +Draussen, Gnädigster Herr, mit einer Wache, euern Befehl erwartend. + +König. +Führt ihn herein. + +Rosenkranz. +He! Güldenstern, fährt den Prinzen herein. (Hamlet und +Güldenstern treten auf.) + +König. +Nun, Hamlet, wo ist Polonius? + +Hamlet. +Beym Essen. + +König. +Beym Essen? wo dann? + +Hamlet. +Nicht wo (er) ißt, sondern wo er gegessen wird; eine gewisse +Versammlung von politischen Würmern ist wirklich an ihm. Wo es +aufs Schmausen ankommt, ist in der Welt nichts über einen Wurm. +Wir mästen alle Creaturen damit sie uns mästen sollen, und für wen +mästen wir uns als für Maden? Euer fetter König, und euer magrer +Bettler sind nur verschiedne Gerichte; zwey Schüsseln auf eine +Tafel; das ist das Ende vom Liede. + +König. +O weh! o weh! + +Hamlet. +Ein Mensch, kan mit dem Wurm der einen König gegessen hat, einen +Fisch angeln, und den Fisch essen, der diesen Wurm gegessen hat. + +König. +Was willst du damit sagen? + +Hamlet. +Nichts, als daß ich euch zeigen will, wie es mit einem König so +weit kommen kan, daß er eine Reise durch die Gedärme eines Bettlers +machen muß. + +König. +Wo ist Polonius? + +Hamlet. +Im Himmel, schikt nur hin, und laßt nach ihm fragen. Wenn ihn euer +Abgesandter dort nicht findt, so sucht ihn an dem andern Orte +selbst. Aber, im Ernst zu reden, wenn ihr ihn binnen diesem Monat +nicht findet, so werdet ihr ihn riechen, wenn ihr die Treppe in die +Galerie hinauf geht. + +König. +Geht, sucht ihn dort. + +Hamlet. +Er wird euch gewiß nicht davon lauffen. + +König. +Hamlet, diese deine That macht zu deiner eignen Sicherheit (für +welche wir eben so sehr besorgt sind, als höchlich wir das was du +gethan hast, mißbilligen) nothwendig, daß du in feuriger Eile nach +England abgehest. Schike dich also dazu an; das Schiff liegt +fertig, der Wind ist günstig, deine Gefährten warten, und alles +kehrt sich schon nach England hin. + +Hamlet. +Nach England? + +König. +Ja, Hamlet. + +Hamlet. +Gut. + +König. +So ist es, wenn du unsre Absichten kennnest. + +Hamlet. +Ich sehe einen Cherub, der sie sieht; aber kommt, nach England! +Lebet wohl, liebe Mutter. + +König. +Dein liebender Vater, Hamlet. + +Hamlet. +Meine Mutter; Vater und Mutter ist Mann und Weib; Mann und Weib ist +Ein Fleisch, und also seyd ihr meine Mutter--Kommt nach England! + +(Er geht ab.) + +König. +Folgt ihm auf dem Fusse; lokt ihn mit guten Worten an Bord; keinen +Aufschub! Ich will ihn noch in dieser Nacht fort haben. Hinweg, +es ist alles schon fertig und gesegelt, was sonst zur Sache gehört; +ich bitte euch, macht hurtig-- + +(Rosenkranz und Güldenstern gehen ab.) + +Und, England, wenn du meine Freundschaft werth hältst, wie du in +Ansehung meiner Macht thun solltest, da die Narben noch so rauh und +roth aussehen, die das dänische Schwerdt dir gegraben hat: So magst +du dich hüten, unsern Auftrag, der nichts geringere als den +unfehlbaren Tod Hamlets zum Gegenstand hat, kaltsinnig auszuführen. +Thu es England; Denn er raßt in meinem Blut wie ein zehrendes +Fieber, und du must mich curieren. Bis ich weiß daß es geschehen +ist, werde ich, so groß mein Glüks-Stand ist, keines frohen +Augenbliks geniessen. + +(Er geht ab.) + + + + + + +Vierte Scene. +(Ein Lager an den Grenzen von Dännemark.) +(Fortinbras zieht mit einem Kriegs-Heer auf.) + + +Fortinbras. +Geh Hauptmann, vermelde dem dänischen Könige meinen Gruß; sag ihm, +daß seiner Bewilligung gemäß, Fortinbras um den freyen Durchzug +durch sein Reich ansuche; und sag ihm, wofern seine Majestät uns zu +sehen verlange, so würden wir ihm persönlich unsre Aufwartung +machen. + +Hauptmann. +Ich werde es ausrichten, Gnädiger Herr. + +Fortinbras. +Marschiert weiter-- + +(Fortinbras geht mit der Armee wieder ab.) + +(Hamlet, Rosenkranz und Güldenstern treten auf.) + +Hamlet. +Mein guter Herr, wessen Völker sind das? + +Hauptmann. +Sie sind aus Norwegen, mein Herr. + +Hamlet. +Was ist ihr Vorhaben, mein Herr, wenn ich bitten darf? + +Hauptmann. +Gegen einen Theil von Pohlen. + +Hamlet. +Wer commandiert sie, mein Herr? + +Hauptmann. +Fortinbras, des alten Norwegen Neffe. + +Hamlet. +Gilt es dem ganzen Pohlen, oder ist die Frage nur von einem +District an den Grenzen? + +Hauptmann. +Wenn ich euch die runde Wahrheit sagen soll, so gehen wir um einen +kleinen Flek Landes einzunehmen, wovon der Name das einträglichste +ist--wenn er fünf Ducaten einträgt--Fünf? Ich möcht' es nicht +darum in Pacht nehmen, auch würde es weder den Norwegen noch den +Pohlen mehr abwerfen, wenn es versteigert werden sollte. + +Hamlet. +Wenn das ist, so wird sich der Polak wenig bekümmern, es euch +streitig zu machen. + +Hauptmann. +Allerdings; er hat es schon mit einer starken Mannschaft besezt. + +Hamlet. +Zweytausend Seelen und zwanzigtausend Ducaten werden nicht +zureichend seyn, diesen Streit um einen Stroh-Halm auszumachen. +Das ist das Apostem von übermässiger Grösse und Ruhe, das inwendig +aufbricht, ohne von aussen eine Ursache zu zeigen, warum der Mann +sterben muß. Ich danke euch, mein Herr, für eure Nachrichten. + +Hauptmann. +Gott behüte euch, mein Herr. + +Rosenkranz. +Gefällt's euch weiter zu gehen, Gnädiger Herr? + +Hamlet. +Ich will gleich wieder bey euch seyn; geht nur ein wenig voraus. + +(Sie gehen ab.) + +Hamlet (allein.) +Müssen nicht alle Gelegenheiten gegen mich auftreten, und meine +edle Saumseligkeit beschämen? Was ist ein Mann, wenn alles was er +mit seiner Zeit gewinnt, Essen und Schlaffen ist? Ein Thier, +nichts bessers. O gewiß, Er, der uns mit einer Denkungs-Kraft +erschuf, die in einem so weiten Umkreis zurük und vor sich sieht, +gab uns dieses Vermögen, diese Gott-ähnliche Vernunft nicht, sie +ungebraucht rosten zu lassen. Wie dann? Ist es thierische +Unachtsamkeit, oder sind es Bedenklichkeiten; ist es eine zu genaue +Erwegung des Ausgangs, (ein Gedanke, der, wenn er geviertheilet +wird, nur einen Theil Weisheit und drey Viertel von einer feigen +Memme in sich hat:) was die Ursache ist daß ich noch lebe, um von +diesen Dingen als von solchen zu reden, die erst noch geschehen +sollen? Da ich doch Ursache, Willen, Vermögen und Mittel habe, sie +auszuführen--Was für ein Beyspiel! Ein so zahlreiches Heer, von +einem zarten jungen Prinzen angeführt, dessen Geist, von göttlicher +Ruhm-Begierde geschwellt, einem unsichtbaren Ausgang Troz bietet, +und alles was sterblich und ungewiß ist, allem was Zufall, Gefahr +und Tod vermögen, aussezt, und das um eine Eyer-Schaale--Das ist +nicht ein grosses Herz, das nur durch grosse Gegenstände in +Bewegung gesezt werden kan; auf eine edle Art die Gelegenheit zu +Händeln in einem Stroh-Halm finden, wenn es die Ehre fodert--Das +nenn' ich groß. Was steh' ich dann, ich, der einen ermordeten +Vater, eine entehrte Mutter habe, (Betrachtungen, meine Vernunft +und mein Blut zugleich aufzureizen!) was steh ich, und laß alles +schlaffen? Indeß ich, zu meiner Schande, zusehe, wie der Tod über +zwanzigtausend Männern herabhängt, die um einer Grille, um eines +vermeynten Ehren-Punkts willen, so ruhig in ihr Grab wie in ihr +Bette gehen; für ein Stükchen Boden fechten, das nicht weit genug +zu einem Grab für die Erschlagnen wäre. O meine Seele! So seyen +dann, von diesem Augenblik an, deine Gedanken blutig, oder höre auf +zu denken! + +(Geht ab.) + + + + + + +Fünfte Scene. +(Verwandelt sich in den Palast.) +(Die Königin, Horatio, und ein Hof-Bedienter.) + + +Königin. +Ich will sie nicht sprechen. + +Hofbedienter +Sie ist ausser sich, in der That, nicht recht bey sich selbst; ihr +Zustand verdient Mitleiden. + +Königin. +Was will sie dann? + +Hofbedienter +Sie spricht immer von ihrem Vater; sagt, sie höre, es gehe alles +bunt über Ek in der Welt; ruft ach und oh, schlägt sich auf die +Brust; stößt einen Stroh-Halm unwillig vor sich her; sagt Dinge, +die nur einen halben Sinn haben--die an sich nichts sind, aber dem +Hörer Anlaß zu Schlüssen geben, und mit den Winken, dem Kopf- +Schütteln und andern Gebehrden, die sie dazu macht, zwar ihre wahre +Meynung nicht deutlich machen, aber gerade so viel zu verstehen +geben, daß man sie mißverstehen kan. + +Horatio. +Es wäre gut, wenn man mit ihr redete, denn sie könnte in +übelgesinnten Gemüthern seltsame Muthmassungen erweken. Laßt sie +herein kommen-- + +Königin (vor sich.) +Meiner kranken Seele scheint jeder Kinder-Tand das Vorspiel irgend +einer tragischen Begebenheit--So ist die Natur der Sünde; so +verräth sie sich selbst durch ihre immerwährende Furcht verrathen +zu werden. (Ophelia tritt auf.) + +Ophelia. +Wo ist die schöne Majestät von Dännemark? + +Königin. +Was macht ihr, Ophelia? + +Ophelia (singend.) +Woran erkenn ich deinen Freund, wenn ich ihn finden thu? +An seinem Muschel-Hut und Stab und seinem hölzern Schuh. + +Königin. +Ach! das arme Mädchen! was willt du mit diesem Liede? + +Ophelia. +Sagt ihr das? Nein, ich bitte euch, hört zu. + +(singend.) + +(Er ist todt, Fräulein, er ist todt und dahin, +Ein grüner Wasen dekt sein Haupt, und seinen Leib ein Stein.) + +(Der König tritt auf.) + +Königin. +Aber meine liebe Ophelia-- + +Ophelia. +Ich bitte euch, horcht auf-- +(Weiß ist dein Hemd, wie frischer Schnee.) + +Königin. +O weh! Seht hieher, mein Herr. + +Ophelia. Mit Blumen rings umstekt; +Sie gehn mit ihm ins Grab, benezt +Mit treuer Liebe Thau. + +König. +Wie steht's um euch, junges Fräulein? + +Ophelia. +Wohl, Gott sey bey euch! Die Leute sagen, die Eule sey vorher eine +Bekers-Tochter gewesen. Herr Gott! wir wissen was wir sind, aber +wir wissen nicht, was wir werden können. Gott segne euch das +Mittag-Essen! + +König. +Traurigkeit über ihren Vater-- + +Ophelia. +Ich bitte euch, nichts mehr von dieser Materie; wenn sie euch +fragen, was es bedeuten sollte, so sagt ihnen das: + +(Auf Morgen ist Sant Valentins Tag, und früh vor Sonnenschein +Ich, Mädchen, komm ans Fenster zu dir, und will dein Valentin seyn. +Da stuhnd er auf, und zog sich an, und ließ sie in sein Haus; +Sie gieng als Mädchen ein zu ihm, doch nicht als Mädchen aus.) + +König. +Holdselige Ophelia! + +Ophelia. +In der That, und ohne einen Eid, das soll das lezte seyn: + +Bey Kilian und Sanct Charitas, +Das garstige Geschlecht! +Sie thun's sobald der Anlaß kommt; +Beym Hahn, es ist nicht recht. +Sie sprach: Bevor ihr mich ertappt, +Verspracht ihr mir die Eh; +Bey jener Sonn', ich hätt's gethan, +Was gabst du dich umsonst? + +König. +Wie lang ist sie schon in diesem Zustande? + +Ophelia. +Ich hoffe, alles soll gut gehen. Wir müssen Geduld haben; und doch +kan ich nicht anders als weinen, wenn ich denke, daß sie ihn in den +kalten Boden hineinlegen sollen; mein Bruder soll es erfahren, und +hiemit dank' ich euch für euern guten Rath. Kommt, wo ist meine +Kutsche?--Gute Nacht, meine Damen; gute Nacht, schöne Damen; gute +Nacht, gute Nacht. + +(Sie geht ab.) + +König (zu Horatio.) +Folgt ihr, und laßt genau auf sie Acht geben, ich bitte euch-- + +(Horatio geht ab.) + +Das ist der Gift eines tiefen Grams, eine Folge von ihres Vaters +Tod. O Gertrude, Gertrude, wenn Unglük kommt, so kommt es nicht +einzeln, wie Kundschafter, sondern Schaaren-weis. Erst der +gewaltsame Tod ihres Vaters--Dann die Entfernung euers Sohns, die +er sich durch jene Mordthat gerechtest zugezogen--Das Volk von +ungesunden Muthmassungen über den Tod des guten Polonius, die von +einem Ohr ins andre geflüstert werden, aufgebracht und zur Empörung +bereit--Es war unvorsichtig von uns gehandelt, daß wir ihn heimlich +bestatten liessen--Die arme Ophelia ihres schönen Verstandes +beraubt--und was noch das schlimmste ist, so ist ihr Bruder in +geheim aus Frankreich zurükgekommen, hält sich verborgen, zieht +Erkundigung ein, und wird Ohrenbläser genug finden, die ihn mit +giftigen Reden über die Ursache von seines Vaters Tod ansteken +werden--O meine liebste Gertrude, das ist mehr als nöthig ist, mich +das Schlimmste besorgen zu machen. + +(Man hört ein Getöse hinter der Scene.) + +Königin. +Himmel, was für ein Getöse ist das? + + + + +Sechste Scene. +(Ein Hof-Bedienter zu den Vorigen.) + + +König. +Wo sind meine Schweizer? Laßt sie die Thüre bewachen--Was willst +du? + +Hofbedienter +Rettet euch, Gnädigster Herr. Der über seine Ufer schwellende +Ocean frißt nicht mit reissenderm Ungestüm die Furten und Sandbänke +weg, als der junge Laertes, an der Spize eines aufrührischen +Hauffens eure Wachen zu Boden wirft; das Lumpenvolk nennt ihn Lord, +und nicht anders als ob die Welt erst izt anfienge, und Geseze, +Gebrauch und alles was die Bande der Gesellschaft befestiget, auf +einmal vergessen wären, ruffen sie: Machen wir den Laertes zu +unserm König! Kappen, Hände und Zungen geben ihren Beyfall bis in +die Wolken; alles schreyt: "Laertes soll unser König seyn, Laertes +König." + +Königin. (Man hört das Getümmel näher) +Wie sie schreyen! Mit welcher Wuth von Freude! O, das sind nur +Rechen-Pfenninge, ihr falschen Dänischen Hunde-- +(Laertes tritt auf, mit einer Partey vor der Thüre.) + +König. +Die Thüren sind erbrochen. + +Laertes. +Wo ist dieser König?--Ihr Herren! Bleibt ihr alle draussen stehen. + +Alle. +Nein, wir wollen auch hinein. + +Laertes. +Ich bitte euch, laßt mich gewähren. + +Alle. +Wir wollen, wir wollen. + +(Sie gehen ab.) + +Laertes. +Ich danke euch; bewachet die Thüre. O du schändlicher König, +schaffe mir meinen Vater her. + +Königin. +Ruhiger, guter Laertes. + +Laertes. +Der Tropfe Bluts, der ruhig in mir ist, ruft mich zum Bastart aus; +nennt meinen Vater einen Hahnreyh; und brennt die Hure hier, hier +mitten zwischen die keusche und unbeflekte Augbraunen meiner +ehrlichen Mutter. + +König. +Was ist die Ursache, Laertes, daß deine Empörung sich dieses +Riesenmässige Ansehen giebt? Laßt ihn gehen, Gertrude; besorget +nichts für eure Person; es ist etwas so Göttliches um einen König +hergezäunt, daß Verrätherey zu dem was sie gerne wollte, durch die +Vergitterung nur hineinguken kan; ohne die Kraft zu haben ihren +Willen ins Werk zu sezen. Sagt mir, Laertes, warum seyd ihr so +aufgebracht? Laßt ihn gehen, Gertrude--Redet, Mann! + +Laertes. +Wo ist mein Vater? + +König. +Todt ist er. + +Königin. +Aber nicht durch seine Schuld. + +König. +Laßt ihn fragen, bis er genug hat. + +Laertes. +Warum ist er todt? Wie gieng es zu, daß er todt ist? Ich werde +mich nicht durch Ausflüchte abweisen lassen! Zur Hölle, Lehens- +Pflicht! Zum schwärzesten Teufel, du Eyd, den ich schwur! +Gewissen und Religion selbst in den tiefsten Brunnen! Ich troze +der Verdammniß; auf dem Punkt wo ich stehe, sind beyde Welten +nichts in meinen Augen; laß kommen was kommt; ich will Rache haben, +Rache für meinen Vater, volle überfliessende Rache! + +König. +Wer soll euch denn aufhalten? + +Laertes. +Nicht die ganze Welt; und was mein Vermögen betrift, so will ich so +damit haushalten, daß ich mit wenigem weit kommen will. + +König. +Mein lieber Laertes, wenn ihr von dem Schiksal euers Vaters gewisse +Nachricht einziehen wollt, ist es bey euch beschlossen, daß ihr +beydes Freund und Feind, ohne Unterschied, eurer Rache aufopfern +wollt? + +Laertes. +Niemand als seine Feinde. + +König. +Wollt ihr wissen wer sie sind? + +Laertes. +Seinen Freunden will ich mit ofnen Armen entgegen eilen, und sie +gleich dem Pelican mit meinem eignen Blut erhalten. + +König. +Nun, das heißt wie ein gutes Kind und wie ein Edelmann gesprochen. +Daß ich an euers Vaters Tod unschuldig bin, und daß ich aufs +empfindlichste dadurch betrübt worden, das soll euerm Verstand so +klar werden, als der Tag euerm Auge ist. + +(Man hört hinter der Scene ein Geschrey: Laßt sie hinein.) + +Laertes. +Nun, was giebt's, was für ein Lerm ist das? + + + + +Siebende Scene. +(Ophelia, auf eine phantastische Art mit Stroh und Blumen + geschmükt, tritt auf.) + + +Laertes. +O Hize, trokne mein Gehirn auf! Thränen, siebenmal gesalzen, +brennet die Empfindung und Sehens-Kraft meiner Augen aus! Beym +Himmel, diese Verfinsterung deiner Vernunft soll mir so vollwichtig +bezahlt werden, bis die Wagschale an den Balken stößt--O Rose des +Mayen! Holdes Mädchen, liebe Schwester, angenehmste Ophelia!-- +Himmel! ists möglich daß der Verstand eines jungen Mädchens so +sterblich seyn soll, als das Leben eines alten Mannes? Die Natur +ist in Liebe verfallen, und sendet dem geliebten Gegenstand das +Kostbarste was sie hat zum Andenken nach. + +Ophelia (singend.) +Sie senkten ihn in kalten Grund hinab, +Und manche Thräne blieb auf seinem Grab. +Fahr wohl, mein Täubchen! + +Laertes. +Hättest du deinen Verstand, und strengtest ihn an, mich zur Rache +zu bereden, er könnte nicht halb so viel rühren-- + +Ophelia. +Ihr müßt singen--Hinab, hinab--Ihr wißt ja das Lied?--Es war der +ungetreue Hausmeister, der seines Herrn Tochter entführte--Hier ist +Rosmarin, es ist zum Angedenken; ich bitte dich, Liebe, denk' an +mich; und hier sind Vergiß nicht mein--Hier ist Fenchel für euch, +und Agley--Hier ist Raute für euch, + +(sie theilt im Reden ihre Blumen aus.) + +und hier ist welche für mich. Wir könnten sie Gnaden-Kraut oder +Sonntags-Kraut nennen; ihr dürft eure Raute wol mit einigem +Unterschied tragen. Hier ist eine Maaß-Liebe; ich wollte euch gern +einige Veylchen geben, aber sie verwelkten alle, da mein Vater +starb: Sie sagen, er hab' ein schönes Ende genommen: + +(singend:) + +(Denn der Hanserl ist doch mein einziges Leben.) + +Laertes. +Wer könnte bey einem solchen Anblik geduldig bleiben! + +Ophelia. Und kommt er dann nicht wieder zurük? +Und kommt er dann nicht wieder zurük? +Nein, nein, er ist todt, geh in dein Tod-Bett! +Er kommt nicht wieder zurük. +Sein Bart war so weiß als Schnee +Ganz Silber-farb sein Haupt; +Er ist weg, er ist weg, und wir seufzen umsonst; +Friede sey mit seiner Seele! +Und mit allen Christen-Seelen--Gott behüte euch. + +(Sie geht ab.) + +Laertes. +Seht ihr das, ihr Götter? + +König. +Laertes, laßt mich euern Schmerz theilen, oder ihr versagt mir mein +Recht: Geht wenn ihr zweifelt, leset eure verständigsten Freunde +aus, sie sollen Richter zwischen mir und euch seyn: Finden sie daß +wir auf irgend eine Art, geradezu oder verdekter Weise, in diese +Sache eingeflochten sind--so soll unser Königreich, unsre Krone, +unser Leben, und alles was wir unser nennen, euch zur Genugthüung +verfallen seyn. Ist es aber nicht, so leihet uns eure Geduld, und +wir wollen gemeinschaftlich mit einander arbeiten, eure Rache zu +befriedigen. + +Laertes. +Laßt es so seyn. Die Art seines Todes, seine heimliche Bestattung, +ohne Ehren-Zeichen, ohne einiges Gepränge, das seinem Stand gebührt +hatte, alle Umstände ruffen so laut, als ob sie von der Erde bis in +Himmel gehört werden wollten, daß ich sie in Untersuchung ziehen +solle. + +König. +Das thut: und wo ihr die Beleidigung findet, dahin lasset die +Straffe fallen. Ich bitte euch, folget mir. + +(Sie gehen ab.) + + + + + + +Achte Scene. +(Horatio mit einem Bedienten tritt auf.) + + +Horatio. +Wer sind diese Leute, die mit mir sprechen wollen? + +Bedienter. +Matrosen, mein Herr; sie sagen, sie haben Briefe für euch. + +Horatio. +Laß sie hereinkommen--Ich kan nicht begreiffen, aus welchem Theil +der Welt ich Briefe bekommen sollte, wenn sie nicht vom Prinzen +Hamlet sind. (Einige Matrosen treten auf.) + +Matrosen. +Gott helfe euch, Herr. + +Horatio. +Dir auch. + +Matrosen. +Das wird er auch, wenn er will, Herr--Hier ist ein Brief an euch, +Herr--wenn ihr euch Horatio nennt, wie man mir gesagt hat; er kommt +von dem Abgesandten, der nach England geschikt wurde. + +Horatio (überließt den Brief.) +Horatio, wenn du dieses überlesen haben wirst, so verschaffe diesen +Leuten Gelegenheit vor den König zu kommen; sie haben Briefe an ihn. +Eh wir noch zween Tage auf dem Meere waren, verfolgte uns ein See- +Räuber von sehr stattlichem Ansehen. Da wir uns von ihm übersegelt +sahen, entschlossen wir uns zur Gegenwehr, und währendem Handgemeng +sprang ich zu ihnen an Bord--Augenbliklich liessen sie unser Schiff +fahren, und so blieb ich ihr Gefangner. Sie haben mir begegnet, +wie Diebe die zu leben wissen; das macht, sie wußten warum, und sie +sollen mir's nicht umsonst gethan haben. Mache, daß der König +seinen Brief überkommt, und suche mich dann so eilfertig auf, als +ob du vor dem Tode lieffest. Ich habe dir Worte ins Ohr zu sagen, +die dich taub machen werden; und doch sind sie viel zu leicht für +ihren Inhalt. Diese guten Bursche werden dich zu mir bringen. +Rosenkranz und Güldenstern sezen ihren Lauf nach England fort. Ich +habe dir viel von ihnen zu erzählen. Lebe wohl. "Dein Hamlet." +Kommt, ich will für die Bestellung eurer Briefe sorgen; und desto +eilfertiger, damit ihr mich ohne Verzug zu demjenigen führen könnet, +der euch geschikt hat. + +(Sie gehen ab.) + + + + + + +Neunte Scene. +(Der König und Laertes treten auf.) + + +König. +Nunmehr muß dann euer Gewissen selbst meine Freysprechung sigeln, +und ihr müsset überzeugt seyn, daß ich euer Freund bin, da ihr +gesehen habt, daß eben derjenige, von dessen Hand euer edler Vater +fiel, mir selbst nach dem Leben getrachtet hat. + +Laertes. +Die Beweise reden. Aber erlaubet mir zu fragen, warum ihr gegen +Übelthaten von so ungeheurer Beschaffenheit nicht gerichtlich +procedirt habet; da doch eure eigne Sicherheit, Klugheit, und alles +in der Welt euch rathen mußte, den Thäter zur Rechenschaft zu +ziehen? + +König. +Zwoo besondre Ursachen haben mich davon abgehalten, die in euren +Augen vielleicht weniger Stärke haben als in den meinigen. Die +Königin seine Mutter lebt, so zu sagen, fast von seinen Bliken, und +ich selbst (es mag nun eine Tugend oder eine Schwachheit seyn:) +liebe sie so zärtlich, daß ich ihren Wünschen nichts versagen kan. +Der andre Grund ist die allgemeine Zuneigung, welche das Volk zu +ihm trägt, und die so weit geht, daß sie seine Fehler selbst +übergülden und seine Verbrechen zu Tugenden machen würden: so daß +meine Pfeile, zu schwach befiedert für einen so starken Wind, auf +mich selbst zurük gefallen, und nicht dahin gekommen wären, wohin +ich gezielt hätte. + +Laertes. +Und so muß ich einen edlen Vater verlohren haben, und eine +Schwester zu Grund gerichtet sehen, deren Vortreflichkeit unser +ganzes Zeitalter herausfoderte, ihres gleichen zu zeigen--Aber +meine Rache soll nicht ausbleiben. + +König. +Laßt euch das nichts von euerm Schlafe nehmen. Ihr müßt mich nicht +für einen so phlegmatischen milchlebrichten Mann halten, der sich +den Bart mit Gewalt ausrauffen läßt, und es für Kurzweil aufnimmt. +Ihr sollt bald mehr hören. Ich liebte euern Vater, und liebe mich +selbst, und dieses, hoff ich, wird euch nicht zweifeln lassen--Was +giebts? Was Neues? (Ein Bote.) + +Bote. +Briefe, Gnädigster Herr, vom Prinzen Hamlet. Diesen an Eu. +Majestät, und diesen, an die Königin. + +König. +Von Hamlet? Wer brachte sie? + +Bote. +Matrosen, sagt man; ich sah sie nicht; die Briefe wurden mir von +Claudio gegeben, der sie von ihnen empfieng. + +König. +Laertes, ihr sollt sie hören--Verlaßt uns, ihr-- + +(Der Bote geht ab.) + +"Durchlauchtiger und Großmächtiger! Dieses soll euch +benachrichtigen, daß ich nakend in euer Königreich ausgesezt worden +bin. Auf Morgen werd' ich mir die Erlaubniß ausbitten, eure +Königliche Augen zu sehen; wo ich dann (in Hoffnung Verzeihung +deßwegen zu erhalten) erzählen werde, was die Gelegenheit zu dieser +schleunigen Wiederkunft gegeben hat." Was soll dieses bedeuten? +Sind die andern auch zurükgekommen? Ist es ein Kunstgriff--oder +ist gar nichts an der Sache? + +Laertes. +Kennt ihr die Hand? + +König. +Es ist Hamlets Handschrift--Nakend, und hier sagt er in einem +Postscript, allein--Könnt ihr mir sagen, was ich davon denken soll? + +Laertes. +Ich begreiffe nichts davon, Gnädigster Herr; aber laßt ihn kommen; +mein Herz lebt wieder auf von dem Gedanken, daß ich es erleben +werde, ihm in seine Zähne zu sagen, das thatest du-- + +König. +Wenn es so ist, Laertes--ob ich gleich eben so wenig begreiffe daß +es ist, als wie es anders seyn kan--wollt ihr euch von mir weisen +lassen? + +Laertes. +Ja, nur nicht daß ich ruhig bleiben soll. + +König. +Was ich vorhabe, wird dir zu deiner eignen Gemüths-Ruhe verhelfen; +Wenn er nun wieder gekommen ist, weil ihm die Reise nicht anständig +war, und er nicht gesinnt ist, sie von neuem zu unternehmen; so +habe ich so eben etwas ausgedacht, das ihn unfehlbar zu seinem Fall +befördern soll, ohne daß sein Tod den mindesten Vorwurf nach sich +ziehen, noch seine Mutter selbst den Kunstgriff merken, sondern ihn +dem blossen Zufall beymessen soll. + +Laertes. +Ich will mich weisen lassen, und desto lieber, wenn ihr es so +einrichten könnet, daß ich das Werkzeug bin. + +König. +Das ist auch meine Meynung: Es ist seitdem ihr auf Reisen seyd, und +zwar in Hamlets Gegenwart, oft von einer gewissen Geschiklichkeit +gesprochen worden, worinn ihr ausserordentlich groß seyn sollt: +Alle eure übrigen Gaben zusammengenommen, erwekten nicht so viel +Eifersucht in ihm als diese einzige, die in meinen Augen die +geringste unter allen ist. + +Laertes. +Was kan das seyn, Gnädigster Herr? + +König. +Eine blosse Feder auf dem Hute der Jugend, aber doch nöthig; denn +die Jugend hat in der leichten und nachlässigen Liverey die sie +trägt, nicht weniger Anstand als das gesezte Alter in seinen Pelzen +und langen Ceremonien-Kleidern--Es sind ungefehr zween Monate, daß +ein junger Cavalier aus der Normandie hier war; die Normänner +werden für gute Reiter gehalten; wie ich selbst gesehen habe, da +ich ehmals gegen die Franzosen diente; aber bey diesem jungen +Menschen dachte man, daß es nicht natürlich zugehe; er schien mit +seinem Pferd zusammengewachsen, und wie ein Centaur, halb Mensch +und halb Pferd zu seyn, so bewundernswürdig hatte er sich zum +Meister desselben gemacht. Er übertraf alles, was man sich davon +einbilden kan. + +Laertes. +Es war ein Normann? + +König. +Ein Normann. + +Laertes. +So soll's mein Leben gelten, wenn es nicht Lamond war. + +König. +Der war's. + +Laertes. +Ich kenne ihn wohl; er ist in der That der Ausbund und die Zierde +der ganzen Nation. + +König. +Dieser erzehlte uns von euch, und legte euch eine so bewunderns- +würdige Geschiklichkeit in der Vertheidigungs-Kunst, besonders mit +dem Rappier, bey, daß er behauptete, es würde ein Wunder seyn, wenn +sich jemand finden sollte, der es mit euch aufnehmen dürfte. Er +schwur die besten Fechter seiner Nation hätten weder Behendigkeit, +Auge noch Kunst, so bald sie es mit euch zu thun hätten--Mein Herr, +diese Erzählung vergiftete den Hamlet mit solchem Neid, daß er den +ganzen Tag nichts anders that als wünschen und beten, daß ihr bald +zurük kommen möchtet, um mit ihm zu fechten. Nun aus diesem-- + +Laertes. +Was wollt ihr aus diesem machen, Gnädigster Herr? + +König. +Laertes, war euch euer Vater lieb? Oder seyd ihr nur ein Gemählde +von einem Traurenden, ein Gesicht ohne Herz? + +Laertes. +Warum diese Fragen? + +König. +Nicht als ob ich denke, ihr liebtet euern Vater nicht, sondern weil +ich weiß, daß die Liebe, wie alles andre, der Gewalt der Zeit +unterworfen ist, daß sie in ihrer Flamme selbst eine Art von Dacht +oder Wike hat, wovon sie endlich geschwächt und verdunkelt wird, +und kurz, daß sie, wenn sie zu ihrer Stärke angewachsen ist, an +ihrer eignen Vollblütigkeit sterben muß. Was wir thun wollen, +sollten wir sogleich thun, wann wir es wollen; denn dieses Wollen +ist veränderlich, und hat so viele Abfälle und Hindernisse als es +Zungen, Hände und Umstände giebt, welche uns, wenn die Gelegenheit +einmal versäumt ist, die Ausführung vielleicht so schwer machen, +daß wir auch den Willen verliehren, so vielen Schwierigkeiten troz +zu bieten. Doch, um das Geschwür aufzustechen--Hamlet kommt zurük; +was wäret ihr fähig zu unternehmen, um mehr durch Thaten als Worte +zu zeigen, daß ihr euers Vaters Sohn seyd? + +Laertes. +Ihm die Gurgel in der Kirche abzuschneiden. + +König. +In der That sollte kein Plaz einen Mörder schüzen, noch der Rache +Grenzen sezen; aber mein guter Laertes, wollt ihr das thun? +Schließt euch in euer Zimmer ein. Hamlet soll bey seiner +Wiederkunft hören, daß ihr nach Hause gekommen seyd: Wir wollen ihm +Leute zuschiken, welche ein so grosses Lob von eurer +Geschiklichkeit im Fechten machen, und so viel und so lange davon +reden sollen, biß er es auf eine Wette ankommen lassen wird. Da er +selbst edelmüthig, zuversichtlich, und von allen Kunstgriffen fern +ist, wird er nicht daran denken, die Rappiere genau zu besehen, so +daß ihr leicht durch ein bißchen Taschenspielerey einen Degen ohne +Knopf mit euerm Rappier verwechseln, und durch einen geschikten +Stoß euern Vater rächen könnt. + +Laertes. +Ich will es thun, und zu diesem Gebrauch meinen Degen mit einem +Saft beschmieren, den ich von einem Marktschreyer gekauft habe; der +so tödtlich ist, daß wenn man ein Messer nur darein taucht, keine +Salbe, und wenn sie aus den heilsamsten Kräutern die unter dem Mond +sind, gezogen wäre, denjenigen vom Tod erretten kan, der nur damit +gerizt wird; mit diesem Gift will ich die Spize meines Degens nezen, +damit auch die leichteste Wunde, die ich ihm beybringe, Tod sey. + +König. +Wir wollen diese Sache besser überlegen; Zeit und Umstände müssen +abgewogen werden; und auf den Fall, daß uns dieser Anschlag in der +Ausführung mißlingen sollte, müssen wir einen andern zum +Rükenhalter haben. Sachte--Laßt sehen--Es soll eine feyrliche +Wette über eure Geschiklichkeit angestellt werden--Nun hab' ichs-- +wenn ihr euch unterm Kampf erhizt habt, und er zu trinken begehrt, +will ich einen Becher für ihn bereit halten; wovon er nur schlürfen +darf, um unsre Absicht zu erfüllen, wofern er euerm Rappier entgeht. + + + + +Zehnte Scene. +(Die Königin zu den Vorigen.) + + +König. +Was giebt's, meine liebste Königin? + +Königin. +Ein Unglük tritt dem andern auf die Fersen, so schnell folgen sie +auf einander: Eure Schwester ist ertrunken, Laertes. + +Laertes. +Ertrunken? Oh, wo? + +Königin. +Es ist eine gewisse Weide, am Abhang eines Wald-Stroms gewachsen, +die ihr behaartes Laub in dem gläsernen Strom besieht. Hieher kam +sie mit phantastischen Kränzen von Hahnen-Füssen, Nesseln, Gänse- +Blümchen und diesen langen rothen Blumen, denen unsre ehrlichen +Schäfer einen natürlichen Namen geben, unsre kalten Mädchens aber +nennen sie Todten-Finger; wie sie nun an diesem Baum hinankletterte, +um ihre Grasblumen-Kränze an die herabhängende Zweige zu hängen, +glitschte der Boden mit ihr, und sie fiel mit ihren Kränzen in der +Hand ins Wasser; ihre weitausgebreiteten Kleider hielten sie eine +Zeit lang wie eine Wasser-Nymphe empor; und so lange das währte, +sang sie abgebrochene Stüke aus alten Balladen, als eine die keine +Empfindung ihres Unglüks hatte, oder als ob sie in diesem Element +gebohren wäre; aber länger konnte es nicht seyn, als bis ihre +Kleider so viel Wasser geschlukt hatten, daß sie durch ihre Schwere +die arme Unglükliche von ihrem Schwanen-Gesang in einen nassen Tod +hinabzogen. + +Laertes. +O Gott! So ist sie ertrunken! + +Königin. +Es ist allzuwahr. + +Laertes. +--Lebet wohl, mein Gebieter--meine weibische Thränen erstiken eine +Rede von Feuer, welche eben auflodern wollte-- + +(Er geht ab.) + +König. +Kommt mit mir, Gertrude--Wie viel hatte ich zu thun, seine Wuth zu +besänftigen! Nun besorg ich, dieser Umstand wird sie von neuem +anflammen--Wir wollen ihm folgen. + +(Sie gehen ab.) + + + + + +Fünfter Aufzug. + + + +Erste Scene. +(Ein Kirch-Hof.) +(Zween Todtengräber mit Grabscheitern und Spaten treten auf.) + + +1. Todtengräber. +Kan sie denn in ein Christliches Begräbniß gelegt werden, wenn sie +eigenmächtig ihre (Salvation) gesucht hat? + +2. Todtengräber. +Ich sage dir's ja, sie kan; mach also ihr Grab unverzüglich; die +Obrigkeit hat es durch einen Commissarius und Geschworne +untersuchen lassen, und gefunden, daß sie wie andre Christen +begraben werden soll. + +1. Todtengräber. +Das kan nicht seyn, sie müßte sich denn zu ihrer +Selbstvertheidigung ertränkt haben? + +2. Todtengräber. +So hat sich's eben befunden. + +1. Todtengräber. +Es muß (se offendendo) geschehen seyn, anders ist's nicht möglich. +Denn da stekt der Knoten: Wenn ich mich selbst wissentlich ertränke, +so zeigt das einen (Actum) an; ein (Actus) aber hat drey Zweige: +Beginnen, thun und vollbringen; (ergel), ersäufte sie sich selbst +wissentlich. + +2. Todtengräber. +Nein, hört mich nur an, Gevatter-- + +1. Todtengräber. +Mit Erlaubniß; seht einmal, hier liegt das Wasser, gut; hier steht +der Mann, gut: Wenn nun der Mann zu diesem Wasser geht und ertränkt +sich, so muß er eben, woll' er oder woll' er nicht, dran glauben; +gebt wol Acht auf das: Aber wenn das Wasser zu ihm kommt und +ertränkt ihn, so ertränkt er sich nicht selbst; (ergel), hat der, +der keine Schuld an seinem eignen Tode hat, sich das Leben nicht +selbst abgekürzt. + +2. Todtengräber. +Aber sagt das Gesez das? + +1. Todtengräber. +Sapperment, ja wohl, sagt es: Das müssen ja die Geschwornen +verstehen, die es untersucht haben-- + +2. Todtengräber. +Willt du wissen, wo der Hase im Pfeffer liegt? Wenn sie kein +Gnädiges Fräulein gewesen wäre, sie würde gewiß ihre Lebtage in +kein Christliches Grab gekommen seyn. + +1. Todtengräber. +Wie, du magst mir wol recht haben. Aber desto schlimmer, daß die +vornehmen Leute in der Welt mehr Recht haben sollen, sich zu hängen +oder zu ersäuffen als ihre Neben-Christen! Komm, meine Spate, her! +es sind doch keine ältere Edelleute als Gärtner, und Todten-Gräber; +sie haben ihre Profession von Adam her. + +2. Todtengräber. +War der ein Edelmann? + +1. Todtengräber. +Der erste, der jemals armirt gewesen ist. + +2. Todtengräber. +Wie so, das? + +1. Todtengräber. +Wie, bist du denn ein Heid? Verstehst du die Schrift nicht? Die +Schrift sagt, Adam habe gegraben: Hätt' er graben können, wenn er +keine Arme gehabt hätte? Ich will dir noch eine Frage vorlegen; +wenn du mir die rechte Antwort darauf giebst, so bekenne-- + +2. Todtengräber. +Was ist's dann? + +1. Todtengräber. +Wer ist der, der stärker baut als Maurer und Zimmermann? + +2. Todtengräber. +Das ist der Galgen-Macher; denn dessen sein Gebäu überlebt tausend +Innhaber. + +1. Todtengräber. +Dein Einfall gefällt mir nicht übel, in der That; der Galgen schikt +sich wol: Aber wie schikt er sich wol? Er schikt sich wol für +diejenigen die Übels thun; nun thust du übel zu sagen, der Galgen +sey stärker gebaut als die Kirche; (ergel), mag sich der Galgen wol +für dich schiken. Zur Sache, komm. + +2. Todtengräber. +Wer stärker baue als Maurer und Zimmermann? + +1. Todtengräber. +Ja, wenn du mir das sagen kanst, so will ich dich gelten lassen. + +2. Todtengräber. +Beym Element, nun kan ich dir's sagen. + +1. Todtengräber. +Nun, so sage-- + +2. Todtengräber. +Nein, Sakerlot, ich kan nicht. (Hamlet und Horatio treten in +einiger Entfernung von den Todtengräbern auf.) + +1. Todtengräber. +Gieb's lieber auf, dein Esel wird doch nicht schneller gehen, du +magst ihn schlagen wie du willt; und wenn dich einer einmal wieder +fragt, so sage, der Todtengräber. Denn die Häuser, die er macht, +dauren bis zum jüngsten Tag: Geh einmal zum rothen Roß, und hol mir +ein Glas Brandtwein. + +(Der 2te Todtengräber geht ab.) + +(Der erste Todtengräber gräbt und singt ein Liedchen dazu.) + +Hamlet. +Hat dieser Bursche kein Gefühl von seinem Geschäfte, daß er zum +Grabmachen singen kan? + +Horatio. +Die Gewohnheit hat ihn so verhärtet, daß er bey einer solchen +Arbeit gutes Muths seyn kan. + +Hamlet. (Indem der Todtengräber immer singend einen Schedel aufgräbt.) + +Dieser Schedel hatte einst eine Zunge, und konnte singen--wie ihn +der Schurke in den Boden hinein schlägt, als ob es Cains des ersten +Mörders Kinnbaken wäre! und doch war der Schedel mit dem dieser +Esel izt so übermüthig zu Werke geht, vielleicht der Hirnkasten +eines Staatsmanns, eines von diesen Herren, die unserm Herrn Gott +selbst einen Nebel vormachen möchten; nicht so? + +Horatio. +Es ist möglich, Gnädiger Herr-- + +Hamlet. +Oder eines Höflings, der sagen konnte: Guten Morgen, mein liebster +Lord; wie befindet sich Euer Herrlichkeit? Es kan Milord der und +der gewesen seyn, der Milord dessen seinem Pferd eine Lobrede +halten konnte, wenn er's ihm gerne abgebettelt hätte; nicht so? + +Horatio. +Ja, Gnädiger Herr. + +Hamlet. +Nicht anders; und nun ist Milady Wurm von allen ihren Anbetern +verlassen, und muß sich von eines Todtengräbers Spate aus dem Boden +herausschlagen lassen. Hier ist eine hübsche Revolution, wenn wir +den Verstand hätten sie zu sehen--Hier ist ein andrer: Kan das +nicht der Schedel eines Rechtsgelehrten gewesen seyn? Wo sind nun +seine Quidditäten und Qualitäten? Seine (Casus?) Seine Tituls? +Seine Ränke? Warum leidet er, daß ihn dieser grobe Geselle mit +seiner kothigen Schaufel aus seiner Retirade herausklopfen darf, +ohne eine Action gegen ihn anzustellen?--* Ich muß mit diesem +Burschen reden. Wessen Grab ist das, Bursche? + +{ed.-* Hamlet sezt im Original diese kühlen Betrachtungen noch länger +fort, indem er sich vorstellt, daß es der Schädel eines reichen +Landsässen gewesen sey; man hat es aber unmöglich gefunden, diese +Stelle, deren gröster Nachdruk in etlichen Wortspielen besteht, zu +übersezen; und man würde diese ganze Scene eben sogern ausgelassen +haben, wenn man dem Leser nicht eine Idee von der berüchtigten +Todtengräber-Scene hätte geben wollen.} + +Todtengräber. +Meines, Herr-- + +(er fängt wieder an zu singen.) + +Hamlet. +Ich denk' es ist dein, denn du lügst darinn. + +Todtengräber. +Und ihr lügt daraus, Herr, und also ist es nicht euers-- + +(Hier folgen noch etliche elende Reden, wovon das sinnreiche in dem +Wortspiel mit lie, welches Liegen und Lügen bedeutet, liegt.) + +Hamlet. +Ich frage, wie der Mann heißt, für den du das Grab machst? + +Todtengräber. +Ich mach es für keinen Mann, Herr. + +Hamlet. +Für was für eine Frau dann? + +Todtengräber. +Auch für keine Frau. + +Hamlet. +Wer soll dann darinn begraben werden? + +Todtengräber. +Eine die in ihrem Leben ein Weibsbild war, aber, Gott tröst ihre +Seele! nun ist sie todt. + +Hamlet. +Was für ein determinierter Schurke das ist! In was für einer +Sprache müssen wir mit ihm reden, daß er uns nicht mit +Zweydeutigkeiten stumm mache? Bey Gott, Horatio, ich habe diese +drey Jahre her beobachtet, daß die Welt so spizfündig worden ist, +daß der Bauer seinen plumpen Wiz eben so hoch springen und so +seltsame Gambaden machen läßt, als der wizigste von unsern +Hofschranzen--Wie lange bist du schon ein Todtengräber? + +Todtengräber. +Unter allen Tagen im Jahr kam ich an dem Tag dazu, da unser +verstorbner König Hamlet über den Fortinbras Meister wurde. + +Hamlet. +Wie lang ist das? + +Todtengräber. +Könnt ihr das nicht sagen? Das kan ein jeder Narr sagen: Es war +auf den nemlichen Tag, da der junge Hamlet auf die Welt kam, der +närrisch wurde, und nach England geschikt worden ist. + +Hamlet. +Was, zum Henker! und warum wurde er nach England geschikt? + +Todtengräber. +Warum? weil er närrisch worden ist; er soll dort seine fünf Sinnen +wieder kriegen; oder wenn er sie nicht wieder kriegt, so hat es +dort nicht viel zu bedeuten. + +Hamlet. +Warum das? + +Todtengräber. +Man wird es nicht an ihm gewahr werden; denn dort sind die Leute +eben so närrisch als er. + +Hamlet. +Wie wurde er dann närrisch? + +Todtengräber. +Auf eine gar seltsame Art, sagt man. + +Hamlet. +Wie so, seltsam? + +Todtengräber. +Sapperment, er wurde eben ein Narr, weil er seinen Verstand verlohr. + +Hamlet. +Aus was für einem Grund? + +Todtengräber. +Wie, hier, in Dännemark. Ich bin hier Todtengräber gewesen, von +meinen jungen Jahren an bis izt, diese dreissig Jahre. + +Hamlet. +Wie lange kan wol ein Mensch in der Erde liegen, bis er verfault? + +Todtengräber. +Wenn er nicht schon faul ist, eh er stirbt (wie wir denn heut zu +Tag manche Leichen haben, die kaum so lange halten, bis sie unterm +Boden sind) so kan er euch acht bis neun Jahre dauren; ein Loh- +Gerber dauert euch seine neun Jahre. + +Hamlet. +Warum ein Loh-Gerber länger als andre Leute? + +Todtengräber. +Warum, Herr? weil seine Haut von seiner Profession so gegerbt ist, +daß sie das Wasser länger aushält. Denn es ist nichts das einem +todten Körper eher den Garaus macht als Wasser. Hier ist ein +Schedel, der nun bereits drey und zwanzig Jahre im Boden liegt. + +Hamlet. +Wessen war er? + +Todtengräber. +Es war ein vertrakter Bursche, dem er gehörte; wer denkt ihr daß es +war? + +Hamlet. +Ich weiß es nicht. + +Todtengräber. +Daß die Pestilenz den Schurken! Er goß mir einmal eine Flasche mit +Rheinwein über den Kopf. Dieser nemliche Schedel, Herr, war Yoriks +Schedel, des Königlichen Hofnarrens. + +Hamlet. +Dieser? + +Todtengräber. +Dieser nemliche. + +Hamlet. +Ach der arme Yorik. Ich kannte ihn, Horatio, es war der +kurzweiligste Kerl von der Welt; von einer unvergleichlichen +Einbildungs-Kraft: Er hat mich viel hundertmal auf seinem Rüken +getragen: Und nun, was für ein grausenhafter Anblik! Mein Magen +kehrt sich davon um. Hier hiengen diese Lippen, die ich wer weiß +wie oft küßte. Wo sind nun deine Scherze? Deine Sprünge? Deine +Liedchen? Wo sind die schnakischen Einfälle, welche die Tafel mit +brüllendem Gelächter zu erschüttern pflegten? Ist dir nicht ein +einziger übrig geblieben, um über dein eignes Grinsen zu spotten? +Nun geh mir einer in Mylady's Schlaf-Zimmer, und sag ihr; und wenn +sie sich einen Daumen dik übermahle, so müß' es doch zulezt (dazu) +mit ihr kommen--Ich bitte dich, Horatio, antworte mir nur auf Eine +Frage-- + +Horatio. +Was ist es, Gnädiger Herr? + +Hamlet. +Denkst du, Alexander habe auch so im Boden ausgesehen? + +Horatio. +Eben so. + +Hamlet. +Und so gerochen? Fy! + +(Er riecht an dem Schedel.) + +Horatio. +Ja, Gnädiger Herr. + +Hamlet. +Zu was für einer unedeln Bestimmung können wir endlich herabsinken, +Horatio! Können wir nicht in unsrer Einbildung Alexanders edlem +Staube folgen, bis wir ihn an einem Ort finden, wo er ein Spund- +Loch stoppt? + +Horatio. +Eine solche Betrachtung wäre gar zu spizfündig. + +Hamlet. +Nein, gar nicht, im geringsten nicht: Die Betrachtung ist ganz +natürlich: Alexander starb, Alexander wurde begraben, Alexander +wurde zu Staub; der Staub ist Erde; aus der Erde machen wir Laim; +und konnte mit diesem Laim, worein er verwandelt wurde, nicht eine +Bier-Tonne gestoppt werden? Und so kan der Welt-Bezwinger Cäsar +eine Spalte in einer Mauer gegen den Wind gestoppt haben. Aber +sachte! Sachte eine Weile--da kommt der König-- + + + + + +Zweyte Scene. +(Der König, die Königin, Laertes, und ein Sarg mit einem Trauer- + Gefolge von Hofleuten, Priestern, u.s.w.) + + +Hamlet. +Die Königin--ein Gefolge von Hofleuten--Was ist das, was sie +begleiten? und warum mit so wenig Ceremonien? Das zeigt, daß die +Leiche, so sie begleiten von jemand ist, der gewaltthätige Hand an +sich selbst gelegt hat--Es muß eine Person von Stande gewesen seyn-- +wir wollen uns ein wenig entfernt halten und acht geben. + +Laertes. +Die übrigen Ceremonien? + +Hamlet. +Das ist Laertes, ein sehr edler junger Mann: gieb acht-- + +Laertes. +Die übrigen Ceremonien? + +Priester. +Ihre Obsequien sind so weit ausgedehnt worden, als wir ermächtigst +sind; ihr Tod war zweifelhaft; und hätte der Königliche Befehl die +Ordnung nicht übermocht, so sollte sie in einem ungeweihten Boden +bis zum Schall der lezten Trompete ihr Lager gehabt haben; statt +mildherziger Fürbitten sollten Scherben, und Kieselsteine auf sie +geworfen worden seyn; nun wird sie mit jungfräulichen Ehrenzeichen, +unter Gesang und Gloken-Geläut bestattet. + +Laertes. +Und ist das alles was gethan werden soll? + +Priester. +Es ist alles was gethan werden kan; es würde Entheiligung seyn, ihr +ein (requiem) zu singen und ihr die lezte Ehre die nur Seelen die +im Frieden abgeschieden sind, gebührt, zu erstatten. + +Laertes. +Legt sie in die Erde; und aus ihrem schönen und unbeflekten Fleisch +mögen Violen hervorkeimen! Ich sage dir, hartherziger Priester, +meine Schwester wird ein Engel des himmlischen Thrones seyn, wenn +du heulend im Abgrund liegst. + +Hamlet. +Wie? die schöne Ophelia? + +Königin. +Das lezte lebe wohl, angenehme Schöne! Ich hoffte, du solltest +meines Hamlets Weib werden; ich dachte einst dein Braut-Bette zu +deken, holdes Mädchen, nicht dein Grab mit Blumen zu bestreuen. + +Laertes. +O dreyfaches Weh falle zehnfältig dreymal über das verfluchte Haupt, +dessen gottlose That dich deiner schönen Vernunft beraubte. +Haltet noch ein, bis ich sie noch einmal in meine Arme geschlossen +habe. + +(Er springt in das Grab.) + +Nun werft euern Staub über den Lebenden und Todten, bis ihr aus +dieser Ebne ein Gebürge gemacht habt, das den alten Pelion und den +Himmelberührenden Olimpus übergipfle. + +Hamlet, (der sich zu erkennen giebt.) +Wer ist der, dessen Schmerz sich so emphatisch ausdrukt? Dessen +Trauer-Töne die irrenden Sterne beschwören und sie zwingen, von +Erstaunen gefesselt, stille zu stehn und zu horchen? Der bin ich, +Hamlet, der Dähne. + +(Er springt in das Grab.) + +Laertes. +Der Teufel hole deine Seele! + +(Er ringt mit ihm.) + +Hamlet. +Du betest nicht schön. Ich bitte dich, deine Finger von meiner +Gurgel weg!--Wenn ich gleich nicht splenetisch und jähzornig bin, +so hab ich doch etwas gefährliches in mir, wovor du dich hüten +magst, wenn du klug bist. Deine Hand zurük. + +König. +Reißt sie von einander-- + +Königin. +Hamlet, Hamlet-- + +Horatio. +Mein gnädigster Prinz, halltet euch zurük-- + +(Die Umstehenden machen sie von einander loß.) + +Hamlet. +Was, ich will über diese Materie mit ihm fechten, bis meine +Auglider nicht länger niken können. + +Königin. +O mein Sohn! was für eine Materie? + +Hamlet. +Ich liebte Ophelien; vierzigtausend Brüder könnten mit aller ihrer +Liebe zusammen genommen die Summe der meinigen nicht aufbringen. +Was willt du für sie thun? + +König. +O er ist rasend, Laertes-- + +Königin. +Um Gottes willen, habt Geduld mit ihm. + +Hamlet. +Komm, zeig mir, was du thun willt. Willt du weinen? Willt du +fechten? Willt du fasten? Dich selbst zerfezen? Willt du Wein- +Essig trinken, ein Crocodil verschlingen? Ich will es thun--Kamst +du nur hieher, zu weinen? Vor meinen Augen in ihr Grab zu +springen? Laß dich lebendig mit ihr begraben; ich will es auch; +und wenn du von Bergen schwazest, so laß sie Millionen Jaucharten +auf uns werfen, bis die auf uns liegende Erde, den Ossa zu einem +Maulwurfs-Hauffen macht! Wahrhaftig! Wenn du großsprechen willt, +so kan ich das Maul so voll nehmen wie du. + +Königin. +Er spricht in tollem Muth, und so wird der Paroxismus eine Weile +auf ihn würken; aber auf einmal wird, so geduldig als die weibliche +Daube, eh ihre goldbehaarten Jungen ausgekrochen sind, sein +Stillschweigen brütend sizen. + +Hamlet. +Hört ihr, Herr--was ist die Ursache, daß ihr mir so begegnet? Ich +liebte euch allezeit: Aber es hat nichts zu sagen. Laßt den +Hercules selbst thun was er kan, die Kaze muß mauen und der Hund +seinen Lauf haben-- + +(Er geht ab.) + +König. +Ich bitte euch, guter Horatio, habet acht auf ihn. + +(Horatio geht ab.) (zu Laertes.) + +Stärket eure Geduld durch unsre lezte Abrede. Wir wollen uns +nicht länger säumen, die Hand an die Ausführung zu legen--Liebe +Gertrude, gebet eurem Sohn einige Hüter zu--Dieses Grab soll ein +würdiges Denkmal bekommen--Und nun wollen wir unsrer Ruhe eine +Stunde schenken. + +(Sie gehen ab.) + + + + + + +Dritte Scene. +(Verwandelt sich in eine Halle im Palast.) +(Hamlet und Horatio treten auf.) + +(Hamlet erzehlt seinem Vertrauten,auf was Weise er den Inhalt der + königlichen Commission, womitRosenkranz und Güldenstern beladen + waren, entdekt und vereitelthabe. Da diese ganze Scene nur zur + Benachrichtigung der Zuhörerdient, so wären zwey Worte hinlänglich + gewesen, ihnen zu sagen wassie ohnehin leicht erraten könnten. + Hamlet hatte Ursache einMißtrauen in die Absichten des Königs bey + seiner Versendung nachEngland zu sezen. Er schlich sich also + während daß die beydenGesandten schliefen, in ihre Cajute, fingerte + ihr Pakett weg, zogsich damit in sein eigenes Zimmer zurük, erbrach + das königlicheSigel und fand einen gemeßnen Befehl an den + Englischen König,vermöge dessen dem Hamlet sobald er angelangt seyn + würde, der Kopfabgeschlagen werden sollte--Er stekte dieses Papier + zu sich, undsezte sich hin, eine andre Commission zu schreiben, + worinn derKönig aufs ernstlichste beschwohren wurde, so lieb ihm + dieFreundschaft Dännemarks (von welchem England damals abhängig + war)sey, die Überbringer dieses Schreibens unverzüglich aus dem + Wegeräumen zu lassen. Zu gutem Glüke hatte er seines Vater Signet + inder Tasche; und zu noch grösserm Glük war es dem grossen + dähnischenSigel vollkommen gleich; er faltete also dieses Schreiben + eben sowie das erste, unterschrieb und sigelte es, und legte es + sogeschikt an die Stelle des andern, daß Rosenkranz und + Güldensterndie Verwechslung nicht gewahr wurden, und also bey ihrer + Ankunft inEngland wie Bellerophon, ihr eigenes Todesurtheil + überlieferten.Horatio findet hiebey bedenklich, daß dieser + mißlungene Ausgang desKöniglichen Bubenstüks nicht lange verborgen + bleiben könne. Hamletberuhigst sich hierüber daß doch die Zwischen- + Zeit sein sey, undnicht mehr als ein Augenblik erfordert werde, dem + Leben einesMenschen ein Ende zu machen. Indessen bedaurt er, daß + er sichdurch den Affect habe hinreissen lassen, den Laertes zu + beleidigen,und nimmt sich vor, daß er sich bemühen wolle, seine + Freundschaftwieder zu erlangen.)* + +{ed.-* Man kan hieraus schliessen, daß HamletAbsichten gegen den +König gehabt habe; es war aber doch nichtsbestimmtes, kein Entwurf, +wobey er sich seiner eignen Sicherheitund eines glüklichen Ausgangs +hätte versichert halten können--Hamlet soll und will seinen Vater +rächen--Dieser Wille beherrschtihn vom ersten Actus des Stüks bis +zum Ende, ohne daß er jemalsselbst weiß, oder nur daran denkt wie +er dabey zu Werke gehen wolle--Allein wir haben längst gesehen, daß +die Anlegung der Fabel, dieVerwiklung und die Entwiklung derselben +gerade die Stüke sind,worinn unser Poet schwerlich jemand unter +sich hat. Indessengefällt doch dem Englischen Parterre kein Stük +ihres Shakespearsmehr als dieses. Man sollte sagen, es +simpathisiere mit ihnen.Der Humor des Hamlet (Denn das was ihn in +dem ganzen Lauf des Stüksbeherrscht, ist viel weniger Leidenschaft +als Laune,) diese kalte,raisonnirende oder richtiger zu reden, +phantasirende Melancholie,die nur dann und wann in plözliche und +eben so schnell wiedersinkende Wind-Stösse von Leidenschaft +ausbricht, dieseGleichgültigkeit gegen sein eigens Leben, welche +das grosseVorhaben der Rache, wovon seine Seele geschwellt ist, +demungefehren Zufall überlaßt, und es nicht der Mühe werth hält +einenPlan anzulegen oder Präcautionen zu nehmen, um nicht selbst in +denFall seines Feindes verwikelt zu werden--Alles dieses sind Züge, +worinn Engländer ihr eignes Bild zu sehr erkennen, um nicht +weitstärker davon interessiert zu werden, als durch die +idealischenCharakters und die starken soutenierten Leidenschaften +der Heldendes Corneille. Shakespears Helden, zumal seine Lieblings- +Helden,sind alle (Humoristen), und vermuthlich ist dieses eine +Haupt-Ursache, warum ungeachtet Sprache, Sitten und Geschmak sich +seitseiner Zeit so sehr verändert haben, dieser Autor doch für +seineLandsleute immer neu bleibt, und etwas weit anzügelichers für +siehat, als alle die neuern, welche nach französischen +Modellengearbeitet haben.} + + + + + +Vierte Scene. +(Oßrik des Königs Hofnarr, kommt dem Hamlet zu melden, der König + habe eine Wette mit Laertes angestellt, daß ihm Hamlet im Fechten + überlegen sey. Diese Scene ist mit der unübersezlichen Art von Wiz, + Wortspielen und Fopperey angefüllt, worinn unser Autor seine + damaligen Rivalen eben so weit als an Genie und an wahren + Schönheiten hinter sich ließ. Nach einem langen Ball-Spiel mit Wiz, + unter welchen einige Satyrische Züge gegen die gezwungene und) + precieuse(Hof-Sprache der damaligen Zeit mit einlauffen, fertigt + Hamlet den Narren mit der Antwort an den König ab, daß er auf der + Stelle bereit sey, den Wett-Kampf mit Laertes zu unternehmen. Bald + darauf tritt ein Herr vom Hofe auf, und kündigt an, daß der König, + die Königin, und der ganze Hof im Begriff seyen zu kommen und dem + Wett-Kampf beyzuwohnen. Er sezt hinzu: Die Königin ersuche den + Prinzen, vor Anfang des Gefechts sich eine Weile mit Laertes auf + einen freundschaftlichen Fuß zu unterhalten. Hamlet verspricht es + zu thun, und der Höfling geht ab.) + + +Horatio. +Ich besorge ihr verliehret die Wette Gnädiger Herr. + +Hamlet. +Ich glaub es nicht; ich bin, seit dem er nach Frankreich gieng, in +beständiger Übung gewesen, ich halte mich des Siegs gewiß. Aber +du kanst dir nicht vorstellen, wie übel mir allenthalben hier ums +Herz ist--Allein das hat nichts zu bedeuten. + +Horatio. +Ich denke nicht so, mein liebster Prinz. + +Hamlet. +Es ist nichts, blosse Kinderey; und doch wär es vielleicht genug, +um ein Weibsbild unruhig zu machen. + +Horatio. +Wenn euch euer Herz eine geheime Warnung giebt, so folgt ihm. Ich +will ihnen entgegen gehen, und sagen, ihr seyd izo nicht disponiert. + +Hamlet. +Nein, nein, ich halte nichts auf Ahnungen; die Vorsehung erstrekt +sich bis über den Fall eines Sperlings. Ist es izt, so ist es +nicht ein andermal; ist es nicht ein andermal, so ist es izt; und +ist es nicht izt, so wird es ein andermal seyn--Alles kommt darauf +an, daß man bereit sey. + + + + +Fünfte Scene. +(Der König, die Königin, Laertes und eine Anzahl Herren vom Hofe, + Oßrik und einige Bedienten mit Rappieren und Fecht-Handschuhen. + Ein Tisch und Flaschen mit Wein darauf.) + + +König. +Kommt, Hamlet, kommt, und nemmt diese Hand von mir. + +(Er giebt ihm des Laertes Hand.) + +Hamlet. +Ich bitte um eure Vergebung, mein Herr, ich habe euch bleidiget; +aber vergebet mirs und versichert mich dessen als ein Edelmann. +Alle Gegenwärtigen wissen, und ihr müßt es gehört haben, mit was +für einer unglüklichen Gemüths-Krankheit ich gestraft bin. Was ich +gethan habe, das in euch Natur, Ehre und Rache gegen mich aufreizen +möchte, hat, ich erklär' es hier öffentlich, meine Raserey gethan; +Es war nicht Hamlet der euch beleidigte--Hamlet war nicht er selbst, +da er es that, er verabscheut die That seiner Raserey; sie ist der +Beleidiger, er auf der Seite der Beleidigten; seine Raserey ist des +armen Hamlets Feind. Laßt also meine feyerliche Erklärung daß ich +keinen Vorsaz hatte, übels zu thun, mich so fern in euern +edelmüthigen Gedanken frey sprechen, als ob ich meinen Pfeil über +ein Haus geschossen, und meinen Bruder verwundet hätte. + +Laertes. +Ich bin befriedigt, in so fern ich Sohn und Bruder bin, Namen, die +in diesem Fall mich am meisten zur Rache auffordern; Aber als ein +Edelmann, kan und will ich keine Versöhnung eingehen, bis ich von +einigen ältern und bewährten Richtern dessen was die Ehre fodert, +die Versicherung erhalten habe, daß ich es ohne meinen Namen zu +entehren thun könne. Inzwischen nehme ich, bis dahin, eure +angebotene Freundschaft als Freundschaft an, und will sie nicht +mißbrauchen. + +Hamlet. +Ich bin zufrieden, und auf diesen Fuß bin ich bereit, diesen +freundschaftlichen Wett-Kampf zuversichtlich zu bestehen. Gebt uns +die Rappiere. + +Laertes. +Kommt, eins für mich. + +Hamlet. +Ich werde eure Folie seyn, Laertes; eure Kunst wird aus meiner +Unwissenheit desto feuriger hervorstralen, wie ein Stern aus der +Finsterniß der Nacht; in der That. + +Laertes. +Ihr scherzet, mein Herr. + +Hamlet. +Nein, bey dieser Hand. + +König. +Gebt ihnen Rappiere, Oßrik. Hamlet, ihr wisset, worauf ich +gewettet habe? + +Hamlet. +Ich weiß es, Gnädigster Herr; Eure Majestät hat sich in Gefahr +gesezt, zu verliehren. + +König. +Ich besorge nichts; ich habe euch beyde fechten gesehen, weil er +aber indessen stärker worden ist, so haben wir das Gewette +angestellt. + +Laertes. +Dieses Rappier ist zu schwer, laßt mich ein anders sehen. + +Hamlet. +Das meine ist mir ganz recht; diese Rappiere haben alle die rechte +Länge. + +König. +Füllt mir diese Dekel-Gläser mit Wein! Wenn Hamlet den ersten oder +zweyten Stoß beybringt, oder bis zum dritten sogleich erwiedert, so +laßt alle Canonen loßfeuren; der König wird auf Hamlets bessern +Athem trinken, und in den Becher soll eine Perle geworfen werden, +reicher als die kostbarste die jemals ein dänischer König in seiner +Crone getragen hat. Gebt mir die Becher: Und laßt es die Kessel- +Pauken den Trompeten kundmachen, die Trompeten den Canonieren +draussen, die Canonen dem Himmel, die Himmel der Erde, daß der +König auf Hamlets Gesundheit trinke--Komt, fangt an, und ihr Herren +Richter, habt gute Acht. + +Hamlet. +Kommt dann, mein Herr. + +Laertes. +Wohlan, Gnädiger Herr-- + +(Sie fechten.) + +Hamlet. +Einer-- + +Laertes. +Nein-- + +Hamlet. +Thut den Ausspruch-- + +Oßrik. +Ein Stoß, und das ein ziemlich fühlbarer. + +Laertes. +Gut--Noch einmal-- + +König. +Haltet ein--zu trinken! Hamlet, diese Perle ist dein--Auf deine +Gesundheit!--Gebt ihm den Becher-- + +(Trompeten und Pauken und mit Salve von Geschüz.) + +Hamlet. +Ich will diesen Gang erst ausfechten--Sezt ihn indessen hin-- + +(sie fechten) + +--Wohlan--wieder einen Stoß--was sagt ihr? + +Laertes. +Gestreift, gestreift, ich gesteh' es. + +König. +Unser Sohn wird gewinnen. + +Königin. +Er ist zu fett und von zu kurzem Athem. Hier Hamlet, nimm mein +Schnupftuch und wische dir die Stirne--Die Königin trinkt dirs zu, +Hamlet, auf dein gutes Glük! -- + +(Sie trinkt aus dem Becher, der für Hamlet bestimmt war.) + +Hamlet. +Gütige Mutter-- + +König. +Gertrude trinkt nicht-- + +Königin. +Ich will, mein Herr; ich bitte euch um Vergebung. + +König (vor sich.) +Es ist der vergiftete Becher; nun ist's zu spät-- + +Hamlet. +Ich darf noch nicht trinken, Gnädige Frau; eine kleine Geduld-- + +Königin. +Komm, laß mich dein Gesicht abwischen. + +Laertes. +Diesesmal will ich ihm gewiß eins anbringen. + +König. +Ich glaub es nicht. + +Laertes (bey Seite.) +Und doch ist es fast gegen mein Gewissen. + +Hamlet. +Kommt, den dritten Gang, Laertes; ihr tändelt nur; ich bitte euch, +gebraucht euch eurer äussersten Stärke; ich sorge ihr wollt mich +nur zu sicher machen. + +Laertes. +Sagt ihr das? Wohlan dann. + +(Sie fechten.) + +Oßrik. +Es hat noch keiner nichts-- + +Laertes. +Da habt es dann-- + +(Laertes verwundet Hamleten; hernach verwechseln sie in der Hize +des Gefechts die Rappiere, und Hamlet verwundet den Laertes.) + +König. +Trennet sie, sie gerathen in Hize. + +Hamlet. +Nein, noch einmal-- + +Oßrik. +Seht zu der Königin hier, ho! + +Horatio. +Sie bluten beyde--Wie geht's euch, Gnädigster Herr? + +Oßrik. +Wie steht's um euch, Laertes? + +Laertes. +Wie eine Schneppe in meiner eignen Schlinge, Ossrik; billig sterb' +ich durch das Werkzeug meiner schnöden Verrätherey. + +Hamlet. +Was macht die Königin-- + +König. +Es ist nur eine Ohnmacht, weil sie Blut gesehen hat. + +Königin. +Nein, nein, der Trank, der Trank--O mein theurer Hamlet! der Trank, +der Trank--Ich bin vergiftet-- + +(Die Königin stirbt.) + +Hamlet. +O Abscheulichkeit! he! laßt die Thüren verrigelt werden: +Verrätherey! wer ist der Thäter-- + +Laertes. +Hier ist er; Hamlet, du bist des Todes, kein Arzneymittel in der +Welt kan dich retten. Du hast für keine halbe Stunde mehr Leben in +dir, das verräthrische Werkzeug ist in deiner Hand, ohne Knopf und +vergiftet; der schändliche Kunstgriff ist mein eignes Verderben +worden. Sieh, hier lieg ich, um nicht mehr aufzustehen; deine +Mutter ist vergiftet; ich kan nicht mehr--Der König, der König hat +die Schuld. + +Hamlet. +Und diß Rappier auch vergiftet? Nun, Gift, so thu was du kanst-- + +(Er ersticht den König.) + +Alle. +Verrätherey! Verrätherey! + +König. +O helft, meine Freunde, vertheidiget mich, ich bin nur verwundet-- + +Hamlet. +Hier, du blutschändrischer, mördrischer, verdammter Dähne, trink +diesen Becher aus--ist die Perle hier? Folge meiner Mutter-- + +(Der König stirbt.) + +Laertes. +Er hat empfangen was er verdient hat. Er selbst mischete das Gift. +Laß uns einander verzeihen, edler Hamlet; mein und meines Vaters +Tod komme nicht über dich, noch deiner über mich! + +(Er stirbt.) + +Hamlet. +Der Himmel mög' ihn dir nicht zurechnen! Ich bin des Todes, +Horatio--Unglükliche Königin, Adieu!--Ihr, die ihr mit erblaßten +Gesichtern umhersteht, und vor Entsezen über diesen Vorfall zittert; +ihr, die ihr nur die stummen Personen oder die Zuhörer bey diesem +Trauerspiel seyd--hätte ich nur Zeit--aber der Tod liegt zu hart +auf mir--oh, ich könnte euch Dinge sagen--laß es seyn!--Horatio, +ich sterbe; du lebst, dir überlaß ich meine Ehre und meine +Rechtfertigung bey den Unberichteten. + +Horatio. +Das glaubt nicht, daß ich leben werde--Ich bin mehr ein alter Römer +als ein Dähne--Hier ist noch von dem Trank übrig. + +Hamlet. +Wenn du ein Mann bist, so gieb mir den Becher; laß gehen; beym +Himmel, ich will ihn haben. O mein redlicher Horatio, was für +einen verwundeten Namen, werd' ich bey diesen Umständen hinter mir +lassen! Wenn du mich jemals in deinem Herzen getragen hast, so +verbanne dich selbst noch eine Weile von der Glükseligkeit, und +schleppe dich noch so lange in dieser mühseligen Welt, bis du mein +Andenken gerechtfertiget hast. + +(Man hört einen Marsch und bald darauf ein Salve hinter der Scene.) + +Was für ein kriegrisches Getöse ist das? + + + + +Sechste Scene. +(Oßrik tritt auf.) + + +Oßrik. +Der junge Fortinbras, welcher siegreich von Pohlen zurük kommt, +beehrt die Abgesandten von England mit diesem kriegerischen Gruß. + +Hamlet. +O ich sterbe, Horatio; die Stärke des Gifts überwältigt meinen +Geist: Ich kan nicht so lange leben, die Nachrichten aus England zu +hören. Aber ich sehe vorher, daß die Wahl auf Fortinbras fallen +wird; er hat meine sterbende Stimme: Das sag ihm mit allen den +Umständen, die diesen Ausgang--Es ist vorbey-- + +(Er stirbt.) + +Horatio. +Nun bricht ein edles Herz; gute Nacht, liebster Prinz, und Engels- +Schwingen mögen dich zu deiner Ruhe tragen!--Wie, die Trummeln +kommen näher? (Fortinbras und die Englischen Gesandten, mit +Trummeln, Fahnen, und Gefolge treten auf.) + +Fortinbras. +Was für ein Anblik ist das? + +Horatio. +Der kläglichste und ausserordentlichste, den eure Augen jemals +sehen werden. + +Fortinbras. +Vier fürstliche Leichen, todt und in ihrem Blut liegend--O stolzer +Tod, was für ein Gastmal giebst du in deiner höllischen Grotte, daß +du so viele Prinzen mit einem Streich geschlachtet hast. + +Abgesandten. +Der Anblik ist entsezlich, und unsre Commission aus England kommt +zu späte. Die Ohren sind fühlloß, die uns Audienz geben sollten. +Wir sollten ihm melden, daß sein Befehl an Rosenkranz und +Güldenstern vollzogen worden: Von wem werden wir nun unsern Dank +erhalten? + +Horatio. +Nicht von diesem Munde (des Königs), hätte er noch das Vermögen zu +reden: Denn er gab niemals keinenBefehl daß sie sterben sollten. +Allein, nachdem es sich nungefüget hat, daß ihr beyderseits so +schiklich, ihr von demPolnischen Krieg und ihr von England, zu +dieser blutigen Sceneangekommen seyd; so gebet Befehl, daß diese +Leichen auf einemerhöheten Gerüste ausgesezt werden, damit ich der +Welt, für welchealles noch ein Geheimniß ist, sagen könne, wie +diese Dinge sichzugetragen haben. Ihr werdet dann von grausamen, +blutigen undunnatürlichen Thaten hören, wie einige durch +verrätherische Ränke,andre durch den blossen Zufall, und wie am +Ende die mißlungenenAnschläge auf ihrer Erfinder eignen Kopf +gefallen sind. Von allemdiesem kan ich umständliche und echte +Nachricht geben. + +Fortinbras. +Mich verlangt es zu hören--Die Anstalten sollen gemacht, und der +Adel zusammen beruffen werden. Was mich betrift so umarme ich mein +Glük mit traurigem Herzen; ich habe einiges Recht an dieses +Königreich, welches ich durch diese Zufälle nun geltend zu machen +veranlaßt bin. + +Horatio. +Auch hievon hab ich zu reden, und aus einem Munde, dessen Stimme +manche andre nach sich ziehen wird: Aber lasset die Anstalten +unverzüglich gemacht werden, izt, da die Gemüther noch bestürzt und +unfähig sind Entwürfe zu machen, die zu neuen Verwirrungen Anlaß +geben könnten. (Fortinbras giebt Befehl, daß Hamlets Leiche unter +kriegerischer Musik, von vier Hauptmännern auf das Gerüste getragen +werde--(Sie marschieren ab, und das Stük hört mit einem abermaligen +Salve aus dem kleinen Geschüz auf.) + + +Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Hamlet, Prinz von Dännemark, +von William Shakespeare (Übersetzt von Christoph Martin Wieland). + + + + + + +End of Project Gutenberg's Hamlet, Prinz von Dannemark, by William Shakespeare + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK HAMLET, PRINZ VON DANNEMARK *** + +This file should be named 7276-8.txt or 7276-8.zip + +Produced by Delphine Lettau + +Project Gutenberg eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US +unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + +We are now trying to release all our eBooks one year in advance +of the official release dates, leaving time for better editing. +Please be encouraged to tell us about any error or corrections, +even years after the official publication date. + +Please note neither this listing nor its contents are final til +midnight of the last day of the month of any such announcement. +The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at +Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A +preliminary version may often be posted for suggestion, comment +and editing by those who wish to do so. + +Most people start at our Web sites at: +https://gutenberg.org or +http://promo.net/pg + +These Web sites include award-winning information about Project +Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new +eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!). + + +Those of you who want to download any eBook before announcement +can get to them as follows, and just download by date. This is +also a good way to get them instantly upon announcement, as the +indexes our cataloguers produce obviously take a while after an +announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter. + +http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext03 or +ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext03 + +Or /etext02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, 91 or 90 + +Just search by the first five letters of the filename you want, +as it appears in our Newsletters. + + +Information about Project Gutenberg (one page) + +We produce about two million dollars for each hour we work. The +time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours +to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright +searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our +projected audience is one hundred million readers. If the value +per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2 +million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text +files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+ +We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002 +If they reach just 1-2% of the world's population then the total +will reach over half a trillion eBooks given away by year's end. + +The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks! +This is ten thousand titles each to one hundred million readers, +which is only about 4% of the present number of computer users. + +Here is the briefest record of our progress (* means estimated): + +eBooks Year Month + + 1 1971 July + 10 1991 January + 100 1994 January + 1000 1997 August + 1500 1998 October + 2000 1999 December + 2500 2000 December + 3000 2001 November + 4000 2001 October/November + 6000 2002 December* + 9000 2003 November* +10000 2004 January* + + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created +to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium. + +We need your donations more than ever! + +As of February, 2002, contributions are being solicited from people +and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut, +Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois, +Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts, +Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New +Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio, +Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South +Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West +Virginia, Wisconsin, and Wyoming. + +We have filed in all 50 states now, but these are the only ones +that have responded. + +As the requirements for other states are met, additions to this list +will be made and fund raising will begin in the additional states. +Please feel free to ask to check the status of your state. + +In answer to various questions we have received on this: + +We are constantly working on finishing the paperwork to legally +request donations in all 50 states. If your state is not listed and +you would like to know if we have added it since the list you have, +just ask. + +While we cannot solicit donations from people in states where we are +not yet registered, we know of no prohibition against accepting +donations from donors in these states who approach us with an offer to +donate. + +International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about +how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made +deductible, and don't have the staff to handle it even if there are +ways. + +Donations by check or money order may be sent to: + +Project Gutenberg Literary Archive Foundation +PMB 113 +1739 University Ave. +Oxford, MS 38655-4109 + +Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment +method other than by check or money order. + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved by +the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN +[Employee Identification Number] 64-622154. Donations are +tax-deductible to the maximum extent permitted by law. As fund-raising +requirements for other states are met, additions to this list will be +made and fund-raising will begin in the additional states. + +We need your donations more than ever! + +You can get up to date donation information online at: + +https://www.gutenberg.org/donation.html + + +*** + +If you can't reach Project Gutenberg, +you can always email directly to: + +Michael S. Hart <hart@pobox.com> + +Prof. Hart will answer or forward your message. + +We would prefer to send you information by email. + + +**The Legal Small Print** + + +(Three Pages) + +***START**THE SMALL PRINT!**FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS**START*** +Why is this "Small Print!" statement here? You know: lawyers. +They tell us you might sue us if there is something wrong with +your copy of this eBook, even if you got it for free from +someone other than us, and even if what's wrong is not our +fault. So, among other things, this "Small Print!" statement +disclaims most of our liability to you. It also tells you how +you may distribute copies of this eBook if you want to. + +*BEFORE!* YOU USE OR READ THIS EBOOK +By using or reading any part of this PROJECT GUTENBERG-tm +eBook, you indicate that you understand, agree to and accept +this "Small Print!" statement. If you do not, you can receive +a refund of the money (if any) you paid for this eBook by +sending a request within 30 days of receiving it to the person +you got it from. If you received this eBook on a physical +medium (such as a disk), you must return it with your request. + +ABOUT PROJECT GUTENBERG-TM EBOOKS +This PROJECT GUTENBERG-tm eBook, like most PROJECT GUTENBERG-tm eBooks, +is a "public domain" work distributed by Professor Michael S. Hart +through the Project Gutenberg Association (the "Project"). +Among other things, this means that no one owns a United States copyright +on or for this work, so the Project (and you!) can copy and +distribute it in the United States without permission and +without paying copyright royalties. Special rules, set forth +below, apply if you wish to copy and distribute this eBook +under the "PROJECT GUTENBERG" trademark. + +Please do not use the "PROJECT GUTENBERG" trademark to market +any commercial products without permission. + +To create these eBooks, the Project expends considerable +efforts to identify, transcribe and proofread public domain +works. Despite these efforts, the Project's eBooks and any +medium they may be on may contain "Defects". Among other +things, Defects may take the form of incomplete, inaccurate or +corrupt data, transcription errors, a copyright or other +intellectual property infringement, a defective or damaged +disk or other eBook medium, a computer virus, or computer +codes that damage or cannot be read by your equipment. + +LIMITED WARRANTY; DISCLAIMER OF DAMAGES +But for the "Right of Replacement or Refund" described below, +[1] Michael Hart and the Foundation (and any other party you may +receive this eBook from as a PROJECT GUTENBERG-tm eBook) disclaims +all liability to you for damages, costs and expenses, including +legal fees, and [2] YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE OR +UNDER STRICT LIABILITY, OR FOR BREACH OF WARRANTY OR CONTRACT, +INCLUDING BUT NOT LIMITED TO INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE +OR INCIDENTAL DAMAGES, EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE +POSSIBILITY OF SUCH DAMAGES. + +If you discover a Defect in this eBook within 90 days of +receiving it, you can receive a refund of the money (if any) +you paid for it by sending an explanatory note within that +time to the person you received it from. If you received it +on a physical medium, you must return it with your note, and +such person may choose to alternatively give you a replacement +copy. If you received it electronically, such person may +choose to alternatively give you a second opportunity to +receive it electronically. + +THIS EBOOK IS OTHERWISE PROVIDED TO YOU "AS-IS". NO OTHER +WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, ARE MADE TO YOU AS +TO THE EBOOK OR ANY MEDIUM IT MAY BE ON, INCLUDING BUT NOT +LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR A +PARTICULAR PURPOSE. + +Some states do not allow disclaimers of implied warranties or +the exclusion or limitation of consequential damages, so the +above disclaimers and exclusions may not apply to you, and you +may have other legal rights. + +INDEMNITY +You will indemnify and hold Michael Hart, the Foundation, +and its trustees and agents, and any volunteers associated +with the production and distribution of Project Gutenberg-tm +texts harmless, from all liability, cost and expense, including +legal fees, that arise directly or indirectly from any of the +following that you do or cause: [1] distribution of this eBook, +[2] alteration, modification, or addition to the eBook, +or [3] any Defect. + +DISTRIBUTION UNDER "PROJECT GUTENBERG-tm" +You may distribute copies of this eBook electronically, or by +disk, book or any other medium if you either delete this +"Small Print!" and all other references to Project Gutenberg, +or: + +[1] Only give exact copies of it. Among other things, this + requires that you do not remove, alter or modify the + eBook or this "small print!" statement. You may however, + if you wish, distribute this eBook in machine readable + binary, compressed, mark-up, or proprietary form, + including any form resulting from conversion by word + processing or hypertext software, but only so long as + *EITHER*: + + [*] The eBook, when displayed, is clearly readable, and + does *not* contain characters other than those + intended by the author of the work, although tilde + (~), asterisk (*) and underline (_) characters may + be used to convey punctuation intended by the + author, and additional characters may be used to + indicate hypertext links; OR + + [*] The eBook may be readily converted by the reader at + no expense into plain ASCII, EBCDIC or equivalent + form by the program that displays the eBook (as is + the case, for instance, with most word processors); + OR + + [*] You provide, or agree to also provide on request at + no additional cost, fee or expense, a copy of the + eBook in its original plain ASCII form (or in EBCDIC + or other equivalent proprietary form). + +[2] Honor the eBook refund and replacement provisions of this + "Small Print!" statement. + +[3] Pay a trademark license fee to the Foundation of 20% of the + gross profits you derive calculated using the method you + already use to calculate your applicable taxes. If you + don't derive profits, no royalty is due. Royalties are + payable to "Project Gutenberg Literary Archive Foundation" + the 60 days following each date you prepare (or were + legally required to prepare) your annual (or equivalent + periodic) tax return. Please contact us beforehand to + let us know your plans and to work out the details. + +WHAT IF YOU *WANT* TO SEND MONEY EVEN IF YOU DON'T HAVE TO? +Project Gutenberg is dedicated to increasing the number of +public domain and licensed works that can be freely distributed +in machine readable form. + +The Project gratefully accepts contributions of money, time, +public domain materials, or royalty free copyright licenses. +Money should be paid to the: +"Project Gutenberg Literary Archive Foundation." + +If you are interested in contributing scanning equipment or +software or other items, please contact Michael Hart at: +hart@pobox.com + +[Portions of this eBook's header and trailer may be reprinted only +when distributed free of all fees. Copyright (C) 2001, 2002 by +Michael S. Hart. Project Gutenberg is a TradeMark and may not be +used in any sales of Project Gutenberg eBooks or other materials be +they hardware or software or any other related product without +express permission.] + +*END THE SMALL PRINT! FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS*Ver.02/11/02*END* + diff --git a/7276-8.zip b/7276-8.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..367df10 --- /dev/null +++ b/7276-8.zip diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt new file mode 100644 index 0000000..6312041 --- /dev/null +++ b/LICENSE.txt @@ -0,0 +1,11 @@ +This eBook, including all associated images, markup, improvements, +metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be +in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES. + +Procedures for determining public domain status are described in +the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org. + +No investigation has been made concerning possible copyrights in +jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize +this eBook outside of the United States should confirm copyright +status under the laws that apply to them. diff --git a/README.md b/README.md new file mode 100644 index 0000000..3b410dd --- /dev/null +++ b/README.md @@ -0,0 +1,2 @@ +Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for +eBook #7276 (https://www.gutenberg.org/ebooks/7276) |
