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-The Project Gutenberg eBook of Sprachbilder nach bestimmten
-Sprachregeln, by Franz Wiedemann
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
-of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you
-will have to check the laws of the country where you are located before
-using this eBook.
-
-Title: Sprachbilder nach bestimmten Sprachregeln
- Ein einfaches und praktisches Hilfsbuch für den deutschen
- Sprachunterricht in der Volksschule
-
-Author: Franz Wiedemann
-
-Release Date: October 1, 2022 [eBook #69082]
-
-Language: German
-
-Produced by: the Online Distributed Proofreading Team at
- https://www.pgdp.net
-
-*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK SPRACHBILDER NACH BESTIMMTEN
-SPRACHREGELN ***
-
-
- ####################################################################
-
- Anmerkungen zur Transkription
-
- Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1874 so weit
- wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische Fehler
- wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht
- mehr gebräuchliche Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original
- unverändert.
-
- Umlaute in Großbuchstaben (Ä, Ö, Ü) werden als deren Umschreibungen
- (Ae, Oe, Ue) wiedergegeben.
-
- Der Übersichtlichkeit halber wurden die Inhaltsverzeichnisse der
- Teilbände an den Anfang des jeweiligen Texts verschoben.
-
- Besondere Schriftschnitte werden im vorliegenden Text mit Hilfe der
- folgenden Sonderzeichen gekennzeichnet:
-
- fett: =Gleichheitszeichen=
- gesperrt: +Pluszeichen+
- Antiqua: ~Tilden~
-
- ####################################################################
-
-
-
-
- Sprachbilder
-
- nach
-
- bestimmten Sprachregeln.
-
-
- Ein einfaches und praktisches Hilfsbuch
-
- für den
-
- deutschen Sprachunterricht in der Volksschule.
-
-
- Für Lehrer und Schüler
-
- gearbeitet von
-
- Franz Wiedemann,
-
- Oberlehrer an der vierten Bürgerschule in Dresden.
-
-
- Erster Theil.
-
- Zweite Auflage.
-
-
- Leipzig,
-
- Alfred Oehmigke’s Verlag
-
- (Moritz Geißler).
-
-
-
-
-Vorwort zur zweiten Auflage.
-
-
-Wenn ich auch meinen Sprachbildern, als sie ihre Reise in die
-pädagogische Welt antraten, mit einem gewissen Vertrauen zu ihrer
-praktischen und darum lebensfähigen Natur nachsah, durfte ich mich
-doch =der= Hoffnung nicht hingeben, daß ich schon nach ca. einem Jahre
-in der Lage sein würde, von dem =ersten= Theile eine =zweite Auflage=
-folgen lassen zu müssen. Daß dies nun aber geschehen, sowie der
-Umstand, daß diese meine Sprachbilder (I. und II. Theil) von dem
-
- =Hohen Königlichen sächsischen Ministerio des Cultus und öffentlichen
- Unterrichts als zweckmäßig und praktisch anerkannt und den
- Schulinspectoren im Königreich Sachsen zur Einführung in die Schulen
- officiell empfohlen worden sind=,
-
-erfüllt mich mit ganz besonderer Freude!
-
-Es sei mir gestattet, hier noch einmal kurz die charakteristischen
-Eigenschaften meines Werkchens niederzulegen:
-
-1) Es basirt auf der neuesten und jedenfalls für die Volksschule
-zweckmäßigsten Methode, nach welcher der Sprachunterricht an Lesestücke
-anzulehnen ist.
-
-2) Es belastet die Schüler nicht mit todtem Regelwerke.
-
-3) Es enthält auf allen Klassenstufen ein bestimmtes =Lehrziel=.
-
-4) Es zeichnet einen klaren, einfachen =Lehrgang= vor, der stricte auf
-dem Grundsatze ruht: „Vom Einfachen zum Zusammengesetzten“.
-
-5) Es bietet eine reiche Auswahl von =Lehrstoff= (278 Artikel), sodaß
-dem Lehrer viel Spielraum gelassen ist.
-
-6) Welche Lehrmethode ein Lehrer auch treibe oder triebe, unter allen
-Umständen werden ihm diese Sprachbilder „=dienend=“ zur Seite stehen.
-
-7) Der bei weitem größte Theil der betreffenden Artikel dürfte sich
-ganz gut als Material zu stilischen Aufgaben eignen.
-
-Mögen diese „Eigenheiten“ meines Werkchens in immer weiteren Kreisen
-gefunden und anerkannt werden. Wird mir dieser Wunsch erfüllt, dann
-wird es sich sicher so lange immer weitere Bahnen brechen, bis Einer
-kommt, der die Aufgabe, welche sich dieses Büchlein stellt, besser
-löst, als ich es vermocht habe.
-
- +Dresden+, Ostern 1874.
-
- =Franz Wiedemann.=
-
-
-
-
-Ein Wort zu den Sprachbildern an die Lehrer.
-
-
-Zu den vielen bereits vorhandenen Sprachbüchern und Sprachbüchelchen
-für die Hand des Lehrers und des Schülers der Volksschule --
-wohlgemerkt, der =Volksschule= -- bringe auch ich noch eins herbei,
-aber ein anderes als die gewöhnlichen; wie ich vermeine, ein
-originelles und -- täusche ich mich nicht -- ein =recht praktisches=.
-
-Gewiß zu Nutz und Frommen der Volksschule, und darum mit vollem Rechte,
-hat sich die größere Zahl der Volksschullehrer der Ansicht zugewendet,
-daß man den Sprachunterricht nicht nach todtem Regelwerke, nicht
-nach einer fast unabsehbaren Litanei von einander coordinirten oder
-subordinirten Sprachgesetzen, sondern auf Grund eines +Lehrstückes+,
-als eines fertigen Sprachgebildes, treibe. Dasselbe wird bekanntermaßen
-gelesen, dann zergliedert und bei dieser Operation werden die Regeln
-des Satzbaues, sowie die Bedeutung und die Stellung der Begriffs- und
-Formwörter entwickelt und gefunden.
-
-Ganz +ohne Regeln+ kommen wir natürlich bei dem Sprachunterrichte nicht
-weg, denn auf das blose +Sprachgefühl+ können wir unsere Volksschüler
-ebenso wenig verweisen, als uns auf dasselbe verlassen.
-
-Wo aber sind nun jene Lesestücke, an denen die wichtigsten Sprachregeln
-entwickelt werden sollen, herzunehmen? -- Natürlich nirgends andersher,
-als aus den Lesebüchern, welche die Schüler in den Händen haben.
-
-Die allermeisten dieser Lesestücke, wie wir sie in den bekannten
-zahlreichen Lesebüchern für Volksschulen finden, sind recht gut, viele
-musterhaft und wahre Meisterstücke des Sprachbaues; keins von allen
-aber wurde wol in =der Absicht= und =zu dem Zwecke= geschrieben,
-bestimmte Sprachregeln und Sprachgesetze darin zu veranschaulichen.
-Sie alle wurden des =Stoffes= und höchstens der =Darstellungsformen=
-(Schilderung, Beschreibung, Erzählung etc.) =halber= geschaffen.
-
-Dieser Umstand aber wird für den Sprachlehrer zu einer +Calamität+
-und diese habe ich selbst eine Reihe von Jahren hindurch oft recht
-bitter empfunden. Wie so? -- Nun ja, der Sprachlehrer will z. B.
-die verschiedenen Arten der Haupt-, Für- oder Zahlwörter, oder
-die Steigerung der Eigenschaftswörter, oder deren Stellung zum
-Hauptworte, oder die Bedeutung und Stellung der Umstandswörter, oder
-die verschiedenen Arten und Naturen der Verhältniß- und Zahlwörter,
-oder die mannichfachen Ergänzungen etc. etc. zur Anschauung und zur
-Besprechung bringen; wo aber findet er nun ein Lesestück, das für
-den vorliegenden Fall so recht geeignet ist, das die betreffende
-Wortgattung, die betreffende Regel möglichst allseitig repräsentirt?
-
-Als ganz nebensächlich sei hier noch bemerkt, in welche Verlegenheit
-man in dieser Hinsicht gerathen kann, wenn es, beispielsweise bei einer
-öffentlichen Schulprüfung, einmal heißt: „Behandeln Sie die Umstände
-des Orts (oder die Verhältnißwörter, welche den dritten Fall bedingen,
-oder die Zahlwörter) auf Grund eines Lesestückes.“ Obgleich sich nun
-jeder nur einigermaßen gewandte Sprachlehrer auch in diesem Falle +zu
-helfen wissen+ und einem Fiasco entgehen wird, ist doch immerhin dabei
-Holland mehr oder weniger in Nöthen, da sich eben ein für diesen Fall
-geeignetes Lesestück schwer oder gar nicht auffinden läßt. Doch das
-eben nur nebenbei.
-
-Diesem Mangel an geeigneten Lesestücken speciell für den Unterricht in
-der deutschen Sprache wollte ich nun mit dem gegenwärtigen Büchlein
-abhelfen. =Alle Stoffe und Materialien darin sind in allererster Linie
-eigens für den Sprachunterricht bearbeitet.= Jeder einzelne Artikel
-darin ist für einen bestimmten Sprachunterrichtszweck, für eine ganz
-bestimmte Sprachregel geschrieben, wie die verschiedenen Ueberschriften
-des Näheren lehren. Das Ganze ist also durchaus kein Sammelwerk,
-sondern besteht aus lauter Originalartikeln. Ein Blick hinein wird Dir
-sagen, daß sowohl für die Wörterklassen als auch für den einfachen
-Satz des Stoffes hinreichend vorhanden ist. Und wieder ein Blick
-in die einzelnen Artikel wird Dich überzeugen, wie dieselben die
-betreffende Regel möglichst allseitig und erschöpfend veranschaulichen.
-Haben Lehrer und Schüler dieses Buch in der Hand, denke ich mir den
-Sprachunterricht für beide Theile als =eine Lust=!
-
-Aber mit diesem Buche wollte ich auch noch einen andern Zweck
-erreichen. Für das Bedürfniß der Volksschule erscheint es mir geboten,
-den Schülern =recht, recht anschaulich= zu machen, wie sich ein
-Satz aufbauen und erweitern läßt und wie jedes neu hinzutretende
-Satzglied dem „Gedanken“ einen weiteren oder, nach Umständen, einen
-engeren Spielraum anweist. Ich bin daher in der Classification
-meiner Sprachstoffe für die Behandlung des einfachen Satzes vom
-allereinfachsten Satze ausgegangen, habe =Schritt für Schritt= eine
-neue, nähere Bestimmung hinzutreten lassen und so das Satzgebäude nach
-und nach bis an die möglichsten Grenzen erweitert. Diese ganze Art und
-Weise ist der Arbeit eines Maurers zu vergleichen, der eben auch einen
-Stein und ein Steinchen nach dem andern an- und beisetzt, bis endlich
-der Bau vollendet dasteht.
-
-Wenn irgend in einem Unterrichtsfache der Volksschule, müssen wir
-vor allen Dingen im Sprachunterrichte dem alten Urgesetze alles
-Unterrichts „=vom Einfachen zum Zusammengesetzten=“ treu bleiben,
-unbekümmert um all die gelehrten und gekünstelten Unterrichtssysteme,
-welche „studirte“ Sprachforscher oder pädagogische Methodenjäger
-aufgestellt haben. Wir haben einmal gar =keine Zeit= und dann auch
-gar =kein Publikum= dazu, um uns auf die =feineren= Beziehungen und
-Deutungen in Bezug auf das reiche Material unseres Sprachschatzes
-einlassen zu können. Unsern guten Volksschulkindern haben wir vor allen
-Dingen einfache, aber feste und bestimmte Sprachgesetze zu geben. Das
-„+Höhere+“ und das „+Tiefere+“ ist Sache derjenigen Lehranstalten,
-welche über das Elementarschulwesen hinausliegen. O und wir haben
-vollauf, =übervollauf= zu thun, um unsere Volksschulkinder -- und zu
-ihnen rechne ich getrost auch die Schüler der sogenannten höheren
-Bürger- und Privatschulen -- in diese blosen Grundelemente der Sprache
-einzuführen. Wer diese Wahrheit vergißt oder bestreitet und meint,
-man könne die Kinder auch als Kinder schon in die „Kunst“ der Sprache
-einweihen, der kommt mir vor wie ein Maler, der einem schlichten
-Landmanne das Verständniß der Schönheit der Sixtinischen Madonna
-beibringen wollte.
-
-Das Hinausgehen über die Marksteine, die uns die Kindesnatur setzt,
-wird in dem Sprachunterrichte zu einem Würgen und Quälen für Schüler
-und Lehrer, was sich recht deutlich in den Stilübungen zeigt. Bei
-diesen Arbeiten, will mich bedünken, wird überhaupt am allermeisten
-gesündigt. Was wird da nicht selten schon von einem zehn-, zwölf-,
-dreizehn-, vierzehnjährigen Knaben oder Mädchen verlangt! Aufsätze von
-sechs, acht Seiten und noch länger. Und was für Themen oft! Themen,
-deren Bearbeitung vielleicht dem Herrn Lehrer selbst, der doch erstens
-die deutsche Sprache bereits zwanzig oder dreißig und mehr Jahre
-gesprochen und geübt hat, während beispielsweise das dreizehnjährige
-Kind dieselbe kaum erst +sieben+ Jahre mit Bewußtsein spricht; der
-zweitens ein oder so und so viel Jahrzehnte älter und darum viel,
-viel verstandesreifer ist als das Kind; der drittens an Anschauungen
-und Erfahrungen dem Kinde weit, weit überlegen sein muß; der viertens
-vier bis sechs Jahre eine höhere oder wol gar hohe Schule besucht;
-der fünftens im Laufe der Jahre so und so viel Zeitungen, Broschüren,
-Bücher und Werke gelesen und aus ihnen Stoff gesammelt hat -- =einiges
-Kopfzerbrechen= gemacht hat. Die Hand aufs Herz, liebe Freunde!
-
-Oder sollte Euch noch kein Lehrplan, namentlich der sogenannten
-höheren Bürger- oder Privatschulen, vorgekommen sein, der das
-Sprachziel (Grammatik und Stil) dermaßen hinaufschraubt, als ob auf den
-Schulbänken Seminaristen oder gar Studenten säßen?
-
-Wie viel würde für die praktische sprachliche Ausbildung unserer
-Volksschüler gewonnen werden, wenn man dieselbe Kraft und Mühe, die
-man an die Erreichung jener überschwänglichen Ziele setzt, auf das
-=wirklich Erreichbare= verwendete!
-
-Das Streben, auch in sprachlicher Hinsicht für die Volksschule
-Fortschritte zu erzielen, ist höchst ehrenvoll und lobenswerth, aber
-nur +nicht zu viel verlangen+ und zu viel erwarten! Die Kindesnatur
-hat eben ihre Grenzen und ganz dieselben Grenzsteine werden auch nach
-tausend Jahren noch stehen.
-
-Doch zurück zu meinem Büchlein!
-
-Am Schlusse desselben habe ich ganz kurz angedeutet, wie man etwa zu
-verfahren hat, um die vorkommenden Sätze, namentlich die scheinbar sehr
-verschlungenen, sprachlich aufzulösen. Mit Absicht aber habe ich alle
-weitere Unterweisung über die Behandlung der einzelnen Sprachbilder
-unterlassen. Und warum?
-
- 1) Jedes einzelne Sprachbild sagt ja ganz klar und deutlich, welches
- Sprachobject darin vertreten, zu entwickeln und zu veranschaulichen
- ist.
-
- 2) Wer sich daher in einem solchen Artikel nicht =selbst= zurecht
- fände und nicht selbst wüßte, auf welche Weise er das darin
- vertretene Sprachobject zur Anschauung und zur sprachlichen
- Verwerthung zu bringen habe, der möge sich getrost aus der Liste der
- Sprachlehrer streichen lassen.
-
- 3) Um eine solche Anweisung erschöpfend zu behandeln, hätte ich, da
- doch jedes einzelne Sprachbild etwas Neues bietet, zu jedem derselben
- einen Commentar schreiben müssen. Das aber hätte ein dickes Buch
- gegeben und wäre dann kein Buch für die Hand des Schülers mehr
- gewesen.
-
- 4) Dergleichen Unterweisungen, wie ein Lehrstück sprachlich zu
- behandeln ist, existiren schon; ich erinnere nur an die „Praktische
- Anweisung zum deutschen Sprachunterricht“ von A. Berthelt. -- Wozu
- sollte ich Bekanntes und Bewährtes wiederholen?
-
-Mit Absicht habe ich auch keine +Aufgaben+ für Schüler beigegeben,
-weil ich vermeine, daß der ebenfalls kein Lehrer der deutschen Sprache
-sein kann, der nicht verstünde, auf Grund der gepflogenen Besprechung
-eines solchen Lesestückes seinen Schülern irgend eine darauf bezügliche
-Aufgabe für ihren Privatfleiß zu ertheilen.
-
-Nur bezüglich der Bildung der erweiterten einfachen Sätze folgt zum
-Schlusse ein kleiner Wink.
-
-Daß der bei weitem größte Theil der vorliegenden Sprachbilder auch
-Stilstoffe sein und werden können, dürfte sich leicht erkennen lassen.
-
-Wie Du nun, lieber College, mein Werkchen finden wirst, weiß ich nicht.
-Nur um Eins bitte ich Dich: Fälle Dein Urtheil nicht auf Grund eines
-blos =flüchtigen= Einblicks. Nein, willst Du über das Büchlein zu
-Gericht sitzen, so kürze die Voruntersuchung nicht zu sehr ab. Sieh Dir
-es +genau an+, damit Dir ganz klar wird, =was= und =wie= ich es will.
-Thust Du das, so hege ich die Hoffnung, daß Du meine Arbeit =praktisch=
-erfinden und in dem Büchlein ein Unterrichtsmittel entdecken wirst, das
-dem Lehrer und dem Schüler die Arbeit =bequem= und =leicht= macht. Das
-aber -- und daraus ist ja kein Hehl zu machen -- ist bei allen meinen
-kleinen pädagogischen Schriften meine Hauptabsicht. Wäre sie auch bei
-dem gegenwärtigen Büchlein erreicht, würde ich mich freuen und Du
-würdest darob nicht böse sein.
-
-Zu dem Ende aber will ich nun noch als =Kritiker meiner selbst=
-auftreten, um Dir die Mühe zu ersparen.
-
- Nr. 1. „Der Stil ist in einzelnen wenigen Fällen nicht ganz fließend.“
-
-=Weiß wohl=, und ich hätte diesen Umstand leicht umgehen können, wenn
-mir nicht in Bezug auf die Wahl der Worte und Redetheile die Hände
-gebunden gewesen wären und gebunden sein =sollten=. Bei so aus Gründen
-gefesselter Hand würde es vielleicht selbst einem „Meister von der
-Feder“ nicht möglich gewesen sein, einen ganz vollendeten Stil zu
-schaffen. Mit drei Farben läßt sich natürlich kein +solches+ Gemälde
-erzeugen, wie es mit zehn Farben möglich wird.
-
- Nr. 2. „Es ist in einigen allerdings nur seltenen Fällen die eiserne
- Consequenz zu vermissen.“
-
-=Weiß wohl=, was damit gesagt sein soll. Es kommt nämlich in einzelnen
-Fällen vor, daß ich irgend ein Formwörtchen mit in Anwendung gebracht
-habe, was, streng genommen, noch nicht auftreten durfte. Ich mußte
-indeß zu diesem Mittel greifen, wenn der Stil nicht hart und eckig
-werden sollte. Dergleichen Nothfälle aber, die nur ganz vereinzelt zu
-finden sind, können ja im Unterrichte mit leichter Mühe ignorirt werden.
-
- Nr. 3. „Die letzten Wiederholungsnummern der Sprachbilder erscheinen
- fast schwülstig.“
-
-=Weiß wohl!= Sie sollen auch keineswegs Stilmuster sein, sondern nur
-zeigen, wie sehr der einfache Satz ausgedehnt und erweitert werden
-kann. Es sind +diese+ Sprachbilder gewissermaßen Knochen, an denen
-sich die Geisteszähne der Schüler schärfen sollen. So verschlungen
-auch ein solcher Satz für den ersten Augenblick erscheint, ist er
-doch immerhin nur ein einfacher, und es ist nicht allzuschwer für den
-Schüler, nachdem er alles Vorhergegangene begriffen, das „=Gerippe=“
-herauszuschälen und dasselbe nun selbst wieder mit dem +gegebenen+
-Fleische und Blute nach und nach zu bekleiden.
-
-Der =zweite Theil= dieses Werkchens, welcher, so Gott will,
-nächste Ostern nachfolgen soll, wird den =zusammengezogenen=, den
-=zusammengesetzten= und den =gefügten Satz= in ähnlicher Weise
-behandeln, wie im ersten Theile der erweiterte einfache Satz behandelt
-wurde.
-
-Hast Du dann, lieber College, wenn Deine Schüler vierzehn Jahre zählen,
-auch diesen zweiten Theil mit ihnen durchgearbeitet, kannst Du sie
-getrost aus der Volksschule entlassen. Sie haben dann jedenfalls einen
-guten Grund gelegt, selbst auch für den Fall, daß der eine oder der
-andere sich einen Beruf erwählte, welcher noch ein eigentliches Studium
-der deutschen Sprache erheischte.
-
-Zum Schlusse nur noch ein Wort über die =Einführung= dieser
-Sprachbilder. Es liegt im Wesen dieses Sprachbüchelchens, daß es jeder
-Schüler selbst zur Hand und vor Augen habe, also selbst besitze.
-Obgleich nun der Preis desselben auf das niedrigste gestellt ist,
-dürfte doch der oder jener College das Bedenken erheben, daß +seine+
-Schüler nicht im Stande sein würden, es sich anzuschaffen. Dieses
-Bedenken mag in vielen Fällen wohlbegründet sein. Ich meine indeß, da,
-wo die Eltern gehalten sind, ihren Kindern ein Spruchbuch oder einen
-Katechismus, ein Gesangbuch, eine Bibel und wol gar ein Lehrbuch der
-französischen und der englischen Sprache zu beschaffen, müßte doch wol
-auch die Einführung eines deutschen Sprachbuches zu erzielen sein.
-Oder sollte die schöne, theure =Muttersprache= vom Elternhause dieses
-kleinen Opfers nicht für werth erachtet werden? Wäre das, dann wäre es
-an uns, den betreffenden Vätern und Müttern klar zu legen, welch hohen
-Werth eine gute sprachliche Bildung für ihr Kind habe.
-
-Nun, so nimm es denn hin, lieber College, dieses kleine Werkchen, mit
-dem ich -- ich wiederhole es -- Dir und Deinen Schülern wieder eine
-Arbeit =leicht= und =bequem= machen wollte. Möge diese meine Arbeit,
-die keine leichte war und ist, von Segen für die liebe lernende
-Kinderwelt begleitet sein!
-
- =Franz Wiedemann.=
-
-
-
-
-Inhalts-Verzeichniß.
-
-
- ~A~. Die Wortarten.
-
- Hauptwörter.
-
- Sprachobjecte. Sprachbilder.
-
- Nr. Seite
-
- 1. Menschen. Auf der Dresdner Brücke 1
-
- 2. Thiere. Beim Onkel auf dem Lande 2
-
- 3. Thiere des Waldes. Im Walde 3
-
- 4. Sachen. Der Jahrmarkt 4
-
- 5. Stoffnamen. Der Wißbegierige 5
-
- 6. Mengenamen. Eine Festung im Kriege 7
-
- 7. Eigennamen. Schulexamen 8
-
- 8. Gedankendinge. Zweierlei Schüler 9
-
- 9. Ein- und Mehrzahl. Freund Apfelbaum 10
-
- 10. Ohne Mehrzahl. Getäuschte Hoffnungen 11
-
- 11. Doppelhauptwörter. Gastfreundschaft 12
-
- 12. Nichthauptw. zu Hauptw. erhoben. Eine musterhafte Schülerin 13
-
- 13. Wiederholung der Hauptwörter. Belohnter Gehorsam 14
-
- Eigenschaftswörter.
-
- 14. Formen und Gestalten. Formen der Pflanzenwelt 16
-
- 15. Abstracte Eigenschaftswörter. Der Frühling 17
-
- 16. Zusammengesetzte Eigenschaftsw. Der Geizhals 17
-
- 17. Das Eigenschaftsw. vor d. Hauptw. Der wohlthätige Bettler 18
-
- 18. Steigerung des
- Eigenschaftswortwortes. Ein Gewitter 20
-
- 19. Eigenschaftswört. ohne
- Steigerung. Ein Begräbniß 21
-
- 20. Declination d. Eigensch.
- ohne Art. Die beste Apotheke 22
-
- 21. Wiederholung der Eigenschaftsw. Ehrlichkeit 24
-
- Der Artikel.
-
- 22. Der bestimmte. Der Abend 25
-
- 23. Der unbestimmte. Der Dachs 26
-
- 24. Bestimmter u. unbestimmter. Der Liederliche 27
-
- 25. Desgleichen. Ein Frühlingsmorgen 27
-
- 26. Declination der Artikel. Ehre dem Tapfern 28
-
- 27. Desgleichen. Die Rettung 29
-
- 28. Wiederholung. Mißgunst 30
-
- Das Zahlwort.
-
- 29. Bestimmte Zahlwörter. Der Würfel 31
-
- 30. Ordnungszahlen. Ordnung 32
-
- 31. Das unbestimmte Zahlwort. Christbescheerung 33
-
- 32. Zahlwörter zu Hauptw. erhoben. Die Feuersbrunst 34
-
- 33. Biegung des Zahlwortes. In der Strafanstalt 35
-
- 34. Wiederholung des Zahlwortes. Im Kriege 36
-
- Das Fürwort.
-
- 35. Persönliche Fürwörter. Ein Brief 36
-
- 36. Besitz anzeigende Fürwörter. Schönheit bringt Gefahr 37
-
- 37. Bezügliche Fürwörter. Die Natur 38
-
- 38. Hinweisende Fürwörter. Aberglaube 39
-
- 39. Fragende Fürwörter. Räthselfragen 40
-
- 40. Unbestimmte Fürwörter. Eine schreckliche Zeit 41
-
- 41. Wiederholung der Fürwörter. Ein Brief 41
-
- Das Zeitwort.
-
- 42. Bezügliche Zeitwörter. Auf dem Lande 42
-
- 43. Unbezügliche Zeitwörter. Nach der Schlacht 44
-
- 44. Bezüg. u. unbezüg. gebr. Zeitw. Arbeitsstunde 44
-
- 45. Unpersönliche Zeitwörter. Eine Angstnacht 46
-
- 46. Abwandlung d. Zeitw. n. d. Pers. Auf dem Spielplatze 47
-
- 47. Abwandlung d. Zeitw. n. d. Zeit. Ein Feriengespräch 49
-
- 48. Die Aussageweise. Aus einem Tagebuche 50
-
- 49. Das Mittelwort der Gegenwart. Ein Sommertag 52
-
- 50. „ „ „ Vergangenheit. Unter dem Kreuze 52
-
- 51. „ „ „ Zukunft. Ein Stück Kriegsarbeit 53
-
- 52. Leideform. Das Brod 54
-
- 53. Wiederholung d. Formen d. Zeitw. Die Berufswahl 55
-
- 54. Das Hilfszeitwort. Ein Zwist 57
-
- Die Umstandswörter.
-
- 55. Umstandswörter des Ortes. Die Verirrten 58
-
- 56. „ der Zeit. Ein Brief 59
-
- 57. Desgleichen. Der tolle Reiter 60
-
- 58. Umstandswörter der Weise. Am Bache 61
-
- 59. „ „ Stärke. Der Geizhals 62
-
- 60. „ „ Aussagew. Die Landbewohner 63
-
- 61. „ „ Frage. Die Staare 64
-
- 62. Wiederholung d. Umstandswörter. Eine Wanderschaft 66
-
- Das Verhältnißwort.
-
- 63. Verhältnißwörter des Ortes. Das Vaterhaus 67
-
- 64. „ der Zeit. Vor Paris 69
-
- 65. „ „ Weise. Die Rückkehr der Helden 69
-
- 66. „ des Grundes. Joachim 70
-
- 67. Wiederholung der Verhältnißw. Die Mühle 71
-
- Das Bindewort.
-
- 68. Zusammenstellende Bindewörter. Ungleiche Brüder 72
-
- 69. Entgegenstellende „ Die goldene Freiheit 74
-
- 70. Begründende „ Amerika 75
-
- 71. Wiederholung der „ Treue Freundschaft 77
-
- Das Empfindungswort.
-
- 72. Empfindungswörter. Ein Spaziergang 78
-
-
- ~B.~ Satzlehre.
-
- ~A.~ Der reine einfache Satz.
-
-
- 73. Alle Satzarten. Das Gewitter 80
-
- 74. Desgleichen. Ursache und Folge 80
-
- 75. Was das Subject sein kann. Das Pferd 81
-
- 76. Was das Prädicat sein kann. Gott 82
-
- 77. Desgleichen. Die Rose 82
-
-
- ~B.~ Der erweiterte einfache Satz.
-
- ~a~) Erweiterung des Subjects.
-
- 78. Beifügung vor dem Subject. Das kranke Kind 82
-
- 79. „ nach „ „ Berlin 84
-
- 80. Die Beifügung ein Zeitwort in Peter 84
- reiner Form.
-
- 81. Beifüg. vor und nach dem Subj. Weihnacht 85
-
- 82. Zwei Beifüg. vor dem Subj. Zigeunerkinder 86
-
- 83. Eine Doppelbeifüg. nach d. Subj. Das Grab der Mutter 87
-
- 84. Zwei Doppelbeif. nach d. Subj. Dämmerung 88
-
- 85. Alle Arten einfacher Beifügungen. Der Schneemann 89
-
- 86. Alle möglichen Beifüg. vor und Der junge Storch 89
- nach dem Subject.
-
- ~b~) Erweiterung des Prädicats.
-
- 87. Das Präd. ein Hauptw. m. Beif. Wilhelm 91
-
- 88. „ „ „ „ mit mehreren Der Affe 91
- Beifügungen.
-
- 89. Alle mögl. Erw. d. Subj. u. Präd. Hochmuth 92
-
- Ergänzungen.
-
- 1) Des Zeitwortes.
-
- ~a~) Einfache Ergänzungen.
-
- 90. Im ersten Falle. Der Schmetterling 93
-
- 91. Im zweiten Falle. Ohne Glauben 93
-
- 92. „ dritten „ Der echte Christ 93
-
- 93. „ vierten „ Jakob 94
-
- 94. Rückbezügliche Zeitwörter. Vierter Der Lügner 95
- Fall.
-
- 95. Alle vier Fälle. Der Verschwender 95
-
- 96. Ergänzung durch Hauptwörter König und Volk 96
- mit Verhältnißwörtern.
-
- 97. Die Ergänzung ein Zeitwort in Im Sturme 97
- reiner Form.
-
- 98. Einfache Ergänzung. Alle vier Die Wahrheit 97
- Fälle.
-
- 99. Wiederholung aller Ergänzungen Die Eisenbahn 97
- mit Verhältnißwörtern.
-
- 100. Hauptwiederholung. Der Geburtstag 98
-
- ~b~) Doppelte Ergänzung.
-
- 101. Vierter und zweiter Fall. Der Thierquäler 99
-
- 102. Vierter und dritter Fall. Oskar 99
-
- 103. Vierter und zweiter Fall. Eine Verirrung 100
-
- 104. Vierter und vierter Fall. Bestrafte Eitelkeit 100
-
- 105. Dritter und vierter Fall. Großmuth 101
-
- 106. Wiederholung der Doppelergänz. Der Geiz 102
-
- 107. Fortsetzung. Michel 102
-
- 108. Alle Beifügungen und Ergänzungen. Eine Jubelfeier 103
- Hauptwiederholung.
-
- 2) Des Eigenschaftswortes.
-
- 109. Im zweiten Fall. Judas 104
-
- 110. Im dritten Fall. Strenge Zucht 105
-
- 111. Im vierten Fall. Die alte Linde 106
-
- 112. Durch ein Verhältnißwort. Der Knochen 106
-
- 113. Wiederholung. Der Löwenbändiger 107
-
- 114. Hauptwiederh. Beif. Ergänzung. Der Dieb 108
-
- Der Umstand des Ortes.
-
- 115. Wo? Umstands- u. Verhältnißw. Eine Stätte der Armuth 109
-
- 116. Wohin? „ „ „ Sturax 110
-
- 117. Woher? „ „ „ Treibjagd 111
-
- 118. Wiederholung. Wo? Wohin? Die Elbe 111
- Woher?
-
- 119. Fortsetzung. Die Luft 112
-
- 120. Hauptwiederh. Subj. Prädic. Die neue Gutsherrschaft 113
- Ergänz. Ortsbest.
-
- Der Umstand der Zeit.
-
- 121. Wann? (Umstands- und
- Verhältnißwörter.) Ein Brief 114
-
- 122. Wie lange? Seit wann? (Umstands- Der Gemsjäger 115
- u. Verhältnißw.)
-
- 123. Wie oft? (Umstands- und
- Verhältnißw.) Ein alter Krieger 116
-
- 124. Wiederholung. Moses 117
-
- 125. Hauptwiederholung. Ergänzung. Jäger und Müller 118
- Ort. Zeit.
-
- Der Umstand der Weise.
-
- 126. Alle Fälle. Mißgeschick 120
-
- 127. Desgleichen. Ein Stier 121
-
- 128. Hauptw. Beif. Zeit. Ort. Weise. Schulprüfung 122
- Erg.
-
- Der Umstand des Grundes.
-
- 129. Ursache oder Sachgrund. Unverstand 124
-
- 130. Beweggrund. Lohn der Wißbegierde 124
-
- 131. Erkenntnißgrund. Der tolle Hund 125
-
- 132. Zweck und Stoff. Jahrmarktsgeschenke 125
-
- 133. Wiederholung. Heuchler 126
-
- 134. Wiederholung. Der Wagehals 126
-
- 135. Hauptw. Beifüg. Zeit. Ort. Ein Bombardement 127
- Weise. Grund. Ergänz.
-
- 136. Hauptw. Beif. Ergänz. Zeit. Zu Weihnacht 129
- Ort. Weise. Grund. Stoff.
-
- 137. Hauptw. Beif. Erg. Zeit. Ort. Ein trauriges Ende 131
- Weise. Grund. Zahl. Stoff.
-
- 138. Hauptw. Beif. Ergänz. Zeit. Luxus 131
- Ort. Weise. Grund. Zahl.
- Stoff.
-
- Die Aussageweise.
-
- 139. Wirklich. Möglich. Nothwendig. Der Mensch 133
-
- Wortfolge.
-
- 140. Gerade, umgekehrte. Die Rose 134
-
- 141. Desgleichen. Wiegenbau 134
-
- Vom einfachsten bis zum erweitertsten einfachen Satze.
-
- 142. Hauptwiederholung. Verschiedene Sätze 135
-
- Fragen nach den einzelnen Satztheilen.
-
- 143. Uebersicht. Fragen nach den Satztheilen 142
-
- 144. Praktische Anwendung dies. Frag. Für die Friedenszeit 143
-
- Anhang.
-
- 145. Bilde Sätze auf folgende Fragen. Eine Art von Aufgaben 149
-
-
-
-
-~A.~ Die Wortarten.
-
-
-Hauptwörter.
-
-
-1. Auf der Dresdner Brücke.
-
-(Menschen.)
-
-+Otto+ war zum ersten Male in der Residenzstadt Dresden gewesen.
-Als er wieder nach Hause kam, saßen +Vater+ und +Mutter+ und seine
-+Geschwister+, +Emil+, +Bertha+ und +Louise+, eben beim Abendbrode. Da
-mußte denn nun der kleine +Reisende+ sogleich erzählen, was er alles
-gesehen habe.
-
-„Ganz besondere Freude“, erzählte Otto unter Anderem, „hat +mir+ ein
-Gang über die große, alte Elbbrücke gemacht. Nein, was man da doch
-binnen weniger Minuten für eine Menge Menschen sieht! Hier rasselt
-ein schöner, herrschaftlicher Wagen dahin, einen Kutscher und einen
-Bedienten auf dem Bocke. Darin sitzt ein feiner Herr oder auch eine
-vornehme Dame, zuweilen auch nur eine Kinderfrau oder eine Amme
-mit den Kindern eines Grafen oder eines Barons. Dort zieht eine
-Bauerfrau mit ihrer Tochter oder Magd einen Milchwagen. Hier knallt
-ein Droschkenkutscher auf seinen müden Gaul; dort bläst ein Postillon
-in sein Horn. Botenfrauen, Köchinnen, Dienstmänner und Dienstmädchen
-schleppen schwere Körbe und Paquete auf ihren Schultern dahin.
-Briefboten und Polizeidiener eilen hinüber und herüber. Greise und
-Kinder, Männer und Frauen, Fremde und Einheimische, reiche Leute und
-Bettler ziehen in buntem Gemisch dahin. Besonders viel Soldaten sind
-mir begegnet. Ich sah Generäle, Hauptleute, Feldwebel, Tamboure,
-Signalisten und Fahnenträger. Auch Schützen, Jäger, Grenadiere,
-Gardisten, Ulanen und Dragoner gingen an mir vorüber. Sogar der König
-mit der ältesten Prinzessin kam gefahren. Ein Vorreiter bahnte ihm den
-Weg und zwei Lakaien standen hinten auf seinem Wagen. Natürlich zogen
-alle Leute, vom reichsten Kaufmanne bis zum ärmsten Schusterjungen
-herab, die Hüte und Mützen, als der Landesvater vorüberfuhr.
-
-Gewiß waren es an fünfhundert Personen, die ich auf diesem einzigen
-Gange über die Brücke gesehen habe.“
-
-
-2. Beim Onkel auf dem Lande.
-
-(Thiere.)
-
-Robert war einen Tag auf dem Lande gewesen. Er hatte seinen Onkel
-besucht, der eine große Oekonomie besaß.
-
-Als Robert am Abende nach Hause kam, sagte er zu seinen Geschwistern:
-„Heute habe ich aber so viel verschiedene +Thiere+ gesehen, wie noch
-nie.“
-
-„Nun, so erzähle uns doch“, baten die Geschwister, „was Du für Thiere
-gesehen hast.“
-
-„Als ich an des Onkels Haus kam“, begann hierauf Robert, „bellten mich
-ein schwarzer +Pudel+ und ein +Affenpinscher+ an. In dem Hausflur
-kauerte eine graue Katze und verzehrte eben eine Maus, die fast so
-groß war, wie eine Ratte. Ich trat in die Stube ein. Hier saß ein
-Rothkehlchen auf dem Spiegelrahmen und verspeiste eine Fliege. Am
-Fenster hing ein großer Käfig, in welchem ein Zeisig, ein Stieglitz
-und ein Canarienvogel auf- und abhüpften. Unter dem Ofen spielte ein
-Meerschweinchen mit einem jungen Hunde.
-
-Aber nun erst auf dem Hofe! Hier führte ein Hahn seine Hühner
-spazieren. Dort lockte eine alte Henne ihre Küchlein herbei, weil sie
-ein Würmchen gefunden hatte. Vor der Scheune stolzirte ein Pfau auf
-und ab. Ein schwarzer Truthahn zankte sich mit einem alten Gänseriche
-um ein Stückchen Brodrinde. Ein ganzes Heer Enten und Gänse watschelte
-zum Thore hinaus, dem nahen Teiche zu, wahrscheinlich, um dort Frösche,
-Eidechsen und kleine Fische zu fangen. Auf den Dächern zwitscherten
-Schwalben und Sperlinge um das Nest eines Storches. Nicht weit davon
-saßen eine Menge Tauben und spähten ängstlich in die Luft hinaus, ob
-sich etwa ein Falke oder Stößer oder ein andrer Raubvogel sehen lasse.
-Vor der Elster, die im Hofe umherhüpfte, schienen sie sich nicht zu
-fürchten.
-
-Sogar im Wassertroge gab es Thiere. Hier schwammen Karpfen, Hechte,
-Aale und Schleien und auf dem Grunde krochen Krebse.
-
-Im Pferdestalle standen zwei Schimmel, ein Fuchs und ein Rappe. Unter
-ihnen herum hüpften weiße und schwarze Kaninchen. Der Esel war nicht zu
-Hause, sondern in der Mühle.
-
-Besondere Freude machte mir der Kuhstall. Hier brummte mich ein großer
-Ochse ganz mürrisch an. Gegen zwanzig Kühe fraßen eben ihr Heu.
-Zwischen ihnen lagen einige Kälber. Neben der Thür meckerten zwei
-Ziegenböcke und aus einem Winkel hervor grunzte ein altes Schwein mit
-sieben Ferkeln.
-
-Alle diese Thiere sah ich an einem Tage und sie haben mir sehr viel
-Vergnügen bereitet.“
-
-
-3. Im Walde.
-
-(Thiere des Waldes.)
-
-Welch ein fröhliches Leben ist doch im Frühlinge unter den +Thieren+
-des Waldes! Tausende von +Würmern+ und +Käfern+ kriechen unter dem
-Moose hervor. Große und kleine +Ameisen+ laufen an den Baumstämmen
-hinauf. Bunte Schmetterlinge flattern von einem Haideblümchen zum
-andern. Die Eidechsen, Blindschleichen und Ottern erwachen und
-schlüpfen auf dem Boden dahin. In dem Gebüsche ertönen die Lieder der
-Nachtigall, Grasmücke, Meise und des Rothkehlchens. Auf den Gipfeln der
-Fichten und Tannen schlägt der Finke, pfeifen Amsel und Drossel, girrt
-die wilde Taube. Mitten hindurch ruft der Kukuk seinen Namen in die
-Welt hinein.
-
-Hier hüpft ein Häslein schnell vorüber, weil es einen Fuchs wittert.
-Dort nagt ein Reh an einer jungen Birke. Zuweilen tritt auch wol ein
-Hirsch aus dem Dickicht hervor.
-
-Ueber dem Waldbächlein spielen die Mücken und schweben die glänzenden
-Libellen. Blickt man in die klaren Wellen hinein, sieht man Schmerlen
-und Forellen in lustigem Tanze. An dem feuchten Ufer kriecht hier und
-da eine Schnecke und an dem Erlengebüsche blitzen goldene Laubkäfer im
-Sonnenscheine.
-
-Was für ein Leben mag nun erst in den Wäldern der heißen Länder sein,
-wo die Löwen, Tiger, Panther und Leoparden brüllen, die Elephanten auf
-den Lichtungen grasen, Paviane, Schimpansen, Brüllaffen, Uistitis und
-Meerkatzen auf den schlanken Palmen sich wiegen, Papageien und Kakadus
-kreischen und riesige Schlangen auf Beute lauern.
-
-
-4. Der Jahrmarkt.
-
-(Sachen.)
-
-Welch ein buntes Leben ist doch auf einem Jahrmarkte! Man hat nicht
-+Augen+ genug, um all die Dinge, die hier zum Verkaufe ausgestellt
-sind, zu sehen. Links und rechts auf den +Straßen+ und +Plätzen+
-stehen lange +Reihen+ von Buden und Tischen. In der einen dieser
-kleinen Kaufhallen erblickt man z. B. Blechwaaren. Da gibt es Löffel,
-Reibeisen, Gießkannen, Lampen, Kohlenkästen und Leuchter. In einer
-andern sind Glasgegenstände ausgestellt. Da sieht man Gläser,
-Flaschen, Teller, Tintenfäßchen, Leuchter, Vasen und Perlen.
-
-Hier steht eine Bude mit Drechslerarbeiten, als: Spazierstöcke,
-Tabakspfeifen, Zwirnweifen, Ellen, Zollstäbe, Dosen, Knöpfe u. dergl.
-An einem langen Tische verkauft ein Mann Streichhölzchen, Schwamm,
-Räucherkerzchen, Fleckseife, Putzpulver und Wetzsteine. In einem
-Hausflur hängen fertige Röcke mit Sammetkragen und blanken Knöpfen,
-Westen mit Schnüren, Hosen mit Borte, Ueberzieher, Hüte und Mützen.
-
-Dort an der Straßenecke ruft ein Mann: „Kauft Tücher, Bänder, Spitzen,
-Cravatten und Handschuhe!“ Dicht neben dem Brunnen auf dem Markte
-befindet sich eine große Bude mit Galanteriewaaren. Da gibt es
-Geldbörsen, Broschen, Uhrketten, Tuchnadeln, Puppen, Porzellanköpfe,
-Taschenspiegel, Fingerhüte, Nadelbüchsen, Bleistifte, Schiefertafeln,
-Gummibälle u. s. w.
-
-Und welche Menge von Gegenständen hat nun erst die Spielwaarenhandlung
-dort drüben an ihr Fenster gestellt: Zappelmänner, Baukästen,
-Armbrüste, Reifen, Drachen, Springseile, Trommeln, Flinten, Kanonen,
-Säbel, sogar eine Festung und ein Theater sind daselbst zu sehen.
-
-Wie gern möchte man sich dies und jenes Spielzeug kaufen, wenn man nur
-Geld dazu hätte!
-
-
-5. Der Wißbegierige.
-
-(Stoffnamen.)
-
-Arthur war zwar noch ein kleiner, aber schon sehr lernbegieriger Knabe.
-So oft er mit seinem Vater spazieren ging, mußte ihm dieser fortwährend
-Fragen beantworten. Da wollte Arthur wissen, wie die Dinge, die er sah,
-hießen; woraus und von wem sie gefertigt und wozu sie da wären.
-
-Eines Tages gingen Vater und Sohn auch spazieren. Unterwegs fragte
-Arthur: „Vater, woraus sind denn die Häuser gebaut?“
-
-„Die Mauern“, erwiderte der Vater, „sind aus +Stein+, +Sand+,
-+Lehm+, +Kalk+ und +Mörtel+ erbaut; das Dach, die Thüren, die Dielen
-und Fensterrahmen sind aus +Holz+, die Schlösser aus +Eisen+, die
-Dachrinnen aus +Blech+ und die Fensterscheiben aus +Glas+ gefertigt.“
-
-Bald darauf kamen sie an dem Fenster eines Geldwechslers vorüber. Hier
-standen eine Menge Münzen zu Schau ausgestellt. „Woraus wird denn das
-Geld gemacht?“ fragte Arthur schnell.
-
-„Die Pfennige, Dreier und Fünfpfenniger“, sagte der Vater, „werden aus
-Kupfer, die Groschen und Thaler aus Silber, die Dukaten aus Gold und
-die Kassenbillets aus Papier gefertigt.“
-
-Später wollte Arthur wissen, woraus denn eigentlich die verschiedenen
-Kleidungsstücke gearbeitet würden. „O“, belehrte der Vater, „da gibt es
-der Stoffe eine große Zahl. Deine Mütze z. B. ist aus Tuch gefertigt,
-das Tuch aber wird aus Schafwolle gearbeitet. Dein Halstuch ist aus
-Seide gewebt. Deine Jacke besteht aus Leinwand, diese aber wird aus
-Flachs gewonnen. Die Knöpfe auf Deiner Jacke sind aus Horn, die an der
-Weste aus Perlmutter und die an den Hosen aus Zinn hergestellt. Die
-Schnalle an Deinem Gürtel ist aus Stahl geformt. Deine Stiefel hat
-der Schuhmacher aus Leder gefertigt; natürlich brauchte er noch Pech,
-Schwärze, Wachs, Wichse und Hanf zum Schuhdraht dazu. Deine Strümpfe
-wurden aus Garn gestrickt; das Garn aber besteht aus Baumwolle.“
-
-Zuletzt fragte Arthur auch noch, woraus denn der Mensch bestehe und
-woraus er geworden sei. „Der menschliche Körper“, erwiderte der Vater,
-„besteht aus Fleisch und Blut, aus Fett und Schleim, aus Knochen,
-Knorpel und Mark; geschaffen aber hat ihn der liebe Gott aus Erde, wie
-Du in der Bibel lesen kannst.“
-
-
-6. Eine Festung im Kriege.
-
-(Mengenamen.)
-
-Mitten in einem großen +Flußgebiete+ lag eine ziemlich starke Festung.
-An ihrer nördlichen Seite zog sich ein bedeutendes +Gebirge+ hin, sodaß
-die +Besatzung+ von hier aus keinen Angriff zu befürchten hatte. Die
-Festung war in Vertheidigungsstand gesetzt worden. Der Wald ringsum
-lag gefällt, selbst das kleinste Gestrüpp hatte weichen müssen.
-Das Gemäuer, auf dem früher Gras wuchs, erblickte man ausgebessert
-und verstärkt. Das Gebälk der Festungsbrücke hatte man in die Luft
-gesprengt.
-
-Da sich in der Stadt selbst viel Reichthum vorfand, konnte sich die
-Einwohnerschaft reichlich mit Vorräthen versehen. Es fehlte nirgends
-an Brod, Mehl, Salz und Gemüse. Sogar Wild, Geflügel und gesalzenes
-Fleisch war im Ueberflusse vorhanden. Auch an gutem Wasser konnte
-nicht leicht Mangel eintreten. Ebenso gut hatte sich das Heer, welches
-die Besatzung der Festung bildete, versehen. Für die Mannschaft
-lagen Lebensmittel und für das Vieh Heu, Hafer und Stroh in Menge
-aufgespeichert.
-
-So glaubte man nun ruhig dem Feinde ins Auge sehen zu können. Ja, die
-Soldaten konnten den feindlichen Angriff kaum erwarten, denn sie waren
-von heißem Geblüt.
-
-Endlich rückte die Schaar der Gegner an und die Beschießung begann. Die
-Nationen von fast ganz Europa richteten ihre Blicke auf diesen Kampf,
-während dessen die Bevölkerung der Festungsstadt sehr viele Verluste zu
-erleiden hatte.
-
-Nach mehrwöchentlicher Belagerung entschied sich das Schicksal der
-Festung. Die feindlichen Geschosse legten ihre Wälle, Mauern und andere
-Befestigungen in Trümmer. Darauf folgte ein Sturmangriff und die
-Festung war verloren. Das Blut floß in Strömen. Durch das furchtbare
-Getöse des Kampfes drang das Gewimmer und das Gestöhne der Verwundeten.
-
-Einen schrecklichen Anblick boten die Verwüstungen in der Stadt.
-Die schöne, große Bibliothek und die herrliche Bildergallerie waren
-verbrannt und die Heiligthümer der Kirchen durch die Geschosse
-zerstört. Mit Thränen in den Augen stand das Volk an den Trümmern
-seiner Habe, die zu einem großen Theile in Asche lag.
-
-
-7. Schulexamen.
-
-(Eigennamen.)
-
-„Ei, +Emilie+“, rief +Bernhard+ seiner Schwester zu, als er aus
-der Schule kam, „heute hieß es aber aufpassen. Unser Lehrer, Herr
-+Schmelzer+, wollte nämlich einmal sehen, ob wir von dem, was er uns
-gelehrt und erzählt habe, noch recht viel wüßten. Und so richtete er
-denn an einen jeden von uns eine Frage.“
-
-Franz Dunker mußte die Geschichte von dem Moses, Hans Weinlich die vom
-Goliath und Emil Heinz die vom Daniel erzählen. Julius Bär mußte sagen,
-wann Luther, August der Starke und Napoleon I. geboren wären.
-
-Heinrich Tümmler mußte angeben, wo Sachsen, Baiern, Würtemberg, Preußen
-und China lägen.
-
-Wilhelm Borisch mußte die Einwohnerzahl von Paris, Wien, London, Berlin
-und Dresden nennen.
-
-Alexander Miersch sollte sagen, wo man die Schlösser Wesenstein und
-Scharfenstein und die Dörfer Machern, Kesselsdorf und Hochkirch zu
-suchen habe. Er wußte es aber nicht.
-
-Julius Neubert bekam die Frage, wie hoch der Brenner, der Simplon, der
-Schafberg, die Lausche und der Borsberg seien.
-
-Theodor Wenzel hatte anzugeben, wo der Rhein, die Donau, die Weser und
-die Spree entspringen.
-
-Der kleine Felix Brendel erhielt die leichteste Aufgabe. Er mußte
-Eigennamen von Hunden, Katzen, Pferden und Kühen angeben. Da sagte er
-denn, daß die Hunde Karo, Ammi, Schnacksel, Bello, Leo, Waldmann u.
-dergl. hießen; daß manche Katzen den Namen Peter, Schnurr oder Michel
-führten; daß man Pferde mit Rosa, Pollux, Hektor u. dergl. bename und
-einzelne Kühe Musel, Schecke, Brummkatharine, Mummel, „Stallmeister
-u. s. w. gerufen würden.“
-
-
-8. Zweierlei Schüler.
-
-(Gedankendinge.)
-
-Emil war ein sehr braver Schüler. Er liebte die +Pünktlichkeit+
-und +Reinlichkeit+. Während des +Unterrichts+ zeigte er die größte
-+Aufmerksamkeit+, um alles Gehörte im +Gedächtnisse+ zu behalten. Wurde
-er gefragt, so gab er seine Antworten mit Ueberlegung und Anstand.
-Seine Schularbeiten fertigte er zu jeder Zeit mit Fleiß, Sorgfalt und
-der möglichsten Sauberkeit. Ueber jeden seiner Fortschritte bezeigte er
-Freude. Der leiseste Tadel bereitete ihm Schmerz.
-
-Was aber trieb ihn zur Erfüllung seiner Pflichten? Die Liebe zu seinem
-Lehrer, die Dankbarkeit gegen seine Eltern und der Gedanke, daß
-Kindheit und Jugend schnell vergehen und daß man daher jede Gelegenheit
-benutzen müsse, sich Kenntnisse und Fertigkeiten anzueignen.
-
-Ganz anders dagegen zeigte sich Bernhard. Er ging mit Unwillen und
-Verdruß in die Schule. Auf dem Schulwege trieb er allerhand Unarten und
-Dummheiten, ja sogar Rohheiten. Obgleich er sich dadurch oft Verweise,
-Züchtigungen, Schimpf und Schande zuzog, zeigte er doch keine Besserung.
-
-Auch in der Schule selbst ließ er sich viele Fehler und Vergehungen
-zu Schulden kommen. Plaudereien, Neckereien und Kaupeleien waren
-seine Lieblingsbeschäftigung. In seinen Gesichtszügen lagen List,
-Verschmitztheit und Tücke. Kam eine Bestrafung vor, so leuchteten aus
-seinen Augen Schadenfreude, Hohn und Spott.
-
-Das Lesen, Schreiben und Rechnen war ihm eine Last. Ueberhaupt betrieb
-er alles Lernen mit Nachlässigkeit und Flüchtigkeit. So konnte es
-denn auch nicht fehlen, daß er wegen Faulheit und Liederlichkeit
-heruntergesetzt und endlich der Letzte in der Klasse wurde. Aber auch
-das bereitete ihm weder Kummer, noch weckte es Reue in ihm. Er blieb
-für den Lehrer eine Plage und seinen Eltern ein Kind der Sorge und des
-Herzeleids.
-
-
-9. Freund Apfelbaum.
-
-(Ein- und Mehrzahl.)
-
-Im +Garten+ stand ein +Apfelbaum+. Er war der stärkste und höchste
-unter allen +Bäumen+ in den +Gärten+ ringsumher. Seine +Aeste+ und
-+Zweige+ breiteten sich weit aus und an jedem +Aste+ hingen große,
-süße +Aepfel+. Sie waren so groß, daß sich ein Kind an einem einzigen
-solchen Apfel satt essen konnte. Deshalb waren denn auch die Kinder oft
-um ihn herum. Zuweilen legten sie sogar Hand an seinen Stamm, um ihn zu
-rütteln, damit eine Frucht herabfallen solle. Solche starke Stämme aber
-lassen sich nicht von so schwachen Händen bewegen.
-
-Eines Tages saß Hermine auch unter dem schattigen Dache des alten
-Freundes und hatte einen großen Korb mit verschiedenem Spielzeuge vor
-sich. In einem kleinen Kasten lagen bunte Papierstreifen. Aus diesen
-flocht sie niedliche Körbchen. Da nun jeder Streif eine andere Farbe
-hatte, gaben diese verschiedenen Farben dem Körbchen ein schönes
-Aussehen. In andern Kästen befanden sich Perlen, Würfel, Buntstifte u.
-dergl.
-
-Jetzt nahm Hermine einen Faden und reihte Perle um Perle daran. Als
-zwei Fäden gefüllt waren, band sie dieselben um ihren Hals. Darauf
-ergriff sie einen Buntstift und zeichnete einen Würfel mit seinen
-Kanten, Flächen und Punkten.
-
-Nachdem sie eine Stunde gespielt hatte, zog sie Bücher aus dem Korbe
-hervor und las. In dem einen Buche standen mehrere Geschichten mit
-bunten Bildern, das andere enthielt blos eine Geschichte mit einem
-Bilde. Indem aber Hermine las, fiel ein großer Apfel herab und gerade
-auf das Buch, sodaß zwei Blätter beschädigt wurden. Das eine Blatt war
-mittendurch gerissen. Hermine erschrak, lachte aber bald darauf und
-sagte: „Ei, ei, alter Freund! Wie kannst du mich so erschrecken? Das
-sind mir schöne Freunde, die Einen mit Aepfeln bewerfen.“
-
-
-10. Getäuschte Hoffnungen.
-
-(Ohne Mehrzahl.)
-
-Mitten in einem Urwalde +Amerikas+ stand eine dürftige Hütte, aus
-brauner +Erde+, +Lehm+ und +Kalk+ erbaut. Das +Gebälk+ war grob
-gezimmert. Da durch die kleinen Fenster wenig Licht eindrang, lag in
-dem niedern Wohnzimmer ein tiefes Dunkel, das bei trübem Wetter sogar
-zur Finsterniß wurde. Auf den Dielen erblickte man etwas Heu und
-Stroh, auf welchem die Bewohner, welche deutsche Einwanderer waren,
-ihre Nachtruhe hielten. Die Beschaffenheit der Nahrung der armen
-Leute grenzte an Dürftigkeit. Wasser war ihr einziger Trunk, wenn
-sie der Durst quälte. Milch und Kaffee bekamen sie nie zu Gesicht.
-Im Sommer litten sie viel durch die große Wärme, die sich bis zur
-fürchterlichsten Hitze steigerte. Im Winter trat die Kälte mit großer
-Strenge und Ausdauer auf, führte viel Schnee und Eis herbei und fügte
-ihnen viel Leid zu.
-
-Die guten Leute hatten Deutschland, ihre Heimat, verlassen, um in
-Amerika ihr Glück zu machen. Sie hofften hier Gold und Silber zu
-finden, fanden aber nicht einmal Zinn und Blei. Das Eigenthum, das sie
-an baarem Gelde mitgebracht hatten, war bereits zu ihrem Unterhalte
-verbraucht. So trat zuletzt Hunger und Kummer, Noth und Elend an sie
-heran.
-
-Mit Reue dachten sie an ihre Vergangenheit und an ihr einstiges
-Vaterland zurück, wo sie ein Leben in Wohlsein und ohne alle Trübsal
-geführt hatten. Die Sehnsucht nach dem alten Daheim ergriff sie, aber
-es fehlte ihnen am Besten, die Rückreise anzutreten. So sanken die
-armen Deutschen immer tiefer ins Unglück. Nirgends fanden sie Trost und
-Beistand. Sie mußten in ihrem kümmerlichen Dasein ausharren, bis sie
-der Tod von allem Jammer erlöste.
-
-
-11. Gastfreundschaft.
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-(Doppelhauptwörter.)
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-An einem einsamen +Waldrande+ lag eine +Köhlerhütte+. Das niedere
-+Strohdach+ war vom +Sturmwinde+ zerzaust und bedurfte der
-Ausbesserung. Wo aber sollte der arme +Waldarbeiter+ +Dachstroh+
-hernehmen? Sein +Tagelohn+ langte kaum zur Morgensuppe, zur
-Mittagsmahlzeit und zum Abendbrode für sich und seine Kinderschaar.
-Auch die dünnen Lehmwände der Köhlerwohnung zeigten Zerstörungsspuren.
-Regengüsse und Hagelwetter hatten sie gepeitscht, den Kalkbewurf
-abgespült und das Lehmwerk durchlöchert, sodaß zur Winterszeit die
-rauhen Nordweststürme ungehindert hindurchpfeifen konnten. Ein
-Hausthürverschluß war nicht mehr möglich, denn die Thürschloßfeder war
-zersprungen. Die Fensterscheiben vertrat hier und da ein Streifen von
-Kaffeedütenpapier oder ein Volkskalenderblatt.
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-An einem Herbstabende saß die Köhlerfamilie um den schmalen Holztisch
-und verzehrte ihre Abendmahlzeit. Da trat plötzlich ein vornehmer
-Jägersmann, einen schmucken Filzhut mit einer Birkhuhnfeder auf dem
-Kopfe, einen Hirschfänger mit Perlmuttergriff, ein Pulverhorn mit
-Silberquaste an der Seite und eine Schrotflinte auf dem Rücken, ein. Er
-erklärte, daß er von seinem Jagdgefolge abgekommen, auf verschiedene
-Kreuzwege gerathen sei und so sammt seinem Dachshunde und Windspiele
-den Hauptwaldpfad verloren habe. Schließlich bat der Waidmann um
-ein Nachtquartier und sei es auch nur ein Dachkammerraum mit einem
-Strohlager.
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-Die braven Köhlereheleute erklärten sich zu diesem Liebesdienste gern
-bereit und luden den vornehmen Stadtherrn ein, wenn er Hunger habe, mit
-ihnen Kartoffelsuppe und Butterbrodschnitte nebst Quarkkäse zu essen.
-Der Jägersmann dankte, da er kein Magenbedürfniß verspüre.
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-Während ihm nun das Nachtlager auf der breiten Ofenbank bereitet
-wurde, unterhielt er sich in scherzhafter Weise mit dem
-Kinderkreise. Er gab den Knaben Buchstabenräthsel und recht lange
-Hauptwörter zum Nachsprechen auf, um ihre Zungenfertigkeit und
-Sprachgewandtheit auf die Probe zu stellen. So mußten sie z. B.
-die Riesenhauptwörter nachsprechen: Dudelsackpfeifenmachergeselle,
-Schornsteinfegerknabenwassersuppentellerrand,
-Pulvermühlennachtwächterseitengewehrscheidenspitzenknopf.
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-Den Kindern machte diese Zungenarbeit viel Spaß. Als das Ofenbanklager
-fertig war, begaben sich der Fremde und auch die Köhlerfamilie zur
-Ruhe. Wie sehr aber erschrak und erstaunte der alte Hausvater am andern
-Morgen, als ihm der Nachtgast mit Sonnenaufgang fünf Kronenthaler in
-die harte Arbeitshand drückte und ihm beim Abschiedsgruße sagte, daß er
-dem +Kronprinzen+ Gastfreundschaft gewährt habe.
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-12. Eine musterhafte Schülerin.
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-(Nichthauptwörter zu Hauptwörtern erhoben.)
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-Die reiche Kaufmannstochter Mathilde war ein Muster einer Schülerin.
-Das +Aufmerken+ und +Lernen+ gewährte ihr einen Genuß. Das +Lesen+
-hatte sie in drei Monaten erlernt. Auch das +Schreiben+ hatte sie
-leicht begriffen, nur das kleine Err und das Eszett machten ihr
-Schwierigkeiten. Im Rechnen erwarb sie sich stets die erste Censur.
-Ebenso geschickt stellte sich Mathilde zum Zeichnen, Singen,
-Clavierspielen, Häkeln, Stricken, Sticken und Turnen an. Sie liebte
-alles Gute, Schöne und Nützliche und ihr Streben und Ringen darnach
-trug die schönsten Früchte.
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-Auch das Wunderbare und Erhabene der Natur beobachtete sie gern und
-oft. Das Großartige und Erhebende des Sternenhimmels erfüllte sie
-mit frommem Staunen. Nicht minder freute sie sich über das Niedliche
-und Zierliche der kleinen Blumen. Deshalb liebte sie auch das Freie,
-namentlich in seiner Morgenfrische. Das liebliche Grün und die traute
-Stille des Waldes machten ihr denselben zu einem Lieblingsaufenthalte.
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-So blieb ihr ganzes Denken und Fühlen auf das Edle gerichtet und
-deshalb schlug das Fromme und Gottesfürchtige immer tiefere Wurzel in
-ihrem Gemüthe.
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-Dieses fromme Empfinden erkannte man auch aus allen ihren stilistischen
-Arbeiten, in denen sie ebenfalls Vorzügliches leistete. Darin standen
-kein Und und kein Aber am falschen Platze und kein Satz enthielt irgend
-etwas Unrichtiges oder Ueberflüssiges.
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-Kurz, Mathilde war und blieb die Beste und Ausgezeichnetste ihrer
-Schule und dieses Brave und Gediegene bewahrte sie sich zu ihrem Glücke
-ihr Lebelang.
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-13. Belohnter Gehorsam.
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-(Wiederholung der Hauptwörter.)
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-Im lieben Sachsenlande liegt dicht an der Grenze von Böhmen ein
-Dörfchen mit Namen Wernsgrün. Am Ende desselben stand ein Hüttlein mit
-Strohdach und winzig kleinen Fenstern. Durch die schmalen, bleichen
-Scheiben konnte kaum ein Sonnenstrahl hindurchdringen.
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-In dieser Hütte wohnte der alte Kilian mit seinen beiden Kindern. Die
-Kinder hießen August und Ernst. August zählte sieben Lebensjahre, Ernst
-dagegen hatte zehn Sommer hinter sich. Ihre Kleidung bestand in Kitteln
-aus grober Leinwand.
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-Eines Tages saßen beide Brüder vor der Thür und spielten mit Sand,
-einigen Stäbchen Holz und drei Soldaten aus Zinn. Bald aber hatte Ernst
-das Spielen satt und sagte zu seinem Bruder: „Komm, laß uns ins Grüne
-gehen. Dort werden wir mehr Vergnügen finden.“
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-Der Jüngere gab seine Zustimmung. Kaum aber hatten sie am grünen Ufer
-des Wiesenbaches ihren Zeitvertreib begonnen, rief sie der Vater in das
-Haus zurück. Sie sollten jetzt wieder an ihre Arbeit gehen und Stroh
-flechten.
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-Die Knaben machten wahre Essiggesichter, denn das Haschen und
-Verstecken war ihnen natürlich lieber als das Stillsitzen und Arbeiten.
-Aber sie zeigten ohne Murren Gehorsam. Und ihre Folgsamkeit sollte noch
-dieselbe Stunde Belohnung finden.
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-Nach etwa zehn Minuten fiel draußen, in ziemlicher Nähe, ein Schuß. Vor
-Schreck fuhren die Kinder zusammen. Sie und ihr Vater und ihre Mutter
-eilten zur Hausthür. Und was erblickten ihre Augen? An der Stelle, wo
-die Knaben vor kurzer Zeit noch -- kaum vor Ablauf von zehn Minuten --
-ohne alle Besorgniß allerlei Spiele gespielt hatten, hatte soeben ein
-Jäger, dicht an einem Erlenbaume, einen tollen Hund erschossen.
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-Wie freute sich nun das Geschwisterpaar ob seiner Folgsamkeit!
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-Eigenschaftswörter.
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-14. Formen der Pflanzenwelt.
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-Welch verschiedene Formen und Farben gibt es doch in der Pflanzenwelt!
-Da steht die Pappel, hoch und +schlank+; nicht weit davon ein
-+tausendjähriger+ Eichbaum, +niedrig+ zwar, aber +stark+ und +knorrig+.
-Seine Aeste sind vielfach gekrümmt und gebogen, seine Wurzeln dick und
-runzlig. Seine Rinde ist fest, aber zerklüftet und zerrissen. Hier
-steigt eine Tanne schlank in die Luft empor. Ihr Stamm ist schnurgerade
-und ebenmäßig, unten stark, nach oben zu dünn und zuletzt ganz spitz.
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-An ihrem Fuße wuchert eine Birke empor. Sie ist jung und kräftig, ihre
-Krone dicht belaubt, ihre Schale blendend weiß, wie Silber.
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-Wie unterschiedlich sind selbst die Stengel der kleinsten Pflanzen! Der
-eine ist rund, der andere drei- oder vierkantig; der eine glatt, der
-andere behaart oder klebrig; der eine markig, ein anderer fleischig
-oder holzig. Einige sind hohl, andere voll; einige gegliedert, andere
-gedreht oder geschlängelt. Der eine Stengel ist steif, unbiegsam und
-spröde, ein anderer beweglich, weich und elastisch.
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-Betrachten wir nun erst die verschiedenen Blattformen. Da gibt es
-ovale, runde, herzförmige, schmale, breite, glattrandige, gezahnte,
-gezackte, getheilte, gefiederte u. s. w. Noch weit mehr verschiedene
-Formen aber zeigen uns die Blätter der Blumenkronen. Unter ihnen finden
-sich röhren-, trichter-, lippen-, rachen-, keilförmige u. dergl. Und
-wie überaus zart und reizend sind diese buntfarbigen Blumentheile! Wer
-auf alle diese Abwechselungen in der Pflanzenwelt genau achtet, muß
-eitel Lust haben an den Werken des Herrn.
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-15. Der Frühling.
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-(Abstrakte Eigenschaftswörter.)
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-+Fröhlich+ ist das Herz, wenn der +liebliche+ Frühling naht! Der Winter
-war +kalt+ und +rauh+, jetzt wird die Luft +lau+ und +angenehm+,
-zuweilen gar schon warm. Im Winter war es still und öde auf den Fluren;
-die Wälder erschienen todt, die Bächlein erstarrt. Jetzt werden die
-Haine lebendig, die Bächlein wieder wach und munter. Die Felder lagen
-kahl, jetzt sehen wir sie grün. Die Wiesen stehen geschmückt, wie mit
-einem bunten Blumenteppiche. Die eine Blume sieht roth, die andere
-weiß, die dritte gelb oder blau aus. Die Vögel zeigen sich eifrig im
-Gesange und emsig im Bau ihrer Nester. Wie ist der Schlag des Finken
-so lustig, das Lied der Nachtigall so süß, der Morgenpsalm des Staares
-so erhebend! Ein Herz, das fromm und rein, stimmt mit ein in die
-Lobgesänge und preist den allmächtigen Schöpfer, der im Frühlinge recht
-deutlich zeigt, wie weise und gütig er ist.
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-16. Der Geizhals.
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-(Zusammengesetzte Eigenschaftswörter.)
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-Andreas war ein +steinreicher+ Bauer, aber dabei +erzgeizig+. Für ihn
-gab es in der +wunderreichen+ Gotteswelt kein +zaubervolleres+ Bild,
-als ein +blitzblanker+ Thaler. Hielt er ein solches Geldstück in der
-sonnverbrannten, hufbesetzten Hand, erschien sein Auge überglücklich,
-ja glückselig. An ein Wiederausgeben eines solch werthvollen
-Kopfstückes war bei ihm nicht zu denken. Es wanderte in einen alten,
-aschgrauen, baumwollenen Strumpf, der im fast heckerklaren Strohe
-seines baufälligen Bettes stak. War ein solcher Strumpf gefüllt,
-versenkte er ihn in einen eisenbeschlagenen, diebesfest sein sollenden
-Koffer, vor dem ein riesenhaftes Schloß lag. Dieser centnerschwere
-Koffer stand unter seiner armseligen Lagerstatt. Ein doppelläufiges,
-scharfgeladenes Gewehr bildete seine Sicherheitswache, sowohl am
-sonnenhellen Tage, wie in tiefdunkler, grabesstiller Nacht.
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-Kein hilfsbedürftiger Freund erhielt von dem Geizhalse auch nur die
-allerkleinste Unterstützung. Keinem Wanderburschen, und war er noch so
-blutarm, reichte er einen Zehrpfennig. Das bleichwangige Bettelkind,
-das kleinlaut an seine dickeichene Thür klopfte, rührte nicht im
-mindesten sein liebeleeres Herz.
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-Er selbst führte ein wahrhaft jammervolles Leben. Sein Mittagsessen
-bestand meist in graubraunem, fast steinharten Brode und dickschaligen
-Kartoffeln, die er in wasserdünnen Schmalz tauchte. Ein Stück
-wohlschmeckendes Fleisch war ihm zu theuer. Nie kam ein Glas wenn auch
-nur dünngebrautes Bier oder gar ein Glas magenstärkender Wein auf
-seinen Tisch. Thür und Thor seines alterthümlichen Gehöftes schloß er
-regelmäßig mit Sonnenuntergang zu und ließ dann den alten, graubärtigen
-Kettenhund los.
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-Von jetzt an durfte kein Mensch mehr eingelassen werden. Aus
-übergroßer Besorgniß fürchtete er, es könne sich ein langfingeriger
-Fremdling einschleichen und seinem herzinniglieben Hausgotte mit den
-erzgespickten Strümpfen einen unliebsamen Besuch abstatten.
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-Trotz aller wohlberechneten Vorsicht aber hatte sich in einer
-rabenschwarzen Nacht doch Einer eingefunden, der kaltblütig und
-erbarmungslos den bedauernswerthen Geizhals von all seinen mühselig
-errungenen Schätzen trennte. Dieser Unbarmherzige war der --
-unerbittliche Tod.
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-17. Der wohlthätige Bettler.
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-(Das Eigenschaftswort vor dem Hauptworte.)
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-An einer +belebten Straßenecke+ saß ein +alter, blinder Bettelmann+.
-Er hielt seinen +durchlöcherten Hut+ in der +welken, zitternden Hand+
-und bat um eine +kleine Gabe+. Viele reiche Leute gingen an einem
-einzigen lieben langen Tage vorüber und gewiß trugen die meisten
-wohlgefüllte Börsen bei sich. Zeugte doch oft ihr kostbarer Anzug
-von großer Wohlhabenheit. Man sah da Damen mit langen Schleppen,
-seidenen Schärpen, sammtenen Mänteln, theuren Spitzen, beblumten
-Hüten und feinen Handschuhen. Herren stolzirten dahin mit goldenen
-Uhrketten, blitzenden Tuchnadeln, funkelnden Ringen und elfenbeinernen
-Spazierstöckchen.
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-Nicht alle freilich trugen zu diesem äußern auch einen innern
-Schmuck, ein theilnehmendes, mitleidiges Herz. Das bewiesen sie
-dem hülfsbedürftigten Alten gegenüber. Mit kalten Blicken und
-gleichgültigen Mienen gingen sie an ihm vorüber. Nur einzelne zeigten
-aufrichtige Theilnahme, sprachen einzelne freundliche Worte mit dem
-bedauernswerthen Bettler und legten dabei eine klingende Gabe in seinen
-abgeschabten Hut.
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-Eines heitern Sommertages hörte der gutmüthige Alte eine weinerliche
-Stimme in seiner nächsten Nähe. Die klagenden Töne kamen von einem
-sechsjährigen, blassen Mädchen. „Was fehlt Dir, liebes Kind?“ fragte
-der lauschende Bettler mit besorgter Stimme.
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-„Ach, mich hungert so sehr“, erwiderte das dürftig gekleidete Mädchen
-mit wehmüthigem Ausdrucke. „Meine gute Mutter ist krank und hat kein
-Brod mehr für mich.“
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-Diese Worte rührten den weichherzigen Greis. Schnell griff er in seinen
-schwarzgrauen Hut, befühlte mit der dürren Hand die verschiedenen
-Geldstücke und gab der hülfsbedürftigen Kleinen einen kupfernen
-Fünfpfenniger. „Hier, armes Kind“, sagte er mit bewegten Lippen, „hast
-Du eine kleine Gabe. Geh und kaufe Dir bei dem neuen Bäcker hier links
-in der engen Gasse etwas für Deinen hungrigen Magen.“
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-Das überglückliche Mädchen dankte mit aufrichtigem Herzen, eilte die
-schmale Gasse dahin und kaufte sich ein neugebackenes Dreierbrod. Die
-übrigen zwei Pfennige aber nahm es seiner kranken Mutter mit nach Hause.
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-18. Ein Gewitter.
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-(Steigerung des Eigenschaftswortes.)
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-Es war ein heißer Julitag. Schon der Vormittag war +schwül+. Gegen den
-Mittag hin wurde es immer +schwüler+. Am +schwülsten+ aber erschien die
-Luft etwa um drei Uhr. Schon den Spaziergängern wurde es heiß; noch
-heißer mußte es den Arbeitern auf den Bauen, am heißesten aber den
-Landleuten auf dem Erntefelde werden. Das Thermometer, das schon immer
-hohe Hitzegrade gezeigt hatte, stieg höher, bis es endlich nach Tische
-den höchsten Grad erreicht hatte.
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-Da zeigte sich am Himmel eine schwarze Wolke, die sich aber mit jeder
-Minute schwärzer färbte. Am schwärzesten erblickte man sie nach Osten
-hin. Zu gleicher Zeit erhob sich auch ein ziemlich starker Wind.
-Auch er wurde von Sekunde zu Sekunde stärker, bis er endlich, als er
-am stärksten wüthete, die gewaltige Wolkenmasse in Bewegung setzte.
-Schnell erhob sie sich. Zusehends schneller und schneller stieg sie
-empor und überzog in ihrem schnellsten Fluge ein breites Thal, das nach
-Süden hin immer breiter wurde und mit seinem letzten, breitesten Theile
-an ein waldiges Gebirge stieß.
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-Düster lagen Berg und Thal. Noch düsterer erschien der riesige
-Nadelwald. Am düstersten aber sah es in den menschlichen Wohnungen
-aus. Feurige Blitze zuckten durch das Dunkel hindurch. Noch feuriger
-erschienen dieselben, wenn sie die dunkelsten Wolkenschichten zum
-Hintergrunde hatten. Am feurigsten jedoch kam ein solcher Blitz den
-Landleuten vor, wenn er in einen nahen Teich oder einen noch nähern
-Baum oder wohl gar in die nächste Hütte fuhr.
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-Heftig strömte jetzt auch der Regen herab. Immer heftiger schlugen die
-gewaltigen Tropfen an die Fenster. Am heftigsten brauste gegen vier Uhr
-die Wassermasse hernieder. Bald schossen kleine Bäche wild durch die
-Felder dahin. Wilder noch stürzten die Waldgewässer die Abhänge herab;
-am wildesten aber donnerte der angeschwollene Fluß das Thal entlang,
-die stärksten Bäume entwurzelnd und die festesten Mauern durchbrechend,
-ja sogar die kleineren Hütten mit fortreißend.
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-Da endlich hatte das Unwetter ausgetobt. Blitz und Donner wurden
-schwach, der Regen noch schwächer. Endlich glichen die schwächsten
-Blitze nur noch einem fernen Wetterleuchten. Entsetzlich sahen die
-zerrissenen Felder aus. Noch entsetzlicher aber waren die Verheerungen
-in den Dörfern jenes fruchtbarsten aller Thäler des Landes. Den
-entsetzlichsten Eindruck indeß machte das Jammern und Wehklagen der
-ärmeren Bewohner, von denen viele den größten Theil ihrer Habe verloren
-hatten.
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-Gut waren die Leute weggekommen, deren Häuser weit vom Flusse lagen,
-noch besser die, deren Hütten an den Berglehnen standen, und am besten
-diejenigen, die auf dem Kamme des Höhenzuges wohnten. Sie hatten zwar
-auch viel Schaden gehabt, die an den Berglehnen aber weit mehr und die
-Thalbewohner den meisten.
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-19. Ein Begräbniß.
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-(Eigenschaftswörter ohne Steigerung.)
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-Die +ehernen+ Zungen der Kirchenglocken schwiegen. Der Leichenzug war
-auf dem +umfriedigten+ Gottesacker, wo alle die +ewige+ Ruhe finden,
-angekommen.
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-Der hölzerne Sarg wurde von der umkränzten Bahre abgesetzt. Acht Träger
-trugen ihn stumm einem offenen Grabe zu. Auf dem schwarzsammtenen
-Leichentuche standen mit goldenen Buchstaben die Worte in einem
-silbernen Kranze: „Er ist erlöst und geht in seine wahre Heimat zurück.“
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-Der Sargdeckel mit kupfernen Handhaben und zinnernen Verzierungen
-wurde jetzt noch einmal abgehoben. Da lag nun der Todte, bleich und
-regungslos, in der starren Hand einen frischgrünen Palmenzweig. Ein
-seidenes Gewand umhüllte den todten Leib. Ein damastenes Käppchen
-begrenzte die gefurchte Stirn.
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-Die Angehörigen standen um den Sarg her, aber nicht in der üblichen
-Trauerkleidung. Der Entschlafene hatte schriftlich die Bitte
-hinterlassen, daß man um seinetwillen nicht die tiefschwarzen Gewänder
-anlegen solle.
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-Jetzt trat der greise Geistliche herzu, die Weinenden zu trösten.
-„Unzählbar“, sagte er unter Anderem, „wie die Sterne des nächtlichen
-Himmels, sind die seligen Wohnungen, die der allmächtige Himmelsvater
-den erblichenen Erdenpilgern dort oben bereitet hat. Mag auch der
-irdische Leib zerfallen, mag der unüberwindliche Tod den Lebensfaden
-zerreißen, wir weinen nicht trostlos. Wir sind nicht blind für den
-auferstandenen Heiland, nicht taub für seine ewig wahren Verheißungen,
-sondern blicken glaubensvoll hinauf in das unvergängliche Reich, da es
-ein Wiedersehen gibt. Auch dieser Entschlummerte wird einst wieder wach
-und verklärt eingehen zur endlosen Himmelswonne.“
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-Die Sonne stand mit ihrer purpurnen Scheibe schon halb hinter den
-fernen, blauen Bergen, als der Sarg in die stockfinstere Gruft
-hinabgesenkt wurde. Noch ein lautloses Gebet, eine Hand voll Erde auf
-den Sarg und die Begräbnißfeierlichkeit war beendet.
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-20. Die beste Apotheke.
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-(Declination des Eigenschaftswortes ohne Artikel.)
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-Julius, der Sohn +armer+ Eltern, war lange krank. +Feuchtes+ Stroh
-diente ihm als Lager. +Alte+ Röcke und +zerfetzte+ Tücher waren seine
-Decke. Keine +heilende+ Arznei und kein +stärkender+ Thee konnte
-ihm gereicht werden, lebten doch seine Eltern in großer Armuth, in
-schrecklichem Elende. Mit bangen Sorgen erwachten sie des Morgens,
-unter schwerem Kummer gingen sie des Abends zur Ruhe. Mit beklommenem
-Herzen vernahm die Mutter oft in dunkler Nacht das leise Wimmern des
-ruhelosen Kranken. Er litt besonders an heftigen Kopfschmerzen, an
-krampfhaftem Zucken in den Gliedern und an fieberhaftem Frösteln.
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-Vier lange Wochen waren bereits dem Kranken unter unsäglichen Schmerzen
-vergangen. Mit abgezehrten, todtenblassen Wangen, trüben, hohlen Augen
-und mageren Gliedern lag er da als ein Bild gräßlichen Elends.
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-„Barmherziger Gott!“ flehte die Mutter oft in stillem, inbrünstigen
-Gebete, „schicke doch meinem Kinde einen gnädigen Retter oder, wenn es
-Dein unerforschlicher Rath ist, einen endlichen Erlöser!“
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-Eines Tages klopfte ein Wanderbursch an die Thür und bat um ein Stück
-Brod. Trüben Auges reichte ihm die Mutter eine kleine Gabe.
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-„Was fehlt Euch?“ fragte theilnehmenden Herzens der Wanderbursch. Mit
-stummer Handbewegung deutete die Mutter auf das Krankenlager. „O weh!“
-versetzte der Wanderbursch, als er den Knaben mit schon halbgebrochenem
-Auge und erdfahlem Antlitze erblickte. „Wie und womit behandelt ihn
-der Arzt?“ -- „Der Arzt?“ erwiderte die Mutter mit bewegter Stimme.
-„Womit sollten wir armen Leute einen Arzt bezahlen können?“ -- „O“,
-versetzte der Wanderbursch mit tröstlichem Tone, „Ihr habt einen sehr
-billigen Arzt und eine noch billigere Apotheke in nächster Nähe. Es
-ist der Brunnen dort im Hofe. Keine bessere Arznei für Euer Kind als
-frisches Wasser. In ihm liegt wunderbare Heilkraft. Mein seliger Onkel
-war Arzt, daher weiß ich es. Nehmt also frisches Wasser, reicht es dem
-Kranken als kühlen Trank, veranstaltet kalte Abreibungen, dann schlagt
-ihn in kaltfeuchte Tücher ein und wickelt ihn darauf in warme Decken.
-Es wird hierauf sehr bald heftiges Schwitzen erfolgen. Nach Verlauf von
-zwei solch heißen Stunden wascht Ihr den Körper mit lauem Wasser ab und
-wiederholt diese Behandlung täglich vor- und nachmittags. Gewiß wird
-sich der Kranke bald ruhiger Nächte, gesegneten Schlafes und überhaupt
-sichtlicher Besserung erfreuen.“
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-Aufmerksamen Ohres hatte die Mutter zugehört. „O, wärest Du uns als
-rettender Engel gesandt“, sagte sie zu dem Wanderburschen, „dankbaren
-Herzens würden wir ewig Dein gedenken! Was Du gerathen hast, werde ich
-befolgen, noch heutigen Tages. Schütze Dich Gottes gnädige Hand auf
-fernerer Wanderung!“
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-Einige Monate später war Julius genesen. Mit dicken Backen und
-kräftigem Fuße schritt er wieder einher. Des Wassers wunderbarer Kraft
-dankte er das Glück neuer, dauernder Gesundheit.
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-21. Ehrlichkeit.
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-(Wiederholung der Eigenschaftswörter.)
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-Ein armer Köhlerknabe saß unter einer hohen Tanne, deren schwarzgrüne
-Aeste weit umher das frische Moos beschatteten. Aus den dunklen Augen
-des blassen Knaben rannen helle Thränen.
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-Da kam ein alter Herr den holprigen Waldweg daher. Er trug eine grüne
-Uniform und einen kurzen Hirschfänger an der Seite. Sein faltiges,
-aber noch frisches Gesicht umgrenzte ein schneeweißer Backenbart. Der
-jugendliche Alte war der bejahrte Oberförster.
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-„Warum weinest Du?“ fragte der freundliche Alte mit liebevoller Stimme
-den fremden Knaben.
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-„Ach“, erwiderte dieser mit kläglichem Tone, „meine gute Mutter liegt
-krank darnieder. Ihre Augen sind fast blind. Deshalb soll ich in die
-nahe Stadt gehen und eine heilsame Salbe für die schwachen Augen holen.
-Ich aber habe das Geld dazu sammt einem ledernen Beutel verloren.“
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-„Ist es etwa dieser?“ sagte der graubärtige Herr, indem er ein kleines
-Beutelchen aus der gestickten Jagdtasche zog.
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-„O nein“, sagte der ehrliche Knabe, „mein Beutel war schlecht und dünn
-und lange nicht so voll wie dieser.“
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-„Dann ist es vielleicht dieser?“ erwiderte der erfreute Oberförster,
-indem er ein anderes graues Beutelchen aus der tiefen Seitentasche
-seines grünen Rockes zog.
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-„Ja, ja, dieser ist es“, rief der überglückliche Knabe.
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-Der biedere Alte war von dieser seltenen Ehrlichkeit gerührt, gab dem
-armen Knaben den löcherichen Beutel zurück und sprach: „Weil Du so brav
-und ehrlich bist, schenke ich Dir noch diesen blanken Thaler. Geh und
-kaufe Deiner leidenden Mutter manchmal eine stärkende Erquickung dafür.“
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-Der Artikel.
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-22. Der Abend.
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-(Der bestimmte.)
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-+Der+ Tag ging zu Ende. +Die+ Sonne sank. +Das+ Abendglöcklein läutete
-zum Feierabende. Der Landmann kehrte vom Felde heim. Die Heerde zog in
-ihren Stall zurück. Das Lerchenlied verstummte. Bald glänzten die Berge
-und die Hütten im Abendgolde und die Gräser funkelten im herrlichsten
-Thauschmucke. Die Blume schloß ihr Auge. Immer stiller und stiller ward
-der weite Schöpfungsraum. Die Natur sehnte sich nach Ruhe. Nur das
-Bächlein rauschte noch weiter und die Fledermaus kreiste noch pfeifend
-umher.
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-Auch die Hütten wurden still und stumm. Der Tag war heiß und die
-Arbeit um das liebe Brod sauer gewesen. Der Fuß und die Hand hatten
-das Tagewerk treu vollbracht. Das Nachtlager sollte nun die so nöthige
-Erholung bieten. Als daher die Sterne am Himmel glänzten und der Mond
-langsam emporstieg, lag das Dörflein bereits im tiefsten Schlafe. Die
-Engel Gottes aber schwebten über Reich und Arm und hielten treue Wacht.
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-23. Der Dachs.
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-(Der unbestimmte Artikel.)
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-+Ein+ Jäger zog durch +einen+ Wald. +Eine+ schöne Doppelflinte hing auf
-seinem Rücken und +ein+ Hirschfänger an seiner Seite. +Ein+ Dachshund
-und ein Windspiel begleiteten ihn.
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-Ein herrlicher Herbsttag lag auf den Gipfeln der Tannen und Fichten.
-Ein sonniger Hauch wehte auf den bebuschten Hügeln. Da sprang eine
-Rehkuh auf. Ein solches Thier ist für jeden Menschen eine angenehme
-Erscheinung. Ein Jägerauge aber zuckt freudig auf, wenn es ein
-solches Wild erblickt. Auch diesen Waidmann durchzuckte eine freudige
-Aufregung. Kaum war eine Minute vergangen, knallte ein Schuß und eine
-Ladung Schrot saß dem Thiere in einem Hinterlaufe.
-
-Jetzt aber gab es eine ergötzliche Scene. Ein Wink und beide Hunde
-begannen einen wahren Wettlauf nach dem Rehe. Dabei aber war ein tiefer
-Graben zu überspringen. Für den Windhund war dies ein Spaß, eine ganz
-leichte Mühe. Nicht so für einen kurzbeinigen Dachshund. Dieser nahm
-zwar einen gewaltigen Anlauf, aber für ihn war ein solcher Graben eine
-zu weite Kluft. Er schoß einen Purzelbaum und rollte wie eine Kugel ein
-großes Stück den einen Rand hinab in eine Pfütze. Ein helles Gelächter
-begleitete seinen Fall. Eine Anzahl Waldarbeiter hatten ihn nämlich aus
-einer kleinen Entfernung beobachtet. Unter ihnen fand sich auch bald
-eine hülfreiche Hand, die mit einer Stange zur Rettung herbeieilte.
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-„Siehst Du“, sagte der Jäger zum ganz durchnäßten Dachse, „so geht es
-einem Voreiligen. Nimm Dir aus diesem Falle eine Lehre: Wer ein Dachs
-ist, muß es einem Windspiele nicht gleichthun wollen.“
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-24. Der Liederliche.
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-(Bestimmter und unbestimmter Artikel.)
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-Bernhard war +ein+ höchst unordentlicher Knabe. Dies zeigte +ein+
-einziger Blick in +die+ Kinderstube, in der er sich aufhielt. +Der+
-Bücherranzen, +der+ Stiefelknecht, +der+ Ball und +der+ Atlas lagen
-gewöhnlich beisammen unter der Ofenbank. Die Botanisirtrommel, die
-Mütze, die Federbüchse, die Schreibmappe und die Haarbürste erblickte
-man nicht selten in einem Winkel der Stube. Das Bibelbuch, das
-Tintenfaß, das Handtuch, das Wichszeug und das Vorhemdchen erhielten
-oft ihren Platz in einem Schubfache einer alten Kommode.
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-Der Vater und die Mutter, sowie auch das Stubenmädchen hielten dem
-Knaben deshalb oft eine Strafpredigt, aber all die Mahnungen und
-Warnungen fanden bei ihm ein taubes Ohr.
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-Auch der Lehrer hatte die größte Noth mit ihm. Namentlich bekundeten
-die Schreibebücher Bernhard’s die größte Liederlichkeit und einen hohen
-Grad von Leichtsinn. Die Umschläge waren zerrissen. Durchschnittlich
-das dritte Blatt enthielt einen Klecks. Die Schrift konnte man kaum
-lesen. Das Löschblatt glich einem Lappen.
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-Auch der Tadel und die Strafe des Lehrers besserten den Knaben nicht.
-Er blieb ein liederlicher Mensch sein Lebelang.
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-25. Ein Frühlingsmorgen.
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-(Desgleichen.)
-
-Der Tag brach an. Die Sonne stieg im Osten empor. Das ferne Gebirge
-strahlte im Purpurgolde. Ein leichter Nebel stieg aus dem Thale auf.
-Eine Lerche flatterte aus dem Saatfelde empor und stimmte ein jubelndes
-Lied an. Die Gräser, Halme und Blumen blitzten im Perlenschmucke
-des Morgenthaues. Der Wald erwachte. Die Wiese belebte sich mit
-Schmetterlingen und Bienen. Das Wild lugte munter aus dem Gebüsche
-hervor. Bald zeigte sich auch das neuerwachte Leben in einem nahen
-Dörfchen, das eine lange Obstallee umgrenzte.
-
-Der Hahn krähte. Die Tauben flatterten auf die Dächer. Das
-Ziegenböcklein meckerte im Stalle. Eine Menge Rauchsäulen stiegen aus
-den Schornsteinen empor. Der Knecht schirrte die Pferde ein, das Feld
-zu bestellen. Die Magd besorgte Futter für das Vieh. Es schien bereits
-darauf zu warten, denn die Kuh brummte, der Ochse brüllte, das Schwein
-grunzte, die Gans schnatterte und die Henne gackerte.
-
-Bald darauf begann die Arbeit auf den Feldern. Hier zog ein Ochsenpaar
-einen schweren Pflug. Dort schleifte ein dicker Gaul eine Egge über ein
-knolliges Beet. Hier streute ein Landmann Korn auf einen wohlgedüngten
-Acker. Dort trieb ein Hirte eine wollige Heerde auf ein grasreiches
-Stoppelfeld.
-
-So entwickelte sich von einer Viertelstunde zur andern ein immer
-regeres Leben, bis endlich der helle Tag die Menschen und die Thiere in
-voller Thätigkeit sah.
-
-
-26. Ehre dem Tapferen.
-
-(Declination der Artikel.)
-
-+Der+ Kasernenhof +des+ vierten Reiterregiments war +der+ Schauplatz
-+einer+ großen Festlichkeit. +Der+ Commandant +des+ Reiterregiments
-übergab nämlich +dem+ Wachtmeister +der+ dritten Schwadron das
-eiserne Kreuz erster Klasse. Dieser brave Mann hatte dem Feinde vor
-dem Festungswalle eine Fahne entrissen. Die vielen Wundennarben des
-Tapferen zeigten noch von dem harten Kampfe um den Siegespreis. Die
-Stirn des Wachtmeisters war von einer feindlichen Kugel gestreift; an
-der Hand sah man einen Bajonettstich; in dem rechten Arme saß zur Zeit
-noch eine Kugel, die noch einen bedeutenden Schmerz verursachte.
-
-Der Kasernenhof des Regiments war zu dieser Festlichkeit mit dem
-Laubwerke der Eiche geschmückt. An den Fenstern hingen Kränze. Ueber
-dem Haupteingange prangten des Königs Namenszug und das Wappen des
-Landes. Den Namenszug umflatterten eine Menge Fahnen. Vor dem Thorwege
-stand eine Art Ehrenpforte, deren Säulen bunte Blumenranken umspannen.
-Auf einem hohen Plumpenhäuschen, dem man ebenfalls ein festliches
-Gewand angelegt hatte, prangte die Fahne des Korps und wehte dem Helden
-ihre Grüße zu.
-
-Das Musikchor spielte vor der Uebergabe der Auszeichnung den neuesten
-Sturmmarsch der Infanterie und nach der Feier einen Choral. Die Rede
-des Commandanten rühmte an dem Wachtmeister den großen Muth, die
-ausgezeichnete Tapferkeit und das treue Soldatenherz.
-
-Der weite Kreis der Kameraden gönnte dem Braven den wohlverdienten
-Lohn. Eine solche Auszeichnung eines solchen Braven gab sogar einem
-Offiziere Veranlassung, bei Tische einen Toast auf ein so echtes
-Soldatenherz, wie der Wachtmeister besäße, auszubringen.
-
-
-27. Die Rettung.
-
-(Desgleichen.)
-
-An dem Ufer eines Flusses spielten die Kinder eines armen Webers aus
-dem nahen Städtchen D. Sie ließen zuerst den Drachen steigen, den der
-ältere Knabe aus den Blättern des alten Hauskalenders gefertigt hatte.
-An dem Kopfe des Drachen sah man ein Gesicht mit einem schwarzen Barte.
-An dem Schwanzende flatterte ein Büschel bunter Federn. Da der Wind
-dem Spiele nicht günstig war und den Drachen nicht tragen wollte,
-schritten die Kinder zu einer anderen Unterhaltung. Sie suchten an
-dem Ufer des Flusses Muschelschalen und bunte Steine. Mit den Steinen
-wollten sie dann nach einem Stabe werfen, auf den sie einen alten Topf
-gestürzt hatten. Allein bei dem Suchen der Steine und der Muscheln
-glitt der kleine Paul von dem Ufer aus und fiel in den Fluß.
-
-Sicher hätte das Kind des armen Webers den Tod in den Wellen gefunden,
-wäre nicht in dem nächsten Augenblicke ein Retter erschienen. Den Fluß
-daher kam nämlich der Diener eines Barons mit dem Pudel des Herrn.
-„Karo, ~apporte~!“ rief der Diener dem Pudel zu und zeigte auf die
-Wellen und den mit dem Tode ringenden Knaben.
-
-Das Thier stürzte sich sogleich in das Wasser, schwamm dem Kinde nach,
-packte es an den Kleidern und zog es glücklich dem Ufer und den übrigen
-Kindern zu. Welch eine Freude unter den Geschwistern! Sie küßten dem
-Diener aus Dankbarkeit die Hand und hätten am liebsten auch den Pudel
-geküßt.
-
-Der kleine, ganz durchnäßte Knabe wurde nun sogleich der heimathlichen
-Hütte zugeführt, dort entkleidet, in ein wollenes Tuch eingeschlagen
-und in das Bette gebracht, in dem er sich noch im Laufe des Tages von
-seinem Schrecken wieder ganz erholte.
-
-
-28. Mißgunst.
-
-(Wiederholung.)
-
-Ein Spitz und eine Katze zankten sich um ein Stück Fleisch. Der Spitz
-hielt es mit den Pfoten und die Katze mit dem Gebiß. Das Fleisch war
-gebraten und roch der Katze vortrefflich. Eben so sehr stach es dem
-Hunde in die Augen. Des Hundes Kraft war indeß stärker als das Gebiß
-der Katze und darüber ärgerte sich die letztere. Sie wehrte sich mit
-einer wahren Verzweiflung, denn sie wollte den Hund nicht Sieger sein
-lassen.
-
-Eine Viertelstunde wol mochte der Kampf gewährt haben. Ein Pudel hatte
-schon eine geraume Zeit von einer kleinen Entfernung aus dem Kampfe
-zugesehen. Ein Entschluß war längst bei ihm gefaßt. Die Beute sollte
-ein Frühstück für ihn werden. Das Kampfspiel aber schien ihm eine
-gewisse Unterhaltung zu gewähren.
-
-Jetzt indeß, nach Ablauf von etwa einer halben Viertelstunde, harrte er
-nur noch eines günstigen Augenblickes.
-
-Die Augen der Katze leuchteten immer feuriger. Der Kamm des Spitzes
-schwoll immer höher. Da plötzlich sprang der schlaue Pudel dazwischen.
-Ein Ruck, ein Schluck und das Fleisch war verschwunden.
-
-Einen Moment standen der Spitz und die Katze wie verblüfft. Bald aber
-zogen beide mit einem grimmigen Blicke auf den Räuber ab. Beide sahen
-jetzt ein, daß, da sie nur ein Stück Fleisch gehabt hatten, sie besser
-gethan hätten, eine friedliche Theilung vorzunehmen.
-
-
-
-
-Das Zahlwort.
-
-
-29. Der Würfel.
-
-(Bestimmte Zahlwörter.)
-
-Der Würfel ist ein ganz regelmäßiger Körper. Er hat +sechs+ gleichgroße
-Flächen und +zwölf+ gleichlange Kanten. Die Flächen enthalten
-+vierundzwanzig+ rechte Winkel und bilden acht gleiche Ecken. Und
-hätten wir hundert oder auch tausend, ja eine Million verschiedene
-Würfel vor uns, wir würden an jedem ganz dieselben Verhältnisse
-entdecken.
-
-Die Würfel, welche zum Spielen bestimmt sind, hat man auf jeder Seite
-mit Punkten versehen. Wir erblicken da einen Punkt, zwei, drei, vier,
-fünf und sechs Punkte. Man spielt mit zwei, drei, sechs, acht, auch
-zehn Würfeln und zählt dann diejenigen Punkte zusammen, welche die
-obenauf liegenden Seiten zeigen. So kann man bei zwei Würfeln zwölf,
-bei drei achtzehn, bei fünf dreißig, bei zehn sogar sechzig Punkte
-oder Augen gewürfelt haben. Die niedrigste Zahl würden bei zehn Würfeln
-zehn Punkte sein.
-
-Das Spiel mit Würfeln ist nicht nur unterhaltend, sondern auch
-nützlich, indem man dabei eine Uebung im schnellen Zusammenzählen hat.
-
-
-30. Ordnung.
-
-(Ordnungszahlen.)
-
-Der Lehrer Weizner hatte in seiner Klasse eine musterhafte Ordnung.
-Vom +ersten+ bis zum +letzten+ Schüler wußte jeder stets, was er zu
-thun hatte. Jeder Bankoberste hatte sein besonderes Aemtchen. So
-mußte z. B. der zweite Bankoberste die Schreibebücher, der dritte die
-Federn, der vierte die Rechenhefte, der fünfte die Bibeln austheilen.
-Der achte mußte für Reinlichkeit, der elfte für Lüftung des Zimmers
-sorgen. Dem zwölften lag das Abwischen der schwarzen Tafel ob. Kam
-der fünfundzwanzigste Tag des Monats, mußte der zehnte Bankoberste
-alle Censurbücher gesammelt haben. Diese aber durfte er nicht anders
-als wohlgeordnet übergeben. Es durfte z. B. das Censurbuch des
-fünfunddreißigsten Schülers nicht vor dem des vierunddreißigsten liegen.
-
-Die Schreibefedern wurden auf ein Bret gesteckt. Jede trug eine Nummer
-am Halter. Auch auf diesem Federbehälter mußte Ordnung herrschen. Neben
-der vierzehnten Feder mußte die fünfzehnte, neben der vierzigsten die
-einundvierzigste stecken, sodaß beim Austheilen kein Irrthum entstehen
-konnte und z. B. der neunzehnte Schüler auch die neunzehnte Feder bekam.
-
-Dieselbe eiserne Ordnung herrschte auch in Bezug auf die häuslichen
-Arbeiten. Jeden 15. oder 16. des Monats mußten die Aufsätze, jeden 10.,
-20. und 28. die Rechenbücher, jeden 12. und 24. die Geographiehefte
-eingegeben werden. In der 2. Stunde jedes 3. Wochentages wurden die
-gelernten Sprüche und Verse überhört.
-
-So wohlgeordnet ging es fort Jahr aus, Jahr ein, vom 1. bis zum 365.
-Tage. „Und hätte ich es Euch schon zum tausendsten Male gesagt“,
-begann eines Tages der Lehrer, „muß ich es Euch doch immer wieder in
-Erinnerung bringen, daß es Euch äußerst heilsam ist, wenn Ihr Euch
-schon in Eurem ersten Schuljahre an strenge Ordnung gewöhnt. Ihr
-könnt es darin bis zu Eurem achten, also bis zu Eurem vierzehnten
-Lebensjahre, weit bringen. Und ich bin gewiß, Ihr werdet es in Eurem
-60., 70. oder 80. meiner Strenge in diesem Punkte noch Dank wissen.“
-
-
-31. Christbescheerung.
-
-(Das unbestimmte Zahlwort.)
-
-Es war kurz vor Weihnachten, als sich die Schüler einer Klasse
-vereinigten, einer armen Familie eine kleine Festfreude zu bereiten.
-+Alle+ versprachen, irgend eine Gabe dazu mitzubringen. +Mehrere+
-Knaben, und darunter der Klassenoberste, wurden beauftragt, die
-Gaben in Empfang zu nehmen. Schon nach wenig Tagen ging das Sammeln
-sehr lebhaft. Einige Schüler brachten Kartoffeln, viele ganze Brode
-herbei. Etliche lieferten Stollen, manche Pfefferkuchen und Nüsse.
-Mehrere brachten abgesetzte Kleidungsstücke, die aber größtentheils
-noch sehr brauchbar waren. Einzelne schenkten Bücher und Bilder. Eine
-Anzahl hatte es auf Bleistifte, Federn und Schiefer abgesehen. Fast
-jeder spendete zudem einige Aepfel und Nüsse. Gab jeder auch nur
-wenige, wurde doch schließlich eine Unzahl daraus. Keiner auch hatte
-verabsäumt, in seine Sparbüchse zu greifen, um auch etwas klingende
-Münze beizulegen. Die meisten dieser Geldstücke bestanden in Groschen
-und Fünfgroschenstücken.
-
-Daß die Geschenke so massenhaft eingehen würden, hatte sich keiner
-gedacht. Sämmtliche Schüler waren daher höchst erfreut, als sie am
-heiligen Abende in ihrer Schulstube die fast unzähligen Geschenke
-ausbreiten und ordnen konnten.
-
-Unbeschreiblich glücklich aber war die arme Familie mit ihren
-zahlreichen Kindern, die alle diese Geschenke bescheert erhielt. Sie
-hatte jetzt nur allein an Lebensmitteln mehr, als sie in geraumen
-Wochen verzehren konnte. Wiederholt dankten die Armen warm und herzlich
-und mehrmals traten ihnen die Thränen in die Augen. Die Schaar der
-kleinen Wohlthäter aber feierte nun das Weihnachtsfest noch einmal so
-vergnügt.
-
-
-32. Die Feuersbrunst.
-
-(Zahlwörter zu Hauptwörtern erhoben.)
-
-Es war der +Letzte+ im Monat December, als in einem Dorfe, in welchem
-schon den +Vierundzwanzigsten+ vorher ein Bauergut abbrannte, abermals
-Feuer ausbrach. Der Nachtwächter war der Erste, der es bemerkte und
-Lärm machte. Ein großes Haus, das dritte westlich von der Kirche,
-stand in hellen Flammen. Fürchterlich klang das Geschrei der armen
-Thiere, die noch in dem Stalle staken und nicht herauskonnten. Von den
-Hunderten, die zur Hilfe herbeigeeilt waren, wagte Keiner die rettende
-That und wenn man ihnen Tausende geboten hätte.
-
-Da kamen zwei Wanderburschen des Weges daher. Diese Zwei, als sie das
-Gestöhne der Thiere vernahmen, entschlossen sich sofort, das Möglichste
-zur Rettung zu versuchen. Schleunigst warf jeder sein Bündel ab und
-gleich darauf sah man die kühnen Zwei auf allen Vieren zur Thür des
-brennenden Hauses hineinkriechen. Schon nach fünf Minuten waren die
-Thiere gerettet. „Wer sind diese Beiden?“ fragte man links und rechts.
-Es erfuhr indeß Niemand, wie sie hießen und wo sie her waren. Von Allen
-bewundert zogen die beiden Wanderburschen bald darauf ihres Weges
-weiter.
-
-
-33. In der Strafanstalt.
-
-(Biegung des Zahlwortes.)
-
-Der Hauptmann von Lothardt war Direktor einer Strafanstalt. Er aber
-war durchaus kein Tyrann. +Keinem+ seiner Sträflinge machte er das
-Leben absichtlich schwer. +Jedes einzelnen+ Wohl lag ihm am Herzen.
-Was +Andere+ in gleicher Stellung mit unzähligen Flüchen zu erreichen
-suchten, erreichte er mit +wenigen+, aber ernst mahnenden Worten.
-
-Jeden Sonntag nach der Frühkirche mußten sich sämmtliche Sträflinge,
-die unter seiner Aufsicht standen, aufstellen und dann hatte er allen
-und jedem etwas zu sagen. Den ersten, dritten und vierten erinnerte er
-vielleicht, mehr auf Reinlichkeit zu halten. Zweien, dreien oder vieren
-hielt er vielleicht ihr trotziges Wesen vor und dergleichen. Bei dieser
-Gelegenheit theilte er sämmtlichen Züchtlingen Einiges mit, was sich im
-Verlaufe einiger Tage oder der letzten Wochen in der Welt zugetragen
-habe. Manchem erzählte er, was er über dessen Familie daheim erfahren,
-wobei nicht selten in vieler Augen Thränen sichtbar wurden. Auch nahm
-er zu gleicher Zeit Wünsche und Bitten in Empfang, worunter etliche
-allerdings oft sehr sonderbarer Natur waren.
-
-Die jedesmaligen Bitten etlicher, heute einen Brief nach Hause
-schreiben zu dürfen, gewährte er gewöhnlich, obgleich ihm das
-Durchlesen sämmtlicher Briefe nicht leicht wurde.
-
-Auf diese Weise erwarb sich der Direktor Aller Herzen und den meisten
-Sträflingen gingen beim endlichen Abschiede von demselben die Augen
-über. Vieler Gemüther erfüllte aufrichtige Dankbarkeit gegen den
-väterlichen Freund. Und mißbrauchten auch einige diese Güte, blieb er
-sich um zweier oder dreier willen in seinem Verhalten gleich. Er sagte
-oft: „Um Weniger halber sollen nicht Alle leiden.“
-
-
-34. Im Kriege.
-
-(Wiederholung des Zahlwortes.)
-
-Es war den 5. September 1813, des Morgens gegen sechs Uhr. Fünfhundert
-Mann preußische Infanterie nebst drei Kanonen und etlichen Reitern
-nahmen Stellung gegen ein Dorf. Das Dorf bestand aus mehreren großen
-Gütern, einigen kleineren Gehöften und vielen zerstreut liegenden
-Hütten. Der Feind darin zählte gegen achthundert Mann nebst sieben
-Geschützen, die aber nur wenig Leute zur Bedienung hatten.
-
-Der Angriff erfolgte nicht blos von einer, sondern von mehreren Seiten.
-Kaum aber waren zwanzig Kanonenschüsse gefallen, begann auch schon der
-Sturm von Seiten der Preußen. Hierbei zeichneten sich einzelne Soldaten
-ganz besonders aus. Das war ein Laufen! Jeder wollte der Erste im Dorfe
-sein und Keiner für einen Feigling gelten.
-
-Bald standen sämmtliche Gebäude in Flammen. Nach fünfzehn Minuten war
-der Kampf entschieden. Die meisten Feinde flohen, viele wurden gefangen
-und gegen einhundertundfünfzig Mann bedeckten die Kampfplätze.
-
-Von den Preußen waren nur wenige gefallen, wohl aber hatte
-durchschnittlich der zehnte Mann eine Verwundung erhalten.
-
-
-
-
-Das Fürwort.
-
-
-35. Ein Brief.
-
-(Persönliche Fürwörter.)
-
- Lieber Robert!
-
-+Du+ wünschtest, so viel +ich+ gehört habe, ein Kaninchen von meinem
-Bruder zu besitzen. +Ich+ kann +Dir+ nun mittheilen, daß +er+ gern
-bereit ist, +Dir+ ein solches Thierchen zu schenken. Du sollst nur
-kommen und Dir eins aussuchen, dann wird er Dir es schicken.
-
-Wir würden uns freuen, wenn Du heute schon kämst und auch den Emil
-Kappler mitbrächtest. Wir würden dann mit Euch einen Spaziergang
-unternehmen und Euch in den nahen Wald führen, woselbst sehr viel
-Heidelbeeren stehen, die Ihr gewiß alle gern eßt. Sie schmecken dies
-Jahr ganz besonders süß. Wolltet Ihr das nicht, könnten wir auch mit
-Euch zu Pastors Kindern gehen. Sie haben sehr viel Bilderbücher und
-Spielzeug. Sie besitzen auch eine kleine Kegelbahn, auf der wir sehr
-viel Vergnügen finden würden.
-
-In der Hoffnung, daß Du vielleicht heute noch mit Deinem Bruder und dem
-Emil kommen wirst, und mit dem Versprechen, daß wir Euch so gut als
-möglich unterhalten werden, grüßt Dich
-
- Dein
-
- Gustav Pernitz.
-
-
-36. Schönheit bringt Gefahr.
-
-(Besitz anzeigende Fürwörter.)
-
-In einem Walde standen ein junger Tannenbaum und eine junge Fichte
-dicht neben einander. Beide stritten sich um +ihre+ gegenseitigen
-Vorzüge. Das Tannenbäumchen sagte: „+Mein+ Wuchs ist viel schlanker als
-+deiner+. +Meine+ Aeste stehen weit regelmäßiger als die +deinigen+.
-Die Farbe meiner Nadeln ist schön dunkelgrün und glänzend; die
-Rückseite derselben ist sogar in Silber getaucht. Dein Kleid dagegen
-macht gar kein Aufsehen, denn seine Farbe ist einfach und matt.
-Ueberhaupt hat unser Geschlecht etwas Nobles, während eure ganze
-Sippschaft ein gewöhnliches Aussehen bietet.“
-
-Die junge Fichte vertheidigte sich zwar, aber ihre Worte waren nicht
-so bitter. „Meine Gestalt und mein Gewand“, sagte sie, „sind nicht
-minder schön als dein Wuchs und dein Kleid. Unsere Aeste stehen
-dichter als eure und deshalb sind wir bei den kleinen Singvögeln
-beliebter. Ihre Lieder ertönen hell aus unsern Gipfeln und manches
-Vögelpärchen vertraut die Wiege seiner Kinder lieber unsern Zweigen
-an als den eurigen. Und wäre es wirklich wahr, daß dein Aeußeres das
-meinige an Reizen überträfe, so sei auf deiner Hut, daß dieser Vorzug
-nicht dein Unglück werde. Die Menschen sind schlimm und ihre scharfen
-Augen trachten oft nach dem Besten. Euer Geschlecht hat das schon oft
-empfinden müssen.“
-
-Das Fichtenbäumchen hatte wahr gesprochen. Als Weihnachten kam, trat
-ein Bauer mit seinem Knechte herbei und sprach zu letzterem: „Nimm
-Dein Beil und haue mir dieses Tannenbäumchen ab. Seine Gestalt gefällt
-mir. Es soll meinen Kindern zum Christbaume werden und auf ihrem
-Weihnachtstische stehen.“
-
-So wurde das Tannenbäumchen um seines schönen Aussehens willen
-frühzeitig gefällt, während die junge Fichte in ihrer einfachen
-Erscheinung unangetastet blieb und großwachsen konnte.
-
-
-37. Die Natur.
-
-(Bezügliche Fürwörter.)
-
-Der Mensch, +welcher+ die Natur aufmerksam betrachtet und die Wunder,
-+die+ in +ihr+ vorgehen, beobachtet, wird viel Gewinn für sein Herz,
-+das+ ja für alles Schöne gern empfänglich ist, davon haben. Nicht
-blos der Sturm, der Bäume entwurzelt, sondern auch das Säuseln, das
-lind durch die Blätter zieht; nicht blos die Gletscher, die mit ihren
-Silberhäuptern über die Wolken emporragen, sondern auch das Sandkorn,
-welches von der leichten Welle des Waldbaches dahingespült wird;
-nicht blos die riesige Eiche, welche mit ihren markigen Armen einen
-weiten Luftkreis umspannt, sondern auch das Gänseblümchen, welches in
-schmucker Einfachheit zu unsern Füßen blüht, predigt uns die Allmacht
-Gottes.
-
-Der zarte Staubfaden, der im Innern der kleinsten Blume sitzt; das
-haarfeine Fühlhorn, das wir auf dem Kopfe der Mücke entdecken; die
-strahlende Thauperle, die des Morgens am Grashalme zittert: sie alle
-zeugen von der Weisheit des Schöpfers.
-
-Sieh den Sperling, welcher selbst im strengsten Winter auf der Straße
-sein Futter findet; die Raupe, welche an der saftigen Wolfsmilch
-nagt; das Käferlein, welches aus einem Blumenkelche trinkt: und
-Dein Vertrauen zu dem gütigen Schöpfer, der für alle Wesen, die er
-geschaffen, väterlich sorgt, wird sich wunderbar stärken.
-
-So gleicht die ganze Natur einem großen Buche, das auf jedem Blatte
-Nahrung für Dein Herz bietet.
-
-
-38. Aberglaube.
-
-(Hinweisende Fürwörter.)
-
-Die Bäuerin Zuckerriedel zeigte sich ungemein abergläubisch. Sie war
-+dieselbe+, welche eines Tages ein armes Bettelweib mit dem Stallbesen
-forttrieb, weil sie glaubte, +dasselbe+ sei eine Zauberin. Sie war
-auch +diejenige+, welche sich allemal bekreuzte, so oft sie über einen
-Kreuzweg ging. Alles dasjenige, was in ihrem Kuhstalle vor sich ging,
-brachte sie mit dem Einflusse guter oder böser Geister in Verbindung.
-Denjenigen Fremden, der über ihre Schwelle trat, beobachtete sie mit
-mißtrauischen Augen und bald stand Dieser und Jener, der etwa einen
-Blick nach der Stallthüre geworfen hatte, bei ihr in üblem Verdachte.
-
-Ganz anders war ihr Nachbar, der Bauer Menzel. Derselbe, welcher
-allerdings die nöthige Schulbildung genossen hatte, erklärte frei und
-öffentlich: „Alles Dasjenige, was nach Aberglauben riecht, ist eine
-Lächerlichkeit.“
-
-Ganz Dasselbe sagte er auch zu seiner Nachbarin. Diese aber entgegnete
-ihm: „Derjenige, der mir so etwas sagen kann, sollte nur meine selige
-Großmutter gehört haben. Diese, welche sonst nicht eben leichtgläubig
-war, hat mir wiederholt erzählt, wie derselbe dreibeinige Hase, welcher
-noch heute zuweilen unser Gut umkreist, früher nachts in der zwölften
-Stunde vor der Stallthür gewesen ist und dieselbe angeniest hat.“
-
-„Nun so hört, was ich jetzt sage“, erwiderte Menzel. „Ich verspreche
-Demjenigen, der mir meine Ochsen, und Derjenigen, die mir meine Kühe
-behext, je zehn Thaler. Und dasjenige meiner Kinder, das von irgend
-Jemand beschrieen wird, soll diesem, bis dasselbe zwanzig Jahre alt
-ist, jedes Jahr einen Scheffel Weizen überbringen helfen. Das sage ich
-Euch und ganz Dasselbe will ich auch im ganzen Dorfe bekannt machen.“
-
-Die Bauerfrau erschrack beinahe über diese Tollkühnheit. Aber obgleich
-sich Niemand fand, der sich jenen Preis verdiente, wurde sie von ihrem
-Aberglauben doch nicht geheilt.
-
-
-39. Räthselfragen.
-
-(Fragende Fürwörter.)
-
-„Heute will ich einmal eine kleine schriftliche Wiederholung mit Euch
-vornehmen“, sagte ein Lehrer eines Tages zu seinen Schülern. „Ich werde
-indeß meine Fragen so stellen, daß sie wie eine Art Räthsel klingen.
-Schreibt also folgende Fragen auf und die Antworten dahinter:
-
-+Wer+ hat das höchste Lebensalter erreicht? -- +Welche+ Spinne
-halten viele Leute fälschlich für giftig? -- +Welcher+ Kaiser starb
-auf der Insel St.-Helena? -- Welches Thier frißt zuweilen seine
-Jungen? -- Welchen Menschen nennt man einen Narren? -- Welchem Volke
-gehörte zuerst Paulus an? -- Was ließ Pilatus über das Kreuz Jesu
-schreiben? -- Was für eine Art Bienen hat keinen Stachel? -- Was für
-ein Insekt vermehrt sich am zahlreichsten? -- Wessen Beruf ist mit
-viel Lebensgefahr verknüpft? -- Welcher Blume zollt man das Lob der
-Bescheidenheit? -- Wem verdanken wir die Entdeckung Amerikas? -- Wen
-schlug das deutsche Heer bei Sedan? -- Welche Rose trägt keine Dornen?“
-
-Die Schüler beantworteten diese Fragen und fast alle hatten die
-richtige Lösung gefunden.
-
-
-40. Eine schreckliche Zeit.
-
-(Unbestimmte Fürwörter.)
-
-Noch im vorigen Jahrhunderte glaubte +man+, daß +Jeder+, der
-rothe, entzündete Augen habe, mit bösen Geistern in Verbindung
-stehe. Jedermann erkannte es darum auch für Recht, daß solche
-Menschen beseitigt würden. Man verbrannte sie daher öffentlich auf
-Scheiterhaufen. Niemand hatte Mitleid mit einem solchen unglücklichen
-Opfer. Ja, ließ irgend Jemand merken, daß er Bedauern fühle, kam er in
-Gefahr, für einen gehalten zu werden, der mit dem Bösen auch etwas zu
-thun habe. Wurde eine oder einer von diesen armen krankäugigen Menschen
-verbrannt, so veranlaßte dies sogar eine Art Volksfest. Man hörte wol
-gar, wie der und jener jubelte, wenn die Flammen über dem Unschuldigen
-zusammenschlugen. Schließlich wurde die Asche des Verbrannten in alle
-Winde zerstreut, damit nichts mehr an ihn erinnere.
-
-Gewiß dankt ein Jeder und eine Jede unter uns Gott, daß die Zeiten, da
-so etwas geschehen konnte, vorüber sind.
-
-
-41. Ein Brief.
-
-(Wiederholung der Fürwörter.)
-
- Lieber Freund!
-
-Deinen letzten Brief habe ich drei Tage später erhalten, als Du ihn
-geschrieben hast. Er ist bei meiner Tante liegen geblieben. Sie hatte
-denselben aus Versehen mit in ihre Papiere verpackt.
-
-Dein Portrait, welches Du mir in dem Briefe beigelegt hast, gefällt
-mir und meinen Geschwistern sehr. Es ist ganz Dein Ebenbild. Dieser
-und jener, dem wir es zeigten, meinte freilich, es läge etwas in den
-Zügen, was man bei Dir nicht fände. Unser Papa aber sagte, das sei der
-Ernst, welcher sich fast auf allen Photographien ausgeprägt finde, und
-es werde Niemand ein besseres Bild von Dir und insbesondere von Deinen
-Gesichtszügen herstellen können.
-
-Wer hat Dich denn eigentlich photographirt und was kostet das Dutzend
-solche Bilder? Du würdest mich sehr verbinden, wenn Du mir das in
-Deinem nächsten Briefe mittheiltest. So viel ich weiß, hat, außer uns,
-dies und jenes in unserer Familie die Absicht, sich auch portraitiren
-zu lassen. Es wird überhaupt dem und jenem unserer Bekannten lieb sein,
-zu erfahren, wer sich bei Euch in der Stadt als der beste Photograph
-bewährt.
-
-Nimm für jenes Geschenk meinen besten Dank! Ich werde dasselbe stets
-hoch in Ehren halten, es einrahmen lassen und über meinen Arbeitstisch
-hängen.
-
-Wie schon gesagt, werden wir uns auch photographiren lassen. Sobald
-diese Bilder fertig sind, sollen sie in Euer Album wandern. Es wird sie
-Dir Jemand überbringen, der sich nennt
-
- Deinen treuen Freund
-
- Rudolph Melzer.
-
-
-
-
-Das Zeitwort.
-
-
-42. Auf dem Lande.
-
-(Bezügliche Zeitwörter.)
-
-Theodor +bewohnte+ mit seinen Eltern eine Villa in der Stadt. Er
-+zählte+ etwa zwölf Jahre. Ihm +gefiel+ das Leben in der Stadt
-außerordentlich. Das Leben auf dem Lande +kannte+ er gar nicht, denn er
-hatte noch nie ein Dorf +besucht+.
-
-Eines Tages aber sagte sein Vater zu ihm: „Theodor, heute werden wir
-eine kleine Reise unternehmen. Ziehe Deine Sonntagskleider an. Hänge
-Deine Botanisirtrommel um. Nimm Dein Spazierstöckchen und stecke Dein
-Notizbuch zu Dir. Wir werden heute unsern alten Onkel überraschen, der
-ein großes Bauergut besitzt. Das Leben und Treiben auf diesem Gute wird
-Dir gewiß Vergnügen bereiten.“
-
-Nach etwa zwei Stunden sahen Vater und Sohn das betreffende Dorf
-im Thale liegen. Bald war des Onkels Besitzthum vollends erreicht.
-Freundlich begrüßten sie den Alten. Herzlich hieß dieser die Gäste
-willkommen.
-
-Nachdem ein gutes Frühstück eingenommen war, verließ Theodor das
-Zimmer. Er wollte dem Hofe einen Besuch abstatten. Aber welches Leben
-entdeckte er hier! Welch buntes Treiben gewahrten seine Augen! Bunte
-Tauben pickten ihr Frühstück von der Erde auf. Eine alte Gans führte
-ihre Jungen dem nahen Teiche zu. Der Pfauhahn schlug ein Rad mit seinem
-Schweife. Schwalben bauten Nester unter das Dach. Junge Schweine
-durchwühlten den Düngerhaufen. Ammi, der Haushund, jagte den alten
-Kater über den Hof. Der Kettenhund bewachte eifrig das Thor und wollte
-seine Kette zersprengen, wenn er einen fremden Menschen gewahrte.
-
-Hier schirrte ein Knecht die Pferde ein und bespannte dann den Wagen.
-Ein anderer führte ein schmuckes Füllen aus. Ein dritter wetzte die
-Sense. Dort, auf einer Tenne, drasch man Getreide. Auf einer andern
-reinigte man Korn. Auf einer dritten siebte man Weizen.
-
-Auch die Kuhställe boten viel Unterhaltendes. Die Großmagd fütterte die
-Kühe. Die Mittelmagd streute ihnen frisches Stroh unter. Die Kleinmagd
-melkte die Ziege. Ein Ziegenböcklein neckte unaufhörlich seinen
-Nachbar, ein scheckiges Kälbchen. Eine Heerde Kaninchen knapperte
-frische Krautblätter. Oben im Hühnerstalle saßen zwei Hühner und legten
-Eier.
-
-Theodor durchstreifte jetzt auch den Garten. Wohin er sein Auge
-richtete, entdeckte er auch hier immer neue Bilder. Und so gewährte
-ihm das Landleben außerordentlich viel Freuden. Zuletzt wußte er nicht,
-sollte er das Stadt- oder das Landleben mehr loben.
-
-
-43. Nach der Schlacht.
-
-(Unbezügliche Zeitwörter.)
-
-Die Waffen +ruhen+. Die Kanonen +schweigen+. Ihre Mündungen +gähnen+
-stumm in die Nacht hinaus. Die Reiter +sitzen ab+. Kein Säbel blitzt
-mehr im Sonnenglanze. Keine Flintenkugel heult und summt und zischt
-mehr durch die Luft. Die Soldaten hungern und dursten. Die Müdigkeit
-aber ist mächtiger als Hunger und Durst, und so liegen sie umher und
-schlafen. Nur der Wachtposten steht und lugt aufmerksam nach dem
-Schlachtfelde.
-
-Dort sitzt freilich noch Mancher und blutet. Dort liegt noch Mancher
-und stöhnt und jammert. Wohl lächelt der Sieg, wohl duftet schon der
-Siegeskranz, aber die Schmerzen der Wunden wüthen immer ärger und ärger
-und lassen keine Freude aufkommen. Viele der Armen wachen und wimmern
-die ganze Nacht, ohne daß ihnen Hilfe werden kann. Ihre Hoffnung auf
-Rettung schwindet endlich. Hunderte verscheiden noch. Die Zahl der
-Todten wächst mit jeder Stunde.
-
-Alle Aerzte sind beschäftigt, die Verwundeten zu verbinden. Ein Wagen
-nach dem andern fährt vor den Lazarethen vor, die Unglücklichen
-herbeizubringen. Die Sanitätssoldaten schwitzen bei ihrer anstrengenden
-Arbeit. Ganze Reihen mit Tragen, auf denen Verwundete liegen, kommen
-daher. Ja, das Elend nach einer Schlacht ist groß. Millionen jubeln und
-Tausende bluten!
-
-
-44. Arbeitsstunde.
-
-(Bezügliche und unbezüglich gebrauchte Zeitwörter.)
-
-Eines Morgens trat der Direktor in die Arbeitsräume seines Institutes.
-Er wollte sehen, ob sich alle Schüler nützlich beschäftigten. In dem
-einen Zimmer saßen Knaben, in dem andern Mädchen. Ein Blick über die
-Knaben hinweg sagte ihm, daß alle thätig waren. Walther +schrieb+,
-Günther +malte+, Berthold +zeichnete+, Thomas rechnete, Ewald pappte,
-Rudolph schnitzte, Just heftete und Valentin las.
-
-Ebenso regsam ging es in der Mädchenklasse zu. Sophie nähte, Fanny
-strickte, Elfriede stickte, Olga häkelte, Rosalie flechtete, Susanne
-lernte auswendig, Ottilie studirte in einem Buche, Helene sang und
-Jenny wiederholte eifrig.
-
-Von hier ging der Direktor in die Küche, denn auch hier waren Mädchen
-beschäftigt. Er fand alle bei ihrer Arbeit. Lottchen kochte, Anna
-röstete, Louise bratete und Doris wusch auf.
-
-Eine Stunde später durchschritt der Direktor die Räume noch einmal,
-um sich nun genauer zu überzeugen, worauf sich denn eigentlich die
-verschiedenen Thätigkeiten seiner Schüler erstreckt hätten. Da fand
-er denn Folgendes: Walther +schrieb einen Brief+, Günther +malte
-eine Landschaft+, Berthold +zeichnete einen Esel+, Thomas rechnete
-ein großes Divisionsexempel, Ewald pappte sich eine Mappe, Rudolph
-schnitzte ein Federkästchen, Just heftete ein Schreibebuch und Valentin
-las ein lustiges Märchen.
-
-In der Mädchenklasse sah er, daß Sophie eine Schürze nähte, Fanny einen
-Strumpf strickte, Elfriede ein Paar Schuhe stickte, Olga eine Börse
-häkelte, Rosalie einen Klingelzug flocht, Susanne ein Gedicht lernte,
-Ottilie die Pflanzenklassen studirte, Helene die Wacht am Rheine sang
-und Jenny die Reformationsgeschichte wiederholte.
-
-Als der Direktor in die Küche gehen wollte, kam ihm seine Frau
-entgegen. „Nun“, sagte er zu dieser, „was haben denn Deine kleinen
-Köchinnen heute geschafft?“
-
-„Lottchen“, erwiderte die Direktorin, „hat Suppe gekocht, Anna Kirschen
-geröstet, Louise ein Hühnchen gebraten und Doris Schüsseln und Teller
-aufgewaschen, denn das müssen die Mädchen auch lernen.“
-
-Der Direktor war mit dem Fleiße der Schüler sehr zufrieden und sprach
-ihnen sein Lob aus.
-
-
-45. Eine Angstnacht.
-
-(Unpersönliche Zeitwörter.)
-
-In einem einsamen Felsenthale stand eine kleine, ärmliche Hütte. Darin
-saßen an einem schwülen Sommertage die Bewohner derselben, eine arme
-Bergmannsfamilie, bei ihrem Abendbrode.
-
-„Es +wird+ wol heute Abend noch +regnen+“, sagte der Vater. „Es
-+umwölkt+ sich nach Sonnenuntergang zu.“
-
-„Leicht möglich“, erwiderte die Mutter, „es hat schon lange mit Regen
-gedroht.“
-
-„Es wird wol gar ein Gewitter geben“, sagte einige Minuten später der
-älteste Knabe. „Es blitzt schon und -- höre ich recht -- es donnert
-auch bereits in der Ferne.“
-
-Daraufhin ging der Vater hinaus, um nach dem Himmel zu sehen. „Es kann
-ein hartes Gewitter kommen“, meinte er bei seiner Rückkehr. „Es tost
-und braust gewaltig in der Ferne. Und oben in den Tannen rauscht und
-heult es, als ob das wüthende Heer im Anzuge wäre.“
-
-Binnen einer Viertelstunde stand das Gewitter über dem Thale und ein
-furchtbarer Sturm brach los. „Hört nur“, sagte die Mutter bänglich,
-„wie es draußen tobt und saust und wirthschaftet! Es gießt wie mit
-Gießkannen! Hu! wie es den Hausgiebel peitscht und wie es an die
-Fenster schlägt! Still! Krachte es nicht jetzt auf dem Dache?“
-
-Alle lauschten. „Der Sturm wird einen Balken losgelöst haben“, sagte
-der Vater. „Hört nur auch, wie es in den alten Schindeln rasselt und
-hämmert und klappert! Das Dach wird morgen gut aussehen.“
-
-Kaum hatte der Vater diese Worte gesprochen, zuckte ein mächtiger Blitz
-durch die Nacht und gleich darauf folgte ein furchtbarer Schlag. „Jetzt
-hat es sicher eingeschlagen“, rief der zehnjährige Gotthelf entsetzt.
-
-„Sei nur ruhig, mein Sohn“, tröstete die Mutter, „es täuscht dies auch
-oft.“
-
-„Horch!“ versetzte bald darauf der ältere Knabe. „Es läutet drüben auf
-der Kapelle. Es muß irgendwo brennen!“
-
-„Es schlägt vielleicht bloß zehn Uhr“, entgegnete der Vater.
-
-„Nein, nein“, sagte jener wieder, „ich höre es ganz deutlich, daß es
-stürmt.“
-
-Wieder gebot jetzt die Mutter, aufzuhorchen. „War mir’s doch“, sagte
-sie, „als ob es draußen unter den Fenstern wimmere! Ja, ja, ganz
-sicher! Es wimmert und weint und schluchzt! Horcht! Jetzt klopft es an
-die Thür! Wer mag das sein?“
-
-Der Vater eilte hinaus und brachte einen Bettler mit seinem jammernden
-Kinde herein. Der Arme hatte sich verirrt und bat um Obdach für diese
-Nacht, was ihm gern gewährt wurde.
-
-Es wetterte, schloßte und hagelte wohl noch eine Stunde fort. Erst
-gegen Mitternacht verzog sich das Gewitter und ließ die armen Leute zur
-Ruhe gehen.
-
-
-46. Auf dem Spielplatze.
-
-(Abwandlung der Zeitwörter nach den Personen.)
-
-„Ich +spiele+ gern Soldaten“, sagte Bruno, als eine Anzahl Knaben
-beriethen, womit man sich unterhalten wolle. „Aber ich weiß schon“,
-wendete er sich an Karl, „Du +spielst+ lieber Jagd. Und Otto dort hat
-auch keine Lust dazu. Er +spielt+ am liebsten Räuber.“
-
-„Nun, wißt Ihr was“, sagte Otto, „damit Jeder freie Wahl hat, theilen
-wir uns in drei Gruppen. Wir spielen Räuber und Ihr dort spielt
-Soldaten.“
-
-„Und die Uebrigen?“ fragte Bruno.
-
-„Sie spielen Jagd“, sagte Otto.
-
-„Was soll denn aber die kleine Marie dort spielen?“ fragte Robert.
-
-„Sie spielt einstweilen mit ihrer Puppe“, versetzte Arno.
-
-„Und das kleine Suschen?“ fragte Robert wieder.
-
-„Es spielt natürlich mit der Marie“, erwiderte Arno.
-
-„Du lachst, Otto?“ fragte plötzlich Arno.
-
-„Ich lache“, versetzte Otto, „weil Emil dort solch schnurrige Grimassen
-macht. Sieh nur hin, er lacht selbst über sich.“
-
-„Ach so“, sagte Arno, „ich glaubte, Du lachtest über mich.“
-
-Das Spielen begann. Die Kinder hatten sich in drei Gruppen getheilt und
-überall ging es lustig zu. Da auf einmal entstand bei der einen Partei
-ein helles Gelächter.
-
-„Ihr lacht doch nicht etwa über uns hier?“ rief Arno hinüber.
-
-„Nein“, rief Otto zurück, „wir lachen wieder über den Emil, den kleinen
-Kobold.“
-
-„Und was lachen denn die fremden Kinder dort drüben, die gar nicht zu
-unserer Gesellschaft gehören?“ fuhr Arno fort.
-
-„Ach, so laß sie doch“, sagte Otto. „Sie lachen, weil wir lachen, und
-das kann uns durchaus nicht stören.“
-
-Nachdem die Kinder eine Stunde gespielt hatten, fingen sie zum Schlusse
-auch noch an zu singen. Besonders war es ein Liedchen, das sie gern
-immer und immer wieder sangen. In demselben kam der Vers mit vor:
-
- Ich singe, du singest, er singt!
- Wie herrlich ein Liedchen doch klingt!
- Was immer die Tage auch bringen,
- Wir singen, ihr singet, sie singen.
-
-
-47. Ein Feriengespräch.
-
-(Abwandlung des Zeitwortes nach der Zeit.)
-
-„Was machst Du denn da?“ fragte Bernhard, als er zu Horst ins Zimmer
-trat.
-
-„+Ich zeichne+“, erwiderte Horst.
-
-„Womit hast Du Dich denn gestern Nachmittag beschäftigt, Horst?“ fragte
-Bernhard wieder.
-
-„+Ich habe+ auch +gezeichnet+“, gab Horst zur Antwort.
-
-„Ich glaubte, Du hättest Klavier gespielt, als ich vorbeiging“, sagte
-Bernhard.
-
-„Nein, da hast Du Dich getäuscht, Bernhard“, erwiderte Horst. „+Ich
-zeichnete+.“
-
-„Sicher aber arbeitetest Du nicht mehr“, sagte Bernhard, „als es abends
-neun Uhr geschlagen hatte, denn um diese Zeit, sah ich kein Licht mehr
-in Deinem Zimmer.“
-
-„Allerdings“, entgegnete Horst. „Als es neun Uhr schlug, erholte ich
-mich im Garten. Ich hatte da meine Landschaft fertig gezeichnet.“
-
-„Was wirst Du denn morgen vornehmen?“ fragte Bernhard weiter.
-
-„Ich werde wieder zeichnen und zwar einen Affenkampf“, antwortete Horst.
-
-„Und wann gedenkst Du damit fertig zu sein?“ sagte Bernhard.
-
-„Ich werde dieses Bild hoffentlich schon nächsten Sonntag fertig
-gezeichnet haben“, meinte Horst. „Aber, sage mir, Bernhard“, fuhr er
-fort, „was treibst Du denn jetzt, während der Ferien?“
-
-„Ich schreibe, ich lese, ich turne, ich bade und so weiter“, erwiderte
-Bernhard.
-
-„Womit vertriebst Du Dir denn gestern die Zeit?“ fragte Horst wieder.
-
-„Mit Allerhand“, sagte Bernhard. „Ich habe gemalt, an meiner Festung
-gebaut und einen Luftballon gefertigt.“
-
-„Und was machtest Du vorgestern“, fuhr Horst fort, „als das
-fürchterliche Gewitter kam?“
-
-„Was sollte ich thun?“ erwiderte Bernhard. „Ich ging in der Stube auf
-und ab, ich stellte meine Soldaten auf, ich hörte auf die herrlichen
-Donnerschläge und sah nach den prächtigen Blitzen. Als das Gewitter
-vorüber war, lobte mich mein Vater, denn ich hatte nicht die geringste
-Furcht gezeigt; ich hatte gespielt wie immer und hatte sogar meinen
-kleinen Geschwistern noch Muth zugesprochen.“
-
-„Wollte nicht Dein Vater verreisen?“ fragte Horst weiter. „Was wirst Du
-denn dann anfangen, wenn Du allein bist?“
-
-„Ich werde fleißig spazieren gehen und werde auch meinen Onkel einmal
-besuchen“, sagte Bernhard.
-
-„Wolltest Du nicht auch Deine Tante in Berlin einmal besuchen?“
-versetzte Horst wieder.
-
-„Dies Jahr noch nicht“, entgegnete Bernhard. „Uebers Jahr aber werde
-ich mir so viel Geld gespart haben, daß ich diese Reise unternehmen
-kann.“
-
-
-48. Aus einem Tagebuche.
-
-(Die Aussageweise.)
-
-+Ich stand um sechs Uhr auf.+ Ich glaubte, +es regne+, es war indeß
-blos der Wind, der an den Giebel blies. Wenn +es wirklich geregnet
-hätte, würde ich mich+ auch geärgert haben. Mein Vater sagte nämlich
-gestern Abend noch: „Kinder! Morgen früh zeitig aus den Federn! Ja
-nicht verschlafen! Ihr sollt mit mir in die Heidelbeeren gehen.“
-
-„Ach, wäre doch nur ein schöner Morgen!“ dachten wir in unserer
-Freude. „Schiene doch die Sonne morgen früh recht klar und freundlich
-hernieder!“ sagte Bruder Johannes beim Zubettgehen noch.
-
-Der Morgen war schön. Wir alle hofften, im Walde einige frohe Stunden
-zu verleben. Wir hätten schon um sieben Uhr aufbrechen können, wäre
-Eduard nicht so saumselig mit seinem Anziehen gewesen.
-
-„Jetzt die Botanisirtrommel auf den Rücken und vorwärts!“ befahl
-endlich der Vater.
-
-Wie lustig hüpften wir dahin! Wie freuten wir uns auf das Frühstück mit
-blauen Beeren! „Wären wir nur schon dort!“ sagte Johannes wiederholt
-unterwegs.
-
-Endlich langten wir im Walde an. Zu unsern Füßen stand der saftige
-Frühstückstisch. Man glaubte, einen mit schwarzen Perlen gestickten
-grünen Teppich zu erblicken. Wir würden sofort an die süße Arbeit
-gegangen sein, hätte nicht der Vater jetzt gerufen: „Halt! Erst fünf
-Minuten abkühlen!“ -- Wie sehnsüchtig blickten wir alle nach den
-herrlichen Beeren hin! „Daß doch die fünf Minuten schon um wären!“
-wünschten wir alle.
-
-Endlich begann der Schmaus. Jeder aß nach Herzenslust. Ich meinte
-anfänglich, ich äße die meisten Beeren, aber Eduard war doch noch
-fleißiger. Er sagte auch scherzend: „Wenn es möglich wäre, äße ich
-einen ganzen Scheffel voll!“
-
-Nach etwa einer Stunde mochte der Vater meinen, wir könnten nun genug
-haben. „Jetzt Schicht!“ befahl er. „Alle her zu mir! Keine Beere mehr
-anrühren!“
-
-Wir gehorchten. Johannes aber sagte mit einem tiefen Seufzer: „Ach,
-hätte ich nur noch fünf Minuten zulangen dürfen!“ Der Vater hatte dies
-gehört und erwiderte: „Wollte doch Monsieur Johannes einsehen, daß
-allzuviel ungesund ist!“
-
-
-49. Ein Sommertag.
-
-(Mittelwort der Gegenwart.)
-
-Es war ein +reizender+ Julitag. Auf den weithin sich +dehnenden+ Wiesen
-lag +duftendes+ Heu. Singende Schnitter mähten mit ihren blitzenden
-Sensen die wogenden Kornfelder. Hier trabten wiehernde Rosse mit
-einem leeren, rasselnden Erntewagen daher. Dort fuhr ein anderer, die
-goldglänzenden Garben hochaufgethürmt, langsam und mit schwankender
-Bewegung der Scheune zu. Ueberall sah man eifrig arbeitende und emsig
-schaffende Landleute mit glühenden Gesichtern und schweißtriefenden
-Stirnen.
-
-An den noch grünenden Hügeln weideten blökende Heerden mit lieblich
-tönenden Glocken. In dieses anheimelnde Geläute mischte sich das
-jodelnde Lied und die knallende Peitsche der Hirten. Aus dem unzählige
-Früchte bergenden Walde erklangen die jubelnden Stimmen der eifrig
-pflückenden Heidelbeergänger.
-
-Um die bunt leuchtenden Blumen auf den Rainen und an dem murmelnden
-Bache tanzten flatternde Falter, schwirrten schillernde Käfer, summten
-Honig suchende Bienen.
-
-Ueber dem Allen aber schwebte am lachenden Himmel die trillernde
-Lerche, den allliebenden Schöpfer preisend, dessen segnende Hand die
-nährenden und erquickenden Gaben alle gespendet.
-
-
-50. Unter dem Kreuze.
-
-(Mittelwort der Vergangenheit.)
-
-An einem +vielbegangenen+ Feldwege stand ein +gezimmertes+ Holzkreuz
-mit dem +gekreuzigten+ Heilande. Das aus Kupfer getriebene, bemalte
-Bild zeigte hier und da durchlöcherte Stellen. Die beschädigten Theile
-rührten von den Geschossen einer unlängst hier geschlagenen Schlacht
-her.
-
-Vor diesem entstellten und zersplitterten Krucifixe lag ein
-verwundeter Krieger. Sein abgezehrtes Gesicht zeugte von entsetzlichen
-Qualen. Sein umflortes Auge ließ auf einen baldigen Tod schließen.
-Der zerfetzte und beschmutzte Waffenrock, die verbogene Säbelscheide,
-der eingedrückte Feldkessel und der unverschlossene Tornister mit dem
-geleerten Brodbeutel vollendeten das Bild des Jammers.
-
-Die abgemagerten Hände des gänzlich entkräfteten Kriegers falteten sich
-zum Gebete. Er hob den halbgebrochenen Blick zum sonnenbeleuchteten
-Kreuze empor. Seine erblaßte, vom Schmerze umzuckte Lippe lallte nur
-noch abgebrochene Worte. „Meine Mutter!“ war sein letzter Ausruf. Das
-erloschene Auge schloß sich und der tapfere Krieger war eine Leiche.
-
-
-51. Ein Stück Kriegsarbeit.
-
-(Mittelwort der Zukunft.)
-
-Die +zu stürmende+ Schanze lag auf einer bedeutenden Anhöhe. Die dabei
-+zu überwindenden+ Hindernisse sahen drohend aus. Das zum Angriffe
-zu ordnende deutsche Heer schaute nicht ohne Besorgniß nach den zu
-übersteigenden Wällen empor. Das zu verwendende Geschütz und die zu
-benutzenden Sturmleitern standen bereit. Die zu verschießenden Bomben
-lagen hochaufgethürmt.
-
-Jetzt wurden die zu besetzenden Punkte bezeichnet und die Orte der zu
-grabenden Minen erwählt. Der commandirende General war der Ansicht, das
-zu eröffnende Feuer müsse gleich mit allem Nachdrucke gegeben und das
-zu verwendende Pulver dürfe gleich anfänglich nicht geschont werden,
-damit die zu besiegende Schanzenmannschaft einen heilsamen Schrecken
-bekäme.
-
-Der Kampf begann. Die Kugeln durchwühlten die zu erringenden Wälle. Die
-zu beseitigenden Palissaden stürzten von den schweren Geschossen und
-füllten die zu übersteigenden Gräben.
-
-Endlich erfolgte der Sturm. Der zu überwältigende Feind wehrte sich
-tapfer. Die zunächst zu erobernden Vorwälle feuerten mörderisch. Aber
-umsonst. Der zu vollführende Befehl der Deutschen hieß: „Siegen oder
-sterben!“ Binnen einer Stunde war die zu nehmende Schanze in deutschen
-Händen.
-
-
-52. Das Brod.
-
-(Leideform.)
-
-Die Mittagsglocke +wird+ geläutet. Der Tisch +wird+ gedeckt. Wir setzen
-uns daran. Das Gebet +wird+ gesprochen. Messer, Gabeln, Löffel und die
-Zähne +werden+ in Bewegung gesetzt. Fleisch, Gemüse und Brod werden
-gegessen. Das liebe Brod! Es wird sowohl an der Tafel des Kaisers als
-am Tische des Bettlers genossen. Wohl des Tages dreimal wird Brod von
-uns gegessen. Wie selten aber denken wir daran, wie es erzeugt wird,
-wie viel Hände dabei in Thätigkeit gesetzt und wie viel Schweißtropfen
-dabei vergossen werden.
-
-Zuerst muß der Acker gedüngt werden. Dann wird er gepflügt und geeggt.
-Darauf wird er von der Hand des Landmannes mit Samen bestreut.
-Erdklöse, die durch ein abermaliges Eggen nicht zerkleinert worden
-sind, werden nicht selten jetzt noch durch eine Walze zermalmt.
-
-Durch geheimnißvolle Kräfte wird nun der Keim in dem Korn entwickelt.
-Die Saat geht auf. Durch Sonnenschein und Regen wird sie von Tag zu Tag
-größer gezogen. Die Halme werden kräftiger. Nach mehreren Wochen werden
-die Aehren angesetzt. Sie blühen. Durch den Blütenstaub wird das Korn
-befruchtet. Es entwickelt sich. Bald darauf werden die Halme von der
-Sonne gebleicht und die Fruchtkörnchen gehärtet.
-
-Jetzt wird das Korn gemäht und in die Scheune gebracht. Hier werden die
-Garben ausgedroschen, die Körner gesiebt, gereinigt und in die Mühle
-gebracht. Dort werden sie gemahlen und somit in Mehl verwandelt. Das
-Mehl wird dem Bäcker überliefert und von diesem in einen Backtrog
-geschüttet. Hierauf wird es mit Wasser und Sauerteig vermengt und zu
-einem Teige geknetet. Dieser Teig wird nun eine Zeit lang der Gährung
-überlassen.
-
-Ist die Gährung erfolgt, wird der Teig zu Kugeln geformt und diese
-werden in den heißen Backofen geschoben. Damit die Brode Glanz
-bekommen, werden sie mit Wasser überstrichen. Sind sie gebacken, werden
-sie endlich in die frische Luft gestellt, damit sie abkühlen. Jetzt
-erst ist das Brod fertig.
-
-Daß doch kein Bissen Brod gegessen werden möchte ohne den Gedanken,
-daß es vom lieben Gott gegeben wird und daß unzählige Schweißtropfen
-vergossen werden müssen, ehe wir es auf unsern Tisch bekommen.
-
-
-53. Die Berufswahl.
-
-(Wiederholung der Formen des Zeitwortes.)
-
-„Du mußt Dich nun ernstlich entschließen“, sagte ein Vater zu seinem
-Sohne, „was Du einmal werden willst. Du zählst bereits vierzehn Jahre
-und kannst nun wissen, welche Berufsart Dich am meisten anspricht.“
-
-„Ich will die Gärtnerei erlernen“, erwiderte August, „da kann man doch
-immer im Freien arbeiten, schalten und walten.“
-
-Der Vater erklärte sich damit einverstanden und brachte den Knaben zu
-einem Lehrherrn. Bald aber kam August wieder nach Hause und klagte, er
-müsse zu viel hacken, graben, harken und sich bücken und überhaupt zu
-viel arbeiten. Er wolle lieber Jäger werden, da könne er den grünen
-Wald durchstreifen, das muntere Wild verfolgen, auf weichem Moose
-ruhen; und wenn es auch einmal regne oder schneie oder stürme, das sei
-schon zu ertragen und solle ihn nicht verdrießen.
-
-Der Vater ließ sich bewegen und bald studirte August in einem
-Forsthause.
-
-Allein auch das Leben im Walde gefiel ihm nicht lange. Es war ihm
-unbequem, daß er früh zeitig aufstehen, seinem Herrn die Stiefel putzen
-und wichsen und die Kleider klopfen und bürsten mußte. Er beschloß
-jetzt, ein Fischer zu werden. „Ein Fischer“, dachte er, „kann alle Tage
-auf den klaren Wellen umhergondeln. Er braucht nur das Netz auszuwerfen
-oder die Angelschnur in das Wasser zu halten, und die Fische fangen
-sich von selbst.“
-
-So wanderte August zu einem Fischer in die Lehre. Sehr bald indeß
-verdroß ihn auch diese Beschäftigung. Daß er rudern, steuern, Netze
-stricken und flicken und oft im Wasser waten müsse, hatte er sich nicht
-gedacht. Jetzt bat er seinen Vater, ein Koch werden zu dürfen. „Ein
-Koch kann Tag für Tag etwas Gutes essen und trinken“, meinte er. „Er
-kann nie vom Hunger geplagt werden. Er steht stets vor dem Feuer und
-kann nie frieren. Er braucht sich auch nicht sonderlich zu mühen und zu
-plagen, denn das Essen kocht ja ganz allein.“
-
-Was aber geschah? Schon nach vier Wochen kehrte August klagend und
-jammernd auch aus dieser Lehre zurück. Jetzt hatte ihm wieder nicht
-gefallen, daß er Kartoffeln schälen, Möhren schaben, Gurken hobeln,
-Pfeffer stoßen, Kaffee mahlen, Geflügel rupfen mußte und dergleichen.
-
-Da aber tadelte ihn sein Vater aufs ernstlichste und sagte: „Wenn Du
-so fortfährst und keine Lasten ertragen lernen willst, wirst Du es zu
-nichts bringen und Du wirst schließlich zu den Taugenichtsen gezählt
-werden. Darum gehe jetzt auf der Stelle wieder zu Deinem letzten
-Lehrherrn, bitte ihn um Verzeihung, lerne arbeiten und gehorchen und
-die kleinen Unannehmlichkeiten geduldig hinnehmen. Niemals aber vergiß,
-daß jeder Beruf seine Lust und seine Last mit sich führt.“
-
-
-54. Ein Zwist.
-
-(Das Hilfszeitwort.)
-
-„+Ich bin+ sehr böse, daß Du in meinem Schränkchen +gewesen bist+“,
-sagte Laura zu ihrem Bruder Paul, der etwas naschhaft war. „+Ich hatte+
-sechs Aepfel darin und habe nur noch drei Stück. Ich werde auch nicht
-eher wieder gut werden, bis ich von Dir das Versprechen habe, daß Du
-mir drei andere schenken werdest. Und das wirst Du doch thun? Wir
-Schwestern sind nie in Eure Schränke gegangen. Ihr dagegen seid schon
-oft in den unserigen gewesen.“
-
-„Nun gut“, sagte Paul, „wenn der Onkel seine Obsternte gehalten haben
-wird und ich bei ihm gewesen sein werde, sollst Du Deine drei Aepfel
-wieder haben. Ich wurde durch einen plötzlichen Aepfelappetit in Deinen
-Schrank verleitet. Seitdem ich aber überzeugt worden bin, daß Du das
-übel genommen hast und böse auf mich bist, thut es mir leid! Also magst
-Du nur einige Tage Geduld haben und guter Hoffnung sein. Der Verlust
-soll Dir reichlich ersetzt werden.“
-
-„Ich habe immer Vertrauen zu Dir gehabt“, erwiderte Laura, „und bin von
-Dir in Bezug auf ein Versprechen noch nie getäuscht worden. Du wirst
-gewiß auch diesmal ein Mann von Wort sein.“
-
-Die Obsternte hatte stattgefunden. Paul war bei dem Onkel gewesen.
-Laura wurde befriedigt. Sie konnte mit dem Ausgleiche sehr zufrieden
-sein, denn ihr Aepfelverlust war dreifach ersetzt worden.
-
-„Nicht wahr“, sagte Paul lachend zu ihr, „nun bist Du nicht mehr böse
-und wir sind wieder gute Leute?“
-
-„Aller Grimm, den ich in mir gehabt habe“, scherzte Laura „soll für
-immer getödtet sein. Du hast es ja auch nur zu gut gewußt, lieber Paul,
-daß ich es gar nicht so böse gemeint haben konnte. Ich würde auch
-wieder gut gewesen sein, wenn ich die Aepfel nicht ersetzt bekommen
-hätte.“
-
-
-
-
-Die Umstandswörter.
-
-
-55. Die Verirrten.
-
-(Umstandswörter des Ortes.)
-
-Lorenz und Albert waren in den Wald gegangen, um +dort+ Erdbeeren zu
-suchen. Der Wald lag +seitswärts+ von ihrem Dorfe und zwar +hochoben+
-auf einem Bergrücken. Bei dem Erdbeersuchen daselbst aber hatten sich
-die Knaben verirrt und wußten zuletzt nicht mehr, ob sie rechts oder
-links, vorwärts oder rückwärts gehen sollten. Nirgends auch stießen sie
-auf irgend einen Pfad.
-
-Nachdem sie etwa eine Stunde hin und her und auf und nieder geirrt
-waren, fingen sie an zu rufen. Sie riefen überall hin, aber von keiner
-Seite kam eine Antwort. Und wieder liefen sie bald hierhin, bald
-dorthin, nach einem Ausgange suchend.
-
-Schon ging die Sonne unter und Dämmerung sank in den Wald herab. Da
-wurde den Knaben ernstlich bange. „Westlich“, sagte Lorenz, „dürfen
-wir unbedingt nicht weiter gehen. Wir müssen uns ostwärts halten. Auch
-dürfen wir nicht aufs neue aufwärts, sondern müssen abwärts steigen.“
-
-„Weißt Du was“, erwiderte Albert, „laß uns hier, rechts von dieser
-Felswand, hinabklettern. Ich glaube, dort unten muß unser Thal liegen.“
-
-Lorenz stimmte diesem Vorschlage bei und so kletterten die Knaben den
-Abhang hinunter. Lorenz, als der Aeltere, stieg voran, Albert dagegen
-hielt sich mehr hinten.
-
-Der Weg war nicht ungefährlich, denn es rollten sehr oft Steine von
-oben herab, auch gab es links und rechts kleine Schluchten.
-
-Nach einem halbstündigen Marsche gelangten sie endlich, zu ihrer großen
-Freude, hinab in ein breites Thal. Hier sahen sie ein Licht von drüben
-herüberschimmern. Auf dieses Licht steuerten sie zu. Unterwegs stießen
-sie indeß noch auf ein Hinderniß, auf einen ziemlich breiten Bach.
-„Hilft nichts“, sagte Lorenz, „hier heißt’s: Hindurch und hinüber! Wenn
-wir auch unten ein wenig naß werden.“
-
-Bald war das Licht und mit ihm eine Hütte erreicht. Das Licht stand
-vorn an einem kleinen Fenster. Daneben saß ein alter Waldarbeiter und
-las in einem Kalender. Er schien mitten in einer schönen Erzählung zu
-sein.
-
-Die Knaben klopften an. Augenblicklich kam der Alte heraus. Kaum hatte
-er das Mißgeschick der Knaben vernommen, zündete er eine Laterne an und
-brachte die Verirrten eine Stunde weit das Thal dahin in ihr Vaterdorf
-zurück.
-
-
-56. Ein Brief.
-
-(Umstandswörter der Zeit.)
-
- Liebe Susanne!
-
-Erst +neulich+ hast Du mir versprochen, daß Du mich +nächstens+
-besuchen wollest. +Heute+ aber sind nun schon fünf Tage vergangen und
-+immer+ noch erwarte ich Deine Ankunft vergeblich. Viertelstundenlang
-habe ich gestern und auch heute früh nach Dir ausgeschaut, aber wer
-nicht kam, war meine liebe Susanne.
-
-Da Du nun stets Wort gehalten hast, fange ich bereits an, zu fürchten,
-daß Du unwohl geworden sein könnest. Sei doch so gut und schreibe
-mir sofort, ob Du krank bist, oder was Dich sonst gestern und
-vorgestern und noch früher von Deinem Besuche abgehalten hat. Wenn Du
-Dich sogleich hinsetzest -- und wäre es auch abends noch -- und mir
-antwortest, kann Dein lieber Brief spätestens morgen zehn Uhr in meinen
-Händen sein.
-
-Jetzt laß Dir nun noch in aller Eile erzählen, was sich, seit wir uns
-das letzte Mal trafen, zugetragen.
-
-Denke Dir nur, Nachbars Lenchen, die sonst immer so gesund aussah,
-liegt schon seit vorvorgestern hart darnieder. Sie klagt fortwährend
-über Kopfschmerzen und fiebert unaufhörlich. Erst seit heute hat sich
-etwas Schlaf eingestellt. Die Eltern haben natürlich sehr bald einen
-Arzt gerufen. Dieser hat die Kranke augenblicklich untersucht und
-verordnet, daß sie täglich zwei Stunden ununterbrochen schwitzen muß.
-Leider aber hat er auch gleich sagen müssen, daß der Krankheitszustand
-nicht blos noch tage-, sondern noch wochenlang anhalten könne.
-
-Das arme Lenchen! Weißt Du noch, wie wir unlängst zusammen in der Laube
-saßen und spielten? Damals ahnte sie noch nicht, daß sie gegenwärtig
-werde das Bett hüten müssen. Möge ihr der liebe Gott recht bald die
-verlorene Gesundheit wiederschenken!
-
-In der Hoffnung, umgehende Antwort von Dir zu erhalten begrüßt Dich
-aufs herzlichste
-
- Deine
- Dir ewig getreue
-
- +Natalie+.
-
-
-57. Der tolle Reiter.
-
-(Umstandswörter der Zeit.)
-
-Der junge Baron von Sydlow galt als ein sehr kühner Reiter. Die armen
-Pferde hatten es freilich nicht zum besten bei ihm. Dasjenige, welches
-er +eben+ geritten hatte, rauchte +gewöhnlich+, wie ein Backofen.
-+Selten+ ritt er blosen Schritt. +Zuweilen+ fegte er dermaßen die
-Straßen entlang, daß Kies und Funken stoben. Oft sah man dann vor
-Staub weder Pferd noch Reiter. Manchmal schon waren Menschen in Gefahr
-gekommen, von ihm überritten zu werden. Oefters auch war er schon
-gestürzt, ohne indeß erheblichen Schaden zu nehmen.
-
-Der Baron wurde von seinen Freunden wiederholt vor diesem gar zu tollen
-Reiten gewarnt. Sie sagten, es könne doch einmal schlimm ablaufen.
-Darauf aber erwiderte er jedesmal: „Mir kann nichts passiren. Selbst
-wenn mein Pferd einmal stürzt, komme ich allemal auf meine Beine zu
-stehen.“
-
-Allein der Krug geht insgemein so lange zu Wasser, bis der Henkel
-bricht.
-
-Der Baron ritt regelmäßig jeden Morgen um neun Uhr aus und traf
-niemals später als um elf Uhr wieder in seinem Schlosse ein. Eines
-Morgens sprengte er auch wieder zum Thore hinaus, aber -- um nimmer
-wiederzukommen.
-
-Von elf Uhr an erwartete man seine Heimkehr stündlich. Er aber kam
-nicht. Da endlich brachte eine alte Botenfrau, die täglich auf dem
-Schlosse verkehrte und den jungen Herrn schon jahrelang kannte, die
-Nachricht, daß er sammt seinem Pferde in einem tiefen Steinbruche läge.
-Roß und Reiter aber seien todt.
-
-Man eilte sogleich hin an den Ort und fand die Hiobspost vollkommen
-bestätigt. Wie der Baron mit seinem Pferde in den Steinbruch gerathen
-war, konnte nicht ermittelt werden.
-
-An der Stelle, wo das Unglück geschehen war, wurde ein Kreuz errichtet
-und dieses traurige Denkmal alljährlich am Todestage des tollen Reiters
-frisch bekränzt.
-
-
-58. Am Bache.
-
-(Umstandswörter der Weise.)
-
-Eines Tages ging ein Großvater mit seinem Enkel +gemüthlich+ im Walde
-spazieren. Indem sie +so langsam+ dahin gingen, kamen sie an einen
-Bach. Seine Wellen plätscherten +lustig+ dahin. Die kleinen, silbernen
-Schaumperlen drängten unaufhaltsam vorwärts. Ebenso eilig rollten
-Hunderte von Sandkörnchen auf dem klaren Grunde dahin.
-
-Vor diesem Bache blieb der Großvater plötzlich stehen. „Sieh Dir dieses
-Wässerchen einmal recht genau an“, sagte er hierauf bedächtig zu seinem
-Enkel. „Es redet gar ernst zu Dir! Es predigt Dir nachdrücklich eine
-wichtige Lehre.“
-
-Der Knabe sah dem Wellenspiele eine Weile unverwandt zu und sagte dann
-wie verwundert: „Was meinst Du damit, Großpapa?“
-
-„Sieh, mein Kind“, erwiderte dieser feierlich, „wie diese Wellen
-schnell dahinfließen, so rastlos flieht die Zeit, so eilig geht unser
-Leben dahin. Ist es doch, als treibe ein Tropfen den andern. Ebenso
-drängt mächtig eine Stunde die andere. Umsonst suchst Du hier ein
-Tröpfchen, das noch einmal umkehre. Vergebens flehst Du eine Stunde
-Deines Lebens zurück. Stracks eilt hier jeder Tropfen dem großen Oceane
-zu. Gerade so eilen unsere Tage in das Meer der Ewigkeit.
-
-Ob wir fromm und weise leben, oder anders: unser Weg geht schnurgerade
-nach dem Grabe. Tausende kommen unerwartet dort an und blicken dann
-oft reuevoll auf ihre Vergangenheit zurück. Darum hüte Dich fein, mein
-lieber Sohn, daß es Dir nicht auch einmal also ergehe.“
-
-
-59. Der Geizhals.
-
-(Umstandswörter der Stärke.)
-
-Der Bauer Murmel war +überaus+ geizig. Er aß sich +kaum+ satt. Er trank
-nie ein Glas Bier, wie andere Bauern, sondern +nur+ Wasser. Ein Rock
-mußte bei ihm mindestens zwanzig Jahre halten. Er arbeitete von früh
-bis abends fast ununterbrochen. Dabei strengte er sich oft dermaßen an,
-daß er plötzlich entkräftet zusammensank.
-
-Höchst selten schlief er länger als vier Stunden. Sehr oft sah man
-ihn sogar noch vor Sonnenaufgang wieder auf dem Felde arbeiten. Des
-Sonntags an eine kleine Erholung zu denken, davon war er weit entfernt.
-Er sah es sogar nie gern, wenn ihn an diesem Tage irgend ein Freund
-besuchte. In die Kirche ging er gar nie. Das kostete ihn zu viel
-Zeit. Von ihm auch nur eine kleine milde Gabe zu erlangen, hielt
-außerordentlich schwer. Selbst die gesetzlichen Steuern zu zahlen,
-wurde ihm unsäglich sauer.
-
-Seine Dienstboten hatten es unerhört schlecht bei ihm. Ihre Kost war
-unbeschreiblich mager und kärglich. Und dabei nun Lust und Liebe
-zur Arbeit zu zeigen, war doch am Ende zu viel verlangt. Uebrigens
-behandelte er sie beinahe wie Sklaven. Kein Wunder daher, daß er
-wenigstens alle Vierteljahre neue Leute hatte.
-
-Auf diese Weise scharrte Murmel freilich schrecklich viel Geld
-zusammen. Die ärmeren Leute des Ortes hielten ihn sogar für
-unmenschlich reich. Was aber half ihm all sein Reichthum? Der Tod
-klopfte doch eines Tages unerbittlich auch an seine Thür. Daß aber der
-Geizhals nun von seinen Schätzen Abschied nehmen sollte, machte ihm die
-Sterbestunde ungeheuer schwer. Er kämpfte entsetzlich. Der Tod aber
-schloß ihm endlich erbarmungslos die Augen und bald darauf theilten
-sich seine Erben höchlichst vergnügt in seine Güter.
-
-
-60. Die Landbewohner.
-
-(Umstandswörter der Aussageweise.)
-
-„Es ist +durchaus+ unrecht“, sagte eines Tages Vater Wolfram zu seinen
-Kindern, „daß manche Städter die gewöhnlichen Landleute mißachten.
-Diese haben +freilich+ keine hohe Schule besuchen können. Sie sprechen
-+kein+ regelrechtes Deutsch. Sie gehen nicht in Sammt und Seide einher.
-Sie kleiden sich überhaupt keineswegs stets nach der neuesten Mode.
-Sicher aber sind sie trotzdem ganz ehrbare Leute.
-
-Es finden sich wohl unter den Landbewohnern zuweilen rohe Naturen.
-Aber sind dergleichen etwa innerhalb der Stadt vergeblich zu suchen?
-Vielleicht trifft man gerade in den Städten oft mehr Ungeschliffenheit
-unter dem niederen Volke, als auf dem Lande. Jedenfalls darf sich
-keine Stadt rühmen, lauter anständige Bewohner zu zählen. Wir Städter
-würden es sicherlich bitter empfinden, wenn die Landleute uns einmal
-ihre Dienste versagen wollten. Wer Vorrath an Lebensmitteln hätte,
-könnte es allenfalls einige Wochen mit ansehen. Die Anderen aber würden
-wahrscheinlich sehr bald flehentlich bitten: Kommt wieder, Ihr lieben
-Bauern und bringt uns Brod, wir müssen ja sonst verhungern!
-
-Darum, Kinder, fragt Euch, ob Ihr vielleicht auch einmal verächtlich
-auf jene Leute hingeblickt habt. Und wäre es ja der Fall gewesen, so
-dürfte das schlechterdings nicht wieder vorkommen.
-
-Möglicherweise gehe ich in nächster Zeit mit Euch einige Tage auf
-das Land, dann werdet Ihr Euch gewiß selbst überzeugen, daß die
-Landbewohner wirklich allermeist kreuzbrave Leute sind, die unbedingt
-unsere Achtung verdienen. Wer freilich stolz auf sie herabblickt, dem
-begegnen sie allerdings nicht selten mit Mißtrauen.
-
-Werdet Ihr sie bei ihrer schweren Arbeit auf dem Felde sehen, denkt
-Ihr gewiß bei Euch: Nein, um dieses Loos sind sie wahrlich nicht zu
-beneiden! Und doch, Kinder, hört man sie fast nie klagen, daß sie so
-recht im Schweiße ihres Angesichts ihr Brod essen müssen.“
-
-
-61. Die Staare.
-
-(Umstandswörter der Frage.)
-
-„+Was+ sind denn das für Kästchen, die dort auf den Bäumen hängen?“
-fragte der kleine sechsjährige Gustav seinen Vater, mit dem er eben an
-einem Garten vorüberging.
-
-„Das sind Staarmästen, mein Sohn“, sagte der Vater.
-
-„+Wozu+ sind denn diese Staarmästen da, Papa?“
-
-„Damit die Staare ihre Nester hineinbauen können.“
-
-„+Wovon+ bauen denn die Staare ihre Nester?“
-
-„Meist aus Stroh, Heu und Moos.“
-
-„Aber womit bauen sie denn? Sie haben ja keine Werkzeuge, wie Du, Papa,
-wenn Du einmal etwas baust?“
-
-„Sie bauen mit ihrem Schnabel und mit ihren Füßen.“
-
-„Wo sind denn aber jetzt die Staare? Man sieht ja keinen?“
-
-„Sie sind zur Zeit noch nicht von ihrer Reise zurück, lieber Gustav.“
-
-„Wohin sind sie denn gereist?“
-
-„Nach wärmeren Ländern, weil es ihnen bei uns zu kalt wurde.“
-
-„Wann reisten sie denn ab?“
-
-„Sie reisen stets mit Eintritt des Herbstes von uns fort, weil es ihnen
-eben bei uns zu kalt wird.“
-
-„Wie finden sie denn aber den Weg hin und zurück?“
-
-„Den zeigt ihnen der liebe Gott, mein Sohn.“
-
-„Ob sie denn nun bald wiederkommen?“
-
-„Es kann nicht lange mehr dauern.“
-
-„Woher weißt Du denn das?“
-
-„Weil der Februar bald zu Ende geht und Anfang März kehren sie
-gewöhnlich zurück.“
-
-„Aber, sage mir, Papa, weshalb bauen denn die Staare ihre Nester nicht
-zwischen die Aeste, wie andere Vögel?“
-
-„Ganz einfach. Weil sie die geschützten Räume lieben.“
-
-„Und warum hängt man denn nicht auch für die Finken und Zeisige solche
-Mästen auf?“
-
-„Weil diese Vögel es vorziehen, ihre Nester frei zwischen die Zweige zu
-bauen.“
-
-„Wieviel Eier legt denn ein Staar?“
-
-„Vier bis sechs Stück und das jährlich zwei- bis dreimal.“
-
-„Papa, da fällt mir eben ein, daß einmal unsere Köchin sagte, man könne
-die jungen Staare essen, aber man dürfe es nicht. Weswegen denn?“
-
-
-„Weil die Staare sehr viel Ungeziefer vertilgen und deshalb sehr
-nützlich werden.“
-
-„Papa, sieh, sieh! Dort setzte sich eben ein schwarzer Vogel auf den
-Baum. Nicht wahr, das ist ein Staar?“
-
-„I bewahre, Gustav.“
-
-„Wofür hältst Du ihn denn?“
-
-„Es ist eine Amsel.“
-
-
-62. Eine Wanderschaft.
-
-(Wiederholung der Umstandswörter.)
-
-Hans, der noch sehr jung, aber schon ziemlich leichtsinnig war, ging
-eines Tages gänzlich unerwartet auf die Wanderschaft. Wo er eigentlich
-hin wollte, wußte er nicht. Ob ihn sein Wanderstab hierhin oder dorthin
-führen werde, war ihm ganz gleich. Er meinte immer, es sei überall viel
-zu sehen und man dürfe sich deshalb auch nirgends zu lange aufhalten.
-Trotzdem aber saß er zuweilen stundenlang auf einem Berge und stierte
-träumerisch in die Welt hinein. Bald sah er links, bald rechts, bald
-vorwärts, bald rückwärts.
-
-Nur selten nahm er Arbeit an. Hatte er einmal kein Geld mehr, schrieb
-er schleunigst heim an seine Mutter und flugs kamen wieder einige
-Kassenscheine angewandert. „Heisa!“ jubelte er nun da gewöhnlich,
-„jetzt habe ich wieder Geld! Jetzt frisch und fröhlich weiter!“
-
-So durchwanderte er sorgenlos, aber eigentlich auch zwecklos Städte
-und Länder und war jederzeit wohlgemuth. An den wirklichen Zweck des
-Wanderns dachte er selten und nie ernstlich. „Heute hier, morgen dort
-und immer lustig und gut leben“ war sein Wahlspruch.
-
-Fünf Jahre war er jetzt bereits auf Reisen. Sein Aeußeres hatte sich
-in dieser Zeit merklich verändert. Ein starker Bart bedeckte über
-und über sein Gesicht. Das blühende, zarte Roth war längst von den
-Wangen gewichen. Sie hatten sich tief gebräunt. Sein Körper war hoch
-aufgeschossen und hatte sich kräftig entwickelt. Seine früher dünne
-Stimme klang jetzt tief, voll und männlich.
-
-Da beschloß Hans endlich, wieder heimzukehren. Und mit der Ausführung
-dieses Entschlusses zögerte er auch keineswegs lange. Als ihn wenige
-Tage darauf einmal der Regen tüchtig durchpeitschte, kehrte er
-plötzlich um und nahm seinen Weg schnurstracks nach Hause.
-
-„Ob man mich denn daheim wiedererkennen wird, oder nicht?“ dachte er
-still für sich.
-
-Er reiste jetzt außerordentlich schnell. Nirgends rastete er lange.
-Er gönnte sich kaum Zeit, gehörig auszuschlafen. Bald war die Heimat
-erreicht. Langsam schritt er jetzt sein Vaterdorf entlang. Die Leute
-gingen stumm und gleichgiltig an ihm vorüber. Niemand erkannte ihn,
-sogar seine Schwester nicht. Kaum aber erblickte ihn seine Mutter, die
-zufällig unter der Hausthür stand, rief sie ihn sogleich bei seinem
-Namen und fiel ihm gerührt und weinend um den Hals.
-
-Was aber hatte dem Hans die lange Wanderschaft wirklich genützt?
-Nichts, wenigstens nicht viel. Er hatte nur gesehen, hatte blos gut
-gegessen und getrunken, aber blutwenig gelernt.
-
-
-
-
-Das Verhältnißwort.
-
-
-63. Das Vaterhaus.
-
-(Verhältnißwörter des Ortes.)
-
-
-Ach wie gern, schrieb ein siebzigjähriger Greis, denke ich noch heute
-+an+ mein liebes Vaterhaus zurück! Es war eigentlich nur eine Hütte
-und stand dicht +an+ einem Felsen +in+ dem schönen Lande Tyrol. +Auf+
-ihrem niederen Moosdache blühten niedliche Waldblümchen. Ach, unter
-ihnen habe ich manch schönen Knabentraum geträumt! Hinter den schmalen
-Fenstern standen im Sommer stets Sträußchen Alpenrosen und Edelweiß.
-Neben der Hausthür kletterte wilder Epheu an der Wand empor. Ueber
-der Thür war ein Muttergottesbild gemalt. Noch sehe ich, wie lieb die
-fromme Maria auf uns Kinder herniederschaute!
-
-Vor der Hütte rann ein frischer Waldbach murmelnd dahin. Zwischen
-ihm und dem Häuschen lag ein kleines Gärtchen, das uns Salat, Möhren
-und Rüben in die Küche lieferte. Oberhalb des Gärtchens führte ein
-schmaler Steg über das Wässerchen. Jenseits desselben beschattete
-niederes Gebüsch die Silberwellen und diesseits desselben zog sich eine
-blumenreiche Wiese hin.
-
-Wie oft habe ich an diesem Bächlein gesessen, wenn über ihm die Mücken
-spielten und innerhalb seiner Tümpel die Schmerlen hin- und herhuschten.
-
-Unterhalb unserer kleinen Besitzung hatte mein Vater ein kleines Wehr
-erbaut. Vor demselben staute natürlich das Wasser und so hatten wir
-zur heißen Sommerzeit ein kühlendes Bad. Welche Lust in dem frischen
-Wasser! Wie Frösche hüpften wir in die klare Tiefe, wie Fische tauchten
-wir unter das Wasser, wie kleine Wassernixe tanzten wir dann wieder
-längs des Ufers hin. Kein Wunder, daß wir des Tages mehr als einmal zu
-dem erquickenden Plätzchen eilten.
-
-Aber auch außerhalb des engen Kreises unserer Häuslichkeit gab es
-für uns Kinder viel Lust. Wie herrlich war es, wenn wir unsere zwei
-Geisen hinter die Felsen an den stillen Schwummersee führen konnten!
-Während sie nach den saftigen Kräutern gingen, legten wir uns zwischen
-schattiges Gebüsch oder hinter einen Felsblock. Hatten sich die Geisen
-gesättigt, streckten auch sie sich zuweilen neben uns hin.
-
-Läutete dann das Abendglöcklein von der Dorfkapelle, ertönte kein Laut
-mehr aus den Zweigen, zogen wir heimwärts, singend und jodelnd bis vor
-unsere Hütte.
-
-O schöne, süße, goldene Jugendzeit im geliebten Vaterhause!
-
-
-64. Vor Paris.
-
-(Verhältnißwörter der Zeit.)
-
-+Während+ der Belagerung stand ein deutscher Soldat auf Vorposten. Er
-war erst +vor+ zwei Tagen aus dem Lazarethe entlassen worden und noch
-etwas schwach. +Seit+ dem frühen Morgen schon quälte ihn der Hunger.
-Aber unter zwei Stunden durfte er den Brodbeutel noch nicht öffnen.
-Binnen dieser Zeit mußte er seine Augen streng auf die feindlichen
-Wälle gerichtet halten.
-
-Da trat eine arme Mutter mit drei todtenblassen Kindern an ihn heran
-und flehte um einen Bissen Brod. Sie habe, erzählte sie, schon vor
-dem letzten Ausfalle Paris verlassen und irre bereits seit drei Tagen
-umher. Während dieser Zeit aber hätten sie und ihre Kinder noch keinen
-Bissen zu essen gehabt.
-
-Nach kurzem Besinnen griff der brave Soldat in seinen Beutel und
-reichte den Aermsten all sein Brod. „Hier, eßt“, sagte er. „Habe ich
-auch bereits bei acht Stunden Hunger gelitten, ich halte es noch aus,
-Ihr aber würdet binnen vierundzwanzig Stunden dem Hungertode erlegen
-sein.“
-
-
-65. Die Rückkehr der Helden.
-
-(Verhältnißwörter der Weise.)
-
-+Unter+ dem Geläute der Glocken zogen die rückkehrenden Krieger
-in die Residenz ein. +Mit+ Sang und Klang marschirten sie die
-reichgeschmückten Straßen dahin. Die Reihenfolge der verschiedenen
-Truppen war nach dem Befehle des Feldmarschalls bestimmt worden.
-
-Ohne Heuchelei wurden die Helden von allen Seiten aufs herzlichste
-begrüßt. Sie sahen, wider alles Erwarten, frisch und munter aus,
-obgleich viele von ihnen heute schon mehrere Stunden bei heißem
-Sonnenbrande marschirt waren. Selbst dem Feldmarschall, der sammt
-seinem Stabe die Spitze bildete, schien dieser wahrhaft begeisterte
-Empfang gegen alle Voraussetzung zu sein.
-
-Mit Blumen reich geschmückt langten endlich die Soldaten in ihren
-Quartieren an, wo sie unter warmen Händedrücken empfangen wurden und
-sich nun meist bei einer Flasche Wein gütlich thun konnten. Da trank
-denn auch mancher alte Papa heute fast wider seinen Willen und gegen
-seine Gewohnheit ein Gläschen mehr mit dem glücklich heimgekehrten
-Sohne.
-
-Freilich verlief das schöne Fest auch in mancher Familie nicht ohne
-bittere Thränen. Zuweilen den einzigen Sohn, ein Kind nach aller
-Herzen, hatte die feindliche Kugel durchbohrt. Er kehrte sammt vielen
-Tausenden nie mehr heim!
-
-
-66. Joachim.
-
-(Verhältnißwörter des Grundes.)
-
-Der erst zwanzigjährige Joachim stand +wegen+ eines Raubanfalls vor
-Gericht. +Laut+ Aussage seines Vaters hatte er sich als Knabe sehr
-naschhaft gezeigt. Der Ordnung gemäß wurde auch sein ehemaliger
-Lehrer über seine Aufführung als Schüler befragt. Zufolge dieses
-Schulzeugnisses hatte es Joachim im Bezug auf Ehrlichkeit nie recht
-genau genommen. Um eines lumpigen Schiefers willen, den er doch für
-einen Pfennig haben konnte, war er sogar einmal vermittelst eines
-Nagels in seines Nachbars Schränkchen eingebrochen.
-
-„Vermöge seiner Geistesanlagen“, schloß des Lehrers Zeugniß,
-„hätte Joachim etwas Tüchtiges lernen können. Aus purem Leichtsinn
-aber blieb er hinter allen seinen Mitschülern zurück. Kraft eines
-Lehrerconferenz-Beschlusses mußte er deshalb einmal vier Wochen lang
-auf der Strafbank sitzen.“
-
-Den Raubanfall hatte Joachim mehr aus Rache, als um des Raubes willen
-ausgeführt. Laut seiner Auslassungen sollte ihn der Angefallene einmal
-infolge eines Kirschendiebstahls grausam durchgeprügelt haben. Auch
-habe er ihn wegen eines kleinen Schimpfwortes einmal tüchtig an den
-Haaren gezaust. Daß er ihn mittels eines dicken Stockes auf den Kopf
-geschlagen habe, zufolge dessen der Mann niedergestürzt sei, leugnete
-Joachim. Er habe, sagte er, ihm blos mit der Hand einen Stoß versetzt
-und es wäre wohl möglich, daß er infolge dieses Stoßes hingefallen sei.
-
-Dem Urtheile der Richter gemäß wurde Joachim für schuldig erkannt
-und erhielt für seine That, kraft des Strafgesetzbuches, fünf Jahre
-Zuchthaus.
-
-
-67. Die Mühle.
-
-(Wiederholung aller Arten Verhältnißwörter.)
-
-In einem düsteren Waldgrunde stand seit langer Zeit eine Mühle. Sie
-lehnte mit ihrer Rückseite an einem kleinen Hügel. Eine alte Linde
-breitete ihre schattigen Aeste über sie hin. Vor der Mühle lag ein
-kleines Blumengärtchen. Oberhalb derselben, mehr nach einem Felsen zu,
-erblickte man zwischen Gebüsch einen Teich, aus dem sich ein Bächlein
-unter dumpfem Gemurmel hervorschlängelte. Es eilte in raschem Laufe auf
-die Mühle zu. Dort stürzte sich sein Wasser mit ziemlichem Geräusche
-über das Mühlrad und setzte dieses, vermöge seiner Schwere, in Bewegung.
-
-Das Mühlrad klapperte ohne Ruh und Rast bei Tag und Nacht. Nur am
-Sonntage, um der Sabbathfeier willen, stand es still. Laut einer
-Verordnung hätte sonst der Müller vor Gericht Strafe zahlen müssen.
-
-Viele Stunden im Umkreise gab es kein Haus. Des Müllers Kinder waren
-ohne alle Kameraden. Selten traten sie aus dem Thale hinaus. Die
-Blumen am Bachrande waren ihre Bilder, die Fischlein im Wasser und die
-Käfer auf und unter den Blumen ihre Gespielen, die Vöglein innerhalb
-des Thales ihre Singlehrer.
-
-Im Winter kamen sie selten aus der Stube. Sie nähten dann Säcke aus
-grober Leinwand für ihren Vater. So führten sie während des Sommers und
-Winters ein einsames Leben. Und doch hingen sie mit ganzem Herzen an
-ihrem Vaterhause und hätten um keinen Preis dasselbe mit einem andern
-vertauscht.
-
-Als der Müller eines Tages von dem Nachbardorfe kam und sagte, er könne
-jetzt die Mühle für ein gutes Geld verkaufen, stellten sich alle Kinder
-um ihn her, faßten ihn an der Hand und baten unter Thränen, er solle
-doch das nicht thun. Sie würden, wenn sie aus der Mühle fortmüßten und
-außerhalb des stillen Thales leben sollten, unglücklich sein.
-
-Diesen dringenden Bitten zufolge versprach auch der Müller, die Mühle
-zu behalten. „Nein“, sagte er nach kurzem Besinnen, „ich will nicht
-gegen Eure Wünsche handeln, aus purer Liebe zu Euch. Wegen eines
-irdischen Gewinnes soll Euer Glück nicht gestört werden.“
-
-
-
-
-Das Bindewort.
-
-
-68. Ungleiche Brüder.
-
-(Zusammenstellende Bindewörter.)
-
-Melchior +und+ Sebastian waren Brüder. Melchior beschäftigte sich mit
-Allerhand, was ihm gut lohnte. Er besserte Körbe aus, +auch+ flocht
-er zuweilen neue. +Zudem+ strich er Fenster- und Thürstöcke, außerdem
-auch Möbel an. Ueberdies half er im Sommer nicht selten in der Ernte.
-Schließlich schämte er sich auch nicht, einmal sogar den Dreschflegel
-in die Hand zu nehmen. Wo er arbeitete, war man sowohl mit seinem
-Fleiße als auch mit seiner Geschicklichkeit zufrieden. Weder Wind noch
-Wetter konnten ihn abhalten, einmal übernommene Dienste auszuführen.
-
-Melchior war aber nicht blos fleißig und geschickt, sondern auch
-sparsam. Als er etwa vierzig Jahre zählte, kaufte er sich erstens ein
-kleines Haus, zweitens etwas Feld, drittens eine Ziege und endlich gar
-eine Kuh. Hierauf heirathete er ein sehr braves Mädchen aus seinem
-Orte, mit dem er alsdann seine kleine Oekonomie bewirthschaftete,
-ferner ein Gemüsegeschäft anlegte und auch noch nebenbei
-Federviehhandel trieb.
-
-Ganz anders verhielt und zeigte sich sein Bruder Sebastian. Er dachte
-weder an das Sparen, noch an das Arbeiten. Er trieb sich tagediebisch
-umher, zudem liebte er das Kartenspiel und trank überdies oft über den
-Durst. Auch in Bezug auf die Ehrlichkeit wollte ihm Niemand so recht
-trauen.
-
-Kein Wunder, daß Sebastian nicht nur alle Achtung verlor, sondern auch
-oft kein Brod hatte. Sowohl seine Nachbarn als auch sein Bruder warnten
-ihn. Außerdem bemühte sich sogar die Ortsgemeinde, ihn zu bessern. Man
-trug ihm zunächst lohnende Beschäftigung, sodann eine Hausknechtsstelle
-in einem Gasthofe an, ferner einen Posten auf dem Bahnhofe; schließlich
-wollte man ihm sogar Geld zu einem kleinen Kohlenhandel vorschießen.
-Sebastian mochte von alledem nichts wissen und nichts hören. Natürlich
-blieben die Folgen davon nicht aus. Bald versetzte er sein letztes
-Hemde, führte dann allerlei Betrügereien aus, vergriff sich hierauf an
-fremdem Eigenthume, trieb sich alsdann mit einer Zigeunerbande in den
-Wäldern umher und wurde endlich als Räuber eingefangen.
-
-Er wurde verhört, alsdann verurtheilt und hierauf auf viele Jahre in
-einer Strafanstalt untergebracht. Schließlich, nach langen Jahren,
-klopfte er eines Tages an Melchior’s Thür als bettelnder Greis.
-
-
-69. Die goldene Freiheit.
-
-(Entgegenstellende Bindewörter.)
-
-An einem Fenster hing ein großes, geräumiges Gebauer, in welchem ein
-Rothkelchen auf und nieder hüpfte. Es sang +zwar+ fleißig, +aber+
-keineswegs so hell, wie einst draußen im grünen Walde. Es hatte das
-beste Futter, +dennoch+ dachte es immer und immer an die fetten
-Würmchen draußen unter dem Moose. Es bekam jeden Tag zweimal frisches
-Wasser, gleichwohl konnte es die frischen, klaren Waldbächlein nicht
-vergessen. Wol grüßte die liebe Sonne freundlich zum Fenster herein,
-allein diese wohlthuenden Strahlen schienen das Rothkelchen nur immer
-noch düsterer zu stimmen.
-
-Hermann bemerkte nur zu wohl die trübe Stimmung des Thierchens, doch
-ihn rührte es nicht. Zwar liebte er selbst die goldene Freiheit
-außerordentlich, gleichwohl konnte er sie hartherzig dem Rothkelchen
-versagen.
-
-Als er im Herbste das Vöglein nach Hause brachte, hatte ihm sein Vater
-gesagt: „Gut, Du magst es den Winter über behalten, aber zum nächsten
-Frühjahre mußt Du es wieder fliegen lassen. Nun thue, was Du willst.
-Entweder sperre es gar nicht erst ein, oder versprich, ihm dann die
-Freiheit wieder zu schenken.“
-
-Hermann hatte Letzteres zugesagt. Allein jetzt, als der Frühling da
-war, dachte er nicht mehr daran. Er kannte nicht nur kein Mitleid,
-sondern meinte sogar, das Thierchen könne es nirgends besser haben, als
-bei ihm. „Ein Vögelchen im Käfige zu halten“, sagte er einmal, „kann
-kein Unrecht sein, nur muß man es gut pflegen.“
-
-Sein Vater indessen dachte anders. „Gut essen und trinken“, sagte er,
-„ist viel werth, nichtsdestoweniger möchte ich dabei in einem Kerker
-stecken. Fesseln und schmale Kost drücken den Verbrecher sehr, der
-Verlust der Freiheit dagegen drückt ihn am empfindlichsten.“
-
-Der Frühling schritt inzwischen immer tiefer in das Land, Hermann
-jedoch machte keine Anstalt, seinem Gefangenen den Kerker zu öffnen. Er
-fürchtete auch keineswegs den Unwillen seines Vaters, sondern glaubte,
-derselbe wolle jetzt selbst, daß das Vöglein im Käfige bleiben solle.
-Wie sehr aber erschrak er, als er denselben eines Tages leer fand.
-Hermann weinte, das Vöglein indessen jubelte bereits längst draußen im
-Walde ob der neugeschenkten goldenen Freiheit.
-
-
-70. Amerika.
-
-(Begründende Bindewörter.)
-
-„Warum wandern denn eigentlich so viele Menschen nach Amerika aus?“
-fragte Ludwig seinen Vater.
-
-„Ganz einfach“, erwiderte dieser, „+weil+ Viele glauben, dort ihr Glück
-zu machen. Viele täuschen sich freilich auch, +denn+ es ist nicht alles
-Gold, was glänzt. Amerika bezahlt zum Beispiel die Arbeit weit besser
-als Deutschland, deshalb aber wird noch lange nicht jeder Arbeiter
-reich. Er muß dafür auch seinen Lebensunterhalt theuer erkaufen, und
-sonach gleichen sich Einnahme und Ausgabe wieder aus. Amerika gestattet
-dem Volke in mancher Hinsicht mehr Freiheit als Europa, daher aber
-erlauben sich dort auch Einzelne aus dem Volke manche Gewaltthaten.
-Amerika ist der Zufluchtsort von unzähligen Taugenichtsen, Betrügern
-und Dieben, deswegen kommen dort verhältnißmäßig mehr Verbrecher
-vor, als bei uns. Amerika besitzt unermeßliche Ländereien, demnach
-ist für wenig Geld ein bedeutender Grundbesitz zu erwerben. Diese
-Länderstrecken aber sind mit Urwald bedeckt und müssen mithin erst
-urbar gemacht werden. Dergleichen Arbeit ist indeß äußerst mühsam und
-anstrengend und darum verlieren Viele die Lust, lassen die Hände sinken
-und gerathen somit in Noth und Elend.
-
-Es sei damit nicht gesagt, lieber Ludwig, daß in der neuen Welt
-Niemand auf einen grünen Zweig kommen könne, denn eine große Zahl
-Eingewanderter hat ihr Glück gefunden. Falsch aber ist es, zu denken:
-Diese sind reich und glücklich geworden, folglich muß ich es auch
-werden und also gehe ich hinüber.“
-
-„Du würdest sonach Niemandem rathen, nach Amerika auszuwandern?“ sagte
-Ludwig hierauf.
-
-„Das habe ich deshalb noch nicht gesagt“, erwiderte der Vater. „Wer
-nach Amerika geht, muß arbeiten wollen, weil der Faule dort in
-der Regel zu Grunde geht. Folglich würde ich allerdings zu einem
-Arbeitsscheuen sagen: Bleibe Du hier, da Du den Schweiß des Angesichts
-nicht gut vertragen kannst. Ebenso würde ich zu einem, der hier in
-guten Verhältnissen lebt, sagen: Du hast, was Dein Herz wünscht, darum
-bleibe im Lande und nähre Dich redlich. Einem jungen Manne aber, der
-brav und strebsam ist, es aber hier zu nichts bringen kann, werde ich
-stets sagen: Gut, Du wirst drüben die Hände nicht müßig in den Schooß
-legen und somit vorwärts kommen, mithin gehe!
-
-Verstehe mich also nicht falsch, lieber Ludwig. Ich meine durchaus
-nicht, weil Viele dort drüben ein trauriges Loos ziehen, daher dürfe
-Niemand mehr nach Amerika auswandern. Wohl aber bin ich, wie schon
-gesagt, gegen den Glauben, der da spricht: Hinz und Kunz sind da drüben
-Millionäre geworden, demnach kann mir es auch nicht fehlen.
-
-Die neue Welt jenseits des Oceans ist eine gar eigene und deswegen muß
-die Uebersiedelung dahin wohl überlegt werden.“
-
-
-71. Treue Freundschaft.
-
-(Wiederholung der Bindewörter.)
-
-Paul und Robert waren zwei gute Freunde. Beide jedoch besaßen eine sehr
-verschiedene Bildung. Das konnte aber auch nicht anders sein, denn
-jeder hatte eine andere Erziehung genossen.
-
-Paul gehörte reichen, Robert dagegen armen Eltern an. Paul genoß daher
-viel Schulunterricht. Er sprach nicht nur französisch, sondern auch
-englisch. Er lernte reiten, auch fechten und schwimmen. Er bewegte
-sich überdies stets unter vornehmen Leuten und besaß ferner eine gute
-Bibliothek. Zudem ging er auch mit seinen Eltern öfters auf Reisen.
-Somit war ihm Alles geboten, was Bildung schafft.
-
-Robert dagegen besuchte nur eine einfache Dorfschule. Hier gab es
-wohl einen guten Lehrer, allein nicht viel Schulzeit. Zwar strengte
-sich Robert sehr an, aber seine Kenntnisse blieben doch sehr dürftig.
-Gleichwohl gehörte er zu den besten Schülern des Ortes. Deswegen wurde
-er auch von seinem Lehrer, sowie von seinen Mitschülern sehr geachtet.
-Und deshalb verging kein Examen, an welchem er nicht entweder eine
-Prämie oder sonst eine Auszeichnung erhielt.
-
-Paul blieb das nicht unbekannt und daher erwählte er Robert zu seinem
-Freunde. Weder Robert’s Armuth, noch seine geringe Bildung waren
-ihm ein Anstoß. Paul liebte ihn, weil er ein ebenso fleißiger als
-gesitteter Knabe war. Und Paul hat diese Wahl nie bereut, denn Robert
-hing so treu an ihm, daß er sein Leben hätte für ihn lassen können.
-
-Paul kam zwar später aus dem Elternhause fort, aber die Entfernung
-trennt ja wahre Freundschaft nicht, da diese im Herzen wohnt. Paul
-und Robert schrieben sich oft; infolge dessen konnte keine Entfremdung
-eintreten. Ja, sie blieben treue Freunde bis zum Tode.
-
-
-
-
-Das Empfindungswort.
-
-
-72. Ein Spaziergang.
-
-Arthur und Emilie gingen an einem Waldrande spazieren. „+Ei!+“ rief
-Arthur plötzlich aus, indem er sich bückte, „ein Graspferd! ein
-Graspferd!“
-
-„+Pfui!+“ erwiderte Emilie, „das häßliche Thier!“
-
-„+Ei+, +ei!+ Emilie“, tadelte Arthur, „so darf man nicht sagen. O,
-auch die Graspferde sind schön in ihrer Art. Hopp! hopp! Sieh nur,
-was es für große Sätze machen kann! O weh! Jetzt hüpfte es in einen
-Wassergraben! Ach, das arme Thier! Es wird ertrinken müssen! Ist es
-mir doch, als riefe es mir zu Hilfe! Hilfe! -- Ha! ich muß sein Retter
-werden!“
-
-Arthur langte in den Graben hinab und packte das Thier an. In demselben
-Augenblicke aber schrie er auch: „Au! au!“ und ließ es auf die Erde
-fallen.
-
-„Was schreist Du denn so?“ fragte Emilie schnell.
-
-„Abscheulich!“ versetzte Arthur. „Das Heupferd hat mich in den Finger
-gezwickt.“
-
-„Hahaha!“ lachte da Emilie hell auf. „Aetsch! Nun hast Du doch etwas
-von Deinem allerliebsten Thierchen!“
-
-„Ssssst! Schwesterchen“, entgegnete Arthur, mit dem Finger drohend,
-„nicht schadenfroh sein!“
-
-Beide Geschwister gingen jetzt weiter. Bald darauf vernahmen sie hinter
-sich her die Rufe: „Heda! Bst! Bst!“ Als sie sich umsahen, erblickten
-sie vier bekannte Knaben, die an dem Spaziergange theilnehmen wollten.
-
-„Hurrah!“ rief Arthur begeistert aus, „nun wird es hübsch! Jetzt können
-wir Soldaten spielen.“
-
-„Und ich?“ fragte Emilie bedeutungsvoll.
-
-„Hm!“ erwiderte Arthur nachdenklich. „Nun ja, das hatte ich mir
-freilich nicht überlegt, daß Du Dich auf das Exerciren nicht verstehst.
-Also rrrr! ein anderes Spiel!“
-
-Nachdem die Kinderschaar Haschekater, Blindekuh u. dergl. m. gespielt
-hatte, trat sie den Heimweg an. Eben überschritten die Kinder eine
-Stoppel. Da auf einmal ging’s „brrr!“ und ein Volk Rebhühner flog vor
-ihnen auf.
-
-„Hoho! Bin ich doch erschrocken!“ versetzte einer der Knaben. Arthur
-aber sagte: „Ei, hätten wir doch jetzt Flinten! Da sollte es aber
-gehen: Piff, paff! puff! und kein einziges Rebhuhn dürfte davonkommen.
-Heisa! wie würden sich unsere Mütter freuen, wenn wir solche Braten mit
-nach Hause brächten!“
-
-Arthur wollte noch weiter reden, da aber kam ein Graben und -- pardauz!
-lag er darin, so lang er war. Natürlich gab das ein gewaltiges
-Gelächter.
-
-Unter dem Gesang des Liedes: „Tra ri ra! sind die Jäger da“ etc.
-kehrten endlich die Knaben fröhlich heim.
-
-
-
-
-~B.~ Satzlehre.
-
-
-73. Das Gewitter.
-
-(Satzarten.)
-
-[Sidenote: Einfacher Satz.]
-
-Der Blitz zuckte.
-
-[Sidenote: Erweiterter einfacher Satz.]
-
-Ein langer Donner grollte unter dem dunklen Himmel dahin.
-
-[Sidenote: Zusammengezogener Satz.]
-
-Menschen und Thiere suchten ein baldiges Unterkommen.
-
-[Sidenote: Zusammengesetzter Satz.]
-
-Die Schnitter eilten in ihre Hütten und die Heerde hüpfte nach dem
-schirmenden Stalle.
-
-[Sidenote: Satzgefüge.]
-
-Ein warmer Regen, welcher längst erwünscht war, tränkte später das
-durstige Erdreich.
-
-
-74. Ursache und Folge.
-
-(Desgleichen.)
-
-[Sidenote: Einfacher Satz.]
-
-Der Herbst war da. Die Früchte reiften. Die Aepfel glänzten. Die
-Pflaumen winkten.
-
-[Sidenote: Erweiterter einfacher Satz.]
-
-Der liebe Gott hatte die Gärten reich gesegnet. Manche Aeste konnten
-ihre Last kaum tragen. Sie mußten mit starken Pfählen gestützt werden.
-Und dennoch neigten sich ihre äußersten Zweige fast bis zur Erde herab.
-
-[Sidenote: Zusammengezogener Satz.]
-
-Eines Tages gingen Emil und Otto in ihren Obstgarten. Beide jubelten
-und jauchzten. Sie durften und sollten sich an den Aepfeln und Birnen
-gütlich thun. Vater und Mutter hatten es ihnen erlaubt. Dieser Genuß
-sollte sowohl eine Belohnung als auch eine Erquickung für sie sein.
-
-Emil eilte sofort auf einen Pflaumenbaum los und Otto kletterte auf
-einen Apfelbaum. Emil war bald gesättigt, Otto aber schien gar nicht
-genug bekommen zu können. Jener befleißigte sich überhaupt stets der
-Mäßigkeit, denn er ehrte das Gebot der Eltern.
-
-Otto, welcher eben zu viel Aepfel aß, fühlte sehr bald die üblen
-Folgen. Das, was ihm ein Genuß gewesen war, bereitete ihm jetzt die
-bittersten Schmerzen. Ehe noch der Tag zu Ende ging, lag er jammernd
-und seufzend im Bette. Ihm wurde nun klar, das die Unmäßigkeit sich
-selbst bestraft. Der Apfelbaum, sagte er wiederholt, soll mir eine
-Warnungstafel bleiben, so lange ich lebe.
-
-
-
-
-Der einfache Satz.
-
-
-75. Das Pferd.
-
-(Welche Wörter als Subject dienen können! Alle.)
-
-+Das Pferd+ ist ein nützliches Hausthier. +Es+ ist sehr stark und
-schön gebaut. +Die Stärke+ liegt in seinen Muskeln. Das Schöne spricht
-namentlich aus der Hals- und Kopfbildung. Sein ganzes Sein ist freilich
-nicht selten eine Kette schwerer Arbeit. Das Ziehen wird ihm leider oft
-zu sauer gemacht. Dieses Leider fällt leider dem Fuhrmanne zur Last. Er
-ladet zu viel auf. Das Bergauf wird von ihm wenig beachtet.
-
-Das Pferd ist nun schlimm daran. Das Wollen fehlt ihm nicht. Das Können
-indeß hat seine Grenze.
-
-Da knallt die Peitsche. Flüche fallen auf das arme Thier nieder.
-Es geht zuweilen wahrhaft grausam dabei zu. Man möchte dazwischen
-springen. So zuzuschlagen ist sündlich. Wann wird man endlich auch die
-Pferde menschlich behandeln? Dieses Wann wird aber wol noch lange eine
-Frage bleiben.
-
-
-76. Gott.
-
-(Aus welchen Wörterklassen das Prädikat gebildet werden kann.)
-
-Gott ist +Schöpfer+. Er ist +allmächtig+. Sein Wort hat Alles
-+hervorgebracht+. Alles ist +sein+.
-
-Gott ist Erhalter. Sein Reich ist freilich groß. Seine Hand doch
-sättigt alles Leben. Dieser Trost ist unser.
-
-Gott ist auch Regierer. Sein Regiment ist gnädig. Er schützt. Er
-leitet. Dieser Glaube ist mein.
-
-Und Gott ist unser Vater. Er ist allgütig. Seine Liebe umfaßt uns. Mein
-Herz sei darum sein.
-
-
-77. Die Rose.
-
-(Desgleichen.)
-
-Die Rose ist eine +Blume+. Sie ist die +Blumenkönigin+. Ihre Krone ist
-ein Wunderbau. Der Juni ist ihre Blütezeit. Die Blätter sind zart. Ihre
-Formen sind lieblich. Sie leuchtet weithin. Sie duftet. Sie entzückt.
-
-Dornen sind ihre Schutzwaffe. Jede Spitze ist ein Dolch. Die Dornen
-sind wachsam. Sie sind auch tückisch. Sie stechen. Sie verwunden.
-
-Die Rose reizt. Sie ist verführerisch. Ein Kindlein naht. Es ist
-hocherfreut. Es pflückt. Ein Tröpfchen Blut ist der Preis.
-
-
-
-
-Der erweiterte einfache Satz.
-
-
-~A.~ Erweiterung des Subjectes.
-
-
-78. Das kranke Kind.
-
-(Beifügung vor dem Subjecte.)
-
-Die +kleine+ Emma war krank. Der +heftige+ Pulsschlag bekundete Fieber.
-Die +vollen+ Wangen glühten. Das große Auge lag geschlossen. Die
-feuchten Hände zitterten.
-
-Zwei Aerzte behandelten das Kind. Mehrere Arzneiflaschen standen auf
-dem Tische. Auch etliche Pulverschächtelchen waren zu sehen.
-
-Die treusorgende Mutter wich nicht von dem Bette. Ihr weinendes Auge
-ruhte unverwandt auf der Kranken. Ihre pflegende Hand war jederzeit zur
-Hilfe bereit.
-
-Die verordneten Wärmegrade in der Stube wurden streng erhalten. Die
-verhangenen Fenster schufen Dunkelheit. Das gedämpfte Licht aber hatte
-etwas Unheimliches. Der vorgeschriebene Thee stand fortwährend über
-einem Spiritusflämmchen. Die zu verbrauchende Arznei dagegen schwamm in
-einem Glase mit Brunnenwasser.
-
-So waren alle Vorsichtsmaßregeln getroffen. Keine Veränderung an dem
-Kinde blieb unbeachtet. Die zu hoffende Genesung ließ indeß lange auf
-sich warten.
-
-„Unser Kind ist noch sehr krank“, klagte die Mutter oft den Aerzten.
-„Sein Bewußtsein scheint oft zu schwinden. Seine Hände sind bald warm,
-bald kalt. Meine Emma wird doch am Ende noch sterben! Ach, mein Herz
-würde es kaum ertragen! Unser Lebensglück sänke mit ihr ins Grab.
-Dieses Kind hat uns nie betrübt. Ein solcher Edelstein könnte uns nie
-wieder ersetzt werden!“
-
-Die theilnehmenden Aerzte trösteten sie. „Der liebe Gott wird Ihnen
-schon das Kind erhalten“, sagten sie. „Die allmächtige Gotteshand hat
-ja schon oft Wunder gethan. Sein Arm ist nicht zu kurz, daß er nicht
-helfen könnte.“
-
-Und der treue Himmelsvater half. Das tückische Fieber wich endlich. Die
-arme Emma konnte das Bett wieder verlassen. Stärkende Nahrung gab ihr
-bald wieder Kräfte. Kleine Spaziergänge erzeugten wieder Heiterkeit.
-Die frische Luft hauchte wieder Rosen auf die Wangen.
-
-Herzinniger Dank stieg von den Mutterlippen zum Himmel empor.
-
-
-79. Berlin.
-
-(Eine Beifügung nach dem Subjecte.)
-
-Die Stadt +Berlin+ ist zu einer Weltstadt geworden. In ihr hat nun der
-Kaiser +von Deutschland+ seinen Sitz.
-
-Der Umfang der Stadt wächst fast zusehends. Die Regelmäßigkeit der
-Straßen ist eine Zierde von ihr. Die Prachtbauten der Regierung
-erwecken Bewunderung. Die Stätten der Wissenschaft werden sorglich
-gepflegt. Werke der Kunst sind in Berlin reich vertreten. Die
-Sammlungen der Kunstschätze erfahren von Jahr zu Jahr Bereicherungen.
-
-Die Helden des Volkes prangen als Prachtdenkmäler an den Straßen. Die
-Fürsten des Reichs glänzen in Erzguß. Unter ihnen nimmt Friedrich der
-Große den Vorrang ein. Plätze ohne Denkmäler sind überhaupt selten in
-Berlin.
-
-Der Handel der Stadt ist im Flor. Die Großartigkeit der
-Fabrikwerkstätten erregt Staunen. Das Streben nach Vergnügen hat
-Lustörter in Menge hervorgerufen. Natürlich wird dadurch auch die Lust
-zu schwelgen gefördert. Auch soll das Verbrechen des Taschendiebstahls
-in Berlin häufig vorkommen.
-
-Die Lage der Stadt ist freilich keine sonderlich schöne. Die Umgebungen
-derselben sind Sandebenen. Und eine Stadt ohne Naturreize verliert viel
-an Anziehungskraft.
-
-
-80. Peter.
-
-(Die Beifügung ein Zeitwort in reiner Form.)
-
-Der Trieb +zu spielen+ war bei dem zwölfjährigen Peter ziemlich stark
-und verdrängte die Lust zu arbeiten. Kein Wunder daher, daß er in der
-Schule keine Fortschritte machte. Während des Unterrichts beschäftigte
-er sich oft mit den Händen unter der Tafel.
-
-Für diese Sucht zu tändeln und den Hang zu faulenzen erhielt er zwar
-oft Strafe, aber sie weckte keineswegs in ihm das Bestreben zu lernen.
-
-Leider gesellte sich zu diesen Fehlern bei dem Peter auch noch die
-Unart zu necken und zu schimpfen und die Neigung zu lügen.
-
-Eines Tages ließ der Lehrer den Knaben zu sich kommen und sagte zu ihm:
-„Peter, mein Beruf zu erziehen und meine Pflicht zu bilden werden mir
-an Dir sehr schwer. Dein Streben zu wachsen im Geiste ist gleich Null.
-Glaube mir, daß Du Deine jetzige Art Dich zu verhalten und zu gebaren
-einst noch bitter bereuen wirst.“
-
-Peter aber, anstatt den Vorsatz zu hören und zu gehorchen zu fassen,
-überließ sich auch fernerhin in der Schule dem Drange zu träumen,
-zu brüten und zu tändeln. Und so wurde nach und nach aus ihm ein
-liederlicher Mensch, den endlich seine Leidenschaft zu faulenzen und
-Karte zu spielen an den Bettelstab brachte.
-
-
-81. Weihnacht.
-
-(Eine Beifügung vor, eine nach dem Subjecte.)
-
-Das +schönste+ Fest +der Kinderwelt+ war da. Die heilige Nacht der
-Geburt Christi breitete ihre Flügel über die Stadt. Sämmtliche Glocken
-des Domes hallten über die Dächer dahin.
-
-Die feierliche Harmonie des Geläutes klang wie ein Gruß aus Himmelshöhe.
-
-Auf den Straßen wogte noch lange der bunte Strom des Volkes. Die
-betreßten Diener der Paläste eilten mit Packeten dahin. Die breiten
-Rücken der Dienstmänner waren vielfach mit Körben belastet. Die
-zerlumpten Kinder der Armuth boten ihre Pflaumenmänner feil. Bepackte
-Bewohner des Landes zogen zu den Thoren hinaus. Dort huschte wol auch
-bereits ein vermummter Knecht Ruprecht in ein Haus hinein. Aus den
-Bäckerläden stieg der bezaubernde Duft der Weihnachtsstollen.
-
-Die zierlichen Rouleaux der Salonfenster sind heute nicht
-heruntergelassen. Bald strahlt hinter ihnen der helle Lichtglanz des
-Christbaums. Bis auf die Straße herab schallt der jauchzende Jubel der
-Kinder. Ihre Hoffnung auf die Christbescherung ist glänzend erfüllt.
-Eine reiche Menge von Geschenken liegt vor ihnen ausgebreitet. Die
-lockenden Titel der Geschichtenbücher lachen in die Augen. Das liebe
-Klappern der Nüsse schlägt an die Ohren. Das tiefe Roth der Aepfel
-reizt die Gaumen.
-
-Aber nicht blos in den Palästen entzückt die holde Pracht der
-Christfestkerzen. Auch das niedere Stübchen der Souterrainbewohner dort
-erleuchtet ein Weihnachtslicht. Die freundlichen Gaben des Christkindes
-liegen hier freilich nur spärlich zuertheilt. Der zu spendende Dank der
-Kinder bleibt indeß auch für das Wenige nicht aus.
-
-So ist jedes Haus in der Stadt heute ein Freudentempel. Das selige
-Jauchzen aus den Familienkreisen steigt preisend zum Himmel hinauf.
-
-
-82. Die Zigeunerkinder.
-
-(Zwei Beifügungen vor dem Subject.)
-
-Eines Tages ging +mein lieber+ Vater mit mir in einen Wald, erzählte
-Felix. In dem Walde lagerten mehrere erwachsene Zigeuner. Ihre sechs
-Kinder hüpften um sie her. Drei mächtige Buchen wölbten ihre Aeste über
-den Fremdlingen zu einem Dache.
-
-„Diese bunte Gruppe kann einem Maler Stoff zu einem Bilde geben,“
-sagte der Vater. „Jener dicke Junge dort ist ein Prachtbursche. Seine
-dunklen Augen funkeln wie Sterne. Sein blendendweißes Gebiß gleicht
-einer Perlenschnur. Und nun sein sonnverbranntes Gesicht! Diese braune
-Gesichtsfarbe vollendet seine Schönheit.
-
-Aber auch jenes kleine Mädchen dort gefällt mir. Sein pechschwarzes
-Haar sieht reizend aus. Solche volle Zöpfe sind unter unsern Kindern
-etwas Seltenes. Und wieder diese strahlenden Augen! Sind diese
-rollenden Augen nicht eine Pracht?
-
-Und wie kräftig sind alle diese Kinder gebaut! Dein schwächliches
-Brüderchen daheim würde sich unter dem Zigeunervölkchen sonderbar
-ausnehmen. Selbst unsere sechsjährige Emma würde noch bedeutend
-abstechen.
-
-Unsere deutschen Kinder führen freilich auch kein solches Naturleben,
-wie diese hier. Diese ihre gekünstelte Lebensweise thut ihrer
-Körperentwickelung manchen Eintrag. Trotzdem aber geht ihr aufrichtiger
-Wunsch gewiß nicht dahin, ein Zigeunerkind zu sein.“
-
-
-83. Das Grab der Mutter.
-
-(Eine Doppelbeifügung nach dem Subject.)
-
-In einem Winkel +eines weitläufigen Kirchhofs+ lag ein Grab. Der Sand
-+des leichtgewölbten Hügels+ war noch ziemlich frisch. Der Leichenstein
-am oberen Ende schien nur gestern erst gesetzt zu sein.
-
-Dieses Grab im einsamen Winkel barg eine Mutter. Die Liebe ihres treuen
-Herzens hatte ihrem Leben frühzeitig ein Ziel gesetzt. Die Pflege eines
-kranken Kindes erschöpfte ihre Kräfte. Die Nächte ohne erquickenden
-Schlaf griffen ihre Nerven an. Endlich befiel auch sie das Fieber des
-leidenden Kindes. Die Kunst der geschicktesten Aerzte vermochten sie
-nicht zu retten. Die Schwäche ihres angegriffenen Körpers war zu weit
-vorgeschritten. Sie starb.
-
-Die Genesung des kranken Kindes schritt kurz darauf vorwärts. Nach
-Wochen entsetzlicher Leiden konnte es endlich zum ersten Male
-ausgehen. Das Grab der geliebten Mutter war dabei sein Ziel. Die
-Dankbarkeit seines echtkindlichen Herzens trieb es dazu.
-
-Eine Stunde lang saß das Kind mit den blassen Wangen am Hügel.
-Thränen unsäglichen Schmerzes rannen über dieselben herab. Seufzer
-über den unersetzlichen Verlust entstiegen der Kindesbrust. Ein Gebet
-herzinnigen Dankes für die Liebe der Entschlafenen bewegte die Lippen.
-
-Die Strahlen der warmen Frühlingssonne grüßten freundlich den
-Hügel. Die Goldworte eines tröstenden Bibelspruches blitzten hell
-vom Leichensteine herüber. An ihnen richtete sich das Gemüth des
-wehklagenden Kindes sichtlich auf. Ein Lichtstrahl aus himmlischer
-Höhe schien damit in sein Gemüth zu dringen. Die Thränen um die theure
-Dahingeschiedene rannen spärlicher. Auf dem blassen Antlitze des Kindes
-lagerte sich der Friede der stillen Gottergebung. Jenes Wort der
-heiligen Schrift aber hieß: „Ich will euch wiedersehen und euer Herz
-soll sich freuen.“
-
-
-84. Dämmerung.
-
-(Zwei Doppelbeifügungen nach dem Subject.)
-
-Ein Tag +des schönen Frühlings im letztverflossenen Jahre+ ging zu
-Ende. Das Gewölk +über den majestätischen Berggipfeln jenseits des
-sanftbewegten Sees+ erglänzte im Purpurgolde. Das Lied der gefiederten
-Sänger des frischgrünen Waldes verstummte. Dagegen erhoben nun die
-Quaker im dichten Schilfe der nahen Lache ihre Stimme.
-
-Die Heerden der reichen Güter der umliegenden Ortschaften verließen die
-Weideplätze. Das Geläute der dumpfen Glocken hüpfender Rinder hallte
-melancholisch daher. Die Bebauer der fruchtbaren Felder am diesseitigen
-Seeufer zogen ebenfalls heimwärts.
-
-Das Glöcklein der hölzernen Kapelle eines nachbarlichen Dorfes mahnte
-zum Abendgebete. Die Häupter der biederen Bebauer jener gottgesegneten
-Fluren entblößten sich. Das Gebet des lieben Heilandes Jesu Christi
-entstieg stumm ihren Herzen.
-
-Immer dichter zogen sich die Schatten der lieblichen Thäler längs
-der murmelnden Bäche zusammen. Die Sterne am nördlichen Saume des
-tiefblauen Himmels blickten bereits hernieder. Ein Bild des seligen
-Friedens aus höheren Welten bot ringsum die Natur.
-
-
-85. Der Schneemann.
-
-(Alle Arten einfacher Beifügungen.)
-
-Der alte Winterkönig war eingezogen. Ein blitzendes Schneegewand deckte
-die Erde. Lange Eiszapfen zierten die Dächer. Gefrorene Fensterscheiben
-glänzten an den Hütten.
-
-Da eilten mehrere Knaben in den Garten. Ihre Hände begannen sogleich zu
-arbeiten. Der Zweck der Arbeit war ein Schneemann.
-
-Der Knabe Richard leitete den Bau. Robert’s Hände leisteten am meisten.
-Der Sohn des Arztes konnte nur zusehen.
-
-Bald stand ein Schneemann ohne Tadel da. Der Drang zu schaffen war
-gestillt.
-
-
-86. Der junge Storch.
-
-(Alle möglichen Beifügungen vor und nach dem Subject.)
-
-Ein +fleißiger+ Schüler +der ersten Klasse einer gewöhnlichen
-Dorfschule der sächsischen Kreisdirection Dresden+ schrieb in einem
-Aufsatze unter Anderem Folgendes:
-
-Unser junger Storch auf dem bemoosten Dache der alten Scheune lugte
-neugierig in die Welt hinaus. Dieser anerkannte Liebling aller
-erwachsenen Glieder unserer großen Familie war etwa drei Monate alt.
-Ein neckischer Einfall des ältesten Knechtes meines guten Vaters gab
-ihm den Namen Davidel. Dieser sonderbare Name des jungen Storches
-unseres kleinen Gutes wurde bald im Dorfe bekannt. Sogar einige große
-Knaben aus dem nahen Nachbardorfe des freundlichen Gebirgsthales hatten
-ihn erfahren.
-
-Das drollige Benehmen des schmucken Kindes unseres bejahrten
-Storchpaares wurde oft belacht. Am meisten freuten sich über ihn die
-beiden bausbäckigen Mädchen des neuen Pfarrers unserer zahlreichen
-Gemeinde. Auch die drei erwachsenen Söhne des reichen Barons auf der
-reizenden Villa am romantischen Dorfende sahen zuweilen stundenlang
-seinem Gebaren zu.
-
-Die fürsorgenden Eltern unseres lieben Freundes mit den dünnen
-Klapperbeinen brachten ihm des Tages mehr als einmal einen Frosch. Ein
-solcher fetter Braten aus dem sumpfigen Grunde des fernen Erlenwaldes
-war ihm stets sehr willkommen. Der endliche Tod eines solchen Quakers
-während der tiefen Stille warmer Sommernächte war übrigens ein kurzer.
-Das verzweifelte Zappeln der grünen Beine des armen Schluckers dauerte
-kaum eine Minute.
-
-Unsere stille Freude an dem munteren Firstenbewohner der niederen
-Scheune nahm indeß plötzlich ein Ende. Sein erster Ausflug auf die
-umliegenden Wiesen unserer umfangreichen Flur brachte ihm den Tod. Die
-sechs scharfen Krallen eines gierigen Raubvogels aus dem zwei gute
-Stunden entfernten Felsengebirge umklammerten ihn. Ein wuchtiger Stoß
-des mörderischen Schnabels jenes mächtigen Ungeheuers durchbohrte ihm
-die Hirnschale.
-
-
-B. Erweiterung des Prädikates.
-
-
-87. Wilhelm.
-
-(Das Prädikat ein Hauptwort mit Beifügung.)
-
- (Aus einem Briefe.)
-
-Wilhelm hat einen +hellen+ Kopf. Sein Wesen hat +viel+ Einnehmendes. Er
-war stets ein Muster der Schule. Er ist deshalb auch der Liebling des
-Lehrers. Bald wird er der Oberste der Klasse werden. Diese Beförderung
-ist dann sein Lohn. Sie ist auch meine Freude. Wilhelm ist ja mein
-Freund.
-
-Wilhelm wird einmal Lehrer der Rechnenkunst. Er hat auffallende Lust
-dazu. Gewiß wird er ein Rechnenlehrer ohne Tadel. Vielleicht wird er
-gar einmal der Rechnenmeister Adam Riese der Zweite.
-
-
-88. Der Affe.
-
-(Das Prädikat ein Hauptwort mit mehreren Beifügungen.)
-
-Der Affe ist das +drolligste+ Thier +unserer zoologischen Gärten+. Sein
-neckisches Wesen wird oft +der Gegenstand allgemeinen Gelächters+. Die
-Affenkäfige sind daher auch die stärksten Anziehungspunkte der lieben
-Kinderwelt.
-
-Die Kletterbewegungen der Affen sind oft wahre Kunststücke der höheren
-Turnerei. Ihre Schwänze haben dabei den nützlichen Dienst einer fünften
-Hand.
-
-Der Affe hat fast stets einen ausgezeichneten Appetit nach süßem
-Naschwerke. Seine Freßweise hat den entschiedenen Charakter
-heißhungriger Gier.
-
-Er ist kein friedliebender Freund seiner mitgefangenen Kameraden.
-Schnell wird er oft ein leibhaftiges Bild des heftigsten Jähzorns.
-Seine Zähne sind dabei die gefährlichen Dolche seiner heimtückischen
-Rachsucht.
-
-Wohl aber ist der Affe ein großer Freund der schönen Tugend der
-Reinlichkeit. Diese Reinlichkeitsliebe ist eine der rühmlichsten
-Eigenschaften des gesammten Affengeschlechts.
-
-Der Nachahmungstrieb ist eine allbekannte Eigenschaft der Vierhänder.
-Er wurde freilich schon oft die traurige Ursache der lebenslänglichen
-Gefangenschaft des südländischen Thieres.
-
-
-89. Hochmuth.
-
-(Möglichste Erweiterung des Subjects und Prädikats, insofern beide blos
-Hauptwörter sind.)
-
-+Jener alte+ Nachtwächter +des kleinen Dorfes Muschelthal an dem
-bewaldeten Fuße des steilen Kuffenberges+ ist der einzige Bruder des
-reichen Fabrikherrn Hartkopf in dem freundlichen Städtchen Clervaux an
-der Aube.
-
-Der greise Wächter in den finsteren Nächten hat kaum die einfache
-Nothdurft des täglichen Lebens in seiner ärmlichen Hütte am einsamen
-Dorfende. Der verwöhnte Gaumen des vornehmen Bruders dagegen hat stets
-eine glänzende Auswahl der leckersten Speisen aus den entlegensten
-Fruchtgärten der südlichen Länder.
-
-All seine geschäftlichen Unternehmungen im großen Bereiche der
-vielzweigigen Eisenfabrikation waren von den günstigsten Umständen
-begleitete Griffe in das launenhafte Rad des menschlichen Glückes.
-
-Dieser beneidenswerthe Schwelger an reichbesetzter Tafel ist indeß
-die erbärmliche Kreatur des grenzenlosesten Hochmuths. Dadurch aber
-wird der glückliche Besitzer aller äußern Annehmlichkeiten des
-irdischen Lebens zum schnöden Verleugner der heiligsten Pflichten des
-menschlichen Herzens. Der stolze Inhaber jener großartigen Fabrik im
-fernen Frankreich hat nicht die geringste Spur von brüderlicher Liebe
-zu dem armen Nachtwächter. Dieser schwächliche Greis wird sicher noch
-ein bemitleidenswerther Bewohner des heimatlichen Armenhauses. Der
-gewaltige Reichthum des hartherzigen Bruders ist nicht einmal ein
-schwacher Halm der Hoffnung auf einstigen Schutz vor einem traurigen
-Ende. Des armen Alten letzter Freund wird der von allem Uebel erlösende
-Friedensbote aus den seligen Räumen des ewigen Himmels sein.
-
-
-
-
-Ergänzungen.
-
-
-1. Des Zeitwortes.
-
-
-~A.~ Einfache.
-
-
-90. Der Schmetterling.
-
-Im ersten Falle.
-
-Das Schmetterlingsei ward +eine Raupe+. Die Raupe wurde eine Puppe.
-Die Puppe wird ein Schmetterling. Diese Verwandlung bleibt ein
-Naturräthsel. Sie bleibt ein Wunder. Des Wunders Schöpfer heißt Gott.
-
-
-91. Ohne Glauben.
-
-Im zweiten Falle.
-
-Der Ungläubige entsagt +der Kindschaft mit Gott+. Er vergißt die
-Wohlthaten des Himmelsvaters. Er spottet der göttlichen Gnade. Seine
-Hand entsagt der Hilfe von oben. Er gedenkt nicht des Endes. Sein Herz
-entbehrt alles Trostes. Der Ungläubige bedarf unserer zurechtweisenden
-Hand.
-
-
-92. Der echte Christ.
-
-Im dritten Falle.
-
-Der echte Christ glaubt +dem Evangelio+. Das Gesetz des Herrn befiehlt
-+ihm+. Er gehorcht dem Gesetze. Sein ganzes Leben gehört dem Höchsten.
-Sein Herz vertraut dem allgütigen Himmelsvater. Es folgt ihm. Es dankt
-ihm. Dem Allgütigen gebührt ja alle Ehre.
-
-Der falsche Christ zürnt dem Gläubigen. Er mißtraut ihm. Er flucht ihm
-wol gar. Er schadet seiner Ehre.
-
-Der fromme Christ verzeiht einem solchen Uebermüthigen. Er vergibt
-seinem Feinde. Er lebt seinem göttlichen Vorbilde nach.
-
-
-93. Jakob.
-
-Im vierten Falle.
-
-Jakob besaß +viel Schlauheit+. Er überlistete +den Esau+. Dadurch
-erhielt er +das Recht der Erstgeburt+. Er betrog seinen blinden Vater.
-Dadurch erschlich er den väterlichen Segen.
-
-Gott aber strafte den Sünder. Den Esau erfaßte die Wuth. Er ballte die
-Fäuste. Seine Lippen schäumten Zorn. Er haßte den Bruder. Er wollte die
-erlittene Schmach rächen. Seine Hand wollte den Betrüger erwürgen.
-
-Rebekka vernahm den Racheschwur. Entsetzen ergriff ihr Mutterherz. Sie
-erkannte die Gefahr. Sie fürchtete den Erzürnten. Sie rief den Jakob.
-Schnell war ein Rettungsplan geschmiedet. Ihr Liebling mußte die Flucht
-ergreifen.
-
-Auch Rebekka belog nun den blinden Alten. Sie scheute diese Sünde
-nicht. Die Lüge sollte Jakob’s Sicherheit bewirken.
-
-Jakob trat die schwere Reise an. Er hatte großen Kummer zu tragen. Er
-mußte die zärtlich liebende Mutter verlassen. Er mußte alle häuslichen
-Bequemlichkeiten entbehren. Er mußte die theure Heimat meiden. Eine
-schwere Schuld belastete sein Herz. Ihn drückte das böse Gewissen. Die
-Reue quälte sein Gemüth. Vielleicht feuchteten Thränen seine Augen.
-
-So verfolgte die Strafe den Sünder. So zeigte der Herr seinen gerechten
-Arm.
-
-
-94. Der Lügner.
-
-(Rückbezügliche Zeitwörter. Vierter Fall.)
-
-Moritz entehrte +sich+, indem er der Lüge Freund war. Hatte er +sich+
-einmal beschmutzt, bemühte er sich, die Schuld auf Andere zu schieben.
-Er beklagte sich wol gar, daß ihn ein gewisser Knabe mit Koth beworfen
-habe.
-
-Diese Lügenhaftigkeit verschlimmerte sich von Tag zu Tag. Einmal
-beschäftigte sich Moritz im Schlafzimmer. Dort befanden sich
-Streichhölzchen. Mit diesen spielte er. Die Hölzchen aber entzündeten
-sich. Das Feuer griff schnell um sich. Vergebens strengte er sich an,
-es zu löschen. Es ließ sich nicht mehr dämpfen. Schon bewegte es sich
-an einem Vorhange empor.
-
-Moritz entsetzt sich. Er will sich entfernen. Er möchte sich am
-liebsten verstecken. Da tritt sein Vater herein. Dieser besinnt sich
-nicht lange. Er faßt sich schnell und reißt den Vorhang herunter. Dabei
-verbrennt er sich zwar, aber der Schmerz läßt sich ertragen. Die Flamme
-züngelt noch einmal empor. Bald aber hat sie sich doch unterdrücken
-lassen.
-
-Moritz erdreistet sich aufs neue zu lügen. Darüber betrübt sich der
-Vater. Er läßt sich jedoch nicht täuschen. Er überzeugt sich, daß
-Moritz das Unheil angerichtet habe. Dieser sieht sich bald überführt.
-Die Strafe blieb natürlich nicht aus. Moritz schämte sich. Zum Glück
-änderte er sich bald. Er legte die Lügen ab. Er besserte sich.
-
-
-95. Der Verschwender.
-
-(Alle vier Fälle. Einfache Ergänzung.)
-
-Valentin war +der Sohn eines reichen Edelmannes+. Sein Vater hatte
-mehrere Güter. Er hieß ein Millionär. Alle diese Schätze wurden
-Valentin’s Eigenthum. Der reiche Erbe aber wurde ein Verschwender.
-
-Sein Charakter entbehrte +aller Grundsätze+. Er vergaß die Mahnungen
-seines seligen Vaters. Er achtete nicht der Mahnungen der Vernunft. Er
-spottete jeder Arbeit.
-
-Valentin huldigte +allen Untugenden+. All sein Denken galt den
-sinnlichen Genüssen. Er fröhnte allen erdenklichen Leidenschaften. Aber
-die Strafe folgte dem Laster. Valentin schadete seiner Gesundheit.
-
-Er verlor +alle Achtung+. Sein Vermögen ging den Krebsgang. Seine
-guten Freunde verließen ihn. Die Gläubiger dagegen suchten ihn auf.
-Schließlich verhaftete ihn das Gericht. Den einstigen Millionär
-beherbergte ein Gefängniß. Valentin erhielt eine lange Freiheitsstrafe.
-
-Endlich hatte er sie verbüßt. Aber er war nun ein Bettler. Jetzt erst
-gedachte er der wohlgemeinten Rathschläge seines Vaters. Sein Gemüth
-erlag der Reue. Er starb den Tod eines Untergegangenen.
-
-
-96. König und Volk.
-
-(Die Ergänzung durch Hauptwörter mit Verhältnißwörtern.)
-
-Ein König lebt +seiner Stellung gemäß+. Er glänzt infolge seiner Würde.
-Kraft seiner Macht regiert er. Vermöge seines Heeres schützt er.
-Zufolge seiner Gewalt kann er strafen. Er straft laut der Gesetze.
-
-Das Volk steht +unter dem Gesetze+. Der brave Unterthan lebt nach
-den gegebenen Verordnungen. Er schweigt zu den Reden der Aufrührer.
-Seine Gedanken stimmen für den Frieden. Er denkt an die Schrecken
-einer Revolution. Sie drängt zu schrecklichen Greueln. Sie führt durch
-Menschenblut.
-
-
-97. Im Sturme.
-
-(Die Ergänzung ein Zeitwort in reiner Form.)
-
-Der alte Donnergott beliebt +zu grollen+. Der Himmel beginnt +zu
-dunkeln+. Der Sturm fängt an zu toben. Das Schiff sucht zu entkommen.
-Es strebt einzulaufen. Das Fahrzeug hebt an zu kämpfen. Es scheint zu
-bersten. Es droht zu sinken. Der Kapitän aber hofft dennoch zu siegen.
-
-Er befiehlt zu kappen. Er verordnet zu kreuzen. Das Matrosenvolk indeß
-fürchtet zu stranden. Es wünscht zu ankern.
-
-Da mahnt der Kapitän zu gehorchen. Endlich beginnt er zu fluchen. Er
-droht zu züchtigen. Er gedenkt sogar zu schießen.
-
-Der Kapitän verfügt aufs neue zu kreuzen. Die Matrosen beschließen zu
-gehorchen. Es gelingt endlich anzulegen. Das Schiff ist gerettet.
-
-
-98. Die Wahrheit.
-
-(Einfache Ergänzung. Alle vier Fälle.)
-
-Die Wahrheit siegt kraft ihrer Macht. -- Sie stammt aus dem Himmel. --
-Christus zeugte von ihr. -- Er starb sogar für sie. -- Was hatte er zu
-dulden!
-
-
-99. Die Eisenbahn.
-
-(Wiederholung aller Ergänzungen mit Verhältnißwörtern.)
-
-Ein Eisenbahnzug wird vermöge der Dampfkraft bewegt. Die Wagen rollen
-auf eisernen Geleisen dahin. Man staunt über die Fahrgeschwindigkeit.
-Die Mitfahrenden wähnen zu fliegen.
-
-Die Eisenbahnen wirken auf alle Handelsverhältnisse wohlthätig ein.
-Sie halten auf strenge Pünktlichkeit. Die Fahrten hängen nicht von der
-Witterung ab.
-
-Ihr Nutzen wird von dem Publikum auch verstanden. Die Eisenbahnen
-streben daher nach immer größerer Ausdehnung.
-
-Eine Eisenbahnfahrt leidet zwar auch an Schattenseiten. Die Zeitungen
-berichten sehr oft von Eisenbahnunfällen. Zuweilen rennt ein Zug an
-den andern. Wagen kommen aus den Geleisen. Infolge dieser Ereignisse
-verunglücken namentlich viele Bahnbeamte. Manche verunglücken freilich
-auch zufolge ihrer Unvorsichtigkeit. Viele denken gar nicht mehr an die
-Gefahr. Sie bauen leider zu sehr auf ihre Sicherheit. Einzelne wagen in
-dieser Hinsicht wol gar zu freveln.
-
-Trotz alledem aber steht der Segen der Eisenbahnen weit über ihren
-Nachtheilen.
-
-
-
-
-Hauptwiederholung.
-
-
-100. Der Geburtstag.
-
-(Erweitertes Subject. Prädikat und einfache Ergänzung.)
-
-Das einzige Söhnchen eines reichen Kaufmanns in dem schöngelegenen
-Dorfe S. feierte seinen achten Geburtstag.
-
-Der freundliche Vater des lieben Knaben hatte alle artigen Gespielen
-der nächsten Nachbarschaft eingeladen.
-
-Sein biederes Vaterherz war dem frohen Treiben einer lustigen
-Kinderschaar hold.
-
-Auch der lieben Mutter des munteren Willi gefiel ein solch heiteres
-Kränzchen aus dem glücklichen Reiche lebensfroher Kinder.
-
-Der hellerleuchtete Salon des wohlhabenden Kaufmanns nahm das fröhliche
-Völkchen der zahlreichen Festgeladenen auf.
-
-Der bunte Kranz der lebendigen Schaar entwickelte ein jubelndes Leben.
-
-Die umsichtigen Eltern des blondlockigen Geburtstagskindes hatten für
-allerhand Unterhaltungen aus dem großen Bereiche der kindlichen Spiele
-gesorgt.
-
-Sogar der alte Onkel des gefeierten Willi hatte eine allerliebste
-Auswahl verschiedener Belustigungsgegenstände mitgebracht.
-
-Die heitere Kinderschaar des traulichen Kreises folgte der freundlichen
-Einladung zum Spiele.
-
-
-
-
-Doppelte Ergänzung.
-
-
-101. Der Thierquäler.
-
-(Im vierten und zweiten und vierten und dritten Falle.)
-
-Ein Herr beschuldigte +einen Fuhrmann der Thierquälerei+. Der
-Fuhrmann zieh ihn dafür der Lüge. Der Herr aber überführte ihn der
-Schandthat. Er versicherte sich seiner Person. Schließlich übergab er
-den Thierquäler der Polizei. Die Polizei aber überlieferte den rohen
-Menschen dem Gerichte.
-
-Der Fuhrmann suchte den Richter seiner Unschuld zu versichern. Jener
-Herr belehrte indeß den Mann des Gesetzes eines Besseren. Der Richter
-verwies den Angeklagten seiner Lüge. Er überhob ihn schließlich aller
-weiteren Selbstvertheidigung.
-
-Das Strafurtheil beraubte den Fuhrmann seiner Freiheit. Es überwies
-ihn dem Gefängnisse. Das Fluchen des Verurtheilten entband ihn der
-Verbüßung der Strafe nicht. Nur die Milde des Richters entließ ihn
-schließlich der Haft.
-
-
-102. Oskar.
-
-(Rückbezügliche Zeitwörter. Im dritten und vierten Falle.)
-
-Der begabte Oskar ließ +sich+ an einem Schauladen +von einem schönen
-Bilde+ fesseln. Er erbaute +sich+ förmlich +an der herrlichen
-Zeichnung+. Er nahte sich der Kunstschöpfung wiederholt mit stiller
-Bewunderung.
-
-Bald darauf besprach er sich mit seinem Vater. Der Vater entschloß
-sich zum Leihen des Bildes. Oskar verpflichtet sich dafür zum Copiren
-desselben. Er fürchtet sich nicht vor der Schwierigkeit.
-
-Tagtäglich widmet er sich nun der Künstlerarbeit. Zwei Wochen quält er
-sich mit dem Anlegen der Figuren. Drei Wochen plagt er sich mit der
-Schattirung. Endlich ist die Copie fertig. Welch ein Genie spricht sich
-in ihr aus! Sie läßt sich kaum von dem Originale unterscheiden.
-
-Der Vater betrachtet sie. Er giebt sich lange dem Staunen hin. Endlich
-spricht er zu Oskar: „Mein Sohn! Du neigst Dich ganz zur Kunst hin. Du
-sollst Dich ihr auch ergeben dürfen.“
-
-
-103. Eine Verirrung.
-
-(Rückbeziehung. Vierter und zweiter Fall.)
-
-Der Korporal Schimmel befleißigte +sich der größten Pünktlichkeit+.
-Er entledigte +sich aller dienstlichen Aufträge+ aufs sorgfältigste.
-Er entäußerte sich oft sogar seiner freien Zeit. Seine soldatische
-Ausbildung entzog sich jedem Tadel. Während seiner ganzen Dienstzeit
-durfte er sich keiner Pflichtverletzung anklagen.
-
-Später wurde er Offizier. Leider schämte er sich nun seiner niederen
-Abkunft. Er erinnerte sich nicht gern mehr seiner armen Eltern. Er
-enthielt sich sogar des Besuchs derselben.
-
-Erst nach vielen Jahren besann er sich eines Besseren. Er entschlug
-sich der stolzen Gedanken. Die dankbare Kindesliebe bemächtigte sich
-wieder seines Herzens.
-
-
-104. Bestrafte Eitelkeit.
-
-(Doppelte Ergänzung. Vierter und vierter Fall.)
-
-Otto’s Sparbüchse hatte sich wieder +um einige Thaler+ bereichert. Da
-erklärte sich der eitle Knabe +für den Ankauf einer Taschenuhr+. Bald
-auch setzte er sich in den Besitz einer solchen Zeitmesserin. Fast
-alle Augenblicke sah er sich die Uhr an. Bald aber wunderte er sich
-über ihren Gang. Sie kehrte sich wenig an die rechte Zeit. Sie ließ
-sich zuweilen sogar an das Gehen erinnern.
-
-Da entschloß sich Otto zur Selbsthilfe. Er wagte sich an das innere
-Werk. Endlich machte er sich gar an die Räder.
-
-Die Uhr aber rächte sich für diese Kühnheit. Sie bewegte sich nicht
-mehr von der Stelle. Otto ärgerte sich über diese Tücke. Die Uhr
-kümmerte sich indeß nicht um seinen Groll. Sie blieb stehen. Sie war
-schlecht.
-
-Otto mußte sich als einen Betrogenen betrachten. Er sah sich jetzt um
-sein schönes Geld gebracht.
-
-Er ließ sich die Eitelkeit blenden. Lange noch grämte er sich über
-seine Thorheit.
-
-
-105. Großmuth.
-
-(Ergänzung. Dritter und vierter Fall.)
-
-Ein schwer verwundeter Zuave entsendete +einem deutschen Freiwilligen+
-noch +einen Schuß+. Der Freiwillige hätte dem braunen Gesellen eine
-Kugel erwidern können. Sie würde diesem sicher das Herz durchbohrt
-haben. Aber der Deutsche verzieh dem tückischen Feinde die That. Er
-entriß ihm blos das Gewehr. Zudem schnallte er ihm den Säbel ab. Darauf
-aber verkündete er dem Zuaven die Gefangenschaft.
-
-Der Schmerz der Wunde hatte dem Afrikaner die Wangen gebleicht. Ein
-brennender Durst erschwerte ihm das Sprechen. Der Freiwillige reichte
-ihm die Feldflasche. Auch ein Stück Brod gab er dem Hungrigen. Wie
-mundete dem Erschöpften der Schluck Wein! Wie schmeckte ihm der Bissen
-Brod!
-
-Der Freiwillige indeß zeigte dem Gefangenen noch mehr Großmuth. Er
-verband ihm seine Wunde. Er trug ihm sein Gepäck. Er bot ihm sogar
-seinen Arm an.
-
-Solcher Edelsinn rührt dem Wüstensohne das Herz. Er drückt dem
-Deutschen die Hand. Er will ihm sogar die Hand küssen. Der Freiwillige
-indeß entzieht ihm dieselbe.
-
-Der Freiwillige übergab den Gefangenen dem nächsten Feldgendarm. Darauf
-aber bot er den feindlichen Reihen aufs neue die Stirn. Aufs neue
-zeigte er dem Feinde seinen Heldenmuth.
-
-
-106. Der Geiz.
-
-(Wiederholung der Doppelergänzungen.)
-
-Der Geiz beraubt den Menschen vieler Freuden. Er verdüstert ihm das
-ganze Leben. Er taucht das Herz in eisige Kälte. Er fesselt seine Beute
-an den todten Geldkasten. Der Geizige erbarmt sich nicht einmal seines
-Viehes.
-
-
-107. Michel.
-
-(Fortsetzung.)
-
-Der alte Diener Michel bewies seinem Herrn große Treue. Dafür schenkte
-ihm dieser auch volles Vertrauen. Er nannte ihn seine rechte Hand.
-Er bezeichnete ihn als seinen Vertrauten. Er würdigte ihn sogar der
-Mitwissenschaft seiner Vermögensverhältnisse.
-
-Ueber diese Auszeichnung ärgerten sich die anderen Diener. Sie ergingen
-sich in neidischen Bemerkungen. Sie erlaubten sich wol gar Schimpfreden.
-
-Der alte Michel aber enthielt sich aller Gegenbeleidigungen. Er
-befleißigte sich der großmüthigsten Geduld. Er suchte die Mißgünstigen
-nicht einmal eines Besseren zu belehren.
-
-Endlich zeigte Jemand dem Herrn das ungebührliche Verhalten jener
-Diener an. Der Herr dankte diesem für diese Mittheilung. Gleich darauf
-besprach er sich mit dem Alten. Michel bewahrte sich dabei vor jeder
-Anklage.
-
-Ueber diese Biederkeit freute sich der Herr abermals. Jene Diener aber
-erhielten von ihm harte Strafe. Er entließ sie ihrer Stellung.
-
-
-108. Eine Jubelfeier.
-
-(Wiederholung. Subjecte, Prädikate, Ergänzungen erweitert.)
-
-Der allgütige Vater aller Menschenkinder ließ den ehrwürdigen Pfarrer
-des großen Fabrikdorfes W. an der gebirgigen Grenze des böhmischen
-Landes den schönen Tag seines fünfzigjährigen Amtsantrittes erleben.
-
-Die sämmtlichen Einwohner des belebten Ortes zollten dem greisen Hirten
-ihrer Seelen die aufrichtigste Theilnahme ihrer biederen Herzen.
-
-Selbst die verschiedenen Kreise der wohlgesitteten Schuljugend
-bezeugten dem freundlichen Inspector ihrer geliebten Bildungsstätte den
-ungeheucheltsten Antheil an seinem seltenen Glücke.
-
-Die wohlhabenden Bewohner des umfangreichen Kirchspiels hatten es sich
-bedeutende Opfer an baarem Gelde kosten lassen.
-
-Die heutige Feier eines so bedeutungsvollen Festes sollte auf die
-gesammte Einwohnerschaft einen bleibenden Eindruck machen. Das
-gutgeschulte Musikchor des bevölkerten Ortes brachte dem frohbewegten
-Jubelgreise eine erhebende Morgenmusik nach Compositionen alter Meister.
-
-Auch die weithallenden Glocken des fahnengeschmückten Thurmes sendeten
-dem gottbegnadigten Priester der ehrsamen Gemeinde die jubelnden Grüße
-ihrer ehernen Zungen.
-
-Mehrere große Ehrenpforten mit sinnigen Inschriften gaben den
-verschiedenen Aufgängen zu dem mit frischen Blumenkränzen gesäumten
-Gotteshause ein festliches Gepräge.
-
-Eine ziemliche Zahl angesehener Glieder der dankbaren Kirchfahrt
-überreichte dem hochgeachteten Verkünder des göttlichen Wortes eine
-wunderschöne Prachtbibel mit schwerem Goldbeschlage.
-
-Die bemittelten Jünglinge des kleinen Nebendorfes N. schenkten ihrem
-alten Beichtvater eine silberne Dose von dem berühmtesten Goldarbeiter
-der fernen Residenz.
-
-Und so wurden dem überraschten Jubelgreise noch verschiedene Geschenke
-der kostbarsten Art von seinen theilnehmenden Kirchkindern überbracht.
-
-Der gefeierte Alte freute sich der herrlichen Festgaben seiner
-geliebten Gemeinde.
-
-Noch mehr aber freute sich der Freudenthränen weinende Seelenhirt über
-die ungekünstelte Theilnahme der braven Herzen seiner von ihm treu
-gehüteten Heerde.
-
-Ein allgemeines Volksvergnügen zu Ehren des seltenen Tages gab dem
-schönen Feste aufrichtiger Dankbarkeit einen heiteren Abschluß.
-
-
-2. Ergänzung der Eigenschaftswörter.
-
-
-109. Judas.
-
-(Im zweiten Falle.)
-
-Judas war schon längst +des Geizes+ verdächtig. Er war nie +der Armen+
-eingedenk. Sein Herz zeigte sich +alles Mitleids+ quitt.
-
-Nie war er sich der Liebe seines Herrn bewußt. Wohl aber schien er
-der Heuchelei fähig zu sein. Diese Eigenschaften machten ihn der Huld
-seines Herrn unwürdig.
-
-Judas ging seines Heils verlustig. Er machte sich des heillosesten
-Verrathes schuldig. Und so wurde er einer schweren Sünde theilhaftig.
-
-Er war der Pläne der schändlichen Pharisäer kundig. Einer Belohnung
-ihrerseits durfte er gewiß sein. So beging er den schändlichen Verrath.
-
-Aber jede böse That ist ihrer Strafe gewiß. Judas wurde sich seines
-Verbrechens bewußt. Die Reue folgte. Sein Gemüth war alles Haltes
-ledig. Sein Herz war aller Hoffnung auf Vergebung bar. Er wurde endlich
-der quälenden Gewissensbisse müde. Sein Ende war Selbstmord. Immerhin
-aber ist dieser gefallene Jünger des Mitleids bedürftig.
-
-
-110. Strenge Zucht.
-
-(Dritter Fall.)
-
-Strenge Zucht ist +manchem Kinde+ lästig. Schon ein leiser Tadel
-ist ihm ärgerlich. Ernste Zurechtweisungen werden ihm widerlich. Am
-unangenehmsten ist ihm die Ruthe. Diese aber ist manchen Kindern gerade
-sehr nützlich. Jede Strafe ist überhaupt dem Empfänger heilsam.
-
-Das Kind ist dem Vater lieb. Des Kindes Seelenwohl ist ihm nicht
-gleichgiltig. Seine Erziehung ist ihm wichtig. Er selbst ist dem
-Strafen abhold. Das Züchtigen wird ihm schwer. Bleibt aber das Kind
-dem Guten nicht treu; wird ihm der Gehorsam zu schwer; ist ihm die
-Wahrheitsliebe nicht eigen; ist ihm der Fleiß zu unbequem; dann straft
-er. Dadurch soll dem Kinde das Vergehen bewußt werden. Es soll ihm leid
-sein. Es soll den Untugenden in Zukunft feind bleiben.
-
-
-111. Die alte Linde.
-
-(Im vierten Fall.)
-
-Hinter meinem Vaterhause stand eine Linde. Sie mochte wohl +hundert
-Jahre+ alt sein. Sie stand auf einem Hügel. Derselbe war etwa +zehn
-Meter+ erhaben. Der Stamm der Linde war zwei Meter dick. Sie war im
-Ganzen etwa fünfzig Meter hoch. Der Umfang ihrer Aeste war dreißig
-Meter breit.
-
-Später wurde diese Linde gefällt. Ihr Holz war an die dreißig Thaler
-werth. Der Kessel, in dem sie gestanden hatte, war drei Meter tief.
-Zudem war das Loch wenigstens fünf Meter breit.
-
-Der Lindenstamm sollte nun zerschnitten werden. Aber die Säge langte
-nicht zu. Ihr Bügel stand zwanzig Centimeter zu niedrig. Das Sägenblatt
-war sechzig Centimeter zu kurz. Man mußte deshalb den Stamm wenden.
-
-Es wurde eine andere Linde gepflanzt. Diese war freilich etwa
-neunundneunzig Jahre jünger.
-
-
-112. Der Knochen.
-
-(Ergänzung der Eigenschaftswörter durch ein Verhältnißwort.)
-
-Im Hofe, erzählte ein Vater, lag ein fetter Knochen. Links von ihm
-kauerte eine Katze. Rechts davon saß Ammi. Beide waren +auf den
-Knochen+ förmlich versessen. Der Magen einer Katze ist überhaupt
-stets gierig +auf Fraß+. Ihre Augen sind lüstern nach jedem Stückchen
-Fleische. Sie ist daher fortwährend zum Naschen bereit.
-
-Nicht weniger war Ammi auf den Knochen erpicht. Auch Hundemagen sind ja
-auf Fleisch zuweilen sehr begierig.
-
-Lange saßen die beiden Gegner einander gegenüber. Die Katze schien
-auf einen kühnen Sprung vorbereitet zu sein. Ebenso schien auch Ammi
-auf einen Gewaltstreich gefaßt. War er doch auch zum Apportiren wohl
-abgerichtet.
-
-Man mußte auf den Ausgang gespannt sein. Da plötzlich krümmt die Katze
-den Rücken. Somit sind ihre Füße zum Sprunge eingerichtet. Ihr Auge
-sprüht förmlich Funken. Sie ist wie von einem bösen Geiste besessen.
-Ein gewaltiger Satz -- und der Knochen ist in ihrer Gewalt. Im Nu
-sitzt sie damit auf dem Baume. Sie ist stolz auf ihre Beute.
-
-Ammi scheint einen Augenblick vom Schreck ergriffen zu sein. Bald aber
-kommt er wieder zur Besinnung. Er ist ergrimmt über die Frechheit der
-Katze. Er ist entrüstet über die eigene Dummheit. Aber Alles zu spät.
-Ihm bleibt blos das Nachsehen.
-
-
-113. Der Löwenbändiger.
-
-(Wiederholung der Ergänzungen der Eigenschaftswörter.)
-
-Die Straßenecken sind von neugierigem Publikum umstanden. Ein breiter
-Anschlagbogen ist mit großer Schrift bedruckt.
-
-Ein Löwenbändiger will heute Abend eine Vorstellung geben. Solchen
-grassen Schauspielen ist das Volk sehr zugethan. Die Sucht nach
-Schauerlichem war stets der großen Menge eigen. Freilich ist dieser Zug
-des Menschen nicht recht würdig.
-
-Die angezeigte Stunde schlug. Das Volk versammelte sich.
-
-Der Löwenkäfig war drei Meter hoch. Zudem war er sechs Meter lang und
-vier Meter tief. Das Eisengitter schien mehrere Zentner schwer zu sein.
-
-So war der Käfig für einen Löwen sehr bequem. Das majestätische Thier
-aber schien über die gaffende Menge etwas erregt zu sein. Ihr Tumult
-war ihm ärgerlich. Er schien des Beschauens förmlich müde zu werden.
-
-Endlich erschien der Löwenbändiger. Er mußte wohl aller Furcht ledig
-sein. Gewiß war er sich seiner Uebermacht über das Thier bewußt. Er
-trug ein Lamm unter dem Arme.
-
-Das Publikum war über sein Erscheinen erfreut. Es war ja auf die
-Vorstellung äußerst gespannt.
-
-Der Löwe wurde ob des Lämmchens etwas unruhig. Seine Augen wurden nach
-dem Braten lüstern. Aber er blieb des Gehorsams eingedenk. Er war ja
-auf Selbstbeherrschung abgerichtet. Und er war ihrer auch vollkommen
-mächtig.
-
-Das Lämmchen wird ob des Unholds keineswegs ängstlich. Es ist an den
-Anblick gewöhnt. Es scheint sich seiner Unantastbarkeit bewußt zu sein.
-
-Der Löwe gehorcht aufs Wort. Er ist zu allen Sprüngen willig. Er ist zu
-jeder Unterwürfigkeit bereit. Nicht einer einzigen Widersetzlichkeit
-macht er sich schuldig. Der Stock würde ihm sonst auch gewiß sein.
-So ist er schließlich einer Belohnung sicher. Und ein Stück rohes
-Pferdefleisch ist seinem Magen sehr erwünscht.
-
-Die Vorstellung lief ohne Unfall ab. Der kühne Löwenbändiger schien dem
-Händeklatschen der erstaunten Menge nicht feind zu sein. Ihr Beifall
-war ihm angenehm. Dankend trat er ab.
-
-
-
-
-Hauptwiederholung.
-
-
-114. Der Dieb.
-
-(Erw. Subj. u. Präd. Ergänz. d. Zeit- u. Eigenschaftsw.)
-
-Der älteste Sohn des braven Zutreibers des verschiedenen Schlachtviehes
-in der belebten Stadt R. war des schlauen Diebstahls einer goldenen
-Taschenuhr verdächtig.
-
-Deshalb wurde dieser längstbekannte Freund des leichtsinnigen
-Umhertreibens des freien Verkehrs mit seinen liederlichen Genossen
-verlustig.
-
-Die düstere Zelle des einsamen Gefängnißthurmes inmitten der alten
-Stadtmauer schien freilich dem großen Verehrer eines ungebundenen
-Lebens nicht angenehm zu sein.
-
-Der kluge Vorsitzende des städtischen Gerichts war auf ein freches
-Ableugnen der gesetzwidrigen That von seiten des durchtriebenen
-Burschen vorbereitet.
-
-Das gesammte Personal des löblichen Schöppengerichts war indeß von der
-nichtswürdigen Veruntreuung fremden Eigenthums durch jenen schlauen
-Jünger der gefährlichen Taschendiebe überzeugt.
-
-Das kecke Ableugnen des schmählichen Vergehens mußte daher dem
-verstockten Uebertreter des siebenten Gebotes nur nachtheilig sein.
-
-Die gesammte Bewohnerschaft der mittelgroßen Stadt war auf das endliche
-Strafurtheil der gewissenhaften Richter gespannt.
-
-Die schließliche Bestrafung mit zehn langen Monaten schwerer Arbeit
-auf dem strengen Zuchthause der nahen Festung N. war für jenes räudige
-Mitglied der menschlichen Gesellschaft nicht zu hart.
-
-
-
-
-Der Umstand des Ortes.
-
-
-115. Eine Stätte der Armuth.
-
-(Wo? Umstands- und Verhältnißwörter.)
-
-Das enge Stübchen der alten Mutter Beate bot ein trauriges Bild. +In
-einem düsteren Winkel+ erblickte man ein Häufchen halbvermodertes
-Stroh. +Auf demselben+ lagen einige zerlumpte Kleidungsstücke. Hier
-schlief die arme Alte. Oberhalb ihres Kopfes hatte ihre Katze ihr
-Nachtlager aufgeschlagen.
-
-Neben dieser elenden Ruhestatt der bejahrten Beate stand ein morsches
-Tischchen. An diesem saß sie gewöhnlich. Dabei huschelte die Katze
-hinter ihrem Rücken. Der Tisch war zugleich der Aufbewahrungsort für
-die ärmlichen Nahrungsmittel. Hier lag ein Laib Brod. Vorn war derselbe
-mit Schimmel bedeckt, hinten hatten ihn die Mäuse benagt. Dort stand
-ein Rest gekochter Kartoffeln. Mitten auf dem Tische erblickte man
-eine thönerne Kaffeekanne. Vor ihr stand eine halbzerbrochene Tasse.
-Zwischen beiden sah man ein Häuflein grobes Salz.
-
-Dicht bei der Thür knisterte ein kleiner Blechofen. Eine Hand
-voll dürrer Aeste lag zu seinen Füßen. An der einen Wand hing ein
-verblichenes Christusbild. Unter ihm war ein handgroßer Spiegel
-befestigt. Rechts davon erblickte man das Bildniß des Landesvaters.
-Links davon sah man ein aus einem Kalender geschnittenes
-Schlachtenbild. Die Wände selbst befanden sich in einem sehr kläglichen
-Zustande. Oben drang das Regenwetter herein. Unten war das Gebälk vom
-Moder zerfressen. Ueber dem einzigen Fensterchen zeigte sich sogar ein
-fast einen Centimeter breiter Riß.
-
-So fand das Auge nirgends eine kleine Befriedigung. Ueberall trat ihm
-das Bild der Armuth entgegen.
-
-
-116. Sturax.
-
-(Wohin? Umstands- und Verhältnißwörter.)
-
-Der alte Schäfer Thomas hatte einen vortrefflichen Jagdhund. Er hieß
-Sturax. Sturax war ein überaus kluges Thier. Er kannte die besten
-Weideplätze ganz genau. Bald trieb er deshalb die Schafe +links+ dahin.
-Bald führte er sie +rechts+. Jetzt mußten sie +vorwärts+ gehen. Nach
-einer Weile drängte er sie seitswärts. Er selbst rannte dabei stets hin
-und her. In diesem Augenblicke eilte er +dorthin+, im nächsten jagte er
-wieder hierhin.
-
-Im späteren Herbste durfte sich die Heerde überallhin zerstreuen.
-Einige Schafe begaben sich dann nach dem nahen Waldrande. Andere
-grasten an einem Bache fort. Eine Anzahl kletterte auf die Hügel.
-Einzelne zogen sich unter Gebüsch zurück.
-
-An solchen Tagen legte sich Sturax meist zu den Füßen des alten Thomas.
-Ohne Auftrag lief er dann nirgends hin. Seine Augen aber flogen dabei
-hinüber und herüber. Sie verfolgten die einzelnen Schafe bergauf und
-thalab.
-
-Endlich sank dann die Sonne hinter die fernen Gebirgshäupter.
-Dämmerung lagerte sich über die Flur. Da gab Thomas das Zeichen zur
-Heimkehr. Sogleich trieb Sturax die zerstreute Heerde zu dem Hirten
-zurück. Langsam schritt dieser nun voraus. Geduldig folgte die Heerde
-durch Dick und Dünn. Hierbei übte Sturax wieder das Wächteramt nach
-allen Seiten hin.
-
-So gelangte die Schaar endlich vor den Schafstall. Aber auch hier trat
-der treue Hund noch nicht ab. Er begleitete sein Volk noch in den Stall
-hinein.
-
-
-117. Treibjagd.
-
-(Woher? Umstandswörter und Verhältnißwörter.)
-
-Die Jäger standen in einem weiten Kreise postirt. Der Schnee fiel in
-dichten Massen +hernieder+. Das störte sie nicht.
-
-Bald erscholl das Lärmen der Treiber daher. Einige kamen +von den
-Anhöhen herab+. Andere kletterten von den nahen Felsen herunter. Von
-links schrillten Pfeifen. Von rechts nahten die Fuchsklappern. Wieder
-wo andersher ertönte Peitschengeknall.
-
-Das gescheuchte Wild stürzte von allen Seiten herbei. Aus dem Walde
-kamen eine Menge Hasen. Rehe fegten über die kahlen Stoppelfelder
-daher. Ein feister Hirsch jagte von seitwärts auf die Jäger zu.
-
-Mochten aber die armen Thiere von daher oder dorther kommen, das Blei
-aus dem Rohre der Jäger brachte ihnen den Tod.
-
-
-
-
-Wiederholung der Ortsbestimmung.
-
-
-118. Die Elbe.
-
-(Wo? Wohin? Woher?)
-
-Die Elbe entspringt auf dem Riesengebirge. Sie fließt zunächst durch
-den östlichen Theil Böhmens. Bei dem Städtchen Melnik wird sie
-schiffbar. Auf ihrem Rücken schaukeln hier schon bedeutende Kähne.
-Unweit Schandau tritt sie nach Sachsen ein. Sachsen empfängt also den
-herrlichen Strom aus Böhmen.
-
-In der Nähe des Städtchens Strehla verläßt er den sächsischen Staat
-wieder. Von hier an lenkt er seinen Lauf westlich. Sein Sinn steht nach
-Magdeburg. Dort bildet die Elbe eine sehr belebte Handelsstraße. Von
-Magdeburg weg steuert sie weiter nach Norden. Endlich windet sie sich
-aus der nördlichen Ebene heraus. Dicht bei Hamburg nimmt sie noch eine
-bedeutende Breite an. Mehrere Meilen von dieser Stadt ergießt sie sich
-dann in die Nordsee.
-
-Die Elbe nimmt auf ihrem langen Laufe viel Nebenflüsse auf. Eine große
-Zahl kommt von Westen daher. Andere strömen ihr von Osten her zu.
-Ihre Ufer sind fast überall sehr fruchtbar. Die reizendsten derselben
-liegen zwischen Bodenbach und Schandau. Die Elbwellen tragen eine
-Menge Kaufmannsgüter nach Süden. Aus der Tiefe dieses Flusses holt der
-Fischer manche Delicatesse für unsern Tisch. An seinem Gestade liegt
-manche schöne Stadt. Ueber seinen Spiegel führt manche schöne Brücke.
-In seine Fluten taucht zur Sommerzeit manch liebes Menschenkind.
-
-
-119. Die Luft.
-
-(Fortsetzung.)
-
-Luft gibt es überall. Sie befindet sich sogar im Wasser. Sie dringt in
-den kleinsten Raum. Sie kommt aus dem winzigsten Pflanzenzellchen.
-
-Die Luft lenkt ihre Strömungen nach allen Himmelsgegenden. Sie bläst
-aus allen Winkeln der Windrose. Luft ist selbst noch im sogenannten
-luftleeren Raume enthalten.
-
-Sie erhält allenthalben das Leben. Selbst in das todte Steinreich
-trägt sie Schöpfungskraft. Sie fächelt säuselnd durch die Haine. Sie
-rauscht als Wind durch die Gipfel. Sie wüthet als Sturm in den Wäldern.
-Sie braust als Orkan vom Meere herüber.
-
-Des Windes Sausen hörest Du. Du weißt indeß nicht, von wannen er kommt
-und wohin er fährt.
-
-
-
-
-Hauptwiederholung.
-
-
-120. Die neue Gutsherrschaft.
-
-(Subject, Prädicat, Ergänzungen. Ortsbestimmungen.)
-
-Eine mit zwei muthigen Apfelschimmeln bespannte Karosse aus der
-berühmten Wagenbaufabrik der königlichen Residenz brachte dem
-dichtbevölkerten Dorfe W. bei der fabrikreichen Stadt Ch. die neue
-Gutsherrschaft den mit Ehrenpforten geschmückten Dorfweg daher.
-
-Die zahlreiche Jugend des großen Schulbezirks widmete dem jungen Paare
-aus einem altadligen Geschlechte am fahnengeschmückten Eingange des
-frohbewegten Ortes einen mehrstimmigen Gesang nach einer reizenden
-Composition des alten Cantors.
-
-Der ehrwürdige Pfarrer des wohlhabenden Kirchspiels sprach unter
-einer riesigen Linde inmitten des weitgedehnten Dorfes der mit Jubel
-begrüßten Gutsherrschaft die herzlichsten Glückwünsche der gesammten
-Gemeinde aus.
-
-Der beliebte Seelsorger nannte von seinem altarähnlichen Tritte herab
-den jungen Herrn einen bekannten Freund christlicher Sitte.
-
-An dem dichtbekränzten Thore des umfangreichen Rittergutes überreichte
-der bejahrte Schulze des betreffenden Ortes dem nunmehrigen Schutzherrn
-der zahlreichen Bewohnerschaft ein kostbares Jagdgewehr neuester
-Einrichtung.
-
-Der liebenswürdigen Gemahlin des jungen Herrn dagegen schenkte die
-schmucke Tochter des reichsten Bauers des festgestimmten Ortes auf dem
-weiten Hofe des alterthümlichen Rittersitzes ein mächtiges Butterfaß
-mit silbernen Reifen.
-
-An der beflaggten Thür des sogenannten Herrenhauses übergab wiederum
-die männliche Dienerschaft des gnädigen Herrn dem neuvermählten Paare
-einen geschnitzten Holzteller mit einem hausbackenen Brode.
-
-Der männlichschöne Graf freute sich im tiefsten Grunde seines
-gefühlvollen Herzens der vielen Beweise vertrauensvoller Gesinnung von
-seiten der biederen Ortsbewohner.
-
-Diese sinnige Feier ihres heutigen Einzugs in ihren neuen Wohnsitz
-blieb dem ehrenwerthen Paare eine freundliche Erinnerung auf den bunten
-Blättern ihrer beiderseitigen Lebensgeschichte.
-
-
-
-
-Der Umstand der Zeit.
-
-
-121. Ein Brief.
-
-(Wann? Umstands- und Verhältnißwörter.)
-
- Lieber Theodor!
-
-+Vorgestern+ ist unsere Reise nach Amerika zur Gewißheit geworden.
-+Ueber ein Kleines+ wirst Du mich also nicht mehr sehen. Mein Vater
-verkauft +bereits+ unsere Möbeln. Unser Haus ist unlängst in die Hände
-meines Onkels übergegangen. Derselbe wird nächstens auch meines Vaters
-Geschäft übernehmen. Sie sind heute um den Kaufpreis einig geworden.
-
-Auch ich habe soeben ein Verkaufsgeschäft abgeschlossen. Nachbars Otto
-erhält nämlich heute noch meine Kaninchen. In einer Stunde werden sie
-abgeholt. Für mein Eichhörnchen wird sich hoffentlich auch bald ein
-Liebhaber finden. Ich habe schon mein Absehen auf Jemand gerichtet.
-Es muß indeß nicht Alles sogleich verkauft sein. Es hat noch bis zum
-ersten Juni Zeit damit.
-
-Während der letzten Tage ist eine merkwürdige Veränderung mit mir
-vorgegangen. Ich hatte sonst diese Thiere unendlich lieb. Jetzt kann
-ich sie gleichgiltig hingeben. Vor vier Wochen bot mir ein Engländer
-zwei Thaler für das Eichhörnchen. Neulich wollte er sogar drei Thaler
-dafür geben. Ich hätte es ihm damals um keinen Preis abgelassen. Und
-nun habe ich zehn Groschen dafür erhalten.
-
-So herrscht gegenwärtig in meinem Hause ein eigenthümliches Leben. Vor
-acht Tagen noch befand sich Alles darin in schönster Ordnung. Jetzt
-geht es bunt durcheinander. Hoffentlich wird nach kurzer Zeit alles
-Entbehrliche verkauft sein. In den letzten Tagen unseres Hierseins
-werden wir freilich ein ziemlich ungemüthliches Leben führen müssen.
-Ich tröste mich indeß während dieser Zeit mit den Worten meines Vaters.
-Er sagte kürzlich: Einst wird’s besser!
-
-Zu nächstem Sonntage werde ich Dich noch einmal besuchen. Später würde
-mir ein Besuch nicht gut mehr möglich sein. Ich werde jedenfalls
-vormittags gegen neun Uhr bei Dir eintreffen. Vielleicht brauche ich
-erst abends heimzukehren.
-
-Sitzen wir dann zusammen in der Laube, wird Dir noch Mancherlei von
-seiner bevorstehenden Reise erzählen
-
- Dein Bruno.
-
-
-122. Der Gemsjäger.
-
-(Wie lange? Seit wann? Umstands- und Verhältnißwörter.)
-
-Ein Gebirgsreisender begleitete einen alten Gemsjäger +bei drei
-Stunden+. Dabei erzählte der Alte +fortwährend+ von seinem Jagdleben.
-
-„Ich bin“, sagte er unter Anderem, „seit acht Tagen von heim fort. Von
-früh bis abends durchstöbere ich das Gebirge. Dabei gibt es natürlich
-unaufhörlich zu steigen. Ueberdies ist man jederzeit jeder Witterung
-ausgesetzt. Auch hat man fast immer mit Gefahren zu kämpfen. Namentlich
-muß man auf den hohen Felsenpfaden stets auf der Hut sein. Ich habe
-einmal über zwei Stunden über einem Abgrunde gehangen. Ein andermal bin
-ich beinahe drei Tage ohne einen Trunk Wasser gewesen.
-
-Die Gemsjagd ist überhaupt nicht Jedermanns Ding. Der Gemsjäger muß
-oft tagelang hinter einem Verstecke aushalten. Er muß stundenlang
-regungslos liegen können. Dabei muß natürlich ununterbrochen
-ausgeschaut werden. Er muß ja jederzeit einer Gemse gewärtig sein. Und
-das gibt unausgesetzt Aufregung.
-
-Trotz alledem aber wird die Gemsjagd ewig ihre Reize behalten. Ich
-selbst bin schon gegen vierzig Jahre Gemsjäger. Und ich werde es
-bleiben bis an mein Ende.“
-
-
-123. Ein alter Krieger.
-
-(Wie oft? Umstands- und Verhältnißwörter.)
-
-Der alte Nachtwächter Schmiedel war ein vielerfahrener Mann. Er war
-+dreimal+ mit ins Feld gezogen. Er hatte +gegen zehnmal+ im Feuer
-gestanden. +Jederzeit+ mußte er zu den Tapfersten gezählt werden.
-Merkwürdigerweise war er jedesmal ohne Verwundung davongekommen.
-
-Er erzählte übrigens selten von seinen Heldenthaten. Nur dann und wann
-vermochte ihn ein guter Freund zur Mittheilung seiner Erlebnisse zu
-bewegen. Zuweilen gedachte er dabei mit Seufzen der blutigen Jahre.
-Manchmal pries er wieder jene große Zeit.
-
-Schmiedel hatte also dem Vaterlande oft große Dienste geleistet. Er
-hatte demselben mitunter große Opfer gebracht. Und jetzt? Jetzt mußte
-er täglich in nächtlicher Stille das Dorf bewachen. Jetzt mußte er
-Nacht für Nacht die einsame Runde machen. Nicht über zwölfmal das
-ganze Jahr hindurch hatte er eine Nacht frei. Und welches war sein
-Gehalt? Er erhielt allmonatlich vier Thaler. Das macht jährlich
-achtundvierzig Thaler.
-
-So ist gewöhnlich Undank der Welt Lohn. Die einstigen Thaten der
-heldenmüthigen Krieger werden nicht selten später vergessen.
-
-
-124. Moses.
-
-(Wiederholung aller Zeitbestimmungen.)
-
-Der kleine Moses war lange das Angstkind seiner Eltern. Seine Mutter
-hielt ihn geraume Zeit versteckt. Sein kindliches Weinen erfüllte sie
-gewiß sehr oft mit Zittern. Es konnte ja jeden Augenblick von den
-ägyptischen Kindesmördern gehört werden. Um sein Leben wäre es dann
-geschehen gewesen.
-
-Seit Wochen schon mochte die geängstigte Mutter über einen Rettungsplan
-nachdenken. Nächtelang mochte sie darüber sinnen. Täglich mochte sie
-den lieben Gott um einen glücklichen Gedanken bitten.
-
-Der Knabe entwickelte sich bereits merklich. Seine Stimme wurde von Tag
-zu Tag heller. Noch immer aber fand die arme Mutter keinen Rettungsweg.
-Und so steigerte sich fast stündlich ihre Sorge um sein Leben.
-Durchstreiften doch Pharao’s Knechte wiederholt die israelitischen
-Hütten.
-
-Da endlich kam der Geängsteten ein glücklicher Gedanke. Er sollte auch
-sogleich ausgeführt werden. Sie holte alsbald Weidenruthen herbei.
-Schon nach wenig Stunden war ein Körbchen geflochten. Darauf klebte sie
-es mit Pech aus. Jetzt füllte sie es zur Hälfte mit Stroh. Und so stand
-die seltsame Wiege bald fix und fertig da.
-
-In dieses Körbchen legte nun die Mutter ihren Liebling. In aller
-Frühe des nächsten Tages erblickte man es zwischen dem hohen Grase
-des Nils. Gerade an dieser Stelle kam ja selten ein Aegypter vorbei.
-Nur die menschenfreundliche Königstochter nahm gewöhnlich ihren
-Spaziergang in diese Gegend. Ueberdies mußte auch die Schwester des
-Knaben unausgesetzt Wache halten. Sie mußte fortwährend nach dem
-Kleinen sehen. Auch sollte sie zuweilen der Mutter über sein Befinden
-berichten. Ueberdies sah die Mutter gewiß selbst manchmal nach ihm.
-
-Hier nun wurde das Kind wenige Stunden darauf von der Königstochter
-entdeckt. Diese besann sich ob ihres Thuns keinen Augenblick. Das
-Kind wurde sofort einer Amme zur Erziehung übergeben. Die Amme war
-bekanntlich des Kindes eigene Mutter.
-
-Zehnmal hätte diese der edlen Prinzessin vor Freuden die Hand küssen
-mögen. Unzählige Male mag die glückliche Mutter dem lieben Gott für die
-Rettung ihres Kindes gedankt haben.
-
-Nach einer Reihe von Jahren nahm die Prinzessin den nun zum Jünglinge
-erwachsenen Findling als ihren Sohn an. Von jetzt an führte er den
-Namen Moses.
-
-Moses bewahrte seinem Volke stets ein theilnehmendes Herz. Er besuchte
-es fast täglich bei seiner Sklavenarbeit. Leider wurde er eines Tages
-aus Liebe zu seinen Brüdern zum Todtschläger. Er hätte sein Gewissen
-vor der That fragen sollen. Es räth jederzeit das Rechte.
-
-Moses mochte wol von Jugend an etwas jähzornig sein. In der Wüste
-dachte er später gewiß zuweilen an seine That zurück. Sicher hat er sie
-hundertmal bereut.
-
-
-
-
-Hauptwiederholung.
-
-
-125. Jäger und Müller.
-
-(Subject, Prädicat, Ortsbestimmung. Ergänzungen.)
-
-Der braune Hund des herrschaftlichen Jägers hatte den ersten Dienstag
-nach dem heiligen Osterfeste auf dem grünen Gemeindeanger des kleinen
-Dorfes K. dem reichen Müller der neugebauten Mühle eine fette Henne aus
-dem theuern Geschlechte der Perserhühner erbissen.
-
-Die nächste Mittwoch darauf erschlug der rachsüchtige Müller dem
-unschuldigen Jäger unweit des alten Gottesackers hinter dem niedrigen
-Kirchlein eine junge Gans mit schwarzen Flügeln.
-
-Zudem nannte der jähzornige Mühlenbesitzer den braven Herrn jenes
-Hundes denselben Tag noch in dem vielbesuchten Gasthause zum braunen
-Stier einen elenden Pfuscher des edlen Waidwerkes.
-
-Wenige Tage darauf überreichte ein uniformirter Diener des nächsten
-Gerichtsamtes dem schnöden Beschimpfer eines achtbaren Mannes vor dem
-eisernen Thore seines geräumigen Gehöftes eine versiegelte Vorladung
-zum baldigen Erscheinen vor Gericht.
-
-Der beleidigte Forstmann hatte nämlich drei Tage nach jener
-Verunglimpfung geeigneten Ortes den ernannten Wächtern des schützenden
-Gesetzes die entehrende Auslassung des hitzköpfigen Müllers angezeigt.
-
-Drei ehrsame Gäste jenes bekannten Gasthauses versicherten zur
-betreffenden Stunde im öffentlichen Gerichtslokale die anwesenden
-Richter der reinen Wahrheit der schriftlichen Aussage des beleidigten
-Jägers.
-
-Eine Stunde später verkündete der beleibte Vorsitzende des Gerichts
-dem ergrimmten Angeklagten in einem besonderen Zimmer des kolossalen
-Gerichtshauses die gesetzliche Verurtheilung zur mündlichen Abbitte der
-ausgesprochenen Beleidigung.
-
-Von dieser Zeit an erklärte sich der bestrafte Müller allerorts als
-einen unversöhnlichen Feind des Jägers.
-
-Dieser indeß ließ jenem niemals irgendwo etwas von Erbitterung merken.
-
-
-
-
-Der Umstand der Weise.
-
-
-126. Mißgeschick.
-
-(Umstandswörter, Hauptwörter mit und ohne Verhältnißwörter.)
-
-Konrad war +unter vielen Entbehrungen+ herangewachsen. Er hatte
-sein Brod +mit Thränen+ essen müssen. Trotzdem sah man ihn immer
-+zufriedenen Sinnes+.
-
-Seine Eltern waren +höchst+ brave Leute. Im Schweiße ihres Angesichts
-aßen sie ihr Brod. Sie arbeiteten fleißig. Sie sparten auch nach
-Kräften. Vergeblich doch strebten sie nach Verbesserung ihrer
-bedrängten Lage. Sie vermochten bei allem Entsagen keinen Vorsprung
-zu gewinnen. Und warum das? Weil die Lebensmittel unerhört im Preise
-stiegen. Ebenso gingen die Preise aller anderen Lebensbedürfnisse
-in die Höhe. Fast kein Quartal ging ohne Steigerung des Miethzinses
-vorüber.
-
-Konrad stand seinem Vater in der Arbeit treulich zur Seite. Er wollte
-sein täglich Brod nicht umsonst essen. Und so war es auch recht. Gerade
-so sollten alle ärmeren Kinder thun.
-
-Konrad’s Vater war ein außerordentlich kräftiger Mann. Noch nie hatte
-er sich krank gefühlt. Er lebte deshalb in Hoffnung auf ein hohes
-Alter. Der liebe Gott indeß wollte es anders.
-
-Mit neugestärkten Kräften ging der rüstige Mann eines Morgens in den
-Wald. Wie ein Riese schritt er unter den Tannen dahin. Frohen Muthes
-setzte er bald darauf einem mächtigen Baume die Axt an die Wurzel.
-Lustig hallten die kräftigen Axtschläge den Wald entlang.
-
-Mehrere Stunden mochte der Brave bereits angestrengt gearbeitet
-haben. Da überkam ihn urplötzlich ein eigenthümlicher Schwindel. Er
-legte schleunigst die Axt aus der Hand. Einige Minuten suchte er sich
-nach Kräften noch zu halten. Darauf aber schwand ihm allmälig die
-Besinnung. Er stürzte unter einem tiefen Seufzer zu Boden. Nach einer
-Viertelstunde lag er als Leiche da.
-
-Aufs tiefste erschüttert trugen ihn die andern Waldarbeiter heim.
-Konrad vermochte das Unglück augenblicklich kaum zu fassen. Stieren
-Blickes blieb er eine geraume Zeit vor der Leiche stehen. Dann aber
-warf er sich mit einem Aufschrei der Verzweiflung über sie hin. Unter
-heißen Thränen küßte er die kalten Lippen. Nur mit Mühe vermochte man
-ihn von dem geliebten Todten zu entfernen.
-
-Verhältnißmäßig gefaßter zeigte sich Konrad am Begräbnißtage. Ohne
-lautes Wehklagen folgte er dem Sarge. In stiller Ergebung blickte er
-in das offene Grab hinab. Festen Glaubens schaute er dann zum Himmel
-empor. Nach frommer Weise betete er schließlich für den Geschiedenen
-ein stilles Vaterunser.
-
-So war jetzt Konrad unerwartet vaterlos geworden. Wie ein Blitz aus
-heiterem Himmel hatte ihn das Geschick ereilt. Aber er verlor nicht
-kleinmüthig die Hoffnung. Mit Gott auf eigenen Füßen! Also lautete von
-jetzt an sein Wahlspruch. Und Gott der Herr führte ihn wohl.
-
-
-127. Ein Stier.
-
-(Desgleichen.)
-
-Ein unlängst gefangener Stier tobte gewaltig innerhalb seiner vier
-Pfähle. Funkelnden Auges maß er den engen Raum seines Gefängnisses.
-Unter wildem Grunzen rannte er darin umher. Plötzlich stand er einige
-Minuten still. Gleich darauf stürzte er mit wüthendem Gebrüll über
-seinen Freßtrog her. Derselbe wurde ohne Gnade zertrümmert. Jetzt
-wühlte das Unthier mit seinen Hörnern wie verzweifelt den Boden auf.
-Dabei warf es die Erde hoch empor. Sogar Steine flogen sausend durch
-die Luft. Noch aber war damit seine Wuth nicht im mindesten gekühlt.
-Gesenkten Kopfes rannte es hierauf wieder gegen die eiserne Umzäunung.
-Unter Gekrach prallte die dicke Stirn an die festen Stäbe. Die Bestie
-schien allen Ernstes die Gitter durchbrechen zu wollen. Die Versuche
-liefen allerdings nicht ohne einige Verwundungen für dasselbe ab.
-
-Auf das furchtbare Gebrüll hin eilten die Wärter des Thiergartens
-schleunigst herbei. Sie wollten anfänglich den Unhold in Güte
-besänftigen. Aber sie bemühten sich umsonst. So leichten Spieles
-sollten sie nicht zum Ziele gelangen.
-
-Endlich schritten die kräftigen Männer mit Knütteln ein. Ohne Schonung
-schlugen sie auf das Thier los. Wie Hagelwetter fielen die Hiebe auf
-dasselbe nieder.
-
-Nur auf diese Weise brachte man den Rasenden zur Besinnung. Dumpf
-grollend zog er sich schließlich in seinen Stall zurück.
-
-
-
-
-Hauptwiederholung.
-
-
-128. Schulprüfung.
-
-(Subject, Prädicat, Zeit, Ort, Art und Weise, Ergänzungen.)
-
-Morgens acht Uhr widmete der hochbejahrte Director des städtischen
-Waisenhauses von seinem schwarzen Pulte aus mit aller Innigkeit seines
-weichen Herzens den anwesenden Geistlichen der protestantischen Kirche
-eine ehrfurchtsvolle Begrüßung.
-
-Der älteste unter den anwesenden Seelsorgern erwiderte gleich darauf
-von seinem Platze aus in schlichter Rede dem braven Oberhaupte dieser
-bewährten Wohlthätigkeitsanstalt einen herzlichen Gegengruß.
-
-Nach der erbaulichen Religionsstunde rechnete der dreizehnjährige
-Oberste der munteren Knabenschaar an der großen Wandtafel seinen
-aufmerksamen Mitschülern nach den einfachsten Regeln der Rechnenkunst
-ein schwieriges Exempel aus der zusammengesetzten Zinsrechnung vor.
-
-Hierauf trug der jüngste Schüler der obersten Klasse den fremden
-Anwesenden vom niederen Trittbrete des schmalen Katheders herab in
-gelungenster Weise das lange Gedicht vom braven Manne vor.
-
-Während dieses ganz vorzüglichen Vortrags warf der später eingetretene
-Bürgermeister der betreffenden Stadt von seinem entfernten Sitze
-aus dem wohlgeübten Declamator mit sichtlicher Freude wohlwollende
-Beifallsblicke zu.
-
-Später entwickelten mehrere Knaben der ersten Abtheilung unter
-der geschickten Leitung eines gewandten Lehrers an der prachtvoll
-colorirten Wandkarte des neuen deutschen Reiches der strengen
-Prüfungscommission ihre bedeutenden Kenntnisse in der vaterländischen
-Geographie.
-
-Gegen zehn Uhr zeigte ein dritter Lehrer des wohlgeleiteten
-Waisenhauses in einer kleinen Nebenstube unter einigen erläuternden
-Bemerkungen den erwachsenen Zeugen der öffentlichen Prüfung die von den
-verschiedenen Zöglingen der Anstalt gefertigten Papparbeiten.
-
-Indessen folgten sämmtliche Zöglinge geräuschlos ihrem geschickten
-Turnlehrer als militärisch geordnete Reihen auf den geräumigen
-Turnplatz hinter dem wohlgepflegten Blumengarten des verdienstvollen
-Directors.
-
-Hier zeigte binnen einer Stunde ein jeder den zahlreichen Zuschauern
-nach Kräften seine besondere Geschicklichkeit in der nützlichen Kunst
-des Turnens.
-
-Schließlich machte der helle Klang der lieben Mittagsglocke vom nahen
-Thurme herab der munteren Arbeit plötzlich ein Ende.
-
-Mit Schluß der gegenwärtigen Turnprüfung sprach der würdige Oberpfarrer
-der schöngelegenen Stadt gleich auf dem freien Platze neben den
-verschiedenen Turngeräthen ohne allen Rückhalt den fleißigen Schülern
-der wackeren Anstalt seine volle Zufriedenheit mit ihren heutigen
-Leistungen aus.
-
-
-
-
-Der Umstand des Grundes.
-
-
-129. Unverstand.
-
-(Ursache oder Sachgrund. Durch Verhältnißwörter.)
-
-Auf dem Tische stand eine brennende Petroleumlampe. Das Oel darin war
-+durch die Flamme+ warm geworden. Der Cylinder glühte +vor Hitze+.
-Da kam von ungefähr der zehnjährige Karl an den Tisch. Aus purem
-Unverstande blies er in die Flamme hinein. Durch den Luftdruck aber
-schlug dieselbe in den Ballon. Vermöge der plötzlichen Glut zersprang
-dieser.
-
-Karl prallte vor Schreck zurück. Infolge des Knalles sprang sein
-Vater herbei. Glücklicherweise löschte er das Feuer sogleich durch
-Ueberschütten mit Asche.
-
-Der unvorsichtige Knabe hätte von Rechtswegen tüchtige Strafe verdient.
-Auf sein inständiges Bitten aber erließ sie ihm der Vater. Wegen des
-gehabten Schreckens wurde Karl indeß noch denselben Tag ernstlich krank.
-
-
-130. Lohn der Wißbegier.
-
-(Beweggrund.)
-
-Der junge Bauer Ehrenreich kaufte sich +aus Wißbegierde+ ein Buch nach
-dem andern. +Um der Bereicherung seiner Kenntnisse willen+ las er oft
-bis in die Nacht hinein. Wegen eines neuen Werkes konnte er bei dem
-schlechtesten Wetter den Weg in die ferne Stadt unternehmen. Seines
-Lerndranges halber legte er sich auch naturhistorische Sammlungen an.
-Später unternahm er sogar seiner Ausbildung halber größere Reisen.
-
-Um seiner Kenntnisse willen ehrte man ihn daher auch in seinem Dorfe
-allgemein. Man zog aus Achtung die Mütze vor ihm ab. Seiner reichen
-Erfahrungen wegen betraute man ihn später mit verschiedenen Aemtern.
-Seines klaren Urtheils halber wählte man ihn endlich sogar zum Schulzen
-des Ortes. Kraft ihrer inneren Ueberzeugung hielten die Ortsbewohner
-ihn allein für geeignet dazu.
-
-Und Ehrenreich füllte um der Wohlfahrt seines Vaterdorfes willen seine
-Stellung würdig aus. Nie handelte er aus Eigennutz. Nie stiftete er
-Gutes blos der Ehre halber.
-
-
-131. Der tolle Hund.
-
-(Erkenntnißgrund.)
-
-Ein Jäger sah einen Hund am Raine kauern. In dem +Gebaren des Thieres+
-lag etwas Verdächtiges. Dem +Aussehen nach+ mußte er krank sein.
-
-Der Jäger trat ihm näher. An dem geifernden Maule des Thieres erkannte
-er jetzt dessen Tollwuth. Besonders deutlich sprach diese schreckliche
-Krankheit aus den triefenden Augen. Der Gleichgiltigkeit des Thieres
-wegen schloß der Jäger allerdings auf sein baldiges Ende. Aus seinem
-jämmerlichen Winseln ließ sich die Größe seiner Schmerzen ermessen. An
-seinen kläglichen Blicken hätte man fast das Verlangen nach Erlösung
-erkennen mögen.
-
-Zufolge dieser Erscheinung hielt der Jäger das Thier für nicht mehr
-gefährlich. Einige Sekunden darauf machte er durch eine Kugel den
-Leiden desselben ein Ende. Den jetzt sichtbar werdenden Zähnen nach
-mußte das Thier noch jung sein. Laut der Inschrift des Halsbandes
-gehörte es dem Arzte des nächsten Dorfes.
-
-
-132. Jahrmarktsgeschenke.
-
-(Zweck und Stoff.)
-
-Eine Mutter brachte +für ihre Kinder+ allerhand Geschenke vom
-Jahrmarkte mit. Paul bekam eine Windmühle zum Spielen. Ewald erhielt
-ein Kästchen für seine Schiefer. Leopold schenkte die Mutter ein
-Sprungseil zum Turnen. Elise übergab sie ein Körbchen zu ihren
-Stickereien.
-
-Mit dem Ankaufe dieser Geschenke hatte die Mutter für die armen
-Blinden ein gutes Werk gethan. Alle diese Sächelchen nämlich waren im
-Blindeninstitute gefertigt.
-
-Die Windmühle war aus Pappe zusammengeleimt. Das Kästchen hatte einer
-jener blinden Knaben aus Draht geflochten. Das Sprungseil war aus Hanf
-geflochten. Das Körbchen mußte aus Lindenholz geschnitzt sein.
-
-Die vier Geschwister dankten der guten Mutter aufs herzlichste für die
-hübschen Sächelchen.
-
-
-133. Heuchler.
-
-(Wiederholung. Ursache. Beweggrund. Erkenntnißgrund. Zweck. Stoff.)
-
-Heuchler erkennt man an ihren Mienen. Sie spielen die Frommen aus
-schlauem Eigennutze. Sie leben blos für den Schein. Durch dieses Wesen
-aber verlieren sie alle Achtung. Man flieht sie um ihrer Falschheit
-willen.
-
-Ein Heuchler ist ja nur aus Lug zusammengesetzt. All sein Handeln ist
-auf Täuschung berechnet. Er lebt für trügliches Blendwerk.
-
-
-134. Der Wagehals.
-
-(Desgleichen.)
-
-Richard ging zu seinem Vergnügen an einem mit Eis bedeckten Teiche
-hin. Der geringen Kälte halber war das Eis noch nicht stark. Richard
-vermochte sich vor dem Verlangen nach einem Wagestückchen nicht zu
-halten. Aus reinem Uebermuthe betrat er die schwache Eisdecke. Infolge
-der Last des Knaben brach leider diese sofort zusammen.
-
-Auf das Geschrei des Verunglückten eilte ein fremder Mann herbei.
-Seiner Kleidung nach schien er ein Fleischer zu sein. Er hatte aus den
-verzweifelten Tönen sogleich die lebensgefährliche Lage des Knaben
-erkannt. Und er schreckte nicht aus Furcht vor dem Rettungswerke zurück.
-
-Aus Mitleid mit dem Armen springt er ohne Zögern in den Teich. Schon
-in der nächsten Minute ist Richard durch den edlen Muth des Fremden
-gerettet. Vor Schreck ist der Knabe leichenblaß geworden. Seine Glieder
-zittern vor Frost. Dieses bedenklichen Zustandes wegen führt ihn sein
-Retter schleunigst nach Hause.
-
-Die Mutter erkennt an den triefenden Kleidern des Knaben sofort den
-traurigen Vorfall. Sie läßt aus Vorsicht den Arzt rufen. Dieser aber
-schließt aus dem Pulsschlage des Kindes auf keine bedenklichen Folgen.
-Nach seinem Urtheile ist das Bette die beste Medicin für den noch
-Zitternden. Es soll vor allen Dingen zu dessen Erwärmung dienen.
-
-Richard’s Vater wollte den fremden Mann für seine edle That belohnen.
-Dieser aber wünschte um seines Liebesdienstes willen durchaus nicht
-belohnt zu sein. Aus reiner Uneigennützigkeit nannte er nicht einmal
-seinen Namen. Sein ganzes Wesen bestand aus echtem Christensinn.
-
-
-
-
-Hauptwiederholung.
-
-
-135. Ein Bombardement.
-
-[Subject. Prädicat. Zeit. Ort. Weise. Grund (Zweck). Ergänzungen.]
-
-Der tapfere Commandant von zwölf gezogenen Batterien sendete auf
-erhaltenen Befehl des berühmten Feldmarschalls M. bereits seit
-vierundzwanzig langen Stunden ohne die geringste Unterbrechung von
-einer bewaldeten Anhöhe aus der starkbefestigten Stadt R. seine
-wohlgezielten Vollgeschosse.
-
-Ebenso lange überschüttete die hartbedrängte Besatzung der belagerten
-Feste zum Schutze des gefährdeten Bollwerks mit seltenem Muthe von
-ihren wohlgeschützten Wällen herab die eisernen Linien des überlegenen
-Feindes mit verheerenden Sprengkugeln.
-
-Viele der in Todesgefahr schwebenden Einwohner entflohen aus Furcht
-vor einem blutigen Sturme ängstlich klopfenden Herzens durch einen
-verdeckten Gang der hinteren Stadtmauer der weiten Stätte furchtbaren
-Grauens.
-
-Die beherzteren Charaktere dagegen boten zur Unterstützung ihrer
-kämpfenden Brüder selbst während der heftigsten Kanonade in den am
-meisten bedrohten Stadttheilen mit wahrer Todesverachtung allen
-Gefahren männlichen Trutz.
-
-Mit aller Inbrunst ihrer zitternden Herzen flehte in einer
-unterirdischen Kapelle des bereits stark beschädigten Domes eine große
-Anzahl frommer Frauen der inneren Stadt wiederholt den allmächtigen
-Herrn des Himmels um seinen gnädigen Beistand zur endlichen
-Zurückwerfung des mächtigen Feindes.
-
-Einige Hundert der wackeren Vertheidiger der geängstigten Stadt waren
-bereits bis gegen Mittag auf den äußersten Forts für die Rettung
-der Stadt in treuer Erfüllung ihrer heiligen Soldatenpflicht den
-feindlichen Kugeln zum Opfer gefallen.
-
-Inmitten der schreckenreichen Nacht entzündeten im innern Theile der
-Stadt zum Entsetzen der armen Einwohner die sprühenden Brandgeschosse
-des ungestümen Belagerungsheeres unbarmherzig den ziemlich erschöpften
-Gegnern eins der stärksten Pulvermagazine.
-
-Die furchtbare Explosion richtete infolge des ungeheuren Luftdrucks in
-der kurzen Zeit von wenig Minuten an jener Stelle unter entsetzlichem
-Gekrache den vielen Umwohnenden sehr bedeutenden Schaden an.
-
-Zur Beendung des mörderischen Kampfes befahl der feindliche General
-den nächsten Morgen gegen fünf Uhr von seinem hochgelegenen
-Beobachtungspunkte aus mittelst weithin schallender Trompetensignale
-seinen wohlgeübten Fußtruppen zu stürmen.
-
-Schon nach einer Viertelstunde verzweifelter Gegenwehr ließ der
-bejahrte Festungscommandant tieferschütterten Herzens von dem hohen
-Thurme des alten Rathhauses herab dem Feinde zum Zeichen der Ergebung
-die weiße Fahne entgegenwehen.
-
-
-136. Zu Weihnachten.
-
-[Desgleichen. -- Subject, Prädicat, Zeit, Ort, Weise, Grund (Zweck),
-Ergänzung, Stoff.]
-
-Die wohlerzogenen Kinder eines reichen Kaufmanns der großen Residenz
-schenkten einander zur gegenseitigen Ueberraschung auf wahrhaft
-herzliche Weise zum jedesmaligen heiligen Weihnachtsabende im Angesicht
-des festlich geschmückten Christbaums allerhand selbstgefertigte
-Sächelchen aus verschiedenen Stoffen.
-
-Wieder einmal stieg die heilige Weihnachtszeit im feierlichen Gewande
-aus Myriaden Diamanten zur allgemeinen Freude der christlichen
-Kinderwelt vom Himmel hernieder.
-
-Auch dieses Jahr wollten jene freundlichen Kinder aus aufrichtiger
-Liebe zu einander in ihrem trauten Kreise in aller Stille jener
-löblichen Gewohnheit ihr altes Recht werden lassen.
-
-Die zehnjährige Gertrud stickte während der letzten acht Tage vor
-dem Feste in der nahen Behausung ihrer getreuen Schulfreundin ihrem
-munteren Bruder Günther für seine beliebten Ferienausflüge eine kleine
-Reisetasche aus bunter Wolle zum Umhängen.
-
-Der lebhafte Günther dagegen schnitzte dieser seiner Schwester zur
-Aufbewahrung ihrer niedlichen Schmucksächelchen in seinen Freistunden
-in der engen Familienwohnung des alten Markthelfers seines Vaters
-mit außerordentlicher Sorgfalt ein länglich viereckiges Kästchen aus
-bräunlichem Buchenholze.
-
-Die ältere Schwester Martha häkelte nach dem jedesmaligen Abendbrode in
-des guten Papas geräumiger Schreibstube unter dem halblauten Gesange
-sinniger Lieder dem gutmüthigen Bruder Hans aus kluger Rücksicht
-auf seine große Liebe zu der schönen Tugend der Sparsamkeit eine
-mittelgroße Geldbörse von glänzenden Perlen.
-
-Der sanfte Hans wieder flocht der geliebten Schwester Martha innerhalb
-dreier Tage in dem schmalen Comptoirstübchen des väterlichen Geschäftes
-fast ohne jegliches Werkzeug zur Bequemlichkeit bei ihren vielen
-Nadelarbeiten einen allerliebsten Wandkober aus feinem Silberdrahte.
-
-Der neckische Julius endlich baute gelegentlich in der etwas düsteren
-Garderobenstube seiner geliebten Mutter mit sichtlichem Vergnügen
-seinem kleinen Bruder Leo zur zeitweiligen Unterhaltung eine mächtig
-große Windmühle aus dauerhafter Pappe.
-
-Auch die brave Mutter der liebenswürdigen Kinder blieb zur Erhöhung
-der Festfreude für ihre Lieblinge während dieser letzten Zeit vor
-Weihnachten in ihren vier Pfählen bei allen sonstigen häuslichen
-Besorgungen nicht unthätig.
-
-Die gute Mutter arbeitete mit geschickten Händen ununterbrochen hinter
-verschlossenen Thüren allen ihren Kindern für die kalten Wintertage
-warme Anzüge aus gleichfarbigem Tuche.
-
-Auf diese Weise bereitete der heilige Abend alle Jahre in diesem
-herzlichen Familienzirkel zu aller Herzerquickung sämmtlichen
-Familiengliedern große Freude.
-
-
-137. Ein trauriges Ende.
-
-(Desgleichen.)
-
-[Sidenote: Subject.]
-
-Der Tod tritt oft schnell heran.
-
-[Sidenote: Beifügung.]
-
-Der kleine Hermann war ein lieber Knabe. Schon der Ausdruck seines
-Gesichts zeugte davon.
-
-[Sidenote: Ergänzung.]
-
-Sein Lächeln bekundete Gutmüthigkeit. Sein Wesen war Jedermann
-angenehm. -- Eines Tages spielte er mit seiner Schwester Verstecken.
-
-[Sidenote: Zeit.]
-
-Es war um die Dämmerstunde. Sie hatten das Spiel bereits mehrmals
-gespielt. Ihr Vater sah ihnen schon seit geraumer Zeit zu.
-
-[Sidenote: Ort.]
-
-Er stand am Fenster. Hermann versteckte sich jetzt hinter eine Mauer.
-Hier sollte ihn die Schwester nicht finden.
-
-[Sidenote: Weise.]
-
-Er kauerte in lauschender Stellung. So hoffte er mit Zuversicht
-unentdeckt zu bleiben.
-
-[Sidenote: Ort.]
-
-Plötzlich aber rollte ein Ziegel vom Dache herab. Der Ziegel fiel dem
-Knaben gerade auf den Kopf.
-
-[Sidenote: Ursache.]
-
-Er war durch einen Windstoß losgelöst worden.
-
-[Sidenote: Erkenntniß.]
-
-Der Vater erkannte an dem jähen Aufschrei seines Kindes etwas
-Entsetzliches.
-
-[Sidenote: Beweggrund.]
-
-Von banger Ahnung getrieben eilte er herbei.
-
-[Sidenote: Zweck.]
-
-Er wollte zu Hilfe kommen.
-
-[Sidenote: Zahl.]
-
-Hier aber hätten zehn Aerzte nicht mehr helfen können.
-
-[Sidenote: Stoff.]
-
-Der fallende Ziegel war aus gebranntem Lehm. Er hatte den armen Knaben
-erschlagen.
-
-
-138. Luxus.
-
-[Desgleichen. -- Subject, Prädicat, Zeit, Ort, Weise, Grund (Zweck),
-Ergänzungen, Zahl, Stoff.]
-
-Ein steinreicher Graf aus einem alten Geschlechte des östreichischen
-Adels ließ vor einigen Jahren aus lauter Eitelkeit seiner stolzen
-Gemahlin in der unmittelbaren Nähe einer lebhaften Seestadt der
-deutschen Nordküste mit ungeheueren Opfern mehrere prachtvolle
-Wohnsitze aus kostbarer Steinmasse errichten.
-
-Der berühmte Baumeister des verschwenderischen Herrn mußte in Zeit
-von zehn Monaten auf einer sonnigen Hügelkette unweit des ziemlich
-großen Hafens nach dem geschmackvollsten Muster französischer Bauweise
-der jungen Gräfin zum zeitweiligen Aufenthalte während der heißen
-Sommertage zwei reizende Villen aus weißem Marmor erbauen.
-
-Der gepriesenste Ofenfabrikant der nunmehrigen Kaiserstadt Berlin
-fertigte kurz nach Beginn des bewundernswerthen Baues in seinen
-eigens dazu eingerichteten Brennöfen mit aller Sorgfalt den schmucken
-Wohnzimmern der vorerwähnten Frau sechs wundervolle Kamine aus weißem
-Porzellan zur Benutzung für die kühlen Abende.
-
-Der sehr geschickte Hoftischler des französischen Kaisers hatte unter
-anderem während der letzten Monate der kurzen Bauzeit in seiner
-umfangreichen Werkstatt an einer der volkreichsten Straßen mit allem
-Aufgebot seines Geschmacksinnes der hohen Frau zur hinlänglichen
-Bequemlichkeit ein Dutzend große Armsessel aus dem feinsten
-Mahagoniholze zu verfertigen.
-
-Der erste Tapezier der nahen Seestadt mußte gleich nach Vollendung der
-reizenden Sommersitze der den Luxus liebenden Dame zur Bewunderung des
-gräflichen Reichthums vor allen Fenstern der zahllosen Zimmer auf die
-ausgesuchteste Weise je vier faltenreiche Gardinen von der schwersten
-Seide anbringen.
-
-Zudem mußte derselbe gesuchte Verschönerungskünstler der gräflichen
-Eigenthümerin dieser seltenen Prachtvillen sofort fünfzig Stück
-auserlesene Teppiche aus den besten orientalischen Stoffen aus einer
-türkischen Fabrik unter sicherer Begleitung eines zuverlässigen Mannes
-zum Belegen der Fußböden kommen lassen.
-
-Die namhafteste Glasfabrik der erfinderischen Stadt London arbeitete
-zu gleicher Zeit in ihren vorzüglichen Glasschleifereien ohne
-Rücksicht auf den Kostenpunkt der eitlen Herrin zehn überaus
-kunstvolle Kronleuchter aus dem reinsten Krystallglase zur Zierde der
-hauptsächlichsten Salons.
-
-Ein alter Gärtner des ruhmsüchtigen Grafen versah während des Monates
-Mai von seiner großen Zierpflanzenplantage aus die beiden an die Villen
-stoßenden Gärten zur Erholung der empfindsamen Frau in den heißen
-Sommertagen mit fürsorglicher Umsicht mit vier dichten Lauben aus
-saftigem Osterluzzei.
-
-Außerdem schufen eine Menge andere Menschenhände in verhältnißmäßig
-kurzer Zeit in den weiten Räumen der prächtigen Lustschlösser unter
-steter Vorschrift des eigensinnigen Grafen zur Vervollständigung der
-kostbaren Einrichtung der hohen Gebieterin noch eine ganze Menge
-Luxusgegenstände aus dem theuersten Material.
-
-
-
-
-Die Aussageweise.
-
-
-139. Der Mensch.
-
-(Wirklich. Möglich. Nothwendig.)
-
-Der Mensch +ist+ ein Kind Gottes. Er +lebt+ und +stirbt+ nach Gottes
-Willen. Er +kann+ König oder Bettler sein, ganz gleich. Das +darf+
-Niemand vergessen. Mancher mag freilich nichts davon wissen. Viele
-+möchten+ am liebsten nicht daran denken.
-
-Jeder Mensch +will+ gern glücklich sein. Jeder +soll+ es auch werden.
-Jeder +darf+ darnach streben. Was aber +kann+ er dazu beitragen?
-
-Er +muß+ beten und arbeiten. Auch die kleinste Sünde +muß+ ihm ein
-Abscheu sein. Das +möge+ Jeder bedenken.
-
-
-
-
-Wortfolge.
-
-
-140. Die Rose.
-
-~A.~ Gerade Wortfolge.
-
- Die Rose ist eine herrliche Blume.
- Schon ihr Bau ist bewundernswerth.
- Ihre Farben sind reizend.
- Ihr Duft strömt zauberhaft.
- Eine Rosenknospe fesselt unser Auge wunderbar.
- Die frischerblühte Rose ist ein Bild höchster Anmuth.
- Sie ist der Gärten schönster Schmuck.
- Sie wird darum auch die Königin der Blumen genannt.
- Mancher Dichter hat sie schon besungen.
-
-
-Die Rose.
-
-~B~. Umgekehrte Wortfolge.
-
- Eine herrliche Blume ist die Rose.
- Bewundernswerth ist schon ihr Bau.
- Reizend sind ihre Farben.
- Zauberhaft strömt ihr Duft.
- Wunderbar fesselt unser Auge eine Rosenknospe.
- Ein Bild höchster Anmuth ist die frischerblühte Rose.
- Der Gärten schönster Schmuck ist sie.
- Der Blumen Königin wird sie darum auch genannt.
- Sie hat schon mancher Dichter besungen.
-
-
-141. Wiegenbau.
-
-(Gerade Wortfolge.)
-
-Ein kleiner Sänger des Waldes baute in den ersten Maitagen in dem
-dichten Gezweige eines niederen Fichtenbäumchens mit bewundernswerther
-Sorgfalt seinen zukünftigen Kindern zum Schutze eine niedliche Wiege
-aus zartem Moose.
-
- (Versetzung der einzelnen Satztheile.)
-
- Es baute ein kleiner Sänger des Waldes in den ersten etc.
-
- In den ersten Maitagen baute ein kleiner Sänger etc.
-
- In dem dichten Gezweige eines niederen Fichtenbäumchens baute ein
- etc.
-
- Mit bewundernswerther Sorgfalt baute ein kleiner Sänger etc.
-
- Seinen zukünftigen Kindern zum Schutze baute ein kleiner etc.
-
- Zum Schutze für seine zukünftigen Kinder baute ein etc.
-
- Eine niedliche Wiege aus zartem Moose baute in den etc.
-
- Aus zartem Moose baute ein kleiner Sänger des Waldes etc.
-
-
-142. Vom einfachsten bis zum erweitertsten einfachen Satze.
-
-I.
-
- Subj.: Gott Der Geist Der Wasserfall
- Präd.: ist ein Geist. ist unsterblich. braust.
-
-
-II. ~A.~
-
- Subj.: Das Bild Die Kälte Der Dorn
- =Beif.=: des Vaters Sibiriens der Rose
- Präd.: ist ein Heiligthum. ist groß. verwundet.
-
-
-~B.~
-
- Beif.: Der fromme Plötzliche Das arme
- Subj.: Elias Abkühlung Kind
- Präd.: war ein Prophet. ist schädlich. bettelt.
-
-
-~C.~
-
- Beif.: Sein Unser Mein
- Subj.: Vater Heer Blut
- Präd.: war ein Graf. ist tapfer. wallt.
-
-
-~D.~
-
- Subj.: Die Noth Die Scheere Der Storch
- Beif.: unter den Menschen in Kindeshand auf dem Dache
- Präd.: ist ein Besserungsmittel. ist gefährlich. klappert.
-
-
-III. 1. ~A.~
-
- Subj.: Gott Ein Engländer Der Wolf
- Präd.: (Zeitw.) regiert bestieg raubt
- =Ergänz. 4. Fall:= die Welt. den Montblanc. Lämmer.
-
-
-~B.~
-
- Subj.: Der Mitleidige Gott Der Magen
- Präd.: hilft verzeiht dient
- =Erg. 3. Fall:= dem Armen. dem Sünder. den Gliedern.
-
-
-~C.~
-
- Subj.: Der Müde Die Nacht Der Feind
- Präd.: wünscht beginnt hoffte
- Ergänz.: zu ruhen. zu dämmern. zu siegen.
-
-
-~D.~
-
- Subj.: Der Fromme Der Christ Das Gebet
- Präd.: weiht dankt gibt
- Erg. 3. Fll.: dem Herrn Jesu dem Schwachen
- Erg. 4. Fll.: sein Leben. die Erlösung. Kraft.
-
-
-2.
-
- Subj.: Die Strenge ist Die Eltern sind Der Stolze ist
- Ergänz.: dem Kinde der Liebe auf seine Schönheit
- Präd.: (Eigsch.) heilsam. werth. stolz.
-
-
-IV. ~A.~
-
- Subj.: Kain Das Schiff Viele
- Präd.: fand nahm finden
- Ort: nirgends an dem Strande in Californien
- Erg. 4. Fll.: Ruhe. Steinkohlen auf. Gold.
-
-
-~B.~
-
- Subj.: Der Hund Paul Der Reiter
- Präd.: folgt half sah
- Erg. 3. Fll.: seinem Herrn dem Blinden seinem Pferde
- Ort: in alle Welt. über den Graben. in das Maul.
-
-
-~C.~
-
- Subj.: Die Weisen Der Hauptmann Der Jagdhund
- Präd.: brachten schickte brachte
- Erg. 3. Fll.: dem Heilande seinen Kindern dem Förster
- Erg. 4. Fll.: Geschenke Anzüge einen Hasen
- Ort: aus dem Morgenlande. von Paris. über die Stoppel
- daher.
-
-
-V. ~A.~
-
- Subj.: Der Gerechte Gustav Adolf Der Wächter
- Präd.: findet sprach ertappte
- Zeit: einst vor der Schlacht während der
- Nacht
- Ort: drüben unter freiem in einem Keller
- Himmel
- Erg. 4. Fll.: seinen Lohn. ein Gebet. einen Dieb.
-
-
-~B.~
-
- Subj.: Die alten Deutschen Die Schweizer Bello
- Präd.: opferten huldigten wehrte
- Zeit: tagelang immer stets
- Ort: in ihren Hainen in ihren Bergen an der Thür
- Erg. 3. Fll.: den Götzen. der Freiheit. den Bettlern.
-
-
-~C.~
-
- Subj.: Der Lehrer Die Weichsel Der Fuchs
- Präd.: erzählt überschwemmt stiehlt
- Zeit: mitunter fast alljährlich zuweilen
- Ort: in der Schule in Polen im Hofe
- Erg. 3. Fll.: den Schülern den Landbewohnern der Bauerfrau
- Erg. 4. Fll.: eine Geschichte. die Fluren. eine Gans.
-
-
-VI. ~A.~
-
- Subj.: Huß Luther Kain
- Präd.: erlitt schlug erschlug
- Zeit: 1415 1517 einst
- Ort: zu Konstanz an die Schloßkirche am Opferfeuer
- =Weise=: geduldig freimüthig wuthentbrannt
- Erg. 4. Fll.: den Feuertod. 95 Sätze an. den Abel.
-
-
-~B.~
-
- Subj.: Johannes der Christus Petrus
- Täufer
- Präd.: predigte verzieh verleugnete
- Zeit: vor Christo dermalen in jener Nacht
- Ort: in der Wüste am Kreuze in der Vorhalle
- Weise: mit Nachdruck von Herzen auf schmähliche Weise
- Erg. 3. Fll.: dem Volke. seinen Feinden. seinen Herrn.
-
-
-~C.~
-
- Subj.: Der Richter Der fromme Greis Noah
- Präd.: verkündigte widmete brachte
- Zeit: am Montage jeden Abend nach der Sündflut
- Ort: im Gerichtssaale in seinem Kämmerlein unter freiem
- Himmel
- Weise: mit bewegter andächtigen mit dankbaren
- Stimme Herzens Gefühlen
- Erg. 3. Fll.: einem Mörder dem lieben Herrgott dem Herrn
- Erg. 4. Fll.: das Todesurtheil. ein Gebet. ein Opfer.
-
-
-VII. ~A.~
-
- Subj.: Elise Sebastian Ein Knecht
- Präd.: häkelte zertrümmerte erschlug
- Zeit: am Sonntage heute früh gestern
- Ort: in der Laube vor dem Spiegel auf der Wiese
- =Beweggr.=: aus Langerweile aus Muthwillen aus Bosheit
- Weise: gemächlich schnell kalten Herzens
- Erg. 4. Fll.: eine Börse. eine Gipsfigur. eine junge Katze.
-
-
-~B.~
-
- Subj.: Julius Der Großvater Viele Leute
- Präd.: erhält trägt trinken
- Zeit: zuweilen im Winter in der Früh
- Ort: in der Schule auf der Straße in ihrer Behausung
- =Ursache=: wegen Faulheit der Kälte halber auf ärztlichen
- Rath
- Weise: vor allen Kindern mit Wohlbehagen ohne Widerstreben
- Erg. 4. Fll.: Strafe. einen Pelz. bittre
- Wässer.
-
-
-~C.~
-
- Subj.: Ein Hauptmann Der Klassenoberste Rosalie
- Präd.: überreichte sang kaufte
- Zeit: am Donnerstage am Examentage vorigen Freitag
- Ort: im Kasernenhofe in der Aula auf dem Jahrmarkte
- Erg. 3. Fll.: seinem dem Schulinspector ihrer Großmutter
- Feldwebel
- =Zweck=: zur Auszeichnung zur Ergötzung zum Geburtstage
- Weise: unter mit viel Gefühl schleunigst noch
- Trompetenschall
- Erg. 4. Fll.: einen Orden. eine Arie. eine Kaffeetasse.
-
-
-VIII. ~A.~
-
- Subj.: Ein junger Häuptlinge Heinrich
- Bildhauer der Wilden
- Präd.: arbeitete geben zerbrach
- Zeit: in seinen zuweilen gestern Abend
- Mußestunden
- Ort: auf seinem in ihren Zelten in der Kinderstube
- Zimmer
- Erg. 3. Fll.: seinem alten fremden Gästen seinem Bruder
- Lehrer
- =Beweggr.=: aus Dankbarkeit aus Hochachtung aus Neid
- Weise: in aller Stille mit sichtlichem ungesehen
- Stolze
- Erg. 4. Fll.: Schiller’s Büste ein Gastmahl ein Spielzeug
- =Stoff=: aus Alabaster. von dem Fleische aus Glas.
- erschlagener
- Feinde.
-
-
-~B.~
-
- Subj.: Gerhard Die Mutter Ein Regiment
- Präd.: baute nähte schenkte
- Zeit: vergangenen in zwei Tagen während des
- Herbst letzten Krieges
- Ort: im Holzstalle auf der mitten im
- Nähmaschine Lager
- Erg. 3. Fll.: seinem kleinen ihrer ältesten seinem Commandanten
- Bruder Tochter
- =Zweck=: für den Winter zum Balle zum Andenken
- Weise: mit wenig ohne besondere unter militärischer
- Werkzeugen Anstrengung Ceremonie
- Erg. 4. Fll.: einen Schlitten ein Kleid ein Paar Sporen
- Stoff: aus Eichenholz. aus blauer von purem
- Seide. Golde.
-
-
-~C.~
-
- Sub.: Ein Koch Der Kürschner Ein Drechsler
- Präd.: bereitete verfertigte arbeitete
- Zeit: neulich vergangene am Donnerstage
- Woche
- Ort: in einem in seiner Wohnung an seinem
- Gasthause Werktische
- Erg. 3. Fall: einem Fremden dem Großvater dem Invaliden
- Ursache: aus Unkenntniß der Kälte um seines lahmen
- halber Beines willen
- Weise: eiligst nach dem Maße unentgeltlich
- Erg. 4. Fall: ein Glas Grog ein Paar Hausschuhe eine Krücke
- Stoff: aus Nordhäuser. aus Schafpelz. aus Buchsbaumholz.
-
-
-IX.
-
- Subj.: Die Tochter Bertha Die Gemeinde
- des Hauptmanns zu X.
- Präd.: kaufte mußte überreichte
- Zeit: vor drei Tagen binnen acht Tagen am Sonntage
- Ort: in einem Gewölbe in Papas Stube in seinem
- Studirzimmer
- Erg. 3. Fll.: ihrem Onkel der kleinen ihrem Seelsorger
- Schwester
- Bew., Urs.,
- Zweck: aus Anhänglichkeit wegen Faulheit zum Jubiläum
- Weise: ohne Handel mit aller Sorgfalt feierlich
- Zahl: zwei drei ein Dutzend
- Erg. 4. Fll.: Armleuchter Nachthäubchen Speiselöffel
- Stoff: aus blankem aus Wolle aus gediegenem
- Neusilber. stricken. Silber.
-
-
-143. Fragen nach den einzelnen Satztheilen.
-
- Wer? } Nach dem Subjecte.
- Was? }
-
- Was für ein? } Nach der Beifügung.
- Wessen? }
-
- Was? }
- Wen? } Nach der Ergänzung.
- Wem? }
-
- Wann? }
- Wie lange? } Nach der Zeit.
- Wie oft? }
- Seit wann? }
-
- Wo? }
- Wohin? } Nach dem Orte.
- Woher? }
-
- Wie? Nach der Art und Weise.
-
- Weshalb? Nach der Ursache.
-
- Warum? Nach dem Beweggrunde.
-
- Woran? Nach dem Erkenntnißgrunde.
-
- Wozu? Nach dem Zwecke.
-
- Wie viel? Nach der Zahl.
-
- Woraus? Nach dem Stoffe.
-
-
-
-
-Ein möglichst erweiterter einfacher Satz.
-
-
-144. Für die Friedenszeit.
-
-Der junge Haustischler eines reichen Grafen im fernen Ungarlande hat
-während der regnerischen Tage des letzten Herbstes in seiner düsteren
-Werkstatt in den hinteren Räumen des gräflichen Schlosses zu P. mit
-äußerster Anstrengung all seines Geschmacksinnes dem alten Generale des
-siebenten Regimentes der östreichischen Husaren zu dessen häuslicher
-Bequemlichkeit während der langen Friedenszeit zwei prachtvolle Sophas
-aus dem feinsten Cedernholze gefertigt.
-
-
-
-
-Fragen nach den einzelnen Satztheilen.
-
-(Praktische Ausführung.)
-
-
-1) Wie heißt der einfache Satz?
-
- Der Tischler fertigte.
-
-2) Wer fertigte?
-
- +Der Tischler+ fertigte.
-
-3) Welche Thätigkeit vollzog der Tischler?
-
- Er +fertigte+.
-
-4) Was fertigte er?
-
- Er fertigte +Sophas+.
-
-
-1) Was für ein Tischler fertigte Sophas?
-
- Der +junge+ Tischler etc.
-
-2) Wessen junger Tischler fertigte Sophas?
-
- Der junge Tischler eines +Grafen+ etc.
-
-3) Was für eines Grafen?
-
- Der junge Tischler eines +reichen+ Grafen.
-
-4) Was für eines reichen Grafen?
-
- Eines reichen Grafen +aus dem Ungarlande+.
-
-5) Aus was für einem Ungarlande?
-
- Aus dem +fernen+ Ungarlande.
-
-
-6) Was fertigte der junge Tischler eines etc.?
-
- Der junge Tischler eines reichen Grafen aus dem fernen Ungarland
- fertigte +Sophas+.
-
-7) Was für Sophas fertigte der junge etc.?
-
- Der junge etc. fertigte +prachtvolle+ Sophas.
-
-8) Wie viel prachtvolle Sophas fertigte der junge etc.?
-
- Der junge etc. fertigte +zwei+ prachtvolle Sophas.
-
-
-9) Woraus fertigte der junge etc. zwei prachtvolle Sophas?
-
- Der junge etc. fertigte zwei etc. aus +Cedernholz+.
-
-10) Aus was für Cedernholz fertigte etc.?
-
- Der junge etc. fertigte etc. aus dem +feinsten+ Cedernholze.
-
-
-11) Wem fertigte der junge etc. zwei etc. aus dem feinsten Cedernholze?
-
- Der junge etc. fertigte +dem Generale+ zwei etc. aus dem feinsten
- Cedernholze.
-
-12) Was für einem Generale fertigte der etc.?
-
- Der junge Tischler etc. fertigte dem +alten+ Generale etc.
-
-13) Wessen altem Generale fertigte etc.?
-
- Der junge Tischler etc. dem alten Generale des +Regiments+ etc.
-
-14) Was für eines Regiments?
-
- Des +siebenten+ Regiments.
-
-15) Wessen siebenten Regiments?
-
- Des siebenten Regiments der +Husaren+.
-
-16) Was für Husaren?
-
- Der +östreichischen+ Husaren.
-
-
-17) Wozu fertigte der junge etc. dem alten etc. zwei etc. aus dem
-feinsten Cedernholze?
-
- Der junge etc. fertigte etc. dem etc. zwei etc. zur +Bequemlichkeit+.
-
-18) Zu was für einer Bequemlichkeit fertigte etc.?
-
- Der junge etc. zur +häuslichen+ Bequemlichkeit.
-
-19) Zu wessen häuslicher etc. fertigte etc.?
-
- Der junge etc. zu +dessen+ häuslicher Bequemlichkeit.
-
-20) Zu was für einer häuslichen etc. fertigte etc.?
-
- Der junge etc. zu dessen häuslicher Bequemlichkeit während +der
- Friedenszeit+.
-
-21) Während was für einer Friedenszeit?
-
- Während der +langen+ Friedenszeit.
-
-
-22) Wie fertigte der junge Tischler dem etc.?
-
- Der junge etc. fertigte etc. +mit Anstrengung+ zwei prachtvolle etc.
-
-23) Mit was für Anstrengung fertigte etc.?
-
- Der junge etc. mit +äußerster+ Anstrengung zwei etc.
-
-24) Mit wessen äußerster Anstrengung fertigte etc.?
-
- Der junge etc. mit äußerster Anstrengung +des Geschmacksinnes+ zwei
- etc.
-
-25) Mit wessen Geschmacksinnes?
-
- +Seines+ Geschmacksinnes.
-
-26) Mit wie viel seines Geschmacksinnes?
-
- Mit äußerster Anstrengung +all+ seines Geschmacksinnes.
-
-
-27) Wo fertigte der junge Tischler etc. dem etc.?
-
- Der junge etc. +in der Werkstatt+ etc. dem etc.
-
-28) In was für einer Werkstatt fertigte etc.?
-
- Der junge etc. in der +düsteren+ Werkstatt etc.
-
-29) In wessen düsterer Werkstatt fertigte etc.?
-
- Der junge etc. in +seiner+ düsteren Werkstatt etc.
-
-30) In was für einer düsteren Werkstatt fertigte etc.?
-
- Der etc. in seiner düsteren Werkstatt +der Räume+ etc.
-
-31) In wessen Räumen?
-
- In den Räumen +des Schlosses+ etc.
-
-32) In was für einem Schlosse?
-
- In dem +gräflichen+ Schlosse.
-
-33) In was für Räumen des gräflichen Schlosses?
-
- In den +hinteren+ Räumen des gräflichen Schlosses.
-
-34) Wann fertigte der junge etc. in etc. dem etc. zu etc. mit etc. zwei
-etc. aus Cedernholz?
-
- Der junge etc. während +der Tage+ etc.
-
-35) Während welcher Tage?
-
- Der junge etc. während der Tage +des Herbstes+ etc.
-
-36) Was für eines Herbstes?
-
- Der junge etc. während der Tage des +letzten+ Herbstes etc.
-
-37) Während welcher Tage des letzten Herbstes?
-
- Der junge etc. während der +regnerischen+ Tage des letzten Herbstes
- etc.
-
-
-
-
-Zusammenfassung der vollständigen Satztheile.
-
-
-1) Wer fertigte während -- aus dem feinsten Cedernholze?
-
- +Der junge Tischler eines reichen Grafen im fernen Ungarlande+
- fertigte etc.
-
-2) Was fertigte der -- Ungarlande?
-
- Den junge etc. fertigte +prachtvolle Sophas+.
-
-3) Wie viel Sophas fertigte -- Ungarlande?
-
- Der junge etc. fertigte +zwei+ Sophas.
-
-4) Woraus fertigte -- Sophas?
-
- Der junge etc. fertigte etc. +aus dem feinsten Cedernholze+.
-
-5) Wem fertigte -- Cedernholze?
-
- Der junge etc. fertigte etc. +dem alten General des siebenten
- Regiments der östreich. Husaren+ etc.
-
-6) Wozu fertigte -- Cedernholze?
-
- Der junge etc. +zu dessen häuslicher Bequemlichkeit während der
- langen Friedenszeit+ etc.
-
-7) Wie fertigte -- Cedernholze?
-
- Der junge etc. +mit äußerster Anstrengung all seines Geschmacksinnes+
- etc.
-
-8) Wo fertigte -- Cedernholze?
-
- Der junge etc. +in seiner düsteren Werkstatt in den hinteren Räumen
- des gräflichen Schlosses+ etc.
-
-9) Wann fertigte -- Cedernholze?
-
- Der junge etc. +während der regnerischen Tage des letzten Herbstes+
- etc.
-
-
-
-
-Anhang.
-
-
-Eine Art von Aufgaben.
-
-(Bilde Sätze auf folgende Fragen.)
-
-1) Wer? (Was?) Was ist er (sie, es)?
-
- Der Bleistift ist ein Schreibwerkzeug.
-
-2) Wer? Wie ist er?
-
- Der Bleistift ist spitzig.
-
-3) Wer? Was thut er?
-
- Der Bleistift schreibt.
-
-
-4) =Was für ein?= Wer? Was ist (wie ist, was thut) er?
-
- Der bunte Rock ist ein Kleidungsstück.
-
-5) Wer? =Wessen?= Wie ist (was ist, was thut) er?
-
- Der Rock des Kindes ist warm.
-
-6) =Was für ein?= Wer? Wessen? Was thut (was ist, wie ist) er?
-
- Der bunte Rock des Kindes wärmt.
-
-7) Was für ein? Wer? Wessen? Was thut er? =Was= (wen)?
-
- Der geschickte Drechsler der Residenz arbeitet ein Schachspiel.
-
-8) Was für ein? Wer? Wessen? Was thut er? =Wem?= Was?
-
- Der geschickte Drechsler der Residenz arbeitet dem Grafen ein
- Schachspiel.
-
-9) Was für ein? Wer? Wessen? Was that er? =Wann?= (wie oft,
-
- Der geschickte Drechsler der Residenz arbeitete voriges Jahr
-
- wie lange, seit wann)? Wem? Was?
-
- dem Grafen ein Schachspiel.
-
-10) Was für ein? Wer? Wessen? Was that er? Wann?
-
- Der geschickte Drechsler der Residenz arbeitete voriges Jahr
-
- =Wo?= Wem? Was?
-
- in seiner Werkstatt dem Grafen ein Schachspiel.
-
-11) Was für ein? Wer? Wessen? Was that er? Wann?
-
- Der geschickte Drechsler der Residenz trug gestern
-
- Wem? Was? =Wohin= (woher)?
-
- dem Grafen ein Schachspiel in seine Wohnung.
-
-12) Was für ein? Wer? Wessen? Was that er? Wann?
-
- Der geschickte Drechsler der Residenz arbeitete voriges Jahr
-
- Wo? Wem? =Wie?= Was?
-
- in seiner Werkstatt dem Grafen mit großer Sorgfalt ein Schachspiel.
-
-13) Was für ein? Wer? Wessen? Was that er? Wann?
-
- Der geschickte Drechsler der Residenz arbeitete voriges Jahr
-
- Wo? Wem? =Weshalb?= Wie?
-
- in seiner Werkstatt dem Grafen auf Bestellung mit großer Sorgfalt
-
- Was?
-
- ein Schachspiel.
-
-14) Was für ein? Wer? Wessen? Was that er? Wann?
-
- Der geschickte Drechsler der Residenz arbeitete voriges Jahr
-
- Wo? Wem? =Warum?= Wie?
-
- in seiner Werkstatt dem Grafen aus Dankbarkeit mit großer Sorgfalt
-
- Was?
-
- ein Schachspiel.
-
-15) Was für ein? Wer? Wessen? Was that er? Wann?
-
- Der geschickte Drechsler der Residenz arbeitete voriges Jahr
-
- Wo? Wem? =Wozu?= Wie?
-
- in seiner Werkstatt dem Grafen zur Unterhaltung mit großer Sorgfalt
-
- Was?
-
- ein Schachspiel.
-
-16) Was für ein? Wer? Wessen? Was that er? Wann?
-
- Der geschickte Drechsler der Residenz arbeitete voriges Jahr
-
- Wo? Wem? Wozu? Wie?
-
- in seiner Werkstatt dem Grafen zur Unterhaltung mit großer Sorgfalt
-
- =Wie viel?= Was?
-
- zwei Schachspiele.
-
-17) Was für ein? Wer? Wessen? Was that er? Wann?
-
- Der geschickte Drechsler der Residenz arbeitete voriges Jahr
-
- Wo? Wem? Wozu? Wie?
-
- in seiner Werkstatt dem Grafen zur Unterhaltung mit großer Sorgfalt
-
- Wieviel? Was? =Woraus?=
-
- zwei Schachspiele aus Nußbaumholz.
-
- =NB.= Zu den Ergänzungen, Zeit-, Ortsbestimmungen etc. etc. können
- natürlich wieder einfache oder doppelte Beifügungen gesetzt werden.
-
- Es lassen sich durch Weglassung eines Satztheiles oder mehrerer
- Satztheile noch verschiedene Variationen in Bezug auf diese Art
- Aufgaben gewinnen. Z. B.
-
- Wer? Was that er? Was? Woraus?
- (Der Knabe bildete Figuren aus Wachs.)
-
- Wer? Wie war er? Wo?
- (Der Knabe war lustig im Garten.)
-
- Wer? Was thut er? Wen? Wie oft?
- (Der Knabe begießt die Blumenstöcke alle zwei Tage.)
-
- Wer? Was that er? Wann? Wem? Was?
- Der Diener überbrachte vorhin dem Herrn einen Brief.
-
-Den schwächeren Schülern +gebe+ man die einfachen Sätze zu dem Zwecke,
-sie nach den vorgeschriebenen Fragen zu erweitern. Z. B.: Der Jäger
-schoß. Der Bote übergab. Der Knabe schnitzte. Der Feind entriß u.
-dgl. m.
-
-
-Druck von Metzger & Wittig in Leipzig.
-
-
-
-
- Sprachbilder
-
- nach
-
- bestimmten Sprachregeln.
-
- Ein einfaches und praktisches Hilfsbuch
-
- für den
-
- deutschen Sprachunterricht in der Volksschule.
-
- Für Lehrer und Schüler
-
- gearbeitet von
-
- Franz Wiedemann,
-
- Oberlehrer an der Neustädter Bürgerschule in Dresden.
-
- Zweiter Theil.
-
- [Illustration]
-
- Leipzig.
-
- Alfred Oehmigke’s Verlag.
-
- (Moritz Geißler.)
-
-
-
-
-Inhalts-Verzeichniß.
-
-
- ~C.~ Der zusammengezogene Satz.
-
- I. Einfache Zusammenziehungen.
-
- Seite.
-
- Zwei Subjecte 1. Die Wilderer 1
-
- Mehrere Subjecte 2. Drei Verdienstvolle 2
-
- Zwei Aussagen 3. Die zahme Gans 3
-
- Mehrere Aussagen 4. Martin 4
-
- Zwei Beifügungen 5. Ein guter König 4
-
- Mehrere Beifügungen 6. Der Bergmann 5
-
- Zwei u. mehrere Ergänzungen 7. Die Sonne 6
-
- Desgl. 8. Der Blinde 7
-
- Zwei Ortsbestimmungen. Verhältnißwörter 9. Eine Landplage 8
-
- Desgl. Umstandswörter 10. Der Christbaum 9
-
- Zwei Zeitbestimmungen 11. Der Kranke 9
-
- Desgl. 12. Die Glocken 11
-
- Zwei Best. der Art u. Weise 13. Elise 12
-
- Desgl. 14. Das Kanonenfieber 12
-
- Zwei Beweggründe 15. Gott und wir 14
-
- Zwei Zwecke 16. Die Kuh 14
-
- Zwei Stoffe 17. Der kleine Künstler 14
-
- +Wiederholung.+
-
- Alle Arten Zusammenziehungen 18. Ludwig und Günther 15
-
- Forts. 19. Die Luft 16
-
- Forts. 20. Einfache Kost 17
-
- Forts. 21. Zwei Brüder 18
-
-
- II. Mehrfache Zusammenziehungen.
-
- Subjective, Ergänzungen, Beifügungen
- etc. 22. Zwei berühmte Sänger 18
-
- Forts. 23. Der Winter 19
-
- Forts. 24. Stolz und Eitelkeit 20
-
-
- III. Arten der Zusammenziehung.
-
- Zusammenstellend 25. Ein Kampf 21
-
- Desgl. 26. Die Erzväter 22
-
- Entgegenstellend 27. Das Meer 23
-
- Desgl. 28. Geld 24
-
- Begründend 29. Der Maikäfer 24
-
- Desgl. 30. Die Bibel 25
-
- =Hauptwiederholung.=
-
- Alle Arten der Zusammenziehung 31. Die Katze 25
-
-
- ~D.~ Zusammengesetzte Sätze.
-
-
- I. Ohne Bindewörter.
-
- Zusammenstellend 32. Der Morgen 26
-
- Desgl. 33. Auf dem Meere 27
-
- Entgegenstellend 34. Der junge Graf 27
-
- Desgl. 35. Eine Feuersbrunst 28
-
- Begründend 36. Frühling 28
-
- Desgl. 37. Die Sündfluth 29
-
- +Wiederholung.+
-
- Zusammenstellend, entgegenst.,
- begründend 38. Eine Dampfwagenfahrt 29
-
-
- II. Mit Bindewörtern.
-
- Zusammenstellend 39. Ein Doppelfest 30
-
- Desgl. 40. Abend 31
-
- Entgegenstellend 41. Maß halten 32
-
- Desgl. 42. Das Feuer 32
-
- Begründend 43. Die Schule 33
-
- Desgl. 44. Die Kartoffel 34
-
- +Wiederholung.+
-
- Zusammenstellend, entgegenst.,
- begründend 45. Die Jagd 35
-
- Desgl. 46. Der Brudermord 35
-
- Mit und ohne Bindewörter 47. Entstehung des Brodes 36
-
- Desgl. 48. Das Haus 36
-
- Mit und ohne Bindew., Zusammenstellend,
- entgegenst., begründend 49. Eine Luftschifffahrt 37
-
- =Hauptwiederholung.=
-
- Zusammengezogene u. zusammengesetzte
- Sätze 50. Der letzte Klos 38
-
-
- ~E.~ Satzgefüge.
-
-
- I. Subjectivsätze.
-
- 1. Vollständige Subjectivsätze.
-
- Der Subjectivsatz voran 51. Natur 40
-
- Desgl. 52. Gottvertrauen 41
-
- Der Subjectivsatz zuletzt 53. Der Hund 41
-
- Der Subjectivsatz voran u. zuletzt 54. Die Erde 42
-
- 2. Abgekürzte Subjectivsätze 55. Selbsterkenntniß 43
-
- +Wiederholung.+
-
- Vollst. u. abgekürzte Subjectivs. 56. Die Todten 43
-
- =Hauptwiederholung.=
-
- Zusammengesetzte Sätze u. Satzgefüge 57. Im Winter 44
-
-
- II. Prädikatsätze.
-
- Prädikatsätze 58. Gott und der Mensch 45
-
- =Hauptwiederholung.=
-
- Subjectiv- u. Prädikatsätze 59. Ein trauriger Pfad 45
-
-
- III. Beifügesätze.
-
- 1. Vollständige Beifügesätze.
-
- Der Beifügesatz zuletzt 60. Ein Schulkreuz 46
-
- Der Beifüges. in der Mitte 61. Ein muthiger Knabe 47
-
- Der Beifügesatz umschreibt
- ein Eigenschaftswort 62. Flora 48
-
- Desgl. ein Mittelwort 63. Eine Bergpartie 49
-
- Desgl. ein Besitz anzeig. Fürw. 64. Verschiedene Besitzungen 50
-
- Desgl. eine Ortsbestimmung 65. Ein Todtenbette 51
-
- Desgl. eine Zeitbestimmung 66. Deutschland 52
-
- Desgl. eine Art u. Weise 67. Der Lebensmüde 53
-
- Desgl. einen Grund oder Zweck 68. Vaterlandsliebe 54
-
- Desgl. ein Hauptw. im 2. Falle 69. Gleiche Rechte, gleiche
- Pflichten 55
-
- Desgl. ein Zeitw. in reiner Form 70. Das kindliche Spiel 56
-
- Desgl. ein Doppelhauptw. 71. Räthsel 56
-
- Desgl. eine Zahlbestimmung 72. Die Bienen 57
-
- Desgl. eine Apposition 73. Biblische Beinamen 57
-
- +Wiederholung.+
-
- Alle Arten Beifügungen 74. Der sterbende Löwe 58
-
- Desgl. 75. Das Wasser 59
-
- 2. Abgekürzte Beifügesätze 76. Bete und arbeite 60
-
- +Wiederholung.+
-
- Vollständ. u. abgekürzte Beifüges. 77. Napoleon I. 61
-
- =Hauptwiederholung.=
-
- Subjectiv-, Prädikat- und Beifügesätze 78. Die Sklaven 62
-
-
- IV. Ergänzungssätze.
-
- 1. Vollständige Ergänzungssätze.
-
- Im 4. Falle 79. Saat u. Ernte 63
-
- Desgl. 80. Die kranke Freundin 64
-
- Im 3. Falle 81. Lebensregeln 65
-
- Desgl. 82. Mütterliche Lehren 65
-
- Im 2. Falle 83. Kindespflicht 66
-
- Der Ergänzungss. umschreibt ein
- Hauptw. mit Verhältnißwort 84. Ein edler Fürst 67
-
- Desgl. ein Zeitw. in abhängiger
- Form 85. Der alte Räuberhauptmann 67
-
- Der Ergänzungss. in unbestimmter
- Redeweise 86. An der Indianergrenze 68
-
- 2. Abgekürzte Ergänzungssätze 87. Der Tollkühne 69
-
- +Wiederholung.+
-
- Verschiedene Arten der Ergänzungssätze 88. Der feuerspeiende Berg 69
-
- =Hauptwiederholung.=
-
- Subjectiv-, Prädikat-, Beifügungs-
- u. Ergänzungssätze 89. Das Reisen 71
-
-
- V. Anführungssätze.
-
- 1. Wörtlich.
-
- Der Hauptsatz voran 90. Die Bibel der Natur 72
-
- Desgl. zuletzt 91. Beim Brande 73
-
- Desgl. in der Mitte 92. Zwiespalt 74
-
- +Wiederholung.+
-
- Alle drei Fälle abwechselnd 93. Die Weidenraupe 74
-
- 2. Nicht wörtlich.
-
- Der Hauptsatz voran 94. Das Wetter 75
-
- Desgl. zuletzt 95. Am Krankenbette 76
-
- Desgl. in der Mitte 96. Der Fund 76
-
- +Wiederholung.+
-
- Alle drei Fälle 97. Ochs und Esel 77
-
- Wörtlich u. nicht wörtlich 98. Das Gespenst 78
-
- =Hauptwiederholung.=
-
- Subjectiv-, Prädikat-, Beifüge-,
- Ergänzungs- u. Anführungssätze 99. Ehre das Alter 79
-
-
- VI. Umstandssätze.
-
- 1. Umstandssätze des Ortes 100. Unschuldig Verfolgte 80
-
- Desgl. 101. Reichthum 81
-
- 2. Umstandssätze der Zeit.
-
- ~a.~ Gleichzeitigkeit.
-
- 102. Peter der Große 83
-
- Desgl. 103. Aus dem Tagebuche eines
- Kriegers 82
-
- ~b.~ Ungleichzeitigkeit.
-
- 104. Gewissenhaftigkeit 84
-
- +Wiederholung.+
-
- Gleich- und Ungleichzeitigkeit 105. Das Wüstenungeheuer 84
-
- Umstandssätze des Ortes und der
- Zeit 106. Die Missionäre 85
-
- 3. Umstandssätze der Art u. Weise.
-
- ~a.~ Unverkürzt.
-
- ~aa.~ Ohne Vergleichung.
-
- 107. Roderich 86
-
- ~bb.~ Mit Vergleichung.
-
- 108. Ein Sprichwort 87
-
- ~b.~ Abgekürzt.
-
- 109. Auf der Wolfsjagd 88
-
- +Wiederholung.+
-
- Unverkürzt u. abgekürzt 110. Die Rettung 89
-
- Umstandssätze des Ortes, der Zeit
- u. der Art und Weise 111. Eine Lebensgeschichte 90
-
- 4. Umstandssätze des Grundes.
-
- ~a.~ Wirkliche Gründe.
-
- ~aa.~ Stoff. Ursache. Erkenntnißgrund.
-
- 112. Die Fledermaus 91
-
- ~bb.~ Beweggrund. Zweck. Ziel.
-
- 113. Mutterliebe 92
-
- +Wiederholung.+
-
- Alle Arten Umstandssätze des
- Grundes 114. Der Mensch 93
-
- Umstandssätze des Ortes, d. Zeit,
- der Art u. Weise u. des wirklichen
- Grundes 115. Der Apfelbaum 94
-
- ~b.~ Mögliche Gründe.
-
- ~aa.~ Bedingungssätze.
-
- 116. Der sterbende Vater 95
-
- ~bb.~ Einräumungssätze.
-
- 117. Die Zunge 96
-
- +Wiederholung.+
-
- Bedingungs- und Einräumungssätze 118. Bildung 96
-
- Umstandssätze des Ortes, der
- Zeit, der Art u. Weise, des
- wirklichen u. möglichen Grundes 119. Die Raubritter 97
-
- 5. Einschaltsätze.
-
- 120. Ein Dieb 99
-
- =Hauptwiederholung.=
-
- Subjectiv-, Präd.-, Ergänz.-, Umstands-,
- Anführungs- und Einschaltsätze 121. Der Mäusethurm 99
-
-
- ~F.~ Mehrfach gegliederte Sätze etc.
-
- Alle Arten Sätze 122. Gellert 102
-
- Desgl. 123. Geistesgegenwart 103
-
- Zwei vollständige Satzgefüge verbunden 124. Schlaf u. Tod 105
-
- Es beziehen sich mehrere Nebensätze
- auf einen Hauptsatz 125. Die Zukunft 105
-
- Desgl. 126. Hier und dort 106
-
- Desgl. 127. Das Turnen 107
-
- Der Nebensatz enthält wieder einen
- Nebensatz 128. Die Thierschutzvereine 107
-
- Desgl. 129. Ein Apfelkern 108
-
- Desgl. 130. Eine Wohlthäterin 109
-
- Der Anführungssatz ist ein Satzgefüge 131. Grille und Ameise 110
-
- Zusammengezogene, zusammengesetzte
- Sätze u. Satzgefüge verbunden 132. Eine Geburtstagsscene 111
-
- Die Periode 133. An Dich 112
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-~C.~ Der zusammengezogene Satz.
-
-
-~I.~ Einfache Zusammenziehungen.
-
-
-1. Der Wilderer.
-
-(Zwei Subjecte.)
-
-Der Mond und die Sterne standen bereits am Himmel. Ihr Glanz und
-ihr Geflimmer warfen einen matten Silberschein auf die stille Flur.
-Ringsumher lagerten tiefe Ruhe und ernster Friede. Nur einzelne Frösche
-und Unken erhoben in dem schilfdurchwachsenen Teiche noch ihre Stimmen.
-
-Da traten ein Vater und sein erwachsener Sohn aus einem Gebirgswalde
-hervor. Aus ihren Zügen sprachen Rohheit und finsteres Wesen. Ihre
-leisen Schritte und ihre ganze Haltung bekundeten große Vorsicht.
-
-Auf des Sohnes Schultern lagen ein Reh und zwei Hasen. Ueber den Rücken
-des Alten hingen eine kurze Büchse und ein großes Netz. Ihr Aeußeres
-und ihr scheues Verhalten ließen sie sofort als Wilddiebe erkennen.
-
-Stumm schlichen Vater und Sohn über die Felder dahin. Kein Wort, kein
-Laut kam über ihre Lippen.
-
-Bald hatten beide ein kleines Gebüsch erreicht. Hier aber traten ihnen
-plötzlich der Flurschütz und sein Hund entgegen. Schreck und Verwirrung
-bemächtigten sich der Diebe. Das kräftige Halt und die angelegte
-Doppelbüchse des Flurschützen kamen ihnen doch zu unerwartet. Weder
-Vertheidigung noch Flucht konnte sie retten. Blut und Leben hätten
-dabei auf dem Spiele gestanden.
-
-Nach wenig Minuten schritten der alte und der junge Wilddieb als
-Gefangene voran. Der Flurschütz und sein Hund folgten. Traurig blickten
-Mond und Sterne auf das düstere Bild hernieder.
-
-Wuth und Aerger lagerten auf den Zügen der beiden Verbrecher. Ihr Weg
-führte in die Frohnveste. Nach etwa einer Stunde sperrten sie Schloß
-und Riegel von dem freien Leben ab.
-
-Wochen und Monate zogen an ihren Kerkermauern vorüber. Endlich
-erfolgten das letzte Verhör und der Richterspruch. Feld- und
-Wilddieberei werden vom Gesetze hart geahndet. Vater und Sohn
-wanderten auf das Zuchthaus. Hier quälten sie nun freilich Reue und
-Gewissensbisse. Doch die Erkenntniß kam zu spät. Ehre und Freiheit
-waren verspielt.
-
-Was aber hatte jene Beiden nach und nach auf die verbrecherische
-Laufbahn geführt? Arbeitsscheu und Leichtsinn waren die einzige Ursache.
-
-
-2. Drei Verdienstvolle.
-
-(Mehrere Subjecte.)
-
-Kuh, Ziege und Schaf sind außerordentlich nützliche Hausthiere.
-Nicht nur ihr Tod, sondern auch ihr Leben gewähren uns mancherlei
-Vortheile. Milch, Butter und Käse würzen ja fast täglich unser Mahl.
-Sowohl die Kuh und die Ziege als auch das Schaf erzeugen durch ihren
-Dünger Fruchtbarkeit der Aecker. Wird den Kindern nicht oft auch ein
-Ziegenböcklein oder ein Lamm zum Vergnügen gehalten?
-
-Noch mehr Vortheil und Gewinn erwachsen aus ihrem Tode. Nicht blos Rind
-und Schöps, sondern auch das Ziegengeschlecht geben uns ein nahrhaftes
-Fleisch. Rinder-, Schöpsen- und Ziegenbraten essen wol alle Leute
-gern. Aber nicht blos ihr Fleisch, sondern auch ihr Fell, zudem ihre
-Haare und ihre Hörner sind sehr nützliche Artikel. Stiefeln, Schuhe
-und Pantoffeln, außerdem Taschen, Gürtel und Riemen, sogar Zäume und
-Sättel wachsen auf dem Rücken des Rindes. Weder Arme noch Reiche können
-deshalb dasselbe entbehren.
-
-Aus dem Felle der Ziege erstehen haltbare Schürzen, feste Handschuhe,
-sogar dauerhafte Beinkleider. Haus-, Schaf- und Reisepelze, sowie auch
-Müffe, Pelzstiefel und Reisedecken kommen vom Felle des Schafes. Und
-wie viel Kleidungsstücke, Stickereien und andere Schmuckgegenstände
-werden nicht erst aus seiner Wolle gefertigt!
-
-Den außerordentlichen Nutzen dieser Thiere erkannten schon die ältesten
-Nationen und Völkerstämme. Schon Abraham, Isaak und Jakob besaßen große
-Heerden. Rinder und Schafe bildeten ihre größten Reichthümer.
-
-
-3. Die zahme Gans.
-
-(Zwei Aussagen.)
-
-Die Gans ist ein Haus- und Wasservogel. Ihr Rumpf ist oval und ziemlich
-stark. Ihre Füße haben Nägel und Schwimmhäute. Ihr Hals ist lang
-und sehr beweglich. Der Schnabel hat eine breite Gestalt und eine
-abgerundete Spitze. Das Gefieder ist dicht und oft buntfarbig.
-
-Die Stimme der Gans ist weder klangvoll noch melodisch. Sie schnattert
-und gackert blos. Ihr Gang ist breitspurig und wacklig. Sie schwimmt
-zwar vortrefflich, fliegt aber schwerfällig. Ihre Eier sind allerdings
-groß, aber als Speise nicht eben gesucht. Ihr Fleisch dagegen ist sehr
-wohlschmeckend und darum beliebt.
-
-Die Gans ist namentlich wegen ihrer Federn sehr nützlich und deshalb
-sehr verbreitet. Sie wird daher in manchen Gegenden ganz besonders
-gehegt und gepflegt.
-
-
-4. Martin.
-
-(Mehrere Aussagen.)
-
-Martin war seinen Eltern ein unfolgsames Kind, in der Schule ein fauler
-Schüler und überhaupt ein ungezogener Knabe. Er war nicht blos zänkisch
-und schadenfroh, sondern auch lügenhaft und tückisch. Sein ganzes
-Benehmen war roh, wild und flegelhaft. Er hörte auf keine Mahnung,
-achtete keinen Tadel, ließ sich durch keine Strafe bessern.
-
-Seine Bücher hatten nicht nur Schmuzflecken und Blattohren, sondern
-auch keine Schalen mehr. Seine Kleider waren selten ganz, reinlich und
-in guter Ordnung. Natürlich wurden seine Schulcensuren immer geringer,
-kläglicher und entehrender.
-
-So war Martin seinen Eltern ein Angst-, Sorgen- und Schmerzenskind.
-Ebenso hatte der Lehrer mit ihm nichts als Verdruß und Aerger.
-
-Und was war die traurige Folge von all diesen Jugendsünden? Martin
-wurde später ein Faulenzer, ein Betrüger, ein Dieb und zuletzt ein
-Bewohner des Zuchthauses.
-
-
-5. Ein guter König.
-
-(Zwei Beifügungen.)
-
-Ein weiser und gerechter König ist für ein Land ein großes Glück. Er
-sorgt für das Wohl der Städte und Dörfer. Er fördert die Stätten der
-Wissenschaft und Kunst.
-
-Seine ebenso wohlwollenden als strengen Gesetze gewähren allen
-Unterthanen Schutz. Er unterstützt den Fleiß der Handwerker und
-Bodenbebauer. Er weiß den Segen einer guten Schulbildung und einer
-frommen häuslichen Erziehung zu würdigen. Er spendet jedem wirklichen
-Verdienste wohlverdiente und ermunternde Anerkennung.
-
-So strömt Segen von seinem erhabenen, gottbegnadeten Throne über das
-ganze Land. Allenthalben erblüht geistiges und leibliches Glück.
-
-Das Volk weiß dann aber auch ein solch fürsorgliches und väterliches
-Regiment zu schätzen. Mit vertrauensvollen und dankbaren Herzen blicken
-Alle zu dem Throne auf. Jeder Gutgesinnte zeigt nicht blos freudigen,
-sondern selbst aufopfernden Gehorsam. Für einen solchen Fürsten zieht
-das Volk willig in den gefahrvollen, blutigen Kampf. An der Gruft eines
-solchen Landesvaters steht es mit Herzen voll Weh und Schmerz.
-
-
-6. Der Bergmann.
-
-(Mehrere Beifügungen.)
-
-Der Bergmann hat einen nicht blos mühsamen, sondern auch gesundheits-,
-ja lebensgefährlichen Beruf. In dem tiefen, dunklen, unheimlichen
-Schachte ist seine Werkstätte. Die unterirdische ununterbrochene Nacht
-ist sein Werkeltag. Das kleine, dürftige Flämmchen seiner Grubenlaterne
-ist seine Sonne.
-
-Die Gefahr zu ersticken, zu verbrennen oder verschüttet zu werden
-schwebt fortwährend über seinem Haupte. Kann doch jeden Augenblick ein
-sogenanntes böses Wetter aus dieser oder jener Wand hervorbrechen. Kann
-doch jeden Tag das an sich zwar feste, aber weitgespannte Steingewölbe
-über dem armen ruhig arbeitenden Manne zusammenbrechen. Nicht selten
-droht ihm auch Unheil durch des Wassers tückische, verheerende Macht.
-
-Leider sind dergleichen schreckbare, grauenhafte, herzerschütternde
-Unglücksfälle gar nicht selten. Die Bergwerke wurden schon für Tausende
-von braven, biedern, redlich sich nährenden Menschen zum frühen,
-jammervollen Grabe.
-
-All diesen Gefahren aber geht der Bergmann tagtäglich mit muthigem,
-gottvertrauendem Herzen entgegen. Er zeigt überhaupt viel frommen,
-gottesfürchtigen Sinn.
-
-Vor jedem größeren Bergwerke erblickt man ein kleines, einfaches
-Bethaus. Hier stärkt er sich durch eine zwar kurze, aber erhebende
-Andacht zu dem schweren und gefahrvollen Gange in die Tiefe.
-
-Trotz der Arbeit voller Aengste und Bedrohnisse erhält der Bergmann
-aber doch nur einen bescheidenen, fast kärglichen Lohn. In Bergmanns
-Hütte herrscht daher nicht selten bittere, drückende Noth. Schwarzes,
-trockenes Brod bildet häufig seine Mahlzeit nach einer langen,
-erzfundreichen Schicht. Sein zufriedenes, genügsames Gemüth hilft ihm
-indeß auch dieses schwere, freudenleere Loos ertragen.
-
-
-7. Die Sonne.
-
-(Zwei und mehrere Ergänzungen.)
-
-Die Sonne führt verschiedene Titel und Namen. Der Dichter nennt
-sie die Mutter der Erde, die Königin des Tages, auch wol den Quell
-alles Lichtes. Der Sternkundige bezeichnet sie einfach als Fix- oder
-Standstern.
-
-Unendlich groß sind ihre Segnungen. Sie regiert Tag und Nacht. Sie
-spendet der Erde Licht und Wärme. Ihr milder Strahl erquickt sowohl die
-Menschen als auch die Thiere und die Pflanzen.
-
-Sie ruft den Frühling und den Sommer. Sie läßt den Herbst und den
-Winter einziehen. Sie zaubert das zarte Keimblättchen aus der Erde, die
-üppige Knospe aus dem Zweige, die purpurne Blüthe aus dem Kelche, die
-goldene Frucht an des Baumes Krone.
-
-Sie zeugt die Raupe in dem winzigen Ei und den Schmetterling in der
-geheimnißvollen Puppe. Ihre segnende Bahn streut Leben, Glück und
-Freude aus. Sie scheint Gerechten und Ungerechten.
-
-Und wie verherrlicht sie ihren Auf- und Niedergang! Welche Genüsse
-bereitet sie da dem Auge und dem gefühlvollen Herzen! Wen sollte nicht
-ein schöner Sonnenaufgang sowohl mit Bewunderung und Entzücken, als
-auch mit Dankgefühlen und stiller Andacht erfüllen? In wem erzeugte
-nicht ein schöner Sonnenuntergang nicht allein frohes Staunen, sondern
-auch ernste Betrachtungen?
-
-Die Größe und Majestät der Sonne erkannten daher auch schon die
-ältesten Völker. Einige ließen ihr sogar Anbetung und göttliche
-Verehrung zu Theil werden.
-
-
-8. Der Blinde.
-
-(Desgleichen.)
-
-Ein Blinder hat ein unsäglich schweres Loos, ein unendlich hartes
-Geschick zu ertragen. Sein Leben ist reich an Gefahren und
-Entbehrungen. Ihn kann weder der farbige Blumenteppich des Frühlings,
-noch das blitzende Diamantkleid des Winters, weder das majestätische
-Sternenzelt, noch das liebe Bild eines schönen Menschenantlitzes
-erfreuen.
-
-Er kann nie des Entzückens über eine reizende Landschaft, nie des
-Jubels über das herrliche Farbenspiel eines Regenbogens, nie auch
-der ergreifenden Gemüthsbewegung bei dem Anblicke wildzuckender
-Blitze theilhaftig werden. Auf jedem seiner Wege muß er stets seiner
-Unsicherheit und Hülflosigkeit eingedenk sein. Er muß jeden Laut, jedes
-kleine Geräusch beachten. Nur selten kann er des Stockes oder einer
-leitenden Hand entbehren.
-
-Ein solcher Unglücklicher verdient daher unser Mitleid, unsere
-herzlichste Theilnahme, unsere Unterstützung. Man muß natürlich an
-jedem Unglücklichen, ganz besonders aber an dem Tauben, Stummen und
-Blinden Barmherzigkeit üben. Ein diese Pflicht Vergessender ist weder
-unserer Achtung und Liebe, noch des Christennamens und der Gnade Gottes
-würdig.
-
-
-9. Eine Landplage.
-
-(Mehrere Ortsbestimmungen. Verhältnißwort.)
-
-Sowohl in Ungarn als auch in Serbien und Bosnien hausten ehedem sehr
-gefährliche Räuberbanden. Ihre Schlupfwinkel befanden sich in den
-dortigen Gebirgen und Wäldern. Ihre Lager schlugen sie in Höhlen und
-Felsenkesseln auf.
-
-Weder in den Städten, noch in den Dörfern war man vor diesem rohen
-Gesindel sicher. Einzelne der kühnen Gesellen wagten sich sogar am
-hellen Tage auf die Marktplätze, auf öffentliche Vergnügungsorte und in
-die Gotteshäuser. Kein Reisender konnte auf Wegen und Straßen für sein
-Leben unbesorgt sein. Immer mußte er ängstlich vor, neben, um und wol
-auch hinter sich blicken. Konnte ja doch jeden Augenblick ein solcher
-Wegelagerer aus einem Dickicht, hinter einer Felsenecke oder aus irgend
-einer Vertiefung hervorgesprungen kommen. Konnte ja doch auf jedem
-Schritte das tödtliche Rohr für ihn schon an einem Baumstamme, auf
-einem Erdhügel oder auf einer Felsenkante angelegt sein.
-
-So war aller Verkehr diesseits und jenseits der Donau höchst unsicher
-gemacht. Nur mit Hülfe des Militärs vermochte man endlich dem Unwesen
-zu steuern.
-
-Ganze Compagnien mußten in Bergen und Thälern umherstreifen. Nach
-Süd und Nord, nach Ost und West gingen einzelne Abtheilungen. Diese
-bewaffneten Männer spähten unter jeden Haufen dürrer Blätter, hinter
-jeden Steinblock, in jede Felsenspalte, nach jedem kleinen Thalkessel.
-
-Viele von den Räubern wurden in ihren Verstecken oder auch im freien
-Walde gefangen. Man führte sie zunächst auf die Militärwachen oder
-auch sofort in die Gefängnisse. Viele der Raubgesellen fanden ihren
-Tod auf der Stelle oder später am Galgen. Andere wurden lebenslänglich
-in die Zuchthäuser oder in andere Strafanstalten geschickt. Einzelne
-Räuberhäuptlinge büßten ihr verbrecherisches Leben bis an dessen
-Ende theils in unterirdischen Gefängnissen, theils in stockfinstern
-Festungszellen.
-
-Die Bewohner der dortigen Gegend aber athmeten nun wieder freier unter
-ihren Dächern und auf ihren Wanderungen.
-
-
-10. Der Christbaum.
-
-(Desgl. Umstandswort.)
-
-Clemens schrieb kurz nach dem Weihnachtsfeste an seine kleinen Vettern
-in Reichenbach und Chemnitz. An den einen berichtete er Folgendes über
-den Christbaum:
-
-Der Christbaum stand mitten in der Stube auf dem Tische. Er war oben
-und unten auf das prächtigste geschmückt.
-
-Hier und da blitzten lange Perlenschnuren. Links und rechts flatterten
-goldene Fähnchen an den Zweigen. Silberpapierne Vögelchen schwebten
-vermittelst dünner Gummifädchen rückwärts und vorwärts. Eine Menge
-allerliebster Engel schienen innen und außen auf- und nieder zu steigen.
-
-Inmitten der blitzenden Krone hing ein großer Ruprecht. Er trug hinten
-und vorn einen Sack. Mit der Rechten bewegte er eine lange Ruthe hin
-und her. Mit der Linken zeigte er bald aufwärts, bald abwärts.
-
-Hier und dort erblickte man auch vergoldete Schäfchen. Wol an dreißig
-brennende Kerzen sendeten ihre Strahlen nach den großen Pfeilerspiegeln
-hinüber und herüber. Und so war das ganze Zimmer bis in alle Ecken und
-Winkel festlich erleuchtet.
-
-
-11. Der Kranke.
-
-(Zwei Zeitbestimmungen.)
-
-„Wie geht es Deinem kranken Bruder?“ So fragte Paul den ihm begegnenden
-Moritz.
-
- +Moritz.+ Seit vorgestern und gestern war das Fieber im steten
- Steigen begriffen. Früh und abends phantasirte er sehr lebhaft. Seit
- zwei oder gar seit drei Tagen hat der arme Junge keinen einzigen
- Bissen Nahrung zu sich genommen.
-
- +Paul.+ O weh! Da kann ich ihn wol weder heute noch morgen besuchen?
-
- +Moritz.+ Vor Sonntag oder Montag wird das der Arzt kaum erlauben.
- Selbst ich darf unter drei, vier Tagen nicht zu ihm.
-
- +Paul.+ Wie oft kommt denn der Arzt zu ihm?
-
- +Moritz.+ Der Arzt besucht ihn vor- und nachmittags, zuweilen auch
- noch einmal abends acht Uhr.
-
- +Paul.+ Welche Heilmittel wendet denn der Arzt an?
-
- +Moritz.+ Früh und abends wird er in feuchte Tücher eingeschlagen.
- Darauf schwitzt er eine Stunde, auch zwei Stunden. Nun reibt ihn mein
- Vater fünf bis zehn Minuten mit einem wollenen Tuche trocken. Nach
- dem Schweiße kommt er 20-30 Sekunden in ein kühles Bad. Der hierauf
- eintretende Schlaf währt zuweilen eine halbe, auch eine ganze Stunde.
-
- +Paul.+ Gewiß ist Deine gute Mutter recht besorgt um den Kranken?
-
- +Moritz.+ Sie sitzt Tag und Nacht an seinem Bette. Sie hat sich schon
- seit Tagen und Wochen keinen ordentlichen Schlaf vergönnt. Morgen
- und übermorgen aber wird mein Vater eine Krankenpflegerin für sie
- eintreten lassen.
-
- +Paul.+ Vor vier, sechs Wochen wird da wol Dein Bruder nicht in die
- Schule kommen?
-
- +Moritz.+ Vielleicht gar vor drei oder vier Monaten nicht. Er ist zu
- sehr entkräftet.
-
- +Paul.+ Möge ihn der liebe Gott recht bald und dann für immer gesund
- werden lassen!
-
-
-12. Die Glocken.
-
-(Desgleichen.)
-
-Hoch auf dem Thurme hängen die Glocken. Ihre ehernen Zungen tönen früh
-und spät in die weite Welt hinein.
-
-Des Morgens und des Abends mahnen sie zum Gebet. Wie ernstfreundlich
-klingt doch des Kirchglöckleins Stimme während des Sonnenauf- und
-Sonnenunterganges!
-
-An Sonn- und Festtagen rufen sie zum Gotteshause. Wie feierlich ertönt
-sowohl zur lieben Weihnachts- als auch zur lieben Osterzeit der
-harmonische Glockengruß!
-
-Tiefernst stimmt uns das Kirchengeläute beim Scheiden des Jahres,
-an Buß- und Bettagen. Fast wehmüthig zittert es zur Zeit eines
-Begräbnisses oder gar zur Stunde eines Hochgerichts an unser Ohr.
-
-Geradezu schauerlich aber hallt der Nothruf der Glocke während einer
-Feuersbrunst oder eines Volksaufstandes durch die Straßen.
-
-Ihr Ruf ertönt aber nicht blos an den Tagen ernster Feier, zur Stunde
-trauriger Familiengeschicke, in den Minuten drohender Gefahr und
-während der Augenblicke blutiger Sühne, sondern auch zur Zeit froher
-Feste und freudiger Familienereignisse.
-
-So verkündet z. B. auf dem Lande die Kirchenglocke minuten-, ja
-viertelstundenlang die Taufe eines Kindes. Dort stimmen die Glocken am
-Tage der Geburt des Landesvaters, bei Einweihungen kirchlicher Gebäude,
-bei feierlichen Einzügen und zu besonders festlichen Trauungen ihren
-freudigen Lobgesang an.
-
-So sind die Kirchenglocken Sommer und Winter, Tag und Nacht
-theilnehmende Wächter ob des bewegten Menschenlebens. Diesen Dienst
-aber versehen sie nicht blos erst zehn oder fünfzig, sondern schon seit
-Hunderten von Jahren.
-
-Früher oder später werden sie auch Dir Dein Grablied singen.
-
-
-13. Elise.
-
-(Zwei Bestimmungen der Art und Weise.)
-
-Elise hatte sich auf einem Spaziergange in den Wald plötzlich und auf
-ganz unerklärliche Weise eine Erkältung zugezogen. Sie wurde nicht blos
-leichthin, sondern sogar gefährlich krank. Kopf und Brust bereiteten
-ihr theils abwechselnd, theils gleichzeitig viel Weh.
-
-Mehrere Nächte verbrachte sie schlaflos und äußerst aufgeregt. Unter
-diesen Umständen waren die Eltern bald mehr, bald weniger um sie
-besorgt.
-
-Sie ertrug indeß alle Schmerzen still und geduldig. Bereitwillig und
-ohne eine Miene zu verziehen nahm sie die von dem Arzte verschriebene
-bittere Arzenei. Ergeben und zugleich vertrauensvoll unterwarf sie sich
-allen Kurversuchen. Sogar das schmerzhafte Saugen mehrerer Blutegel
-erduldete sie standhaft und ohne jeglichen Seufzer.
-
-Diesem rühmlichen Verhalten folgte aber auch endlich die Genesung
-schnell und sicher. Nach vier Wochen war Elise gründlich und darum
-nachhaltig kurirt. Frisch, munter und fröhlich hüpfte sie nun wieder
-mit ihren Gespielen im Garten umher.
-
-Ihre Eltern aber dankten dem lieben Gott ebenso aufrichtig als herzlich
-für die ihrer Tochter neugeschenkte Gesundheit.
-
-
-14. Das Kanonenfieber.
-
-(Desgleichen.)
-
-Nicht ohne Schreck und eine gewisse Verzagtheit las Melchior den
-Ruf zu den Waffen. Unter Thränen und Seufzen nahm er Abschied von
-den Seinigen. Mit trübseligen Gedanken und niedergeschlagnen Augen
-marschirte er inmitten seines Regimentes zum Thore hinaus.
-
-Seine Kameraden sangen aus voller Kehle und muthiger Brust ihre
-frischen Soldatenlieder. Melchior schritt stumm und bänglich dahin.
-
-In guter Stimmung und noch bei frischen Kräften überschritt endlich das
-Regiment die feindliche Grenze. Ebenso kühn als schnell warf sich ihm
-der Feind entgegen. Zwar in größter Eile, aber dennoch vorsichtig nahm
-das Regiment Stellung.
-
-Unter Horn- und Trommelsignalen begann der Kampf. Summend und zischend
-durchkreuzten die tödtlichen Geschosse die Luft. Theils stumm, theils
-mit einem jähen Aufschrei brachen die von den Kugeln Getroffenen
-zusammen.
-
-Melchior erbebte bei den ersten Schüssen ganz entsetzlich, fast wie
-ein furchtsames Kind. Von Todesangst und einer gewissen Betäubung
-ergriffen stand er in Reihe und Glied. Zitternd und darum ohne
-jegliches Ziel feuerte er seine Schüsse ab. Fast wider Willen und ohne
-Selbstbewußtsein ging er mit vorwärts.
-
-Zehn Minuten lang war jetzt mit außerordentlicher Erbitterung, aber
-noch ohne Erfolg gekämpft worden. Da kam plötzlich und in fast
-wunderbarer Weise ein ganz anderer Geist über Melchior. Er stellte
-sich kalt und mannhaft dem Feinde gegenüber. Er zielte mit Ruhe und
-Sicherheit. Schnell und unerschrocken benutzte er jede Gelegenheit
-zu seiner Deckung. Mit Ungeduld und sichtlicher Kampfbegeisterung
-erwartete er das Signal zum Vorwärtsgehen. Beim schließlichen
-Sturmangriffe eilte er sonder Furcht und Todesangst allen Anderen voran.
-
-Sein Regiment errang endlich unter fast übermenschlichen Anstrengungen
-und großen Opfern den Sieg.
-
-Und Melchior?
-
-Ihm überreichte sein Commandant vier Wochen nach der Schlacht mit
-militärischer Feierlichkeit und herzlicher Ansprache eine ehrenvolle
-Auszeichnung.
-
-
-15. Gott und wir.
-
-(Zwei Beweggründe.)
-
-Der liebe Gott schenkt uns Alles aus Liebe und Güte. Er verschiebt
-die Strafe des Sünders aus Geduld und Langmuth. Er vergibt uns unsere
-Schuld aus lauter Gnade und Barmherzigkeit.
-
-Aus Liebe und Dankbarkeit müssen wir ihm deshalb gehorchen lernen.
-Unsere Besserung darf nicht aus Angst oder Furcht geschehen. Wir müssen
-uns aus vollster Ueberzeugung und mit aufrichtigem Vertrauen ihm stets
-als Kinder gegenüber stellen.
-
-
-16. Die Kuh.
-
-(Zwei Zwecke.)
-
-Die Kuh wird zur Zucht und auch zum Zuge verwendet. Sie gewährt deshalb
-für Stadt und Land großen Nutzen.
-
-Um ihrer Milch und ihres Düngers willen hält man sie oft in großen
-Heerden. Ihre Milch wird nicht blos als Getränk, sondern auch zu Butter
-und Käse verbraucht. Ihr Fleisch dient zu Braten und zu verschiedenen
-andern Speisen. Ihre Haut trägt sie für Schuhmacher, Sattler und Riemer
-zu Markte. Ihre Hörner sind für Drechsler und Knopfmacher bestimmt.
-
-Wegen dieses allgemeinen Nutzens wird auch die Kuh in manchen Gegenden
-zum Heirathsgute oder zu einem andern Geschenke erhoben.
-
-
-17. Der kleine Künstler.
-
-(Zwei Stoffe.)
-
-Julius war ein außerordentlich geschickter Knabe. Er verstand aus den
-unbedeutendsten Dingen und Stoffen allerhand Spielereien zu fertigen.
-Aus abgesetzten Korken und weggeworfenen Lederstückchen schnitzte er
-allerliebste Landschaften.
-
-Aus Baumrinde, Moos und Flechten baute er kleine Einsiedeleien.
-Aus buntem Papier und den Abfällen in der Glaserwerkstatt wußte
-er niedliche Glasschränkchen herzustellen. Aus Pappstreifen und
-bunten Leinwandabschnittchen formte er allerhand Schächtelchen.
-Aus Cigarrenkastenbretchen und den Deckeln zerbrochener Schachteln
-entstanden unter seinen Händen bewegliche Windmühlen. Thiere schuf er
-gewöhnlich aus Mehl und Wasser. Menschen wurden von ihm aus Wachs oder
-Pech gebildet.
-
-Mit diesen Sächelchen aus festen Stoffen oder ursprünglich
-weichem Material erfreute er dann seine Geschwister besonders zur
-Weihnachtszeit.
-
-
-Wiederholung.
-
-(Alle Arten Zusammenziehungen.)
-
-18. Ludwig und Günther.
-
-Ludwig und Günther nannten sich gute Freunde. Beide aber waren faule,
-ungezogene und rohe Buben. Ueber ihre Lippen ging selten ein sanftes
-oder ein gutes Wort. Häufig stießen sie nicht blos Schimpfworte und
-gemeine Reden, sondern sogar Flüche und Verwünschungen aus.
-
-Während ihrer freien Zeit trieben sie sich in Wäldern und Gebüschen
-umher. Dabei war im Frühlinge und Herbste ihr Hauptabsehen auf das
-Wegfangen von Singvögeln gerichtet. Diese Schändlichkeit führten sie
-durch Aufstellen von Leimruthen, Netzen, Sprenkeln und andern Schlingen
-aus. Mit den armen Gefangenen aber gingen sie nicht selten äußerst roh
-und herzlos um. Oft marterten sie die unglücklichen Thierchen aus purer
-Laune und Schadenfreude auf das entsetzlichste. Schließlich wurden
-dieselben in ein enges Leinwandsäckchen oder gar in einen Strumpf
-gesteckt.
-
-So wanderten die Aermsten zum Verkaufe oder zum Verschenken aus ihrem
-Paradiese hinaus. Die Freiheit und den grünen Wald sah keiner der
-Unglücklichen wieder. Lebenslänglicher Kerker oder ein elender Tod ward
-ihr Loos.
-
-Zum Glück und zur Freude aller Gutgesinnten legte man endlich den
-bösen Knaben ihr gottloses Treiben. Sie wurden eingezogen, verhört,
-verurtheilt und auf zwei Jahre in eine Strafanstalt abgeführt.
-
-Zu ihrem eigenen Heile kehrten sie aus dieser Anstalt nach überstandner
-Buße als gebesserte, gute und brauchbare Menschen zurück.
-
-
-19. Die Luft.
-
-(Fortsetzung.)
-
-Die Luft besteht aus Stickstoff, Sauerstoff, Wasserstoff und
-Kohlensäure. Stickstoff und Sauerstoff sind in großer Menge in ihr
-vorhanden.
-
-Viele Merkmale und Eigenschaften hat sie mit andern Körpern gemein. Sie
-ist undurchdringlich, durchsichtig, schwer und elastisch. Sie nimmt
-verschiedene Grade der Kälte und der Wärme an. Deshalb berührt sie uns
-zuweilen heiß, warm, lau, kalt, sogar eisig kalt.
-
-Die Luft durchdringt die winzigsten Zellen der Thierkörper und der
-Pflanzen. Sie findet sich ebensowohl in der Tiefe des Meeres als im
-Innern des größten Felsenberges. Für alles Leben und Gedeihen ist sie
-die erste Bedingung.
-
-Ihre Bewegungen und Strömungen sind stets wechselnder Natur. Als lindes
-Säuseln weht sie durch Hain und Flur. Als scharfer Zug pfeift sie durch
-Fenster und Thüren. Aehrenfelder, einzelne Baumgipfel und ganze Wälder
-bewegt der Wind.
-
-Er setzt die Windmühle und die Segelschiffe in Bewegung. Er trägt den
-leichten Drachen und die schwere Wolke. Pfeifend und heulend saust er
-als Sturm daher. Als Orkan richtet er in Obstgärten, in Wäldern, auf
-dem Meere, in Dörfern und Städten oft gewaltige Verheerungen an.
-
-Die Luft vermittelt jeden Schall, jeden Laut, jeden Ton, jeden Knall.
-Ihre Wellen tragen das Murmeln der Bäche, das Summen der Käfer,
-das Lied der Nachtigall an unser Ohr. Auf ihren Schwingen rollt der
-knirschende Donner und der dumpfe Knall der schweren Geschütze dahin.
-Sie vermittelt unsern Herzen das Flehen des Armen, das Seufzen des
-Leidenden, den Hülferuf des Verunglückten, den Trost theilnehmender
-Freunde.
-
-So belebt sie nutzbringend und segenspendend das unendliche All.
-
-
-20. Einfache Kost.
-
-(Fortsetzung.)
-
-Wasser, Salz und Brod macht die Wangen roth. Das ist ein altes und
-ein wahres Sprichwort. Wo blieben sonst die markigen Gestalten, die
-kräftigen Arme und die blühenden Gesichter der armen Gebirgsbewohner?
-
-Die Tafeln der Grafen, Herzöge, Könige und Kaiser möchten brechen unter
-der Last der feinsten Leckerbissen. Sind diese Herren aber deshalb etwa
-die gesündesten und kräftigsten Menschen? Starb nicht schon mancher
-Fürst in der Blüthe seiner Jahre, im kräftigsten Mannesalter?
-
-Möge der Arme darum nicht neidisch weder nach den Kapaunen, Austern und
-Torten, noch nach den Weinhumpen und Methgläsern der Reichen blicken.
-Bei zufriedenem Sinn und Hunger ist auch die einfache Kartoffel
-eine leckere Speise. Gaumenkitzel und Zungenweide sind ja oft nur
-eingebildete Dinge.
-
-Dein Mahl aus einfachem Gemüse und Schwarzbrod erscheint vielleicht
-sogar manchem Reichen als genußreich. Möglicherweise haben ihm die
-allzu fetten Speisen den Magen geschwächt oder gar schon verdorben.
-
-Einfache, aber kräftige Kost ist unter allen Umständen der Gesundheit
-am dienlichsten.
-
-
-21. Zwei Brüder.
-
-(Fortsetzung.)
-
-Hans und Otto waren Brüder. Heiterkeit und Frohsinn, sowie
-Verträglichkeit bildeten die Hauptmerkmale ihres Charakters. Fleiß, wie
-auch Ordnungsliebe zeigte jeder. Nicht nur der Vater, sondern auch die
-Mutter waren stolz auf diese Kinder.
-
-Hans galt für einen guten Turner und Schwimmer. Otto leistete viel im
-Zeichnen und Malen. Ersterer sah frisch und blühend aus. Letzterer war
-etwas blaß und hager. Beide lernten und arbeiteten um die Wette.
-
-Diese treuen, strebsamen Brüder waren bei Jedermann beliebt. Der Fleiß
-des Hans und des Otto wurden andern Kindern zum Vorbilde aufgestellt.
-Otto’s Zeichnungen und Bilder bewunderte man. Von dem Muthe und der
-Gewandtheit des Hans erzählte man sich überall.
-
-Große und kleine Kinder gingen mit Respekt an diesen Knaben vorüber.
-Beide jedoch blieben bescheiden und demüthig. So brav und gut sollten
-alle Knaben und Mädchen sein.
-
-
-II. Mehrfache Zusammenziehungen.
-
-
-22. Zwei berühmte Sänger.
-
-(Subjecte, Ergänzungen, Beifügungen etc.)
-
-Nachtigall und Grasmücke sind liebliche Wald- und Singvögel. Sie lieben
-das niedere, schattige Gebüsch an Flüssen und Teichen.
-
-Ihr einfaches, schlichtes Kleid kann sich weder mit dem bunten Gefieder
-des Gimpels, noch mit dem vielfarbigen Gewande des Finken messen. Ihr
-wundervoller, herrlicher Gesang aber macht sie zu Lieblingen bei Jung
-und Alt.
-
-Weich und harmonisch ertönen ihre Weisen aus dem düstern
-Strauchwerke und aus den niedern Baumgipfeln hervor. Ihre melodie-
-und gefühlsreichen Lieder ergreifen jedes unverdorbene und sinnige
-Menschenherz mit unwiderstehlicher Macht und seltsamem Zauber. Ihnen
-lauscht zur Früh- und Abenddämmerung der Wanderer auf staubiger Straße
-oder auf holperigem Waldpfade. Ihren flötenden, oft schwermüthigen
-Accorden leiht selbst der müde Waldarbeiter und der die Waldmusik
-längst gewohnte Waidmann noch sein Ohr.
-
-Und doch haben gerade Nachtigall und Grasmücke unter den Menschen
-die unbarmherzigsten, gefährlichsten Feinde. Aus purer Gewinnsucht
-und schnödem Eigennutze stellt man ihnen an allen Orten und Enden
-nach. Selbst die zu ihrer Sicherheit und ihrem Schutze hier und da
-erlassenen strengen, oft außerordentlich strengen Gesetze vermögen
-diese Zierden des Waldes, diese Lieblinge aller Naturfreunde nicht ganz
-vor Nachstellung und Gefangennahme zu schützen.
-
-
-23. Der Winter.
-
-(Fortsetzung.)
-
-Horst und Alfred erwarteten mit sehnsüchtigen Blicken und förmlicher
-Ungeduld den ersten Schnee. Stundenlang, ja halbe Tage lang
-schauten sie zu den hohen, breiten Fenstern hinaus nach dem grauen,
-wolkenbedeckten Himmel.
-
-Längst schon hatten sie ihre Schlitten und Schlittenpeitschen aus ihren
-Schlupfwinkeln hervorgeholt und in Bereitschaft gestellt. Nicht blos
-bereits seit Tagen, sondern sogar seit Wochen schwärmten sie in ihren
-Gesprächen und Träumen von Schneeballschlachten, Schneemännern und
-Rutschpartien.
-
-Da endlich wirbelten die ersten feinen, zarten Schneeflöckchen in
-anmuthigem Tanze und in dichtem Gedränge auf Dach und Baum, auf Hof und
-Garten herab. Horst und Alfred schrieen laut und freudig auf über das
-längst ersehnte und längst erhoffte Naturereigniß.
-
-Nach zwei Tagen und drei Nächten lag der Schnee in den Gärten und
-Feldern nicht blos zoll-, sondern sogar ellenhoch. Nun wurden von den
-beiden Knaben und ihren Freunden und Gespielen Schlittenbahnen angelegt
-und große, dickmauerige Schneeschanzen errichtet. Diese ziemlich fest
-und äußerst geschickt angelegten Bollwerke suchte man dann unter Vivat-
-und Hurrahgeschrei zu erstürmen. Dabei flogen die großen und kleinen
-Bomben hinüber und herüber. Viele von ihnen zerplatzten zur Freude und
-zum Jubel der kleinen Schaar auf dem Rücken, an den Köpfen und wol gar
-an den Nasen der Gegner.
-
-Zur Abwechselung wurde nach beendigter Schlacht oder nach längerer
-Schlittenfahrtbelustigung ein hoher, breitschultriger Schneemann
-erbaut. Wohlausgesuchte und geeignet geformte Steinkohle bildete seine
-Augen und seine Nase. Zähne und Lippen verlieh man ihm mittels rother
-Tuchläppchen und kleiner Eiszapfen.
-
-Die Schöpfung eines solch riesigen Schneemannes weckte unter den
-kleinen Knaben außerordentlich fleißige und emsige Hände und viel
-Freude und Jubel.
-
-So trieben sie es alle Tage und wurden des langen und zugleich harten
-Winters nicht müde. Bei aller dieser Freude und bei all diesem
-Vergnügen vernachlässigten sie aber nie ihre Schularbeiten und ihre
-sonstigen häuslichen Beschäftigungen.
-
-
-24. Stolz und Eitelkeit.
-
-(Fortsetzung.)
-
-Stolz und Eitelkeit verderben bei Kindern und Erwachsenen nicht
-blos den Charakter, sondern beflecken auch das Herz. Stolze und
-Eitle blicken mit Geringschätzung und Nichtachtung auf Arme und
-Gebrechliche, überhaupt auf Niedrigstehende herab. Ihr Gemüth
-verschließt sich aus lauter Dünkel und Hochmuth der Theilnahme, dem
-Mitleide, der Barmherzigkeit. Dabei werden sie in engeren und weiteren
-Gesellschaftskreisen unangenehm und darum lästig.
-
-Welcher Verständige und Vernünftige möchte wol gern mit solchen
-eingebildeten Narren und hochfahrenden Thoren näheren und wol gar
-freundschaftlichen Umgang haben?
-
-Der Hochmüthige lebt sich unbestritten und unleugbar auch selbst
-zur Last und Qual. Wie erregt und ärgert ihn jeder fremde Vorzug
-des Standes, der Bildung, der körperlichen Schönheit, der Kleidung,
-jedes fremde Lob, jede fremde Ehre oft auf Tage und Wochen hinaus!
-Wie mitunter peinlich ängstlich ist er früh und spät auf die Pflege
-seiner Haut, seiner Zähne, seiner Haare, vielleicht sogar seiner Nägel
-bedacht! Wie späht die Eitelkeit auf den Straßen und in Gesellschaften,
-sowie in Modezeitungen und andern derartigen Blättern nach der neuesten
-Form der Kopfbedeckung, dem neuesten Schnitte der Kleider, wol gar nach
-der neuesten Farbe der Handschuhe! An allen Orten und in allen Kreisen
-will sie gesehen und bewundert sein.
-
-Welch ein unruhiges, trauriges Leben! Laßt uns lieber zu unserer Ehre
-und zu unserem Ruhme unsern schönsten Schmuck in Einfachheit und
-Bescheidenheit suchen und finden.
-
-
-III. Arten der Zusammenziehung.
-
-
-25. Ein Kampf.
-
-(Zusammenstellend.)
-
-Ein Staar und ein Sperling stritten sich um den Besitz eines
-Nistkastens. Derselbe bot allerdings nicht blos alle mögliche
-Bequemlichkeit, sondern auch viel Raum. Zudem hing er hoch und
-sicher. Sowohl während der Früh- als der Mittags- und der langen
-Nachmittagsstunden konnte ihn die Sonne bescheinen. Somit erschien
-er den beiden Vögeln zum Brüten und zur Kinderzucht außerordentlich
-geeignet. Beide setzten daher auch für die Eroberung desselben Blut und
-Leben ein.
-
-Der Kampf wurde mit Wuth und Erbitterung geführt.
-
-Bald schlugen, hackten und bissen sich die hitzigen Gegner auf den
-Aesten und Zweigen, bald auf dem Dache des Nistkastens, bald auf dem
-Rasen des Gartens umher. Graue und schwarze Federn wirbelten zahlreich
-nach links und rechts. Wuth und Schmerzgeschrei zeterte durch die Luft.
-Eine Menge anderer Vögel eilte theils aus Neugier, theils vor Schreck
-herbei.
-
-Wol drei bis fünf Minuten dauerte die entsetzliche Fehde. Erschöpft
-und blutend ergriff endlich der Staar die Flucht. Der allerdings auch
-verwundete und schrecklich zerzauste Spatz aber zog triumphirend und
-fast wie hohnlachend in das eroberte Luftschloß ein.
-
-Wollt ihr ihn etwa ob seiner Heldenthat schmähen oder verurtheilen?
-
-
-26. Die Erzväter.
-
-(Desgleichen.)
-
-Abraham, Isaak und Jakob waren Erzväter. Sie alle führten nicht blos
-zum Scheine, sondern in Wahrheit ein frommes, gottesfürchtiges Leben.
-Weder Glück noch Unglück vermochte ihre Gottestreue wankend zu machen.
-Sie standen nicht allein in ihrer Familie, sondern auch in ihrer
-weiteren Umgebung als wahre Muster im Gehorsam, in der Demuth und im
-Gottvertrauen da. Die Israeliten zollen ihnen darum noch heute große
-Achtung und Verehrung.
-
-Alle drei Männer standen aber auch unter besonderem Schutze und in
-besonderer Gnade Jehovah’s. Er segnete sie mit leiblichen und geistigen
-Gütern. Mit Muth und Kraft wußten sie daher stets Leid und Trübsal zu
-ertragen. Mußte doch Isaak noch in seinen alten Tagen und besonders
-während seiner Blindheit bittern Undank und schmachvolle Täuschung
-erfahren. Welch tiefes Herzeleid und welch unendliches Weh mußte Vater
-Jakob infolge des Neides und der Rachsucht seiner eigenen Kinder
-empfinden! Immer indeß führte ihr Herr und Gott jene Männer durch
-Kummer, Noth und Thränen zu neuer Freude, neuem Glücke.
-
-Die Lebensgeschichten dieser Gottesmänner sind im lieben, heiligen
-Bibelbuche ebenso getreulich als auch ausführlich niedergeschrieben.
-Sie zu lesen und zu erwägen ist für Kopf und Herz heilsam.
-
-
-27. Das Meer.
-
-(Entgegenstellend.)
-
-Der Anblick des Meeres kann zu Zeiten mit erhebender Bewunderung, aber
-auch mit erschütterndem Entsetzen erfüllen.
-
-Es beplätschert den Strand mit freundlichem Wellenspiel, tobt aber auch
-in wilder Brandung. Seine Straßen sind zwar breit, indeß nicht selten
-gefahrvoll. Meeressturm, gleichwohl auch Meeresstille können äußerst
-unheilbringend werden.
-
-Das Reisen auf dem Oceane ist allerdings reich an Genüssen, hingegen
-auch stets gewagt. Die riesigsten Segelschiffe, doch auch die
-mächtigsten Dampfer können verunglücken.
-
-Trotzdem geht der Matrose nie mit Zagen, sondern stets mit Freuden
-aufs neue in See. Der wettergebräunte Seemann vermag in Stunden
-schwerer Noth lange zu fluchen, allein endlich auch zu beten. Er
-traut allerdings seiner Kraft, dessenungeachtet zuletzt aber auch der
-schützenden Hand Gottes.
-
-Das Meerwasser ist zwar hell und klar, dennoch für den Menschen
-ungenießbar. Viele seiner Bewohner sind uns bekannt, indeß noch lange
-nicht alle. Es birgt unendlich viel erklärliche Naturerscheinungen,
-aber auch noch viel Geheimnisse.
-
-
-28. Geld.
-
-(Desgleichen.)
-
-Viel Geld macht zwar reich, aber nicht immer glücklich. Es ist wohl ein
-Tröster in der Noth, indeß in vielen Fällen kein Helfer.
-
-Der Besitz viel blinkenden Erzes verschafft nicht selten dem
-Menschen Ehre, dessenungeachtet aber keinen sittlichen Werth. Das
-Geld erschließt die Thür zu vielen Genüssen, jedoch auch das Thor zu
-mancherlei Sünden und Lastern. Es erfreut nicht blos, sondern verführt
-auch. In das eine Herz pflanzt der Mammon den Sinn des Mitleids und der
-Wohlthätigkeit, in das andere dagegen die Wurzel des Stolzes und des
-Dünkels.
-
-So ist er unser Freund, gleichwohl auch unser Feind. Wir können durch
-ihn in vieler Hinsicht frei, aber auch Sklaven werden. Wir wollen daher
-unser Geld zwar zusammenhalten, allein niemals das Herz daran hängen.
-
-
-29. Der Maikäfer.
-
-(Begründung.)
-
-Die Maikäfer sind sehr gefräßig, darum schädlich. Sie erscheinen fast
-alle zu gleicher Zeit, deshalb in großer Menge. Sie suchen im Frühlinge
-das junge Blätterwerk und deswegen die Gipfel der Eichen und Kastanien
-auf.
-
-Sie zeugen viel Eier, demnach eine zahlreiche Nachkommenschaft. Ihre
-Larven ruhen tief in der Erde, folglich wohlgeborgen.
-
-Ihre wohlgenährten, mithin fetten Leiber dienen vielen Vögeln zur
-Nahrung. Sie sind auch für manche Menschen eine Delicatesse und also
-nicht ganz ohne Nutzen.
-
-
-30. Die Bibel.
-
-(Desgleichen.)
-
-Die Bibel ist ein vor Jahrtausenden geschriebenes und daher uraltes
-Buch. Sie ist durch von Gott erleuchtete Männer verfaßt, darum heilig
-und ehrwürdig.
-
-Sie enthält unsere ganze Christenreligion, mithin einen unendlichen
-Schatz von Lehren und Wahrheit. Sie soll unser Licht und unsere
-Leuchte, somit ein Führer durch das Leben sein. Sie gibt uns die
-Zusicherung der göttlichen Liebe und Fürsorge und demnach Kraft und
-Muth in gefahrvollen Stunden und Tagen. Ihre frommen Sprüche erfüllen
-das Herz mit Vertrauen und Zuversicht auf die ewige Huld und Gnade,
-daher auch mit Trost und Ergebung im Unglück.
-
-Viele Kapitel darin besingen die Wunderwerke, folglich auch die Macht
-und Weisheit des Schöpfers. Die Bibel sollte vor allen andern Büchern
-in jeder Christenfamilie heimisch sein und deswegen überhaupt den
-allgemeinsten Eingang gefunden haben. Jeder Getaufte, mithin auch der
-ärmste der Armen müßte dieses heilige Gotteswort besitzen.
-
-Der wirkliche Jünger Jesu mag sie zu keiner Zeit, also auch nicht in
-den Tagen der Freude entbehren. Werde der heiligen Schrift ihre Würde
-und Weihe und somit der Menschheit ein unwägbarer Schatz erhalten!
-
-
-Hauptwiederholung.
-
-Alle Arten der Zusammenziehungen.
-
-31. Die Katze.
-
-Die Katze ist ein nützliches und oft sehr nothwendiges Hausthier. Ihr
-Geruch und ihr Gesicht sind scharf. Sie ist im Springen und Klettern
-sehr gewandt.
-
-Ihr Charakter zeigt von Schlauheit, aber auch von Falschheit. Sie
-schmeichelt oft, doch kratzt sie auch leicht. Man muß ihr deshalb nicht
-trauen, sondern mißtrauen.
-
-Die Katze fängt nicht blos Mäuse, sondern auch Ratten. Sie jagt nicht
-nur im Hause, sondern auch auf dem Felde. Nicht allein Mäuse und
-Ratten, sondern auch die Vögel fliehen vor ihr.
-
-Die Katze ist schnell, demnach letzteren sehr gefährlich. Ihr Gang ist
-völlig geräuschlos, mithin für ihre Raubzüge von großem Vortheile. Ihr
-Gebiß ist scharf, darum eine tödtliche Waffe.
-
-Die Katze ist ein getreuer Wächter gegen viele kleine Diebe, deshalb
-ein weitverbreitetes Hausthier.
-
-
-
-
-~D.~ Zusammengesetzte Sätze.
-
-
-I. Ohne Bindewörter.
-
-
-32. Der Morgen.
-
-(Zusammenstellend.)
-
-Der Osthimmel röthete sich, der Morgen begann zu dämmern. Die Hähne
-krähten, die Tauben hoben an zu girren. Die Kühe rasselten mit ihren
-Ketten, die jungen Rosse wieherten im Stalle. Die Staare ließen ihren
-Frühpsalm ertönen, die Lerchen stiegen trillernd in die Luft.
-
-Die Frühglocke ertönte, ihr frommes Morgenlied hallte treulich das Thal
-entlang. Die Gehöfte belebten sich, auf dem schmalen Dorfwege zeigten
-sich bereits einzelne Landbewohner.
-
-Jetzt war die Sonne über die fernen Berge emporgestiegen, die ganze
-Natur lag verklärt im Morgenglanze. Die Blumen erschlossen ihre lieben
-Augen, die Thauperlen blitzten tausendfältig an den Halmen. Die Heerden
-zogen unter lieblichem Glockengeläute auf die fetten Triften, die
-Ackersleute führten ihre munteren Gespanne zum Pfluge.
-
-So zeigte sich überall neugestärkte Kraft, so entwickelte sich
-allenthalben Frische und Lebenslust.
-
-
-33. Auf dem Meere.
-
-(Desgleichen.)
-
-Der Himmel verdunkelte sich, es ward unheimlich still. Die Seeadler
-kreischten, die Sturmvögel umschwirrten bereits das Schiff.
-
-Immer dunkler ward der Himmel, näher zog das schwarze Gewölk. Man hört
-ein fernes Brausen, es erhebt sich der Sturm. Blitze zucken, Donner
-grollen, die Wellen thürmen sich hoch auf.
-
-Das Schiff wird hin und her geworfen, das Steuerruder droht zu brechen.
-Der Kapitän commandirt unaufhörlich, die Matrosen fliegen eilend hin
-und her. Man zieht die Segel ein, die Luken werden geschlossen.
-
-Der Sturm tobt immer wilder, die Wellen gehen immer höher. Plötzlich
-gibt es einen gewaltigen Stoß, die Masten krachen, die Wände bersten,
-das Wasser strömt unaufhaltsam ein, das Schiff sinkt. Binnen einer
-Viertelstunde ist nur die Hauptmastspitze noch von ihm zu sehen, die
-ganze Bemannung hat ihr Grab in den Wellen gefunden.
-
-
-34. Der junge Graf.
-
-(Entgegenstellend.)
-
-Ein Haushofmeister gebot seinem vornehmen Schüler zu schweigen, der
-junge Graf plauderte fort. Der Ungehorsame sollte Latein treiben, er
-tändelte mit Briefmarken.
-
-Der Lehrer wiederholte bald darauf seinen Befehl sehr ernst, Junker
-Armin spielte gleichgiltig weiter. Ersterer drohte jetzt mit
-Bestrafung, der junge Graf lächelte.
-
-Der Hauslehrer besaß viel Geduld, jetzt ging sie zu Ende. Er hatte den
-jungen Grafen lange genug mit Güte behandelt, heute sollte derselbe
-seinen ganzen Ernst empfinden lernen.
-
-Der Ungehorsame fürchtete nichts Schlimmes, er täuschte sich. Bald
-darauf rief ein Diener zur Mittagsmahlzeit, der junge Graf erhielt
-keine Einladung. Nach Tische fuhr die gesammte gräfliche Familie
-spazieren, Armin mußte zu Hause bleiben. Armin hatte jeden Abend
-zwanzig französische Wörter zu lernen, heute mußte er deren noch einmal
-so viel seinem Gedächtnisse einprägen.
-
-
-35. Eine Feuersbrunst.
-
-(Desgleichen.)
-
-Die Nacht eines schönen Octobertages war freundlich ins Thal gezogen,
-sie sollte einen traurigen Ausgang nehmen.
-
-Gegen zwölf Uhr schlugen die Flammen aus dem dürren Strohdache einer
-alten Mühle, Niemand darin bemerkte es. Schon sprühten einzelne Funken
-durch die kleinen Fenster, die Mühlbewohner schliefen noch fest.
-
-Die Feuerglocke ertönte, ihr Ruf kam leider viel zu spät. Man setzte
-die Dorfspritze in Bewegung, die Gluth war nicht mehr zu bezwingen.
-
-Das Leben der Inwohner wurde endlich noch gerettet, ihre Habe ging
-verloren. Der Abend hatte sie als glückliche Menschen begrüßt, der
-Morgen sah sie als Bettler.
-
-
-36. Frühling.
-
-(Begründend.)
-
-Der Frühling nahte, die Menschenherzen athmeten fröhlich auf. Die
-Sonne schien wärmer, der Schnee schmolz. Der Frost entwich aus dem
-Erdreiche, frische Pflanzenkeime trieben hervor. Die Luft wehte mild
-über die Fluren, die Zugvögel kamen herbei. Einzelne Blumen erschlossen
-bereits ihre Honigkelche, die Oede der Wiesen verschwand. Die Bäume
-bedeckten sich mit Blüthen, die Bienen verließen ihre Zellen.
-
-Warmer Regen strömte nieder, die Saaten sproßten empor. Alles Leben
-erwachte aus dem Winterschlafe, überall zeigte sich verjüngte Kraft.
-
-
-37. Die Sündfluth.
-
-(Desgleichen.)
-
-Die 120 Gnadenjahre waren um, das göttliche Strafgericht begann.
-Der Regen strömte unaufhörlich hernieder, die Gewässer traten über
-ihre Ufer. Die Fluthen wälzten sich die Thäler entlang, die Menschen
-flüchteten auf die Berge.
-
-Die tobenden Wogen stiegen von Tag zu Tag höher, alle Sünder fanden
-ihren Tod. Noah’s Familie allein blieb übrig, sie war dem Herrn treu
-gewesen.
-
-
-Wiederholung.
-
-(Zusammenstellend, entgegenstellend, begründend.)
-
-38. Eine Dampfwagenfahrt.
-
-Die Bahnhofsglocke läutete, die Passagiere stiegen in die Wagen. Die
-Locomotive pfiff, der Zug setzte sich in Bewegung.
-
-Anfangs bewegte er sich ganz langsam, nach wenig Sekunden rollte er
-schon bedeutend schnell, bald sauste er mit voller Kraft dahin. Die
-Telegraphenstangen huschten blitzschnell vorüber, die Fruchtäcker
-drängten sich gleich schmalen Bändern an einander, die Waldbäume
-schienen zu tanzen.
-
-Der Zug durchschnitt herrliche Landschaften, sie konnten nur flüchtig
-genossen werden. Er jagte ja mit Windeseile dahin, das Auge konnte
-keinen Ruhepunkt gewinnen.
-
-Inmitten der Fahrt erscholl plötzlich ein Nothsignal, die Fahrgäste
-erschraken.
-
-Die Schaffner bremsten augenblicklich, Alles drängte an die
-Wagenfenster, Einzelne schrieen laut auf, Andere wollten durchaus
-hinausspringen.
-
-Ein Unglück erfolgte nicht, der Zug blieb ruhig stehen. In der Maschine
-war blos eine kleine Röhre gesprungen, ein solcher Vorfall bringt
-selten Gefahr. Der Schaden ward ausgebessert, das Abfahrtssignal
-schrillte aufs neue, bald ratterte der Zug wieder die Schienen entlang.
-Die Fahrt ging glücklich weiter, die Aufregung unter den Fahrgästen
-währte noch lange.
-
-
-II. Mit Bindewörtern.
-
-
-39. Ein Doppelfest.
-
-(Zusammenstellend.)
-
-In dem Garten des Kaufmanns Löbel herrschte eines Tages ein lustiges
-Treiben, und dieses Treiben gab für den Beobachter ein liebliches Bild.
-Der Kaufmann hatte nämlich zwei Söhne, und beide Knaben feierten heute
-einen Festtag. Bruno beging sein Wiegenfest, und Hugo feierte seinen
-Namenstag.
-
-Zu diesem Feste nun hatten sie nicht blos ihre liebsten Schulkameraden
-eingeladen, sondern die Eltern hatten auch noch die Kinder der
-Nachbarschaft herbeigezogen. Es standen den muntern Gästen nicht
-allein allerhand Spiele zur Verfügung. sondern es war auch für einen
-wohlgedeckten Tisch gesorgt.
-
-Bald vertheilte man sich zu den verschiedenen Unterhaltungen, und
-die Lust nahm ihren Anfang. Die großen Knaben griffen zunächst zu
-den Armbrüsten, und die jüngeren Gäste eilten zuerst nach den großen
-Gummibällen.
-
-Hier warf man Reifen, und dort schob eine kleine Gesellschaft Kegel.
-Eine Anzahl Mädchen spielten Blindekuh, auch das Topfschlagen wurde
-nicht vergessen. Der kleine Heinrich jagte einen großen Reifen im
-Garten umher, und der dicke Otto ließ einen bunten Kreisel tanzen.
-Julchen fuhr einen schönen Puppenwagen, und Marie beschäftigte sich mit
-allerhand Blumen.
-
-Mitten über dem Garten schwebte ein riesiger Drache, außerdem ließ der
-Kaufmann auch noch kleine Luftballons steigen.
-
-Bei all dieser Lust entstand weder Streit unter den zahlreichen Gästen,
-noch bemerkte man ein ausgelassenes Verhalten.
-
-Die Kühle des spätern Nachmittags machte endlich dem fröhlichen Treiben
-ein Ende, zudem nöthigte auch die sinkende Sonne die fremden Gäste zum
-Nachhausegehen.
-
-So verstrich das heitere Fest in ungetrübter Freude, und allen
-Theilnehmern blieb es noch lange in freundlicher Erinnerung.
-
-
-40. Abend.
-
-(Desgleichen.)
-
-Die Sonne ging unter, und Dämmerung senkte sich auf die Erde nieder.
-Am Westhimmel strahlte ein leichtes Purpurgewölk, und aus den Fenstern
-der Berghütte blitzte der Wiederschein des herrlichen Abendgoldes. Der
-Lerchengesang verstummte, ebenso verhallten die Lieder des Waldes.
-
-Die Heerden zogen still nach ihren Ställen, und die Feldarbeiter
-schritten ermüdet nach ihren Hütten. Traulich tönte die Abendglocke vom
-Kirchlein herüber, und manches fromme Herz ward durch diesen Ruf zum
-Gebet gestimmt.
-
-Immer länger dehnten sich die Baumschatten auf dem Rasen dahin, und
-immer dichter wob die Dämmerung ihren düstern Schleier. Ueber den
-Blumen flatterten bereits die fahlen Nachtschmetterlinge, und in den
-Gehöften begannen die Fledermäuse ihren geisterhaften Kreisflug. Immer
-stiller ward es rings umher, und immer tiefere Ruhe senkte sich auf die
-müde Erde.
-
-
-41. Maß halten.
-
-(Entgegenstellend.)
-
-Die Schädlichkeit jedweder Unmäßigkeit in leiblichen Genüssen ist
-bekannt, dessenungeachtet fallen der letzteren noch viele Menschen zum
-Opfer.
-
-Wir sollen uns des Lebens freuen, aber unsere Freude muß in gewissen
-Grenzen bleiben. Wir dürfen uns an dem köstlichen Weine erlaben, doch
-darf es dabei nicht zu einem Rausche kommen. Wir dürfen unserem Gaumen
-durch wohlschmeckende Speisen gütlich thun, gleichwohl darf der Magen
-nie damit überfüllt werden.
-
-Der Mensch muß die gehörige Zeit schlafen, das Zuviel ist indeß auch
-hier ungesund. Ein naturgemäßer Schlaf stärkt die Glieder, eine zu
-lange Ruhe hingegen erschlafft das Nervenleben. Auch der Tanz ist
-eine erlaubte Freude, nur darf diese kreisende Bewegung nicht bis zur
-Erschöpfung fortgesetzt werden.
-
-Darum genieße Jeder die Freuden dieses Lebens, allein er halte in allen
-Dingen Maß.
-
-
-42. Das Feuer.
-
-(Desgleichen.)
-
-Das Feuer ist eine höchst wohlthätige Gabe des Himmels, aber es hat
-auch schon unsägliches Unheil angerichtet. Es erhellt in finsteren
-Nächten unser Stübchen, allein ein einziger Funke von ihm kann unsere
-ganze Habe vernichten.
-
-Das Feuer macht viele Nahrungsmittel erst genießbar, gleichwohl kann
-ein einziger allzuheißer Bissen uns zum Essen unfähig machen. Es
-verleiht unserem Zimmer während der kalten Wintertage eine wohlthuende
-Wärme, doch haben die glühenden Ofenwände auch schon manchem
-Unvorsichtigen schmerzhafte Wunden beigebracht.
-
-Das weithin strahlende Licht der Leuchtthürme bewahrte schon manches
-Schiff vor entsetzlichem Unglücke, indeß die Macht der Flammen sehr
-vielen Seefahrzeugen einen jammervollen Untergang bereitete.
-
-Die lustig lodernde Pechfackel verherrlicht das Friedensfest, der
-brennende Pechkranz hingegen ist ein Schrecken des Krieges. Tausende
-von Lichtern verleihen bei festlichen Gelegenheiten einer Stadt den
-höchsten Glanz, gleichwohl kann ein einziges Flämmchen davon sie in
-einen Schutthaufen verwandeln. Der Anblick eines feuerspeienden Berges
-gewährt ein überwältigendes Schauspiel, die Verheerungen der glühenden
-Lava jedoch sind entsetzlich anzusehen.
-
-So wollen wir denn für die Wohlthat des Feuers dankbar sein, aber seine
-Gefahren sollen von uns nie unbeachtet bleiben.
-
-
-43. Die Schule.
-
-(Begründend.)
-
-Die Schulzeit vergeht schnell, deshalb mußt Du sie gewissenhaft
-benutzen.
-
-Sei in jeder Stunde streng aufmerksam, denn das Leben erfordert
-mancherlei Kenntnisse. Uebe Dich sorgfältig in allerlei Fertigkeiten,
-weil Du dadurch Dein Fortkommen in der Welt finden kannst.
-Oberflächlich Gelerntes vergißt sich bald wieder, deswegen präge Dir
-jede Lection recht gründlich ein.
-
-Die Schule sucht den ganzen Menschen zu bilden, mithin muß sich ihr
-auch jeder Schüler mit all seinen Kräften widmen. Beherzige deshalb vor
-allen Dingen die heiligen Lehren der Religion, denn daraus gehet das
-Leben. Ein rechtschaffener Charakter ist ein sicherer Wanderstab, daher
-eigne Dir schon in der Schule sittliche Grundsätze an. Ein frommes Herz
-ist der größte Schatz auf Erden, deshalb nimm die Heilswahrheiten aus
-dem Munde Deines Lehrers gläubig in Dich auf. Die Schule will eben
-nicht blos Dein irdisches Glück begründen, demnach sorgt sie auch für
-Deine Seele.
-
-Da Du nun Solches weißt, so richte Dein Verhalten danach ein.
-
-
-44. Die Kartoffel.
-
-(Desgleichen.)
-
-Die Kartoffel ist das Brod der Armen, deshalb ist Franz Drake durch
-Einführung derselben zu einem Volkswohlthäter geworden.
-
-In Deutschland tauchte sie zum ersten Male unter Karl’s V. Regierung
-auf, mithin fällt ihre Einbürgerung in die Mitte des 16. Jahrhunderts.
-Der Werth dieser Frucht wurde geraume Zeit nicht recht gewürdigt,
-daher verzögerte sich die allgemeine Verbreitung derselben. Manchen
-Regierungen dauerte dies allerdings zu lange, deswegen suchten sie den
-Kartoffelanbau durch Zwangsmaßregeln zu fördern.
-
-Die Kartoffel hat in der Regel die Gestalt eines Apfels, daher nennt
-man sie in einigen Gegenden Erdäpfel. Weil ihr Mehl viel Nahrungsstoff
-enthält, mischt man es oft mit Getreidemehl zu Brod.
-
-Die Kartoffel enthält auch Klebstoff, mithin kann sie zur
-Gummibereitung verwendet werden. Sie birgt ferner eine gewisse
-Süßigkeit, und somit findet sie sogar Eingang in Zuckerfabriken. In der
-Viehwirthschaft spielt sie eine ganz bedeutende Rolle, denn sie ist ein
-vorzügliches Mästmittel.
-
-Der Kartoffelbau ist übrigens leicht, da diese Frucht fast in jedem
-Boden gedeiht.
-
-
-Wiederholung.
-
-(Zusammenstellend, entgegenstellend, begründend.)
-
-45. Die Jagd.
-
-Das Jagdhorn erscholl, und die Jäger brachen auf. Die Hühnerhunde
-bellten, auch die kleinen Dachse erhoben ihre Stimme.
-
-Blitzender Reif lag auf den Fluren, zudem drohten die Wolken mit
-Schnee. Wol blies ein eisiger Wind von Westen nach Osten, aber der
-Waidmann fürchtet sich vor Kälte nicht.
-
-Die Jäger gingen jetzt auseinander, jeder indeß behielt Linie. Die
-Hunde drängten vor, allein man hielt sie noch zurück. Bald fielen
-einzelne Schüsse, aber es fiel kein Hase. Die Ladungen hatten gefehlt,
-weil man aus zu großer Ferne geschossen hatte. Später traf jeder Schuß,
-denn die Jäger waren jetzt ihrer Beute näher.
-
-Das Revier war endlich abgejagt, deshalb blies man zum Rückzuge. Das
-Jagdglück hatte sich günstig gezeigt, darum genoß man nun unter großer
-Heiterkeit das Mittagsbrod.
-
-
-46. Der Brudermord.
-
-(Desgleichen.)
-
-Kain bestellte eines Tages seinen Acker, und Abel hütete seine Schafe.
-Beide waren Brüder, aber ihre Gemüthsart war sehr verschieden.
-
-Kain’s Brust erfüllte die Mißgunst, weshalb er wol auch stets mit Neid
-auf seinen Bruder blicken mochte. Den Abel beseelte Frömmigkeit, auch
-trug sein ganzes Wesen das Gepräge der Sanftmuth.
-
-Beide Brüder zündeten eines Tages Feuer an, denn jeder gedachte dem
-lieben Gott ein Opfer zu bringen. Kain opferte Früchte des Feldes, Abel
-dagegen verbrannte ein Schaf.
-
-Die Opferfeuer züngelten gleichmäßig empor, die Rauchsäulen indeß
-nahmen eine verschiedene Richtung an. Der Rauch von Abel’s Opfer
-stieg in geraden Linien zum Himmel hinauf, der von Kain’s Opferaltare
-hingegen wälzte sich in dichten Wolken auf der Erde hin.
-
-Das sah Kain, und sein Herz ergrimmte. Sein Bruder dünkte ihm ein
-besonderer Liebling Jehovah’s zu sein, somit aber war er ihm ein Dorn
-im Auge.
-
-Der entsetzliche Neid trieb ihn nicht nur zum Hasse, sondern seine
-lieblose Seele wurde auch sofort mit Zorneswuth erfüllt.
-
-Kain dachte in diesem Augenblick weder an den allwissenden Gott, noch
-kümmerten ihn die Eltern daheim. Die Mörderkeule zuckte nieder, und
-sein Bruder Abel stürzte todt zu Boden.
-
-
-47. Entstehung des Brodes.
-
-(Mit und ohne Bindewörter.)
-
-Das Feld wird bestellt, der Landmann streut Samen aus, der Himmel gibt
-Regen und Sonnenschein, die Saaten gehen auf, sie grünen und wachsen,
-der Sommer bringt sie zur Reife, der Schnitter mäht sie ab, die Scheune
-nimmt die vollen Garben auf, der Dreschflegel stäubt die Aehren, der
-Mühlstein zermalmt die Körner, der Bäcker knetet den Teig, der Backofen
-vollendet das Gebäck und der Mensch genießt das Brod.
-
-
-48. Ein Haus.
-
-(Desgleichen.)
-
-Das Haus hat zu kleine Fenster, sein Dach ist nur von Stroh, der Garten
-darum hat keine Obstbäume, auch ist das Futter darin nicht gut, die
-ganze Lage ist zu winterlich und die Umgebung zu einförmig, darum kaufe
-ich das Grundstück nicht.
-
-
-49. Eine Luftschifffahrt.
-
-(Mit und ohne Bindewort. Zusammenstellend, entgegenstellend und
-begründend.)
-
-Der Luftballon hatte seine Füllung erhalten, sein Leib war mächtig
-geschwollen, fast wie ungeduldig drängte er nach der Abreise.
-
-Wir stiegen drei Mann hoch in die von Weidenruthen geflochtene Gondel,
-und ich nahm sofort auf einem kleinen Sessel Platz. Wir freuten
-uns auf die seltene Fahrt, aber dennoch klopften unsere Herzen vor
-Bänglichkeit. Das Luftmeer ist an Gefahren dem Weltmeere gleich, denn
-auch jenes hat keine Balken.
-
-Ein Signal erscholl, die Stricke wurden gelöst, der Ballon erhob
-sich. Die versammelte Menge wünschte uns glückliche Fahrt, Hunderte
-von Tüchern winkten uns den Abschiedsgruß, Tausende von Augen folgten
-unserem Fluge.
-
-Unser Luftschiffskapitän warf eine Anzahl Gedichte auf die Zuschauer
-hinunter, auch schoß er ein Pistol in die Luft hinaus ab. Die Menge
-tief unten jauchzte dabei laut auf, mich durchrieselte ein bängliches
-Frösteln.
-
-Unser Luftfahrzeug schlug anfänglich die Richtung nach Osten ein, bald
-indeß wurde es von dem Winde nach Süden getrieben. Pfeilschnell stieg
-es empor, dennoch erfolgte sein Flug gänzlich geräuschlos.
-
-Die Wolken näherten sich merklich, die Landschaft unter uns trat immer
-mehr zurück. Unsere Blicke gewannen ein immer größeres Aussichtsfeld,
-dagegen schmolzen die Gegenstände auf der Erde zu immer kleineren
-Gestalten zusammen. Die Menschen erschienen nur noch in der Größe
-von schwarzen Ameisen, die Flüsse schlängelten sich wie schmale
-Silberschnuren dahin, die Wälder glichen großen Tinteklecksen, und die
-Berge amen uns wie winzige Hügel vor. Die Luft wurde jetzt nicht nur
-mit jeder Sekunde dünner, sondern die Temperatur sank auch merklich
-herab, und somit hatten unsere Lungen tüchtig zu arbeiten.
-
-Wir mochten etwa eine Stunde unterwegs sein, da beschloß unser Kapitän
-den Rückzug. Er stieg an einer Strickleiter empor, und gleich darauf
-entstand ein kleines Geräusch. Er hatte ein Ventil geöffnet, ein Theil
-der eingeschlossenen Luft entwich, das Schiff begann zu sinken.
-
-Ich hatte das Landen oft als ziemlich gefahrvoll schildern hören,
-deshalb wurde mir jetzt wieder nicht wohl zu Muthe. Zu unsern Gunsten
-war vollkommene Windstille eingetreten, kein Lüftchen regte sich.
-Der Ballon sank immer tiefer und schwebte jetzt etwa noch thurmhoch
-über einer ebenen Flur. Der Anker sank hinab, das Ventil öffnete sich
-noch einmal kräftig, die Luft strömte zischend aus, und der gespannte
-Riesenleib legte sich allmälig in Falten. Plötzlich gab es eine Art
-Stoß, und gleichzeitig erscholl aus dem Munde des Kapitäns ein Hurrah!
-
-Der Ballon stand still, weil der Anker Boden gefaßt hatte. Bald standen
-wir wieder auf festem Grunde, und ich war außerordentlich befriedigt,
-denn eine solche Luftreise bietet ein unbeschreiblich wunderbares
-Schauspiel.
-
-
-Hauptwiederholung.
-
-(Zusammengezogene und zusammengesetzte Sätze.)
-
-50. Der letzte Klos.
-
-Hans und Görge waren eines Tages die Letzten am Tische. Hans hatte
-seinen Sitz auf des Vaters Stuhl eingenommen, der kleine Görge dagegen
-kniete auf einer breiten Lehnbank.
-
-In der Schüssel befand sich noch ein einziger Klos und etwas Brühe.
-Beides waren die letzten Ueberreste vom Mittagsbrode, denn das
-Mittagsmahl war vorüber, und die Tischgäste hatten sich eben entfernt.
-
-Hans und Görge stierten nicht blos sehnsüchtig, sondern auch habgierig
-den dicken und zugleich fetten Klos an. Jeder wollte ihn haben, keiner
-gönnte ihn dem andern, denn in beider Herzen wohnten Neid und Mißgunst.
-Ihre Augen funkelten, ihre Lippen glitschten im Vorgeschmacke des
-Leckerbissens. Einer beobachtete heimlich die Miene des andern, keiner
-aber wagte irgend eine Bewegung.
-
-Der Appetit und die Ungeduld schienen sich indeß bei beiden Brüdern von
-Minute zu Minute zu steigern, zudem konnte ja auch jeden Augenblick die
-Mutter kommen und den Speiserest forttragen.
-
-Da endlich streckte Hans beide Hände aus und faßte die Schüssel am
-Rande. Im Nu aber packte sie Görge an der entgegengesetzten Seite,
-denn er wollte sich den fetten Bissen durchaus nicht so mir nichts dir
-nichts entreißen lassen, am allerwenigsten sollte ihn Hans ohne alle
-Hindernisse verschlucken dürfen.
-
-Nun aber entspann sich ein ebenso heftiger als lächerlicher Kampf.
-Hans zog hin, Görge her, und zwar erfolgte dieses Hinundher zusehends
-schneller und mit merklich sich steigernder Erbitterung und Wuth. Der
-arme Klos hatte es am übelsten dabei, denn er wurde unbarmherzig in der
-Schüssel herumgekollert und hätte vor Angst bersten mögen.
-
-Der brüderliche oder vielmehr unbrüderliche Kampf war jetzt aufs
-Höchste gestiegen, die Brühe spritzte nach allen Seiten hin, und der
-gute Klos rannte wie verzweifelt an den Schüsselwänden empor. Da aber
-trat schnell und unerwartet ein tückisches Ereigniß ein, und Kampf
-und Sieg waren entschieden. Plötzlich brach nämlich die Schüssel
-mitten entzwei, die schöne Brühe ergoß sich auf das Tischtuch, und
-der befreite Klos kugelte vom Tische herab auf den Dielen dahin. In
-demselben Augenblicke aber sprang Ami unter dem Ofen hervor, fing den
-Klos auf, that einen kräftigen Schluck, und weg war er.
-
-
-
-
-~E.~ Satzgefüge.
-
-
-I. Subjectivsätze.
-
-
-1. Vollständige Subjectivsätze.
-
-
-51. Natur.
-
-(Der Subjectivsatz steht voran.)
-
-Wer keine Freude an der herrlichen Gottesnatur hat, ist ein gefühlloser
-Mensch. Wen ein Sonnenaufgang nicht entzücken kann, verdient nicht
-der Sonne Segen. Wessen Herz nicht beim Anblick des Sternenhimmels
-die Größe des Schöpfers empfindet, muß keinen Funken Glauben in
-sich tragen. Wem der wunderbare Blumenbau nicht die Weisheit Gottes
-verkündet, der wird auch durch die Bibel diese Eigenschaft nicht zu
-erkennen vermögen.
-
-Wem der Sinn für Natur abgeht, dem entgehen überhaupt unzählige
-Freuden. Was die Vöglein singen, ist ihm leerer Schall. Wovon die
-murmelnden Bächlein erzählen, kümmert ihn nicht. Wie zauberisch sich
-ein Schmetterling aus der Raupe entwickelt, dünkt ihm nicht der
-Beachtung werth. Daß der herbstlich gefärbte Laubwald ein reizendes
-Bild ist, bleibt seinen Augen verborgen. Worin die Reize einer schönen
-Winterlandschaft bestehen, ist seinen blöden Augen ein Räthsel. Worüber
-Tausende inmitten des schönen Gottestempels entzückt aufjauchzen, dünkt
-ihm vielleicht gar lächerlich.
-
-Wer darum sein Leben mit edlen Freuden würzen will, mache die Natur zu
-seiner Freundin.
-
-
-52. Gottvertrauen.
-
-(Desgleichen.)
-
-Wer Gott vertraut, hat wohl gebaut. Ob dies Wort von Allen verstanden
-wird, ist wol zu bezweifeln. Daß aber vielen Menschen jene Ergebung in
-den Willen des Höchsten mangelt, ist dagegen gewiß.
-
-Wozu dieser Mangel oft führt, zeigt uns die Erfahrung.
-
-Dem Gottvertrauen innewohnt, der hat eine mächtige Stütze im Leben.
-
-Was den Gottvertrauenden hinieden auch betrifft, bringt ihn niemals
-außer Fassung. Womit ihn der Herr erfreut, veranlaßt ihn zum Danke.
-Was das Schicksal ihm auferlegt, wird von ihm geduldig hingenommen.
-Warum Gott gerade ihm Leiden sendet, wird in ihm nie ein Gegenstand
-kleinmüthiger Frage. Was sein Himmelsvater thut, dünkt ihm wohlgethan.
-
-Der so zum Herrn steht, ist ein echtes Kind Gottes. Den solcher Glaube
-beseelt, ist ein wahrer Christ. Wessen Herz von solcher Zuversicht
-durchdrungen ist, der steuert sicher auf dem bewegten Strome des Lebens.
-
-
-53. Der Hund.
-
-(Der Subjectivsatz zuletzt.)
-
-Es ist längst erwiesen, daß schlechte Verpflegung den Hund schließlich
-toll macht. Es ist hinlänglich bekannt, daß ein toller Hund unsägliches
-Unheil anrichten kann. Es ist oft genug geschildert worden, wie
-gräßlich das Ende eines in Tollwuth verfallenen Menschen ist. Trotzdem
-ist es aber die große Frage, ob alle Hundebesitzer ihre Pflichten gegen
-ihre Thiere gewissenhaft erfüllen.
-
-Der pflegt seinen Hund nicht, der ihm zu geringe Kost reicht. Der
-bekümmert sich wenig um die Gesundheit des treuen Thieres, den sein
-Bedürfniß zu saufen nicht rührt. Der liebt den lieben Hausfreund kaum,
-dem dessen Winseln vor Kälte kein Erbarmen einflößt.
-
-Gib darum Deinem Hunde, was ihm gehört. Reiche ihm, was ihn wirklich
-nährt. Wende von ihm ab, was ihm schädlich ist. Muthe ihm nicht zu, was
-über seine Kräfte geht. Vergiß nie, wie ihn die Natur gebaut hat.
-
-Der ist ein Thierquäler, der das Alles nicht beachtet. Derjenige sollte
-darum auch keinen Hund halten, der seine Bedürfnisse nicht kennt.
-
-
-54. Die Erde.
-
-(Der Subjectivsatz vorn und zuletzt.)
-
-Daß die Erde große Schätze birgt, steht in jeder Naturgeschichte. Es
-ist aber sehr fraglich, ob alle schon entdeckt sind.
-
-Wen Diamanten umstrahlen, der dankt sie der Erde. Wem sein Mittagsbrod
-auf goldenen Gefäßen gereicht wird, der gedenke des Fundortes dieses
-edlen Metalles. Es wäre möglich, daß ihn dieser Gedanke vor Stolz
-bewahrte.
-
-Was nur irgend aus Metall gefertigt ist, hat seinen Ursprung im Schooße
-der Erde. Einleuchten muß es daher, daß auch die Stecknadel ein
-Geschenk der Mutter Erde ist.
-
-Wovon wir unsere Wohnungen bauen, liefert sie uns ebenfalls. Womit wir
-uns kleiden, wächst zu einem großen Theile aus ihrem Schooße empor. Was
-uns nährt, entsteigt ihrem geheimnißvollen Grunde. Unleugbar ist es
-daher, daß sie die Erhalterin alles Lebens ist.
-
-Es ist längst kein Geheimniß mehr, wie der Erdball entstanden. Wol aber
-bleibt es eine offene Frage, wie lange er fortbestehen wird. Wo sein
-Ziel gesetzt ist, weiß nur sein Schöpfer. Es steht indeß zu hoffen, daß
-die Erde während +unseres+ Lebens nicht untergehen wird.
-
-
-2. Abgekürzte Subjectivsätze.
-
-55. Selbsterkenntniß.
-
-Es ist eine große Weisheit, sich selbst zu kennen. Wenigen aber nur
-fällt es ein, sich selbst zu beobachten. Nur Einzelnen ist es bequem,
-über sich selbst nachzudenken. Es ziemt indeß besonders dem Christen,
-sich stets zu prüfen. Seine eigenen Fehler zu gestehen, schändet
-niemals. Sich schuldig zu bekennen, ehrt oft gar.
-
-Es ist ja doch menschlich, sich einmal vergessen zu haben. Ebenso
-menschlich ist es, sich zu irren.
-
-Sehr leicht ist es dagegen, Andere zu richten. Manchen scheint es ein
-wahres Vergnügen zu sein, fremde Mängel zu enthüllen. Gar Viele finden
-eine Freude darin, Anderer Fehler aufzudecken. Ein Splitterrichter zu
-sein, ist indeß kein Lob.
-
-Es bleibt stets gefährlich, sich über Andere zu erheben. Sich selbst zu
-bekämpfen, ist der allerschwerste Krieg. Sich selbst zu besiegen, ist
-der allerschönste Sieg.
-
-
-Wiederholung.
-
-(Vollständige und abgekürzte Subjectivsätze.)
-
-56. Die Todten.
-
-Daß man die Todten ehrt, ist eine löbliche Sitte. Ihr letztes Ruhebette
-zu schmücken, ist nichts Tadelnswerthes. Ihr Begräbniß feierlich zu
-gestalten, ist den Angehörigen ein Bedürfniß.
-
-Wer aber hierbei die rechte Grenze überschreitet, dessen Verfahren
-verdient Mißbilligung. Es ziemt auch hierbei Maß zu halten.
-
-Wirkliche Kleinode mit ins Grab zu geben, ist eine Verschwendung. Was
-der Sarg umschließt, ist ja für immer verloren. Der ruht deshalb nicht
-sanfter in der Erde, an dessen Fingern Diamanten funkeln. Was an dem
-Geschiedenen auf dem Paradebette blitzt, das erlischt im Grabesdunkel.
-
-Todte zu ehren, ist löblich. Mit Todten Luxus zu treiben, ist
-verwerflich. Es wäre rühmlicher, „die Salbe“ zu verkaufen und den Armen
-zu geben.
-
-
-Hauptwiederholungen.
-
-(Zusammengesetzte Sätze und Satzgefüge.)
-
-57. Im Winter.
-
-Bruno setzte sich an das Fenster, Heinrich dagegen nahm am Tische
-Platz. Was sie zeither gespielt hatten, war ihnen langweilig geworden.
-Es ist ja bekannt, daß selbst das schönste Spiel endlich ermüdet.
-
-Bruno ergötzte sich jetzt an dem wirbelnden Schneefalle, denn der
-alte Winterkönig schüttelte die silbernen Flocken mit vollen Händen
-herab. Heinrich baute aus Kartenblättern Häuser und Brücken, sogar eine
-Festung versuchte er zu errichten.
-
-Ob sie heute noch Erlaubniß zum Schlittenfahren erhalten würden,
-war beiden Brüdern zweifelhaft. Sich draußen im frischen Schnee
-herumtummeln zu dürfen, wäre ihnen freilich sehr erwünscht gewesen. Wer
-je einmal diese Winterlust genossen hat, wird ihnen diesen Wunsch nicht
-verdenken.
-
-Endlich trat der Vater ein, und sein heiteres Gesicht ließ die Knaben
-Hoffnung schöpfen. Was sie hofften, ging in Erfüllung.
-
-Wen das Schlittenfahren reizte, der konnte gehen. Wem eine
-Schneebataille erwünscht schien, der hatte die Erlaubniß dazu. Wie sich
-überhaupt die beiden Brüder draußen vergnügen wollten, blieb ihnen
-überlassen.
-
-So viel Freiheit hatten sie nicht erwartet, denn sie kannten die
-gewöhnliche Strenge des Vaters. Das aber ist die größte Freude, die uns
-unerwartet kommt.
-
-Bruno und Heinrich eilten hinaus. Wo der Schnee am tiefsten lag, wußten
-sie schon. Wozu die Schneewehen für die Kinder da sind, war ihnen
-ebenfalls gar wohl bekannt. Daß sie auf der Pfarrwiese zahlreiche
-Gesellschaft treffen würden, ließ sich vermuthen.
-
-Wol an zwei Stunden tummelten sich beide Brüder nach Herzenslust in
-der freien Winterflur umher, und bei dieser Belustigung gab es keine
-Langeweile.
-
-
-II. Prädikatsätze.
-
-
-58. Gott und der Mensch.
-
-Gott ist, der er war. Gott ist auch, der er sein wird. Er bleibt, der
-er stets gewesen.
-
-Der Mensch dagegen bleibt nicht, der er war. Wol aber wird er einst,
-was er war.
-
-Auch ich werde wieder, was ich einst gewesen. Der Leib verwandelt sich
-in Erde. Somit wird so manches Menschen höchster Stolz im Grabe, was er
-im Leben gleichgiltig mit Füßen trat. Eine große Thorheit ist es, daß
-man dies zu oft vergißt.
-
-Die Gräber sind es, woran des Lebens ernsteste Gedanken geschrieben
-stehen. Die größte Weisheit ist, daß man diese Schrift zu lesen
-versteht. Sie ist übrigens derartig, daß sie Jeder lesen +kann+.
-Demuth sei es daher, wonach wir stets trachten wollen.
-
-
-Hauptwiederholung.
-
-(Subjectiv- und Prädikatsätze.)
-
-59. Ein trauriger Pfad.
-
-Gefährlich ist es, des Lasters Bahn zu gehen. Was anfänglich genußreich
-erschien, wird gar zu oft die Ursache bitterer Schmerzen. Worüber der
-Sinnenmensch früher jubelte, erscheint ihm später nicht selten als
-Gegenstand der Reue.
-
-Der Lasterhafte wird endlich, was der Sklave an der Kette ist. Er ist
-somit, was er um Alles in der Welt nicht sein will. Sein Bestes zu
-bedenken, kommt ihm nicht in den Sinn. Das Ende seiner Lebensweise zu
-erwägen, vermeidet er absichtlich.
-
-Sich selbst zu beherrschen, mangelt ihm die Kraft. Wozu ihn sein
-Gelüste treibt, wird seine nächste Aufgabe. Wohin der Rausch führen
-könne, kümmert ihn nicht.
-
-Aber der anfangs blumenreiche Lasterpfad bleibt nicht, wie er war. Was
-anfänglich Rosen waren, sind zuletzt nur noch Dornen. Was den Körper zu
-oft erquickt, richtet ihn zu Grunde. Was den Geist rauschartig aufregt,
-stumpft ihn ab.
-
-Der Schwelger wird als Jüngling, was der Greis in späteren Tagen ist.
-Der Fluch der Sünde ist es, worin er seinen Untergang findet.
-
-
-III. Beifügesätze.
-
-
-1. Vollständige Beifügesätze.
-
-
-60. Ein Schulkreuz.
-
-(Der Beifügesatz zuletzt.)
-
-Theodor gehörte zu den Schülern, die dem Lehrer Noth machen. Er zeigte
-ein Betragen, das keineswegs löblich war. In seinem ganzen Wesen lag
-ein Stumpfsinn, der ihn für jeden Tadel gleichgiltig machte. Aus
-seinem Auge aber sprach dabei eine gewisse Tücke, die ihn als einen
-gefährlichen Nachbar erscheinen ließ.
-
-Seine Arbeiten waren oft von einer Beschaffenheit, die den Lehrer
-in Aufregung versetzte. Oft brachte er Exempel, die er nicht selbst
-gerechnet hatte. Zuweilen lieferte er einen Aufsatz ab, der durchaus
-nicht aus seiner Feder geflossen war. Nicht selten legte er Zeichnungen
-als die seinigen vor, die fremde Hände ausgeführt hatten.
-
-Er war demnach ein Schüler, der log. Er war ein Mensch, der betrog.
-
-Natürlich erhielt Theodor Strafen, die sehr empfindlich waren. Er bekam
-Censuren, die fast nicht schlechter sein konnten.
-
-Der Lehrer wies ihm endlich einen Platz an, der ihm zur großen Schande
-gereichen mußte. Theodor’s Hände mußten zuletzt sogar Bekanntschaft mit
-dem Dinge machen, das man gewöhnlich nur zum Linienziehen verwendet.
-Trotzdem aber blieb er ein Schüler, der für die Schule ein Kreuz war.
-
-
-61. Ein muthiger Knabe.
-
-(Der Beifügesatz in der Mitte.)
-
-Ein Knabe, der im Walde Beeren suchte, fühlte Hunger. Er setzte sich
-deshalb unter einer Eiche, die mit ihren riesigen Aesten viel Schatten
-bot, nieder. Ein Stück trockenes Brod, das er aus der Tasche zog,
-diente ihm als Mahl. Die Beeren, die er bereits gepflückt hatte, rührte
-er indeß nicht an.
-
-Bald war die höchst einfache Mahlzeit, die ihm jedoch vortrefflich
-gemundet, beendet. Da fühlte er plötzlich an dem einen Fuße, den er an
-einen Stein gestemmt hielt, einen stechenden Schmerz. Fast zu gleicher
-Zeit huschte eine Otter, die er sofort für die Kreuzotter erkannte,
-unter den Stein.
-
-Der Knabe, der sich sofort von der Natter gebissen hielt, erschrak über
-die Maßen. Ihm war die Gefahr, die aus einem solchen Bisse entsteht,
-aus der Naturgeschichte bekannt. Ihm war aber auch das Mittel, das hier
-allein retten konnte, nicht verborgen.
-
-Er führte den Fuß, der bereits zu schwellen begann, an den Mund.
-Hierauf nahm er die verwundete Stelle, die nur unbedeutend blutete,
-zwischen die Lippen. Nun fing er mit aller Kraft, die seine Lungen
-gestatteten, zu saugen an. Das Blut, das er auf diese Weise in
-ziemlichen Massen aussog, spuckte er natürlich aus.
-
-Dieses Aussaugen der Wunde, das er mit allem Eifer betrieb, setzte er
-wol eine halbe Stunde fort. Darauf hielt er den Fuß, der nicht weiter
-angeschwollen zu sein schien, in den nahen Waldbach.
-
-Jetzt erst ging der Knabe, der sich indeß ziemlich ermattet fühlte,
-nach Hause. Die Eltern, welche über das Geschehene in große Aufregung
-versetzt wurden, riefen sofort einen Arzt herbei. Der betreffende
-Arzt, der in seiner Kunst wohl erfahren war, erklärte alle Gefahr für
-beseitigt.
-
-Der Knabe, dessen Geistesgegenwart man allgemein bewunderte, hatte sich
-selbst von den schrecklichen Folgen eines Otternbisses gerettet.
-
-
-62. Flora.
-
-(Die Beifügesätze umschreiben ein Eigenschaftswort.)
-
-Flora, welche sehr strebsam war, liebte besonders die Musik. Ihr Ohr,
-das für die Harmonien sehr viel Empfänglichkeit besaß, lauschte jedem
-Tone. Kein Genuß ging ihr über das Anhören eines Concertes, das sich
-einer guten Ausführung erfreute.
-
-Flora besaß einen musikalischen Nachahmungstrieb, der oft Staunen
-erregte. Melodien, die zum Gemüthe sprachen, spielte sie sofort auf dem
-Piano nach. Arien, die einen gediegenen Charakter offenbarten, sang sie
-mit Leichtigkeit nach dem Gehör.
-
-Dieses Talent Flora’s bemerkte ihr Onkel, der ein reicher Mann war. Er
-ließ ihr sofort musikalischen Unterricht ertheilen, wie er besser wol
-kaum gefunden werden konnte. Durch seine Verwendung genoß sie überhaupt
-eine musikalische Ausbildung, die nach jeder Richtung hin ausgezeichnet
-genannt werden mußte.
-
-Flora machte in kurzer Zeit Fortschritte, die abermals der Bewunderung
-werth waren. Schon nach zwei Jahren trat sie in dem Theater, welches
-das größte der Stadt war, als Sängerin auf. Ihr Gesang, dessen Reinheit
-nichts zu wünschen übrig ließ, fand außerordentlichen Beifall.
-
-Flora, die bei aller Auszeichnung ihre Bescheidenheit bewahrte, ward
-eine berühmte Sängerin. So hatte jener Onkel, der bei allem Reichthum
-ein gutes Herz besaß, ihr Glück begründet.
-
-
-63. Eine Bergpartie.
-
-(Der Beifügesatz umschreibt ein Mittelwort.)
-
-Der Fuß des Berges, den wir besteigen wollten, war erreicht. Unser
-Führer, der im Reisen wohlerfahren zu sein schien, rieth zu einer
-kurzen Rast.
-
-Diesem Rathe, der uns sehr wohlgemeint dünkte, folgten wir gern.
-Schnell warfen wir die Reisebündel, die uns nicht wenig drückten, ab.
-Ein jeder suchte sich sofort ein Ruheplätzchen, das Schatten gewährte.
-Bald machte ein Trunk, der uns schier erquickte, die Runde. Auch ein
-Imbiß, der uns Stärke verleihen sollte, wurde genommen.
-
-Nach einer halben Stunde, die wir traulich verplaudert hatten, setzten
-wir unsere Reise fort. Langsam stiegen wir den Abhang, welcher indeß
-bald sehr steil wurde, hinan. Namentlich wurde der Marsch durch das
-Steingeröll, welches den Pfad bedeckte, ungemein erschwert. Die
-Alpenstöcke, die wohl mit Eisen beschlagen waren, fanden bei jedem
-Schritte Verwendung.
-
-Nach einem einstündigen Marsche erreichten wir eine Matte, welche
-viel Reize bot. Dicht vor einem Felsen stand eine Sennhütte, welche
-zahlreiche Geisen umlagerten. Freundlich grüßte ihr Geläute, das sanft
-in die Luft hallte, uns entgegen. Der Anblick der Alpenwiese, die üppig
-grünte, war für das Auge ein Genuß. In vollen Zügen schlürften wir den
-Alpenkräuterduft, der uns wahrhaft stärkte.
-
-Mit einem Marschliede, das aufs neue erheiterte, schritten wir über
-die liebliche Bergeinsamkeit hinweg. Der Punkt, den wir erreichen
-wollten, lag noch etwa 2000 Fuß hoch. Von jetzt an gab es mitunter
-Weghindernisse, die nur höchst mühsam zu überwinden waren. Wir
-gelangten außerdem wiederholt auf Felsenvorsprünge, welche Schwindel
-verursachten. Unter des Führers Zusprache, die uns ermuthigte, strebten
-wir indeß vorwärts.
-
-Ohne Kampf, der allerdings ermüdet, kein Sieg. Nach einer Stunde,
-die uns noch fürchterlich anstrengte, standen wir endlich auf dem
-Gipfel des Berges. Hier aber lohnte auch der Umblick, der uns förmlich
-bezauberte, reichlich unsere Mühe.
-
-
-64. Verschiedene Besitzungen.
-
-(Der Beifügesatz umschreibt ein Besitz anzeigendes Fürwort.)
-
-Das Haus, das mir gehört, steht an einem Bache. Der Freund, welchen ich
-mein nenne, besitzt auch ein Grundstück. Das Grundstück, das ihm zu
-eigen gehört, liegt nahe am Walde.
-
-Die beiden Besitzungen, die unser Eigenthum sind, haben beide ihre
-Vorzüge. Die Lagen, deren sie sich erfreuen, bieten mancherlei Reize.
-Ziemlich öde ist dagegen die Lage der Villa, die Du angekauft hast. Ein
-Gleiches gilt von dem Rittergute, das Dein Bruder inne hat. Die Asyle,
-die Ihr Euch da zu eigen gemacht habt, könnten mir nicht gefallen.
-
-Der Geschmack, den ich in dieser Beziehung besitze, weicht eben von dem
-Eurigen ab. Die Wünsche, die ich in dieser Hinsicht hege, erstrecken
-sich auf eine romantische Umgebung. Die Ansprüche dagegen, die Ihr
-macht, beziehen sich mehr auf eine schöne Einrichtung im Innern der
-Gebäude.
-
-
-65. Ein Todtenbette.
-
-(Der Beifügesatz umschreibt eine Ortsbestimmung.)
-
-Das Schloß, das inmitten eines wundervollen Parkes lag, war heute eine
-Stätte unendlichen Schmerzes. Der große Saal, durch den sonst heitere
-Musik rauschte, hatte müssen in eine stille Todtenhalle verwandelt
-werden. Das kostbare Fußgetäfel, über welches oft die geflügelten Füße
-fröhlicher Ballgäste glitten, trug heute einen Sarg. Dieser Sarg, um
-den herum unzählige Kerzen brannten, barg einen Jüngling.
-
-Der Todte, auf dem Aller Augen mit tiefer Wehmuth ruhten, war der
-einzige Sohn des reichen Schloßbesitzers. Theilnehmende Verwandte
-hatten kostbaren Blumenschmuck gesendet, der vor dem Sarge in sinniger
-Ordnung aufgestellt war. Riesige Fächerpalmen, die man oberhalb des
-Hauptes angebracht hatte, bildeten eine Art Himmelbette.
-
-An dem Betstuhle, der dicht neben dem Sarge stand, kniete ein betender
-Priester. Das Crucifix, das zu Füßen des Paradebettes lehnte, war
-umflort.
-
-Des Jünglings Vater, der an einer nahen Marmorsäule lehnte, sah in
-stummem Schmerze vor sich nieder. Die Mutter, welche dicht hinter ihm
-stand, barg ihr thränenzerflossenes Antlitz in ihr weißes Taschentuch.
-Sogar des Todten Lieblingshund, der nicht von der Seite des Sarges
-wich, schien seinen Herrn zu betrauern.
-
-Dieser Todesfall, der bei Alt und Jung die größte Theilnahme
-hervorrief, zeigte so recht die Ohnmacht des Reichthums. Dieser
-Schicksalsschlag, der ja doch von oben kam, machte all das irdische
-Glück der Schloßfamilie zu nichte. Er führte sie aber auch zur Demuth
-vor dem, der jenseits der Sterne wohnt.
-
-
-66. Deutschland.
-
-(Der Beifügesatz umschreibt eine Zeitbestimmung.)
-
-Der deutsch-französische Krieg, der nach verhältnißmäßig kurzer Zeit
-beendet war, ist für die deutschen Länder von großem Segen gewesen. Das
-Blut, das damals floß, ist nicht umsonst geflossen. Die verschiedenen
-deutschen Staaten, die es vorher gab, haben sich zu einem großen Ganzen
-vereinigt. Die vielen deutschen Heerkörper, die sonst unter ebenso
-vielen obersten Befelshabern standen, stehen nun unter einem einzigen
-Kriegsherrn.
-
-Die mancherlei deutschen Stämme, die sich vor kurzem noch mehr oder
-weniger von einander absonderten, reichen sich jetzt die Bruderhand.
-Aus den einzelnen Gebieten, welche vordem zerstückelt umherlagen, ist
-ein einziges großes Reich erstanden. Das Deutschthum, das zeither
-von gewissen Nationen über die Achsel angesehen wurde, hat sich eine
-außerordentliche Geltung erobert. Selbst der gewöhnliche Mann, der
-sonst auf seine Angehörigkeit wenig Gewicht legte, fühlt sich jetzt als
-Deutscher.
-
-Aber die Sonne, die nach jenem glücklichen Kriege über unser Vaterland
-aufgegangen ist, hat auch sonst noch große Veränderungen bewirkt. Die
-Milliarden, die noch heute als Kriegsentschädigung nach Deutschland
-einwandern, haben in der Verkehrswelt einen großen Umschwung
-hervorgebracht. Der Unternehmungsgeist, der allerdings den Deutschen
-stets innewohnte, hat gegenwärtig einen ungeheuren Anlauf angenommen.
-
-Dadurch sind freilich die Arbeitskräfte, welche bisher in ziemlich
-genügender Zahl vorhanden waren, rar geworden. Infolge dessen haben
-sich die Arbeitslöhne, die vor dem Kriege mäßige waren, fast um das
-Doppelte gesteigert. In gleichem Maße sind die Lebensmittelpreise, wie
-wir sie im Jahre 1870 kannten, in die Höhe gegangen.
-
-Doch das, was einst war, müssen wir vergessen lernen. Halten wir
-trotzdem unser liebes Deutschland, wie es jetzt ist, hoch und hehr.
-
-
-67. Der Lebensmüde.
-
-(Der Beifügesatz umschreibt eine Art und Weise.)
-
-Ein Greis, welcher unter vielen Lebensstürmen ergraut war, wollte sich
-in die Einsamkeit zurückziehen. Zu diesem Zwecke ließ er sich am Ende
-seines Vaterdorfes, dessen Häuser ziemlich zerstreut in einem Thale
-lagen, eine Hütte bauen. Diese Hütte, die er sich ganz nach seiner
-Weise einrichten ließ, sollte sein letztes Asyl im Leben sein.
-
-Die Wände, die kaum die Dicke eines Mauerziegels hielten, wurden aus
-Lehm errichtet. Die Fenster, die beinahe wie Kerkerfenster aussahen,
-waren durchaus nicht auf viel Stubenhelle berechnet. Das Dach, welches
-man in einfachster Weise mit Stroh gedeckt hatte, reichte an der
-Hinterseite fast bis auf die Erde. Auch die innere Einrichtung der
-Wohnstube, in der man vergeblich nach dem kleinsten Luxus suchte, trug
-das Gepräge der größten Einfachheit.
-
-Endlich zog der lebensmüde Greis, der längst auf die Vollendung der
-Hütte gewartet hatte, ein. Er, der lange genug im Schweiße seines
-Angesichts sein Brod gegessen hatte, pflegte hier nun der Ruhe. Um
-die Welt, der er unverdrossenen Sinnes seine Kräfte gewidmet hatte,
-kümmerte er sich wenig mehr.
-
-Seine Welt war jetzt ein kleines Gärtchen, das er ohne alle Anstrengung
-mit Blumen bepflanzte. Sein treuester Freund war der alte Mops, der ihm
-beständig auf Schritt und Tritt folgte.
-
-So floß sein Lebensabend, der bei aller Entbehrung doch noch manche
-stille Freude bot, ruhig dahin. Der stille Rückblick auf die
-Vergangenheit, die wie ein sturmbewegter See heute vor ihn lag, kürzte
-ihm die Zeit.
-
-Endlich nahte seine Sterbestunde, der er schon längst ergebenen Sinnes
-entgegengesehen hatte. Sein Ende, das unter einem gläubigen Gebete
-erfolgte, war ein sanftes Entschlummern. Die Hütte aber, aus der man
-den Entschlafenen ohne Sang und Klang zur Ruhe trug, hieß von Stund an
-das Friedenshäuschen.
-
-
-68. Vaterlandsliebe.
-
-(Der Beifügesatz umschreibt einen Grund oder Zweck.)
-
-Ein Bauer, der durch eine Erbschaft sehr reich geworden war, hatte
-einen einzigen Sohn. Diesen Sohn, für dessen Zukunft sich nun eine
-glänzende Aussicht eröffnete, liebte er mit rührender Herzlichkeit.
-Sein Gotthold, der wegen seiner guten Aufführung auch im ganzen Dorfe
-geliebt wurde, war sein größter Stolz. Uebrigens gehörte Gotthold,
-seines schlanken Wuchses halber, zu den schönsten Burschen der Umgegend.
-
-Da brach ein Krieg herein, der zur Rettung des Vaterlandes geführt
-werden mußte. Der König, welcher kraft seiner Macht das Kriegsheer
-verstärken konnte, ließ sofort Rekruten ausheben. Einzelne junge
-Männer, die aus Furcht vor den Kriegsgefahren entflohen, wurden
-gewaltsam zurückgebracht. Viele Jünglinge indeß, die um des Vaterlandes
-willen gern ihr Leben einsetzen wollten, stellten sich freiwillig. Auch
-Gotthold, der überhaupt für den Soldatenstand schwärmte, eilte aus
-freiem Entschlusse zu den Waffen.
-
-Wenige Wochen darauf wurde er dem Regimente, das zum Schutze der
-Hauptstadt bestimmt war, einverleibt. Sein schon betagter Vater, der
-vor Besorgniß um den einzigen Sohn keine Nacht ruhig schlafen konnte,
-holte täglich Nachricht über den Stand der Dinge ein.
-
-Da endlich langte gerade an dem Sonntage, der der Erinnerung an die
-Heimgegangenen geweiht ist, die Kunde von einem blutigen Kampfe um den
-Besitz der Hauptstadt an. Glücklicherweise ließ die Botschaft von der
-gänzlichen Niederlage des Feindes, die durch den Telegraphen vermittelt
-wurde, nicht lange auf sich warten.
-
-Leider hatte Gotthold diesen Sieg, der für die Rettung des Landes den
-Ausschlag gab, mit seinem Leben bezahlen müssen. Sein Vater, der zwar
-für den Augenblick von diesem Schicksalsschlage wie zerschmettert
-schien, brach indeß keineswegs in ein verzweifeltes Wehklagen aus. Er
-ertrug den Schmerz über den herben Verlust, den er um des Vaterlandes
-willen erlitten, mit stiller Ergebung. Von seinem Sohne aber, der
-durch seinen Tod den Sieg erkaufen half, sprach er sein Lebelang mit
-sichtlichem Stolze.
-
-
-69. Gleiche Rechte, gleiche Pflichten.
-
-(Der Beifügesatz umschreibt ein Hauptwort im zweiten Falle.)
-
-Das Gesetz, wonach in Deutschland jetzt jeder gesunde junge Mann
-zum Militärdienste verpflichtet ist, ist gewiß ein gerechtes. Die
-frühere Einrichtung, welcher zufolge sich die Söhne der Reichen vom
-Militär freikaufen konnten, hatte große Schattenseiten. Warum sollte
-blos der Arme die Pflicht, den Fürstenthron zu schützen, zu erfüllen
-haben? Warum sollten blos die Söhne unbemittelter Eltern den schweren
-Eid, nach welchem der Soldat das Vaterland mit Blut und Leben zu
-vertheidigen hat, auf sich nehmen?
-
-Die Zusicherung, daß Jedermann vom Staate gleichen Schutz genießt,
-legt auch Allen gleiche Pflichten gegen den Staat auf. Wollen wir also
-die weise Verfügung, kraft deren jetzt der Millionär neben dem ärmsten
-Nachtwächterssohne unter der deutschen Fahne steht, freudig begrüßen.
-Möge jeder junge Soldat den Schwur, vermöge dessen er unverbrüchliche
-Treue gelobt, in Ehren halten!
-
-
-70. Das kindliche Spiel.
-
-(Der Beifügesatz umschreibt ein Zeitwort in reiner Form.)
-
-Der Trieb, demzufolge das Kind gern spielt, ist ein sehr natürlicher.
-Es darf darüber natürlich die Pflicht, die es für die Schule arbeiten
-heißt, nicht vergessen.
-
-Sehr verschieden ist die Art, in der manche Kinder ein Spiel treiben.
-Kleinen Kindern muß oft die Weise, nach welcher ein Spiel zu handhaben
-ist, erst gelehrt werden. Sie zeigen in der Regel anfänglich das
-Bestreben, daß sie die Spielgegenstände am liebsten zerstören möchten.
-
-Bei geselligen Spielen tritt leider oft die Sucht, daß der Einzelne
-über die Andern gern herrschen möchte, recht deutlich hervor. Man muß
-aber diesen Hang, demzufolge ein Einzelner allen Andern befehlen will,
-unbedingt tadeln. Jedem Mitspielenden muß das Recht, wonach er sich für
-ein gewisses Spiel entscheiden kann, freistehen.
-
-Ebenso darf auch bei sogenannten Glücksspielen der Wunsch der Kinder,
-daß sie gewinnen möchten, nie zur Leidenschaft werden. Die Möglichkeit,
-daß man im Glücksspiele auch verlieren kann, muß jedem Spieler vorweg
-einleuchten.
-
-
-71. Räthsel.
-
-(Der Beifügesatz umschreibt ein Doppelhauptwort.)
-
-Alfred und Heino gaben sich gegenseitig Räthsel auf. Alfred brachte
-folgende zum Vorschein:
-
- Wie heißt das Stroh, womit das Dach man deckt,
- Wie nennst du das, drauf man im Bett sich streckt,
- Wie heißt das Dach, das man aus Stroh gewinnt,
- Und wie der Mann, deß Glieder Stroh nur sind?
- Nenn’ mir das Bier, das gleich vom Faß man trinkt,
- Und wieder das, das aus der Flasche blinkt.
- Wie heißt das Faß, dem frisch das Bier entfließt,
- Und wie das Glas, aus dem man Bier genießt?
- Wie heißen Maler, die die Stube schmücken,
- Und die, die uns durch Landschaftsbilder oft entzücken?
- Wie nennst die Stube Du, da still ein Maler schafft,
- Und die, drin uns der Schlaf gibt neue Kraft?
-
-
-72. Die Bienen.
-
-(Der Beifügesatz umschreibt eine Zahlbestimmung.)
-
-Die Bienen eines Stockes, deren Zahl oft 15000 beträgt, bilden eine
-Art Königreich. Die Honigbienen, die ziemlich stark vertreten sind,
-erscheinen als die eigentlichen Arbeiter. Die Drohnen, deren Zahl
-geringer ist, machen den Hofstaat aus.
-
-Neben den Honigzellen bauen die Bienen auch Brutzellen, die man
-ebenfalls nach Tausenden zählen kann. Die Eier, welche eine gleich
-große Menge bilden, legt einzig und allein die Königin.
-
-An einem günstigen Tage kann von den Bienen eines reich bevölkerten
-Bienenstockes eine Honigmenge, die das Gewicht von zehn Pfund
-erreichte, eingeheimst werden.
-
-
-73. Biblische Beinamen.
-
-(Der Beifügesatz umschreibt eine Apposition.)
-
-Die Sitte, in irgend einer Weise sich auszeichnenden Menschen einen
-besonderen Beinamen zu geben, ist uralt. Den ersten erhielt Adam, den
-man den Stammvater des Menschengeschlechts nannte. Einer gleichen Ehre
-hatte sich Abraham, der als der Erzvater bezeichnet wurde, zu erfreuen.
-
-Zu diesen bevorzugten biblischen Personen gehört auch der König Salomo,
-dem man bekanntlich den Ehrentitel „der Weise“ beilegte. Unbestritten
-aber führt Christus, der als der Sohn Gottes bezeichnet wird, den
-erhabensten Beinamen.
-
-Die biblischen Beinamen sind indeß nicht immer solcher Natur, daß die
-betreffende Person dadurch geehrt wird. Wir denken dabei an Herodes,
-welcher der Grausame benannt worden ist. Auch an Judas, der den Namen
-„Verräther“ führt, müssen wir uns hierbei erinnern. Ebenso ist Thomas,
-den man als den Ungläubigen bezeichnet hat, hierher zu rechnen. Nicht
-minder gehört Antiochus, den man zu den Tyrannen zählt, in diese Klasse.
-
-
-Wiederholung.
-
-(Alle Arten Beifügungen.)
-
-74. Der sterbende Löwe.
-
-Ein Löwe, der ein hohes Alter auf seinem Rücken trug, lag vor seiner
-Höhle. Die Mähne, die einst in üppiger Fülle seinen Leib schmückte,
-hing nur noch in dünnen Büscheln über die Schultern. Das Auge, das
-sonst feurig durch die Wüste spähte, stierte matt vor sich hin. Aus
-den früher so mächtigen Tatzen, die sich jetzt auf dem heißen Sande
-hinstreckten, war alle Kraft gewichen.
-
-Das Mahl, das sich der Löwe gestern herbeigeholt hatte, war von ihm
-unberührt geblieben. Der gute Appetit, dessen er sich stets erfreute,
-schien gänzlich verschwunden. Auch an ihm behauptete das Naturgesetz,
-demzufolge selbst der Stärkste dem Tode verfällt, seine Rechte.
-
-Der Wunsch, daß man den Beherrscher der Wüste gern noch einmal sehen
-möchte, führte eine Menge Thiere herzu. Darunter befanden sich freilich
-auch solche, welche die Schadenfreude herbeitrieb. Man sah sogar
-einige, die nun ihren Haß an dem hinfällig Gewordenen auslassen wollten.
-
-Der Fuchs, der zu den ärgsten Feinden des Löwen gehörte, kränkte ihn
-mit allerlei beißenden Reden. Der Wolf, dem der Wüstenkönig einmal
-ein feistes Lamm abgejagt hatte, schimpfte den Sterbenden einen
-schändlichen Räuber. Ein Büffel, der seit Jahren in Furcht vor dem
-Löwen lebte, stieß ihn mit seinen Hörnern. Sogar ein träger Esel, der
-aus bloser Laune den König der Thiere nie leiden konnte, versetzte ihm
-noch einen Schlag mit seinen Hufen.
-
-Da trat endlich ein Roß, dem der Löwe nur unlängst noch sein Junges
-zerrissen hatte, herzu. Es richtete sein Auge, dessen Ausdruck von
-Mitleid zeugte, schweigend auf den Sterbenden. Dieses edle Thier
-konnte die gemeine Gesinnung, derzufolge man sich an einem unschädlich
-gewordenen Feinde rächt, nur verabscheuen. Es hielt eine solche
-Handlungsweise, die nur aus Niederträchtigkeit hervorgehen kann, für
-die größte Schande.
-
-Der Löwe, dem dieser Edelmuth nicht entging, warf dem Pferde einen
-dankbar gerührten Blick zu. Bald darauf aber machte der Tod, mit dem er
-schon geraume Zeit kämpfte, seinem Leben ein Ende.
-
-
-75. Das Wasser.
-
-(Desgleichen.)
-
-Das Wasser, welches ein tropfbar-flüssiger Körper ist, bedeckt zu
-zwei Drittheilen die Erdoberfläche. Seine Farbe, die durch die darin
-aufgelösten Stoffe bedingt wird, tritt verschieden auf.
-
-Fast himmelblau leuchten uns die Spiegel derjenigen Seen, welche sich
-zwischen den Alpen ausbreiten, entgegen. Im schillernden Dunkelgrün
-wälzt die Woge, die der Sturm auf dem Weltmeere vor sich her treibt,
-dem Ufer zu. Fast farblos dagegen erscheint der Strahl, der sich aus
-dem Röhrbrunnen ergießt.
-
-Außerordentlich mannichfaltig sind die Formen, in denen uns das Wasser
-begegnet. Als Dunstbläschen, in welche es durch Wärme verwandelt
-worden ist, steigt es in die Luft. In Tropfen fällt es aus den Wolken,
-die langsam über unsern Häuptern dahinziehen, herab. Im Frühlinge
-überzieht es zuweilen die Flur mit Reif, der uns dann als eine Art
-Feenschleier erscheint. Auch in Gestalt von Graupeln, die in den höhern
-Luftschichten gebildet werden, bekommen wir es nicht selten zu sehen.
-
-Grausig klingt bei mächtigem Gewitter das Herniederdonnern der
-Schloßen, die durch ihren Niederschlag oft große Verheerungen
-anrichten. Alle Eisdecken, welche im Winter die Gewässer tragen, sind
-Gebilde aus Wasser. Und wem wäre nicht die Entstehung des Schnees, der
-das Schlummergewand der Erde bildet, bekannt?
-
-Unendlich groß ist der Segen, den das Wasser gewährt. Es erhält alles
-Leben, das die weite Erde trägt. Selbst das kleinste Pflänzchen, das
-auf dem dürrsten Sandboden gedeiht, kann ohne Wasser nicht fortbestehen.
-
-Das Wasser trägt auf seinem Rücken Lasten, deren Gewicht Staunen
-erregen muß. Es setzt gewaltige Räder, durch welche wieder große
-Maschinen in Thätigkeit gebracht werden, in Bewegung. Durch die
-Eigenschaft, vermöge deren es sich durch Hitze in Dämpfe verwandelt,
-wird es für die riesigsten Fahrzeuge zum treibenden Elemente.
-
-Freilich kann auch das Wasser, wenn es zur Flut wird, unsagliches
-Unheil anrichten. Wer zählt die unglücklichen Opfer, die schon das
-sturmdurchtobte Meer verschlungen?
-
-
-2. Abgekürzte Beifügesätze.
-
-76. Bete und arbeite.
-
-Wendler, ein schlesischer Leineweber, hatte vom Leben sehr verkehrte
-Ansichten. Die Pflicht, sein Daheim zu erhalten, legte er lediglich in
-Gottes Hand. Die Annahme, Gott erhöre jedes Gebet, verleitete ihn zum
-Müßiggange. Der Gedanke, einen Tag verfaulenzt zu haben, störte ihn
-nicht.
-
-Dagegen befriedigte ihn das Bewußtsein, heute wieder ein recht
-fleißiger Beter gewesen zu sein. Die Hoffnung aber, durch Gebet Alles
-erreichen zu können, ist eine Thorheit.
-
-Gott, unser wahres Wohl im Auge habend, fordert auch den Gebrauch
-unserer eigenen Kraft. Er, obgleich von unendlicher Güte, gibt nichts
-im Schlafe.
-
-Wendler, einst gar nicht unbemittelt, versank mit der Zeit in Armuth.
-Der Arbeit, dieser Würze des Lebens, hatte er sich gänzlich entwöhnt.
-Und so wurde er, alle Mahnungen unbeachtet lassend, auch noch ein
-vollendeter Taugenichts. Endlich mußte Wendler, unter dem Namen
-Betbruder bekannt, sein Brod sogar vor den Thüren suchen.
-
-Dein Bedürfniß, täglich mit Deinem Gott reden zu müssen, verdränge
-daher nie den Trieb zur Arbeit. Bei dem Triebe, durch rührige
-Thätigkeit Dein Auskommen zu sichern, vergiß aber auch nie das Gebet.
-
-
-Wiederholung.
-
-3. Vollständige und abgekürzte Beifügesätze.
-
-77. Napoleon I.
-
-Napoleon, der Große genannt, war seiner Zeit der Gefürchtete von ganz
-Europa. Sein Eroberungsgelüste, welches keine Grenzen kannte, erfüllte
-manchen andern Herrscher mit Zittern. Seine Siege, für ihn selbst
-freilich oft recht opferschwer, wurden in den deutschen Staaten mit
-Entsetzen vernommen.
-
-Ein Fürst nach dem andern mußte sich unter sein Scepter, das einer
-blutigen Geißel glich, beugen. Ein Land nach dem andern fiel seinem
-Kriegsglücke, das allerdings durch sein großes Feldherrntalent bedingt
-wurde, zum Opfer.
-
-Somit schien er sein Ziel, Weltherrscher zu werden, wirklich erreichen
-zu sollen. Der König aller Könige aber, der allmächtige Weltenlenker,
-gebot endlich den stolzen Wellen. Der Stern, der zeither über dem
-Haupte des großen Kaisers glänzte, verdüsterte sich.
-
-In der deutschen Nation, durch die Noth geeinigt, zog sich ein schweres
-Gewitter über ihm zusammen. Seine Macht, die jetzt in höchster Blüthe
-stand, wurde gebrochen. Auf Leipzigs Ebenen, den ewig denkwürdigen,
-erlitt er eine seiner furchtbarsten Niederlagen. Eine kleine Insel,
-welche mitten im Meere liegt, wurde dem Ueberwundenen von seinen
-Siegern zum Asyl angewiesen. Auf St. Helena beschloß endlich Napoleon,
-der gefangene Kaiser, sein sturmbewegtes Leben.
-
-
-Hauptwiederholung.
-
-4. Subjectiv-, Prädikat- und Beifügesätze.
-
-78. Die Sklaven.
-
-Daß es noch immer Sklaven gibt, ist eine beklagenswerthe Thatsache.
-Auch der Neger ist, was wir sind. Er gehört zu den Menschen, den
-Ebenbildern Gottes.
-
-Furchtbar schrecklich ist das Loos, das den armen Sklaven beschieden
-ist. Was des Menschen höchstes Glück ausmacht, ist ihnen für das ganze
-Leben genommen. Die Freiheit, die goldene, kennen sie nicht. Unter
-einer Arbeitslast, die oft ihre Kräfte übersteigt, müssen sie ihre Tage
-verbringen. Die Pflicht, derzufolge sie sich dem Willen ihres Herrn
-bedingungslos zu unterwerfen haben, wird ihnen meist mit der Knute
-gelehrt.
-
-Die allerscheußlichsten Scenen, die ein Menschenauge nur sehen kann,
-bietet ein Sklavenmarkt. Da stehen die armen Schwarzen, mit teuflischer
-List eingefangen, gleich Opferthieren. Was in ihrem Innern vorgeht,
-prägt sich in ihren Mienen aus. Ihren Ohren kann nicht entgehen, wie um
-sie gefeilscht wird.
-
-Ihre allergrößte Besorgniß ist, daß sie von ihren Angehörigen getrennt
-werden könnten. Auch das Herz, das der Allvater in die Negermutter
-gelegt, umfängt ja ihr Kind mit zärtlicher Liebe. Auch das Negerkind,
-obgleich in der Wildniß aufgewachsen, erkennt seine Eltern als die
-besten Freunde.
-
-Dank sei denjenigen Staaten, welche innerhalb ihrer Grenzen das Unwesen
-der Sklaverei abgeschafft haben. Ob dies noch in diesem Jahrhunderte
-allenthalben geschehen wird, ist sehr die Frage. O laßt doch die armen
-Sklaven wieder werden, was sie einst waren! Erhebt sie wieder zu freien
-Menschen, die gleiche Rechte mit uns allen haben.
-
-
-IV. Ergänzungssätze.
-
-
-1. Vollständige Ergänzungssätze.
-
-
-79. Saat und Ernte.
-
-(Im 4. Falle.)
-
-Was der Mensch säet, das wird er ernten. Möchte ein Jeder beachten, daß
-in diesem Satze ein sehr ernster Fingerzeig für das Leben liegt.
-
-Jeder vernünftige Mensch muß darum stets reiflich erwägen, was er
-thut. Er muß jederzeit bedenken, wie sich die Folgen seiner Handlungen
-gestalten können. Er muß mit Ruhe überlegen, wohin seine Schritte
-möglicherweise führen.
-
-Der ist kein Weiser, den das Alles nicht kümmert. Diejenigen sind darum
-auch nicht zu bedauern, die jenen Fingerzeig nicht beachten.
-
-Der Müßiggänger muß wissen, wohin die Faulheit endlich bringt. Der
-Verschwender muß einsehen, daß durch unsinnige Ausgaben auch der größte
-Reichthum vernichtet werden kann. Dem Schwelger muß die Erfahrung
-gelehrt haben, daß durch ein wüstes Leben die leibliche Gesundheit
-untergraben wird. Der Spieler darf sich nie verhehlen, daß die
-Spielwuth die Brücke zu vielen andern Lastern ist.
-
-Von den toll in den Tag Hineinlebenden weiß man nie, wo die Fahrt zu
-Ende geht. Wie Mancher hat es schon am Ende seiner Tage bitter bereut,
-bösen Samen auf seine Lebensbahn gestreut zu haben.
-
-Bedenke darum in frühester Jugend schon, was Dir einmal frommen kann.
-Träume Dir nie, Du seist vor all jenen Thorheiten sicher. Was Dich in
-Versuchungsstunden schützen kann, findest Du in der Religion.
-
-Vergiß nie, was Du in diesem Artikel gelesen hast.
-
-
-80. Die kranke Freundin.
-
-(Desgleichen.)
-
-Johanna erfuhr eines Tages, daß ihre Freundin krank sei. Sie vernahm
-auch, worin die Krankheit bestand. Daß der Zustand der Freundin
-keineswegs ungefährlich erscheine, hatte ihr deren Arzt gesagt.
-
-Da überlegte denn nun Johanna, womit sie der Kranken eine Freude
-bereiten könne. Das freilich konnte sie der am Magen Leidenden nicht
-anbieten, was diese in gesunden Tagen gern aß.
-
-Endlich fiel ihr ein, daß die Freundin die Feldblumen sehr liebe.
-Johanna wußte, wo die schönsten zu suchen seien. Sie fand daher sehr
-bald, was sie suchte. Das gute Mädchen verstand es ausgezeichnet, aus
-diesen einfachen Kindern der Flur einen reizenden Strauß zu binden.
-
-Die Kranke errieth sogleich, woher die sinnige Gabe komme. Die Freude
-über dieselbe bewirkte, daß sich jene auf einige Zeit wohler fühlte.
-
-Einige Tage später erfuhr Johanna, daß ihre Freundin auf dem Wege
-der Genesung sei. Wieder einige Tage darauf schrieb diese ihr sogar
-eigenhändig, daß sie nächsten Sonntag wieder ausgehen werde. Zugleich
-versprach sie, daß ihr erster Besuch Johanna gelten solle.
-
-
-81. Lebensregeln.
-
-(Im 3. Falle.)
-
-Wer sich Dir anvertraut, dem leihe Dein Ohr. Wen Du dagegen nicht
-kennst, dem vertraue kein Geheimniß. Wer einer Gabe bedürftig ist, dem
-verschließe Deine Hand nicht. Der Dir dafür nicht dankt, dem gib noch
-einmal.
-
-Wer Dich haßt, dem reiche kein Messer. Dem aber weiche nicht aus, der
-Dir die Hand zur Versöhnung bieten will. Danke dem, der Dich grüßt. Der
-Dich indeß nicht grüßt, dem zürne nicht.
-
-Wer seine Ehre lieb hat, dem muß auch der böse Schein verhaßt sein. Wer
-aber von der Welt falsch beurtheilt wird, dem muß sein unbeflecktes
-Gewissen zum Troste dienen.
-
-
-82. Mütterliche Lehren.
-
-(Desgleichen.)
-
-Mutter Regine mußte heute dem die Hand zum Abschiede reichen, der
-bisher ihr Liebling gewesen war. Wer ihre Liebe zu ihrem ältesten Sohn
-kannte, dem sind ihre heißen Thränen gewiß erklärlich vorgekommen. Wer
-auf die Wanderschaft geht, dem kann ja Mancherlei zustoßen.
-
-Regine befahl in dieser Trennungsstunde den noch unerfahrenen Sohn
-dem, der jedes Menschen Geschick mit Weisheit lenkt. Darauf legte
-sie dem Scheidenden noch Folgendes ans Herz: „Wandere allezeit mit
-dem im Herzen, der auch im finstern Thale unser Stab ist. Wer das
-Gottvertrauen nicht fahren läßt, dem ist des Himmels Beistand immer
-nahe.
-
-Traue dagegen nicht Jedem, der sich Dir als Freund anbietet. Der Weise
-mißtraut dem am meisten, der ihm am meisten schmeichelt. Gib jederzeit
-Ehre, dem Ehre gebührt. Wer Dich vor einer Thorheit warnt, dem küsse
-die Hand. Vergib dem, der Dich einmal beleidigen sollte.
-
-Der Dich zum Zorne reizt, dem gehe aus dem Wege. Wem Du in irgend einer
-Weise helfen kannst, dem versage Deine Dienste nie. Wer Dir selbst
-dient, dem bleibe den Dank nicht schuldig.
-
-Entfliehe denen, die verbotene Wege gehen wollen. Wer sich unter die
-Wölfe begibt, dem ist bald das Heulen gelehrt. Wem das Diebeshandwerk
-gefällt, dem kann ein Strick zum Halsband werden. Wer dagegen immer auf
-Gottes Wegen wandelt, dem wird es allezeit wohlgehen.“
-
-
-83. Kindespflicht.
-
-(Im 2. Falle.)
-
-Der alte Vater Erasmus bedurfte, daß ihn eine liebende Hand pflegte.
-Zudem war er es auch würdig, daß ihm von seinen Kindern dieser
-Liebesdienst erwiesen werde. Niemand vermochte ihn zu beschuldigen, daß
-er gegen dieselben je eine Pflicht versäumt habe.
-
-Trotz alledem aber wurde sein ältester Sohn dessen überführt, daß er
-den guten Alten ungebührlich behandelt habe. Der Undankbare versicherte
-dessenungeachtet ganz trotzig, daß er unschuldig sei.
-
-Eines Tages ließ ihn der Geistliche des Ortes zu sich kommen und
-ermahnte ihn mit folgenden Worten: „Erinnere Dich dessen, der einst als
-der beste Sohn auf der Erde wandelte. Sei doch eingedenk alles dessen,
-was Dein Vater an Dir gethan hat. Werde Dir überhaupt bewußt, wie
-treulich Dich Deine Eltern einst gepflegt haben. Vergiß es nie, was sie
-für unzählige Opfer um Deinetwillen brachten.
-
-Befleißige Dich daher, daß Du Deinem Vater all seine Liebe vergeltest.
-Freue Dich, daß Du ihn überhaupt noch besitzest. Zudem bedenke, daß
-auch Du einmal älter wirst.“
-
-Diese Rede ging dem Sohne zu Herzen. Er klagte sich jetzt selbst an,
-daß er der Pflichten gegen seinen Vater vergessen habe. Er zieh sich
-selbst, daß er bisher ein höchst undankbares Kind gewesen sei. Und von
-dieser Stunde an blieb er eingedenk dessen, was das vierte Gebot von
-jedem Kinde fordert.
-
-
-84. Ein edler Fürst.
-
-(Der Ergänzungssatz umschreibt ein Hauptwort mit Verhältnißwort.)
-
-Ein edler Fürst lebt nur dafür, daß es seinem Volke wohlgehe. Er
-trachtet zunächst darnach, daß die Landesgesetze immer vollkommener
-werden. Er hält aber auch darauf, daß man sie allenthalben erfülle. Er
-forscht, worin ein Nothstand seine Ursache haben könne. Darauf trachtet
-er, daß die Quelle des Uebels verstopft werde.
-
-Ein edler Fürst kümmert sich, daß ein Jeder vor dem Gesetze gleiche
-Rechte habe. Er erkundigt sich angelegentlich, wie der Stand der
-Volksbildung sei. Er freut sich, wenn die Schulen immer größere
-Fortschritte erzielen. Er verwendet sich auch dafür, daß die Kunst zu
-immer größerer Blüthe gelange.
-
-Ein edler Fürst sorgt getreulich für die, welche im Dienste des
-Vaterlandes zu Schaden gekommen sind. Er übt Gnade an denjenigen, die
-in Verblendung am Gesetze sündigten.
-
-Er glaubt, daß über ihn noch ein Höherer waltet. Diesen König aller
-Könige aber bittet er, daß er ihm Weisheit schenke.
-
-
-85. Der alte Räuberhauptmann.
-
-(Der Ergänzungssatz umschreibt eine Zeitwort in abhängiger Form.)
-
-Ein alter Räuberhauptmann fürchtete, daß er sein Leben noch auf dem
-Schaffote enden werde. Er wünschte daher, daß er bald sterben möge. Er
-verlangte sogar, daß man ihm Gift beibringe.
-
-Seine Leute verneinten indeß, daß sie ihm in diesem Falle gehorchen
-müßten. Der alte Sünder hoffte nun von Tag zu Tag, daß er erkranken
-möchte.
-
-Eines Abends glaubte er auch wirklich, daß sein Körper fiebere. Er
-bildete sich sogar ein, daß er bereits phantasire. Er wähnte, daß er
-merklich ermatte. Aber er begehrte nicht, daß man ihm etwas Stärkendes
-zu trinken gebe. Er vermied sogar mit allem Ernste, daß er in einen
-Schlaf verfalle. Die Krankheit war indeß nicht zum Tode. Seine Natur
-nöthigte ihn, daß er genesen mußte. Der Himmel zwang ihn, daß er noch
-am Leben bleibe.
-
-
-86. An der Indianergrenze.
-
-(Der Ergänzungssatz in unbestimmter Redeweise.)
-
-Ein Farmer erfuhr, daß ein Haufen räuberischer Indianer im Anzuge sei.
-Sein Nachbar versicherte, daß er schon einige in der Nähe gesehen habe.
-Ein Kuhhirte wollte sogar wissen, daß die Räuber gegen fünfzig Mann
-stark wären. Ein zufällig dazukommender Reisender behauptete wieder,
-daß es die Indianer auf eine ganz andere Gegend abgesehen hätten.
-
-Man einigte sich indeß, daß man in jedem Falle Vertheidigungsmaßregeln
-ergreifen müsse. Es wurde daher beschlossen, daß sich jeder Anwohner
-bewaffne. Zu gleicher Zeit aber wurde auch befohlen, daß keiner
-unnöthiger Weise von der Waffe Gebrauch machen solle. Ebenso wurde
-angeordnet, daß Niemand vorläufig seine Behausung verlassen dürfe.
-Namentlich empfahl der Fremde, daß ein Angriff erst abgewartet werde.
-
-Zum Glück konnte bald darauf ein Abgesandter berichten, daß der
-Indianerschwarm jedenfalls vorüberziehe. Er wollte sich überzeugt
-haben, daß die Horde auf das nächste kleine Städtchen zusteuere. Man
-glaubte indeß, daß man trotzdem immer noch auf der Hut sein müsse.
-
-Erst den nächsten Morgen nahm man an, daß nun alle Gefahren vorüber
-seien. Der Farmer gebot, daß Jeder seine Waffe wieder aus der Hand
-lege. Damit solle indeß nicht gesagt sein, daß die Räuberhorde nicht
-später wiederkehren könne.
-
-
-2. Abgekürzte Ergänzungssätze.
-
-
-87. Der Tollkühne.
-
-Joseph bildete sich ein, ein vorzüglicher Schwimmer zu sein. Er
-wünschte deshalb, einmal seine Bravour zeigen zu können.
-
-Eines Tages kündete er seinen Kameraden an, über den nahen, breiten
-Strom schwimmen zu wollen. Sie riethen ihm indeß, davon abzusehen. Sie
-beschlossen sogar, seinem Wagestücke gar nicht zuzusehen.
-
-Joseph aber blieb dabei, seine Kraftprobe auszuführen. Er versicherte,
-keine Furcht zu kennen. Er bat deshalb die Kameraden, ihn zu begleiten.
-
-Diese kamen endlich überein, ihm zum Flusse zu folgen. Der Tollkühne
-berechnete nicht, dem reißenden Strome nicht gewachsen zu sein. Das
-Schicksal verurtheilte ihn, seine Verwegenheit mit dem Leben zu büßen.
-
-
-Wiederholung.
-
-(Verschiedene Arten der Ergänzungssätze.)
-
-88. Der feuerspeiende Berg.
-
-Des Försters zehnjähriger Wilibald wußte recht gut, daß das Pulver
-ein gefährliches Ding ist. Sein Vater hatte ihm wiederholt gesagt,
-was für großes Unglück schon durch unvorsichtigen Umgang mit diesem
-Schießmaterial herbeigeführt worden sei.
-
-Wilibald aber folgte dem nicht, der ihn schon oft gewarnt hatte. Er
-blieb dessen nicht eingedenk, was ihm sein Vater sagte.
-
-Einmal nahm er sich vor, einen Sandhaufen in einen feuerspeienden
-Berg zu verwandeln. Er vermeinte, daß dies mit Schießpulver leicht
-ausführbar sei.
-
-Wilibald war dessen gewiß, daß sein Vater heute erst spät heimkehren
-werde. Er hoffte deshalb, sein Werk ganz ungestört vollbringen zu
-können.
-
-Das Unglück wollte, daß der Förster gerade an diesem Tage sein
-Pulverhorn hatte an der Wand hängen lassen. Wer die Sorgsamkeit des
-Försters kannte, mußte diese Unvorsichtigkeit fast unerklärlich finden.
-Man konnte aber auch wieder dem eine solche einmalige Vergeßlichkeit
-verzeihen, dem es im Kopfe oft vor Amtssorgen schwirrte.
-
-Wilibald erinnerte sich, das Pulverhorn gesehen zu haben. Er fand daher
-sehr bald, was er suchte.
-
-Den Sandhaufen hatte er bereits mit einer röhrenartigen Oeffnung
-versehen. Dahinein schüttete er, was sich im Pulverhorne vorfand. Schon
-freute er sich darauf, wie der Berg Feuer speien werde. Er erwartete,
-daß die Feuergarbe einen Meter hoch steigen würde.
-
-Der kleine Vesuv bedurfte jetzt nur noch, daß ein Stück brennender
-Schwamm darauf gelegt werde. Bald hatte Wilibald beschafft, was eben
-noch fehlte. Ungeduldig sah er dem entgegen, was nun eintreten sollte.
-Er harrte indeß vergebens, daß das Schauspiel seinen Anfang nehme.
-
-Endlich hielt er es für angezeigt, einmal nachzusehen. Er glaubte sich
-versichern zu müssen, daß der Schwamm verlöscht sei.
-
-Wer aber unvorsichtig ist, dem kann gar Schlimmes begegnen. Wilibald
-bemühte sich, sich genau von der Ursache des Nichtentzündens zu
-überzeugen. In diesem Augenblicke aber erfolgte, was erfolgen sollte.
-
-Das Schicksal fügte es leider, daß ihm die Pulverflamme gerade in die
-Augen schlug. Er verlor auf der Stelle sein Augenlicht.
-
-Wem nicht zu rathen ist, dem ist freilich auch nicht zu helfen.
-
-
-Hauptwiederholung.
-
-(Subjectiv-, Prädikat-, Beifüge- und Ergänzungssätze.)
-
-89. Das Reisen.
-
-Wem Gott will eine Gunst erweisen, der wird von ihm in die weite Welt
-geschickt.
-
-Das Reisen gewährt zunächst eins der größten Vergnügen, die für Geld
-zu haben sind. Es verleiht Vielen eine Bildung, die selbst das Studium
-der gelehrtesten Bücher nicht geben kann. So Mancher ist durch vieles
-Reisen erst geworden, was er werden sollte.
-
-In der weiten Welt lernt der Mensch erst kennen, was für Wunder der
-Herr geschaffen hat. In der Fremde überzeugen ihn tausend Dinge, daß
-auch der Mensch in seinen Thaten groß sein kann.
-
-Wer reist, muß freilich seine Augen hübsch offen behalten. Wer Gewinn
-vom Reisen haben will, muß auch die Ohren fein spitzen. Er muß sich
-befleißigen, mit Verstand zu reisen. Ein Wandern, dem kein bestimmter
-Plan zu Grunde liegt, hat wenig Zweck.
-
-Auch die Kunst, mit rechtem Nutzen zu reisen, will freilich erst
-erlernt sein. Die ersten Ausflüge in die Welt kosten deshalb, was
-man Lehrgeld zu nennen pflegt. Man muß lernen, sich den gegebenen
-Verhältnissen zu fügen. Man muß auszurechnen verstehen, wie man überall
-am billigsten wegkommen kann. Man darf aber auch wieder gewisse Opfer,
-ohne welche zu besondern Sehenswürdigkeiten kein Zutritt gewährt wird,
-nicht scheuen.
-
-Außerordentlich mannichfaltig sind die Verkehrsmittel, welche das
-Reisen ungemein erleichtern. Wer will, der kann jetzt binnen wenig
-Tagen in weit entlegene Länder versetzt werden. Es bedarf nur, daß er
-den Dampfwagen besteigt.
-
-Das Verlangen, die weite Welt zu sehen, verallgemeint sich von Jahr zu
-Jahr. Wahrhaft erfreulich ist es, auf den Bahnhöfen täglich die große
-Menge Reisender zu sehen.
-
-Trotzdem aber gibt es noch Leute genug, die lieber in behaglicher Ruhe
-auf ihrer Ofenbank sitzen bleiben. Sie ziehen den Glanz der blitzenden
-Thaler im Geldkasten, ihrem Abgotte, dem Anblicke der reizendsten
-Alpenlandschaft vor. Manche wieder sind geradezu zu faul dazu, ihren
-Gesichtskreis durch Aufsuchen von noch nie Gesehenem zu erweitern. Sie
-wollen lieber bleiben, wie sie sind. Wir aber sagen, daß dies eine
-Schande für sie ist.
-
-Reise also, wer reisen kann. Das Reisen ist eine Lust, die kaum durch
-eine andere zu ersetzen ist.
-
-
-V. Anführungssätze.
-
-
-1. Wörtlich.
-
-
-90. Die Bibel der Natur.
-
-(Der Hauptsatz voran.)
-
-Gleich der heiligen Schrift ruft uns auch die Natur zu: „Merke auf
-meine Rede!“ Der zuckende Blitz verkündet uns: „Alles Leben stehet in
-Gottes Hand!“ Die Lilie des Feldes tröstet: „Gott sorgt auch für dich!“
-
-Das welkende Blatt legt uns die Worte an’s Herz: „Alles Irdische
-vergeht!“ Ernst murmelt uns das Bächlein entgegen: „Mein unaufhaltsames
-Dahinrollen ist ein Bild von Deiner Lebenstage Lauf.“
-
-Das Würmchen im Staube spricht: „Groß sind die Werke des Herrn!“ Die
-Lerche in blauer Höhe jubelt: „Preise mit mir die Güte des Schöpfers!“
-Der der Puppe sich entwindende Falter versichert uns: „Auch Du wirst
-auferstehen!“ Der majestätische Sternenhimmel predigt uns: „Hier sind
-noch viele Wohnungen!“
-
-
-91. Beim Brande.
-
-(Der Haupts. zuletzt.)
-
-„Feuer!“ erscholl es mitten in der Nacht. „Eilt zu retten!“ mahnte die
-Feuerglocke.
-
-„Wo brennt es?“ rief ich zum Fenster hinaus.
-
-„Das Pfarrhaus muß in hellen Flammen stehen“, antwortete mir eine
-Stimme.
-
-„Es kann auch die Schule sein!“ sagte eine andere.
-
-„Keins von beiden“, versichert der zufällig vorübereilende Nachtwächter.
-
-„Ich muß zu Hilfe eilen“, sagte ich zu den Meinigen.
-
-„Das Erbgericht brennt!“ rief mir beim Austritt aus meinem Hause ein
-Vorübergehender zu.
-
-„Dieser hat Recht!“ dachte ich beim Anblicke der auflodernden Flammen
-für mich.
-
-Ich eilte dem Brande zu. Die Feuerwehr war bereits in voller
-Thätigkeit. Aber welch ein Lärm!
-
-„Zuerst das Vieh retten!“ schrie der Eine.
-
-„Drei Mann aufs Dach des Nachbarhauses!“ befahl ein Anderer.
-
-„Eine Leiter hierher!“ kreischte eine heisere Stimme.
-
-„Richtet den Spritzenstrahl mehr nach der Giebelmauer!“ commandirte der
-Feuerlöschdirector.
-
-„Mehr Wasser herbeischaffen!“ riefen die Spritzenleute.
-
-Das Hauptgebäude des Erbgerichts brannte nieder.
-
-„Die Verhütung größeren Unglücks ist hauptsächlich der Windstille zu
-verdanken“, hörte man allgemein aussprechen.
-
-
-92. Zwiespalt.
-
-(Der Hauptsatz in der Mitte.)
-
-„Womit“, fragte Kunz seine Kameraden auf dem Spielplatze, „werden wir
-uns denn heute die Zeit vertreiben?“
-
-„Laßt uns“, sagte Hilmar, „Ball werfen.“
-
-„Ball“, fiel Lambert schnell ein, „spiele ich nicht mit!“
-
-„Nun, so wollen wir“, versetzte Hilmar wieder, „den Drachen steigen
-lassen.“
-
-„Zum Drachensteigenlassen“, bemerkte Ewald, „habe ich wieder keine
-Lust.“
-
-„Vielleicht“, schlug Hilmar aufs neue vor, „holen wir dann heute einmal
-alle unsere Reifen herbei?“
-
-„Das Reifenspiel“, fiel Feodor spöttisch ein, „ist ja hauptsächlich
-eine Beschäftigung für Mädchen!“
-
-„So laßt uns“, nahm hier Kunz wieder das Wort, „Soldaten spielen!“
-
-„Das“, entgegnete Lambert, „wäre mein allerletzter Zeitvertreib!“
-
-„Auf diese Weise“, sagte jetzt Günther, „kommen wir freilich heute zu
-keinem Zeitvertreibe. Lieber“, fügte er noch hinzu, „mag da jeder für
-sich spielen!“
-
-Und so wurde es auch zuletzt.
-
-
-Wiederholung.
-
-(Alle drei Fälle abwechselnd.)
-
-93. Die Weidenraupe.
-
-„Wo kommst Du her?“ fragte Alban den ihm begegnenden Alexander.
-
-„Ich komme“, gab dieser zum Bescheid, „von der Raupenjagd.“
-
-„Und wie steht es mit der Ausbeute?“ fragte Alban weiter.
-
-Darauf erwiderte der Gefragte mit einem gewissen Stolze: „Einen sehr
-interessanten Fund habe ich gemacht!“
-
-„Wie so?“ versetzte Alban neugierig.
-
-„Ich habe“, sagte Alexander hocherfreut, „eine Weidenraupe gefunden.“
-
-„O Du Glücklicher!“ rief Alban fast etwas neidisch. Gleich darauf aber
-fügte er hinzu: „Wo wirst Du denn diese Raupe sich verpuppen lassen?“
-
-„Die Weidenraupe“, belehrte jener, „muß man in ein Glas mit Sägespänen
-aus Weidenholz setzen!“
-
-„Wozu das?“ fragte Alban.
-
-Darauf erwiderte Alexander: „Weil diese Raupe meist vom Weidenholze
-lebt! Zu dem“, setzte er noch hinzu, „verpuppt sie sich auch stets in
-Holzspänen.“
-
-„Wie lange liegt sie denn als Puppe?“ fragte Alban wieder.
-
-Mit etwas verwunderter Miene erwiderte Alexander: „Weißt Du denn das
-nicht selbst aus der Naturgeschichte?“
-
-„Das habe ich wirklich wieder vergessen“, war die Antwort.
-
-„Sie braucht“, fuhr Alexander fort, „volle drei Jahre zu ihrer
-Entwickelung zum Falter.“
-
-„Entsetzlich lange“, staunte Alban. „Den Schmetterling aber“, bat er,
-„laß mich dann ja gleich sehen!“
-
-„Das soll geschehen“, versicherte Alexander.
-
-
-2. Nicht wörtlich.
-
-
-94. Das Wetter.
-
-(Der Hauptsatz zuletzt.)
-
-Eines Tages trafen sich vier Bauern auf dem Felde. Mit dem Wetter könne
-man dies Frühjahr doch eigentlich gar nicht zufrieden sein, äußerte
-Melchior.
-
-Das sei auch seine Ansicht, sagte Samuel. -- Er müsse für seine
-sandigen Fluren etwas mehr Regen wünschen, setzte Wenzel hinzu. -- Ihm
-wären einige Tage Sonnenschein jetzt lieb, meinte Weinrich.
-
-Die Wärme lasse diesmal außerordentlich lange auf sich warten, bemerkte
-Melchior wieder. -- Für seine Saaten aber komme das kühle Wetter gerade
-recht gelegen, hielt Samuel entgegen.
-
-Ihm sei ein Gedanke beigekommen, bemerkte jetzt Wenzel.
-
-Wenzel möge reden, meinten alle.
-
-Der liebe Gott werde es wol nie allen recht machen können, lautete
-Wenzel’s Gedanke.
-
-
-95. Am Krankenbette.
-
-(Der Hauptsatz voran.)
-
-Zwei Aerzte wurden an das Krankenbette eines Kindes gerufen.
-
-Der jüngere Arzt meinte, die argen Kopfschmerzen des Kindes könnten
-von schlechter Verdauung herrühren. Dem hielt die Mutter des Kindes
-entgegen, von einem Magenübel ihrer Marie habe sie noch nie auch nur
-die leiseste Spur entdeckt.
-
-Der ältere Arzt war der Ansicht, es läge hier eine Erkältung zu Grunde.
-Dazu bemerkte der Vater, das Kind sei seit länger als acht Tagen nicht
-aus der Stube gekommen.
-
-Beide Aerzte einigten endlich ihre Ansichten dahin, der Kopfschmerz
-habe seine Ursache in einem bedeutenden Blutandrange nach dem Gehirn.
-Der junge Arzt schlug nun vor, die Patientin solle in naßkalte
-Tücher eingepackt werden. Der ältere dagegen äußerte, hier sei ein
-niederschlagendes Pülverchen ganz am Platze.
-
-Um des lieben Friedens willen beschlossen endlich die zwei Herren, man
-wolle von beiden Mitteln Gebrauch machen.
-
-
-96. Der Fund.
-
-(Der Hauptsatz in der Mitte.)
-
-Ein armer Dienstmann fand auf der Straße einen Brillantring. Endlich,
-murmelte er für sich, habe er doch einmal Glück gehabt. Der Ring,
-meinte er, sei wenigstens seine zwanzig Thaler werth. Der Verkauf
-desselben, dachte er weiter, könne keine großen Schwierigkeiten bieten.
-Er brauche ja nur damit, überlegte er kurz, zum nächsten Goldarbeiter
-zu gehen.
-
-Da aber mischte sich sein Gewissen darein. Ein unehrlicher Finder,
-hielt es ihm vor, sei einem Diebe gleich zu achten. Einen Dieb
-aber, setzte es hinzu, nenne die Bibel ein schändlich Ding. Unrecht
-Gut, warnte es weiter, habe noch niemals Segen gebracht. Und der
-Allwissende, mahnte es noch, wisse dergleichen Schlechtigkeiten ans
-Licht zu bringen.
-
-Dieser innern Warnung, äußerte der Dienstmann nach einiger Erwägung
-ganz laut, wolle er aber auch folgen. Somit ging er auf die Polizei und
-meldete den Fund an.
-
-
-Wiederholung.
-
-(Alle drei Fälle.)
-
-97. Ochs und Esel.
-
-Ein Ochse und ein Esel stritten sich um den Ruhm der größten Klugheit.
-
-Der Ochse meinte, er sei unter allen Umständen der Klügste. Ihm sei
-die Weisheit gleich angeboren, behauptete der Esel. Schon seine breite
-Stirn, brummte der Ochs, müsse doch seine Gelehrsamkeit beweisen. Der
-Esel behauptete dagegen, er würde jedenfalls seiner Zeit das Pulver
-auch erfunden haben. Gerade diese Eingebildetheit müsse er für einen
-Beweis großer Dummheit erklären, höhnte der Hornträger.
-
-Diesen unangenehmen Streit, meinten endlich beide, werde der Löwe am
-besten entscheiden.
-
-Sie gingen zu ihm.
-
-Der Löwe eröffnete ihnen nach kurzer Ueberlegung, sie gehörten beide zu
-den Narren. Keiner habe in der Dummheit etwas vor dem andern voraus,
-versicherte er. Das hätten sie, fügte er hinzu, gerade durch ihren
-Streit bewiesen.
-
-Ochs und Esel wurden auch wirklich jetzt der Meinung, der Löwe habe
-Recht.
-
-
-98. Das Gespenst.
-
-(Wörtlich und nicht wörtlich.)
-
-„Hörst Du das Poltern?“ sagte der abergläubische Johann um die
-Mitternachtsstunde zu seinem Bruder Gottlieb.
-
-„Freilich“, erwiderte dieser, „höre ich es.“
-
-Ob dies nicht gar ein Gespenst sein könne, meinte Johann.
-
-Ihm wolle es, flüsterte Gottlieb, auch ganz so scheinen.
-
-Gleich darauf rief Johann dem neben ihm schlafenden Großknechte zu: „Es
-sind Gespenster im Hause!“
-
-Im Erwachen äußerte Töffel, er habe das bereits auch verspürt.
-
-„Leuchte nur einmal mit einer Laterne auf den Oberboden“, gebot
-Gottlieb dem Großknechte.
-
-Da muthe man ihm freilich viel zu, entgegnete dieser.
-
-Johann aber tröstete ihn mit den Worten: „Vor Deinen Fäusten werden
-schon die Gespenster Respekt haben.“
-
-Töffel stand auf und ging. Bald kehrte er zurück. Fast wie aus einem
-Munde fragten beide Brüder, was es denn gewesen sei?
-
-Wie man doch aber auch, murmelte der Großknecht verdrossen, gleich eine
-Mücke für einen Elephanten ansehen könne.
-
-„Aber“, fiel Gottlieb schnell ein, „so gib uns doch nur Bescheid!“
-
-„Das ganze Gespenst war unsere alte Hausmietze“, berichtete jetzt
-Töffel.
-
-„Wie so denn?“ fragte Johann.
-
-„Sie stak mit dem Kopfe in einem Topfe und konnte nicht wieder heraus“,
-war die Antwort.
-
-
-Hauptwiederholung.
-
-(Subjectiv-, Prädikat-, Beifügungs-, Ergänzungs- und Anführungssätze.)
-
-99. Ehre das Alter.
-
-Der alte Römhild, ein achtzigjähriger Greis, saß eines Tages vor der
-Thür seiner Hütte. Wer ihn kannte, hielt ihn hoch in Ehren.
-
-Ueber seinem Haupte, das die Silberkrone des Alters schmückte, war
-mancher Sturm hinweggezogen. Er war sich aber bewußt, daß ihn keiner
-vom Wege der Glaubenstreue abgebracht habe. Er durfte sich sagen, stets
-rechtschaffen gehandelt zu haben.
-
-Daß er ein höchst ehrwürdiger Greis sei, war in der ganzen Umgegend
-bekannt. „Vor Vater Römhild,“ hörte man oft sagen, „sollte Jeder die
-Mütze abnehmen.“
-
-Nicht so dachten zwei gottlose Knaben, deren Vater Frohnvogt im Orte
-war. Sie spotteten, daß der alte Römhild gar so gebückt dort saß. Sie
-wollten sich todtlachen, daß die zitternden Hände des Greises kaum das
-thönerne Tabackspfeifchen zu halten vermochten.
-
-Was die beiden Buben thaten, schmerzte den Alten tief. Sein Grundsatz
-aber, demzufolge er auch alles Unrecht geduldig ertragen wollte, ließ
-in seinem Herzen keinen Groll aufkommen.
-
-Ganz freundlich sprach er zu den Knaben: „Tretet doch einmal zu mir
-heran!“
-
-Sie würden sich hüten, äußerte höhnisch der eine. Und der andere
-meinte, sie hätten nichts mit ihm zu schaffen.
-
-Darauf nahm Vater Römhild, dem es um die Besserung der beiden Knaben
-zu thun war, zwei ganz neue Groschenstücke aus der Tasche. „Diese
-blitzenden Groschen sollt Ihr Euch bei mir holen“, sagte er.
-
-Dieses Angebot reizte die Knaben, den Schritt zu wagen. Sie traten also
-hinzu.
-
-Vater Römhild faßte, ohne seine freundlichen Züge zu verändern, jeden
-Knaben bei der Hand. „Ihr habt meiner gespottet“, begann er darauf.
-„Damit“, setzte er hinzu, „habt Ihr mir sehr weh gethan.“
-
-Bei diesen Worten, die seiner Brust mit einem tiefen Seufzer
-entstiegen, zitterte eine Thräne von seinen grauen Wimpern. Darauf fuhr
-er fort: „Werdet Ihr nicht selbst auch einmal alt werden?“ Und weiter
-fragte er: „Würde Euch denn in Euren alten Tagen der Spott der Jugend
-gefallen?“
-
-In ähnlicher Weise redete der Alte, der dabei einen wahrhaft
-väterlichen Ton annahm, noch längere Zeit zu den Herzen der beiden
-Knaben.
-
-Beide sahen jetzt ein, daß sie sich an dem Alten versündigt hatten.
-Beide gelobten auch endlich, daß sie sich ein solches Vergehen nie
-wieder wollten zu Schulden kommen lassen.
-
-Daß ihnen dieses Versprechen wirklich aus dem Herzen kam, sah der Alte
-an ihren Mienen. Ob sie der Zusage für immer eingedenk sein würden,
-konnte Vater Römhild freilich nicht wissen. Zur Ehre gereicht ihnen
-aber noch, daß sie die neuen Groschen durchaus nicht nehmen wollten.
-
-Hoffentlich blieben sie solcher Gesinnung, wie sie jetzt waren.
-
-
-VI. Umstandssätze.
-
-
-1. Umstandsnebensätze des Ortes.
-
-
-100. Unschuldig Verfolgte.
-
-Wo man die Sperlinge vertilgt, da züchtet man schädliche Insekten. Wo
-man die Maulwürfe erwürgt, da hegt man ein dem Graswuchse nachtheiliges
-Gewürm. Wo man den Eulen nachstellt, liebäugelt man mit den Feldmäusen.
-
-Dort steht es nicht gut mit der Oekonomie, wo jene drei Unschuldigen
-verfolgt werden. Ein solcher Unverstand kommt eben daher, woher aller
-Unverstand kommt. Und er führt dahin, wohin alle Unwissenheit führt. Er
-führt zu Nachtheilen.
-
-Der Landbebauer möge daher sein Ohr dahin halten, wo die Ordnung der
-Natur gelehrt wird. Er möge da hineingucken, wo von den wirklichen
-Feinden der Landwirthschaft geschrieben steht. Gewiß wird er dann jene
-drei unschuldig Verfolgten dahin zählen, wohin sie gehören.
-
-
-101. Reichthum.
-
-(Desgleichen.)
-
-Wo der Reichthum thront, da wohnt nicht immer auch das Glück. Das wahre
-Glück ist weit öfter dort zu finden, wo die Armuth um den Tisch sitzt.
-
-Wo der Hausherr stolz zu Rosse dahinfegt, hinkt sehr oft die Sorge
-hinterdrein. Wo die Hausfrau dreimal täglich das Gewand wechseln kann,
-kann leicht auch dreimal die gute Laune wechseln.
-
-Da, wo die Tafel die fetten Bissen kaum zu tragen vermag, stellen sich
-in der Regel viel ungeladene Gäste ein. Und dort hat man den Grünspan
-am meisten zu fürchten, wo sich viel Silber anhäuft.
-
-Dahin, wohin der Reichthum zuweilen führt, möchte mancher Arme wol um
-keinen Preis gelangen. Wohin der Ueberfluß an Mammon den Weg erschwert,
-dahin deutet auch Christus in einer Unterredung mit seinen Jüngern.
-
-Woher sich daher Mancher in dieser Beziehung ein beneidenswerthes Loos
-träumt, daher kann gerade sein Verderben kommen. Trachte doch ein Jeder
-zunächst dahin, woher ein zufriedener Sinn das Gemüth durchdringt.
-
-
-2. Umstandsnebensätze der Zeit.
-
-
-~a.~ Gleichzeitigkeit.
-
-102. Peter der Große.
-
-Eines Tages fuhr Peter der Große, als er zu Mittag gespeist, in seiner
-Schaluppe nach Sesterbank. Während seine Matrosen die Ruder schlugen,
-mußten sie zur Ergötzlichkeit des Kaisers ihre Lieder anstimmen. Dieses
-Concert unterhielten sie stets so lange, bis er winkte.
-
-Indem die Schiffsleute noch sangen, erhob sich von Westen her etwas
-Wind. Kaum aber waren zehn Minuten vergangen, entwickelte sich aus
-diesem Winde ein arger Sturm.
-
-Indeß sich des Kaisers Fahrzeug seinem Ziele nähert, bemerkt er in der
-Ferne einen mit den Wogen kämpfenden Kahn. Sowie Peter die große Gefahr
-für das kleine Fahrzeug erkennt, schickt er sofort seine Matrosen
-zur Rettung aus. Noch aber haben diese kaum die Schaluppe verlassen,
-entdeckt er mitten in der Flut eine Frau mit ihrem Kinde.
-
-Schon drohen die Wogen die Unglückliche zu begraben, als Peter selbst
-zu ihrer Rettung in die schäumende Flut stürzt. Sobald es Menschenleben
-zu retten gilt, denkt er nicht an seine Kaiserwürde.
-
-Indem ihn eine Welle hoch emporhebt, erfaßt er die Unglückliche. Mit
-starker Hand hält er sie fest, bis der Schiffsjunge die Schaluppe
-herbeigeführt hat.
-
-Während seine ausgesendeten Matrosen jenen Kahn in Sicherheit bringen
-helfen, führt er die beiden Geretteten dem Ufer zu. Für diese aber war
-nun gesorgt, solange sie lebten.
-
-
-103. Aus dem Tagebuche eines Kriegers.
-
-(Desgleichen.)
-
-Als die Sonne zu sinken begann, rückten wir in N. ein. Sobald die
-nöthigen Befehle für die nächste Nacht verlesen waren, ging das
-Bataillon auseinander.
-
-Kaum war ich zwei Minuten weit gegangen, stand ich vor meinem Quartier.
-Ich klopfte so lange an, bis sich mir die Thür des einfachen Dorfhauses
-öffnete.
-
-Während ich mein Gepäck ablegte, brummten meine Wirthsleute einige
-unwillige Worte. Ihr Widerwille steigerte sich noch, als ich endlich zu
-essen begehrte.
-
-Indeß endlich die Wirthin einige karge Lebensmittel herbeibrachte,
-trat ihr vierjähriges Töchterchen zu mir. Seitdem wir die französische
-Grenze überschritten hatten, war mir noch kein so hübsches Kind
-vorgekommen.
-
-Ich nahm das Kind auf meinen Schooß und liebkoste es in der
-väterlichsten Weise. Sowie die Wirthin dies sah, veränderten sich auf
-einmal ihre zeither so mürrischen Gesichtszüge. Währenddem ich nun
-vollends dem lieben Kinde die Stirn küßte, verklärte sich ihr Gesicht
-in ein glückliches Lächeln.
-
-Wie staunte ich indeß, als sie plötzlich das dürftige Abendbrod wieder
-entfernte. Indem ich aber noch über dieses seltsame Gebaren nachdachte,
-trat sie auch schon mit einem großen Teller höchst appetitlicher
-Speisen an den Tisch.
-
-Schon wollte ich zulangen, als die Wirthin mir Einhalt gebot. Noch
-aber hatte ich meine Gabel kaum wieder hingelegt, brachte der Wirth
-eine Flasche köstlichen Wein herbei. Jetzt erst sollte ich mir es
-wohlschmecken lassen.
-
-Die beiden Wirthsleute blieben meine freundlichen Nachbarn, solange ich
-aß. Als ich sie den nächsten Morgen verließ, erhielt ich von ihnen noch
-einen halben Schinken auf den weiten Marsch.
-
-Seit ich dieses einfache Dorfhaus verließ, habe ich nie wieder ein so
-gutes Quartier gefunden.
-
-
-~b.~ Ungleichzeitigkeit.
-
-
-104. Gewissenhaftigkeit.
-
-Bevor ein guter Schüler die Feder zu irgend einer schriftlichen Arbeit
-ansetzt, sammelt er in seinem Kopfe erst den Stoff dazu. Nachdem dies
-geschehen ist, ordnet er denselben. Ehe er aber dann die fertige Arbeit
-dem Lehrer übergiebt, sieht er sie noch einmal gewissenhaft durch.
-
-So oft ein Schüler dies thut, so oft wird er mit seinem Schaffen auch
-Ehre einlegen.
-
-So gewissenhaft sollte der Mensch überhaupt in allen seinen
-Unternehmungen sein. Er muß stets ein bestimmtes Ziel ins Auge fassen,
-bevor er handelt. Er muß auch stets die möglichen Folgen seiner Thaten
-erwägen, ehe er die Hand an irgend ein Werk legt.
-
-Gar Viele sehen ihre Thorheiten erst dann ein, nachdem sie vollbracht
-sind. Halte daher weisen Rath, so oft Du etwas Neues unternehmen willst.
-
-
-Wiederholung.
-
-(Gleichzeitigkeit und Ungleichzeitigkeit.)
-
-105. Das Wüstenungeheuer.
-
-Bevor wir die mühsame Wanderung durch die Wüste ganz beendet hatten,
-sollten wir noch deren schrecklichstes Ungeheuer kennen lernen. Als die
-Sonne ihre Strahlen gegen Mittag sengendheiß herabschoß, bemerkten wir
-an unsern Kameelen eine gewisse Unruhe. Kaum hatten wir wieder eine
-Meile hinter uns, fühlten wir selbst eine eigenthümliche Schwere in der
-Luft.
-
-Während wir noch darüber sprachen, schien sich in der Ferne der
-Himmel zu verdunkeln. Noch waren wieder nicht zehn Minuten vergangen,
-vernahmen wir auch ein fernes Brausen. Wenn aber dieses Zeichen
-auftritt, dann kann sich der Wüstenreisende auf Schlimmes gefaßt machen.
-
-In der Regel schickt der Samum erst einzelne leichte Sandwolken vor
-sich her, ehe er selbst in seiner ganzen Macht losbricht. Sowie die
-erste dieser Staubwellen auf uns zugewälzt kam, warfen sich sämmtliche
-Kameele im Nu platt auf die Erde nieder. Sobald dies geschehen,
-streckten auch wir uns lang neben ihnen hin. Indem wir uns aber auf
-diese Weise in Sicherheit zu bringen suchten, tobte auch schon das
-Ungeheuer in seiner wilden Macht daher.
-
-Die ganze Welt schien verwüstet werden zu sollen, indeß der furchtbare
-Sturm über uns dahinwüthete. Die Gluthitze drohte uns zu ersticken,
-während der feine Sand unsere zarten Hautstellen wie mit Nadeln ritzte.
-
-Solange der entsetzliche Samum wüthete, sahen wir uns in schauerliche
-Nacht gehüllt. Erst nachdem wir etwa zwei Stunden diese fürchterlichen
-Qualen erduldet, lichtete sich das grausige Dunkel allmälig.
-
-Wie dankten wir Gott, da der erste Sonnenstrahl wieder durch die immer
-schwächer werdenden Sandwirbel drang. Noch immer rieselt mir es kalt
-durch die Adern, so oft ich jener Schreckensstunde gedenke.
-
-
-Umstandssätze des Ortes und der Zeit.
-
-106. Die Missionäre.
-
-Die Heidenboten haben einen sehr schweren Beruf. Wohin sie gesendet
-werden, dahin ist in der Regel noch kein Wort vom Christenthume
-gedrungen. Wo sie ihre Arbeit beginnen sollen, da kniet das Volk noch
-vor todten Götzen.
-
-Häufig erfahren sie das schnödeste Mißtrauen, sobald sie sich nur unter
-einem solchen wilden Stamme blicken lassen. Dieses Mißtrauen verwandelt
-sich nicht selten in Haß, wenn sie dann die ersten Bekehrungsversuche
-wagen. Sowie der Wilde seine angestammte Religion durch ihn gefährdet
-sieht, betrachtet er den Heidenboten gewöhnlich als einen ärgsten
-Feind. Gerade da aber, wo dieser den härtesten Widerstand findet, ist
-auch sein Werk am verdienstvollsten.
-
-Es kostet oft große Anstrengung, ehe nur ein Einziger für den
-christlichen Glauben gewonnen wird. Noch viel größere Opfer aber
-erfordert es, bevor sich ein ganzer Stamm unter das Kreuz des Erlösers
-beugt.
-
-Woher aber der Missionär die Neigung zu seinem so gefahrvollen Berufe
-erhält, daher erhält er auch die Kraft dazu. Indem er nur die geringste
-Frucht seiner Saat aufgehen sieht, wächst sein Muth. Die glücklichen
-Erfolge mehren sich indeß auch in der Regel auffällig, nachdem einmal
-erst eine Seele gerettet ist.
-
-Möge das Licht des Christenthums überall aufgehen, wo jetzt noch
-Finsterniß herrscht. Möge es so lange Missionäre geben, solange es noch
-Heiden gibt. So oft uns Gelegenheit geboten ist, so oft wollen wir aber
-auch unsern Theil zu dem heiligen Werke der Heidenbekehrung beitragen.
-
-
-3. Umstandsnebensätze der Art und Weise.
-
-
-~a~) Unverkürzt.
-
-
-~aa~) Ohne Vergleichung.
-
-
-107. Roderich.
-
-Indem der kleine Roderich mit seinen Eltern oft Concerte besuchte,
-entwickelte sich in ihm der Sinn für Musik. Ohne daß er es eigentlich
-wollte, prägten sich seinem Gedächtnisse einzelne schöne Melodien ein.
-Diese sang er dann wol auch, indem er vielleicht gerade ein Kartenhaus
-baute, vor sich hin.
-
-Bald bat er seine Eltern so dringend um Musikunterricht, daß sie ihm
-nicht widerstehen konnten. Er machte glänzende Fortschritte, ohne
-daß er sich etwa besonders angestrengt hätte. Schon nach einem Jahre
-spielte er ziemlich schwere Klavierstücke so, daß man staunen mußte.
-So trug er z. B. eine ziemlich schwere Sonate von Mozart vor, ohne
-daß ihm auch nur ein falscher Ton entschlüpfte. Dabei bearbeitete er
-an gewissen Stellen das Instrument dermaßen, daß die Saiten hätten
-springen mögen.
-
-Indem er Klavier spielte, bildete sich sein Gehör auch für den Gesang.
-Seine kleinen Lieder ertönten so rein, daß man seine Freude daran haben
-mußte.
-
-So reifte Roderich zu einem Künstler heran, ohne daß er es eigentlich
-wußte. Indem er aber auch als Künstler ein harmloser Charakter blieb,
-lohnte er am besten die von seinen Eltern ihm gebrachten Opfer.
-
-
-~bb~) Mit Vergleichung.
-
-
-108. Ein Sprichwort.
-
-Wie es in den Wald hineinschallt, schallt es wieder heraus. Dieses alte
-Sprichwort ist so verständlich, daß sein Sinn schon von einem Kinde
-erfaßt werden kann. Es ist aber auch so beherzigenswerth, daß man es
-auf die Zifferblätter der Uhren schreiben sollte.
-
-Je gewissenhafter ein Mensch seinen Verkehr mit andern nach dieser
-Erfahrung regelt, desto weniger wird er über fremde Unbill zu klagen
-haben. Wie wir Andern begegnen, so pflegen diese uns entgegen zu
-kommen. Je freundlicher wir sind, desto mehr schützen wir uns vor
-Beleidigungen. Je theilnehmender wir uns erweisen, desto sicherer
-können wir auf fremdes Mitleid rechnen.
-
-Muß sich ja doch der Christ vor allen Dingen zu seinen Mitmenschen
-stellen, wie sich ein Bruder zum Bruder stellt. Erscheint er doch
-überhaupt nie so edel, als wenn er im Sinne seines himmlischen
-Vorbildes handelt.
-
-Manche Menschen treten freilich so rücksichtslos gegen andere auf, wie
-wenn sich die ganze Welt vor ihnen beugen müßte. Dadurch aber machen
-sie sich dermaßen verhaßt, daß sie endlich selbst verachtet werden.
-Ihr Schicksal verhält sich dann zu ihrem Gebaren, wie sich Ursache und
-Folgen verhalten.
-
-Behandle also Deinen Nächsten, gleichwie Du von ihm behandelt zu sein
-wünschest.
-
-
-~b~) Abgekürzt.
-
-
-109. Auf der Wolfsjagd.
-
-Mit allem Jagdgeräthe wohl ausgestattet, verließen wir unsere
-Behausungen. Einige Diener, reichlich mit Lebensmitteln versehen,
-folgten. Eine Wolfsjagd kann sich ja, wie alle Jagden auf wilde Thiere,
-sehr in die Länge ziehen.
-
-Uns über den Jagdplan besprechend, erreichten wir den Wald. Berathen
-ist freilich leichter, als handeln.
-
-Einander gegenseitig Glück wünschend, gingen wir an der Waldesgrenze
-bis auf gewisse Entfernungen auseinander. Wir schritten langsam
-vorwärts, ohne uns jedoch aus dem Auge zu verlieren. Jeder freute sich
-auf den ersten Schuß, wie auf irgend ein frohes Ereigniß.
-
-Die Flinte zur Seite, schritt ich fürbaß. Mich an einer Felsenwand
-hindrückend, gelangte ich vor den Eingang einer kleinen Höhle. Alsobald
-meine Schritte hemmend, spähte ich nach dem dunklen Hintergrunde
-derselben. Hier leuchteten mir, wie grünfeurige Flammen, zwei Augen
-unheimlich entgegen. Diese sprühenden Punkte sogleich als Wolfsaugen
-erkennend, lege ich mein Gewehr an. Nicht ohne vorher die beiden
-Feuersterne gehörig aufs Korn zu nehmen, drücke ich endlich ab.
-
-Ein kurzes Geheul ausstoßend, stürzt der Wolf dem Eingange der
-Höhle zu. Hier aber bricht er, noch einen tiefen Seufzer ausstoßend,
-zusammen. Ich aber schleppte meine Beute, nicht ohne einen gewissen
-Stolz, an den Rand des Waldes zurück.
-
-
-Wiederholung.
-
-(Unverkürzte und abgekürzte Nebensätze der Art und Weise.)
-
-110. Die Rettung.
-
-Den hellen Tag in düstere Nacht verwandelnd, zog ein Gewitter über
-ein Thal hinweg. Die Blitze folgten so schnell auf einander, daß man
-dazwischen kaum bis zehn zählen konnte. Der Donner rollte so mächtig
-durch den Himmel hin, daß die nahen Berge zu erzittern schienen. Zudem
-strömte der Regen vom Himmel herab, wie zur Zeit der Sündflut.
-
-Von allen Seiten Zufluß erhaltend, trat der sonst so unbedeutende
-Thalbach über seine Ufer. In wenig Minuten gestaltete er sich, das
-ganze Thalbecken überflutend, zum reißenden Strome. Er nahm ebenso
-zu an Tiefe, als er in der Breite wuchs. Seine schmuziggelben Wogen
-brausten dahin, daß es Jedermann mit Entsetzen erfüllte.
-
-Mitten in dem Thale stand eine alte Mühle, von den Wogen jetzt auf das
-entsetzlichste bedroht. Die armen Bewohner derselben schrieen, auf dem
-Dache sitzend, mit herzzerreißender Stimme um Hilfe. Niemand freilich
-konnte sie ihnen bringen, ohne selbst das Leben auf das Spiel zu
-setzen. Die eigene Gefahr war zu groß, als daß sich sogleich rettende
-Hände gefunden hätten.
-
-Je höher indeß das Wasser stieg, desto entsetzlicher ertönte der
-Hilferuf der Unglücklichen. Ihr Angstgeschrei erscholl so verzweifelt,
-daß es hätte Steine erweichen können.
-
-Je größer aber die Noth, desto näher oft die Hilfe. Plötzlich brachten
-zwei wackere Männer, vor Anstrengung keuchend, einen kleinen Nachen
-herbei. Ohne daß sie weiter viel redeten, ließen sie denselben ins
-Wasser. Indem jeder ein Ruder zur Hand nahm, stiegen sie in das
-dürftige Fahrzeug ein.
-
-Der Mensch erscheint nie so groß, als wenn er sein eigenes Leben für
-die Rettung eines anderen einsetzt.
-
-Mit kräftigen Armen den Nachen lenkend, erreichten die beiden Männer
-glücklich die Mühle. Nicht ohne daß es große Vorsicht gegolten hätte,
-wurde die Müllerfamilie in den Nachen gebracht.
-
-Schon die nächste Minute darauf versank das ganze Gebäude, sich noch
-einige Male im Kreise drehend, in den Fluten. Die edlen Männer aber
-gelangten, dem lieben Gott für seinen Beistand innig dankend, mit der
-armen Familie glücklich ans Land.
-
-
-Hauptwiederholung.
-
-(Umstandssätze des Ortes, der Zeit und der Weise.)
-
-111. Eine Lebensgeschichte.
-
-Wehmüthig auf einem Stäbchen seines Gebauers sitzend, erzählte ein
-Rothkehlchen einem Kanarienvogel seine Lebensgeschichte:
-
-Wo die jungen Kiefern mit Birkenbüschen im bunten Wechsel standen, da
-war mein liebster Aufenthalt. Hier lebte ich, mein treues Weibchen
-meist zur Seite, in ungestörtem Glücke.
-
-Sobald der erste Morgenstrahl durch die Zweige drang, stimmte ich
-mein Lied an. Ein Tag nach dem andern floß dahin, ohne daß uns irgend
-ein Leid bewegte. Je höher die Sonne stieg, desto lustiger wurde mein
-Gesang.
-
-Sowie der Frühling einzog, bauten wir uns ein Nest. Wohin wir es
-bauten, dahin konnte sich kaum ein Raubthier finden.
-
-An einem schönen Herbsttage nun fliege ich, einigen Hunger verspürend,
-an einem Waldbache hin. Indem ich mich auf ein Tannenbäumchen
-niederlasse, bemerke ich am Stamme desselben rothe Beeren. Während
-ich mir dieselben noch betrachte, erblicke ich sogar dicht dabei einen
-fetten Mehlwurm.
-
-Ueber meine Entdeckung höchst erfreut, fliege ich hinab. Zu meiner noch
-größeren Freude bemerke ich da, wo die Beeren hingen, ein bequemes
-Hölzchen. Nichts Schlimmes ahnend, setze ich mich darauf. Kaum aber
-berühre ich dasselbe, werde ich an den Füßen von einer Schlinge
-festgehalten.
-
-Ich ringe natürlich mit allen Kräften, gleich einem Löwen im Netze,
-nach meiner Freiheit. Die Schlinge aber zieht sich dadurch so zusammen,
-daß sie mir die Beine zu durchschneiden droht.
-
-Währenddem ich nun um Hilfe rufe, kommt ein Bube herbeigesprungen. Er
-rieb sich vor Freude die Hände, als er mich erblickte. Woher er kam,
-daher sah ich sonst selten einen Menschen kommen.
-
-Dieser Bube steckte mich, ohne daß er nur das geringste Mitleid
-empfunden hätte, in ein Leinwandsäckchen. Wo er mich hinbrachte, da
-waren hartherzige Menschen. Sie kauften mich so gleichgiltig, wie wenn
-sie eine Schuhbürste gekauft hätten.
-
-Nachdem ich jetzt in einen Käfig gesperrt war, übersah ich erst mein
-trauriges Loos!
-
-Seitdem ich ein armer Gefangner bin, ist mein ganzes Lebensglück
-vernichtet. Woher ich gekommen, dahin darf ich nie zurückkehren. Die
-Freiheit aber ist ein zu edles Gut, als daß man sie ganz vergessen
-könnte. Vielleicht erlöst mich mein Schöpfer, von meinem Elende
-gerührt, bald durch den Tod aus dieser Qual.
-
-
-4. Umstandssätze des Grundes.
-
-
-~a~) Wirkliche Gründe.
-
-
-~aa~) Stoff, Ursache, Erkenntnißgrund.
-
-
-112. Die Fledermaus.
-
-Die Fledermaus erkennt man daran als Säugethier, daß sie lebendige
-Junge erzeugt. Da sie aber fliegen kann, rechnet sie mancher
-Unwissende zu den Vögeln. Indem ihre Füße mit den Flügeln verbunden
-sind, kann sie nicht gut sitzen. Auf das Laufen muß sie fast ganz
-verzichten, weil sie eigentlich gar keine Gehwerkzeuge besitzt.
-
-Da sie sich meist von nächtlich schwärmenden Insekten nährt, beginnt
-sie zur Dämmerzeit ihre Jagd. Woraus ihre Nahrung besteht, daraus
-besteht auch das Mahl der Nachtschwalbe.
-
-Die Fledermaus gewinnt dadurch etwas Unheimliches, daß sie fast stets
-in einem Kreise umherfliegt. Besonders häufig zeigt sie sich in den
-Gehöften, weil sie dort jedenfalls reiche Beute findet. Wenn sie
-gefangen wird, stößt sie kläglich pfiepende Töne aus.
-
-Mancher Landmann will danach das Wetter bestimmen, ob sie hoch fliegt
-oder nicht.
-
-Da sie im Winter keine Nahrung finden würde, verschläft sie denselben.
-Zu diesem Zwecke sucht sie oft die Gemäuer der Thürme auf, weil sie
-hier Schutz vor den Winterstürmen findet.
-
-
-~bb~) Beweggrund, Zweck, Ziel.
-
-
-113. Mutterliebe.
-
-Um ihr Kindlein groß zu ziehen, bringt eine Mutter unzählige Opfer.
-Damit es körperlich gedeihe, reicht sie ihm wohlgewählte Nahrung. Ihr
-Auge wacht mit ängstlicher Sorgfalt, daß ihm kein Unfall zustoße. Um es
-vor Gefahren zu behüten, warnt sie es bei jeder Gelegenheit.
-
-Wie treubesorgt ist nun erst eine Mutter um ein krankes Kind, damit
-es bald wieder genese. Sie entsagt nächtelang dem Schlafe, um keine
-Veränderung in dem Zustande ihres Lieblings unbeobachtet vorübergehen
-zu lassen.
-
-Eine treue Mutter ist aber auch darauf bedacht, daß ihr Kind geistig
-gedeihe. Sie hütet es vor schlechtem Umgange, weil dieser sein Herz
-verderben könnte. Sie bewahrt es vor widerwärtigen Eindrücken, da
-diese ein zartes Gemüth leicht abstumpfen. Sie leuchtet ihm in jeder
-Hinsicht stets mit einem guten Beispiele voran, indem ein gutes Vorbild
-auf des Kindes Veredlung jedenfalls am segensreichsten wirkt. Sie
-ermahnt ihr Kind tagtäglich zu allem Guten, weil sie ihm ein reines
-Herz erhalten will. Sie straft aber auch ihr Kind zur rechten Zeit,
-weil sie es eben lieb hat.
-
-
-Wiederholung.
-
-(Alle Arten Umstandssätze des Grundes.)
-
-114. Der Mensch.
-
-Woraus die Erde besteht, daraus besteht auch der thierische Körper. Und
-woraus sich der thierische Körper aufgebaut hat, daraus hat sich auch
-unser Leib entwickelt.
-
-Die Wahrheit dieser Behauptung erkennt man deutlich daran, daß sich
-jeder Leichnam schließlich wieder in Erde verwandelt. Da nun überhaupt
-der Mensch in körperlicher Hinsicht ganz dem Thierwesen entspricht, so
-gehört er auch dem Körper nach zu den Thieren. Natürlich nimmt er unter
-diesen die höchste Stellung ein, weil sein Körper der vollkommenste ist.
-
-Um aber den Menschen zu seinem Ebenbilde zu erheben, verlieh ihm der
-Schöpfer einen Geist. Er stattete ihn, damit er einst als Himmelsbürger
-in die andere Welt eingehen könne, mit einer unsterblichen Seele aus.
-
-So wurde der Mensch dadurch auch zum Herrn der Welt, daß er eben in
-seinem Körper einen Geist birgt. Unser Leib wird deshalb wol auch ein
-Tempel Gottes genannt, weil jener göttliche Funke in ihm wohnt.
-
-Beide Bestandtheile des Menschen stehen in Wechselwirkung zu einander,
-da sie eng mit einander verbunden sind. Wenn der Leib kränkelt, leidet
-der Geist mit. Wenn der Geist leidet, verkümmert nicht selten der
-Leib. Halte darum Deinen Leib in Ehren, weil Deine geistige Gesundheit
-davon abhängt. Veredle Deinen Geist, denn dadurch begründest Du
-Dein Glück. In jeder dieser Hinsichten hat uns Christus ein Vorbild
-gelassen, daß wir sollen nachfolgen seinen Fußtapfen.
-
-
-Hauptwiederholung.
-
-(Umstandssätze des Ortes, der Zeit, der Weise und des wirklichen
-Grundes.)
-
-115. Der Apfelbaum.
-
-Wo der Garten ziemlich zu Ende ging, stand ein Apfelbaum. Er hing so
-voll Früchte, daß sich seine Zweige weit herabbogen. Dieses reichen
-Segens hatte er sich deshalb zu erfreuen, weil er auf einem fetten
-Boden stand. Seine Aepfel glänzten, wie wenn sie in Gold getaucht wären.
-
-Kaum waren sie völlig gereift, erhielt der Apfelbaum viel Besuch.
-Bevor der Kutscher in den Stall ging, holte er sich von ihm einige
-Aepfel. Sobald die Köchin früh aufstand, war ihr erster Gang zu diesem
-Apfelbaume. Sogar das Kindermädchen holte sich, während die Herrschaft
-speiste, einige der goldenen Aepfel.
-
-Weil sich nun so viel Gäste einfanden, wurde der Apfelbaum stolz auf
-sich. Je mehr man an seinen Zweigen schüttelte, desto mehr wuchs sein
-Hochmuth. Mit aufgeblasenem Wesen richtete er jeden neuen Tag seine
-Blicke dahin, woher seine vielen Freunde kommen mußten. Dabei sah er
-auf andere Bäume um sich her so verachtend herab, als wären diese
-nichtsnutziges Gesindel.
-
-Da sich indeß so viel Gäste fanden, schmolz sein Reichthum zusehends
-zusammen. Kaum waren zwei Wochen ins Land gegangen, hatte er nur noch
-drei Aepfel auf seinen Zweigen. Um dieser habhaft zu werden, warf ein
-Knabe mit einem Steine danach.
-
-Da der Apfelbaum nun keine Früchte mehr hatte, kam ihm kein Mensch
-mehr zu nahe. Er stand da, wie ein von aller Welt Verlassener. Ohne
-daß er es natürlich gestand, schämte er sich jetzt seines ehemaligen
-Hochmuthes.
-
-Wahre Freunde erkennt man daran, daß sie uns ohne Eigennutz lieben.
-
-
-~b~) Mögliche Gründe.
-
-
-~aa~) Bedingungssätze.
-
-
-116. Der sterbende Vater.
-
-Als Vater Aminth sein Ende nahen fühlte, ließ er seinen Sohn noch
-einmal an sein Bett kommen. Unter Anderem legte er ihm Folgendes ans
-Herz: Wenn es Dir nur irgend möglich ist, so sei dem Bedrängten ein
-Helfer. Hast Du viel, so gib reichlich. Wofern Du nicht mit einer That
-einstehen kannst, gib wenigstens einen guten Rath. Wäre auch dieser
-nicht möglich, so zeige Deine Theilnahme in einem tröstenden Worte.
-
-Hast Du irgend ein Werk vor, so fange es mit Gott an. Wo der Herr nicht
-das Haus behütet, wachen ja doch die Wächter umsonst. Wenn Du stets
-deine Hauptstütze in dem Herrn suchst, wirst Du wohlfahren. Wolltest
-Du Dich aber zu sehr auf Menschenhilfe verlassen, würdest Du Dich oft
-getäuscht sehen.
-
-Suche Dir vor allen Dingen selbst zu helfen, so wird Dir in vielen
-Dingen geholfen sein. Schicke Dich in alle Verhältnisse, dafern Deine
-Rechtschaffenheit nicht darunter leidet.
-
-Falls Du gehorchen mußt, thue es mit Lust. Beuge sogar einmal Deinen
-Nacken, wenn es die Klugheit gebietet. Hast Du selbst zu gebieten, thue
-es mit Freundlichkeit. Müßtest Du auch einmal darben, bewahre Dir die
-Zufriedenheit. Fiele Dir Reichthum zu, so verfalle nicht in Hochmuth.
-
-Würdest Du einmal verkannt, laß den Muth nicht sinken. Stießest Du
-je auf persönliche Feinde, gib nie dem Zorne Raum. Willst Du Dich an
-Deinen Beleidigern rächen, so vergib ihnen.
-
-
-~bb~) Einräumungssätze.
-
-
-117. Die Zunge.
-
-Trotzdem die Zunge ein kleines Glied ist, kann sie doch großen Schaden
-anrichten. Obgleich dies eine allbekannte Sache ist, wird sie doch
-nicht immer beachtet. Ein einziges Wort kann ja sogar einen Weltkrieg
-heraufbeschwören, wiewohl ein Wort doch eigentlich nur ein flüchtiges
-Luftwellengebild ist.
-
-Wie verletzend wirkte nicht schon oft ein einziger Ausspruch,
-wenngleich er ohne allen Vorbedacht hingeworfen wurde. Gar nicht selten
-zerriß ein einziges winziges Wörtchen, ungeachtet es durchaus nicht
-böse gemeint war, die heiligsten Bande der Liebe auf immer. Und wurde
-nicht zuweilen durch einen einzigen ausgesprochenen Verdacht, obwohl
-man ihn vielleicht gar im Scherze zum Vorschein brachte, Jemand gar arg
-an seiner Ehre gekränkt?
-
-Auch ein Scherzwort, wie unschuldig es an sich immer scheinen mag,
-kann zum zündenden Funken für ein großes Feuer werden. Hat doch unter
-besonderen Umständen selbst das Schweigen, obschon die Zunge hierbei
-eben gar nichts thut, viel Unheil gestiftet.
-
-Halte darum Deine Zunge stets im Zaume, wenn Du Dich auch in den
-vertrautesten Kreisen bewegtest. Wäge stets Deine Worte ab, ob Du auch
-keine Ursache dazu zu haben vermeinst. Das einmal gesprochene Wort läßt
-sich nie wieder vernichten, trotzdem es eben nur ein Erzeugniß einer
-Luftbewegung ist.
-
-
-Wiederholung.
-
-(Bedingungs- und Einräumungssätze.)
-
-118. Bildung.
-
-Obwohl Du in der Schule viel lernen kannst, bleibt Dir doch nach der
-Schulzeit noch viel zu lernen übrig. Wenn ein Schüler auch noch so
-fleißig wäre, kann er doch in der Schule immer erst den Grund zu seiner
-weitern Ausbildung legen. Hast Du aber in der Schule einen guten Grund
-gelegt, wird Dir das spätere Lernen sicher leicht werden.
-
-Bildung ist ein großer Schatz, obschon er sich nicht in Zahlen
-bezeichnen läßt. Hast Du also Gelegenheit zur Fortbildung, benutze
-sie. Dem kenntnißreichen Manne steht die Welt offen, wenngleich seine
-Tasche keinen Kreuzer beherbergte. Hätte Mancher in seiner Jugend mehr
-gelernt, er brauchte jetzt nicht Steine zu klopfen.
-
-Wie sehr auch heutzutage das Geld die Welt regiert, die Bildung wird
-doch endlich den Sieg davontragen. Falls Du also auch gleich nach
-Deiner Confirmation nach Brod arbeiten müßtest, ein nützliches Buch
-wirst Du nebenbei doch lesen können. Und müßtest Du Dir auch einige
-Vergnügungen darob versagen, suche Dir vor allen Dingen bildende
-Schriften zu erwerben.
-
-Falls Du in Deinem Berufe auch nicht viel zu schreiben hättest, laß
-die Feder nicht liegen. Wenn Du nur ernstlich willst, etwas Zeit zur
-Fortbildung läßt sich schon gewinnen.
-
-Obgleich man sich für Geld große Genüsse verschaffen kann, Bildung
-bleibt doch der Schlüssel zu den edelsten.
-
-
-Wiederholung.
-
-(Umstandssätze des Ortes, der Zeit, der Art und Weise, des wirklichen
-und möglichen Grundes.)
-
-119. Die Raubritter.
-
-Als das Ritterthum in voller Blüthe stand, gab es leider auch
-Raubritter. Wo ihre Burgen emporragten, dort war besonders für die
-Kaufleute ein gefährliches Reisen.
-
-Ohne daß es sich der Reisende oft versah, wurde er von einer Schaar
-solcher Wegelagerer überfallen. Sie kamen, um ihn seiner Schätze zu
-berauben. Zuweilen verlegten sie ihm auch blos den Weg, damit sich der
-Reisende zu Opfern für seine Freiheit verstehen solle. Falls der so
-Gehemmte sich zu keiner Zahlung verstehen wollte, wurde er nicht selten
-als Gefangener abgeführt.
-
-Wo diese Raubritter ihre Burgen erbauten, führten gewöhnlich wichtige
-Verkehrswege vorüber. Damit kein Mensch ungesehen diese Straßen ziehe,
-stellten sie Wachen aus. Kaum graute der Morgen, standen diese schon
-auf ihren Posten.
-
-Mit diesen Verhältnissen vertraut, reiste darum auch selten ein
-Handelsmann mit seiner Waare allein. Damit man nöthigenfalls Widerstand
-leisten könne, verband man sich zu Karavanen. Obgleich aber diese
-Gesellschaften oft ziemlich stark waren, entgingen sie doch selten
-ihrem Schicksale.
-
-Sobald es zu irgend einem Kampfe kam, trugen die wohlbewaffneten
-Reisigen in der Regel den Sieg davon. Je mehr diese dann dabei Verluste
-erlitten hatten, desto größeren Tribut mußten die Besiegten zollen.
-
-Da nun ein Raubritter neidisch auf das Glück des andern sah, entstanden
-nicht selten unter diesen selbst blutige Fehden. Ehe es sich der eine
-versah, umzingelten mißgünstige Nachbarn seine Burg. So kurze Zeit eine
-solche Fehde auch dauerte, so blutig war sie doch oft. Nicht selten
-schleifte man den Rittersitz des Besiegten, weil dieser sonst doch
-wieder hätte zu Macht gelangen können.
-
-Wiewohl es auch heute noch Straßenräuber gibt, ist doch die
-Gefährlichkeit des jetzigen Reisens mit der jener Tage gar nicht zu
-vergleichen. Niemand wird, ohne ein gewisses Grauen zu empfinden, an
-jene Zeit zurückdenken.
-
-Während damals die überlegene Gewalt regierte, regiert jetzt das Recht.
-Die Zeit wollen wir ja nicht die goldene nennen, während welcher das
-Faustrecht galt.
-
-
-5. Einschaltsätze.
-
-120. Ein Dieb.
-
-Vergangenen Montag -- es konnte wol nachmittags gegen drei Uhr sein
--- entstand auf der Straße ein gewaltiger Menschenauflauf. Zwei
-Polizeidiener ergriffen einen Menschen, welcher -- man sollte es kaum
-glauben -- am hellen Tage einen Herrenrock von einem Schaufenster
-gestohlen hatte.
-
-Dieser freche Dieb -- er schien übrigens der Polizei als solcher
-bekannt zu sein -- wehrte sich dermaßen, daß man ihn binden mußte.
-Jetzt aber -- welch eine Frechheit! -- stellte er sich, als ob er nicht
-laufen könne. Und so mußte er -- den Polizeiern blieb nichts Anderes
-übrig -- auf einen Schubkarren geladen werden.
-
-Im ersten Verhöre soll er sich -- wie sich nicht anders erwarten ließ
--- auch äußerst widerspenstig benommen haben. Hoffentlich wird ihn aber
-die Strafe für seine Vergehungen -- und diese wird wahrscheinlich eine
-ziemlich strenge sein -- mürbe machen.
-
-
-Hauptwiederholung.
-
-(Subject-, Präd.-, Beif.-, Ergänz.-, Umstands-, Anführ.- und
-Einschaltsätze.)
-
-121. Der Mäusethurm.
-
-Gegen Ende des zehnten Jahrhunderts lebte ein berüchtigter
-Kirchenfürst, mit Namen Hatto. Nachdem er mehrere Jahre Abt zu Fulda
-gewesen war, wurde er zum Erzbischof von Mainz erhoben. Diese Stadt
-liegt bekanntlich da, wo sich der Main in den Rhein ergießt.
-
-Wer jenem hohen Herrn untergeben sein mußte, konnte nicht ohne Furcht
-zu ihm aufblicken. Hatto war -- man sollte dies von einem Bischofe
-kaum glauben -- vom Geize besessen. Nehmen erschien ihm jederzeit
-angenehmer als das Geben. Daran, daß sein Herr und Heiland in Armuth
-dahinwandelte, wollte er sich wahrscheinlich ganz absichtlich nicht
-erinnern.
-
-Da ihn nun die Habsucht gefangen genommen hatte, kannte sein Herz
-natürlich kein Mitleid. Ohne daß es ihn rührte, konnte er an den
-Hilfsbedürftigsten vorübergehen. Die Geschichte berichtet sogar, daß er
-sich ganz unmenschliche Grausamkeit habe zu Schulden kommen lassen:
-
-Als er schon lange Jahre Bischof zu Mainz war, entstand einmal eine
-furchtbare Hungersnoth. Die Rheingegend war es, wo das Uebel am ärgsten
-auftrat. Hunderte von Familien hatten nicht, womit sie auch nur eine
-Mahlzeit ihren Hunger stillen konnten. Von den entsetzlichsten Qualen
-langsam aufgerieben, erlagen eine große Anzahl Menschen endlich dem
-Tode.
-
-Daß die Noth groß war, konnte dem Erzbischof nicht unbekannt bleiben.
-Wessen Herz freilich der schändlichste Eigennutz beherrscht, der mag
-fremdes Elend nicht sehen. So blieb Hatto angesichts alles Jammers, der
-er war.
-
-Nachdem die Hungersnoth den höchsten Grad erreicht hatte, versammelten
-sich eines Tages mehrere Hundert Halbverhungerter vor der Burg des
-Erzbischofs. Obgleich man seine Härte kannte, wollte man doch einen
-Bittversuch wagen. Der Trieb, das Leben zu erhalten, läßt ja kein
-Mittel unbenutzt.
-
-„Hab’ Erbarmen!“ flehte eine Anzahl solcher Unglücklichen zu den
-Burgfenstern hinauf. Und Andere riefen mit herzzerreißender Stimme:
-„Nur ein einziges Stück Brod laß uns werden.“
-
-Obwohl nun Hatto’s Speicher überreich gefüllt waren, hatte er doch kein
-Ohr für das Hungergeschrei. Er äußerte sogar, das Volk da unten sei nur
-liederliches Gesindel.
-
-Da nun aber die armen Menschen ihr Flehen fortsetzten, gerieth er
-endlich in Zorn. In diesem Zorne befahl er seinen Knechten, daß sie das
-lästige Bettelvolk in eine große Scheune sperren sollten. Die Knechte,
-weil es ihr Herr befohlen, führten die Schändlichkeit augenblicklich
-aus.
-
-Was aber that Hatto, der Wütherich, nun? -- Er ließ -- fast sträubt
-sich die Feder vor diesem Berichte -- die betreffende Scheune an allen
-vier Ecken anzünden. Ohne daß es ihn nur im geringsten rührte, sah er
-der auflodernden Flamme zu. Während des entsetzlichen Geschreies der
-Verbrennenden rief er sogar seiner Umgebung, teuflisch spottend, zu:
-„Hört Ihr das Piepen der Brodmäuse?“
-
-Hören wir nun, was die Sage über das Lebensende dieses Grausamen
-berichtet: Kurz nach dieser fluchwürdigen That zogen in die Burg, die
-Hatto bewohnte, eine unerhörte Menge Mäuse ein. Wo man nur hinsah,
-wimmelte es von diesen Thieren.
-
-Wie entsetzlich dies dem Erzbischof sein mußte, läßt sich leicht
-denken. Je mehr er aber das Ungeziefer verfolgen ließ, desto
-zahlreicher wurde es.
-
-Um sich diesen Feinden zu entziehen, siedelte er in die Stadt Bingen
-über. Aber auch hier wurde es wieder, wie es gewesen war. Die Mäuse,
-die sich einmal gegen ihn verschworen zu haben schienen, folgten ihm
-auch hierher. Von ihnen aufs neue gequält, sann er abermals auf Rettung.
-
-Endlich hatte er einen Plan, wie er sich vor der Höllenschaar
-unzweifelhaft sichern könnte, entworfen. Da, wo sich der Ruppertsberg
-im Rheine spiegelt, ließ er sich einen kleinen Thurm mitten in dem
-Strome erbauen. „Dort muß ich doch endlich vor den Bestien Ruhe haben“,
-dachte er bei sich.
-
-Als der Thurm vollendet war, segelte Hatto auf einem Nachen hinüber.
-Daß freilich die Mäuse auch schwimmen können, hatte er nicht bedacht.
-
-Ihr Rächeramt zu vollenden, ruderten sie in zahlloser Menge dem Thurme
-zu. Bald war derselbe, der an sich nicht viel Räumlichkeiten bot, von
-ihnen überschwemmt.
-
-In diesem Thurme aber wurde Hatto -- so berichtet eben die Sage -- von
-den Mäusen endlich aufgefressen. Der Thurm, in dem dies geschehen sein
-soll, steht übrigens heute noch. Man nennt ihn, eingedenk der Sage, den
-Mäusethurm.
-
-
-
-
-~F.~ Mehrfach gegliederte Sätze etc.
-
-
-122. Gellert.
-
-(Alle Arten Sätze.)
-
-Gellert war ein Dichter. Er wurde am 4. Juli 1715 in dem damals
-ziemlich kleinen sächsischen Städtchen Hainichen geboren. Sein frommer
-und darum hochgeachteter Vater war Pfarrer daselbst. Sowohl der Vater
-als auch die Mutter erzogen ihren Knaben sehr streng.
-
-Gellert versuchte sich bereits in früher Jugend in der Dichtkunst und
-über manches seiner kleinen Lieder konnte sich sein Vater schon freuen.
-Das erste größere Gedicht, welches er seinem Vater zu dessen Geburtstag
-überreichte, erregte sogar einiges Aufsehen.
-
-Gellert studirte. Nach dem Wunsche seines frommen Vaters sollte er
-sich zu einem tüchtigen Prediger ausbilden. Gellert aber zeigte
-weder besondere Lust zu dem geistlichen Stande, noch schien er sich
-für denselben besonders geeignet zu halten. Der junge Mann hatte
-jedenfalls ein richtiges Urtheil über sich, denn schon in seiner ersten
-Begräbnißrede blieb er stecken.
-
-Nachdem ihm seine Schriften einen besonderen Ruf erworben, trat er als
-Lehrer in einer höheren Schule auf. Seine Vorträge gefielen. Wegen
-seines lauteren Charakters genoß er unter der studirenden Jugend bald
-die größte Achtung.
-
-Seine Oden, geistlichen Lieder und Fabeln erlangten die allgemeinste
-Anerkennung. Seine frommen Lieder werden noch heute in den Kirchen
-gesungen und an seinen lehrreichen Fabeln ergötzt sich noch heute die
-Kinderwelt.
-
-Was Gellert geschrieben, ist in sechs starken Bänden der Nachwelt
-aufbewahrt.
-
-
-123. Geistesgegenwart.
-
-(Desgleichen.)
-
-In einem großen, schönen Garten, welcher dicht an einer Straße, die
-nicht eben sehr belebt war, lag, befanden sich eines Tages drei
-Geschwister. Sie hatten sich hier eingefunden, um sich zu erholen und
-sich zu gleicher Zeit angenehm zu beschäftigen.
-
-Paul, der Zwölfjährige, beschnitt mit seinem scharfen Taschenmesser
-ein wildes Obstbäumchen, damit seine Krone eine bessere Form erhalten
-sollte. Wo der Weg nach einem kleinen Hügel führte, kauerte Bertha, die
-zehn Jahre zählte, vor ihrem Blumenbeete, Nelken und Tausendschönchen
-pflanzend. Wilhelm, erst im siebenten Lebensjahre stehend und in der
-Familie gewöhnlich der Wilde genannt, zimmerte vor einer duftenden
-Jasminlaube aus den braunen Bretchen eines Cigarrenkastens, die ihm der
-Vater geschenkt hatte, ein Segelschiff.
-
-Alle drei Kinder waren fröhlich und wohlgemuth, denn jedes trieb seine
-Lieblingsbeschäftigung. Paul pfiff, Bertha sang und Wilhelm trällerte
-bei der Arbeit, sodaß es eine Lust war, ihnen zuzuhören. Wer hätte zu
-ahnen vermocht, daß ihre Freude plötzlich in erschrecklicher Weise
-gestört werden sollte!
-
-Plötzlich nämlich -- es mochte nachmittags gegen ein Uhr sein --
-erschien ein fremder Hund, ohne einen Laut von sich zu geben, im
-Garten. Sein dickes Fell war zerzaust, seine Augen waren geröthet, die
-Zunge hing ihm weit zum Maule heraus und die Ruthe trug er zwischen die
-Hinterbeine geklemmt.
-
-Paul, welcher den Hund zuerst erblickte, erschrak, denn das Aussehen
-des Thieres, das ihm noch dazu ganz unbekannt war, kam ihm sogleich
-verdächtig vor. Bertha, die nur erst kürzlich in der Schule von der
-Wuthkrankheit der Hunde gehört hatte, schrie aus Leibeskräften:
-„Hilfe! Hilfe! Ein toller Hund!“ Und der kleine Wilhelm, um der Gefahr
-zu entgehen, wollte eben in eine Laube flüchten. Noch aber hatte er
-dieselbe nicht erreicht, als der Hund auf ihn losfuhr, wie wenn er
-ihn beißen wolle. Der Kleine schrie und zitterte vor Angst am ganzen
-Körper, sodaß er keinen Schritt von der Stelle wagte. Seine Lage war
-entsetzlich!
-
-In diesem verhängnißvollen Augenblicke jedoch sprang Paul herbei,
-packte das gefährliche Thier mit beiden Händen am Halse, drückte ihm
-die Kehle zusammen und hob es empor.
-
-Während nun der beherzte Knabe den Hund über der Erde hielt, konnte
-sich Wilhelm in die Laube retten und die Thüre derselben hinter sich
-verschließen.
-
-Auf das Geschrei der Kinder, das jetzt aus drei Kehlen zugleich
-erfolgte und ganz entsetzlich klang, eilte der Vater, vor Schreck
-fast bleich, herbei. Er erkannte sofort, daß der Hund, der in den
-Händen des Knaben wie verzweifelt hin- und herschnellte, toll war. Die
-schreckliche Gefahr, in der seine Kinder schwebten, ermessend, und
-ohne einen Augenblick Zeit zu verlieren, ergriff er eine in der Nähe
-liegende Hacke und führte damit einen wohlgezielten Schlag auf die Nase
-des wüthenden Thieres.
-
-Mit einem grellen Aufschrei fiel es zu Boden, woselbst es
-augenblicklich von dem Vater den Todesstreich erhielt.
-
-Um seines Muthes und seiner Geistesgegenwart willen, die einzig und
-allein ein furchtbares Unglück verhindert hatten, erhielt Paul,
-ehe noch der Tag zu Ende ging, von seinem Vater eine prachtvolle
-Bilderbibel. Die ganze Familie aber, in welcher überhaupt ein frommer
-Sinn herrschte, dankte in ihrem Abendgebete, dem der Vater heute eine
-besondere Feierlichkeit verlieh, dem lieben Herrgott, daß er in jenen
-verhängnißvollen Augenblicken ihr gnädiger Beschützer gewesen.
-
-
-124. Schlaf und Tod.
-
-(Zwei vollständige Satzgefüge verbunden.)
-
-Der Schlaf, welcher unserm Körper Erholung gewährt, hat viel
-Aehnlichkeit mit dem Tode, und der Tod, der einst unser aller Loos ist,
-hat Vieles mit dem Schlafe gemein.
-
-Sobald uns der Schlaf befällt, hören verschiedene Thätigkeiten des
-Körpers auf, ebenso vermindern sich allmälig verschiedene Bewegungen
-der Muskeln, wenn der Tod an den Menschen herantritt. Das völlige
-Entschlummern wird dadurch herbeigeführt, daß die Sinnesnerven
-endlich ihre Dienste einstellen, und der Tod tritt ein, indem die
-Athmungsorgane schließlich zum Stillstand gelangen.
-
-Das Einschlafen erfolgt so allmälig, daß der eigentliche Augenblick
-des Entschlafenseins gar nicht genau beobachtet werden kann, ebenso
-erlöscht auch zuweilen ein Lebenslicht in so unmerklicher Weise, daß
-die am Sterbelager Stehenden den Eintritt des Todes gar nicht gewahren.
-Der Schlafende weiß nicht mehr, was um ihn her vorgeht, auch dem Todten
-ist bekanntermaßen verschlossen, wie das Leben um ihn her waltet.
-
-Wer schläft, erwacht nach einer bestimmten Zeit wieder, und wer im
-Grabe ruht, den wird einst ebenfalls die Stimme des Herrn erwecken.
-
-
-125. Die Zukunft.
-
-(Es beziehen sich mehrere Nebensätze auf einen Hauptsatz.)
-
-Wüßte der Mensch, was morgen sein wird, und läge ihm die Zukunft
-überhaupt klar vor Augen, so würde das durchaus kein Glück für ihn
-sein. Obgleich er sich manchen Kummer ersparen und auf manches traurige
-Geschick vorbereiten könnte, obschon er sich manche Freude mehr zu
-verschaffen und manche schon im voraus zu genießen vermöchte, müßte ihn
-dieser Zukunftsblick doch in steter Aufregung erhalten.
-
-Was er von den künftigen Tagen zu erhoffen und was er von ihnen zu
-fürchten hätte, beschäftigte ihn sicher Tag und Nacht. Die Zeit, da er
-gesunden, oder in der ihm eine besondere Ehre zu Theil werden, oder
-zu welcher er Reichthum erlangt haben soll, würde er unter quälender
-Ungeduld herbeisehnen. Wiederum ginge er der Stunde, die ihn aufs
-Krankenlager werfen, oder dem Tage, der ihm Zurücksetzung bringen, oder
-dem Zeitpunkte, zu welchem der Bettelstab sein Loos sein soll, gewiß
-mit Zittern und Zagen entgegen.
-
-Wer aber möchte nun vollends im voraus wissen wollen, wann er einmal
-sterben, wie einmal sein Ende sein und wo man sein Grab graben wird?
-
-Wir sind daher unserm Gott Dank schuldig, daß er uns über unser
-künftiges Geschick im Unklaren läßt, daß er uns das künftige Ungemach
-verbirgt und daß uns vor allen Dingen die Stunde unseres Abscheidens
-ein Geheimniß bleibt.
-
-
-126. Hier und dort.
-
-(Desgleichen.)
-
-Wer die verschiedenen Schicksale der Menschen beobachtet, den
-Lebensgang einzelner verfolgt, ihren sittlichen Werth mit ihrem äußeren
-Loose in Vergleich zieht, der wird manche Frage aufzuwerfen haben.
-
-Er sieht da oft, wie der Fromme im Elend schmachtet und wie das Laster
-im Ueberflusse schwelgt, wie man den Verdienstvollen zu Boden sinken
-läßt und den Unwürdigen erhebt, wie man einen Ehrenmann über die
-Schultern ansieht, vor dem Ehrlosen aber einen tiefen Bückling macht.
-
-Ein solcher Beobachter fragt dann still für sich: „Wo bleibt hier die
-Gerechtigkeit? Womit haben jene Braven ihr bitteres Geschick verdient?
-Warum folgt die Strafe der Sünde nicht auf dem Fuße?“
-
-Nur dort oben, wo hoch die Sterne stehen, woher alles Licht uns
-zuströmt, wohin die Erdenpilger einst alle eingehen müssen, sucht er
-des Räthsels Lösung. Der Glaube an den Allvater, der Gerechtigkeit
-lieb hat, der Jedem nach seinem Thun vergelten will, dessen Gedanken
-freilich hoch und dessen Wege wunderbar sind, hilft ihm über das Dunkel
-dieses Lebens hinweg.
-
-Hat doch auch Christus, um jenen Zweifelfragen zu begegnen, den
-unschuldig Leidenden zu trösten und überhaupt den Blick in das Jenseits
-einigermaßen zu lichten, das „Hier und dort“ in dem Gleichnisse vom
-armen Lazarus vortrefflich beleuchtet.
-
-
-127. Das Turnen.
-
-(Desgleichen.)
-
-Wer seinem jugendlichen Körper eine heilsame Bewegung verschaffen,
-seine Muskelkraft gleichmäßig ausbilden und seinem ganzen Menschen eine
-sichere Haltung verschaffen will, der muß turnen. Was das Turnen nützt,
-wie es stärkt und belebt und wie es sogar den Geist frischer macht,
-wissen gar viele Menschen noch gar nicht.
-
-Ohne Furcht zu verspüren, auf seine Gewandtheit bauend und seiner
-Körperkraft vertrauend, geht der echte Turner leiblichen Gefahren
-entgegen. Denke hierbei an die Turnerfeuerwehr, die eben aus Turnern
-besteht, die sich gewöhnlich freiwillig zu dem schweren Dienste des
-Rettungswerkes stellt und die bei einem Brande nicht selten die größten
-Wagnisse unternimmt. Wo die Gefahr am größten, wo das Rettungswerk am
-schwierigsten, wo es vor allen Dingen Menschenleben zu sichern gibt, da
-ist der Turnerfeuerwehrmann zur Hand.
-
-Weil nun das Turnen eine so gute Schule für den Körper ist, weil es
-den Geist freier macht und weil es somit den ganzen Menschen bildet, so
-werde auch Du ein Turner.
-
-
-128. Die Thierschutzvereine.
-
-(Der Nebensatz enthält wieder einen Nebensatz.)
-
-Man muß sich leider gar oft überzeugen, daß viele Leute noch gar nicht
-einsehen, wie höchst segensreich die Thierschutzvereine wirken. Diese
-Erscheinung aber, die eine recht betrübende ist, hat ihren Grund meist
-darin, daß viele Menschen, namentlich viele Pferdebesitzer, dem Thiere
-nicht die Stellung in der Welt zugestehen, die ihm gebührt.
-
-Manche vermeinen wol auch, das Thier, als ein vernunftloses Wesen,
-empfinde den Schmerz, der ihm durch Mißhandlungen zugefügt wird, nicht
-in dem Grade wie ein Mensch.
-
-Möchten dergleichen Anschauungen, die doch ganz irrige sind, weil
-sie eben auf falscher Beurtheilung der Natur des Thieres beruhen,
-bald gänzlich verschwinden. Möchte es den Thierschutzvereinen,
-die, trotz mancherlei Hindernissen, ihr edles Werk mit allem Eifer
-treiben, gelingen, das Mitgefühl mit der Thierwelt, ohne welches der
-Thierquälerei Thür und Thor geöffnet sind, in jedes Menschen Brust zu
-pflanzen.
-
-Man muß es mit Freuden wahrnehmen, daß da, wo das Auge solcher Vereine,
-das ja oft ein tausendfaches ist, wacht, Mißhandlungen von Thieren, wie
-sie sonst fast täglich zu erleben waren, zu den größten Seltenheiten
-gehören.
-
-Dank aber auch den Behörden, welche, die gute Sache erkennend, jene
-wohlthätigen Vereine, wo sie immer ihren Sitz haben, nachdrücklich
-unterstützen, indem die Thierquäler, und zwar ohne Ansehen der Person,
-vor Gericht gestellt und gebührend bestraft werden.
-
-
-129. Ein Apfelkern.
-
-(Desgleichen.)
-
-Man glaubt gar nicht, was in einem einzigen Samenkerne, den wir
-vielleicht mit Füßen treten, für Wunder enthalten sind.
-
-Du weißt z. B., daß ein Apfel, der die gehörige Reife erlangt hat,
-sechs bis acht braune Kerne enthält. Du erinnerst Dich, wie einfach ein
-solcher Kern, der noch dazu ziemlich klein ist, aussieht.
-
-Nun aber bedenke, daß in ihm eigentlich schon der zukünftige Apfelbaum,
-dessen breitarmige Aeste später einen geraumen Theil des Gartens
-beschatten, enthalten ist. Es bedarf von Deiner Seite weiter nichts,
-als daß Du ihn in die Erde, die natürlich kein unfruchtbarer Boden sein
-darf, legst.
-
-Was er zu seiner Entwickelung, die dann geheimnißvoll vor sich geht,
-nöthig hat, verleiht ihm die gütige Natur. Nach nicht allzulanger Zeit
-bemerkst Du, wie sein zarter Keim, hellgrün von Färbung, die Erdrinde,
-die sogar etwas fest sein kann, durchbohrt. Bald siehst Du dann, daß
-sich aus der grünen Spitze ein Blättchen, das schon ziemlich die Form
-der künftigen Baumblätter zeigt, entwickelt.
-
-Die weitere Ausbildung zum Stämmchen, die nun vor sich geht, ist es
-werth, von Dir beobachtet zu werden. Wer dergleichen Vorgänge in
-der Natur, die eben ein großes Wunderreich ist, mit Aufmerksamkeit
-verfolgt, dem muß ein Licht über die Größe des Schöpfers, dessen Kraft
-alles Geschaffene durchdringt, aufgehen.
-
-
-130. Eine Wohlthäterin.
-
-(Desgleichen.)
-
-Barbara Uttmann, die unvergeßliche Wohlthäterin des sächsischen
-Erzgebirges, wurde 1514 -- also noch vor der Reformation -- geboren.
-Sie verheirathete sich mit einem Bergherrn, welcher den Namen Uttmann
-führte und in der Nähe von Annaberg, der Berg- und Gebirgsstadt,
-mehrere Grubenwerke besaß.
-
-Das Klöppeln erlernte Barbara -- wie man gewöhnlich annimmt -- von
-einer Brabanterin, welche um ihres protestantischen Glaubens willen
-aus ihrem Vaterlande, in dem der Katholicismus die Oberhand hatte,
-vertrieben worden war. Um diese Kunst, die zu jener Zeit gut lohnte,
-weiter zu verbreiten, lehrte sie Barbara Uttmann, ohne aber irgendwie
-Bezahlung dafür zu nehmen, zunächst den Mädchen und Frauen Annabergs.
-
-Kaum waren zehn Jahre vergangen, hatte der Klöppelsack -- so nennt man
-das Werkzeug, an dem geklöppelt wird -- im ganzen Erzgebirge, wo damals
-viel Armuth herrschte, Eingang gefunden. Somit legte die brave Frau
-den Grund zu einem Erwerbszweige, der unzähligen Armen Brod gab und
-noch heute über 40000 Menschen, die zwischen der bairischen Grenze und
-Geising wohnen, beschäftigt.
-
-Barbara Uttmann verdient deshalb auch, daß man ihr, um ihr Andenken
-in Ehren zu halten, auf dem Friedhofe zu Annaberg, welcher die
-Hospitalkirche umgibt, ein Denkmal gesetzt hat. Es ist aus weißem
-Marmor gearbeitet und stellt Barbara dar, wie sie vor ihrem
-Klöppelsacke, der ungemein kunstreich ausgeführt ist, sitzt und
-arbeitet.
-
-Dieser schöne Grabstein, welcher von allen Fremden, die nach Annaberg
-kommen, aufgesucht wird, enthält die Inschrift: „Ein thätiger Geist,
-eine sinnige Hand, sie ziehen den Segen ins Vaterland.“
-
-
-131. Grille und Ameise.
-
-(Der Anführungssatz ist ein Satzgefüge.)
-
-Eine Grille, welche den Sommer in Trägheit verlebt hatte, sprach zur
-nahenden Winterzeit zu ihrer Nachbarin, einer Ameise: „Borge mir ein
-wenig zu essen, damit ich nicht Hunger leiden muß.“
-
-Ohne etwa augenblicklich vom Mitleid ergriffen zu werden, fragte die
-Ameise: „Hast du dir denn keine Speise für den Winter, den du doch
-kommen sahst, gesammelt?“
-
-„Ich würde das gewiß gethan haben“, erwiderte die Grille, indem sie
-einen etwas schnippischen Ton annahm, „wenn ich nur Zeit dazu gehabt
-hätte.“
-
-„Womit hast du denn die Sommertage, die doch sehr lang und für alle zur
-Arbeit bestimmt sind, verbracht?“ fragte, nicht ohne Verwunderung, die
-Ameise.
-
-Der Grille Antwort, die etwas zögernd erfolgte, war: „Du weißt doch,
-daß ich den Sommer über emsig gespielt und gesungen habe!“
-
-Darauf sagte die Ameise, ohne indeß einen bitteren Ton anzunehmen: „Du
-hast gewußt, was nach dem Sommer folgt. Wer während des Sommers, der
-Zukunft uneingedenk, singt, mag im Winter tanzen.“
-
-
-132. Eine Geburtstagsscene.
-
-(Zusammengezogene, zusammengesetzte Sätze und Satzgefüge verbunden.)
-
-Der dreizehnjährige Otto schenkte gestern mit freudestrahlendem
-Gesichte seinem lieben Vater zum fünfzigsten Geburtstage ein Paar
-goldene Knöpfchen von der neuesten Form und ein Rosenstöckchen mit
-acht lachenden Knospen; das kleine Lischen überbrachte dem guten
-Papa lächelnd eine große Torte aus Chocolade, sowie sechs reizende
-Liqueurgläschen aus geschliffenem Glase, und der zehnjährige Sigismund
-überreichte ihm fast mit gerührtem Herzen ein prachtvoll gebundenes
-Gebetbuch mit herrlichen Stahlstichen und sprach mit bewegter Stimme
-ein langes, ergreifendes Gedicht dazu.
-
-Der Vater, welcher sichtlich gerührt war, dankte den Kindern, indem
-er jedem einen Kuß auf die Stirn drückte, aufs herzlichste, daß sie
-ihn heute in so sinniger Weise überrascht hätten; zu gleicher Zeit
-reichte er aber auch der Mutter, welche, ebenfalls Glück wünschend,
-hinter den Kindern stand, dankbar die Hand, weil er sie sich als die
-Veranstalterin der schönen Feier dachte, und zu dem Ende ordnete er
-noch an, daß heute, um auch den Kindern ein besonderes Vergnügen zu
-bereiten, ein Ausflug in die etwas entlegene Waldschenke, die in einem
-reizenden Buchenhaine lag und deshalb einen herrlichen Aufenthalt
-gewährte, unternommen werden solle.
-
-Otto, ein großer Freund des Waldes, jubelte, als er dies hörte, hochauf
-vor Freude; Sigismund, der da meinte, es ginge noch dieselbe Stunde
-fort, eilte sogleich nach seiner Botanisirtrommel, die ihm, sobald
-er ins Freie ging, nie fehlen durfte, und Lischen hüpfte, um ihrer
-Freude Ausdruck zu geben, auf einem Beine in der Stube umher, sodaß
-die Mutter schließlich noch sagte, sie solle doch ihre Kräfte für die
-bevorstehende Partie sparen.
-
-
-133. An Dich.
-
-(Die Periode.)
-
-Wenn Du die Sprachbilder, welche eigens für Dich, um Dich in Deiner
-Muttersprache zu unterrichten, geschrieben sind, mit rechter
-Aufmerksamkeit durchgearbeitet hast; wenn Dir die Regeln, welche darin
-veranschaulicht werden, recht zum Bewußtsein gekommen sind; wenn Du
-namentlich im Auflösen der einzelnen Sätze eine gehörige Fertigkeit,
-die allerdings nur durch Uebung erreicht wird, erlangtest; und wenn
-Du schließlich, ohne zu ermüden, im Nachbilden des Gegebenen recht
-fleißig warst: so wird und muß Dir jetzt Deine Muttersprache, dieses
-theure Eigenthum, wie ein herrlicher Baum vorkommen, an dem kein
-Blättchen umsonst gewachsen ist; so muß es Dir jetzt möglich sein,
-die bewundernswerthen Geisteserzeugnisse unserer Dichter, wie sie
-immer heißen mögen, genügend zu verstehen und infolge dessen muß
-Deine Achtung vor diesen großen Männern, die mit der Feder in der Hand
-Unsterbliches geschaffen haben, immer höher steigen.
-
-Wer sich schon als Kind befleißigt, jedes Wort rein zu sprechen; wer
-es durch unermüdlichen Fleiß in der Schule dahin bringt, daß er seine
-Gedanken in wohlgeordneter Weise mündlich auszudrücken vermag; wer mit
-der Feder, diesem weltbewegenden Instrumente, in befriedigender Weise
-umgehen lernt: der legt für sein Fortkommen im Weltverkehre, der solche
-Kenntnisse und Fertigkeiten wohl zu schätzen weiß, einen guten Grund;
-dem können sich dadurch sogar Gelegenheiten bieten, vortheilhafte
-Lebensstellungen einzunehmen; dem wird man wenigstens immer mir einer
-gewissen Achtung, die ja viel Werth hat, begegnen.
-
-Befähigten Dich Deine erlangten Sprachkenntnisse indeß später auch
-nicht gerade zu einem Volksredner, die allerdings eine Rolle in der
-Welt spielen; reichten Deine Errungenschaften auf dem Sprachgebiete
-nicht hin, um als Schriftsteller, deren Loos freilich nicht immer
-ein beneidenswerthes ist, aufzutreten; vermöchtest Du später Dein
-sprachliches Wissen und Können, das Du mit vieler Mühe Dir angeeignet,
-nur in einem ganz bescheidenen Berufskreise zu verwenden: immerhin
-wirst Du nie bereuen, Dich von dem inneren Baue Deiner Muttersprache
-gehörig unterrichtet zu haben, wirst vielmehr dankbar der Zeit
-gedenken, da Du ihr inneres Wesen verstehen lerntest, und wirst Dich
-gemüßigt finden, der Jugend, die Dich seiner Zeit umgibt, das Studium
-der deutschen Sprache aufs dringlichste zu empfehlen.
-
-[Illustration]
-
-
-Druck von +Otto Huschke+ in Nordhausen.
-
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- Sprachbilder nach bestimmten Sprachregeln, by Franz Wiedemann—A Project Gutenberg eBook
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-<div lang='en' xml:lang='en'>
-<p style='text-align:center; font-size:1.2em; font-weight:bold'>The Project Gutenberg eBook of <span lang='de' xml:lang='de'>Sprachbilder nach bestimmten Sprachregeln</span>, by Franz Wiedemann</p>
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
-of the Project Gutenberg License included with this eBook or online
-at <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. If you
-are not located in the United States, you will have to check the laws of the
-country where you are located before using this eBook.
-</div>
-</div>
-
-<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Title: <span lang='de' xml:lang='de'>Sprachbilder nach bestimmten Sprachregeln</span></p>
-<p style='display:block; margin-left:2em; text-indent:0; margin-top:0; margin-bottom:1em;'><span lang='de' xml:lang='de'>Ein einfaches und praktisches Hilfsbuch für den deutschen Sprachunterricht in der Volksschule</span></p>
-<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Author: Franz Wiedemann</p>
-<p style='display:block; text-indent:0; margin:1em 0'>Release Date: October 1, 2022 [eBook #69082]</p>
-<p style='display:block; text-indent:0; margin:1em 0'>Language: German</p>
- <p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em; text-align:left'>Produced by: the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net</p>
-<div style='margin-top:2em; margin-bottom:4em'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>SPRACHBILDER NACH BESTIMMTEN SPRACHREGELN</span> ***</div>
-
-<div class="transnote mbot3">
-
-<p class="s3 center"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></p>
-
-<p class="p0">Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von
-1874 so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische
-Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute
-nicht mehr gebräuchliche Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original
-unverändert.</p>
-
-<p class="p0">Umlaute in Großbuchstaben (Ä, Ö, Ü) werden als deren
-Umschreibungen (Ae, Oe, Ue) wiedergegeben.</p>
-
-<p class="p0">Der Übersichtlichkeit halber wurden die
-Inhaltsverzeichnisse der Teilbände an den Anfang des jeweiligen
-Texts verschoben. <span class="x-ebookmaker-drop">Jeder Teilband
-behält in der vorliegenden Bearbeitung seine ursprüngliche
-Seitennummerierung.</span></p>
-
-<p class="p0 nohtml">Abhängig von der im jeweiligen Lesegerät
-installierten Schriftart können die im Original <em
-class="gesperrt">gesperrt</em> gedruckten Passagen gesperrt, in
-serifenloser Schrift, oder aber sowohl serifenlos als auch gesperrt
-erscheinen. Das Umschlagbild wurde vom Bearbeiter geschaffen. Ein
-Urheberrecht wird nicht geltend gemacht. Das Bild darf von jedermann
-unbeschränkt genutzt werden.</p>
-
-</div>
-
-<h1><span class="s4">Sprachbilder</span><br />
-
-<span class="s7">nach</span><br />
-
-<span class="s5">bestimmten Sprachregeln.</span></h1>
-
-<div class="figcenter illowe6" id="titel1_deko1">
- <img class="w100" src="images/titel1_deko1.jpg" alt="Dekoration" />
-</div>
-
-<p class="s3 center"><b>Ein einfaches und praktisches Hilfsbuch</b></p>
-
-<p class="s5 center">für den</p>
-
-<p class="s3 center">deutschen Sprachunterricht in der Volksschule.</p>
-
-<p class="s3 center"><b>Für Lehrer und Schüler</b></p>
-
-<p class="s5 center">gearbeitet von</p>
-
-<p class="s3a center">Franz Wiedemann,</p>
-
-<p class="s5 center">Oberlehrer an der vierten Bürgerschule in Dresden.</p>
-
-<div class="figcenter illowe8" id="titel1_deko2">
- <img class="w100" src="images/titel1_deko2.jpg" alt="Dekoration" />
-</div>
-
-<p class="s3 center"><b>Erster Theil.</b></p>
-
-<p class="s4 center"><b>Zweite Auflage.</b></p>
-
-<div class="figcenter illowe10" id="titel1_deko3">
- <img class="w100" src="images/titel1_deko3.jpg" alt="Dekoration" />
-</div>
-
-<p class="s4 center"><b>Leipzig,</b></p>
-
-<p class="s4 center">Alfred Oehmigke’s Verlag</p>
-
-<p class="s5 center">(Moritz Geißler).</p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="nobreak" id="Vorwort_zur_zweiten_Auflage">Vorwort zur zweiten Auflage.</h2>
-
-</div>
-
-
-<p>Wenn ich auch meinen Sprachbildern, als sie ihre Reise in die
-pädagogische Welt antraten, mit einem gewissen Vertrauen zu ihrer
-praktischen und darum lebensfähigen Natur nachsah, durfte ich mich doch
-<b>der</b> Hoffnung nicht hingeben, daß ich schon nach ca. einem Jahre
-in der Lage sein würde, von dem <b>ersten</b> Theile eine <b>zweite
-Auflage</b> folgen lassen zu müssen. Daß dies nun aber geschehen, sowie
-der Umstand, daß diese meine Sprachbilder (I. und II. Theil) von dem</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p class="p0"><b>Hohen Königlichen sächsischen Ministerio des Cultus und
-öffentlichen Unterrichts als zweckmäßig und praktisch anerkannt und
-den Schulinspectoren im Königreich Sachsen zur Einführung in die
-Schulen officiell empfohlen worden sind</b>,</p>
-</div>
-
-<p class="p0">erfüllt mich mit ganz besonderer Freude!</p>
-
-<p>Es sei mir gestattet, hier noch einmal kurz die charakteristischen
-Eigenschaften meines Werkchens niederzulegen:</p>
-
-<p>1) Es basirt auf der neuesten und jedenfalls für die Volksschule
-zweckmäßigsten Methode, nach welcher der Sprachunterricht an Lesestücke
-anzulehnen ist.</p>
-
-<p>2) Es belastet die Schüler nicht mit todtem Regelwerke.</p>
-
-<p>3) Es enthält auf allen Klassenstufen ein bestimmtes <b>Lehrziel</b>.</p>
-
-<p>4) Es zeichnet einen klaren, einfachen <b>Lehrgang</b> vor, der stricte
-auf dem Grundsatze ruht: „Vom Einfachen zum Zusammengesetzten“.</p>
-
-<p>5) Es bietet eine reiche Auswahl von <b>Lehrstoff</b> (278 Artikel),
-sodaß dem Lehrer viel Spielraum gelassen ist.</p>
-
-<p>6) Welche Lehrmethode ein Lehrer auch treibe oder triebe, unter allen
-Umständen werden ihm diese Sprachbilder „<b>dienend</b>“ zur Seite
-stehen.</p>
-
-<p>7) Der bei weitem größte Theil der betreffenden Artikel dürfte sich
-ganz gut als Material zu stilischen Aufgaben eignen.</p>
-
-<p>Mögen diese „Eigenheiten“ meines Werkchens in immer weiteren Kreisen
-gefunden und anerkannt werden. Wird mir dieser Wunsch erfüllt, dann
-wird es sich sicher so lange immer weitere Bahnen brechen, bis Einer
-kommt, der die Aufgabe, welche sich dieses Büchlein stellt, besser
-löst, als ich es vermocht habe.</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Dresden</em>, Ostern 1874.</p>
-
-<p class="s4 right mright2"><b>Franz Wiedemann.</b></p>
-
-<div class="chapter">
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_i">[S. i]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="Ein_Wort_zu_den_Sprachbildern_an_die_Lehrer">Ein Wort
-zu den Sprachbildern an die Lehrer.</h2>
-
-</div>
-
-<p>Zu den vielen bereits vorhandenen Sprachbüchern und Sprachbüchelchen
-für die Hand des Lehrers und des Schülers der Volksschule —
-wohlgemerkt, der <b>Volksschule</b> — bringe auch ich noch eins
-herbei, aber ein anderes als die gewöhnlichen; wie ich vermeine,
-ein originelles und — täusche ich mich nicht — ein <b>recht
-praktisches</b>.</p>
-
-<p>Gewiß zu Nutz und Frommen der Volksschule, und darum mit vollem
-Rechte, hat sich die größere Zahl der Volksschullehrer der Ansicht
-zugewendet, daß man den Sprachunterricht nicht nach todtem Regelwerke,
-nicht nach einer fast unabsehbaren Litanei von einander coordinirten
-oder subordinirten Sprachgesetzen, sondern auf Grund eines
-<em class="gesperrt">Lehrstückes</em>, als eines fertigen Sprachgebildes, treibe. Dasselbe
-wird bekanntermaßen gelesen, dann zergliedert und bei dieser Operation
-werden die Regeln des Satzbaues, sowie die Bedeutung und die Stellung
-der Begriffs- und Formwörter entwickelt und gefunden.</p>
-
-<p>Ganz <em class="gesperrt">ohne Regeln</em> kommen wir natürlich bei dem Sprachunterrichte
-nicht weg, denn auf das blose <em class="gesperrt">Sprachgefühl</em> können wir unsere
-Volksschüler ebenso wenig verweisen, als uns auf dasselbe verlassen.</p>
-
-<p>Wo aber sind nun jene Lesestücke, an denen die wichtigsten Sprachregeln
-entwickelt werden sollen, herzunehmen? — Natürlich nirgends andersher,
-als aus den Lesebüchern, welche die Schüler in den Händen haben.</p>
-
-<p>Die allermeisten dieser Lesestücke, wie wir sie in den bekannten
-zahlreichen Lesebüchern für Volksschulen finden, sind recht gut,
-viele musterhaft und wahre Meisterstücke des Sprachbaues; keins<span class="pagenum" id="Seite_ii">[S. ii]</span> von
-allen aber wurde wol in <b>der Absicht</b> und <b>zu dem Zwecke</b>
-geschrieben, bestimmte Sprachregeln und Sprachgesetze darin zu
-veranschaulichen. Sie alle wurden des <b>Stoffes</b> und höchstens der
-<b>Darstellungsformen</b> (Schilderung, Beschreibung, Erzählung etc.)
-<b>halber</b> geschaffen.</p>
-
-<p>Dieser Umstand aber wird für den Sprachlehrer zu einer <em class="gesperrt">Calamität</em>
-und diese habe ich selbst eine Reihe von Jahren hindurch oft recht
-bitter empfunden. Wie so? — Nun ja, der Sprachlehrer will z.&#160;B.
-die verschiedenen Arten der Haupt-, Für- oder Zahlwörter, oder
-die Steigerung der Eigenschaftswörter, oder deren Stellung zum
-Hauptworte, oder die Bedeutung und Stellung der Umstandswörter, oder
-die verschiedenen Arten und Naturen der Verhältniß- und Zahlwörter,
-oder die mannichfachen Ergänzungen etc. etc. zur Anschauung und zur
-Besprechung bringen; wo aber findet er nun ein Lesestück, das für
-den vorliegenden Fall so recht geeignet ist, das die betreffende
-Wortgattung, die betreffende Regel möglichst allseitig repräsentirt?</p>
-
-<p>Als ganz nebensächlich sei hier noch bemerkt, in welche Verlegenheit
-man in dieser Hinsicht gerathen kann, wenn es, beispielsweise bei einer
-öffentlichen Schulprüfung, einmal heißt: „Behandeln Sie die Umstände
-des Orts (oder die Verhältnißwörter, welche den dritten Fall bedingen,
-oder die Zahlwörter) auf Grund eines Lesestückes.“ Obgleich sich nun
-jeder nur einigermaßen gewandte Sprachlehrer auch in diesem Falle <em class="gesperrt">zu
-helfen wissen</em> und einem Fiasco entgehen wird, ist doch immerhin
-dabei Holland mehr oder weniger in Nöthen, da sich eben ein für diesen
-Fall geeignetes Lesestück schwer oder gar nicht auffinden läßt. Doch
-das eben nur nebenbei.</p>
-
-<p>Diesem Mangel an geeigneten Lesestücken speciell für den Unterricht in
-der deutschen Sprache wollte ich nun mit dem gegenwärtigen Büchlein
-abhelfen. <b>Alle Stoffe und Materialien darin sind in allererster
-Linie eigens für den Sprachunterricht bearbeitet.</b><span class="pagenum" id="Seite_iii">[S. iii]</span> Jeder einzelne
-Artikel darin ist für einen bestimmten Sprachunterrichtszweck, für
-eine ganz bestimmte Sprachregel geschrieben, wie die verschiedenen
-Ueberschriften des Näheren lehren. Das Ganze ist also durchaus kein
-Sammelwerk, sondern besteht aus lauter Originalartikeln. Ein Blick
-hinein wird Dir sagen, daß sowohl für die Wörterklassen als auch
-für den einfachen Satz des Stoffes hinreichend vorhanden ist. Und
-wieder ein Blick in die einzelnen Artikel wird Dich überzeugen, wie
-dieselben die betreffende Regel möglichst allseitig und erschöpfend
-veranschaulichen. Haben Lehrer und Schüler dieses Buch in der Hand,
-denke ich mir den Sprachunterricht für beide Theile als <b>eine
-Lust</b>!</p>
-
-<p>Aber mit diesem Buche wollte ich auch noch einen andern Zweck
-erreichen. Für das Bedürfniß der Volksschule erscheint es mir geboten,
-den Schülern <b>recht, recht anschaulich</b> zu machen, wie sich ein
-Satz aufbauen und erweitern läßt und wie jedes neu hinzutretende
-Satzglied dem „Gedanken“ einen weiteren oder, nach Umständen, einen
-engeren Spielraum anweist. Ich bin daher in der Classification
-meiner Sprachstoffe für die Behandlung des einfachen Satzes vom
-allereinfachsten Satze ausgegangen, habe <b>Schritt für Schritt</b>
-eine neue, nähere Bestimmung hinzutreten lassen und so das Satzgebäude
-nach und nach bis an die möglichsten Grenzen erweitert. Diese ganze Art
-und Weise ist der Arbeit eines Maurers zu vergleichen, der eben auch
-einen Stein und ein Steinchen nach dem andern an- und beisetzt, bis
-endlich der Bau vollendet dasteht.</p>
-
-<p>Wenn irgend in einem Unterrichtsfache der Volksschule, müssen wir vor
-allen Dingen im Sprachunterrichte dem alten Urgesetze alles Unterrichts
-„<b>vom Einfachen zum Zusammengesetzten</b>“ treu bleiben, unbekümmert
-um all die gelehrten und gekünstelten Unterrichtssysteme, welche
-„studirte“ Sprachforscher oder pädagogische Methodenjäger aufgestellt
-haben. Wir haben einmal gar <b>keine Zeit</b> und dann auch gar <b>kein
-Publikum</b> dazu, um uns auf die <b>feineren</b><span class="pagenum" id="Seite_iv">[S. iv]</span> Beziehungen und
-Deutungen in Bezug auf das reiche Material unseres Sprachschatzes
-einlassen zu können. Unsern guten Volksschulkindern haben wir vor allen
-Dingen einfache, aber feste und bestimmte Sprachgesetze zu geben.
-Das „<em class="gesperrt">Höhere</em>“ und das „<em class="gesperrt">Tiefere</em>“ ist Sache derjenigen
-Lehranstalten, welche über das Elementarschulwesen hinausliegen.
-O und wir haben vollauf, <b>übervollauf</b> zu thun, um unsere
-Volksschulkinder — und zu ihnen rechne ich getrost auch die Schüler
-der sogenannten höheren Bürger- und Privatschulen — in diese blosen
-Grundelemente der Sprache einzuführen. Wer diese Wahrheit vergißt oder
-bestreitet und meint, man könne die Kinder auch als Kinder schon in
-die „Kunst“ der Sprache einweihen, der kommt mir vor wie ein Maler,
-der einem schlichten Landmanne das Verständniß der Schönheit der
-Sixtinischen Madonna beibringen wollte.</p>
-
-<p>Das Hinausgehen über die Marksteine, die uns die Kindesnatur setzt,
-wird in dem Sprachunterrichte zu einem Würgen und Quälen für Schüler
-und Lehrer, was sich recht deutlich in den Stilübungen zeigt. Bei
-diesen Arbeiten, will mich bedünken, wird überhaupt am allermeisten
-gesündigt. Was wird da nicht selten schon von einem zehn-, zwölf-,
-dreizehn-, vierzehnjährigen Knaben oder Mädchen verlangt! Aufsätze von
-sechs, acht Seiten und noch länger. Und was für Themen oft! Themen,
-deren Bearbeitung vielleicht dem Herrn Lehrer selbst, der doch erstens
-die deutsche Sprache bereits zwanzig oder dreißig und mehr Jahre
-gesprochen und geübt hat, während beispielsweise das dreizehnjährige
-Kind dieselbe kaum erst <em class="gesperrt">sieben</em> Jahre mit Bewußtsein spricht;
-der zweitens ein oder so und so viel Jahrzehnte älter und darum viel,
-viel verstandesreifer ist als das Kind; der drittens an Anschauungen
-und Erfahrungen dem Kinde weit, weit überlegen sein muß; der viertens
-vier bis sechs Jahre eine höhere oder wol gar hohe Schule besucht;
-der fünftens im Laufe der Jahre so und so viel Zeitungen, Broschüren,
-Bücher und Werke gelesen und aus<span class="pagenum" id="Seite_v">[S. v]</span> ihnen Stoff gesammelt hat —
-<b>einiges Kopfzerbrechen</b> gemacht hat. Die Hand aufs Herz, liebe
-Freunde!</p>
-
-<p>Oder sollte Euch noch kein Lehrplan, namentlich der sogenannten
-höheren Bürger- oder Privatschulen, vorgekommen sein, der das
-Sprachziel (Grammatik und Stil) dermaßen hinaufschraubt, als ob auf den
-Schulbänken Seminaristen oder gar Studenten säßen?</p>
-
-<p>Wie viel würde für die praktische sprachliche Ausbildung unserer
-Volksschüler gewonnen werden, wenn man dieselbe Kraft und Mühe, die
-man an die Erreichung jener überschwänglichen Ziele setzt, auf das
-<b>wirklich Erreichbare</b> verwendete!</p>
-
-<p>Das Streben, auch in sprachlicher Hinsicht für die Volksschule
-Fortschritte zu erzielen, ist höchst ehrenvoll und lobenswerth,
-aber nur <em class="gesperrt">nicht zu viel verlangen</em> und zu viel erwarten! Die
-Kindesnatur hat eben ihre Grenzen und ganz dieselben Grenzsteine werden
-auch nach tausend Jahren noch stehen.</p>
-
-<p>Doch zurück zu meinem Büchlein!</p>
-
-<p>Am Schlusse desselben habe ich ganz kurz angedeutet, wie man etwa zu
-verfahren hat, um die vorkommenden Sätze, namentlich die scheinbar sehr
-verschlungenen, sprachlich aufzulösen. Mit Absicht aber habe ich alle
-weitere Unterweisung über die Behandlung der einzelnen Sprachbilder
-unterlassen. Und warum?</p>
-
-<div class="erklaerung">
-
-<p class="p0">1) Jedes einzelne Sprachbild sagt ja ganz klar und deutlich, welches
-Sprachobject darin vertreten, zu entwickeln und zu veranschaulichen
-ist.</p>
-
-<p class="p0">2) Wer sich daher in einem solchen Artikel nicht <b>selbst</b>
-zurecht fände und nicht selbst wüßte, auf welche Weise er das
-darin vertretene Sprachobject zur Anschauung und zur sprachlichen
-Verwerthung zu bringen habe, der möge sich getrost aus der Liste der
-Sprachlehrer streichen lassen.</p>
-
-<p class="p0">3) Um eine solche Anweisung erschöpfend zu behandeln, hätte ich, da
-doch jedes einzelne Sprachbild etwas Neues bietet, zu jedem derselben
-einen Commentar schreiben müssen. Das aber hätte<span class="pagenum" id="Seite_vi">[S. vi]</span> ein dickes Buch
-gegeben und wäre dann kein Buch für die Hand des Schülers mehr
-gewesen.</p>
-
-<p class="p0">4) Dergleichen Unterweisungen, wie ein Lehrstück sprachlich zu
-behandeln ist, existiren schon; ich erinnere nur an die „Praktische
-Anweisung zum deutschen Sprachunterricht“ von A. Berthelt. — Wozu
-sollte ich Bekanntes und Bewährtes wiederholen?</p>
-
-</div>
-
-<p>Mit Absicht habe ich auch keine <em class="gesperrt">Aufgaben</em> für Schüler beigegeben,
-weil ich vermeine, daß der ebenfalls kein Lehrer der deutschen Sprache
-sein kann, der nicht verstünde, auf Grund der gepflogenen Besprechung
-eines solchen Lesestückes seinen Schülern irgend eine darauf bezügliche
-Aufgabe für ihren Privatfleiß zu ertheilen.</p>
-
-<p>Nur bezüglich der Bildung der erweiterten einfachen Sätze folgt zum
-Schlusse ein kleiner Wink.</p>
-
-<p>Daß der bei weitem größte Theil der vorliegenden Sprachbilder auch
-Stilstoffe sein und werden können, dürfte sich leicht erkennen lassen.</p>
-
-<p>Wie Du nun, lieber College, mein Werkchen finden wirst, weiß ich nicht.
-Nur um Eins bitte ich Dich: Fälle Dein Urtheil nicht auf Grund eines
-blos <b>flüchtigen</b> Einblicks. Nein, willst Du über das Büchlein
-zu Gericht sitzen, so kürze die Voruntersuchung nicht zu sehr ab.
-Sieh Dir es <em class="gesperrt">genau an</em>, damit Dir ganz klar wird, <b>was</b> und
-<b>wie</b> ich es will. Thust Du das, so hege ich die Hoffnung, daß
-Du meine Arbeit <b>praktisch</b> erfinden und in dem Büchlein ein
-Unterrichtsmittel entdecken wirst, das dem Lehrer und dem Schüler
-die Arbeit <b>bequem</b> und <b>leicht</b> macht. Das aber — und
-daraus ist ja kein Hehl zu machen — ist bei allen meinen kleinen
-pädagogischen Schriften meine Hauptabsicht. Wäre sie auch bei dem
-gegenwärtigen Büchlein erreicht, würde ich mich freuen und Du würdest
-darob nicht böse sein.</p>
-
-<p>Zu dem Ende aber will ich nun noch als <b>Kritiker meiner selbst</b>
-auftreten, um Dir die Mühe zu ersparen.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_vii">[S. vii]</span></p>
-
-<div class="erklaerung">
-
-<p>Nr. 1. „Der Stil ist in einzelnen wenigen Fällen nicht ganz fließend.“</p>
-
-</div>
-
-<p><b>Weiß wohl</b>, und ich hätte diesen Umstand leicht umgehen können,
-wenn mir nicht in Bezug auf die Wahl der Worte und Redetheile die Hände
-gebunden gewesen wären und gebunden sein <b>sollten</b>. Bei so aus
-Gründen gefesselter Hand würde es vielleicht selbst einem „Meister von
-der Feder“ nicht möglich gewesen sein, einen ganz vollendeten Stil
-zu schaffen. Mit drei Farben läßt sich natürlich kein <em class="gesperrt">solches</em>
-Gemälde erzeugen, wie es mit zehn Farben möglich wird.</p>
-
-<div class="erklaerung">
-
-<p>Nr. 2. „Es ist in einigen allerdings nur seltenen Fällen die eiserne
-Consequenz zu vermissen.“</p>
-
-</div>
-
-<p><b>Weiß wohl</b>, was damit gesagt sein soll. Es kommt nämlich in
-einzelnen Fällen vor, daß ich irgend ein Formwörtchen mit in Anwendung
-gebracht habe, was, streng genommen, noch nicht auftreten durfte.
-Ich mußte indeß zu diesem Mittel greifen, wenn der Stil nicht hart
-und eckig werden sollte. Dergleichen Nothfälle aber, die nur ganz
-vereinzelt zu finden sind, können ja im Unterrichte mit leichter Mühe
-ignorirt werden.</p>
-
-<div class="erklaerung">
-
-<p>Nr. 3. „Die letzten Wiederholungsnummern der Sprachbilder erscheinen
-fast schwülstig.“</p>
-
-</div>
-
-<p><b>Weiß wohl!</b> Sie sollen auch keineswegs Stilmuster sein, sondern
-nur zeigen, wie sehr der einfache Satz ausgedehnt und erweitert werden
-kann. Es sind <em class="gesperrt">diese</em> Sprachbilder gewissermaßen Knochen, an denen
-sich die Geisteszähne der Schüler schärfen sollen. So verschlungen
-auch ein solcher Satz für den ersten Augenblick erscheint, ist
-er doch immerhin nur ein einfacher, und es ist nicht allzuschwer
-für den Schüler, nachdem er alles Vorhergegangene begriffen, das
-„<b>Gerippe</b>“ herauszuschälen und dasselbe nun selbst wieder mit dem
-<em class="gesperrt">gegebenen</em> Fleische und Blute nach und nach zu bekleiden.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_viii">[S. viii]</span></p>
-
-<p>Der <b>zweite Theil</b> dieses Werkchens, welcher, so Gott will,
-nächste Ostern nachfolgen soll, wird den <b>zusammengezogenen</b>, den
-<b>zusammengesetzten</b> und den <b>gefügten Satz</b> in ähnlicher
-Weise behandeln, wie im ersten Theile der erweiterte einfache Satz
-behandelt wurde.</p>
-
-<p>Hast Du dann, lieber College, wenn Deine Schüler vierzehn Jahre zählen,
-auch diesen zweiten Theil mit ihnen durchgearbeitet, kannst Du sie
-getrost aus der Volksschule entlassen. Sie haben dann jedenfalls einen
-guten Grund gelegt, selbst auch für den Fall, daß der eine oder der
-andere sich einen Beruf erwählte, welcher noch ein eigentliches Studium
-der deutschen Sprache erheischte.</p>
-
-<p>Zum Schlusse nur noch ein Wort über die <b>Einführung</b> dieser
-Sprachbilder. Es liegt im Wesen dieses Sprachbüchelchens, daß es
-jeder Schüler selbst zur Hand und vor Augen habe, also selbst
-besitze. Obgleich nun der Preis desselben auf das niedrigste gestellt
-ist, dürfte doch der oder jener College das Bedenken erheben, daß
-<em class="gesperrt">seine</em> Schüler nicht im Stande sein würden, es sich anzuschaffen.
-Dieses Bedenken mag in vielen Fällen wohlbegründet sein. Ich meine
-indeß, da, wo die Eltern gehalten sind, ihren Kindern ein Spruchbuch
-oder einen Katechismus, ein Gesangbuch, eine Bibel und wol gar ein
-Lehrbuch der französischen und der englischen Sprache zu beschaffen,
-müßte doch wol auch die Einführung eines deutschen Sprachbuches zu
-erzielen sein. Oder sollte die schöne, theure <b>Muttersprache</b> vom
-Elternhause dieses kleinen Opfers nicht für werth erachtet werden? Wäre
-das, dann wäre es an uns, den betreffenden Vätern und Müttern klar zu
-legen, welch hohen Werth eine gute sprachliche Bildung für ihr Kind
-habe.</p>
-
-<p>Nun, so nimm es denn hin, lieber College, dieses kleine Werkchen, mit
-dem ich — ich wiederhole es — Dir und Deinen Schülern wieder eine
-Arbeit <b>leicht</b> und <b>bequem</b> machen wollte. Möge diese meine
-Arbeit, die keine leichte war und ist, von Segen für die liebe lernende
-Kinderwelt begleitet sein!</p>
-
-<p class="s4 right mright2"><b>Franz Wiedemann.</b></p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="nobreak" id="Inhalts-Verzeichniss_Teil_1">Inhalts-Verzeichniß.</h2>
-
-</div>
-
-<table class="inhalt">
- <tr>
- <td class="s3" colspan="4">
- <div class="center"><b><a href="#A_Die_Wortarten"><span class="antiqua">A</span>. Die Wortarten.</a></b></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Wortarten_Hauptwoerter">Hauptwörter.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop1">
- &#160;
- </td>
- <td class="padtop1">
- <div class="center">Sprachobjecte.</div>
- </td>
- <td class="padtop1">
- <div class="center">Sprachbilder.</div>
- </td>
- <td class="padtop1">
- &#160;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s5">
- <div class="center">Nr.</div>
- </td>
- <td class="s5">
- &#160;
- </td>
- <td class="s5">
- &#160;
- </td>
- <td class="s5">
- <div class="center">Seite</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;<a href="#Wortarten_Haupwoerter_1">1.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Menschen.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Auf der Dresdner Brücke</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;1</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;<a href="#Wortarten_Haupwoerter_2">2.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Thiere.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Beim Onkel auf dem Lande</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;2</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;<a href="#Wortarten_Haupwoerter_3">3.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Thiere des Waldes.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Im Walde</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;3</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;<a href="#Wortarten_Haupwoerter_4">4.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Sachen.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Jahrmarkt</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;4</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;<a href="#Wortarten_Haupwoerter_5">5.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Stoffnamen.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Wißbegierige</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;5</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;<a href="#Wortarten_Haupwoerter_6">6.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Mengenamen.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Eine Festung im Kriege</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;7</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;<a href="#Wortarten_Haupwoerter_7">7.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Eigennamen.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Schulexamen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;8</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;<a href="#Wortarten_Haupwoerter_8">8.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Gedankendinge.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Zweierlei Schüler</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;9</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;<a href="#Wortarten_Haupwoerter_9">9.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ein- und Mehrzahl.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Freund Apfelbaum</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;10</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Haupwoerter_10">10.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ohne Mehrzahl.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Getäuschte Hoffnungen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;11</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Haupwoerter_11">11.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Doppelhauptwörter.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Gastfreundschaft</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;12</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Haupwoerter_12">12.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Nichthauptw. zu Hauptw. erhoben.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Eine musterhafte Schülerin</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;13</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Haupwoerter_13">13.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Wiederholung der Hauptwörter.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Belohnter Gehorsam</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;14</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Eigenschaftswoerter">Eigenschaftswörter.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Eigenschaftswoerter_14">14.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Formen und Gestalten.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Formen der Pflanzenwelt</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;16</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Eigenschaftswoerter_15">15.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Abstracte Eigenschaftswörter.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Frühling</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;17</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Eigenschaftswoerter_16">16.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Zusammengesetzte Eigenschaftsw.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Geizhals</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;17</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Eigenschaftswoerter_17">17.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Das Eigenschaftsw. vor d. Hauptw.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der wohlthätige Bettler</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;18</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Eigenschaftswoerter_18">18.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Steigerung des Eigenschaftswortwortes.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ein Gewitter</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;20</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Eigenschaftswoerter_19">19.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Eigenschaftswört. ohne Steigerung.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ein Begräbniß</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;21</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Eigenschaftswoerter_20">20.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Declination d. Eigensch. ohne Art.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die beste Apotheke</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;22</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Eigenschaftswoerter_21">21.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Wiederholung der Eigenschaftsw.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ehrlichkeit</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;24</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Wortarten_Der_Artikel">Der Artikel.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Artikel_22">22.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der bestimmte.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Abend</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;25</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Artikel_23">23.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der unbestimmte.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Dachs</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;26</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Artikel_24">24.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Bestimmter u. unbestimmter.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Liederliche</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;27</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Artikel_25">25.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Desgleichen.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ein Frühlingsmorgen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;27</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Artikel_26">26.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Declination der Artikel.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ehre dem Tapfern</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;28</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Artikel_27">27.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Desgleichen.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Rettung</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;29</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Artikel_28">28.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Wiederholung.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Mißgunst</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;30</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Wortarten_Das_Zahlwort">Das Zahlwort.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Zahlwort_29">29.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Bestimmte Zahlwörter.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Würfel</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;31</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Zahlwort_30">30.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ordnungszahlen.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ordnung</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;32</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Zahlwort_31">31.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Das unbestimmte Zahlwort.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Christbescheerung</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;33</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Zahlwort_32">32.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Zahlwörter zu Hauptw. erhoben.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Feuersbrunst</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;34</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Zahlwort_33">33.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Biegung des Zahlwortes.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">In der Strafanstalt</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;35</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Zahlwort_34">34.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Wiederholung des Zahlwortes.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Im Kriege</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;36</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Wortarten_Das_Fuerwort">Das Fürwort.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Fuerwort_35">35.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Persönliche Fürwörter.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ein Brief</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;36</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Fuerwort_36">36.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Besitz anzeigende Fürwörter.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Schönheit bringt Gefahr</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;37</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Fuerwort_37">37.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Bezügliche Fürwörter.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Natur</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;38</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Fuerwort_38">38.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Hinweisende Fürwörter.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Aberglaube</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;39</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Fuerwort_39">39.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Fragende Fürwörter.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Räthselfragen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;40</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Fuerwort_40">40.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Unbestimmte Fürwörter.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Eine schreckliche Zeit</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;41</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Fuerwort_41">41.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Wiederholung der Fürwörter.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ein Brief</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;41</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Wortarten_Das_Zeitwort">Das Zeitwort.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Zeitwort_42">42.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Bezügliche Zeitwörter.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Auf dem Lande</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;42</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Zeitwort_43">43.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Unbezügliche Zeitwörter.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Nach der Schlacht</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;44</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Zeitwort_44">44.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Bezüg. u. unbezüg. gebr. Zeitw.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Arbeitsstunde</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;44</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Zeitwort_45">45.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Unpersönliche Zeitwörter.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Eine Angstnacht</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;46</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Zeitwort_46">46.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Abwandlung d. Zeitw. n. d. Pers.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Auf dem Spielplatze</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;47</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Zeitwort_47">47.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Abwandlung d. Zeitw. n. d. Zeit.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ein Feriengespräch</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;49</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Zeitwort_48">48.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Aussageweise.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Aus einem Tagebuche</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;50</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Zeitwort_49">49.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Das Mittelwort der Gegenwart.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ein Sommertag</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;52</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Zeitwort_50">50.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">&#8194;„&#8194; <span class="mleft2">„</span><span class="mleft2">&#8194; „</span>&#160; Vergangenheit.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Unter dem Kreuze</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;52</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Zeitwort_51">51.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">&#8194;„&#8194; <span class="mleft2">„</span><span class="mleft2">&#8194; „</span>&#160; Zukunft.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ein Stück Kriegsarbeit</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;53</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Zeitwort_52">52.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Leideform.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Das Brod</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;54</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Zeitwort_53">53.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Wiederholung d. Formen d. Zeitw.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Berufswahl</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;55</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Zeitwort_54">54.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Das Hilfszeitwort.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ein Zwist</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;57</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Wortarten_Die_Umstandswoerter">Die Umstandswörter.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Umstandswoerter_55">55.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Umstandswörter des Ortes.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Verirrten</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;58</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Umstandswoerter_56">56.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft3">„</span><span class="mleft3">&#8194;der</span> Zeit.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ein Brief</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;59</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Umstandswoerter_57">57.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Desgleichen.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der tolle Reiter</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;60</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Umstandswoerter_58">58.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Umstandswörter der Weise.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Am Bache</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;61</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Umstandswoerter_59">59.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft3">„</span><span class="mleft3">&#8194; „</span>&#8194; Stärke.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Geizhals</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;62</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Umstandswoerter_60">60.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft3">„</span><span class="mleft3">&#8194; „</span>&#8194; Aussagew.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Landbewohner</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;63</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Umstandswoerter_61">61.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft3">„</span><span class="mleft3">&#8194; „</span>&#8194; Frage.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Staare</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;64</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Umstandswoerter_62">62.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Wiederholung d. Umstandswörter.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Eine Wanderschaft</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;66</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Wortarten_Das_Verhaeltnisswort">Das Verhältnißwort.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Verhaeltnisswort_63">63.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Verhältnißwörter des Ortes.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Das Vaterhaus</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;67</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Verhaeltnisswort_64">64.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft3">„</span><span class="mleft3">&#8194;der</span>&#8194;Zeit.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Vor Paris</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;69</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Verhaeltnisswort_65">65.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft3">„</span><span class="mleft3">&#8195;„</span>&#8194; Weise.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Rückkehr der Helden</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;69</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Verhaeltnisswort_66">66.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft3">„</span><span class="mleft3">&#8194;des</span>&#160; Grundes.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Joachim</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;70</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Verhaeltnisswort_67">67.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Wiederholung der Verhältnißw.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Mühle</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;71</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Wortarten_Das_Bindewort">Das Bindewort.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Bindewort_68">68.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Zusammenstellende Bindewörter.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ungleiche Brüder</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;72</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Bindewort_69">69.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Entgegenstellende <span class="mleft2">&#8195;„</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die goldene Freiheit</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;74</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Bindewort_70">70.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Begründende <span class="mleft4">&#8195;„</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Amerika</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;75</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Bindewort_71">71.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Wiederholung der <span class="mleft2">&#8195;„</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Treue Freundschaft</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;77</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Wortarten_Das_Empfindungswort">Das Empfindungswort.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Wortarten_Empfindungswort_72">72.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Empfindungswörter.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ein Spaziergang</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;78</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s3 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><b><a href="#B_Satzlehre"><span class="antiqua">B.</span> Satzlehre.</a></b></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Satzlehre_73">73.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Alle Satzarten.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Das Gewitter</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;80</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Satzlehre_74">74.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Desgleichen.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ursache und Folge</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;80</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Der_einfache_Satz"><span class="antiqua">A.</span> Der reine einfache Satz.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Satzlehre_Einfacher_Satz_75">75.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Was das Subject sein kann.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Das Pferd</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;81</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Satzlehre_Einfacher_Satz_76">76.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Was das Prädicat sein kann.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Gott</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;82</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Satzlehre_Einfacher_Satz_77">77.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Desgleichen.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Rose</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;82</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Der_erweiterte_einfache_Satz"><span class="antiqua">A.</span> Der erweiterte einfache Satz.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Einfacher_Satz_A"><span class="antiqua">a</span>) Erweiterung des Subjects.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Satzlehre_Einfacher_Satz_A_78">78.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Beifügung vor dem Subject.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Das kranke Kind</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;82</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Satzlehre_Einfacher_Satz_A_79">79.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft2">„</span><span class="mleft1">&#8194; nach</span>&#8194; „<span class="mleft2">„</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Berlin</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;84</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Satzlehre_Einfacher_Satz_A_80">80.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Beifügung ein Zeitwort in reiner Form.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Peter</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;84</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Satzlehre_Einfacher_Satz_A_81">81.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Beifüg. vor und nach dem Subj.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Weihnacht</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;85</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Satzlehre_Einfacher_Satz_A_82">82.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Zwei Beifüg. vor dem Subj.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Zigeunerkinder</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;86</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Satzlehre_Einfacher_Satz_A_83">83.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Eine Doppelbeifüg. nach d. Subj.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Das Grab der Mutter</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;87</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Satzlehre_Einfacher_Satz_A_84">84.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Zwei Doppelbeif. nach d. Subj.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Dämmerung</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;88</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Satzlehre_Einfacher_Satz_A_85">85.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Alle Arten einfacher Beifügungen.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Schneemann</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;89</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Satzlehre_Einfacher_Satz_A_86">86.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Alle möglichen Beifüg. vor und nach dem Subject.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der junge Storch</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;89</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Einfacher_Satz_B"><span class="antiqua">b)</span> Erweiterung des Prädicats.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Satzlehre_Einfacher_Satz_B_87">87.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Das Präd. ein Hauptw. m. Beif.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Wilhelm</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;91</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Satzlehre_Einfacher_Satz_B_88">88.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">&#8194; „&#8194; &#8194;„&#8194; &#8194; „&#8194;<span class="mleft1">&#8194; „</span><span class="mleft1">&#8194;
- mit</span> mehreren Beifügungen.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Affe</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;91</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Satzlehre_Einfacher_Satz_B_89">89.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Alle mögl. Erw. d. Subj. u. Präd.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Hochmuth</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;92</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen">Ergänzungen.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_1">1) Des Zeitwortes.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_1_Einfache"><span class="antiqua">a</span>) Einfache Ergänzungen.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_1_Einfache_90">90.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Im ersten Falle.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Schmetterling</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;93</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_1_Einfache_91">91.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Im zweiten Falle.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ohne Glauben</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;93</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_1_Einfache_92">92.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">&#8194;„&#8194;dritten &#8195;„</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der echte Christ</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;93</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_1_Einfache_93">93.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">&#8194;„&#8194;vierten&#8195;„</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Jakob</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;94</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_1_Einfache_94">94.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Rückbezügliche Zeitwörter. Vierter Fall.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Lügner</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;95</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_1_Einfache_95">95.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Alle vier Fälle.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Verschwender</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;95</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_1_Einfache_96">96.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ergänzung durch Hauptwörter mit Verhältnißwörtern.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">König und Volk</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;96</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_1_Einfache_97">97.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Ergänzung ein Zeitwort in reiner Form..</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Im Sturme</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;97</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_1_Einfache_98">98.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Einfache Ergänzung. Alle vier Fälle.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Wahrheit</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;97</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_1_Einfache_99">99.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Wiederholung aller Ergänzungen mit Verhältnißwörtern.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Eisenbahn</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;97</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_1_Einfache_100">100.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Hauptwiederholung.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Geburtstag</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;98</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_2_Doppelte"><span class="antiqua">b</span>) Doppelte Ergänzung.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_2_Doppelte_101">101.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Vierter und zweiter Fall.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Thierquäler</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;99</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_2_Doppelte_102">102.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Vierter und dritter Fall.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Oskar</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;99</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_2_Doppelte_103">103.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Vierter und zweiter Fall.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Eine Verirrung</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">100</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_2_Doppelte_104">104.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Vierter und vierter Fall.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Bestrafte Eitelkeit</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">100</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_2_Doppelte_105">105.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Dritter und vierter Fall.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Großmuth</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">101</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_2_Doppelte_106">106.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Wiederholung der Doppelergänz.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Geiz</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">102</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_2_Doppelte_107">107.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Fortsetzung.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Michel</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">102</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_2_Doppelte_108">108.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Alle Beifügungen und Ergänzungen. Hauptwiederholung.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Eine Jubelfeier</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">103</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_2">2) Des Eigenschaftswortes.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_2_109">109.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Im zweiten Fall.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Judas</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">104</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_2_110">110.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Im dritten Fall.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Strenge Zucht</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">105</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_2_111">111.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Im vierten Fall.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die alte Linde</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">106</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_2_112">112.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Durch ein Verhältnißwort.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Knochen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">106</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_2_113">113.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Wiederholung.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Löwenbändiger</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">107</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_2_114">114.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Hauptwiederh. Beif. Ergänzung.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Dieb</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">108</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Der_Umstand_des_Ortes">Der Umstand des Ortes.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Ort_115">115.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Wo? Umstands- u. Verhältnißw.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Eine Stätte der Armuth</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">109</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Ort_116">116.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Wohin?&#8195;„<span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2">&#8194; „</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Sturax</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">110</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Ort_117">117.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Woher?&#8195;„<span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2">&#8194; „</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Treibjagd</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">111</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Ort_118">118.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Wiederholung. Wo? Wohin? Woher?</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Elbe</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">111</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Ort_119">119.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Fortsetzung.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Luft</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">112</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Ort_120">120.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Hauptwiederh. Subj. Prädic. Ergänz. Ortsbest.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die neue Gutsherrschaft</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">113</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Der_Umstand_der_Zeit">Der Umstand der Zeit.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Zeit_121">121.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Wann? (Umstands- und Verhältnißwörter.)</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ein Brief</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">114</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Zeit_122">122.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Wie lange? Seit wann? (Umstands- u. Verhältnißw.)</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Gemsjäger</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">115</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Zeit_123">123.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Wie oft? (Umstands- und Verhältnißw.)</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ein alter Krieger</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">116</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Zeit_124">124.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Wiederholung.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Moses</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">117</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Zeit_125">125.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Hauptwiederholung. Ergänzung. Ort. Zeit.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Jäger und Müller</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">118</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Der_Umstand_der_Weise">Der Umstand der Weise.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Weise_126">126.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Alle Fälle.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Mißgeschick</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">120</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Weise_127">127.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Desgleichen.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ein Stier</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">121</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Weise_128">128.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Hauptw. Beif. Zeit. Ort. Weise. Erg.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Schulprüfung</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">122</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Der_Umstand_des_Grundes">Der Umstand des Grundes.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Grund_129">129.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ursache oder Sachgrund.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Unverstand</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">124</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Grund_130">130.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Beweggrund.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Lohn der Wißbegierde</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">124</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Grund_131">131.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Erkenntnißgrund.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der tolle Hund</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">125</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Grund_132">132.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Zweck und Stoff.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Jahrmarktsgeschenke</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">125</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Grund_133">133.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Wiederholung.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Heuchler</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">126</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Grund_134">134.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Wiederholung.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Wagehals</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">126</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Grund_135">135.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Hauptw. Beifüg. Zeit. Ort. Weise. Grund. Ergänz.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ein Bombardement</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">127</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Grund_136">136.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Hauptw. Beif. Ergänz. Zeit. Ort. Weise. Grund. Stoff.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Zu Weihnacht</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">129</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Grund_137">137.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Hauptw. Beif. Erg. Zeit. Ort. Weise. Grund. Zahl. Stoff.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ein trauriges Ende</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">131</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Grund_138">138.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Hauptw. Beif. Ergänz. Zeit. Ort. Weise. Grund. Zahl. Stoff.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Luxus</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">131</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Die_Aussageweise">Die Aussageweise.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Aussageweise_139">139.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Wirklich. Möglich. Nothwendig.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Mensch</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">133</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Wortfolge">Wortfolge.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Wortfolge_140">140.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Gerade, umgekehrte.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Rose</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">134</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Wortfolge_141">141.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Desgleichen.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Wiegenbau</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">134</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Wortfolge_142">Vom einfachsten bis zum erweitertsten einfachen Satze.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Wortfolge_142">142.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Hauptwiederholung.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Verschiedene Sätze</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">135</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Wortfolge_143">Fragen nach den einzelnen Satztheilen.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Satzlehre_Ergaenzungen_Wortfolge_143">143.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Uebersicht.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Fragen nach den Satztheilen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">142</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Ein_moeglichst_erweiterter_einfacher_Satz">144.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Praktische Anwendung dies. Frag.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Für die Friedenszeit</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">143</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><b><a href="#Anhang">Anhang.</a></b></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="center"><a href="#Anhang">145.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Bilde Sätze auf folgende Fragen.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Eine Art von Aufgaben</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">149</div>
- </td>
- </tr>
-</table>
-
-<div class="chapter">
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_1">[S. 1]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="A_Die_Wortarten"><b><span class="antiqua">A.</span> Die
-Wortarten.</b></h2>
-
-</div>
-
-<h3 id="Wortarten_Hauptwoerter">Hauptwörter.</h3>
-
-<h4 id="Wortarten_Haupwoerter_1"><b>1. Auf der Dresdner Brücke.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Menschen.)</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Otto</em> war zum ersten Male in der Residenzstadt Dresden gewesen.
-Als er wieder nach Hause kam, saßen <em class="gesperrt">Vater</em> und <em class="gesperrt">Mutter</em> und
-seine <em class="gesperrt">Geschwister</em>, <em class="gesperrt">Emil</em>, <em class="gesperrt">Bertha</em> und <em class="gesperrt">Louise</em>,
-eben beim Abendbrode. Da mußte denn nun der kleine <em class="gesperrt">Reisende</em>
-sogleich erzählen, was er alles gesehen habe.</p>
-
-<p>„Ganz besondere Freude“, erzählte Otto unter Anderem, „hat <em class="gesperrt">mir</em>
-ein Gang über die große, alte Elbbrücke gemacht. Nein, was man da
-doch binnen weniger Minuten für eine Menge Menschen sieht! Hier
-rasselt ein schöner, herrschaftlicher Wagen dahin, einen Kutscher
-und einen Bedienten auf dem Bocke. Darin sitzt ein feiner Herr oder
-auch eine vornehme Dame, zuweilen auch nur eine Kinderfrau oder eine
-Amme mit den Kindern eines Grafen oder eines Barons. Dort zieht eine
-Bauerfrau mit ihrer Tochter oder Magd einen Milchwagen. Hier knallt
-ein Droschkenkutscher auf seinen müden Gaul; dort bläst ein Postillon
-in sein Horn. Botenfrauen, Köchinnen, Dienstmänner und Dienstmädchen
-schleppen schwere Körbe und Paquete auf ihren Schultern dahin.
-Briefboten und Polizeidiener eilen hinüber und herüber. Greise<span class="pagenum" id="Seite_2">[S. 2]</span> und
-Kinder, Männer und Frauen, Fremde und Einheimische, reiche Leute und
-Bettler ziehen in buntem Gemisch dahin. Besonders viel Soldaten sind
-mir begegnet. Ich sah Generäle, Hauptleute, Feldwebel, Tamboure,
-Signalisten und Fahnenträger. Auch Schützen, Jäger, Grenadiere,
-Gardisten, Ulanen und Dragoner gingen an mir vorüber. Sogar der König
-mit der ältesten Prinzessin kam gefahren. Ein Vorreiter bahnte ihm den
-Weg und zwei Lakaien standen hinten auf seinem Wagen. Natürlich zogen
-alle Leute, vom reichsten Kaufmanne bis zum ärmsten Schusterjungen
-herab, die Hüte und Mützen, als der Landesvater vorüberfuhr.</p>
-
-<p>Gewiß waren es an fünfhundert Personen, die ich auf diesem einzigen
-Gange über die Brücke gesehen habe.“</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Haupwoerter_2"><b>2. Beim Onkel auf dem Lande.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Thiere.)</p>
-
-<p>Robert war einen Tag auf dem Lande gewesen. Er hatte seinen Onkel
-besucht, der eine große Oekonomie besaß.</p>
-
-<p>Als Robert am Abende nach Hause kam, sagte er zu seinen Geschwistern:
-„Heute habe ich aber so viel verschiedene <em class="gesperrt">Thiere</em> gesehen, wie
-noch nie.“</p>
-
-<p>„Nun, so erzähle uns doch“, baten die Geschwister, „was Du für Thiere
-gesehen hast.“</p>
-
-<p>„Als ich an des Onkels Haus kam“, begann hierauf Robert, „bellten mich
-ein schwarzer <em class="gesperrt">Pudel</em> und ein <em class="gesperrt">Affenpinscher</em> an. In dem
-Hausflur kauerte eine graue Katze und verzehrte eben eine Maus, die
-fast so groß war, wie eine Ratte. Ich trat in die Stube ein. Hier saß
-ein Rothkehlchen auf dem Spiegelrahmen und verspeiste eine Fliege. Am
-Fenster hing ein großer Käfig, in welchem ein Zeisig, ein Stieglitz
-und ein Canarienvogel auf- und abhüpften. Unter dem Ofen spielte ein
-Meerschweinchen mit einem jungen Hunde.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_3">[S. 3]</span></p>
-
-<p>Aber nun erst auf dem Hofe! Hier führte ein Hahn seine Hühner
-spazieren. Dort lockte eine alte Henne ihre Küchlein herbei, weil sie
-ein Würmchen gefunden hatte. Vor der Scheune stolzirte ein Pfau auf
-und ab. Ein schwarzer Truthahn zankte sich mit einem alten Gänseriche
-um ein Stückchen Brodrinde. Ein ganzes Heer Enten und Gänse watschelte
-zum Thore hinaus, dem nahen Teiche zu, wahrscheinlich, um dort Frösche,
-Eidechsen und kleine Fische zu fangen. Auf den Dächern zwitscherten
-Schwalben und Sperlinge um das Nest eines Storches. Nicht weit davon
-saßen eine Menge Tauben und spähten ängstlich in die Luft hinaus, ob
-sich etwa ein Falke oder Stößer oder ein andrer Raubvogel sehen lasse.
-Vor der Elster, die im Hofe umherhüpfte, schienen sie sich nicht zu
-fürchten.</p>
-
-<p>Sogar im Wassertroge gab es Thiere. Hier schwammen Karpfen, Hechte,
-Aale und Schleien und auf dem Grunde krochen Krebse.</p>
-
-<p>Im Pferdestalle standen zwei Schimmel, ein Fuchs und ein Rappe. Unter
-ihnen herum hüpften weiße und schwarze Kaninchen. Der Esel war nicht zu
-Hause, sondern in der Mühle.</p>
-
-<p>Besondere Freude machte mir der Kuhstall. Hier brummte mich ein großer
-Ochse ganz mürrisch an. Gegen zwanzig Kühe fraßen eben ihr Heu.
-Zwischen ihnen lagen einige Kälber. Neben der Thür meckerten zwei
-Ziegenböcke und aus einem Winkel hervor grunzte ein altes Schwein mit
-sieben Ferkeln.</p>
-
-<p>Alle diese Thiere sah ich an einem Tage und sie haben mir sehr viel
-Vergnügen bereitet.“</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Haupwoerter_3"><b>3. Im Walde.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Thiere des Waldes.)</p>
-
-<p>Welch ein fröhliches Leben ist doch im Frühlinge unter den
-<em class="gesperrt">Thieren</em> des Waldes! Tausende von <em class="gesperrt">Würmern</em> und
-<em class="gesperrt">Käfern</em> kriechen unter dem Moose hervor. Große und kleine<span class="pagenum" id="Seite_4">[S. 4]</span>
-<em class="gesperrt">Ameisen</em> laufen an den Baumstämmen hinauf. Bunte Schmetterlinge
-flattern von einem Haideblümchen zum andern. Die Eidechsen,
-Blindschleichen und Ottern erwachen und schlüpfen auf dem Boden dahin.
-In dem Gebüsche ertönen die Lieder der Nachtigall, Grasmücke, Meise
-und des Rothkehlchens. Auf den Gipfeln der Fichten und Tannen schlägt
-der Finke, pfeifen Amsel und Drossel, girrt die wilde Taube. Mitten
-hindurch ruft der Kukuk seinen Namen in die Welt hinein.</p>
-
-<p>Hier hüpft ein Häslein schnell vorüber, weil es einen Fuchs wittert.
-Dort nagt ein Reh an einer jungen Birke. Zuweilen tritt auch wol ein
-Hirsch aus dem Dickicht hervor.</p>
-
-<p>Ueber dem Waldbächlein spielen die Mücken und schweben die glänzenden
-Libellen. Blickt man in die klaren Wellen hinein, sieht man Schmerlen
-und Forellen in lustigem Tanze. An dem feuchten Ufer kriecht hier und
-da eine Schnecke und an dem Erlengebüsche blitzen goldene Laubkäfer im
-Sonnenscheine.</p>
-
-<p>Was für ein Leben mag nun erst in den Wäldern der heißen Länder sein,
-wo die Löwen, Tiger, Panther und Leoparden brüllen, die Elephanten auf
-den Lichtungen grasen, Paviane, Schimpansen, Brüllaffen, Uistitis und
-Meerkatzen auf den schlanken Palmen sich wiegen, Papageien und Kakadus
-kreischen und riesige Schlangen auf Beute lauern.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Haupwoerter_4"><b>4. Der Jahrmarkt.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Sachen.)</p>
-
-<p>Welch ein buntes Leben ist doch auf einem Jahrmarkte! Man hat
-nicht <em class="gesperrt">Augen</em> genug, um all die Dinge, die hier zum Verkaufe
-ausgestellt sind, zu sehen. Links und rechts auf den <em class="gesperrt">Straßen</em> und
-<em class="gesperrt">Plätzen</em> stehen lange <em class="gesperrt">Reihen</em> von Buden und Tischen. In der
-einen dieser kleinen Kaufhallen erblickt man z.&#160;B. Blechwaaren. Da gibt
-es Löffel, Reibeisen, Gießkannen, Lampen, Kohlenkästen und Leuchter. In
-einer andern<span class="pagenum" id="Seite_5">[S. 5]</span> sind Glasgegenstände ausgestellt. Da sieht man Gläser,
-Flaschen, Teller, Tintenfäßchen, Leuchter, Vasen und Perlen.</p>
-
-<p>Hier steht eine Bude mit Drechslerarbeiten, als: Spazierstöcke,
-Tabakspfeifen, Zwirnweifen, Ellen, Zollstäbe, Dosen, Knöpfe u. dergl.
-An einem langen Tische verkauft ein Mann Streichhölzchen, Schwamm,
-Räucherkerzchen, Fleckseife, Putzpulver und Wetzsteine. In einem
-Hausflur hängen fertige Röcke mit Sammetkragen und blanken Knöpfen,
-Westen mit Schnüren, Hosen mit Borte, Ueberzieher, Hüte und Mützen.</p>
-
-<p>Dort an der Straßenecke ruft ein Mann: „Kauft Tücher, Bänder, Spitzen,
-Cravatten und Handschuhe!“ Dicht neben dem Brunnen auf dem Markte
-befindet sich eine große Bude mit Galanteriewaaren. Da gibt es
-Geldbörsen, Broschen, Uhrketten, Tuchnadeln, Puppen, Porzellanköpfe,
-Taschenspiegel, Fingerhüte, Nadelbüchsen, Bleistifte, Schiefertafeln,
-Gummibälle u.&#160;s.&#160;w.</p>
-
-<p>Und welche Menge von Gegenständen hat nun erst die Spielwaarenhandlung
-dort drüben an ihr Fenster gestellt: Zappelmänner, Baukästen,
-Armbrüste, Reifen, Drachen, Springseile, Trommeln, Flinten, Kanonen,
-Säbel, sogar eine Festung und ein Theater sind daselbst zu sehen.</p>
-
-<p>Wie gern möchte man sich dies und jenes Spielzeug kaufen, wenn man nur
-Geld dazu hätte!</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Haupwoerter_5"><b>5. Der Wißbegierige.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Stoffnamen.)</p>
-
-<p>Arthur war zwar noch ein kleiner, aber schon sehr lernbegieriger Knabe.
-So oft er mit seinem Vater spazieren ging, mußte ihm dieser fortwährend
-Fragen beantworten. Da wollte Arthur wissen, wie die Dinge, die er sah,
-hießen; woraus und von wem sie gefertigt und wozu sie da wären.</p>
-
-<p>Eines Tages gingen Vater und Sohn auch spazieren.<span class="pagenum" id="Seite_6">[S. 6]</span> Unterwegs fragte
-Arthur: „Vater, woraus sind denn die Häuser gebaut?“</p>
-
-<p>„Die Mauern“, erwiderte der Vater, „sind aus <em class="gesperrt">Stein</em>, <em class="gesperrt">Sand</em>,
-<em class="gesperrt">Lehm</em>, <em class="gesperrt">Kalk</em> und <em class="gesperrt">Mörtel</em> erbaut; das Dach, die
-Thüren, die Dielen und Fensterrahmen sind aus <em class="gesperrt">Holz</em>, die
-Schlösser aus <em class="gesperrt">Eisen</em>, die Dachrinnen aus <em class="gesperrt">Blech</em> und die
-Fensterscheiben aus <em class="gesperrt">Glas</em> gefertigt.“</p>
-
-<p>Bald darauf kamen sie an dem Fenster eines Geldwechslers vorüber. Hier
-standen eine Menge Münzen zu Schau ausgestellt. „Woraus wird denn das
-Geld gemacht?“ fragte Arthur schnell.</p>
-
-<p>„Die Pfennige, Dreier und Fünfpfenniger“, sagte der Vater, „werden aus
-Kupfer, die Groschen und Thaler aus Silber, die Dukaten aus Gold und
-die Kassenbillets aus Papier gefertigt.“</p>
-
-<p>Später wollte Arthur wissen, woraus denn eigentlich die verschiedenen
-Kleidungsstücke gearbeitet würden. „O“, belehrte der Vater, „da gibt es
-der Stoffe eine große Zahl. Deine Mütze z.&#160;B. ist aus Tuch gefertigt,
-das Tuch aber wird aus Schafwolle gearbeitet. Dein Halstuch ist aus
-Seide gewebt. Deine Jacke besteht aus Leinwand, diese aber wird aus
-Flachs gewonnen. Die Knöpfe auf Deiner Jacke sind aus Horn, die an der
-Weste aus Perlmutter und die an den Hosen aus Zinn hergestellt. Die
-Schnalle an Deinem Gürtel ist aus Stahl geformt. Deine Stiefel hat
-der Schuhmacher aus Leder gefertigt; natürlich brauchte er noch Pech,
-Schwärze, Wachs, Wichse und Hanf zum Schuhdraht dazu. Deine Strümpfe
-wurden aus Garn gestrickt; das Garn aber besteht aus Baumwolle.“</p>
-
-<p>Zuletzt fragte Arthur auch noch, woraus denn der Mensch bestehe und
-woraus er geworden sei. „Der menschliche Körper“, erwiderte der Vater,
-„besteht aus Fleisch und Blut, aus Fett und Schleim, aus Knochen,
-Knorpel und Mark; geschaffen aber hat ihn der liebe Gott aus Erde, wie
-Du in der Bibel lesen kannst.“</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_7">[S. 7]</span></p>
-
-<h4 id="Wortarten_Haupwoerter_6"><b>6. Eine Festung im Kriege.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Mengenamen.)</p>
-
-<p>Mitten in einem großen <em class="gesperrt">Flußgebiete</em> lag eine ziemlich starke
-Festung. An ihrer nördlichen Seite zog sich ein bedeutendes
-<em class="gesperrt">Gebirge</em> hin, sodaß die <em class="gesperrt">Besatzung</em> von hier aus keinen
-Angriff zu befürchten hatte. Die Festung war in Vertheidigungsstand
-gesetzt worden. Der Wald ringsum lag gefällt, selbst das kleinste
-Gestrüpp hatte weichen müssen. Das Gemäuer, auf dem früher Gras wuchs,
-erblickte man ausgebessert und verstärkt. Das Gebälk der Festungsbrücke
-hatte man in die Luft gesprengt.</p>
-
-<p>Da sich in der Stadt selbst viel Reichthum vorfand, konnte sich die
-Einwohnerschaft reichlich mit Vorräthen versehen. Es fehlte nirgends
-an Brod, Mehl, Salz und Gemüse. Sogar Wild, Geflügel und gesalzenes
-Fleisch war im Ueberflusse vorhanden. Auch an gutem Wasser konnte
-nicht leicht Mangel eintreten. Ebenso gut hatte sich das Heer, welches
-die Besatzung der Festung bildete, versehen. Für die Mannschaft
-lagen Lebensmittel und für das Vieh Heu, Hafer und Stroh in Menge
-aufgespeichert.</p>
-
-<p>So glaubte man nun ruhig dem Feinde ins Auge sehen zu können. Ja, die
-Soldaten konnten den feindlichen Angriff kaum erwarten, denn sie waren
-von heißem Geblüt.</p>
-
-<p>Endlich rückte die Schaar der Gegner an und die Beschießung begann. Die
-Nationen von fast ganz Europa richteten ihre Blicke auf diesen Kampf,
-während dessen die Bevölkerung der Festungsstadt sehr viele Verluste zu
-erleiden hatte.</p>
-
-<p>Nach mehrwöchentlicher Belagerung entschied sich das Schicksal der
-Festung. Die feindlichen Geschosse legten ihre Wälle, Mauern und andere
-Befestigungen in Trümmer. Darauf folgte ein Sturmangriff und die
-Festung war verloren. Das Blut floß in Strömen. Durch das furchtbare
-Getöse des Kampfes drang das Gewimmer und das Gestöhne der Verwundeten.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_8">[S. 8]</span></p>
-
-<p>Einen schrecklichen Anblick boten die Verwüstungen in der Stadt.
-Die schöne, große Bibliothek und die herrliche Bildergallerie waren
-verbrannt und die Heiligthümer der Kirchen durch die Geschosse
-zerstört. Mit Thränen in den Augen stand das Volk an den Trümmern
-seiner Habe, die zu einem großen Theile in Asche lag.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Haupwoerter_7"><b>7. Schulexamen.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Eigennamen.)</p>
-
-<p>„Ei, <em class="gesperrt">Emilie</em>“, rief <em class="gesperrt">Bernhard</em> seiner Schwester zu, als er
-aus der Schule kam, „heute hieß es aber aufpassen. Unser Lehrer, Herr
-<em class="gesperrt">Schmelzer</em>, wollte nämlich einmal sehen, ob wir von dem, was er
-uns gelehrt und erzählt habe, noch recht viel wüßten. Und so richtete
-er denn an einen jeden von uns eine Frage.“</p>
-
-<p>Franz Dunker mußte die Geschichte von dem Moses, Hans Weinlich die vom
-Goliath und Emil Heinz die vom Daniel erzählen. Julius Bär mußte sagen,
-wann Luther, August der Starke und Napoleon I. geboren wären.</p>
-
-<p>Heinrich Tümmler mußte angeben, wo Sachsen, Baiern, Würtemberg, Preußen
-und China lägen.</p>
-
-<p>Wilhelm Borisch mußte die Einwohnerzahl von Paris, Wien, London, Berlin
-und Dresden nennen.</p>
-
-<p>Alexander Miersch sollte sagen, wo man die Schlösser Wesenstein und
-Scharfenstein und die Dörfer Machern, Kesselsdorf und Hochkirch zu
-suchen habe. Er wußte es aber nicht.</p>
-
-<p>Julius Neubert bekam die Frage, wie hoch der Brenner, der Simplon, der
-Schafberg, die Lausche und der Borsberg seien.</p>
-
-<p>Theodor Wenzel hatte anzugeben, wo der Rhein, die Donau, die Weser und
-die Spree entspringen.</p>
-
-<p>Der kleine Felix Brendel erhielt die leichteste Aufgabe. Er<span class="pagenum" id="Seite_9">[S. 9]</span> mußte
-Eigennamen von Hunden, Katzen, Pferden und Kühen angeben. Da sagte er
-denn, daß die Hunde Karo, Ammi, Schnacksel, Bello, Leo, Waldmann u.
-dergl. hießen; daß manche Katzen den Namen Peter, Schnurr oder Michel
-führten; daß man Pferde mit Rosa, Pollux, Hektor u. dergl. bename und
-einzelne Kühe Musel, Schecke, Brummkatharine, Mummel, „Stallmeister
-u.&#160;s.&#160;w. gerufen würden.“</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Haupwoerter_8"><b>8. Zweierlei Schüler.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Gedankendinge.)</p>
-
-<p>Emil war ein sehr braver Schüler. Er liebte die <em class="gesperrt">Pünktlichkeit</em>
-und <em class="gesperrt">Reinlichkeit</em>. Während des <em class="gesperrt">Unterrichts</em> zeigte er die
-größte <em class="gesperrt">Aufmerksamkeit</em>, um alles Gehörte im <em class="gesperrt">Gedächtnisse</em>
-zu behalten. Wurde er gefragt, so gab er seine Antworten mit
-Ueberlegung und Anstand. Seine Schularbeiten fertigte er zu jeder Zeit
-mit Fleiß, Sorgfalt und der möglichsten Sauberkeit. Ueber jeden seiner
-Fortschritte bezeigte er Freude. Der leiseste Tadel bereitete ihm
-Schmerz.</p>
-
-<p>Was aber trieb ihn zur Erfüllung seiner Pflichten? Die Liebe zu seinem
-Lehrer, die Dankbarkeit gegen seine Eltern und der Gedanke, daß
-Kindheit und Jugend schnell vergehen und daß man daher jede Gelegenheit
-benutzen müsse, sich Kenntnisse und Fertigkeiten anzueignen.</p>
-
-<p>Ganz anders dagegen zeigte sich Bernhard. Er ging mit Unwillen und
-Verdruß in die Schule. Auf dem Schulwege trieb er allerhand Unarten und
-Dummheiten, ja sogar Rohheiten. Obgleich er sich dadurch oft Verweise,
-Züchtigungen, Schimpf und Schande zuzog, zeigte er doch keine Besserung.</p>
-
-<p>Auch in der Schule selbst ließ er sich viele Fehler und Vergehungen
-zu Schulden kommen. Plaudereien, Neckereien und Kaupeleien waren
-seine Lieblingsbeschäftigung. In seinen Gesichtszügen lagen List,
-Verschmitztheit und Tücke. Kam eine<span class="pagenum" id="Seite_10">[S. 10]</span> Bestrafung vor, so leuchteten aus
-seinen Augen Schadenfreude, Hohn und Spott.</p>
-
-<p>Das Lesen, Schreiben und Rechnen war ihm eine Last. Ueberhaupt betrieb
-er alles Lernen mit Nachlässigkeit und Flüchtigkeit. So konnte es
-denn auch nicht fehlen, daß er wegen Faulheit und Liederlichkeit
-heruntergesetzt und endlich der Letzte in der Klasse wurde. Aber auch
-das bereitete ihm weder Kummer, noch weckte es Reue in ihm. Er blieb
-für den Lehrer eine Plage und seinen Eltern ein Kind der Sorge und des
-Herzeleids.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Haupwoerter_9"><b>9. Freund Apfelbaum.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Ein- und Mehrzahl.)</p>
-
-<p>Im <em class="gesperrt">Garten</em> stand ein <em class="gesperrt">Apfelbaum</em>. Er war der stärkste und
-höchste unter allen <em class="gesperrt">Bäumen</em> in den <em class="gesperrt">Gärten</em> ringsumher.
-Seine <em class="gesperrt">Aeste</em> und <em class="gesperrt">Zweige</em> breiteten sich weit aus und an
-jedem <em class="gesperrt">Aste</em> hingen große, süße <em class="gesperrt">Aepfel</em>. Sie waren so groß,
-daß sich ein Kind an einem einzigen solchen Apfel satt essen konnte.
-Deshalb waren denn auch die Kinder oft um ihn herum. Zuweilen legten
-sie sogar Hand an seinen Stamm, um ihn zu rütteln, damit eine Frucht
-herabfallen solle. Solche starke Stämme aber lassen sich nicht von so
-schwachen Händen bewegen.</p>
-
-<p>Eines Tages saß Hermine auch unter dem schattigen Dache des alten
-Freundes und hatte einen großen Korb mit verschiedenem Spielzeuge vor
-sich. In einem kleinen Kasten lagen bunte Papierstreifen. Aus diesen
-flocht sie niedliche Körbchen. Da nun jeder Streif eine andere Farbe
-hatte, gaben diese verschiedenen Farben dem Körbchen ein schönes
-Aussehen. In andern Kästen befanden sich Perlen, Würfel, Buntstifte u.
-dergl.</p>
-
-<p>Jetzt nahm Hermine einen Faden und reihte Perle um Perle daran. Als
-zwei Fäden gefüllt waren, band sie dieselben um<span class="pagenum" id="Seite_11">[S. 11]</span> ihren Hals. Darauf
-ergriff sie einen Buntstift und zeichnete einen Würfel mit seinen
-Kanten, Flächen und Punkten.</p>
-
-<p>Nachdem sie eine Stunde gespielt hatte, zog sie Bücher aus dem Korbe
-hervor und las. In dem einen Buche standen mehrere Geschichten mit
-bunten Bildern, das andere enthielt blos eine Geschichte mit einem
-Bilde. Indem aber Hermine las, fiel ein großer Apfel herab und gerade
-auf das Buch, sodaß zwei Blätter beschädigt wurden. Das eine Blatt war
-mittendurch gerissen. Hermine erschrak, lachte aber bald darauf und
-sagte: „Ei, ei, alter Freund! Wie kannst du mich so erschrecken? Das
-sind mir schöne Freunde, die Einen mit Aepfeln bewerfen.“</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Haupwoerter_10"><b>10. Getäuschte Hoffnungen.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Ohne Mehrzahl.)</p>
-
-<p>Mitten in einem Urwalde <em class="gesperrt">Amerikas</em> stand eine dürftige Hütte,
-aus brauner <em class="gesperrt">Erde</em>, <em class="gesperrt">Lehm</em> und <em class="gesperrt">Kalk</em> erbaut. Das
-<em class="gesperrt">Gebälk</em> war grob gezimmert. Da durch die kleinen Fenster wenig
-Licht eindrang, lag in dem niedern Wohnzimmer ein tiefes Dunkel, das
-bei trübem Wetter sogar zur Finsterniß wurde. Auf den Dielen erblickte
-man etwas Heu und Stroh, auf welchem die Bewohner, welche deutsche
-Einwanderer waren, ihre Nachtruhe hielten. Die Beschaffenheit der
-Nahrung der armen Leute grenzte an Dürftigkeit. Wasser war ihr einziger
-Trunk, wenn sie der Durst quälte. Milch und Kaffee bekamen sie nie zu
-Gesicht. Im Sommer litten sie viel durch die große Wärme, die sich bis
-zur fürchterlichsten Hitze steigerte. Im Winter trat die Kälte mit
-großer Strenge und Ausdauer auf, führte viel Schnee und Eis herbei und
-fügte ihnen viel Leid zu.</p>
-
-<p>Die guten Leute hatten Deutschland, ihre Heimat, verlassen, um in
-Amerika ihr Glück zu machen. Sie hofften hier Gold und Silber zu
-finden, fanden aber nicht einmal Zinn<span class="pagenum" id="Seite_12">[S. 12]</span> und Blei. Das Eigenthum, das sie
-an baarem Gelde mitgebracht hatten, war bereits zu ihrem Unterhalte
-verbraucht. So trat zuletzt Hunger und Kummer, Noth und Elend an sie
-heran.</p>
-
-<p>Mit Reue dachten sie an ihre Vergangenheit und an ihr einstiges
-Vaterland zurück, wo sie ein Leben in Wohlsein und ohne alle Trübsal
-geführt hatten. Die Sehnsucht nach dem alten Daheim ergriff sie, aber
-es fehlte ihnen am Besten, die Rückreise anzutreten. So sanken die
-armen Deutschen immer tiefer ins Unglück. Nirgends fanden sie Trost und
-Beistand. Sie mußten in ihrem kümmerlichen Dasein ausharren, bis sie
-der Tod von allem Jammer erlöste.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Haupwoerter_11"><b>11. Gastfreundschaft.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Doppelhauptwörter.)</p>
-
-<p>An einem einsamen <em class="gesperrt">Waldrande</em> lag eine <em class="gesperrt">Köhlerhütte</em>. Das
-niedere <em class="gesperrt">Strohdach</em> war vom <em class="gesperrt">Sturmwinde</em> zerzaust und
-bedurfte der Ausbesserung. Wo aber sollte der arme <em class="gesperrt">Waldarbeiter</em>
-<em class="gesperrt">Dachstroh</em> hernehmen? Sein <em class="gesperrt">Tagelohn</em> langte kaum zur
-Morgensuppe, zur Mittagsmahlzeit und zum Abendbrode für sich und seine
-Kinderschaar. Auch die dünnen Lehmwände der Köhlerwohnung zeigten
-Zerstörungsspuren. Regengüsse und Hagelwetter hatten sie gepeitscht,
-den Kalkbewurf abgespült und das Lehmwerk durchlöchert, sodaß zur
-Winterszeit die rauhen Nordweststürme ungehindert hindurchpfeifen
-konnten. Ein Hausthürverschluß war nicht mehr möglich, denn die
-Thürschloßfeder war zersprungen. Die Fensterscheiben vertrat hier und
-da ein Streifen von Kaffeedütenpapier oder ein Volkskalenderblatt.</p>
-
-<p>An einem Herbstabende saß die Köhlerfamilie um den schmalen Holztisch
-und verzehrte ihre Abendmahlzeit. Da trat plötzlich ein vornehmer
-Jägersmann, einen schmucken Filzhut mit einer Birkhuhnfeder auf dem
-Kopfe, einen Hirschfänger mit<span class="pagenum" id="Seite_13">[S. 13]</span> Perlmuttergriff, ein Pulverhorn mit
-Silberquaste an der Seite und eine Schrotflinte auf dem Rücken, ein. Er
-erklärte, daß er von seinem Jagdgefolge abgekommen, auf verschiedene
-Kreuzwege gerathen sei und so sammt seinem Dachshunde und Windspiele
-den Hauptwaldpfad verloren habe. Schließlich bat der Waidmann um
-ein Nachtquartier und sei es auch nur ein Dachkammerraum mit einem
-Strohlager.</p>
-
-<p>Die braven Köhlereheleute erklärten sich zu diesem Liebesdienste gern
-bereit und luden den vornehmen Stadtherrn ein, wenn er Hunger habe, mit
-ihnen Kartoffelsuppe und Butterbrodschnitte nebst Quarkkäse zu essen.
-Der Jägersmann dankte, da er kein Magenbedürfniß verspüre.</p>
-
-<p>Während ihm nun das Nachtlager auf der breiten Ofenbank bereitet
-wurde, unterhielt er sich in scherzhafter Weise mit dem
-Kinderkreise. Er gab den Knaben Buchstabenräthsel und recht lange
-Hauptwörter zum Nachsprechen auf, um ihre Zungenfertigkeit und
-Sprachgewandtheit auf die Probe zu stellen. So mußten sie z.&#160;B.
-die Riesenhauptwörter nachsprechen: Dudelsackpfeifenmachergeselle,
-Schornsteinfegerknabenwassersuppentellerrand,
-Pulvermühlennachtwächterseitengewehrscheidenspitzenknopf.</p>
-
-<p>Den Kindern machte diese Zungenarbeit viel Spaß. Als das Ofenbanklager
-fertig war, begaben sich der Fremde und auch die Köhlerfamilie zur
-Ruhe. Wie sehr aber erschrak und erstaunte der alte Hausvater am andern
-Morgen, als ihm der Nachtgast mit Sonnenaufgang fünf Kronenthaler in
-die harte Arbeitshand drückte und ihm beim Abschiedsgruße sagte, daß er
-dem <em class="gesperrt">Kronprinzen</em> Gastfreundschaft gewährt habe.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Haupwoerter_12"><b>12. Eine musterhafte Schülerin.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Nichthauptwörter zu Hauptwörtern erhoben.)</p>
-
-<p>Die reiche Kaufmannstochter Mathilde war ein Muster einer Schülerin.
-Das <em class="gesperrt">Aufmerken</em> und <em class="gesperrt">Lernen</em> gewährte ihr<span class="pagenum" id="Seite_14">[S. 14]</span> einen Genuß.
-Das <em class="gesperrt">Lesen</em> hatte sie in drei Monaten erlernt. Auch das
-<em class="gesperrt">Schreiben</em> hatte sie leicht begriffen, nur das kleine Err und das
-Eszett machten ihr Schwierigkeiten. Im Rechnen erwarb sie sich stets
-die erste Censur. Ebenso geschickt stellte sich Mathilde zum Zeichnen,
-Singen, Clavierspielen, Häkeln, Stricken, Sticken und Turnen an. Sie
-liebte alles Gute, Schöne und Nützliche und ihr Streben und Ringen
-darnach trug die schönsten Früchte.</p>
-
-<p>Auch das Wunderbare und Erhabene der Natur beobachtete sie gern und
-oft. Das Großartige und Erhebende des Sternenhimmels erfüllte sie
-mit frommem Staunen. Nicht minder freute sie sich über das Niedliche
-und Zierliche der kleinen Blumen. Deshalb liebte sie auch das Freie,
-namentlich in seiner Morgenfrische. Das liebliche Grün und die traute
-Stille des Waldes machten ihr denselben zu einem Lieblingsaufenthalte.</p>
-
-<p>So blieb ihr ganzes Denken und Fühlen auf das Edle gerichtet und
-deshalb schlug das Fromme und Gottesfürchtige immer tiefere Wurzel in
-ihrem Gemüthe.</p>
-
-<p>Dieses fromme Empfinden erkannte man auch aus allen ihren stilistischen
-Arbeiten, in denen sie ebenfalls Vorzügliches leistete. Darin standen
-kein Und und kein Aber am falschen Platze und kein Satz enthielt irgend
-etwas Unrichtiges oder Ueberflüssiges.</p>
-
-<p>Kurz, Mathilde war und blieb die Beste und Ausgezeichnetste ihrer
-Schule und dieses Brave und Gediegene bewahrte sie sich zu ihrem Glücke
-ihr Lebelang.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Haupwoerter_13"><b>13. Belohnter Gehorsam.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Wiederholung der Hauptwörter.)</p>
-
-<p>Im lieben Sachsenlande liegt dicht an der Grenze von Böhmen ein
-Dörfchen mit Namen Wernsgrün. Am Ende desselben stand ein Hüttlein mit
-Strohdach und winzig kleinen<span class="pagenum" id="Seite_15">[S. 15]</span> Fenstern. Durch die schmalen, bleichen
-Scheiben konnte kaum ein Sonnenstrahl hindurchdringen.</p>
-
-<p>In dieser Hütte wohnte der alte Kilian mit seinen beiden Kindern. Die
-Kinder hießen August und Ernst. August zählte sieben Lebensjahre, Ernst
-dagegen hatte zehn Sommer hinter sich. Ihre Kleidung bestand in Kitteln
-aus grober Leinwand.</p>
-
-<p>Eines Tages saßen beide Brüder vor der Thür und spielten mit Sand,
-einigen Stäbchen Holz und drei Soldaten aus Zinn. Bald aber hatte Ernst
-das Spielen satt und sagte zu seinem Bruder: „Komm, laß uns ins Grüne
-gehen. Dort werden wir mehr Vergnügen finden.“</p>
-
-<p>Der Jüngere gab seine Zustimmung. Kaum aber hatten sie am grünen Ufer
-des Wiesenbaches ihren Zeitvertreib begonnen, rief sie der Vater in das
-Haus zurück. Sie sollten jetzt wieder an ihre Arbeit gehen und Stroh
-flechten.</p>
-
-<p>Die Knaben machten wahre Essiggesichter, denn das Haschen und
-Verstecken war ihnen natürlich lieber als das Stillsitzen und Arbeiten.
-Aber sie zeigten ohne Murren Gehorsam. Und ihre Folgsamkeit sollte noch
-dieselbe Stunde Belohnung finden.</p>
-
-<p>Nach etwa zehn Minuten fiel draußen, in ziemlicher Nähe, ein Schuß. Vor
-Schreck fuhren die Kinder zusammen. Sie und ihr Vater und ihre Mutter
-eilten zur Hausthür. Und was erblickten ihre Augen? An der Stelle, wo
-die Knaben vor kurzer Zeit noch — kaum vor Ablauf von zehn Minuten —
-ohne alle Besorgniß allerlei Spiele gespielt hatten, hatte soeben ein
-Jäger, dicht an einem Erlenbaume, einen tollen Hund erschossen.</p>
-
-<p>Wie freute sich nun das Geschwisterpaar ob seiner Folgsamkeit!</p>
-
-<div class="section">
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_16">[S. 16]</span></p>
-
-<h3 class="padtop1" id="Eigenschaftswoerter">Eigenschaftswörter.</h3>
-
-</div>
-
-<h4 id="Wortarten_Eigenschaftswoerter_14"><b>14. Formen der Pflanzenwelt.</b></h4>
-
-<p class="mtop2">Welch verschiedene Formen und Farben gibt es doch in der Pflanzenwelt!
-Da steht die Pappel, hoch und <em class="gesperrt">schlank</em>; nicht weit davon ein
-<em class="gesperrt">tausendjähriger</em> Eichbaum, <em class="gesperrt">niedrig</em> zwar, aber <em class="gesperrt">stark</em>
-und <em class="gesperrt">knorrig</em>. Seine Aeste sind vielfach gekrümmt und gebogen,
-seine Wurzeln dick und runzlig. Seine Rinde ist fest, aber zerklüftet
-und zerrissen. Hier steigt eine Tanne schlank in die Luft empor. Ihr
-Stamm ist schnurgerade und ebenmäßig, unten stark, nach oben zu dünn
-und zuletzt ganz spitz.</p>
-
-<p>An ihrem Fuße wuchert eine Birke empor. Sie ist jung und kräftig, ihre
-Krone dicht belaubt, ihre Schale blendend weiß, wie Silber.</p>
-
-<p>Wie unterschiedlich sind selbst die Stengel der kleinsten Pflanzen! Der
-eine ist rund, der andere drei- oder vierkantig; der eine glatt, der
-andere behaart oder klebrig; der eine markig, ein anderer fleischig
-oder holzig. Einige sind hohl, andere voll; einige gegliedert, andere
-gedreht oder geschlängelt. Der eine Stengel ist steif, unbiegsam und
-spröde, ein anderer beweglich, weich und elastisch.</p>
-
-<p>Betrachten wir nun erst die verschiedenen Blattformen. Da gibt es
-ovale, runde, herzförmige, schmale, breite, glattrandige, gezahnte,
-gezackte, getheilte, gefiederte u.&#160;s.&#160;w. Noch weit mehr verschiedene
-Formen aber zeigen uns die Blätter der Blumenkronen. Unter ihnen finden
-sich röhren-, trichter-, lippen-, rachen-, keilförmige u. dergl. Und
-wie überaus zart und reizend sind diese buntfarbigen Blumentheile! Wer
-auf alle diese Abwechselungen in der Pflanzenwelt genau achtet, muß
-eitel Lust haben an den Werken des Herrn.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_17">[S. 17]</span></p>
-
-<h4 id="Wortarten_Eigenschaftswoerter_15"><b>15. Der Frühling.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Abstrakte Eigenschaftswörter.)</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Fröhlich</em> ist das Herz, wenn der <em class="gesperrt">liebliche</em> Frühling
-naht! Der Winter war <em class="gesperrt">kalt</em> und <em class="gesperrt">rauh</em>, jetzt wird die Luft
-<em class="gesperrt">lau</em> und <em class="gesperrt">angenehm</em>, zuweilen gar schon warm. Im Winter
-war es still und öde auf den Fluren; die Wälder erschienen todt, die
-Bächlein erstarrt. Jetzt werden die Haine lebendig, die Bächlein wieder
-wach und munter. Die Felder lagen kahl, jetzt sehen wir sie grün. Die
-Wiesen stehen geschmückt, wie mit einem bunten Blumenteppiche. Die eine
-Blume sieht roth, die andere weiß, die dritte gelb oder blau aus. Die
-Vögel zeigen sich eifrig im Gesange und emsig im Bau ihrer Nester. Wie
-ist der Schlag des Finken so lustig, das Lied der Nachtigall so süß,
-der Morgenpsalm des Staares so erhebend! Ein Herz, das fromm und rein,
-stimmt mit ein in die Lobgesänge und preist den allmächtigen Schöpfer,
-der im Frühlinge recht deutlich zeigt, wie weise und gütig er ist.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Eigenschaftswoerter_16"><b>16. Der Geizhals.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Zusammengesetzte Eigenschaftswörter.)</p>
-
-<p>Andreas war ein <em class="gesperrt">steinreicher</em> Bauer, aber dabei <em class="gesperrt">erzgeizig</em>.
-Für ihn gab es in der <em class="gesperrt">wunderreichen</em> Gotteswelt kein
-<em class="gesperrt">zaubervolleres</em> Bild, als ein <em class="gesperrt">blitzblanker</em> Thaler. Hielt
-er ein solches Geldstück in der sonnverbrannten, hufbesetzten Hand,
-erschien sein Auge überglücklich, ja glückselig. An ein Wiederausgeben
-eines solch werthvollen Kopfstückes war bei ihm nicht zu denken. Es
-wanderte in einen alten, aschgrauen, baumwollenen Strumpf, der im
-fast heckerklaren Strohe seines baufälligen Bettes stak. War ein
-solcher Strumpf gefüllt, versenkte er ihn in einen eisenbeschlagenen,
-diebesfest sein sollenden Koffer, vor dem ein riesenhaftes Schloß
-lag. Dieser centnerschwere Koffer stand unter seiner armseligen
-Lagerstatt. Ein<span class="pagenum" id="Seite_18">[S. 18]</span> doppelläufiges, scharfgeladenes Gewehr bildete seine
-Sicherheitswache, sowohl am sonnenhellen Tage, wie in tiefdunkler,
-grabesstiller Nacht.</p>
-
-<p>Kein hilfsbedürftiger Freund erhielt von dem Geizhalse auch nur die
-allerkleinste Unterstützung. Keinem Wanderburschen, und war er noch so
-blutarm, reichte er einen Zehrpfennig. Das bleichwangige Bettelkind,
-das kleinlaut an seine dickeichene Thür klopfte, rührte nicht im
-mindesten sein liebeleeres Herz.</p>
-
-<p>Er selbst führte ein wahrhaft jammervolles Leben. Sein Mittagsessen
-bestand meist in graubraunem, fast steinharten Brode und dickschaligen
-Kartoffeln, die er in wasserdünnen Schmalz tauchte. Ein Stück
-wohlschmeckendes Fleisch war ihm zu theuer. Nie kam ein Glas wenn auch
-nur dünngebrautes Bier oder gar ein Glas magenstärkender Wein auf
-seinen Tisch. Thür und Thor seines alterthümlichen Gehöftes schloß er
-regelmäßig mit Sonnenuntergang zu und ließ dann den alten, graubärtigen
-Kettenhund los.</p>
-
-<p>Von jetzt an durfte kein Mensch mehr eingelassen werden. Aus
-übergroßer Besorgniß fürchtete er, es könne sich ein langfingeriger
-Fremdling einschleichen und seinem herzinniglieben Hausgotte mit den
-erzgespickten Strümpfen einen unliebsamen Besuch abstatten.</p>
-
-<p>Trotz aller wohlberechneten Vorsicht aber hatte sich in einer
-rabenschwarzen Nacht doch Einer eingefunden, der kaltblütig und
-erbarmungslos den bedauernswerthen Geizhals von all seinen mühselig
-errungenen Schätzen trennte. Dieser Unbarmherzige war der —
-unerbittliche Tod.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Eigenschaftswoerter_17"><b>17. Der wohlthätige Bettler.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Das Eigenschaftswort vor dem Hauptworte.)</p>
-
-<p>An einer <em class="gesperrt">belebten Straßenecke</em> saß ein <em class="gesperrt">alter, blinder
-Bettelmann</em>. Er hielt seinen <em class="gesperrt">durchlöcherten Hut</em> in<span class="pagenum" id="Seite_19">[S. 19]</span> der
-<em class="gesperrt">welken, zitternden Hand</em> und bat um eine <em class="gesperrt">kleine Gabe</em>.
-Viele reiche Leute gingen an einem einzigen lieben langen Tage vorüber
-und gewiß trugen die meisten wohlgefüllte Börsen bei sich. Zeugte doch
-oft ihr kostbarer Anzug von großer Wohlhabenheit. Man sah da Damen
-mit langen Schleppen, seidenen Schärpen, sammtenen Mänteln, theuren
-Spitzen, beblumten Hüten und feinen Handschuhen. Herren stolzirten
-dahin mit goldenen Uhrketten, blitzenden Tuchnadeln, funkelnden Ringen
-und elfenbeinernen Spazierstöckchen.</p>
-
-<p>Nicht alle freilich trugen zu diesem äußern auch einen innern
-Schmuck, ein theilnehmendes, mitleidiges Herz. Das bewiesen sie
-dem hülfsbedürftigten Alten gegenüber. Mit kalten Blicken und
-gleichgültigen Mienen gingen sie an ihm vorüber. Nur einzelne zeigten
-aufrichtige Theilnahme, sprachen einzelne freundliche Worte mit dem
-bedauernswerthen Bettler und legten dabei eine klingende Gabe in seinen
-abgeschabten Hut.</p>
-
-<p>Eines heitern Sommertages hörte der gutmüthige Alte eine weinerliche
-Stimme in seiner nächsten Nähe. Die klagenden Töne kamen von einem
-sechsjährigen, blassen Mädchen. „Was fehlt Dir, liebes Kind?“ fragte
-der lauschende Bettler mit besorgter Stimme.</p>
-
-<p>„Ach, mich hungert so sehr“, erwiderte das dürftig gekleidete Mädchen
-mit wehmüthigem Ausdrucke. „Meine gute Mutter ist krank und hat kein
-Brod mehr für mich.“</p>
-
-<p>Diese Worte rührten den weichherzigen Greis. Schnell griff er in seinen
-schwarzgrauen Hut, befühlte mit der dürren Hand die verschiedenen
-Geldstücke und gab der hülfsbedürftigen Kleinen einen kupfernen
-Fünfpfenniger. „Hier, armes Kind“, sagte er mit bewegten Lippen, „hast
-Du eine kleine Gabe. Geh und kaufe Dir bei dem neuen Bäcker hier links
-in der engen Gasse etwas für Deinen hungrigen Magen.“</p>
-
-<p>Das überglückliche Mädchen dankte mit aufrichtigem Herzen,<span class="pagenum" id="Seite_20">[S. 20]</span> eilte die
-schmale Gasse dahin und kaufte sich ein neugebackenes Dreierbrod. Die
-übrigen zwei Pfennige aber nahm es seiner kranken Mutter mit nach Hause.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Eigenschaftswoerter_18"><b>18. Ein Gewitter.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Steigerung des Eigenschaftswortes.)</p>
-
-<p>Es war ein heißer Julitag. Schon der Vormittag war <em class="gesperrt">schwül</em>. Gegen
-den Mittag hin wurde es immer <em class="gesperrt">schwüler</em>. Am <em class="gesperrt">schwülsten</em>
-aber erschien die Luft etwa um drei Uhr. Schon den Spaziergängern wurde
-es heiß; noch heißer mußte es den Arbeitern auf den Bauen, am heißesten
-aber den Landleuten auf dem Erntefelde werden. Das Thermometer, das
-schon immer hohe Hitzegrade gezeigt hatte, stieg höher, bis es endlich
-nach Tische den höchsten Grad erreicht hatte.</p>
-
-<p>Da zeigte sich am Himmel eine schwarze Wolke, die sich aber mit jeder
-Minute schwärzer färbte. Am schwärzesten erblickte man sie nach Osten
-hin. Zu gleicher Zeit erhob sich auch ein ziemlich starker Wind.
-Auch er wurde von Sekunde zu Sekunde stärker, bis er endlich, als er
-am stärksten wüthete, die gewaltige Wolkenmasse in Bewegung setzte.
-Schnell erhob sie sich. Zusehends schneller und schneller stieg sie
-empor und überzog in ihrem schnellsten Fluge ein breites Thal, das nach
-Süden hin immer breiter wurde und mit seinem letzten, breitesten Theile
-an ein waldiges Gebirge stieß.</p>
-
-<p>Düster lagen Berg und Thal. Noch düsterer erschien der riesige
-Nadelwald. Am düstersten aber sah es in den menschlichen Wohnungen
-aus. Feurige Blitze zuckten durch das Dunkel hindurch. Noch feuriger
-erschienen dieselben, wenn sie die dunkelsten Wolkenschichten zum
-Hintergrunde hatten. Am feurigsten jedoch kam ein solcher Blitz den
-Landleuten vor, wenn er in einen nahen Teich oder einen noch nähern
-Baum oder wohl gar in die nächste Hütte fuhr.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_21">[S. 21]</span></p>
-
-<p>Heftig strömte jetzt auch der Regen herab. Immer heftiger schlugen die
-gewaltigen Tropfen an die Fenster. Am heftigsten brauste gegen vier Uhr
-die Wassermasse hernieder. Bald schossen kleine Bäche wild durch die
-Felder dahin. Wilder noch stürzten die Waldgewässer die Abhänge herab;
-am wildesten aber donnerte der angeschwollene Fluß das Thal entlang,
-die stärksten Bäume entwurzelnd und die festesten Mauern durchbrechend,
-ja sogar die kleineren Hütten mit fortreißend.</p>
-
-<p>Da endlich hatte das Unwetter ausgetobt. Blitz und Donner wurden
-schwach, der Regen noch schwächer. Endlich glichen die schwächsten
-Blitze nur noch einem fernen Wetterleuchten. Entsetzlich sahen die
-zerrissenen Felder aus. Noch entsetzlicher aber waren die Verheerungen
-in den Dörfern jenes fruchtbarsten aller Thäler des Landes. Den
-entsetzlichsten Eindruck indeß machte das Jammern und Wehklagen der
-ärmeren Bewohner, von denen viele den größten Theil ihrer Habe verloren
-hatten.</p>
-
-<p>Gut waren die Leute weggekommen, deren Häuser weit vom Flusse lagen,
-noch besser die, deren Hütten an den Berglehnen standen, und am besten
-diejenigen, die auf dem Kamme des Höhenzuges wohnten. Sie hatten zwar
-auch viel Schaden gehabt, die an den Berglehnen aber weit mehr und die
-Thalbewohner den meisten.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Eigenschaftswoerter_19"><b>19. Ein Begräbniß.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Eigenschaftswörter ohne Steigerung.)</p>
-
-<p>Die <em class="gesperrt">ehernen</em> Zungen der Kirchenglocken schwiegen. Der Leichenzug
-war auf dem <em class="gesperrt">umfriedigten</em> Gottesacker, wo alle die <em class="gesperrt">ewige</em>
-Ruhe finden, angekommen.</p>
-
-<p>Der hölzerne Sarg wurde von der umkränzten Bahre abgesetzt. Acht Träger
-trugen ihn stumm einem offenen Grabe zu. Auf dem schwarzsammtenen
-Leichentuche standen mit goldenen<span class="pagenum" id="Seite_22">[S. 22]</span> Buchstaben die Worte in einem
-silbernen Kranze: „Er ist erlöst und geht in seine wahre Heimat zurück.“</p>
-
-<p>Der Sargdeckel mit kupfernen Handhaben und zinnernen Verzierungen
-wurde jetzt noch einmal abgehoben. Da lag nun der Todte, bleich und
-regungslos, in der starren Hand einen frischgrünen Palmenzweig. Ein
-seidenes Gewand umhüllte den todten Leib. Ein damastenes Käppchen
-begrenzte die gefurchte Stirn.</p>
-
-<p>Die Angehörigen standen um den Sarg her, aber nicht in der üblichen
-Trauerkleidung. Der Entschlafene hatte schriftlich die Bitte
-hinterlassen, daß man um seinetwillen nicht die tiefschwarzen Gewänder
-anlegen solle.</p>
-
-<p>Jetzt trat der greise Geistliche herzu, die Weinenden zu trösten.
-„Unzählbar“, sagte er unter Anderem, „wie die Sterne des nächtlichen
-Himmels, sind die seligen Wohnungen, die der allmächtige Himmelsvater
-den erblichenen Erdenpilgern dort oben bereitet hat. Mag auch der
-irdische Leib zerfallen, mag der unüberwindliche Tod den Lebensfaden
-zerreißen, wir weinen nicht trostlos. Wir sind nicht blind für den
-auferstandenen Heiland, nicht taub für seine ewig wahren Verheißungen,
-sondern blicken glaubensvoll hinauf in das unvergängliche Reich, da es
-ein Wiedersehen gibt. Auch dieser Entschlummerte wird einst wieder wach
-und verklärt eingehen zur endlosen Himmelswonne.“</p>
-
-<p>Die Sonne stand mit ihrer purpurnen Scheibe schon halb hinter den
-fernen, blauen Bergen, als der Sarg in die stockfinstere Gruft
-hinabgesenkt wurde. Noch ein lautloses Gebet, eine Hand voll Erde auf
-den Sarg und die Begräbnißfeierlichkeit war beendet.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Eigenschaftswoerter_20"><b>20. Die beste Apotheke.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Declination des Eigenschaftswortes ohne Artikel.)</p>
-
-<p>Julius, der Sohn <em class="gesperrt">armer</em> Eltern, war lange krank. <em class="gesperrt">Feuchtes</em>
-Stroh diente ihm als Lager. <em class="gesperrt">Alte</em> Röcke und <em class="gesperrt">zerfetzte</em><span class="pagenum" id="Seite_23">[S. 23]</span>
-Tücher waren seine Decke. Keine <em class="gesperrt">heilende</em> Arznei und kein
-<em class="gesperrt">stärkender</em> Thee konnte ihm gereicht werden, lebten doch seine
-Eltern in großer Armuth, in schrecklichem Elende. Mit bangen Sorgen
-erwachten sie des Morgens, unter schwerem Kummer gingen sie des Abends
-zur Ruhe. Mit beklommenem Herzen vernahm die Mutter oft in dunkler
-Nacht das leise Wimmern des ruhelosen Kranken. Er litt besonders an
-heftigen Kopfschmerzen, an krampfhaftem Zucken in den Gliedern und an
-fieberhaftem Frösteln.</p>
-
-<p>Vier lange Wochen waren bereits dem Kranken unter unsäglichen Schmerzen
-vergangen. Mit abgezehrten, todtenblassen Wangen, trüben, hohlen Augen
-und mageren Gliedern lag er da als ein Bild gräßlichen Elends.</p>
-
-<p>„Barmherziger Gott!“ flehte die Mutter oft in stillem, inbrünstigen
-Gebete, „schicke doch meinem Kinde einen gnädigen Retter oder, wenn es
-Dein unerforschlicher Rath ist, einen endlichen Erlöser!“</p>
-
-<p>Eines Tages klopfte ein Wanderbursch an die Thür und bat um ein Stück
-Brod. Trüben Auges reichte ihm die Mutter eine kleine Gabe.</p>
-
-<p>„Was fehlt Euch?“ fragte theilnehmenden Herzens der Wanderbursch. Mit
-stummer Handbewegung deutete die Mutter auf das Krankenlager. „O weh!“
-versetzte der Wanderbursch, als er den Knaben mit schon halbgebrochenem
-Auge und erdfahlem Antlitze erblickte. „Wie und womit behandelt ihn
-der Arzt?“ — „Der Arzt?“ erwiderte die Mutter mit bewegter Stimme.
-„Womit sollten wir armen Leute einen Arzt bezahlen können?“ — „O“,
-versetzte der Wanderbursch mit tröstlichem Tone, „Ihr habt einen sehr
-billigen Arzt und eine noch billigere Apotheke in nächster Nähe. Es
-ist der Brunnen dort im Hofe. Keine bessere Arznei für Euer Kind als
-frisches Wasser. In ihm liegt wunderbare Heilkraft. Mein seliger Onkel
-war Arzt,<span class="pagenum" id="Seite_24">[S. 24]</span> daher weiß ich es. Nehmt also frisches Wasser, reicht es dem
-Kranken als kühlen Trank, veranstaltet kalte Abreibungen, dann schlagt
-ihn in kaltfeuchte Tücher ein und wickelt ihn darauf in warme Decken.
-Es wird hierauf sehr bald heftiges Schwitzen erfolgen. Nach Verlauf von
-zwei solch heißen Stunden wascht Ihr den Körper mit lauem Wasser ab und
-wiederholt diese Behandlung täglich vor- und nachmittags. Gewiß wird
-sich der Kranke bald ruhiger Nächte, gesegneten Schlafes und überhaupt
-sichtlicher Besserung erfreuen.“</p>
-
-<p>Aufmerksamen Ohres hatte die Mutter zugehört. „O, wärest Du uns als
-rettender Engel gesandt“, sagte sie zu dem Wanderburschen, „dankbaren
-Herzens würden wir ewig Dein gedenken! Was Du gerathen hast, werde ich
-befolgen, noch heutigen Tages. Schütze Dich Gottes gnädige Hand auf
-fernerer Wanderung!“</p>
-
-<p>Einige Monate später war Julius genesen. Mit dicken Backen und
-kräftigem Fuße schritt er wieder einher. Des Wassers wunderbarer Kraft
-dankte er das Glück neuer, dauernder Gesundheit.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Eigenschaftswoerter_21"><b>21. Ehrlichkeit.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Wiederholung der Eigenschaftswörter.)</p>
-
-<p>Ein armer Köhlerknabe saß unter einer hohen Tanne, deren schwarzgrüne
-Aeste weit umher das frische Moos beschatteten. Aus den dunklen Augen
-des blassen Knaben rannen helle Thränen.</p>
-
-<p>Da kam ein alter Herr den holprigen Waldweg daher. Er trug eine grüne
-Uniform und einen kurzen Hirschfänger an der Seite. Sein faltiges,
-aber noch frisches Gesicht umgrenzte ein schneeweißer Backenbart. Der
-jugendliche Alte war der bejahrte Oberförster.</p>
-
-<p>„Warum weinest Du?“ fragte der freundliche Alte mit liebevoller Stimme
-den fremden Knaben.</p>
-
-<p>„Ach“, erwiderte dieser mit kläglichem Tone, „meine gute Mutter liegt
-krank darnieder. Ihre Augen sind fast blind. Deshalb<span class="pagenum" id="Seite_25">[S. 25]</span> soll ich in die
-nahe Stadt gehen und eine heilsame Salbe für die schwachen Augen holen.
-Ich aber habe das Geld dazu sammt einem ledernen Beutel verloren.“</p>
-
-<p>„Ist es etwa dieser?“ sagte der graubärtige Herr, indem er ein kleines
-Beutelchen aus der gestickten Jagdtasche zog.</p>
-
-<p>„O nein“, sagte der ehrliche Knabe, „mein Beutel war schlecht und dünn
-und lange nicht so voll wie dieser.“</p>
-
-<p>„Dann ist es vielleicht dieser?“ erwiderte der erfreute Oberförster,
-indem er ein anderes graues Beutelchen aus der tiefen Seitentasche
-seines grünen Rockes zog.</p>
-
-<p>„Ja, ja, dieser ist es“, rief der überglückliche Knabe.</p>
-
-<p>Der biedere Alte war von dieser seltenen Ehrlichkeit gerührt, gab dem
-armen Knaben den löcherichen Beutel zurück und sprach: „Weil Du so brav
-und ehrlich bist, schenke ich Dir noch diesen blanken Thaler. Geh und
-kaufe Deiner leidenden Mutter manchmal eine stärkende Erquickung dafür.“</p>
-
-<div class="section">
-
-<h3 class="padtop1" id="Wortarten_Der_Artikel">Der Artikel.</h3>
-
-</div>
-
-<h4 id="Wortarten_Artikel_22"><b>22. Der Abend.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Der bestimmte.)</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Der</em> Tag ging zu Ende. <em class="gesperrt">Die</em> Sonne sank. <em class="gesperrt">Das</em>
-Abendglöcklein läutete zum Feierabende. Der Landmann kehrte vom Felde
-heim. Die Heerde zog in ihren Stall zurück. Das Lerchenlied verstummte.
-Bald glänzten die Berge und die Hütten im Abendgolde und die Gräser
-funkelten im herrlichsten Thauschmucke. Die Blume schloß ihr Auge.
-Immer stiller und stiller ward der weite Schöpfungsraum. Die Natur
-sehnte sich nach Ruhe. Nur das Bächlein rauschte noch weiter und die
-Fledermaus kreiste noch pfeifend umher.</p>
-
-<p>Auch die Hütten wurden still und stumm. Der Tag war heiß und die
-Arbeit um das liebe Brod sauer gewesen. Der<span class="pagenum" id="Seite_26">[S. 26]</span> Fuß und die Hand hatten
-das Tagewerk treu vollbracht. Das Nachtlager sollte nun die so nöthige
-Erholung bieten. Als daher die Sterne am Himmel glänzten und der Mond
-langsam emporstieg, lag das Dörflein bereits im tiefsten Schlafe. Die
-Engel Gottes aber schwebten über Reich und Arm und hielten treue Wacht.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Artikel_23"><b>23. Der Dachs.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Der unbestimmte Artikel.)</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Ein</em> Jäger zog durch <em class="gesperrt">einen</em> Wald. <em class="gesperrt">Eine</em> schöne
-Doppelflinte hing auf seinem Rücken und <em class="gesperrt">ein</em> Hirschfänger an
-seiner Seite. <em class="gesperrt">Ein</em> Dachshund und ein Windspiel begleiteten ihn.</p>
-
-<p>Ein herrlicher Herbsttag lag auf den Gipfeln der Tannen und Fichten.
-Ein sonniger Hauch wehte auf den bebuschten Hügeln. Da sprang eine
-Rehkuh auf. Ein solches Thier ist für jeden Menschen eine angenehme
-Erscheinung. Ein Jägerauge aber zuckt freudig auf, wenn es ein
-solches Wild erblickt. Auch diesen Waidmann durchzuckte eine freudige
-Aufregung. Kaum war eine Minute vergangen, knallte ein Schuß und eine
-Ladung Schrot saß dem Thiere in einem Hinterlaufe.</p>
-
-<p>Jetzt aber gab es eine ergötzliche Scene. Ein Wink und beide Hunde
-begannen einen wahren Wettlauf nach dem Rehe. Dabei aber war ein tiefer
-Graben zu überspringen. Für den Windhund war dies ein Spaß, eine ganz
-leichte Mühe. Nicht so für einen kurzbeinigen Dachshund. Dieser nahm
-zwar einen gewaltigen Anlauf, aber für ihn war ein solcher Graben eine
-zu weite Kluft. Er schoß einen Purzelbaum und rollte wie eine Kugel ein
-großes Stück den einen Rand hinab in eine Pfütze. Ein helles Gelächter
-begleitete seinen Fall. Eine Anzahl Waldarbeiter hatten ihn nämlich aus
-einer kleinen Entfernung beobachtet. Unter ihnen fand sich auch bald
-eine hülfreiche Hand, die mit einer Stange zur Rettung herbeieilte.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_27">[S. 27]</span></p>
-
-<p>„Siehst Du“, sagte der Jäger zum ganz durchnäßten Dachse, „so geht es
-einem Voreiligen. Nimm Dir aus diesem Falle eine Lehre: Wer ein Dachs
-ist, muß es einem Windspiele nicht gleichthun wollen.“</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Artikel_24"><b>24. Der Liederliche.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Bestimmter und unbestimmter Artikel.)</p>
-
-<p>Bernhard war <em class="gesperrt">ein</em> höchst unordentlicher Knabe. Dies zeigte
-<em class="gesperrt">ein</em> einziger Blick in <em class="gesperrt">die</em> Kinderstube, in der er
-sich aufhielt. <em class="gesperrt">Der</em> Bücherranzen, <em class="gesperrt">der</em> Stiefelknecht,
-<em class="gesperrt">der</em> Ball und <em class="gesperrt">der</em> Atlas lagen gewöhnlich beisammen unter
-der Ofenbank. Die Botanisirtrommel, die Mütze, die Federbüchse, die
-Schreibmappe und die Haarbürste erblickte man nicht selten in einem
-Winkel der Stube. Das Bibelbuch, das Tintenfaß, das Handtuch, das
-Wichszeug und das Vorhemdchen erhielten oft ihren Platz in einem
-Schubfache einer alten Kommode.</p>
-
-<p>Der Vater und die Mutter, sowie auch das Stubenmädchen hielten dem
-Knaben deshalb oft eine Strafpredigt, aber all die Mahnungen und
-Warnungen fanden bei ihm ein taubes Ohr.</p>
-
-<p>Auch der Lehrer hatte die größte Noth mit ihm. Namentlich bekundeten
-die Schreibebücher Bernhard’s die größte Liederlichkeit und einen hohen
-Grad von Leichtsinn. Die Umschläge waren zerrissen. Durchschnittlich
-das dritte Blatt enthielt einen Klecks. Die Schrift konnte man kaum
-lesen. Das Löschblatt glich einem Lappen.</p>
-
-<p>Auch der Tadel und die Strafe des Lehrers besserten den Knaben nicht.
-Er blieb ein liederlicher Mensch sein Lebelang.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Artikel_25"><b>25. Ein Frühlingsmorgen.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>Der Tag brach an. Die Sonne stieg im Osten empor. Das ferne Gebirge
-strahlte im Purpurgolde. Ein leichter Nebel<span class="pagenum" id="Seite_28">[S. 28]</span> stieg aus dem Thale auf.
-Eine Lerche flatterte aus dem Saatfelde empor und stimmte ein jubelndes
-Lied an. Die Gräser, Halme und Blumen blitzten im Perlenschmucke
-des Morgenthaues. Der Wald erwachte. Die Wiese belebte sich mit
-Schmetterlingen und Bienen. Das Wild lugte munter aus dem Gebüsche
-hervor. Bald zeigte sich auch das neuerwachte Leben in einem nahen
-Dörfchen, das eine lange Obstallee umgrenzte.</p>
-
-<p>Der Hahn krähte. Die Tauben flatterten auf die Dächer. Das
-Ziegenböcklein meckerte im Stalle. Eine Menge Rauchsäulen stiegen aus
-den Schornsteinen empor. Der Knecht schirrte die Pferde ein, das Feld
-zu bestellen. Die Magd besorgte Futter für das Vieh. Es schien bereits
-darauf zu warten, denn die Kuh brummte, der Ochse brüllte, das Schwein
-grunzte, die Gans schnatterte und die Henne gackerte.</p>
-
-<p>Bald darauf begann die Arbeit auf den Feldern. Hier zog ein Ochsenpaar
-einen schweren Pflug. Dort schleifte ein dicker Gaul eine Egge über ein
-knolliges Beet. Hier streute ein Landmann Korn auf einen wohlgedüngten
-Acker. Dort trieb ein Hirte eine wollige Heerde auf ein grasreiches
-Stoppelfeld.</p>
-
-<p>So entwickelte sich von einer Viertelstunde zur andern ein immer
-regeres Leben, bis endlich der helle Tag die Menschen und die Thiere in
-voller Thätigkeit sah.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Artikel_26"><b>26. Ehre dem Tapferen.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Declination der Artikel.)</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Der</em> Kasernenhof <em class="gesperrt">des</em> vierten Reiterregiments war
-<em class="gesperrt">der</em> Schauplatz <em class="gesperrt">einer</em> großen Festlichkeit. <em class="gesperrt">Der</em>
-Commandant <em class="gesperrt">des</em> Reiterregiments übergab nämlich <em class="gesperrt">dem</em>
-Wachtmeister <em class="gesperrt">der</em> dritten Schwadron das eiserne Kreuz erster
-Klasse. Dieser brave Mann hatte dem Feinde vor dem Festungswalle eine
-Fahne entrissen. Die vielen Wundennarben des Tapferen zeigten noch von
-dem harten Kampfe um den Siegespreis. Die Stirn des Wachtmeisters<span class="pagenum" id="Seite_29">[S. 29]</span>
-war von einer feindlichen Kugel gestreift; an der Hand sah man einen
-Bajonettstich; in dem rechten Arme saß zur Zeit noch eine Kugel, die
-noch einen bedeutenden Schmerz verursachte.</p>
-
-<p>Der Kasernenhof des Regiments war zu dieser Festlichkeit mit dem
-Laubwerke der Eiche geschmückt. An den Fenstern hingen Kränze. Ueber
-dem Haupteingange prangten des Königs Namenszug und das Wappen des
-Landes. Den Namenszug umflatterten eine Menge Fahnen. Vor dem Thorwege
-stand eine Art Ehrenpforte, deren Säulen bunte Blumenranken umspannen.
-Auf einem hohen Plumpenhäuschen, dem man ebenfalls ein festliches
-Gewand angelegt hatte, prangte die Fahne des Korps und wehte dem Helden
-ihre Grüße zu.</p>
-
-<p>Das Musikchor spielte vor der Uebergabe der Auszeichnung den neuesten
-Sturmmarsch der Infanterie und nach der Feier einen Choral. Die Rede
-des Commandanten rühmte an dem Wachtmeister den großen Muth, die
-ausgezeichnete Tapferkeit und das treue Soldatenherz.</p>
-
-<p>Der weite Kreis der Kameraden gönnte dem Braven den wohlverdienten
-Lohn. Eine solche Auszeichnung eines solchen Braven gab sogar einem
-Offiziere Veranlassung, bei Tische einen Toast auf ein so echtes
-Soldatenherz, wie der Wachtmeister besäße, auszubringen.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Artikel_27"><b>27. Die Rettung.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>An dem Ufer eines Flusses spielten die Kinder eines armen Webers aus
-dem nahen Städtchen D. Sie ließen zuerst den Drachen steigen, den der
-ältere Knabe aus den Blättern des alten Hauskalenders gefertigt hatte.
-An dem Kopfe des Drachen sah man ein Gesicht mit einem schwarzen Barte.
-An dem Schwanzende flatterte ein Büschel bunter Federn. Da der Wind
-dem Spiele nicht günstig war und den Drachen nicht tragen<span class="pagenum" id="Seite_30">[S. 30]</span> wollte,
-schritten die Kinder zu einer anderen Unterhaltung. Sie suchten an
-dem Ufer des Flusses Muschelschalen und bunte Steine. Mit den Steinen
-wollten sie dann nach einem Stabe werfen, auf den sie einen alten Topf
-gestürzt hatten. Allein bei dem Suchen der Steine und der Muscheln
-glitt der kleine Paul von dem Ufer aus und fiel in den Fluß.</p>
-
-<p>Sicher hätte das Kind des armen Webers den Tod in den Wellen gefunden,
-wäre nicht in dem nächsten Augenblicke ein Retter erschienen. Den Fluß
-daher kam nämlich der Diener eines Barons mit dem Pudel des Herrn.
-„Karo, <span class="antiqua">apporte</span>!“ rief der Diener dem Pudel zu und zeigte auf die
-Wellen und den mit dem Tode ringenden Knaben.</p>
-
-<p>Das Thier stürzte sich sogleich in das Wasser, schwamm dem Kinde nach,
-packte es an den Kleidern und zog es glücklich dem Ufer und den übrigen
-Kindern zu. Welch eine Freude unter den Geschwistern! Sie küßten dem
-Diener aus Dankbarkeit die Hand und hätten am liebsten auch den Pudel
-geküßt.</p>
-
-<p>Der kleine, ganz durchnäßte Knabe wurde nun sogleich der heimathlichen
-Hütte zugeführt, dort entkleidet, in ein wollenes Tuch eingeschlagen
-und in das Bette gebracht, in dem er sich noch im Laufe des Tages von
-seinem Schrecken wieder ganz erholte.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Artikel_28"><b>28. Mißgunst.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Wiederholung.)</p>
-
-<p>Ein Spitz und eine Katze zankten sich um ein Stück Fleisch. Der Spitz
-hielt es mit den Pfoten und die Katze mit dem Gebiß. Das Fleisch war
-gebraten und roch der Katze vortrefflich. Eben so sehr stach es dem
-Hunde in die Augen. Des Hundes Kraft war indeß stärker als das Gebiß
-der Katze und darüber ärgerte sich die letztere. Sie wehrte sich mit
-einer wahren Verzweiflung, denn sie wollte den Hund nicht Sieger sein
-lassen.</p>
-
-<p>Eine Viertelstunde wol mochte der Kampf gewährt haben.<span class="pagenum" id="Seite_31">[S. 31]</span> Ein Pudel hatte
-schon eine geraume Zeit von einer kleinen Entfernung aus dem Kampfe
-zugesehen. Ein Entschluß war längst bei ihm gefaßt. Die Beute sollte
-ein Frühstück für ihn werden. Das Kampfspiel aber schien ihm eine
-gewisse Unterhaltung zu gewähren.</p>
-
-<p>Jetzt indeß, nach Ablauf von etwa einer halben Viertelstunde, harrte er
-nur noch eines günstigen Augenblickes.</p>
-
-<p>Die Augen der Katze leuchteten immer feuriger. Der Kamm des Spitzes
-schwoll immer höher. Da plötzlich sprang der schlaue Pudel dazwischen.
-Ein Ruck, ein Schluck und das Fleisch war verschwunden.</p>
-
-<p>Einen Moment standen der Spitz und die Katze wie verblüfft. Bald aber
-zogen beide mit einem grimmigen Blicke auf den Räuber ab. Beide sahen
-jetzt ein, daß, da sie nur ein Stück Fleisch gehabt hatten, sie besser
-gethan hätten, eine friedliche Theilung vorzunehmen.</p>
-
-<div class="section">
-
-<h3 class="padtop1" id="Wortarten_Das_Zahlwort">Das Zahlwort.</h3>
-
-</div>
-
-<h4 id="Wortarten_Zahlwort_29"><b>29. Der Würfel.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Bestimmte Zahlwörter.)</p>
-
-<p>Der Würfel ist ein ganz regelmäßiger Körper. Er hat <em class="gesperrt">sechs</em>
-gleichgroße Flächen und <em class="gesperrt">zwölf</em> gleichlange Kanten. Die Flächen
-enthalten <em class="gesperrt">vierundzwanzig</em> rechte Winkel und bilden acht gleiche
-Ecken. Und hätten wir hundert oder auch tausend, ja eine Million
-verschiedene Würfel vor uns, wir würden an jedem ganz dieselben
-Verhältnisse entdecken.</p>
-
-<p>Die Würfel, welche zum Spielen bestimmt sind, hat man auf jeder Seite
-mit Punkten versehen. Wir erblicken da einen Punkt, zwei, drei, vier,
-fünf und sechs Punkte. Man spielt mit zwei, drei, sechs, acht, auch
-zehn Würfeln und zählt dann diejenigen Punkte zusammen, welche die
-obenauf liegenden Seiten zeigen. So kann man bei zwei Würfeln zwölf,
-bei drei<span class="pagenum" id="Seite_32">[S. 32]</span> achtzehn, bei fünf dreißig, bei zehn sogar sechzig Punkte
-oder Augen gewürfelt haben. Die niedrigste Zahl würden bei zehn Würfeln
-zehn Punkte sein.</p>
-
-<p>Das Spiel mit Würfeln ist nicht nur unterhaltend, sondern auch
-nützlich, indem man dabei eine Uebung im schnellen Zusammenzählen hat.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Zahlwort_30"><b>30. Ordnung.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Ordnungszahlen.)</p>
-
-<p>Der Lehrer Weizner hatte in seiner Klasse eine musterhafte Ordnung. Vom
-<em class="gesperrt">ersten</em> bis zum <em class="gesperrt">letzten</em> Schüler wußte jeder stets, was er
-zu thun hatte. Jeder Bankoberste hatte sein besonderes Aemtchen. So
-mußte z.&#160;B. der zweite Bankoberste die Schreibebücher, der dritte die
-Federn, der vierte die Rechenhefte, der fünfte die Bibeln austheilen.
-Der achte mußte für Reinlichkeit, der elfte für Lüftung des Zimmers
-sorgen. Dem zwölften lag das Abwischen der schwarzen Tafel ob. Kam
-der fünfundzwanzigste Tag des Monats, mußte der zehnte Bankoberste
-alle Censurbücher gesammelt haben. Diese aber durfte er nicht anders
-als wohlgeordnet übergeben. Es durfte z.&#160;B. das Censurbuch des
-fünfunddreißigsten Schülers nicht vor dem des vierunddreißigsten liegen.</p>
-
-<p>Die Schreibefedern wurden auf ein Bret gesteckt. Jede trug eine Nummer
-am Halter. Auch auf diesem Federbehälter mußte Ordnung herrschen. Neben
-der vierzehnten Feder mußte die fünfzehnte, neben der vierzigsten die
-einundvierzigste stecken, sodaß beim Austheilen kein Irrthum entstehen
-konnte und z.&#160;B. der neunzehnte Schüler auch die neunzehnte Feder bekam.</p>
-
-<p>Dieselbe eiserne Ordnung herrschte auch in Bezug auf die häuslichen
-Arbeiten. Jeden 15. oder 16. des Monats mußten die Aufsätze, jeden 10.,
-20. und 28. die Rechenbücher, jeden 12. und 24. die Geographiehefte
-eingegeben werden. In der 2.<span class="pagenum" id="Seite_33">[S. 33]</span> Stunde jedes 3. Wochentages wurden die
-gelernten Sprüche und Verse überhört.</p>
-
-<p>So wohlgeordnet ging es fort Jahr aus, Jahr ein, vom 1. bis zum 365.
-Tage. „Und hätte ich es Euch schon zum tausendsten Male gesagt“,
-begann eines Tages der Lehrer, „muß ich es Euch doch immer wieder in
-Erinnerung bringen, daß es Euch äußerst heilsam ist, wenn Ihr Euch
-schon in Eurem ersten Schuljahre an strenge Ordnung gewöhnt. Ihr
-könnt es darin bis zu Eurem achten, also bis zu Eurem vierzehnten
-Lebensjahre, weit bringen. Und ich bin gewiß, Ihr werdet es in Eurem
-60., 70. oder 80. meiner Strenge in diesem Punkte noch Dank wissen.“</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Zahlwort_31"><b>31. Christbescheerung.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Das unbestimmte Zahlwort.)</p>
-
-<p>Es war kurz vor Weihnachten, als sich die Schüler einer Klasse
-vereinigten, einer armen Familie eine kleine Festfreude zu bereiten.
-<em class="gesperrt">Alle</em> versprachen, irgend eine Gabe dazu mitzubringen.
-<em class="gesperrt">Mehrere</em> Knaben, und darunter der Klassenoberste, wurden
-beauftragt, die Gaben in Empfang zu nehmen. Schon nach wenig Tagen ging
-das Sammeln sehr lebhaft. Einige Schüler brachten Kartoffeln, viele
-ganze Brode herbei. Etliche lieferten Stollen, manche Pfefferkuchen
-und Nüsse. Mehrere brachten abgesetzte Kleidungsstücke, die aber
-größtentheils noch sehr brauchbar waren. Einzelne schenkten Bücher
-und Bilder. Eine Anzahl hatte es auf Bleistifte, Federn und Schiefer
-abgesehen. Fast jeder spendete zudem einige Aepfel und Nüsse. Gab jeder
-auch nur wenige, wurde doch schließlich eine Unzahl daraus. Keiner
-auch hatte verabsäumt, in seine Sparbüchse zu greifen, um auch etwas
-klingende Münze beizulegen. Die meisten dieser Geldstücke bestanden in
-Groschen und Fünfgroschenstücken.</p>
-
-<p>Daß die Geschenke so massenhaft eingehen würden, hatte<span class="pagenum" id="Seite_34">[S. 34]</span> sich keiner
-gedacht. Sämmtliche Schüler waren daher höchst erfreut, als sie am
-heiligen Abende in ihrer Schulstube die fast unzähligen Geschenke
-ausbreiten und ordnen konnten.</p>
-
-<p>Unbeschreiblich glücklich aber war die arme Familie mit ihren
-zahlreichen Kindern, die alle diese Geschenke bescheert erhielt. Sie
-hatte jetzt nur allein an Lebensmitteln mehr, als sie in geraumen
-Wochen verzehren konnte. Wiederholt dankten die Armen warm und herzlich
-und mehrmals traten ihnen die Thränen in die Augen. Die Schaar der
-kleinen Wohlthäter aber feierte nun das Weihnachtsfest noch einmal so
-vergnügt.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Zahlwort_32"><b>32. Die Feuersbrunst.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Zahlwörter zu Hauptwörtern erhoben.)</p>
-
-<p>Es war der <em class="gesperrt">Letzte</em> im Monat December, als in einem Dorfe, in
-welchem schon den <em class="gesperrt">Vierundzwanzigsten</em> vorher ein Bauergut
-abbrannte, abermals Feuer ausbrach. Der Nachtwächter war der Erste,
-der es bemerkte und Lärm machte. Ein großes Haus, das dritte westlich
-von der Kirche, stand in hellen Flammen. Fürchterlich klang das
-Geschrei der armen Thiere, die noch in dem Stalle staken und nicht
-herauskonnten. Von den Hunderten, die zur Hilfe herbeigeeilt waren,
-wagte Keiner die rettende That und wenn man ihnen Tausende geboten
-hätte.</p>
-
-<p>Da kamen zwei Wanderburschen des Weges daher. Diese Zwei, als sie das
-Gestöhne der Thiere vernahmen, entschlossen sich sofort, das Möglichste
-zur Rettung zu versuchen. Schleunigst warf jeder sein Bündel ab und
-gleich darauf sah man die kühnen Zwei auf allen Vieren zur Thür des
-brennenden Hauses hineinkriechen. Schon nach fünf Minuten waren die
-Thiere gerettet. „Wer sind diese Beiden?“ fragte man links und rechts.
-Es erfuhr indeß Niemand, wie sie hießen und wo sie her waren. Von Allen
-bewundert zogen die beiden Wanderburschen bald darauf ihres Weges
-weiter.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_35">[S. 35]</span></p>
-
-<h4 id="Wortarten_Zahlwort_33"><b>33. In der Strafanstalt.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Biegung des Zahlwortes.)</p>
-
-<p>Der Hauptmann von Lothardt war Direktor einer Strafanstalt. Er aber
-war durchaus kein Tyrann. <em class="gesperrt">Keinem</em> seiner Sträflinge machte er
-das Leben absichtlich schwer. <em class="gesperrt">Jedes einzelnen</em> Wohl lag ihm am
-Herzen. Was <em class="gesperrt">Andere</em> in gleicher Stellung mit unzähligen Flüchen
-zu erreichen suchten, erreichte er mit <em class="gesperrt">wenigen</em>, aber ernst
-mahnenden Worten.</p>
-
-<p>Jeden Sonntag nach der Frühkirche mußten sich sämmtliche Sträflinge,
-die unter seiner Aufsicht standen, aufstellen und dann hatte er allen
-und jedem etwas zu sagen. Den ersten, dritten und vierten erinnerte er
-vielleicht, mehr auf Reinlichkeit zu halten. Zweien, dreien oder vieren
-hielt er vielleicht ihr trotziges Wesen vor und dergleichen. Bei dieser
-Gelegenheit theilte er sämmtlichen Züchtlingen Einiges mit, was sich im
-Verlaufe einiger Tage oder der letzten Wochen in der Welt zugetragen
-habe. Manchem erzählte er, was er über dessen Familie daheim erfahren,
-wobei nicht selten in vieler Augen Thränen sichtbar wurden. Auch nahm
-er zu gleicher Zeit Wünsche und Bitten in Empfang, worunter etliche
-allerdings oft sehr sonderbarer Natur waren.</p>
-
-<p>Die jedesmaligen Bitten etlicher, heute einen Brief nach Hause
-schreiben zu dürfen, gewährte er gewöhnlich, obgleich ihm das
-Durchlesen sämmtlicher Briefe nicht leicht wurde.</p>
-
-<p>Auf diese Weise erwarb sich der Direktor Aller Herzen und den meisten
-Sträflingen gingen beim endlichen Abschiede von demselben die Augen
-über. Vieler Gemüther erfüllte aufrichtige Dankbarkeit gegen den
-väterlichen Freund. Und mißbrauchten auch einige diese Güte, blieb er
-sich um zweier oder dreier willen in seinem Verhalten gleich. Er sagte
-oft: „Um Weniger halber sollen nicht Alle leiden.“</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_36">[S. 36]</span></p>
-
-<h4 id="Wortarten_Zahlwort_34"><b>34. Im Kriege.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Wiederholung des Zahlwortes.)</p>
-
-<p>Es war den 5. September 1813, des Morgens gegen sechs Uhr. Fünfhundert
-Mann preußische Infanterie nebst drei Kanonen und etlichen Reitern
-nahmen Stellung gegen ein Dorf. Das Dorf bestand aus mehreren großen
-Gütern, einigen kleineren Gehöften und vielen zerstreut liegenden
-Hütten. Der Feind darin zählte gegen achthundert Mann nebst sieben
-Geschützen, die aber nur wenig Leute zur Bedienung hatten.</p>
-
-<p>Der Angriff erfolgte nicht blos von einer, sondern von mehreren Seiten.
-Kaum aber waren zwanzig Kanonenschüsse gefallen, begann auch schon der
-Sturm von Seiten der Preußen. Hierbei zeichneten sich einzelne Soldaten
-ganz besonders aus. Das war ein Laufen! Jeder wollte der Erste im Dorfe
-sein und Keiner für einen Feigling gelten.</p>
-
-<p>Bald standen sämmtliche Gebäude in Flammen. Nach fünfzehn Minuten war
-der Kampf entschieden. Die meisten Feinde flohen, viele wurden gefangen
-und gegen einhundertundfünfzig Mann bedeckten die Kampfplätze.</p>
-
-<p>Von den Preußen waren nur wenige gefallen, wohl aber hatte
-durchschnittlich der zehnte Mann eine Verwundung erhalten.</p>
-
-<div class="section">
-
-<h3 class="padtop1" id="Wortarten_Das_Fuerwort">Das Fürwort.</h3>
-
-</div>
-
-<h4 id="Wortarten_Fuerwort_35"><b>35. Ein Brief.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Persönliche Fürwörter.)</p>
-
-<p class="center">Lieber Robert!</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Du</em> wünschtest, so viel <em class="gesperrt">ich</em> gehört habe, ein Kaninchen von
-meinem Bruder zu besitzen. <em class="gesperrt">Ich</em> kann <em class="gesperrt">Dir</em> nun mittheilen,
-daß <em class="gesperrt">er</em> gern bereit ist, <em class="gesperrt">Dir</em> ein solches Thierchen zu
-schenken. Du sollst nur kommen und Dir eins aussuchen, dann wird er Dir
-es schicken.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_37">[S. 37]</span></p>
-
-<p>Wir würden uns freuen, wenn Du heute schon kämst und auch den Emil
-Kappler mitbrächtest. Wir würden dann mit Euch einen Spaziergang
-unternehmen und Euch in den nahen Wald führen, woselbst sehr viel
-Heidelbeeren stehen, die Ihr gewiß alle gern eßt. Sie schmecken dies
-Jahr ganz besonders süß. Wolltet Ihr das nicht, könnten wir auch mit
-Euch zu Pastors Kindern gehen. Sie haben sehr viel Bilderbücher und
-Spielzeug. Sie besitzen auch eine kleine Kegelbahn, auf der wir sehr
-viel Vergnügen finden würden.</p>
-
-<p>In der Hoffnung, daß Du vielleicht heute noch mit Deinem Bruder und dem
-Emil kommen wirst, und mit dem Versprechen, daß wir Euch so gut als
-möglich unterhalten werden, grüßt Dich</p>
-
-<p class="right mright2"><span class="mright6">Dein</span><br />
-Gustav Pernitz.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Fuerwort_36"><b>36. Schönheit bringt Gefahr.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Besitz anzeigende Fürwörter.)</p>
-
-<p>In einem Walde standen ein junger Tannenbaum und eine junge
-Fichte dicht neben einander. Beide stritten sich um <em class="gesperrt">ihre</em>
-gegenseitigen Vorzüge. Das Tannenbäumchen sagte: „<em class="gesperrt">Mein</em> Wuchs
-ist viel schlanker als <em class="gesperrt">deiner</em>. <em class="gesperrt">Meine</em> Aeste stehen weit
-regelmäßiger als die <em class="gesperrt">deinigen</em>. Die Farbe meiner Nadeln ist schön
-dunkelgrün und glänzend; die Rückseite derselben ist sogar in Silber
-getaucht. Dein Kleid dagegen macht gar kein Aufsehen, denn seine Farbe
-ist einfach und matt. Ueberhaupt hat unser Geschlecht etwas Nobles,
-während eure ganze Sippschaft ein gewöhnliches Aussehen bietet.“</p>
-
-<p>Die junge Fichte vertheidigte sich zwar, aber ihre Worte waren nicht
-so bitter. „Meine Gestalt und mein Gewand“, sagte sie, „sind nicht
-minder schön als dein Wuchs und dein Kleid. Unsere Aeste stehen
-dichter als eure und deshalb sind wir bei den kleinen Singvögeln
-beliebter. Ihre Lieder ertönen hell aus unsern Gipfeln und manches
-Vögelpärchen vertraut die Wiege<span class="pagenum" id="Seite_38">[S. 38]</span> seiner Kinder lieber unsern Zweigen
-an als den eurigen. Und wäre es wirklich wahr, daß dein Aeußeres das
-meinige an Reizen überträfe, so sei auf deiner Hut, daß dieser Vorzug
-nicht dein Unglück werde. Die Menschen sind schlimm und ihre scharfen
-Augen trachten oft nach dem Besten. Euer Geschlecht hat das schon oft
-empfinden müssen.“</p>
-
-<p>Das Fichtenbäumchen hatte wahr gesprochen. Als Weihnachten kam, trat
-ein Bauer mit seinem Knechte herbei und sprach zu letzterem: „Nimm
-Dein Beil und haue mir dieses Tannenbäumchen ab. Seine Gestalt gefällt
-mir. Es soll meinen Kindern zum Christbaume werden und auf ihrem
-Weihnachtstische stehen.“</p>
-
-<p>So wurde das Tannenbäumchen um seines schönen Aussehens willen
-frühzeitig gefällt, während die junge Fichte in ihrer einfachen
-Erscheinung unangetastet blieb und großwachsen konnte.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Fuerwort_37"><b>37. Die Natur.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Bezügliche Fürwörter.)</p>
-
-<p>Der Mensch, <em class="gesperrt">welcher</em> die Natur aufmerksam betrachtet und die
-Wunder, <em class="gesperrt">die</em> in <em class="gesperrt">ihr</em> vorgehen, beobachtet, wird viel
-Gewinn für sein Herz, <em class="gesperrt">das</em> ja für alles Schöne gern empfänglich
-ist, davon haben. Nicht blos der Sturm, der Bäume entwurzelt, sondern
-auch das Säuseln, das lind durch die Blätter zieht; nicht blos die
-Gletscher, die mit ihren Silberhäuptern über die Wolken emporragen,
-sondern auch das Sandkorn, welches von der leichten Welle des
-Waldbaches dahingespült wird; nicht blos die riesige Eiche, welche mit
-ihren markigen Armen einen weiten Luftkreis umspannt, sondern auch das
-Gänseblümchen, welches in schmucker Einfachheit zu unsern Füßen blüht,
-predigt uns die Allmacht Gottes.</p>
-
-<p>Der zarte Staubfaden, der im Innern der kleinsten Blume sitzt; das
-haarfeine Fühlhorn, das wir auf dem Kopfe der<span class="pagenum" id="Seite_39">[S. 39]</span> Mücke entdecken; die
-strahlende Thauperle, die des Morgens am Grashalme zittert: sie alle
-zeugen von der Weisheit des Schöpfers.</p>
-
-<p>Sieh den Sperling, welcher selbst im strengsten Winter auf der Straße
-sein Futter findet; die Raupe, welche an der saftigen Wolfsmilch
-nagt; das Käferlein, welches aus einem Blumenkelche trinkt: und
-Dein Vertrauen zu dem gütigen Schöpfer, der für alle Wesen, die er
-geschaffen, väterlich sorgt, wird sich wunderbar stärken.</p>
-
-<p>So gleicht die ganze Natur einem großen Buche, das auf jedem Blatte
-Nahrung für Dein Herz bietet.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Fuerwort_38"><b>38. Aberglaube.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Hinweisende Fürwörter.)</p>
-
-<p>Die Bäuerin Zuckerriedel zeigte sich ungemein abergläubisch. Sie war
-<em class="gesperrt">dieselbe</em>, welche eines Tages ein armes Bettelweib mit dem
-Stallbesen forttrieb, weil sie glaubte, <em class="gesperrt">dasselbe</em> sei eine
-Zauberin. Sie war auch <em class="gesperrt">diejenige</em>, welche sich allemal bekreuzte,
-so oft sie über einen Kreuzweg ging. Alles dasjenige, was in ihrem
-Kuhstalle vor sich ging, brachte sie mit dem Einflusse guter oder böser
-Geister in Verbindung. Denjenigen Fremden, der über ihre Schwelle trat,
-beobachtete sie mit mißtrauischen Augen und bald stand Dieser und
-Jener, der etwa einen Blick nach der Stallthüre geworfen hatte, bei ihr
-in üblem Verdachte.</p>
-
-<p>Ganz anders war ihr Nachbar, der Bauer Menzel. Derselbe, welcher
-allerdings die nöthige Schulbildung genossen hatte, erklärte frei und
-öffentlich: „Alles Dasjenige, was nach Aberglauben riecht, ist eine
-Lächerlichkeit.“</p>
-
-<p>Ganz Dasselbe sagte er auch zu seiner Nachbarin. Diese aber entgegnete
-ihm: „Derjenige, der mir so etwas sagen kann, sollte nur meine selige
-Großmutter gehört haben. Diese, welche<span class="pagenum" id="Seite_40">[S. 40]</span> sonst nicht eben leichtgläubig
-war, hat mir wiederholt erzählt, wie derselbe dreibeinige Hase, welcher
-noch heute zuweilen unser Gut umkreist, früher nachts in der zwölften
-Stunde vor der Stallthür gewesen ist und dieselbe angeniest hat.“</p>
-
-<p>„Nun so hört, was ich jetzt sage“, erwiderte Menzel. „Ich verspreche
-Demjenigen, der mir meine Ochsen, und Derjenigen, die mir meine Kühe
-behext, je zehn Thaler. Und dasjenige meiner Kinder, das von irgend
-Jemand beschrieen wird, soll diesem, bis dasselbe zwanzig Jahre alt
-ist, jedes Jahr einen Scheffel Weizen überbringen helfen. Das sage ich
-Euch und ganz Dasselbe will ich auch im ganzen Dorfe bekannt machen.“</p>
-
-<p>Die Bauerfrau erschrack beinahe über diese Tollkühnheit. Aber obgleich
-sich Niemand fand, der sich jenen Preis verdiente, wurde sie von ihrem
-Aberglauben doch nicht geheilt.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Fuerwort_39"><b>39. Räthselfragen.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Fragende Fürwörter.)</p>
-
-<p>„Heute will ich einmal eine kleine schriftliche Wiederholung mit Euch
-vornehmen“, sagte ein Lehrer eines Tages zu seinen Schülern. „Ich werde
-indeß meine Fragen so stellen, daß sie wie eine Art Räthsel klingen.
-Schreibt also folgende Fragen auf und die Antworten dahinter:</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Wer</em> hat das höchste Lebensalter erreicht? — <em class="gesperrt">Welche</em>
-Spinne halten viele Leute fälschlich für giftig? — <em class="gesperrt">Welcher</em>
-Kaiser starb auf der Insel St.-Helena? — Welches Thier frißt zuweilen
-seine Jungen? — Welchen Menschen nennt man einen Narren? — Welchem
-Volke gehörte zuerst Paulus an? — Was ließ Pilatus über das Kreuz
-Jesu schreiben? — Was für eine Art Bienen hat keinen Stachel? — Was
-für ein Insekt vermehrt sich am zahlreichsten? — Wessen Beruf ist mit
-viel Lebensgefahr verknüpft? — Welcher Blume zollt man das Lob der
-Bescheidenheit? — Wem verdanken wir die Entdeckung<span class="pagenum" id="Seite_41">[S. 41]</span> Amerikas? — Wen
-schlug das deutsche Heer bei Sedan? — Welche Rose trägt keine Dornen?“</p>
-
-<p>Die Schüler beantworteten diese Fragen und fast alle hatten die
-richtige Lösung gefunden.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Fuerwort_40"><b>40. Eine schreckliche Zeit.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Unbestimmte Fürwörter.)</p>
-
-<p>Noch im vorigen Jahrhunderte glaubte <em class="gesperrt">man</em>, daß <em class="gesperrt">Jeder</em>,
-der rothe, entzündete Augen habe, mit bösen Geistern in Verbindung
-stehe. Jedermann erkannte es darum auch für Recht, daß solche
-Menschen beseitigt würden. Man verbrannte sie daher öffentlich auf
-Scheiterhaufen. Niemand hatte Mitleid mit einem solchen unglücklichen
-Opfer. Ja, ließ irgend Jemand merken, daß er Bedauern fühle, kam er in
-Gefahr, für einen gehalten zu werden, der mit dem Bösen auch etwas zu
-thun habe. Wurde eine oder einer von diesen armen krankäugigen Menschen
-verbrannt, so veranlaßte dies sogar eine Art Volksfest. Man hörte wol
-gar, wie der und jener jubelte, wenn die Flammen über dem Unschuldigen
-zusammenschlugen. Schließlich wurde die Asche des Verbrannten in alle
-Winde zerstreut, damit nichts mehr an ihn erinnere.</p>
-
-<p>Gewiß dankt ein Jeder und eine Jede unter uns Gott, daß die Zeiten, da
-so etwas geschehen konnte, vorüber sind.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Fuerwort_41"><b>41. Ein Brief.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Wiederholung der Fürwörter.)</p>
-
-<p class="center">Lieber Freund!</p>
-
-<p>Deinen letzten Brief habe ich drei Tage später erhalten, als Du ihn
-geschrieben hast. Er ist bei meiner Tante liegen geblieben. Sie hatte
-denselben aus Versehen mit in ihre Papiere verpackt.</p>
-
-<p>Dein Portrait, welches Du mir in dem Briefe beigelegt hast, gefällt
-mir und meinen Geschwistern sehr. Es ist ganz<span class="pagenum" id="Seite_42">[S. 42]</span> Dein Ebenbild. Dieser
-und jener, dem wir es zeigten, meinte freilich, es läge etwas in den
-Zügen, was man bei Dir nicht fände. Unser Papa aber sagte, das sei der
-Ernst, welcher sich fast auf allen Photographien ausgeprägt finde, und
-es werde Niemand ein besseres Bild von Dir und insbesondere von Deinen
-Gesichtszügen herstellen können.</p>
-
-<p>Wer hat Dich denn eigentlich photographirt und was kostet das Dutzend
-solche Bilder? Du würdest mich sehr verbinden, wenn Du mir das in
-Deinem nächsten Briefe mittheiltest. So viel ich weiß, hat, außer uns,
-dies und jenes in unserer Familie die Absicht, sich auch portraitiren
-zu lassen. Es wird überhaupt dem und jenem unserer Bekannten lieb sein,
-zu erfahren, wer sich bei Euch in der Stadt als der beste Photograph
-bewährt.</p>
-
-<p>Nimm für jenes Geschenk meinen besten Dank! Ich werde dasselbe stets
-hoch in Ehren halten, es einrahmen lassen und über meinen Arbeitstisch
-hängen.</p>
-
-<p>Wie schon gesagt, werden wir uns auch photographiren lassen. Sobald
-diese Bilder fertig sind, sollen sie in Euer Album wandern. Es wird sie
-Dir Jemand überbringen, der sich nennt</p>
-
-<p class="right mright2"><span class="mright6">Deinen treuen Freund</span><br />
-Rudolph Melzer.</p>
-
-<div class="section">
-
-<h3 class="padtop1" id="Wortarten_Das_Zeitwort">Das Zeitwort.</h3>
-
-</div>
-
-<h4 id="Wortarten_Zeitwort_42"><b>42. Auf dem Lande.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Bezügliche Zeitwörter.)</p>
-
-<p>Theodor <em class="gesperrt">bewohnte</em> mit seinen Eltern eine Villa in der Stadt. Er
-<em class="gesperrt">zählte</em> etwa zwölf Jahre. Ihm <em class="gesperrt">gefiel</em> das Leben in der
-Stadt außerordentlich. Das Leben auf dem Lande <em class="gesperrt">kannte</em> er gar
-nicht, denn er hatte noch nie ein Dorf <em class="gesperrt">besucht</em>.</p>
-
-<p>Eines Tages aber sagte sein Vater zu ihm: „Theodor, heute werden wir
-eine kleine Reise unternehmen. Ziehe Deine Sonntagskleider an. Hänge
-Deine Botanisirtrommel um. Nimm<span class="pagenum" id="Seite_43">[S. 43]</span> Dein Spazierstöckchen und stecke Dein
-Notizbuch zu Dir. Wir werden heute unsern alten Onkel überraschen, der
-ein großes Bauergut besitzt. Das Leben und Treiben auf diesem Gute wird
-Dir gewiß Vergnügen bereiten.“</p>
-
-<p>Nach etwa zwei Stunden sahen Vater und Sohn das betreffende Dorf
-im Thale liegen. Bald war des Onkels Besitzthum vollends erreicht.
-Freundlich begrüßten sie den Alten. Herzlich hieß dieser die Gäste
-willkommen.</p>
-
-<p>Nachdem ein gutes Frühstück eingenommen war, verließ Theodor das
-Zimmer. Er wollte dem Hofe einen Besuch abstatten. Aber welches Leben
-entdeckte er hier! Welch buntes Treiben gewahrten seine Augen! Bunte
-Tauben pickten ihr Frühstück von der Erde auf. Eine alte Gans führte
-ihre Jungen dem nahen Teiche zu. Der Pfauhahn schlug ein Rad mit seinem
-Schweife. Schwalben bauten Nester unter das Dach. Junge Schweine
-durchwühlten den Düngerhaufen. Ammi, der Haushund, jagte den alten
-Kater über den Hof. Der Kettenhund bewachte eifrig das Thor und wollte
-seine Kette zersprengen, wenn er einen fremden Menschen gewahrte.</p>
-
-<p>Hier schirrte ein Knecht die Pferde ein und bespannte dann den Wagen.
-Ein anderer führte ein schmuckes Füllen aus. Ein dritter wetzte die
-Sense. Dort, auf einer Tenne, drasch man Getreide. Auf einer andern
-reinigte man Korn. Auf einer dritten siebte man Weizen.</p>
-
-<p>Auch die Kuhställe boten viel Unterhaltendes. Die Großmagd fütterte die
-Kühe. Die Mittelmagd streute ihnen frisches Stroh unter. Die Kleinmagd
-melkte die Ziege. Ein Ziegenböcklein neckte unaufhörlich seinen
-Nachbar, ein scheckiges Kälbchen. Eine Heerde Kaninchen knapperte
-frische Krautblätter. Oben im Hühnerstalle saßen zwei Hühner und legten
-Eier.</p>
-
-<p>Theodor durchstreifte jetzt auch den Garten. Wohin er sein Auge
-richtete, entdeckte er auch hier immer neue Bilder. Und<span class="pagenum" id="Seite_44">[S. 44]</span> so gewährte
-ihm das Landleben außerordentlich viel Freuden. Zuletzt wußte er nicht,
-sollte er das Stadt- oder das Landleben mehr loben.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Zeitwort_43"><b>43. Nach der Schlacht.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Unbezügliche Zeitwörter.)</p>
-
-<p>Die Waffen <em class="gesperrt">ruhen</em>. Die Kanonen <em class="gesperrt">schweigen</em>. Ihre Mündungen
-<em class="gesperrt">gähnen</em> stumm in die Nacht hinaus. Die Reiter <em class="gesperrt">sitzen ab</em>.
-Kein Säbel blitzt mehr im Sonnenglanze. Keine Flintenkugel heult und
-summt und zischt mehr durch die Luft. Die Soldaten hungern und dursten.
-Die Müdigkeit aber ist mächtiger als Hunger und Durst, und so liegen
-sie umher und schlafen. Nur der Wachtposten steht und lugt aufmerksam
-nach dem Schlachtfelde.</p>
-
-<p>Dort sitzt freilich noch Mancher und blutet. Dort liegt noch Mancher
-und stöhnt und jammert. Wohl lächelt der Sieg, wohl duftet schon der
-Siegeskranz, aber die Schmerzen der Wunden wüthen immer ärger und ärger
-und lassen keine Freude aufkommen. Viele der Armen wachen und wimmern
-die ganze Nacht, ohne daß ihnen Hilfe werden kann. Ihre Hoffnung auf
-Rettung schwindet endlich. Hunderte verscheiden noch. Die Zahl der
-Todten wächst mit jeder Stunde.</p>
-
-<p>Alle Aerzte sind beschäftigt, die Verwundeten zu verbinden. Ein Wagen
-nach dem andern fährt vor den Lazarethen vor, die Unglücklichen
-herbeizubringen. Die Sanitätssoldaten schwitzen bei ihrer anstrengenden
-Arbeit. Ganze Reihen mit Tragen, auf denen Verwundete liegen, kommen
-daher. Ja, das Elend nach einer Schlacht ist groß. Millionen jubeln und
-Tausende bluten!</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Zeitwort_44"><b>44. Arbeitsstunde.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Bezügliche und unbezüglich gebrauchte Zeitwörter.)</p>
-
-<p>Eines Morgens trat der Direktor in die Arbeitsräume seines Institutes.
-Er wollte sehen, ob sich alle Schüler nützlich<span class="pagenum" id="Seite_45">[S. 45]</span> beschäftigten. In dem
-einen Zimmer saßen Knaben, in dem andern Mädchen. Ein Blick über die
-Knaben hinweg sagte ihm, daß alle thätig waren. Walther <em class="gesperrt">schrieb</em>,
-Günther <em class="gesperrt">malte</em>, Berthold <em class="gesperrt">zeichnete</em>, Thomas rechnete, Ewald
-pappte, Rudolph schnitzte, Just heftete und Valentin las.</p>
-
-<p>Ebenso regsam ging es in der Mädchenklasse zu. Sophie nähte, Fanny
-strickte, Elfriede stickte, Olga häkelte, Rosalie flechtete, Susanne
-lernte auswendig, Ottilie studirte in einem Buche, Helene sang und
-Jenny wiederholte eifrig.</p>
-
-<p>Von hier ging der Direktor in die Küche, denn auch hier waren Mädchen
-beschäftigt. Er fand alle bei ihrer Arbeit. Lottchen kochte, Anna
-röstete, Louise bratete und Doris wusch auf.</p>
-
-<p>Eine Stunde später durchschritt der Direktor die Räume noch einmal,
-um sich nun genauer zu überzeugen, worauf sich denn eigentlich die
-verschiedenen Thätigkeiten seiner Schüler erstreckt hätten. Da fand er
-denn Folgendes: Walther <em class="gesperrt">schrieb einen Brief</em>, Günther <em class="gesperrt">malte
-eine Landschaft</em>, Berthold <em class="gesperrt">zeichnete einen Esel</em>, Thomas
-rechnete ein großes Divisionsexempel, Ewald pappte sich eine Mappe,
-Rudolph schnitzte ein Federkästchen, Just heftete ein Schreibebuch und
-Valentin las ein lustiges Märchen.</p>
-
-<p>In der Mädchenklasse sah er, daß Sophie eine Schürze nähte, Fanny einen
-Strumpf strickte, Elfriede ein Paar Schuhe stickte, Olga eine Börse
-häkelte, Rosalie einen Klingelzug flocht, Susanne ein Gedicht lernte,
-Ottilie die Pflanzenklassen studirte, Helene die Wacht am Rheine sang
-und Jenny die Reformationsgeschichte wiederholte.</p>
-
-<p>Als der Direktor in die Küche gehen wollte, kam ihm seine Frau
-entgegen. „Nun“, sagte er zu dieser, „was haben denn Deine kleinen
-Köchinnen heute geschafft?“</p>
-
-<p>„Lottchen“, erwiderte die Direktorin, „hat Suppe gekocht, Anna Kirschen
-geröstet, Louise ein Hühnchen gebraten und Doris<span class="pagenum" id="Seite_46">[S. 46]</span> Schüsseln und Teller
-aufgewaschen, denn das müssen die Mädchen auch lernen.“</p>
-
-<p>Der Direktor war mit dem Fleiße der Schüler sehr zufrieden und sprach
-ihnen sein Lob aus.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Zeitwort_45"><b>45. Eine Angstnacht.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Unpersönliche Zeitwörter.)</p>
-
-<p>In einem einsamen Felsenthale stand eine kleine, ärmliche Hütte. Darin
-saßen an einem schwülen Sommertage die Bewohner derselben, eine arme
-Bergmannsfamilie, bei ihrem Abendbrode.</p>
-
-<p>„Es <em class="gesperrt">wird</em> wol heute Abend noch <em class="gesperrt">regnen</em>“, sagte der Vater.
-„Es <em class="gesperrt">umwölkt</em> sich nach Sonnenuntergang zu.“</p>
-
-<p>„Leicht möglich“, erwiderte die Mutter, „es hat schon lange mit Regen
-gedroht.“</p>
-
-<p>„Es wird wol gar ein Gewitter geben“, sagte einige Minuten später der
-älteste Knabe. „Es blitzt schon und — höre ich recht — es donnert
-auch bereits in der Ferne.“</p>
-
-<p>Daraufhin ging der Vater hinaus, um nach dem Himmel zu sehen. „Es kann
-ein hartes Gewitter kommen“, meinte er bei seiner Rückkehr. „Es tost
-und braust gewaltig in der Ferne. Und oben in den Tannen rauscht und
-heult es, als ob das wüthende Heer im Anzuge wäre.“</p>
-
-<p>Binnen einer Viertelstunde stand das Gewitter über dem Thale und ein
-furchtbarer Sturm brach los. „Hört nur“, sagte die Mutter bänglich,
-„wie es draußen tobt und saust und wirthschaftet! Es gießt wie mit
-Gießkannen! Hu! wie es den Hausgiebel peitscht und wie es an die
-Fenster schlägt! Still! Krachte es nicht jetzt auf dem Dache?“</p>
-
-<p>Alle lauschten. „Der Sturm wird einen Balken losgelöst haben“, sagte
-der Vater. „Hört nur auch, wie es in den alten<span class="pagenum" id="Seite_47">[S. 47]</span> Schindeln rasselt und
-hämmert und klappert! Das Dach wird morgen gut aussehen.“</p>
-
-<p>Kaum hatte der Vater diese Worte gesprochen, zuckte ein mächtiger Blitz
-durch die Nacht und gleich darauf folgte ein furchtbarer Schlag. „Jetzt
-hat es sicher eingeschlagen“, rief der zehnjährige Gotthelf entsetzt.</p>
-
-<p>„Sei nur ruhig, mein Sohn“, tröstete die Mutter, „es täuscht dies auch
-oft.“</p>
-
-<p>„Horch!“ versetzte bald darauf der ältere Knabe. „Es läutet drüben auf
-der Kapelle. Es muß irgendwo brennen!“</p>
-
-<p>„Es schlägt vielleicht bloß zehn Uhr“, entgegnete der Vater.</p>
-
-<p>„Nein, nein“, sagte jener wieder, „ich höre es ganz deutlich, daß es
-stürmt.“</p>
-
-<p>Wieder gebot jetzt die Mutter, aufzuhorchen. „War mir’s doch“, sagte
-sie, „als ob es draußen unter den Fenstern wimmere! Ja, ja, ganz
-sicher! Es wimmert und weint und schluchzt! Horcht! Jetzt klopft es an
-die Thür! Wer mag das sein?“</p>
-
-<p>Der Vater eilte hinaus und brachte einen Bettler mit seinem jammernden
-Kinde herein. Der Arme hatte sich verirrt und bat um Obdach für diese
-Nacht, was ihm gern gewährt wurde.</p>
-
-<p>Es wetterte, schloßte und hagelte wohl noch eine Stunde fort. Erst
-gegen Mitternacht verzog sich das Gewitter und ließ die armen Leute zur
-Ruhe gehen.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Zeitwort_46"><b>46. Auf dem Spielplatze.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Abwandlung der Zeitwörter nach den Personen.)</p>
-
-<p>„Ich <em class="gesperrt">spiele</em> gern Soldaten“, sagte Bruno, als eine Anzahl Knaben
-beriethen, womit man sich unterhalten wolle. „Aber ich weiß schon“,
-wendete er sich an Karl, „Du <em class="gesperrt">spielst</em> lieber Jagd. Und Otto dort
-hat auch keine Lust dazu. Er <em class="gesperrt">spielt</em> am liebsten Räuber.“</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_48">[S. 48]</span></p>
-
-<p>„Nun, wißt Ihr was“, sagte Otto, „damit Jeder freie Wahl hat, theilen
-wir uns in drei Gruppen. Wir spielen Räuber und Ihr dort spielt
-Soldaten.“</p>
-
-<p>„Und die Uebrigen?“ fragte Bruno.</p>
-
-<p>„Sie spielen Jagd“, sagte Otto.</p>
-
-<p>„Was soll denn aber die kleine Marie dort spielen?“ fragte Robert.</p>
-
-<p>„Sie spielt einstweilen mit ihrer Puppe“, versetzte Arno.</p>
-
-<p>„Und das kleine Suschen?“ fragte Robert wieder.</p>
-
-<p>„Es spielt natürlich mit der Marie“, erwiderte Arno.</p>
-
-<p>„Du lachst, Otto?“ fragte plötzlich Arno.</p>
-
-<p>„Ich lache“, versetzte Otto, „weil Emil dort solch schnurrige Grimassen
-macht. Sieh nur hin, er lacht selbst über sich.“</p>
-
-<p>„Ach so“, sagte Arno, „ich glaubte, Du lachtest über mich.“</p>
-
-<p>Das Spielen begann. Die Kinder hatten sich in drei Gruppen getheilt und
-überall ging es lustig zu. Da auf einmal entstand bei der einen Partei
-ein helles Gelächter.</p>
-
-<p>„Ihr lacht doch nicht etwa über uns hier?“ rief Arno hinüber.</p>
-
-<p>„Nein“, rief Otto zurück, „wir lachen wieder über den Emil, den kleinen
-Kobold.“</p>
-
-<p>„Und was lachen denn die fremden Kinder dort drüben, die gar nicht zu
-unserer Gesellschaft gehören?“ fuhr Arno fort.</p>
-
-<p>„Ach, so laß sie doch“, sagte Otto. „Sie lachen, weil wir lachen, und
-das kann uns durchaus nicht stören.“</p>
-
-<p>Nachdem die Kinder eine Stunde gespielt hatten, fingen sie zum Schlusse
-auch noch an zu singen. Besonders war es ein Liedchen, das sie gern
-immer und immer wieder sangen. In demselben kam der Vers mit vor:</p>
-
-<div class="poetry-container">
-<div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse indent0">Ich singe, du singest, er singt!</div>
- <div class="verse indent0">Wie herrlich ein Liedchen doch klingt!</div>
- <div class="verse indent0">Was immer die Tage auch bringen,</div>
- <div class="verse indent0">Wir singen, ihr singet, sie singen.</div>
- </div>
-</div>
-</div>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_49">[S. 49]</span></p>
-
-<h4 id="Wortarten_Zeitwort_47"><b>47. Ein Feriengespräch.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Abwandlung des Zeitwortes nach der Zeit.)</p>
-
-<p>„Was machst Du denn da?“ fragte Bernhard, als er zu Horst ins Zimmer
-trat.</p>
-
-<p>„<em class="gesperrt">Ich zeichne</em>“, erwiderte Horst.</p>
-
-<p>„Womit hast Du Dich denn gestern Nachmittag beschäftigt, Horst?“ fragte
-Bernhard wieder.</p>
-
-<p>„<em class="gesperrt">Ich habe</em> auch <em class="gesperrt">gezeichnet</em>“, gab Horst zur Antwort.</p>
-
-<p>„Ich glaubte, Du hättest Klavier gespielt, als ich vorbeiging“, sagte
-Bernhard.</p>
-
-<p>„Nein, da hast Du Dich getäuscht, Bernhard“, erwiderte Horst. „<em class="gesperrt">Ich
-zeichnete</em>.“</p>
-
-<p>„Sicher aber arbeitetest Du nicht mehr“, sagte Bernhard, „als es abends
-neun Uhr geschlagen hatte, denn um diese Zeit, sah ich kein Licht mehr
-in Deinem Zimmer.“</p>
-
-<p>„Allerdings“, entgegnete Horst. „Als es neun Uhr schlug, erholte ich
-mich im Garten. Ich hatte da meine Landschaft fertig gezeichnet.“</p>
-
-<p>„Was wirst Du denn morgen vornehmen?“ fragte Bernhard weiter.</p>
-
-<p>„Ich werde wieder zeichnen und zwar einen Affenkampf“, antwortete Horst.</p>
-
-<p>„Und wann gedenkst Du damit fertig zu sein?“ sagte Bernhard.</p>
-
-<p>„Ich werde dieses Bild hoffentlich schon nächsten Sonntag fertig
-gezeichnet haben“, meinte Horst. „Aber, sage mir, Bernhard“, fuhr er
-fort, „was treibst Du denn jetzt, während der Ferien?“</p>
-
-<p>„Ich schreibe, ich lese, ich turne, ich bade und so weiter“, erwiderte
-Bernhard.</p>
-
-<p>„Womit vertriebst Du Dir denn gestern die Zeit?“ fragte Horst wieder.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_50">[S. 50]</span></p>
-
-<p>„Mit Allerhand“, sagte Bernhard. „Ich habe gemalt, an meiner Festung
-gebaut und einen Luftballon gefertigt.“</p>
-
-<p>„Und was machtest Du vorgestern“, fuhr Horst fort, „als das
-fürchterliche Gewitter kam?“</p>
-
-<p>„Was sollte ich thun?“ erwiderte Bernhard. „Ich ging in der Stube auf
-und ab, ich stellte meine Soldaten auf, ich hörte auf die herrlichen
-Donnerschläge und sah nach den prächtigen Blitzen. Als das Gewitter
-vorüber war, lobte mich mein Vater, denn ich hatte nicht die geringste
-Furcht gezeigt; ich hatte gespielt wie immer und hatte sogar meinen
-kleinen Geschwistern noch Muth zugesprochen.“</p>
-
-<p>„Wollte nicht Dein Vater verreisen?“ fragte Horst weiter. „Was wirst Du
-denn dann anfangen, wenn Du allein bist?“</p>
-
-<p>„Ich werde fleißig spazieren gehen und werde auch meinen Onkel einmal
-besuchen“, sagte Bernhard.</p>
-
-<p>„Wolltest Du nicht auch Deine Tante in Berlin einmal besuchen?“
-versetzte Horst wieder.</p>
-
-<p>„Dies Jahr noch nicht“, entgegnete Bernhard. „Uebers Jahr aber werde
-ich mir so viel Geld gespart haben, daß ich diese Reise unternehmen
-kann.“</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Zeitwort_48"><b>48. Aus einem Tagebuche.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Die Aussageweise.)</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Ich stand um sechs Uhr auf.</em> Ich glaubte, <em class="gesperrt">es regne</em>, es
-war indeß blos der Wind, der an den Giebel blies. Wenn <em class="gesperrt">es wirklich
-geregnet hätte, würde ich mich</em> auch geärgert haben. Mein Vater
-sagte nämlich gestern Abend noch: „Kinder! Morgen früh zeitig aus den
-Federn! Ja nicht verschlafen! Ihr sollt mit mir in die Heidelbeeren
-gehen.“</p>
-
-<p>„Ach, wäre doch nur ein schöner Morgen!“ dachten wir in unserer
-Freude. „Schiene doch die Sonne morgen früh recht<span class="pagenum" id="Seite_51">[S. 51]</span> klar und freundlich
-hernieder!“ sagte Bruder Johannes beim Zubettgehen noch.</p>
-
-<p>Der Morgen war schön. Wir alle hofften, im Walde einige frohe Stunden
-zu verleben. Wir hätten schon um sieben Uhr aufbrechen können, wäre
-Eduard nicht so saumselig mit seinem Anziehen gewesen.</p>
-
-<p>„Jetzt die Botanisirtrommel auf den Rücken und vorwärts!“ befahl
-endlich der Vater.</p>
-
-<p>Wie lustig hüpften wir dahin! Wie freuten wir uns auf das Frühstück mit
-blauen Beeren! „Wären wir nur schon dort!“ sagte Johannes wiederholt
-unterwegs.</p>
-
-<p>Endlich langten wir im Walde an. Zu unsern Füßen stand der saftige
-Frühstückstisch. Man glaubte, einen mit schwarzen Perlen gestickten
-grünen Teppich zu erblicken. Wir würden sofort an die süße Arbeit
-gegangen sein, hätte nicht der Vater jetzt gerufen: „Halt! Erst fünf
-Minuten abkühlen!“ — Wie sehnsüchtig blickten wir alle nach den
-herrlichen Beeren hin! „Daß doch die fünf Minuten schon um wären!“
-wünschten wir alle.</p>
-
-<p>Endlich begann der Schmaus. Jeder aß nach Herzenslust. Ich meinte
-anfänglich, ich äße die meisten Beeren, aber Eduard war doch noch
-fleißiger. Er sagte auch scherzend: „Wenn es möglich wäre, äße ich
-einen ganzen Scheffel voll!“</p>
-
-<p>Nach etwa einer Stunde mochte der Vater meinen, wir könnten nun genug
-haben. „Jetzt Schicht!“ befahl er. „Alle her zu mir! Keine Beere mehr
-anrühren!“</p>
-
-<p>Wir gehorchten. Johannes aber sagte mit einem tiefen Seufzer: „Ach,
-hätte ich nur noch fünf Minuten zulangen dürfen!“ Der Vater hatte dies
-gehört und erwiderte: „Wollte doch Monsieur Johannes einsehen, daß
-allzuviel ungesund ist!“</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_52">[S. 52]</span></p>
-
-<h4 id="Wortarten_Zeitwort_49"><b>49. Ein Sommertag.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Mittelwort der Gegenwart.)</p>
-
-<p>Es war ein <em class="gesperrt">reizender</em> Julitag. Auf den weithin sich
-<em class="gesperrt">dehnenden</em> Wiesen lag <em class="gesperrt">duftendes</em> Heu. Singende Schnitter
-mähten mit ihren blitzenden Sensen die wogenden Kornfelder. Hier
-trabten wiehernde Rosse mit einem leeren, rasselnden Erntewagen daher.
-Dort fuhr ein anderer, die goldglänzenden Garben hochaufgethürmt,
-langsam und mit schwankender Bewegung der Scheune zu. Ueberall sah
-man eifrig arbeitende und emsig schaffende Landleute mit glühenden
-Gesichtern und schweißtriefenden Stirnen.</p>
-
-<p>An den noch grünenden Hügeln weideten blökende Heerden mit lieblich
-tönenden Glocken. In dieses anheimelnde Geläute mischte sich das
-jodelnde Lied und die knallende Peitsche der Hirten. Aus dem unzählige
-Früchte bergenden Walde erklangen die jubelnden Stimmen der eifrig
-pflückenden Heidelbeergänger.</p>
-
-<p>Um die bunt leuchtenden Blumen auf den Rainen und an dem murmelnden
-Bache tanzten flatternde Falter, schwirrten schillernde Käfer, summten
-Honig suchende Bienen.</p>
-
-<p>Ueber dem Allen aber schwebte am lachenden Himmel die trillernde
-Lerche, den allliebenden Schöpfer preisend, dessen segnende Hand die
-nährenden und erquickenden Gaben alle gespendet.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Zeitwort_50"><b>50. Unter dem Kreuze.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Mittelwort der Vergangenheit.)</p>
-
-<p>An einem <em class="gesperrt">vielbegangenen</em> Feldwege stand ein <em class="gesperrt">gezimmertes</em>
-Holzkreuz mit dem <em class="gesperrt">gekreuzigten</em> Heilande. Das aus Kupfer
-getriebene, bemalte Bild zeigte hier und da durchlöcherte Stellen. Die
-beschädigten Theile rührten von den Geschossen einer unlängst hier
-geschlagenen Schlacht her.</p>
-
-<p>Vor diesem entstellten und zersplitterten Krucifixe lag ein<span class="pagenum" id="Seite_53">[S. 53]</span>
-verwundeter Krieger. Sein abgezehrtes Gesicht zeugte von entsetzlichen
-Qualen. Sein umflortes Auge ließ auf einen baldigen Tod schließen.
-Der zerfetzte und beschmutzte Waffenrock, die verbogene Säbelscheide,
-der eingedrückte Feldkessel und der unverschlossene Tornister mit dem
-geleerten Brodbeutel vollendeten das Bild des Jammers.</p>
-
-<p>Die abgemagerten Hände des gänzlich entkräfteten Kriegers falteten sich
-zum Gebete. Er hob den halbgebrochenen Blick zum sonnenbeleuchteten
-Kreuze empor. Seine erblaßte, vom Schmerze umzuckte Lippe lallte nur
-noch abgebrochene Worte. „Meine Mutter!“ war sein letzter Ausruf. Das
-erloschene Auge schloß sich und der tapfere Krieger war eine Leiche.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Zeitwort_51"><b>51. Ein Stück Kriegsarbeit.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Mittelwort der Zukunft.)</p>
-
-<p>Die <em class="gesperrt">zu stürmende</em> Schanze lag auf einer bedeutenden Anhöhe. Die
-dabei <em class="gesperrt">zu überwindenden</em> Hindernisse sahen drohend aus. Das zum
-Angriffe zu ordnende deutsche Heer schaute nicht ohne Besorgniß nach
-den zu übersteigenden Wällen empor. Das zu verwendende Geschütz und
-die zu benutzenden Sturmleitern standen bereit. Die zu verschießenden
-Bomben lagen hochaufgethürmt.</p>
-
-<p>Jetzt wurden die zu besetzenden Punkte bezeichnet und die Orte der zu
-grabenden Minen erwählt. Der commandirende General war der Ansicht, das
-zu eröffnende Feuer müsse gleich mit allem Nachdrucke gegeben und das
-zu verwendende Pulver dürfe gleich anfänglich nicht geschont werden,
-damit die zu besiegende Schanzenmannschaft einen heilsamen Schrecken
-bekäme.</p>
-
-<p>Der Kampf begann. Die Kugeln durchwühlten die zu erringenden Wälle. Die
-zu beseitigenden Palissaden stürzten von den schweren Geschossen und
-füllten die zu übersteigenden Gräben.</p>
-
-<p>Endlich erfolgte der Sturm. Der zu überwältigende Feind<span class="pagenum" id="Seite_54">[S. 54]</span> wehrte sich
-tapfer. Die zunächst zu erobernden Vorwälle feuerten mörderisch. Aber
-umsonst. Der zu vollführende Befehl der Deutschen hieß: „Siegen oder
-sterben!“ Binnen einer Stunde war die zu nehmende Schanze in deutschen
-Händen.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Zeitwort_52"><b>52. Das Brod.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Leideform.)</p>
-
-<p>Die Mittagsglocke <em class="gesperrt">wird</em> geläutet. Der Tisch <em class="gesperrt">wird</em> gedeckt.
-Wir setzen uns daran. Das Gebet <em class="gesperrt">wird</em> gesprochen. Messer, Gabeln,
-Löffel und die Zähne <em class="gesperrt">werden</em> in Bewegung gesetzt. Fleisch, Gemüse
-und Brod werden gegessen. Das liebe Brod! Es wird sowohl an der Tafel
-des Kaisers als am Tische des Bettlers genossen. Wohl des Tages dreimal
-wird Brod von uns gegessen. Wie selten aber denken wir daran, wie es
-erzeugt wird, wie viel Hände dabei in Thätigkeit gesetzt und wie viel
-Schweißtropfen dabei vergossen werden.</p>
-
-<p>Zuerst muß der Acker gedüngt werden. Dann wird er gepflügt und geeggt.
-Darauf wird er von der Hand des Landmannes mit Samen bestreut.
-Erdklöse, die durch ein abermaliges Eggen nicht zerkleinert worden
-sind, werden nicht selten jetzt noch durch eine Walze zermalmt.</p>
-
-<p>Durch geheimnißvolle Kräfte wird nun der Keim in dem Korn entwickelt.
-Die Saat geht auf. Durch Sonnenschein und Regen wird sie von Tag zu Tag
-größer gezogen. Die Halme werden kräftiger. Nach mehreren Wochen werden
-die Aehren angesetzt. Sie blühen. Durch den Blütenstaub wird das Korn
-befruchtet. Es entwickelt sich. Bald darauf werden die Halme von der
-Sonne gebleicht und die Fruchtkörnchen gehärtet.</p>
-
-<p>Jetzt wird das Korn gemäht und in die Scheune gebracht. Hier werden die
-Garben ausgedroschen, die Körner gesiebt, gereinigt und in die Mühle
-gebracht. Dort werden sie gemahlen und somit in Mehl verwandelt. Das
-Mehl wird dem Bäcker<span class="pagenum" id="Seite_55">[S. 55]</span> überliefert und von diesem in einen Backtrog
-geschüttet. Hierauf wird es mit Wasser und Sauerteig vermengt und zu
-einem Teige geknetet. Dieser Teig wird nun eine Zeit lang der Gährung
-überlassen.</p>
-
-<p>Ist die Gährung erfolgt, wird der Teig zu Kugeln geformt und diese
-werden in den heißen Backofen geschoben. Damit die Brode Glanz
-bekommen, werden sie mit Wasser überstrichen. Sind sie gebacken, werden
-sie endlich in die frische Luft gestellt, damit sie abkühlen. Jetzt
-erst ist das Brod fertig.</p>
-
-<p>Daß doch kein Bissen Brod gegessen werden möchte ohne den Gedanken,
-daß es vom lieben Gott gegeben wird und daß unzählige Schweißtropfen
-vergossen werden müssen, ehe wir es auf unsern Tisch bekommen.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Zeitwort_53"><b>53. Die Berufswahl.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Wiederholung der Formen des Zeitwortes.)</p>
-
-<p>„Du mußt Dich nun ernstlich entschließen“, sagte ein Vater zu seinem
-Sohne, „was Du einmal werden willst. Du zählst bereits vierzehn Jahre
-und kannst nun wissen, welche Berufsart Dich am meisten anspricht.“</p>
-
-<p>„Ich will die Gärtnerei erlernen“, erwiderte August, „da kann man doch
-immer im Freien arbeiten, schalten und walten.“</p>
-
-<p>Der Vater erklärte sich damit einverstanden und brachte den Knaben zu
-einem Lehrherrn. Bald aber kam August wieder nach Hause und klagte, er
-müsse zu viel hacken, graben, harken und sich bücken und überhaupt zu
-viel arbeiten. Er wolle lieber Jäger werden, da könne er den grünen
-Wald durchstreifen, das muntere Wild verfolgen, auf weichem Moose
-ruhen; und wenn es auch einmal regne oder schneie oder stürme, das sei
-schon zu ertragen und solle ihn nicht verdrießen.</p>
-
-<p>Der Vater ließ sich bewegen und bald studirte August in einem
-Forsthause.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_56">[S. 56]</span></p>
-
-<p>Allein auch das Leben im Walde gefiel ihm nicht lange. Es war ihm
-unbequem, daß er früh zeitig aufstehen, seinem Herrn die Stiefel putzen
-und wichsen und die Kleider klopfen und bürsten mußte. Er beschloß
-jetzt, ein Fischer zu werden. „Ein Fischer“, dachte er, „kann alle Tage
-auf den klaren Wellen umhergondeln. Er braucht nur das Netz auszuwerfen
-oder die Angelschnur in das Wasser zu halten, und die Fische fangen
-sich von selbst.“</p>
-
-<p>So wanderte August zu einem Fischer in die Lehre. Sehr bald indeß
-verdroß ihn auch diese Beschäftigung. Daß er rudern, steuern, Netze
-stricken und flicken und oft im Wasser waten müsse, hatte er sich nicht
-gedacht. Jetzt bat er seinen Vater, ein Koch werden zu dürfen. „Ein
-Koch kann Tag für Tag etwas Gutes essen und trinken“, meinte er. „Er
-kann nie vom Hunger geplagt werden. Er steht stets vor dem Feuer und
-kann nie frieren. Er braucht sich auch nicht sonderlich zu mühen und zu
-plagen, denn das Essen kocht ja ganz allein.“</p>
-
-<p>Was aber geschah? Schon nach vier Wochen kehrte August klagend und
-jammernd auch aus dieser Lehre zurück. Jetzt hatte ihm wieder nicht
-gefallen, daß er Kartoffeln schälen, Möhren schaben, Gurken hobeln,
-Pfeffer stoßen, Kaffee mahlen, Geflügel rupfen mußte und dergleichen.</p>
-
-<p>Da aber tadelte ihn sein Vater aufs ernstlichste und sagte: „Wenn Du
-so fortfährst und keine Lasten ertragen lernen willst, wirst Du es zu
-nichts bringen und Du wirst schließlich zu den Taugenichtsen gezählt
-werden. Darum gehe jetzt auf der Stelle wieder zu Deinem letzten
-Lehrherrn, bitte ihn um Verzeihung, lerne arbeiten und gehorchen und
-die kleinen Unannehmlichkeiten geduldig hinnehmen. Niemals aber vergiß,
-daß jeder Beruf seine Lust und seine Last mit sich führt.“</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_57">[S. 57]</span></p>
-
-<h4 id="Wortarten_Zeitwort_54"><b>54. Ein Zwist.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Das Hilfszeitwort.)</p>
-
-<p>„<em class="gesperrt">Ich bin</em> sehr böse, daß Du in meinem Schränkchen <em class="gesperrt">gewesen
-bist</em>“, sagte Laura zu ihrem Bruder Paul, der etwas naschhaft war.
-„<em class="gesperrt">Ich hatte</em> sechs Aepfel darin und habe nur noch drei Stück.
-Ich werde auch nicht eher wieder gut werden, bis ich von Dir das
-Versprechen habe, daß Du mir drei andere schenken werdest. Und das
-wirst Du doch thun? Wir Schwestern sind nie in Eure Schränke gegangen.
-Ihr dagegen seid schon oft in den unserigen gewesen.“</p>
-
-<p>„Nun gut“, sagte Paul, „wenn der Onkel seine Obsternte gehalten haben
-wird und ich bei ihm gewesen sein werde, sollst Du Deine drei Aepfel
-wieder haben. Ich wurde durch einen plötzlichen Aepfelappetit in Deinen
-Schrank verleitet. Seitdem ich aber überzeugt worden bin, daß Du das
-übel genommen hast und böse auf mich bist, thut es mir leid! Also magst
-Du nur einige Tage Geduld haben und guter Hoffnung sein. Der Verlust
-soll Dir reichlich ersetzt werden.“</p>
-
-<p>„Ich habe immer Vertrauen zu Dir gehabt“, erwiderte Laura, „und bin von
-Dir in Bezug auf ein Versprechen noch nie getäuscht worden. Du wirst
-gewiß auch diesmal ein Mann von Wort sein.“</p>
-
-<p>Die Obsternte hatte stattgefunden. Paul war bei dem Onkel gewesen.
-Laura wurde befriedigt. Sie konnte mit dem Ausgleiche sehr zufrieden
-sein, denn ihr Aepfelverlust war dreifach ersetzt worden.</p>
-
-<p>„Nicht wahr“, sagte Paul lachend zu ihr, „nun bist Du nicht mehr böse
-und wir sind wieder gute Leute?“</p>
-
-<p>„Aller Grimm, den ich in mir gehabt habe“, scherzte Laura „soll für
-immer getödtet sein. Du hast es ja auch nur zu gut gewußt, lieber Paul,
-daß ich es gar nicht so böse gemeint haben konnte. Ich würde auch
-wieder gut gewesen sein, wenn ich die Aepfel nicht ersetzt bekommen
-hätte.“</p>
-
-<div class="section">
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_58">[S. 58]</span></p>
-
-<h3 class="padtop1" id="Wortarten_Die_Umstandswoerter">Die Umstandswörter.</h3>
-
-</div>
-
-<h4 id="Wortarten_Umstandswoerter_55"><b>55. Die Verirrten.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Umstandswörter des Ortes.)</p>
-
-<p>Lorenz und Albert waren in den Wald gegangen, um <em class="gesperrt">dort</em> Erdbeeren
-zu suchen. Der Wald lag <em class="gesperrt">seitswärts</em> von ihrem Dorfe und zwar
-<em class="gesperrt">hochoben</em> auf einem Bergrücken. Bei dem Erdbeersuchen daselbst
-aber hatten sich die Knaben verirrt und wußten zuletzt nicht mehr, ob
-sie rechts oder links, vorwärts oder rückwärts gehen sollten. Nirgends
-auch stießen sie auf irgend einen Pfad.</p>
-
-<p>Nachdem sie etwa eine Stunde hin und her und auf und nieder geirrt
-waren, fingen sie an zu rufen. Sie riefen überall hin, aber von keiner
-Seite kam eine Antwort. Und wieder liefen sie bald hierhin, bald
-dorthin, nach einem Ausgange suchend.</p>
-
-<p>Schon ging die Sonne unter und Dämmerung sank in den Wald herab. Da
-wurde den Knaben ernstlich bange. „Westlich“, sagte Lorenz, „dürfen
-wir unbedingt nicht weiter gehen. Wir müssen uns ostwärts halten. Auch
-dürfen wir nicht aufs neue aufwärts, sondern müssen abwärts steigen.“</p>
-
-<p>„Weißt Du was“, erwiderte Albert, „laß uns hier, rechts von dieser
-Felswand, hinabklettern. Ich glaube, dort unten muß unser Thal liegen.“</p>
-
-<p>Lorenz stimmte diesem Vorschlage bei und so kletterten die Knaben den
-Abhang hinunter. Lorenz, als der Aeltere, stieg voran, Albert dagegen
-hielt sich mehr hinten.</p>
-
-<p>Der Weg war nicht ungefährlich, denn es rollten sehr oft Steine von
-oben herab, auch gab es links und rechts kleine Schluchten.</p>
-
-<p>Nach einem halbstündigen Marsche gelangten sie endlich, zu ihrer großen
-Freude, hinab in ein breites Thal. Hier sahen sie ein Licht von drüben
-herüberschimmern. Auf dieses Licht steuerten<span class="pagenum" id="Seite_59">[S. 59]</span> sie zu. Unterwegs stießen
-sie indeß noch auf ein Hinderniß, auf einen ziemlich breiten Bach.
-„Hilft nichts“, sagte Lorenz, „hier heißt’s: Hindurch und hinüber! Wenn
-wir auch unten ein wenig naß werden.“</p>
-
-<p>Bald war das Licht und mit ihm eine Hütte erreicht. Das Licht stand
-vorn an einem kleinen Fenster. Daneben saß ein alter Waldarbeiter und
-las in einem Kalender. Er schien mitten in einer schönen Erzählung zu
-sein.</p>
-
-<p>Die Knaben klopften an. Augenblicklich kam der Alte heraus. Kaum hatte
-er das Mißgeschick der Knaben vernommen, zündete er eine Laterne an und
-brachte die Verirrten eine Stunde weit das Thal dahin in ihr Vaterdorf
-zurück.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Umstandswoerter_56"><b>56. Ein Brief.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Umstandswörter der Zeit.)</p>
-
-<p class="center">Liebe Susanne!</p>
-
-<p>Erst <em class="gesperrt">neulich</em> hast Du mir versprochen, daß Du mich
-<em class="gesperrt">nächstens</em> besuchen wollest. <em class="gesperrt">Heute</em> aber sind nun schon
-fünf Tage vergangen und <em class="gesperrt">immer</em> noch erwarte ich Deine Ankunft
-vergeblich. Viertelstundenlang habe ich gestern und auch heute früh
-nach Dir ausgeschaut, aber wer nicht kam, war meine liebe Susanne.</p>
-
-<p>Da Du nun stets Wort gehalten hast, fange ich bereits an, zu fürchten,
-daß Du unwohl geworden sein könnest. Sei doch so gut und schreibe
-mir sofort, ob Du krank bist, oder was Dich sonst gestern und
-vorgestern und noch früher von Deinem Besuche abgehalten hat. Wenn Du
-Dich sogleich hinsetzest — und wäre es auch abends noch — und mir
-antwortest, kann Dein lieber Brief spätestens morgen zehn Uhr in meinen
-Händen sein.</p>
-
-<p>Jetzt laß Dir nun noch in aller Eile erzählen, was sich, seit wir uns
-das letzte Mal trafen, zugetragen.</p>
-
-<p>Denke Dir nur, Nachbars Lenchen, die sonst immer so gesund<span class="pagenum" id="Seite_60">[S. 60]</span> aussah,
-liegt schon seit vorvorgestern hart darnieder. Sie klagt fortwährend
-über Kopfschmerzen und fiebert unaufhörlich. Erst seit heute hat sich
-etwas Schlaf eingestellt. Die Eltern haben natürlich sehr bald einen
-Arzt gerufen. Dieser hat die Kranke augenblicklich untersucht und
-verordnet, daß sie täglich zwei Stunden ununterbrochen schwitzen muß.
-Leider aber hat er auch gleich sagen müssen, daß der Krankheitszustand
-nicht blos noch tage-, sondern noch wochenlang anhalten könne.</p>
-
-<p>Das arme Lenchen! Weißt Du noch, wie wir unlängst zusammen in der Laube
-saßen und spielten? Damals ahnte sie noch nicht, daß sie gegenwärtig
-werde das Bett hüten müssen. Möge ihr der liebe Gott recht bald die
-verlorene Gesundheit wiederschenken!</p>
-
-<p>In der Hoffnung, umgehende Antwort von Dir zu erhalten begrüßt Dich
-aufs herzlichste</p>
-
-<p class="right mright2"><span class="mright6">Deine</span><br />
-<span class="mright4">Dir ewig getreue</span><br />
-<em class="gesperrt">Natalie</em>.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Umstandswoerter_57"><b>57. Der tolle Reiter.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Umstandswörter der Zeit.)</p>
-
-<p>Der junge Baron von Sydlow galt als ein sehr kühner Reiter. Die armen
-Pferde hatten es freilich nicht zum besten bei ihm. Dasjenige, welches
-er <em class="gesperrt">eben</em> geritten hatte, rauchte <em class="gesperrt">gewöhnlich</em>, wie ein
-Backofen. <em class="gesperrt">Selten</em> ritt er blosen Schritt. <em class="gesperrt">Zuweilen</em> fegte
-er dermaßen die Straßen entlang, daß Kies und Funken stoben. Oft sah
-man dann vor Staub weder Pferd noch Reiter. Manchmal schon waren
-Menschen in Gefahr gekommen, von ihm überritten zu werden. Oefters auch
-war er schon gestürzt, ohne indeß erheblichen Schaden zu nehmen.</p>
-
-<p>Der Baron wurde von seinen Freunden wiederholt vor diesem gar zu tollen
-Reiten gewarnt. Sie sagten, es könne doch einmal schlimm ablaufen.
-Darauf aber erwiderte er jedesmal:<span class="pagenum" id="Seite_61">[S. 61]</span> „Mir kann nichts passiren. Selbst
-wenn mein Pferd einmal stürzt, komme ich allemal auf meine Beine zu
-stehen.“</p>
-
-<p>Allein der Krug geht insgemein so lange zu Wasser, bis der Henkel
-bricht.</p>
-
-<p>Der Baron ritt regelmäßig jeden Morgen um neun Uhr aus und traf
-niemals später als um elf Uhr wieder in seinem Schlosse ein. Eines
-Morgens sprengte er auch wieder zum Thore hinaus, aber — um nimmer
-wiederzukommen.</p>
-
-<p>Von elf Uhr an erwartete man seine Heimkehr stündlich. Er aber kam
-nicht. Da endlich brachte eine alte Botenfrau, die täglich auf dem
-Schlosse verkehrte und den jungen Herrn schon jahrelang kannte, die
-Nachricht, daß er sammt seinem Pferde in einem tiefen Steinbruche läge.
-Roß und Reiter aber seien todt.</p>
-
-<p>Man eilte sogleich hin an den Ort und fand die Hiobspost vollkommen
-bestätigt. Wie der Baron mit seinem Pferde in den Steinbruch gerathen
-war, konnte nicht ermittelt werden.</p>
-
-<p>An der Stelle, wo das Unglück geschehen war, wurde ein Kreuz errichtet
-und dieses traurige Denkmal alljährlich am Todestage des tollen Reiters
-frisch bekränzt.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Umstandswoerter_58"><b>58. Am Bache.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Umstandswörter der Weise.)</p>
-
-<p>Eines Tages ging ein Großvater mit seinem Enkel <em class="gesperrt">gemüthlich</em> im
-Walde spazieren. Indem sie <em class="gesperrt">so langsam</em> dahin gingen, kamen sie an
-einen Bach. Seine Wellen plätscherten <em class="gesperrt">lustig</em> dahin. Die kleinen,
-silbernen Schaumperlen drängten unaufhaltsam vorwärts. Ebenso eilig
-rollten Hunderte von Sandkörnchen auf dem klaren Grunde dahin.</p>
-
-<p>Vor diesem Bache blieb der Großvater plötzlich stehen. „Sieh Dir dieses
-Wässerchen einmal recht genau an“, sagte er hierauf bedächtig zu seinem
-Enkel. „Es redet gar ernst zu Dir! Es predigt Dir nachdrücklich eine
-wichtige Lehre.“</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_62">[S. 62]</span></p>
-
-<p>Der Knabe sah dem Wellenspiele eine Weile unverwandt zu und sagte dann
-wie verwundert: „Was meinst Du damit, Großpapa?“</p>
-
-<p>„Sieh, mein Kind“, erwiderte dieser feierlich, „wie diese Wellen
-schnell dahinfließen, so rastlos flieht die Zeit, so eilig geht unser
-Leben dahin. Ist es doch, als treibe ein Tropfen den andern. Ebenso
-drängt mächtig eine Stunde die andere. Umsonst suchst Du hier ein
-Tröpfchen, das noch einmal umkehre. Vergebens flehst Du eine Stunde
-Deines Lebens zurück. Stracks eilt hier jeder Tropfen dem großen Oceane
-zu. Gerade so eilen unsere Tage in das Meer der Ewigkeit.</p>
-
-<p>Ob wir fromm und weise leben, oder anders: unser Weg geht schnurgerade
-nach dem Grabe. Tausende kommen unerwartet dort an und blicken dann
-oft reuevoll auf ihre Vergangenheit zurück. Darum hüte Dich fein, mein
-lieber Sohn, daß es Dir nicht auch einmal also ergehe.“</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Umstandswoerter_59"><b>59. Der Geizhals.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Umstandswörter der Stärke.)</p>
-
-<p>Der Bauer Murmel war <em class="gesperrt">überaus</em> geizig. Er aß sich <em class="gesperrt">kaum</em>
-satt. Er trank nie ein Glas Bier, wie andere Bauern, sondern <em class="gesperrt">nur</em>
-Wasser. Ein Rock mußte bei ihm mindestens zwanzig Jahre halten. Er
-arbeitete von früh bis abends fast ununterbrochen. Dabei strengte er
-sich oft dermaßen an, daß er plötzlich entkräftet zusammensank.</p>
-
-<p>Höchst selten schlief er länger als vier Stunden. Sehr oft sah man
-ihn sogar noch vor Sonnenaufgang wieder auf dem Felde arbeiten. Des
-Sonntags an eine kleine Erholung zu denken, davon war er weit entfernt.
-Er sah es sogar nie gern, wenn ihn an diesem Tage irgend ein Freund
-besuchte. In die Kirche ging er gar nie. Das kostete ihn zu viel
-Zeit. Von ihm auch nur eine kleine milde Gabe zu erlangen, hielt
-außerordentlich<span class="pagenum" id="Seite_63">[S. 63]</span> schwer. Selbst die gesetzlichen Steuern zu zahlen,
-wurde ihm unsäglich sauer.</p>
-
-<p>Seine Dienstboten hatten es unerhört schlecht bei ihm. Ihre Kost war
-unbeschreiblich mager und kärglich. Und dabei nun Lust und Liebe
-zur Arbeit zu zeigen, war doch am Ende zu viel verlangt. Uebrigens
-behandelte er sie beinahe wie Sklaven. Kein Wunder daher, daß er
-wenigstens alle Vierteljahre neue Leute hatte.</p>
-
-<p>Auf diese Weise scharrte Murmel freilich schrecklich viel Geld
-zusammen. Die ärmeren Leute des Ortes hielten ihn sogar für
-unmenschlich reich. Was aber half ihm all sein Reichthum? Der Tod
-klopfte doch eines Tages unerbittlich auch an seine Thür. Daß aber der
-Geizhals nun von seinen Schätzen Abschied nehmen sollte, machte ihm die
-Sterbestunde ungeheuer schwer. Er kämpfte entsetzlich. Der Tod aber
-schloß ihm endlich erbarmungslos die Augen und bald darauf theilten
-sich seine Erben höchlichst vergnügt in seine Güter.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Umstandswoerter_60"><b>60. Die Landbewohner.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Umstandswörter der Aussageweise.)</p>
-
-<p>„Es ist <em class="gesperrt">durchaus</em> unrecht“, sagte eines Tages Vater Wolfram
-zu seinen Kindern, „daß manche Städter die gewöhnlichen Landleute
-mißachten. Diese haben <em class="gesperrt">freilich</em> keine hohe Schule besuchen
-können. Sie sprechen <em class="gesperrt">kein</em> regelrechtes Deutsch. Sie gehen nicht
-in Sammt und Seide einher. Sie kleiden sich überhaupt keineswegs stets
-nach der neuesten Mode. Sicher aber sind sie trotzdem ganz ehrbare
-Leute.</p>
-
-<p>Es finden sich wohl unter den Landbewohnern zuweilen rohe Naturen.
-Aber sind dergleichen etwa innerhalb der Stadt vergeblich zu suchen?
-Vielleicht trifft man gerade in den Städten oft mehr Ungeschliffenheit
-unter dem niederen Volke, als auf dem Lande. Jedenfalls darf sich
-keine Stadt rühmen, lauter<span class="pagenum" id="Seite_64">[S. 64]</span> anständige Bewohner zu zählen. Wir Städter
-würden es sicherlich bitter empfinden, wenn die Landleute uns einmal
-ihre Dienste versagen wollten. Wer Vorrath an Lebensmitteln hätte,
-könnte es allenfalls einige Wochen mit ansehen. Die Anderen aber würden
-wahrscheinlich sehr bald flehentlich bitten: Kommt wieder, Ihr lieben
-Bauern und bringt uns Brod, wir müssen ja sonst verhungern!</p>
-
-<p>Darum, Kinder, fragt Euch, ob Ihr vielleicht auch einmal verächtlich
-auf jene Leute hingeblickt habt. Und wäre es ja der Fall gewesen, so
-dürfte das schlechterdings nicht wieder vorkommen.</p>
-
-<p>Möglicherweise gehe ich in nächster Zeit mit Euch einige Tage auf
-das Land, dann werdet Ihr Euch gewiß selbst überzeugen, daß die
-Landbewohner wirklich allermeist kreuzbrave Leute sind, die unbedingt
-unsere Achtung verdienen. Wer freilich stolz auf sie herabblickt, dem
-begegnen sie allerdings nicht selten mit Mißtrauen.</p>
-
-<p>Werdet Ihr sie bei ihrer schweren Arbeit auf dem Felde sehen, denkt
-Ihr gewiß bei Euch: Nein, um dieses Loos sind sie wahrlich nicht zu
-beneiden! Und doch, Kinder, hört man sie fast nie klagen, daß sie so
-recht im Schweiße ihres Angesichts ihr Brod essen müssen.“</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Umstandswoerter_61"><b>61. Die Staare.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Umstandswörter der Frage.)</p>
-
-<p>„<em class="gesperrt">Was</em> sind denn das für Kästchen, die dort auf den Bäumen
-hängen?“ fragte der kleine sechsjährige Gustav seinen Vater, mit dem er
-eben an einem Garten vorüberging.</p>
-
-<p>„Das sind Staarmästen, mein Sohn“, sagte der Vater.</p>
-
-<p>„<em class="gesperrt">Wozu</em> sind denn diese Staarmästen da, Papa?“</p>
-
-<p>„Damit die Staare ihre Nester hineinbauen können.“</p>
-
-<p>„<em class="gesperrt">Wovon</em> bauen denn die Staare ihre Nester?“</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_65">[S. 65]</span></p>
-
-
-<p>„Meist aus Stroh, Heu und Moos.“</p>
-
-<p>„Aber womit bauen sie denn? Sie haben ja keine Werkzeuge, wie Du, Papa,
-wenn Du einmal etwas baust?“</p>
-
-<p>„Sie bauen mit ihrem Schnabel und mit ihren Füßen.“</p>
-
-<p>„Wo sind denn aber jetzt die Staare? Man sieht ja keinen?“</p>
-
-<p>„Sie sind zur Zeit noch nicht von ihrer Reise zurück, lieber Gustav.“</p>
-
-<p>„Wohin sind sie denn gereist?“</p>
-
-<p>„Nach wärmeren Ländern, weil es ihnen bei uns zu kalt wurde.“</p>
-
-<p>„Wann reisten sie denn ab?“</p>
-
-<p>„Sie reisen stets mit Eintritt des Herbstes von uns fort, weil es ihnen
-eben bei uns zu kalt wird.“</p>
-
-<p>„Wie finden sie denn aber den Weg hin und zurück?“</p>
-
-<p>„Den zeigt ihnen der liebe Gott, mein Sohn.“</p>
-
-<p>„Ob sie denn nun bald wiederkommen?“</p>
-
-<p>„Es kann nicht lange mehr dauern.“</p>
-
-<p>„Woher weißt Du denn das?“</p>
-
-<p>„Weil der Februar bald zu Ende geht und Anfang März kehren sie
-gewöhnlich zurück.“</p>
-
-<p>„Aber, sage mir, Papa, weshalb bauen denn die Staare ihre Nester nicht
-zwischen die Aeste, wie andere Vögel?“</p>
-
-<p>„Ganz einfach. Weil sie die geschützten Räume lieben.“</p>
-
-<p>„Und warum hängt man denn nicht auch für die Finken und Zeisige solche
-Mästen auf?“</p>
-
-<p>„Weil diese Vögel es vorziehen, ihre Nester frei zwischen die Zweige zu
-bauen.“</p>
-
-<p>„Wieviel Eier legt denn ein Staar?“</p>
-
-<p>„Vier bis sechs Stück und das jährlich zwei- bis dreimal.“</p>
-
-<p>„Papa, da fällt mir eben ein, daß einmal unsere Köchin sagte, man könne
-die jungen Staare essen, aber man dürfe es nicht. Weswegen denn?“</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_66">[S. 66]</span></p>
-
-<p>„Weil die Staare sehr viel Ungeziefer vertilgen und deshalb sehr
-nützlich werden.“</p>
-
-<p>„Papa, sieh, sieh! Dort setzte sich eben ein schwarzer Vogel auf den
-Baum. Nicht wahr, das ist ein Staar?“</p>
-
-<p>„I bewahre, Gustav.“</p>
-
-<p>„Wofür hältst Du ihn denn?“</p>
-
-<p>„Es ist eine Amsel.“</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Umstandswoerter_62"><b>62. Eine Wanderschaft.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Wiederholung der Umstandswörter.)</p>
-
-<p>Hans, der noch sehr jung, aber schon ziemlich leichtsinnig war, ging
-eines Tages gänzlich unerwartet auf die Wanderschaft. Wo er eigentlich
-hin wollte, wußte er nicht. Ob ihn sein Wanderstab hierhin oder dorthin
-führen werde, war ihm ganz gleich. Er meinte immer, es sei überall viel
-zu sehen und man dürfe sich deshalb auch nirgends zu lange aufhalten.
-Trotzdem aber saß er zuweilen stundenlang auf einem Berge und stierte
-träumerisch in die Welt hinein. Bald sah er links, bald rechts, bald
-vorwärts, bald rückwärts.</p>
-
-<p>Nur selten nahm er Arbeit an. Hatte er einmal kein Geld mehr, schrieb
-er schleunigst heim an seine Mutter und flugs kamen wieder einige
-Kassenscheine angewandert. „Heisa!“ jubelte er nun da gewöhnlich,
-„jetzt habe ich wieder Geld! Jetzt frisch und fröhlich weiter!“</p>
-
-<p>So durchwanderte er sorgenlos, aber eigentlich auch zwecklos Städte
-und Länder und war jederzeit wohlgemuth. An den wirklichen Zweck des
-Wanderns dachte er selten und nie ernstlich. „Heute hier, morgen dort
-und immer lustig und gut leben“ war sein Wahlspruch.</p>
-
-<p>Fünf Jahre war er jetzt bereits auf Reisen. Sein Aeußeres hatte sich
-in dieser Zeit merklich verändert. Ein starker Bart bedeckte über
-und über sein Gesicht. Das blühende, zarte Roth<span class="pagenum" id="Seite_67">[S. 67]</span> war längst von den
-Wangen gewichen. Sie hatten sich tief gebräunt. Sein Körper war hoch
-aufgeschossen und hatte sich kräftig entwickelt. Seine früher dünne
-Stimme klang jetzt tief, voll und männlich.</p>
-
-<p>Da beschloß Hans endlich, wieder heimzukehren. Und mit der Ausführung
-dieses Entschlusses zögerte er auch keineswegs lange. Als ihn wenige
-Tage darauf einmal der Regen tüchtig durchpeitschte, kehrte er
-plötzlich um und nahm seinen Weg schnurstracks nach Hause.</p>
-
-<p>„Ob man mich denn daheim wiedererkennen wird, oder nicht?“ dachte er
-still für sich.</p>
-
-<p>Er reiste jetzt außerordentlich schnell. Nirgends rastete er lange.
-Er gönnte sich kaum Zeit, gehörig auszuschlafen. Bald war die Heimat
-erreicht. Langsam schritt er jetzt sein Vaterdorf entlang. Die Leute
-gingen stumm und gleichgiltig an ihm vorüber. Niemand erkannte ihn,
-sogar seine Schwester nicht. Kaum aber erblickte ihn seine Mutter, die
-zufällig unter der Hausthür stand, rief sie ihn sogleich bei seinem
-Namen und fiel ihm gerührt und weinend um den Hals.</p>
-
-<p>Was aber hatte dem Hans die lange Wanderschaft wirklich genützt?
-Nichts, wenigstens nicht viel. Er hatte nur gesehen, hatte blos gut
-gegessen und getrunken, aber blutwenig gelernt.</p>
-
-<div class="section">
-
-<h3 class="padtop1" id="Wortarten_Das_Verhaeltnisswort">Das Verhältnißwort.</h3>
-
-</div>
-
-<h4 id="Wortarten_Verhaeltnisswort_63"><b>63. Das Vaterhaus.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Verhältnißwörter des Ortes.)</p>
-
-<p>Ach wie gern, schrieb ein siebzigjähriger Greis, denke ich noch heute
-<em class="gesperrt">an</em> mein liebes Vaterhaus zurück! Es war eigentlich nur eine
-Hütte und stand dicht <em class="gesperrt">an</em> einem Felsen <em class="gesperrt">in</em> dem schönen
-Lande Tyrol. <em class="gesperrt">Auf</em> ihrem niederen Moosdache blühten niedliche
-Waldblümchen. Ach, unter ihnen habe ich manch schönen Knabentraum<span class="pagenum" id="Seite_68">[S. 68]</span>
-geträumt! Hinter den schmalen Fenstern standen im Sommer stets
-Sträußchen Alpenrosen und Edelweiß. Neben der Hausthür kletterte wilder
-Epheu an der Wand empor. Ueber der Thür war ein Muttergottesbild
-gemalt. Noch sehe ich, wie lieb die fromme Maria auf uns Kinder
-herniederschaute!</p>
-
-<p>Vor der Hütte rann ein frischer Waldbach murmelnd dahin. Zwischen
-ihm und dem Häuschen lag ein kleines Gärtchen, das uns Salat, Möhren
-und Rüben in die Küche lieferte. Oberhalb des Gärtchens führte ein
-schmaler Steg über das Wässerchen. Jenseits desselben beschattete
-niederes Gebüsch die Silberwellen und diesseits desselben zog sich eine
-blumenreiche Wiese hin.</p>
-
-<p>Wie oft habe ich an diesem Bächlein gesessen, wenn über ihm die Mücken
-spielten und innerhalb seiner Tümpel die Schmerlen hin- und herhuschten.</p>
-
-<p>Unterhalb unserer kleinen Besitzung hatte mein Vater ein kleines Wehr
-erbaut. Vor demselben staute natürlich das Wasser und so hatten wir
-zur heißen Sommerzeit ein kühlendes Bad. Welche Lust in dem frischen
-Wasser! Wie Frösche hüpften wir in die klare Tiefe, wie Fische tauchten
-wir unter das Wasser, wie kleine Wassernixe tanzten wir dann wieder
-längs des Ufers hin. Kein Wunder, daß wir des Tages mehr als einmal zu
-dem erquickenden Plätzchen eilten.</p>
-
-<p>Aber auch außerhalb des engen Kreises unserer Häuslichkeit gab es
-für uns Kinder viel Lust. Wie herrlich war es, wenn wir unsere zwei
-Geisen hinter die Felsen an den stillen Schwummersee führen konnten!
-Während sie nach den saftigen Kräutern gingen, legten wir uns zwischen
-schattiges Gebüsch oder hinter einen Felsblock. Hatten sich die Geisen
-gesättigt, streckten auch sie sich zuweilen neben uns hin.</p>
-
-<p>Läutete dann das Abendglöcklein von der Dorfkapelle, ertönte kein Laut
-mehr aus den Zweigen, zogen wir heimwärts, singend und jodelnd bis vor
-unsere Hütte.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_69">[S. 69]</span></p>
-
-<p>O schöne, süße, goldene Jugendzeit im geliebten Vaterhause!</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Verhaeltnisswort_64"><b>64. Vor Paris.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Verhältnißwörter der Zeit.)</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Während</em> der Belagerung stand ein deutscher Soldat auf Vorposten.
-Er war erst <em class="gesperrt">vor</em> zwei Tagen aus dem Lazarethe entlassen worden
-und noch etwas schwach. <em class="gesperrt">Seit</em> dem frühen Morgen schon quälte
-ihn der Hunger. Aber unter zwei Stunden durfte er den Brodbeutel noch
-nicht öffnen. Binnen dieser Zeit mußte er seine Augen streng auf die
-feindlichen Wälle gerichtet halten.</p>
-
-<p>Da trat eine arme Mutter mit drei todtenblassen Kindern an ihn heran
-und flehte um einen Bissen Brod. Sie habe, erzählte sie, schon vor
-dem letzten Ausfalle Paris verlassen und irre bereits seit drei Tagen
-umher. Während dieser Zeit aber hätten sie und ihre Kinder noch keinen
-Bissen zu essen gehabt.</p>
-
-<p>Nach kurzem Besinnen griff der brave Soldat in seinen Beutel und
-reichte den Aermsten all sein Brod. „Hier, eßt“, sagte er. „Habe ich
-auch bereits bei acht Stunden Hunger gelitten, ich halte es noch aus,
-Ihr aber würdet binnen vierundzwanzig Stunden dem Hungertode erlegen
-sein.“</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Verhaeltnisswort_65"><b>65. Die Rückkehr der Helden.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Verhältnißwörter der Weise.)</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Unter</em> dem Geläute der Glocken zogen die rückkehrenden Krieger
-in die Residenz ein. <em class="gesperrt">Mit</em> Sang und Klang marschirten sie die
-reichgeschmückten Straßen dahin. Die Reihenfolge der verschiedenen
-Truppen war nach dem Befehle des Feldmarschalls bestimmt worden.</p>
-
-<p>Ohne Heuchelei wurden die Helden von allen Seiten aufs herzlichste
-begrüßt. Sie sahen, wider alles Erwarten, frisch und<span class="pagenum" id="Seite_70">[S. 70]</span> munter aus,
-obgleich viele von ihnen heute schon mehrere Stunden bei heißem
-Sonnenbrande marschirt waren. Selbst dem Feldmarschall, der sammt
-seinem Stabe die Spitze bildete, schien dieser wahrhaft begeisterte
-Empfang gegen alle Voraussetzung zu sein.</p>
-
-<p>Mit Blumen reich geschmückt langten endlich die Soldaten in ihren
-Quartieren an, wo sie unter warmen Händedrücken empfangen wurden und
-sich nun meist bei einer Flasche Wein gütlich thun konnten. Da trank
-denn auch mancher alte Papa heute fast wider seinen Willen und gegen
-seine Gewohnheit ein Gläschen mehr mit dem glücklich heimgekehrten
-Sohne.</p>
-
-<p>Freilich verlief das schöne Fest auch in mancher Familie nicht ohne
-bittere Thränen. Zuweilen den einzigen Sohn, ein Kind nach aller
-Herzen, hatte die feindliche Kugel durchbohrt. Er kehrte sammt vielen
-Tausenden nie mehr heim!</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Verhaeltnisswort_66"><b>66. Joachim.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Verhältnißwörter des Grundes.)</p>
-
-<p>Der erst zwanzigjährige Joachim stand <em class="gesperrt">wegen</em> eines Raubanfalls
-vor Gericht. <em class="gesperrt">Laut</em> Aussage seines Vaters hatte er sich als Knabe
-sehr naschhaft gezeigt. Der Ordnung gemäß wurde auch sein ehemaliger
-Lehrer über seine Aufführung als Schüler befragt. Zufolge dieses
-Schulzeugnisses hatte es Joachim im Bezug auf Ehrlichkeit nie recht
-genau genommen. Um eines lumpigen Schiefers willen, den er doch für
-einen Pfennig haben konnte, war er sogar einmal vermittelst eines
-Nagels in seines Nachbars Schränkchen eingebrochen.</p>
-
-<p>„Vermöge seiner Geistesanlagen“, schloß des Lehrers Zeugniß,
-„hätte Joachim etwas Tüchtiges lernen können. Aus purem Leichtsinn
-aber blieb er hinter allen seinen Mitschülern zurück. Kraft eines
-Lehrerconferenz-Beschlusses mußte er deshalb einmal vier Wochen lang
-auf der Strafbank sitzen.“</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_71">[S. 71]</span></p>
-
-<p>Den Raubanfall hatte Joachim mehr aus Rache, als um des Raubes willen
-ausgeführt. Laut seiner Auslassungen sollte ihn der Angefallene einmal
-infolge eines Kirschendiebstahls grausam durchgeprügelt haben. Auch
-habe er ihn wegen eines kleinen Schimpfwortes einmal tüchtig an den
-Haaren gezaust. Daß er ihn mittels eines dicken Stockes auf den Kopf
-geschlagen habe, zufolge dessen der Mann niedergestürzt sei, leugnete
-Joachim. Er habe, sagte er, ihm blos mit der Hand einen Stoß versetzt
-und es wäre wohl möglich, daß er infolge dieses Stoßes hingefallen sei.</p>
-
-<p>Dem Urtheile der Richter gemäß wurde Joachim für schuldig erkannt
-und erhielt für seine That, kraft des Strafgesetzbuches, fünf Jahre
-Zuchthaus.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Verhaeltnisswort_67"><b>67. Die Mühle.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Wiederholung aller Arten Verhältnißwörter.)</p>
-
-<p>In einem düsteren Waldgrunde stand seit langer Zeit eine Mühle. Sie
-lehnte mit ihrer Rückseite an einem kleinen Hügel. Eine alte Linde
-breitete ihre schattigen Aeste über sie hin. Vor der Mühle lag ein
-kleines Blumengärtchen. Oberhalb derselben, mehr nach einem Felsen zu,
-erblickte man zwischen Gebüsch einen Teich, aus dem sich ein Bächlein
-unter dumpfem Gemurmel hervorschlängelte. Es eilte in raschem Laufe auf
-die Mühle zu. Dort stürzte sich sein Wasser mit ziemlichem Geräusche
-über das Mühlrad und setzte dieses, vermöge seiner Schwere, in Bewegung.</p>
-
-<p>Das Mühlrad klapperte ohne Ruh und Rast bei Tag und Nacht. Nur am
-Sonntage, um der Sabbathfeier willen, stand es still. Laut einer
-Verordnung hätte sonst der Müller vor Gericht Strafe zahlen müssen.</p>
-
-<p>Viele Stunden im Umkreise gab es kein Haus. Des Müllers Kinder waren
-ohne alle Kameraden. Selten traten sie aus<span class="pagenum" id="Seite_72">[S. 72]</span> dem Thale hinaus. Die
-Blumen am Bachrande waren ihre Bilder, die Fischlein im Wasser und die
-Käfer auf und unter den Blumen ihre Gespielen, die Vöglein innerhalb
-des Thales ihre Singlehrer.</p>
-
-<p>Im Winter kamen sie selten aus der Stube. Sie nähten dann Säcke aus
-grober Leinwand für ihren Vater. So führten sie während des Sommers und
-Winters ein einsames Leben. Und doch hingen sie mit ganzem Herzen an
-ihrem Vaterhause und hätten um keinen Preis dasselbe mit einem andern
-vertauscht.</p>
-
-<p>Als der Müller eines Tages von dem Nachbardorfe kam und sagte, er könne
-jetzt die Mühle für ein gutes Geld verkaufen, stellten sich alle Kinder
-um ihn her, faßten ihn an der Hand und baten unter Thränen, er solle
-doch das nicht thun. Sie würden, wenn sie aus der Mühle fortmüßten und
-außerhalb des stillen Thales leben sollten, unglücklich sein.</p>
-
-<p>Diesen dringenden Bitten zufolge versprach auch der Müller, die Mühle
-zu behalten. „Nein“, sagte er nach kurzem Besinnen, „ich will nicht
-gegen Eure Wünsche handeln, aus purer Liebe zu Euch. Wegen eines
-irdischen Gewinnes soll Euer Glück nicht gestört werden.“</p>
-
-<div class="section">
-
-<h3 class="padtop1" id="Wortarten_Das_Bindewort">Das Bindewort.</h3>
-
-</div>
-
-<h4 id="Wortarten_Bindewort_68"><b>68. Ungleiche Brüder.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Zusammenstellende Bindewörter.)</p>
-
-<p>Melchior <em class="gesperrt">und</em> Sebastian waren Brüder. Melchior beschäftigte
-sich mit Allerhand, was ihm gut lohnte. Er besserte Körbe aus,
-<em class="gesperrt">auch</em> flocht er zuweilen neue. <em class="gesperrt">Zudem</em> strich er Fenster-
-und Thürstöcke, außerdem auch Möbel an. Ueberdies half er im Sommer
-nicht selten in der Ernte. Schließlich schämte er sich auch nicht,
-einmal sogar den Dreschflegel in die Hand zu nehmen.<span class="pagenum" id="Seite_73">[S. 73]</span> Wo er arbeitete,
-war man sowohl mit seinem Fleiße als auch mit seiner Geschicklichkeit
-zufrieden. Weder Wind noch Wetter konnten ihn abhalten, einmal
-übernommene Dienste auszuführen.</p>
-
-<p>Melchior war aber nicht blos fleißig und geschickt, sondern auch
-sparsam. Als er etwa vierzig Jahre zählte, kaufte er sich erstens ein
-kleines Haus, zweitens etwas Feld, drittens eine Ziege und endlich gar
-eine Kuh. Hierauf heirathete er ein sehr braves Mädchen aus seinem
-Orte, mit dem er alsdann seine kleine Oekonomie bewirthschaftete,
-ferner ein Gemüsegeschäft anlegte und auch noch nebenbei
-Federviehhandel trieb.</p>
-
-<p>Ganz anders verhielt und zeigte sich sein Bruder Sebastian. Er dachte
-weder an das Sparen, noch an das Arbeiten. Er trieb sich tagediebisch
-umher, zudem liebte er das Kartenspiel und trank überdies oft über den
-Durst. Auch in Bezug auf die Ehrlichkeit wollte ihm Niemand so recht
-trauen.</p>
-
-<p>Kein Wunder, daß Sebastian nicht nur alle Achtung verlor, sondern auch
-oft kein Brod hatte. Sowohl seine Nachbarn als auch sein Bruder warnten
-ihn. Außerdem bemühte sich sogar die Ortsgemeinde, ihn zu bessern. Man
-trug ihm zunächst lohnende Beschäftigung, sodann eine Hausknechtsstelle
-in einem Gasthofe an, ferner einen Posten auf dem Bahnhofe; schließlich
-wollte man ihm sogar Geld zu einem kleinen Kohlenhandel vorschießen.
-Sebastian mochte von alledem nichts wissen und nichts hören. Natürlich
-blieben die Folgen davon nicht aus. Bald versetzte er sein letztes
-Hemde, führte dann allerlei Betrügereien aus, vergriff sich hierauf an
-fremdem Eigenthume, trieb sich alsdann mit einer Zigeunerbande in den
-Wäldern umher und wurde endlich als Räuber eingefangen.</p>
-
-<p>Er wurde verhört, alsdann verurtheilt und hierauf auf viele Jahre in
-einer Strafanstalt untergebracht. Schließlich,<span class="pagenum" id="Seite_74">[S. 74]</span> nach langen Jahren,
-klopfte er eines Tages an Melchior’s Thür als bettelnder Greis.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Bindewort_69"><b>69. Die goldene Freiheit.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Entgegenstellende Bindewörter.)</p>
-
-<p>An einem Fenster hing ein großes, geräumiges Gebauer, in welchem
-ein Rothkelchen auf und nieder hüpfte. Es sang <em class="gesperrt">zwar</em> fleißig,
-<em class="gesperrt">aber</em> keineswegs so hell, wie einst draußen im grünen Walde. Es
-hatte das beste Futter, <em class="gesperrt">dennoch</em> dachte es immer und immer an die
-fetten Würmchen draußen unter dem Moose. Es bekam jeden Tag zweimal
-frisches Wasser, gleichwohl konnte es die frischen, klaren Waldbächlein
-nicht vergessen. Wol grüßte die liebe Sonne freundlich zum Fenster
-herein, allein diese wohlthuenden Strahlen schienen das Rothkelchen nur
-immer noch düsterer zu stimmen.</p>
-
-<p>Hermann bemerkte nur zu wohl die trübe Stimmung des Thierchens, doch
-ihn rührte es nicht. Zwar liebte er selbst die goldene Freiheit
-außerordentlich, gleichwohl konnte er sie hartherzig dem Rothkelchen
-versagen.</p>
-
-<p>Als er im Herbste das Vöglein nach Hause brachte, hatte ihm sein Vater
-gesagt: „Gut, Du magst es den Winter über behalten, aber zum nächsten
-Frühjahre mußt Du es wieder fliegen lassen. Nun thue, was Du willst.
-Entweder sperre es gar nicht erst ein, oder versprich, ihm dann die
-Freiheit wieder zu schenken.“</p>
-
-<p>Hermann hatte Letzteres zugesagt. Allein jetzt, als der Frühling da
-war, dachte er nicht mehr daran. Er kannte nicht nur kein Mitleid,
-sondern meinte sogar, das Thierchen könne es nirgends besser haben, als
-bei ihm. „Ein Vögelchen im Käfige zu halten“, sagte er einmal, „kann
-kein Unrecht sein, nur muß man es gut pflegen.“</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_75">[S. 75]</span></p>
-
-<p>Sein Vater indessen dachte anders. „Gut essen und trinken“, sagte er,
-„ist viel werth, nichtsdestoweniger möchte ich dabei in einem Kerker
-stecken. Fesseln und schmale Kost drücken den Verbrecher sehr, der
-Verlust der Freiheit dagegen drückt ihn am empfindlichsten.“</p>
-
-<p>Der Frühling schritt inzwischen immer tiefer in das Land, Hermann
-jedoch machte keine Anstalt, seinem Gefangenen den Kerker zu öffnen. Er
-fürchtete auch keineswegs den Unwillen seines Vaters, sondern glaubte,
-derselbe wolle jetzt selbst, daß das Vöglein im Käfige bleiben solle.
-Wie sehr aber erschrak er, als er denselben eines Tages leer fand.
-Hermann weinte, das Vöglein indessen jubelte bereits längst draußen im
-Walde ob der neugeschenkten goldenen Freiheit.</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Bindewort_70"><b>70. Amerika.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Begründende Bindewörter.)</p>
-
-<p>„Warum wandern denn eigentlich so viele Menschen nach Amerika aus?“
-fragte Ludwig seinen Vater.</p>
-
-<p>„Ganz einfach“, erwiderte dieser, „<em class="gesperrt">weil</em> Viele glauben, dort
-ihr Glück zu machen. Viele täuschen sich freilich auch, <em class="gesperrt">denn</em>
-es ist nicht alles Gold, was glänzt. Amerika bezahlt zum Beispiel
-die Arbeit weit besser als Deutschland, deshalb aber wird noch lange
-nicht jeder Arbeiter reich. Er muß dafür auch seinen Lebensunterhalt
-theuer erkaufen, und sonach gleichen sich Einnahme und Ausgabe
-wieder aus. Amerika gestattet dem Volke in mancher Hinsicht mehr
-Freiheit als Europa, daher aber erlauben sich dort auch Einzelne
-aus dem Volke manche Gewaltthaten. Amerika ist der Zufluchtsort von
-unzähligen Taugenichtsen, Betrügern und Dieben, deswegen kommen dort
-verhältnißmäßig mehr Verbrecher vor, als bei uns. Amerika besitzt
-unermeßliche Ländereien, demnach ist für wenig Geld ein<span class="pagenum" id="Seite_76">[S. 76]</span> bedeutender
-Grundbesitz zu erwerben. Diese Länderstrecken aber sind mit Urwald
-bedeckt und müssen mithin erst urbar gemacht werden. Dergleichen Arbeit
-ist indeß äußerst mühsam und anstrengend und darum verlieren Viele die
-Lust, lassen die Hände sinken und gerathen somit in Noth und Elend.</p>
-
-<p>Es sei damit nicht gesagt, lieber Ludwig, daß in der neuen Welt
-Niemand auf einen grünen Zweig kommen könne, denn eine große Zahl
-Eingewanderter hat ihr Glück gefunden. Falsch aber ist es, zu denken:
-Diese sind reich und glücklich geworden, folglich muß ich es auch
-werden und also gehe ich hinüber.“</p>
-
-<p>„Du würdest sonach Niemandem rathen, nach Amerika auszuwandern?“ sagte
-Ludwig hierauf.</p>
-
-<p>„Das habe ich deshalb noch nicht gesagt“, erwiderte der Vater. „Wer
-nach Amerika geht, muß arbeiten wollen, weil der Faule dort in
-der Regel zu Grunde geht. Folglich würde ich allerdings zu einem
-Arbeitsscheuen sagen: Bleibe Du hier, da Du den Schweiß des Angesichts
-nicht gut vertragen kannst. Ebenso würde ich zu einem, der hier in
-guten Verhältnissen lebt, sagen: Du hast, was Dein Herz wünscht, darum
-bleibe im Lande und nähre Dich redlich. Einem jungen Manne aber, der
-brav und strebsam ist, es aber hier zu nichts bringen kann, werde ich
-stets sagen: Gut, Du wirst drüben die Hände nicht müßig in den Schooß
-legen und somit vorwärts kommen, mithin gehe!</p>
-
-<p>Verstehe mich also nicht falsch, lieber Ludwig. Ich meine durchaus
-nicht, weil Viele dort drüben ein trauriges Loos ziehen, daher dürfe
-Niemand mehr nach Amerika auswandern. Wohl aber bin ich, wie schon
-gesagt, gegen den Glauben, der da spricht: Hinz und Kunz sind da drüben
-Millionäre geworden, demnach kann mir es auch nicht fehlen.</p>
-
-<p>Die neue Welt jenseits des Oceans ist eine gar eigene<span class="pagenum" id="Seite_77">[S. 77]</span> und deswegen muß
-die Uebersiedelung dahin wohl überlegt werden.“</p>
-
-<h4 id="Wortarten_Bindewort_71"><b>71. Treue Freundschaft.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Wiederholung der Bindewörter.)</p>
-
-<p>Paul und Robert waren zwei gute Freunde. Beide jedoch besaßen eine sehr
-verschiedene Bildung. Das konnte aber auch nicht anders sein, denn
-jeder hatte eine andere Erziehung genossen.</p>
-
-<p>Paul gehörte reichen, Robert dagegen armen Eltern an. Paul genoß daher
-viel Schulunterricht. Er sprach nicht nur französisch, sondern auch
-englisch. Er lernte reiten, auch fechten und schwimmen. Er bewegte
-sich überdies stets unter vornehmen Leuten und besaß ferner eine gute
-Bibliothek. Zudem ging er auch mit seinen Eltern öfters auf Reisen.
-Somit war ihm Alles geboten, was Bildung schafft.</p>
-
-<p>Robert dagegen besuchte nur eine einfache Dorfschule. Hier gab es
-wohl einen guten Lehrer, allein nicht viel Schulzeit. Zwar strengte
-sich Robert sehr an, aber seine Kenntnisse blieben doch sehr dürftig.
-Gleichwohl gehörte er zu den besten Schülern des Ortes. Deswegen wurde
-er auch von seinem Lehrer, sowie von seinen Mitschülern sehr geachtet.
-Und deshalb verging kein Examen, an welchem er nicht entweder eine
-Prämie oder sonst eine Auszeichnung erhielt.</p>
-
-<p>Paul blieb das nicht unbekannt und daher erwählte er Robert zu seinem
-Freunde. Weder Robert’s Armuth, noch seine geringe Bildung waren
-ihm ein Anstoß. Paul liebte ihn, weil er ein ebenso fleißiger als
-gesitteter Knabe war. Und Paul hat diese Wahl nie bereut, denn Robert
-hing so treu an ihm, daß er sein Leben hätte für ihn lassen können.</p>
-
-<p>Paul kam zwar später aus dem Elternhause fort, aber die Entfernung
-trennt ja wahre Freundschaft nicht, da diese im<span class="pagenum" id="Seite_78">[S. 78]</span> Herzen wohnt. Paul
-und Robert schrieben sich oft; infolge dessen konnte keine Entfremdung
-eintreten. Ja, sie blieben treue Freunde bis zum Tode.</p>
-
-<div class="section">
-
-<h3 class="padtop1" id="Wortarten_Das_Empfindungswort">Das Empfindungswort.</h3>
-
-</div>
-
-<h4 id="Wortarten_Empfindungswort_72"><b>72. Ein Spaziergang.</b></h4>
-
-<p class="mtop2">Arthur und Emilie gingen an einem Waldrande spazieren. „<em class="gesperrt">Ei!</em>“
-rief Arthur plötzlich aus, indem er sich bückte, „ein Graspferd! ein
-Graspferd!“</p>
-
-<p>„<em class="gesperrt">Pfui!</em>“ erwiderte Emilie, „das häßliche Thier!“</p>
-
-<p>„<em class="gesperrt">Ei</em>, <em class="gesperrt">ei!</em> Emilie“, tadelte Arthur, „so darf man nicht
-sagen. O, auch die Graspferde sind schön in ihrer Art. Hopp! hopp!
-Sieh nur, was es für große Sätze machen kann! O weh! Jetzt hüpfte es
-in einen Wassergraben! Ach, das arme Thier! Es wird ertrinken müssen!
-Ist es mir doch, als riefe es mir zu Hilfe! Hilfe! — Ha! ich muß sein
-Retter werden!“</p>
-
-<p>Arthur langte in den Graben hinab und packte das Thier an. In demselben
-Augenblicke aber schrie er auch: „Au! au!“ und ließ es auf die Erde
-fallen.</p>
-
-<p>„Was schreist Du denn so?“ fragte Emilie schnell.</p>
-
-<p>„Abscheulich!“ versetzte Arthur. „Das Heupferd hat mich in den Finger
-gezwickt.“</p>
-
-<p>„Hahaha!“ lachte da Emilie hell auf. „Aetsch! Nun hast Du doch etwas
-von Deinem allerliebsten Thierchen!“</p>
-
-<p>„Ssssst! Schwesterchen“, entgegnete Arthur, mit dem Finger drohend,
-„nicht schadenfroh sein!“</p>
-
-<p>Beide Geschwister gingen jetzt weiter. Bald darauf vernahmen sie hinter
-sich her die Rufe: „Heda! Bst! Bst!“ Als sie sich umsahen, erblickten
-sie vier bekannte Knaben, die an dem Spaziergange theilnehmen wollten.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_79">[S. 79]</span></p>
-
-<p>„Hurrah!“ rief Arthur begeistert aus, „nun wird es hübsch! Jetzt können
-wir Soldaten spielen.“</p>
-
-<p>„Und ich?“ fragte Emilie bedeutungsvoll.</p>
-
-<p>„Hm!“ erwiderte Arthur nachdenklich. „Nun ja, das hatte ich mir
-freilich nicht überlegt, daß Du Dich auf das Exerciren nicht verstehst.
-Also rrrr! ein anderes Spiel!“</p>
-
-<p>Nachdem die Kinderschaar Haschekater, Blindekuh u. dergl. m. gespielt
-hatte, trat sie den Heimweg an. Eben überschritten die Kinder eine
-Stoppel. Da auf einmal ging’s „brrr!“ und ein Volk Rebhühner flog vor
-ihnen auf.</p>
-
-<p>„Hoho! Bin ich doch erschrocken!“ versetzte einer der Knaben. Arthur
-aber sagte: „Ei, hätten wir doch jetzt Flinten! Da sollte es aber
-gehen: Piff, paff! puff! und kein einziges Rebhuhn dürfte davonkommen.
-Heisa! wie würden sich unsere Mütter freuen, wenn wir solche Braten mit
-nach Hause brächten!“</p>
-
-<p>Arthur wollte noch weiter reden, da aber kam ein Graben und — pardauz!
-lag er darin, so lang er war. Natürlich gab das ein gewaltiges
-Gelächter.</p>
-
-<p>Unter dem Gesang des Liedes: „Tra ri ra! sind die Jäger da“ etc.
-kehrten endlich die Knaben fröhlich heim.</p>
-
-<div class="chapter">
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_80">[S. 80]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="B_Satzlehre"><b><span class="antiqua">B.</span>
-Satzlehre.</b></h2>
-
-</div>
-
-<h3 class="s4" id="Satzlehre_73" title="Das Gewitter."><b>73. Das Gewitter.</b></h3>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Satzarten.)</p>
-
-<div class="csstab satzlehre">
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell w10em s5 padright1_5">Einfacher Satz.</div>
- <div class="csscell">Der Blitz zuckte.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell w10em s5 padright1_5">Erweiterter einfacher Satz.</div>
- <div class="csscell">Ein langer Donner grollte unter dem dunklen Himmel dahin.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell w10em s5 padright1_5">Zusammengezogener Satz.</div>
- <div class="csscell">Menschen und Thiere suchten ein baldiges Unterkommen.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell w10em s5 padright1_5">Zusammengesetzter Satz.</div>
- <div class="csscell">Die Schnitter eilten in ihre Hütten und die Heerde hüpfte
- nach dem schirmenden Stalle.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell w10em s5 padright1_5">Satzgefüge.</div>
- <div class="csscell">Ein warmer Regen, welcher längst erwünscht war, tränkte
- später das durstige Erdreich.</div>
- </div>
-</div>
-
-<h3 class="s4" id="Satzlehre_74" title="Ursache und Folge"><b>74. Ursache und Folge.</b></h3>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<div class="csstab satzlehre">
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell w10em s5 padright1_5">Einfacher Satz.</div>
- <div class="csscell">Der Herbst war da. Die Früchte reiften. Die Aepfel
- glänzten. Die Pflaumen winkten.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell w10em s5 padright1_5">Erweiterter einfacher Satz.</div>
- <div class="csscell">Der liebe Gott hatte die Gärten reich gesegnet. Manche
- Aeste konnten ihre Last kaum tragen. Sie mußten mit starken Pfählen gestützt
- werden. Und dennoch neigten sich ihre äußersten Zweige fast bis zur Erde
- herab.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell w10em s5 padright1_5">Zusammengezogener Satz.</div>
- <div class="csscell">Eines Tages gingen Emil und Otto in ihren Obstgarten.
- Beide jubelten und jauchzten. Sie durften und sollten sich an den Aepfeln und
- Birnen gütlich thun. Vater und Mutter hatten es ihnen erlaubt. Dieser Genuß
- sollte sowohl eine Belohnung als auch eine Erquickung für sie sein.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell w10em s5 padright1_5">&#160;<span class="pagenum" id="Seite_81"><span class="s4">[S. 81]</span></span></div>
- <div class="csscell">Emil eilte sofort auf einen Pflaumenbaum los und Otto
- kletterte auf einen Apfelbaum. Emil war bald gesättigt, Otto aber schien gar
- nicht genug bekommen zu können. Jener befleißigte sich überhaupt stets der
- Mäßigkeit, denn er ehrte das Gebot der Eltern.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell w10em s5 padright1_5">&#160;</div>
- <div class="csscell">Otto, welcher eben zu viel Aepfel aß, fühlte sehr bald
- die üblen Folgen. Das, was ihm ein Genuß gewesen war, bereitete ihm jetzt die
- bittersten Schmerzen. Ehe noch der Tag zu Ende ging, lag er jammernd und
- seufzend im Bette. Ihm wurde nun klar, das die Unmäßigkeit sich selbst
- bestraft. Der Apfelbaum, sagte er wiederholt, soll mir eine Warnungstafel
- bleiben, so lange ich lebe.</div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="section">
-
-<h3 class="padtop1" id="Satzlehre_Der_einfache_Satz">Der einfache Satz.</h3>
-
-</div>
-
-<h4 id="Satzlehre_Einfacher_Satz_75"><b>75. Das Pferd.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Welche Wörter als Subject dienen können! Alle.)</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Das Pferd</em> ist ein nützliches Hausthier. <em class="gesperrt">Es</em> ist sehr stark
-und schön gebaut. <em class="gesperrt">Die Stärke</em> liegt in seinen Muskeln. Das Schöne
-spricht namentlich aus der Hals- und Kopfbildung. Sein ganzes Sein ist
-freilich nicht selten eine Kette schwerer Arbeit. Das Ziehen wird ihm
-leider oft zu sauer gemacht. Dieses Leider fällt leider dem Fuhrmanne
-zur Last. Er ladet zu viel auf. Das Bergauf wird von ihm wenig beachtet.</p>
-
-<p>Das Pferd ist nun schlimm daran. Das Wollen fehlt ihm nicht. Das Können
-indeß hat seine Grenze.</p>
-
-<p>Da knallt die Peitsche. Flüche fallen auf das arme Thier nieder.
-Es geht zuweilen wahrhaft grausam dabei zu. Man möchte dazwischen
-springen. So zuzuschlagen ist sündlich. Wann wird man endlich auch die
-Pferde menschlich behandeln? Dieses Wann wird aber wol noch lange eine
-Frage bleiben.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_82">[S. 82]</span></p>
-
-<h4 id="Satzlehre_Einfacher_Satz_76"><b>76. Gott.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Aus welchen Wörterklassen das Prädikat gebildet werden kann.)</p>
-
-<p>Gott ist <em class="gesperrt">Schöpfer</em>. Er ist <em class="gesperrt">allmächtig</em>. Sein Wort hat Alles
-<em class="gesperrt">hervorgebracht</em>. Alles ist <em class="gesperrt">sein</em>.</p>
-
-<p>Gott ist Erhalter. Sein Reich ist freilich groß. Seine Hand doch
-sättigt alles Leben. Dieser Trost ist unser.</p>
-
-<p>Gott ist auch Regierer. Sein Regiment ist gnädig. Er schützt. Er
-leitet. Dieser Glaube ist mein.</p>
-
-<p>Und Gott ist unser Vater. Er ist allgütig. Seine Liebe umfaßt uns. Mein
-Herz sei darum sein.</p>
-
-<h4 id="Satzlehre_Einfacher_Satz_77"><b>77. Die Rose.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>Die Rose ist eine <em class="gesperrt">Blume</em>. Sie ist die <em class="gesperrt">Blumenkönigin</em>. Ihre
-Krone ist ein Wunderbau. Der Juni ist ihre Blütezeit. Die Blätter sind
-zart. Ihre Formen sind lieblich. Sie leuchtet weithin. Sie duftet. Sie
-entzückt.</p>
-
-<p>Dornen sind ihre Schutzwaffe. Jede Spitze ist ein Dolch. Die Dornen
-sind wachsam. Sie sind auch tückisch. Sie stechen. Sie verwunden.</p>
-
-<p>Die Rose reizt. Sie ist verführerisch. Ein Kindlein naht. Es ist
-hocherfreut. Es pflückt. Ein Tröpfchen Blut ist der Preis.</p>
-
-<div class="section">
-
-<h3 class="padtop1" id="Satzlehre_Der_erweiterte_einfache_Satz">Der erweiterte
-einfache Satz.</h3>
-
-</div>
-
-<h4 id="Satzlehre_Einfacher_Satz_A"><b><span class="antiqua">A.</span> Erweiterung des Subjectes.</b></h4>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Einfacher_Satz_A_78"><b>78. Das kranke Kind.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Beifügung vor dem Subjecte.)</p>
-
-<p>Die <em class="gesperrt">kleine</em> Emma war krank. Der <em class="gesperrt">heftige</em> Pulsschlag
-bekundete Fieber. Die <em class="gesperrt">vollen</em> Wangen glühten. Das große Auge lag
-geschlossen. Die feuchten Hände zitterten.</p>
-
-<p>Zwei Aerzte behandelten das Kind. Mehrere Arzneiflaschen<span class="pagenum" id="Seite_83">[S. 83]</span> standen auf
-dem Tische. Auch etliche Pulverschächtelchen waren zu sehen.</p>
-
-<p>Die treusorgende Mutter wich nicht von dem Bette. Ihr weinendes Auge
-ruhte unverwandt auf der Kranken. Ihre pflegende Hand war jederzeit zur
-Hilfe bereit.</p>
-
-<p>Die verordneten Wärmegrade in der Stube wurden streng erhalten. Die
-verhangenen Fenster schufen Dunkelheit. Das gedämpfte Licht aber hatte
-etwas Unheimliches. Der vorgeschriebene Thee stand fortwährend über
-einem Spiritusflämmchen. Die zu verbrauchende Arznei dagegen schwamm in
-einem Glase mit Brunnenwasser.</p>
-
-<p>So waren alle Vorsichtsmaßregeln getroffen. Keine Veränderung an dem
-Kinde blieb unbeachtet. Die zu hoffende Genesung ließ indeß lange auf
-sich warten.</p>
-
-<p>„Unser Kind ist noch sehr krank“, klagte die Mutter oft den Aerzten.
-„Sein Bewußtsein scheint oft zu schwinden. Seine Hände sind bald warm,
-bald kalt. Meine Emma wird doch am Ende noch sterben! Ach, mein Herz
-würde es kaum ertragen! Unser Lebensglück sänke mit ihr ins Grab.
-Dieses Kind hat uns nie betrübt. Ein solcher Edelstein könnte uns nie
-wieder ersetzt werden!“</p>
-
-<p>Die theilnehmenden Aerzte trösteten sie. „Der liebe Gott wird Ihnen
-schon das Kind erhalten“, sagten sie. „Die allmächtige Gotteshand hat
-ja schon oft Wunder gethan. Sein Arm ist nicht zu kurz, daß er nicht
-helfen könnte.“</p>
-
-<p>Und der treue Himmelsvater half. Das tückische Fieber wich endlich. Die
-arme Emma konnte das Bett wieder verlassen. Stärkende Nahrung gab ihr
-bald wieder Kräfte. Kleine Spaziergänge erzeugten wieder Heiterkeit.
-Die frische Luft hauchte wieder Rosen auf die Wangen.</p>
-
-<p>Herzinniger Dank stieg von den Mutterlippen zum Himmel empor.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_84">[S. 84]</span></p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Einfacher_Satz_A_79"><b>79. Berlin.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Eine Beifügung nach dem Subjecte.)</p>
-
-<p>Die Stadt <em class="gesperrt">Berlin</em> ist zu einer Weltstadt geworden. In ihr hat nun
-der Kaiser <em class="gesperrt">von Deutschland</em> seinen Sitz.</p>
-
-<p>Der Umfang der Stadt wächst fast zusehends. Die Regelmäßigkeit der
-Straßen ist eine Zierde von ihr. Die Prachtbauten der Regierung
-erwecken Bewunderung. Die Stätten der Wissenschaft werden sorglich
-gepflegt. Werke der Kunst sind in Berlin reich vertreten. Die
-Sammlungen der Kunstschätze erfahren von Jahr zu Jahr Bereicherungen.</p>
-
-<p>Die Helden des Volkes prangen als Prachtdenkmäler an den Straßen. Die
-Fürsten des Reichs glänzen in Erzguß. Unter ihnen nimmt Friedrich der
-Große den Vorrang ein. Plätze ohne Denkmäler sind überhaupt selten in
-Berlin.</p>
-
-<p>Der Handel der Stadt ist im Flor. Die Großartigkeit der
-Fabrikwerkstätten erregt Staunen. Das Streben nach Vergnügen hat
-Lustörter in Menge hervorgerufen. Natürlich wird dadurch auch die Lust
-zu schwelgen gefördert. Auch soll das Verbrechen des Taschendiebstahls
-in Berlin häufig vorkommen.</p>
-
-<p>Die Lage der Stadt ist freilich keine sonderlich schöne. Die Umgebungen
-derselben sind Sandebenen. Und eine Stadt ohne Naturreize verliert viel
-an Anziehungskraft.</p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Einfacher_Satz_A_80"><b>80. Peter.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Die Beifügung ein Zeitwort in reiner Form.)</p>
-
-<p>Der Trieb <em class="gesperrt">zu spielen</em> war bei dem zwölfjährigen Peter ziemlich
-stark und verdrängte die Lust zu arbeiten. Kein Wunder daher, daß
-er in der Schule keine Fortschritte machte. Während des Unterrichts
-beschäftigte er sich oft mit den Händen unter der Tafel.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_85">[S. 85]</span></p>
-
-<p>Für diese Sucht zu tändeln und den Hang zu faulenzen erhielt er zwar
-oft Strafe, aber sie weckte keineswegs in ihm das Bestreben zu lernen.</p>
-
-<p>Leider gesellte sich zu diesen Fehlern bei dem Peter auch noch die
-Unart zu necken und zu schimpfen und die Neigung zu lügen.</p>
-
-<p>Eines Tages ließ der Lehrer den Knaben zu sich kommen und sagte zu ihm:
-„Peter, mein Beruf zu erziehen und meine Pflicht zu bilden werden mir
-an Dir sehr schwer. Dein Streben zu wachsen im Geiste ist gleich Null.
-Glaube mir, daß Du Deine jetzige Art Dich zu verhalten und zu gebaren
-einst noch bitter bereuen wirst.“</p>
-
-<p>Peter aber, anstatt den Vorsatz zu hören und zu gehorchen zu fassen,
-überließ sich auch fernerhin in der Schule dem Drange zu träumen,
-zu brüten und zu tändeln. Und so wurde nach und nach aus ihm ein
-liederlicher Mensch, den endlich seine Leidenschaft zu faulenzen und
-Karte zu spielen an den Bettelstab brachte.</p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Einfacher_Satz_A_81"><b>81. Weihnacht.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Eine Beifügung vor, eine nach dem Subjecte.)</p>
-
-<p>Das <em class="gesperrt">schönste</em> Fest <em class="gesperrt">der Kinderwelt</em> war da. Die heilige
-Nacht der Geburt Christi breitete ihre Flügel über die Stadt.
-Sämmtliche Glocken des Domes hallten über die Dächer dahin.</p>
-
-<p>Die feierliche Harmonie des Geläutes klang wie ein Gruß aus Himmelshöhe.</p>
-
-<p>Auf den Straßen wogte noch lange der bunte Strom des Volkes. Die
-betreßten Diener der Paläste eilten mit Packeten dahin. Die breiten
-Rücken der Dienstmänner waren vielfach mit Körben belastet. Die
-zerlumpten Kinder der Armuth boten ihre Pflaumenmänner feil. Bepackte
-Bewohner des Landes zogen zu<span class="pagenum" id="Seite_86">[S. 86]</span> den Thoren hinaus. Dort huschte wol auch
-bereits ein vermummter Knecht Ruprecht in ein Haus hinein. Aus den
-Bäckerläden stieg der bezaubernde Duft der Weihnachtsstollen.</p>
-
-<p>Die zierlichen Rouleaux der Salonfenster sind heute nicht
-heruntergelassen. Bald strahlt hinter ihnen der helle Lichtglanz des
-Christbaums. Bis auf die Straße herab schallt der jauchzende Jubel der
-Kinder. Ihre Hoffnung auf die Christbescherung ist glänzend erfüllt.
-Eine reiche Menge von Geschenken liegt vor ihnen ausgebreitet. Die
-lockenden Titel der Geschichtenbücher lachen in die Augen. Das liebe
-Klappern der Nüsse schlägt an die Ohren. Das tiefe Roth der Aepfel
-reizt die Gaumen.</p>
-
-<p>Aber nicht blos in den Palästen entzückt die holde Pracht der
-Christfestkerzen. Auch das niedere Stübchen der Souterrainbewohner dort
-erleuchtet ein Weihnachtslicht. Die freundlichen Gaben des Christkindes
-liegen hier freilich nur spärlich zuertheilt. Der zu spendende Dank der
-Kinder bleibt indeß auch für das Wenige nicht aus.</p>
-
-<p>So ist jedes Haus in der Stadt heute ein Freudentempel. Das selige
-Jauchzen aus den Familienkreisen steigt preisend zum Himmel hinauf.</p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Einfacher_Satz_A_82"><b>82. Die Zigeunerkinder.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Zwei Beifügungen vor dem Subject.)</p>
-
-<p>Eines Tages ging <em class="gesperrt">mein lieber</em> Vater mit mir in einen Wald,
-erzählte Felix. In dem Walde lagerten mehrere erwachsene Zigeuner. Ihre
-sechs Kinder hüpften um sie her. Drei mächtige Buchen wölbten ihre
-Aeste über den Fremdlingen zu einem Dache.</p>
-
-<p>„Diese bunte Gruppe kann einem Maler Stoff zu einem Bilde geben,“
-sagte der Vater. „Jener dicke Junge dort ist ein Prachtbursche. Seine
-dunklen Augen funkeln wie Sterne. Sein blendendweißes Gebiß gleicht
-einer Perlenschnur. Und nun sein<span class="pagenum" id="Seite_87">[S. 87]</span> sonnverbranntes Gesicht! Diese braune
-Gesichtsfarbe vollendet seine Schönheit.</p>
-
-<p>Aber auch jenes kleine Mädchen dort gefällt mir. Sein pechschwarzes
-Haar sieht reizend aus. Solche volle Zöpfe sind unter unsern Kindern
-etwas Seltenes. Und wieder diese strahlenden Augen! Sind diese
-rollenden Augen nicht eine Pracht?</p>
-
-<p>Und wie kräftig sind alle diese Kinder gebaut! Dein schwächliches
-Brüderchen daheim würde sich unter dem Zigeunervölkchen sonderbar
-ausnehmen. Selbst unsere sechsjährige Emma würde noch bedeutend
-abstechen.</p>
-
-<p>Unsere deutschen Kinder führen freilich auch kein solches Naturleben,
-wie diese hier. Diese ihre gekünstelte Lebensweise thut ihrer
-Körperentwickelung manchen Eintrag. Trotzdem aber geht ihr aufrichtiger
-Wunsch gewiß nicht dahin, ein Zigeunerkind zu sein.“</p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Einfacher_Satz_A_83"><b>83. Das Grab der Mutter.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Eine Doppelbeifügung nach dem Subject.)</p>
-
-<p>In einem Winkel <em class="gesperrt">eines weitläufigen Kirchhofs</em> lag ein Grab. Der
-Sand <em class="gesperrt">des leichtgewölbten Hügels</em> war noch ziemlich frisch. Der
-Leichenstein am oberen Ende schien nur gestern erst gesetzt zu sein.</p>
-
-<p>Dieses Grab im einsamen Winkel barg eine Mutter. Die Liebe ihres treuen
-Herzens hatte ihrem Leben frühzeitig ein Ziel gesetzt. Die Pflege eines
-kranken Kindes erschöpfte ihre Kräfte. Die Nächte ohne erquickenden
-Schlaf griffen ihre Nerven an. Endlich befiel auch sie das Fieber des
-leidenden Kindes. Die Kunst der geschicktesten Aerzte vermochten sie
-nicht zu retten. Die Schwäche ihres angegriffenen Körpers war zu weit
-vorgeschritten. Sie starb.</p>
-
-<p>Die Genesung des kranken Kindes schritt kurz darauf vorwärts. Nach
-Wochen entsetzlicher Leiden konnte es endlich zum<span class="pagenum" id="Seite_88">[S. 88]</span> ersten Male
-ausgehen. Das Grab der geliebten Mutter war dabei sein Ziel. Die
-Dankbarkeit seines echtkindlichen Herzens trieb es dazu.</p>
-
-<p>Eine Stunde lang saß das Kind mit den blassen Wangen am Hügel.
-Thränen unsäglichen Schmerzes rannen über dieselben herab. Seufzer
-über den unersetzlichen Verlust entstiegen der Kindesbrust. Ein Gebet
-herzinnigen Dankes für die Liebe der Entschlafenen bewegte die Lippen.</p>
-
-<p>Die Strahlen der warmen Frühlingssonne grüßten freundlich den
-Hügel. Die Goldworte eines tröstenden Bibelspruches blitzten hell
-vom Leichensteine herüber. An ihnen richtete sich das Gemüth des
-wehklagenden Kindes sichtlich auf. Ein Lichtstrahl aus himmlischer
-Höhe schien damit in sein Gemüth zu dringen. Die Thränen um die theure
-Dahingeschiedene rannen spärlicher. Auf dem blassen Antlitze des Kindes
-lagerte sich der Friede der stillen Gottergebung. Jenes Wort der
-heiligen Schrift aber hieß: „Ich will euch wiedersehen und euer Herz
-soll sich freuen.“</p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Einfacher_Satz_A_84"><b>84. Dämmerung.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Zwei Doppelbeifügungen nach dem Subject.)</p>
-
-<p>Ein Tag <em class="gesperrt">des schönen Frühlings im letztverflossenen Jahre</em> ging
-zu Ende. Das Gewölk <em class="gesperrt">über den majestätischen Berggipfeln jenseits
-des sanftbewegten Sees</em> erglänzte im Purpurgolde. Das Lied der
-gefiederten Sänger des frischgrünen Waldes verstummte. Dagegen erhoben
-nun die Quaker im dichten Schilfe der nahen Lache ihre Stimme.</p>
-
-<p>Die Heerden der reichen Güter der umliegenden Ortschaften verließen die
-Weideplätze. Das Geläute der dumpfen Glocken hüpfender Rinder hallte
-melancholisch daher. Die Bebauer der fruchtbaren Felder am diesseitigen
-Seeufer zogen ebenfalls heimwärts.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_89">[S. 89]</span></p>
-
-<p>Das Glöcklein der hölzernen Kapelle eines nachbarlichen Dorfes mahnte
-zum Abendgebete. Die Häupter der biederen Bebauer jener gottgesegneten
-Fluren entblößten sich. Das Gebet des lieben Heilandes Jesu Christi
-entstieg stumm ihren Herzen.</p>
-
-<p>Immer dichter zogen sich die Schatten der lieblichen Thäler längs
-der murmelnden Bäche zusammen. Die Sterne am nördlichen Saume des
-tiefblauen Himmels blickten bereits hernieder. Ein Bild des seligen
-Friedens aus höheren Welten bot ringsum die Natur.</p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Einfacher_Satz_A_85"><b>85. Der Schneemann.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Alle Arten einfacher Beifügungen.)</p>
-
-<p>Der alte Winterkönig war eingezogen. Ein blitzendes Schneegewand deckte
-die Erde. Lange Eiszapfen zierten die Dächer. Gefrorene Fensterscheiben
-glänzten an den Hütten.</p>
-
-<p>Da eilten mehrere Knaben in den Garten. Ihre Hände begannen sogleich zu
-arbeiten. Der Zweck der Arbeit war ein Schneemann.</p>
-
-<p>Der Knabe Richard leitete den Bau. Robert’s Hände leisteten am meisten.
-Der Sohn des Arztes konnte nur zusehen.</p>
-
-<p>Bald stand ein Schneemann ohne Tadel da. Der Drang zu schaffen war
-gestillt.</p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Einfacher_Satz_A_86"><b>86. Der junge Storch.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Alle möglichen Beifügungen vor und nach dem Subject.)</p>
-
-<p>Ein <em class="gesperrt">fleißiger</em> Schüler <em class="gesperrt">der ersten Klasse einer gewöhnlichen
-Dorfschule der sächsischen Kreisdirection Dresden</em> schrieb in einem
-Aufsatze unter Anderem Folgendes:</p>
-
-<p>Unser junger Storch auf dem bemoosten Dache der alten Scheune lugte
-neugierig in die Welt hinaus. Dieser anerkannte Liebling aller
-erwachsenen Glieder unserer großen Familie war<span class="pagenum" id="Seite_90">[S. 90]</span> etwa drei Monate alt.
-Ein neckischer Einfall des ältesten Knechtes meines guten Vaters gab
-ihm den Namen Davidel. Dieser sonderbare Name des jungen Storches
-unseres kleinen Gutes wurde bald im Dorfe bekannt. Sogar einige große
-Knaben aus dem nahen Nachbardorfe des freundlichen Gebirgsthales hatten
-ihn erfahren.</p>
-
-<p>Das drollige Benehmen des schmucken Kindes unseres bejahrten
-Storchpaares wurde oft belacht. Am meisten freuten sich über ihn die
-beiden bausbäckigen Mädchen des neuen Pfarrers unserer zahlreichen
-Gemeinde. Auch die drei erwachsenen Söhne des reichen Barons auf der
-reizenden Villa am romantischen Dorfende sahen zuweilen stundenlang
-seinem Gebaren zu.</p>
-
-<p>Die fürsorgenden Eltern unseres lieben Freundes mit den dünnen
-Klapperbeinen brachten ihm des Tages mehr als einmal einen Frosch. Ein
-solcher fetter Braten aus dem sumpfigen Grunde des fernen Erlenwaldes
-war ihm stets sehr willkommen. Der endliche Tod eines solchen Quakers
-während der tiefen Stille warmer Sommernächte war übrigens ein kurzer.
-Das verzweifelte Zappeln der grünen Beine des armen Schluckers dauerte
-kaum eine Minute.</p>
-
-<p>Unsere stille Freude an dem munteren Firstenbewohner der niederen
-Scheune nahm indeß plötzlich ein Ende. Sein erster Ausflug auf die
-umliegenden Wiesen unserer umfangreichen Flur brachte ihm den Tod. Die
-sechs scharfen Krallen eines gierigen Raubvogels aus dem zwei gute
-Stunden entfernten Felsengebirge umklammerten ihn. Ein wuchtiger Stoß
-des mörderischen Schnabels jenes mächtigen Ungeheuers durchbohrte ihm
-die Hirnschale.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_91">[S. 91]</span></p>
-
-<h4 id="Satzlehre_Einfacher_Satz_B"><b><span class="antiqua">B.</span> Erweiterung
-des Prädikates.</b></h4>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Einfacher_Satz_B_87"><b>87. Wilhelm.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Das Prädikat ein Hauptwort mit Beifügung.)</p>
-
-<p class="center">(Aus einem Briefe.)</p>
-
-<p>Wilhelm hat einen <em class="gesperrt">hellen</em> Kopf. Sein Wesen hat <em class="gesperrt">viel</em>
-Einnehmendes. Er war stets ein Muster der Schule. Er ist deshalb auch
-der Liebling des Lehrers. Bald wird er der Oberste der Klasse werden.
-Diese Beförderung ist dann sein Lohn. Sie ist auch meine Freude.
-Wilhelm ist ja mein Freund.</p>
-
-<p>Wilhelm wird einmal Lehrer der Rechnenkunst. Er hat auffallende Lust
-dazu. Gewiß wird er ein Rechnenlehrer ohne Tadel. Vielleicht wird er
-gar einmal der Rechnenmeister Adam Riese der Zweite.</p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Einfacher_Satz_B_88"><b>88. Der Affe.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Das Prädikat ein Hauptwort mit mehreren Beifügungen.)</p>
-
-<p>Der Affe ist das <em class="gesperrt">drolligste</em> Thier <em class="gesperrt">unserer zoologischen
-Gärten</em>. Sein neckisches Wesen wird oft <em class="gesperrt">der Gegenstand
-allgemeinen Gelächters</em>. Die Affenkäfige sind daher auch die
-stärksten Anziehungspunkte der lieben Kinderwelt.</p>
-
-<p>Die Kletterbewegungen der Affen sind oft wahre Kunststücke der höheren
-Turnerei. Ihre Schwänze haben dabei den nützlichen Dienst einer fünften
-Hand.</p>
-
-<p>Der Affe hat fast stets einen ausgezeichneten Appetit nach süßem
-Naschwerke. Seine Freßweise hat den entschiedenen Charakter
-heißhungriger Gier.</p>
-
-<p>Er ist kein friedliebender Freund seiner mitgefangenen Kameraden.
-Schnell wird er oft ein leibhaftiges Bild des heftigsten Jähzorns.
-Seine Zähne sind dabei die gefährlichen Dolche seiner heimtückischen
-Rachsucht.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_92">[S. 92]</span></p>
-
-<p>Wohl aber ist der Affe ein großer Freund der schönen Tugend der
-Reinlichkeit. Diese Reinlichkeitsliebe ist eine der rühmlichsten
-Eigenschaften des gesammten Affengeschlechts.</p>
-
-<p>Der Nachahmungstrieb ist eine allbekannte Eigenschaft der Vierhänder.
-Er wurde freilich schon oft die traurige Ursache der lebenslänglichen
-Gefangenschaft des südländischen Thieres.</p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Einfacher_Satz_B_89"><b>89. Hochmuth.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Möglichste Erweiterung des Subjects und Prädikats,
-insofern beide blos Hauptwörter sind.)</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Jener alte</em> Nachtwächter <em class="gesperrt">des kleinen Dorfes Muschelthal an dem
-bewaldeten Fuße des steilen Kuffenberges</em> ist der einzige Bruder des
-reichen Fabrikherrn Hartkopf in dem freundlichen Städtchen Clervaux an
-der Aube.</p>
-
-<p>Der greise Wächter in den finsteren Nächten hat kaum die einfache
-Nothdurft des täglichen Lebens in seiner ärmlichen Hütte am einsamen
-Dorfende. Der verwöhnte Gaumen des vornehmen Bruders dagegen hat stets
-eine glänzende Auswahl der leckersten Speisen aus den entlegensten
-Fruchtgärten der südlichen Länder.</p>
-
-<p>All seine geschäftlichen Unternehmungen im großen Bereiche der
-vielzweigigen Eisenfabrikation waren von den günstigsten Umständen
-begleitete Griffe in das launenhafte Rad des menschlichen Glückes.</p>
-
-<p>Dieser beneidenswerthe Schwelger an reichbesetzter Tafel ist indeß
-die erbärmliche Kreatur des grenzenlosesten Hochmuths. Dadurch aber
-wird der glückliche Besitzer aller äußern Annehmlichkeiten des
-irdischen Lebens zum schnöden Verleugner der heiligsten Pflichten des
-menschlichen Herzens. Der stolze Inhaber jener großartigen Fabrik im
-fernen Frankreich hat nicht die geringste Spur von brüderlicher Liebe
-zu dem armen Nachtwächter. Dieser schwächliche Greis wird sicher noch
-ein bemitleidenswerther<span class="pagenum" id="Seite_93">[S. 93]</span> Bewohner des heimatlichen Armenhauses. Der
-gewaltige Reichthum des hartherzigen Bruders ist nicht einmal ein
-schwacher Halm der Hoffnung auf einstigen Schutz vor einem traurigen
-Ende. Des armen Alten letzter Freund wird der von allem Uebel erlösende
-Friedensbote aus den seligen Räumen des ewigen Himmels sein.</p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h3 class="padtop1" id="Satzlehre_Ergaenzungen">Ergänzungen.</h3>
-
-</div>
-
-<h4 id="Satzlehre_Ergaenzungen_1"><b>1. Des Zeitwortes.</b></h4>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_1_Einfache"><span class="antiqua">A.</span>
-Einfache.</h5>
-
-<h6 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_1_Einfache_90"><b>90. Der Schmetterling.</b></h6>
-
-<p class="s5 center mbot2">Im ersten Falle.</p>
-
-<p>Das Schmetterlingsei ward <em class="gesperrt">eine Raupe</em>. Die Raupe wurde eine
-Puppe. Die Puppe wird ein Schmetterling. Diese Verwandlung bleibt ein
-Naturräthsel. Sie bleibt ein Wunder. Des Wunders Schöpfer heißt Gott.</p>
-
-<h6 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_1_Einfache_91"><b>91. Ohne Glauben.</b></h6>
-
-<p class="s5 center mbot2">Im zweiten Falle.</p>
-
-<p>Der Ungläubige entsagt <em class="gesperrt">der Kindschaft mit Gott</em>. Er vergißt die
-Wohlthaten des Himmelsvaters. Er spottet der göttlichen Gnade. Seine
-Hand entsagt der Hilfe von oben. Er gedenkt nicht des Endes. Sein Herz
-entbehrt alles Trostes. Der Ungläubige bedarf unserer zurechtweisenden
-Hand.</p>
-
-<h6 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_1_Einfache_92"><b>92. Der echte Christ.</b></h6>
-
-<p class="s5 center mbot2">Im dritten Falle.</p>
-
-<p>Der echte Christ glaubt <em class="gesperrt">dem Evangelio</em>. Das Gesetz des Herrn
-befiehlt <em class="gesperrt">ihm</em>. Er gehorcht dem Gesetze. Sein ganzes<span class="pagenum" id="Seite_94">[S. 94]</span> Leben gehört
-dem Höchsten. Sein Herz vertraut dem allgütigen Himmelsvater. Es folgt
-ihm. Es dankt ihm. Dem Allgütigen gebührt ja alle Ehre.</p>
-
-<p>Der falsche Christ zürnt dem Gläubigen. Er mißtraut ihm. Er flucht ihm
-wol gar. Er schadet seiner Ehre.</p>
-
-<p>Der fromme Christ verzeiht einem solchen Uebermüthigen. Er vergibt
-seinem Feinde. Er lebt seinem göttlichen Vorbilde nach.</p>
-
-<h6 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_1_Einfache_93"><b>93. Jakob.</b></h6>
-
-<p class="s5 center mbot2">Im vierten Falle.</p>
-
-<p>Jakob besaß <em class="gesperrt">viel Schlauheit</em>. Er überlistete <em class="gesperrt">den Esau</em>.
-Dadurch erhielt er <em class="gesperrt">das Recht der Erstgeburt</em>. Er betrog seinen
-blinden Vater. Dadurch erschlich er den väterlichen Segen.</p>
-
-<p>Gott aber strafte den Sünder. Den Esau erfaßte die Wuth. Er ballte die
-Fäuste. Seine Lippen schäumten Zorn. Er haßte den Bruder. Er wollte die
-erlittene Schmach rächen. Seine Hand wollte den Betrüger erwürgen.</p>
-
-<p>Rebekka vernahm den Racheschwur. Entsetzen ergriff ihr Mutterherz. Sie
-erkannte die Gefahr. Sie fürchtete den Erzürnten. Sie rief den Jakob.
-Schnell war ein Rettungsplan geschmiedet. Ihr Liebling mußte die Flucht
-ergreifen.</p>
-
-<p>Auch Rebekka belog nun den blinden Alten. Sie scheute diese Sünde
-nicht. Die Lüge sollte Jakob’s Sicherheit bewirken.</p>
-
-<p>Jakob trat die schwere Reise an. Er hatte großen Kummer zu tragen. Er
-mußte die zärtlich liebende Mutter verlassen. Er mußte alle häuslichen
-Bequemlichkeiten entbehren. Er mußte die theure Heimat meiden. Eine
-schwere Schuld belastete sein Herz. Ihn drückte das böse Gewissen. Die
-Reue quälte sein Gemüth. Vielleicht feuchteten Thränen seine Augen.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_95">[S. 95]</span></p>
-
-<p>So verfolgte die Strafe den Sünder. So zeigte der Herr seinen gerechten
-Arm.</p>
-
-<h6 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_1_Einfache_94"><b>94. Der Lügner.</b></h6>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Rückbezügliche Zeitwörter. Vierter Fall.)</p>
-
-<p>Moritz entehrte <em class="gesperrt">sich</em>, indem er der Lüge Freund war. Hatte er
-<em class="gesperrt">sich</em> einmal beschmutzt, bemühte er sich, die Schuld auf Andere
-zu schieben. Er beklagte sich wol gar, daß ihn ein gewisser Knabe mit
-Koth beworfen habe.</p>
-
-<p>Diese Lügenhaftigkeit verschlimmerte sich von Tag zu Tag. Einmal
-beschäftigte sich Moritz im Schlafzimmer. Dort befanden sich
-Streichhölzchen. Mit diesen spielte er. Die Hölzchen aber entzündeten
-sich. Das Feuer griff schnell um sich. Vergebens strengte er sich an,
-es zu löschen. Es ließ sich nicht mehr dämpfen. Schon bewegte es sich
-an einem Vorhange empor.</p>
-
-<p>Moritz entsetzt sich. Er will sich entfernen. Er möchte sich am
-liebsten verstecken. Da tritt sein Vater herein. Dieser besinnt sich
-nicht lange. Er faßt sich schnell und reißt den Vorhang herunter. Dabei
-verbrennt er sich zwar, aber der Schmerz läßt sich ertragen. Die Flamme
-züngelt noch einmal empor. Bald aber hat sie sich doch unterdrücken
-lassen.</p>
-
-<p>Moritz erdreistet sich aufs neue zu lügen. Darüber betrübt sich der
-Vater. Er läßt sich jedoch nicht täuschen. Er überzeugt sich, daß
-Moritz das Unheil angerichtet habe. Dieser sieht sich bald überführt.
-Die Strafe blieb natürlich nicht aus. Moritz schämte sich. Zum Glück
-änderte er sich bald. Er legte die Lügen ab. Er besserte sich.</p>
-
-<h6 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_1_Einfache_95"><b>95. Der Verschwender.</b></h6>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Alle vier Fälle. Einfache Ergänzung.)</p>
-
-<p>Valentin war <em class="gesperrt">der Sohn eines reichen Edelmannes</em>. Sein Vater
-hatte mehrere Güter. Er hieß ein Millionär. Alle<span class="pagenum" id="Seite_96">[S. 96]</span> diese Schätze wurden
-Valentin’s Eigenthum. Der reiche Erbe aber wurde ein Verschwender.</p>
-
-<p>Sein Charakter entbehrte <em class="gesperrt">aller Grundsätze</em>. Er vergaß die
-Mahnungen seines seligen Vaters. Er achtete nicht der Mahnungen der
-Vernunft. Er spottete jeder Arbeit.</p>
-
-<p>Valentin huldigte <em class="gesperrt">allen Untugenden</em>. All sein Denken galt den
-sinnlichen Genüssen. Er fröhnte allen erdenklichen Leidenschaften. Aber
-die Strafe folgte dem Laster. Valentin schadete seiner Gesundheit.</p>
-
-<p>Er verlor <em class="gesperrt">alle Achtung</em>. Sein Vermögen ging den Krebsgang.
-Seine guten Freunde verließen ihn. Die Gläubiger dagegen suchten ihn
-auf. Schließlich verhaftete ihn das Gericht. Den einstigen Millionär
-beherbergte ein Gefängniß. Valentin erhielt eine lange Freiheitsstrafe.</p>
-
-<p>Endlich hatte er sie verbüßt. Aber er war nun ein Bettler. Jetzt erst
-gedachte er der wohlgemeinten Rathschläge seines Vaters. Sein Gemüth
-erlag der Reue. Er starb den Tod eines Untergegangenen.</p>
-
-<h6 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_1_Einfache_96"><b>96. König und Volk.</b></h6>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Die Ergänzung durch Hauptwörter mit Verhältnißwörtern.)</p>
-
-<p>Ein König lebt <em class="gesperrt">seiner Stellung gemäß</em>. Er glänzt infolge seiner
-Würde. Kraft seiner Macht regiert er. Vermöge seines Heeres schützt er.
-Zufolge seiner Gewalt kann er strafen. Er straft laut der Gesetze.</p>
-
-<p>Das Volk steht <em class="gesperrt">unter dem Gesetze</em>. Der brave Unterthan lebt nach
-den gegebenen Verordnungen. Er schweigt zu den Reden der Aufrührer.
-Seine Gedanken stimmen für den Frieden. Er denkt an die Schrecken
-einer Revolution. Sie drängt zu schrecklichen Greueln. Sie führt durch
-Menschenblut.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_97">[S. 97]</span></p>
-
-<h6 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_1_Einfache_97"><b>97. Im Sturme.</b></h6>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Die Ergänzung ein Zeitwort in reiner Form.)</p>
-
-<p>Der alte Donnergott beliebt <em class="gesperrt">zu grollen</em>. Der Himmel beginnt
-<em class="gesperrt">zu dunkeln</em>. Der Sturm fängt an zu toben. Das Schiff sucht zu
-entkommen. Es strebt einzulaufen. Das Fahrzeug hebt an zu kämpfen. Es
-scheint zu bersten. Es droht zu sinken. Der Kapitän aber hofft dennoch
-zu siegen.</p>
-
-<p>Er befiehlt zu kappen. Er verordnet zu kreuzen. Das Matrosenvolk indeß
-fürchtet zu stranden. Es wünscht zu ankern.</p>
-
-<p>Da mahnt der Kapitän zu gehorchen. Endlich beginnt er zu fluchen. Er
-droht zu züchtigen. Er gedenkt sogar zu schießen.</p>
-
-<p>Der Kapitän verfügt aufs neue zu kreuzen. Die Matrosen beschließen zu
-gehorchen. Es gelingt endlich anzulegen. Das Schiff ist gerettet.</p>
-
-<h6 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_1_Einfache_98"><b>98. Die Wahrheit.</b></h6>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Einfache Ergänzung. Alle vier Fälle.)</p>
-
-<p>Die Wahrheit siegt kraft ihrer Macht. — Sie stammt aus dem Himmel. —
-Christus zeugte von ihr. — Er starb sogar für sie. — Was hatte er zu
-dulden!</p>
-
-<h6 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_1_Einfache_99"><b>99. Die Eisenbahn.</b></h6>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Wiederholung aller Ergänzungen mit Verhältnißwörtern.)</p>
-
-<p>Ein Eisenbahnzug wird vermöge der Dampfkraft bewegt. Die Wagen rollen
-auf eisernen Geleisen dahin. Man staunt über die Fahrgeschwindigkeit.
-Die Mitfahrenden wähnen zu fliegen.</p>
-
-<p>Die Eisenbahnen wirken auf alle Handelsverhältnisse wohlthätig ein.
-Sie halten auf strenge Pünktlichkeit. Die Fahrten hängen nicht von der
-Witterung ab.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_98">[S. 98]</span></p>
-
-<p>Ihr Nutzen wird von dem Publikum auch verstanden. Die Eisenbahnen
-streben daher nach immer größerer Ausdehnung.</p>
-
-<p>Eine Eisenbahnfahrt leidet zwar auch an Schattenseiten. Die Zeitungen
-berichten sehr oft von Eisenbahnunfällen. Zuweilen rennt ein Zug an
-den andern. Wagen kommen aus den Geleisen. Infolge dieser Ereignisse
-verunglücken namentlich viele Bahnbeamte. Manche verunglücken freilich
-auch zufolge ihrer Unvorsichtigkeit. Viele denken gar nicht mehr an die
-Gefahr. Sie bauen leider zu sehr auf ihre Sicherheit. Einzelne wagen in
-dieser Hinsicht wol gar zu freveln.</p>
-
-<p>Trotz alledem aber steht der Segen der Eisenbahnen weit über ihren
-Nachtheilen.</p>
-
-<p class="s4 center mtop1_5" id="Satzlehre_Ergaenzungen_1_Einfache_100">Hauptwiederholung.</p>
-
-<h6 class="s4" title="Hauptwiederholung.
-100. Der Geburtstag."><b>100. Der Geburtstag.</b></h6>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Erweitertes Subject. Prädikat und einfache Ergänzung.)</p>
-
-<p>Das einzige Söhnchen eines reichen Kaufmanns in dem schöngelegenen
-Dorfe S. feierte seinen achten Geburtstag.</p>
-
-<p>Der freundliche Vater des lieben Knaben hatte alle artigen Gespielen
-der nächsten Nachbarschaft eingeladen.</p>
-
-<p>Sein biederes Vaterherz war dem frohen Treiben einer lustigen
-Kinderschaar hold.</p>
-
-<p>Auch der lieben Mutter des munteren Willi gefiel ein solch heiteres
-Kränzchen aus dem glücklichen Reiche lebensfroher Kinder.</p>
-
-<p>Der hellerleuchtete Salon des wohlhabenden Kaufmanns nahm das fröhliche
-Völkchen der zahlreichen Festgeladenen auf.</p>
-
-<p>Der bunte Kranz der lebendigen Schaar entwickelte ein jubelndes Leben.</p>
-
-<p>Die umsichtigen Eltern des blondlockigen Geburtstagskindes hatten für
-allerhand Unterhaltungen aus dem großen Bereiche der kindlichen Spiele
-gesorgt.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_99">[S. 99]</span></p>
-
-<p>Sogar der alte Onkel des gefeierten Willi hatte eine allerliebste
-Auswahl verschiedener Belustigungsgegenstände mitgebracht.</p>
-
-<p>Die heitere Kinderschaar des traulichen Kreises folgte der freundlichen
-Einladung zum Spiele.</p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_2_Doppelte"><span class="antiqua">B.</span>
-Doppelte Ergänzung.</h5>
-
-<h6 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_2_Doppelte_101"><b>101. Der Thierquäler.</b></h6>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Im vierten und zweiten und vierten und dritten Falle.)</p>
-
-<p>Ein Herr beschuldigte <em class="gesperrt">einen Fuhrmann der Thierquälerei</em>. Der
-Fuhrmann zieh ihn dafür der Lüge. Der Herr aber überführte ihn der
-Schandthat. Er versicherte sich seiner Person. Schließlich übergab er
-den Thierquäler der Polizei. Die Polizei aber überlieferte den rohen
-Menschen dem Gerichte.</p>
-
-<p>Der Fuhrmann suchte den Richter seiner Unschuld zu versichern. Jener
-Herr belehrte indeß den Mann des Gesetzes eines Besseren. Der Richter
-verwies den Angeklagten seiner Lüge. Er überhob ihn schließlich aller
-weiteren Selbstvertheidigung.</p>
-
-<p>Das Strafurtheil beraubte den Fuhrmann seiner Freiheit. Es überwies
-ihn dem Gefängnisse. Das Fluchen des Verurtheilten entband ihn der
-Verbüßung der Strafe nicht. Nur die Milde des Richters entließ ihn
-schließlich der Haft.</p>
-
-<h6 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_2_Doppelte_102"><b>102. Oskar.</b></h6>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Rückbezügliche Zeitwörter. Im dritten und vierten Falle.)</p>
-
-<p>Der begabte Oskar ließ <em class="gesperrt">sich</em> an einem Schauladen <em class="gesperrt">von einem
-schönen Bilde</em> fesseln. Er erbaute <em class="gesperrt">sich</em> förmlich <em class="gesperrt">an der
-herrlichen Zeichnung</em>. Er nahte sich der Kunstschöpfung wiederholt
-mit stiller Bewunderung.</p>
-
-<p>Bald darauf besprach er sich mit seinem Vater. Der Vater entschloß
-sich zum Leihen des Bildes. Oskar verpflichtet sich<span class="pagenum" id="Seite_100">[S. 100]</span> dafür zum Copiren
-desselben. Er fürchtet sich nicht vor der Schwierigkeit.</p>
-
-<p>Tagtäglich widmet er sich nun der Künstlerarbeit. Zwei Wochen quält er
-sich mit dem Anlegen der Figuren. Drei Wochen plagt er sich mit der
-Schattirung. Endlich ist die Copie fertig. Welch ein Genie spricht sich
-in ihr aus! Sie läßt sich kaum von dem Originale unterscheiden.</p>
-
-<p>Der Vater betrachtet sie. Er giebt sich lange dem Staunen hin. Endlich
-spricht er zu Oskar: „Mein Sohn! Du neigst Dich ganz zur Kunst hin. Du
-sollst Dich ihr auch ergeben dürfen.“</p>
-
-<h6 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_2_Doppelte_103"><b>103. Eine Verirrung.</b></h6>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Rückbeziehung. Vierter und zweiter Fall.)</p>
-
-<p>Der Korporal Schimmel befleißigte <em class="gesperrt">sich der größten
-Pünktlichkeit</em>. Er entledigte <em class="gesperrt">sich aller dienstlichen
-Aufträge</em> aufs sorgfältigste. Er entäußerte sich oft sogar
-seiner freien Zeit. Seine soldatische Ausbildung entzog sich jedem
-Tadel. Während seiner ganzen Dienstzeit durfte er sich keiner
-Pflichtverletzung anklagen.</p>
-
-<p>Später wurde er Offizier. Leider schämte er sich nun seiner niederen
-Abkunft. Er erinnerte sich nicht gern mehr seiner armen Eltern. Er
-enthielt sich sogar des Besuchs derselben.</p>
-
-<p>Erst nach vielen Jahren besann er sich eines Besseren. Er entschlug
-sich der stolzen Gedanken. Die dankbare Kindesliebe bemächtigte sich
-wieder seines Herzens.</p>
-
-<h6 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_2_Doppelte_104"><b>104. Bestrafte Eitelkeit.</b></h6>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Doppelte Ergänzung. Vierter und vierter Fall.)</p>
-
-<p>Otto’s Sparbüchse hatte sich wieder <em class="gesperrt">um einige Thaler</em>
-bereichert. Da erklärte sich der eitle Knabe <em class="gesperrt">für den Ankauf einer
-Taschenuhr</em>. Bald auch setzte er sich in den Besitz einer<span class="pagenum" id="Seite_101">[S. 101]</span> solchen
-Zeitmesserin. Fast alle Augenblicke sah er sich die Uhr an. Bald aber
-wunderte er sich über ihren Gang. Sie kehrte sich wenig an die rechte
-Zeit. Sie ließ sich zuweilen sogar an das Gehen erinnern.</p>
-
-<p>Da entschloß sich Otto zur Selbsthilfe. Er wagte sich an das innere
-Werk. Endlich machte er sich gar an die Räder.</p>
-
-<p>Die Uhr aber rächte sich für diese Kühnheit. Sie bewegte sich nicht
-mehr von der Stelle. Otto ärgerte sich über diese Tücke. Die Uhr
-kümmerte sich indeß nicht um seinen Groll. Sie blieb stehen. Sie war
-schlecht.</p>
-
-<p>Otto mußte sich als einen Betrogenen betrachten. Er sah sich jetzt um
-sein schönes Geld gebracht.</p>
-
-<p>Er ließ sich die Eitelkeit blenden. Lange noch grämte er sich über
-seine Thorheit.</p>
-
-<h6 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_2_Doppelte_105"><b>105. Großmuth.</b></h6>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Ergänzung. Dritter und vierter Fall.)</p>
-
-<p>Ein schwer verwundeter Zuave entsendete <em class="gesperrt">einem deutschen
-Freiwilligen</em> noch <em class="gesperrt">einen Schuß</em>. Der Freiwillige hätte dem
-braunen Gesellen eine Kugel erwidern können. Sie würde diesem sicher
-das Herz durchbohrt haben. Aber der Deutsche verzieh dem tückischen
-Feinde die That. Er entriß ihm blos das Gewehr. Zudem schnallte er ihm
-den Säbel ab. Darauf aber verkündete er dem Zuaven die Gefangenschaft.</p>
-
-<p>Der Schmerz der Wunde hatte dem Afrikaner die Wangen gebleicht. Ein
-brennender Durst erschwerte ihm das Sprechen. Der Freiwillige reichte
-ihm die Feldflasche. Auch ein Stück Brod gab er dem Hungrigen. Wie
-mundete dem Erschöpften der Schluck Wein! Wie schmeckte ihm der Bissen
-Brod!</p>
-
-<p>Der Freiwillige indeß zeigte dem Gefangenen noch mehr Großmuth. Er
-verband ihm seine Wunde. Er trug ihm sein Gepäck. Er bot ihm sogar
-seinen Arm an.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_102">[S. 102]</span></p>
-
-<p>Solcher Edelsinn rührt dem Wüstensohne das Herz. Er drückt dem
-Deutschen die Hand. Er will ihm sogar die Hand küssen. Der Freiwillige
-indeß entzieht ihm dieselbe.</p>
-
-<p>Der Freiwillige übergab den Gefangenen dem nächsten Feldgendarm. Darauf
-aber bot er den feindlichen Reihen aufs neue die Stirn. Aufs neue
-zeigte er dem Feinde seinen Heldenmuth.</p>
-
-<h6 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_2_Doppelte_106"><b>106. Der Geiz.</b></h6>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Wiederholung der Doppelergänzungen.)</p>
-
-<p>Der Geiz beraubt den Menschen vieler Freuden. Er verdüstert ihm das
-ganze Leben. Er taucht das Herz in eisige Kälte. Er fesselt seine Beute
-an den todten Geldkasten. Der Geizige erbarmt sich nicht einmal seines
-Viehes.</p>
-
-<h6 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_2_Doppelte_107"><b>107. Michel.</b></h6>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Fortsetzung.)</p>
-
-<p>Der alte Diener Michel bewies seinem Herrn große Treue. Dafür schenkte
-ihm dieser auch volles Vertrauen. Er nannte ihn seine rechte Hand.
-Er bezeichnete ihn als seinen Vertrauten. Er würdigte ihn sogar der
-Mitwissenschaft seiner Vermögensverhältnisse.</p>
-
-<p>Ueber diese Auszeichnung ärgerten sich die anderen Diener. Sie ergingen
-sich in neidischen Bemerkungen. Sie erlaubten sich wol gar Schimpfreden.</p>
-
-<p>Der alte Michel aber enthielt sich aller Gegenbeleidigungen. Er
-befleißigte sich der großmüthigsten Geduld. Er suchte die Mißgünstigen
-nicht einmal eines Besseren zu belehren.</p>
-
-<p>Endlich zeigte Jemand dem Herrn das ungebührliche Verhalten jener
-Diener an. Der Herr dankte diesem für diese Mittheilung. Gleich darauf
-besprach er sich mit dem Alten. Michel bewahrte sich dabei vor jeder
-Anklage.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_103">[S. 103]</span></p>
-
-<p>Ueber diese Biederkeit freute sich der Herr abermals. Jene Diener aber
-erhielten von ihm harte Strafe. Er entließ sie ihrer Stellung.</p>
-
-<h6 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_2_Doppelte_108"><b>108. Eine Jubelfeier.</b></h6>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Wiederholung. Subjecte, Prädikate, Ergänzungen erweitert.)</p>
-
-<p>Der allgütige Vater aller Menschenkinder ließ den ehrwürdigen Pfarrer
-des großen Fabrikdorfes W. an der gebirgigen Grenze des böhmischen
-Landes den schönen Tag seines fünfzigjährigen Amtsantrittes erleben.</p>
-
-<p>Die sämmtlichen Einwohner des belebten Ortes zollten dem greisen Hirten
-ihrer Seelen die aufrichtigste Theilnahme ihrer biederen Herzen.</p>
-
-<p>Selbst die verschiedenen Kreise der wohlgesitteten Schuljugend
-bezeugten dem freundlichen Inspector ihrer geliebten Bildungsstätte den
-ungeheucheltsten Antheil an seinem seltenen Glücke.</p>
-
-<p>Die wohlhabenden Bewohner des umfangreichen Kirchspiels hatten es sich
-bedeutende Opfer an baarem Gelde kosten lassen.</p>
-
-<p>Die heutige Feier eines so bedeutungsvollen Festes sollte auf die
-gesammte Einwohnerschaft einen bleibenden Eindruck machen. Das
-gutgeschulte Musikchor des bevölkerten Ortes brachte dem frohbewegten
-Jubelgreise eine erhebende Morgenmusik nach Compositionen alter Meister.</p>
-
-<p>Auch die weithallenden Glocken des fahnengeschmückten Thurmes sendeten
-dem gottbegnadigten Priester der ehrsamen Gemeinde die jubelnden Grüße
-ihrer ehernen Zungen.</p>
-
-<p>Mehrere große Ehrenpforten mit sinnigen Inschriften gaben den
-verschiedenen Aufgängen zu dem mit frischen Blumenkränzen gesäumten
-Gotteshause ein festliches Gepräge.</p>
-
-<p>Eine ziemliche Zahl angesehener Glieder der dankbaren Kirchfahrt
-überreichte dem hochgeachteten Verkünder des göttlichen Wortes eine
-wunderschöne Prachtbibel mit schwerem Goldbeschlage.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_104">[S. 104]</span></p>
-
-<p>Die bemittelten Jünglinge des kleinen Nebendorfes N. schenkten ihrem
-alten Beichtvater eine silberne Dose von dem berühmtesten Goldarbeiter
-der fernen Residenz.</p>
-
-<p>Und so wurden dem überraschten Jubelgreise noch verschiedene Geschenke
-der kostbarsten Art von seinen theilnehmenden Kirchkindern überbracht.</p>
-
-<p>Der gefeierte Alte freute sich der herrlichen Festgaben seiner
-geliebten Gemeinde.</p>
-
-<p>Noch mehr aber freute sich der Freudenthränen weinende Seelenhirt über
-die ungekünstelte Theilnahme der braven Herzen seiner von ihm treu
-gehüteten Heerde.</p>
-
-<p>Ein allgemeines Volksvergnügen zu Ehren des seltenen Tages gab dem
-schönen Feste aufrichtiger Dankbarkeit einen heiteren Abschluß.</p>
-
-<div class="section">
-
-<h4 id="Satzlehre_Ergaenzungen_2"><b>2. Ergänzung der Eigenschaftswörter.</b></h4>
-
-</div>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_2_109"><b>109. Judas.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Im zweiten Falle.)</p>
-
-<p>Judas war schon längst <em class="gesperrt">des Geizes</em> verdächtig. Er war nie <em class="gesperrt">der
-Armen</em> eingedenk. Sein Herz zeigte sich <em class="gesperrt">alles Mitleids</em> quitt.</p>
-
-<p>Nie war er sich der Liebe seines Herrn bewußt. Wohl aber schien er
-der Heuchelei fähig zu sein. Diese Eigenschaften machten ihn der Huld
-seines Herrn unwürdig.</p>
-
-<p>Judas ging seines Heils verlustig. Er machte sich des heillosesten
-Verrathes schuldig. Und so wurde er einer schweren Sünde theilhaftig.</p>
-
-<p>Er war der Pläne der schändlichen Pharisäer kundig. Einer<span class="pagenum" id="Seite_105">[S. 105]</span> Belohnung
-ihrerseits durfte er gewiß sein. So beging er den schändlichen Verrath.</p>
-
-<p>Aber jede böse That ist ihrer Strafe gewiß. Judas wurde sich seines
-Verbrechens bewußt. Die Reue folgte. Sein Gemüth war alles Haltes
-ledig. Sein Herz war aller Hoffnung auf Vergebung bar. Er wurde endlich
-der quälenden Gewissensbisse müde. Sein Ende war Selbstmord. Immerhin
-aber ist dieser gefallene Jünger des Mitleids bedürftig.</p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_2_110"><b>110. Strenge Zucht.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Dritter Fall.)</p>
-
-<p>Strenge Zucht ist <em class="gesperrt">manchem Kinde</em> lästig. Schon ein leiser Tadel
-ist ihm ärgerlich. Ernste Zurechtweisungen werden ihm widerlich. Am
-unangenehmsten ist ihm die Ruthe. Diese aber ist manchen Kindern gerade
-sehr nützlich. Jede Strafe ist überhaupt dem Empfänger heilsam.</p>
-
-<p>Das Kind ist dem Vater lieb. Des Kindes Seelenwohl ist ihm nicht
-gleichgiltig. Seine Erziehung ist ihm wichtig. Er selbst ist dem
-Strafen abhold. Das Züchtigen wird ihm schwer. Bleibt aber das Kind
-dem Guten nicht treu; wird ihm der Gehorsam zu schwer; ist ihm die
-Wahrheitsliebe nicht eigen; ist ihm der Fleiß zu unbequem; dann straft
-er. Dadurch soll dem Kinde das Vergehen bewußt werden. Es soll ihm leid
-sein. Es soll den Untugenden in Zukunft feind bleiben.</p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_2_111"><b>111. Die alte Linde.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Im vierten Fall.)</p>
-
-<p>Hinter meinem Vaterhause stand eine Linde. Sie mochte wohl <em class="gesperrt">hundert
-Jahre</em> alt sein. Sie stand auf einem Hügel. Derselbe war etwa
-<em class="gesperrt">zehn Meter</em> erhaben. Der Stamm der Linde war zwei Meter dick.
-Sie war im Ganzen etwa<span class="pagenum" id="Seite_106">[S. 106]</span> fünfzig Meter hoch. Der Umfang ihrer Aeste war
-dreißig Meter breit.</p>
-
-<p>Später wurde diese Linde gefällt. Ihr Holz war an die dreißig Thaler
-werth. Der Kessel, in dem sie gestanden hatte, war drei Meter tief.
-Zudem war das Loch wenigstens fünf Meter breit.</p>
-
-<p>Der Lindenstamm sollte nun zerschnitten werden. Aber die Säge langte
-nicht zu. Ihr Bügel stand zwanzig Centimeter zu niedrig. Das Sägenblatt
-war sechzig Centimeter zu kurz. Man mußte deshalb den Stamm wenden.</p>
-
-<p>Es wurde eine andere Linde gepflanzt. Diese war freilich etwa
-neunundneunzig Jahre jünger.</p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_2_112"><b>112. Der Knochen.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Ergänzung der Eigenschaftswörter durch ein Verhältnißwort.)</p>
-
-<p>Im Hofe, erzählte ein Vater, lag ein fetter Knochen. Links von ihm
-kauerte eine Katze. Rechts davon saß Ammi. Beide waren <em class="gesperrt">auf den
-Knochen</em> förmlich versessen. Der Magen einer Katze ist überhaupt
-stets gierig <em class="gesperrt">auf Fraß</em>. Ihre Augen sind lüstern nach jedem
-Stückchen Fleische. Sie ist daher fortwährend zum Naschen bereit.</p>
-
-<p>Nicht weniger war Ammi auf den Knochen erpicht. Auch Hundemagen sind ja
-auf Fleisch zuweilen sehr begierig.</p>
-
-<p>Lange saßen die beiden Gegner einander gegenüber. Die Katze schien
-auf einen kühnen Sprung vorbereitet zu sein. Ebenso schien auch Ammi
-auf einen Gewaltstreich gefaßt. War er doch auch zum Apportiren wohl
-abgerichtet.</p>
-
-<p>Man mußte auf den Ausgang gespannt sein. Da plötzlich krümmt die Katze
-den Rücken. Somit sind ihre Füße zum Sprunge eingerichtet. Ihr Auge
-sprüht förmlich Funken. Sie ist wie von einem bösen Geiste besessen.
-Ein gewaltiger Satz — und der<span class="pagenum" id="Seite_107">[S. 107]</span> Knochen ist in ihrer Gewalt. Im Nu
-sitzt sie damit auf dem Baume. Sie ist stolz auf ihre Beute.</p>
-
-<p>Ammi scheint einen Augenblick vom Schreck ergriffen zu sein. Bald aber
-kommt er wieder zur Besinnung. Er ist ergrimmt über die Frechheit der
-Katze. Er ist entrüstet über die eigene Dummheit. Aber Alles zu spät.
-Ihm bleibt blos das Nachsehen.</p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_2_113"><b>113. Der Löwenbändiger.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Wiederholung der Ergänzungen der Eigenschaftswörter.)</p>
-
-<p>Die Straßenecken sind von neugierigem Publikum umstanden. Ein breiter
-Anschlagbogen ist mit großer Schrift bedruckt.</p>
-
-<p>Ein Löwenbändiger will heute Abend eine Vorstellung geben. Solchen
-grassen Schauspielen ist das Volk sehr zugethan. Die Sucht nach
-Schauerlichem war stets der großen Menge eigen. Freilich ist dieser Zug
-des Menschen nicht recht würdig.</p>
-
-<p>Die angezeigte Stunde schlug. Das Volk versammelte sich.</p>
-
-<p>Der Löwenkäfig war drei Meter hoch. Zudem war er sechs Meter lang und
-vier Meter tief. Das Eisengitter schien mehrere Zentner schwer zu sein.</p>
-
-<p>So war der Käfig für einen Löwen sehr bequem. Das majestätische Thier
-aber schien über die gaffende Menge etwas erregt zu sein. Ihr Tumult
-war ihm ärgerlich. Er schien des Beschauens förmlich müde zu werden.</p>
-
-<p>Endlich erschien der Löwenbändiger. Er mußte wohl aller Furcht ledig
-sein. Gewiß war er sich seiner Uebermacht über das Thier bewußt. Er
-trug ein Lamm unter dem Arme.</p>
-
-<p>Das Publikum war über sein Erscheinen erfreut. Es war ja auf die
-Vorstellung äußerst gespannt.</p>
-
-<p>Der Löwe wurde ob des Lämmchens etwas unruhig. Seine Augen wurden nach
-dem Braten lüstern. Aber er blieb des Gehorsams<span class="pagenum" id="Seite_108">[S. 108]</span> eingedenk. Er war ja
-auf Selbstbeherrschung abgerichtet. Und er war ihrer auch vollkommen
-mächtig.</p>
-
-<p>Das Lämmchen wird ob des Unholds keineswegs ängstlich. Es ist an den
-Anblick gewöhnt. Es scheint sich seiner Unantastbarkeit bewußt zu sein.</p>
-
-<p>Der Löwe gehorcht aufs Wort. Er ist zu allen Sprüngen willig. Er ist zu
-jeder Unterwürfigkeit bereit. Nicht einer einzigen Widersetzlichkeit
-macht er sich schuldig. Der Stock würde ihm sonst auch gewiß sein.
-So ist er schließlich einer Belohnung sicher. Und ein Stück rohes
-Pferdefleisch ist seinem Magen sehr erwünscht.</p>
-
-<p>Die Vorstellung lief ohne Unfall ab. Der kühne Löwenbändiger schien dem
-Händeklatschen der erstaunten Menge nicht feind zu sein. Ihr Beifall
-war ihm angenehm. Dankend trat er ab.</p>
-
-<p class="s4 center mtop1_5" id="Satzlehre_Ergaenzungen_2_114">Hauptwiederholung.</p>
-
-<h5 class="s4"><b>114. Der Dieb.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Erw. Subj. u. Präd. Ergänz. d. Zeit- u. Eigenschaftsw.)</p>
-
-<p>Der älteste Sohn des braven Zutreibers des verschiedenen Schlachtviehes
-in der belebten Stadt R. war des schlauen Diebstahls einer goldenen
-Taschenuhr verdächtig.</p>
-
-<p>Deshalb wurde dieser längstbekannte Freund des leichtsinnigen
-Umhertreibens des freien Verkehrs mit seinen liederlichen Genossen
-verlustig.</p>
-
-<p>Die düstere Zelle des einsamen Gefängnißthurmes inmitten der alten
-Stadtmauer schien freilich dem großen Verehrer eines ungebundenen
-Lebens nicht angenehm zu sein.</p>
-
-<p>Der kluge Vorsitzende des städtischen Gerichts war auf ein freches
-Ableugnen der gesetzwidrigen That von seiten des durchtriebenen
-Burschen vorbereitet.</p>
-
-<p>Das gesammte Personal des löblichen Schöppengerichts war<span class="pagenum" id="Seite_109">[S. 109]</span> indeß von der
-nichtswürdigen Veruntreuung fremden Eigenthums durch jenen schlauen
-Jünger der gefährlichen Taschendiebe überzeugt.</p>
-
-<p>Das kecke Ableugnen des schmählichen Vergehens mußte daher dem
-verstockten Uebertreter des siebenten Gebotes nur nachtheilig sein.</p>
-
-<p>Die gesammte Bewohnerschaft der mittelgroßen Stadt war auf das endliche
-Strafurtheil der gewissenhaften Richter gespannt.</p>
-
-<p>Die schließliche Bestrafung mit zehn langen Monaten schwerer Arbeit
-auf dem strengen Zuchthause der nahen Festung N. war für jenes räudige
-Mitglied der menschlichen Gesellschaft nicht zu hart.</p>
-
-<div class="section">
-
-<h4 id="Der_Umstand_des_Ortes">Der Umstand des Ortes.</h4>
-
-</div>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Ort_115"><b>115. Eine Stätte der Armuth.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Wo? Umstands- und Verhältnißwörter.)</p>
-
-<p>Das enge Stübchen der alten Mutter Beate bot ein trauriges Bild. <em class="gesperrt">In
-einem düsteren Winkel</em> erblickte man ein Häufchen halbvermodertes
-Stroh. <em class="gesperrt">Auf demselben</em> lagen einige zerlumpte Kleidungsstücke.
-Hier schlief die arme Alte. Oberhalb ihres Kopfes hatte ihre Katze ihr
-Nachtlager aufgeschlagen.</p>
-
-<p>Neben dieser elenden Ruhestatt der bejahrten Beate stand ein morsches
-Tischchen. An diesem saß sie gewöhnlich. Dabei huschelte die Katze
-hinter ihrem Rücken. Der Tisch war zugleich der Aufbewahrungsort für
-die ärmlichen Nahrungsmittel. Hier lag ein Laib Brod. Vorn war derselbe
-mit Schimmel bedeckt, hinten hatten ihn die Mäuse benagt. Dort stand
-ein Rest gekochter Kartoffeln. Mitten auf dem Tische erblickte man
-eine thönerne Kaffeekanne. Vor ihr stand eine halbzerbrochene Tasse.
-Zwischen beiden sah man ein Häuflein grobes Salz.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_110">[S. 110]</span></p>
-
-<p>Dicht bei der Thür knisterte ein kleiner Blechofen. Eine Hand
-voll dürrer Aeste lag zu seinen Füßen. An der einen Wand hing ein
-verblichenes Christusbild. Unter ihm war ein handgroßer Spiegel
-befestigt. Rechts davon erblickte man das Bildniß des Landesvaters.
-Links davon sah man ein aus einem Kalender geschnittenes
-Schlachtenbild. Die Wände selbst befanden sich in einem sehr kläglichen
-Zustande. Oben drang das Regenwetter herein. Unten war das Gebälk vom
-Moder zerfressen. Ueber dem einzigen Fensterchen zeigte sich sogar ein
-fast einen Centimeter breiter Riß.</p>
-
-<p>So fand das Auge nirgends eine kleine Befriedigung. Ueberall trat ihm
-das Bild der Armuth entgegen.</p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Ort_116"><b>116. Sturax.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Wohin? Umstands- und Verhältnißwörter.)</p>
-
-<p>Der alte Schäfer Thomas hatte einen vortrefflichen Jagdhund. Er
-hieß Sturax. Sturax war ein überaus kluges Thier. Er kannte die
-besten Weideplätze ganz genau. Bald trieb er deshalb die Schafe
-<em class="gesperrt">links</em> dahin. Bald führte er sie <em class="gesperrt">rechts</em>. Jetzt mußten sie
-<em class="gesperrt">vorwärts</em> gehen. Nach einer Weile drängte er sie seitswärts. Er
-selbst rannte dabei stets hin und her. In diesem Augenblicke eilte er
-<em class="gesperrt">dorthin</em>, im nächsten jagte er wieder hierhin.</p>
-
-<p>Im späteren Herbste durfte sich die Heerde überallhin zerstreuen.
-Einige Schafe begaben sich dann nach dem nahen Waldrande. Andere
-grasten an einem Bache fort. Eine Anzahl kletterte auf die Hügel.
-Einzelne zogen sich unter Gebüsch zurück.</p>
-
-<p>An solchen Tagen legte sich Sturax meist zu den Füßen des alten Thomas.
-Ohne Auftrag lief er dann nirgends hin. Seine Augen aber flogen dabei
-hinüber und herüber. Sie verfolgten die einzelnen Schafe bergauf und
-thalab.</p>
-
-<p>Endlich sank dann die Sonne hinter die fernen Gebirgshäupter.<span class="pagenum" id="Seite_111">[S. 111]</span>
-Dämmerung lagerte sich über die Flur. Da gab Thomas das Zeichen zur
-Heimkehr. Sogleich trieb Sturax die zerstreute Heerde zu dem Hirten
-zurück. Langsam schritt dieser nun voraus. Geduldig folgte die Heerde
-durch Dick und Dünn. Hierbei übte Sturax wieder das Wächteramt nach
-allen Seiten hin.</p>
-
-<p>So gelangte die Schaar endlich vor den Schafstall. Aber auch hier trat
-der treue Hund noch nicht ab. Er begleitete sein Volk noch in den Stall
-hinein.</p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Ort_117"><b>117. Treibjagd.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Woher? Umstandswörter und Verhältnißwörter.)</p>
-
-<p>Die Jäger standen in einem weiten Kreise postirt. Der Schnee fiel in
-dichten Massen <em class="gesperrt">hernieder</em>. Das störte sie nicht.</p>
-
-<p>Bald erscholl das Lärmen der Treiber daher. Einige kamen <em class="gesperrt">von den
-Anhöhen herab</em>. Andere kletterten von den nahen Felsen herunter. Von
-links schrillten Pfeifen. Von rechts nahten die Fuchsklappern. Wieder
-wo andersher ertönte Peitschengeknall.</p>
-
-<p>Das gescheuchte Wild stürzte von allen Seiten herbei. Aus dem Walde
-kamen eine Menge Hasen. Rehe fegten über die kahlen Stoppelfelder
-daher. Ein feister Hirsch jagte von seitwärts auf die Jäger zu.</p>
-
-<p>Mochten aber die armen Thiere von daher oder dorther kommen, das Blei
-aus dem Rohre der Jäger brachte ihnen den Tod.</p>
-
-<p class="s4 center mtop1_5">Wiederholung der Ortsbestimmung.</p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Ort_118"><b>118. Die Elbe.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Wo? Wohin? Woher?)</p>
-
-<p>Die Elbe entspringt auf dem Riesengebirge. Sie fließt zunächst durch
-den östlichen Theil Böhmens. Bei dem Städtchen<span class="pagenum" id="Seite_112">[S. 112]</span> Melnik wird sie
-schiffbar. Auf ihrem Rücken schaukeln hier schon bedeutende Kähne.
-Unweit Schandau tritt sie nach Sachsen ein. Sachsen empfängt also den
-herrlichen Strom aus Böhmen.</p>
-
-<p>In der Nähe des Städtchens Strehla verläßt er den sächsischen Staat
-wieder. Von hier an lenkt er seinen Lauf westlich. Sein Sinn steht nach
-Magdeburg. Dort bildet die Elbe eine sehr belebte Handelsstraße. Von
-Magdeburg weg steuert sie weiter nach Norden. Endlich windet sie sich
-aus der nördlichen Ebene heraus. Dicht bei Hamburg nimmt sie noch eine
-bedeutende Breite an. Mehrere Meilen von dieser Stadt ergießt sie sich
-dann in die Nordsee.</p>
-
-<p>Die Elbe nimmt auf ihrem langen Laufe viel Nebenflüsse auf. Eine große
-Zahl kommt von Westen daher. Andere strömen ihr von Osten her zu.
-Ihre Ufer sind fast überall sehr fruchtbar. Die reizendsten derselben
-liegen zwischen Bodenbach und Schandau. Die Elbwellen tragen eine
-Menge Kaufmannsgüter nach Süden. Aus der Tiefe dieses Flusses holt der
-Fischer manche Delicatesse für unsern Tisch. An seinem Gestade liegt
-manche schöne Stadt. Ueber seinen Spiegel führt manche schöne Brücke.
-In seine Fluten taucht zur Sommerzeit manch liebes Menschenkind.</p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Ort_119"><b>119. Die Luft.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Fortsetzung.)</p>
-
-<p>Luft gibt es überall. Sie befindet sich sogar im Wasser. Sie dringt in
-den kleinsten Raum. Sie kommt aus dem winzigsten Pflanzenzellchen.</p>
-
-<p>Die Luft lenkt ihre Strömungen nach allen Himmelsgegenden. Sie bläst
-aus allen Winkeln der Windrose. Luft ist selbst noch im sogenannten
-luftleeren Raume enthalten.</p>
-
-<p>Sie erhält allenthalben das Leben. Selbst in das todte<span class="pagenum" id="Seite_113">[S. 113]</span> Steinreich
-trägt sie Schöpfungskraft. Sie fächelt säuselnd durch die Haine. Sie
-rauscht als Wind durch die Gipfel. Sie wüthet als Sturm in den Wäldern.
-Sie braust als Orkan vom Meere herüber.</p>
-
-<p>Des Windes Sausen hörest Du. Du weißt indeß nicht, von wannen er kommt
-und wohin er fährt.</p>
-
-<p class="s4 center mtop1_5" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Ort_120">Hauptwiederholung.</p>
-
-<h5 class="s4"><b>120. Die neue Gutsherrschaft.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Subject, Prädicat, Ergänzungen. Ortsbestimmungen.)</p>
-
-<p>Eine mit zwei muthigen Apfelschimmeln bespannte Karosse aus der
-berühmten Wagenbaufabrik der königlichen Residenz brachte dem
-dichtbevölkerten Dorfe W. bei der fabrikreichen Stadt Ch. die neue
-Gutsherrschaft den mit Ehrenpforten geschmückten Dorfweg daher.</p>
-
-<p>Die zahlreiche Jugend des großen Schulbezirks widmete dem jungen Paare
-aus einem altadligen Geschlechte am fahnengeschmückten Eingange des
-frohbewegten Ortes einen mehrstimmigen Gesang nach einer reizenden
-Composition des alten Cantors.</p>
-
-<p>Der ehrwürdige Pfarrer des wohlhabenden Kirchspiels sprach unter
-einer riesigen Linde inmitten des weitgedehnten Dorfes der mit Jubel
-begrüßten Gutsherrschaft die herzlichsten Glückwünsche der gesammten
-Gemeinde aus.</p>
-
-<p>Der beliebte Seelsorger nannte von seinem altarähnlichen Tritte herab
-den jungen Herrn einen bekannten Freund christlicher Sitte.</p>
-
-<p>An dem dichtbekränzten Thore des umfangreichen Rittergutes überreichte
-der bejahrte Schulze des betreffenden Ortes dem nunmehrigen Schutzherrn
-der zahlreichen Bewohnerschaft ein kostbares Jagdgewehr neuester
-Einrichtung.</p>
-
-<p>Der liebenswürdigen Gemahlin des jungen Herrn dagegen<span class="pagenum" id="Seite_114">[S. 114]</span> schenkte die
-schmucke Tochter des reichsten Bauers des festgestimmten Ortes auf dem
-weiten Hofe des alterthümlichen Rittersitzes ein mächtiges Butterfaß
-mit silbernen Reifen.</p>
-
-<p>An der beflaggten Thür des sogenannten Herrenhauses übergab wiederum
-die männliche Dienerschaft des gnädigen Herrn dem neuvermählten Paare
-einen geschnitzten Holzteller mit einem hausbackenen Brode.</p>
-
-<p>Der männlichschöne Graf freute sich im tiefsten Grunde seines
-gefühlvollen Herzens der vielen Beweise vertrauensvoller Gesinnung von
-seiten der biederen Ortsbewohner.</p>
-
-<p>Diese sinnige Feier ihres heutigen Einzugs in ihren neuen Wohnsitz
-blieb dem ehrenwerthen Paare eine freundliche Erinnerung auf den bunten
-Blättern ihrer beiderseitigen Lebensgeschichte.</p>
-
-<div class="section">
-
-<h4 id="Der_Umstand_der_Zeit">Der Umstand der Zeit.</h4>
-
-</div>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Zeit_121"><b>121. Ein Brief.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Wann? Umstands- und Verhältnißwörter.)</p>
-
-<p class="center">Lieber Theodor!</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Vorgestern</em> ist unsere Reise nach Amerika zur Gewißheit geworden.
-<em class="gesperrt">Ueber ein Kleines</em> wirst Du mich also nicht mehr sehen. Mein
-Vater verkauft <em class="gesperrt">bereits</em> unsere Möbeln. Unser Haus ist unlängst
-in die Hände meines Onkels übergegangen. Derselbe wird nächstens auch
-meines Vaters Geschäft übernehmen. Sie sind heute um den Kaufpreis
-einig geworden.</p>
-
-<p>Auch ich habe soeben ein Verkaufsgeschäft abgeschlossen. Nachbars Otto
-erhält nämlich heute noch meine Kaninchen. In einer Stunde werden sie
-abgeholt. Für mein Eichhörnchen wird sich hoffentlich auch bald ein
-Liebhaber finden. Ich habe schon mein Absehen auf Jemand gerichtet.
-Es muß indeß nicht Alles<span class="pagenum" id="Seite_115">[S. 115]</span> sogleich verkauft sein. Es hat noch bis zum
-ersten Juni Zeit damit.</p>
-
-<p>Während der letzten Tage ist eine merkwürdige Veränderung mit mir
-vorgegangen. Ich hatte sonst diese Thiere unendlich lieb. Jetzt kann
-ich sie gleichgiltig hingeben. Vor vier Wochen bot mir ein Engländer
-zwei Thaler für das Eichhörnchen. Neulich wollte er sogar drei Thaler
-dafür geben. Ich hätte es ihm damals um keinen Preis abgelassen. Und
-nun habe ich zehn Groschen dafür erhalten.</p>
-
-<p>So herrscht gegenwärtig in meinem Hause ein eigenthümliches Leben. Vor
-acht Tagen noch befand sich Alles darin in schönster Ordnung. Jetzt
-geht es bunt durcheinander. Hoffentlich wird nach kurzer Zeit alles
-Entbehrliche verkauft sein. In den letzten Tagen unseres Hierseins
-werden wir freilich ein ziemlich ungemüthliches Leben führen müssen.
-Ich tröste mich indeß während dieser Zeit mit den Worten meines Vaters.
-Er sagte kürzlich: Einst wird’s besser!</p>
-
-<p>Zu nächstem Sonntage werde ich Dich noch einmal besuchen. Später würde
-mir ein Besuch nicht gut mehr möglich sein. Ich werde jedenfalls
-vormittags gegen neun Uhr bei Dir eintreffen. Vielleicht brauche ich
-erst abends heimzukehren.</p>
-
-<p>Sitzen wir dann zusammen in der Laube, wird Dir noch Mancherlei von
-seiner bevorstehenden Reise erzählen</p>
-
-<p class="right mright2">Dein Bruno.</p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Zeit_122"><b>122. Der Gemsjäger.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Wie lange? Seit wann? Umstands- und Verhältnißwörter.)</p>
-
-<p>Ein Gebirgsreisender begleitete einen alten Gemsjäger <em class="gesperrt">bei drei
-Stunden</em>. Dabei erzählte der Alte <em class="gesperrt">fortwährend</em> von seinem
-Jagdleben.</p>
-
-<p>„Ich bin“, sagte er unter Anderem, „seit acht Tagen von heim fort. Von
-früh bis abends durchstöbere ich das Gebirge. Dabei<span class="pagenum" id="Seite_116">[S. 116]</span> gibt es natürlich
-unaufhörlich zu steigen. Ueberdies ist man jederzeit jeder Witterung
-ausgesetzt. Auch hat man fast immer mit Gefahren zu kämpfen. Namentlich
-muß man auf den hohen Felsenpfaden stets auf der Hut sein. Ich habe
-einmal über zwei Stunden über einem Abgrunde gehangen. Ein andermal bin
-ich beinahe drei Tage ohne einen Trunk Wasser gewesen.</p>
-
-<p>Die Gemsjagd ist überhaupt nicht Jedermanns Ding. Der Gemsjäger muß
-oft tagelang hinter einem Verstecke aushalten. Er muß stundenlang
-regungslos liegen können. Dabei muß natürlich ununterbrochen
-ausgeschaut werden. Er muß ja jederzeit einer Gemse gewärtig sein. Und
-das gibt unausgesetzt Aufregung.</p>
-
-<p>Trotz alledem aber wird die Gemsjagd ewig ihre Reize behalten. Ich
-selbst bin schon gegen vierzig Jahre Gemsjäger. Und ich werde es
-bleiben bis an mein Ende.“</p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Zeit_123"><b>123. Ein alter Krieger.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Wie oft? Umstands- und Verhältnißwörter.)</p>
-
-<p>Der alte Nachtwächter Schmiedel war ein vielerfahrener Mann. Er war
-<em class="gesperrt">dreimal</em> mit ins Feld gezogen. Er hatte <em class="gesperrt">gegen zehnmal</em> im
-Feuer gestanden. <em class="gesperrt">Jederzeit</em> mußte er zu den Tapfersten gezählt
-werden. Merkwürdigerweise war er jedesmal ohne Verwundung davongekommen.</p>
-
-<p>Er erzählte übrigens selten von seinen Heldenthaten. Nur dann und wann
-vermochte ihn ein guter Freund zur Mittheilung seiner Erlebnisse zu
-bewegen. Zuweilen gedachte er dabei mit Seufzen der blutigen Jahre.
-Manchmal pries er wieder jene große Zeit.</p>
-
-<p>Schmiedel hatte also dem Vaterlande oft große Dienste geleistet. Er
-hatte demselben mitunter große Opfer gebracht. Und jetzt? Jetzt mußte
-er täglich in nächtlicher Stille das Dorf bewachen. Jetzt mußte er
-Nacht für Nacht die einsame Runde<span class="pagenum" id="Seite_117">[S. 117]</span> machen. Nicht über zwölfmal das
-ganze Jahr hindurch hatte er eine Nacht frei. Und welches war sein
-Gehalt? Er erhielt allmonatlich vier Thaler. Das macht jährlich
-achtundvierzig Thaler.</p>
-
-<p>So ist gewöhnlich Undank der Welt Lohn. Die einstigen Thaten der
-heldenmüthigen Krieger werden nicht selten später vergessen.</p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Zeit_124"><b>124. Moses.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Wiederholung aller Zeitbestimmungen.)</p>
-
-<p>Der kleine Moses war lange das Angstkind seiner Eltern. Seine Mutter
-hielt ihn geraume Zeit versteckt. Sein kindliches Weinen erfüllte sie
-gewiß sehr oft mit Zittern. Es konnte ja jeden Augenblick von den
-ägyptischen Kindesmördern gehört werden. Um sein Leben wäre es dann
-geschehen gewesen.</p>
-
-<p>Seit Wochen schon mochte die geängstigte Mutter über einen Rettungsplan
-nachdenken. Nächtelang mochte sie darüber sinnen. Täglich mochte sie
-den lieben Gott um einen glücklichen Gedanken bitten.</p>
-
-<p>Der Knabe entwickelte sich bereits merklich. Seine Stimme wurde von Tag
-zu Tag heller. Noch immer aber fand die arme Mutter keinen Rettungsweg.
-Und so steigerte sich fast stündlich ihre Sorge um sein Leben.
-Durchstreiften doch Pharao’s Knechte wiederholt die israelitischen
-Hütten.</p>
-
-<p>Da endlich kam der Geängsteten ein glücklicher Gedanke. Er sollte auch
-sogleich ausgeführt werden. Sie holte alsbald Weidenruthen herbei.
-Schon nach wenig Stunden war ein Körbchen geflochten. Darauf klebte sie
-es mit Pech aus. Jetzt füllte sie es zur Hälfte mit Stroh. Und so stand
-die seltsame Wiege bald fix und fertig da.</p>
-
-<p>In dieses Körbchen legte nun die Mutter ihren Liebling. In aller
-Frühe des nächsten Tages erblickte man es zwischen dem hohen Grase
-des Nils. Gerade an dieser Stelle kam ja<span class="pagenum" id="Seite_118">[S. 118]</span> selten ein Aegypter vorbei.
-Nur die menschenfreundliche Königstochter nahm gewöhnlich ihren
-Spaziergang in diese Gegend. Ueberdies mußte auch die Schwester des
-Knaben unausgesetzt Wache halten. Sie mußte fortwährend nach dem
-Kleinen sehen. Auch sollte sie zuweilen der Mutter über sein Befinden
-berichten. Ueberdies sah die Mutter gewiß selbst manchmal nach ihm.</p>
-
-<p>Hier nun wurde das Kind wenige Stunden darauf von der Königstochter
-entdeckt. Diese besann sich ob ihres Thuns keinen Augenblick. Das
-Kind wurde sofort einer Amme zur Erziehung übergeben. Die Amme war
-bekanntlich des Kindes eigene Mutter.</p>
-
-<p>Zehnmal hätte diese der edlen Prinzessin vor Freuden die Hand küssen
-mögen. Unzählige Male mag die glückliche Mutter dem lieben Gott für die
-Rettung ihres Kindes gedankt haben.</p>
-
-<p>Nach einer Reihe von Jahren nahm die Prinzessin den nun zum Jünglinge
-erwachsenen Findling als ihren Sohn an. Von jetzt an führte er den
-Namen Moses.</p>
-
-<p>Moses bewahrte seinem Volke stets ein theilnehmendes Herz. Er besuchte
-es fast täglich bei seiner Sklavenarbeit. Leider wurde er eines Tages
-aus Liebe zu seinen Brüdern zum Todtschläger. Er hätte sein Gewissen
-vor der That fragen sollen. Es räth jederzeit das Rechte.</p>
-
-<p>Moses mochte wol von Jugend an etwas jähzornig sein. In der Wüste
-dachte er später gewiß zuweilen an seine That zurück. Sicher hat er sie
-hundertmal bereut.</p>
-
-<p class="s4 center mtop1_5" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Zeit_125">Hauptwiederholung.</p>
-
-<h5 class="s4"><b>125. Jäger und Müller.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Subject, Prädicat, Ortsbestimmung. Ergänzungen.)</p>
-
-<p>Der braune Hund des herrschaftlichen Jägers hatte den ersten Dienstag
-nach dem heiligen Osterfeste auf dem grünen<span class="pagenum" id="Seite_119">[S. 119]</span> Gemeindeanger des kleinen
-Dorfes K. dem reichen Müller der neugebauten Mühle eine fette Henne aus
-dem theuern Geschlechte der Perserhühner erbissen.</p>
-
-<p>Die nächste Mittwoch darauf erschlug der rachsüchtige Müller dem
-unschuldigen Jäger unweit des alten Gottesackers hinter dem niedrigen
-Kirchlein eine junge Gans mit schwarzen Flügeln.</p>
-
-<p>Zudem nannte der jähzornige Mühlenbesitzer den braven Herrn jenes
-Hundes denselben Tag noch in dem vielbesuchten Gasthause zum braunen
-Stier einen elenden Pfuscher des edlen Waidwerkes.</p>
-
-<p>Wenige Tage darauf überreichte ein uniformirter Diener des nächsten
-Gerichtsamtes dem schnöden Beschimpfer eines achtbaren Mannes vor dem
-eisernen Thore seines geräumigen Gehöftes eine versiegelte Vorladung
-zum baldigen Erscheinen vor Gericht.</p>
-
-<p>Der beleidigte Forstmann hatte nämlich drei Tage nach jener
-Verunglimpfung geeigneten Ortes den ernannten Wächtern des schützenden
-Gesetzes die entehrende Auslassung des hitzköpfigen Müllers angezeigt.</p>
-
-<p>Drei ehrsame Gäste jenes bekannten Gasthauses versicherten zur
-betreffenden Stunde im öffentlichen Gerichtslokale die anwesenden
-Richter der reinen Wahrheit der schriftlichen Aussage des beleidigten
-Jägers.</p>
-
-<p>Eine Stunde später verkündete der beleibte Vorsitzende des Gerichts
-dem ergrimmten Angeklagten in einem besonderen Zimmer des kolossalen
-Gerichtshauses die gesetzliche Verurtheilung zur mündlichen Abbitte der
-ausgesprochenen Beleidigung.</p>
-
-<p>Von dieser Zeit an erklärte sich der bestrafte Müller allerorts als
-einen unversöhnlichen Feind des Jägers.</p>
-
-<p>Dieser indeß ließ jenem niemals irgendwo etwas von Erbitterung merken.</p>
-
-<div class="section">
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_120">[S. 120]</span></p>
-
-<h4 id="Der_Umstand_der_Weise">Der Umstand der Weise.</h4>
-
-</div>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Weise_126"><b>126. Mißgeschick.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Umstandswörter, Hauptwörter mit und ohne Verhältnißwörter.)</p>
-
-<p>Konrad war <em class="gesperrt">unter vielen Entbehrungen</em> herangewachsen. Er hatte
-sein Brod <em class="gesperrt">mit Thränen</em> essen müssen. Trotzdem sah man ihn immer
-<em class="gesperrt">zufriedenen Sinnes</em>.</p>
-
-<p>Seine Eltern waren <em class="gesperrt">höchst</em> brave Leute. Im Schweiße ihres
-Angesichts aßen sie ihr Brod. Sie arbeiteten fleißig. Sie sparten auch
-nach Kräften. Vergeblich doch strebten sie nach Verbesserung ihrer
-bedrängten Lage. Sie vermochten bei allem Entsagen keinen Vorsprung
-zu gewinnen. Und warum das? Weil die Lebensmittel unerhört im Preise
-stiegen. Ebenso gingen die Preise aller anderen Lebensbedürfnisse
-in die Höhe. Fast kein Quartal ging ohne Steigerung des Miethzinses
-vorüber.</p>
-
-<p>Konrad stand seinem Vater in der Arbeit treulich zur Seite. Er wollte
-sein täglich Brod nicht umsonst essen. Und so war es auch recht. Gerade
-so sollten alle ärmeren Kinder thun.</p>
-
-<p>Konrad’s Vater war ein außerordentlich kräftiger Mann. Noch nie hatte
-er sich krank gefühlt. Er lebte deshalb in Hoffnung auf ein hohes
-Alter. Der liebe Gott indeß wollte es anders.</p>
-
-<p>Mit neugestärkten Kräften ging der rüstige Mann eines Morgens in den
-Wald. Wie ein Riese schritt er unter den Tannen dahin. Frohen Muthes
-setzte er bald darauf einem mächtigen Baume die Axt an die Wurzel.
-Lustig hallten die kräftigen Axtschläge den Wald entlang.</p>
-
-<p>Mehrere Stunden mochte der Brave bereits angestrengt gearbeitet
-haben. Da überkam ihn urplötzlich ein eigenthümlicher Schwindel. Er
-legte schleunigst die Axt aus der Hand. Einige Minuten suchte er sich
-nach Kräften noch zu halten. Darauf<span class="pagenum" id="Seite_121">[S. 121]</span> aber schwand ihm allmälig die
-Besinnung. Er stürzte unter einem tiefen Seufzer zu Boden. Nach einer
-Viertelstunde lag er als Leiche da.</p>
-
-<p>Aufs tiefste erschüttert trugen ihn die andern Waldarbeiter heim.
-Konrad vermochte das Unglück augenblicklich kaum zu fassen. Stieren
-Blickes blieb er eine geraume Zeit vor der Leiche stehen. Dann aber
-warf er sich mit einem Aufschrei der Verzweiflung über sie hin. Unter
-heißen Thränen küßte er die kalten Lippen. Nur mit Mühe vermochte man
-ihn von dem geliebten Todten zu entfernen.</p>
-
-<p>Verhältnißmäßig gefaßter zeigte sich Konrad am Begräbnißtage. Ohne
-lautes Wehklagen folgte er dem Sarge. In stiller Ergebung blickte er
-in das offene Grab hinab. Festen Glaubens schaute er dann zum Himmel
-empor. Nach frommer Weise betete er schließlich für den Geschiedenen
-ein stilles Vaterunser.</p>
-
-<p>So war jetzt Konrad unerwartet vaterlos geworden. Wie ein Blitz aus
-heiterem Himmel hatte ihn das Geschick ereilt. Aber er verlor nicht
-kleinmüthig die Hoffnung. Mit Gott auf eigenen Füßen! Also lautete von
-jetzt an sein Wahlspruch. Und Gott der Herr führte ihn wohl.</p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Weise_127"><b>127. Ein Stier.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>Ein unlängst gefangener Stier tobte gewaltig innerhalb seiner vier
-Pfähle. Funkelnden Auges maß er den engen Raum seines Gefängnisses.
-Unter wildem Grunzen rannte er darin umher. Plötzlich stand er einige
-Minuten still. Gleich darauf stürzte er mit wüthendem Gebrüll über
-seinen Freßtrog her. Derselbe wurde ohne Gnade zertrümmert. Jetzt
-wühlte das Unthier mit seinen Hörnern wie verzweifelt den Boden auf.
-Dabei warf es die Erde hoch empor. Sogar Steine flogen sausend durch
-die Luft. Noch aber war damit seine Wuth nicht im mindesten gekühlt.<span class="pagenum" id="Seite_122">[S. 122]</span>
-Gesenkten Kopfes rannte es hierauf wieder gegen die eiserne Umzäunung.
-Unter Gekrach prallte die dicke Stirn an die festen Stäbe. Die Bestie
-schien allen Ernstes die Gitter durchbrechen zu wollen. Die Versuche
-liefen allerdings nicht ohne einige Verwundungen für dasselbe ab.</p>
-
-<p>Auf das furchtbare Gebrüll hin eilten die Wärter des Thiergartens
-schleunigst herbei. Sie wollten anfänglich den Unhold in Güte
-besänftigen. Aber sie bemühten sich umsonst. So leichten Spieles
-sollten sie nicht zum Ziele gelangen.</p>
-
-<p>Endlich schritten die kräftigen Männer mit Knütteln ein. Ohne Schonung
-schlugen sie auf das Thier los. Wie Hagelwetter fielen die Hiebe auf
-dasselbe nieder.</p>
-
-<p>Nur auf diese Weise brachte man den Rasenden zur Besinnung. Dumpf
-grollend zog er sich schließlich in seinen Stall zurück.</p>
-
-<p class="s4 center mtop1_5" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Weise_128">Hauptwiederholung.</p>
-
-<h5 class="s4"><b>128. Schulprüfung.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Subject, Prädicat, Zeit, Ort, Art und Weise, Ergänzungen.)</p>
-
-<p>Morgens acht Uhr widmete der hochbejahrte Director des städtischen
-Waisenhauses von seinem schwarzen Pulte aus mit aller Innigkeit seines
-weichen Herzens den anwesenden Geistlichen der protestantischen Kirche
-eine ehrfurchtsvolle Begrüßung.</p>
-
-<p>Der älteste unter den anwesenden Seelsorgern erwiderte gleich darauf
-von seinem Platze aus in schlichter Rede dem braven Oberhaupte dieser
-bewährten Wohlthätigkeitsanstalt einen herzlichen Gegengruß.</p>
-
-<p>Nach der erbaulichen Religionsstunde rechnete der dreizehnjährige
-Oberste der munteren Knabenschaar an der großen Wandtafel seinen
-aufmerksamen Mitschülern nach den einfachsten Regeln der Rechnenkunst
-ein schwieriges Exempel aus der zusammengesetzten Zinsrechnung vor.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_123">[S. 123]</span></p>
-
-<p>Hierauf trug der jüngste Schüler der obersten Klasse den fremden
-Anwesenden vom niederen Trittbrete des schmalen Katheders herab in
-gelungenster Weise das lange Gedicht vom braven Manne vor.</p>
-
-<p>Während dieses ganz vorzüglichen Vortrags warf der später eingetretene
-Bürgermeister der betreffenden Stadt von seinem entfernten Sitze
-aus dem wohlgeübten Declamator mit sichtlicher Freude wohlwollende
-Beifallsblicke zu.</p>
-
-<p>Später entwickelten mehrere Knaben der ersten Abtheilung unter
-der geschickten Leitung eines gewandten Lehrers an der prachtvoll
-colorirten Wandkarte des neuen deutschen Reiches der strengen
-Prüfungscommission ihre bedeutenden Kenntnisse in der vaterländischen
-Geographie.</p>
-
-<p>Gegen zehn Uhr zeigte ein dritter Lehrer des wohlgeleiteten
-Waisenhauses in einer kleinen Nebenstube unter einigen erläuternden
-Bemerkungen den erwachsenen Zeugen der öffentlichen Prüfung die von den
-verschiedenen Zöglingen der Anstalt gefertigten Papparbeiten.</p>
-
-<p>Indessen folgten sämmtliche Zöglinge geräuschlos ihrem geschickten
-Turnlehrer als militärisch geordnete Reihen auf den geräumigen
-Turnplatz hinter dem wohlgepflegten Blumengarten des verdienstvollen
-Directors.</p>
-
-<p>Hier zeigte binnen einer Stunde ein jeder den zahlreichen Zuschauern
-nach Kräften seine besondere Geschicklichkeit in der nützlichen Kunst
-des Turnens.</p>
-
-<p>Schließlich machte der helle Klang der lieben Mittagsglocke vom nahen
-Thurme herab der munteren Arbeit plötzlich ein Ende.</p>
-
-<p>Mit Schluß der gegenwärtigen Turnprüfung sprach der würdige Oberpfarrer
-der schöngelegenen Stadt gleich auf dem freien Platze neben den
-verschiedenen Turngeräthen ohne allen Rückhalt den fleißigen Schülern
-der wackeren Anstalt seine volle Zufriedenheit mit ihren heutigen
-Leistungen aus.</p>
-
-<div class="section">
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_124">[S. 124]</span></p>
-
-<h4 id="Der_Umstand_des_Grundes">Der Umstand des Grundes.</h4>
-
-</div>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Grund_129"><b>129. Unverstand.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Ursache oder Sachgrund. Durch Verhältnißwörter.)</p>
-
-<p>Auf dem Tische stand eine brennende Petroleumlampe. Das Oel darin war
-<em class="gesperrt">durch die Flamme</em> warm geworden. Der Cylinder glühte <em class="gesperrt">vor
-Hitze</em>. Da kam von ungefähr der zehnjährige Karl an den Tisch. Aus
-purem Unverstande blies er in die Flamme hinein. Durch den Luftdruck
-aber schlug dieselbe in den Ballon. Vermöge der plötzlichen Glut
-zersprang dieser.</p>
-
-<p>Karl prallte vor Schreck zurück. Infolge des Knalles sprang sein
-Vater herbei. Glücklicherweise löschte er das Feuer sogleich durch
-Ueberschütten mit Asche.</p>
-
-<p>Der unvorsichtige Knabe hätte von Rechtswegen tüchtige Strafe verdient.
-Auf sein inständiges Bitten aber erließ sie ihm der Vater. Wegen des
-gehabten Schreckens wurde Karl indeß noch denselben Tag ernstlich krank.</p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Grund_130"><b>130. Lohn der Wißbegier.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Beweggrund.)</p>
-
-<p>Der junge Bauer Ehrenreich kaufte sich <em class="gesperrt">aus Wißbegierde</em> ein Buch
-nach dem andern. <em class="gesperrt">Um der Bereicherung seiner Kenntnisse willen</em>
-las er oft bis in die Nacht hinein. Wegen eines neuen Werkes konnte er
-bei dem schlechtesten Wetter den Weg in die ferne Stadt unternehmen.
-Seines Lerndranges halber legte er sich auch naturhistorische
-Sammlungen an. Später unternahm er sogar seiner Ausbildung halber
-größere Reisen.</p>
-
-<p>Um seiner Kenntnisse willen ehrte man ihn daher auch in seinem Dorfe
-allgemein. Man zog aus Achtung die Mütze vor ihm ab. Seiner reichen
-Erfahrungen wegen betraute man ihn<span class="pagenum" id="Seite_125">[S. 125]</span> später mit verschiedenen Aemtern.
-Seines klaren Urtheils halber wählte man ihn endlich sogar zum Schulzen
-des Ortes. Kraft ihrer inneren Ueberzeugung hielten die Ortsbewohner
-ihn allein für geeignet dazu.</p>
-
-<p>Und Ehrenreich füllte um der Wohlfahrt seines Vaterdorfes willen seine
-Stellung würdig aus. Nie handelte er aus Eigennutz. Nie stiftete er
-Gutes blos der Ehre halber.</p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Grund_131"><b>131. Der tolle Hund.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Erkenntnißgrund.)</p>
-
-<p>Ein Jäger sah einen Hund am Raine kauern. In dem <em class="gesperrt">Gebaren des
-Thieres</em> lag etwas Verdächtiges. Dem <em class="gesperrt">Aussehen nach</em> mußte er
-krank sein.</p>
-
-<p>Der Jäger trat ihm näher. An dem geifernden Maule des Thieres erkannte
-er jetzt dessen Tollwuth. Besonders deutlich sprach diese schreckliche
-Krankheit aus den triefenden Augen. Der Gleichgiltigkeit des Thieres
-wegen schloß der Jäger allerdings auf sein baldiges Ende. Aus seinem
-jämmerlichen Winseln ließ sich die Größe seiner Schmerzen ermessen. An
-seinen kläglichen Blicken hätte man fast das Verlangen nach Erlösung
-erkennen mögen.</p>
-
-<p>Zufolge dieser Erscheinung hielt der Jäger das Thier für nicht mehr
-gefährlich. Einige Sekunden darauf machte er durch eine Kugel den
-Leiden desselben ein Ende. Den jetzt sichtbar werdenden Zähnen nach
-mußte das Thier noch jung sein. Laut der Inschrift des Halsbandes
-gehörte es dem Arzte des nächsten Dorfes.</p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Grund_132"><b>132. Jahrmarktsgeschenke.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Zweck und Stoff.)</p>
-
-<p>Eine Mutter brachte <em class="gesperrt">für ihre Kinder</em> allerhand Geschenke
-vom Jahrmarkte mit. Paul bekam eine Windmühle zum Spielen.<span class="pagenum" id="Seite_126">[S. 126]</span> Ewald
-erhielt ein Kästchen für seine Schiefer. Leopold schenkte die Mutter
-ein Sprungseil zum Turnen. Elise übergab sie ein Körbchen zu ihren
-Stickereien.</p>
-
-<p>Mit dem Ankaufe dieser Geschenke hatte die Mutter für die armen
-Blinden ein gutes Werk gethan. Alle diese Sächelchen nämlich waren im
-Blindeninstitute gefertigt.</p>
-
-<p>Die Windmühle war aus Pappe zusammengeleimt. Das Kästchen hatte einer
-jener blinden Knaben aus Draht geflochten. Das Sprungseil war aus Hanf
-geflochten. Das Körbchen mußte aus Lindenholz geschnitzt sein.</p>
-
-<p>Die vier Geschwister dankten der guten Mutter aufs herzlichste für die
-hübschen Sächelchen.</p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Grund_133"><b>133. Heuchler.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Wiederholung. Ursache. Beweggrund. Erkenntnißgrund. Zweck. Stoff.)</p>
-
-<p>Heuchler erkennt man an ihren Mienen. Sie spielen die Frommen aus
-schlauem Eigennutze. Sie leben blos für den Schein. Durch dieses Wesen
-aber verlieren sie alle Achtung. Man flieht sie um ihrer Falschheit
-willen.</p>
-
-<p>Ein Heuchler ist ja nur aus Lug zusammengesetzt. All sein Handeln ist
-auf Täuschung berechnet. Er lebt für trügliches Blendwerk.</p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Grund_134"><b>134. Der Wagehals.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>Richard ging zu seinem Vergnügen an einem mit Eis bedeckten Teiche
-hin. Der geringen Kälte halber war das Eis noch nicht stark. Richard
-vermochte sich vor dem Verlangen nach einem Wagestückchen nicht zu
-halten. Aus reinem Uebermuthe<span class="pagenum" id="Seite_127">[S. 127]</span> betrat er die schwache Eisdecke. Infolge
-der Last des Knaben brach leider diese sofort zusammen.</p>
-
-<p>Auf das Geschrei des Verunglückten eilte ein fremder Mann herbei.
-Seiner Kleidung nach schien er ein Fleischer zu sein. Er hatte aus den
-verzweifelten Tönen sogleich die lebensgefährliche Lage des Knaben
-erkannt. Und er schreckte nicht aus Furcht vor dem Rettungswerke zurück.</p>
-
-<p>Aus Mitleid mit dem Armen springt er ohne Zögern in den Teich. Schon
-in der nächsten Minute ist Richard durch den edlen Muth des Fremden
-gerettet. Vor Schreck ist der Knabe leichenblaß geworden. Seine Glieder
-zittern vor Frost. Dieses bedenklichen Zustandes wegen führt ihn sein
-Retter schleunigst nach Hause.</p>
-
-<p>Die Mutter erkennt an den triefenden Kleidern des Knaben sofort den
-traurigen Vorfall. Sie läßt aus Vorsicht den Arzt rufen. Dieser aber
-schließt aus dem Pulsschlage des Kindes auf keine bedenklichen Folgen.
-Nach seinem Urtheile ist das Bette die beste Medicin für den noch
-Zitternden. Es soll vor allen Dingen zu dessen Erwärmung dienen.</p>
-
-<p>Richard’s Vater wollte den fremden Mann für seine edle That belohnen.
-Dieser aber wünschte um seines Liebesdienstes willen durchaus nicht
-belohnt zu sein. Aus reiner Uneigennützigkeit nannte er nicht einmal
-seinen Namen. Sein ganzes Wesen bestand aus echtem Christensinn.</p>
-
-<p class="s4 center mtop1_5" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Grund_135">Hauptwiederholung.</p>
-
-<h5 class="s4"><b>135. Ein Bombardement.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">[Subject. Prädicat. Zeit. Ort. Weise. Grund (Zweck). Ergänzungen.]</p>
-
-<p>Der tapfere Commandant von zwölf gezogenen Batterien sendete auf
-erhaltenen Befehl des berühmten Feldmarschalls M.<span class="pagenum" id="Seite_128">[S. 128]</span> bereits seit
-vierundzwanzig langen Stunden ohne die geringste Unterbrechung von
-einer bewaldeten Anhöhe aus der starkbefestigten Stadt R. seine
-wohlgezielten Vollgeschosse.</p>
-
-<p>Ebenso lange überschüttete die hartbedrängte Besatzung der belagerten
-Feste zum Schutze des gefährdeten Bollwerks mit seltenem Muthe von
-ihren wohlgeschützten Wällen herab die eisernen Linien des überlegenen
-Feindes mit verheerenden Sprengkugeln.</p>
-
-<p>Viele der in Todesgefahr schwebenden Einwohner entflohen aus Furcht
-vor einem blutigen Sturme ängstlich klopfenden Herzens durch einen
-verdeckten Gang der hinteren Stadtmauer der weiten Stätte furchtbaren
-Grauens.</p>
-
-<p>Die beherzteren Charaktere dagegen boten zur Unterstützung ihrer
-kämpfenden Brüder selbst während der heftigsten Kanonade in den am
-meisten bedrohten Stadttheilen mit wahrer Todesverachtung allen
-Gefahren männlichen Trutz.</p>
-
-<p>Mit aller Inbrunst ihrer zitternden Herzen flehte in einer
-unterirdischen Kapelle des bereits stark beschädigten Domes eine große
-Anzahl frommer Frauen der inneren Stadt wiederholt den allmächtigen
-Herrn des Himmels um seinen gnädigen Beistand zur endlichen
-Zurückwerfung des mächtigen Feindes.</p>
-
-<p>Einige Hundert der wackeren Vertheidiger der geängstigten Stadt waren
-bereits bis gegen Mittag auf den äußersten Forts für die Rettung
-der Stadt in treuer Erfüllung ihrer heiligen Soldatenpflicht den
-feindlichen Kugeln zum Opfer gefallen.</p>
-
-<p>Inmitten der schreckenreichen Nacht entzündeten im innern Theile der
-Stadt zum Entsetzen der armen Einwohner die sprühenden Brandgeschosse
-des ungestümen Belagerungsheeres unbarmherzig den ziemlich erschöpften
-Gegnern eins der stärksten Pulvermagazine.</p>
-
-<p>Die furchtbare Explosion richtete infolge des ungeheuren Luftdrucks in
-der kurzen Zeit von wenig Minuten an jener<span class="pagenum" id="Seite_129">[S. 129]</span> Stelle unter entsetzlichem
-Gekrache den vielen Umwohnenden sehr bedeutenden Schaden an.</p>
-
-<p>Zur Beendung des mörderischen Kampfes befahl der feindliche General
-den nächsten Morgen gegen fünf Uhr von seinem hochgelegenen
-Beobachtungspunkte aus mittelst weithin schallender Trompetensignale
-seinen wohlgeübten Fußtruppen zu stürmen.</p>
-
-<p>Schon nach einer Viertelstunde verzweifelter Gegenwehr ließ der
-bejahrte Festungscommandant tieferschütterten Herzens von dem hohen
-Thurme des alten Rathhauses herab dem Feinde zum Zeichen der Ergebung
-die weiße Fahne entgegenwehen.</p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Grund_136"><b>136. Zu Weihnachten.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">[Desgleichen. — Subject, Prädicat, Zeit, Ort, Weise, Grund (Zweck),
-Ergänzung, Stoff.]</p>
-
-<p>Die wohlerzogenen Kinder eines reichen Kaufmanns der großen Residenz
-schenkten einander zur gegenseitigen Ueberraschung auf wahrhaft
-herzliche Weise zum jedesmaligen heiligen Weihnachtsabende im Angesicht
-des festlich geschmückten Christbaums allerhand selbstgefertigte
-Sächelchen aus verschiedenen Stoffen.</p>
-
-<p>Wieder einmal stieg die heilige Weihnachtszeit im feierlichen Gewande
-aus Myriaden Diamanten zur allgemeinen Freude der christlichen
-Kinderwelt vom Himmel hernieder.</p>
-
-<p>Auch dieses Jahr wollten jene freundlichen Kinder aus aufrichtiger
-Liebe zu einander in ihrem trauten Kreise in aller Stille jener
-löblichen Gewohnheit ihr altes Recht werden lassen.</p>
-
-<p>Die zehnjährige Gertrud stickte während der letzten acht Tage vor
-dem Feste in der nahen Behausung ihrer getreuen Schulfreundin ihrem
-munteren Bruder Günther für seine beliebten Ferienausflüge eine kleine
-Reisetasche aus bunter Wolle zum Umhängen.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_130">[S. 130]</span></p>
-
-<p>Der lebhafte Günther dagegen schnitzte dieser seiner Schwester zur
-Aufbewahrung ihrer niedlichen Schmucksächelchen in seinen Freistunden
-in der engen Familienwohnung des alten Markthelfers seines Vaters
-mit außerordentlicher Sorgfalt ein länglich viereckiges Kästchen aus
-bräunlichem Buchenholze.</p>
-
-<p>Die ältere Schwester Martha häkelte nach dem jedesmaligen Abendbrode in
-des guten Papas geräumiger Schreibstube unter dem halblauten Gesange
-sinniger Lieder dem gutmüthigen Bruder Hans aus kluger Rücksicht
-auf seine große Liebe zu der schönen Tugend der Sparsamkeit eine
-mittelgroße Geldbörse von glänzenden Perlen.</p>
-
-<p>Der sanfte Hans wieder flocht der geliebten Schwester Martha innerhalb
-dreier Tage in dem schmalen Comptoirstübchen des väterlichen Geschäftes
-fast ohne jegliches Werkzeug zur Bequemlichkeit bei ihren vielen
-Nadelarbeiten einen allerliebsten Wandkober aus feinem Silberdrahte.</p>
-
-<p>Der neckische Julius endlich baute gelegentlich in der etwas düsteren
-Garderobenstube seiner geliebten Mutter mit sichtlichem Vergnügen
-seinem kleinen Bruder Leo zur zeitweiligen Unterhaltung eine mächtig
-große Windmühle aus dauerhafter Pappe.</p>
-
-<p>Auch die brave Mutter der liebenswürdigen Kinder blieb zur Erhöhung
-der Festfreude für ihre Lieblinge während dieser letzten Zeit vor
-Weihnachten in ihren vier Pfählen bei allen sonstigen häuslichen
-Besorgungen nicht unthätig.</p>
-
-<p>Die gute Mutter arbeitete mit geschickten Händen ununterbrochen hinter
-verschlossenen Thüren allen ihren Kindern für die kalten Wintertage
-warme Anzüge aus gleichfarbigem Tuche.</p>
-
-<p>Auf diese Weise bereitete der heilige Abend alle Jahre in diesem
-herzlichen Familienzirkel zu aller Herzerquickung sämmtlichen
-Familiengliedern große Freude.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_131">[S. 131]</span></p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Grund_137"><b>137. Ein trauriges Ende.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<div class="csstab satzlehre">
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell w10em s5 padright0_5">Subject.</div>
- <div class="csscell">Der Tod tritt oft schnell heran.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell w10em s5 padright0_5">Beifügung.</div>
- <div class="csscell">Der kleine Hermann war ein lieber Knabe. Schon der
- Ausdruck seines Gesichts zeugte davon.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell w10em s5 padright0_5">Ergänzung.</div>
- <div class="csscell">Sein Lächeln bekundete Gutmüthigkeit. Sein Wesen war
- Jedermann angenehm. — Eines Tages spielte er mit seiner Schwester Verstecken.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell w10em s5 padright0_5">Zeit.</div>
- <div class="csscell">Es war um die Dämmerstunde. Sie hatten das Spiel bereits
- mehrmals gespielt. Ihr Vater sah ihnen schon seit geraumer Zeit zu.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell w10em s5 padright0_5">Ort.</div>
- <div class="csscell">Er stand am Fenster. Hermann versteckte sich jetzt hinter
- eine Mauer. Hier sollte ihn die Schwester nicht finden.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell w10em s5 padright0_5">Weise.</div>
- <div class="csscell">Er kauerte in lauschender Stellung. So hoffte er mit
- Zuversicht unentdeckt zu bleiben.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell w10em s5 padright0_5">Ort.</div>
- <div class="csscell">Plötzlich aber rollte ein Ziegel vom Dache herab. Der
- Ziegel fiel dem Knaben gerade auf den Kopf.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell w10em s5 padright0_5">Ursache.</div>
- <div class="csscell">Er war durch einen Windstoß losgelöst worden.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell w10em s5 padright0_5">Erkenntniß.</div>
- <div class="csscell">Der Vater erkannte an dem jähen Aufschrei seines Kindes
- etwas Entsetzliches.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell w10em s5 padright0_5">Beweggrund.</div>
- <div class="csscell">Von banger Ahnung getrieben eilte er herbei.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell w10em s5 padright0_5">Zweck.</div>
- <div class="csscell">Er wollte zu Hilfe kommen.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell w10em s5 padright0_5">Zahl.</div>
- <div class="csscell">Hier aber hätten zehn Aerzte nicht mehr helfen können.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell w10em s5 padright0_5">Stoff.</div>
- <div class="csscell">Der fallende Ziegel war aus gebranntem Lehm. Er hatte den
- armen Knaben erschlagen.</div>
- </div>
-</div>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Grund_138"><b>138. Luxus.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">[Desgleichen. — Subject, Prädicat, Zeit, Ort, Weise, Grund (Zweck),
-Ergänzungen, Zahl, Stoff.]</p>
-
-<p>Ein steinreicher Graf aus einem alten Geschlechte des östreichischen
-Adels ließ vor einigen Jahren aus lauter Eitelkeit seiner<span class="pagenum" id="Seite_132">[S. 132]</span> stolzen
-Gemahlin in der unmittelbaren Nähe einer lebhaften Seestadt der
-deutschen Nordküste mit ungeheueren Opfern mehrere prachtvolle
-Wohnsitze aus kostbarer Steinmasse errichten.</p>
-
-<p>Der berühmte Baumeister des verschwenderischen Herrn mußte in Zeit
-von zehn Monaten auf einer sonnigen Hügelkette unweit des ziemlich
-großen Hafens nach dem geschmackvollsten Muster französischer Bauweise
-der jungen Gräfin zum zeitweiligen Aufenthalte während der heißen
-Sommertage zwei reizende Villen aus weißem Marmor erbauen.</p>
-
-<p>Der gepriesenste Ofenfabrikant der nunmehrigen Kaiserstadt Berlin
-fertigte kurz nach Beginn des bewundernswerthen Baues in seinen
-eigens dazu eingerichteten Brennöfen mit aller Sorgfalt den schmucken
-Wohnzimmern der vorerwähnten Frau sechs wundervolle Kamine aus weißem
-Porzellan zur Benutzung für die kühlen Abende.</p>
-
-<p>Der sehr geschickte Hoftischler des französischen Kaisers hatte unter
-anderem während der letzten Monate der kurzen Bauzeit in seiner
-umfangreichen Werkstatt an einer der volkreichsten Straßen mit allem
-Aufgebot seines Geschmacksinnes der hohen Frau zur hinlänglichen
-Bequemlichkeit ein Dutzend große Armsessel aus dem feinsten
-Mahagoniholze zu verfertigen.</p>
-
-<p>Der erste Tapezier der nahen Seestadt mußte gleich nach Vollendung der
-reizenden Sommersitze der den Luxus liebenden Dame zur Bewunderung des
-gräflichen Reichthums vor allen Fenstern der zahllosen Zimmer auf die
-ausgesuchteste Weise je vier faltenreiche Gardinen von der schwersten
-Seide anbringen.</p>
-
-<p>Zudem mußte derselbe gesuchte Verschönerungskünstler der gräflichen
-Eigenthümerin dieser seltenen Prachtvillen sofort fünfzig Stück
-auserlesene Teppiche aus den besten orientalischen Stoffen aus einer
-türkischen Fabrik unter sicherer Begleitung eines zuverlässigen Mannes
-zum Belegen der Fußböden kommen lassen.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_133">[S. 133]</span></p>
-
-<p>Die namhafteste Glasfabrik der erfinderischen Stadt London arbeitete
-zu gleicher Zeit in ihren vorzüglichen Glasschleifereien ohne
-Rücksicht auf den Kostenpunkt der eitlen Herrin zehn überaus
-kunstvolle Kronleuchter aus dem reinsten Krystallglase zur Zierde der
-hauptsächlichsten Salons.</p>
-
-<p>Ein alter Gärtner des ruhmsüchtigen Grafen versah während des Monates
-Mai von seiner großen Zierpflanzenplantage aus die beiden an die Villen
-stoßenden Gärten zur Erholung der empfindsamen Frau in den heißen
-Sommertagen mit fürsorglicher Umsicht mit vier dichten Lauben aus
-saftigem Osterluzzei.</p>
-
-<p>Außerdem schufen eine Menge andere Menschenhände in verhältnißmäßig
-kurzer Zeit in den weiten Räumen der prächtigen Lustschlösser unter
-steter Vorschrift des eigensinnigen Grafen zur Vervollständigung der
-kostbaren Einrichtung der hohen Gebieterin noch eine ganze Menge
-Luxusgegenstände aus dem theuersten Material.</p>
-
-<div class="section">
-
-<h4 id="Die_Aussageweise">Die Aussageweise.</h4>
-
-</div>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Aussageweise_139"><b>139. Der Mensch.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Wirklich. Möglich. Nothwendig.)</p>
-
-<p>Der Mensch <em class="gesperrt">ist</em> ein Kind Gottes. Er <em class="gesperrt">lebt</em> und <em class="gesperrt">stirbt</em>
-nach Gottes Willen. Er <em class="gesperrt">kann</em> König oder Bettler sein, ganz
-gleich. Das <em class="gesperrt">darf</em> Niemand vergessen. Mancher mag freilich nichts
-davon wissen. Viele <em class="gesperrt">möchten</em> am liebsten nicht daran denken.</p>
-
-<p>Jeder Mensch <em class="gesperrt">will</em> gern glücklich sein. Jeder <em class="gesperrt">soll</em> es auch
-werden. Jeder <em class="gesperrt">darf</em> darnach streben. Was aber <em class="gesperrt">kann</em> er dazu
-beitragen?</p>
-
-<p>Er <em class="gesperrt">muß</em> beten und arbeiten. Auch die kleinste Sünde <em class="gesperrt">muß</em>
-ihm ein Abscheu sein. Das <em class="gesperrt">möge</em> Jeder bedenken.</p>
-
-<div class="section">
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_134">[S. 134]</span></p>
-
-<h4 id="Wortfolge">Wortfolge.</h4>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Wortfolge_140"><b>140. Die Rose.</b></h5>
-
-</div>
-
-<div class="csstab rose">
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell s5 center"><span class="antiqua">A.</span> Gerade
- Wortfolge.</div>
- <div class="csscell s5 center"><span class="antiqua">B.</span> Umgekehrte
- Wortfolge.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell left padright0_5">Die Rose ist eine herrliche Blume.</div>
- <div class="csscell left">Eine herrliche Blume ist die Rose.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell left padright0_5">Schon ihr Bau ist bewundernswerth.</div>
- <div class="csscell left">Bewundernswerth ist schon ihr Bau.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell left padright0_5">Ihre Farben sind reizend.</div>
- <div class="csscell left">Reizend sind ihre Farben.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell left padright0_5">Ihr Duft strömt zauberhaft.</div>
- <div class="csscell left">Zauberhaft strömt ihr Duft.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell left padright0_5">Eine Rosenknospe fesselt unser Auge wunderbar.</div>
- <div class="csscell left">Wunderbar fesselt unser Auge eine Rosenknospe.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell left padright0_5">Die frischerblühte Rose ist ein Bild höchster Anmuth.</div>
- <div class="csscell left">Ein Bild höchster Anmuth ist die frischerblühte Rose.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell left padright0_5">Sie ist der Gärten schönster Schmuck.</div>
- <div class="csscell left">Der Gärten schönster Schmuck ist sie.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell left padright0_5">Sie wird darum auch die Königin der Blumen genannt.</div>
- <div class="csscell left">Der Blumen Königin wird sie darum auch genannt.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell left padright0_5">Mancher Dichter hat sie schon besungen.</div>
- <div class="csscell left">Sie hat schon mancher Dichter besungen.</div>
- </div>
-</div>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Wortfolge_141"><b>141. Wiegenbau.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Gerade Wortfolge.)</p>
-
-<p>Ein kleiner Sänger des Waldes baute in den ersten Maitagen in dem
-dichten Gezweige eines niederen Fichtenbäumchens mit bewundernswerther
-Sorgfalt seinen zukünftigen Kindern zum Schutze eine niedliche Wiege
-aus zartem Moose.</p>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p class="s5 center">(Versetzung der einzelnen Satztheile.)</p>
-
-</div>
-
-<div class="blockquot">
-
-<p>Es baute ein kleiner Sänger des Waldes in den ersten etc.</p>
-
-<p>In den ersten Maitagen baute ein kleiner Sänger etc.</p>
-
-<p>In dem dichten Gezweige eines niederen Fichtenbäumchens baute ein
-etc.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_135">[S. 135]</span></p>
-
-<p>Mit bewundernswerther Sorgfalt baute ein kleiner Sänger etc.</p>
-
-<p>Seinen zukünftigen Kindern zum Schutze baute ein kleiner etc.</p>
-
-<p>Zum Schutze für seine zukünftigen Kinder baute ein etc.</p>
-
-<p>Eine niedliche Wiege aus zartem Moose baute in den etc.</p>
-
-<p>Aus zartem Moose baute ein kleiner Sänger des Waldes etc.</p>
-</div>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Wortfolge_142"><b>142. Vom einfachsten
-bis zum erweitertsten einfachen Satze.</b></h5>
-
-<table>
- <tr>
- <td colspan="4">
- <div class="center">I.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subj.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Gott</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Der Geist</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Der Wasserfall</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Präd.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">ist ein Geist.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">ist unsterblich.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">braust.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
- <div class="center">II. <span class="antiqua">A.</span></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subj.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Das Bild</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Die Kälte</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Der Dorn</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><b>Beif.</b>:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">des Vaters</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Sibiriens</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">der Rose</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Präd.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">ist ein Heiligthum.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">ist groß.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">verwundet.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
- <div class="center"><span class="antiqua">B.</span></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Beif.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Der fromme</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Plötzliche</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Das arme</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subj.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Elias</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Abkühlung</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Kind</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Präd.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">war ein Prophet.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">ist schädlich.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">bettelt.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
- <div class="center"><span class="antiqua">C.</span></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Beif.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Sein</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Unser</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Mein</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subj.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Vater</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Heer</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Blut</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Präd.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">war ein Graf.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">ist tapfer.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">wallt.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
- <div class="center"><span class="antiqua">D.</span></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subj.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Die Noth</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Die Scheere</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Der Storch</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Beif.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">unter den Menschen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">in Kindeshand</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">auf dem Dache</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Präd.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">ist ein Besserungsmittel.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">ist gefährlich.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">klappert.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
-<span class="pagenum" id="Seite_136">[S. 136]</span>
- <div class="center">III. 1. <span class="antiqua">A.</span></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subj.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Gott</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Ein Engländer</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Der Wolf</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Präd.: <span class="s5">(Zeitw.)</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">regiert</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">bestieg</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">raubt</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><b>Ergänz.</b> 4. Fall:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">die Welt.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">den Montblanc.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Lämmer.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
- <div class="center"><span class="antiqua">B.</span></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subj.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Der Mitleidige</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Gott</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Der Magen</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Präd.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">hilft</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">verzeiht</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">dient</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><b>Erg.</b> 3. Fall:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">dem Armen.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">dem Sünder.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">den Gliedern.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
- <div class="center"><span class="antiqua">C.</span></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subj.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Der Müde</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Die Nacht</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Der Feind</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Präd.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">wünscht</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">beginnt</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">hoffte</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Ergänz.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">zu ruhen.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">zu dämmern.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">zu siegen.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
- <div class="center"><span class="antiqua">D.</span></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subj.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Der Fromme</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Der Christ</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Das Gebet</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Präd.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">weiht</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">dankt</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">gibt</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Erg. 3. Fll.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">dem Herrn</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Jesu</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">dem Schwachen</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Erg. 4. Fll.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">sein Leben.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">die Erlösung.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Kraft.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
- <div class="center">2.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subj.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Die Strenge ist</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Die Eltern sind</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Der Stolze ist</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Ergänz.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">dem Kinde</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">der Liebe</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">auf seine Schönheit</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Präd.: <span class="s5">(Eigsch.)</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">heilsam.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">werth.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">stolz.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
- <div class="center">IV. <span class="antiqua">A.</span></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subj.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Kain</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Das Schiff</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Viele</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Präd.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">fand</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">nahm</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">finden</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><b>Ort</b>:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">nirgends</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">an dem Strande</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">in Californien</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Erg. 4. Fll.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Ruhe.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Steinkohlen auf.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Gold.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
-<span class="pagenum" id="Seite_137">[S. 137]</span>
- <div class="center"><span class="antiqua">B.</span></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subj.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Der Hund</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Paul</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Der Reiter</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Präd.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">folgt</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">half</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">sah</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Erg. 3. Fll.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">seinem Herrn</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">dem Blinden</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">seinem Pferde</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Ort:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">in alle Welt.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">über den Graben.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">in das Maul.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
- <div class="center"><span class="antiqua">C.</span></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subj.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Die Weisen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Der Hauptmann</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Der Jagdhund</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Präd.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">brachten</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">schickte</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">brachte</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Erg. 3. Fll.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">dem Heilande</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">seinen Kindern</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">dem Förster</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Erg. 4. Fll.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Geschenke</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Anzüge</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">einen Hasen</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Ort:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">aus dem Morgenlande.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">von Paris.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">über die Stoppel daher.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
- <div class="center">V. <span class="antiqua">A.</span></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subj.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Der Gerechte</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Gustav Adolf</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Der Wächter</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Präd.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">findet</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">sprach</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">ertappte</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><b>Zeit</b>:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">einst</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">vor der Schlacht</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">während der Nacht</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Ort:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">drüben</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">unter freiem Himmel</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">in einem Keller</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Erg. 4. Fll.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">seinen Lohn.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">ein Gebet.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">einen Dieb.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
- <div class="center"><span class="antiqua">B.</span></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subj.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Die alten Deutschen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Die Schweizer</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Bello</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Präd.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">opferten</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">huldigten</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">wehrte</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Zeit:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">tagelang</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">immer</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">stets</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Ort:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">in ihren Hainen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">in ihren Bergen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">an der Thür</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Erg. 3. Fll.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">den Götzen.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">der Freiheit.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">den Bettlern.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
-<span class="pagenum" id="Seite_138">[S. 138]</span>
- <div class="center"><span class="antiqua">C.</span></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subj.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Der Lehrer</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Die Weichsel</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Der Fuchs</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Präd.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">erzählt</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">überschwemmt</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">stiehlt</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Zeit:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">mitunter</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">fast alljährlich</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">zuweilen</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Ort:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">in der Schule</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">in Polen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">im Hofe</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Erg. 3. Fll.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">den Schülern</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">den Landbewohnern</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">der Bauerfrau</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Erg. 4. Fll.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">eine Geschichte.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">die Fluren.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">eine Gans.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
- <div class="center">VI. <span class="antiqua">A.</span></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subj.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Huß</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Luther</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Kain</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Präd.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">erlitt</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">schlug</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">erschlug</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Zeit:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">1415</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">1517</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">einst</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Ort:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">zu Konstanz</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">an die Schloßkirche</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">am Opferfeuer</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><b>Weise</b>:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">geduldig</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">freimüthig</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">wuthentbrannt</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Erg. 4. Fll.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">den Feuertod.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">95 Sätze an.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">den Abel.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
- <div class="center"><span class="antiqua">B.</span></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subj.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Johannes der Täufer</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Christus</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Petrus</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Präd.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">predigte</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">verzieh</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">verleugnete</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Zeit:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">vor Christo</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">dermalen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">in jener Nacht</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Ort:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">in der Wüste</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">am Kreuze</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">in der Vorhalle</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Weise:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">mit Nachdruck</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">von Herzen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">auf schmähliche Weise</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Erg. 3. Fll.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">dem Volke.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">seinen Feinden.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">seinen Herrn.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
- <div class="center"><span class="antiqua">C.</span></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subj.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Der Richter</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Der fromme Greis</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Noah</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Präd.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">verkündigte</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">widmete</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">brachte</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Zeit:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">am Montage</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">jeden Abend</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">nach der Sündflut</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Ort:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">im Gerichtssaale</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">in seinem Kämmerlein</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">unter freiem Himmel</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Weise:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">mit bewegter Stimme</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">andächtigen Herzens</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">mit dankbaren Gefühlen</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Erg. 3. Fll.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">einem Mörder</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">dem lieben Herrgott</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">dem Herrn</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Erg. 4. Fll.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">das Todesurtheil.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">ein Gebet.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">ein Opfer.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
-<span class="pagenum" id="Seite_139">[S. 139]</span>
- <div class="center">VII. <span class="antiqua">A.</span></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subj.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Elise</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Sebastian</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Ein Knecht</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Präd.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">häkelte</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">zertrümmerte</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">erschlug</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Zeit:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">am Sonntage</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">heute früh</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">gestern</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Ort:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">in der Laube</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">vor dem Spiegel</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">auf der Wiese</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><b>Beweggr.</b>:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">aus Langerweile</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">aus Muthwillen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">aus Bosheit</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Weise:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">gemächlich</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">schnell</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">kalten Herzens</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Erg. 4. Fll.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">eine Börse.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">eine Gipsfigur.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">eine junge Katze.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
- <div class="center"><span class="antiqua">B.</span></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subj.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Julius</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Der Großvater</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Viele Leute</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Präd.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">erhält</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">trägt</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">trinken</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Zeit:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">zuweilen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">im Winter</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">in der Früh</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Ort:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">in der Schule</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">auf der Straße</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">in ihrer Behausung</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><b>Ursache</b>:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">wegen Faulheit</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">der Kälte halber</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">auf ärztlichen Rath</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Weise:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">vor allen Kindern</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">mit Wohlbehagen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">ohne Widerstreben</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Erg. 4. Fll.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Strafe.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">einen Pelz.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">bittre Wässer.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
- <div class="center"><span class="antiqua">C.</span></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subj.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Ein Hauptmann</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Der Klassenoberste</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Rosalie</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Präd.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">überreichte</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">sang</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">kaufte</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Zeit:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">am Donnerstage</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">am Examentage</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">vorigen Freitag</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Ort:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">im Kasernenhofe</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">in der Aula</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">auf dem Jahrmarkte</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Erg. 3. Fll.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">seinem Feldwebel</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">dem Schulinspector</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">ihrer Großmutter</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><b>Zweck</b>:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">zur Auszeichnung</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">zur Ergötzung</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">zum Geburtstage</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Weise:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">unter Trompetenschall</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">mit viel Gefühl</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">schleunigst noch</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Erg. 4. Fll.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">einen Orden.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">eine Arie.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">eine Kaffeetasse.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
-<span class="pagenum" id="Seite_140">[S. 140]</span>
- <div class="center">VIII. <span class="antiqua">A.</span></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subj.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Ein junger Bildhauer</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Häuptlinge der Wilden</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Heinrich</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Präd.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">arbeitete</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">geben</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">zerbrach</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Zeit:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">in seinen Mußestunden</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">zuweilen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">gestern Abend</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Ort:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">auf seinem Zimmer</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">in ihren Zelten</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">in der Kinderstube</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Erg. 3. Fll.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">seinem alten Lehrer</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">fremden Gästen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">seinem Bruder</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><b>Beweggr.</b>:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">aus Dankbarkeit</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">aus Hochachtung</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">aus Neid</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Weise:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">in aller Stille</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">mit sichtlichem Stolze</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">ungesehen</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Erg. 4. Fll.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Schiller’s Büste</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">ein Gastmahl</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">ein Spielzeug</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- <div class="left"><b>Stoff</b>:</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">aus Alabaster.</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">von dem Fleische<br />
- erschlagener Feinde.</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">aus Glas.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
- <div class="center"><span class="antiqua">B.</span></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subj.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Gerhard</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Die Mutter</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Ein Regiment</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Präd.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">baute</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">nähte</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">schenkte</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- <div class="left">Zeit:</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">vergangenen Herbst</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">in zwei Tagen</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">während des<br />
- letzten Krieges</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Ort:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">im Holzstalle</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">auf der Nähmaschine</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">mitten im Lager</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Erg. 3. Fll.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">seinem kleinen Bruder</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">ihrer ältesten Tochter</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">seinem Commandanten</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><b>Zweck</b>:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">für den Winter</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">zum Balle</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">zum Andenken</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Weise:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">mit wenig Werkzeugen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">ohne besondere Anstrengung</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">unter militärischer Ceremonie</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Erg. 4. Fll.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">einen Schlitten</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">ein Kleid</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">ein Paar Sporen</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- <div class="left">Stoff:</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">aus Eichenholz.</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">aus blauer Seide.</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">von purem Golde.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
-<span class="pagenum" id="Seite_141">[S. 141]</span>
- <div class="center"><span class="antiqua">C.</span></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Sub.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Ein Koch</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Der Kürschner</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Ein Drechsler</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Präd.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">bereitete</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">verfertigte</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">arbeitete</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- <div class="left">Zeit:</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">neulich</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">vergangene Woche</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">am Donnerstage</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Ort:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">in einem Gasthause</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">in seiner Wohnung</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">an seinem Werktische</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Erg. 3. Fall:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">einem Fremden</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">dem Großvater</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">dem Invaliden</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- <div class="left"><b>Ursache</b>:</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">aus Unkenntniß</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">der Kälte halber</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">um seines lahmen<br />
- Beines willen</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Weise:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">eiligst</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">nach dem Maße</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">unentgeltlich</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Erg. 4. Fall:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">ein Glas Grog</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">ein Paar Hausschuhe</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">eine Krücke</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- <div class="left">Stoff:</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">aus Nordhäuser.</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">aus Schafpelz.</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">aus Buchsbaumholz.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
- <div class="center">IX.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- <div class="left">Subj.:</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">Die Tochter<br />
- des Hauptmanns</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">Bertha</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">Die Gemeinde zu X.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Präd.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">kaufte</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">mußte</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">überreichte</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- <div class="left">Zeit:</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">vor drei Tagen</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">binnen acht Tagen</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">am Sonntage</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Ort:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">in einem Gewölbe</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">in Papas Stube</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">in seinem Studirzimmer</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Erg. 3. Fll.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">ihrem Onkel</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">der kleinen Schwester</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">ihrem Seelsorger</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- <div class="left">Bew., Urs.<br />
- Zweck:</div>
- </td>
- <td class="vab">
- <div class="center">aus Anhänglichkeit</div>
- </td>
- <td class="vab">
- <div class="center">wegen Faulheit</div>
- </td>
- <td class="vab">
- <div class="center">zum Jubiläum</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Weise:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">ohne Handel</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">mit aller Sorgfalt</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">feierlich</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- <div class="left"><b>Zahl</b>:</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">zwei</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">drei</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">ein Dutzend</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Erg. 4. Fll.:</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Armleuchter</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Nachthäubchen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">Speiselöffel</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="vat">
- <div class="left">Stoff:</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">aus blankem<br />
- Neusilber.</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">aus Wolle —<br />
- stricken.</div>
- </td>
- <td class="vat">
- <div class="center">aus gediegenem<br />
- Silber.</div>
- </td>
- </tr>
-</table>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_142">[S. 142]</span></p>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Wortfolge_143"><b>143. Fragen nach
-den einzelnen Satztheilen.</b></h5>
-
-<div class="csstab padleft1_5 padtop1">
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell vam padright0_5">Wer?<br />
- Was?</div>
- <div class="csscell vam padright0_5"><img class="illoh2_2" src="images/klammer.jpg" alt="" /></div>
- <div class="csscell vam padtop0_5">Nach dem Subjecte.</div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="csstab padleft1_5 padtop1">
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell vam padright0_5">Was für ein?<br />
- Wessen?</div>
- <div class="csscell vam padright0_5"><img class="illoh2_2" src="images/klammer.jpg" alt="" /></div>
- <div class="csscell vam padtop0_5">Nach der Beifügung.</div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="csstab padleft1_5 padtop1">
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell vam padright0_5">Was?<br />
- Wen?<br />
- Wem?</div>
- <div class="csscell vam padright0_5"><img class="illoh3_3" src="images/klammer.jpg" alt="" /></div>
- <div class="csscell vam padtop1">Nach der Ergänzung.</div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="csstab padleft1_5 padtop1">
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell vam padright0_5">Wann?<br />
- Wie lange?<br />
- Wie oft?<br />
- Seit wann?</div>
- <div class="csscell vam padright0_5"><img class="illoh4_4" src="images/klammer.jpg" alt="" /></div>
- <div class="csscell vam padtop1_75">Nach der Zeit.</div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="csstab padleft1_5 padtop1">
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell vam padright0_5">Wo?<br />
- Wohin?<br />
- Woher?</div>
- <div class="csscell vam padright0_5"><img class="illoh3_3" src="images/klammer.jpg" alt="" /></div>
- <div class="csscell vam padtop1">Nach dem Orte.</div>
- </div>
-</div>
-
-<p>Wie? Nach der Art und Weise.</p>
-
-<p>Weshalb? Nach der Ursache.</p>
-
-<p>Warum? Nach dem Beweggrunde.</p>
-
-<p>Woran? Nach dem Erkenntnißgrunde.</p>
-
-<p>Wozu? Nach dem Zwecke.</p>
-
-<p>Wie viel? Nach der Zahl.</p>
-
-<p>Woraus? Nach dem Stoffe.</p>
-
-<div class="section">
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_143">[S. 143]</span></p>
-
-<p class="s4 center mtop1_5" id="Ein_moeglichst_erweiterter_einfacher_Satz">Ein
-möglichst erweiterter einfacher Satz.</p>
-
-</div>
-
-<h5 class="s4" id="Satzlehre_Ergaenzungen_Wortfolge_144"><b>144. Für die
-Friedenszeit.</b></h5>
-
-<p>Der junge Haustischler eines reichen Grafen im fernen Ungarlande hat
-während der regnerischen Tage des letzten Herbstes in seiner düsteren
-Werkstatt in den hinteren Räumen des gräflichen Schlosses zu P. mit
-äußerster Anstrengung all seines Geschmacksinnes dem alten Generale des
-siebenten Regimentes der östreichischen Husaren zu dessen häuslicher
-Bequemlichkeit während der langen Friedenszeit zwei prachtvolle Sophas
-aus dem feinsten Cedernholze gefertigt.</p>
-
-<div class="section">
-
-<p class="s4 center padtop1_5" id="Fragen_nach_den_einzelnen_Satztheilen">Fragen
-nach den einzelnen Satztheilen.</p>
-
-</div>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Praktische Ausführung.)</p>
-
-<div class="csstab">
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#8199;1)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Wie heißt der einfache Satz?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der Tischler fertigte.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#8199;2)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Wer fertigte?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1"><em class="gesperrt">Der Tischler</em> fertigte.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#8199;3)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Welche Thätigkeit vollzog der Tischler?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Er <em class="gesperrt">fertigte</em>.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#8199;4)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Was fertigte er?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Er fertigte <em class="gesperrt">Sophas</em>.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">&#160;</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#8199;1)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Was für ein Tischler fertigte Sophas?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der <em class="gesperrt">junge</em> Tischler etc.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#8199;2)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Wessen junger Tischler fertigte Sophas?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge Tischler eines <em class="gesperrt">Grafen</em> etc.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#8199;3)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Was für eines Grafen?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge Tischler eines <em class="gesperrt">reichen</em> Grafen.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1"><span class="pagenum" id="Seite_144">[S. 144]</span>&#8199;4)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Was für eines reichen Grafen?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Eines reichen Grafen <em class="gesperrt">aus dem Ungarlande</em>.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#8199;5)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Aus was für einem Ungarlande?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Aus dem <em class="gesperrt">fernen</em> Ungarlande.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">&#160;</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#8199;6)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Was fertigte der junge Tischler eines etc.?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge Tischler eines reichen Grafen aus dem fernen Ungarland
- fertigte <em class="gesperrt">Sophas</em>.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#8199;7)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Was für Sophas fertigte der junge etc.?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge etc. fertigte <em class="gesperrt">prachtvolle</em> Sophas.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">&#160;</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#8199;8)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Wie viel prachtvolle Sophas fertigte der junge etc.?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge etc. fertigte <em class="gesperrt">zwei</em> prachtvolle Sophas.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">&#160;</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#8199;9)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Woraus fertigte der junge etc. zwei prachtvolle Sophas?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge etc. fertigte zwei etc. aus <em class="gesperrt">Cedernholz</em>.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">10)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Aus was für Cedernholz fertigte etc.?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge etc. fertigte etc. aus dem <em class="gesperrt">feinsten</em> Cedernholze.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">&#160;</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">11)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Wem fertigte der junge etc. zwei etc. aus dem feinsten Cedernholze?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge etc. fertigte <em class="gesperrt">dem Generale</em> zwei etc. aus dem
- feinsten Cedernholze.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">12)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Was für einem Generale fertigte der etc.?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge Tischler etc. fertigte dem <em class="gesperrt">alten</em> Generale etc.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1"><span class="pagenum" id="Seite_145">[S. 145]</span>13)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Wessen altem Generale fertigte etc.?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge Tischler etc. dem alten Generale des <em class="gesperrt">Regiments</em> etc.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">14)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Was für eines Regiments?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Des <em class="gesperrt">siebenten</em> Regiments.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">15)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Wessen siebenten Regiments?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Des siebenten Regiments der <em class="gesperrt">Husaren</em>.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">16)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Was für Husaren?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der <em class="gesperrt">östreichischen</em> Husaren.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">&#160;</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">17)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Wozu fertigte der junge etc. dem alten etc. zwei etc. aus dem
- feinsten Cedernholze?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge etc. fertigte etc. dem etc. zwei etc. zur
- <em class="gesperrt">Bequemlichkeit</em>.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">18)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Zu was für einer Bequemlichkeit fertigte etc.?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge etc. zur <em class="gesperrt">häuslichen</em> Bequemlichkeit.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">19)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Zu wessen häuslicher etc. fertigte etc.?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge etc. zu <em class="gesperrt">dessen</em> häuslicher Bequemlichkeit.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">20)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Zu was für einer häuslichen etc. fertigte etc.?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge etc. zu dessen häuslicher Bequemlichkeit während <em class="gesperrt">der
- Friedenszeit</em>.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">21)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Während was für einer Friedenszeit?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Während der <em class="gesperrt">langen</em> Friedenszeit.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">&#160;</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">22)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Wie fertigte der junge Tischler dem etc.?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge etc. fertigte etc. <em class="gesperrt">mit
- Anstrengung</em> zwei prachtvolle etc.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1"><span class="pagenum" id="Seite_146">[S. 146]</span>23)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Mit was für Anstrengung fertigte etc.?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge etc. mit <em class="gesperrt">äußerster</em> Anstrengung zwei etc.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">24)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Mit wessen äußerster Anstrengung fertigte etc.?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge etc. mit äußerster Anstrengung <em class="gesperrt">des Geschmacksinnes</em>
- zwei etc.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">25)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Mit wessen Geschmacksinnes?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1"><em class="gesperrt">Seines</em> Geschmacksinnes.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">26)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Mit wie viel seines Geschmacksinnes?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Mit äußerster Anstrengung <em class="gesperrt">all</em> seines Geschmacksinnes.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">&#160;</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">27)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Wo fertigte der junge Tischler etc. dem etc.?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge etc. <em class="gesperrt">in der Werkstatt</em> etc. dem etc.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">28)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">In was für einer Werkstatt fertigte etc.?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge etc. in der <em class="gesperrt">düsteren</em> Werkstatt etc.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">29)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">In wessen düsterer Werkstatt fertigte etc.?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge etc. in <em class="gesperrt">seiner</em> düsteren Werkstatt etc.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">30)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">In was für einer düsteren Werkstatt fertigte etc.?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der etc. in seiner düsteren Werkstatt <em class="gesperrt">der Räume</em> etc.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">31)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">In wessen Räumen?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">In den Räumen <em class="gesperrt">des Schlosses</em> etc.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">32)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">In was für einem Schlosse?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">In dem <em class="gesperrt">gräflichen</em> Schlosse.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">33)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">In was für Räumen des gräflichen Schlosses?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">In den <em class="gesperrt">hinteren</em> Räumen des gräflichen Schlosses.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">&#160;</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1"><span class="pagenum" id="Seite_147">[S. 147]</span>34)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Wann fertigte der junge etc. in etc. dem etc. zu etc. mit etc. zwei
- etc. aus Cedernholz?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge etc. während <em class="gesperrt">der Tage</em> etc.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">35)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Während welcher Tage?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge etc. während der Tage <em class="gesperrt">des Herbstes</em> etc.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">36)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Was für eines Herbstes?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge etc. während der Tage des <em class="gesperrt">letzten</em> Herbstes etc.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">37)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Während welcher Tage des letzten Herbstes?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge etc. während der <em class="gesperrt">regnerischen</em> Tage des letzten
- Herbstes etc.</div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="section">
-
-<p class="s4 center mtop1_5" id="Zusammenfassung_der_vollstaendigen_Satztheile"><b>Zusammenfassung
-der vollständigen Satztheile.</b></p>
-
-</div>
-
-<div class="csstab">
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#8199;1)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Wer fertigte während — aus dem feinsten Cedernholze?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1"><em class="gesperrt">Der junge Tischler eines reichen Grafen im fernen Ungarlande</em>
- fertigte etc.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#8199;2)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Was fertigte der — Ungarlande?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Den junge etc. fertigte <em class="gesperrt">prachtvolle Sophas</em>.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#8199;3)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Wie viel Sophas fertigte — Ungarlande?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge etc. fertigte <em class="gesperrt">zwei</em> Sophas.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#8199;4)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Woraus fertigte — Sophas?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge etc. fertigte etc. <em class="gesperrt">aus dem feinsten Cedernholze</em>.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#8199;<span class="pagenum" id="Seite_148">[S. 148]</span>5)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Wem fertigte — Cedernholze?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge etc. fertigte etc. <em class="gesperrt">dem alten General des siebenten
- Regiments der östreich. Husaren</em> etc.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#8199;6)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Wozu fertigte — Cedernholze?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge etc. <em class="gesperrt">zu dessen häuslicher Bequemlichkeit während der
- langen Friedenszeit</em> etc.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#8199;7)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Wie fertigte — Cedernholze?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge etc. <em class="gesperrt">mit äußerster Anstrengung all seines
- Geschmacksinnes</em> etc.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#8199;8)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Wo fertigte — Cedernholze?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge etc. <em class="gesperrt">in seiner düsteren Werkstatt in den hinteren Räumen
- des gräflichen Schlosses</em> etc.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#8199;9)&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Wann fertigte — Cedernholze?&#160;</div>
- <div class="csscell padtop1">Der junge etc. <em class="gesperrt">während der regnerischen Tage des letzten
- Herbstes</em> etc.</div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="chapter">
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_149">[S. 149]</span></p>
-
-<h3 class="padtop1" id="Anhang"><b>Anhang.</b></h3>
-
-</div>
-
-<p class="s4 center"><b>Eine Art von Aufgaben.</b></p>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Bilde Sätze auf folgende Fragen.)</p>
-
-<div class="csstab">
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell">&#8199;1)&#160;</div>
- <div class="csscell center">Wer? (Was?)&#160;</div>
- <div class="csscell center">Was ist er (sie, es)?</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell s5">&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Der Bleistift&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">ist ein Schreibwerkzeug.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#8199;2)&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wer?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wie ist er?</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell s5">&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Der Bleistift&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">ist spitzig.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#8199;3)&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wer?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was thut er?</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell s5">&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Der Bleistift&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">schreibt.</div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="csstab padtop1">
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#8199;4)&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1"><b>Was für ein?</b>&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wer?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was ist (wie ist, was thut) er?</div>
- <div class="csscell s5 padtop1">&#160;</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell s5">&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Der bunte&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Rock&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">ist ein Kleidungsstück.</div>
- <div class="csscell s5">&#160;</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#8199;5)&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wer?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1"><b>Wessen?</b>&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wie ist (was ist, was thut) er?</div>
- <div class="csscell s5 padtop1">&#160;</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell s5">&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Der Rock&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">des Kindes&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">ist warm.</div>
- <div class="csscell s5">&#160;</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#8199;6)&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1"><b>Was für ein?</b>&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wer?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1"><b>Wessen?</b>&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was thut (was ist, wie ist) er?</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell s5">&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Der bunte&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Rock&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">des Kindes&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">wärmt.</div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="csstab">
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#8199;7)&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was für ein?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wer?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1"><b>Wessen?</b>&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was thut er?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1"><b>Was</b> (wen)?</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell s5">&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Der geschickte&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Drechsler&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">der Residenz&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">arbeitet&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">ein Schachspiel.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">&#8199;8)&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was für ein?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wer?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wessen?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was thut er?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1"><b>Wem</b>?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was?</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell s5">&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Der geschickte&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Drechsler&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">der Residenz&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">arbeitet&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">dem Grafen&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">ein Schachspiel.</div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="csstab">
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1 vat">&#8199;9)&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was für ein?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1 vat">Wer?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1 vat">Wessen?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1 vat">Was that er?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1 vat"><b>Wann</b> (wie oft,<br />
- wie lange, seit wann)?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1 vat">Wem?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1 vat">Was?</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell s5">&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Der geschickte&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Drechsler&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">der Residenz&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">arbeitete&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">voriges Jahr&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">dem Grafen&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">ein Schachspiel.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1"><span class="pagenum" id="Seite_150">[S. 150]</span>
- 10)&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was für ein?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wer?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wessen?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was that er?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wann?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1"><b>Wo?</b>&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wem?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was?</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell s5">&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Der geschickte&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Drechsler&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">der Residenz&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">arbeitete&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">voriges Jahr&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">in seiner Werkstatt&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">dem Grafen&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">ein Schachspiel.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">11)&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was für ein?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wer?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wessen?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was that er?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wann?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wem?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1"><b>Wohin</b> (woher)?</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell s5">&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Der geschickte&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Drechsler&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">der Residenz&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">trug&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">gestern&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">dem Grafen&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">ein Schachspiel&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">in seine Wohnung.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">12)&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was für ein?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wer?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wessen?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was that er?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wann?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wo?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wem?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1"><b>Wie?</b>&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was?</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell s5">&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Der geschickte&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Drechsler&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">der Residenz&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">arbeitete&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">voriges Jahr&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">in seiner Werkstatt&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">dem Grafen&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">mit großer Sorgfalt&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">ein Schachspiel.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">13)&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was für ein?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wer?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wessen?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was that er?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wann?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wo?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wem?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1"><b>Weshalb?</b>&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wie?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was?</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell s5">&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Der geschickte&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Drechsler&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">der Residenz&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">arbeitete&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">voriges Jahr&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">in seiner Werkstatt&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">dem Grafen&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">auf Bestellung&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">mit großer Sorgfalt&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">ein Schachspiel.</div>
- </div>
-</div>
-
-<div class="csstab">
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">14)&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was für ein?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wer?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wessen?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was that er?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wann?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wo?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wem?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1"><b>Warum?</b>&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wie?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was?</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell s5">&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Der geschickte&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Drechsler&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">der Residenz&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">arbeitete&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">voriges Jahr&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">in seiner Werkstatt&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">dem Grafen&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">aus Dankbarkeit&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">mit großer Sorgfalt&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">ein Schachspiel.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">15)&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was für ein?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wer?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wessen?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was that er?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wann?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wo?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wem?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1"><b>Wozu?</b>&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wie?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was?</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell s5">&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Der geschickte&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Drechsler&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">der Residenz&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">arbeitete&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">voriges Jahr&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">in seiner Werkstatt&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">dem Grafen&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">zur Unterhaltung&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">mit großer Sorgfalt&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">ein Schachspiel.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1">16)&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was für ein?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wer?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wessen?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was that er?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wann?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wo?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wem?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wozu?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wie?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1"><b>Wie viel?</b>&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was?</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell s5">&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Der geschickte&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Drechsler&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">der Residenz&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">arbeitete&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">voriges Jahr&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">in seiner Werkstatt&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">dem Grafen&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">zur Unterhaltung&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">mit großer Sorgfalt&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">zwei&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Schachspiele.</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell padtop1"><span class="pagenum" id="Seite_151">[S. 151]</span>
- 17)&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was für ein?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wer?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wessen?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was that er?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wann?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wo?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wem?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wozu?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wie?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wie viel?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1"><b>Woraus?</b></div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell s5">&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Der geschickte&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Drechsler&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">der Residenz&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">arbeitete&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">voriges Jahr&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">in seiner Werkstatt&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">dem Grafen&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">zur Unterhaltung&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">mit großer Sorgfalt&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">zwei&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Schachspiele&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">aus Nußbaumholz.</div>
- </div>
-</div>
-
-
-<div class="blockquot">
-
-<p><b>NB.</b> Zu den Ergänzungen, Zeit-, Ortsbestimmungen etc. etc.
-können natürlich wieder einfache oder doppelte Beifügungen gesetzt
-werden.</p>
-
-<p>Es lassen sich durch Weglassung eines Satztheiles oder mehrerer
-Satztheile noch verschiedene Variationen in Bezug auf diese Art
-Aufgaben gewinnen. Z. B.</p>
-
-
-<div class="csstab">
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell center padtop1">Wer?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was that er?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Woraus?</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell s5 center">(Der Knabe&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">bildete&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">Figuren&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">aus Wachs.)</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell center padtop1">Wer?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wie war er?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wo?</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell s5 center">(Der Knabe&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">war lustig&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">im Garten.)</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell center padtop1">Wer?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was thut er?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wen?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wie oft?</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell s5 center">(Der Knabe&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">begießt&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">die Blumenstöcke&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">alle zwei Tage.)</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell center padtop1">Wer?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was that er?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wann?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Wem?&#160;</div>
- <div class="csscell center padtop1">Was?</div>
- </div>
- <div class="cssrow">
- <div class="csscell s5 center">(Der Diener&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">überbrachte&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">vorhin&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">dem Herrn&#160;</div>
- <div class="csscell s5 center">einen Brief.)</div>
- </div>
-</div>
-
-<p class="mtop1">Den schwächeren Schülern <em class="gesperrt">gebe</em> man die einfachen Sätze zu dem
-Zwecke, sie nach den vorgeschriebenen Fragen zu erweitern. Z. B.: Der
-Jäger schoß. Der Bote übergab. Der Knabe schnitzte. Der Feind entriß
-u.&#160;dgl.&#160;m.</p>
-
-</div>
-
-<p class="s5a center padtop3">Druck von Metzger &amp; Wittig in Leipzig.</p>
-
-<hr class="full x-eboomaker-drop" />
-
-<p class="s1 center mtop3 break-before"><span class="s4">Sprachbilder</span><br />
-
-<span class="s7">nach</span><br />
-
-<span class="s5">bestimmten Sprachregeln.</span></p>
-
-<div class="figcenter illowe5" id="titel2_deko1">
- <img class="w100" src="images/titel2_deko1.jpg" alt="Titelseite, 2. Teil; Dekoration" />
-</div>
-
-<p class="s3 center"><b>Ein einfaches und praktisches Hilfsbuch</b></p>
-
-<p class="s5 center">für den</p>
-
-<p class="s3 center">deutschen Sprachunterricht in der Volksschule.</p>
-
-<p class="s3 center"><b>Für Lehrer und Schüler</b></p>
-
-<p class="s5 center">gearbeitet von</p>
-
-<p class="s3a center">Franz Wiedemann,</p>
-
-<p class="s5 center">Oberlehrer an der Neustädter Bürgerschule in Dresden.</p>
-
-<p class="s3 center mtop2"><b>Zweiter Theil.</b></p>
-
-<div class="figcenter illowe8" id="titel2_deko2">
- <img class="w100 padtop1" src="images/titel2_deko2.jpg" alt="Titeleseite, 2. Teil; Dekoration" />
-</div>
-
-<p class="s4 center mtop2"><b>Leipzig.</b></p>
-
-<p class="s4 center">Alfred Oehmigke’s Verlag.</p>
-
-<p class="s5 center">(Moritz Geißler.)</p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="nobreak" id="Inhalts-Verzeichniss_Teil_2">Inhalts-Verzeichniß.</h2>
-
-</div>
-
-<table class="inhalt">
- <tr>
- <td class="s3" colspan="4">
- <div class="center"><b><a href="#C_Der_zusammengezogene_Satz"><span class="antiqua">C.</span> Der
- zusammengezogene Satz.</a></b></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Der_zusammengezogene_Satz_I">I. Einfache Zusammenziehungen.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s5 padtop1" colspan="3">
- &#160;
- </td>
- <td class="s5 padtop1">
- <div class="center">Seite.</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Zwei Subjecte</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_I_1">1.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Wilderer</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;1</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Mehrere Subjecte</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_I_2">2.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Drei Verdienstvolle</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;2</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Zwei Aussagen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_I_3">3.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die zahme Gans</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;3</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Mehrere Aussagen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_I_4">4.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Martin</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;4</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Zwei Beifügungen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_I_5">5.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ein guter König</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;4</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Mehrere Beifügungen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_I_6">6.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Bergmann</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;5</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Zwei u. mehrere Ergänzungen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_I_7">7.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Sonne</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;6</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft2">Desgl.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_I_8">8.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Blinde</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;7</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Zwei Ortsbestimmungen. Verhältnißwörter</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_I_9">9.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Eine Landplage</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;8</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Desgl. Umstandswörter</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_I_10">10.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Christbaum</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;9</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Zwei Zeitbestimmungen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_I_11">11.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Kranke</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;&#8199;9</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft2">Desgl.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_I_12">12.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Glocken</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;11</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Zwei Best. der Art u. Weise</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_I_13">13.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Elise</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;12</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft2">Desgl.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_I_14">14.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Das Kanonenfieber</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;12</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Zwei Beweggründe</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_I_15">15.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Gott und wir</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;14</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Zwei Zwecke</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_I_16">16.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Kuh</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;14</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Zwei Stoffe</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_I_17">17.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der kleine Künstler</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;14</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5">
- <div class="left"><a href="#Der_zusammengezogene_Satz_I_Wdh"><em class="gesperrt mleft1">Wiederholung.</em></a></div>
- </td>
- <td class="padtop0_5" colspan="3">
- &#160;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Alle Arten Zusammenziehungen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_I_18">18.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ludwig und Günther</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;15</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft3">Forts.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_I_19">19.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Luft</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;16</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft3">Forts.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_I_20">20.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Einfache Kost</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;17</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft3">Forts.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_I_21">21.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Zwei Brüder</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;18</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Der_zusammengezogene_Satz_II">II. Mehrfache Zusammenziehungen.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subjective, Ergänzungen, Beifügungen etc.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_II_22">22.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Zwei berühmte Sänger</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;18</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft3">Forts.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_II_23">23.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Winter</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;19</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft3">Forts.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_II_24">24.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Stolz und Eitelkeit</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;20</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#Der_zusammengezogene_Satz_III">III. Arten der Zusammenziehung.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Zusammenstellend</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_III_25">25.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ein Kampf</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;21</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft2">Desgl.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_III_26">26.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Erzväter</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;22</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Entgegenstellend</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_III_27">27.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Das Meer</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;23</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft2">Desgl.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_III_28">28.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Geld</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;24</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Begründend</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_III_29">29.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Maikäfer</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;24</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft2">Desgl.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_III_30">30.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Bibel</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;25</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
- <div class="center"><b><a href="#Der_zusammengezogene_Satz_III_Hwdh">Hauptwiederholung.</a></b></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Alle Arten der Zusammenziehung</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Der_zusammengezogene_Satz_III_31">31.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Katze</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;25</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s3 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><b><a href="#D_Zusammengesetzte_Saetze"><span class="antiqua">D</span>. Zusammengesetzte
- Sätze.</a></b></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#D_Zusammengesetzte_Saetze_I">I. Ohne Bindewörter.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Zusammenstellend</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Zusammengesetzte_Saetze_I_32">32.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Morgen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;26</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft2">Desgl.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Zusammengesetzte_Saetze_I_33">33.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Auf dem Meere</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;27</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Entgegenstellend</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Zusammengesetzte_Saetze_I_34">34.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der junge Graf</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;27</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft2">Desgl.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Zusammengesetzte_Saetze_I_35">35.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Eine Feuersbrunst</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;28</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Begründend</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Zusammengesetzte_Saetze_I_36">36.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Frühling</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;28</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft2">Desgl.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Zusammengesetzte_Saetze_I_37">37.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Sündfluth</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;29</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5">
- <div class="left"><a href="#Zusammengesetzte_Saetze_I_38_Wdh"><em class="gesperrt mleft1">Wiederholung.</em></a></div>
- </td>
- <td class="padtop0_5" colspan="3">
- &#160;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Zusammenstellend, entgegenst., begründend</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#Zusammengesetzte_Saetze_I_38">38.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Eine Dampfwagenfahrt</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;29</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#D_Zusammengesetzte_Saetze_II">II. Mit Bindewörtern.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Zusammenstellend</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#D_Zusammengesetzte_Saetze_II_39">39.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ein Doppelfest</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;30</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft2">Desgl.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#D_Zusammengesetzte_Saetze_II_40">40.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Abend</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;31</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Entgegenstellend</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#D_Zusammengesetzte_Saetze_II_41">41.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Maß halten</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;32</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft2">Desgl.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#D_Zusammengesetzte_Saetze_II_42">42.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Das Feuer</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;32</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Begründend</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#D_Zusammengesetzte_Saetze_II_43">43.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Schule</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;33</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft2">Desgl.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#D_Zusammengesetzte_Saetze_II_44">44.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Kartoffel</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;34</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5">
- <div class="left"><a href="#D_Zusammengesetzte_Saetze_II_45_Wdh"><em class="gesperrt mleft1">
- Wiederholung.</em></a></div>
- </td>
- <td class="padtop0_5" colspan="3">
- &#160;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Zusammenstellend, entgegenst., begründend</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#D_Zusammengesetzte_Saetze_II_45">45.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Jagd</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;35</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft2">Desgl.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#D_Zusammengesetzte_Saetze_II_46">46.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Brudermord</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;35</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Mit und ohne Bindewörter</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#D_Zusammengesetzte_Saetze_II_47">47</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Entstehung des Brodes</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;36</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft2">Desgl.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#D_Zusammengesetzte_Saetze_II_48">48.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Das Haus</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;36</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Mit und ohne Bindew., Zusammenstellend, entgegenst.,
- begründend</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#D_Zusammengesetzte_Saetze_II_49">49.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Eine Luftschifffahrt</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;37</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
- <div class="center"><b><a href="#D_Zusammengesetzte_Saetze_II_50_Hwdh">Hauptwiederholung.</a></b></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Zusammengezogene u. zusammengesetzte Sätze</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#D_Zusammengesetzte_Saetze_II_50">50.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der letzte Klos</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;38</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s3" colspan="4">
- <div class="center"><b><a href="#E_Satzgefuege"><span class="antiqua">E.</span> Satzgefüge.</a></b></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#E_Satzgefuege_I">I. Subjectivsätze.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5">
- <div class="left mleft1"><a href="#E_Satzgefuege_I_1">1. Vollständige Subjectivsätze.</a></div>
- </td>
- <td class="padtop0_5" colspan="3">
- &#160;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Der Subjectivsatz voran</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_I_1_51">51.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Natur</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;40</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft2">Desgl.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_I_1_52">52.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Gottvertrauen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;41</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Der Subjectivsatz zuletzt</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_I_1_53">53.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Hund</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;41</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Der Subjectivsatz voran u. zuletzt</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_I_1_54">54.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Erde</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;42</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">2. Abgekürzte Subjectivsätze</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_I_2">55.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Selbsterkenntniß</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;43</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5">
- <div class="left"><a href="#E_Satzgefuege_I_2_56_Wdh"><em class="gesperrt mleft1">
- Wiederholung.</em></a></div>
- </td>
- <td class="padtop0_5" colspan="3">
- &#160;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Vollst. u. abgekürzte Subjectivs.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_I_2_56">56.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Todten</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;43</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
- <div class="center"><b><a href="#E_Satzgefuege_I_2_57_Hwdh">Hauptwiederholung.</a></b></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Zusammengesetzte Sätze u. Satzgefüge</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_I_2_57">57.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Im Winter</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;44</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#E_Satzgefuege_II">II. Prädikatsätze.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Prädikatsätze</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_II_58">58.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Gott und der Mensch</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;45</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
- <div class="center"><b><a href="#E_Satzgefuege_II_59_Hwdh">Hauptwiederholung.</a></b></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subjectiv- u. Prädikatsätze</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_II_59">59.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ein trauriger Pfad</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;45</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#E_Satzgefuege_III">III. Beifügesätze.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5">
- <div class="left mleft1"><a href="#E_Satzgefuege_III_1">1. Vollständige Beifügesätze.</a></div>
- </td>
- <td class="padtop0_5" colspan="3">
- &#160;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Der Beifügesatz zuletzt</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_III_1_60">60.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ein Schulkreuz</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;46</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Der Beifüges. in der Mitte</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_III_1_61">61.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ein muthiger Knabe</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;47</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Der Beifügesatz umschreibt ein Eigenschaftswort</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_III_1_62">62.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Flora</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;48</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Desgl. ein Mittelwort</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_III_1_63">63.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Eine Bergpartie</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;49</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Desgl. ein Besitz anzeig. Fürw.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_III_1_64">64.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Verschiedene&#160;Besitzungen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;50</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Desgl. eine Ortsbestimmung</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_III_1_65">65.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ein Todtenbette</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;51</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Desgl. eine Zeitbestimmung</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_III_1_66">66.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Deutschland</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;52</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Desgl. eine Art u. Weise</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_III_1_67">67.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Lebensmüde</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;53</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Desgl. einen Grund oder Zweck</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_III_1_68">68.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Vaterlandsliebe</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;54</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Desgl. ein Hauptw. im 2. Falle</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_III_1_69">69.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Gleiche&#160;Rechte,&#160;gleiche&#160;Pflichten</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;55</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Desgl. ein Zeitw. in reiner Form</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_III_1_70">70.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Das kindliche Spiel</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;56</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Desgl. ein Doppelhauptw.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_III_1_71">71.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Räthsel</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;56</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Desgl. eine Zahlbestimmung</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_III_1_72">72.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Bienen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;57</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft1">Desgl. eine Apposition</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_III_1_73">73.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Biblische Beinamen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;57</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5">
- <div class="left"><a href="#E_Satzgefuege_III_1_74_Wdh"><em class="gesperrt mleft1">
- Wiederholung.</em></a></div>
- </td>
- <td class="padtop0_5" colspan="3">
- &#160;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Alle Arten Beifügungen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_III_1_74">74.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der sterbende Löwe</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;58</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft2">Desgl.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_III_1_75">75.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Das Wasser</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;59</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">2. Abgekürzte Beifügesätze</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_III_2_76">76.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Bete und arbeite</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;60</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5">
- <div class="left"><a href="#E_Satzgefuege_III_3_77_Wdh"><em class="gesperrt mleft1">
- Wiederholung.</em></a></div>
- </td>
- <td class="padtop0_5" colspan="3">
- &#160;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Vollständ. u. abgekürzte Beifüges.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_III_3_77">77.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Napoleon I.</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;61</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
- <div class="center"><b><a href="#E_Satzgefuege_III_4_78Hwdh">Hauptwiederholung.</a></b></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subjectiv-, Prädikat- und Beifügesätze</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_III_4_78">78.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Sklaven</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;62</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#E_Satzgefuege_IV">IV. Ergänzungssätze.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5">
- <div class="left mleft1"><a href="#E_Satzgefuege_IV_1">1. Vollständige Ergänzungssätze.</a></div>
- </td>
- <td class="padtop0_5" colspan="3">
- &#160;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Im 4. Falle</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_IV_1_79">79.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Saat u. Ernte</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;63</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft2">Desgl.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_IV_1_80">80.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die kranke Freundin</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;64</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Im 3. Falle</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_IV_1_81">81.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Lebensregeln</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;65</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft2">Desgl.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_IV_1_82">82.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Mütterliche Lehren</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;65</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Im 2. Falle</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_IV_1_83">83.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Kindespflicht</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;66</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Der Ergänzungss. umschreibt ein Hauptw. mit Verhältnißwort</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_IV_1_84">84.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ein edler Fürst</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;67</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Desgl. ein Zeitw. in abhängiger Form</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_IV_1_85">85.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der alte Räuberhauptmann</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;67</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Der Ergänzungss. in unbestimmter Redeweise</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_IV_1_86">86.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">An der Indianergrenze</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;68</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">2. Abgekürzte Ergänzungssätze</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_IV_2_87">87.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Tollkühne</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;69</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5">
- <div class="left"><a href="#E_Satzgefuege_IV_3_88_Wdh"><em class="gesperrt mleft1">
- Wiederholung.</em></a></div>
- </td>
- <td class="padtop0_5" colspan="3">
- &#160;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Verschiedene Arten der Ergänzungssätze</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_IV_3_88">88.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der feuerspeiende Berg</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;69</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
- <div class="center"><b><a href="#E_Satzgefuege_IV_3_89_Hwdh">Hauptwiederholung.</a></b></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subjectiv-, Prädikat-, Beifügungs- u. Ergänzungssätze</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_IV_3_89">89.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Das Reisen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;71</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#E_Satzgefuege_V">V. Anführungssätze.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5">
- <div class="left mleft1"><a href="#E_Satzgefuege_V_1">1. Wörtlich.</a></div>
- </td>
- <td class="padtop0_5" colspan="3">
- &#160;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Der Hauptsatz voran</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_V_1_90">90.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Bibel der Natur</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;72</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft1">Desgl. zuletzt</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_V_1_91">91.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Beim Brande</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;73</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft1">Desgl. in der Mitte</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_V_1_92">92.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Zwiespalt</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;74</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5">
- <div class="left"><a href="#E_Satzgefuege_V_1_93_Wdh"><em class="gesperrt mleft1">
- Wiederholung.</em></a></div>
- </td>
- <td class="padtop0_5" colspan="3">
- &#160;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Alle drei Fälle abwechselnd</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_V_1_93">93.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Weidenraupe</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;74</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5">
- <div class="left mleft1"><a href="#E_Satzgefuege_V_2">2. Nicht wörtlich.</a></div>
- </td>
- <td class="padtop0_5" colspan="3">
- &#160;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Der Hauptsatz voran</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_V_2_94">94.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Das Wetter</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;75</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft1">Desgl. zuletzt</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_V_2_95">95.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Am Krankenbette</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;76</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft1">Desgl. in der Mitte</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_V_2_96">96.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Fund</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;76</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5">
- <div class="left"><a href="#E_Satzgefuege_V_2_97_Wdh"><em class="gesperrt mleft1">
- Wiederholung.</em></a></div>
- </td>
- <td class="padtop0_5" colspan="3">
- &#160;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Alle drei Fälle</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_V_2_97">97.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ochs und Esel</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;77</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Wörtlich u. nicht wörtlich</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_V_2_98">98.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Das Gespenst</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;78</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
- <div class="center"><b><a href="#E_Satzgefuege_V_2_99_Hwdh">Hauptwiederholung.</a></b></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subjectiv-, Prädikat-, Beifüge-, Ergänzungs-
- u. Anführungssätze</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;<a href="#E_Satzgefuege_V_2_99">99.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ehre das Alter</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;79</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s4 padtop1" colspan="4">
- <div class="center"><a href="#E_Satzgefuege_VI">VI. Umstandssätze.</a></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><a href="#E_Satzgefuege_VI_1">1. Umstandssätze des Ortes</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#E_Satzgefuege_VI_1_100">100.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Unschuldig Verfolgte</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;80</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft2">Desgl.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#E_Satzgefuege_VI_1_101">101.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Reichthum</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;81</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5">
- <div class="left"><a href="#E_Satzgefuege_VI_2">2. Umstandssätze der Zeit.</a></div>
- </td>
- <td class="padtop0_5" colspan="3">
- &#160;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><a href="#E_Satzgefuege_VI_2_a"><span class="antiqua">a.</span> Gleichzeitigkeit.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#E_Satzgefuege_VI_2_102">102.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Peter der Große</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;83</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft2">Desgl.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#E_Satzgefuege_VI_2_103">103.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Aus dem Tagebuche eines Kriegers</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;82</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><a href="#E_Satzgefuege_VI_2_b"><span class="antiqua">b.</span> Ungleichzeitigkeit.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#E_Satzgefuege_VI_2_104">104.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Gewissenhaftigkeit</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;84</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5">
- <div class="left"><a href="#E_Satzgefuege_VI_2_105_Wdh"><em class="gesperrt mleft1">
- Wiederholung.</em></a></div>
- </td>
- <td class="padtop0_5" colspan="3">
- &#160;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Gleich- und Ungleichzeitigkeit</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#E_Satzgefuege_VI_2_105">105.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Das Wüstenungeheuer</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;84</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Umstandssätze des Ortes und der Zeit</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#E_Satzgefuege_VI_2_106">106.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Missionäre</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;85</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5">
- <div class="left"><a href="#E_Satzgefuege_VI_3">3. Umstandssätze der Art u. Weise.</a></div>
- </td>
- <td class="padtop0_5" colspan="3">
- &#160;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5">
- <div class="left"><a href="#E_Satzgefuege_VI_3_a"><span class="antiqua">a.</span> Unverkürzt.</a></div>
- </td>
- <td class="padtop0_5" colspan="3">
- &#160;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><a href="#E_Satzgefuege_VI_3_aa"><span class="antiqua mleft1">aa.</span> Ohne Vergleichung.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#E_Satzgefuege_VI_3_107">107.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Roderich</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;86</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><a href="#E_Satzgefuege_VI_3_bb"><span class="antiqua mleft1">bb.</span> Mit Vergleichung.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#E_Satzgefuege_VI_3_108">108.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ein Sprichwort</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;87</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><a href="#E_Satzgefuege_VI_3_109_b"><span class="antiqua">b.</span> Abgekürzt.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#E_Satzgefuege_VI_3_109">109.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Auf der Wolfsjagd</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;88</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5">
- <div class="left"><a href="#E_Satzgefuege_VI_3_110_Wdh"><em class="gesperrt mleft1">
- Wiederholung.</em></a></div>
- </td>
- <td class="padtop0_5" colspan="3">
- &#160;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Unverkürzt u. abgekürzt</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#E_Satzgefuege_VI_3_110">110.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Rettung</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;89</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Umstandssätze des Ortes, der Zeit u. der Art und Weise</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#E_Satzgefuege_VI_3_111">111.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Eine Lebensgeschichte</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;90</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5">
- <div class="left"><a href="#E_Satzgefuege_VI_4">4. Umstandssätze des Grundes.</a></div>
- </td>
- <td class="padtop0_5" colspan="3">
- &#160;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5">
- <div class="left"><a href="#E_Satzgefuege_VI_4_a"><span class="antiqua">a.</span> Wirkliche Gründe.</a></div>
- </td>
- <td class="padtop0_5" colspan="3">
- &#160;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><a href="#E_Satzgefuege_VI_4_aa"><span class="antiqua mleft1">aa.</span> Stoff. Ursache.
- Erkenntnißgrund.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#E_Satzgefuege_VI_4_112">112.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Fledermaus</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;91</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><a href="#E_Satzgefuege_VI_4_bb"><span class="antiqua mleft1">bb.</span> Beweggrund. Zweck.
- Ziel.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#E_Satzgefuege_VI_4_113">113.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Mutterliebe</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;92</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5">
- <div class="left"><a href="#E_Satzgefuege_VI_4_114_Wdh"><em class="gesperrt mleft1">
- Wiederholung.</em></a></div>
- </td>
- <td class="padtop0_5" colspan="3">
- &#160;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Alle Arten Umstandssätze des Grundes</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#E_Satzgefuege_VI_4_114">114.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Mensch</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;93</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Umstandssätze des Ortes, d. Zeit, der Art u. Weise u. des
- wirklichen Grundes</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#E_Satzgefuege_VI_4_115">115.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Apfelbaum</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;94</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5">
- <div class="left"><a href="#E_Satzgefuege_VI_4_b"><span class="antiqua">b.</span> Mögliche Gründe.</a></div>
- </td>
- <td class="padtop0_5" colspan="3">
- &#160;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><a href="#E_Satzgefuege_VI_4_b_aa"><span class="antiqua mleft1">aa.</span> Bedingungssätze.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#E_Satzgefuege_VI_4_116">116.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der sterbende Vater</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;95</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><a href="#E_Satzgefuege_VI_4_b_bb"><span class="antiqua mleft1">bb.</span> Einräumungssätze.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#E_Satzgefuege_VI_4_117">117.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Zunge</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;96</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5">
- <div class="left"><a href="#E_Satzgefuege_VI_4_118_Wdh"><em class="gesperrt mleft1">
- Wiederholung.</em></a></div>
- </td>
- <td class="padtop0_5" colspan="3">
- &#160;
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Bedingungs- und Einräumungssätze</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#E_Satzgefuege_VI_4_118">118.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Bildung</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;96</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Umstandssätze des Ortes, der Zeit, der Art u. Weise, des
- wirklichen u. möglichen Grundes</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#E_Satzgefuege_VI_4_119">119.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Raubritter</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;97</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><a href="#E_Satzgefuege_VI_5">5. Einschaltsätze.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#E_Satzgefuege_VI_5_120">120.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ein Dieb</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;99</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="padtop0_5" colspan="4">
- <div class="center"><b><a href="#E_Satzgefuege_VI_5_121_Hwdh">Hauptwiederholung.</a></b></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Subjectiv-, Präd.-, Ergänz.-, Umstands-,
- Anführungs- und Einschaltsätze</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#E_Satzgefuege_VI_5_121">121.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Der Mäusethurm</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">&#8199;99</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td class="s3" colspan="4">
- <div class="center"><b><a href="#F_Mehrfach_gegliederte_Saetze_etc"><span class="antiqua">F.</span> Mehrfach gegliederte Sätze etc.</a></b></div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Alle Arten Sätze</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#F_Mehrfach_gegliederte_Saetze_etc_122">122.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Gellert</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">102</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft2">Desgl.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#F_Mehrfach_gegliederte_Saetze_etc_123">123.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Geistesgegenwart</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">103</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Zwei vollständige Satzgefüge verbunden</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#F_Mehrfach_gegliederte_Saetze_etc_124">124.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Schlaf u. Tod</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">105</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Es beziehen sich mehrere Nebensätze
- auf einen Hauptsatz</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#F_Mehrfach_gegliederte_Saetze_etc_125">125.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Zukunft</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">105</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft2">Desgl.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#F_Mehrfach_gegliederte_Saetze_etc_126">126.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Hier und dort</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">106</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft2">Desgl.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#F_Mehrfach_gegliederte_Saetze_etc_127">127.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Das Turnen</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">107</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Der Nebensatz enthält wieder einen Nebensatz</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#F_Mehrfach_gegliederte_Saetze_etc_128">128.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Die Thierschutzvereine</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">107</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft2">Desgl.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#F_Mehrfach_gegliederte_Saetze_etc_129">129.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Ein Apfelkern</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">108</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left"><span class="mleft2">Desgl.</span></div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#F_Mehrfach_gegliederte_Saetze_etc_130">130.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Eine Wohlthäterin</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">109</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Der Anführungssatz ist ein Satzgefüge</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#F_Mehrfach_gegliederte_Saetze_etc_131">131.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Grille und Ameise</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">110</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Zusammengezogene, zusammengesetzte Sätze u. Satzgefüge
- verbunden</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#F_Mehrfach_gegliederte_Saetze_etc_132">132.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">Eine Geburtstagsscene</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">111</div>
- </td>
- </tr>
- <tr>
- <td>
- <div class="left">Die Periode</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center"><a href="#F_Mehrfach_gegliederte_Saetze_etc_133">133.</a></div>
- </td>
- <td>
- <div class="left">An Dich</div>
- </td>
- <td>
- <div class="center">112</div>
- </td>
- </tr>
-</table>
-
-<div class="chapter">
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_1b">[S. 1]</span></p>
-
-<h2 class="nobreak" id="C_Der_zusammengezogene_Satz"><b><span class="antiqua">C.</span>
-Der zusammengezogene Satz.</b></h2>
-
-</div>
-
-<h3 id="Der_zusammengezogene_Satz_I"><b>I. Einfache
-Zusammenziehungen.</b></h3>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_I_1"><b>1. Der Wilderer.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Zwei Subjecte.)</p>
-
-<p>Der Mond und die Sterne standen bereits am Himmel. Ihr Glanz und
-ihr Geflimmer warfen einen matten Silberschein auf die stille Flur.
-Ringsumher lagerten tiefe Ruhe und ernster Friede. Nur einzelne Frösche
-und Unken erhoben in dem schilfdurchwachsenen Teiche noch ihre Stimmen.</p>
-
-<p>Da traten ein Vater und sein erwachsener Sohn aus einem Gebirgswalde
-hervor. Aus ihren Zügen sprachen Rohheit und finsteres Wesen. Ihre
-leisen Schritte und ihre ganze Haltung bekundeten große Vorsicht.</p>
-
-<p>Auf des Sohnes Schultern lagen ein Reh und zwei Hasen. Ueber den Rücken
-des Alten hingen eine kurze Büchse und ein großes Netz. Ihr Aeußeres
-und ihr scheues Verhalten ließen sie sofort als Wilddiebe erkennen.</p>
-
-<p>Stumm schlichen Vater und Sohn über die Felder dahin. Kein Wort, kein
-Laut kam über ihre Lippen.</p>
-
-<p>Bald hatten beide ein kleines Gebüsch erreicht. Hier aber traten ihnen
-plötzlich der Flurschütz und sein Hund entgegen. Schreck und Verwirrung
-bemächtigten sich der Diebe. Das kräftige Halt und die angelegte
-Doppelbüchse des Flurschützen kamen ihnen doch zu unerwartet. Weder
-Vertheidigung noch<span class="pagenum" id="Seite_2a">[S. 2]</span> Flucht konnte sie retten. Blut und Leben hätten
-dabei auf dem Spiele gestanden.</p>
-
-<p>Nach wenig Minuten schritten der alte und der junge Wilddieb als
-Gefangene voran. Der Flurschütz und sein Hund folgten. Traurig blickten
-Mond und Sterne auf das düstere Bild hernieder.</p>
-
-<p>Wuth und Aerger lagerten auf den Zügen der beiden Verbrecher. Ihr Weg
-führte in die Frohnveste. Nach etwa einer Stunde sperrten sie Schloß
-und Riegel von dem freien Leben ab.</p>
-
-<p>Wochen und Monate zogen an ihren Kerkermauern vorüber. Endlich
-erfolgten das letzte Verhör und der Richterspruch. Feld- und
-Wilddieberei werden vom Gesetze hart geahndet. Vater und Sohn
-wanderten auf das Zuchthaus. Hier quälten sie nun freilich Reue und
-Gewissensbisse. Doch die Erkenntniß kam zu spät. Ehre und Freiheit
-waren verspielt.</p>
-
-<p>Was aber hatte jene Beiden nach und nach auf die verbrecherische
-Laufbahn geführt? Arbeitsscheu und Leichtsinn waren die einzige Ursache.</p>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_I_2"><b>2. Drei Verdienstvolle.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Mehrere Subjecte.)</p>
-
-<p>Kuh, Ziege und Schaf sind außerordentlich nützliche Hausthiere.
-Nicht nur ihr Tod, sondern auch ihr Leben gewähren uns mancherlei
-Vortheile. Milch, Butter und Käse würzen ja fast täglich unser Mahl.
-Sowohl die Kuh und die Ziege als auch das Schaf erzeugen durch ihren
-Dünger Fruchtbarkeit der Aecker. Wird den Kindern nicht oft auch ein
-Ziegenböcklein oder ein Lamm zum Vergnügen gehalten?</p>
-
-<p>Noch mehr Vortheil und Gewinn erwachsen aus ihrem Tode. Nicht blos Rind
-und Schöps, sondern auch das Ziegengeschlecht geben uns ein nahrhaftes
-Fleisch. Rinder-, Schöpsen- und Ziegenbraten<span class="pagenum" id="Seite_3a">[S. 3]</span> essen wol alle Leute
-gern. Aber nicht blos ihr Fleisch, sondern auch ihr Fell, zudem ihre
-Haare und ihre Hörner sind sehr nützliche Artikel. Stiefeln, Schuhe
-und Pantoffeln, außerdem Taschen, Gürtel und Riemen, sogar Zäume und
-Sättel wachsen auf dem Rücken des Rindes. Weder Arme noch Reiche können
-deshalb dasselbe entbehren.</p>
-
-<p>Aus dem Felle der Ziege erstehen haltbare Schürzen, feste Handschuhe,
-sogar dauerhafte Beinkleider. Haus-, Schaf- und Reisepelze, sowie auch
-Müffe, Pelzstiefel und Reisedecken kommen vom Felle des Schafes. Und
-wie viel Kleidungsstücke, Stickereien und andere Schmuckgegenstände
-werden nicht erst aus seiner Wolle gefertigt!</p>
-
-<p>Den außerordentlichen Nutzen dieser Thiere erkannten schon die ältesten
-Nationen und Völkerstämme. Schon Abraham, Isaak und Jakob besaßen große
-Heerden. Rinder und Schafe bildeten ihre größten Reichthümer.</p>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_I_3"><b>3. Die zahme Gans.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Zwei Aussagen.)</p>
-
-<p>Die Gans ist ein Haus- und Wasservogel. Ihr Rumpf ist oval und ziemlich
-stark. Ihre Füße haben Nägel und Schwimmhäute. Ihr Hals ist lang
-und sehr beweglich. Der Schnabel hat eine breite Gestalt und eine
-abgerundete Spitze. Das Gefieder ist dicht und oft buntfarbig.</p>
-
-<p>Die Stimme der Gans ist weder klangvoll noch melodisch. Sie schnattert
-und gackert blos. Ihr Gang ist breitspurig und wacklig. Sie schwimmt
-zwar vortrefflich, fliegt aber schwerfällig. Ihre Eier sind allerdings
-groß, aber als Speise nicht eben gesucht. Ihr Fleisch dagegen ist sehr
-wohlschmeckend und darum beliebt.</p>
-
-<p>Die Gans ist namentlich wegen ihrer Federn sehr nützlich und deshalb
-sehr verbreitet. Sie wird daher in manchen Gegenden ganz besonders
-gehegt und gepflegt.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_4a">[S. 4]</span></p>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_I_4"><b>4. Martin.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Mehrere Aussagen.)</p>
-
-<p>Martin war seinen Eltern ein unfolgsames Kind, in der Schule ein fauler
-Schüler und überhaupt ein ungezogener Knabe. Er war nicht blos zänkisch
-und schadenfroh, sondern auch lügenhaft und tückisch. Sein ganzes
-Benehmen war roh, wild und flegelhaft. Er hörte auf keine Mahnung,
-achtete keinen Tadel, ließ sich durch keine Strafe bessern.</p>
-
-<p>Seine Bücher hatten nicht nur Schmuzflecken und Blattohren, sondern
-auch keine Schalen mehr. Seine Kleider waren selten ganz, reinlich und
-in guter Ordnung. Natürlich wurden seine Schulcensuren immer geringer,
-kläglicher und entehrender.</p>
-
-<p>So war Martin seinen Eltern ein Angst-, Sorgen- und Schmerzenskind.
-Ebenso hatte der Lehrer mit ihm nichts als Verdruß und Aerger.</p>
-
-<p>Und was war die traurige Folge von all diesen Jugendsünden? Martin
-wurde später ein Faulenzer, ein Betrüger, ein Dieb und zuletzt ein
-Bewohner des Zuchthauses.</p>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_I_5"><b>5. Ein guter König.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Zwei Beifügungen.)</p>
-
-<p>Ein weiser und gerechter König ist für ein Land ein großes Glück. Er
-sorgt für das Wohl der Städte und Dörfer. Er fördert die Stätten der
-Wissenschaft und Kunst.</p>
-
-<p>Seine ebenso wohlwollenden als strengen Gesetze gewähren allen
-Unterthanen Schutz. Er unterstützt den Fleiß der Handwerker und
-Bodenbebauer. Er weiß den Segen einer guten Schulbildung und einer
-frommen häuslichen Erziehung zu würdigen. Er spendet jedem wirklichen
-Verdienste wohlverdiente und ermunternde Anerkennung.</p>
-
-<p>So strömt Segen von seinem erhabenen, gottbegnadeten<span class="pagenum" id="Seite_5a">[S. 5]</span> Throne über das
-ganze Land. Allenthalben erblüht geistiges und leibliches Glück.</p>
-
-<p>Das Volk weiß dann aber auch ein solch fürsorgliches und väterliches
-Regiment zu schätzen. Mit vertrauensvollen und dankbaren Herzen blicken
-Alle zu dem Throne auf. Jeder Gutgesinnte zeigt nicht blos freudigen,
-sondern selbst aufopfernden Gehorsam. Für einen solchen Fürsten zieht
-das Volk willig in den gefahrvollen, blutigen Kampf. An der Gruft eines
-solchen Landesvaters steht es mit Herzen voll Weh und Schmerz.</p>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_I_6"><b>6. Der Bergmann.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Mehrere Beifügungen.)</p>
-
-<p>Der Bergmann hat einen nicht blos mühsamen, sondern auch gesundheits-,
-ja lebensgefährlichen Beruf. In dem tiefen, dunklen, unheimlichen
-Schachte ist seine Werkstätte. Die unterirdische ununterbrochene Nacht
-ist sein Werkeltag. Das kleine, dürftige Flämmchen seiner Grubenlaterne
-ist seine Sonne.</p>
-
-<p>Die Gefahr zu ersticken, zu verbrennen oder verschüttet zu werden
-schwebt fortwährend über seinem Haupte. Kann doch jeden Augenblick ein
-sogenanntes böses Wetter aus dieser oder jener Wand hervorbrechen. Kann
-doch jeden Tag das an sich zwar feste, aber weitgespannte Steingewölbe
-über dem armen ruhig arbeitenden Manne zusammenbrechen. Nicht selten
-droht ihm auch Unheil durch des Wassers tückische, verheerende Macht.</p>
-
-<p>Leider sind dergleichen schreckbare, grauenhafte, herzerschütternde
-Unglücksfälle gar nicht selten. Die Bergwerke wurden schon für Tausende
-von braven, biedern, redlich sich nährenden Menschen zum frühen,
-jammervollen Grabe.</p>
-
-<p>All diesen Gefahren aber geht der Bergmann tagtäglich mit muthigem,
-gottvertrauendem Herzen entgegen. Er zeigt überhaupt viel frommen,
-gottesfürchtigen Sinn.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_6a">[S. 6]</span></p>
-
-<p>Vor jedem größeren Bergwerke erblickt man ein kleines, einfaches
-Bethaus. Hier stärkt er sich durch eine zwar kurze, aber erhebende
-Andacht zu dem schweren und gefahrvollen Gange in die Tiefe.</p>
-
-<p>Trotz der Arbeit voller Aengste und Bedrohnisse erhält der Bergmann
-aber doch nur einen bescheidenen, fast kärglichen Lohn. In Bergmanns
-Hütte herrscht daher nicht selten bittere, drückende Noth. Schwarzes,
-trockenes Brod bildet häufig seine Mahlzeit nach einer langen,
-erzfundreichen Schicht. Sein zufriedenes, genügsames Gemüth hilft ihm
-indeß auch dieses schwere, freudenleere Loos ertragen.</p>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_I_7"><b>7. Die Sonne.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Zwei und mehrere Ergänzungen.)</p>
-
-<p>Die Sonne führt verschiedene Titel und Namen. Der Dichter nennt
-sie die Mutter der Erde, die Königin des Tages, auch wol den Quell
-alles Lichtes. Der Sternkundige bezeichnet sie einfach als Fix- oder
-Standstern.</p>
-
-<p>Unendlich groß sind ihre Segnungen. Sie regiert Tag und Nacht. Sie
-spendet der Erde Licht und Wärme. Ihr milder Strahl erquickt sowohl die
-Menschen als auch die Thiere und die Pflanzen.</p>
-
-<p>Sie ruft den Frühling und den Sommer. Sie läßt den Herbst und den
-Winter einziehen. Sie zaubert das zarte Keimblättchen aus der Erde, die
-üppige Knospe aus dem Zweige, die purpurne Blüthe aus dem Kelche, die
-goldene Frucht an des Baumes Krone.</p>
-
-<p>Sie zeugt die Raupe in dem winzigen Ei und den Schmetterling in der
-geheimnißvollen Puppe. Ihre segnende Bahn streut Leben, Glück und
-Freude aus. Sie scheint Gerechten und Ungerechten.</p>
-
-<p>Und wie verherrlicht sie ihren Auf- und Niedergang!<span class="pagenum" id="Seite_7a">[S. 7]</span> Welche Genüsse
-bereitet sie da dem Auge und dem gefühlvollen Herzen! Wen sollte nicht
-ein schöner Sonnenaufgang sowohl mit Bewunderung und Entzücken, als
-auch mit Dankgefühlen und stiller Andacht erfüllen? In wem erzeugte
-nicht ein schöner Sonnenuntergang nicht allein frohes Staunen, sondern
-auch ernste Betrachtungen?</p>
-
-<p>Die Größe und Majestät der Sonne erkannten daher auch schon die
-ältesten Völker. Einige ließen ihr sogar Anbetung und göttliche
-Verehrung zu Theil werden.</p>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_I_8"><b>8. Der Blinde.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>Ein Blinder hat ein unsäglich schweres Loos, ein unendlich hartes
-Geschick zu ertragen. Sein Leben ist reich an Gefahren und
-Entbehrungen. Ihn kann weder der farbige Blumenteppich des Frühlings,
-noch das blitzende Diamantkleid des Winters, weder das majestätische
-Sternenzelt, noch das liebe Bild eines schönen Menschenantlitzes
-erfreuen.</p>
-
-<p>Er kann nie des Entzückens über eine reizende Landschaft, nie des
-Jubels über das herrliche Farbenspiel eines Regenbogens, nie auch
-der ergreifenden Gemüthsbewegung bei dem Anblicke wildzuckender
-Blitze theilhaftig werden. Auf jedem seiner Wege muß er stets seiner
-Unsicherheit und Hülflosigkeit eingedenk sein. Er muß jeden Laut, jedes
-kleine Geräusch beachten. Nur selten kann er des Stockes oder einer
-leitenden Hand entbehren.</p>
-
-<p>Ein solcher Unglücklicher verdient daher unser Mitleid, unsere
-herzlichste Theilnahme, unsere Unterstützung. Man muß natürlich an
-jedem Unglücklichen, ganz besonders aber an dem Tauben, Stummen und
-Blinden Barmherzigkeit üben. Ein diese Pflicht Vergessender ist weder
-unserer Achtung und Liebe, noch des Christennamens und der Gnade Gottes
-würdig.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_8a">[S. 8]</span></p>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_I_9"><b>9. Eine Landplage.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Mehrere Ortsbestimmungen. Verhältnißwort.)</p>
-
-<p>Sowohl in Ungarn als auch in Serbien und Bosnien hausten ehedem sehr
-gefährliche Räuberbanden. Ihre Schlupfwinkel befanden sich in den
-dortigen Gebirgen und Wäldern. Ihre Lager schlugen sie in Höhlen und
-Felsenkesseln auf.</p>
-
-<p>Weder in den Städten, noch in den Dörfern war man vor diesem rohen
-Gesindel sicher. Einzelne der kühnen Gesellen wagten sich sogar am
-hellen Tage auf die Marktplätze, auf öffentliche Vergnügungsorte und in
-die Gotteshäuser. Kein Reisender konnte auf Wegen und Straßen für sein
-Leben unbesorgt sein. Immer mußte er ängstlich vor, neben, um und wol
-auch hinter sich blicken. Konnte ja doch jeden Augenblick ein solcher
-Wegelagerer aus einem Dickicht, hinter einer Felsenecke oder aus irgend
-einer Vertiefung hervorgesprungen kommen. Konnte ja doch auf jedem
-Schritte das tödtliche Rohr für ihn schon an einem Baumstamme, auf
-einem Erdhügel oder auf einer Felsenkante angelegt sein.</p>
-
-<p>So war aller Verkehr diesseits und jenseits der Donau höchst unsicher
-gemacht. Nur mit Hülfe des Militärs vermochte man endlich dem Unwesen
-zu steuern.</p>
-
-<p>Ganze Compagnien mußten in Bergen und Thälern umherstreifen. Nach
-Süd und Nord, nach Ost und West gingen einzelne Abtheilungen. Diese
-bewaffneten Männer spähten unter jeden Haufen dürrer Blätter, hinter
-jeden Steinblock, in jede Felsenspalte, nach jedem kleinen Thalkessel.</p>
-
-<p>Viele von den Räubern wurden in ihren Verstecken oder auch im freien
-Walde gefangen. Man führte sie zunächst auf die Militärwachen oder
-auch sofort in die Gefängnisse. Viele der Raubgesellen fanden ihren
-Tod auf der Stelle oder später am Galgen. Andere wurden lebenslänglich
-in die Zuchthäuser oder in andere Strafanstalten geschickt. Einzelne
-Räuberhäuptlinge<span class="pagenum" id="Seite_9a">[S. 9]</span> büßten ihr verbrecherisches Leben bis an dessen
-Ende theils in unterirdischen Gefängnissen, theils in stockfinstern
-Festungszellen.</p>
-
-<p>Die Bewohner der dortigen Gegend aber athmeten nun wieder freier unter
-ihren Dächern und auf ihren Wanderungen.</p>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_I_10"><b>10. Der Christbaum.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgl. Umstandswort.)</p>
-
-<p>Clemens schrieb kurz nach dem Weihnachtsfeste an seine kleinen Vettern
-in Reichenbach und Chemnitz. An den einen berichtete er Folgendes über
-den Christbaum:</p>
-
-<p>Der Christbaum stand mitten in der Stube auf dem Tische. Er war oben
-und unten auf das prächtigste geschmückt.</p>
-
-<p>Hier und da blitzten lange Perlenschnuren. Links und rechts flatterten
-goldene Fähnchen an den Zweigen. Silberpapierne Vögelchen schwebten
-vermittelst dünner Gummifädchen rückwärts und vorwärts. Eine Menge
-allerliebster Engel schienen innen und außen auf- und nieder zu steigen.</p>
-
-<p>Inmitten der blitzenden Krone hing ein großer Ruprecht. Er trug hinten
-und vorn einen Sack. Mit der Rechten bewegte er eine lange Ruthe hin
-und her. Mit der Linken zeigte er bald aufwärts, bald abwärts.</p>
-
-<p>Hier und dort erblickte man auch vergoldete Schäfchen. Wol an dreißig
-brennende Kerzen sendeten ihre Strahlen nach den großen Pfeilerspiegeln
-hinüber und herüber. Und so war das ganze Zimmer bis in alle Ecken und
-Winkel festlich erleuchtet.</p>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_I_11"><b>11. Der Kranke.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Zwei Zeitbestimmungen.)</p>
-
-<p>„Wie geht es Deinem kranken Bruder?“ So fragte Paul den ihm begegnenden
-Moritz.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_10a">[S. 10]</span></p>
-
-<p class="hang1_5"><em class="gesperrt">Moritz.</em> Seit vorgestern und gestern war das Fieber im steten
-Steigen begriffen. Früh und abends phantasirte er sehr lebhaft. Seit
-zwei oder gar seit drei Tagen hat der arme Junge keinen einzigen
-Bissen Nahrung zu sich genommen.</p>
-
-<p class="hang1_5"><em class="gesperrt">Paul.</em> O weh! Da kann ich ihn wol weder heute noch morgen
-besuchen?</p>
-
-<p class="hang1_5"><em class="gesperrt">Moritz.</em> Vor Sonntag oder Montag wird das der Arzt kaum
-erlauben. Selbst ich darf unter drei, vier Tagen nicht zu ihm.</p>
-
-<p class="hang1_5"><em class="gesperrt">Paul.</em> Wie oft kommt denn der Arzt zu ihm?</p>
-
-<p class="hang1_5"><em class="gesperrt">Moritz.</em> Der Arzt besucht ihn vor- und nachmittags, zuweilen
-auch noch einmal abends acht Uhr.</p>
-
-<p class="hang1_5"><em class="gesperrt">Paul.</em> Welche Heilmittel wendet denn der Arzt an?</p>
-
-<p class="hang1_5"><em class="gesperrt">Moritz.</em> Früh und abends wird er in feuchte Tücher
-eingeschlagen. Darauf schwitzt er eine Stunde, auch zwei Stunden. Nun
-reibt ihn mein Vater fünf bis zehn Minuten mit einem wollenen Tuche
-trocken. Nach dem Schweiße kommt er 20–30 Sekunden in ein kühles Bad.
-Der hierauf eintretende Schlaf währt zuweilen eine halbe, auch eine
-ganze Stunde.</p>
-
-<p class="hang1_5"><em class="gesperrt">Paul.</em> Gewiß ist Deine gute Mutter recht besorgt um den Kranken?</p>
-
-<p class="hang1_5"><em class="gesperrt">Moritz.</em> Sie sitzt Tag und Nacht an seinem Bette. Sie hat sich
-schon seit Tagen und Wochen keinen ordentlichen Schlaf vergönnt.
-Morgen und übermorgen aber wird mein Vater eine Krankenpflegerin für
-sie eintreten lassen.</p>
-
-<p class="hang1_5"><em class="gesperrt">Paul.</em> Vor vier, sechs Wochen wird da wol Dein Bruder nicht in
-die Schule kommen?</p>
-
-<p class="hang1_5"><em class="gesperrt">Moritz.</em> Vielleicht gar vor drei oder vier Monaten nicht. Er
-ist zu sehr entkräftet.</p>
-
-<p class="hang1_5"><em class="gesperrt">Paul.</em> Möge ihn der liebe Gott recht bald und dann für immer
-gesund werden lassen!</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_11a">[S. 11]</span></p>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_I_12"><b>12. Die Glocken.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>Hoch auf dem Thurme hängen die Glocken. Ihre ehernen Zungen tönen früh
-und spät in die weite Welt hinein.</p>
-
-<p>Des Morgens und des Abends mahnen sie zum Gebet. Wie ernstfreundlich
-klingt doch des Kirchglöckleins Stimme während des Sonnenauf- und
-Sonnenunterganges!</p>
-
-<p>An Sonn- und Festtagen rufen sie zum Gotteshause. Wie feierlich ertönt
-sowohl zur lieben Weihnachts- als auch zur lieben Osterzeit der
-harmonische Glockengruß!</p>
-
-<p>Tiefernst stimmt uns das Kirchengeläute beim Scheiden des Jahres,
-an Buß- und Bettagen. Fast wehmüthig zittert es zur Zeit eines
-Begräbnisses oder gar zur Stunde eines Hochgerichts an unser Ohr.</p>
-
-<p>Geradezu schauerlich aber hallt der Nothruf der Glocke während einer
-Feuersbrunst oder eines Volksaufstandes durch die Straßen.</p>
-
-<p>Ihr Ruf ertönt aber nicht blos an den Tagen ernster Feier, zur Stunde
-trauriger Familiengeschicke, in den Minuten drohender Gefahr und
-während der Augenblicke blutiger Sühne, sondern auch zur Zeit froher
-Feste und freudiger Familienereignisse.</p>
-
-<p>So verkündet z.&#160;B. auf dem Lande die Kirchenglocke minuten-, ja
-viertelstundenlang die Taufe eines Kindes. Dort stimmen die Glocken am
-Tage der Geburt des Landesvaters, bei Einweihungen kirchlicher Gebäude,
-bei feierlichen Einzügen und zu besonders festlichen Trauungen ihren
-freudigen Lobgesang an.</p>
-
-<p>So sind die Kirchenglocken Sommer und Winter, Tag und Nacht
-theilnehmende Wächter ob des bewegten Menschenlebens. Diesen Dienst
-aber versehen sie nicht blos erst zehn oder fünfzig, sondern schon seit
-Hunderten von Jahren.</p>
-
-<p>Früher oder später werden sie auch Dir Dein Grablied singen.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_12a">[S. 12]</span></p>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_I_13"><b>13. Elise.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Zwei Bestimmungen der Art und Weise.)</p>
-
-<p>Elise hatte sich auf einem Spaziergange in den Wald plötzlich und auf
-ganz unerklärliche Weise eine Erkältung zugezogen. Sie wurde nicht blos
-leichthin, sondern sogar gefährlich krank. Kopf und Brust bereiteten
-ihr theils abwechselnd, theils gleichzeitig viel Weh.</p>
-
-<p>Mehrere Nächte verbrachte sie schlaflos und äußerst aufgeregt. Unter
-diesen Umständen waren die Eltern bald mehr, bald weniger um sie
-besorgt.</p>
-
-<p>Sie ertrug indeß alle Schmerzen still und geduldig. Bereitwillig und
-ohne eine Miene zu verziehen nahm sie die von dem Arzte verschriebene
-bittere Arzenei. Ergeben und zugleich vertrauensvoll unterwarf sie sich
-allen Kurversuchen. Sogar das schmerzhafte Saugen mehrerer Blutegel
-erduldete sie standhaft und ohne jeglichen Seufzer.</p>
-
-<p>Diesem rühmlichen Verhalten folgte aber auch endlich die Genesung
-schnell und sicher. Nach vier Wochen war Elise gründlich und darum
-nachhaltig kurirt. Frisch, munter und fröhlich hüpfte sie nun wieder
-mit ihren Gespielen im Garten umher.</p>
-
-<p>Ihre Eltern aber dankten dem lieben Gott ebenso aufrichtig als herzlich
-für die ihrer Tochter neugeschenkte Gesundheit.</p>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_I_14"><b>14. Das Kanonenfieber.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>Nicht ohne Schreck und eine gewisse Verzagtheit las Melchior den
-Ruf zu den Waffen. Unter Thränen und Seufzen nahm er Abschied von
-den Seinigen. Mit trübseligen Gedanken und niedergeschlagnen Augen
-marschirte er inmitten seines Regimentes zum Thore hinaus.</p>
-
-<p>Seine Kameraden sangen aus voller Kehle und muthiger<span class="pagenum" id="Seite_13a">[S. 13]</span> Brust ihre
-frischen Soldatenlieder. Melchior schritt stumm und bänglich dahin.</p>
-
-<p>In guter Stimmung und noch bei frischen Kräften überschritt endlich das
-Regiment die feindliche Grenze. Ebenso kühn als schnell warf sich ihm
-der Feind entgegen. Zwar in größter Eile, aber dennoch vorsichtig nahm
-das Regiment Stellung.</p>
-
-<p>Unter Horn- und Trommelsignalen begann der Kampf. Summend und zischend
-durchkreuzten die tödtlichen Geschosse die Luft. Theils stumm, theils
-mit einem jähen Aufschrei brachen die von den Kugeln Getroffenen
-zusammen.</p>
-
-<p>Melchior erbebte bei den ersten Schüssen ganz entsetzlich, fast wie
-ein furchtsames Kind. Von Todesangst und einer gewissen Betäubung
-ergriffen stand er in Reihe und Glied. Zitternd und darum ohne
-jegliches Ziel feuerte er seine Schüsse ab. Fast wider Willen und ohne
-Selbstbewußtsein ging er mit vorwärts.</p>
-
-<p>Zehn Minuten lang war jetzt mit außerordentlicher Erbitterung, aber
-noch ohne Erfolg gekämpft worden. Da kam plötzlich und in fast
-wunderbarer Weise ein ganz anderer Geist über Melchior. Er stellte
-sich kalt und mannhaft dem Feinde gegenüber. Er zielte mit Ruhe und
-Sicherheit. Schnell und unerschrocken benutzte er jede Gelegenheit
-zu seiner Deckung. Mit Ungeduld und sichtlicher Kampfbegeisterung
-erwartete er das Signal zum Vorwärtsgehen. Beim schließlichen
-Sturmangriffe eilte er sonder Furcht und Todesangst allen Anderen voran.</p>
-
-<p>Sein Regiment errang endlich unter fast übermenschlichen Anstrengungen
-und großen Opfern den Sieg.</p>
-
-<p>Und Melchior?</p>
-
-<p>Ihm überreichte sein Commandant vier Wochen nach der Schlacht mit
-militärischer Feierlichkeit und herzlicher Ansprache eine ehrenvolle
-Auszeichnung.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_14a">[S. 14]</span></p>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_I_15"><b>15. Gott und wir.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Zwei Beweggründe.)</p>
-
-<p>Der liebe Gott schenkt uns Alles aus Liebe und Güte. Er verschiebt
-die Strafe des Sünders aus Geduld und Langmuth. Er vergibt uns unsere
-Schuld aus lauter Gnade und Barmherzigkeit.</p>
-
-<p>Aus Liebe und Dankbarkeit müssen wir ihm deshalb gehorchen lernen.
-Unsere Besserung darf nicht aus Angst oder Furcht geschehen. Wir müssen
-uns aus vollster Ueberzeugung und mit aufrichtigem Vertrauen ihm stets
-als Kinder gegenüber stellen.</p>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_I_16"><b>16. Die Kuh.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Zwei Zwecke.)</p>
-
-<p>Die Kuh wird zur Zucht und auch zum Zuge verwendet. Sie gewährt deshalb
-für Stadt und Land großen Nutzen.</p>
-
-<p>Um ihrer Milch und ihres Düngers willen hält man sie oft in großen
-Heerden. Ihre Milch wird nicht blos als Getränk, sondern auch zu Butter
-und Käse verbraucht. Ihr Fleisch dient zu Braten und zu verschiedenen
-andern Speisen. Ihre Haut trägt sie für Schuhmacher, Sattler und Riemer
-zu Markte. Ihre Hörner sind für Drechsler und Knopfmacher bestimmt.</p>
-
-<p>Wegen dieses allgemeinen Nutzens wird auch die Kuh in manchen Gegenden
-zum Heirathsgute oder zu einem andern Geschenke erhoben.</p>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_I_17"><b>17. Der kleine Künstler.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Zwei Stoffe.)</p>
-
-<p>Julius war ein außerordentlich geschickter Knabe. Er verstand aus den
-unbedeutendsten Dingen und Stoffen allerhand Spielereien zu fertigen.
-Aus abgesetzten Korken und weggeworfenen Lederstückchen schnitzte er
-allerliebste Landschaften.</p>
-
-<p>Aus Baumrinde, Moos und Flechten baute er kleine Einsiedeleien.
-Aus buntem Papier und den Abfällen in der Glaserwerkstatt<span class="pagenum" id="Seite_15a">[S. 15]</span> wußte
-er niedliche Glasschränkchen herzustellen. Aus Pappstreifen und
-bunten Leinwandabschnittchen formte er allerhand Schächtelchen.
-Aus Cigarrenkastenbretchen und den Deckeln zerbrochener Schachteln
-entstanden unter seinen Händen bewegliche Windmühlen. Thiere schuf er
-gewöhnlich aus Mehl und Wasser. Menschen wurden von ihm aus Wachs oder
-Pech gebildet.</p>
-
-<p>Mit diesen Sächelchen aus festen Stoffen oder ursprünglich
-weichem Material erfreute er dann seine Geschwister besonders zur
-Weihnachtszeit.</p>
-
-<p class="s4 center mtop2" id="Der_zusammengezogene_Satz_I_Wdh"><b>Wiederholung.</b></p>
-
-<p class="s5 center">(Alle Arten Zusammenziehungen.)</p>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_I_18"><b>18. Ludwig und Günther.</b></h4>
-
-<p>Ludwig und Günther nannten sich gute Freunde. Beide aber waren faule,
-ungezogene und rohe Buben. Ueber ihre Lippen ging selten ein sanftes
-oder ein gutes Wort. Häufig stießen sie nicht blos Schimpfworte und
-gemeine Reden, sondern sogar Flüche und Verwünschungen aus.</p>
-
-<p>Während ihrer freien Zeit trieben sie sich in Wäldern und Gebüschen
-umher. Dabei war im Frühlinge und Herbste ihr Hauptabsehen auf das
-Wegfangen von Singvögeln gerichtet. Diese Schändlichkeit führten sie
-durch Aufstellen von Leimruthen, Netzen, Sprenkeln und andern Schlingen
-aus. Mit den armen Gefangenen aber gingen sie nicht selten äußerst roh
-und herzlos um. Oft marterten sie die unglücklichen Thierchen aus purer
-Laune und Schadenfreude auf das entsetzlichste. Schließlich wurden
-dieselben in ein enges Leinwandsäckchen oder gar in einen Strumpf
-gesteckt.</p>
-
-<p>So wanderten die Aermsten zum Verkaufe oder zum Verschenken aus ihrem
-Paradiese hinaus. Die Freiheit und den grünen Wald sah keiner der
-Unglücklichen wieder. Lebenslänglicher Kerker oder ein elender Tod ward
-ihr Loos.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_16a">[S. 16]</span></p>
-
-<p>Zum Glück und zur Freude aller Gutgesinnten legte man endlich den
-bösen Knaben ihr gottloses Treiben. Sie wurden eingezogen, verhört,
-verurtheilt und auf zwei Jahre in eine Strafanstalt abgeführt.</p>
-
-<p>Zu ihrem eigenen Heile kehrten sie aus dieser Anstalt nach überstandner
-Buße als gebesserte, gute und brauchbare Menschen zurück.</p>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_I_19"><b>19. Die Luft.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Fortsetzung.)</p>
-
-<p>Die Luft besteht aus Stickstoff, Sauerstoff, Wasserstoff und
-Kohlensäure. Stickstoff und Sauerstoff sind in großer Menge in ihr
-vorhanden.</p>
-
-<p>Viele Merkmale und Eigenschaften hat sie mit andern Körpern gemein. Sie
-ist undurchdringlich, durchsichtig, schwer und elastisch. Sie nimmt
-verschiedene Grade der Kälte und der Wärme an. Deshalb berührt sie uns
-zuweilen heiß, warm, lau, kalt, sogar eisig kalt.</p>
-
-<p>Die Luft durchdringt die winzigsten Zellen der Thierkörper und der
-Pflanzen. Sie findet sich ebensowohl in der Tiefe des Meeres als im
-Innern des größten Felsenberges. Für alles Leben und Gedeihen ist sie
-die erste Bedingung.</p>
-
-<p>Ihre Bewegungen und Strömungen sind stets wechselnder Natur. Als lindes
-Säuseln weht sie durch Hain und Flur. Als scharfer Zug pfeift sie durch
-Fenster und Thüren. Aehrenfelder, einzelne Baumgipfel und ganze Wälder
-bewegt der Wind.</p>
-
-<p>Er setzt die Windmühle und die Segelschiffe in Bewegung. Er trägt den
-leichten Drachen und die schwere Wolke. Pfeifend und heulend saust er
-als Sturm daher. Als Orkan richtet er in Obstgärten, in Wäldern, auf
-dem Meere, in Dörfern und Städten oft gewaltige Verheerungen an.</p>
-
-<p>Die Luft vermittelt jeden Schall, jeden Laut, jeden Ton, jeden Knall.
-Ihre Wellen tragen das Murmeln der Bäche, das<span class="pagenum" id="Seite_17a">[S. 17]</span> Summen der Käfer,
-das Lied der Nachtigall an unser Ohr. Auf ihren Schwingen rollt der
-knirschende Donner und der dumpfe Knall der schweren Geschütze dahin.
-Sie vermittelt unsern Herzen das Flehen des Armen, das Seufzen des
-Leidenden, den Hülferuf des Verunglückten, den Trost theilnehmender
-Freunde.</p>
-
-<p>So belebt sie nutzbringend und segenspendend das unendliche All.</p>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_I_20"><b>20. Einfache Kost.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Fortsetzung.)</p>
-
-<p>Wasser, Salz und Brod macht die Wangen roth. Das ist ein altes und
-ein wahres Sprichwort. Wo blieben sonst die markigen Gestalten, die
-kräftigen Arme und die blühenden Gesichter der armen Gebirgsbewohner?</p>
-
-<p>Die Tafeln der Grafen, Herzöge, Könige und Kaiser möchten brechen unter
-der Last der feinsten Leckerbissen. Sind diese Herren aber deshalb etwa
-die gesündesten und kräftigsten Menschen? Starb nicht schon mancher
-Fürst in der Blüthe seiner Jahre, im kräftigsten Mannesalter?</p>
-
-<p>Möge der Arme darum nicht neidisch weder nach den Kapaunen, Austern und
-Torten, noch nach den Weinhumpen und Methgläsern der Reichen blicken.
-Bei zufriedenem Sinn und Hunger ist auch die einfache Kartoffel
-eine leckere Speise. Gaumenkitzel und Zungenweide sind ja oft nur
-eingebildete Dinge.</p>
-
-<p>Dein Mahl aus einfachem Gemüse und Schwarzbrod erscheint vielleicht
-sogar manchem Reichen als genußreich. Möglicherweise haben ihm die
-allzu fetten Speisen den Magen geschwächt oder gar schon verdorben.</p>
-
-<p>Einfache, aber kräftige Kost ist unter allen Umständen der Gesundheit
-am dienlichsten.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_18a">[S. 18]</span></p>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_I_21"><b>21. Zwei Brüder.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Fortsetzung.)</p>
-
-<p>Hans und Otto waren Brüder. Heiterkeit und Frohsinn, sowie
-Verträglichkeit bildeten die Hauptmerkmale ihres Charakters. Fleiß, wie
-auch Ordnungsliebe zeigte jeder. Nicht nur der Vater, sondern auch die
-Mutter waren stolz auf diese Kinder.</p>
-
-<p>Hans galt für einen guten Turner und Schwimmer. Otto leistete viel im
-Zeichnen und Malen. Ersterer sah frisch und blühend aus. Letzterer war
-etwas blaß und hager. Beide lernten und arbeiteten um die Wette.</p>
-
-<p>Diese treuen, strebsamen Brüder waren bei Jedermann beliebt. Der Fleiß
-des Hans und des Otto wurden andern Kindern zum Vorbilde aufgestellt.
-Otto’s Zeichnungen und Bilder bewunderte man. Von dem Muthe und der
-Gewandtheit des Hans erzählte man sich überall.</p>
-
-<p>Große und kleine Kinder gingen mit Respekt an diesen Knaben vorüber.
-Beide jedoch blieben bescheiden und demüthig. So brav und gut sollten
-alle Knaben und Mädchen sein.</p>
-
-<div class="section">
-
-<h3 id="Der_zusammengezogene_Satz_II"><b>II. Mehrfache
-Zusammenziehungen.</b></h3>
-
-</div>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_II_22"><b>22. Zwei berühmte Sänger.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Subjecte, Ergänzungen, Beifügungen etc.)</p>
-
-<p>Nachtigall und Grasmücke sind liebliche Wald- und Singvögel. Sie lieben
-das niedere, schattige Gebüsch an Flüssen und Teichen.</p>
-
-<p>Ihr einfaches, schlichtes Kleid kann sich weder mit dem bunten Gefieder
-des Gimpels, noch mit dem vielfarbigen Gewande des Finken messen. Ihr
-wundervoller, herrlicher Gesang aber macht sie zu Lieblingen bei Jung
-und Alt.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_19a">[S. 19]</span></p>
-
-<p>Weich und harmonisch ertönen ihre Weisen aus dem düstern
-Strauchwerke und aus den niedern Baumgipfeln hervor. Ihre melodie-
-und gefühlsreichen Lieder ergreifen jedes unverdorbene und sinnige
-Menschenherz mit unwiderstehlicher Macht und seltsamem Zauber. Ihnen
-lauscht zur Früh- und Abenddämmerung der Wanderer auf staubiger Straße
-oder auf holperigem Waldpfade. Ihren flötenden, oft schwermüthigen
-Accorden leiht selbst der müde Waldarbeiter und der die Waldmusik
-längst gewohnte Waidmann noch sein Ohr.</p>
-
-<p>Und doch haben gerade Nachtigall und Grasmücke unter den Menschen
-die unbarmherzigsten, gefährlichsten Feinde. Aus purer Gewinnsucht
-und schnödem Eigennutze stellt man ihnen an allen Orten und Enden
-nach. Selbst die zu ihrer Sicherheit und ihrem Schutze hier und da
-erlassenen strengen, oft außerordentlich strengen Gesetze vermögen
-diese Zierden des Waldes, diese Lieblinge aller Naturfreunde nicht ganz
-vor Nachstellung und Gefangennahme zu schützen.</p>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_II_23"><b>23. Der Winter.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Fortsetzung.)</p>
-
-<p>Horst und Alfred erwarteten mit sehnsüchtigen Blicken und förmlicher
-Ungeduld den ersten Schnee. Stundenlang, ja halbe Tage lang
-schauten sie zu den hohen, breiten Fenstern hinaus nach dem grauen,
-wolkenbedeckten Himmel.</p>
-
-<p>Längst schon hatten sie ihre Schlitten und Schlittenpeitschen aus ihren
-Schlupfwinkeln hervorgeholt und in Bereitschaft gestellt. Nicht blos
-bereits seit Tagen, sondern sogar seit Wochen schwärmten sie in ihren
-Gesprächen und Träumen von Schneeballschlachten, Schneemännern und
-Rutschpartien.</p>
-
-<p>Da endlich wirbelten die ersten feinen, zarten Schneeflöckchen in
-anmuthigem Tanze und in dichtem Gedränge auf Dach und Baum, auf Hof und
-Garten herab. Horst und Alfred schrieen<span class="pagenum" id="Seite_20a">[S. 20]</span> laut und freudig auf über das
-längst ersehnte und längst erhoffte Naturereigniß.</p>
-
-<p>Nach zwei Tagen und drei Nächten lag der Schnee in den Gärten und
-Feldern nicht blos zoll-, sondern sogar ellenhoch. Nun wurden von den
-beiden Knaben und ihren Freunden und Gespielen Schlittenbahnen angelegt
-und große, dickmauerige Schneeschanzen errichtet. Diese ziemlich fest
-und äußerst geschickt angelegten Bollwerke suchte man dann unter Vivat-
-und Hurrahgeschrei zu erstürmen. Dabei flogen die großen und kleinen
-Bomben hinüber und herüber. Viele von ihnen zerplatzten zur Freude und
-zum Jubel der kleinen Schaar auf dem Rücken, an den Köpfen und wol gar
-an den Nasen der Gegner.</p>
-
-<p>Zur Abwechselung wurde nach beendigter Schlacht oder nach längerer
-Schlittenfahrtbelustigung ein hoher, breitschultriger Schneemann
-erbaut. Wohlausgesuchte und geeignet geformte Steinkohle bildete seine
-Augen und seine Nase. Zähne und Lippen verlieh man ihm mittels rother
-Tuchläppchen und kleiner Eiszapfen.</p>
-
-<p>Die Schöpfung eines solch riesigen Schneemannes weckte unter den
-kleinen Knaben außerordentlich fleißige und emsige Hände und viel
-Freude und Jubel.</p>
-
-<p>So trieben sie es alle Tage und wurden des langen und zugleich harten
-Winters nicht müde. Bei aller dieser Freude und bei all diesem
-Vergnügen vernachlässigten sie aber nie ihre Schularbeiten und ihre
-sonstigen häuslichen Beschäftigungen.</p>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_II_24"><b>24. Stolz und Eitelkeit.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Fortsetzung.)</p>
-
-<p>Stolz und Eitelkeit verderben bei Kindern und Erwachsenen nicht
-blos den Charakter, sondern beflecken auch das Herz. Stolze und
-Eitle blicken mit Geringschätzung und Nichtachtung auf Arme und
-Gebrechliche, überhaupt auf Niedrigstehende herab. Ihr<span class="pagenum" id="Seite_21a">[S. 21]</span> Gemüth
-verschließt sich aus lauter Dünkel und Hochmuth der Theilnahme, dem
-Mitleide, der Barmherzigkeit. Dabei werden sie in engeren und weiteren
-Gesellschaftskreisen unangenehm und darum lästig.</p>
-
-<p>Welcher Verständige und Vernünftige möchte wol gern mit solchen
-eingebildeten Narren und hochfahrenden Thoren näheren und wol gar
-freundschaftlichen Umgang haben?</p>
-
-<p>Der Hochmüthige lebt sich unbestritten und unleugbar auch selbst
-zur Last und Qual. Wie erregt und ärgert ihn jeder fremde Vorzug
-des Standes, der Bildung, der körperlichen Schönheit, der Kleidung,
-jedes fremde Lob, jede fremde Ehre oft auf Tage und Wochen hinaus!
-Wie mitunter peinlich ängstlich ist er früh und spät auf die Pflege
-seiner Haut, seiner Zähne, seiner Haare, vielleicht sogar seiner Nägel
-bedacht! Wie späht die Eitelkeit auf den Straßen und in Gesellschaften,
-sowie in Modezeitungen und andern derartigen Blättern nach der neuesten
-Form der Kopfbedeckung, dem neuesten Schnitte der Kleider, wol gar nach
-der neuesten Farbe der Handschuhe! An allen Orten und in allen Kreisen
-will sie gesehen und bewundert sein.</p>
-
-<p>Welch ein unruhiges, trauriges Leben! Laßt uns lieber zu unserer Ehre
-und zu unserem Ruhme unsern schönsten Schmuck in Einfachheit und
-Bescheidenheit suchen und finden.</p>
-
-<div class="section">
-
-<h3 id="Der_zusammengezogene_Satz_III"><b>III. Arten der
-Zusammenziehung.</b></h3>
-
-</div>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_III_25"><b>25. Ein Kampf.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Zusammenstellend.)</p>
-
-<p>Ein Staar und ein Sperling stritten sich um den Besitz eines
-Nistkastens. Derselbe bot allerdings nicht blos alle mögliche
-Bequemlichkeit, sondern auch viel Raum. Zudem hing er hoch und
-sicher. Sowohl während der Früh- als der Mittags- und der langen
-Nachmittagsstunden konnte ihn die Sonne bescheinen.<span class="pagenum" id="Seite_22a">[S. 22]</span> Somit erschien
-er den beiden Vögeln zum Brüten und zur Kinderzucht außerordentlich
-geeignet. Beide setzten daher auch für die Eroberung desselben Blut und
-Leben ein.</p>
-
-<p>Der Kampf wurde mit Wuth und Erbitterung geführt.</p>
-
-<p>Bald schlugen, hackten und bissen sich die hitzigen Gegner auf den
-Aesten und Zweigen, bald auf dem Dache des Nistkastens, bald auf dem
-Rasen des Gartens umher. Graue und schwarze Federn wirbelten zahlreich
-nach links und rechts. Wuth und Schmerzgeschrei zeterte durch die Luft.
-Eine Menge anderer Vögel eilte theils aus Neugier, theils vor Schreck
-herbei.</p>
-
-<p>Wol drei bis fünf Minuten dauerte die entsetzliche Fehde. Erschöpft
-und blutend ergriff endlich der Staar die Flucht. Der allerdings auch
-verwundete und schrecklich zerzauste Spatz aber zog triumphirend und
-fast wie hohnlachend in das eroberte Luftschloß ein.</p>
-
-<p>Wollt ihr ihn etwa ob seiner Heldenthat schmähen oder verurtheilen?</p>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_III_26"><b>26. Die Erzväter.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>Abraham, Isaak und Jakob waren Erzväter. Sie alle führten nicht blos
-zum Scheine, sondern in Wahrheit ein frommes, gottesfürchtiges Leben.
-Weder Glück noch Unglück vermochte ihre Gottestreue wankend zu machen.
-Sie standen nicht allein in ihrer Familie, sondern auch in ihrer
-weiteren Umgebung als wahre Muster im Gehorsam, in der Demuth und im
-Gottvertrauen da. Die Israeliten zollen ihnen darum noch heute große
-Achtung und Verehrung.</p>
-
-<p>Alle drei Männer standen aber auch unter besonderem Schutze und in
-besonderer Gnade Jehovah’s. Er segnete sie mit leiblichen und geistigen
-Gütern. Mit Muth und Kraft wußten sie daher stets Leid und Trübsal zu
-ertragen. Mußte doch<span class="pagenum" id="Seite_23a">[S. 23]</span> Isaak noch in seinen alten Tagen und besonders
-während seiner Blindheit bittern Undank und schmachvolle Täuschung
-erfahren. Welch tiefes Herzeleid und welch unendliches Weh mußte Vater
-Jakob infolge des Neides und der Rachsucht seiner eigenen Kinder
-empfinden! Immer indeß führte ihr Herr und Gott jene Männer durch
-Kummer, Noth und Thränen zu neuer Freude, neuem Glücke.</p>
-
-<p>Die Lebensgeschichten dieser Gottesmänner sind im lieben, heiligen
-Bibelbuche ebenso getreulich als auch ausführlich niedergeschrieben.
-Sie zu lesen und zu erwägen ist für Kopf und Herz heilsam.</p>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_III_27"><b>27. Das Meer.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Entgegenstellend.)</p>
-
-<p>Der Anblick des Meeres kann zu Zeiten mit erhebender Bewunderung, aber
-auch mit erschütterndem Entsetzen erfüllen.</p>
-
-<p>Es beplätschert den Strand mit freundlichem Wellenspiel, tobt aber auch
-in wilder Brandung. Seine Straßen sind zwar breit, indeß nicht selten
-gefahrvoll. Meeressturm, gleichwohl auch Meeresstille können äußerst
-unheilbringend werden.</p>
-
-<p>Das Reisen auf dem Oceane ist allerdings reich an Genüssen, hingegen
-auch stets gewagt. Die riesigsten Segelschiffe, doch auch die
-mächtigsten Dampfer können verunglücken.</p>
-
-<p>Trotzdem geht der Matrose nie mit Zagen, sondern stets mit Freuden
-aufs neue in See. Der wettergebräunte Seemann vermag in Stunden
-schwerer Noth lange zu fluchen, allein endlich auch zu beten. Er
-traut allerdings seiner Kraft, dessenungeachtet zuletzt aber auch der
-schützenden Hand Gottes.</p>
-
-<p>Das Meerwasser ist zwar hell und klar, dennoch für den Menschen
-ungenießbar. Viele seiner Bewohner sind uns bekannt, indeß noch lange
-nicht alle. Es birgt unendlich viel erklärliche Naturerscheinungen,
-aber auch noch viel Geheimnisse.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_24a">[S. 24]</span></p>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_III_28"><b>28. Geld.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>Viel Geld macht zwar reich, aber nicht immer glücklich. Es ist wohl ein
-Tröster in der Noth, indeß in vielen Fällen kein Helfer.</p>
-
-<p>Der Besitz viel blinkenden Erzes verschafft nicht selten dem
-Menschen Ehre, dessenungeachtet aber keinen sittlichen Werth. Das
-Geld erschließt die Thür zu vielen Genüssen, jedoch auch das Thor zu
-mancherlei Sünden und Lastern. Es erfreut nicht blos, sondern verführt
-auch. In das eine Herz pflanzt der Mammon den Sinn des Mitleids und der
-Wohlthätigkeit, in das andere dagegen die Wurzel des Stolzes und des
-Dünkels.</p>
-
-<p>So ist er unser Freund, gleichwohl auch unser Feind. Wir können durch
-ihn in vieler Hinsicht frei, aber auch Sklaven werden. Wir wollen daher
-unser Geld zwar zusammenhalten, allein niemals das Herz daran hängen.</p>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_III_29"><b>29. Der Maikäfer.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Begründung.)</p>
-
-<p>Die Maikäfer sind sehr gefräßig, darum schädlich. Sie erscheinen fast
-alle zu gleicher Zeit, deshalb in großer Menge. Sie suchen im Frühlinge
-das junge Blätterwerk und deswegen die Gipfel der Eichen und Kastanien
-auf.</p>
-
-<p>Sie zeugen viel Eier, demnach eine zahlreiche Nachkommenschaft. Ihre
-Larven ruhen tief in der Erde, folglich wohlgeborgen.</p>
-
-<p>Ihre wohlgenährten, mithin fetten Leiber dienen vielen Vögeln zur
-Nahrung. Sie sind auch für manche Menschen eine Delicatesse und also
-nicht ganz ohne Nutzen.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_25a">[S. 25]</span></p>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_III_30"><b>30. Die Bibel.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>Die Bibel ist ein vor Jahrtausenden geschriebenes und daher uraltes
-Buch. Sie ist durch von Gott erleuchtete Männer verfaßt, darum heilig
-und ehrwürdig.</p>
-
-<p>Sie enthält unsere ganze Christenreligion, mithin einen unendlichen
-Schatz von Lehren und Wahrheit. Sie soll unser Licht und unsere
-Leuchte, somit ein Führer durch das Leben sein. Sie gibt uns die
-Zusicherung der göttlichen Liebe und Fürsorge und demnach Kraft und
-Muth in gefahrvollen Stunden und Tagen. Ihre frommen Sprüche erfüllen
-das Herz mit Vertrauen und Zuversicht auf die ewige Huld und Gnade,
-daher auch mit Trost und Ergebung im Unglück.</p>
-
-<p>Viele Kapitel darin besingen die Wunderwerke, folglich auch die Macht
-und Weisheit des Schöpfers. Die Bibel sollte vor allen andern Büchern
-in jeder Christenfamilie heimisch sein und deswegen überhaupt den
-allgemeinsten Eingang gefunden haben. Jeder Getaufte, mithin auch der
-ärmste der Armen müßte dieses heilige Gotteswort besitzen.</p>
-
-<p>Der wirkliche Jünger Jesu mag sie zu keiner Zeit, also auch nicht in
-den Tagen der Freude entbehren. Werde der heiligen Schrift ihre Würde
-und Weihe und somit der Menschheit ein unwägbarer Schatz erhalten!</p>
-
-<p class="s4 center mtop2" id="Der_zusammengezogene_Satz_III_Hwdh"><b>Hauptwiederholung.</b></p>
-
-<p class="s5 center">(Alle Arten der Zusammenziehungen.)</p>
-
-<h4 id="Der_zusammengezogene_Satz_III_31"><b>31. Die Katze.</b></h4>
-
-<p>Die Katze ist ein nützliches und oft sehr nothwendiges Hausthier. Ihr
-Geruch und ihr Gesicht sind scharf. Sie ist im Springen und Klettern
-sehr gewandt.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_26a">[S. 26]</span></p>
-
-<p>Ihr Charakter zeigt von Schlauheit, aber auch von Falschheit. Sie
-schmeichelt oft, doch kratzt sie auch leicht. Man muß ihr deshalb nicht
-trauen, sondern mißtrauen.</p>
-
-<p>Die Katze fängt nicht blos Mäuse, sondern auch Ratten. Sie jagt nicht
-nur im Hause, sondern auch auf dem Felde. Nicht allein Mäuse und
-Ratten, sondern auch die Vögel fliehen vor ihr.</p>
-
-<p>Die Katze ist schnell, demnach letzteren sehr gefährlich. Ihr Gang ist
-völlig geräuschlos, mithin für ihre Raubzüge von großem Vortheile. Ihr
-Gebiß ist scharf, darum eine tödtliche Waffe.</p>
-
-<p>Die Katze ist ein getreuer Wächter gegen viele kleine Diebe, deshalb
-ein weitverbreitetes Hausthier.</p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="nobreak" id="D_Zusammengesetzte_Saetze"><b><span class="antiqua">D.</span>
-Zusammengesetzte Sätze.</b></h2>
-
-</div>
-
-<h3 id="D_Zusammengesetzte_Saetze_I"><b>I. Ohne Bindewörter.</b></h3>
-
-<h4 id="Zusammengesetzte_Saetze_I_32"><b>32. Der Morgen.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Zusammenstellend.)</p>
-
-<p>Der Osthimmel röthete sich, der Morgen begann zu dämmern. Die Hähne
-krähten, die Tauben hoben an zu girren. Die Kühe rasselten mit ihren
-Ketten, die jungen Rosse wieherten im Stalle. Die Staare ließen ihren
-Frühpsalm ertönen, die Lerchen stiegen trillernd in die Luft.</p>
-
-<p>Die Frühglocke ertönte, ihr frommes Morgenlied hallte treulich das Thal
-entlang. Die Gehöfte belebten sich, auf dem schmalen Dorfwege zeigten
-sich bereits einzelne Landbewohner.</p>
-
-<p>Jetzt war die Sonne über die fernen Berge emporgestiegen, die ganze
-Natur lag verklärt im Morgenglanze. Die<span class="pagenum" id="Seite_27a">[S. 27]</span> Blumen erschlossen ihre lieben
-Augen, die Thauperlen blitzten tausendfältig an den Halmen. Die Heerden
-zogen unter lieblichem Glockengeläute auf die fetten Triften, die
-Ackersleute führten ihre munteren Gespanne zum Pfluge.</p>
-
-<p>So zeigte sich überall neugestärkte Kraft, so entwickelte sich
-allenthalben Frische und Lebenslust.</p>
-
-<h4 id="Zusammengesetzte_Saetze_I_33"><b>33. Auf dem Meere.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>Der Himmel verdunkelte sich, es ward unheimlich still. Die Seeadler
-kreischten, die Sturmvögel umschwirrten bereits das Schiff.</p>
-
-<p>Immer dunkler ward der Himmel, näher zog das schwarze Gewölk. Man hört
-ein fernes Brausen, es erhebt sich der Sturm. Blitze zucken, Donner
-grollen, die Wellen thürmen sich hoch auf.</p>
-
-<p>Das Schiff wird hin und her geworfen, das Steuerruder droht zu brechen.
-Der Kapitän commandirt unaufhörlich, die Matrosen fliegen eilend hin
-und her. Man zieht die Segel ein, die Luken werden geschlossen.</p>
-
-<p>Der Sturm tobt immer wilder, die Wellen gehen immer höher. Plötzlich
-gibt es einen gewaltigen Stoß, die Masten krachen, die Wände bersten,
-das Wasser strömt unaufhaltsam ein, das Schiff sinkt. Binnen einer
-Viertelstunde ist nur die Hauptmastspitze noch von ihm zu sehen, die
-ganze Bemannung hat ihr Grab in den Wellen gefunden.</p>
-
-<h4 id="Zusammengesetzte_Saetze_I_34"><b>34. Der junge Graf.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Entgegenstellend.)</p>
-
-<p>Ein Haushofmeister gebot seinem vornehmen Schüler zu schweigen, der
-junge Graf plauderte fort. Der Ungehorsame sollte Latein treiben, er
-tändelte mit Briefmarken.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_28a">[S. 28]</span></p>
-
-<p>Der Lehrer wiederholte bald darauf seinen Befehl sehr ernst, Junker
-Armin spielte gleichgiltig weiter. Ersterer drohte jetzt mit
-Bestrafung, der junge Graf lächelte.</p>
-
-<p>Der Hauslehrer besaß viel Geduld, jetzt ging sie zu Ende. Er hatte den
-jungen Grafen lange genug mit Güte behandelt, heute sollte derselbe
-seinen ganzen Ernst empfinden lernen.</p>
-
-<p>Der Ungehorsame fürchtete nichts Schlimmes, er täuschte sich. Bald
-darauf rief ein Diener zur Mittagsmahlzeit, der junge Graf erhielt
-keine Einladung. Nach Tische fuhr die gesammte gräfliche Familie
-spazieren, Armin mußte zu Hause bleiben. Armin hatte jeden Abend
-zwanzig französische Wörter zu lernen, heute mußte er deren noch einmal
-so viel seinem Gedächtnisse einprägen.</p>
-
-<h4 id="Zusammengesetzte_Saetze_I_35"><b>35. Eine Feuersbrunst.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>Die Nacht eines schönen Octobertages war freundlich ins Thal gezogen,
-sie sollte einen traurigen Ausgang nehmen.</p>
-
-<p>Gegen zwölf Uhr schlugen die Flammen aus dem dürren Strohdache einer
-alten Mühle, Niemand darin bemerkte es. Schon sprühten einzelne Funken
-durch die kleinen Fenster, die Mühlbewohner schliefen noch fest.</p>
-
-<p>Die Feuerglocke ertönte, ihr Ruf kam leider viel zu spät. Man setzte
-die Dorfspritze in Bewegung, die Gluth war nicht mehr zu bezwingen.</p>
-
-<p>Das Leben der Inwohner wurde endlich noch gerettet, ihre Habe ging
-verloren. Der Abend hatte sie als glückliche Menschen begrüßt, der
-Morgen sah sie als Bettler.</p>
-
-<h4 id="Zusammengesetzte_Saetze_I_36"><b>36. Frühling.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Begründend.)</p>
-
-<p>Der Frühling nahte, die Menschenherzen athmeten fröhlich auf. Die
-Sonne schien wärmer, der Schnee schmolz. Der Frost<span class="pagenum" id="Seite_29a">[S. 29]</span> entwich aus dem
-Erdreiche, frische Pflanzenkeime trieben hervor. Die Luft wehte mild
-über die Fluren, die Zugvögel kamen herbei. Einzelne Blumen erschlossen
-bereits ihre Honigkelche, die Oede der Wiesen verschwand. Die Bäume
-bedeckten sich mit Blüthen, die Bienen verließen ihre Zellen.</p>
-
-<p>Warmer Regen strömte nieder, die Saaten sproßten empor. Alles Leben
-erwachte aus dem Winterschlafe, überall zeigte sich verjüngte Kraft.</p>
-
-<h4 id="Zusammengesetzte_Saetze_I_37"><b>37. Die Sündfluth.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>Die 120 Gnadenjahre waren um, das göttliche Strafgericht begann.
-Der Regen strömte unaufhörlich hernieder, die Gewässer traten über
-ihre Ufer. Die Fluthen wälzten sich die Thäler entlang, die Menschen
-flüchteten auf die Berge.</p>
-
-<p>Die tobenden Wogen stiegen von Tag zu Tag höher, alle Sünder fanden
-ihren Tod. Noah’s Familie allein blieb übrig, sie war dem Herrn treu
-gewesen.</p>
-
-<p class="s4 center mtop2" id="Zusammengesetzte_Saetze_I_38_Wdh"><b>Wiederholung.</b></p>
-
-<p class="s5 center">(Zusammenstellend, entgegenstellend, begründend.)</p>
-
-<h4 id="Zusammengesetzte_Saetze_I_38"><b>38. Eine Dampfwagenfahrt.</b></h4>
-
-<p>Die Bahnhofsglocke läutete, die Passagiere stiegen in die Wagen. Die
-Locomotive pfiff, der Zug setzte sich in Bewegung.</p>
-
-<p>Anfangs bewegte er sich ganz langsam, nach wenig Sekunden rollte er
-schon bedeutend schnell, bald sauste er mit voller Kraft dahin. Die
-Telegraphenstangen huschten blitzschnell vorüber, die Fruchtäcker
-drängten sich gleich schmalen Bändern an einander, die Waldbäume
-schienen zu tanzen.</p>
-
-<p>Der Zug durchschnitt herrliche Landschaften, sie konnten nur flüchtig
-genossen werden. Er jagte ja mit Windeseile dahin, das Auge konnte
-keinen Ruhepunkt gewinnen.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_30a">[S. 30]</span></p>
-
-<p>Inmitten der Fahrt erscholl plötzlich ein Nothsignal, die Fahrgäste
-erschraken.</p>
-
-<p>Die Schaffner bremsten augenblicklich, Alles drängte an die
-Wagenfenster, Einzelne schrieen laut auf, Andere wollten durchaus
-hinausspringen.</p>
-
-<p>Ein Unglück erfolgte nicht, der Zug blieb ruhig stehen. In der Maschine
-war blos eine kleine Röhre gesprungen, ein solcher Vorfall bringt
-selten Gefahr. Der Schaden ward ausgebessert, das Abfahrtssignal
-schrillte aufs neue, bald ratterte der Zug wieder die Schienen entlang.
-Die Fahrt ging glücklich weiter, die Aufregung unter den Fahrgästen
-währte noch lange.</p>
-
-<div class="section">
-
-<h3 id="D_Zusammengesetzte_Saetze_II"><b>II. Mit Bindewörtern.</b></h3>
-
-</div>
-
-<h4 id="D_Zusammengesetzte_Saetze_II_39"><b>39. Ein Doppelfest.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Zusammenstellend.)</p>
-
-<p>In dem Garten des Kaufmanns Löbel herrschte eines Tages ein lustiges
-Treiben, und dieses Treiben gab für den Beobachter ein liebliches Bild.
-Der Kaufmann hatte nämlich zwei Söhne, und beide Knaben feierten heute
-einen Festtag. Bruno beging sein Wiegenfest, und Hugo feierte seinen
-Namenstag.</p>
-
-<p>Zu diesem Feste nun hatten sie nicht blos ihre liebsten Schulkameraden
-eingeladen, sondern die Eltern hatten auch noch die Kinder der
-Nachbarschaft herbeigezogen. Es standen den muntern Gästen nicht
-allein allerhand Spiele zur Verfügung. sondern es war auch für einen
-wohlgedeckten Tisch gesorgt.</p>
-
-<p>Bald vertheilte man sich zu den verschiedenen Unterhaltungen, und
-die Lust nahm ihren Anfang. Die großen Knaben griffen zunächst zu
-den Armbrüsten, und die jüngeren Gäste eilten zuerst nach den großen
-Gummibällen.</p>
-
-<p>Hier warf man Reifen, und dort schob eine kleine Gesellschaft<span class="pagenum" id="Seite_31a">[S. 31]</span> Kegel.
-Eine Anzahl Mädchen spielten Blindekuh, auch das Topfschlagen wurde
-nicht vergessen. Der kleine Heinrich jagte einen großen Reifen im
-Garten umher, und der dicke Otto ließ einen bunten Kreisel tanzen.
-Julchen fuhr einen schönen Puppenwagen, und Marie beschäftigte sich mit
-allerhand Blumen.</p>
-
-<p>Mitten über dem Garten schwebte ein riesiger Drache, außerdem ließ der
-Kaufmann auch noch kleine Luftballons steigen.</p>
-
-<p>Bei all dieser Lust entstand weder Streit unter den zahlreichen Gästen,
-noch bemerkte man ein ausgelassenes Verhalten.</p>
-
-<p>Die Kühle des spätern Nachmittags machte endlich dem fröhlichen Treiben
-ein Ende, zudem nöthigte auch die sinkende Sonne die fremden Gäste zum
-Nachhausegehen.</p>
-
-<p>So verstrich das heitere Fest in ungetrübter Freude, und allen
-Theilnehmern blieb es noch lange in freundlicher Erinnerung.</p>
-
-<h4 id="D_Zusammengesetzte_Saetze_II_40"><b>40. Abend.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>Die Sonne ging unter, und Dämmerung senkte sich auf die Erde nieder.
-Am Westhimmel strahlte ein leichtes Purpurgewölk, und aus den Fenstern
-der Berghütte blitzte der Wiederschein des herrlichen Abendgoldes. Der
-Lerchengesang verstummte, ebenso verhallten die Lieder des Waldes.</p>
-
-<p>Die Heerden zogen still nach ihren Ställen, und die Feldarbeiter
-schritten ermüdet nach ihren Hütten. Traulich tönte die Abendglocke vom
-Kirchlein herüber, und manches fromme Herz ward durch diesen Ruf zum
-Gebet gestimmt.</p>
-
-<p>Immer länger dehnten sich die Baumschatten auf dem Rasen dahin, und
-immer dichter wob die Dämmerung ihren düstern Schleier. Ueber den
-Blumen flatterten bereits die fahlen Nachtschmetterlinge, und in den
-Gehöften begannen die Fledermäuse ihren geisterhaften Kreisflug. Immer
-stiller ward es rings umher, und immer tiefere Ruhe senkte sich auf die
-müde Erde.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_32a">[S. 32]</span></p>
-
-<h4 id="D_Zusammengesetzte_Saetze_II_41"><b>41. Maß halten.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Entgegenstellend.)</p>
-
-<p>Die Schädlichkeit jedweder Unmäßigkeit in leiblichen Genüssen ist
-bekannt, dessenungeachtet fallen der letzteren noch viele Menschen zum
-Opfer.</p>
-
-<p>Wir sollen uns des Lebens freuen, aber unsere Freude muß in gewissen
-Grenzen bleiben. Wir dürfen uns an dem köstlichen Weine erlaben, doch
-darf es dabei nicht zu einem Rausche kommen. Wir dürfen unserem Gaumen
-durch wohlschmeckende Speisen gütlich thun, gleichwohl darf der Magen
-nie damit überfüllt werden.</p>
-
-<p>Der Mensch muß die gehörige Zeit schlafen, das Zuviel ist indeß auch
-hier ungesund. Ein naturgemäßer Schlaf stärkt die Glieder, eine zu
-lange Ruhe hingegen erschlafft das Nervenleben. Auch der Tanz ist
-eine erlaubte Freude, nur darf diese kreisende Bewegung nicht bis zur
-Erschöpfung fortgesetzt werden.</p>
-
-<p>Darum genieße Jeder die Freuden dieses Lebens, allein er halte in allen
-Dingen Maß.</p>
-
-<h4 id="D_Zusammengesetzte_Saetze_II_42"><b>42. Das Feuer.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>Das Feuer ist eine höchst wohlthätige Gabe des Himmels, aber es hat
-auch schon unsägliches Unheil angerichtet. Es erhellt in finsteren
-Nächten unser Stübchen, allein ein einziger Funke von ihm kann unsere
-ganze Habe vernichten.</p>
-
-<p>Das Feuer macht viele Nahrungsmittel erst genießbar, gleichwohl kann
-ein einziger allzuheißer Bissen uns zum Essen unfähig machen. Es
-verleiht unserem Zimmer während der kalten Wintertage eine wohlthuende
-Wärme, doch haben die glühenden Ofenwände auch schon manchem
-Unvorsichtigen schmerzhafte Wunden beigebracht.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_33a">[S. 33]</span></p>
-
-<p>Das weithin strahlende Licht der Leuchtthürme bewahrte schon manches
-Schiff vor entsetzlichem Unglücke, indeß die Macht der Flammen sehr
-vielen Seefahrzeugen einen jammervollen Untergang bereitete.</p>
-
-<p>Die lustig lodernde Pechfackel verherrlicht das Friedensfest, der
-brennende Pechkranz hingegen ist ein Schrecken des Krieges. Tausende
-von Lichtern verleihen bei festlichen Gelegenheiten einer Stadt den
-höchsten Glanz, gleichwohl kann ein einziges Flämmchen davon sie in
-einen Schutthaufen verwandeln. Der Anblick eines feuerspeienden Berges
-gewährt ein überwältigendes Schauspiel, die Verheerungen der glühenden
-Lava jedoch sind entsetzlich anzusehen.</p>
-
-<p>So wollen wir denn für die Wohlthat des Feuers dankbar sein, aber seine
-Gefahren sollen von uns nie unbeachtet bleiben.</p>
-
-<h4 id="D_Zusammengesetzte_Saetze_II_43"><b>43. Die Schule.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Begründend.)</p>
-
-<p>Die Schulzeit vergeht schnell, deshalb mußt Du sie gewissenhaft
-benutzen.</p>
-
-<p>Sei in jeder Stunde streng aufmerksam, denn das Leben erfordert
-mancherlei Kenntnisse. Uebe Dich sorgfältig in allerlei Fertigkeiten,
-weil Du dadurch Dein Fortkommen in der Welt finden kannst.
-Oberflächlich Gelerntes vergißt sich bald wieder, deswegen präge Dir
-jede Lection recht gründlich ein.</p>
-
-<p>Die Schule sucht den ganzen Menschen zu bilden, mithin muß sich ihr
-auch jeder Schüler mit all seinen Kräften widmen. Beherzige deshalb vor
-allen Dingen die heiligen Lehren der Religion, denn daraus gehet das
-Leben. Ein rechtschaffener Charakter ist ein sicherer Wanderstab, daher
-eigne Dir schon in der Schule sittliche Grundsätze an. Ein frommes Herz
-ist der größte Schatz auf Erden, deshalb nimm die Heilswahrheiten<span class="pagenum" id="Seite_34a">[S. 34]</span> aus
-dem Munde Deines Lehrers gläubig in Dich auf. Die Schule will eben
-nicht blos Dein irdisches Glück begründen, demnach sorgt sie auch für
-Deine Seele.</p>
-
-<p>Da Du nun Solches weißt, so richte Dein Verhalten danach ein.</p>
-
-<h4 id="D_Zusammengesetzte_Saetze_II_44"><b>44. Die Kartoffel.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>Die Kartoffel ist das Brod der Armen, deshalb ist Franz Drake durch
-Einführung derselben zu einem Volkswohlthäter geworden.</p>
-
-<p>In Deutschland tauchte sie zum ersten Male unter Karl’s V. Regierung
-auf, mithin fällt ihre Einbürgerung in die Mitte des 16. Jahrhunderts.
-Der Werth dieser Frucht wurde geraume Zeit nicht recht gewürdigt,
-daher verzögerte sich die allgemeine Verbreitung derselben. Manchen
-Regierungen dauerte dies allerdings zu lange, deswegen suchten sie den
-Kartoffelanbau durch Zwangsmaßregeln zu fördern.</p>
-
-<p>Die Kartoffel hat in der Regel die Gestalt eines Apfels, daher nennt
-man sie in einigen Gegenden Erdäpfel. Weil ihr Mehl viel Nahrungsstoff
-enthält, mischt man es oft mit Getreidemehl zu Brod.</p>
-
-<p>Die Kartoffel enthält auch Klebstoff, mithin kann sie zur
-Gummibereitung verwendet werden. Sie birgt ferner eine gewisse
-Süßigkeit, und somit findet sie sogar Eingang in Zuckerfabriken. In der
-Viehwirthschaft spielt sie eine ganz bedeutende Rolle, denn sie ist ein
-vorzügliches Mästmittel.</p>
-
-<p>Der Kartoffelbau ist übrigens leicht, da diese Frucht fast in jedem
-Boden gedeiht.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_35a">[S. 35]</span></p>
-
-<p class="s4 center mtop2" id="D_Zusammengesetzte_Saetze_II_45_Wdh"><b>Wiederholung.</b></p>
-
-<p class="s5 center">(Zusammenstellend, entgegenstellend, begründend.)</p>
-
-<h4 id="D_Zusammengesetzte_Saetze_II_45"><b>45. Die Jagd.</b></h4>
-
-<p>Das Jagdhorn erscholl, und die Jäger brachen auf. Die Hühnerhunde
-bellten, auch die kleinen Dachse erhoben ihre Stimme.</p>
-
-<p>Blitzender Reif lag auf den Fluren, zudem drohten die Wolken mit
-Schnee. Wol blies ein eisiger Wind von Westen nach Osten, aber der
-Waidmann fürchtet sich vor Kälte nicht.</p>
-
-<p>Die Jäger gingen jetzt auseinander, jeder indeß behielt Linie. Die
-Hunde drängten vor, allein man hielt sie noch zurück. Bald fielen
-einzelne Schüsse, aber es fiel kein Hase. Die Ladungen hatten gefehlt,
-weil man aus zu großer Ferne geschossen hatte. Später traf jeder Schuß,
-denn die Jäger waren jetzt ihrer Beute näher.</p>
-
-<p>Das Revier war endlich abgejagt, deshalb blies man zum Rückzuge. Das
-Jagdglück hatte sich günstig gezeigt, darum genoß man nun unter großer
-Heiterkeit das Mittagsbrod.</p>
-
-<h4 id="D_Zusammengesetzte_Saetze_II_46"><b>46. Der Brudermord.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>Kain bestellte eines Tages seinen Acker, und Abel hütete seine Schafe.
-Beide waren Brüder, aber ihre Gemüthsart war sehr verschieden.</p>
-
-<p>Kain’s Brust erfüllte die Mißgunst, weshalb er wol auch stets mit Neid
-auf seinen Bruder blicken mochte. Den Abel beseelte Frömmigkeit, auch
-trug sein ganzes Wesen das Gepräge der Sanftmuth.</p>
-
-<p>Beide Brüder zündeten eines Tages Feuer an, denn jeder gedachte dem
-lieben Gott ein Opfer zu bringen. Kain opferte Früchte des Feldes, Abel
-dagegen verbrannte ein Schaf.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_36a">[S. 36]</span></p>
-
-<p>Die Opferfeuer züngelten gleichmäßig empor, die Rauchsäulen indeß
-nahmen eine verschiedene Richtung an. Der Rauch von Abel’s Opfer
-stieg in geraden Linien zum Himmel hinauf, der von Kain’s Opferaltare
-hingegen wälzte sich in dichten Wolken auf der Erde hin.</p>
-
-<p>Das sah Kain, und sein Herz ergrimmte. Sein Bruder dünkte ihm ein
-besonderer Liebling Jehovah’s zu sein, somit aber war er ihm ein Dorn
-im Auge.</p>
-
-<p>Der entsetzliche Neid trieb ihn nicht nur zum Hasse, sondern seine
-lieblose Seele wurde auch sofort mit Zorneswuth erfüllt.</p>
-
-<p>Kain dachte in diesem Augenblick weder an den allwissenden Gott, noch
-kümmerten ihn die Eltern daheim. Die Mörderkeule zuckte nieder, und
-sein Bruder Abel stürzte todt zu Boden.</p>
-
-<h4 id="D_Zusammengesetzte_Saetze_II_47"><b>47. Entstehung des Brodes.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Mit und ohne Bindewörter.)</p>
-
-<p>Das Feld wird bestellt, der Landmann streut Samen aus, der Himmel gibt
-Regen und Sonnenschein, die Saaten gehen auf, sie grünen und wachsen,
-der Sommer bringt sie zur Reife, der Schnitter mäht sie ab, die Scheune
-nimmt die vollen Garben auf, der Dreschflegel stäubt die Aehren, der
-Mühlstein zermalmt die Körner, der Bäcker knetet den Teig, der Backofen
-vollendet das Gebäck und der Mensch genießt das Brod.</p>
-
-<h4 id="D_Zusammengesetzte_Saetze_II_48"><b>48. Ein Haus.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>Das Haus hat zu kleine Fenster, sein Dach ist nur von Stroh, der Garten
-darum hat keine Obstbäume, auch ist das Futter darin nicht gut, die
-ganze Lage ist zu winterlich und die Umgebung zu einförmig, darum kaufe
-ich das Grundstück nicht.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_37a">[S. 37]</span></p>
-
-<h4 id="D_Zusammengesetzte_Saetze_II_49"><b>49. Eine Luftschifffahrt.</b></h4>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Mit und ohne Bindewort. Zusammenstellend,
-entgegenstellend und begründend.)</p>
-
-<p>Der Luftballon hatte seine Füllung erhalten, sein Leib war mächtig
-geschwollen, fast wie ungeduldig drängte er nach der Abreise.</p>
-
-<p>Wir stiegen drei Mann hoch in die von Weidenruthen geflochtene Gondel,
-und ich nahm sofort auf einem kleinen Sessel Platz. Wir freuten
-uns auf die seltene Fahrt, aber dennoch klopften unsere Herzen vor
-Bänglichkeit. Das Luftmeer ist an Gefahren dem Weltmeere gleich, denn
-auch jenes hat keine Balken.</p>
-
-<p>Ein Signal erscholl, die Stricke wurden gelöst, der Ballon erhob
-sich. Die versammelte Menge wünschte uns glückliche Fahrt, Hunderte
-von Tüchern winkten uns den Abschiedsgruß, Tausende von Augen folgten
-unserem Fluge.</p>
-
-<p>Unser Luftschiffskapitän warf eine Anzahl Gedichte auf die Zuschauer
-hinunter, auch schoß er ein Pistol in die Luft hinaus ab. Die Menge
-tief unten jauchzte dabei laut auf, mich durchrieselte ein bängliches
-Frösteln.</p>
-
-<p>Unser Luftfahrzeug schlug anfänglich die Richtung nach Osten ein, bald
-indeß wurde es von dem Winde nach Süden getrieben. Pfeilschnell stieg
-es empor, dennoch erfolgte sein Flug gänzlich geräuschlos.</p>
-
-<p>Die Wolken näherten sich merklich, die Landschaft unter uns trat immer
-mehr zurück. Unsere Blicke gewannen ein immer größeres Aussichtsfeld,
-dagegen schmolzen die Gegenstände auf der Erde zu immer kleineren
-Gestalten zusammen. Die Menschen erschienen nur noch in der Größe
-von schwarzen Ameisen, die Flüsse schlängelten sich wie schmale
-Silberschnuren dahin, die Wälder glichen großen Tinteklecksen, und die
-Berge<span class="pagenum" id="Seite_38a">[S. 38]</span> amen uns wie winzige Hügel vor. Die Luft wurde jetzt nicht nur
-mit jeder Sekunde dünner, sondern die Temperatur sank auch merklich
-herab, und somit hatten unsere Lungen tüchtig zu arbeiten.</p>
-
-<p>Wir mochten etwa eine Stunde unterwegs sein, da beschloß unser Kapitän
-den Rückzug. Er stieg an einer Strickleiter empor, und gleich darauf
-entstand ein kleines Geräusch. Er hatte ein Ventil geöffnet, ein Theil
-der eingeschlossenen Luft entwich, das Schiff begann zu sinken.</p>
-
-<p>Ich hatte das Landen oft als ziemlich gefahrvoll schildern hören,
-deshalb wurde mir jetzt wieder nicht wohl zu Muthe. Zu unsern Gunsten
-war vollkommene Windstille eingetreten, kein Lüftchen regte sich.
-Der Ballon sank immer tiefer und schwebte jetzt etwa noch thurmhoch
-über einer ebenen Flur. Der Anker sank hinab, das Ventil öffnete sich
-noch einmal kräftig, die Luft strömte zischend aus, und der gespannte
-Riesenleib legte sich allmälig in Falten. Plötzlich gab es eine Art
-Stoß, und gleichzeitig erscholl aus dem Munde des Kapitäns ein Hurrah!</p>
-
-<p>Der Ballon stand still, weil der Anker Boden gefaßt hatte. Bald standen
-wir wieder auf festem Grunde, und ich war außerordentlich befriedigt,
-denn eine solche Luftreise bietet ein unbeschreiblich wunderbares
-Schauspiel.</p>
-
-<p class="s4 center mtop2" id="D_Zusammengesetzte_Saetze_II_50_Hwdh"><b>Hauptwiederholung.</b></p>
-
-<p class="s5 center">(Zusammengezogene und zusammengesetzte Sätze.)</p>
-
-<h4 id="D_Zusammengesetzte_Saetze_II_50"><b>50. Der letzte Klos.</b></h4>
-
-<p>Hans und Görge waren eines Tages die Letzten am Tische. Hans hatte
-seinen Sitz auf des Vaters Stuhl eingenommen, der kleine Görge dagegen
-kniete auf einer breiten Lehnbank.</p>
-
-<p>In der Schüssel befand sich noch ein einziger Klos und etwas Brühe.
-Beides waren die letzten Ueberreste vom Mittagsbrode,<span class="pagenum" id="Seite_39a">[S. 39]</span> denn das
-Mittagsmahl war vorüber, und die Tischgäste hatten sich eben entfernt.</p>
-
-<p>Hans und Görge stierten nicht blos sehnsüchtig, sondern auch habgierig
-den dicken und zugleich fetten Klos an. Jeder wollte ihn haben, keiner
-gönnte ihn dem andern, denn in beider Herzen wohnten Neid und Mißgunst.
-Ihre Augen funkelten, ihre Lippen glitschten im Vorgeschmacke des
-Leckerbissens. Einer beobachtete heimlich die Miene des andern, keiner
-aber wagte irgend eine Bewegung.</p>
-
-<p>Der Appetit und die Ungeduld schienen sich indeß bei beiden Brüdern von
-Minute zu Minute zu steigern, zudem konnte ja auch jeden Augenblick die
-Mutter kommen und den Speiserest forttragen.</p>
-
-<p>Da endlich streckte Hans beide Hände aus und faßte die Schüssel am
-Rande. Im Nu aber packte sie Görge an der entgegengesetzten Seite,
-denn er wollte sich den fetten Bissen durchaus nicht so mir nichts dir
-nichts entreißen lassen, am allerwenigsten sollte ihn Hans ohne alle
-Hindernisse verschlucken dürfen.</p>
-
-<p>Nun aber entspann sich ein ebenso heftiger als lächerlicher Kampf.
-Hans zog hin, Görge her, und zwar erfolgte dieses Hinundher zusehends
-schneller und mit merklich sich steigernder Erbitterung und Wuth. Der
-arme Klos hatte es am übelsten dabei, denn er wurde unbarmherzig in der
-Schüssel herumgekollert und hätte vor Angst bersten mögen.</p>
-
-<p>Der brüderliche oder vielmehr unbrüderliche Kampf war jetzt aufs
-Höchste gestiegen, die Brühe spritzte nach allen Seiten hin, und der
-gute Klos rannte wie verzweifelt an den Schüsselwänden empor. Da aber
-trat schnell und unerwartet ein tückisches Ereigniß ein, und Kampf
-und Sieg waren entschieden. Plötzlich brach nämlich die Schüssel
-mitten entzwei, die schöne Brühe ergoß sich auf das Tischtuch, und
-der befreite Klos kugelte vom Tische herab auf den Dielen dahin. In
-demselben Augenblicke<span class="pagenum" id="Seite_40a">[S. 40]</span> aber sprang Ami unter dem Ofen hervor, fing den
-Klos auf, that einen kräftigen Schluck, und weg war er.</p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="nobreak" id="E_Satzgefuege"><b><span class="antiqua">E.</span>
-Satzgefüge.</b></h2>
-
-</div>
-
-<h3 id="E_Satzgefuege_I"><b>I. Subjectivsätze.</b></h3>
-
-<h4 id="E_Satzgefuege_I_1">1. Vollständige Subjectivsätze.</h4>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_I_1_51"><b>51. Natur.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Der Subjectivsatz steht voran.)</p>
-
-<p>Wer keine Freude an der herrlichen Gottesnatur hat, ist ein gefühlloser
-Mensch. Wen ein Sonnenaufgang nicht entzücken kann, verdient nicht
-der Sonne Segen. Wessen Herz nicht beim Anblick des Sternenhimmels
-die Größe des Schöpfers empfindet, muß keinen Funken Glauben in
-sich tragen. Wem der wunderbare Blumenbau nicht die Weisheit Gottes
-verkündet, der wird auch durch die Bibel diese Eigenschaft nicht zu
-erkennen vermögen.</p>
-
-<p>Wem der Sinn für Natur abgeht, dem entgehen überhaupt unzählige
-Freuden. Was die Vöglein singen, ist ihm leerer Schall. Wovon die
-murmelnden Bächlein erzählen, kümmert ihn nicht. Wie zauberisch sich
-ein Schmetterling aus der Raupe entwickelt, dünkt ihm nicht der
-Beachtung werth. Daß der herbstlich gefärbte Laubwald ein reizendes
-Bild ist, bleibt seinen Augen verborgen. Worin die Reize einer schönen
-Winterlandschaft bestehen, ist seinen blöden Augen ein Räthsel. Worüber
-Tausende inmitten des schönen Gottestempels entzückt aufjauchzen, dünkt
-ihm vielleicht gar lächerlich.</p>
-
-<p>Wer darum sein Leben mit edlen Freuden würzen will, mache die Natur zu
-seiner Freundin.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_41a">[S. 41]</span></p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_I_1_52"><b>52. Gottvertrauen.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>Wer Gott vertraut, hat wohl gebaut. Ob dies Wort von Allen verstanden
-wird, ist wol zu bezweifeln. Daß aber vielen Menschen jene Ergebung in
-den Willen des Höchsten mangelt, ist dagegen gewiß.</p>
-
-<p>Wozu dieser Mangel oft führt, zeigt uns die Erfahrung.</p>
-
-<p>Dem Gottvertrauen innewohnt, der hat eine mächtige Stütze im Leben.</p>
-
-<p>Was den Gottvertrauenden hinieden auch betrifft, bringt ihn niemals
-außer Fassung. Womit ihn der Herr erfreut, veranlaßt ihn zum Danke.
-Was das Schicksal ihm auferlegt, wird von ihm geduldig hingenommen.
-Warum Gott gerade ihm Leiden sendet, wird in ihm nie ein Gegenstand
-kleinmüthiger Frage. Was sein Himmelsvater thut, dünkt ihm wohlgethan.</p>
-
-<p>Der so zum Herrn steht, ist ein echtes Kind Gottes. Den solcher Glaube
-beseelt, ist ein wahrer Christ. Wessen Herz von solcher Zuversicht
-durchdrungen ist, der steuert sicher auf dem bewegten Strome des Lebens.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_I_1_53"><b>53. Der Hund.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Der Subjectivsatz zuletzt.)</p>
-
-<p>Es ist längst erwiesen, daß schlechte Verpflegung den Hund schließlich
-toll macht. Es ist hinlänglich bekannt, daß ein toller Hund unsägliches
-Unheil anrichten kann. Es ist oft genug geschildert worden, wie
-gräßlich das Ende eines in Tollwuth verfallenen Menschen ist. Trotzdem
-ist es aber die große Frage, ob alle Hundebesitzer ihre Pflichten gegen
-ihre Thiere gewissenhaft erfüllen.</p>
-
-<p>Der pflegt seinen Hund nicht, der ihm zu geringe Kost reicht. Der
-bekümmert sich wenig um die Gesundheit des treuen<span class="pagenum" id="Seite_42a">[S. 42]</span> Thieres, den sein
-Bedürfniß zu saufen nicht rührt. Der liebt den lieben Hausfreund kaum,
-dem dessen Winseln vor Kälte kein Erbarmen einflößt.</p>
-
-<p>Gib darum Deinem Hunde, was ihm gehört. Reiche ihm, was ihn wirklich
-nährt. Wende von ihm ab, was ihm schädlich ist. Muthe ihm nicht zu, was
-über seine Kräfte geht. Vergiß nie, wie ihn die Natur gebaut hat.</p>
-
-<p>Der ist ein Thierquäler, der das Alles nicht beachtet. Derjenige sollte
-darum auch keinen Hund halten, der seine Bedürfnisse nicht kennt.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_I_1_54"><b>54. Die Erde.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Der Subjectivsatz vorn und zuletzt.)</p>
-
-<p>Daß die Erde große Schätze birgt, steht in jeder Naturgeschichte. Es
-ist aber sehr fraglich, ob alle schon entdeckt sind.</p>
-
-<p>Wen Diamanten umstrahlen, der dankt sie der Erde. Wem sein Mittagsbrod
-auf goldenen Gefäßen gereicht wird, der gedenke des Fundortes dieses
-edlen Metalles. Es wäre möglich, daß ihn dieser Gedanke vor Stolz
-bewahrte.</p>
-
-<p>Was nur irgend aus Metall gefertigt ist, hat seinen Ursprung im Schooße
-der Erde. Einleuchten muß es daher, daß auch die Stecknadel ein
-Geschenk der Mutter Erde ist.</p>
-
-<p>Wovon wir unsere Wohnungen bauen, liefert sie uns ebenfalls. Womit wir
-uns kleiden, wächst zu einem großen Theile aus ihrem Schooße empor. Was
-uns nährt, entsteigt ihrem geheimnißvollen Grunde. Unleugbar ist es
-daher, daß sie die Erhalterin alles Lebens ist.</p>
-
-<p>Es ist längst kein Geheimniß mehr, wie der Erdball entstanden. Wol aber
-bleibt es eine offene Frage, wie lange er fortbestehen wird. Wo sein
-Ziel gesetzt ist, weiß nur sein Schöpfer. Es steht indeß zu hoffen, daß
-die Erde während <em class="gesperrt">unseres</em> Lebens nicht untergehen wird.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_43a">[S. 43]</span></p>
-
-<h4 id="E_Satzgefuege_I_2">2. Abgekürzte Subjectivsätze.</h4>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_I_2_55"><b>55. Selbsterkenntniß.</b></h5>
-
-<p>Es ist eine große Weisheit, sich selbst zu kennen. Wenigen aber nur
-fällt es ein, sich selbst zu beobachten. Nur Einzelnen ist es bequem,
-über sich selbst nachzudenken. Es ziemt indeß besonders dem Christen,
-sich stets zu prüfen. Seine eigenen Fehler zu gestehen, schändet
-niemals. Sich schuldig zu bekennen, ehrt oft gar.</p>
-
-<p>Es ist ja doch menschlich, sich einmal vergessen zu haben. Ebenso
-menschlich ist es, sich zu irren.</p>
-
-<p>Sehr leicht ist es dagegen, Andere zu richten. Manchen scheint es ein
-wahres Vergnügen zu sein, fremde Mängel zu enthüllen. Gar Viele finden
-eine Freude darin, Anderer Fehler aufzudecken. Ein Splitterrichter zu
-sein, ist indeß kein Lob.</p>
-
-<p>Es bleibt stets gefährlich, sich über Andere zu erheben. Sich selbst zu
-bekämpfen, ist der allerschwerste Krieg. Sich selbst zu besiegen, ist
-der allerschönste Sieg.</p>
-
-<p class="s4 center mtop2" id="E_Satzgefuege_I_2_56_Wdh"><b>Wiederholung.</b></p>
-
-<p class="s5 center">(Vollständige und abgekürzte Subjectivsätze.)</p>
-
-<h4 id="E_Satzgefuege_I_2_56"><b>56. Die Todten.</b></h4>
-
-<p>Daß man die Todten ehrt, ist eine löbliche Sitte. Ihr letztes Ruhebette
-zu schmücken, ist nichts Tadelnswerthes. Ihr Begräbniß feierlich zu
-gestalten, ist den Angehörigen ein Bedürfniß.</p>
-
-<p>Wer aber hierbei die rechte Grenze überschreitet, dessen Verfahren
-verdient Mißbilligung. Es ziemt auch hierbei Maß zu halten.</p>
-
-<p>Wirkliche Kleinode mit ins Grab zu geben, ist eine Verschwendung. Was
-der Sarg umschließt, ist ja für immer verloren. Der ruht deshalb nicht
-sanfter in der Erde, an dessen<span class="pagenum" id="Seite_44a">[S. 44]</span> Fingern Diamanten funkeln. Was an dem
-Geschiedenen auf dem Paradebette blitzt, das erlischt im Grabesdunkel.</p>
-
-<p>Todte zu ehren, ist löblich. Mit Todten Luxus zu treiben, ist
-verwerflich. Es wäre rühmlicher, „die Salbe“ zu verkaufen und den Armen
-zu geben.</p>
-
-<p class="s4 center mtop2" id="E_Satzgefuege_I_2_57_Hwdh"><b>Hauptwiederholungen.</b></p>
-
-<p class="s5 center">(Zusammengesetzte Sätze und Satzgefüge.)</p>
-
-<h4 id="E_Satzgefuege_I_2_57"><b>57. Im Winter.</b></h4>
-
-<p>Bruno setzte sich an das Fenster, Heinrich dagegen nahm am Tische
-Platz. Was sie zeither gespielt hatten, war ihnen langweilig geworden.
-Es ist ja bekannt, daß selbst das schönste Spiel endlich ermüdet.</p>
-
-<p>Bruno ergötzte sich jetzt an dem wirbelnden Schneefalle, denn der
-alte Winterkönig schüttelte die silbernen Flocken mit vollen Händen
-herab. Heinrich baute aus Kartenblättern Häuser und Brücken, sogar eine
-Festung versuchte er zu errichten.</p>
-
-<p>Ob sie heute noch Erlaubniß zum Schlittenfahren erhalten würden,
-war beiden Brüdern zweifelhaft. Sich draußen im frischen Schnee
-herumtummeln zu dürfen, wäre ihnen freilich sehr erwünscht gewesen. Wer
-je einmal diese Winterlust genossen hat, wird ihnen diesen Wunsch nicht
-verdenken.</p>
-
-<p>Endlich trat der Vater ein, und sein heiteres Gesicht ließ die Knaben
-Hoffnung schöpfen. Was sie hofften, ging in Erfüllung.</p>
-
-<p>Wen das Schlittenfahren reizte, der konnte gehen. Wem eine
-Schneebataille erwünscht schien, der hatte die Erlaubniß dazu. Wie sich
-überhaupt die beiden Brüder draußen vergnügen wollten, blieb ihnen
-überlassen.</p>
-
-<p>So viel Freiheit hatten sie nicht erwartet, denn sie kannten die
-gewöhnliche Strenge des Vaters. Das aber ist die größte Freude, die uns
-unerwartet kommt.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_45a">[S. 45]</span></p>
-
-<p>Bruno und Heinrich eilten hinaus. Wo der Schnee am tiefsten lag, wußten
-sie schon. Wozu die Schneewehen für die Kinder da sind, war ihnen
-ebenfalls gar wohl bekannt. Daß sie auf der Pfarrwiese zahlreiche
-Gesellschaft treffen würden, ließ sich vermuthen.</p>
-
-<p>Wol an zwei Stunden tummelten sich beide Brüder nach Herzenslust in
-der freien Winterflur umher, und bei dieser Belustigung gab es keine
-Langeweile.</p>
-
-<div class="section">
-
-<h3 id="E_Satzgefuege_II"><b>II. Prädikatsätze.</b></h3>
-
-</div>
-
-<h4 id="E_Satzgefuege_II_58"><b>58. Gott und der Mensch.</b></h4>
-
-<p>Gott ist, der er war. Gott ist auch, der er sein wird. Er bleibt, der
-er stets gewesen.</p>
-
-<p>Der Mensch dagegen bleibt nicht, der er war. Wol aber wird er einst,
-was er war.</p>
-
-<p>Auch ich werde wieder, was ich einst gewesen. Der Leib verwandelt sich
-in Erde. Somit wird so manches Menschen höchster Stolz im Grabe, was er
-im Leben gleichgiltig mit Füßen trat. Eine große Thorheit ist es, daß
-man dies zu oft vergißt.</p>
-
-<p>Die Gräber sind es, woran des Lebens ernsteste Gedanken geschrieben
-stehen. Die größte Weisheit ist, daß man diese Schrift zu lesen
-versteht. Sie ist übrigens derartig, daß sie Jeder lesen <em class="gesperrt">kann</em>.
-Demuth sei es daher, wonach wir stets trachten wollen.</p>
-
-<p class="s4 center mtop2" id="E_Satzgefuege_II_59_Hwdh"><b>Hauptwiederholung.</b></p>
-
-<p class="s5 center">(Subjectiv- und Prädikatsätze.)</p>
-
-<h4 id="E_Satzgefuege_II_59"><b>59. Ein trauriger Pfad.</b></h4>
-
-<p>Gefährlich ist es, des Lasters Bahn zu gehen. Was anfänglich genußreich
-erschien, wird gar zu oft die Ursache bitterer<span class="pagenum" id="Seite_46a">[S. 46]</span> Schmerzen. Worüber der
-Sinnenmensch früher jubelte, erscheint ihm später nicht selten als
-Gegenstand der Reue.</p>
-
-<p>Der Lasterhafte wird endlich, was der Sklave an der Kette ist. Er ist
-somit, was er um Alles in der Welt nicht sein will. Sein Bestes zu
-bedenken, kommt ihm nicht in den Sinn. Das Ende seiner Lebensweise zu
-erwägen, vermeidet er absichtlich.</p>
-
-<p>Sich selbst zu beherrschen, mangelt ihm die Kraft. Wozu ihn sein
-Gelüste treibt, wird seine nächste Aufgabe. Wohin der Rausch führen
-könne, kümmert ihn nicht.</p>
-
-<p>Aber der anfangs blumenreiche Lasterpfad bleibt nicht, wie er war. Was
-anfänglich Rosen waren, sind zuletzt nur noch Dornen. Was den Körper zu
-oft erquickt, richtet ihn zu Grunde. Was den Geist rauschartig aufregt,
-stumpft ihn ab.</p>
-
-<p>Der Schwelger wird als Jüngling, was der Greis in späteren Tagen ist.
-Der Fluch der Sünde ist es, worin er seinen Untergang findet.</p>
-
-<div class="section">
-
-<h3 id="E_Satzgefuege_III"><b>III. Beifügesätze.</b></h3>
-
-</div>
-
-<h4 id="E_Satzgefuege_III_1">1. Vollständige Beifügesätze.</h4>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_III_1_60"><b>60. Ein Schulkreuz.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Der Beifügesatz zuletzt.)</p>
-
-<p>Theodor gehörte zu den Schülern, die dem Lehrer Noth machen. Er zeigte
-ein Betragen, das keineswegs löblich war. In seinem ganzen Wesen lag
-ein Stumpfsinn, der ihn für jeden Tadel gleichgiltig machte. Aus
-seinem Auge aber sprach dabei eine gewisse Tücke, die ihn als einen
-gefährlichen Nachbar erscheinen ließ.</p>
-
-<p>Seine Arbeiten waren oft von einer Beschaffenheit, die den Lehrer
-in Aufregung versetzte. Oft brachte er Exempel, die er nicht selbst
-gerechnet hatte. Zuweilen lieferte er einen<span class="pagenum" id="Seite_47a">[S. 47]</span> Aufsatz ab, der durchaus
-nicht aus seiner Feder geflossen war. Nicht selten legte er Zeichnungen
-als die seinigen vor, die fremde Hände ausgeführt hatten.</p>
-
-<p>Er war demnach ein Schüler, der log. Er war ein Mensch, der betrog.</p>
-
-<p>Natürlich erhielt Theodor Strafen, die sehr empfindlich waren. Er bekam
-Censuren, die fast nicht schlechter sein konnten.</p>
-
-<p>Der Lehrer wies ihm endlich einen Platz an, der ihm zur großen Schande
-gereichen mußte. Theodor’s Hände mußten zuletzt sogar Bekanntschaft mit
-dem Dinge machen, das man gewöhnlich nur zum Linienziehen verwendet.
-Trotzdem aber blieb er ein Schüler, der für die Schule ein Kreuz war.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_III_1_61"><b>61. Ein muthiger Knabe.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Der Beifügesatz in der Mitte.)</p>
-
-<p>Ein Knabe, der im Walde Beeren suchte, fühlte Hunger. Er setzte sich
-deshalb unter einer Eiche, die mit ihren riesigen Aesten viel Schatten
-bot, nieder. Ein Stück trockenes Brod, das er aus der Tasche zog,
-diente ihm als Mahl. Die Beeren, die er bereits gepflückt hatte, rührte
-er indeß nicht an.</p>
-
-<p>Bald war die höchst einfache Mahlzeit, die ihm jedoch vortrefflich
-gemundet, beendet. Da fühlte er plötzlich an dem einen Fuße, den er an
-einen Stein gestemmt hielt, einen stechenden Schmerz. Fast zu gleicher
-Zeit huschte eine Otter, die er sofort für die Kreuzotter erkannte,
-unter den Stein.</p>
-
-<p>Der Knabe, der sich sofort von der Natter gebissen hielt, erschrak über
-die Maßen. Ihm war die Gefahr, die aus einem solchen Bisse entsteht,
-aus der Naturgeschichte bekannt. Ihm war aber auch das Mittel, das hier
-allein retten konnte, nicht verborgen.</p>
-
-<p>Er führte den Fuß, der bereits zu schwellen begann, an den Mund.
-Hierauf nahm er die verwundete Stelle, die nur unbedeutend<span class="pagenum" id="Seite_48a">[S. 48]</span> blutete,
-zwischen die Lippen. Nun fing er mit aller Kraft, die seine Lungen
-gestatteten, zu saugen an. Das Blut, das er auf diese Weise in
-ziemlichen Massen aussog, spuckte er natürlich aus.</p>
-
-<p>Dieses Aussaugen der Wunde, das er mit allem Eifer betrieb, setzte er
-wol eine halbe Stunde fort. Darauf hielt er den Fuß, der nicht weiter
-angeschwollen zu sein schien, in den nahen Waldbach.</p>
-
-<p>Jetzt erst ging der Knabe, der sich indeß ziemlich ermattet fühlte,
-nach Hause. Die Eltern, welche über das Geschehene in große Aufregung
-versetzt wurden, riefen sofort einen Arzt herbei. Der betreffende
-Arzt, der in seiner Kunst wohl erfahren war, erklärte alle Gefahr für
-beseitigt.</p>
-
-<p>Der Knabe, dessen Geistesgegenwart man allgemein bewunderte, hatte sich
-selbst von den schrecklichen Folgen eines Otternbisses gerettet.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_III_1_62"><b>62. Flora.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Die Beifügesätze umschreiben ein Eigenschaftswort.)</p>
-
-<p>Flora, welche sehr strebsam war, liebte besonders die Musik. Ihr Ohr,
-das für die Harmonien sehr viel Empfänglichkeit besaß, lauschte jedem
-Tone. Kein Genuß ging ihr über das Anhören eines Concertes, das sich
-einer guten Ausführung erfreute.</p>
-
-<p>Flora besaß einen musikalischen Nachahmungstrieb, der oft Staunen
-erregte. Melodien, die zum Gemüthe sprachen, spielte sie sofort auf dem
-Piano nach. Arien, die einen gediegenen Charakter offenbarten, sang sie
-mit Leichtigkeit nach dem Gehör.</p>
-
-<p>Dieses Talent Flora’s bemerkte ihr Onkel, der ein reicher Mann war. Er
-ließ ihr sofort musikalischen Unterricht ertheilen, wie er besser wol
-kaum gefunden werden konnte. Durch seine Verwendung genoß sie überhaupt
-eine musikalische Ausbildung, die nach jeder Richtung hin ausgezeichnet
-genannt werden mußte.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_49a">[S. 49]</span></p>
-
-<p>Flora machte in kurzer Zeit Fortschritte, die abermals der Bewunderung
-werth waren. Schon nach zwei Jahren trat sie in dem Theater, welches
-das größte der Stadt war, als Sängerin auf. Ihr Gesang, dessen Reinheit
-nichts zu wünschen übrig ließ, fand außerordentlichen Beifall.</p>
-
-<p>Flora, die bei aller Auszeichnung ihre Bescheidenheit bewahrte, ward
-eine berühmte Sängerin. So hatte jener Onkel, der bei allem Reichthum
-ein gutes Herz besaß, ihr Glück begründet.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_III_1_63"><b>63. Eine Bergpartie.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Der Beifügesatz umschreibt ein Mittelwort.)</p>
-
-<p>Der Fuß des Berges, den wir besteigen wollten, war erreicht. Unser
-Führer, der im Reisen wohlerfahren zu sein schien, rieth zu einer
-kurzen Rast.</p>
-
-<p>Diesem Rathe, der uns sehr wohlgemeint dünkte, folgten wir gern.
-Schnell warfen wir die Reisebündel, die uns nicht wenig drückten, ab.
-Ein jeder suchte sich sofort ein Ruheplätzchen, das Schatten gewährte.
-Bald machte ein Trunk, der uns schier erquickte, die Runde. Auch ein
-Imbiß, der uns Stärke verleihen sollte, wurde genommen.</p>
-
-<p>Nach einer halben Stunde, die wir traulich verplaudert hatten, setzten
-wir unsere Reise fort. Langsam stiegen wir den Abhang, welcher indeß
-bald sehr steil wurde, hinan. Namentlich wurde der Marsch durch das
-Steingeröll, welches den Pfad bedeckte, ungemein erschwert. Die
-Alpenstöcke, die wohl mit Eisen beschlagen waren, fanden bei jedem
-Schritte Verwendung.</p>
-
-<p>Nach einem einstündigen Marsche erreichten wir eine Matte, welche
-viel Reize bot. Dicht vor einem Felsen stand eine Sennhütte, welche
-zahlreiche Geisen umlagerten. Freundlich grüßte ihr Geläute, das sanft
-in die Luft hallte, uns entgegen. Der Anblick der Alpenwiese, die üppig
-grünte, war für das Auge<span class="pagenum" id="Seite_50a">[S. 50]</span> ein Genuß. In vollen Zügen schlürften wir den
-Alpenkräuterduft, der uns wahrhaft stärkte.</p>
-
-<p>Mit einem Marschliede, das aufs neue erheiterte, schritten wir über
-die liebliche Bergeinsamkeit hinweg. Der Punkt, den wir erreichen
-wollten, lag noch etwa 2000 Fuß hoch. Von jetzt an gab es mitunter
-Weghindernisse, die nur höchst mühsam zu überwinden waren. Wir
-gelangten außerdem wiederholt auf Felsenvorsprünge, welche Schwindel
-verursachten. Unter des Führers Zusprache, die uns ermuthigte, strebten
-wir indeß vorwärts.</p>
-
-<p>Ohne Kampf, der allerdings ermüdet, kein Sieg. Nach einer Stunde,
-die uns noch fürchterlich anstrengte, standen wir endlich auf dem
-Gipfel des Berges. Hier aber lohnte auch der Umblick, der uns förmlich
-bezauberte, reichlich unsere Mühe.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_III_1_64"><b>64. Verschiedene Besitzungen.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Der Beifügesatz umschreibt ein Besitz anzeigendes Fürwort.)</p>
-
-<p>Das Haus, das mir gehört, steht an einem Bache. Der Freund, welchen ich
-mein nenne, besitzt auch ein Grundstück. Das Grundstück, das ihm zu
-eigen gehört, liegt nahe am Walde.</p>
-
-<p>Die beiden Besitzungen, die unser Eigenthum sind, haben beide ihre
-Vorzüge. Die Lagen, deren sie sich erfreuen, bieten mancherlei Reize.
-Ziemlich öde ist dagegen die Lage der Villa, die Du angekauft hast. Ein
-Gleiches gilt von dem Rittergute, das Dein Bruder inne hat. Die Asyle,
-die Ihr Euch da zu eigen gemacht habt, könnten mir nicht gefallen.</p>
-
-<p>Der Geschmack, den ich in dieser Beziehung besitze, weicht eben von dem
-Eurigen ab. Die Wünsche, die ich in dieser Hinsicht hege, erstrecken
-sich auf eine romantische Umgebung. Die Ansprüche dagegen, die Ihr
-macht, beziehen sich mehr auf eine schöne Einrichtung im Innern der
-Gebäude.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_51a">[S. 51]</span></p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_III_1_65"><b>65. Ein Todtenbette.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Der Beifügesatz umschreibt eine Ortsbestimmung.)</p>
-
-<p>Das Schloß, das inmitten eines wundervollen Parkes lag, war heute eine
-Stätte unendlichen Schmerzes. Der große Saal, durch den sonst heitere
-Musik rauschte, hatte müssen in eine stille Todtenhalle verwandelt
-werden. Das kostbare Fußgetäfel, über welches oft die geflügelten Füße
-fröhlicher Ballgäste glitten, trug heute einen Sarg. Dieser Sarg, um
-den herum unzählige Kerzen brannten, barg einen Jüngling.</p>
-
-<p>Der Todte, auf dem Aller Augen mit tiefer Wehmuth ruhten, war der
-einzige Sohn des reichen Schloßbesitzers. Theilnehmende Verwandte
-hatten kostbaren Blumenschmuck gesendet, der vor dem Sarge in sinniger
-Ordnung aufgestellt war. Riesige Fächerpalmen, die man oberhalb des
-Hauptes angebracht hatte, bildeten eine Art Himmelbette.</p>
-
-<p>An dem Betstuhle, der dicht neben dem Sarge stand, kniete ein betender
-Priester. Das Crucifix, das zu Füßen des Paradebettes lehnte, war
-umflort.</p>
-
-<p>Des Jünglings Vater, der an einer nahen Marmorsäule lehnte, sah in
-stummem Schmerze vor sich nieder. Die Mutter, welche dicht hinter ihm
-stand, barg ihr thränenzerflossenes Antlitz in ihr weißes Taschentuch.
-Sogar des Todten Lieblingshund, der nicht von der Seite des Sarges
-wich, schien seinen Herrn zu betrauern.</p>
-
-<p>Dieser Todesfall, der bei Alt und Jung die größte Theilnahme
-hervorrief, zeigte so recht die Ohnmacht des Reichthums. Dieser
-Schicksalsschlag, der ja doch von oben kam, machte all das irdische
-Glück der Schloßfamilie zu nichte. Er führte sie aber auch zur Demuth
-vor dem, der jenseits der Sterne wohnt.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_52a">[S. 52]</span></p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_III_1_66"><b>66. Deutschland.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Der Beifügesatz umschreibt eine Zeitbestimmung.)</p>
-
-<p>Der deutsch-französische Krieg, der nach verhältnißmäßig kurzer Zeit
-beendet war, ist für die deutschen Länder von großem Segen gewesen. Das
-Blut, das damals floß, ist nicht umsonst geflossen. Die verschiedenen
-deutschen Staaten, die es vorher gab, haben sich zu einem großen Ganzen
-vereinigt. Die vielen deutschen Heerkörper, die sonst unter ebenso
-vielen obersten Befelshabern standen, stehen nun unter einem einzigen
-Kriegsherrn.</p>
-
-<p>Die mancherlei deutschen Stämme, die sich vor kurzem noch mehr oder
-weniger von einander absonderten, reichen sich jetzt die Bruderhand.
-Aus den einzelnen Gebieten, welche vordem zerstückelt umherlagen, ist
-ein einziges großes Reich erstanden. Das Deutschthum, das zeither
-von gewissen Nationen über die Achsel angesehen wurde, hat sich eine
-außerordentliche Geltung erobert. Selbst der gewöhnliche Mann, der
-sonst auf seine Angehörigkeit wenig Gewicht legte, fühlt sich jetzt als
-Deutscher.</p>
-
-<p>Aber die Sonne, die nach jenem glücklichen Kriege über unser Vaterland
-aufgegangen ist, hat auch sonst noch große Veränderungen bewirkt. Die
-Milliarden, die noch heute als Kriegsentschädigung nach Deutschland
-einwandern, haben in der Verkehrswelt einen großen Umschwung
-hervorgebracht. Der Unternehmungsgeist, der allerdings den Deutschen
-stets innewohnte, hat gegenwärtig einen ungeheuren Anlauf angenommen.</p>
-
-<p>Dadurch sind freilich die Arbeitskräfte, welche bisher in ziemlich
-genügender Zahl vorhanden waren, rar geworden. Infolge dessen haben
-sich die Arbeitslöhne, die vor dem Kriege mäßige waren, fast um das
-Doppelte gesteigert. In gleichem Maße sind die Lebensmittelpreise, wie
-wir sie im Jahre 1870 kannten, in die Höhe gegangen.</p>
-
-<p>Doch das, was einst war, müssen wir vergessen lernen.<span class="pagenum" id="Seite_53a">[S. 53]</span> Halten wir
-trotzdem unser liebes Deutschland, wie es jetzt ist, hoch und hehr.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_III_1_67"><b>67. Der Lebensmüde.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Der Beifügesatz umschreibt eine Art und Weise.)</p>
-
-<p>Ein Greis, welcher unter vielen Lebensstürmen ergraut war, wollte sich
-in die Einsamkeit zurückziehen. Zu diesem Zwecke ließ er sich am Ende
-seines Vaterdorfes, dessen Häuser ziemlich zerstreut in einem Thale
-lagen, eine Hütte bauen. Diese Hütte, die er sich ganz nach seiner
-Weise einrichten ließ, sollte sein letztes Asyl im Leben sein.</p>
-
-<p>Die Wände, die kaum die Dicke eines Mauerziegels hielten, wurden aus
-Lehm errichtet. Die Fenster, die beinahe wie Kerkerfenster aussahen,
-waren durchaus nicht auf viel Stubenhelle berechnet. Das Dach, welches
-man in einfachster Weise mit Stroh gedeckt hatte, reichte an der
-Hinterseite fast bis auf die Erde. Auch die innere Einrichtung der
-Wohnstube, in der man vergeblich nach dem kleinsten Luxus suchte, trug
-das Gepräge der größten Einfachheit.</p>
-
-<p>Endlich zog der lebensmüde Greis, der längst auf die Vollendung der
-Hütte gewartet hatte, ein. Er, der lange genug im Schweiße seines
-Angesichts sein Brod gegessen hatte, pflegte hier nun der Ruhe. Um
-die Welt, der er unverdrossenen Sinnes seine Kräfte gewidmet hatte,
-kümmerte er sich wenig mehr.</p>
-
-<p>Seine Welt war jetzt ein kleines Gärtchen, das er ohne alle Anstrengung
-mit Blumen bepflanzte. Sein treuester Freund war der alte Mops, der ihm
-beständig auf Schritt und Tritt folgte.</p>
-
-<p>So floß sein Lebensabend, der bei aller Entbehrung doch noch manche
-stille Freude bot, ruhig dahin. Der stille Rückblick auf die
-Vergangenheit, die wie ein sturmbewegter See heute vor ihn lag, kürzte
-ihm die Zeit.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_54a">[S. 54]</span></p>
-
-<p>Endlich nahte seine Sterbestunde, der er schon längst ergebenen Sinnes
-entgegengesehen hatte. Sein Ende, das unter einem gläubigen Gebete
-erfolgte, war ein sanftes Entschlummern. Die Hütte aber, aus der man
-den Entschlafenen ohne Sang und Klang zur Ruhe trug, hieß von Stund an
-das Friedenshäuschen.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_III_1_68"><b>68. Vaterlandsliebe.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Der Beifügesatz umschreibt einen Grund oder Zweck.)</p>
-
-<p>Ein Bauer, der durch eine Erbschaft sehr reich geworden war, hatte
-einen einzigen Sohn. Diesen Sohn, für dessen Zukunft sich nun eine
-glänzende Aussicht eröffnete, liebte er mit rührender Herzlichkeit.
-Sein Gotthold, der wegen seiner guten Aufführung auch im ganzen Dorfe
-geliebt wurde, war sein größter Stolz. Uebrigens gehörte Gotthold,
-seines schlanken Wuchses halber, zu den schönsten Burschen der Umgegend.</p>
-
-<p>Da brach ein Krieg herein, der zur Rettung des Vaterlandes geführt
-werden mußte. Der König, welcher kraft seiner Macht das Kriegsheer
-verstärken konnte, ließ sofort Rekruten ausheben. Einzelne junge
-Männer, die aus Furcht vor den Kriegsgefahren entflohen, wurden
-gewaltsam zurückgebracht. Viele Jünglinge indeß, die um des Vaterlandes
-willen gern ihr Leben einsetzen wollten, stellten sich freiwillig. Auch
-Gotthold, der überhaupt für den Soldatenstand schwärmte, eilte aus
-freiem Entschlusse zu den Waffen.</p>
-
-<p>Wenige Wochen darauf wurde er dem Regimente, das zum Schutze der
-Hauptstadt bestimmt war, einverleibt. Sein schon betagter Vater, der
-vor Besorgniß um den einzigen Sohn keine Nacht ruhig schlafen konnte,
-holte täglich Nachricht über den Stand der Dinge ein.</p>
-
-<p>Da endlich langte gerade an dem Sonntage, der der Erinnerung an die
-Heimgegangenen geweiht ist, die Kunde von einem<span class="pagenum" id="Seite_55a">[S. 55]</span> blutigen Kampfe um den
-Besitz der Hauptstadt an. Glücklicherweise ließ die Botschaft von der
-gänzlichen Niederlage des Feindes, die durch den Telegraphen vermittelt
-wurde, nicht lange auf sich warten.</p>
-
-<p>Leider hatte Gotthold diesen Sieg, der für die Rettung des Landes den
-Ausschlag gab, mit seinem Leben bezahlen müssen. Sein Vater, der zwar
-für den Augenblick von diesem Schicksalsschlage wie zerschmettert
-schien, brach indeß keineswegs in ein verzweifeltes Wehklagen aus. Er
-ertrug den Schmerz über den herben Verlust, den er um des Vaterlandes
-willen erlitten, mit stiller Ergebung. Von seinem Sohne aber, der
-durch seinen Tod den Sieg erkaufen half, sprach er sein Lebelang mit
-sichtlichem Stolze.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_III_1_69"><b>69. Gleiche Rechte, gleiche Pflichten.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Der Beifügesatz umschreibt ein Hauptwort im zweiten Falle.)</p>
-
-<p>Das Gesetz, wonach in Deutschland jetzt jeder gesunde junge Mann
-zum Militärdienste verpflichtet ist, ist gewiß ein gerechtes. Die
-frühere Einrichtung, welcher zufolge sich die Söhne der Reichen vom
-Militär freikaufen konnten, hatte große Schattenseiten. Warum sollte
-blos der Arme die Pflicht, den Fürstenthron zu schützen, zu erfüllen
-haben? Warum sollten blos die Söhne unbemittelter Eltern den schweren
-Eid, nach welchem der Soldat das Vaterland mit Blut und Leben zu
-vertheidigen hat, auf sich nehmen?</p>
-
-<p>Die Zusicherung, daß Jedermann vom Staate gleichen Schutz genießt,
-legt auch Allen gleiche Pflichten gegen den Staat auf. Wollen wir also
-die weise Verfügung, kraft deren jetzt der Millionär neben dem ärmsten
-Nachtwächterssohne unter der deutschen Fahne steht, freudig begrüßen.
-Möge jeder junge Soldat den Schwur, vermöge dessen er unverbrüchliche
-Treue gelobt, in Ehren halten!</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_56a">[S. 56]</span></p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_III_1_70"><b>70. Das kindliche Spiel.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Der Beifügesatz umschreibt ein Zeitwort in reiner Form.)</p>
-
-<p>Der Trieb, demzufolge das Kind gern spielt, ist ein sehr natürlicher.
-Es darf darüber natürlich die Pflicht, die es für die Schule arbeiten
-heißt, nicht vergessen.</p>
-
-<p>Sehr verschieden ist die Art, in der manche Kinder ein Spiel treiben.
-Kleinen Kindern muß oft die Weise, nach welcher ein Spiel zu handhaben
-ist, erst gelehrt werden. Sie zeigen in der Regel anfänglich das
-Bestreben, daß sie die Spielgegenstände am liebsten zerstören möchten.</p>
-
-<p>Bei geselligen Spielen tritt leider oft die Sucht, daß der Einzelne
-über die Andern gern herrschen möchte, recht deutlich hervor. Man muß
-aber diesen Hang, demzufolge ein Einzelner allen Andern befehlen will,
-unbedingt tadeln. Jedem Mitspielenden muß das Recht, wonach er sich für
-ein gewisses Spiel entscheiden kann, freistehen.</p>
-
-<p>Ebenso darf auch bei sogenannten Glücksspielen der Wunsch der Kinder,
-daß sie gewinnen möchten, nie zur Leidenschaft werden. Die Möglichkeit,
-daß man im Glücksspiele auch verlieren kann, muß jedem Spieler vorweg
-einleuchten.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_III_1_71"><b>71. Räthsel.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Der Beifügesatz umschreibt ein Doppelhauptwort.)</p>
-
-<p>Alfred und Heino gaben sich gegenseitig Räthsel auf. Alfred brachte
-folgende zum Vorschein:</p>
-
-<div class="poetry-container">
-<div class="poetry">
- <div class="stanza">
- <div class="verse indent2">Wie heißt das Stroh, womit das Dach man deckt,</div>
- <div class="verse indent2">Wie nennst du das, drauf man im Bett sich streckt,</div>
- <div class="verse indent2">Wie heißt das Dach, das man aus Stroh gewinnt,</div>
- <div class="verse indent2">Und wie der Mann, deß Glieder Stroh nur sind?</div>
- <div class="verse indent2">Nenn’ mir das Bier, das gleich vom Faß man trinkt,</div>
- <div class="verse indent2">Und wieder das, das aus der Flasche blinkt.</div><span class="pagenum" id="Seite_57a">[S. 57]</span>
- <div class="verse indent2">Wie heißt das Faß, dem frisch das Bier entfließt,</div>
- <div class="verse indent2">Und wie das Glas, aus dem man Bier genießt?</div>
- <div class="verse indent2">Wie heißen Maler, die die Stube schmücken,</div>
- <div class="verse indent2">Und die, die uns durch Landschaftsbilder oft entzücken?</div>
- <div class="verse indent2">Wie nennst die Stube Du, da still ein Maler schafft,</div>
- <div class="verse indent2">Und die, drin uns der Schlaf gibt neue Kraft?</div>
- </div>
-</div>
-</div>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_III_1_72"><b>72. Die Bienen.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Der Beifügesatz umschreibt eine Zahlbestimmung.)</p>
-
-<p>Die Bienen eines Stockes, deren Zahl oft 15000 beträgt, bilden eine
-Art Königreich. Die Honigbienen, die ziemlich stark vertreten sind,
-erscheinen als die eigentlichen Arbeiter. Die Drohnen, deren Zahl
-geringer ist, machen den Hofstaat aus.</p>
-
-<p>Neben den Honigzellen bauen die Bienen auch Brutzellen, die man
-ebenfalls nach Tausenden zählen kann. Die Eier, welche eine gleich
-große Menge bilden, legt einzig und allein die Königin.</p>
-
-<p>An einem günstigen Tage kann von den Bienen eines reich bevölkerten
-Bienenstockes eine Honigmenge, die das Gewicht von zehn Pfund
-erreichte, eingeheimst werden.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_III_1_73"><b>73. Biblische Beinamen.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Der Beifügesatz umschreibt eine Apposition.)</p>
-
-<p>Die Sitte, in irgend einer Weise sich auszeichnenden Menschen einen
-besonderen Beinamen zu geben, ist uralt. Den ersten erhielt Adam, den
-man den Stammvater des Menschengeschlechts nannte. Einer gleichen Ehre
-hatte sich Abraham, der als der Erzvater bezeichnet wurde, zu erfreuen.</p>
-
-<p>Zu diesen bevorzugten biblischen Personen gehört auch der König Salomo,
-dem man bekanntlich den Ehrentitel „der Weise“ beilegte. Unbestritten
-aber führt Christus, der als der Sohn Gottes bezeichnet wird, den
-erhabensten Beinamen.</p>
-
-<p>Die biblischen Beinamen sind indeß nicht immer solcher<span class="pagenum" id="Seite_58a">[S. 58]</span> Natur, daß die
-betreffende Person dadurch geehrt wird. Wir denken dabei an Herodes,
-welcher der Grausame benannt worden ist. Auch an Judas, der den Namen
-„Verräther“ führt, müssen wir uns hierbei erinnern. Ebenso ist Thomas,
-den man als den Ungläubigen bezeichnet hat, hierher zu rechnen. Nicht
-minder gehört Antiochus, den man zu den Tyrannen zählt, in diese Klasse.</p>
-
-<p class="s4 center mtop2" id="E_Satzgefuege_III_1_74_Wdh"><b>Wiederholung.</b></p>
-
-<p class="s5 center">(Alle Arten Beifügungen.)</p>
-
-<h4 id="E_Satzgefuege_III_1_74"><b>74. Der sterbende Löwe.</b></h4>
-
-<p>Ein Löwe, der ein hohes Alter auf seinem Rücken trug, lag vor seiner
-Höhle. Die Mähne, die einst in üppiger Fülle seinen Leib schmückte,
-hing nur noch in dünnen Büscheln über die Schultern. Das Auge, das
-sonst feurig durch die Wüste spähte, stierte matt vor sich hin. Aus
-den früher so mächtigen Tatzen, die sich jetzt auf dem heißen Sande
-hinstreckten, war alle Kraft gewichen.</p>
-
-<p>Das Mahl, das sich der Löwe gestern herbeigeholt hatte, war von ihm
-unberührt geblieben. Der gute Appetit, dessen er sich stets erfreute,
-schien gänzlich verschwunden. Auch an ihm behauptete das Naturgesetz,
-demzufolge selbst der Stärkste dem Tode verfällt, seine Rechte.</p>
-
-<p>Der Wunsch, daß man den Beherrscher der Wüste gern noch einmal sehen
-möchte, führte eine Menge Thiere herzu. Darunter befanden sich freilich
-auch solche, welche die Schadenfreude herbeitrieb. Man sah sogar
-einige, die nun ihren Haß an dem hinfällig Gewordenen auslassen wollten.</p>
-
-<p>Der Fuchs, der zu den ärgsten Feinden des Löwen gehörte, kränkte ihn
-mit allerlei beißenden Reden. Der Wolf, dem der Wüstenkönig einmal
-ein feistes Lamm abgejagt hatte, schimpfte den Sterbenden einen
-schändlichen Räuber. Ein Büffel, der seit<span class="pagenum" id="Seite_59a">[S. 59]</span> Jahren in Furcht vor dem
-Löwen lebte, stieß ihn mit seinen Hörnern. Sogar ein träger Esel, der
-aus bloser Laune den König der Thiere nie leiden konnte, versetzte ihm
-noch einen Schlag mit seinen Hufen.</p>
-
-<p>Da trat endlich ein Roß, dem der Löwe nur unlängst noch sein Junges
-zerrissen hatte, herzu. Es richtete sein Auge, dessen Ausdruck von
-Mitleid zeugte, schweigend auf den Sterbenden. Dieses edle Thier
-konnte die gemeine Gesinnung, derzufolge man sich an einem unschädlich
-gewordenen Feinde rächt, nur verabscheuen. Es hielt eine solche
-Handlungsweise, die nur aus Niederträchtigkeit hervorgehen kann, für
-die größte Schande.</p>
-
-<p>Der Löwe, dem dieser Edelmuth nicht entging, warf dem Pferde einen
-dankbar gerührten Blick zu. Bald darauf aber machte der Tod, mit dem er
-schon geraume Zeit kämpfte, seinem Leben ein Ende.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_III_1_75"><b>75. Das Wasser.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>Das Wasser, welches ein tropfbar-flüssiger Körper ist, bedeckt zu
-zwei Drittheilen die Erdoberfläche. Seine Farbe, die durch die darin
-aufgelösten Stoffe bedingt wird, tritt verschieden auf.</p>
-
-<p>Fast himmelblau leuchten uns die Spiegel derjenigen Seen, welche sich
-zwischen den Alpen ausbreiten, entgegen. Im schillernden Dunkelgrün
-wälzt die Woge, die der Sturm auf dem Weltmeere vor sich her treibt,
-dem Ufer zu. Fast farblos dagegen erscheint der Strahl, der sich aus
-dem Röhrbrunnen ergießt.</p>
-
-<p>Außerordentlich mannichfaltig sind die Formen, in denen uns das Wasser
-begegnet. Als Dunstbläschen, in welche es durch Wärme verwandelt
-worden ist, steigt es in die Luft. In Tropfen fällt es aus den Wolken,
-die langsam über unsern Häuptern dahinziehen, herab. Im Frühlinge
-überzieht es zuweilen die<span class="pagenum" id="Seite_60a">[S. 60]</span> Flur mit Reif, der uns dann als eine Art
-Feenschleier erscheint. Auch in Gestalt von Graupeln, die in den höhern
-Luftschichten gebildet werden, bekommen wir es nicht selten zu sehen.</p>
-
-<p>Grausig klingt bei mächtigem Gewitter das Herniederdonnern der
-Schloßen, die durch ihren Niederschlag oft große Verheerungen
-anrichten. Alle Eisdecken, welche im Winter die Gewässer tragen, sind
-Gebilde aus Wasser. Und wem wäre nicht die Entstehung des Schnees, der
-das Schlummergewand der Erde bildet, bekannt?</p>
-
-<p>Unendlich groß ist der Segen, den das Wasser gewährt. Es erhält alles
-Leben, das die weite Erde trägt. Selbst das kleinste Pflänzchen, das
-auf dem dürrsten Sandboden gedeiht, kann ohne Wasser nicht fortbestehen.</p>
-
-<p>Das Wasser trägt auf seinem Rücken Lasten, deren Gewicht Staunen
-erregen muß. Es setzt gewaltige Räder, durch welche wieder große
-Maschinen in Thätigkeit gebracht werden, in Bewegung. Durch die
-Eigenschaft, vermöge deren es sich durch Hitze in Dämpfe verwandelt,
-wird es für die riesigsten Fahrzeuge zum treibenden Elemente.</p>
-
-<p>Freilich kann auch das Wasser, wenn es zur Flut wird, unsagliches
-Unheil anrichten. Wer zählt die unglücklichen Opfer, die schon das
-sturmdurchtobte Meer verschlungen?</p>
-
-<h4 id="E_Satzgefuege_III_2">2. Abgekürzte Beifügesätze.</h4>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_III_2_76"><b>76. Bete und arbeite.</b></h5>
-
-<p class="mtop2">Wendler, ein schlesischer Leineweber, hatte vom Leben sehr verkehrte
-Ansichten. Die Pflicht, sein Daheim zu erhalten, legte er lediglich in
-Gottes Hand. Die Annahme, Gott erhöre jedes Gebet, verleitete ihn zum
-Müßiggange. Der Gedanke, einen Tag verfaulenzt zu haben, störte ihn
-nicht.</p>
-
-<p>Dagegen befriedigte ihn das Bewußtsein, heute wieder ein recht
-fleißiger Beter gewesen zu sein. Die Hoffnung aber, durch Gebet Alles
-erreichen zu können, ist eine Thorheit.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_61a">[S. 61]</span></p>
-
-<p>Gott, unser wahres Wohl im Auge habend, fordert auch den Gebrauch
-unserer eigenen Kraft. Er, obgleich von unendlicher Güte, gibt nichts
-im Schlafe.</p>
-
-<p>Wendler, einst gar nicht unbemittelt, versank mit der Zeit in Armuth.
-Der Arbeit, dieser Würze des Lebens, hatte er sich gänzlich entwöhnt.
-Und so wurde er, alle Mahnungen unbeachtet lassend, auch noch ein
-vollendeter Taugenichts. Endlich mußte Wendler, unter dem Namen
-Betbruder bekannt, sein Brod sogar vor den Thüren suchen.</p>
-
-<p>Dein Bedürfniß, täglich mit Deinem Gott reden zu müssen, verdränge
-daher nie den Trieb zur Arbeit. Bei dem Triebe, durch rührige
-Thätigkeit Dein Auskommen zu sichern, vergiß aber auch nie das Gebet.</p>
-
-<p class="s4 center mtop2" id="E_Satzgefuege_III_3_77_Wdh"><b>Wiederholung.</b></p>
-
-<h4 id="E_Satzgefuege_III_3">3. Vollständige und abgekürzte Beifügesätze.</h4>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_III_3_77"><b>77. Napoleon I.</b></h5>
-
-<p class="mtop2">Napoleon, der Große genannt, war seiner Zeit der Gefürchtete von ganz
-Europa. Sein Eroberungsgelüste, welches keine Grenzen kannte, erfüllte
-manchen andern Herrscher mit Zittern. Seine Siege, für ihn selbst
-freilich oft recht opferschwer, wurden in den deutschen Staaten mit
-Entsetzen vernommen.</p>
-
-<p>Ein Fürst nach dem andern mußte sich unter sein Scepter, das einer
-blutigen Geißel glich, beugen. Ein Land nach dem andern fiel seinem
-Kriegsglücke, das allerdings durch sein großes Feldherrntalent bedingt
-wurde, zum Opfer.</p>
-
-<p>Somit schien er sein Ziel, Weltherrscher zu werden, wirklich erreichen
-zu sollen. Der König aller Könige aber, der allmächtige Weltenlenker,
-gebot endlich den stolzen Wellen. Der Stern, der zeither über dem
-Haupte des großen Kaisers glänzte, verdüsterte sich.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_62a">[S. 62]</span></p>
-
-<p>In der deutschen Nation, durch die Noth geeinigt, zog sich ein schweres
-Gewitter über ihm zusammen. Seine Macht, die jetzt in höchster Blüthe
-stand, wurde gebrochen. Auf Leipzigs Ebenen, den ewig denkwürdigen,
-erlitt er eine seiner furchtbarsten Niederlagen. Eine kleine Insel,
-welche mitten im Meere liegt, wurde dem Ueberwundenen von seinen
-Siegern zum Asyl angewiesen. Auf St. Helena beschloß endlich Napoleon,
-der gefangene Kaiser, sein sturmbewegtes Leben.</p>
-
-<p class="s4 center mtop2" id="E_Satzgefuege_III_4_78Hwdh"><b>Hauptwiederholung.</b></p>
-
-<h4 id="E_Satzgefuege_III_4">4. Subjectiv-, Prädikat- und Beifügesätze.</h4>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_III_4_78"><b>78. Die Sklaven.</b></h5>
-
-<p class="mtop2">Daß es noch immer Sklaven gibt, ist eine beklagenswerthe Thatsache.
-Auch der Neger ist, was wir sind. Er gehört zu den Menschen, den
-Ebenbildern Gottes.</p>
-
-<p>Furchtbar schrecklich ist das Loos, das den armen Sklaven beschieden
-ist. Was des Menschen höchstes Glück ausmacht, ist ihnen für das ganze
-Leben genommen. Die Freiheit, die goldene, kennen sie nicht. Unter
-einer Arbeitslast, die oft ihre Kräfte übersteigt, müssen sie ihre Tage
-verbringen. Die Pflicht, derzufolge sie sich dem Willen ihres Herrn
-bedingungslos zu unterwerfen haben, wird ihnen meist mit der Knute
-gelehrt.</p>
-
-<p>Die allerscheußlichsten Scenen, die ein Menschenauge nur sehen kann,
-bietet ein Sklavenmarkt. Da stehen die armen Schwarzen, mit teuflischer
-List eingefangen, gleich Opferthieren. Was in ihrem Innern vorgeht,
-prägt sich in ihren Mienen aus. Ihren Ohren kann nicht entgehen, wie um
-sie gefeilscht wird.</p>
-
-<p>Ihre allergrößte Besorgniß ist, daß sie von ihren Angehörigen getrennt
-werden könnten. Auch das Herz, das der Allvater in die Negermutter
-gelegt, umfängt ja ihr Kind mit zärtlicher Liebe. Auch das Negerkind,
-obgleich in der Wildniß aufgewachsen, erkennt seine Eltern als die
-besten Freunde.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_63a">[S. 63]</span></p>
-
-<p>Dank sei denjenigen Staaten, welche innerhalb ihrer Grenzen das Unwesen
-der Sklaverei abgeschafft haben. Ob dies noch in diesem Jahrhunderte
-allenthalben geschehen wird, ist sehr die Frage. O laßt doch die armen
-Sklaven wieder werden, was sie einst waren! Erhebt sie wieder zu freien
-Menschen, die gleiche Rechte mit uns allen haben.</p>
-
-<div class="section">
-
-<h3 id="E_Satzgefuege_IV"><b>IV. Ergänzungssätze.</b></h3>
-
-</div>
-
-<h4 id="E_Satzgefuege_IV_1">1. Vollständige Ergänzungssätze.</h4>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_IV_1_79"><b>79. Saat und Ernte.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Im 4. Falle.)</p>
-
-<p>Was der Mensch säet, das wird er ernten. Möchte ein Jeder beachten, daß
-in diesem Satze ein sehr ernster Fingerzeig für das Leben liegt.</p>
-
-<p>Jeder vernünftige Mensch muß darum stets reiflich erwägen, was er
-thut. Er muß jederzeit bedenken, wie sich die Folgen seiner Handlungen
-gestalten können. Er muß mit Ruhe überlegen, wohin seine Schritte
-möglicherweise führen.</p>
-
-<p>Der ist kein Weiser, den das Alles nicht kümmert. Diejenigen sind darum
-auch nicht zu bedauern, die jenen Fingerzeig nicht beachten.</p>
-
-<p>Der Müßiggänger muß wissen, wohin die Faulheit endlich bringt. Der
-Verschwender muß einsehen, daß durch unsinnige Ausgaben auch der größte
-Reichthum vernichtet werden kann. Dem Schwelger muß die Erfahrung
-gelehrt haben, daß durch ein wüstes Leben die leibliche Gesundheit
-untergraben wird. Der Spieler darf sich nie verhehlen, daß die
-Spielwuth die Brücke zu vielen andern Lastern ist.</p>
-
-<p>Von den toll in den Tag Hineinlebenden weiß man nie, wo die Fahrt zu
-Ende geht. Wie Mancher hat es schon am Ende<span class="pagenum" id="Seite_64a">[S. 64]</span> seiner Tage bitter bereut,
-bösen Samen auf seine Lebensbahn gestreut zu haben.</p>
-
-<p>Bedenke darum in frühester Jugend schon, was Dir einmal frommen kann.
-Träume Dir nie, Du seist vor all jenen Thorheiten sicher. Was Dich in
-Versuchungsstunden schützen kann, findest Du in der Religion.</p>
-
-<p>Vergiß nie, was Du in diesem Artikel gelesen hast.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_IV_1_80"><b>80. Die kranke Freundin.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>Johanna erfuhr eines Tages, daß ihre Freundin krank sei. Sie vernahm
-auch, worin die Krankheit bestand. Daß der Zustand der Freundin
-keineswegs ungefährlich erscheine, hatte ihr deren Arzt gesagt.</p>
-
-<p>Da überlegte denn nun Johanna, womit sie der Kranken eine Freude
-bereiten könne. Das freilich konnte sie der am Magen Leidenden nicht
-anbieten, was diese in gesunden Tagen gern aß.</p>
-
-<p>Endlich fiel ihr ein, daß die Freundin die Feldblumen sehr liebe.
-Johanna wußte, wo die schönsten zu suchen seien. Sie fand daher sehr
-bald, was sie suchte. Das gute Mädchen verstand es ausgezeichnet, aus
-diesen einfachen Kindern der Flur einen reizenden Strauß zu binden.</p>
-
-<p>Die Kranke errieth sogleich, woher die sinnige Gabe komme. Die Freude
-über dieselbe bewirkte, daß sich jene auf einige Zeit wohler fühlte.</p>
-
-<p>Einige Tage später erfuhr Johanna, daß ihre Freundin auf dem Wege
-der Genesung sei. Wieder einige Tage darauf schrieb diese ihr sogar
-eigenhändig, daß sie nächsten Sonntag wieder ausgehen werde. Zugleich
-versprach sie, daß ihr erster Besuch Johanna gelten solle.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_65a">[S. 65]</span></p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_IV_1_81"><b>81. Lebensregeln.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Im 3. Falle.)</p>
-
-<p>Wer sich Dir anvertraut, dem leihe Dein Ohr. Wen Du dagegen nicht
-kennst, dem vertraue kein Geheimniß. Wer einer Gabe bedürftig ist, dem
-verschließe Deine Hand nicht. Der Dir dafür nicht dankt, dem gib noch
-einmal.</p>
-
-<p>Wer Dich haßt, dem reiche kein Messer. Dem aber weiche nicht aus, der
-Dir die Hand zur Versöhnung bieten will. Danke dem, der Dich grüßt. Der
-Dich indeß nicht grüßt, dem zürne nicht.</p>
-
-<p>Wer seine Ehre lieb hat, dem muß auch der böse Schein verhaßt sein. Wer
-aber von der Welt falsch beurtheilt wird, dem muß sein unbeflecktes
-Gewissen zum Troste dienen.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_IV_1_82"><b>82. Mütterliche Lehren.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>Mutter Regine mußte heute dem die Hand zum Abschiede reichen, der
-bisher ihr Liebling gewesen war. Wer ihre Liebe zu ihrem ältesten Sohn
-kannte, dem sind ihre heißen Thränen gewiß erklärlich vorgekommen. Wer
-auf die Wanderschaft geht, dem kann ja Mancherlei zustoßen.</p>
-
-<p>Regine befahl in dieser Trennungsstunde den noch unerfahrenen Sohn
-dem, der jedes Menschen Geschick mit Weisheit lenkt. Darauf legte
-sie dem Scheidenden noch Folgendes ans Herz: „Wandere allezeit mit
-dem im Herzen, der auch im finstern Thale unser Stab ist. Wer das
-Gottvertrauen nicht fahren läßt, dem ist des Himmels Beistand immer
-nahe.</p>
-
-<p>Traue dagegen nicht Jedem, der sich Dir als Freund anbietet. Der Weise
-mißtraut dem am meisten, der ihm am meisten schmeichelt. Gib jederzeit
-Ehre, dem Ehre gebührt. Wer Dich vor einer Thorheit warnt, dem küsse
-die Hand. Vergib dem, der Dich einmal beleidigen sollte.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_66a">[S. 66]</span></p>
-
-<p>Der Dich zum Zorne reizt, dem gehe aus dem Wege. Wem Du in irgend einer
-Weise helfen kannst, dem versage Deine Dienste nie. Wer Dir selbst
-dient, dem bleibe den Dank nicht schuldig.</p>
-
-<p>Entfliehe denen, die verbotene Wege gehen wollen. Wer sich unter die
-Wölfe begibt, dem ist bald das Heulen gelehrt. Wem das Diebeshandwerk
-gefällt, dem kann ein Strick zum Halsband werden. Wer dagegen immer auf
-Gottes Wegen wandelt, dem wird es allezeit wohlgehen.“</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_IV_1_83"><b>83. Kindespflicht.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Im 2. Falle.)</p>
-
-<p>Der alte Vater Erasmus bedurfte, daß ihn eine liebende Hand pflegte.
-Zudem war er es auch würdig, daß ihm von seinen Kindern dieser
-Liebesdienst erwiesen werde. Niemand vermochte ihn zu beschuldigen, daß
-er gegen dieselben je eine Pflicht versäumt habe.</p>
-
-<p>Trotz alledem aber wurde sein ältester Sohn dessen überführt, daß er
-den guten Alten ungebührlich behandelt habe. Der Undankbare versicherte
-dessenungeachtet ganz trotzig, daß er unschuldig sei.</p>
-
-<p>Eines Tages ließ ihn der Geistliche des Ortes zu sich kommen und
-ermahnte ihn mit folgenden Worten: „Erinnere Dich dessen, der einst als
-der beste Sohn auf der Erde wandelte. Sei doch eingedenk alles dessen,
-was Dein Vater an Dir gethan hat. Werde Dir überhaupt bewußt, wie
-treulich Dich Deine Eltern einst gepflegt haben. Vergiß es nie, was sie
-für unzählige Opfer um Deinetwillen brachten.</p>
-
-<p>Befleißige Dich daher, daß Du Deinem Vater all seine Liebe vergeltest.
-Freue Dich, daß Du ihn überhaupt noch besitzest. Zudem bedenke, daß
-auch Du einmal älter wirst.“</p>
-
-<p>Diese Rede ging dem Sohne zu Herzen. Er klagte sich jetzt<span class="pagenum" id="Seite_67a">[S. 67]</span> selbst an,
-daß er der Pflichten gegen seinen Vater vergessen habe. Er zieh sich
-selbst, daß er bisher ein höchst undankbares Kind gewesen sei. Und von
-dieser Stunde an blieb er eingedenk dessen, was das vierte Gebot von
-jedem Kinde fordert.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_IV_1_84"><b>84. Ein edler Fürst.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Der Ergänzungssatz umschreibt ein Hauptwort mit Verhältnißwort.)</p>
-
-<p>Ein edler Fürst lebt nur dafür, daß es seinem Volke wohlgehe. Er
-trachtet zunächst darnach, daß die Landesgesetze immer vollkommener
-werden. Er hält aber auch darauf, daß man sie allenthalben erfülle. Er
-forscht, worin ein Nothstand seine Ursache haben könne. Darauf trachtet
-er, daß die Quelle des Uebels verstopft werde.</p>
-
-<p>Ein edler Fürst kümmert sich, daß ein Jeder vor dem Gesetze gleiche
-Rechte habe. Er erkundigt sich angelegentlich, wie der Stand der
-Volksbildung sei. Er freut sich, wenn die Schulen immer größere
-Fortschritte erzielen. Er verwendet sich auch dafür, daß die Kunst zu
-immer größerer Blüthe gelange.</p>
-
-<p>Ein edler Fürst sorgt getreulich für die, welche im Dienste des
-Vaterlandes zu Schaden gekommen sind. Er übt Gnade an denjenigen, die
-in Verblendung am Gesetze sündigten.</p>
-
-<p>Er glaubt, daß über ihn noch ein Höherer waltet. Diesen König aller
-Könige aber bittet er, daß er ihm Weisheit schenke.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_IV_1_85"><b>85. Der alte Räuberhauptmann.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Der Ergänzungssatz umschreibt eine Zeitwort in abhängiger Form.)</p>
-
-<p>Ein alter Räuberhauptmann fürchtete, daß er sein Leben noch auf dem
-Schaffote enden werde. Er wünschte daher, daß er bald sterben möge. Er
-verlangte sogar, daß man ihm Gift beibringe.</p>
-
-<p>Seine Leute verneinten indeß, daß sie ihm in diesem Falle gehorchen
-müßten. Der alte Sünder hoffte nun von Tag zu Tag, daß er erkranken
-möchte.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_68a">[S. 68]</span></p>
-
-<p>Eines Abends glaubte er auch wirklich, daß sein Körper fiebere. Er
-bildete sich sogar ein, daß er bereits phantasire. Er wähnte, daß er
-merklich ermatte. Aber er begehrte nicht, daß man ihm etwas Stärkendes
-zu trinken gebe. Er vermied sogar mit allem Ernste, daß er in einen
-Schlaf verfalle. Die Krankheit war indeß nicht zum Tode. Seine Natur
-nöthigte ihn, daß er genesen mußte. Der Himmel zwang ihn, daß er noch
-am Leben bleibe.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_IV_1_86"><b>86. An der Indianergrenze.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Der Ergänzungssatz in unbestimmter Redeweise.)</p>
-
-<p>Ein Farmer erfuhr, daß ein Haufen räuberischer Indianer im Anzuge sei.
-Sein Nachbar versicherte, daß er schon einige in der Nähe gesehen habe.
-Ein Kuhhirte wollte sogar wissen, daß die Räuber gegen fünfzig Mann
-stark wären. Ein zufällig dazukommender Reisender behauptete wieder,
-daß es die Indianer auf eine ganz andere Gegend abgesehen hätten.</p>
-
-<p>Man einigte sich indeß, daß man in jedem Falle Vertheidigungsmaßregeln
-ergreifen müsse. Es wurde daher beschlossen, daß sich jeder Anwohner
-bewaffne. Zu gleicher Zeit aber wurde auch befohlen, daß keiner
-unnöthiger Weise von der Waffe Gebrauch machen solle. Ebenso wurde
-angeordnet, daß Niemand vorläufig seine Behausung verlassen dürfe.
-Namentlich empfahl der Fremde, daß ein Angriff erst abgewartet werde.</p>
-
-<p>Zum Glück konnte bald darauf ein Abgesandter berichten, daß der
-Indianerschwarm jedenfalls vorüberziehe. Er wollte sich überzeugt
-haben, daß die Horde auf das nächste kleine Städtchen zusteuere. Man
-glaubte indeß, daß man trotzdem immer noch auf der Hut sein müsse.</p>
-
-<p>Erst den nächsten Morgen nahm man an, daß nun alle Gefahren vorüber
-seien. Der Farmer gebot, daß Jeder seine Waffe wieder aus der Hand
-lege. Damit solle indeß nicht gesagt sein, daß die Räuberhorde nicht
-später wiederkehren könne.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_69a">[S. 69]</span></p>
-
-<h4 id="E_Satzgefuege_IV_2">1. Abgekürzte Ergänzungssätze.</h4>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_IV_2_87"><b>87. Der Tollkühne.</b></h5>
-
-<p class="mtop2">Joseph bildete sich ein, ein vorzüglicher Schwimmer zu sein. Er
-wünschte deshalb, einmal seine Bravour zeigen zu können.</p>
-
-<p>Eines Tages kündete er seinen Kameraden an, über den nahen, breiten
-Strom schwimmen zu wollen. Sie riethen ihm indeß, davon abzusehen. Sie
-beschlossen sogar, seinem Wagestücke gar nicht zuzusehen.</p>
-
-<p>Joseph aber blieb dabei, seine Kraftprobe auszuführen. Er versicherte,
-keine Furcht zu kennen. Er bat deshalb die Kameraden, ihn zu begleiten.</p>
-
-<p>Diese kamen endlich überein, ihm zum Flusse zu folgen. Der Tollkühne
-berechnete nicht, dem reißenden Strome nicht gewachsen zu sein. Das
-Schicksal verurtheilte ihn, seine Verwegenheit mit dem Leben zu büßen.</p>
-
-<p class="s4 center mtop2" id="E_Satzgefuege_IV_3_88_Wdh"><b>Wiederholung.</b></p>
-
-<p class="s5 center">(Verschiedene Arten der Ergänzungssätze.)</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_IV_3_88"><b>88. Der feuerspeiende Berg.</b></h5>
-
-<p class="mtop2">Des Försters zehnjähriger Wilibald wußte recht gut, daß das Pulver
-ein gefährliches Ding ist. Sein Vater hatte ihm wiederholt gesagt,
-was für großes Unglück schon durch unvorsichtigen Umgang mit diesem
-Schießmaterial herbeigeführt worden sei.</p>
-
-<p>Wilibald aber folgte dem nicht, der ihn schon oft gewarnt hatte. Er
-blieb dessen nicht eingedenk, was ihm sein Vater sagte.</p>
-
-<p>Einmal nahm er sich vor, einen Sandhaufen in einen feuerspeienden
-Berg zu verwandeln. Er vermeinte, daß dies mit Schießpulver leicht
-ausführbar sei.</p>
-
-<p>Wilibald war dessen gewiß, daß sein Vater heute erst spät heimkehren
-werde. Er hoffte deshalb, sein Werk ganz ungestört vollbringen zu
-können.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_70a">[S. 70]</span></p>
-
-<p>Das Unglück wollte, daß der Förster gerade an diesem Tage sein
-Pulverhorn hatte an der Wand hängen lassen. Wer die Sorgsamkeit des
-Försters kannte, mußte diese Unvorsichtigkeit fast unerklärlich finden.
-Man konnte aber auch wieder dem eine solche einmalige Vergeßlichkeit
-verzeihen, dem es im Kopfe oft vor Amtssorgen schwirrte.</p>
-
-<p>Wilibald erinnerte sich, das Pulverhorn gesehen zu haben. Er fand daher
-sehr bald, was er suchte.</p>
-
-<p>Den Sandhaufen hatte er bereits mit einer röhrenartigen Oeffnung
-versehen. Dahinein schüttete er, was sich im Pulverhorne vorfand. Schon
-freute er sich darauf, wie der Berg Feuer speien werde. Er erwartete,
-daß die Feuergarbe einen Meter hoch steigen würde.</p>
-
-<p>Der kleine Vesuv bedurfte jetzt nur noch, daß ein Stück brennender
-Schwamm darauf gelegt werde. Bald hatte Wilibald beschafft, was eben
-noch fehlte. Ungeduldig sah er dem entgegen, was nun eintreten sollte.
-Er harrte indeß vergebens, daß das Schauspiel seinen Anfang nehme.</p>
-
-<p>Endlich hielt er es für angezeigt, einmal nachzusehen. Er glaubte sich
-versichern zu müssen, daß der Schwamm verlöscht sei.</p>
-
-<p>Wer aber unvorsichtig ist, dem kann gar Schlimmes begegnen. Wilibald
-bemühte sich, sich genau von der Ursache des Nichtentzündens zu
-überzeugen. In diesem Augenblicke aber erfolgte, was erfolgen sollte.</p>
-
-<p>Das Schicksal fügte es leider, daß ihm die Pulverflamme gerade in die
-Augen schlug. Er verlor auf der Stelle sein Augenlicht.</p>
-
-<p>Wem nicht zu rathen ist, dem ist freilich auch nicht zu helfen.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_71a">[S. 71]</span></p>
-
-<p class="s4 center mtop2" id="E_Satzgefuege_IV_3_89_Hwdh"><b>Hauptwiederholung.</b></p>
-
-<p class="s5 center">(Subjectiv-, Prädikat-, Beifüge- und Ergänzungssätze.)</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_IV_3_89"><b>89. Das Reisen.</b></h5>
-
-<p class="mtop2">Wem Gott will eine Gunst erweisen, der wird von ihm in die weite Welt
-geschickt.</p>
-
-<p>Das Reisen gewährt zunächst eins der größten Vergnügen, die für Geld
-zu haben sind. Es verleiht Vielen eine Bildung, die selbst das Studium
-der gelehrtesten Bücher nicht geben kann. So Mancher ist durch vieles
-Reisen erst geworden, was er werden sollte.</p>
-
-<p>In der weiten Welt lernt der Mensch erst kennen, was für Wunder der
-Herr geschaffen hat. In der Fremde überzeugen ihn tausend Dinge, daß
-auch der Mensch in seinen Thaten groß sein kann.</p>
-
-<p>Wer reist, muß freilich seine Augen hübsch offen behalten. Wer Gewinn
-vom Reisen haben will, muß auch die Ohren fein spitzen. Er muß sich
-befleißigen, mit Verstand zu reisen. Ein Wandern, dem kein bestimmter
-Plan zu Grunde liegt, hat wenig Zweck.</p>
-
-<p>Auch die Kunst, mit rechtem Nutzen zu reisen, will freilich erst
-erlernt sein. Die ersten Ausflüge in die Welt kosten deshalb, was
-man Lehrgeld zu nennen pflegt. Man muß lernen, sich den gegebenen
-Verhältnissen zu fügen. Man muß auszurechnen verstehen, wie man überall
-am billigsten wegkommen kann. Man darf aber auch wieder gewisse Opfer,
-ohne welche zu besondern Sehenswürdigkeiten kein Zutritt gewährt wird,
-nicht scheuen.</p>
-
-<p>Außerordentlich mannichfaltig sind die Verkehrsmittel, welche das
-Reisen ungemein erleichtern. Wer will, der kann jetzt binnen wenig
-Tagen in weit entlegene Länder versetzt werden. Es bedarf nur, daß er
-den Dampfwagen besteigt.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_72a">[S. 72]</span></p>
-
-<p>Das Verlangen, die weite Welt zu sehen, verallgemeint sich von Jahr zu
-Jahr. Wahrhaft erfreulich ist es, auf den Bahnhöfen täglich die große
-Menge Reisender zu sehen.</p>
-
-<p>Trotzdem aber gibt es noch Leute genug, die lieber in behaglicher Ruhe
-auf ihrer Ofenbank sitzen bleiben. Sie ziehen den Glanz der blitzenden
-Thaler im Geldkasten, ihrem Abgotte, dem Anblicke der reizendsten
-Alpenlandschaft vor. Manche wieder sind geradezu zu faul dazu, ihren
-Gesichtskreis durch Aufsuchen von noch nie Gesehenem zu erweitern. Sie
-wollen lieber bleiben, wie sie sind. Wir aber sagen, daß dies eine
-Schande für sie ist.</p>
-
-<p>Reise also, wer reisen kann. Das Reisen ist eine Lust, die kaum durch
-eine andere zu ersetzen ist.</p>
-
-<div class="section">
-
-<h3 id="E_Satzgefuege_V"><b>V. Anführungssätze.</b></h3>
-
-</div>
-
-<h4 id="E_Satzgefuege_V_1">1. Wörtlich.</h4>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_V_1_90"><b>90. Die Bibel der Natur.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Der Hauptsatz voran.)</p>
-
-<p>Gleich der heiligen Schrift ruft uns auch die Natur zu: „Merke auf
-meine Rede!“ Der zuckende Blitz verkündet uns: „Alles Leben stehet in
-Gottes Hand!“ Die Lilie des Feldes tröstet: „Gott sorgt auch für dich!“</p>
-
-<p>Das welkende Blatt legt uns die Worte an’s Herz: „Alles Irdische
-vergeht!“ Ernst murmelt uns das Bächlein entgegen: „Mein unaufhaltsames
-Dahinrollen ist ein Bild von Deiner Lebenstage Lauf.“</p>
-
-<p>Das Würmchen im Staube spricht: „Groß sind die Werke des Herrn!“ Die
-Lerche in blauer Höhe jubelt: „Preise mit mir die Güte des Schöpfers!“
-Der der Puppe sich entwindende Falter versichert uns: „Auch Du wirst
-auferstehen!“ Der majestätische<span class="pagenum" id="Seite_73a">[S. 73]</span> Sternenhimmel predigt uns: „Hier sind
-noch viele Wohnungen!“</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_V_1_91"><b>91. Beim Brande.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Der Haupts. zuletzt.)</p>
-
-<p>„Feuer!“ erscholl es mitten in der Nacht. „Eilt zu retten!“ mahnte die
-Feuerglocke.</p>
-
-<p>„Wo brennt es?“ rief ich zum Fenster hinaus.</p>
-
-<p>„Das Pfarrhaus muß in hellen Flammen stehen“, antwortete mir eine
-Stimme.</p>
-
-<p>„Es kann auch die Schule sein!“ sagte eine andere.</p>
-
-<p>„Keins von beiden“, versichert der zufällig vorübereilende Nachtwächter.</p>
-
-<p>„Ich muß zu Hilfe eilen“, sagte ich zu den Meinigen.</p>
-
-<p>„Das Erbgericht brennt!“ rief mir beim Austritt aus meinem Hause ein
-Vorübergehender zu.</p>
-
-<p>„Dieser hat Recht!“ dachte ich beim Anblicke der auflodernden Flammen
-für mich.</p>
-
-<p>Ich eilte dem Brande zu. Die Feuerwehr war bereits in voller
-Thätigkeit. Aber welch ein Lärm!</p>
-
-<p>„Zuerst das Vieh retten!“ schrie der Eine.</p>
-
-<p>„Drei Mann aufs Dach des Nachbarhauses!“ befahl ein Anderer.</p>
-
-<p>„Eine Leiter hierher!“ kreischte eine heisere Stimme.</p>
-
-<p>„Richtet den Spritzenstrahl mehr nach der Giebelmauer!“ commandirte der
-Feuerlöschdirector.</p>
-
-<p>„Mehr Wasser herbeischaffen!“ riefen die Spritzenleute.</p>
-
-<p>Das Hauptgebäude des Erbgerichts brannte nieder.</p>
-
-<p>„Die Verhütung größeren Unglücks ist hauptsächlich der Windstille zu
-verdanken“, hörte man allgemein aussprechen.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_74a">[S. 74]</span></p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_V_1_92"><b>92. Zwiespalt.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Der Hauptsatz in der Mitte.)</p>
-
-<p>„Womit“, fragte Kunz seine Kameraden auf dem Spielplatze, „werden wir
-uns denn heute die Zeit vertreiben?“</p>
-
-<p>„Laßt uns“, sagte Hilmar, „Ball werfen.“</p>
-
-<p>„Ball“, fiel Lambert schnell ein, „spiele ich nicht mit!“</p>
-
-<p>„Nun, so wollen wir“, versetzte Hilmar wieder, „den Drachen steigen
-lassen.“</p>
-
-<p>„Zum Drachensteigenlassen“, bemerkte Ewald, „habe ich wieder keine
-Lust.“</p>
-
-<p>„Vielleicht“, schlug Hilmar aufs neue vor, „holen wir dann heute einmal
-alle unsere Reifen herbei?“</p>
-
-<p>„Das Reifenspiel“, fiel Feodor spöttisch ein, „ist ja hauptsächlich
-eine Beschäftigung für Mädchen!“</p>
-
-<p>„So laßt uns“, nahm hier Kunz wieder das Wort, „Soldaten spielen!“</p>
-
-<p>„Das“, entgegnete Lambert, „wäre mein allerletzter Zeitvertreib!“</p>
-
-<p>„Auf diese Weise“, sagte jetzt Günther, „kommen wir freilich heute zu
-keinem Zeitvertreibe. Lieber“, fügte er noch hinzu, „mag da jeder für
-sich spielen!“</p>
-
-<p>Und so wurde es auch zuletzt.</p>
-
-<p class="s4 center mtop2" id="E_Satzgefuege_V_1_93_Wdh"><b>Wiederholung.</b></p>
-
-<p class="s5 center">(Alle drei Fälle abwechselnd.)</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_V_1_93"><b>93. Die Weidenraupe.</b></h5>
-
-<p class="mtop2">„Wo kommst Du her?“ fragte Alban den ihm begegnenden Alexander.</p>
-
-<p>„Ich komme“, gab dieser zum Bescheid, „von der Raupenjagd.“</p>
-
-<p>„Und wie steht es mit der Ausbeute?“ fragte Alban weiter.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_75a">[S. 75]</span></p>
-
-<p>Darauf erwiderte der Gefragte mit einem gewissen Stolze: „Einen sehr
-interessanten Fund habe ich gemacht!“</p>
-
-<p>„Wie so?“ versetzte Alban neugierig.</p>
-
-<p>„Ich habe“, sagte Alexander hocherfreut, „eine Weidenraupe gefunden.“</p>
-
-<p>„O Du Glücklicher!“ rief Alban fast etwas neidisch. Gleich darauf aber
-fügte er hinzu: „Wo wirst Du denn diese Raupe sich verpuppen lassen?“</p>
-
-<p>„Die Weidenraupe“, belehrte jener, „muß man in ein Glas mit Sägespänen
-aus Weidenholz setzen!“</p>
-
-<p>„Wozu das?“ fragte Alban.</p>
-
-<p>Darauf erwiderte Alexander: „Weil diese Raupe meist vom Weidenholze
-lebt! Zu dem“, setzte er noch hinzu, „verpuppt sie sich auch stets in
-Holzspänen.“</p>
-
-<p>„Wie lange liegt sie denn als Puppe?“ fragte Alban wieder.</p>
-
-<p>Mit etwas verwunderter Miene erwiderte Alexander: „Weißt Du denn das
-nicht selbst aus der Naturgeschichte?“</p>
-
-<p>„Das habe ich wirklich wieder vergessen“, war die Antwort.</p>
-
-<p>„Sie braucht“, fuhr Alexander fort, „volle drei Jahre zu ihrer
-Entwickelung zum Falter.“</p>
-
-<p>„Entsetzlich lange“, staunte Alban. „Den Schmetterling aber“, bat er,
-„laß mich dann ja gleich sehen!“</p>
-
-<p>„Das soll geschehen“, versicherte Alexander.</p>
-
-<h4 id="E_Satzgefuege_V_2">2. Nicht wörtlich.</h4>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_V_2_94"><b>94. Das Wetter.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Der Hauptsatz zuletzt.)</p>
-
-<p>Eines Tages trafen sich vier Bauern auf dem Felde. Mit dem Wetter könne
-man dies Frühjahr doch eigentlich gar nicht zufrieden sein, äußerte
-Melchior.</p>
-
-<p>Das sei auch seine Ansicht, sagte Samuel. — Er müsse für seine
-sandigen Fluren etwas mehr Regen wünschen, setzte<span class="pagenum" id="Seite_76a">[S. 76]</span> Wenzel hinzu. — Ihm
-wären einige Tage Sonnenschein jetzt lieb, meinte Weinrich.</p>
-
-<p>Die Wärme lasse diesmal außerordentlich lange auf sich warten, bemerkte
-Melchior wieder. — Für seine Saaten aber komme das kühle Wetter gerade
-recht gelegen, hielt Samuel entgegen.</p>
-
-<p>Ihm sei ein Gedanke beigekommen, bemerkte jetzt Wenzel.</p>
-
-<p>Wenzel möge reden, meinten alle.</p>
-
-<p>Der liebe Gott werde es wol nie allen recht machen können, lautete
-Wenzel’s Gedanke.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_V_2_95"><b>95. Am Krankenbette.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Der Hauptsatz voran.)</p>
-
-<p>Zwei Aerzte wurden an das Krankenbette eines Kindes gerufen.</p>
-
-<p>Der jüngere Arzt meinte, die argen Kopfschmerzen des Kindes könnten
-von schlechter Verdauung herrühren. Dem hielt die Mutter des Kindes
-entgegen, von einem Magenübel ihrer Marie habe sie noch nie auch nur
-die leiseste Spur entdeckt.</p>
-
-<p>Der ältere Arzt war der Ansicht, es läge hier eine Erkältung zu Grunde.
-Dazu bemerkte der Vater, das Kind sei seit länger als acht Tagen nicht
-aus der Stube gekommen.</p>
-
-<p>Beide Aerzte einigten endlich ihre Ansichten dahin, der Kopfschmerz
-habe seine Ursache in einem bedeutenden Blutandrange nach dem Gehirn.
-Der junge Arzt schlug nun vor, die Patientin solle in naßkalte
-Tücher eingepackt werden. Der ältere dagegen äußerte, hier sei ein
-niederschlagendes Pülverchen ganz am Platze.</p>
-
-<p>Um des lieben Friedens willen beschlossen endlich die zwei Herren, man
-wolle von beiden Mitteln Gebrauch machen.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_V_2_96"><b>96. Der Fund.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Der Hauptsatz in der Mitte.)</p>
-
-<p>Ein armer Dienstmann fand auf der Straße einen Brillantring. Endlich,
-murmelte er für sich, habe er doch einmal Glück gehabt.<span class="pagenum" id="Seite_77a">[S. 77]</span> Der Ring,
-meinte er, sei wenigstens seine zwanzig Thaler werth. Der Verkauf
-desselben, dachte er weiter, könne keine großen Schwierigkeiten bieten.
-Er brauche ja nur damit, überlegte er kurz, zum nächsten Goldarbeiter
-zu gehen.</p>
-
-<p>Da aber mischte sich sein Gewissen darein. Ein unehrlicher Finder,
-hielt es ihm vor, sei einem Diebe gleich zu achten. Einen Dieb
-aber, setzte es hinzu, nenne die Bibel ein schändlich Ding. Unrecht
-Gut, warnte es weiter, habe noch niemals Segen gebracht. Und der
-Allwissende, mahnte es noch, wisse dergleichen Schlechtigkeiten ans
-Licht zu bringen.</p>
-
-<p>Dieser innern Warnung, äußerte der Dienstmann nach einiger Erwägung
-ganz laut, wolle er aber auch folgen. Somit ging er auf die Polizei und
-meldete den Fund an.</p>
-
-<p class="s4 center mtop2" id="E_Satzgefuege_V_2_97_Wdh"><b>Wiederholung.</b></p>
-
-<p class="s5 center">(Alle drei Fälle.)</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_V_2_97"><b>97. Ochs und Esel.</b></h5>
-
-<p class="mtop2">Ein Ochse und ein Esel stritten sich um den Ruhm der größten Klugheit.</p>
-
-<p>Der Ochse meinte, er sei unter allen Umständen der Klügste. Ihm sei
-die Weisheit gleich angeboren, behauptete der Esel. Schon seine breite
-Stirn, brummte der Ochs, müsse doch seine Gelehrsamkeit beweisen. Der
-Esel behauptete dagegen, er würde jedenfalls seiner Zeit das Pulver
-auch erfunden haben. Gerade diese Eingebildetheit müsse er für einen
-Beweis großer Dummheit erklären, höhnte der Hornträger.</p>
-
-<p>Diesen unangenehmen Streit, meinten endlich beide, werde der Löwe am
-besten entscheiden.</p>
-
-<p>Sie gingen zu ihm.</p>
-
-<p>Der Löwe eröffnete ihnen nach kurzer Ueberlegung, sie gehörten beide zu
-den Narren. Keiner habe in der Dummheit<span class="pagenum" id="Seite_78a">[S. 78]</span> etwas vor dem andern voraus,
-versicherte er. Das hätten sie, fügte er hinzu, gerade durch ihren
-Streit bewiesen.</p>
-
-<p>Ochs und Esel wurden auch wirklich jetzt der Meinung, der Löwe habe
-Recht.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_V_2_98"><b>98. Das Gespenst.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Wörtlich und nicht wörtlich.)</p>
-
-<p>„Hörst Du das Poltern?“ sagte der abergläubische Johann um die
-Mitternachtsstunde zu seinem Bruder Gottlieb.</p>
-
-<p>„Freilich“, erwiderte dieser, „höre ich es.“</p>
-
-<p>Ob dies nicht gar ein Gespenst sein könne, meinte Johann.</p>
-
-<p>Ihm wolle es, flüsterte Gottlieb, auch ganz so scheinen.</p>
-
-<p>Gleich darauf rief Johann dem neben ihm schlafenden Großknechte zu: „Es
-sind Gespenster im Hause!“</p>
-
-<p>Im Erwachen äußerte Töffel, er habe das bereits auch verspürt.</p>
-
-<p>„Leuchte nur einmal mit einer Laterne auf den Oberboden“, gebot
-Gottlieb dem Großknechte.</p>
-
-<p>Da muthe man ihm freilich viel zu, entgegnete dieser.</p>
-
-<p>Johann aber tröstete ihn mit den Worten: „Vor Deinen Fäusten werden
-schon die Gespenster Respekt haben.“</p>
-
-<p>Töffel stand auf und ging. Bald kehrte er zurück. Fast wie aus einem
-Munde fragten beide Brüder, was es denn gewesen sei?</p>
-
-<p>Wie man doch aber auch, murmelte der Großknecht verdrossen, gleich eine
-Mücke für einen Elephanten ansehen könne.</p>
-
-<p>„Aber“, fiel Gottlieb schnell ein, „so gib uns doch nur Bescheid!“</p>
-
-<p>„Das ganze Gespenst war unsere alte Hausmietze“, berichtete jetzt
-Töffel.</p>
-
-<p>„Wie so denn?“ fragte Johann.</p>
-
-<p>„Sie stak mit dem Kopfe in einem Topfe und konnte nicht wieder heraus“,
-war die Antwort.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_79a">[S. 79]</span></p>
-
-<p class="s4 center mtop2" id="E_Satzgefuege_V_2_99_Hwdh"><b>Hauptwiederholung.</b></p>
-
-<p class="s5 center">(Subjectiv-, Prädikat-, Beifügungs-, Ergänzungs- und Anführungssätze.)</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_V_2_99"><b>99. Ehre das Alter.</b></h5>
-
-<p class="mtop2">Der alte Römhild, ein achtzigjähriger Greis, saß eines Tages vor der
-Thür seiner Hütte. Wer ihn kannte, hielt ihn hoch in Ehren.</p>
-
-<p>Ueber seinem Haupte, das die Silberkrone des Alters schmückte, war
-mancher Sturm hinweggezogen. Er war sich aber bewußt, daß ihn keiner
-vom Wege der Glaubenstreue abgebracht habe. Er durfte sich sagen, stets
-rechtschaffen gehandelt zu haben.</p>
-
-<p>Daß er ein höchst ehrwürdiger Greis sei, war in der ganzen Umgegend
-bekannt. „Vor Vater Römhild,“ hörte man oft sagen, „sollte Jeder die
-Mütze abnehmen.“</p>
-
-<p>Nicht so dachten zwei gottlose Knaben, deren Vater Frohnvogt im Orte
-war. Sie spotteten, daß der alte Römhild gar so gebückt dort saß. Sie
-wollten sich todtlachen, daß die zitternden Hände des Greises kaum das
-thönerne Tabackspfeifchen zu halten vermochten.</p>
-
-<p>Was die beiden Buben thaten, schmerzte den Alten tief. Sein Grundsatz
-aber, demzufolge er auch alles Unrecht geduldig ertragen wollte, ließ
-in seinem Herzen keinen Groll aufkommen.</p>
-
-<p>Ganz freundlich sprach er zu den Knaben: „Tretet doch einmal zu mir
-heran!“</p>
-
-<p>Sie würden sich hüten, äußerte höhnisch der eine. Und der andere
-meinte, sie hätten nichts mit ihm zu schaffen.</p>
-
-<p>Darauf nahm Vater Römhild, dem es um die Besserung der beiden Knaben
-zu thun war, zwei ganz neue Groschenstücke aus der Tasche. „Diese
-blitzenden Groschen sollt Ihr Euch bei mir holen“, sagte er.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_80a">[S. 80]</span></p>
-
-<p>Dieses Angebot reizte die Knaben, den Schritt zu wagen. Sie traten also
-hinzu.</p>
-
-<p>Vater Römhild faßte, ohne seine freundlichen Züge zu verändern, jeden
-Knaben bei der Hand. „Ihr habt meiner gespottet“, begann er darauf.
-„Damit“, setzte er hinzu, „habt Ihr mir sehr weh gethan.“</p>
-
-<p>Bei diesen Worten, die seiner Brust mit einem tiefen Seufzer
-entstiegen, zitterte eine Thräne von seinen grauen Wimpern. Darauf fuhr
-er fort: „Werdet Ihr nicht selbst auch einmal alt werden?“ Und weiter
-fragte er: „Würde Euch denn in Euren alten Tagen der Spott der Jugend
-gefallen?“</p>
-
-<p>In ähnlicher Weise redete der Alte, der dabei einen wahrhaft
-väterlichen Ton annahm, noch längere Zeit zu den Herzen der beiden
-Knaben.</p>
-
-<p>Beide sahen jetzt ein, daß sie sich an dem Alten versündigt hatten.
-Beide gelobten auch endlich, daß sie sich ein solches Vergehen nie
-wieder wollten zu Schulden kommen lassen.</p>
-
-<p>Daß ihnen dieses Versprechen wirklich aus dem Herzen kam, sah der Alte
-an ihren Mienen. Ob sie der Zusage für immer eingedenk sein würden,
-konnte Vater Römhild freilich nicht wissen. Zur Ehre gereicht ihnen
-aber noch, daß sie die neuen Groschen durchaus nicht nehmen wollten.</p>
-
-<p>Hoffentlich blieben sie solcher Gesinnung, wie sie jetzt waren.</p>
-
-<div class="section">
-
-<h3 id="E_Satzgefuege_VI"><b>VI. Umstandssätze.</b></h3>
-
-</div>
-
-<h4 id="E_Satzgefuege_VI_1">1. Umstandsnebensätze des Ortes.</h4>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_VI_1_100"><b>100. Unschuldig Verfolgte.</b></h5>
-
-<p class="mtop2">Wo man die Sperlinge vertilgt, da züchtet man schädliche Insekten. Wo
-man die Maulwürfe erwürgt, da hegt man ein dem Graswuchse nachtheiliges
-Gewürm. Wo man den Eulen nachstellt, liebäugelt man mit den Feldmäusen.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_81a">[S. 81]</span></p>
-
-<p>Dort steht es nicht gut mit der Oekonomie, wo jene drei Unschuldigen
-verfolgt werden. Ein solcher Unverstand kommt eben daher, woher aller
-Unverstand kommt. Und er führt dahin, wohin alle Unwissenheit führt. Er
-führt zu Nachtheilen.</p>
-
-<p>Der Landbebauer möge daher sein Ohr dahin halten, wo die Ordnung der
-Natur gelehrt wird. Er möge da hineingucken, wo von den wirklichen
-Feinden der Landwirthschaft geschrieben steht. Gewiß wird er dann jene
-drei unschuldig Verfolgten dahin zählen, wohin sie gehören.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_VI_1_101"><b>101. Reichthum.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>Wo der Reichthum thront, da wohnt nicht immer auch das Glück. Das wahre
-Glück ist weit öfter dort zu finden, wo die Armuth um den Tisch sitzt.</p>
-
-<p>Wo der Hausherr stolz zu Rosse dahinfegt, hinkt sehr oft die Sorge
-hinterdrein. Wo die Hausfrau dreimal täglich das Gewand wechseln kann,
-kann leicht auch dreimal die gute Laune wechseln.</p>
-
-<p>Da, wo die Tafel die fetten Bissen kaum zu tragen vermag, stellen sich
-in der Regel viel ungeladene Gäste ein. Und dort hat man den Grünspan
-am meisten zu fürchten, wo sich viel Silber anhäuft.</p>
-
-<p>Dahin, wohin der Reichthum zuweilen führt, möchte mancher Arme wol um
-keinen Preis gelangen. Wohin der Ueberfluß an Mammon den Weg erschwert,
-dahin deutet auch Christus in einer Unterredung mit seinen Jüngern.</p>
-
-<p>Woher sich daher Mancher in dieser Beziehung ein beneidenswerthes Loos
-träumt, daher kann gerade sein Verderben kommen. Trachte doch ein Jeder
-zunächst dahin, woher ein zufriedener Sinn das Gemüth durchdringt.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_82a">[S. 82]</span></p>
-
-<h4 id="E_Satzgefuege_VI_2">2. Umstandsnebensätze der Zeit.</h4>
-
-<p class="center" id="E_Satzgefuege_VI_2_a"><span class="antiqua">a.</span> Gleichzeitigkeit.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_VI_2_102"><b>102. Peter der Große.</b></h5>
-
-<p class="mtop2">Eines Tages fuhr Peter der Große, als er zu Mittag gespeist, in seiner
-Schaluppe nach Sesterbank. Während seine Matrosen die Ruder schlugen,
-mußten sie zur Ergötzlichkeit des Kaisers ihre Lieder anstimmen. Dieses
-Concert unterhielten sie stets so lange, bis er winkte.</p>
-
-<p>Indem die Schiffsleute noch sangen, erhob sich von Westen her etwas
-Wind. Kaum aber waren zehn Minuten vergangen, entwickelte sich aus
-diesem Winde ein arger Sturm.</p>
-
-<p>Indeß sich des Kaisers Fahrzeug seinem Ziele nähert, bemerkt er in der
-Ferne einen mit den Wogen kämpfenden Kahn. Sowie Peter die große Gefahr
-für das kleine Fahrzeug erkennt, schickt er sofort seine Matrosen
-zur Rettung aus. Noch aber haben diese kaum die Schaluppe verlassen,
-entdeckt er mitten in der Flut eine Frau mit ihrem Kinde.</p>
-
-<p>Schon drohen die Wogen die Unglückliche zu begraben, als Peter selbst
-zu ihrer Rettung in die schäumende Flut stürzt. Sobald es Menschenleben
-zu retten gilt, denkt er nicht an seine Kaiserwürde.</p>
-
-<p>Indem ihn eine Welle hoch emporhebt, erfaßt er die Unglückliche. Mit
-starker Hand hält er sie fest, bis der Schiffsjunge die Schaluppe
-herbeigeführt hat.</p>
-
-<p>Während seine ausgesendeten Matrosen jenen Kahn in Sicherheit bringen
-helfen, führt er die beiden Geretteten dem Ufer zu. Für diese aber war
-nun gesorgt, solange sie lebten.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_VI_2_103"><b>103. Aus dem Tagebuche eines Kriegers.</b></h5>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>Als die Sonne zu sinken begann, rückten wir in N. ein. Sobald die
-nöthigen Befehle für die nächste Nacht verlesen waren, ging das
-Bataillon auseinander.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_83a">[S. 83]</span></p>
-
-<p>Kaum war ich zwei Minuten weit gegangen, stand ich vor meinem Quartier.
-Ich klopfte so lange an, bis sich mir die Thür des einfachen Dorfhauses
-öffnete.</p>
-
-<p>Während ich mein Gepäck ablegte, brummten meine Wirthsleute einige
-unwillige Worte. Ihr Widerwille steigerte sich noch, als ich endlich zu
-essen begehrte.</p>
-
-<p>Indeß endlich die Wirthin einige karge Lebensmittel herbeibrachte,
-trat ihr vierjähriges Töchterchen zu mir. Seitdem wir die französische
-Grenze überschritten hatten, war mir noch kein so hübsches Kind
-vorgekommen.</p>
-
-<p>Ich nahm das Kind auf meinen Schooß und liebkoste es in der
-väterlichsten Weise. Sowie die Wirthin dies sah, veränderten sich auf
-einmal ihre zeither so mürrischen Gesichtszüge. Währenddem ich nun
-vollends dem lieben Kinde die Stirn küßte, verklärte sich ihr Gesicht
-in ein glückliches Lächeln.</p>
-
-<p>Wie staunte ich indeß, als sie plötzlich das dürftige Abendbrod wieder
-entfernte. Indem ich aber noch über dieses seltsame Gebaren nachdachte,
-trat sie auch schon mit einem großen Teller höchst appetitlicher
-Speisen an den Tisch.</p>
-
-<p>Schon wollte ich zulangen, als die Wirthin mir Einhalt gebot. Noch
-aber hatte ich meine Gabel kaum wieder hingelegt, brachte der Wirth
-eine Flasche köstlichen Wein herbei. Jetzt erst sollte ich mir es
-wohlschmecken lassen.</p>
-
-<p>Die beiden Wirthsleute blieben meine freundlichen Nachbarn, solange ich
-aß. Als ich sie den nächsten Morgen verließ, erhielt ich von ihnen noch
-einen halben Schinken auf den weiten Marsch.</p>
-
-<p>Seit ich dieses einfache Dorfhaus verließ, habe ich nie wieder ein so
-gutes Quartier gefunden.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_84a">[S. 84]</span></p>
-
-<p class="center mtop2" id="E_Satzgefuege_VI_2_b"><span class="antiqua">b.</span> Ungleichzeitigkeit.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_VI_2_104"><b>104. Gewissenhaftigkeit.</b></h5>
-
-<p class="mtop2">Bevor ein guter Schüler die Feder zu irgend einer schriftlichen Arbeit
-ansetzt, sammelt er in seinem Kopfe erst den Stoff dazu. Nachdem dies
-geschehen ist, ordnet er denselben. Ehe er aber dann die fertige Arbeit
-dem Lehrer übergiebt, sieht er sie noch einmal gewissenhaft durch.</p>
-
-<p>So oft ein Schüler dies thut, so oft wird er mit seinem Schaffen auch
-Ehre einlegen.</p>
-
-<p>So gewissenhaft sollte der Mensch überhaupt in allen seinen
-Unternehmungen sein. Er muß stets ein bestimmtes Ziel ins Auge fassen,
-bevor er handelt. Er muß auch stets die möglichen Folgen seiner Thaten
-erwägen, ehe er die Hand an irgend ein Werk legt.</p>
-
-<p>Gar Viele sehen ihre Thorheiten erst dann ein, nachdem sie vollbracht
-sind. Halte daher weisen Rath, so oft Du etwas Neues unternehmen willst.</p>
-
-<p class="s4 center mtop2" id="E_Satzgefuege_VI_2_105_Wdh"><b>Wiederholung.</b></p>
-
-<p class="s5 center">(Gleichzeitigkeit und Ungleichzeitigkeit.)</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_VI_2_105"><b>105. Das Wüstenungeheuer.</b></h5>
-
-<p class="mtop2">Bevor wir die mühsame Wanderung durch die Wüste ganz beendet hatten,
-sollten wir noch deren schrecklichstes Ungeheuer kennen lernen. Als die
-Sonne ihre Strahlen gegen Mittag sengendheiß herabschoß, bemerkten wir
-an unsern Kameelen eine gewisse Unruhe. Kaum hatten wir wieder eine
-Meile hinter uns, fühlten wir selbst eine eigenthümliche Schwere in der
-Luft.</p>
-
-<p>Während wir noch darüber sprachen, schien sich in der Ferne der
-Himmel zu verdunkeln. Noch waren wieder nicht zehn Minuten vergangen,
-vernahmen wir auch ein fernes Brausen. Wenn<span class="pagenum" id="Seite_85a">[S. 85]</span> aber dieses Zeichen
-auftritt, dann kann sich der Wüstenreisende auf Schlimmes gefaßt machen.</p>
-
-<p>In der Regel schickt der Samum erst einzelne leichte Sandwolken vor
-sich her, ehe er selbst in seiner ganzen Macht losbricht. Sowie die
-erste dieser Staubwellen auf uns zugewälzt kam, warfen sich sämmtliche
-Kameele im Nu platt auf die Erde nieder. Sobald dies geschehen,
-streckten auch wir uns lang neben ihnen hin. Indem wir uns aber auf
-diese Weise in Sicherheit zu bringen suchten, tobte auch schon das
-Ungeheuer in seiner wilden Macht daher.</p>
-
-<p>Die ganze Welt schien verwüstet werden zu sollen, indeß der furchtbare
-Sturm über uns dahinwüthete. Die Gluthitze drohte uns zu ersticken,
-während der feine Sand unsere zarten Hautstellen wie mit Nadeln ritzte.</p>
-
-<p>Solange der entsetzliche Samum wüthete, sahen wir uns in schauerliche
-Nacht gehüllt. Erst nachdem wir etwa zwei Stunden diese fürchterlichen
-Qualen erduldet, lichtete sich das grausige Dunkel allmälig.</p>
-
-<p>Wie dankten wir Gott, da der erste Sonnenstrahl wieder durch die immer
-schwächer werdenden Sandwirbel drang. Noch immer rieselt mir es kalt
-durch die Adern, so oft ich jener Schreckensstunde gedenke.</p>
-
-<p class="s5 center mtop2">(Umstandssätze des Ortes und der Zeit.)</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_VI_2_106"><b>106. Die Missionäre.</b></h5>
-
-<p class="mtop2">Die Heidenboten haben einen sehr schweren Beruf. Wohin sie gesendet
-werden, dahin ist in der Regel noch kein Wort vom Christenthume
-gedrungen. Wo sie ihre Arbeit beginnen sollen, da kniet das Volk noch
-vor todten Götzen.</p>
-
-<p>Häufig erfahren sie das schnödeste Mißtrauen, sobald sie sich nur unter
-einem solchen wilden Stamme blicken lassen. Dieses Mißtrauen verwandelt
-sich nicht selten in Haß, wenn sie dann<span class="pagenum" id="Seite_86a">[S. 86]</span> die ersten Bekehrungsversuche
-wagen. Sowie der Wilde seine angestammte Religion durch ihn gefährdet
-sieht, betrachtet er den Heidenboten gewöhnlich als einen ärgsten
-Feind. Gerade da aber, wo dieser den härtesten Widerstand findet, ist
-auch sein Werk am verdienstvollsten.</p>
-
-<p>Es kostet oft große Anstrengung, ehe nur ein Einziger für den
-christlichen Glauben gewonnen wird. Noch viel größere Opfer aber
-erfordert es, bevor sich ein ganzer Stamm unter das Kreuz des Erlösers
-beugt.</p>
-
-<p>Woher aber der Missionär die Neigung zu seinem so gefahrvollen Berufe
-erhält, daher erhält er auch die Kraft dazu. Indem er nur die geringste
-Frucht seiner Saat aufgehen sieht, wächst sein Muth. Die glücklichen
-Erfolge mehren sich indeß auch in der Regel auffällig, nachdem einmal
-erst eine Seele gerettet ist.</p>
-
-<p>Möge das Licht des Christenthums überall aufgehen, wo jetzt noch
-Finsterniß herrscht. Möge es so lange Missionäre geben, solange es noch
-Heiden gibt. So oft uns Gelegenheit geboten ist, so oft wollen wir aber
-auch unsern Theil zu dem heiligen Werke der Heidenbekehrung beitragen.</p>
-
-<h4 id="E_Satzgefuege_VI_3">3. Umstandsnebensätze der Art und Weise.</h4>
-
-<p class="center" id="E_Satzgefuege_VI_3_a"><span class="antiqua">a</span>) Unverkürzt.</p>
-
-<p class="s5 center" id="E_Satzgefuege_VI_3_aa"><span class="antiqua">aa</span>) Ohne Vergleichung.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_VI_3_107"><b>107. Roderich.</b></h5>
-
-<p class="mtop2">Indem der kleine Roderich mit seinen Eltern oft Concerte besuchte,
-entwickelte sich in ihm der Sinn für Musik. Ohne daß er es eigentlich
-wollte, prägten sich seinem Gedächtnisse einzelne schöne Melodien ein.
-Diese sang er dann wol auch, indem er vielleicht gerade ein Kartenhaus
-baute, vor sich hin.</p>
-
-<p>Bald bat er seine Eltern so dringend um Musikunterricht,<span class="pagenum" id="Seite_87a">[S. 87]</span> daß sie ihm
-nicht widerstehen konnten. Er machte glänzende Fortschritte, ohne
-daß er sich etwa besonders angestrengt hätte. Schon nach einem Jahre
-spielte er ziemlich schwere Klavierstücke so, daß man staunen mußte.
-So trug er z.&#160;B. eine ziemlich schwere Sonate von Mozart vor, ohne
-daß ihm auch nur ein falscher Ton entschlüpfte. Dabei bearbeitete er
-an gewissen Stellen das Instrument dermaßen, daß die Saiten hätten
-springen mögen.</p>
-
-<p>Indem er Klavier spielte, bildete sich sein Gehör auch für den Gesang.
-Seine kleinen Lieder ertönten so rein, daß man seine Freude daran haben
-mußte.</p>
-
-<p>So reifte Roderich zu einem Künstler heran, ohne daß er es eigentlich
-wußte. Indem er aber auch als Künstler ein harmloser Charakter blieb,
-lohnte er am besten die von seinen Eltern ihm gebrachten Opfer.</p>
-
-<p class="s5 center mtop2" id="E_Satzgefuege_VI_3_bb"><span class="antiqua">bb</span>) Mit Vergleichung.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_VI_3_108"><b>108. Ein Sprichwort.</b></h5>
-
-<p class="mtop2">Wie es in den Wald hineinschallt, schallt es wieder heraus. Dieses alte
-Sprichwort ist so verständlich, daß sein Sinn schon von einem Kinde
-erfaßt werden kann. Es ist aber auch so beherzigenswerth, daß man es
-auf die Zifferblätter der Uhren schreiben sollte.</p>
-
-<p>Je gewissenhafter ein Mensch seinen Verkehr mit andern nach dieser
-Erfahrung regelt, desto weniger wird er über fremde Unbill zu klagen
-haben. Wie wir Andern begegnen, so pflegen diese uns entgegen zu
-kommen. Je freundlicher wir sind, desto mehr schützen wir uns vor
-Beleidigungen. Je theilnehmender wir uns erweisen, desto sicherer
-können wir auf fremdes Mitleid rechnen.</p>
-
-<p>Muß sich ja doch der Christ vor allen Dingen zu seinen Mitmenschen
-stellen, wie sich ein Bruder zum Bruder stellt.<span class="pagenum" id="Seite_88a">[S. 88]</span> Erscheint er doch
-überhaupt nie so edel, als wenn er im Sinne seines himmlischen
-Vorbildes handelt.</p>
-
-<p>Manche Menschen treten freilich so rücksichtslos gegen andere auf, wie
-wenn sich die ganze Welt vor ihnen beugen müßte. Dadurch aber machen
-sie sich dermaßen verhaßt, daß sie endlich selbst verachtet werden.
-Ihr Schicksal verhält sich dann zu ihrem Gebaren, wie sich Ursache und
-Folgen verhalten.</p>
-
-<p>Behandle also Deinen Nächsten, gleichwie Du von ihm behandelt zu sein
-wünschest.</p>
-
-<p class="center mtop2" id="E_Satzgefuege_VI_3_109_b"><span class="antiqua">b</span>) Abgekürzt.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_VI_3_109"><b>109. Auf der Wolfsjagd.</b></h5>
-
-<p class="mtop2">Mit allem Jagdgeräthe wohl ausgestattet, verließen wir unsere
-Behausungen. Einige Diener, reichlich mit Lebensmitteln versehen,
-folgten. Eine Wolfsjagd kann sich ja, wie alle Jagden auf wilde Thiere,
-sehr in die Länge ziehen.</p>
-
-<p>Uns über den Jagdplan besprechend, erreichten wir den Wald. Berathen
-ist freilich leichter, als handeln.</p>
-
-<p>Einander gegenseitig Glück wünschend, gingen wir an der Waldesgrenze
-bis auf gewisse Entfernungen auseinander. Wir schritten langsam
-vorwärts, ohne uns jedoch aus dem Auge zu verlieren. Jeder freute sich
-auf den ersten Schuß, wie auf irgend ein frohes Ereigniß.</p>
-
-<p>Die Flinte zur Seite, schritt ich fürbaß. Mich an einer Felsenwand
-hindrückend, gelangte ich vor den Eingang einer kleinen Höhle. Alsobald
-meine Schritte hemmend, spähte ich nach dem dunklen Hintergrunde
-derselben. Hier leuchteten mir, wie grünfeurige Flammen, zwei Augen
-unheimlich entgegen. Diese sprühenden Punkte sogleich als Wolfsaugen
-erkennend, lege ich mein Gewehr an. Nicht ohne vorher die beiden
-Feuersterne gehörig aufs Korn zu nehmen, drücke ich endlich ab.</p>
-
-<p>Ein kurzes Geheul ausstoßend, stürzt der Wolf dem Eingange<span class="pagenum" id="Seite_89a">[S. 89]</span> der
-Höhle zu. Hier aber bricht er, noch einen tiefen Seufzer ausstoßend,
-zusammen. Ich aber schleppte meine Beute, nicht ohne einen gewissen
-Stolz, an den Rand des Waldes zurück.</p>
-
-<p class="s4 center mtop2" id="E_Satzgefuege_VI_3_110_Wdh"><b>Wiederholung.</b></p>
-
-<p class="s5 center">(Unverkürzte und abgekürzte Nebensätze der Art und Weise.)</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_VI_3_110"><b>110. Die Rettung.</b></h5>
-
-<p class="mtop2">Den hellen Tag in düstere Nacht verwandelnd, zog ein Gewitter über
-ein Thal hinweg. Die Blitze folgten so schnell auf einander, daß man
-dazwischen kaum bis zehn zählen konnte. Der Donner rollte so mächtig
-durch den Himmel hin, daß die nahen Berge zu erzittern schienen. Zudem
-strömte der Regen vom Himmel herab, wie zur Zeit der Sündflut.</p>
-
-<p>Von allen Seiten Zufluß erhaltend, trat der sonst so unbedeutende
-Thalbach über seine Ufer. In wenig Minuten gestaltete er sich, das
-ganze Thalbecken überflutend, zum reißenden Strome. Er nahm ebenso
-zu an Tiefe, als er in der Breite wuchs. Seine schmuziggelben Wogen
-brausten dahin, daß es Jedermann mit Entsetzen erfüllte.</p>
-
-<p>Mitten in dem Thale stand eine alte Mühle, von den Wogen jetzt auf das
-entsetzlichste bedroht. Die armen Bewohner derselben schrieen, auf dem
-Dache sitzend, mit herzzerreißender Stimme um Hilfe. Niemand freilich
-konnte sie ihnen bringen, ohne selbst das Leben auf das Spiel zu
-setzen. Die eigene Gefahr war zu groß, als daß sich sogleich rettende
-Hände gefunden hätten.</p>
-
-<p>Je höher indeß das Wasser stieg, desto entsetzlicher ertönte der
-Hilferuf der Unglücklichen. Ihr Angstgeschrei erscholl so verzweifelt,
-daß es hätte Steine erweichen können.</p>
-
-<p>Je größer aber die Noth, desto näher oft die Hilfe. Plötzlich brachten
-zwei wackere Männer, vor Anstrengung keuchend,<span class="pagenum" id="Seite_90a">[S. 90]</span> einen kleinen Nachen
-herbei. Ohne daß sie weiter viel redeten, ließen sie denselben ins
-Wasser. Indem jeder ein Ruder zur Hand nahm, stiegen sie in das
-dürftige Fahrzeug ein.</p>
-
-<p>Der Mensch erscheint nie so groß, als wenn er sein eigenes Leben für
-die Rettung eines anderen einsetzt.</p>
-
-<p>Mit kräftigen Armen den Nachen lenkend, erreichten die beiden Männer
-glücklich die Mühle. Nicht ohne daß es große Vorsicht gegolten hätte,
-wurde die Müllerfamilie in den Nachen gebracht.</p>
-
-<p>Schon die nächste Minute darauf versank das ganze Gebäude, sich noch
-einige Male im Kreise drehend, in den Fluten. Die edlen Männer aber
-gelangten, dem lieben Gott für seinen Beistand innig dankend, mit der
-armen Familie glücklich ans Land.</p>
-
-<p class="s4 center mtop2"><b>Hauptwiederholung.</b></p>
-
-<p class="s5 center">(Umstandssätze des Ortes, der Zeit und der Weise.)</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_VI_3_111"><b>111. Eine Lebensgeschichte.</b></h5>
-
-<p class="mtop2">Wehmüthig auf einem Stäbchen seines Gebauers sitzend, erzählte ein
-Rothkehlchen einem Kanarienvogel seine Lebensgeschichte:</p>
-
-<p>Wo die jungen Kiefern mit Birkenbüschen im bunten Wechsel standen, da
-war mein liebster Aufenthalt. Hier lebte ich, mein treues Weibchen
-meist zur Seite, in ungestörtem Glücke.</p>
-
-<p>Sobald der erste Morgenstrahl durch die Zweige drang, stimmte ich
-mein Lied an. Ein Tag nach dem andern floß dahin, ohne daß uns irgend
-ein Leid bewegte. Je höher die Sonne stieg, desto lustiger wurde mein
-Gesang.</p>
-
-<p>Sowie der Frühling einzog, bauten wir uns ein Nest. Wohin wir es
-bauten, dahin konnte sich kaum ein Raubthier finden.</p>
-
-<p>An einem schönen Herbsttage nun fliege ich, einigen Hunger verspürend,
-an einem Waldbache hin. Indem ich mich auf ein Tannenbäumchen
-niederlasse, bemerke ich am Stamme desselben<span class="pagenum" id="Seite_91a">[S. 91]</span> rothe Beeren. Während
-ich mir dieselben noch betrachte, erblicke ich sogar dicht dabei einen
-fetten Mehlwurm.</p>
-
-<p>Ueber meine Entdeckung höchst erfreut, fliege ich hinab. Zu meiner noch
-größeren Freude bemerke ich da, wo die Beeren hingen, ein bequemes
-Hölzchen. Nichts Schlimmes ahnend, setze ich mich darauf. Kaum aber
-berühre ich dasselbe, werde ich an den Füßen von einer Schlinge
-festgehalten.</p>
-
-<p>Ich ringe natürlich mit allen Kräften, gleich einem Löwen im Netze,
-nach meiner Freiheit. Die Schlinge aber zieht sich dadurch so zusammen,
-daß sie mir die Beine zu durchschneiden droht.</p>
-
-<p>Währenddem ich nun um Hilfe rufe, kommt ein Bube herbeigesprungen. Er
-rieb sich vor Freude die Hände, als er mich erblickte. Woher er kam,
-daher sah ich sonst selten einen Menschen kommen.</p>
-
-<p>Dieser Bube steckte mich, ohne daß er nur das geringste Mitleid
-empfunden hätte, in ein Leinwandsäckchen. Wo er mich hinbrachte, da
-waren hartherzige Menschen. Sie kauften mich so gleichgiltig, wie wenn
-sie eine Schuhbürste gekauft hätten.</p>
-
-<p>Nachdem ich jetzt in einen Käfig gesperrt war, übersah ich erst mein
-trauriges Loos!</p>
-
-<p>Seitdem ich ein armer Gefangner bin, ist mein ganzes Lebensglück
-vernichtet. Woher ich gekommen, dahin darf ich nie zurückkehren. Die
-Freiheit aber ist ein zu edles Gut, als daß man sie ganz vergessen
-könnte. Vielleicht erlöst mich mein Schöpfer, von meinem Elende
-gerührt, bald durch den Tod aus dieser Qual.</p>
-
-<h4 id="E_Satzgefuege_VI_4">4. Umstandssätze des Grundes.</h4>
-
-<p class="center" id="E_Satzgefuege_VI_4_a"><span class="antiqua">a</span>) Wirkliche Gründe.</p>
-
-<p class="s5 center" id="E_Satzgefuege_VI_4_aa"><span class="antiqua">aa</span>) Stoff, Ursache, Erkenntnißgrund.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_VI_4_112"><b>112. Die Fledermaus.</b></h5>
-
-<p class="mtop2">Die Fledermaus erkennt man daran als Säugethier, daß sie lebendige
-Junge erzeugt. Da sie aber fliegen kann, rechnet<span class="pagenum" id="Seite_92a">[S. 92]</span> sie mancher
-Unwissende zu den Vögeln. Indem ihre Füße mit den Flügeln verbunden
-sind, kann sie nicht gut sitzen. Auf das Laufen muß sie fast ganz
-verzichten, weil sie eigentlich gar keine Gehwerkzeuge besitzt.</p>
-
-<p>Da sie sich meist von nächtlich schwärmenden Insekten nährt, beginnt
-sie zur Dämmerzeit ihre Jagd. Woraus ihre Nahrung besteht, daraus
-besteht auch das Mahl der Nachtschwalbe.</p>
-
-<p>Die Fledermaus gewinnt dadurch etwas Unheimliches, daß sie fast stets
-in einem Kreise umherfliegt. Besonders häufig zeigt sie sich in den
-Gehöften, weil sie dort jedenfalls reiche Beute findet. Wenn sie
-gefangen wird, stößt sie kläglich pfiepende Töne aus.</p>
-
-<p>Mancher Landmann will danach das Wetter bestimmen, ob sie hoch fliegt
-oder nicht.</p>
-
-<p>Da sie im Winter keine Nahrung finden würde, verschläft sie denselben.
-Zu diesem Zwecke sucht sie oft die Gemäuer der Thürme auf, weil sie
-hier Schutz vor den Winterstürmen findet.</p>
-
-<p class="s5 center mtop2" id="E_Satzgefuege_VI_4_bb"><span class="antiqua">bb</span>) Beweggrund, Zweck, Ziel.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_VI_4_113"><b>113. Mutterliebe.</b></h5>
-
-<p class="mtop2">Um ihr Kindlein groß zu ziehen, bringt eine Mutter unzählige Opfer.
-Damit es körperlich gedeihe, reicht sie ihm wohlgewählte Nahrung. Ihr
-Auge wacht mit ängstlicher Sorgfalt, daß ihm kein Unfall zustoße. Um es
-vor Gefahren zu behüten, warnt sie es bei jeder Gelegenheit.</p>
-
-<p>Wie treubesorgt ist nun erst eine Mutter um ein krankes Kind, damit
-es bald wieder genese. Sie entsagt nächtelang dem Schlafe, um keine
-Veränderung in dem Zustande ihres Lieblings unbeobachtet vorübergehen
-zu lassen.</p>
-
-<p>Eine treue Mutter ist aber auch darauf bedacht, daß ihr Kind geistig
-gedeihe. Sie hütet es vor schlechtem Umgange, weil dieser sein Herz
-verderben könnte. Sie bewahrt es vor<span class="pagenum" id="Seite_93a">[S. 93]</span> widerwärtigen Eindrücken, da
-diese ein zartes Gemüth leicht abstumpfen. Sie leuchtet ihm in jeder
-Hinsicht stets mit einem guten Beispiele voran, indem ein gutes Vorbild
-auf des Kindes Veredlung jedenfalls am segensreichsten wirkt. Sie
-ermahnt ihr Kind tagtäglich zu allem Guten, weil sie ihm ein reines
-Herz erhalten will. Sie straft aber auch ihr Kind zur rechten Zeit,
-weil sie es eben lieb hat.</p>
-
-<p class="s4 center mtop2" id="E_Satzgefuege_VI_4_114_Wdh"><b>Wiederholung.</b></p>
-
-<p class="s5 center">(Alle Arten Umstandssätze des Grundes.)</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_VI_4_114"><b>114. Der Mensch.</b></h5>
-
-<p class="mtop2">Woraus die Erde besteht, daraus besteht auch der thierische Körper. Und
-woraus sich der thierische Körper aufgebaut hat, daraus hat sich auch
-unser Leib entwickelt.</p>
-
-<p>Die Wahrheit dieser Behauptung erkennt man deutlich daran, daß sich
-jeder Leichnam schließlich wieder in Erde verwandelt. Da nun überhaupt
-der Mensch in körperlicher Hinsicht ganz dem Thierwesen entspricht, so
-gehört er auch dem Körper nach zu den Thieren. Natürlich nimmt er unter
-diesen die höchste Stellung ein, weil sein Körper der vollkommenste ist.</p>
-
-<p>Um aber den Menschen zu seinem Ebenbilde zu erheben, verlieh ihm der
-Schöpfer einen Geist. Er stattete ihn, damit er einst als Himmelsbürger
-in die andere Welt eingehen könne, mit einer unsterblichen Seele aus.</p>
-
-<p>So wurde der Mensch dadurch auch zum Herrn der Welt, daß er eben in
-seinem Körper einen Geist birgt. Unser Leib wird deshalb wol auch ein
-Tempel Gottes genannt, weil jener göttliche Funke in ihm wohnt.</p>
-
-<p>Beide Bestandtheile des Menschen stehen in Wechselwirkung zu einander,
-da sie eng mit einander verbunden sind. Wenn der Leib kränkelt, leidet
-der Geist mit. Wenn der Geist leidet,<span class="pagenum" id="Seite_94a">[S. 94]</span> verkümmert nicht selten der
-Leib. Halte darum Deinen Leib in Ehren, weil Deine geistige Gesundheit
-davon abhängt. Veredle Deinen Geist, denn dadurch begründest Du
-Dein Glück. In jeder dieser Hinsichten hat uns Christus ein Vorbild
-gelassen, daß wir sollen nachfolgen seinen Fußtapfen.</p>
-
-<p class="s4 center mtop2"><b>Hauptwiederholung.</b></p>
-
-<p class="s5 center">(Umstandssätze des Ortes, der Zeit, der Weise und des wirklichen Grundes.)</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_VI_4_115"><b>115. Der Apfelbaum.</b></h5>
-
-<p class="mtop2">Wo der Garten ziemlich zu Ende ging, stand ein Apfelbaum. Er hing so
-voll Früchte, daß sich seine Zweige weit herabbogen. Dieses reichen
-Segens hatte er sich deshalb zu erfreuen, weil er auf einem fetten
-Boden stand. Seine Aepfel glänzten, wie wenn sie in Gold getaucht wären.</p>
-
-<p>Kaum waren sie völlig gereift, erhielt der Apfelbaum viel Besuch.
-Bevor der Kutscher in den Stall ging, holte er sich von ihm einige
-Aepfel. Sobald die Köchin früh aufstand, war ihr erster Gang zu diesem
-Apfelbaume. Sogar das Kindermädchen holte sich, während die Herrschaft
-speiste, einige der goldenen Aepfel.</p>
-
-<p>Weil sich nun so viel Gäste einfanden, wurde der Apfelbaum stolz auf
-sich. Je mehr man an seinen Zweigen schüttelte, desto mehr wuchs sein
-Hochmuth. Mit aufgeblasenem Wesen richtete er jeden neuen Tag seine
-Blicke dahin, woher seine vielen Freunde kommen mußten. Dabei sah er
-auf andere Bäume um sich her so verachtend herab, als wären diese
-nichtsnutziges Gesindel.</p>
-
-<p>Da sich indeß so viel Gäste fanden, schmolz sein Reichthum zusehends
-zusammen. Kaum waren zwei Wochen ins Land gegangen, hatte er nur noch
-drei Aepfel auf seinen Zweigen. Um dieser habhaft zu werden, warf ein
-Knabe mit einem Steine danach.</p>
-
-<p>Da der Apfelbaum nun keine Früchte mehr hatte, kam ihm<span class="pagenum" id="Seite_95a">[S. 95]</span> kein Mensch
-mehr zu nahe. Er stand da, wie ein von aller Welt Verlassener. Ohne
-daß er es natürlich gestand, schämte er sich jetzt seines ehemaligen
-Hochmuthes.</p>
-
-<p>Wahre Freunde erkennt man daran, daß sie uns ohne Eigennutz lieben.</p>
-
-<p class="center mtop2" id="E_Satzgefuege_VI_4_b"><span class="antiqua">b</span>) Mögliche Gründe.</p>
-
-<p class="s5 center" id="E_Satzgefuege_VI_4_b_aa"><span class="antiqua">aa</span>) Bedingungssätze.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_VI_4_116"><b>116. Der sterbende Vater.</b></h5>
-
-<p class="mtop2">Als Vater Aminth sein Ende nahen fühlte, ließ er seinen Sohn noch
-einmal an sein Bett kommen. Unter Anderem legte er ihm Folgendes ans
-Herz: Wenn es Dir nur irgend möglich ist, so sei dem Bedrängten ein
-Helfer. Hast Du viel, so gib reichlich. Wofern Du nicht mit einer That
-einstehen kannst, gib wenigstens einen guten Rath. Wäre auch dieser
-nicht möglich, so zeige Deine Theilnahme in einem tröstenden Worte.</p>
-
-<p>Hast Du irgend ein Werk vor, so fange es mit Gott an. Wo der Herr nicht
-das Haus behütet, wachen ja doch die Wächter umsonst. Wenn Du stets
-deine Hauptstütze in dem Herrn suchst, wirst Du wohlfahren. Wolltest
-Du Dich aber zu sehr auf Menschenhilfe verlassen, würdest Du Dich oft
-getäuscht sehen.</p>
-
-<p>Suche Dir vor allen Dingen selbst zu helfen, so wird Dir in vielen
-Dingen geholfen sein. Schicke Dich in alle Verhältnisse, dafern Deine
-Rechtschaffenheit nicht darunter leidet.</p>
-
-<p>Falls Du gehorchen mußt, thue es mit Lust. Beuge sogar einmal Deinen
-Nacken, wenn es die Klugheit gebietet. Hast Du selbst zu gebieten, thue
-es mit Freundlichkeit. Müßtest Du auch einmal darben, bewahre Dir die
-Zufriedenheit. Fiele Dir Reichthum zu, so verfalle nicht in Hochmuth.</p>
-
-<p>Würdest Du einmal verkannt, laß den Muth nicht sinken. Stießest Du
-je auf persönliche Feinde, gib nie dem Zorne Raum. Willst Du Dich an
-Deinen Beleidigern rächen, so vergib ihnen.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_96a">[S. 96]</span></p>
-
-<p class="s5 center mtop2" id="E_Satzgefuege_VI_4_b_bb"><span class="antiqua">bb</span>) Einräumungssätze.</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_VI_4_117"><b>117. Die Zunge.</b></h5>
-
-<p class="mtop2">Trotzdem die Zunge ein kleines Glied ist, kann sie doch großen Schaden
-anrichten. Obgleich dies eine allbekannte Sache ist, wird sie doch
-nicht immer beachtet. Ein einziges Wort kann ja sogar einen Weltkrieg
-heraufbeschwören, wiewohl ein Wort doch eigentlich nur ein flüchtiges
-Luftwellengebild ist.</p>
-
-<p>Wie verletzend wirkte nicht schon oft ein einziger Ausspruch,
-wenngleich er ohne allen Vorbedacht hingeworfen wurde. Gar nicht selten
-zerriß ein einziges winziges Wörtchen, ungeachtet es durchaus nicht
-böse gemeint war, die heiligsten Bande der Liebe auf immer. Und wurde
-nicht zuweilen durch einen einzigen ausgesprochenen Verdacht, obwohl
-man ihn vielleicht gar im Scherze zum Vorschein brachte, Jemand gar arg
-an seiner Ehre gekränkt?</p>
-
-<p>Auch ein Scherzwort, wie unschuldig es an sich immer scheinen mag,
-kann zum zündenden Funken für ein großes Feuer werden. Hat doch unter
-besonderen Umständen selbst das Schweigen, obschon die Zunge hierbei
-eben gar nichts thut, viel Unheil gestiftet.</p>
-
-<p>Halte darum Deine Zunge stets im Zaume, wenn Du Dich auch in den
-vertrautesten Kreisen bewegtest. Wäge stets Deine Worte ab, ob Du auch
-keine Ursache dazu zu haben vermeinst. Das einmal gesprochene Wort läßt
-sich nie wieder vernichten, trotzdem es eben nur ein Erzeugniß einer
-Luftbewegung ist.</p>
-
-<p class="s4 center mtop2" id="E_Satzgefuege_VI_4_118_Wdh"><b>Wiederholung.</b></p>
-
-<p class="s5 center">(Bedingungs- und Einräumungssätze.)</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_VI_4_118"><b>118. Bildung.</b></h5>
-
-<p class="mtop2">Obwohl Du in der Schule viel lernen kannst, bleibt Dir doch nach der
-Schulzeit noch viel zu lernen übrig. Wenn ein<span class="pagenum" id="Seite_97a">[S. 97]</span> Schüler auch noch so
-fleißig wäre, kann er doch in der Schule immer erst den Grund zu seiner
-weitern Ausbildung legen. Hast Du aber in der Schule einen guten Grund
-gelegt, wird Dir das spätere Lernen sicher leicht werden.</p>
-
-<p>Bildung ist ein großer Schatz, obschon er sich nicht in Zahlen
-bezeichnen läßt. Hast Du also Gelegenheit zur Fortbildung, benutze
-sie. Dem kenntnißreichen Manne steht die Welt offen, wenngleich seine
-Tasche keinen Kreuzer beherbergte. Hätte Mancher in seiner Jugend mehr
-gelernt, er brauchte jetzt nicht Steine zu klopfen.</p>
-
-<p>Wie sehr auch heutzutage das Geld die Welt regiert, die Bildung wird
-doch endlich den Sieg davontragen. Falls Du also auch gleich nach
-Deiner Confirmation nach Brod arbeiten müßtest, ein nützliches Buch
-wirst Du nebenbei doch lesen können. Und müßtest Du Dir auch einige
-Vergnügungen darob versagen, suche Dir vor allen Dingen bildende
-Schriften zu erwerben.</p>
-
-<p>Falls Du in Deinem Berufe auch nicht viel zu schreiben hättest, laß
-die Feder nicht liegen. Wenn Du nur ernstlich willst, etwas Zeit zur
-Fortbildung läßt sich schon gewinnen.</p>
-
-<p>Obgleich man sich für Geld große Genüsse verschaffen kann, Bildung
-bleibt doch der Schlüssel zu den edelsten.</p>
-
-<p class="s4 center mtop2"><b>Wiederholung.</b></p>
-
-<p class="s5 center">(Umstandssätze des Ortes, der Zeit, der Art und Weise, des wirklichen
-und möglichen Grundes.)</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_VI_4_119"><b>119. Die Raubritter.</b></h5>
-
-<p class="mtop2">Als das Ritterthum in voller Blüthe stand, gab es leider auch
-Raubritter. Wo ihre Burgen emporragten, dort war besonders für die
-Kaufleute ein gefährliches Reisen.</p>
-
-<p>Ohne daß es sich der Reisende oft versah, wurde er von einer Schaar
-solcher Wegelagerer überfallen. Sie kamen, um<span class="pagenum" id="Seite_98a">[S. 98]</span> ihn seiner Schätze zu
-berauben. Zuweilen verlegten sie ihm auch blos den Weg, damit sich der
-Reisende zu Opfern für seine Freiheit verstehen solle. Falls der so
-Gehemmte sich zu keiner Zahlung verstehen wollte, wurde er nicht selten
-als Gefangener abgeführt.</p>
-
-<p>Wo diese Raubritter ihre Burgen erbauten, führten gewöhnlich wichtige
-Verkehrswege vorüber. Damit kein Mensch ungesehen diese Straßen ziehe,
-stellten sie Wachen aus. Kaum graute der Morgen, standen diese schon
-auf ihren Posten.</p>
-
-<p>Mit diesen Verhältnissen vertraut, reiste darum auch selten ein
-Handelsmann mit seiner Waare allein. Damit man nöthigenfalls Widerstand
-leisten könne, verband man sich zu Karavanen. Obgleich aber diese
-Gesellschaften oft ziemlich stark waren, entgingen sie doch selten
-ihrem Schicksale.</p>
-
-<p>Sobald es zu irgend einem Kampfe kam, trugen die wohlbewaffneten
-Reisigen in der Regel den Sieg davon. Je mehr diese dann dabei Verluste
-erlitten hatten, desto größeren Tribut mußten die Besiegten zollen.</p>
-
-<p>Da nun ein Raubritter neidisch auf das Glück des andern sah, entstanden
-nicht selten unter diesen selbst blutige Fehden. Ehe es sich der eine
-versah, umzingelten mißgünstige Nachbarn seine Burg. So kurze Zeit eine
-solche Fehde auch dauerte, so blutig war sie doch oft. Nicht selten
-schleifte man den Rittersitz des Besiegten, weil dieser sonst doch
-wieder hätte zu Macht gelangen können.</p>
-
-<p>Wiewohl es auch heute noch Straßenräuber gibt, ist doch die
-Gefährlichkeit des jetzigen Reisens mit der jener Tage gar nicht zu
-vergleichen. Niemand wird, ohne ein gewisses Grauen zu empfinden, an
-jene Zeit zurückdenken.</p>
-
-<p>Während damals die überlegene Gewalt regierte, regiert jetzt das Recht.
-Die Zeit wollen wir ja nicht die goldene nennen, während welcher das
-Faustrecht galt.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_99a">[S. 99]</span></p>
-
-<h4 id="E_Satzgefuege_VI_5">5. Einschaltsätze.</h4>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_VI_5_120"><b>120. Ein Dieb.</b></h5>
-
-<p class="mtop2">Vergangenen Montag — es konnte wol nachmittags gegen drei Uhr sein
-— entstand auf der Straße ein gewaltiger Menschenauflauf. Zwei
-Polizeidiener ergriffen einen Menschen, welcher — man sollte es kaum
-glauben — am hellen Tage einen Herrenrock von einem Schaufenster
-gestohlen hatte.</p>
-
-<p>Dieser freche Dieb — er schien übrigens der Polizei als solcher
-bekannt zu sein — wehrte sich dermaßen, daß man ihn binden mußte.
-Jetzt aber — welch eine Frechheit! — stellte er sich, als ob er nicht
-laufen könne. Und so mußte er — den Polizeiern blieb nichts Anderes
-übrig — auf einen Schubkarren geladen werden.</p>
-
-<p>Im ersten Verhöre soll er sich — wie sich nicht anders erwarten ließ
-— auch äußerst widerspenstig benommen haben. Hoffentlich wird ihn aber
-die Strafe für seine Vergehungen — und diese wird wahrscheinlich eine
-ziemlich strenge sein — mürbe machen.</p>
-
-<p class="s4 center mtop2" id="E_Satzgefuege_VI_5_121_Hwdh"><b>Hauptwiederholung.</b></p>
-
-<p class="s5 center">(Subject-, Präd.-, Beif.-, Ergänz.-, Umstands-, Anführ.- und
-Einschaltsätze.)</p>
-
-<h5 class="s4" id="E_Satzgefuege_VI_5_121"><b>121. Der Mäusethurm.</b></h5>
-
-<p class="mtop2">Gegen Ende des zehnten Jahrhunderts lebte ein berüchtigter
-Kirchenfürst, mit Namen Hatto. Nachdem er mehrere Jahre Abt zu Fulda
-gewesen war, wurde er zum Erzbischof von Mainz erhoben. Diese Stadt
-liegt bekanntlich da, wo sich der Main in den Rhein ergießt.</p>
-
-<p>Wer jenem hohen Herrn untergeben sein mußte, konnte nicht ohne Furcht
-zu ihm aufblicken. Hatto war — man sollte dies von einem Bischofe
-kaum glauben — vom Geize besessen. Nehmen erschien ihm jederzeit
-angenehmer als das Geben.<span class="pagenum" id="Seite_100a">[S. 100]</span> Daran, daß sein Herr und Heiland in Armuth
-dahinwandelte, wollte er sich wahrscheinlich ganz absichtlich nicht
-erinnern.</p>
-
-<p>Da ihn nun die Habsucht gefangen genommen hatte, kannte sein Herz
-natürlich kein Mitleid. Ohne daß es ihn rührte, konnte er an den
-Hilfsbedürftigsten vorübergehen. Die Geschichte berichtet sogar, daß er
-sich ganz unmenschliche Grausamkeit habe zu Schulden kommen lassen:</p>
-
-<p>Als er schon lange Jahre Bischof zu Mainz war, entstand einmal eine
-furchtbare Hungersnoth. Die Rheingegend war es, wo das Uebel am ärgsten
-auftrat. Hunderte von Familien hatten nicht, womit sie auch nur eine
-Mahlzeit ihren Hunger stillen konnten. Von den entsetzlichsten Qualen
-langsam aufgerieben, erlagen eine große Anzahl Menschen endlich dem
-Tode.</p>
-
-<p>Daß die Noth groß war, konnte dem Erzbischof nicht unbekannt bleiben.
-Wessen Herz freilich der schändlichste Eigennutz beherrscht, der mag
-fremdes Elend nicht sehen. So blieb Hatto angesichts alles Jammers, der
-er war.</p>
-
-<p>Nachdem die Hungersnoth den höchsten Grad erreicht hatte, versammelten
-sich eines Tages mehrere Hundert Halbverhungerter vor der Burg des
-Erzbischofs. Obgleich man seine Härte kannte, wollte man doch einen
-Bittversuch wagen. Der Trieb, das Leben zu erhalten, läßt ja kein
-Mittel unbenutzt.</p>
-
-<p>„Hab’ Erbarmen!“ flehte eine Anzahl solcher Unglücklichen zu den
-Burgfenstern hinauf. Und Andere riefen mit herzzerreißender Stimme:
-„Nur ein einziges Stück Brod laß uns werden.“</p>
-
-<p>Obwohl nun Hatto’s Speicher überreich gefüllt waren, hatte er doch kein
-Ohr für das Hungergeschrei. Er äußerte sogar, das Volk da unten sei nur
-liederliches Gesindel.</p>
-
-<p>Da nun aber die armen Menschen ihr Flehen fortsetzten, gerieth er
-endlich in Zorn. In diesem Zorne befahl er seinen Knechten, daß sie das
-lästige Bettelvolk in eine große Scheune<span class="pagenum" id="Seite_101a">[S. 101]</span> sperren sollten. Die Knechte,
-weil es ihr Herr befohlen, führten die Schändlichkeit augenblicklich
-aus.</p>
-
-<p>Was aber that Hatto, der Wütherich, nun? — Er ließ — fast sträubt
-sich die Feder vor diesem Berichte — die betreffende Scheune an allen
-vier Ecken anzünden. Ohne daß es ihn nur im geringsten rührte, sah er
-der auflodernden Flamme zu. Während des entsetzlichen Geschreies der
-Verbrennenden rief er sogar seiner Umgebung, teuflisch spottend, zu:
-„Hört Ihr das Piepen der Brodmäuse?“</p>
-
-<p>Hören wir nun, was die Sage über das Lebensende dieses Grausamen
-berichtet: Kurz nach dieser fluchwürdigen That zogen in die Burg, die
-Hatto bewohnte, eine unerhörte Menge Mäuse ein. Wo man nur hinsah,
-wimmelte es von diesen Thieren.</p>
-
-<p>Wie entsetzlich dies dem Erzbischof sein mußte, läßt sich leicht
-denken. Je mehr er aber das Ungeziefer verfolgen ließ, desto
-zahlreicher wurde es.</p>
-
-<p>Um sich diesen Feinden zu entziehen, siedelte er in die Stadt Bingen
-über. Aber auch hier wurde es wieder, wie es gewesen war. Die Mäuse,
-die sich einmal gegen ihn verschworen zu haben schienen, folgten ihm
-auch hierher. Von ihnen aufs neue gequält, sann er abermals auf Rettung.</p>
-
-<p>Endlich hatte er einen Plan, wie er sich vor der Höllenschaar
-unzweifelhaft sichern könnte, entworfen. Da, wo sich der Ruppertsberg
-im Rheine spiegelt, ließ er sich einen kleinen Thurm mitten in dem
-Strome erbauen. „Dort muß ich doch endlich vor den Bestien Ruhe haben“,
-dachte er bei sich.</p>
-
-<p>Als der Thurm vollendet war, segelte Hatto auf einem Nachen hinüber.
-Daß freilich die Mäuse auch schwimmen können, hatte er nicht bedacht.</p>
-
-<p>Ihr Rächeramt zu vollenden, ruderten sie in zahlloser Menge dem Thurme
-zu. Bald war derselbe, der an sich nicht viel Räumlichkeiten bot, von
-ihnen überschwemmt.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_102a">[S. 102]</span></p>
-
-<p>In diesem Thurme aber wurde Hatto — so berichtet eben die Sage — von
-den Mäusen endlich aufgefressen. Der Thurm, in dem dies geschehen sein
-soll, steht übrigens heute noch. Man nennt ihn, eingedenk der Sage, den
-Mäusethurm.</p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="nobreak" id="F_Mehrfach_gegliederte_Saetze_etc"><b><span class="antiqua">F.</span>
-Mehrfach gegliederte Sätze etc.</b></h2>
-
-</div>
-
-<h3 class="s4" id="F_Mehrfach_gegliederte_Saetze_etc_122"><b>122. Gellert.</b></h3>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Alle Arten Sätze.)</p>
-
-<p>Gellert war ein Dichter. Er wurde am 4. Juli 1715 in dem damals
-ziemlich kleinen sächsischen Städtchen Hainichen geboren. Sein frommer
-und darum hochgeachteter Vater war Pfarrer daselbst. Sowohl der Vater
-als auch die Mutter erzogen ihren Knaben sehr streng.</p>
-
-<p>Gellert versuchte sich bereits in früher Jugend in der Dichtkunst und
-über manches seiner kleinen Lieder konnte sich sein Vater schon freuen.
-Das erste größere Gedicht, welches er seinem Vater zu dessen Geburtstag
-überreichte, erregte sogar einiges Aufsehen.</p>
-
-<p>Gellert studirte. Nach dem Wunsche seines frommen Vaters sollte er
-sich zu einem tüchtigen Prediger ausbilden. Gellert aber zeigte
-weder besondere Lust zu dem geistlichen Stande, noch schien er sich
-für denselben besonders geeignet zu halten. Der junge Mann hatte
-jedenfalls ein richtiges Urtheil über sich, denn schon in seiner ersten
-Begräbnißrede blieb er stecken.</p>
-
-<p>Nachdem ihm seine Schriften einen besonderen Ruf erworben, trat er als
-Lehrer in einer höheren Schule auf. Seine Vorträge gefielen. Wegen
-seines lauteren Charakters genoß er unter der studirenden Jugend bald
-die größte Achtung.</p>
-
-<p>Seine Oden, geistlichen Lieder und Fabeln erlangten die allgemeinste
-Anerkennung. Seine frommen Lieder werden noch<span class="pagenum" id="Seite_103a">[S. 103]</span> heute in den Kirchen
-gesungen und an seinen lehrreichen Fabeln ergötzt sich noch heute die
-Kinderwelt.</p>
-
-<p>Was Gellert geschrieben, ist in sechs starken Bänden der Nachwelt
-aufbewahrt.</p>
-
-<h3 class="s4" id="F_Mehrfach_gegliederte_Saetze_etc_123"><b>123. Geistesgegenwart.</b></h3>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>In einem großen, schönen Garten, welcher dicht an einer Straße, die
-nicht eben sehr belebt war, lag, befanden sich eines Tages drei
-Geschwister. Sie hatten sich hier eingefunden, um sich zu erholen und
-sich zu gleicher Zeit angenehm zu beschäftigen.</p>
-
-<p>Paul, der Zwölfjährige, beschnitt mit seinem scharfen Taschenmesser
-ein wildes Obstbäumchen, damit seine Krone eine bessere Form erhalten
-sollte. Wo der Weg nach einem kleinen Hügel führte, kauerte Bertha, die
-zehn Jahre zählte, vor ihrem Blumenbeete, Nelken und Tausendschönchen
-pflanzend. Wilhelm, erst im siebenten Lebensjahre stehend und in der
-Familie gewöhnlich der Wilde genannt, zimmerte vor einer duftenden
-Jasminlaube aus den braunen Bretchen eines Cigarrenkastens, die ihm der
-Vater geschenkt hatte, ein Segelschiff.</p>
-
-<p>Alle drei Kinder waren fröhlich und wohlgemuth, denn jedes trieb seine
-Lieblingsbeschäftigung. Paul pfiff, Bertha sang und Wilhelm trällerte
-bei der Arbeit, sodaß es eine Lust war, ihnen zuzuhören. Wer hätte zu
-ahnen vermocht, daß ihre Freude plötzlich in erschrecklicher Weise
-gestört werden sollte!</p>
-
-<p>Plötzlich nämlich — es mochte nachmittags gegen ein Uhr sein —
-erschien ein fremder Hund, ohne einen Laut von sich zu geben, im
-Garten. Sein dickes Fell war zerzaust, seine Augen waren geröthet, die
-Zunge hing ihm weit zum Maule heraus und die Ruthe trug er zwischen die
-Hinterbeine geklemmt.</p>
-
-<p>Paul, welcher den Hund zuerst erblickte, erschrak, denn das Aussehen
-des Thieres, das ihm noch dazu ganz unbekannt war,<span class="pagenum" id="Seite_104a">[S. 104]</span> kam ihm sogleich
-verdächtig vor. Bertha, die nur erst kürzlich in der Schule von der
-Wuthkrankheit der Hunde gehört hatte, schrie aus Leibeskräften:
-„Hilfe! Hilfe! Ein toller Hund!“ Und der kleine Wilhelm, um der Gefahr
-zu entgehen, wollte eben in eine Laube flüchten. Noch aber hatte er
-dieselbe nicht erreicht, als der Hund auf ihn losfuhr, wie wenn er
-ihn beißen wolle. Der Kleine schrie und zitterte vor Angst am ganzen
-Körper, sodaß er keinen Schritt von der Stelle wagte. Seine Lage war
-entsetzlich!</p>
-
-<p>In diesem verhängnißvollen Augenblicke jedoch sprang Paul herbei,
-packte das gefährliche Thier mit beiden Händen am Halse, drückte ihm
-die Kehle zusammen und hob es empor.</p>
-
-<p>Während nun der beherzte Knabe den Hund über der Erde hielt, konnte
-sich Wilhelm in die Laube retten und die Thüre derselben hinter sich
-verschließen.</p>
-
-<p>Auf das Geschrei der Kinder, das jetzt aus drei Kehlen zugleich
-erfolgte und ganz entsetzlich klang, eilte der Vater, vor Schreck
-fast bleich, herbei. Er erkannte sofort, daß der Hund, der in den
-Händen des Knaben wie verzweifelt hin- und herschnellte, toll war. Die
-schreckliche Gefahr, in der seine Kinder schwebten, ermessend, und
-ohne einen Augenblick Zeit zu verlieren, ergriff er eine in der Nähe
-liegende Hacke und führte damit einen wohlgezielten Schlag auf die Nase
-des wüthenden Thieres.</p>
-
-<p>Mit einem grellen Aufschrei fiel es zu Boden, woselbst es
-augenblicklich von dem Vater den Todesstreich erhielt.</p>
-
-<p>Um seines Muthes und seiner Geistesgegenwart willen, die einzig und
-allein ein furchtbares Unglück verhindert hatten, erhielt Paul,
-ehe noch der Tag zu Ende ging, von seinem Vater eine prachtvolle
-Bilderbibel. Die ganze Familie aber, in welcher überhaupt ein frommer
-Sinn herrschte, dankte in ihrem Abendgebete, dem der Vater heute eine
-besondere Feierlichkeit verlieh,<span class="pagenum" id="Seite_105a">[S. 105]</span> dem lieben Herrgott, daß er in jenen
-verhängnißvollen Augenblicken ihr gnädiger Beschützer gewesen.</p>
-
-<h3 class="s4" id="F_Mehrfach_gegliederte_Saetze_etc_124"><b>124. Schlaf und Tod.</b></h3>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Zwei vollständige Satzgefüge verbunden.)</p>
-
-<p>Der Schlaf, welcher unserm Körper Erholung gewährt, hat viel
-Aehnlichkeit mit dem Tode, und der Tod, der einst unser aller Loos ist,
-hat Vieles mit dem Schlafe gemein.</p>
-
-<p>Sobald uns der Schlaf befällt, hören verschiedene Thätigkeiten des
-Körpers auf, ebenso vermindern sich allmälig verschiedene Bewegungen
-der Muskeln, wenn der Tod an den Menschen herantritt. Das völlige
-Entschlummern wird dadurch herbeigeführt, daß die Sinnesnerven
-endlich ihre Dienste einstellen, und der Tod tritt ein, indem die
-Athmungsorgane schließlich zum Stillstand gelangen.</p>
-
-<p>Das Einschlafen erfolgt so allmälig, daß der eigentliche Augenblick
-des Entschlafenseins gar nicht genau beobachtet werden kann, ebenso
-erlöscht auch zuweilen ein Lebenslicht in so unmerklicher Weise, daß
-die am Sterbelager Stehenden den Eintritt des Todes gar nicht gewahren.
-Der Schlafende weiß nicht mehr, was um ihn her vorgeht, auch dem Todten
-ist bekanntermaßen verschlossen, wie das Leben um ihn her waltet.</p>
-
-<p>Wer schläft, erwacht nach einer bestimmten Zeit wieder, und wer im
-Grabe ruht, den wird einst ebenfalls die Stimme des Herrn erwecken.</p>
-
-<h3 class="s4" id="F_Mehrfach_gegliederte_Saetze_etc_125"><b>125. Die Zukunft.</b></h3>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Es beziehen sich mehrere Nebensätze auf einen Hauptsatz.)</p>
-
-<p>Wüßte der Mensch, was morgen sein wird, und läge ihm die Zukunft
-überhaupt klar vor Augen, so würde das durchaus kein Glück für ihn
-sein. Obgleich er sich manchen Kummer ersparen und auf manches traurige
-Geschick vorbereiten könnte,<span class="pagenum" id="Seite_106a">[S. 106]</span> obschon er sich manche Freude mehr zu
-verschaffen und manche schon im voraus zu genießen vermöchte, müßte ihn
-dieser Zukunftsblick doch in steter Aufregung erhalten.</p>
-
-<p>Was er von den künftigen Tagen zu erhoffen und was er von ihnen zu
-fürchten hätte, beschäftigte ihn sicher Tag und Nacht. Die Zeit, da er
-gesunden, oder in der ihm eine besondere Ehre zu Theil werden, oder
-zu welcher er Reichthum erlangt haben soll, würde er unter quälender
-Ungeduld herbeisehnen. Wiederum ginge er der Stunde, die ihn aufs
-Krankenlager werfen, oder dem Tage, der ihm Zurücksetzung bringen, oder
-dem Zeitpunkte, zu welchem der Bettelstab sein Loos sein soll, gewiß
-mit Zittern und Zagen entgegen.</p>
-
-<p>Wer aber möchte nun vollends im voraus wissen wollen, wann er einmal
-sterben, wie einmal sein Ende sein und wo man sein Grab graben wird?</p>
-
-<p>Wir sind daher unserm Gott Dank schuldig, daß er uns über unser
-künftiges Geschick im Unklaren läßt, daß er uns das künftige Ungemach
-verbirgt und daß uns vor allen Dingen die Stunde unseres Abscheidens
-ein Geheimniß bleibt.</p>
-
-<h3 class="s4" id="F_Mehrfach_gegliederte_Saetze_etc_126"><b>126. Hier und dort.</b></h3>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>Wer die verschiedenen Schicksale der Menschen beobachtet, den
-Lebensgang einzelner verfolgt, ihren sittlichen Werth mit ihrem äußeren
-Loose in Vergleich zieht, der wird manche Frage aufzuwerfen haben.</p>
-
-<p>Er sieht da oft, wie der Fromme im Elend schmachtet und wie das Laster
-im Ueberflusse schwelgt, wie man den Verdienstvollen zu Boden sinken
-läßt und den Unwürdigen erhebt, wie man einen Ehrenmann über die
-Schultern ansieht, vor dem Ehrlosen aber einen tiefen Bückling macht.</p>
-
-<p>Ein solcher Beobachter fragt dann still für sich: „Wo bleibt<span class="pagenum" id="Seite_107a">[S. 107]</span> hier die
-Gerechtigkeit? Womit haben jene Braven ihr bitteres Geschick verdient?
-Warum folgt die Strafe der Sünde nicht auf dem Fuße?“</p>
-
-<p>Nur dort oben, wo hoch die Sterne stehen, woher alles Licht uns
-zuströmt, wohin die Erdenpilger einst alle eingehen müssen, sucht er
-des Räthsels Lösung. Der Glaube an den Allvater, der Gerechtigkeit
-lieb hat, der Jedem nach seinem Thun vergelten will, dessen Gedanken
-freilich hoch und dessen Wege wunderbar sind, hilft ihm über das Dunkel
-dieses Lebens hinweg.</p>
-
-<p>Hat doch auch Christus, um jenen Zweifelfragen zu begegnen, den
-unschuldig Leidenden zu trösten und überhaupt den Blick in das Jenseits
-einigermaßen zu lichten, das „Hier und dort“ in dem Gleichnisse vom
-armen Lazarus vortrefflich beleuchtet.</p>
-
-<h3 class="s4" id="F_Mehrfach_gegliederte_Saetze_etc_127"><b>127. Das Turnen.</b></h3>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>Wer seinem jugendlichen Körper eine heilsame Bewegung verschaffen,
-seine Muskelkraft gleichmäßig ausbilden und seinem ganzen Menschen eine
-sichere Haltung verschaffen will, der muß turnen. Was das Turnen nützt,
-wie es stärkt und belebt und wie es sogar den Geist frischer macht,
-wissen gar viele Menschen noch gar nicht.</p>
-
-<p>Ohne Furcht zu verspüren, auf seine Gewandtheit bauend und seiner
-Körperkraft vertrauend, geht der echte Turner leiblichen Gefahren
-entgegen. Denke hierbei an die Turnerfeuerwehr, die eben aus Turnern
-besteht, die sich gewöhnlich freiwillig zu dem schweren Dienste des
-Rettungswerkes stellt und die bei einem Brande nicht selten die größten
-Wagnisse unternimmt. Wo die Gefahr am größten, wo das Rettungswerk am
-schwierigsten, wo es vor allen Dingen Menschenleben zu sichern gibt, da
-ist der Turnerfeuerwehrmann zur Hand.</p>
-
-<p>Weil nun das Turnen eine so gute Schule für den Körper<span class="pagenum" id="Seite_108a">[S. 108]</span> ist, weil es
-den Geist freier macht und weil es somit den ganzen Menschen bildet, so
-werde auch Du ein Turner.</p>
-
-<h3 class="s4" id="F_Mehrfach_gegliederte_Saetze_etc_128"><b>128. Die Thierschutzvereine.</b></h3>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Der Nebensatz enthält wieder einen Nebensatz.)</p>
-
-<p>Man muß sich leider gar oft überzeugen, daß viele Leute noch gar nicht
-einsehen, wie höchst segensreich die Thierschutzvereine wirken. Diese
-Erscheinung aber, die eine recht betrübende ist, hat ihren Grund meist
-darin, daß viele Menschen, namentlich viele Pferdebesitzer, dem Thiere
-nicht die Stellung in der Welt zugestehen, die ihm gebührt.</p>
-
-<p>Manche vermeinen wol auch, das Thier, als ein vernunftloses Wesen,
-empfinde den Schmerz, der ihm durch Mißhandlungen zugefügt wird, nicht
-in dem Grade wie ein Mensch.</p>
-
-<p>Möchten dergleichen Anschauungen, die doch ganz irrige sind, weil
-sie eben auf falscher Beurtheilung der Natur des Thieres beruhen,
-bald gänzlich verschwinden. Möchte es den Thierschutzvereinen,
-die, trotz mancherlei Hindernissen, ihr edles Werk mit allem Eifer
-treiben, gelingen, das Mitgefühl mit der Thierwelt, ohne welches der
-Thierquälerei Thür und Thor geöffnet sind, in jedes Menschen Brust zu
-pflanzen.</p>
-
-<p>Man muß es mit Freuden wahrnehmen, daß da, wo das Auge solcher Vereine,
-das ja oft ein tausendfaches ist, wacht, Mißhandlungen von Thieren, wie
-sie sonst fast täglich zu erleben waren, zu den größten Seltenheiten
-gehören.</p>
-
-<p>Dank aber auch den Behörden, welche, die gute Sache erkennend, jene
-wohlthätigen Vereine, wo sie immer ihren Sitz haben, nachdrücklich
-unterstützen, indem die Thierquäler, und zwar ohne Ansehen der Person,
-vor Gericht gestellt und gebührend bestraft werden.</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_109a">[S. 109]</span></p>
-
-<h3 class="s4" id="F_Mehrfach_gegliederte_Saetze_etc_129"><b>129. Ein Apfelkern.</b></h3>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>Man glaubt gar nicht, was in einem einzigen Samenkerne, den wir
-vielleicht mit Füßen treten, für Wunder enthalten sind.</p>
-
-<p>Du weißt z.&#160;B., daß ein Apfel, der die gehörige Reife erlangt hat,
-sechs bis acht braune Kerne enthält. Du erinnerst Dich, wie einfach ein
-solcher Kern, der noch dazu ziemlich klein ist, aussieht.</p>
-
-<p>Nun aber bedenke, daß in ihm eigentlich schon der zukünftige Apfelbaum,
-dessen breitarmige Aeste später einen geraumen Theil des Gartens
-beschatten, enthalten ist. Es bedarf von Deiner Seite weiter nichts,
-als daß Du ihn in die Erde, die natürlich kein unfruchtbarer Boden sein
-darf, legst.</p>
-
-<p>Was er zu seiner Entwickelung, die dann geheimnißvoll vor sich geht,
-nöthig hat, verleiht ihm die gütige Natur. Nach nicht allzulanger Zeit
-bemerkst Du, wie sein zarter Keim, hellgrün von Färbung, die Erdrinde,
-die sogar etwas fest sein kann, durchbohrt. Bald siehst Du dann, daß
-sich aus der grünen Spitze ein Blättchen, das schon ziemlich die Form
-der künftigen Baumblätter zeigt, entwickelt.</p>
-
-<p>Die weitere Ausbildung zum Stämmchen, die nun vor sich geht, ist es
-werth, von Dir beobachtet zu werden. Wer dergleichen Vorgänge in
-der Natur, die eben ein großes Wunderreich ist, mit Aufmerksamkeit
-verfolgt, dem muß ein Licht über die Größe des Schöpfers, dessen Kraft
-alles Geschaffene durchdringt, aufgehen.</p>
-
-<h3 class="s4" id="F_Mehrfach_gegliederte_Saetze_etc_130"><b>130. Eine Wohlthäterin.</b></h3>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Desgleichen.)</p>
-
-<p>Barbara Uttmann, die unvergeßliche Wohlthäterin des sächsischen
-Erzgebirges, wurde 1514 — also noch vor der Reformation — geboren.
-Sie verheirathete sich mit einem Bergherrn,<span class="pagenum" id="Seite_110a">[S. 110]</span> welcher den Namen Uttmann
-führte und in der Nähe von Annaberg, der Berg- und Gebirgsstadt,
-mehrere Grubenwerke besaß.</p>
-
-<p>Das Klöppeln erlernte Barbara — wie man gewöhnlich annimmt — von
-einer Brabanterin, welche um ihres protestantischen Glaubens willen
-aus ihrem Vaterlande, in dem der Katholicismus die Oberhand hatte,
-vertrieben worden war. Um diese Kunst, die zu jener Zeit gut lohnte,
-weiter zu verbreiten, lehrte sie Barbara Uttmann, ohne aber irgendwie
-Bezahlung dafür zu nehmen, zunächst den Mädchen und Frauen Annabergs.</p>
-
-<p>Kaum waren zehn Jahre vergangen, hatte der Klöppelsack — so nennt man
-das Werkzeug, an dem geklöppelt wird — im ganzen Erzgebirge, wo damals
-viel Armuth herrschte, Eingang gefunden. Somit legte die brave Frau
-den Grund zu einem Erwerbszweige, der unzähligen Armen Brod gab und
-noch heute über 40000 Menschen, die zwischen der bairischen Grenze und
-Geising wohnen, beschäftigt.</p>
-
-<p>Barbara Uttmann verdient deshalb auch, daß man ihr, um ihr Andenken
-in Ehren zu halten, auf dem Friedhofe zu Annaberg, welcher die
-Hospitalkirche umgibt, ein Denkmal gesetzt hat. Es ist aus weißem
-Marmor gearbeitet und stellt Barbara dar, wie sie vor ihrem
-Klöppelsacke, der ungemein kunstreich ausgeführt ist, sitzt und
-arbeitet.</p>
-
-<p>Dieser schöne Grabstein, welcher von allen Fremden, die nach Annaberg
-kommen, aufgesucht wird, enthält die Inschrift: „Ein thätiger Geist,
-eine sinnige Hand, sie ziehen den Segen ins Vaterland.“</p>
-
-<h3 class="s4" id="F_Mehrfach_gegliederte_Saetze_etc_131"><b>131. Grille und Ameise.</b></h3>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Der Anführungssatz ist ein Satzgefüge.)</p>
-
-<p>Eine Grille, welche den Sommer in Trägheit verlebt hatte, sprach zur
-nahenden Winterzeit zu ihrer Nachbarin, einer Ameise: „Borge mir ein
-wenig zu essen, damit ich nicht Hunger leiden muß.“</p>
-
-<p><span class="pagenum" id="Seite_111a">[S. 111]</span></p>
-
-<p>Ohne etwa augenblicklich vom Mitleid ergriffen zu werden, fragte die
-Ameise: „Hast du dir denn keine Speise für den Winter, den du doch
-kommen sahst, gesammelt?“</p>
-
-<p>„Ich würde das gewiß gethan haben“, erwiderte die Grille, indem sie
-einen etwas schnippischen Ton annahm, „wenn ich nur Zeit dazu gehabt
-hätte.“</p>
-
-<p>„Womit hast du denn die Sommertage, die doch sehr lang und für alle zur
-Arbeit bestimmt sind, verbracht?“ fragte, nicht ohne Verwunderung, die
-Ameise.</p>
-
-<p>Der Grille Antwort, die etwas zögernd erfolgte, war: „Du weißt doch,
-daß ich den Sommer über emsig gespielt und gesungen habe!“</p>
-
-<p>Darauf sagte die Ameise, ohne indeß einen bitteren Ton anzunehmen: „Du
-hast gewußt, was nach dem Sommer folgt. Wer während des Sommers, der
-Zukunft uneingedenk, singt, mag im Winter tanzen.“</p>
-
-<h3 class="s4" id="F_Mehrfach_gegliederte_Saetze_etc_132"><b>132. Eine Geburtstagsscene.</b></h3>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Zusammengezogene, zusammengesetzte Sätze und Satzgefüge verbunden.)</p>
-
-<p>Der dreizehnjährige Otto schenkte gestern mit freudestrahlendem
-Gesichte seinem lieben Vater zum fünfzigsten Geburtstage ein Paar
-goldene Knöpfchen von der neuesten Form und ein Rosenstöckchen mit
-acht lachenden Knospen; das kleine Lischen überbrachte dem guten
-Papa lächelnd eine große Torte aus Chocolade, sowie sechs reizende
-Liqueurgläschen aus geschliffenem Glase, und der zehnjährige Sigismund
-überreichte ihm fast mit gerührtem Herzen ein prachtvoll gebundenes
-Gebetbuch mit herrlichen Stahlstichen und sprach mit bewegter Stimme
-ein langes, ergreifendes Gedicht dazu.</p>
-
-<p>Der Vater, welcher sichtlich gerührt war, dankte den Kindern, indem
-er jedem einen Kuß auf die Stirn drückte, aufs herzlichste, daß sie
-ihn heute in so sinniger Weise überrascht<span class="pagenum" id="Seite_112a">[S. 112]</span> hätten; zu gleicher Zeit
-reichte er aber auch der Mutter, welche, ebenfalls Glück wünschend,
-hinter den Kindern stand, dankbar die Hand, weil er sie sich als die
-Veranstalterin der schönen Feier dachte, und zu dem Ende ordnete er
-noch an, daß heute, um auch den Kindern ein besonderes Vergnügen zu
-bereiten, ein Ausflug in die etwas entlegene Waldschenke, die in einem
-reizenden Buchenhaine lag und deshalb einen herrlichen Aufenthalt
-gewährte, unternommen werden solle.</p>
-
-<p>Otto, ein großer Freund des Waldes, jubelte, als er dies hörte, hochauf
-vor Freude; Sigismund, der da meinte, es ginge noch dieselbe Stunde
-fort, eilte sogleich nach seiner Botanisirtrommel, die ihm, sobald
-er ins Freie ging, nie fehlen durfte, und Lischen hüpfte, um ihrer
-Freude Ausdruck zu geben, auf einem Beine in der Stube umher, sodaß
-die Mutter schließlich noch sagte, sie solle doch ihre Kräfte für die
-bevorstehende Partie sparen.</p>
-
-<h3 class="s4" id="F_Mehrfach_gegliederte_Saetze_etc_133"><b>133. An Dich.</b></h3>
-
-<p class="s5 center mbot2">(Die Periode.)</p>
-
-<p>Wenn Du die Sprachbilder, welche eigens für Dich, um Dich in Deiner
-Muttersprache zu unterrichten, geschrieben sind, mit rechter
-Aufmerksamkeit durchgearbeitet hast; wenn Dir die Regeln, welche darin
-veranschaulicht werden, recht zum Bewußtsein gekommen sind; wenn Du
-namentlich im Auflösen der einzelnen Sätze eine gehörige Fertigkeit,
-die allerdings nur durch Uebung erreicht wird, erlangtest; und wenn
-Du schließlich, ohne zu ermüden, im Nachbilden des Gegebenen recht
-fleißig warst: so wird und muß Dir jetzt Deine Muttersprache, dieses
-theure Eigenthum, wie ein herrlicher Baum vorkommen, an dem kein
-Blättchen umsonst gewachsen ist; so muß es Dir jetzt möglich sein,
-die bewundernswerthen Geisteserzeugnisse unserer Dichter, wie sie
-immer heißen mögen, genügend zu verstehen und infolge<span class="pagenum" id="Seite_113a">[S. 113]</span> dessen muß
-Deine Achtung vor diesen großen Männern, die mit der Feder in der Hand
-Unsterbliches geschaffen haben, immer höher steigen.</p>
-
-<p>Wer sich schon als Kind befleißigt, jedes Wort rein zu sprechen; wer
-es durch unermüdlichen Fleiß in der Schule dahin bringt, daß er seine
-Gedanken in wohlgeordneter Weise mündlich auszudrücken vermag; wer mit
-der Feder, diesem weltbewegenden Instrumente, in befriedigender Weise
-umgehen lernt: der legt für sein Fortkommen im Weltverkehre, der solche
-Kenntnisse und Fertigkeiten wohl zu schätzen weiß, einen guten Grund;
-dem können sich dadurch sogar Gelegenheiten bieten, vortheilhafte
-Lebensstellungen einzunehmen; dem wird man wenigstens immer mir einer
-gewissen Achtung, die ja viel Werth hat, begegnen.</p>
-
-<p>Befähigten Dich Deine erlangten Sprachkenntnisse indeß später auch
-nicht gerade zu einem Volksredner, die allerdings eine Rolle in der
-Welt spielen; reichten Deine Errungenschaften auf dem Sprachgebiete
-nicht hin, um als Schriftsteller, deren Loos freilich nicht immer
-ein beneidenswerthes ist, aufzutreten; vermöchtest Du später Dein
-sprachliches Wissen und Können, das Du mit vieler Mühe Dir angeeignet,
-nur in einem ganz bescheidenen Berufskreise zu verwenden: immerhin
-wirst Du nie bereuen, Dich von dem inneren Baue Deiner Muttersprache
-gehörig unterrichtet zu haben, wirst vielmehr dankbar der Zeit
-gedenken, da Du ihr inneres Wesen verstehen lerntest, und wirst Dich
-gemüßigt finden, der Jugend, die Dich seiner Zeit umgibt, das Studium
-der deutschen Sprache aufs dringlichste zu empfehlen.</p>
-
-<div class="figcenter illowe8" id="illu-292">
- <img class="w100" src="images/illu-292.jpg" alt="Dekoration, Ende." />
-</div>
-
-<p class="s5a center padtop3">Druck von <em class="gesperrt">Otto Huschke</em>
-in Nordhausen.</p>
-
-<div lang='en' xml:lang='en'>
-<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>SPRACHBILDER NACH BESTIMMTEN SPRACHREGELN</span> ***</div>
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-</div>
-
-<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg&#8482;
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Project Gutenberg&#8482; is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of
-computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
-exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
-from people in all walks of life.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg&#8482;&#8217;s
-goals and ensuring that the Project Gutenberg&#8482; collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg&#8482; and future
-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org.
-</div>
-
-<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation&#8217;s EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state&#8217;s laws.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-The Foundation&#8217;s business office is located at 809 North 1500 West,
-Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up
-to date contact information can be found at the Foundation&#8217;s website
-and official page at www.gutenberg.org/contact
-</div>
-
-<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Project Gutenberg&#8482; depends upon and cannot survive without widespread
-public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine-readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state
-visit <a href="https://www.gutenberg.org/donate/">www.gutenberg.org/donate</a>.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Please check the Project Gutenberg web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-</div>
-
-<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
-Section 5. General Information About Project Gutenberg&#8482; electronic works
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg&#8482; concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg&#8482; eBooks with only a loose network of
-volunteer support.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Project Gutenberg&#8482; eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
-edition.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Most people start at our website which has the main PG search
-facility: <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-This website includes information about Project Gutenberg&#8482;,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
-</div>
-
-</div>
-</div>
-</body>
-</html>
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