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diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes new file mode 100644 index 0000000..d7b82bc --- /dev/null +++ b/.gitattributes @@ -0,0 +1,4 @@ +*.txt text eol=lf +*.htm text eol=lf +*.html text eol=lf +*.md text eol=lf diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt new file mode 100644 index 0000000..6312041 --- /dev/null +++ b/LICENSE.txt @@ -0,0 +1,11 @@ +This eBook, including all associated images, markup, improvements, +metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be +in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES. + +Procedures for determining public domain status are described in +the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org. + +No investigation has been made concerning possible copyrights in +jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize +this eBook outside of the United States should confirm copyright +status under the laws that apply to them. diff --git a/README.md b/README.md new file mode 100644 index 0000000..8d7a2b7 --- /dev/null +++ b/README.md @@ -0,0 +1,2 @@ +Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for +eBook #68882 (https://www.gutenberg.org/ebooks/68882) diff --git a/old/68882-0.txt b/old/68882-0.txt deleted file mode 100644 index b658539..0000000 --- a/old/68882-0.txt +++ /dev/null @@ -1,20032 +0,0 @@ -The Project Gutenberg eBook of 21 Jahre in Indien., by Heinrich -Breitenstein - -This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and -most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions -whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms -of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: 21 Jahre in Indien. - Zweiter Theil: Java. - -Author: Heinrich Breitenstein - -Release Date: August 31, 2022 [eBook #68882] - -Language: German - -Produced by: Peter Becker, Reiner Ruf, and the Online Distributed - Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was - produced from images generously made available by The - Internet Archive) - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 21 JAHRE IN INDIEN. *** - - - #################################################################### - - Anmerkungen zur Transkription - - Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1900 so weit - wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische Fehler - wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht - mehr gebräuchliche Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original - unverändert. - - Im Text werden Passagen aus mehreren Fremdsprachen eingebracht, z. B. - Niederländisch, Französisch oder Latein. Diese wurden unkorrigiert - übernommen. Eigen- und Ortsnamen erhalten oft verschiedene - Schreibweisen, mitunter auch innerhalb eines Absatzes. Dies wurde - nicht korrigiert, sofern beide Schreibweisen im Text mehr als einmal - vorkommen. - - Die im Abschnitt ‚Corrigenda‘ aufgeführten, verbesserten Druckfehler - wurden bereits in den Text eingearbeitet. - - Umlaute in Großbuchstaben (Ä, Ö, Ü) werden als deren Umschreibung - (Ae, Oe, Ue) wiedergegeben. - - Besondere Schriftschnitte werden im vorliegenden Text mit Hilfe der - folgenden Sonderzeichen gekennzeichnet: - - fett: =Gleichheitszeichen= - gesperrt: +Pluszeichen+ - - Das Caret-Symbol (^) steht für ein nachfolgendes hochgestelltes - Zeichen; mehrere hochgestellte Zeichen werden durch geschweifte - Klammern zusammengefasst. - - #################################################################### - - - - - Dr. H. Breitenstein, - - 21 Jahre in Indien. - - 2. Theil: Java. - - - - -[Illustration: Häusliche Idylle einer malayischen Familie.] - - - - - 21 Jahre in Indien. - - Aus dem Tagebuche eines Militärarztes. - - - Zweiter Theil: Java. - - Von - Dr. H. Breitenstein. - - Mit 1 Titelbild und 29 Abbildungen. - - - Leipzig. - - Th. Grieben’s Verlag (L. Fernau). - - 1900. - - - - - Druck von H. +Klöppel+, Gernrode (Harz). - - - - -Vorwort. - - -Der erste Theil dieses Werkes „Borneo“ hat sehr viele Freunde gefunden; -nur von +wenigen+ wurde es getadelt, +einige+ haben es gepriesen, und -von +sehr vielen+ wurde es gelobt. - - „Theuer ist mir der Freund, doch auch den Feind kann ich nützen, - Zeigt mir der Freund, was ich kann, lehrt mich der Feind, was ich - soll.“ - -Der Tadel galt hauptsächlich der Form, und ich bemühte mich im Geiste -dieser goldenen Worte Schillers, dem zweiten Theile eine gefällige Form -zu geben. Ich wählte bessere Abbildungen und mied so viel als möglich -die Hollandismen im Satzbau. - -Die zahlreichen Freunde des ersten Theiles bitte ich inständigst, mit -gleicher Nachsicht und gleichem Wohlwollen auch an die Lectüre des -zweiten Theiles heranzutreten. Ich stand ja vor einer schwierigen -Aufgabe. Die Arbeit wuchs mir mit jedem Tage unter den Händen; die -Fülle des Interessanten, das ich erlebt, gesehen und beobachtet habe, -musste ich in den engen Rahmen +eines+ Buches zwängen. Ich war von dem -Wunsche geleitet, nur das Interessanteste zu bringen. Möge ich bei der -Wahl, die ich deshalb zu treffen genöthigt war, auch glücklich gewesen -sein! - -Vor einigen Monaten erhielt ich von dem Kriegsministerium der -Vereinigten Staaten von Amerika zu Puerto-Rico das Ansuchen, das -Wichtigste über die Organisation des ärztlichen Dienstes für die -Eingeborenen auf Java mitzutheilen. So ehrend dieses Ansuchen für -mich persönlich war, so erfreulich war mir dieser Brief von einem -andern allgemeinern Gesichtspunkte aus. Er war mir Bürgschaft, dass -Amerika den Bewohnern seiner neuen Colonien das Schicksal der Rothhäute -ersparen wolle. Es will ihnen die Wohlthaten der Civilisation geben -und erholt sich dazu Rath bei den erfahrenen Holländern. Diesen ist -es ja gelungen, aus den halbwilden Urbewohnern Javas friedliche und -gesittete Bürger zu schaffen. +Heilig ist auf Java das Eigenthum; das -Gesetz schützt den kleinen Mann; in hundert Jahren ist die Bevölkerung -von 3 auf 23 Millionen gewachsen; das Land ernährt seine Kinder, und -der Reichthum seines Bodens lockt tausende Jünger Mercurs aus dem -fernen Europa in seine schönen Gefilde; Eintracht herrscht unter seinen -Fürsten, und Friede und Lebenslust kennt der Bauer.+ - - Slamat tânah Djawa! - Heil dir, du liebliches Java! - - +Karlsbad+, im April 1900. =Dr. H. Breitenstein.= - - - - -Inhaltsverzeichniss. - - Seite - - Vorwort V - - Corrigenda X - - =1. Capitel.= Meine erste Seereise -- Meeresleuchten -- - Seekrankheit -- Amor auf dem Schiffe -- Gepäcktag - -- Serenade auf dem Schiffe -- Deckpassagiere -- - Die „tausend Inseln“ -- Ankunft im alten Batavia - -- „Mutter“ Spandermann -- Indische Hotels 1 - - =2. Capitel.= Weltevreden -- Empfang beim Armee-Commandanten - -- Ein Corso auf dem Waterlooplatze -- Gigerl - und Modedame in Weltevreden -- Der grösste Platz - der Welt(?) -- Malayisches Winken -- Ein Handkuss - -- Ein Abenteuer auf hoher See -- Dos-à-dos und - Deeleman -- Altstadt -- Kunst und Wissenschaft - in Indien -- Wissenschaftliche Vereine in Batavia - -- Indische Hausirer -- Jagd auf Rhinocerosse -- - Indische Masseuse 14 - - =3. Capitel.= Häufige Transferirungen -- Die Vorstadt Simpang - -- Die ersten eingeborenen Patienten -- Ein - Danaergeschenk -- Die „Stadt“ Surabaya -- Das - Mittagsschläfchen -- Eine Nonna -- Eine - Abendunterhaltung -- Die Beri-Beri-Krankheit -- - Indische Militärärzte -- Die Insel Bavean und - Madura -- Residenties Madura und Surabaya 33 - - =4. Capitel.= Reise nach Bantam -- Malayischer Kutscher -- - Max Havelaar -- Fieberepidemie in der Provinz - Bantam -- Krankenwärter mit einem Taggeld von - 20 fl. (!) -- Eine Stute als Reitpferd -- Der - Königstiger -- Javanische Pferde -- Elend - während einer Fieberepidemie -- Auf dem - Kreuzwege -- Heiden auf Java -- Begegnung mit - einem Königstiger -- Behandlung der - Fussgeschwüre durch die Eingeborenen -- - Drohende Hungersnoth in Bantam -- Aussterben - der Büffel -- Dreimal in Lebensgefahr -- Ein - ungefährlicher Spaziergang im Regen 58 - - =5. Capitel.= Fleischspeisen auf Java -- Deng-deng -- - Vergiftungsfälle --Bediente -- Malaria -- - Geographie von Bantam 89 - - =6. Capitel.= Nach Buitenzorg -- Der Berg Salak -- - Das Schloss des Gouverneur-General -- - Ein weltberühmter botanischer Garten -- - Batu-tulis = beschriebener Stein -- Ein - gefährlicher Kutscher -- Die Preanger-Provinz - -- Warme Quellen -- Sanatorien -- Indische - Gewürze -- Ein reicher Beamter -- Das Tanzen - (Tandak) der Javanen -- Wâjang orang = Theater - -- Wâjang tjina = Chinesisches Theater -- - Wâgang Kulit = Schattenbilder -- Spiele der - Javanen -- Eine Theeplantage -- Bambus-Wunden - -- Eine langweilige, aber einträgliche - Garnison -- Einfluss der „reinen Bergluft“ -- - Europäische Gemüse auf Java -- Ein - javanischer Fürst verheiratet mit einer - europäischen Dame -- Malayische Gedichte - (Panton) -- Mischrassen -- Ein ausgestorbener - Krater 99 - - =7. Capitel.= Museum und botanischer Garten in Batavia - -- Reise nach Ngawie -- Sandhose -- „Kykdag“ - einer Auction -- Auction -- Venduaccepte -- - Geographie der Provinz Madiun -- Vier Chefs - -- Stockschläge in der Armee -- Lepra auf den - Inseln des indischen Archipels -- Prophylaxis - der Lepra -- Eine Sylvesternacht auf Java -- - Eine unangenehme Fahrt -- Ein Neujahrstag in - Solo Eine Deputation am Hofe zu Djocja -- Die - Stadt Solo -- Der Aufschwung der Insel Java -- - Das Militärspital in Ngawie -- Ein Spital - ohne Apotheker -- Choleraphobie -- Meine - Conduiteliste -- Cholera in Indien -- - Entstehungsursache der Cholera in Indien -- - Prophylaxis der Cholera in Indien -- - Reisfelder 137 - - =8. Capitel.= Die Schiefertafel („Leitje“) -- Die Wege der - Fama -- Lesegesellschaft -- Ein humoristischer - Landesgerichtsrath -- Abreise von Ngawie -- - Ambarawa -- Nepotismus in der Armee -- In - drei Tagen zweimal transferirt -- Vorschuss - auf den Gehalt -- Die Provinz Bageléen -- - Essbare Vogelnester -- In Tjilatjap -- - Polizeisoldaten -- Beamte -- Sehenswürdigkeiten - von Tjilatjap -- Officiere in Civilkleidung - -- Eingeborene Beamte -- Gehalt eines - Regimentsarztes -- An Malaria erkrankt -- - Djocja -- Der Tempel Brambánan -- Die „Tausend - Tempel“ -- Wieder nach Ngawie -- Spitalbehandlung - der Officiere -- Reibereien in kleinen Städten - -- Die Provinz Surakarta -- Der Kaffeebaum -- - Ein Roman auf dem Vulcane „Lawu“ 205 - - =9. Capitel.= Die Provinz Kedú -- Der Berg Tidar -- In - Magelang -- Auf dem Pâsar (=Markt) -- Javanische - Schönheitsmittel -- Haustoilette der - europäischen Damen -- Mein „Haus“ -- - Empfangsabende -- Magelang -- Opiumrauchen -- - Die Chinesen auf Java -- Die gerichtliche - Medicin der Chinesen -- Ein zu grosses - Militärspital -- Die Königin von Siam in - Magelang -- Ein Oberstabsarzt „gestellt“ -- - Nachtheile der Pavillons aus Bambus -- - Organisation des Rechtswesens -- Zum - Theaterdirector gewählt -- Die Journalistik - Indiens 273 - - =10. Capitel.= Der Buru Budur -- Magelang während des Krieges - mit Lombok -- Soldatenfreunde -- Die Religionen - auf Java -- Schulen für die Javanen -- Die - Dysenterie -- Leberabscesse -- Eine Expedition - in den Tropen -- Nochmals von Dienstboten -- - „Der Garten von Java“ 324 - - =Schluss.= Abreise von Magelang -- Semárang -- „Schuttery“ - -- Die chinesische Behandlung der Diphtheritis - -- Das ewige Feuer -- Salatiga -- Abschied von - Semárang 364 - - =Anhang.= Die Ansiedelungen der Europäer auf der Insel - Java 377 - - =Sach- und Namen-Register.= 395 - - - - -Corrigenda. - - - Seite 59, 7. Zeile von unten: für Daendel lies: Daendels. - „ 91, 6. „ „ „ „ Labuan „ Laban. - „ 92, 8. „ „ „ „ Naturaltugend „ Nationaltugend. - „ 104, 12. „ „ oben: „ Jacobs „ s. Jacob. - „ 105, 9. „ „ unten: „ welches „ welcher. - „ 123, 10. „ „ oben: „ Last „ Beschwerden. - „ 126, Note: „ Berelot „ Bernelot. - „ 128, 6. „ „ unten: „ Njawi „ Ngawie. - „ 140, 2. „ „ „ „ Pasagrahan „ Pesanggrâhan. - „ 146, Note: „ Nordwest „ Nord-, West-. - „ 148, 5. „ „ oben: „ Bagelen „ Bageléen. - „ 157, Note: „ Vett „ Veth. - „ 160, 9. „ „ „ „ Armauer, Hansen „ Armauer Hansen. - „ 162, 11. „ „ unten: „ der burgerlyken civil lies: de - burgerlyke civiel. - „ 162, 12. „ „ oben: „ Stipendien lies: Subsidien. - „ 163, 14. „ „ „ „ Sonntag „ Samstag. - „ 164, 4. „ „ „ „ Brandy, Soda „ Brandy-Soda. - „ 165, 3. „ „ unten: „ Garebek lies: Gárebeg (so - heissen die drei grossen Festtage, welche den 12. - Mulud, den 30. Puwása und den 10. Besár gefeiert - werden). - „ 175, Note: Der Buchstabe å des mittleren und östlichen Javas - wird +ungefähr+ wie das deutsche o ausgesprochen. - „ 177, 10. Zeile von oben: für Gundiks lies: Gundiks = - Beiweiber. - „ 187, 15. „ „ unten: „ Semelink „ Semmelink. - „ 199, Note: „ Aehren „ Reis noch in - der Hülse. - „ 200, 10. „ „ unten: „ djajong lies: Djagong. - „ 202, 18. „ „ „ „ Djioruk „ Djerug. - „ 202, 18. „ „ „ „ Lanjksat „ Langsat. - „ 213, 15. „ „ oben: „ Marbabu „ Merbabu. - „ 215, 15. „ „ unten: „ Zaunspfahl „ Zaunpfahl. - „ 217, 4. „ „ oben: „ Bavean „ Baven. - „ 218, 3. „ „ „ „ Rechenkamer „ Rekenkamer. - „ 219, 11. „ „ unten: „ Prairiebrände „ grosse - Lauffeuer selten. - „ 221, 19. „ „ oben: „ Pagelén „ Pageléen. - „ 225, 3. „ „ unten: „ Officiersclub „ Club. - „ 225, 3. „ „ „ „ Insel Nussa „ Nussa - (= Insel). - „ 226, 8. Zeile von oben: für: Along Along lies: Alang âlang. - „ 230, 6. „ „ „ „ Tragen - Civilkleider „ Tragen von - Civilkleidern. - „ 263, 10. „ „ „ „ Landgericht „ Landesgericht. - „ 264, 8. „ „ unten: „ Alan Alan „ Alang âlang. - „ 265, 3. „ „ „ „ Cäsarinen-Grotten „ Cäsarinen, - Grotten. - „ 265, Note. Gegenwärtig ist neben der europäischen Zeitrechnung - auch noch die arabische, und in Mitteljava manchmal auch - die mohamedanisch-javanische (= Saka) Zeitrechnung in - Gebrauch. Die letztere beginnt am 8. Juli 1633 mit dem - Jahre 1555. - „ 278, 19. Zeile von oben: für pâssar lies: pâsar. - „ 293, 9. „ „ „ „ zu vergleichen „ verglichen. - „ 305, 19. „ „ „ „ Java-Chinese „ Halbchinese. - „ 310, 10. „ „ „ „ keinen Arm „ nicht den Arm. - „ 324, 3. „ „ unten: „ Pesanggrahan „ Pesanggrâhan. - „ 327. Ein interessanter Aberglaube ist die Sage von dem Wehrtieger - = Matjan gadungan. - „ 332, 17. „ „ unten: „ Sabbathisten „ Sabbatarier. - - - - -Verzeichniss der Abbildungen. - - - Seite - des - Textes - - Umschlagbild: Ein Regent = der höchste eingeborene Beamte. - - Titelbild: Häusliche Idylle einer malayischen Familie. - - Fig. 1: Ein malayisches Mädchen mit dem silbernen Feigenblatt 17 - - „ 2: Zwei sundanesische Frauen bei der Bearbeitung der - Cacaofrüchte 84 - - „ 3: Die Hauptstrasse im chinesischen Viertel zu Buitenzorg 101 - - „ 4: Der Palast des Gouverneur-General in Buitenzorg - (Südseite) 104 - - „ 5: Ein Kampong (= Dorf) bei Buitenzorg 110 - - „ 6: Zwei sundanesische Prinzessinnen mit 2 Bedajas 115 - - „ 7: Ein Wâjang Kulit (Schattenbilder) mit der Gamelang - und Regisseur hinter dem Schirm 120 - - „ 8: Eine malayische öffentliche Tänzerin 120 - - „ 9: Eine malayische Njai (= Haushälterin) in einfacher - Haustoilette 133 - - „ 10: Eine sundanesische Frau in ihrer Haustoilette 136 - - „ 11: Sundanesische Früchtehändlerin 136 - - „ 12: Das Wohnhaus eines reichen Chinesen in Batavia 138 - - „ 13: Ein javanischer Häuptling mit seiner Frau in - Galakleidung 169 - - „ 14: Reichsinsignien, getragen von den Serimpis zu Djocja - (nach Dr. Gronemann) 168 - - „ 15: Eine Compagnie der „Legionen“ des Sultans von Djocja 176 - - „ 16: Eine Hängebrücke aus Bambus bei Bandjar im Serajothal 241 - - „ 17: Der Tempel bei Prambánan 249 - - „ 18: Eine Scene aus einem Wâjang orang am Hofe zu Djocja - (nach Dr. Gronemann) 265 - - „ 19: Tempel bei Mendút (Provinz Kedú) 274 - - „ 20: Ein malayisches Mädchen mit Sirihdose und Spucknapf - aus Messing 282 - - „ 21: In Sarong und Kabaya 283 - - „ 22: Am Ziehbrunnen 284 - - „ 23: Mein „Haus“ 284 - - „ 24: Grundriss des Militär-Spitals zu Magelang 306 - - „ 25: Buddha-Statue im Innern des Tempels bei Mendút 325 - - „ 26: Ein Feld aus dem grossen Fries in den Mauern des Buru - Budur 326 - - „ 27: Totalansicht des Buru Budur 327 - - „ 28: Ein Javane bei der Hausarbeit 355 - - „ 29: Ein Garduhäuschen = Eine Polizeiwachstube 365 - - - Legenda. - J = Javanisch. - M = Malayisch. - S = Sundanesisch. - - - - -1. Capitel. - - Meine erste Seereise -- Meeresleuchten -- Seekrankheit -- Amor - auf dem Schiffe -- Gepäcktag -- Serenade auf dem Schiffe -- - Deckpassagiere -- Die „tausend Inseln“ -- Ankunft im alten Batavia -- - „Mutter“ Spandermann -- Indische Hôtels. - - -Am 27. September 1876 schiffte ich mich als Oberarzt der -holländisch-indischen Armee in Rotterdam ein. Gegenüber dem Yachtclub, -in welchem sich heute das kleine, aber interessante coloniale Museum -befindet, lag die »Friesland«,[1] welche mir, der echten Landratte, -die vorher noch niemals das Meer gesehen hatte, durch ihre Grösse und -als »Ostindienfahrer« gewaltig imponirte. Vor der Abfahrt wollte ein -betrunkener Matrose nicht zu Schiff; als aber die Dampfpfeife ihren -schrillen Ton pfiff, eilte er auf die Brücke, welche den Dampfer mit -dem Lande verband. Aus hundert Kehlen der an Bord befindlichen Soldaten -drang ein lautes Hurrah in die Lüfte, das letzte Tau fiel, und mit ihm -fielen alle Hoffnungen, welche mich bis nun an Europa geknüpft hatten. - -Eine gemischtere Gesellschaft als diejenige auf einem grossen Dampfer -findet man am Continent gewiss selten oder niemals beisammen. Ein -Oberlieutenant mit seiner jungen Frau (einer Berlinerin), 2 Ungarn, 1 -Oesterreicher, 10 echte und ebensoviel unechte Malayinnen, Holländer, -Franzosen, Engländer, 100 Soldaten aus aller Herren Ländern, ein -Mädchen mit chinesischem Typus, ein hoher Beamter, dessen Frau eine -echte Dajakerin (aus Borneo) war, waren die einzelnen Steine des -kaleidoskopischen, ethnographischen Bildes auf der »Friesland«; und -als ich mich den andern Tag an einen der Officiere mit der Bitte um -eine Ordonnanz wandte, frug er mich: »Was wollen Sie? Einen Holländer, -Franzosen, Italiener, Deutschen, Türken, Afrikaner oder Aegypter?« - -Um 9½ Uhr Abends verliessen wir die Mündung der Maas und kamen in die -Nordsee; das Schiff schaukelte so, dass wir mit ausgespreizten Füssen -stehen mussten, und beim Gehen schwankte ich wie ein Trunkener; die -Stösse des Schiffes fühlte ich manchmal wie einen directen Stoss auf -den Magen, und das Schreckbild der Seekrankheit stand, vorläufig nur -in der Phantasie, in seiner ganzen Grösse vor mir; ich flüchtete in -die Cajüte und warf mich in die Arme Morpheus, um am andern Morgen -frisch und munter aufzustehen und mit gesundem Appetit das Frühstück, -bestehend aus Eiern, Fleisch, Butterbrot und Kaffee, zu mir zu nehmen. -Zum ersten Mal sah ich das Meeresleuchten, jenen hellblauen, glänzenden -Krystall, der, umsäumt von einem klaren, silbernen und kreideweissen -Saume, in einer Länge von vielleicht 2000-3000 Metern dem Hintertheile -des Schiffes sich anschloss. - -Bald erhob sich jedoch ein Wind, graue Wolken zogen immer schneller -und schneller vom Horizont zum Zenith, geschäftig eilten die Matrosen -auf dem Deck hin und her; im Raume brachten die Kellner alles -Zerbrechliche in Sicherheit. Das Schiff »rollte« von rechts nach links, -dann »stampfte« es wiederum, indem das Vordertheil von einer Welle -erhoben und dann wieder in die Tiefe des Wellenthals gezogen wurde; -dann stampfte und rollte es wieder zu gleicher Zeit, und schwankend -vom Steuer zum Backbord erhob es seinen Kopf über den nächsten -Wellenberg, um sich im nächsten Moment, getrieben vom Sturm und -Dampf, in das Wellenthal zu stürzen. Ich selbst sass mit den übrigen -Reisegefährten im Speisesalon und hörte theilnahmslos das Gespräch über -das Entstehen der Seekrankheit an: dass dies Schaukeln eine Blutleere -im Gehirn erzeuge, wodurch das Erbrechen entstehe; dass, wie ein -Anderer behauptete, das Zerren des Magens durch die darin befindlichen -rollenden Speisereste die Nerven reize und dadurch im Gehirn Kleinmuth -und trostlose Stimmung erzeuge, und es daher unrichtig sei, den Magen -gefüllt zu erhalten, und viel besser, ihn durch ein Gläschen Cognac -zu beruhigen; ein Dritter wiederum verwarf den Alcohol, weil er die -Nerven noch mehr reize, als es ohnehin schon durch das Stampfen und -Rollen des Schiffes geschehe; ein Vierter rieth mir, bei den ersten -Erscheinungen der Seekrankheit zu Bett zu gehen und das Kopfpolster -wegzuwerfen, weil bei der horizontalen Lage das Blut in reichlichem -Maasse das Gehirn durchströmen und die Anämie (Blutarmuth) beseitigen -könne. Meine Theilnahmslosigkeit steigerte sich während und nach diesem -Gespräche noch mehr; »Sie werden ja fürchterlich blass!« rief mir die -Berlinerin zu; zugleich fühlte ich einen kalten Schweiss auf der Stirn, -der Magen zog sich krampfhaft zusammen; -- der Schnitt eines Messers -konnte nicht schmerzhafter sein --, ich eilte zur Thür und brachte dem -Neptun mein erstes Opfer; ich stieg hinauf aufs Zwischendeck, setzte -mich in der Nähe der Maschine auf einen Stuhl und starrte willenlos -über den Bord des Schiffes in die graue, schwarze, schäumende See -und fluchte dem Schicksal, welches mich unter fremde Menschen in die -weite fremde Welt warf, die theilnahmslos mit dem Fremdling den Kampf -ums Dasein theilt, da tönte es plötzlich wie himmlische Musik aus dem -Munde der Berlinerin zu meinen Ohren: »Bitte, nehmen Sie doch ein Glas -Wasser.« Keine barmherzige Schwester hat jemals einen innigeren Dank -erhalten, als diese junge Frau, welche mit dem Glas Wasser in der Hand -das erste herzliche und theilnahmsvolle Wort in dieser kleinmüthigen -und gedrückten Stimmung zu mir sprach. Als ich in den Salon zurückkam, -stürmten die Rathschläge der erfahrenen Reisenden in Unzahl auf mich -ein: der Eine rieth mir ein Stück Zwieback in Brandy, der Andere in -Cognac getaucht zu nehmen, der Dritte empfahl mir ein Gläschen Advocaat -(d. i. Brandy, Eier und Zucker), ein Anderer bot mir ein Gläschen -Portwein an u. s. w. Der Wille aller dieser hilfsbereiten Menschen war -gut; aber mit dem ersten Opfer stellte sich Neptunus nicht zufrieden, -und jede Wiederholung war um so schmerzhafter, je leerer der Magen -war, so dass ich unwillkürlich, und ohne den wohlgemeinten Rath meiner -Reisegenossen abzuwarten, Speisen zu mir nahm, um diesen Theil der -Seekrankheit weniger schmerzhaft zu machen. - -Ich hatte zwar genug Leidensgenossen, aber ich dachte nicht einmal -daran, Beobachtungen an ihnen zu machen, z. B. über den Zustand des -Herzens, des Pulses, der Athmung, des Urinirens u. s. w., denn ich -war zu krank, zu indolent, zu gleichgiltig und zu apathisch, um für -irgend etwas Interesse zu haben. Frauen, Männer, Knaben und Mädchen --- nur nicht Säuglinge, sind zeitweilig das Opfer der Seekrankheit. -Weil Säuglinge davon befreit sind und Erwachsene auch bei intensivem -Schaukeln dieselben Krankheitserscheinungen zeigen, kann die -Seekrankheit mit mehr oder weniger Recht unter die acuten Psychosen, -wie der Schwindel oder Rausch, gerechnet werden, und zwar als »Folge -von mangelndem Orientirungsvermögen im Raume« (Eichhorst). Dieses -würde auch die Thatsache erklären, dass selbst vom Wetter und Sturm -abgehärtete Seeleute hin und wieder seekrank werden und andrerseits -zarte Frauen davon verschont bleiben. - -Die Berlinerin, meine barmherzige Schwester, blieb während des Sturmes, -den wir damals hatten, von der Seekrankheit verschont, und während -der ganzen Reise, die damals 42 Tage dauerte, war sie keinen einzigen -Tag unwohl, und wie sie mir nach Jahren später erzählte, hatte sie -vielleicht zehn grosse oder kleine Seereisen gemacht, ohne auch nur -einen einzigen Augenblick von diesem unheimlichen Gaste heimgesucht -zu werden. Andrerseits habe ich Damen gekannt, welche in der Furcht, -seekrank zu werden, beim Anfang der Seereise sich niederlegten und -die ganze Reise hindurch das Bett nicht verliessen. Aber auch dieses -blieb ohne Erfolg; bei ruhiger See erfreuten sie sich einer ziemlichen -Gesundheit, um jedoch bei einigermaassen hohem Wellenschlag um so mehr -dem tückischen Neptunus opfern zu müssen. - -Das Abhärtungssystem hat die besten Erfolge; mit jeder weiteren -Seefahrt war ich weniger diesen Unbilden ausgesetzt, und auf meiner -letzten Seereise schmeckte mir (bis auf einen einzigen Tag) immer die -Cigarre. Jede medicamentöse Behandlung dieser Krankheit hat mich bis -jetzt im Stich gelassen. Morphium, Cocain, Antipyrin und Phenacetin -sind ebenso unwirksam als Chloral u. s. w. Die von dieser Krankheit -Heimgesuchten befinden sich am besten in der Mitte des Schiffes, und -zwar womöglich zu Bett. Zur Erleichterung des Vomirens müssen sie die -Appetitlosigkeit überwinden und etwas zu sich nehmen, und wäre es nur -ein Stückchen Biscuit, eine Limonade oder ein Gläschen Advocaat. Das -einzige wirksame Mittel bleibt -- das feste Land. Gegenwärtig wird -diesem Factor Rechnung getragen. Während auf meiner ersten Seereise, -von Rotterdam bis Port Said, das Schiff in keinem Hafen landete, -und wir von Aden bis Padang (Sumatra) nichts als Himmel und Wasser -sahen, ist die jetzige Reise auch diesbezüglich viel günstiger. Der -atlantische Ocean wird nur ausnahmsweise zur Reise von und nach -Holland benutzt; man schifft sich in Genua oder Marseille ein oder -verlässt in einer dieser Hafenstädte das Schiff. Auf meiner letzten -Reise von Samarang (Java) nach Europa benutzte ich einen Dampfer der -Messageries maritimes und machte in Batavia, Singapore, Colombo, -Djibuti, Port Said und Marseille Halt, so dass wir niemals länger als -6 Tage ununterbrochen auf dem Schiffe blieben, und jedes Mal beim -Landen in einem Hafen die unglücklichen seekranken Schiffsgenossen Zeit -hatten, sich vollkommen von ihren Leiden zu erholen. Leider giebt es -einzelne Fälle, in welchen nicht einmal diese radicale Cur einen Erfolg -hat. Im Jahre 1883 fuhr ich öfters mit einer kleinen Dampfbarcasse -längs der Ostküste Sumatras, und sehr oft geschah es, dass ich noch -auf dem Lande schwindlig war und es Stunden lang blieb; dies ist -jedoch eine Ausnahme. Die Regel ist, dass beim Einlaufen in den Hafen -die Seekrankheit ein Ende nimmt, und dass ein kurzer Aufenthalt -auf dem Lande hinreichend ist, dem Seekranken vollkommene Euphorie -(Wohlbefinden) zu bringen. - -Den 29. September erreichten wir Southampton und fuhren sofort nach -London, um am 30. Abends um 9 Uhr uns wieder einzuschiffen. Es war das -erste Mal, dass ich dieses moderne Babylon gesehen habe; der Aufenthalt -dauerte nur 1½ Tag, so dass ich nur einen oberflächlichen und zugleich -ungünstigen Eindruck von diesem Labyrinth von Strassen erhielt. - -Der Morgen des 1. October war heiter und hell; ich befand mich wohl, -ich wagte es sogar, eine Cigarre anzuzünden; doch schon um 8 Uhr -umwölkte sich der Himmel, ein starker Wind schaukelte das Schiff; im -Schiffsraum war die Luft drückend schwül, und so setzte ich mich mit -meinem gut geschlossenen Winterrock im Zwischendeck in der Nähe der -Maschine nieder und ergab mich wieder dem ganzen Trübsinn, die Heimath -verlassen zu haben, um einer ungewissen, unruhigen und gefahrdrohenden -Zukunft entgegenzugehen. Wenn auch der Rücken durch die Nähe des -Dampfkessels erwärmt ward, so fröstelte es mich doch, und ängstlich -prüfte ich meinen Puls, ob er die Nähe des Fiebers, des Typhus oder -ähnlicher Unbilden schon verrathe. So ging es bis zum 4. October, -als in der Nähe Oportos Jupiter pluvius uns verliess und heller -Sonnenschein alle Passagiere auf das Oberdeck rief, welches mit einem -Zelte uns vor Sonnenschein und vor Regen hinreichenden Schutz gewährte. -An diesem Tage war es das erste Mal, dass ich in vollen Zügen den Reiz -einer Seereise genoss. Während ich früher mich vergebens bemühte, die -ganze Zeit des Diners und Soupers am Tisch zu bleiben und in der Regel -schon nach dem zweiten Gange hinauf aufs Deck eilen musste, um nicht -in dem Speisesalon die stürmischen und schmerzhaften Bewegungen meines -Magens zu demonstriren, konnte ich mich an diesem Tage ungehindert -dem vollen Genuss der Tafelfreuden hingeben; dem bunten Leben und -Treiben einer Schiffsgesellschaft konnte ich mich ungestört widmen -und mit voller Brust in den Chor der Officiere einstimmen, welche -mit Vorliebe deutsche Studentenlieder sangen. Auch Amor, der kleine -Schalk, schlüpfte hin und wieder zwischen die jungen Damen und Herren, -ohne dass es ihm jedoch gelungen wäre, ein festes und dauerndes -Band zwischen zwei jungen Leuten zu knüpfen. Er hatte zwar tüchtige -Bundesgenossen, einige junge Frauen, welche bekanntlich die eifrigsten -Ehevermittler sind; aber diesmal, d. h. auf dieser Seereise, hatte Amor -nicht einen einzigen Erfolg aufzuweisen. Es war z. B. auf dem Schiffe -das Fräulein X., welches zu ihrem Schwager, einem bekannten Arzte auf -Java, reiste. Bald hatten die jungen Frauen herausgefunden, dass ich -sobald als möglich heiraten müsste, weil ein lediger Arzt in Indien -niemals eine Privatpraxis erlangen könne, und weil das Leben eines -unverheirateten Mannes in Indien »ein Hundeleben« sei und Fräulein X. -alle Tugenden in sich vereinige, welche jemals ein weibliches Geschöpf -gehabt habe u. s. w. Damit begnügten sich jedoch diese eifrigen -Heiratsvermittler nicht. So viel als möglich musste ich dieser jungen -Dame Gesellschaft leisten, und als auch dadurch mein Herz verschlossen -blieb und die Eiskruste nicht aufthauen wollte, erzählten sie mir, -welche Bewunderung diese junge Dame meinem Stande, meinem Geiste und -allem bot, was mir gehörte. Ich will nur noch kurz mittheilen, dass auf -der Rhede von Batavia alle Passagiere sich gegenseitig Glück wünschten, -die grosse Seereise glücklich überstanden zu haben, und dass mir bei -dieser Gelegenheit Fräulein X. mit spottendem Tone eine glückliche -Zukunft als alter Junggeselle wünschte. - -Am 5. October passirten wir Cap St. Vincent; spanischer Himmel wölbte -sich über uns, die Sonne sandte heisse Strahlen auf uns, das Meer -war glatt, und ruhig glitt der Dampfer über dessen sanfte Wellen. Zu -unserer Linken ragen hohe Felsen bis in die Wolken und eine grosse -Festung zwischen den Bäumen hervor. In demselben Augenblicke gehen -auf unserm Schiff einzelne Flaggen in die Höhe, ein Wachthaus am -Ufer antwortet in gleicher Weise, und eine halbe Stunde später weiss -der Rotterdamer Lloyd, dass sein Dampfer »Friesland« Cap St. Vincent -glücklich passirt habe und »alles wohl an Bord« sei. - -Hier hatten wir den ersten Bagagetag, d. h. zum ersten Male -durften wir im Schiffsraume nach unseren Koffern sehen, um etwa -nothwendig gewordene Ergänzung unserer Wäsche vornehmen zu können; -die französische Schifffahrtsgesellschaft ist in dieser Hinsicht -freigebiger; ein Theil des Schiffsraumes war für das grosse Gepäck -der Reisenden reservirt, und jeden Tag konnte man zu seinen Koffern -gelangen; diese waren nämlich auf Schragen schön geordnet, und -immerwährend stand ein Matrose bereit, unsere Koffer aus der Unzahl -der übrigen herauszusuchen; auf den holländischen Dampfern kann dieses -nur jede Woche einmal geschehen. Als ich zum ersten Male meine Koffer -revidirte, erschrak ich über die Verheerung, welche das Seewasser -angerichtet hatte. Beim Reinigen des Schiffes war das Seewasser -in diese Räume und in die Koffer gedrungen; eine Dame weinte und -schluchzte, als sie sah, dass in den Seidenkleidern, welche in einem -grossen Korbe sich befanden, das Wasser grosse schmutzig-gelbe Flecke -zurückgelassen hatte; späterhin, d. h. bei meiner späteren Seereise, -waren die Koffer, welche Bücher, Kleider und Instrumente enthielten, -mit Zinkblech inwendig bekleidet und nur die Wäsche blieb unbeschützt; -der Koffer wird ja durch solche Bekleidung zu schwer und erfordert bei -den Fahrten auf der Eisenbahn oder beim Transport durch Kuli zu hohe -Fracht. - -Der Mond schuf an diesem Tage auf den Wogen des Meeres so herrliche -Krystalle, so silberglänzende Streifen zogen hinter dem Schiffe zum -fernen Horizont, dass ich stillvergnügt in die plätschernden Wellen und -träumend nach dem bestirnten Himmel blickte. Da erklangen heimathliche -Klänge aus kräftigen Kehlen zu meinen Ohren: »Zu Mantua in Banden der -treue Hofer war«; ich entriss mich dem Zauber der Nymphen, welche mir -aus der Tiefe des Meeres so manches süsse Wort des Trostes und der -Hoffnung zugeflüstert hatten -- die Seekrankheit war ja vorüber -- -und ich eilte auf das Vorderdeck. Da waren deutsche und holländische -Soldaten, welche deutsche Volkslieder sangen, während abwechselnd ihre -französischen und belgischen Kameraden ihr »Adieu ma belle France« mit -ihrem »Allons, enfants de la patrie« dem Zephyrwinde anvertrauten, -welcher sie der Heimath bringen und dort berichten sollte, dass sie -auch in weiter Ferne treue Söhne ihres Vaterlandes bleiben würden. Wie -viele von ihnen weilen heute noch unter den Lebenden? Wie viele von -meinen Reisegenossen der 1. Klasse schlummern schon unter den Palmen -ihren ewigen Schlaf, und wie wenigen war das Schicksal ebenso günstig -als mir, ebenso hold als mir, nach 23 Jahren jenen eine Thräne der -Erinnerung weihen zu können? - -Unterdessen erhob sich am westlichen Horizont ein Wolke und stieg immer -höher und höher, bis sie als ein dichter Schleier den Mond verhüllte -und das silberweisse Glänzen und Leuchten des »Saugwassers« erlöschen -und in das dunkelblau (coeruleus) der anderen Wellen übergehen liess. - -Der Gesang der Soldaten verstummte, ein lauter Applaus der Umstehenden -belohnte sie für diese Serenade auf hoher See, und wir stiegen hinab in -das Zwischendeck, um unsere Cajüten aufzusuchen. - -Bei den Reisen mit Segelschiffen galt es als eine Empfehlung für -den Segler, eine »milchgebende Kuh und einen diplomirten Doctor« -an Bord zu haben, und der holländische Volkswitz veränderte es in -einen »milchgebenden Doctor und diplomirte Kuh«. Auf der »Friesland« -erfreuten wir uns des Besitzes von drei milchgebenden Kühen und von -fünf diplomirten Aerzten; der Schiffsarzt war ein College vom alten -Schlage, dem die moderne Untersuchungsmethode noch nicht geläufig war, -und der daher seinen ersten Patienten mit Lungenentzündung für einen -rheumatisch Erkrankten erklärte; der Patient starb, und weinend folgte -der Arzt dem Leichenzuge und klagte mir sein Leid, dass es in seiner -langen Praxis der erste Fall sei, dass er auf hoher See einen Patienten -verloren habe, der +nur+ an Rheumatismus der Brustmuskeln gelitten -hätte. - -Interessanter und viel romantischer war das Vorderdeck, welches für -die Passagiere der 2. und 3. Klasse und für das Schlachtvieh bestimmt -war. Im Zwischendeck befanden sich drei grosse Milchkühe, ein Dutzend -Schweine, zwei Dutzend Gänse, die Rettungsboote waren mit Fleisch von -Rindern, Kälbern und Hammeln gefüllt, und eine grosse Zahl Hühner und -Enten füllten die langen Käfige auf beiden Seiten des Zwischendeckes; -heute haben die grossen Indienfahrer grosse Kühlräume für alle Sorten -von Fleisch, Gemüse u. s. w. und führen lebendes Vieh nur so weit -mit, als die Bequemlichkeit der Deckpassagiere darunter nicht leidet; -damals jedoch bargen sich zwischen den festgebundenen Rindern und den -Gänseställen die Soldaten; dort hatte ein Schuhmacher seinen Dreifuss -aufgestellt, hier übte ein französischer Korporal sein altes Metier und -rasirte gegen eine Entschädigung nicht nur seine Kameraden, sondern -auch die Passagiere der 1. Klasse; malayische Bediente und javanische -Babu’s, welche zur Begleitung und Aufsicht europäischer Kinder nach -Europa gegangen waren und auf der Rückreise nach der Heimath dieselben -Dienste leisteten, suchten mit Vorliebe den vorderen Theil des Schiffes -auf, um vielleicht einen oder den anderen der Unterofficiere oder der -Soldaten in’s Joch der Ehe zu spannen, und nur zu oft hörten wir die -klagenden, schmelzenden Töne eines malayischen Liebesliedes, welches -den Orang-Baru an die braune, plattnasige Schöne fesseln sollte. - -Am 6. October kamen wir in das mittelländische Meer, und am 13. October -2 Uhr Nachts fuhren wir in den Hafen von Port Said. Die ganze Fahrt -durch dieses grosse Wasserbecken war vom schönsten Wetter begünstigt -gewesen. Schwacher Wellenschlag, manchmal kaum fühlbares Schaukeln des -Schiffes, hellblauer Himmel über unserem Haupte und sanfte Temperatur -bei Tage wechselten mit kühlen Abenden; und wenn der Himmel mit seinen -Millionen Sternen in seiner ganzen Pracht über uns sich wölbte, wenn -die Mondesstrahlen in den Fluthen sich spiegelten, das Schiff ruhig -über die See glitt, und funkensprühende Wellen, mit hellblauem, -krystallgleichem Schweife, bis an den Horizont rollten, dann war alles -Weh und Leid vergessen, und in der Wahl zwischen Schiff und Schienenweg --- giebt es keine Wahl. - -Dennoch begrüssten wir den schönen Leuchtthurm von Damiette als den -Vorboten von Port Said: wir sollten ja bald wieder festen Boden unter -unsere Füsse bekommen. - -Ich bin viermal in Port Said gewesen, und jedesmal ergötzte ich mich -an dem bunten Bilde des Orientes, und es kostet mich Mühe, jene -Blätter meines Tagebuches zu überschlagen, welche sich mit meinem -damaligen Aufenthalte in Port Said und Ismailia, mit Kairo und -Alexandrien, welche ich im Jahre 1884 besuchte, und mit Suez, Djibuti -und Aden beschäftigen, denn alle bieten in ihrer Art dem Europäer viel -Interessantes und Sehenswerthes. - -Indien ist ja aber das Ziel meiner Arbeit. - -Am 6. November liefen wir in den Hafen von Padang (Westküste von -Sumatra) ein, nachdem wir lange vierzehn Tage nur Wasser und Himmel -gesehen hatten, fuhren durch die Sundastrasse und liessen die Insel -Krakatau zu unserer Linken, die nichts anderes als ein dichtbewaldeter -Vulcan von einigen hundert Fuss Höhe war, der 160 Jahre sich ruhig -verhalten hatte, bis er im Jahre 1883 durch seinen Ausbruch die -Westküste Javas und die Südküste Sumatras so schwer heimsuchte, dass -mehr als 20000 Menschen ihr Leben einbüssten. - -Am 8. November, Nachmittags um 5½ Uhr, also nach einer Reise von -42 Tagen fuhren wir durch die »tausend Inseln«[2] in den Hafen des -alten Batavia ein. Von diesen zahlreichen Inseln führen viele den -Namen holländischer Städte, als: Leiden, Amsterdam, Hoorn, Enkhuizen, -Edam, Alkmaar, Rotterdam, Schiedam, Haarlem, Monnikendam u. s. w., -welche die Eingeborenen nicht acceptirt haben, und von welchen diese -noch immer die ursprüngliche Benennung gebrauchen. So heisst Leiden -Pulu njamuk (Mosquitos-Insel), Amsterdam = P. ontong djawa gegenüber -dem gleichnamigen Vorgebirge (Javas Glücks-Insel), Hoorn = P. ajer = -Wasserinsel, Rotterdam heisst P. ôbi besar = Insel der grossen Knollen -u. s. w. - -Die Sonne war noch nicht untergegangen, als der Anker im Hafen in -die Tiefe des Meeres fiel. Es war jedoch nicht zu erwarten, dass vor -Einbruch der Nacht alle Passagiere und ihr Gepäck ausgeschifft sein -konnten; der Capitän beschloss also, nur die Briefe an den Wall zu -senden und den Passagieren die Wahl zu lassen, nur mit ihrem Handgepäck -das Schiff zu verlassen und am andern Morgen das grosse Gepäck abholen -zu lassen, oder noch diese eine Nacht seine Gäste zu bleiben und den -andern Morgen mit dem grossen und kleinen Gepäck nach Batavia zu -fahren. Ich entschloss mich zu Ersterem; eine kleine Dampfbarcasse nahm -die Postsäcke auf und gestattete mir und einigen Reisegenossen, die -Fahrt durch den Canal noch diesen Abend anzutreten. - -Eine grosse Fläche lag vor uns; zu unserer Rechten waren Sümpfe, in -welchen mein Reisegenosse, Baron Holzschuh, ein Krokodil zu sehen -glaubte. Dieser Mann, mit dem ich acht Jahre später wieder die Reise -nach Europa machte, war s. Z. der Begleiter unserer Landsmännin -Ida Pfeiffer und hatte mir so manche interessante Details über das Leben -dieser muthigen Frau mitgetheilt. Der Hafen-Canal hat seit Vollendung -des neuen Hafens Tanjong Priok seine frühere Bedeutung verloren. -Langsam fuhren wir durch diesen schmalen Canal, auf welchem bequem -zwei Nachen nebeneinander fahren konnten, bis wir an den »kleinen -Boom« = die Douane kamen. Die Zollbeamten begnügten sich mit meiner -Mittheilung, dass ich keinen Revolver oder eine andere Schusswaffe -zu verzollen hatte, und weiter ging die Reise. Unterdessen hatten -die malayischen Langfinger meinen Militärmantel annectirt. Ich habe -zwar späterhin oft Jahre lang kein Bedürfniss nach demselben gefühlt, -aber im ersten Augenblicke dieser Entdeckung gab ich natürlich meinem -Aerger durch die auf dem Schiffe üblichen Scheltworte: »malayisches -Diebsgesindel« u. s. w. Ausdruck. Hier standen auch zahlreiche Wagen -mit einem oder zwei Pferden, um uns in die Stadt zu bringen. Es waren -alte, schmutzige, von Europäern abgedankte Equipagen, welche je von -zwei kleinen alten und schmutzigen Pferden gezogen wurden. Lange -überlegten es sich diese zwei Pferde, welche nicht höher als 115 -Centimeter waren, ob sie überhaupt verpflichtet wären, den grossen -Wagen mit den zwei Insassen zu ziehen. Der Kutscher, mit seinem -farbigen Hemd, ohne Schuhe und Strümpfe, aber mit einem Strohhut auf -dem Kopfe, der die Form einer kleinen Futterschwinge hatte, schnalzte -mit der Zunge, stiess einen undefinirbaren Laut aus, sprang vom Bock, -schwang die Peitsche über ihre Rücken, die kleinen Pferdchen blieben -aber ruhig stehen und drehten manchmal ihren Kopf nach uns, offenbar -mit der Frage auf den Lippen, was wir denn von ihnen wollten. - -Als aber endlich zwei Kameraden des Kutschers zu Hilfe eilten, d. h. -je ein Pferd bei der Stange fassten und zogen, und ein Dritter hinten -den Wagen vorwärts stiess, da endlich erwachte in ihnen das Bewusstsein -ihrer Pflicht; sie zogen an, und im rasenden Galopp ging es vorwärts, -wobei der Kutscher ihnen mit der langen Peitsche eine fürchterliche -Züchtigung gab. Wir waren im alten Batavia, zu welcher Stadt im Jahre -1614 vom General-Gouverneur Pieter Both der erste Grundstein mit dem -Namen »Fort Nassau« gelegt wurde; es ist eine alte Stadt mit ein- bis -zweistöckigen Häusern und zahlreichen Canälen, welche heute nur mehr -die diversen Comptoirs und Bureaux der Europäer enthält, während ihre -Wohnungen und Detailgeschäfte in dem südlich gelegenen Weltevreden sich -befinden; dreiviertel Stunden fuhr ich durch die mit Gas erleuchteten -Strassen; ein herrlicher Duft erfüllte die Luft, mit Wohlbehagen sog -ich sie in grossen Zügen ein, und um 7½ Uhr kamen wir in das Hôtel -»Java«, wo uns »Mutter Spandermann« leutselig empfing und sofort -zur Table d’hôte führte. Diese gute Frau führte mit Recht den Namen -»Mutter«, denn mit mütterlicher Fürsorge nahm sie sich jedes »Orang -baru« (Neuling) an und führte ihn in die Geheimnisse des täglichen -Lebens in Java ein und sparte niemals ihre Ermahnungen, wenn man z. B. -des Vormittags eine Frucht ass oder zu früh sein Schiffsbad nahm. -Es hat auch lange gedauert, bis nach ihrem Tode das Hôtel unter der -Leitung der Brüder Garreau sein altes Renommé wieder erhielt. - -Nach dem Nachtmahl machte ich eine kleine Spazierfahrt durch die -Stadt und kehrte zurück, um mein Bett aufzusuchen. Das Zimmer war -sehr primitiv eingerichtet, wie im Allgemeinen in Indien die Hôtels -sehr wenig Sorgfalt auf die Möbel verwenden. Mein Zimmer hatte kein -Fenster, sondern über der Thür nur ein grosses Luftloch mit eisernen -Stäben; der Boden bestand aus Ziegeln, auf welchen vor dem Bette eine -kleine Matte lag, ein einfacher Kasten, ein Waschtisch und ein kleiner -viereckiger Tisch, auf welchem ich den Inhalt meiner Tasche deponirte, -standen in dem Zimmer; an den weissen Wänden hingen nebstdem zwei -alte, vom Wetter gebräunte und vom Alter gelb gewordene Kupferstiche, -und zur Beleuchtung diente -- eine kleine Oellampe, welche die -ganze Nacht brannte. Der Totaleindruck war der einer Zelle eines -Gefängnisses, weil es nebst den ordinären Möbeln durch Mangel an Raum -sich auszeichnete. Die erste Nacht, welche ich auf Java verbrachte, war -geradezu unangenehm. Ein Gekko hatte sich über der Thüre am Luftloche -niedergelassen; beinahe jede halbe Stunde ertönte sein lautes Gek--ko, -Gekko 6-7 mal hintereinander, und klang in das laute Brummen einer -zersprungenen Basssaite aus, Grillen und Frösche accompagnirten den -Gekko, und unglücklicher Weise hatte ich das Mosquitonetz nicht gut -geschlossen, als ich mich zu Bette legte. Das Summen und Brummen der -Mosquitos nahm kein Ende, und hin und wieder tönte dazwischen das -Heulen eines Gladakkers, jener herrenlosen Hunde, welche Abends in die -Hôtels kommen, um Abfälle der Tafel zu suchen. Bei dem matten Schein -des mit Oel gefüllten Lämpchens sah ich zahlreiche Eidechsen auf den -Mauern auf die Mosquitos und Larongs Jagd machen, hin und wieder -steckte der Gekko seinen grossen Kopf in’s Zimmer hinein, als ob er -mit seinen schönen schwarzen Augen den Fremdling erforschen wollte; -dazu kam eine fürchterliche Transpiration; die Nacht war warm und die -Luft in meinem Zimmer von der feuchten Mauer dumpf und beengend, und -bald lag ich gebadet in meinem Schweisse. Endlich stieg ich aus dem -Bette und ging hinaus in die schmale Veranda; hier stand neben der Thür -ein ordinäres Tischchen und ein grosser Lehnstuhl, von dessen beiden -Seiten »Füsse« hinaus und nach vorn geschoben werden konnten; obwohl -auf dem Tischchen eine Lampe stand, machte ich doch keinen Gebrauch von -derselben; der tropische Himmel und Vollmond erleuchteten hinreichend -den kleinen Hofraum vor mir, und zum ersten Male ergötzte ich mich --- nicht an der Pracht des südlichen Kreuzes und der so herrlich -scheinenden Venus -- an nichts dachte ich, nichts sah ich, nichts -fühlte ich -- ich ergötzte mich am »Klimaschiessen«. Ein wohlthuendes -Gefühl ist es, die Füsse nicht herabhängen, sondern auf den Füssen des -Lehnstuhles ungefähr 10 bis 15 cm über dem Niveau des Beckens ruhen -zu lassen. +Spiegel+ erklärt das wohlthuende Gefühl dieser Lage -dadurch, dass die Füsse ½ Meter der Erdelectricität, welche unterm -Aequator eine sehr hohe Spannung hätte, entrückt seien. Ich halte -jedoch diese Erklärung für eine gesuchte und möchte auf Grund so -mancher Beobachtungen und Erfahrungen die Ursache in mir selbst suchen; -das Blut der Venen geht nämlich in der horizontalen Lage leichter -zum Herzen zurück, und das der Arterien leichter zur Peripherie des -Körpers, weil das Gewicht der doppelten Blutsäule ausfällt; denn auch -in Europa ist die horizontale Lage eine angenehmere, als das Stehen -oder Sitzen. - -Ein sanftes Zephyrwehen liess den Schweiss des Körpers verdampfen, -und so sass ich in dem tiefen Lehnstuhle, entrückt allen bösen -Gedanken, und die Mosquitos umschwirrten mich und brummten und -summten unerbittlich ihr leises Lied in meine Ohren; glücklicher -Weise verschonten sie mich mit ihren Stichen, und als ich mir eine -Manilla-Cigarre anzündete, blies ich mit den Rauchwolken diese lästigen -Gäste von mir weg. Endlich forderte die Natur ihr Recht; die Augen -wurden schwer, es fröstelte mich, und schliesslich entschloss ich mich -wieder, zu Bett zu gehen. Schon glaubte ich einschlafen zu können, als -ein Angstgefühl sich meiner bemächtigte, ein kalter Angstschweiss auf -meine Stirne trat und mich aus dem Bette jagte; ich eilte zur kleinen -Nachtlampe, sah meine Nägel blau, und Krämpfe der Därme erpressten mir -den Angstschrei: die Cholera. Doch auch dieses Gespenst meiner erregten -Phantasie ging vorüber, und ein gesunder Schlaf beendigte die erste -Nacht meines Aufenthaltes in Indien. - - - - -2. Capitel. - - Weltevreden[3] -- Empfang beim Armee-Commandanten -- Ein Corso auf - dem Waterlooplatze -- Gigerl und Modedame in Weltevreden -- Der - grösste Platz der Welt (?) -- Malayisches Winken -- Ein Handkuss -- - Ein Abenteuer auf hoher See -- Dos à dos und Deeleman -- Altstadt - -- Kunst und Wissenschaft in Indien -- Wissenschaftliche Vereine in - Batavia -- Indische Hausirer -- Jagd auf Rhinocerosse -- Indische - Masseuse. - - -»In Indien steht man um sechs Uhr auf,« rief mir »Mutter Spandermann« -ins Zimmer, »Schlafmütze, stehen Sie auf, es ist schon sieben Uhr.« Ich -öffnete die Thüre, und eine frische, reine und duftreiche Luft erfüllte -das Zimmer. Ein sonderbarer Anblick bot sich mir dar; auf beiden Seiten -des Hofraumes befand sich eine Reihe von Zimmern, und zwischen je zwei -Thüren stand ein Tischchen mit einem Arm- und einem Schaukelstuhle, -auf denen die Gäste in ihrer Haustoilette sassen; zwischen je zwei -Pfählen der Galerie war ein Strick gespannt, auf welchem die Leibwäsche -zum Trocknen hing, selbst die geheimsten Toilettestücke der Damen -waren hier ausgestellt. Der Bediente brachte mir ungefragt eine Schale -Kaffee, welcher ziemlich schlecht war und doch ein angenehmes Gefühl -der Wärme im Magen verursachte. Die meisten Herren gingen in ihrer -Haustoilette[4] und mit der Cigarre im Munde auf und ab. Wie ich später -hörte und sah, ist dieses eine allgemeine Gewohnheit als vorbereitende -Maassregel, um »den Schlafkameraden weg zu bringen«. Zwischen 7½ bis 8 -Uhr gingen die Herren angekleidet und die Damen in ihrer Haustoilette -(Sarong und Kabaya) zur Frühstückstafel; ich wurde nur gefragt, ob ich -beim Frühstück Thee oder wieder Kaffee gebrauchen wollte; neben meinem -Teller standen zwei halbweich gekochte Eier, der Bediente brachte mir -hintereinander Butterbrot, Beefsteak, Cervelatwurst und Käse, und -ich folgte dem guten (?) Beispiele meines Nachbarn, von allen diesen -Speisen ein bis zwei Stücke zu nehmen; der Magen ist ja ein elastischer -Strumpf, er nahm ohne Widerstreben alles Dargebotene an. Zu meiner -Rechten sass der Herr X., welcher zum Schluss noch einen halben Teller -Nassi Koreng nahm, d. h. Reis gemischt mit klein geschnittenem Fleisch, -Zwiebeln und Lombok.[5] Ich bekam einen gewaltigen Respect vor diesem -Manne -- es war ein Creole, d. h. ein Indier von europäischen Eltern -geboren --, als er beifügte, dass dieses Frühstück keine Mahlzeit zu -nennen sei und nur gewissermaassen den Magen für die Hauptmahlzeit -vorbereiten müsse, welche er um 12½ Uhr einnehme; in Indien, fügte -er hinzu, müsse (??) man sich kräftig nähren, um den Einfluss der -erschlaffenden Wärme zu neutralisiren, und wenn er, was übrigens -selten geschehe, Magenbeschwerden bekäme, lasse er sich einige Pisangs -(Bananen) in dem Oel von Djarakblättern[6] backen; er könne mir dieses -Laxans aus eigener Erfahrung wärmstens empfehlen, weil das Wunderöl -dadurch seinen unangenehmen Geschmack und Geruch verliere. - -Nach dem Frühstück ging ich in mein Zimmer mit der Absicht, die -Eindrücke des ersten Tages aufzuschreiben. Mutter Spandermann jedoch -erlaubte es nicht: »Jetzt ziehen Sie Ihre Uniform mit der Feldbinde -an, nehmen eine Equipage, fahren zum Sanitätschef und melden sich, wie -es sich für jeden Officier geziemt; die Equipage, welche ich Ihnen -geben werde, behalten Sie bis zur »Reistafel«, und dann werden Sie Ihr -Mittagsschläfchen halten. Dies thun alle Leute »in de Oost«, und Sie -müssen es auch thun, sonst liegen Sie binnen Jahresfrist unter dem -Klapperbaume (Palme) begraben.« Dieser kategorisch ausgesprochenen -Marschordre wagte ich natürlich nicht zu widersprechen. Ich stieg also -in den sofort herbeigerufenen Wagen, welcher um nichts besser als das -Vehikel war, welches mich den vorigen Abend aus der alten Stadt in’s -Hôtel gebracht hatte. - -Zunächst kam ich auf die »Sluisbrücke« und sah zu meiner Rechten die -alte Citadelle »Prinz Frederik«, welche jetzt nur zum Magazine benutzt -wird, und kam sodann zu dem Bureau des Landes-Commandirenden,[7] zu -dem Reichs-Arznei-Magazin, zu der katholischen Kirche und hatte zu -meiner Linken den Waterlooplatz mit der unvermeidlichen Waterloosäule, -und zu meiner Rechten das Bureau des Platz-Commandanten. Hier -revidirte der Adjutant meine Marschordre und stellte mich seinem Chef -vor. Von hier aus ging es weiter längs einiger hübscher Häuser in -alt-griechischem Stile, welche von Stabsofficieren bewohnt waren, in -den Spitalweg, in welchem sich das Arsenal, das grosse Militärhospital, -das Seminar für die Doctor-djawa-Schule, einige Officierswohnungen -und das »hohe Haus« für den Sanitätschef befinden, welcher den Rang -eines Colonels[8] bekleidet. Im Militärhospital stellte ich mich dem -Landessanitätschef der 1. Militär-Abtheilung und im »hohen Hause« -dem Sanitätschef vor, welcher mir versprach, in einigen Tagen mir -meinen ersten Standplatz mittheilen zu lassen. Wie der Empfang bei -allen diesen Herren gewesen sei, berichten meine Reisebriefe mit -keinem einzigen Wort; desto ausführlicher jedoch ist die Schilderung -der Vorstellung beim Armee-Commandanten. In der Herzogs-Allee -(Hertogslaan), welche die zwei grossen Plätze, Waterloo- und -Königsplatz, verbindet, steht sein Bureau und sein »Haus«. -- Im Stile -unterscheidet es sich von den üblichen Wohnungen der Officiere nicht im -mindesten; es ist nur grösser und hat im Innern grosse Empfangssäle. -Am 11. November bekam ich vom Platz-Commandanten Befehl, den andern -Tag in »Marsch tenue« um 9 Uhr in seinem Bureau mich einzufinden, um -dem Armee-Commandanten vorgestellt zu werden; natürlich wurde nur den -Neulingen diese Ehre zu Theil; die anderen Officiere, welche von ihrem -Urlaub in Europa zurückgekehrt waren, nahmen an diesem Empfang nicht -Theil. - -Die »Vorgalerie« war eine schmucklose Säulenhalle, welche, wie mir -erzählt wurde, nur bei grossen Empfangsabenden von den zahlreichen -Gästen benutzt wurde, um »frische Luft zu schöpfen«, wenn die -Temperatur im grossen Empfangssaal zu warm wurde; wir wurden in einen -kleinen Saal geführt und nach Rang und nach der Folgereihe der Liste, -welche der Platzcommandant dem Adjutanten von Z. E.[9] überreichen -sollte, aufgestellt. Da wir eine Viertelstunde warten mussten, hatte -ich Zeit genug, um das Empfangszimmer etwas genauer zu besichtigen. -Eine glatte weisse Wand, grosse Spiegel, einige »Wiener« -(Thonet’sche) Stühle und Divans und ein polirter Tisch in der Mitte -- -das war alles. - -[Illustration: Fig. 1. Ein malayisches Mädchen in seiner Haustoilette. -(Dieses silberne Feigenblatt wird gegenwärtig nur selten von den -Malayen auf Java, aber häufig auf den übrigen Inseln getragen.)] - -[Illustration: Fig. 2. Zwei sundanesische Frauen bei der Bearbeitung -der Cacaofrüchte.] - -Seit diesen 23 Jahren hat die europäische Mode die alte Einfachheit -der indischen Wohnung verdrängt; gepolsterte Möbel, schwere Tapeten, -Phantasiestühle und schwere Vorhänge herrschen in den Privatwohnungen -der reichen Europäer ebenso wie in Holland. Ich habe seitdem das Innere -dieses Hauses nicht mehr gesehen; ich weiss also nicht, ob auch der -Armee-Commandant für sein kleines Empfangszimmer sich dieser Mode -unterworfen hat. Damals jedoch imponirte es mir durch seine Einfachheit -und noch mehr durch seine kalte, düstere, saubere Ausstattung; ebenso -kalt und gemessen war die Begrüssung durch den Armee-Commandanten -+van Neve+. Nachdem ich auf diese Weise mich meiner »dienstlichen« -Verpflichtungen entledigt hatte, fuhr ich in der Stadt herum, um einen -Totaleindruck von ihr zu bekommen. - -Zunächst fuhr ich zurück zum Waterlooplatz mit der Waterloosäule -und dem Monumente von J. P. +Koen+ (oe = u), welchem (als viertem -General-Gouverneur) die Gründung Batavias[10] unrichtiger Weise -zugeschrieben wird. Es ist ein grosser viereckiger Platz, welcher von -drei Seiten mit Häusern umgeben ist; hier werden die Militär-Paraden -abgehalten, und die Stabsmusik hält hier jeden Sonntag Nachmittag -ein Concert im Freien. Diese Concerte waren damals das Rendez-vous -der Haute volée, der jeunesse dorée und aller Babu’s mit ihren -schutzbefohlenen Kindern. Ich hatte späterhin oft Gelegenheit, solchen -Militär-Concerten unter freiem Himmel beiwohnen zu können. Es ist ein -buntes Gewimmel und könnte, auf eine Bühne gebracht, ein schönes, -farbenreiches Ballet darstellen. Zunächst erscheinen die diversen -Babu’s mit europäischen, javanischen, chinesischen und malayischen -(Fig. 1[11]) Kindern; sie selbst haben eine lange, bunte Kabaya, einen -bunten Sarong, der mit einem gelben oder blauen, seidenen Bande oder -einem silbernen oder vergoldeten Gürtel über den Hüften befestigt ist; -sie sind braun in allen Schattirungen, haben dunkelschwarzes Haar, -welches in einen Knoten am Scheitel geknüpft ist, mit einer langen, -silbernen Nadel darin, das Ohrläppchen hat ein Loch, beinahe so gross -wie ein Zehn-Hellerstück, die Augen sind schwarz, die Lippen hin und -wieder von dem Sirihsaft roth gefärbt, die Zähne sind schwarz und -abgefeilt, oder nach europäischer Mode weiss. Die Büste ist voll und -der Gang etwas kokett, die Füsse sind klein, wohlgeformt und ohne -Bekleidung, und die zierlichen, mit Ringen versehenen Hände schwingen -wie das Pendel einer Uhr auf und ab. - -Die jungen Marssöhne gesellen sich selten zu ihnen, es sei denn, dass -sie geradezu Heiratspläne haben; denn die Staffage der Küche durch -einen Soldaten ist nicht üblich. Der eingeborene Soldat, leicht an -seiner Hautfarbe und blossen Füssen erkennbar, denkt gar nicht an das -Flirten; er lauscht der Musik und steckt seine Cigarette an (aus den -Blättern der Nipahpalme konisch zugedreht) und wirft hin und wieder -einen Blick jener Schönen zu, welche sein Herz erobert hat, ohne -vorläufig seiner Umgebung auch nur durch eine Miene den Sturm seiner -Gefühle zu verrathen. Der europäische Soldat, der neben ihm steht, ist -schon weniger schüchtern und zurückhaltend. Er wird seiner Bewunderung -oder seinen Gefühlen gewiss Worte verleihen, wird sofort sich ihr -nähern und sie vielleicht durch ein leises Lispeln jener zahlreichen -»Panton« verrathen, welche die Liebenden einander zuflüstern. Bald -erscheint das halbeuropäische Gigerl, und die »Nonna«; in schöner -weisser Hose und Rock, mit tadellos glänzenden Lackschuhen und grossen -Manschetten mit goldenen Knöpfen ist der »Sinju« sich seines Sieges bei -den Frauen bewusst; er ist interessant, seine blendend weissen Zähne, -sein rabenschwarzes Haar und seine glänzenden Augen, sein eleganter Bau -und Wuchs lassen seine platte Nase und hervorstehenden Jochbeine und -Oberkiefer ganz vergessen, und als echter Don Juan beginnt er sofort -unter den anwesenden Nonnas die schönste sich auszusuchen. Diese sind -schön, elegant und geradezu verführerisch. Schlank gebaut, haben sie -eine schöne Büste und glänzende Augen und schwarze Haare, die kleinen -zierlichen Füsse stecken in reich verzierten chinesischen Pantoffeln -mit goldenen Absätzen und mit feinen Strümpfen. Ein golddurchwirkter -seidener Sarong umschliesst ihre grossen Hüften, eine elegante kurze -weisse Kabaya mit Spitzen besetzt verhüllt nur theilweise ihre schöne -Büste, und zahlreiche Ringe, Ohrringe und Haarnadeln zieren Kopf und -Hände und ein dunkelblauer oder dunkelrother Sonnenschirm schützt sie -vor den Strahlen der scheidenden Sonne. -- Zu Pferde erscheint bald ein -junger Lieutenant oder ein reicher Chinese oder Araber; Equipagen auf -Equipagen fahren vor mit europäischen, javanischen, chinesischen oder -armenischen Damen, bleiben stehen, und bald umgiebt sie ein Schwarm -junger Leute, und sie flirten und flirten, bis Cupido seine Köcher -erschöpft hat. - -Unterdessen hat die »Stabsmusik« ihr Programm beendet, es ist sechs Uhr -geworden und der Schwarm ergiesst sich in die benachbarten Strassen. - -Auf dem Waterlooplatz fällt das »grosse Haus« (= groote huis) auf, -weil es ein Stock hoch ist und beinahe die ganze östliche Front des -Platzes einnimmt. Es wurde Anfangs dieses Jahrhunderts vom Marschall -+Daendels+ erbaut und vom Burggrafen +du Bus de Ghisignies+ vollendet. -Gegenwärtig beherbergt es den grössten Theil der Gouvernementsbureaux: -die Rechnungskammer, das Kriegs-, Finanz- und Cultusministerium, die -Landeskasse, das Steueramt u. s. w. Die Loge und das Militär-Casino -schliessen sich zu beiden Seiten diesem grossen, aber nicht schönen -Gebäude an; Officierswohnungen, die römische Kirche und die schon oben -erwähnten Gebäude begrenzen den stattlichen, grossen Platz. Auf dem -Kreuzwege, welcher auch zum Königsplatz führt, steht das unansehnliche -Denkmal[12] für +Bali+. - -Ich liess dann den Kutscher den Weg zum Königsplatz nehmen, den mir -einige Reisegenossen als den grössten der Welt bezeichnet hatten. -Soweit meine Erfahrung reicht, ist dies factisch der Fall; es ist -ein grosses, grasbedecktes Feld in Trapezform, dessen Schenkel jeder -ungefähr 1½ km lang ist, während die eine der Parallelen nur 1 km, -und die zweite (die südliche) ebenfalls in 20 Minuten zu gehen ist. -Ausser dem Vorzug, dass dieser Platz mehr als 1,000,000 ☐Meter gross -ist, hat er gar keine schönen Eigenschaften; denn es ist nur eine -grosse Grasfläche, welche an der Nordseite durch eine kleine Parkanlage -(gegenüber dem Palaste des Generalgouverneurs) und einen schönen -artesischen Brunnen unterbrochen wird. Bei meiner Rundfahrt konnte ich -nicht einmal unterscheiden, ob an der gegenüberliegenden Seite ein -Mann oder eine Frau gehe; die Gebäude, welche an und für sich niedrige -Häuser ohne Stockwerk sind, werden ebensowenig deutlich gesehen, so -dass selbst die Frage offen bleibt, ob die bedeutende Grösse dieses -Platzes ein Vorzug genannt werden könne. Nebstdem ist er besonders arm -an öffentlichen Gebäuden; die armenische Kirche, die Willems-Kirche, -eine kleine Eisenbahnstation und auf der Westseite die Museen mit dem -»Elefanten«, einem Geschenke des Königs von Siam (aus dem Jahre 1870), -sind die einzigen Gebäude, welche von dem gewöhnlichen altgriechischen -Stile abweichen. - -Ich beendete meine Rundfahrt; es war 11½ Uhr, und die Sonne war -mir schon lästig geworden; ich hatte nämlich die Kappe des Mylord -zurückgeschlagen, um eine freie Aussicht über alle Strassen und Häuser -geniessen zu können. Ohne es natürlich zu ahnen, befand ich mich in -der Nähe des Hotels und fuhr (auf der Nordseite des Königsplatzes) in -den Hofraum des Hotels bis vor die Thüre meines Zimmers. Ich stieg -aus, zog nicht nur meine dunkle Uniform, sondern auch meine Leibwäsche -aus, welche von dem Schweiss geradezu durchtränkt war, und trat in -Haustoilette, d. h. in Nachthose und Kabaya, in die Veranda. Mein -Mylord stand noch vor der Thür, und auf dem Bocke sass der Kutscher -mit unerschütterlicher Ruhe und Grandezza, ohne im Geringsten eine -Ueberraschung ob meiner Toilette zu zeigen. Mutter Spandermann machte -dieser stummen Pantomime zwischen uns Beiden ein Ende durch den Befehl, -dass ich nach Tisch zu Hause bleiben und schlafen gehen müsse, und dass -sie es nicht erlaube, dass ich in der Hitze der Mittagssonne wieder -spazieren fahren und mir das Fieber auf den Leib holen wollte. Ganz -bescheiden bemerkte ich, dass ich dies auch gar nicht beabsichtige und -durch einen Wink dem Kutscher angedeutet habe, die Pferde in den Stall -zu bringen. »Haben Sie ihm ein Trinkgeld gegeben?« »Nein!« »Und wie -haben Sie ihm den Wink gegeben?« Ich wiederholte meine Handbewegung, -ohne ihre Frage zu verstehen. Noch mehr überrascht war ich, als sich -diese dicke Dame vor Lachen schüttelte und einmal um das andere Mal -rief: »Orang-Baru, Orang-Baru.« Endlich kam die Wellenbewegung dieser -Fleischmasse in Ruhe, und mit verständnissvollem Lächeln gegen den -Kutscher theilte sie mir mit, dass diese Handbewegung, und zwar mit der -Fläche nach unten, für den Malayen gerade das Zeichen sei, näher zu -kommen oder zu bleiben, und zum Beweise dafür winkte sie in gleicher -Weise einem fernstehenden Bedienten, herbeizueilen. - -Ich gab dem Kutscher ¼ Gulden Trinkgeld und hatte dafür eine doppelte -Lection bekommen und zwar: wie man den malayischen Bedienten winke, und -dass das Trinkgeld als ein Symptom der Civilisation auch nach Indien -seinen Weg gefunden habe. - -Auch für die weitere Eintheilung des Tages sorgte Mutter Spandermann: -»Um 12½ Uhr wird die Glocke für die Reistafel geläutet; Sie kommen in -weissen Kleidern zu Tisch; der Bediente, welcher Ihr Zimmer aufräumt, -wird bei der Table d’hôte hinter Ihrem Sessel stehen und Ihnen alle -Schüsseln zureichen, welche Sie als Orang-Baru essen dürfen und müssen; -ich sage auch +müssen+, weil Sie sich an die indische Küche -gewöhnen müssen; wer weiss, wie lange es noch dauert, dass Sie in einer -grossen Stadt bleiben werden; sobald als möglich werden Sie auf die -Aussenbesitzungen gesendet, und es bleibt dann die Frage offen, ob Sie -essen werden +können+, was Sie wünschen, oder ob Sie alles essen -werden +müssen+, weil Sie keine Wahl haben werden. Doch à propos; -heute ist Empfangsabend beim Sanitätschef; um 6½ Uhr ziehen Sie sich -Frack und weisse Handschuhe an, nehmen wiederum einen »Wagen« und -fahren nach Parapatan, wo der Sanitätschef Sie seiner Frau und allen -übrigen Damen vorstellen wird. Machen Sie mir ja keine Schande, und -machen Sie allen jungen Damen gut den Hof, sonst sind Sie verloren; -denn in die Conduitliste wird von Ihnen wie von jedem Officier -aufgenommen, ob er sich in feiner Gesellschaft gut bewegen könne.« - -»Ich bin aber der holländischen Sprache noch viel zu wenig mächtig, um -in Damengesellschaft mich »gut bewegen zu können«; ist es vielleicht -nicht besser, wenn ich deshalb zu Hause bleibe?« - -»Nein, nein, Sie gehen heute dahin; ich habe jetzt keine Zeit, weiter -mit Ihnen darüber zu sprechen; Sie gehen! Adieu!« - -Aber sie ging nicht, und auf einmal fing sie wieder so zu lachen an, -dass ihre grosse Fleischmasse wieder in fürchterliche Wellenbewegungen -gerieth, und endlich hörte ich sie brummen: »Ein Mof, ein Mof.«[13] -»Nun ja,« rief ich, »ich bin ein Mof, was soll aber das Lachen -bedeuten?« - -»Hören Sie! Voriges Jahr wohnte bei mir Dr. X., der auch ein Mof ist, -und dem ich befahl, zum Empfangsabend des Armee-Commandanten zu gehen. -Was denken Sie, was dieser Mof that, als er bei dem grossen Empfange -des Generals B. dessen Frau vorgestellt wurde? Nein, ich sage es Ihnen -nicht, rathen Sie, so viel kann ich Ihnen nur sagen, dass die Fächer -aller Damen sofort vor die Augen gehalten wurden, und ein Kichern und -ein Lächeln wie ein kleiner Sturm durch den Saal sich fortpflanzte, bis -endlich eine der Damen selbst vom Sessel aufsprang, um in der Vorhalle -ihrer vom Lachen erschütterten Leber Luft zu machen. Sie errathen es -nicht? Nun, so will ich es Ihnen sagen: Er küsste Mevrouw B. die Hand! -Das thut man bei Euch in Mofrica, aber nicht in Holland und nicht bei -uns in Indien. Das darf man nicht in Gesellschaft thun, das darf man -nur im Geheimen und verstohlen thun, wenn man allein ist, das ist eine -Liebeserklärung, nein, das ist keine Liebeserklärung mehr, das ist -schon der erste Act des Liebens selbst, der zweite Act ist das Küssen -des Mundes.« - -»Und der dritte Act?« frug ich. - -»Sie Schalk!« (ondeugd) rief sie und wackelte weiter. - -Natürlich folgte ich als gehorsamer Orang-baru (Neuling) allen ihren -Anweisungen und, da der Empfang der Familie des Sanitätschefs und der -übrigen »hohen« Herren und Damen auf mich einen günstigen Eindruck -gemacht hatte, schloss ich den zweiten Tag meines Aufenthaltes in -Indien befriedigt in den Armen von Morpheus. - -Der dritte Tag brachte mir ein Abenteuer, dem ich damals mehr Gewicht -beilegte, als ich es heute thun würde, indem mein Tagebuch davon als -von einer Lebensgefahr erzählt, der ich mit grosser Noth entronnen war. - -Einer meiner Reisegenossen ging mit der »Friesland« nach Surabaya, -von wo aus er das Endziel seiner Reise im Innern des Landes erreichen -sollte. Da ich durch keine dienstlichen Angelegenheiten verhindert -war, wollte ich ihn aufs Schiff begleiten, um noch einmal -- und zwar -zum letzten Male -- die Stätte zu sehen, auf welcher ich 42 Tage lang -mit Sehnsucht den Tag erwartete, an welchem ich die grosse Seereise -überstanden hatte und eine neue Carrière anfangen sollte. Nebstdem -konnte ich auch den nördlichen Theil der Neustadt und die Altstadt -besichtigen, welche am Tage der Ankunft wegen vorgerückter Abendstunde -nur in flüchtigen Umrissen sich gezeigt hatten. - -Vor dem Hôtel lagen damals die Rails der Tramway, welche bis zur Douane -in der alten Stadt führten. Heute ist es eine Dampftramway mit ziemlich -netten Waggons; damals waren es alte schmutzige Kasten, welche von drei -kleinen mageren Pferden gezogen wurden. Mitleid musste jeder mit diesen -drei »Katzen« haben, welche bei »jeder Halt« die grösste Mühe hatten, -diese grossen gefüllten Kästen in Bewegung zu bringen. - -Neben den Rails lag ein Trottoir, und daran schloss sich das tiefe -Bett des Tjiligon, welcher stets ein (von Lehmerde) gelb gefärbtes -Wasser führt; der Stadttheil an seinem rechten Ufer heisst Nordwyk -(y = ei), während das Javahotel, das Hotel der Nederlanden, das -Justiz-Ministerium und das des Innern, die Bureaux des Palastes des -General-Gouverneurs (dessen südliche Front bis auf den Königsplatz -reicht) und die »Harmonie« (Civil-Casino) in Ryswyk liegen. Längs -dieser Gebäude ging die Tramway, welche durch die Vorstadt Molenvliet -nach der Altstadt führte. Bei der Douane fand ich den Herrn L., welcher -mit einigen Freunden auf mich wartete, um gemeinsam in einem Kahn auf -dem »Canal« die Fahrt nach der Rhede anzutreten. Der Herr L. war der -malayischen Sprache mächtig genug, um mit dem Steuermann des Nachens -den Preis von 3,50 fl. für die Hin- und Rückreise zu bedingen. - -Sofort nach unserer Ankunft wurde der Anker aus der Tiefe gezogen, -die Dampfpfeife gab das Signal zur Abreise, und ich verliess die -»Friesland«, die, wie schon erwähnt, im Jahre 1878 mit Mann und Maus -unterging. - -Der Dampfer war kaum in Bewegung, als der Steuermann des Nachens die -Bezahlung des Preises von mir verlangte; ich zog arglos meine Börse -heraus und wollte ihm die bedungenen 3,50 fl. bezahlen; er aber -schüttelte das Haupt und zeigte mir die fünf Finger seiner Hand; ich -steckte ruhig die Börse ein und wies gebieterisch mit der Hand nach -der Küste. Ebenso ruhig legten aber die Ruderer auf einen Wink des -Steuermanns die langen Ruder nieder. Es war ein kritischer Augenblick; -ich wusste damals noch nichts von den Malayen als berüchtigten -Seeräubern, welche sie früher waren; aber ich fühlte das Schaukeln -des Kahnes und die Haifische haben sich auf der Rhede Batavias schon -manchen in’s Wasser Gefallenen in die Tiefe gezogen. Wir waren von der -Küste zu weit entfernt, um von den Krokodilen aufgefressen zu werden; -aber die Küste und das »Wachtschiff« waren so weit entfernt, dass mein -Hilferuf nicht hätte gehört werden können. Endlich wies ich wieder, wie -ein gewaltiger Feldherr, mit der Hand nach der Küste, der Steuermann -hob wieder seine fünf Finger in die Höhe, und ich nickte bejahend mit -dem Kopfe. Nach einer Stunde fuhr ich bei der Douane ein und erzählte -einem Beamten diesen Vorfall, während ich ihn ersuchte, eine 10 fl. -Note mir zu wechseln. Dieser rief den Steuermann zu sich, hielt ihm -eine Strafrede, ersuchte mich auf das Nachdrücklichste, nicht mehr -als den bedungenen Preis von 3.50 fl. zu bezahlen, und eine tüchtige -Ohrfeige machte dem Gespräche mit dem Steuermann ein Ende. - -Darauf nahm ich mir ein Dos à dos, um in der Altstadt oder, wie sie -in Batavia üblicher Weise genannt wird, in der »Stad« eine Rundfahrt -zu machen; diese kleinen Wagen, eine verschlechterte Ausgabe der -englischen Dogcart, sind für Batavia geradezu typisch und haben sich -dort so eingebürgert, dass sie selbst durch die »Deeleman’s Kar« nicht -verdrängt wurden. Beide werden in der Regel nur von einem Pferde -gezogen und ruhen nur auf zwei Rädern; während in der ersteren der -Passagier mit dem Rücken gegen den Kutscher sitzt, macht der Sitz im -»Deeleman Kar« einen rechten Winkel zu dem des Kutschers. Das Dos à -dos ist ein offener Wagen, d. h. es hat ein Zeltdach, welches bei -Regen durch Vorhänge geschlossen werden kann, während der »Deeleman« -ein viereckiger Kasten ist. In beiden sitzt man jedoch so unbequem -als möglich, und der »Deeleman« hat ausserdem noch eine niedrige -Einsteigtreppe. - -Die Rundfahrt durch die »Stad« bot wenig Neues, Interessantes oder -Sehenswerthes. Wenn nicht hin und wieder eine Palme oder ein Pisangbaum -uns an die Tropenwelt erinnerte, wenn nicht »unsere braunen Brüder« -oder Chinesen durch die Strassen in grosser Zahl ihre Arbeit besorgten, -z. B. mit grossen, halbmondförmigen Stöcken ihre Lasten trügen oder -Eis zum Verkauf anböten, so würde man glauben, eine alte, verfallene -Hafenstadt Europas vor sich zu haben mit zahlreichen Kanälen, welche -mit Kähnen und Nachen bedeckt sind; die schmuck- und prunklosen, -meistens einstöckigen Häuser sind alle in europäischem Stil gebaut und -grössten Theils im Dienst des »Mercur«. Wenn ich von dem Rathhaus mit -den Bureaux des Residenten, der Polizei, dem Standesamt u. s. w., von -dem Justizpalast (venia sit dicto!), von den grossen Magazinen, der -Douane, dem meteorologischen Observatorium, dem Postamt, den Spitälern -für Eingeborene und für Chinesen und zwei europäischen Apotheken -absehe, fiel mir nur die ungeheure Zahl von Handelsfirmen[14] auf. -Es war 12 Uhr geworden; ich entliess das Dos à dos und fuhr mit der -Eisenbahn von der Station »Stadhuis« bis zu der von Nordwyk, in deren -Nähe sich das Java-Hotel befand. - -Programmgemäss sass ich nach meinem Mittagsschläfchen (bis 4 Uhr) in -der »Vorgalerie« bei einer Schale Thee und einem Glas Eiswasser, las -die Briefe und Zeitungen, welche zum ersten Male Nachricht aus der -fernen Heimath brachten, als Mutter Spandermann sich einstellte, um mir -wieder einen Vortrag über »das Leben in de Oost« zu halten; sie wählte -diesmal das Thema: Kunst. Nachdem sie sich erkundigt hatte, warum ich -nicht den Abend vorher die »Comedie« besucht, und nur mitleidvoll den -Kopf geschüttelt hatte, als sie hörte, dass ich mich mehr für die -Kunst der Eingeborenen und der Chinesen als für die der Europäer -interessire, weil mir diese voraussichtlich nichts Neues bieten -könnten, da überfiel mich plötzlich eine Eruption eines Zornesanfalles, -den ich von der gutmüthigen alten Frau nicht erwartet hätte. - -»Ja, ja, ich weiss schon, Sie sind auch so ein Totok, so ein grüner -Europäer, der alles besser weiss und kann, als wir Alle in ganz -Indien. Sie glauben, dass wir Hottentotten sind, dass hier alles -schlecht und dass alles in Indien ordinär sei. Sie sind auch so ein -Weltverbesserer, der in Europa kaum der Schulbank entwachsen ist, -nichts zum Fressen hatte, und der kaum in Indien festen Fuss gefasst -hat und schon uns alten, erfahrenen Eingesessenen Lectionen und weise -Lehren geben will. Haben Sie soeben das »Gebet einer Jungfrau« auf -dem Piano spielen gehört? Ja? es hat Ihnen gefallen! Das glaube ich -auch. Wer hat es gespielt? Sie, Orang-baru, Sie, Totok? Nicht wahr, -nein! Es war meine Tochter Anna, welche, Gott sei Dank, noch niemals -das Land der Frösche, das kalte, neblige, flache Holland gesehen -hat. Wo hat meine Tochter Anna so schön, so reizend, so gefühlvoll -gelernt, das »Gebet einer Jungfrau« in das Herz eines jeden verstockten -Cölibatärs dringen zu lassen? Hier in Batavia hat sie es gelernt. Sie -ist, d. h. ich bin Mitglied der »Aurora«; sie geht zu jeder Aufführung -des »Apollo« und der »Eendracht«, und jeden Sonntag nehme ich einen -Wagen und fahre zum Concert der »Stabsmusik« auf dem Waterlooplatz. -Ist dieses vielleicht keine schöne Musik? Haben Sie schon irgendwo -auf der ganzen Welt »an der schönen blauen Donau« reizender und -schöner spielen gehört, als hier unter der Leitung des berühmten -Capellmeisters D.? So! Haben Sie hier von der europäischen Kunst -nichts Neues zu erwarten? Fragen Sie Ihren Nachbar, den Capitän der -»Friesland«, das ist ein sehr gebildeter und viel gereister Mann; er -ist gestern in »de Comedie« gewesen, fragen Sie ihn, ob in Wien, in -ganz Mofrica oder in Paris Aida[15] eine schönere Ausstattung hatte, -als gestern unser Decorationsmaler Kingsbergen geboten hat? Ja, ich -weiss es, dass »man« in Holland uns für Schlaraffen hält, die nichts -anderes thun, als »Reistafel« essen, Genevre saufen, den ganzen Tag im -Faulenzer sitzen und zwei- bis dreimal des Tages sich zu »siramen«. -Glauben Sie dieses auch heute noch, obwohl Sie sehen, dass ich den -ganzen Tag auf den Beinen bin, und factisch nicht einmal Zeit habe, -die illustrirte Zeitung meiner »Trommel« anzusehen. Wenn Sie es in -Mofrica und in Amsterdam dann so heiss haben, z. B. im Monat August, -sehen Sie, hier auf dem Thermometer sind 87° Fahrenheit, und wissen -Sie, wohin jetzt meine Anna geht? Sie geht in die Turnschule! Ja, trotz -dieser Wärme geht sie turnen; sehen Sie, und in diesem ekelhaften -Lande der Frösche nennen sie uns faul, müssig und genusssüchtig.« -Endlich kam Ruhe in diesen Sturm, und es gelang mir, der alten -Matrone zu versichern, dass ich immer mit Genuss nach den Klängen -des »Gebetes einer Jungfrau« gelauscht habe, und dass es mich freue, -in Batavia so viel Sinn und Liebe für Kunst und Wissenschaft zu -finden. Das Wort »Wissenschaft« entfesselte aufs Neue den Strom ihrer -Beredtsamkeit: »Noch keine 8000 Europäer zählt Batavia, d. h. nicht -die Stadt Batavia, sondern die ganze Provinz Batavia hat noch keine -8000 Europäer, und darunter sind auch die Sinju und Nona begriffen, -welche »inlandsch Blut« in sich haben und oft gar nichts Europäisches -in und an sich haben, und wie viel wissenschaftliche Vereine finden -Sie in Batavia? Nennen Sie mir eine einzige Stadt in Mofrica oder in -Holland, welche kaum 8000 Einwohner zählt und einen »Verein für Kunst -und Wissenschaft«, ein königliches Institut für Sprachen, Land- und -Völkerkunde, und einen naturkundigen Verein, und die Gesellschaft für -Industrie und Landbau, und einen ärztlichen Verein, und einen Verein -der Juristen, der Ingenieure, und ein Afrika-Comité hat. Dann haben -wir die Mission der christlich-reformirten Kirche, den Verein für -innere und äussere Mission, den Verein zur Beförderung und Verbreitung -christlich-malayischer Lectüre. Wir haben auch zwei Ruderclubs, zwei -Turnvereine, einen Schiessclub; nun, sagen Sie mir einmal, Sie weiser -Europäer, welche Stadt in Europa, die noch keine 8000 Einwohner zählt, -hat so viele Vereine für Kunst und Wissenschaft? Sie glauben vielleicht -gar nicht, dass Batavia so wenig Europäer hat, weil es so gross ist; -nun ja, Batavia ist gross und hat seine 80,000 Einwohner, darunter sind -aber 20,000 Chinesen, und ich weiss nicht wie viele Eingeborene; ich -weiss nur aus dem Regierungsalmanach, dass die Residentschaft Batavia -900,000 Einwohner hat mit 8000 Europäern, 837,000 Javanen, 71,000 -Chinesen, 1200 Arabern und 500 »fremden Orientalen«; wie viel davon -auf die Stadt Batavia entfällt, kann ich Ihnen nicht sagen;[16] dass -aber die Wyken (Stadttheile) der Europäer so gross sind, trotzdem nur -wenige Europäer hier leben, hat seine guten Ursachen. Wie Sie sehen, -hat jedes Haus einen Garten, auch wenn er oft kaum grösser ist, als ein -Waringinbaum für seine Luftwurzeln Platz nöthig hat.« - -Endlich hatte Mutter Spandermann ihren Sermon beendigt, und stolz wie -eine Fregatte segelte sie weiter, befriedigt von dem Bewusstsein, einem -»Baar« die Wahrheit gesagt zu haben. - -Unterdessen hatte sich eine Reihe von Hausirern auf der Erde -niedergelassen, und kaum hatte die Wirthin mich verlassen, als sie alle -auf mich einstürmten. Dieser Ueberfall überraschte mich nicht, weil ich -in Port Said von den Geldwechslern und Eseltreibern dasselbe erfahren -hatte; zwei Chinesen, ein Javane, ein Malaye und Klingalese zeigten -mir ihre Waaren und priesen mir dieselben in malayischer Sprache an. -Der eine Chinese merkte jedoch bald, dass ich von dem Kauderwelsch -nichts verstünde und fing in französischer Sprache das Loblied seiner -Kabayen an, während der Klingalese englisch zu radebrechen anfing. Ich -entschloss mich zu dem Kaufe von 6 Kabayen und 6 Nachthosen, für welche -der eine Chinese 60 fl. verlangte; ich bot ihm 16 fl. und -- erhielt -sie. Bei einem zweiten Chinesen ging es mir noch schlechter oder noch -besser, wie man es eben nennen will. Er bot mir zwei ägyptische Vasen, -aus Elfenbein geschnitzt, an und verlangte dafür 80 fl.; da ich sie -nicht zu kaufen beabsichtigte und von ihm befreit zu werden wünschte, -bot ich dafür 80 bidji’s (= 10 Cts.-Stücke). Erst schwur er hoch und -theuer, dass sie ihm selbst 40 fl. kosteten, und fing an, seinen Kram -einzupacken; schon glaubte ich von ihm erlöst zu sein, als er die -Holzschachtel nahm und mir mit den Worten anbot: »Ich habe heute noch -kein Geschäft gemacht; ich habe noch keine Hand voll Reis heute kaufen -können; ich weiss auch, dass Sie ein grosser Herr sind, also nehmen Sie -sie um 8 fl.! -- Natürlich stellte es sich nachträglich heraus, dass -die Vasen nicht aus Elfenbein, sondern aus getrocknetem und gepresstem -präparirten Reis bestanden. - -Interessant war die Bekanntschaft mit meinem Zimmernachbar. Es war -der Herr van S.., welcher kurz nachher ein Buch über die »Jagd auf -Java« schrieb; er hatte auch den berühmten Rhinocerosjäger Darling -gekannt, welcher vor ungefähr 43 Jahren auf Java lebte. Herr van -S.. hat mir so manches interessante Jagdabenteuer erzählt, das aber -wenig Jägerlatein enthielt. Da ich niemals ein Rhinoceros im Freien -gesehen, noch weniger geschossen habe, will ich Herrn van S.. für die -Richtigkeit seiner Mittheilungen verantwortlich sein lassen. Die Jagd -auf Rhinocerosse sei gewiss sehr gefährlich, wenn man, wie s. Z. der -bekannte Jäger +Philippo+, schwer gebaut ist und sich auf sein -Pferd nicht verlassen könne. Herr +Philippo+ habe nämlich an -einer Jagd auf Rhinocerosse sich betheiligen wollen. Zwölf Mann hoch -zogen sie im Süden Javas, und zwar in der Preangerregentschaft, in -der Nähe der Küste auf ein grosses Alang-Alang-Feld, in welchem sich -nach Mittheilungen der benachbarten Kampongbewohner ein Rhinoceros -befände. Sie theilten sich in zwei Gruppen von sechs Mann; die eine -Gruppe blieb am Anfang des Feldes stehen. Die andere Hälfte, bei -welcher +Philippo+ (wie alle anderen zu Pferde) sich befand, ritt -auf einem schmalen Pfade an das entgegengesetzte Ende des Feldes. Auf -den kleinen Pferden gelang es ihnen leicht, durch das Alang-Alang-Feld -ihren Kameraden an jener Seite des Feldes entgegenzureiten. Kaum -waren sie jedoch ungefähr 50 Meter in das Gebüsch eingedrungen, als -sie eine schilfrohrfreie Fläche sahen, auf welcher ein Rhinoceros aus -einer Pfütze Wasser trank. Das plumpe Thier wurde durch das Geräusch -der Reiter aufmerksam, unterbrach seinen Morgentrank, drehte langsam -den Kopf nach den Friedensstörern und schaute sie gelassen, ruhig -und neugierig an. Der Herr +Philippo+ hatte zwar sein Gewehr -mit seiner goldenen Spitzkugel bei sich, womit er schon so manches -Rhinoceros getödtet hatte; diesmal wollte er sich jedoch streng an die -Gebräuche der Eingeborenen halten und als Erster mit dem grossen Messer -(parang) die Wade des Ungeheuers spalten. Er gab dem Pferde die Sporen, -in wenigen Secunden war er dem Waldriesen nahe, schon schwang er das -Schwert zum Schlage gegen dessen rechtes Hinterbein, als das Pferd -mit der schweren Last des Reiters zusammensank und den Reiter in die -Pfütze warf. Schwerfällig und langsam drehte sich das Rhinoceros nach -der Seite des Pferdes, ohne dem verunglückten Jäger auch nur ein Haar -zu krümmen. In demselben Augenblick kam jedoch ein zweiter Reiter und -schwang mit Erfolg sein Schwert gegen die Wade des Thieres; es stürzte -zusammen und wurde hierauf leicht die Beute der Jäger. +Philippo+ -war mit dem Schrecken davongekommen. Man zog ihn aus dem kleinen -Sumpfe, während das plumpe, schwerfällige Thier sich vergeblich -anstrengte, aufzustehen und auf seine Feinde einzustürmen. Unterdessen -waren auch die übrigen Jäger herbeigeeilt, und ein Schuss in die Mitte -der Stirne machte sofort dem Leben des Thieres ein Ende. - -Auch erzählte mir der Herr van S.., dass die Kugeln aus den -Vorderladern in der Regel die Haut des Rhinoceros nicht durchdringen -und zur Scheibe abgeplattet herabfallen, dass das Thier jedoch -zwei schwache Punkte habe, den einen in der Mitte der Stirne und -den zweiten unter dem Blatte über dem Herzen, und dass der Herr -+Philippo+ stets eine lange, goldene Patrone von 10 cm für die Jagd auf -Rhinocerosse mitnehme, um durch das grosse Gewicht der Kugel sicher -eine penetrirende Wunde zu erzielen. Da er ein geübtes Auge hatte und -seines Schusses sicher war, habe er niemals die goldene Kugel verloren; -er habe sie immer in dem getödteten Thiere wieder gefunden, weil sie -nicht mehr im Stande war, zum zweiten Male die Haut des Thieres zu -durchbohren. - -Mir ist nicht bekannt, was mit der Haut und dem Skelette der getödteten -Waldriesen in Java geschieht. Ihr Horn wird jedoch vielfach zu -therapeutischen Diensten verwendet. In die Höhle des Horns wird Wasser -gegossen und in der freien Luft eine ganze Nacht stehen gelassen. -Dieses Wasser wird bei erschöpfenden Krankheiten den Patienten als -Roborans gegeben. Geschabt (Rasura cornu rhinocerotis) wurde es in -früherer Zeit von den europäischen Aerzten als »schmerzstillende -und stärkende« Arznei vorgeschrieben. Die Chinesen wenden es bei -Blutbrechen an. Am häufigsten werden Scheiben des Horns, welche in -Essig aufbewahrt werden, gegen Schlangenbisse angewendet. Auch die -Milchzähne dieser Thiere spielen als Amulette gegen Fieber eine grosse -Rolle im Arzneischatz der Javanen; prophylaktisch verhüten sie, auf -der Brust getragen, das Entstehen des Fiebers, und zu therapeutischen -Zwecken wird der Rücken und die Brust der Patienten damit gerieben, bis -braune Striemen die Haut bedecken. - -Während Herr van S.. über die Jagd auf Rhinocerosse und Bantengs (wilde -Büffel) sprach, hatte sich eine malayische Frau mit ihrem Grusse tabéh -tuwan auf die Flur der Veranda der »Vorgalerie« niedergelassen, ohne -übrigens ein weiteres Wort zu sprechen. Jedermann liebt es in Indien, -gegenüber den »Neulingen« den Mentor zu spielen, und so ging mein -Nachbar auf ein anderes Thema in einer wohlgeordneten Rede über, als -er meinen fragenden Blick sich auf diese neue Erscheinung richten sah. -»Das ist eine »tukang pidjit«, und zwar die berühmteste von ganz -Batavia,« belehrte er mich und fasste die kleine Hand dieser Frau -und zeigte sie mir; »»pidjit« heisst massiren, und das Wort tukang, -welches Sie bei jedem Handwerk und Gewerbe nennen hören werden, -bezeichnet eben den Handwerker; so heisst tukang pérag (Silber) der -Silberschmied, tukang mendjâhit (nähen) Schneider, tukang mendjâhit -buku der Buchbinder, tukang snâpang der Gewehrmacher und tukang ôbat -der Apotheker u. s. w. -- tukang pidjit ist also ein Masseur oder -eine Masseuse. Diese kleine Hand überrascht Sie, das Werkzeug einer -kräftigen Masseuse zu sein; aber ich sage Ihnen, kein europäischer -Masseur, und hätte er die Hand eines Goliath, kann so kräftig als -diese kleine Hand massiren; sie massirt aber gar nicht mit der Hand, -sondern nur mit den Fingern, und darin liegt eben ihre Kunst und ihre -Kraft; wenn ich Doctor wäre, ich würde die Muskeln der Finger einer -solchen Masseuse untersuchen, ich bin überzeugt, dass sie doppelt so -stark entwickelt sind, als die des grössten Europäers. Ihre Kunst -besteht in pidjit, urut und krok.[17] Krok ist keine Kunst. Wenn Jemand -Muskelschmerzen hat oder im Fieber liegt, welches den Patienten trotz -aller inneren Arzneien nicht verlassen will, nimmt die tukang pidjit -eine Kupfermünze oder ein Stück von dem Horne eines Rhinoceros und -reibt damit grosse Striemen auf der Haut des Rückens und der Brust. -Schwieriger ist schon das Urut. Diese Frau -- selten thun es Männer -- -nimmt Cocos- oder Kaju-putih-Oel, bestreicht damit ihre Hand und reibt -dann die Muskeln mit grösserem oder kleinerem Druck. Pidjit jedoch -- -ist die Kunst aller Künste. Wenn ich erschöpft von der Jagd nach Hause -komme, oder wenn ich meine zehn Stunden in der Zuckerfabrik hin- und -hergegangen bin, oder wenn ich Stunden lang im Zuckerrohrfelde die -erkrankten Halme herausgesucht habe, dann bin ich Abends so müde, dass -ich nicht in Schlaf fallen kann, bevor nicht die tukang pidjit mich -»gepidjit« hat. Ich habe mich so daran gewöhnt, dass ich jeden Tag um -zehn Uhr mich dieser Operation unterwerfen muss, will ich nicht Stunden -lang auf den Schlaf warten. Heute jedoch will ich bei meinem Freunde -soupiren und darnach ein paar Stunden l’hômbre spielen; dies ist die -Ursache, dass diese Künstlerin schon jetzt um fünf Uhr mich unter die -Hände nehmen muss. Adieu.« - -Das »pidjit« ist ein Kneten aller Muskeln, welche zwischen die Finger -gefasst werden können, und ein Massiren der Hautmuskeln und jener -dünnen Muskeln, welche auf einer harten Unterlage ruhen, wie z. B. -auf der Stirn. So schmerzhaft dieses Kneten und Reiben des ganzen -Körpers sein kann, ein so angenehmes Gefühl sind die Folgen dieser -Operation; unter den Erklärungen für das angenehme Gefühl dieser -Volkssitte scheint jene die plausibelste zu sein, welche annimmt, dass -mit dieser Operation die Ermüdungsproducte sofort in den Blutstrom -gebracht werden, und dass die Muskeln daher von einem Ballast sofort -und für jeden Fall früher befreit werden, als es durch die Ruhe allein -möglich wäre. Da das Schlusstableau jeder Massage dieser Frauen eine -forcirte passive Bewegung aller grossen und kleinen Gelenke ist, so -werden auch pathologische Zustände, so z. B. chronische Entzündungen, -rheumatische Schwellungen oder Ablagerungen der Gicht günstig durch -das »pidjit« dieser Frauen beeinflusst. Ob sie aber im Stande seien, -kleine unbedeutende Affectionen der Sehnen, Nerven und Muskeln, welche -der Diagnose des geübten europäischen Masseurs sich entziehen, und -welche sie mit dem allgemeinen Ausdruck urat sala = unrichtige Ader -bezeichnen, factisch und richtig zu erkennen, muss bezweifelt werden -und fordert noch die Bestätigung auf wissenschaftlicher Basis. Ebenso -viel oder wenig muss bezweifelt werden, ob die Kunst des »pidjit« -in der Hand der Dukuns so Hervorragendes leiste, als im Allgemeinen -angenommen wird. Zweifellos steht jedoch, wie wir in Band I: »Borneo« -sahen, ihre Geschicklichkeit fest, eine Frau nach Belieben steril -zu machen, und zwar temporär, um ihr zum erwünschten Zeitpunkt die -Fruchtbarkeit wieder zurückgeben zu können. - -[Illustration: Fig. 3. Die Hauptstrasse im chinesischen Viertel zu -Buitenzorg.] - - - - -3. Capitel. - - Häufige Transferirungen -- Die Vorstadt Simpang -- Die ersten - eingeborenen Patienten -- Ein Danaergeschenk -- Die „Stadt“ Surabaya - -- Das Mittagschläfchen -- Eine Nonna -- Eine Abendunterhaltung -- - Die Beri-Beri-Krankheit -- Indische Militärärzte -- Die Insel Bavean - und Madura -- Residenties Madura und Surabaya. - - -Die Transportverhältnisse auf Java haben sich seit jener Zeit sehr -zu ihrem Vortheile verändert. Seit dem Jahre 1891 hat einerseits die -indische Dampfschifffahrts-Gesellschaft mit ihren hohen Preisen der -billigen Packetfahrt-Gesellschaft weichen müssen. (Die Reise von -Batavia nach Samarang kostete damals z. B. 60 fl., nach Surabaya 90 -fl. und nach Telekbetong auf der Südspitze Sumatras bei einer Dauer -von nicht ganz zwanzig Stunden 70 fl.!!) Andererseits hat seit dieser -Zeit das Eisenbahnnetz die grössten Städte dieser Insel untereinander -verbunden. - -Ihre Hauptlinie geht von Batavia in einem rechten Winkel nach Maos, -einer Station vor Tjilatjap, dem einzigen Hafen von Bedeutung auf der -Südküste Javas. Von hier geht sie in einem grossen Bogen wieder nach -der Nordküste (nach Surabaya). - -Ebenso wenig als es zweckmässig wäre, hier aller -Dampfschifffahrts-Gesellschaften zu erwähnen, durch welche Java mit -der übrigen Welt in Verbindung steht, oder die Routen anzuführen, -mit welchen die seit dem 1. Januar 1891 ins Leben getretene -»Packetvaart-maatschappij« im Archipel selbst die zahlreichen grossen -und kleinen Inseln untereinander verbindet -- ebenso hinreichend ist -ein Blick auf die Karte von Java, um diese Hauptlinie der Eisenbahn -zu übersehen. Nur muss ich noch erwähnen, dass auf Java Staatsbahnen -und Privatbahnen mit verschiedener Spurweite existiren, und dass die -Vertheidigung Javas viel zu wünschen übrig lassen wird, so lange -Truppen, welche von Surabaya oder Batavia kommen, in Solo umsteigen -müssen, weil die Privatbahn Samarang-Fürstenländer schmalspurig ist, -während die Staatsbahnen normale Spurweite haben. - -Meine Abreise von Batavia nach Surabaya hätte am 20. November -stattfinden sollen; sie musste jedoch aufgeschoben werden, weil auf -dem Dampfer, der an diesem Tage nach Surabaya ging, alle »Hütten« -besetzt waren. Ungefähr 60,000(!!) »Gouvernementspassagiere« wurden -damals mit der indischen Dampfschifffahrts-Gesellschaft jährlich von -einem Theile des Archipels zum andern transportirt. Die Transferirungen -erfolgten damals nämlich äusserst oft. So wurde z. B. einer meiner -Bekannten, ein Lieutenant der Infanterie, im Jahre 1877 von Batavia -nach Surabaya transferirt, wofür an Transportkosten (ohne Diäten) 90 -fl. bezahlt wurden; zwei Monate später ging er nach Menado, welche -Reise 330 fl. kostete; dort blieb er drei Monate, um nach Atjeh -transferirt zu werden, wofür die Dampfschifffahrts-Gesellschaft 720 fl. -in Rechnung brachte. Mit Diäten kostete dieser Officier dem »Lande« in -diesem +einen+ Jahre mehr als 1400 fl.!! Mit der Transferirung -der Militärärzte ging es s. Z. in gleicher Weise verschwenderisch -zu; durchschnittlich war ⅓ (!) des Standes auf der Reise begriffen -oder aus anderen Ursachen nicht activ, und nur wenige haben bei ihrer -Pensionirung im Durchschnitt ein Jahr in einem Garnisonsort gewohnt. -Ich selbst habe durch zufällige Umstände in meinen 21 Dienstjahren, -inbegriffen drei Jahre Urlaub in Europa, nur in 21 Garnisonplätzen -Dienst gethan. - -Jeden fünften Tag ging ein Dampfer von Batavia nach Samarang und -Surabaya, und es blieb mir also nichts weiter übrig, als noch fünf -Tage in Weltevreden procul negotiis zuzubringen; für diese Verzögerung -wurde ich reichlich durch die Gesellschaft entschädigt, welche ich auf -dem Dampfer »Prinz Alexander« fand, als ich endlich am 25. November -Batavia verlassen konnte. Der Schiffs-Capitän, ein gebildeter Mann, war -der deutschen Sprache mächtig, und zeigte mir das Leben in den Tropen -in einem anderen Lichte, als ich es bis jetzt gesehen hatte. Nebstdem -befand sich an Bord ein französischer Seeofficier S., welcher sich -in Surabaya vor Jahren als Commissionär einer grossen französischen -Weinfirma angesiedelt hatte und mir in der Wahl eines Hotels u. s. w. -so manche nützliche Winke geben konnte; nebstdem hatte er viele Jahre -in Tonking geweilt und verglich bei unseren Gesprächen gern das Leben -Javas mit dem in den französischen Colonien. Wenn ich mir auch -späterhin sagen musste, dass dieser Herr S. oft einseitig, und zwar zum -Nachtheile der holländischen Colonien, viele Einrichtungen des socialen -Lebens in Java beurtheilte, so war der Verkehr mit ihm, den ich in -Surabaya weiter unterhielt, dennoch für mich sehr anregend; denn seine -Mittheilungen über das Leben in den französischen Colonien gaben mir -einen Maassstab zur Beurtheilung des Erlebten und des Gesehenen in den -holländischen Colonien. - -Am 29. November kam ich in Surabaya an und bezog in der Vorstadt -Simpang das Hotel Wynveldt, welches ob seiner »Rysttafel« berühmt war -und den Vortheil hatte, in der Nähe des grossen Militärspitales zu -sein, welchem ich voraussichtlich zugetheilt werden sollte. - -Für 90 fl. bekam ich in diesem Hotel die ganze Verpflegung (natürlich -ohne Getränke), und 15 fl. bezahlte ich für den Wagen, der mich -(zugleich mit meinem Nachbar, einem Apotheker) um 8 Uhr nach dem -Spitale bringen, um 11½ Uhr von dort abholen und Nachmittags um 4¾ Uhr -wieder dahin führen sollte. Die Abendvisite dauerte nicht lange; es -war jedoch Usus geworden, nach der Visite in der Nähe des Thores mit -den Collegen an die »Kletstafel« (= Plaudertisch) sich zu setzen und -ein Glas Eiswasser zu trinken; unterdessen näherte sich die Sonne dem -Horizonte. Ein sanfter Seewind zog durch die Strassen, und zu Fuss ging -jeder nach Hause, und zwar meistens mit dem Hut in der Hand. Aus allen -Häusern strömten die Spaziergänger, um sich in der frischen Abendluft -von der Hitze des Tages zu erholen; offene Equipagen zogen durch die -Strassen mit Damen (ohne Hüte), um dulce et jucunde durch die alte -Stadt bis an »Modderlust« einerseits oder über Simpang eine Rundfahrt -um die südlichen Vorstädte Surabayas zu machen; eine Spazierfahrt in -einem offenen Wagen, sei es in einem Mylord oder in einer Victoria, -ist um diese Zeit geradezu ein Genuss. Ein kühler Luftstrom mindert -die Wärme, welche von dem trockenen Boden aus in dem Luftkreise sich -ausbreitet, und darum findet man in Surabaya, sowie in ganz Indien -nur wenige europäische Familien, welche sich den Luxus einer eigenen -Equipage nicht gönnen würden. Dieser Luxus ist allerdings, wie wir -später sehen werden, nicht gross. - -Simpang ist die reizende Vorstadt von Surabaya, mit Häusern derjenigen -Europäer, welche nicht in der alten Stadt wohnen +müssen+. Es ist -nur eine Frage der Zeit, dass die alte Stadt von Surabaya ebenso wie -die alte Stadt von Batavia und Samarang nur mehr die Bureaux der -Handelsleute enthalten werde, dass Simpang die eigentliche Stadt -Surabaya werden und sich bis Wanakrama, welches heute acht Kilometer -weit vom Stadthaus der alten Stadt entfernt liegt, ausstrecken werde. -Ein schöner Park ist das Entrée dieser Vorstadt. Zwischen Blumenbeeten -mit Hibiscus- und Nerpenthessorten und kleinen Anlagen von Cicadëen und -Fächerpalmen ziehen sich schöne Wege mit Götzenbildern aus den Ruinen -des alten Reiches Madjapahit. Kleine Teiche mit Fischen, Volièren mit -Vögeln, hohe Bäume mit Orchideen behängt, entzücken das Auge und leiten -zuletzt zu dem Palaste des Residenten. Ein grosses Götzenbild steht -vor seinem Thore, Djaka Dólóg genannt, welchem in früheren Zeiten von -unfruchtbaren Frauen geopfert wurde, um Nachkommenschaft zu erhalten. -Es ist ein garstiges Denkmal der alten Hinduschen Kunst und Religion. -Neu-Surabaya hat schöne Strassen und Alleen von Tamarinden, Acacien und -Waringinbäumen, hinter welchen mit zahlreichen Cocos- und Arangpalmen -sowie Pisangstauden einzelne Kampongs (Dörfer) der Eingeborenen sich -bergen. Wenn auch die Häuser der Europäer nur die Villenform haben -und sich nicht hoch über den Boden erheben, so ist ein Spaziergang -des Abends durch diese Strassen wirklich ein Genuss, weil alle Häuser -weisse Mauern und weisse Säulen haben, von welchen die zahlreichen -Lampen ein Meer von Licht auf die etwas schwach beleuchteten Strassen -strömen lassen. Von den grösseren Gebäuden verdienen das Casino, die -Loge und das grössere Militärspital erwähnt zu werden. Dieses ist ein -grosses einstöckiges Gebäude mit zahlreichen Sälen für ±400 Kranke in -der Form eines nach der Hauptstrasse offenen Quadrates (⊓). Der Hof -zwischen diesen drei Gebäuden hat zwei grosse schöne Waringinbäume. -Hinter der quervorlaufenden Front fliesst der Goldfluss, an dessen Ufer -der Pavillon der Officiere, und in einer beträchtlichen Entfernung ein -Pavillon für Infectionskrankheiten stehen. Zugleich schliessen sich -daran die Mauern der benachbarten Landes-Irrenanstalt. - -Wie überrascht war ich, als mir nach den üblichen Vorstellungen beim -Landes-Commandirenden und Platz-Commandanten der Landes-Sanitätschef -mittheilte, dass ich, als lediger Mann im Hotel wohnend, gewiss -sofort meinen Dienst antreten könne, und dass er mir die Abtheilung -der eingeborenen »internen Kranken« zuweisen werde. Unbekannt mit den -herrschenden Bestimmungen sollte ich sofort eine Abtheilung des Spitals -leiten, und unbekannt mit der malayischen Sprache sollte ich 80 bis -100 eingeborene Soldaten behandeln. Ich erlaubte mir gegenüber dem -Oberstabsarzt L., welcher in collegialer Weise und in liebenswürdigem -Tone mit mir sprach, den Zweifel auszusprechen, dass ich wohl einem -solchen Wirkungskreise mich vorläufig nicht gewachsen fühlte; doch -der Sanitätschef schnitt mir jede Motivirung dieses Zweifels an meine -diesbezügliche Fähigkeit mit den Worten ab: »Wie im Mittelalter die -Feldherren einen alten Feldwebel zur Seite hatten, der sie in die -Geheimnisse der Verwaltung einweihen sollte, so bekommen Sie einen -Ziekenvader = Krankenoberwärter, der Sie nicht nur in die Geheimnisse -des Dienstes einweihen, sondern Ihnen auch vorläufig ein Dolmetsch für -die eingeborenen Soldaten sein wird. +Vorläufig+, d. h. Sie müssen -sich sofort bemühen, der malayischen Sprache so weit mächtig zu werden, -dass Sie die wichtigsten Fragen an die eingeborenen Patienten selbst -stellen können, und ich hoffe, nach vierzehn Tagen auf Ihre Abtheilung -zu kommen, um mich persönlich davon überzeugen zu können. Ich bitte Sie -also, morgen früh um acht Uhr im Saale Nr. 6 zu erscheinen, wo Ihnen -Dr. X. alle Patienten übergeben, d. h. alles mittheilen wird, was er -aus verschiedenen Ursachen nicht in der »Krankenliste« aufgenommen -hat. Ich kann Ihnen jetzt sofort anrathen, diese »Krankenlisten« nicht -zu vernachlässigen; es ist nicht hinreichend, die Recepte in diese -niederzuschreiben, welche dann in der Apotheke verabfolgt werden, -sondern auch die Anamnese und der ganze Verlauf der Krankheit muss in -diesen Listen beschrieben werden; jeder Patient besitzt eine solche -Liste, welche ein vollständiges Bild seiner Krankheit enthalten muss, -weil es nur zu oft geschieht, dass der behandelnde Arzt krank wird, -und sein Vertreter ohne diese Notizen keine richtige Einsicht in seine -Krankheit haben kann.« Verlockend war die Voraussicht nicht, ein paar -Wochen unter der Leitung eines Krankenwärters zu stehen, welcher den -Rang eines Feldwebels bekleidete. Ich beschloss also, diesem etwas -eigenthümlichen Verhältnisse so bald als möglich ein Ende zu machen, -und fuhr sofort nach der Stadt, um mir zu kaufen: Ein »Recueil« der -gesetzlichen Bestimmungen für die Militär-Spitäler Indiens und eine -Grammatik der malayischen Sprache. Als Dr. X. den nächsten Tag mir -»den Saal 6« mit 30 Patienten und den »Saal 7« mit 40 Patienten -übergab, liess er die in den letzten 24 Stunden eingelangten Patienten -unbesprochen, und mit gewisser Selbstbefriedigung besprach ich nach -Uebergabe des Dienstes von Seiten meines Vorgängers, mit den neuen -Patienten ihre Krankheiten; prapa lama sakit? = wie lange bist Du -krank? sakit apa? = was fehlt Dir? sukkah makan nassi? = hast Du -Appetit, oder wörtlich übersetzt: Hast Du Lust Reis zu essen? ging mir -so flott von den Lippen, als ob ich ein geborener Malaye wäre. Ebenso -zuversichtlich dictirte ich dem Krankenwärter die »Diät« für diese -Patienten mit den vorschriftsmässigen Abkürzungen: Portie, ½ Portie, -¼ Portie, Diät und ½ D. Wenn mir aber einer der Patienten auf meine -Fragen eine etwas weitläufige Antwort gab oder Wünsche in Betreff des -vorgeschriebenen Speisezettels äusserte, verstand ich natürlich kein -einziges Wort und musste nolens volens die Hülfe der Krankenwärter in -Anspruch nehmen. Als nach vierzehn Tagen der Spitalschef zugleich mit -dem Landessanitätschef auf meiner Abtheilung erschienen und als stille -Zuschauer eine Stunde lang der Behandlung der Patienten folgten, zu -gleicher Zeit jedoch hin und wieder einen Blick unter die Kopfpolster -warfen, ob darunter kein Tabak, Cigarren u. s. w. verborgen seien, und -darnach die Aborte und die Baderäume der Abtheilung und die Kästen mit -der Wäsche inspicirten, merkte ich aus einzelnen aufgefangenen Worten -die Zufriedenheit meiner Chefs, und beim Weggehen stellte mir der -Landes-Sanitätschef die Prognose, dass ich sehr bald die Fähigkeiten -zu einem »Eerstaanwezenden Officier van Gezondheid« zu Muarah-Teweh -werde erlangen können, welcher in einigen Monaten einen neuen Titularis -werde erhalten müssen. Nach Ablauf des Dienstes begab ich mich in -die »Conferentiekamer«, wo die übrigen Aerzte vor Erscheinen des -Spitalschefs gemüthlich die Tagesfragen besprachen. Stolz auf die -Belobung meines Chefs theilte ich meinen Collegen mit, dass ich für den -Posten eines rangältesten Militärarztes zu Muarah-Teweh designirt sei. -Statt Bewunderung oder Eifersucht sah ich zu meiner Ueberraschung auf -allen Lippen nur ein spöttisches Lächeln. - -»Ja, ja, dieses ist eine hohe Stellung, welche Ihnen in Aussicht -gestellt wurde; ich muss Ihnen aber auch mittheilen, dass Sie nicht -nur der rangälteste Militärarzt, sondern auch der Rangjüngste in -Muarah-Teweh sein werden, d. h. der einzige Arzt in einem Stück -Lande, das so gross als ganz Holland ist; Sie werden aber auch in -einem Hause wohnen, welches das einzige in diesem Bezirke ist, und -Ihre ganze Gesellschaft wird aus zwei Officieren bestehen, welche -in demselben Hause wie Sie wohnen werden. Sie kommen in ein Land -- -es liegt im Herzen Borneos --, »hinter welchem überhaupt kein Land -mehr ist«,[18] und da Sie mit den Soldaten nicht verkehren dürfen, -so können Sie mit den Orang-Utangs oder anderen Affen verkehren, und -unter den Kopfjägern, den Dajakern in den benachbarten Kampongs, -werden Sie vielleicht einen finden, der Malayisch spricht; aber es -wird rathsam sein, auch diesem einzigen gebildeten Dajaker nicht -zu viel Vertrauen zu schenken, weil Sie sonst Gefahr laufen, Ihren -einzigen Kopf eines Tages auf den Pfählen seines Kampongs hoch in den -Lüften baumeln zu sehen.« »Dafür haben Sie,« fügte ein zweiter College -ebenfalls in spöttischem Tone hinzu, »das erfreuliche Bewusstsein, -ein Protegé des Sanitätschefs zu sein; als solcher können Sie einer -»schönen« Garnison zugetheilt werden, zu welchen z. B. Batavia und -Surabaya gehören, d. h. Städte, in welchen das gesellschaftliche Leben -sich wenig von dem einer grossen Stadt in Europa unterscheidet; Sie -können aber auch eine »gute« Garnisonstadt erhalten, d. h. in einen -Ort versetzt werden, in welchem Sie eine grosse Privatpraxis erlangen -können; in Djocja z. B. kann man leicht 5-600 fl. monatlich bei seinem -Gehalt verdienen; in Banda (Molukken) selbst 1000 fl. So viel werden -Sie natürlich in Muarah-Teweh nicht verdienen; Sie können aber auch -nichts ausgeben. Die Dajaker haben noch keine Oper, Tingel-Tangel, und -nebstdem sorgt die Regierung auch für die Kost der Officiere, weil -ausser dem Lieferanten, welcher für die Verpflegung der Truppen sorgen -muss, kein Kaufmann und kein Geschäft sich dort befindet, von welchem -Sie etwas kaufen könnten. Da Sie im Fort selbst wohnen müssen, so -brauchen Sie kein Quartiergeld zu bezahlen; und weil die Wohnung nur -aus einem Zimmer mit Bambuswänden besteht, also nicht den Anforderungen -einer Officierswohnung entspricht, bekommen Sie das Quartiergeld, -70 fl. pro Monat, ausbezahlt. Was die Kost betrifft, erhalten Sie -diese natürlich nicht aus der Menage der Soldaten, sondern in Natura, -d. h. die Zubereitung der »Vivres« können Sie sich selbst besorgen. -Sie erhalten eine »europäische« und zwei »eingeborene« Rationen; Sie -bekommen z. B. täglich 0·5+2×0·6 = 1·7 Kilo Reis. Butter, Oel, Pfeffer, -Rindfleisch, Petroleum, Salz, Thee und Kaffee werden Ihnen in solcher -Menge verabfolgt, als ein europäischer und zwei eingeborene Soldaten -täglich für ihren Lebensunterhalt nöthig haben. Sie sehen also, dass -die holländische Regierung sehr freigebig ist; Sie erhalten für das -»süsse Nichtsthun« Ihren Monatsgehalt von 225 fl. und 30 fl. für zwei -Pferde Fourage und 70 fl. Quartiergeld und 50 fl. für die Armenpraxis -und gänzliche Verpflegung. Sie werden nämlich nicht viel zu thun haben, -weil die Garnison nur aus einer Compagnie Soldaten (incl. ungefähr 25 -Frauen und einiger Kinder) besteht.« - -Nach diesen Mittheilungen konnte ich nicht viel Erfreuliches für die -nächste Zukunft erwarten, und arg enttäuscht verliess ich um 11½ Uhr -das Spital. Da der Apotheker, welcher mit mir den Wagen benutzen -sollte, »die Wacht hatte«, d. h. 24 Stunden im Spitale bleiben musste, -konnte ich den Wagen zu einer Rundfahrt in der »Stadt« benutzen -(natürlich gegen Beibezahlung von 2 fl.). - -Ein ungefähr zwei Kilometer langer Weg trennt die Vorstadt Simpang von -»der Stadt«, welche im Jahre 1743 an die Compagnie abgetreten und zum -Sitz des Gouverneurs von Javas Osten wurde, nachdem schon zwei Mal -(1677 und 1679) diese Stadt von den Holländern erobert worden war. - -Schon bei dem Officiers-Club »Concordia«, welchen ich sofort beim -Eintritt in die Stadt zu meiner rechten Hand sah, zeigt sich dem -Beobachter ein ganz anderes Bild, als dies in Batavia der Fall ist. -Es ist eine holländische Stadt aus dem Anfange dieses Jahrhunderts -mit kleinen, niedrigen Häusern, welche ohne Garten die Wege begrenzen -und in grösserer oder kleinerer Anzahl zu einem Gebäudecomplex -vereinigt sind; schmale Wege, Stege, Gassen und Strassen wechseln -mit Grachten (Wassercanälen), und nur die Dreh- und Aufzugbrücken -fehlen, um das Bild einer alten, schmutzigen Kleinstadt in Holland zu -vervollständigen. Der Goldfluss (Kali Mas) theilt die Stadt in eine -östliche und westliche Hälfte, und die »rothe Brücke« verbindet den -europäischen mit dem chinesischen (östlichen) Stadttheil. Gegenüber der -Concordia liegt das Haus des Regenten mit einem Schlossplatz; hier wird -Sonntag Nachmittags ein Militär-Concert gegeben, welches die jeunesse -dorée von Surabaya zu einem Rendez-vous einlädt. Ein eigenthümliches -Gebäude ist die Moschee, welche eine hübsche Combination von -griechischem, maurischem und gothischem Styl zeigt. Im chinesischen -Viertel fielen mir die Tempel und die zahlreichen Geschäfte auf; daran -schloss sich der Kampong der Malayen mit einem grossen Marktplatz, auf -welchem lange, grosse, auf steinernen Pfeilern ruhende Markthallen -standen. Hierauf kam ich zu den »Mooren, Bengalesen und Arabern«; -schmutzige, enge Strassen, schmutzige, kleine Geschäfte, wie auf einem -alten Tandelmarkt, und noch schmutziger waren die weissen Kleider und -Turbane der arabischen Bewohner. - -Im Osten und Norden dieser Kampongs der »fremden Orientalen« sind die -Eingeborenen, und zwar nach bestimmten Handwerken geordnet; in dem -einen Kampong sah ich nur Töpfer, in einem zweiten nur Klempner, in -einem andern wohnten nur Kammmacher, Mattenflechter u. s. w. In dem -Kampong Ampel sah ich eine alte Moschee und das Grab von Raden Rachmat, -dem ersten Susuhunan[19] von Ngampel, welcher hier 1467[20] starb. - -Denselben Weg, d. h. über die »rothe Brücke«, fuhr ich zurück, um -mich in dem europäischen Viertel ein wenig umzusehen. Wie in einem -Bienenkorb wimmelt es in den Strassen von Hausirern mit Waaren aus -Elfenbein, Perlmutter, Schildkröten, Horn, Bein, Gold, Silber u. s. w., -welche den Neuangekommenen auf Schritt und Tritt verfolgen. Equipage -auf Equipage durchkreuzten die Stadt, und auch hier war ich verwundert -über die grosse Zahl alter und schmutziger Wagen, welche unter dem -Namen »Kossong« (= leerer) langsam durch die Strassen fahren, um einen -Passagier (50 Cts. für eine Tour) zu finden. Es ist ein auffallender -Unterschied zwischen den beiden Städten Batavia und Surabaya, welcher -in vieler Hinsicht an jenen zwischen Haag und Amsterdam erinnert. -Surabaya ist grösser und hat mehr Einwohner als seine Schwesterstadt im -Westen.[21] Batavia ist durch den Sitz der Regierung eine Beamtenstadt; -Beamte und Officiere sind die tonangebenden Kreise. Surabaya ist eine -Handelsstadt stricte dictu und hat schon seit vielen Jahrzehnten einen -ausgesprochenen europäischen Mittelstand, es ist darum gemüthlicher; -man fühlt sich heimischer und läuft nicht Gefahr, in dem ersten besten -Europäer, welchen man im Club kennen lernt, einem Beamten oder Officier -zu begegnen, welcher ängstlich die Geheimnisse seines Departements -bewahren und jedes Wort auf die Goldwaage legen muss, um nichts -von jenen staatsgefährlichen Geheimnissen entschlüpfen zu lassen, -welche den andern Tag durch die Tagespresse orbi et urbi verkündigt -werden. Surabaya ist aber nicht allein eine bürgerliche Handelsstadt, -sondern auch eine Fabrikstadt, und zahlreiche grosse Fabriken und -noch mehr die zahlreichen kleinen europäischen, javanischen und -chinesischen Werkstätten machen sie zu einem Emporium der Industrie -und des Handels nicht allein der Insel Java, sondern auch des ganzen -indischen Archipels. Von den zahlreichen grossen Unternehmungen -dieser Stadt will ich keine einzige ausführlich beschreiben, weil -ich als Laie in der Technik nur Unvollkommenes mittheilen könnte; -wie ich aber von Fachleuten hörte, sind einige von ihnen, wie z. B. -das Marine-Etablissement, die Artillerie Constructie Winkel und die -pyrotechnische Werkstätte, die vielen Privat-Fabriken für Dampfkessel -u. s. w., geradezu mustergiltige Fabriken, welche in jeder Hinsicht -allen Anforderungen der modernen Technik Genüge leisten. - -Leider hat Surabaya Mangel an gutem Trinkwasser, und es ist bis jetzt -noch nicht gelungen, artesisches Wasser zu erhalten, obwohl die Provinz -in ihrem südlichen Theile stattliche und hohe Berge besitzt, z. B. -den Ardjuno, 3363 Meter hoch, den Berg Penanggungan (1650), Welirang -(3150), Andjomora (2270) u. s. w., und im Westen die Hügelländer von -Tuban (400), von Lamongan, Kendeng und Modokasri zahlreiche Quellen -besitzen. Demzufolge entstehen beinahe jedes Jahr grössere oder -kleinere Cholera-Epidemien, welche meistens in der Citadelle »Prinz -Hendrik« ihren Ausgangspunkt nehmen. Sie besteht bereits 60 Jahre, -ist von der Mündung des Goldflusses 1800 Meter entfernt und war der -Mittelpunkt einer Vertheidigungslinie von ungefähr zwei Kilometern mit -17 Bastionen u. s. w. Sie ist ein starkes Fort, welches bequem 1500 -Mann fassen kann, aber -- sie muss aus obigen Gründen unbenutzt stehen -bleiben und kann nur als Magazin der Armee noch einige Dienste leisten. - -Sollte es der modernen Technik nicht gelingen, aus den grossen -Wassermassen, welche der nahe Javasee und die Flüsse der Provinz -Surabaya, Porong, Brantas (mit den Aesten: Goldfluss, Fluss Porong und -Perigien) und Solo (mit den Mündungsarmen Fluss Ngawen und Miring), -Anjer, Pepeh u. s. w. in sich bergen, brauchbares und gesundes -Trinkwasser zu schaffen? Ich weiss, dass alle modernen Filtrir-Apparate -der grossen europäischen Städte noch weit von diesem Ziele entfernt -sind, weil das Delta-Land, auf welchem diese Stadt liegt, einen grossen -Reichthum an faulenden Stoffen birgt; aber in der Wärme haben wir ja -ein ausgezeichnetes Mittel, diese radical zu zerstören. Wenn auch viele -Europäer das filtrirte Wasser ¼ bis ⅓ Stunde bei einer Temperatur von -100-120 °C. kochen, so bleibt doch die grosse Menge der Eingeborenen, -der Chinesen und der Orientalen blind für die Gefahren eines ungesunden -Wassers; für diese muss die Regierung etwas thun. Eine Stadt von -ungefähr 150,000 Seelen muss ein Trinkwasser haben, welches allen -Anforderungen der Hygiene entspricht. - -Um 1 Uhr hatte ich meine Rundfahrt durch die Stadt beendigt und -erquickte mich an der »Rysttafel«, welche mit Recht den Ruf verdiente, -dessen sie sich erfreute; sie bot nicht nur eine grosse Wahl der -Speisen,[22] sondern auch jede einzelne Schüssel war mit Sorgfalt -bereitet. Eine Flasche Bier trank ich dazu, indem ich in ein Glas ein -grosses Stück Eis gab und das Bier darauf goss. Wahre Bierfreunde -trinken es unverdünnt durch das Wasser des schmelzenden Eises; aber -jeder Versuch, reines Bier (von einer Temperatur von 22-25 °C.) zu -trinken, verleidete mir gänzlich diesen Genuss. Gegenwärtig wird -jedoch das Bier in den Clubs und in manchen Hotels in Eiskübeln -frappirt, so dass man den erfrischenden Geschmack des kühlen Bieres -erhält, ohne gleichzeitig durch Wasser des schmelzenden Eises seinen -Alcoholgehalt zu verdünnen. Nach Tisch ging ich zu Bett und befahl -dem Bedienten, mich um 4 Uhr aufzuwecken, weil ich um 5 Uhr wieder im -Spitale sein musste. Um 4 Uhr wurde ich wach, aber ich fühlte mich müde -und schwach; in Schweiss gebadet, wechselte ich zunächst die Kabaya -und das Flanellhemd, in welchem ich geschlafen hatte, schwankte wie -ein Betrunkener zur Thür, öffnete sie und fiel in der Veranda auf den -Lehnstuhl nieder, als ob ich einen Marsch von zehn Kilometern gemacht -hätte. Unterdessen hatte mir der Bediente eine Schale Thee, eine -Flasche Apollinariswasser und ein Glas mit einem Stück Eis gebracht. -Der lauwarme Thee und danach das kalte Apollinariswasser belebten -sofort meine schlaffen Lebensgeister, ich nahm mein Schiffsbad,[23] -zog mir europäische Kleider an und fuhr nach dem Spitale. Ich hatte -einen Zuwachs von sechs Patienten, von welchen zwei an Beri-Beri, -drei an Malaria und einer an Dysenterie litten. Da ich wusste, -dass um 5½ Uhr den Patienten das Abendessen gebracht werden sollte -und den Neuangekommenen vom »Doctor der Wacht« bereits Medicinen -vorgeschrieben worden waren, begnügte ich mich damit, für diese -sieben Patienten die »Diät« für den folgenden Tag dem »Ziekenvader« -mitzutheilen,[24] ging zu einzelnen Patienten, welche mich besonders -interessirten, oder welche irgend ein Ansuchen an mich richten wollten, -verliess, nur theilweise befriedigt, die Krankensäle und setzte mich -zu den übrigen Collegen, welche bereits an der »Kletstafel« sassen -und mich, jeder in seiner Weise, über meinen Beruf als Oberarzt der -indischen Armee zu belehren suchten. - -Da mir viele, wenn nicht alle ihre Mittheilungen fremd und oft sogar -unglaublich erschienen, weil ich nicht wusste, wie viele derselben -Scherz oder Ernst waren, so steigerte sich noch mehr das Gefühl des -Unbefriedigtseins in mir, und als um 6 Uhr die Collegen aufstanden, -um das Spital zu verlassen, blieb ich beim »Doctor der Wacht« zurück, -um von ihm das Thatsächliche der Neckereien zu erfahren. Zu meiner -grössten Ueberraschung entsprach alles der Wirklichkeit, und nur der -Ton der Erzählungen war ein scherzhafter gewesen; auch hatte ich -späterhin oft genug Gelegenheit, mich von der Richtigkeit dieser -Mittheilungen zu überzeugen. Die Sonne war untergegangen, und bevor -ich das Hotel erreicht hatte, war es finster geworden, und ein Javane -lief vor mir, um die Petroleumlampen[25] anzuzünden. Das Hotel stand -an der grossen Heeresstrasse, welche nach Gedong und Sidoardjo führte. -Hier standen nur an einer Seite einige europäische Häuser, darunter -das des Landes-Commandanten Colonel R., welcher das grosse Vorrecht -hatte, neun Töchter zu besitzen. Ich verliess das Hotel mit der -Absicht, auf dieser wenig besuchten Strasse mich ganz dem Genusse -des Alleinseins zu ergeben und den ersten Tag meiner neuen Carrière -einer Kritik zu unterwerfen, und arglos näherte ich mich dem Hause -des Colonels R. Da traf ein silberhelles Lachen meine Ohren, und ein -Paar feurige, schwarze Augen suchten mit neugierigen Blicken den -Fremdling zu erforschen, der sich aus dem Getümmel der Stadt in die -Ruhe der unbewohnten Poststrasse geflüchtet hatte. Es war eine reizende -Nonna -- ihre Grossmutter war eine Javanin gewesen -- welche sich an -meiner Verlegenheit ergötzte, indem ich nämlich zögernd einen Gruss -stammelte, nachdem ich bereits einen Schritt weit sie passirt hatte. -Sie war noch »ungekleidet«, d. h. noch in indischer Haustoilette; der -seidene Sarong umschloss die breiten Hüften, die reich garnirte Kabaya -bedeckte die schön geformte Büste nur zum Theil, weil durch die Spitzen -des oberen Theiles die lichtbraune Haut durchschimmerte; das schwarze -Haar war nach hinten in einen dicken Knoten (Kondé) gebunden; bei -ihrem schalkhaften Lächeln zeigte sie ein elfenbeinernes Gebiss von -tadellosen Zähnen, und über den schwarzen Augen wölbten sich ein Paar -grosse, dichte Augenbrauen. Die Flamme einer Laterne umsäumte dieses -schöne Bild mit einem goldenen Saume, und während ich, erfüllt von -dieser reizenden Erscheinung, weiter schritt, kicherte Jemand hinter -mir und zog mich zurück; es war der kleine Schalk Cupido. - -Noch eine halbe Stunde folgte ich der langen Poststrasse, nachdem -schon lange kein europäisches Haus zu sehen war und die kleinen -Petroleumlämpchen der Eingeborenen nur schwach das Innere ihrer kleinen -Häuschen und die Strasse beleuchteten. Ich kehrte um, ging in’s -Hotel und fand -- eine Einladung zu einer Hausunterhaltung bei dem -Landes-Commandanten. Um 8 Uhr ging ich zur Table d’hôte, welche uns -ein »europäisches Mahl« bot, d. h. Suppe, Rindfleisch, Gemüse, Braten, -Mehlspeise, Kaffee, Obst und Käse, und um 9 Uhr stand ich, in Frack, -schwarzer Hose und weissen Handschuhen gekleidet, vor dem Eingange des -Hotels, um zunächst die Theilnehmer an diesem Feste passiren zu sehen. -Equipagen auf Equipagen mit europäischen Damen und Herren in Uniform -und Frack fuhren bei mir vorbei; einzelne Dos à dos (nur mit einem -Pferde bespannt) mit jungen Officieren und Beamten kamen in langsamem -Schritt vorgefahren. Auf dem Bocke einer Victoria sass ein Polizeimann -mit dem goldenen Regenschirm (Pajông) und brachte den Residenten der -Provinz. Hinter ihm folgte ein Mylord, in welchem der Regent, der -eingeborene Häuptling, sich befand; auch er hatte neben dem Kutscher -einen Polizeimann, der einen weiss und gold gefärbten Pajông aufrecht -trug. Ein Chinese in Mandarintracht folgte mit seiner Frau, welche -einen schwer seidenen Sarong und Kabaya trug, und endlich wagte ich es, -den ersten Schritt in die »indische Gesellschaft« zu thun. Ein schöner -Anblick bot sich mir beim Eintritt in die Thüre der manneshohen Mauer -dar, welche das Haus und den kleinen Garten des Colonels R. von der -Strasse trennte. Auf der Treppe, welche zur Säulenhalle des Hauses -führte, sassen die Polizisten der hohen Beamten wie Marmorsäulen und -hielten den Pajông aufrecht vor sich. Die Säulenhalle war weiss, und -die Flammen strahlten in doppelter Helle ihr Licht über den Garten; in -dieser Halle und dem Saale, welchem sich erstere anschloss, strömten -die Menschen auf und ab; sehr viele Uniformen und sehr wenige Fracks -oder Salonröcke, während die Damen in europäischer Salon- oder -Balltoilette an Reichthum und Eleganz, aber weniger an »Mode« ihre -Schwestern in Europa übertrafen. Sofort erschien der Hausherr in -seiner wenig kleidsamen Uniform, stellte mich seiner Frau und den zwei -Damen vor, welche neben dieser sassen, und führte mich dann in einen -Nebensaal, wo die Jugend versammelt war. Das Brummen und Summen der -eifrig flirtenden Jugend übertönte seine Stentorstimme, als er den -»jüngsten Aesculapius von Surabaya« vorstellte, und er verliess mich -sofort, um seinen Hausherrnpflichten auch anderwärts gerecht zu werden. - -»Sie sind also der grosse Philosoph, welcher vor drei Stunden bei -unserem Hause, gewiss in weltbewegende Gedanken vertieft, vorbeiging -und mich um 6 Uhr, sage um 6 Uhr, noch in Sarong und Kabaya gekleidet -sah.« Mit diesen Worten trat eine reizende Brünette von ungefähr 19 -Jahren mir entgegen. Ich wusste nicht, dass es unschicklich sei, -wenn junge Damen um 6 Uhr noch in Haustoilette sind, ich fand kein -holländisches Wort und ich fand auch keine deutsche Antwort, als -sie mit schalkhaftem Blick diese Frage an mich richtete, und pries -das Geschick, welches mir in diesem Augenblicke den Bedienten mit -einer grossen Platte sandte. Schalen mit Kaffeeextract und mit Thee, -eine grosse Kanne Milch und eine Zuckerdose mit pulverisirtem Zucker -hielt er mir unter die Nase und frug mich in malayischer Sprache, -welchen Trank ich vorziehe. Fräulein Marie wiederholte seine Fragen in -holländischer Sprache, und endlich gelang es mir, den Gesellschaftston -zu finden und in einem Kauderwelsch, welches weder Deutsch noch -Holländisch war, unterhielt ich mich lebhaft mit dieser Schönsten -der Schönen. Kaum hatte ich den Kaffee ausgetrunken, als ein zweiter -Bedienter kam und drei Sorten von Liqueuren mir anbot. Wieder war -es meine reizende Nachbarin, welche die fürchterlich entstellten -Namen der Liqueure mir übersetzte, und eben wollte ich zu einem -Gläschen Vanilleliqueur greifen, als aus dem Hintergrunde des grossen -Saales die lauten Klänge einer Polonaise erschallten. Wie von einem -electrischen Funken erschüttert sprangen alle jungen Damen und Herren -von ihren Sesseln auf und gingen Arm in Arm in den grossen Saal. -Sehr gern wäre ich mit meiner Schönen in dem kleinen Saal geblieben, -um noch lange, sehr lange mit ihr zu plaudern, aber ein fragender, -selbst vorwurfsvoller Blick erinnerte mich an meine Pflicht, ich gab -ihr den Arm und folgte dem Zuge ihres Armes, der mich hinter den -Assistent-Residenten brachte, welcher die Frau des Regenten führte. Wie -ich später wiederholt sah, folgen bei allen Festlichkeiten die Gäste -einer bestimmten, nach Rang und Würde geordneten Reihe. Der Hausherr -eröffnet mit der angesehensten Dame den Reigen, ihm folgte deren Mann -mit der Hausfrau u. s. w. Erst die dei minorum gentium schliessen die -Reihen, ohne sich an den Rang der Tänzer zu halten. Zweimal hatte die -grosse Colonne den Saal nach dem Tacte der Musik durchschritten, als -sie plötzlich einen Walzer anstimmte; einige der alten Herren und -Damen traten aus; alle Uebrigen -- nur ich nicht -- stürzten sich in -den Strudel der walzenden Paare. Wiederum sah mich »meine Dame« mit -fragenden und vorwurfsvollen Blicken an, als ich sie bat, auf einer -nahen Causeuse Platz zu nehmen und unser unterbrochenes Gespräch -fortzusetzen. Zum ersten Male in meinem Leben bedauerte ich es, niemals -tanzen gelernt zu haben, und bevor ich noch diesem elenden Gefühl Worte -verleihen konnte, näherte sich ein Lieutenant der Infanterie, welcher -diese Scene beobachtet hatte, und bat um den Walzer. - -»Sehr gerne,« sagte meine Dame mit gehässigem Nachdruck, und sofort -verschwand das schöne Paar in der Menge der Walzenden. »Dieser Oberarzt -bleibt nicht lange in Surabaya,« brummte ein alter Herr en passant, -und als ich mich fragend umblickte, was dieser Orakelspruch bedeute, -setzte er fort, als ob er einen Monolog hielt, und ohne mich anzusehen: -»Männer, welche nicht tanzen können, gehören nicht in den Salon, auf -den Aussenbesitzungen unter den Wilden ist ihre Heimath.« Unterdessen -sah ich den Hausherrn bei den alten Herren und Damen hin und her eilen, -um sie zu einer Partie Whist, L’hombre oder Quadrille einzutheilen, -und wieder zogen einige Paare Arm in Arm, jedoch mit gelassenen und -gemessenen Schritten in die hintere Veranda und in ein paar kleine -Säle, wo die Spieltische mit Karten und Marken sie erwarteten. Auch -mich frug der Colonel, an welchem Spiel ich mich betheiligen wolle, da -er sehe, dass ich nicht tanzlustig sei. Als ich ihm wieder bekennen -musste, dass mir das Whistspiel nur dem Namen nach bekannt sei, und -dass ich von den beiden anderen Spielen nicht einmal die Namen kenne, -frug er mich erstaunt, wo ich denn meine Erziehung gehabt habe, dass -ich weder tanzen, noch Karten spielen könne, und liess mich stehen. -Der zweite Theil der Polonaise war endlich zu Ende, und die tanzende -Jugend versammelte sich wieder im kleinen Saale, um zu lachen und zu -scherzen und zu flirten. Bediente erschienen und präsentirten Rothwein, -Rheinwein, Eiswasser, Mineralwasser und Brandy-Grog; ich selbst wählte -ein Glas Mineralwasser und trat in den kleinen Saal, um wenigstens -einen Blick »meiner Dame« zu erhaschen; sie sah mich jedoch nicht, und -als ich mich ihr näherte, um eines der vielberühmten Ballgespräche -mit ihr anzufangen, wandte sie sich zu ihrem Tänzer mit der Frage, ob -der Walzer oder die Polka den höchsten Genuss ihm biete. Ich war in -Ungnade gefallen. Ich verliess diesen kleinen Saal und ging hinaus -in die Vorhalle, in welcher Alle sassen, welche nicht tanzen konnten -und wollten, und welche aus verschiedenen Ursachen auch nicht an dem -Kartenspiele theilnahmen. Gern hätte ich mich mit dem Regenten oder -mit dem »Major der Chinesen« in ein Gespräch eingelassen, aber schon -beim Vorstellen sah ich, dass sie der holländischen und natürlich -noch weniger der deutschen Sprache mächtig waren. Beide sprachen wie -ihre Frauen die malayische Sprache, die allgemeine Umgangssprache -zwischen Europäern und Eingeborenen, aber mein Wissen und Können dieser -Sprache reichte noch nicht weiter, als bis zu den einzelnen Fragen -um das körperliche Befinden, und so sah ich mich gezwungen, andere -Gesellschaft aufzusuchen. Endlich wurde es zwölf Uhr, und wieder -erschienen Bediente, diesmal jedoch mit grossen Schüsseln, gefüllt -mit Brötchen, gefüllt mit Schinken oder Wurst oder Paté de foie gras, -während ein zweiter Bedienter auf der Platte kleine Teller, Messer und -Kaffeeservietten anbot. Die Tanz-Pause war eingetreten. Der Berg mit -belegten Brötchen wurde immer kleiner und kleiner, und der Bediente -erschien nun wieder mit den diversen Getränken. Ich nahm wieder ein -Glas Apollinariswasser, als plötzlich aus dem Zimmer der tanzlustigen -Jugend: »Bier her, Bier her, oder ich fall um, juchhe!« zu meinen -Ohren drang; ich sprang von meinem Stuhle auf, und mit tiefgehaltenem -Tenor fuhr ich an der Thüre fort: »Soll das Bier im Keller liegen, und -ich nur ein Wasser kriegen« und -- das Eis war gebrochen. Von allen -Seiten stürmten die Schönen auf mich ein, noch ein anderes deutsches -Studentenlied zu singen, und nach diesem musste ich ein drittes -singen, bis endlich die Accorde eines Lancier die jungen Damen und -Herren in den Tanzsaal riefen. Der Mohr hatte seine Schuldigkeit gethan --- ich konnte wieder gehen. - -[Illustration: Fig. 4. Der Palast des Gouverneur-General in Buitenzorg -(Südseite).] - -Um 2 Uhr empfahl sich der Resident und seine Frau dem Gastgeber; ihnen -folgten alle Uebrigen, welche nicht tanzten; auch ich nahm Abschied, -und als ich auch »meiner Dame«, der jüngsten Tochter des Hauses, -meinen Dank für den herrlichen Abend aussprechen wollte, rief sie mir -scherzend zu: »Nein, den Dank begehre ich nicht; ein junger Mann, der -nicht tanzt, kann sich nicht amüsiren. Adieu.« Einen Hut[26] hatte ich -nicht, ein kühler Nachtwind trocknete die triefende Stirne, und mit -wechselnden Gefühlen ging ich zu Bett, unbefriedigt von meinem ersten -Thun im Spitale und unbefriedigt von meinem ersten Thun und Lassen im -indischen Salon. - - * * * * * - -Der Dienst im Spital gefiel mir mit jedem Tage besser. Wenn der erste -Tag das Gefühl des »Unbefriedigtseins« im hohen Grade in mir wach -gerufen hatte, so lagen die Ursachen dafür nicht in mir, sondern in -den herrschenden Verhältnissen. Ich stand 80 Patienten gegenüber, -von denen ich absolut nichts wusste; wenn auch mein Vorgänger -in der »Krankenliste« die Diagnose ihrer Krankheit aufgenommen -hatte, so war mir damit nur wenig geholfen; 49 von ihnen litten an -Malaria, 20 an Beri-Beri, 3 an Dysenterie, und die übrigen 8 hatten -Lungenentzündung und andere mir geläufige Krankheitsbilder. Von der -Beri-Beri-Krankheit hatte ich in Europa nicht einmal den Namen, -geschweige denn das totale Krankheitsbild, den Verlauf und die -Ursache gekannt. Unter meinen 20 Fällen dieser Krankheit befanden -sich alle möglichen Formen und Stadien der Erkrankung, und vergebens -war alle Mühe, aus ihnen nur ein einheitliches Bild dieser Krankheit -zu bilden. Hier lag ein Mann unter den schwersten Symptomen der -Herzbeutelwassersucht, und dort stand ein Mann, bei dem ausser einem -Puls von 100 Schlägen in der Minute kein anderes Symptom gefunden -wurde; der Eine hatte geschwollene Füsse und eine bleiche, krankhafte -Hautfarbe, und der Andere war »bis auf das Skelet« abgemagert. Beim -Dritten hatte Dr. C. notirt, dass sein Puls in der Ruhe 120 mal und -nach einiger Bewegung 200 mal in der Minute schlage, und bei einem -Vierten war angegeben, dass er bis über die Mitte des Oberschenkels -anästhetisch = unempfindlich sei. Nicht viel besser ging es mir mit -den Malariapatienten; als den Typus der Malaria kannte ich nur das -Wechselfieber mit scharf abgegrenztem Hitze- und Kältestadium, und -von meinen 49 Malariapatienten zeigte kaum ein einziger dieses Bild. -Wenn ich an diesem Tage aus den Notizen der Krankheitsliste und aus -den objectiven Befunden obiger 49 Malariapatienten, unabhängig von -dem weiteren Verlaufe der Krankheit, die Diagnose hätte stellen -müssen, wäre das Wort Malaria kaum in 10 Fällen ausgesprochen worden. -Der Eine zeigte ausgesprochene Lungenverschleimung, der Zweite litt -an Diarrhöe; ein Dritter hätte mich an Typhus und ein Anderer an -Hirnhautentzündung (Meningitis) denken lassen; ein Sergeant hatte alle -Erscheinungen des Mumps (Parotitis) und der letzte Malariapatient hatte -selbst das ausgesprochene Bild der Cholera! In diesem Labyrinth der -Erscheinungen der Malariakrankheit halfen mir theilweise meine Bücher -auf den richtigen Weg; über die Beri-Beri jedoch musste ich mich von -den älteren Collegen informiren lassen. Leider waren ihre Informationen -nur nach einer Richtung hin befriedigend. Wassersucht, verbunden mit -geringer Lähmung (Parese) der Beine und erhöhter Arbeit des Herzens, -veranlasste die Diagnose der häufigsten Form der Beri-Beri. Geringe -Lähmung und hochgradige Abmagerung der Extremitäten gab die Diagnose: -Beri-Beri kring = trockene Beri-Beri. - -Seit dieser Zeit hat, wie wir im III. Bande mittheilen werden, die -Frage dieser verheerenden Krankheit vielfach die indische Regierung -und die Gelehrten der medicinischen Welt beschäftigt; aber für den -denkenden Arzt war es damals geradezu eine beschämende Arbeit, -Patienten gegenüber zu stehen, von welchen man beinahe gar nichts -wusste. Welche Bedeutung diese Krankheit für die indische Armee hat, -will ich an dieser Stelle nur andeuten, und zwar durch Abdruck der -Ziffern, welche die Verbreitung dieser Krankheit in der Armee vom Jahre -1893-1897 demonstriren: - - Stand der Beri-Beri- an Beri-Beri superarbitrirt - Armee Patienten gestorben Malaria - - 1893 34,186 6170 = 18% 218 573 13,332 = 39% - 1894 37,532 4908 = 13% 231 796 11,631 = 31% - 1895 38,568 5652 = 14% 276 516 14,706 = 38% - 1896 42,782 5780 = 13% 151 726 14,639 = 34% - 1897 42,080 2211 = 5% 92 442 17,534 = 41% - -Ich folgte also, was die Behandlung dieser unglücklichen Patienten -betraf, dem Beispiele meiner Collegen und nahm die einzelnen Symptome -zur Basis meiner Recepte; wir können ja leider bei den meisten -Krankheiten, von welchen wir unter dem Scepter der Bacteriologie -alles zu wissen glauben, auch nicht viel mehr thun. Auf diese Weise -habe ich mein ärztliches Gewissen damals beschwichtigt und schon nach -einigen Wochen mich ebenso sicher oder ebenso unsicher wie die übrigen -Collegen gegenüber den Beri-Beri-Patienten gefühlt. Glücklicher Weise -hatte ich noch andere Patienten, wie z. B. chirurgische, syphilitische -und venerische Fälle oder andere mir geläufige Krankheitsformen, -wie z. B. Herzfehler, Lungenkrankheiten u. s. w. in Behandlung und -dadurch auch hinreichendes Material, um das Selbstvertrauen in meine -ärztliche Kunst nicht allzu stark erschüttert zu sehen. Damals folgte -nämlich der Sanitätschef dem Principe, dem jungen Arzte alle möglichen -Krankheitsformen in Behandlung zu geben, um eine vielseitige Ausübung -seiner ärztlichen Kunst zu ermöglichen. Der Militärarzt in Indien -hat ja nur zu oft Gelegenheit, ohne Hülfe eines Collegen oder eines -Consiliarius, alle Zweige der ärztlichen Kunst ausüben zu müssen. Jeder -wird für kürzere oder längere Zeit in die Aussenbesitzungen gesendet, -wo er oft in einem Gebiete, das so gross wie eine holländische Provinz -ist, der einzige Arzt ist, und bei den mangelhaften Verkehrswegen -erst nach vielen Tagen oder Wochen einen Collegen in’s Consilium -erlangen könnte. Der indische Militärarzt muss also vielseitig -entwickelt sein und selbständig in allen Fächern der Medicin auftreten -können. Zu diesem Zwecke erhielten damals die jungen Aerzte nicht -Abtheilungen, welche mit bestimmten Krankheitsformen belegt waren, -sondern Krankensäle, welche, analog der Truppenformation, Europäer, -Eingeborene, Unterofficiere[27] und Officiere[27] enthielten. - -Von den Sitten und Gebräuchen der Eingeborenen bekam ich in den -ersten Monaten meines Aufenthaltes in Indien kein richtiges oder -besser gesagt gar kein Bild. Eine grosse Kluft trennt sie von den -Europäern; ich selbst sprach keinen andern Eingeborenen als meinen -Bedienten und wechselte mit den Patienten meiner Abtheilung kein -Wort, das nicht unerlässlich für die Behandlung war. So geht es allen -Officieren, vielen Beamten und allen übrigen europäischen Bewohnern -Javas. Eine Ausnahme machen hiervon einige junge Leute, welche mit -einer eingeborenen Frau im Concubinat leben; da aber eine solche -Njai = Haushälterin aus der Hefe des Volkes genommen wird, ist ihr -Bildungsgrad ein sehr niedriger, und sie wäre gewiss die unreinste -Quelle, aus der man sein Wissen in der malayischen oder javanischen -Ethnographie schöpfen könnte. Auch sind einzelne und dann meistens -halbeuropäische Familien in jeder Stadt, welche mit den eingeborenen -Häuptlingen gesellschaftlich verkehren; diese sind allerdings dann gut -auf der Höhe der malayischen oder javanischen Sitten und Gebräuche. -Die übrigen Europäer aber haben nur ein oberflächliches Wissen von -den Gewohnheiten ihrer Stadtgenossen und beurtheilen die Eingeborenen -nur nach dem äusseren Schein und dem oberflächlichen Wellenschlag des -täglichen Lebens auf der Strasse und auf dem Marktplatz. Mir ging es -schon darum in Surabaya nicht besser, weil mein ärztlicher Beruf ganz -andere Arbeiten als das Studium der Sitten der Eingeborenen mir zur -Pflicht machte. Ich musste die holländische und malayische Sprache mir -aneignen, musste dem Studium der Tropenkrankheiten und Tropenhygiene -mich widmen, und musste mich zunächst in das Leben und in die Gebräuche -der Holländer einleben. Erst in späteren Jahren beschäftigte ich mich -auch mit der »Land- und Völkerkunde« der Insel, auf der ich lebte. - -Ende Februar las ich in dem »Locomotief«, dass Dr. F. von Muarah-Teweh -(im Innern der Insel Borneo) nach Batavia berufen wurde, um dort -sein Examen für den Rang eines Regimentsarztes abzulegen. Seitdem -sind leider diese Prüfungen abgeschafft, welche für Indien geradezu -ein Bedürfniss sind; die jungen Aerzte, welche oft viele Jahre in -den »Aussenbesitzungen« stationirt sind, haben dort ein geringes -Material. Es fehlt ihnen der Sporn zu wissenschaftlichen Arbeiten, -und sie vergessen daher den grössten Theil ihrer auf der Universität -erworbenen theoretischen und praktischen Wissenschaften. Wenn sie -jedoch nach einer gewissen Anzahl von Jahren sich wieder einem Examen -unterwerfen müssen, dann sind sie gezwungen, sich auf der Höhe der -Wissenschaft zu halten. Im Jahre 1882 wurde die Verpflichtung zu -dieser Prüfung für alle Doctoren abgeschafft, welche nach dem neuen -holländischen Reglement den Titel Arts = Arzt erworben hatten, d. h. -Doctores universae medicinae geworden waren. Aber auch diese sind -nur Menschen und werden ohne Sporn zu weiteren wissenschaftlichen -Arbeiten leicht der Schablone verfallen. In der österreichischen -Armee bestehen Prüfungen für den Rang des Stabsarztes; die Candidaten -müssen den Beweis liefern, dass sie in der Militärhygiene wie in der -Organisation der Armee u. s. w. ebenso bewandert sind, als in jenen -Fächern, welche die Physicatsprüfung fordert; sie müssen Terrainkarten -lesen und die Ausrüstung der Feldspitäler anordnen können u. s. w. -Wenn sich also eine so grosse Armee Sicherheit verschafft, dass mit -dem goldenen Kragen ihrer Aerzte auch ein grösseres Quantum von Wissen -verbunden sei, als der subalterne Militärarzt in der Regel besitzt, so -kann oder vielmehr muss auch die indische Armee bei den herrschenden -Verhältnissen Maassregeln treffen, dass ihre Aerzte, welche in der -Regel gut vorgebildet die Schule verlassen haben, auch weiterhin auf -der Höhe der Wissenschaft sich erhalten und über jenes Quantum von -Wissen verfügen können, welches der jeweilige Rang erfordert. (Vide 1. -Theil: Borneo, Seite 34.) - -Mit dieser Zeitung in der Tasche begab ich mich zu dem Hospitalchef, -der gerade an diesem Tage seinen Jour hatte; es war 7 Uhr, als ich -in seinem Hause erschien; einige Officiere und Bürger waren schon -anwesend, und sofort nach der Begrüssung der Hausfrau und meines Chefs -wurde mir von allen Seiten zu meiner bevorstehenden Transferirung -Glück gewünscht. Das »Surabayische Handelsblatt« hatte nämlich nicht -nur die Berufung des Dr. F. von Muarah-Teweh mitgetheilt, sondern auch -die Vermuthung geäussert, dass ich wahrscheinlich sein Nachfolger in -jenem von der menschlichen Civilisation hundert Meilen entfernten Fort -werden würde. Mein Chef, welcher natürlich darüber am besten informirt -war, enthielt sich jeder Aeusserung, weil meine Transferirung ihm -noch nicht officiell mitgetheilt war, glaubte jedoch einige Worte des -Trostes mir sagen zu müssen, falls sich diese Vermuthung bewahrheiten -sollte. »Ach, Sie sind ja ledig, für Sie ist also eine Transferirung -eine unbedeutende Sache, und Muarah-Teweh wird für Sie eine Vorschule -des Bivouaclebens sein, wenn Sie späterhin nach Atjeh geschickt -werden sollten.« Diese Worte waren gerade nicht sehr ermuthigend, -und als ich ihn um 8 Uhr verliess, wollte mir der Widerspruch dieser -tröstenden Worte und der Glückwünsche der übrigen Officiere nicht -recht einleuchten. Am nächsten Tag erhielt der Landes-Sanitätschef -vom Landes-Commandirenden den officiellen Bescheid, dass ich nach -Bandjermasing, der Hauptstadt des südöstlichen Borneos, transferirt sei -und mit dem Dampfer, welcher Ende März dahingehe, »meiner Bestimmung -folgen« sollte. Nach viermonatlichem Aufenthalte auf Java verliess ich -diese Insel, welche ich erst 3½ Jahre später, und zwar im October 1880, -wieder sehen sollte. - - * * * * * - -Die »Residentie« (= Provinz) Surabaya ist stark bevölkert (ungefähr -20,000 Seelen auf die ☐Meile), und obschon beinahe alle Rassen des -indischen Archipels in der Hauptstadt und ihrer Umgebung vertreten -sind, stammt die grösste Zahl von der Insel Madura, welche seit vielen -Jahrhunderten den ganzen Osten der Insel Java mit ihren Bewohnern -überschwemmt. - -Die benachbarte Insel Bavean, welche administrativ zur »Residentie« -Surabaya gehört, erfreute sich niemals eines solchen Ueberschusses -an Menschen, dass eine Emigration nach dem Festlande (?) = tanah -Java stattfinden konnte; sie ist ja nur 3,6 ☐Meilen gross und -hat ungefähr 40,000 Seelen; ihre Hauptstadt Sangkapura mit einem -Assistent-Residenten und einem eingeborenen Häuptling bietet nichts -Sehenswerthes; desto grösser ist die Zahl der Naturschönheiten, und es -ist mir unverständlich, dass beinahe niemals die Europäer von Surabaya -sich die Mühe nehmen, sie zu besichtigen; in 13 Stunden kann sie ja -per Dampfschiff erreicht werden. Die Berge Tinggi und Radja sind zwar -nicht hoch (600 Meter), aber sie geben ein herrliches Panorama über -die ganze Insel. Ein Bergsee, unterirdische Gänge, ein Wasserfall -(des Tapa-Flusses), eine üppige Flora, das interessante Bild wahrer -Seemänner, reich verzierte Wohnungen der Eingeborenen u. s. w. belohnen -in reichem Maasse den Touristen, welcher in zwei Tagen diese kleine -Insel durchforschen und besichtigen kann. - -Die Heimath der Maduresen, die Insel Madura, ist 81,176 ☐Meilen -gross und wurde im Jahre 1892 von 509 Europäern, 4338 Chinesen, 1595 -Arabern, 139 Orientalen und 1,523,639 Eingeborenen bewohnt; sie soll -noch vor 700 Jahren mit der Insel Java verbunden gewesen sein. In -einem Kahn kann man in einer Stunde von Surabaya aus diese Insel -erreichen, und dennoch hatte ich niemals die Gelegenheit, sie zu -betreten. Da ich nur jene Provinzen (Residenties) von Java ausführlich -zu beschreiben beabsichtige, welche ich aus Autopsie kenne, muss ich -den wissbegierigen Leser diesbezüglich auf Veth’s Java und andere -Quellen verweisen; da ich aber im III. Bande von den »Barisans« von -Madura sprechen will, so muss ich jetzt schon mittheilen, dass dies -Hülfstruppen der indischen Armee sind, welche die Fürsten dieser Insel -auf Ersuchen der indischen Regierung in Zeit der Noth einberufen -müssen; sie sind 1319 Mann mit 34 (eingeborenen) Officieren stark, -erhalten jedoch von der indischen Regierung europäische Instructoren. -Es sind tüchtige Soldaten, welche zu wiederholten Malen vortreffliche -Dienste der indischen Regierung geleistet haben. - -Minder zahlreich als die Maduresen sind in der Provinz Surabaya die -Malayen (vide Titelbild). Diese bewohnen die Küsten aller Inseln, und -ihre Sprache ist die allgemeine Verkehrssprache geworden (Vide Band -I, Seite 35). Im Ganzen hat diese Provinz 2,088,303 Einwohner[28] bei -einer Grösse von 104,453 ☐Meilen; darunter befanden sich 7546 Europäer, -18,451 Chinesen, 2853 Araber, 504 »andere Orientalen« und 2,058,949 -Eingeborene. Wie viel von letzteren Javanen stricte dictu sind, ist -nicht bekannt. Unter Javanen versteht man eben auf Java nur die -Bewohner des mittleren Java, welche sich streng abscheiden von jenen -des Westens, welche Sundanesen heissen, und den Maduresen, welche den -Osten Javas bewohnen. Der Unterschied in der Sprache, in der Literatur -(und theilweise in der Kleidung) ist so gross, dass, wie wir später -sehen werden, eine strenge Scheidung dieser vier Stämme gerechtfertigt -ist. Wie viel Javanen, Maduresen, und wie viel Malayen in dieser -Provinz leben, ist eben nicht bekannt; zu oben erwähnten zwei Millionen -Eingeborenen gehören auch noch die zahlreichen Makassaren von Celebes -und eine kleine Anzahl von Borneonesen, welche jedoch mit mehr oder -weniger Recht zu den Malayen gerechnet werden. Unter fremden Orientalen -(»vreemde oosterlingen«), deren in dieser Provinz 504 vorkommen, -versteht man in erster Reihe die Handelsleute, welche von Vorder-Indien -nach Java kommen und sich dort ansiedeln; andere rechnen auch die -Armenier und alle Bewohner dazu, welche von den benachbarten Inseln -Sumatra, Borneo und Molukken abstammen. - -Die Küste der Provinz Surabaya ist sumpfig und sandig im östlichen -Theil, während von Grissé aus gegen den Nordwesten der Küste der -Boden trocken und sandig ist;[29] an diese schliessen sich nach -dem Süden ein Kalkhügelland und ein weites fruchtbares Gebirge an. -Jodiumquellen, eine Guwa-Upas, d. h. eine Stickstoff enthaltende -Höhle (auf dem Dersono), zwei eigenthümliche Moorhügel, aus welchen -geruchlose Gase aufsteigen, Sandsteinhügel, aus welchen vortreffliche -Wasserfiltrirapparate gewonnen werden (bei Grissé), Salpetergruben, -Höhlen mit essbaren Vogelnestern und Petroleum (seit dem Jahre 1863 -befinden sich fünf kleine Petroleum-Unternehmungen in dieser Provinz), -sind die wenigen erwähnenswerthen Producte dieser Berge. Seit dem -Jahre 1899 weht ein liberaler Geist in der Gesetzgebung des indischen -Bergbaues; die engherzige Auffassung von dem ausschliesslichen Rechte -des Staates auf alles, was unter der Oberfläche des Bodens verborgen -liegt, war geradezu ein Hemmschuh für eine gedeihliche Entwicklung der -Bergbau-Industrie; das neue Gesetz[30] befreit den Unternehmungsgeist -von den Fesseln, auch die Schätze des Bodens in Indien zu heben, welche -sehr wahrscheinlich auf allen Inseln des ganzen indischen Archipels -sich befinden und bis nun von dem Drachen des gewinnsüchtigen und -eifersüchtigen Fiscus streng verborgen gehalten wurden. - -Wie zahlreich sind im Gegensatz zu diesen wenigen -Bergbau-Unternehmungen, auf der Oberfläche dieser fruchtbaren Berge, -die Plantagen und Fabriken dieser Provinz, welche von der Regierung -jeglicher Hülfe und Stütze sich erfreuen! Ich war im Jahre 1897 in -Modjokerto, der zweitgrössten Stadt dieser Provinz;[31] hier ist -der Sitz des »Vereins der Surabayischen Zuckerfabrikanten«. Der -Fluss Brantas hat hier eine grössere Breite als der Rhein in seinem -Unterlauf, und dennoch ist zu Irrigationszwecken eine Schleuse gebaut -(welche ein Kunstwerk des modernen Wasserbaues genannt werden muss), -um nach Bedürfniss einen beliebig grossen Theil oder selbst beinahe ¾ -der ganzen Wassermasse in die seitlichen Canäle abzuleiten, ohne dass -die Schifffahrt auf dem Flusse selbst nur einen Augenblick gestört -würde. In diesem Bezirke findet man die Ruinen der alten, einstens so -mächtigen Stadt Modjopahit, aus deren Ruinen viele Zuckerfabriken der -Umgebung gebaut sind. Sieben Zuckerplantagen mit Gouvernements-Contract -findet man in diesem Districte, zwei in dem Districte Djombang, elf -in dem Districte Sidoardjo; sieben »Erbpachtländer« giebt es im -Districte Modjokerto, in welchen Kaffee (in einem China- und im neunten -Liberia-Kaffee) producirt wird; nebstdem giebt es zahlreiche Plantagen, -welche mit freiwilligen Contracten der Eingeborenen arbeiten; deren -giebt es im Districte Modjokerto fünf, von denen die eine in Ngembeh -nur Tabak pflanzt; in dem Districte Djombang bestehen acht und in dem -Districte Sidoardjo vier Plantagen. Auch hat diese Provinz noch 32 -Privatgüter, welche Reis, Zucker, Indigo, Kaffee und Tabak produciren. - -Die Provinz Surabaya ist eine blühende, reiche Provinz, und ihre -gleichnamige Hauptstadt ist die grösste Handelsstadt des indischen -Archipels und erfreut sich einer reichen Industrie. - - - - -4. Capitel. - - Reise nach Bantam -- Malayischer Kutscher -- Max Havelaar -- - Fieberepidemie in der Provinz Bantam -- Krankenwärter mit einem - Taggeld von 20 fl. (!) -- Eine Stute als Reitpferd -- Der Königstiger - -- Javanische Pferde -- Elend während einer Fieberepidemie -- Auf - dem Kreuzwege -- Heiden auf Java -- Begegnung mit einem Königstiger - -- Behandlung der Fussgeschwüre durch die Eingeborenen -- Drohende - Hungersnoth in Bantam -- Aussterben der Büffel -- Dreimal in - Lebensgefahr -- Ein ungefährlicher Spaziergang im Regen. - - -Im October 1880 betrat ich zum zweiten Male den Boden Javas. Aus der -Einsiedelei im jungfräulichen Borneo kam ich beinahe unvermittelt ins -volle Leben einer Grossstadt, und zwar zunächst für zwei Tage nach -Surabaya; dann musste ich mich mit einem Localdampfer der indischen -Dampfschifffahrts-Gesellschaft längs der Nordküste via Samarang nach -Batavia begeben, wohin ich transferirt worden war. Schon im März -desselben Jahres sollte ich den »Garnisonsdienst« in Weltevreden, jener -Vorstadt Batavias übernehmen, welche der Sitz der Behörden und der -eigentliche Wohnort der Europäer ist. Dr. G. aber, welcher angewiesen -wurde, mich in Buntok abzulösen, weigerte sich, dahin zu gehen, und -nahm lieber den Abschied aus dem Militärdienste, als Jahre lang auf -Borneo leben zu müssen, »hinter welchem überhaupt kein Land mehr sei«, -und welches ausser dem Reiz eines jungfräulichen Bodens gar nichts -biete, was des Menschen -- Herz erfreue. Durch diese Verzögerung musste -ich nicht nur ein halbes Jahr länger auf dieser Insel bleiben, sondern -fand auch bei meiner Ankunft in Batavia den Garnisonsdienst von einem -anderen Collegen besetzt, während ich dem grossen Militär-Spital -vorläufig zugetheilt wurde, um in kürzester Zeit wieder die Stätten -der europäischen Civilisation verlassen zu müssen und lange fünf Monate -im Süden Javas im Dienste des Civil-Departements der Bevölkerung von -Labak in ihrer Noth und ihrem Elend Hülfe zu bringen. - -Ich werde noch Gelegenheit haben, über Weltevreden und Samarang einiges -mitzutheilen, und ich eile, obzwar die chronologische Reihe der -Ereignisse unterbrochen werden muss, zu jenem Theil meiner ärztlichen -Praxis auf Java, welche mich mitten in das Reich der Tiger, aber auch -mitten in das Leben der sundanesischen Bauern brachte, die durch -Malaria, Hungersnoth, Viehpest und Missernte auszusterben drohten, -wenn nicht die Regierung in energischer Weise und mit fürstlicher -Freigebigkeit dem Elend ein Ende gemacht hätte. - -Am 11. December 1880 wurde ich von der indischen Regierung in den -Dienst der Civilbehörden der Provinz[32] Bantam gestellt. - -Einige Tage später zog ich dahin, und zwar in einem kleinen -zweiräderigen javanischen Wagen, welcher mit drei kleinen javanischen -Pferden bespannt war. Bequem sass ich in diesem Vehikel nicht; es war -ein Wagen, der vielleicht in seiner Länge und Breite kaum einen Meter -mass, so dass ich mich vorsichtig im Hintergrunde des Wagens an die -schmale Lehne drücken musste, um mit meinen Knieen nicht gegen den -Sitzplatz des Kutschers reiben zu müssen; nebstdem war es so wenig -tief, dass die Kniee ungefähr die Höhe der Brust erreichten; aber -wie der Sturmwind flogen wir über den ebenen Weg, der zunächst nach -Tangerang führt, wo ein Franzose noch heute jährlich tausend und -tausend Strohhüte flechten und nach Frankreich ausführen lässt. - -Der Weg ist der westliche Theil jener grossen Heerstrasse, welche -im Anfange dieses Jahrhunderts unter der autokraten Regierung des -Gouverneur-Generals +Daendels+ über ganz Java in Robottarbeit -gebaut wurde. - -An der Grenze der beiden Provinzen Batavia und Bantam lagen die -beiden Reisunternehmungen Tjikandi-udig und Tjikandi-ilir; die eine -gehört einem Amerikaner, während der Eigenthümer von Tjikandi-ilir -ein pensionirter Hauptmann und mit einer deutschen Dame verheiratet -war. Nur so lange das Umwechseln der Pferde mich aufhielt, weilte -ich bei diesem Landherrn, um dann meine Reise nach Serang,[33] der -Hauptstadt der Provinz Bantam, fortzusetzen. Hier angekommen, stellte -ich mich zunächst dem Residenten, d. h. dem Statthalter der Provinz -vor, um seine Befehle über meine Thätigkeit zu vernehmen. Er war ein -liebenswürdiger alter Herr, und es schmeichelte nicht wenig meiner -Eitelkeit, als schon den andern Tag mir der Resident einen officiellen -Gegenbesuch machte. Ich wohnte im Hôtel, und der Resident kam in seiner -Equipage bei mir vorgefahren, während der Bediente mit dem Pajong stolz -als der Bannerträger des höchsten Mannes der Provinz neben dem Kutscher -sass. Der Kutscher war geradezu eine Caricatur eines Menschen zu nennen -und glich nicht wenig den Affen, welche bei Circusvorstellungen die -Heiterkeit der Zuschauer erregen. Er war blossfüssig, hatte über seine -kurze Hose den Toro an, den wir am besten mit einem weiten bunten Hemd -vergleichen, und auf dem Kopfe waren die langen Haare in ein buntes -Kopftuch gewickelt, auf welchem ein glänzender Cylinder schief nach -hinten aufsteigend die Caricatur vollendete. Die Affenähnlichkeit fiel -darum auf, weil sie, der Kutscher und der Bediente, der Wichtigkeit -ihrer Stellung bewusst, immer einen unverwüstlichen Ernst in ihren -Zügen zeigen und niemals ein Lächeln oder eine andere Gemüthsbewegung -durch ihre Züge verrathen lassen. Auch der Bediente war blossfüssig, er -hatte aber eine lange Hose und einen Frack mit kurzen Schössen und ein -Kopftuch an. Die Kleider waren dunkelblau mit hochgelben Streifen -- er -gehörte nämlich der Polizei an -- weswegen diese Leute Kanarienvögel -genannt werden. Der Pajong war ein gewöhnlich grosser chinesischer -Sonnenschirm von goldgelber Farbe; wie wir später sehen werden, ist -mit dem Range eines jeden europäischen oder eingeborenen Beamten der -Gebrauch eines Pajong von bestimmter Farbe verbunden. Mit grosser -Behendigkeit sprang der Bediente vom Bock des Wagens und geleitete den -Residenten mit dem geöffneten Pajong bis an den Eingang der Veranda, -worauf er ihn schloss und sich auf den Boden mit gekreuzten Füssen -niedersetzte. Nur eine Viertelstunde blieb der Resident bei mir, um -dann die anderen Visiten fortzusetzen. Am andern Morgen kam Dr. J. -an, welcher als Inspector von dem »burgerlyk geneeskundige Dienst« -beauftragt war, die Oberleitung des aussergewöhnlichen ärztlichen -Dienstes zu übernehmen und uns drei jungen Aerzten die Standplätze -u. s. w. anzuweisen. In Serang selbst befand sich nämlich auch ein -Landes-Sanitätschef in der Person des Regimentsarztes X., welcher nicht -nur für die dortigen 100 Mann, sondern auch für die Civilbevölkerung -den ärztlichen Dienst mit Hülfe seines Oberarztes, Vieharztes und -einigen Doctor-djavas versehen sollte. Da diesem Regimentsarzte die -Gabe der Initiative durchaus fehlte, sah sich die Regierung genöthigt, -einen anderen Arzt mit der Leitung des civilärztlichen Dienstes zu -betrauen und wählte dazu den genannten erfahrenen Civilarzt, der mit -Hülfe dreier junger Aerzte die schwer heimgesuchte Bevölkerung von -Bantam vor dem gewissen Aussterben zu retten suchen sollte. - -Mir wurde der Bezirk Lebak angewiesen. Das Wort Lebak wird wohl niemals -ausgesprochen werden, ohne dabei an den grossen Dichter +Douwes -Dekker+ zu denken, welcher in Lebak den Grund zu seinem späteren Ruhme -gelegt hat. Da dieser Dichter und sein Hauptwerk »Max Havelaar« in -Deutschland viel zu wenig bekannt sind und beinahe gar nicht gewürdigt -werden, obwohl bei dem Erscheinen dieses Tendenzromanes »ein Beben« -durch ganz Holland ging, so glaube ich einige Worte über ihn verlieren -zu müssen. Wie »Onkel Toms Hütte« nicht nur das ganze Elend des -amerikanischen Sclavenlebens dem verblüfften Europa enthüllte, sondern -auch eine gründliche Reform dieses Krebsschadens veranlasste, so zeigte -+Douwes Dekker+ in seinem »Max Havelaar« die ganze Hinfälligkeit -der holländischen Colonialpolitik bis zum Jahre 1860, welche in der -Weisheit des alten Principes: »divide et impera« und »Wer nicht stark -ist, muss gescheit (»slim«) sein«[34] gipfelte, und brach ihre Fesseln -in so radicaler Weise, dass Java heute eine blühende und glückliche -Colonie geworden ist. Die Reformen, welche dieser Dichter für das -schöne »Insulinde« forderte, deutete er in seiner Ansprache an die -Häuptlinge seines Districtes an, und da diese Rede ein Meisterstück der -holländischen Literatur ist, so will ich sie hier wörtlich übersetzt -mittheilen: - -»Herr Rhaden Adhipatti, Regent von Bantam Kidul und Du, Rhaden Dhemang, -die Ihr die Häupter seid der Districte in diesem Bezirke, und Du, -Rhaden Djaksa, der Du das +Recht+ zu Deinem Amte hast, und auch Du, -Rhaden Kliwon, der Du den Befehl führst über die Hauptstadt, und Ihr, -Rhaden Mantries, und Ihr Alle, welche Ihr Häuptlinge seid im Bezirke -Bantam Kidul, seid gegrüsst. - -Ich sage Euch, dass mein Herz von Freude erfüllt ist, da ich Euch hier -versammelt sehe, lauschend nach den Worten meines Mundes. - -Ich weiss, dass es unter Euch viele giebt, welche durch grosses Wissen -und Herzensgüte hervorragen; ich hoffe, dass ich mein Wissen durch das -Eure vermehren werde; denn mein Wissen ist nicht so gross, als ich es -zu besitzen wünschte. Ich schätze die Herzensgüte; aber oft fühle ich -es, dass in meinem Herzen Fehler sind, welche die Bravheit überwuchern -und ihr Wachsthum hemmen ... Ihr alle wisst ja, wie der grosse Baum den -kleinen verdrängt und tödtet. Darum werde ich Jenen unter Euch folgen, -welche in Tugend hervorragen, um besser zu werden als ich bin. - -Ich grüsse Euch! - -Als der Gouverneur-General mir befahl, zu Euch zu gehen, um -Assistent-Resident dieser Bezirke zu sein, war mein Herz erfreut. Es -kann Euch bekannt sein, dass ich niemals vorher Bantam Kidul betreten -habe. Ich liess mir also Schriften geben, welche über Euren Bezirk -schrieben, und ich habe gesehen, dass viel Gutes in Bantam Kidul -gefunden wird. Euer Volk besitzt Reisfelder in den Thälern, und es -stehen Reisfelder auf den Bergen; Ihr wünscht friedfertig zu leben, und -Ihr habt kein Verlangen nach Ländern, welche von Andern bewohnt werden. -Ja, ich weiss, dass viel Gutes in Bantam Kidul gefunden wird. - -Aber nicht darum allein war mein Herz erfreut; denn auch in anderen -Theilen des Landes würde ich viel Gutes gefunden haben. - -Aber ich sah, dass Eure Bevölkerung arm ist, und darüber war ich -erfreut in der Tiefe meines Herzens. - -Denn ich weiss, dass Allah den Armen liebt, und dass er Reichthum dem -giebt, den er versuchen will. Aber zu den Armen sendet er, der sein -Wort spricht, auf dass sie sich in ihrem Elend erheben. - -Giebt er nicht den Regen, wo der Halm verdorrt, und einen Thautropfen -in den Blumenkelch, der Durst hat? - -Und ist es nicht schön, gesendet zu werden, um die Müden zu suchen, -welche nach der Arbeit zurückblieben und niederfallen auf dem Wege, -weil ihre Kniee zu schwach waren, um nach dem Orte des Lohnes zu -ziehen? Sollte ich nicht erfreut sein, die Hand reichen zu können dem, -der in die Grube gefallen, und einen Stab zu geben dem, der den Berg -besteigt! Sollte nicht mein Herz sich freuen, dass es auserkoren unter -vielen ist, um aus Klagen ein Gebet, und Dank aus Jammer zu machen! - -Ja, ich bin sehr erfreut, berufen zu sein nach Bantam Kidul! - -Ich habe zu der Frau gesagt, welche meine Sorgen theilt und mein Glück -vergrössert: freue dich, denn ich sehe, dass Allah Segen auf das Haupt -unseres Kindes giebt. Er hat mich hierher gesendet, wo nicht alle -Arbeit beendigt ist, und er hielt mich würdig hier zu sein vor der Zeit -der Ernte. Denn es ist keine Freude, Padie (Reishalm) zu schneiden; -aber Freude schafft es, Reis zu schneiden, den man gepflanzt hat; und -die Seele des Menschen wächst nicht mit dem Lohne, sondern mit dem -Lohne, den die Arbeit erworben. Und ich sagte zu ihr: Allah hat uns -einen Sohn gegeben, der einstens sagen wird: »Wisset, dass ich sein -Sohn bin,« und dann werden Menschen sein, die ihn mit Liebe grüssen, -die Hand auf sein Haupt legen und sagen werden: »Setze dich an unseren -Tisch, bewohne unser Haus, nimm von allem, was wir haben, denn wir -haben deinen Vater gekannt!« - -Häupter von Lebak! Viel ist zu thun in Eurem Lande! Sagt mir, ist der -Bauer nicht arm? Reift Euer Reis nicht oft für Jenen, der ihn nicht -gepflanzt hat? Sind nicht viele Ungerechtigkeiten in Eurem Lande? Ist -nicht die Zahl Eurer Kinder klein? - -Ist nicht Scham in Eurer Seele, wenn die Bewohner von Bandong, das hier -im Osten Eures Landes liegt, zu Euch kommen und fragen: Wo sind die -Dörfer und wo sind Eure Landesleute? Und warum hören wir die Gamelang -nicht, die mit kupfernem Munde Freude verkündet, und warum hören wir -nicht Eure Töchter den Reis stampfen? - -Thut es nicht wehe, von hier zur Südküste zu reisen und Berge zu sehen, -welche kein Wasser tragen auf ihren Flanken, oder Flächen zu sehen, wo -nie ein Büffel den Pflug zog? - -Ja, ja, ich sage Euch, dass Eure und meine Seele darüber tief betrübt -sind, und darum seien wir Allah dankbar, dass er uns die Macht gab, um -hier zu wirken und zu schaffen. - -Denn wir haben hier Acker für Viele, und nur Wenige leben hier, und -nicht der Regen ist’s, der hier mangelt, denn die Gipfel der Berge -saugen die Wolken des Himmels zur Erde, und nicht überall sind es -Felsen, welche den Wurzeln keinen Raum gönnen, denn auf vielen Stellen -ist der Grund weich und fruchtbar und ruft nach dem Saatkorn, das er -uns im gebogenen Halm zurückgeben will. Es ist kein Krieg, der den -Reis zertritt, wenn er noch grün ist, und es ist keine Pest, welche -die Schaufel ruhen lässt. Auch giebt es keine Sonnenstrahlen, welche -heisser sind als es nöthig ist, das Korn reifen zu lassen, welches Euch -und Eure Kinder nähren muss, und es ist keine Wassersnoth, welche Euch -jammern lässt: Zeig mir das Feld, wo ich gesäet habe. - -Wo Allah Wasserströme sendet, welche die Felder mitnehmen, -- wo er den -Grund hart wie dürren Stein macht, -- wo er die Sonne glühen lässt zum -Verderben ... wo er Krieg sendet, der das Feld zerstört ... wo er mit -Seuchen schlägt, welche die Hände erschlaffen lassen, oder mit Dürre, -welche die Aehren tödtet ... da, Häuptlinge von Lebak, beugen wir in -Demuth unser Haupt und sagen: Sein Wille geschehe. - -Nicht so ist es in Bantam Kidul! - -Ich wurde hierher gesendet, um Euer Freund zu sein, um Euer aller -Bruder zu sein. Würdet Ihr Euren jungen Bruder nicht warnen, wenn Ihr -auf seinen Wegen einen Tiger sehen würdet? - -Häupter von Lebak, wir haben oft gefehlt, und unser Land ist arm, weil -wir so viel gesündigt. - -Denn in Tjikandi, in Bolang, in Krawang und in Batavia sind Viele, die, -geboren in unserem Lande, unser Land verlassen haben. - -Warum suchen sie Arbeit fern von der Stätte, wo sie ihre Eltern -begruben? Warum fliehen sie das Dorf, wo sie die Beschneidung -erhielten? Warum lieben sie mehr die Kühle des Baumes, der dort wächst, -als den Schatten unserer Haine? - -Und dort im Nordwesten der See sind Viele, welche unsere Kinder sein -müssten, die jedoch Lebak verlassen haben, um zu schwärmen in fremden -Ländern mit Messer, Dolch und Schiessgewehr. - -Ich frage Euch, Häuptlinge von Bantam Kidul, warum sind so Viele -weggegangen, um nicht begraben zu werden dort, wo sie geboren wurden? -Warum fragt der Baum, wo der Mann sei, den er als Kind zu seinen Füssen -spielen sah?« - -Hier machte der Assistent-Resident eine Pause und rief seinen kleinen -Sohn Max zu sich, welcher um die Pendoppo[35] herum lief und auf diesen -Augenblick wartete, unter den Häuptlingen sich bewegen zu dürfen. - -[Illustration: Fig. 5. Ein Kampong (Dorf) bei Buitenzorg.] - -Wuchtige Keulenschläge waren diese Worte ihres neuen Chefs auf das -Haupt +aller+ anwesenden Beamten; besonders Rhaden Wiro Kusumo, -welcher der Schwiegersohn des Regenten war, schauderte zusammen, -als er in den Worten des Assistent-Residenten die Beweise sah, -dass der neuernannte Bezirkshauptmann alles bis in die kleinsten -Details kannte, das er seinen Untergebenen gegenüber verschuldet -hatte. Glücklicherweise brachte der kleine Max in diesem Moment der -Verlegenheit eine angenehme Störung. Der Djaksa (Richter) fasste -den Kopf des kleinen Max und zeigte seinem Nachbar den zweifachen -Haarwirbel auf dem Scheitel, der, wie er später Havelaar mittheilte, -die Bestimmung haben sollte, eine Königskrone zu tragen. Max Havelaar -jedoch liess sein Söhnlein hinausführen und sprach weiter: - -»Häuptlinge von Lebak! Wir stehen alle im Dienste des Königs von -Holland. Er aber, der gerecht ist und will, dass wir unsere Pflicht -thun, ist weit von hier. Dreissig mal Tausend mal Tausend, ja, noch -viel mehr Menschen müssen seinen Befehlen gehorchen; er aber kann nicht -bei Jedem sein, der ihm Unterthan ist. - -Der grosse Herr (Tuwan Besar) in Buitenzorg ist gerecht und will, dass -jeder seine Pflicht thue. So mächtig dieser auch ist, weil er herrscht -über Alle, welche in den Städten und Dörfern Amt und Würde haben, und -weil er gebietet über die Macht des Heeres und der Flotte, so wenig -kann er sehen, wo Unrecht geübt wird; denn das Unrecht fliehet ihn. - -Aber auch der Resident zu Serang, welcher Herr der Provinz Bantam ist, -wo fünfmalhunderttausend Menschen wohnen, will, dass in seinem Reiche -Recht geschehe, und dass Gerechtigkeit herrsche in dem Lande, das ihm -gehorcht. Doch wo Unrecht ist, da wohnt er weit entfernt, und wer Böses -thut, verbirgt sich vor seinem Antlitz, weil er Strafe fürchtet. - -Und der Herr Adhipatti, welcher Regent von Süd-Bantam ist, will, dass -jeder lebe, der das Gute übt, und dass keine Schande komme über das -Land, das seine Regentschaft ist. - -Und ich, der ich gestern Gott den Allmächtigen zum Zeugen anrief, dass -ich gerecht und gut sein werde, dass ich Recht ohne Furcht und ohne -Hass üben werde, dass ich ein »guter Assistent-Resident« sein werde ... -auch ich wünsche zu thun, was meine Pflicht ist. - -Häupter von Lebak! Dies wünschen ja wir alle! - -Sollten jedoch unter uns Einige sein, welche ihre Pflicht vergessen -aus Gewinnsucht, welche das Recht für Geld verkaufen oder dem Armen -den Büffel oder die Früchte dem Hungrigen rauben ... wer wird sie -bestrafen? - -Falls einer von Euch dies wüsste, +er+ würde es verhindern; der Regent -würde ja nicht dulden, dass solches in seiner Regentschaft geschehe, -und auch ich werde es verhindern; aber -- wenn weder Ihr, noch der -Adhipatti, noch ich davon etwas wissen ... - -Häupter von Lebak! Wer wird dann in Bantam Kidul Recht sprechen?! - -Höret, ich will es Euch sagen, wie dann Gerechtigkeit geübt werden -wird. Kommen wird der Tag, dass unsere Frauen und Kinder an unseren -Särgen weinen werden, und dass, die da vorbeigehen, sagen werden: Ein -Mensch ist gestorben; und der da in die Dörfer gehen wird, bringt -Nachricht von dem Tode, und sein Wirth fragt dann: Wer war der Mann, -der gestorben ist? Und man wird sagen: - -Er war gut und gerecht; er sprach Recht und verstiess den Kläger nicht -von seiner Thür! Er hörte Jeden geduldig an, der zu ihm kam, und gab -ihm zurück, was ihm entnommen war; und wer den Pflug nicht ziehen -konnte durch die Erde, weil der Büffel aus dem Stall gestohlen war, dem -half er den Büffel suchen; und wo die Tochter aus dem Hause der Mutter -geraubt war, suchte er den Dieb und brachte die Tochter zurück; und wo -man gearbeitet hatte, hielt er den Lohn nicht zurück; und er raubte -die Früchte nicht dem, der sie gepflanzt hatte; er kleidete sich nicht -mit dem Rocke, der Andere decken musste, und nährte sich nicht mit der -Speise des Armen. - -Dann wird man sagen: Allah ist gross, Allah hat ihn zu sich genommen. -Sein Wille geschehe: Ein guter Mensch ist gestorben. - -Und wiederum geht ein Wanderer zu Einem in’s Haus und fragt: Was -ist das, dass die Gamelang schweigt und der Gesang der Mädchen? Und -wiederum wird man sagen: Ein Mann ist gestorben. - -Und der da wandert in den Dörfern, sitzt bei seinem Gastherrn, und um -sie her die Söhne und Töchter des Hauses und er wird sprechen: - -Es starb ein Mann, der versprach gerecht zu sein, und er verkaufte -das Recht an Jeden, der ihm Geld gab. Er düngte seinen Acker mit dem -Schweisse der Arbeiter, die er abgerufen hat von dem Acker der Arbeit. -Er verweigerte dem Arbeiter seinen Lohn und nährte sich mit der Speise -der Armen. Er ist reich geworden durch die Armuth der Anderen. Er -hatte Gold, Silber und Edelsteine in Menge, doch der Bauer, welcher -in seiner Nachbarschaft wohnte, konnte den Hunger seines Kindes nicht -stillen. Er lächelte wie der Glückliche, aber man hörte das Knirschen -der Zähne von dem Kläger, der sein Recht suchte. In seinem Gesicht -strahlte die Zufriedenheit, aber leer war die Brust der Mutter, welche -säugte. - -Dann werden die Bewohner der Dörfer rufen: Allah ist gross; wir fluchen -Niemandem! - -Häupter von Lebak! Einmal sterben wir Alle! - -Was wird in den Dörfern gesprochen werden, wo wir herrschten? Und was -von den Wanderern, welche unser Begräbniss sehen werden? - -Was werden wir antworten, wenn nach unserem Tode die Stimme zu unserer -Seele spricht und fragt: Warum ist Klagen und Weinen auf den Feldern, -und warum verbergen sich die jungen Männer? Wer nahm die Ernte aus den -Scheuern und wer aus den Ställen die Büffel, welche pflügen sollten? -Was hast Du gethan mit dem Bruder, den ich Dir anvertraute? Warum ist -der Arme traurig, und warum flucht er der Fruchtbarkeit seiner Frau?« - -Hier machte Havelaar eine kleine Pause und schloss folgendermaassen: - -»Ich wünschte sehr mit Euch in gutem Einverständniss zu leben, und -darum bitte ich Euch, in mir Euern Freund zu sehen. Wer gefehlt hat, -kann auf ein leichtes Urtheil meinerseits rechnen, denn, da auch ich -so manchmal fehle, so werde ich nicht streng sein, wenigstens nicht -in den gewöhnlichen Fehlern und Nachlässigkeiten im Dienste. Nur wo -Nachlässigkeit zur zweiten Natur wird, dort werde ich entgegentreten. -Ueber Fehler grober Art, wie Unterdrücken und Aussaugen der Menschen -- -spreche ich nicht. So was wird nicht vorkommen; nicht wahr, mein Herr -Adhipatti?« - -»O nein, mein Herr Assistent-Resident, so was wird in Lebak nicht -vorkommen.« - -»Nun, meine Herren Häupter von Bantam Kidul, lasst uns erfreut sein, -dass unser Bezirk so vernachlässigt und so arm ist. Wir haben ein -schönes Ziel. Wenn Allah uns am Leben erhält, werden wir sorgen, -dass Wohlfahrt in’s Land komme. Der Boden ist fruchtbar und die -Bevölkerung ist gehorsam. Wenn ein Jeder in dem Genuss der Frucht -seiner Arbeit gelassen wird, besteht kein Zweifel, dass in kurzer Zeit -die Bevölkerung zunehmen wird, sowohl an Seelenzahl, als an Besitz -und Bildung; denn diese gehen meistens Hand in Hand. Ich bitte Euch -nochmals, in mir einen Freund zu sehen, der Euch helfen wird, wo er -kann, besonders wo Unrecht bekämpft werden muss. Mit diesem empfehle -ich auch mich Eurer Mithülfe. - -Die erhaltenen Rapporte über Landbau, Viehzucht, Polizei und -Rechtspflege werde ich mit meinen Anmerkungen versehen ehestens -zurückschicken. - -Häupter von Lebak. Ich habe gesprochen. Ihr könnt zurückkehren, ein -Jeder nach seiner Wohnung. Seid nochmals gegrüsst.« - - * * * * * - -Diese Rede, welche +Douwes Dekker+[36] im Januar 1856 in Rankas Betong -in der Versammlung der Häuptlinge Lebaks hielt, war einerseits der -Anfang seines physischen und seelischen Leidens, andererseits der -Trompetenstoss, welcher Holland aus seiner Lethargie riss und den -Javanen -- Menschenrechte gab, gerade wie das Buch »Onkel Toms Hütte« -die Kette der amerikanischen Sklaven gebrochen hat. - -Aber auch im Jahre 1881 war das Elend gross in Bantam, und wieder war -es die Schuld der höchsten Beamten, dass das Elend eine so grosse -Ausbreitung genommen hat. Wie vor 25 Jahren der Resident von Bantam dem -Streben des Assistent-Residenten +Douwes Dekker+, den Erpressungen und -Räubereien der Häuptlinge von Lebak ein Ende zu machen, keine Stütze -verleihen wollte und konnte, weil er selbst (der Resident) bis auf das -Eingreifen dieses neuen Assistent-Residenten die Regierung über diese -traurigen Zustände in Unwissenheit liess, so hat im Jahre 1881 der -Resident X. geschwiegen, als schon hunderte und tausende von Menschen -der Malaria zum Opfer gefallen, und tausende von Büffeln der Viehpest -erlegen waren. Erst als Dr. A..... eine Inspectionsreise nach Lebak -unternahm und einen ausführlichen Rapport darüber an die Regierung -einreichte, erst dann erfuhr die Regierung das Elend, welches in Bantam -herrschte, und die Gefahren, welche der Provinz Bantam drohten. Rasche -und energische Hülfe that Noth. Zur Ehre der indischen Regierung muss -ich jedoch mittheilen, dass »der grosse Moment ein grosses Geschlecht -fand«. Ja, noch mehr; die Regierung that des Guten zu viel. Sie -schickte nicht nur vier Aerzte dahin, sondern miethete eine Reihe von -Krankenwärtern mit einem Gehalt von 20 fl. per Tag!!! Diese sollten -die Anweisungen der Aerzte ausführen, sowohl was die Behandlung der -Unglücklichen als auch die Verpflegung derselben betraf; für die vom -Hungertyphus heimgesuchten Bewohner Bantams wurden auf mein Ersuchen -Eier, Büchsen mit condensirter Milch, Dendeng (getrocknetes Fleisch) -und lebendes Schlachtvieh mir gesendet, welches die Krankenwärter -zugleich mit den hunderttausenden Chininpillen vertheilen sollten. - - * * * * * - -Mir wurde also, wie erwähnt, der Süden der Provinz angewiesen, mit -Hülfe von vier Krankenwärtern von Kampong zu Kampong zu ziehen, die -Zahl der Kranken aufzunehmen, die Art der Erkrankung zu diagnosticiren -und bei jedem Patienten die Behandlungsweise dem Krankenwärter -mitzutheilen, welche ohne Zwang, jedoch mit Ueberredung für das -Einnehmen der Medicamente sorgen und dort, wo Mangel an Speise und -Trank es forderte, die erhaltenen Lebensmittel vertheilen sollten. - -Serang ist eine Provinzialhauptstadt von untergeordneter Bedeutung. -Von den Gebäuden mögen höchstens die Häuser des Residenten und des -Regenten durch ihre Grösse die Aufmerksamkeit der Touristen erregen, -während Bantam-lama (das alte Bantam), die alte Sultanstadt, seit -1808 verlassen, grosse und schöne Denkmäler der alten Baukunst -und der alten Grösse dieses Reiches aufzuweisen hat. Besonders -die (renovirte) Sultansmoschee mit den Gräbern der Bantamschen -Sultane und das Mausoleum des Pangeran Hassa-Udin verdienen die -Aufmerksamkeit der Alterthumsforscher. Sie liegt an dem Meerbusen von -Bantam und kann daher bequem zur See mit einem Dampfer der indischen -Dampfschifffahrts-Gesellschaft erreicht werden. Uebrigens ist die alte -Sultanstadt mit Serang durch einen guten Landweg verbunden und mit -einem gewöhnlichen Reisewagen leicht in ein paar Stunden zu erreichen. - -Leider musste ich so bald als möglich meiner Bestimmung folgen, so dass -ich nicht in der Lage war, die Ruinen des mächtigen Reiches Bantam -besichtigen zu können. - -Ich konnte zwar bequem bis in die Nähe meines neuen Standplatzes -(Tjileles) und selbst bis an die Südküste mit einem Dos-à-dos gelangen, -aber der Besuch der umliegenden Dörfer konnte nur zu Pferde geschehen; -ich ergriff daher mit Vergnügen das Anerbieten des Thierarztes zu -Serang, eines seiner unbenutzten Pferde zu kaufen. Vor meiner Reise -nach Indien hatte ich ja in dem Haag 21 Reitlectionen genommen, und -hoffte daher, von meiner erworbenen Reitkunst in jeder Hinsicht -Gebrauch machen zu können. Bei den Unterhandlungen um den Preis -desselben glaubte ich ein spöttisches Lächeln um die Lippen meines -Bedienten schweben zu sehen; ich interpellirte ihn darüber auch, aber -mit der grössten Ruhe antwortete er mir: »Tidah, Tuwan lupa = nein, -mein Herr täuscht sich.« Auch späterhin glaubte ich dieses spöttische -Lächeln im Gesicht des Eingeborenen zu sehen und schrieb es einer -Unbeholfenheit meinerseits zu. Auf unangenehme Weise sollte ich jedoch -die Ursache dieses Lächelns erfahren. Hoch (?) zu Ross ritt ich eines -Tages von Tjileles nach Gunung Kentjana, als eine Truppe unbewachter -Pferde mir nicht nur folgte, sondern auch den Rücken meines Pferdes -attaquirte; meine Peitsche schaffte mir auch eine Zeit lang Ruhe, bis -ich endlich vom Pferde stieg und einem vorübergehenden Bauer darüber -Vorwürfe machte, dass seine Pferde ohne Aufsicht herumliefen und andere -Menschen belästigten. - -»Ingi Dero!« antwortete dieser = »ja, Euer Wohlgeboren, aber Niemand -reitet auf einem Weibchen!« Dies ist thatsächlich in Indien der Fall, -auch in der ganzen Armee werden nur Hengste zum Reiten gebraucht, -während die Weibchen nur vor den Wagen gespannt werden. - -Während mein Pferd mit meinem Bedienten später folgen sollte, miethete -ich ein Dos-à-dos und fuhr zunächst nach Pandaglang, das am Fusse des -Vulcans Karang liegt und dann immer (schon von Serang aus) in der -Richtung gegen die Südküste nach Rankas Betong, der Hauptstadt des -Bezirkes Lebak. Der Assistent-Resident und der Regent waren in jeder -Hinsicht tüchtige Beamte und liebenswürdige Menschen. Nur wenige -Stunden verweilte ich in ihrer angenehmen Gesellschaft und gab dem -Dos-à-dos den Abschied. Wenn auch die Strasse bis zum Fusse des Gunung -(Berges) Kentjana per Wagen befahren werden konnte, so wählte ich doch -das Reitpferd zur Reise dahin, um eine bessere Aussicht zu haben. - -Während Bantam im vorigen Jahrhundert hunderte von Zuckerfabriken -zählte und die Gouvernements-Kaffeecultur (besonders in Pandeglang) -blühte, zog ich während meiner ganzen Reise von Serang bis Tjileles -und später bis Malimping, bei welchem man schon das Rauschen und die -Brandung der See hört, durch schwachbebaute Landstriche. Nur selten -sah ich ein Reisfeld in Blüthe stehen; beinahe überall starrte mir das -todte, schmutziggelbe, brachliegende Reisfeld entgegen und zeigte mir -das drohende Gespenst der Hungersnoth. - -Tjileles lag links zur Seite des Weges nach Gunung Kentjana. Ein kurzer -Pfad führte mich bis zur Thüre eines Geheges. Jetzt erst sah ich, dass -ich am Eingange eines kleinen Kampongs stand, der von einem dichten -Gehege von grossen Fruchtbäumen umgeben war, deren Zwischenräume von -einem undurchdringlichen Netze von dornentragenden Schlingpflanzen -als Bambu duri u. s. w. erfüllt waren. Wie ich später auf meinen -Streifzügen durch Lebak sah, hatten alle Kampongs ein solches Gehege -mit einer kleinen Thür, welche in der Nacht geschlossen wurde. - -Dass der Königstiger feige sei, ahnte ich nicht, als ich den -Kampong betrat und mir meine Wohnung angewiesen wurde. Im Hause des -Dorfhäuptlings sollte ich die vordere Veranda zur Wohnstätte angewiesen -erhalten; sie sollte mein Schlaf-, Studier-, Speise- und Empfangszimmer -sein. Das östliche Ende war von drei Seiten mit Bambuswänden umgeben, -und die vierte Seite hatte einen Vorhang, hinter welchem mein Bett -stand. Der Königstiger ist feige, aber dass er so feige sei, um sich -durch eine so schwache Schutzmauer von einem nächtlichen Ueberfall -abhalten zu lassen, hätte ich nicht geglaubt. Keine 15 Meter weit stand -mein Schlafzimmer von dem Gehege entfernt, welches mich vor einem -unerwünschten Besuche eines Königstigers schützen sollte. Wenn die -Regierung für jeden unschädlich gemachten Tiger 100 fl. bezahlt (einen -Preis, der für einen Kampongbewohner geradezu ein fürstliches Kapital -ist), welchen Schaden müssen diese Katzen anrichten, wie schwer müssen -sie zu fangen oder zu tödten sein, und wie zahlreich müssen sie hier -hausen, dass die Regierung hier 100 fl. bezahlt, während sie in anderen -Theilen Javas, wo allerdings nicht der Königstiger, sondern nur der -Matjan tutol am häufigsten gefunden wird, nur 32 fl. bezahlt. - -Der Eingeborene ist Fatalist; aber auch der Europäer muss es werden, -da er ja in Indien im Innern des Landes täglich das Damoklesschwert, -nicht täglich, sondern immer und immer über seinem Haupte schweben -fühlt. Es war nicht die angenehmste Nacht meines Lebens, welche ich an -jenem ersten Tage in dieser offenen Veranda verbrachte. Jedoch kein -Rhinoceros, kein wilder Büffel, kein Tiger und keine Schlange hatten -meinen Schlaf gestört. - - * * * * * - -Die javanischen Pferde sind klein aber ausdauernd; sie sind häufig -nicht höher als 1,10 Meter;[37] in früheren Jahrzehnten haben die -Pferde aus der Preanger-Regentschaft einen hohen und stattlichen -Wuchs gehabt; die Rasse degenerirte jedoch mit jedem Tage, weil sie -kaum erwachsen zum Lastentragen herangezogen wurde. Die Regierung sah -diese Gefahr und griff zu dem so häufig angepriesenen Mittel, zu den -Wettrennen, um durch das »Spiel« oder vielmehr durch das »Wetten« die -Eingeborenen zu veranlassen, mehr Sorgfalt auf die Zucht der Pferde zu -verwenden. Es wurden zu Buitenzorg schon vor zwanzig Jahren Wettrennen -gehalten; vor zehn Jahren wurden dieselben auch in Magelang, der -Hauptstadt der Provinz Kedu (Mitten-Java), eingeführt, weil auch die -»Keduer-Pferde« mit jedem Jahre schwächer und kleiner wurden; aber hier -wie dort blieben die geträumten Rassenverbesserungen aus. Nebstdem kam -die Regierung durch diese Wettrennen in ein arges Dilemma. Einerseits -verbietet sie die Hahnengefechte und das Wetten bei denselben, weil -es bekanntermaassen die Eingeborenen demoralisirt; andererseits hält -sie Wettrennen der Pferde und unterstützt sie mit hohen Beträgen. In -Magelang steuerte die Regierung selbst 1000 fl. jedesmal bei, um z. B. -auch dem kleinen Mann es möglich zu machen, einige Tage mit seinem -Pferde fern von seinem Kampong leben zu können. - -Der Resident von Kedu hat das Sterile dieser Methode bald eingesehen -und die Wettrennen abgeschafft; aber auch in der Preanger-Regentschaft -hat man andere Mittel gesucht und gefunden, um wieder eine gute -Pferderasse zu erhalten; es wurden Deckhengste eingeführt, und zwar von -einem der eingeborenen Fürsten, welcher damit ein gutes Geschäft machte. - -Nach +Schulze’s+ Führer auf Java (Leipzig, Th. Grieben’s Verlag -1890) hatte im Jahre 1887 die Insel Java 2,360,600 Büffel, 1,973,750 -Rinder und 701,500 Pferde. Die meisten der eingeführten Pferde stammen -von den Sandelholz-Inseln Sumba, Sumbawa, Rotti, Sawu und Timor (welche -im Osten der Insel Java liegen), von Makassar (Celebes) und von -Australien. - -Ich selbst hatte während meines Aufenthaltes auf Java zwei Pferde von -Kedu, zwei von Sumba, ein Preanger und zwei Makassaren im Besitz. Die -schönsten der auf Java vorkommenden Pferde sind die Battaken aus dem -Innern Sumatras; sie kommen jedoch nur in geringer Zahl vor; nach -ihnen kommen die Sandelwood-Pferde von Sumba, welche einen eleganten -Bau besitzen, aber sehr nervös sind. Nebstdem sind sie im hohen Grade -eigensinnig. Eines Tages fuhr ich in M... mit zwei Sandelwood-Pferden -zu meinen Patienten, als es ihnen plötzlich einfiel, striken zu wollen. -J’y suis, j’y reste mochten sie gedacht haben; sie blieben stehen, -und weder die Peitsche noch Zureden brachten sie von Ort und Stelle; -endlich wollte der Kutscher eine brennende Fackel holen, um sie unter -den Schweif zu halten. Dies gestattete ich ebenso wenig, als ich -jemals die drastischen Mittel erlaubte, welche die Eingeborenen bei -der Dressur der Pferde gebrauchen; an der Kette wird ein Lederlappen -mit zahlreichen kleinen Nägeln angebracht, welche dem Pferde das nach -aussen Drängen abgewöhnen sollen. Die Deichsel des Wagens bekommt ein -gleiches mit Nägeln ausgerüstetes Lederstückchen, um das gegen einander -Drängen der Pferde unmöglich zu machen u. s. w. Ohne alle scharfen und -spitzen Instrumente gelang mir jedesmal die Dressur meiner Pferde, -und zwar mit dem kräftigsten Factor der Dressur: mit Geduld. Einige -Jahre später bekam ich ein Paar Keduer um 110 fl.; sie waren für eine -Equipage noch nicht abgerichtet und hatten vorher nur als Saumthiere -im Gebirge Kaffee getragen. Zuerst liess ich sie vor einen Grobak -(Lastwagen) spannen, welcher gewöhnlich von einem Büffel gezogen wird. -Diesen Dienst versahen sie gerne, weil der Kutscher sie beim Zaum -führte und späterhin nur mit der Stimme leitete; als sie aber, zum -ersten Male vor die Equipage gespannt, eine viel leichtere Last als -früher zu ziehen hatten, stürmten sie ausgelassen vorwärts und hätten -beinahe Wagen und Kutscher gegen einen Baum geschleudert. Die schwache -aber sichere Hand des Kutschers hielt sie jedoch fest; jetzt begann ein -anderes Spiel; sie begannen sich auf die Hinterbeine aufzustellen und -fielen mit den Vorderbeinen über die Stränge hinaus. Wüthend wollte der -Kutscher mit dem hinteren Theil der Peitsche sie für diesen Eigensinn -bestrafen; ich erlaubte es jedoch nicht; das ganze Arsenal der -grausamsten javanischen Abrichtungsmittel brachte er nach und nach zum -Vorschein; ich erlaubte nur, von Fall zu Fall einen Strick zwischen den -beiden »Stangen« oder einen Bambusstock festzubinden, wenn sie entweder -aus einander oder gegen einander drängen wollten. Endlich gelang es -mir, aus ihnen gut dressirte Pferde zu machen, welche fünf Jahre bei -mir schweren Dienst versahen, bis auf einen Tag niemals krank waren und -bei meiner Abreise noch 175 fl. erzielten, obzwar sie schon nicht mehr -»zeichneten«. - -Ich kann nicht umhin, auch diesen Krankheitsfall zu erwähnen, weil er -mir den Beweis brachte, dass der Eingeborene nicht nur »Gefühl« für -seinen Herrn, sondern auch für das ihm anvertraute Thier hat. - -Es war in Magelang, wo ich jeden Nachmittag um 6 Uhr einen Spaziergang -machte. Eines Tages überfiel mich auf meinem Spaziergange ein heftiger -Sturzregen, wie er auch in den Tropen nicht täglich vorkommt. Ich -konnte mich flüchten, und zwar in die Wohnung eines mir bekannten -Hauptmanns. Wie erwähnt, der Regen goss in fürchterlichen Strömen vom -Himmel, als ich plötzlich meinen Kutscher vor der Veranda stehen sah; -überrascht frug ich ihn, was er von mir wolle. »Das eine Pferd ist -krank, und ich suchte Sie, also, tuwan = mein Herr, denn ich weiss ja, -dass Sie jedesmal in dieser Strasse Ihren Spaziergang machen.« Der -Capitän konnte nicht weniger als ich seinem Erstaunen Worte verleihen, -dass ein Eingeborener in einem solchen Wetter 1½ Kilometer weit von -Haus zu Haus seinen Herrn suchen geht, weil das Pferd unwohl geworden -war! (Es hatte Retentio urinae.) Ein europäischer Kutscher hätte dieses -nicht gethan! - -Eine gerne und viel gebrauchte Rasse sind die von Makassar (von -Celebes). Sie sind nicht hoch (höchstens 1,25 Meter), aber ausdauernd -und kräftig. In dem letzten Jahrzehnt wurden vielfach australische -Pferde unter dem Namen Sydneyer in Java eingeführt; es sind hoch und -kräftig aber nicht elegant gebaute Pferde und laufen nicht schnell; sie -haben bis jetzt nur als Luxuspferde bei den Reichen Eingang gefunden. -Was ein europäisches Pferd leisten kann, weiss ich nicht aus eigener -Erfahrung, meine »Keduer Pferde« jedoch, welche ich fünf Jahre lang -in Magelang hatte, wurden täglich gebraucht: wenigstens zweimal des -Tages hatten sie mich ins Spital, welches 1½ Kilometer von meinem -Hause entfernt war, zu bringen, von dort zu holen und unterwegs -meine Privatpatienten zu besuchen; häufig jedoch wurde ich ins -chinesische Viertel gerufen, welches jenseits des Weges nach dem Spital -lag; dadurch kam es, dass ich oft zehn bis zwölf Kilometer im Tag -zurücklegte; so haben also meine Pferde fünf Jahre lang +täglich+ -ohne Ausnahme im Durchschnitt zehn Kilometer zurückgelegt, obwohl sie -nur 1,20 Meter hoch waren und einen grossen Mylord zu ziehen hatten. -Ihr Futter war täglich für beide 120 Kilo Gras und 3-4 Kilo Reis. - - * * * * * - -Im Jahre 1873 wurde ich von der ungarischen Regierung als Cholera-Arzt -in den Karpathen angestellt, und ich sah damals das schaurige Bild -eines Landes, welches von der stärksten Choleraepidemie heimgesucht -war, welche jemals in Europa gewüthet hat. Aber grässlicher und -ekelhafter war das Bild der durch Malaria und Hungertyphus und Viehpest -heimgesuchten Provinz Bantam. Dort (in Ungarn) lagen einzelne Kranke, -welche auf ihrem Marsche von der Cholera ergriffen wurden, auf dem Wege -cyanotisch sich krümmend und windend unter den Krämpfen des Bauches. -Zahlreich waren die Opfer, aber kurz war ihr Leiden, in wenigen Stunden -hatte der Tod ihren Schmerzen ein Ende gemacht. Die unglücklichen -Bantamer jedoch litten Wochen und Monate, die Kräfte erschöpften sich, -sie magerten zum Skelet ab; durch die mangelnde Hautpflege, vielleicht -auch durch die Dyskrasie des Blutes entstanden kleine Eiterbläschen -(impetiginöser Hautausschlag), welche durch Kratzen und durch ihre -eigenthümliche Wundbehandlung zu grossen Geschwüren sich entwickelten, -die oft mehr als die Hälfte der Oberfläche des Körpers angegriffen -hatten; solche von Noth und Elend, vom Hunger und Fieber erschöpften, -abgemagerte, schmutzige, mit grossen Geschwüren und Eczemen bedeckte -Skelete in hunderten und tausenden täglich sehen und behandeln zu -müssen -- war ein ekelerregender Anblick, während die unglücklichen -Opfer der Cholera-Epidemie nur kurze Zeit unsere Theilnahme und -Mitgefühl erregten. -- - - * * * * * - -Es war ein Missgriff der indischen Regierung, den Krankenwärtern ein so -hohes Taggeld (20 fl.) zu geben; dadurch wagten es gerade jene Männer -nicht, um diese Stelle sich zu bewerben, welche, wie z. B. abgedankte -Militär-Krankenwärter und ähnliche Schicksalsgenossen, die dazu am -meisten geeigneten Personen waren. Meine ersten drei Krankenwärter -waren ein pensionirter Hauptmann der Infanterie, ein pensionirter -Intendant (mit dem Range eines Hauptmanns) und ein abgesetzter Notar. -Von diesen drei »hohen Herren« erfasste nur der erste richtig seinen -Beruf, ging in die entlegensten Kampongs, besuchte alle Patienten, gab -nach seinem Urtheil Chininpillen, wenn er Zweifel hegte, rief er mich -zu den Patienten, und vertheilte die erhaltenen Lebensmittel unter die -dürftigsten und ärmsten der Armen. Der Zweite jedoch, der pensionirte -Intendant, blieb auf seinem Standplatz, liess die Häuptlinge der -benachbarten Kampongs zu sich kommen und gab diesen auf Grund ihrer -Berichte die etwa nöthige Menge an Chininpillen und Lebensmitteln, -sein Standplatz war in M...., und wie überrascht war ich, als ich -eines Tages seinen Bezirk inspicirte und von allen Patienten, die ich -untersuchte und frug, zu hören bekam, dass der tuwan (Herr) nicht in -das Dorf käme; noch mehr war ich überrascht, als dieser gute Mann mir -auf meine diesbezügliche Frage das stolze Wort zur Antwort gab: »Ich -kann doch als pensionirter Intendant nicht in die Kampongs gehen und -den Kulis Essen ins Haus bringen!!« Obwohl es ihm gelang, gegenüber dem -Dr. J., meinem Chef, meine diesbezügliche Mittheilung zu entkräften -durch Hinweis auf eine nicht existirende Intrigue, so verschwand er -bald danach vom Schauplatze, weil die Regierung bald das Taggeld auf -5 fl. herabsetzte und dann Männer erhielt, welche für diesen Dienst -die geeigneten Personen waren. Was die Intrigue betrifft, welche -in der Phantasie dieses Mannes existirte, war sie nur eine faule -Ausrede; für den administrativen Theil der ganzen Hülfsaction wurde -nämlich ein Controlor angestellt, welcher der Bruder der geschiedenen -Frau dieses Krankenwärters war. Dieser Controlor wohnte bei mir, -also sei meine Anklage eine Intrigue gegen ihn gewesen. Mein Chef -hatte aber bald Gelegenheit, sich zu überzeugen, dass ich nichts als -Thatsachen mitgetheilt hatte, welche sein weiteres Verbleiben in dieser -Dienstsphäre unmöglich machten. Der dritte meiner Krankenwärter war ein -pensionirter Notar, welcher zwar genug Pflichtgefühl besass, um sich in -richtiger Weise seiner Mission zu entledigen, aber seine Kräfte waren -zu schwach, denn bald nach seiner Ankunft ergriff ihn die Malaria, -so dass er, vom Fieber erschöpft, nach Batavia zurückkehren musste, -wollte und sollte er nicht selbst das Opfer des Fiebers werden. - -In einem seiner Fieberanfälle um 1 Uhr Nachmittags liess er mich holen; -zwischen Tjileles und seinem Standplatze befand sich ein kleiner Wald, -und ich musste darum genau berechnen, ob ich vor Sonnenuntergang zu -Hause sein konnte; am helllichten Tage hatte ja kurz vorher auf dieser -Strasse ein Tiger eine Frau gepackt und war mit ihr davongeeilt. Die -Entfernung war ungefähr eine Stunde; der Polizist, welcher mich auf -meinen Streifzügen stets begleitete, war auch der Ansicht, dass wir vor -Einbruch der Dämmerung in Tjileles zurück sein konnten, und so zögerte -ich keinen Augenblick, Hülfe zu bringen. Sein Kampong Tjiboga (?) lag -ungefähr 500 Meter jenseits des grossen Weges. Ich beeilte mich mit -meiner Ordination und stieg wieder zu Pferde. Als ich jedoch wieder auf -dem grossen Wege war, sah ich, dass ich keine Cigarren hatte, liess -den Polizisten warten, ritt im Galopp zurück, erhielt, ohne vom Pferde -abzusteigen, die Cigarren und eilte wieder im Galopp auf den grossen -Weg, um den Polizisten einzuholen. Wohin ich blickte, nirgends eine -menschliche Seele, und nirgends war er zu sehen; ich zog weiter und -kam endlich auch in den Wald, der den Weg kreuzte. Noch immer war kein -Polizist zu sehen, auch als ich auf einen Kreuzweg stiess, ohne dass -ich wusste, welcher Weg mich nach Hause führe. Rathlos stand ich da -und rief Oppas,[38] Oppas, aber Niemand antwortete mir. Im Dickicht -des Waldes war die Sonne nicht mehr zu sehen, und die Dämmerung trat -ein (welche auf Java nicht länger als eine Viertelstunde dauert).[39] -Rathlos stand ich da und blickte fragend nach allen Seiten, um einen -Ausweg aus diesem Labyrinth zu finden; endlich unterwarf ich mich dem -Fatum, liess die Zügel des Pferdes fallen und befahl Gott meine Seele. -Der Gaul kannte den Weg, er »roch den Stall« und brachte mich auf die -richtige Strasse. - -Einmal sollte ich doch einem Tiger begegnen, ohne dass ich ihn jedoch -auch gesehen hätte. - -Am 24. Januar schrieb mir der Controlor v. d. P., welcher in Malimping -in der Nähe der Südküste Javas wohnte, dass sein Söhnchen durch eine -Wunde am Fusse heftiges Fieber bekommen habe, und ersuchte mich, -sofort zu ihm zu kommen. Es war 10 Uhr Vormittags, als ich den Brief -erhielt. Ich bestieg mein Pferd und zog zunächst nach Gunung Kentjana -(276 Meter[40] hoch gelegen), welches 10 Paal = 15,06 Kilometer von -meiner Wohnung entfernt war. Hier gab mir der Wedono[41] auf Rechnung -des Herrn v. d. P. ein Mittagsmahl (de rysttafel), und unterdessen -machten seine Bedienten aus ein paar Bambusstöcken und einem indischen -Lehnstuhl eine Tragbahre. Gegen 3 Uhr erschien eine Truppe Kulis mit -einem Mandur (= Aufseher), und abwechselnd trugen mich vier Kulis auf -ihren Schultern. - -Noch kaum eine halbe Stunde hinter Gunung Kentjana zeigte mir der -Mandur den Berg Bongkok (925 Meter[40] hoch), an dessen Fusse die -Baduwies einige Kampongs bewohnten. - -Wenn wir von ungefähr 3000 eingeborenen Christen[42] absehen, ist das -Gross der Eingeborenen auf Java dem mohamedanischen Glauben zugethan. - -Im Jahre 1382 hatten sich die Araber Malik Ibrahim, Sideh Mohammad und -Saidi Rakidin in der Nähe des Goldflusses (Kali = Fluss, Mas = Gold) -bei Tandes (dem heutigen Grissé) in der Nähe Surabayas als Kaufleute -niedergelassen und als Missionare für die mohamedanische Religion -eifrig Propaganda, und zwar mit grossem Erfolg, gemacht. Die ersten -Fortschritte erzielten sie an der Küste bis Damak, von hier aus begann -die gewaltthätige Unterwerfung der Eingeborenen, besonders, nachdem im -Jahre 1483 das grosse mächtige Reich von Modjopahit von ihnen erobert -worden war und der grösste Theil seiner Bewohner den mohamedanischen -Glauben angenommen hatte. Seit dieser Zeit hat nach und nach der -Islamismus sich über ganz Java bis auf zwei Colonien ausgebreitet, -welche noch heute abgeschieden von den übrigen Kampongs, die eine im -Westen und die andere im Osten Javas, sich befinden. - -Da ich niemals im Tengergebirge, welches sich auf der Grenze der beiden -Provinzen Pasaruan und Probolingo befindet, geweilt habe, ich also -keinen Anlass haben werde, mich mit dieser Gegend zu beschäftigen, -so will ich hier auch einiges über die »Heiden« im östlichen Java -mittheilen. Wie gesagt, sie leben im Tengergebirge (2724 Meter hoch), -und alle ihre Wohnungen haben die Thüren gegenüber dem Vulcane Bromo -(2290 Meter). Sie sind die Nachkommen der Flüchtlinge des Reiches von -Madjopahit, welche unter Anführung von Kiai Dadop putti sich dahin -zurückgezogen hatten, um ihrem Glauben treu bleiben zu können und nicht -der Beschneidung sich unterwerfen zu müssen. Ihre Zahl beläuft sich -heute auf 3-4000 friedsame Bürger, welche zurückgezogen von der übrigen -Bevölkerung von den Erträgnissen des Bodens leben, gute Unterthanen -sind und jährlich im Sandmeer dem »Gunung Bromo« ihre Opfer bringen. - -Der Mandur wollte mir eben auch etwas Näheres über das Leben dieser -Heiden von Lebak mittheilen, als die Träger der Tragbahre sich -plötzlich auf den Boden setzten; ich fiel zwar nicht vom Sessel, -aber ein gehöriger Stoss schüttelte mir die Eingeweide gut durch, -und überrascht frug ich den Mandur, was dieses bedeute. Gleichzeitig -zeigten alle Kulis mit der Hand nach der rechten Seite des Weges und -riefen: Dia (= Er), Dia, Dia. Es war ein Tiger, der unsern Weg gekreuzt -hatte. Leider hatte ich es nicht gesehen, so dass ich auch diesmal, -wie überhaupt niemals einen Königstiger im Freien gesehen habe. Ich -habe zwar späterhin zwei kleine Tiger von einem Assistent-Residenten -zum Geschenk erhalten; es waren jedoch keine Königstiger, sondern zwei -mâtjan tutul = Panther. Bald hatten sich die Kulis von ihrem Schrecken -erholt, hoben mich wieder in die Höhe und weiter ging es in ruhigen -gemessenen Schritten über Berg und Thal. Die Sonne ging unter, die -Finsterniss trat ein, und die Kulis zündeten ihre Fackeln an. Diese -ôbors sind bei einer Wanderung im Gebirge Bantams unentbehrlich, -weil sie dem Tiger Furcht einjagen; natürlich erreicht eine einzelne -Fackel niemals ihr Ziel, aber in grossen Mengen imponiren sie doch -dem Tiger, der geradezu feige genannt werden muss. Es war eine -theatralisch-romantische Expedition, die ich damals unternahm. Dazu kam -noch, dass ein eigenthümliches Hinderniss unseren Zug erschwerte. - -Zur Bekämpfung der Viehpest, welche gleichzeitig das unglückliche -Bantam heimgesucht hatte, hatte die Regierung einen Cordon um die -pestfreien und inficirten Gegenden gezogen, so dass die Büffel von -der einen Region in die andere nicht gelangen konnten. Dieser Cordon -bestand aus einem Gehege von Bambus, welches von Truppen bewacht wurde. - -Gerade auf dem Wege nach Malimping stiessen diese zwei Gehege zusammen -und waren nur durch die Strasse von einander getrennt; wenn also auch -durch Fackeln der Weg beleuchtet war, so geschah es doch oft genug -bei den zahlreichen Krümmungen des Weges, dass die Träger vorsichtig -zwischen den beiden Gehegen laviren mussten, um mich nicht zu Fall zu -bringen. - -Wenn wir nämlich von der grossen breiten Strasse absehen, welche, -wie schon erwähnt, im Anfange dieses Jahrhunderts durch schwere -Robottdienste angelegt wurde, sind alle übrigen Landwege Javas nur -eine Vergrösserung und Verbreiterung der früher bestandenen Pfade. Die -Eingeborenen gehen immer hinter einander und haben also kein Bedürfniss -für breite Strassen; zum Transport der Lasten werden besonders im -Gebirge Saumpferde gebraucht. So hat also in früheren Zeiten nur der -Pfad oder eine schmale Strasse, welche für einen Grobak (Lastwagen der -Eingeborenen auf zwei Rädern, der von einem oder zwei Büffeln gezogen -wird) hinreichend Raum bietet, die Verbindung der einzelnen Kampongs -besorgt. - -Endlich um acht Uhr Abends kam ich in Malimping an und fand bei dem -Söhnchen des Herrn v. d. P.. ein Erysipel auf dem rechten Unterschenkel -in Folge eines vernachlässigten Fussgeschwüres. Ob da nicht wieder die -Babu (das Dienstmädchen) die Behandlungsweise der Eingeborenen der -Frau des Controlors aufgedrungen hat, weiss ich nicht; wahrscheinlich -war dies der Fall, denn diese Dame war in Indien geboren und darum -geneigt, der Behandlungsweise der Dukun einen hohen Werth beizulegen. -Die Bewohner Bantams behandeln die Geschwüre auf gewiss einfache Weise. -Eine (meistens alte, schmutzige) Kupfermünze wird glatt geschlagen, -mit feinen Löchern siebartig versehen und mit einer Schnur auf dem -Geschwüre befestigt. Nicht allein europäische Laien, sondern auch -Aerzte habe ich ein Loblied auf diese Therapie der Geschwüre singen -hören!! Die Kupfermünze oxydire und cauterisire durch das entstandene -Kupferoxyd die Granulationen der Geschwüre!! Unserem kleinen Patienten -war es dadurch übel ergangen; durch die Oeffnungen in der kupfernen -Platte ist zwar der Eiter abgeflossen, aber nicht immer geschah dies; -pathogene Bacterien fanden durch diese kleinen Löcher ihren Weg und -Zutritt zum Geschwüre, und ein Erysipel = Rothlauf entstand, welches -nicht allein das Bein, sondern auch das Leben des kleinen Mannes -bedrohte. Es gelang mir, beides unserm Patienten zu erhalten. - -[Illustration: Fig. 6. Zwei sundanesische Prinzessinnen mit zwei -Bedajas (adelige Tänzerinnen[43]).] - -Nachdem ich die nöthigen ärztlichen Vorschriften gegeben hatte, gingen -wir zum Nachtmahle. In der »Achtergalerie« sassen wir und hatten vor -uns den Garten, über welchen ein sanfter Südwind von der nahen Küste -strich und uns den Duft der Kaffeeblüthe und der Orangen, gemengt mit -dem Stallgeruche der Reitpferde, in die Veranda brachte. Das Zirpen -des Heimchen (djangkrig M.), der Grille (andjing tanah M.), der -Singcicaden mengte sich mit dem Qua-Qua der Frösche, und hin und wieder -dröhnte die Brandung der nahen See und das Brüllen der wilden Büffel -dazwischen; vereinzelt hörten wir die Klagelaute des Wau Wau (Hylobates -leuciscus) oder das Bellen der halbwilden Hunde und das Schnattern -unruhiger Gänse. Der sternenreiche Himmel strahlte in seiner Pracht und -wetteiferte mit den tausenden und tausenden Leuchtkäfern, welche über -dem nahen Sawahfeld in hochgehenden Wellen auf und ab schwebten. - -Das Nachtmahl gab mir Zeit und Gelegenheit, mich bei dem Controleur -über das Leben und Treiben der Baduwies zu erkundigen, weil mir die -Mittheilungen des Mandur nicht zuverlässig waren. Dieser hatte von -ihnen als Orang Kâpir gesprochen, was offenbar eine Verdrehung des -arabischen Kafir war. Ob es nun ein Schimpfwort bedeuten sollte, oder -ob damit diese Menschen für Heiden erklärt wurden, war mir nicht -deutlich. »Ja, das sind Heiden,« erwiderte Herr v. d. P., »eigentlich -kümmern sie mich gar nicht, obwohl sie in meinem Bezirk wohnen, denn -sie erkennen nur in dem Regenten von Pandeglang ihren Herrn, aber -glücklicherweise sind es friedliebende Menschen, welche sich niemals -etwas zu Schulden kommen lassen, so dass meine Amtsthätigkeit in diesen -Kampongs eine sehr beschränkte ist.« - -»Ist es wahr, dass die Portugiesen die Ansiedlung dieser Baduwies im -District Lebak veranlassten?« »Ja und nein. Im Jahre 1521 kamen zwei -javanische Fürsten Aling-Aling und Kakaling nach Malakka und baten die -Portugiesen um Hülfe gegen die Mohamedaner von Bantam; diese wurde -ihnen gewährt, wofür die Portugiesen eine Factorij errichteten, aber -Tatelehan vertrieb diese beiden Fürsten und die Portugiesen. Die Hindus -verliessen den Norden der Provinz, zogen nach Gunung Kentjana, wo sie -sich noch heute befinden.« - -»Ist es wahr, dass nur 60 in einem Kampong wohnen dürfen, und wenn die -Zahl überschritten wird, muss der 61. sich anderswo ansiedeln?« - -»Auch das ist nur theilweise richtig; in Tji[44]beo, Tji[44]kanekes und -Tji[44]samodor leben 60 Personen, wahrscheinlich eine Sorte Heilige, -ganz abgeschieden von der Aussenwelt. Sobald ein Fremder ihre Wohnung -betreten hat, suchen sie ein neues Heim. Darum darf auch Niemand -ohne meine Bewilligung dahin gehen. Sie heissen Djelma dalem, im -Gegensatze zu den Djelma luwar, welche Handelsleute sind und sich in -jeder Hinsicht mit den Eingeborenen verbinden. (Das Wort dalem heisst -inwendig (M.), und das Wort luwar äussere.) - -In jedem Kampong führen drei Männer einen besonderen Titel, und zwar -Giran pohon, welcher wahrscheinlich der Häuptling und höchste Priester -ist, und zugleich mit dem Pangasuh kokolot für Jeden unsichtbar bleibt, -während der Giran serat der Minister des Aeusseren ist und als solcher -die Gemeinde nach aussen vertritt.« - -»Wie viel Djelmas existiren in Ihrem Bezirke, und kommen auch einige -auf den benachbarten Inseln Pulu Tjindjil und P. Kelupa vor?« »Das -erstere kann ich weniger bestimmt als das zweite beantworten. Sie -wohnen nur in den drei genannten Kampongs und kein Einziger auf diesen -beiden Inseln. Da ich nur von den Mittheilungen des Giran serat die -Stärke ihrer Mitglieder kenne -- ungefähr 2000 alles in allem --, so -kann ich nur annähernd diese Ziffer angeben, obwohl ich keine Ursache -habe, diese Angabe zu bezweifeln.« - - * * * * * - -Am andern Morgen borgte mir Herr v. d. P. ein Reitpferd, und begleitet -von einem Oppas kehrte ich auf demselben Wege zurück, auf dem ich -gekommen war, und erreichte noch denselben Abend meine Wohnung in -Tjileles. Beinahe den ganzen Tag war ich auf dem Pferde gesessen, die -Tropensonne hatte mich nicht geschont, und so begnügte ich mich, einen -kleinen Imbiss zu nehmen und dann sofort schlafen zu gehen. - -Es mochte ungefähr zehn Uhr gewesen sein, als der Häuptling mich aus -dem Schlafe weckte mit dem Rufe: tuwan Regent ada = Der Herr Regent ist -angekommen. - -Der Anlass dazu war folgender: Zu meinen Obliegenheiten gehörte -auch der Rapport den ich alle zehn Tage über meine Leistungen und -Beobachtungen einreichen musste. In einem derselben erwähnte ich -auch, dass ich auf allen meinen Wanderungen nur unbebautes Land sah, -dass ich nur selten einem Büffel begegnete, und dass Hungersnoth die -unvermeidliche Folge sein müsse; der grösste Theil der Bevölkerung -sei ja von der Fieber-Epidemie ergriffen, könne also das Feld nicht -bebauen. Die Büffel seien entweder der Viehpest erlegen oder dem -tödlichen Blei der »Committirten«, welche auf Avis des Thierarztes X. -alle Büffel todtschiessen mussten, welche sich im Bannkreise von einem -Paal = 1½ Kilometer von einem erkrankten Büffel befanden!! Ich musste -also mein Videant consules, ne quid detrimenti capiat res publica der -Regierung zurufen. - -Ich stand rasch auf, kleidete mich an und empfing den Regenten, der -mich interpellirte, wieso ich das graue Gespenst der Hungersnoth -entrollen konnte und durfte, da ich doch nicht wusste, wie gross der -Vorrath an Reis sei, welcher von der vorjährigen Ernte aufgespeichert -läge. - -Der Eingeborene ist immer ruhig und höflich, noch mehr aber ein -Regent, welcher in seiner Würde zu kurz kommen würde, wenn er nicht in -gemessenen höflichen Worten seine Ansichten ausspräche. Dies that auch -der Regent von Lebak, als er mich über die Gefahren einer Hungersnoth -interpellirte. Nachdem er mir mitgetheilt hatte, dass der Zweck seiner -Reise sei, von Kampong zu Kampong zu gehen, um persönlich die Menge des -Vorrathes an Reis zu constatiren, lud er mich zu einer Partie Whist ein. - -Es wurde ungefähr zwei Uhr Nachts, bis ich mich wieder den Armen -Morpheus anvertrauen konnte; ich schlief am andern Morgen um neun Uhr -noch den Schlaf des Gerechten, als wiederum eine Visite angekündigt -wurde. Es war einer der Männer, welche bei der Viehpest-Commission -angestellt waren, um, wie oben schon erwähnt wurde, nicht nur jeden -kranken Büffel zu erschiessen, sondern auch jedes gesunde Thier, -welches in der Nähe bis auf einen Paal = 1,5 Kilometer von einem -kranken Büffel gelebt hatte. Ich muss gestehen, dass dieses Gutachten -des Thierarztes X. eine radicale Cur zur Bekämpfung dieser Epidemie -vorschrieb; aber es wurde mit dem Bade auch das Kind ausgegossen, und -der ganze Viehstand dieser unglücklichen Provinz war in seiner Existenz -bedroht. - -Einstimmig erhob auch die indische Presse einen lauten Protest gegen -diese unpraktische und gefährliche Procedur. - -Zu meiner Ueberraschung war mein neuer Besuch ein alter Bekannter, -ein Pole, den ich früher in Batavia gesprochen hatte. Der Herr D..., -welcher gegenwärtig ein gut situirter Reispflanzer bei Batavia ist, -theilte mir so manches über das Gebahren dieser »Committirten« mit, -das geradezu haarsträubend war. Auf seinen Inspectionsreisen hat der -Thierarzt in der ganzen Provinz jeden »Committirten« belobt, der den -Beweis bringen konnte, +gesunde+ Büffel erschossen zu haben. Ob es -gerade ein Paal war, in dem sich ein kranker Büffel befunden hatte, -oder ob es zwei oder drei Kilometer waren, kümmerte so manchen dieser -Herren nicht. Sobald sie einen Büffel krank sahen, tödteten sie nicht -nur diesen, sondern zogen in ihrem Rayon durch alle Kampongs und -schossen alle Büffel nieder; natürlich musste die Regierung jeden -erschossenen Büffel bezahlen. In wenigen Tagen war der erhaltene Preis -aus den Händen des armen Bauern verschwunden, und jetzt stand er ohne -Büffel da, geschwächt durch das Fieber konnte er in persona das Feld -nicht bebauen -- und der Herr Regent bezweifelte, dass Hungersnoth dem -unglücklichen Lebak bevorstehe! Wie sein Gegenbericht abgefasst war, -weiss ich nicht, aber bald nachher wurde ich nach Tjicandi versetzt. - -Während der Regent in jede Scheuer kroch, um den Vorrath an Reis zu -constatiren, ging ich wie gewöhnlich zu den armen Kranken, gab ihnen -Chininpillen, Chinawein, Carbolwasser, und wo Mangel an Lebensmitteln -bestand, gab ich Milch, welche aus der condensirten schweizerischen -Milch mit gekochtem Wasser bereitet wurde, oder Enteneier und Dengdeng -an Reconvalescenten. An demselben Tage liess ich einen Büffel -schlachten und liess das Fleisch an die Unglücklichen vertheilen. Das -Bild einer sundanesischen Frau (Fig. 2) schwebt mir noch heute vor -Augen, welche zwar die Malaria überstanden hatte, aber wegen Mangels -an Nahrung dem Hungertode nahe war. Ich flösste ihr zunächst ein wenig -Chinawein ein und liess bei meinem Gastgeber eine Hühnersuppe kochen; -ich hatte die Genugthuung, sie am Leben zu erhalten. Während bei meiner -ersten Visite diese arme Frau einen fadenförmigen Puls und eine kaum -wahrnehmbare Stimme hatte, mit schwachen Bewegungen des Armes Fliegen -wegfing, welche gar nicht bestanden, und schon das unregelmässige -Athmen hatte, welches nach +Cheyne-Stokes+ den Namen führt u. s. w., -kam sie noch vor meiner Abreise aus Lebak zu mir, setzte sich zu meinen -Füssen nieder, wollte mir die Schuhe küssen und sprach einen langen -Segenswunsch aus, der von »Tuwan Allah« ein langes Leben und alles Gute -erflehen sollte. - -Am andern Morgen kam Dr. J., um gemeinsam mit mir die Gegend zu -durchreisen und sich persönlich von dem Gange des Dienstes zu -überzeugen. Wie vorher bestimmt wurde, sollten der Regent, der -Assistent-Resident und in jedem Unterbezirk der betreffende Wedono -sich daran betheiligen. Wir alle waren zu Pferde, jeder von uns hatte -einen Bedienten ebenfalls zu Pferde mit sich, nebstdem schloss sich -uns (freiwillig) Herr D... an, so dass eine ganze Cavalcade sich in -Bewegung setzte. Zunächst ging es nach Gunung Kentjana, wo wir eine -Stunde ausruhten. Die Pferde mussten zum weiteren Ritt gewechselt -werden, dafür hatte der Wedono gesorgt; es wurden andere Pferde -gebracht und je nach dem Range des Reiters das betreffende Pferd mit -dem dazu gehörigen Sattel gegeben. Ich war der Niedrigste im Range -(Herr D... behielt sein Pferd, welches kräftig genug war, um nochmals -10-15 Paal zu laufen), ich bekam also das schlechteste Pferd und den -schlechtesten Sattel. Hinter Gunung Kentjana fiel der Weg steil ab, -bis wir zu dem Flusse Tji-Liman (?) kamen, über den eine Brücke ohne -Geländer führte; sie bestand nur aus mehreren aufeinanderliegenden -Bambus-Matten. Der ganze Zug flog über die Brücke, mein Pferd jedoch -blieb plötzlich stehen und »steigerte«, d. h. begann, sich auf die -Hinterbeine zu stellen. Es gelang mir jedoch, im Sattel zu bleiben -und mit einem kräftigen Hieb der Peitsche das Pferd wieder auf die -Vorderbeine zu bringen; in demselben Augenblick glitt es aber mit -den Hinterfüssen aus und kam mit denselben über den Rand der Brücke. -Instinctmässig warf ich mich sofort auf den Hals des Pferdes, welches -die drohende Gefahr merkte und mit starkem Rucke die Hinterfüsse -wieder auf die Brücke brachte. Der Fluss hatte niedrigen Wasserstand, -war vielleicht zehn Meter tief, und ich wäre jämmerlich zu Grunde -gegangen, wenn es dem Pferde nicht gelungen wäre, auf die Brücke seine -Hinterfüsse zurückzubringen. - -Noch zweimal brachte mich diese Expedition in Lebensgefahr. Ueber Berg -und Thal führte uns der Weg nach Tjilangap. Während ich mit einem -oder dem andern Herrn im Gespräche war, nahm wiederholt mein Pferd -einen Anlauf und flog wie toll unter dem schallenden Gelächter meiner -Reisegenossen der Truppe voraus. Es war ein mir unbekanntes Pferd, und -diese Anfälle von Wuth zum Galopp machten mich zuletzt ängstlich; -aber das Lachen der übrigen Herren beruhigte mich einigermaassen. -Wiederum setzte sich ganz unerwartet mein Gaul in gestreckten Galopp, -und zwar in einem Augenblick, wo nur ein schmaler Pfad auf den Berg -führte; zu meiner Rechten war eine steile Wand, und zu meiner Linken -ein vielleicht 100 Meter tiefer Abgrund. Ein Schwindel erfasste mich -schon, es drehten sich mir schon die Bäume vor den Augen, und angstvoll -drückte ich die Weichen des Pferdes, als hinter mir plötzlich Herr -D. erschien und mit dem Kopfe seines Pferdes den Hintertheil meines -Pferdes gegen die steile Wand drückte. »Ja, ich bin ein guter Reiter,« -rief er mir zu, und verwundert blickte ich ihn an, was dieser Ausruf -zu bedeuten hätte. Jetzt gestand er mir, dass er jedesmal mit seiner -Peitsche mein Pferd zwischen den Hinterbeinen gekitzelt hätte, und dass -dieses die Ursache des Galoppirens meines alten Gaules gewesen sei! -»Sehen Sie sich diesen Abgrund an,« antwortete ich und -- drehte ihm -den Rücken. - -In Tjilangap blieben wir nicht lange und kehrten denselben Tag zurück. -Auf dem Berge Gunung Kentjana verliess uns der Assistent-Resident und -der Regent, und ich und Dr. J. wollten weiter ziehen. Mein eigenes -Pferd war unterdessen von einem Kuli nach Tjileles zurückgebracht -worden, und ich bekam einen Gaul, der, wie mir der Eigenthümer -mittheilte, die Gewohnheit hatte, beim Anziehen der Zügel zu -galoppiren; nebstdem trug das Geschirr eine Stange, welche mit stumpfen -Stacheln versehen war. (Diese Stange wird von den Eingeborenen -gebraucht, um wilden und unbändigen Pferden das Galoppiren -abzugewöhnen.) Wir mussten bergab reiten, der Berg war aber nicht -so steil, dass wir absteigen mussten. Drohende Gewitterwolken zogen -sich über unsere Häuptern zusammen, und im Gespräche, ob wir vor dem -Unwetter noch Tjileles erreichen konnten, vergass ich die weisen -Lehren, welche mir der Eigenthümer des Pferdes gegeben hatte, und -unwillkürlich, wir ritten ja bergab, zog ich die Zügel an; die Stacheln -der Stange stiessen in die Mundwinkel meines Pferdes, und wie ein -Spielball flog ich aus dem Sattel. Dr. J. überzeugte sich nur für einen -Augenblick, dass ich mir nichts gebrochen hatte, und verliess mich, -um, wenn möglich, vor Eintritt des Sturmes eine trockene Stätte zu -erreichen. Ich aber hatte am linken Knie eine so schmerzhafte Contusion -erlitten, dass ich nicht mehr das Pferd besteigen konnte. Ich erhob -mich vom Boden, fasste den Gaul beim Zügel und hinkte weiter. Ein -Blitzstrahl durchzuckte den Horizont und kündigte einen heftigen Sturm -an; nirgends eine Hütte, nirgends eine lebende Seele, nichts als Urwald -zu beiden Seiten des Weges, und vor und hinter mir die schmale Strasse. -So hinkte ich weiter, während der Regen in schweren Strömen sich über -mich ergoss, der Blitz alle fünf Minuten das graue Panorama erhellte -und der Donner im dreifachen Echo von einem Berge zum andern rollte. -Ich zog hinkend weiter, weil ich 14 Kilometer zurücklegen musste, um -nicht bei Einbruch der Finsterniss in Gottes freier Natur übernachten -zu müssen. Ich fand zwar ein Wächter-Häuschen (Garduhäuschen), welches -eine Baleh-Baleh, d. h. eine aus Rottang geflochtene Bank hatte, mit -einem ausgehöhlten Baumstamm, auf welchen mit einer Keule geschlagen -wird, um das Dorfsignal zu geben; aber kein Wächter war darin; die Bank -war zwar überdeckt mit einem Dache von Atap, es waren aber so grosse -Oeffnungen darin, dass ich darunter auch nicht vor dem strömenden Regen -geschützt war; ich hinkte also weiter. Endlich erreichte ich Tjileles -und meine Wohnung; sofort befreite ich mich von den Kleidern und von -der Wäsche, welche so nass waren, als ob sie aus dem Troge einer -Wäscherin gekommen wären. - -Während ich wie der selige Don Quijote mit dem Zügel meine Rosinante -am Arme unter dem strömenden Regen meines Weges hinkte, hatte ich alle -Gefahren vor den Augen, welche ein solcher Marsch im Regen im Gefolge -haben sollte und könnte. - -Vor 18 Jahren spielten die Bacterien noch keine so grosse Rolle in -der Aetiologie aller Krankheiten, und zahlreich waren die Leiden und -Schmerzen, welche der »Erkältung« zugeschrieben wurden. Ein solcher -Marsch in einem heftigen Regenwetter, welcher einige Stunden dauerte, -musste nach den damaligen Ansichten ein Fieber, einen Rheumatismus, ja -selbst »heftige Affectionen vom Centralnervensystem« (+Dr. van der -Burg+) zur Folge haben. Nichts von allem diesen geschah mit mir. Es -ist eine bekannte Erscheinung, bei heftigem Regenwetter eingeborene -Knaben und Mädchen, selbst halb europäische und rein europäische -Kinder von 4-5 Jahren, in Adams Toilette in den Pfützen herumlaufen -und spielen zu sehen; selbst eine Deukalionsfluth schrickt keinen -Eingeborenen ab, sei es Mann oder sei es Frau, in’s Bad zu gehen, auch -wenn er z. B. viele Meter weit zum Fluss hinabsteigen muss, ja noch -mehr. In der Regel gebraucht der Eingeborene kein Handtuch, trocknet -sich nicht nach dem Bade ab, sondern lässt einfach den Sarong, in -dem er das Bad genommen hat, fallen, zieht einen trockenen an und -überlässt es den Sonnenstrahlen, das Trocknen des Körpers sofort zu -veranlassen. Es ist andererseits kein Zweifel, dass der Europäer eine -andere Constitution als der Eingeborene hat. Aber es ist im Auge zu -behalten, dass in den Tropen die Temperaturunterschiede zwischen der -Körpertemperatur und der des Regens nicht so gross als in Europa sind, -dass die des Regens selbst viel höher ist und derselbe viel schneller -als in den gemässigten Zonen verdunstet. Wenn auch durch das Bad -und durch den Regen, welcher sich unter den Kleidern ansammelt, die -Poren sich schliessen, weil durch die Verdampfung des Wassers Kälte -erzeugt wird und diese die peripheren Blutgefässe sich retrahiren -lässt, so dauert dieser Process nur kurze Zeit. Sobald die Verdampfung -abgelaufen ist, erweitern sich wieder die peripheren Blutgefässe, -und eine wohlthuende Wärme durchströmt die Haut. Wenn auch die -»Erkältungstheorien« bis jetzt noch zu wenig erforscht und begründet -sind, so wenig selbst, dass man sie noch nicht in den Rumpelkasten -der veralteten Theorien verweisen kann, so bleibt es immerhin -unerklärt, wie z. B. die Bacillen der Lungenentzündung unter oben -angeführten Verhältnissen in den menschlichen Organismus eindringen -sollten; eine solche Sündfluth kann unmöglich diese Mikroorganismen -in die Luft schweben lassen. Man müsste nur annehmen, dass diese -Krankheitserreger schon vorher in den Organismus eingedrungen waren und -durch die Contraction der peripheren Blutgefässe mit der unterdrückten -Transpiration den Körper nicht verlassen könnten. - -Ich will mich jedoch in solche Theorien nicht weiter einlassen und -mich auf die Mittheilung der Thatsache beschränken, dass in den Tropen -ein Spaziergang im Regen, und selbst in dem stärksten Regen, bei -gesunden Menschen ein nicht unangenehmes Empfinden erzeugt; ich will -jedoch betonen, dass ich nur von gesunden Menschen spreche und nicht -von Patienten, welche durch Fieber oder durch Darmerkrankung u. s. w. -erschöpft und darum weniger widerstandsfähig sind. - - - - -5. Capitel. - - Fleischspeisen auf Java -- Deng-deng -- Vergiftungsfälle -- Bediente - -- Malaria -- Geographie von Bantam. - - -Pecuniär war mein Aufenthalt in diesem unwirthlichen, unglücklichen -Bantam günstig zu nennen; denn neben meinem fixen Gehalt bekam ich 6 -fl. Diäten und Meilen-Gelder für mich und für meinen Bedienten. Es -bleibt aber immerhin ein magerer Trost, zu hören, das »Geld versüsse -die Arbeit«. Dieses erinnert mich an die Erzählung, dass Friedrich der -Grosse eines Tages in später Abendstunde einen Courier empfing und dem -Intendanten befahl, dem hungrigen Courier etwas zu essen zu geben. Am -andern Tage erkundigte sich der König nach dem Abendessen des Couriers. -Als dieser dem König mittheilte, dass er vom Intendanten einen Thaler -erhalten habe, liess er denselben kommen und steckte ihm einen -silbernen Thaler in den Mund mit den Worten: »Jetzt esse Er einmal.« - -Auch ich hatte wenig von dem Bewusstsein, während meines Aufenthaltes -unter diesen unglücklichen Menschen einige hundert Gulden mehr als -gewöhnlich zu verdienen; ich bekam zwar täglich meinen Reis mit -diversen Saucen und einigen Gemüsen und getrocknetes Fleisch und -Huhn; ich musste es mir aber von Serang, d. i. ungefähr 50 Kilometer, -von einem Kuli bringen lassen. Keine frische Milch, keine Erdäpfel -zu haben, war ich schon längst gewöhnt; aber schwer vermisste ich -täglich das Brot beim Kaffee und -- die Zeitung; aber schliesslich war -ich zwanzig Jahre jünger als heute, und in einem Alter, in dem die -Elasticität des Körpers mit der des Geistes gleichen Schritt hält, -und in dem man sich leicht und bequem in veränderte Lebensbedingungen -schickt. Während meines fünfmonatlichen Aufenthaltes in Bantam habe -ich kein einziges Mal frisches Rindfleisch bekommen. Wurde für die -Bevölkerung hin und wieder ein Büffel geschlachtet, so machte ich aus -naheliegenden Gründen davon keinen Gebrauch. Die Eingeborenen essen -es gerne, obzwar das Fleisch einen süsslichen Geschmack hat, der -nicht Jedermann befriedigt. (»Weisse« Karbouwen, welche nicht weiss, -sondern gelblich weiss sind, werden aber niemals auf die Schlachtbank -gebracht.) Kalbfleisch wird überhaupt in Indien aus mir nicht bekannten -Gründen nicht auf den Markt gebracht. Aber Schafe, Hirsche, Ziegen, -Kidangs (Cervus muntjac), Kantschils (Moschus javanicus), ein Sorte -Hasen (Lepus nigricollis), Kaninchen (Lepus cuniculus), Schweine, -Wildschweine, Pferde, Hunde, Kalongs (Pteropus edulis) kommen hin und -wieder auf den Tisch. Selbstverständlich waren alle diese mehr oder -weniger angenehmen Fleischspeisen aus den verschiedensten Ursachen -für mich in dieser unglücklichen Provinz unerreichbar. Ich war also -auf Fleisch aus Conserven angewiesen. Schinken blieb natürlich hors -concours; für mich allein einen Schinken kommen zu lassen, um davon -einen oder zwei Tage zu essen und das andere wegwerfen zu müssen, war -zu kostspielig; er kostete ja in Batavia 8-12 fl., und in Tjileles -hätte er mich sicher 14 fl. gekostet. (Der Kuli, welcher höchstens -½ Pikol = 31¼ Kilo trug, bekam ja für jeden zurückgelegten Paal = -1,5 Kilometer 5 Cts.) Würste zu geniessen, hatte ich von jeher in -Indien abgelehnt; die Würste in Conserven, von denen ich natürlich -jetzt spreche, kommen aus Europa und liegen oft Monate lang bei einem -Importeur in den grossen Städten, und deren Provenienz ist nicht -immer sicher. Sehr häufig werden Saucis de Boulogne in den Hôtels auf -den Tisch gebracht, obschon vor einigen Jahren ein Fabrikant dieser -Würstchen schwer bestraft wurde, weil er zur Fabrikation seiner -Würstchen das Fleisch kranker Thiere verwendet hatte. Uebrigens haben -alle Fleischsorten in Conserven denselben unangenehmen Geschmack -von ausgekochtem Fleisch, und deren täglicher Gebrauch ist geradezu -unmöglich. Nebstdem fehlen in keiner Haushaltung Büchsen mit Sardinen -in Oel, Sardellen, paté de foie gras, worin die Gänseleber oft nur die -Grösse einer Haselnuss hat, und alle möglichen Sorten von Geflügel, -als: Fasanen, Lerchen u. s. w. Wenn man sich die Augen zubindet, kann -man beim Essen dieser Vögel aus Conserven keinen Unterschied finden; -sie haben alle denselben Geschmack. - -Ich hatte also in Tjileles während meines Aufenthaltes von fünf Monaten -keine grosse Abwechselung auf meinem Tische. Glücklicherweise ist das -Deng-deng eine so schmackhafte Fleisch-Conserve, dass ich sie jeder -Heeresverwaltung für den Krieg empfehlen würde. Es werden nämlich -dünne Scheiben von Fleisch (Rind, Hirsche u. s. w.) von Fett und -Sehnen befreit und auf beiden Seiten mit Salz, Pfeffer, Tamarinde und -langkwas gut eingerieben und dann den versengenden Sonnenstrahlen zum -Trocknen übergeben. Es hält sich Monate lang, ohne an seinem angenehmen -Geschmack das Geringste zu verlieren. Dieses Deng-deng liess ich mir -bei jedem Transport von Lebensmitteln kommen und hatte dadurch eine -kleine Abwechselung mit dem Huhne, welches mir zuguterletzt auch -widerstand. Meistens wurde das Deng-deng von meiner Hausfrau in Cocosöl -oder in Butter gebacken; aber auch einfach über dem Feuer, z. B. auf -einer Roste, gebraten, behält es seinen guten Geschmack. - -Als Getränke hatte ich für mich einen kleinen Vorrath von rothem Wein -und für meine etwaigen Besucher eine Flasche des unentbehrlichen -Genevre mit Bitterextract im Hause. Auf meinen Wanderungen trank ich -stets Klappermilch (tjai duwegan S.). Dies lehrte mich Herr v. d. P. -mit Hinweis auf die in Multatuli mitgetheilten Vergiftungsfälle. Ein -Beamter, der zwischen dem Dilemma steht, die Autorität der eingeborenen -Fürsten nicht nur zu handhaben, sondern auch durch die Autorität -dieser Fürsten zu regieren, andererseits aber gerade die Bevölkerung -vor den Erpressungen dieser Fürsten zu beschützen, der kann oft in -die Lage kommen, den Einen oder den Andern fürchten zu müssen; darum -trank Herr v. d. P. auf seinen Inspectionsreisen nichts anderes als -die Klappermilch aus den Cocosnüssen, welche in seiner Gegenwart vom -Baume herabgeholt und von seinem »Oppas« geöffnet wurden. Ich selbst -hegte diese Furcht nicht, schon darum, weil ich überzeugt war, dass die -häufigen Vergiftungsfälle in Indien zu den Sagen gehören. - -In N.. sprach ich einen Pflanzer, der die Javanen nicht anders als das -»Vieh von Laban« nannte. Er erzählte mir, dass er eines Tages auf -dem Sawahfelde mit einem Kuli inspiciren ging, als ihn ein heftiger -Regen überfiel, ohne dass er einen Pajong (Regenschirm) bei sich -hatte; »und denken Sie sich, wie brutal so ein Kuli sein kann,« fügte -er hinzu, »dieser Kuli nahm ein Pisangblatt und bedeckte damit seinen -Kopf! Sie begreifen, dass ich ihm eine Ohrfeige gab, dass ihm Hören -und Sehen verging und er nimmermehr einen Regenschirm gebrauchen -wird, wenn sein Herr ohne einen solchen im Regen gehen muss!!« Wenn -solche Menschen sich ihres Lebens nicht sicher fühlen und, ich -möchte fast sagen, überall einen Mord wittern, ist es verständlich, -aber nicht richtig. Eine ganze Mythologie besteht auf Java über die -Vergiftung aus Eifersucht und aus Rachsucht; sobald ein Europäer an -einer chronischen Erkrankung des Darmes, der Lungen u. s. w. leidet, -wird die geschwätzige Nachbarin bald eine eingeborene Frau gefunden -haben, welche früher seine Haushälterin war, oder einen Bedienten, dem -er früher eine Ohrfeige gegeben habe, und welche ihm Gift, und zwar -»Pflanzengifte, welche natürlich bei der Section nicht gefunden werden -können«, eingegeben hätten. - -Diese Sucht, Vergiftungsfälle als tägliche Erscheinungen hinzustellen, -entspringt in der Regel dem schlechten Gewissen, die eingeborenen -Bedienten nicht menschlich zu behandeln; der Javane oder Malaye findet -es selbstverständlich, dass er bestraft wird, selbst durch einen -Schlag, wenn er sich ein Vergehen hatte zu Schulden kommen lassen; es -können aber besonders Damen nicht nur in Indien, sondern in der ganzen -Welt oft eine solche Ungeschicklichkeit zeigen, mit den Dienstboten -umzugehen, dass es oft unglaublich erscheint, dass sich überhaupt -noch Dienstboten bei ihnen anmelden. Von Indien kann ich geradezu -behaupten, dass immer die Frau (oder der Herr) die Schuld tragen, wenn -sie keine guten Bedienten erhalten können oder jeden Augenblick neue -Bediente suchen müssen. Der indische Dienstbote ist bescheiden in -seinen Ansprüchen; er begnügt sich oft mit einem »Zimmer im Garten«, -wo sein Kamerad in Europa nicht einmal eine Stunde sich aufhalten -würde; wenn er nicht geradezu provocirt wird, vergisst er niemals den -Abstand zwischen »Herr und Knecht«; er ist gelassen und still, weil -er niemals Alcoholica gebraucht und die Höflichkeit (besonders bei -den Javanen) eine Nationaltugend ist. Es ist Regel, dass der Bediente -oder der Dienstbote sich mit 3 fl. pro Monat für die Kost begnügt, -wenn auch sein Gehalt 10-15 fl. beträgt. Wenn man seinen Bedienten -nicht schimpft und nicht schlägt, so erhält man immer gute Bediente, -welche gewiss Jahre lang in demselben Dienste bleiben; ich habe die -Frau eines Collegen gekannt, welche oft fünf bis sechs Befehle auf -einmal gab, und wenn dann einer oder der andere vergessen wurde, mit -den heftigsten Scheltworten den Bedienten empfing. Ein guter Bedienter -lässt sich nicht schimpfen, und bei einem schlechten hilft es nicht. -Ihr Mann überhäufte seinen Kutscher mit den heftigsten Vorwürfen und -Schimpfworten auf der Strasse, weil ein Lederriemen an seinem Wagen -gebrochen war. Diese sonst so guten und braven Menschen konnten keine -14 Tage einen Dienstboten halten, während diese bei mir vier bis fünf -Jahre lang blieben. Eine andere Dame wiederum zog nicht nur den Werth -eines jeden zerbrochenen Tellers von dem Gehalt des Dienstboten ab, -sondern berechnete jede Viertelstunde, welche er zu spät »in’s Haus« -kam, mit 2-5 Cent!! Es ist unglaublich, dass diese Dame immer und immer -ihre Klagelieder anstimmte »über die indischen Dienstboten, welche -schlechter seien als das Vieh in Europa; denn sie lügen und sie stehlen -wie die Raben«. Die Lüge ist das Lieblingskind der Tyrannei, und der -Javane war bis vor kurzer Zeit ein Spielball in den Händen seiner -Fürsten; es ist also wahr, dass sie oft schon aus Höflichkeit lügen; -dennoch -- wollen wir sie darum nicht so strenge verurtheilen wie -jene Dame, weil die Wahrheitsliebe der europäischen Dienstboten auch -nicht gar so hoch steht, und weil im täglichen Verkehr dieser Fehler -sich selten fühlbar macht. Die zahlreichsten Fälle sind ja jene, bei -welchen der Dienstbote den Preis von irgend einem zerbrochenen Glase -oder einer Schale ersetzen muss. Mit dem ernstesten Gesicht in der -Welt wird ein Bedienter in einem solchen Falle die Antwort geben: Sie -irren sich, Herr, ich habe es nicht gethan; und wenn man vielleicht -aufgeregt rufen wird: Wer denn? dann wird er, wenn möglich, mit noch -ruhigerem und bescheidenerem Tone antworten: »tuwan sadja« = der Herr -selbst. Da er doch bezahlen muss, nun, so macht es ihm Vergnügen, -seinen Herrn in Harnisch zu jagen und im Garten bei seinen Kameraden -diese Comödie zu besprechen. Wenn er dies nicht zu fürchten hat, -d. h. wenn er nicht alles und jedes bezahlen muss, was er zufällig -zerbricht, dann wird auch seine Wahrheitsliebe ebenso gross sein als -die eines Europäers. Was das »Stehlen« betrifft, so ist dies einfach -nicht wahr; der malayische Bediente ist ehrlich und viel ehrlicher -als sein europäischer College. Er wird bei sehr sparsamen Damen -vielleicht ein bischen Zucker, Thee oder Kaffee naschen, vielleicht -wird er bei Sorglosigkeit seines Herrn hin und wieder eine Flasche -Petroleum verkaufen -- aber welch’ europäischer Bedienter würde dies -nicht thun, wenn keine Controle geübt werden würde. Ich habe einen -Advocaten in Surabaya gekannt, der seine Einnahmen ungezählt und ohne -Controle seinem Bedienten übergab, wenn er nach Hause kam, und der -Bediente musste das Geld in die Kasse einsperren und die täglichen -Bedürfnisse damit bestreiten. Ja, wenn ein Mann so nonchalant sein kann -und vielleicht zu faul ist, um nicht einmal in persona das Geld in die -Kasse einzusperren -- verdiente es dieser Mann nicht, dass er endlich -eines Tages bemerkte, dass ihm 1400 fl. fehlten! Nun, ich will das -Capitel »Bediente« nicht schliessen, ohne die Versicherung Jedermann -zu geben, dass eine bescheidene Controle hinreichend ist, um jeden -Bedienten als ehrlichen Mann Jahre lang halten zu können. - - * * * * * - -Das Fieber, diese Geissel der Tropen, hatte in seinem epidemischen -Auftreten die Bewohner Bantams sehr schwer heimgesucht. Die Sümpfe sind -die Stätte der Malaria -- dies bezweifelt Niemand -- ihre aufsteigenden -Miasmen verpesten die Luft und bringen Menschen und Thieren den -tödtlichen Keim -- auch dieses bezweifelt Niemand. Wie diese in den -menschlichen Organismus gelangen, hat bis auf die jüngste Zeit Niemand -bezweifelt; die Luft führt das fieberbringende Gift in den Organismus. -Aber Prof. +Koch+ hat während seines zweijährigen Aufenthaltes in -Englisch-Indien ein anderes ätiologisches Moment gefunden: die -Mosquitos. +Pulvirenti+ will den Nachweis bringen, »dass die Krankheit -(die Malaria) allenthalben dort entstehen kann, wo organische Materien -in Fäulniss gerathen«. - -+Meine+ Erfahrungen bestätigen die Beobachtungen +Pulvirenti+’s in -vollem Maasse, während die des Prof. +Koch+ wahrscheinlich auf einem -post hoc etiam propter hoc beruhen. - -Wo Mosquitos sind, dort sind Sümpfe, und dort kommen Malariafälle -vor; aber es giebt auch in den Tropen Landstriche, welche frei von -Mosquitos sind und doch vom Fieber heimgesucht werden. +Grassi+ konnte -in allen jenen Gegenden, wo Malaria vorkommt, eine eigenartige grosse -Mückenspecies nachweisen. Bei der Untersuchung dieser Insecten, nachdem -sie das Blut von Malariakranken gesogen hatten, fand er die Gegenwart -von geisseltragenden Elementen im Thierleibe.[45] Ohne geradezu des -Köhlerglaubens mich schuldig zu machen, glaube ich gerne, dass Prof. -+Koch’s+ Beobachtungen richtig seien -- sie sind ja im Ganzen und -Grossen dieselben als die von +Grassi+, wie wir sahen -- aber ich -glaube nicht, dass es die einzige Ursache sei, und dass Luft und Wasser -gleichfalls eine grosse Rolle spielen in der Aetiologie der Malaria. - -Auch im Gebirge entstehen ja oft verheerende Fieber-Epidemien, ohne -dass Mosquitos oder andere Insecten die Vermittler derselben sind. -Um nur ein Beispiel von hundert anderen zu bringen: in den Achtziger -Jahren wurde in Magelang ein neues Campament gebaut, d. h. Casernen -mit Officierswohnungen, und zahlreiche Fieberfälle kamen unter den -Arbeitern vor. Ueberall und +ohne Ausnahme+ tritt in Java eine -Fieberepidemie auf, sobald der Boden aufgelockert wird, und dieses -stimmt auch mit der Behauptung von +Pulvirenti+, dass die Malaria dort -entstehen kann, wo organische Materien in Fäulniss gerathen -- Magelang -hat keine Mosquitos. - -Auf Borneo, wo ich an der Grenze des Diluviums sass, hatten wir keine -Mosquitos, zu gewissen Zeiten aber heftige Fieberfälle, ja noch mehr. -Die indische Regierung sorgt für eine zweckmässige Irrigation des -Landes, um dem Reisbau in allen Theilen des Landes eine ergiebige Ernte -zu ermöglichen, und wo der Boden zu diesem Zwecke aufgewühlt wird, -entsteht eine Fieberepidemie, ohne dass damit eine Einwanderung von -Mosquitos stattfände. Ueberall giebt es auf Java Plätze und Gegenden, -welche eine Zeitlang ob ihrer »Gesundheit« berühmt sind, um nach -einigen Jahren wieder von Fieberepidemien heimgesucht zu werden. Wenn -auch in vielen Fällen dafür eine Ursache gefunden wird, z. B. das -Anlegen von neuen Reisfeldern oder ausgedehnten Bauten, so fehlen uns -dafür oft genug nachweisbare Ursachen -- Mosquitos waren im Gebirge -nicht eingewandert. -- Es könnten vielleicht (nach +Grassi+) andere -Insecten die Vermittler sein; aber welche? Die Hunde haben in Indien -Flöhe, aber nicht die Menschen; Wanzen kommen nur in Spitälern und -Gefängnissen vor. Auch Fliegen findet man; sie stechen aber nicht, und -es muss erst der Nachweis gebracht werden, dass eine intacte Haut den -Zutritt der Mikroorganismen gestattet, abgesehen davon, dass a priori -diese Annahme beinahe unmöglich ist. - -Professor +Koch+ weilt momentan (December 1899) in Batavia, um die -Entstehungsursachen der Malaria zu studiren. Das Uebertragen des -Giftes (der Plasmodien) dieser Krankheit durch Mosquitos scheint, nach -den spärlichen Berichten zu urtheilen, welche mir darüber bis jetzt -zugänglich waren, die Hauptfrage zu sein, welche diesen Bacteriologen -bei seinen Untersuchungen beschäftigt. Ich will gerne jurare in verba -magistri und das Resultat seiner Arbeiten selbst kritiklos annehmen, -weil er der Meister auf diesem Gebiete ist. Aber trotzdem muss ich -wiederholen, was ich im ersten Bande, Seite 20 behauptet habe, dass -+auch+ das Wasser ein Vermittler der Malaria ist, und dass die indische -Regierung eine grosse Unterlassungssünde begehen würde, wenn sie in -der Sorge, das Land von den verheerenden Verwüstungen der Malaria zu -befreien, sich auf die Vernichtung des schädlichen Einflusses der -Mosquitos[46] beschränken würde. - - * * * * * - -Die Provinz Bantam ist schwach bevölkert. Nach der letzten Volkszählung -von 1893 hatte sie nicht mehr als 638,567 Einwohner bei einer Grösse -von 140,664 ☐Meilen, d. h. 4520 auf die geogr. ☐Meile. Darunter -befanden sich 275 Europäer, 1657 Chinesen, 36 Araber, 32 Orientalen und -636,567 Eingeborene (worunter die zahlreichen eingewanderten Javaner, -Sumatraner, Malayen und Bewohner von West-Borneo, der Insel Banda -u. s. w. inbegriffen sind). - -Zahlreiche Gebirgszüge durchziehen das Land, und nur die Nordküste ist -flach; nur die Vulcane Karang (1600 Meter hoch) und Pulusari (1200 -Meter), der Trachytkegel Pajung (133 Meter) und die Berge Endut (120 -Meter) und Tukung (700 Meter) sind aus der grossen Zahl der Berge -dieser Provinz erwähnenswerth.[47] - -Grosse Ströme oder Flüsse besitzt Bantam ganz und gar nicht; nur -wenige Meilen weit in’s Innere des Landes sind der Tjikandi und -der Pontangfluss befahrbar; die kleinen Flüsse Pandan, Tjimanok, -Tji-Panimbang und Tji-Barenoh sind kaum nennenswerthe Verkehrswege -des übrigens sehr unbedeutenden Handels mit den Naturproducten des -Landes.[48] - -[Illustration: Fig. 7. Ein Wâjang Kulit (Schattenbilder) mit der -Gamelang (Capelle) und Regisseur hinter dem Schirme.] - -Eine grosse Zahl Inseln liegt in der Nähe der nördlichen, westlichen -und südlichen Küste dieser Provinz (die Ostgrenze formt die Provinz -Preanger); die wichtigsten darunter sind in der Sundastrasse die -Insel Krakatau und im indischen Ocean die Prinzen-Inseln (= Pulu -Panaïtan). Im Jahre 1883 (27. [?] August) erfolgte eine so heftige und -mächtige Eruption des seit Jahrhunderten ruhenden Vulcanes auf der -Insel Krakatau, dass die ganze Westküste Bantams mit der Hafenstadt -Anjer und die Südküste von Sumatra fürchterlich heimgesucht wurden; -beinahe 20,000 Menschen fielen ihr zum Opfer. Als ich zum letzten -Male (im Jahre 1897) die Sundastrasse passirte, zeigte die Insel -Krakatau nur das unschuldige und liebliche Bild eines kleinen, dicht -bewachsenen Hügels von vielleicht 80 Meter Höhe, und nichts verrieth -mehr die ungeheure Verwüstung und Verheerung, welche vor 14 Jahren -dieser kleine Berg oder diese kleine Insel über das unglückliche Land -Bantam gebracht hatte. Auch die Insel Panaïtan, auf welcher schönes -Bauholz gefunden wurde, verlor im Jahre 1883 alle ihre Bewohner theils -durch die glühende Lavamasse, theils durch den Hunger. Eine solche -ungeheure Bimssteinmasse hatte die ganze Sundastrasse bedeckt, dass -nur unter den grössten Anstrengungen der indischen Regierung die -Schifffahrt-Verbindung mit der Provinz Lampong (Süden von Sumatra) am -29. August wieder eröffnet werden konnte. Die Insel Panaïtan jedoch -verlor alle Einwohner, weil die Feuermassen alle Lebensvorräthe -- -pflanzlicher und thierischer Herkunft -- verbrannt hatten, und erst -nach vielen Wochen ein Verkehr mit dem festen Lande ermöglicht wurde. -Heute ist diese Insel wieder gut bevölkert, weil sich dahin alle -Bewohner des südlichen Bantams flüchten, welche durch die Tiger in -ihrem Leben sich bedroht sehen.[49] - -Keine Provinz Javas hat im Laufe dieses Jahrhunderts von -allen möglichen Unbilden so viel als diese Provinz gelitten. -Fieber-Epidemien, Viehpest, Hungersnoth, Ausbruch der Vulcane, -Ueberschwemmungen, und nicht am wenigsten Krieg haben in den letzten -Jahrzehnten zu wiederholten Malen diese unglückliche Provinz -heimgesucht. Wie wir im letzten Capitel sehen werden, war der Sultan -von Bantam ein mächtiger Despot. Der Letzte, Namens Mohammed Tsafiu -’d-din, regierte vom Jahre 1815-1832 und wurde wegen Theilnahme an -Seeraub von der indischen Regierung abgesetzt und nach Surabaya -verbannt. Natürlich erhoben sich darauf zahlreiche Prätendenten, -und nur zu häufig musste Gewalt diese Aufstände unterdrücken. Die -bedeutendsten darunter waren die von den Jahren 1834, 1836, 1839, -1850 und 1888. Seit dieser Zeit ist der willkürliche Despotismus -der einheimischen Fürsten gebrochen, und nur einzelne fanatische --- meistens arabische -- Priester nähren die schwache Gluth der -Unzufriedenheit unter entthronten kleinen Despoten. Die holländische -Regierung steht hier vor einer schönen Aufgabe: Eine durch zahlreiche -Unglücksfälle in Verfall gerathene Provinz zur alten Wohlfahrt zu -erheben. Wenn früher Bantam durch seine Ausfuhr von Pfeffer, Reis, -Indigo, Kaffee u. s. w. blühte, so kann es ja durch eine weise -Regierung seine frühere Blüthe wieder erreichen. Zucker, Catechu, Thee, -Chinabaum, Muskatbäume u. s. w., kurz, alle Producte der Tropenwelt -finden in Bantam einen üppigen Boden, und in der Tiefe der Gebirge sind -noch viele Schätze verborgen, welche von unternehmenden Männern gehoben -werden können. - - - - -6. Capitel.[50] - - Nach Buitenzorg -- Der Berg Salak -- Das Schloss des - Gouverneur-General -- Ein weltberühmter botanischer Garten -- - Batu-tulis = beschriebener Stein -- Ein gefährlicher Kutscher -- Die - Preanger-Provinz -- Warme Quellen -- Sanatorien -- Indische Gewürze - -- Ein reicher Beamter -- Das Tanzen (Tandak) der Javanen -- Wâjang - orang = Theater -- Wâjang tjina = chinesisches Theater -- Wâjang - Kulit = Schattenbilder -- Spiele der Javanen -- Eine Theeplantage - -- Bambus-Wunden -- Eine langweilige aber einträgliche Garnison -- - Einfluss der „reinen Bergluft“ -- Europäische Gemüse auf Java -- - Ein javanischer Fürst verheiratet mit einer europäischen Dame -- - Malayische Gedichte (Panton) -- Mischrassen -- Ein ausgestorbener - Krater. - - -Am 19. August 1888 verliess ich Atjeh (Nordküste von Sumatra), kam am -23. in Padang an und erfuhr dort, dass ich in »Ngawie« eingetheilt sei, -dass ich also von dem »heissen Atjeh« in die »Hölle Javas« versetzt -wurde. Wir beide jedoch, ich und meine Frau, hatten das Bedürfniss, -uns »eine kalte Nase zu holen«,[51] d. h. durch die kühle und frische -Luft im Gebirge unsern durch die Wärme erschlafften Organismus ein -wenig aufzufrischen, und ich beschloss also, bevor ich nach meinem -neuen Standplatze abging, einen 14tägigen Urlaub anzusuchen. Da ich -zwei volle Jahre den beschwerlichen Dienst in Atjeh ununterbrochen -versehen hatte, und zwar, trotzdem die Beri-Beri mich heimgesucht -hatte, ohne auch nur einen einzigen Tag mich krank gemeldet zu haben, -wurde mir dieser Urlaub bewilligt, und ich unternahm eine Reise in -die viel gepriesene und viel gerühmte Provinz Preanger. Zunächst ging -die Reise per Eisenbahn nach Buitenzorg (= ohne Sorge = bogor M.). Da -ich im Jahre 1881 in dieser Residenzstadt des Gouverneur-General in -Garnison lag, so war mir die Stadt gut bekannt, und ich konnte meiner -Frau sofort alle Sehenswürdigkeiten beschreiben und zeigen. Zunächst -muss ich jedem Touristen anrathen, mit der Regenzeit zu rechnen. So -viel wie in Buitenzorg, regnet es in ganz Indien nicht. Zwischen 4 und -5 Uhr Nachmittags beginnt während des ganzen Jahres beinahe täglich -ein intensiver Tropenregen, und die beiden Monsune unterscheiden sich -nur dadurch, dass es zur Regenzeit oft auch Vormittags regnet, während -im Ostmonsun den ganzen Vormittag und oft bis zur ersten Abendstunde -schönes Wetter ist. Der August ist der trockenste Monat mit 273 Mm., -während im Januar 534 Mm. Regen fällt. Unter 44 Plätzen im indischen -Archipel, in welchen die täglich gefallene Regenmenge gemessen wird, -hat diese Stadt den ersten Rang, und zwar 5208 Mm.,[52] während die -niedrigste (in Probolingo) nur 1213 Mm. per Jahr aufzuweisen hat. Wenn -also das Regenwasser in Buitenzorg während eines Jahres nicht ablaufen -könnte, würde es eine Wassersäule von mehr als 5 Metern bilden und -somit eine wahre Sündfluth darstellen. Dies ist in Buitenzorg nicht -zu befürchten; es ist hinreichender Abfall der Wege vorhanden, und -ausserdem ist der Boden so weich, dass schon wenige Minuten nach dem -stärksten Regengusse ein Spaziergang möglich ist. - -Wenn ich auch während meines Aufenthaltes in dieser Garnisonsstadt (im -Jahre 1881) von den drei Hotels: Chemin de fer, Bellevue und Buitenzorg -immer das erstere benutzt hatte, weil es ein grosses, schönes Hotel -war, dessen Küche mit Recht gerühmt wurde, ging ich diesmal doch in’s -Hotel Bellevue, welches mitten in der Stadt liegt und seinen Besuchern -von der hinteren Veranda aus ein prachtvolles Panorama des Berges Salak -bietet. - -Von der Station führt eine breite Strasse links nach dem Palaste des -Gouverneur-General mit dem botanischen Garten, und bei diesem vorbei -rechts nach dem chinesischen Quartier und links nach dem »Campament«. -Neben dem Palaste befindet sich ein kleiner Platz mit dem Postgebäude -und im Hintergrunde das genannte Hotel. Es war 6 Uhr Abends, als wir -ankamen, der Regen hatte aufgehört, und nachdem wir ein erfrischendes -Bad genommen und Kleider und Wäsche gewechselt hatten, machten wir -zunächst einen Spaziergang. Beim Postgebäude vorbei kamen wir auf die -grosse Strasse, welche in das chinesische Quartier und nach Garut -führt, von wo ein kleiner Weg rechts ab nach Batu-tulis geht (5 -Kilometer). Im scharfen Bogen krümmt sich der Weg in die Hauptstrasse -des chinesischen Kleinhandels. (Fig. 3.) An der rechten Ecke steht das -»Spukhaus«, welches ich im Jahre 1881 bewohnt hatte. Es war ein grosses -Haus, welches früher ein Clubgebäude gewesen war und viele Jahre lang -unbenutzt stand, weil -- jeder frühere Bewohner darin gestorben war. -Ihm gegenüber war der südliche Eingang zum weltberühmten botanischen -Garten und zum Palast des Gouverneur-General. - -Der kundige und brave Hortulanus S. +Binnendyk+ war seitdem gestorben; -jedoch Professor +Treub+, ein Pflanzenphysiologe von europäischer -Berühmtheit, schaltete und waltete noch immer mit demselben Eifer und -Tüchtigkeit, mit welcher er die Botaniker der ganzen Welt auf dieses -Kleinod des Gartenbaues aufmerksam gemacht hat. Es ist jetzt mit einem -physiologischen Laboratorium verbunden, wohin jährlich europäische -Pflanzenphysiologen aus allen Theilen der Welt ziehen, um ihren -Forschungen und Studien unter Leitung und Mithülfe des Prof. +Treub+ -obzuliegen. Im Jahre 1819 von dem damaligen Director des Departements -»für Landbau, Kunst und Wissenschaft«, dem Prof. +Reinwardt+, -errichtet, um ganz praktische Zwecke zu verfolgen, und zwar den Nutzen -der grossen und üppigen Flora der inländischen Colonien zu erforschen, -trat dieses Ziel bald in den Hintergrund, und die Botaniker +Hasskarl+, -+Teysmann+ und +Treub+ schufen einen botanischen Garten, welcher seines -Gleichen in der ganzen Welt nicht findet. Er wurde nicht nur der -Sammelplatz aller tropischen Gewächse, welche systematisch gepflanzt -sind und dennoch den strengsten Anforderungen der Aesthetik Rechnung -tragen, sondern auch aller subtropischen Gewächse und zahlreicher -Bäume des kalten Klimas. Es wurden nämlich vor 30 Jahren fünf Berge -als Adnexe dieses Gartens erwählt, welche mit europäischen Gewächsen -bepflanzt wurden, um ein ganzes Bild der Weltflora bieten zu können. -Diese Berggärten heissen: Tji[53] Panas (1050 Meter hoch), Tji[53] -Bodas (1290 Meter), Tji[53] Berem (1460 Meter), Kandang Badak (2370 -Meter) und der Berg Pangerango (3020 Meter). - -Wie gewöhnlich des Morgens fanden wir am andern Tage den Salak -wolkenfrei. Unsere Zimmer mündeten in die hintere Veranda, und die -kühle Morgenluft entlockte uns, die wir dieser Temperatur zwei -Jahre lang entwöhnt waren, ein leichtes Frösteln; nachdem wir -uns durch Unterkleider gegen diese kühle, feuchte Luft geschützt -hatten, gaben wir uns bei einer Schale heissem Kaffee ganz dem -Genusse dieses wunderschönen Panoramas hin. An seinem Fuss sieht -man das tief gefurchte Thal von dem Tji Dani = Danifluss, mit einer -hölzernen Brücke. Das braune Wasser ist von allen Seiten von grünen -Laubwänden eingeschlossen; vor uns eine kleine Landzunge, wo Hütten -der Eingeborenen im Gebüsch verborgen sind; zu unserer Rechten ein -Hügel mit einer Gruppe von Palmen gekrönt, und links eine Reihe von -mächtigen Cocospalmen. Der Hintergrund wird eingenommen von der -ungeheuren Masse des dreiköpfigen, bis in die Tiefe seines Inneren -zerklüfteten Salak, dessen Abhänge, seit seine Gluth erloschen ist, in -schöner Abwechslung mit Wald und Gartenanlagen geschmückt sind. Neben -der höchsten Spitze, dem Elephantenberg,[54] zeigt sich im Westen der -eigentliche Salak und der Berg Tji Apus im Osten; thatsächlich gehören -diese drei höchsten Punkte zu einem Bergrücken, welcher nichts anderes -als der alte Kraterrand eines Vulcanes ist. Der Krater läuft gegen -Norden hin in einer tiefen Schlucht aus, welche durch das Flüsschen -Tji Apus dem angesammelten Wasser einen Ausweg schafft. Brausend und -schäumend bahnt sich sein Wasser über Felsenblöcke einen Weg nach der -Ebene und vereinigt sich bei Tjampea mit dem Danifluss. Reisfelder -und Kaffeegärten bedecken bis zu einer Höhe von 1000 Metern den tief -gelegenen Abhang, während die üppigste Vegetation von Palmen und -anderen stolzen Bäumen von hier aus bis zur höchsten Spitze sich -erhebt. Links vom Salak sieht man in einiger Entfernung den schlanken -Kegel des Pangerango sich in die Lüfte erheben. Er ist die höchste -Spitze[55] des Gebirges Gedéh, welcher Name jedoch im engeren Sinne -jener weniger hohen, kahlen Felsenwand gegeben wird, die eine leichte -Rauchwolke zum Himmel sendet, und im Hintergrunde das liebliche -Panorama schliesst.[56] - -Um ½8 Uhr nahmen wir unser Schiffsbad, um 8 Uhr unser copiöses -Frühstück und um 9 Uhr gingen wir, um zunächst den botanischen Garten -und das Aeussere des Palastes[57] zu besichtigen. Ich wählte zum -Eintritte das südliche Thor, und eine schöne, breite Strasse mit einer -Allee von Kastanienbäumen, an denen zahlreiche Orchideen in allen -Farben und Grössen prangten, führte uns zur Südseite des Palastes. -Prof. +Treub+ war nicht anwesend, und so musste ich darauf verzichten, -das Trockenhaus, das Glashaus und andere Schuppen, welche sich bei -diesem Eingange befinden, besichtigen zu können. Auch die Wohnungen -des Directors und Hortulanus befinden sich hier an der Südwestseite -des Gartens. Diese Allee ist ungefähr einen Kilometer lang und hat -an ihrem nördlichen Ende einen schönen Teich mit Victoria regia und -Lotusblumen, und in seiner Mitte eine kleine Insel, welche dicht mit -Pandaneae, Palmen u. s. w. bepflanzt ist. Die Front des Schlosses -(Fig. 4) ist ein schönes Rondeau mit zahlreichen Säulen; hier befinden -sich auch die Zimmer der Adjutanten und der Intendanten. Im Jahre 1881 -hatte ich zwei Mal Gelegenheit, das Innere des Schlosses zu sehen. -Das erste Mal war es ein gewöhnlicher Empfangsabend, bei welchem der -General-Gouverneur, umgeben von seinen Adjutanten, Cercle hielt. Der -Empfangssaal ist gross und schön; in den kleinen Sälen hängen die -Porträts aller Gouverneur-Generäle, welche bis jetzt in Indien im -Namen des holländischen Königs regiert hatten. Das zweite Mal gab -folgender Anlass dem Gouverneur-General s. Jacob Gelegenheit, mich -in Privataudienz zu empfangen. Im Jahre 1880 herrschte im Süden der -Provinz Bantam eine schwere Malaria-Epidemie, und ich wurde, wie früher -erzählt wurde, mit noch drei anderen Aerzten dahin gesendet, dieser -armen Bevölkerung Hülfe zu leisten. Nachdem unsere Mission vollbracht -war, sollte eine regelmässige Hülfe durch Zusendung von entsprechenden -Medicamenten u. s. w. stattfinden. - -Die Regierung fand sich hierbei im Widerspruch mit dem Sanitätschef, -und zwar was die Frage betrifft, ob die Eingeborenen überhaupt andere -Arzneien als das Chinin, welches damals noch sehr theuer[58] war, -einnehmen würden. Vom Intendanten wurde »Seine Excellenz« auf mich -aufmerksam gemacht, welcher in dieser Streitfrage aus Erfahrung -gewiss einiges mittheilen könnte. Eines Tages erhielt ich also die -Mittheilung, dass Seine Excellenz mich nach der Visite im Spitale -zu sprechen wünsche, und dass ich zu diesem Zwecke ohne Veränderung -meiner täglichen Toilette im Palast mich einfinden sollte. Um 11 -Uhr kam ich in das Schloss und fand die drei Adjutanten bei der -l’hombretafel. Der Marinelieutenant C. meldete mich an, und sofort -befand ich mich im Arbeitszimmer Seiner Excellenz. Es war ein hohes, -jedoch nicht besonders grosses Zimmer, einfach möblirt, und der -grosse Bücherschrank beherrschte den Totaleindruck. Der Empfang war -ein sehr liebenswürdiger, und wenn mich meine Erinnerung darin nicht -trügt, bekam ich selbst beim Kommen und Weggehen einen Händedruck. -Meine Erfahrung über oben erwähnte Streitfrage ist seit dieser Zeit -dieselbe geblieben. Der Kampongbewohner wird bei jeder Erkrankung mit -seinen einheimischen Kräutern beginnen, bei langdauernder erfolgloser -Behandlung wird er das Chinin, Santonin oder das Ricinusöl der Europäer -sich zu verschaffen bemühen, aber andere europäische Arzneien wird er -nur unter dem Hochdruck eines europäischen Arztes oder vielleicht eines -Doctor-djawas[59] nehmen. - -Die anderen inneren Räumlichkeiten des Palastes habe ich niemals -besichtigen können. Wenn ein Gouverneur-General seinen Posten -verlässt, werden seine Möbel unter den Hammer gebracht, und bei -dieser Gelegenheit strömen die kauflustigen Menschen durch das -ganze Haus. Während meines Aufenthaltes in Buitenzorg hatte dieser -Wechsel des Unter-Königs nicht stattgefunden; zu einem Diner wurde -ich niemals eingeladen, ich kenne also von diesem Hause nur den -Empfangssaal und das Arbeitszimmer. In diesem Palaste befinden sich -auch die höchsten Aemter der Regierung, obzwar der eigentliche -Sitz der Regierung Weltevreden ist. Der streng centralistischen -Regierungsform Indiens entsprechend, ruhen alle Entscheidungen in -letzter Instanz in der Hand des Gouverneur-General, und er besitzt -darum ein grosses und zahlreiches Bureaupersonal, welches unter dem -Namen »Allgemeines Secretariat« thatsächlich die Spindel ist, um die -sich alles dreht. Es besteht aus einem General-Secretär mit zwei -Gouvernements-Secretären, zwei Referendaren, einem Archivar, einem -Expediteur, sechs »Hauptcommis« und 22 »Commis« und anderen Beamten für -specielle Dienste, z. B. für die Statistik und für die Redaction des -»Staatsblattes«.[60] - -An der Ostfront des Palastes liegt ein Blumengarten mit einem schönen -Vogelhause, welcher für den Privatgebrauch des Gouverneur-General -und seiner Familie abgeschlossen ist. In einem Teiche steht ein -kleiner Tempel mit den Gebeinen der im Jahre 1813 verstorbenen Frau -des Lieutenant-Gouverneurs von Java, Th. +Stamford Raffles+, und -auf der Westseite des Teiches und des angrenzenden Weges ist der -Begräbnissplatz der jetzigen Bewohner des Palastes. Auch befindet -sich in diesem Garten das Denkmal des Hortulanus +Teysman+, welcher -zur Zeit meines Aufenthaltes in Buitenzorg (1881) noch lebte, kurz -darauf starb und einen bedeutenden Antheil an der jetzigen Bedeutung -dieses botanischen Gartens hatte. Die systematische Anordnung nach -Familien und Unterfamilien der Tropenflora war in erster Reihe im Auge -behalten; schon dadurch allein ist es ein reizendes Bild. Hier ist eine -Gruppe von Palmen aus allen Ländern des Tropengürtels; was für einen -prachtvollen Anblick giebt uns die Allee von Fächerpalmen! Dort ist -eine zierliche Gruppe von allen bekannten Sorten des Bambusrohres; über -dem Teiche mit der Lotusblume und der Victoria regia neigen mächtige -Waringinbäume (Ficus religiosa) ihre Wipfel, und wie ein Wald in den -Lüften schweben ihre Luftwurzeln über die Fläche des Wassers. Hier -sind Alleen, deren Bäume ein grünes lebendes Dach mit ihrem Laube -bilden, das kein Sonnenstrahl durchdringen kann, und dort sind mächtige -Waldriesen, zwischen denen sich Lianen nach allen Seiten kreuzen und -uns das Bild eines Urwaldes vorzaubern. Leider bin ich kein Botaniker -und muss es mir versagen, von den 300 Pflanzenfamilien mit ihren 2500 -Geschlechtern und mit ihren 10,000 Arten auch nur die wichtigsten -Vertreter anzuführen, und muss mich auf die wenigen Andeutungen -beschränken, um jedem Botanicus zuzurufen: Gehe hin und sieh selbst! - -Der grosse Weg, welcher auch befahren werden darf, führte uns auf -der Westseite des Palastes vorbei zum nördlichen Hauptthor und -durch dieses in die grosse, schöne Strasse, welche an dem neuen -Campament, Militärspitale, dem Officiers-Club und dem Hause des -Assistent-Residenten vorbei nach Tjilawar führt; am Ende der Stadt -steht ein Obelisk, und an diesem vorbei führt östlich ein Weg nach -Tanah Sáreal, wo jährlich bedeutende Wettrennen abgehalten werden. - -Der Erfolg der Wettrennen war, abgesehen von Festlichkeiten und dem -damit verbundenen Zuströmen der Fremden, wie überall auch in Buitenzorg -kein nennenswerther. Die Preangerpferde, welche früher eine grosse -Rasse, d. h. über 1,5 Meter hoch waren, wegen ihres schlanken und -kräftigen Baues sehr gerne zu Luxuspferden gebraucht wurden, haben -durch die Wettrennen nicht gewonnen. Der Regierung wurde erst durch -einen der Häuptlinge der richtige Weg gezeigt, diesen Pferden ihre -frühere Bedeutung wieder zu geben. Es wurden in letzter Zeit drei -Deckhengste angekauft, welche auf Kosten der Regierung von Bezirk zu -Bezirk gesendet werden, während der früher erwähnte Häuptling die -Verbesserung der Rasse sich theuer bezahlen liess. - -Den Rennplatz verliessen wir bald, weil er eben wie jeder andere nichts -Sehenswürdiges bot; andererseits weckte er so manche Rückerinnerung -aus dem Jahre 1881, welche in jeder Hinsicht sehr angenehm war. In -Buitenzorg habe ich das glücklichste Jahr meines Lebens gehabt. Ich -»diente« angenehm; ich hatte eine starke Privatpraxis (unter den -Chinesen); ich wohnte in einem grossen und schönen Hause und hatte -einen kleinen, aber sehr angenehmen Kreis von Bekannten. Das Klima -der Stadt ist sehr gesund und angenehm. Wenn auch bei einer Höhe von -267 Metern die Durchschnitts-Temperatur niedriger als in Batavia -war, so hatten wir in Buitenzorg oft genug des Mittags 30° C.; -aber der in den Nachmittagsstunden fallende Regen erfrischte und -reinigte die Temperatur, so dass man um 6 Uhr mit frischen Kräften -seinen Spaziergang machen konnte, und die Nächte waren immer so viel -abgekühlt, dass ein erquickender Schlaf neue Kräfte brachte. Wenn, wie -es auf den Strandplätzen so häufig geschieht, auf die warmen Tage keine -kühlen Nächte folgen, so ist der Aufenthalt hinter dem Mosquitonetze -mehr eine Qual als eine Erholung. Man transpirirt so stark, dass die -Bettwäsche nass wird, man ist gezwungen, die Leibwäsche zu wechseln, -und wenn man endlich in später Nachtstunde oder in früher Morgenstunde -in den Schlaf fällt, so ist er nicht erquickend; müde und matt steht -man auf und erfrischt sich durch ein Schiffsbad die Glieder, um gegen -8 Uhr wieder die starke Transpiration sich erneuern zu sehen. In -Buitenzorg waren die kühlen Nächte Regel. Leider bot dieser Ort aber -sehr wenig geistige Genüsse. Selbst den Club konnte ich wenig besuchen, -weil die angestrengte Praxis mir dazu keine Zeit liess. - -Von dem Obelisk kehrten wir auf demselben Wege zurück und verliessen -den Garten bei dem Thore an der Westseite, wo sich auch eine Wache -befand. Diese Wachen werden in Robotdienst von den Eingeborenen -abgehalten und bestehen aus zwei Mann, welche in einer steinernen -Hütte sitzen; sie halten eine Gabel in der Hand, um im gegebenen Falle -den Verbrecher beim Halse damit fangen zu können, und an der Hütte -hängt ein grosser ausgehöhlter Baumstamm, auf den mit einem Knüttel -geschlagen wird, entweder um die Stunde des Tages anzuzeigen oder Hülfe -herbeizurufen. Jeden Passanten muss sie bei Nacht mit Werda! anrufen. -Dieser Wache gegenüber läuft die Stationsstrasse mit dem Clubgebäude -zur Rechten und einigen europäischen Wohnhäusern und dem grossen -Hotel Chemin de fer zur Linken. Von diesem aus geht eine Strasse -neben dem Gefängniss und der europäischen Schule nach Empang, dem -Badeplatz Sukaradja und dem Landgute von Tjiomas, dessen Eigenthümer -eine lange Zeit allen Warnungen der Regierung zum Trotze seinen -Tyrannengelüsten gegenüber der Bevölkerung nicht entsagen wollte. -Von der Eisenbahnstation geht ein Weg nach Norden zu dem Stadttheile -Tjikomoh, in welchem die neue Landesirrenanstalt steht, welche allen -modernen Ansprüchen an ein solches Gebäude entspricht. - -Ueber Empang nahmen wir den Weg ins Hotel zurück, stolz darauf, »in -der Oost« einen so grossen Spaziergang zurückgelegt zu haben. Meine -Frau nahm ein Schiffsbad (siram) und ging in indischer Toilette[61] -zur Reistafel; nach derselben gingen wir zu Bett, nahmen unsern Thee, -um 4 Uhr wieder ein Bad, und um ½5 Uhr fuhren wir mit einem Wagen -nach Batu-tulis = beschriebener Stein. In dem chinesischen Viertel -führt neben dem chinesischen Tempel rechts ein schmaler Weg, der -nur von einem Wagen bequem befahren werden kann und vier Kilometer -lang ist, zu einem wunderschönen Panorama. In früheren Zeiten stand -ein Gesundheits-Etablissement für militärische Reconvalescenten an -diesem Orte. Ich selbst war im Jahre 1881 diesem zugetheilt; ich -wohnte in Buitenzorg und fuhr täglich mit meinem Dos-à-dos oder -mit meiner Victoria dahin. Das Dos-à-dos war mit einem wilden und -feurigen Sandelwoodpferd bespannt, welches nur mit Mühe zu einem -ruhigen Trabschritt angehalten werden konnte. Eines Tages fuhr ich -nach Buitenzorg zurück, und vor mir fuhr der Spitalschef in ruhigem -und gelassenem Schritt seiner makassarischen Pferde; meinem Pferde war -es zu langweilig, so langsam und ruhig traben zu sollen, und es ging -zum Galopp über. Ich rief dem Kutscher meines Chefs zu, so viel als -möglich den Wagen zur Seite zu lenken, weil ich mein Pferd vom Galopp -nicht abbringen könne; mein Eisenschimmel folgte seinem Willen, und so -flogen wir neben dem Coupé des Chefs vorbei, die Gläser klirrten, die -Schutzreifen beider Wagen brachen, und ein kräftiger Fluch begleitete -den Kutscher, der sich in seiner majestätischen (?) Ruhe nicht stören -liess und nicht um einen Finger breit von seiner vorgeschriebenen Route -abwich. Bald gelang es mir, den Uebereifer meines Pferdes zu zügeln, -und ich fuhr zunächst in die Wohnung des Chefs, um seine Ankunft -abzuwarten. Seine Frau war eine hochgebildete feine Dame, welche der -deutschen Sprache sehr gut mächtig war, und als ich ihr den Zweck -meiner Morgenvisite mittheilte und hinzufügte, dass ich nicht wisse, -ob ich bei meinem Chef mich über seinen Kutscher beklagen solle, dass -er so eigensinnig war, nicht ausweichen zu wollen, oder ob ich mich -entschuldigen müsse, weil ich ihren Kutscher beschimpft und die Fenster -des Coupés zerbrochen hatte, nahm sie das Air eines strengen Richters -an, der zunächst eine genaue Untersuchung der Affaire halten müsse, -und befahl mir im strengen Tone zu warten, bis das corpus delicti, -der Wagen, der zweite Angeklagte und der Kläger, ihr Mann, erschienen -seien. Es dauerte kaum eine Viertelstunde, und der Wagen meines Chefs -fuhr vor. Wir gingen zur Treppe, und auf die Frage der Hausfrau, warum -die Fenster des Coupés zerbrochen seien, antwortete der Kutscher in -seiner unerschütterlichen Ruhe: »Der Herr Doctor wollte vorfahren, aber -ich kann doch nicht gestatten, oder sogar dazu behülflich sein, dass -Jemand an seinem Vorgesetzten vorbeifahre!« Als wir alle Drei gegenüber -diesen Argumenten in ein schallendes Gelächter ausbrachen, sah uns der -Kutscher verwundert an, weil wir diese primitivste Höflichkeit nicht -verstehen wollten, und als ich ihn hierauf frug, was er gethan hätte, -wenn er dabei vom Bocke gefallen, oder mein leichter Wagen von dem -Coupé seines Herrn zerschmettert und ich und mein Bedienter den Kopf -zerbrochen hätten, fügte er mit der grössten Ruhe hinzu: »Tuwan Allah -Kassih = Gott bescheert es.« - -Das Militär-Reconvalescentenhaus zu Batu-tulis, in welchem ich ein -Jahr lang thätig gewesen war, bestand aus zwei Reihen Baracken aus -Bambus, welche bei meinem letzten Besuche bereits abgetragen waren. Ihm -gegenüber stand der »gläserne Palast«, welcher ein einstöckiges Gebäude -aus Steinen war, und dessen erster Stock eine gläserne Veranda hatte. -Diese war einem der behandelnden Aerzte zur Wohnung angewiesen, während -im Parterre der »Administrator« wohnte. Das Spital war abgetragen, -und der »gläserne Palast« wurde nur von einem Wächter bewohnt. Noch -einmal, und zwar zum letzten Male, entzückte ich mich an dem herrlichen -Panorama, welches der südwestliche Theil der Veranda mir bot. Schäumend -und brausend wälzt sich das Wasser des Daniflusses zwischen zahlreichen -erratischen Blöcken und kleinen Steinen; Kinder spielen und springen -lebensfroh in diesem seichten Wasser, über welches sich eine zierliche -Brücke, nur aus Bambus verfertigt, zu dem Fusse des Salak zieht. -Zahlreiche kleine Häuser und Fruchtgärten bedecken den Abhang des -Berges, und ein riesiger Waringinbaum breitet seine doppelt gefärbte -Krone über lachende Fluren. Das Schnauben der Locomotive, welche tief -unter uns nach Buitenzorg dampfte, störte uns in der Betrachtung dieses -schönen Panoramas, welches lieblicher und milder ist als jenes, welches -der Salakberg den Bewohnern des Hotels Bellevue in Buitenzorg bietet. - -Den ersten »beschriebenen Stein« fanden wir zwischen zwei Bambushütten; -es war ein Stein, auf welchem die Abdrücke zweier Füsse sich -befanden, und zwar die des +Radja Mantri+, welcher auf diesem Steine -so lange gestanden hatte, um nachzudenken, welche Bedeutung die vor -ihm liegenden beschriebenen Steine hätten, bis seine Füsse in dem -Stein sich abgedrückt hatten. Die übrigen Steine werden von den -Alterthumsforschern als sprechende Ruinen des alten Reiches Padjadjaran -vielfach beurtheilt und gedeutet, und von den Eingeborenen einem -mohamedanischen Heiligen, dem +Kean Ansantang+, zugeschrieben; leider -war die Zeit zu kurz, um mich mit diesen Steinen näher zu beschäftigen. -Die Sonne näherte sich als eine grosse feurige Scheibe dem Horizonte, -immer schneller und schneller sank sie hinter die waldreichen Gipfel -des nahen Hügellandes, und als der letzte Sonnenstrahl über unsere -Köpfe hinweg auf den Abhängen des Salak sich zu einem feurigen Fächer -verbreitete, mahnte er uns zur Rückreise nach Buitenzorg (Fig. 5); denn -die Dämmerung dauerte auch hier[62] nur ungefähr eine Viertelstunde, -und der Weg war mit zahlreichen Steinen bedeckt. - -Wir kehrten also nach Buitenzorg zurück, um am folgenden Morgen die -Reise in die »Preangerprovinz« fortzusetzen. Die Nordgrenze dieser -Provinz zieht über die Gipfel zahlreicher Bergriesen (Halimun 1921 -Meter hoch, Salak 2215 Meter, Gedéh 3022 Meter, Sanggabuwana 1298 -Meter, Tankubauprahu 2075 Meter, Bukittimpul 2208 Meter und andere -hohe Berge), welche an der Ostgrenze in einen spitzen Bogen übergehen -und eine zweite Gebirgskette formen, welche beinahe parallel zu -der ersten läuft und bei Bandong eine grosse und einige kleine -Hochebenen einschliesst. Diese Provinz erinnert in vieler Hinsicht -an die Alpenländer Europas. Sie ist zwar die grösste Provinz Javas -(371,001 ☐Meilen), aber auch am wenigsten bevölkert (2,000,033 -Einwohner[63] mit 5391[64] auf die ☐Meile). Sie hat ein herrliches, -geradezu südeuropäisches Klima, hat unzählbare warme Quellen, eine -unerschöpfliche Quelle von Naturproducten (zahlreich sind die Plantagen -für Thee, China, Tabak, Kaffee, Cacao, Vanille, Muscatnuss u. s. w.); -aber von der Gewinnung von Mineralien ist nirgends die Rede; sollte -denn nirgends z. B. Gold gefunden werden, da doch so manche Ruine einen -grossen Goldreichthum in den ältesten Zeiten vermuthen lässt. Eine -engherzige und kurzsichtige Gesetzgebung im Bergbauwesen hat bisher die -indische Regierung im Allgemeinen gezeigt; seit Mai des Jahres 1897 ist -sie diesbezüglich liberaler geworden. In Semarang, oder vielmehr in -der Provinz Semarang, wurden reiche Quellen von Petroleum in Betrieb -gesetzt, und das Leuchtöl der »Dordrechtischen Gesellschaft« hat in -China und Japan einen grossen Theil des russischen und amerikanischen -Petroleums verdrängt. Auch in Celebes wurden Goldminen dem Handel -eröffnet; vielleicht bemächtigt sich der Handel auch des Bodens -der Provinz Preanger und lässt durch fleissige Untersuchungen des -Bodens der Berge neue Quellen der Wohlfahrt eröffnen. Kohlen befinden -sich im Westen Javas; Gold wurde in der Provinz Krawang gefunden; -Zinn auf einigen kleinen Inseln in der Nähe der Rhede von Samarang; -Jodium enthalten unzählbare Quellen; Schwefel kommt in ungeheurer -Masse vor, Marmor im Süden der Provinz Madiun. Petrefacten, Basalt, -Porphyr, Granit, Kaolin, Kalk, Kohle, Eisen, Spath u. s. w. kommen auf -Java vor, ohne dass, wenn wir vom Petroleum und von einigen heissen -Mineralquellen absehen, auch nur eine einzige Gesellschaft sich -gefunden hätte, um diese verborgenen Schätze Javas resp. der Provinz -Preanger zu heben. - -Einen ungeheuren Reichthum an warmen, heissen, kalten, an -indifferenten, an Salz-, Stahl-, Schwefel- und Jodiumquellen hat -Java, und die meisten von ihnen sind unbenutzt und unbekannt. Die -Provinz Preanger allein hat 1 Bittersalzbrunnen (bei Kandang Wesi), 1 -Mofette auf dem nördlichen Abhang des Telaga Bodas, 1 Moorwelle auf -dem Salak, 1 warmen Brunnen am Gedéh, 3 warme Brunnen am Mandalawangi, -2 in Sukabumi, 2 bei Dadap, 1 auf dem Berge Breng Breng, 1 bei dem -Flüsschen Tji Madja, 1 Bittersalzbrunnen bei Batur, 1 warme Quelle am -Berge Patua, 1 heisse und 1 warme bei Pengalengan, 1 auf dem Tangkuban -Prahu, 2 bei Lembang, 1 am Berge Guntur, 1 auf dem Papandajang, 1 im -District Wanakarta, 1 bei Tassikmalaya, 1 im District Karang, 1 bei -Tjiwalini, 1 bei Tjibalang; also diese eine Provinz allein hat 26 warme -Quellen, wovon 2 Karlsbad eine bedeutende Concurrenz machen könnten, -wenn --. - -Das Ziel meiner Reise war Sindanglaya, ein mit Recht viel gepriesener -Luftcurort Javas. Zunächst kamen wir (um 10 Uhr Vormittags) nach -Sukabumi, welches ebenfalls ein Reconvalescenten-Spital für Soldaten -besitzt; es liegt 602 Meter hoch, hat ein mildes, leicht warmes Klima -und ist besonders geeignet für Reconvalescenten nach Erkrankungen der -Lungen und nach allen Krankheiten, welche von Diarrhöe begleitet sind. -Nebstdem befanden sich zwei Pavillons für »Patienten erster Klasse«, -in welche natürlich auch Bürger aufgenommen wurden. Es ist nämlich -Eigenthum eines Arztes gewesen, der für seine militärischen Patienten -einen gewissen Betrag berechnete, im Uebrigen war es in jeder Hinsicht -ein Privat-Sanatorium. Ich selbst bezog es für eine Nacht, und ich und -meine Frau hatten eine angenehme Gesellschaft und eine gute Küche für -diesen einen Tag. - -[Illustration: Fig. 8. Eine malayische öffentliche Tänzerin mit der -kleinen Capelle eines Tôpéng Babakan.[66]] - -Was mich jedoch unangenehm berührte, war der wissenschaftliche -Indifferentismus, der damals in dieser Anstalt herrschte; ein so -grosses Material wurde wissenschaftlich nicht verwerthet, und was -nicht direct mit der Behandlung der Patienten in Verbindung war, wurde -ignorirt. Wie viele noch offene Fragen mit Bezug auf das Leben in den -Tropen könnten in einem solchen Sanatorium ihre Lösung finden? Ich will -nur auf die besonders praktische und wichtige Frage der Magensäure -hinweisen. Fast in keiner Familie fehlt das Fläschchen Salzsäure -(und Ricinusöl) und wird bei allen möglichen Formen der gestörten -Magenfunction gebraucht. Ich kann mir zwar ganz gut vorstellen, dass -diese ungeheuren Massen Speise, welche bei der Reistafel[65] dem Magen -zugeführt werden, keine genügende Menge Salzsäure für die regelmässige -Verdauung vorfinden, und dass darum eine Nachhülfe mit künstlicher -Salzsäure sehr oft nöthig ist. Auch ist es auffallend, dass den Aerzten -so wenig Magengeschwüre zur Behandlung kommen, und dass so selten -Hyperacidität des Magens, d. h. zu grosser Säuregehalt des Magens -von ihnen diagnosticirt werde; aber dies sind nur aprioristische -Grundlagen für die Annahme, dass in den Tropen, im Gegensatz zu den -Ländern mit einem gemässigten Klima, die Hypacidität des Magens, -d. h. eine zu geringe Entwicklung der Magensäure, eine häufige, ja -selbst regelmässig vorkommende Krankheit sein sollte. Pfeffer, Senf, -Lombok (spanischer Pfeffer = Paprika), Peté (Parkia Africana), Assem -(Tamarinda Indica), Vanille, Tjenké (Caryophyllum aromaticum), Pála -(Myristica fragrans), Ketúmbar (Coriandrum sativum), Kápol (Ammonium -cardamomum), Kélor (Morynga pterygosperma), Kúnir (Curcuma), Kajumanis -(Cinnamomum aromaticum), Sintok (C. Sintok), Kerry, welches aus Santen -(Fleisch der Cocosnuss), Curcuma, Wurzeln von Ingwer, Langkwas (Alpinia -galanga), Zwiebeln, Paprika, Djinten (Anisodrilus carnosus), Kentjur -(Kaempheria galanga), Ketúmbar Seré (Graminea), Lada (Pfeffer) und -anderen Pflanzen besteht, sind eine stattliche Reihe von Gewürzen, -welche die Rysttafel sehr schmackhaft machen und den Magen zu erhöhter -Arbeit reizen. Ob nun darum allein der Magen keine hinreichende Menge -von Magensäure producirt, also eine relative Hypacidität besitze, oder -ob im Allgemeinen die Function des Magens in den Tropen eine träge sei -und gerade darum zur erhöhten Thätigkeit durch diese Gewürze angeregt -werden müsse, ist eine der vielen physiologischen Fragen, welche in den -Tropen selbst entschieden werden müssen, und für deren Lösung gerade -solche Sanatorien, welche über grosses Menschenmaterial verfügen, die -geeignetsten Orte wären. - -Auch Sindanglaya, wohin ich mich am andern Tag um 10 Uhr per Eisenbahn -begab, wurde damals wissenschaftlich nicht ausgenutzt; der leitende -Arzt war ein Psychiater, welcher, wenn ich mich nicht irre, jetzt -Professor dieses Faches in Holland ist; aber für die vielen hundert -offenen Fragen der Biologie in den Tropen ist in den Sanatorien Javas -bis jetzt gar nichts gethan worden. Das bacteriologische Laboratorium -in Weltevreden ist die einzige Stätte, welche sich über die Grenzen -des täglichen praktischen Bedürfnisses hinaus mit wissenschaftlichen -medicinischen Fragen beschäftigt. - -Die weitere Eisenbahnfahrt bot wiederum schöne Panoramen und -stellenweise Meisterstücke der modernen Eisenbahn-Baukunst. Den Berg -Kantjana (1240 Meter hoch) umzogen wir in einem grossen Bogen, bis wir -in Tjandjur die Hochebene gleichen Namens (459 Meter hoch) erreicht -hatten. Hier verliessen wir die Eisenbahn, um mit einem Dos-à-dos nach -Sindanglaya zu fahren. - -Tjandjur war bis zum Jahre 1864 die Hauptstadt der Provinz Preanger, -und seit dieser Zeit ist der Regent dieses Bezirks in jeder Hinsicht -ein Rivale von seinem Collegen in Bandong. Wenn ich auch auf dieser -Reise Bandong, die Hauptstadt der Provinz Bantam, nicht besuchte, -sondern von Tjandjur direct nach Sindanglaya fuhr, so glaube ich -doch aus verschiedenen Ursachen hier einige Worte über diese -schöne Stadt Javas verlieren zu müssen. Im Jahre 1882 wurde ich -nämlich jener Commission zugetheilt, welche in Batu-Djadjar, der -Artillerie-Schiessstätte auf der Hochebene von Bandong, von Krupp -erhaltene Kanonen untersuchen und einschiessen sollte. - -Hier blieb ich von Mitte December 1882 bis Ende März 1883 und hatte -oft Gelegenheit, die nahe gelegene Hauptstadt der Provinz aufzusuchen. -Von Batu-Djadjar gingen zwei Strassen auf die grosse Landstrasse; die -westliche endete bei der Halte Padalarang, bei welcher gewöhnlich die -von Batavia kommenden Reisenden ausstiegen; die zweite führte zur Halte -Tjimahi, wo seit dem Jahre 1896 ein grosses militärisches, stabiles -Lager[67] sich befindet. In 1½ Stunden konnten wir Bandong bequem -erreichen. Die Stadt liegt zum grössten Theile zu beiden Seiten der -grossen Poststrasse und macht einen freundlichen Eindruck. Der Regent -hat einen schönen Palast, dessen Empfangssaal geradezu verschwenderisch -ausgestattet ist. Wenn er auch viel von seiner früheren Grösse und -Reichthum verloren hat, so ist er dennoch der reichste Beamte von -Java; er bezieht einen Gehalt von 20,000 fl. pro Jahr, und für jeden -Pikol[68] Kaffee, der aus seinem Bezirk abgeliefert wird, einen halben -Gulden Prämie, welche jedoch 40,000 fl. nicht überschreiten darf. -60,000 fl. ist ein schönes Einkommen für einen eingeborenen Fürsten. -Von dem Vater des gegenwärtigen Regenten ist es bekannt, dass er nicht -nur einen grossen Aufwand führte, sondern auch gegen seine europäischen -Gäste in freigebiger und luxuriöser Weise die Gastfreundschaft übte. -Er bezog allerdings neben seinem Gehalt von 20,000 fl. noch eine -Personalzulage von 24,000 fl. und erhielt für jeden exportirten Pikol -Kaffee eine Prämie von 1 fl. (bis zu einem Betrage von 80,000 fl.). -(Dieser hohe Gehalt ist nämlich eine Entschädigung für den Verlust -an diversen Steuern, welche der Fürst von Bandong bis zu seiner -Anerkennung der holländischen Souveränität in dieser Provinz erhoben -hatte.) Der alte Regent war ein grosser Freund von einem wohlgefüllten -Stall mit arabischen, persischen und birmanesischen Pferden; er hielt -Pferdewettrennen und Treibjagden in grossem Maassstabe. Bei seinen -häuslichen Festen liess er die fürstlichen Tänzerinnen (Bedajas) -auftreten (Fig. 6), Turniere halten und grosse Marionetten in -europäischer Kleidung den europäischen Tanz persifliren. Auch hatte -er eine kleine Zahl von Hadjis, welche bei festlichen Gelegenheiten -das Gedebus zeigten, indem sie unter Anrufen des Propheten und des -Scheikh Abdul Kadir Djilani und mit wilden Tänzen eiserne Spitzen in -die Brust stachen. Man muss bei den eingeborenen Escamoteuren nicht -so leicht mit dem Worte Schwindel bei der Hand sein. Ich sah damals -im Club einen Klingalesen, welcher einen Knäuel Zwirn verschluckte, -in der Magengegend mit einem Messer die Haut ritzte und aus der Wunde -vielleicht hundert Meter Zwirn herauszog! - -Den gegenwärtigen Regenten von Bandong sprach ich das erste Mal in Batu -Djadjar; er war von dem Präsidenten der Commission eingeladen worden, -das Telephon zu besichtigen und zu gebrauchen, welches ihm damals -(im Jahre 1882) noch unbekannt und zu dem Zwecke der Controle der -erzielten Treffer auf der Schiessstätte in Gebrauch war. Er kam nur mit -einem kleinen Gefolge; sein Stellvertreter, der Patti, wurde auf die -entfernte Station bei der ersten Scheibe geschickt, und dann wurden sie -mit einander verbunden. Als der Regent durch das Telephon die Stimme -seines Patti erkannte, sprang er im strengsten Sinne des Wortes vor -Ueberraschung wie ein Narr herum und rief héran sakâli (Wunder über -Wunder), apa pintar orang blanda (wie weise sind die Holländer!). Da -wir, abgesehen von einem grossen Pavillon (mit doppelten Bambuswänden) -für die Officierswohnungen und einem als Caserne, noch einen -gemeinsamen Speisesaal hatten, der aus den Contributionen der einzelnen -Commissionen, welche jährlich hier eintrafen, mit vollkommenem Service -für zwölf Personen eingerichtet war, wollten wir den Regenten vor -seinem Abschied zur »Rysttafel« einladen; er nahm es nicht an, lud uns -aber für den folgenden Sonntag zu seinem Herrenabend ein. - -Zwei Officiere -- ich selbst war damals noch ledig -- hatten zwar ihre -Frauen bei sich; sie bekamen aber den erwünschten Urlaub, und so gingen -wir drei Tage später nach Bandong, zwei zu Pferde und die übrigen zwei -in einem Kâhar sewa, d. h. einem kleinen zweirädrigen Wagen, welcher -die Unbequemlichkeit im Sitzen und im Einsteigen bis zum Maximum zeigt. -Im Hotel Homan nahmen wir unser Nachtmahl, und um 9 Uhr fanden wir uns -bei dem Regenten ein. Es war ein schöner, reich mit Gold verzierter -Empfangssaal, oder vielmehr Empfangshalle (Pendoppo M.). Kaum hatten -wir den Hausherrn begrüsst, und zwar unter sanften, einschmeichelnden -Tönen der Gamelang, kam ein Bedienter mit einer grossen Platte, auf -welcher echt chinesische Schalen mit Kaffee-Extract standen, und Jeder -nahm sich von dem Zucker und von der Milch nach Belieben. Plötzlich -erhob die Gamelang einen gewaltigen Spectakel, der Regent eilte von uns -zu dem Eintritt seines Pendoppo, um den Residenten zu begrüssen, dessen -Ankunft eben durch diesen Tusch angekündigt wurde. Der Bediente des -Residenten war mit dem goldenen Pajong erschienen und setzte sich auf -der Treppe nieder mit hoch aufgerichtetem, jedoch geschlossenem Pajong, -und wir alle näherten uns dem Vertreter der Regierung und wurden -ebenso freundlich als leutselig von ihm begrüsst. Auf ein Zeichen -des Residenten erschien auch sofort die erste Tänzerin, welche eine -gewöhnliche Ronggeng war, d. h. eine öffentliche Tänzerin, welche zu -diesem Zwecke von dem Hausherrn gemiethet wurde. Die Gamelang erhob nun -ihre sanfte, liebliche Weise, und die Ronggeng begann ihren Tanz (?). -Sie war nur mit einem Sarong bekleidet, welcher mit einem silbernen -Gürtel in der Taille geschlossen war, während der obere Theil die volle -Büste nur theilweise deckte; sie hatte keine Schuhe und keine Strümpfe -und zeigte einen schönen, wohlgeformten, braunen Fuss; auch die Arme, -Schultern und Hals waren unbedeckt; jedoch hübsche Armbänder zierten -den Vorderarm, in den Ohren waren dicke, mit Diamanten besetzte Stäbe, -und in dem üppigen, pechschwarzen, glänzenden und zu einem Knoten -(Kondé) gebundenen Haar steckten zahlreiche grosse, mit Edelsteinen -besetzte Haarnadeln. Die Stirne war theilweise mit Boreh gelb und die -Augenwimpern schwarz gefärbt. Sie begann mit kreischender Stimme ein -Lied, verschämt lächelnd brachte sie den Salindang[69] vor den Mund, -und, ohne viel von der Stelle zu weichen, drehte sie sich langsam im -Kreise und streckte bald den einen, bald den andern Arm ein wenig in -die Höhe, wobei die Hand und alle Finger überstreckt waren, d. h. das -Handgelenk einen Winkel von weniger als 90° und die Finger von mehr -als 180° bildeten. Was sie sang, verstand ich nicht und ebensowenig -die übrigen Europäer. Aber auch die anwesenden eingeborenen Häuptlinge -erriethen wahrscheinlich den Inhalt der Lieder mehr als sie ihn -verstanden; wenn ich mich nämlich nicht irre, sang sie nicht in -sundanesischer Sprache, sondern wie die Ronggengs im eigentlichen Java, -in altjavanischer (Kawi) Sprache. Bald betheiligten sich auch Männer an -diesem Tanze. Den Reigen eröffnete der Regent in höchsteigener Person, -indem er ebenfalls einen Salindang nahm, einen Ryksdalder (= 2,50 fl.) -in die dazu bestimmte Kasse warf und nun den Bewegungen der Bidaja -folgte; es lag seinen drehenden Bewegungen etwas Caricatur zu Grunde, -ohne dass ich mir sagen konnte, was persiflirt werden sollte. Hierauf -wurde die Schärpe auch einigen europäischen Herren angeboten, welche -in gleicher Weise 1 oder 2,50 fl. in die Kasse warfen und sich Mühe -gaben, nach den Regeln der Kunst zu »tandaken«. Wenn auch die Tänzerin -nur wenige und sehr kleine Schritte machte, also gewissermaassen -trippelte, und nur im Affect in grossen und beschleunigten Schritten im -Kreise herumlief, so blieb doch der »Tandak« der Herren (welche dann -Beksos genannt werden) immer eine scherzhafte Caricatur der Tänzerin; -besonders die steife Haltung der Arme und Hände wollte den Männern -nicht gelingen; auch gelang es ihnen niemals, das verschämte und -verlegene Lächeln der Tänzerin zu imitiren, wenn ein besonders starker -Tabak im Liede -- welcher in der Regel die Heroenzeit Javas besingt -und stark erotischen Beigeschmack hat -- die Tänzerin veranlasste, -eine keusche, verlegene Jungfrau darzustellen. Diese Scene wurde schon -darum mit lautem ironischen Lachen der Eingeborenen begleitet, weil die -Ronggengs als zweites Geschäft die Prostitution üben. - -Jeder angesehene Fürst hält sich jedoch seine Privat-Tänzerin, welche, -wie z. B. an den Höfen von Solo und Djocja, von hoher Abkunft und bei -ihren Tänzen reich mit Gold und Edelsteinen geschmückt sind. Da nur die -schönsten Mädchen dazu erwählt werden, ist damit die Wahrscheinlichkeit -verbunden, entweder ein Beiweib des Sultans oder die Frau eines Prinzen -oder eines anderen angesehenen Fürsten zu werden. - -Während des »Tandaken« wurde den europäischen Gästen Rheinwein, rother -Wein, ein Brandy- oder Whisky-Grog offerirt, und so mancher der -anwesenden eingeborenen Häuptlinge verschmähte es nicht, anstatt des -ihm angebotenen Thees mit Backwaaren von dem Apollinaris-Wasser mit -»ein wenig Cognac«, nur »um den Geschmack zu verbessern«, ebenso häufig -als seine europäischen Collegen Gebrauch zu machen. So ein Herrenabend -bei einem eingeborenen Fürsten -- die keusche Diana würde bei einer -Beschreibung desselben ihr Antlitz verhüllen -- giebt den anwesenden -Ronggengs eine führende Rolle, und nachdem der Resident gegen 12 Uhr -sich empfohlen hatte, ging auch ich in’s Hotel. Meine philiströse -Anwandlung bedauerte ich am andern Tage lebhaft, weil mir mitgetheilt -wurde, dass der Regent von Bandong auch ein Wâjang orang hatte spielen -lassen. - -Ich habe jedoch späterhin, und zwar in Magelang, ein malayisches -Theater (Wâjang orang) wiederholt besucht, und ich muss gestehen: seine -Kunst steht hoch. Auf dem Schlossplatz stand ein grosses Zelt, in -dessen Hintergrunde die erhöhte Bühne auf kleinen Pfeilern ruhte. Die -Coulissen waren offenbar europäischen Ursprungs und blieben für alle -Stücke dieselben. Der Hintergrund war eine Thüre mit einem Vorhang, -und ein zweiter trennte die Bühne vom Zuschauerraum. In den Coulissen -sass ein Mann und spielte die Rebab (Violine). Auch eine Versenkung -fehlte nicht. Die Schauspieler waren halbeuropäischen Ursprungs, -sprachen jedoch während des Spielens nur die malayische Sprache und -stellten Scenen aus der Heroenzeit Javas dar. Ich war dieser Sprache -so weit mächtig, dass ich dem Gang der Handlung folgen konnte, wenn -mir auch manches Lied nicht in allen seinen Theilen verständlich war. -Wahre dramatische Scenen spielten sich ab, als z. B. der Awamuko -(Teufel) dem Batoro Guru (dem Lehrer des Heroen) zu Füssen fiel, ihm -die Schuhe küsste und in wehmüthigem Liede um Vergebung bat, während -aus den Coulissen sanfte, schmeichelnde und liebliche Töne der Rebab -sein Flehen begleiteten, oder als z. B. der Fischer den Göttern seine -Noth klagte, dass ihn Arimuko (ein Fürst der Unterwelt) mit seinem -Hasse verfolge und ihn sein Netz immer leer aus den Tiefen des Meeres -heraufziehen lasse. Stets waren es Scenen und Lieder, welche von hoher -dramatischer Wirkung waren und die Zuschauer mit Wehmuth und Lust -erfüllten. Zum letzten Male will er sein Glück probiren und wirft -das Netz hinaus in die Fluthen (hinter die Coulissen), ungeduldig -schreitet er auf und ab und zweifelt und hofft, dass Amankau (= -Arimuko) ihn nicht weiter mit seinem Hasse verfolge; endlich wagt er -es, das Netz zu heben; es ist schwer, hoffnungsvoll zieht er immer -stärker und stärker, er stützt seinen Fuss gegen einen Felsen, beugt -sich zurück, das Gesicht wird roth, die Muskeln der Arme schwellen an, -und endlich bringt er das Netz auf das Land; statt der viel erhofften -Fische ist jedoch eine schwere Kiste darin. Das Mienenspiel bei dieser -Enttäuschung war ein Meisterstück der Pantomime. Plötzlich erhebt sich -der Deckel der Kiste und Amankau (Arimuko) springt heraus; er hat eine -Teufelsmaske und tritt dem armen Fischer mit drohenden Worten entgegen. - -Ich muss aber auch bekennen, dass ihre Auffassung von »würdevollem« -Auftreten uns Europäern fremd erscheint, und dass ihre Engel oder Huris -einen geradezu komischen Eindruck machten; sie erschienen in weissen -Kleidern von europäischer Mode und hatten eine hellfarbige Schärpe -um die Taille. Da sie nebstdem keine Mieder hatten, und die weissen -europäischen Kleider offenbar nicht nach Maass bestellt waren, so waren -diese Engel alles, nur nicht eine engelhafte Erscheinung, wenigstens -nach europäischer Vorstellung. - -Auch ein Wâjang tjina habe ich gesehen und natürlich sehr häufig den -Wâjang Kulit besucht. - -Ein chinesisches Theater (Wâjang tjina) sah ich im Jahre 1881 während -meines Aufenthaltes in Buitenzorg. Die Bühne unterschied sich -wesentlich von der eines javanischen Wâjang orang. Sie hatte keinen -Vorhang und keine Coulissen; jeder der Schauspieler kam aus einer -und derselben Thüre im Hintergrunde auf die Bühne, neben welcher ein -Chinese mit einem grossen Gong sass. Ein paar Kisten standen zur -Seite, welche, wie mir ein Chinese erklärte, die Mauer und das Dach -eines Nachbarhauses improvisiren sollten. Den Mangel jeder Decoration -ersetzten die besonders reichen und kostbaren Costüme der Schauspieler; -sie waren von Seide und strotzten von Gold. Auch die weiblichen Rollen -wurden damals von Männern gegeben. Die Handlung war arm und dehnte -sich endlos. Auf die Europäer machte Verschiedenes einen befremdenden -Eindruck, nicht allein, weil wir die Sprache nicht verstanden, sondern -auch weil die Pantomime der Chinesen uns ganz unverständlich war. -Offenbar lag sehr viel in den Bewegungen des Körpers, wie es die -lärmende und rauschende Musik der Gong andeutete; freilich wussten -wir nicht, was es bedeutete. Jeder gesprochene Satz bekam am Ende -das Lärmen der Gong; ja selbst jede Bewegung erhielt ein solches -stürmisches Finale. - -Am häufigsten sieht man jedoch die Wâjang Kulit, d. h. ein -Marionettentheater mit Figuren aus Leder (Kulit), deren Schatten auf -eine weisse Fläche geworfen werden. Ein Rahmen aus reich geschnitztem -und verziertem Holze, Gewang genannt, ist mit weisser Leinwand -überzogen; auf der einen Seite sind eine grosse Lampe, der Regisseur -und zwei Stämme von Pisang; in diesen stecken die ledernen Figuren, -welche von der Hand des Regisseurs längs des weissen Schirms bewegt -werden. Zur Seite desselben sitzt die Musik, bestehend aus der Rebáb -(Violine), Bambusglockenspiel (Angklong), Flöte (Suling), Holzclavier, -welches mit einem Klöppel gespielt wird, Metallclavier, ähnlich dem -Spielzeug unserer Kinder, mehreren Becken (Gongs), Pauken, Tambourins -u. s. w. (Fig. 7.) Der Regisseur (Dalang) brachte -- es war ebenfalls -in Buitenzorg im Jahre 1881, dass ich con amore die erste Wâjang -Kulit beobachten konnte und mir die nöthigen Erklärungen zu Theil -wurden -- erst einen Berg zur Ansicht. Hierauf nahm er aus einer -Kiste die pittoresken Figuren, welche auf einem Stäbchen befestigt -waren; sie sind aus dem Leder der indischen Büffel geschnitten und -reich mit Farben und Gold verziert; sie haben immer die bekannte -Form der indischen Puppen und sehr dünne, magere Arme. Er steckte -die reichlicher verzierten, die Götter und Fürsten, in den einen -Bambusstamm und die Plebs in den zweiten. Unterdessen spielte die -Gamelang ihre Ouverture. Mit einem Schlag auf die Kiste eröffnete -der Regisseur die Vorstellung, die Musik schweigt, der Berg wird -weggenommen, und halb singend, halb erzählend bringt er zunächst die -Einleitung. Er beschreibt das Land, in welchem das Drama spielt, und -erzählt das ganze Vorleben; im richtigen Augenblick, d. h. wo das -eigentliche Drama beginnt, nimmt er mit beiden Händen die Helden des -Stückes von den Bambusstämmen, und ohne bedeutende, aber doch deutliche -Stimmenveränderung führt er den Dialog der Marionetten. - -Der Wâjang gohlèk, welcher aus Holz verfertigte, massive und mit -Kleidern behängte Figuren haben soll, ist mir aus Autopsie unbekannt; -ebenso wenig hatte ich Gelegenheit, einen Topeng zu sehen, welches eine -Pantomime von maskirten Männern und Frauen sein soll. Einen Topeng -Babakan sah ich jedoch in Majelang von Haus zu Haus ziehen, um auf -Verlangen eine Vorstellung zu geben. Ein Mann, welcher auf dem Rücken -eines gemalten Pferdes aus Papier sass, eine Ronggeng und eine kleine -Capelle, bestehend aus einer Gamelang, einer Gong (Becken) und einer -Flöte, war das ganze Personal. (Fig. 8.) Die Ronggeng sang einige -Pantons mit kreischender Stimme, auf welche der Ritter des papiernen -Pferdes manchmal Wechselgesänge folgen liess. - -Noch will ich erwähnen, dass ich weder ein Tigergefecht noch ein -Turnier zu sehen Gelegenheit hatte. Das Hahnengefecht aber, bei dem den -kämpfenden Hähnen scharfe Messerchen an den Sporen befestigt werden, -habe ich wiederholt gesehen, obzwar die holländische Regierung sie -verbietet und sich alle Mühe giebt, dieses leidenschaftliche Spiel -auszurotten. Auch Grillen (djankriks) und Wachteln (burung puju) werden -zu Wettkämpfen gebraucht. Auch das »Drachenfliegen« ist ein beliebtes -Spiel erwachsener Javanen. - - * * * * * - -Lieutenant P.. war mein Reisegenosse nach Bandong. Da zwei Tage lang -das Schiessen ausgesetzt wurde, gab uns der Präsident der Commission, -welcher den nächsten Tag nach Batu Djadjar zurückkehrte, noch einen -Tag Urlaub, den wir dazu benutzten, den Onkel des Lieutenants P.. zu -besuchen, welcher nordöstlich von Bandong die grosse Theeplantage -Djati Nangos (?) administrirte. Die Besitzerin war damals (1882) ein -junges Mädchen, eine Waise, welche in Europa ihre Erziehung genoss. Der -Administrator, der pensionirte Resident X., wohnte in einem hübschen -Landhause in der Nähe von Sumedang. Einen besonders interessanten -Empfang hatten wir, als wir durch das Gehege dieser Plantage fuhren. -Rehe sprangen über den Weg und blieben in einer Entfernung von wenigen -Metern stehen, um uns mit ihren grossen schönen Augen zu fragen, wer -wir seien und was wir hier zu thun hätten. Im Hintergrunde sahen wir -selbst einige hundert zu einem Rudel vereinigt. Der Herr X. empfing -uns in liebenswürdiger Weise, und da es gerade vier Uhr war, d. h. -die Zeit zum Theetrinken, setzte er uns sofort eine Schale seines -Eigenbaues vor. Wie war er jedoch entrüstet, als ich gewohnheitsgemäss -ihn um ein wenig Milch für meinen Thee ersuchte; ja er nannte mich -sogar einen Barbar, der tief, ja sehr tief unter einem Chinesen stehe. -Nur ein Barbar sei im Stande, das herrliche Aroma des Theeblattes -durch Zucker, Rum oder Milch zu zerstören! Interessant waren seine -Mittheilungen über die Einfuhr der ersten Theestauden und der raschen -Entwicklung, welche diese Pflanze im Laufe von wenigen Jahrzehnten auf -Java genommen habe. Denn erst vor sechzig Jahren ging ein Amsterdamer -Namens +Jacobson+ nach China, um dort die Bearbeitung des Thees -kennen zu lernen, nachdem schon der Gründer des botanischen Gartens -zu Buitenzorg, Prof. +Reinhardt+, mit gutem Erfolg den Thee auf -dieser Insel gepflanzt hatte. In einem dickleibigen Buche beschrieb -+Jacobson+ die Theecultur, entsprechend dem damaligen Stande -der Wissenschaften, und seine praktischen Winke wurden Allgemeingut -der javanischen Theepflanzer, welche jährlich eine ungeheure Menge -produciren und exportiren.[70] Leider geschieht dies häufig unter -chinesischer Marke, d. h. mit chinesischen Aufschriften und in -chinesischer Verpackungsweise. Der Thee ist aber so gut, dass er unter -keiner falschen Flagge zu Markte zu fahren braucht. - -Der Anblick eines Theefeldes ist in keiner Hinsicht rühmenswerth; es -sind niedrige Sträucher, welche in kleinen Abständen (± 1·2 Meter -Entfernung), und zwar in gerader Linie gebaut sind. Zweimal des Jahres -werden die Blätter gepflückt; die zarten Blätter geben die feinste -Theesorte, und wenn der Baum zu alt ist, so werden die Blätter zu hart, -um in den Handel kommen zu können. Die guten Sorten Thee werden nur -von jungen Bäumen, und die feinsten Sorten von den jüngsten Blättern -dieser Sträucher bereitet. Die Farbe der in den Handel kommenden Thees -ist nur von der weiteren Bereitungsweise abhängig. Ursprünglich hat der -Theebaum nur grüne Blätter. Werden sie nur an der Sonne getrocknet, -so behalten sie ihre ursprüngliche Farbe; werden sie aber sofort nach -dem Pflücken in Säcken oder Leinwandcylindern über einem Kohlenfeuer -getrocknet, so werden sie schwarz. Während sie in der Dörrpfanne sich -befinden, werden sie von Frauen besser zusammengerollt, als es durch -den einfachen Trocknungsprocess geschieht, und je mehr Blätter mit den -Fingern gerollt sind, desto höher ist der Preis. - -Mit diesen spärlichen Mittheilungen musste ich mich begnügen, weil -ich und mein Reisegenosse bereits den nächsten Tag diese Plantagen -wieder verlassen mussten. In Batu Djadjar sollte das Schiessen wieder -beginnen, und dies darf nach den gesetzlichen Bestimmungen niemals ohne -gleichzeitige Anwesenheit eines Arztes stattfinden. Ich sah also weder -das Pflücken der Blätter, noch das Rösten derselben -- nicht einmal die -Dörrschuppen, das Sortiren des Thees, seine Verpackung u. s. w. - - * * * * * - -Mein Aufenthalt auf der Heide von Batu Djadjar war der unangenehmste, -weil langweilig, in meiner ganzen indischen Carrière. Es waren im -Ganzen 40 Mann, welche sich damals an den Arbeiten der Commission -betheiligten und in den günstigsten hygienischen Verhältnissen -befanden. Vor ihrer Abreise wurden sie ärztlich untersucht und kamen -in ein herrliches Klima. Wir hatten in der Morgenstunde zwischen 6 und -7 Uhr oft nicht mehr als 17° C., und sofort nach Sonnen-Untergang sank -die Temperatur so tief, dass ich europäische Kleider anziehen musste, -wenn ich mit den übrigen Officieren im Gartenhäuschen die Zeit des -Nachtmahles abwarten wollte. Wenn man um 2 Uhr Nachmittags 31-32° C. im -Schatten hat und die Wärme des Abends auf 22-20° C. sinkt, so empfindet -man diesen Unterschied der Temperatur geradezu als Kälte. Auch bei -meiner Reise nach Europa im Jahre 1897 hatte ich im rothen Meere durch -die Kälte (?!) Beschwerden, obzwar das Thermometer 16° C. zeigte. - -Die Soldaten hätten sich also einer ausgezeichneten Gesundheit erfreut, -wenn sie nicht den Unbilden -- der Liebe zum Opfer gefallen wären.[71] - -Aber auch diese Krankheiten beschäftigten mich kaum eine Stunde -täglich. Das Schiessen selbst forderte kein einziges Opfer. Keine -Kanone war gesprungen und keine Kartätsche hatte Unheil angestiftet. -Rothe Fahnen verkündeten den Bewohnern der benachbarten Kampongs -die Stunde des Anfanges und des Endes des Schiessens; sie blieben -also um diese Zeit ausser Schussweite und ausserhalb des verbotenen -Terrains. Ich blieb jedoch nicht gänzlich von chirurgischen Arbeiten -verschont. Ein Kanonier schnitt sich eines Tages mit einem Bambus in -den Goldfinger der linken Hand. Mit Recht werden von den indischen -Aerzten »Bambuswunden« sehr gefürchtet. Sie veranlassen sehr häufig -gefährliche Folgekrankheiten, weil ein Stück Bambus nicht so scharf -ist, um eine gequetschte Wunde zu vermeiden und weil -- nicht, wie -man gewöhnlich annimmt, die Ränder mit kleinen Haaren bedeckt sind --- sondern weil sich auf ihrer rauhen Oberfläche stets eine Unzahl -schädlicher Bacterien befinden. Dieser Kanonier hatte sich an der -Schiessstätte, wie gesagt, mit einem scharfen Stück eines Bambusrohres -geschnitten; sofort wurde ich telephonisch davon benachrichtigt, und -sofort konnte ich die Schnittwunde, welche ziemlich glatte Ränder -hatte, antiseptisch behandeln und nähen. Nach 36 Stunden zeigten die -Wundränder eine verdächtige Röthe und Spannung. Beim Oeffnen der -Wundnähte flossen einige Tropfen Eiter aus; seine Temperatur stieg auf -39°, und bis zum folgenden Morgen war die Eiterung bis zum Handgelenk -fortgeschritten (progrediente Phlegmone); als nach abermals 12 Stunden -sich am Vorderarme rothe Streifen zeigten, der heftige Schmerz und die -hohe Temperatur unverändert blieben, zögerte ich keinen Augenblick -mehr, radical einzuschreiten. Ich entfernte die Quelle der Eiterung, -und das Leben, der Arm und die Hand waren gerettet. - -Hatte ich als Arzt sehr wenig Beschäftigung, so gab das -gesellschaftliche und das tägliche Leben noch weniger Zerstreuung. Wir -waren im Ganzen vier Officiere, zwei derselben waren verheiratet und -hatten ihre Frauen und Kinder bei sich. Wenn des Vormittags die Männer -auf der Schiessstätte sich befanden, sass die Frau des Rittmeisters X. -in dem rechten Flügel des Officier-Pavillons mit ihrem Söhnchen von -vier Jahren in ihrem Zimmer, im linken Flügel beschäftigte sich Frau -Y. mit ihrem acht Monate alten Kindchen, und in der Mitte desselben -sass ich bei meinen Büchern und las und las, bis ich dessen müde, -meinen kleinen Siamang (Hylobates syndactylus[72]) von meinem Bedienten -abnahm (an dessen Unterschenkel er stets hing) und vor meinem Zimmer -herumlaufen liess. Dieser kleine schelmische Affe hielt sich an keine -Stunde des Empfanges oder der Visite, sondern lief dann sofort in -das Zimmer des Rittmeisters X. und war dem kleinen Wilhelm ein stets -willkommener Spielkamerad. Diese zwei neckten sich, balgten sich im -Hofraum oft Stunden lang herum, und der ärgste Hypochonder hätte sich -an dem Spiel dieser zwei guten Freunde ergötzen müssen. Ich aber sass -wieder in meinem Zimmer und las wieder und las wieder. Gegen die -Mittagsstunde kamen die Männer nach Hause. Die verheirateten Officiere -widmeten sich ihren Vaterpflichten, und ich sass noch immer beim -Lesen; denn der dritte Officier, welcher neben meinem Zimmer seine -Schlafstätte aufgeschlagen hatte, ging nach Ablauf seines Dienstes -ein Bad nehmen, speisen und sein Mittagsschläfchen halten. Gegen 4½ -Uhr brach endlich der Zauberbann die Langeweile. Lieutenant P. kam in -seiner indischen Haustoilette bei mir seinen Thee trinken, und nachdem -wir um 5½ Uhr unser Bad genommen und uns angekleidet hatten, gingen -wir spazieren. Wir Beide nahmen den Weg nach rechts, Rittmeister -X. mit seiner Frau und seinem Sohne nach links, und Lieutenant Y. -erging sich mit seiner Frau, welche ihr erstes Töchterchen auf einer -kleinen Matratze trug, auf einem dritten Wege in der erfrischenden -kühlen Abendluft. Um 7 Uhr, also zur officiellen Visitenzeit, trafen -wir uns in dem Gartenhäuschen, welches vor der Hauptfront des -Officier-Pavillons stand, und besprachen den Inhalt der Zeitungen, -welche unterdessen angekommen waren. Um 8 Uhr ging Jeder nach seinem -Zimmer, um das Nachtmahl zu nehmen, und blieb bis zum nächsten Morgen -für Jedermann unsichtbar. Innerhalb der vier Monate, welche wir auf -dieser Hochebene zubrachten, kam nur zweimal eine Veränderung in -dieses einförmige und langweilige Leben. Einmal kam, wie schon erwähnt -wurde, der Regent von Bandong, um das Telephon zu sehen, von dem -er Unglaubliches gehört hatte, und das zweite Mal besuchte uns der -Commandant der indischen Armee. General Bouwmeester gehörte dem Corps -der Artillerie an und interessirte sich für die neuen »Bergkanonen«, -welche bei +Krupp+ in Essen gegossen waren. Das erhaltene erste -Exemplar zeigte einen sehr grossen Fehler; der Schwerpunkt der Kanone -fiel nicht mit dem der Affuite in eine Linie; die Folge davon war, dass -beim Abfeuern die ganze Kanone, wenn sie geremmt wurde, nicht nur sich -aufstellte, sondern sogar einen Purzelbaum schlug. Der General kam mit -dem Chef der Artillerie und mit dem Commandanten der Berg-Artillerie -zu uns, um sich persönlich davon zu überzeugen und die Vorschläge des -Rittmeisters X. zur Verbesserung dieses Fehlers zu besprechen.[73] Wir -hatten also einige Tage grosse Gesellschaft und gemeinsame Tafel (ohne -die beiden Damen). Bei dieser Gelegenheit brachte, wie ich späterhin -vom Lieutenant P. erfuhr, der Vorsitzende der Commission eine Geldfrage -zur Debatte, welche den drei Officieren der Artillerie, aber nicht -meiner Person zu Gute kommen sollte. - -In Batu Djadjar werden nämlich jährlich die Schiessübungen der -Artillerie gehalten, und die Officiere, welche daran theilnehmen, -bekommen reglementär 1,50 bis 2 fl. Tagegeld; für unseren Fall könne -dieses Gesetz nicht in Anwendung gebracht werden, weil wir als -»Commission« mit einem speciellen Auftrage dahin gesendet worden -seien; als solche hätten wir Anspruch auf ein Tagegeld von 6 fl. -Diese Angelegenheit hatte Rittmeister X. dem Armee-Commandanten -zur Unterstützung vorgelegt, und zwar nur im Interesse der -drei Artillerie-Officiere. Der General +Bouwmeester+ stimmte -der ausgesprochenen Ansicht bei und versprach, die betreffende -»Reclamation« zu unterstützen, obwohl er fürchtete, dass bei dem -herrschenden System, so viel als möglich der Sparsamkeit zu huldigen, -die Aussichten auf einen günstigen Erfolg nicht sehr gross seien. Als -ich von dieser Affaire erfuhr, ärgerte ich mich darüber, dass der -Vorsitzende in seinem Memorandum meiner mit keinem Worte gedacht hatte, -und machte ihm auch darüber in passender Weise Vorwürfe. Rittmeister -X. meinte jedoch, dass er den »Doctor« ausser Betracht gelassen habe, -weil dessen Arbeit in beiden Fällen dieselbe sei. Ende März war unsere -Arbeit abgelaufen, und ich musste mich wegen eines Gelenkleidens -wieder in das Spital zu Weltevreden aufnehmen lassen. Einen Schreiber -des Hospitalchefs ersuchte ich, die »Declaratie« meiner Reise und -meines Aufenthaltes in Batu Djadjar anzufertigen, und theilte ihm die -diesbezügliche Debatte mit dem Rittmeister X. mit. Er warf einen Blick -in meine Marschordre, welche dieser Rechnung beigelegt werden musste, -und rief: »Herr Doctor, Sie bekommen 6 fl. pro Tag, also 720 fl. für -die vier Monate, welche Sie in Batu Djadjar zugebracht haben; das Wort -Commission steht ja darin.« So geschah es auch. Der Zufall wollte es, -dass ich an demselben Tage, an dem ich die Anweisung von 720 fl. an die -Steuerkasse zu Batavia erhielt, dem Rittmeister X. begegnete. Seine -Reclamation hatte keinen Erfolg gehabt, und als er meine Anweisung in -der Höhe von 720 fl. erblickte, rief er wüthend aus: »Die Militärärzte -sind ja die Schoosshunde der Regierung«, und liess mich stehen. - -Ende März 1883 verliess ich Batu Djadjar, und ich habe seit dieser -Zeit die Provinz Preanger nur als flüchtiger Tourist besucht, sei -es, dass ich mit der Eisenbahn von oder nach Batavia fuhr, sei es -- -um auf den Ausgangspunkt dieses Capitels zurückzukommen -- dass ich -eine Erholungsreise in die Gebirge dieser Provinz machte. Auf dieser -Reise (im September des Jahres 1888) kam ich per Eisenbahn nur bis -Tjandjur.[74] Bei dieser Station macht die grosse Heeresstrasse, -welche bei Batu Tulis sich in zwei Arme theilt, in einem grossen Bogen -das Ende eines grossen Kreises, und auf ihrem östlichen Halbkreise -setzten wir unsere Reise mit einem Dos-à-dos fort. Der Weg führte über -den Berg Patjet (1122 Meter hoch), während wir den Berg Beser (1390 -Meter hoch) mit seinen dicht bewaldeten Abhängen in allen Nüancen des -Grüns zu unserer Rechten liegen sahen; an den Hügel-Gärten Tjipodas -und Tjipanas (mit ihren warmen Quellen) zogen wir vorbei, und gegen -fünf Uhr Abends erreichten wir das Ziel unserer Reise, den Luftcurort -Sindang-Lajà (1082 Meter hoch). Zwölf Tage blieben wir hier und -erfrischten unsere durch die Wärme des Nordens Sumatras erschlafften -Glieder. Des Morgens hatten wir 10° C., und erst um elf Uhr wagte -ich es, in dem grossen Bassin, welches durch eine grosse Pantjoran -reines Bergwasser erhielt, ein Bad zu nehmen; in einem dicken Strahl -stürzte das Wasser von zwei Meter Höhe herab und war so kalt, dass ich -keinen Augenblick diese Douche auf mich fallen lassen konnte. Dieses -Bad nahm ich mehr, um dem allgemeinen Gebrauch und der Gewohnheit zu -folgen, als einem Bedürfnisse zu entsprechen. Bei einer Temperatur von -10° C. schwitzt man ja nicht, wenn man keine anstrengenden Arbeiten -verrichtet. Dieses hat wieder einen sehr günstigen Einfluss auf die -Abscheidung der Nieren, und da der schwächende Einfluss der hohen -Temperatur auf alle Muskeln sich erstreckt und im Gebirge also fehlt, -so ist auch die Blase kräftiger, der Puls wird stärker und voller, die -Athmung geschieht in tieferen Zügen, die Beweglichkeit aller Gelenke -ist leichter, der Durst wird weniger lästig, der Appetit erhöht, mit -einem Worte: Lebenslust tritt an die Stelle der häufig künstlich -gepflegten energielosen, manchmal selbst apathischen Lebensweise in -den Tropen. Auch wir genossen in vollen Zügen die frische, kühle, -reine Bergluft und machten des Vormittags von 9-12 Uhr Spaziergänge, -ohne zu ermüden und ohne von der Tropensonne belästigt zu werden. Dass -trotz dieser scheinbar bedeutenden Vorzüge diese Luftcurorte nicht -regelmässig von allen Europäern und den reichen Eingeborenen benutzt -werden, so wie z. B. die Bewohner der grossen Städte Europas jedes Jahr -ihren Sommeraufenthalt im Gebirge nehmen, hat vielfache Ursachen. Die -wichtigste derselben ist folgende: für die Dauer ist der Aufenthalt -im Gebirge in der Regel nicht angenehm und -- langweilig. Wenn der -Reiz der Neuheit vorüber ist, machen sich eben die Schattenseiten des -Gebirgslebens nur zu sehr fühlbar. In erster Reihe machen die grosse -Feuchtigkeit der Luft (oft 900‰) und die zahlreichen Regenfälle den -Aufenthalt im Gebirge sehr unangenehm; die Schuhe sind jeden Morgen -beschimmelt, die Bettwäsche ist feucht und kühl, und wenn man sich -zur Ruhe begiebt, bekommt man davon oft ein leichtes Frösteln. Die -Häuser müssen aus Holz gebaut sein, sonst ist das unterste Viertel -der Mauern mit braunen Flecken und grünem Schimmel bedeckt, und erst -gegen neun Uhr wird der Aufenthalt in einem solchen Gebäude erträglich, -d. h. wenn (in der trockenen Zeit) die Sonne, nicht behindert durch -eine grössere oder kleinere Wolkenschicht, durch ihre belebenden und -erwärmenden Strahlen die kühle und feuchte, oft nach Schimmel riechende -Luft aus den steinernen Häusern verdrängt hat. Menschen mit Affectionen -der Lungen und des Darmes befinden sich im Gebirge nicht wohl und -eilen daher, wenn sie wegen Malaria Erholung ihres geschwächten -Organismus im Gebirge gesucht hatten, sobald als möglich in minder hoch -gelegene Orte, welche, wie z. B. Djocja, minder kalt sind und durch -ihr »gleichmässig warmes Klima« den geschwächten Lungen und Därmen -zuträglicher und auch angenehmer sind. - -In Sindanglaya bestand, wie in Sukabumi, das Sanatorium aus zwei -räumlich von einander geschiedenen Theilen; der Pavillon für die -Patienten 1. Classe bestand aus einem grossen hölzernen Gebäude und -einigen kleineren für ganze Familien. Ein zweiter grosser Pavillon -diente zur Schlafstätte für Soldaten (3. Classe), und ein kleinerer -war für Unterofficiere (2. Classe) eingerichtet, welche je ein kleines -Zimmerchen erhielten. In allen Gebäuden wurde Table d’hôte gehalten, -wie überhaupt in allen Hotels Indiens beinahe niemals[75] à la carte -gegessen wird. Die vorgesetzten Speisen waren gut bereitet und -unterschieden sich nur wenig von den üblichen Menus in Europa; schon -damals wurden nämlich im Gebirge zahlreiche europäische Grünzeuge mit -Erfolg gepflanzt, und seit Vollendung der Eisenbahn im Jahre 1892 -werden auch alle Städte der Küste reichlich mit Erdbeeren, Kraut, -Salat, Rüben, rothen Rüben, Endivien, Schwarzwurzeln, Pfirsichen, -Petersilie, Sellerie[76] und Erdäpfeln versehen. Die Preise derselben -sind nicht besonders hoch. Im Jahre 1881 befand ich mich in Mittel-Java -(in Ngawie) in Garnison; diese kleine Stadt war 9 km von der nächsten -Eisenbahnstation entfernt. In der Nähe, und zwar auf dem Berge Tosari -in der Provinz Pasaruan lebte ein deutscher Gärtner, welcher sich mit -dem Anbau der europäischen Grünzeuge beschäftigte. Nach dem üblichen -Gebrauch abonnirte ich mich bei ihm auf eine regelmässige Zusendung -von europäischem Gemüse. Ich erhielt jede Woche einen grossen Korb, -welcher jedoch für zwei Personen zu viel enthielt; ich theilte den -Inhalt also mit einem Lieutenant, und Jeder von uns bezahlte pro Monat -4 fl. 80 Ct. = 8 Mark. In einer anderen Garnison kam regelmässig jede -Woche einmal ein Hausirer mit Erdbeeren zu uns und verlangte für ein -Körbchen mit 75 Stück 25 Cents = 42 Pf. Ihr Geschmack war derselbe als -der in Europa; sie hatten die Grösse von der europäischen Walderdbeere. -Auch alle übrigen angeführten Grünzeuge unterschieden sich gar nicht -von jenen, welche in Europa gepflanzt werden; nur die Pfirsichen sind -weniger saftreich und die Weintrauben sind ungeniessbar. In Grissé -(bei Surabaya) habe ich sie zum ersten und zum letzten Male in Indien -im Jahre 1877 wachsen gesehen. Hin und wieder bekommt man Weintrauben -zu kaufen; sie stammen von Australien, haben eine dicke Schale und ihr -Geschmack ist nicht angenehm. Auch Aepfel werden von diesem Welttheil -auf Java importirt, ohne jedoch einem europäischen Apfel an Saft und -Schmackhaftigkeit nahe zu kommen. Seit einigen Jahren besitzen die -neuen Schiffe Kühlräume, wie z. B. der vor zwei Monaten in Rotterdam -erbaute Dampfer. Vielleicht wird es diesem möglich sein, Aepfel -und Birnen nach Indien zu bringen, obschon für den Importartikel -»europäische Früchte« in Indien gar kein Bedürfniss besteht. Diese -könnten höchstens den Beweis bringen, was manchmal noch bezweifelt -wird, dass die indischen Früchte in jeder Hinsicht hoch über den in -Europa gepflanzten stehen. - -[Illustration: Fig. 9. Eine malayische Njai (= Haushälterin) in -einfacher Haustoilette.] - -Unser Nachbar im Hotel war Mr. A., ein Advocaat, dessen Mutter und -Vater keine Vollbluteuropäer waren; die Mutter Beider war eine -javanische Frau gewesen; er gehörte also zu der Rasse Sinju, sowie -jede Frau, welche, sei es auch im zweiten oder dritten Geschlecht, das -Blut eines Eingeborenen in sich hat, Nonna genannt wird, während seit -kurzer Zeit der Name Creole für die Europäer gebraucht wird, welche -in Indien von europäischen Eltern geboren werden. Ich muss betonen, -dass beinahe immer nur von einem +europäischen+ Vater und von -einer eingeborenen Mutter die Sinjus und Nonna abstammen, und dass -der umgekehrte Fall, dass nämlich ein Eingeborener eine europäische -Frau geheiratet hätte, zu selten vorkommt, um ihre Kinder in eine -bestimmte Classe oder unter einen gemeinsamen Namen zu classificiren. -Wahrscheinlich würden sie officiell zu den Eingeborenen gerechnet -werden. Der einzige mir bekannte Fall einer solchen Ehe blieb -kinderlos. Er war der Sohn eines angesehenen Fürsten von Djocja und -ging als Knabe mit einem Pastor nach Europa. Hier genoss er in der -Familie dieses protestantischen Predigers eine sorgfältige Erziehung -und wurde Ingenieur. Schon frühzeitig erwachte in ihm die Neigung -zu der Tochter seines Pflegevaters, welche mehr als schwesterliche -Gefühle für ihn hegte. Ich will den Inhalt des Romanes, in welchem -Ismangong und seine Frau die Heldenrollen spielen, ganz ausser Betracht -lassen und mich nur an das Thatsächliche halten, welches ich von -meinem Freunde Ismangong erfahren habe. Er fühlte für die Tochter -des Pastors van Steeden eine innige und aufrichtige Liebe und -- war -Mohamedaner; diese war in gleicher Liebe ihm zugethan und war -- -Protestantin. Weder Ismangong noch seine Braut wollten ihrem Glauben -untreu werden; ihm drohte der Fluch seiner kaiserlichen Familie, ihr -machten die diversen Tanten und Nichten die Hölle heiss und zeigten -die Schreckensbilder der Polygamie in fürchterlichen Farben. Die Liebe -siegte aber über alle Bedenken, und als glückliches Ehepaar zogen -sie nach Java. In Batavia bewarb er sich als Ingenieur vom Fach um -eine Anstellung in Staatsdiensten. Beamter zu werden, ist ja für die -Söhne aller Häuptlinge das Endziel aller Wünsche, und gerne dienen -sie viele Jahre lang als Magang = Volontär in den diversen Bureaux, -um endlich Schreiber mit einem monatlichen Gehalt von 30 fl. und zum -Tragen eines Pajongs berechtigt zu werden. Mein Freund Ismangong -konnte, als Verwandter der kaiserlichen Familie von Djocja, unmöglich -Privat-Ingenieur werden, und als Abtrünniger angewiesen auf den Erwerb -durch sein technisches Wissen bat er um eine Stellung beim Ministerium -der öffentlichen Bauten. Dieses Gesuch kam der indischen Regierung -jedoch sehr ungelegen. Ein Javane sollte mit europäischen Collegen -gleichberechtigt die Stufenleiter der hohen Beamten besteigen, um nach -zwei oder drei Jahrzehnten an die Spitze des technischen Departements -gestellt werden zu müssen!! Damit wären ja zu viel Inconvenienzen -verbunden gewesen! Sie ernannte ihn also zum Adjunct-Inspecteur -für die Unterrichts-Anstalten der Eingeborenen. (Volksschulen, -Lehrer-Seminar und Bürgerschulen für die Söhne von Häuptlingen.) In -dieser Eigenschaft lernte ich ihn im Jahre 1892 in Magelang kennen. -Seine Frau war ein Jahr nach ihrer Ankunft in Java an Lungentuberculose -gestorben, und die böse Welt behauptete, sie sei vergiftet worden. -Ismangong war ein gebildeter Mann und trug ganz das Gepräge eines -javanischen Fürsten; gelassen und gemessen im Gespräche und in seinen -Bewegungen imponirte er durch sein allgemeines Wissen, durch seine -Bescheidenheit und durch sein liebenswürdiges und höfliches Benehmen. -Seine Zwitterstellung als Mohamedaner und »europäischer Beamter« gab -nach seinem Tode unerwartete Schwierigkeiten. Sollte er als Mohamedaner -nach islamitischem Ritus begraben werden, oder sollte sein Grab auf dem -Friedhofe der Europäer sich befinden? - -Nach dem Tode seiner ersten Frau hatte er eine Prinzessin von Djocja -geheiratet, welche mit dem Regenten von Magelang verwandt war. Dieser -veranlasste den Residenten, ein mohamedanisches Begräbniss anzuordnen. -Als jedoch das Testament eröffnet wurde, in welchem der Bruder seiner -ersten Frau zum Testamentsvollstrecker ernannt wurde, ordnete dieser -ein europäisches Begräbniss auf dem Kirchhofe der Europäer an, und -der Resident musste seinen gegentheiligen Erlass zurückziehen. -Ismangong war ein Ehrenmann, der mit Tact und würdevollem Auftreten die -Schwierigkeiten seiner Zwitterstellung überwand. Requiescat in pace. - -Leider hatten wir in Sindanglaya auch eine Nachbarin, welche quasi als -Pendant zu dieser gesetzlichen Ehe einer europäischen Frau mit einem -Eingeborenen den Beweis brachte, dass Gott Amor keine Standes- und -keine Rassenunterschiede kenne. - -Den Abend vor unserer Abreise sass ich um 12 Uhr Nachts in der -Veranda des Hotels. Alle übrigen Gäste hatten sich in ihre Zimmer -zurückgezogen, die Lampen waren gelöscht, und in majestätische Ruhe -war alles gehüllt. Da klang plötzlich eine scharfe und nicht angenehme -Stimme aus dem Hintergrunde eines kleinen Pavillons in der bekannten -sentimentalen Arie der indischen Pantons: - - Djerok whangie, Blimbing Djapara, - Djangan nangis muka njang kentara. - (Duftende Citrone, Blimbing von Japara, - Weine nicht -- Deine Züge würden entstellt.) - -Es war eine unglücklich Liebende, welche ihr Leid den Lüften klagte, -denn die zweite Zeile hätte im anderen Falle von dem Manne gesungen -werden müssen. Obwohl der Mond beinahe mit Tageshelle den Garten -beleuchtete, sah ich keine sterbliche Seele in dem Gartenhäuschen, aus -welchem die Stimme deutlich zu meinen Ohren drang: - - Burung Kakatuwah - Terbáng di djandélla - (Der Vogel Kakadu - Fliegt gegen das Fenster) - -sprach sie hierauf mit ängstlicher Stimme, und die Silbe délla liess -sie in einem gedehnten Seufzer ausklingen, und noch immer folgte keine -Antwort; mit wehmüthiger Stimme endigte sie endlich den Panton: - - Nonna suda tuwa, - Gigi tingal duwa. - (Die Jungfrau, sie ist alt, - Es blieben ihr der Zähne (nur) zwei.) - -Zu gleicher Zeit näherte sich zu meiner Rechten ein Mann in -Spitalkleidern; es war ein eingeborener Soldat und nur mit einem blauen -Sarong bekleidet. - - Tanam melatti di tanah miering, - Di sînie bau -- di sâna bau - (Pflanze die Melatti auf den Abhang (des Berges), - Dahin dringt der Duft, dorthin dringt der Duft) - -sang dieser Soldat so laut, dass sofort mit fröhlicher Stimme aus dem -Strauche die Antwort erfolgte: - - Ini tuwan, topi jang miering, - Di sîni mau -- di sâna mau. - (Jener Herr, sein Hut sitzt schief, - Dahin will er -- dorthin will er.) - -Unser Leander antwortete mit fester Stimme: - - Deri mâna dâtangja tschinta - (Woher kommt die Liebe) - -und eine ausgelassene frohe Stimme antwortete: - - Deri mâtá turun di hâti. - (Aus dem Aug steigt sie zum Herzen [wörtlich: Leber].[77]) - -Jetzt sah ich in dem Gartenhäuschen von der Bank die Gestalt der Frau -Hauptmann X. sich erheben und ihrem Geliebten entgegeneilen, und -während sie ihren schönen blanken Arm um den braunen, nackten Hals des -Marssohnes schlang, flüsterte sie in neckischem Tone: - - Deri mana datang -- ja linta - (Woher kommt der Blutegel) - -und siegesbewusst antwortete er mit der Gegenfrage: - - Deri mana datang -- ja tschinta - -und während sie lispelte: - - Deri sawah turun di Kali - (Von dem Reisfelde steigt er zum Flusse hinab) - -brummte er zwei Mal: - - Deri mâta turun die hati. - -Diese pflichtvergessene Frau hatte ihren Mann verlassen, als seine -Ordonnanz, ein eingeborener Soldat, zur Erholung seiner durch Fieber -geschwächten Gesundheit nach Sindanglaya gesendet wurde. Ein anonymer -Brief verständigte einige Tage später den Hauptmann von dem Asyl -seiner Frau und von der Gesellschaft, in welcher sie die nächtlichen -Stunden verbrachte. Da sie bei ihrer Flucht nicht nur den Rest seines -Gehaltes mitgenommen, sondern auch die Compagnie-Kasse beraubt hatte, -welche er ersetzen musste, erstattete er die Anzeige gegen Beide. Unser -brauner Leander konnte seine Unschuld an dem Diebstahl seiner Geliebten -beweisen; er blieb straflos und behielt -- seine Geliebte; sie zog zu -ihm in die Caserne!! - -Wie ich schon andeutete, sind dieses sehr vereinzelte Fälle und -bestätigen die Regel, dass die europäische Frau für den Javanen zu hoch -steht, um seine Frau oder seine Geliebte zu werden. Umgekehrt sieht man -häufig europäische Beamte mit eingeborenen Frauen eine Ehe schliessen, -nachdem die malayische, chinesische oder javanische Frau als Njai (= -Haushälterin) (Fig. 9) ihrem Herrn ein oder mehrere Kinder geschenkt -hat. Der Officier darf, so lange er im Dienste ist, »die Mutter seiner -Kinder« nicht heiraten; aber es giebt zahlreiche pensionirte Officiere, -welche mit dem Dienstrocke auch diese Art von Standesehre ablegen -und ihren Kindern durch eine Heirat mit ihrer Mutter officiell und -gesetzlich den eigenen Namen geben. Diese Sinjus und Nonnas tragen den -Stempel ihrer Abstammung stets in ihrem Angesicht; die Gesellschaft -tolerirt sie aber, sobald sie eine hinreichende Bildung erworben haben; -wenn sie jedoch, was vor 20 Jahren noch häufig geschah, kaum lesen oder -schreiben konnten und nur mangelhaft der holländischen Sprache mächtig -waren, dann allerdings müssen sehr günstige Verhältnisse herrschen, -um ihnen den Salon der Europäer zu öffnen. In den letzten Jahren ist -jedoch ihr Bildungsniveau bedeutend gestiegen, und sie bekleiden oft -die höchsten Stellen im Staate; nur bleiben sie manchmal mit Recht eine -reichliche Quelle von unterdrücktem mitleidigen Lächeln und tolerantem -Ertragen einiger Eigenthümlichkeiten; so z. B. verwechseln sie gern das -g mit dem h. Eine solche halbeuropäische Hauptmannsfrau rief mir eines -Tages zu: »Sehen Sie, Herr Doctor, hier kommt mein Hans«; nirgends sah -ich einen grossen oder kleinen Hans; aber eine dicke fette Gans kam -angewackelt. - -Noch komischer war folgender lapsus linguae. In grosser Gesellschaft -wurde von der grossen Summe Geldes gesprochen, welche der langjährige -Guerillakrieg in Atjeh gekostet hatte, und plötzlich rief eine Nonna -mit lauter Stimme: »Mein Gott, wo sind die Helden Atjehs geblieben?« -Sie wollte Geld(en) sagen, und ein schallendes Gelächter brachte diese -Dame so in Verlegenheit, dass sie entrüstet den Saal verliess. Ein -Officier hatte das Unglück, im Tanzsaale auf die Schleppe einer Nonna -zu treten und bat um Pardon. Diese Dame drehte sich aber entrüstet -gegen diesen Schlemihl und sprach das seither geflügelte Wort: »Was, -Gott verdamm, erst Sie reissen mein Rock in Stücke und dann Sie -rufen Gott verdamm, Sie Kurang adjar (M. = Lümmel).« Diese Typen der -indischen Gesellschaft sterben aus; wenigstens in den besseren Ständen -werden nur ausnahmsweise Frauen gefunden, welche der holländischen -Sprache nicht vollkommen mächtig sind. - -Auf der Insel Java[78] hat nämlich das Unterrichtswesen einen solchen -Aufschwung in den letzten dreissig Jahren genommen, dass nur selten -Jemand für die Dauer seine Kinder den Besuch einer Schule entbehren -lassen muss, und wenn man solchen ungebildeten Frauen oder Männern in -den niederen Ständen begegnet, sind diese meistens von abgelegenen -Inseln abstammend, wo sich nicht überall öffentliche Schulen befinden, -und die Eltern waren pecuniär nicht in der Lage, durch eine Gouvernante -u. s. w. ihren Kindern einen Ersatz für den Mangel einer Schule bieten -zu können. - -+Die Stellung der half-cast ist im Staate vollkommen gleichberechtigt -mit der der Vollblut-Europäer, und gesellschaftlich ist sie nur von der -Individualität des Einzelnen abhängig.+ - -Ein Herr de L. in Batavia war dreimal verheiratet und hatte nebstdem -zwei »Vorkinder« von einer früheren Haushälterin. Seine Frauen waren -eine Europäerin, eine Nonna und eine Chinesin, d. h. eine Frau, welche -die Tochter eines Chinesen und einer malayischen Frau war. Von jeder -dieser Frauen hatte er Kinder, und diese vertrugen sich nicht nur -untereinander sehr gut, sondern hatten auch die zwei »Vorkinder« in -ihren Freundschaftskreis aufgenommen. Die Kinder gaben ein gutes und -deutliches Mosaikbild der Ethnographie Javas. Herr de L. war -- ein -Jude.[79] - -Ich kann diese kleinen Skizzen über die Mischrassen auf Java nicht -beendigen, ohne auch deren geistige Eigenschaften mit einigen Worten -beschrieben zu haben.[80] Gewöhnlich wird behauptet, dass die Sinjus -und Nonnas nur die Fehler, aber nicht die guten Eigenschaften beider -Rassen in sich vereinigen. Dies ist ganz unrichtig. Wenn ich nur von -zwei meiner Bekannten, welche mir momentan vor Augen schweben, den -Charakter unter das Secirmesser der Kritik bringe, so zeigt sich diese -Behauptung in ihrer ganzen Nacktheit. Der Eine ist ein Sinju und war im -Jahre 1891 Assistent-Resident zu T. -- Er war ein intelligenter Mann, -ein eifriger Beamter und jeder Zoll ein Ehrenmann. Die Zweite war eine -Nonna und die Frau eines Stabsarztes in S. Sie war eine liebenswürdige, -gebildete Dame und eine liebevolle solide Gattin, und immer führte -ich sie als Beweis an, dass die Nonnas gerade wie ihre europäischen -Schwestern der Bildung des Geistes und Herzens zugänglich sind und in -gleicher Weise Sinn für das Gute und Schöne haben. - - * * * * * - -Der Aufenthalt in Sindanglaya bot keine andere Zerstreuung, als -den Spaziergang und während des Regens die Lectüre und den Verkehr -mit den übrigen Gästen des Hotels. Wenn ich den Mr. A. oben (Seite -129) als unsern Nachbar speciell anführte und seine Abstammung von -halbeuropäischen Eltern zum Ausgangspunkt einiger Bemerkungen über die -Sinjus und Nonnas machte, so hat dies zwei Ursachen. Sein Vater war ein -hoher Beamter, und ich hatte im Jahre 1882 so viel Gastfreundschaft -von ihm und seiner Frau genossen, dass ich noch heute dafür eine -dankbare Erinnerung bewahre. Ich verkehrte also viel mit diesem -Nachbar. Nebstdem hatte er so viel dichterischen Schwung in seiner -Sprache und bestieg so oft den Pegasus, dass meine Frau, welche damals -erst zwei Jahre in Indien war und noch wenige halbeuropäische Männer -von grösserer Bildung kennen gelernt hatte, ihre Verwunderung über -seine poetische Begabung mir gegenüber äusserte. Es lag in seinen -Gedichten, welche wir von ihm erhielten, eine Poesie und eine Gluth -der Leidenschaft, welche wir in den Tropen, denen bekanntermaassen die -Musen nicht besonders freundschaftlich gesinnt sind, nicht erwartet -hätten. Seit einigen Jahren ruht er seinen ewigen Schlaf unter den -Palmen, welche er so schön, wie kein Anderer, besungen und gepriesen -hat. - -Der vierzehntägige Urlaub war beendigt, und die Pflicht rief mich nach -Batavia zurück. Ich wählte die kürzere Route, obwohl sie nur mit dem -Dos-à-dos, und noch dazu über den 1482 Meter hohen Puntjak zurückgelegt -werden konnte; wir mussten selbst von zwei Büffeln unsern kleinen -Wagen auf die Spitze des Berges ziehen lassen; aber ein herrliches -Panorama entzückte unsere Augen. Hier ruhte unser Blick auf den -stolzen Gipfeln des Salak, Pangerango und Gedéh, zu unserer Rechten -hatten wir den Berg Lemo (1862 Meter hoch), dort fiel er auf Abhänge, -welche mit Sawahfeldern bedeckt waren und in ihrem sanften Grün einen -schönen Contrast zu dem dunkelgrünen Walde formten. In der Nähe der -Grenze beider Provinzen lag ein Bergsee, Telaga Warna = Farbensee, -welcher mit so warmen Worten von dem Kutscher gepriesen wurde, dass -wir ausstiegen und den einen Kilometer langen Pfad durchschritten, um -dieses Naturwunder besichtigen zu können. Zwei sundanesische Frauen -(Fig. 10 u. 11) waren unsere Führerinnen. Wir wurden reichlich für -diesen kleinen Marsch zu Fuss belohnt. Es war ein ausgebrannter Vulcan, -in dem das Regenwasser zu einem See sich angesammelt hatte,[81] der in -seiner majestätischen Ruhe eine verborgene und verschollene Welt in -sich schloss. Die Trachitwände dieses Kessels sind mit Farrenbäumen, -Waringinbäumen und wilden Bananen bedeckt, und der Schatten dieser -dunkelgrünen Bäume spiegelt sich in der Fluth und spielt mit dem -braunen und grauen Licht des Bodens in einem bunten Farbenkreis, -welchen die kleinen Fischchen durch ihren unruhigen Marsch in dem -süssen, krystallhellen Wasser immer weiter und weiter ziehen. Nicht -das Zwitschern eines bunt gefärbten Vogels, nicht das Zirpen einer -Grille, nichts störte die Ruhe dieses alten, ausgestorbenen Vulcans, -und beklommen und ängstlich blickte meine Frau hinauf zu dem Rande -des Kraters, um nur irgend einen Sonnenstrahl zu erhaschen oder -irgend ein lebendes Wesen zu erblicken. Wir Beide waren in dieses -Sonderbare, Düstere, Lautlose tief versunken, als plötzlich die Stimme -des Kutschers uns dem Zauber dieses grossen Grabes in der herrlichen -Tropenvegetation entriss mit der Mahnung, unsere Reise fortzusetzen. - -Von nun an ging es immer bergab, bis wir Gadok (487 Meter) erreichten, -wo wir den Kreis der Heeresstrasse schlossen; 1 km lag dieser -Luftcurort von der Heeresstrasse entfernt, welche, Batu-tulis zur -linken Hand passirend, uns wieder nach Buitenzorg brachte. - - - - -7. Capitel. - - Museum und botanischer Garten in Batavia -- Reise nach Ngawie -- - Sandhose -- „Kykdag“ einer Auction -- Auction -- Venduaccepte -- - Geographie der Provinz Madiun -- Vier Chefs -- Stockschläge in der - Armee -- Lepra auf den Inseln des indischen Archipels -- Prophylaxis - der Lepra -- Eine Sylvester-Nacht auf Java -- Eine unangenehme Fahrt - -- Ein Neujahrstag in Solo -- Eine Deputation am Hofe zu Djocja -- - Die Stadt Solo -- Der Aufschwung der Insel Java -- Das Militär-Spital - in Ngawie -- Ein Spital ohne Apotheker -- Choleraphobie -- Meine - Conduiteliste -- Cholera in Indien -- Entstehungsursache der Cholera - in Indien -- Cholera -- Prophylaxis der Cholera in Indien -- - Reisfelder. - - -Am andern Morgen fuhr ich mit dem Zuge 6 Uhr 55 Min. nach -Weltevreden und meldete mich noch denselben Vormittag beim -Platz-Commandanten, welcher mich (und meine Frau) bei der »indischen -Dampfschifffahrts-Gesellschaft« zur Reise nach Samarang einschreiben -liess, von wo aus ich per Eisenbahn meine Reise nach Ngawie fortsetzen -sollte. Noch drei Tage konnte ich in Batavia bleiben, und ich benutzte -diese Zeit, um meine Frau den botanischen Garten und die Museen sehen -zu lassen, welche in Batavia zu wenig gewürdigte Sehenswürdigkeiten -sind. Das »Batavische Museum« steht auf der Westfront des Königsplatzes -und wird von dem Vereine »Tot nut van’t algemeen« = zum allgemeinen -Nutzen, verwaltet; es ist ein einfaches schmuck- und prunkloses Gebäude -ohne Stockwerke und hat vor seinem Haupteingange einen bronzenen -Elephanten auf einem steinernen Piedestal.[82] Es besteht aus drei -Abtheilungen: der ethnographischen, archäologischen und numismatischen -Sammlung. Da es mich zu weit führen würde, diese Sammlungen zu -beschreiben, so will ich nur bemerken, dass die Classification der -beiden ersten Abtheilungen viel zu wünschen übrig lässt, während die -numismatische Sammlung manche Lücken aufweist, andererseits aber viele -seltene Stücke hat, welche vielleicht Unica sind; z. B. das leinwandene -Geld von der Insel Buton bei Celebes aus dem 17. Jahrhundert. Der -zoologisch-botanische Garten bot, bis auf einige Schlangen, Vögel -und Säugethiere, kaum etwas Sehenswerthes, und auch diese sind in so -geringer Anzahl vorhanden, dass man eigentlich von diesem stolzen Namen -absehen sollte. Da jeden Sonntag regelmässig in den Vormittagsstunden, -und auch an anderen Abenden hin und wieder Concerte in diesem -Garten gegeben werden, und Schaukeln u. s. w. für die Kinder sich -dort befinden, so tritt die Sammlung der Pflanzen und Thiere in den -Hintergrund, wird auch so ziemlich vernachlässigt, und dieser Garten -ist also ein schöner Unterhaltungsort der batavischen Jugend und beau -monde. - -Nebstdem kauften wir in den Geschäften (Toko M.) von Ryswyk, Noordwyk, -Molenvlit, Tanah-Bang und Passar-Baru (im chinesischen Viertel) (Fig. -12) alle petits riens für unsere Wohnung in Ngawie, weil, wie wir -hörten, in dieser Garnisonstadt sich nur ein einziger Toko befand. - -Am 20. September konnte ich Weltevreden mit dem Dampfer verlassen, -und am andern Tag Abends kamen wir in Samarang an. Reglementär war -ich nur verpflichtet, am andern Morgen mit dem Zuge um 8 Uhr sofort -meine Reise nach meinem angewiesenen Garnisonsort fortzusetzen; mein -militärisches Gewissen forderte mich jedoch auf, mich persönlich -dem Landes-Sanitätschef und dem Landes-Commandanten der »zweiten -Militär-Abtheilung« vorzustellen, und ich beschloss also, zu diesem -Zwecke in dieser Stadt einen Tag zu bleiben; ich wohnte im Hotel -Pavillon und erfuhr zu spät, dass in diesem Hotel den Tag vorher ein -Passagier der Cholera erlegen war. Offenbar unter dem Eindruck dieser -Kunde erwachte in der zweiten Nacht meine Frau mit allen Erscheinungen -dieser Krankheit, ohne dass im weiteren Verlaufe mehr als eine heftige -Cholerine daraus wurde. Es gelang mir, mit einer grossen Dosis Laudanum -alle Symptome in kürzester Zeit zu bekämpfen, so dass meine Frau mit -Ungeduld die Morgenstunden erwartete, um so bald als möglich dieses -Hotel und die Stadt verlassen zu können. Um 8 Uhr 31 Minuten reisten -wir ab. - -Eine drückende Hitze herrschte in den Waggons, welche gar nicht -dem Klima der Tropenwelt Rechnung trugen, sondern, wie die böse -Welt erzählte, in Europa zurückgestellte und von den holländischen -Eisenbahnen nicht angenommene Waggons waren. Bei Kedong Djatti zweigt -sich die Bahn in zwei Aeste, der eine geht nach Wilhelm I., welches -damals die stärkste Festung Javas war und heute noch nicht mit dem -benachbarten Magelang, der grössten Militär-Colonie Javas, durch -eine Eisenbahn verbunden ist, und der zweite Ast ging nach Solo, der -Hauptstadt des Kaiserthums Surokarta. Hier beginnt die Staatsbahn, -welche nach Surabaya führt und eine grössere Spurweite als die Linie -von Samarang-Wilhelm I. hat. Ich musste also übersteigen, nebstdem -hatte ich noch Zeit, im Stations-Gebäude meine »Reistafel« zu nehmen, -und kam gegen 2 Uhr nach Paron, welches die letzte »Halte« vor -Ngawie ist. Dunkel sind die Wege der Eisenbahn-Politik. Fächerartig -läuft der Lawuberg (3254 Meter hoch) mit seinen Abhängen gegen die -kleine Hochebene aus, in welcher Ngawie liegt; eine schöne breite -Heeresstrasse läuft in ihr und mit ihr in einem grossen Bogen von Solo -nach Madiun, und doch verlässt die Schiene schon im ersten Viertel -der Ebene (bei Sragen) das flache Land, um in grossen Krümmungen -das Gebirge zu durchkreuzen und erst zwei Halten vor der Hauptstadt -der Provinz Madiun (bei Purwodadi) in die Ebene zurückzukehren. Die -Zuckerfabriken dieser Provinzen und die grosse Holzhandlung der -benachbarten Provinz Rembang hätten einen gleichmässig vertheilten -Vortheil von dieser Eisenbahn haben können, ohne dass Ngawie 10 -Kilometer von der Eisenbahn entfernt bleiben musste. - -Ueberrascht[83] stand ich nämlich bei der kleinen Halte Paron, als ich -vor mir eine grosse Ebene sah, ein grosser Reisewagen mich, meine Frau -und meinen Bedienten aufnahm und von Rindern gezogene Frachtwagen meine -Koffer und Kisten nach Ngawie bringen sollten. - -Ngawie besitzt nicht nur eine Strafanstalt für unverbesserliche -Soldaten, sondern auch eine Pulverfabrik. Wie viel Transportkosten -jährlich mit den Bedürfnissen von zwei so grossen Etablissements -verbunden sind, wird wohl die indische Regierung bis auf einen Kreuzer -wissen; dass sie aber dessenungeachtet Ngawie nicht in das Netz -der Eisenbahnen einbezogen hat, lässt mich annehmen, dass sie die -Existenzfähigkeit der einen Anstalt überhaupt in Zweifel zieht. Ngawie -soll eine Besserungsanstalt für widerspenstige Soldaten sein und hatte -bis zum Jahre 1888 nur acht (!!) Soldaten der Armee zurückgegeben. -Entweder ist das Princip derselben ein verfehltes, oder die Anwendung -des Reglements ist eine tactlose, oder es ist beides der Fall. Ich bin -zweimal in Ngawie, im Ganzen ungefähr zwei Jahre, gewesen und habe -während dieser Zeit drei Commandanten gehabt; ich kann daher eine -Ansicht über dieses Institut haben und darf sie darum vielleicht mehr -als mancher Andere auch aussprechen. - -Die brennenden Sonnenstrahlen standen während der ganzen Reise über -unsern Häuptern, und die ausstrahlende Wärme des Bodens liess uns in -der Ferne die Luft wie die Wellen einer sanftbewegten Meeresfläche -erzittern sehen. Es war ein neun Kilometer langer ebener Weg vor uns, -auf dem zu beiden Seiten nur junge Bäume standen. Plötzlich erhob sich, -ich möchte beinahe sagen unvermittelt, ein Sturmwind, und wir sahen -bei vollkommen heiterem Himmel einige tausend Meter vor uns entfernt -eine ungeheure Staubwolke von Westen nach Osten unsere Wege kreuzen -und sofort darauf sich zu einer compacten Masse, zu einer Sandhose -concentriren. Zwei ungeheure Sandkegel standen mit ihren Spitzen -aufeinandergestellt. Die Basis des einen bog sich auf der Strasse immer -mehr und mehr nach Osten, während die Basis des zweiten Kegels hundert -Meter hoch über dem Boden dem Hügelland in der Provinz Rembang zueilte. -Wie ich später hörte, waren nur einige Bäume dieser Windsbraut zum -Opfer gefallen. - -Nach 1½ Stunden gelangten wir nach Ngawie, passirten zuerst das -Gefängniss und kamen dann auf den Schlossplatz (Alang-âlang), dessen -Nordfront von der Wohnung des Regenten und einer europäischen Schule -eingenommen wurde. In der Mitte stand ein grosser Waringinbaum als -Wahrzeichen der höchsten Würde, welche der Regent in diesem Districte -führte. Auf der Ostseite dieser grossen Grasfläche stand das Haus des -Assistent-Residenten mit der holländischen Flagge und daneben das -Postamt. Hier schloss +die Stadt+ Ngawie stricte dictu. An der -Westseite begann eine lange Strasse, welche nur von Chinesen bewohnt -war, und nach der letzten Krümmung dieses Weges sah man im Hintergrunde -das Fort mit seinen Adnexen: zunächst ein Pulvermagazin zur Rechten -und zwei Officiers-Wohnungen zur Linken, weiterhin die Cantine und -dahinter verborgen von Wällen und umgeben von einem Wassercanal das -Fort selbst. Die Pulverfabrik lag ausserhalb der Stadt, im Westen des -grossen Grasfeldes. Da mein Vorgänger ohne Frau war und nebst seinen -Dienstpflichten auch die häuslichen Angelegenheiten zu besorgen hatte, -konnten wir bei ihm nicht logiren, sondern mussten in das Pesanggrâhan -ziehen, welches von einem Schreiber des Assistent-Residenten gegen eine -staatliche Subvention von 50 fl. pro Monat für die durchreisenden -Beamten, Officiere und Reisenden schlecht und recht gehalten wurde. -Es war ein Haus aus Bretterwänden, welche spärlich mit Kalk bedeckt -waren. In dem Zimmer, welches mir und meiner Frau angewiesen wurde, -hing zu meiner Ueberraschung ein Thermometer, es zeigte 100° F. = -37° C. Wir eilten in das Badezimmer, um uns, so viel es möglich war, -durch ein Schiffsbad (Sîram M.) zu erfrischen, und setzten uns in der -»Vorgalerie« nieder, um durch eine Schale Thee und ein Glas durch Eis -abgekühltes Mineralwasser unsern Durst zu löschen. Ungefähr 5½ Uhr -waren wir wieder angekleidet und zogen nun aus, um den Ort kennen zu -lernen. Wir nahmen zunächst unsern Weg durch das chinesische Viertel. -Ist an und für sich beinahe in ganz Indien das Stadtviertel der -Chinesen ob seines Schmutzes und üblen Geruches berüchtigt, so fanden -wir hier noch dazu das abscheuliche Bild einiger Leprösen, welche in -der Strasse bettelten und ihre faulenden Glieder nur mangelhaft mit -schmutzigen Lappen bedeckt hatten. Nach der letzten Krümmung des Weges -passirten wir das neu errichtete Spital für Prostitués und ungefähr -200 Schritte davon entfernt das Haus des rangältesten Militärarztes, -welches von meinem Vorgänger bewohnt wurde. Es war ein steinernes -Gebäude im altgriechischen Stile, hatte vor der Vorderfront einen -kleinen und an der Ostseite einen grösseren Garten mit zahlreichen -Fruchtbäumen. Ein geschäftiges und reges Treiben herrschte im Hause -selbst und in dem umgebenden Garten. Nach landesüblicher Weise sollte -ja nun von ½7-8 Uhr »Beschautag« sein, d. h. es sollte die ganze -Einrichtung, welche am nächsten Tage unter den Hammer kommen sollte, -von den Damen mit ihren Männern besichtigt werden, während bei der -Auction selbst nur die Männer als Käufer auftreten können. Zu diesem -Zwecke wurden alle Möbel polirt, ihre schadhaften Stellen mit Farbe -angestrichen, alle Lampen gefüllt und angezündet, zerbrochene Stühle -geleimt, gefärbt und polirt, alte Bücher werden auf dem Bücherschrank -in Packeten geordnet, alte Wäsche mit schönen blauen oder rothen -Bändchen zusammengebunden, das Küchengeschirr mit Sand fein abgerieben -und in der Hintergalerie unter dem Tische aufgestellt, die Pferde und -Kühe wurden schön gewaschen und jeder Riss in der Farbe des Wagens -verkittet und neu lackirt. - -Wir kamen also meinem Collegen gewissermaassen ungelegen. Er schlug uns -jedoch vor, ohne sein Geleite die Räumlichkeiten zu besichtigen, welche -unser zukünftiges Heim werden würden, und ruhig die Wahl unter den -Möbeln zu treffen, welche den andern Tag bei der »Vendutie« (Auction) -gekauft werden sollten. Wir konnten nebstdem das Angenehme mit dem -Nützlichen vereinigen. Um 7 Uhr sollten die kauflustigen Bewohner -Ngawies sich einfinden, und bis zu dieser Stunde konnte ich in Ruhe und -Musse mit meiner Frau die Wahl der Möbel getroffen haben und danach mit -allen Notabeln dieser Provinzstadt Bekanntschaft machen. Unterdessen -fuhr Dr. X. mit einer gemietheten Equipage durch die Stadt, um seine -letzten Abschiedsvisiten zu machen. Ueberall gönnte er sich kaum Zeit, -um sich zu setzen, versicherte, dass er von seiner Transferirung nach -Surabaya eingenommen sei, dass ihm die Vorbereitungen zur Auction so -viel Scheerereien gemacht hätten, weil seine Frau zufällig nach Batavia -zu ihren Eltern abgereist, und dass dieses die Ursache sei, dass er -keinen Abschiedsempfang halten könne und darum jetzt definitiv Abschied -nehme; so eilte er weiter zu Jedem, dem er »anständiger Weise« einen -Besuch machen konnte; denn nur auf diese Weise konnte er hoffen, dass -auch die »kleinen« Menschen zu der Auction seiner Einrichtung kommen -würden und mit der Zahl der Käufer auch die Kauflust sich erhöhe. -Die strenge Scheidewand zwischen Europäern einerseits und Chinesen, -Arabern und Eingeborenen andererseits fällt durch das Zauberwort -»Vendutie«. Schon am Abend vor der Auction kommen Alt und Jung, Mann -und Frau, Araber, Chinesen, Europäer, General und Soldat in das Haus -eines Jeden, ob Schreiber oder Resident, ob gemeiner Soldat oder -Oberst, sie alle durchziehen das Haus, um die hell erleuchteten Räume -zu durchschnüffeln, zu bekritteln und -- von ihren Frauen Aufträge für -dieses oder jenes Bild, für diesen oder jenen Blumentopf, oder für -ein Bügeleisen zu erhalten. An diesem »Beschauabend« kommt aber auch -Freund und Feind. Endlich wird es 8 Uhr; der Schauplatz wird leer, -die Bedienten löschen die Lampen aus und der Hausherr ist bei einem -seiner Freunde zum Abendessen eingeladen, weil in seinem ganzen Haus -kein Plätzchen frei ist, auf das er einen Teller oder Glas niedersetzen -könnte; auf allen Tischen und Kisten liegen die Gläser, Teller, -alte Hosen, Nippsachen, verrostete Revolver, alte Bücher, geflickte -Schuhe u. s. w. Endlich bricht der grosse Tag an. Um 8½ Uhr sitzt der -Ausrufer mit einem grossen Becken vor dem Hause und ruft mit lauten -Schlägen die Kauflustigen herbei. Im Fort sind alle Dienste beendigt, -um den Officieren und Soldaten Gelegenheit zu geben, »zur Vendutie -des ‚Eerstaanwezenden Officiers van Gezondheid‘ zu gehen«, d. h. wenn -der Platz-Commandant mit dem Chefarzt gut befreundet war; im anderen -Falle sind gerade wichtige Commissionen an Tagesordre, so dass die -Officiere u. s. w. erst um 12 Uhr dahin gehen können. Ich habe 7 Jahre -später es sogar erlebt, dass an dem Tage der Auction meiner Einrichtung -grosser militärischer Marsch angekündigt wurde, und die Officiere und -Soldaten erst um 3 Uhr nach Hause kamen. Noch vortheilhafter ist es, -den Assistent-Residenten zum Freunde zu haben; denn er kann ja alle -Beamten seines Bezirkes gerade an diesem Tage zur »Conferenz« nach -der Hauptstadt des Bezirkes einladen und mit ihnen zur Auction gehen. -Im andern Falle schickt er gerade an diesem Tage alle Beamten seiner -Bureaux zu wichtigen Untersuchungen in die abgelegenen Dörfer oder -giebt ihnen sofort zu behandelnde Sachen; so viel wie möglich werden -jedoch die civilen und militärischen Häupter des Ortes persönlich auf -der Auction erscheinen, ja vielleicht selbst um ein paar Gulden eine -Kleinigkeit kaufen, um den Schein zu bewahren, dass die schöne Harmonie -zwischen diesen beiden Mächten nicht gestört sei. - -Endlich ist es 9½ Uhr geworden und die Schlacht beginnt mit den -grossen Möbeln, Kästen, Betten u. s. w., auf welche in der Regel nur -der Nachfolger und andere Neuangekommene reflectiren; die Zahl dieser -europäischen Käufer ist natürlich klein, und es ist mit Recht zu -fürchten, dass das Erträgniss derselben nicht gross sein wird; aber -die eingeborenen Beamten, Häuptlinge, und besonders die Chinesen, -sind die Hauptmacht, welche bald mit ihren Reservetruppen, den -persönlichen Freunden des Besitzers, und dem Schnaps, dem Bier und -dem Grog heranrücken, um ein glänzendes Resultat zu ermöglichen. Wehe -dem Neuling, welcher zum ersten Male auf diese Weise seinen Bedarf an -Möbeln, Gläsern, Geschirr u. s. w. decken will und muss, ohne diese -Intriguen zu kennen. In der Regel kennt er den factischen Ladenpreis -dieser Sachen nicht; wenn jedoch wie ein Salvenfeuer von ungeübten -Recruten von allen Seiten satu rupia = ein Gulden gerufen wird, -dieses Salvenfeuer Minuten lang anhält, dann lässt er sich mitreissen -und ruft immer und immer »ein Gulden«; das Raketenfeuer beginnt zu -erschlaffen, und es folgt jetzt klein Geschütz: sa téngah = ½ Gulden, -und endlich bleibt er in diesem edlen Wettstreit Sieger und hat einen -alten, wurmstichigen Kasten um einen Preis erstanden, für welchen er -sicher einen schönen neuen Kasten bei einem chinesischen Möbelhändler -hätte kaufen können. Die grossen Möbel, wie Kästen, Tische, Stühle -und Wandgemälde finden in der Regel immer einen Käufer, weil der -Comfort bis in das kleinste Dorf schon gedrungen ist, und man kann -- -wenigstens auf Java -- bei jedem Häuptling einen Schaukelstuhl, einen -polirten Tisch mit oder ohne Tischtuch, eine Petroleumlampe, oder -selbst ein eisernes Bett mit Mosquitonetz, oder sogar das Porträt des -deutschen Kaisers finden. Mit dem »Aufjagen« der Preise für die grossen -Stücke haben die Freunde des Besitzers ihre Aufgabe noch nicht gelöst; -sie haben ja untereinander einen Reservefonds von 50-100 fl. angelegt, -um etwaige Verluste zu decken, d. h. sollte ein Kasten oder Tisch -u. s. w. ihnen zugeschlagen worden sein, weil sich der »Baar« zu klug -für sie erwies, ohne dass Einer oder der Andere dafür Bedürfniss hätte, -wird er nochmals licitirt und der Unterschied des Preises wird durch -den Reservefonds ausgeglichen. - -Die Hauptschlacht der Freunde wird nämlich beim Tische geführt, welcher -mit den petits riens, mit den Nippsachen, Büchern, Photographien, -Luxusgläsern u. s. w. beladen ist. Es ist unterdessen 11½ Uhr geworden, -die Zeit für das »Bitterchen« ist herangerückt, die Luft im Zimmer -ist heiss und schwül geworden, und die Gläser mit Bier, Bitterchen, -Brandy-Soda und Whisky-Soda rücken in Schaaren heran (natürlich auf -Kosten des freigebigen Hausherrn). - -Dicht gedrängt stehen Europäer, Chinesen und Eingeborene um den -Tisch, und mit Mühe drängt sich der Abrufer und der Schreiber durch -die Menschenmassen, um einen Platz bei demselben zu finden. Der Notar -selbst steht in der Nähe, um zur rechten Zeit in strittigen Fällen -sein entscheidendes Wort geben zu können. Ist die Zahl der Freunde -gross, dann wird die Auction in diesem Sinne zu einem gemüthlichen, -häuslichen, aber auch lebhaften Feste. Von allen Seiten werden die -bereits verkauften Stühle von den Käufern oder von ihren Bedienten -herbeigeschafft, und mit dem Glas Bier oder Brandy-Soda vor sich, -beginnt das Bieten mit erneuter Kraft. Ein halber, ein viertel Gulden -ertönt es in allen Tonarten von allen Seiten, dort steht ein Mann -und winkt dem Abrufer jedesmal zu, hier wieder einer, der nur einen -Finger an die Nase führt, um ihm zu zeigen, dass er noch einen viertel -Gulden mehr biete, und endlich fällt der Ruf: Zum dritten Male 8 fl. -für die Karaffe für Herrn X. Nun ruft der Herr Y.: mir gehört die -Karaffe, denn ich habe 8 fl. dafür geboten. Das ist nicht wahr, ruft -ein Dritter dazwischen, bevor der Ausrufer das »dritte Mal« aussprach, -habe ich noch einen viertel Gulden geboten, sie gehört mir für 8¼ -Gulden. Der Notar erscheint, erklärt den Kauf für ungültig, und noch -einmal beginnt der Kampf. Durch den Wettstreit erhitzt, steigt der -Preis diesmal bis auf 15 Gulden, für welchen Preis sie dem Herrn -X. zufällt (der natürlich zu Hause von seiner Frau die heftigsten -Vorwürfe bekommt, für einen solchen »Schmarn« 15 fl. geboten zu haben). -Der Stein ist jedoch jetzt im Rollen, und Niemand hält ihn auf. Der -Vorrath an »Kleinigkeiten« droht sich zu erschöpfen. Es ist 1 Uhr -geworden, und wenigstens noch eine halbe Stunde wollen die Freunde »dem -gemüthlichen Beisammensein« kein Ende machen; erst werden also die -Flaschen Brandy geöffnet und jedes Gläschen unter den Hammer gebracht, -bevor es ausgetrunken werden darf, und wenn diese geleert sind, werden -die restirenden Gläser zweimal, dreimal, selbst viermal verkauft, bis -endlich das Küchengeräthe an die Reihe gekommen und die »Vendutie« -abgelaufen ist. - -[Illustration: Fig. 10. Eine sundanesische Frau in ihrer Haustoilette.] - -Die Glücksgüter sind auf der Erde ungleichmässig vertheilt, und -auch das Erträgniss der Auctionen variirt sehr -- je nachdem man -in der Gunst des Publicums steht. Nur ausnahmsweise erfreut sich -ein Lieutenant oder ein Schullehrer einer solchen Popularität oder -eines solchen grossen Kreises von Freunden, dass die Auction nahezu -die Kosten der Anschaffung deckt, oder dass er selbst beim Verkauf -seiner Einrichtung noch einen kleinen Betrag gewinnt. Die höchsten -Beamten und Officiere einer Provinz (Residentschaft), welche durch -ihre Stellung einen grossen Einfluss auf die Lieferanten der Armee und -die verschiedenen Aemter haben, sind die vom Glücke begünstigtsten. -Der Durchschnittspreis der »Vendutie« der Residenten kann gewiss auf -15-20,000 fl. gerechnet werden, wenn wir die Einrichtung seines Hauses -auf ungefähr 10,000 fl. anschlagen; ja noch mehr; ich bezweifle es, -ob jemals ein Resident an dem Einkaufspreis seiner Einrichtung auch -nur einen einzigen Gulden verloren, selbst wenn er zehn Jahre lang von -seinen Möbeln u. s. w. Gebrauch gemacht hat. Der Chinese kann sich -selbst den ehrlichsten Contract ohne Bestechung nicht vorstellen. -Kommt nun ein neuer Resident ins Amt, der durch die Unbescholtenheit -seines Charakters bekannt ist, will der Chinese ihm zeigen, was er -zu erwarten habe, wenn er ihm bei der Uebernahme einer Lieferung -keine Schwierigkeiten in den Weg legt; er beginnt bei der Auction -des abtretenden Residenten sofort, sagen wir 100 fl. für den ersten -Blumentopf mit lauter Stimme zu bieten, oder 2000 fl. für dessen -Reitpferd, jedoch nicht um es nach Hause bringen, sondern in dem -Stall »irrthümlicherweise« stehen zu lassen. In der Regel versteht -der neue Resident diese Art der Bestechung und schickt sofort das -»vergessene« Pferd dem Käufer zu; der Chinese jedoch hat seine Captatio -benevolentiae gezeigt und ist zufrieden. Aber auch der europäische -Pflanzer will sich um die Gunst des neuen Residenten bewerben, behält -sich jedoch vor, erst am Ende seiner Herrschaft seine Dankbarkeit -für das entgegenkommende oder vielleicht behülfliche Benehmen des -Residenten mit klingender Münze zu bezeigen. Hat der Resident während -seiner Amtsthätigkeit die von so arger Fiscalität zeugenden Gesetze -mit Tact und Billigkeit ausgeführt, so zeigen sich auch die Zucker- -oder Indigopflanzer beim Scheiden des Residenten erkenntlich und -trinken während der »Vendutie« auf das Wohl des abreisenden Residenten -Champagner, welchen sie selbst mitgebracht haben und glasweise unter -den Hammer bringen; 10-100 fl. werden für das erste Glas Champagner -geboten, und zuletzt werden auch die Gläser mit 1-100 fl. bezahlt, -aus welchen auf die Gesundheit des scheidenden Residenten getrunken -wurde. Nur ein Missbrauch dieser Einrichtung ist mir bekannt. Die -zahlreichen eingeborenen Beamten werden moralisch gezwungen, bei jeder -Auction eines Controleurs, Assistent-Residenten und Residenten zu -erscheinen und zu kaufen; da der Gehalt derselben niemals ausreicht, -ihre Bedürfnisse zu decken, weil Jeder von ihnen ein grosses Gefolge -hat, das von dessen Erträgnissen lebt, so verfallen sie in Schulden und -suchen sich auf andere Weise dafür zu entschädigen, und zwar auf Kosten -des kleinen Mannes, wie wir noch sehen werden. Im Uebrigen entspricht -dieses Auctionsamt einem tiefgefühlten Bedürfnisse: - -Wenn auch in den letzten Jahren die Eisenbahn den Norden der -Insel Java mit dem Süden, und den Osten mit dem Westen verbindet, -so ist das Netz doch noch nicht hinreichend entwickelt.[84] Die -Transportkosten durch Kulis oder Lastwagen sind sehr gross; es ist -daher der abreisende Beamte, Officier, Lehrer u. s. w. gezwungen, -seine Einrichtung zu verkaufen. Er findet in dem Vendu-Departement, -welches dem Finanzministerium untergeordnet ist, eine ausgiebige -Hülfe. Mit Hülfe eines Commissionärs oder eines Freundes meldet er -bei dem damit betrauten Beamten seine Auction an, und das Erträgniss -wird ihm in der Form eines Acceptes, welches nach vier Monaten fällig -ist, ausbezahlt; wenn ich mich nicht irre, muss der Verkäufer 2% des -Erträgnisses für die Auction bezahlen. Der Eingang des Erträgnisses -ist ihm so sicher (der Staat übernimmt ja die Bezahlung), dass er in -der Regel die Auction nicht einmal abwartet, sondern abreist und das -Venduaccept sich nachschicken lässt. Dieses wird von allen Privatbanken -gerne discontirt. Andererseits hat Jedermann, ob er eine Frau und -zahlreiche Kinder hat oder ledig ist, bei der Ankunft aus Europa oder -einem anderen Orte nicht immer disponibles Geld, um sich einrichten -zu können; wenn er auch vielleicht bei jedem Möbelmacher (NB. wenn -einer vorhanden ist, was im Innern der Insel nicht immer der Fall ist) -auf Credit die ganze Einrichtung seines Hauses bekommen könnte, so -convenirt ihm oft dieses nicht; er kauft also das momentan Nothwendige -»auf der nächsten Vendutie«, kann den Betrag 3-4 Monate später bezahlen -und bezahlt dafür 6% des Betrages und 1‰ für den Armenfonds. - -Stilgerecht ist eine solche Wohnung allerdings nicht eingerichtet; jene -Glücklichen, welche Stil in ihrer Wohnung und in ihrem Hause entwickeln -wollen, scheuen nicht die grossen Kosten einer neuen Einrichtung; -wer aber billig und schnell unter Dach kommen will, der kauft »auf -Vendutie« alte Möbel und Verzierungen und verkauft sie wieder bei der -nächsten Transferirung. - -Selbstverständlich machen auch der Handel und die -Schifffahrtsgesellschaften häufig von dem Auctionsamt Gebrauch. - - * * * * * - -In den ersten Monaten meines Aufenthaltes in Ngawie hatte ich einen -Assistenzarzt, dem ich den Dienst in der Apotheke, in der Caserne und -im Frauenspitale anvertraute. Den Officieren liess ich die Wahl, ob sie -im Erkrankungsfalle ihrer Angehörigen mich oder den Assistenzarzt um -Hülfe ersuchen wollten, und dennoch war ich von früh bis abends und oft -bis spät in die Nacht mit Arbeiten überladen; ich führte nämlich mit -allen meinen Vorgesetzten Krieg, und das Geschütz waren -- Briefe. - -Wenn ich den Dienst im Spitale beendigt hatte, zog ich mich in mein -Bureau zurück, um anfangs durch das Studium des Archivs die Auffassung -der herrschenden Verhältnisse von Seiten meiner Vorgänger und früheren -Chefs kennen zu lernen und späterhin, um auf schriftlichem Wege die von -mir nöthig erachteten Vorschläge auseinander zu setzen. - -Als Rangältester war ich der »Eerstaanwezende Officier van Gezondheid« -und als solcher der verantwortliche Chef für die Abtheilung Ngawie und -theilweise auch für die Provinz Madiun. - -Diese Provinz ist nicht gross, sie hat 106,822 Quadrat-Meilen mit -1,070,074 Einwohnern,[85] worunter 1276 Europäer und 3904 Chinesen. Auf -die ☐Meile kommen also 10,109 Einwohner oder auf den ☐km ungefähr 235 -Seelen. (Der dicht bevölkerte Staat Belgien hat 200 Einwohner auf den -☐km.) Madiun hat also eine ziemlich starke Bevölkerung. (Die Provinz -Bageléen hat sogar 20,000 Einwohner pro ☐Meile oder 365 auf den ☐km.) - -Von den wenigen Flüssen dieser Provinz ist hier nur der Bengawan -erwähnenswerth, der bei Ngawie an der Grenze der Provinz Rembang mit -dem Madiunfluss sich vereinigt und unter dem Namen Solofluss bei -Surabaya sich in den Javasee ergiesst. Zahlreiche Berge und grosse -Gebirgsstöcke durchziehen diese Provinz. Die höchsten Berge sind -der Berg Lawu (3254 Meter), der Berg Willis (2551 Meter) und der -Berg Manjutan (1554 Meter). Zahlreiche warme Quellen entspringen dem -vulcanischen Boden Javas. Schon ungefähr 400 Beschreibungen sind -bekannt von den in Indien vorkommenden warmen Quellen; so hat auch die -Provinz Madiun in der Nähe des Berges Willis Brunnen von Kohlensäure, -neben dem Bergsee Nebel (715 Meter hoch) alcalische Säuerlinge, und -hinter Ngawie selbst fand ich die warme Quelle Sendáng,[86] welche in -früherer Zeit zum Baden gebraucht wurde. Sie ist nämlich von einer -ungefähr drei Meter hohen steinernen Mauer umgeben, so dass ich auf -einer Leiter hinuntersteigen musste, um sie benutzen zu können. Die -in der Nähe sich befindenden Eingeborenen konnten mir keine Auskunft -über das Alter dieser Mauer angeben und wussten nur mitzutheilen, dass -tempo dulu, dulu, d. h. in längstvergangenen Zeiten ein Badeplatz hier -bestanden habe. - -Auch Erdöl wird im Bette des Soloflusses gefunden. - - * * * * * - -Meine Vorgesetzten waren folgende: - - 1. Der Platz-Commandant, der in allen militärischen Fragen, selbst - wenn sie das rein Technische des Militärarztes streifen, berechtigt - und verpflichtet ist, dem ihm zugetheilten Militärarzt die Directive - zu geben. Die Grenzen, wie weit ein solcher Laie gehen soll und darf, - lassen sich natürlich durch kein Gesetz scharf bezeichnen, und ich - habe es erfahren, wie unerträglich, lästig und selbst sehr unangenehm - ein Haudegen werden kann, wenn er als Platz-Commandant überhaupt - keine Grenzen seiner Machtvollkommenheit kennen will. - - 2. Der Landes-Sanitätschef, der in Samarang seinen Sitz hatte, war de - facto und de jure mein Chef. Er hatte nicht allein den technischen - Theil meiner Arbeit zu beurtheilen (trotz der örtlichen Entfernung), - sondern er musste auch die Mittheilungen des Platz-Commandos über - mein Benehmen als Mann und Officier zur Zusammenstellung der - Qualificationsliste benutzen. Wenn er auch als Chef dem Reglement - zufolge das Interesse seiner Untergeordneten beherzigen musste, hat - er es doch nie gethan, weil er als mein persönlicher Feind geradezu - jede Objectivität mir gegenüber verlor, und selbst jede Gelegenheit - suchte, sein Müthchen an mir zu kühlen, wozu ihm das militärische - Disciplinargesetz reichlich Handhabe bot. - - 3. Der Resident (Statthalter) der Provinz Madiun. Jeder Militärarzt - geniesst je nach seinem Range für »civile« Dienste eine monatliche - Zulage von 50-100 fl. und verpflichtet sich stillschweigend dadurch, - die Armenpraxis zu üben (dazu gehören auch die europäischen - Beamten, welche weniger als 150 fl. monatlichen Gehalt haben), die - gerichtlichen Fälle zu begutachten, die Gefangenen zu behandeln und - die Prostitués zu untersuchen u. s. w., kurz gesagt, den Dienst - eines Polizei-, Armen- und Bezirksarztes zu thun; NB. wenn ein - Civilarzt nicht anwesend oder aus irgend einer Ursache nicht dazu - geeignet ist. Durch diese Dienstleistungen tritt der Militärarzt in - ein dienstliches Verhältniss auch zum Residenten, ohne jedoch in der - Regel mehr, als durch die Arbeit nöthig ist, belästigt zu werden. - Ich hatte in Ngawie oft, selbst sehr oft für diese Zulage von 50 fl. - monatlich, Arbeiten zu leisten, welche in gar keinem Verhältnisse zu - dieser Bezahlung standen (an anderen Orten aber, wie z. B. in Batavia - oder Samarang, erhält man diese Zulage, ohne auch nur etwas dafür - leisten zu müssen), und der Assistent-Resident hat als Vertreter des - Residenten in der Regel für das Verhältniss des Militärarztes zu - diesem ein richtiges Verständniss. Die Ausnahmen bleiben nicht aus, - wo die zwei Mächte des Staates sich nicht vertragen, und überall - entstehen Streitigkeiten, und immer wird die Harmonie des Ortes - gestört, wenn der Platz-Commandant im Range nicht viel niedriger - ist, als der Vertreter der Regierung. Diese Rangstreitigkeiten - ziehen sich wie ein rother Faden durch die Chronica scandalosa der - Garnisonsplätze, und der Militärarzt muss durch seine Stellung nur zu - oft das vermittelnde und verbindende Element in diesem Kriege werden. - - 4. Der Inspector des »bürgerlich ärztlichen Dienstes«, welcher im - Range eines Oberstabsarztes der Adviseur des Sanitätschefs in allen - hygienischen Fragen der Colonien ist und die Impfung durch das grosse - Corps der eingeborenen Vaccinateure leitet. Als »Eerstanwezend - Officier van Gezondheid« zu Ngawie war ich verpflichtet, die - Vaccinateure der Abtheilung Ngawie zu controliren, ihre Rapporte - entgegenzunehmen und auf dienstlichem Wege diese meinem vierten Chef - einzusenden. - -Am 24. März 1889 wurde mein Assistenzarzt von Ngawie abberufen, und -ich musste nun auch den »Garnisonsdienst« und die Arbeiten in der -Apotheke auf mich nehmen. Als »Garnisonsdoctor« musste ich auch auf -dem Executionsplatze anwesend sein, wenn ein Insasse Stockschläge -bekam. Widrige Scenen habe ich damals gesehen, aber das maassvolle, -ruhige und humane Auftreten der zwei ersten Platz-Commandanten gab -mir keinen Anlass, mit dem herrschenden Princip der Stockschläge -mich zu beschäftigen. Der Geist des Gesetzes, Soldaten, welche durch -kein Disciplinar-Verfahren zur Zucht und Ordnung herangezogen werden -konnten, vielleicht durch die Schläge zu brauchbaren Mitgliedern der -Armee zu machen, wurde in tactvoller Weise gehandhabt. Erst als der -Major X. eintraf, welcher 1½ Jahre später dahin versetzt wurde, war -meine und die Ruhe aller übrigen Officiere dahin. - -Ist es schon an und für sich ein Anachronismus, Soldaten, welche keine -Verbrecher sind, durch Stockschläge zur Reinlichkeit oder zur Zucht und -Ordnung zwingen zu wollen, und ist diese ganze Anstalt geradezu ein -Schandfleck der indischen Armee, so erniedrigte dieser Commandant durch -seinen Uebereifer die Officiere zu einer rohen, herzlosen Soldateska, -seine Unterofficiere zu Henkersknechten und die Soldaten zu Sclaven. -Die Scenen, welchen ich damals beigewohnt habe, widern mich noch heute -an. Wenn dieser Major durch die geübte Feder seines Vaters in Nr. -208 des »Javabode« vom Jahre 1891 eine Lanze für die »Stockschläge« -in der Armee einlegen liess, um das Armee-Commando in der durch mich -angeregten Polemik für sich zu gewinnen, so ist ihm dies gelungen; -er avancirte und mir wurde die Carrière abgeschnitten; ich aber habe -nicht den Fluch von hunderten Soldaten, und gewiss nicht viel weniger -Officieren auf mich geladen. Im Norden der Stadt Ngawie, ungefähr ½ km -entfernt von der Mündung des Madiunflusses in den Solofluss, liegt das -Fort »General van den Bosch«. Zugbrücken, Wälle und Gräben, steinerne -Casernen und Kasematten sind dieselben, wie sie alle Forts aus jener -Zeit haben, in welchen die Kanonen kaum 1-2 km Schussweite hatten. Auf -der Südseite führte ein grosser Gang in den ersten Hof, in welchem sich -die Wohnung und das Bureau des Platz-Commandanten und einiger Officiere -befanden. Der Platz-Adjutant hatte sein Bureau in einem Zimmer, welches -in diesem Gange auf der rechten Seite lag; in diesem Zimmer hielt der -Platz-Commandant täglich den Rapport, bei welcher Gelegenheit ihm -auch alle Soldaten vorgeführt wurden, welche im Laufe der letzten 24 -Stunden sich etwas hatten zu Schulden kommen lassen. Nach den für -diese Anstalt bestehenden gesetzlichen Bestimmungen, welche auch in -das neue Reglement von 1891 aufgenommen sind, existiren für diese, mit -Recht will ich sie so nennen, Unglücklichen nur zwei Strafen: Cachot -und zehn oder zwanzig Stockschläge. Natürlich bleibt es dem Tacte und -dem Ermessen des Commandanten überlassen, wann und ob überhaupt eine -dieser beiden Strafen angewendet werden soll. Als der genannte Major -X. das Bedürfniss empfand, sein System von seinem Vater (natürlich -anonym) in einer Zeitung vertheidigen zu lassen, waren in einem -+einzigen Monat+ 70%, sage siebzig Procent![87] des I. Standes mit -zwanzig Stockschlägen bestraft worden. Wie weit dieser Major unseligen -Andenkens die Abschreckungstheorie des Strafens getrieben hat, werden -folgende zwei Beispiele am besten illustriren: - -Eines Tages stand ich mit dem einzigen Officier, welchem das Thun -und Lassen unseres Commandanten sympathisch war, in der Nähe des -Platzbureau, als der Rapport einrücken musste. In strammer Haltung und -im Paradeschritt eines preussischen Grenadiers zog der Zug ein Mann -hoch an uns vorbei, und zwar mit einer Schwenkung nach rechts. Einer -der Sträflinge drehte jedoch bei dieser Gelegenheit reglementswidrig -auch seinen Kopf nach rechts. »Dafür giebt’s wiederum zwanzig Schläge!« -rief frohlockend dieser einzige Bewunderer unseres allzu strengen -Commandanten, obwohl er als Fachmann wissen musste, dass in der Regel -nur links geschwenkt wird, wobei der Kopf rechts gedreht werden muss. - -Noch charakteristischer ist folgender Fall, welcher gleichzeitig der -Anlass zu einer grossen Polemik zwischen Major X. und mir und die erste -Ursache meines Sturzes wurde. - -Ein Zug von Sträflingen war zum Rapport angetreten. Plötzlich bemerkte -der Commandant, dass einer derselben nicht gerade vor sich hinblickte; -er rief dem Schuldigen das Commando »Lîhat trus« (= Geradeaus schaun) -zu, und als dieser, eingeschüchtert durch den strengen Blick des -Majors, im folgenden Augenblick wieder den Kopf ein wenig zur Seite -drehte, legte ihm der Commandant sofort die Strafe von 20 Stockschlägen -auf. Ueblicher Weise wurde der Delinquent zu mir gebracht, um -untersuchen zu lassen, ob kein Hinderniss für die Ausführung der Strafe -vorliege. - -Als Maassstab zur Beurtheilung dieser Frage hatte ich (und auch -mein Vorgänger), abgesehen von acuten Krankheiten oder schlechtem -Allgemeinbefinden u. s. w., den Zustand der Hinterbacken angenommen. - -Dieser Delinquent hatte kurz vorher dieselbe Strafe erhalten, und -die Wunden waren noch nicht geheilt. Ich avisirte also: »+Zeitlich+ -ungeeignet.« Wenige Minuten danach stand der Commandant vor mir und -machte mir die heftigsten Vorwürfe, da er unter diesen Verhältnissen -unmöglich Zucht und Ordnung unter den Insassen erhalten könne, dass -+ich+ Schuld daran sei, wenn eine indisciplinirte Bande im Fort -hausen werde. Diesen Sturm der Entrüstung, gespickt mit Hyperbeln und -Uebertreibungen, liess ich, wie üblich bei solchen Gelegenheiten, ruhig -über mich ergehen, weil er ja nur die Vorrede zu der Mittheilung des -Thatsächlichen sein sollte. Endlich konnte ich zu Worte kommen. Ich -theilte dem Commandanten mit, dass ich gar keine Ahnung hätte, um was -es sich handle, und darum auch mich gar keiner Schuld bewusst fühlte. - -»Nur wenn die Strafe dem Verbrechen auf dem Fusse folgt, nur dann, Herr -Regiments-Arzt, kann sie helfen.« - -Da ich in diesem Augenblicke noch nicht wusste, was der Delinquent -begangen hatte, und natürlich an ein factisches Verbrechen denken -musste, so erinnerte ich den Herrn Major X. daran, dass dies -niemals und nirgends in Friedenszeiten geschehe, und dass stets der -Bestrafung die Untersuchung, die Verhandlung und die Vertheidigung -vorangehen. Natürlich war ich sehr überrascht, als ich das Vergehen -dieses unglücklichen Soldaten erfuhr; die militärische Disciplin -hielt mich zurück, seine Auffassung dieses Vergehens in gebührender -Weise zu classificiren, ich gab mir jedoch Mühe, den Vorfall in einem -günstigeren Lichte darzustellen. Der Herr Major X. war ein grosser, -schöner Mann und hatte ein imposantes Auftreten. Selbst die Officiere -bekamen das Gruseln, wenn sie in Dienstsachen zu dem Platz-Commandanten -gerufen wurden, um wieviel mehr musste es mit so einem armen -eingeborenen Delinquenten der Fall sein, welcher vor ihm stand und -beinahe mit Sicherheit wusste, dass ihm eine schwere Züchtigung -bevorstehe; er wurde also nervös und unruhig und auf diese Weise das -Opfer seiner erregten Nerven. - -Anfangs fühlte sich Major X. geschmeichelt, zu hören, dass er in so -hohem Maasse den Soldaten und Officieren imponire, aber bald sah er -in mir wieder den Untergeordneten, der niemals eine andere oder sogar -bessere Auffassung oder Ansicht als er haben durfte, und verlangte -selbst von mir, dass ich überhaupt niemals einen Delinquenten -ungeeignet für die Strafe erklären und nur zum Scheine das Stethoskop -auf die Brust desselben setzen sollte!! Nun war es meine Sache, -Entrüstung zu zeigen. - -»Herr Major, Sie verlangen etwas von mir, das gewiss mich in Ihren -Augen herabsetzen würde. Unsere Sträflinge sind ja keine Mörder oder -Räuber, es sind ja +meistens+ nur Schlemihls, welchen es trotz -ein- bis zweijähriger Recrutenzeit nicht gelungen ist, brauchbare -Soldaten zu werden, es sind eingeborene Soldaten, welche noch nicht -gelernt haben, das Gewehr sauber zu putzen oder die metallenen Knöpfe -glänzend zu erhalten. Das Aergste, was einer dieser Unglücklichen -angestellt hat, war, dass er sich trotz aller Ermahnungen und Strafen -den verführerischen Blicken seiner braunen Geliebten bis in die -späte Nachtstunde ausserhalb der Caserne ohne Erlaubniss seines -Compagnie-Commandanten hingab, oder dass er im Würfelspiel nicht nur -sein Baargeld, sondern auch seine zweite Hose verlor. Aber selbst, -wenn es Räuber und Mörder wären, wäre es meine Pflicht, ihnen meine -ärztliche Hülfe zu leisten, oder in casu zu verhindern, dass ihnen die -Stockschläge unheilbares Leiden oder sogar den Tod bringen; selbst das -Gesetz verpflichtet mich, bei der Strafvollziehung gegenwärtig zu sein -und die Fortsetzung der Schläge zu verbieten, wenn ich sie gefährlich -für den Delinquenten erachte. Ich habe selbst bis jetzt nur meine -Pflicht als Arzt und als Officier gethan, wenn ich einen Delinquenten -nicht bestrafen liess, so lange die Wunde der früheren Züchtigung nicht -geheilt war. - -»Ich will Ihnen aber behülflich sein, ganz unbeschränkt nach Ihrem -Ermessen handeln zu können. Schicken Sie mir nicht die Delinquenten zur -Untersuchung. Sie wissen, dass ich keinen Assistenzarzt habe und mit -Amtspflichten überhäuft bin, ich habe auch keinen Apotheker und muss -also den Dienst für +drei+ Officiere verrichten; ich verspreche Ihnen, -niemals und nirgends mich zu bekümmern, ob ein Delinquent täglich oder -einmal im Jahre geprügelt wird. Wenn Sie aber, Herr Major, diese mir -zur Untersuchung schicken, dann thue ich es gewissenhaft, und ich kann -daher Ihren Vorschlag nicht acceptiren, nur »pura pura« (= zum Schein) -zu untersuchen und Jedermann geeignet für die Prügelstrafe zu erklären.« - -Die Mittheilung meiner Erlebnisse ist nicht Selbstzweck, sondern -hat das Ziel, ein Bild von Land und Leuten der Inseln des indischen -Archipels zu geben, und darum will ich mich mit dieser Affaire -im Weiteren nur kurz fassen. Major X. berichtete darüber an den -Landes-Commandanten in Samarang und liess durch einen Artikel in dem -»Javabode« vom 8. September 1891 seinen Vater für die Prügelstrafe -in der Armee eine Lanze brechen; ich selbst beschränkte mich auf die -Vertheidigung meines Standpunktes gegenüber dem Landes-Sanitätschef, -leider ohne Erfolg. Dieser Mann (de mortuis nil nisi bene) hatte -niemals das Interesse seiner Untergeordneten vertreten, und war auch in -dieser Affaire nur das Echo des Major X. - -Ueber die Prügelstrafe in der indischen Armee selbst, für welche der -pensionirte Oberst-Lieutenant X. in so warmen Worten eintrat, dass -er die Absicht deutlich verrieth, meine »falsche Humanität gegen den -Auswurf der Armee« der Heeresleitung ad oculos zu demonstriren, und -seinem Sohne im Kampfe gegen mich Hülfstruppen zu senden, muss ich auf -Grund meiner Erfahrungen unbedingt den Stab brechen. - -Die indische Armee besteht aus zwei ausgesprochenen Elementen: -Europäern und Nicht-Europäern (von welchen die ambonesischen Soldaten -auch Christen sind und darum auch alcoholische Getränke gebrauchen, -sie sind aber dennoch sehr nüchtern und müssen nur sehr selten wegen -Missbrauchs des Alcohol gestraft werden). Im Allgemeinen stellt die -Prügelstrafe dieselben Fragen an uns als die Todesstrafe, und zwar -die der Abschreckungstheorie, der Besserung und der Repression. Die -Abschreckungstheorie ist ungerecht und erreicht, wie die Erfahrung -lehrt, ihr Ziel nicht; zur Zeit, als die härtesten und grausamsten -Strafen für Mord und Diebstahl u. s. w. angewendet wurden, waren auch -die gemeinsten Verbrechen an der Tagesordnung. Das Unrecht ist auch -zweifellos, wenn Jemand für sein Vergehen härter bestraft werden soll, -als er es verdient, nur um zu verhindern, dass ein Anderer dasselbe -Verbrechen begehe. - -Die Besserungstheorie zerfällt natürlich gegenüber der Todesstrafe in -ein Nichts. Aber auch die Prügelstrafe hat selten Jemanden gebessert; -bis zum Jahre 1891 waren nur acht Mann, sage acht Mann!! gebessert der -Armee von Ngawie zurückgegeben worden. - -Die Repressionstheorie hat gar kein Recht zu bestehen, wenigstens -der Prügelstrafe gegenüber. Wie schon erwähnt, besteht die indische -Armee aus Europäern[88] und Eingeborenen; die grösste Zahl der -europäischen unbotmässigen Soldaten war ein Opfer des Alcohols oder -eines rachsüchtigen gemeinen Feldwebels, welcher, unbeschadet der -Folgen, immer und immer über seinen Nebenbuhler Klagen bei seinem -Compagnie-Commandanten führte. Was ein solcher Mann im Stande sei, -habe ich selbst, wenn auch mit minder tragischem Ausgange, erfahren. -Im Jahre 1887 wurde ich nach einem kleinen Fort an der Grenze des -feindlichen Landes in Sumatra versetzt. Jedes Schriftstück, welches -ich von dort aus an den Landes-Sanitätschef einreichte, wurde mir als -fehlerhaft oder schlecht geschrieben zurückgeschickt. Eines Tages kam -ich nach der Hauptstadt, und ein College theilte mir mit, dass der -Sanitätschef sein Befremden ausgedrückt habe, von mir, dem ältesten -Arzte, und nur von mir allein mangelhafte und schauderhaft geschriebene -Rapporte zu erhalten. Es stellte sich heraus, dass der Schreiber des -Chefs von jedem Arzte, der nach einem Fort gesendet wurde, 5 fl. -erhielt, und darum die erhaltenen Rapporte, auch wenn sie irgend einen -Fehler hatten, dem Chef +nicht+ vorlegte. Ich jedoch hatte mir -die Gunst dieses Feldwebels aus leicht begreiflichen Ursachen nicht -erkauft, und darum wurde jeder weggelassene Bleistrich, jede krumme -Linie von diesem Manne roth angestrichen dem Chef unter die Augen -gebracht. Wäre ich kein Officier, sondern ein Soldat gewesen, so wäre -ich im Laufe von 1-2 Jahren sicher »reif für Ngawie« geworden. - -Ich verstehe es, dass man die strengsten Maassregeln gegenüber dem -Missbrauch des Alcohols nimmt, d. h. präventive Maassregeln schafft; -aber den Säufer durch Stockschläge von seiner Trunksucht zu befreien --- ist dumm und schlecht. Dumm ist es, weil es niemals gelingt, und -schlecht ist es, weil Hunderte von Officieren mit einem Rausch nach -Hause kommen können, ohne Prügel dafür zu erhalten, und weil Hunderte, -vielleicht Tausende von Soldaten gut angeheitert täglich in die Caserne -gelangen und ungestraft bleiben, weil es ihnen gelang, den Feldwebel -der Wache zum Freund sich zu erhalten. - -Bei den eingeborenen Soldaten ist die »Malpropertät« die häufigste, -und das Verkaufen von Equipementsstücken die +vereinzelte+ Ursache, -dass sie als unbotmässig und als unverbesserliche Sujets nach Ngawie -geschickt werden. Wenn Sonnabends um 9 Uhr der Compagnie-Commandant -über die Kleidung und Waffen der Mannschaft Inspection hält, ist er -ganz und gar von dem guten Willen des Feldwebels abhängig, um viel -oder wenig Unziemlichkeiten zu finden. Dieser hat die Pflicht, vor -Ankunft des Hauptmanns dafür zu sorgen, dass alles nach den Regeln -der Vorschriften ausgepackt sei; sieht der humane Feldwebel nun bei -einem Soldaten, dass sich irgend wo ein kleiner Fleck befindet, so -lässt er sofort vom Eigenthümer den kleinen Fleck abputzen oder er -schweigt, wenn es schon zu spät ist und überlässt es dem Zufalle, -dass der inspicirende Hauptmann es sehe oder übersehe. Hat jedoch -der betreffende Recrut aus gewissen naheliegenden Ursachen sich die -Gunst eines inhumanen Feldwebels verscherzt, wird letzterer sogar -den inspicirenden Hauptmann darauf aufmerksam machen. Ohne die -diesbezüglichen Witze der Fliegenden Blätter hier zu wiederholen, ist -es naheliegend, dass ein solcher Unglücklicher in kürzester Zeit »reif -für Ngawie« wird. - -Wenn der Feldwebel nicht nur für das reglementäre Anordnen der Kleider -u. s. w. bei der Inspection verantwortlich gemacht würde, sondern -auch für die tadellose Reinheit derselben, so würde die Zahl der -»unbotmässigen« +eingeborenen+ Soldaten auf ein Viertel sinken, ja -noch mehr: Ngawie wäre in seiner Existenz bedroht. Die Zahl derjenigen -Soldaten, welche einzelne Kleidungsstücke verkaufen, um Geld für die -Liebe und das Würfelspiel zu bekommen, ist gegenüber der Zahl der -»Unreinen« klein, und darum schliesse ich gern diesen Abschnitt mit dem -Rufe: »Weg mit der Prügelstrafe aus der indischen Armee!«[89] - -Hinter dem Fort führte ein krummer Weg zum Officiers-Clubgebäude, -welches auf der Landzunge zwischen dem Solo- und dem Madiunflusse -lag. Das jenseitige Ufer gehörte bereits zur Provinz Rembang und war -zugleich der Exercierplatz für Feldübungen der Bewachungstruppe und -jener Sträflinge, welche drei Monate lang frei von Strafen geblieben -waren. Auf dem Wege nach Rembang und noch in der nächsten Nähe -des Ufers lagen drei kleine Hütten. Eines Tages machte ich meinen -Spaziergang mit Hülfe der dort befindlichen Fähre ins Gebiet der -benachbarten Provinz und gelangte zu diesen Hütten; sie bestanden nur -aus Bambusmatten und hatten kein einziges Möbelstück. Vor jeder Hütte -sass ein -- Leprakranker. Ich liess mich mit ihnen in ein Gespräch -ein, und zwar nur über ihre momentane Lebensweise; denn über die Dauer -ihrer Erkrankung, über die Entstehungsweise, über Heredität und über -den Verlauf der Krankheit ist von diesen Menschen überhaupt nichts -Bestimmtes zu erfahren. Wie lange die Lepra im indischen Archipel sei, -lässt sich nicht einmal annähernd sagen. Nach +Hirsch+ lässt sich in -Indien die Lepra bis auf das 7. Jahrhundert vor Christo verfolgen; -nach dem 54. Buche der Geschichte der Liang-Dynastie (502-556) und dem -324. Buche der Ming-Dynastie, und übereinstimmend mit der javanischen -Sagenwelt (Babads) hat Prabu Djaja Baja im ersten Jahrhundert unserer -Zeitrechnung eine grosse Colonie von Hindus nach Java gebracht, welche -die dort befindlichen Urbewohner verdrängt haben. Da von diesen selbst -ganz und gar keine Ueberlieferungen bestehen, und eine Vergleichung mit -den auf anderen Inseln im Urzustands jetzt noch lebenden Eingeborenen -nur ein hypothetisches Ergebniss haben kann, so ist und bleibt die -Frage der Lepra bei den Urbewohnern Javas unerledigt. Da sich ein -grosser Menschenstrom von Hindostan vom Jahre 78 p. Ch. an über alle -Inseln des indischen Archipels, und somit auch über Java einige -Jahrhunderte hindurch ergoss, die Lepra schon seit vielen Jahrhunderten -in Hindostan bekannt war und die Hygiene dieser Zeit gewiss der -Ausbreitung der Lepra mehr förderlich als hinderlich war, so kann mit -gewisser Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass mit dem Strome der -Auswanderer auch die Lepra nach Java gekommen ist.[90] Ich besass -einen Raksassa (Tempelwächter), jetzt im Besitze des ethnographischen -Museums zu Berlin, welcher bei dem Untergang der Hindu-Dynastie auf -Bali (im Jahre 1894) in der Residenz des Fürsten gefunden wurde. Er -hatte über den ganzen Körper vertheilt zahlreiche scharf begrenzte -Flecken, welche meiner Ansicht nach sehr gut für die der maculösen -Lepra angesehen werden können. Da die Raksassas im Allgemeinen der -Heroenzeit der Hindus angehören, so könnte, wenn die Deutung der -Flecken richtig ist, damit gewiss ein sehr altes Document für die Zeit -der Lepra gegeben sein; vielleicht eben so alt, als +Engel Bey+ von -Aegypten spricht; nach +Engel Bey+ soll nämlich schon 4260 vor Christus -in einem Papyrus von Lepra gesprochen werden. - -Wenn in Europa gegenwärtig kein einziger Staat besteht, in dem sich -nicht einzelne Fälle oder kleinere oder grössere Herde von Lepra -befinden, so ist dieses doch bei den Inseln des indischen Archipels -der Fall, und zwar in jenen Theilen, in welchen die Urbewohner sich -so ziemlich rein in der Rasse bis zum heutigen Tage erhalten haben, -wie z. B. die Alfuren oder die Dajaker im +Innern+ Borneos. In Muarah -Teweh, welches im Herzen Borneos liegt, habe ich während meines -dreijährigen Aufenthaltes keinen einzigen Fall von Lepra gesehen. In -den statistischen Ausweisen der Armee kommen sehr wenig Leprafälle -vor; ich besitze die vom Jahre 1847, in welchen kein einziger Fall -angegeben wird, und vom Jahre 1893 bis 1897 waren je 2, 2, 5, 2 und 2 -Soldaten an Lepra erkrankt. Nach Dr. +van der Burg+ wurden vom Jahre -1882 bis 1885 12 europäische und 8 eingeborene Soldaten wegen Lepra in -die Militärspitäler aufgenommen. Dr. +Broes van Dort+ aus Rotterdam -hat mit Hülfe der officiellen Bescheide für die Lepra-Conferenz im -Jahre 1897 eine hübsche Arbeit über die Verbreitung der Lepra auf den -Inseln des indischen Archipels geschrieben. Nach dieser hat der Westen -von Java im Jahre 1896 (?) nur 42 Leprafälle, in Mittel-Java sehr -wenig Fälle, wenn wir absehen von dem Sanatorium zu Pelantungan, wo -sich ungefähr 30 bis 32 Lepröse gewöhnlich befinden; vom Osten Javas -wird jedoch von 1817 Leprösen und von der Insel Madura von 886 dieser -Patienten gesprochen. Auf der Insel Bali ist die Zahl der Leprakranken -unbekannt, sie werden zur Isolirung gezwungen, und ihre Leichen werden -verbrannt. Von der Insel Lombok ist diesbezüglich nichts bekannt. -Was die Westküste der Insel Sumatra betrifft, so ist die Zahl dieser -Kranken dort nicht gross; am stärksten kommen sie im Innern des Landes -unter den Batakern vor, welche einen bis zwei Fälle auf tausend Seelen -aufweisen. Im südlichen Theile dieser Insel mit ungefähr 128,000 -Einwohnern sollen nur 22 Leprakranke vorgekommen sein, und zwar unter -den Chinesen; man isolirt sie, giebt ihnen aber keine Nahrung, so -dass sie bald sterben. Die Ostküste Sumatras hat, nach Dr. +Broes van -Dort+, bei einer Bevölkerung von 300,000 Seelen 1000 Leprafälle. In -Deli, der reichsten Provinz Sumatras, befanden sich in diesem Jahre -184 Lepra-Patienten, worunter 170 Chinesen. Auch in der Provinz Riouw -sind es beinahe ausschliesslich chinesische Kulis, welche an Lepra -leiden. Von den Inseln Borneo und Banka ist die Zahl der Leprakranken -nicht bekannt. Auf der Insel Biliton mit 40,000 Einwohnern soll diese -Krankheit im Jahre 1886 von einem Buginesen eingeschleppt worden sein. -Von der Insel Celebes theilt Dr. +Broes van Dort+ 87 Fälle mit (von -26,863 Einwohnern), glaubt aber, dass diese Zahl zu niedrig gegriffen -sei, weil die Eingeborenen die nervöse Form der Lepra nicht kennen, -und darum nur die tuberösen und ulcerösen Formen mittheilen. In den -Molukken ist die Zahl der Leprösen auch nicht gross; in Banda musste im -Jahre 1872 die Leproserie wegen Mangels an Kranken geschlossen werden. -In Bandaneira jedoch ist in den letzten fünf Jahren die Anzahl der -Kranken von 2 auf 20, und in Saparua von 49 auf 63 gestiegen. Auf der -Insel Amboina mit 30,000 Einwohnern hat der Hauptplatz 308 Leprakranke. -darunter 11 Europäer. Auf der Insel Morano fanden sich im Jahre 1864 8 -verheiratete Leprosen mit 21 Kindern, +ohne dass eines davon an dieser -Krankheit litt+. Auf der Insel Ternate befinden sich ungefähr 450 -Fälle, welche nach der Ansicht von +Valentyn+ von Batavia eingeschleppt -worden sein sollen. - -Wenn auch diese Ziffern nach vielen Richtungen hin bezweifelt werden -können, so steht doch das Eine fest, dass in der Gegenwart auf den -Inseln des indischen Archipels die Lepra nicht verheerend auftritt, -aber immerhin noch zahlreicher vorkommt als in Europa. - -Die Mittheilungen der Leprakranken beschränkten sich auf die -Unterstützung, welche ihnen von der mohamedanischen Kirchenkasse zu -Ngawie geboten wurde, und auf die Eintheilung ihres täglichen Lebens. -Im Ganzen waren sechs Patienten; sie erhielten monatlich 8 fl. aus -der Armenkasse der Messigit; zwei von ihnen waren an die Scholle -gebunden, weil sie sich durch den Verlust von einigen Zehen nicht -bewegen konnten; die andern vier fuhren täglich mit der Fähre nach -Ngawie, wo sie sich meistens im chinesischen Viertel aufhielten und -bettelten. Ihr Erscheinen erregte nur bei den europäischen Passanten -Widerwillen; sorglos verkehrten die eingeborenen und chinesischen -Bewohner dieses Viertels mit ihnen, obwohl ihre schwürigen Extremitäten -nur mangelhaft mit alten und schmutzigen Lappen bedeckt waren; offenbar -glauben eben die Eingeborenen von Ngawie nicht an eine Uebertragung -der Lepra à distance. Ich für meine Person habe s. Z., als die Aerzte -um ihre diesbezügliche Ansicht von der Regierung gefragt wurden, mich -nur bedingungsweise für die Contagiosität der Lepra ausgesprochen, und -zwar in »nicht höherem Grade als die Syphilis«. Das bis jetzt, trotz -der Untersuchungen von +G. Armauer Hansen+, +Neisser+ u. s. w., -noch nicht genau bekannte Gift der Lepra müsse eine Porte-d’entrée -bei einem dazu disponirten Individuum finden, um sich entwickeln zu -können. Wer zur Aufnahme dieses Giftes die »Disposition« habe, ist -unbekannt. Das Gift selbst ist nur theilweise oder gar nicht durch -den Bacillus von +Hansen+ constatirt. +Reinculturen dieser Bacterien -sind bis jetzt ebenso wenig gelungen als Impfungen+ (ich will die -Gründe unbesprochen lassen, warum +Kaposi+ nach seinen Mittheilungen -auf der Lepra-Conferenz im Jahre 1897 bei zwei Fällen von Lepra keine -Bacillen gefunden hat; es ist aber keinesfalls erlaubt, wie es damals -geschah, zu erklären, dass dies eben keine Leprafälle gewesen sein -sollten, und +Kaposi+ einen lapsus diagnosidis begangen hätte). Ohne -Reinculturen ist aber eine Impfung des Lepragiftes überhaupt niemals -bewiesen; aber noch mehr Zweifel muss sich in Betreff der Contagiosität -der Lepra aufdrängen, wenn man liest, dass Dr. +Danielsen+, Prof. -+Profeta+ und Dr. +Bargilli+ +ohne Erfolg+ mit allen möglichen Stoffen -der Leprakranken Impfungen auf sich und andere Menschen vornahmen. Da -aber alle Bacteriologen und Dermatologen, wenn auch nicht +immer+, -so doch in der grossen Zahl der Fälle den Bacillus von +Hansen+ bei -Leprakranken finden, so ist es selbstverständlich, dass dieser Bacillus -vorläufig als Krankheitserreger der Lepra angesehen wird; dass aber -tief greifende prophylaktische Maassregeln auf Grund dieser Bacterien -getroffen werden, ist ebenso selbstverständlich -- verfrüht. - -[Illustration: Fig. 11. Sundanesische Früchtehändlerin.] - -Auch die Frage der Heredität ist bis heute noch nicht erledigt und wird -auch nicht so bald erledigt werden können, weil die Incubationszeit -der Lepra sich über Monate, wenn nicht über Jahre erstreckt, und -immer der Einwurf gerechtfertigt sein wird, dass bei einer so langen -Incubationszeit vielfach Gelegenheit zur extrauterinären Acquisition -der Lepra gegeben war, und darum hat der Ausspruch +Virchow’s+, die -Lepra sei nicht hereditär, weil niemals ein lepröses Kind geboren -wurde, nur bedingungsweise raison d’être. Leider hat der Altmeister -der deutschen Medicin bei der erwähnten Lepra-Conferenz in seiner -andererseits gewiss erschöpfenden und interessanten Rede zur Frage -der Ansteckungsfähigkeit der Lepra nicht Stellung genommen. Er sagte -im Anfang: »Wenn man z. B. im Augenblick vorzugsweise geneigt ist, -die Lepra zu den +Infections-Krankheiten+ zu rechnen, so ist damit -noch nicht ausgemacht, dass man sie auch unter die +ansteckenden -Krankheiten+ stellen müsse,« und fügt später hinzu: »Für strenge -Anforderungen (sc. für ein Contagium) fehlen also noch immer wichtige -Bindeglieder,« und »dennoch hat der Gedanke, dass der Aussatz eine -contagiöse Krankheit sei, so schnell viele Gebiete erobert, dass sowohl -die theoretische als die praktische Lehre auf ihm aufgebaut worden -ist.« -- Leider steht nicht einmal fest, durch welches Intermedium -die Lepra-Bacillen in den menschlichen Organismus gelangen. Der -holländisch-indische Arzt Dr. +Geill+ glaubte in den Fusswunden die -porte-d’entrée für die Lepra gefunden zu haben, während +Georg Sticker+ -durch die Nase diese Bacterien in den menschlichen Körper eindringen -liess. Mit Rücksicht auf die Verhältnisse Javas und jener der übrigen -Inseln würde also von der indischen Regierung folgender Standpunkt -einzunehmen sein: - - 1. Die Lepra ist nicht mehr und nicht weniger übertragbar als die - Syphilis. - - 2. So wie gegen die Syphilis prophylaktische Maassregeln von dem - Staate und von der Gemeinde getroffen werden, müssten dieselben auch - gegen die Leprakranken geschehen. - - 3. Da die Leprösen im Terminalstadium ernährungsunfähig und besonders - hülfsbedürftig sind, muss die staatliche Hülfe zur Linderung der Noth - einschreiten. - - 4. Da es durch die Erfahrung und durch die Geschichte erwiesen - ist, dass die Zahl der Leprösen in einer für das Wohl des Staates - bedrohlichen Weise zunehmen kann, müssen prophylaktische Maassregeln - getroffen werden. - -Dementsprechend müssten: - - 1. Alle »Doctoren djawas« und +alle »Vaccinateure«+, sowie +alle+ - eingeborenen Beamten eine in der Landessprache verfasste Belehrung - über die Gefahren der Lepra (Kedál M.) erhalten und so viel als - möglich unter der Bevölkerung verbreiten. - - 2. Die eingeborenen Beamten müssten unter +thatsächlicher+ Controle - der europäischen Beamten eine genaue Statistik der Leprakranken - anlegen. - - 3. In allen Orten, wo sich Leprakranke aufhalten, muss für die - armen Menschen Gelegenheit zur Isolirung gegeben werden, und zwar - in einer Hütte aus Bambus, in welcher sich für jeden Patienten - auch eine Pritsche befindet. Für jeden Kranken, der sich dahin - begiebt, müssen täglich ½ Kilo Reis, 10 Gramm Salz und 50 Gramm - deng-deng (getrocknetes Fleisch) verabfolgt werden. An den Kosten - der Errichtung solcher Leproserien und der Verpflegung der Kranken - haben sich die Armenkassen +aller+ Religions-Genossenschaften zu - betheiligen und bei etwaigem Manco der Staat die nöthigen Subsidien - zu leisten. - - 4. Wo ein europäischer Arzt oder ein Doctor djawa sich in der Nähe - aufhält, müsste er verpflichtet sein, eine geregelte Behandlung - dieser Unglücklichen auf sich zu nehmen; in anderen Fällen müsste, - je nach den herrschenden Verkehrsmitteln, ein Arzt aus der - nächstgelegenen Stadt ein- oder zweimal im Monat diese Leproserien - aufsuchen und die nöthigen Verhaltungsmaassregeln u. s. w. für die - folgenden zwei oder vier Wochen vorschreiben. - - 5. Für die Desinfection nicht nur dieser Leproserien, sondern auch - die Wohnungen aller jener, welche in der Familie bleiben und das - traurige Ende ausserhalb dieser Anstalten abwarten wollen, müssten - dieselben Maassregeln getroffen werden, wie für Cholera, Blattern - u. s. w. - - 6. Die Aufnahme in eine Leproserie sei facultativ, d. h. freiwillig - für jeden bemittelten Eingeborenen, und obligatorisch für jeden - bedürftigen. - - 7. Der »Inspecteur van de burgerlyke civielgeneeskundige Dienst« - werde mit der Ausführung und Controle aller Maassregeln betraut. - - * * * * * - -Das Leben in der Grossstadt hat unter anderem auch diesen Vortheil, -dass man sich den kleinen Kreis wählen kann, mit und in dem man -einen regen Verkehr pflegen will; aber auch in einer kleinen Stadt -kann man angenehm leben, wenn man nicht zu grosse Ansprüche an das -Leben stellt. Weil man das rauschende und lebhafte Treiben einer -grossen Stadt entbehrt, der Geist weder durch die Kunst noch durch -die Wissenschaft Anregung und Befriedigung findet, so ist man -gezwungen, im Verkehr mit seinen Schicksalsgenossen ein Surrogat -für diese geistigen Genüsse zu suchen, und nur zu oft gelingt es, -einen gemüthlichen und freundschaftlichen Bekanntenkreis zu erwerben, -der selbst Freundschaftsbande ermöglicht. In solchen Verhältnissen -verkehrten wir in Ngawie. Klein war die Zahl der europäischen Bewohner; -ein Assistent-Resident, ein Controlor, ein Landesgerichtsrath, ein -Notar, drei Lehrer und eine Lehrerin, ein Förster und acht Officiere -waren die europäischen Bewohner, mit welchen wir verkehren konnten. -Der Regent und sein Stellvertreter (Patti) waren die einzigen -Eingeborenen, welche hin und wieder uns besuchten, und nur selten -gab der Regent in seinem Palaste (?) (Kabupatten) ein Fest, obwohl -er doch den nicht unansehnlichen Gehalt von 12,000 fl.[91] jährlich -bezog. Trotzdem hatten wir einen hübschen Club und kamen beinahe jeden -Abend vor dem Nachtmahle dort zusammen, um bei einem Glase Bier, -Portwein, Mineralwasser oder Genevre ein Stündchen zu verplaudern. -Jeden Samstag Abend war nach dem Nachtmahl (von 9 Uhr ab) Spielabend, -an welchem sich manchmal auch die Damen betheiligten. Ein Leierkasten -sorgte für die Musik, und in aussergewöhnlichen Fällen wurde auch -von Jung und Alt bei den etwas falsch gestimmten Klängen dieses -veralteten Instruments getanzt. Dies geschah auch am 31. December -1888, der ersten Neujahrsnacht, welche meine Frau auf Java zugebracht -hatte. Die Pferde, welche ich unterdessen gekauft hatte, waren etwas -eigensinnig und zugleich wild und feurig. Ich wagte es nicht, mit -ihnen nach dem Clubgebäude zu fahren, welches ungefähr zwei Kilometer -von meinem Hause entfernt lag, und wir gingen zu Fuss. Es war eine -schöne Nacht, und als wir um 9¼ Uhr Abends dort anlangten, waren -bereits alle Notabeln des Ortes versammelt. Das gewöhnliche Programm -solcher »geselliger Abende« wurde abgespielt; auf Kosten des Clubs -wurde Liqueur und Kaffee präsentirt. Die Herren setzten sich zur -L’hombre-Tafel, während die Damen am liebsten Whist spielten, und zwar -Whist »met de Klets« = mit Plauschen (!), weil natürlich bei diesem -Spiel Ruhe die erste Pflicht ist. Obwohl auch einige »Zuckerlords« der -Umgebung, welche gewöhnt sind, um hohen Preis zu spielen, anwesend -waren, blieb dennoch der Preis ein bescheidener. Im L’hombre war das -»Capital« = 5 fl., und auch die Damen spielten das Hundert um denselben -Preis. Im Durchschnitt verliert oder gewinnt man bei diesem Tarif -2-3 fl. pro Abend, was gewiss nicht die Kasse eines Beamten oder -Officiers stark in Anspruch nimmt. Um 12 Uhr erhob sich Jedermann -mit dem Glas Rheinwein, Brandy-Soda oder Bordeauxwein und stimmte -in das Hurrah ein, welches der Assistent-Resident nach einem kleinen -Toaste auf ein glückliches Neujahr ausgebracht hatte. Das neue Jahr -musste mit Tanz beginnen; die Damen beendigten den letzten »Robber« -und gingen in den Tanzsaal. Ce qu’une femme veut, dieu le veut; die -Herren mussten ebenfalls nolens volens die Karte zur Seite legen, um -wenigstens eine anständige Polonaise zu Stande zu bringen. Streng -nach Rang und Anciennität geordnet marschirten die Paare durch den -Saal; der Militär-Commandant führte die Frau des Assistent-Residenten, -während dieser die »Commandeuse« am Arm hatte. Der Regent bot meiner -Frau, als der ältesten Hauptmannsfrau, das Geleite, und in langsamen, -gemessenen Schritten durchzog der kleine Zug zweimal den Saal; eine -neue Rolle wurde in den Leierkasten eingelegt, und ein Walzer eröffnete -den Reigen der Tänze; in diesem Augenblick verschwanden nicht nur der -Regent von dem Schauplatz, sondern auch alle Herren, welche entweder -mehr Freude am Kartenspiel als an dem der Terpsichore hatten, oder im -Allgemeinen »de Oost« als viel zu warm für dieses Vergnügen hielten. -Die wenigen Herren, welche tapfer genug waren, um in dem Tanzsaal zu -bleiben, wurden reichlich für ihren Muth belohnt; sie konnten nicht -nur nach Herzenslust mit den Fräulein und mit den jungen verheirateten -Damen tanzen, sondern +mussten+, wollten sie nicht demonstrativ -werden, auch die alten Damen zum Tanze einladen, welche ihren Enkeln -versprochen hatten, vom Balle einige »Kwé-Kwé« mitzubringen. Aber auch -die übrigen Herren, welche sich zur Spieltafel geflüchtet hatten, -ereilte dasselbe Schicksal. Als nämlich die Klänge des ersten Lanciers -erschollen, war Leiden in Noth; vier mal vier Männer waren zu vier -Figuren nöthig, und nur elf befanden sich im Saal. Die zwei Mächte -der Stadt, die »Commandeuse« und die Frau des Assistent-Residenten, -erschienen in der Veranda der Spieler und forderten kategorisch -Abhülfe dieser peinlichen Situation. Ganz bescheiden erlaubte ich -mir die Bemerkung, dass für Ngawie doch drei, ja selbst zwei Figuren -hinreichend wären, und dass ich es mit meinem Gewissen nicht vereinigen -könne, einem solchen Laster, als der Hochmuth sei, vier Figuren -herbeizuschaffen, Vorschub zu leisten; nichts half mir, ich musste -»Lanciers tanzen«. - -Endlich war ich auch dieser gesellschaftlichen Pflicht entledigt -und hatte eine halbe Stunde wieder ruhig mit der »Spadille, -Manille, Basta, Ponto« mich beschäftigen können, als der Ruf: »Eine -Quadrille« durch den Saal schallte. Angstvoll blickte ich nach der -Thüre des Tanzsaals und sah zu meinem Schrecken wiederum diese beiden -ehrwürdigen Damen erscheinen, und hinter ihnen stand meine Frau mit -einem höhnisch-spöttischen Lächeln um ihre Lippen. Ich hatte noch -niemals mit meiner Frau getanzt, und an diesem Abend mit einer fremden -Dame an einem Lanciers mich betheiligt, also -- eine Verschwörung. -Meine Ahnung betrog mich nicht. Linea recta segelten diese beiden -ehrwürdigen Matronen auf mich zu und theilten mir mit, dass meine Frau -zu der nächsten Quadrille keinen Cavalier hätte, und dass ich also -höflichst, aber auch mit dem nöthigen Nachdruck eingeladen werde, -für eine halbe Stunde mich dem Spielteufel zu entziehen und meine -eigene Frau »nicht sitzen zu lassen«. Der erste und einzige Lanciers, -welchen ich diesen Abend getanzt hatte, sass mir noch in den Gliedern. -Ich wusste, wie toll und wild die letzten Touren der Quadrille in -Indien von den angesehensten und ältesten Männern getanzt werden. Ich -beschloss also, den Angriff dieser zwei Fregatten mit groben Geschützen -zurückzuschlagen und erklärte einfach, dass ich solchen liebenswürdigen -Einladungen kein Gehör geben +dürfe+, weil ich mir bewusst sei, dass -meine Frau das Haupt einer Verschwörung sei, nämlich mich unter den -Pantoffel zu bekommen. Ich blieb bei meinem Entschluss, diesen Abend -und überhaupt nimmermehr zu tanzen, und blieb bei der Thüre stehen, um -mich wenigstens passiv an diesem Hexentanz zu betheiligen. Die ersten -drei Touren waren gelassen und ruhig, als aber die »chaine« gebildet -wurde, kam etwas Aufregung unter die Tänzer, und bei der letzten -Tour war ein Springen und Laufen und Jagen und ein »Hossen«, wie auf -einer Kirmess in Holland. Endlich fielen Alle, Jung und Alt, Mann und -Frau, erschöpft in die Stühle. Auf diese Quadrille folgten wieder -Rundtänze, und endlich um 3 Uhr Morgens verliess ich mit meiner Frau -das Clubgebäude, während die meisten Anderen den Sonnenaufgang bei Tanz -und Spiel erwarteten. Ich hatte nämlich von dem Leibarzte des Kaisers -von Solo eine Einladung erhalten, am 1. Januar dahin zu kommen, um dem -interessanten Empfangsabend des Residenten beiwohnen zu können. Der -Kaiser sei nämlich verpflichtet, zweimal des Jahres im Galaaufzuge -ausserhalb des Kratons zu erscheinen: am 1. Januar und bei dem -Gárebegfeste. Er würde dafür sorgen, dass auch ich eine Einladung zu -diesem Feste bekäme, an welchem sich alle Europäer der Stadt und der -Provinz und alle Häuptlinge der Eingeborenen und der Chinesen jedesmal -betheiligen. - -Der Zug, welcher um 6¼ Uhr des Morgens von Madiun abging, kam um -7¼ Uhr nach Paron, wir mussten also um 6 Uhr von zu Haus abreisen. -Wir benutzten diese wenigen Stunden zunächst, um uns der durch den -Schweiss durchnässten Kleider zu entledigen, und ruhten bis 5 Uhr -im Bette aus. Zur festgesetzten Zeit erschien der Mylord mit meinen -zwei feurigen Sandelwoodpferden, welche offenbar überrascht waren, -in so früher Morgenstunde den warmen Stall verlassen zu müssen. Wie -der Wind flogen sie durch die Strassen der Stadt und durch die lange, -schattenlose Allee, welche nach Paron führt. Schon äusserte ich meine -Unzufriedenheit, so früh das Haus verlassen zu haben, als bei Paal[92] -4 die Pferde plötzlich stehen blieben, weil, wie ich später hörte, -ein todter Tiger seitwärts im Gebüsche lag,[93] und: »J’y suis, j’y -reste« mögen sie gedacht haben, denn weder Drohung noch die Peitsche, -weder gute Worte noch Ziehen an den Zügeln, nichts vermochte sie von -ihrem Entschluss abzubringen, bei Paal 4 zu bleiben. Endlich stiegen -wir Beide und die Babu aus dem Wagen, um so lange den Rest des Weges -zu Fuss zurückzulegen, bis es dem Kutscher gelingen sollte, den Streik -meiner Pferde zu beendigen. Wir kamen bis zum Paal 5, ohne von unserem -Mylord etwas zu hören oder zu sehen; noch 1½ Kilometer (= 1 Paal) -weit lag die Station, als aus weiter Ferne die Dampfpfeife erscholl. -Der Zug hatte Genéng, die letzte Station vor Paron, verlassen. Im -raschen Schritt eilten ich und meine Frau vorwärts, ohne zu bemerken, -dass die Babu, welche unser Handgepäck trug, mit echt indischer -Indolenz zurückgeblieben war. Aber auch meiner Frau wurde es zuletzt -unmöglich, im Sturmschritt die letzten 100 Schritte zurückzulegen. -Ich wusste, dass bei der Station Dos-à-dos zur Verfügung waren, im -Galopp durcheilte ich die letzte Krümmung des Weges und kam mit dem -Train gleichzeitig im Stationsgebäude an. Sofort liess ich meine -Frau durch einen Dos-à-dos holen und ersuchte den Stationschef, den -Train zwei Minuten auf meine Frau warten zu lassen und mir die Babu -und mein Gepäck mit dem Zuge von 11 Uhr nachsenden zu wollen. Nach -drei Stunden kamen wir in Solo an und erhielten nach der Rysttafel -die Nachtwäsche von unserer liebenswürdigen Hausfrau geborgt, um -unser Mittagsschläfchen halten zu können, welches nach den gemachten -Strapazen für uns geradezu ein Bedürfniss war. Leider konnte die Siesta -nicht lange dauern, weil bereits um 5 Uhr die europäischen Gäste vom -Residenten erwartet wurden. - -Nachdem wir aufgestanden und die Koffer mit den Kleidern und der -Wäsche thatsächlich mit dem Mittagstrain angelangt waren, nahmen wir -unsern Thee, gingen uns ankleiden und begaben uns mit der Hausfrau -ins anliegende Haus des Residenten. Auf dem Wege dahin erzählte sie -uns, dass die Eingeborenen schon um 6 Uhr früh ihre Glückwünsche dem -Residenten dargebracht hatten und dafür kleine Geschenke in Geld oder -Kleidern erhielten, und dass bis 10 Uhr alle, und zwar in Begleitung -von Musik, ihre Aufwartung gemacht hatten, welche durch ihre Stellung -sich dazu verpflichtet hielten: die Musikanten von der Leibwache des -Susuhunan, die Polizeiagenten, die Musikanten des Prinzen Mangku -Negara, die Führer der Elephanten u. s. w. Als Nachbarn des Residenten -hatten sie das Vorrecht, den ganzen Morgen die Musik zu hören, welche -am besten mit den Worten des deutschen Dichters charakterisirt werde: -»So ein Lied, das Stein erweichen, Menschen rasend machen kann«. Gegen -10 Uhr verminderte sich dieses Lärmen der Musik, und es erschienen -alle europäischen Beamten, Officiere, der Prinz Mangku Negara, der -Reichsverweser und die angesehensten Häuptlinge, um persönlich dem -Residenten ihre Glückwünsche zum Jahreswechsel auszusprechen. - -Unterdessen hatten wir die »Vorgalerie« dieses Beamten erreicht und -erfreuten uns an einem bunten Bilde, welches sich vor dem Hause unsern -Augen darbot. Eine grosse Allee von Tamarindenbäumen zog sich in -grosser und starker Krümmung gegen den Kraton; zwischen je zwei Bäumen -befand sich ein Flaggenstock, und in regelmässiger Entfernung sassen -die Tumenggungs[94] oder Bupatis,[94] welche nicht dem Kraton selbst -zugetheilt waren. Jeder von ihnen hatte sein zahlreiches Gefolge mit -Lanzen und kleinen Fahnen bei sich, und die Farbe der Röckchen verrieth -den Häuptling, dem es angehörte. Jeder Bupati hatte neben sich seine -Gamelang; auch in der Pendoppo, welche vor dem Hause des Residenten -stand, befand sich eine solche und eine europäische Musikbande. Die -»Vorgalerie« schloss sich an eine grosse Halle, in deren Hintergrunde -zwei Thronsessel auf einem Podium standen, und zwar in +gleicher+ -Höhe, und senkrecht darauf zwei Reihen schöne europäische Stühle. Gegen -5½ Uhr erschienen zwei Häuptlinge mit einem glänzenden Hut auf dem -Kopfe (vide Fig. 13), welcher die Form eines umgekehrten Blumentopfes -hatte, und theilten dem Residenten mit, dass der Susuhunan, Paku -Buwana, Senapati ing-ngalaga, Ngabdu’r-rahman, Sajidîn, Panata-gama -= Seine Heiligkeit, der Nagel der Welt, der höchste Commandant des -Krieges, der Diener der Barmherzigkeit, der Herr der Religion und der -Leiter des Gottesdienstes angezogen und bereit sei, ihn zu empfangen. -Langsam und in demselben gemessenen Schritt, wie sie gekommen waren, -kehrten sie nach dem Kraton zurück. Nach einer Weile bestiegen -der Resident und der Assistent-Resident eine offene Equipage, um -den Susuhunan zu holen.[95] Das Zeichen ihrer Würde, der goldene -Sonnenschirm für den Residenten und der halb goldene, halb weisse für -den Assistent-Residenten, wurde ihnen über den Kopf gehalten, und so -gelangten sie in den Kraton, wo der Resident dem Susuhunan und der -Assistent-Resident dem Kronprinzen den Arm giebt und zu dem Wagen -des Fürsten geleiten. Es ist eine schöne, gläserne Equipage, von 8 -Pferden gezogen, welche Sammt-Decken, Federbüsche tragen und von -einem Pikeur geführt werden; die Equipage des Kronprinzen wird nur -von 6 Pferden gezogen. Der Zug wird eröffnet von 20 Hofbedienten zu -Pferde; hinter ihnen folgt eine Truppe mit Wasser, Holzkohle und Reis, -welche ebenfalls mit einem goldenen Sonnenschirme beschützt werden, -die europäische Leibwache des Kaisers, dann die javanische Leibwache, -Hofdamen mit blossen Schultern mit den Reichsinsignien (Fig. 14): Ein -Vogel (Peksi groeda), ein Hahn (Sawung galing), Arda wolika (ein Vogel -mit einem Kopf, der halb an einen Menschen, halb an eine Schlange -erinnert), zwei Elephanten (gadjah), ein Kidang (Reh) und eine Gans, -welche alle aus massivem Gold verfertigt waren. Hinter diesen folgen -zwei Herolde, die Equipage des Kaisers, des Kronprinzen und die übrigen -Häuptlinge zu Pferde und einige Hundert zu Fuss. Sobald die Equipage -des Kaisers den Kraton verlässt, dröhnen vom Fort die Salutschüsse der -Kanonen, die Gamelangs ertönen in gemessenen, ruhigen Tönen, und die -Häuptlinge mit ihrem Gefolge, an welchen der Zug langsam, ruhig, und -ich möchte sagen lautlos vorbeizieht, neigen ihren Kopf zur Erde und -erheben ihre Hände zur Stirne (Sembah); dasselbe thun die Häuptlinge -(welche auf dem Boden mit gekreuzten Füssen sitzen), wenn der Kaiser -die Avenue des Residentenhauses erreicht hat und den Wagen verlässt. -Majestätisch, oder besser gesagt ruhig und langsam schreitet der Kaiser -am Arm des Residenten und der Kronprinz am Arm des Assistent-Residenten -durch den Saal zum Throne, der Teppich wird hinter ihnen sofort -aufgerollt, um nicht durch plebejische Füsse entweiht zu werden, und -vor dem Thronsessel lassen sich die beiden Grössen von den eingeladenen -Europäern begrüssen. Die Gamelang wird in die Nähe des Thrones -gebracht, der Kaiser und der Resident setzen sich +gleichzeitig+ -nieder, links von ihnen der Kronprinz und einige angesehene Pangerans, -während rechts die europäischen Gäste sich niedersetzen und einen -genügend grossen Raum offen halten für die Serimpis (Bayaderen). Die -angesehensten Häuptlinge (Pangerans), welche in dem Zuge sich befanden, -haben unterdessen in Galatenue (Fig. 13) ihre Equipage verlassen -oder sind vom Pferde gestiegen und erscheinen nun am Eingange des -Saales, um dem Kaiser und dem Residenten ihre Huldigung zu bringen. -Dieses geschieht +kriechend+, d. h. in hockender Stellung schob -Jeder abwechselnd das rechte und linke Bein vor, wobei er sich mit -den ausgestreckten Händen auf den Boden stützte und in ruhigen und -gemessenen Bewegungen mit dem einen Beine den Sarong zurückschleuderte, -gerade wie eine Dame der Schleppe ihres Kleides jeden Augenblick ihren -Platz anweist. In gemessener Entfernung bleibt er stehen oder vielmehr -sitzen, neigt sein Haupt bis zum Boden, erhebt den Körper wiederum und -führt die gefalteten Hände zur Stirne (Sembah). Der Kaiser selbst aber -sitzt unbeweglich wie eine Statue, und ein wohl berechnetes Zwinkern -mit den Augenlidern verkündet jedem Häuptlinge, in welchem Grade seine -Huldigung in den Augen seines Herrn Gnade gefunden habe. Ein für den -Neuling gewiss hochinteressantes Ballet, das wahrscheinlich beim -zweiten Male, aber sicher beim dritten Male die Zuschauer ermüden, ja -selbst langweilen muss! - -Dasselbe gilt von dem nun folgenden Tanze der Serimpis. +Vier+[96] -junge Mädchen erscheinen mit ebenso viel Hofdamen, welche unablässig -mit dem Ordnen der Toilette ihrer Schutzbefohlenen beschäftigt waren. -Diese Mädchen sind die Töchter von hohen Fürsten und werden später die -Nebenfrauen des Kaisers; sie haben einen Sarong, der, wie ich hörte, -ein nur für sie bestimmtes Dessin hat. Das Gesicht, der entblösste Hals -und Arme sind mit einer gelben Salbe (Boreh) bestrichen, und die Grenze -der Kopfhaare wird durch schwarze Farbe nach unten verrückt, ebenso -wie der Kronprinz die Augenbrauen durch einen dicken, schwarzen Strich -gegen die Mitte der Stirne vergrössert erscheinen liess. Das Haar der -Tänzerinnen hatte zahlreiche mit Diamanten und anderen Edelsteinen -geschmückte Haarnadeln, und an dem Halse hingen drei goldene Halbmonde. -Um die Taille befand sich ein Schleier, welchen sie bei den Tänzen zur -Unterstützung der Anmuth in ihren Bewegungen zierlich zu gebrauchen -wussten. - -Was den Tanz dieser hübschen Mädchen betrifft, so mag er nach -europäischer Auffassung kaum so genannt werden; sie verliessen nie -ihren Platz, sondern drehten sich abwechselnd unter den sanften, -wehmüthigen Klängen der Gamelang an Ort und Stelle; beim Auftreten und -beim Verlassen des Tanzsaales machten sie ihre Sembahs. - -Das ruhige und würdevolle Drehen wurde von steifen Bewegungen der Hände -und Füsse begleitet; dabei wurden diese hyperextendirt, so dass z. B. -die Finger und der Ellenbogen in ihren Gelenken oft einem Bogen von -190° entsprachen. - -Wenn auch der Anfang mir gewiss ein gewisses ethnographisches Interesse -abgewinnen musste, so wurde doch die Monotonie des Tanzes schon darum -ermüdend und langweilig, weil er beinahe zwei Stunden (!!) dauerte, -und auch die Gamelang nur wenig Abwechslung in ihren sentimentalen, -rührenden Weisen brachte. Uebrigens fehlte mir und auch den übrigen -Europäern jedes Verständniss für diesen Tanz. Die Tandakmädchen -(öffentliche Tänzerinnen) (Fig. 8), welche man täglich auf der Strasse -solche Tänze aufführen sieht, sind weniger langweilig; erstens singen -sie dabei Heldenlieder (leider mit kreischender Stimme), und zweitens -verlassen sie doch theilweise den Platz, auf dem sie stehen. Die -Bewegungen dieser Tandakmädchen sollen eine cynische oder erotische -Basis haben, und manchmal glaubte ich es auch in ihren Bewegungen zu -entdecken. Dem Tanze der Serimpis jedoch fehlt nach meiner Ansicht -diese Basis; hier sind diese seltsamen Bewegungen des Körpers und -Verdrehungen der Hände und Füsse Selbstzweck. - -Endlich nahm dieser Tanz sein Ende, die europäische Militärmusik -stimmte eine Polonaise an, der Resident gab dem Kaiser, der -Assistent-Resident dem Kronprinzen den Arm, ihnen schlossen sich -der Platz-Commandant mit der Frau des Residenten und die übrigen -Honoratioren an und machten zweimal die Runde durch den Tanzsaal. -Ueblicher Weise war der Schluss der Polonaise für die europäische -Gesellschaft ein Rundtanz, während der Kaiser ins Nebenzimmer zur -Whisttafel ging, an welcher die angesehensten und reichsten Landherren -theilnahmen. Der Kaiser +muss+ nämlich gewinnen, die böse Welt -erzählt auch, dass die Farmer untereinander ein Syndicat schliessen -und einen Fonds gestiftet haben, um auf Kosten aller Landherren den -Verlust der Spieler zu decken.[97] Ein Souper, welches die indische -Regierung bezahlt, ist der Schluss des Neujahrsfestes. Für 12 Uhr war -es bestimmt, aber seine Kaiserliche Hoheit hatte anders beschlossen. -Der Resident kam schon um 11½ Uhr in den Spielsalon, um quasi den -Kaiser an die Zeit des Soupers zu erinnern; der Kaiser liess sich -jedoch nicht stören. Endlich schlug es 12 Uhr und der Resident gab ihm -einen deutlichen Wink, indem er sich an den Eingang des Spielsalons -stellte, von wo er ihn per Arm an die Tafel führen sollte. Länger als -zehn Minuten, vielleicht eine Viertelstunde liess er den Residenten wie -einen Bedienten vor der Thüre stehen, bis er endlich sich herabliess, -dem Spiel ein Ende zu machen und den gewonnenen Preis seiner -Whistkunst (?) einzustreichen. Unterdessen hatte sich der Kronprinz im -Tanzsaale aufgehalten und, wenn auch nicht dem Tanze, so doch in echt -europäischer Weise den Freuden des Festes gehuldigt; namentlich im -Flirten mit den europäischen Damen leistete er geradezu Erstaunliches, -obwohl er durch die Zeichnung von grossen Augenbrauen mehr oder weniger -zur Caricatur eines Menschen geworden war. Die anderen »Reichsgrössen« -verfielen nicht so stark diesem Uebelstand, weil sie bis auf das -Kopftuch die Uniform ihres Ranges trugen, in dem sie der Armee à la -suite zugetheilt waren; der Kronprinz jedoch trug nur einen kurzen -Sarong über die Lenden, und im Uebrigen beinahe ganz europäische -Kleider. - -Unterdessen hatte ich oder vielmehr meine Frau dem Ceremonienmeister -viel Scherereien verursacht. Die vorige Nacht hatte meine Frau nur drei -Stunden geschlafen, der forcirte Marsch zu Fuss zum Bahnhof hatte sie -stark mitgenommen, und da sie aus Mangel an anderen Kleidern und Wäsche -bis 2 Uhr in denselben Kleidern bleiben musste, so brachte ihr das -Mittagschläfchen keine hinreichende Erholung. Die Schwäche überwältigte -sie, und ich ging also zu einem der beiden Ceremonienmeister und -theilte ihm mit, dass wir zu unserem Bedauern wegen Unwohlseins meiner -Frau nicht an der Hoftafel theilnehmen könnten. Zu meiner grössten -Ueberraschung gab er nur die kurze Antwort: »Unmöglich« und eilte weg, -um seine weiteren Anordnungen zu treffen. Als aber das Unwohlsein -meiner Frau zunahm, entfernte ich mich unbemerkt, brachte sie nach -Hause, und da ich die Ursache des Unwohlseins in der grossen Ermüdung -sah, ging ich beruhigt in den Tanzsaal zurück, theilte es dem zweiten -Ceremonienmeister mit und bat ihn um Aufklärung des Wortes »Unmöglich« -von Seiten seines Amtscollegen. - -»Ich kann jetzt endlich frei Athem schöpfen,« gab er mir zur Antwort, -»und Ihnen das non possumus meines Collegen erklären. Sie sehen hier -zwei grosse Tische, welche in der Form eines ⊤ angeordnet sind; an -dem horizontalen Tische sitzt der Kaiser, hat zu seiner Rechten den -Platz-Commandanten, zu seiner Linken den Residenten und an diesen -schliessen sich nach Rang und Würden die übrigen europäischen Gäste an. -An dem senkrechten Tische sitzen nur eingeborene Fürsten, deren Anzahl -so ziemlich feststehend ist; da nebstdem ihr Rang nach Jahrhunderte -alten Vorschriften (hadat) geregelt ist, so ergiebt sich, wenn ich -es so nennen kann, das Arrangement der Sitzplätze von selbst, um so -mehr, da diese Fürsten ihre Frauen nicht mitbringen. Die Zahl der -europäischen Gäste ist aber nicht nur variabel im Quantum, sondern -auch in der Qualität; bei jeder Hoftafel muss daher aufs Neue die -Sitzordnung der Gäste geregelt werden. Zufällig sind Sie mit Ihrer Frau -die jüngsten und niedrigsten im Range, welche noch an diesem Tische -Platz nehmen können; die übrigen europäischen Gäste erhielten einen -zweiten Tisch, an welchem sie sich nach Belieben niederlassen können, -weil der Rangunterschied derselben nicht mehr gross ist. Was würde -geschehen sein, wenn mein College Ihre Absagung angenommen hätte? Der -Platz hätte durch einen Andern eingenommen werden müssen, aber durch -wen? Sie wissen, dass wir mit dem Platz-Adjutanten die Rangverhältnisse -zwischen den Officieren und Civilbeamten u. s. w. regeln; wir haben uns -also geeinigt, auf Sie im Range die Civil-Ingenieure folgen zu lassen. -Wir haben deren zwei, welcher von Beiden hätte an der Hoftafel sitzen -sollen? Jedes Jahr bekommen wir Reclamationen über das Arrangement -der Sitzplätze für die Europäer, und heuer sind wir dem glücklich -entronnen, nur dadurch, dass wir Ihre Absage nicht annahmen. Der Sitz -blieb leer -- und hâbis perkâra.« (M. die Sache ist erledigt.) - -Welche Speisen die eingeborenen Fürsten erhielten, habe ich leider -nicht gesehen, und ebenso habe ich vergessen, ob auch der Kaiser -sich an den officiellen Toasten betheiligte; nur erinnere ich mich -noch, dass das erste Glas auf die Gesundheit des Königs von Holland -getrunken wurde, und dass das letzte mit den Worten: Salâmat tânah -Djawa! (Heil dem Lande Java!) den üblichen Schluss der Hoftafel -brachte. Der Kaiser und alle Gäste erhoben sich, der Resident gab ihm -den Arm, dasselbe that der Assistent-Resident mit dem Kronprinzen, und -unter den stürmischen Klängen der Gamelang verliess der »Susuhunan« -das Residenzgebäude. Auch ich ging nach Hause, und zwar mit dem -Bewusstsein, in Europa ein schöneres Banket und einen schöneren -Festzug, aber kein interessanteres Tableau als an dem vergangenen Tage -jemals gesehen zu haben. - -Im grellen Gegensatze zu der lauten und stürmischen Aufregung, welche -die Festzüge in Europa charakterisiren, stand die Ruhe und Gelassenheit -in allen Bewegungen der Theilnehmer, und wenn nicht die Gamelangs und -die verschiedenen Musikchöre Abwechslung in die Monotonie gebracht -hätten, wäre Langeweile der Grundton des ganzen Schauspieles gewesen. -Ich habe zwei Jahre später Gelegenheit gehabt, eine solche klang- und -sanglose Auffahrt bei Hof in Djocjokerto mitzumachen, wo sich der -zweite selbständige Fürst von Java befindet. Er führt denselben Titel -wie der Kaiser von Solo: Sultan, Hamangku Buwana, Senapati ing-ngalaga, -Ngabdu’r-rahman, Sajidîn Panatagama, Kalifahillah VII.,[98] nur dass -anstatt Susuhunan = Heiligkeit Sultan, und für Paku = Nagel Hamangku -= Herrscher der Welt genommen wird; auch in anderer Hinsicht ist der -Unterschied zwischen dem Hofceremoniell zu Solo und dem zu Djocja sehr -klein. - -Am 23. November 1890 war der König von Holland gestorben, und sofort -verständigten der Telegraph und die Post den ganzen indischen Archipel -von dieser Trauermär. Nebstdem sollte noch ein eigenhändiges Schreiben, -direct an den Sultan von Djocja (und natürlich auch an den Susuhunan -= Kaiser von Solo) von Holland aus gerichtet, den officiellen Bericht -bringen, dass König Wilhelm III. gestorben sei und seine Frau, -»Konigin Regentes« Emma, im Namen der unmündigen Königin Wilhelmina -die Regierung über Holland und seine Colonien »im Osten von dem Cap -der guten Hoffnung« auf sich genommen habe. Dieser Brief kam nach -Djocja zur Zeit (Anfangs Januar 1891), als ich mich dort zu meiner -Erholung von dem in Tjilatjap acquirirten Malariafieber aufhielt, -und eines Tages zu dem Residenten zum Nachtmahle eingeladen wurde. -Gleichzeitig befand sich hier der berühmte holländische Gelehrte -+Snouck Hurgronje+ als zweiter Gast, welcher bei dem Residenten wohnte. -Dieser Mann ist, wenn nicht in Europa, so doch in Holland der beste -Kenner der mohamedanischen Rechte und der Gesetze, ist der arabischen -Sprache vollkommen mächtig, und ihm war es auch gelungen, verkleidet -als arabischer Pilger nach Mekka zu kommen und an Ort und Stelle die -Gebräuche des Islam in Mekka zu studiren; er war mit seinen reichen -Erfahrungen der holländischen Regierung ein verlässlicher Rathgeber in -allen Angelegenheiten des Islam. Unter anderem besprachen die beiden -Männer das Ceremoniell, welches bei der officiellen Mittheilung von -dem Tode des Königs gehandhabt werden sollte. Als ich hörte, dass es -nur aus einer kleinen Deputation bestehen sollte, ersuchte ich den -Residenten, ein Mitglied derselben sein zu dürfen. Er verwies mich an -den Platz-Commandanten, der natürlich nichts dagegen einzuwenden hatte, -und so kam ich zu der seltenen Gelegenheit, in den Kraton bis in die -Gemächer der Sultanin gelangen zu können. - -Unter Kraton versteht man keinen Palast nach europäischer Nomenclatur, -sondern einen Complex von Gebäuden, welche mit einer Mauer umgeben sind -und von jener zahlreichen Menschenmasse bewohnt werden, die direct oder -indirect zum Gefolge des Herrschers gehört. Der Kraton zu Djocja wird -von ungefähr 15,000 Menschen bewohnt, ist von einer Mauer umgeben, -welche 1200 Meter lang und 700 Meter breit und 3½ Meter hoch ist. - -An dem festgesetzten Tage gegen 11 Uhr erschienen zwei Gala-Equipagen, -in der ersten nahm nur ein Schreiber des Residenten Platz, welcher ein -Polster in den Händen hielt, darauf lag in einem Couvert aus gelber -Seide der officielle Brief der »Konigin-Regentes« mit der Nachricht -von dem Tode S. M. des Königs von Holland; im zweiten Wagen sass der -Resident mit dem Platz-Commandanten, und in den folgenden Wagen sassen -der officielle Dolmetsch der javanischen Sprache, ein Controlor, der -Platz-Adjutant und meine Wenigkeit. - -Längs dem Fort Rustenburg,[99] in welchem sich ein halbes Bataillon -Infanterie, eine halbe Compagnie Artillerie, das Militärspital, die -Magazine und der grösste Theil der Officierswohnungen befinden, und -dem europäischen Clubgebäude kamen wir zunächst auf den Schlossplatz -mit seinen zwei riesigen Waringinbäumen, wohin sich in früherer Zeit -jene Unglücklichen (in weisse Kleider gehüllt) flüchteten, welche dem -Sultan ein Bittgesuch überreichen wollten. Auch soll hier stets ein -Tigerkäfig gestanden haben, in welchem jener Tiger gefangen gehalten -wurde, welcher bei der Thronbesteigung eines Sultans mit einem Büffel -(Karbouw) in Gegenwart des Hofes, der Beamten und des Volkes den Kampf -aufnehmen musste. Da der Tiger in der Regel durch vieltägiges Hungern -geschwächt war, und die Hörner des Büffels spitz geschliffen wurden, -erlag immer der Tiger, und der Büffel ging immer als Sieger aus dem -Kampfe hervor. An der Westseite des Schlossplatzes lag eine Moschee -(missîgit) von einem Wassergraben (ohne Brücke) umgeben, so dass Jeder -gezwungen war, entsprechend den Vorschriften des Islams, seine Füsse zu -waschen, bevor er das Heiligthum betrat. - -Vor der Bansal witana, d. i. dem Zugang zu dem eigentlichen Kraton, -welches ein Gang zwischen den zwei grossen Gebäuden für den Gerichtshof -war, stieg Alles aus, der Kronprinz erschien und gab dem Residenten -den Arm, neben ihm ging der Platz-Commandant, und der goldene Schirm -(Pajong) des Residenten liess den Kopf des Obersten unbeschützt. Der -offene Raum zwischen diesem Thor und dem nächsten, Bradjanala[100] -genannt, war mit Soldaten, »den Legionen« des Kaisers, ausgefüllt. -Sofort werden wir uns mit diesen eingehender beschäftigen müssen, weil -sie geradezu eine typische und originelle Erscheinung auf dem Hofe der -beiden Kaiser zu Solo und Djocja bilden. Vor diesem Thore hielt ein -europäischer Soldat Wache und gab jede Stunde durch einen Glockenschlag -die Stunde des Tages an. Hier befanden sich auch zwei Pendoppo = offene -Hallen, in welchen Gesandte, der Reichsverweser oder andere angesehene -Personen warten müssen, um nach erhaltener Zustimmung zur Audienz -vorgelassen zu werden. Wir gelangten durch das dritte Thor, »Sri -Menganti«, welches uns zu den Wohnhäusern des Sultans selbst brachte, -und vor dem Bangsal Kentjana = dem goldenen Pendoppo kam der Kaiser der -Deputation entgegen. - -Auch in der Nähe dieses Saales standen Soldaten; man muss sich -vollkommen dem Eindrucke des Hofceremoniells hingeben, wenn man -nicht beim Anblick dieser Helden ein lautes Lachen erschallen -lassen will. Die Legionen des Sultans sind 3-4000 Mann stark und -in zahlreiche Compagnien eingetheilt mit ihren eigenen Officieren, -eigenen Uniformen, Fahnen; jede hat zwei Tambours und zwei Pfeifer. -Die eine Compagnie, welche am meisten meine Aufmerksamkeit fesselte, -hatte einen Officier mit einem gelben Frack, grünen Hosen, grossen, -schwarzen Kanonenstiefeln, einem dreieckigen Hut mit einem grossen -Blumenstrauss, einem grossen, breiten Säbel in der Hand und einer -grossen, grünen Brille auf der Nase. Die Soldaten, welche um ihn -standen, hatten ungefähr dieselbe Uniform, waren jedoch mit einer Lanze -bewaffnet und hatten keine Brille, welche übrigens bei allen übrigen -Officieren offenbar als Zeichen ihrer Würde auf der Nase sass. Die -anderen Compagnien zeigten bedeutende und pittoreske Unterschiede; sie -waren mit Krissen (Dolchen) oder Schwertern und Schild, mit Lanzen oder -Gewehr bewaffnet; sie hatten einen Sarong oder kurze oder lange Hosen -an; dreieckige Hüte oder spitz zulaufende Mützen oder Helme aus den -diversen Jahrhunderten; der Frack war gelb, roth, blau oder schwarz; -sie trugen weisse Strümpfe mit Lackschuhen oder waren blossfüssig; kurz -und gut, die Uniformen der letzten 300 Jahre hatten ihre Vertreter in -den Legionen der beiden Kaiser von Java (Fig. 15). - -Als Pendoppo hatte dieser Saal keine Wände, und doch sind die Säulen, -welche das Dach tragen, und dieses selbst, sofern es den Plafond -dieser Halle bildet, als alt-javanische Holzschnitzereien von grossem -historischen und architektonischen Werth. Zur Seite steigt das Dach -schief nach oben, und seine Balken haben ihre natürliche Farbe, welche -durch das hohe Alter dunkel und düster wurde. Diese Balken jedoch sowie -die der Caissons des mittleren Theiles, welcher mattblau und roth -ist, sind mit zahlreichen Arabesken, Blumen und Thieren in Goldfarbe -bedeckt; da aber das Gold dieser Verzierungen auch nicht mehr neu -und also nur mattglänzend war, so machte dieser Saal einen düsteren -Eindruck. Die Einrichtung bestand nur aus zwei Thronsesseln und acht -gepolsterten Stühlen, und der Boden bestand aus Marmor. - -Nachdem der Resident dem Kaiser den Brief überreicht hatte, liess -dieser den Reichsverweser den Brief öffnen und vorlesen; danach gingen -wir uns setzen und Rheinwein trinken, welcher in schönen Gläsern -herumgereicht wurde. - -[Illustration: Fig. 12. Das Wohnhaus eines reichen Chinesen in Batavia.] - -Aber einen noch selteneren Empfang sollte ich bei dieser Gelegenheit -mitmachen. Die Deputation wurde auch von der Sultanin empfangen. - -Hinter der erwähnten Pendoppo befindet sich eine lange, offene Halle, -an welche sich rechts die Gedong kuning, das gelbe Haus, die Wohnung -des Sultans und die Dalem oder Prabajasa, die Wohnung der Sultanin -anschlossen. Links von der Halle befanden sich die Ställe für die -Pferde und Hunde, obwohl die letzteren nach den mohamedanischen -Anschauungen haram = unrein sind. - -In dem eigentlichen Palaste der ersten Sultanin empfing uns also des -Sultans Favoritin; seine anderen Frauen und Gundiks = Beiweiber hatten -hinter der Prabajasa ihre Wohnungen, welche den Harem oder Kaputrén -bilden und von keinem männlichen Wesen betreten werden dürfen. Aber -auch in die eigentliche Wohnung des Sultans, in das gelbe Haus, mag -niemals ein Mann ohne directe Einladung kommen, und natürlich noch -weniger in den Palast der Sultanin. Alle Bedienung geschieht in beiden -Palästen nur durch Frauen. Die Veranda, in welcher der Empfang der -Deputation stattfand, war schlecht beleuchtet. Als wir eintraten, -erhob sich von einem sehr langen Divan, der die ganze Länge der Mauer -einnahm, die Sultanin, und der Resident stellte uns vor. Hierauf -setzten sich die vier Grössen auf den Divan, und wir Uebrigen, dii -minorum gentium, konnten stehen bleiben. - - * * * * * - -Den Kraton zu Solo will ich nicht beschreiben, weil ich nur wiederholen -müsste, was ich in obigen Zeilen von dem Palaste in Djocja mitgetheilt -habe, und weil ich dabei die Mittheilungen und Beschreibungen Anderer -benutzen müsste. Nach dem Feste beim Residenten fuhr ich den nächsten -Tag um 10 Uhr mit der Eisenbahn wieder nach Ngawie zurück, ohne -von der Stadt mehr als den Thiergarten, das Fort Vastenburg, das -Residenzgebäude und den schönen Palast des Prinzen Mangku-Negoro -gesehen zu haben. Die Stadt hatte mehr als 100,000 Einwohner[101] und -machte auf mich keinen günstigen Eindruck. Vielleicht waren es die -zahlreichen Spuren der jährlichen Ueberschwemmungen, welche der Stadt -geradezu ein schmutziges und unappetitliches Aussehen geben. Sie liegt -nämlich an der Mündung des kleinen Flusses Pepé[102] in den Bengawan -(= Solo), welcher der grösste Fluss Javas ist und in seinem oberen -Laufe aus zahlreichen kleinen Bergströmen besteht. Die Stadt hat aber -eine grosse und schöne Zukunft, weil seit ungefähr sieben Jahren die -Eisenbahn, welche Batavia mit Surabaya verbindet, den Fremdenverkehr -sehr erleichtert und den Strom der Touristen nach diesen zwei höchst -interessanten Kaiserreichen (Djocokarta und Surokarta = Solo) lenkt. -Die Provinz ist reich an Ruinen aus der Hinduzeit und hat zahlreiche -Naturschönheiten (zahlreiche warme Quellen, Mofetten und auf dem Berge -Lawu eine kleine Bergkluft mit zwei Teichen, aus welchen giftige Gase -[Kohlenstoff!] aufsteigen, Schwalbennesterhöhlen u. s. w.). Vielleicht -am interessantesten ist und bleibt die Anwesenheit eines orientalischen -Fürsten mit seinem ganzen Hofstaate, welcher am Gängelbande des -Residenten geht und bemüssigt wird, seinen despotischen Gelüsten -nur noch im Festhalten äusserer Formen zu genügen. Hatte nämlich -die indische Regierung grosse Schwierigkeiten, die depossedirten -Fürsten anderer Provinzen Javas, welche sie als »Regenten« in das -Corps der Beamten aufnahm, von ihren despotischen Gewohnheiten zu -befreien, so stand sie gegenüber den beiden Fürsten von Solo und -Djocja, welche äusserlich ihre Selbständigkeit behielten, geradezu vor -einem Augiasstalle. Ich bewundere die Geschicklichkeit und Ausdauer -der holländischen Regierung, welcher es gelang, zwei diametral -entgegengesetzte Regierungsprincipien in ihr Programm aufzunehmen und -dieses erfolgreich durchzuführen. Diese sind: Die einheimischen Fürsten -der unterworfenen Stämme an die Spitze der Verwaltung als Beamte zu -stellen, um die dynastischen Gefühle der grossen Menge des Volkes -zu schonen, und andererseits den kleinen Mann vor den despotischen -Gelüsten dieser Beamten zu beschützen. - -Der beste Beweis nicht nur für die Richtigkeit dieser Principien, -sondern auch für den bedeutenden Erfolg derselben ist der ungeheure -Aufschwung, den Java im 19. Jahrhundert genommen hat, und der sich in -dem Wachsen der Bevölkerung und in der menschenwürdigen Existenz des -javanischen Bauers am deutlichsten zeigt. Java hatte im Anfange dieses -Jahrhunderts ungefähr 3,000,000 Seelen, und heute beinahe 23 Millionen. -Selbst bis in die abgelegensten Kampongs ist die kleine Petroleumlampe -gedrungen, und beinahe jeder Dorfhäuptling hat seinen runden Tisch mit -einem bunten Tischtuch, einen Schaukelstuhl und seine Hängelampe. - -Die Provinz Surakarta (= Solo) hat bei einer Grösse von 112,905 ☐Meilen -1,176,833[103] Einwohner, also ungefähr 10,000 auf die Quadrat-Meile, -obwohl der Süden der Provinz von Kalkbergen durchzogen wird und nur -spärlich bewohnt ist. - - * * * * * - -Um ½12 Uhr kam ich wieder in Paron an, und der nächste Tag (3. Januar -1889) sah mich wieder dem täglichen Leben in dieser kleinen Stadt und -dem anstrengenden Dienste im Fort zurückgegeben. - -In dem Fort selbst befand sich das Spital von der 6.[104] Rangklasse. -Links von dem nördlichen Eingange des Forts befand sich das einstöckige -Gebäude, welches im Parterre das Bureau des Verwaltungsbeamten, die -Apotheke mit dem Sprechzimmer des »Eerstanwezenden Officiers van -Gezondheid«, und im ersten Stock die Säle für die Kranken enthielt. -Diese waren durch eine Brücke mit einem zweiten Gebäude verbunden. -Das Dach des Spitales war flach und konnte eventuell zum Spaziergange -von Reconvalescenten verwendet werden. Der Eingang zum Spitale selbst -war eine Treppe mit einer eisernen Thüre, welche zu einem Corridor -führte. Die Säle, welche für die Sträflinge bestimmt waren, hatten -eigene Thüren aus schweren eisernen Stäben, und die Fenster, welche -auf den Hofraum sahen, eiserne Gitter. Die Säle für die Soldaten des -Bewachungs-Detachements hatten Thüren und Fenster ohne Gitter. Die -Einrichtung des Spitales bestand aus eisernen Betten mit Strohsäcken -für die Patienten der 3. und 4. Klasse, und mit Matratzen mit -Kapok[105] gefüllt für die Unterofficiere und Officiere und für jene -Patienten der 3. und 4. Klasse, für welche eine harte Unterlage -gefährlich werden konnte, wie z. B. bei Erkrankungen des Rückenmarks, -bei Typhus u. s. w., bei welchen leicht Brand durch Druck entstehen -kann. - -Der Stand der Krankenwärter war entsprechend der 6. Rangklasse: 1 -Sergeant (Ziekenvader), 2 Corporäle (Bediende), 4 europäische Wärter -(Oppassers), 4 eingeborene Soldaten (Handlanger), 1 Bürger und 10 -Sträflinge. - -Von diesen Krankenwärtern mussten einer für die Apotheke, ein Koch -und ein Unter-Koch bestimmt und ein »Handlanger« als Kutscher für den -Leichenwagen angewiesen werden. Nebstdem wurden ein Sträfling der -Apotheke und vier der Küche zugetheilt. Der Krankenwärter, welcher in -der Apotheke die Dienste eines Gehilfen leistete, war schon seit Jahren -in Ngawie und hatte sich eine bedeutende Fertigkeit im Verfertigen -der Recepte u. s. w. angeeignet; das Reglement verbietet, einen -solchen Mann derartige Dienste verrichten zu lassen, und gestattet -nur, demselben die niedrigsten Dienste eines Apothekergehilfen -anzuvertrauen, z. B. Papier schneiden, die Pillenmasse zu kneten, -Pulver zu stampfen u. s. w. Es war möglich, diesem Gesetze zu -entsprechen, so lange ich einen Assistenzarzt hatte; dieser musste -die Recepte des Spitals und der Bürger verfertigen, und so brauchte -ich wirklich den Gehilfen nur die kleinen, von dem Gesetze erlaubten -Handarbeiten leisten zu lassen. - -Als aber dieser mir abgenommen wurde, stand ich vor einem schwierigen -Fall; ich hatte ein Spital mit 40-50 Patienten; ich +musste+ die -Armen-, Civil- und Gerichtspraxis ausüben und gewiss auch die erste -Hülfe bei den besser situirten Europäern, Chinesen und Eingeborenen -leisten, wenn sie den weiteren Verlauf auch dem nächsten Civil-Arzte -(in Madiun) hätten anvertrauen wollen; ich musste das Gefängniss -täglich besuchen, und, so lange ich keinen Doctor djawa zur Assistenz -hatte (auch dieser fehlte mir einige Monate), auch die Behandlung -der Prostitués auf mich nehmen, und doch bekam ich einen officiellen -Verweis, als es in Samarang bekannt wurde, dass ich die Recepte von -diesem nicht diplomirten Apotheker anfertigen liess!! - -Dieses ist in Indien ein sehr beliebtes und gern angewandtes Mittel -gewisser Officiere, um den Untergebenen aus leicht motivirbaren -Gründen die nöthige Assistenz abzunehmen, und dann auf diese Weise -glücklich im Suchen nach Fehlern u. s. w. sein zu können. So oft ich -nämlich nach Samarang schrieb, man möge mir einen Assistenzarzt senden, -bekam ich entweder keine Antwort oder ich wurde auf den Mangel an -Aerzten verwiesen, und dass ich mich so +gut als möglich+ ohne -Assistenz durchschlagen müsse. - -Ich hatte einen Oberarzt, welcher also Anfangs October 1888 per -Telegramm nach Samarang transferirt wurde, wo durch das epidemische -Auftreten der Cholera eine Vermehrung der Militärärzte nöthig wurde. - -Es war 3 Uhr Nachmittag, als ich in meinem Mittagschläfchen von diesem -Oberarzte gestört wurde; mit einem Telegramm in der Hand klagte er mir -sein Leid, sofort nach Samarang gehen zu müssen, wo die Cholera in -fürchterlicher Weise herrsche und so zahlreiche Schlachtopfer fordere. -Bald sah ich, dass die Furcht vor der Cholera ihn mehr beherrsche, als -es sich für einen Arzt geziemt, und mehr, als es für einen Arzt in den -Tropen zweckmässig ist, wo (besonders in Java) die Cholera endemisch -ist und oft zu starker Epidemie exacerbirt. - -Ich trachtete ihm also die Schwierigkeiten vor Augen zu halten, wenn er -sich nicht seiner Cholerafurcht widersetze, und machte ihn aufmerksam, -dass »der Arzt vor ansteckenden Krankheiten ebenso wenig als der -Soldat vor der feindlichen Kugel« sich zurückziehen dürfe. Endlich -bekannte er, dass die Furcht vor der Cholera ihn veranlasse, mich zu -bitten, telegraphisch seine Transferirung zurückziehen zu lassen, -weil die Choleraphobie, die Furcht vor der Cholera, eben schon eine -Infection durch Choleragift sei. Da jedoch in Ngawie selbst die Cholera -+nicht+ herrschte, so war seine Furcht vor der Cholera gewiss nur -psychischen Ursprungs, und ich machte ihn darauf aufmerksam, dass ich -zufälligerweise aus eigener Erfahrung über das Wesen der Choleraphobie, -welche gewissermaassen eine nervöse Form dieser Krankheit im -leichtesten Grade darstellt, einen richtigen Einblick habe. - -Ich selbst hatte nämlich im Jahre 1873 daran gelitten. In Wien -herrschte in diesem Jahre die Cholera, ohne viel Opfer zu fordern. Nur -60 oder 90 Todesfälle waren vorgekommen, trotzdem die Weltausstellung -Hunderttausende von Menschen dahin gelockt hatte. Es war an einem -warmen Augusttage, als ich in der Donau ein Bad nehmen wollte und auf -der Treppe von einem beängstigenden Gefühle ergriffen wurde; ich stieg -nicht in’s Wasser, sondern kleidete mich an. Dabei hatte ich keinen -anderen Gedanken, als den, an der Cholera erkrankt zu sein; ich bekam -Zwicken und Kneipen in dem Bauch und eilte sofort nach der Stadt, -um in einer Apotheke zehn Tropfen Laudanum zu nehmen. Die Angst in -der Magengrube (Präcordialangst) nahm zu, ich bekam Diarrhöe, und in -fürchterlicher Aufregung rannte ich in meine Wohnung, ohne durch die -angewendeten Hausmittel beruhigt zu werden. Die Nacht brach herein, -und ich sehnte mich nach dem Schlafe; aber in dem Augenblicke, als ich -einschlafen sollte, wurden die Schmerzen im Bauche so arg, dass ich -aus dem Bette sprang mit dem Gedanken: »Jetzt erfasst mich wirklich -die Cholera.« Endlich gegen 4 Uhr schlief ich ein. Dieser Zustand -dauerte vier Wochen lang und nichts half dagegen, bis ich endlich einen -Entschluss der Verzweiflung fasste: aut -- aut, und ich meldete mich -für Ungarn an -- als Choleraarzt. Während dieser vier Wochen durfte ich -das Wort Cholera weder hören noch lesen, oder ich bekam die ganze Reihe -der nervösen Aufregungen mit oder ohne Diarrhöe; ganze vier Wochen -lang kam ich nicht vor 4-5 Uhr in den Schlaf, weil mich jedesmal beim -Einschlafen das Schreckensgespenst der Cholera aus dem Schlafe riss. - -Weiterhin erzählte ich ihm, dass ich diesen Anfällen von Cholerafurcht -auch in Ungarn, wo damals eine fürchterliche Epidemie geherrscht hatte, -begegnet sei. Bei meiner Ankunft in Eperies wurden mir einige Dörfer -in den Karpathen zum Platze meiner Thätigkeit angewiesen, und einer -der Beamten begleitete mich, um mich dort zu installiren. Zu meinem -Standplatz wollte er die Wohnung eines Försters wählen, der mitten im -Gebirge wohnte und gewiss gern mir Gastfreundschaft bieten würde. Als -wir dahin kamen und dieser junge Mann alle diesbezüglichen Winke meines -Reisebegleiters nicht verstehen wollte, frug ihn dieser zuletzt direct, -ob er mich nicht in sein Haus aufnehmen wollte. »O ja, sehr gern,« -erwiderte er, »wenn mir der Herr Doctor verspricht, niemals das +Wort -Cholera in meinem Hause auszusprechen+.« Der Mann also, der in den -Karpathen allein wohnte, weder Teufel noch Bären noch Wölfe fürchtete, -wurde schon durch das Wort »Cholera« in Angst versetzt. Natürlich -erklärte ich hierauf meinen festen Entschluss, irgendwo anders eine -Wohnung zu suchen. - -Das sind zwei ausgesprochene Fälle von Choleraphobie, weil beide -in einer von der Cholera inficirten Gegend auftraten, während mein -Assistenzarzt keine anderen Symptome als die der Furcht zeigte. Ich -wies im weiteren Verlaufe auch auf die geringe Gefahr der Ansteckung -von Seiten eines Arztes hin, weil er so wenig in directen Contact mit -den Entleerungen der Patienten komme. Als in Ungarn im Jahre 1873 in -einigen Dörfern die Cholerakranken von ihren gesunden Angehörigen -verlassen wurden, und dadurch ohne Pflege und ohne Behandlung blieben, -legte sich ein Arzt, dessen Name mir leider entfallen ist, ins Bett -zu einem sterbenden Cholerakranken; dieser Arzt blieb am Leben. Wenn -auch drei Krankenwärter in Batavia starben, welche Cholerakranke -verpflegt hatten, so sei darum der Arzt doch nicht mehr bedroht, als -alle anderen Menschen, welche in demselben Orte wohnen, weil er nur -selten oder niemals von den Entleerungen der Kranken beschmutzt werde, -und wenn dies zufällig geschehe, er sich auch sofort reinigen und -desinficiren könne. Ja noch mehr: wie viel Aerzte hätten in persona -bei Cholerakranken die Tanninklystiere gegeben, ohne darum ihre -Hülfeleistung mit dem Leben zu bezahlen. Wie oft hätte ich selbst, -trotz meiner Cholerafurcht, den fürchterlich nervösen Erscheinungen, -welche mit Diarrhöe gepaart gingen, den Cholerapatienten Morphium -subcutan eingespritzt (das allerdings nicht resorbirt wurde), ich -predigte tauben Ohren. Zuletzt erklärte mein Assistenzarzt -- er sei -krank, er leide an einem Darmkatarrh! -- - -»So,« erwiderte ich hierauf, »Sie sind krank; in der brennenden -Sonnenhitze von vielleicht 37° kommen Sie zu mir, und Sie sind so -krank, dass Sie Ihrer Transferirung nicht folgen können?! Nebstdem sind -Sie gestern Abend bis in die späte Nachtstunde im Club gewesen, und Sie -haben heute Vormittag nicht nur Ihren Dienst im Fort gethan, sondern -sind auch in die Stadt zu Ihren Privatpatienten gefahren ... Doch wenn -Sie sagen, dass Sie krank seien, muss ich es Ihnen glauben. Gehen Sie -nach Hause, ich komme um 5 Uhr zu Ihnen, um Sie zu untersuchen, und ich -bitte Sie, wenn möglich, mich auch Ihren Stuhl sehen zu lassen.« - -Als ich um die angegebene Stunde kam, erklärte er mir, seiner -Transferirung Folge zu geben. - -Vier Tage später kam er zurück, und ein Brief des Landes-Sanitätschefs -machte mir die heftigsten Vorwürfe über meine inhumane Handlungsweise, -einen Mann den Gefahren der Cholerainfection auszusetzen, der an -einem Katarrh des Dünn-, Dick- und Mastdarms leide. Ich vertheidigte -mich, nach meiner Ansicht, mit vollkommenem Erfolg; wie überrascht -war ich jedoch, am Ende des Jahres in meiner Conduiteliste zu lesen: -+Nicht hinreichend selbständig, hat sich oberflächlich gezeigt in der -Erfüllung seiner Pflicht als Chefarzt gegenüber seinem Assistenzarzt. -Sein militärisches Benehmen ist tadelnswerth; verrichtet seine -Dienstpflichten mit Eifer, doch nicht immer in passender Weise; er -verdient also keine Beförderung!!+ - -Ich reichte meine Vertheidigung an den Armee-Commandanten ein, indem -ich die einfache Thatsache mittheilte mit der Bemerkung, dass der -Soldat ins Feuer und der Arzt zu ansteckenden Krankheiten gehen müsse, -und dass ich so überzeugt sei, nach Recht und Gewissen gehandelt zu -haben, dass ich bei Wiederholung dieses Falles wieder in gleicher Weise -zu Werke gehen würde. - -Während bis Ende März alle Conduite-Listen bei dem Armee-Commandanten -eingelangt sein müssen, nachdem der Platz-Commandant, der -Landes-Sanitätschef, der Landes-Commandant und der Sanitätschef ihre -etwaigen Zusätze und Anmerkungen hinzugefügt hatten, befremdete es -mich, im April noch keine Antwort auf diese Vertheidigung erhalten -zu haben. Bis Ende März müssen nämlich die Conduite-Listen mit den -etwaigen Vertheidigungsschriften aus dem ganzen Archipel eingegangen -sein. Von Java selbst gelangen diese »Papiere« schon in den ersten -Wochen des Monats Januar nach Batavia und werden sofort erledigt, d. h. -entweder im Kriegs-Departement deponirt oder es werden in strittigen -Fällen zur weiteren Behandlung die Erhebungen gepflegt. - -Aber Anfangs Juli hatte ich noch keine Antwort; endlich hiess es, dass -der Landes-Commandirende, General von K., kommen sollte, über die -Garnison von Ngawie Inspection zu halten. - -In üblicher Weise wurde den Officieren und Mannschaften der Tag und -die Stunde angegeben, an welchen sie ihre etwaigen Ansuchen dem -Landes-Commandirenden vorbringen konnten. Es war für mich eine schwere -Arbeit, zu sorgen, dass sich das Spital und die Apotheke mit ihren -Magazinen in reglementärer Ordnung befanden, und dass alle Rapporte bei -der Hand waren, welche dem General beim Erscheinen im Spitale vorgelegt -werden sollten. An den Inspectionen der Casernen und Officierswohnungen -musste ich theilnehmen, um etwaige von mir angegebene hygienische -Uebelstände zu demonstriren oder von anderer Seite eingebrachte -hygienische Fragen zu begutachten, und ich hatte keinen Assistenten, -um den Dienst in der Apotheke, im Gefängnisse, im Frauenspitale und -in der Civilbevölkerung von ihm verrichten lassen zu können. Im -Drange der Geschäfte vergass ich also, auch mich anzugeben und den -General um Mittheilung über den Stand meiner Vertheidigungsschrift zu -bitten. Jedoch an dem Revolverschiessen der Officiere betheiligte ich -mich; ich sollte als letzter an die Reihe kommen und unterhielt mich -unterdessen mit dem Adjutanten des Generals, einem alten Bekannten aus -der Zeit meines Aufenthaltes in Sumatra, und frug ihn, ob ihm nichts -bekannt sei, welche Erledigung bis jetzt, d. h. nach 6 Monaten Zeit, -meine »Affaire« genommen hätte. Er glaubte, mir eine ausweichende -Antwort geben zu müssen, welche mich annehmen liess, dass mein Recurs -ungünstig erledigt worden sei; dies erregte mich so mächtig, dass ich, -aufgerufen, an den Schiessstand zu treten, den Revolver bei dem Laufe -in die Hand nahm; ein schallendes Gelächter weckte mich aus meiner -Verlegenheit, doch ich schoss so gut, dass die Ehre des ärztlichen -Standes als Schütze gerettet wurde. Drei Tage später erhielt ich von -dem Landes-Sanitätschef die Mittheilung, dass der Armee-Commandant - - ».... mit Rücksicht auf die günstige Conduitebeurtheilung, welche - »de Officier van Gezondheid«, Breitenstein, bis jetzt hatte, die in - Colonne I mitgetheilte +unrichtige+ Behandlung von Sachen[106] als - einen vereinzelten Irrthum in gutem Glauben angesehen habe« und dass - »Seine Excellenz auf Grund dieses wünscht, die im Jahre 1887 gefällte - Beurtheilung vorläufig aufrecht gehalten zu sehen ...« - -Diese Mittheilung des Sanitätschefs war datirt vom 3. Juni 1889, -wurde +einen Monat+ später auf Urgenz des Landes-Commandirenden -mir eingesendet und trug auch die Spuren +der Fälschung+; Juni war -verändert in +Juli+!! - -Es geschieht selten, dass eine Conduitebeurtheilung von dem -Armee-Commandanten gänzlich zu Gunsten der Reclamanten abgeändert wird, -und wenn es geschieht, ist es ein Pyrrhussieg; denn seine Vorgesetzten -sehen darin mit Recht eine Niederlage, welche sie in ihrer Existenz, -d. h. in ihrer eigenen Beförderung bedroht und -- nehmen Rache. - -Dieser Bescheid des Sanitätschefs zeigt das militärische Leben in einem -eigenthümlichen Lichte, und es drängt sich die Frage auf, ob diesem ein -richtiger Standpunkt zu Grunde liege. - -Das Vergehen, welches so stark war, dass ich »nicht würdig« und »nicht -geeignet« war, befördert zu werden, wurde vom Armee-Commandanten als -bestehend angenommen, und nur im Gnadenacte wurde mir die Strafe für -dies Vergehen (??) erlassen, weil ich »in gutem Glauben geirrt hätte«, -d. h. mit anderen Worten, dass der Landes-Sanitätschef nicht unrichtig -mich beurtheilt hätte. +Das Princip, welches dieser Aeusserung zu -Grunde liegt, ist die Wahrung der Autorität des Chefs gegenüber seinen -Untergeordneten.+ Wenn wir von Uebertreibungen absehen, ist dieses -Princip im militärischen Leben ein richtiges und gesundes, es wird auch -mit Recht bei allen Disciplinaruntersuchungen angewendet; in strittigen -Fällen wird dem Höheren mehr geglaubt als dem Untergebenen; wird damit -ein Missbrauch getrieben, so hat jeder Soldat das Recht, auch wegen -einer auf dem Disciplinarwege aufgelegten Strafe zu reclamiren und -die Entscheidung eines Kriegsgerichts anzurufen, welches jedoch als -Jury das objective Beweisverfahren übt. Es ist auch dafür gesorgt, -dass dieser Schritt nicht leichtsinnig unternommen werde. Entscheidet -das Kriegsgericht (Krygsraad) zu Ungunsten des Reclamanten, so wird -nicht nur die primäre Strafe ins Strafregister aufgenommen (die Strafe -selbst muss ja nach dem Reglement abgebüsst sein, bevor er an das -Kriegsgericht appelliren kann, nebstdem muss der Reclamant die ganze -Zeit hindurch Casernenarrest halten), sondern er wird jedenfalls noch -einmal gestraft, weil er durch seine leichtsinnige Reclamation bewiesen -hat, nicht die seinem Chef schuldige Ehrfurcht zu besitzen. Officiere -müssen nebstdem alle Kosten tragen, welche etwaigenfalls damit -verbunden waren. - -Das Princip ist, ich wiederhole es, ein richtiges, aber die Ausführung -desselben lässt vieles zu wünschen übrig. Ich habe in dieser »Affaire« -correct gehandelt, ich habe mit Ueberlegung gehandelt; ein praktischer -Blick leitete meinen Entschluss, den Assistenzarzt ärztlich untersuchen -zu wollen, da er sich »krank« meldete. Er fürchtete diese Untersuchung; -wenn mir von Samarang geschrieben wurde, er habe ein Leiden des Dünn-, -Dick- und Mastdarmes gehabt, so konnte ich nichts anderes darauf -antworten, als: Bis zur Stunde der Abreise lebte er als ein gesunder -Mensch, der sich nicht einmal in der Freude des Lebens beschränkte. Bei -seiner Zurückkunft nach +vier!+ Tagen lebte er wieder wie jeder andere -gesunde Mensch; Furcht war also die Ursache seines Leidens. +Darf+ es -also geschehen, dass die Rachsucht seines Chefs jenen unglücklichen -Glücklichen verfolgt, der in seinem Recurse an die höchste militärische -Autorität rehabilitirt wird? Sollte in solchen Fällen nicht sofort die -Pensionirung des Chefs erfolgen, welcher sich von seinen persönlichen -Gefühlen der Antipathie hinreissen lässt, um aus unbegründeten, bei -den Haaren herbeigezogenen Ursachen einem jungen Manne die Carrière -abzuschneiden und die ganze Zukunft zu zerstören! - - * * * * * - -Die Cholera beschränkte sich im Jahre 1888 auf Samarang und Umgebung -und kam nicht nach Ngawie. Ich hatte zwar vier Fälle, sie kamen jedoch -in vielwöchentlichen Pausen vor und nur bei +Säufern+. Alle vier -Patienten waren Gehülfen des Koches und bekamen für die Ablieferung -der Abfälle der Küche an den chinesischen Schweinehändler von ihm -täglich eine Flasche Sagueer[107] oder Arac. Solche vereinzelten -Fälle sind in Indien häufig, weil die Cholera dort eben endemisch ist -und es +wahrscheinlich+ auch immer gewesen ist, wenn auch +Semelink+ -behauptet, dass vor dem Jahre 1817 die Cholera in Indien unbekannt -gewesen sei. Die Beweise, welche dieser indische Oberstabsarzt -in seinem Buche dafür bringt, gründen sich grösstentheils auf -philologische Untersuchungen, auf welches Gebiet ich ihm nicht folgen -kann. Mittheilungen bacteriologischer Art sind natürlich in diesem -sonst fleissig bearbeiteten Buche nicht enthalten, und in der Zahl der -Todesfälle einen Unterschied zu machen zwischen asiatischer Cholera und -Cholera nostras hat doch gar keine wissenschaftliche Basis. Wenn also -Oberstabsarzt +Semmelink+ auf philologische Gründe basirt behauptet, -dass vor dem Jahre 1817 auch in Indien die epidemische Cholera asiatica -nicht vorgekommen sei, und dass die Beschreibungen solcher Fälle an -Malaria oder Vergiftungen mit Datura oder Arsenik u. s. w. erinnern, -so kann dieser Behauptung nicht widersprochen werden; aber jeder -unbefangene Leser wird z. B. im folgenden Satze, welcher auf einem -Steine eines alten Tempels sich befand und einem Schüler Buddha’s -zugeschrieben wurde, in erster Reihe an Cholera und nicht an Malaria -denken. Dieser Satz lautet:[108] »Die blassen Lippen, das abgemagerte -Gesicht, die hohlen Augen, der eingezogene Bauch, die zusammengezogenen -und gekrümmten Extremitäten, wie wenn sie dem Feuer ausgesetzt gewesen -wären, charakterisiren die Cholera, welche durch die boshaften -Beschwörungen der Priester niedersteigt, um die braven Menschen zu -verderben. Der dicke Athem bleibt an dem Gesichte des Kriegers hängen, -seine Finger sind in verschiedener Weise zusammengezogen und verdreht, -er stirbt in Krämpfen, als Schlachtopfer der Cholera von Siwa.« - -Vielleicht wird ein Bacteriologe sich finden, der z. B. in den Gräbern -verstorbener Hindus Cholerabacillen finden wird; denn ohne diesen -Befund wird die Behauptung +Semelink’s+, dass die Cholera vor dem Jahre -1817 auch in Indien nicht vorgekommen sei, auf wissenschaftlicher Basis -nicht widerlegt werden können; wenn aber im Jahre 1768 auf der Küste -von Coromandel 60,000 Menschen einer Krankheit erlegen sind, welche -die der Cholera eigenen Symptome hatte, ist es schwer, darin eine -Malaria-Epidemie zu sehen, weil es gewiss noch niemals vorgekommen, -dass die plötzlichen Todesfälle, veranlasst durch die Malaria und -bekannt unter dem Namen Febris perniciosa, in so grosser Zahl -vorkommen, als es in dem Charakter der Cholera-Epidemien gelegen ist. - -Es drängt sich uns eine andere Frage auf, welche der Bacteriologe -momentan vielleicht als steril zurückweisen wird; aber in Zukunft wird -man auch unsere Ansicht reiflich in Erwägung ziehen müssen. - -Vor dem Jahre 1885 war Atjeh (im Norden Sumatras) die Heimstätte -zahlreicher und heimtückischer Malariaformen; in diesem Jahre brach -eine fürchterliche Epidemie von Beri-beri aus, welche z. B. das -Hülfs-Bataillon der Maduresen in drei Monaten Zeit decimirte! - -Ich habe zu wiederholten Malen Malariaformen gesehen, die schwer von -Lungenentzündung oder Typhus zu unterscheiden waren, ja noch mehr, ich -habe, ich möchte fast sagen, eine ganze lange Entwicklungsreihe von -typischer Malaria bis zu ausgesprochenem Bauchtyphus gesehen. - -In beiden Fällen musste ich diese Krankheiten »Bruder und Schwester« -nennen, d. h. verwandte Krankheitsformen auf miasmatischer Basis. - -Sollten also auch nicht Cholera und Malaria miasmatische Krankheiten -sein, welche wie Bruder und Schwester mit einander verwandt sind? -Wenn ich das Bild der wenigen Fälle von Febris perniciosa +cholerica+ -vor Augen halte, welche ich zu beobachten Gelegenheit hatte, und es -vergleiche mit jenen der Cholerakrankheit, dann werde ich vielleicht -mit dem deutschen Bilde, sie gleichen wie ein Ei dem andern, deutlicher -meine Ansicht ausdrücken als mit dem holländischen »Bruder und -Schwester«; aber mit beiden Bildern will ich die Verwandtschaft dieser -beiden Krankheiten aussprechen und die Polymorphie der Bacterien als -Krankheitserreger nur andeuten. Für die Systematik sind die Worte: -Plasmodien und Cholerabacillus gewiss von hohem Werthe; in der Praxis -wird uns das Wort +Miasmen+ in der Lehre der Malaria bessern Dienst -leisten und in der Aetiologie der +Cholera+ den Weg zu einer richtigen -Prophylaxis zeigen. - -Im Jahre 1817 hat also die Cholera ihre erste grosse Weltreise -angetreten; sie dauerte sieben Jahre lang und hatte zu ihrer -Ausbreitung auf den Inseln des indischen Archipels drei Jahre nöthig. -Interessantes hierüber theilt der »Militär-Krankenrapport über Java -und Madura« 1847 mit, und darum wird vielleicht ein Auszug von den -Mittheilungen des Sanitätschefs Dr. +W. Bosch+ aus dieser Zeit nicht -unerwünschte Beiträge zur Geschichte der Verbreitung der Cholera geben: - -»Schon im vorigen Jahrhundert trat die Cholera bald sporadisch, bald -epidemisch auf; immer aber verschwand sie bald, ohne viele Opfer zu -heischen. Doch im Jahre 1817 trat sie als heftige Epidemie in Hindostan -auf und raubte Hunderttausenden das Leben. Zuerst brach sie in der -Umgebung von Calcutta aus und erreichte bald die Stadt, wo jede Woche -200 Menschen oder 1/900 der Bevölkerung daran starben, ohne dass man -die Ursache oder den ersten Keim der Entwicklung entdecken konnte. Von -dort pflanzte sie sich nach China fort und wüthete in den Hauptstädten -Peking und Canton; weiterhin zog sie im Jahre 1818 nach Madras und nach -der Südküste von Coromandel und erreichte am Ende dieses Jahres Ceylon. -Weiter besuchte sie die Westküste von Vorderindien, den Golf von -Persien, Cochinchina, Manila, Pulu (Insel) Pinang, Singapore, Malacca -und im Jahre 1820 Mauritius und den Golf von Siam.« - -»Obwohl der Gouverneur von Pulu Pinang und der Prof. +Reinwardt+ -diese Krankheit auf das bestimmteste für +nicht ansteckend+ erklärt -hatten, glaubte doch unsere Regierung die Ansteckungsfähigkeit -für +zweifelhaft+ halten zu müssen, und es wurde vorsichtshalber -verordnet, dass von den Schiffen, welche aus oben genannten -Gegenden kamen, Niemand ans Land gehen sollte, bevor eine ärztliche -Commission untersucht hatte, ob sich keine verdächtigen Kranken oder -Reconvalescenten an Bord befanden. Auch sollten die Residenten in -Uebereinstimmung mit den Aerzten jene Maassregeln festsetzen, welche -die localen Verhältnisse erfordern sollten. Zugleich wurde der Bericht -des Gouverneurs von Malacca in den batavischen Zeitungen publicirt.« - -»In einem Briefe vom 19. Januar 1820 berichtete der Resident von -Batavia an die Regierung, dass die Brik Fanny, welche von Mauritius -angekommen war, die Nachricht gebracht hatte, dass dort die Cholera -ausgebrochen war und in drei Wochen 3000 Menschen dahingerafft hatte, -dass dieses Schiff Quarantaine halten musste, welche Maassregel -gebilligt wurde, ebenso als die Isolirung der Schiffe, welche -die Strasse von Sunda passirten. Bald zeigte es sich, dass alle -Vorsichtsmaassregeln vergebens genommen waren. In der Nacht vom 22. auf -den 23. April 1821[109] brach die Cholera in Mittel-Java, und zwar in -Samarang aus, ohne dass eine strenge Untersuchung constatiren konnte, -von wo sie gekommen war und aus welcher Ursache sie sich entwickelt -hatte ...« - -»Die Schiffe, welche auf der Rhede von Samarang lagen, wurden genau -untersucht; aber es meldete der Militärarzt +Bakker+,[110] dass auf -keinem der Schiffe eine Spur der Krankheit zu finden war, so dass ihr -Entstehen auch hier ein Räthsel blieb. Aber sicher ist es, dass sie -nicht über See eingebracht wurde, und dass zu Land kein Verkehr mit -irgend einem der inficirten Orte bestand.[111] Unterdessen kamen auch -einige Cholerafälle in Demak vor, welches im Osten von Samarang -liegt ...« - -Von 786 Javanen findet man in dem Staatsarchiv einen sehr genauen -Rapport, welcher von einem eingeborenen Häuptling verfasst war. Aus -diesem ist ersichtlich, dass gestorben waren - - am 22. April 3 Menschen - 23. „ 6 „ - „ 24. „ 15 „ - „ 25. „ 53 „ - „ 26. „ 42 „ - „ 27. „ 85 „ - „ 28. „ 99 „ - „ 29. „ 87 „ - „ 30. „ 126 „ (NB. Abends Regen) - „ 1. Mai 77 „ - „ 2. „ 99 „ - „ 3. „ 94 „ - - Es starben binnen 1 Stunde 51 Menschen - 2 Stunden 46 „ - 3 „ 39 „ - 4 „ 60 „ - 5 „ 40 „ - 6 „ 38 „ - 7 „ 49 „ - 8 „ 35 „ - 9 „ 32 „ - 10 „ 40 „ - 11 „ 33 „ - 12 „ 73 „ - 18 „ 31 „ - 24 „ 65 „ - 48-80 „ 7 „ - -Die weiteren Mittheilungen des Sanitätschefs Dr. +Bosch+ will ich -unerwähnt lassen, weil sie nur der Spiegel der damaligen Rathlosigkeit -sind, was die Aetiologie dieser Krankheit betrifft. - -Wenn ich auch den statistischen Angaben aus dieser Zeit absolut -keinen Werth beilege, und auch die Mittheilungen über die angeblich -unternommenen »genauen« Untersuchungen geradezu bezweifle, so glaube -ich doch, natürlich ohne weiteren Commentar, die mir zugänglichen -Ziffern über die Cholera auf den Inseln des indischen Archipels -mittheilen zu sollen. - -Von 1821 bis 1832 starben in der Armee an Cholera 559, 118, 200, 158, -147, 256, 183, 281, 330, 261, 115, 30 (das erste Halbjahr) = 2638, und -8487 waren erkrankt. - -Dr. +W. Bosch+ theilt weiter mit, dass vom Jahre 1832 an die Rapporte -über die Cholera schweigen, so dass »man annehmen muss, dass die -eigentliche Cholera nicht mehr vorgekommen ist«, und dennoch -- sind -unter der Statistik der in der Armee behandelten Krankheiten von der -ersten Hälfte des Jahres 1847 24 Patienten mit 5 Todesfällen angegeben. -Da dieser Summirrapport über »das erste halbe Jahr 1847« erst in 1850 -erschien, so lässt sich dieser Widerspruch nicht anders erklären, als -dass die sporadischen Fälle ausser Betracht blieben. - -Wenn wir die weiteren Jahre, deren Berichte mir zugänglich sind, -betrachten, so sehen wir, dass die Cholera in Indien endemisch ist. - -Vom Jahre 1852 bis 1885[112] starben an Cholera in Java (und Madura) -3122 europäische, 189 afrikanische und 1138 eingeborene Soldaten.[113] - -Vom Jahre 1891 bis 1895 kamen 185, 91, 41, 1, 1, zusammen 319 -Todesfälle an Cholera vor, während im Jahre 1896 137 und im Jahre 1897 -229 Bürger dieser Seuche erlagen. - -Die Ziffern des Jahres 1891 bis 1895 sollten beweisen können, dass -die Cholera auf den Inseln des indischen Archipels nicht endemisch -sei, sondern wie in Europa hin und wieder verschwindet und dann -wieder entsteht und in der Form einer Epidemie Hunderte und Tausende -hinwegrafft. Das Gegentheil ist richtig. Gerade die Thatsache, dass in -den Jahren 1894 und 1895 nur vereinzelte Fälle in der Armee vorkamen -und sich nicht ausbreiteten, gerade dies ist das Charakteristische -einer +endemischen+ Krankheit. - -Warum jedoch solche vereinzelte Fälle +manchmal+ und glücklicherweise -nicht immer zu grossen Epidemien die Anläufe werden, dafür fehlt uns -jedes Verständniss. Dies ist ja nicht allein mit der Cholera der -Fall; es kommen ja in Europa isolirte Fälle von Pocken, Diphtheritis, -Lungenentzündung, Dysenterie, Typhus und Scharlach vor, und in -Indien geschieht dasselbe mit der Malaria, während im anderen Jahre -diese Infections-Krankheiten epidemisch auftreten und sich rasch -über grosse Strecken verbreiten. Will man sich mit der Erklärung -begnügen, dass in dem einen Falle sich weiter keine dazu +disponirten+ -Menschen fanden, in dem zweiten Falle sich jedoch zahlreich solche -Individuen einstellten -- auch recht: »Wo Begriffe fehlen, da stellt -ein Wort zur rechten Zeit sich ein«; ich jedoch -- bezweifle noch -immer die Richtigkeit der herrschenden Infectionstheorie, obwohl der -Commabacillus in den Defäcationen der meisten Cholerakranken gefunden -wird. - -[Illustration: Fig. 13. Ein javanischer Häuptling mit seiner Frau in -Galakleidung.[114]] - -Im Jahre 1882 obducirte ich mit einem Collegen (Dr. +van Th...+) in -Batavia einen Soldaten, welcher ins Spital gebracht worden war. Wie -üblich, machte der damit betraute Soldat die Section, und nur einige -kleine Handgriffe, wie z. B. das Oeffnen der Herzhöhlen, nahmen wir -vor. Wir machten die Diagnose: Cholera, und Dr. +van Th...+ bekam --- einen Choleraanfall,[115] während ich nur eine Exacerbation meines -alten Nervenleidens erlitt. Ich bekam heftigen Stuhlgang und Beklemmung -in der Herzgrube (Präcordialangst), ich wurde aufgeregt und gejagt, und -wiederum raubte mir die Furcht vor der Cholera beinahe die ganze Nacht -den Schlaf. Diese Erkrankung des Dr. +van Th...+, sowie die vier oben -erwähnten Fälle der Krankenwärter, welche der Cholera erlagen, nachdem -vier Tage hintereinander je ein Patient von der Rhede von Batavia -ins Spital geschickt wurde, sind wohl genug Beweise, dass Cholera -von Person auf Person übertragen werden +könne+, dass sie also eine -Infectionskrankheit stricte dictu sei. - -Auf welchem Wege geschieht die Infection durch den Commabacillus? -+Grossi+, +Cattam+ und +Tizzoni+ haben auf Fliegen diese Bacterien -gefunden; auch auf den Mosquitos Indiens sollen sie gefunden worden -sein. Für jeden Fall ist diese Quelle der Infection eine ganz geringe, -weil auf den Küsten zur Zeit der Cholera-Epidemie Tausende und Tausende -10-20 Mal, und zwar jeden Abend gestochen werden, ohne die Cholera zu -bekommen, und andererseits diese Krankheit in Gebirgsgegenden eine -verheerende Verbreitung genommen hat, ohne dass Mosquitos oder Fliegen -vorgekommen wären. - -+Virchow+ fand in dem Magen von Choleraleichen noch in Verdauung -begriffene Speisereste, wenn die Krankheit nur 1-2 Stunden gedauert -hatte; der saure Magensaft der Thiere vernichtet die Commabacillen, -und darum gelingt es nur ausnahmsweise, Thiere durch Fütterung von -Reinculturen dieser Bacterien an Cholera erkranken zu lassen, und -man muss zu diesem Zwecke erst die Säure des Magens abstumpfen. Es -müssen also mit den Speisen selbst in den von +Virchow+ angegebenen -Fällen die Bacillen eingeführt worden sein, und thatsächlich ist zu -allen Zeiten die Nahrung als Vehikel des Choleragiftes angesehen -worden; so z. B. sah +Tytler+ den Gebrauch von verdorbenem Reis als -die Ursache des Entstehens der Cholera an; noch heute werden unreife -Früchte, und von einigen Aerzten sogar auch solche, welche ganz reif -sind, als die Keimträger der Cholera angesehen. Als im October 1896 -in Atjeh sieben Fälle von Cholera vorkamen, wurde auf Vorschlag des -Landes-Sanitätschefs der Verkauf von allen Früchten auf dem Markte -verboten. Auf allen Speisen können zufällig Commabacillen vorkommen. -Warum werden dann nicht alle Speisen verboten? - -Natürlich musste man auch an das Trinkwasser als Vehikel des -Choleragiftes denken, und das Nutzwasser des Bades und der Küche u. -s. w. können in grösserer oder kleinerer Anzahl die Cholerabacterien -enthalten. - -Wenn wir absehen von den wenigen Städten in Indien, in welchen -artesisches Wasser gebraucht wird, ist ja die Quelle des Trinkwassers -und des Nutzwassers selten eine reine. Nach +von Pettenkofer+ -und Anderen sind der alluviale Boden und die tertiäre Formation -aussergewöhnlich günstig zur Entwicklung des Commabacillus; die ganze -Nordküste Javas ist ja angespültes Land; das Grundwasser derselben ist -überfüllt von faulenden Stoffen, und der Lehmboden ist ein schlechter -Filter. Darum ist Surabaya mit Recht eine ungesunde Stadt zu nennen. - -Wenn wir absehen von den Pantjorans im Gebirge, welche reines -Quellwasser führen, so ist das Wasser, welches der »kleine Mann« -gebraucht, beinahe eine Reincultur von allen möglichen Bacterien und -somit auch des Commabacillus. Er gebraucht das Wasser der Sümpfe und -der Strassenriolen zum Mischen mit der Milch, zum Trinken, zum Kochen -seines Reises, zum Baden, zum Mundspülen, zum Waschen seines Geschirrs -und zum Besprengen des Gemüses und der Früchte, welche er auf den Markt -bringt, um ihnen ein frisches Aussehen zu geben. - -Aber auch die Entleerungen der Menschen und Thiere befördern die -Verbreitung einer Cholera-Epidemie. In der Regel befinden sich die -Aborte im Garten neben dem Badezimmer, und die Abfuhr beider mündet in -eine Senkgrube, welche die verdünnten Fäces dem Boden mittheilt und das -Grundwasser verpestet. - -Dass die Cholera endemisch in Indien sei, lässt sich kaum bestreiten, -ohne dass wir die undeutliche Definition dieses Kunstausdruckes, welche -im Jahre 1876 von der indischen Regierung den Beamten zur Richtschnur -gegeben wurde, zur Basis dieser Behauptung nehmen. - -Sie lautet folgendermaassen: ... »zu erklären, dass eine Krankheit -dann +epidemisch+ genannt werden müsse, wenn sie den Stand aller -Krankheiten, wie er in gewöhnlichen Verhältnissen sich zeigt, -überschreitet, dass aber eine Krankheit dann +endemisch+ zu nennen -sei, wenn sie sich zwar beschränkt auf den Ort, wo sie entsteht, aber -gleichzeitig eine grosse Zahl Menschen angreift.« - -Ich habe in Indien nur eine einzige Choleraleiche seciren sehen; ich -kann daher darüber nichts mittheilen, ob unter dem Einflusse des -Tropenklimas die Befunde der Choleraleichen andere als in Europa -seien. Was die Symptome dieser Krankheit betrifft, so will ich sie -unbesprochen lassen, weil sie dieselben wie in den gemässigten Zonen -sind. Ob mehr Europäer oder mehr Eingeborene der Cholera zum Opfer -fallen, ist deutlich aus den Militär-Krankenrapporten ersichtlich. -Ich habe vor mir die Rapporte von den Jahren 1878 bis 1885 und 1891 -bis 1895, also über 13 Jahre, und während jeder Epidemie erlagen -bedeutend mehr Europäer als Eingeborene dieser Seuche; auch die Zahl -der sporadischen Fälle spricht zu Gunsten der Eingeborenen.[116] - - Europäer. Eingeborene. - 1878 38 19 - 1879 5 4 - 1880 7 2 - 1881 410 150 - 1882 262 72 - 1883 326 128 - 1884 80 15 - 1885 69 35 - 1891 190 89 - 1892 91 34 - 1893 40 23 - 1894 -- 2 - 1895 -- 1 - -Die Behandlung der Cholera richtet sich in Indien nach den jeweilig -herrschenden Ansichten in Europa. So hat z. B. Dr. +J. Gronemann+, -gewesener Leibarzt des Kaisers von Djocja, mit sehr viel Eifer auf -Grund der herrschenden Lehre der Bacteriologie die Creoline empfohlen. -Sein grosser Sanguinismus über den Werth dieses Heilmittels hat nicht -nur die indische Presse, sondern auch die von Holland ergriffen, und -als im Jahre 1897 die Cholera wieder in Surabaya epidemisch auftrat, -wurde eine Commission dahin geschickt, welche unter persönlicher -Leitung dieses alten Mannes die Creoline einer wissenschaftlichen -Untersuchung und Probe bei Cholerakranken unterziehen sollte. Als -endlich nach vielen Schreibereien diese Commission zusammengestellt und -mit Dr. +Gronemann+ in Surabaya angekommen war, wurden die Cholerafälle -mit jedem Tage weniger, so dass sie wegen Mangels an Material -unverrichteter Sache nach Hause gehen mussten. Dr. +Gronemann+ ist kein -Charlatan -- ich kenne ihn persönlich -- sondern ein therapeutischer -Optimist; in »de Locomotief« vom 5. November 1896 empfahl er den -Gebrauch (+gereinigter+) Früchte zur Cholerazeit, und schliesst mit -folgenden Worten: - -»Nun noch folgende nicht unwichtige Mittheilung: Ein sehr bekannter -und renommirter Doctor-djawa wurde nach einem abseits gelegenen Ort -gesendet, wo in wenigen Tagen 40 Eingeborene an Cholera (oder an einer -der Cholera ähnlichen Krankheit) krank geworden und (+Alle+) gestorben -waren. Er fand dort 10 neue -- nach den Symptomen zu urtheilen -- an -echter Cholera erkrankte Javanen. Eine bacteriologische Untersuchung, -welche allein ausmachen konnte, ob die Krankheit wirklich die -asiatische Cholera oder die Cholera nostras war, konnte nicht gehalten -werden. Aber beide Krankheitsformen, welche miteinander nahe verwandt -sind und unter derselben Erscheinung zum Tode führen, werden durch -Commabacillen verursacht, welche in den Darmcanal eindringen, dort -fortwuchern, untereinander sich nur wenig unterscheiden, und auf -gleiche Weise schnell und sicher durch Creoline getödtet werden.« - -»Der »Doctor-djawa« gab Allen Creoline nach meiner Methode, welche seit -mehr denn sieben Jahren von ihm angewandt wird. Von diesen 10 Patienten -starben noch 4, und 6 von ihnen blieben am Leben.« - -»Hierauf liess er +alle+ Kampongbewohner dieselbe Medicin als -+Prophylacticum+ gebrauchen, indem er ihnen weismachte, dass es Wasser -von Rum sei, welches die Teufel austreiben konnte, welche diese -Krankheit verursachten und ... kein einziger wurde wieder von der -Krankheit ergriffen.« »Practica est multiplex.« - -Ob seitdem diese Therapie der Cholera in die grosse Menge der indischen -Bevölkerung gedrungen sei, ist mir nicht bekannt; aber bis nun wurde -beim Ausbruch einer Cholera-Epidemie von der Regierung bis in die -kleinsten und abgelegensten Dörfer der »Choleratrank von Bleeker« in -hunderten und tausenden von Flaschen geschickt, weil die Eingeborenen -diese »Obat sakit parut« sehr gern nahmen. - - Rp. Olei cajeputi p. II. - Olei menthae piperit. p. III. - Oxyd. aethyl. c. alcoh. p. XXX. - Vini opii aromatici p. XV. - M. D. S. Cholera-Essenz; - - davon 2 Esslöffel auf 1 Weinflasche (= 750 Gramm) filtrirtes Wasser - und davon jede ¼ oder ½ Stunde 1 Esslöffel zu nehmen. - -Die +Prophylaxis+ der Cholera fällt mit der gegen die Malaria zusammen, -weil beide nicht nur theoretisch in die Klasse der miasmatischen -Krankheiten gehören, sondern auch factisch gleichzeitig vorkommen. -Da auch die dritte Geissel der Tropen, die Beri-Beri, eine rein -miasmatische Krankheit ist, so müssen alle prophylaktischen Maassregeln -des Staates gegen das Entstehen und Ausbreiten der einen Krankheit auch -den übrigen miasmatischen Krankheiten (worunter wir auch in den Tropen -den Typhus und die Dysenterie rechnen) zu Statten kommen. Um also nicht -in Wiederholungen zu verfallen, wird in dem weiteren Capitel, welches -die übrigen Krankheiten besprechen wird, die staatliche Prophylaxis -derselben nur angedeutet werden. - -Dieselbe erstreckt sich natürlich auf alle bekannten Quellen der -Miasmen und muss -- Erreichbares anstreben, denn, wer das Höchste -anstrebt, wird das Hohe erreichen. - -Dazu gehören: Sümpfe, Reisfelder, Irrigation, Wasser, Abfuhr von -Fäcalien und Abattoirs. - -+Sümpfe+ kommen nicht allein auf der Küste, sondern auch im Gebirge -vor, wo sie vulcanischen Ursprungs sind; darum sind auch nicht alle -Berg-Garnisonen frei von Malaria-Epidemien. Ein sprechendes Beispiel -hierfür ist z. B. die Stadt Ambarawa mit dem Fort Willem I. Ausgedehnte -Sümpfe (rawah) kommen auf Java in grosser Anzahl vor; der berüchtigtste -ist im Süden Javas bei Tjilatjap, wo ich im Jahre 1890 in Garnison -lag und von der Malaria stark heimgesucht wurde. Dazu kommen die -zahlreichen nassen +Reisfelder+ (sawah), welche wie ein Mosaikbild -die ganze Oberfläche Javas mit Farbennuancen vom Hellgelb bis zum -Dunkelgrün bedecken. - -Das Austrocknen der Sümpfe und die Beseitigung der nassen Reisfelder -wäre sicher eine radicale Maassregel; aber -- beide sind unausführbar. -Im Jahre 1747 musste in Nordbrabant bei Steinbergen ein solches -Unternehmen unterbrochen und das Land wieder unter Wasser gesetzt -werden, weil die damit entstandene Exacerbation der Malaria-Epidemie -Tausende hinweggerafft hatte. Wie viel Opfer haben der Bau des -Hafens Tandjong Priok bei Batavia und von Tjilatjap gekostet, weil -die Arbeit in Sümpfen stattfinden musste. Die Sümpfe auf Java sind -zu gross, um vorläufig nur daran denken zu lassen, sie gleichzeitig -und in kurzer Zeit trocken legen zu lassen. So viel Geld und so viel -Menschenleben würde dieses kosten, dass »de remedie erger dan de kwaal« -= das Heilmittel ärger als die Calamität wäre. Wir haben ja noch -andere Mittel, um den schädlichen Einfluss der Sümpfe zu beseitigen -oder wenigstens zu verkleinern. Wir können sie sehr leicht zu Seen -verändern, welche immer mit einer hohen Wasserschicht bedeckt sind. -An Wasser ist wahrhaftig auf den Inseln des indischen Archipels kein -Mangel; so z. B. hatte Tjilatjap im October 1889 einen Regenfall von -1111 mm, und der geringste Wasserfall war im Januar, in welchem Monat 9 -Regentage mit 152 mm sich einstellten; im ganzen Jahre waren mehr als 4 -Meter Regen gefallen.[117] Das Eindämmen dieser zahlreichen Sümpfe und -Umwandeln derselben zu Seen erfordern keine grossen Summen Geldes und -gewiss nur wenig Menschenleben, so dass diese radicale Cur ins Reich -des Möglichen und Erreichbaren versetzt werden kann. - -Ein palliatives Mittel ist die theilweise Drainage der Sümpfe in der -Nähe von Dörfern und Städten durch Graben von Riolen um jedes Haus, -welche, zweckmässig untereinander verbunden, nicht nur das Regenwasser, -sondern auch das Grundwasser in grössere Canäle leiten und einem -Flusse zuführen würden. +Soyka+ sagt nämlich: Es lassen sich die -Beziehungen der Malaria zum Boden in folgenden Factoren zusammenfassen: -1. in der physikalischen und geographischen Beschaffenheit des -Bodens, 2. in der Durchfeuchtung desselben, und 3. in dem Gehalte -an organischen Stoffen. Den ersten Factor »die physikalische und -geographische Beschaffenheit des Bodens« müssen wir natürlich bei so -grossen Strecken, wie sie auf Java vorkommen, ausser Betracht lassen; -wir können vielleicht den Garten eines Hauses oder seinen Untergrund -oder vielleicht den Boden eines ganzen Dorfes in seiner Beschaffenheit -verändern, z. B. mit Sand oder einem Gemenge von Kalk und Sand oder -mit dem sogenannten Concrete pavement gegen das Eindringen von Luft, -Wärme und Feuchtigkeit schützen; aber +unmöglich+ kann von einer -Regierung verlangt werden, dieses auf Strecken von Millionen von -Hectaren anzuwenden. - -Auch die Durchfeuchtung solcher ausgestreckter grosser Ländereien -radical zu beseitigen, ist zu theuer; sie kann vermindert werden durch -gute Canalisirung der Städte oder durch Anbau von Pflanzen, welche -dem Boden viel Wasser entziehen, wie Eucalyptus, Sonnenblumen, Acacia -tomentosa u. s. w. - -Wenn aber durch Erdbeben oder durch vulcanische Ausbrüche solche tief -liegende Erdschichten aufgewühlt und auf der Oberfläche aufgeworfen -werden, welche mit irgend einer Wasserquelle in Verbindung standen -oder noch stehen, dann sind in der Regel diese neu entstandenen Sümpfe -oder Pfützen von so relativ unbedeutender Ausdehnung, dass der Staat -einschreiten kann, um das Entstehen einer neuen Quelle für miasmatische -Krankheiten zu verhüten, sei es durch die Anlage eines Dammes, -welcher den neuen Sumpf zu einem Teiche oder See umwandelt, oder -durch Drainage oder andere Wasserwege, welche den Sumpf entwässern. -Die nassen Reisfelder (sawah), welche ebenfalls eine reiche Quelle -von miasmatischen Krankheiten sind, werden von der Bevölkerung lieber -als die trockenen angelegt, weil das Erträgniss derselben reichlicher -als die der Ladang (trockenen Reisfelder) ist, und verdienen darum an -dieser Stelle einige Worte der Besprechung. - -Der Reis ist die Volksnahrung des ganzen Archipels und somit auch -Javas, und da nebstdem der Reisbau einen nicht unbeträchtlichen -Einfluss auf die Gesundheit Javas (sowie der übrigen Inseln) nimmt, so -glaube ich hier einiges über die Cultur, Eintheilung u. s. w. desselben -anführen zu müssen, wenn es auch etwas seitwärts von der Frage der -Prophylaxis der Cholera liegt. - -Ungefähr 80 Sorten des Reises soll es geben; darunter sind die -bekanntesten Kelán (Oryza glutinosa), Oryza sativa (Páddi),[118] Páddi -rawa (Oryza montana), Páddi tipar (Oryza praecox). - -Nach der Farbe des gestampften Reises spricht man von weissem, rothem -und schwarzem Reis. Beinahe ausschliesslich wird der weisse Reis von -den besser situirten Eingeborenen und Europäern gegessen; der rothe ist -viel billiger und wird am häufigsten in den Gefängnissen verabfolgt, -obzwar der weisse +und nicht der rothe+ Reis nach den letzten -Untersuchungen das Entstehen der Beri-beri veranlassen soll (??); -der bras itam (der schwarze Reis) wird nur im Nothfalle vom Menschen -gegessen, weil er einen unangenehmen adstringirenden Geschmack hat. - -Im ersten Theile Seite 70 habe ich bereits von dem hohen Nährwerthe -des Reises gesprochen und auch seine Bedeutung als Volksnahrung der -Eingeborenen hervorgehoben. Ich kann also sofort auf die Verhältnisse -hinweisen, wodurch die nassen Reisfelder zu einer reichlichen Quelle -der Malaria und anderer miasmatischer Krankheiten werden. - -Es ist ein kleines Feld, welches von dem benachbarten durch einen -schmalen Wall (galengan) getrennt ist. Die Felder liegen entweder in -der Ebene oder auf den Abhängen der Berge, auf welchen sie dann wie -breite Stufen den Berg bedecken. In beiden Fällen ist in sinnreicher -und kunstvoller Weise gesorgt, dass die Bewässerung der einzelnen -Reisfelder zu jeder Zeit und nach Belieben stattfinden könne. Zu -diesem Zweck wird einfach ein Loch in den Galengan gebohrt, und wenn -der Zufluss nicht mehr erwünscht ist, wird es wieder verstopft.[119] -Das Feld hat eine verschieden hohe Schicht Humus, welche durch -ihren Reichthum an organischen Stoffen durch die herrschende hohe -Temperatur und die Feuchtigkeit geradezu eine Reincultur für zahlreiche -Mikroorganismen und besonders für Miasmen ist. - -Die Aussaat geschieht nur in einem kleinen Theil des Feldes, welches zu -diesem Zwecke unter Wasser gesetzt wird. Hat der Reis eine Höhe von 40 -bis 50 Centimeter erreicht, wird der übrige Theil unter Wasser gesetzt, -und wenn die Erdschicht genug weich geworden ist, werden die jungen -Sprösslinge in gemessener Entfernung in den Grund gesetzt, und das -Feld bleibt mit einer niederen Wasserschicht bedeckt. Sobald der Reis -reif ist, wird das Wasser abgelassen und der Schnitt findet auf dem -ausgetrockneten Felde statt. Dies geschieht dreimal in zwei Jahren, und -dann bleibt das Feld brach liegen, oder wird, was häufiger geschieht, -ein »zweites Gewächs« gepflanzt, wie z. B. Leguminosen, indische -Knollenfrüchte oder Djagong (Mais). Zum Zwecke des neuen Reisbaues wird -das Feld wieder unter Wasser gesetzt und mit dem Büffel gepflügt. - -In Italien und Frankreich, in den englischen wie in den französischen -Colonien wurde vielfach diese Frage ventilirt, d. h. ob der Bau der -nassen Reisfelder Gefahren für die Volksgesundheit bringe, oder ob -diese Gefahren nur auf theoretischer Basis entstanden seien und auf -derselben Grundlage von Geschlecht zu Geschlecht irrthümlicherweise -sich überliefern. - -Mit mehr oder weniger Recht kann für Java der Einwand gemacht werden, -dass auf dieser Insel trotz der Anwesenheit der Sawahfelder die -Bevölkerung in diesem Jahrhundert so bedeutend zugenommen habe, dass -überhaupt keine Volkskrankheit von Bedeutung auf Java herrschen könne. - -Die Mortalität allein kann aber hierin nicht das entscheidende Wort -sprechen. Die Morbidität und das Allgemeinbefinden sind ja auch -Factoren, die in dieser Frage mitzusprechen haben. - -In Tjilatjap, der ärgsten Fieberhöhle von Java, wohnte eine europäische -Familie im Jahre 1891 seit 27 Jahren, eine zweite Familie seit 12 -Jahren u. s. w., ohne durch die dort herrschende Malaria zu leiden, -auch wenn diese zu der heftigsten Epidemie exacerbirte, der Tausende -und abermal Tausende erlagen; diese zwei Familien haben ebenso wie -Tausend andere der Eingeborenen eine gewisse Immunität erworben, -die ja, folgert Prof. +Koch+, regelmässig mit dem Ueberstehen einer -Infection verbunden sein soll. - -Wenn man also behaupten will, dass der Sawahbau nicht schädlich sei, -weil die Bevölkerung trotz desselben mit jedem Jahre wachse, so müsste -man auch behaupten, dass die Sümpfe ungefährlich seien, und dass die -Malaria eine unschädliche Krankheit sei, weil trotz derselben die -Bevölkerung an Zahl zunehme; ja noch mehr; die grossen Sümpfe bei -Tjilatjap werden von dem Kindermeer begrenzt, welches, wie ich mich -persönlich überzeugt habe, seinen Namen mit Recht verdient: Eine -Unzahl von Kindern umschwärmte uns, als ich und eine Gesellschaft den -Kampong aufsuchte, welcher sich auf zwei Meter hohen Pfählen über der -Sumpffläche des Dorfes erhob. - -Entscheidend für die Schädlichkeiten der Sawahfelder ist allein die -Frage: Kommen in der Nähe derselben zahlreiche Fieberfälle vor, -welche aufhören, wenn die Sawahfelder aufgelassen werden? Dies -ist thatsächlich der Fall, und seit dem Jahre 1875[120] wurde die -Richtigkeit dieser Thatsache und Schlussforderung in zahlreichen Fällen -nachgewiesen. Die Sawahfelder sind also eine reichliche Quelle für die -Malaria; sie müssen also entweder abgeschafft oder unschädlich gemacht -werden. - -Nach dem ganz richtigen Principe der Holländer, die Eingeborenen so -viel als möglich in ihren Sitten und Gebräuchen zu lassen, könnte das -Abschaffen der Sawahfelder nur eine Frage der Zeit sein, d. h. man -könnte durch Belehrungen und durch andere Mittel der Ueberredung die -Javanen von der Schädlichkeit der Sawahfelder überzeugen, und es würde -bei dem Conservatismus der Javanen der Regierung zunächst gelingen -müssen, den Vortheilen des Baues trockener Reisfelder Anerkennung -zu verschaffen und erst die folgende Generation ihn in die Praxis -einführen zu lassen. - -Wenn jedoch, was mir nicht bekannt ist, das Erträgniss der Sawahfelder -um so viel das der Ladangs überragen sollte, dass dadurch das Interesse -des Volkes leiden sollte, dann kann man sich mit palliativen Mitteln -behelfen. Die Regierung kann ja verbieten, dass in einem Umkreise -von 250 Metern, welcher die öffentlichen Gebäude und eventuell die -Wohnstätte der Europäer und selbst die Kampongs umziehen würde, kein -nasses Reisfeld angelegt wird; es ist zwar richtig, dass ein Streifen -Land von 250 Meter Breite und vielleicht von 1 bis 2 Kilometer Länge -ein respectables Vermögen repräsentirt; aber mit diesem Vorschlag -ist ja noch nicht gesagt, dass dieser Streifen darum auch unbebaut -bleiben müsse; im Gegentheile, er müsste mit Garten-Anlagen versehen, -mit Fruchtbäumen als: Djerug, Mangistan, Advocaat, Duku, Langsat, -Kanaris, Tamarinda, Durian, Nangka u. s. w. bepflanzt werden, um das -Ueberstreichen der Miasmen zu verhüten. - -+Die Wasserbesorgung+ bleibt für Indien immer eine schwierige Frage, -weil selbst artesische Brunnen nicht immer tadelfreies Wasser liefern; -sie wird weiter unten ausführlicher besprochen werden. - -+Die Abfuhr der Fäcalien+ ist in Java sowie auf allen Inseln des -indischen Archipels noch sehr primitiv. Als das Ideal derselben gilt -strömendes Wasser, über welchem sich der Abort befindet. Ein grosser -wasserreicher Strom erfüllt vielleicht (??) diesbezüglich alle -Anforderungen der modernen Hygiene. Solche kommen jedoch wenig auf -Java vor und können übrigens nur einer kleinen Anzahl von Wohnungen -hierin gute Dienste leisten; in der Regel durchziehen Riolen die Stadt, -welche zu wenig Wasser haben, um in ausgiebiger Weise die deponirten -Fäces in den benachbarten Strom zu bringen. Sehr häufig besitzen die -Häuser Senkgruben, welche alle Jahr einmal geleert werden. Natürlich -durchdringt der flüssige Inhalt den Boden und erreicht oft genug den -Brunnen. In den grossen Anstalten, Spitälern, Casernen und Gefängnissen -ist das Tonnensystem in Gebrauch; täglich werden von Sträflingen die -vollen Tonnen in den nahen Fluss (stromabwärts) entleert und gereinigt. -Die Eingeborenen gebrauchen für ihre Bedürfnisse am liebsten den Fluss, -auch wenn er selbst 2-300 Meter vom Hause entfernt ist; im andern Falle -haben sie im Garten eine Senkgrube, welche mit Brettern gedeckt ist. - -In den Deckel ist eine Oeffnung geschnitten, so dass der Eingeborene -seine Kunst im Hocken (Djongkok M.) auch bei dieser Gelegenheit üben -kann. Selbst wenn er als Bedienter bei seinem Herrn oder in einem -Hotel einen Sitzplatz findet, wird er nur darauf hockend oder stehend -davon Gebrauch machen. Aus hygienischen und Reinlichkeits-Gründen wäre -dieses Jedermann zu empfehlen, obwohl damit andere Unannehmlichkeiten -verbunden wären. Es ist aber nicht Jedermanns Sache, hockend einige -Minuten auf einem Brette stehen zu können oder zu wollen. - -Die Abfuhr der Fäcalien spielt in der Ausbreitung gewisser epidemischer -Krankheiten, wie z. B. der Cholera, des Typhus, der Dysenterie u. s. w. -eine grosse Rolle. Ich würde jedoch die Grenzen dieses Buches zu weit -überschreiten, wenn ich die Mittel besprechen wollte, welche Java von -dem schädlichen Einfluss dieser mangelhaften Canalisirung der Städte -befreien können. - -Von den auf Seite 197 angeführten Factoren, welche in der Aetiologie -der Cholera eine Rolle spielen, werden die +Abattoirs+ in Java am -meisten stiefmütterlich behandelt. Das Thier wird in einer Schoppe -aus Bambus geschlachtet, das Blut wird von dem chinesischen und -europäischen Schlächter in grossen Töpfen aufgefangen und in der Küche -verwendet, während der Eingeborene es in die Riolen abfliessen lässt. -Die andern Abfälle werden in die nächste Senkgrube geworfen. Die -Haut der Rinder und die Hörner werden zu Industriezwecken verwendet, -und Niemand kümmert sich darum, ob die übrigen Abfälle durch das -Faulen in der freien Luft, in oder ausserhalb der Senkgruben die Luft -verpesten oder in der trockenen Zeit austrocknen, oder ob sie von den -»Gladakkers« = herrenlosen Hunden des nächsten Kampongs verzehrt werden. - -Die individuelle Prophylaxis der Cholera richtet sich in Java nach den -jeweiligen in Europa herrschenden Ansichten; bald wird Salzsäure, bald -Brandy in das Trinkwasser gegeben, bald wird nur gekochtes, bald gar -kein Trinkwasser getrunken, bald werden gar keine Früchte und bald nur -saure Früchte gegessen -- auch gegen diese endemische Krankheit Javas -erwartet man von Europa nicht nur die Mittel der Behandlung, sondern -auch die der Prophylaxis. - - - - -8. Capitel. - - Die Schiefertafel („Leitje“) -- Die Wege der Fama -- Lesegesellschaft - -- Ein humoristischer Landesgerichtsrath -- Abreise von Ngawie - -- Ambarawa -- Nepotismus in der Armee -- In drei Tagen zweimal - transferirt -- Vorschuss auf den Gehalt -- Die Provinz Bageléen -- - Essbare Vogelnester -- In Tjilatjap -- Polizeisoldaten -- Beamte -- - Sehenswürdigkeiten von Tjilatjap -- Officiere in Civilkleidung -- - Eingeborene Beamte -- Gehalt eines Regimentsarztes -- An Malaria - erkrankt -- Djocja -- Der Tempel Prambánan -- Die „Tausend Tempel“ -- - Wieder nach Ngawie -- Spitalbehandlung der Officiere -- Reibereien - in kleinen Städten -- Die Provinz Surakarta -- Der Kaffeebaum -- Ein - Roman auf dem Vulcane „Lawu“. - - -Am 10. Januar 1890 wurde meine Transferirung nach Willem I beschlossen. -Wie gewöhnlich erfuhr ich dies zunächst aus den telegraphischen -Nachrichten in der »Locomotief«, der besten, täglich erscheinenden -Zeitung von Indien. Ahnungslos sass ich Nachmittags um vier Uhr beim -Thee, als mich ein »Leitje« = »Schiefertafel« des Platz-Commandanten -davon verständigte. Es wird nämlich in Indien zum geselligen -schriftlichen Verkehr kein Papier, sondern das »Leitje« gebraucht, -welches aus einer doppelten Schiefertafel besteht. Auf die eine -schreibt man seine kurze Mittheilung, und auf die zweite kann der -Empfänger sofort die Antwort schreiben, weil sich der Griffel im -hölzernen Rahmen befindet. Dies ist eine sehr einfache und praktische -Correspondenz, welche voraussetzt, dass der Ueberbringer, der Bediente -oder die Babu (Zofe), es nicht lesen können, und dass kein indiscreter -Nachbar sie auffängt. Leider ist oft weder das Eine noch das Andere der -Fall, und werden Privatgeheimnisse bekannt, ohne dass der Verräther -eines solchen Geheimnisses geahnt wird. - -Ein solcher Fall trug sich auf Atjeh im Jahre 188. zu. Der Gouverneur -der Provinz, General v. T..., beschloss eines Tages, am anderen -Morgen eine grosse Expedition gegen die Atschinesen ausrücken zu -lassen, und besprach diese Angelegenheit mit den vier anwesenden -Bataillons-Commandanten. Diese Expedition musste geheim gehalten -werden, weil der Feind überfallen werden sollte. Am andern Morgen -wurde um drei Uhr Alarm geblasen, und die vier Bataillons-Commandanten -waren nach einer Viertelstunde an der Spitze ihrer Truppen. Da trat -plötzlich ein Hauptmann zu dem Oberst-Lieutenant B. und frug ihn, wie -spät er hoffe in Y. zu sein. »Wieso wissen Sie es, dass wir nach Y. -marschiren?« »O, dies habe ich gestern im Club gehört.« »Was? Sie haben -es gestern Abend im Club gehört, und wir vier Bataillons-Commandanten -haben dem General v. Th.. das Wort gegeben, die Expedition geheim zu -halten! Gehen Sie sofort zum General, ihm dieses zu melden; denn wenn -Sie es schon gestern im Club gehört haben, dann wissen es auch schon -die Atschinesen, und unsere Arbeit ist umsonst; ‚der Vogel ist sicher -geflogen‘.«[121] Der General war entrüstet, als er von diesem Vorfall -Rapport erhielt, liess die Truppen in die Caserne zurückgehen und -befahl dem Oberst-Lieutenant B., eine strenge und genaue Untersuchung -zu halten, von wem der Verrath ausgegangen sei. Alle Officiere, welche -den Abend vorher im Club gewesen waren, wurden vernommen, und endlich -fand man die Quelle des Verraths -- bei dem Oberst-Lieutenant B., -welcher seinem Adjutanten ein »Leitje« mit dem Befehle geschickt hatte, -ihn den folgenden Morgen um 3 Uhr von der Wohnung abzuholen. - -Abends um 7 Uhr kamen alle Officiere und bekannte Bürger zu mir, um mir -zu meiner Transferirung zu »felicitiren«. Die Veranda meines Hauses -hatte zwei ovale Tische, um welche Schaukelstühle und gewöhnliche -Stühle standen; diese waren chinesisches Fabrikat und aus Djattiholz -(Tectonia grandis) verfertigt. An der Mauer hingen zwei Oleographien -nach Defregger, und dazwischen befanden sich einige kleine Etagèren für -Blumentöpfe. Diese Etagèren waren von einem Javanen aus dem schweren -und harten Djattiholz geschnitten; sie verriethen ebenso viel Kunstsinn -als Geschmack und hätten jedem europäischen Holzkünstler Ruhm und viel -Geld eingetragen; sie stellten zwei schnäbelnde Tauben dar, welche ein -Brettchen auf dem Rücken trugen. Der Künstler war damals schon ein -alter Mann, so dass er leider nur noch kurze Zeit für seine Kunst leben -konnte. - -Kein einziger der Besucher dachte daran, mir und meiner Frau etwas -anderes als den Glückwunsch auszusprechen, endlich von diesem »Neste« -befreit zu werden. Es ist wahr, dass Ngawie eine hohe mittlere -Temperatur hatte; aber es hatte damals »ein gesundes Klima«. Es ist -wahr, dass die Zahl der Europäer sehr klein war; die Garnison hatte -1 Major, 2 Capitäns und 4 bis 5 Lieutenants; von den Bürgern konnten -mit uns auch nur 8 Familien verkehren, so dass der gesellschaftliche -Verkehr sich auf 15 Familien beschränken musste; solche kleinen -Garnisonen haben aber den Vortheil, dass ein gemüthlicher und -geselliger Verkehr leicht zu Stande kommt. - -Eine grosse Stadt bietet eine grosse Auswahl im Kreise der Bekannten, -es giebt in Batavia, Samarang u. s. w. zahlreiche Musikvereine, es -besteht eine Theatergesellschaft von Dilettanten, oder es kommen hin -und wieder Opern- und Operettengesellschaften aus Europa und führen -in mittelmässiger Qualität die letzten Novitäten (?) in einem dazu -bestimmten Gebäude auf, es giebt wissenschaftliche Vereine, Museen, -welche dem Amateur Sehenswerthes in Hülle und Fülle bieten. In den -zahlreichen Geschäften können die Damen, wenn auch oft nur um hohe -Preise, der Mode ihre unvermeidlichen Opfer bringen. Die grossen -Entfernungen bieten nicht nur zahlreiche Spazierwege, sondern zwingen -auch, eine Equipage zu halten, um damit auch täglich ausfahren zu -können und sich den thatsächlich hohen Genuss zu gönnen, sich um 6 Uhr -beim Scheiden der Sonne an dem sanften Zephyrwinde zu erfrischen, der -dem in der Equipage Sitzenden die Schweisstropfen trocknet. - -Ngawie war dagegen eine kleine Garnison und hatte nur eine kleine -Auswahl der gesellschaftsfähigen Menschen, während der Ort selbst -nichts, gar nichts zur Abwechslung in dem täglichen monotonen Leben -bot; die Menschen schliessen sich also mehr an und -- manchmal -entwickelt sich ein Freundschaftsverhältniss, das einen Ersatz für -alle Vorzüge der Grossstadt bietet. Für jeden Fall jedoch wird man -gezwungen, in »der Familie das Glück zu suchen«. Für die Zerstreuung -wird durch die »Büchsen« gesorgt. Wo nur zehn Europäer wohnen, wird -eine »Lesegesellschaft« errichtet, welche einen »Director« wählt. -Durch einen monatlichen Beitrag von 4 bis 5 fl. wird von den 10 -bis 15 Mitgliedern eine hinreichende Summe zusammengebracht, um auf -die bedeutendsten und bekanntesten europäischen Wochenschriften in -der holländischen, deutschen, französischen und englischen Sprache -zu abonniren; man wird in jeder Lesegesellschaft ebenso gut die -»Fliegenden Blätter« als die französische »L’Illustration« oder den -englischen »Punch« finden. Die bedeutendsten Romane kommen sofort -in die Hände des indischen Publicums, und nur wenn der »Director« -der Lesegesellschaft die Wahl der Bücher dem Buchhändler überlässt, -kommen Bücher »in die Büchsen«, welche für ein ganz anderes Publicum -bestimmt sind, als für das in Indien, welches gewöhnt ist, die besten -und neuesten Bücher zu lesen, auch wenn sie so theuer sind, dass der -Einzelne sich bedenken würde, sie zu kaufen. Die Wahl der Bücher und -Wochenschriften wird darum in der Regel den Mitgliedern überlassen; zu -diesem Zwecke wird in dem Monat September an diese eine Liste aller -möglichen Wochenschriften gesendet, und Jeder giebt an, von welcher er -ein neues Abonnement wünscht. Der »Director« entscheidet hierauf im -Verhältnisse zum Stande der Casse, was für das nächste Jahr bestellt -werden müsse. Dieser hat aber noch eine zweite und eine dritte Quelle -der Einnahmen. Zunächst haben viele Lesegesellschaften »Nachlesers«, -d. h. Menschen, welche aus verschiedenen Ursachen sich begnügen, die -Wochenschriften und Romane zu lesen, nachdem sie alle Mitglieder -ausgelesen haben. Der Eine thut es, weil er als Nachleser nur 2 oder -1½ fl. monatlich zu bezahlen hat; ein Zweiter kann einfach nicht -Mitglied werden, weil eine gewisse Zahl Mitglieder nicht überschritten -werden darf. Um auf dem Laufenden der Ereignisse in Europa zu bleiben, -wünscht natürlich jedes Mitglied bei Ankunft der Wochenschriften und -Bücher sofort wenigstens von zwei oder drei derselben das Exemplar zu -erhalten. Der Director sorgt also dafür, dass jede Woche Jeder der -Mitglieder in seiner »Trommel« eine oder zwei Nummern der zuletzt -erschienenen Zeitschriften erhält; diese »Trommeln« circuliren dann -jede Woche +einmal+, und wenn 15 Mitglieder sind, bekommt jedes -Mitglied die meisten Zeitschriften, wenn sie schon 15 Wochen alt sind; -das ist natürlich selbst für Indien, wo man gewöhnt ist, erst in 4 bis -5 Wochen einen Brief aus Europa zu erhalten, eine veraltete Lectüre. -Darum wird eine gewisse Anzahl der Mitglieder nicht überschritten, -und jeder Candidat wird so lange »Nachleser«, bis er zum Mitgliede -avanciren kann. Dann giebt es Pflanzer oder Beamte oder selbst -Officiere, welche sich allein auf abgelegenen Plätzen befinden und -wegen grosser Entfernung nicht jede Woche eine »Trommel« erhalten -können; sobald eine Transportgelegenheit besteht, schickt ihm der -Director der Lesegesellschaft alle von den Mitgliedern gelesenen Bücher -und Zeitschriften, welche er seinerseits wieder zurückschicken muss. - -[Illustration: Fig. 14. Reichsinsignien, getragen von den Serimpis zu -Djocja, nach Dr. +Gronemann+.] - -Da für jede Beschädigung eines Buches oder einer Wochenschrift Strafe -bezahlt werden muss, so sind dieselben, trotzdem sie während 15 Wochen -durch die Hände von 15 Familien gegangen sind, dennoch in einem so -guten Zustande, dass sie mit oder ohne kleine Reparaturen wieder auf -Auction gebracht werden können. Der Director hält nämlich am Ende -des Jahres eine Versammlung der Mitglieder ab, um Bericht über den -Stand der Casse und über die Wahl der Bücher für das nächste Jahr zu -erstatten, eine Wahl des Directors und Cassirers vorzunehmen, und zum -Schlusse wird bei einem Glas Bier oder einem Gläschen Genevre eine -Auction der ausgelesenen Bücher und Zeitschriften gehalten. Der Ertrag -fliesst in die Casse der Lesegesellschaft, und die »Illustrationen« -wandern in die Kinderstube, um von den Kindern ausgeschnitten zu -werden, oder in die Zimmer kleiner eingeborener Häuptlinge oder -europäischer Beamten, oder werden von den Käufern an die Bibliothek des -nächsten Spitales oder der nächsten Militär-Cantine verschenkt. - -Diese »Lesegesellschaften« sind also für Indien geradezu ein -bedeutender Factor der Volkserziehung, und Alt und Jung und Reich und -Arm lesen in Indien viel mehr, als es ihre Standesgenossen in Europa -thun. - -Für mich und meine Frau war also der erste Aufenthalt in Ngawie -keinesfalls bedauernswerth gewesen, und den Glückwünschen unserer -Bekannten konnten wir das Bedauern entgegensetzen, Ngawie verlassen zu -+müssen+, wo wir »gemüthliche und gesellige« Tage verbracht und gute -und brave Menschen zu Freunden erworben hatten. - -Unter den Anwesenden befand sich auch der Landesgerichtsrath Mr. X..., -welcher sich stets eines besonders guten Humors erfreute, und in -dessen Gesellschaft die Langeweile sich niemals einstellte. Plötzlich -erhob er sich von seinem Sessel und verlangte mit feierlicher und -ernster Miene, das Wort an den scheidenden Kameraden richten zu -können; in seiner Eigenschaft als »Präsident van den Landraad« müssten -ihm alle Geheimnisse der Bewohner Ngawies bekannt sein, und dank -dieser Wissenschaft sei ihm zu Ohren gekommen, dass ein grosses Fass -ungarischen Weines seit vierzehn Tagen in meiner Speisekammer ruhe und -nur warte, von seinem köstlichen Inhalte befreit, d. h. in Flaschen -abgezogen zu werden. »Wenn unser Aesculapius,« fuhr er fort, »Ngawie -verlässt, dann dürfe dieses Fass, gefüllt mit feurigem Ungar-Wein, -diesen Garnisonplatz nicht verlassen, es müsse in Ngawie bleiben, wo es -durch seinen vierzehntägigen Aufenthalt Bürgerrecht erhalten habe und -gewissermaassen Eigenthum der Stadt geworden sei. Wenn die anwesenden -Officiere und Bürger das fluchwürdige Vorhaben des Hausherrn, den Wein -nach Willem I mitnehmen zu wollen, ebenso entrüstet verurtheilen und -verdammen würden, wie er es thue, dann sei er überzeugt, dass eine -solche Fahnenflucht nicht werde stattfinden können. Er schlage also -vor, das Haus des Dr. Breitenstein nicht zu verlassen, sondern aus -der Cantine die Korkmaschine holen zu lassen und sofort mit vereinten -Kräften ans Werk zu gehen, d. h. mit dem Abzapfen des Fasses Wein -zu beginnen.« Mit lautem Hurrah wurde dieser Vorschlag von Allen -angenommen -- bis auf meine Frau. - -Mit stummem, flehendem Blick sah sie bald mich, bald den Friedensstörer -an, der ihr auf diese Weise plötzlich zehn Gäste zum Abendessen auf -den Hals schaffen wollte. Herr X... verstand diesen stummen, jedoch -vielsagenden Blick und fuhr in seiner Rede fort: »Meine Herren und -Damen; blicken Sie jetzt in das Antlitz unserer hochverehrten Hausfrau; -ist in diesen edlen Zügen nur ein kleines Winkelchen Platz für das -schädlichste aller Laster, für den Geiz? Ich weiss es durch meine -Spione, welche alle Geheimnisse von Ngawie verrathen, dass in der -Speisekammer dieser Dame herrliche Conserven aufgespeichert liegen, -und doch erbleicht sie bei dem Gedanken, uns bewirthen zu müssen; aus -Geiz, nein, dieser edlen Seele sind alle Laster fremd, also auch das -des Geizes. Aber meine Herren und Damen, mein scharfes Auge durchblickt -nicht nur die Mauern der Speisekammer, sondern auch die des Herzens -unserer Hausfrau. Dort, in der Speisekammer, sehe ich nämlich Büchsen -mit Erbsen, Spargel, geräuchertem Lachs, Sardinen, condensirter -Milch, Krebsen, amerikanischen Früchten, Erbsensuppe, Kalbsbries und -geräucherten Heringen; hier in der Tiefe des Herzens sehe ich die Sorge -der Ohnmacht, eine so ansehnliche Schaar hungriger und durstiger Gäste -in würdiger Weise nach alter indischer Gastfreundschaft bewirthen -zu können. Meine Herren und Damen! erleichtern wir aber auch die -Sorge und Mühe unserer Gastfrau; es ist beinahe 8 Uhr; auf Jeden von -uns wartet zu Hause eine Schüssel Suppe, ein Stück Beefsteak mit -Erdäpfeln u. s. w.; lassen wir Boten nach allen Richtungen der schönen -und grossen Stadt Ngawie geflügelten Fusses eilen, dass uns unser -Abendessen hierher gesendet werde, und dem improvisirten Picknick folge -dann die schöne und süsse Arbeit des Abzapfens.« So geschah es. Um -9 Uhr begann das improvisirte Souper, und um 10 Uhr die Arbeit. Die -Bedienten, welche diese Arbeit schon früher einige Male gethan hatten, -wurden suspendirt, an ihre Stelle traten die Gäste. Der Eine sass am -Fussschemel, um die Flaschen zu füllen, der Zweite nahm sie ihm aus der -Hand, ein Dritter brachte sie nach der Korkmaschine, ein Lieutenant -tauchte sie in das flüssig gemachte Dammar (= Harz) u. s. w. Natürlich -hatte Jeder sein Glas und benutzte jeden freien Augenblick, mit ihm zum -Krahn zu gehen und sich »frisch vom Zapfen« den Labetrunk zu holen. Im -Hause selbst spielte bald meine Frau, bald eine der geladenen Damen -am Piano fröhliche Studentenlieder, und um 12 Uhr waren 450 Flaschen -gefüllt und gelackt in der Speisekammer. Als das Fass leer war, wurde -es von vier Herren auf die Schulter genommen und unter den Klängen -des Trauermarsches von Chopin rund um das Haus getragen und im Garten -begraben. - -Am andern Morgen bekam der Platz-Commandant die officielle Mittheilung -von meiner Transferirung. Dr. X... sollte mich ablösen, und nach -Uebergabe des »Dienstes in seinem ganzen Umfange« sollte ich nach -Ambarawa gehen und mich unter die Befehle des »Eerstanwezenden -Officiers van Gezondheid« von Willem I stellen. Da zu erwarten war, -dass mein Nachfolger noch vierzehn Tage auf sich werde warten lassen, -hatte ich genug Zeit, alle vorbereitenden Maassregeln für die Auction -meiner Einrichtung treffen zu können. Ich konnte mit Sicherheit auf -+keinen+ günstigen Erfolg meiner Auction rechnen, und besprach also -mit dem Auctionator für diesen Fall, meine Einrichtungsstücke nicht à -tout prix zu verkaufen. Für jedes einzelne Stück »limitirte« ich den -niedrigsten Preis und besprach zu gleicher Zeit mit dem Stationschef -die Miethe eines halben Waggons für meine Möbel und Koffer und eines -Wagens für meine Equipage und für meine beiden Pferde. Endlich kam -mein Nachfolger Dr. X., dem ich den Dienst sofort übergab, und ich -bekam dann vier Tage frei, um meine »persönlichen Angelegenheiten -regeln zu können«. Herr v. d. V... bot mir für die letzten Tage meines -Aufenthaltes in Ngawie in liebenswürdiger Weise Gastfreundschaft in -seinem Hause an und gab den Abend vor meiner Abreise mir zu Ehren ein -Abschiedsfest. Am 24. Februar war die Auction, welche mich insofern -befriedigte, als die grossen Stücke, wie Pianino, Kasten, Equipage und -Pferde zwar keinen Abnehmer gefunden hatten, die kleineren Gegenstände -aber, als Nippessachen, Service u. s. w. doch noch um 817,40 fl. -verkauft wurden. Nach der Auction liess ich das Pianino und die -übrigen Möbelstücke mit den Kisten auf drei Frachtwagen, welche mit -Ochsen bespannt waren, laden und sie in der Nacht um 3 Uhr von Ngawie -wegfahren. Als ich am andern Tage, den 25. Januar, um 7 Uhr nach Paron -kam, war alles bereits in den Waggon geladen, und ich verliess Ngawie -nach einem Aufenthalte von 16 Monaten in einer angenehmen Stimmung. Die -Verdriesslichkeiten, welche ich im Dienste erfahren hatte, traten in -den Hintergrund vor den vielen Beweisen der Freundschaft und Sympathie, -deren ich mich erfreuen konnte. Für den Transport meiner Möbel, für -mich, meine Frau und zwei Bediente bezahlte ich 210 fl. 97 Ct.[122] - -Die Reise ging mit der Eisenbahn zunächst nach Solo auf der Staatsbahn; -hier musste ich umsteigen, weil die Privatbahn Samarang-Fürstenländer -schmalspurig ist, und musste das Gepäck mit meinen Pferden -zurücklassen; der Kutscher erhielt den Befehl, bei den Pferden zu -bleiben und das Ueberladen derselben auf die andere Linie zu leiten. -Eine halbe Stunde später setzte ich meine Reise fort bis Kedong-Djati, -wo eine Zweigbahn mich nach Ambarawa mit dem Fort Willem I brachte. -Hier kam ich um 6 Uhr Abends an und fand zu meiner Ueberraschung Dr. -K., meinen Landsmann und Studiengenossen, welcher bereits im Jahre 1874 -nach Indien gegangen war, als meinen künftigen Chef vor. - -Obwohl ich mich nur zwei Tage und drei Nächte in Ambarawa aufhielt, -weil, wie wir sofort sehen werden, ich schon am 28., also drei (!!) -Tage später nach Tjilatjap transferirt wurde, so glaube ich doch -einiges über diesen Ort und seine Festung Willem I mittheilen zu müssen. - -Ambarawa und das genannte Fort liegen 476 Meter hoch auf dem Fusse -des Ungarang (2048 Meter absoluter Höhe) und grenzen im Süden an den -grossen Sumpf (Rawa Peníng), welcher, wie der ganze Thalkessel von -Ambarawa, einem vulcanischen Einsturze sein Entstehen verdankte; das -von dem umgebenden Berge strömende Wasser ergiesst sich in den Sumpf, -um weiter als Fluss Tuntang, mit dem Fluss Demak vereint, der Javasee -zuzuströmen. Ich hatte späterhin oft Gelegenheit, von Magelang aus -per Wagen nach Ambarawa zu fahren, und immer war ich entzückt von dem -schönen Panorama, welches sich um das Thal von Ambarawa nach allen -Seiten ausbreitete; zahlreiche Dessas (Dörfer) umgeben den Rand des -Sumpfes und die anliegenden Berghügel, die Sawahfelder in aller ihrer -Farbenpracht, vom sanften Grün des jungen Reises bis zum Dunkelgelb des -alten Reisstrohes. Zahlreiche Gemüsefelder und Fruchtbäume umsäumen die -Peripherie des Sumpfes, welcher durch passende Ableitung des Wassers -theilweise urbar gemacht war. Im Süden erheben der Telamaja (1883 Meter -hoch) und der Merbabu (3116 Meter hoch) stolz ihre Häupter, und bei -reiner Abendluft sieht man im Hintergrunde aus dem Merapi (2866 Meter -hoch) den Rauch zum Himmel steigen. - -Ambarawa selbst besteht aus den vier Ortschaften Pandjang, Ambarawa, -Losari und Kupang, während das Fort Willem I 1½ Kilometer im Süden -dieser Hauptstadt des gleichnamigen Bezirkes liegt. Nebst den -Eingeborenen befinden sich dort einige hundert Chinesen, einige Araber, -Mooren und Bengalesen. Auf dem Berge Ungarang befindet sich ein -Sanatorium, vielleicht in dem schönsten Theile Javas gelegen. +Veth+ -giebt seiner Bewunderung über dieses schöne Panorama mit folgenden -Worten Ausdruck: - -»Dieser Bergrücken (sc. Kendil), welcher nicht mehr als 1½ km Luftlinie -von Ambarawa entfernt ist und sich 300-350 Meter über das Thal erhebt, -bietet eine Aussicht, welche unter die schönsten gerechnet werden -kann, die Java zu geniessen giebt. Das reich bevölkerte Ambarawa, -das Lager und die Festung sieht man zu seinen Füssen liegen, und -wenn man dahinter den Blick über das Thal schweifen lässt, sieht man -dieses wie ein Schachbrett in Fächer vertheilt. Hier wird ein Feld -von Karbouwen für die neue Ernte gepflügt, dort prangt ein anderes im -lichten Grün der jungen Reishalme; hier ist ein drittes in das dunkle -Kleid von altem Reis gehüllt, und ein viertes ist gelb gefärbt von -den Aehren, welche unter der Last der Reife ihr Haupt neigen. Kleine -Wälder von Fruchtbäumen, welche die zu Dörfern vereinigten Wohnungen -der Eingeborenen verbergen, liegen wie Inseln zerstreut dazwischen. -Blickt man weiter hinein in den Thalkessel, dann sieht man ein grosses, -weites, graues Feld, neben grossen Wasserpfützen, welches weder Acker -noch Haine führt. Es ist der Sumpf, welcher durch seine todte Kahlheit -ebenso sehr absticht bei der weniger reich bevölkerten und bebauten -Gegend, welche sich an der anderen Seite ausbreitet, als bei jener, -welche sie von Ambarawa scheidet. Aber was besonders dieses Panorama so -ergreifend macht, das sind die grossen Bergprofile, welche jenseits den -Thalkessel begrenzen: Im Vordergrund der Kelir, Wiragama und Telamaja, -und fern im Süden der breite Scheitel des stolzen Merbabu.« - -Das Fort selbst wurde im Jahre 1833 von dem General +van den Bosch+ -als Mittelpunkt der Vertheidigung von Java hier angelegt, weil sich -hier der grosse Weg vom Norden nach dem Süden in zwei Arme theilt -und somit von den Kanonen des Forts bestrichen werden kann, und weil -das Terrain eventuell unter Wasser gesetzt werden kann. Nun, die -Vertheidigungsfähigkeit dieser zwei Strassen durch das Fort Willem I -wird heutzutage von Niemandem mehr anerkannt, und ein europäischer -Feind würde mit zwei Mörsern und zwei Gebirgskanonen, welche sich auf -dem Telamaja oder Kelir befinden würden, bald das Feuer aus dem Fort -zum Schweigen bringen. - -Die Vertheidigung Javas gegen einen europäischen Feind ist schon seit -Jahrzehnten die ununterbrochene Sorge der Regierung, und die stets -wechselnden Armee-Commandanten brachten zwar auch stets neue Ansichten, -aber das Endresultat ist gleich Null; denn das Anlegen von starken -Centren in den drei Militär-Abtheilungen von Java im Innern des Landes, -von wo aus im gegebenen Falle die Truppen nach allen Richtungen der -Windrose dirigirt werden können, ist alles, was bis jetzt geschehen -ist. Der heuer ernannte General-Gouverneur von Indien ist ein Militär, -und zwar der General +Rozeboom+, welcher, wie mitgetheilt wird, in -Holland durch seine Arbeiten auf dem Gebiete der Festungsbauten -eine Autorität ist; wenn auch während seiner Regierungszeit,[123] -welche für fünf Jahre festgestellt ist und verlängert werden kann, -der Wechsel des Armee-Commandanten vielleicht derselbe wie früher -sein wird, so kann diese Lebensfrage in Indien ernstlich in Angriff -genommen werden. Im Laufe der letzten Jahre hat das Armee-Commando -sich nur mit der »Reorganisation« der Armee[124] beschäftigt und -die Rolle eines Despoten sich angeeignet, wobei natürlich ein -Missbrauch dieser absoluten Gewalt nicht ausgeschlossen blieb. Der -neue General-Gouverneur kann also die Frage der Vertheidigung Javas -selbst in die Hand nehmen und hin und wieder den Herrschergelüsten -des Armee-Commandanten mit seiner Autorität entgegentreten; unter den -früheren Armee-Commandanten war es bekannt, dass sie keine andere Sorge -hatten und kannten, als missliebige Personen zu entfernen und ihren -Freunden ein schnelles Avancement zu besorgen, unter dem passenden -Vorwande: Junge Kräfte und junges Blut in die höheren Rangstufen zu -bringen. Natürlich trat die Regierung in Holland dieser Verschwendung -entgegen, welche oft ein bitteres Unrecht gegen die davon Betroffenen -involvirte. Aber sie fanden einen Ausweg; was die Oberregierung in -Holland officiell verweigerte, erreichten sie durch »hinausekeln«. Dazu -sollte manchmal das ärztliche Corps Handlangerdienste leisten. Ich sass -beinahe fünf Jahre in der Superarbitrirungs-Commission und hatte als -ältester (nach dem Chef) das Referat auszuarbeiten. Dessen kann ich -mich jedoch rühmen: ich habe mich immer objectiv gehalten, und wenn -auch z. B. in den Zuschriften des Armee-Commandanten mitgetheilt wurde, -»dass natürlich unter solchen Verhältnissen nicht zu erwarten sei, -dass Hauptmann X. in Zukunft gesund bleiben werde« u. s. w., und wenn -auch der Chef der Commission diesen Wink mit dem Zaunpfahl verstehen -wollte, so liess ich mich dadurch in meinem Referat nicht beirren. Da -ich auf dieses widerliche Bild nicht mehr zurückkommen werde, so will -ich an dieser Stelle den Nepotismus in der indischen Armee skizziren, -ohne jedoch in Details zu verfallen. Der Regimentsarzt X. ist verwandt -und befreundet mit dem Armee-Commandanten und möchte gern schnell -Stabsarzt werden, ohne solche aussergewöhnlichen Leistungen aufweisen -zu können, welche ein aussertourliches Avancement[125] rechtfertigen -könnten. Capitän Y. möchte gern sobald als möglich den Dienst als -Major verlassen, um mit einer Pension von 2800 fl. in patria in der -Kraft seines Lebens noch eine Civilstellung annehmen zu können. Die -Vordermänner stehen ihnen im Wege, es wird also das Leid direct oder -indirect dem hohen Freund und Gönner geklagt. Dieser spricht natürlich -gegenüber den Chefs dieser Vordermänner das Bedauern aus, dass seine -gute Absicht in Holland aus falschen Sparsamkeitsrücksichten nicht -gewürdigt wurde, und dass also altersschwache[126] Männer ohne Energie -den goldenen Kragen bekämen. Dieser versteht den Wink und beginnt zu -»suchen«. - -»Wer einen Hund schlagen will, findet immer einen Stock«, und ich sah -oft die unwürdigsten Mittel anwenden, um ein solches Hinderniss aus -dem Wege zu räumen. Nepotismus und Protection kommen leider überall -vor; aber in einer kleinen Armee machen sie sich mehr als in einer -grossen fühlbar und kommen schneller zum Bewusstsein aller Officiere; -es entwickelt sich dadurch auch ein Servilismus, der geradezu lähmend -auf den ganzen Dienst wirken muss. Es ist zu hoffen, dass das Princip -der strengen Anciennität, welche das Gesetz vorschreibt, nicht wieder -auf so schändliche Weise umgangen wird, als es unter den früheren -Armee-Commandanten geschah. Doch genug von diesen Uebelständen in der -indischen Armee. - -Die Vertheidigung Javas gegen einen europäischen Feind resp. Amerika -ist also die Hauptsorge des neuen General-Gouverneurs; so wenig es mir -möglich ist, mich mit dieser Sache zu beschäftigen, so glaube ich auf -einen Factor hinweisen zu müssen, der früher als Axioma galt, heute -aber gewiss an Bedeutung verloren hat. Dieses Axioma lautet: Die beste -Vertheidigung Javas ist -- sein Klima; ein europäischer Feind, der -auf Java landet, würde schon in den ersten Tagen ⅓ seiner Bemannung -durch Fieber, Dysenterie oder Cholera verlieren. Dieses +war+ wahr, -hat aber heute seine Richtigkeit verloren; die Lehren der Hygiene sind -Gemeingut geworden, und die Verluste einer fremden Macht würden nicht -viel grösser sein als die der indischen Armee. Sie würde, um nur ein -Beispiel anzuführen, für gutes Trinkwasser sorgen, und die Morbidität -der Truppen würde ebenso klein bleiben wie sich die Mortalität nur um -geringes steigern würde. - -Das Fort Willem I wird gewiss in dem zukünftigen Vertheidigungsplane -eine untergeordnete Rolle spielen, z. B. als Depot für Kriegsmaterial, -wie das benachbarte Banju-Biru, welches jetzt die Hauptstation für die -Feld- und Berg-Artillerie ist. - -Bei meiner Ankunft wurde mir eine Wohnung ausserhalb des Forts -angewiesen, und zwar im sogenannten »Campement«; d. h. die Bureaux -und die Wohnungen der Officiere, welche im Fort selbst keinen Platz -hatten, befanden sich vor der ersten Zugbrücke, und zwar in der Nähe -des grossen Postweges, welcher bei Samarang beginnt und bei Baven -sich in zwei Arme theilt. An der Ecke des »Campements« befand sich -das »Windhaus«, welches mir zugewiesen wurde, und ich ersuchte »die -Genie«, solche Veränderungen des Hauses vorzunehmen, dass es von dem -Zuge nicht belästigt würde. Durch Abschliessen einiger Fenster sollte -dies geschehen, und so verliess ich am 28. das Hotel, um meine neue -Wohnung zu beziehen; meine Möbel, Kisten und Koffer waren am 27. -Abends angekommen, und ich hatte drei Lastwagen gemiethet, welche -sie vom Bahnhofe direct ins Haus bringen sollten. Alles war in gutem -Zustande angekommen; meine zwei Sandelwood-Pferde begrüssten mich mit -lautem Wiehern, und so zog ich an der Spitze der kleinen Karawane zum -»Windhause«. Als ich mich diesem näherte, sah ich zu meinem Schrecken -Dr. K., mit einem Telegramm in der Hand, mit meiner Frau sprechen, -welche laut schluchzend und weinend mir entgegen lief: »Wieder -transferirt, und zwar nach Tjilatjap, dem grössten Fieberherde von -Java, wo sich nicht einmal Soldaten befinden, von wo die Garnison -verlegt werden musste, weil das Fieber, die Malaria sie mordete, wo -selbst die Vertheidigungskanonen der Küste verlassen werden mussten, -dahin müssen wir gehen.« Dr. K. konnte nichts anderes thun als ich, und -zwar mit den Schultern zucken und sagen: es muss sein. Verblüfft sahen -mich die Führer der Frachtwagen an, als ich ihnen zurief: »Kombâli« -(= zurück); ebenfalls die Schultern zuckend, liessen sie die Ochsen -umkehren und die Lasten wieder zum Bahnhofe bringen. Glücklicherweise -war der Zug schon um 6 Uhr Morgens nach Solo abgegangen; sonst hätte -ich noch denselben Tag abreisen müssen, mit oder ohne Reisegepäck, denn -es war eine Eildepesche, und als ich den andern Tag Abends in Tjilatjap -ankam und sofort in die Wohnung des Regimentsarztes W... eilte, in -der Voraussetzung, ihn schwer krank oder vielleicht schon sterbend zu -finden, war er nicht zu Hause!! Als ich ihn endlich in der Infirmerie -fand, kam er mir mit den Worten entgegen: »Was kommen Sie hier thun?!!« - -Nach Erhalt des Telegrammes ging ich nach Haus, beruhigte meine Frau -so viel ich konnte und ging, mich beim Platz-Commandanten abzumelden. -Unterwegs fiel mir aber ein, dass so eine Reise nach Tjilatjap wieder -Geld und zwar sehr viel Geld kosten würde. Bei seiner Transferirung -muss nämlich der Officier alles selbst bezahlen und reicht später seine -»Declaration« ein, welche jedoch niemals sofort beglichen, sondern der -»Rekenkamer« zur Revision vorgelegt wird. Der Officier kann jedoch -80% Vorschuss auf den Betrag seiner eingereichten Rechnung erhalten. -Für die Reise von Ngawie nach Ambarawa hatte ich meine »Declaration« -noch nicht eingereicht, von dem Ertrage meiner Auction hatte ich noch -keinen Wechsel erhalten; ich war also court d’argent für meine Reise -nach Tjilatjap, welche gewiss 300 fl. kosten würde. Ich ging also zum -»Bezahlmeister« der Garnison und ersuchte ihn um einen Vorschuss auf -meinen Gehalt. Der Zahlmeister, der niemals um einen Witz oder um ein -scherzhaftes Wort verlegen war, richtete sich bei meinem Ansuchen stolz -auf, sah mich mit drohenden Blicken an und rief entrüstet aus: »Was! -ein reicher Doctor, der nicht einmal Kinder hat, verlangt Vorschuss -auf seinen Gehalt! Das ist reiner Wucher! Sie wollen noch mehr Geld in -die Sparbank bringen; Sie wollen noch immer Zinsen auf Zinsen auf Ihr -Vermögen häufen! Das ist Schande!« - -»Ja, das ist Schande,« erwiderte ich in demselben Tone der Entrüstung; -»aber wessen? Da werde ich aus der Mitte Javas nach dem Norden der -Insel transferirt, und drei Tage später wieder vom Norden nach dem -Süden; der Regierung kostet dieses 219 fl. und mich über 300 fl.! Will -also die Regierung durch uns Officiere die Unkosten der Eisenbahnen -decken! Nehmen Sie jetzt an, dass ich 6 bis 8 Kinder hätte, wie viel -würde ich dann verlieren? Finden Sie es also ein Unrecht, dass die -Regierung dafür eine kleine Entschädigung bietet? Ich bekomme nach -Recht und Gesetz, weil ich verheiratet bin, von vier Monaten, im -anderen Falle von drei Monaten Gehalt einen Vorschuss, den ich nach -drei Monaten in Raten von ¼ meines Gehaltes abzuzahlen anfangen muss; -die 1700 fl., welche ich jetzt von Ihnen erhalte, tragen im günstigsten -Falle 65 fl. Interessen (zu 4% gerechnet). Ist dieser Betrag nicht so -klein, dass es eine Schande ist, darüber ein Wort, zu verlieren? Setzen -Sie jedoch den Fall, dass ich 6 oder 8 Kinder hätte; würde es für mich -nicht geradezu ein Unglück sein, in drei Tagen zweimal transferirt zu -werden? Ich würde den Verlust nicht verschmerzen können und Schulden -machen müssen.« - -Diese häufigen Transferirungen sind auch die Schuld, dass sehr viele -Officiere erst im Range vom Major aus ihren Schulden gegenüber der -Regierung herausgekommen sind, da sie ihre alte Schuld, welche in 19 -Monaten und von ledigen Officieren in 15 Monaten abbezahlt sein muss, -noch nicht getilgt hatten, wieder transferirt wurden und dabei zunächst -die alte Schuld abtragen mussten. - -In früheren Jahren gab die Regierung jedem Arzte, und wenn ich mich -nicht irre, jedem Officier, der darum das Ansuchen stellte, auch für -den Ankauf von zwei Reitpferden 400 fl. Vorschuss, welcher Betrag -(ebenfalls rentelos) in 20 Monaten abgezahlt sein musste. Da sich nach -und nach der Missbrauch eingestellt, dass von den dazu berechtigten -Officieren dieser Vorschuss genommen wurde, ohne dass sie sich factisch -zwei Pferde kauften, wie z. B. in Garnisonen, wo sie sie nicht -gebrauchen konnten, so hat die Regierung im Jahre 1888 damit ein Ende -gemacht, indem sie diesen Vorschuss nur für den Fall bewilligte, als -der Kauf der Pferde factisch geschah; zu diesem Zwecke wurde in allen -Garnisonen eine Controlliste der Officiers-Pferde angelegt. - -Nachdem ich meinen Vorschuss erhalten hatte, ging ich zunächst nach -dem Bahnhof, um zu sehen, ob mein Gepäck und besonders, ob meine -Pferde wieder ohne Schaden in den Waggon gebracht worden waren. Da -diese feurigen Temperamentes waren, gab ich ihnen auf die Reise keinen -Reis mit, sondern befahl dem Kutscher, welcher sie begleitete, jeden -Tag 2 Pikol frisches Gras zu kaufen = 125 Kilo, wofür ich ihn 20 Ct. -verrechnen liess. Es war ja die Regenzeit, und in diesem Monat kann man -einen Pikol Gras selbst um 6 Ct. = 6 Kreuzer = 10 Pfennige bekommen; -in der trockenen Zeit steigt der Preis oft bis auf 15-20 Cts., weil -es dann oft weit her, z. B. von den Ufern eines Flusses oder aus -schattigen Wäldern geholt werden muss. Ganz trocken ist das Gras in -Java allerdings niemals, weil der Feuchtigkeitsgehalt der Luft immer -ein hoher ist, und dies ist auch die Ursache, dass grosse Lauffeuer -selten in Indien vorkommen. Am andern Morgen, den 28. Januar, ging ich -also um 6 Uhr früh wieder auf die Reise, um 1 Uhr kam ich in Djocja -an, wo mich der Resident erwartete, dessen Frau eine Schulkameradin -meiner Frau war, und lud mich ein, eine Nacht bei ihm zu logiren. Ich -nahm es nicht an, weil mich das Eiltelegramm des Landes-Sanitätschefs -das Aergste für den Gesundheitszustand des dortigen Arztes befürchten -liess. Es war glühend heiss, das Thermometer zeigte im Schatten 35° -C.; in der Restauration des Bahnhofes hatten wir ein ziemlich gutes -Beefsteak mit Erdäpfeln gegessen und eine Flasche Rheinwein geleert, so -dass wir gerade nicht leichten Muthes wieder die Reise fortsetzten. -Bei dieser hohen Wärme ist in Indien das Fahren auf der Eisenbahn ja -unerträglich. Ich hoffte eine Erleichterung zu finden, wenn ich für -mich und meine Frau Karten I. Classe nehmen würde, um dadurch ein -Coupé für uns Beide allein erhalten und mich des Rockes und der Schuhe -entledigen zu können; aber wer kann unsern Schreck schildern, als -unmittelbar vor Abgang des Zuges ein Herr sich zu uns gesellte, der, -wie er mir später erzählte, dieselbe Absicht gehegt hatte. Dieser brave -Mann ist seitdem gestorben. Ich kann also heute ruhig gestehen, dass -wir Beide alle Flüche und Qualen der Hölle auf seinen Kopf erwünschten, -natürlich nur im Flüsterton. Endlich um 6¼ Uhr Abends kamen wir in -Tjilatjap an und mein Vorgänger -- erfreute sich der besten Gesundheit!! - - * * * * * - -Bei meiner Transferirung von Ambarawa hatte ich die Provinzen -Samarang, Surakarta, Djocjacorta, Bageléen und Banjumas durchzogen. -Die ersten drei und die letzte Provinz werden uns weiterhin noch viel -beschäftigen, und darum will ich an dieser Stelle nur mit wenigen -Zeilen der Provinz Bageléen gedenken, weil ich einerseits sie nur per -Eisenbahn durcheilt habe und sie andererseits nicht viel Sehens- und -Mittheilenswerthes enthält. - -Vor dem grossen Kriege von Java in der ersten Hälfte dieses -Jahrhunderts war Bageléen (und Banjumas) ein Theil des westlichen -Mantja[127]-negara,[128] und seine Fürsten waren Vasallen des -Sultans von Solo. Hier in Bageléen, welches jetzt nicht nur die -dichtbevölkertste Landschaft von Java, sondern vielleicht von der -ganzen Erde ist [es wohnen ja mehr als 20,000 Menschen auf einer -Quadratmeile,[129] und es besitzt bei einer Grösse von 62,07 ☐Meilen -einen Ort (Purworedjo) mit 20,000 Seelen, 202 Kampongs mit 1000-5000, -679 Dessas mit 5-1000, 1327 mit 200-500, und 442 Dörfer bis 200 -Seelen], wüthete früher der Despotismus seiner Fürsten mit allen seinen -Qualen und Leiden für den kleinen Mann, und man muss oft die lebhafte -Phantasie bewundern, mit welcher diese kleinen Despoten Steuern zu -erfinden wussten. Es wurde eine Steuer für wohlgefüllte Waden erhoben, -die Einäugigen mussten Steuern für die Blinden bezahlen, bei jeder -Klage wegen Diebstahls musste ein gewisser Betrag erlegt werden, für -die Wachthütten auf den Reisfeldern, welche +nicht+ gebaut wurden, für -das Wiegen des Reises, welcher als Zehnt eingeliefert werden musste, -war ein Zoll festgesetzt, obzwar der Reis niemals gewogen wurde, für -das Zählen der Reisfelder, was niemals geschah, für das Recht, den -Tanzmädchen zuschauen zu +können+, ob man es ausübte oder nicht, wurde -eine Steuer erhoben, kurz, unter 34 (!!) verschiedenen Namen wurde der -kleine Mann in seinem Erträgniss des Bodens gekürzt. Im Jahre 1830 kam -es endlich unter die directe Verwaltung der holländischen Regierung; -sofort wurden 24 dieser diversen Steuern abgeschafft, und die üppige -Tropenflora im Verein mit der humanen europäischen Regierung schufen -aus den öden, unbebauten, brachliegenden Feldern eine reich bevölkerte -und reich bebaute Provinz mit einer glücklichen und zufriedenen -Bevölkerung. - -Der Name dieser Provinz stammt aus dem altjavanischen Pageléen = penis -und von der Linggasäule, welche sich bei Purworedjo, und zwar bei -dem Dorfe Bageléen befindet und noch heutzutage von der Bevölkerung -angebetet wird. Ueberhaupt findet man ja in Süd-Java viele Spuren des -Siva-Dienstes. - -Eine andere Sehenswürdigkeit ist der ausgehöhlte Felsen Karang bólang, -welcher sich 181 Meter hoch über die See an der Südküste erhebt -und sich wie ein Dom über die Fläche des Meeres wölbt, als Heimath -von Tausenden und abermal Tausenden von Schwalben, deren essbare -Nester unter dem Namen sarong burung ein starker und verbreiteter -Handelsartikel geworden sind. Im Jahre 1871 wurde das Erträgniss dieser -Höhle auf 25 Jahre für den Betrag von 37,100 fl. pro Jahr verpachtet. -Nach +Friedmann+ sollen jährlich 500,000 Stück gewonnen -werden.[130] - -Die Hauptstadt Purworedjo mit dem Garnisonplatz Kedong Kebo und mit dem -Gunung Wangi (8 Kilom. entfernt) = Berg des herrlichen Duftes,[131] die -Grotte vom Berge Lawang und Tebasan mit den zahlreichen Ueberresten -des Siva-Dienstes, die Umgebung von Kabumen mit ihren warmen Quellen, -Gombong mit seiner Cadettenschule und der Grotte Ragadana mit schönen -Stalaktiten sowie zahlreiche Alterthümer kann ich nur andeuten, aber -nicht beschreiben, weil ich niemals Gelegenheit hatte, aus Autopsie sie -kennen zu lernen. - -Die Provinz Banjumas, in welcher Tjilatjap liegt, habe ich nach -vielen Richtungen hin durchzogen, und zwar entweder in dienstlichen -Angelegenheiten oder zu meinem Vergnügen. Am häufigsten kam ich nach -Babakan, wo sich längs des Meeresstrandes die Schiessstätte der -Artillerie der zwei militärischen Abtheilungen Javas befindet. Nach der -Hauptstadt Banjumas kam ich im Ganzen nur viermal. Das erste Mal hatte -den Zweck, mich dem Residenten (Statthalter) der Provinz vorzustellen, -weil dieser in civilen Angelegenheiten gewissermaassen mein Chef war. - - * * * * * - -Nachdem ich zu meiner Ueberraschung meinen Vorgänger nicht nur beim -besten Befinden getroffen, sondern auch von ihm vernommen hatte, dass -er schon seit einigen Wochen einer relativ günstigen Gesundheit sich -erfreue, ging ich nach Hause ins Hotel, um ein erfrischendes Bad zu -nehmen und hierauf trockene Leibwäsche anzuziehen. Das Hotel wurde -von Frau X... geleitet, während ihr Mann gleichzeitig Schiffshändler -und Kaufmann war; er hatte im Hotel einen Laden, in dem man einfach -Alles zu kaufen bekam; es war ein »Tôko«, wie sie überall in Indien -gefunden werden. Abgesehen von einigen Modistengeschäften in den -grossen Städten, wie Batavia u. s. w., kennt der Detailhandel in Indien -keine Specialitäten. In einem Tôko findet man Papier, Bücher, Gewehre, -Conserven, Leinwand, Schuhe, Hüte, Lampen, Gläser, Porzellanwaaren, -Petroleum, Käse, Butter, Thee, Kaffee u. s. w. - -Natürlich hatte sich wie ein Lauffeuer die Nachricht verbreitet, dass -ein neuer Arzt angekommen sei, und Jeder beeilte sich, diesen zu -Gesicht zu bekommen. Jeder hatte also diesen Abend in diesem Tôko etwas -zu kaufen; der Eine eine Kiste Cigarren, der Andere eine Schachtel -Maschinenzwirn und der Dritte bestellte eine Kiste Apollinaris-Wasser -u. s. w. - -Die Wirthin, eine schöne und stattliche Nonna,[132] sass unterdessen -bei uns in der Veranda und theilte uns von Jedem, der in den -Kaufladen trat, alles Wissenswerthe mit; unglaublich schienen mir die -Mittheilungen über den Herrn D...: »37 Jahre befindet er sich schon -in Tjilatjap und ist nur gesund, wenn er hier ist; jedes Jahr geht er -auf die Reise, und kaum hat er Tjilatjap hinter sich, so beginnt er -sich unwohl zu fühlen und bekommt das Fieber. Dasselbe ist der Fall -mit dem Herrn K..., der schon 17 Jahre hier wohnt und, wie Sie soeben -sahen, sich eines sehr gesunden Aussehens erfreut; er hat eine schöne -Tochter, welche hier geboren ist, und ebenso wie die zwei Töchter des -Herrn D... nur hin und wieder ein paar Tage lang Fieber haben; sie -nehmen 20 Chininpillen und bleiben dann wieder für viele Monate von -den Fieberanfällen verschont.« Dies waren sehr ermuthigende Worte, -besonders für meine Frau, welche sich früher in den Gedanken eingelebt -hatte, niemals dieses »verwünschte Fiebernest« bewohnen zu müssen, -weil im Jahre 1887 die Garnison aus Gesundheitsrücksichten eingezogen -worden war. Die Regierung schickt jedoch seit dieser Zeit immer einen -Militärarzt dahin, weil sich kein Civilarzt bis jetzt dort angesiedelt -hat. Die Zahl der Europäer in Tjilatjap und seiner Umgebung und die -der Chinesen ist nämlich zu klein, um einen Civilarzt zu veranlassen, -für ein Erträgniss, das kaum die Bedürfnisse des täglichen Lebens -decken würde, Leben und Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Die Garnison -war zwar aufgehoben, aber die zahlreichen militären Gebäude bestanden -noch; auch die Küsten-Batterien, welche den Eingang in den Canal -beherrschten, waren noch nicht entfernt und bedurften einiger Soldaten -zur Bewachung; diese wenigen Soldaten standen unter dem Befehl eines -Oberlieutenants »der Genie«. Uebrigens vertraten 80 Mann Pradjurits die -bewaffnete Macht; das sind nach europäischen Begriffen Polizeisoldaten, -welche den Verwaltungsbeamten zur Seite stehen und in erster Reihe -den Bewachungsdienst in den Gefängnissen und den Transport der -Sträflinge zu besorgen haben. Ihre militärische Ausbildung erhalten -sie von einem europäischen Officierstellvertreter, und im Uebrigen -unterstehen sie in allem und jedem dem Assistent-Residenten. Nur -findet über ihre militärische Ausbildung eine jährliche Inspection von -Seiten des jeweiligen Adjutanten des Landes-Commandirenden statt. Dies -ist natürlich eine im Princip ganz verfehlte Organisation, wenn der -Assistent-Resident es nicht gelernt hat, ein Commando über 80 Mann zu -führen. Ich will zwar zugeben, dass, wenn in ernstlichen Fällen der -Beamte die Hülfe des Militärs anruft, wie es z. B. bei einer Meuterei -afrikanischer Matrosen im Hafen geschah, dieses höchstens ein Beweis -für geringes Vertrauen zu dem Muthe dieser Polizeisoldaten sei; aber es -ist geschehen, dass der Instructeur von Dorf zu Dorf gehen und jeden -einzelnen Mann aufsuchen und überreden musste, sich rechtzeitig auf dem -Platz der Inspection einzufinden, und dass demungeachtet der Inspecteur -zur angesagten Stunde nicht die ganze Mannschaft anwesend fand, sondern -Alle einzeln wie verirrte Schafe erschienen. - -Wenn diese Polizeisoldaten in Casernen wohnten und ihren Instructeuren -auch in jeder Hinsicht, also auch in disciplinaren Vergehen -untergeordnet wären, d. h. mit anderen und wenigen Worten, wenn -sie Gensdarmen wären, wie sie in zahlreichen europäischen Staaten -bestehen, dann würden sie nicht nur bessere Dienste leisten, sondern -auch einem +dringenden Bedürfnisse+ entsprechen. Der antimilitärische -Geist der Holländer macht sich auch in dieser Hinsicht in unangenehmer -und fühlbarer Weise geltend. Der Assistent-Resident X..., der -damals in Tjilatjap residirte, war gewiss ein Ehrenmann, er war -als Beamter gewiss, so weit ich urtheilen kann, seinen Aufgaben -vollkommen gewachsen und lebte nur für seinen Dienst; und doch waren -die Pradjurits damals eine Caricatur von dem, was sie sein sollten; -sie machten von der Zwitterstellung ihres Instructeurs Missbrauch, -und dieser selbst -- war froh, jeder Verantwortlichkeit enthoben zu -sein. Wenn jedoch der Instructeur auch das Recht des Strafens hätte, -und wenn sie in Casernen wohnten, welche ebenfalls ein militärisches -Reglement hätten, und wenn alle Befehle des Beamten durch die Hände des -Instructeurs gingen, dann hätte auch Indien ein Corps von Gensdarmen, -welches nach vielen Seiten hin erspriessliche Dienste leisten könnte; -denn die Polizisten der grossen Städte und des flachen Landes sind -nichts anderes als persönliche Bediente des Beamten und erfreuen sich -gar keines Ansehens und gar keiner Autorität. -- Die Uniform der -Pradjurits ist die des Militärs aus den siebziger Jahren; dunkelblaue -Kleider aus Serge mit einem Kopftuche unter dem Käppi; dieses ist nach -der Weise der Javanen um den Kopf geschlungen. Die Bewaffnung ist -dieselbe wie die der Armee; sie haben Hinterlader und Bajonette. - - * * * * * - -[Illustration: Fig. 15. Eine Compagnie der »Legionen« des Sultans von -Djocja.] - -Am andern Morgen stellte ich mich dem Assistent-Residenten vor und -liess den Platz-Commandanten wissen, dass ich angekommen sei, um den -Dienst von Herrn Dr. W. zu übernehmen. Beide Herren waren nämlich -niedriger im Range als ich, und nach den gesetzlichen Bestimmungen -ist es hinreichend, dass in einem solchen Falle der höhere -Officier schriftlich davon Nachricht giebt. Weil der Dienst eines -Oberarztes reglementär ganz derselbe wie der eines Regimentsarztes -ist, so geschieht es sehr häufig, dass in kleinen Garnisonen der -Platz-Commandant niedriger im Range oder Anciennität ist, als der -zugetheilte Militärarzt. Aus einer falsch angebrachten Gemüthlichkeit -lassen die Militärärzte in der Regel diesen Rangunterschied aus den -Augen und halten sich z. B. mehr an die herrschende bürgerliche -Gewohnheit, dass der zuletzt Angekommene bei den anwesenden Officieren -sich zuerst vorstelle u. s. w. Dies ist die Hauptursache, dass die -Officiere der »bewaffneten Corps« sich so oft über das antimilitärische -Benehmen der Militärärzte lustig und davon manchmal Missbrauch machen. -Es entstehen dadurch unangenehme Streitigkeiten, worunter auch der Gang -des Dienstes leiden muss. - -Der Platz-Commandant konnte nicht zu mir kommen, weil er am Fieber -litt und an diesem Tage sich zur Abreise von Tjilatjap rüstete. Ich -ging also zu ihm hin und besprach noch einige Fragen über die Abreise -meines Vorgängers und über sein Haus, welches mir zur Miethe angeboten -wurde. Dieses lag nämlich in jenem Theile der Stadt, in welchem sich -die Casernen und Wohnungen der Officiere befanden, und welches wegen -des dort herrschenden Malaria-Fiebers von der Garnison verlassen werden -musste. Das Flüsschen (Kali) Osso trennte diese beiden üblicherweise -so scharf auseinander gehaltenen Theile Tjilatjaps und zog hinter dem -Hause des Lt. G. vorbei. Im Westen dieses Flüsschens lag, wenn ich -mich dieses Ausdruckes bedienen darf, das bürgerliche Tjilatjap. Einen -überraschend schönen Anblick bietet die Stadt, wenn man des Morgens -früh aus dem Hotel tritt und sich der Wohnung des Assistent-Residenten -nähert; vor uns zieht in gerader Linie eine vielleicht mehr als 1½ -Kilometer lange Strasse, begrenzt von hohen, mächtigen Kanariebäumen -(canarie communis). Zur rechten Hand schliesst das Haus des Clubs -mit der Nussa (= Insel) Kambangan im Hintergrunde diese schöne -Allee ab; im Osten derselben liegt das Bureau und das Wohnhaus des -Assistent-Residenten mit wunderschönen Blumenbeeten im Garten, und -zur Seite desselben eröffnet sich die Aussicht über die schmale -Wasserstrasse mit den wildromantischen Ufern der genannten Inseln im -Süden. Das Rauschen der Brandung an der jenseitigen Küste erschüttert -die Luft um so imposanter, als die schäumenden und strömenden Wogen -nicht gesehen werden. Zur Linken zieht diese schöne Allee in beinahe -geometrisch gerader Linie nach Norden und zeigt uns im Hintergrunde den -Palast des Regenten mit seinem grossen Alang âlang (Schlossplatz). Auf -der linken Seite führt eine kleine Strasse zum Bahnhof und eine zweite -zum neuen Hafen, welcher in der Mündung des Flusses Donan liegt. Es ist -ein Meisterstück des modernen Hafenbaues. - -Die Schiffe liegen mit ihrem Bord an dem Rande der Quais, und die -Waaren, welche in einem Waggon der Eisenbahn ankommen, +können+ von -diesem direct durch einen Dampfkrahn in das Schiff geladen werden. -Ich sage: können; denn es geschieht leider nicht. Dieser Hafen wurde -ursprünglich angelegt, um die Producte des Landes, wie Kaffee, Zucker, -Thee, Indigo u. s. w. aus Mittel-Java bequem und billig nach der See -transportiren zu können; es wurde aber die Rechnung ohne den Wirth -gemacht. Zahlreiche Zuckerfabriken, Kaffeepflanzer u. s. w. arbeiten -nicht mit eigenem Geld und haben grosse Vorschüsse von den diversen -Banken, welche sich in Samarang (Nordküste) befinden. Diese Stadt -hat jedoch keinen modernen Hafen; die Schiffe liegen vielleicht eine -Stunde weit von der Küste entfernt. Der Transport der Waaren und der -Personen von der Küste auf die Rhede geschieht durch Dampfbarcassen, -welche direct oder indirect im Besitze dieser Banken sind. Diese geben -also keine Vorschüsse, wenn nicht der Schuldner sich verpflichtet, -seine Producte auf der Nordküste (in Samarang) einschiffen zu lassen. -Dadurch wird natürlich das Erträgniss der Transportgesellschaften in -seiner alten Höhe erhalten und -- der schöne Hafen Tjilatjap wird wenig -benutzt. Dazu kommt noch ein zweiter Uebelstand. Im Jahre 1890 sollte -der letzte Theil der Eisenbahn gebaut werden, welcher die Nordküste -zwischen Batavia via Tjilatjap und Surabaya mit der Südküste verbinden -sollte; die Ministerien des Krieges, des Innern und der öffentlichen -Bauten stritten sich über den Punkt; bei welchem der letzte Theil, -welcher von Bandong kam, sich anschliessen sollte; die Wahl fiel auf -Maos, zwei Stationen nördlich von Tjilatjap. Die beiden Züge von -Batavia und Surabaya treffen hier in Maos Abends um 6½ Uhr ein und -fahren in der Nacht nicht weiter. Die Regierung hat also in Maos ein -grosses Hotel gebaut und dessen Verwaltung u. s. w. einem Pächter -übergeben; die Passagiere verbringen den Abend so gut es geht mit -Spazierengehen rund um das Hotel und setzen am andern Tage die Reise -fort. Zu einem Ausflug nach Tjilatjap ist keine Gelegenheit gegeben, -und dieser schöne Hafen mit seiner reizenden Lage, mit den wundervollen -Höhlen auf Nussa-Kambangan bleibt verschollen und unbeachtet von -der grossen Menge der Reisenden, welche eine Reise von Batavia nach -Surabaya lieber in einem Waggon zurücklegen, als sich vielleicht drei -oder vier Tage lang auf einem Schiffe den Unbilden der Seekrankheit -auszusetzen. - -Wenn sich in Tjilatjap ein unternehmender Mann fände, die -Sehenswürdigkeiten und Schätze der Umgebung dieser Stadt dem grossen -Strome der Reisenden zu eröffnen, welche täglich um 6½ Uhr in Maos -ankommen, würde es nicht geschehen, dass täglich Hunderte von Reisenden -an Naturschönheiten vorbeiziehen, welche in Europa jährlich Tausende -und Tausende von Touristen dahin locken würden, und die Stadt würde -sich zu einem Emporium der Südküste Javas erheben. Die Tropfsteinhöhle -der Insel Nussa-Kambangan und das Pfahldorf der Kindersee wird das Ziel -des einen Tages, und die wildromantische Scenerie von Karang Bolang -der Endpunkt eines zweiten Ausfluges sein. (Leider ist das Reisen in -Indien theuer; eine Fahrt nach der Hauptstadt Banjumas kam auf 20 fl. -zu stehen, wozu noch die Unkosten des Hotellebens gerechnet werden -müssen.) Die ganze Provinz ist übrigens reich an Sehenswürdigkeiten. -Das Dienggebirge (2045 Meter hoch) mit seinen ausgebrannten Vulcanen, -mit seinen Solfataren (von Segarawedi), mit seiner Mofette (das -Todtenthal Pakaraman[133]) entzücken das Herz eines jeden Touristen, -und wenn wir ihre Beschreibung in dem Meisterwerke des Prof. -+Veth+ lesen, können wir nur bedauern, dass dies Wunderspiel der -Natur jenseits der grossen Heereswege liegt, welche mit Eisenbahnen -die grossen Städte Javas untereinander verbinden. - -Das militärische Tjilatjap lag im Osten des Flüsschens Osso und war -mit einer steinernen Brücke mit dem »Seestrand« verbunden, welcher von -hier aus längs des Officierclubs nach der Mündung des Flusses Donan -sich mehr als 1½ Kilometer weit erstreckte. Kam man über die Brücke, -so hatte man zu seiner Rechten das grosse Lagerhaus, in welchem der -Gouvernementskaffee aufgespeichert und von Zeit zu Zeit an den Agenten -der »Handelsmaatschappij« abgeliefert wurde, weiterhin die Casernen und -vis-à-vis das Militärspital und die Wohnungen der Officiere. - -Das Militärspital war seit dem Verlassen der Garnison zu einem -Marodensaal degradirt worden und bestand hauptsächlich (gegenüber dem -Eingange) aus einer Apotheke, einem Bureau für den »Eerstaanwezenden -Officier van Gezondheid« und einem Zimmer für kranke Soldaten oder -Pradjurits. Bald zeigte sich jedoch die Unzulänglichkeit eines -Marodensaales. Es wurde nämlich, wie schon erwähnt, der letzte -Theil des Eisenbahnweges gebaut, welcher in einem grossen Bogen die -zwei Städte der Nordküste, Batavia und Surabaya, mit dem Süden der -Insel verbinden sollte. Zahlreich waren die Fälle, dass Arbeiter -verunglückten und mir zur Behandlung gebracht wurden. Dies geschah auch -von Seiten der Schiffe, welche das Material für den Bau der Eisenbahn -u. s. w. in den Hafen brachten. In einen Marodensaal dürfen keine -bürgerlichen Kranken aufgenommen werden. Die ersten Fälle brachten mich -also in Verlegenheit, aus welcher mir jedoch der Assistent-Resident -half; es waren arme Kulis; ich nahm sie in dem »Ziekenzaal« auf, und -auf Befehl dieses Magistrates kamen sie in den Bestand des Spitals -für Prostitués, welches einen halben Kilometer davon entfernt war. -Sträflinge brachten ihnen die Kost, welche ihnen auf Rechnung dieses -Spitals verabfolgt wurde, während die Krankenwäsche, Medicamente -u. s. w. aus dem Bestands des Marodensaales geliefert wurden. Die -Medicin konnte ich de jure verabfolgen. Ich musste eo ipso jeden Monat -eine Rechnung für (an die arme Bevölkerung) abgelieferte Medicamente -einreichen, welche dann mit dem Departement des Innern verrechnet -wurde; im Uebrigen besprach ich diese Sache mit dem Platz-Commandanten, -welcher im Interesse der Menschlichkeit keinen Einwand machte, um -so weniger, als ich versprach, die Erhöhung des »Ziekenzaales« zu -einem Spitale zu veranlassen, in welches, de jure, civile Patienten -aufgenommen werden können. - -Grössere Schwierigkeiten bereitete mir jedoch die Aufnahme -zahlungsfähiger Bürger; diese mussten für ihre Verpflegung selbst -sorgen, und mir erübrigte nur die ärztliche Hülfe. Als mir jedoch eines -Tages vom Agenten der Schifffahrtsgesellschaft Nederland ein Kuli -geschickt wurde, dem im Schiffsraum das Schienbein zertrümmert worden -war, konnte und wollte ich die Verköstigung dieses Patienten nicht auf -mich nehmen und vertraute sie dem »Mandur« des Spitals für Prostitués -an, welcher den Betrag hierfür bei mir jede Woche eincassirte. Sobald -als möglich leitete ich also die nöthigen Schritte ein, um aus dem -Marodensaal ein Spital 6. Classe machen zu dürfen, und am 30. September -kam der Bescheid von der Regierung zurück, welcher dieses erlaubte -und gleichzeitig die Vermehrung des Dienstpersonals in Aussicht -stellte. Denselben Abend aber kam auch der Landes-Commandirende an, um -Inspection zu halten. Ich und der Platz-Commandant erwarteten ihn in -+Galatenue+ an der Station. Einige Stunden später kam der Tagesbefehl, -»der General wünschte, dass wir in unserer »Tenue« blieben, als ob -Seine Hochwohlgeboren nicht anwesend wäre«, und der Platz-Commandant -fügte bei: also +gewöhnliche Tenue+. Als Chef des Marodenzimmers -wäre ich für die Reinlichkeit nur dieses einen Saales verantwortlich -gewesen; als Chef des Spitals jedoch musste ich für die Reinlichkeit -des ganzen, alten, halbverfallenen Gebäude-Complexes sorgen. Ich hatte -aber noch nicht das nöthige Dienstpersonal. Um jedoch wenigstens den -gröbsten Schmutz des alten, verlassenen, öden Spitalraumes wegschaffen -zu lassen, verschaffte ich mir vier Kulis und liess sie um 6 Uhr -früh unter Aufsicht eines Krankenwärters die Wege fegen u. s. w. Zur -grösseren Sicherheit jedoch ging ich um 6 Uhr dahin und sorgte, dass -unter meiner persönlichen Aufsicht so viel als möglich gereinigt werde. -Im Eifer meiner Arbeit vergass ich die Zeit, und als es 8 Uhr schlug --- stand der General mit dem Adjutanten und dem Platz-Commandanten -vor der Thür, und ich war noch in Bürgerkleidung (!). Dafür bekam -ich in die Conduiteliste: Militärisches Benehmen tadelnswerth und -zeigt Mangel an Diensteifer, weil das Spital bei der Inspection des -Landes-Commandirenden Spuren von mangelhafter Aufsicht trug und er in -Civilkleidung war, obwohl die Inspection angesagt war!! - -Auch wurde ich dafür »unwürdig und ungeeignet« erklärt, einen höheren -Rang zu bekleiden. Ja, wenn man einen Hund schlagen will, findet man -immer einen Stock. - -Das Reglement »über das Tragen von Civilkleidern von Officieren« -gestattet den Officieren der Genie, den Militärärzten, den -Zahlmeistern, sowie auch den Officieren des Stabes und allen Arten, -welche nicht unmittelbar mit den Truppen in Beziehung stehen, bei -ihren täglichen Arbeiten von der Civilkleidung Gebrauch zu machen. -Diese Erlaubniss erstreckt sich jedoch nicht auf Inspection, es sei, -dass das Gegentheil speciell erlaubt wurde. Ob ich in dem gegebenen -Falle im Eifer des Dienstes die gesetzlichen Bestimmungen vergessen -und dagegen gesündigt hatte, will ich unerörtert lassen. Aber vielfach -wurde die Zweckmässigkeit dieser gesetzlichen Bestimmung in Frage -gestellt, ja noch mehr, man trachtete diese Begünstigung (?) der Aerzte -in den letzten Jahren direct oder indirect zu beschränken. Man glaubte -nämlich, dass dem Militärarzt durch die Uniform ein gewisses Prestige -gegeben werde, welches unerlässlich für seine oft schwierige Stellung -sei. Dies ist nur theoretisch wahr und richtig. Factisch hängt dieses -ganz und allein von der Individualität des Militärarztes ab, und -zwar schon darum, weil höchstens in den ersten Wochen der Dienstzeit -die Uniform einem Recruten imponirt; weiterhin gewiss nicht mehr; -ich kenne einen Fall, dass einem Regimentsarzte das Wort Charlatan -von einem Patienten zugerufen wurde, trotzdem er in Uniform war. Ein -anderer Einwand ist juridischer Natur. Die Disciplin muss leiden, wenn -dem Soldaten bei Uebertretung der Subordination die Ausrede gelassen -wird, er hätte nicht gewusst, dass der Betreffende ein Officier sei, -weil er nicht in Uniform war. Wenn es eine +Ausrede+ ist, kann ja -das Kriegsgericht in seinem Urtheil diesem Rechnung tragen. Auch der -Truppenofficier geht in seinen dienstfreien Stunden in Civilkleidung. -Es ist nur zu oft geschehen, dass Soldaten Officiere in Civilkleidung -beleidigten. Da es leicht nachzuweisen war, dass der Uebelthäter diesen -Officier als Officier gekannt hat, so wurde diese Ausrede nicht weiter -berücksichtigt. - -In der Regel wird dasselbe bei dem Militärarzte der Fall sein. -Der Delinquent ist in den meisten Fällen in Behandlung dieses -Militärarztes gewesen und kennt ihn. Die mala fides ist also bewiesen, -und das Kriegsgericht ist in seinem Urtheile nicht eingeschränkt. In -den Tropen ist es warm, und man transpirirt sehr stark; der Uniformrock -ist also geradezu hinderlich. Ich sah oft junge Militärärzte, welche -aus leicht begreiflicher Ursache gern die Uniform tragen, im Eifer -ihres Dienstes den Uniformrock ausziehen, wenn er sie in einem -gegebenen Augenblicke hinderte, und man sah dann ein vom Schweisse -durchtränktes Hemd, welcher Anblick gewiss ebenso unästhetisch als -unangenehm war. Die Bewegung in der Civilkleidung, und besonders im -Jaquet, ist freier und auch bequemer, weil der Arzt in einem solchen -genug Taschen hat, um die unentbehrlichen Instrumente, als: Stethoskop, -Hammer und Pravazische Spritze und auch seine Cigarrentasche, Sacktuch -und event. das Receptbuch, stets bei der Hand zu haben. Es war also -bis vor wenigen Jahren Usus, dass die Militarärzte in weisser Hose -und schwarzem Jacket ihren Dienst verrichteten. Mit den Fortschritten -der Bacteriologie begann vor ungefähr drei Jahren ein Sturm gegen -den Gebrauch des schwarzen Rockes, als den Träger aller pathogenen -Bacterien und als den Vermittler aller ansteckenden Krankheiten. Ob -dies, in dieser Allgemeinheit ausgesprochen, richtig sei oder nicht, -will ich dahin gestellt sein lassen; aber Thatsache ist, dass in allen -Operationszimmern und in allen Abtheilungen für ansteckende Krankheiten -Kittel zur Verfügung des Arztes stehen, so dass eine solche Gefahr -nicht zu bestehen braucht. Im Jahre 1894 wurde eine neue Uniform in -der Armee eingeführt, und den Officieren für die »kleinen Dienste« -weisser Uniformrock, Hose und Helmhut gegeben; den Militärärzten wurde -durch sanften Druck anheim gestellt, von der gesetzlichen Begünstigung, -den Spitaldienst in Civilkleidern versehen zu können, keinen Gebrauch -zu machen, weil mit der Einführung der weissen Uniform jede Ursache -dazu genommen sei, ja noch mehr, die weissen Kleider seien für den -Militärarzt geradezu die angezeigte und einzige praktische Kleidung, -weil sie gewaschen werden könne. Dies ist gewiss unrichtig und falsch; -denn zahlreich sind die Gefahren, welche den weissen Röcken eines -Arztes drohen. Beim Ausspritzen der Ohren, beim Touchiren der Kehle, -beim Reinigen eines Auges u. s. w. kommen Flecken von Lapis, Jodtinctur -u. s. w. in den Rock. Der Krankenkittel oder die grosse Schürze sollen -ihn vor diesen Schädigungen seines Rockes schützen, und dennoch -- -hatte ich z. B. keine einzige weisse Hose, welche nicht schon nach -wenigen Wochen von Jodtinctur, Tinte u. s. w. gezeichnet war. Dieselbe -Gefahr droht dem Rock. Reinlichkeit und tadellose Kleider sind aber -unvermeidlich mit der Idee Uniform verbunden, und wenn ich auch manchen -Officier kannte, der nach drei Tagen ebenso nette und sauber weisse -Hosen hatte, als ich nach drei Stunden, so sah ich selten einen Arzt -ohne Flecken auf seiner weissen Hose. Nebstdem geschieht es häufig, -dass die Menschen unter den weissen Kleidern kein Flanellleibchen und -keine Unterhosen tragen. Geradezu widerlich ist der Anblick eines -solchen Rockes, welcher durch den Schweiss gezeichnet ist, und geradezu -gefährlich kann eine solche Kleidung werden, wenn ein kalter Wind die -durchnässten Kleider auf dem Körper zum raschen Verdunsten bringt. - - * * * * * - -Das gesellschaftliche Leben in Tjilatjap beschränkte sich auf den -Verkehr mit einigen Beamten, dem Platz-Commandanten und einigen -Handelsleuten. Zu den ersteren gehörten der Assistent-Resident und der -Chef-Ingenieur der Eisenbahn. - -Der Assistent-Resident C... war ein Halbeuropäer. Da er seinen Beruf -mit voller Gewissenhaftigkeit erfüllte und oft Anlass nahm, mit mir -darüber zu sprechen, bekam ich einen Einblick in den Wirkungskreis -der Verwaltungsbeamten. Ich finde die Stellung eines solchen geradezu -ideal; er ist ein Patriarch stricte dictu. Patriarchalisch ist ja -überhaupt die indische Regierung, und der Resident der Provinz -Banjumas ist gewissermaassen der Oberpatriarch über die 1,213,792[134] -Einwohner, welche diese Provinz zählt; wenn ich mir jedoch eine -Vergleichung mit der militärischen Organisation erlauben darf, so ist -der Resident der Bataillons-Commandant und der Assistent-Resident der -Commandant der Compagnie. Dieser letztere ist also mehr im Contact mit -dem kleinen Mann; er lernt die Leiden und Freuden seiner Unterthanen -aus erster Quelle kennen, und das Wohl und Wehe der ganzen Bevölkerung -findet in ihm einen Beschützer, wenn er seine Stellung richtig erfasst. -Nominell steht der kleine Mann unter der Herrschaft des eingeborenen -Fürsten, welcher Beamter der holländischen Regierung ist. Dieses -weiss er und fühlt es täglich. Es ist ihm aber auch bekannt, dass -jener »der jüngere Bruder ist«, dem der europäische Beamte als älterer -und erfahrener Bruder in allen Verwaltungs-Angelegenheiten rathend -zur Seite stehen muss. Der Tact, mit welchem der Assistent-Resident -dieses Princip in Anwendung bringt, ermöglicht ihm, ein Wohlthäter -seines Bezirkes zu sein, denn in jedem der eingeborenen Fürsten sitzt -noch immer der alte Tyrann, der den »kleinen Mann« als recht- und -schutzloses Wesen betrachtet. Trotzdem sieht dieser in dem Regenten -den angestammten rechtmässigen Herrscher, dessen Antlitz er nicht -einmal würdig ist zu sehen, und nur sehr selten wird er es wagen, -sich über ihn zu beklagen. Dieses Gefühl der Anhänglichkeit an den -angestammten Herrn wird natürlich genährt von den Fürsten, trotzdem sie -Beamte mit sehr hohem Gehalt sind, und von der Geistlichkeit. Diese -sehen sich als Verkünder des reinen Gottesglaubens im Gegensatz zu -den Kafirs, und sind also per se die Bundesgenossen der Häuptlinge. -Von der Autorität der eingeborenen Fürsten gegenüber dem Gros der -Bevölkerung zieht Holland den grössten Nutzen; es ist dadurch im -Stande, mit einer Armee von ungefähr 15,000 europäischen Soldaten nicht -nur die 25,000,000 Seelen Javas, sondern auch den ganzen indischen -Archipel zu beherrschen. Dies ist der punctum saliens der indischen -Regierungsweisheit, die Autorität der Fürsten nicht zu untergraben, -und andererseits den kleinen Mann gegen die Willkür und Despotismus -seiner Häuptlinge zu beschützen; dazu gehört Tact und zwar sehr -viel Tact von Seiten des Assistent-Residenten. Dass im Ganzen und -Grossen die Mehrzahl dieser Beamten diese Routine besitzt, und dass -das Regierungsprincip ein richtiges sei, dafür spricht der Erfolg. -Indien ist in diesem Jahrhundert ein blühender Staat geworden, und die -Sicherheit der Person ist -- grösser als in Europa. - -[Illustration: Fig. 16. Eine Hängebrücke aus Bambus bei Bandjar im -Serajo-Thal (Bezirk Bandjarnegara).] - -Wie viel jedoch ohne Wissen und Willen der Regierung gegen das -Regierungsprincip der europäischen Beamten gesündigt wird, lässt sich -schwer beurtheilen; viel ist es nicht, weil vom »Beamten zur Verfügung« -bis zum Residenten Jeder seine Spione hat; aber es kommt manchmal vor, -dass die Politik des Strausses die Richtschnur eines Beamten ist, weil -er sich dadurch viel Arbeit und »Susah«[135] erspart. Wenn z. B. der -Resident in einen Bezirk zum Besuche kommt und einige Tage bei dem -Regenten wohnt, der ungefähr 12,000 Gulden jährlichen Gehalt hat, so -wird dieser Häuptling die Hühner für seinen Gast von dem kleinen Mann -ohne Bezahlung verlangen, weil doch auch dieser »hoch erfreut über -die Ehre des hohen Besuches sein müsse«, und wenn der Gemüsegarten -des »Wedono«[136] vom Unkraut gereinigt werden muss, so müssen die -Bewohner der umliegenden Dörfer dieses thun, weil sonst der Assistent -über die Unreinlichkeit des Dorfes unzufrieden wäre. Wenn der Regent -eine Scheuer für seinen reifen Reis bauen will, die vielleicht 10 fl. -kosten würde, könne er unmöglich das Anerbieten (?) der Dorfbewohner -zurückweisen, welche ihm damit eine Aufmerksamkeit oder Ueberraschung -bereiten wollen, und wenn hundert Kulis seinen Acker bepflügen wollen, -weil sie gerade an diesem Tage keine andere Arbeit hätten, warum -sollte er es nicht annehmen statt sie müssig herumgehen und vielleicht -Diebstahl oder Mord verüben zu lassen!? (Solche Herrschergelüste -haben in früheren Jahren auch die europäischen Beamten gehabt; die -Journalistik deckte jedoch diese Uebelstände schonungslos auf, und sie -verschwanden nach und nach.) Wo solche Erpressungen stattfinden, kennt -sie in den meisten Fällen der Controlor oder der Assistent-Resident; -aber sie wollen sie oft nicht sehen, weil sie nicht immer -- der Stütze -der Regierung resp. des Residenten sicher sind. Wenn nämlich die -Regierung nicht freie Verfügung über eine genügende Truppenmacht hat -und fürchten muss, ein energisches Auftreten nicht mit einer oder zwei -Compagnien Soldaten unterstützen zu können, dann will sie von kleinen -Missbräuchen der Amtsgewalt von Seiten eines einheimischen Fürsten -nichts wissen, und wenn der Assistent-Resident einen solchen Wink nicht -verstehen will, so wird er einfach transferirt, und der schuldige -Regent bekommt einen fürchterlichen Verweis. Die Transferirung des -Beamten jedoch ist für den Nachfolger des Assistent-Residenten ein -deutlicher Befehl, durch die Finger zu sehen, und für den Regenten -der deutlichste Beweis, in seinem Thun und Lassen von den ewigen -Rathschlägen seines »älteren Bruders« sich nicht beirren zu lassen. +Zu -groben despotischen Ausschreitungen+ der Fürsten kommt es gegenwärtig -auf Java +nicht mehr+, und bei kleinen Tyrannengelüsten schliesst -die indische Regierung so lange die Augen, bis sie die Macht hat, -energisch gegen sie auftreten zu können. Leider ist sie diesbezüglich -vom Abgeordnetenhaus in Holland abhängig, und bevor der Schuster -und Schneider in dieser »Kammer« das nöthige Geld zur Errichtung -einiger neuen Bataillone Soldaten bewilligt, muss die Noth sehr hoch -gestiegen sein. Wenn auch nämlich der General-Gouverneur (mit einem -jährlichen Gehalt von 120,000 fl. und neuer Einrichtung des Palastes -in Buitenzorg) als Vertreter des Königs von Holland gegenüber den -eingeborenen Fürsten das Recht über Krieg und Frieden hat und zugleich -Oberbefehlshaber der Armee und der Marine ist, so untersteht er doch -der Oberaufsicht des Ministers der Colonien, und dieser ist wiederum -der Majorität des Abgeordnetenhauses für dessen ganzes Thun und Lassen -in den Colonien verantwortlich; dieses Verhältniss veranlasste also die -in Indien landläufige Phrase: Ueber das Schicksal von Millionen Javanen -entscheidet der Greisler (Kruidenier) in Holland. - - * * * * * - -Der erwähnte Oberingenieur, welcher den Bau der Eisenbahn zwischen -Tjilatjap und Bandong leitete, ist seit dieser Zeit gestorben; er war -ein tüchtiger Ingenieur, ein Ehrenmann und hat mich zu grossem Danke -verpflichtet. Er hat mir nämlich in liebenswürdiger Weise staatliche -Anerkennung, und zwar in klingender Münze verschafft. Die Einkünfte -eines Regimentsarztes sind in Indien nicht schlecht; aber ich hatte -durch die Erkrankung meiner Frau ausserordentliche Ausgaben, und -somit waren ausserordentliche Einnahmen mehr als erwünscht. Der -Normal-Monatsgehalt eines Regimentsarztes ist nämlich 400 fl.; nach -8jähriger ununterbrochener Dienstzeit bekommt er die erste Zulage -von 25 fl. monatlich, nach 12jähriger Dienstzeit weitere 50 fl. und -nach 4 Jahren wieder 25 fl. Erhöhung; nebstdem bezieht er als Zulagen -monatlich: 30 fl. für Pferdefourage, 50 fl. für civile Dienste und -freie Wohnung oder 60 bis 100 fl. Quartiergeld, je nachdem er sich in -einer grösseren oder kleineren Garnison befindet. Für einen ledigen -Regimentsarzt, der standesgemäss leben will, ist dieser Gehalt mehr -als hinreichend; denn er kann gewiss jeden Monat wenigstens 100 bis -200 fl. ersparen. Ein verheirateter Regimentsarzt kann, wenn er auch -zwei bis drei Kinder hat, ohne Sorgen davon leben, und selbst bei -einer grösseren Zahl von Kindern braucht er keine Schulden zu machen, -wenn er einen bescheidenen Haushalt führt, d. h. keine Equipage hält, -wenig Conserven gebraucht, keine feinen Weine trinkt und eventuell die -Kleider seiner Frau aus Europa kommen lässt. Wohnt er in einem Orte, -wo kein zweiter Arzt ist, dann wird allerdings in den meisten Fällen -eine Equipage nöthig sein. Die Unkosten einer solchen sind jedoch nicht -hoch, vielleicht 20 bis 30 fl. pro Monat, und werden natürlich durch -die Privatpraxis reichlich aufgewogen. - -Auch ich hatte eine kleine Privatpraxis in Tjilatjap, obwohl mein -Vorgänger sich dieser Gunst des Schicksals nicht erfreuen konnte. -Ich schreibe dies der Thatsache zu, dass ich die Bestimmungen der -Armenpraxis nicht engherzig auffasste. Wie schon früher erwähnt, -haben die Armen und die europäischen Beamten mit einem Gehalte -unter 150 fl. pro Monat Recht auf freie ärztliche Behandlung und -Medicamente. Nach einer Rücksprache mit dem Assistent-Residenten war -es mir ganz überlassen, diese gesetzlichen Bestimmungen so weit als -möglich auszudehnen, und thatsächlich fand diesbezüglich niemals -eine Controle statt. Am Ende eines jeden Monats reichte ich die -Rechnung für Medicamente ein, welche für das Frauenhospital und »die -arme Bevölkerung« abgeliefert wurde, und diese ging zur »Regulirung« -den dienstlichen Weg vom Kriegs-Departement zu dem des Innern. Für -die Praxis aurea galten ähnliche Bestimmungen. Ich musste am Ende -eines jeden Monats eine Liste der Arzneien und etwaiger Instrumente -anfertigen, welche ich an Privatpersonen verabfolgt hatte, und der -Betrag dafür, nach dem officiellen Preis-Courant berechnet, wurde -um 20% erhöht von dem Zahlmeister der Garnison bei dem nächsten -Monatsgehalt eingesetzt. Im Grossen und Ganzen ist dies ein Vorgang, -der einerseits an die Rechtlichkeit des Arztes appellirt, andererseits -die Nonchalance desselben unberücksichtigt lässt. Häufig geschieht -es, dass der Arzt am Ende des Monats pour acquit de conscience aus -dem Gedächtnisse zwei Listen anfertigt, wie es ihm eben einfällt; -zu einer regelmässigen Buchführung hat er weder die Zeit noch die -Musse, und vielleicht auch nicht die Geschicklichkeit; je kleiner -die Liste ist, die er anlegt, desto besser; denn die Verrechnung von -10 Gramm Soda z. B., von dem das Kilo 17 Cts. kostet, oder von 0·15 -Gramm Morphium ist eine langweilige Arbeit. Nebstdem werden diese -Rechnungen in Batavia controlirt, und wenn nur ½ Ct. unrichtig ist, -kommt die Rechnung zurück, und bei Wiederholung derselben schwebt das -Damoklesschwert der »oberflächlichen und nachlässigen Administration« -über dem Haupte des Schuldigen. Ich kann nur auf diese ungesunden -Verhältnisse hinweisen, ohne etwas Besseres dafür mittheilen zu -können; vielleicht ist Jemand anders diesbezüglich glücklicher. - -Aber auch auf die Behandlung der Patienten wandte ich das Reglement der -Armenpraxis im weitesten Sinne an. - -Alle Arbeiter, Tagschreiber und Aufseher der Eisenbahnwerke behandelte -ich gratis, obschon sie keine Armen und keine Beamten waren. Sie -waren keine »Armen«, weil sie durch einen Erwerb die Bedürfnisse des -Lebens deckten, und sie waren keine Beamten, weil sie nur per Tag -angenommen und auch jeden Tag entlassen werden konnten. Dies war das -Hauptmotiv für mich, diese ephemeren Existenzen gratis zu behandeln. -Der Oberingenieur C. scheint jedoch anders darüber gedacht zu haben, -denn im Juli bekam ich unerwartet den Erlass der Regierung, dass mir -für die Behandlung des Personals, welches beim Bau der Eisenbahnlinie -Tjilatjap-Bandong beschäftigt war, eine monatliche Zulage von 100 fl. -gegeben werde, und einen Monat später kam ein zweiter Erlass, dass -diese Zulage begonnen habe von dem Tage meiner Ankunft in Tjilatjap!! -Diese Freigebigkeit ist geradezu auffallend gewesen, weil die indische -Regierung gegenüber ihren Beamten und Officieren schon seit ungefähr -zehn Jahren die Sparsamkeit in recht unangenehmer Weise anwendet, -so z. B. giebt sie dem neueintretenden Apotheker keine Zulage für -Pferdefourage, die Zahl der Beamten wird verkleinert u. s. w. - - * * * * * - -Niemand wandelt ungestraft unter den Palmen, und Jedermann bekommt -in Tjilatjap sein Fieber. In früheren Zeiten war dieser Ort selbst -ein bevorzugter Verbannungsplatz der Fürsten von Solo und Djocja. -Missliebige Fürsten wurden von diesen beiden Potentaten am liebsten -nach Tjilatjap in Verbannung gesendet, weil sie ohne Dolch und ohne -Gift am schnellsten und am sichersten für ewige Zeiten von dort -verschwanden. Heute ist es damit nicht so arg bestellt. Der Regent -z. B. war ein kräftiger, junger Mann, der während meines einjährigen -Aufenthaltes mich nur einmal consultirte und nur dreimal Antipyrin -gegen seine Fieberanfälle holen liess. - -Ich selbst glaubte von jeher immun gegen Malaria zu sein, nachdem -ich 1877 eine schwere Krankheit durchgemacht hatte, welche mir zwei -Tage lang das Bewusstsein geraubt hatte. Nach dieser Zeit habe ich -beinahe jedes Jahr nur einmal einen Fieberanfall von 38 bis 40° mit -Schüttelfrost gehabt, der ohne Medicamente verschwand und nicht wieder -zurückkam. Was jedesmal dieser isolirte Fieberanfall bedeutete, weiss -ich heute ebenso wenig als damals. Ich hielt mich also gegen das Gift -der Malaria gefeit und lebte unbesorgt in Tjilatjap. - -Ich hatte schon die Durchschnittsdauer aller früheren Collegen -überschritten und war schon sieben Monate in Tjilatjap, ohne einen -Fieberanfall bekommen zu haben; ich war gewöhnt, wie ich soeben erwähnt -habe, jedes Jahr einmal, und gewöhnlich unter dem Schiffsbade, einen -Schüttelfrost zu bekommen mit einer Achsel-Temperatur von ungefähr -39° C.; auch diese ephemeren Erscheinungen hatten sich noch nicht -eingestellt; ich fühlte mich jedoch nicht wohl; ich verlor den Appetit, -vertrug aber das Essen ganz gut; ich wurde leicht müde, ich musste -wiederholt und selbst in Gesellschaft gähnen, oft überfiel mich ein -Frösteln, ohne dass die Körpertemperatur 37° C. überstieg; die Cigarre -schmeckte mir wie immer, aber gegen 11 Uhr bekam ich Brechreiz, welcher -ausserordentlich schmerzhaft war. Der Magen war nämlich leer, seine -peristaltischen Bewegungen konnten also keinen Inhalt zu Tage bringen; -ich hatte dabei das Gefühl, als ob ein Dutzend Rasirmesser durch die -Magenwände schnitten. Mir fehlte für diese Erscheinungen das richtige -Verständniss; wenn ich auch an eine chronische Malariavergiftung -dachte, so schloss ich sie dennoch aus, weil ich sie für unmöglich -hielt, ohne dass eine acute Attaque vorausgegangen wäre. Ich schrieb -also alles dem »Klima« zu. Aber nur zu bald sollte ich erfahren, dass -es eben auch eine primäre »chronische Malaria« gebe, und dass ich ein -Opfer derselben sei. - -Eines Tages erhielt ich von dem Assistent-Residenten die officielle -Einladung, mit ihm das Gefängniss zu inspiciren, um etwaige -hygienische Mängel zu constatiren, und zwar sollte dies um 8 Uhr früh -stattfinden. Ich hatte meine erste Wohnung im Osten des Flüsschens Osso -verlassen, weil sie sich in einem öden, verlassenen Viertel befand, -und ein Haus an der grossen, schönen Strasse bezogen, welches die -Wohnung des Regenten mit dem Hause des Officiersclubs verband. Der -Assistent-Resident kam, um mich mit seiner Equipage abzuholen, und nach -Ablauf der Inspection ersuchte ich ihn, en passant bei und mit mir -das Frühstück einzunehmen. Bei dieser Gelegenheit stellte sich ganz -unvermittelt und so unerwartet Erbrechen ein, dass die Eruption längs -der rechten Seite meines Gastes ihren Weg nahm und ihn beschmutzte. -Hierauf hatte ich 40° C. Körpertemperatur und zum ersten Male das -ausgesprochene Bild eines acuten Malariafiebers. - -Jetzt freilich hatte ich den Beweis, dass es eine primäre chronische -Malaria gäbe. - -Meine Frau hat jedoch viel später als ich das Entrée de campagne -bezahlt; während ich Ende des Jahres 1877, also nach einem Aufenthalte -von 13 Monaten, in den Tropen die erste nicht unbedeutende Erkrankung -mitgemacht hatte, blieb meine Frau vier Jahre lang vollkommen gesund; -ja noch mehr; während sie vor ihrer Abreise von Holland 55 Kilo wog, -kam sie nach halbjähriger Anwesenheit auf das stattliche Gewicht von -73 Kilo und behielt seitdem immer circa 70 Kilo; bis auf eine kleine -Attaque von Masern blieb sie auch vollkommen gesund. Ich schrieb diese -rasche und grosse Gewichtszunahme dem bequemen Leben in Indien zu. -In Holland bewohnt jede Familie ein ganzes Haus mit zwei, oft drei -Stockwerken. Indien hat bis auf nur wenige Ausnahmen nur Wohnhäuser -ohne Stockwerke. Da nebstdem in Holland, besonders in grossen Städten, -der Baugrund theuer ist, so werden die Häuser hoch, und zwar auf -kleiner Basis gebaut. Die Wohnräume vertheilen sich also auf zwei oder -drei Stockwerke, und die Hausfrau muss gewiss zehn bis zwanzig Mal -des Tages die Treppen auf- und absteigen. Dabei sind diese Stiegen -oft unglaublich steil. Das Treppensteigen erfordert aber noch mehr -Anstrengung der Muskulatur und des Herzens als das Bergsteigen, es ist -also eine bedeutende Arbeit, welche auf Kosten des Gesammtorganismus -geleistet werden muss. Diese Consumption des Körperfettes kennen die -Frauen in Indien nicht, und darum ist es verständlich, wie Prof. -+Geer+ nachwies, dass die mittlere Lebensdauer der holländischen -Damen in Indien grösser als in Holland ist. Ich möchte aber bezweifeln, -ob diese Sparung der Kräfte vor allem die Ursache ist, dass die Frauen -seltener an Fieber erkranken als die Männer. Diese Thatsache ist -zwar nicht allgemein anerkannt; aber wenn ich mein Kranken-Journal -zu Rathe ziehe, muss meine Erfahrung dieselbe Thatsache constatiren; -nebstdem ist a priori das Gegentheil nur schwer zu verstehen und zu -erklären. In allen Ständen der Gesellschaft setzt sich ja der Mann -den Schädlichkeiten des Tropenklimas mehr und viel häufiger aus -als die Frau, und ob wir nun nach Prof. +Koch+ die Mosquitos -beschuldigen, die Träger des Malariagiftes zu sein, oder ob wir das -Trinkwasser, und besonders die eingeathmete Luft die Malariaplasmodien -in unseren Körper einführen lassen, immer ist der Mann durch seine -Beschäftigung und durch seine Lebensweise mehr als die Frau den -Gefahren der Infection exponirt. - -Auch meine Frau blieb, wie oben angedeutet wurde, vom Fieber nicht -verschont. Sie hatte aber keinen Frostanfall im Anfange der Krankheit, -wie es beim schulgerechten Fall geschieht, sondern wurde kurzathmig, -bekam Hustenreiz und wurde müde; sie fühlte sich wie geschlagen, wurde -blass im Gesicht, bekam Kopfschmerzen, der Puls erreichte die Zahl -120, die Respiration stieg auf 30 bis 40, die Temperatur auf 39°, und -manchmal stellte sich Diarrhöe ein. [Auch Dr. +van der Burg+[137] -theilt mit, dass in Holländisch-Indien der Fieberanfall sehr oft ohne -Kältestadium verlaufe.] Wenn der Puls kräftig war, gab ich in diesem -Stadium 1 Gramm Antipyrin, und war er minder voll, liess ich das -Antipyrin mit einem Gläschen Cognac oder Portwein nehmen. Nach wenigen -Stunden war die Temperatur auf 37·8 oder 38° gesunken, und es trat ein -gewisses Wohlbefinden ein, welches die Patientin veranlasste, das Bett -zu verlassen. Dies dauerte einige Tage hindurch, und manchmal trat mit -dem Sinken der Temperatur eine starke Transpiration ein. Erst als nach -dem Fieberanfalle die Körpertemperatur auf 36·6° gefallen war, wusste -ich aus Erfahrung bei vielen hundert anderen Patienten, dass der Anfall -des Malariafiebers sein Ende erreicht hatte. Vier Monate dauerte das -fieberfreie Intervall meiner Frau. Anfangs December kam der Resident -mit seiner Frau von Banjumas, um persönlich mit den europäischen -Familien Tjilatjaps Bekanntschaft zu machen. Es folgten natürlich -Feste auf Feste zu Ehren der hohen Gäste; besonders interessant war -der Ausflug nach den Tropfsteinhöhlen der Insel Kambangan und nach den -Pfahlbauten in der Kindersee. Am 6. December war ein Ball im Casino, an -dem auch meine Frau theilnahm. Aber schon nach dem ersten Tanze bekam -sie einen so heftigen Frostanfall, dass wir den Ballsaal verlassen -mussten. Im Uebrigen war der Zustand meiner Frau derselbe als vor vier -Monaten, und zwar die am häufigsten vorkommende Form von Malaria. Nur -wurde diesmal die Dauer bedeutend abgekürzt; die Frau des Residenten O. -hatte beim Abschied aus dem Ballsaale ihre Gastfreundschaft angeboten, -für den Fall, als meine Frau Tjilatjap sollte verlassen müssen. -Diese Dame kannte uns erst wenige Tage, und dennoch folgte sie der -Regung ihres guten Herzens, welche ihre Rasse charakterisirt, meiner -Frau für unbestimmt lange Zeit Gastfreundschaft anzubieten, »weil ihr -Haus im Gebirge lag und gewiss eine sehr geeignete Stätte war, einen -Malariapatienten von dem Fieber zu befreien«. - -[Illustration: Fig. 17. Der Tempel bei Prambánan.] - -Frau Resident O. war nämlich eine Halbeuropäerin, welche, wie allgemein -behauptet wird, die Tugenden und Fehler der beiden Rassen, der Europäer -und der Malayen, in sich vereinigen. Gewisse Europäer, welche in der -Beschränktheit ihrer Erfahrungen sich gerne auf die Präponderanz ihrer -Rasse stützen, um mit Geringschätzung von den indischen Nonnas und -Sinjus zu sprechen, könnten und müssten noch vieles[138] von jenen -Halbeuropäern lernen, welche ich z. B. in Tjilatjap kennen gelernt -habe, um ihnen an Herzensgüte gleich zu kommen. - -Nachdem das Fieber meiner Frau zwei Tage angehalten hatte, entschloss -ich mich, von der angebotenen Gastfreundschaft der Frau O. Gebrauch -zu machen und brachte die Patientin nach Banjumas. Zu diesem Zwecke -ersuchte ich den Stationschef zu Maos, einen Wagen nach Banjumas für -mich zu miethen, welchen der Hotelier L. zu diesem Zwecke in dieser -Station bereit hielt; es war ein alter Landauer, welcher mit vier -javanischen Pferden bespannt war. Das Geschirr war alt und schmutzig, -aber mit Windesschnelle flogen die kleinen Pferde über den Weg, ob es -bergab oder bergauf ging. Mit bewunderungswürdiger Sicherheit leitete -der Kutscher die Pferde. Als wir uns bei Glambong dem Serajothal -(Fig. 16) näherten, lag zu unserer Linken ein hundert Meter tiefer -Abgrund, der Weg krümmte sich beinahe zu einem Winkel von 90°, mit -unerschütterlicher Ruhe trieb der javanische Kutscher die Pferde über -den Bergrücken, während wir uns krampfhaft an die Wände des Wagens -fest hielten, weil wir fürchteten, aus dem Wagen in die Tiefe des -Abhanges geschleudert zu werden. Endlich erreichten wir die Hauptstadt -der Provinz, welche sich über eine ungeheure Fläche ausbreitet. Oft -sind tausend Meter zwischen zwei Häusern, so dass Jeder eine Equipage -halten muss, um nur mit seinem Nachbar verkehren zu können. Die einzige -Sehenswürdigkeit ist das Haus des Residenten, obwohl es sich in seiner -Bauart gar nicht von allen übrigen Häusern unterschied; es war im -alt-griechischen Stile gebaut mit vorderer und hinterer Säulenhalle. -Zu seiner Rechten befand sich der Pavillon für die Gäste, welcher auch -meiner Frau angewiesen wurde. Es waren fünf Gastzimmer, von denen eins -meine Frau bezog. Die Babu schlief vor dem Bette auf dem Boden, und vor -dem Pavillon stand die ganze Nacht die Polizeiwache. - -Bewunderungswürdig war der feine Tact, mit welchem Frau O. ihre -Rechte und Pflichten als Gastgeberin gegenüber ihren Gästen erfüllte; -unter dem Vorwande, im Allgemeinen meine diätetische Behandlung der -Malariakranken hören zu wollen, suchte sie alle Gewohnheiten und -Lieblingsspeisen meiner Frau zu erfahren, und, was noch mehr Tact -verrieth, sie beschäftigte sich mit meiner Frau nach meiner Abreise -gerade so viel, dass diese sich weder langweilte, noch durch das »zu -viel« belästigt fühlte. - -Die Flucht aus dem Malariaherde und der Aufenthalt in Banjumas -ermöglichten eine schnelle Heilung meiner Frau. Schon nach zehn Tagen -konnte sie ihre Gastgeberin verlassen und hatte bis zu dem heutigen -Tage keine Attaque von dem Malariafieber mehr, weil sie, wie +ich+ -behaupte, seit dieser Zeit immer gekochtes Wasser getrunken hat oder -weil sie, wie Prof. +Koch+ behauptete, immun geworden war, trotzdem sie -noch Jahre lang in Städten wohnte, in welchen die Mosquitos geradezu -Orgien feierten. Auf mich setzten sich diese Thierchen nur so selten, -dass ich glaubte, gegen Mosquitostiche immun zu sein; überall, wo -ich es thun konnte, schlief ich mit offenem Mosquitonetze und -- -bekam einen zweiten Anfall von acuter Malaria, so dass ich endlich um -ärztliche Hülfe resp. um Ablösung von Tjilatjap ersuchen musste. Am 19. -Januar 1891 kam Dr. X. mich untersuchen, und am 20. Januar sass ich um -6 Uhr Morgens in der Eisenbahn, um in Djocja von dem Fieber befreit zu -werden. Ich hatte kaum die zweite Station Kroja erreicht, als ich die -Wohlthat der Flucht aus einem Fieberherde kennen lernte und fühlte. -Ein herrliches Wohlbefinden bemächtigte sich meiner, obzwar die Gegend -zwischen Maos und Kroja +noch nicht sumpffrei+ ist, und das Fieber -verliess mich wie mit einem Zauberschlage. - -Dr. X., welcher nach Tjilatjap kam, hat mir, ohne es zu wissen und auch -nur zu ahnen, einige bittere Stunden der Angst und Furcht bereitet. -Im Jahre 1888 verliess ich nämlich Sumatra mit dem geheimen Auftrage, -auf meiner Reise in A. zu landen, wo Dr. X. in Garnison lag. Obschon -es feste Regel war, dass aus dieser Garnison die Officiere nach drei -Monaten abgelöst wurden, weil sie noch ärger als Tjilatjap von der -Malaria heimgesucht war, so hatte Dr. X. schon nach vierzehntägigem -Aufenthalt um Transferirung ersucht mit der Mittheilung, dass er von -der Malaria bereits seit acht Tagen inficirt sei. Ich sollte also Dr. -X. untersuchen und je nach dem Befunde ihn evacuiren und einen anderen -jungen Oberarzt, welcher mir mitgegeben wurde, den Dienst übernehmen -oder im anderen Falle den zweiten Oberarzt mit dem nächsten Schiffe -nach der Hauptstadt zurückkehren lassen. Dr. X. klagte mir sein Leid, -dass er jeden Tag das Fieber bekomme und zwar in den Morgenstunden. -Ich nahm die Temperatur auf und fand 37·2°; ich untersuchte seine -Milz und Leber, sie waren nicht vergrössert; ich sah mich also zur -Erklärung gezwungen, dass keine dringende Ursache vorhanden sei, ihn -sofort zu evacuiren, und befahl also dem mitgekommenen Oberarzt B., -mit dem nächsten Schiffe nach K. zurückzukehren. 2½ Jahre später kam -nun derselbe Dr. X. nach Tjilatjap mit demselben Auftrag, d. h. mir -ärztliche Hülfe zu leisten, mich, wenn es nöthig sein sollte, zu -evacuiren und den Dienst in diesem verrufenen Orte zu übernehmen, oder -aber mich weiter in Tjilatjap verbleiben zu lassen. Zu seiner Ehre sei -es jedoch gesagt, dass er sofort meine Evacuation beschloss und den -Dienst übernahm; am folgenden Morgen verliess ich diesen stärksten -Malariaherd von ganz Java nach einem Aufenthalt von einem Jahre. - -In Djocja[139] wiederholten sich weder bei mir noch bei meiner Frau die -Fieberanfälle; es besitzt ein herrliches Klima und wird mit Recht von -den Aerzten als Luftcurort für Malariapatienten gepriesen; es liegt -113 Meter hoch und ist lange nicht so feucht als z. B. das in der Nähe -gelegene Magelang; dadurch transpirirt man besser, die Transpiration -verdampft schneller und besser; man ermüdet nicht so leicht; weil -nebstdem die Luft-Temperatur niedriger ist, so geht auch die Secretion -der Nieren leichter von Statten; gerne und sogar mit Vorliebe machte -ich vor der »Rysttafel« um die Mittagsstunde einen Spaziergang, was -z. B. in Batavia oder Samarang geradezu undenkbar ist. Ich wohnte -nämlich im Hotel Tugu, welches sich in der Nähe des Bahnhofes -befindet; von hier aus ging links eine grosse und breite Strasse, -nur von Chinesen bewohnt, zu dem Platze, auf welchem sich einerseits -das Fort, andererseits das Residenzgebäude und im Hintergrunde der -Kraton befanden. Nur zu häufig wird man bei seinem Spaziergange durch -die Stadt an die herrschende Regierungsform erinnert. In kleineren -Provinzialhauptstädten, wie z. B. Madiun oder Banjumas, sieht man -+hin und wieder+ hinter dem Residenten den »Kanarienvogel« mit dem -goldenen Pajong (Sonnenschirm) oder hinter dem Regenten einen Pajong -tragen, welcher halb weiss und halb grün mit vergoldeten Streifen und -Spitze ist; in Djocja jedoch wird der Pajong, der für jeden der hundert -Würdenträger seine bestimmten Farben hat, sogar über die Schale Früchte -gehalten, welche z. B. der Kronprinz dem Commandanten der Leibgarde zum -Geschenke schickt; natürlich ist auch die Grösse des Gefolges bei jeder -Gelegenheit nach den strengen Gesetzen der Etiquette berechnet; in -diesem Falle begleiteten fünf Mann den Bedienten, welcher die Früchte -trug. - -Das Sultanat Djocja besitzt nämlich wie das Kaiserthum von Surakarta -eine dreifache Regierung, und da sie einander so ziemlich ähnlich -sind, wird die Beschreibung einer der beiden hinreichen, um ein -Bild beider Staaten geben zu können. Beide haben nur den Schein -der Selbständigkeit, auch wenn sie den Eingeborenen gegenüber kein -Mittel unbenutzt lassen, ihre ganze Macht und Herrlichkeit zur Schau -zu tragen; so z. B. geschah es bei einem öffentlichen Empfange, bei -welchem der Kaiser von Solo und der Resident auf gleichen Thronsesseln -sassen, dass unter die Füsse des Thronsessels des Kaisers kleine -Stückchen Holz geschoben wurden, wodurch dieser höher als der -europäische Beamte sass. Beide Reiche haben zusammen nicht mehr als -169 ☐Meilen und doch noch vier Fürsten, d. h. zwei Kaiser mit je -einem unabhängigen Prinzen, und führen alle vier einen fürstlichen -Hofhalt. Wie wenig sie regierende Fürsten stricte dictu sind, möge -Folgendes illustriren: Die Reichsverweser der beiden Staaten werden -vom Gouverneur-General ernannt und beziehen von dem holländischen -Staat ihren Gehalt. Die Thronfolge wird nur mit Wissen und Zustimmung -der holländischen Regierung festgestellt. Die Regierung über die -Europäer und »fremden Orientalen«, als Araber, Chinesen u. s. w. -geschieht durch den Residenten. Dieser hat die Aufsicht über die -Polizei, Rechtspflege, Steuern der ganzen Provinz. Die Wälder und -Vogelnester sowie das Opiummonopol gehören dem holländischen Staate. -Das Land darf nur unter jenen Bedingungen an Europäer verpachtet -werden, welche das Departement des Innern für ganz Indien festgestellt -hat. Das Strafrecht ist das für ganz Indien giltige. Die unabhängigen -Prinzen sind nebstdem Officiere der indischen Armee à la suite. Der -Prinz Mangku Negara Sohir[140] von Solo ist ein Colonel und erhielt -früher einen Gehalt von 36,720 Gulden jährlich und 53,000 Gulden -Subvention für den Unterhalt seiner Truppen, während Prinz Paku-Alam -von Djocja als Lieutenantcolonel im Ganzen nur 51,000 fl. erhielt. --- Die Leibgarden beider Kaiser stehen unter einem europäischen -Officier und gehören ebenfalls zur indischen Armee. Der Susuhunan von -Solo erhält als Entschädigung für den Abstand der oben angedeuteten -Hoheitsrechte und Staatseinkünfte eine Apanage von 805,318 fl., und der -Sultan von Djocja 471,600 fl. Das sind freilich hohe Summen, welche -die holländische Regierung für die Souveränität über diesen kleinen -Theil von Java bezahlt. Den holländischen Chauvinisten sind diese zwei -Scheinpotentaten mit ihren zwei Gegenfürsten ein Dorn im Auge, weil sie -die letzten Antipoden ihrer unbeschränkten Herrschaft über Java sind. -Es sei ein Anachronismus, am Ende des 19. Jahrhunderts solche Despoten -mit rein mittelalterlicher Regierungsform der europäischen Civilisation -entgegentreten zu sehen. Das sind natürlich Phrasen. Ein ungarischer -Stuhlrichter erlaubt sich, wenn nicht mehr, so doch gewiss ebenso -viel Willkür gegen die Bürger seines Stuhlrichteramts als der Kaiser -von Djocja. Es ist ja eine Scheinregierung, und den Forderungen der -modernen Rechtspflege, der Sicherheit von Personen und Eigenthum wird -durch die europäischen Beamten Rechnung getragen. Es ist eine Geldfrage -und nichts anderes. Holland aber hat sich zur Bezahlung dieser Summe -verpflichtet, und so lange diese Potentaten ihren Verpflichtungen -nachkommen, kann und darf es der Erfüllung seiner Pflichten sich nicht -entziehen. Ja noch mehr, der ganze Hofhalt dieser beiden Fürsten, -die öffentlichen Staatsfeste (gárebegs), das prunkvolle Auftreten in -der Oeffentlichkeit ist einerseits ein unschuldiges Vergnügen dieser -kleinen Potentaten, und andererseits erhöht dies die Machtstellung -der holländischen Regierung nicht nur den Eingeborenen, sondern auch -Holland und vielleicht ganz Europa gegenüber. - -Was die politische Seite dieser Frage betrifft, so sind ja die -Gegenfürsten in beiden Reichen eine ausgezeichnete Erfindung der -holländischen Principien: Divide et impera. Die ganze Vergangenheit, -die ganze Geschichte des grossen Reiches Matarams sind ja Bürgschaft -genug, dass die letzten Glieder dieses mächtigen Fürstenhauses -niemals vereint gegen Holland auftreten werden; ja noch mehr, wenn -die Eifersucht der zahlreichen Fürsten untereinander nicht immer und -immer ein gemeinsames Auftreten gegen Holland unmöglich gemacht hätte, -würde niemals eine europäische Macht dort festen Fuss gefasst haben. -Die Deutschen in Afrika, die Franzosen in Tonking, die Engländer in -Indien u. s. w. hätten überhaupt keine Colonien gründen können, wenn -die Eingeborenen mit vereinten Kräften den Eroberern entgegengetreten -wären. Nicht die Macht der europäischen Civilisation und nicht die -Ueberlegenheit der europäischen Waffen haben Europas Colonien im fernen -Osten gegründet, es war die Uneinigkeit der Eingeborenen und ihrer -Fürsten, welche eine Ansiedlung der Eroberer ermöglicht hat. - -Wenn also jemals einer der beiden Kaiser die Abhängigkeit von Holland -lästig finden sollte, lauert schon sein Gegenfürst auf die Nachfolge -in der Herrschaft, welche ihm durch die Hülfe Hollands sicher zu Theil -werden würde. Sollte einer dieser sogenannten unabhängigen[141] Fürsten -jedoch mit seinem Confrater gemeinsame Sache gegen Holland machen -wollen, so würde er unbedingt den Kürzeren ziehen, denn er ist der -Stossballen zwischen dem Souverän und seinem Vasallen, und er ist sich -dessen bewusst. - -Die Stadt Djocja mit 58,267 Einwohnern (worunter 1826 Europäer und 3478 -Chinesen sind) hat aber noch aus anderen Ursachen ein eigenthümliches -Gepräge. Die Beamten und Officiere spielen dort keine dominirende -Rolle, sie sind ja häufigen Transferirungen unterworfen. Tonangebend -sind in Djocja die »Landherren«, weil sie, wenn auch nicht in der Stadt -selbst ihre Fabriken und Wohnungen haben, doch ihre freie Zeit im Club -oder bei Freunden in der Stadt zubringen. Wenn auch die »fetten Jahre« -schon vorüber sind, in denen der Zucker mit 16 fl. per Pikol bezahlt -wurde, und sie sich begnügen müssen, wenn sie 8 fl. dafür bekommen, -so ist z. B. das Spiel um hohe Preise im Club an der Tagesordnung. Ein -Pikol Kaffee für »das Capitaal« beim l’hombre war selbst eine lange -Zeit ein gewöhnlicher Preis. Nebstdem pflanzen die Europäer Indigo. -Diese drei Producte werden nach Europa exportirt. Für den einheimischen -Markt werden Reis, Tabak, Mais, Pfeffer und Kapok gepflanzt.[142] An -der Südküste befinden sich die Höhlen für die essbaren Nester der -Schwalbe (hirundo esculenta) und 8 Kilometer von Pleret entfernt -liegt der alte Kirchhof von Imagiri, bewachsen mit Nelken-[143] und -Mesuenbäumen, zu dem 360 Stufen emporführen. Ein kleiner Teich, zwei -Vorhöfe mit Mauern und mit den Gräbern zahlreicher Fürsten (Pángérans) -und zweier Frauen des Sultans Agung, mit grossen Martavanen (Töpfen) -mit heiligem Reinigungswasser für die Füsse umgeben das letzte Grab, -welches mit Zimmt- und Nelkenbäumen beschattet ist. Hier soll Sultan -Agung selbst den ewigen Schlaf ruhen. - -Am Seestrand liegt eine schöne Grotte, welche in der ganzen Geschichte -des Mataramschen Reiches eine grosse Rolle gespielt hat und noch heute -spielt; denn noch vor einigen Jahren flüchtete der Kronprinz von -Djocja nach der Grotte der Ratu Lara Kidul -- dies ist nämlich ihr -Name --, um sich hier mit Fasten und Beten zum Kampfe gegen die Kafirs -vorzubereiten. Die Regierung schickte einfach eine Schwadron Cavallerie -dahin und störte ihn so sanft als möglich in seinen ascetischen -Betrachtungen. Da ich sie selbst nicht gesehen habe, will ich die von -+Veth+ gegebenen Beschreibungen folgen lassen, obwohl er niemals -auf Java gewesen ist und sie also auch nicht aus Autopsie kennt. - -»Die Grotte ist schief, unregelmässig gezackt, 15′ lang, 7′ breit und -nirgends mehr als 10′ hoch. Aber von ihrem Gewölbe hängen zahlreiche -blau-weisse, aus concentrischen Schichten geformte Stalaktiten in der -Form von Eiskegeln, Orgelpfeifen oder kleinen Pyramiden herab. Die -Wände der Grotte haben die Form von Säulen, welche durch tiefe Furchen -von einander getrennt sind; von ihren Spitzen und Zähnen am Gewölbe -tröpfelt immerwährend das Wasser, so dass ein natürliches Tropf- und -Regenbad entsteht, welchem sie den Namen Karang trètès = Tropfhöhle -verdankt. Das kalkhaltende Wasser sammelt sich in kleinen Bächen und -fliesst sanft murmelnd nach aussen. An dem Eingang der Grotte wachsen -Farnkräuter und Moose, welche von unten incrustirt sind, so dass sie -oben noch wachsen und grün sind, während sie auf der Basis zu einer -Steinmasse verkalkt sind.« - - * * * * * - -Das Dolce far niente der Italiener hat sein Pendant in dem »Klima -schiessen« in Indien, in dem »Stündchen der Dämmerung« der Holländer -und in dem procul negotiis der Römer. Entrückt allen Sorgen des -täglichen Lebens giebt man sich der vollkommenen Ausspannung des -Geistes hin, ohne zu denken, ohne zu träumen und nur zu fühlen, und -zwar dem Genuss der Kühle der frühen Morgenstunde oder dem sanften -Zephyrwehen einer kühlen Abendluft. Dies ist das »Klima schiessen« der -Indier. -- Besonders in Djocja war es ein herrliches Gefühl, nach dem -Abendessen, welches im Hotel um 9 Uhr beendigt war, in der »Vorgalerie« -in einem Schaukelstuhle zu sitzen und -- nichts zu denken, nicht zu -träumen und sich ganz dem Genuss der Tropennacht hinzugeben. Die -Temperatur war in der Regel ungefähr 20° C., der Himmel unbedeckt; die -Oriongruppe, das südliche Kreuz und die Venus strahlten in schillerndem -Lichte, und nur selten wurde die Ruhe durch einen vorbeifahrenden -Wagen gestört. Des Morgens ist ein »Klima schiessen« weniger angenehm. -Zum richtigen »Klima schiessen« gehört ja die indische Haustoilette, -Nachthose, Kabaya (Leibchen) und Pantoffeln, welche den Körper nirgends -beengen; dazu ist es aber in Djocja zu kühl; man muss sich Bewegung -machen, um die kühle Morgenluft von 17° C. angenehm zu finden, oder man -muss sich »kleiden«. In Djocja sind allerdings die Etiquettenregeln -hinsichtlich der Toilette nicht strenge; die Stadt ist ja durch und -durch »indisch«, d. h. die Mehrzahl der Europäer ist entweder in Indien -geboren oder ist von gemischter Rasse. Wenn sich auch die Männer so -ziemlich der europäischen Mode anschliessen, so entziehen sich doch -die »indischen Damen« so viel als möglich dem Scepter der Mode Europas -und bleiben so viel als möglich, d. h. oft Tage, Wochen, wenn nicht -Monate lang in der indischen Toilette: Sarong, Kabaya, Kutang[144] und -Pantoffeln. Sie huldigen dabei ebenso viel der Eitelkeit als auch der -Bequemlichkeit. Man sieht also in Djocja nach 6 Uhr früh die meisten -Europäer, nachdem sie ihre Schale warmen Kaffee zu sich genommen haben, -in indischer Toilette in den Strassen spazieren gehen und zwischen -7 oder 7½ Uhr nach Hause zum Frühstück eilen; um 8 Uhr beginnt das -Business. - -[Illustration: Fig. 18. Eine Scene aus einem Wájang orang am Hofe zu -Djocja (nach Dr. Gronemann). - -(Sultan Agung nähert sich in der Gestalt einer Nymphe der reizenden -Endel, welche ihre bedrohte Tugend mit Pfeil und Bogen vertheidigt.)] - -Für mich waren in Djocja auch die Stunden des Vormittags dem Nichtsthun -geweiht; wenn man jedoch Jahre lang an intensive Arbeit gewöhnt -war, dann ist der Müssiggang ein bis zwei Tage lang sehr angenehm, -den dritten und vierten Tag redet man sich ein, dass das Nichtsthun -angenehm sei, aber am Ende der ersten Woche tritt das Schreckgespenst -der Langenweile in dem Hintergrunde des täglichen Lebens auf. Den -ganzen Tag zu lesen ist ja auch ermüdend, wenn man gesund »am Herzen -und der Seele ist«. Bekannte oder Freunde kann man ja auch nicht -aufsuchen, weil sie in ihrem Berufe thätig sind; in dem Club erscheinen -erst um 11½ bis 12 Uhr die Mitglieder; ich besuchte ihn aber nicht -gern, weil ich nicht gewöhnt war, etwas zu trinken, ich langweilte mich -also in der ersten Hälfte des Tages. Die zweite Hälfte ging jedoch viel -rascher vorbei; um 1 Uhr ging ich zur »Rysttafel« und nach dieser zu -Bett; um 4 Uhr stand ich auf, nahm meinen Thee und ein Glas Eiswasser, -las die unterdessen angelangten Briefe und medicinischen Zeitungen, -ging um 5 Uhr ins Schiffsbad und warf mich danach in europäische -Kleidung. Der Zustand meiner vergrösserten Leber und Milz erlaubte -zwar nicht grosse Spaziergänge; eine Stunde lang hielt ich es in der -Regel aus, und um 7 Uhr konnte ich meine Bekannten aufsuchen, nachdem -ich vorher um die Erlaubniss gebeten hatte, »mit meiner Frau meine -Aufwartung machen zu können«. Um 8 Uhr ging ich nach Hause, nahm das -Abendessen, und punkt 11 Uhr begab ich mich zu Bette. - -Schon nach der ersten Woche liessen die Schmerzen in der Leber -bedeutend nach, so dass ich mich zu grösseren Ausflügen entschliessen -konnte. Die Provinz Djocja ist ja sehr reich an alten Tempeln, -besonders in der Nähe der Grenze der Provinz Surakarta, und die -bedeutendsten sind die von Prambánan (Fig. 17). Eines Tages entschloss -ich mich also, mit meiner Frau und einer Ingenieursfamilie dahin zu -gehen: um 7 Uhr 10 Min. und 12 Uhr 21 Min. geht die Eisenbahn von -Djocja nach Samarang, und um 9 Uhr 43 Min. nach Solo. Beide Züge konnte -ich benutzen, weil sie beide in der Station Prambánan anhalten; für die -Rückfahrt konnte ich die Züge benutzen, welche von Samarang (via Solo) -um 11 Uhr 46 Min. und 3 Uhr 34 Min. oder von Solo allein um 6 Uhr 5 -Min. ankommen. - -Auf Wunsch unserer Reisegenossen fuhren wir mit dem Zuge um 12 Uhr 21 -Min. Leider trugen die Waggons den Anforderungen des Tropenklimas in -keiner Weise Rechnung; ja noch mehr; vielfach wird sogar behauptet, -dass sie aus zurückgestellten und untauglichen Waggons Hollands -bestanden. Die zweite Classe hatte zwar hölzerne Bänke mit Sitzflächen -aus Rohr; sie sollten aber auch Fauteuils haben, weil man in Indien -noch leichter als in Europa durch eine vielstündige Fahrt ermüdet; für -Ventilation ist beinahe gar nicht gesorgt, und noch weniger für Gänge -an den Längsseiten. (Für Speisesalonwagen ist bis jetzt noch kein -Bedürfniss.) - -Glücklicherweise dauerte die Fahrt nicht länger als ungefähr eine -Stunde. Die »Halte« Prambánan liegt an der Grenze Surakartas. Dort -mussten wir noch beinahe eine Viertelstunde zu Fuss zurückgehen, bis -wir nach einer kurzen Krümmung des Weges plötzlich den schönsten -Tempel von ganz Java vor uns sahen. Der Buru Budur ist grösser, ist -colossaler, ist vielleicht zehn bis zwanzig Mal so gross als dieser; -schöner in den Detailarbeiten ist gewiss der von Prambánan. Ich kann -leider nur eine Beschreibung des Aeusseren aus Autopsie geben, weil -mir damals das Treppensteigen zu viel Schmerzen verursachte und es mir -unmöglich war, das Innere zu besichtigen. In der Mitte des Tempels -war nämlich eine grosse Oeffnung nach Osten, und dahin führte eine -steinerne Treppe ohne Geländer; die einzelnen Treppen waren vielleicht -40 cm hoch, und sofort nach meinem ersten Versuch, hinauf zu kommen, -musste ich wegen intensiver Schmerzen in der Leber zurückkehren. Doch -ich sah genug, um die Baukunst der alten Hindu bewundern zu können und -das Bedauern meiner Frau gegenüber zu äussern, dass ganz Europa von -diesen wunderschönen Resten alter Sculpturen beinahe gar keine Ahnung -hat.[145] Selbst die holländischen Officiere und Beamten durchziehen -gleichgiltig den ganzen Archipel, ohne sich hier, wäre es auch nur -für einen Tag, aufzuhalten, und nur wenn sie der Dienst zwingt, -in Djocja, Solo oder Magelang einige Monate oder Jahre zu bleiben, -dann nehmen sie sich die Mühe, diese Stätte des alten Hindudienstes -aufzusuchen! Ich habe (im Jahre 1884) bei Kairo eine Pyramide und eine -Sphinx gesehen, und unbefriedigt zog ich weiter, weil das Massive und -das Grosse dieser zwei Denkmäler alter Baukunst eben auf mich keinen -Eindruck machten. In Prambánan jedoch stand ich entzückt vor einer -Schatzkammer der Bildhauerkunst. Der Tempel selbst war vielleicht 20 -bis 25 Meter hoch, und seine Länge und Breite schätzte ich auf ungefähr -20 Meter. Die Basis hatte übrigens die Form eines russischen Kreuzes -mit der Längsfront nach Osten; im Süden schloss sich ein zweiter noch -mehr verfallener Tempel (tjandi J.) an. An dem ersteren konnte man -noch die ursprüngliche Form vermuthen; sie war die eines Kegels; der -zweite jedoch war eine Ruine, welche wahrscheinlich mehr durch den -Vandalismus der Mohamedaner als durch den Zahn der Zeit gelitten hat -und heute eine formlose Menge zahlreicher und unzählbarer gemeisselter -Steine ist. Ueberall zerstreut und offenbar durch die Sorgfalt der -jetzigen Regierung gegen die Tempel angelehnt liegen wunderschöne -Reliefs und Hautreliefs; es sind die bekannten Figuren der indischen -Bildhauer; aber feiner ausgearbeitet, und jedes einzelne Stück verräth -den Meister. Einige Stücke, welche sich rechts von dem Eingange an die -Grundmauer frei lehnten, würde ein +Thorwaldsen+ nicht besser -geliefert haben, und diese Schatzkammer der indischen Bildhauerkunst -ist hier unbewacht und unbeschützt dem Sturm des Wetters und der Zeit -ausgesetzt!! Das Innere desselben habe ich ebensowenig gesehen als -die »Tausend Tempel«, welche ungefähr 1 Kilometer hinter Prambánan -liegen; ich lasse also, -- natürlich nur auszugsweise -- +Veth’s+ -Beschreibung hier folgen:[146] - -»Wenn man sich von Djocja nach Solo begiebt, kommt man zunächst an -den Tjandi (Tempel) Kalason oder Tj. Kali Bening,[147] welcher einer -der schönsten und besten bearbeiteten Tempel von ganz Java und ein -wenig rechts vom grossen Wege abseits gelegen ist. Er wurde gebaut -in der Form eines griechischen Kreuzes mit hervorspringenden Ecken -und hatte vier Räume. Das Ganze ruhte auf einem Fussstück, welches in -schönster Abwechselung von glatten Leisten und Bändern mit Blumen -und Vasen umzogen war. Darauf erhoben sich die Wände mit wunderschön -verzierten Thüren, welche von Fächern mit flachen Nischen flankirt -waren. In jeder derselben stand ein beinahe lebensgrosses Bild mit -dem Gürtel der Brahmanen um die Lenden, und zwar als Hautrelief. Die -Eingänge lagen nach den vier Himmelsrichtungen und hatten über dem -oberen Rande eine nackte Frau, welche mit den Füssen eingeschlagen auf -dem Boden sass. Man kam auf Treppen dahin, welche jetzt durch Wegnahme -der Steine beinahe ganz verschwunden sind. Ein wunderschönes Pilaster -und Kronarbeit umfasste die Eingänge, und diese waren wiederum nur ein -Theil eines zweiten Pilasters, welches sich bis an die Kronleiste der -ganzen Gebäude erhob. Glatte Leisten zogen hier auf zwei colossalen -Elephantenköpfen mit hoch erhobenem Rüssel herab, welche sich auf jeder -Seite des Einganges befanden. Sie trugen eine Krone, welche aus kleinen -Tempeln mit Pilastern und pyramidenförmigen Dächern bestand, und -diese waren wieder bis zur Spitze mit Figuren bedeckt, welche in der -verschiedensten Weise die Demuth und Ergebenheit anzeigten. Zwischen -der Krone und den Leisten über dem Eingange war das gewöhnliche -Monster, von den Javanen Banaspati genannt, breit, ohne Unterkiefer, -mit frei hängenden Haaren und fürchterlich hervorstehenden Augen. -Darüber zog sich um das ganze Gebäude eine massive Kronleiste, welche -von einer ganzen Reihe Figuren getragen wurde, welche wiederum die -Hände über dem Kopf, die Kniee und den Nacken gebogen hielten.« Ueber -den letzten Theil des Daches kann man nichts Bestimmtes mittheilen, -weil es abgefallen und mit Wucherpflanzen ausgefüllt war; wie auch Fig. -17 zeigt, hatte es Pyramidenform, welche die meisten dieser Tempel -charakterisirt. - -»Drei Nischen sind noch deutlich zu sehen, und man hat darin -Buddhabilder entdeckt, welche auf dem Lotusthrone sassen. Der Eingang -gegen Osten war am schönsten verziert, und hier war auch der grösste -Saal. Vor diesem Zimmer war eine Halle, 3 Meter breit und 5 Meter -lang, mit drei Nischen für Figuren und mit einem verschwenderischen -Reichthum an Laub und anderen architektonischen Verzierungen. Von hier -aus kam man in den Hauptsalon von quadratischer Form, ungefähr 12-13 -Schritte breit und lang, und gewiss 20 Meter hoch; eine der Wände ist -von einem Piedestal eingenommen, worauf wahrscheinlich der Gott sass, -dem der Tempel geweiht war. Von diesem ist jetzt keine Spur mehr zu -finden. Die drei anderen viel kleineren Zimmer waren in gleicher Weise -eingerichtet, hatten aber keine Vestibule. Auch aus diesen sind die -Gottesbilder verschwunden. Die Länge und Breite von dem Gebäude betrug -20 Meter, und die Höhe wird wohl zur Zeit, als das Dach complet war, 23 -Meter betragen haben.« - -Von den zahlreichen Ruinen, welche in den »Fürstenländern« gefunden -wurden, habe ich, wie erwähnt, nur den Tempel von Prambánan gesehen. -Leider war es mir nicht gegönnt, auch die »tausend« Tempel zu sehen, -und ich muss mich daher begnügen, ihrer mit einigen Worten aus dem -Werke +Veth’s+ Erwähnung zu thun. Bei Kalasan findet man grosse -Ruinen von dem »Palast von Prambánan«; 1½ Kilometer weiter ist die -Tjandi »Loro Djongrang«; ebenso weit ist die Tjandi Séwu und die Tjandi -Lumbung. Die »tausend Tempel« = Tjandi Séwu ist eine Gruppe von 254 -Tempeln, welche wahrscheinlich sowohl dem Dienst Siwah als des Buddha -geweiht waren. Es fällt mir die Wahl schwer, aus den Beschreibungen -das Interessanteste mitzutheilen, und ich verlasse dies Thema momentan -um so lieber, als ich später Gelegenheit hatte, den Riesentempel Buru -Budur und den von Mendut in der Provinz Kedu zu sehen, welche beide -ich sowohl vom ästhetischen als vom historischen Standpunkte aus werde -beschreiben müssen. - -Die alten Hindu müssen ein Volk von Bildhauern gewesen sein. Wenn ich -die ungeheure Zahl der Bilder berechnen wollte, welche diese tausend -Tempel besitzen, ich käme zu Ziffern, welche kein Land in Europa -aufweisen kann; ich muss es auch wiederholen, ich sah in den Ruinen, -welche bei dem grossen Tempel zu Prambánan zerstreut längs der Mauer -lagen, einzelne Reliefs, welche an Reinheit der Formen beinahe mit -denen einer Broncefigur wetteiferten. Eins verstehe ich nicht, die -ganze civilisirte Welt schwärmt von den Pyramiden Aegyptens, und -niemand spricht von dieser reichen Schatzkammer von Sculptur und -Architektur, welche Java in seiner Mitte birgt. - - * * * * * - -Das Fieber hatte sich seit meinem Aufenthalte in Djocja nicht wieder -eingestellt, der Magen begann wieder regelmässig zu functioniren, der -Appetit kam zurück, die schnelle und leichte Ermüdung wich, und nur ein -zeitweiliger Schmerz in der Leber und hin und wieder in der rechten -Schulter erinnerten mich an die überstandene Malaria-Infection. -Regimentsarzt X. besuchte mich einige Male in der Woche, und eines -Tages entdeckte er -- eine Geschwulst im Pylorus![148] Die häufigsten -Geschwülste an dieser Stelle sind der Krebs. So niederschmetternd diese -Diagnose für mich auch war, so wenig dachte ich an ihre Richtigkeit, -ohne es aber wissenschaftlich begründen zu können. - -Vielleicht hielt mich das Bewusstsein aufrecht, dass sich bei einem -Carcinom des Magens unmöglich das allgemeine Befinden so bessern -könnte, wie es bei mir der Fall war. Ich hatte leider diesbezüglich -schon einige Erfahrung, solche schweren Diagnosen der Collegen mit -gewisser Vorsicht aufzunehmen. Im Jahre 1883 litt ich an einem -Blasenkatarrh und liess mich im Militärspital zu Batavia aufnehmen. - -Nach vierwöchentlicher Behandlung bekam ich »wegen Morbus -Brightii«[149] Urlaub nach Europa. Ich hatte im Jahre 1884 kein -Nierenleiden und ich habe es glücklicherweise heute noch nicht. Ich -hatte im Jahre 1891 keinen Pyloruskrebs und ich habe ihn heute, nach -acht Jahren, glücklicherweise auch noch nicht. - -Am häufigsten werden die Officiere, welche an Malaria gelitten -hatten, auf ärztliches Zeugniss des Garnisondoctors in ein »kühles -oder Berg-Klima« transferirt; für Aerzte gab es in der zweiten -»Militär-Abtheilung« hinreichende Garnisonen, welche diesen Bedingungen -entsprachen: Salatiga, wo die Cavallerie ihren Stab hatte, Magelang, -wo 2 bis 4 Bataillone lagen, Willem I und Djocjakarta, welches für -alle Militärärzte geradezu ein Eldorado war. Ein herrliches Klima, -Gelegenheit zu einer Privatpraxis von 800-1000 fl. pro Monat, leichter -und angenehmer Dienst, eigenthümlich interessanter Verkehr mit den -Fürsten der Provinz und mit den Landherren, die günstige Lage an -einer Eisenbahn, waren Vorzüge, welche selten vereint in einer Stadt -in Indien gefunden werden. Ich war jedoch kein Fieberpatient, ich -hatte einen Pyloruskrebs (??); über meine weitere Zukunft musste -also die Superarbitrirungs-Commission in Samarang entscheiden. Am -7. Februar ging ich also nach Samarang und liess mich, freiwillig -gezwungen, in das Militär-Spital aufnehmen. Es besteht nämlich keine -Verpflichtung für einen Officier, sich im Spitale behandeln zu -lassen; mit verschiedenen Phrasen zwingt man jedoch jene Officiere -dazu, welche man maassregeln will. Bei mir war Folgendes der Fall: In -Ngawie war der Schwager des Sanitätschefs in Garnison, welcher »wegen -Gesundheitsrücksichten« nach Europa gehen wollte; er erschien mit -mir gleichzeitig »vor der Commission«. Er bekam sein diesbezügliches -Gesundheitszeugniss und wollte sofort seine Reise antreten, worauf er -gerechnet hatte. Ich selbst war zur Disposition, also sollte und musste -ich wiederum nach Ngawie; dafür musste jedoch eine Ursache gefunden -werden, weil ich Reconvalescent nach Malaria war und als solcher -ein »kaltes resp. Berg-Klima hätte erhalten sollen«. Diese Ursache -konnte nur gefunden werden, wenn ich im Spitale selbst beobachtet -werden konnte. Es wurde mir also nahe gelegt, wie zweckmässig für -mich eine Behandlung und Beobachtung im Spitale wäre, weil die -Differentialdiagnose zwischen Lebertumor und Magenkrebs auf sichere -Basis gestellt werden müsse. - -Ich liess meine Frau bei einer bekannten Officiersfamilie -Gastfreundschaft geniessen, ging ins Spital, und schon nach drei Tagen -war die Diarrhöe constatirt, welche es dringend nöthig machte, dass ich -wieder nach Ngawie versetzt wurde. Die Commission constatirte, dass ich -keinen Magenkrebs, sondern eine Lebervergrösserung hätte, und diese -dürfe, wenn sie mit Diarrhöe gepaart ginge, nur in einem »warmen Klima« -behandelt werden. Ich theilte dem behandelnden Arzte mit, dass ich -seit dem Jahre 1886 stets in den +heissesten+ Garnisonen gelebt hatte, -welche ganz Indien kenne, 2 Jahre in Atschin, 1½ Jahr in Ngawie und 1 -Jahr in Tjilatjap, dass ich geradezu Bedürfniss hätte, meinem durch das -Malariafieber erschöpften Organismus in einem Bergklima Erholung zu -gönnen, dass der kurze Aufenthalt in Djocja dies bewiesen hätte, aber -Roma locuta est. Ich wurde wieder nach Ngawie versetzt. - -Für Officiere, welche keine Frau haben, oder für die Behandlung -gewisser Krankheiten, welche z. B. eine Operation nöthig machen, ist -die Spitalsbehandlung in Indien aus vielfachen Ursachen der häuslichen -Pflege vorzuziehen; denn die Verpflegungsgebühren für einen Officier -sind nicht hoch; er bezahlt als Lieutenant 2,50 fl., als Hauptmann -3 fl. und als Stabsofficier 5 fl. pro Tag und erhält eine in jeder -Hinsicht reichliche Tafel mit Getränken (Wein, Mineralwasser u. s. w.) -und ein grosses Zimmer. Natürlich ist es conditio sine qua non, dass -der Spitalschef auch für Abwechselung in dem Menu sorgt. Wenn in -Berlin eine Kochschule als Postulat für Aerzte erklärt wird, wie viel -nöthiger sind gastronomische Studien für einen Militärarzt in Indien. -In meiner ganzen zwanzigjährigen Laufbahn sah ich nur einen einzigen -Chefarzt um die Küche des Spitals in gleicher Weise wie um alle anderen -Zweige seines Dienstkreises besorgt. - -Für verheiratete Officiere wird in Indien die Aufnahme in ein -Spital nur bei grösseren Operationen eine Nothwendigkeit, und darum -verpflichten die gesetzlichen Bestimmungen keinen Officier, ins -Spital gehen zu müssen. Muss die Superarbitrirungs-Commission eine -Entscheidung über einen Urlaub nach Europa, über Pensionirung u. s. w. -treffen, so ist der bisherige Modus agendi nicht immer zweckmässig. -Der betreffende Candidat wird von dem »Garnisondoctor« behandelt und -beobachtet; dieser erstattet einen ausführlichen schriftlichen Bericht -über seine Beobachtungen, macht seine Vorschläge, verfasst eine -zweckentsprechende Krankengeschichte, und auf Grund dieser Berichte -entscheidet der Präsident der Commission, ob und wann sich der Candidat -der Commission vorstellen soll. Sie untersuchen den Patienten auf Grund -der erhaltenen Mittheilungen und sind in der Regel in der Lage, ein -Urtheil über die Vorschläge des Garnisondoctors aussprechen zu können. -In einzelnen Fällen ist aber eine längere Observation des Candidaten -nöthig und wünschenswerth. Ich erinnere mich folgenden Falles aus der -Zeit, als ich Mitglied der Superarbitrirungscommission in S. war. -Oberstlieutenant X. war in Ungnade beim Armeecommandanten verfallen, -ohne dass dieser gesetzliche Gründe hatte, den missliebigen Officier -dem Gouverneur-General[150] zur Pensionirung vorzuschlagen. Da er -seit längerer Zeit ein Magenleiden hatte, welches ihn oft an seinem -Dienste verhinderte, erging also an den Landescommandanten der Befehl, -ihn durch eine ärztliche Commission untersuchen zu lassen. Mir war -bekannt, dass sein Leiden in einem Magengeschwür bestanden hatte; zur -Zeit seiner »Affaire« befand er sich vollkommen wohl, d. h. objectiv -liess sich nichts nachweisen. Zwei objective Symptome hätten uns -vielleicht in den Stand gesetzt, eine Wahrscheinlichkeitsdiagnose zu -stellen und zwar der Gehalt an Magensäure und der Appetit; die erste -Frage erregte zweierlei bedeutende Bedenken; der Arzt darf ja nicht -zum Zwecke einer Diagnose einen sonst gesunden Menschen +mehrere -Male+, sei es durch Medicamente, sei es durch die Magensonde, -zum Erbrechen zwingen. Nebstdem ist die chemische Untersuchung -+allein+ nicht im Stande, mit Sicherheit eine Magenerkrankung -auszuschliessen oder zu constatiren. Bequemer war natürlich die -zweite Frage, die des Appetites dieses Patienten (?). Mit Zustimmung -des Präsidenten nahm ich es auf mich, ihn bei seinen Mahlzeiten zu -beobachten, und theilte ihm zu diesem Zwecke mit, dass wir nur ein -Mittel hätten, ihn für gesund zu erklären, und zwar wenn wir in der -Lage wären, in unserm Attest unsere Ansichten +motiviren+ zu -können. Natürlich fügte ich hinzu, dass wir seinen Mittheilungen -vollkommen Glauben schenkten, dass aber das Armee-Commando von uns -ein objectives und motivirtes Urtheil über den Zustand seines Magens -erwarte. Oberstlieutenant X. verstand mich sofort und lud mich ein, -Zeuge seines guten Appetites zu sein. Er ass seine ganze »Reistafel« -und brachte den andern Tag den Beweis, dass diese auch ganz verdaut -war. Es giebt also zahlreiche Fälle, welche die Commission veranlassen, -den Candidaten eine längere Zeit hindurch zu beobachten, bevor sie -ihr endgiltiges Urtheil aussprechen kann, und darum sollte die -gesetzliche Verpflichtung bestehen, dass alle Officiere, über welche -die Superarbitrirungs-Commission ein Urtheil aussprechen muss, sich -- -und wäre es nur für einen Tag -- ins Spital aufnehmen lassen müssen. -Mir sind ja Fälle bekannt, dass Officiere, welche die Controle der -Commission fürchten mussten, dem Sirenengesang der Phrasen, es wäre -in ihrem eigenen Interesse, wenn sie sich zur Observation ins Spital -begeben würden, u. s. w. nicht Folge leisteten, ja selbst brutal -ihre Weigerung mit den Worten motivirten, sie hätten keinen Beruf, -die Arbeit der ärztlichen Commission zu erleichtern, und -- vollen -Erfolg ihrer Pläne hatten. Mir wurde also wiederum die Garnison Ngawie -angewiesen. - -[Illustration: Fig. 19. Tempel bei Mendút (Provinz Kedú).] - -Die »Hölle Javas« eignete sich aber gar nicht dazu, mich von meiner -Vergrösserung der Leber zu befreien; die Schmerzen blieben, und zwei -Monate später (18. April) ersuchte ich wieder, durch eine Commission -nach einem »kalten Klima« transferirt zu werden; es wurde mir ebenso -wenig als drei Monate später die Gelegenheit geboten, durch einen -längeren Aufenthalt in einem Bergklima von meinem Leberleiden befreit -zu werden, und eine hochgradige Hypochondrie bemächtigte sich meiner, -welche am 18. September den Höhepunkt erreichte. An diesem Tage -wurde mir ein Knabe gebracht, welcher von einem tollen Hunde gebissen -war und sich beim Fallen auf die Erde an der Stirn verletzt hatte; -ich liess den zufällig anwesenden Doctor-djawa die Wunde reinigen, -und da die Wunde auf der Stirn glatte Ränder hatte, beabsichtigte -ich, sie zu nähen. Beim Einfädeln stach ich mich in die Finger. Die -gebissene Wunde hatte ich nicht einmal berührt; dennoch -- erwachte -ich in der darauf folgenden Nacht mit dem Angstgefühl der Lyssa!! Ich -hatte Schlundkrämpfe, Speichelfluss und eine fürchterliche Aufregung, -verbunden mit dem Gefühle, Lyssa zu haben! - -Wenn ich mir auch das Lächerliche und Unwissenschaftliche des -Gedankens, inficirt zu sein, vor Augen hielt, weil ich gar nicht -in Contact mit der gebissenen Wunde gewesen war, und weil die -Lyssa doch wenigstens 5-6 Wochen Zeit zur Entwicklung nöthig hat -(Incubations-Zeit), so blieb doch diese fürchterliche Aufregung -Tage lang bestehen, und erst nach Jahresfrist +kam+ etwas Ruhe in -mein Nervenleben. Ich war ein Neurastheniker geworden, und diese -unbillige Behandlung, wegen eines Leberleidens in ein »warmes Klima« -versetzt zu werden, weil zufälliger Weise eine solche Stelle offen -war, war natürlich Oel ins Feuer gegossen. Gleichzeitig hatte ich -Schwierigkeiten mit dem Platz-Commandanten, welche ich früher erzählt -habe, und welche mir so viele Schreibereien verursachten, dass ich bei -meinen anderen vielseitigen Arbeiten oft vor 2 bis 3 Uhr nicht schlafen -gehen konnte; meine Nerven hielten diesen Choc nicht aus. Auch ein Mann -mit gesunden Nerven wäre ihm erlegen, und so wurde der Ausbruch einer -acuten Hypochondrie der Vorläufer eines Jahre langen Nervenleidens. -Major X. ging mit Urlaub nach Batavia und scheint dort über meinen -Zustand persönlich Bericht erstattet zu haben, denn kurz darauf wurde -ich nach Magelang transferirt, welches in der Provinz Kedu auf einer -Höhe von 384 Metern liegt. - - * * * * * - -Ich hielt also wieder Auction von der Einrichtung meines Hauses, welche -mir 1200 fl. einbrachte, und zog diesmal nur mit einigen Kisten beladen -nach Magelang. Es hatte sich nämlich bis auf meine Equipage für alle -Möbelstücke und auch für meine zwei Pferde ein Käufer gefunden. Der -Assistent-Resident und der Platz-Commandant hatten uns für die letzten -Tage unseres Aufenthaltes Gastfreundschaft angeboten. Ich konnte es -nicht annehmen, weil der Oberlehrer der europäischen Schule, Herr -X., sobald meine Transferirung bekannt geworden war, sofort zu uns -gekommen war und als selbstverständlich die Hoffnung und den Wunsch -aussprach, dass wir auch diesmal vor unserer Abreise seine Gäste seien. -Er und seine Frau waren ehrenwerthe Menschen, welche von dem früheren -Assistent-Residenten boycottirt waren. - -Zur Illustration des Lebens in den kleinen Städten Indiens glaube ich -den weiteren Verlauf dieses Boycotts mittheilen zu sollen. - -Als ich zum zweiten Male nach Ngawie kam, folgte ich meiner Gewohnheit, -mich allen kleinlichen und engherzigen Streitigkeiten fern zu halten, -und da diese Familie während meines ersten Aufenthaltes nicht nur meine -Patienten waren, sondern geradezu liebenswürdige Gastfreundschaft an -uns geübt hatten, war es nur selbstverständlich, dass ich und meine -Frau den alten Verkehr mit ihnen wieder aufnahmen, obschon »das -ganze Fort«, d. h. alle Officiere dem Boycott durch die Frau des -Assistent-Residenten sich angeschlossen hatten. Diese für diese braven -Menschen unangenehmen Verhältnisse änderten sich sofort, als wir sie -in den Kreis unserer Bekannten einzogen und so unzweideutige Beweise -unserer Sympathie gaben. Man muss so etwas gesehen oder mitgemacht -haben, um zu verstehen, dass ich an dieser Stelle davon spreche. Für -den gesellschaftlichen Verkehr bot dieser kleine Platz nichts, absolut -nichts als den Officiersclub, in welchem auch die Bürger Mitglieder -waren. In dem Club geschah auch nichts anderes als Kartenspielen und -Tanzen bei den Klängen eines alten, verdorbenen Leierkastens. Wenn -nun, was immer an einem Sonnabend geschah, ein »geselliger Abend« -im Club stattfand, bemühte sich Niemand der Anwesenden mit dieser -Familie; sie sassen allein. Aber die rächende Nemesis brachte ihr -bald die grösste Satisfaction. Die Frau des Assistent-Residenten, -welche den Bannfluch über diese braven Menschen ausgesprochen hatte, -war eine energische Dame und ertrug keinen Widerspruch. Kurz nach -unserer Ankunft mussten auch ich und meine Frau den freundschaftlichen -Verkehr mit ihr und ihrem Manne leider einstellen. Eines Tages erhielt -ich nämlich das Ansuchen, ihrer Tochter ärztliche Hülfe zu bringen. -Ich kam dahin, und bei der Treppe empfing mich diese Dame mit der -fertigen Diagnose und mit der nöthigen Behandlungsweise. Sie theilte -mir nämlich mit, dass ihre Tochter Dysenterie hätte und darum eines -Abgusses von Simaruba bedürfe. Ihre autokratische Sprechweise war mir -schon bekannt, und darum fragte ich sie mit officiellem Lächeln auf -den Lippen, ob sie sich nicht vielleicht in der Diagnose irre und ein -unschuldiges Hämorrhoidal-Leiden vorläge, und ob keine andere Arznei -vorgeschrieben werden dürfe, weil gerade bei der Dysenterie Simaruba -erst in einem späteren Zeitpunkte gegeben werden dürfe. (Patientin, -ein hübsches Mädchen von zehn Jahren, stand daneben und hatte gar -keine Spur von Dysenterie.) Aber für einen Gedankenaustausch war sie -nicht zugänglich. In gereiztem Tone antwortete sie: »Wenn Sie mir die -Simaruba nicht geben wollen, lasse ich sie mir von Madiun kommen.« Die -Sache wäre damit erledigt gewesen. Aber ihr Mann glaubte jetzt, mich -seine Macht als Assistent-Resident fühlen zu lassen. Kurz vorher hatte -ich ihn ersucht, frischen Vaccinestoff für die Bevölkerung kommen zu -lassen. Zwei Tage nach meinem Besuche bei seiner Frau erhielt ich einen -officiellen Brief mit der Nachricht, dass der Vaccinestoff angekommen -sei und ich den nächsten Mittwoch in der »Kabupaten«, d. h. in der -Veranda des Regenten einimpfen solle. Ich schrieb zurück, dass ich in -meiner Stellung nach Staatsblad Nr. 68 vom Jahre 1827 keine Befehle von -ihm annehmen könne noch dürfe, und dass ich nächsten Montag +im Fort+ -die Frauen und Kinder der Soldaten impfen werde. Er wiederum verbot -mir, den Vaccinestoff für »meine Militär-Familien« zu gebrauchen, -worauf ich telegraphisch den Residenten von Madiun um Erlaubniss -ersuchte, den Vaccinestoff für die »Soldatenkinder« gebrauchen zu -dürfen. Dieser Federkrieg zwischen uns Beiden entfremdete uns natürlich -so sehr, dass jeder freundschaftliche Verkehr abgebrochen wurde. - -Den Sonnabend derselben Woche war wieder gemüthlicher Abend im Club. -Damals spielte sich eine jener Scenen ab, welche so charakteristisch -und so typisch für das Leben in kleinen Orten sind, dass ich sie trotz -ihrer Unbedeutendheit mittheilen zu sollen glaube. Das Clubgebäude -bestand, wie wir oben sahen, aus einer grossen »Binnengalerie«, welche -nach europäischer Anschauung Tanzsalon genannt werden kann, und der -vorderen und hinteren Veranda. Das unentbehrliche Möbelstück für -jeden Club ist in Indien die »Kletstafel«,[151] das ist ein grosser -runder Tisch, mit einer Stütze für die Füsse. Wenn die Herren um 11½ -Vormittags und um 7 Uhr Abends in den Club gehen und kein Billard -spielen, vereinigen sie sich alle an der »Kletstafel« und besprechen -etwaige Ereignisse des Tages oder die letzten europäischen Nachrichten, -oder bearbeiten die grossen und kleinen Fehler der Abwesenden zu -einer chronica scandalosa. Die hintere Veranda des Clubgebäudes -zu Ngawie hatte zwei solche Tische. Nach und nach füllte sich die -»achtergallery«, und zuletzt erschien der Assistent-Resident mit -seiner Frau. Liebenswürdig grüssten sie nach allen Seiten und setzten -sich an den Tisch -- an welchem wir nicht sassen. Jetzt kam die erste -Enttäuschung. In der Regel eilen sofort alle jungen Mitglieder nach -ihnen, verbeugen sich und wechseln einen Handdruck. Die verheirateten -Mitglieder theilen sich immer und überall diesbezüglich in drei wohl -charakterisirte Gruppen. Die eine Gruppe hält an dem Grundsatze -fest, dass es im Club keinen Rangunterschied gäbe, und wer zuletzt -käme, habe die +Pflicht+, zu den Anwesenden zu gehen und sie -zu begrüssen. Die zweite Gruppe sind wahre Opportunisten; für diese -ist die Machtstellung des Würdenträgers auch im Club anerkannt. -Man könne nicht wissen, wie man die »grossen Herren« nöthig hätte, -und sie selbst sind und bleiben »die mindere« und eilen dahin, um -sie zu begrüssen. Die dritte Gruppe ist wieder sehr gewissenhaft -in der Beurtheilung des Rangunterschiedes; sie kennt allein einen -Rangunterschied der Männer und nicht der Frauen, sie selbst gehen also -sofort zum Assistent-Resident und seiner Frau, um sie zu begrüssen, -und erwarten dann, dass auch der Assistent-Resident sofort zu ihrer -Frau gehen werde, um »das Compliment abzustechen«. Diesen Abend -blieb jedoch alles auf seinem Platz -- bis auf den Platzcommandant, -welcher ledig war und seinen neutralen Standpunkt nicht verleugnen -wollte. Diese Kraftprobe der Frau O. war also nicht gelungen, und eine -zweite sollte die Machtstellung dieser Dame rehabilitiren. Nach dem -pousse-café vereinigen sich die einzelnen Gruppen zu dem eigentlichen -Zwecke der Zusammenkunft. Einige der älteren Herren und Damen gehen -an die Spieltische zu einer Partie Whist, L’hombre oder quadrilliren; -die Jugend sucht und findet sich zum Flirten oder zum Tanzen -- Andere -gehen ins benachbarte Zimmer zum Billard und Einige setzen sich zur -»Kletstafel« und geniessen bei einem Glase Grog, sei es ein Brandy-Soda -oder sei es ein Whisky-Soda -- die herrliche Nachtluft. Das Tanzen -ist aber in Indien kein bevorzugter Genuss der Jugend; Grossväter und -Grossmütter sieht man in Indien mit ebenso viel Eifer der Kreuzpolka -und dem Walzer huldigen, als sie es vor 30 und 40 Jahren gethan -haben. Frau O. gab also bald das Zeichen zum Anfang des Tanzes; aber -o weh! der Leierkasten war verdorben und gab nur ohrenzerreissende, -schnarrende Töne; sofort schickte auf Ersuchen der Frau O. der -Platzcommandant einen Bedienten in das Fort und liess einen Korporal -kommen, welcher durch seine Virtuosität auf der Harmonika bekannt war. -Mit lautem Hurrah wurde seine Ankunft von der Frau des Assistenten -begrüsst, ohne dass jemand anders in diesen Freudenruf einstimmte. -Das war ein bedenkliches Symptom!? Aber noch Aergeres geschah. Die -Harmonika hatte schon die Hälfte der Polonaise gespielt, und noch immer -blieb alles auf seinen Sesseln. Der Major B. hatte pflichtgemäss die -Frau O. ersucht, mit ihr die Polonaise eröffnen zu dürfen -- sie Beide -standen aber allein; die zweite Kraftprobe dieser Dame war verunglückt! -Sie trachtete in liebenswürdiger herablassender Weise durch persönliche -Intervention wenigstens die ledigen Herren zum Tanzen zu bewegen; jeder -derselben aber dankte unter irgend einem Vorwande, und sie begnügte -sich also mit einem Tanze mit dem Platzcommandanten. Die Familie X. war -also gerächt. - -Solche kindische und kleinliche Reibereien giebt es in allen kleinen -Orten in Europa und in Asien und in Amerika, überall, wo Menschen -auf einem engen Raum beisammen wohnen, so dass sich alle ihre Fehler -bemerkbar und auch fühlbar machen; es ist ja z. B. bekannt, dass -dieselben Reibereien auf den grossen Dampfern sich einstellen, auf -welchen die Passagiere wochenlang beisammen leben, und dass dieses -noch häufiger auf jenen Seglern geschah, welche zu ihrer Reise nach -Batavia oft mehr als 100 Tage nöthig hatten. Für den Nichtbetheiligten -sind sie eine reichliche Quelle von Zerstreuung; die davon Betroffenen -verbittern sich aber dadurch das Leben und verfeinden sich oft für -die ganze weitere Zukunft. Dieselbe Dame O. scheint in Madiun, wo -ihr Mann früher stationirt gewesen war, sich auch Feinde gemacht zu -haben. An dem Tage ihrer Ankunft in Ngawie bekam ich nämlich eine -Correspondenzkarte, welche mich zwar entrüstete ob der Gemeinheit, -welche der Grundton des kleinen Briefchens war, andererseits aber -wirklich ein Unicum anonymer Lästersucht darstellte. In der offenen -Correspondenzkarte wurde mir nämlich mitgetheilt, dass mir zwei Stück -Käse dieser Tage als Geschenk geschickt würden, dass der Absender -bedaure, keine bessern liefern zu können; der eine und zwar der -grössere sei nicht übel von Gestalt, aber wurmstichig im Innern; der -zweite sei in jeder Hinsicht hässlich, ekelhaft und ungeniessbar. -Arglos und ohne den tiefen Sinn dieser Worte zu ahnen, wollte ich -den nächsten Tag beim Assistent-Residenten O. diese zwei Käse holen -lassen; vielleicht war ein Brief beigepackt, der mir eine Aufklärung -von einer Bestellung geben sollte, deren ich mich nicht erinnerte. -Zufällig kam der Präsident des Landesgerichts[152] denselben Abend zu -mir, und ich frug ihn, ob er den Schreiber der Correspondenzkarte -kenne, welcher mir zwei »Präsent-Käse« schickt, ohne dass ich sie -bestellt hatte. Glücklicher Weise durchblickte der Rechtsgelehrte -sofort die Mystification, und niemals hat der seither verstorbene -Assistent-Resident O. etwas von dieser Correspondenzkarte erfahren, und -der Schreiber dieses anonymen Schmutzbriefes hatte von seiner gemeinen -Intrigue nicht den geringsten Erfolg. - -Ende October 1891 verliess ich also Ngawie und zwar wiederum via Solo. - -Zu wiederholten Malen habe ich Solo passirt und zwei mal für einige -Stunden mich dort aufgehalten, so dass ich aus +eigener+ Anschauung nur -wenig über die Stadt selbst, aber mehr über die gleichnamige Provinz -Surakarta berichten kann. Sie ist die reichste Provinz der ganzen -Insel Java und hat zahlreiche Plantagen und andere Unternehmungen; -nicht weniger als 23 Plantagen für Indigo, 13 für Indigo und Tabak, -4 für Indigo, Tabak und Kaffee, 7 für Tabak; 17 für Zucker, 4 für -Zucker und Indigo, 20 für Indigo und Kaffee, 87 für Kaffee, 1 für -Kaffee und Tabak, 1 für Kaffee und Chinin und 1 für Zucker und Kaffee, -also 178 grosse Unternehmungen hat diese »Residentie«, obwohl sie -nur 112,905 ☐Meilen gross ist, drei grosse Berge hat und zahlreiche -kleine Gebirgsketten das Land durchziehen. Im Süden der Hauptstadt ist -eine grosse Ebene, welche in einem grossen Bogen längs dem Solofluss -bis weit in das Gebiet der Provinz Madiun sich hinzieht. Drei grosse -Berge begrenzen die Provinz als drei mächtige hohe Grenzpfähle im -Osten und Westen. Ueber die Spitze des Lawuberges, welcher 3254 Meter -hoch ist, zieht ihre östliche Grenze zwischen Solo und Madiun, und -die beiden Bergriesen Merapi (2866 Meter hoch) und der Merbabu (3116 -Meter hoch) trennen sie von den Provinzen Kadu und Djocjokarta. Der -grösste Fluss ist der Solofluss oder, wie er in dieser Provinz genannt -wird, der Bengawan-Fluss, der auf dem Berge Merapi entspringt und auch -der grösste Fluss der ganzen Insel (Java) ist; er ergiesst sich bei -Surabaya in die Javasee und wird als billiger Transportweg von den -Unternehmungen in den Provinzen Surakarta, Madiun, Rembang und Surabaya -häufig benutzt. Auf dem Berge Lawu, auf dessen Gipfel oder vielmehr in -der Nähe desselben ich als Arzt in einem modernen Romane den rettenden -Engel gespielt habe, sind neben zahlreichen Ruinen aus der Zeit der -Hindus noch zahlreiche Mofetten und andere warme Mineralbrunnen -bekannt; an seiner Westseite findet man z. B. bei dem Dorfe Djurang -Djerok zwei kleine Teiche, aus denen stets giftige Gase aufsteigen, -und bei den Dörfern Pablingan und Gamping grosse schwefelhaltige -Quellen. Die Hauptstadt Surakarta, häufiger Solo genannt, macht keinen -freundlichen Eindruck. Sie hat zwar einige Sehenswürdigkeiten und trägt -wie ihre Schwesterstadt Djocjokarta noch ausgesprochener das Gepräge -einer rein javanischen Fürstenstadt. Sie leidet aber, wie ich schon -früher erwähnt habe, so oft und so stark durch die Ueberströmungen der -Solo- und Pepéflüsse, an deren Vereinigungspunkt sie liegt, dass es -noch lange dauern wird, bis sie den Anforderungen einer reinen, schönen -Stadt gerecht werden kann. - -[Illustration: Fig. 20. Ein malayisches Mädchen mit Sirihdose und -Spucknapf aus Messing.] - -Entsprechend der politischen Eintheilung des Landes hat die Hauptstadt -eine vierfache Vertretung. Der Kaiser wohnt in seinem Palast, Kraton -genannt; dieser ist gerade so wie der zu Djocja, eine kleine Stadt -mit Mauern und Gräben umgeben und hat seinen »Dalem«, d. i. die -Wohnung des Fürsten, den Sitinggil, die grosse Halle, wo sich der -Fürst dem Volke zeigt, den Alang âlang = Schlossplatz und hunderte -kleine Gebäude für das Gefolge. Das zweite stattliche Gebäude ist -das Fort Vastenburg, dessen Kanonen den Kraton bedrohen. Das dritte -ist der Palast des Gegenfürsten Mangku Negoro in europäischem Stile, -welcher einen sehr schönen und grossen Empfangssalon mit elektrischer -Beleuchtung hat. Das vierte ist das Gebäude des Residenten, welches -bei Weitem nicht so schön eingerichtet ist als das seines Collegen -in Djocja. Dann folgen zahlreiche Häuser für die Landherren der -Provinz, eine protestantische Kirche, der Club, Theatergebäude, drei -Hotels, wovon das eine gegenüber dem Fort liegt und »Jungfernheim« -genannt wird, weil die meisten ledigen Lehrerinnen dort wohnen, -der Thiergarten mit einigen exotischen Thieren u. s. w. Natürlich -fehlen in Solo weder der Hofhalt in allen seinen Abstufungen, wie -echte Prinzen mit ihrem Gefolge unter Aufsicht des Kronprinzen und -unechte Prinzen unter Controle eines zweiten Sohnes des Sunans, noch -die gut abgegrenzte Eintheilung des Adels, der Geistlichkeit und des -»kleinen Mannes«. Auch wird in Solo so viel als möglich für feierliche -Aufzüge, Galavorstellungen und Empfangsabende, und zwar mit demselben -Ceremoniell als in Djocja gesorgt. Ebenso wenig fehlte der Wâjang orang -(Fig. 18). - -Von den übrigen Städten dieser Provinz sind noch zu nennen: -Kartasura, welches früher die Hauptstadt des Sultanats war,[153] -Klaten, in welchem bis vor einigen Jahren in dem Fort Engelenburg das -Strafdetachement für europäische Taugenichtse bestand, Bojolali, wo ein -altes, verlassenes Fort steht, die Schlucht bei Sukabumi, Patuk Pakis -an der Küste mit seinen Schwalbennesterhöhlen u. s. w. - -Auf dem Vulcane Lawu, welcher seit seinem letzten Ausbruch am 1. Mai -1752 seine jetzige Form und Gestalt bewahrt hat, bin ich zweimal -gewesen, und jedesmal entzückte mich dieses Bild einer wildromantischen -Natur, wo mächtige erratische Blöcke, Trachitfelsen, Lianen, -Cäsarinen, Grotten, heisse Quellen, Mofetten, Abgründe und kahle, -steile Wände in die Wolken gehüllt zu meinen Füssen lagen. Es war die -Nordostseite, welche ich zu besteigen gezwungen wurde. In Djamus -hatte Herr R.... eine Kaffeeplantage; um dahin von Ngawie zu gelangen, -musste ich viermal die Reise-Vehikel verändern. Von Ngawie brachte -mich meine Equipage nach Paron, wo ich die Eisenbahn bis Walikukung -benutzte; hier erwartete mich ein Dos-à-dos, mit welchem ich bis Gidoro -gelangte, ungefähr 1000′ hoch, wo Herr K.... eine reizende Plantage von -Kaffee, und wenn ich nicht irre, auch von Muscatbäumen hatte. So ein -gepflegter Kaffeegarten gewährt einen lieblichen, anmuthigen Anblick; -der Baum wird zwar nicht höher als 6-7 Meter (der Liberia-Kaffeebaum, -den ich in meinem Garten in Magelang hatte, erreicht nicht einmal -die Höhe von 4 Metern), auch hat er keine stattliche, breite Krone, -aber jede Baumreihe hat einen grossen Schattenspender; man wählt dazu -am häufigsten den Dadapbaum (Erythrina indica), eine Papilionacee, -welche grosse, scharlachrothe Blüthen hat, deren Blätter und Rinde von -den Eingeborenen gegen Asthma und Fieber und deren Holz als Decoctum -gegen Hämaturie gebraucht wird. Die Blüthe des Kaffeebaumes ist -schneeweiss, hat ein herrliches Jasmin-Aroma und fällt schon nach 8 -Tagen auf den Boden, der dadurch eine herrlich duftende, schneeweisse -Decke bekommt. Nach einigen Monaten erscheinen die Früchte in grüner -Farbe, welche sehr bald kirschroth werden und die Grösse einer halben -Haselnuss haben. Zu dieser Zeit hat der Kaffeebaum einen gefährlichen -Feind in dem Paradoxurus Musanga. Die reifen Früchte sind seine -Lieblingsspeise, den Kern jedoch verdaut er nicht; er begnügt sich -mit dem Fleische der Frucht, und die überflüssigen Kaffeekörner -- -sind die theuerste und beste Kaffeesorte, NB. nachdem sie den Darm des -Musangs verlassen haben. Mir wurde ein solches Excrement eines Musangs -gezeigt; es bestand aus drei Kaffeekörnern, welche mit einer schwarzen -Masse untereinander verklebt waren. Diese Kaffeekörner stehen in so -hohem Ansehen, dass sie als besondere Gunstbezeigung den Europäern -zum Geschenke angeboten werden. Wenn die Früchte kirschroth geworden -sind, werden sie gepflückt und auf Platten aus Rohr dem Fermentiren -überlassen. Hierauf werden sie getrocknet und gestampft. Ihre Heimath -ist Arabien, von wo sie schon im Jahre 1698 importirt wurden; doch -erst in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts (seit 1723) nahm die -Kaffeecultur einen bedeutenden Aufschwung, seitdem die Regierung mit -sanftem Druck die Eingeborenen zum Bau desselben zwang.[154] Das -Erträgniss des Kaffeebaumes ist sehr variabel. Ich erhielt von meinem -Baume stets mehr als 1 Kilo Bohnen, und wie ich es damals auf dem Lawu -mittheilen hörte, ist nur alle drei bis vier Jahre eine reiche Ernte zu -erwarten. - -Bei Herrn K.... konnte ich nicht länger bleiben, als die Zeit der -»Rysttafel« dauerte. Nach dieser konnte ich noch bis Ngrambe von dem -Dos-à-dos Gebrauch machen. Der Weg war gut und so breit, dass selbst -ein zweiter Wagen passiren konnte, ohne besondere Vorsicht gebrauchen -zu müssen. Hier wohnten einige Europäer, und darunter auch die Frau X. -Ihr Mann ersuchte mich, sie zu untersuchen, weil sie schon seit vielen -Jahren durch eine Schwäche in den Füssen kaum das Bett, aber niemals -das Zimmer oder das Haus verlassen hätte. - -Bei meiner Visite fand ich eine alte Dame, welche frischen Geistes -ihr Leiden mit bewunderungswürdigem Gleichmuth ertrug; sie litt an -Osteomalacie, d. i. einer Knochenerweichung, welche sie nach der -letzten Entbindung erhalten hatte. Es war das erste Mal und leider -auch das letzte Mal, dass ich sie damals sah. Einige Wochen später -wurde sie ermordet, und die leichtfüssige Fama beschuldigte sie des -Selbstmordes! Mir wurden davon während eines Festes beim Regenten -in Ngawie die einzelnen Details mitgetheilt; man fand sie im Bette -mit durchschnittenem Hals unter einer Bettdecke und nebstdem mit -einem blutigen Messer im Aermel der Kabaya?? Ich theilte dieses dem -Assistent-Residenten X. mit und erwartete, dass ich sofort mit einer -gerichtlichen Commission zur Untersuchung dahin gesendet würde; -der Herr scheint aber so bestimmte Nachricht von ihrem Selbstmord -erhalten zu haben, dass er zu einem Einschreiten keinen Anlass fand. -Mir freilich konnte es nicht einleuchten, dass eine Frau, welche -seit vielen Jahren mit Knochenerweichung an das Bett gefesselt war, -den Muth und die physische Kraft haben sollte, sich selbst den Hals -durchzuschneiden!? Auch in der Affaire, welche mich nach Djamus führte, -hatte Herr X. eine ganz unrichtige Auffassung der Verhältnisse; es war -vielmehr seine Frau, welche auch den geschäftlichen Ideengang ihres -Mannes beeinflusste; er weilt nicht mehr unter den Lebenden, und so -kann ich etwas ausführlicher in der Mittheilung dieser Affaire sein, -ohne fürchten zu müssen, jemandem direct oder indirect zu schaden. - -In Gendingan konnte ich schon einige sichere Nachrichten über die junge -Dame erhalten, deren Untersuchung von den Eltern von mir verlangt -wurde, weil ein Angestellter sie beschuldigte, diese eine Tochter -- -sie hatten deren 7 -- zu verwahrlosen und unter dem Vorwande, dass -sie irrsinnig sei, ihrer Freiheit zu berauben! Dieser Privatbeamte -schickte mir später die Abschrift der ganzen Correspondenz zwischen -ihm und dem Vater dieses unglücklichen Mädchens; ich besitze sie -noch heute, und fast möchte ich glauben, wenn ich sie wiederum lese, -dass dieser bona fide gehandelt hat. In allen Briefen betont er -die Nothwendigkeit, die Patientin der Einsiedelei auf dem Berge zu -entreissen und sie der Gesellschaft zurückzugeben. Aber falsch sind -die Motive, die er den unglücklichen Eltern in der Behandlung ihrer -Tochter unterschiebt. Die Plantage gehörte in nomine der Frau, und ihr -Mann sollte seine eigene Tochter zu dem geistigen Tode verurtheilt -haben, um als gesetzlicher Vormund ihr Erbe zu werden. Diese Briefe -wurden dem Assistent-Residenten X. gesendet mit der officiellen -Anklage, dass der Herr X. seine majorenne Tochter der Freiheit beraube -und sie durch schlechte Behandlung dem Wahnsinn in die Arme führen -wolle!! Das Traurigste in dieser Affaire ist, dass dieser Beamte oder -vielmehr seine Frau diesem Märchen Glauben schenkte, und als ich in -dieser Sache als Gerichtsarzt vernommen wurde, mir die zweifellose -Richtigkeit mit dem nöthigen Nachdruck vorgeleiert wurde. Ein Vater, -der sieben Töchter hat, sechs von ihnen eine gute Erziehung in Europa -angedeihen lässt und für jede derselben mehr als 1000 fl. jährlich -bezahlt, ein solcher Vater sollte mit dem Wissen und Willen seiner Frau -eine solche Missethat begehen!? Dieser Einwand blieb ohne Erfolg, und -der Assistent-Resident liess als »Hilfsofficier der Justiz« dem Rechte -seinen Lauf. Der Herr X. wurde von der gegen ihn erhobenen Anklage -verständigt und beschloss nun, durch mich den Wahnsinn seiner Tochter -constatiren zu lassen und bat mich, zu ihm zu kommen. Ich frug vorher -jedoch bei ihm an, ob ich meine Frau mitnehmen könnte, welche gern -einmal eine Plantage im Hochgebirge besuchen und besichtigen möchte. -Im August des Jahres 1889 begaben wir uns also auf die Reise, die ich -oben bereits angedeutet habe. In Ngrambe mussten wir das Dos-à-dos -verlassen, weil hinauf ins Gebirge kein Fahrweg bestand. Für mich stand -ein kleines Pferd und für meine Frau eine Sänfte zur Verfügung. - -Es war ein Fusspfad, den das herabströmende Regenwasser in den Berg -gegraben hatte; erratische Blöcke, Geröll und Sand wechselten mit -Grasflächen, und sicheren Schrittes trug mich das kleine javanische -Pferd über alle Hindernisse. Die Begleitung meiner Frau bestand aus 6 -Kulis, von denen abwechselnd je vier die Sänfte bald auf den Schultern, -bald mit den Händen trugen, je nachdem der Weg eben oder wellenförmig -war. Bei jeder Pause erfreute uns das herrliche Panorama hinter unserem -Rücken. Bald erhob sich das grosse Thal des Soloflusses in deutlichen -Linien auf dem Horizont, hinter welchem das Wellisgebirge seinen -breiten Bergrücken uns zeigte, später sahen wir den Smeru und den Kelut -am östlichen Horizont auftauchen. Auf dem Berge Lawu selbst sahen wir -nur niedriges Gesträuch, eine sanft aufsteigende Hochfläche, begrenzt -von kleinen Hügeln, welche bald Tjemarabäume, bald Acacien, Gnaphalien -und Vaccinia trugen. - -Nach ungefähr zwei Stunden erreichten wir die Plantage Djamus in einer -Höhe von 1500 Metern. Tief unter uns lagen dichte, schwarze Wolken, aus -denen eine zweite Spitze des Lawu hoch hervorragte und nur mit Mühe die -Schlucht zwischen beiden erkennen liess. Die dritte Spitze des Berges -habe ich nicht zu Gesicht bekommen. - -Der Kaffee war gepflückt, fermentirt, getrocknet und gestampft, und -Frau X. sass mit eingeborenen Frauen, die Körner zu assortiren. Unsere -Ankunft entriss natürlich die Familie ihrer täglichen Beschäftigung, -und bald sassen wir in der Veranda, eine Schale warmen Thees zu -trinken; es war kühl; vielleicht nicht mehr als 12° C., und wir Beide -kamen aus »der Hölle Javas«. Die Familie kam unsern Wünschen entgegen, -und wir zogen uns ins Haus zurück, wo auch die Fenster geschlossen -werden mussten, um uns von dem unangenehmen Gefühl des Fröstelns zu -befreien. Bald waren wir im Gespräche über die unglückliche Tochter, -und es war das alte Lied: Den Anfang und die Ursache des Wahnsinns -zu constatiren, welchen der Laie gern unvermittelt durch plötzliche -Eruption, sei es durch Schreck u. s. w. entstehen lässt; das ganze -traurige Familienleben entrollte sich vor mir, das ein irrsinniges -Mitglied bedingt, weil der Wahnsinn in seinen ersten Symptomen -verkannt wurde. Die Grenze zwischen psychischer Gesundheit und -psychischem Kranksein kann ja von niemandem gezogen werden. Endlich -wurde mir mitgetheilt, dass die Patientin sich in ihrem Zimmer im -danebenstehenden Pavillon befinde. Ich ging dahin und sah beim Fenster -ein Wesen stehen, welches das traurige Bild des Wahnsinns in allen -seinen Zügen zeigt. Verwahrlost in ihrer Kleidung, mit wirren Haaren, -starrte sie mich mit fragenden Blicken an, und als ich ihr einen -Gruss zurief, antwortete sie mir kurz, dass sie einen verheirateten -Liebhaber nicht haben wolle, warf die Pantoffeln nach mir und sprang -aus dem Fenster der andern Seite und verschwand im Gebüsche. Gegen das -Abendessen gelang es mir, sie in der Nähe zu sehen und zu sprechen. -Sie kam in die Küche, ihr Nachtmahl zu holen. Ich ging mit dem Vater -dahin, und mit dem charakteristischen Lächeln des Wahnsinns liess sie -mich näher kommen, ohne sich im Essen stören zu lassen. Der Schmutz -hinter den Ohren und die schmutzige Kabaya, sowie die schmutzigen -Nägel, begründeten meinen Vorschlag, die Unglückliche in eine -Anstalt aufnehmen zu lassen, in welcher die geschulten Wärterinnen -die Geschicklichkeit, Tact und Muth haben, solche Patienten zur -Reinlichkeit anzuhalten. - -Natürlich kamen auch die Motive zur Sprache, welche den Privat-Beamten -X. veranlassten, den Anwalt dieser Unglücklichen zu spielen. In seinen -Briefen ist das Mitleiden mit seiner »Nichte«, welche keinen Bruder -habe, um ihr Recht zu vertheidigen, der einzige Grundton, und in -allen Tonarten äusserte sich dieses Mitleiden. Herr X. aber fand ein -egoistisches Motiv, welches mir nicht recht einleuchten wollte. Seine -Tochter musste wiederholt aus der Wohnung des Privat-Beamten X. geholt -werden, welche sich am Fusse des Berges befand; vielleicht hoffte -dieser durch eine Ehe mit dieser Unglücklichen sich dann in den Besitz -eines Theiles dieser grossen Plantage zu setzen. Es waren im Ganzen -7 Töchter, und im günstigsten Falle wäre ⅛ Antheil nach dem Tode der -Mutter dem Manne dieser Irrsinnigen zugefallen; um einen solchen Preis -eine irrsinnige Frau zu erhalten -- wäre eine schlechte Speculation. - -Diese Pflanzer waren so an die niedrige Temperatur ihres Ortes -gewöhnt, dass sie keine Oefen im Hause hatten. Die Biologie liegt in -allen Fragen darnieder, welche die »Gewohnheit« betreffen. Als ich -im Jahre 1897 Ende April durch das rothe Meer fuhr, war es so kalt, -dass nicht allein ich -- dann könnte es individuellen Empfindungen -zugeschrieben werden, sondern alle Passagiere ihre Ueberzieher, Mäntel -oder Plaids u. s. w. in Gebrauch nehmen mussten, und das Thermometer -zeigte 17° C.! Es ist richtig, dass wir aus warmen Ländern kamen und -dass wir so niedrige Temperatur nicht +gewöhnt+ waren. -- Welcher -chemische Vorgang erklärt das »Gewohntsein«? Was geschieht z. B. im -Rachen oder im Gehirn oder im Magen des jungen Mannes, welcher nach der -ersten Cigarre den heftigsten Gastricismus bekommt und nach ½ Jahren -anstandslos die schwerste Cigarre raucht? U. A. w. g. - -Wir sassen also den ganzen Abend bei geschlossenen Fenstern und Thüren, -und für die Nacht holte die liebenswürdige Hausfrau alle wollenen -Decken herbei, um uns in ihrem Heim nicht eine ganze Nacht »frieren« -zu lassen. In einem schönen Gedichte hat diese Dame den Berg Lawu -besungen. Mit Bedauern verliessen wir unsern Gastgeber am folgenden -Tage, weil mich meine Berufspflichten nach Ngawie riefen. Aber länger -als eine Woche über den Wolken nur die bewaldeten Gipfel eines Berges -zu sehen -- NB. ohne Berufspflichten oder andere Arbeit zu haben -- -d. h. dort zu logiren, das wäre doch zu viel verlangt. - -Hierauf beantwortete ich alle Fragen des »Officiers der Justiz« über -das Wesen der Krankheit dieser unglücklichen jungen Dame und über die -Symptome, welche mich bewogen hatten, in diesem Falle den Wahnsinn zu -constatiren. Sie wurde entmündigt, ihr Vater zum Curator ernannt und -der Assistent-Resident X. wurde nach Kudus transferirt. - - * * * * * - -Die westlichen Grenzpfähle der Provinz Surakarta, die Berge Merapi -und Merbabu mit ihrem Ausläufer Telomojo (1883 Meter hoch) habe ich -fünf Jahre lang beobachten können, und ich will ihrer im folgenden -Capitel erwähnen. Die »Fürstenthümer Javas« sind reiche Länder und -hochinteressant wegen ihrer Vergangenheit und zahlreichen Denkmäler aus -der Zeit der Hindu-Herrschaft. - -[Illustration: Fig. 21. In Sarong und Kabaya.] - - - - -9. Capitel. - - Die Provinz Kedú -- Der Berg Tidar -- In Magelang -- Auf dem Pâsar - (= Markt) -- Javanische Schönheitsmittel -- Haustoilette der - europäischen Damen -- Mein „Haus“ -- Empfangsabende -- Magelang -- - Opiumrauchen -- Die Chinesen auf Java -- Die gerichtliche Medicin der - Chinesen -- Ein zu grosses Militärspital -- Die Königin von Siam in - Magelang -- Ein Oberstabsarzt „gestellt“ -- Nachtheile der Pavillons - aus Bambus -- Organisation des Rechtswesens -- Zum Theaterdirector - gewählt -- Die Journalistik Indiens. - - -Auch die Provinz Kedú hat auf ihrer westlichen und östlichen Grenze -grosse und mächtige Grenzpfeiler, im Osten die bereits erwähnten -Merapi, Merbabu und Telomojo, während der Sumbing, 3336 Meter hoch, -der Sindoro, 3124 Meter hoch, und der Berg Bisna, 2363 Meter hoch, -diese Provinz im Westen von der Provinz Bagelen scheiden. Die Ausläufer -dieser Berge durchziehen die ganze Provinz, und selbst die Thäler -des Progo- und des Elloflusses sind zu schmal, um den gebirgigen -Charakter dieser Provinz in hohem Grade zu beeinflussen. (Nur von -Magelang zieht nach Norden eine 10 Kilometer grosse Ebene.) Diese -Provinz ist reich an Kunstdenkmälern, unter denen der schönste, grösste -und mächtigste Tempel vielleicht der ganzen Welt der Buru-Budur ist. -Obwohl der grösste Theil des Landes Communalbesitz ist, die Provinz -bei einer Grösse von 37,05 ☐Meilen ungefähr 800,000 Einwohner, somit -mehr als 20,000 Seelen auf die ☐Meile zählt, so ist sie doch eine arme -Provinz. Vielleicht wird die Vollendung der Eisenbahn einen günstigen -Einfluss auf die Wohlfahrt des Landes nehmen; erst vor zwei Jahren -wurde die Linie Djocja-Magelang gebaut, und es fehlt noch die Linie -Magelang-Ambarawa, um die ganze Provinz durch den Schienenweg mit dem -Norden Javas[155] zu verbinden. - -Im Jahre 1891 konnte ich mich bei meiner Transferirung von Ngawie nach -Magelang, der Hauptstadt dieser Provinz, nur bis Djocja der Eisenbahn -bedienen. Mein Mylord, welcher bei der Auction in Ngawie keinen Käufer -fand, traf zu gleicher Zeit in Djocja ein; ich miethete im Hotel Tugu -nur vier Pferde (mit Kutscher und Palfenir) um 12 fl. und konnte also -in meiner bequemen Kutsche die Reise fortsetzen. Die Reisewagen, welche -man s. Z. in Djocja und in Magelang zu dieser mehrstündigen Reise -miethen konnte, waren alte, hässliche Wagen und hatten eine lothrechte -Rückenlehne, so dass ich mich oft verwundert frug, woher sie denn diese -unpraktischen Reisevehikel in so grosser Zahl auftreiben konnten. - -Bei Salam verliess ich die Provinz Djocja, und sofort fühlte ich den -Einfluss der holländischen Regierung. Wenn es auch ununterbrochen -bergauf ging, so war die Reise doch nicht unangenehm, weil sich der Weg -sofort hinter der Grenze in sehr gutem Zustande befand. In Muntilan -wurden die Pferde gewechselt, und noch immer stieg der Weg sanft mit -zahlreichen Wellen an, so dass wir von der Grenze, welche 331 Meter -absolute Höhe hatte, hier 355 Meter und in Magelang 384 Meter Höhe, -im Ganzen 53 Meter gestiegen waren. Hinter Muntilan lag eine schöne, -wenn auch schmale Strasse, welche links ab zu dem schönen Tempel Mendut -(Fig. 19) und mittelst Fähre über den Ellofluss zum Buru-Budur führte. -Gegen 5½ Uhr näherte ich mich der Stadt Magelang, d. h. ich sah den -Berg Tidar, welcher 504 Meter über dem Meere und 120 Meter hoch sich -über Magelang erhebt. Es ist der pâku = Nagel oder der pusar = Nabel -(= der Mittelpunkt von Java), durch dessen Spitze der Nagel getrieben -wurde, mit dem diese Insel auf der Erde befestigt wurde. Nicht allein -auf mich machte dieser Hügel den Eindruck, dass auch er die Ruinen -eines grossen Tempels bedecke, sondern es wurde so oft diese Vermuthung -geäussert, dass Ausgrabungen stattfanden, welche jedoch ein negatives -Resultat hatten. Der »Tidar« musste eben durch seine isolirte Stellung -zu solchen Vermuthungen Anlass geben; er steht nämlich ganz isolirt in -der Ebene zwischen den beiden Bergriesen Merapi und Sumbing. Auf den -Berg Tidar folgte der europäische Kirchhof, für dessen Verschönerung -ich späterhin als Präsident der »Kirchhofs-Commission« zu sorgen -hatte, hierauf der grosse Marktplatz, das chinesische Quartier mit der -chinesischen Kirche, und am Ende dieser Strasse lag der Schlossplatz -(Alang-âlang) mit der Moschee,[156] dem Palaste des Regenten, dem -Officiersclub, der Schule für Häuptlings-Söhne, dem Postamt, einem -Hotel und der Volksschule für Eingeborene. - -Der »grosse Weg« führte mich auf der Ostseite des Schlossplatzes -in eine schöne Allee mit europäischen Wohnungen bis zum Anfang des -»Campement«, wo auf der einen Seite die Wohnung des Commandanten und -zur rechten Seite das Hotel Kedú standen. Der Eigenthümer dieses Hotels -war ein sehr braver Mann, ein Deutscher von Geburt, der durch seinen -jahrelangen Aufenthalt unter den Holländern seine Muttersprache so -verlernt hatte, dass sein Kauderwelsch dem grössten Philologen ein -Räthsel blieb, weil er seinem deutschen und holländischen Wörterschatz -noch englische und malayische Wörter beifügte und nach Gutdünken die -Wort- und Satzbildung dieser vier Sprachen auf seine Rede anwandte. -Dies ist allerdings eine alltägliche Erscheinung, dass die Deutschen, -durch die Aehnlichkeit der beiden Sprachen, in den holländischen -Colonien ihre Muttersprache verlernen und umgekehrt die Holländer nach -einem kurzen Aufenthalt in deutschen Ländern die holländische Sprache -geradezu misshandeln; aber niemand will es glauben, der es nicht selbst -erfahren hat. Vor vielen Jahren sprach ich in Buitenzorg mit der -Frau eines Collegen, welche in Preussen ihre Wiege gehabt hatte, und -erzählte ihr einige drastische Fälle von solchem verdorbenen Deutsch -unserer Landsleute; darauf antwortete sie mir mit einem Seufzer: Ach, -wie kann man denn seine Mutter+zaal+ vergessen! Die Sprache heisst -im Holländischen taal, und da viele deutsche Worte mit Z in der -holländischen Sprache mit T beginnen, glaubte sie deutsch zu sprechen, -wenn sie aus taal einfach zaal machte. Diese Dame war erst ein Jahr in -Indien. Der Gastwirth des Hotels Kedú war als gewesener Corporal und -in seiner jetzigen Stellung schon Jahrzehnte in Indien und hatte also -ein Idiom angenommen, das ein mixtum compositum der vier Sprachen war, -welche er in seiner Eigenschaft als Wirth täglich am meisten gebrauchen -musste. Er empfing mich auch mit den Worten: »Es wird Sie freuen, -dass Sie hier +geplatzt+[157] sind, und ich +soll+ Ihnen so viel als -möglich helfen.« Ich hatte jedoch seine Hülfe nicht nöthig, weil der -Regimentsarzt, welcher mich in Ngawie ablöste, vor seiner Abreise -aus Magelang auf mein Ersuchen sein »Haus« für mich gemiethet hatte. -Dadurch wurde es mir möglich, in kürzester Zeit das Hotel verlassen und -mein eignes Heim beziehen zu können. Am folgenden Tage meldete ich mich -zunächst beim Platzcommandanten, welcher unweit vom Hotel sein Bureau -hatte. Eine schöne breite Strasse führte in das Campement; die linke -(westliche) Seite war von zwei grossen Officierpavillons eingenommen, -und rechts von ihr lag ein grosses schönes Exercierfeld mit Casernen in -der Form eines offenen Oblongums [|¯¯¯¯¯|] im Hintergrunde. Neben dem -Bureau dieses Officiers befand sich auch das des Zahlmeisters, dem die -Abrechnung mit seinem Collegen in Ngawie überreicht wurde. Mein Chef in -loco, ein Stabsarzt, hatte sein Bureau im Spital, welches sich damals -am Fusse des Berges Tidar befand; ich nahm also eine Equipage, um nicht -den Weg von 1½ Kilometer zu Fuss zurücklegen zu müssen. Ich nahm meine -Frau mit, weil ich unterwegs diverse Einkäufe besorgen wollte. Auf dem -»grossen Wege« befanden sich nämlich zwei europäische Geschäfte; das -eine gehörte einem pensionirten Hauptmann, der zu meiner Ueberraschung -im Geschäft von einem der Anwesenden mit Herr General-Major -angesprochen wurde. Erstaunt blickte ich Beide an, und lächelnd gab -mir der Kaufmann die Erklärung dieser seltsamen Titulatur; er sei -als pensionirter Hauptmann Mitglied des Officierclubs und bespreche -natürlich jeden Abend schon seit 15 Jahren an der »Kletstafel« das -Avancement seiner Zeitgenossen; von jeher wurde er scherzweise mit -jenem Titel angesprochen, den seine Zeitgenossen erlangt hatten, und -als einer derselben vor Kurzem General-Major geworden war, wurde auch -»auf sein Avancement« getrunken und unter Toasten seine Ernennung -zum General-Major gefeiert. Von dem »grossen Wege« gelangten wir -auf den Schlossplatz, ohne uns mit der Besichtigung der Moschee -aufzuhalten, welche wir passiren mussten, um in die Mörderallee zu -gelangen. Dies war nämlich die Strasse, welche zum Spitale führte, und -die diesen Namen (mordenaars-laan) erhalten haben soll, weil täglich -die Militärärzte diesen Weg nahmen. Ein reizendes Panorama bot sich -unsern Blicken dar, welches den Namen »Garten von Java« begründete und -rechtfertigte. Links war die Strasse von einer Reihe hoch liegender -europäischer Häuser in altgriechischem Stile begrenzt; rechts erhob -sich im Hintergrunde der Berg Sumbing, und an seinem Fusse spiegelte -sich die Sonne in dem farbenreichen Bild alter und junger Sawahfelder -und zahlreicher Gemüsebeete. Die Mordenaars-laan ging über in die -grosse Strasse nach Salaman. Vor dem Tidar bog jedoch der Weg in einem -rechten Winkel noch zweimal, bevor man das Spital erreichte. Dieses -bestand aus Bambus-Baracken und hatte nur zwei steinerne Gebäude; das -eine für die Bureaux und das andere war -- ein Pulvermagazin!! Seit dem -2. November 1892 ist es verlassen und niedergerissen worden, so dass es -nicht der Mühe werth ist, einige Worte darüber zu verlieren. Nachdem -ich mich meinem Chef und den übrigen Officieren vorgestellt hatte -(meine Frau blieb im Wagen, um auf mich zu warten), fuhr ich zurück -und zwar längs dem Tidar, um von dort in das chinesische Quartier zu -kommen, wo sich die Möbelfabrikanten und zahlreiche Tokos befanden. - -Gegen das Ende dieser Strasse mässigte der Kutscher den Schritt der -Pferde, weil eine grosse Menschenmenge wie ein Bienenschwarm sich hin -und her bewegte. Wir befanden uns gegenüber dem Marktplatz, und es -war »hari Paing« d. h. Markttag, genannt nach dem zweiten Tage der -alten javanischen Woche, welche nur fünf Tage zählte und zwar Legi, -Paing, Pon, Wageh und Kliwon.[158] Wir waren im Lande des Indigo,[159] -denn die vorherrschende Farbe der Frauenkleider war blau; nur die -Haushälterinnen der Soldaten und die europäischen Bewohner hatten eine -weisse Kabaya mit Spitzen besetzt, oder eine dunkle, blaue, rothe -oder grüne aus Sammet oder Seide. Die Sonnenschirme hatten dieselben -grellen Farben, und ich muss gestehen, dass das Auge dies nicht -unangenehm fand. Wie ein Bienenschwarm bewegte sich die Menschenmasse -auf und ab. Wir stiegen aus dem Wagen, um uns dieses Gewoge näher zu -betrachten. Der Marktplatz bestand aus einfachen Hallen, welche mit -Schindeln aus gebackenem Lehm bedeckt waren. Früchte, Fische,[160] -Hühner, Enten, Eier, Gewürze, Küchengeräthe, Kalk, Alaun, Arsenik, -Kämme aus Horn, Hacken und Messer, Zwirn und Nadeln u. s. w. lagen bunt -durcheinander auf kleinen Bále-bále, das sind Bänke aus gespaltenem -Bambus. Die Gerüche Arabiens waren hier schwach vertreten, desto mehr -aber ein fürchterlicher Gestank, der den längeren Aufenthalt für eine -europäische Nase geradezu unangenehm machte. Die Ausdünstungen der -Menschen, welche ihre Haare mit ranzig gewordenem Oel gesalbt hatten, -mischten sich mit dem penetranten Gestank zahlreicher getrockneter -Fischsorten (îkan kaju = Stockfisch, îkan sepát = Trichopus -trichopterus u. T. striatus), dem trassi, Durianfrucht, Nangkafrucht, -Djambu bidji und last not least mit den Blumen des von den Dichtern -gepriesenen Melattibaumes (Jasminium Samboc). Alles, was eine indische -Schöne für die Pflege ihres Körpers nöthig erachtet, bringt der pâsar; -aber auch alle Gewürze, welche das Krankenzimmer desinficiren sollen, -werden hier verkauft, wie dupa (Myrrha), menjang (Benzoë), stanggie -(Mixtum compositun aus Rásse [Zibeth]), Kaju garu (das Holz von ficus -procera), Menjang merra (Rothe Benzoë), Kaju tjindana (Sandalum album), -Zucker u. s. w., Kanariharz (Canarium commune) u. s. w. - -Die Babu (Zofe), welche uns begleitete, war auf dem Bocke neben dem -Kutscher zurückgeblieben. Um jedoch fachmännisch in die Geheimnisse -der javanischen Kosmetik eingeweiht werden zu können, liess ich -sie holen, und bei jedem Pulver, Salbe u. s. w. gab sie uns die -Gebrauchsanweisung. Zuerst zeigte sie uns die Bestandtheile des -»Kramas«, d. h. das Waschen des Kopfhaars: Der Reishalm wird verbrannt -und seine Kohle 24 Stunden lang im Wasser aufgelöst und filtrirt. Diese -Lauge heisst Merang und wird zum Waschen der Haare gebraucht. Das -überschüssige Alcali wird mit Citronenwasser (aus Citrus Limonellus) -entfernt, in welchem sich wohlriechende Blumen, als Melatti u. s. w. -befanden; hierauf wird wohlriechendes Cocosnussöl tüchtig in die Haare -eingerieben. - -Auf dem Toilettentischchen befindet sich ein Schälchen mit der fein -gestampften Rinde von Kapinango (Dysoxylum laxiflorum), mit welchem -sie nach dem Bade den Körper einschmieren, ein Fläschchen Widjenöl -(Sesamöl) und Kajaputiöl (Melaleuca leneadendron) oder Zimmtöl oder -eine grosse Flasche mit Cocosnussöl, in welchem sich wohlriechende -Blätter oder Blumen befinden. Mit diesen Oelsorten wird der letzte Act -der Körperpflege vorgenommen. Jetzt zeigte sie uns alle Odeurs, welche -nicht nur mit dem Oel zum Salben des Körpers gebraucht, sondern auch -zwischen die Kleider und Wäsche gelegt oder verbrannt werden, um diese -damit zu beräuchern; selbst unter die Kopfpolster des Bettes werden sie -gelegt; ich konnte mich aber niemals für diesen Gebrauch begeistern. -Sie riechen so stark, dass sie mir Kopfweh verursachten und ich mich -genöthigt sah, sie wegwerfen zu lassen. Dazu gehören die akar wangi -(Wurzel von Andropogon muricatus), die getrockneten, kleinen Zweige -von Pogostemon, die Blätter von Pandanus odoratissimus, die Blüthen -von Jasminum, von tandjong (Minusops Elengi), Kananga wangie (Uwaria -odorata), akar tjampakka (Dianella montana), Garuholz (ficus procera) -und Lakkaholz (Myristica iners)[161] u. s. w. - -Das Bedák fehlt in keinem Haushalt; auch alle europäischen Familien -gebrauchen dieses Cosmeticum, welches nichts anderes als das -europäische poudre de riz ist. Auf dem Pâsar kommt es jedoch in -der Form von kleinen, weissen Zeltchen in den Handel, welche dann -gestampft werden müssen. Sie werden dadurch wohlriechend gemacht, -dass sie zwischen wohlriechenden Blättern oder Blüthen aufgehoben -werden. Hierauf zeigte sie uns die Bestandtheile für die Boreh, -für das Schwarzfärben der Zähne, für das Sirihkauen, für das Malen -der Augenbrauen und das Rothfärben der Nägel. Die Babu fühlte sich -ausserordentlich geschmeichelt, in so zahlreichen Fragen Rathgeberin -sein zu können, und zeigte uns auch einige »djamu«, welche ihr -von den Verkäufern angepriesen wurden. Meinem Princip getreu, die -abergläubischen Ideen der Bedienten mir gegenüber nicht einmal äussern -zu lassen, schnitt ich ihre diesbezüglichen Mittheilungen mit dem -Worte »sudah« ab und ging zu dem nächsten Krämer, welcher mit lauter -Stimme rief: »patjar kuku«. Es war der Saft von Lawsonia alba, welcher -mit Oel gemischt zum Rothfärben der Nägel gebraucht wird. Wer sich -gut über die Bestandtheile der indischen Panaceen = djamu informiren -will, findet im III. Theil des Buches von Dr. +van der Burg+ -eine stattliche Reihe derselben genau beschrieben; sie entsprechen -ungefähr unsern Thees zur Blutreinigung und werden von den erwachsenen -Eingeborenen entweder täglich oder nur hin und wieder genommen. Ich -kann nicht umhin, die Zusammenstellung eines solchen »djamu« nach -+van der Burg+ hier mitzutheilen: - - Djinten (Carum caroi). - Massooi (Cortex Cinnamomi Kiamis). - Sintok (Cort. Cinnamomi sintok). - Saparantu (Fructus Myrsinis avenis). - Ketúmbar (Semina coriandri). - Pala (Nuces moschatae). - Mungsi (Semina anethi). - Tawas (Aluman crudum). - Tjabé wungu (Capsicum bicolor). - Kamunkus (Piper cubebae). - Maridja (Piper nigrum). - Kedáwoong (Parkia intermedia). - Tjenké (Caryophili aromatici). - Djuruk nipis (Cotrus limonellus). - Ingu (Asa foetida). - Kaju manis tjina (Kadix liquiritiae). - Kasoh angin (Saccharum spontaneum?). - Kajus manis djawa (Cortex Cinnamomi aromatici). - Kuntji (Radix kampheriae rotundae). - Rawang merah (Allium cepa). - Mata Kentjur (Radix kampheriae galangae). - Daun lampas (Folia Ocimi basilici). - Daun kasimbukan (Folia Paederiae foetidae). - Klabet (Colocasia antiquorum). - Kembang Kasumba (Flores Bixiae orellanae). - Djongrahap? - -Natürlich wollte ich auch die Mittel kennen lernen, mit welchen sie die -Zähne schwarz färben; die weissen Zähne sind für den echten Javanen so -hässlich, dass er sie mit denen eines Hundes vergleicht, welcher hâram -= unrein ist; die Zofe nannte mir zahlreiche Mittel, welche zu diesem -Zwecke gebraucht werden, flocht aber so häufig Anmerkungen über das -Sirihkauen und über das Abschleifen der Zähne ein, dass ich im Zweifel -war und blieb, ob denn nicht die Hauptquelle in dem Blosslegen der -Pulpa der Zähne zu suchen sei. Wenn ich auch manchmal die schwarzen -Zähne sehr gern sah, so war doch im Allgemeinen der Anblick eines -solchen Mundes geradezu widerlich; der verliebte Javane mag so einen -Mund mit einem Granatapfel vergleichen, den Europäer jedoch widern -die vom Sirih rothgefärbten Lippen und die entblössten Zähne in hohem -Maasse an. Ich glaube auch, dass in erster Reihe das Sirihkauen die -Zähne färbt; der Saft von Tater (Solanum verbascifolium), von Kimerak -(Scepasma buxifolia), Cocosmilch, worin 8 Tage lang ein Stück Eisen -gelegen war, und zahlreiche andere Pflanzen sollen diese Procedur -befördern; aber die Hauptsache bleibt nach meiner Ansicht das -Sirihkauen. Der Vorgang desselben ist folgender: Zwei oder drei Blätter -der Schlingpflanze Chavica siriboa werden mit nassem Kalk bestrichen, -darauf werden ein kleines Stückchen Pinangnuss,[162] ein kleines -Stückchen Catechu[163] und ein wenig feingeschnittener Tabak gelegt -und zu einem Kügelchen gefaltet in den Mund genommen und stundenlang -gekaut; der Speichel wird dadurch rothbraun gefärbt. Der Javane steht -diesbezüglich hoch über dem Perser; als im Jahre 1873 der Schah von -Persien Gast des österreichischen Kaisers war, sprachen die Wiener -Blätter von grossen braunen Flecken, welche auf den Tapeten der Zimmer -gefunden wurden; es war der braune Speichel, welchen die Sirihkauer -gern in kräftigem Strahl ausspritzen. Der Javane hat dafür immer seinen -grossen Spucknapf (tampat luda) bei der Hand. Eines Tages brachte der -Regent zu Magelang seine junge Frau zu uns. Diese Contrevisite war -angekündigt, und ich und meine Frau erwarteten also um 7 Uhr das junge -Ehepaar in der Veranda. Die Equipage fuhr vor. Es war ein offener -Mylord mit sechs Personen; auf dem Bocke sass neben dem Kutscher ein -Bedienter mit dem geschlossenen Pajong; im Wagen sassen zu Füssen des -fürstlichen Paares zwei Babus; die eine hatte die goldene Sirihschale -und die andere die vergoldete Spuckschale in den Händen. Sobald der -Wagen stehen blieb, sprang der Bediente vom Wagen herab und stellte -sich rechts zur Seite der Treppe auf, die zwei Babus setzten sich auf -den Boden der Veranda und das junge Ehepaar nahm neben uns Platz. -Die Dame machte jedoch weder von dem Sirih, noch von dem Spucknapf -Gebrauch, während der Regent die angebotene Manillacigarre annahm. - -Solche Sirihdosen und Spucknäpfe, welche aus getriebenem Kupfer -bestanden, sah ich in grosser Zahl auf dem Pâsar. Die letzteren waren -beinahe 50 cm hoch und hatten ungefähr die Form unserer Papierkörbe. -(Fig. 20.) Die Sirihdosen waren kupferne Kistchen mit einem Deckel, -auf welchem kleine kupferne Näpfe für die verschiedenen Ingredienzien -standen, und hatten nebstdem eine kleine Zange zum Zerschneiden -der Pinangnuss. Zuletzt zeigte uns die Babu eine schmutziggelbe -Wurzel,[164] welche gegen Gelbsucht, bei Stuhlverstopfung, Blasen- und -Nierensteinen, bei Hämorrhoiden und bei Urethritis von den Eingeborenen -in der Form eines Aufgusses gegeben wird; nebstdem sei sie der am -häufigsten gebrauchte Färbestoff für Salben, um den Oberleib und -die Arme gelb zu salben. Bei festlichen Gelegenheiten, wie z. B. am -Hochzeitstage, erscheint nämlich der Mann ohne Bekleidung der Brust und -Arme und die Braut trägt nur einen Sarong, welcher über der Brust mit -einem Gürtel befestigt ist. Die unbedeckten Theile werden mit Curcuma -gesalbt oder mit dem Safte von Pandamblättern[165] eingerieben. - -Diese Vorlesung der Babu hatte schon zu lange gedauert, um sich noch -länger die javanischen Cosmetica und Früchte u. s. w. erklären zu -lassen, und wir fuhren weiter, bis wir ungefähr in der Mitte der -Strasse auf die Geschäfte einiger chinesischer Möbelfabrikanten -stiessen. Vor einem derselben sass ein dicker, feister Chinese, nur mit -einer schwarzen, dünnen, weiten Hose bekleidet; die grosse Fleischmasse -füllte ganz den grossen Faulenzer aus, weil er seine schuhlosen Füsse -unter dem Leibe gekreuzt hatte. Seine Opiumpfeife hielt er in der Hand, -und der lange, schwarze Zopf war um den Kopf geschlungen. Als der -Wagen anhielt und wir ausstiegen, erhob sich zwar diese unförmliche, -halb nackte Fleischmasse aus seiner allzu bequemen Lage und starrte -uns mit fragenden Blicken an. Gewöhnlich pflege ich mich nicht mit den -guten oder schlechten Sitten meiner Nebenmenschen zu bemühen. Ich war -jedoch in Uniform und fand es unschicklich, dass er seinen Zopf nicht -fallen liess, die Hausschuhe anzog und den nackten Oberleib bekleidete, -obwohl auch meine Frau sein Geschäft betrat. Ich begnügte mich jedoch, -meinen Blick unverändert auf den um seinen Kopf geschlungenen Zopf zu -richten, er verstand diesen Wink, liess den Zopf fallen und holte sich -eine Kabaya. Er stammte aus der Stadt Tsjang Tsjowfu in der Provinz -Fuki-ën und war der malayischen Sprache nur sehr mangelhaft mächtig. -Mit Hülfe eines Nachbars, welcher schon lange in Magelang lebte und -sich schon ein kleines Vermögen erworben hatte und daher mit Bába -titulirt wurde, gelang es uns, uns mit ihm zu verständigen. Der grösste -Theil unserer Bedürfnisse wurde aus seinem Vorrath gedeckt. Das Uebrige -bestellten wir, und er versprach uns, es in acht Tagen zu liefern. -Die Möbel waren schön, solide und billiger, als ich sie bei gleicher -Qualität in Europa hätte kaufen können. Es waren Kasten, Tische und -Stühle aus gutem und schwerem Djattiholz (Tectonia grandis), welches -auch indisches Eichenholz genannt wird. - -Damit war das Programm für diesen Tag erledigt. Es war unterdessen -12 Uhr geworden, wir gingen nach Haus, ich zog Civilkleidung an und -meine Frau die indische Toilette. Es ist nämlich in den Hotels vom -ganzen indischen Archipel Sitte, dass die Damen zum Lunch, d. h. zur -sogenannten »Rysttafel«, in der Haustoilette kommen, während den Herren -dieses untersagt ist Auch diese Sitte hat ihre raison d’être. Die -Damen verwenden im Allgemeinen mehr Sorgfalt auf die Toilette als die -Herren, und es wird gewiss keine Dame zur Table d’hôte gehen, ohne auch -in der Haustoilette der Eitelkeit und somit auch der Nettigkeit und -der Reinlichkeit Rechnung zu tragen. Von den Männern kann dies leider -nicht immer gesagt werden; zum Frühstück geht Jedermann zwischen 7-9 -Uhr in der Haustoilette zur Tafel; da sieht man oft Männer in einer -Kabaya erscheinen, welche das Licht der Oeffentlichkeit scheuen sollte. -Es geschieht selten, dass Viele gleichzeitig ihr erstes Frühstück -einnehmen, aber das zweite Frühstück, die Rysttafel, wird gemeinsam -von allen Gästen des Hotels um 12½-1 Uhr genommen; es ist also besser, -dass zur Table d’hôte die Herren »gekleidet« kommen. Vielleicht wäre es -schicklicher, wenn auch die Damen in voller Toilette bei der Rysttafel -erschienen. Sarong und Kabaya kleidet die Damen (Fig. 21) sehr gut; -aber es ist eine Haustoilette, und es ist gewiss schicklicher, dass man -nicht in einer Haustoilette unter Menschen geht. Die Engländer finden -solches selbst shocking, und weder in Calcutta, noch in Singapore, noch -in Ceylon sah ich die Ladies anders als in Strassen- oder Salontoilette -beim zweiten Frühstück erscheinen. Wer weiss, ob nicht nach abermals -20 Jahren auch diese Unsitte wegfallen wird. Ich sah während meines -20jährigen Aufenthaltes die europäische Mode sich mit solcher Macht in -Indien einbürgern, und nicht immer zum Vortheil, dass ich hoffen kann, -dass sie auch die Haustoilette der Damen aufs Haus und aufs Zimmer -beschränken wird. - -Nach der »Rysttafel« nahm ich mein Mittagsschläfchen, darnach meinen -Thee und mein Bad, kleidete mich in Civilkleidung und machte mit meiner -Frau einen Spaziergang nach der Wohnung, welche mein Nachfolger in -Ngawie für mich gemiethet hatte. - -Auf der Westfront des Schlossplatzes zog eine schmale Gasse mit starker -Neigung hinab zu den Ufern des Progoflusses. - -Im ersten Drittel des Weges stand das Frauenspital, und ihm vis-à-vis -das Haus, welches Dr. B... vor mir bewohnt hatte. Es stand, wie beinahe -alle Häuser in Indien, in einem Garten, dessen vorderer, der Strasse -zugekehrter Theil nur Blumen, z. B. Rosen, Reseda, Heliotrop, Cactus -theils in Töpfen, theils in den Boden gepflanzt, während der hinter -dem Hause gelegene Theil nur Fruchtbäume enthielt. Ich hatte einen -Muscatbaum, zahlreiche Pisangbäume, einen Kaffeebaum, einige Melonen-, -Papaya- und Manggabäume, eine Reihe von Ananassträuchern, eine kleine -Plantage von Vanille, einige Pompelnussbäume und einige Palmen. An der -Westseite des Hauses stand ein Pavillon für Gäste, und daran grenzte -die Kudang,[166] die Küche und die Bedientenzimmer; daneben standen ein -zweiter Pavillon für das Badezimmer und für die Aborte. Hinter diesen -stand der Stall für zwei Pferde, an diesen grenzte ein Ziehbrunnen -(Fig. 22) für mich und meine Nachbarn, und an der Ostseite des Hauses -stand die Wagenkammer mit einem Zimmer, welches der Kutscher bewohnte. - -Das Hauptgebäude (Fig. 23) bestand aus vier Zimmern und zwei Veranden, -welche durch einen »Gang« zwischen je zwei Zimmern miteinander -verbunden waren. Nebstdem hatte ich eine »Binnengallery«, d. h. ein -grosses Zimmer, welches hinter der vorderen Veranda die ganze Breite -des Hauses einnahm. Bei schlechtem Wetter, d. h. wenn der Wind den -Regen in die Veranda trieb, diente sie als Empfangszimmer und wurde -darnach auch eingerichtet. Der Silberkasten und das Pianino fanden -nebst zahlreichen Phantasiestühlen und kleinen Tischchen in diesem -Raume Platz. Zum Schlafzimmer mit dem Ankleidezimmer meiner Frau -wählte ich die zwei Zimmer im östlichen Flügel des Hauses, während -mein Bureau und das Gastzimmer an der Westseite des Hauses lagen. Die -hintere Veranda diente als Aufenthalt für meine Frau, wenn sie mit -den häuslichen Angelegenheiten beschäftigt war. Hier war auch das -Speisezimmer mit einem langen Tisch, der durch eine Einlage selbst für -zwölf Menschen Platz hatte. Auch das Büffet und der Speisekasten sowie -ein kleiner runder Tisch für die Handarbeiten meiner Frau standen in -diesem Zimmer. Es war eigentlich ein Salon, denn es hatte an allen vier -Seiten Mauern und war eine »geschlossene Hinter-Veranda«. Da diese der -Aufenthaltsort für die ganze Familie ist und die Temperatur in Magelang -des Abends oft bis auf 16° C. sinkt, so ist es in einer offenen Veranda -zu kalt, um in der Haustoilette das Nachtmahl einzunehmen und dann noch -1-2 Stunden zu lesen. Darum besassen die meisten Häuser von Magelang -eine geschlossene »Achtergallery«, was beinahe niemals in den Städten -mit hoher Temperatur, wie Batavia, Samarang u. s. w. der Fall ist. - -Schon nach vier Tagen konnte ich meine Wohnung beziehen, d. h. in -meinem eigenen Hause essen und schlafen. Das Bett hatte ich nämlich -von Ngawie mitgenommen und überhaupt niemals unter den Hammer bringen -lassen, um eben so bald als möglich in meine Wohnung einziehen zu -können. Es bestand aus schwarzen Stäben mit kupfernen Verzierungen -und konnte bequem zu zwei kleinen Collis gebunden werden. Die zwei -Matratzen, zwei Kopfpolster und zwei Gulings (= Rollpolster) wurden -ebenfalls zu zwei Collis in Matten eingerollt, und so konnte ich -überall sofort nach der Ankunft meine eigene Schlafstätte haben, ohne -fürchten zu müssen, dass in einem Orte[167] kein neues Bett zu kaufen -war, oder dass erst nach langer Zeit eine Auction stattfinden würde, -welche mir Gelegenheit bot, dieses unentbehrliche Möbelstück theuer -zu erstehen. Glas- und Essservice konnte ich im chinesischen Viertel -kaufen, Küchengeräthe verschaffte ich mir vom Pâsar, und auf diese -Weise gelang es mir, schon am fünften Tage nach meiner Ankunft meinen -regelmässigen Haushalt zu haben und meiner Frau häusliche Thätigkeit zu -verschaffen. Nun traten auch die gesellschaftlichen Pflichten an uns; -wir mussten alle Empfangsabende frequentiren und so viel als möglich -Antrittsvisiten machen. Diese Empfangsabende sind eine sehr praktische -Einrichtung und sollten sich nicht auf die Spitzen der Behörden und -Officiere beschränken. - -Die Städte sind in Indien gross, weil Jeder ein Haus bewohnt, das in -der Regel von einem Garten umgeben ist. Die Besuchszeit ist 7 Uhr -Abends, und um diese Zeit regnet es wenigstens in 100 Tagen des Jahres; -es ist sehr unangenehm, wenn man Jemanden besuchen will, vielleicht -wegen des Regens eine Equipage nimmt, und man findet Niemanden zu -Hause. Solche jours fixes fanden in Magelang zahlreich statt; der -Platzcommandant, 4 Bataillonscommandanten und ihre Adjutanten, der -Resident, der Secretair, der Controlor, der Landesgerichts-Präsident, -der Director der Schulen für Häuptlings-Söhne, einige Oberlehrer -und einige Hauptleute. Auch ich entschloss mich, einen solchen zu -halten, und theilte mit, dass ich »jeden Sonnabend zu Hause sei«. -Die Empfangsabende dieser genannten Herren besuchte ich mit meiner -Frau, ohne gleichzeitig die jüngeren Collegen zu vergessen, welche -aus Bescheidenheit keinen jour fixe hielten. In Magelang war es nicht -nöthig, eine bestimmte Reihenfolge einzuhalten, aber wehe! wenn man -dieses in einem kleinen Orte thäte und es wagen sollte, erst den -Controlor und dann den Assistent-Residenten oder erst den Adjutant -und dann den Platzcommandant zu besuchen; ich glaube nicht, dass dies -ungestraft geschehen würde. Diese »ersten« Visiten thut man nicht -unangemeldet, sondern man theilt im Laufe des Vormittags mit, »dass -man wünscht, Herrn und Frau X. seine Aufwartung zu machen, wenn dies -gelegen käme«. Etwas Langweiligeres als solche Empfangsabende kann man -sich kaum vorstellen. Dazu kommt noch, dass das Haus, oder vielmehr -die Veranda des Platzcommandanten in Magelang sehr klein war und dass -deshalb bei den Empfangsabenden die meisten Herren stehen mussten. -Die Damen häuften sich in der einen Ecke an und fanden bald Stoff zu -einem Discurs; in der andern Ecke stand ein runder Tisch, beladen -mit Cigarren und Getränken, denen die Herren tüchtig zusprachen, um -sich hin und wieder in den Kreis der Damen zu wagen und bei dieser -oder jener ihre Anwesenheit durch eine Verbeugung und ein paar Worte -in Erinnerung zu bringen. Die Jugend fand sehr bald einen Ausweg aus -dieser steifen, langweiligen und ceremoniösen Gesellschaft. Vor dem -Hause spielte zwar die Militärmusik ihre Salonstücke oder Arien aus -verschiedenen bekannten Opern und Operetten; aber in der hinteren -Veranda stand ein Piano. Die Tochter des Hauses wechselte mit ihrer -Mama einen stillen Wink und darauf hin zogen die Mädchen und alle -jungen Männer durch die hellerleuchtete »Binnengallery« nach der -hinteren Veranda. Dort konnte die Jugend flirten und tanzen, bis die -Mamas sie zur Abreise abholten, d. h. bis der Resident aufgestanden -war, sich bei dem Gastgeber und der Hausfrau empfohlen hatte und seine -Frau am Arme des Colonels zu ihrer Equipage gebracht worden war. - -In dieser Hinsicht war der Resident viel günstiger situirt. Er hatte -ein grosses Haus, welches früher dem »chinesischen Major«[168] gehört -hatte, während das des Colonels das Bureau des Controlors gewesen sein -soll. - -Wenn man der Nordseite des Schlossplatzes folgte, sah man neben dem -Clubgebäude das Schloss des Regenten und im Anschluss daran die -Pfarrei, welche mit einigen europäischen Wohnungen parallel mit der -Eisallee, in welcher mein Haus stand, gegen das Ufer des Progoflusses -abfiel, ohne dieses jedoch zu erreichen. Sie endeten in jener grossen -Strasse, welche unter dem Namen die »kleine Tour« bei der Eisfabrik, -d. h. am Schlossplatze anfing, auf der grossen Heeresstrasse den -nördlichsten Punkt der Stadt erreichte, längs des Campements zum -Schlossplatze zurück den Weg durch das chinesische Viertel nahm und vor -dem Berge Tidar und durch die Mörderallee bei der Eisfabrik endigte. -Die grosse Tour nahm dieselbe Route, ging jedoch hinter dem Tidar -durch die Landstrasse nach Selaman durch die Mörderallee zurück; für -die erste hatte man ¾ und für die grosse Tour 5/4 Stunden mit einer -Equipage nöthig, welche in mässigem Schritt fuhr. - -Das Residentengebäude konnte man jedoch am bequemsten durch die -Residentenallee erreichen, welche parallel mit der eben erwähnten -Strasse und mit der Eisallee lief; auch sie war an ihrem südlichen -Ende steil abfallend, und bei den Empfangsabenden des Residenten war -die Auffahrt an dieser Stelle geradezu gefährlich; wenn auch von -dem nördlichen Theile der »grossen Tour« an diesem Kreuzungspunkte -bei solchen Gelegenheiten nur ausnahmsweise eine Equipage kam, -so geschah es desto häufiger von dem südlichen Theile her. Sie -begegneten jenen, welche aus der Residentallee kamen und durch den -steilen Fall der Strasse nicht in Passschritt fahren konnten. In -Galopp ging es bei dem Pavillon für Gäste vorbei und um die Ecke -der Strasse vor die Hauptfront des Gebäudes mit der Aussicht auf -den Garten, der damals durch die Reichhaltigkeit der Rosensorten -berühmt war; am Ende desselben stand ein Gartenhäuschen, von welchem -aus man eine wunderschöne Aussicht auf beide Ufer des Progoflusses -hatte. Den Eingang in das Haus bewachten zwei grosse Götzenbilder. -Er führte zu einer »Voorgallery«, welche gross genug war, um selbst -bei aussergewöhnlich besuchten Empfangsabenden, wie z. B. bei der -Hochzeitsfeier der Tochter des Residenten, alle Anwesenden bequem -+sitzen+ zu lassen. Ja noch mehr; sehr oft liess der Resident -bei seinen Empfangsabenden die Militärmusik im Garten spielen, womit -die Jugend nicht zufrieden war. Die »alten Herren« wurden nach der -Peripherie des Saales gedrängt, wo zwei grosse »Kletstafeln« standen, -die »Musik« postirte sich an dem seitlichen Eingang der Veranda, und -Allen voran begann der Resident die Polonaise zu eröffnen. Die Jugend -hatte den Sieg über die »alten Herren« errungen. Dem Beispiele des -Residenten folgte Alles, was kein Zipperlein hatte, und trotz einer -Temperatur von 25° C. bis 30° C. wird bis 8½ Uhr getanzt, bis endlich -der Colonel das Zeichen zum Aufbruch gab. Der Resident A. war ein -braver und behülflicher Mensch; er war ein tüchtiger Beamter. Der -Colonel P. war auch ein braver und behülflicher Mensch; auch er war -ein tüchtiger Officier; in den Augen der weiblichen Jugend stand -dieser jedoch tief unter dem Residenten. Er war damals gewiss schon 55 -Jahre und tanzte mehr und besser als alle Lieutenants und Controlors -zusammen! Die weibliche Jugend bewahrt ihm gewiss heute noch ein -dankbares Andenken. - -Alle meine Antrittsvisiten musste ich mit einem Miethwagen machen, -weil ich zwar meine Equipage, aber noch keine Pferde hatte. Billig war -es, für einen solchen Abend einen Wagen zu miethen; denn man zahlte -nur 1,20 fl. = 2 Mark für die Stunde, oder aber, man liess den Wagen -nicht warten, sondern nur »bringen« und um 8½ Uhr holen, wofür nur 1 -fl. verlangt wurde. Auf den grossen Plätzen, wie Batavia, Samarang -u. s. w., sind die Preise zwar nicht höher als 1,20 fl. pro Stunde, -aber die »Wagenvermiether« geben nur für 3 bis 4 Stunden einen »Wagen -ab«, wofür sie sich 2,50 bis 4 fl. zahlen lassen. Wegen der Unkosten -brauchte ich mich also nicht zu beeilen, Pferde anzuschaffen. Aber die -gemietheten Wagen waren so alt, so schmutzig und so defect, dass man -glauben sollte, dass sich die Polizei gar nicht damit beschäftige. Ich -muss auch sagen, dass die öffentlichen Miethwagen in Singapore und -Ceylon viel netter, schöner und besser als in ganz holländisch Indien -sind. - -[Illustration: Fig. 22. Am Ziehbrunnen.] - -Einen Pferdemarkt hatte Magelang nicht; eine Auction war -voraussichtlich vor einigen Wochen nicht zu erwarten, d. h. eine -Auction, auf welcher »ein Span« Pferde verkauft werden sollte. Ich -beschloss also, Pferde im Kampong kaufen zu lassen. Bald erfuhr ich die -Adresse eines chinesischen Pferdeagenten, ich liess ihn zu mir kommen -und theilte ihm meine Wünsche mit. Jeden Tag brachte er mir ein Paar -Pferde »zur Ansicht«, und endlich wählte ich ein Paar Kedupferde; -sie waren klein, 120 Centimeter hoch, schwarz, elegant und zierlich -gebaut, hatten keinen Fehler, wenigstens wie der Agent behauptete, -und ich konnte sie acht Tage lang probiren; er verlangte für sie 130 -fl., sie waren vier Jahre alt, und er demonstrirte mir dies an der -Form der Schneidezähne. Ein Pferdekenner war ich nicht, ein Thierarzt -lag nicht in Garnison, weil wir weder Cavallerie noch Artillerie -hatten. Ich wandte mich also an einen Officier, welcher sich seit -vielen Jahren ein Reitpferd hielt. Dieser bestätigte mir die Angaben -des Pferdehändlers, dass meine Pferde nicht älter als vier Jahre sein -könnten. Der freie Rand der Schneidezähne schleift sich nämlich im -Laufe der Jahre ab, und da diese Zähne conisch zur Wurzel ablaufen, -so wird der abgeschliffene Zahnrand eine wechselnde Form und Grösse -haben und besonders deutlich die Schichten des Zahnes zeigen, welche -blossgelegt werden. Das geübte Auge kann daraus mit ziemlich grosser -Wahrscheinlichkeit das Alter des Pferdes bestimmen. Dieser Process hat -aber seine Grenze, welche ungefähr mit dem neunten Jahre abgeschlossen -ist. Der Zahn schleift sich nicht mehr ab, und von dieser Zeit an kann -das Alter des Pferdes nicht mehr geschätzt werden; das Pferd »zeichnet« -nicht mehr. Ich behielt die Pferde acht Tage zur Probe und liess den -Kutscher das letzte Wort sprechen, ob ich sie behalten sollte. Dass -sie nicht blind oder lahm waren, konnte ich selbst beurtheilen; ob -sie aber Temperamentsfehler oder andere Untugenden besässen, welche -sie für den Gebrauch ungeeignet machen würden -- konnte ich nicht -beurtheilen. Bis jetzt waren sie nur Pickulpferde gewesen, d. h. sie -hatten nur Kaffee getragen. Man sieht oft Colonnen von 20 Pferden -hintereinander gehen, welche je zwei Säcke Kaffee zu beiden Seiten des -Rückens tragen; ein solches Pferd muss zum Ziehen eines Wagens erst -dressirt werden. Zu diesem Zwecke borgte ich mir einen Lastwagen, der -gewöhnlich von einem Karbouw oder Rinde gezogen wurde. Diese erste -Probe gelang ausgezeichnet, ruhig und gelassen zog jedes Pferd den -Lastwagen (Grobak)[169]. Jetzt sollte es sich zeigen, ob sie auch den -guten Willen hätten, zusammen und gleichzeitig ihre Dienste zu leisten. -Dazu hatten sie jedoch gar keine Lust. Mit gespreizten Beinen standen -sie still, trotzdem die Peitsche nicht geschont wurde. Natürlich wollte -mein Kutscher die landesüblichen grausamen Mittel, wie die Flamme -u. s. w., anwenden, um ihren Eigensinn zu brechen. Ich gestattete aber -weder dieses noch andere heroische Mittel; er durfte nicht einmal -mit dem Peitschenstiel schlagen. Am andern Morgen bekamen sie nichts -zu fressen und wurden wieder vor den Grobak gespannt; ihr Starrsinn -blieb derselbe. Ich liess aber das Gespann umkehren, so dass sie den -Stall und das Futter sehen konnten; sie zogen den Wagen an, und als -sie bei dem Stall angelangt waren, bekamen sie einen kleinen Theil des -Futters und mussten wieder hinaus auf die Strasse. Dies Mittel half, -und nach zwei Tagen gingen sie mit dem Grobak, wohin ich wollte. Ich -hatte jedoch zu früh gejubelt. Als ich sie vor meinen Mylord lege -artis spannte, der sich bequem und leicht ziehen liess, da begann ihr -Starrsinn eine neue Form anzunehmen. Sie bäumten sich und drohten den -Wagen umzuwerfen, und zuletzt verwirrten sie sich mit den Strängen. -Die Hungercur musste wieder beginnen, und endlich wurde aus ihnen ein -tüchtiges Paar Dienstpferde, welches mir fünf Jahre lang vortreffliche -Dienste leistete, obwohl mein Wagen geradezu ein schwerer zu nennen war. - -Die Spitalpraxis brachte die erste Zeit wenig oder vielmehr gar nichts -Interessantes. Das Spital selbst bestand aus Bambus-Baracken und wurde -ein Jahr später verlassen; auch darüber lässt sich nichts Interessantes -mittheilen. In die Privatpraxis konnte ich nur langsam kommen, weil -sechs Militär-Aerzte hier waren und das europäische Publicum zu klein -war, um einem einzigen Civil-Arzte hinreichend Beschäftigung zu bieten, -wieviel weniger noch, einem neu angekommenen siebenten Militär-Arzte -Material zuzuführen. Die chinesische Bevölkerung jedoch war nicht nur -viel grösser, sondern liebte es auch, häufig den Arzt zu wechseln. Auf -diese Weise bekam ich bald genug Chinesen in Behandlung; einer der -ersten chinesischen Patienten war ein gewisser Kau-Sui King, welcher -von Temanggong kam, mit der Mittheilung, dass er Opiophag sei, täglich -2 fl. für Opium ausgebe und neben Impotenz an habitueller Verstopfung -leide; er habe nur alle acht Tage Stuhlgang, er ersuche mich also -um ein Gegengift, d. h. um eine Arznei, welche ihn von der üblen -Gewohnheit des Opiumrauchens abbringen könnte. Ich habe später einen -zweiten ähnlichen Fall zur Beobachtung und in Behandlung bekommen, -in welchem der Patient jedoch durch den Missbrauch des Opiums in -hohem Maasse heruntergekommen war;[170] er war mager, hatte eine -fahle Gesichtsfarbe und litt an einem hochgradigen Emphysem; eine -Blutdiarrhöe hatte ihn so erschöpft, dass er dem Tode nahe war; der -Puls war fadenförmig, der Herzschlag schwach zu hören -- und doch -gelang es mir noch, ihn dem frühzeitigen Tode zu entreissen; ich muss -sofort bemerken, dass die Gefahren +des mässigen Opiumgebrauches+ -für Leib und Seele im Allgemeinen zu hoch angeschlagen werden und -nicht viel grösser als die des Alcohols sind. Ich habe vielleicht in -500 chinesischen Familien (während meines 20jährigen Aufenthaltes -in Indien) gewiss 1000 Patienten behandelt, ich habe zahlreiche -Morphiophagen (leider waren gerade Aerzte diese unglücklichen Opfer -ihrer körperlichen Leiden) unter den Europäern gesehen und ich kann mir -daher ein Urtheil in dieser Sache erlauben: Der +mässige Gebrauch+ des -Opiums schadet ebenso wenig als der des Alcohols, und der +Missbrauch+ -desselben ist ebenso perniciös als der der Spiritualien. Im Jahre 1887 -behandelte ich einen Collegen, welcher bis zur täglichen Dosis von 1 g -Morphium gestiegen war; der Bauch war von Stichen der Injectionsspritze -so bedeckt, dass er die Spritze nicht mehr gebrauchen konnte und das -Morphium in Form von Pillen nahm; erst im Jahre 1899, also zwölf -Jahre später, starb er. Aber auch unter den zahlreichen chinesischen -Patienten fand ich nur vereinzelte Opfer dieses Genussmittels; oben -erwähnter Kau-Sui King hatte bereits ein Jahr lang täglich um 2 fl. -Opium gebraucht, und nur relativ wenig hatte dieses ungeheure Quantum -von Opium seine Körperkraft untergraben; ebenso wenig als ich den -mässigen Gebrauch des Alcohols auf Grund meiner Beobachtungen und -Erfahrungen verurtheilen kann, ebenso wenig möchte ich einen Stein -auf den mässigen Gebrauch des Opiums werfen, um so weniger, als die -Europäer, welche sich dem ergeben, in der Regel unglückliche Patienten -sind, welchen schmerzhaftes Leiden das Leben zur Last macht. Aber wie -der +Missbrauch+ des Alcohols den Menschen zum Thiere erniedrigt, -ebenso sehr untergräbt der +Missbrauch+ des Opiums Leib und Seele des -Menschen. Allerdings muss ich auch noch mehr vor dem mässigen Gebrauch -des Opiums als dem des Alcohols meine warnende Stimme erheben; der -+mässige Gebrauch+ des Opiums führt beinahe sicher, oder wenigstens -viel leichter zum +Missbrauch+, als dieses der Alcohol thut. Wer in der -Lage ist, und wem es die Geldmittel erlauben, wird sicher dem Morphium -oder dem Opium zum Opfer fallen, wenn er einmal angefangen hat, zur -Morphiumspritze zu greifen, um Erleichterung von seinen körperlichen -Leiden zu finden, und darum rufe ich jedem Arzte zu: gieb keinem -Patienten die Spritze in die Hand! Principiis obsta! - -Der Opiumhandel ist in Indien in den Händen des Staates; dieses -Monopol hat natürlich die widerlichsten und garstigsten Schmuggelscenen -zur Folge, an welchen sich nicht nur Chinesen, sondern leider zu oft -auch Europäer[171] betheiligen, und gerne stimme ich in den heftigen -Tadel ein, welcher gegen den Schmuggel des »Höllensaftes« erhoben wird; -ich würde aber auch und gerade wegen dieser widerlichen Schmuggelscenen -mit so vielen Andern auch gegen den +mässigen Gebrauch+ des Opiums -meine Stimme erheben und überhaupt empfehlen, wie es s. Z. im Westen -Javas in der Preangerprovinz der Fall war, die Einfuhr von Opium im -Allgemeinen zu verbieten; aber hat eine Regierung das Recht und die -Pflicht, dem Volke ein Genussmittel mit Gewalt zu entziehen, das wie -der Alcohol nur durch den Missbrauch schädlich wird? Ich weiss es -nicht.[172] - -Das Opium ist bekanntlich der getrocknete Saft einer Mohnkapsel -aus der Familie der Papaveraceen; als solcher kommt er unter dem -malayischen Namen Madat (= ampiun J.) in den Handel. Er wird nun in -warmem Wasser aufgelöst, filtrirt, abgedampft und heisst dann tjandu. -Dieses präparirte Opium wird mit Zucker und feingeschnittenem Tabak -oder anderen aromatischen Blättern gemischt und geraucht oder getrunken -(mit Kaffee) oder gekaut (mit Tabak). Die Pfeifen, aus welchen das -Opium geraucht wird, bestehen aus einem mehr oder weniger verzierten -Bambusstock, an dessen Ende sich eine kleine Oeffnung befindet, mit -oder ohne Pfeifenkopf. - -Den momentanen Einfluss des Opiumrauchens kann ich aus eigener -Erfahrung nicht beurtheilen; ich konnte mich niemals entschliessen, -diesen Genuss einmal zu probiren; wenn ich die Chinesen, welche ich -darüber interviewte, gut verstanden habe -- es geschah in malayischer -Sprache --, so ist der Opiumrausch gewissermaassen dem Nirwâna der -Indier zu vergleichen, welcher mit wenigen Worten charakterisirt wird: -Absolute Ruhe, Glückseligkeit, beruhend +auf dem Wegfall des Gefühls -der Existenz+, also ein potenzirtes »Klimaschiessen«. - -Die Javanen rauchen (ngesis) auch Opium; ich sprach bis jetzt nur -von den chinesischen Opiumrauchern, weil ich in diesem Capitel mich -vorherrschend mit diesem Volke beschäftigen will, welches Jahrhunderte -lang, vielleicht 1000 Jahre lang an der Spitze der Civilisation stand -und wie die Juden noch heute gleich einer ehernen Säule aus den Ruinen -der Völker des Alterthums hoch über mehr als die Hälfte der Menschen -hervorragt; schon zur Zeit Abraham’s, Ramses’ und Lycurgus’ blühte ein -chinesisches Reich; »seitdem sind die Aegypter, Griechenland und Rom -untergegangen. Die Civilisation der alten Hindus, Chaldäer, Assyrier -und Perser ist verschwunden von dem Platz ihrer Entstehung; nur das -chinesische Volk lebt fort, und unsere hochgerühmte Bildung von einem -kleinen Theil Europas ist mit seiner Civilisation verglichen, als von -gestern.«[173] - -»Fan Tsjhi frug, was Humanität sei; der Meister sprach: Alle Menschen -lieben; er frug, was Wissenschaft sei; der Meister sprach: Alle -Menschen kennen.« - -Diese Worte des Confucius[174] sind Perlen der Weisheit und stammen -aus einer Zeit als in Nord-Europa kaum Spuren einer menschlichen -Civilisation zu finden waren und im Westen die Bewohner noch in den -Urwäldern ohne Staatsorganisation als Wilde hausten. - -Heute freilich zeigt das chinesische Volk nur das Bild einer alten, -versteinerten und verknöcherten Masse, welche den Fortschritt des -fernen Westens nicht begreifen kann und nur mit Gewalt gezwungen der -europäischen Civilisation die Thore öffnen wird, ob zu seinem Wohl oder -ob zu seinem Wehe, ist nicht zu entscheiden. - -Dimana gula, disana semút, wo Zucker, dort Ameisen, sagt der Chinese -in Java und charakterisirt damit die Macht des Goldes, und nur das -goldene Kalb betet der heutige Chinese an, wenn auch sein Gottesdienst -in erster Reihe ein reiner Ahnencultus ist; es ist aber unrichtig, -zu behaupten, dass dieses Volk baar aller hohen Ideen und Gefühle -sei, dass nur die nackte Gewalt sie beherrschen könne. Alles, was das -Menschenherz erregt, ist dem Chinesen nicht fremd. Ich wurde in Atschin -selbst zu einem Selbstmörder gerufen! Die Noth aber hatte ihn nicht -dazu getrieben. - - * * * * * - -Das chinesische Jahr hat 12 Monate zu 29 und 30 Tagen, der Rest wird -zu einem 13. Schaltmonat vereinigt; sie kennen auch eine Eintheilung -des Jahres in 24 halbe Monate nach dem jeweiligen Stande der Sonne -im Thierkreise; die Namen derselben entsprechen den jeweiligen -meteorologischen Verhältnissen, sie heissen: Anfang des Frühlings -(5. Februar), Regenwasser (19. Februar), Wiedergeburt der Insecten -(5. März), Frühlings Tag- und Nachtgleiche (20. März), Reine Luft (5. -April), Regen über das Korn (20. April), Anfang des Sommers (5. Mai) -u. s. w. - -Die Schrift ist eine Hieroglyphenschrift, oder besser gesagt, ist -dies ursprünglich gewesen und bis zum heutigen Tage geblieben; darum -können sich die Chinesen durch die Schrift immer verständigen, auch -wenn ihre Dialekte so stark abweichen, wie z. B. das Englische und das -Deutsche.[175] Allgemein ist bekannt, dass sie kein Alphabet haben und -jedes Wort durch ein bestimmtes Zeichen ausgedrückt wird; es ist Sache -des Studiums, eine grössere oder kleinere Zahl von Wörtern lesen und -schreiben zu können. Ich besitze z. B. ein Bild, welches eine Scene aus -dem Kriege mit den Franzosen bei Tonkin darstellt; rings um die etwas -primitiv ausgeführte Zeichnung sind zahlreiche Sprüche, deren Bedeutung -mir kein einziger meiner chinesischen Patienten in Magelang mittheilen -konnte. Endlich wandte ich mich auf Anrathen eines befreundeten -Chinesen an den Major-tschina, der ein grosser Gelehrter sei. Seinen -Mittheilungen über die Bedeutung musste ich um so eher Glauben -schenken, weil sie thatsächlich controlirt werden konnten; diese waren -die Namen der Städte, des Flusses, an welchem der Kampf stattgefunden -hatte, und die Jahreszahlen. - -In Magelang befand sich der chinesische Tempel auf dem Schlossplatz, -und zwar am Eingange der Hauptstrasse des chinesischen Quartiers -- -in allen Städten dürfen sie nämlich nur in bestimmten, in der Regel -scharf abgegrenzten Stadttheilen wohnen. -- Welcher Secte dieser Tempel -angehörte, und ob die Chinesen dieser Stadt, welche grösstentheils -von Amoy herstammen, Bekenner des Buddhismus, Taoismus oder des -Confucionismus sind, ist mir nicht bekannt; auch muss ich mich -enthalten, mich in eine Besprechung dieser drei Secten zu vertiefen, -weil ich darin, ich möchte sagen, gar nicht versirt bin; aber ich kann -es nicht unterlassen, eines ihrer Feste zu erwähnen, welches überall -mit grossem Pomp gefeiert wird, und welches ich jedes Jahr in Magelang -zu beobachten Gelegenheit hatte, weil meine Wohnung in der Nähe des -Schlossplatzes und des chinesischen Quartiers lag. - -Es ist das Tsáp gow mê^{ng} Fest = (dem Fest) der fünfzehnten Nacht -geweiht der Verehrung des Herrn der drei Welten = siong goân, oder wie -es von den Europäern auch genannt wird: Das Laternenfest. - - * * * * * - -Was die Medicin der Chinesen auf Java betrifft, kann ich nur -mittheilen, dass wir in Magelang einen chinesischen Doctor und eine -chinesische Apotheke hatten. Bis vor Kurzem hatte ich zwei Pillen -in meinem Besitz, welche zeigten, dass sie in der Technik der -Arzneibereitung so ziemlich hoch stehen. Es waren zwei Hohlkugeln -aus Wachs, welche im Innern je eine grosse Pille enthielten, und -in chinesischer Schrift die Krankheit mittheilten, für welche sie -bestimmt waren; mit sakit angin übersetzte es mein Gewährsmann, d. h. -für Erkältungen. Die Pille selbst hatte etwa die Grösse von drei -unserer Chininpillen und war mit Zinnober bestreut; überhaupt spielt -das Quecksilber bei den Chinesen eine grosse Rolle in ihrer auf der -rohesten Empirie basirten Behandlung der Krankheiten. Die grosse Menge -des chinesischen Volkes macht noch häufig von den Zauberern Gebrauch, -welche bei den gebildeten und höheren Ständen geradezu verachtet sind. -Der Zauberer steht gesellschaftlich in Bann und Acht, und für jeden -Fall ausserhalb der vier anständigen Kasten: Gelehrte, Landbauer, -Arbeiter und Handelsleute. Es würde mich zu weit führen, solche Fälle -zu beschreiben, d. h. den Zauberapparat, wie, wann und durch wen er bei -»Besessenen« oder bei langdauernden chronischen Erkrankungen angewendet -wird; dass aber auch die medicinische Wissenschaft als solche noch -stark in den Windeln liege und vielleicht nicht einmal den Ehrennamen -der Wissenschaft verdiene, wird aus dem kleinen Aufsatz ersichtlich, -den ich vor zwei Jahren über die gerichtliche Medicin bei den Chinesen -in der »W. M. W.« veröffentlichte. Da ich aus verschiedenen Ursachen -dieses Thema nicht ausführlich besprechen kann und will, so werde ich -mich begnügen, diesen Aufsatz hier wörtlich zu reproduciren, weil -er meiner Ansicht nach den gegenwärtigen Stand der medicinischen -Wissenschaft in China selbst hinreichend andeutet und charakterisirt. -In Java haben ja, wie wir sofort sehen werden, die Chinesen ihre -heimathliche medicinische Wissenschaft grösstentheils verlassen, -und der chinesische Doctor sowie ihre Apotheke werden nur von jenen -Chinesen in Anspruch genommen, welche den herrschenden Sitten und -Gebräuchen Javas sich noch nicht angepasst haben. - - -Die gerichtliche Medicin bei den Chinesen. - -Die gerichtliche Medicin war, seitdem unter +Karl V.+ im Jahre -1553 als Constitutio criminalis Carolinensis das erste Buch über -dieses Fach erschienen war, zu jeder Zeit und überall der Spiegel -der herrschenden medicinischen, juridischen, philosophischen und -selbst der religiösen Anschauungen. Wenn ich also im Anschlusse an -die zwei Aufsätze des Herrn Dr. Karl +v. Scherzer+[176] einen -kleinen Auszug aus einem Buche über gerichtliche Medicin bei den -Chinesen bringe und einige Beobachtungen hinzufüge, welche ich bei der -Behandlung meiner chinesischen Patienten auf Java gemacht habe, so -wird dadurch vielleicht ein Streiflicht geworfen auf die Anschauungen -der Chinesen, welche trotz der grossen Literatur über ihre Sitten und -Gebräuche den Bewohnern Europas so gut wie unbekannt sind. - -Bei dem Lesen dieses Buches, welches vor mehr als 30 Jahren von dem -chinesischen Dolmetsch C. F. M. +de Grijs+ in den Mittheilungen der -»Bataviaasch Genootschap van Kunsten en Wetenschappen« erschien, und -von welchem ich mir einen Separatabdruck besorgen liess, ging es mir -wie ein Mühlrad im Kopf herum. Denn nur wenige seiner Theorien sind dem -europäisch geschulten Arzte verständlich, und ich kann ruhig sagen: Auf -keiner einzigen Zeile dieses 118 Seiten starken Büchleins ist etwas zu -finden, woraus der europäische Gerichtsarzt neue Belehrung schöpfen -könnte. - -Da die letzte Vorrede zu der »Sammlung von ausgewischtem Unrechte«, -geschrieben von +Li-koan-lan+ den 27. August 1796, also schon hundert -Jahre alt ist und ich nicht in der Lage war, den Herrn +de Grijs+ zu -interpelliren, ob seine Uebersetzung die eines noch jetzt in China -gebrauchten Lehrbuches sei, wandte ich mich an den Professor +de -Groot+, welcher in Leyden an der Akademie für indische Beamte die -chinesische Sprache docirt, mit der Bitte, mir seine Ansichten darüber -mitzutheilen, und in liebenswürdiger Weise beantwortete er diese Frage -dahin, dass »China sich niemals viel verändert hat und sich niemals -verändert«, dass also dieses Büchlein »ein ausgezeichnetes Hülfsmittel -sei, um die chinesischen Anschauungen socialer, juridischer und -medicinischer Natur kennen zu lernen«. - -In China erschien die erste gerichtliche Medicin unter dem Namen -»Gesammelte Auszüge von ausgewischtem Unrecht« zur Zeit der Regierung -des Kaisers Jun-yu in der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts -(1241-1255), also 300 Jahre früher als oben erwähnte Constitutio -criminalis Carolinensis, und erlebte seit dieser Zeit mehrere -verbesserte und vergrösserte Auflagen. - -In der mir vorliegenden Auflage war es geradezu unmöglich, eine -wissenschaftliche Grundlage der gerichtlichen Medicin zu entdecken, -und ich verstehe es, wenn mir Professor +de Groot+ schrieb, dass die -chinesischen Aerzte sich allerlei Büchlein bedienen, welche auf keiner -wissenschaftlichen Basis beruhen, sondern nur auf philosophischen -Speculationen und auf einiger Empirie. Ich selbst habe gewiss mehr als -tausend chinesische Patienten behandelt, und in vielen Fällen war mein -ärztlicher Rath erst dann eingeholt worden, nachdem der chinesische -Doctor ohne Erfolg die Patienten behandelt hatte. Es war mir jedoch -niemals gelungen, ein deutliches und einheitliches Bild ihrer Therapie -zu bekommen. Nach der Lectüre dieses Büchleins jedoch und nach dem -Lesen des Briefes von Professor +de Groot+ wurde es mir deutlich, dass -dies eben unmöglich war. Ich kann also in den folgenden Zeilen nur eine -Blumenlese bringen aus diesem Buche, und es dem Leser überlassen, sich -darüber ein Urtheil zu bilden. - -Die Obduction wird nicht von den Gerichtsärzten selbst vorgenommen, -sondern von Beamten der niedersten Rangclassen, welche so wenig -Vertrauen bei den Gerichtsärzten geniessen, dass fast durch die ganze -»Thanathologie« wie ein rother Faden die Warnung vor dem Unfug dieser -Leute läuft. - -»Es geschieht, dass Schreiber oder Todtenbeschauer an die nächsten -Nachbarn vorher Nachricht geben, wenn eine Obduction soll gehalten -werden und sie lassen entfliehen, und nur entfernte Nachbarn oder alte -Leute, Frauen und Kinder, jünger als 16 Jahre, gefangen nehmen.« Seite -10. - -Auf Seite 19 wird nach einer weitschweifigen Vorrede das Suchen nach -Wunden folgendermaassen beschrieben: - -»Beim Untersuchen einer Leiche, bei welcher die Wunden noch nicht -deutlich zu sehen sind, gebraucht man Essig und das résidu (d. i. was -bei der Weinbereitung im Fasse zurückbleibt) und legt es auf die Wunden -im Freien, und hält ein frisch geöltes Tuch oder einen durchsichtigen -Sonnenschirm über die Leiche. Will man die Stelle besehen, wo die Wunde -ist, so hält man den Sonnenschirm gegen die Sonne und schaut dann nach -der Wunde, welche hierauf sichtbar wird. Bei bewölktem Himmel muss man -ein Holzkohlenfeuer machen und dann auf gleiche Weise nach den Wunden -schauen. Wenn auf diese Weise die Wunden noch nicht zu sehen sind, -dann nimmt man weisse Zwetschken, welche man fein zerreibt und auf die -verwundete Stelle legt, und lässt es darauf liegen« u. s. w. - -Auf Seite 24: »Wenn während der heissen Monate an den Oeffnungen des -Körpers noch keine Würmer zu sehen sind, und diese zuerst an den -Schläfen, dem Atlas, auf den Rippen und auf dem Bauche zum Vorschein -kommen, dann ist sicher auf dieser Stelle eine Wunde.« - -Auf Seite 26: »Die Todtenbeschauer thun auf Ersuchen anderer Leute oft -Rubia mangista in den Essig und reiben damit die verwundete Stelle ein. -Auf diese Weise werden die Wunden unsichtbar. Es giebt Bösewichte, -welche Leichen kaufen, sie verwunden und andere Leute fälschlich des -Mordes beschuldigen ...., sie bestechen die Todtenbeschauer, um mit -Eisenvitriol, Gallnüssen, Sapanholz die nebligen, blaurothen Wunden -nachzumachen, während die Todtenbeschauer die Wunden an die Beamten -dictiren.« - -Wenn vor einigen Jahren der deutsche Kaiser die europäischen Mächte -vor einer mongolischen Invasion warnte, dann verrieth er eine richtige -Auffassung der chinesischen Zustände, der chinesischen Ausdauer -und der chinesischen Zähigkeit. Ja, noch mehr, ich zweifle keinen -Augenblick, dass in den künftigen Jahrhunderten die mongolische Rasse -Europa überschwemmen werde. Java ist diesbezüglich eine Demonstration -ad oculos; beinahe der ganze Kleinhandel und beinahe der ganze -Grossgrundbesitz ist heute schon in den Händen der Chinesen. Von den -Ursachen und Verhältnissen, welche diese Thatsachen ermöglichten, will -ich nur die Zähigkeit der Chinesen, so weit sie auch auf unser Thema -Bezug hat, näher besprechen. Diese ist gross. In ihrem Leben spotten -sie geradezu +allen+ Regeln der Hygiene, und doch vermehren sie -sich wie -- Kaninchen. Eine junge schöne Frau hatte z. B. einen so -schweren Blutverlust erlitten, dass sie wie ein Wachsbild beinahe -pulslos zu Bette lag, als meine ärztliche Hülfe eingeholt wurde. Keine -wie immer geartete manuelle Hülfeleistung wurde von Seite der Familie -erlaubt. - -Der Tod schien mir nach dieser heftigen Hämorrhagie post abortum -unvermeidlich, und doch erholte sie sich nur durch eine medicamentöse -Behandlung so vollkommen, dass sie nach Jahresfrist einem 5 Kilo -schweren Knaben das Leben gab. (Ich muss bemerken, dass auf Java -beinahe niemals echte chinesische Frauen gesehen werden, sondern -solche, die einem ehelichen oder unehelichen Verhältnisse mit einer -javanischen Frau entstammen.) Wenn ich absehe von einigen sehr reichen -Chinesen, welche bereits in zweiter Generation auf Java leben und sich -den Luxus eines europäischen Haushaltes erlauben, so sah ich bei allen -anderen fürchterliche Unreinlichkeit und Schmutz. Das Schlafzimmer -z. B. war bei 90 pCt. der von mir besuchten chinesischen Familien nicht -länger als das Bett und vielleicht nur um einen halben Meter breiter; -die Bettwäsche und das Moskitonetz hatten durch Alter und Schmutz eine -unkennbare Farbe; auf dem Boden dieses Zimmerchens, welches weder -eine hölzerne, noch eine steinerne Bedeckung hatte, wurden die Sputa -und der Inhalt des Magens deponirt, ohne an eine sofortige Entfernung -zu denken. Und doch standen noch in diesem kleinen Raume ein kleiner -Altar und die Geldtruhe, worin sich oft Tausende Gulden befanden. Der -Chinese ist übermässig im Essen und in der Liebe, und doch wimmelt -es im chinesischen Viertel von zahllosen Kindern. Magenkatarrhe, -Leberkrankheiten, Fettsucht, Erschöpfung durch den Missbrauch des -Opiumrauchens kamen mir ebenso oft zur Behandlung wie die Tropenfieber, -und doch sieht man zahlreiche chinesische Greise. Ihre Zähigkeit muss -man also bewundern. - -In dem vorliegenden Büchlein über gerichtliche Medicin umfasst die -Lehre der Vergiftungen 14 Blattseiten, von welchen ich natürlich nur -einige Zeilen mittheilen kann. - -Auf Seite 81 z. B.: »Es kommen nicht wenige Todesfälle vor, welche -dadurch bedingt sind, dass irrthümlicher Weise solche Speisen gegessen -werden, deren Charakter miteinander in Streit ist; so mag man z. B. -frischen Wein nicht gebrauchen mit Honig oder den Flussfisch »Tung« mit -Russ, welcher aus dem Kamin gefallen ist, da dies alles bald den Tod -zur Folge haben und den Zweifel erregen würde, ob nicht eine Vergiftung -vorliege, was ein grosser Irrthum sein würde.« - -Auf Seite 82: »Bei einer Todtenbeschauung von einem Vergifteten nehme -man eine silberne Exploitivnadel, welche in einem Aufguss von Mimosa -saponaria[177] gewaschen wurde, steckt sie in den Mund der Leiche und -stopft den Mund mit Papier zu. Wenn man nach einiger Zeit die Nadel -wieder herauszieht, so ist sie blauschwarz und bleibt es auch wenn man -sie mit demselben Abguss wiederum wäscht. Wenn jedoch keine Vergiftung -geschehen ist, bleibt die Nadel silberweiss.« - -Etwas praktischer ist folgendes Experiment. - -Seite 83: »Man nehme etwas gekochten Reis, stopfe ihn in den Mund und -in die Kehle der Leiche, bedecke den Mund 24 Stunden lang mit Papier, -nehme dann den Reis aus dem Munde und gebe ihn einem Huhn zu essen. -Stirbt das Huhn, dann lag eine Vergiftung vor.« - -Von dem stärksten Gift, welches ebenfalls durch die Nadelprobe erkannt -wird und der »Seide essende Wurm« in den Provinzen Canton und Kwang-si -Joh-sse-ku genannt wird (weil es wie eine Heuschrecke aussieht), wird -auf den Seiten 84 und 85 ausführlich gesprochen. - -»Um dieses Gift zu bereiten, wurden hundert kriechende Thiere und -Insecten gefangen und in einen Topf gegeben. Nach einem Jahre schaut -man nach, und es ist nur ein Thier übrig geblieben, welches die andern -aufgegessen hat. Dieses Thier enthält erwähntes Gift und kann sich wie -Teufel und Geister unsichtbar machen. Wenn es sich einrollt, sieht -es aus wie ein Ring. Es verzehrt alte Seidenstoffe, gerade wie der -Seidenwurm Maulbeerblätter. In Sze-tsuen, Ho-kwang, Canton und Tokio -giebt es böse Leute, welche diese Würmer in Speise und Trank mengen, um -die Menschen zu vergiften. Wer dies Gift gebraucht, stirbt sofort, was -den Würmern Freude schafft, den Besitzer der Würmer täglich reicher und -reicher macht. Es ist sehr schwer, von diesem Wurm abzukommen, da weder -Feuer noch Wasser, weder Schwert noch Messer über ihn etwas vermögen. -Wenn jedoch der Besitzer das doppelte Quantum von Gold, Silber und -Seide nimmt, den Wurm hineinlegt und das Ganze an der Heeresstrasse -weglegt, dann wird ein Vorbeigehender es aufnehmen und der Wurm wird -ihm folgen. Wenn der Besitzer dies nicht thut kriecht der Wurm ihm in -den Bauch, frisst Magen und Därme auf und geht dann weg.« - -Zum Schluss will ich nur noch jenen Theil des Capitels bringen, in -welchem die Blutprobe die Verwandtschaft streitender Parteien beweisen -soll. - -Seite 36: »Es ist noch eine Methode, um Blut zu untersuchen; zwei -Personen geben sich einen Stich und lassen Beide einen Tropfen Blut -in das Wasser fallen. Sind die Personen factisch Vater und Kind, -Mutter und Kind, +oder Mann und Frau+, dann fliesst das Blut -zusammen; besteht jedoch keine Verwandtschaft, dann geschieht dies -nicht. Will ein Sohn oder eine Tochter das Skelet des Vaters oder der -Mutter agnosciren, dann befehlen die Beamten, dass der Sohn oder die -Tochter mit einer Nadel sich stechen und einen Tropfen Blut auf das -Skelet fallen lassen. Wenn dieses das Blut von einem der Eltern ist, -dringt das Blut in die Knochen, im anderen Falle nicht. Wenn jedoch -die Knochen mit Salzwasser gewaschen sind, dann wird das Blut nicht -eindringen, wenn auch eine Verwandtschaft zwischen den Beiden bestanden -hat. Das ist ein Kunstgriff, dessen sich schlechte Leute bedienen, und -man passe also gut auf.« - -Ich zweifle, ob es einem Anderen gelingen wird, aus dieser Blumenlese -oder aus dem ganzen Büchlein über die chinesische gerichtliche Medicin, -herausgegeben von dem Herrn +Li-koan-lan+ im Jahre 1796, eine -einheitliche wissenschaftliche Basis heraus zu finden. Mir gelang es -nicht! - - * * * * * - -Jedem Arzte, welcher bei den Chinesen Javas eine grosse Praxis -erlangen will, möchte ich den Rath geben, sich mit der causalen -Behandlung chronischer Krankheiten nicht viel einzulassen. Der Chinese -beurtheilt den Arzt nach dem momentanen Erfolg, und diesem entspricht -am meisten die symptomatische Behandlung; ja noch mehr; wenn er auch -in Java geboren und bis auf den Zopf beinahe ganz in den Sitten und -Gebräuchen der Europäer aufgegangen ist, in einer holländischen -Schule die holländische und französische, und vielleicht auch die -englische Sprache erlernt hat, und seine Schwester unter Leitung einer -europäischen Gouvernante selbst das Klavierspiel sich aneignet, wird -er in acuten Krankheiten zwar einen europäischen Arzt zu Rathe ziehen -und einige Tage dessen Behandlung sich unterwerfen. Bei chronischen -Krankheiten oder bei acuten Krankheiten (wie dem Typhus z. B.), welche -wochenlang dauern, wird er aber gewiss eine Dukun kommen lassen, und -entweder dem europäischen Arzte den Abschied geben oder hinter dessen -Rücken die javanische oder halbeuropäische Heilkünstlerin zu Rathe -ziehen, weil die Behandlungsweise dieser Frauen seinen Anschauungen -näher steht, als die des europäischen Arztes. Will man nicht, wie es -einem meiner Collegen passirte, die unangenehme Erfahrung machen, -dass man am vierten oder fünften Tage mit den Worten: Apa mau tuwan? -= Was wünscht der Herr? empfangen wird, dann stelle man so bald als -möglich die Vertrauensfrage; so bald es nöthig wurde, dass ich nach -dem vierten Tage kommen sollte, frug ich den Patienten oder einen -seiner Verwandten: »Wünschen Sie, dass ich morgen wieder zu dem -Patienten komme?« und in den meisten Fällen bekam ich zur Antwort: -»Wenn es dem Patienten nicht besser geht, werde ich den Herrn Doctor -davon verständigen.« Natürlich giebt es Fälle, in welchen eine solche -Vertrauensfrage ganz überflüssig ist. Ich behandelte z. B. das Kind -eines angesehenen chinesischen Kaufmanns, Lie Tiauw Poo war sein Name, -welches einen eitrigen Erguss in der linken Brusthöhle hatte; den -10. September 1895 wurde ich zu dem kleinen, zweijährigen Patienten -gerufen, und zwei Tage später hatte ich durch eine Probepunction die -Bestätigung meiner Diagnose erhalten; ich theilte dem Vater mit, dass -Eiter niemals aufgesogen werde, dass eine Operation unvermeidlich -sei, und dass es vielleicht 2-3 Wochen dauern könne, bis der kleine -Patient geheilt sein würde. In diesem Falle stellte ich während der -ganzen Behandlungsdauer niemals die Vertrauensfrage; der Vater sah -ja ein, dass anfangs täglich und später in grösserem Zeitraume ein -Verbandwechsel eintreten müsse; dennoch wundert es mich heute noch, -dass er es bis zum 3. October, also durch 24 Tage mit mir ausgehalten -hat; an diesem Tage war die Wunde bis auf die Haut geschlossen. -Vorsichts halber theilte ich mit, dass jetzt meine Hülfe nicht mehr -nöthig sei, weil bei dem Gebrauch der Jodoformsalbe auch die Hautwunde -sich schliessen werde, und erhielt zur Antwort: Baik tuwan = gut, mein -Herr! - -Die gesellschaftliche Stellung der Chinesen ist stricte dictu eine -Zwischenstellung zwischen der herrschenden Rasse, den Europäern, und -den Unterthanen, den Malayen, Javanen u. s. w.; wenn es auch viele -Europäer giebt, welche die Präponderanz der weissen Rasse über die -gelbe so viel als möglich auch im alltäglichen Leben geltend machen -wollen, so sind andererseits viele -- welche mich an einen Hausirer -erinnern, dem ich im Jahre 1884 in Singapore begegnete. Einige Europäer -standen im Hôtel de l’Europe beisammen und besprachen die einzelnen -Religionen in Indien; da nahm Einer von ihnen einen Dollar aus der -Tasche und rief mit Aplomb aus: Dieses ist +meine+ Religion! Ein -durch Opiumschmuggel reich gewordener Chinese gab zu Ehren der Hochzeit -seiner Tochter ein grosses Fest; er lud alle Europäer dazu ein, ob er -sie persönlich kannte oder nur vom Hörensagen von ihrem Aufenthalt -in Magelang etwas wusste; es waren nur Wenige, welche von dieser -Einladung keinen Gebrauch machten. Bei diesem Feste wurden die feinsten -Weine, Champagner ad libitum geschenkt; die besten und theuersten -Cigarren standen à Discretion auf den Tischen, und so mancher der -Anwesenden soll sich die Taschen mit Cigarren gefüllt und heimlich -ganze Flaschen den in der Nähe stehenden Bedienten zugesteckt haben!! -Solche dunklen Ehrenmänner sind die lautesten Schreier, wenn es gilt, -einem anständigen Chinesen auch anständig entgegenzukommen, und diese -problematischen Naturen sind es, welche von den Chinesen nur in dem -verächtlichsten und beschimpfendsten Tone als ekelhaften schweinischen -Wucherern u. s. w. sprechen. Solche Europäer haben auch dem Chinesen -das oben erwähnte malayische Sprichwort »dimana gula, disana aemut« -in den Mund gelegt, als er coram publico von diesem Missbrauch der -Gastfreundschaft Erwähnung that. - -Eine Ehe zwischen einem Chinesen und einer europäischen +Dame+ ist -meines Wissens nach auf Java noch nicht vorgekommen; umgekehrt halten -sich viele europäische Männer oft chinesische Haushälterinnen und -heiraten manchmal die Mutter ihrer Kinder; ob die Regierung jemals die -Erlaubniss geben würde, dass ein Officier eine Chinesin heirate, ist -sehr zu bezweifeln. - -Zu Aemtern und Würden werden sie nicht zugelassen; militärische Dienste -leisten sie keine, obwohl die Armee nur aus Freiwilligen besteht; sie -sind eben ein fremdes Element in dem Staate und werden es bleiben, so -lange -- die herrschende Rasse es für gut findet.[178] - -Ihre sociale Stellung ist eine ausgebreitete. Wenn man auch beinahe -niemals chinesische Bediente in einem Hotel oder in einem Privathause -findet,[179] weil sie viel höheren Lohn als die Eingeborenen verlangen, -so findet man sie in allen Zweigen der Industrie und des Handels. -Sie sind Hausirer, Schneider, Schuhmacher; sie verfertigen Wagen und -Möbel; sie sind Kulis und Buchdrucker; in den grossen Banken sieht -man nur chinesische Kassirer; sie sind Pächter von Plantagen und -Bauunternehmer, und gewiss ¾ des Detailhandels ist in ihren Händen. -Leihhausbesitzer und Wucherer ist Jeder von ihnen in grösserem oder -kleinerem Maasse. Kaum hat der chinesische Emigrant auf Java festen -Fuss gefasst, leistet er Kulidienste oder erhält von seinem Landsmann -einen kleinen Vorrath an Zwirn, Knöpfen, Band und Nadeln und hausirt -damit im Innern des Landes. Kaum hat er 5 fl. erspart, so spielt er -schon den Wucherer gegenüber den sorglosen Eingeborenen. Der Erfolg ist -immer derselbe, der Javane verarmt und der Chinese wird reich. Auch von -einem europäischen Wucherer kenne ich die Genesis seines Reichthums, -und sie giebt uns ein deutliches Bild über das Gebahren dieser -Ehrenmenschen (?). Die Frau desselben sass an jedem Markttage (hari -paing) im Garten ihres Hauses, vor welchem der Strom der Marktbesucher -vorbeizog. Die eine Frau brachte sechs Hühner auf den Markt, die andere -einen Sack Reis, eine dritte einen Korb Früchte u. s. w. Jede von -ihnen hoffte von dem Erträgniss ihrer Waare einiges für sich selbst zu -kaufen; ungewiss, ob und wie spät sie in den Besitz desselben kommen -werde, folgte sie gern dem Sirenengesang der Babu dieser Dame, welche -sich bereit zeigte, ihr ½ fl. zu borgen, wofür sie denselben Tag 60 -Ct. zurückzahlen musste. Hatte sie diesen Betrag nicht in baar, war -diese Dame immer so liebenswürdig (?), auch in Waaren sich bezahlen -zu lassen, deren Preis natürlich tief unter dem des Marktes stand. Im -Laufe der Jahre hatte diese Dame damit 75,000 fl. verdient!!! Es ist -nicht zu viel gesagt, dass jeder Chinese bei Gelegenheit ein Wucherer -ist, und es ist Sache der Regierung, diesem Unwesen zu steuern. Auch -als Kaufleute sind sie sehr unsolide; es ist aber die Sache des -Grosshandels, diesem Factor Rechnung zu tragen; die Creditverhältnisse -sind im Allgemeinen in Java sehr ungesund, und nur ein gemeinsames, -energisches Zusammengehen der europäischen Grosshändler kann diesen -Auswüchsen des »leichten Credits« in Indien ein Ende machen. - -Individuell ist der Chinese auf Java, wenn wir von der Moral absehen, -allen Anforderungen der Civilisation zugänglich; er ist fleissig und -sparsam und nüchtern, er ist ein Freund des Prunkes und des Aufwandes --- wenn er die Mittel dazu besitzt; wenn er als Kuli ¼ fl. pro Tag -verdient, wird er sicher 5 Cent davon zur Seite legen, und wenn er 5 -fl. pro Tag erwirbt, wird er niemals das ganze Erträgniss seiner Arbeit -verzehren; ist er jedoch reich, wird er gewiss niemals geizen, im -Gegentheil, er liebt den Prunk und wird z. B. bei der Hochzeit seiner -Tochter 1000 fl. allein für das Feuerwerk bezahlen. - -[Illustration: Fig. 23. Mein »Haus«.] - -Vieles von dem bis jetzt Erwähnten passt allerdings nicht in das -landläufige Bild eines Chinesen; auf Java ist eben dieses Volk alles, -nur keine reine Rasse, weil es keine chinesischen Frauen stricte dictu -giebt. Sie stammen nämlich aus der Provinz Amoy, wo das Auswandern der -Frauen verboten ist. Auf anderen Inseln, z. B. auf Sumatra, sah ich -einige echt chinesische Frauen, d. h. von China eingewanderte Frauen, -welche noch die verkrüppelten Füsse hatten. In Java jedoch sind es nur -chinesisch-javanische Frauen, und als solche pflanzen sie sich als -eigene Rasse fort. Ihre Kinder heissen »chinesische Kinder«; der Knabe -bekommt seinen Zopf und das (reiche) Mädchen wird der Oeffentlichkeit -entzogen; da sie in der Regel wieder untereinander heiraten, bleiben -wohl einzelne Rasseneigenthümlichkeiten bestehen; aber rein ist die -Rasse nicht; es sei denn, dass man auch wissenschaftlich von einer -chinesisch-javanischen Rasse spricht. Ihre Hautfarbe ist lange nicht -so dunkel, als die der Javanen; die Männer haben den Zopf und das -bartlose Gesicht; nur bei einigen sind die enggeschlitzten Augen noch -zu erkennen; die Frauen sind zierliche Puppen; sie haben den eleganten -Körperbau der javanischen Rasse; durch die helle Hautfarbe ist oft das -zarte Roth der Wangen sehr deutlich; sie sind schön gebaut, und viele -von ihnen würden die Zierde eines jeden Salons sein. - -Vielfach wird behauptet, dass die Chinesen sich nicht in der Fremde -begraben liessen. Dieses hat wahrscheinlich für die echten Chinesen -seine Richtigkeit; der Halbchinese wird auch in Java begraben. Ich -erinnere mich nur eines vereinzelten Falles, dass von Magelang während -meines 5jährigen Aufenthaltes eine Leiche nach China transportirt -wurde, die übrigen wurden auf dem chinesischen Kirchhofe begraben, -welcher auf dem Wege nach Djocja lag. Wie überall, waren die Grabkeller -in einen Hügel eingegraben und hatten ein weisses[180] Rondeau; je nach -dem Vermögen und Stand der Familie ist dieses bald gross, bald klein. -Der Sarg ist einfach und schmucklos; er besteht aus einem ausgehöhlten -Baumstamme, und der Deckel ist demselben Baumstamme entnommen. Zum -Transport wird der darauf gut passende Deckel einfach mit Pech -verklebt, und doch belästigt die Verwesung der Leiche die Umgebung -nicht. - - * * * * * - -Am 1. November 1892 wurde das alte Spital verlassen und das -neue, welches sich im Norden des Campements befand, bezogen. -Die Uebersiedelung eines solchen Spitales mit ungefähr 500 -Soldaten-Patienten ist mit gewissen Schwierigkeiten verbunden; es -musste oder vielmehr sollte alles an einem Tage geschehen, weil sonst -die Küche, die Apotheke u. s. w. auf zwei Plätzen ihre Arbeiten -gleichzeitig verrichten mussten; vorher musste also festgestellt -werden, wie viel Patienten, zu Fuss gehen konnten -- die beiden -Spitäler lagen ja beinahe 3 Kilometer von einander entfernt -- wie -viel in einer Sänfte und wie viel in einem Wagen transportirt werden -sollten; es waren ja selbst einige Schwerkranke, welche man im Bette -beliess und welche in demselben auf den Schultern von 4 Kulis getragen -werden sollten. Da der Spitalschef alles selbst besorgte, so war -der Transport insoweit nicht geregelt, als einige Aerzte im neuen -Spital werklos auf die Ankunft der Kranken warteten, während sich der -Spitalschef übermüdete. - -[Illustration: Fig. 24. Grundriss des Militärspitals zu Magelang. -(Erklärung v. S. 308).] - - -Erklärung zum „Grundriss des Militärspitals zu Magelang“. - - I. Hauptgebäude. - - 1. Zimmer für die Verwundeten. - 2. „ „ „ Operationen. - 3. „ „ „ Instrumente. - 4. Bibliothek. - 5. Sitzungssaal. - 6. Bureau für den Chef. - 7. Antichambre. - 8. Bureau des Schreibers. - 9. Wohnzimmer } für den Doctor - 10. Schlafzimmer } du jour. - 11. „ für den Apotheker du jour. - 12. Tisanerie. - 13. Magazin der Apotheke. - 14. Laboratorium. - 15. Arbeitszimmer des Apothekers. - 16. Bureau des Apothekers. - 17. Apotheke. - 18. Oberkrankenwärter. - 19. Feuerspritze. - 20. Portier. - 21. Hauptthor. - 22. Bureau des Verwalters. - 23. „ „ Schreibers. - 24. Magazine. - 25. „ - 26. „ } für die Uniformen und - 27. „ } Effecten d. Patienten. - 28. Schmutzwäsche. - 29. Bureau des Magazinmeisters. - 30. Magazin für Strohsäcke. - 31. „ für Holz- u. Eisengegenstände. - 32. Zimmer für die Wäsche } im 1. Stock. - 33. Magazin für Spitalgegenstände } - 34. „ „ unbrauchbare Gegenstände } - 35. „ „ Matratzen und Polster } - - IIa. Aborte und Badezimmer für das Hospitalpersonal. - - IIb. „ für neue Patienten. - - III. Halle für Schwefelwasserstoff. - - IVa. Abort b. Badezimmer f. d. Doctor du jour. - - V. Wagenremise. - - VI. Tolletbaracke für 42 Patienten. - - VII. Küche. - - VIII. 2 Pavillons für 120 Patienten. - - VIIIa. Pavillon für Augenkranke mit Operationszimmer, Dunkelzimmer - und 40 Betten. - - IX. Badezimmer und Aborte für Patienten der 3. u. 4. Classe. - - X. Officierspavillon. - - XI. Badezimmer und Aborte für Officiere. - - XII. Zimmer für Officiersbediente. - - XIII. Pavillon für Damen. - - XIV. Officiersküche. - - XV. Pavillon für 20 Unterofficiere. - - XVI. idem. - - XVII. Badezimmer und Aborte für Unterofficiere. - - XVIII. Pavillon für Soldatenfrauen. - - XIX. } Badezimmer und Aborte - XX. } für Soldatenfrauen. - - XXI. Pavillon für Prostitués. - - XXII. Badezimmer u. Aborte für diese. - - XXIII. Strafabtheilung und 2 Zellen für Irrsinnige. - - XXIV. Badezimmer u. Aborte für diese. - - XXV. Leichenhaus m. Pferdestall. Wagenremise und Laboratorium. - - XXVI. Gebäude u. Ofen f. Desinfection. - - XXVII. Pavillon für Infectionskrankheiten. - - -+Casernen für die Krankenwärter.+ - - XXVIII. Wohnung d. Aspirantofficiers. - - XXIX. Abort, Badezimmer u. Küche desselben. - - XXX. Oberkrankenwärter (Feldwebel). - - XXXI. Badezimmer u. Aborte für diese. - - XXXII. Caserne für 57 europäische (oppassers), 75 eingeborene - Krankenwärter (handlangers), 13 Corporale u. ein - Sergeant-Major. - - XXXIII. Nebengebäude. - - a. Frauenhalle. - b. Badezimmer f. d. verheirateten Frauen. - c. „ für Frauen. - d. „ „ Europäer. - e. „ „ Eingeborene. - f. Aborte für Eingeborene. - g. „ „ Europäer. - h. } Aborte für Frauen. - i. } - k. Küche. - - XXXIV. Arrestlocale und Logis der 54 Sträflinge, welche dem Spital - für die groben Arbeiten zugetheilt sind. - - XXXV. Aborte der Sträflinge. - - XXXVI. Wasserreservoir. - - XXXVII. Ofen f. die Warmwasserleitung. - - -Das neue Spital (Fig. 24) hat eine ungeheure Ausdehnung, weil das -Pavillonsystem in übertriebener Weise angewendet wurde. Die Luftlinie -von Norden nach Süden beträgt 450 Meter und von Osten nach Westen 200 -Meter. Wenn der »Doctor der Wacht«[181] reglementair in der Nacht -zweimal die Runde macht, d. h. durch alle Krankensäle und längs aller -Betten geht, hat er jedes Mal ¾ Stunden dazu nöthig, und thatsächlich -beträgt dann der zurückgelegte Weg jedesmal 3 Kilometer. Wie leicht -geschieht es, dass bei einem Krankenstand von 5-600 Mann der »Doctor -der Wacht«, ich will sagen nur einmal bei einem Patienten Hülfe leisten -muss; also wenigstens 7-8 Kilometer muss er jede Nacht zurücklegen, -wenn er seinen Pflichten nachkommen will. Er muss nebstdem den -darauf folgenden Vormittag nicht nur seinen gewöhnlichen Saaldienst -verrichten, sondern es erwarten ihn noch andere Obliegenheiten. -Er muss dreimal nach der Küche gehen, um das Essen zu kosten, das -erkrankte Hospitalpersonal muss er entweder in der Caserne oder bei -sich im Wartezimmer behandeln und, last not least er muss den Befund -beschreiben von etwaigen Verwundeten oder Todten, welche in den letzten -24 Stunden ins Spital gebracht und von ihm behandelt oder operirt -wurden. Die Runde des »Doctors der Wacht« ist überflüssig; denn -andere dazu mehr befugte und geeignete Personen können ja dasselbe -leisten, d. h. durch die Runde sich überzeugen, dass die Patienten in -ihren Betten liegen und dass die Krankenwärter nicht nur auf ihrem -Posten sind, sondern auch factisch wachen. Das sind nämlich die -Krankenoberwärter mit dem Range eines Feldwebels, welche im Allgemeinen -einen leichten Dienst haben; ein oder zwei Pavillons mit ungefähr -50 Patienten ist das Terrain ihrer Arbeit. Sie müssen dafür sorgen, -dass die »Handlangers« (eingeborene Krankenwärter) und »Oppassers« -(europäische Krankenwärter) den »Saal« rein halten, die Kranken jeden -dritten Tag mit neuer Leibwäsche versorgen; sie verfertigen die -Diätlisten nach den Mittheilungen des Arztes, sind beim Empfang der -Speisen in der Küche und bei der Vertheilung an die Patienten, und -halten den kleinen Vorrath von Wäsche in Evidenz, welche sich in einem -Kasten im Krankensaal befindet. Wenn sie auch die verantwortlichen -Personen für alles sind, was der Arzt für die Patienten vorschreibt, -und für alles, was in Abwesenheit des Arztes »auf dem Saale« geschieht, -so ist diese Arbeit doch eine sehr beschränkte, und es könnte ihnen -ausschliesslich die »Runde« überlassen werden und dem »Doctor der -Wacht« höchstens die Controle dieser Unterofficiere anvertraut werden. - -Aber noch andere Inconvenienzen sind mit solchen ausgedehnten -Räumlichkeiten verbunden. Der Krankenwärter ist auch »lieber faul -als müde«, wie ein holländisches Sprichwort sagt, und überlegt es -sich, einen Kilometer weit den »Dokter van de Wacht« zu holen. Ich -selbst habe es erfahren, als ich eines Tages »die Wacht« hatte, dass -einer meiner Patienten in der Nacht einen Blutsturz bekam, ohne -dass mich der Krankenwärter davon verständigte. Andererseits ist es -wiederholt vorgekommen, dass +Aerzte dem Krankenwärter einen Vorwurf -machten+, ihn umsonst im Schlafe gestört zu haben, weil sie dem -Patienten doch nicht helfen konnten. - -Das Pavillonsystem ist gewiss für jedes Spital das richtige System. In -Magelang ist es jedoch auf die Spitze getrieben worden -- zum Nachtheil -der Patienten. Dieses Spital wird als eine Sehenswürdigkeit von -Magelang, ja selbst von ganz Indien gepriesen. Als im Jahre 1896 der -König von Siam nach Java kam und den Tempel Buru Budur aufsuchte, wo er -fünf Tage verblieb, kam er auch nach Magelang, um das berühmte Spital -zu besichtigen. Es gefiel ihm in so hohem Maasse, dass er versprach, -auch die Königin dieses Gebäude besichtigen zu lassen. Am 2. Juli 1896 -um 4 Uhr sollte Ihre Majestät nach Magelang kommen, beim Residenten -absteigen und in Gesellschaft des Platz-Commandanten und Residenten das -Spital besichtigen. Wir Militärärzte bekamen natürlich den Auftrag, in -Galatenue zu dieser ungewöhnlichen Stunde im Spitale »präsent« zu sein. -Um 3½ Uhr stand ich mit dem Adjutanten und einigen Aerzten am Eingange -des Spitals, als ein schmutziger, alter Reisewagen vorfuhr und stehen -blieb. Der Platz-Commandant und der Resident waren nicht zu sehen. -Zu unserer Ueberraschung stiegen aus dem Wagen die Königin mit zwei -Hofdamen und dem Leibarzte Dr. +Ruyther+, einem Belgier von Geburt. Der -Spitalchef sass noch in seinem Bureau, ich eilte also rasch zum Wagen -und bot der Königin, und der Zahlmeister der ersten Hofdame den Arm. -Die Königin nahm den Arm an, und ich führte sie ins Gebäude, wobei wir -zunächst die Apotheke passirten. Da erscholl in deutscher Sprache mit -lauter Stentorstimme der Ruf aus der Apotheke: »Man giebt einer Königin -nicht den Arm.« Unterdessen kam der Spitalchef herbeigeeilt und bemühte -sich vergebens, die goldenen Schnüre an der Uniform zu befestigen. Die -Königin, welche ein wenig der englischen Sprache mächtig war, ging aber -so langsamen und gemessenen Schrittes,[182] dass der brave Stabsarzt -V. endlich die Schnüre befestigen konnte; er bot nun der Königin -den Arm und ich der Hofdame. Beide, die Königin und die Hofdame, -waren in europäischer Kleidung, welche aus einer einfachen billigen -Sommertoilette bestand; aber der Schmuck in den Ohren war kostbar. -Eine Stunde dauerte dieser Gang durch das Spital (unterdessen hatte -ich Gelegenheit, mit meiner Equipage die Spitzen der Behörden wissen -zu lassen, dass die Königin sich nicht ans Programm gehalten hatte und -direct nach dem Spitale gefahren war), und in dieser ganzen Stunde -konnte ich mit dieser Dame kein einziges Wort sprechen, weil sie nur -der siamesischen Sprache mächtig war. Es war eine peinliche Situation, -welche einen recht komischen Beigeschmack hatte. - -Gegen Ende des Rundgangs platzte endlich die Bombe. Ich und die Hofdame -ergingen uns in einem schallenden Gelächter, worauf sich das vor uns -gehende Paar fragend umdrehte. Was die Hofdame der Königin antwortete, -weiss ich nicht, weil es in siamesischer Sprache geschah; ungehalten -war sie nicht, denn sie sah mich lächelnd an, und beim Einsteigen in -den Wagen bekam ich von den beiden Damen einen Händedruck. - -Schön ist die Lage des Spitals, und schön sind seine Gartenanlagen; -am südlichsten Ende des Terrains liegt der Officierspavillon; es -war ein 40 Meter langes Gebäude mit 10 Zimmern, einer gemeinsamen -Vorder-Galerie und gemeinsamem »Tagverbleib«, d. h. einem Corridor, -in welchem die nicht bettlägerigen Patienten zusammenkamen und durch -Dominospiel u. s. w. mit ihren Leidensgenossen verkehren konnten. Ein -seltsam schönes Panorama bot die Galerie; von der Heeresstrasse nach -Bandongan trennte sie nur ein Gitter aus Stacheldraht. Nur zu oft sahen -die jungen Lieutenants junge Damen hier ihren Spaziergang nach den -Ufern des tiefer gelegenen Elloflusses machen, und ich weiss nicht, ob -nicht der kleine Schalk Amor die Schritte der jungen Schönen gerade -dorthin leitete, wenn, was nur selten geschah, einige Lieutenants sich -dort befanden. Im Hintergrunde erhoben sich die stolzen Häupter des -Merbabu und des stets rauchenden Merapis, und als im Januar des Jahres -1894 dieser Vulcan seine Feuermassen über den südöstlichen Abhang -wälzen liess, hatten gerade die Bewohner dieses Officierpavillons die -schönste und beste Aussicht auf dieses schaurige und romantische Bild. - -Der Stacheldraht ist ein einfaches und billiges Mittel, um ein -grosses Terrain abzuschliessen; aber von der +praktischen Seite+ -betrachtet, ist er nicht mehr werth, als der Eingang bei dem Hause -eines Eingeborenen. Das Häuschen desselben hat einen nur einige Meter -breiten Garten, welcher durch ein Gehege aus Bambus von der Strasse -getrennt ist. Der Eingang in das Gärtchen ist nicht frei, sondern durch -eine Scheidewand von 30-40 Centimeter Höhe behindert. Jeder Mensch und -jedes Thier überschreitet dieses Hinderniss leicht und bequem. Ich -hielt dies für ein Symbol des Privateigenthums. Auf gleiche Weise kann -das Netz des Geheges, welches das ganze Spital umzog, nicht viel mehr, -als z. B. ein Pfahl mit der Aufschrift: »Spital« leisten. Das Gehege -ist 2 Meter hoch und hat Zwischenräume von 30-40 Centimetern; die -Stacheln des Drahtes verhindern zwar das Durchschlüpfen des einzelnen -Patienten, welcher gern eine Nacht befreit von der Zucht und Disciplin -des Spitals zubringen möchte. Wenn man jedoch ein Brett darauf legt, -oder wenn ein zweiter Mann die Drähte auseinander zerrt, kann man sehr -leicht nach Belieben das Spital verlassen und unbemerkt zurückkommen. -Thatsächlich ist die Flucht aus diesem Spitale eine häufige Erscheinung -gewesen. Warum keine Schildwachen gestellt wurden, um dieses unmöglich -zu machen, mit der nöthigen Beleuchtung des Terrains, weiss ich nicht. -Ein »guter Soldat« ist nicht gern im Spitale; er will seinen Dienst -thun, aber auch die Freiheit der Bewegung ist ihm kostbar; wenn er -eine Krankheit hat, bei welcher »Leib und Seele gesund« sind, d. h. -abgesehen von den örtlichen Beschwerden sich nicht krank fühlt, dann -meidet der »gute Soldat« den Aufenthalt im Spitale und entzieht -sich so lange als möglich dem forschenden Auge des Arztes. Ich hatte -selbst einen Füsilier mit einer Blutgeschwulst (aneurysma) im Becken -in Behandlung. Der ganze linke Schenkel war durch die verhinderte -Blutcirculation verdickt; er hatte aber keine Schmerzen und fühlte -sich gesund; zweimal flüchtete er aus dem Spitale, weil ihn, wie -ich glaubte, die zarten Bande der Liebe und die starken Fesseln des -Genevers hinauszogen. - -Noch andere Gefahren birgt ein solches offenes Gebäude. Der -Schmuggel[183] und Tauschhandel[184] mit der Aussenwelt war zum -Nachtheile der Patienten und -- des Spitalfonds in floribus. Der -Officier wie der Unterofficier sind als Patienten ebenso grosse -Kinder als der gewöhnliche Soldat. Wie oft findet der Arzt Ursache, -den Genever oder die Cigarre zu verbieten? (Cigarren kann er im -Spital kaufen. »Nach Ablauf der Visite« erscheint die Frau eines -»Ziekenvaders«, welche von dem Spitalschef die Erlaubniss erhielt, sich -eine kleine Bude zu halten. Tinte, Federn, Bleistifte, Streichhölzer, -Cigarren, Briefpapier und Couverts, europäischen und javanischen Zucker -und Tabak mag sie gegen feststehende Preise verkaufen.) - -[Illustration: Fig. 25. Buddha-Statue im Innern des Tempels bei Mendút.] - -In den späten Abendstunden erhält mit grosser Leichtigkeit der Officier -und Unterofficier alle gewünschten Getränke von seiner Haushälterin -oder von seinen Kameraden, und er braucht sich nur etwas Mühe zu geben, -um die hineingeschmuggelten Waaren vor den Augen der inspicirenden -Aerzte zu verbergen. Das Personal, d. h. die Krankenwärter wagen es -nicht, den Verräther zu spielen. Im Jahre 1881 lag ich im Spitale -zu Weltevreden als Patient; ein Lieutenant war mein Nachbar, dem -der behandelnde Arzt erlaubt hatte, den Koffer in seinem Zimmer -zu behalten. Dieser war jedoch mit Conserven gefüllt, obzwar der -Patient an chronischer Dysenterie litt!! Die lästigsten Patrone sind -diesbezüglich die Unterofficiere. Der gemeine Soldat hat vor dem -»Ziekenvader« Furcht und Respect; bei den Officieren giebt es nur -wenige, welche sich nicht vor dem Krankenwärter geniren würden, Speisen -und Getränke hineinzuschmuggeln. Die Unterofficiere jedoch glauben, -es ihrer Stellung schuldig zu sein, sich so viel als möglich der -Disciplin, welche im Spitale ebenso nöthig ist, als in der Caserne, -zu entziehen. Ich war einige Jahre in Magelang mit der Behandlung -der »zweiten Abtheilung« betraut, und ich war gezwungen, die ganze -Strenge meiner Stellung gegenüber den Unterofficieren zur Geltung zu -bringen. Einmal kam ich dadurch in eine fürchterlich unangenehme -Lage gegenüber dem Hospitalschef, dem Oberstabsarzt X., welchen ich -+ohne mein Wissen und Willen+ dem Spott der Unterofficiere -blossgestellt habe. - -Der Pavillon der zweiten Abtheilung, d. h. der Unterofficiere, bestand -aus zwei Theilen, und jeder derselben hatte zwei Säle, welche durch -den »Tagverbleib« von einander getrennt waren. Eines Morgens war ich -in dem einen Saale mit der Untersuchung der Brust eines Feldwebels -beschäftigt, als ich im nächsten Saale sprechen hörte; ich wollte mich -in der Auscultation nicht stören lassen und rief: »Ruhe im andern -Zimmer.« Als demungeachtet das Sprechen nicht aufhören wollte, ging -ich raschen Schrittes in den benachbarten Saal und rief: »Wer wagt es -zu sprechen, wenn ich »auf dem Saale« bin?« Es war der Spitalschef. -Ich entschuldigte mich bei ihm, dass ich von seiner Anwesenheit nichts -gewusst hätte; aber das unterdrückte Lächeln der Patienten und des -Personals verrieth das Komische der Situation, dass ein Oberstabsarzt -von einem Regimentsarzte in dem heftigsten Tone der Ruhestörung -beschuldigt wurde. Meine Entschuldigung hielt er offenbar für eine -Ausrede, weil ich gerade zwei Tage vorher seinem lästigen Benehmen -+wissend und wollend+ entgegengetreten war. Er hatte nämlich eine -ganz falsche Auffassung von der Verantwortlichkeit eines Spitalschefs. -Das Gesetz bestimmt entsprechend den herrschenden Verhältnissen den -Chef als die Person, welche das Spital nach Aussen hin vertritt -und auch die Verantwortung für alles auf sich nehmen muss, was in -dem Spitale geschieht, und im gegebenen Falle zum Einschreiten der -militärischen und civilen Behörden Anlass geben kann; die Behandlung -der einzelnen Aerzte kann und muss natürlich, wenn sie sich in gewissen -Grenzen bewegt, ihnen überlassen werden. Oberstabsarzt B. glaubte aber -auch die »Leitung« der +jüngern+ Ober-Aerzte nicht nur auf deren -Diagnosestellung, Behandlungsweise und Vorschreiben der Diät ausdehnen, -sondern auch den älteren Regimentsärzten gegenüber dasselbe thun zu -müssen. Manche Ober- und Regimentsärzte waren so verständig (?), -sich diesem zu unterwerfen, und waren nichts mehr und nichts weniger -als seine Receptenschreiber. Andere aber wollten ihm gegenüber ihre -Selbständigkeit bewahren und kamen dadurch in manche Conflicte, wobei -sie den Kürzeren ziehen mussten. Ich selbst war um ein Jahr älter als -mein Chef und glaubte ihn manchmal auf diesen unrichtigen Standpunkt -aufmerksam machen zu müssen, mit dem Hinweis, dass er sich selbst den -Dienst erschwere, um 5-600 Patienten zu behandeln. Seine Eitelkeit -behielt die Oberhand, und so geschah es, dass er während der Zeit der -Visite »auf alle Säle« ging, die Diagnose, die Behandlung und Diät -aller Kranken controlirte und seine Ansichten dem behandelnden Arzte -mittheilte. Eines Tages kam er auch »auf meinen Saal«, der 30 Meter -lang war und für 21 Patienten Betten enthielt. Ich war am äussersten -Ende des »Saales«, als er bei der Thür erschien; in militärischem -Schritt ging ich ihm entgegen, er winkte mir jedoch mit der Hand ab -und fügte hinzu: »Lassen Sie sich nicht stören.« Anstatt aber den Saal -zu verlassen, ging er zu den Patienten und begann seine Controle! -Ich konnte unmöglich etwas anderes sagen oder thun, als meine Arbeit -einzustellen und zu warten, bis der Oberstabsarzt am Ende des Saales -sein Gespräch beendigt hatte. Wiederum rief er mir zu: »Lassen Sie -sich nicht stören.« Es war ein Saal mit internen Kranken; beim besten -Willen konnte ich nicht auscultiren, wenn nicht die grösste Ruhe im -Zimmer herrschte; ich hielt also wieder mit meiner Arbeit ein und -stellte mich wie ein preussischer Grenadier in »Position«. Endlich -verliess er den Saal, ohne zu grüssen. (Zwei Tage später geschah oben -erwähnter Vorfall in dem Unterofficierspavillon, und seit dieser -Zeit blieb ich während der Visite von seiner Anwesenheit verschont.) -Dieser Saal war die Hälfte der sogenannten Tolletbaracken, deren es -zwei gab, und zwar zu beiden Seiten der Küche, welche in dem offenen -Raum gegenüber dem Eingange lag. Diese Baracken (No. VI, Fig. 24) sind -sehenswerthe Pavillons für ein Spital in den Tropen; sie stehen auf -kleinen, steinernen Pfeilern von ungefähr 40 cm Höhe und bestehen aus -zwei Sälen, welche durch »das Tagverbleib« von einander getrennt sind. -Dieses hat zu beiden Seiten je ein kleines Zimmer für die Krankenwärter -und einen Bergeplatz für gewisse Geräthe; im Hintergrunde befindet -sich der Waschplatz mit zahlreichen Waschbecken und der Wasserleitung. -Der Vortheil dieser Baracken besteht in ihrer bedeutenden Höhe und -dass die Wände aus einer doppelten Reihe von Brettern mit einem -Zwischenraume bestehen; unten und oben sind Oeffnungen, durch welche -die Luft hinaufziehen und durch die Dachventilation nach Aussen strömen -kann. Drei Fehler zeigten diese Säle. Weil sie auf Pfählen standen, -dröhnte es fürchterlich, wenn man mit militärischem Schritt durch den -Saal schritt. Mein Vorschlag, diesem dadurch abzuhelfen, dass man -Laufteppiche legen sollte, wurde mit der Motivirung zurückgewiesen, -dass in Indien solche Laufteppiche die Brutnester zahlreicher Insecten -werden würden. Die Hohlräume in der Wand könnten die Brutstätte von -Mäusen und Ratten werden, und drittens lag die eine Fensterfront nach -dem Westen frei, so dass die Sonnenstrahlen in den Saal dringen konnten -und thatsächlich die Kranken stark belästigten. Aus »ästhetischen -Motiven« wurde mein Vorschlag, über den Fenstern kleine Marquisen -anzubringen, abgelehnt. Leider hatte das Spital nur zwei dieser -übrigens sehr praktischen Pavillons. - -Nebstdem befanden sich noch zu beiden Seiten der Küche je drei, und -parallel mit der Hauptfront des Gebäudes und hinter der Küche ein -neunter Pavillon. Vier von diesen Pavillons hatten mehr oder weniger -Holztheile, während die drei letzten nur aus Bambus bestanden und nicht -einmal einen steinernen oder hölzernen Flur hatten; diese hiessen -temporäre Gebäude, die übrigen Pavillons, welche nur theilweise aus -Bambus bestanden, trugen den stolzen Namen semipermanente, und die -Tolletbaracken waren permanente Gebäude. So lange die Baracken aus -Bambus neu sind, sehen sie ganz hübsch aus, leisten aber in den Tropen -nicht immer gute Dienste. Durch die Lücken der Matten findet ein steter -Luftwechsel statt, und bei hoher Temperatur der Aussenluft herrscht -im Innern eines solchen Gebäudes eine unerträgliche Hitze. Werden sie -alt, haben sie eine schmutzige, graue Farbe, Spinnen, Wespen und andere -Insecten nisten in ihnen, Staub und Holzmehl bedecken die Oberfläche, -und jeder geringe Sturm oder Wind schüttelt dieselben auf die Bewohner. -Im Jahre 1877 wohnte ich in einem solchen Fort, welches bereits 15 -Jahre stand. Jedesmal, wenn das Gebäude durch einen etwas heftigen Wind -erschüttert wurde, während ich mein Abendmahl verzehrte, musste ich den -Pajong über den Suppenteller halten lassen, um nicht ein unerwünschtes -Gewürz in meine Speise zu erhalten. Solche Gebäude sollten also aus -Reinlichkeitsursachen alle drei bis vier Jahre ganz erneuert werden, -was schon ihr Name temporär erwarten lässt; aber leider hat kein -Spitalschef den Muth, einen diesbezüglichen Vorschlag einzureichen, wie -mir s. Z. ein Hauptmann »der Genie« mittheilte. Kurz vor meiner Abreise -kam ein Fall von Tetanus vor, und dennoch wurden die Wände nicht sofort -erneuert. - -Auch die Abtheilung für Infectionskrankheiten (No. XXVII, Fig. 24), -welche im äussersten Norden des Terrains lag, hatte solche temporäre -Gebäude, und zwar mit einem Cementflur. Es war ganz entsprechend den -Anforderungen der modernen Wissenschaft für ansteckende Krankheiten -eingerichtet, d. h. es war ganz isolirt, hatte einen Desinfectionsofen, -der im Grossen und Ganzen gut functionirte, obwohl er irrthümlicher -Weise in Magelang nicht an seinem Platze war, aber die Gebäude wurden -nicht erneuert, wenn vereinzelte Fälle von Cholera, Blattern u. s. -w. vorkamen. Wenn auch die Kosten einer solchen Renovirung geradezu -unbedeutend[185] zu nennen sind, so wurde mein diesbezüglicher -Vorschlag vom Spitalschef jedesmal zurückgewiesen mit der Motivirung, -dass er unmöglich wegen eines +vereinzelten+ Cholerafalles einen -solchen Vorschlag an die Regierung einreichen dürfe. - -Die Hauptfront des Gebäudes, mit der Apotheke, Magazinen, Bureaux -für den Chef und den wachthabenden Doctor und Apotheker und -Operationszimmer,[186] bestand aus Ziegeln. +Dieses Spital ist also -eine Versuchsstation der indischen Baukunst+ und kein architektonisches -Ganzes oder Einheit und gewiss kein monumentales Gebäude; es ist ein -durcheinander geworfenes Mosaikbild aller Baumaterialien, welche in -den Tropen zum Bau von Gebäuden verwendet werden können. »Die Genie« -braucht auf dieses Gebäude nicht stolz zu sein. - -Die Wasserleitung war gut; in einer Entfernung von ungefähr 1000 Metern -befand sich im Thale des Elloflusses eine Quelle mit Gebirgswasser; ein -Pumpwerk trieb das Wasser in das Spital, wo es in einem Wasserthurme -als Reservoir aufgefangen und danach mit Röhren in das ganze Spital -geleitet wurde. - -Die Canalisirung war ebenfalls praktisch angelegt; ein grosses -Ableitungsrohr mündete in bedeutender Entfernung in das rechte Ufer -des Elloflusses. Die Aborte hatten das Tonnensystem, an ihrer hinteren -Seite befand sich eine kleine Thür, und Sträflinge wechselten täglich -die grossen Tonnen aus dickem Eisen. - -Die Beleuchtung war anfangs so schlecht als möglich. Die Beleuchtung -in den Sälen brauchte nicht stark zu sein, weil die Patienten um 9 Uhr -zu Bette gehen mussten, aber die langen Corridore hatten wegen des -wellenförmigen Terrains hin und wieder Treppen; der erste Spitalschef -liess diese schwarz und weiss anstreichen und darüber die »glimmenden -Nägel« aufhängen. Die Petroleumlampen waren zu klein, um die »Runde« -hinreichend zu erleuchten, und verdienten mit vollem Rechte den Namen -»glimmende Nägel«. Um diesem Uebelstands abzuhelfen, wurden endlich -die Treppen entfernt, und die langen Corridore bildeten dann eine -sanft auf- und absteigende überdeckte Strasse. Im »Tagverbleib« der -einzelnen Pavillons und in den Zimmern der kranken Officiere und der -wachthabenden Aerzte und Apotheker befanden sich grosse Stehlampen oder -Hängelampen, welche hinreichend Licht gewährten. - -An die »Wissenschaft« wurde beim Bau des Spitales sehr wenig gedacht; -ein Häuschen für »Schwefelwasserstoffentwickelung« befand sich in der -Nähe der Apotheke, wurde aber als Rumpelkammer benutzt; in der Nähe -der Abtheilung für Infectionskrankheiten befand sich das Leichenhaus -mit einem Cabinet[187] für mikroskopische Untersuchungen; neben dem -»Conferenzzimmer« befand sich ein Cabinet mit der stolzen Aufschrift: -Bibliothek, welches von mir zur Untersuchung des Urins eingerichtet -wurde; in einem Spitale für 4-600 Patienten konnten keine chemischen -Untersuchungen des Mageninhaltes, keine Blutuntersuchungen, keine -bacteriologischen Arbeiten gemacht werden; es sei denn, man ersuchte -einen der Apotheker darum, welcher in der Regel mit der Receptur so -viel zu thun hatte, dass eine specielle Ausbildung in diesen Fächern -nicht erwartet werden konnte. - -Wenn ich noch mittheile, dass die »Badekammern« auch hölzerne Wannen -für warme und heisse Bäder[188] neben den üblichen Douchen hatten, -dann habe ich nichts vergessen aus dem mit grosser Raumverschwendung -errichteten Militärspitale zu Magelang, welches als eine -Sehenswürdigkeit Javas gepriesen wird. - - * * * * * - -Die Harmonie zwischen den beiden Mächten des Staates war in Magelang -anfangs sehr gut. Der Militär- und zugleich Platz-Commandant war ein -Ehrenmann, der durch die Ruhe seines Charakters und durch die Humanität -seines Denkens und Fühlens keinen Feind hatte; der Resident A. war, -ich möchte sagen, aus demselben Stück Eisen geschmiedet; beide Männer -füllten mit grosser Gewissenhaftigkeit, aber auch mit allem Tact -und Ehrlichkeit ihre Stellung aus und vermieden durch rechtzeitiges -Entgegenkommen jeden Conflict; niemals gab es Reibereien. Aber unter -den Civilbeamten ist noch eine Kategorie, welche durch die undeutliche -Competenzgrenze ihrer Stellung häufig zu Reibereien Anlass giebt, -und leider führt dieser Federkrieg oft genug auch zur Entfremdung der -beiden Würdenträger. - -Die jüngste Reorganisation des Rechtswesens hat nämlich den -Gerichtsbeamten beinahe eine ganz unabhängige und, ich möchte fast -sagen, isolirte Stellung im indischen Staatswesen eingeräumt. Die -Erfahrung muss erst den Beweis bringen, ob dieses Princip für die -Colonien ein richtiges sei; die administrativen Beamten konnten sich -bis jetzt nur schwer in die neuen Verhältnisse hineinfinden, obwohl -ihnen ein grosser Theil ihrer Arbeit und der Verantwortung ihrer -vielseitigen Leistungen abgenommen wurde. Die Gerichtsbeamten gewannen -dadurch so viel Freiheit in ihren Entschlüssen, dass sie vollständig -unabhängig und selbständig ihren Berufspflichten nachkommen konnten. -In beschränkten Köpfen musste diese Freiheit der Stellung eine -Begriffsverwirrung mit der Freiheit der Person veranlassen, und so -geschah es, dass der Landesgerichtsrath X. zu Magelang neben seinen -Berufspflichten die der Controle über den Residenten auf sich nahm und -zwar in der +ausgesprochenen+ Ansicht, dass die Gerichtsbeamten -in jedem Staate die einzigen und höchsten Stützen und Leiter seien. -In recht komischer und drastischer Weise bekundete der Herr X. diese -Anschauung gegenüber einem Major der Infanterie, welcher wegen seines -universellen Wissens eine sehr geachtete Stellung überall, zu jeder -Zeit und in jeder Gesellschaft einnahm. - -Diese beiden Männer besprachen das Thema, dass Niemand mit seinem -Stande zufrieden sei und dass Jedermann seine Kinder eine höhere -Stellung, als er selbst bekleide, anstreben lasse. Dabei entwickelte -Herr X. eine gesellschaftliche Leiter und gab die vorletzte Stufe -derselben dem Officier und die höchste und letzte Stufe dem Juristen. - -Leider ist die Organisation des Rechtswesens Schuld an den zahlreichen -Reibereien der betreffenden Beamten. Während die Regierungsform -durch und durch centralistisch ist, der Absolutismus im weitesten -und ausgebreitetsten Sinne das Scepter über die Europäer führt und -den Eingeborenen nur sehr geringe Communalangelegenheiten in eigener -Verwaltung überlässt, so dass der Verwaltungsbeamte beinahe im -strengsten Sinne des Wortes der Patriarch seines Verwaltungsbezirkes -ist, gab sie den Gerichtsbeamten eine zu weit gehende autonome -Organisation, so dass dies Regierungsprincip in seinen Grundpfeilern -erschüttert wurde. Die Zulassung der Europäer und »fremden Orientalen« -in N.-Indien, die Verbannung von Personen aus N.-Indien, die Aufsicht -über die Magistratsverordnung und über die Gefängnisse, die Gesuche um -Errichtung von Actiengesellschaften oder Vereinen, die Naturalisation, -die Aufsicht über die Presse, über Volksversammlungen, die Waisen- und -Nachlasskammer gehören in das Departement der Verwaltungsbeamten,[189] -die sich bei ihren Studien in Delft auch eine hinreichende Fülle des -juridischen Wissens diesbezüglich aneignen. Das Polizeiwesen blieb -in Händen der Verwaltungsbeamten, und auch die Zuweisung nach den -Strafrichtern, welche so viel als möglich die diesbezügliche Competenz -an sich reissen wollen und dadurch eine unerschöpfliche Quelle von -Streitigkeiten geschaffen haben. - -Der Europäer erscheint nämlich nur vor einem Gerichtshof aus Europäern, -deren drei auf Java bestehen, und zwar in Batavia, Samarang und -Surabaya, während zahlreiche Landesgerichte mit einem europäischen -Juristen als Präsidenten, einem europäischen Secretär und einigen -Häuptlingen mit dem Panghulu (mohamedanischen Priester) als Beisitzer -über die Eingeborenen die Jurisdiction üben. Es würde mich zu weit -führen, das Rechtswesen auf Java ausführlich zu beschreiben, und ich -will daher zu dem Ausgangspunkte dieses Capitels zurückkehren. - -Es herrschte in Magelang ein gemüthlicher Ton unter der Herrschaft -dieser zwei Würdenträger; als der Colonel P. wegen körperlicher -Gebrechen, denen er leider bald danach erlag, in Pension gehen musste, -kam ein Misston in das gesellschaftliche Leben der Residenzstadt, und -bald standen sich zwei feindliche Parteien gegenüber, welcher zwar die -Grenzen der Höflichkeit nicht überschritten, aber einen gemüthlichen -Verkehr derselben unmöglich machte. Lieutenant X. war ein Günstling des -Residenten, welcher ein Schulkamerad seines Vaters gewesen war; seine -Frau, eine liebenswürdige, schöne und gebildete Dame, verkehrte daher -gern im Hause des Residenten, und als ihr Mann in Conflict mit seinen -Vorgesetzten kam, fanden sie beide im Hause dieses hohen Beamten Trost -und Stütze in ihren Leiden. - -Lieutenant X. war mit seinem Kameraden Y. so befreundet, dass sie -gelobten, sich tolerant auf die gegenseitigen Fehler aufmerksam zu -machen und einander in Leid und Freud beizustehen. Doch bald darauf -bestand keiner von beiden die Feuerprobe ihrer Freundschaft; beide -standen bei demselben Bataillon und in derselben Compagnie. Beide -waren Oberlieutenants; Lieutenant Y. war aber im Range um acht -Monate höher und um 6 Jahre älter als Lieutenant X. In Vertretung -des kranken Compagnie-Commandanten führte eines Tages Lieutenant Y. -seine Compagnie auf das Exercierfeld bei dem Berge Tidar. In einer -Ruhepause blieb X. reglementswidrig nicht bei der Truppe stehen, -sondern begab sich zu seinem Freunde Y. Dieser glaubte dieses rügen -zu müssen und schickte seinen Freund X. auf seinen Platz. Lieutenant -X. beantwortete diese strenge Auffassung der Dienstvorschriften -mit einer brüsken Antwort, worauf sein Freund Y. die Sache an den -Bataillons-Commandanten rapportirte. Lieutenant X. bekam vier Tage -Arrest und forderte Lieutenant Y. zum Duell. Dieser weigerte sich, -das Duell anzunehmen, und theilte dieses wieder höheren Ortes mit; in -dem weiteren Verhalten in dieser Affaire zeigte sich Lieutenant X. so -unbotmässig, dass er sich die Sympathie seiner Freunde selbst unter den -Officieren verscherzte. Der Colonel beschuldigte jedoch den Residenten, -ihn zu seinem indisciplinaren Vorgehen aufgereizt zu haben, wofür er, -ich zweifle keinen Augenblick, keinen einzigen objectiven Beweis haben -konnte. Dies war die Veranlassung zu einem gespannten Verhältnisse -zwischen diesen beiden Würdenträgern, welche aber ihrerseits bei -öffentlichen Gelegenheiten den äusseren Schein des freundschaftlichen -Verkehrs bewahrten. Dazu gab es sehr oft Gelegenheit. Die Soldaten -hatten nämlich zwei Theatergesellschaften, welche in der Cantine oft -Vorstellungen gaben, und ich selbst hatte unter den Officieren und -Bürgern die »Thalia« errichtet. Im Jahre 1893 war nämlich in Magelang -ein Wettrennen, welches mit einer Ausstellung der Industrieproducte der -Provinz Kedu verbunden war. Nebstdem hatten einige Herren und Damen zu -dieser Gelegenheit ein Lustspiel einstudirt und für den zweiten Abend -einen Tingel-Tangel eröffnet. Das Lustspiel und das Café chantant wurde -in der Vorgalerie des Residenten gegeben, welcher zu diesem Zwecke -die Coulissen aus der Cantine entlehnt hatte. Diese hatten solchen -Anklang gefunden, dass nach Ablauf der Wettrennen einige Bürger und -Officiere zur Gründung eines Dilettantentheaters zusammentraten. Zum -ersten Director wurde meine Wenigkeit gewählt; jedes Mitglied sollte 1 -fl. monatlich bezahlen, und dafür sollten vier Vorstellungen im Jahre -gegeben werden. Mitglieder fanden sich in hinreichender Zahl; ausübende -Mitglieder gab es auch hinreichend; aber alles Andere fehlte. In erster -Reihe machte mir die Platzfrage sehr viel Sorge; endlich wurde ich auf -die Turnhalle der Schule für die Häuptlingssöhne aufmerksam gemacht; -obwohl hier jeden zweiten Sonntag von dem »Domine« Gottesdienst -gehalten wurde, der zu diesem Zwecke von Djocja nach Magelang -kam, wurde mir vom Residenten dieser Saal gerne zu diesem Zwecke -abgetreten. Die zweite Frage galt der Beschaffung der Coulissen. Der -Verein hatte im Anfang keine hinreichenden Geldmittel, um Coulissen -malen zu lassen. Ich miethete also für die erste Vorstellung, welche -die Feuerprobe der Existenzfähigkeit dieses Vereins geben sollte, die -Coulissen des Theaters aus der Cantine; als ich dessen sicher war, -berief ich die erste Versammlung der mitwirkenden Mitglieder, und nach -langer Debatte über die Wahl des Stückes wurde für die erste Aufführung -das echt holländische Drama »Janus Tulp«, und für die zweite die -holländische Uebersetzung des deutschen Lustspieles »Der Störefried« -angenommen. Das Lesen und Einstudiren der Rollen brachte der Jugend -Magelangs gemüthliche und unterhaltende Abende, zu denen sich natürlich -ganz heimlich auch der kleine Schalk Amor hin und wieder einstellte, -bis endlich die Opfer seiner Intrigue am Traualtar einander ewige -Treue schworen. Zahlreich waren die Detailarbeiten und sehr lästig -für mich, weil ich in die Geheimnisse des Coulissenlebens gar nicht -eingeweiht war. Endlich kam der grosse Tag der ersten Aufführung. Um 9 -Uhr Abends sollte sie stattfinden; ein schwerer Tropenregen schaffte -ganz unerwartet Hindernisse. Der Turnsaal stand mitten im Hofraum -zwischen den Pavillons für die Zöglinge der Anstalt; zwei Zimmer wurden -bereitwilligst von dem Director für diesen Abend der »Thalia« zur -Verfügung gestellt. Hier sollten die Herren und Damen sich schminken -lassen und den Toilettenwechsel besorgen. Mit einem Regenschirm konnten -sie sich gegen den strömenden Regen schützen. Wie sollten sie aber -durch die entstandenen Pfützen trockenen Fusses auf die Bühne gelangen? -Zwei Stunden vor dem Anfang nahm ich also meine Equipage und überfiel -den Residenten in seinen häuslichen Arbeiten. Er sollte und musste als -Mäcen den mit Lebensgefahr (??) bedrohten Schauspielerinnen helfen! -Der brave Mann schaffte Hülfe. Eine Bretterwand stand unbenutzt vor -einem vollendeten Gebäude; eine »Truppe« Sträflinge (25 Mann) erhielt -den Befehl, sofort diese Wand abzubrechen und nach dem Turnsaal zu -bringen. Der Regen hatte um 9 Uhr aufgehört, die entstandenen Pfützen -wurden mit den Brettern bedeckt, und ohne Lebensgefahr (?) konnten -die Schauspielerinnen und Schauspieler trockenen Fusses auf die Bühne -gelangen. Der Erfolg übertraf alle Erwartungen, und stolz rühme ich -mich noch heute dieser That. Janus Tulp[190] ist ein echtes Volksstück -mit einem kräftigen Dialog und gesunder Tendenz. Ein Barbier wird durch -ein Loos Besitzer eines grossen Vermögens und Protz in optima forma. -Seine Frau und seine Tochter jedoch bewahren ihre einfachen Sitten -und kommen dadurch in Conflict mit den hochfliegenden Plänen ihres -Vaters. Die Tochter ist die Heldin des Stückes und wurde von der Frau -des oben erwähnten Lieutenants Y. mit solcher Wärme und Natürlichkeit -gespielt, dass kein Auge trocken blieb. Frau Y. hätte auf jeder Bühne -Europas eine Zierde sein können. Um 11½ Uhr war das Drama beendigt; zum -Nachhausegehen hatte aber Niemand Lust. Die Schauspieler beeilten sich, -die Schminke abzuwaschen, und schon nach einer Viertelstunde formten -alle ausübenden Mitglieder unter dem Präsidium des Residenten einen -Aufzug. Die Militär-Musik, welche in den Zwischenacten gespielt hatte, -stellte sich an die Spitze, und unter den fröhlichen Klängen eines -Tara-ra-bum-Marsches zogen wir Alle in das Clubgebäude. Die Lampen -wurden angezündet, die Musik nahm im Tanzsaale Platz, und bis zur -frühen Morgenstunde wurde nun der Terpsichore gehuldigt. - -[Illustration: Fig. 26. Ein Feld aus dem grossen Fries in den Mauern -des Buru Budur.] - -Wenn ich nun des Croquetclubs erwähne, welcher manchmal einige Wochen -oder Monate lang bestand, dann habe ich alles mitgetheilt, was den -Bewohnern Magelangs an Vergnügungen geboten wurde. Wollte man also in -die Monotonie des täglichen Lebens Abwechselung bringen, dann musste -man es in der Lectüre, in gesellschaftlichen Zusammenkünften oder im -Genuss der schönen Natur und der zahlreichen Ruinen suchen, an welchen -die Provinz Kedu aussergewöhnlich reich ist. - -Die +tägliche+ Lectüre war die »Locomotief«, welche in Samarang -herausgegeben wurde, oder der »Javabode«, welcher in Batavia täglich -erscheint; erstere kostete 40 und die Batavische Zeitung 20 fl. pro -Jahr. Natürlich erscheinen auf Java auch noch andere Zeitungen, z. -B. in Surabaya, in Djocja ein in malayischer Sprache geschriebenes -Tageblatt u. s. w., welche eine ausgezeichnete Controle der Regierung -sind, ja noch mehr; wenn auch in militärischen und Beamten-Kreisen -Jedermann ein trauriges Stigma hat, welcher »in den Zeitungen -schreibt«, so findet dennoch die Fama regelmässig ihren Weg in die -Redactionsstube, und manche Unregelmässigkeit, Nachlässigkeit oder -Uebergriff der Bureaux wird rechtzeitig der Kritik der öffentlichen -Meinung überliefert. Auch ohne diese stete und ununterbrochene Controle -der Würdenträger hat die indische Presse geradezu einen bedeutenden -Einfluss und pädagogischen Werth, der nicht hinreichend gewürdigt -wird. Mit mehr oder weniger Unrecht wird das persönliche Verdienst -der Redacteure hierbei geschmälert, nämlich durch die Behauptung, -dass der Scheere der Löwenantheil an diesem Verdienste gebühre; dies -ist wahrscheinlich richtig; aber die Mildthätigkeit hat auch oft -andere Quellen als das Verlangen, den Armen zu helfen; wer wird eine -mildthätige Stiftung zurückweisen, weil die Eitelkeit an ihrer Wiege -sass? Ob nun der Redacteur aus der Tiefe seines Geisteslebens schöpft -oder mit der Scheere bei seinen europäischen Collegen eine Anleihe -macht, kümmert den Leser gar nicht; Thatsache ist, dass die indischen -Zeitungen sehr instructiv und oft unterhaltend sind. Das Verdienst -ist um so grösser, weil Indien keine Gemeindevertretung[191] hat, -wodurch viele locale Blätter in Europa Stoff zu täglichen, meterlangen -Mittheilungen erlangen. - -Nebstdem war ich Mitglied zweier Lesegesellschaften; die eine hatte -ihren Sitz in Magelang und bot ihren Mitgliedern eine reiche Auswahl -in europäischen periodischen Zeitschriften; oft erhielt ich jeden -Sonnabend 20 Nummern, wie z. B. Fliegende Blätter, Ueber Land und -Meer, De aarde en haar volken, London News, Journal pour rire, Wiener -Caricaturen u. s. w. Die zweite wurde von einem Civil-Arzt in Samarang -verwaltet und besorgte die Fachlectüre; deutsche, holländische und -französische medicinische Wochenschriften wurden jede Woche nach -Magelang gesendet. - - - - -10. Capitel. - - Der Buru Budur -- Magelang während des Krieges mit Lombok -- - Soldatenfreunde -- Die Religionen auf Java -- Schulen für die Javanen - -- Die Dysenterie -- Leberabscesse -- Eine Expedition in den Tropen - -- Nochmals von Dienstboten -- „Der Garten von Java“. - - -Die gesellschaftlichen Zusammenkünfte in Magelang waren in der Regel -sehr amüsant; die erste, welche ich mitmachte, war ein Picknick am -Fusse des Buru Budur (= Bårå Budur = der unzählbare Buddha?). Der -Landesgerichtsrath T. hatte keine Kinder, ich hatte keine und Dr. A. -war kinderlos; wir sechs und die Familie des Dr. S. beschlossen eines -Tages, eine gemeinsame »Reistafel« unter den Palmen zu halten und zwar -am Fusse jenes 1000 Jahre alten Tempels, welcher als ehrwürdige Ruine -des alten Hindudienstes in seiner Grösse und in seinem Reichthum an -Bildarbeiten alle Pyramiden Aegyptens und alle Ruinen des Alterthums -hoch überragt. - -So schwer es fällt, das religiöse Denken der Javanen in seinen Theilen -zu erkennen, d. h. wie viel dem alt-polynesischen Glauben, wie viel -dem Bramadienste, wie viel dem Buddha-Glauben und wie wenig dem -Mohamedanismus angehört, so leicht haben sich die Gelehrten geeinigt, -den Buru Budur als dem Buddhadienste gewidmet anzuerkennen. - -Wir nahmen an einem Sonntag zwei Reisewagen, in welchen nicht nur -wir zehn Personen Platz hatten, sondern noch zwei Bediente mit dem -nöthigen Geschirr auf dem Bock sassen; am Ziele unserer Reise war ja -ein Passantenhaus, welches von einem ausgedienten Soldaten bewacht -wurde; in diesem Pesanggrâhan befanden sich nicht nur Betten, sondern -es bestand auch Gelegenheit, ein Mittagessen einzunehmen; d. h. -Reis, Früchte und Hühner konnten in den verschiedensten Formen den -Besuchern geboten werden; die Damen unserer Gesellschaft hatten also -nur für einige Speisen zu sorgen; denn auch einige Flaschen Bier, -Apollinariswasser und Rothwein hielt er in Vorrath. - -Schönes Wetter begleitete uns; wir nahmen den Weg durch die -Mörderallee, vorbei an dem Berge Tidar auf die grosse Strasse nach -Djocja; sie wird von den sie umgebenden Kampongs in gutem Zustande -erhalten; sobald die Regenzeit eintritt, wird der Schotter, welcher -in gewissen Abständen zu pyramidenförmigen Haufen längs des Weges in -Vorrath sich befindet, über die Strasse geworfen, und die schweren -Lastwagen drücken ihn in den Boden, welcher durch den Regen weich -geworden ist. Ungefähr ein Kilometer vor Muntilan geht eine schmale -Strasse nach Westen und zwar an das Ufer des Elloflusses. Kurz vor der -Einmündung dieses Flusses in den Progofluss sahen wir einen schönen -Tempel, es war der Tjandi Mendút (Fig. 19) aus Trachitblöcken. Er hat -acht Seiten und vier einspringende Ecken, ist pyramidenförmig und -hatte vielleicht eine Höhe von 25 Metern.[192] Er ist erst seit 60 -Jahren ausgegraben. Auf der Westseite befindet sich eine Treppe und ein -Eingang zu einer Halle von ungefähr 40 ☐Metern; die Mauer desselben -bestand aus porösen Trachitsteinen und war anfangs cylinderförmig und -ging in einer Höhe von ungefähr vier Metern in die Form einer spitzen -Pyramide über; ich wusste nicht, was ich zunächst bewundern sollte, die -kunstvolle Weise, in welcher dieser Saal gebaut war, oder die darin -befindlichen Statuen. Jeder Stein ruht nämlich in der angegebenen -Höhe so auf seiner Unterlage, dass er diese um einige Centimeter -überragt; ein weiterer Kitt oder Verbindungsmittel der Steine war -nicht zu sehen. Durch die Ausbrüche des Merapis wurde dieser Tempel -so erschüttert, dass der Eingang zahlreiche Risse zeigte, d. h. dass -über dem Eingange die Würfel-Steine grosse Lücken zeigten, welche -den ängstlichen Gemüthern der Damen selbst den Eintritt in die Halle -verleideten. Im Hintergrunde derselben sass Buddha mit herabhängenden -Beinen und wie zum Beten gefalteten Händen; er ist nackt, 4½ Meter -hoch, der Gesichtsausdruck erinnert an eine sanfte, gutmüthige Frau -(Fig. 25). Zu beiden Seiten befinden sich zwei weibliche Figuren, 2½ -Meter hoch, mit Ringen an den Armen und Knöcheln und Tiaras. Sollte es, -wie +Veth+[193] vermuthet, eine ihrem Gotte dargebrachte Huldigung -zweier Halbheiligen sein? - -Bald verliessen wir diesen Tempel und bestiegen wieder unsere Wagen; -aber schon nach einigen Minuten erreichten wir den Ello, auf welchem -sich zwischen zwei grossen Rottangstricken eine Fährte befand; sie -war gross genug, um die acht Pferde und die zwei Wagen aufzunehmen. -Zunächst wurden diese an das jenseitige Ufer gebracht, und dann -bestiegen wir diese primitive Fahrgelegenheit. Noch ungefähr zehn -Minuten fuhren wir, als wir plötzlich vor einem kleinen Hügel standen, -wo sich nach links der Weg wandte. Keine hundert Meter weit lag der -Tempel vor uns. Der erste Eindruck liess mich kalt. Als ich im Jahre -1884 mit Urlaub nach Europa ging, verliess ich bei Ismailia das Schiff -und fuhr mit der Eisenbahn nach Kairo, um die Cheops-Pyramide und -die Sphinx zu sehen; auch das Massenhafte und das hohe Alter dieser -Denkmäler einer untergegangenen Kunstzeit packten keine Faser meine -Nerven. Ich glaubte damals überhaupt keinen Sinn für architektonische -Schönheit zu besitzen; als ich aber zwei Monate später zum ersten -Male das neue Rathhaus in Wien sah, da fasste mich der Zauber dieses -gothischen Baues mit aller Macht. Ich trat also mehr mit Neugierde als -mit Entzücken dem Buru[194] Budur näher und sah die hunderte Gruppen -und die tausende Figuren, welche sich an den Wänden dieses Tempels -befinden. Diese Basreliefs bringen Buddhas oder Verehrer des Buddha in -allen möglichen und unmöglichen Stellungen, Scenen aus dem Leben von -Fürsten, Riesen, Schlangenkönigen, Eseln, Geistern, Thierfabeln. Leider -fehlt uns der Ariadnefaden, der uns in diesem Labyrinth als Führer -dient. - -Die Frau des Dr. A. hatte schon wiederholt diesen Tempel besichtigt; -sie nahm also die Pflichten einer Hausfrau auf sich, um mit Hülfe des -Tempelwächters und der mitgenommenen Bedienten für die »Reistafel« zu -sorgen. Wir Andern bestiegen zunächst die Haupttreppe, welche von zwei -grossen, steinernen Löwen bewacht wurde und uns zur Basis des Tempels -brachte, welche die Form eines Quadrates von 151 Metern Seitenlänge -hatte. Die äusseren Grundmauern bestanden aus Trachitblöcken, deren -oberster Rand eine Reihe von Basreliefs einnahm (Fig. 26), welche -den Typus des ganzen Gebäudes charakterisiren. Auf einigen Treppen -stieg man auf die zweite Terrasse, auf welche wieder eine Galerie -folgte, die auch eine Wand nach aussen hatte. Es sind im Ganzen zwölf -Terrassen, und das Gebäude erlangt hierdurch die Höhe von ungefähr 50 -Metern über dem Fuss des Berges. Diese Terrassen oder Galerien sind mit -hundert Gruppen von Basreliefs verziert, in welchen Buddha meistens der -Mittelpunkt der verschiedensten Scenen ist. Zahlreich sind die Nischen, -in welchen er sitzt, und ebenso zahlreich sind die kleinen Kuppeln mit -diesem Gotte. - -Ein feenhafter Anblick war es für mich späterhin, wenn ich Abends dahin -ging und der Mond den ganzen Tempel in seine silbernen Strahlen hüllte. -Es war ein Zauberschloss, aus welchem von allen Seiten, von allen -Ecken und Winkeln das sanfte, ruhige Antlitz des Gottes Buddha auf uns -niederblickte. - -Auf der Spitze des Tempels stand die grösste Kuppel von 3,6 Meter Höhe -und 9,9 Meter Breite. Sie hatte eine Spitze von 9 Meter Höhe, darin -war ein rundes Zimmer, in welchem früher wahrscheinlich das grösste -Buddhabild, das Allerheiligste, gestanden hat. - -Ich kann mich unmöglich in eine weitere Beschreibung dieses -Riesentempels einlassen; die Photographie desselben (Fig. 27) möge dem -freundlichen Leser einen schwachen Ersatz dafür bieten, und möge er -mit mir die hohe Kunst der Javanen bewundern, die vor tausend Jahren -geblüht und heute unter den fanatischen, kunstfeindlichen Bekennern des -Islams beinahe bis auf das Niveau der Naturvölker gesunken ist. - -+Rhaden Saleh+, dessen Mutter ich in Magelang behandelte, ist, -wenn auch ein bedeutender Maler, doch der einzige Künstler, welchen -Java in der Gegenwart aufweisen kann, natürlich, wenn wir von den dort -lebenden Europäern absehen. - - * * * * * - -Am 2. August des Jahres 1894 war eine andere grosse Gesellschaft bei -mir versammelt; es wurde 8½ Uhr, und Alle waren in so fröhlicher -Laune, dass Niemand daran dachte, nach Hause zu gehen, und man das -holländische Volkslied anstimmte: »Wir gehen noch lange nicht nach -Haus«. Die Stunde des Nachtmahles war herangerückt, und eine Lehrerin -stellte den Antrag, ein Picknick zu improvisiren, dass Jeder sein -Nachtmahl in mein Haus bringen lasse, um auf diese Weise der Hausfrau -ihr Amt zu erleichtern. Mit lautem Hurrah wurde dieser Vorschlag -angenommen, und um 9½ Uhr sollten wir zu Tisch gehen; aber o weh! -die zurückgebliebenen Gäste waren 13! Da die eine Lehrerin aufs -Bestimmteste behauptete, unter solchen Verhältnissen nicht zu Tisch -gehen zu wollen, liess ich meine Equipage anspannen und fuhr in den -Officiersclub, der voraussichtlich noch nicht geschlossen sein würde. -Ich täuschte mich nicht. Der erste Herr, welcher mir entgegentrat, -war Lieutenant d’A..., welchem ich die Schwierigkeit meiner Lage -auseinandersetzte und die Bitte vortrug, eine so verspätete Einladung -anzunehmen; er fuhr mit mir nach Hause und -- drei Wochen später war er -todt! - -Es war nämlich der Krieg mit Lombok[195] ausgebrochen und die -Truppen waren zum grössten Theil aus der Garnison von Magelang -genommen. Lieutenant d’A... war eines der ersten Opfer, welche der -Leichtgläubigkeit des Truppen-Commandanten zum Opfer gefallen waren. - -Die Sássak hatten schon zu wiederholten Malen bei dem Residenten von -Buleléng (auf der Insel Bali) über den Despotismus ihres Fürsten -geklagt. Alle Vorstellungen der holländischen Regierung, seinen -mohamedanischen Unterthanen, den Sássakern nämlich, einen erträglichen -Zustand zu gönnen, wie sie ihn bei ihren Glaubensgenossen auf Java -und Bali kannten, fanden immer ein zustimmendes »Ja-Ja«; aber eine -Veränderung brachte der Fürst weder in den politischen noch in den -socialen Verhältnissen der Sássak, und am 24. Juli 1893 liess er selbst -einen Controlor sechs Tage lang in Ampenan warten, um die Nachricht -ihm zukommen zu lassen, dass er weder ihn, noch einen Brief empfangen -wolle. Endlich musste Holland sich zur That aufraffen und organisirte -1894 eine Expedition, um unter dem Schutze von zwei Bataillonen -Soldaten den Fürsten von Lombok zu einer thatsächlichen und radikalen -Reorganisation seines Reiches zu zwingen. Unter dem Commando des -Generals Vetter, dem der Resident Dannenborgh als Civil-Commissar -und General van Ham als Stellvertreter zugetheilt wurde, zogen zwei -Bataillone, also ungefähr 1000 Mann, nach Lombok (6. Juli 1894). Sie -wurden aus der Garnison von Magelang genommen. In gehobener Stimmung -marschirten sie aus ihren Casernen, am Ende der Stadt erwartete sie -eine Commission von Bürgern, mit dem Residenten A. an der Spitze. Die -Soldaten erhielten Cigarren, Bier und Genevre, und den Officieren -sprach man bei einem Glase Champagner ein herzliches Lebewohl zu, ein -dreimaliges Hurrah auf die Gesundheit der Königin-Wittwe schloss diese -ergreifende Scene, und unter den Klängen eines Marsches zogen die -Soldaten zu Fuss nach Willem I, wo sie ebenfalls festlich empfangen -wurden. Am andern Morgen gingen sie per Eisenbahn nach Samarang, wo -sie sofort nach der Rhede marschirten, um sich zur Reise nach Lombok -einzuschiffen. - -Mehrere Bivouacs wurden errichtet: auf dem Landungsplatz Ampenan, -in der Hauptstadt Mataram und in der Fürstenstadt Tjakra negara. -Es geschah, was zu erwarten war. Der Fürst erklärte sich zu allem -bereit, was die holländische Regierung zu Gunsten der »armen Sássaker« -verlangte; er trat in Unterhandlung und verkehrte sehr gemüthlich und -freundschaftlich mit den Führern der Expedition, liess sich selbst Arm -in Arm mit dem General Vetter photographiren und zog die Verhandlungen -so in die Länge -- bis alles zur Vernichtung der holländischen Armee -vorbereitet war. - -Am 26. August, es war ein Sonntag, schickte der Commandant der -Marinetruppen ein Telegramm nach Batavia, dass ein bedeutendes -Gewehrfeuer auf Lombok gehört werde. Ein zweites Telegramm meldete, -dass ein Kahn mit der Nachricht von einem Massacre angekommen war, -und dass er sofort die Marine zu Hülfe schicken werde, und am 27. -August kam die Trauermär, dass in der Nacht vom 25. auf den 26. August -ein Ueberfall der Lomboker stattgefunden habe, bei welchem beinahe -die ganze Armee aufgerieben wurde. Das 7. Bataillon lagerte zwischen -Mataram und Tjakra und bekam die volle Ladung aus erster Hand. -Ahnungslos lagen die holländischen Soldaten zwischen den niedrigen -Lehmmauern, als aus Hunderten von Oeffnungen von beiden Seiten ein -mörderisches Feuer begann; auf der Flucht durch Mataram war derselbe -schaurige Höllenlärm, und erst ausserhalb der Stadt konnten sich die -Truppen zur kunstgemässen Vertheidigung vereinigen. Das 6. Bataillon -verliess sofort sein Bivouac und besetzte die leerstehende »Puri«, in -welcher es sich zwei lange Tage und drei Nächte ohne Wasser befand -und nur von den wenigen Speisen lebte, welche die Soldaten in ihren -Beuteln mitgenommen hatten. Major B. war Bivouacs-Commandant. Am Abend -des 25. August ging er allein, wie er mir später erzählte, längs der -Schildwachen spaziren und sah plötzlich einen Lomboker vor sich stehen, -welcher ihm mit geheimnissvoller Stimme zuflüsterte, ihm zu folgen; -er wolle den tuwan Major zu einem reizenden Mädchen bringen, welche -alle Bewerbungen bis jetzt verschmäht habe und nur einem »hohen« Manne -ihre jungfräulichen Reize opfern wolle. Zwei Stunden später begann -das Schiessen; Major B. liess sofort die zurückgebliebenen Truppen in -Alarmstellung treten und pries das Geschick, dass er dem Sirenengesang -dieses Verräthers nicht Gehör gegeben hatte. Ein Schrei der Entrüstung -über die Sorglosigkeit und Leichtgläubigkeit der Anführer übertönte -den Jammer der zurückgebliebenen Frauen und Kinder der Officiere -und Soldaten in Magelang. Als die lange Liste der Verwundeten und -Todten an der Mauer des Clubs angeschlagen wurde, da entlockte der -Schmerz um den gefallenen Freund mir und jedem anderen Menschenfreunde -vielleicht zu scharfe, aber doch verdiente Verwünschungen und Flüche -über den Vertrauensdusel von Männern, welche sich, an die Spitze eines -Feldzuges gerufen, wie kleine Kinder mit allen ihren Truppen in die -Falle eines schlauen und verrätherischen Fürsten locken liessen. Zwei -Damen fuhren sofort nach Surabaya, um dem Kriegsschauplatze näher zu -kommen und die Ankunft ihrer Männer abzuwarten; die übrigen blieben -in Magelang und zählten die Stunden, bis sie die Detailberichte von -ihren Männern erhalten konnten. Die Frau des Capitäns K. war die -Unglücklichste, der Name ihres Mannes stand mit dem eines Arztes und -eines Lieutenants auf der Liste der Vermissten. Der Gouverneur-General -van Wyk schickte sofort Ersatztruppen, zu denen von Magelang das 2. -Bataillon gehörte. Wiederum geleitete eine Commission die Truppen bis -an das Ende der Stadt, und wiederum leerte der Resident A. ein Glas -Champagner auf das Wohl der Truppen, welche diesmal ihre durch den -Verrath eines treulosen Fürsten gefallenen Kameraden rächen sollten. -Ich bedauere, nicht ein Maler gewesen zu sein, um eine Scene zu -zeichnen, welche mich damals mächtig erschütterte und so ergriff, -dass ich trotz aller Mühe die Thränen nicht unterdrücken konnte. -Der Ausmarsch der Truppen aus den Casernen war begleitet von lautem -Jubel und Trompetenschall, besonders die Compagnie der Amboinesen gab -durch laute Rufe ihrer Freude Ausdruck, für Vaterland und Königin den -Tod ihrer Kameraden und ihrer Freunde rächen zu dürfen. Eine grosse -Menschenmenge umstand das Exercierfeld vor der Caserne, und in lauter -Aufregung rief die Menschenmasse ein Glückauf den braven Soldaten zu, -welche ihr Leben opfern gingen, um die erlittene Schmach auszulöschen --- und im Hintergrunde sass auf der Treppe ihrer Wohnung die Frau des -Capitäns K., in thränenlosem dumpfen Schmerz versunken, brütend über -die Qualen und Martern, mit welchen ein grausamer, verrätherischer -Feind ihren Mann in diesem Augenblicke foltern würde. Sie war eine -schöne, stattliche Dame und sass in ihrem Schmerze gebrochen auf der -Treppe. Dort zog eine jubelnde Schaar kräftiger, lebenslustiger Männer, -begleitet von ihren Freunden, von Frau und Kindern, und hier sass -verlassen und einsam mit starrem, angstvollem Blick wie eine Niobe eine -unglückliche Frau, welche das Schrecklichste für ihren in den Händen -eines Eingeborenen befindlichen Mann fürchtete. - -Die braven Soldaten hielten ihr Wort: Mataram und die Fürstenstadt -Tjakra negara wurden erobert, ihre Mauern niedergerissen und die -Schatzkammer nach Holland gebracht. Der Fürst wurde nach Batavia -verbannt, wo er auch nach kurzer Zeit starb. - -Die zahlreichen Verwundeten, sowie die durch andere Krankheiten -erschöpften und invaliden Soldaten wurden mit einem Dampfer der -indischen Dampfschifffahrts-Gesellschaft zunächst nach Surabaya -gebracht. Hier hatten sich natürlich ebenfalls Commissionen aus -den Bürgern gebildet, um den Opfern des Krieges bei ihrer Ankunft -Cigarren, erfrischende Getränke, Briefpapier und Couverts u. s. w. -zu geben, und auch das Rothe Kreuz betheiligte sich mit Lust und -Eifer an diesem menschenliebenden Werke. Sobald es der Zustand der -Patienten erlaubte, wurden sie nach dem Gesundheits-Etablissement im -Tengergebirge evacuirt, wo sie sich in der Regel sehr bald von den -überstandenen Miseren erholten. So dauerte es einige Wochen, selbst -oft zwei bis drei Monate, bis sie sich so weit erholt hatten, dass -sie auf ihr Verlangen wieder nach Lombok geschickt werden, oder aber -nach Magelang zurückkehren konnten, wo Viele ihre »Frauen« und Kinder -wieder fanden. Es wurde nämlich, wie bei jedem Feldzuge, beim Abmarsch -der Truppen nach Lombok nur 20 Soldaten pro Compagnie, also ungefähr -12%, gestattet, ihre Haushälterinnen mitzunehmen. Wie ich schon an -anderer Stelle mittheilte,[196] hat man kein Recht, von einem anderen -Standpunkte als von dem der geschlechtlichen Moral diese Frauen zu -verurtheilen. Wenn auch die Haushälterinnen der Officiere ihre »Männer« -manchmal in allem Thun und Lassen, in ihrem Denken und Fühlen auf das -Niveau eines Eingeborenen bringen, so sind, wie die Erfahrung lehrt, -die Haushälterinnen der +Soldaten+ geradezu ein nothwendiges -Element der Disciplin. Die wenigsten Strafen haben Soldaten, welche -eine Haushälterin haben, und am wenigsten dem Alcohol ergeben sind -jene europäischen Soldaten, welche die »Njai« (mit oder ohne Kind) -zwingt, von ihrem Solde einige Cents täglich zum gemeinsamen Haushalte -abzutreten. Nebstdem giebt es ja viele »Soldatenfrauen«, welche mit den -eingeborenen Soldaten gesetzlich verheiratet sind. - -Die zurückgebliebenen »Frauen« waren gewissermaassen versorgt; sie -konnten in der Caserne wohnen bleiben und erhielten pro Tag ½ Kilo -Reis und 3 (?) Decagramm Salz. Ein Lieutenant führte das Commando -über die Frauencompagnie, d. h. er überzeugte sich täglich von ihrer -Anwesenheit, bei welcher Gelegenheit sie militärmässig vor ihrem Bette -standen und die Frau eines Sergeanten über die Vorfälle der letzten -24 Stunden rapportirte. Nebstdem nahm sich die Frau eines Hauptmanns -der Intendantur, welcher Verwalter des grossen Militärspitales war, -der verlassenen Frauen und Kinder an; sie sorgte, dass die Kinder -regelmässig die Schule besuchten, dass sie von Zeit zu Zeit ihrem -Vater einen Brief schrieben, dass von dem errichteten »Lombokfonds« -die verwaisten Kinder mit Kleidern und Wäsche unterstützt wurden, -dass die zurückgekommenen halbinvaliden Soldaten mit Bier, Wein, -Cigarren u. s. w. bewirthet wurden und, last not least, dass die -zurückgebliebenen Frauen sich nicht der officiellen Prostitution in -die Arme warfen. Unterstützt wurde sie in ihrem humanen Werke von -einem Missionare der Sabbatarier, welcher kurz vorher, von einigen -holländischen Damen reichlich unterstützt, nach Indien gekommen war, um -die Moral der europäischen Soldaten auf ein höheres Niveau zu bringen, -als sie bis jetzt hatten. Die Basis seines Thuns und Lassens war, die -Macht des Alcohols und der eingeborenen Frau zu brechen. Zu diesem -Zwecke errichtete er am nördlichen Ende der Stadt ein Clubgebäude für -die Soldaten, in welchem zahlreiche illustrirte Blätter auflagen und -Kaffee, Thee, Chocolade, Limonade u. s. w. für einen sehr mässigen -Preis zu bekommen waren. Diese Concurrenz der militären Cantine hatte -Erfolg; es waren genug Soldaten, welche dem Alcohol in jedweder Form -aus dem Wege gehen wollten; wenn man auch in der Cantine Limonade, -Syrup und Mineralwasser erhielt, so war es doch sehr schwer, und -für willensschwache Individuen geradezu unmöglich, dem Alcohol fern -zu bleiben. (Sagte mir ja selbst ein deutscher Militärarzt, dass er -sich dem allgemeinen Gebrauch des Genevre nicht entziehen konnte, -weil er damit den Schein auf sich genommen hätte, den holländischen -Collegen und übrigen Clubgenossen den Gebrauch des Genevre als -Untugend vorzuwerfen.) Es herrschte also in seinem Club ein ruhiger -und gelassener Ton, und dieser Theil seines Strebens und Wirkens hatte -gewiss die Sympathie jedes unbefangenen Beurtheilers der herrschenden -Verhältnisse. - -Der zweite Punkt seines Programmes ist jedoch nicht frei von Einwand. -Die Ertödtung der fleischlichen Gelüste der ledigen Soldaten hätte er -nicht anstreben sollen; wenn der Herr van der St... seine Anhänger -veranlasst hätte, mit den Töchtern des Landes eine Ehe einzugehen, -so hätte er weder gegen die heiligen Gesetze der Natur, noch gegen -die christliche Religion gesündigt; er aber verkündigte nur die -Schändlichkeit des unehelichen Lebens mit den Eingeborenen. - -Von der grossen Truppenzahl, welche in Magelang lag, also von ungefähr -4000 Mann,[197] hatten nur 13 diesen Theil des Programms angenommen, -und mein Berichterstatter selbst machte mir den Eindruck, dass diese -gewaltsame Unterdrückung des Geschlechtstriebes nur auf Kosten der -Gesundheit, d. h. gegen Tausch mit dem ekelhaften Laster der Onanie -erfolgt war. Ich muss aber bekennen, dass der Herr van der St... -praktisch und tolerant genug war, Jedermann die Thore seines Tempels -zu öffnen, und die Zahl der Besucher war so gross, dass gewiss sein -Clubgebäude im Laufe der Zeit zu klein wurde. Ja noch mehr; er nahm -sich jener Kinder an, welche der Vereinigung der Soldaten mit den -eingeborenen Frauen ihr Dasein verdankten, und sorgte mit seiner -Schwester für ihre Erziehung und für ihren Unterricht, wenn der Vater -durch Krankheit oder durch den Tod seinen Pflichten nicht gerecht -werden konnte. Leider kam er dabei in Conflict mit den Gesetzen -des Unterrichts. Eine gewisse Zahl von Kindern darf nur von einem -diplomirten Lehrer Unterricht erhalten; er wurde also gezwungen, alle -seine Schutzbefohlenen die öffentliche Schule besuchen zu lassen, da -er nicht im Stande war, für sie einen diplomirten Lehrer anstellen zu -können. Jetzt machte sich wieder eine andere Schwierigkeit geltend. -Er war Sabbathist und hielt als solcher den Sonnabend und nicht den -Sonntag für den von Gott festgestellten Ruhetag; demzufolge liess er -alle seine Zöglinge +Sonnabends+ die Schule nicht besuchen. Da -der Unterricht in Indien confessionslos ist und unmöglicher Weise -eine solche Störung des Unterrichtes gestattet werden konnte, musste -er den Staatsgesetzen sich fügen und seine Pfleglinge Sonnabends in -die Schule gehen lassen. Seine Arbeit war mir auch so sympathisch, -dass ich im September des Jahres 1896 keinen Augenblick zögerte, -durch meine Unterschrift das segensreiche Unternehmen des Herrn v. -d. St... zu empfehlen und die Stiftung eines Vereins zu veranlassen, -der die verlassenen Soldatenkinder und Soldatenfrauen zu nützlichen -Gliedern des Staates erziehen sollte. Dieser Verein sollte allen -hülfsbedürftigen Soldatenkindern ohne Unterschied der Religion zur -Seite stehen und die Erziehung eine christliche resp. protestantische -sein. - -Die herrschende Religion in Indien ist -- der Indifferentismus. - -Zahlreiche +Juden+ befinden sich in der indischen Armee, im Corps der -Beamten, im Handel und unter den Pflanzern; es besteht jedoch keine -einzige jüdische Gemeinde, kein einziger jüdischer Tempel, und es ist -mir nicht bekannt, dass die rituellen Speisegesetze und die schönen -Familienfeste der Juden jemals in Indien gehalten wurden. - -Die +Protestanten+ sind am zahlreichsten vertreten; aber die -orthodoxen, »die feinen« Protestanten, sind eine kleine, sehr kleine -Schaar. Die Regierung muss sich ja in religiösen Angelegenheiten nicht -nur wegen der Staatsgrundgesetze, sondern auch wegen der Millionen -Mohamedaner und Tausende von Heiden, über welche sie herrscht, jeder -religiösen Propaganda enthalten. Die Art und Weise, wie sie sich gegen -die Missionare der verschiedenen Religionen benimmt, kann geradezu -mustergiltig genannt werden; sie hindert nicht im geringsten Grade die -Freiheit der Religionen und ihrer Missionare; sie tritt aber überall -jedem Zelotismus entgegen und duldet nicht den geringsten Uebergriff, -von welcher Seite er auch kommen möge. Die Zahl der Protestanten ist, -wie gesagt, sehr gross; wenn eine Regierung keinen grossen Eifer in -religiösen Angelegenheiten zeigt, so ist auch die grosse Masse des -Volkes indifferent, und vielleicht ist dieses eine der Ursachen, dass -sich trotz der grossen Zahl der Protestanten kein reges, religiöses -Leben in Indien offenbart. Nur zu oft geschah es, dass ein sterbender -Kranker um die Ankunft eines »Domine« ersuchen liess, was, wie wir -sofort sehen werden, bei den »Katholiken« niemals nöthig war, weil der -»Pastor« täglich das Spital besuchte. Nur zu oft konnte dem Verlangen -eines sterbenden Protestanten nicht entsprochen werden, weil der -»Domine« sich in Djocja aufhielt und nur alle 14 Tage einmal nach -Magelang kam, um etwaige Taufen u. s. w. vorzunehmen. Uebrigens ist -der »moderne Domine« ein unglückseliges Mittelding zwischen Seelsorger -und Geistlicher. Wissenschaft und Glauben lassen sich theilweise -vereinigen; der »moderne Domine« leugnet dieses. Ich hörte einen -solchen Domine an die Soldaten, ich möchte sagen im Angesicht des -Feindes, eine akademische Rede halten, dass Jesus »ein braver Mann -und nichts mehr als ein braver Mann gewesen sei«; ich ärgerte mich -über diesen Mann, der zu den Soldaten, welche jeden Augenblick des -Ausmarsches gegen den Feind gewärtig sein mussten, nichts anderes zu -predigen wusste, als dass Jesus ein braver Mensch gewesen sei. Ihm -stand jedoch die Wissenschaft höher als der Glaube, so dass er nicht -einmal zu den Soldaten auf dem Kriegsschauplatze etwas anderes als über -den Werth der Wissenschaft zu sprechen wusste. Dieser Mann hatte seinen -Beruf verfehlt. - -Darum ist der Indifferentismus der Protestanten[198] in Indien gross. -An einigen hohen Feiertagen gehen sie in die Kirche, wenn eine solche -existirt, im Uebrigen denken sie weder an Gott noch an die Bibel. - -Die +Katholiken+ sind an Zahl eine viel kleinere Gemeinde, aber -sie sind reger und unternehmender; in Magelang hatte »der Pastor« ein -eigenes Haus und eine kleine Kirche; zahlreich sind diese über ganz -Java zerstreut. Der Sitz des Bischofs von Mauricastro ist Batavia mit -einer schönen Pastorie auf dem Waterlooplatze. Selbst in Atschin ist -eine »Pastorie«, und der Pastor Verbaak dient dort schon seit mehr als -einem Jahrzehnt, geehrt und geachtet von Freund und Feind. - -Die +Mohamedaner+ sind in Java in grosser Zahl unter den Soldaten -vertreten; von ungefähr 17000 eingeborenen Soldaten sind nur circa -1800 Christen, und zwar 12 Compagnien ambonesischer Soldaten (aus -den Molukken). In der civilen Bevölkerung Javas ist der Islam die -vorherrschende Religion; ungefähr 50000 Europäer und Halbeuropäer, -220000 Chinesen u. s. w. stehen circa 22 Millionen Mohamedanern -gegenüber, wovon circa 11000 Araber und 5000 Armenier und Türken ihre -Heimath ausserhalb Javas haben. - -Auch unter den mohamedanischen Soldaten ist die Basis ihrer Religion -Indifferentismus mit einem starken Beigeschmack von Fatalismus. -Tuwan Allah Kassih = Gott hat es gegeben, ist das Um und Auf ihrer -Lebensphilosophie. Ich habe niemals einen eingeborenen Soldaten die -vorgeschriebenen religiösen Uebungen halten gesehen; bei der Geburt -eines Kindes, beim Tode seiner Frau oder bei der Hochzeit seiner -Tochter giebt er ein Salâmatan,[199] dem ein »Hadji« präsidiren und -durch das Ableiern einiger arabischer Segenssprüche die nöthige Weihe -geben muss; natürlich unterwerfen sie sich der Beschneidung, enthalten -sich des Genusses des Schweinefleisches und trinken manchmal Schnaps, -Bier oder Wein, ohne aber Missbrauch davon zu machen; d. h. wenn bei -gewissen Gelegenheiten ein »Freischnaps« gegeben wird, finden sich -immer einige eingeborene Soldaten, welche davon Gebrauch machen. - -Der Javane ist nur ausnahmsweise ein Zelote; mein Kutscher z. B. -war in jeder Hinsicht ein rechtgläubiger Mohamedaner, er ass kein -Schweinefleisch, er trank keinen Alcohol, selbst wenn er ihm als -Medicament von mir gegeben wurde. Aber das Gebot »Du sollst zu Gott, -dem Herrn, fünfmal des Tages beten« befolgte er nicht, denn es kostet -viel freie Zeit, dieser Vorschrift gerecht zu werden; er muss sich -vor dem Gebete reinigen, weil man sich nicht im unreinen Zustande -Gott nähern dürfe. Auch dieses Bad ist mit strengen Regeln verknüpft, -so dass man also, wie erwähnt, sehr viel freie Zeit, wie z. B. ein -Hadji, oder ein Hausirer haben muss, welcher durch die Heuchelei seiner -ausserordentlichen Frömmigkeit kauflustige Dorfbewohner locken will. -Sein Glaube ist ja nicht echt; er hat noch den ganzen Aberglauben der -alten Hindureligion, gerade wie die Mythologie der alten Indier in -allen ihren Heldenliedern und ihren Wâjangs Kulit fortlebt. Aber die -äusseren Ceremonien befolgt er gern, so lange sie ihm nicht zu unbequem -sind, z. B. er wird kein Huhn von unbefugter Hand schlachten lassen, -wenn ein Mann bei der Hand ist, der das für diese Operation angewiesene -Gebet sagen kann. Ist ein solcher Dorfpriester aber nicht bei der Hand, -wird er -- das Huhn essen, auch wenn es nicht rituell geschlachtet -wurde. Dasselbe gilt von den Salâmatans. Diese werden bei allen Phasen -des täglichen, gesellschaftlichen und Familienlebens gegeben, und es -erhält der Dorfpriester (modin) die Einladung, um bei dem Festmahle -gegenwärtig zu sein, welches zu Ehren eines neugeborenen Kindes, -des Baues eines neuen Hauses, beim Anlegen eines neuen Reisfeldes -u. s. w. gegeben wird. Dieses Fest wird durch ein Gebet des Hadjis -eingeleitet, und treuherzig sagen die Anwesenden bei jeder Pause ihr -deutliches und lautes Amin, amin, obwohl sie kein einziges Wort von -demselben verstanden haben; es ist ihnen auch gleichgiltig, was der -Priester bei dieser Gelegenheit vor sich hinbrummt, wenn dieser nur in -deutlicher und vernehmbarer Sprache den Anlass des Festes mitgetheilt -hat, so dass Allah darüber keinen Augenblick den geringsten Zweifel -hegen kann. Im Allgemeinen kümmert er sich auch mehr um die bösen -Geister als um Tuwan Allah (Gott den Herrn), weil dieser gut und weise -ihm nicht schadet, jene aber durch Geschenke (Opfer) bestochen werden -müssen, um ihn nicht zu verfolgen. Helfen bei Krankheiten diese Opfer -nicht, dann muss List gegen List gebraucht werden. Ist z. B. ein Kind -krank und gelingt es der Dukun nicht, es zu heilen, so macht sie eine -Puppe z. B. aus einem Stück eines Pisangstammes, welche mit alten -Lappen umgeben wird. Diese Figur wird eine Zeit lang vor dem Hause -des kranken Kindes liegen gelassen und hierauf begraben, um den bösen -Geist glauben zu lassen, dass das Kind seinen Leiden schon erlegen sei, -so dass seine Bemühungen schon überflüssig seien. Ein anderer, häufig -angewendeter Streich ist folgender: Der Vater geht nach dem Brunnen, wo -das Kind nach seiner Ansicht sich erkältet oder im Allgemeinen seine -Erkrankung sich zugezogen hat; an dieser Stelle zündet er Weihrauch -an, um den »bösen Geist« auf sich aufmerksam zu machen, öffnet seinen -Gürtel und lässt das eine Ende ins Wasser fallen; ohne das andere -Ende des Riemens loszulassen, entfernt er sich von diesem vom Teufel -verhexten Orte (angkon), und zwar in einer der Wohnung des kranken -Kindes entgegengesetzten Richtung; der böse Geist verliert dadurch die -Spur des Kranken und -- dieser ist gerettet. - -[Illustration: Fig. 27. Totalansicht des Buru Budur.] - -Im Allgemeinen wird man nicht fehl gehen, wenn man die Quelle -aller abergläubischen Gebräuche und Sitten in dem Hinduglauben der -Vorväter suchen wird; aber ein kleiner Theil derselben ist auch ein -Importartikel der Araber, und noch mehr der Hadjis. Diese Hadjis sind -ja keine Priester stricte dictu; es sind nur Mekkapilger, welche auf -ihrer Reise nach Mekka mit Mohamedanern der ganzen Welt verkehrt hatten -und durch den Contact mit gleich wenig geschulten und gebildeten -Männern im Austausch der gegenseitigen Anschauungen in erster Reihe -das Mystische und Transcendentale angenommen haben und erst in zweiter -Reihe das Positive und Rationelle des mohamedanischen Glaubens nach -Hause mitnehmen. Dadurch sind sie auch gefährliche Elemente der Javanen -geworden; ob aber die indische Regierung keinen Missgriff begangen -hat, die Pilgerfahrt nach Mekka zu erleichtern, ist noch eine offene -Frage. Je mehr Hadjis nach Java kommen, desto kleiner sollte ihr -Einfluss werden; denn der Nimbus schwindet in demselben Verhältnisse, -als die Zahl der Würdenträger zunimmt; die Erfahrung scheint jedoch -damit nicht übereinzustimmen. Im Jahre 1888 war ein Aufstand in Bantam, -der gerade durch den Einfluss der zahlreichen Hadjis entstanden war, -um das »verhasste Joch der Kafirs« abzuschütteln; die Wohlfahrt des -Landes, die Sicherheit des Eigenthums und der Personen, welche der -Eingeborene unter der Regierung der Holländer geniesst, vergisst der -Hadji, wenn er den Prang sabib (den heiligen Krieg) predigt; aber die -grosse Menge der Javanen ist sich dieser Wohlthaten bewusst. Darum -gelingt es niemals diesen unruhigen Friedensstörern, ein grösseres Feld -für ihre Hetzereien zu finden. Seit dem grossen Javakrieg war niemals -eine Provinz (Residentie) oder auch nur ein grosser Bezirk auf Java in -Aufstand gegen die holländische Regierung; immer waren es nur einzelne -Kampongs, welchen die Hadjis einen solchen Hass gegen die Europäer -einimpfen konnten, dass sie zu den Waffen griffen. Leider scheint -der türkische Consul das Treiben der mohamedanischen Priester wenn -auch nicht gerade zu ermuthigen, so doch sicher auch nicht zu tadeln, -obzwar die holländische Regierung den Islamismus in jeder Hinsicht -unterstützt und hoch hält. Es sind ja ungefähr 15000 mohamedanische -Religionsschulen auf Java mit ungefähr 230000 Schülern; also 1% der -Bevölkerung lernt in solchen Schulen Schreiben (die arabische Schrift), -etwas Rechnen, einzelne Capitel aus dem Koran; nebstdem giebt es auch -zahlreiche Priesterschulen, in welchen die Liturgie, Dialektik und -Moral des mohamedanischen Glaubens ausführlich gelehrt werden. - -Die Stellung dieser Priester ist in den Dörfern keine lucrative, weil -eben der Javane ausser bei festlichen Gelegenheiten seinem Seelsorger -keine Geschenke giebt. Der Priester muss also theilweise selbst für -seinen Lebensunterhalt sorgen, und zwar durch Handel oder Landbau. -Am meisten wird der Puasa oder der Fastenmonat gehalten, und am Ende -desselben bringt wohl Jedermann seine Pitra dem Geistlichen des Dorfes. -In Magelang sollte im Jahre 1895 die Moschee einen Neubau erhalten; -der Kirchenrath fand es nicht rathsam, dafür die eigene Kasse in -Anspruch zu nehmen. Bald wurde es jedoch bekannt, dass Jedermann ein -gottgefälliges Werk ausüben und sicher einige Sprossen auf der Leiter -zum Himmel erobern könne, wenn er sich an dem Bau betheiligte. Ich -hatte damals eine Köchin, die vielleicht 60 Jahre alt war. Wenn um 1 -Uhr Nachmittags und um 8 Uhr Abends ihre Arbeit beendigt war, ging sie -mit einem kleinen Korbe hinab an die Ufer des Progoflusses, füllte -ihn mit Steinen und brachte sie auf den Bauplatz der Moschee und warf -jedesmal einen Duit (= ⅚ Cent) in die grosse, hölzerne Kiste, welche -zu diesem Zwecke als Opferstock am Eingang der Moschee stand; dasselbe -thaten meine übrigen Bedienten. - -Das sind natürlich Ausnahmefälle, welche die Regel bestätigen, -dass auf Java die Hadjis in den Dörfern von den Liebesgaben ihrer -Schutzbefohlenen nicht leben können. - -Ich muss noch bemerken, dass über ganz Java Volksschulen verbreitet -sind, welche sich wesentlich von jenen oben erwähnten unterscheiden, -welche quasi reine Religionsschulen sind. Die Kinder der Häuptlinge -besuchen oft die Volksschulen der Europäer (im Jahre 1887 waren nach -»Schulze’s Führer auf Java« 256 Eingeborene unter 8500 Schülern aller -Volksschulen), während für das Gros der Eingeborenen sich zahlreiche -Schulen befinden, in welchen Rechnen, Lesen und Schreiben, etwas -Naturkunde, Geographie und Geschichte von Ostindien, Zeichnen und -Singen gelehrt werden. Ich selbst habe zu wiederholten Malen Bediente -gehabt, welche schreiben und lesen konnten. Wie viel Analphabeten Java -in seiner Einwohnerzahl von ungefähr 25000000 besitzt, lässt sich nicht -einmal annähernd angeben. Diese Zahl kann nicht klein sein, weil erst -die gegenwärtige Generation unter dem Einflusse der neuen Schulen steht -und bei deren Entstehen nicht sofort alle Kinder daran theilnahmen. - -Nebstdem wird ein höherer Unterricht an die Söhne von Häuptlingen -ertheilt, welche das Cadre der künftigen Beamten bilden sollen. Leider -muss auch von diesen Schulen gesagt werden, dass die indische Regierung -im Unterrichtswesen der Eingeborenen des Guten zu viel gethan hat; -es wird z. B. in den Schulen für eingeborene Lehrer viel zu viel -auf die naturwissenschaftlichen Fächer verwendet -- ich sah ja im -Seminarium zu Bandjermasing ein vollständig eingerichtetes chemisches -Laboratorium --, und in der Schule für die Söhne von Häuptlingen in -Magelang wird -- Nationalökonomie docirt!! Der dafür angestellte Doctor -der Rechte versicherte mir zwar, dass diese Schüler der holländischen -Sprache vollkommen mächtig seien; aber auf meinen Einwand, dass -solche abstracte Theorien in dem Gehirn eines Javanen noch keinen -Platz hätten und von den 16-18jährigen Burschen unmöglich verdaut -werden könnten, konnte er mir nur entgegnen, dass in seinen Vorträgen -mehr der politischen Organisation gedacht werde, obwohl er für die -Nationalökonömie angestellt worden sei. - -Der Vollständigkeit halber muss ich auch die im ersten Bande: Borneo -erwähnten Doctor-djawa-Schulen für eingeborene Aerzte und die Schule -der ambonesischen Christen in Magelang anführen. - -+Heiden+ hat die Insel Java nur sehr wenige; im Osten Javas sind die -Bewohner des Tenggergebirges, ungefähr 4000, und im Westen auf dem -Berge Kentjana ungefähr 2000 Seelen, welche dem Hinduglauben treu -geblieben sind. In der Armee ist gegenwärtig die Zahl derselben sehr -klein, weil die africanischen Compagnien aufgehoben wurden, und die -Mohren, welche kein Verlangen hatten, in ihre Heimath zurückgesendet zu -werden, siedelten sich in der Provinz Bageléen an. - - * * * * * - -Nach der Eroberung von Tjákranegára kehrten die Truppen denselben Weg -zurück, den sie bei ihrem Auszuge genommen hatten. Das Schiff brachte -sie nach Samarang, dort bestiegen sie die Eisenbahn, und 4 Stunden -später kamen sie in Willem I an, wo sie ebenso herzlich als in Samarang -begrüsst wurden. Am andern Tage gingen sie zu Fuss bis nach Pringsurat, -wo für durchgehende Truppen ein ständiges Gebäude bestand. Da ein -Marschtag 27 Kilometer beträgt und dieser Ort von Magelang 25 Kilometer -entfernt ist, so konnten sie zwischen 9 und 10 Uhr in ihrer Garnison -anlangen. Auf dem grossen Exercierplatz zwischen der Caserne wurden aus -Bambus Hallen gebaut, und Jung und Alt, Arm und Reich war schon um 8 -Uhr auf diesem Felde versammelt, um die wackeren und braven Soldaten zu -begrüssen. Es war schon 10 Uhr, als die ersten Töne der Militär-Musik -an unsere Ohren drangen, und lauter und immer lauter wurde der Jubel, -als die Truppen zwischen den Häusern der Officierpavillons erschienen. -Es war ein trauriger Anblick, und manches Herz erzitterte bei dem -Gedanken, wie viel Elend und Entbehrung diese jungen Männer gelitten -haben mussten, dass sie so schmutzig, so blass und so verfallen -aussahen. Dennoch hatte Niemand mit ihnen Erbarmen; von Allen, die -durch ihre Stellung sich berechtigt hielten, eine Ansprache zu halten, -wollte kein Einziger seine schönen Worte der Menschheit vorenthalten, -und so mussten diese durch Krankheit und den Marsch von 25 Kilometern -ermüdeten und erschöpften Soldaten noch eine ganze Stunde lang in »Habt -Acht«-Stellung den gewiss gut gemeinten, aber auch recht unzeitgemässen -Redestrom über sich ergehen lassen. Endlich hatte der letzte Redner -sein Hip-hip Hurrah donnernd ihnen zugerufen; das Commando: Eingerückt, -marsch! erscholl, und sie zogen in ihre Caserne, wo eine Tafel für sie -hergerichtet stand, und umgeben von ihren Frauen, Kindern und Freunden -vergassen sie alles Leid, das sie erlitten, und alle Entbehrungen, -die sie erschöpft hatten. Die Reaction blieb natürlich nicht aus. Am -nächsten Tage kamen Viele ins Spital, und schon am zweiten Tage war das -Spital überfüllt. Hatte die Erwartung, ihre Garnison, ihre Freunde, -Frau und Kind wiedersehen zu können, sie während ihrer Reise »auf den -Beinen erhalten«, so forderte nach dem Rausche der ersten Freude des -Wiedersehens die Erschlaffung der überspannten Nerven ihr Recht. Die -grösste Zahl bestand aus Erkrankungen des Darmes und Fieberpatienten, -die Zahl der Dysenteriefälle und der Leberabscesse überstieg alle, -welche ich seit meinem Aufenthalte in Borneo (1877-80) beobachtet -hatte. Im Jahre 1880 herrschte im Südosten dieser Insel eine heftige -Dysenterie-Epidemie. Unter dem Drucke der herrschenden Verhältnisse -konnte ich nicht mehr thun, als dem Häuptlinge des Districtes und den -beiden dort weilenden Missionaren einige Rathschläge für die Behandlung -der Patienten und betreffs der nothwendigen hygienischen Maassregeln -zu geben. Ich konnte mir weder über den Verlauf der Krankheit, noch -über ihre Folgen ein Urtheil bilden, ich konnte nichts über die -Ursachen und die Entstehungsweise erfahren; ich konnte aber aus den -officiellen Mittheilungen einen Ueberblick über die geographische -Verbreitung dieser Epidemie gewinnen. Diesmal war ich unter günstigeren -Bedingungen. Mir war Zeit, Ort und das Wie des Entstehens bekannt. -Die meisten der Dysenteriefälle waren Recidivisten von Lombok; aber -ich bekam auch solche Kranke zur Behandlung, welche diesen Feldzug -nicht mitgemacht hatten und nicht einmal auf Lombok gewesen waren. -Diese Fälle blieben jedoch glücklicher Weise isolirt, und es entstand -keine Epidemie, weil in Magelang dazu alle Bedingungen fehlten. Nicht -locale oder meteorologische Verhältnisse habe ich dabei im Auge, -denn »ohne Einfluss sind Elevation und Figuration des Bodens, sowie -geologische Formation und physikalischer Charakter desselben«[200] -auf das Entstehen der Dysenterie-Epidemie. Ich kann mir auch keinen -grösseren geologischen und topographischen Unterschied vorstellen, -als den der Länder, aus welchen Beobachtungen von Dysenteriefällen -stammen. In Island und Grönland, in Africa, in Europa, in America und -in China und Japan kommen Dysenteriefälle entweder vereinzelt oder -in grossen Epidemien vor. Ich selbst sah den ersten Fall im Jahre -1873 in den Karpathen am Fusse des Gletschers Tartara; sieben Jahre -später befanden sich die von mir beobachteten Dysenteriefälle im -östlichen Randgebirge Borneos mit vorherrschender Kalkformation. Auf -Lombok 1894 war der reinste Typus des Alluvium, und in Magelang die -schönste tertiäre Formation. Wir müssen also dem Krankheitserreger -der Dysenterie die Ubiquität stricte dictu zuerkennen. Auch seine -Lebensdauer ist eine fürchterlich grosse. Schon 2000 Jahre vor -Christus wird dieser Krankheit in den indischen Schriften Erwähnung -gethan, und +Herodot+ wie +Hippokrates+ geben schon eine -ausführliche Beschreibung dieser Krankheit. Dieser fürchterliche Feind -der Menschheit hat also einen sehr alten Stammbaum; aber auch ihn -trifft das Schicksal alles Irdischen; »er ist werth, dass er zu Grunde -geht«, und er verschwindet unter dem mächtigen Einfluss der Hygiene. -+Bleeker+ erzählt in seinem Buche »Dysenteria tropica«, dass von -31879 Europäern, welche zwischen den Jahren 1816-1832, also innerhalb -17 Jahren, nach Indien gegangen waren, 24330 (!!) gestorben sind, und -dass - - im Jahre 1819 im Allgemeinen 1175 und an der Dysenterie 597 starben, - 1820 „ „ 1315 „ „ „ „ 472 „ - (Cholera) 1821 „ „ 2260 „ „ „ „ 801 „ - 1822 „ „ 1363 „ „ „ „ 572 „ - 1823 „ „ 1326 „ „ „ „ 505 „ - Krieg {1824 „ „ 1412 „ „ „ „ 423 „ - geg. Celes {1825 „ „ 1869 „ „ „ „ 512 „ - [1826 „ „ 2409 „ „ „ „ 992 „ - [1827 „ „ 3213 „ „ „ „ 1199 „ - Krieg {1828 „ „ 4243 „ „ „ „ 2126 „ - in [1829 „ „ 3492 „ „ „ „ 1632 „ - Java [1830 „ „ 2265 „ „ „ „ 1019 „ - [1831 „ „ 1548 „ „ „ „ 629 „ - ------- ------- - 27890 11479 - -Die Zahlen der behandelten Dysenteriepatienten waren[201] - - im Jahre 1819 5585 Soldaten - 1820 5050 „ - 1821 6963 „ - 1822 5681 „ - 1823 6063 „ - 1824 4393 „ - 1825 5719 „ - 1826 6414 „ - 1827 10985 „ - 1828 12980 „ - 1829 9818 „ - 1830 8939 „ - 1831 6490 „ - ------ - 95080 „ - -Es wurden also in diesen 13 Jahren 95080 europäische und eingeborene -Soldaten an Dysenterie »inclusive Diarrhöen« behandelt, davon starben -11479, während im Ganzen 27890 mit dem Tode abgingen; also 41% (!!) -der Gestorbenen fielen in diesem Zeitraume der Dysenterie und den -Diarrhöen zum Opfer. Interessant ist es, dass schon für diese Zeit -+Bleeker+ berichtet: »Die dysenterischen Krankheiten haben sowohl -an Extensität als an Intensität bedeutend abgenommen, so dass ihr -Charakter und Behandlung viel günstiger geworden ist.« Die Abnahme -der Dysenterie in der indischen Armee hält gleichen Schritt mit der -Entwicklung der Hygiene. Vom Zeitraume 1878-1885 berichtet Dr. +van -der Burg+ von 6324 Dysenteriefällen mit 857 Todten, d. h. also 107 -im Jahre, und in den Jahren 1891 bis 1895 kamen nur 4, 6, 2, 5 und 8 -Todesfälle der tropischen Dysenterie vor, und wenn wir billiger Weise -auch die katarrhale Form der Dysenterie nicht vergessen, welche in der -Statistik der früheren Jahre zu der tropischen Form gerechnet wurde, so -ist dennoch der Unterschied ein grosser. Im Jahre 1895 wurden in der -indischen Armee von der tropischen Dysenterie 8 und von der katarrhalen -Dysenterie 41 Soldaten unter 750 Todten im Allgemeinen hingerafft; d. -h. 6½% der Todten waren Opfer der Dysenterie, während vor 70 Jahren -41% daran gestorben waren. So sehr sich alle diese Ziffern bestreiten -lassen, steht doch diese Thatsache fest, dass die Dysenterie in Indien -bedeutend an In- und Extensität verloren hat, und nach meiner Ansicht -spielt die grössere Sorgfalt, welche dem +Trinkwasser+ gewidmet wird, -darin die Hauptrolle. - -Trotzdem die Bacteriologie bis jetzt eine hohe Entwicklung genommen -hat, stehen wir in der Dysenteriefrage noch immer einem unsichtbaren -und unbekannten Feinde gegenüber. Ob nun Amöben (Amoeba coli Lösch) -oder Bacterien (Bacterium coli commune) oder Paromaecium coli oder -Streptokokken die Krankheitserreger der Dysenterie seien, ist noch -nicht entschieden (denn auch mechanische und toxische Reizungen -des Dickdarmes [z. B. Stuhlverstopfungen, Quecksilber u. s. w.] -erzeugen ruhrähnliche Erkrankungen); und dennoch stehen wir in der -Prophylaxis nicht ohnmächtig der Dysenterie gegenüber, wenn wir uns -die Verhältnisse vor Augen halten, unter welchen bis jetzt diese -Krankheitsform in ihrer verheerenden Macht Einbusse erlitten hat. -Die individuelle Prophylaxis kann bei dieser Krankheit mehr leisten, -als der Staat helfen kann. Niemand fürchte sich vor dem Genuss der -Früchte; denn sie treten der Stuhlverstopfung entgegen und lassen im -Darme eine solche Menge nicht pathogener Bacterien entstehen, dass -sie die der Dysenterie überwinden können; man trage den jeweiligen -Temperaturverhältnissen Rechnung. In den kalten Nächten oder -Morgenstunden trage Jedermann eine Leibbinde. Das Baden möge nie mehr -als ein Reinigungsmittel sein, d. h. nicht so lange dauern, bis ein -Frösteln den Eintritt der Erkältung verräth. Jede Diarrhöe werde sofort -sorgfältig behandelt, und lässt sich vermuthen, dass eine Anhäufung -von Koth die Ursache sei, nehme man sofort ein Liqueurglas voll -Ricinusöl. In der Wahl der Getränke sei Jedermann vorsichtig; so wie -für die Soldaten im Kriegsfalle eine bestimmte Menge von Munition und -Lebensmitteln mitgenommen wird, muss auch für das Trinkwasser gesorgt -werden; vor dem Ausmarsch überzeuge sich der Commandant, dass jeder -Soldat in seiner Feldflasche Thee oder schwarzen Kaffee oder vollkommen -reines Wasser mitgenommen habe. Im Bivouac müssen die grossen Kessel -nach dem Kochen der Speisen sorgfältig gereinigt werden, oder es -müssen eigene Kessel mitgenommen werden, in denen eine hinreichend -grosse Menge Wasser ¼–½ Stunde lang in der Siedhitze gekocht wird; -hat man keine Gelegenheit, sich in der Nähe Eis zu verschaffen, so -werden sich manche Maassregeln finden lassen, um auch in den Tropen -bald die Temperatur des abgekühlten Wassers so niedrig als möglich -werden zu lassen, z. B. die Gefässe in den kühlen Grund zu senken. Das -Ueberschütten in kleinere Gefässe für die einzelnen Unterabtheilungen -der Armee wird immer hinreichen, um dem gekochten Wasser so viel -frische Luft beizumischen als nöthig ist, ihm einen erfrischenden -Geschmack zu geben; ich trinke z. B. noch jetzt nur gekochtes Wasser -und habe durch dieses Verfahren niemals den erfrischenden Geschmack -desselben entbehren müssen. Ich weiss, dass Hunger weh thut und dass -der Durst quält; aber mir ist auch aus Erfahrung bekannt, dass -mit einem geringen Maasse von Selbstbeherrschung der Durst einige -Stunden ertragen werden kann. Der Soldat werde also mit dem nöthigen -Nachdruck auf die Gefahren des Gebrauchs von ungekochtem Wasser auf -dem Kriegsterrain aufmerksam gemacht, und er wird es dann über sich -bringen, lieber einige Stunden Durst zu leiden, als sich der Gefahr -der Cholera, Ruhr u. s. w. auszusetzen. Uebrigens haben wir ja in den -Tropen eine +bis jetzt unbekannt+ gebliebene reichliche Quelle -von chemisch reinem Wasser: die Lianen. Bei der Wahl eines Bivouacs -wird ja immer dafür gesorgt, dass es in der Nähe eines Flusses oder -Teiches angelegt, die Küche oberhalb und die Aborte und Badehäuser -unterhalb des strömenden Wassers errichtet werden. Sollte jedoch trotz -aller Vorsichtsmaassregeln die Ruhr ausgebrochen sein, dann tritt die -Desinfection der Entleerungen mit der grössten Strenge und mit allen -möglichen Mitteln in ihre Rechte, und wenn die Aborte nicht über einen -grossen, starken Strom gebaut sind, dann ist es besser, Senkgruben zu -errichten, in welche täglich eine 10 cm hohe Schicht von Asche, Gyps, -Kalk oder Sand geschüttet werden muss. Eine sorgfältige Desinfection -der Entleerungen wird in der Regel hinreichend sein, das Fortschreiten -der Ruhrepidemie aufzuhalten, und es überflüssig machen, zu dem gewiss -nicht unbedenklichen Transferiren des Bivouacs nach einer ruhrfreien -Gegend übergehen zu müssen. Die Isolirung der Kranken und die grösste -Reinlichkeit dürfen natürlich in einem solchen Falle nicht vergessen -werden. - - * * * * * - -Wie den Fachleuten bekannt ist, giebt die Ruhr häufig Anlass zur -Entstehung von Leberabscessen, indem das Gift der Ruhr ins Blut -aufgenommen wird und auf dem Wege zur rechten Herzkammer in der Leber -deponirt wird. Vom Jahre 1876-1894, also während 18 Jahren, war ich -nicht in der Lage, in den Tropen Leberabscesse zu sehen, und in den -Jahren 1894 und 1895 bekam ich beinahe jeden Monat einen oder den -andern Fall dieser Krankheit zur Beobachtung oder zur Behandlung. Die -grosse Zahl derselben hatte natürlich auch zur Folge, dass so mancher -interessante Fall vorkam, der auch den Fachmann interessiren dürfte. -Bei einem Europäer z. B. stand ich Tage lang im Zweifel, ob eine -gewöhnliche Entzündung des Leberüberzuges vorhanden war, oder ob ein -Leberabscess die Ursache seiner Schmerzen sei; während des Gespräches -mit dem Patienten bekommt er plötzlich und unvermittelt einen -Hustenreiz, auf welchen die starken Brechbewegungen folgten; er hustete -den typischen Inhalt eines Leberabscesses aus, nach 14 Tagen verliess -er geheilt das Spital. Der Abscess hatte das Zwerchfell und die Lunge -durchbohrt, mündete in einen grossen Ast der Luftröhre, brach durch und --- heilte. Bei einem zweiten Patienten glaubte ich alle Symptome des -Leberabscesses vor mir zu haben, und trotz wiederholter Probepunction -gelang es mir nicht, den Sitz des Abscesses zu finden. Erst bei der 7. -Probepunction mit einer langen Hohlnadel stiess ich auf den Eiterherd, -ein Strom Eiter floss aus, ich nahm einen Theil der Rippe weg, um -freien Zugang zu dem Abscesse zu finden, und ungefähr nach sechs -Wochen verliess der Patient geheilt das Spital. Der Jahresausweis von -1895 berichtet nur von 38 Fällen von Leberabscessen (30 Europäer und -8 Eingeborene), wovon 9 starben (7 Europäer und 2 Eingeborene). Diese -Ziffer entspricht nicht den thatsächlichen Verhältnissen, weil die -Diagnosen für jeden Monat festgestellt werden müssen, und der eine Chef -nach drei Tagen, der andere nach acht Tagen und ein dritter erst am -Ende des Monats die Mittheilung der Diagnosen verlangt. - - * * * * * - -Brachte der Krieg mit Lombok auch den zurückgebliebenen Officieren -viel Abwechselung und viel Arbeit, so sollte das Jahr 1896 diesen -und also auch mir die Miseren des Kriegslebens nicht ersparen. -In Atschin hatte Tuku Umar seine Maske fallen lassen und sich -feierlich der Sultan-Partei angeschlossen. Ein neuer Feldzug -musste wieder unternommen werden, und das 6. Bataillon, welches -unterdessen auf den completen Stand eines vollkommen kriegstüchtigen -Feldbataillons[202] gebracht worden war, sollte daran theilnehmen. -Schon Anfangs April hatte sich das Gerücht in Magelang verbreitet, -dass das 6. Bataillon wieder »nach Atjeh gehen werde«; die Gesuche -der jungen Lieutenants, diesem Bataillon zugetheilt zu werden, kamen -von allen Seiten nach Batavia. Wir bekamen Befehl, die Soldaten -strenge auf ihre Kriegstüchtigkeit zu untersuchen. Endlich wurde den -eingetheilten Officieren officiell mitgetheilt, sich marschbereit -zu halten, und erst als am 23. April der Befehl kam, am 24. um 6 -Uhr früh abzumarschiren, wurde ich telegraphisch angewiesen, das 6. -Bataillon nach Atjeh »zu bringen«. Ein gleiches Schicksal hatten -zwei Jahre früher die Aerzte, welche nach Lombok gehen sollten. Die -Infanterieofficiere wussten Wochen lang vorher, dass sie (mit dem 6. -und 7. Bataillon) in den Krieg marschiren mussten; die Aerzte bekamen -erst 2-3 Tage vorher den Marschbefehl.[203] Im Mobilisirungsplane sind -schon Wochen vorher die Zahl und die Namen der Aerzte aufgenommen, -welche den Feldzug mitmachen müssen; aber die Landes-Sanitätschefs -halten sich strenge an die »geheime Ordre« und theilen die Namen der -angewiesenen Aerzte nicht mit; die anderen Corpschefs fürchten sich -nicht, ihren Officieren zur rechten Zeit einen Wink zu geben. Ich hatte -also kaum 24 Stunden Zeit, mich marschbereit zu machen. Der Inhalt -des Telegramms war nicht deutlich genug, um zu wissen, ob ich das 6. -Bataillon nur auf der Reise begleiten, oder ob ich auch weiterhin den -Feldzug mitmachen sollte. Ich musste also für alle Fälle sorgen und -mir verschaffen: Gamaschen, Revolver, dünne Matratze mit Mosquitonetz -und Polster, eine Commishose, einen Helmhut,[204] Militärschuhe, -Flanellhemden, Kerzen, Essbesteck, zwei Meter Lackleinwand, Feldflasche -mit Becher, Zwirn und Nadel und Spennnadel und Scheere, Briefpapier, -Bleistift und Taschentintenfass, Streichhölzer u. s. w. Dies alles -nebst der üblichen Wäsche und den Kleidern packte meine Frau in einen -Koffer, während ich die dienstlichen Angelegenheiten besorgte. Mein -Gärtner erklärte sich bereit, gegen eine Erhöhung seines Lohnes um 5 -fl. mit mir zu gehen, und so zogen wir am 24. April von Magelang aus. -Wieder begleitete eine grosse Menschenmasse die Truppen, und am Ende -der Stadt, bei dem Club des Herrn van der Steur nahm eine Commission -von Bürgern von uns Abschied, und bei einem Glas Champagner drückte der -Resident die üblichen Glückwünsche für unser Wohl, für den Sieg unserer -Waffen im Kampfe gegen den treulosen und verrätherischen Tuku Umar, für -Vaterland und Königin in herzlichen Worten aus. - -Unterdessen hatten die Soldaten Zeit und Gelegenheit, von diesem -ersten »Halt« den möglichst besten Gebrauch zu machen. In der Eile und -Aufregung des Abschiedes von Frau und Kind (auch diesmal durften nicht -mehr als 20 Frauen per Compagnie mitgehen) war vieles vergessen worden, -was bei bedächtigem Thun gewiss nicht geschehen wäre. Hier öffnete -der Eine den Schuh, dessen Zugriemen ihn drückte, dort entfernte sich -ein Anderer, um gewissen Bedürfnissen Genüge zu leisten, ein Dritter -lüftete die zu straff gebundene Cravatte, ein Anderer lief zum Train, -um ein Sacktuch aus dem Tornister zu holen, ohne ihn natürlich aus der -grossen Menge herausfinden zu können; ein Unterofficier bat den Herrn -van der Steur, seiner Frau und seinen Kindern hülfreich zur Seite zu -stehen u. s. w. Es war eben die sogenannte »Pishalte«, welche bei dem -Ausmarsch von Truppen die erste unerlässliche Pause bedingt. Einige -Officiere und Damen begleiteten uns bis zum »Paal« 4. Linksab befand -sich ein schmaler Weg, welcher nach Kali benéng führte, welches ein -sehr belebter Badeplatz für die Bewohner von Magelang ist. Eine Quelle -mit frischem reinen Bergwasser entspringt an dem Fusse eines Hügels; -ein Häuschen mit vier Cabinetten bietet Gelegenheit zum Auskleiden, -und da das Wasser auf der einen Seite nicht tiefer als 1½ Meter wird, -ist hier eine willkommene Badegelegenheit für Damen und Kinder. An der -andern Seite des Häuschens hat der Bach eine grössere Tiefe und wird -von den Männern gebraucht, welche des Schwimmens kundig sind. Nebstdem -befindet sich dort ein europäischer Pächter, welcher auf Verlangen -Getränke und Speisen liefert. - -Es war unterdessen 8½ Uhr geworden, die Sonne begann schon lästig zu -werden, und der Commandant der Truppen, Major X., gab Befehl, die -Cravatten und Röcke im oberen Theile zu öffnen. - -Major X. war für mich ein unerwünschter Commandant; im Jahre 1886 -waren wir beide in Atschin und er bekleidete damals den Rang eines -Oberlieutenants, und ich war schon 4 Jahre Regimentsarzt; ich duzte -ihn also damals; seit dieser Zeit war er Major geworden, und ich war -noch immer Regimentsarzt, stand unter seinen Befehlen, und als Zeichen -seiner Herablassung sprach er jetzt gegen mich mit jy und jou (= du), -ohne dass es mir die Disciplin erlaubt hätte, ein Gleiches zu thun. -So ein goldener Kragen verändert in hohem Maasse den Mann. Ich hatte -einen Collegen, mit dem ich Jahre lang im brieflichen Verkehre das »Du« -gebrauchte; er wurde Stabsarzt und ... mit Wohlgefallen liess er sich -mit Herr Stabsarzt und »Sie« tituliren. - -Ich hatte alle Ursache, auf dem Marsche auf dem vom Reglement -vorgeschriebenen Platze zu bleiben, d. h. ich blieb mit der Ambulanz -am Schlusse der Colonne, und hinter mir folgte der Train, welcher aus -den Officiersdienern, den Lastwagen, den Kulis und den Soldatenfrauen -bestand. Um 10 Uhr kamen wir nach Sedjang, wo uns die letzten -Begleiter, einige Officiere zu Pferde nämlich, verliessen. Bis dahin -war die Strasse beinahe wie eine Spiegelfläche. Im Hintergrunde -erhoben zu unserer Rechten der Telojo und der Merbabu, und zu unserer -Linken der Sumbing ihre stolzen Häupter. Hier erwartete uns der Regent -von Temunggung, um uns Glück auf! zu unserer Reise zu wünschen. Die -Truppen hielten ¼ Stunde Rast, weil wir einen steilen Weg zu ersteigen -hatten, und um 1 Uhr erreichten wir Medono, das Endziel des ersten -Tagemarsches. Wir hatten also 18 Paal = 27 Kilometer zurückgelegt, ohne -dass mehr als ein einziges Mal meine Hülfe in Anspruch genommen wurde. -Ein Officier hatte mich um ein Stückchen Pflaster für eine Blase an der -Ferse ersucht. (Die Soldaten erhalten keine Lappen, sondern Strümpfe.) -Hier in Medono hatte der »Quartiermacher«, Lieutenant-Kwartiermeester -M. für uns gut gesorgt; die Soldaten bezogen das Bivouac in Prins -Surat, und die Officiere fanden bei dem Häuptlinge des Bezirkes nicht -nur ein gutes Bett, sondern auch ein gutes Essen. - -Zunächst war es meine Pflicht, mich den Soldaten zur Verfügung zu -stellen, und ich ersuchte den Major X., das Signal »für den Doctor« -geben zu lassen; er sah mich an, als ob ich dem Irrenhause entsprungen -wäre; er besann sich jedoch nur einen Augenblick, liess »für den -Doctor« blasen und sah zu seinem Erstaunen eine stattliche Reihe von -Soldaten ankommen, welche meine Hülfe gegen diverse kleine Leiden -nöthig hatten. Die meisten unter ihnen klagten über Diarrhöe und -ersuchten mich um »einen Bauchtrank«. Ich hatte zu meiner Verfügung -zwei Verbandtaschen, eine Feldmedicinkiste und eine Feldverbandkiste, -nebstdem hatte ich eine grosse Büchse mit Medicin mitgenommen, welche -nicht in der officiellen Liste der Medicamente für den Feldgebrauch -aufgenommen war, wie z. B. Antipyrin u. s. w. Der »Bauchtrank« -bestand aus 10 Tropfen der auf Seite 196 erwähnten Choleraessenz oder -Laudanumtinctur, welche in dem Feldbecher mit Wasser gegeben wurde; -aber auch einige Officiere ersuchten mich um »ein beruhigendes Mittel -für den Bauch«. - -Die Ankunft der Truppen war natürlich vorher bekannt gewesen, und -eine grosse Schaar Klontongs (Hausirer) erwartete uns, wodurch das -Lagerleben einen romantischen Anstrich bekam. Sehr Viele eilten -natürlich zunächst nach dem Badehause, um durch Siram[205] den Körper -zu erfrischen, Andere belagerten die Klontongs, welche erfrischende -Getränke feilboten, und Einige suchten einen passenden Platz, auf -welchem sie das Leder für das Würfelspiel ausbreiten konnten. Das -Würfelspiel (màïn dâdu) wird an besonderen Festtagen auch in der -Caserne gestattet und ist eine Concession an den Charakter der -eingeborenen Soldaten. Auf dem Marsche ist es eine erwünschte und -willkommene Zerstreuung in der Ruhepause, und es bleibt in der Hand des -Commandanten, sie bis zu jener Zeit zu gestatten, welche der Nachtruhe -gewidmet werden muss. Selbstverständlich betheiligte sich auch -mancher europäische Soldat an dem Spiel. Die Hausirer mit Früchten, -erfrischenden Getränken und Bäckereien machten den ganzen Nachmittag -und den ganzen Abend ein glänzendes Geschäft; aber auch die wandernde -Garküche fehlte nicht und erfreute sich eines reichlichen Absatzes. -Wenn bei Manövern in Europa die Bevölkerung ersucht wird, auf der -Heeresstrasse für die durchziehenden Truppen Trinkwasser zur Verfügung -zu stellen, so lässt sich wenig dagegen einwenden, ja vielleicht -ist dies sehr empfehlenswerth, weil in den meisten (??) Fällen das -Wasser rein und gut ist. In Indien wäre ein solches Ersuchen geradezu -gefährlich, weil in den seltensten Fällen ein gesundheitsschädliches -Wasser ausgeschlossen wäre. Ich muss es jedoch wiederholen, dass für -das Trinken der Soldaten ebenso viel Sorge als für das Essen getragen -werden sollte, und dass +ebenso wenig die Besorgung des Trinkwassers -als die des Fleisches der Gunst des Zufalles überlassen werden sollte+. - -Gross war die Zahl der Getränke, welche den Soldaten von den Hausirern -männlichen und weiblichen Geschlechts zum Kauf angeboten wurden. Hier -sass eine Frau mit einem Haufen alter Cocosnüsse,[206] deren harte -Schale handbreit abgeschlagen war, so dass man das weisse Fleisch -derselben sehen konnte. Die Milch der Nuss, welche Klapperwasser -genannt wird, ist ein erfrischendes, kühlendes, süss-säuerliches -Getränk, welches jedoch bei Diarrhöe nicht genommen werden darf. Jede -Nuss hat ungefähr zwei Gläser dieser bisweilen mit weissen Flocken -getrübten Flüssigkeit. Dort stand ein Javane mit einem Pack grosser -Bambusstöcke, welche wie eine Schreibfeder zugespitzt waren; die -Namen, welche er mit kreischender Stimme den Passanten zurief, waren -mir unbekannt; ich weiss also nicht, was für ein Getränk er den -durstigen Soldaten für einen Cent pro Glas anbot; vielleicht war es -nur warmes Zuckerwasser, welches von den Eingeborenen gern getrunken -wird. Auch Tjien tjau, Zuckerwasser mit Agar-agar und den Körnern -der Sulassifrucht (Ocimum gratissimum), und Tjien tjau idju wurde -verkauft, das ist eine Flüssigkeit von hellgrüner Farbe, welche aus -den Blättern des Cissampelos hirsuta gewonnen wird. Hier stand eine -wandernde Garküche: Auf einem Dâpur stand ein thönerner Topf mit warmem -Zuckerwasser und kleinen Stücken von Agar-agar und kleingeschnittenen -Blättern von Djeruk purut (Papeda Rumplin). Selbst Oghio wurde -verkauft, d. h. Zuckerwasser mit Agar und Eis, welches die Hausirer -aus Magelang mitgebracht hatten; ein Chinese rief mit lauter Stimme -Stéh als Verkürzung für das herrliche Sasâté, das sind kleine Stücke -Schweinefleisch (bei den mohamedanischen Eingeborenen wird natürlich -Rind-, Ziegen- oder Lammfleisch verwendet), welche in einer Kerrysauce -gekocht und mit einem Stäbchen durchbohrt über dem Feuer geröstet -werden. - -Es würde mich zu weit führen, von allen Speisen und Getränken, welche -hier feilgeboten wurden, eine ausführliche Beschreibung zu bringen; -ich muss mich begnügen, den Totaleindruck dieses romantischen Bildes -anzudeuten. Um 6¼ Uhr brach so ziemlich unvermittelt die Finsterniss -ein, und ein Meer von kleinen Lämpchen bedeckte das bunte Lager. Um -7 Uhr kamen alle Officiere in die Veranda des Bezirkshäuptlings zum -Souper. Als rangältester Hauptmann sass ich neben dem Major X. und -betheiligte mich an dem lebhaften Gespräche, welches so ziemlich -zeitgemäss war. Ein junger Bramarbas behauptete nämlich, dass derjenige -ein schlechter Officier sei, der nicht mit Freuden in den Krieg ziehe, -und wäre es nur, um eine Gelegenheit zu finden, den militärischen -Willemsorden 4. Classe verdienen zu können. Major X. glaubte diesem -in jeder Hinsicht beistimmen zu müssen, und entrollte hierauf ein -Bild seines Gemüthslebens von der Stunde an, in welcher er den -Marschbefehl erhielt, bis auf den jetzigen Augenblick. Ganz rührend war -die Schilderung von dem Momente, in welchem er von seinem in Europa -weilenden Sohne brieflich Abschied nahm und ihn ermahnte, falls er im -Kriege fallen sollte, eine Stütze seiner Mutter und seiner Schwestern -zu werden. Sie gab mir aber auch Gelegenheit, dem jungen Bramarbas auf -Grund meiner Erfahrungen und Beobachtungen das Unnatürliche seines -Ideenganges auseinanderzusetzen. Im Anfange der Debatte hatte dieser -junge Lieutenant ein Wörtchen fallen lassen, welches dem unter den -jungen Officieren landläufigen Glauben entsprach, dass der Militärarzt -»eigentlich kein Officier sei«, weil er »nicht combattant« sei. Bei -den älteren Officieren fand er damit keine Zustimmung, weil sie aus -dem letzten Kriege in Lombok nur zu gut wussten, dass der Militärarzt -alle Misèren und alles Elend des Kriegslebens wie jeder andere Officier -mitgemacht habe, und dass von dem Militärarzt oft mehr als von jedem -Andern gefordert werde; ich selbst hatte vor einigen Monaten Manöver -mitgemacht, und musste neunmal den Truppen nachlaufen, weil neunmal -Kranke sich gemeldet hatten, welchen ich Hülfe leisten musste; die -Truppen blieben nicht stehen, und ich musste oft 10-15 Minuten lang -in Laufschritt nacheilen; dazu kam noch, dass ich nicht wie jeder -»Combattant« Monate oder Jahre lang vorher im Marschiren geübt und -trainirt war. Last not least frug ich den jungen Marssohn, wozu denn -mehr Muth gehöre, im Kampfe mit dem Feinde den Säbel zu schwingen, den -Revolver abzuschiessen und im vollen Eifer und Feuer sein Leben zu -vertheidigen, oder wie ich es z. B. in Atjeh gethan hatte, unter dem -Feuer der Truppen ruhig und gelassen den Verwundeten die erste Hülfe -zu leisten und mit Ueberlegung z. B. die Quelle der Blutung zu suchen, -während die feindlichen Kugeln um mich flogen und sausten. Im weiteren -Gespräche betonte ich, dass nach meiner Ansicht jeder nachdenkende -Officier den Krieg verabscheuen könne und müsse. Der Krieg sei ein -nothwendiges Uebel, und die Soldaten seien +verpflichtet+, in -diesem schaurigen Spiele die erste Rolle zu spielen. Der Officier, -welcher für dieses traurige Amt richtige Erkenntniss habe, sei ein -denkender Mensch, und wenn er den Ausmarsch zu dieser Arbeit mit -Wehmuth und Schmerz antrete, so sei er ein fühlender Officier, und -nicht, wie der junge Held glaube, ein schlechter Officier. In Betreff -der individuellen Seite charakterisirt die momentane Stimmung beim -Ausmarsche das Temperament des betreffenden Officiers. Dem Einen winkt -Ehre und Ruhm, dem Andern Krankheit, Wunden und Tod; der Eine ist darum -weder ein Officier mit Leib und Seele, noch ist der Andere darum ein -schlechter Officier. Der Eine denkt an Frau und Kind, und der Andere -an -- Nichts. Beide thun ihre Pflicht, vielleicht noch mehr als die -Pflicht erfordert, und ich möchte auf zwei Thatsachen hinweisen, dass -die Sorge um Frau und Kind den Muth nicht lähme, und dass der sorglose -Blick in die Zukunft nicht immer den Muth erhöhe. Der Herr Y. möge -nur das Verzeichniss der Officiere nachsehen und nachrechnen, wie viel -der Decorirten verheiratet seien, und wie viel von ihnen das Joch der -Ehe noch nicht tragen; er würde finden, dass die Sorge um Frau und -Kind das Pflichtgefühl gewiss nicht einschränke, und zweitens möge er -constatiren, ob mehr verheiratete oder mehr ledige Officiere -- mich -heute um ein Medicament zur Beruhigung des Bauches ersucht haben. - -[Illustration: Fig. 28. Ein Javane bei der Hausarbeit, d. h. ohne den -Kris (Dolch), welchen er in der Oeffentlichkeit immer trägt, und zwar -am Rücken, wie es Fig. 13 zeigt.] - -Nach der Tafel ersuchte uns Major X., bald zu Bett zu gehen, weil der -Aufbruch der Truppen um fünf Uhr stattfinden werde und wir uns daher -von dem letzten Marsche gut erholt haben müssten. Als ich darüber einen -verwunderten und fragenden Blick auf ihn warf, fügte der Major hinzu, -dass es in den Tropen rathsam sei, die Truppen wegen der herrschenden -kühlen Temperatur in den ersten Morgenstunden marschiren zu lassen; -ich war jedoch anderer Ansicht. Während die anderen Officiere uns -verliessen, machte ich ihn aufmerksam, dass der ganze Weg bis Ambaráwa -von unzähligen Sawahfeldern umgeben sei, dass wir uns also in einem -künstlichen Sumpf befänden, und dass gerade in den frühen Stunden -des Morgens die bacterientödtenden Strahlen der Sonne fehlten, dass -also gerade durch den Marsch die Soldaten den schädlichen Miasmen -dieser Felder ausgesetzt seien; hierzu komme noch, dass die meisten -Soldaten nicht früher in den Schlaf fallen würden, als sie seit Jahren -gewöhnt seien; wenn um fünf Uhr abmarschirt würde, müssten sie schon -um vier Uhr aufstehen, und könnten sich dann von den Strapazen des -vorigen Tages nicht erholt haben. Im Ernstfalle kennt man nur ein -Ziel: den Sieg, und die Gesetze der Hygiene müssten schweigen; aber in -Friedenszeiten sei es geradezu Pflicht, so weit als möglich die Kräfte -der Soldaten zu schonen, um jederzeit für den Ernstfall ungeschwächt -die Mannschaften ihrem Ziele entgegenführen zu können. Major X. gab -darauf keine Antwort -- aber erst um 5 Uhr wurde Reveille geblasen, und -um 6 Uhr war Alles zum Abmarsch bereit. - -Medóno hat eine absolute Höhe von 598 Metern, und Pingit, die -Grenzstation zwischen den Provinzen Kedú und Samarang, ist 686 -Meter hoch. Diese 91 Meter mussten wir ersteigen, um dann in diesem -Djambu-Gebirge immer bergab bis Djambu (492 Meter) und 4 Kilometer -weiter bis Ambaráwa (498 Meter) nur unbedeutende Erhöhungen des -Bodens überwinden zu müssen. Ich nahm also gerne den Vorschlag des -»Kwartiermeesters« an, ein Dos-à-dos zu miethen, um dulce et jucunde -den letzten Theil unseres Marsches zurücklegen zu können. Das -vorgespannte Pferd war jedoch öfters ganz anderer Ansicht und blieb -stehen oder drängte den Wagen nach rückwärts. Sofort kamen aber einige -Kulis vom Train und zwangen den Gaul, anständig mit ihnen Schritt -zu halten. Auf der Spitze des Berges kam uns ein deutscher Pflanzer -entgegen und lud die Officiere ein, bei ihm Halt zu machen und sich -durch ein Gläschen Champagner zum weiteren Marsch zu stärken. Major -X. glaubte jedoch dieser wohlgemeinten Einladung kein Gehör geben -zu sollen, und um circa 12 Uhr kamen wir in Djambu an, wo uns eine -Commission von Bürgern aus Ambaráwa begrüsste. Zu dieser gehörte der -brave Dr. P., welcher mich sofort in Beschlag nahm und zur »Reistafel« -einlud. Er war in seiner Equipage und wollte mich überreden, mit -dieser in die Stadt zu fahren. Ich blieb jedoch bei der Truppe, und -dieser brave College war nun gezwungen, mit mir 4 Kilometer zu Fuss -zurückzulegen. Die Stadt war zu unserem Empfange geschmückt, und Abends -war in dem Clubgebäude des Forts Willem I ein Festabend. - -Am andern Morgen brachte uns die Eisenbahn nach Semárang, wo wir -sofort nach dem Hafen gingen. Hier war der Resident mit zahlreichen -Damen und Herren anwesend, um uns bei einem Glase Champagner Glück -zu unserer Reise und zu unseren künftigen Heldenthaten zu wünschen. -Der Landes-Sanitätschef hatte natürlich (?) für mich kein einziges -herzliches Wort und beschäftigte sich nur mit den »gleich hoch -stehenden« Stabsofficieren, und das Benehmen dieses Mannes mir -gegenüber sollte demonstrativ sein: Weil ich mit »meinem Commandanten« -in Ngawie eine Meinungsdifferenz[207] gehabt hatte, musste er, der -als mein Chef mein gutes Recht einer selbständigen Ansicht hätte -vertheidigen sollen, urbi et orbi zeigen, dass ich auch ihm eine -persona ingrata geworden sei. Ob das Prestige des militärärztlichen -Dienstes dabei gewonnen hat?? -- -- - -Ich wurde angewiesen, mich auf jenem Schiff einzuschiffen, welches die -Cavallerie mit den Mauleseln überführen sollte. Ich konnte also noch -einige Stunden auf das Einschiffen der Pferde und Maulesel warten. -Endlich war das letzte dieser störrischen und widerspenstigen Thiere -an Bord, und ein lauter Pfiff der Dampfpfeife erinnerte mich und die -dienstfreien Officiere, das Schiff zu besteigen. In Atjeh angelangt, -wurde mir mitgetheilt, dass meine Transferirung eine zeitliche gewesen -wäre, und so kehrte ich mit dem nächsten Schiffe nach Java zurück und -kam am 13. Mai, nach einer Abwesenheit von 20 Tagen, in Magelang wieder -an. - -Zu Hause angekommen, erwartete mich ein kleiner häuslicher Krieg. Mein -Diener Ali hatte im Jahre 1894 einen Officier nach Lombok begleitet und -war bei dem Ueberfalle von Mataram in die Hände der Feinde gefallen. -Wenige Tage danach kam er zurück und wurde auf Befehl des Commandanten -sofort nach Java zurückgeschickt, weil der mehr oder weniger begründete -Verdacht auf ihm ruhte, dass er von dem Feinde zurückgeschickt worden -sei, um Spionendienste zu leisten. Mir wurde dieses von Niemandem -erzählt, als ich ihn in meinen Dienst nahm. Mein früherer Bedienter, -ein Javane (Fig. 28), mit dem poetischen Namen Djojo, welcher fünf -Jahre bei mir gedient hatte, erklärte mir nämlich eines Tages, er -müsste mich verlassen, weil ihn sein Dienst bei mir langweile. Gegen -dieses Argument wusste oder wollte ich nichts einwenden und gab ihm -den Abschied. Es that mir leid, ihn entlassen zu müssen, denn er war -eine treue und ehrliche Seele. Im Allgemeinen sind ja die malayischen -Bedienten die besten der ganzen Welt, wenn man sie nicht schimpft -oder schlägt. Sie sind ruhig und gelassen, betrinken sich niemals und -werden nie den Abstand zwischen sich und ihrem Herrn vergessen. Wenn -vielfach über die malayischen Bedienten geklagt wird, so geschieht es -immer nur von Menschen, welche überhaupt keinen Tact haben. Vielfach -wird auch behauptet, man müsste der malayischen oder javanischen -Sprache vollkommen mächtig sein, um den Bedienten Respect einzuflössen. -Dies ist nicht richtig. Ein solcher Bedienter kennt genau seine -Position, und es entspricht dem Charakter, den Sitten und Gebräuchen -seiner Nation, den höheren Rang immer und überall zu respectiren; -schon die Sprache der Javanen documentirt dies aufs deutlichste. Sie -unterscheidet sich je nach dem Range[208] des Sprechenden in die -Ngoko-Sprache und Kromo-Sprache. In dieser spricht der an Rang oder -Jahren Höhere gegen den Untergebenen, welcher seinerseits immer nur -in der Ngoko[209]-Sprache gegen seinen Vorgesetzten antworten darf; -auch die reiche Literatur der Javanen unterscheidet diese zwei -Sprachen.[210] Wenn man der javanischen Sprache mächtig ist, muss man -also gegen seine Bedienten nur die Ngoko-Sprache gebrauchen, sonst -glaubt er, dass man ihn höhnen will; merkt er jedoch, dass sie nur -mangelhaft gesprochen wird, so wird er gewiss die grösste Toleranz -zeigen. Ich selbst hatte dieses bei meiner Ankunft in Java erfahren; -ich ersuchte meinen Bedienten um ein Streichhölzchen und gebrauchte -das malayische Wort ajer = Wasser; ohne mich irgend den lapsus linguae -fühlen zu lassen, brachte er mir das gewünschte Streichhölzchen. Zwei -Jahre später kam der Sultan von Kutei (Ostküste von Borneo) zu mir; -ich fragte ihn, wie es seinem »+Weibe+« gehe, indem ich das Wort -parám-puwan gebrauchte; mit keiner Miene deutete er die Betise an, -die in diesem Worte lag. Später brachte er das Gespräch auf râtu = -Königin, ich musste ihn fragen, was das Wort râtu bedeutete, und in den -gelassensten Worten antwortete er: Râtu heisst die Frau des Sultans -oder Königs. Ich entschuldigte mich wegen meines lapsus linguae, was -er jedoch als überflüssig zurückwies. Ein Pendant zu diesem Falle -erfuhr ein junger Beamter, welcher zum ersten Male den Regenten seines -Bezirkes beim Empfange des Residenten sprach. Er sprach ihn mit lu -= »du« an;[210] lächelnd wandte sich der Regent, welcher ein sehr -gebildeter Mann war, gegen den Residenten und sagte in correcter und -feiner holländischer Sprache: »Die jungen Herren machen in Delft[211] -bedeutende Fortschritte; vor einigen Jahren kam ein junger Beamter zu -mir und sprach mich mit Kôwe,[212] und Herr X. spricht mich jetzt mit -lu an.« - -So tief sitzt der Respect gegenüber dem Vorgesetzten in dem -Volkscharakter der Javanen, dass es immer dem Herrn zuzuschreiben -ist, wenn sein Bedienter sich eines unziemlichen Wortes oder einer -unpassenden Bewegung schuldig macht. Natürlich giebt es auch unter den -malayischen Dienstboten mauvais sujets -- gerade wie in Europa, -- aber -es lässt sich nicht leugnen, dass gute und brave Dienstboten sich immer -bei jenen Herren melden, welche ihre Bedienten gut behandeln, d. h. bei -etwaigen Nachlässigkeiten nicht schimpfen oder selbst schlagen. - -Ich will gern noch einmal über die Dienstboten[213] sprechen, weil -ich es geradezu für ein Unglück halte, wenn in einem Hause aller 14 -Tage ein Wechsel der Bedienten stattfindet. Es ist richtig, dass der -malayische Bediente streng auf die Arbeitstheilung hält, und dass -z. B. die Köchin nicht die Arbeit des Gärtners verrichten will. Dort -aber, wo die Verhältnisse es nicht erlauben, mehrere Bediente zu -halten, verrichtet auch der malayische Dienstbote alles, was man von -ihm fordert. Es ist wahr, dass der malayische Dienstbote naschhaft -ist, aber dagegen giebt es ja ein gutes Hülfemittel; entweder sei man -nicht zu sparsam und gebe ihm ebenso gut Kaffee und Thee, als man es -in Europa thun muss, oder man schliesse es ab. Es ist wahr, dass der -malayische Dienstbote mit der Wahrheit auf gespanntem Fusse steht; -mit der grössten Ruhe wird er z. B. auf die Frage, wer dieses oder -jenes zerbrochen habe, zur Antwort geben: Sie, mein Herr! Lässt man -sich durch diese Unverfrorenheit zu einer leidenschaftlichen Antwort -hinreissen, wird er keine Antwort geben, sondern weggehen und, bei -seinen Kameraden angelangt, seiner Freude Ausdruck verleihen, dem -Herrn einen solchen Streich gespielt zu haben. Zu dieser Gewohnheit -gehört auch das »indische Taubsein«; der betreffende Dienstbote sitzt -in der Nähe hockend und starrt in die blaue Luft, er wird gerufen, -er giebt keine Antwort. Nur zu oft lässt sich die europäische Dame -hinreissen und eilt fluchend und schimpfend zu ihm hin und erhält die -einfache Antwort: »Ich habe es nicht gehört.« Dies ist ein Symptom -des Unwillens, und dafür giebt es nur ein Heilmittel: Stante pede den -Abschied zu geben. Im Jahre 1883 war ich in einem abgelegenen Fort in -Sumatra in Garnison. Ich war sehr leidend und konnte mich in Folge -meines Rheumatismus manchmal kaum bewegen. Eines Tages rief ich meinen -Bedienten, der mich hören musste; er kam nicht; so schlecht es ging, -erhob ich mich von meinem Lehnstuhl und schleppte mich nach hinten, wo -mein Bedienter hockte und mit einem wesenlosen Ausdruck seinen Blick in -dem unendlichen Weltenraum schweifen liess. Natürlich behauptete er, -meinen Ruf nicht gehört zu haben. Ich liess ihn zum Fenster treten, -schaute in sein Ohr und erklärte einfach: Ja, dies ist richtig, du bist -taub, einen tauben Bedienten kann ich nicht gebrauchen, du kannst mich -sofort verlassen. Das Fort lag an der Grenze des feindlichen Landes -Atjeh, es war daher keine Möglichkeit, einen andern Dienstboten zu -erhalten, und darum gab er mir kurz die Antwort: Baik tuwan = gut, -mein Herr! Als ich ihn aber kurz darauf ins Spital schickte, einen -»Handlanger« kommen liess und diesen zu meiner »Ordonnanz« ernannte, -da hatte ich das Heft in den Händen; er setzte sich zu meinen Füssen -nieder, faltete die Hände, neigte den Kopf und sprach sein minta -ámpon = ich flehe um Verzeihung; er war seit dieser Zeit niemals mehr -»indisch taub«. Nur die Ruhe imponirt den malayischen Dienstboten. -Meine Frau kam mir oft mit Klagen über die Nachlässigkeit u. s. w. -meines Dienstboten, ich rieth ihr in der Regel, Geduld zu haben und zu -controliren und wiederum zu controliren. Hatte dieses keinen Erfolg, so -liess ich ihn zu mir auf »das Bureau« kommen und theilte ihm mit, dass -es mir unbegreiflich sei, dass meine Frau so oft Anlass zu Tadel über -seine Arbeiten hätte, und machte ihn darauf aufmerksam, dass dies das -Thun und Lassen eines +schlechten+ Bedienten sei. - -Glaubte ich jedoch Symptome von Unwillen zu sehen, da kannte ich kein -anderes Mittel als den Abschied. War es nöthig, so deutete ich es an -und drohte ihm damit, sobald er sich wieder Aehnliches zu Schulden -kommen liess, und führte meine Drohung im gegebenen Falle immer -aus. Dieses wussten meine Bedienten, und ich hatte nur sehr selten -Ursache, sie zu wechseln, obzwar Alle immer einen gewissen Betrag -des Lohnes in Vorschuss hatten. Sie erhielten nämlich 8 bis 15 fl. -pro Monat Gehalt; 8 fl. erhielt der Gärtner und 15 fl. der Kutscher, -der »Hausbediente«, die Köchin und die Babu (Zofe) erhielten 10 fl. -monatlichen Gehalt; nebstdem erhielt Jeder 3 fl. für die Kost; die -Ueberreste meiner Mahlzeiten vertheilte die Köchin nach ihrem Belieben, -und wenn zu dem Reste von Thee oder Kaffee auch manchmal ein bischen -Zucker »nach hinten« ging und meine Frau darüber klagte, gab ich ihr -den Rath, durch die Finger zu sehen oder den Zucker hinter Schloss und -Riegel zu setzen. Dieser Gehalt war in Magelang der landesübliche; -ebenso üblich ist es, dass die Dienstboten immer von ihrem Herrn einen -Vorschuss haben. Sofort beim Eintritt ersuchen sie um einen Vorschuss -von 1-3 Monaten; in ihrer dienstfreien Zeit ist ja alles verpfändet -worden, was sie besassen. Der Kris = Dolch der javanischen Bedienten, -der Ohrschmuck (= anting-anting) der Köchin, der schöne Sarong der -Babu ruhen in der chinesischen Pfandleihanstalt und müssen ausgelöst -werden, damit sie im Dienst des Herrn anständig gekleidet gehen -können. Späterhin giebt es zahlreiche Anlässe, um wieder und wieder -einen Vorschuss zu verlangen. Aber wie ich schon erwähnt habe, dieser -Vorschuss war für mich niemals ein Hinderniss, meinen Bedienten den -Abschied zu geben, obwohl es ihnen ganz gut bekannt war, dass damit nur -eine civilgerichtliche Forderung verbunden war, welche wahrscheinlich -niemals hätte eingebracht werden können. Wenn ich mich nicht irre, -ist dies erst seit ungefähr zwölf Jahren der Fall. Vor dieser Zeit -wurden diese Forderungen strafgerichtlich als Missbrauch des Vertrauens -verfolgt und bestraft, und als die Regierung diese Maassregel als -unbillig aufhob, erhoben die Handelsleute und alle möglichen Parteien -einen lauten Protest dagegen. Die Regierung liess sich dadurch nicht -beirren, auch den Eingeborenen diesen Rechtsschutz zu gewähren und -- -es geht ganz gut. Ich selbst habe z. B. keinen Cent auf diese Weise -verloren. Als ich im Jahre 1886 in Batavia vor meiner Reise nach Ngawie -eine Babu aufnahm, gab ich ihr 15 fl. Vorschuss. Sie kam aber nicht -den Tag vor meiner Abreise in den Dienst. Ich ging zu dem Schout = -Revierinspector und theilte ihm den Vorfall mit. Der Hotelbediente, -welcher mir diese Babu empfohlen hatte, kannte ihren Namen und -Wohnort, und am folgenden Tage hatte ich mein Geld zurück. Sie selbst -erklärte, von ihrem Manne keine Bewilligung zur Abreise erhalten zu -haben. Andere sind vielleicht weniger glücklich als ich gewesen und -haben bei ihren Bedienten einige Gulden verloren. Ich muss es aber -wiederholen, dass eine gute und tactvolle Behandlung der Bedienten auch -in Java das einzige Mittel sei, um von den kleinen Nadelstichen des -Lebens verschont zu bleiben, welche der ewige Wechsel der Dienstboten -unvermeidlicher Weise mit sich bringt. - -Der oben angedeutete häusliche Krieg nahm folgenden Verlauf: Sofort -nach meiner Ankunft von Atjeh liess sich mein Kutscher durch die Babu -bei mir anmelden mit den Worten: »Minta bitjâra sama tuwan« = er -wünsche den Herrn zu sprechen. Ich fürchtete im ersten Augenblick, -etwas von einer Krankheit oder anderem Unglück meiner Pferde zu -hören, aber wie überrascht war ich, als er mir einfach mittheilte, -dass sein Sohn ein Hühnerei vor meinem Hause eingegraben gefunden -habe. Mein Hühnerstall stand im hinteren Theile des Gartens. In der -Meinung, dass er das Eigenthumsrecht des Eies für sich resp. für -seine Henne reclamiren wolle, sagte ich ganz kurz, um mich nicht -wegen eines Eies, das in Magelang zwei Cent kostete, in eine Debatte -einzulassen, er möge es behalten. Zu meiner Ueberraschung sagte er -nicht das übliche »trimah-kassih« (= ich danke), sondern warf einen -Blick der Verwunderung auf mich, schickte sich zum Weggehen an und -stotterte endlich die Worte heraus: »Vielleicht weiss der Herr -nicht, was dieses bedeutet.« Jetzt war es meine Sache, verwundert zu -sein. Ich bekannte diesbezüglich meine Unwissenheit und erfuhr nun, -dass Jemand mich behexen wolle; das Ei sei vor dem Hause eingegraben -worden mit der Zauberformel, dass das Faulen des Eies auch den -Bewohner des Hauses treffen möge; er wisse zwar nicht, ob ich die -Zielscheibe dieses Bannfluches sei; sehr gut könne auch er einen -Feind haben, der ihm dieses grosse Unglück wünsche, aber er halte es -für seine Pflicht, mir dieses mitzutheilen; das Ei sei noch frisch, -das Unheil könne also über mich noch keine Gewalt haben; aber ich -möge auf meiner Hut sein, weil nicht immer wie diesmal ein günstiger -Zufall das Faulen des Eies verhüten könne; sein Sohn habe es zufällig -gesehen, dass Ali, mein Bedienter, dieses Ei eingegraben hätte. Mir -war alles unverständlich, warum sollte Ali mich verhexen wollen, und -warum wollte mich der Kutscher vor dieser Verwünschung und Bezauberung -beschützen. Den Schlüssel zu diesem Räthsel gab mir meine Frau, indem -sie mir mittheilte, dass sie während meiner Abwesenheit wiederholt -Streitigkeiten zwischen den Bedienten bemerkt zu haben glaube. Bei -näherer Untersuchung zeigte es sich, dass alle übrigen Dienstboten Ali -hassten, weil er ein »Spion der Feinde« gewesen sei. Getreu meinem -Principe, dem Aberglauben meiner Bedienten keinen Werth beizulegen, -ohne ihn darum zu verspotten, liess ich beide Bediente zu mir auf das -Bureau kommen und theilte ihnen mit, dass ich mich nicht in ihren Zwist -mischen wolle, dass ich sie aber erinnere, den Frieden in meinem Hause -nicht weiter zu stören, und dass sie Beide am Ende des Monats meinen -Dienst verlassen müssten. Der Kutscher war der grosse Intriguant; durch -die nähere Untersuchung kam heraus, dass nicht Ali das Ei vor dem Hause -eingegraben hatte, sondern dass es der Kutscher gethan hatte, und dass -er hierauf sein Söhnlein das Ei suchen und finden liess, und dass also -Ali nicht den Plan geschmiedet hatte, den bösen Zauber und Fluch auf -mein unschuldiges Haupt zu laden. Der Frieden hielt nicht an. Ich sah -selbst den Gärtner sich mit einem Kris auf den »Spion Ali« stürzen, und -nur durch meine persönliche Intervention wurde ein Mord verhindert. -Noch vor Ende dieses Monats verliess Ali meinen Dienst, und der Frieden -war im Hinterhause hergestellt. - - * * * * * - -Magelang wird mit Recht der »Garten von Java« genannt, und alle Reize -der Tropenwelt sind dieser von fünf Bergriesen eingeschlossenen -Provinz verschwenderisch zu Theil geworden. Selbst ein ewig brummender, -ewig qualmender und rauchender Vulcan erhebt im Osten sein stolzes -Haupt und ist ein stolzer und erhabener Hintergrund dieses reizenden -Panoramas. Der Merapi ist von Wolken umhüllt, und stets steigt eine -grosse Rauchsäule zur Himmelshöhe, aber auch oft wälzt er grosse -Feuermassen über seinen kahlen Scheitel. Es ist mir nicht bekannt, wie -oft dieses in früheren Jahrhunderten geschehen ist. Verheerend müssen -seine Ausbrüche gewesen sein, wenn wir das Terrain auf Abhängen und -weit hinein in die drei Provinzen betrachten, über welche sich sein -kahles Haupt erhebt. Gewaltige erratische Blöcke bedecken die Provinzen -Kedú, Solo und Djocja. Auch der grosse Buru-Budur soll nur aus Steinen -erbaut sein, welche in früheren Jahrtausenden in den Tiefen des Merapi -geweilt hatten. Im Januar des Jahres 1894 fand die letzte[214] Eruption -statt; ein sanfter Zephyr wehte über Magelang; der Himmel glänzte in -seiner Sternenpracht; die majestätische Ruhe der Tropennacht wurde -nur durch das Quaken der Frösche und das Zirpen der Grillen gestört. -Ich ging mit einem Obersten über den Schlossplatz spazieren, als ein -unwillkürlicher und zufälliger Blick nach dem Osten des Horizontes -eine ungeheure feurige Schlange traf, welche sich von dem Gipfel des -Merapi in der Richtung nach Muntilan, also halbwegs zwischen Djocja und -unserer Stadt, hinabwälzte. Gleichzeitig fiel ein feiner Aschenregen, -der in wenigen Minuten unsere Kleider mit einer äusserst feinen und -dünnen Schicht bedeckte. Die Zeitungen hatten allerdings schon einige -Tage vorher von einer erhöhten Thätigkeit des Merapi gesprochen. Da -jedoch bei Tage der Anblick des Vulcans mit seiner variablen Rauchsäule -keine bedeutende Veränderung zeigte, so wurde dieser Notiz weiter -keine Beachtung geschenkt, und erst dieser unerwartete Anblick einer -riesigen, feurigen Schlange, welche sich in zahlreichen Krümmungen über -seinen Abhang mit unermüdlicher Dauer gegen den kleinen Vorberg wälzte, -nöthigte uns, immer und wieder den Blick auf ihn zu richten. Tage und -Wochen lang dauerte dieser Strom der feurigen Masse, und in dunklen -Nächten war die Rauchsäule von einem feurigen Kern erfüllt, welcher -jedoch nicht intensiv genug war, um auch das umliegende Terrain zu -beleuchten. - -Die Beschreibungen, welche der deutsche Gelehrte +Junghuhn+[215] -von diesem Vulcan bringt, haben, so weit sie die Spitze des Berges -betreffen, durch den Ausbruch im Jahre 1872 keinen Werth mehr; der -ganze Eruptionskegel ist verschwunden; er ist theilweise hinabgestürzt -und hat am Fusse des Berges so manches Dorf zerschmettert, oder er ist -in die Tiefen des Vulcans gestürzt, wo, laut Mittheilungen des Dr. -+Gronemann+, der abgebröckelte Kraterrand auf einem grossen Felsen -schwebend gehalten wird und der Zeit harrt, durch einen hinreichend -starken Lavastrom mit hinausgeschleudert zu werden. Einige Ingenieure -wollten sich von Djocja aus der Stätte des Feuerstromes nähern; sie -gelangten nicht weiter als bis zur kleinen Ringmauer, welche sich -einige hundert Meter am Fusse des Berges hinzieht. Aus den Spalten des -Bodens drangen ihnen heisse Dämpfe entgegen, und tiefer und tiefer -sanken die Füsse ihrer Pferde in die aufgelagerte Aschenschicht, so -dass ein weiteres Vordringen unmöglich wurde. - -Sehr oft hatte ich Gelegenheit, dieses »Arcadien Javas« zu sehen und -zu bewundern; ich wurde nämlich einige Male zu dem Vater eines meiner -Patienten, Li Tiow Poo, welcher in Temanggoeng wohnte, gerufen und -ging eines Tages mit einem Agenten der Lebensversicherungs-Anstalt -»New York« am 25. December 1894 nach Páraan. Es fehlt mir an Worten, -in würdiger Weise die schönen Landschaftsbilder zu beschreiben, welche -in langer Reihe vor meinen Augen vorbeizogen, und ich muss es einer -fähigeren Feder überlassen; denn ich kann nur mit dürren und mageren -Worten den kürzesten Weg beschreiben, welchen ich nehmen musste, um -in einem Tage auf dieser Route hin und zurück zu reisen. Bis Setjáng -war der Weg eben; hier wechselte ich die vier Pferde und verliess die -grosse Heerstrasse, um linksab, d. h. westlich, einem kleinen Wege zu -folgen, der sich am Fusse des Sumbing über Berg und Thal in zahlreichen -Windungen hinschlängelt. Bei Kranggan ist eine grosse und schöne Brücke -über den Progofluss, und mit schaudererregender Geschwindigkeit zogen -die Pferde unsern schweren Reisewagen hinab in das Thal des Flusses; -und mit genau berechneter Sicherheit erreichten sie die Brücke. Reich -bedeckt ist der Sumbing bis zu einer Höhe von 900-1000 Metern mit -Sawahfeldern, weiter sah ich europäische Gemüse, Erdbeeren, Kraut, -Tabak u. s. w. angepflanzt; der Gipfel des Berges ist jedoch kahl. -Der dichte Urwald des Merapi fehlt hier; der Raubbau hat diesen Berg, -so wie den Sindara, seinen Nachbar, entwaldet, ohne rechtzeitig für -einen Nachwuchs zu sorgen, und beide Berge sind über der Höhe von 1250 -Metern wasserarm; kein Bächlein, kein Bergstrom stürzt sich in die -Tiefe; nur das »Himmelwasser« befeuchtet den fruchtbaren Boden dieser -beiden ruhenden und vielleicht ganz ausgestorbenen Vulcane. Auffallend -waren nebstdem zahlreiche Hügel, welche in den Sawahfeldern zerstreut -lagen und mit Gras bedeckt waren; es waren offenbar erratische Blöcke -und zwar von stattlicher Höhe (10-30 Meter!), in historischer Zeit -vielleicht aus dem Sumbing herausgeschleudert; man sieht sogar in der -Kratermauer eine Oeffnung, aus welcher sie herstammen. Wie +Junghuhn+ -erzählt, sind es nach der javanischen Sagenwelt Reishaufen, welche von -einem erzürnten Gotte in einen Stein verwandelt wurden. - -In Temanggoeng bekamen wir neue Pferde; zwei Wege führen von hier aus -nach Páraan, dem Ziele unserer Reise; der eine zieht in einem grossen -Bogen (11 km lang) durch das Dorf Kedú, nach welchem die ganze Provinz -den Namen erhielt, und der andere (7½ km lang) führt direct am Fusse -des Berges dahin. Der Kampong ist ein langgestrecktes Dorf und beinahe -ausschliesslich von Chinesen bewohnt; sie sollen sehr reich sein und -dieses besonders dem Bau des Tabaks verdanken. Wir stiegen bei Lie -Tiauw Piek ab, welcher ein mit Reichthum und chinesischer Eleganz -ausgestattetes Haus bewohnte. Nachdem wir mit Bami,[216] Kimlo[216] und -einer reichlichen Reistafel mit Bier, Wein und Apollinariswasser unsern -knurrenden Magen befriedigt hatten, kamen die fünf Candidaten für die -Lebensversicherung zur Untersuchung, und schon drohte die Sonne unter -dem Horizonte zu verschwinden, als wir unsere Rückreise antraten. -Freilich hatten unsere Pferde gar keine Lust, Páraan zu verlassen; -unter lautem Schreien halfen die Chinesen den Wagen vorausschieben, -um die Pferde an ihre Pflicht zu erinnern, sie blieben ruhig stehen. -Ein Kuli fasste das eine Pferd bei der Stange und zog es vorwärts; als -Antwort darauf schlug das Pferd mit dem rechten Hinterfusse aus und -brach die Stange, an welcher die Zugriemen befestigt waren. Sofort -wurde ein Stück Bambus an der Axe befestigt, die Pferde gaben ihren -Widerstand auf, und in brausendem Galopp verliessen wir das Dorf. Um -10½ Uhr kamen wir in Magelang an, und unvergesslich bleibt mir diese -Reise; ein schöneres und lieblicheres Bild, als diese Reise mir bot, -habe ich niemals gesehen. - - - - -Schluss. - - Abreise von Magelang -- Semárang -- „Schuttery“ -- Die chinesische - Behandlung der Diphtheritis -- Das ewige Feuer -- Salatiga -- - Abschied von Semárang. - - -In Semárang, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz,[217] schloss ich -meine indische Carrière. - -Nach 10jähriger, ununterbrochener Dienstzeit hat der Officier und -Beamte Anspruch auf einen einjährigen Urlaub nach Europa. Er bekommt -freie Reise bis nach Holland für sich und seine ganze Familie und einen -Urlaubsgehalt, der je nach dem Range des Officiers zwischen 1350 und -8000 fl. pro Jahr variirt. Im Juli 1896 trat für mich dieser Zeitpunkt -ein, ohne dass ich aus verschiedenen Ursachen davon Gebrauch machte. -Ich wohnte ja in einer Garnisonstadt, welche ein italienisches Klima -hatte; ich hatte einen kleinen, aber angenehmen Kreis von Bekannten und -wohnte in einem steinernen Hause, welches mir allen Comfort erlaubte. -Zweitens sind die Sommer- oder Herbstmonate keine erwünschte Zeit für -eine Reise nach Europa; ungeheure Wärme und heftige Stürme sind keine -angenehmen Begleiter einer Seereise. Wer es kann, schiebt seine Reise -für die Monate März und April auf; thatsächlich habe ich auf meiner -Reise vom 12. April bis 13. Mai des folgenden Jahres das schönste -Wetter gehabt, welches man sich denken kann, nur einen einzigen Tag -war die See ein wenig unruhig. Wer wie ich leicht seekrank wird, -rechnet gewiss mit diesem Factor. Als ich nach Semárang (am 17. August -1896) transferirt wurde, beschloss ich, im Frühjahr 1897 von meinem -rechtlichen Anspruch auf einen einjährigen Urlaub nach Europa Gebrauch -zu machen. Ich hielt also wiederum Auction und gab dem Commissionär -den Auftrag, bis auf meinen Mylord und meine zwei Pferde, welche ich -auch in Semárang würde gebrauchen können, alles, und zwar à tout prix -zu verkaufen. Besonders mein Bücherkasten hatte einen bedenklichen -Umfang erhalten. Leider hatte ich versäumt, den Platzcommandanten um -seine Begünstigung zu bitten, und so geschah es, dass gerade an diesem -Tage grosse Feldübungen abgehalten wurden, die Officiere erst um ein -Uhr nach Hause kamen, und meine Auction wegen Mangels an kauflustigen -Officieren ein sehr geringes Erträgniss hatte. 1000 fl. erzielte die -ganze Einrichtung meines Hauses, Glas und Essservice, alle Kleider und -ein Kasten voll Bücher. Wagen und Pferde verkaufte ich drei Monate -später an einen Collegen, der mir 375 fl. dafür bezahlte. In Semárang -selbst miethete ich kein Haus, sondern zog in das Pavillonhotel, in -welchem ich und meine Frau für 250 fl. monatlich ganze Verpflegung und -zwei Zimmer erhielten. Leider sollte ich die wenigen Monate bis zu -meiner Abreise noch viel Misèren zu erleiden haben. Zunächst befiel -mich eine heftige Furunculosis, welche in fünf Monaten ungefähr 200 -Furunkeln, natürlich verschiedener Grösse, und zwar von der einer Erbse -bis zu der einer Handfläche brachte, und zweitens war ein solcher -Mangel an Aerzten, dass ich trotz meines so schmerzhaften Leidens -ausserordentlich intensive Arbeit auf mich nehmen musste, und der -Sanitätschef mir selbst den Urlaub nach Europa verweigern wollte und -bei der Regierung den Vorschlag einreichte, wegen herrschenden Mangels -an Aerzten ihnen den Anspruch auf einen Urlaub nach Europa zeitlich zu -suspendiren. Der Gouverneur-General wies jedoch diese Zumuthung zurück -mit der Motivirung, dass der Sanitätschef rechtzeitig für neue Aerzte -hätte sorgen sollen, und dass es nicht anginge, in so leichtfertiger -Weise einem Officier ein ihm zukommendes Recht zu verkümmern. - -Das Hotel, in welchem ich wohnte, lag an der letzten Krümmung des -»Bodjong’schen Weges«, einer schönen und breiten Strasse von 1½ -Kilometer Länge, und zwar gegenüber einem Garduhäuschen (Fig. 29); -das andere Ende zierte das Haus des Residenten, und daneben das des -Landes-Commandirenden, welcher den Rang eines General-Majors bekleidete. - -Dieser »Bodjong’sche Weg« ist eine Zierde der Stadt, welche im -Uebrigen vieles zu wünschen lässt. Artesische Brunnen und Dampftramway -erinnern uns zwar an ihren Rang als dritte Stadt Javas, aber sie -ist arm an Sehenswürdigkeiten, sie hat nur sehr wenige Plätze, kein -einziges monumentales Gebäude, kein einziges Denkmal, keine Museen -und nur ein unbedeutendes Theatergebäude, welches kaum diesen Namen -verdient, ein Clubgebäude, eine Freimaurerloge und Gotteshäuser für die -katholische, protestantische und mohamedanische Religion. - -Doch ganz im Verborgenen bildet, den Meisten unbekannt, eine Perle -der modernen Baukunst, die Capelle des katholischen Frauenklosters -eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges. Auf dem grossen Wege nach dem -Stationsgebäude, welches ebenfalls jedes architektonischen Schmuckes -baar ist, steht die katholische Kirche zur rechten Seite und ihr -gegenüber das Kloster der Franziskanerinnen, welche hier eine -öffentliche Schule halten. Zur Seite der Schule steht eine Capelle, -im Spitzbogen gebaut, welche im Innern die ganze Farbenpracht des -maurischen Stiles aufgenommen hat. Es ist ein überwältigender Reichthum -der Farben, welcher die Augen nicht beleidigt, sondern ergötzt. - -Das Stadthaus ist ein einstöckiges Gebäude ohne Stil und ohne Schmuck. -Ihm gegenüber liegt das Militär-Spital mit einigen Pavillons, und -an seiner Nordseite schliesst sich die Landes-Irrenanstalt an. -Das Spital ist zum grössten Theile aus steinernen Gebäuden, und -der Officierspavillon besitzt acht schöne, grosse Zimmer für acht -Patienten. Ein kleiner Garten grenzt an diesen und an den mittleren -Pavillon, in dessen erstem Stock die Krankensäle für Gefangene -sich befanden. Das Ganze ist mit einem eisernen Gitter umgeben und -sieht nach dem grossen Platz, welcher von dem erwähnten Stadthause, -der Moschee und der Wohnung des Regenten begrenzt ist. Hier werden -Sonntags um 5 Uhr Nachmittags von der Militär-Capelle oder von der -Landwehr Concerte gegeben, zu welchen sich die beau monde von Semárang -einstellt. Auf der Strasse steht eine doppelte Reihe von Equipagen, und -europäische, chinesische und arabische Sonntagsreiter und zahlreiche -Radfahrer vervollständigen dieses schwache Bild eines Corso. Die alte -und eigentliche Stadt wird von den angesehenen Europäern nicht bewohnt; -diese haben ihre »Häuser« auf dem »Bodjong’schen Wege«, im Pontjol und -Pendrian, welche sich auf einer beinahe parallel mit diesem gelegenen -Strasse befinden. »Auf Pontjol« liegt auch das alte, jetzt verlassene -Fort »Prinz von Oranje«, und zwar mitten im Sumpfe; von der Strasse aus -wird es gar nicht gesehen, weil Frucht- und andere Bäume es umgeben und -sein Dach über die Bäume nicht hervorragt. Die bombensichern Casematten -bestehen aus meterdicken Mauern, welche den Geschützen vergangener -Jahrzehnte Widerstand bieten konnten; jetzt befinden sich nur die -Bureaux der Intendantur und der Genie darin. - -Von den Strassen der »Stadt«, welche jenseits des rechten Ufers des -Flusses Ngaran oder Semárang liegen, lässt sich leider gar nichts -Rühmenswerthes sagen; sie sind schmal, ohne Bäume, haben selten ein -Trottoir, dafür aber offene, stinkende Canäle; ihre Häuser sind im -altholländischen Stile gebaut, ohne Garten, sie sind noch hässlicher -als die »alte Stadt von Batavia«. Nebstdem sind sie häufig den -Ueberströmungen ausgesetzt, so dass nur der eine Wunsch ausgesprochen -werden kann, dass die »Stadt« bald verlassen werden möge, und dass auf -dem grossen Wege von Randosari, welcher sich an den »Bodjong’schen Weg« -anschliesst, eine neue Stadt entstehen möge. - -Der Hafen ist ein primitiver Landungsplatz, ohne den bescheidensten -Ansprüchen der modernen Baukunde zu genügen. Auf dem -Ueberschwemmungscanal (Bandjir-Canal) ruhen Hunderte von Kähnen, -welche den Verkehr mit der Rhede vermitteln, und wenn wir noch die -Tausende und Tausende Mosquitos erwähnen, welche sich jeden Abend -aus den umgebenden Sümpfen, Sawahfeldern und Fischteichen erheben, -um blutdürstig die Bewohner Semárangs zu überfallen, und der grossen -Schwärme der niedlichen Reisvögel gedenken, welche den Bodjong’schen -Weg beleben, dann ist alles Wissens- und Sehenswerthe dieser Stadt -mitgetheilt. - -Im Spitale war mein Wirkungskreis derselbe wie in Magelang. Ich hatte -meinen »Saal« zur Behandlung europäischer Patienten und war wiederum -Mitglied der Superarbitrirungs-Commission. Diese hatte sich auch mit -bürgerlichen Angelegenheiten insofern zu beschäftigen, als jene Bürger, -welche von den Stadtärzten ungeeignet zum Dienst für die Bürger- und -Feuerwehr erklärt wurden, von uns superarbitrirt werden mussten. Diese -Bürgerwehr befindet sich nur in den fünf Städten Batavia, Semárang, -Surabaya, Djocja und Solo und hat die ganz richtige und gesunde Idee -zur Basis, in Zeiten der Gefahr und des Aufruhrs, bei Mangel an -Militär bei der Handhabung der Ruhe und Ordnung in diesen Städten zu -assistiren; sie besteht also nur aus Europäern und Halb-Europäern, und -der jeweilige Resident dieser fünf Provinzen ist der Ober-Commandant -der Bürgerwehr (Schuttery), welcher im gegebenen Falle seine Truppen -unter das Commando des militärischen Platz-Commandanten stellen -kann. Dieses Princip, dass in Zeiten der Gefahr und der Noth die -Bürger das Recht oder die Pflicht oder beides haben sollten, -ihre Stadt zu vertheidigen und zu beschützen, wird aber nicht -consequent durchgeführt, und dadurch wird die »Schuttery« zu einem -»Veteranen-Verein« der kleinen Städte Deutschlands degradirt. Wenn es -Pflicht eines jeden Bürgers ist, sein Vaterland oder seine Vaterstadt, -zu vertheidigen, warum sind davon »Haus- und andere Bediente und -Gemeindearme« ausgeschlossen? Wenn es ein Recht eines jeden Bürgers -ist, sich in den Waffen üben zu dürfen, wieder mit dem Zwecke, in -Zeiten von Aufruhr und Gefahr helfend und beschützend auftreten zu -können, warum wird den genannten Personen dieses Recht vorenthalten? -Warum wird diese Pflicht »hohen Beamten, Gerichtspersonen, Predigern, -Apothekern, pensionirten Officieren, Eisenbahn- und Tramway-Beamten, -Telephon-, Post- und Telegraphen-Beamten u. s. w. u. s. w.« nicht -auferlegt? Die Kostenfrage spielt keine Rolle; denn die »Schutters« -erhalten vom Staate nur die Waffen und im Bedarfsfalle einen den -Soldaten entsprechenden Sold. Selbst die Uniform, welche nur für den -Officier etwas kostspielig ist, bezahlen sie aus eigenem Vermögen; -sie besteht aus weisser Hose und weissem Röckchen ohne Schösse. Die -Officiere haben dunkle Kleider aus Tuch oder Serge und Epauletten und -Fouragères (Schulterquasten mit Schnüren) aus Gold oder Silber. Die -weissen Uniformen, aus russischer Leinwand oder ähnlichen Stoffen -verfertigt, sind ganz hübsch und zweckmässig auf dem Exercierplatz -und bei der Parade; sie haben aber den Nachtheil, dass das scharfe -Licht der Tropensonne zu stark reflectirt wird. (Im abessynischen -Kriege litten die Augen der englischen Soldaten dadurch, und sie waren -nebstdem eine grosse Zielscheibe für den Feind.) Schon bei Manövern -ist diese weisse Uniform unpraktisch, weil der geringste Schmutzfleck -deutlich sichtbar ist. Im Kriege werden sie natürlich von den Soldaten -und Officieren zu Hause gelassen, und für die »Schuttery« eine Ursache -sein, sich an einer offenen Feldschlacht nicht zu betheiligen. - -[Illustration: Fig. 29. Ein Garduhäuschen = Polizeiwachstube (im -Ellothale).] - -Wenn dieses Corps nur zu oft die Zielscheibe schlechter Witze von -Seiten der Berufssoldaten und Officiere ist, so dass das Wort -»Schutter« als Prototyp eines indisciplinaren und ungeschulten Soldaten -in der Caserne heimisch ist, so ist die Organisation derselben doch -eine richtige. Die Disciplin ist in keiner Armee Selbstzweck, sie ist -nur Mittel zu dem Zwecke, ein geordnetes Zusammenleben von so viel -Hunderten und Tausenden von Männern zu ermöglichen, und den Mann zu -einem fügsamen und tauglichen Theil dieses grossen Mechanismus zu -erziehen. Die »Schutter« sind aber nicht casernirt; ein grosser Factor, -eine strenge Disciplin zu handhaben, entfällt also. Die Abrichtung und -Erziehung des Schutters kann also bleiben, wie sie jetzt geübt wird. -Aber die Pflicht zum Eintritt in die »Schuttery« werde verallgemeinert -und das Ziel derselben möge keine »Soldatenspielerei« sein, sondern -alle gesunden Männer zu kräftigen Wehrmännern heranziehen, welche in -der Zeit der Noth sich und dem Staate vortreffliche Dienste leisten -könnten. - -Ich muss noch erwähnen, dass die unvermeidlichen Ausgaben der -Verwaltung und der Musik aus dem Schutteryfonds gedeckt werden, -zu welchem die »Befreiten« ihre jährliche Contribution und die -»Gestraften« ihr Scherflein beitragen. Für die meisten disciplinaren -Vergehen werden nämlich Geld- und keine Freiheitsstrafen auferlegt. - -Die Superarbitrirungs-Commission hatte gegenüber diesen Herren oft -einen sehr schwierigen Standpunkt. Einer derselben hatte z. B. über -einen Herzfehler geklagt, und der Stadtarzt glaubte ihn dafür zu dem -Dienste der »Schuttery« untauglich erklären zu müssen. Der Dienst -dieser Leute ist nicht anstrengend; sie haben nur einmal in der -Woche von 5-6 Uhr zu exercieren und sich in einigen Wochen im Jahre -an der Scheibe zu üben. Nun, Herzfehler und Herzfehler können noch -sehr differente Zustände sein. In unserm Falle hatte der Recrut, ein -junger Halbeuropäer von 19 Jahren, ein leichtes Geräusch, wie es bei -Anämie (Blutarmuth) vorzukommen pflegt. Mir ist nicht bekannt, was -die Superarbitrirungs-Commission beschlossen hatte; dieses geschah im -Jahre 1896, als ich noch in Magelang sass. Der junge Mann bekam jedoch -eines Tages Lust, Soldat zu werden, er liess sich anwerben, bekam 300 -fl. Handgeld, und sofort meldete er sich krank, er könne wegen eines -Herzfehlers nicht exercieren! Dabei präsentirte er mir das Zeugniss -des Stadtarztes, welcher ihn selbst für den Dienst bei der »Schuttery« -untauglich erklärt hatte. Ich untersuchte ihn genau und fand, wie -ich schon erwähnt habe, nur ein geringes anämisches Geräusch. -Entrüstet hielt ich ihm vor, dass er auf diese Weise den Staat um -so viel hunderte Gulden beschwindelt habe. Dies liess ihn natürlich -kalt. Ich theilte ihm nebstdem mit, dass sein Herzfehler von keiner -Bedeutung sei, dass er ganz unbesorgt seine dienstlichen Obliegenheiten -verrichten könne, und dass ich es für Unwillen auffassen würde, wenn -er sich jemals wieder wegen dieser fraglichen Krankheit dem Dienst -entziehen würde. - -Durch ganze zwanzig Jahre hatte ich keinen Diphtheritisfall gesehen. -Wenn auch im Allgemeinen Erwachsene seltener als Kinder von dieser -Krankheit ergriffen werden -- der vielfach erwähnte Jahresbericht -der indischen Armee vom Jahre 1895 weist keinen einzigen Fall dieser -Krankheit auf --, so muss ich es dennoch für einen besonderen -Zufall halten, dass ich in diesem langen Zeitraume keine einzige -diphtheritische Erkrankung der Kehle zu Gesicht bekam. Der Zufall -ist um so merkwürdiger, als in Indien diese Krankheit factisch -häufig vorkommt und gewissen +chinesischen Curpfuschern+ eine grosse -Berühmtheit verschafft hat. Selbst der Chef-Apotheker der indischen -Armee hatte vor einigen Jahren das Unglück, zwei seiner Kinder von -dieser tückischen Krankheit ergriffen zu sehen. Auch er liess einen -berühmten chinesischen Heilkünstler zu sich kommen, und trotzdem verlor -er seine Kinder. Es ist eine traurige Erscheinung, welche ich im -ersten Theile Seite 165 besprach, dass die Therapie der europäischen -Aerzte bis jetzt nicht nur wenig in die tiefen Schichten der indischen -Eingeborenen eingedrungen ist, sondern dass im Gegentheil die -Behandlung vieler Krankheiten, wie sie von den Malayen geübt wird, die -Europäer und selbst europäische Aerzte zu einem Hymnus veranlasst. -Auch Dr. +van der Burg+ schreibt über die Behandlung der Diphtheritis -im zweiten Theile seines grossen Werkes,[218] Seite 380: ... Das -Publicum setzt grosses Vertrauen in die Behandlung von diphtheritischer -Kehlentzündung durch Chinesen, +wodurch manchmal gute Resultate erzielt -werden+. Auch diese chinesischen Heilkünstler huldigen dem Principe -aller Curpfuscher: Die günstigen Erfolge mit allen Glocken der Reclame -urbi et orbi zu verkündigen; bei den übrigen Fällen ist der Rest -- -Schweigen. - -Worauf sind denn die günstigen Erfolge der Chinesen basirt? 1. Auf die -unrichtige Diagnose. Ich selbst habe im Jahre 1889 in Ngawie eine -Dame mit Erfolg behandelt, welche wegen ihrer »Diphtheritis« (??) -von Geneng zu mir gekommen war; sie hatte eine Stomatitis crouposa, -d. h. die ganze Mundhöhle war mit einem weissen Beschlag bedeckt, -welchen sie und ihre Familie für einen diphtheritischen erklärten. -Auch in Europa wird gegenwärtig die Diphtheritis viel häufiger -diagnosticirt, als es sein sollte. Die Anwesenheit des +Löffler+’schen -Diphtheritis-Bacillus ist die Basis dieser Diagnose, und wenn die -Serumtherapie so günstige Erfolge aufzuweisen hat, ist zweifellos diese -unrichtige Basis der Diagnose Diphtheritis, wie auch +Kassowitz+ und -Andere mit Recht bemerken, der Urheber dieser Erfolge. Unschuldige -Affectionen der Mundhöhle, des Rachens und des Kehlkopfes werden also -von den chinesischen Curpfuschern als Diphtheritis behandelt, und der -günstige Verlauf dieser Krankheiten wird von ihnen als Heilung der -Diphtheritis durch ihre Therapie ausgeschrieen. 2. Giebt es zahlreiche -Diphtheritisfälle, ja selbst Epidemien dieser Krankheit, welche durch -ihre »Gutartigkeit« charakterisirt sind, d. h. bei jeder Therapie -oft kaum 20% Todesfälle aufzuweisen haben. Dies gehört in Indien -zu der Regel; nur selten geht dort der Process vom Rachen auf den -Kehlkopf über und erfordert den Kehlkopfschnitt. Dies war der Fall -mit jenem Patienten, welcher von Dr. W. behandelt und wegen drohender -Erstickungsgefahr in das Spital geschickt wurde, und welcher der -einzige Fall von Diphtheritis war, den ich in Indien beobachten konnte. - -Der Curiosität halber glaube ich die Behandlung der Chinesen hier -mittheilen zu sollen, wie sie Dr. +van der Burg+ beschreibt. Auch Dr. -+Vordermann+ hat s. Z. einige Recepte des chinesischen »Pulvers zum -Einblasen« angegeben. Dr. +van der Burg+ schreibt hierüber Folgendes: -»Es wird von den Chinesen besonders schwache Nahrung und schwacher -Luftwechsel verlangt; dann blasen sie ein röthliches oder grünliches -Pulver mit einem dünnen, hohlen Bambusröhrchen auf die ergriffenen -Stellen der Kehle ...« Die chemische Untersuchung des am häufigsten -gebrauchten Pulvers ergab nach +van der Wiel+ folgendes Recept: - - 2 Theile Sulphuret arsenici (tsee houang), - 3 „ „ hydrargyri (tju séh), - ½ „ Sulphas cupri (tan-fan), - 3 „ Borax (pang sha), - 2 „ Kampfer (ping pien), - 1 „ Moschus (shie hiang), - 3 „ Chloretum natrium (ché jèn), - 3 „ Perlen (tjien tju), - 3 „ Bezoarstein[219] (niu hoang), - 2 „ Bambussteine (tschou houang), - 2 „ Radix salviae multiorhizae (tan seng), - 2 „ Galle (?) (hiem tàk), - ½ „ der Baumrinde von? (djie tèh), - 3 „ Excremente von Kakerlaken[220] (tay-ka-toi) und - eingedämpftem Urin von Kindern (jin tchong pe), - -dieses alles wird gemischt, pulverisirt und 2-3mal jede Stunde in den -Mund eingeblasen!! - -Auch die Diphtheritis fordert in Indien zur Zeit der Kentering[221] die -meisten Opfer. In der Regenzeit verhindern die grossen Wassermassen -mechanisch die Entwickelung schädlicher Bacterien, in der trockenen -Jahreszeit versengen die heissen Strahlen der Tropensonne die Keime -aller zymotischen Krankheiten. In der Uebergangszeit dieser beiden -Jahreszeiten (Kentering) sind die Tropen ein Riesen-Brutkasten für -alle Krankheitserreger, und ebenso sind unausgesprochene Monsune, -die »trockene« Regenzeit (Westmonsun) und die »nasse« trockene -Zeit (Ostmonsun) für das einzelne dazu disponirte Individuum die -gefährlichste Zeit. Leider ging es auch mir während des Aufenthaltes -in Semárang schlecht. Wir hatten zur Zeit des Westmonsuns viele, ja -selbst zahlreiche Tage, an welchen es nur wenige Stunden, und noch -dazu in kleinen Mengen regnete. Die Feuchtigkeit, organische Stoffe -und Wärme waren in hinreichendem Quantum vorhanden, um ein üppiges -Wuchern aller möglichen schädlichen Bacterien zu veranlassen; ich -bekam die Furunculosis. So schmerzhaft die ersten Furunkeln waren, -so wenig störten sie mich in meinen täglichen Arbeiten. Das Spital -war in der nächsten Nähe; wenn ich auch unter Beschwerden den kurzen -Weg dahin zurücklegte, und auch die Behandlung von 50-60 Patienten -immerhin mit einiger Bewegung verbunden war, so überwand ich doch die -Schmerzen, weil einerseits damit keine Gefahr verbunden war, weil ich -andererseits zu Hause die Langeweile fürchtete, und weil ein solcher -Mangel an Aerzten herrschte, dass schon durch den Ausfall Eines Arztes -die Patienten des Spitals hätten leiden müssen. Unterdessen (Ende -Februar) hatte ich mein Gesuch um einen einjährigen Urlaub nach Europa -eingereicht und hoffte, da ein solches Gesuch gewöhnlich drei Wochen -zu seiner Erledigung nöthig hat, Mitte oder Ende März abreisen zu -können; sie erfolgte in dieser Frist nicht. Die Furunkeln heilten zwar, -es kamen aber jedoch immer neue hinzu; ich kam herunter und endlich -entschloss ich mich, den Dienst einzustellen, und der Garnisonsdoctor -gab mir ein ärztliches Zeugniss, dass ich wegen allgemeiner -Furunculosis einen Urlaub ins Gebirge dringend nöthig hätte. Am 25. -März 1897 ging ich mit der Eisenbahn nach Salatiga. Leider habe ich -dadurch das »ewige Feuer« nicht gesehen, von dem +Veth+ eine -ausführliche Beschreibung bringt und 5 km entfernt von Gubuk gefunden -werden soll. Aus Oeffnungen in dem Boden strömt ein brennbares Gas -aus, welches, einmal entzündet, wie Einige behaupten, zwar durch -Stampfen in der Umgebung, starkes Blasen oder durch Wasser ausgelöscht -werden kann, sich aber durch die Berührung mit der Luft immer wieder -entzündet. In Kedong Djatti, welches seinen Namen den dortigen grossen -Wäldern von Djattibäumen (Tectonia grandis) entlehnt, mussten wir -umsteigen, um die Strecke nach Ambarawa zur weiteren Reise zu benutzen. -Nur einige Kilometer hinter dieser Station betraten wir bei Gaga dalem -eine Enclave von Solo,[222] und acht Kilometer weiter erreichten wir -Bringin, von welchem Salatiga auf einer schmalen Strasse zu Pferde -oder mit einem Dos-à-dos in ungefähr einer Stunde zu erreichen wäre. -So wie die meisten Touristen fuhr ich jedoch weiter bis Tuntang, von -wo aus eine schöne breite Strasse über Salatiga nach Solo und Djocja -und an die Südküste führt. Der grosse Postweg Javas, welcher längs -der Nordküste dieser Insel von Batavia nach Surabaya zieht, giebt auch -in Semárang einen Zweig ab, welcher sich nördlich von Ambarawa (bei -Baven) in zwei Aeste theilt. Der eine umkreist die westlichen Abhänge -der Grenzgebirge Merbabu, Merapi u. s. w., während der andere im Osten -dieser Berge nach dem Süden Javas zieht. In Tuntang stand ein grosser -Reisewagen, und gegen 7 Uhr Abends kamen wir in Salatiga an. Im »Hotel -Taman« fanden wir eine aufmerksame Wirthin, ein hübsches Zimmer, eine -grosse Veranda mit einer schönen Aussicht und freiem Gebrauche des -Bades »Kali taman«, und zwar für 8 fl. pro Tag. Die Babu bekam von -mir täglich 20 Ct., wofür sie sich das Essen bezahlte, während eine -gastfreundliche Collegin des Hotels ihr eine Schlafstätte gratis anbot. -Zur Reise hatte sie sich nämlich nebst einem Kistchen aus Zinkblech für -ihre Schätze an Sarongs u. s. w. ein Kopfpolster mitgenommen, welches -in einer Matte eingerollt war; diese Matte wurde das Schlaflager -unserer Babu. Am andern Tag besuchte ich sofort das Bad Kali taman, -welches ungefähr einen Kilometer vom Hotel entfernt war; es bestand -aus einem grossen Bassin, in welches sich aus einer Höhe von zwei -Metern ein mächtiger Strahl von frischem, hellem und kühlem Bergwasser -stürzte. Ein Schwarm Goldfische bewohnte das Bassin, und als ich auf -der ersten Stufe stand, kamen ein paar Hundert dieser zierlichen -Fischchen auf mich zugeschwommen. Es fiel mir auf, dass die kleinen -in Gold- und Silberfarbe schimmernden Fische in der ersten Reihe -schwammen, und in der Peripherie die grossen mit grauem, mattem Kleide -es niemals wagten, sich uns zu nähern. Jetzt wurde es mir deutlich, -warum mir beim Eintritt der Wächter des Bades ein grosses Blatt, -gefüllt mit gekochtem rothen Reis, um 2½ Cent zum Kauf angeboten hatte. -Die Fische waren gewöhnt, von den Badegästen gefüttert zu werden; -späterhin verschaffte es mir viel Vergnügen, die klugen Aeuglein von -Hunderten von Fischen und Fischchen auf mich gerichtet zu sehen, sie -wurden so zutraulich, dass sie sich bis an meine Füsse heranwagten. - -Salatiga liegt 574 Meter hoch und erinnert in mancher Hinsicht an -die Riviera. Oft hatten wir es in den Morgenstunden nicht wärmer -als 12° und um 12 Uhr nur 17-18° C. Wenn ich in der Veranda des -Hotels auf meinem »Faulenzerstuhl« sass und meinen Blick über den -grossen Schlossplatz warf, sah ich im Nordwesten den Unarang und im -Südwesten den Merbabu ihre stolzen Häupter erheben, zwischen welchen -Ambarawa eingeschlossen ist, und aus welchen sich die herabstürzenden -Wassermassen durch eine Bergspalte in den Fluss Tuntang ergiessen. -Schon seit 250 Jahren ist Salatiga als Luftcurort bekannt, und wenn -die Vasallen zu dem grossen Fürsten des Mataramischen Reiches von -Semárang zogen, hielten sie ihren ersten Rasttag in Unarang und den -zweiten in diesem lieblich reizenden Bergstädtchen, das nach den -drei Tempeln (Selá tiga), welche hier gestanden hatten und schon -im vorigen Jahrhundert niedergerissen wurden, den Namen Salatiga -behielt. Zahlreiche Pensionäre wohnen hier wegen des italienischen -Klimas und wegen der Billigkeit seiner Lebensmittel. Der Besitzer des -Bades Kali taman und eines grossen Landgutes kam zu meiner grossen -Ueberraschung vor zwei Jahren nach Karlsbad, und ihm verdanke ich -so manche Aufklärung über das politische Verhältniss der Landherren -Javas einerseits zu der indischen Regierung und andererseits zu der -ansässigen Bevölkerung. Nebstdem hat die indische Cavallerie ihren Sitz -in Salatiga; der Stab dieses Corps liegt mit zwei Escadronen in dieser -kleinen Stadt, welche vielleicht 500 europäische Seelen, 3000 (?) -Javanen, 500 Chinesen und 50 (?) Araber als Einwohner hat. - -Leider war es mir durch meine Furunkeln unmöglich, grössere Ausflüge -zu machen, und weder das Gesundheits-Etablissement Ungaran noch -Pelántungan zu besichtigen. Das erstere ist wie Salatiga ein Luftcurort -(318 Meter hoch), während Pelántungan grosse und reiche jodhaltige -Quellen besitzt, wo Lepra- und Syphilis-Patienten Heilung von ihren -Gebrechen suchen, und sich seit 1844 eine Militär-Badeanstalt befindet. -Noch mehr bedauere ich es, dass mir die Gelegenheit genommen war, das -viel gepriesene Dienggebirge mit seinen Naturschönheiten und seinen -zahlreichen Ruinen besuchen zu können. Ich sollte Salatiga, die Provinz -Samarang und die Insel Java verlassen, ohne dieses Wunderland (das -Dienggebirge) auch nur gesehen zu haben. - -Schon im September 1896 hatte ich für mich und meine Frau bei der -französischen Schifffahrts-Gesellschaft »Passage besprochen«, und Ende -März 1897 konnte ich auf die Anfrage dieser Gesellschaft, wann ich -doch meine Anweisung der Regierung für die Unkosten einreichen würde, -nur ausweichende Antworten geben, weil noch immer keine Erledigung auf -mein Urlaubsgesuch erfolgt war. Ja noch mehr; die Zeitungen brachten, -wie ich schon erwähnt habe, die Nachricht, dass der Sanitätschef das -Ersuchen an die indische Regierung gerichtet hatte, wegen grossen -Mangels an Militärärzten diesen keinen Urlaub nach Europa zu gewähren. - -Endlich erhielt ich am 8. April die telegraphische Nachricht, dass -mir der Urlaub ertheilt werde, und da die Messagerie maritime mir auf -mein Ersuchen eine Cajüte auf »dem Ernest Simon«, welcher am 20. April -von Singapore abgehen sollte, reservirt hatte, eilte ich sofort am -folgenden Tage nach Semárang, wo es mir durch das Entgegenkommen aller -Behörden ermöglicht wurde, am 12. April mit dem Reael nach Batavia -abreisen zu können. - -Um 3 Uhr fuhr ich mit einem Wagen des Hotels zum Hafen. Für den Preis -von 2 fl. pro Kopf brachte mich und die übrigen Passagiere eine -Dampfbarcasse auf die Rhede, wo sich der kleine Dampfer Reael auf den -Wellen der etwas unruhigen See schaukelte. Um 4 Uhr wurde der Anker -gelöst, und geschützt von der Decke des Zeltes richtete ich zum letzten -Male meine Blicke hinüber zu dem vielköpfigen Merbabu. »Die Stadt -mit ihrer baumreichen Umgebung und den Bergprofilen im Hintergrund -formen ein liebliches Panorama. Im Südwesten erheben sich der Prahu, -der Sindoro und der Sumbing, und im Süden taucht der Telemaja auf, -hinter welchem der breite, vielköpfige Scheitel des Merbabu am -Horizonte erscheint. Zwischen dem Sumbing und Sindoro tritt der Unarang -deutlich in den Vordergrund. Seine malerische, trachitische und mit -Trachitblöcken bedeckten Vorhügel erstrecken sich bis in die Nähe der -Stadt, und man kann von der Rhede aus ihre rohen Formen, ihre breiten, -abgerundeten Scheitel und ihre arme Vegetation mit unbewaffnetem Auge -unterscheiden. Hinter diesen ungefähr 250 Meter hohen Hügeln erhebt -sich der Unarang mit sanft aufsteigenden Abhängen, welche nach und nach -in das Dunkelgrün seines dicht mit jungfräulichen Wäldern bedeckten -Scheitels übergehen.« - -Lebe wohl, du schönes, liebliches Java! Lebe wohl! Slamat Tanah Djava! - - - - -Anhang. - - Die Ansiedelungen der Europäer auf der Insel Java.[223] - - -Wenn auch Marco Polo (aus Venedig) schon am Ende des 13. Jahrhunderts -Sumatras Boden betreten hatte, so hat doch erst im Jahre 1323 (?) ein -Europäer, und zwar wiederum ein Italiener, der Mönch Fra Odorica, zum -ersten Male Java aus Autopsie kennen gelernt. Was sein Landsmann Nicolo -de Conti (1430?) von seinen Erlebnissen in Java mittheilte, ist nicht -der Mühe werth, geschichtlich beurtheilt zu werden, ebenso wenig haben -die Mittheilungen von Ludovico di Varthema aus Bologna (1505) irgend -welchen historischen Werth. Im Jahre 1512 schickte der Portugiese -d’Albuquerque den Mohamedaner Nakhoda Ismaïl mit einer Jonke nach den -Molukken mit dem Auftrage, die östlichen Inseln zu untersuchen. Im -folgenden Jahre (1513) kehrte er mit einer Ladung von Gewürzen zurück, -landete auf Java, wo bei Tuban sein Schiff strandete, worauf Inam Lopez -Aluim mit vier Schiffen die Staaten der Nordküste aufsuchte. Acht -Jahre später kam der Portugiese Antomode Brito mit fünf Schiffen nach -Java und Madura (wo seine Bemannung eine kurze Zeit gefangen gehalten -wurde), und im Januar 1522 Enrique Leme (nach Sunda), Garcia Enriquez -und der Portugiese Magalhães. Im Jahre 1523 sah Java wiederholt -portugiesische Schiffe, und zwar in Grisé. Während Simão de Soresa und -Martin Correa einem nächtlichen Anfall der Javanen durch rechtzeitige -Warnung des Manuel Botelho aus Surabaya entkamen, fiel Antonio de Pina, -Botelho selbst und Antonio Pessoa (1524) unter den verrätherischen -Anfällen der erbitterten Javanen. Die Portugiesen unterliessen es -hierauf einige Jahre lang, mit den verrätherischen Javanen des Ostens -der Insel Handel zu treiben, und besuchten allein Panarukan (1526 -unter Antonio de Brito und João de Morene), und im Jahre 1528 (unter -Don Garcia Enriquez), nachdem Francisco de Sá (1526) ebenfalls eine -unglückliche Expedition nach »Sunda«[224] unternommen hatte.[225] - -Im Jahre 1536 kam der Spanier Andres de Urdaneta nach Panarukan, -nachdem 1532 die Portugiesen dort ein Standbild mit dem Wappen des -Königs von Portugal und drei Kreuze errichtet hatten. Dreizehn Jahre -lang fehlen die Nachrichten über die Fahrten der Portugiesen nach Java, -und erst 1545 kam Fernão Mendez Pinto nach Bantam, und mit 40 Mann -seiner Flotte betheiligte er sich an dem Zuge des Sultans von Bantam -nach Demak (Januar 1546), um gemeinschaftlich gegen den Sultan von -Pasuruan zu ziehen. Trotz der colossalen Heeresmacht (Pinto spricht -von 800000 Mann und 2700 grösseren und kleineren Schiffen) endigte -dieser Krieg mit einer fürchterlichen Niederlage, und die Portugiesen, -welche sich daran betheiligt hatten, setzten ihre beabsichtigte Reise -nach China fort. Auf der Rückreise erlitten sie an der Nordküste -Javas Schiffbruch, Pinto wurde mit einigen seiner Matrosen als Sclave -verkauft, später jedoch freigelassen und nach den portugiesischen -Schiffen gesendet, welche in dem »Hafen von Sunda« lagen. Sir Francis -Drake kam auf seiner Weltumsegelung (1577-80) ebenfalls nach Java. Die -Holländer kamen zum ersten Mal am 23. Januar 1596 nach Java (Bantam) -und schlossen unter Cornelis de Houtman (1. Juli 1596) mit Pangéran -Mangku bumi, dem Vormund des unmündigen Fürsten, einen Vertrag, -demzufolge Prinz Moritz von Nassau, zum grössten Aerger der anwesenden -Portugiesen, in Bantam freien Handel führen konnte, und es gelang -diesen auch, die Bantamer gegen die Holländer aufzuhetzen. De Houtman -wurde mit seinen Männern, welche am Strande ein Waarenlager errichtet -hatten, gefangen genommen, bald aber (2. October) freigelassen und -konnte unter denselben Bedingungen wie die Portugiesen und Chinesen -Handel treiben. Aber schon 3 Wochen später mussten sie wieder mit -Gewalt das Befolgen des Contractes erzwingen; die Flotte zog dann längs -der Nordküste bis Grisé; bei Sidaju wurde das Schiff Amsterdam von -feindlich gesinnten Javanen überrumpelt, und am 6. December wurden sie -bei Arisbaja, auf der Insel Madura, zu einem Angriff auf einige Kähne -der Javanen durch falschen Argwohn gezwungen. Nachdem sie in Bavean das -unbrauchbare Schiff »Amsterdam« verbrannt hatten, zogen sie nach der -Insel Bali (Januar 1597), und einen Monat später (27. Februar 1597) -zogen sie längs der Südküste Javas und Africas nach Holland zurück, -wozu sie ungefähr 5½ Monate nöthig hatten. Im Jahre 1598 erschien -wieder eine portugiesische Flotte, um die Niederländer, von deren -Abreise sie nichts wussten, von Java zu vertreiben; die Bantamer fanden -es jedoch zweckmässiger, sich diese ihre Freunde vom Halse zu schaffen, -überfielen ihre Schiffe, nahmen ihnen das von anderen Schiffen geraubte -Gut wieder ab und empfingen wieder mit Freuden die Ankunft einer neuen -holländischen Flotte (25. November 1598). Von den acht Schiffen, unter -dem Commando von Jacob van Neck, gingen vier voll beladen nach Holland -zurück, und die übrigen vier fuhren am 8. Januar 1599 nach Madura, -wo es ihnen, wie ihren Vorgängern, sehr schlecht erging. Fünfzig -Mann fielen in die Hände der Maduresen und mussten um hohes Lösegeld -freigekauft werden. Nach den Molukken setzten sie ihre Reise fort und -kamen am 9. August wieder nach Bantam zurück. - -Glücklicher waren in demselben Jahre zwei andere holländische Schiffe, -welche allerdings acht Monate lang auf die Ernte des Pfeffers warten -mussten, aber unter Gerard Leroy am 18. November 1599 voll geladen -ihre Reise nach Europa antreten konnten. Das Jahr 1600 sah mehrere -holländische Flotten vor Bantam, darunter die von Pieter Both, -welcher für die Neue Brabant’sche Compagnie in Amsterdam eine Factory -errichtete, während kurz vorher Wilkens für die alte Compagnie dasselbe -gethan hatte. Als im Jahre 1601 die Spanier[226] unter Furtado de -Mendoça als Erben der Portugiesen deren Colonien in Besitz nehmen -wollten, befanden sich in Bantam bereits vier Factoreien, und es -gelang Wolphert Harmensz (am 24. December 1601), die starke und weit -überlegene Flotte der Spanier zum Rückzug zu zwingen, auf der Rhede -von Bantam fünf Schiffe mit Gewürzen und Pfeffer voll zu laden und -nach Europa zu senden, während der Admiral van Heemskerck in Demak -einen Theil seiner Bemannung verlor und in Djaratan[227] die erste -holländische Factory im Osten der Insel errichtete (1602). - -Um diese Zeit errichteten auch die Engländer (December 1602) eine -Factory in Bantam (unter Capitän James Lancaster), und zwar in -demselben Jahre, als die ostindische Compagnie (20. März 1602) den -Grundstein zu der colonialen Besitzung Hollands gelegt hatte. Schon -1603 (29. April) konnte Wybrand van Warwyck in Bantam und Grisé mitten -in den Städten Bantam und Grisé steinerne Gebäude zur Errichtung der -Factory erhalten, während dieses vor dieser Zeit höchstens am Ufer des -Meeres erlaubt gewesen war. En mangeant vient l’appetit. Die Engländer -kamen schon im nächsten Jahre (1604) mit zahlreichen Schiffen, und wenn -auch anfangs diese zwei Seemächte sich freundschaftlich vertrugen, -blieb die Rivalität nicht aus, und im Jahre 1605 kam es zwischen -beiden zu einem blutigen Gefecht. Auch mit Spanien machte sich die -grösste Rivalität geltend, so dass sich die Compagnie endlich zu einem -weitgreifenden Schritte entschloss. Am 30. Januar 1610 verliess Pieter -Both mit acht Schiffen Texel, kam 10½ Monate später nach Bantam (19. -December), besuchte sofort Jakatra,[228] wo er eine Factory errichtete, -welche jedoch nach seiner Abreise ausgeplündert und verbrannt wurde. -Als er (October 1613[229]) von seiner Reise nach den Molukken zurückkam -und diesen traurigen Zustand erfuhr, ernannte er Jan Pieterszoon Koen -zum Director der beiden Factoreien Bantam und Jakatra. Dieser benutzte -die Rivalität der beiden Höfe von Bantam und Jakatra, um offensiv gegen -Bantam und die Engländer aufzutreten, welche ebenfalls in Jakatra, und -zwar am linken Ufer der Tji-Livong eine Factory errichtet hatten. Als -die Factory von Djapara ausgeplündert und am folgenden Tage selbst das -Gebäude zu Jakatra überfallen wurde, entschloss sich endlich Koen zu -radicalen Schritten und begann am 22. October 1618 ein Fort in Jakatra -zu bauen. Schon am 8. December 1618 erschien eine grosse Flotte der -Engländer vor Bantam, bemächtigte sich des reich beladenen Schiffes -»De zwarte Leeuw« und zog dann weiter nach Jakatra, wo sie Batterien -aufwarfen. Diese wurden jedoch schon am 23. von Koen angegriffen -und zerstört. Zu einem unentschiedenen Treffen kam es am 2. Januar -1619, worauf Koen nach den Molukken eilte, um eine hinreichend starke -Flotte zu erhalten, und zugleich van den Broek beauftragte, das neue -Fort zu verstärken und sich auf die Defensive gegen die Engländer -und Javanen zu beschränken. Dieser liess sich aber durch die Javanen -in die Falle locken, und sein Vertreter im Fort, Pieter van Raey, -capitulirte vor den Engländern und Jakatraern. In dieser Noth kam -unerwartet Hülfe von -- Bantam, welche den Engländern und Jakatraern -das Recht absprach, sich mit den Holländern zu bemühen. Die darauf -entstandene Verhandlung zog sich in die Länge, bis im Mai (1619) Koen -mit 16 Schiffen vor Jakatra erschien, die Javanen aus ihren Bollwerken -vertrieb und +Batavia+, welcher Name am 12. März van Raey dem -ganzen Fort, d. h. den vier Bastions Holland, West-Friesland, Zeeland -und Gelderland, gegeben wurde, als den Mittelpunkt des niederländischen -Handels in Indien erklärte. Bantam widersetzte sich noch einige -Monate dieser definitiven Ansiedelung der Holländer in Batavia, ohne -nicht einmal die Uebersiedelung seiner eigenen Unterthanen (Chinesen -und Bantamer) verhindern zu können. Mataram erklärte hierauf die -Niederländer zu seinen »Unterthanen« und glaubte ihnen gegenüber -dieselben despotischen Gebräuche wie gegen die Eingeborenen üben zu -können. Aber schon 1622 änderte der Panembahan seine Politik und bat -die Niederländer um Hülfe, Bantam zu unterwerfen. Koen fürchtete, -dass nach Bantam Batavia an die Reihe kommen sollte, und gab seiner -Gesandtschaft unter Dr. de Haan den Auftrag, diesbezüglich in Mataram -die nöthige Vorsicht zu üben. Durch die Eroberung von Sukadana auf -Borneo und von der Insel Madura war der Fürst von Mataram Herr von -beinahe ganz Java geworden und verlangte auch von dem Gesandten -Vos,[230] die Souveränität Matarams anzuerkennen. Als im August 1626 -eine Gesandtschaft nach Mataram abging, wurde sie in Karta nicht -zugelassen, weil »die Geschenke zu unansehnlich waren und die Regierung -in ihrem Briefe den Susuhunan nicht hoch genug betitelt und sich selbst -nicht genug erniedrigt hatte«.[231] - -Unterdessen hatten die Engländer mit den Niederländern 1619 einen -Contract geschlossen, dem zufolge sie gemeinsam in Bantam unter einem -»Rath von Vertheidigung« die gegenseitigen Handelsinteressen schützen -sollten. Dieser Vertrag zwischen Hund und Katze dauerte nur bis 1628, -in welchem Jahre sie den Handel in Bantam ganz allein in ihre Hände -bekamen, um jedoch schon 1684 vor der Energie Hollands weichen zu -müssen. - -Im Jahre 1627 kam Koen zum zweiten Male als Gouverneur-General nach -Batavia, und hatte bald gegen einzelne Scharen von Bantamern Batavia -und sein Leben zu vertheidigen und auch einen Ueberfall von Mataram -(22. August 1628) zurückzuschlagen; ein zweiter Ueberfall (September -1629) endigte ebenso glücklich für die Niederländer, obzwar Koen selbst -ein Opfer der Cholera wurde. Jacques Specx wurde zu seinem Nachfolger -ernannt. Da die Regierung in Holland immer und immer wieder die -indische Regierung ermahnte, mit Bantam und Mataram in Freundschaft -zu leben, wurde der Regent von Djapara als Vermittler zwischen der -Compagnie und dem Sultan Ageng (= der Grosse), welchen Titel er von -einem arabischen Scheik aus Mekka erhalten hatte, gewählt, und eine -holländische Gesandtschaft, aus 25 Mann bestehend, brachte zahlreiche -Geschenke nach Djapara. Sie wurden jedoch mit ihren Geschenken von -dem Regenten selbst gefangen genommen. Da nebstdem Sultan Ageng -zahlreiche Räuberbanden nach Batavia sandte, so wollte G.-G. Brouwer, -der Nachfolger von Specx, die Macht des Sultans auf indirecte Weise -schwächen und schickte (1633) nach der Insel Bali eine Gesandtschaft, -um den Fürsten gegen seinen Erbfeind von Mataram aufzuhetzen. Da dies -nicht gelang, so entschlossen sie sich zu dem erniedrigenden Vorgang -(October 1634), eine Gesandtschaft an den Sultan zu senden und einen -jährlichen Tribut zu zahlen, »weil die Niederländer auf +seinem+ Lande -sich angesiedelt hatten«.[232] Der Sultan stellte jedoch unerreichbare -Forderungen und Antonie van Diemen[233] gab sich Mühe, wieder mit -Bantam auf guten Fuss zu gelangen, dessen Fürst ebenfalls aus Mekka -eine heilige Fahne und den Titel Abu’l, Mofachir Mohamed Abdu’l Kadir -erhielt. Dadurch stieg die Rivalität mit dem Sultan Ageng, und nachdem -1639 die Niederländer ein Schutz- und Trutzbündniss mit dem Sultan von -Bantam geschlossen hatten, entfaltete er die heilige Fahne zum Kriege -gegen alle Ungläubigen. Obwohl um diese Zeit (1641) die Niederländer -ihren alten Rivalen, den Portugiesen, auf welche Sultan Ageng seine -ganze Hoffnung gründete, mit ihrer Hülfe die Niederländer von Java zu -vertreiben, auf Malacca eine solche Niederlage beibrachten, dass sie -gezwungen waren, diese Colonien aufzugeben, so wurde ihre Lage doch -nicht verbessert, weil wieder die Engländer auf dem Kriegsschauplatze -erschienen (1642), indem die Factory von Bantam eine Gesandtschaft -an den Fürsten von Mataram schickte, zu dem Zwecke, die Insel Banka -zu erwerben. Einen directen Angriff auf Batavia erlebte Sultan Ageng -nicht mehr, und nach 33jähriger Regierung (1645) starb er und wurde -zu Imagiri begraben, wo sein Grab noch heute von den Javanen als -Heiligthum verehrt wird. - -Nach dessen Tode gelang es endlich dem G.-G. Cornelis van der Lijn mit -dessen Nachfolger, Amangku-Rat, im Jahre 1647 Frieden zu schliessen. - -Auch in Bantam war der alte Sultan 1651 gestorben, und sein Enkel und -Nachfolger, Sultan Ageng Tirtajasa, auch Abu’l Fath, Abdu’l fattâh -genannt, nahm sofort nach seiner Thronbesteigung die alte feindliche -Haltung wieder an; nicht allein, dass er zahlreiche Räuberbanden nach -Batavia schickte, er griff selbst zwei Schiffe der Compagnie an, kurz, -alle Mittel des Guerillakrieges wendete er an, so dass im Jahre 1656 -die Vertreter der Compagnie sich flüchten mussten. Die +Engländer+ -und +Dänen+ unterstützten den Sultan in seinem Widerstande gegen die -Holländer; sie gingen zum Angriffe über, obwohl eine englische Flotte -aus Europa erschien, mit einem Briefe der Nied. O. I. Compagnie, in -welchem ein Bündniss und Frieden mit den Engländern gefordert wurde. -Die Niederländer schlossen also mit Bantam Frieden (1664), ohne jedoch -bedeutende Vortheile damit zu erzielen. Auch in Mataram spielte die -Compagnie in dieser Zeit keine würdige Rolle. Obwohl Amangku Rat wie -ein javanischer Nero seinen Tyrannengelüsten freie Zügel schiessen -liess, so huldigte die Compagnie ihm doch in auffallender Weise, indem -sie jedes Jahr eine Gesandtschaft an seinen Hof schickte, welche ihm -jedesmal die bedeutendste Erfindung Europas als Geschenk brachte. - -Unterdessen hatten die Makassaren von den Molukken durch ihre Raubzüge -die ganze Nordküste Javas geplündert und 1671 in Bantam günstige -Aufnahme gefunden, weil der Sultan hoffte, mit ihrer Hülfe seine beiden -Rivalen, den Fürsten von Mataram und die Holländer, demüthigen zu -können. - -Capitän Holsteyn’s unglücklicher Feldzug veranlasste die Compagnie, den -Major Poleman (1676) mit 300 Mann nach dem Osten Javas zu schicken, -wohin sich die Makassaren zurückgezogen hatten, nachdem sie Bantam -wegen Ermordung des Sohnes ihres Häuptlings Kraëng Montemarano -verlassen hatten. Poleman eroberte alle Bollwerke der Makassaren, so -dass sie sich ins Innere des Landes flüchten mussten. Das Heer des -Sultans von Mataram unter Commando von Pangeran Adipati Anom war jedoch -nicht im Stande, trotzdem sie ungefähr 60000 Mann stark waren, die -vereinigten Maduresen und Makassaren aufzuhalten, die ganze Küste von -Ost-Java fiel wieder in die Hände der Maduresen, der Bundesgenossen -der Makassaren (bis auf das niederländische Fort Djapara). Der Rath -von Indien, Cornelis Speelman, eilte dieser Factory zu Hülfe, und zwar -mit 300 europäischen und 400 eingeborenen Soldaten, und auf seinem -Zuge verhandelte er mit dem Sultan von Mataram über die Entschädigung, -welche ihm für diese Hülfeleistung geleistet werden sollte. Der -Gesandte Couper brachte am 28. März 1677 ein solch trauriges Bild -von den Zuständen in der Hauptstadt und besonders über die innere -Zerfahrenheit und die Streitigkeiten der vier Söhne des Sultans an -Speelman, dass er beschloss, den Kampf mit Truna Djaja, dem Anführer -der Maduresen, aufzunehmen. Nach einigen vergeblichen Versuchen, die -Javanen für den Susuhunan zu gewinnen, eroberte er das Fort des Truna -Djaja und schlug seine Truppen in die Flucht, ging dann selbst nach -Madura, wo er nur unter grossen Opfern Arisbaja eroberte, und wandte -sich dann wieder nach Java, um dem Sultan von Mataram ausgiebige Hülfe -gegen die aufständischen benachbarten Provinzen zu bringen. Mataram -erfuhr dadurch nur mehr Schaden als Nutzen. Durch das Bündniss mit -den Holländern gingen Samarang, Kudu, Pati, Demak zu Truna Djaja, -dem Vertheidiger des heiligen Glaubens über, und von dem Sultan, als -dem Freund der Kafirs, fielen selbst seine nächsten Verwandten ab, -so dass er flüchten musste, bis er endlich bei seinem ältesten Sohne -Pangeran Adipat Anom in Bageléen Asyl und Hülfe fand. Truna Djaja hatte -nämlich durch seinen Feldherrn Mangku Iuda die Hauptstadt Mataram -erobert und sich den Harem, die Pferde, Elephanten, Schatz-Kisten, die -Reichsinsignien und die Kanone Satomi nach Kediri bringen lassen. Der -Nachfolger Amangku Rat II. hatte trotz der grossen Bedrängnisse von -Seiten seiner Vasallen keine anderen Sorgen als die Liebe, während -Speelman sich alle Mühe gab, das Reich Mataram nicht untergehen zu -lassen, um in seinem Fürsten einen untergebenen Vasallen in Java zu -besitzen; nebstdem hatte er dem Sultan bereits 310000 Realen (1 R. -= 2½ fl.) vorgeschossen. Der Susuhunan verpflichtete sich also (19. -October 1677), alle Häfen der Nordküste, von Krawang angefangen bis -an den äussersten Osten, dafür der Compagnie als Pfand zu geben, -und erweiterte den factischen Besitz der Compagnie bis an den Fluss -Pamanukan im Osten und an den grossen indischen Ocean im Süden. -Nebstdem erhielt sie das alleinige Recht von Einfuhr der persischen -Teppiche und Verkauf von allem Zucker in den Ländern Djapara, Demak, -Grobogan, Pati, Djewana und Kudus. Im Jahre 1678 erhielt Speelman -nebstdem das Gebiet der Stadt Samarang und Umgebung. Leider wurde durch -den Tod des Gouverneur-General Maessuyker (4. Januar 1678) Speelman von -der definitiven Ausführung seiner grossen Pläne abgehalten; er wurde -nämlich »zum Directeur-General von dem Handel« ernannt und musste das -Commando an den Hauptmann de St. Martin übergeben. - -Antonie Hurdt, welcher auf seiner Rückreise von den Molukken in -Djapara gelandet war, um sich von dem politischen Zustande von -Mittel-Java zu überzeugen, wurde als Civil-Commissar mit de St. -Martin als Militär-Commandant nach Ost-Java gesendet, um für das -Reich von Mataram zu kämpfen, weil Bantam erst dessen Untergang und -danach den von Batavia beschlossen hatte. Nach zahlreichen kleinen -Gefechten und langen Märschen im Innern des Landes, das den Europäern -noch ganz unbekannt war, gelang es Hurdt, wenn auch mit grossen -Verlusten, Kediri zu erobern, die alte Königskrone von Madjopahit und -die Reichsinsignien in die Hände zu bekommen und sie dem Fürsten auf -den Kopf zu setzen. Die anderen feindlichen Truppen der Makassaren -und Maduresen gaben den Holländern noch viel zu thun, bis endlich -Truna Djoja (27. December 1679) gefangen genommen und von dem Sultan -selbst gekrist[234] wurde. Die javanische Helena, Ratu Blitar, um -deren Besitz der Sultan von Mataram alle seine Kriegszüge unternommen -hatte, wurde von dem Sultan von Bantam an ihn ausgeliefert, mit dem -guten Rath, ihren Liebhaber auf das Verächtliche seiner Stellung als -Freund der Kafirs immer und immer hinzuweisen. Dennoch fiel schon -1680 Cheribon in die Macht der Compagnie, und nach einem Vertrag vom -4. Januar 1681 diese Provinz unter denselben Bedingungen wie Mataram -unter die Suzeränität der Compagnie. In Bantam hatte der Kronprinz auf -Rath französischer und englischer Freunde eine Pilgerfahrt nach Mekka -(und nach der Türkei) unternommen und wurde bei seiner Zurückkunft -als Sultan Hadji von seinem Vater zum Mitregenten eingesetzt. Bald -trachtete er, seinen Vater zur Seite zu schieben, und zwar mit Hülfe -des Jacob de Roy, welcher ein desertirter Soldat und Brotbäcker -der Compagnie gewesen war, und ihm rieth, die Hülfe der Compagnie -anzurufen, als ihn sein Vater Sultan Ageng bei Surasowan belagerte. -Bei Tangeran kam es zur entscheidenden Schlacht, und in der ersten -Aufwallung seiner Freude wollte Sultan Hadji alle Freunde seines -Vaters, die Engländer, Dänen, Franzosen und Portugiesen, aus Bantam -vertreiben. Der alte Sultan flüchtete sich nach dem Süden der Provinz -(Lebak) und ergab sich freiwillig (1683), nachdem er sein Lustschloss -Tirtajasa in der Nacht vom 28. zum 29. December 1682 in die Luft -hatte fliegen lassen. Speelman starb 1684, und sein Nachfolger, der -Gouverneur-General Camphuis, schloss am 17. April 1684 mit Sultan -Hadji einen Vertrag, demzufolge er mit 600000 Ryksdaalers seine -Schuld an die Compagnie anerkannte und dafür das alleinige Recht der -Ausfuhr von Pfeffer und Einfuhr von persischen Teppichen für Bantam -und seine sumatranische Besitzung an die Compagnie gab. Alle diese -Contracte wurden natürlich so oft als möglich -- gebrochen; selbst der -Sultan von Mataram trachtete in dem Aufstande des früheren Sträflings -Suropatti das Joch der Niederländer abzuschütteln. Dabei hatten diese -viele tausend Soldaten und so manche treffliche Führer, wie Tak, van -Vlieth u. s. w. verloren, aber zuletzt musste der Sultan (1689) sich -wieder unterwerfen; dabei wurde Cheribon nach europäischem Modell -organisirt und die Preanger (1698) verpflichtet, gegen festgesetzte -Preise inländische Gewebe, Pfeffer, Indigo, Wachs, Vogelnester, Zimmt -und Perlen zu liefern. »Alle Preanger-Menschen seien Unterthanen der -Compagnie und dürfen weder untereinander kämpfen noch das Land sich -abnehmen, es sei denn auf Befehl des Gouverneur-General.« - -Suropatti fuhr indessen fort, sowohl seinem westlichen Nachbar, -dem Sultan von Mataram, als seinem östlichen, dem Susuhunan von -Balambangan, lästig zu fallen, und Beide wandten sich um Hülfe an die -Compagnie. Die Bitte des Sultans von Mataram, dessen Residenz seit den -Tagen von Truna Djaja Kartasura war, musste unberücksichtigt bleiben, -weil er nicht einmal seine alte Schuld bezahlt hatte, welche auf -1200000 Reals angewachsen war, und als Amangku Rat starb, entstanden -in seiner Familie so viel Streitigkeiten, dass die Regierung factisch -nicht wusste, wer der eigentliche Sultan war. Pangeran Puger, der -Bruder des alten Sultans, blieb mit Hülfe der Compagnie Sieger, wofür -er die ganze Provinz Preanger, Cheribon und die östliche Hälfte von -Madura zu einem Vasallenstaate der N. Regierung erklärte (5. October -1705). - -Bei Suropatti befand sich auch Sunan Mas, der frühere Kronprätendent -von Mataram, und leitete den Widerstand gegen die Holländer am Ende -des Jahres 1706. Suropatti wurde in seinem eigenen Lande angegriffen. -Der Feldzug hatte nur den einen Erfolg, dass Suropatti bei Banggil -verwundet wurde und kurz darauf in Pasaruan starb. Im nächsten Jahre -jedoch gelang es dem Commandanten de Wilde, dem Reiche des Suropatti -ein unrühmliches Ende zu bereiten und die Regenten von Madjakerto, -Wirasaba, Kediri und Madiun an Paku Buwana zu unterwerfen. Seine Söhne -fanden jedoch ein Asyl in Balambangan, von wo aus sie ihre Raubzüge -fortsetzten, bis im Jahre 1712 die Holländer dagegen energisch -auftraten. - -Im Jahre 1709 sollte eine Conferenz aller Fürsten von Java und Madura -in Kartasura zusammenkommen, in welcher der Susuhunan mit dem Vertreter -der Compagnie, dem Commandanten Knol, feststellen sollte, welche -Landesproducte[235] und zu welchem Preise diese von jedem einzelnen -Häuptling an die Compagnie jährlich geliefert werden sollten; der -Dipati von Surabaya -- Djageng Rana -- wurde bei dieser Conferenz -heimtückisch vom Sultan unter Mitwissen von dem Commandanten Knol -ermordet und sein Reich unter zwei seiner drei Söhne getheilt, während -der dritte Regent von Lamonga wurde. Auch sie verpflichteten sich zu -dem verlangten Tribut an die Compagnie und zur Anerkennung des Sultans -von Mataram als ihres Herrschers, aber -- sofort nach ihrer Abreise -verbanden sie sich mit den Söhnen Suropattis. In einem der zahlreichen -Kriege der nächsten Jahre fand die Compagnie Anlass, in Kartasura, der -neuen Hauptstadt des Reiches von Mataram, eine starke Festung zu bauen, -und im Jahre 1723 erfolgte die Uebergabe der angesehensten Häupter des -Aufstandes, und der Krieg fand ein befriedigendes Ende. - -Gleichzeitig wurde eine Revolution in Batavia selbst entdeckt und deren -Rädelsführer, Pieter Erberveld, mit 49 Theilnehmern auf die grausamste -Weise ermordet. - -Von Bantam bekam die Compagnie im Jahre 1731 die Insel Pandjang, welche -vor dem Bantambusen lag. - -Bald sollten die Sultanate Mataram und Bantam von dem Erdboden -verschwinden. Den Anlass zum Untergang des Reiches Mataram gab der -Aufruhr der Chinesen in Batavia, welcher beinahe mit gänzlicher -Vernichtung der chinesischen Bevölkerung in Batavia endete. - -Während der Susuhunan dem Gesandten der Regierung alle mögliche -Hülfe versprach, gab der neuernannte Reichsverweser Nata Kusumo den -chinesischen Häuptlingen seines Reiches die Versicherung, dass ihnen -die Städte der Küste abgetreten und alle Handelsvorrechte zugetheilt -werden sollten, welche die Compagnie dem Reiche Mataram abgerungen -hatte -- wenn sie die Holländer vertreiben würden. Die Chinesen hatten -an der Nordküste bedeutende Eroberungen gemacht, selbst bis nach -Surabaya, sodass der Susuhunan von Kartasura endlich öffentlich ihre -Partei ergriff und zunächst die europäischen Soldaten seines Forts -entweder ermorden liess oder zum Uebertritt zum Islam zwang und als -Sclaven verkaufte (20. Juli 1741). Der Regierung gelang es jedoch -schon im November desselben Jahres, die Nordküste zurückzugewinnen, -und Paku Buwana -- kroch zu Kreuze. Nebstdem wurde ein Gegensultan -ernannt, und zwar ein Enkel des nach Ceylon verbannten Sunan Mas; Mas -Garendi, mit seinem Königsnamen Sunan Kuning, konnte sich jedoch nicht -lange seines Thrones erfreuen; seine Anhänger, Chinesen und Javanen, -wurden geschlagen, der Anführer der Chinesen, Tai-Wan-Sui, flüchtete -sich nach Bali, und Sunan Kuning übergab sich am 3. October 1743 in -Surabaya den Beamten der Compagnie, wurde nach Ceylon verbannt und -Paku Buwana bestieg den Thron wieder, was er jedoch mit Aufgabe seiner -Selbständigkeit bezahlen musste. Unter anderm musste er in Zukunft die -Wahl eines Reichsverwesers und aller Regenten von der Zustimmung der -Compagnie abhängig sein lassen, und bei etwaigen strittigen Fragen -musste dem Befehl der Compagnie mehr als dem des Susuhunan gehorcht -werden. - -Der damalige Gouverneur-General van Imhoff bereiste die Preanger, -gründete das heutige Buitenzorg, sorgte für Colonisation von Tji -Sounas und hinreichende Bebauung des Landes. Nach dem Ende des Krieges -besuchte er die Ostküste Javas, durchzog das Innere Javas nach allen -Richtungen und erstattete einen ausführlichen Bericht nach Holland, der -leider niemals in die Oeffentlichkeit gelangte. - -Die zahlreichen Prätendenten in Mataram veranlassten den Sultan Paku -Buwana, am 11. December 1749 auf seinem Todtenbette dem anwesenden -Hohendorff das Reich feierlich zu übergeben und der Compagnie die Wahl -eines Thronfolgers zu überlassen. - -Hohendorff ernannte den Kronprinzen zum Thronfolger, obzwar sein Vater -ihn eines Liebesverhältnisses mit einer seiner Gundiks beschuldigt -hatte, und obwohl er augenleidend[236] war. Natürlich blieb ein -Gegensultan nicht aus, und zwar in der Person seines Onkels Mangku -Bumi, welcher sich im Palaste zu Djocja krönen liess. In dem darauf -folgenden Erbfolgekriege kämpften die Holländer mit abwechselndem -Glücke, selbst dann noch, als wiederum die Maduresen ihre gefürchteten -Banden der Compagnie zu Hülfe sandten, und als selbst die Streitmacht -des Mangku Bumi durch Zwist mit seinem Schwiegersohn Mas Saïd von -Surabaya geschwächt wurde. Der neue Gouverneur-General Mossel wählte -zwischen Mas Saïd, welcher »ganz Java«, und Mangku Bumi, welcher »halb -Java« als Preis der Versöhnung mit der Compagnie forderte, nicht -lange. Er verhandelte mit den bescheideneren Ansprüchen des Mangku -Bumi und veranlasste (1755) den Susuhunan, sein Reich mit seinem Onkel -zu theilen. Beide wurden Lehnsfürsten der Compagnie und zugleich die -Ahnherren der noch heute bestehenden Kaiserreiche auf Java. Paku -Buwana III. behielt in Solo seine Residenz, während Mangku Bumi Djocja -oder nach der damaligen Schreibweise Jogjakarta zur Residenz seines -neuen Reiches machte. Auch sein Schwiegersohn Mas Saïd wurde in Gnaden -aufgenommen und erhielt von dem Susuhunan von Solo im südlichen Gebirge -ein kleines Reich als Lehn. - -Da beinahe gleichzeitig auch in Bantam ein Erbfolgekrieg ausgebrochen -war, und zwar nach dem Tode des Sultans Zeinu’l-Arifîn, und erst im -Jahre 1752 endigte, hatte die Compagnie einen schwierigen Standpunkt. -Aber auch hier siegte ihr Princip: Divide et impera. Denn der Kronprinz -bestieg zwar als Sultan Abu’n Natsr-Mohamed Arûf Zeinu’l Asjekin den -Thron seiner Vorväter, aber auch nur als Lehnsfürst der Compagnie. - -Der östliche Theil von Java war schon 1743 an die Compagnie abgetreten -und hatte allerdings in den zahlreichen Erbfolgekriegen der Nachbarn -viel zu leiden; auch als die englische ostindische Compagnie mit Hülfe -der Balinesen und Chinesen in Balambangan Opium einführen wollte, und -ein Aufstand in diesem Vasallenstaat von Bali 1767 ausbrach, gelang -es den Holländern, ihn bald zu unterdrücken und selbst die letzten -Nachkommen des gefürchteten Suropatti zu tödten. Da diese Theile des -Landes durch die zahlreichen Kriege erschöpft waren, veranlasste die -Compagnie eine grosse Colonisation von Madura aus und setzte Mas Alit -als Regenten ein, der als Balinese dem Hinduglauben ergeben war. - -Am Ende des vorigen Jahrhunderts machte sich eine bedenkliche Schwäche -der Compagnie fühl- und bemerkbar, und es kostete ihr z. B. schon -grosse Anstrengung, bei dem Tode des Sultans von Djocja (1792) die -Prinzen des Susuhunan von Solo und die Verwandten des Sultans selbst -von einem neuen Erbfolgekrieg abzuhalten und den ältesten Sohn der -Sultanin am 2. April als Sultan, und seinen Sohn Mangku Bumi als -Thronfolger zu ernennen. Auch in Solo regelte van Overstraten die -Thronfolge. In Bantam gelang es ihr auch 1778, die Suzeränität über -Sukadana an der Westküste Borneos abgetreten und von den Lampongs -(Südküste von Sumatra) noch mehr Pfeffer zu erhalten, als von Bantam -selbst. Aber mit jedem Jahre wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts -die eingelieferte Quantität kleiner. Während im Jahre 1724 die -Compagnie 19000 Bahars (= Ballen à 7-8 spanische Dollars) von Bantam -und seinen Vasallenstaaten erhielt, war im Jahre 1796 dieses Quantum -auf 400 gesunken. Leider waren die ganz unrichtigen Anschauungen -der Handelspolitik von Seiten der europäischen Beamten mehr als der -Unwillen der Bevölkerung daran Schuld. Dieselben schlechten Erfolge -mit dem Kaffee und der Cultur des Indigo und des Zuckers waren die -Folgen einer kurzsichtigen und egoistischen Handelspolitik, bei -welcher natürlich die Beamten der Compagnie auch ihre Privatkasse -nicht vergassen. Dies zeigt uns deutlich die Provinz Cheribon, welche -anfänglich vier, im Jahre 1773 nur zwei Fürsten hatte und zwar Sultan -Sepúh und Sultan Anom. Die Kronstreitigkeiten haben wie alle übrigen -Staaten von Indien sehr bald ganz Cheribon zu einem Vasallenstaat der -Compagnie gemacht, in welchem der Resident -- der Tyrann wurde, dem -Cheribon eine Goldgrube wurde. Nach +Veth+[237] lieferte sie -jährlich: 1000 Kojang (= 1 Kojang = 1729 Kilo[238]) Reis, 500000 Pfund -Zucker, 20000 Pfd. Wolle, 6-8000 Pfd. Indigo, 14-18000 Pikols Kaffee, -Pfeffer, Zimmt, Cocosöl, Fisolen, Bast, 2000 Balken, 80000 grosse -und 40000 kleine Dauben; der Hafenzoll betrug 16-20000 Ryksdaalers. -Die Einkünfte des Residenten waren: 80 fl. monatlicher Gehalt, 1500 -Ryksdaalers (= 2½ fl.) von dem chinesischen Fabrikanten der bleiernen -Scheidemünzen (pitjis), 2000 Ryksdaalers von den Pächtern der Pässe, -10000 Ryksdaalers aus den Holzlieferungen, 12000 von dem Opium, Salz -und Metalleinfuhr, 8000 von dem Export des Zuckers, 7000 von dem Reis, -9000 von den übrigen Zöllen des Hafens, von dem an die Compagnie -gelieferten Kaffee 64000. Solche Einkünfte eines einzigen Beamten -waren ein Symptom des unvermeidlichen Unterganges der Gesellschaft; -denn sie waren nicht vereinzelt und zeigten den niederen Beamten den -Weg, sich auf Kosten des kleinen Mannes zu bereichern. Die Einkünfte -des Gouverneurs der Nordküste, der in Samarang seine Residenz hatte, -waren ja beinahe zweimal so gross, als die Einkünfte der Residenz -von Cheribon. Er hatte zwar nur einen Gehalt von 200 fl. pro Monat, -aber allein aus dem Handel mit Vogelnestern[239] fielen in die -Tasche dieses Beamten 100000 fl.!! Die Inseln Madura und Bavean -wiederum waren für den Gouverneur der Nordostküste eine ausgiebige -Milchkuh, weil bei den vielfachen Thronstreitigkeiten die Gunst dieses -Gouverneurs endgiltig in die Waagschale fiel, und diese Gunst theuer -erkauft werden musste. Die Robotdienste und das Aussaugesystem der -einheimischen Fürsten, welche noch heutzutage der indischen Regierung -sehr viele Sorge bereiten, wurden schon durch van Overstraten vor -100 Jahren bekämpft, und Samarang, wo dies dem Gouverneur besonders -gelang, blühte in so hohem Maasse, dass er selbst aus hygienischer -Rücksicht der Uebervölkerung entgegentreten musste, während die -östlichsten Provinzen (bis Balambangan) nicht nur ein Auswandern der -Bevölkerung sahen, sondern auch zum Aufstand gezwungen wurden. Auch -»Batavia en Onderhoorigheden« zeigte einen bedeutenden Niedergang, -weil die Regierung den Landbau aller Naturproducte von einem falschen -Standpunkte regelte. Im Jahre 1710 hatten z. B. die »Ommelanden« 131 -Zuckermühlen, jede durfte nicht mehr als 300 Pikols bearbeiten. Als -nach dem Aufstande der Chinesen noch 52 Mühlen anwesend waren, gebot -sie in der Furcht, dass +zu viel+ Zucker fabricirt werde und der -Preis zu tief sinken würde, dass die Zahl von 70, und im Jahre 1750 die -Zahl von 80 nicht überschritten werde. Im Jahre 1796[240] waren nur -noch 40 in Thätigkeit. - -Es würde das Ziel dieser kurzen Geschichte der europäischen -Ansiedelungen überschreiten, wenn ich ein Bild der Unterdrückungen -entrollen würde, welche der »kleine Mann« durch seine Fürsten mit -Wissen und Willen der Beamten der Compagnie zu erleiden hatte. Aber -erinnern muss ich daran, weil der Verfall der Compagnie darin seine -Begründung hatte. Ja noch mehr; sie zahlte ihren Beamten so kleine -Gehälter, dass sie sich nach anderen Einkünften umsehen mussten. Es war -also der Geiz der Compagnie die Ursache ihres Falles. - -Das Privilegium endigte 1774, wurde auf zwei Jahre verlängert und -dann wieder auf zwanzig Jahre, also bis zum Jahre 1796 erstreckt. -Die französische Revolution mit dem Kriege gegen England brachte -eine englische Flotte nach Batavia, welche die Stadt vom 23. August -bis 12. November 1800 blockirte und die Waaren der Compagnie auf der -Insel Onrust in Brand steckte. Nebstdem wurden von der holländischen -Regierung zahlreiche Commissionen nach Java zur Untersuchung der -herrschenden Verhältnisse geschickt, und im Jahre 1800 nahm der Staat -alle Colonien, welche sich nicht in den Händen der Engländer befanden, -in eigene Verwaltung. - -Die Wogen der sturmbewegten Politik, welche im Anfange des 19. -Jahrhunderts Europa in seinen Grundmauern zu erschüttern drohten, -brachen sich nicht an der Küste Javas. Schon im August desselben Jahres -mussten die »Schutters« von Batavia ihre Heimath gegen 5 englische -Kriegsschiffe vertheidigen, und im November 1806 wurde die ganze -holländische Flotte, welche aus 8 Kriegs- und 20 Handelsschiffen -bestand, von den Engländern erobert (nebstdem war im Jahre 1802 ein -Aufruhr in Cheribon [Nord-Java] unterdrückt worden). Im Jahre 1808 -hat der ebenso energische als autokrate General Daendels, kaum in -Indien angekommen, den beiden suzeränen Staaten Djocja und Solo die -Ueberlegenheit der holländischen Regierung fühlen lassen und das Reich -Bantam (am 22. November 1808) dem holländischen Reiche einverleibt, den -alten Sultan nach Surabaya verbannt, seinen Sohn als besoldeten Sultan -angestellt, die alte Königsstadt niederreissen lassen und Serang zur -Hauptstadt des Landes ernannt. - -Als am 17. Februar 1811 die Einverleibung[241] Hollands in den -französischen Staat in Batavia bekannt wurde, trat die französische -Republik als Gebieterin über Java und die übrigen Inseln des indischen -Archipels auf, ohne sich länger als sieben Monate dieses Besitzes -erfreuen zu können. Schon am 4. August 1811 landeten 12000 Engländer -unter dem General Auchmuty in Batavia, der französische General Jamsens -wurde nach einigen unglücklichen Schlachten zur Capitulation gezwungen -und übergab am 17. September 1811 die Regierung in die Hände des -Lieutenant-Gouverneurs Sir Stamford Raffles, als des Vertreters der -»englischen Compagnie«, unter dem Protectorat der englischen Krone. -Während dieses kurzen Interregnums von fünf Jahren wurde auch nominell -das Sultanat von Bantam aufgehoben und zu einer gewöhnlichen Provinz -(»Residentie«) von Java ernannt, dasselbe geschah mit dem Reiche -Cheribon. Auch eine Verschwörung im Reiche Surakarta, um die Engländer -von Java zu vertreiben, wurde entdeckt und unterdrückt. Am 19. August -1816 übernahm eine holländische Commission die Regierung Javas aus den -Händen John Fendall’s, des Nachfolgers Sir St. Raffles, und seit dieser -Zeit weht die holländische Flagge nicht nur auf Java, sondern auch auf -den übrigen Inseln des indischen Archipels, bis auf den heutigen Tag. -Noch zahlreiche Kämpfe musste Holland um den Besitz von Java führen -(der grosse Javakrieg dauerte vom Jahre 1825-1830). Noch zahlreiche -Aufstände, meistens von fanatischen Priestern angezettelt, musste es -unterdrücken, bis es sich ungestört des Besitzes dieser herrlichen -Insel erfreuen konnte. Tausende und abermal Tausende europäischer -Soldaten fielen in diesen Kämpfen durch das todbringende Blei oder -unter den Schwertern und Lanzen der Javanen. Doch eine köstliche Saat -sprosste aus dem mit dem Blute dieser Europäer gedüngten Boden: Ruhe -und Frieden unter den zahlreichen Fürsten und Despoten dieser Insel und -Sicherheit des Lebens und Eigenthums der Eingeborenen. Der Bauer erntet -die Frucht seiner Arbeit, der europäische, chinesische und arabische -Kaufmann sendet ungestört die Schätze des Landes nach allen Theilen der -Erde,[242] und durch den Segen der europäischen Civilisation, unter -der Leitung der holländischen Regierung, wurde Java, um das Wort des -Dichters Multatuli zu wiederholen, das Land, »welches sich wie ein -Gürtel aus Smaragd um den Gleicher schlingt«. Slamat tanah Djawa! - - - - -Sach- und Namen-Register. - - - A. - - Abattoir 213 - - Abendunterhaltungen 47 - - Abenteuer 24 - - Abfuhr der Fäcalien 202, 316 - - Abhärtung 4 - - Abschiedsvisite 142 - - Abschreckungstheorie 104 - - Abstammung vom Hunde 373 - - Acacien 36, 198, 269 - - Achtergallery 285 - - Adhipatti 61 - - Adjing tanah 81 - - Aepfel 129 - - Ahad 277 - - Aida-Oper 26 - - Akar tjampakka 279 - - Akar wangi 279 - - Alang alang 140, 264 - - Alcalische Säuerlinge 148 - - Alcaloid der Chinarinde 126 - - Alfuren 158 - - Aling-Aling 81 - - Alter der Pferde 289 - - Alpinia galanga 113 - - Altstadt von Batavia 24 - - „ „ Semárang 366 - - „ „ Surabaya 35 - - Ambarawa 212 - - Ammonium cardamomum 113 - - Amor auf dem Schiffe 5 - - Amoy 294 - - Ampenan 329 - - Ampiun 292 - - Analphabeten 339 - - Anciennität 216 - - Andjomora (Berg) 42 - - Andropogon muricatus 279 - - Aneurysma 312 - - Angklong 120 - - Anisodrilus carnosus 113 - - Anjer 97 - - „ fluss 42 - - Ankunft in Batavia 10 - - Antiaris toxicarica 227 - - Ansiedlung der Europäer 377 ff. - - Anting-Anting 358 - - Antipyrin 4, 240 - - Aphrodisiacum 247 - - Apotheker 180 - - Araber 27, 142 - - Arabien 266 - - Arak 187 - - Arcadien von Java 362 - - Arda wolika 168 - - Ardjuno (Berg) 42 - - Areca catechu 281 - - Areng-Palme 36, 187 - - Arimuko 118 - - Armenpraxis 40, 149, 180, 236 - - Arsenal 16 - - Artesisches Wasser 194, 366 - - Artillerie 346 - - „ -Schiessstätte 115 - - Arts 53 - - Assem 113 - - Assistent-Resident 143, 232 - - Atjeh 34 - - Atlantischer Ocean 4 - - Auction 141 - - Auctionsamt 147 - - Auction von Büchern 209 - - Audienz beim Unterkönig 104 - - Aufstände in Bantam 98 - - Ausbruch des Krakatau 97 - - „ „ Merapi 361 - - Ausgestorbener Krater 136 - - Aussenbesitzungen 52 - - Aussterben der Büffel 84 - - Australien 129 - - - B. - - Bába 283 - - Babad 157 - - Babakan 222 - - Babu 18, 278 - - Baduwies 78 - - Bagagetag 6 - - Bageléen 59, 220 - - Bajaderen 169 - - Bakker (Dr.) 190 - - Bacterien 189 - - Bactericide Sonnenstrahlen 353 - - Bacteriologisches Laboratorium 113 - - Baleh-Baleh 87, 278 - - Bali 20, 158, 328 - - Bambus-Glockenspiel 120 - - „ Häuser 315 - - „ Steine 372 - - „ Wunden 123 - - Bami 363 - - Banaspati 252 - - Banda 159 - - Bandong 114, 226 - - Bandongan 311 - - Bangsal Kentjana 175 - - Banjir-Canal 367 - - Banju-Biru 216 - - Banjumas 241 - - Bansal witana 175 - - Bantam 59 - - „ Kidul 61 - - „ lamah 69 - - Baracken aus Bambus 315 - - Bargilli (Dr.) 160 - - Barmherzige Schwester 3 - - Basalt 111 - - Bataker (Pferde) 73, 158 - - Batavia 11, 59, 367 - - „ -Museum 137 - - Batoro Guru 118 - - Batu-Djadjar 114, 123 - - „ galiga 373 - - „ Tulis 108, 126, 136 - - Batur 112 - - Bauchtrank 349 - - Baven 217 - - Bouwmeester (General) 125 - - Beamte 232 - - Beamtengehalt 114 - - Bedaja 114 - - Bedak 279 - - „Bediende“ 180 - - Bedienten 92, 365 - - Begegnung mit einem Tiger 79 - - Behandlung der Eingeborenen 370 - - „ der Fussgeschwüre 80 - - „ „ Seekrankheit 4 - - Beksos 117 - - Bengawan-Fluss 148, 178, 264 - - Benzoe 278 - - Bergbau 56 - - „ Kanone 125 - - „ Klima 254 - - „ luft 127 - - „ see Nebel 148 - - Beri-Beri 49, 188, 197 - - „ kring 50 - - Bernelot Moens 126 - - Beschautag 141 - - Beschriebener Stein 108 - - Beser (Berg) 126 - - Besserungsanstalt 139 - - Besuki 59 - - Bezirksarzt 149 - - Bezoarstein 372 - - Bier 43 - - Binnendyk 101 - - Binnengallery 260, 284 - - Biologie in den Tropen 112, 271 - - Birnen 129 - - Bisna 273 - - Bischof von Mauricastro 335 - - Bittersalzquelle 96, 111 - - Bleeker (Dr.) 196, 278, 342 - - Bodjong 365 - - „ Manick 96 - - „ Bangku 96 - - Bohnen 128 - - Bojolali 265 - - Bongkok (Berg) 78 - - Borax 371 - - Boreh 116, 170, 279 - - Bosch, van den 214 - - „ W. (Dr.) 189 - - Botanischer Garten 106 - - Both, Pieter 11 - - Boycott 259 - - Brandjanala 175 - - Brandy 204, 261 - - Brantas (Fluss) 42, 56 - - Bras 199 - - Breng-Breng (Berg) 112 - - Brille 176 - - Bringin 373 - - Broes van Dort (Dr.) 157, 159 - - Büchsen 208 - - Buddha 325 - - Büffel 72, 175 - - Buitenzorg 72, 101 - - Bukit Limbul (Berg) 110 - - Buleléng 328 - - Bumbu tschinké 247 - - Bupatti 167 - - Burg, van der (Dr.) 87,158, 187, 240, 279, 343, 370, 371 - - Bürgerschulen 134 - - „ kleidung 229 - - „ wehr 367 - - Buru Budur 250, 325, 361 - - Burung 121 - - Bus de Ghisignies 20 - - - C. - - Cachot 151 - - Cäsarinen 265 - - Calcutta 189 - - Campement 216, 275 - - Canarie communis 225 - - Canton 189 - - Capelle 366 - - Caryophyllum 113 - - Casino in Batavia 20, 23 - - „ „ Surabaya 36 - - Catechu 281 - - Cattam 193 - - Cavallerie 346, 375 - - Ceylon 189 - - Cervus Muntjac 90 - - Chavica siriboa 281 - - Ché jen 372 - - Cheribon 59 - - Cheyne-Stokes 84 - - China 189 - - „ -anpflanzungen 126 - - „ -rinde 126 - - Chinesische Behandlung der Diphtheritis 370 - - „ Frauen 305 - - Chinesisches Jahr 293 - - Chinesische Civilisation 293 - - „ Selbstmörder 293 - - „ Schrift 294 - - „ Pillen 295 - - „ Curpfuscher 370 - - Chinesisches Gewicht 290 - - Chinesische Möbelmacher 283 - - Chinesisches Quartier in Buitenzorg 101 - - Chloralhydrat 4 - - Cholera 50, 188 - - „ bacillen 188, 193 - - „ essenz 196 - - „ phobie 181 - - „ trank von Bleeker 196 - - „ bei Säufern 187 - - „ in der Armee 195 - - Christen auf Java 78 - - Cicade 81 - - Cicadeen 36 - - Cinnamomum aromaticum 113 - - „ Sintok 113 - - Cissampelos hirsute 351 - - Citadelle Prinz Frederik 115 - - „ „ Hendrik 42 - - Civilarzt 149 - - „ praxis 180 - - Cleghomia cymosa 247 - - Cocain 4 - - Cocosnussöl 279 - - Cocospalme 36 - - Colonisation der Europäer 377 ff. - - „ „ Hindu 157 - - Combattant 352 - - Commabacillen 193 - - Commission 125 - - Committirte 84 - - Concordia 40 - - Concrete pavement 198 - - Conduite-Liste 21, 183, 229 - - „Conferentiekamer“ 38 - - Conserven 90, 210 - - Control-Liste der Pferde 219 - - Cordon 79 - - Coriandrum sativum 113 - - Coromandel 188 - - Corso in Weltevreden 18 - - Creditverhältnisse 304 - - Creole 15, 129 - - Creoline 195 - - Croquetclub 322 - - Curcuma 113 - - „ longa 282 - - - D. - - Dadap 111, 266 - - Dalang 120 - - Daendels (Marschall) 20, 59 - - Dajaker 158 - - Dalem 177, 264 - - Damak 78 - - Damar 211 - - Dämmerung auf Java 110 - - Dampfschifffahrtsgesellschaft 31 - - „ tramway 366 - - Danaergeschenk 36 - - Danielsen (Dr.) 160 - - Dani-Fluss 102 - - Dapur 351 - - Datura 187 - - Deckhengste 72, 106 - - „ passagier 8 - - „Declaratie“ 126, 218 - - „Deeleman Kar“ 25 - - Deli 159 - - Demak (Fluss) 213 - - Deng-deng 69, 91 - - Departement des Cultus 20 - - „ der Finanzen 20 - - „ „ Justiz 23 - - „ des Krieges 20 - - Deputation 173 - - Dersono 56 - - Desinfection 162 - - Dessa = Dörfer - - Dianella montana 279 - - Diät 38 - - Diäten 125 - - Diënggebirge 227, 375 - - Dienstboten 355 - - Diphtheritis 370 - - Djagong 200 - - Djaka Dolog 36 - - Djambugebirge 353 - - Djamu 280 - - Djamus 266 - - Djangkrig 81, 121 - - Djarakblätter 15 - - Djati 157 - - „ holz 206, 373 - - „ Nangos 121 - - Djelma dalem 82 - - „ luwar 82 - - Djeruk purut 351 - - Djie tèh 372 - - Djinten 113 - - Djocja 59, 173, 219, 243, 367, 373 - - Djojo 355 - - Djombang 57 - - Djonkok 202 - - Djumahad 277 - - Djurang Djerok 264 - - Doktor djawa 161, 196, 340 - - „ der Wacht 306 - - „ universae medicinae 53 - - Dolmetsch der javanischen Sprache 174 - - Domine 275 - - Donan (Fluss) 226 - - Dörrpfanne für Thee 122 - - Dos-à-Dos 25, 166 - - Douwes Dekker 61, 68 - - Drachenfliegen 121 - - „ fluss 294 - - Drainage 198 - - Dressur der Pferde 73 - - Duit 339 - - Dukun 31, 301 - - Dupa 278 - - Dysenterie 260, 341 - - Dysoxylum laxiflorum 278 - - - E. - - Ei 359 - - Eichhorst 3 - - Eigensinn der Pferde 73, 290 - - Einfluss der Bergluft 127 - - Eingeborene 142 - - „ Beamte 233 - - Eintheilung der Armee 346 - - Einwohnerzahl der Insel Bavean 54 - - „ „ „ Java 178 - - „ „ „ Lombok 328 - - „ „ „ Madura 54 - - „ „ Prov. Bageléen 220 - - „ „ „ Banjumas 232 - - „ „ „ Bantam 96 - - „ „ „ Batavia 28 - - „ „ „ Djocjakarta 247 - - „ „ „ Kedu 273 - - „ „ „ Madiun 148 - - „ „ „ Preanger 111 - - „ „ „ Semárang 364 - - „ „ „ Surabaya 55 - - „ „ „ Surokarta 179 - - „ des Kraton von Djocja 174 - - „ von Batavia 27 - - „ „ Djocja 286 - - „ „ Magelang 333 - - „ „ Purworedjo 220 - - „ „ Salatiga 375 - - „ „ Semárang 27 - - „ „ Serang 60 - - „ „ Solo 177 - - „ „ Surabaya 27 - - Eisen 111 - - Eisenbahnen auf Java 33, 146 - - „ auf Sumatra 146 - - Electricität in den Tropen 12 - - Elend während einer Epidemie 74 - - Elephanten 137, 168 - - „ berg 103 - - Ellofluss 273 - - Emoy-Chinesen 293 - - Empang 108 - - Empfang beim Armeecommandant 16 - - Empfangsabende 286 - - „ zimmer des Armeecommandanten 16 - - Enclave von Solo 373 - - Endemische Krankheit 194 - - Endivien 128 - - Endut (Berg) 96 - - Engel Bey 158 - - Entstehungsursache der Cholera 193 - - „ der Dysenterie 341 - - Eperies 182 - - Epidemische Krankheit 194 - - Erbpachtländer 57 - - Erbsen 128 - - Erdäpfel 90, 128 - - „ beeren 128 - - „ öl 148 - - Eriodendron anfractuosum 280 - - Erkältung 87 - - Ernest Simon 376 - - Erratische Blöcke 265, 361 - - Erythrina indica 266 - - Escamoteur 115 - - Ethnographie 134 - - Eucalyptus 198 - - Ewiges Feuer 373 - - Expedition in den Tropen 347 - - Export im Allgemeinen 393 - - Export von Chinarinde 126 - - „ „ Indigo 277 - - „ „ Kaffee 267 - - „ „ Schwalbennestern 221 - - „ „ Thee 122 - - „ „ Zucker 392 - - - F. - - Fäcalien 202 - - Fächerpalme 36 - - Fälschung 185 - - Fan Tsjhi 293 - - Farbensee 136 - - Farnkräuter 248 - - Fasanen 90 - - Fatalismus 335 - - Febris perniciosa 188 - - Feigenblatt aus Silber 17 - - Feldbataillon 346 - - Fermentiren des Kaffees 266 - - Feuchtigkeit der Luft 127 - - Feuerwehr 367 - - Ficus procera 278 - - Fieber 216 - - „ epidemie 68 - - „ herd 217 - - Fische 278 - - Fiscus 56 - - Flagge 6 - - Fleischsorten 90 - - Fliegen 193 - - Fliegende Blätter 280 - - Flöhe 95 - - Flöte 120 - - Fort Engelenburg 155, 265 - - „ General van den Bosch 151 - - „ Nassau 11 - - „ Ngawie 151 - - „ Prinz von Oranje 366 - - „ Rustenburg 174 - - „ Vastenburg 177, 264 - - „ Willem I 139, 211 - - Freimaurerloge in Batavia 20 - - „ „ Semárang 366 - - „ „ Surabaya 36 - - Friedmann 221 - - Friesland (Dampfer) 1 - - Frösche 81 - - Früchte 129 - - Frühstück 15 - - Führer der Elephanten 167 - - Fürstenländer 253 - - Furunculosis 365, 372 - - - G. - - Gaba 199 - - Gabel der Polizei 107 - - Gadja 168 - - „ berg 103 - - Gadok 136 - - Gaga dalem 373 - - Galengan 200 - - Gambing 264 - - Gamelang 120 - - Gangangan 148 - - Gans 168 - - Garebegfest 165, 245 - - Garnisonsdoctor 150, 255 - - Garduhäuschen 87, 365 - - Garten von Java 277, 360 - - Garuholz 279 - - Gasbeleuchtung 44 - - Gastfreundschaft 212, 241 - - Gedebus 115 - - Gedéh (Berg) 103, 110 - - Gedong 44 - - „ Guning 177 - - Geer (Prof.) 239 - - Gefahr des Opiumrauchens 291 - - Gegenfürsten 246 - - Gehalt der Bedienten 358 - - „ „ Fürsten 245 - - „ des Gouverneur-General 235 - - „ eines Oberarztes 40 - - „ „ Regenten 114 - - „ „ Regimentsarztes 235 - - Geill (Dr.) 161 - - Gekkó 11 - - Gemeindevertretung 323 - - Gemüse 128 - - Genäschigkeit der Diener 358 - - Gendingan 268 - - Genéng 166, 371 - - Genietruppen 346 - - Gensdarmen 224 - - Genua 4 - - Geographie der Insel Lombok 328 - - „ „ „Residentie“ Bageléen 220 - - „ „ „ Bantam 96 - - „ „ „ Banjumas 227 - - „ „ „ Madiun 147 - - „ „ „ Preanger 110 - - „ „ „ Surabaya 56 - - „ „ „ Surakarta 264 - - Gepäcktag 7 - - Gerichtsbeamte 318 - - Gerichtshöfe 319 - - Gerichtspraxis 180 - - Gewang 120 - - Gewürze 113 - - Gidoro 266 - - Gigerl von Batavia 19 - - Giran pohon 82 - - „ serát 82 - - Gladakker 203 - - Glambong 241 - - Glaspalast 109 - - Gnaphalien 269 - - Gold auf Java 111 - - „ fische 374 - - Gombong 222 - - Gong 120 - - Gouvernements-Bureau 20 - - „ Passagier 34 - - Grachten 40 - - Granit 111 - - Gras 219 - - Grassi 94, 193 - - Grille 81, 121 - - Grissée 78, 129 - - Grijs, de 296 - - Grobak 73, 80, 289 - - Gronemann (Dr.) 195, 362 - - Groot, de 293, 296 - - Grosses Haus 20 - - Grösster Platz der Welt 20 - - Grotten 221, 227, 247, 265 - - Grundwasser 194 - - Gubuk 373 - - Gulden, holländischer 212 - - Guling 285 - - Gundik 177 - - Guntur (Berg) 112 - - Gunung Kentjana 70 - - „ Wangi 221 - - Gurken 128 - - - H. - - Haarlem (Insel) 9 - - Hackung 41 - - Hadat 172 - - Hadji 115, 336 - - Hafen von Tjilatjap 226 - - „ „ Semárang 226,367 - - Hahn 168 - - Hahnenkämpfe 72, 121 - - Haifische 24 - - Halbeuropäer 241 - - Half-cast 134 - - Half-Chinesen 305 - - Halimun (Berg) 110 - - Hamangku Buwana 183 - - Handkuss 21 - - „ langer 180, 309 - - Hausen Armauer (Dr.) 160 - - Hari Païng 277 - - Hari-Tag 277 - - Hasen 90 - - Hassa Udin 69 - - Hasskarl 102 - - Häuptlinge der Chinesen 287 - - Haus des Armee-Commandanten 16 - - Haushälterinnen 52, 133 - - Hausirer 28, 41, 349 - - Haustoilette 14, 45, 248 - - „ der Damen 249, 283 - - „ unterhaltung 45 - - Havelaar, Max 61 - - Heiden auf Java 78, 340 - - Heilige Krieg 338 - - Heimchen 8 - - Hengste 70 - - Heredität der Lepra 160 - - Herodot 342 - - Herolde 168 - - Herzogs-Allee 16 - - Hibiscus 36 - - Hiëmtak 372 - - Hieroglyphen 294 - - Hilfsofficier der Justiz 269 - - Hindostan 157, 189 - - Hindudienst 251 - - Hinterlader 224 - - Hippokrates 342 - - Hirsch (Prof.) 157 - - Hirsche 90 - - Hirundo esculenta 247 - - Hochebene von Bandong 114 - - „ „ Tjandjur 114 - - Hofceremoniell 173 - - Hofdamen 168 - - Höhe der javanischen Pferde 62 - - Hok-ho Chinesen 294 - - „ ka „ 294 - - Hölle Javas 257 - - Höllensaft 292 - - Holzclavier 120 - - „ schnitzereien 176 - - Hoorn (Insel) 9 - - Hotel Java 11 - - „ Jungfernheim 265 - - „ Kedu 275 - - „ Pavillon 365 - - „ Taman 374 - - „ Tugu 244, 274 - - „ Wynveldt 35 - - Hun 290 - - Hunde 177 - - Hungertyphus 69 - - „ in Bantam 82 - - Huri 119 - - Hüte 49 - - Hylobates leuciscus 81 - - „ syndactylus 124 - - Hypacidität des Magens 113 - - Hyperacidität „ „ 112 - - - I. - - Ideen 68 - - Ikan kaju 278 - - „ sepát 278 - - Illustration 208 - - Imagiri 247 - - Impfungen der Lepra 160 - - Import von Opium 202 - - Incubation der Lepra 160 - - Indifferentismus 112, 335 - - Indigo 57, 247, 277 - - „Indisch Taubsein“ 357 - - Indrukken van den dag 68 - - Ingwer 113 - - Insel Alkmaer 9 - - „ Amboina 159 - - „ Amsterdam 9 - - „ Bali 158, 328 - - „ Banka 159 - - „ Bavean 54 - - „ Biliton 159 - - „ Celebes 73, 159 - - „ Edam 9 - - „ Haarlem 9 - - „ Hoorn 9 - - „ Java 54 - - „ Kelupa 82 - - „ Kembangan 227 - - „ Krakatau 9, 97 - - „ Lombok 158, 328, 355 - - „ Madura 54 - - „ Morano 159 - - „ Ngamuk 10 - - „ Ontong Djawa 10 - - „ Panaïtan 97 - - „ Pinang 189 - - „ Rotti 73 - - „ Sandelwood 73 - - „ Sawu 73 - - „ Sumatra 9, 158 - - „ Sumbawa 73 - - „ Ternate 159 - - „ Timor 73 - - „ Tjindjil 82 - - Inspection 184 - - Inspector 150 - - Irrenanstalt in Buitenzorg 108 - - „ in Surabaya 36 - - „ in Semárang 366 - - Ismanggung 130 - - - J. - - Jacobson 121 - - Jagd auf Rhinocerosse 29 - - Janus Tulp 321 - - Japara 59 - - Jasminium Sambok 278 - - Javabode 150, 322 - - Javane 55, 213 - - Javanische Holzschnitzereien 176 - - „ Pferde 72 - - „ Kunst 327 - - „ Sagenwelt 157 - - „ Schönheitsmittel 281 - - „ Sprache 355 - - Javasee 264 - - Jin tchong pe 372 - - Jodium 96, 111 - - Jodiumquelle 56 - - Journalistik 322 - - Juden 134, 334 - - Junghuhn 126, 362 - - Justus von Maurik 321 - - - K. - - Kabaya 14, 248, 283 - - Kabumen 222 - - Kabupátten 163, 260 - - Kaempheria galanga 113 - - Kaffee 57, 266 - - Kaffeehaus 128 - - Kâhar sewa 116 - - Kaiser von Solo 169, 244 - - Kaju garu 278 - - „ manis 113 - - „ putiöl 279 - - „ tjindana 278 - - Kakaling 82 - - Kakerlaken 372 - - Kalang 373 - - Kalason 251 - - Kalbfleisch 90 - - Kali = Fluss - - „ Bening 251, 348 - - „ Mas 40, 78 - - „ Osso 225 - - „ taman 374 - - Kalk 111 - - Kalong 90 - - Kampfer 371 - - Kampong = Dorf - - „ Ampel 41 - - Kananga wangie 279 - - Kanarienbäume 225 - - Kanarienharz 278 - - Kanarienvögel 60, 244 - - Kandang Badak 102 - - „ Wesi 111 - - Kanone von Krupp 114 - - Kantjana (Berg) 114, 340 - - Kantschil 90 - - Kaolin 111 - - Kapinango 278 - - Kapok 180, 247 - - Kapol 113 - - Kaputrén 177 - - Karang 112 - - „ bolang 221 - - „ trètès 248 - - Karbouwen 90, 175 - - „ weisse 90 - - Kartasura 265 - - Kartenspiel 47, 247 - - Käse 263 - - Kassowitz 371 - - Katholiken 335 - - Kean Ansantang 110 - - Kedal 161 - - Kediri 59 - - Kedong Djatti 139, 373 - - „ Kebo 221 - - Kedu 59, 274, 363 - - Keduer Pferde 72, 288 - - Kelan 199 - - Kelor 113 - - Kelut 269 - - Kemis 277 - - Kendeng 42 - - Kendil 213 - - Kentering 372 - - Kentjur 113 - - Ketumbar 113 - - „ Seré 113 - - Kiai Dadop 79 - - Kidang 90, 168 - - Kimerok 251 - - Kimlo 363 - - Kindersee 201, 227 - - Kirche, armenianische 20 - - „ chinesische 275 - - „ katholische 16, 275 - - „ protestantische 20 - - Kirchkasse 159 - - Kirchhof der Europäer 275 - - „ „ Chinesen 305 - - Klatten 155, 265 - - Klappermilch 91 - - Kletstafel 35, 260 - - Klima 111, 216, 238 - - Klimaschiessen 248 - - Klingalesen 115 - - Kliwon 277 - - Klontongs 349 - - Kloster der Franziskaner 366 - - Koch (Prof.) 94, 201, 239, 242 - - Koen, J. P. van 18 - - Koffer 7 - - „Koffiecultur“ 267 - - Kohlen 96, 111 - - Kondé 45, 116 - - Kon-fu-tse 293 - - König von Siam 137, 309 - - Königsplatz 16, 20 - - Königstiger 71 - - Kopfjäger 39 - - Kopfsteine der Chinesen 303 - - Kossong 41 - - Kramas 278 - - Kranggan 362 - - Krankenliste 37 - - Krankensäle 51 - - Kraton zu Djocja 175, 244 - - „ „ Solo 264 - - Kraut 128 - - Krawang 59 - - Kriegsgericht 186 - - Kris 176, 358 - - Kroja 242 - - Krok 31 - - Krokodile 10, 24, 166 - - Kromo-Sprache 355 - - Krygsraad 186 - - Kudang 284 - - Kunst in Indien 25 - - Kupang 213 - - Kurang adjar 137 - - Kutang 249 - - - L. - - Labák 59, 61 - - Laboratorium 113 - - Lada 113 - - Ladang 199 - - Lakkaholz 279 - - Lamongan 42 - - Lancier 165 - - Landbau 68 - - Landeskasse 20 - - Landes-Sanitätschef 149 - - Landherren 246 - - Laternenfest 295 - - Laudanum 182 - - Lawsonia alba 279 - - Lawu (Berg) 139, 148, 178, 264 - - Lawang (Berg) 221 - - Lebensgefahr 85 - - Leber 132 - - „ abscesse 341 - - Legi 277 - - Legionen des Kaisers von Solo 175 - - „ „ Sultans von Djocja 175 - - Leibwache 167, 244 - - Leistung der javanischen Pferde 74 - - Leitje 205 - - Lembang 112, 362 - - Lemo (Berg) 136 - - Lepra 157, 375 - - „ in der Armee 158 - - Leproserien 162 - - Lerchen 90 - - Lesegesellschaft 207 - - Leuchtkäfer 81 - - L’hombre 163, 247 - - Li 290 - - Lianen 265, 345 - - Liang Dynastie 157 - - Li koan-lan 296 - - Locomotief 52, 205, 322 - - Löffler’scher Bacillus 371 - - Loge in Surabaya 36 - - Lombok 113, 355, 328 - - Loro Djongrang 253 - - Losari 213 - - Luftcurorte 243, 375 - - Lügenhaftigkeit der Bedienten 357 - - Lumbung 253 - - - M. - - Madat 292 - - Madiun 59, 139, 147 - - Madjapahit 36, 57 - - Madras 189 - - Madura 54, 59 - - Maduresen 55, 188 - - Magang 130 - - Magelang 72, 114, 139, 258, 275, 305 - - Magensäure 112, 193 - - Mahomedaner 335 - - Mahomedanische Religionsschulen 338 - - Maïn dâdu 350 - - Mais 200 - - Major der Chinesen 48 - - Makassar 55 - - „ Pferde 73 - - Malacca 81, 189 - - Malang 114 - - Malaria 94, 188, 237 - - „ chronische 235 - - Malaye 55, 60 - - Malayische Kinder 18 - - Malayisches Winken 21 - - Malik Ibrahim 78 - - Malimping 71, 77 - - Malpropertät 156 - - Mandalangi (Berg) 111 - - Mangel an Aerzten 365, 376 - - Mangko Negoro 177 - - Manjutan (Berg) 148 - - Mantja-negara 220 - - Maos 226, 241 - - Marine-Etablissement 42 - - Marionetten 114 - - „ theater 114 - - Marmor 111 - - Marodenzimmer 179, 228 - - Marschbefehl 387 - - Marschtag 340 - - Marseille 4 - - Martavanen 247 - - Masern 239 - - Masseuse 31 - - Mataram 329, 355 - - Matjaan 247 - - Matjan tutul 79 - - Maulesel 354 - - Mauritius 190 - - Mausoleum 69 - - Max Havelaar 61 - - Medicin der Chinesen 295 - - Medono 349, 353 - - Meerbusen von Bantam 69 - - Meeresleuchten 2 - - Menado 34 - - Mendut 253, 274, 325 - - Menjang 278 - - „ merra 278 - - Menschenrechte der Javanen 68 - - Merang 278 - - Merapi (Berg) 213, 264, 361, 374 - - Merbabu (Berg) 213, 264, 374, 376 - - Messagerie maritime 4 - - Mesuenbäume 287 - - Meteorologisches Observatorium 25 - - Meuterei 224 - - Miethwagen 288 - - Milchzahn des Rhinoceros 30 - - Militär-Abtheilungen 114 - - „ Aerzte 51, 125, 230 - - „ Hygiene 353 - - „ Spital zu Batavia 16 - - „ „ „ Magelang 306 - - „ „ „ Ngawie 179 - - „ „ „ Pelántungan 375 - - „ „ „ Semárang 366 - - „ „ „ Surabaya 35 - - „ „ „ Tjilatjap 228 - - Millionenstudien 68 - - Mineralquellen 111 - - Ming-Dynastie 157 - - Minggu 277 - - Minnebrieven 68 - - Minusops Elengi 279 - - Miring-Fluss 42 - - Mischrassen 133 - - Mischehen 130 - - Missbrauch des Opiums 291 - - Missigit 175 - - Mission für christlich-reformirte Kirche 27 - - Mittagsschläfchen 15, 43 - - Mittelstand 41 - - Modderlust 35 - - Modedame 19 - - Moderne Domine 334 - - Modin 336 - - Modjokerto 56 - - Modokarsi 42 - - Mof 21 - - Mofette 111, 227, 264 - - Mofrica 26 - - Mohamad Tsafînd-dîn 98 - - Mohren 340 - - Molenvliet 24, 138 - - Monikendam (Insel) 9 - - Monsum 372 - - Moorwellen 111 - - Moos 248 - - Morbidität 216 - - Mörderallee 277 - - Morphin 4 - - Morphiophagen 291 - - Morynga pterygosperma 113 - - Moschus 90, 372 - - Mosquitos 94, 193, 239, 242, 367 - - Moschee in Magelang 275 - - „ „ Surabaya 40 - - Muara Teweh 38, 158 - - Multatuli 68 - - Muntilan 274, 325 - - Musang 266 - - Museum 20, 137 - - Mutter Spandermann 11 - - Myristica fragrans 113 - - „ iners 279 - - Myrrhe 278 - - - N. - - Nachleser 208 - - Nächte in den Tropen 107 - - Nachthose 14 - - Nassi 199 - - „ Koreng 15 - - Nebel (See) 148 - - Nepentes 36 - - Nepotismus in der Armee 215 - - Neve, van (General) 18 - - New York 362 - - Ngabdu’r-Rahmann 168, 173 - - Ngampel 41 - - Ngawen (Fluss) 42 - - Ngawie 140, 255 - - Ngesis 292 - - Ngoko-Sprache 355 - - Ngrámbe 267 - - Nirwana 292 - - Niu-hoang 372 - - Njai 52, 133, 332 - - Nonna 19, 44, 129, 241 - - Noordwyk 23, 138 - - Nuces Querci infectoriae 287 - - - O. - - Obat sakit parút 196 - - Obors 79 - - Ocimum gratissimum 351 - - Officiere der Eingeborenen 51 - - Oghio 351 - - Opiumrauchen 290 - - „ monopol 245 - - Oppas 77 - - Opasser 309 - - Orang-baru 11, 23 - - „ Kâpir 81 - - Orchideen 36 - - Ordonanz 358 - - Orientalen 27, 55, 244 - - Oryza 199 - - Osso (Fluss) 225 - - Osteomalacie 267 - - Ostmonsum 372 - - Over vryen arbeid 68 - - - P. - - Paal 166 - - Pablingan 264 - - Packetfahrtgesellschaft 33 - - Padalarang 114 - - Padang 9 - - Paddi 199 - - Padjadjaran 110 - - Pageléen 221 - - Païng 277 - - Pajong 45, 60, 116, 175, 241 - - Pajung (Berg) 96 - - Pakaraman 227 - - Paku Buwana 221 - - Pala 113 - - Palast aus Glas 109 - - „ des Unterkönigs 104 - - Panata-gama 168, 173 - - Pandan (Fluss) 96 - - Pandanus odoratissimus 279, 282 - - Pandeglang 70 - - Pandjang 213 - - Pangasah kokolot 82 - - Pangeran 169, 247 - - Pangerango (Berg) 103 - - Pang sha 371 - - Panther 79 - - Panton 19, 120, 131 - - Papeda Rumplin 351 - - Paprica 113 - - Páraan 362 - - Paradoxurus Musanga 266 - - Parkia Africana 113 - - Paron 139, 166, 179, 212 - - Pasar 278 - - „ Baru 138 - - Pasaruan 59, 78, 114, 335 - - Pastor Verbaak 335 - - Paté de foie gras 90 - - Patjar kuku 279 - - Patjet (Berg) 126 - - Patti 115, 163 - - Patua (Berg) 112 - - Patuk Pakis 265 - - Pauken 120 - - Pavillonsystem 306 - - Pekalongan 59 - - Peking 189 - - Peksi gruda 168 - - Pelántungan 158, 375 - - Penanggungan 42 - - Pendoppo 116, 175 - - Pendrian 366 - - Pengalengan 112 - - Pepé-Fluss 42, 178, 264 - - Perigien-Fluss 42 - - Periplaneta orientalis 372 - - Perlen 372 - - Pesanggrâhan 140 - - Peté 113 - - Petersilie 128 - - Petroleum 56, 111 - - „ lampe 178 - - Pfahlbauten 201, 227 - - Pfandleihanstalt 358 - - Pfeffer 113 - - Pfeifer 176 - - Pfeiffer, Ida 10 - - Pferde 72, 115, 288 - - „ -Fourage 40 - - Pfirsiche 128 - - Pflanzendune 180 - - Phenacetin 4 - - Philippo 29 - - Pidjet 31 - - Picknick 211 - - Piek von Lombok 328 - - Pikol 114 - - Pikolpferde 289 - - Pinangnuss 281 - - Pingit 353 - - Ping piën 371 - - Pisang 15 - - Pishalte 348 - - Plantage 56, 247 - - Plasmodien 189 - - Pleret 247 - - Pogostemon 279 - - Polizei 25, 68 - - „ arzt 149 - - „ soldaten 223 - - Polonaise 47 - - Polygamie 130 - - Pon 277 - - Pontang (Fluss) 96 - - Pontjol 366 - - Porong (Fluss) 42 - - Porphyr 111 - - Porte d’Entrée der Lepra 160 - - Portugiesen 81 - - Postamt 25 - - Prabajassa 177 - - Prabu Djaja Baja 157 - - Pradjurit 223 - - Präcordialangst 182, 193 - - Praguman 373 - - Prahu (Berg) 376 - - Prambánan 249 - - Prang sabib 338 - - Präsentkäse 263 - - Preanger 59 - - Preis des Chinin 104 - - Pringsurat 340, 349 - - Privatbahnen 33 - - „ güter 57 - - „ praxis 236 - - Probolingo 59, 78 - - Progo (Fluss) 273, 362 - - Protestanten 334 - - Prophylaxis der Cholera 197 - - „ „ Dysenterie 344 - - „ „ Lepra 161 - - Provinz vide Residentie - - Prüfungen der Aerzte 52 - - Prügelstrafe 154 - - Pteropus edulis 90 - - Puasa 338 - - Pulu vide Insel - - Pulverfabrik 139 - - Pulvirenti 94 - - Puntjak 136 - - Purworedjo 220 - - Pylorus 253 - - Pyrotechnische Werkstätte 42 - - - Q. - - Quartiergeld für Oberärzte 40 - - „ „ Regimentsärzte 235 - - Quecksilber bei den Chinesen 295 - - - R. - - Râden Djambu 221 - - „ Rachmat 41 - - Radja 54 - - „ Mantri 110 - - Raksassa 158 - - Randosari 367 - - Rangklasse der Spitäler 179 - - „ unterschiede 261 - - Rankas Betong 68 - - Rapatholz 247 - - Rasse 278 - - Rathhaus 25 - - Ratu Loro Kidul 247 - - Raubbau 362 - - Rawa 197 - - „ Pening 213 - - Rebab 118 - - Rebu 277 - - „Rekenkamer“ 218 - - Reconvalescentenspital zu Batu Tulis 108 - - „ „ Sindanglaya 113 - - „ „ Sukabum 112 - - „ „ Unarang 375 - - Recueil 37 - - Regenmenge auf Java 100, 198 - - „ in Buitenzorg 198 - - „ „ Magelang 198 - - „ „ Ngawie 198 - - „ „ Tjilatjap 198 - - Regierungsprincip 233 - - Reh 121, 168 - - Reibereien in kleinen Städten 259 - - „ unter Beamten 317 - - Reichsverweser 167 - - Reinwardt (Prof.) 102, 121, 189 - - Reis 57, 199 - - „ felder 199 - - „ vögel 367 - - Reise nach Europa 364 - - Religionen 334 - - Reorganisation der Armee 215 - - Resident 149 - - „ schritt 310 - - Residentie Bageléen 148, 220, 267 - - „ Banjumas 232, 267 - - „ Bantam 267 - - „ Batavia 27 - - „ Djocjocarta 361 - - „ Kedu 59, 267, 273, 363 - - „ Madiun 147, 264 - - „ Pasaruan 335 - - „ Preanger 59, 267 - - „ Rembang 148, 157, 264 - - „ Semárang 261, 364 - - „ Surokarta 59, 155, 178, 263, 361 - - Rhaden Saleh 327 - - Rhinoceros 29 - - „ horn 30 - - Ricinusöl 105, 112 - - Rinder 73 - - Rindfleisch 90 - - Riolen 202 - - Riouw 159 - - Rollen der Schiffe 2 - - Ronggens 116 - - Rothe Brücke 40 - - Rothfärben der Nägel 180 - - Rotterdam (Insel) 9 - - Rozeboom 214 - - Rüben, rothe 128 - - Ruderclub 27 - - Runde 306 - - Ruyther, Dr. 310 - - - S. - - Sabbatarier 332 - - Saguerus sacchariferus 187 - - Said Rakidin 78 - - Sajidin 168, 173 - - Salak (Berg) 103 - - Salam 274 - - Salaman 277 - - Salâmatan 336 - - Salatiga 373 - - Salindang 116 - - Salinen 111 - - Salpetergruben 56 - - Salzsäure 112, 204 - - Sanatorien 112 - - Sandhose 140 - - Sanggabuwana (Berg) 110 - - Sangkapura 54 - - Sanitätschef 16 - - Santen 113, 350 - - Santonina 105 - - Sardellen 90 - - Sardinen 90 - - Sarg der Chinesen 305 - - Sarong 249, 283 - - „ burung 221 - - Sasâté 351 - - Sassak 328 - - Saucis de Boulogne 90 - - Säuglinge 3 - - Saugwasser 7 - - Säuregehalt des Magens 113 - - Sawa 195 - - Sawung galing 168 - - Scepasma buxifolia 281 - - Schafe 90 - - Schattenspender 266 - - Scheikh Abdul Kadir 115 - - Scheinpotentaten 245 - - Scheube 341 - - Schiefertafel 205 - - Schiessclub 27 - - Schiffsbad 141 - - Schimmel 128 - - Schinken 90 - - Schlammwelle 96 - - Schlangen 166 - - Schlossplatz 140, 264 - - Schmuggeln von Opium 292 - - Schout 359 - - Schulen 16, 134 - - Schulze 25, 72, 339 - - Schuttery 368 - - „ fonds 369 - - Schwalbennesterhöhle 178, 221, 247, 265 - - Schwarzfärben der Zähne 281 - - Schwarzwurzel 128 - - Schwefel 111 - - Schweine 90 - - Section einer Choleraleiche 192 - - Sedjáng 349 - - Seekrankheit 1 - - Segaraweddi 227 - - Selassa 277 - - Sellerie 128 - - Semárang 59, 190, 364, 372 - - Sembáh 169 - - Semelink (Dr.) 187 - - Seminar 16 - - Senapati ing ngalaga 168, 173 - - Sendáng 148 - - Senén 277 - - Senf 113 - - Senkgruben 202 - - Sêptu 277 - - Serang 60, 69 - - Serenade auf dem Schiffe 7 - - Serímpi 169 - - Sesamöl 279 - - Setjáng 362 - - Sewu 253 - - Siamang 124 - - Sideh Mohamad 78 - - Sidoardjo 44, 57 - - Simaruba 259 - - Sindang-laya 113, 127 - - Sindoro 273, 362, 376 - - Singapore 376 - - Singcicade 81 - - Sinju 19, 129, 241 - - Sintok 113 - - Siong goân 295 - - Siram 141 - - Sirihkauen 281 - - „ schale 281 - - Sitinggil 264 - - Sitz der Gefühle 130 - - Siwa 188, 221, 253 - - Sluisbrücke 15 - - Smeru 269 - - Snouk Hurgronje 147 - - Solanum verbascifolium 281 - - Soldatenfrauen 332 - - „ kinder 260 - - „ freunde 332 - - Solfatoren 227 - - Solo 139, 263, 367, 373 - - „ fluss 42, 148, 178, 264 - - Sonnenblumen 198 - - „ schirme 168, 277 - - Spath 111 - - Spaziergang im Regen 88 - - Spiegel 12 - - Spiele der Javanen 118 - - Spinat 128 - - Spital für Eingeborene 25 - - „ „ Chinesen 25 - - „ behandlung für Officiere 257 - - „ weg 16 - - Spukhaus 101 - - Spurweite der Eisenbahnen 33, 139 - - Sragen 139 - - Sri Menganti 175 - - Staatsbahnen 33 - - Stab der Cavallerie 375 - - Stabsmusik 18 - - Stacheldraht 311 - - Stachelstange 86 - - Stadthaus 25, 366 - - Stalaktiten 222, 247 - - Stamford Raffles 105 - - Stampfen des Schiffes 2 - - Stand der Armee 195 - - Stanggie 278 - - Starrsinn der Pferde 290 - - Statistik der Lepra 162 - - Steeden, van 130 - - Steinbergen 197 - - Steuer für Einäugige 221 - - „ „ Waden 221 - - Steueramt 20 - - Sticker (Dr.) 161 - - Stockfisch 278 - - Stockschläge 150 - - Stomatitis crouposa 371 - - Strafanstalt Ngawie 139 - - Sträflinge 180, 321 - - Strasse von Sunda 9 - - Strassenbeleuchtung 44 - - Streitigkeiten 360 - - Strohhüte 59 - - Sukabumi 111 - - Sulassifrucht 351 - - Suling 120 - - Sultan Ageng 247 - - Sultanat von Djocja 244 - - Sultanin von Djocja 177 - - Sumbing (Berg) 273, 362, 376 - - Sumedang 121 - - Sümpfe 197 - - Sundanesen 55, 59 - - „ frauen 136 - - Superarbitrirungscommission 255 - - Surabaya 35, 195 - - Surakarta 59, 139, 263 - - Susuhunan 41, 167, 245 - - Sylvesternacht 163 - - Syphilis 375 - - - T. - - Tabak 57 - - Tail 290 - - Tamarindenbaum 113 - - Tambour 176 - - Tambourin 120 - - Tampat ludah 281 - - Tanah-bang 138 - - „ Sereal 106 - - Tandaken 160 - - „ mädchen 170 - - Tandes 78 - - Tandjong 279 - - Tanjong Priok 197 - - Tan-fan 371 - - Tangerang 59 - - Tankuban Prahu 110 - - Tan-seng 372 - - Tanzen 262 - - Tanzen der Javanen 116 - - Tänzerinnen 114 - - Tapafluss 54 - - Tapotement 31 - - Tassik malaya 112 - - Tatelahan 81 - - Tater 281 - - Taubheit 357 - - Tauschhandel im Spital 312 - - Tausend Inseln 9 - - „ Tempel 251 - - Tay-Ka-Toi 372 - - Tebásan 221 - - Tectonia grandis 206, 373 - - Telaga bodas 110 - - „ Warna 136 - - Telephon 115 - - Telok Betong 33 - - Telomojo (Berg) 213, 272, 386 - - Temanggung 290, 349, 362 - - Tempel 134, 249 - - Tengergebirge 78, 331 - - Teppiche 169 - - Teysman 102 - - Thalia 320 - - Theater 118 - - „ director 320 - - „ gesellschaft 320 - - Thee 121 - - „ plantagen 121 - - Thiergarten zu Solo 265 - - Tidar 275 - - Tiger 71, 166 - - „ gefechte 121 - - Tinggi 54 - - Tin-sjong 247 - - Tizzoni 193 - - Tjai Duwejan 91 - - Tjakra Negara 329, 340 - - Tjandi 251 - - Tjandjur 114 - - Tjemarabaum 269 - - Tjenké 113 - - Tji 290 - - Tji-apus (Berg) 103 - - „ balang 112 - - „ barenoh 96 - - „ beo 82 - - „ berem 102 - - „ bodas 102, 127 - - „ dani 102 - - „ kandi 84, 96 - - „ „ ilir 59 - - „ „ udik 59 - - „ kanékes 82 - - „ komoh 108 - - „ langap 85 - - „ latjap 33, 197, 217, 241 - - „ leles 70, 77 - - „ ligon 23 - - „ madjah 112 - - „ manok 96 - - „ omas 108 - - „ panas 102, 127 - - „ panimbang 96 - - „ samodor 82 - - „ walini 112 - - Tjien-tju 372 - - „ tjau 351 - - Tju-séh 371 - - Todtenthal 227 - - Toko 138, 222 - - Tolletbaracken 314 - - Tonnensystem 316 - - Topeng 120 - - Toro 60 - - Totok 26 - - Tourniere 114, 121 - - Trachitstein 265, 361, 376 - - Tramway 23 - - Transferirung 34, 218 - - Trassi 278 - - Treppensteigen 239 - - Treub (Prof.) 101 - - Trichopus trichopterus 278 - - Trinkgelder 21 - - „ wasser 194, 216, 240, 343 - - Trommel 26 - - Tropfsteinhöhle 227, 248 - - Tsáp gow mêng-Fest 294 - - Tschou houang 372 - - Tsee houang 371 - - Tuban 42 - - Tukang pidjit 31 - - Tukung (Berg) 96 - - Tuku Umar 346 - - Tumenggung 167 - - Tuntang 213, 373, 375 - - Turnschule 27 - - „ vereine 27 - - Tuwak 187 - - Tytler 193 - - - U. - - Ueberschwemmungs-Canal 367 - - Uncaria gambir 281 - - Ungarang 212, 374 - - Unglücksfälle durch Thiere 166 - - Uniform der Militärärzte 231 - - „ „ Pradjurits 224 - - „ „ Schuttery 368 - - Upasbaum 227 - - Urat sala 32 - - Urlaub nach Europa 364 - - Urut 31 - - Uvaria odorata 279 - - - V. - - Vaccinateur 150, 161 - - Vaccinestoff 260 - - Valentyn 159 - - Vanille 113 - - Vendutie 142 - - „ accept 147 - - Verbannungsort 237 - - Verbreitung des Islam 78 - - Vereine in Batavia 26, 27 - - Verein der surabayischen Zuckerfabrikanten 56 - - Vergiftungsfälle 96 - - Verhexen 360 - - Verpflegsgebühren 255 - - Vertheidigungsschrift 185 - - Vertheidigung von Java 214 - - Veth 157, 213, 227, 247, 251, 253, 325, 373 - - Vetter 328 - - Vibration 31 - - Viehpest 68, 83 - - „ zucht 68 - - Violine 118 - - Virchow 160, 193 - - Vivres 39 - - Vogel 168 - - Vogelnester 56, 245 - - Volksschulen 134, 339 - - Vordermann (Dr.) 371 - - Vorkinder 134 - - Vorschuss 218, 358 - - Vorstenschool 68 - - Vulcan Bromo 79 - - „ Karang 96 - - „ Lawu 270 - - „ Merapi 161 - - - W. - - Wachtel 121 - - Wachthäuschen 87, 107 - - Wageh 277 - - Wajang gohlek 120 - - „ Kulit 119 - - „ Orang 118, 265 - - „ tjina 119 - - Walikukung 265 - - Wanakarta 112 - - Wanakrama 36 - - Waringinbaum 36, 140 - - Warme Quellen 96, 148, 222, 264 - - Wasser 194, 216 - - Waterlooplatz 16 - - „ säule 16 - - Wechsel der Dienstboten 359 - - Wedono 78 - - Wege der Fama 206 - - Weintrauben 129 - - Weisse Röcke 232 - - „ Uniform 368 - - Welirang 42 - - Wellisgebirge 269 - - Weltevreden 15, 113 - - Westmonsum 372 - - Wettrennen 72, 106, 320 - - Whisky 261 - - Whist 163 - - Widjen-Oel 279 - - Wiel, van der 371 - - Wiener Möbel 16 - - Willem I 139, 211 - - Willisberg 148 - - Wildschweine 90 - - Winken der Malayen 21 - - Wirogomo 214 - - Wohnungen der Europäer 284 - - Wollbaum 180 - - Wucherer 304 - - Wunderöl 115 - - Würfelspiel 350 - - Würste 90 - - - Z. - - Zahlmeister 218 - - Zähne der Pferde 289 - - „ „ Malayen 18, 281 - - Zauberer 295 - - Zibeth 278 - - Ziegen 90 - - Ziehbrunnen 284 - - Ziekenvader 306 - - Ziekenzaal 228 - - Zinkblech im Koffer 7 - - Zinn 111 - - Zoologischer Garten in Batavia 138 - - „ „ „ Solo 265 - - Zuckerfabriken 57 - - „ plantagen 57 - - Zulagen eines Militärarztes 235 - - Zwiebeln 113 - - - - -Inhaltsverzeichniss[243] - -des 1. Bandes »Borneo« von Breitenstein, 21 Jahre in Indien. - - - Seite - - Vorwort V - - =1. Capitel.= Rassen auf Borneo: Olo-Ott, Dajaker u. s. w. - -- Reise von Surabaya nach Bandjermasing - -- Insel Madura und Bawean -- Dussonfluss - -- Mosquitos -- Oedipussage auf Borneo -- - Danaus-Seen -- Antassan -- Rother Hund (eine - Hautkrankheit) 1 - - =2. Capitel.= Pesanggrâhan = Passantenhaus -- Ausflug nach - der Affeninsel -- Aberglaube der Eingeborenen - -- Reise nach Teweh -- Ein chinesisches - Schiff im Innern Borneos -- Trinkwasser in - Indien -- Eis -- Mineralwässer 13 - - =3. Capitel.= Amethysten-Verein -- Alcohol -- Gandruwo, - eine Spukgeschichte -- Polypragmasie der - jungen Aerzte -- Verpflegung in einem Fort - -- Unselbständigkeit der Militärärzte - -- Malayische Sprache -- Vergiftung mit - Chloralhydrat und Arsenik -- Krankenwärter - und Sträflinge -- Amoklaufen -- Erste Praxis - unter den Dajakern -- Schwanzmenschen 24 - - =4. Capitel.= Fischschuppen-Krankheit -- Tigerschlange -- - Schlangenbeschwörer -- Gibbon -- Kentering - -- Beri-Beri -- Simulanten beim Militär -- - Mohammedanisches Neujahr -- Tochter von - Mangkosari -- Kopfjagd -- Pfeilgift -- - Genesungsfest -- Gesundes Essen -- Früchte - -- Indische Haustoilette -- Wüthende - Haushälterin -- Dysenterie -- Gewissenlose - Beamte -- Missionare 45 - - =5. Capitel.= Fort Buntok -- Orang-Utang -- Operationen -- - Prostitué bei den Affen -- Darwinisten -- - Indische Häuser -- Möbelfabrikanten -- - Französische Mode -- Gefährliche Obstbäume - -- Einrichtung der Häuser -- Dajakische - Häuser -- Götzenbilder -- Tuwak oder Palmwein - -- Wittwenstand der Dajaker -- Opfern der - Sclaven -- Todtenfest 88 - - =6. Capitel.= Ameisen und Termiten in den Wohnungen -- - Verderben der Speisevorräthe -- - Milch-Ernährung der Säuglinge -- Aborte - Tjebok -- Transpiration in den Tropen - -- Baden -- Siram = Schiffsbad -- - Antimilitärischer Geist der Holländer -- Das - Ausmorden der Bemannung des Kriegsschiffes - „Onrust“, von den Dajakern erzählt 113 - - =7. Capitel.= Acclimatisation -- Sport in Indien -- - Sonnenstich -- Prophylaxis gegen Sonnenstich - -- Alcoholica -- Bier -- Schwarzer Hund -- - Mortalität beim Militär im Gebirge und in - der Ebene -- Klima -- Statistik -- Erröthen - der Eingeborenen -- Geringschätzung der - „Indischen“ -- Fluor albus, Menstruation -- - Gesundheitslappen -- Erziehung der Mädchen -- - Indische Venus -- Indischer Don Juan 130 - - =8. Capitel.= Urbewohner von Borneo -- Eisengewinnung bei den - Dajakern -- Eisenbahn auf Borneo -- - Landbaucolonien -- Jagd in Borneo -- Im - Urwalde verirrt -- Wilde Büffel -- Medicin - auf Borneo -- Actiologie bei den Dajakern -- - Taufe bei den Dajakern -- Dukun -- Doctor - djawa 147 - - =9. Capitel.= Kriegsspiele der Dajaker -- Angriff auf einen - Dampfer -- Hebammen -- Frauen-Doctor -- - Europäische Aerzte -- Gerichtsärzte -- - Stadtärzte -- Civilärzte -- Furunculosis -- - Aerztliche Commissionen -- Vaccinateurs 170 - - =10. Capitel.= Geographie von Borneo -- Reise des dänischen - Gelehrten Dr. Bock -- Besteigung des Berges - Kinibalu -- Die Syphilis in Indien -- - Beschneidung 190 - - =11. Capitel.= Das „Liebesleben“ bei den Waldmenschen, - Dajakern, Malayen und Europäern -- - Aphrodisiaca 223 - - =12. Capitel.= Abreise von Borneo -- Tod meiner zwei - Hausfreunde durch Leberabscesse -- - Bandjermasing nach 100 Jahren 232 - - =Anhang.= Geschichte des Süd-Ostens von Borneo 238 - - =Sach- und Namen-Register= 255 - - - - -Im gleichen Verlage sind u. A. erschienen: - - -Führer auf Java. - -Ein Handbuch für Reisende. - -Mit Berücksichtigung der socialen, commerziellen, industriellen und -naturgeschichtlichen Verhältnisse. - -Von - -L. F. M. Schulze. - --- Mit einer Eisenbahnkarte von Java. -- - -Preis: broch. 9 M., gebunden 10 M. 20 Pf. - - -21 Jahre in Indien. - -Aus dem Tagebuche eines Militärarztes. - -Von =Dr. H. Breitenstein=. - -Erster Theil: =Borneo.= - -Mit 1 Titelbild und 8 Illustrationen im Text. - -Preis: broch. 5 M. 50 Pf., gebd. 6 M. 50 Pf. - - -Das Weib in der Natur- und Völkerkunde. - -Anthropologische Studien - -von =Dr. H. Ploss=. - -6. umgearbeitete und stark vermehrte Auflage. - -Nach dem Tode des Verfassers bearbeitet und herausgegeben - -von =Dr. Max Bartels=. - -Mit 11 lithographischen Tafeln und 539 Abbildungen. 2 Bände. - -Preis: brochirt 26 M., in Halbfranzband 30 M. - - -Das Kind in Brauch und Sitte der Völker. - -Anthropologische Studien. - -Von =Dr. H. Ploss=. - -Zweite neu durchgesehene und stark vermehrte Auflage. 2. Ausgabe. 2 -starke Bände. - -Preis: broch. 12 M., in zwei eleg. Ganzleinwandbänden 15 M. - - -Die Medicin der Naturvölker. - -Ethnologische Beiträge - -zur - -Urgeschichte der Medicin. - -Von =Dr. Max Bartels=, - -Geh. Sanitätsrath in Berlin. - -Mit 175 Original-Holzschnitten im Text. - -Preis: brochirt 9 M., in Halbfranzband 11 M. - - -Volksbräuche und Aberglauben - -in der Geburtshilfe u. der Pflege des Neugeborenen in Ungarn. - -Ethnographische Studien - -von =Dr. Rudolf Temesváry=. - -Mit 16 Abbildungen. Preis: broch. 2,80 M., gebunden 3,60 M. - - - - -Fußnoten: - - -[1] Zwei Jahre später ist dieses Schiff an der spanischen Küste -mit Mann und Maus untergegangen; wie mir ein jetziger Patient, der -Eigenthümer des Rotterdamer Lloyd, erzählte, war es auf einen Felsen -aufgefahren und wurde in zwei Stücke zerrissen. - -[2] Sie haben eine Grösse von 8,503 Quadrat-Meilen, während Java -2281,432 Quadrat-Meilen gross ist. - -[3] Weltevreden ist die südliche Vorstadt von Batavia, welche -ausschliesslich von Europäern bewohnt wird. Oft wird der ganzen Stadt -Batavia dieser Name gegeben. - -[4] „Nachthose“ (Hose aus buntem Kattun) und Kabaya (weisses Leibchen). - -[5] Capsicum annuum. - -[6] Ricinus communis oder R. rugosus oder R. ruber oder R. spectabilis, -welche alle zu der Klasse der Euphorbiaceen gehören. Die Chinesen Javas -bereiten ihr häufig gebrauchtes Laxans aus Ricinus ruber. - -[7] Java wird militärisch in drei Abtheilungen eingetheilt, welche in -Weltevreden, Samarang und Surabaya ihren Sitz haben. - -[8] Nur Dr. +Wasklewitz+ hatte als Sanitätschef den Rang eines Generals. - -[9] Nur der General-Gouverneur und der Armee-Commandant sind -Excellenzen. - -[10] Vide Schulze, Führer auf Java S. 147. - -[11] In dieser Haustoilette sieht man die malayischen Mädchen nicht -mehr auf Java, sondern nur auf den übrigen Inseln auf der Strasse -herumgehen. - -[12] Zur Erinnerung an die Eroberung von Bali, einer Insel im Osten -Javas. - -[13] Spitzwort für die Deutschen. - -[14] +Schulze+ bringt ein vollständiges Verzeichniss aller -Gesellschaften, welche in Batavia ihren Sitz oder ihre Vertreter haben. - -[15] Factisch liessen die Decorationen dieser Oper nichts zu wünschen -übrig, wie ich mich einige Tage später überzeugte. - -[16] Aus den Mittheilungen des Ministeriums der Colonien vom Jahre 1894 -ist ersichtlich, dass die drei grössten Städte Javas: Batavia, Surabaya -und Samarang folgende Einwohnerzahl im Jahre 1892 hatten: - - Europäer. Chinesen. Araber. Andere Eingeborene. Total. - Orientalen. - - Batavia 8613 27,279 2622 104 76,246 = 114,864 - Samarang 3732 11,282 702 993 56,210 = 72,919 - Surabaya 5913 9,160 1931 392 128,294 = 145,690 - -Auch die Provinz Batavia hat seit dieser Zeit stark zugenommen. Sie -hatte im Jahre 1892 1,150,957 Einwohner (darunter 11,701 Europäer, -80,395 Chinesen, 3081 Araber, 119 Orientalen und 1,055,661 Eingeborene) -und hat einen Flächeninhalt von 122,154 Quadrat-Meilen. - -[17] Das Tapotement (Hackung) und die Vibration (Erschütterung) der -europäischen Masseure üben sie jedoch nicht. - -[18] Holländische Phrase. - -[19] Susuhunan = Seiner Heiligkeit ist der Titel des Kaisers von Solo. - -[20] Seine Mutter stammte von Cambodga, und sein Vater war ein Araber, -der ihn in einem Alter von 20 Jahren zu seinem Bruder in Madjopahit -sandte; er wurde hier der zweite Apostel des Islam in Java. Der erste -war Manlana Malik Ibrahim, welcher am 8. April 1419 zu Grissé starb. - -[21] Vide Note Seite 27. - -[22] Vide I. Band: Borneo, Seite 68. - -[23] „ „ „ „ 123. - -[24] Den ersten Tag erhält jeder Patient nur Reis in Milch gekocht. - -[25] Gegenwärtig wird diese Stadt natürlich durch Gas beleuchtet. -Batavia hat seit 38 Jahren, Surabaya seit 20 Jahren und Samarang seit -1898 eine Gasfabrik. - -[26] Seit dieser Zeit hat die Mode den Männern und den Damen den -Gebrauch des Hutes auch nach Sonnenuntergang aufgedrungen. - -[27] In den „Sälen“ der Unterofficiere und Officiere befanden sich nur -europäische Patienten. Aus disciplinären Gründen werden nämlich die -eingeborenen Unterofficiere gemeinsam mit den eingeborenen „Minderen“ -verpflegt, und die eingeborenen Officiere sind in der regulären Armee -schon seit vielen Jahrzehnten auf das Aussterbeetat gesetzt. Vor drei -Jahren lebte noch der letzte „eingeborene Officier“ pensionirt als -hochbetagter Greis in Magelang (Java). - -[28] Im Jahre 1893. - -[29] Im Westen ist die Küste gebirgig; an diesen Theil schliesst -sich die Ebene von Grissé; im Süden derselben folgen die Gebirgszüge -von Lamongan, Kendeng und Modjokasri; die grosse Ebene von Djombang -geht im Süden in einen mächtigen Gebirgsstock über, welcher sich mit -zahlreichen Bergriesen über die östliche Grenze bis tief in die Provinz -Passuruan erstreckt. - -[30] Gesetz (Wet) vom 23. Mai 1899 (Staatsblad No. 124). - -[31] In den acht Districten dieser Provinz sind nur die Städte -Surabaya, Grissé, Modjokerto, Djombang und Sidoardjo von Bedeutung. - -[32] Java wird nämlich in 22 Residenties = Provinzen eingetheilt, -welche, von Westen nach Osten gezählt, folgende Namen führen: Bantam, -Batavia, Krawang, Cheribon, Preanger, Banjumas, Tegal, Pekalongan, -Samarang, Japara, Kedu, Bagélen, Surakarta, Djokjakarta, Rembang, -Madiun, Kediri, Surabaya, Madura (Insel), Pasuruan, Probolingo und -Besuki. - -[33] Serang ist eine kleine Stadt, sie hatte im Jahre 1892 nur 5700 -Einwohner (mit 179 Europäern und 446 Chinesen u. s. w.). - -[34] Holländisches Sprichwort. - -[35] = Offene Säulenhalle. - -[36] +Eduard Douwes Dekker+, geb. am 2. März 1820 in Amsterdam, schrieb -mit dem Pseudonym Multatuli oben erwähnten Tendenzroman Max Havelaar, -Minnebrieven, indrukken van den dag, Ideen, Over vryen arbeid, Duizend -en eenige hoofdstukken over specialiteiten, Millionenstudien und ein -Drama -- Vorstenschool --, das noch heute zu den beliebtesten Stücken -des Repertoirs gehört. Er starb am 19. Februar 1887. - -[37] Im Durchschnitt haben die javanischen Pferde, wenn wir von den -importirten australischen absehen, eine Höhe von 1.20 Meter. - -[38] Oppas (M.) = Oppasser (H.) = Aufseher. - -[39] Tjileles liegt 6° 30′ s. Br. - -[40] Diese Ziffern sind die absolute Höhe. - -[41] = Beamtentitel. - -[42] Der Jahresbericht des Ministeriums der Colonien vom Jahre -1894 spricht von 2789 evangelischen und 436 römisch-katholischen -Eingeborenen auf Java. - -[43] Der Photograph hat in richtiger Auffassung der javanischen -Etiquette bei der Aufnahme die Prinzessinnen stehen und die Bedajas und -die Musikanten sitzen lassen. Nicht nur bei officiellen Festlichkeiten, -sondern auch im alltäglichen Leben setzt sich der „kleine Mann“ sofort -auf den Boden, wenn er mit einem hohen eingeborenen oder europäischen -Beamten, und wäre es nur für wenige Secunden, zu thun hat; ja selbst -auf der Strasse wird im Innern des Landes der „kleine Mann“, selbst -wenn er zu Pferde ist, sofort absteigen und sich auf den Boden -setzen, sobald ein Höherer sich nähert. In den Städten wird diese -Ehrenbezeigung nur im Amte, aber nicht auf der Strasse, und auch nur -den allerhöchsten Würdenträgern erwiesen. Selbst der Titel „Kanjeng -tuwan“ heisst wörtlich übersetzt: Der Herr (tuwan), welcher steht. - -[44] Tji ist die Verkürzung von Tjai = Wasser (S.). - -[45] W. M. W. Nr. 47, 1898. - -[46] Es ist bereits gelungen, durch mikroskopische Schwämme die -Heuschrecken in grossen Massen sterben zu lassen. Vielleicht wird sich -ein Mittel finden lassen, um auch diese Landplage (die Mosquitos) -Indiens durch Vergiftung mit solchen niedrigen Pflanzen epidemisch zu -Grunde gehen zu lassen. - -[47] Die Kohlenlager von Bodjong Manick und von Bodjong Mangku -sind kaum dem Namen nach bekannt. Ein gleiches Schicksal haben die -Bittersalz-Quellen, Schlammwellen, warme Quellen und Jodium haltende -Wasser dieser Provinz. - -[48] Vide Fussnote 2, Seite 96. - -[49] Für die Richtigkeit dieser Nachrichten über die Insel Panaïtan -will ich nicht einstehen, weil sie nur den Mittheilungen eines -Häuptlings von Lebak entnommen sind. - -[50] In der Provinz Preanger bin ich im Jahre 1881 in Garnison gelegen -und habe sie einige Male als Tourist durchreist. Um Wiederholungen -zu vermeiden, muss ich die chronologische Reihe meiner Erlebnisse -unterbrechen und nur mit wenigen Worten meine Wanderungen vom Jahre -1881 bis 1888 andeuten: Vier Monate blieb ich in der Provinz Bantam. -Nachdem ich hierauf elf Monate in Buitenzorg, der Residenz des -Unterkönigs (= Gouverneur-General) gedient hatte, begann abermals das -Wanderleben. Im Jahre 1882 war ich in Weltevreden und in Telok Betong -(Süden von Sumatra) in Garnison, musste im September wiederum nach -Weltevreden transferirt werden, um mich einer Prüfung für den Rang -eines Regimentsarztes zu unterwerfen. Nachdem ich diese mit Erfolg -abgelegt hatte, wurde ich nach Batu-Djadjur geschickt, wo die grosse -Schiessstätte der Artillerie sich befand. Ende März 1883 kehrte ich -nach Batavia zurück und bekam nach zwei Monaten den Auftrag, das zehnte -Bataillon nach Atjeh zu begleiten. Kaum drei Wochen später wurde -ich nach „Polonia“ in der heutigen Provinz „Ostküste von Sumatra“ -transferirt, wo ich an der äussersten Grenze des holländischen -Gebietes wieder zehn Monate lang in dem Fort Seruway, abseits von der -menschlichen Civilisation, mit zwei Officieren lebte. Die Einöde dieses -Festungslebens machte sich um so fühlbarer, als ich schwer krank wurde -und meine Abberufung sich verzögerte. Im März 1884 verliess ich endlich -diese einsame und verlassene Gegend, und nach sechswöchentlichem -Aufenthalte in dem Spitale zu Weltevreden bekam ich einen zweijährigen -Urlaub nach Europa. Am 19. Juni 1886 kehrte ich nach Indien zurück -und wurde bei meiner Ankunft in Batavia angewiesen, nach Atjeh -(Nord-Sumatra) zu gehen, wo die Eingeborenen einen Guerillakrieg gegen -die Holländer führten. Hier blieb ich (mit meiner Frau, welche ich im -Mai 1886 in Rotterdam geheiratet hatte) volle zwei Jahre, um hierauf -die Insel Java bis zum Jahre 1897 nicht mehr verlassen zu müssen. - -[51] Indisch-holländisches Sprichwort. - -[52] Berechnet nach einem Durchschnitt von 10 Jahren. - -[53] Genannt nach dem gleichnamigen Flusse, welcher auf diesem Berge -entspringt oder wenigstens in seiner Nähe fliesst. - -[54] Der Gunung Gadjah = der Elephantenberg ist 2225 Meter hoch. - -[55] 3622 Meter hoch. - -[56] Nach Veth III, 84. - -[57] Buitenzorg ist nämlich seit dem Jahre 1746 die Residenz des -Gouverneur-General von Holländisch-Indien. - -[58] Im Jahre 1876 zahlte die indische Regierung für ein Kilo Chinin -279 fl., in letzter Zeit fiel es bis auf 39 fl. - -[59] Vide I. Theil, Seite 167. - -[60] Vide +L. F. Schulze+, Führer auf Java. - -[61] Die schon oft erwähnten Sarong und Kabaya der europäischen Damen -sind dieselben, welche die kleinere Prinzessin auf Fig. 6 trägt; nur -sind sie etwas reichlicher mit Spitzen besetzt. - -[62] Batu-tulis liegt nämlich 6° 35′ S. B. - -[63] Nämlich: 1699 Europäer, 4165 Chinesen, 109 Araber, 11 Orientalen -und 1,994,049 Eingeborene. - -[64] Die Provinz Bagelen hat ungefähr 20,000 Seelen pro Quadrat-Meile. - -[65] Vide I. Theil, Seite 68. - -[66] Nur sehr selten wird der Tourist eine malayische +Strassentänzerin+ -in obiger Toilette sehen. In der Regel ist der obere Theil der Brust, -Hals und Nacken unbedeckt, weil der Sarong das einzige Gewand ist, -welches sie bis unter die Achseln trägt und in der Taille mit einem -silbernen Gürtel schliesst. - -Ich kann nicht umhin, an dieser Stelle einiges über die malayische -Auffassung des Tanzes mitzutheilen. - -So eine Strassentänzerin gehört zur Hefe des Volkes und ist eine -Prostituée stricte dictu; eine anständige Frau meidet den Tanz. Die -Bedajas und Serimpis üben ihre Kunst immer ohne Männer aus. Der -europäische Einfluss hat in diese Auffassung der geschlechtlichen -Moral nur eine Bresche geschossen. Wo die Frau eines Fürsten in der -europäischen Gesellschaft erscheint, nimmt sie an der Polonaise Theil; -im Uebrigen ist jede Berührung des Mannes in Gegenwart Anderer von Mann -und Frau als unsittlich verpönt. - -[67] Die drei „militärischen Abtheilungen“ haben im Innern der Insel -ihre Concentrationspunkte der Truppen; die erste hat Tjimahi, die -zweite hat Magelang in der Provinz Kedú und die dritte hat Malang in -der Provinz Pasaruan zum Centrum ihrer Truppenmacht. - -[68] = 62½ Kilo. - -[69] = eine Schärpe, welche von der rechten Schulter zur linken Seite -gezogen wird. - -[70] In den Jahren 1889-1893 wurden 3,492,000, 3,210,000, 2,673,000, -3,671,000 und 2,712,000 kg Thee exportirt. - -[71] Vide Band I, Seite 199. - -[72] Seine Heimath ist Sumatra. - -[73] Sc.: Die Affuite nämlich zu verlängern. - -[74] Leider hatte ich keine Gelegenheit, die grossen und bedeutenden -China-Anpflanzungen der Preangerprovinz zu sehen. Seit +Junghuhn+ (vor -50 Jahren) auf dem Abhange des Tankuban Prahu die erste „Kinacultur“ -anlegte, hat diese unter seinem Nachfolger +Bernelot Moens+ in -+Java+ einen grossen Aufschwung genommen; ja noch mehr: Selbst die -Gewinnung des Alkaloid (Chinin) wird seit ungefähr fünf Jahren auf -Java fabrikmässig betrieben. In den Jahren 1889-1893 wurden 2,257,000, -2,820,000, 3,090,000, 2,330,000 und 2,710,000 Kilo Chinarinde exportirt. - -[75] In der alten Stadt Batavia besteht ein „Kaffeehaus“, in welchem à -la carte servirt wird. - -[76] Spinat, Bohnen, Gurken, kleine Sorten von Erbsen findet man -überall. - -[77] Die Malayen sehen nicht im Herzen, sondern in der Leber den Sitz -der Gefühle, z. B. sakit hati = kränken heisst wörtlich übersetzt Leber --- krank u. s. w. - -[78] Im Jahre 1890 hatte Java 97 europäische Volksschulen (mit 8500 -Schülern), 3 Realschulen (burgerscholen) für Knaben, 1 für Mädchen, 1 -Bürger-Abendschule und 18 Privatschulen. - -[79] Im ganzen indischen Archipel befindet sich kein jüdischer Tempel -und keine jüdische Cultusgemeinde, obwohl zahlreiche Juden im Handel, -in der Armee und im Corps der Beamten gefunden werden. - -[80] Vide I. Band, Seite 146. - -[81] Hier soll der Fluss Tji-Liwong entspringen. - -[82] Ein Geschenk des Königs von Siam, welcher im Jahre 1870 Batavia -zum ersten Male besucht hat. - -[83] Ueberrascht war ich, weil ich bei meiner Ankunft nicht wusste, -dass Ngawie mit seinen zwei grossen Militär-Etablissements 10 km weit -von der nächsten Eisenbahnstation entfernt lag. - -[84] Von den übrigen Inseln des indischen Archipels hat nur Sumatra -Eisenbahnen und zwar je eine auf der Nord-, West- und Ostküste. - -[85] Nach dem statistischen Bericht des Ministeriums der Colonien -(1894). - -[86] Bei dem Dorfe Gangángan. - -[87] Sein Vorgänger im Jahre 1889 hatte niemals mehr als 15% der -Sträflinge im Spitale. - -[88] Vor dem Jahre 1891 bestanden zwei Strafanstalten für die -Taugenichtse der Armee. Die Europäer wurden nach Klatten (Provinz -Surakata) geschickt, wo das Fort Engelenburg (nomen -- omen??) sie -beherbergte; seit acht Jahren jedoch werden in Ngawie beide Rassen -aufgenommen, weil Klatten als Strafdetachement aufgehoben wurde. - -[89] In der deutschen und österreichischen Armee ist sie schon seit -Jahrzehnten abgeschafft, und doch wurden im Jahre 1870 in Frankreich, -und im Jahre 1878 in Bosnien glänzende Siege erfochten. Ich muss -noch bemerken, dass erst seit dem Jahre 1891 auch die Insassen der -Militär-Gefängnisse nach Abbüssen ihrer Strafzeit für 1 oder 2 Jahre -nach Ngawie gesendet werden können. - -[90] Im Westen Javas führte im 15. Jahrhundert Sjeikh Nuru’d-dûn -Ibrahim ibn Manlana Israîl, volgens „Veth Java“ den Islam ein. Auf dem -Hügel Djati bei Cheribon baute er sich ein Haus und -- heilte eine -lepröse Frau. Es ist also die Mittheilung von Dr. +T. Broes van Dort+, -dass die Hindus und Chinesen die Lepra in der ersten Hälfte des 17. -Jahrhunderts eingeführt hätten, für jeden Fall noch einer Kritik zu -unterziehen. - -[91] Dieser Regent hatte für sich, seine Familie und sein Gefolge, wie -er mir erzählte, täglich 1 Pikol = 62½ Kilo! Reis nöthig. Dies erklärt -hinreichend die allgemein bekannte Thatsache, dass diese Herren oft -trotz ihres hohen Gehaltes noch Schulden machen müssen. - -[92] 1 Paal = 1506,943 Meter. - -[93] Die Unglücksfälle durch reissende Thiere scheinen in -Holländisch-Indien nicht zahlreich zu sein, wenigstens spricht der -Jahresbericht von 1893 nur von 43 durch Tiger, 39 durch Krokodile und -38 durch Schlangen veranlassten Todesfällen. - -[94] Würdenträger der Eingeborenen. - -[95] Seit ungefähr zwei Jahren holt der Resident den Sultan nicht ab, -sondern erwartet ihn in seinem Hause. - -[96] Und nicht +neun+, wie es +Veth+ in seinem „Java“ erzählt, was -übrigens der Name Serimpi schon andeutet. - -[97] Weil der Kaiser selbst bis zum frühen Morgen spielen würde, um -seinen etwaigen Verlust wieder zurückgewinnen zu können. - -[98] Seit dem 22. December 1877 auf dem Throne. - -[99] Dieses Fort wurde im Jahre 1760 gleichzeitig mit dem Kraton -gebaut. Nach der herrschenden Anschauung darf ein Kraton nicht länger -als ein (javanisches) Jahrhundert bestehen; die holländische Regierung -gab aber in diesem Jahrhundert zu einem Neubau nicht die Zustimmung. - -[100] Der Setzer hat bei allen Wörtern mit å nur a genommen; dessen -Schuld ist es also, dass auch dieses Wort hier geschrieben ist, als -ob es aus West-Java stammen würde. Der Buchstabe å des mittleren und -östlichen Javas wird +ungefähr+ wie das deutsche o ausgesprochen. - -[101] Darunter waren nach dem officiellen Ausweise vom Jahre 1892 1139 -Europäer, 4167 Chinesen, 83 Araber, 241 „andere Orientalen“ und 96,296 -Eingeborene. - -[102] Entspringt auf dem Bergsattel zwischen den beiden Bergriesen -Merapi und Merbabu. - -[103] D. h.: 2680 Europäer, 8058 Chinesen, 83 Araber, 241 Orientalen -und 1,165,771 Eingeborene. - -[104] Die indische Armee hat zwei Sorten von Spitälern, solche mit -selbständiger Verwaltung, welche Spitäler heissen, und Marodenzimmer -(= Ziekenzaal), welche von dem Platz-Commandanten verwaltet werden. -Die Spitäler werden in 6 Klassen und die Marodenzimmer in 4 Klassen, -je nach dem durchschnittlichen Patientenstande, eingetheilt. - - Das Spital 1. Kl. entspricht einem Krankenstande von 650 Mann 4. Kl. - „ „ 2. „ „ „ „ „ 500 „ „ - „ „ 3. „ „ „ „ „ 350 „ „ - „ „ 4. „ „ „ „ „ 200 „ „ - „ „ 5. „ „ „ „ „ 100 „ „ - „ „ 6. „ „ „ „ „ 50 „ „ - - -[105] = Pflanzendune vom Wollbaume (Eriodendron anfractuosum Dec.). - -[106] d. h. die Affaire der Transferirung des Assistenzarztes. - -[107] Sagueer oder tuwak wird aus dem Safte der Blüthenkolbe der -Arengpalme (Saguerus saccharifer) gewonnen. - -[108] Nach +van der Burg+ II, Seite 169. - -[109] Ist wahrscheinlich ein Druckfehler und soll 1820 heissen; denn -schon im Jahre 1818 hatte sich die Cholera auf Java gezeigt. - -[110] Auch er fiel später als Opfer der Cholera. - -[111] ?? der Uebersetzer. - -[112] +Van der Burg+ II, Seite 195. - -[113] Im Jahre 1879 starb kein einziger Soldat, und im Jahre 1880 nur -zwei an Cholera. - -[114] Wenn ich auch bei diesem Feste zahlreiche Häuptlinge gesehen -habe, welche in obiger Toilette ihre Aufwartung dem Kaiser von Solo und -dem Residenten machten, so war es von den Frauen nur eine Braut, welche -ich in obiger Galakleidung in Tjilatjap zu bewundern (?) Gelegenheit -hatte. Beide, Bräutigam und Braut, hatten den oberen Theil der Brust, -Hals, Nacken und das Gesicht mit Boreh (einer gelben Farbe) bestrichen. -Die Kopfbedeckung dieser Häuptlinge war schwarz oder durchscheinend -weiss. Noch muss ich bemerken, dass der Dolch (Kris) nicht nur bei -der Galakleidung, sondern zu jeder Zeit auf der Strasse von den -wohlhabenden Javanen, und zwar am Rücken von rechts nach links getragen -wird. - -[115] Ohne ihm zum Opfer zu fallen. - -[116] Ich muss bemerken, dass die Zahl der europäischen und -eingeborenen Soldaten für beide Rassen ca. 15,000 Mann gewesen ist. - -[117] Im Durchschnitt von 19 Jahren fielen jährlich in Buitenzorg 4358 -mm, in Magelang 2978 mm, in Tjilatjap 3755 mm, in Ngawie 2126 mm Regen. - -[118] Reis noch in der Hülse allein heisst in der malayischen Sprache -gaba; der gedroschene von den Hülsen befreite Reis wird bras, und der -gekochte wird nassi genannt. - -[119] Natürlich ist dies die Quelle vieler Streitigkeiten der -jeweiligen Besitzer. - -[120] In diesem Jahre wurde nämlich diese Frage mit Bezug auf das Fort -Willem I erörtert, welches im Gebirge zwischen zahlreichen Sawahfeldern -lag und vom Fieber stark heimgesucht wurde. - -[121] Holländisches Sprichwort. - -[122] Ein holländischer Gulden ist ungefähr so viel als 2 = Kronen ö. -W. = 1 Mark 60 Pf. - -[123] Die General-Gouverneure werden immer auf fünf Jahre ernannt. - -[124] d. h. mit der Pensionirung der sogenannten „alten Herren“. - -[125] Aussertourliche Beförderungen sind in der indischen Armee +sehr -seltene+ Ausnahmen. - -[126] NB. Männer von 45 (!!) Jahren. - -[127] Abgelegen. - -[128] = (J.) Landschaft. - -[129] Bei einer Grösse von 62,07 Quadratmeilen zählte es im Jahre 1892 -1035 Europäer, 3439 Chinesen, 55 Orientalen und 1,348,204 Eingeborene = -1,352,733. - -[130] Im Jahre 1894 würden von ganz Indien für 202,900 fl. = ±350,000 -Mark Vogelnester exportirt. - -[131] Hier soll +Râdèn Djambu+ zum ersten Male in der Provinz Bageléen -den Islam gepredigt haben. - -[132] Halbeuropäerin. - -[133] Hier wächst auch der Upasbaum (Antiaris toxicarica), dessen -Wurzeln einen giftigen Saft enthalten, welcher früher zum Vergiften der -Pfeile angewendet wurde. Selbst seine Ausdünstungen wurden für giftig -gehalten; wenn sich dieser Baum in der Nähe einer Mofette befindet, -kann leicht dieser Irrthum entstehen. - -[134] Die Provinz Banjumas ist 101,013 Quadrat-Meilen gross und zählt -939 Europäer, 5033 Chinesen, 7 Araber, 123 Orientalen und 1,207,690 -Eingeborene. - -[135] = Schwierigkeiten. - -[136] Der Häuptling des Bezirkes mit einem monatlichen Gehalt von -100-200 fl. - -[137] II. Theil. Seite 73. - -[138] Vide I. Band, Seite 145. - -[139] Ist die Verkürzung des Namens Jogjakarta, ebenso wie Solo im -täglichen Leben für Surakarta gebraucht wird. - -[140] Sein Titel ist: Pangeran, Adipatti Ario Prabu Prang Wedono. - -[141] Sie sind von dem Sultan, aber nicht von Holland unabhängig. - -[142] Die Provinz hat 16 Zuckerplantagen, 4 Indigo- und -Zuckerplantagen, 27 Indigoplantagen, 1 Kaffeeplantage, 2 -Tabakplantagen, 1 Tabak- und Kaffeeplantage und 1 Tabak- und -Indigoplantage, ist 56,472 Quadrat-Meilen gross und zählt zu seinen -Einwohnern 2128 Europäer, 4110 Chinesen, 86 Araber, 144 Orientalen und -787,774 Eingeborene. (Im Jahre 1892.) - -[143] Caryophillus aromaticus wird von den Chinesen unter dem Namen -Tin sjong als Aphrodisiacum gebraucht, und auch die Liebestränke der -Javanen bestehen aus bumbu tschinké (Nelken), Rapatholz (Cleghomia -cymosa) und aus Matjaän (Nuces Querci infectoriae). - -[144] Vide I. Theil, Seite 75. - -[145] Abgesehen von einigen Fachgelehrten. - -[146] Vide +Veth+, Java II, Seite 91 ff. - -[147] Kali Bening ist ein häufig vorkommender Name für kleine Bäche = -klares Flüsschen. - -[148] Der Pförtner, das ist der Schliessmuskel, welcher den Magen von -dem daranliegenden Zwölffingerdarm abschliesst. - -[149] Diese Nierenerkrankung sollte Ursache meiner Pensionirung werden. - -[150] Nur die Generäle werden von dem König in Holland ernannt und -verabschiedet. - -[151] Tratschtisch. - -[152] Die Eingeborenen werden für ihre Verbrechen vor eine Jury -gebracht, welche aus einigen Häuptlingen besteht, deren Vorsitzender -ein europäischer Rechtsgelehrter ist. - -[153] Diese sollte nach der javanischen Tradition jede 100 Jahre -verlegt werden; da aber die holländische Regierung nicht geneigt war, -auch ein neues Fort, Residentenhaus, Post und Telegraphenamt u. s. w. -zu schaffen, gelang es ihr, in beiden Sultanstädten (Solo und Djocja) -die Befolgung dieses Gebrauches in diesem Jahrhundert zu hintertreiben: -In diesem Falle hätte weder die arabische, noch die jetzt allgemein -übliche mohamedanisch-javanische Zeitrechnung den Zeitpunkt der -Uebersiedlung angegeben, sondern man hätte 100 Jahre der „Saka“ -genommen, d. h. der alten javanischen Zeitrechnung, welche mit dem -Jahre 78 v. Chr. als 0 beginnt und genannt wird nach dem Fürsten Adji -Saka von Deckau, welcher sie auf Java eingeführt hat; sie hatte rein -lunare Monate und hat sich am längsten auf der Insel Bali erhalten. - -[154] Im Jahre 1893 bestand die „Kofficultur“ der Regierung entre autre: - - in der Provinz Bantam in 216 Dessas = Dörfer mit 12262 Familien, - „ „ „ Krawang „ 18 „ „ „ 1446 „ - „ „ „ Preanger „ 618 „ „ „ 71621 „ - „ „ „ Cheribon „ 147 „ „ „ 14826 „ - „ „ „ Tegál „ 154 „ „ „ 17793 „ - „ „ „ Samarang „ 460 „ „ „ 35626 „ - „ „ „ Surabaya „ 98 „ „ „ 3566 „ - „ „ „ Kedú „ 297 „ „ „ 13136 „ - „ „ „ Banjumas „ 264 „ „ „ 16400 „ - „ „ „ Bageléen „ 85 „ „ „ 6021 „ - -Im Ganzen beschäftigten sich 320539 Familien in 3944 Dessas mit dem Bau -des Kaffees und lieferten ihn an die Regierung. Diese exportirte in -demselben Jahre 13444827 Kilo im Werthe von 12772586 fl., während der -Gesammtexport des Kaffees, d. h. incl. dem der Privatunternehmungen, -25361000 Kilo im Werthe von 24855930 fl. betrug. Im Quinquennium -1889-1893 wurden 41822000, 25169000, 38758000, 41058000 und 25361000 -Kilo aus Indien exportirt. - -[155] Vom strategischen Standpunkte aus ist diese Linie selbst -unentbehrlich zu nennen. - -[156] Magelang besitzt ein chinesisches, mohamedanisches und -katholisches Gotteshaus, aber keine protestantische Kirche! Die -„ambonesischen Soldaten“ hatten zwar eine kleine Kirche auf dem -„grossen Weg“; für die übrigen Protestanten hielt jedoch der „Domine“, -welcher in Djocja seinen Standplatz hatte, hin und wieder Gottesdienst, -und zwar in einem alten, verfallenen Turnsaal der Schule für -Häuptlings-Söhne, in welchem auch ein Dilettantenverein seine Bühne für -die „Thalia“ errichtete!! - -[157] Das holländische plaatsen = anstellen. - -[158] Die officielle Woche hat jetzt 7 Tage und zwar: Ahad oder Minggu -(aus dem portugiesischen Wort Domingo), Senen, Selassa, Rebú, Kemis, -Djumahad und Sêptu (portugiesisch). - -[159] Im Jahre 1893 wurde aus Indien um 2,224,522 fl. Indigo exportirt. - -[160] Dr. +Bleeker+ spricht von 380 Sorten Fischen, welche in Indien -gegessen werden. - -[161] Die wissenschaftlichen Namen sind dem Werke: Dr. +van der Burg+, -De geneesheer in Indien, I. Theil, entnommen. - -[162] Von Areca catech. - -[163] Eingetrockneter Saft der Blätter von Uncaria gambir oder -zahlreichen anderen tanninhaltigen Bäumen. - -[164] Von Curcuma longa (eine Zingiberacea). - -[165] Die Blätter von Pandamus odoratissimus, von welchen auch das -Rampéöl (gegen Rheumatismus) gewonnen wird. - -[166] = Vorrathskammer. - -[167] wie z. B. in Ngawie. - -[168] Die Häuptlinge der Chinesen führen den Titel Lieutenant, Capitän -und Major. - -[169] Vide Seite 73. - -[170] Das chinesische Gewicht, in welchem das Opium verkauft wird, ist -der tail = 38·6007 Gramm; 1 tail = 10 tji = 100 hun = 1000 li; ein li = -38·6 Milligramm. - -[171] Bei einer grossen europäischen Firma in Surabaya wurden -vor wenigen Jahren einige Kisten Wein confiscirt, welche anstatt -Traubensaft Opium enthielten. - -[172] Im Jahre 1893 wurden von Privatleuten um 3,357,480 fl. und von -der Regierung um 1,541,020 fl. Opium eingeführt. - -[173] Vide: Jährliche Feste und Gebräuche der Emoychinesen von +J. J. -M. de Groot+. - -[174] = Kon-fu-tse lebte von 550-478 vor Christi Geburt. - -[175] Die wenigen Canton-Chinesen, Hok-Lo- und Hokka-Chinesen, welche -auf Java vorkommen, kennen sich mit den Emoy-Chinesen nur durch die -Schrift verständigen. Nach +de Groot+ sprechen sie selbst ganz andere -Sprachen als die vom Drachenfluss. - -[176] Siehe Nr. 11960 und 11941 der „Neuen Freien Presse“. - -[177] Die Uebersetzung der chinesischen Namen für Pflanzen, Thiere und -Mineralien hatte für den Herrn +de Grijs+ manche Schwierigkeiten; da er -dreizehn wissenschaftliche Werke darüber zu Rathe zog, so verdient sie -das vollste Vertrauen. - -[178] Sie leben, wie schon früher erwähnt, in einem Ghetto und zahlen -nebst allen anderen üblichen Steuern 2-50 fl. Kopfsteuer je nach ihrer -Stellung und ihrem Vermögen. - -[179] Ich spreche nur von Java; auf der Ostküste Sumatras folgen die -Tabakpflanzer dem englischen Gebrauche und halten auch chinesische -Diener. - -[180] Bei ihnen ist die Farbe der Trauer weiss. Weisse Vorhänge -und weisse Laternen vor dem Eingange des Hauses theilen mit, dass -ein Todter im Hause sei, und bei einem Leichenbegängnisse sind die -trauernden Frauen in weisse Kleider gehüllt. - -[181] = Doctor du jour. - -[182] Dieser Schritt wird in Indien der „Residentenschritt“ genannt, -weil in der Regel diese Beamten einen schnellen Schritt mit ihrer hohen -Stellung nicht vereinbar halten. - -[183] von Schnaps. - -[184] von Hühnern, Wein und Brot. - -[185] Der Quadratmeter einer solchen Wand wird auf dem Markt je nach -der Qualität des Materials um 20-50 Cent verkauft. - -[186] sowie die Pavillons für Frauen und Sträflinge (No. XVIII bis -XXIII, Fig. 24). - -[187] welches aber wegen seiner ungünstigen Lage nicht in Gebrauch -genommen wurde. - -[188] Neben dem Wasserthurme stand der grosse Kessel, von welchem das -warme Wasser für die Bäder in einer zweiten Leitung durch das ganze -Spital, aber nicht für den Officierspavillon, geleitet wurde. - -[189] und nicht in das der Justiz. - -[190] von dem bekannten Dichter +Justus van Maurik+. - -[191] Erst im März des Jahres 1899 wollte die Regierung einen -Anfang mit einer Gemeindevertretung machen; sie holte von den drei -Residenten zu Batavia, Samarang und Surabaya Gutachten ein, um für -die +beabsichtigte+ Einführung einer Gemeindeverwaltung „sofort -Gemeindesteuern auszuschreiben für die localen Bedürfnisse, z. B. für -die Strassenbeleuchtung u. s. w.“ Vorläufig sollten die Erträgnisse -dieser Steuern in die +Staatskasse+ fliessen, um sie später, wenn die -Gemeindevertretungen zu Stande kommen sollten, diesen zu übergeben. -Darauf sagt die „Locomotief“ vom 4. April: Es handelt sich also mehr um -eine neue Steuer, als um eine neue Volksvertretung. - -[192] +Veth+ giebt die Höhe auf 60-70′ an. - -[193] +Veth+, „Java“, Band II, Seite 85. - -[194] +Veth+ nennt ihn +Bårå+ und nicht Buru Budur; das javanische -å ist ein Mittellaut zwischen a und o; etymologisch ist dies die -richtigere Schreibweise als mein Buru; in allen malayischen und -javanischen Ausdrücken glaubte ich aber aus naheliegenden Ursachen der -phonetischen Schreibweise folgen zu sollen. Ich hörte immer von Buru -und niemals von Bårå sprechen. - -[195] Lombok ist eine der kleinen Sundainseln, 5435 Quadrat-Meter -gross, und hatte ungefähr 500,000 Einwohner, welche zum grössten Theil -Mohamedaner waren, während das Fürstenhaus mit seinem ganzen Anhange -Anhänger des Hinduglaubens geblieben waren. Sie liegt zwischen 115° 45′ -und 116° 42′ ö. L. und zwischen dem 8. und 9.° s. Br. Der höchste Berg -ist der Piek von Lombok, 3800 Meter hoch, und zahlreiche kleine Flüsse -durchziehen die Insel. - -[196] Band I, Seite 215. - -[197] Nebstdem hat diese Stadt 2187 chinesische, 108 arabische, 7 -orientalische, 18,934 eingeborene und 496 europäische Bewohner. - -[198] In der Provinz Pasuruan ist eine grosse, protestantische Gemeinde -von Eingeborenen mit Missionsschule in Swaru und Kendal pajak. - -[199] Vide I. Theil, Seite 220. - -[200] +Scheube+, Die Krankheiten der warmen Länder. - -[201] Vide: „Militaire Summierziekenrapport 1847“, herausgegeben auf -Befehl der niederländisch-indischen Regierung. Batavia, Lange et Comp. -1850. - -[202] Die indische Armee zählt 18 Feldbataillone mit je 4 Compagnien, -10 Garnisonsbataillone, 5 Garnisonscompagnien, 4 Depotbataillone, -2 Recrutenbataillone und 5 Subsistenten-Caders der Infanterie, 1 -Regiment Cavallerie, 4 Batterien Feldartillerie, 4 idem Bergartillerie, -7 Compagnien Festungsartillerie und 8 Compagnien für die -Aussenbesitzungen und 2 Compagnien Genietruppen. - -[203] Die Aerzte sind nämlich keinem Regiment oder Bataillon, sondern -stets einer Garnison zugetheilt. - -[204] welcher damals noch nicht officiell zur Uniform gehörte. - -[205] Vide I. Theil, Seite 123. - -[206] Das weisse Fleisch der Cocosnuss giebt in der Küche eine sehr -schmackhafte Zuspeise: das santen, aus welchem ein Brei, aber auch eine -herrliche Torte bereitet wird. Durch Kochen und Verdampfen des santen -wird das Cocosnussöl gewonnen, welches in Indien eine grössere Rolle -als die Butter spielt. - -[207] Vide 7. Capitel. - -[208] In der malayischen Sprache beschränkt sich dieser Unterschied -nur auf den Gebrauch der Fürwörter; so wird z. B. das „ich“ des höher -Stehenden aku und das „ich“ des Untergebenen saja genannt. - -[209] Sie hat sehr viele sanskritische, arabische, persische und -holländische Wörter. - -[210] In der +javanischen+ Sprache beschränkt sich dieser Unterschied -nicht auf die Fürwörter, sondern erstreckt sich auch auf zahlreiche -Haupt- und Beiwörter. Das Gewehr heisst z. B. in der hochjavanischen -Sprache Sendjåtå und im Ngoko = bedíl. - -[211] In Delft ist nämlich das Seminarium für indische Beamte. - -[212] Kôwe = „du“ gegen einen Untergebenen; lu = „du“ mit verächtlicher -Betonung. - -[213] Vide Seite 92 ff. - -[214] Aus diesem Jahrhundert sind mir zehn Ausbrüche dieses Vulcans -bekannt, und zwar von den Jahren 1822, 1823, 1832, 1837, 1846, 1849, -1863, 1869, 1872 und 1894. Seit dem Jahre 1897 fehlt mir jede Nachricht -über einen etwaigen Ausbruch des Merapi. - -[215] Dr. +Franz Wilhelm Junghuhn+ wurde am 26. October 1812 in -Mansfeld geboren und starb am 20. April 1864 in Lembang bei Bandong -(Java). - -[216] Chinesische Speisen. - -[217] Diese Provinz ist 93,605 Quadrat-Meilen gross und zählte im -Jahre 1893 6187 europäische, 19205 chinesische, 796 arabische, 1077 -orientalische und 1407752 eingeborene Bewohner. - -[218] De geneesheer in Nederlandsch Indie. - -[219] Ein Gallenstein aus dem Bauche verschiedener Affensorten; -er spielte früher unter dem Namen von Batu galiga auf Borneo als -Exportartikel eine grosse Rolle. - -[220] Periplaneta orientalis (?) = Schabe. - -[221] Vide I. Theil, Seite 63. - -[222] Auf dem Wege nach Salagatija passirten wir das Dorf Praguman -mit den Ruinen jenes Tempels, welcher das Grab des Hundes enthielt, -von welchem die „Kalangs“ abstammen sollen. Bis zur Mitte des 17. -Jahrhunderts waren sie ein Nomadenvolk und wurden von dem damaligen -Sultan von Mataram gezwungen, sich anzusiedeln. Bei der Theilung des -Reiches im Jahre 1755 erhielten beide Fürsten ungefähr 3000 Familien. -Ein Theil dieser „Kalangs“ von Solo wohnt gegenwärtig in der Provinz -Samarang, welche eine grosse und mehrere kleine Enclaven von Solo -besitzt. Warum diese „Kalangs“ noch gegenwärtig von den übrigen Javanen -so verachtet werden, dass die Sagenwelt sie bald von einem männlichen, -bald von einem weiblichen Hunde abstammen lässt, ist mir unbekannt. - -[223] Die ältesten Berichte über Java-dwipa (= Land, Sanskrit) finden -wir bei Ptolemaeus, und der Name Java soll von der in Indien wild -wachsenden Kernfrucht Panicum abstammen. Von der ursprünglichen -Bevölkerung dieser Insel wird in den javanischen Chroniken (Babads) -wenig, und von den alten Hindus auf dem Contingent nicht nur von -diesen, sondern überhaupt von der Ansiedelung auf Java keine Erwähnung -gemacht; so wie die Babads mittheilen, hat schon im Jahre 78 p. C. -Prabu Djaja Baja eine grosse Colonie Hindus nach Java gebracht. Von -den Chinesen war Fa Hien der erste, welcher (im Jahre 414) auf seiner -Reise von Ceylon nach China Je-pho-thi = Java besucht hat. Die Araber -scheinen zum ersten Male im Jahre 851 in Zabedj = Java gewesen zu sein. - -[224] welches damals nicht nur sprachlich, sondern auch geographisch -für eine separate Insel gehalten wurde. - -[225] Einer der Schiffscapitäne gerieth in Gefangenschaft des Sultans -von Pasuruan. - -[226] Nach dem Erlöschen der unechten Burgundischen Linie fiel im Jahre -1580 Portugal an Spanien, um 60 Jahre später (1. December 1640) wieder -selbständig zu werden. - -[227] In der Nähe des heutigen Surabaya. - -[228] Das heutige Batavia. - -[229] Im September war er nach Grisé gekommen, wo seit 1602 eine -niederländische Factory bestanden hatte und kurz vor seiner Ankunft -von Seda Krapjak zugleich mit den Städten Grisé und Djaratan verwüstet -wurde, und stiftete hierauf in Djapara eine Loge (Mai 1615). - -[230] des Gouverneur-General de Carpentier, Nachfolgers von Koen. - -[231] +Veth+, Seite 372. - -[232] +Veth+, Seite 386. - -[233] G.-G. Brouwer wurde wegen des Misserfolges dieser Gesandtschaft -abberufen. - -[234] = mit dem Kris (= Dolch) erstochen wurde. - -[235] Im Jahre 1696 wurden von Adriaan van Ommen, Commandeur von -Malabar, die ersten Kaffeebäumchen nach Java gesendet, und im Jahre -1712 kam die erste Ladung Javakaffee, 894 Pfund schwer, in Holland auf -den Markt. - -[236] Nach mohamedanischer Anschauung muss der Sultan frei von -körperlichen Gebrechen sein. - -[237] +Veth+, Seite 226. - -[238] - - Ein Kojang Reis in Batavia = 1667·555 Kilogramm. - „ „ „ „ Samarang = 1729·316 „ - „ „ „ „ Surabaya = 1852·839 „ - - -[239] Von Hirundo esculenta; als Aphrodisiaca sind sie noch heute bei -den Chinesen ein beliebter Handelsartikel. - -[240] Im Jahre 1893 wurden um 71048·605 Gulden und im Quinquennium -1889-1893 315750·000, 367785·000, 463560·000, 425367·000 und 507490·000 -Kilo Zucker exportirt. - -[241] Sie hatte bereits am 9. Juli 1810 stattgefunden. - -[242] Im Jahre 1893 betrug z. B. die Ausfuhr nach Amerika 24215·538 -Gulden, nach Australien 5968·823 Golden. Der Gesammtexport erreichte -die Höhe von 191361·780 Gulden. - -[243] Zur Orientirung in den bereits besprochenen Fragen der -Tropenhygiene dürfte eine Wiederholung dieses Inhaltsverzeichnisses -vielen Lesern vielleicht nicht unwillkommen sein. - - +Der Verleger.+ - - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 21 JAHRE IN INDIEN. *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. 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Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. 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You may copy it, give it away or re-use it under the terms -of the Project Gutenberg License included with this eBook or online -at <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. If you -are not located in the United States, you will have to check the laws of the -country where you are located before using this eBook. -</div> -</div> - -<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Title: <span lang='de' xml:lang='de'>21 Jahre in Indien.</span></p> -<p style='display:block; margin-left:2em; text-indent:0; margin-top:0; margin-bottom:1em;'><span lang='de' xml:lang='de'>Zweiter Theil: Java.</span></p> -<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Author: Heinrich Breitenstein</p> -<p style='display:block; text-indent:0; margin:1em 0'>Release Date: August 31, 2022 [eBook #68882]</p> -<p style='display:block; text-indent:0; margin:1em 0'>Language: German</p> - <p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em; text-align:left'>Produced by: Peter Becker, Reiner Ruf, and the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was produced from images generously made available by The Internet Archive)</p> -<div style='margin-top:2em; margin-bottom:4em'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>21 JAHRE IN INDIEN.</span> ***</div> - -<div class="transnote mbot3"> - -<p class="s3 center"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></p> - -<p class="p0">Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von -1900 so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische -Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute -nicht mehr gebräuchliche Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original -unverändert.</p> - -<p class="p0">Im Text werden Passagen aus mehreren Fremdsprachen -eingebracht, z. B. Niederländisch, Französisch oder Latein. Diese -wurden unkorrigiert übernommen. Eigen- und Ortsnamen erhalten oft -verschiedene Schreibweisen, mitunter auch innerhalb eines Absatzes. -Dies wurde nicht korrigiert, sofern beide Schreibweisen im Text mehr -als einmal vorkommen.</p> - -<p class="p0">Die im Abschnitt ‚<a href="#Corrigenda">Corrigenda</a>‘ aufgeführten, verbesserten -Druckfehler wurden bereits in den Text eingearbeitet.</p> - -<p class="p0">Umlaute in Großbuchstaben (Ä, Ö, Ü) werden als deren -Umschreibung (Ae, Oe, Ue) wiedergegeben.</p> - -<p class="p0 nohtml">Abhängig von der im jeweiligen Lesegerät -installierten Schriftart können die im Original <em -class="gesperrt">gesperrt</em> gedruckten Passagen gesperrt, in -serifenloser Schrift, oder aber sowohl serifenlos als auch gesperrt -erscheinen.</p> - -</div> - -<div class="figcenter illowe31 break-before x-ebookmaker-drop" id="cover_h1000"> - <img class="w100" src="images/cover_h1000.jpg" alt="" /> - <div class="caption"><span class="u">Original-Umschlagbild</span></div> -</div> - -<p class="s3 center padtop5 break-before">Dr. H. Breitenstein,</p> - -<p class="s2 center mbot3">21 Jahre in Indien.</p> - -<p class="center"><b>2. Theil: Java.</b></p> - -<div class="chapter"> - -<div class="figcenter illowe40" id="frontispiz"> - <img class="w100" src="images/frontispiz.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Häusliche Idylle einer malayischen Familie.</div> - <div class="caption_gross x-ebookmaker-drop"><a href="images/frontispiz_gross.jpg" - id="frontispiz_gross" rel="nofollow">⇒<br /> - <span class="s6">GRÖSSERES BILD</span></a></div> -</div> - -</div> - -<div class="schmal"> - -<h1>21 Jahre in Indien.</h1> - -<p class="s4 center">Aus dem Tagebuche eines Militärarztes.</p> - -<hr class="r5" /> - -<p class="s3 center sans"><b>Zweiter Theil: Java.</b></p> - -<p class="center mtop2">Von</p> - -<p class="s4 center"><b>Dr. H. Breitenstein.</b></p> - -<p class="s5 center">Mit 1 Titelbild und 29 Abbildungen.</p> - -<hr class="r8d" /> - -<p class="center"><b>Leipzig.</b></p> - -<p class="s5 center">Th. Grieben’s Verlag (L. Fernau).</p> - -<p class="s5 center">1900.</p> - -<p class="s5 center padtop5 break-before">Druck von H. -<em class="gesperrt">Klöppel</em>, Gernrode(Harz).</p> - -</div> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Vorwort">Vorwort.</h2> -</div> - -<p>Der erste Theil dieses Werkes „Borneo“ hat sehr viele Freunde gefunden; -nur von <em class="gesperrt">wenigen</em> wurde es getadelt, <em class="gesperrt">einige</em> haben es -gepriesen, und von <em class="gesperrt">sehr vielen</em> wurde es gelobt.</p> - -<div class="poetry-container s5"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent2">„Theuer ist mir der Freund, doch auch den Feind kann ich nützen,</div> - <div class="verse indent0">Zeigt mir der Freund, was ich kann, lehrt mich der Feind, was ich soll.“</div> - </div> -</div> -</div> - -<p>Der Tadel galt hauptsächlich der Form, und ich bemühte mich im Geiste -dieser goldenen Worte Schillers, dem zweiten Theile eine gefällige Form -zu geben. Ich wählte bessere Abbildungen und mied so viel als möglich -die Hollandismen im Satzbau.</p> - -<p>Die zahlreichen Freunde des ersten Theiles bitte ich inständigst, mit -gleicher Nachsicht und gleichem Wohlwollen auch an die Lectüre des -zweiten Theiles heranzutreten. Ich stand ja vor einer schwierigen -Aufgabe. Die Arbeit wuchs mir mit jedem Tage unter den Händen; die -Fülle des Interessanten, das ich erlebt, gesehen und beobachtet habe, -musste ich in den engen Rahmen <em class="gesperrt">eines</em> Buches zwängen. Ich war -von dem Wunsche geleitet, nur das Interessanteste zu bringen. Möge ich -bei der Wahl, die ich deshalb zu treffen genöthigt war, auch glücklich -gewesen sein!</p> - -<p>Vor einigen Monaten erhielt ich von dem Kriegsministerium der -Vereinigten Staaten von Amerika zu Puerto-Rico das Ansuchen, das -Wichtigste über die Organisation des ärztlichen Dienstes für die -Eingeborenen auf Java mitzutheilen. So ehrend dieses Ansuchen für -mich persönlich war, so erfreulich war mir dieser Brief von einem -andern allgemeinern Gesichtspunkte aus. Er war mir Bürgschaft, dass -Amerika den Bewohnern seiner neuen Colonien das Schicksal der Rothhäute -ersparen wolle. Es will ihnen die Wohlthaten der Civilisation geben -und erholt sich<span class="pagenum" id="Seite_vi">[S. vi]</span> dazu Rath bei den erfahrenen Holländern. Diesen ist -es ja gelungen, aus den halbwilden Urbewohnern Javas friedliche und -gesittete Bürger zu schaffen. <em class="gesperrt">Heilig ist auf Java das Eigenthum; das -Gesetz schützt den kleinen Mann; in hundert Jahren ist die Bevölkerung -von 3 auf 23 Millionen gewachsen; das Land ernährt seine Kinder, und -der Reichthum seines Bodens lockt tausende Jünger Mercurs aus dem -fernen Europa in seine schönen Gefilde; Eintracht herrscht unter seinen -Fürsten, und Friede und Lebenslust kennt der Bauer.</em></p> - -<div class="poetry-container s5"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Slamat tânah Djawa!</div> - <div class="verse indent0">Heil dir, du liebliches Java!</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="center"><em class="gesperrt">Karlsbad</em>, im April 1900. -<b class="mleft7">Dr. H. Breitenstein.</b></p> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_vii">[S. vii]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Inhaltsverzeichniss">Inhaltsverzeichniss.</h2> - -</div> - -<table class="toc"> - <tr> - <td class="s5" colspan="2"> -   - </td> - <td class="s5"> - <div class="right">Seite</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td> - <div class="left">Vorwort</div> - </td> - <td> - <div class="right"><a href="#Vorwort">V</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td> - <div class="left">Corrigenda</div> - </td> - <td> - <div class="right"><a href="#Corrigenda">X</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="left"><b> 1. Capitel.</b></div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="just"> Meine erste Seereise — Meeresleuchten — Seekrankheit — - Amor auf dem Schiffe — Gepäcktag — Serenade auf dem Schiffe — Deckpassagiere - — Die „tausend Inseln“ — Ankunft im alten Batavia — „Mutter“ Spandermann — - Indische Hotels</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Capitel_1">1</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="left"><b> 2. Capitel.</b></div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="just">Weltevreden — Empfang beim Armee-Commandanten — Ein - Corso auf dem Waterlooplatze — Gigerl und Modedame in Weltevreden — Der - grösste Platz der Welt(?) — Malayisches Winken — Ein Handkuss — Ein - Abenteuer auf hoher See — Dos-à-dos und Deeleman — Altstadt — Kunst und - Wissenschaft in Indien — Wissenschaftliche Vereine in Batavia — Indische - Hausirer — Jagd auf Rhinocerosse — Indische Masseuse</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Capitel_2">14</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="left"><b> 3. Capitel.</b></div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="just">Häufige Transferirungen — Die Vorstadt Simpang — Die ersten - eingeborenen Patienten — Ein Danaergeschenk — Die „Stadt“ Surabaya — Das - Mittagsschläfchen — Eine Nonna — Eine Abendunterhaltung — Die Beri-Beri-Krankheit - — Indische Militärärzte — Die Insel Bavean und Madura — Residenties - Madura und Surabaya</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Capitel_3">33</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="left"><b> 4. Capitel.</b></div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="just">Reise nach Bantam — Malayischer Kutscher — Max Havelaar - — Fieberepidemie in der Provinz Bantam — Krankenwärter mit einem Taggeld von - 20 fl. (!) — Eine Stute als Reitpferd — Der Königstiger — Javanische Pferde - — Elend während einer Fieberepidemie — Auf dem Kreuzwege — Heiden auf Java — - Begegnung mit einem Königstiger — Behandlung der Fussgeschwüre durch die - Eingeborenen — Drohende Hungersnoth in Bantam — Aussterben der Büffel — - Dreimal in Lebensgefahr — Ein ungefährlicher Spaziergang im Regen</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Capitel_4">58</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="left"><b> 5. Capitel.</b></div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="just">Fleischspeisen auf Java — Deng-deng — Vergiftungsfälle — - Bediente — Malaria — Geographie von Bantam</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Capitel_5">89</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="left"><b> 6. Capitel.</b></div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="just">Nach Buitenzorg — Der Berg Salak — Das Schloss des - Gouverneur-General — Ein weltberühmter botanischer Garten — -<span class="pagenum" id="Seite_viii">[S. viii]</span> - Batu-tulis = beschriebener Stein — Ein gefährlicher Kutscher — Die - Preanger-Provinz — Warme Quellen — Sanatorien — Indische Gewürze — Ein - reicher Beamter — Das Tanzen (Tandak) der Javanen — Wâjang orang = Theater - — Wâjang tjina = Chinesisches Theater — Wâgang Kulit = Schattenbilder - — Spiele der Javanen — Eine Theeplantage — Bambus-Wunden — Eine langweilige, - aber einträgliche Garnison — Einfluss der „reinen Bergluft“ — Europäische - Gemüse auf Java — Ein javanischer Fürst verheiratet mit einer europäischen - Dame — Malayische Gedichte (Panton) — Mischrassen — Ein ausgestorbener Krater</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Capitel_6">99</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="left"><b> 7. Capitel.</b></div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="just">Museum und botanischer Garten in Batavia — Reise nach - Ngawie — Sandhose — „Kykdag“ einer Auction — Auction — Venduaccepte — - Geographie der Provinz Madiun — Vier Chefs — Stockschläge in der Armee — - Lepra auf den Inseln des indischen Archipels — Prophylaxis der Lepra — Eine - Sylvesternacht auf Java — Eine unangenehme Fahrt — Ein Neujahrstag in Solo - — Eine Deputation am Hofe zu Djocja — Die Stadt Solo — Der Aufschwung der - Insel Java — Das Militärspital in Ngawie — Ein Spital ohne Apotheker — - Choleraphobie — Meine Conduiteliste — Cholera in Indien — Entstehungsursache - der Cholera in Indien — Prophylaxis der Cholera in Indien — Reisfelder</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Capitel_7">137</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="left"><b> 8. Capitel.</b></div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="just">Die Schiefertafel („Leitje“) — Die Wege der Fama — - Lesegesellschaft — Ein humoristischer Landesgerichtsrath — Abreise von Ngawie - — Ambarawa — Nepotismus in der Armee — In drei Tagen zweimal transferirt — - Vorschuss auf den Gehalt — Die Provinz Bageléen — Essbare Vogelnester — In - Tjilatjap — Polizeisoldaten — Beamte — Sehenswürdigkeiten von Tjilatjap — - Officiere in Civilkleidung — Eingeborene Beamte — Gehalt eines Regimentsarztes - — An Malaria erkrankt — Djocja — Der Tempel Brambánan — Die „Tausend Tempel“ - — Wieder nach Ngawie — Spitalbehandlung der Officiere — Reibereien in kleinen - Städten — Die Provinz Surakarta — Der Kaffeebaum — Ein Roman auf dem Vulcane - „Lawu“</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Capitel_8">205</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="left"><b> 9. Capitel.</b></div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="just">Die Provinz Kedú — Der Berg Tidar — In Magelang — Auf - dem Pâsar (=Markt) — Javanische Schönheitsmittel — Haustoilette der - europäischen Damen — Mein „Haus“ — Empfangsabende — Magelang — Opiumrauchen - — Die Chinesen auf Java — Die gerichtliche Medicin der Chinesen — Ein zu - grosses Militärspital — Die Königin von Siam in Magelang — Ein Oberstabsarzt - „gestellt“ — Nachtheile der Pavillons aus Bambus — Organisation des - Rechtswesens — Zum Theaterdirector gewählt — Die Journalistik Indiens</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Capitel_9">273</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> -<span class="pagenum" id="Seite_ix">[S. ix]</span> - <div class="left"><b> 10. Capitel.</b></div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="just">Der Buru Budur — Magelang während des Krieges mit Lombok - — Soldatenfreunde — Die Religionen auf Java — Schulen für die Javanen — - Die Dysenterie — Leberabscesse — Eine Expedition in den Tropen — Nochmals - von Dienstboten — „Der Garten von Java“</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Capitel_10">324</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="left"><b>Schluss.</b></div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="just">Abreise von Magelang — Semárang — „Schuttery“ — Die - chinesische Behandlung der Diphtheritis — Das ewige Feuer — Salatiga — - Abschied von Semárang</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Schluss">364</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="left"><b>Anhang.</b></div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="just">Die Ansiedelungen der Europäer auf der Insel Java</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Anhang">377</a></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat" colspan="2"> - <div class="left"><b>Sach- und Namen-Register.</b></div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right"><a href="#Sach-_und_Namen-Register">395</a></div> - </td> - </tr> -</table> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_x">[S. x]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Corrigenda">Corrigenda.</h2> - -</div> - -<table class="corrigenda"> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">Seite</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"> <a href="#Daendels">59</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"> 7.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">Zeile</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">von</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">unten:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">für</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Daendel</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">lies:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Daendels.</div> - </td> </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"> <a href="#Laban">91</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"> 6.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Labuan</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Laban.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"> <a href="#Nationaltugend">92</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"> 8.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Naturaltugend</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Nationaltugend.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#s_Jacob">104</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">12.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">oben:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Jacobs</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">s. Jacob.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#welcher">105</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"> 9.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">unten:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">welches</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">welcher.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Beschwerden">123</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">10.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">oben:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Last</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Beschwerden.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Bernelot">126</a>,</div> - </td> - <td class="vat" colspan="4"> - <div class="left"> Note:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Berelot</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Bernelot.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Ngawie">128</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"> 6.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">unten:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Njawi</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Ngawie.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Pesanggrahan">140</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"> 2.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Pasagrahan</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Pesanggrâhan.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Nord_West">146</a>,</div> - </td> - <td class="vat" colspan="4"> - <div class="left"> Note:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Nordwest</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Nord-, West-.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Bageleen">148</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"> 5.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">oben:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Bagelen</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Bageléen.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Veth">157</a>,</div> - </td> - <td class="vat" colspan="4"> - <div class="left"> Note:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Vett</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Veth.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Armauer_Hansen">160</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"> 9.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Armauer, Hansen</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Armauer Hansen.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#civiel">162</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">11.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">unten:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">der burgerlyken civil</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">de burgerlyke civiel.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Subsidien">162</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">12.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">oben:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Stipendien</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Subsidien.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Samstag">163</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">14.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Sonntag</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Samstag.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Brandy_Soda">164</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"> 4.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Brandy, Soda</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Brandy-Soda.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Garebeg">165</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"> 3.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">unten:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat" colspan="3"> - <div class="left">Garebek lies: Gárebeg (so heissen die drei grossen Festtage, - welche den 12. Mulud, den 30. Puwása und den 10. Besár gefeiert werden).</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Fussnote_100">175</a>,</div> - </td> - <td class="vat" colspan="8"> - <div class="left"> Note: Der Buchstabe å des mittleren und östlichen - Javas wird <em class="gesperrt">ungefähr</em> wie das deutsche o ausgesprochen.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Gundiks_Beiweiber">177</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">10.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">Zeile</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">von</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">oben:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">für</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Gundiks</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">lies:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Gundiks = Beiweiber.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Semmelink">187</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">15.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">unten:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Semelink</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Semmelink.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Fussnote_118">199</a>,</div> - </td> - <td class="vat" colspan="4"> - <div class="left"> Note:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Aehren</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Reis noch in der Hülse.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Djagong">200</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">10.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">unten:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">djajong</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Djagong.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Djerug">202</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">18.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Djioruk</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Djerug.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Langsat">202</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">18.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Lanjksat</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Langsat.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Merbabu">213</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">15.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">oben:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Marbabu</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Merbabu.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Zaunpfahl">215</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">15.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">unten:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Zaunspfahl</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Zaunpfahl.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Baven">217</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"> 4.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">oben:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Bavean</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Baven.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Rekenkamer">218</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"> 3.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Rechenkamer</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Rekenkamer.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Lauffeuer">219</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">11.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">unten:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Prairiebrände</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">grosse Lauffeuer selten.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Pageleen">221</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">19.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">oben:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Pagelén</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Pageléen.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Club">225</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"> 3.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">unten:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Officiersclub</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Club.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Nussa_Insel">225</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"> 3.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Insel Nussa</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Nussa (= Insel).</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> -<span class="pagenum" id="Seite_xi">[S. xi]</span> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Alang_alang">226</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"> 8.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">oben:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Along Along</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Alang âlang.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Civilkleider">230</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"> 6.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Tragen Civilkleider</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Tragen von Civilkleidern.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Landesgericht">263</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">10.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Landgericht</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Landesgericht.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Alang_alang_2">264</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"> 8.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">unten:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Alan Alan</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Alang âlang.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Grotten">265</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"> 3.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Cäsarinen-Grotten</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Cäsarinen, Grotten.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Fussnote_153">265</a>,</div> - </td> - <td class="vat" colspan="8"> - <div class="left"> Note. Gegenwärtig ist neben der europäischen - Zeitrechnung auch noch die arabische, und in Mitteljava manchmal auch die - mohamedanisch-javanische (= Saka) Zeitrechnung in Gebrauch. Die letztere - beginnt am 8. Juli 1633 mit dem Jahre 1555.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#pasar">278</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">19.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">Zeile</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">von</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">oben:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">für</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">pâssar</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">lies:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">pâsar.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#verglichen">293</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"> 9.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">zu vergleichen</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">verglichen.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Halbchinese">305</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">19.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Java-Chinese</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Halbchinese.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#nicht_den_Arm">310</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">10.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">keinen Arm</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">nicht den Arm.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Pesanggrahan_2">324</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"> 3.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">unten:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Pesanggrahan</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Pesanggrâhan.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Seite_327">327</a>.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="8"> - <div class="left">Ein interessanter Aberglaube ist die Sage von dem - Wehrtieger = Matjan gadungan.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center"><a href="#Sabbatarier">332</a>,</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">17.</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">unten:</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Sabbathisten</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Sabbatarier.</div> - </td> - </tr> -</table> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_xii">[S. xii]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Verzeichniss_der_Abbildungen">Verzeichniss der Abbildungen.</h2> - -</div> - -<table class="abbildungen"> - <tr> - <td class="s5" colspan="2"> -   - </td> - <td class="s5"> - <div class="center">Seite<br /> - des<br /> - Textes</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"> - <div class="left"><a href="images/cover.jpg">Umschlagbild</a>: Ein Regent = der - höchste eingeborene Beamte.</div> - </td> - <td> - <div class="right"> </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"> - <div class="left"><a href="#frontispiz">Titelbild</a>: Häusliche Idylle einer - malayischen Familie.</div> - </td> - <td> - <div class="right"> </div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center nowrap">Fig.  <a href="#fig1">1</a>: </div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Ein malayisches Mädchen mit dem silbernen Feigenblatt</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">17</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center nowrap"> „   <a href="#fig2">2</a>: </div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Zwei sundanesische Frauen bei der Bearbeitung der - Cacaofrüchte</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">84</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center nowrap"> „   <a href="#fig3">3</a>: </div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Die Hauptstrasse im chinesischen Viertel zu Buitenzorg</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">101</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center nowrap"> „   <a href="#fig4">4</a>: </div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Der Palast des Gouverneur-General in Buitenzorg - (Südseite)</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">104</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center nowrap"> „   <a href="#fig5">5</a>: </div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Ein Kampong (= Dorf) bei Buitenzorg</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">110</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center nowrap"> „   <a href="#fig6">6</a>: </div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Zwei sundanesische Prinzessinnen mit 2 Bedajas</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">115</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center nowrap"> „   <a href="#fig7">7</a>: </div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Ein Wâjang Kulit (Schattenbilder) mit der Gamelang und - Regisseur hinter dem Schirm</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">120</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center nowrap"> „   <a href="#fig8">8</a>: </div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Eine malayische öffentliche Tänzerin</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">120</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center nowrap"> „   <a href="#fig9">9</a>: </div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Eine malayische Njai (= Haushälterin) in einfacher - Haustoilette</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">133</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center nowrap"> „  <a href="#fig10">10</a>: </div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Eine sundanesische Frau in ihrer Haustoilette</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">136</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center nowrap"> „  <a href="#fig11">11</a>: </div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Sundanesische Früchtehändlerin</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">136</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center nowrap"> „  <a href="#fig12">12</a>: </div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Das Wohnhaus eines reichen Chinesen in Batavia</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">138</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center nowrap"> „  <a href="#fig13">13</a>: </div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Ein javanischer Häuptling mit seiner Frau in Galakleidung</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">169</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center nowrap"> „  <a href="#fig14">14</a>: </div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Reichsinsignien, getragen von den Serimpis zu Djocja (nach - Dr. Gronemann)</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">168</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center nowrap"> „  <a href="#fig15">15</a>: </div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Eine Compagnie der „Legionen“ des Sultans von Djocja</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">176</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center nowrap"> „  <a href="#fig16">16</a>: </div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Eine Hängebrücke aus Bambus bei Bandjar im Serajothal</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">241</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center nowrap"> „  <a href="#fig17">17</a>: </div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Der Tempel bei Prambánan</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">249</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center nowrap"> „  <a href="#fig18">18</a>: </div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Eine Scene aus einem Wâjang orang am Hofe zu Djocja (nach - Dr. Gronemann)</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">265</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center nowrap"> „  <a href="#fig19">19</a>: </div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Tempel bei Mendút (Provinz Kedú)</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">274</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center nowrap"> „  <a href="#fig20">20</a>: </div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Ein malayisches Mädchen mit Sirihdose und Spucknapf aus - Messing</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">282</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center nowrap"> „  <a href="#fig21">21</a>: </div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">In Sarong und Kabaya</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">283</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center nowrap"> „  <a href="#fig22">22</a>: </div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Am Ziehbrunnen</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">284</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center nowrap"> „  <a href="#fig23">23</a>: </div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Mein „Haus“</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">284</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center nowrap"> „  <a href="#fig24">24</a>: </div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Grundriss des Militär-Spitals zu Magelang</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">306</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center nowrap"> „  <a href="#fig25">25</a>: </div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Buddha-Statue im Innern des Tempels bei Mendút</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">325</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center nowrap"> „  <a href="#fig26">26</a>: </div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Ein Feld aus dem grossen Fries in den Mauern des Buru Budur</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">326</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center nowrap"> „  <a href="#fig27">27</a>: </div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Totalansicht des Buru Budur</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">327</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center nowrap"> „  <a href="#fig28">28</a>: </div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Ein Javane bei der Hausarbeit</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">355</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="center nowrap"> „  <a href="#fig29">29</a>: </div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">Ein Garduhäuschen = Eine Polizeiwachstube</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">365</div> - </td> - </tr> -</table> - -<p class="s4 center mtop1"><b>Legenda.</b></p> - -<p class="center">J = Javanisch.<br /> -M = Malayisch.<br /> -S = Sundanesisch.</p> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_1">[S. 1]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Capitel_1">1. Capitel.</h2> - -</div> - -<p class="center s4 mbot2"><b>Meine erste Seereise — Meeresleuchten — Seekrankheit — Amor -auf dem Schiffe — Gepäcktag — Serenade auf dem Schiffe — -Deckpassagiere — Die „tausend Inseln“ — Ankunft im alten Batavia — -„Mutter“ Spandermann — Indische Hôtels.</b></p> - -<p class="p0"><span class="dc">A</span>m 27. September 1876 schiffte ich mich als Oberarzt der -holländisch-indischen Armee in Rotterdam ein. Gegenüber dem Yachtclub, -in welchem sich heute das kleine, aber interessante coloniale Museum -befindet, lag die »Friesland«,<a id="FNAnker_1" href="#Fussnote_1" class="fnanchor">[1]</a> welche mir, der echten Landratte, -die vorher noch niemals das Meer gesehen hatte, durch ihre Grösse und -als »Ostindienfahrer« gewaltig imponirte. Vor der Abfahrt wollte ein -betrunkener Matrose nicht zu Schiff; als aber die Dampfpfeife ihren -schrillen Ton pfiff, eilte er auf die Brücke, welche den Dampfer mit -dem Lande verband. Aus hundert Kehlen der an Bord befindlichen Soldaten -drang ein lautes Hurrah in die Lüfte, das letzte Tau fiel, und mit ihm -fielen alle Hoffnungen, welche mich bis nun an Europa geknüpft hatten.</p> - -<p>Eine gemischtere Gesellschaft als diejenige auf einem grossen Dampfer -findet man am Continent gewiss selten oder niemals beisammen. Ein -Oberlieutenant mit seiner jungen Frau (einer Berlinerin), 2 Ungarn, 1 -Oesterreicher, 10 echte und ebensoviel unechte Malayinnen, Holländer, -Franzosen, Engländer, 100 Soldaten aus aller Herren Ländern, ein -Mädchen mit chinesischem Typus, ein hoher Beamter, dessen Frau eine -echte Dajakerin (aus Borneo) war, waren die einzelnen Steine des -kaleidoskopischen, ethnographischen Bildes auf der »Friesland«; und -als ich mich den andern Tag an einen der Officiere mit der<span class="pagenum" id="Seite_2">[S. 2]</span> Bitte um -eine Ordonnanz wandte, frug er mich: »Was wollen Sie? Einen Holländer, -Franzosen, Italiener, Deutschen, Türken, Afrikaner oder Aegypter?«</p> - -<p>Um 9½ Uhr Abends verliessen wir die Mündung der Maas und kamen in die -Nordsee; das Schiff schaukelte so, dass wir mit ausgespreizten Füssen -stehen mussten, und beim Gehen schwankte ich wie ein Trunkener; die -Stösse des Schiffes fühlte ich manchmal wie einen directen Stoss auf -den Magen, und das Schreckbild der Seekrankheit stand, vorläufig nur -in der Phantasie, in seiner ganzen Grösse vor mir; ich flüchtete in -die Cajüte und warf mich in die Arme Morpheus, um am andern Morgen -frisch und munter aufzustehen und mit gesundem Appetit das Frühstück, -bestehend aus Eiern, Fleisch, Butterbrot und Kaffee, zu mir zu nehmen. -Zum ersten Mal sah ich das Meeresleuchten, jenen hellblauen, glänzenden -Krystall, der, umsäumt von einem klaren, silbernen und kreideweissen -Saume, in einer Länge von vielleicht 2000–3000 Metern dem Hintertheile -des Schiffes sich anschloss.</p> - -<p>Bald erhob sich jedoch ein Wind, graue Wolken zogen immer schneller -und schneller vom Horizont zum Zenith, geschäftig eilten die Matrosen -auf dem Deck hin und her; im Raume brachten die Kellner alles -Zerbrechliche in Sicherheit. Das Schiff »rollte« von rechts nach links, -dann »stampfte« es wiederum, indem das Vordertheil von einer Welle -erhoben und dann wieder in die Tiefe des Wellenthals gezogen wurde; -dann stampfte und rollte es wieder zu gleicher Zeit, und schwankend -vom Steuer zum Backbord erhob es seinen Kopf über den nächsten -Wellenberg, um sich im nächsten Moment, getrieben vom Sturm und -Dampf, in das Wellenthal zu stürzen. Ich selbst sass mit den übrigen -Reisegefährten im Speisesalon und hörte theilnahmslos das Gespräch über -das Entstehen der Seekrankheit an: dass dies Schaukeln eine Blutleere -im Gehirn erzeuge, wodurch das Erbrechen entstehe; dass, wie ein -Anderer behauptete, das Zerren des Magens durch die darin befindlichen -rollenden Speisereste die Nerven reize und dadurch im Gehirn Kleinmuth -und trostlose Stimmung erzeuge, und es daher unrichtig sei, den Magen -gefüllt zu erhalten, und viel besser, ihn durch ein Gläschen Cognac -zu beruhigen; ein Dritter wiederum verwarf den Alcohol, weil er die -Nerven noch mehr reize, als es ohnehin schon durch das Stampfen und -Rollen des Schiffes geschehe; ein Vierter rieth mir, bei den ersten -Erscheinungen der Seekrankheit zu Bett zu gehen und das Kopfpolster -wegzuwerfen, weil bei der horizontalen Lage das Blut in reichlichem -Maasse das<span class="pagenum" id="Seite_3">[S. 3]</span> Gehirn durchströmen und die Anämie (Blutarmuth) beseitigen -könne. Meine Theilnahmslosigkeit steigerte sich während und nach diesem -Gespräche noch mehr; »Sie werden ja fürchterlich blass!« rief mir die -Berlinerin zu; zugleich fühlte ich einen kalten Schweiss auf der Stirn, -der Magen zog sich krampfhaft zusammen; — der Schnitt eines Messers -konnte nicht schmerzhafter sein —, ich eilte zur Thür und brachte dem -Neptun mein erstes Opfer; ich stieg hinauf aufs Zwischendeck, setzte -mich in der Nähe der Maschine auf einen Stuhl und starrte willenlos -über den Bord des Schiffes in die graue, schwarze, schäumende See -und fluchte dem Schicksal, welches mich unter fremde Menschen in die -weite fremde Welt warf, die theilnahmslos mit dem Fremdling den Kampf -ums Dasein theilt, da tönte es plötzlich wie himmlische Musik aus dem -Munde der Berlinerin zu meinen Ohren: »Bitte, nehmen Sie doch ein Glas -Wasser.« Keine barmherzige Schwester hat jemals einen innigeren Dank -erhalten, als diese junge Frau, welche mit dem Glas Wasser in der Hand -das erste herzliche und theilnahmsvolle Wort in dieser kleinmüthigen -und gedrückten Stimmung zu mir sprach. Als ich in den Salon zurückkam, -stürmten die Rathschläge der erfahrenen Reisenden in Unzahl auf mich -ein: der Eine rieth mir ein Stück Zwieback in Brandy, der Andere in -Cognac getaucht zu nehmen, der Dritte empfahl mir ein Gläschen Advocaat -(d. i. Brandy, Eier und Zucker), ein Anderer bot mir ein Gläschen -Portwein an u. s. w. Der Wille aller dieser hilfsbereiten Menschen war -gut; aber mit dem ersten Opfer stellte sich Neptunus nicht zufrieden, -und jede Wiederholung war um so schmerzhafter, je leerer der Magen -war, so dass ich unwillkürlich, und ohne den wohlgemeinten Rath meiner -Reisegenossen abzuwarten, Speisen zu mir nahm, um diesen Theil der -Seekrankheit weniger schmerzhaft zu machen.</p> - -<p>Ich hatte zwar genug Leidensgenossen, aber ich dachte nicht einmal -daran, Beobachtungen an ihnen zu machen, z. B. über den Zustand des -Herzens, des Pulses, der Athmung, des Urinirens u. s. w., denn ich -war zu krank, zu indolent, zu gleichgiltig und zu apathisch, um für -irgend etwas Interesse zu haben. Frauen, Männer, Knaben und Mädchen -— nur nicht Säuglinge, sind zeitweilig das Opfer der Seekrankheit. -Weil Säuglinge davon befreit sind und Erwachsene auch bei intensivem -Schaukeln dieselben Krankheitserscheinungen zeigen, kann die -Seekrankheit mit mehr oder weniger Recht unter die acuten Psychosen, -wie der Schwindel oder Rausch, gerechnet werden, und zwar als »Folge -von mangelndem Orientirungsvermögen im Raume« (Eichhorst).<span class="pagenum" id="Seite_4">[S. 4]</span> Dieses -würde auch die Thatsache erklären, dass selbst vom Wetter und Sturm -abgehärtete Seeleute hin und wieder seekrank werden und andrerseits -zarte Frauen davon verschont bleiben.</p> - -<p>Die Berlinerin, meine barmherzige Schwester, blieb während des Sturmes, -den wir damals hatten, von der Seekrankheit verschont, und während -der ganzen Reise, die damals 42 Tage dauerte, war sie keinen einzigen -Tag unwohl, und wie sie mir nach Jahren später erzählte, hatte sie -vielleicht zehn grosse oder kleine Seereisen gemacht, ohne auch nur -einen einzigen Augenblick von diesem unheimlichen Gaste heimgesucht -zu werden. Andrerseits habe ich Damen gekannt, welche in der Furcht, -seekrank zu werden, beim Anfang der Seereise sich niederlegten und -die ganze Reise hindurch das Bett nicht verliessen. Aber auch dieses -blieb ohne Erfolg; bei ruhiger See erfreuten sie sich einer ziemlichen -Gesundheit, um jedoch bei einigermaassen hohem Wellenschlag um so mehr -dem tückischen Neptunus opfern zu müssen.</p> - -<p>Das Abhärtungssystem hat die besten Erfolge; mit jeder weiteren -Seefahrt war ich weniger diesen Unbilden ausgesetzt, und auf meiner -letzten Seereise schmeckte mir (bis auf einen einzigen Tag) immer -die Cigarre. Jede medicamentöse Behandlung dieser Krankheit hat mich bis -jetzt im Stich gelassen. Morphium, Cocain, Antipyrin und Phenacetin -sind ebenso unwirksam als Chloral u. s. w. Die von dieser Krankheit -Heimgesuchten befinden sich am besten in der Mitte des Schiffes, und -zwar womöglich zu Bett. Zur Erleichterung des Vomirens müssen sie die -Appetitlosigkeit überwinden und etwas zu sich nehmen, und wäre es nur -ein Stückchen Biscuit, eine Limonade oder ein Gläschen Advocaat. Das -einzige wirksame Mittel bleibt — das feste Land. Gegenwärtig wird -diesem Factor Rechnung getragen. Während auf meiner ersten Seereise, -von Rotterdam bis Port Said, das Schiff in keinem Hafen landete, -und wir von Aden bis Padang (Sumatra) nichts als Himmel und Wasser -sahen, ist die jetzige Reise auch diesbezüglich viel günstiger. Der -atlantische Ocean wird nur ausnahmsweise zur Reise von und nach -Holland benutzt; man schifft sich in Genua oder Marseille ein oder -verlässt in einer dieser Hafenstädte das Schiff. Auf meiner letzten -Reise von Samarang (Java) nach Europa benutzte ich einen Dampfer der -Messageries maritimes und machte in Batavia, Singapore, Colombo, -Djibuti, Port Said und Marseille Halt, so dass wir niemals länger als -6 Tage ununterbrochen auf dem Schiffe blieben, und jedes Mal beim -Landen in einem Hafen die unglücklichen seekranken Schiffsgenossen Zeit -hatten, sich vollkommen von ihren Leiden zu<span class="pagenum" id="Seite_5">[S. 5]</span> erholen. Leider giebt es -einzelne Fälle, in welchen nicht einmal diese radicale Cur einen Erfolg -hat. Im Jahre 1883 fuhr ich öfters mit einer kleinen Dampfbarcasse -längs der Ostküste Sumatras, und sehr oft geschah es, dass ich noch -auf dem Lande schwindlig war und es Stunden lang blieb; dies ist -jedoch eine Ausnahme. Die Regel ist, dass beim Einlaufen in den Hafen -die Seekrankheit ein Ende nimmt, und dass ein kurzer Aufenthalt -auf dem Lande hinreichend ist, dem Seekranken vollkommene Euphorie -(Wohlbefinden) zu bringen.</p> - -<p>Den 29. September erreichten wir Southampton und fuhren sofort nach -London, um am 30. Abends um 9 Uhr uns wieder einzuschiffen. Es war das -erste Mal, dass ich dieses moderne Babylon gesehen habe; der Aufenthalt -dauerte nur 1½ Tag, so dass ich nur einen oberflächlichen und zugleich -ungünstigen Eindruck von diesem Labyrinth von Strassen erhielt.</p> - -<p>Der Morgen des 1. October war heiter und hell; ich befand mich wohl, -ich wagte es sogar, eine Cigarre anzuzünden; doch schon um 8 Uhr -umwölkte sich der Himmel, ein starker Wind schaukelte das Schiff; im -Schiffsraum war die Luft drückend schwül, und so setzte ich mich mit -meinem gut geschlossenen Winterrock im Zwischendeck in der Nähe der -Maschine nieder und ergab mich wieder dem ganzen Trübsinn, die Heimath -verlassen zu haben, um einer ungewissen, unruhigen und gefahrdrohenden -Zukunft entgegenzugehen. Wenn auch der Rücken durch die Nähe des -Dampfkessels erwärmt ward, so fröstelte es mich doch, und ängstlich -prüfte ich meinen Puls, ob er die Nähe des Fiebers, des Typhus oder -ähnlicher Unbilden schon verrathe. So ging es bis zum 4. October, -als in der Nähe Oportos Jupiter pluvius uns verliess und heller -Sonnenschein alle Passagiere auf das Oberdeck rief, welches mit einem -Zelte uns vor Sonnenschein und vor Regen hinreichenden Schutz gewährte. -An diesem Tage war es das erste Mal, dass ich in vollen Zügen den Reiz -einer Seereise genoss. Während ich früher mich vergebens bemühte, die -ganze Zeit des Diners und Soupers am Tisch zu bleiben und in der Regel -schon nach dem zweiten Gange hinauf aufs Deck eilen musste, um nicht -in dem Speisesalon die stürmischen und schmerzhaften Bewegungen meines -Magens zu demonstriren, konnte ich mich an diesem Tage ungehindert -dem vollen Genuss der Tafelfreuden hingeben; dem bunten Leben und -Treiben einer Schiffsgesellschaft konnte ich mich ungestört widmen -und mit voller Brust in den Chor der Officiere einstimmen, welche -mit Vorliebe deutsche Studentenlieder sangen. Auch Amor, der kleine -Schalk, schlüpfte hin<span class="pagenum" id="Seite_6">[S. 6]</span> und wieder zwischen die jungen Damen und Herren, -ohne dass es ihm jedoch gelungen wäre, ein festes und dauerndes -Band zwischen zwei jungen Leuten zu knüpfen. Er hatte zwar tüchtige -Bundesgenossen, einige junge Frauen, welche bekanntlich die eifrigsten -Ehevermittler sind; aber diesmal, d. h. auf dieser Seereise, hatte Amor -nicht einen einzigen Erfolg aufzuweisen. Es war z. B. auf dem Schiffe -das Fräulein X., welches zu ihrem Schwager, einem bekannten Arzte auf -Java, reiste. Bald hatten die jungen Frauen herausgefunden, dass ich -sobald als möglich heiraten müsste, weil ein lediger Arzt in Indien -niemals eine Privatpraxis erlangen könne, und weil das Leben eines -unverheirateten Mannes in Indien »ein Hundeleben« sei und Fräulein X. -alle Tugenden in sich vereinige, welche jemals ein weibliches Geschöpf -gehabt habe u. s. w. Damit begnügten sich jedoch diese eifrigen -Heiratsvermittler nicht. So viel als möglich musste ich dieser jungen -Dame Gesellschaft leisten, und als auch dadurch mein Herz verschlossen -blieb und die Eiskruste nicht aufthauen wollte, erzählten sie mir, -welche Bewunderung diese junge Dame meinem Stande, meinem Geiste und -allem bot, was mir gehörte. Ich will nur noch kurz mittheilen, dass auf -der Rhede von Batavia alle Passagiere sich gegenseitig Glück wünschten, -die grosse Seereise glücklich überstanden zu haben, und dass mir bei -dieser Gelegenheit Fräulein X. mit spottendem Tone eine glückliche -Zukunft als alter Junggeselle wünschte.</p> - -<p>Am 5. October passirten wir Cap St. Vincent; spanischer Himmel wölbte -sich über uns, die Sonne sandte heisse Strahlen auf uns, das Meer -war glatt, und ruhig glitt der Dampfer über dessen sanfte Wellen. Zu -unserer Linken ragen hohe Felsen bis in die Wolken und eine grosse -Festung zwischen den Bäumen hervor. In demselben Augenblicke gehen -auf unserm Schiff einzelne Flaggen in die Höhe, ein Wachthaus am -Ufer antwortet in gleicher Weise, und eine halbe Stunde später weiss -der Rotterdamer Lloyd, dass sein Dampfer »Friesland« Cap St. Vincent -glücklich passirt habe und »alles wohl an Bord« sei.</p> - -<p>Hier hatten wir den ersten Bagagetag, d. h. zum ersten Male -durften wir im Schiffsraume nach unseren Koffern sehen, um etwa -nothwendig gewordene Ergänzung unserer Wäsche vornehmen zu können; -die französische Schifffahrtsgesellschaft ist in dieser Hinsicht -freigebiger; ein Theil des Schiffsraumes war für das grosse Gepäck -der Reisenden reservirt, und jeden Tag konnte man zu seinen Koffern -gelangen; diese waren nämlich auf Schragen schön geordnet, und -immerwährend stand ein Matrose bereit, unsere Koffer aus der Unzahl -der<span class="pagenum" id="Seite_7">[S. 7]</span> übrigen herauszusuchen; auf den holländischen Dampfern kann dieses -nur jede Woche einmal geschehen. Als ich zum ersten Male meine Koffer -revidirte, erschrak ich über die Verheerung, welche das Seewasser -angerichtet hatte. Beim Reinigen des Schiffes war das Seewasser -in diese Räume und in die Koffer gedrungen; eine Dame weinte und -schluchzte, als sie sah, dass in den Seidenkleidern, welche in einem -grossen Korbe sich befanden, das Wasser grosse schmutzig-gelbe Flecke -zurückgelassen hatte; späterhin, d. h. bei meiner späteren Seereise, -waren die Koffer, welche Bücher, Kleider und Instrumente enthielten, -mit Zinkblech inwendig bekleidet und nur die Wäsche blieb unbeschützt; -der Koffer wird ja durch solche Bekleidung zu schwer und erfordert bei -den Fahrten auf der Eisenbahn oder beim Transport durch Kuli zu hohe -Fracht.</p> - -<p>Der Mond schuf an diesem Tage auf den Wogen des Meeres so herrliche -Krystalle, so silberglänzende Streifen zogen hinter dem Schiffe zum -fernen Horizont, dass ich stillvergnügt in die plätschernden Wellen und -träumend nach dem bestirnten Himmel blickte. Da erklangen heimathliche -Klänge aus kräftigen Kehlen zu meinen Ohren: »Zu Mantua in Banden der -treue Hofer war«; ich entriss mich dem Zauber der Nymphen, welche mir -aus der Tiefe des Meeres so manches süsse Wort des Trostes und der -Hoffnung zugeflüstert hatten — die Seekrankheit war ja vorüber — -und ich eilte auf das Vorderdeck. Da waren deutsche und holländische -Soldaten, welche deutsche Volkslieder sangen, während abwechselnd ihre -französischen und belgischen Kameraden ihr »Adieu ma belle France« mit -ihrem »Allons, enfants de la patrie« dem Zephyrwinde anvertrauten, -welcher sie der Heimath bringen und dort berichten sollte, dass sie -auch in weiter Ferne treue Söhne ihres Vaterlandes bleiben würden. Wie -viele von ihnen weilen heute noch unter den Lebenden? Wie viele von -meinen Reisegenossen der 1. Klasse schlummern schon unter den Palmen -ihren ewigen Schlaf, und wie wenigen war das Schicksal ebenso günstig -als mir, ebenso hold als mir, nach 23 Jahren jenen eine Thräne der -Erinnerung weihen zu können?</p> - -<p>Unterdessen erhob sich am westlichen Horizont ein Wolke und stieg immer -höher und höher, bis sie als ein dichter Schleier den Mond verhüllte -und das silberweisse Glänzen und Leuchten des »Saugwassers« erlöschen -und in das dunkelblau (coeruleus) der anderen Wellen übergehen liess.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_8">[S. 8]</span></p> - -<p>Der Gesang der Soldaten verstummte, ein lauter Applaus der Umstehenden -belohnte sie für diese Serenade auf hoher See, und wir stiegen hinab in -das Zwischendeck, um unsere Cajüten aufzusuchen.</p> - -<p>Bei den Reisen mit Segelschiffen galt es als eine Empfehlung für -den Segler, eine »milchgebende Kuh und einen diplomirten Doctor« -an Bord zu haben, und der holländische Volkswitz veränderte es in -einen »milchgebenden Doctor und diplomirte Kuh«. Auf der »Friesland« -erfreuten wir uns des Besitzes von drei milchgebenden Kühen und von -fünf diplomirten Aerzten; der Schiffsarzt war ein College vom alten -Schlage, dem die moderne Untersuchungsmethode noch nicht geläufig war, -und der daher seinen ersten Patienten mit Lungenentzündung für einen -rheumatisch Erkrankten erklärte; der Patient starb, und weinend folgte -der Arzt dem Leichenzuge und klagte mir sein Leid, dass es in seiner -langen Praxis der erste Fall sei, dass er auf hoher See einen Patienten -verloren habe, der <em class="gesperrt">nur</em> an Rheumatismus der Brustmuskeln gelitten -hätte.</p> - -<p>Interessanter und viel romantischer war das Vorderdeck, welches für -die Passagiere der 2. und 3. Klasse und für das Schlachtvieh bestimmt -war. Im Zwischendeck befanden sich drei grosse Milchkühe, ein Dutzend -Schweine, zwei Dutzend Gänse, die Rettungsboote waren mit Fleisch von -Rindern, Kälbern und Hammeln gefüllt, und eine grosse Zahl Hühner und -Enten füllten die langen Käfige auf beiden Seiten des Zwischendeckes; -heute haben die grossen Indienfahrer grosse Kühlräume für alle Sorten -von Fleisch, Gemüse u. s. w. und führen lebendes Vieh nur so weit -mit, als die Bequemlichkeit der Deckpassagiere darunter nicht leidet; -damals jedoch bargen sich zwischen den festgebundenen Rindern und den -Gänseställen die Soldaten; dort hatte ein Schuhmacher seinen Dreifuss -aufgestellt, hier übte ein französischer Korporal sein altes Metier und -rasirte gegen eine Entschädigung nicht nur seine Kameraden, sondern -auch die Passagiere der 1. Klasse; malayische Bediente und javanische -Babu’s, welche zur Begleitung und Aufsicht europäischer Kinder nach -Europa gegangen waren und auf der Rückreise nach der Heimath dieselben -Dienste leisteten, suchten mit Vorliebe den vorderen Theil des Schiffes -auf, um vielleicht einen oder den anderen der Unterofficiere oder der -Soldaten in’s Joch der Ehe zu spannen, und nur zu oft hörten wir die -klagenden, schmelzenden Töne eines malayischen Liebesliedes, welches -den Orang-Baru an die braune, plattnasige Schöne fesseln sollte.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_9">[S. 9]</span></p> - -<p>Am 6. October kamen wir in das mittelländische Meer, und am 13. October -2 Uhr Nachts fuhren wir in den Hafen von Port Said. Die ganze Fahrt -durch dieses grosse Wasserbecken war vom schönsten Wetter begünstigt -gewesen. Schwacher Wellenschlag, manchmal kaum fühlbares Schaukeln des -Schiffes, hellblauer Himmel über unserem Haupte und sanfte Temperatur -bei Tage wechselten mit kühlen Abenden; und wenn der Himmel mit seinen -Millionen Sternen in seiner ganzen Pracht über uns sich wölbte, wenn -die Mondesstrahlen in den Fluthen sich spiegelten, das Schiff ruhig -über die See glitt, und funkensprühende Wellen, mit hellblauem, -krystallgleichem Schweife, bis an den Horizont rollten, dann war alles -Weh und Leid vergessen, und in der Wahl zwischen Schiff und Schienenweg -— giebt es keine Wahl.</p> - -<p>Dennoch begrüssten wir den schönen Leuchtthurm von Damiette als den -Vorboten von Port Said: wir sollten ja bald wieder festen Boden unter -unsere Füsse bekommen.</p> - -<p>Ich bin viermal in Port Said gewesen, und jedesmal ergötzte ich mich -an dem bunten Bilde des Orientes, und es kostet mich Mühe, jene -Blätter meines Tagebuches zu überschlagen, welche sich mit meinem -damaligen Aufenthalte in Port Said und Ismailia, mit Kairo und -Alexandrien, welche ich im Jahre 1884 besuchte, und mit Suez, Djibuti -und Aden beschäftigen, denn alle bieten in ihrer Art dem Europäer viel -Interessantes und Sehenswerthes.</p> - -<p>Indien ist ja aber das Ziel meiner Arbeit.</p> - -<p>Am 6. November liefen wir in den Hafen von Padang (Westküste von -Sumatra) ein, nachdem wir lange vierzehn Tage nur Wasser und Himmel -gesehen hatten, fuhren durch die Sundastrasse und liessen die Insel -Krakatau zu unserer Linken, die nichts anderes als ein dichtbewaldeter -Vulcan von einigen hundert Fuss Höhe war, der 160 Jahre sich ruhig -verhalten hatte, bis er im Jahre 1883 durch seinen Ausbruch die -Westküste Javas und die Südküste Sumatras so schwer heimsuchte, dass -mehr als 20000 Menschen ihr Leben einbüssten.</p> - -<p>Am 8. November, Nachmittags um 5½ Uhr, also nach einer Reise von -42 Tagen fuhren wir durch die »tausend Inseln«<a id="FNAnker_2" href="#Fussnote_2" class="fnanchor">[2]</a> in den Hafen des -alten Batavia ein. Von diesen zahlreichen Inseln führen viele den -Namen holländischer Städte, als: Leiden, Amsterdam, Hoorn, Enkhuizen, -Edam, Alkmaar, Rotterdam, Schiedam, Haarlem, Monnikendam<span class="pagenum" id="Seite_10">[S. 10]</span> u. s. w., -welche die Eingeborenen nicht acceptirt haben, und von welchen diese -noch immer die ursprüngliche Benennung gebrauchen. So heisst Leiden -Pulu njamuk (Mosquitos-Insel), Amsterdam = P. ontong djawa gegenüber -dem gleichnamigen Vorgebirge (Javas Glücks-Insel), Hoorn = P. ajer = -Wasserinsel, Rotterdam heisst P. ôbi besar = Insel der grossen Knollen -u. s. w.</p> - -<p>Die Sonne war noch nicht untergegangen, als der Anker im Hafen in -die Tiefe des Meeres fiel. Es war jedoch nicht zu erwarten, dass vor -Einbruch der Nacht alle Passagiere und ihr Gepäck ausgeschifft sein -konnten; der Capitän beschloss also, nur die Briefe an den Wall zu -senden und den Passagieren die Wahl zu lassen, nur mit ihrem Handgepäck -das Schiff zu verlassen und am andern Morgen das grosse Gepäck abholen -zu lassen, oder noch diese eine Nacht seine Gäste zu bleiben und den -andern Morgen mit dem grossen und kleinen Gepäck nach Batavia zu -fahren. Ich entschloss mich zu Ersterem; eine kleine Dampfbarcasse nahm -die Postsäcke auf und gestattete mir und einigen Reisegenossen, die -Fahrt durch den Canal noch diesen Abend anzutreten.</p> - -<p>Eine grosse Fläche lag vor uns; zu unserer Rechten waren Sümpfe, in -welchen mein Reisegenosse, Baron Holzschuh, ein Krokodil zu sehen -glaubte. Dieser Mann, mit dem ich acht Jahre später wieder die Reise -nach Europa machte, war s. Z. der Begleiter unserer Landsmännin -Ida Pfeiffer und hatte mir so manche interessante Details über das Leben -dieser muthigen Frau mitgetheilt. Der Hafen-Canal hat seit Vollendung -des neuen Hafens Tanjong Priok seine frühere Bedeutung verloren. -Langsam fuhren wir durch diesen schmalen Canal, auf welchem bequem -zwei Nachen nebeneinander fahren konnten, bis wir an den »kleinen -Boom« = die Douane kamen. Die Zollbeamten begnügten sich mit meiner -Mittheilung, dass ich keinen Revolver oder eine andere Schusswaffe -zu verzollen hatte, und weiter ging die Reise. Unterdessen hatten -die malayischen Langfinger meinen Militärmantel annectirt. Ich habe -zwar späterhin oft Jahre lang kein Bedürfniss nach demselben gefühlt, -aber im ersten Augenblicke dieser Entdeckung gab ich natürlich meinem -Aerger durch die auf dem Schiffe üblichen Scheltworte: »malayisches -Diebsgesindel« u. s. w. Ausdruck. Hier standen auch zahlreiche Wagen -mit einem oder zwei Pferden, um uns in die Stadt zu bringen. Es waren -alte, schmutzige, von Europäern abgedankte Equipagen, welche je von -zwei kleinen alten und schmutzigen Pferden gezogen wurden. Lange -überlegten es sich diese zwei Pferde,<span class="pagenum" id="Seite_11">[S. 11]</span> welche nicht höher als 115 -Centimeter waren, ob sie überhaupt verpflichtet wären, den grossen -Wagen mit den zwei Insassen zu ziehen. Der Kutscher, mit seinem -farbigen Hemd, ohne Schuhe und Strümpfe, aber mit einem Strohhut auf -dem Kopfe, der die Form einer kleinen Futterschwinge hatte, schnalzte -mit der Zunge, stiess einen undefinirbaren Laut aus, sprang vom Bock, -schwang die Peitsche über ihre Rücken, die kleinen Pferdchen blieben -aber ruhig stehen und drehten manchmal ihren Kopf nach uns, offenbar -mit der Frage auf den Lippen, was wir denn von ihnen wollten.</p> - -<p>Als aber endlich zwei Kameraden des Kutschers zu Hilfe eilten, d. h. -je ein Pferd bei der Stange fassten und zogen, und ein Dritter hinten -den Wagen vorwärts stiess, da endlich erwachte in ihnen das Bewusstsein -ihrer Pflicht; sie zogen an, und im rasenden Galopp ging es vorwärts, -wobei der Kutscher ihnen mit der langen Peitsche eine fürchterliche -Züchtigung gab. Wir waren im alten Batavia, zu welcher Stadt im Jahre -1614 vom General-Gouverneur Pieter Both der erste Grundstein mit dem -Namen »Fort Nassau« gelegt wurde; es ist eine alte Stadt mit ein- bis -zweistöckigen Häusern und zahlreichen Canälen, welche heute nur mehr -die diversen Comptoirs und Bureaux der Europäer enthält, während ihre -Wohnungen und Detailgeschäfte in dem südlich gelegenen Weltevreden sich -befinden; dreiviertel Stunden fuhr ich durch die mit Gas erleuchteten -Strassen; ein herrlicher Duft erfüllte die Luft, mit Wohlbehagen sog -ich sie in grossen Zügen ein, und um 7½ Uhr kamen wir in das Hôtel -»Java«, wo uns »Mutter Spandermann« leutselig empfing und sofort -zur Table d’hôte führte. Diese gute Frau führte mit Recht den Namen -»Mutter«, denn mit mütterlicher Fürsorge nahm sie sich jedes »Orang -baru« (Neuling) an und führte ihn in die Geheimnisse des täglichen -Lebens in Java ein und sparte niemals ihre Ermahnungen, wenn man z. B. -des Vormittags eine Frucht ass oder zu früh sein Schiffsbad nahm. -Es hat auch lange gedauert, bis nach ihrem Tode das Hôtel unter der -Leitung der Brüder Garreau sein altes Renommé wieder erhielt.</p> - -<p>Nach dem Nachtmahl machte ich eine kleine Spazierfahrt durch die -Stadt und kehrte zurück, um mein Bett aufzusuchen. Das Zimmer war -sehr primitiv eingerichtet, wie im Allgemeinen in Indien die Hôtels -sehr wenig Sorgfalt auf die Möbel verwenden. Mein Zimmer hatte kein -Fenster, sondern über der Thür nur ein grosses Luftloch mit eisernen -Stäben; der Boden bestand aus Ziegeln, auf welchen vor dem Bette eine -kleine Matte lag, ein einfacher Kasten, ein Waschtisch<span class="pagenum" id="Seite_12">[S. 12]</span> und ein kleiner -viereckiger Tisch, auf welchem ich den Inhalt meiner Tasche deponirte, -standen in dem Zimmer; an den weissen Wänden hingen nebstdem zwei -alte, vom Wetter gebräunte und vom Alter gelb gewordene Kupferstiche, -und zur Beleuchtung diente — eine kleine Oellampe, welche die -ganze Nacht brannte. Der Totaleindruck war der einer Zelle eines -Gefängnisses, weil es nebst den ordinären Möbeln durch Mangel an Raum -sich auszeichnete. Die erste Nacht, welche ich auf Java verbrachte, war -geradezu unangenehm. Ein Gekko hatte sich über der Thüre am Luftloche -niedergelassen; beinahe jede halbe Stunde ertönte sein lautes Gek—ko, -Gekko 6–7 mal hintereinander, und klang in das laute Brummen einer -zersprungenen Basssaite aus, Grillen und Frösche accompagnirten den -Gekko, und unglücklicher Weise hatte ich das Mosquitonetz nicht gut -geschlossen, als ich mich zu Bette legte. Das Summen und Brummen der -Mosquitos nahm kein Ende, und hin und wieder tönte dazwischen das -Heulen eines Gladakkers, jener herrenlosen Hunde, welche Abends in die -Hôtels kommen, um Abfälle der Tafel zu suchen. Bei dem matten Schein -des mit Oel gefüllten Lämpchens sah ich zahlreiche Eidechsen auf den -Mauern auf die Mosquitos und Larongs Jagd machen, hin und wieder -steckte der Gekko seinen grossen Kopf in’s Zimmer hinein, als ob er -mit seinen schönen schwarzen Augen den Fremdling erforschen wollte; -dazu kam eine fürchterliche Transpiration; die Nacht war warm und die -Luft in meinem Zimmer von der feuchten Mauer dumpf und beengend, und -bald lag ich gebadet in meinem Schweisse. Endlich stieg ich aus dem -Bette und ging hinaus in die schmale Veranda; hier stand neben der Thür -ein ordinäres Tischchen und ein grosser Lehnstuhl, von dessen beiden -Seiten »Füsse« hinaus und nach vorn geschoben werden konnten; obwohl -auf dem Tischchen eine Lampe stand, machte ich doch keinen Gebrauch von -derselben; der tropische Himmel und Vollmond erleuchteten hinreichend -den kleinen Hofraum vor mir, und zum ersten Male ergötzte ich mich -— nicht an der Pracht des südlichen Kreuzes und der so herrlich -scheinenden Venus — an nichts dachte ich, nichts sah ich, nichts -fühlte ich — ich ergötzte mich am »Klimaschiessen«. Ein wohlthuendes -Gefühl ist es, die Füsse nicht herabhängen, sondern auf den Füssen des -Lehnstuhles ungefähr 10 bis 15 cm über dem Niveau des Beckens ruhen -zu lassen. <em class="gesperrt">Spiegel</em> erklärt das wohlthuende Gefühl dieser Lage -dadurch, dass die Füsse ½ Meter der Erdelectricität, welche unterm -Aequator eine sehr hohe Spannung hätte, entrückt seien. Ich halte -jedoch diese Erklärung für eine gesuchte<span class="pagenum" id="Seite_13">[S. 13]</span> und möchte auf Grund so -mancher Beobachtungen und Erfahrungen die Ursache in mir selbst suchen; -das Blut der Venen geht nämlich in der horizontalen Lage leichter -zum Herzen zurück, und das der Arterien leichter zur Peripherie des -Körpers, weil das Gewicht der doppelten Blutsäule ausfällt; denn auch -in Europa ist die horizontale Lage eine angenehmere, als das Stehen -oder Sitzen.</p> - -<p>Ein sanftes Zephyrwehen liess den Schweiss des Körpers verdampfen, -und so sass ich in dem tiefen Lehnstuhle, entrückt allen bösen -Gedanken, und die Mosquitos umschwirrten mich und brummten und -summten unerbittlich ihr leises Lied in meine Ohren; glücklicher -Weise verschonten sie mich mit ihren Stichen, und als ich mir eine -Manilla-Cigarre anzündete, blies ich mit den Rauchwolken diese lästigen -Gäste von mir weg. Endlich forderte die Natur ihr Recht; die Augen -wurden schwer, es fröstelte mich, und schliesslich entschloss ich mich -wieder, zu Bett zu gehen. Schon glaubte ich einschlafen zu können, als -ein Angstgefühl sich meiner bemächtigte, ein kalter Angstschweiss auf -meine Stirne trat und mich aus dem Bette jagte; ich eilte zur kleinen -Nachtlampe, sah meine Nägel blau, und Krämpfe der Därme erpressten mir -den Angstschrei: die Cholera. Doch auch dieses Gespenst meiner erregten -Phantasie ging vorüber, und ein gesunder Schlaf beendigte die erste -Nacht meines Aufenthaltes in Indien.</p> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_14">[S. 14]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Capitel_2">2. Capitel.</h2> - -</div> - -<p class="center s4 mbot2"><b>Weltevreden<a id="FNAnker_3" href="#Fussnote_3" class="fnanchor"><span class="s5 vat">[3]</span></a> — Empfang beim Armee-Commandanten — Ein Corso auf -dem Waterlooplatze — Gigerl und Modedame in Weltevreden — Der -grösste Platz der Welt (?) — Malayisches Winken — Ein Handkuss — -Ein Abenteuer auf hoher See — Dos à dos und Deeleman — Altstadt -— Kunst und Wissenschaft in Indien — Wissenschaftliche Vereine in -Batavia — Indische Hausirer — Jagd auf Rhinocerosse — Indische -Masseuse.</b></p> - -<p class="p0"><span class="dc">I</span>n Indien steht man um sechs Uhr auf,« rief mir »Mutter Spandermann« -ins Zimmer, »Schlafmütze, stehen Sie auf, es ist schon sieben Uhr.« Ich -öffnete die Thüre, und eine frische, reine und duftreiche Luft erfüllte -das Zimmer. Ein sonderbarer Anblick bot sich mir dar; auf beiden Seiten -des Hofraumes befand sich eine Reihe von Zimmern, und zwischen je zwei -Thüren stand ein Tischchen mit einem Arm- und einem Schaukelstuhle, -auf denen die Gäste in ihrer Haustoilette sassen; zwischen je zwei -Pfählen der Galerie war ein Strick gespannt, auf welchem die Leibwäsche -zum Trocknen hing, selbst die geheimsten Toilettestücke der Damen -waren hier ausgestellt. Der Bediente brachte mir ungefragt eine Schale -Kaffee, welcher ziemlich schlecht war und doch ein angenehmes Gefühl -der Wärme im Magen verursachte. Die meisten Herren gingen in ihrer -Haustoilette<a id="FNAnker_4" href="#Fussnote_4" class="fnanchor">[4]</a> und mit der Cigarre im Munde auf und ab. Wie ich später -hörte und sah, ist dieses eine allgemeine Gewohnheit als vorbereitende -Maassregel, um »den Schlafkameraden weg zu bringen«. Zwischen 7½ bis 8 -Uhr gingen die Herren angekleidet und die Damen in ihrer Haustoilette -(Sarong und Kabaya) zur Frühstückstafel; ich wurde nur gefragt, ob ich -beim Frühstück Thee oder wieder Kaffee gebrauchen<span class="pagenum" id="Seite_15">[S. 15]</span> wollte; neben meinem -Teller standen zwei halbweich gekochte Eier, der Bediente brachte mir -hintereinander Butterbrot, Beefsteak, Cervelatwurst und Käse, und -ich folgte dem guten (?) Beispiele meines Nachbarn, von allen diesen -Speisen ein bis zwei Stücke zu nehmen; der Magen ist ja ein elastischer -Strumpf, er nahm ohne Widerstreben alles Dargebotene an. Zu meiner -Rechten sass der Herr X., welcher zum Schluss noch einen halben Teller -Nassi Koreng nahm, d. h. Reis gemischt mit klein geschnittenem Fleisch, -Zwiebeln und Lombok.<a id="FNAnker_5" href="#Fussnote_5" class="fnanchor">[5]</a> Ich bekam einen gewaltigen Respect vor diesem -Manne — es war ein Creole, d. h. ein Indier von europäischen Eltern -geboren —, als er beifügte, dass dieses Frühstück keine Mahlzeit zu -nennen sei und nur gewissermaassen den Magen für die Hauptmahlzeit -vorbereiten müsse, welche er um 12½ Uhr einnehme; in Indien, fügte -er hinzu, müsse (??) man sich kräftig nähren, um den Einfluss der -erschlaffenden Wärme zu neutralisiren, und wenn er, was übrigens -selten geschehe, Magenbeschwerden bekäme, lasse er sich einige Pisangs -(Bananen) in dem Oel von Djarakblättern<a id="FNAnker_6" href="#Fussnote_6" class="fnanchor">[6]</a> backen; er könne mir dieses -Laxans aus eigener Erfahrung wärmstens empfehlen, weil das Wunderöl -dadurch seinen unangenehmen Geschmack und Geruch verliere.</p> - -<p>Nach dem Frühstück ging ich in mein Zimmer mit der Absicht, die -Eindrücke des ersten Tages aufzuschreiben. Mutter Spandermann jedoch -erlaubte es nicht: »Jetzt ziehen Sie Ihre Uniform mit der Feldbinde -an, nehmen eine Equipage, fahren zum Sanitätschef und melden sich, wie -es sich für jeden Officier geziemt; die Equipage, welche ich Ihnen -geben werde, behalten Sie bis zur »Reistafel«, und dann werden Sie Ihr -Mittagsschläfchen halten. Dies thun alle Leute »in de Oost«, und Sie -müssen es auch thun, sonst liegen Sie binnen Jahresfrist unter dem -Klapperbaume (Palme) begraben.« Dieser kategorisch ausgesprochenen -Marschordre wagte ich natürlich nicht zu widersprechen. Ich stieg also -in den sofort herbeigerufenen Wagen, welcher um nichts besser als das -Vehikel war, welches mich den vorigen Abend aus der alten Stadt in’s -Hôtel gebracht hatte.</p> - -<p>Zunächst kam ich auf die »Sluisbrücke« und sah zu meiner Rechten die -alte Citadelle »Prinz Frederik«, welche jetzt nur zum Magazine benutzt -wird, und kam sodann zu dem Bureau des Landes-Commandirenden,<a id="FNAnker_7" href="#Fussnote_7" class="fnanchor">[7]</a><span class="pagenum" id="Seite_16">[S. 16]</span> zu -dem Reichs-Arznei-Magazin, zu der katholischen Kirche und hatte zu -meiner Linken den Waterlooplatz mit der unvermeidlichen Waterloosäule, -und zu meiner Rechten das Bureau des Platz-Commandanten. Hier -revidirte der Adjutant meine Marschordre und stellte mich seinem Chef -vor. Von hier aus ging es weiter längs einiger hübscher Häuser in -alt-griechischem Stile, welche von Stabsofficieren bewohnt waren, in -den Spitalweg, in welchem sich das Arsenal, das grosse Militärhospital, -das Seminar für die Doctor-djawa-Schule, einige Officierswohnungen -und das »hohe Haus« für den Sanitätschef befinden, welcher den Rang -eines Colonels<a id="FNAnker_8" href="#Fussnote_8" class="fnanchor">[8]</a> bekleidet. Im Militärhospital stellte ich mich dem -Landessanitätschef der 1. Militär-Abtheilung und im »hohen Hause« -dem Sanitätschef vor, welcher mir versprach, in einigen Tagen mir -meinen ersten Standplatz mittheilen zu lassen. Wie der Empfang bei -allen diesen Herren gewesen sei, berichten meine Reisebriefe mit -keinem einzigen Wort; desto ausführlicher jedoch ist die Schilderung -der Vorstellung beim Armee-Commandanten. In der Herzogs-Allee -(Hertogslaan), welche die zwei grossen Plätze, Waterloo- und -Königsplatz, verbindet, steht sein Bureau und sein »Haus«. — Im Stile -unterscheidet es sich von den üblichen Wohnungen der Officiere nicht im -mindesten; es ist nur grösser und hat im Innern grosse Empfangssäle. -Am 11. November bekam ich vom Platz-Commandanten Befehl, den andern -Tag in »Marsch tenue« um 9 Uhr in seinem Bureau mich einzufinden, um -dem Armee-Commandanten vorgestellt zu werden; natürlich wurde nur den -Neulingen diese Ehre zu Theil; die anderen Officiere, welche von ihrem -Urlaub in Europa zurückgekehrt waren, nahmen an diesem Empfang nicht -Theil.</p> - -<p>Die »Vorgalerie« war eine schmucklose Säulenhalle, welche, wie mir -erzählt wurde, nur bei grossen Empfangsabenden von den zahlreichen -Gästen benutzt wurde, um »frische Luft zu schöpfen«, wenn die -Temperatur im grossen Empfangssaal zu warm wurde; wir wurden in einen -kleinen Saal geführt und nach Rang und nach der Folgereihe der Liste, -welche der Platzcommandant dem Adjutanten von Z. E.<a id="FNAnker_9" href="#Fussnote_9" class="fnanchor">[9]</a> überreichen -sollte, aufgestellt. Da wir eine Viertelstunde warten mussten, hatte -ich Zeit genug, um das Empfangszimmer etwas genauer zu besichtigen. -Eine glatte weisse Wand, grosse Spiegel, einige »Wiener«<span class="pagenum" id="Seite_18">[S. 18]</span> -(Thonet’sche) Stühle und Divans und ein polirter Tisch in der Mitte — -das war alles.</p> - -<div class="figcenter illowe22" id="fig1"> - <img class="w100" src="images/fig1.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Fig. 1. Ein malayisches Mädchen in seiner Haustoilette. - (Dieses silberne Feigenblatt wird gegenwärtig nur selten von den - Malayen auf Java, aber häufig auf den übrigen Inseln getragen.)</div> -</div> - -<div class="figcenter illowe32" id="fig2"> - <img class="w100" src="images/fig2.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Fig. 2. Zwei sundanesische Frauen bei der Bearbeitung - der Cacaofrüchte.</div> - <div class="caption_gross x-ebookmaker-drop"><a href="images/fig2_gross.jpg" - id="fig2_gross" rel="nofollow">⇒<br /> - <span class="s6">GRÖSSERES BILD</span></a></div> -</div> - -<p>Seit diesen 23 Jahren hat die europäische Mode die alte Einfachheit -der indischen Wohnung verdrängt; gepolsterte Möbel, schwere Tapeten, -Phantasiestühle und schwere Vorhänge herrschen in den Privatwohnungen -der reichen Europäer ebenso wie in Holland. Ich habe seitdem das Innere -dieses Hauses nicht mehr gesehen; ich weiss also nicht, ob auch der -Armee-Commandant für sein kleines Empfangszimmer sich dieser Mode -unterworfen hat. Damals jedoch imponirte es mir durch seine Einfachheit -und noch mehr durch seine kalte, düstere, saubere Ausstattung; ebenso -kalt und gemessen war die Begrüssung durch den Armee-Commandanten -<em class="gesperrt">van Neve</em>. Nachdem ich auf diese Weise mich meiner »dienstlichen« -Verpflichtungen entledigt hatte, fuhr ich in der Stadt herum, um einen -Totaleindruck von ihr zu bekommen.</p> - -<p>Zunächst fuhr ich zurück zum Waterlooplatz mit der Waterloosäule und -dem Monumente von J. P. <em class="gesperrt">Koen</em> (oe = u), welchem (als viertem -General-Gouverneur) die Gründung Batavias<a id="FNAnker_10" href="#Fussnote_10" class="fnanchor">[10]</a> unrichtiger Weise -zugeschrieben wird. Es ist ein grosser viereckiger Platz, welcher von -drei Seiten mit Häusern umgeben ist; hier werden die Militär-Paraden -abgehalten, und die Stabsmusik hält hier jeden Sonntag Nachmittag -ein Concert im Freien. Diese Concerte waren damals das Rendez-vous -der Haute volée, der jeunesse dorée und aller Babu’s mit ihren -schutzbefohlenen Kindern. Ich hatte späterhin oft Gelegenheit, solchen -Militär-Concerten unter freiem Himmel beiwohnen zu können. Es ist ein -buntes Gewimmel und könnte, auf eine Bühne gebracht, ein schönes, -farbenreiches Ballet darstellen. Zunächst erscheinen die diversen -Babu’s mit europäischen, javanischen, chinesischen und malayischen -(<a href="#fig1">Fig. 1</a><a id="FNAnker_11" href="#Fussnote_11" class="fnanchor">[11]</a>) Kindern; sie selbst haben eine lange, bunte Kabaya, einen -bunten Sarong, der mit einem gelben oder blauen, seidenen Bande oder -einem silbernen oder vergoldeten Gürtel über den Hüften befestigt ist; -sie sind braun in allen Schattirungen, haben dunkelschwarzes Haar, -welches in einen Knoten am Scheitel geknüpft ist, mit einer langen, -silbernen Nadel darin, das Ohrläppchen hat ein Loch, beinahe so gross -wie ein Zehn-Hellerstück, die Augen sind schwarz, die Lippen hin und -wieder von dem Sirihsaft roth gefärbt, die Zähne sind schwarz und -abgefeilt, oder nach europäischer Mode weiss. Die Büste ist voll und -der Gang etwas<span class="pagenum" id="Seite_19">[S. 19]</span> kokett, die Füsse sind klein, wohlgeformt und ohne -Bekleidung, und die zierlichen, mit Ringen versehenen Hände schwingen -wie das Pendel einer Uhr auf und ab.</p> - -<p>Die jungen Marssöhne gesellen sich selten zu ihnen, es sei denn, dass -sie geradezu Heiratspläne haben; denn die Staffage der Küche durch -einen Soldaten ist nicht üblich. Der eingeborene Soldat, leicht an -seiner Hautfarbe und blossen Füssen erkennbar, denkt gar nicht an das -Flirten; er lauscht der Musik und steckt seine Cigarette an (aus den -Blättern der Nipahpalme konisch zugedreht) und wirft hin und wieder -einen Blick jener Schönen zu, welche sein Herz erobert hat, ohne -vorläufig seiner Umgebung auch nur durch eine Miene den Sturm seiner -Gefühle zu verrathen. Der europäische Soldat, der neben ihm steht, ist -schon weniger schüchtern und zurückhaltend. Er wird seiner Bewunderung -oder seinen Gefühlen gewiss Worte verleihen, wird sofort sich ihr -nähern und sie vielleicht durch ein leises Lispeln jener zahlreichen -»Panton« verrathen, welche die Liebenden einander zuflüstern. Bald -erscheint das halbeuropäische Gigerl, und die »Nonna«; in schöner -weisser Hose und Rock, mit tadellos glänzenden Lackschuhen und grossen -Manschetten mit goldenen Knöpfen ist der »Sinju« sich seines Sieges bei -den Frauen bewusst; er ist interessant, seine blendend weissen Zähne, -sein rabenschwarzes Haar und seine glänzenden Augen, sein eleganter Bau -und Wuchs lassen seine platte Nase und hervorstehenden Jochbeine und -Oberkiefer ganz vergessen, und als echter Don Juan beginnt er sofort -unter den anwesenden Nonnas die schönste sich auszusuchen. Diese sind -schön, elegant und geradezu verführerisch. Schlank gebaut, haben sie -eine schöne Büste und glänzende Augen und schwarze Haare, die kleinen -zierlichen Füsse stecken in reich verzierten chinesischen Pantoffeln -mit goldenen Absätzen und mit feinen Strümpfen. Ein golddurchwirkter -seidener Sarong umschliesst ihre grossen Hüften, eine elegante kurze -weisse Kabaya mit Spitzen besetzt verhüllt nur theilweise ihre schöne -Büste, und zahlreiche Ringe, Ohrringe und Haarnadeln zieren Kopf und -Hände und ein dunkelblauer oder dunkelrother Sonnenschirm schützt sie -vor den Strahlen der scheidenden Sonne. — Zu Pferde erscheint bald ein -junger Lieutenant oder ein reicher Chinese oder Araber; Equipagen auf -Equipagen fahren vor mit europäischen, javanischen, chinesischen oder -armenischen Damen,<span class="pagenum" id="Seite_20">[S. 20]</span> bleiben stehen, und bald umgiebt sie ein Schwarm -junger Leute, und sie flirten und flirten, bis Cupido seine Köcher -erschöpft hat.</p> - -<p>Unterdessen hat die »Stabsmusik« ihr Programm beendet, es ist sechs Uhr -geworden und der Schwarm ergiesst sich in die benachbarten Strassen.</p> - -<p>Auf dem Waterlooplatz fällt das »grosse Haus« (= groote huis) auf, -weil es ein Stock hoch ist und beinahe die ganze östliche Front des -Platzes einnimmt. Es wurde Anfangs dieses Jahrhunderts vom Marschall -<em class="gesperrt">Daendels</em> erbaut und vom Burggrafen <em class="gesperrt">du Bus de Ghisignies</em> -vollendet. Gegenwärtig beherbergt es den grössten Theil der -Gouvernementsbureaux: die Rechnungskammer, das Kriegs-, Finanz- und -Cultusministerium, die Landeskasse, das Steueramt u. s. w. Die Loge und -das Militär-Casino schliessen sich zu beiden Seiten diesem grossen, -aber nicht schönen Gebäude an; Officierswohnungen, die römische Kirche -und die schon oben erwähnten Gebäude begrenzen den stattlichen, grossen -Platz. Auf dem Kreuzwege, welcher auch zum Königsplatz führt, steht das -unansehnliche Denkmal<a id="FNAnker_12" href="#Fussnote_12" class="fnanchor">[12]</a> für <em class="gesperrt">Bali</em>.</p> - -<p>Ich liess dann den Kutscher den Weg zum Königsplatz nehmen, den mir -einige Reisegenossen als den grössten der Welt bezeichnet hatten. -Soweit meine Erfahrung reicht, ist dies factisch der Fall; es ist -ein grosses, grasbedecktes Feld in Trapezform, dessen Schenkel jeder -ungefähr 1½ km lang ist, während die eine der Parallelen nur 1 km, -und die zweite (die südliche) ebenfalls in 20 Minuten zu gehen ist. -Ausser dem Vorzug, dass dieser Platz mehr als 1,000,000 ☐Meter gross -ist, hat er gar keine schönen Eigenschaften; denn es ist nur eine -grosse Grasfläche, welche an der Nordseite durch eine kleine Parkanlage -(gegenüber dem Palaste des Generalgouverneurs) und einen schönen -artesischen Brunnen unterbrochen wird. Bei meiner Rundfahrt konnte ich -nicht einmal unterscheiden, ob an der gegenüberliegenden Seite ein -Mann oder eine Frau gehe; die Gebäude, welche an und für sich niedrige -Häuser ohne Stockwerk sind, werden ebensowenig deutlich gesehen, so -dass selbst die Frage offen bleibt, ob die bedeutende Grösse dieses -Platzes ein Vorzug genannt werden könne. Nebstdem ist er besonders arm -an öffentlichen Gebäuden; die armenische Kirche, die Willems-Kirche, -eine kleine Eisenbahnstation und auf der Westseite die Museen mit dem -»Elefanten«, einem Geschenke des Königs von<span class="pagenum" id="Seite_21">[S. 21]</span> Siam (aus dem Jahre 1870), -sind die einzigen Gebäude, welche von dem gewöhnlichen altgriechischen -Stile abweichen.</p> - -<p>Ich beendete meine Rundfahrt; es war 11½ Uhr, und die Sonne war -mir schon lästig geworden; ich hatte nämlich die Kappe des Mylord -zurückgeschlagen, um eine freie Aussicht über alle Strassen und Häuser -geniessen zu können. Ohne es natürlich zu ahnen, befand ich mich in -der Nähe des Hotels und fuhr (auf der Nordseite des Königsplatzes) in -den Hofraum des Hotels bis vor die Thüre meines Zimmers. Ich stieg -aus, zog nicht nur meine dunkle Uniform, sondern auch meine Leibwäsche -aus, welche von dem Schweiss geradezu durchtränkt war, und trat in -Haustoilette, d. h. in Nachthose und Kabaya, in die Veranda. Mein -Mylord stand noch vor der Thür, und auf dem Bocke sass der Kutscher -mit unerschütterlicher Ruhe und Grandezza, ohne im Geringsten eine -Ueberraschung ob meiner Toilette zu zeigen. Mutter Spandermann machte -dieser stummen Pantomime zwischen uns Beiden ein Ende durch den Befehl, -dass ich nach Tisch zu Hause bleiben und schlafen gehen müsse, und dass -sie es nicht erlaube, dass ich in der Hitze der Mittagssonne wieder -spazieren fahren und mir das Fieber auf den Leib holen wollte. Ganz -bescheiden bemerkte ich, dass ich dies auch gar nicht beabsichtige und -durch einen Wink dem Kutscher angedeutet habe, die Pferde in den Stall -zu bringen. »Haben Sie ihm ein Trinkgeld gegeben?« »Nein!« »Und wie -haben Sie ihm den Wink gegeben?« Ich wiederholte meine Handbewegung, -ohne ihre Frage zu verstehen. Noch mehr überrascht war ich, als sich -diese dicke Dame vor Lachen schüttelte und einmal um das andere Mal -rief: »Orang-Baru, Orang-Baru.« Endlich kam die Wellenbewegung dieser -Fleischmasse in Ruhe, und mit verständnissvollem Lächeln gegen den -Kutscher theilte sie mir mit, dass diese Handbewegung, und zwar mit der -Fläche nach unten, für den Malayen gerade das Zeichen sei, näher zu -kommen oder zu bleiben, und zum Beweise dafür winkte sie in gleicher -Weise einem fernstehenden Bedienten, herbeizueilen.</p> - -<p>Ich gab dem Kutscher ¼ Gulden Trinkgeld und hatte dafür eine doppelte -Lection bekommen und zwar: wie man den malayischen Bedienten winke, und -dass das Trinkgeld als ein Symptom der Civilisation auch nach Indien -seinen Weg gefunden habe.</p> - -<p>Auch für die weitere Eintheilung des Tages sorgte Mutter Spandermann: -»Um 12½ Uhr wird die Glocke für die Reistafel geläutet; Sie kommen in -weissen Kleidern zu Tisch; der Bediente, welcher Ihr Zimmer aufräumt, -wird bei der Table d’hôte hinter Ihrem Sessel stehen<span class="pagenum" id="Seite_22">[S. 22]</span> und Ihnen alle -Schüsseln zureichen, welche Sie als Orang-Baru essen dürfen und müssen; -ich sage auch <em class="gesperrt">müssen</em>, weil Sie sich an die indische Küche -gewöhnen müssen; wer weiss, wie lange es noch dauert, dass Sie in einer -grossen Stadt bleiben werden; sobald als möglich werden Sie auf die -Aussenbesitzungen gesendet, und es bleibt dann die Frage offen, ob Sie -essen werden <em class="gesperrt">können</em>, was Sie wünschen, oder ob Sie alles essen -werden <em class="gesperrt">müssen</em>, weil Sie keine Wahl haben werden. Doch à propos; -heute ist Empfangsabend beim Sanitätschef; um 6½ Uhr ziehen Sie sich -Frack und weisse Handschuhe an, nehmen wiederum einen »Wagen« und -fahren nach Parapatan, wo der Sanitätschef Sie seiner Frau und allen -übrigen Damen vorstellen wird. Machen Sie mir ja keine Schande, und -machen Sie allen jungen Damen gut den Hof, sonst sind Sie verloren; -denn in die Conduitliste wird von Ihnen wie von jedem Officier -aufgenommen, ob er sich in feiner Gesellschaft gut bewegen könne.«</p> - -<p>»Ich bin aber der holländischen Sprache noch viel zu wenig mächtig, um -in Damengesellschaft mich »gut bewegen zu können«; ist es vielleicht -nicht besser, wenn ich deshalb zu Hause bleibe?«</p> - -<p>»Nein, nein, Sie gehen heute dahin; ich habe jetzt keine Zeit, weiter -mit Ihnen darüber zu sprechen; Sie gehen! Adieu!«</p> - -<p>Aber sie ging nicht, und auf einmal fing sie wieder so zu lachen an, -dass ihre grosse Fleischmasse wieder in fürchterliche Wellenbewegungen -gerieth, und endlich hörte ich sie brummen: »Ein Mof, ein Mof.«<a id="FNAnker_13" href="#Fussnote_13" class="fnanchor">[13]</a> -»Nun ja,« rief ich, »ich bin ein Mof, was soll aber das Lachen -bedeuten?«</p> - -<p>»Hören Sie! Voriges Jahr wohnte bei mir Dr. X., der auch ein Mof ist, -und dem ich befahl, zum Empfangsabend des Armee-Commandanten zu gehen. -Was denken Sie, was dieser Mof that, als er bei dem grossen Empfange -des Generals B. dessen Frau vorgestellt wurde? Nein, ich sage es Ihnen -nicht, rathen Sie, so viel kann ich Ihnen nur sagen, dass die Fächer -aller Damen sofort vor die Augen gehalten wurden, und ein Kichern und -ein Lächeln wie ein kleiner Sturm durch den Saal sich fortpflanzte, bis -endlich eine der Damen selbst vom Sessel aufsprang, um in der Vorhalle -ihrer vom Lachen erschütterten Leber Luft zu machen. Sie errathen es -nicht? Nun, so will ich es Ihnen sagen: Er küsste Mevrouw B. die Hand! -Das thut man bei Euch in Mofrica, aber nicht in Holland und nicht bei -uns in Indien.<span class="pagenum" id="Seite_23">[S. 23]</span> Das darf man nicht in Gesellschaft thun, das darf man -nur im Geheimen und verstohlen thun, wenn man allein ist, das ist eine -Liebeserklärung, nein, das ist keine Liebeserklärung mehr, das ist -schon der erste Act des Liebens selbst, der zweite Act ist das Küssen -des Mundes.«</p> - -<p>»Und der dritte Act?« frug ich.</p> - -<p>»Sie Schalk!« (ondeugd) rief sie und wackelte weiter.</p> - -<p>Natürlich folgte ich als gehorsamer Orang-baru (Neuling) allen ihren -Anweisungen und, da der Empfang der Familie des Sanitätschefs und der -übrigen »hohen« Herren und Damen auf mich einen günstigen Eindruck -gemacht hatte, schloss ich den zweiten Tag meines Aufenthaltes in -Indien befriedigt in den Armen von Morpheus.</p> - -<p>Der dritte Tag brachte mir ein Abenteuer, dem ich damals mehr Gewicht -beilegte, als ich es heute thun würde, indem mein Tagebuch davon als -von einer Lebensgefahr erzählt, der ich mit grosser Noth entronnen war.</p> - -<p>Einer meiner Reisegenossen ging mit der »Friesland« nach Surabaya, -von wo aus er das Endziel seiner Reise im Innern des Landes erreichen -sollte. Da ich durch keine dienstlichen Angelegenheiten verhindert -war, wollte ich ihn aufs Schiff begleiten, um noch einmal — und zwar -zum letzten Male — die Stätte zu sehen, auf welcher ich 42 Tage lang -mit Sehnsucht den Tag erwartete, an welchem ich die grosse Seereise -überstanden hatte und eine neue Carrière anfangen sollte. Nebstdem -konnte ich auch den nördlichen Theil der Neustadt und die Altstadt -besichtigen, welche am Tage der Ankunft wegen vorgerückter Abendstunde -nur in flüchtigen Umrissen sich gezeigt hatten.</p> - -<p>Vor dem Hôtel lagen damals die Rails der Tramway, welche bis zur Douane -in der alten Stadt führten. Heute ist es eine Dampftramway mit ziemlich -netten Waggons; damals waren es alte schmutzige Kasten, welche von drei -kleinen mageren Pferden gezogen wurden. Mitleid musste jeder mit diesen -drei »Katzen« haben, welche bei »jeder Halt« die grösste Mühe hatten, -diese grossen gefüllten Kästen in Bewegung zu bringen.</p> - -<p>Neben den Rails lag ein Trottoir, und daran schloss sich das tiefe -Bett des Tjiligon, welcher stets ein (von Lehmerde) gelb gefärbtes -Wasser führt; der Stadttheil an seinem rechten Ufer heisst Nordwyk -(y = ei), während das Javahotel, das Hotel der Nederlanden, das -Justiz-Ministerium und das des Innern, die Bureaux des Palastes des -General-Gouverneurs (dessen südliche Front bis auf den Königsplatz -reicht) und die »Harmonie« (Civil-Casino) in Ryswyk liegen. Längs<span class="pagenum" id="Seite_24">[S. 24]</span> -dieser Gebäude ging die Tramway, welche durch die Vorstadt Molenvliet -nach der Altstadt führte. Bei der Douane fand ich den Herrn L., welcher -mit einigen Freunden auf mich wartete, um gemeinsam in einem Kahn auf -dem »Canal« die Fahrt nach der Rhede anzutreten. Der Herr L. war der -malayischen Sprache mächtig genug, um mit dem Steuermann des Nachens -den Preis von 3,50 fl. für die Hin- und Rückreise zu bedingen.</p> - -<p>Sofort nach unserer Ankunft wurde der Anker aus der Tiefe gezogen, -die Dampfpfeife gab das Signal zur Abreise, und ich verliess die -»Friesland«, die, wie schon erwähnt, im Jahre 1878 mit Mann und Maus -unterging.</p> - -<p>Der Dampfer war kaum in Bewegung, als der Steuermann des Nachens die -Bezahlung des Preises von mir verlangte; ich zog arglos meine Börse -heraus und wollte ihm die bedungenen 3,50 fl. bezahlen; er aber -schüttelte das Haupt und zeigte mir die fünf Finger seiner Hand; ich -steckte ruhig die Börse ein und wies gebieterisch mit der Hand nach -der Küste. Ebenso ruhig legten aber die Ruderer auf einen Wink des -Steuermanns die langen Ruder nieder. Es war ein kritischer Augenblick; -ich wusste damals noch nichts von den Malayen als berüchtigten -Seeräubern, welche sie früher waren; aber ich fühlte das Schaukeln -des Kahnes und die Haifische haben sich auf der Rhede Batavias schon -manchen in’s Wasser Gefallenen in die Tiefe gezogen. Wir waren von der -Küste zu weit entfernt, um von den Krokodilen aufgefressen zu werden; -aber die Küste und das »Wachtschiff« waren so weit entfernt, dass mein -Hilferuf nicht hätte gehört werden können. Endlich wies ich wieder, wie -ein gewaltiger Feldherr, mit der Hand nach der Küste, der Steuermann -hob wieder seine fünf Finger in die Höhe, und ich nickte bejahend mit -dem Kopfe. Nach einer Stunde fuhr ich bei der Douane ein und erzählte -einem Beamten diesen Vorfall, während ich ihn ersuchte, eine 10 fl. -Note mir zu wechseln. Dieser rief den Steuermann zu sich, hielt ihm -eine Strafrede, ersuchte mich auf das Nachdrücklichste, nicht mehr -als den bedungenen Preis von 3.50 fl. zu bezahlen, und eine tüchtige -Ohrfeige machte dem Gespräche mit dem Steuermann ein Ende.</p> - -<p>Darauf nahm ich mir ein Dos à dos, um in der Altstadt oder, wie sie -in Batavia üblicher Weise genannt wird, in der »Stad« eine Rundfahrt -zu machen; diese kleinen Wagen, eine verschlechterte Ausgabe der -englischen Dogcart, sind für Batavia geradezu typisch und haben sich -dort so eingebürgert, dass sie selbst durch die »Deeleman’s Kar« nicht -verdrängt wurden. Beide werden in der Regel nur von einem<span class="pagenum" id="Seite_25">[S. 25]</span> Pferde -gezogen und ruhen nur auf zwei Rädern; während in der ersteren der -Passagier mit dem Rücken gegen den Kutscher sitzt, macht der Sitz im -»Deeleman Kar« einen rechten Winkel zu dem des Kutschers. Das Dos à -dos ist ein offener Wagen, d. h. es hat ein Zeltdach, welches bei -Regen durch Vorhänge geschlossen werden kann, während der »Deeleman« -ein viereckiger Kasten ist. In beiden sitzt man jedoch so unbequem -als möglich, und der »Deeleman« hat ausserdem noch eine niedrige -Einsteigtreppe.</p> - -<p>Die Rundfahrt durch die »Stad« bot wenig Neues, Interessantes oder -Sehenswerthes. Wenn nicht hin und wieder eine Palme oder ein Pisangbaum -uns an die Tropenwelt erinnerte, wenn nicht »unsere braunen Brüder« -oder Chinesen durch die Strassen in grosser Zahl ihre Arbeit besorgten, -z. B. mit grossen, halbmondförmigen Stöcken ihre Lasten trügen oder -Eis zum Verkauf anböten, so würde man glauben, eine alte, verfallene -Hafenstadt Europas vor sich zu haben mit zahlreichen Kanälen, welche -mit Kähnen und Nachen bedeckt sind; die schmuck- und prunklosen, -meistens einstöckigen Häuser sind alle in europäischem Stil gebaut und -grössten Theils im Dienst des »Mercur«. Wenn ich von dem Rathhaus mit -den Bureaux des Residenten, der Polizei, dem Standesamt u. s. w., von -dem Justizpalast (venia sit dicto!), von den grossen Magazinen, der -Douane, dem meteorologischen Observatorium, dem Postamt, den Spitälern -für Eingeborene und für Chinesen und zwei europäischen Apotheken -absehe, fiel mir nur die ungeheure Zahl von Handelsfirmen<a id="FNAnker_14" href="#Fussnote_14" class="fnanchor">[14]</a> auf. -Es war 12 Uhr geworden; ich entliess das Dos à dos und fuhr mit der -Eisenbahn von der Station »Stadhuis« bis zu der von Nordwyk, in deren -Nähe sich das Java-Hotel befand.</p> - -<p>Programmgemäss sass ich nach meinem Mittagsschläfchen (bis 4 Uhr) in -der »Vorgalerie« bei einer Schale Thee und einem Glas Eiswasser, las -die Briefe und Zeitungen, welche zum ersten Male Nachricht aus der -fernen Heimath brachten, als Mutter Spandermann sich einstellte, um mir -wieder einen Vortrag über »das Leben in de Oost« zu halten; sie wählte -diesmal das Thema: Kunst. Nachdem sie sich erkundigt hatte, warum ich -nicht den Abend vorher die »Comedie« besucht, und nur mitleidvoll den -Kopf geschüttelt hatte, als sie hörte, dass ich mich mehr für die -Kunst der Eingeborenen und der Chinesen<span class="pagenum" id="Seite_26">[S. 26]</span> als für die der Europäer -interessire, weil mir diese voraussichtlich nichts Neues bieten -könnten, da überfiel mich plötzlich eine Eruption eines Zornesanfalles, -den ich von der gutmüthigen alten Frau nicht erwartet hätte.</p> - -<p>»Ja, ja, ich weiss schon, Sie sind auch so ein Totok, so ein grüner -Europäer, der alles besser weiss und kann, als wir Alle in ganz -Indien. Sie glauben, dass wir Hottentotten sind, dass hier alles -schlecht und dass alles in Indien ordinär sei. Sie sind auch so ein -Weltverbesserer, der in Europa kaum der Schulbank entwachsen ist, -nichts zum Fressen hatte, und der kaum in Indien festen Fuss gefasst -hat und schon uns alten, erfahrenen Eingesessenen Lectionen und weise -Lehren geben will. Haben Sie soeben das »Gebet einer Jungfrau« auf -dem Piano spielen gehört? Ja? es hat Ihnen gefallen! Das glaube ich -auch. Wer hat es gespielt? Sie, Orang-baru, Sie, Totok? Nicht wahr, -nein! Es war meine Tochter Anna, welche, Gott sei Dank, noch niemals -das Land der Frösche, das kalte, neblige, flache Holland gesehen -hat. Wo hat meine Tochter Anna so schön, so reizend, so gefühlvoll -gelernt, das »Gebet einer Jungfrau« in das Herz eines jeden verstockten -Cölibatärs dringen zu lassen? Hier in Batavia hat sie es gelernt. Sie -ist, d. h. ich bin Mitglied der »Aurora«; sie geht zu jeder Aufführung -des »Apollo« und der »Eendracht«, und jeden Sonntag nehme ich einen -Wagen und fahre zum Concert der »Stabsmusik« auf dem Waterlooplatz. -Ist dieses vielleicht keine schöne Musik? Haben Sie schon irgendwo -auf der ganzen Welt »an der schönen blauen Donau« reizender und -schöner spielen gehört, als hier unter der Leitung des berühmten -Capellmeisters D.? So! Haben Sie hier von der europäischen Kunst -nichts Neues zu erwarten? Fragen Sie Ihren Nachbar, den Capitän der -»Friesland«, das ist ein sehr gebildeter und viel gereister Mann; er -ist gestern in »de Comedie« gewesen, fragen Sie ihn, ob in Wien, in -ganz Mofrica oder in Paris Aida<a id="FNAnker_15" href="#Fussnote_15" class="fnanchor">[15]</a> eine schönere Ausstattung hatte, -als gestern unser Decorationsmaler Kingsbergen geboten hat? Ja, ich -weiss es, dass »man« in Holland uns für Schlaraffen hält, die nichts -anderes thun, als »Reistafel« essen, Genevre saufen, den ganzen Tag im -Faulenzer sitzen und zwei- bis dreimal des Tages sich zu »siramen«. -Glauben Sie dieses auch heute noch, obwohl Sie sehen, dass ich den -ganzen Tag auf den Beinen bin, und factisch nicht einmal Zeit habe, -die illustrirte Zeitung meiner »Trommel« anzusehen. Wenn Sie es in -Mofrica und<span class="pagenum" id="Seite_27">[S. 27]</span> in Amsterdam dann so heiss haben, z. B. im Monat August, -sehen Sie, hier auf dem Thermometer sind 87° Fahrenheit, und wissen -Sie, wohin jetzt meine Anna geht? Sie geht in die Turnschule! Ja, trotz -dieser Wärme geht sie turnen; sehen Sie, und in diesem ekelhaften -Lande der Frösche nennen sie uns faul, müssig und genusssüchtig.« -Endlich kam Ruhe in diesen Sturm, und es gelang mir, der alten -Matrone zu versichern, dass ich immer mit Genuss nach den Klängen -des »Gebetes einer Jungfrau« gelauscht habe, und dass es mich freue, -in Batavia so viel Sinn und Liebe für Kunst und Wissenschaft zu -finden. Das Wort »Wissenschaft« entfesselte aufs Neue den Strom ihrer -Beredtsamkeit: »Noch keine 8000 Europäer zählt Batavia, d. h. nicht -die Stadt Batavia, sondern die ganze Provinz Batavia hat noch keine -8000 Europäer, und darunter sind auch die Sinju und Nona begriffen, -welche »inlandsch Blut« in sich haben und oft gar nichts Europäisches -in und an sich haben, und wie viel wissenschaftliche Vereine finden -Sie in Batavia? Nennen Sie mir eine einzige Stadt in Mofrica oder in -Holland, welche kaum 8000 Einwohner zählt und einen »Verein für Kunst -und Wissenschaft«, ein königliches Institut für Sprachen, Land- und -Völkerkunde, und einen naturkundigen Verein, und die Gesellschaft für -Industrie und Landbau, und einen ärztlichen Verein, und einen Verein -der Juristen, der Ingenieure, und ein Afrika-Comité hat. Dann haben -wir die Mission der christlich-reformirten Kirche, den Verein für -innere und äussere Mission, den Verein zur Beförderung und Verbreitung -christlich-malayischer Lectüre. Wir haben auch zwei Ruderclubs, zwei -Turnvereine, einen Schiessclub; nun, sagen Sie mir einmal, Sie weiser -Europäer, welche Stadt in Europa, die noch keine 8000 Einwohner zählt, -hat so viele Vereine für Kunst und Wissenschaft? Sie glauben vielleicht -gar nicht, dass Batavia so wenig Europäer hat, weil es so gross ist; -nun ja, Batavia ist gross und hat seine 80,000 Einwohner, darunter sind -aber 20,000 Chinesen, und ich weiss nicht wie viele Eingeborene; ich -weiss nur aus dem Regierungsalmanach, dass die Residentschaft Batavia -900,000 Einwohner hat mit 8000 Europäern, 837,000 Javanen, 71,000 -Chinesen, 1200 Arabern und 500 »fremden Orientalen«; wie viel davon -auf die Stadt Batavia entfällt, kann ich Ihnen nicht sagen;<a id="FNAnker_16" href="#Fussnote_16" class="fnanchor">[16]</a><span class="pagenum" id="Seite_28">[S. 28]</span> dass -aber die Wyken (Stadttheile) der Europäer so gross sind, trotzdem nur -wenige Europäer hier leben, hat seine guten Ursachen. Wie Sie sehen, -hat jedes Haus einen Garten, auch wenn er oft kaum grösser ist, als ein -Waringinbaum für seine Luftwurzeln Platz nöthig hat.«</p> - -<p>Endlich hatte Mutter Spandermann ihren Sermon beendigt, und stolz wie -eine Fregatte segelte sie weiter, befriedigt von dem Bewusstsein, einem -»Baar« die Wahrheit gesagt zu haben.</p> - -<p>Unterdessen hatte sich eine Reihe von Hausirern auf der Erde -niedergelassen, und kaum hatte die Wirthin mich verlassen, als sie alle -auf mich einstürmten. Dieser Ueberfall überraschte mich nicht, weil ich -in Port Said von den Geldwechslern und Eseltreibern dasselbe erfahren -hatte; zwei Chinesen, ein Javane, ein Malaye und Klingalese zeigten -mir ihre Waaren und priesen mir dieselben in malayischer Sprache an. -Der eine Chinese merkte jedoch bald, dass ich von dem Kauderwelsch -nichts verstünde und fing in französischer Sprache das Loblied seiner -Kabayen an, während der Klingalese englisch zu radebrechen anfing. Ich -entschloss mich zu dem Kaufe von 6 Kabayen und 6 Nachthosen, für welche -der eine Chinese 60 fl. verlangte; ich bot ihm 16 fl. und — erhielt -sie. Bei einem zweiten Chinesen ging es mir noch schlechter oder noch -besser, wie man es eben nennen will. Er bot mir zwei ägyptische Vasen, -aus Elfenbein geschnitzt, an und verlangte dafür 80 fl.; da ich sie -nicht zu kaufen beabsichtigte und von ihm befreit zu werden wünschte, -bot ich dafür 80 bidji’s (= 10 Cts.-Stücke). Erst schwur er hoch und -theuer, dass sie ihm selbst 40 fl. kosteten, und fing an, seinen Kram -einzupacken; schon glaubte ich von ihm erlöst zu sein, als er die -Holzschachtel nahm und mir mit den Worten anbot: »Ich habe heute noch -kein Geschäft gemacht; ich habe noch keine Hand voll Reis heute kaufen -können; ich weiss auch, dass Sie ein grosser Herr sind, also nehmen Sie -sie um 8 fl.! — Natürlich stellte es sich nachträglich heraus, dass -die Vasen nicht aus Elfenbein, sondern aus getrocknetem und gepresstem -präparirten Reis bestanden.</p> - -<p>Interessant war die Bekanntschaft mit meinem Zimmernachbar. Es war -der Herr van S.., welcher kurz nachher ein Buch über die »Jagd auf -Java« schrieb; er hatte auch den berühmten Rhinocerosjäger<span class="pagenum" id="Seite_29">[S. 29]</span> Darling -gekannt, welcher vor ungefähr 43 Jahren auf Java lebte. Herr van -S.. hat mir so manches interessante Jagdabenteuer erzählt, das aber -wenig Jägerlatein enthielt. Da ich niemals ein Rhinoceros im Freien -gesehen, noch weniger geschossen habe, will ich Herrn van S.. für die -Richtigkeit seiner Mittheilungen verantwortlich sein lassen. Die Jagd -auf Rhinocerosse sei gewiss sehr gefährlich, wenn man, wie s. Z. der -bekannte Jäger <em class="gesperrt">Philippo</em>, schwer gebaut ist und sich auf sein -Pferd nicht verlassen könne. Herr <em class="gesperrt">Philippo</em> habe nämlich an -einer Jagd auf Rhinocerosse sich betheiligen wollen. Zwölf Mann hoch -zogen sie im Süden Javas, und zwar in der Preangerregentschaft, in -der Nähe der Küste auf ein grosses Alang-Alang-Feld, in welchem sich -nach Mittheilungen der benachbarten Kampongbewohner ein Rhinoceros -befände. Sie theilten sich in zwei Gruppen von sechs Mann; die eine -Gruppe blieb am Anfang des Feldes stehen. Die andere Hälfte, bei -welcher <em class="gesperrt">Philippo</em> (wie alle anderen zu Pferde) sich befand, ritt -auf einem schmalen Pfade an das entgegengesetzte Ende des Feldes. Auf -den kleinen Pferden gelang es ihnen leicht, durch das Alang-Alang-Feld -ihren Kameraden an jener Seite des Feldes entgegenzureiten. Kaum -waren sie jedoch ungefähr 50 Meter in das Gebüsch eingedrungen, als -sie eine schilfrohrfreie Fläche sahen, auf welcher ein Rhinoceros aus -einer Pfütze Wasser trank. Das plumpe Thier wurde durch das Geräusch -der Reiter aufmerksam, unterbrach seinen Morgentrank, drehte langsam -den Kopf nach den Friedensstörern und schaute sie gelassen, ruhig -und neugierig an. Der Herr <em class="gesperrt">Philippo</em> hatte zwar sein Gewehr -mit seiner goldenen Spitzkugel bei sich, womit er schon so manches -Rhinoceros getödtet hatte; diesmal wollte er sich jedoch streng an die -Gebräuche der Eingeborenen halten und als Erster mit dem grossen Messer -(parang) die Wade des Ungeheuers spalten. Er gab dem Pferde die Sporen, -in wenigen Secunden war er dem Waldriesen nahe, schon schwang er das -Schwert zum Schlage gegen dessen rechtes Hinterbein, als das Pferd -mit der schweren Last des Reiters zusammensank und den Reiter in die -Pfütze warf. Schwerfällig und langsam drehte sich das Rhinoceros nach -der Seite des Pferdes, ohne dem verunglückten Jäger auch nur ein Haar -zu krümmen. In demselben Augenblick kam jedoch ein zweiter Reiter und -schwang mit Erfolg sein Schwert gegen die Wade des Thieres; es stürzte -zusammen und wurde hierauf leicht die Beute der Jäger. <em class="gesperrt">Philippo</em> -war mit dem Schrecken davongekommen. Man zog ihn aus dem kleinen -Sumpfe, während das plumpe, schwerfällige Thier sich<span class="pagenum" id="Seite_30">[S. 30]</span> vergeblich -anstrengte, aufzustehen und auf seine Feinde einzustürmen. Unterdessen -waren auch die übrigen Jäger herbeigeeilt, und ein Schuss in die Mitte -der Stirne machte sofort dem Leben des Thieres ein Ende.</p> - -<p>Auch erzählte mir der Herr van S.., dass die Kugeln aus den -Vorderladern in der Regel die Haut des Rhinoceros nicht durchdringen -und zur Scheibe abgeplattet herabfallen, dass das Thier jedoch zwei -schwache Punkte habe, den einen in der Mitte der Stirne und den zweiten -unter dem Blatte über dem Herzen, und dass der Herr <em class="gesperrt">Philippo</em> -stets eine lange, goldene Patrone von 10 cm für die Jagd auf -Rhinocerosse mitnehme, um durch das grosse Gewicht der Kugel sicher -eine penetrirende Wunde zu erzielen. Da er ein geübtes Auge hatte und -seines Schusses sicher war, habe er niemals die goldene Kugel verloren; -er habe sie immer in dem getödteten Thiere wieder gefunden, weil sie -nicht mehr im Stande war, zum zweiten Male die Haut des Thieres zu -durchbohren.</p> - -<p>Mir ist nicht bekannt, was mit der Haut und dem Skelette der getödteten -Waldriesen in Java geschieht. Ihr Horn wird jedoch vielfach zu -therapeutischen Diensten verwendet. In die Höhle des Horns wird Wasser -gegossen und in der freien Luft eine ganze Nacht stehen gelassen. -Dieses Wasser wird bei erschöpfenden Krankheiten den Patienten als -Roborans gegeben. Geschabt (Rasura cornu rhinocerotis) wurde es in -früherer Zeit von den europäischen Aerzten als »schmerzstillende -und stärkende« Arznei vorgeschrieben. Die Chinesen wenden es bei -Blutbrechen an. Am häufigsten werden Scheiben des Horns, welche in -Essig aufbewahrt werden, gegen Schlangenbisse angewendet. Auch die -Milchzähne dieser Thiere spielen als Amulette gegen Fieber eine grosse -Rolle im Arzneischatz der Javanen; prophylaktisch verhüten sie, auf -der Brust getragen, das Entstehen des Fiebers, und zu therapeutischen -Zwecken wird der Rücken und die Brust der Patienten damit gerieben, bis -braune Striemen die Haut bedecken.</p> - -<p>Während Herr van S.. über die Jagd auf Rhinocerosse und Bantengs (wilde -Büffel) sprach, hatte sich eine malayische Frau mit ihrem Grusse tabéh -tuwan auf die Flur der Veranda der »Vorgalerie« niedergelassen, ohne -übrigens ein weiteres Wort zu sprechen. Jedermann liebt es in Indien, -gegenüber den »Neulingen« den Mentor zu spielen, und so ging mein -Nachbar auf ein anderes Thema in einer wohlgeordneten Rede über, als -er meinen fragenden Blick sich auf diese neue Erscheinung richten sah. -»Das ist eine »tukang<span class="pagenum" id="Seite_31">[S. 31]</span> pidjit«, und zwar die berühmteste von ganz -Batavia,« belehrte er mich und fasste die kleine Hand dieser Frau -und zeigte sie mir; »»pidjit« heisst massiren, und das Wort tukang, -welches Sie bei jedem Handwerk und Gewerbe nennen hören werden, -bezeichnet eben den Handwerker; so heisst tukang pérag (Silber) der -Silberschmied, tukang mendjâhit (nähen) Schneider, tukang mendjâhit -buku der Buchbinder, tukang snâpang der Gewehrmacher und tukang ôbat -der Apotheker u. s. w. — tukang pidjit ist also ein Masseur oder -eine Masseuse. Diese kleine Hand überrascht Sie, das Werkzeug einer -kräftigen Masseuse zu sein; aber ich sage Ihnen, kein europäischer -Masseur, und hätte er die Hand eines Goliath, kann so kräftig als -diese kleine Hand massiren; sie massirt aber gar nicht mit der Hand, -sondern nur mit den Fingern, und darin liegt eben ihre Kunst und ihre -Kraft; wenn ich Doctor wäre, ich würde die Muskeln der Finger einer -solchen Masseuse untersuchen, ich bin überzeugt, dass sie doppelt so -stark entwickelt sind, als die des grössten Europäers. Ihre Kunst -besteht in pidjit, urut und krok.<a id="FNAnker_17" href="#Fussnote_17" class="fnanchor">[17]</a> Krok ist keine Kunst. Wenn Jemand -Muskelschmerzen hat oder im Fieber liegt, welches den Patienten trotz -aller inneren Arzneien nicht verlassen will, nimmt die tukang pidjit -eine Kupfermünze oder ein Stück von dem Horne eines Rhinoceros und -reibt damit grosse Striemen auf der Haut des Rückens und der Brust. -Schwieriger ist schon das Urut. Diese Frau — selten thun es Männer — -nimmt Cocos- oder Kaju-putih-Oel, bestreicht damit ihre Hand und reibt -dann die Muskeln mit grösserem oder kleinerem Druck. Pidjit jedoch — -ist die Kunst aller Künste. Wenn ich erschöpft von der Jagd nach Hause -komme, oder wenn ich meine zehn Stunden in der Zuckerfabrik hin- und -hergegangen bin, oder wenn ich Stunden lang im Zuckerrohrfelde die -erkrankten Halme herausgesucht habe, dann bin ich Abends so müde, dass -ich nicht in Schlaf fallen kann, bevor nicht die tukang pidjit mich -»gepidjit« hat. Ich habe mich so daran gewöhnt, dass ich jeden Tag um -zehn Uhr mich dieser Operation unterwerfen muss, will ich nicht Stunden -lang auf den Schlaf warten. Heute jedoch will ich bei meinem Freunde -soupiren und darnach ein paar Stunden l’hômbre spielen; dies ist die -Ursache, dass diese Künstlerin schon jetzt um fünf Uhr mich unter die -Hände nehmen muss. Adieu.«</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_32">[S. 32]</span></p> - -<p>Das »pidjit« ist ein Kneten aller Muskeln, welche zwischen die Finger -gefasst werden können, und ein Massiren der Hautmuskeln und jener -dünnen Muskeln, welche auf einer harten Unterlage ruhen, wie z. B. -auf der Stirn. So schmerzhaft dieses Kneten und Reiben des ganzen -Körpers sein kann, ein so angenehmes Gefühl sind die Folgen dieser -Operation; unter den Erklärungen für das angenehme Gefühl dieser -Volkssitte scheint jene die plausibelste zu sein, welche annimmt, dass -mit dieser Operation die Ermüdungsproducte sofort in den Blutstrom -gebracht werden, und dass die Muskeln daher von einem Ballast sofort -und für jeden Fall früher befreit werden, als es durch die Ruhe allein -möglich wäre. Da das Schlusstableau jeder Massage dieser Frauen eine -forcirte passive Bewegung aller grossen und kleinen Gelenke ist, so -werden auch pathologische Zustände, so z. B. chronische Entzündungen, -rheumatische Schwellungen oder Ablagerungen der Gicht günstig durch -das »pidjit« dieser Frauen beeinflusst. Ob sie aber im Stande seien, -kleine unbedeutende Affectionen der Sehnen, Nerven und Muskeln, welche -der Diagnose des geübten europäischen Masseurs sich entziehen, und -welche sie mit dem allgemeinen Ausdruck urat sala = unrichtige Ader -bezeichnen, factisch und richtig zu erkennen, muss bezweifelt werden -und fordert noch die Bestätigung auf wissenschaftlicher Basis. Ebenso -viel oder wenig muss bezweifelt werden, ob die Kunst des »pidjit« -in der Hand der Dukuns so Hervorragendes leiste, als im Allgemeinen -angenommen wird. Zweifellos steht jedoch, wie wir in Band I: »Borneo« -sahen, ihre Geschicklichkeit fest, eine Frau nach Belieben steril -zu machen, und zwar temporär, um ihr zum erwünschten Zeitpunkt die -Fruchtbarkeit wieder zurückgeben zu können.</p> - -<div class="figcenter illowe50" id="fig3"> - <img class="w100" src="images/fig3.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Fig. 3. Die Hauptstrasse im chinesischen Viertel zu - Buitenzorg.</div> - <div class="caption_gross x-ebookmaker-drop"><a href="images/fig3_gross.jpg" - id="fig3_gross" rel="nofollow">⇒<br /> - <span class="s6">GRÖSSERES BILD</span></a></div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_33">[S. 33]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Capitel_3">3. Capitel.</h2> - -</div> - -<p class="center s4 mbot2"><b>Häufige Transferirungen — Die Vorstadt Simpang — Die ersten -eingeborenen Patienten — Ein Danaergeschenk — Die „Stadt“ Surabaya -— Das Mittagschläfchen — Eine Nonna — Eine Abendunterhaltung — Die -Beri-Beri-Krankheit — Indische Militärärzte — Die Insel Bavean und -Madura — Residenties Madura und Surabaya.</b></p> - -<p class="p0"><span class="dc">D</span>ie Transportverhältnisse auf Java haben sich seit jener Zeit sehr -zu ihrem Vortheile verändert. Seit dem Jahre 1891 hat einerseits die -indische Dampfschifffahrts-Gesellschaft mit ihren hohen Preisen der -billigen Packetfahrt-Gesellschaft weichen müssen. (Die Reise von -Batavia nach Samarang kostete damals z. B. 60 fl., nach Surabaya 90 -fl. und nach Telekbetong auf der Südspitze Sumatras bei einer Dauer -von nicht ganz zwanzig Stunden 70 fl.!!) Andererseits hat seit dieser -Zeit das Eisenbahnnetz die grössten Städte dieser Insel untereinander -verbunden.</p> - -<p>Ihre Hauptlinie geht von Batavia in einem rechten Winkel nach Maos, -einer Station vor Tjilatjap, dem einzigen Hafen von Bedeutung auf der -Südküste Javas. Von hier geht sie in einem grossen Bogen wieder nach -der Nordküste (nach Surabaya).</p> - -<p>Ebenso wenig als es zweckmässig wäre, hier aller -Dampfschifffahrts-Gesellschaften zu erwähnen, durch welche Java mit -der übrigen Welt in Verbindung steht, oder die Routen anzuführen, -mit welchen die seit dem 1. Januar 1891 ins Leben getretene -»Packetvaart-maatschappij« im Archipel selbst die zahlreichen grossen -und kleinen Inseln untereinander verbindet — ebenso hinreichend ist -ein Blick auf die Karte von Java, um diese Hauptlinie der Eisenbahn -zu übersehen. Nur muss ich noch erwähnen, dass auf Java Staatsbahnen -und Privatbahnen mit verschiedener Spurweite existiren, und dass die -Vertheidigung Javas viel zu wünschen übrig lassen wird, so lange -Truppen, welche von Surabaya oder Batavia kommen, in Solo umsteigen -müssen,<span class="pagenum" id="Seite_34">[S. 34]</span> weil die Privatbahn Samarang-Fürstenländer schmalspurig ist, -während die Staatsbahnen normale Spurweite haben.</p> - -<p>Meine Abreise von Batavia nach Surabaya hätte am 20. November -stattfinden sollen; sie musste jedoch aufgeschoben werden, weil auf -dem Dampfer, der an diesem Tage nach Surabaya ging, alle »Hütten« -besetzt waren. Ungefähr 60,000(!!) »Gouvernementspassagiere« wurden -damals mit der indischen Dampfschifffahrts-Gesellschaft jährlich von -einem Theile des Archipels zum andern transportirt. Die Transferirungen -erfolgten damals nämlich äusserst oft. So wurde z. B. einer meiner -Bekannten, ein Lieutenant der Infanterie, im Jahre 1877 von Batavia -nach Surabaya transferirt, wofür an Transportkosten (ohne Diäten) 90 -fl. bezahlt wurden; zwei Monate später ging er nach Menado, welche -Reise 330 fl. kostete; dort blieb er drei Monate, um nach Atjeh -transferirt zu werden, wofür die Dampfschifffahrts-Gesellschaft 720 fl. -in Rechnung brachte. Mit Diäten kostete dieser Officier dem »Lande« in -diesem <em class="gesperrt">einen</em> Jahre mehr als 1400 fl.!! Mit der Transferirung -der Militärärzte ging es s. Z. in gleicher Weise verschwenderisch -zu; durchschnittlich war ⅓ (!) des Standes auf der Reise begriffen -oder aus anderen Ursachen nicht activ, und nur wenige haben bei ihrer -Pensionirung im Durchschnitt ein Jahr in einem Garnisonsort gewohnt. -Ich selbst habe durch zufällige Umstände in meinen 21 Dienstjahren, -inbegriffen drei Jahre Urlaub in Europa, nur in 21 Garnisonplätzen -Dienst gethan.</p> - -<p>Jeden fünften Tag ging ein Dampfer von Batavia nach Samarang und -Surabaya, und es blieb mir also nichts weiter übrig, als noch fünf -Tage in Weltevreden procul negotiis zuzubringen; für diese Verzögerung -wurde ich reichlich durch die Gesellschaft entschädigt, welche ich auf -dem Dampfer »Prinz Alexander« fand, als ich endlich am 25. November -Batavia verlassen konnte. Der Schiffs-Capitän, ein gebildeter Mann, war -der deutschen Sprache mächtig, und zeigte mir das Leben in den Tropen -in einem anderen Lichte, als ich es bis jetzt gesehen hatte. Nebstdem -befand sich an Bord ein französischer Seeofficier S., welcher sich -in Surabaya vor Jahren als Commissionär einer grossen französischen -Weinfirma angesiedelt hatte und mir in der Wahl eines Hotels u. s. w. -so manche nützliche Winke geben konnte; nebstdem hatte er viele Jahre -in Tonking geweilt und verglich bei unseren Gesprächen gern das Leben -Javas mit dem in den französischen Colonien. Wenn ich mir auch<span class="pagenum" id="Seite_35">[S. 35]</span> -späterhin sagen musste, dass dieser Herr S. oft einseitig, und zwar zum -Nachtheile der holländischen Colonien, viele Einrichtungen des socialen -Lebens in Java beurtheilte, so war der Verkehr mit ihm, den ich in -Surabaya weiter unterhielt, dennoch für mich sehr anregend; denn seine -Mittheilungen über das Leben in den französischen Colonien gaben mir -einen Maassstab zur Beurtheilung des Erlebten und des Gesehenen in den -holländischen Colonien.</p> - -<p>Am 29. November kam ich in Surabaya an und bezog in der Vorstadt -Simpang das Hotel Wynveldt, welches ob seiner »Rysttafel« berühmt war -und den Vortheil hatte, in der Nähe des grossen Militärspitales zu -sein, welchem ich voraussichtlich zugetheilt werden sollte.</p> - -<p>Für 90 fl. bekam ich in diesem Hotel die ganze Verpflegung (natürlich -ohne Getränke), und 15 fl. bezahlte ich für den Wagen, der mich -(zugleich mit meinem Nachbar, einem Apotheker) um 8 Uhr nach dem -Spitale bringen, um 11½ Uhr von dort abholen und Nachmittags um 4¾ Uhr -wieder dahin führen sollte. Die Abendvisite dauerte nicht lange; es -war jedoch Usus geworden, nach der Visite in der Nähe des Thores mit -den Collegen an die »Kletstafel« (= Plaudertisch) sich zu setzen und -ein Glas Eiswasser zu trinken; unterdessen näherte sich die Sonne dem -Horizonte. Ein sanfter Seewind zog durch die Strassen, und zu Fuss ging -jeder nach Hause, und zwar meistens mit dem Hut in der Hand. Aus allen -Häusern strömten die Spaziergänger, um sich in der frischen Abendluft -von der Hitze des Tages zu erholen; offene Equipagen zogen durch die -Strassen mit Damen (ohne Hüte), um dulce et jucunde durch die alte -Stadt bis an »Modderlust« einerseits oder über Simpang eine Rundfahrt -um die südlichen Vorstädte Surabayas zu machen; eine Spazierfahrt in -einem offenen Wagen, sei es in einem Mylord oder in einer Victoria, -ist um diese Zeit geradezu ein Genuss. Ein kühler Luftstrom mindert -die Wärme, welche von dem trockenen Boden aus in dem Luftkreise sich -ausbreitet, und darum findet man in Surabaya, sowie in ganz Indien -nur wenige europäische Familien, welche sich den Luxus einer eigenen -Equipage nicht gönnen würden. Dieser Luxus ist allerdings, wie wir -später sehen werden, nicht gross.</p> - -<p>Simpang ist die reizende Vorstadt von Surabaya, mit Häusern derjenigen -Europäer, welche nicht in der alten Stadt wohnen <em class="gesperrt">müssen</em>. Es -ist nur eine Frage der Zeit, dass die alte Stadt von Surabaya ebenso -wie die alte Stadt von Batavia und Samarang nur<span class="pagenum" id="Seite_36">[S. 36]</span> mehr die Bureaux -der Handelsleute enthalten werde, dass Simpang die eigentliche Stadt -Surabaya werden und sich bis Wanakrama, welches heute acht Kilometer -weit vom Stadthaus der alten Stadt entfernt liegt, ausstrecken werde. -Ein schöner Park ist das Entrée dieser Vorstadt. Zwischen Blumenbeeten -mit Hibiscus- und Nerpenthessorten und kleinen Anlagen von Cicadëen und -Fächerpalmen ziehen sich schöne Wege mit Götzenbildern aus den Ruinen -des alten Reiches Madjapahit. Kleine Teiche mit Fischen, Volièren mit -Vögeln, hohe Bäume mit Orchideen behängt, entzücken das Auge und leiten -zuletzt zu dem Palaste des Residenten. Ein grosses Götzenbild steht -vor seinem Thore, Djaka Dólóg genannt, welchem in früheren Zeiten von -unfruchtbaren Frauen geopfert wurde, um Nachkommenschaft zu erhalten. -Es ist ein garstiges Denkmal der alten Hinduschen Kunst und Religion. -Neu-Surabaya hat schöne Strassen und Alleen von Tamarinden, Acacien und -Waringinbäumen, hinter welchen mit zahlreichen Cocos- und Arangpalmen -sowie Pisangstauden einzelne Kampongs (Dörfer) der Eingeborenen sich -bergen. Wenn auch die Häuser der Europäer nur die Villenform haben -und sich nicht hoch über den Boden erheben, so ist ein Spaziergang -des Abends durch diese Strassen wirklich ein Genuss, weil alle Häuser -weisse Mauern und weisse Säulen haben, von welchen die zahlreichen -Lampen ein Meer von Licht auf die etwas schwach beleuchteten Strassen -strömen lassen. Von den grösseren Gebäuden verdienen das Casino, die -Loge und das grössere Militärspital erwähnt zu werden. Dieses ist ein -grosses einstöckiges Gebäude mit zahlreichen Sälen für ±400 Kranke in -der Form eines nach der Hauptstrasse offenen Quadrates (⊓). Der Hof -zwischen diesen drei Gebäuden hat zwei grosse schöne Waringinbäume. -Hinter der quervorlaufenden Front fliesst der Goldfluss, an dessen Ufer -der Pavillon der Officiere, und in einer beträchtlichen Entfernung ein -Pavillon für Infectionskrankheiten stehen. Zugleich schliessen sich -daran die Mauern der benachbarten Landes-Irrenanstalt.</p> - -<p>Wie überrascht war ich, als mir nach den üblichen Vorstellungen beim -Landes-Commandirenden und Platz-Commandanten der Landes-Sanitätschef -mittheilte, dass ich, als lediger Mann im Hotel wohnend, gewiss -sofort meinen Dienst antreten könne, und dass er mir die Abtheilung -der eingeborenen »internen Kranken« zuweisen werde. Unbekannt mit den -herrschenden Bestimmungen sollte ich sofort eine Abtheilung des Spitals -leiten, und unbekannt mit<span class="pagenum" id="Seite_37">[S. 37]</span> der malayischen Sprache sollte ich 80 bis -100 eingeborene Soldaten behandeln. Ich erlaubte mir gegenüber dem -Oberstabsarzt L., welcher in collegialer Weise und in liebenswürdigem -Tone mit mir sprach, den Zweifel auszusprechen, dass ich wohl einem -solchen Wirkungskreise mich vorläufig nicht gewachsen fühlte; doch -der Sanitätschef schnitt mir jede Motivirung dieses Zweifels an meine -diesbezügliche Fähigkeit mit den Worten ab: »Wie im Mittelalter die -Feldherren einen alten Feldwebel zur Seite hatten, der sie in die -Geheimnisse der Verwaltung einweihen sollte, so bekommen Sie einen -Ziekenvader = Krankenoberwärter, der Sie nicht nur in die Geheimnisse -des Dienstes einweihen, sondern Ihnen auch vorläufig ein Dolmetsch für -die eingeborenen Soldaten sein wird. <em class="gesperrt">Vorläufig</em>, d. h. Sie müssen -sich sofort bemühen, der malayischen Sprache so weit mächtig zu werden, -dass Sie die wichtigsten Fragen an die eingeborenen Patienten selbst -stellen können, und ich hoffe, nach vierzehn Tagen auf Ihre Abtheilung -zu kommen, um mich persönlich davon überzeugen zu können. Ich bitte Sie -also, morgen früh um acht Uhr im Saale Nr. 6 zu erscheinen, wo Ihnen -Dr. X. alle Patienten übergeben, d. h. alles mittheilen wird, was er -aus verschiedenen Ursachen nicht in der »Krankenliste« aufgenommen -hat. Ich kann Ihnen jetzt sofort anrathen, diese »Krankenlisten« nicht -zu vernachlässigen; es ist nicht hinreichend, die Recepte in diese -niederzuschreiben, welche dann in der Apotheke verabfolgt werden, -sondern auch die Anamnese und der ganze Verlauf der Krankheit muss in -diesen Listen beschrieben werden; jeder Patient besitzt eine solche -Liste, welche ein vollständiges Bild seiner Krankheit enthalten muss, -weil es nur zu oft geschieht, dass der behandelnde Arzt krank wird, -und sein Vertreter ohne diese Notizen keine richtige Einsicht in seine -Krankheit haben kann.« Verlockend war die Voraussicht nicht, ein paar -Wochen unter der Leitung eines Krankenwärters zu stehen, welcher den -Rang eines Feldwebels bekleidete. Ich beschloss also, diesem etwas -eigenthümlichen Verhältnisse so bald als möglich ein Ende zu machen, -und fuhr sofort nach der Stadt, um mir zu kaufen: Ein »Recueil« der -gesetzlichen Bestimmungen für die Militär-Spitäler Indiens und eine -Grammatik der malayischen Sprache. Als Dr. X. den nächsten Tag mir -»den Saal 6« mit 30 Patienten und den »Saal 7« mit 40 Patienten -übergab, liess er die in den letzten 24 Stunden eingelangten Patienten -unbesprochen, und mit gewisser Selbstbefriedigung besprach ich nach -Uebergabe des Dienstes von<span class="pagenum" id="Seite_38">[S. 38]</span> Seiten meines Vorgängers, mit den neuen -Patienten ihre Krankheiten; prapa lama sakit? = wie lange bist Du -krank? sakit apa? = was fehlt Dir? sukkah makan nassi? = hast Du -Appetit, oder wörtlich übersetzt: Hast Du Lust Reis zu essen? ging mir -so flott von den Lippen, als ob ich ein geborener Malaye wäre. Ebenso -zuversichtlich dictirte ich dem Krankenwärter die »Diät« für diese -Patienten mit den vorschriftsmässigen Abkürzungen: Portie, ½ Portie, -¼ Portie, Diät und ½ D. Wenn mir aber einer der Patienten auf meine -Fragen eine etwas weitläufige Antwort gab oder Wünsche in Betreff des -vorgeschriebenen Speisezettels äusserte, verstand ich natürlich kein -einziges Wort und musste nolens volens die Hülfe der Krankenwärter in -Anspruch nehmen. Als nach vierzehn Tagen der Spitalschef zugleich mit -dem Landessanitätschef auf meiner Abtheilung erschienen und als stille -Zuschauer eine Stunde lang der Behandlung der Patienten folgten, zu -gleicher Zeit jedoch hin und wieder einen Blick unter die Kopfpolster -warfen, ob darunter kein Tabak, Cigarren u. s. w. verborgen seien, und -darnach die Aborte und die Baderäume der Abtheilung und die Kästen mit -der Wäsche inspicirten, merkte ich aus einzelnen aufgefangenen Worten -die Zufriedenheit meiner Chefs, und beim Weggehen stellte mir der -Landes-Sanitätschef die Prognose, dass ich sehr bald die Fähigkeiten -zu einem »Eerstaanwezenden Officier van Gezondheid« zu Muarah-Teweh -werde erlangen können, welcher in einigen Monaten einen neuen Titularis -werde erhalten müssen. Nach Ablauf des Dienstes begab ich mich in -die »Conferentiekamer«, wo die übrigen Aerzte vor Erscheinen des -Spitalschefs gemüthlich die Tagesfragen besprachen. Stolz auf die -Belobung meines Chefs theilte ich meinen Collegen mit, dass ich für den -Posten eines rangältesten Militärarztes zu Muarah-Teweh designirt sei. -Statt Bewunderung oder Eifersucht sah ich zu meiner Ueberraschung auf -allen Lippen nur ein spöttisches Lächeln.</p> - -<p>»Ja, ja, dieses ist eine hohe Stellung, welche Ihnen in Aussicht -gestellt wurde; ich muss Ihnen aber auch mittheilen, dass Sie nicht -nur der rangälteste Militärarzt, sondern auch der Rangjüngste in -Muarah-Teweh sein werden, d. h. der einzige Arzt in einem Stück -Lande, das so gross als ganz Holland ist; Sie werden aber auch in -einem Hause wohnen, welches das einzige in diesem Bezirke ist, und -Ihre ganze Gesellschaft wird aus zwei Officieren bestehen, welche -in demselben Hause wie Sie wohnen werden. Sie kommen in ein Land — -es liegt im Herzen Borneos —, »hinter welchem<span class="pagenum" id="Seite_39">[S. 39]</span> überhaupt kein Land -mehr ist«,<a id="FNAnker_18" href="#Fussnote_18" class="fnanchor">[18]</a> und da Sie mit den Soldaten nicht verkehren dürfen, -so können Sie mit den Orang-Utangs oder anderen Affen verkehren, und -unter den Kopfjägern, den Dajakern in den benachbarten Kampongs, -werden Sie vielleicht einen finden, der Malayisch spricht; aber es -wird rathsam sein, auch diesem einzigen gebildeten Dajaker nicht -zu viel Vertrauen zu schenken, weil Sie sonst Gefahr laufen, Ihren -einzigen Kopf eines Tages auf den Pfählen seines Kampongs hoch in den -Lüften baumeln zu sehen.« »Dafür haben Sie,« fügte ein zweiter College -ebenfalls in spöttischem Tone hinzu, »das erfreuliche Bewusstsein, -ein Protegé des Sanitätschefs zu sein; als solcher können Sie einer -»schönen« Garnison zugetheilt werden, zu welchen z. B. Batavia und -Surabaya gehören, d. h. Städte, in welchen das gesellschaftliche Leben -sich wenig von dem einer grossen Stadt in Europa unterscheidet; Sie -können aber auch eine »gute« Garnisonstadt erhalten, d. h. in einen -Ort versetzt werden, in welchem Sie eine grosse Privatpraxis erlangen -können; in Djocja z. B. kann man leicht 5–600 fl. monatlich bei seinem -Gehalt verdienen; in Banda (Molukken) selbst 1000 fl. So viel werden -Sie natürlich in Muarah-Teweh nicht verdienen; Sie können aber auch -nichts ausgeben. Die Dajaker haben noch keine Oper, Tingel-Tangel, und -nebstdem sorgt die Regierung auch für die Kost der Officiere, weil -ausser dem Lieferanten, welcher für die Verpflegung der Truppen sorgen -muss, kein Kaufmann und kein Geschäft sich dort befindet, von welchem -Sie etwas kaufen könnten. Da Sie im Fort selbst wohnen müssen, so -brauchen Sie kein Quartiergeld zu bezahlen; und weil die Wohnung nur -aus einem Zimmer mit Bambuswänden besteht, also nicht den Anforderungen -einer Officierswohnung entspricht, bekommen Sie das Quartiergeld, -70 fl. pro Monat, ausbezahlt. Was die Kost betrifft, erhalten Sie -diese natürlich nicht aus der Menage der Soldaten, sondern in Natura, -d. h. die Zubereitung der »Vivres« können Sie sich selbst besorgen. -Sie erhalten eine »europäische« und zwei »eingeborene« Rationen; Sie -bekommen z. B. täglich 0·5+2×0·6 = 1·7 Kilo Reis. Butter, Oel, Pfeffer, -Rindfleisch, Petroleum, Salz, Thee und Kaffee werden Ihnen in solcher -Menge verabfolgt, als ein europäischer und zwei eingeborene Soldaten -täglich für ihren Lebensunterhalt nöthig haben. Sie sehen also, dass -die holländische Regierung sehr freigebig ist; Sie erhalten für das -»süsse Nichtsthun«<span class="pagenum" id="Seite_40">[S. 40]</span> Ihren Monatsgehalt von 225 fl. und 30 fl. für zwei -Pferde Fourage und 70 fl. Quartiergeld und 50 fl. für die Armenpraxis -und gänzliche Verpflegung. Sie werden nämlich nicht viel zu thun haben, -weil die Garnison nur aus einer Compagnie Soldaten (incl. ungefähr 25 -Frauen und einiger Kinder) besteht.«</p> - -<p>Nach diesen Mittheilungen konnte ich nicht viel Erfreuliches für die -nächste Zukunft erwarten, und arg enttäuscht verliess ich um 11½ Uhr -das Spital. Da der Apotheker, welcher mit mir den Wagen benutzen -sollte, »die Wacht hatte«, d. h. 24 Stunden im Spitale bleiben musste, -konnte ich den Wagen zu einer Rundfahrt in der »Stadt« benutzen -(natürlich gegen Beibezahlung von 2 fl.).</p> - -<p>Ein ungefähr zwei Kilometer langer Weg trennt die Vorstadt Simpang von -»der Stadt«, welche im Jahre 1743 an die Compagnie abgetreten und zum -Sitz des Gouverneurs von Javas Osten wurde, nachdem schon zwei Mal -(1677 und 1679) diese Stadt von den Holländern erobert worden war.</p> - -<p>Schon bei dem Officiers-Club »Concordia«, welchen ich sofort beim -Eintritt in die Stadt zu meiner rechten Hand sah, zeigt sich dem -Beobachter ein ganz anderes Bild, als dies in Batavia der Fall ist. -Es ist eine holländische Stadt aus dem Anfange dieses Jahrhunderts -mit kleinen, niedrigen Häusern, welche ohne Garten die Wege begrenzen -und in grösserer oder kleinerer Anzahl zu einem Gebäudecomplex -vereinigt sind; schmale Wege, Stege, Gassen und Strassen wechseln -mit Grachten (Wassercanälen), und nur die Dreh- und Aufzugbrücken -fehlen, um das Bild einer alten, schmutzigen Kleinstadt in Holland zu -vervollständigen. Der Goldfluss (Kali Mas) theilt die Stadt in eine -östliche und westliche Hälfte, und die »rothe Brücke« verbindet den -europäischen mit dem chinesischen (östlichen) Stadttheil. Gegenüber der -Concordia liegt das Haus des Regenten mit einem Schlossplatz; hier wird -Sonntag Nachmittags ein Militär-Concert gegeben, welches die jeunesse -dorée von Surabaya zu einem Rendez-vous einlädt. Ein eigenthümliches -Gebäude ist die Moschee, welche eine hübsche Combination von -griechischem, maurischem und gothischem Styl zeigt. Im chinesischen -Viertel fielen mir die Tempel und die zahlreichen Geschäfte auf; daran -schloss sich der Kampong der Malayen mit einem grossen Marktplatz, auf -welchem lange, grosse, auf steinernen Pfeilern ruhende Markthallen -standen. Hierauf kam ich zu den »Mooren, Bengalesen und Arabern«; -schmutzige, enge Strassen, schmutzige, kleine Geschäfte,<span class="pagenum" id="Seite_41">[S. 41]</span> wie auf einem -alten Tandelmarkt, und noch schmutziger waren die weissen Kleider und -Turbane der arabischen Bewohner.</p> - -<p>Im Osten und Norden dieser Kampongs der »fremden Orientalen« sind die -Eingeborenen, und zwar nach bestimmten Handwerken geordnet; in dem -einen Kampong sah ich nur Töpfer, in einem zweiten nur Klempner, in -einem andern wohnten nur Kammmacher, Mattenflechter u. s. w. In dem -Kampong Ampel sah ich eine alte Moschee und das Grab von Raden Rachmat, -dem ersten Susuhunan<a id="FNAnker_19" href="#Fussnote_19" class="fnanchor">[19]</a> von Ngampel, welcher hier 1467<a id="FNAnker_20" href="#Fussnote_20" class="fnanchor">[20]</a> starb.</p> - -<p>Denselben Weg, d. h. über die »rothe Brücke«, fuhr ich zurück, um -mich in dem europäischen Viertel ein wenig umzusehen. Wie in einem -Bienenkorb wimmelt es in den Strassen von Hausirern mit Waaren aus -Elfenbein, Perlmutter, Schildkröten, Horn, Bein, Gold, Silber u. s. w., -welche den Neuangekommenen auf Schritt und Tritt verfolgen. Equipage -auf Equipage durchkreuzten die Stadt, und auch hier war ich verwundert -über die grosse Zahl alter und schmutziger Wagen, welche unter dem -Namen »Kossong« (= leerer) langsam durch die Strassen fahren, um einen -Passagier (50 Cts. für eine Tour) zu finden. Es ist ein auffallender -Unterschied zwischen den beiden Städten Batavia und Surabaya, welcher -in vieler Hinsicht an jenen zwischen Haag und Amsterdam erinnert. -Surabaya ist grösser und hat mehr Einwohner als seine Schwesterstadt im -Westen.<a id="FNAnker_21" href="#Fussnote_21" class="fnanchor">[21]</a> Batavia ist durch den Sitz der Regierung eine Beamtenstadt; -Beamte und Officiere sind die tonangebenden Kreise. Surabaya ist eine -Handelsstadt stricte dictu und hat schon seit vielen Jahrzehnten einen -ausgesprochenen europäischen Mittelstand, es ist darum gemüthlicher; -man fühlt sich heimischer und läuft nicht Gefahr, in dem ersten besten -Europäer, welchen man im Club kennen lernt, einem Beamten oder Officier -zu begegnen, welcher ängstlich die Geheimnisse seines Departements -bewahren und jedes Wort auf die Goldwaage legen muss, um nichts -von jenen staatsgefährlichen Geheimnissen entschlüpfen zu lassen, -welche den andern Tag durch die Tagespresse orbi et urbi verkündigt<span class="pagenum" id="Seite_42">[S. 42]</span> -werden. Surabaya ist aber nicht allein eine bürgerliche Handelsstadt, -sondern auch eine Fabrikstadt, und zahlreiche grosse Fabriken und -noch mehr die zahlreichen kleinen europäischen, javanischen und -chinesischen Werkstätten machen sie zu einem Emporium der Industrie -und des Handels nicht allein der Insel Java, sondern auch des ganzen -indischen Archipels. Von den zahlreichen grossen Unternehmungen -dieser Stadt will ich keine einzige ausführlich beschreiben, weil -ich als Laie in der Technik nur Unvollkommenes mittheilen könnte; -wie ich aber von Fachleuten hörte, sind einige von ihnen, wie z. B. -das Marine-Etablissement, die Artillerie Constructie Winkel und die -pyrotechnische Werkstätte, die vielen Privat-Fabriken für Dampfkessel -u. s. w., geradezu mustergiltige Fabriken, welche in jeder Hinsicht -allen Anforderungen der modernen Technik Genüge leisten.</p> - -<p>Leider hat Surabaya Mangel an gutem Trinkwasser, und es ist bis jetzt -noch nicht gelungen, artesisches Wasser zu erhalten, obwohl die Provinz -in ihrem südlichen Theile stattliche und hohe Berge besitzt, z. B. -den Ardjuno, 3363 Meter hoch, den Berg Penanggungan (1650), Welirang -(3150), Andjomora (2270) u. s. w., und im Westen die Hügelländer von -Tuban (400), von Lamongan, Kendeng und Modokasri zahlreiche Quellen -besitzen. Demzufolge entstehen beinahe jedes Jahr grössere oder -kleinere Cholera-Epidemien, welche meistens in der Citadelle »Prinz -Hendrik« ihren Ausgangspunkt nehmen. Sie besteht bereits 60 Jahre, -ist von der Mündung des Goldflusses 1800 Meter entfernt und war der -Mittelpunkt einer Vertheidigungslinie von ungefähr zwei Kilometern mit -17 Bastionen u. s. w. Sie ist ein starkes Fort, welches bequem 1500 -Mann fassen kann, aber — sie muss aus obigen Gründen unbenutzt stehen -bleiben und kann nur als Magazin der Armee noch einige Dienste leisten.</p> - -<p>Sollte es der modernen Technik nicht gelingen, aus den grossen -Wassermassen, welche der nahe Javasee und die Flüsse der Provinz -Surabaya, Porong, Brantas (mit den Aesten: Goldfluss, Fluss Porong und -Perigien) und Solo (mit den Mündungsarmen Fluss Ngawen und Miring), -Anjer, Pepeh u. s. w. in sich bergen, brauchbares und gesundes -Trinkwasser zu schaffen? Ich weiss, dass alle modernen Filtrir-Apparate -der grossen europäischen Städte noch weit von diesem Ziele entfernt -sind, weil das Delta-Land, auf welchem diese Stadt liegt, einen grossen -Reichthum an faulenden Stoffen<span class="pagenum" id="Seite_43">[S. 43]</span> birgt; aber in der Wärme haben wir ja -ein ausgezeichnetes Mittel, diese radical zu zerstören. Wenn auch viele -Europäer das filtrirte Wasser ¼ bis ⅓ Stunde bei einer Temperatur von -100–120 °C. kochen, so bleibt doch die grosse Menge der Eingeborenen, -der Chinesen und der Orientalen blind für die Gefahren eines ungesunden -Wassers; für diese muss die Regierung etwas thun. Eine Stadt von -ungefähr 150,000 Seelen muss ein Trinkwasser haben, welches allen -Anforderungen der Hygiene entspricht.</p> - -<p>Um 1 Uhr hatte ich meine Rundfahrt durch die Stadt beendigt und -erquickte mich an der »Rysttafel«, welche mit Recht den Ruf verdiente, -dessen sie sich erfreute; sie bot nicht nur eine grosse Wahl der -Speisen,<a id="FNAnker_22" href="#Fussnote_22" class="fnanchor">[22]</a> sondern auch jede einzelne Schüssel war mit Sorgfalt -bereitet. Eine Flasche Bier trank ich dazu, indem ich in ein Glas ein -grosses Stück Eis gab und das Bier darauf goss. Wahre Bierfreunde -trinken es unverdünnt durch das Wasser des schmelzenden Eises; aber -jeder Versuch, reines Bier (von einer Temperatur von 22–25 °C.) zu -trinken, verleidete mir gänzlich diesen Genuss. Gegenwärtig wird -jedoch das Bier in den Clubs und in manchen Hotels in Eiskübeln -frappirt, so dass man den erfrischenden Geschmack des kühlen Bieres -erhält, ohne gleichzeitig durch Wasser des schmelzenden Eises seinen -Alcoholgehalt zu verdünnen. Nach Tisch ging ich zu Bett und befahl -dem Bedienten, mich um 4 Uhr aufzuwecken, weil ich um 5 Uhr wieder im -Spitale sein musste. Um 4 Uhr wurde ich wach, aber ich fühlte mich müde -und schwach; in Schweiss gebadet, wechselte ich zunächst die Kabaya -und das Flanellhemd, in welchem ich geschlafen hatte, schwankte wie -ein Betrunkener zur Thür, öffnete sie und fiel in der Veranda auf den -Lehnstuhl nieder, als ob ich einen Marsch von zehn Kilometern gemacht -hätte. Unterdessen hatte mir der Bediente eine Schale Thee, eine -Flasche Apollinariswasser und ein Glas mit einem Stück Eis gebracht. -Der lauwarme Thee und danach das kalte Apollinariswasser belebten -sofort meine schlaffen Lebensgeister, ich nahm mein Schiffsbad,<a id="FNAnker_23" href="#Fussnote_23" class="fnanchor">[23]</a> -zog mir europäische Kleider an und fuhr nach dem Spitale. Ich hatte -einen Zuwachs von sechs Patienten, von welchen zwei an Beri-Beri, -drei an Malaria und einer an Dysenterie litten. Da ich wusste, -dass um 5½ Uhr den Patienten das Abendessen gebracht werden sollte -und den Neuangekommenen<span class="pagenum" id="Seite_44">[S. 44]</span> vom »Doctor der Wacht« bereits Medicinen -vorgeschrieben worden waren, begnügte ich mich damit, für diese -sieben Patienten die »Diät« für den folgenden Tag dem »Ziekenvader« -mitzutheilen,<a id="FNAnker_24" href="#Fussnote_24" class="fnanchor">[24]</a> ging zu einzelnen Patienten, welche mich besonders -interessirten, oder welche irgend ein Ansuchen an mich richten wollten, -verliess, nur theilweise befriedigt, die Krankensäle und setzte mich -zu den übrigen Collegen, welche bereits an der »Kletstafel« sassen -und mich, jeder in seiner Weise, über meinen Beruf als Oberarzt der -indischen Armee zu belehren suchten.</p> - -<p>Da mir viele, wenn nicht alle ihre Mittheilungen fremd und oft sogar -unglaublich erschienen, weil ich nicht wusste, wie viele derselben -Scherz oder Ernst waren, so steigerte sich noch mehr das Gefühl des -Unbefriedigtseins in mir, und als um 6 Uhr die Collegen aufstanden, -um das Spital zu verlassen, blieb ich beim »Doctor der Wacht« zurück, -um von ihm das Thatsächliche der Neckereien zu erfahren. Zu meiner -grössten Ueberraschung entsprach alles der Wirklichkeit, und nur der -Ton der Erzählungen war ein scherzhafter gewesen; auch hatte ich -späterhin oft genug Gelegenheit, mich von der Richtigkeit dieser -Mittheilungen zu überzeugen. Die Sonne war untergegangen, und bevor -ich das Hotel erreicht hatte, war es finster geworden, und ein Javane -lief vor mir, um die Petroleumlampen<a id="FNAnker_25" href="#Fussnote_25" class="fnanchor">[25]</a> anzuzünden. Das Hotel stand -an der grossen Heeresstrasse, welche nach Gedong und Sidoardjo führte. -Hier standen nur an einer Seite einige europäische Häuser, darunter -das des Landes-Commandanten Colonel R., welcher das grosse Vorrecht -hatte, neun Töchter zu besitzen. Ich verliess das Hotel mit der -Absicht, auf dieser wenig besuchten Strasse mich ganz dem Genusse -des Alleinseins zu ergeben und den ersten Tag meiner neuen Carrière -einer Kritik zu unterwerfen, und arglos näherte ich mich dem Hause -des Colonels R. Da traf ein silberhelles Lachen meine Ohren, und ein -Paar feurige, schwarze Augen suchten mit neugierigen Blicken den -Fremdling zu erforschen, der sich aus dem Getümmel der Stadt in die -Ruhe der unbewohnten Poststrasse geflüchtet hatte. Es war eine reizende -Nonna — ihre Grossmutter war eine Javanin gewesen — welche sich an -meiner Verlegenheit<span class="pagenum" id="Seite_45">[S. 45]</span> ergötzte, indem ich nämlich zögernd einen Gruss -stammelte, nachdem ich bereits einen Schritt weit sie passirt hatte. -Sie war noch »ungekleidet«, d. h. noch in indischer Haustoilette; der -seidene Sarong umschloss die breiten Hüften, die reich garnirte Kabaya -bedeckte die schön geformte Büste nur zum Theil, weil durch die Spitzen -des oberen Theiles die lichtbraune Haut durchschimmerte; das schwarze -Haar war nach hinten in einen dicken Knoten (Kondé) gebunden; bei -ihrem schalkhaften Lächeln zeigte sie ein elfenbeinernes Gebiss von -tadellosen Zähnen, und über den schwarzen Augen wölbten sich ein Paar -grosse, dichte Augenbrauen. Die Flamme einer Laterne umsäumte dieses -schöne Bild mit einem goldenen Saume, und während ich, erfüllt von -dieser reizenden Erscheinung, weiter schritt, kicherte Jemand hinter -mir und zog mich zurück; es war der kleine Schalk Cupido.</p> - -<p>Noch eine halbe Stunde folgte ich der langen Poststrasse, nachdem -schon lange kein europäisches Haus zu sehen war und die kleinen -Petroleumlämpchen der Eingeborenen nur schwach das Innere ihrer kleinen -Häuschen und die Strasse beleuchteten. Ich kehrte um, ging in’s -Hotel und fand — eine Einladung zu einer Hausunterhaltung bei dem -Landes-Commandanten. Um 8 Uhr ging ich zur Table d’hôte, welche uns -ein »europäisches Mahl« bot, d. h. Suppe, Rindfleisch, Gemüse, Braten, -Mehlspeise, Kaffee, Obst und Käse, und um 9 Uhr stand ich, in Frack, -schwarzer Hose und weissen Handschuhen gekleidet, vor dem Eingange des -Hotels, um zunächst die Theilnehmer an diesem Feste passiren zu sehen. -Equipagen auf Equipagen mit europäischen Damen und Herren in Uniform -und Frack fuhren bei mir vorbei; einzelne Dos à dos (nur mit einem -Pferde bespannt) mit jungen Officieren und Beamten kamen in langsamem -Schritt vorgefahren. Auf dem Bocke einer Victoria sass ein Polizeimann -mit dem goldenen Regenschirm (Pajông) und brachte den Residenten der -Provinz. Hinter ihm folgte ein Mylord, in welchem der Regent, der -eingeborene Häuptling, sich befand; auch er hatte neben dem Kutscher -einen Polizeimann, der einen weiss und gold gefärbten Pajông aufrecht -trug. Ein Chinese in Mandarintracht folgte mit seiner Frau, welche -einen schwer seidenen Sarong und Kabaya trug, und endlich wagte ich es, -den ersten Schritt in die »indische Gesellschaft« zu thun. Ein schöner -Anblick bot sich mir beim Eintritt in die Thüre der manneshohen Mauer -dar, welche das Haus und den kleinen Garten des Colonels R. von der -Strasse trennte. Auf der Treppe, welche zur Säulenhalle des Hauses -führte,<span class="pagenum" id="Seite_46">[S. 46]</span> sassen die Polizisten der hohen Beamten wie Marmorsäulen und -hielten den Pajông aufrecht vor sich. Die Säulenhalle war weiss, und -die Flammen strahlten in doppelter Helle ihr Licht über den Garten; in -dieser Halle und dem Saale, welchem sich erstere anschloss, strömten -die Menschen auf und ab; sehr viele Uniformen und sehr wenige Fracks -oder Salonröcke, während die Damen in europäischer Salon- oder -Balltoilette an Reichthum und Eleganz, aber weniger an »Mode« ihre -Schwestern in Europa übertrafen. Sofort erschien der Hausherr in -seiner wenig kleidsamen Uniform, stellte mich seiner Frau und den zwei -Damen vor, welche neben dieser sassen, und führte mich dann in einen -Nebensaal, wo die Jugend versammelt war. Das Brummen und Summen der -eifrig flirtenden Jugend übertönte seine Stentorstimme, als er den -»jüngsten Aesculapius von Surabaya« vorstellte, und er verliess mich -sofort, um seinen Hausherrnpflichten auch anderwärts gerecht zu werden.</p> - -<p>»Sie sind also der grosse Philosoph, welcher vor drei Stunden bei -unserem Hause, gewiss in weltbewegende Gedanken vertieft, vorbeiging -und mich um 6 Uhr, sage um 6 Uhr, noch in Sarong und Kabaya gekleidet -sah.« Mit diesen Worten trat eine reizende Brünette von ungefähr 19 -Jahren mir entgegen. Ich wusste nicht, dass es unschicklich sei, -wenn junge Damen um 6 Uhr noch in Haustoilette sind, ich fand kein -holländisches Wort und ich fand auch keine deutsche Antwort, als -sie mit schalkhaftem Blick diese Frage an mich richtete, und pries -das Geschick, welches mir in diesem Augenblicke den Bedienten mit -einer grossen Platte sandte. Schalen mit Kaffeeextract und mit Thee, -eine grosse Kanne Milch und eine Zuckerdose mit pulverisirtem Zucker -hielt er mir unter die Nase und frug mich in malayischer Sprache, -welchen Trank ich vorziehe. Fräulein Marie wiederholte seine Fragen in -holländischer Sprache, und endlich gelang es mir, den Gesellschaftston -zu finden und in einem Kauderwelsch, welches weder Deutsch noch -Holländisch war, unterhielt ich mich lebhaft mit dieser Schönsten -der Schönen. Kaum hatte ich den Kaffee ausgetrunken, als ein zweiter -Bedienter kam und drei Sorten von Liqueuren mir anbot. Wieder war -es meine reizende Nachbarin, welche die fürchterlich entstellten -Namen der Liqueure mir übersetzte, und eben wollte ich zu einem -Gläschen Vanilleliqueur greifen, als aus dem Hintergrunde des grossen -Saales die lauten Klänge einer Polonaise erschallten. Wie von einem -electrischen Funken erschüttert sprangen alle jungen Damen und<span class="pagenum" id="Seite_47">[S. 47]</span> Herren -von ihren Sesseln auf und gingen Arm in Arm in den grossen Saal. -Sehr gern wäre ich mit meiner Schönen in dem kleinen Saal geblieben, -um noch lange, sehr lange mit ihr zu plaudern, aber ein fragender, -selbst vorwurfsvoller Blick erinnerte mich an meine Pflicht, ich gab -ihr den Arm und folgte dem Zuge ihres Armes, der mich hinter den -Assistent-Residenten brachte, welcher die Frau des Regenten führte. Wie -ich später wiederholt sah, folgen bei allen Festlichkeiten die Gäste -einer bestimmten, nach Rang und Würde geordneten Reihe. Der Hausherr -eröffnet mit der angesehensten Dame den Reigen, ihm folgte deren Mann -mit der Hausfrau u. s. w. Erst die dei minorum gentium schliessen die -Reihen, ohne sich an den Rang der Tänzer zu halten. Zweimal hatte die -grosse Colonne den Saal nach dem Tacte der Musik durchschritten, als -sie plötzlich einen Walzer anstimmte; einige der alten Herren und -Damen traten aus; alle Uebrigen — nur ich nicht — stürzten sich in -den Strudel der walzenden Paare. Wiederum sah mich »meine Dame« mit -fragenden und vorwurfsvollen Blicken an, als ich sie bat, auf einer -nahen Causeuse Platz zu nehmen und unser unterbrochenes Gespräch -fortzusetzen. Zum ersten Male in meinem Leben bedauerte ich es, niemals -tanzen gelernt zu haben, und bevor ich noch diesem elenden Gefühl Worte -verleihen konnte, näherte sich ein Lieutenant der Infanterie, welcher -diese Scene beobachtet hatte, und bat um den Walzer.</p> - -<p>»Sehr gerne,« sagte meine Dame mit gehässigem Nachdruck, und sofort -verschwand das schöne Paar in der Menge der Walzenden. »Dieser Oberarzt -bleibt nicht lange in Surabaya,« brummte ein alter Herr en passant, -und als ich mich fragend umblickte, was dieser Orakelspruch bedeute, -setzte er fort, als ob er einen Monolog hielt, und ohne mich anzusehen: -»Männer, welche nicht tanzen können, gehören nicht in den Salon, auf -den Aussenbesitzungen unter den Wilden ist ihre Heimath.« Unterdessen -sah ich den Hausherrn bei den alten Herren und Damen hin und her eilen, -um sie zu einer Partie Whist, L’hombre oder Quadrille einzutheilen, -und wieder zogen einige Paare Arm in Arm, jedoch mit gelassenen und -gemessenen Schritten in die hintere Veranda und in ein paar kleine -Säle, wo die Spieltische mit Karten und Marken sie erwarteten. Auch -mich frug der Colonel, an welchem Spiel ich mich betheiligen wolle, da -er sehe, dass ich nicht tanzlustig sei. Als ich ihm wieder bekennen -musste, dass mir das Whistspiel nur dem Namen nach bekannt sei, und<span class="pagenum" id="Seite_48">[S. 48]</span> -dass ich von den beiden anderen Spielen nicht einmal die Namen kenne, -frug er mich erstaunt, wo ich denn meine Erziehung gehabt habe, dass -ich weder tanzen, noch Karten spielen könne, und liess mich stehen. -Der zweite Theil der Polonaise war endlich zu Ende, und die tanzende -Jugend versammelte sich wieder im kleinen Saale, um zu lachen und zu -scherzen und zu flirten. Bediente erschienen und präsentirten Rothwein, -Rheinwein, Eiswasser, Mineralwasser und Brandy-Grog; ich selbst wählte -ein Glas Mineralwasser und trat in den kleinen Saal, um wenigstens -einen Blick »meiner Dame« zu erhaschen; sie sah mich jedoch nicht, und -als ich mich ihr näherte, um eines der vielberühmten Ballgespräche -mit ihr anzufangen, wandte sie sich zu ihrem Tänzer mit der Frage, ob -der Walzer oder die Polka den höchsten Genuss ihm biete. Ich war in -Ungnade gefallen. Ich verliess diesen kleinen Saal und ging hinaus -in die Vorhalle, in welcher Alle sassen, welche nicht tanzen konnten -und wollten, und welche aus verschiedenen Ursachen auch nicht an dem -Kartenspiele theilnahmen. Gern hätte ich mich mit dem Regenten oder -mit dem »Major der Chinesen« in ein Gespräch eingelassen, aber schon -beim Vorstellen sah ich, dass sie der holländischen und natürlich -noch weniger der deutschen Sprache mächtig waren. Beide sprachen wie -ihre Frauen die malayische Sprache, die allgemeine Umgangssprache -zwischen Europäern und Eingeborenen, aber mein Wissen und Können dieser -Sprache reichte noch nicht weiter, als bis zu den einzelnen Fragen -um das körperliche Befinden, und so sah ich mich gezwungen, andere -Gesellschaft aufzusuchen. Endlich wurde es zwölf Uhr, und wieder -erschienen Bediente, diesmal jedoch mit grossen Schüsseln, gefüllt -mit Brötchen, gefüllt mit Schinken oder Wurst oder Paté de foie gras, -während ein zweiter Bedienter auf der Platte kleine Teller, Messer und -Kaffeeservietten anbot. Die Tanz-Pause war eingetreten. Der Berg mit -belegten Brötchen wurde immer kleiner und kleiner, und der Bediente -erschien nun wieder mit den diversen Getränken. Ich nahm wieder ein -Glas Apollinariswasser, als plötzlich aus dem Zimmer der tanzlustigen -Jugend: »Bier her, Bier her, oder ich fall um, juchhe!« zu meinen -Ohren drang; ich sprang von meinem Stuhle auf, und mit tiefgehaltenem -Tenor fuhr ich an der Thüre fort: »Soll das Bier im Keller liegen, und -ich nur ein Wasser kriegen« und — das Eis war gebrochen. Von allen -Seiten stürmten die Schönen auf mich ein, noch ein anderes deutsches -Studentenlied zu singen, und nach diesem musste ich ein<span class="pagenum" id="Seite_49">[S. 49]</span> drittes -singen, bis endlich die Accorde eines Lancier die jungen Damen und -Herren in den Tanzsaal riefen. Der Mohr hatte seine Schuldigkeit gethan -— ich konnte wieder gehen.</p> - -<div class="figcenter illowe50" id="fig4"> - <img class="w100" src="images/fig4.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Fig. 4. Der Palast des Gouverneur-General in Buitenzorg - (Südseite).</div> - <div class="caption_gross x-ebookmaker-drop"><a href="images/fig4_gross.jpg" - id="fig4_gross" rel="nofollow">⇒<br /> - <span class="s6">GRÖSSERES BILD</span></a></div> -</div> - -<p>Um 2 Uhr empfahl sich der Resident und seine Frau dem Gastgeber; ihnen -folgten alle Uebrigen, welche nicht tanzten; auch ich nahm Abschied, -und als ich auch »meiner Dame«, der jüngsten Tochter des Hauses, -meinen Dank für den herrlichen Abend aussprechen wollte, rief sie mir -scherzend zu: »Nein, den Dank begehre ich nicht; ein junger Mann, der -nicht tanzt, kann sich nicht amüsiren. Adieu.« Einen Hut<a id="FNAnker_26" href="#Fussnote_26" class="fnanchor">[26]</a> hatte ich -nicht, ein kühler Nachtwind trocknete die triefende Stirne, und mit -wechselnden Gefühlen ging ich zu Bett, unbefriedigt von meinem ersten -Thun im Spitale und unbefriedigt von meinem ersten Thun und Lassen im -indischen Salon.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Der Dienst im Spital gefiel mir mit jedem Tage besser. Wenn der erste -Tag das Gefühl des »Unbefriedigtseins« im hohen Grade in mir wach -gerufen hatte, so lagen die Ursachen dafür nicht in mir, sondern in -den herrschenden Verhältnissen. Ich stand 80 Patienten gegenüber, -von denen ich absolut nichts wusste; wenn auch mein Vorgänger -in der »Krankenliste« die Diagnose ihrer Krankheit aufgenommen -hatte, so war mir damit nur wenig geholfen; 49 von ihnen litten an -Malaria, 20 an Beri-Beri, 3 an Dysenterie, und die übrigen 8 hatten -Lungenentzündung und andere mir geläufige Krankheitsbilder. Von der -Beri-Beri-Krankheit hatte ich in Europa nicht einmal den Namen, -geschweige denn das totale Krankheitsbild, den Verlauf und die -Ursache gekannt. Unter meinen 20 Fällen dieser Krankheit befanden -sich alle möglichen Formen und Stadien der Erkrankung, und vergebens -war alle Mühe, aus ihnen nur ein einheitliches Bild dieser Krankheit -zu bilden. Hier lag ein Mann unter den schwersten Symptomen der -Herzbeutelwassersucht, und dort stand ein Mann, bei dem ausser einem -Puls von 100 Schlägen in der Minute kein anderes Symptom gefunden -wurde; der Eine hatte geschwollene Füsse und eine bleiche, krankhafte -Hautfarbe, und der Andere war »bis auf das Skelet« abgemagert. Beim -Dritten hatte Dr. C. notirt, dass sein Puls in der Ruhe 120 mal und -nach einiger Bewegung 200 mal in der Minute schlage, und<span class="pagenum" id="Seite_50">[S. 50]</span> bei einem -Vierten war angegeben, dass er bis über die Mitte des Oberschenkels -anästhetisch = unempfindlich sei. Nicht viel besser ging es mir mit -den Malariapatienten; als den Typus der Malaria kannte ich nur das -Wechselfieber mit scharf abgegrenztem Hitze- und Kältestadium, und -von meinen 49 Malariapatienten zeigte kaum ein einziger dieses Bild. -Wenn ich an diesem Tage aus den Notizen der Krankheitsliste und aus -den objectiven Befunden obiger 49 Malariapatienten, unabhängig von -dem weiteren Verlaufe der Krankheit, die Diagnose hätte stellen -müssen, wäre das Wort Malaria kaum in 10 Fällen ausgesprochen worden. -Der Eine zeigte ausgesprochene Lungenverschleimung, der Zweite litt -an Diarrhöe; ein Dritter hätte mich an Typhus und ein Anderer an -Hirnhautentzündung (Meningitis) denken lassen; ein Sergeant hatte alle -Erscheinungen des Mumps (Parotitis) und der letzte Malariapatient hatte -selbst das ausgesprochene Bild der Cholera! In diesem Labyrinth der -Erscheinungen der Malariakrankheit halfen mir theilweise meine Bücher -auf den richtigen Weg; über die Beri-Beri jedoch musste ich mich von -den älteren Collegen informiren lassen. Leider waren ihre Informationen -nur nach einer Richtung hin befriedigend. Wassersucht, verbunden mit -geringer Lähmung (Parese) der Beine und erhöhter Arbeit des Herzens, -veranlasste die Diagnose der häufigsten Form der Beri-Beri. Geringe -Lähmung und hochgradige Abmagerung der Extremitäten gab die Diagnose: -Beri-Beri kring = trockene Beri-Beri.</p> - -<p>Seit dieser Zeit hat, wie wir im III. Bande mittheilen werden, die -Frage dieser verheerenden Krankheit vielfach die indische Regierung -und die Gelehrten der medicinischen Welt beschäftigt; aber für den -denkenden Arzt war es damals geradezu eine beschämende Arbeit, -Patienten gegenüber zu stehen, von welchen man beinahe gar nichts -wusste. Welche Bedeutung diese Krankheit für die indische Armee hat, -will ich an dieser Stelle nur andeuten, und zwar durch Abdruck der -Ziffern, welche die Verbreitung dieser Krankheit in der Armee vom Jahre -1893–1897 demonstriren:</p> - -<table class="beri_beri"> - <tr> - <td class="s5"> -   - </td> - <td> - <div class="s5 center">Stand der<br /> - Armee</div> - </td> - <td> - <div class="s5 center">Beri-Beri-<br /> - Patienten</div> - </td> - <td> - <div class="s5 center">an Beri-Beri<br /> - gestorben</div> - </td> - <td> - <div class="s5 center">super-<br /> - arbitrirt</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="s5 center">Malaria</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left">1893</div> - </td> - <td> - <div class="center">34,186</div> - </td> - <td> - <div class="center">6170 = 18%</div> - </td> - <td> - <div class="center">218</div> - </td> - <td> - <div class="center">573</div> - </td> - <td> - <div class="center">13,332 = 39%</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left">1894</div> - </td> - <td> - <div class="center">37,532</div> - </td> - <td> - <div class="center">4908 = 13%</div> - </td> - <td> - <div class="center">231</div> - </td> - <td> - <div class="center">796</div> - </td> - <td> - <div class="center">11,631 = 31%</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left">1895</div> - </td> - <td> - <div class="center">38,568</div> - </td> - <td> - <div class="center">5652 = 14%</div> - </td> - <td> - <div class="center">276</div> - </td> - <td> - <div class="center">516</div> - </td> - <td> - <div class="center">14,706 = 38%</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left">1896</div> - </td> - <td> - <div class="center">42,782</div> - </td> - <td> - <div class="center">5780 = 13%</div> - </td> - <td> - <div class="center">151</div> - </td> - <td> - <div class="center">726</div> - </td> - <td> - <div class="center">14,639 = 34%</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left">1897</div> - </td> - <td> - <div class="center">42,080</div> - </td> - <td> - <div class="center">2211 =  5%</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 92</div> - </td> - <td> - <div class="center">442</div> - </td> - <td> - <div class="center">17,534 = 41%</div> - </td> - </tr> -</table> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_51">[S. 51]</span></p> - -<p>Ich folgte also, was die Behandlung dieser unglücklichen Patienten -betraf, dem Beispiele meiner Collegen und nahm die einzelnen Symptome -zur Basis meiner Recepte; wir können ja leider bei den meisten -Krankheiten, von welchen wir unter dem Scepter der Bacteriologie -alles zu wissen glauben, auch nicht viel mehr thun. Auf diese Weise -habe ich mein ärztliches Gewissen damals beschwichtigt und schon nach -einigen Wochen mich ebenso sicher oder ebenso unsicher wie die übrigen -Collegen gegenüber den Beri-Beri-Patienten gefühlt. Glücklicher Weise -hatte ich noch andere Patienten, wie z. B. chirurgische, syphilitische -und venerische Fälle oder andere mir geläufige Krankheitsformen, -wie z. B. Herzfehler, Lungenkrankheiten u. s. w. in Behandlung und -dadurch auch hinreichendes Material, um das Selbstvertrauen in meine -ärztliche Kunst nicht allzu stark erschüttert zu sehen. Damals folgte -nämlich der Sanitätschef dem Principe, dem jungen Arzte alle möglichen -Krankheitsformen in Behandlung zu geben, um eine vielseitige Ausübung -seiner ärztlichen Kunst zu ermöglichen. Der Militärarzt in Indien -hat ja nur zu oft Gelegenheit, ohne Hülfe eines Collegen oder eines -Consiliarius, alle Zweige der ärztlichen Kunst ausüben zu müssen. Jeder -wird für kürzere oder längere Zeit in die Aussenbesitzungen gesendet, -wo er oft in einem Gebiete, das so gross wie eine holländische Provinz -ist, der einzige Arzt ist, und bei den mangelhaften Verkehrswegen -erst nach vielen Tagen oder Wochen einen Collegen in’s Consilium -erlangen könnte. Der indische Militärarzt muss also vielseitig -entwickelt sein und selbständig in allen Fächern der Medicin auftreten -können. Zu diesem Zwecke erhielten damals die jungen Aerzte nicht -Abtheilungen, welche mit bestimmten Krankheitsformen belegt waren, -sondern Krankensäle, welche, analog der Truppenformation, Europäer, -Eingeborene, Unterofficiere<a id="FNAnker_27" href="#Fussnote_27" class="fnanchor">[27]</a> und Officiere<a id="FNAnker_27a" href="#Fussnote_27" class="fnanchor">[27]</a> enthielten.</p> - -<p>Von den Sitten und Gebräuchen der Eingeborenen bekam ich in den -ersten Monaten meines Aufenthaltes in Indien kein richtiges oder -besser gesagt gar kein Bild. Eine grosse Kluft trennt sie von den -Europäern; ich selbst sprach keinen andern Eingeborenen als<span class="pagenum" id="Seite_52">[S. 52]</span> meinen -Bedienten und wechselte mit den Patienten meiner Abtheilung kein -Wort, das nicht unerlässlich für die Behandlung war. So geht es allen -Officieren, vielen Beamten und allen übrigen europäischen Bewohnern -Javas. Eine Ausnahme machen hiervon einige junge Leute, welche mit -einer eingeborenen Frau im Concubinat leben; da aber eine solche -Njai = Haushälterin aus der Hefe des Volkes genommen wird, ist ihr -Bildungsgrad ein sehr niedriger, und sie wäre gewiss die unreinste -Quelle, aus der man sein Wissen in der malayischen oder javanischen -Ethnographie schöpfen könnte. Auch sind einzelne und dann meistens -halbeuropäische Familien in jeder Stadt, welche mit den eingeborenen -Häuptlingen gesellschaftlich verkehren; diese sind allerdings dann gut -auf der Höhe der malayischen oder javanischen Sitten und Gebräuche. -Die übrigen Europäer aber haben nur ein oberflächliches Wissen von -den Gewohnheiten ihrer Stadtgenossen und beurtheilen die Eingeborenen -nur nach dem äusseren Schein und dem oberflächlichen Wellenschlag des -täglichen Lebens auf der Strasse und auf dem Marktplatz. Mir ging es -schon darum in Surabaya nicht besser, weil mein ärztlicher Beruf ganz -andere Arbeiten als das Studium der Sitten der Eingeborenen mir zur -Pflicht machte. Ich musste die holländische und malayische Sprache mir -aneignen, musste dem Studium der Tropenkrankheiten und Tropenhygiene -mich widmen, und musste mich zunächst in das Leben und in die Gebräuche -der Holländer einleben. Erst in späteren Jahren beschäftigte ich mich -auch mit der »Land- und Völkerkunde« der Insel, auf der ich lebte.</p> - -<p>Ende Februar las ich in dem »Locomotief«, dass Dr. F. von Muarah-Teweh -(im Innern der Insel Borneo) nach Batavia berufen wurde, um dort -sein Examen für den Rang eines Regimentsarztes abzulegen. Seitdem -sind leider diese Prüfungen abgeschafft, welche für Indien geradezu -ein Bedürfniss sind; die jungen Aerzte, welche oft viele Jahre in -den »Aussenbesitzungen« stationirt sind, haben dort ein geringes -Material. Es fehlt ihnen der Sporn zu wissenschaftlichen Arbeiten, -und sie vergessen daher den grössten Theil ihrer auf der Universität -erworbenen theoretischen und praktischen Wissenschaften. Wenn sie -jedoch nach einer gewissen Anzahl von Jahren sich wieder einem Examen -unterwerfen müssen, dann sind sie gezwungen, sich auf der Höhe der -Wissenschaft zu halten. Im Jahre 1882 wurde die Verpflichtung zu -dieser Prüfung für alle Doctoren abgeschafft, welche nach dem neuen -holländischen Reglement<span class="pagenum" id="Seite_53">[S. 53]</span> den Titel Arts = Arzt erworben hatten, d. h. -Doctores universae medicinae geworden waren. Aber auch diese sind -nur Menschen und werden ohne Sporn zu weiteren wissenschaftlichen -Arbeiten leicht der Schablone verfallen. In der österreichischen -Armee bestehen Prüfungen für den Rang des Stabsarztes; die Candidaten -müssen den Beweis liefern, dass sie in der Militärhygiene wie in der -Organisation der Armee u. s. w. ebenso bewandert sind, als in jenen -Fächern, welche die Physicatsprüfung fordert; sie müssen Terrainkarten -lesen und die Ausrüstung der Feldspitäler anordnen können u. s. w. -Wenn sich also eine so grosse Armee Sicherheit verschafft, dass mit -dem goldenen Kragen ihrer Aerzte auch ein grösseres Quantum von Wissen -verbunden sei, als der subalterne Militärarzt in der Regel besitzt, so -kann oder vielmehr muss auch die indische Armee bei den herrschenden -Verhältnissen Maassregeln treffen, dass ihre Aerzte, welche in der -Regel gut vorgebildet die Schule verlassen haben, auch weiterhin auf -der Höhe der Wissenschaft sich erhalten und über jenes Quantum von -Wissen verfügen können, welches der jeweilige Rang erfordert. (Vide 1. -Theil: Borneo, Seite 34.)</p> - -<p>Mit dieser Zeitung in der Tasche begab ich mich zu dem Hospitalchef, -der gerade an diesem Tage seinen Jour hatte; es war 7 Uhr, als ich -in seinem Hause erschien; einige Officiere und Bürger waren schon -anwesend, und sofort nach der Begrüssung der Hausfrau und meines Chefs -wurde mir von allen Seiten zu meiner bevorstehenden Transferirung -Glück gewünscht. Das »Surabayische Handelsblatt« hatte nämlich nicht -nur die Berufung des Dr. F. von Muarah-Teweh mitgetheilt, sondern auch -die Vermuthung geäussert, dass ich wahrscheinlich sein Nachfolger in -jenem von der menschlichen Civilisation hundert Meilen entfernten Fort -werden würde. Mein Chef, welcher natürlich darüber am besten informirt -war, enthielt sich jeder Aeusserung, weil meine Transferirung ihm -noch nicht officiell mitgetheilt war, glaubte jedoch einige Worte des -Trostes mir sagen zu müssen, falls sich diese Vermuthung bewahrheiten -sollte. »Ach, Sie sind ja ledig, für Sie ist also eine Transferirung -eine unbedeutende Sache, und Muarah-Teweh wird für Sie eine Vorschule -des Bivouaclebens sein, wenn Sie späterhin nach Atjeh geschickt -werden sollten.« Diese Worte waren gerade nicht sehr ermuthigend, -und als ich ihn um 8 Uhr verliess, wollte mir der Widerspruch dieser -tröstenden Worte und der Glückwünsche der übrigen Officiere nicht -recht einleuchten. Am nächsten Tag erhielt der<span class="pagenum" id="Seite_54">[S. 54]</span> Landes-Sanitätschef -vom Landes-Commandirenden den officiellen Bescheid, dass ich nach -Bandjermasing, der Hauptstadt des südöstlichen Borneos, transferirt sei -und mit dem Dampfer, welcher Ende März dahingehe, »meiner Bestimmung -folgen« sollte. Nach viermonatlichem Aufenthalte auf Java verliess ich -diese Insel, welche ich erst 3½ Jahre später, und zwar im October 1880, -wieder sehen sollte.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Die »Residentie« (= Provinz) Surabaya ist stark bevölkert (ungefähr -20,000 Seelen auf die ☐Meile), und obschon beinahe alle Rassen des -indischen Archipels in der Hauptstadt und ihrer Umgebung vertreten -sind, stammt die grösste Zahl von der Insel Madura, welche seit vielen -Jahrhunderten den ganzen Osten der Insel Java mit ihren Bewohnern -überschwemmt.</p> - -<p>Die benachbarte Insel Bavean, welche administrativ zur »Residentie« -Surabaya gehört, erfreute sich niemals eines solchen Ueberschusses -an Menschen, dass eine Emigration nach dem Festlande (?) = tanah -Java stattfinden konnte; sie ist ja nur 3,6 ☐Meilen gross und -hat ungefähr 40,000 Seelen; ihre Hauptstadt Sangkapura mit einem -Assistent-Residenten und einem eingeborenen Häuptling bietet nichts -Sehenswerthes; desto grösser ist die Zahl der Naturschönheiten, und es -ist mir unverständlich, dass beinahe niemals die Europäer von Surabaya -sich die Mühe nehmen, sie zu besichtigen; in 13 Stunden kann sie ja -per Dampfschiff erreicht werden. Die Berge Tinggi und Radja sind zwar -nicht hoch (600 Meter), aber sie geben ein herrliches Panorama über -die ganze Insel. Ein Bergsee, unterirdische Gänge, ein Wasserfall -(des Tapa-Flusses), eine üppige Flora, das interessante Bild wahrer -Seemänner, reich verzierte Wohnungen der Eingeborenen u. s. w. belohnen -in reichem Maasse den Touristen, welcher in zwei Tagen diese kleine -Insel durchforschen und besichtigen kann.</p> - -<p>Die Heimath der Maduresen, die Insel Madura, ist 81,176 ☐Meilen -gross und wurde im Jahre 1892 von 509 Europäern, 4338 Chinesen, 1595 -Arabern, 139 Orientalen und 1,523,639 Eingeborenen bewohnt; sie soll -noch vor 700 Jahren mit der Insel Java verbunden gewesen sein. In -einem Kahn kann man in einer Stunde von Surabaya aus diese Insel -erreichen, und dennoch hatte ich niemals die Gelegenheit, sie zu -betreten. Da ich nur jene Provinzen (Residenties) von Java ausführlich -zu beschreiben beabsichtige,<span class="pagenum" id="Seite_55">[S. 55]</span> welche ich aus Autopsie kenne, muss ich -den wissbegierigen Leser diesbezüglich auf Veth’s Java und andere -Quellen verweisen; da ich aber im III. Bande von den »Barisans« von -Madura sprechen will, so muss ich jetzt schon mittheilen, dass dies -Hülfstruppen der indischen Armee sind, welche die Fürsten dieser Insel -auf Ersuchen der indischen Regierung in Zeit der Noth einberufen -müssen; sie sind 1319 Mann mit 34 (eingeborenen) Officieren stark, -erhalten jedoch von der indischen Regierung europäische Instructoren. -Es sind tüchtige Soldaten, welche zu wiederholten Malen vortreffliche -Dienste der indischen Regierung geleistet haben.</p> - -<p>Minder zahlreich als die Maduresen sind in der Provinz Surabaya die -Malayen (vide <a href="#frontispiz">Titelbild</a>). Diese bewohnen die Küsten aller Inseln, und -ihre Sprache ist die allgemeine Verkehrssprache geworden (Vide Band -I, Seite 35). Im Ganzen hat diese Provinz 2,088,303 Einwohner<a id="FNAnker_28" href="#Fussnote_28" class="fnanchor">[28]</a> bei -einer Grösse von 104,453 ☐Meilen; darunter befanden sich 7546 Europäer, -18,451 Chinesen, 2853 Araber, 504 »andere Orientalen« und 2,058,949 -Eingeborene. Wie viel von letzteren Javanen stricte dictu sind, ist -nicht bekannt. Unter Javanen versteht man eben auf Java nur die -Bewohner des mittleren Java, welche sich streng abscheiden von jenen -des Westens, welche Sundanesen heissen, und den Maduresen, welche den -Osten Javas bewohnen. Der Unterschied in der Sprache, in der Literatur -(und theilweise in der Kleidung) ist so gross, dass, wie wir später -sehen werden, eine strenge Scheidung dieser vier Stämme gerechtfertigt -ist. Wie viel Javanen, Maduresen, und wie viel Malayen in dieser -Provinz leben, ist eben nicht bekannt; zu oben erwähnten zwei Millionen -Eingeborenen gehören auch noch die zahlreichen Makassaren von Celebes -und eine kleine Anzahl von Borneonesen, welche jedoch mit mehr oder -weniger Recht zu den Malayen gerechnet werden. Unter fremden Orientalen -(»vreemde oosterlingen«), deren in dieser Provinz 504 vorkommen, -versteht man in erster Reihe die Handelsleute, welche von Vorder-Indien -nach Java kommen und sich dort ansiedeln; andere rechnen auch die -Armenier und alle Bewohner dazu, welche von den benachbarten Inseln -Sumatra, Borneo und Molukken abstammen.</p> - -<p>Die Küste der Provinz Surabaya ist sumpfig und sandig im östlichen -Theil, während von Grissé aus gegen den Nordwesten der<span class="pagenum" id="Seite_56">[S. 56]</span> Küste der -Boden trocken und sandig ist;<a id="FNAnker_29" href="#Fussnote_29" class="fnanchor">[29]</a> an diese schliessen sich nach -dem Süden ein Kalkhügelland und ein weites fruchtbares Gebirge an. -Jodiumquellen, eine Guwa-Upas, d. h. eine Stickstoff enthaltende -Höhle (auf dem Dersono), zwei eigenthümliche Moorhügel, aus welchen -geruchlose Gase aufsteigen, Sandsteinhügel, aus welchen vortreffliche -Wasserfiltrirapparate gewonnen werden (bei Grissé), Salpetergruben, -Höhlen mit essbaren Vogelnestern und Petroleum (seit dem Jahre 1863 -befinden sich fünf kleine Petroleum-Unternehmungen in dieser Provinz), -sind die wenigen erwähnenswerthen Producte dieser Berge. Seit dem -Jahre 1899 weht ein liberaler Geist in der Gesetzgebung des indischen -Bergbaues; die engherzige Auffassung von dem ausschliesslichen Rechte -des Staates auf alles, was unter der Oberfläche des Bodens verborgen -liegt, war geradezu ein Hemmschuh für eine gedeihliche Entwicklung der -Bergbau-Industrie; das neue Gesetz<a id="FNAnker_30" href="#Fussnote_30" class="fnanchor">[30]</a> befreit den Unternehmungsgeist -von den Fesseln, auch die Schätze des Bodens in Indien zu heben, welche -sehr wahrscheinlich auf allen Inseln des ganzen indischen Archipels -sich befinden und bis nun von dem Drachen des gewinnsüchtigen und -eifersüchtigen Fiscus streng verborgen gehalten wurden.</p> - -<p>Wie zahlreich sind im Gegensatz zu diesen wenigen -Bergbau-Unternehmungen, auf der Oberfläche dieser fruchtbaren Berge, -die Plantagen und Fabriken dieser Provinz, welche von der Regierung -jeglicher Hülfe und Stütze sich erfreuen! Ich war im Jahre 1897 in -Modjokerto, der zweitgrössten Stadt dieser Provinz;<a id="FNAnker_31" href="#Fussnote_31" class="fnanchor">[31]</a> hier ist -der Sitz des »Vereins der Surabayischen Zuckerfabrikanten«. Der -Fluss Brantas hat hier eine grössere Breite als der Rhein in seinem -Unterlauf, und dennoch ist zu Irrigationszwecken eine Schleuse gebaut -(welche ein Kunstwerk des modernen Wasserbaues genannt werden muss), -um nach Bedürfniss einen beliebig grossen Theil oder selbst beinahe ¾ -der ganzen Wassermasse in die seitlichen Canäle<span class="pagenum" id="Seite_57">[S. 57]</span> abzuleiten, ohne dass -die Schifffahrt auf dem Flusse selbst nur einen Augenblick gestört -würde. In diesem Bezirke findet man die Ruinen der alten, einstens so -mächtigen Stadt Modjopahit, aus deren Ruinen viele Zuckerfabriken der -Umgebung gebaut sind. Sieben Zuckerplantagen mit Gouvernements-Contract -findet man in diesem Districte, zwei in dem Districte Djombang, elf -in dem Districte Sidoardjo; sieben »Erbpachtländer« giebt es im -Districte Modjokerto, in welchen Kaffee (in einem China- und im neunten -Liberia-Kaffee) producirt wird; nebstdem giebt es zahlreiche Plantagen, -welche mit freiwilligen Contracten der Eingeborenen arbeiten; deren -giebt es im Districte Modjokerto fünf, von denen die eine in Ngembeh -nur Tabak pflanzt; in dem Districte Djombang bestehen acht und in dem -Districte Sidoardjo vier Plantagen. Auch hat diese Provinz noch 32 -Privatgüter, welche Reis, Zucker, Indigo, Kaffee und Tabak produciren.</p> - -<p>Die Provinz Surabaya ist eine blühende, reiche Provinz, und ihre -gleichnamige Hauptstadt ist die grösste Handelsstadt des indischen -Archipels und erfreut sich einer reichen Industrie.</p> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_58">[S. 58]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Capitel_4">4. Capitel.</h2> - -</div> - -<p class="center s4 mbot2"><b>Reise nach Bantam — Malayischer Kutscher — Max Havelaar — -Fieberepidemie in der Provinz Bantam — Krankenwärter mit einem -Taggeld von 20 fl. (!) — Eine Stute als Reitpferd — Der Königstiger -— Javanische Pferde — Elend während einer Fieberepidemie — Auf -dem Kreuzwege — Heiden auf Java — Begegnung mit einem Königstiger -— Behandlung der Fussgeschwüre durch die Eingeborenen — Drohende -Hungersnoth in Bantam — Aussterben der Büffel — Dreimal in -Lebensgefahr — Ein ungefährlicher Spaziergang im Regen.</b></p> - -<p class="p0"><span class="dc">I</span>m October 1880 betrat ich zum zweiten Male den Boden Javas. Aus der -Einsiedelei im jungfräulichen Borneo kam ich beinahe unvermittelt ins -volle Leben einer Grossstadt, und zwar zunächst für zwei Tage nach -Surabaya; dann musste ich mich mit einem Localdampfer der indischen -Dampfschifffahrts-Gesellschaft längs der Nordküste via Samarang nach -Batavia begeben, wohin ich transferirt worden war. Schon im März -desselben Jahres sollte ich den »Garnisonsdienst« in Weltevreden, jener -Vorstadt Batavias übernehmen, welche der Sitz der Behörden und der -eigentliche Wohnort der Europäer ist. Dr. G. aber, welcher angewiesen -wurde, mich in Buntok abzulösen, weigerte sich, dahin zu gehen, und -nahm lieber den Abschied aus dem Militärdienste, als Jahre lang auf -Borneo leben zu müssen, »hinter welchem überhaupt kein Land mehr sei«, -und welches ausser dem Reiz eines jungfräulichen Bodens gar nichts -biete, was des Menschen — Herz erfreue. Durch diese Verzögerung musste -ich nicht nur ein halbes Jahr länger auf dieser Insel bleiben, sondern -fand auch bei meiner Ankunft in Batavia den Garnisonsdienst von einem -anderen Collegen besetzt, während ich dem grossen Militär-Spital -vorläufig zugetheilt wurde, um in kürzester Zeit<span class="pagenum" id="Seite_59">[S. 59]</span> wieder die Stätten -der europäischen Civilisation verlassen zu müssen und lange fünf Monate -im Süden Javas im Dienste des Civil-Departements der Bevölkerung von -Labak in ihrer Noth und ihrem Elend Hülfe zu bringen.</p> - -<p>Ich werde noch Gelegenheit haben, über Weltevreden und Samarang einiges -mitzutheilen, und ich eile, obzwar die chronologische Reihe der -Ereignisse unterbrochen werden muss, zu jenem Theil meiner ärztlichen -Praxis auf Java, welche mich mitten in das Reich der Tiger, aber auch -mitten in das Leben der sundanesischen Bauern brachte, die durch -Malaria, Hungersnoth, Viehpest und Missernte auszusterben drohten, -wenn nicht die Regierung in energischer Weise und mit fürstlicher -Freigebigkeit dem Elend ein Ende gemacht hätte.</p> - -<p>Am 11. December 1880 wurde ich von der indischen Regierung in den -Dienst der Civilbehörden der Provinz<a id="FNAnker_32" href="#Fussnote_32" class="fnanchor">[32]</a> Bantam gestellt.</p> - -<p>Einige Tage später zog ich dahin, und zwar in einem kleinen -zweiräderigen javanischen Wagen, welcher mit drei kleinen javanischen -Pferden bespannt war. Bequem sass ich in diesem Vehikel nicht; es war -ein Wagen, der vielleicht in seiner Länge und Breite kaum einen Meter -mass, so dass ich mich vorsichtig im Hintergrunde des Wagens an die -schmale Lehne drücken musste, um mit meinen Knieen nicht gegen den -Sitzplatz des Kutschers reiben zu müssen; nebstdem war es so wenig -tief, dass die Kniee ungefähr die Höhe der Brust erreichten; aber -wie der Sturmwind flogen wir über den ebenen Weg, der zunächst nach -Tangerang führt, wo ein Franzose noch heute jährlich tausend und -tausend Strohhüte flechten und nach Frankreich ausführen lässt.</p> - -<p>Der Weg ist der westliche Theil jener grossen Heerstrasse, welche -im Anfange dieses Jahrhunderts unter der autokraten Regierung des -Gouverneur-Generals <em class="gesperrt" id="Daendels">Daendels</em> über ganz Java in Robottarbeit -gebaut wurde.</p> - -<p>An der Grenze der beiden Provinzen Batavia und Bantam lagen die -beiden Reisunternehmungen Tjikandi-udig und Tjikandi-ilir; die eine -gehört einem Amerikaner, während der Eigenthümer von Tjikandi-ilir -ein pensionirter Hauptmann und mit einer deutschen Dame verheiratet -war. Nur so lange das Umwechseln der Pferde mich<span class="pagenum" id="Seite_60">[S. 60]</span> aufhielt, weilte -ich bei diesem Landherrn, um dann meine Reise nach Serang,<a id="FNAnker_33" href="#Fussnote_33" class="fnanchor">[33]</a> der -Hauptstadt der Provinz Bantam, fortzusetzen. Hier angekommen, stellte -ich mich zunächst dem Residenten, d. h. dem Statthalter der Provinz -vor, um seine Befehle über meine Thätigkeit zu vernehmen. Er war ein -liebenswürdiger alter Herr, und es schmeichelte nicht wenig meiner -Eitelkeit, als schon den andern Tag mir der Resident einen officiellen -Gegenbesuch machte. Ich wohnte im Hôtel, und der Resident kam in seiner -Equipage bei mir vorgefahren, während der Bediente mit dem Pajong stolz -als der Bannerträger des höchsten Mannes der Provinz neben dem Kutscher -sass. Der Kutscher war geradezu eine Caricatur eines Menschen zu nennen -und glich nicht wenig den Affen, welche bei Circusvorstellungen die -Heiterkeit der Zuschauer erregen. Er war blossfüssig, hatte über seine -kurze Hose den Toro an, den wir am besten mit einem weiten bunten Hemd -vergleichen, und auf dem Kopfe waren die langen Haare in ein buntes -Kopftuch gewickelt, auf welchem ein glänzender Cylinder schief nach -hinten aufsteigend die Caricatur vollendete. Die Affenähnlichkeit fiel -darum auf, weil sie, der Kutscher und der Bediente, der Wichtigkeit -ihrer Stellung bewusst, immer einen unverwüstlichen Ernst in ihren -Zügen zeigen und niemals ein Lächeln oder eine andere Gemüthsbewegung -durch ihre Züge verrathen lassen. Auch der Bediente war blossfüssig, er -hatte aber eine lange Hose und einen Frack mit kurzen Schössen und ein -Kopftuch an. Die Kleider waren dunkelblau mit hochgelben Streifen — er -gehörte nämlich der Polizei an — weswegen diese Leute Kanarienvögel -genannt werden. Der Pajong war ein gewöhnlich grosser chinesischer -Sonnenschirm von goldgelber Farbe; wie wir später sehen werden, ist -mit dem Range eines jeden europäischen oder eingeborenen Beamten der -Gebrauch eines Pajong von bestimmter Farbe verbunden. Mit grosser -Behendigkeit sprang der Bediente vom Bock des Wagens und geleitete den -Residenten mit dem geöffneten Pajong bis an den Eingang der Veranda, -worauf er ihn schloss und sich auf den Boden mit gekreuzten Füssen -niedersetzte. Nur eine Viertelstunde blieb der Resident bei mir, um -dann die anderen Visiten fortzusetzen. Am andern Morgen kam Dr. J. -an, welcher als Inspector von dem »burgerlyk geneeskundige Dienst« -beauftragt war, die Oberleitung des aussergewöhnlichen ärztlichen -Dienstes zu übernehmen und uns drei<span class="pagenum" id="Seite_61">[S. 61]</span> jungen Aerzten die Standplätze -u. s. w. anzuweisen. In Serang selbst befand sich nämlich auch ein -Landes-Sanitätschef in der Person des Regimentsarztes X., welcher nicht -nur für die dortigen 100 Mann, sondern auch für die Civilbevölkerung -den ärztlichen Dienst mit Hülfe seines Oberarztes, Vieharztes und -einigen Doctor-djavas versehen sollte. Da diesem Regimentsarzte die -Gabe der Initiative durchaus fehlte, sah sich die Regierung genöthigt, -einen anderen Arzt mit der Leitung des civilärztlichen Dienstes zu -betrauen und wählte dazu den genannten erfahrenen Civilarzt, der mit -Hülfe dreier junger Aerzte die schwer heimgesuchte Bevölkerung von -Bantam vor dem gewissen Aussterben zu retten suchen sollte.</p> - -<p>Mir wurde der Bezirk Lebak angewiesen. Das Wort Lebak wird wohl niemals -ausgesprochen werden, ohne dabei an den grossen Dichter <em class="gesperrt">Douwes -Dekker</em> zu denken, welcher in Lebak den Grund zu seinem späteren -Ruhme gelegt hat. Da dieser Dichter und sein Hauptwerk »Max Havelaar« -in Deutschland viel zu wenig bekannt sind und beinahe gar nicht -gewürdigt werden, obwohl bei dem Erscheinen dieses Tendenzromanes »ein -Beben« durch ganz Holland ging, so glaube ich einige Worte über ihn -verlieren zu müssen. Wie »Onkel Toms Hütte« nicht nur das ganze Elend -des amerikanischen Sclavenlebens dem verblüfften Europa enthüllte, -sondern auch eine gründliche Reform dieses Krebsschadens veranlasste, -so zeigte <em class="gesperrt">Douwes Dekker</em> in seinem »Max Havelaar« die ganze -Hinfälligkeit der holländischen Colonialpolitik bis zum Jahre 1860, -welche in der Weisheit des alten Principes: »divide et impera« und »Wer -nicht stark ist, muss gescheit (»slim«) sein«<a id="FNAnker_34" href="#Fussnote_34" class="fnanchor">[34]</a> gipfelte, und brach -ihre Fesseln in so radicaler Weise, dass Java heute eine blühende und -glückliche Colonie geworden ist. Die Reformen, welche dieser Dichter -für das schöne »Insulinde« forderte, deutete er in seiner Ansprache an -die Häuptlinge seines Districtes an, und da diese Rede ein Meisterstück -der holländischen Literatur ist, so will ich sie hier wörtlich -übersetzt mittheilen:</p> - -<p>»Herr Rhaden Adhipatti, Regent von Bantam Kidul und Du, Rhaden Dhemang, -die Ihr die Häupter seid der Districte in diesem Bezirke, und Du, -Rhaden Djaksa, der Du das <em class="gesperrt">Recht</em> zu Deinem Amte hast, und auch -Du, Rhaden Kliwon, der Du den Befehl führst über die Hauptstadt, und -Ihr, Rhaden Mantries, und Ihr Alle, welche Ihr Häuptlinge seid im -Bezirke Bantam Kidul, seid gegrüsst.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_62">[S. 62]</span></p> - -<p>Ich sage Euch, dass mein Herz von Freude erfüllt ist, da ich Euch hier -versammelt sehe, lauschend nach den Worten meines Mundes.</p> - -<p>Ich weiss, dass es unter Euch viele giebt, welche durch grosses Wissen -und Herzensgüte hervorragen; ich hoffe, dass ich mein Wissen durch das -Eure vermehren werde; denn mein Wissen ist nicht so gross, als ich es -zu besitzen wünschte. Ich schätze die Herzensgüte; aber oft fühle ich -es, dass in meinem Herzen Fehler sind, welche die Bravheit überwuchern -und ihr Wachsthum hemmen ... Ihr alle wisst ja, wie der grosse Baum den -kleinen verdrängt und tödtet. Darum werde ich Jenen unter Euch folgen, -welche in Tugend hervorragen, um besser zu werden als ich bin.</p> - -<p>Ich grüsse Euch!</p> - -<p>Als der Gouverneur-General mir befahl, zu Euch zu gehen, um -Assistent-Resident dieser Bezirke zu sein, war mein Herz erfreut. Es -kann Euch bekannt sein, dass ich niemals vorher Bantam Kidul betreten -habe. Ich liess mir also Schriften geben, welche über Euren Bezirk -schrieben, und ich habe gesehen, dass viel Gutes in Bantam Kidul -gefunden wird. Euer Volk besitzt Reisfelder in den Thälern, und es -stehen Reisfelder auf den Bergen; Ihr wünscht friedfertig zu leben, und -Ihr habt kein Verlangen nach Ländern, welche von Andern bewohnt werden. -Ja, ich weiss, dass viel Gutes in Bantam Kidul gefunden wird.</p> - -<p>Aber nicht darum allein war mein Herz erfreut; denn auch in anderen -Theilen des Landes würde ich viel Gutes gefunden haben.</p> - -<p>Aber ich sah, dass Eure Bevölkerung arm ist, und darüber war ich -erfreut in der Tiefe meines Herzens.</p> - -<p>Denn ich weiss, dass Allah den Armen liebt, und dass er Reichthum dem -giebt, den er versuchen will. Aber zu den Armen sendet er, der sein -Wort spricht, auf dass sie sich in ihrem Elend erheben.</p> - -<p>Giebt er nicht den Regen, wo der Halm verdorrt, und einen Thautropfen -in den Blumenkelch, der Durst hat?</p> - -<p>Und ist es nicht schön, gesendet zu werden, um die Müden zu suchen, -welche nach der Arbeit zurückblieben und niederfallen auf dem Wege, -weil ihre Kniee zu schwach waren, um nach dem Orte des Lohnes zu -ziehen? Sollte ich nicht erfreut sein, die Hand reichen zu können dem, -der in die Grube gefallen, und einen Stab zu geben dem, der den Berg -besteigt! Sollte nicht mein Herz sich freuen, dass es auserkoren unter -vielen ist, um aus Klagen ein Gebet, und Dank aus Jammer zu machen!</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_63">[S. 63]</span></p> - -<p>Ja, ich bin sehr erfreut, berufen zu sein nach Bantam Kidul!</p> - -<p>Ich habe zu der Frau gesagt, welche meine Sorgen theilt und mein Glück -vergrössert: freue dich, denn ich sehe, dass Allah Segen auf das Haupt -unseres Kindes giebt. Er hat mich hierher gesendet, wo nicht alle -Arbeit beendigt ist, und er hielt mich würdig hier zu sein vor der Zeit -der Ernte. Denn es ist keine Freude, Padie (Reishalm) zu schneiden; -aber Freude schafft es, Reis zu schneiden, den man gepflanzt hat; und -die Seele des Menschen wächst nicht mit dem Lohne, sondern mit dem -Lohne, den die Arbeit erworben. Und ich sagte zu ihr: Allah hat uns -einen Sohn gegeben, der einstens sagen wird: »Wisset, dass ich sein -Sohn bin,« und dann werden Menschen sein, die ihn mit Liebe grüssen, -die Hand auf sein Haupt legen und sagen werden: »Setze dich an unseren -Tisch, bewohne unser Haus, nimm von allem, was wir haben, denn wir -haben deinen Vater gekannt!«</p> - -<p>Häupter von Lebak! Viel ist zu thun in Eurem Lande! Sagt mir, ist der -Bauer nicht arm? Reift Euer Reis nicht oft für Jenen, der ihn nicht -gepflanzt hat? Sind nicht viele Ungerechtigkeiten in Eurem Lande? Ist -nicht die Zahl Eurer Kinder klein?</p> - -<p>Ist nicht Scham in Eurer Seele, wenn die Bewohner von Bandong, das hier -im Osten Eures Landes liegt, zu Euch kommen und fragen: Wo sind die -Dörfer und wo sind Eure Landesleute? Und warum hören wir die Gamelang -nicht, die mit kupfernem Munde Freude verkündet, und warum hören wir -nicht Eure Töchter den Reis stampfen?</p> - -<p>Thut es nicht wehe, von hier zur Südküste zu reisen und Berge zu sehen, -welche kein Wasser tragen auf ihren Flanken, oder Flächen zu sehen, wo -nie ein Büffel den Pflug zog?</p> - -<p>Ja, ja, ich sage Euch, dass Eure und meine Seele darüber tief betrübt -sind, und darum seien wir Allah dankbar, dass er uns die Macht gab, um -hier zu wirken und zu schaffen.</p> - -<p>Denn wir haben hier Acker für Viele, und nur Wenige leben hier, und -nicht der Regen ist’s, der hier mangelt, denn die Gipfel der Berge -saugen die Wolken des Himmels zur Erde, und nicht überall sind es -Felsen, welche den Wurzeln keinen Raum gönnen, denn auf vielen Stellen -ist der Grund weich und fruchtbar und ruft nach dem Saatkorn, das er -uns im gebogenen Halm zurückgeben will. Es ist kein Krieg, der den -Reis zertritt, wenn er noch grün ist, und es ist keine Pest, welche -die Schaufel ruhen lässt. Auch<span class="pagenum" id="Seite_64">[S. 64]</span> giebt es keine Sonnenstrahlen, welche -heisser sind als es nöthig ist, das Korn reifen zu lassen, welches Euch -und Eure Kinder nähren muss, und es ist keine Wassersnoth, welche Euch -jammern lässt: Zeig mir das Feld, wo ich gesäet habe.</p> - -<p>Wo Allah Wasserströme sendet, welche die Felder mitnehmen, — wo er den -Grund hart wie dürren Stein macht, — wo er die Sonne glühen lässt zum -Verderben ... wo er Krieg sendet, der das Feld zerstört ... wo er mit -Seuchen schlägt, welche die Hände erschlaffen lassen, oder mit Dürre, -welche die Aehren tödtet ... da, Häuptlinge von Lebak, beugen wir in -Demuth unser Haupt und sagen: Sein Wille geschehe.</p> - -<p>Nicht so ist es in Bantam Kidul!</p> - -<p>Ich wurde hierher gesendet, um Euer Freund zu sein, um Euer aller -Bruder zu sein. Würdet Ihr Euren jungen Bruder nicht warnen, wenn Ihr -auf seinen Wegen einen Tiger sehen würdet?</p> - -<p>Häupter von Lebak, wir haben oft gefehlt, und unser Land ist arm, weil -wir so viel gesündigt.</p> - -<p>Denn in Tjikandi, in Bolang, in Krawang und in Batavia sind Viele, die, -geboren in unserem Lande, unser Land verlassen haben.</p> - -<p>Warum suchen sie Arbeit fern von der Stätte, wo sie ihre Eltern -begruben? Warum fliehen sie das Dorf, wo sie die Beschneidung -erhielten? Warum lieben sie mehr die Kühle des Baumes, der dort wächst, -als den Schatten unserer Haine?</p> - -<p>Und dort im Nordwesten der See sind Viele, welche unsere Kinder sein -müssten, die jedoch Lebak verlassen haben, um zu schwärmen in fremden -Ländern mit Messer, Dolch und Schiessgewehr.</p> - -<p>Ich frage Euch, Häuptlinge von Bantam Kidul, warum sind so Viele -weggegangen, um nicht begraben zu werden dort, wo sie geboren wurden? -Warum fragt der Baum, wo der Mann sei, den er als Kind zu seinen Füssen -spielen sah?«</p> - -<p>Hier machte der Assistent-Resident eine Pause und rief seinen kleinen -Sohn Max zu sich, welcher um die Pendoppo<a id="FNAnker_35" href="#Fussnote_35" class="fnanchor">[35]</a> herum lief und auf diesen -Augenblick wartete, unter den Häuptlingen sich bewegen zu dürfen.</p> - -<div class="figcenter illowe50" id="fig5"> - <img class="w100" src="images/fig5.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Fig. 5. Ein Kampong (Dorf) bei Buitenzorg.</div> - <div class="caption_gross x-ebookmaker-drop"><a href="images/fig5_gross.jpg" - id="fig5_gross" rel="nofollow">⇒<br /> - <span class="s6">GRÖSSERES BILD</span></a></div> -</div> - -<p>Wuchtige Keulenschläge waren diese Worte ihres neuen Chefs auf das -Haupt <em class="gesperrt">aller</em> anwesenden Beamten; besonders Rhaden Wiro Kusumo, -welcher der Schwiegersohn des Regenten war, schauderte zusammen, -als er in den Worten des Assistent-Residenten die Beweise<span class="pagenum" id="Seite_65">[S. 65]</span> sah, -dass der neuernannte Bezirkshauptmann alles bis in die kleinsten -Details kannte, das er seinen Untergebenen gegenüber verschuldet -hatte. Glücklicherweise brachte der kleine Max in diesem Moment der -Verlegenheit eine angenehme Störung. Der Djaksa (Richter) fasste -den Kopf des kleinen Max und zeigte seinem Nachbar den zweifachen -Haarwirbel auf dem Scheitel, der, wie er später Havelaar mittheilte, -die Bestimmung haben sollte, eine Königskrone zu tragen. Max Havelaar -jedoch liess sein Söhnlein hinausführen und sprach weiter:</p> - -<p>»Häuptlinge von Lebak! Wir stehen alle im Dienste des Königs von -Holland. Er aber, der gerecht ist und will, dass wir unsere Pflicht -thun, ist weit von hier. Dreissig mal Tausend mal Tausend, ja, noch -viel mehr Menschen müssen seinen Befehlen gehorchen; er aber kann nicht -bei Jedem sein, der ihm Unterthan ist.</p> - -<p>Der grosse Herr (Tuwan Besar) in Buitenzorg ist gerecht und will, dass -jeder seine Pflicht thue. So mächtig dieser auch ist, weil er herrscht -über Alle, welche in den Städten und Dörfern Amt und Würde haben, und -weil er gebietet über die Macht des Heeres und der Flotte, so wenig -kann er sehen, wo Unrecht geübt wird; denn das Unrecht fliehet ihn.</p> - -<p>Aber auch der Resident zu Serang, welcher Herr der Provinz Bantam ist, -wo fünfmalhunderttausend Menschen wohnen, will, dass in seinem Reiche -Recht geschehe, und dass Gerechtigkeit herrsche in dem Lande, das ihm -gehorcht. Doch wo Unrecht ist, da wohnt er weit entfernt, und wer Böses -thut, verbirgt sich vor seinem Antlitz, weil er Strafe fürchtet.</p> - -<p>Und der Herr Adhipatti, welcher Regent von Süd-Bantam ist, will, dass -jeder lebe, der das Gute übt, und dass keine Schande komme über das -Land, das seine Regentschaft ist.</p> - -<p>Und ich, der ich gestern Gott den Allmächtigen zum Zeugen anrief, dass -ich gerecht und gut sein werde, dass ich Recht ohne Furcht und ohne -Hass üben werde, dass ich ein »guter Assistent-Resident« sein werde ... -auch ich wünsche zu thun, was meine Pflicht ist.</p> - -<p>Häupter von Lebak! Dies wünschen ja wir alle!</p> - -<p>Sollten jedoch unter uns Einige sein, welche ihre Pflicht vergessen -aus Gewinnsucht, welche das Recht für Geld verkaufen oder dem Armen -den Büffel oder die Früchte dem Hungrigen rauben ... wer wird sie -bestrafen?</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_66">[S. 66]</span></p> - -<p>Falls einer von Euch dies wüsste, <em class="gesperrt">er</em> würde es verhindern; der -Regent würde ja nicht dulden, dass solches in seiner Regentschaft -geschehe, und auch ich werde es verhindern; aber — wenn weder Ihr, -noch der Adhipatti, noch ich davon etwas wissen ...</p> - -<p>Häupter von Lebak! Wer wird dann in Bantam Kidul Recht sprechen?!</p> - -<p>Höret, ich will es Euch sagen, wie dann Gerechtigkeit geübt werden -wird. Kommen wird der Tag, dass unsere Frauen und Kinder an unseren -Särgen weinen werden, und dass, die da vorbeigehen, sagen werden: Ein -Mensch ist gestorben; und der da in die Dörfer gehen wird, bringt -Nachricht von dem Tode, und sein Wirth fragt dann: Wer war der Mann, -der gestorben ist? Und man wird sagen:</p> - -<p>Er war gut und gerecht; er sprach Recht und verstiess den Kläger nicht -von seiner Thür! Er hörte Jeden geduldig an, der zu ihm kam, und gab -ihm zurück, was ihm entnommen war; und wer den Pflug nicht ziehen -konnte durch die Erde, weil der Büffel aus dem Stall gestohlen war, dem -half er den Büffel suchen; und wo die Tochter aus dem Hause der Mutter -geraubt war, suchte er den Dieb und brachte die Tochter zurück; und wo -man gearbeitet hatte, hielt er den Lohn nicht zurück; und er raubte -die Früchte nicht dem, der sie gepflanzt hatte; er kleidete sich nicht -mit dem Rocke, der Andere decken musste, und nährte sich nicht mit der -Speise des Armen.</p> - -<p>Dann wird man sagen: Allah ist gross, Allah hat ihn zu sich genommen. -Sein Wille geschehe: Ein guter Mensch ist gestorben.</p> - -<p>Und wiederum geht ein Wanderer zu Einem in’s Haus und fragt: Was -ist das, dass die Gamelang schweigt und der Gesang der Mädchen? Und -wiederum wird man sagen: Ein Mann ist gestorben.</p> - -<p>Und der da wandert in den Dörfern, sitzt bei seinem Gastherrn, und um -sie her die Söhne und Töchter des Hauses und er wird sprechen:</p> - -<p>Es starb ein Mann, der versprach gerecht zu sein, und er verkaufte -das Recht an Jeden, der ihm Geld gab. Er düngte seinen Acker mit dem -Schweisse der Arbeiter, die er abgerufen hat von dem Acker der Arbeit. -Er verweigerte dem Arbeiter seinen Lohn und nährte sich mit der Speise -der Armen. Er ist reich geworden durch die Armuth der Anderen. Er -hatte Gold, Silber und Edelsteine<span class="pagenum" id="Seite_67">[S. 67]</span> in Menge, doch der Bauer, welcher -in seiner Nachbarschaft wohnte, konnte den Hunger seines Kindes nicht -stillen. Er lächelte wie der Glückliche, aber man hörte das Knirschen -der Zähne von dem Kläger, der sein Recht suchte. In seinem Gesicht -strahlte die Zufriedenheit, aber leer war die Brust der Mutter, welche -säugte.</p> - -<p>Dann werden die Bewohner der Dörfer rufen: Allah ist gross; wir fluchen -Niemandem!</p> - -<p>Häupter von Lebak! Einmal sterben wir Alle!</p> - -<p>Was wird in den Dörfern gesprochen werden, wo wir herrschten? Und was -von den Wanderern, welche unser Begräbniss sehen werden?</p> - -<p>Was werden wir antworten, wenn nach unserem Tode die Stimme zu unserer -Seele spricht und fragt: Warum ist Klagen und Weinen auf den Feldern, -und warum verbergen sich die jungen Männer? Wer nahm die Ernte aus den -Scheuern und wer aus den Ställen die Büffel, welche pflügen sollten? -Was hast Du gethan mit dem Bruder, den ich Dir anvertraute? Warum ist -der Arme traurig, und warum flucht er der Fruchtbarkeit seiner Frau?«</p> - -<p>Hier machte Havelaar eine kleine Pause und schloss folgendermaassen:</p> - -<p>»Ich wünschte sehr mit Euch in gutem Einverständniss zu leben, und -darum bitte ich Euch, in mir Euern Freund zu sehen. Wer gefehlt hat, -kann auf ein leichtes Urtheil meinerseits rechnen, denn, da auch ich -so manchmal fehle, so werde ich nicht streng sein, wenigstens nicht -in den gewöhnlichen Fehlern und Nachlässigkeiten im Dienste. Nur wo -Nachlässigkeit zur zweiten Natur wird, dort werde ich entgegentreten. -Ueber Fehler grober Art, wie Unterdrücken und Aussaugen der Menschen — -spreche ich nicht. So was wird nicht vorkommen; nicht wahr, mein Herr -Adhipatti?«</p> - -<p>»O nein, mein Herr Assistent-Resident, so was wird in Lebak nicht -vorkommen.«</p> - -<p>»Nun, meine Herren Häupter von Bantam Kidul, lasst uns erfreut sein, -dass unser Bezirk so vernachlässigt und so arm ist. Wir haben ein -schönes Ziel. Wenn Allah uns am Leben erhält, werden wir sorgen, -dass Wohlfahrt in’s Land komme. Der Boden ist fruchtbar und die -Bevölkerung ist gehorsam. Wenn ein Jeder in dem Genuss der Frucht -seiner Arbeit gelassen wird, besteht kein Zweifel, dass in kurzer Zeit -die Bevölkerung zunehmen wird, sowohl an Seelenzahl, als an Besitz -und Bildung; denn diese gehen meistens Hand in Hand. Ich bitte Euch -nochmals, in mir einen<span class="pagenum" id="Seite_68">[S. 68]</span> Freund zu sehen, der Euch helfen wird, wo er -kann, besonders wo Unrecht bekämpft werden muss. Mit diesem empfehle -ich auch mich Eurer Mithülfe.</p> - -<p>Die erhaltenen Rapporte über Landbau, Viehzucht, Polizei und -Rechtspflege werde ich mit meinen Anmerkungen versehen ehestens -zurückschicken.</p> - -<p>Häupter von Lebak. Ich habe gesprochen. Ihr könnt zurückkehren, ein -Jeder nach seiner Wohnung. Seid nochmals gegrüsst.«</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Diese Rede, welche <em class="gesperrt">Douwes Dekker</em><a id="FNAnker_36" href="#Fussnote_36" class="fnanchor">[36]</a> im Januar 1856 in Rankas -Betong in der Versammlung der Häuptlinge Lebaks hielt, war einerseits -der Anfang seines physischen und seelischen Leidens, andererseits der -Trompetenstoss, welcher Holland aus seiner Lethargie riss und den -Javanen — Menschenrechte gab, gerade wie das Buch »Onkel Toms Hütte« -die Kette der amerikanischen Sklaven gebrochen hat.</p> - -<p>Aber auch im Jahre 1881 war das Elend gross in Bantam, und wieder war -es die Schuld der höchsten Beamten, dass das Elend eine so grosse -Ausbreitung genommen hat. Wie vor 25 Jahren der Resident von Bantam dem -Streben des Assistent-Residenten <em class="gesperrt">Douwes Dekker</em>, den Erpressungen -und Räubereien der Häuptlinge von Lebak ein Ende zu machen, keine -Stütze verleihen wollte und konnte, weil er selbst (der Resident) bis -auf das Eingreifen dieses neuen Assistent-Residenten die Regierung -über diese traurigen Zustände in Unwissenheit liess, so hat im Jahre -1881 der Resident X. geschwiegen, als schon hunderte und tausende von -Menschen der Malaria zum Opfer gefallen, und tausende von Büffeln der -Viehpest erlegen waren. Erst als Dr. A..... eine Inspectionsreise -nach Lebak unternahm und einen ausführlichen Rapport darüber an die -Regierung einreichte, erst dann erfuhr die Regierung das Elend, welches -in Bantam herrschte, und die Gefahren, welche der Provinz Bantam -drohten. Rasche und energische Hülfe that Noth. Zur Ehre der<span class="pagenum" id="Seite_69">[S. 69]</span> indischen -Regierung muss ich jedoch mittheilen, dass »der grosse Moment ein -grosses Geschlecht fand«. Ja, noch mehr; die Regierung that des Guten -zu viel. Sie schickte nicht nur vier Aerzte dahin, sondern miethete -eine Reihe von Krankenwärtern mit einem Gehalt von 20 fl. per Tag!!! -Diese sollten die Anweisungen der Aerzte ausführen, sowohl was die -Behandlung der Unglücklichen als auch die Verpflegung derselben betraf; -für die vom Hungertyphus heimgesuchten Bewohner Bantams wurden auf mein -Ersuchen Eier, Büchsen mit condensirter Milch, Dendeng (getrocknetes -Fleisch) und lebendes Schlachtvieh mir gesendet, welches die -Krankenwärter zugleich mit den hunderttausenden Chininpillen vertheilen -sollten.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Mir wurde also, wie erwähnt, der Süden der Provinz angewiesen, mit -Hülfe von vier Krankenwärtern von Kampong zu Kampong zu ziehen, die -Zahl der Kranken aufzunehmen, die Art der Erkrankung zu diagnosticiren -und bei jedem Patienten die Behandlungsweise dem Krankenwärter -mitzutheilen, welche ohne Zwang, jedoch mit Ueberredung für das -Einnehmen der Medicamente sorgen und dort, wo Mangel an Speise und -Trank es forderte, die erhaltenen Lebensmittel vertheilen sollten.</p> - -<p>Serang ist eine Provinzialhauptstadt von untergeordneter Bedeutung. -Von den Gebäuden mögen höchstens die Häuser des Residenten und des -Regenten durch ihre Grösse die Aufmerksamkeit der Touristen erregen, -während Bantam-lama (das alte Bantam), die alte Sultanstadt, seit -1808 verlassen, grosse und schöne Denkmäler der alten Baukunst -und der alten Grösse dieses Reiches aufzuweisen hat. Besonders -die (renovirte) Sultansmoschee mit den Gräbern der Bantamschen -Sultane und das Mausoleum des Pangeran Hassa-Udin verdienen die -Aufmerksamkeit der Alterthumsforscher. Sie liegt an dem Meerbusen von -Bantam und kann daher bequem zur See mit einem Dampfer der indischen -Dampfschifffahrts-Gesellschaft erreicht werden. Uebrigens ist die alte -Sultanstadt mit Serang durch einen guten Landweg verbunden und mit -einem gewöhnlichen Reisewagen leicht in ein paar Stunden zu erreichen.</p> - -<p>Leider musste ich so bald als möglich meiner Bestimmung folgen, so dass -ich nicht in der Lage war, die Ruinen des mächtigen Reiches Bantam -besichtigen zu können.</p> - -<p>Ich konnte zwar bequem bis in die Nähe meines neuen Standplatzes<span class="pagenum" id="Seite_70">[S. 70]</span> -(Tjileles) und selbst bis an die Südküste mit einem Dos-à-dos gelangen, -aber der Besuch der umliegenden Dörfer konnte nur zu Pferde geschehen; -ich ergriff daher mit Vergnügen das Anerbieten des Thierarztes zu -Serang, eines seiner unbenutzten Pferde zu kaufen. Vor meiner Reise -nach Indien hatte ich ja in dem Haag 21 Reitlectionen genommen, und -hoffte daher, von meiner erworbenen Reitkunst in jeder Hinsicht -Gebrauch machen zu können. Bei den Unterhandlungen um den Preis -desselben glaubte ich ein spöttisches Lächeln um die Lippen meines -Bedienten schweben zu sehen; ich interpellirte ihn darüber auch, aber -mit der grössten Ruhe antwortete er mir: »Tidah, Tuwan lupa = nein, -mein Herr täuscht sich.« Auch späterhin glaubte ich dieses spöttische -Lächeln im Gesicht des Eingeborenen zu sehen und schrieb es einer -Unbeholfenheit meinerseits zu. Auf unangenehme Weise sollte ich jedoch -die Ursache dieses Lächelns erfahren. Hoch (?) zu Ross ritt ich eines -Tages von Tjileles nach Gunung Kentjana, als eine Truppe unbewachter -Pferde mir nicht nur folgte, sondern auch den Rücken meines Pferdes -attaquirte; meine Peitsche schaffte mir auch eine Zeit lang Ruhe, bis -ich endlich vom Pferde stieg und einem vorübergehenden Bauer darüber -Vorwürfe machte, dass seine Pferde ohne Aufsicht herumliefen und andere -Menschen belästigten.</p> - -<p>»Ingi Dero!« antwortete dieser = »ja, Euer Wohlgeboren, aber Niemand -reitet auf einem Weibchen!« Dies ist thatsächlich in Indien der Fall, -auch in der ganzen Armee werden nur Hengste zum Reiten gebraucht, -während die Weibchen nur vor den Wagen gespannt werden.</p> - -<p>Während mein Pferd mit meinem Bedienten später folgen sollte, miethete -ich ein Dos-à-dos und fuhr zunächst nach Pandaglang, das am Fusse des -Vulcans Karang liegt und dann immer (schon von Serang aus) in der -Richtung gegen die Südküste nach Rankas Betong, der Hauptstadt des -Bezirkes Lebak. Der Assistent-Resident und der Regent waren in jeder -Hinsicht tüchtige Beamte und liebenswürdige Menschen. Nur wenige -Stunden verweilte ich in ihrer angenehmen Gesellschaft und gab dem -Dos-à-dos den Abschied. Wenn auch die Strasse bis zum Fusse des Gunung -(Berges) Kentjana per Wagen befahren werden konnte, so wählte ich doch -das Reitpferd zur Reise dahin, um eine bessere Aussicht zu haben.</p> - -<p>Während Bantam im vorigen Jahrhundert hunderte von Zuckerfabriken -zählte und die Gouvernements-Kaffeecultur (besonders<span class="pagenum" id="Seite_71">[S. 71]</span> in Pandeglang) -blühte, zog ich während meiner ganzen Reise von Serang bis Tjileles -und später bis Malimping, bei welchem man schon das Rauschen und die -Brandung der See hört, durch schwachbebaute Landstriche. Nur selten -sah ich ein Reisfeld in Blüthe stehen; beinahe überall starrte mir das -todte, schmutziggelbe, brachliegende Reisfeld entgegen und zeigte mir -das drohende Gespenst der Hungersnoth.</p> - -<p>Tjileles lag links zur Seite des Weges nach Gunung Kentjana. Ein kurzer -Pfad führte mich bis zur Thüre eines Geheges. Jetzt erst sah ich, dass -ich am Eingange eines kleinen Kampongs stand, der von einem dichten -Gehege von grossen Fruchtbäumen umgeben war, deren Zwischenräume von -einem undurchdringlichen Netze von dornentragenden Schlingpflanzen -als Bambu duri u. s. w. erfüllt waren. Wie ich später auf meinen -Streifzügen durch Lebak sah, hatten alle Kampongs ein solches Gehege -mit einer kleinen Thür, welche in der Nacht geschlossen wurde.</p> - -<p>Dass der Königstiger feige sei, ahnte ich nicht, als ich den -Kampong betrat und mir meine Wohnung angewiesen wurde. Im Hause des -Dorfhäuptlings sollte ich die vordere Veranda zur Wohnstätte angewiesen -erhalten; sie sollte mein Schlaf-, Studier-, Speise- und Empfangszimmer -sein. Das östliche Ende war von drei Seiten mit Bambuswänden umgeben, -und die vierte Seite hatte einen Vorhang, hinter welchem mein Bett -stand. Der Königstiger ist feige, aber dass er so feige sei, um sich -durch eine so schwache Schutzmauer von einem nächtlichen Ueberfall -abhalten zu lassen, hätte ich nicht geglaubt. Keine 15 Meter weit stand -mein Schlafzimmer von dem Gehege entfernt, welches mich vor einem -unerwünschten Besuche eines Königstigers schützen sollte. Wenn die -Regierung für jeden unschädlich gemachten Tiger 100 fl. bezahlt (einen -Preis, der für einen Kampongbewohner geradezu ein fürstliches Kapital -ist), welchen Schaden müssen diese Katzen anrichten, wie schwer müssen -sie zu fangen oder zu tödten sein, und wie zahlreich müssen sie hier -hausen, dass die Regierung hier 100 fl. bezahlt, während sie in anderen -Theilen Javas, wo allerdings nicht der Königstiger, sondern nur der -Matjan tutol am häufigsten gefunden wird, nur 32 fl. bezahlt.</p> - -<p>Der Eingeborene ist Fatalist; aber auch der Europäer muss es werden, -da er ja in Indien im Innern des Landes täglich das Damoklesschwert, -nicht täglich, sondern immer und immer über seinem<span class="pagenum" id="Seite_72">[S. 72]</span> Haupte schweben -fühlt. Es war nicht die angenehmste Nacht meines Lebens, welche ich an -jenem ersten Tage in dieser offenen Veranda verbrachte. Jedoch kein -Rhinoceros, kein wilder Büffel, kein Tiger und keine Schlange hatten -meinen Schlaf gestört.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Die javanischen Pferde sind klein aber ausdauernd; sie sind häufig -nicht höher als 1,10 Meter;<a id="FNAnker_37" href="#Fussnote_37" class="fnanchor">[37]</a> in früheren Jahrzehnten haben die -Pferde aus der Preanger-Regentschaft einen hohen und stattlichen -Wuchs gehabt; die Rasse degenerirte jedoch mit jedem Tage, weil sie -kaum erwachsen zum Lastentragen herangezogen wurde. Die Regierung sah -diese Gefahr und griff zu dem so häufig angepriesenen Mittel, zu den -Wettrennen, um durch das »Spiel« oder vielmehr durch das »Wetten« die -Eingeborenen zu veranlassen, mehr Sorgfalt auf die Zucht der Pferde zu -verwenden. Es wurden zu Buitenzorg schon vor zwanzig Jahren Wettrennen -gehalten; vor zehn Jahren wurden dieselben auch in Magelang, der -Hauptstadt der Provinz Kedu (Mitten-Java), eingeführt, weil auch die -»Keduer-Pferde« mit jedem Jahre schwächer und kleiner wurden; aber hier -wie dort blieben die geträumten Rassenverbesserungen aus. Nebstdem kam -die Regierung durch diese Wettrennen in ein arges Dilemma. Einerseits -verbietet sie die Hahnengefechte und das Wetten bei denselben, weil -es bekanntermaassen die Eingeborenen demoralisirt; andererseits hält -sie Wettrennen der Pferde und unterstützt sie mit hohen Beträgen. In -Magelang steuerte die Regierung selbst 1000 fl. jedesmal bei, um z. B. -auch dem kleinen Mann es möglich zu machen, einige Tage mit seinem -Pferde fern von seinem Kampong leben zu können.</p> - -<p>Der Resident von Kedu hat das Sterile dieser Methode bald eingesehen -und die Wettrennen abgeschafft; aber auch in der Preanger-Regentschaft -hat man andere Mittel gesucht und gefunden, um wieder eine gute -Pferderasse zu erhalten; es wurden Deckhengste eingeführt, und zwar von -einem der eingeborenen Fürsten, welcher damit ein gutes Geschäft machte.</p> - -<p>Nach <em class="gesperrt">Schulze’s</em> Führer auf Java (Leipzig, Th. Grieben’s Verlag -1890) hatte im Jahre 1887 die Insel Java 2,360,600 Büffel,<span class="pagenum" id="Seite_73">[S. 73]</span> 1,973,750 -Rinder und 701,500 Pferde. Die meisten der eingeführten Pferde stammen -von den Sandelholz-Inseln Sumba, Sumbawa, Rotti, Sawu und Timor (welche -im Osten der Insel Java liegen), von Makassar (Celebes) und von -Australien.</p> - -<p id="Grobak">Ich selbst hatte während meines Aufenthaltes auf Java zwei Pferde von -Kedu, zwei von Sumba, ein Preanger und zwei Makassaren im Besitz. Die -schönsten der auf Java vorkommenden Pferde sind die Battaken aus dem -Innern Sumatras; sie kommen jedoch nur in geringer Zahl vor; nach -ihnen kommen die Sandelwood-Pferde von Sumba, welche einen eleganten -Bau besitzen, aber sehr nervös sind. Nebstdem sind sie im hohen Grade -eigensinnig. Eines Tages fuhr ich in M... mit zwei Sandelwood-Pferden -zu meinen Patienten, als es ihnen plötzlich einfiel, striken zu wollen. -J’y suis, j’y reste mochten sie gedacht haben; sie blieben stehen, -und weder die Peitsche noch Zureden brachten sie von Ort und Stelle; -endlich wollte der Kutscher eine brennende Fackel holen, um sie unter -den Schweif zu halten. Dies gestattete ich ebenso wenig, als ich -jemals die drastischen Mittel erlaubte, welche die Eingeborenen bei -der Dressur der Pferde gebrauchen; an der Kette wird ein Lederlappen -mit zahlreichen kleinen Nägeln angebracht, welche dem Pferde das nach -aussen Drängen abgewöhnen sollen. Die Deichsel des Wagens bekommt ein -gleiches mit Nägeln ausgerüstetes Lederstückchen, um das gegen einander -Drängen der Pferde unmöglich zu machen u. s. w. Ohne alle scharfen und -spitzen Instrumente gelang mir jedesmal die Dressur meiner Pferde, -und zwar mit dem kräftigsten Factor der Dressur: mit Geduld. Einige -Jahre später bekam ich ein Paar Keduer um 110 fl.; sie waren für eine -Equipage noch nicht abgerichtet und hatten vorher nur als Saumthiere -im Gebirge Kaffee getragen. Zuerst liess ich sie vor einen Grobak -(Lastwagen) spannen, welcher gewöhnlich von einem Büffel gezogen wird. -Diesen Dienst versahen sie gerne, weil der Kutscher sie beim Zaum -führte und späterhin nur mit der Stimme leitete; als sie aber, zum -ersten Male vor die Equipage gespannt, eine viel leichtere Last als -früher zu ziehen hatten, stürmten sie ausgelassen vorwärts und hätten -beinahe Wagen und Kutscher gegen einen Baum geschleudert. Die schwache -aber sichere Hand des Kutschers hielt sie jedoch fest; jetzt begann ein -anderes Spiel; sie begannen sich auf die Hinterbeine aufzustellen und -fielen mit den Vorderbeinen über die Stränge hinaus. Wüthend wollte der -Kutscher mit dem hinteren Theil der Peitsche sie für<span class="pagenum" id="Seite_74">[S. 74]</span> diesen Eigensinn -bestrafen; ich erlaubte es jedoch nicht; das ganze Arsenal der -grausamsten javanischen Abrichtungsmittel brachte er nach und nach zum -Vorschein; ich erlaubte nur, von Fall zu Fall einen Strick zwischen den -beiden »Stangen« oder einen Bambusstock festzubinden, wenn sie entweder -aus einander oder gegen einander drängen wollten. Endlich gelang es -mir, aus ihnen gut dressirte Pferde zu machen, welche fünf Jahre bei -mir schweren Dienst versahen, bis auf einen Tag niemals krank waren und -bei meiner Abreise noch 175 fl. erzielten, obzwar sie schon nicht mehr -»zeichneten«.</p> - -<p>Ich kann nicht umhin, auch diesen Krankheitsfall zu erwähnen, weil er -mir den Beweis brachte, dass der Eingeborene nicht nur »Gefühl« für -seinen Herrn, sondern auch für das ihm anvertraute Thier hat.</p> - -<p>Es war in Magelang, wo ich jeden Nachmittag um 6 Uhr einen Spaziergang -machte. Eines Tages überfiel mich auf meinem Spaziergange ein heftiger -Sturzregen, wie er auch in den Tropen nicht täglich vorkommt. Ich -konnte mich flüchten, und zwar in die Wohnung eines mir bekannten -Hauptmanns. Wie erwähnt, der Regen goss in fürchterlichen Strömen vom -Himmel, als ich plötzlich meinen Kutscher vor der Veranda stehen sah; -überrascht frug ich ihn, was er von mir wolle. »Das eine Pferd ist -krank, und ich suchte Sie, also, tuwan = mein Herr, denn ich weiss ja, -dass Sie jedesmal in dieser Strasse Ihren Spaziergang machen.« Der -Capitän konnte nicht weniger als ich seinem Erstaunen Worte verleihen, -dass ein Eingeborener in einem solchen Wetter 1½ Kilometer weit von -Haus zu Haus seinen Herrn suchen geht, weil das Pferd unwohl geworden -war! (Es hatte Retentio urinae.) Ein europäischer Kutscher hätte dieses -nicht gethan!</p> - -<p>Eine gerne und viel gebrauchte Rasse sind die von Makassar (von -Celebes). Sie sind nicht hoch (höchstens 1,25 Meter), aber ausdauernd -und kräftig. In dem letzten Jahrzehnt wurden vielfach australische -Pferde unter dem Namen Sydneyer in Java eingeführt; es sind hoch und -kräftig aber nicht elegant gebaute Pferde und laufen nicht schnell; sie -haben bis jetzt nur als Luxuspferde bei den Reichen Eingang gefunden. -Was ein europäisches Pferd leisten kann, weiss ich nicht aus eigener -Erfahrung, meine »Keduer Pferde« jedoch, welche ich fünf Jahre lang -in Magelang hatte, wurden täglich gebraucht: wenigstens zweimal des -Tages hatten sie mich ins Spital, welches 1½ Kilometer von meinem -Hause entfernt war, zu bringen,<span class="pagenum" id="Seite_75">[S. 75]</span> von dort zu holen und unterwegs -meine Privatpatienten zu besuchen; häufig jedoch wurde ich ins -chinesische Viertel gerufen, welches jenseits des Weges nach dem Spital -lag; dadurch kam es, dass ich oft zehn bis zwölf Kilometer im Tag -zurücklegte; so haben also meine Pferde fünf Jahre lang <em class="gesperrt">täglich</em> -ohne Ausnahme im Durchschnitt zehn Kilometer zurückgelegt, obwohl sie -nur 1,20 Meter hoch waren und einen grossen Mylord zu ziehen hatten. -Ihr Futter war täglich für beide 120 Kilo Gras und 3–4 Kilo Reis.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Im Jahre 1873 wurde ich von der ungarischen Regierung als Cholera-Arzt -in den Karpathen angestellt, und ich sah damals das schaurige Bild -eines Landes, welches von der stärksten Choleraepidemie heimgesucht -war, welche jemals in Europa gewüthet hat. Aber grässlicher und -ekelhafter war das Bild der durch Malaria und Hungertyphus und Viehpest -heimgesuchten Provinz Bantam. Dort (in Ungarn) lagen einzelne Kranke, -welche auf ihrem Marsche von der Cholera ergriffen wurden, auf dem Wege -cyanotisch sich krümmend und windend unter den Krämpfen des Bauches. -Zahlreich waren die Opfer, aber kurz war ihr Leiden, in wenigen Stunden -hatte der Tod ihren Schmerzen ein Ende gemacht. Die unglücklichen -Bantamer jedoch litten Wochen und Monate, die Kräfte erschöpften sich, -sie magerten zum Skelet ab; durch die mangelnde Hautpflege, vielleicht -auch durch die Dyskrasie des Blutes entstanden kleine Eiterbläschen -(impetiginöser Hautausschlag), welche durch Kratzen und durch ihre -eigenthümliche Wundbehandlung zu grossen Geschwüren sich entwickelten, -die oft mehr als die Hälfte der Oberfläche des Körpers angegriffen -hatten; solche von Noth und Elend, vom Hunger und Fieber erschöpften, -abgemagerte, schmutzige, mit grossen Geschwüren und Eczemen bedeckte -Skelete in hunderten und tausenden täglich sehen und behandeln zu -müssen — war ein ekelerregender Anblick, während die unglücklichen -Opfer der Cholera-Epidemie nur kurze Zeit unsere Theilnahme und -Mitgefühl erregten. —</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Es war ein Missgriff der indischen Regierung, den Krankenwärtern ein so -hohes Taggeld (20 fl.) zu geben; dadurch wagten es gerade jene Männer -nicht, um diese Stelle sich zu bewerben, welche,<span class="pagenum" id="Seite_76">[S. 76]</span> wie z. B. abgedankte -Militär-Krankenwärter und ähnliche Schicksalsgenossen, die dazu am -meisten geeigneten Personen waren. Meine ersten drei Krankenwärter -waren ein pensionirter Hauptmann der Infanterie, ein pensionirter -Intendant (mit dem Range eines Hauptmanns) und ein abgesetzter Notar. -Von diesen drei »hohen Herren« erfasste nur der erste richtig seinen -Beruf, ging in die entlegensten Kampongs, besuchte alle Patienten, gab -nach seinem Urtheil Chininpillen, wenn er Zweifel hegte, rief er mich -zu den Patienten, und vertheilte die erhaltenen Lebensmittel unter die -dürftigsten und ärmsten der Armen. Der Zweite jedoch, der pensionirte -Intendant, blieb auf seinem Standplatz, liess die Häuptlinge der -benachbarten Kampongs zu sich kommen und gab diesen auf Grund ihrer -Berichte die etwa nöthige Menge an Chininpillen und Lebensmitteln, -sein Standplatz war in M...., und wie überrascht war ich, als ich -eines Tages seinen Bezirk inspicirte und von allen Patienten, die ich -untersuchte und frug, zu hören bekam, dass der tuwan (Herr) nicht in -das Dorf käme; noch mehr war ich überrascht, als dieser gute Mann mir -auf meine diesbezügliche Frage das stolze Wort zur Antwort gab: »Ich -kann doch als pensionirter Intendant nicht in die Kampongs gehen und -den Kulis Essen ins Haus bringen!!« Obwohl es ihm gelang, gegenüber dem -Dr. J., meinem Chef, meine diesbezügliche Mittheilung zu entkräften -durch Hinweis auf eine nicht existirende Intrigue, so verschwand er -bald danach vom Schauplatze, weil die Regierung bald das Taggeld auf -5 fl. herabsetzte und dann Männer erhielt, welche für diesen Dienst -die geeigneten Personen waren. Was die Intrigue betrifft, welche -in der Phantasie dieses Mannes existirte, war sie nur eine faule -Ausrede; für den administrativen Theil der ganzen Hülfsaction wurde -nämlich ein Controlor angestellt, welcher der Bruder der geschiedenen -Frau dieses Krankenwärters war. Dieser Controlor wohnte bei mir, -also sei meine Anklage eine Intrigue gegen ihn gewesen. Mein Chef -hatte aber bald Gelegenheit, sich zu überzeugen, dass ich nichts als -Thatsachen mitgetheilt hatte, welche sein weiteres Verbleiben in dieser -Dienstsphäre unmöglich machten. Der dritte meiner Krankenwärter war ein -pensionirter Notar, welcher zwar genug Pflichtgefühl besass, um sich in -richtiger Weise seiner Mission zu entledigen, aber seine Kräfte waren -zu schwach, denn bald nach seiner Ankunft ergriff ihn die Malaria, -so dass er, vom Fieber erschöpft, nach Batavia<span class="pagenum" id="Seite_77">[S. 77]</span> zurückkehren musste, -wollte und sollte er nicht selbst das Opfer des Fiebers werden.</p> - -<p>In einem seiner Fieberanfälle um 1 Uhr Nachmittags liess er mich holen; -zwischen Tjileles und seinem Standplatze befand sich ein kleiner Wald, -und ich musste darum genau berechnen, ob ich vor Sonnenuntergang zu -Hause sein konnte; am helllichten Tage hatte ja kurz vorher auf dieser -Strasse ein Tiger eine Frau gepackt und war mit ihr davongeeilt. Die -Entfernung war ungefähr eine Stunde; der Polizist, welcher mich auf -meinen Streifzügen stets begleitete, war auch der Ansicht, dass wir vor -Einbruch der Dämmerung in Tjileles zurück sein konnten, und so zögerte -ich keinen Augenblick, Hülfe zu bringen. Sein Kampong Tjiboga (?) lag -ungefähr 500 Meter jenseits des grossen Weges. Ich beeilte mich mit -meiner Ordination und stieg wieder zu Pferde. Als ich jedoch wieder auf -dem grossen Wege war, sah ich, dass ich keine Cigarren hatte, liess -den Polizisten warten, ritt im Galopp zurück, erhielt, ohne vom Pferde -abzusteigen, die Cigarren und eilte wieder im Galopp auf den grossen -Weg, um den Polizisten einzuholen. Wohin ich blickte, nirgends eine -menschliche Seele, und nirgends war er zu sehen; ich zog weiter und -kam endlich auch in den Wald, der den Weg kreuzte. Noch immer war kein -Polizist zu sehen, auch als ich auf einen Kreuzweg stiess, ohne dass -ich wusste, welcher Weg mich nach Hause führe. Rathlos stand ich da -und rief Oppas,<a id="FNAnker_38" href="#Fussnote_38" class="fnanchor">[38]</a> Oppas, aber Niemand antwortete mir. Im Dickicht -des Waldes war die Sonne nicht mehr zu sehen, und die Dämmerung trat -ein (welche auf Java nicht länger als eine Viertelstunde dauert).<a id="FNAnker_39" href="#Fussnote_39" class="fnanchor">[39]</a> -Rathlos stand ich da und blickte fragend nach allen Seiten, um einen -Ausweg aus diesem Labyrinth zu finden; endlich unterwarf ich mich dem -Fatum, liess die Zügel des Pferdes fallen und befahl Gott meine Seele. -Der Gaul kannte den Weg, er »roch den Stall« und brachte mich auf die -richtige Strasse.</p> - -<p>Einmal sollte ich doch einem Tiger begegnen, ohne dass ich ihn jedoch -auch gesehen hätte.</p> - -<p>Am 24. Januar schrieb mir der Controlor v. d. P., welcher in Malimping -in der Nähe der Südküste Javas wohnte, dass sein Söhnchen durch eine -Wunde am Fusse heftiges Fieber bekommen habe, und ersuchte mich, -sofort zu ihm zu kommen. Es war 10 Uhr<span class="pagenum" id="Seite_78">[S. 78]</span> Vormittags, als ich den Brief -erhielt. Ich bestieg mein Pferd und zog zunächst nach Gunung Kentjana -(276 Meter<a id="FNAnker_40" href="#Fussnote_40" class="fnanchor">[40]</a> hoch gelegen), welches 10 Paal = 15,06 Kilometer von -meiner Wohnung entfernt war. Hier gab mir der Wedono<a id="FNAnker_41" href="#Fussnote_41" class="fnanchor">[41]</a> auf Rechnung -des Herrn v. d. P. ein Mittagsmahl (de rysttafel), und unterdessen -machten seine Bedienten aus ein paar Bambusstöcken und einem indischen -Lehnstuhl eine Tragbahre. Gegen 3 Uhr erschien eine Truppe Kulis mit -einem Mandur (= Aufseher), und abwechselnd trugen mich vier Kulis auf -ihren Schultern.</p> - -<p>Noch kaum eine halbe Stunde hinter Gunung Kentjana zeigte mir der -Mandur den Berg Bongkok (925 Meter<a id="FNAnker_40a" href="#Fussnote_40" class="fnanchor">[40]</a> hoch), an dessen Fusse die -Baduwies einige Kampongs bewohnten.</p> - -<p>Wenn wir von ungefähr 3000 eingeborenen Christen<a id="FNAnker_42" href="#Fussnote_42" class="fnanchor">[42]</a> absehen, ist das -Gross der Eingeborenen auf Java dem mohamedanischen Glauben zugethan.</p> - -<p>Im Jahre 1382 hatten sich die Araber Malik Ibrahim, Sideh Mohammad und -Saidi Rakidin in der Nähe des Goldflusses (Kali = Fluss, Mas = Gold) -bei Tandes (dem heutigen Grissé) in der Nähe Surabayas als Kaufleute -niedergelassen und als Missionare für die mohamedanische Religion -eifrig Propaganda, und zwar mit grossem Erfolg, gemacht. Die ersten -Fortschritte erzielten sie an der Küste bis Damak, von hier aus begann -die gewaltthätige Unterwerfung der Eingeborenen, besonders, nachdem im -Jahre 1483 das grosse mächtige Reich von Modjopahit von ihnen erobert -worden war und der grösste Theil seiner Bewohner den mohamedanischen -Glauben angenommen hatte. Seit dieser Zeit hat nach und nach der -Islamismus sich über ganz Java bis auf zwei Colonien ausgebreitet, -welche noch heute abgeschieden von den übrigen Kampongs, die eine im -Westen und die andere im Osten Javas, sich befinden.</p> - -<p>Da ich niemals im Tengergebirge, welches sich auf der Grenze der beiden -Provinzen Pasaruan und Probolingo befindet, geweilt habe, ich also -keinen Anlass haben werde, mich mit dieser Gegend zu beschäftigen, -so will ich hier auch einiges über die »Heiden« im östlichen Java -mittheilen. Wie gesagt, sie leben im Tengergebirge (2724 Meter hoch), -und alle ihre Wohnungen haben die Thüren<span class="pagenum" id="Seite_79">[S. 79]</span> gegenüber dem Vulcane Bromo -(2290 Meter). Sie sind die Nachkommen der Flüchtlinge des Reiches von -Madjopahit, welche unter Anführung von Kiai Dadop putti sich dahin -zurückgezogen hatten, um ihrem Glauben treu bleiben zu können und nicht -der Beschneidung sich unterwerfen zu müssen. Ihre Zahl beläuft sich -heute auf 3–4000 friedsame Bürger, welche zurückgezogen von der übrigen -Bevölkerung von den Erträgnissen des Bodens leben, gute Unterthanen -sind und jährlich im Sandmeer dem »Gunung Bromo« ihre Opfer bringen.</p> - -<p>Der Mandur wollte mir eben auch etwas Näheres über das Leben dieser -Heiden von Lebak mittheilen, als die Träger der Tragbahre sich -plötzlich auf den Boden setzten; ich fiel zwar nicht vom Sessel, -aber ein gehöriger Stoss schüttelte mir die Eingeweide gut durch, -und überrascht frug ich den Mandur, was dieses bedeute. Gleichzeitig -zeigten alle Kulis mit der Hand nach der rechten Seite des Weges und -riefen: Dia (= Er), Dia, Dia. Es war ein Tiger, der unsern Weg gekreuzt -hatte. Leider hatte ich es nicht gesehen, so dass ich auch diesmal, -wie überhaupt niemals einen Königstiger im Freien gesehen habe. Ich -habe zwar späterhin zwei kleine Tiger von einem Assistent-Residenten -zum Geschenk erhalten; es waren jedoch keine Königstiger, sondern zwei -mâtjan tutul = Panther. Bald hatten sich die Kulis von ihrem Schrecken -erholt, hoben mich wieder in die Höhe und weiter ging es in ruhigen -gemessenen Schritten über Berg und Thal. Die Sonne ging unter, die -Finsterniss trat ein, und die Kulis zündeten ihre Fackeln an. Diese -ôbors sind bei einer Wanderung im Gebirge Bantams unentbehrlich, -weil sie dem Tiger Furcht einjagen; natürlich erreicht eine einzelne -Fackel niemals ihr Ziel, aber in grossen Mengen imponiren sie doch -dem Tiger, der geradezu feige genannt werden muss. Es war eine -theatralisch-romantische Expedition, die ich damals unternahm. Dazu kam -noch, dass ein eigenthümliches Hinderniss unseren Zug erschwerte.</p> - -<p>Zur Bekämpfung der Viehpest, welche gleichzeitig das unglückliche -Bantam heimgesucht hatte, hatte die Regierung einen Cordon um die -pestfreien und inficirten Gegenden gezogen, so dass die Büffel von -der einen Region in die andere nicht gelangen konnten. Dieser Cordon -bestand aus einem Gehege von Bambus, welches von Truppen bewacht wurde.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_80">[S. 80]</span></p> - -<p>Gerade auf dem Wege nach Malimping stiessen diese zwei Gehege zusammen -und waren nur durch die Strasse von einander getrennt; wenn also auch -durch Fackeln der Weg beleuchtet war, so geschah es doch oft genug -bei den zahlreichen Krümmungen des Weges, dass die Träger vorsichtig -zwischen den beiden Gehegen laviren mussten, um mich nicht zu Fall zu -bringen.</p> - -<p>Wenn wir nämlich von der grossen breiten Strasse absehen, welche, -wie schon erwähnt, im Anfange dieses Jahrhunderts durch schwere -Robottdienste angelegt wurde, sind alle übrigen Landwege Javas nur -eine Vergrösserung und Verbreiterung der früher bestandenen Pfade. Die -Eingeborenen gehen immer hinter einander und haben also kein Bedürfniss -für breite Strassen; zum Transport der Lasten werden besonders im -Gebirge Saumpferde gebraucht. So hat also in früheren Zeiten nur der -Pfad oder eine schmale Strasse, welche für einen Grobak (Lastwagen der -Eingeborenen auf zwei Rädern, der von einem oder zwei Büffeln gezogen -wird) hinreichend Raum bietet, die Verbindung der einzelnen Kampongs -besorgt.</p> - -<p>Endlich um acht Uhr Abends kam ich in Malimping an und fand bei dem -Söhnchen des Herrn v. d. P.. ein Erysipel auf dem rechten Unterschenkel -in Folge eines vernachlässigten Fussgeschwüres. Ob da nicht wieder die -Babu (das Dienstmädchen) die Behandlungsweise der Eingeborenen der -Frau des Controlors aufgedrungen hat, weiss ich nicht; wahrscheinlich -war dies der Fall, denn diese Dame war in Indien geboren und darum -geneigt, der Behandlungsweise der Dukun einen hohen Werth beizulegen. -Die Bewohner Bantams behandeln die Geschwüre auf gewiss einfache Weise. -Eine (meistens alte, schmutzige) Kupfermünze wird glatt geschlagen, -mit feinen Löchern siebartig versehen und mit einer Schnur auf dem -Geschwüre befestigt. Nicht allein europäische Laien, sondern auch -Aerzte habe ich ein Loblied auf diese Therapie der Geschwüre singen -hören!! Die Kupfermünze oxydire und cauterisire durch das entstandene -Kupferoxyd die Granulationen der Geschwüre!! Unserem kleinen Patienten -war es dadurch übel ergangen; durch die Oeffnungen in der kupfernen -Platte ist zwar der Eiter abgeflossen, aber nicht immer geschah dies; -pathogene Bacterien fanden durch diese kleinen Löcher ihren Weg und -Zutritt zum Geschwüre, und ein Erysipel = Rothlauf entstand, welches -nicht allein das Bein, sondern auch das Leben des kleinen Mannes -bedrohte. Es gelang mir, beides unserm Patienten zu erhalten.</p> - -<div class="figcenter illowe38" id="fig6"> - <img class="w100" src="images/fig6.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Fig. 6. Zwei sundanesische Prinzessinnen mit zwei - Bedajas (adelige Tänzerinnen<a id="FNAnker_43" href="#Fussnote_43" class="fnanchor">[43]</a>).</div> -</div> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_81">[S. 81]</span></p> - -<p>Nachdem ich die nöthigen ärztlichen Vorschriften gegeben hatte, gingen -wir zum Nachtmahle. In der »Achtergalerie« sassen wir und hatten vor -uns den Garten, über welchen ein sanfter Südwind von der nahen Küste -strich und uns den Duft der Kaffeeblüthe und der Orangen, gemengt mit -dem Stallgeruche der Reitpferde, in die Veranda brachte. Das Zirpen -des Heimchen (djangkrig M.), der Grille (andjing tanah M.), der -Singcicaden mengte sich mit dem Qua-Qua der Frösche, und hin und wieder -dröhnte die Brandung der nahen See und das Brüllen der wilden Büffel -dazwischen; vereinzelt hörten wir die Klagelaute des Wau Wau (Hylobates -leuciscus) oder das Bellen der halbwilden Hunde und das Schnattern -unruhiger Gänse. Der sternenreiche Himmel strahlte in seiner Pracht und -wetteiferte mit den tausenden und tausenden Leuchtkäfern, welche über -dem nahen Sawahfeld in hochgehenden Wellen auf und ab schwebten.</p> - -<p>Das Nachtmahl gab mir Zeit und Gelegenheit, mich bei dem Controleur -über das Leben und Treiben der Baduwies zu erkundigen, weil mir die -Mittheilungen des Mandur nicht zuverlässig waren. Dieser hatte von -ihnen als Orang Kâpir gesprochen, was offenbar eine Verdrehung des -arabischen Kafir war. Ob es nun ein Schimpfwort bedeuten sollte, oder -ob damit diese Menschen für Heiden erklärt wurden, war mir nicht -deutlich. »Ja, das sind Heiden,« erwiderte Herr v. d. P., »eigentlich -kümmern sie mich gar nicht, obwohl sie in meinem Bezirk wohnen, denn -sie erkennen nur in dem Regenten von Pandeglang ihren Herrn, aber -glücklicherweise sind es friedliebende Menschen, welche sich niemals -etwas zu Schulden kommen lassen, so dass meine Amtsthätigkeit in diesen -Kampongs eine sehr beschränkte ist.«</p> - -<p>»Ist es wahr, dass die Portugiesen die Ansiedlung dieser Baduwies im -District Lebak veranlassten?« »Ja und nein. Im Jahre 1521 kamen zwei -javanische Fürsten Aling-Aling und Kakaling nach Malakka und baten die -Portugiesen um Hülfe gegen die Mohamedaner von Bantam; diese wurde -ihnen gewährt, wofür die Portugiesen eine Factorij errichteten, aber -Tatelehan vertrieb diese beiden Fürsten und die Portugiesen. Die Hindus -verliessen den Norden der Provinz, zogen nach Gunung Kentjana, wo sie -sich noch heute befinden.«</p> - -<p>»Ist es wahr, dass nur 60 in einem Kampong wohnen dürfen, und wenn die -Zahl überschritten wird, muss der 61. sich anderswo ansiedeln?«</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_82">[S. 82]</span></p> - -<p>»Auch das ist nur theilweise richtig; in Tji<a id="FNAnker_44" href="#Fussnote_44" class="fnanchor">[44]</a>beo, Tji<a id="FNAnker_44a" href="#Fussnote_44" class="fnanchor">[44]</a>kanekes und -Tji<a id="FNAnker_44b" href="#Fussnote_44" class="fnanchor">[44]</a>samodor leben 60 Personen, wahrscheinlich eine Sorte Heilige, -ganz abgeschieden von der Aussenwelt. Sobald ein Fremder ihre Wohnung -betreten hat, suchen sie ein neues Heim. Darum darf auch Niemand -ohne meine Bewilligung dahin gehen. Sie heissen Djelma dalem, im -Gegensatze zu den Djelma luwar, welche Handelsleute sind und sich in -jeder Hinsicht mit den Eingeborenen verbinden. (Das Wort dalem heisst -inwendig (M.), und das Wort luwar äussere.)</p> - -<p>In jedem Kampong führen drei Männer einen besonderen Titel, und zwar -Giran pohon, welcher wahrscheinlich der Häuptling und höchste Priester -ist, und zugleich mit dem Pangasuh kokolot für Jeden unsichtbar bleibt, -während der Giran serat der Minister des Aeusseren ist und als solcher -die Gemeinde nach aussen vertritt.«</p> - -<p>»Wie viel Djelmas existiren in Ihrem Bezirke, und kommen auch einige -auf den benachbarten Inseln Pulu Tjindjil und P. Kelupa vor?« »Das -erstere kann ich weniger bestimmt als das zweite beantworten. Sie -wohnen nur in den drei genannten Kampongs und kein Einziger auf diesen -beiden Inseln. Da ich nur von den Mittheilungen des Giran serat die -Stärke ihrer Mitglieder kenne — ungefähr 2000 alles in allem —, so -kann ich nur annähernd diese Ziffer angeben, obwohl ich keine Ursache -habe, diese Angabe zu bezweifeln.«</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Am andern Morgen borgte mir Herr v. d. P. ein Reitpferd, und begleitet -von einem Oppas kehrte ich auf demselben Wege zurück, auf dem ich -gekommen war, und erreichte noch denselben Abend meine Wohnung in -Tjileles. Beinahe den ganzen Tag war ich auf dem Pferde gesessen, die -Tropensonne hatte mich nicht geschont, und so begnügte ich mich, einen -kleinen Imbiss zu nehmen und dann sofort schlafen zu gehen.</p> - -<p>Es mochte ungefähr zehn Uhr gewesen sein, als der Häuptling mich aus -dem Schlafe weckte mit dem Rufe: tuwan Regent ada = Der Herr Regent ist -angekommen.</p> - -<p>Der Anlass dazu war folgender: Zu meinen Obliegenheiten gehörte -auch der Rapport den ich alle zehn Tage über meine Leistungen und -Beobachtungen einreichen musste. In einem derselben<span class="pagenum" id="Seite_83">[S. 83]</span> erwähnte ich -auch, dass ich auf allen meinen Wanderungen nur unbebautes Land sah, -dass ich nur selten einem Büffel begegnete, und dass Hungersnoth die -unvermeidliche Folge sein müsse; der grösste Theil der Bevölkerung -sei ja von der Fieber-Epidemie ergriffen, könne also das Feld nicht -bebauen. Die Büffel seien entweder der Viehpest erlegen oder dem -tödlichen Blei der »Committirten«, welche auf Avis des Thierarztes X. -alle Büffel todtschiessen mussten, welche sich im Bannkreise von einem -Paal = 1½ Kilometer von einem erkrankten Büffel befanden!! Ich musste -also mein Videant consules, ne quid detrimenti capiat res publica der -Regierung zurufen.</p> - -<p>Ich stand rasch auf, kleidete mich an und empfing den Regenten, der -mich interpellirte, wieso ich das graue Gespenst der Hungersnoth -entrollen konnte und durfte, da ich doch nicht wusste, wie gross der -Vorrath an Reis sei, welcher von der vorjährigen Ernte aufgespeichert -läge.</p> - -<p>Der Eingeborene ist immer ruhig und höflich, noch mehr aber ein -Regent, welcher in seiner Würde zu kurz kommen würde, wenn er nicht in -gemessenen höflichen Worten seine Ansichten ausspräche. Dies that auch -der Regent von Lebak, als er mich über die Gefahren einer Hungersnoth -interpellirte. Nachdem er mir mitgetheilt hatte, dass der Zweck seiner -Reise sei, von Kampong zu Kampong zu gehen, um persönlich die Menge des -Vorrathes an Reis zu constatiren, lud er mich zu einer Partie Whist ein.</p> - -<p>Es wurde ungefähr zwei Uhr Nachts, bis ich mich wieder den Armen -Morpheus anvertrauen konnte; ich schlief am andern Morgen um neun Uhr -noch den Schlaf des Gerechten, als wiederum eine Visite angekündigt -wurde. Es war einer der Männer, welche bei der Viehpest-Commission -angestellt waren, um, wie oben schon erwähnt wurde, nicht nur jeden -kranken Büffel zu erschiessen, sondern auch jedes gesunde Thier, -welches in der Nähe bis auf einen Paal = 1,5 Kilometer von einem -kranken Büffel gelebt hatte. Ich muss gestehen, dass dieses Gutachten -des Thierarztes X. eine radicale Cur zur Bekämpfung dieser Epidemie -vorschrieb; aber es wurde mit dem Bade auch das Kind ausgegossen, und -der ganze Viehstand dieser unglücklichen Provinz war in seiner Existenz -bedroht.</p> - -<p>Einstimmig erhob auch die indische Presse einen lauten Protest gegen -diese unpraktische und gefährliche Procedur.</p> - -<p>Zu meiner Ueberraschung war mein neuer Besuch ein alter<span class="pagenum" id="Seite_84">[S. 84]</span> Bekannter, -ein Pole, den ich früher in Batavia gesprochen hatte. Der Herr D..., -welcher gegenwärtig ein gut situirter Reispflanzer bei Batavia ist, -theilte mir so manches über das Gebahren dieser »Committirten« mit, -das geradezu haarsträubend war. Auf seinen Inspectionsreisen hat der -Thierarzt in der ganzen Provinz jeden »Committirten« belobt, der den -Beweis bringen konnte, <em class="gesperrt">gesunde</em> Büffel erschossen zu haben. -Ob es gerade ein Paal war, in dem sich ein kranker Büffel befunden -hatte, oder ob es zwei oder drei Kilometer waren, kümmerte so manchen -dieser Herren nicht. Sobald sie einen Büffel krank sahen, tödteten sie -nicht nur diesen, sondern zogen in ihrem Rayon durch alle Kampongs -und schossen alle Büffel nieder; natürlich musste die Regierung jeden -erschossenen Büffel bezahlen. In wenigen Tagen war der erhaltene Preis -aus den Händen des armen Bauern verschwunden, und jetzt stand er ohne -Büffel da, geschwächt durch das Fieber konnte er in persona das Feld -nicht bebauen — und der Herr Regent bezweifelte, dass Hungersnoth dem -unglücklichen Lebak bevorstehe! Wie sein Gegenbericht abgefasst war, -weiss ich nicht, aber bald nachher wurde ich nach Tjicandi versetzt.</p> - -<p>Während der Regent in jede Scheuer kroch, um den Vorrath an Reis zu -constatiren, ging ich wie gewöhnlich zu den armen Kranken, gab ihnen -Chininpillen, Chinawein, Carbolwasser, und wo Mangel an Lebensmitteln -bestand, gab ich Milch, welche aus der condensirten schweizerischen -Milch mit gekochtem Wasser bereitet wurde, oder Enteneier und Dengdeng -an Reconvalescenten. An demselben Tage liess ich einen Büffel -schlachten und liess das Fleisch an die Unglücklichen vertheilen. Das -Bild einer sundanesischen Frau (<a href="#fig2">Fig. 2</a>) schwebt mir noch heute vor -Augen, welche zwar die Malaria überstanden hatte, aber wegen Mangels -an Nahrung dem Hungertode nahe war. Ich flösste ihr zunächst ein wenig -Chinawein ein und liess bei meinem Gastgeber eine Hühnersuppe kochen; -ich hatte die Genugthuung, sie am Leben zu erhalten. Während bei meiner -ersten Visite diese arme Frau einen fadenförmigen Puls und eine kaum -wahrnehmbare Stimme hatte, mit schwachen Bewegungen des Armes Fliegen -wegfing, welche gar nicht bestanden, und schon das unregelmässige -Athmen hatte, welches nach <em class="gesperrt">Cheyne-Stokes</em> den Namen führt -u. s. w., kam sie noch vor meiner Abreise aus Lebak zu mir, setzte sich -zu meinen Füssen nieder, wollte mir die Schuhe küssen und sprach<span class="pagenum" id="Seite_85">[S. 85]</span> einen -langen Segenswunsch aus, der von »Tuwan Allah« ein langes Leben und -alles Gute erflehen sollte.</p> - -<p>Am andern Morgen kam Dr. J., um gemeinsam mit mir die Gegend zu -durchreisen und sich persönlich von dem Gange des Dienstes zu -überzeugen. Wie vorher bestimmt wurde, sollten der Regent, der -Assistent-Resident und in jedem Unterbezirk der betreffende Wedono -sich daran betheiligen. Wir alle waren zu Pferde, jeder von uns hatte -einen Bedienten ebenfalls zu Pferde mit sich, nebstdem schloss sich -uns (freiwillig) Herr D... an, so dass eine ganze Cavalcade sich in -Bewegung setzte. Zunächst ging es nach Gunung Kentjana, wo wir eine -Stunde ausruhten. Die Pferde mussten zum weiteren Ritt gewechselt -werden, dafür hatte der Wedono gesorgt; es wurden andere Pferde -gebracht und je nach dem Range des Reiters das betreffende Pferd mit -dem dazu gehörigen Sattel gegeben. Ich war der Niedrigste im Range -(Herr D... behielt sein Pferd, welches kräftig genug war, um nochmals -10–15 Paal zu laufen), ich bekam also das schlechteste Pferd und den -schlechtesten Sattel. Hinter Gunung Kentjana fiel der Weg steil ab, -bis wir zu dem Flusse Tji-Liman (?) kamen, über den eine Brücke ohne -Geländer führte; sie bestand nur aus mehreren aufeinanderliegenden -Bambus-Matten. Der ganze Zug flog über die Brücke, mein Pferd jedoch -blieb plötzlich stehen und »steigerte«, d. h. begann, sich auf die -Hinterbeine zu stellen. Es gelang mir jedoch, im Sattel zu bleiben -und mit einem kräftigen Hieb der Peitsche das Pferd wieder auf die -Vorderbeine zu bringen; in demselben Augenblick glitt es aber mit -den Hinterfüssen aus und kam mit denselben über den Rand der Brücke. -Instinctmässig warf ich mich sofort auf den Hals des Pferdes, welches -die drohende Gefahr merkte und mit starkem Rucke die Hinterfüsse -wieder auf die Brücke brachte. Der Fluss hatte niedrigen Wasserstand, -war vielleicht zehn Meter tief, und ich wäre jämmerlich zu Grunde -gegangen, wenn es dem Pferde nicht gelungen wäre, auf die Brücke seine -Hinterfüsse zurückzubringen.</p> - -<p>Noch zweimal brachte mich diese Expedition in Lebensgefahr. Ueber Berg -und Thal führte uns der Weg nach Tjilangap. Während ich mit einem -oder dem andern Herrn im Gespräche war, nahm wiederholt mein Pferd -einen Anlauf und flog wie toll unter dem schallenden Gelächter meiner -Reisegenossen der Truppe voraus. Es war ein mir unbekanntes Pferd, und -diese Anfälle<span class="pagenum" id="Seite_86">[S. 86]</span> von Wuth zum Galopp machten mich zuletzt ängstlich; -aber das Lachen der übrigen Herren beruhigte mich einigermaassen. -Wiederum setzte sich ganz unerwartet mein Gaul in gestreckten Galopp, -und zwar in einem Augenblick, wo nur ein schmaler Pfad auf den Berg -führte; zu meiner Rechten war eine steile Wand, und zu meiner Linken -ein vielleicht 100 Meter tiefer Abgrund. Ein Schwindel erfasste mich -schon, es drehten sich mir schon die Bäume vor den Augen, und angstvoll -drückte ich die Weichen des Pferdes, als hinter mir plötzlich Herr -D. erschien und mit dem Kopfe seines Pferdes den Hintertheil meines -Pferdes gegen die steile Wand drückte. »Ja, ich bin ein guter Reiter,« -rief er mir zu, und verwundert blickte ich ihn an, was dieser Ausruf -zu bedeuten hätte. Jetzt gestand er mir, dass er jedesmal mit seiner -Peitsche mein Pferd zwischen den Hinterbeinen gekitzelt hätte, und dass -dieses die Ursache des Galoppirens meines alten Gaules gewesen sei! -»Sehen Sie sich diesen Abgrund an,« antwortete ich und — drehte ihm -den Rücken.</p> - -<p>In Tjilangap blieben wir nicht lange und kehrten denselben Tag zurück. -Auf dem Berge Gunung Kentjana verliess uns der Assistent-Resident -und der Regent, und ich und Dr. J. wollten weiter ziehen. Mein -eigenes Pferd war unterdessen von einem Kuli nach Tjileles -zurückgebracht worden, und ich bekam einen Gaul, der, wie mir der -Eigenthümer mittheilte, die Gewohnheit hatte, beim Anziehen der -Zügel zu galoppiren; nebstdem trug das Geschirr eine Stange, welche -mit stumpfen Stacheln versehen war. (Diese Stange wird von den -Eingeborenen gebraucht, um wilden und unbändigen Pferden das Galoppiren -abzugewöhnen.) Wir mussten bergab reiten, der Berg war aber nicht -so steil, dass wir absteigen mussten. Drohende Gewitterwolken zogen -sich über unsere Häuptern zusammen, und im Gespräche, ob wir vor dem -Unwetter noch Tjileles erreichen konnten, vergass ich die weisen -Lehren, welche mir der Eigenthümer des Pferdes gegeben hatte, und -unwillkürlich, wir ritten ja bergab, zog ich die Zügel an; die Stacheln -der Stange stiessen in die Mundwinkel meines Pferdes, und wie ein -Spielball flog ich aus dem Sattel. Dr. J. überzeugte sich nur für einen -Augenblick, dass ich mir nichts gebrochen hatte, und verliess mich, -um, wenn möglich, vor Eintritt des Sturmes eine trockene Stätte zu -erreichen. Ich aber hatte am linken Knie eine so schmerzhafte Contusion -erlitten, dass ich nicht mehr das Pferd besteigen konnte. Ich erhob<span class="pagenum" id="Seite_87">[S. 87]</span> -mich vom Boden, fasste den Gaul beim Zügel und hinkte weiter. Ein -Blitzstrahl durchzuckte den Horizont und kündigte einen heftigen Sturm -an; nirgends eine Hütte, nirgends eine lebende Seele, nichts als Urwald -zu beiden Seiten des Weges, und vor und hinter mir die schmale Strasse. -So hinkte ich weiter, während der Regen in schweren Strömen sich über -mich ergoss, der Blitz alle fünf Minuten das graue Panorama erhellte -und der Donner im dreifachen Echo von einem Berge zum andern rollte. -Ich zog hinkend weiter, weil ich 14 Kilometer zurücklegen musste, um -nicht bei Einbruch der Finsterniss in Gottes freier Natur übernachten -zu müssen. Ich fand zwar ein Wächter-Häuschen (Garduhäuschen), welches -eine Baleh-Baleh, d. h. eine aus Rottang geflochtene Bank hatte, mit -einem ausgehöhlten Baumstamm, auf welchen mit einer Keule geschlagen -wird, um das Dorfsignal zu geben; aber kein Wächter war darin; die Bank -war zwar überdeckt mit einem Dache von Atap, es waren aber so grosse -Oeffnungen darin, dass ich darunter auch nicht vor dem strömenden Regen -geschützt war; ich hinkte also weiter. Endlich erreichte ich Tjileles -und meine Wohnung; sofort befreite ich mich von den Kleidern und von -der Wäsche, welche so nass waren, als ob sie aus dem Troge einer -Wäscherin gekommen wären.</p> - -<p>Während ich wie der selige Don Quijote mit dem Zügel meine Rosinante -am Arme unter dem strömenden Regen meines Weges hinkte, hatte ich alle -Gefahren vor den Augen, welche ein solcher Marsch im Regen im Gefolge -haben sollte und könnte.</p> - -<p>Vor 18 Jahren spielten die Bacterien noch keine so grosse Rolle in -der Aetiologie aller Krankheiten, und zahlreich waren die Leiden und -Schmerzen, welche der »Erkältung« zugeschrieben wurden. Ein solcher -Marsch in einem heftigen Regenwetter, welcher einige Stunden dauerte, -musste nach den damaligen Ansichten ein Fieber, einen Rheumatismus, ja -selbst »heftige Affectionen vom Centralnervensystem« (<em class="gesperrt">Dr. van der -Burg</em>) zur Folge haben. Nichts von allem diesen geschah mit mir. Es -ist eine bekannte Erscheinung, bei heftigem Regenwetter eingeborene -Knaben und Mädchen, selbst halb europäische und rein europäische -Kinder von 4–5 Jahren, in Adams Toilette in den Pfützen herumlaufen -und spielen zu sehen; selbst eine Deukalionsfluth schrickt keinen -Eingeborenen ab, sei es Mann oder sei es Frau, in’s Bad zu gehen, auch -wenn er z. B. viele Meter weit zum Fluss hinabsteigen muss, ja noch -mehr. In der Regel gebraucht der Eingeborene kein Handtuch, trocknet -sich<span class="pagenum" id="Seite_88">[S. 88]</span> nicht nach dem Bade ab, sondern lässt einfach den Sarong, in -dem er das Bad genommen hat, fallen, zieht einen trockenen an und -überlässt es den Sonnenstrahlen, das Trocknen des Körpers sofort zu -veranlassen. Es ist andererseits kein Zweifel, dass der Europäer eine -andere Constitution als der Eingeborene hat. Aber es ist im Auge zu -behalten, dass in den Tropen die Temperaturunterschiede zwischen der -Körpertemperatur und der des Regens nicht so gross als in Europa sind, -dass die des Regens selbst viel höher ist und derselbe viel schneller -als in den gemässigten Zonen verdunstet. Wenn auch durch das Bad -und durch den Regen, welcher sich unter den Kleidern ansammelt, die -Poren sich schliessen, weil durch die Verdampfung des Wassers Kälte -erzeugt wird und diese die peripheren Blutgefässe sich retrahiren -lässt, so dauert dieser Process nur kurze Zeit. Sobald die Verdampfung -abgelaufen ist, erweitern sich wieder die peripheren Blutgefässe, -und eine wohlthuende Wärme durchströmt die Haut. Wenn auch die -»Erkältungstheorien« bis jetzt noch zu wenig erforscht und begründet -sind, so wenig selbst, dass man sie noch nicht in den Rumpelkasten -der veralteten Theorien verweisen kann, so bleibt es immerhin -unerklärt, wie z. B. die Bacillen der Lungenentzündung unter oben -angeführten Verhältnissen in den menschlichen Organismus eindringen -sollten; eine solche Sündfluth kann unmöglich diese Mikroorganismen -in die Luft schweben lassen. Man müsste nur annehmen, dass diese -Krankheitserreger schon vorher in den Organismus eingedrungen waren und -durch die Contraction der peripheren Blutgefässe mit der unterdrückten -Transpiration den Körper nicht verlassen könnten.</p> - -<p>Ich will mich jedoch in solche Theorien nicht weiter einlassen und -mich auf die Mittheilung der Thatsache beschränken, dass in den Tropen -ein Spaziergang im Regen, und selbst in dem stärksten Regen, bei -gesunden Menschen ein nicht unangenehmes Empfinden erzeugt; ich will -jedoch betonen, dass ich nur von gesunden Menschen spreche und nicht -von Patienten, welche durch Fieber oder durch Darmerkrankung u. s. w. -erschöpft und darum weniger widerstandsfähig sind.</p> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_89">[S. 89]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Capitel_5">5. Capitel.</h2> - -</div> - -<p class="center s4 mbot2"><b>Fleischspeisen auf Java — Deng-deng — Vergiftungsfälle — Bediente -— Malaria — Geographie von Bantam.</b></p> - -<p class="p0"><span class="dc">P</span>ecuniär war mein Aufenthalt in diesem unwirthlichen, unglücklichen -Bantam günstig zu nennen; denn neben meinem fixen Gehalt bekam ich 6 -fl. Diäten und Meilen-Gelder für mich und für meinen Bedienten. Es -bleibt aber immerhin ein magerer Trost, zu hören, das »Geld versüsse -die Arbeit«. Dieses erinnert mich an die Erzählung, dass Friedrich der -Grosse eines Tages in später Abendstunde einen Courier empfing und dem -Intendanten befahl, dem hungrigen Courier etwas zu essen zu geben. Am -andern Tage erkundigte sich der König nach dem Abendessen des Couriers. -Als dieser dem König mittheilte, dass er vom Intendanten einen Thaler -erhalten habe, liess er denselben kommen und steckte ihm einen -silbernen Thaler in den Mund mit den Worten: »Jetzt esse Er einmal.«</p> - -<p>Auch ich hatte wenig von dem Bewusstsein, während meines Aufenthaltes -unter diesen unglücklichen Menschen einige hundert Gulden mehr als -gewöhnlich zu verdienen; ich bekam zwar täglich meinen Reis mit -diversen Saucen und einigen Gemüsen und getrocknetes Fleisch und -Huhn; ich musste es mir aber von Serang, d. i. ungefähr 50 Kilometer, -von einem Kuli bringen lassen. Keine frische Milch, keine Erdäpfel -zu haben, war ich schon längst gewöhnt; aber schwer vermisste ich -täglich das Brot beim Kaffee und — die Zeitung; aber schliesslich war -ich zwanzig Jahre jünger als heute, und in einem Alter, in dem die -Elasticität des Körpers mit der des Geistes gleichen Schritt hält, -und in dem man sich leicht und bequem in veränderte Lebensbedingungen -schickt. Während<span class="pagenum" id="Seite_90">[S. 90]</span> meines fünfmonatlichen Aufenthaltes in Bantam habe -ich kein einziges Mal frisches Rindfleisch bekommen. Wurde für die -Bevölkerung hin und wieder ein Büffel geschlachtet, so machte ich aus -naheliegenden Gründen davon keinen Gebrauch. Die Eingeborenen essen -es gerne, obzwar das Fleisch einen süsslichen Geschmack hat, der -nicht Jedermann befriedigt. (»Weisse« Karbouwen, welche nicht weiss, -sondern gelblich weiss sind, werden aber niemals auf die Schlachtbank -gebracht.) Kalbfleisch wird überhaupt in Indien aus mir nicht bekannten -Gründen nicht auf den Markt gebracht. Aber Schafe, Hirsche, Ziegen, -Kidangs (Cervus muntjac), Kantschils (Moschus javanicus), ein Sorte -Hasen (Lepus nigricollis), Kaninchen (Lepus cuniculus), Schweine, -Wildschweine, Pferde, Hunde, Kalongs (Pteropus edulis) kommen hin und -wieder auf den Tisch. Selbstverständlich waren alle diese mehr oder -weniger angenehmen Fleischspeisen aus den verschiedensten Ursachen -für mich in dieser unglücklichen Provinz unerreichbar. Ich war also -auf Fleisch aus Conserven angewiesen. Schinken blieb natürlich hors -concours; für mich allein einen Schinken kommen zu lassen, um davon -einen oder zwei Tage zu essen und das andere wegwerfen zu müssen, war -zu kostspielig; er kostete ja in Batavia 8–12 fl., und in Tjileles -hätte er mich sicher 14 fl. gekostet. (Der Kuli, welcher höchstens -½ Pikol = 31¼ Kilo trug, bekam ja für jeden zurückgelegten Paal = -1,5 Kilometer 5 Cts.) Würste zu geniessen, hatte ich von jeher in -Indien abgelehnt; die Würste in Conserven, von denen ich natürlich -jetzt spreche, kommen aus Europa und liegen oft Monate lang bei einem -Importeur in den grossen Städten, und deren Provenienz ist nicht -immer sicher. Sehr häufig werden Saucis de Boulogne in den Hôtels auf -den Tisch gebracht, obschon vor einigen Jahren ein Fabrikant dieser -Würstchen schwer bestraft wurde, weil er zur Fabrikation seiner -Würstchen das Fleisch kranker Thiere verwendet hatte. Uebrigens haben -alle Fleischsorten in Conserven denselben unangenehmen Geschmack -von ausgekochtem Fleisch, und deren täglicher Gebrauch ist geradezu -unmöglich. Nebstdem fehlen in keiner Haushaltung Büchsen mit Sardinen -in Oel, Sardellen, paté de foie gras, worin die Gänseleber oft nur die -Grösse einer Haselnuss hat, und alle möglichen Sorten von Geflügel, -als: Fasanen, Lerchen u. s. w. Wenn man sich die Augen zubindet, kann -man beim Essen dieser Vögel aus Conserven keinen Unterschied finden; -sie haben alle denselben Geschmack.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_91">[S. 91]</span></p> - -<p>Ich hatte also in Tjileles während meines Aufenthaltes von fünf Monaten -keine grosse Abwechselung auf meinem Tische. Glücklicherweise ist das -Deng-deng eine so schmackhafte Fleisch-Conserve, dass ich sie jeder -Heeresverwaltung für den Krieg empfehlen würde. Es werden nämlich -dünne Scheiben von Fleisch (Rind, Hirsche u. s. w.) von Fett und -Sehnen befreit und auf beiden Seiten mit Salz, Pfeffer, Tamarinde und -langkwas gut eingerieben und dann den versengenden Sonnenstrahlen zum -Trocknen übergeben. Es hält sich Monate lang, ohne an seinem angenehmen -Geschmack das Geringste zu verlieren. Dieses Deng-deng liess ich mir -bei jedem Transport von Lebensmitteln kommen und hatte dadurch eine -kleine Abwechselung mit dem Huhne, welches mir zuguterletzt auch -widerstand. Meistens wurde das Deng-deng von meiner Hausfrau in Cocosöl -oder in Butter gebacken; aber auch einfach über dem Feuer, z. B. auf -einer Roste, gebraten, behält es seinen guten Geschmack.</p> - -<p>Als Getränke hatte ich für mich einen kleinen Vorrath von rothem Wein -und für meine etwaigen Besucher eine Flasche des unentbehrlichen -Genevre mit Bitterextract im Hause. Auf meinen Wanderungen trank ich -stets Klappermilch (tjai duwegan S.). Dies lehrte mich Herr v. d. P. -mit Hinweis auf die in Multatuli mitgetheilten Vergiftungsfälle. Ein -Beamter, der zwischen dem Dilemma steht, die Autorität der eingeborenen -Fürsten nicht nur zu handhaben, sondern auch durch die Autorität -dieser Fürsten zu regieren, andererseits aber gerade die Bevölkerung -vor den Erpressungen dieser Fürsten zu beschützen, der kann oft in -die Lage kommen, den Einen oder den Andern fürchten zu müssen; darum -trank Herr v. d. P. auf seinen Inspectionsreisen nichts anderes als -die Klappermilch aus den Cocosnüssen, welche in seiner Gegenwart vom -Baume herabgeholt und von seinem »Oppas« geöffnet wurden. Ich selbst -hegte diese Furcht nicht, schon darum, weil ich überzeugt war, dass die -häufigen Vergiftungsfälle in Indien zu den Sagen gehören.</p> - -<p>In N.. sprach ich einen Pflanzer, der die Javanen nicht anders als das -»Vieh von <a id="Laban"></a>Laban« nannte. Er erzählte mir, dass er eines Tages auf -dem Sawahfelde mit einem Kuli inspiciren ging, als ihn ein heftiger -Regen überfiel, ohne dass er einen Pajong (Regenschirm) bei sich -hatte; »und denken Sie sich, wie brutal so ein Kuli sein kann,« fügte -er hinzu, »dieser Kuli nahm ein Pisangblatt und bedeckte damit seinen -Kopf! Sie begreifen, dass ich ihm eine Ohrfeige<span class="pagenum" id="Seite_92">[S. 92]</span> gab, dass ihm Hören -und Sehen verging und er nimmermehr einen Regenschirm gebrauchen -wird, wenn sein Herr ohne einen solchen im Regen gehen muss!!« Wenn -solche Menschen sich ihres Lebens nicht sicher fühlen und, ich -möchte fast sagen, überall einen Mord wittern, ist es verständlich, -aber nicht richtig. Eine ganze Mythologie besteht auf Java über die -Vergiftung aus Eifersucht und aus Rachsucht; sobald ein Europäer an -einer chronischen Erkrankung des Darmes, der Lungen u. s. w. leidet, -wird die geschwätzige Nachbarin bald eine eingeborene Frau gefunden -haben, welche früher seine Haushälterin war, oder einen Bedienten, dem -er früher eine Ohrfeige gegeben habe, und welche ihm Gift, und zwar -»Pflanzengifte, welche natürlich bei der Section nicht gefunden werden -können«, eingegeben hätten.</p> - -<p id="Dienstboten">Diese Sucht, Vergiftungsfälle als tägliche Erscheinungen hinzustellen, -entspringt in der Regel dem schlechten Gewissen, die eingeborenen -Bedienten nicht menschlich zu behandeln; der Javane oder Malaye findet -es selbstverständlich, dass er bestraft wird, selbst durch einen -Schlag, wenn er sich ein Vergehen hatte zu Schulden kommen lassen; es -können aber besonders Damen nicht nur in Indien, sondern in der ganzen -Welt oft eine solche Ungeschicklichkeit zeigen, mit den Dienstboten -umzugehen, dass es oft unglaublich erscheint, dass sich überhaupt -noch Dienstboten bei ihnen anmelden. Von Indien kann ich geradezu -behaupten, dass immer die Frau (oder der Herr) die Schuld tragen, wenn -sie keine guten Bedienten erhalten können oder jeden Augenblick neue -Bediente suchen müssen. Der indische Dienstbote ist bescheiden in -seinen Ansprüchen; er begnügt sich oft mit einem »Zimmer im Garten«, -wo sein Kamerad in Europa nicht einmal eine Stunde sich aufhalten -würde; wenn er nicht geradezu provocirt wird, vergisst er niemals den -Abstand zwischen »Herr und Knecht«; er ist gelassen und still, weil -er niemals Alcoholica gebraucht und die Höflichkeit (besonders bei -den Javanen) eine <a id="Nationaltugend"></a>Nationaltugend ist. Es ist Regel, dass der Bediente -oder der Dienstbote sich mit 3 fl. pro Monat für die Kost begnügt, -wenn auch sein Gehalt 10–15 fl. beträgt. Wenn man seinen Bedienten -nicht schimpft und nicht schlägt, so erhält man immer gute Bediente, -welche gewiss Jahre lang in demselben Dienste bleiben; ich habe die -Frau eines Collegen gekannt, welche oft fünf bis sechs Befehle auf -einmal gab, und wenn dann einer oder der andere vergessen wurde, mit -den heftigsten<span class="pagenum" id="Seite_93">[S. 93]</span> Scheltworten den Bedienten empfing. Ein guter Bedienter -lässt sich nicht schimpfen, und bei einem schlechten hilft es nicht. -Ihr Mann überhäufte seinen Kutscher mit den heftigsten Vorwürfen und -Schimpfworten auf der Strasse, weil ein Lederriemen an seinem Wagen -gebrochen war. Diese sonst so guten und braven Menschen konnten keine -14 Tage einen Dienstboten halten, während diese bei mir vier bis fünf -Jahre lang blieben. Eine andere Dame wiederum zog nicht nur den Werth -eines jeden zerbrochenen Tellers von dem Gehalt des Dienstboten ab, -sondern berechnete jede Viertelstunde, welche er zu spät »in’s Haus« -kam, mit 2–5 Cent!! Es ist unglaublich, dass diese Dame immer und immer -ihre Klagelieder anstimmte »über die indischen Dienstboten, welche -schlechter seien als das Vieh in Europa; denn sie lügen und sie stehlen -wie die Raben«. Die Lüge ist das Lieblingskind der Tyrannei, und der -Javane war bis vor kurzer Zeit ein Spielball in den Händen seiner -Fürsten; es ist also wahr, dass sie oft schon aus Höflichkeit lügen; -dennoch — wollen wir sie darum nicht so strenge verurtheilen wie -jene Dame, weil die Wahrheitsliebe der europäischen Dienstboten auch -nicht gar so hoch steht, und weil im täglichen Verkehr dieser Fehler -sich selten fühlbar macht. Die zahlreichsten Fälle sind ja jene, bei -welchen der Dienstbote den Preis von irgend einem zerbrochenen Glase -oder einer Schale ersetzen muss. Mit dem ernstesten Gesicht in der -Welt wird ein Bedienter in einem solchen Falle die Antwort geben: Sie -irren sich, Herr, ich habe es nicht gethan; und wenn man vielleicht -aufgeregt rufen wird: Wer denn? dann wird er, wenn möglich, mit noch -ruhigerem und bescheidenerem Tone antworten: »tuwan sadja« = der Herr -selbst. Da er doch bezahlen muss, nun, so macht es ihm Vergnügen, -seinen Herrn in Harnisch zu jagen und im Garten bei seinen Kameraden -diese Comödie zu besprechen. Wenn er dies nicht zu fürchten hat, -d. h. wenn er nicht alles und jedes bezahlen muss, was er zufällig -zerbricht, dann wird auch seine Wahrheitsliebe ebenso gross sein als -die eines Europäers. Was das »Stehlen« betrifft, so ist dies einfach -nicht wahr; der malayische Bediente ist ehrlich und viel ehrlicher -als sein europäischer College. Er wird bei sehr sparsamen Damen -vielleicht ein bischen Zucker, Thee oder Kaffee naschen, vielleicht -wird er bei Sorglosigkeit seines Herrn hin und wieder eine Flasche -Petroleum verkaufen — aber welch’ europäischer Bedienter würde dies -nicht thun, wenn keine Controle geübt werden würde. Ich<span class="pagenum" id="Seite_94">[S. 94]</span> habe einen -Advocaten in Surabaya gekannt, der seine Einnahmen ungezählt und ohne -Controle seinem Bedienten übergab, wenn er nach Hause kam, und der -Bediente musste das Geld in die Kasse einsperren und die täglichen -Bedürfnisse damit bestreiten. Ja, wenn ein Mann so nonchalant sein kann -und vielleicht zu faul ist, um nicht einmal in persona das Geld in die -Kasse einzusperren — verdiente es dieser Mann nicht, dass er endlich -eines Tages bemerkte, dass ihm 1400 fl. fehlten! Nun, ich will das -Capitel »Bediente« nicht schliessen, ohne die Versicherung Jedermann -zu geben, dass eine bescheidene Controle hinreichend ist, um jeden -Bedienten als ehrlichen Mann Jahre lang halten zu können.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Das Fieber, diese Geissel der Tropen, hatte in seinem epidemischen -Auftreten die Bewohner Bantams sehr schwer heimgesucht. Die Sümpfe sind -die Stätte der Malaria — dies bezweifelt Niemand — ihre aufsteigenden -Miasmen verpesten die Luft und bringen Menschen und Thieren den -tödtlichen Keim — auch dieses bezweifelt Niemand. Wie diese in den -menschlichen Organismus gelangen, hat bis auf die jüngste Zeit Niemand -bezweifelt; die Luft führt das fieberbringende Gift in den Organismus. -Aber Prof. <em class="gesperrt">Koch</em> hat während seines zweijährigen Aufenthaltes -in Englisch-Indien ein anderes ätiologisches Moment gefunden: die -Mosquitos. <em class="gesperrt">Pulvirenti</em> will den Nachweis bringen, »dass die -Krankheit (die Malaria) allenthalben dort entstehen kann, wo organische -Materien in Fäulniss gerathen«.</p> - -<p><em class="gesperrt">Meine</em> Erfahrungen bestätigen die Beobachtungen -<em class="gesperrt">Pulvirenti</em>’s in vollem Maasse, während die des Prof. <em class="gesperrt">Koch</em> -wahrscheinlich auf einem post hoc etiam propter hoc beruhen.</p> - -<p>Wo Mosquitos sind, dort sind Sümpfe, und dort kommen Malariafälle vor; -aber es giebt auch in den Tropen Landstriche, welche frei von Mosquitos -sind und doch vom Fieber heimgesucht werden. <em class="gesperrt">Grassi</em> konnte in -allen jenen Gegenden, wo Malaria vorkommt, eine eigenartige grosse -Mückenspecies nachweisen. Bei der Untersuchung dieser Insecten, nachdem -sie das Blut von Malariakranken gesogen hatten, fand er die Gegenwart -von geisseltragenden Elementen im Thierleibe.<a id="FNAnker_45" href="#Fussnote_45" class="fnanchor">[45]</a> Ohne geradezu des -Köhlerglaubens mich schuldig zu<span class="pagenum" id="Seite_95">[S. 95]</span> machen, glaube ich gerne, dass Prof. -<em class="gesperrt">Koch’s</em> Beobachtungen richtig seien — sie sind ja im Ganzen und -Grossen dieselben als die von <em class="gesperrt">Grassi</em>, wie wir sahen — aber ich -glaube nicht, dass es die einzige Ursache sei, und dass Luft und Wasser -gleichfalls eine grosse Rolle spielen in der Aetiologie der Malaria.</p> - -<p>Auch im Gebirge entstehen ja oft verheerende Fieber-Epidemien, ohne -dass Mosquitos oder andere Insecten die Vermittler derselben sind. -Um nur ein Beispiel von hundert anderen zu bringen: in den Achtziger -Jahren wurde in Magelang ein neues Campament gebaut, d. h. Casernen -mit Officierswohnungen, und zahlreiche Fieberfälle kamen unter den -Arbeitern vor. Ueberall und <em class="gesperrt">ohne Ausnahme</em> tritt in Java eine -Fieberepidemie auf, sobald der Boden aufgelockert wird, und dieses -stimmt auch mit der Behauptung von <em class="gesperrt">Pulvirenti</em>, dass die Malaria -dort entstehen kann, wo organische Materien in Fäulniss gerathen — -Magelang hat keine Mosquitos.</p> - -<p>Auf Borneo, wo ich an der Grenze des Diluviums sass, hatten wir keine -Mosquitos, zu gewissen Zeiten aber heftige Fieberfälle, ja noch mehr. -Die indische Regierung sorgt für eine zweckmässige Irrigation des -Landes, um dem Reisbau in allen Theilen des Landes eine ergiebige Ernte -zu ermöglichen, und wo der Boden zu diesem Zwecke aufgewühlt wird, -entsteht eine Fieberepidemie, ohne dass damit eine Einwanderung von -Mosquitos stattfände. Ueberall giebt es auf Java Plätze und Gegenden, -welche eine Zeitlang ob ihrer »Gesundheit« berühmt sind, um nach -einigen Jahren wieder von Fieberepidemien heimgesucht zu werden. Wenn -auch in vielen Fällen dafür eine Ursache gefunden wird, z. B. das -Anlegen von neuen Reisfeldern oder ausgedehnten Bauten, so fehlen uns -dafür oft genug nachweisbare Ursachen — Mosquitos waren im Gebirge -nicht eingewandert. — Es könnten vielleicht (nach <em class="gesperrt">Grassi</em>) -andere Insecten die Vermittler sein; aber welche? Die Hunde haben in -Indien Flöhe, aber nicht die Menschen; Wanzen kommen nur in Spitälern -und Gefängnissen vor. Auch Fliegen findet man; sie stechen aber nicht, -und es muss erst der Nachweis gebracht werden, dass eine intacte Haut -den Zutritt der Mikroorganismen gestattet, abgesehen davon, dass a -priori diese Annahme beinahe unmöglich ist.</p> - -<p>Professor <em class="gesperrt">Koch</em> weilt momentan (December 1899) in Batavia, um -die Entstehungsursachen der Malaria zu studiren. Das Uebertragen<span class="pagenum" id="Seite_96">[S. 96]</span> des -Giftes (der Plasmodien) dieser Krankheit durch Mosquitos scheint, nach -den spärlichen Berichten zu urtheilen, welche mir darüber bis jetzt -zugänglich waren, die Hauptfrage zu sein, welche diesen Bacteriologen -bei seinen Untersuchungen beschäftigt. Ich will gerne jurare in verba -magistri und das Resultat seiner Arbeiten selbst kritiklos annehmen, -weil er der Meister auf diesem Gebiete ist. Aber trotzdem muss ich -wiederholen, was ich im ersten Bande, Seite 20 behauptet habe, dass -<em class="gesperrt">auch</em> das Wasser ein Vermittler der Malaria ist, und dass die -indische Regierung eine grosse Unterlassungssünde begehen würde, -wenn sie in der Sorge, das Land von den verheerenden Verwüstungen -der Malaria zu befreien, sich auf die Vernichtung des schädlichen -Einflusses der Mosquitos<a id="FNAnker_46" href="#Fussnote_46" class="fnanchor">[46]</a> beschränken würde.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Die Provinz Bantam ist schwach bevölkert. Nach der letzten Volkszählung -von 1893 hatte sie nicht mehr als 638,567 Einwohner bei einer Grösse -von 140,664 ☐Meilen, d. h. 4520 auf die geogr. ☐Meile. Darunter -befanden sich 275 Europäer, 1657 Chinesen, 36 Araber, 32 Orientalen und -636,567 Eingeborene (worunter die zahlreichen eingewanderten Javaner, -Sumatraner, Malayen und Bewohner von West-Borneo, der Insel Banda -u. s. w. inbegriffen sind).</p> - -<p>Zahlreiche Gebirgszüge durchziehen das Land, und nur die Nordküste ist -flach; nur die Vulcane Karang (1600 Meter hoch) und Pulusari (1200 -Meter), der Trachytkegel Pajung (133 Meter) und die Berge Endut (120 -Meter) und Tukung (700 Meter) sind aus der grossen Zahl der Berge -dieser Provinz erwähnenswerth.<a id="FNAnker_47" href="#Fussnote_47" class="fnanchor">[47]</a></p> - -<p>Grosse Ströme oder Flüsse besitzt Bantam ganz und gar nicht; nur -wenige Meilen weit in’s Innere des Landes sind der Tjikandi und -der Pontangfluss befahrbar; die kleinen Flüsse Pandan, Tjimanok, -Tji-Panimbang und Tji-Barenoh sind kaum nennenswerthe Verkehrswege<span class="pagenum" id="Seite_97">[S. 97]</span> -des übrigens sehr unbedeutenden Handels mit den Naturproducten des -Landes.<a id="FNAnker_48" href="#Fussnote_48" class="fnanchor">[48]</a></p> - -<div class="figcenter illowe50" id="fig7"> - <img class="w100" src="images/fig7.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Fig. 7. Ein Wâjang Kulit (Schattenbilder) mit der - Gamelang (Capelle) und Regisseur hinter dem Schirme.</div> - <div class="caption_gross x-ebookmaker-drop"><a href="images/fig7_gross.jpg" - id="fig7_gross" rel="nofollow">⇒<br /> - <span class="s6">GRÖSSERES BILD</span></a></div> -</div> - -<p>Eine grosse Zahl Inseln liegt in der Nähe der nördlichen, westlichen -und südlichen Küste dieser Provinz (die Ostgrenze formt die Provinz -Preanger); die wichtigsten darunter sind in der Sundastrasse die -Insel Krakatau und im indischen Ocean die Prinzen-Inseln (= Pulu -Panaïtan). Im Jahre 1883 (27. [?] August) erfolgte eine so heftige und -mächtige Eruption des seit Jahrhunderten ruhenden Vulcanes auf der -Insel Krakatau, dass die ganze Westküste Bantams mit der Hafenstadt -Anjer und die Südküste von Sumatra fürchterlich heimgesucht wurden; -beinahe 20,000 Menschen fielen ihr zum Opfer. Als ich zum letzten -Male (im Jahre 1897) die Sundastrasse passirte, zeigte die Insel -Krakatau nur das unschuldige und liebliche Bild eines kleinen, dicht -bewachsenen Hügels von vielleicht 80 Meter Höhe, und nichts verrieth -mehr die ungeheure Verwüstung und Verheerung, welche vor 14 Jahren -dieser kleine Berg oder diese kleine Insel über das unglückliche Land -Bantam gebracht hatte. Auch die Insel Panaïtan, auf welcher schönes -Bauholz gefunden wurde, verlor im Jahre 1883 alle ihre Bewohner theils -durch die glühende Lavamasse, theils durch den Hunger. Eine solche -ungeheure Bimssteinmasse hatte die ganze Sundastrasse bedeckt, dass -nur unter den grössten Anstrengungen der indischen Regierung die -Schifffahrt-Verbindung mit der Provinz Lampong (Süden von Sumatra) am -29. August wieder eröffnet werden konnte. Die Insel Panaïtan jedoch -verlor alle Einwohner, weil die Feuermassen alle Lebensvorräthe — -pflanzlicher und thierischer Herkunft — verbrannt hatten, und erst -nach vielen Wochen ein Verkehr mit dem festen Lande ermöglicht wurde. -Heute ist diese Insel wieder gut bevölkert, weil sich dahin alle -Bewohner des südlichen Bantams flüchten, welche durch die Tiger in -ihrem Leben sich bedroht sehen.<a id="FNAnker_49" href="#Fussnote_49" class="fnanchor">[49]</a></p> - -<p>Keine Provinz Javas hat im Laufe dieses Jahrhunderts von -allen möglichen Unbilden so viel als diese Provinz gelitten. -Fieber-Epidemien, Viehpest, Hungersnoth, Ausbruch der Vulcane, -Ueberschwemmungen, und nicht am wenigsten Krieg haben in den letzten<span class="pagenum" id="Seite_98">[S. 98]</span> -Jahrzehnten zu wiederholten Malen diese unglückliche Provinz -heimgesucht. Wie wir im letzten Capitel sehen werden, war der Sultan -von Bantam ein mächtiger Despot. Der Letzte, Namens Mohammed Tsafiu -’d-din, regierte vom Jahre 1815–1832 und wurde wegen Theilnahme an -Seeraub von der indischen Regierung abgesetzt und nach Surabaya -verbannt. Natürlich erhoben sich darauf zahlreiche Prätendenten, -und nur zu häufig musste Gewalt diese Aufstände unterdrücken. Die -bedeutendsten darunter waren die von den Jahren 1834, 1836, 1839, -1850 und 1888. Seit dieser Zeit ist der willkürliche Despotismus -der einheimischen Fürsten gebrochen, und nur einzelne fanatische -— meistens arabische — Priester nähren die schwache Gluth der -Unzufriedenheit unter entthronten kleinen Despoten. Die holländische -Regierung steht hier vor einer schönen Aufgabe: Eine durch zahlreiche -Unglücksfälle in Verfall gerathene Provinz zur alten Wohlfahrt zu -erheben. Wenn früher Bantam durch seine Ausfuhr von Pfeffer, Reis, -Indigo, Kaffee u. s. w. blühte, so kann es ja durch eine weise -Regierung seine frühere Blüthe wieder erreichen. Zucker, Catechu, Thee, -Chinabaum, Muskatbäume u. s. w., kurz, alle Producte der Tropenwelt -finden in Bantam einen üppigen Boden, und in der Tiefe der Gebirge sind -noch viele Schätze verborgen, welche von unternehmenden Männern gehoben -werden können.</p> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_99">[S. 99]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Capitel_6" title="6. Capitel">6. Capitel.<a id="FNAnker_50" href="#Fussnote_50" class="fnanchor"><span class="s7 vat">[50]</span></a></h2> - -</div> - -<p class="center s4 mbot2"><b>Nach Buitenzorg — Der Berg Salak — Das Schloss des -Gouverneur-General — Ein weltberühmter botanischer Garten — -Batu-tulis = beschriebener Stein — Ein gefährlicher Kutscher — Die -Preanger-Provinz — Warme Quellen — Sanatorien — Indische Gewürze -— Ein reicher Beamter — Das Tanzen (Tandak) der Javanen — Wâjang -orang = Theater — Wâjang tjina = chinesisches Theater — Wâjang -Kulit = Schattenbilder — Spiele der Javanen — Eine Theeplantage -— Bambus-Wunden — Eine langweilige aber einträgliche Garnison — -Einfluss der „reinen Bergluft“ — Europäische Gemüse auf Java — -Ein javanischer Fürst verheiratet mit einer europäischen Dame — -Malayische Gedichte (Panton) — Mischrassen — Ein ausgestorbener -Krater.</b></p> - -<p class="p0"><span class="dc">A</span>m 19. August 1888 verliess ich Atjeh (Nordküste von Sumatra), kam am -23. in Padang an und erfuhr dort, dass ich in »Ngawie« eingetheilt sei, -dass ich also von dem »heissen Atjeh« in die »Hölle Javas« versetzt -wurde. Wir beide jedoch, ich und meine Frau, hatten das Bedürfniss, -uns »eine kalte Nase zu holen«,<a id="FNAnker_51" href="#Fussnote_51" class="fnanchor">[51]</a> d. h. durch die kühle und frische -Luft im Gebirge unsern durch die Wärme erschlafften Organismus ein -wenig aufzufrischen, und ich beschloss also, bevor ich nach meinem -neuen Standplatze abging, einen 14tägigen Urlaub anzusuchen. Da ich -zwei volle Jahre den beschwerlichen Dienst in Atjeh ununterbrochen -versehen hatte, und zwar, trotzdem die Beri-Beri mich heimgesucht -hatte, ohne auch nur einen einzigen Tag mich krank gemeldet zu haben, -wurde mir dieser<span class="pagenum" id="Seite_100">[S. 100]</span> Urlaub bewilligt, und ich unternahm eine Reise in -die viel gepriesene und viel gerühmte Provinz Preanger. Zunächst ging -die Reise per Eisenbahn nach Buitenzorg (= ohne Sorge = bogor M.). Da -ich im Jahre 1881 in dieser Residenzstadt des Gouverneur-General in -Garnison lag, so war mir die Stadt gut bekannt, und ich konnte meiner -Frau sofort alle Sehenswürdigkeiten beschreiben und zeigen. Zunächst -muss ich jedem Touristen anrathen, mit der Regenzeit zu rechnen. So -viel wie in Buitenzorg, regnet es in ganz Indien nicht. Zwischen 4 und -5 Uhr Nachmittags beginnt während des ganzen Jahres beinahe täglich -ein intensiver Tropenregen, und die beiden Monsune unterscheiden sich -nur dadurch, dass es zur Regenzeit oft auch Vormittags regnet, während -im Ostmonsun den ganzen Vormittag und oft bis zur ersten Abendstunde -schönes Wetter ist. Der August ist der trockenste Monat mit 273 Mm., -während im Januar 534 Mm. Regen fällt. Unter 44 Plätzen im indischen -Archipel, in welchen die täglich gefallene Regenmenge gemessen wird, -hat diese Stadt den ersten Rang, und zwar 5208 Mm.,<a id="FNAnker_52" href="#Fussnote_52" class="fnanchor">[52]</a> während die -niedrigste<span class="pagenum" id="Seite_101">[S. 101]</span> (in Probolingo) nur 1213 Mm. per Jahr aufzuweisen hat. Wenn -also das Regenwasser in Buitenzorg während eines Jahres nicht ablaufen -könnte, würde es eine Wassersäule von mehr als 5 Metern bilden und -somit eine wahre Sündfluth darstellen. Dies ist in Buitenzorg nicht -zu befürchten; es ist hinreichender Abfall der Wege vorhanden, und -ausserdem ist der Boden so weich, dass schon wenige Minuten nach dem -stärksten Regengusse ein Spaziergang möglich ist.</p> - -<p>Wenn ich auch während meines Aufenthaltes in dieser Garnisonsstadt (im -Jahre 1881) von den drei Hotels: Chemin de fer, Bellevue und Buitenzorg -immer das erstere benutzt hatte, weil es ein grosses, schönes Hotel -war, dessen Küche mit Recht gerühmt wurde, ging ich diesmal doch in’s -Hotel Bellevue, welches mitten in der Stadt liegt und seinen Besuchern -von der hinteren Veranda aus ein prachtvolles Panorama des Berges Salak -bietet.</p> - -<p>Von der Station führt eine breite Strasse links nach dem Palaste des -Gouverneur-General mit dem botanischen Garten, und bei diesem vorbei -rechts nach dem chinesischen Quartier und links nach dem »Campament«. -Neben dem Palaste befindet sich ein kleiner Platz mit dem Postgebäude -und im Hintergrunde das genannte Hotel. Es war 6 Uhr Abends, als wir -ankamen, der Regen hatte aufgehört, und nachdem wir ein erfrischendes -Bad genommen und Kleider und Wäsche gewechselt hatten, machten wir -zunächst einen Spaziergang. Beim Postgebäude vorbei kamen wir auf die -grosse Strasse, welche in das chinesische Quartier und nach Garut -führt, von wo ein kleiner Weg rechts ab nach Batu-tulis geht (5 -Kilometer). Im scharfen Bogen krümmt sich der Weg in die Hauptstrasse -des chinesischen Kleinhandels. (<a href="#fig3">Fig. 3</a>.) An der rechten Ecke steht das -»Spukhaus«, welches ich im Jahre 1881 bewohnt hatte. Es war ein grosses -Haus, welches früher ein Clubgebäude gewesen war und viele Jahre lang -unbenutzt stand, weil — jeder frühere Bewohner darin gestorben war. -Ihm gegenüber war der südliche Eingang zum weltberühmten botanischen -Garten und zum Palast des Gouverneur-General.</p> - -<p>Der kundige und brave Hortulanus S. <em class="gesperrt">Binnendyk</em> war seitdem -gestorben; jedoch Professor <em class="gesperrt">Treub</em>, ein Pflanzenphysiologe -von europäischer Berühmtheit, schaltete und waltete noch immer mit -demselben Eifer und Tüchtigkeit, mit welcher er die Botaniker der<span class="pagenum" id="Seite_102">[S. 102]</span> -ganzen Welt auf dieses Kleinod des Gartenbaues aufmerksam gemacht hat. -Es ist jetzt mit einem physiologischen Laboratorium verbunden, wohin -jährlich europäische Pflanzenphysiologen aus allen Theilen der Welt -ziehen, um ihren Forschungen und Studien unter Leitung und Mithülfe des -Prof. <em class="gesperrt">Treub</em> obzuliegen. Im Jahre 1819 von dem damaligen Director -des Departements »für Landbau, Kunst und Wissenschaft«, dem Prof. -<em class="gesperrt">Reinwardt</em>, errichtet, um ganz praktische Zwecke zu verfolgen, -und zwar den Nutzen der grossen und üppigen Flora der inländischen -Colonien zu erforschen, trat dieses Ziel bald in den Hintergrund, -und die Botaniker <em class="gesperrt">Hasskarl</em>, <em class="gesperrt">Teysmann</em> und <em class="gesperrt">Treub</em> -schufen einen botanischen Garten, welcher seines Gleichen in der -ganzen Welt nicht findet. Er wurde nicht nur der Sammelplatz aller -tropischen Gewächse, welche systematisch gepflanzt sind und dennoch den -strengsten Anforderungen der Aesthetik Rechnung tragen, sondern auch -aller subtropischen Gewächse und zahlreicher Bäume des kalten Klimas. -Es wurden nämlich vor 30 Jahren fünf Berge als Adnexe dieses Gartens -erwählt, welche mit europäischen Gewächsen bepflanzt wurden, um ein -ganzes Bild der Weltflora bieten zu können. Diese Berggärten heissen: -Tji<a id="FNAnker_53" href="#Fussnote_53" class="fnanchor">[53]</a> Panas (1050 Meter hoch), Tji<a id="FNAnker_53a" href="#Fussnote_53" class="fnanchor">[53]</a> Bodas (1290 Meter), Tji<a id="FNAnker_53b" href="#Fussnote_53" class="fnanchor">[53]</a> -Berem (1460 Meter), Kandang Badak (2370 Meter) und der Berg Pangerango -(3020 Meter).</p> - -<p>Wie gewöhnlich des Morgens fanden wir am andern Tage den Salak -wolkenfrei. Unsere Zimmer mündeten in die hintere Veranda, und die -kühle Morgenluft entlockte uns, die wir dieser Temperatur zwei -Jahre lang entwöhnt waren, ein leichtes Frösteln; nachdem wir -uns durch Unterkleider gegen diese kühle, feuchte Luft geschützt -hatten, gaben wir uns bei einer Schale heissem Kaffee ganz dem -Genusse dieses wunderschönen Panoramas hin. An seinem Fuss sieht -man das tief gefurchte Thal von dem Tji Dani = Danifluss, mit einer -hölzernen Brücke. Das braune Wasser ist von allen Seiten von grünen -Laubwänden eingeschlossen; vor uns eine kleine Landzunge, wo Hütten -der Eingeborenen im Gebüsch verborgen sind; zu unserer Rechten ein -Hügel mit einer Gruppe von Palmen gekrönt, und links eine Reihe von -mächtigen Cocospalmen. Der Hintergrund wird eingenommen von der -ungeheuren<span class="pagenum" id="Seite_103">[S. 103]</span> Masse des dreiköpfigen, bis in die Tiefe seines Inneren -zerklüfteten Salak, dessen Abhänge, seit seine Gluth erloschen ist, in -schöner Abwechslung mit Wald und Gartenanlagen geschmückt sind. Neben -der höchsten Spitze, dem Elephantenberg,<a id="FNAnker_54" href="#Fussnote_54" class="fnanchor">[54]</a> zeigt sich im Westen der -eigentliche Salak und der Berg Tji Apus im Osten; thatsächlich gehören -diese drei höchsten Punkte zu einem Bergrücken, welcher nichts anderes -als der alte Kraterrand eines Vulcanes ist. Der Krater läuft gegen -Norden hin in einer tiefen Schlucht aus, welche durch das Flüsschen -Tji Apus dem angesammelten Wasser einen Ausweg schafft. Brausend und -schäumend bahnt sich sein Wasser über Felsenblöcke einen Weg nach der -Ebene und vereinigt sich bei Tjampea mit dem Danifluss. Reisfelder -und Kaffeegärten bedecken bis zu einer Höhe von 1000 Metern den tief -gelegenen Abhang, während die üppigste Vegetation von Palmen und -anderen stolzen Bäumen von hier aus bis zur höchsten Spitze sich -erhebt. Links vom Salak sieht man in einiger Entfernung den schlanken -Kegel des Pangerango sich in die Lüfte erheben. Er ist die höchste -Spitze<a id="FNAnker_55" href="#Fussnote_55" class="fnanchor">[55]</a> des Gebirges Gedéh, welcher Name jedoch im engeren Sinne -jener weniger hohen, kahlen Felsenwand gegeben wird, die eine leichte -Rauchwolke zum Himmel sendet, und im Hintergrunde das liebliche -Panorama schliesst.<a id="FNAnker_56" href="#Fussnote_56" class="fnanchor">[56]</a></p> - -<p>Um ½8 Uhr nahmen wir unser Schiffsbad, um 8 Uhr unser copiöses -Frühstück und um 9 Uhr gingen wir, um zunächst den botanischen -Garten und das Aeussere des Palastes<a id="FNAnker_57" href="#Fussnote_57" class="fnanchor">[57]</a> zu besichtigen. Ich wählte -zum Eintritte das südliche Thor, und eine schöne, breite Strasse -mit einer Allee von Kastanienbäumen, an denen zahlreiche Orchideen -in allen Farben und Grössen prangten, führte uns zur Südseite des -Palastes. Prof. <em class="gesperrt">Treub</em> war nicht anwesend, und so musste ich -darauf verzichten, das Trockenhaus, das Glashaus und andere Schuppen, -welche sich bei diesem Eingange befinden, besichtigen zu können. Auch -die Wohnungen des Directors und Hortulanus befinden sich hier an der -Südwestseite des Gartens. Diese Allee ist ungefähr einen Kilometer lang -und hat an ihrem nördlichen Ende einen schönen Teich mit Victoria regia -und Lotusblumen,<span class="pagenum" id="Seite_104">[S. 104]</span> und in seiner Mitte eine kleine Insel, welche dicht -mit Pandaneae, Palmen u. s. w. bepflanzt ist. Die Front des Schlosses -(<a href="#fig4">Fig. 4</a>) ist ein schönes Rondeau mit zahlreichen Säulen; hier befinden -sich auch die Zimmer der Adjutanten und der Intendanten. Im Jahre 1881 -hatte ich zwei Mal Gelegenheit, das Innere des Schlosses zu sehen. -Das erste Mal war es ein gewöhnlicher Empfangsabend, bei welchem der -General-Gouverneur, umgeben von seinen Adjutanten, Cercle hielt. Der -Empfangssaal ist gross und schön; in den kleinen Sälen hängen die -Porträts aller Gouverneur-Generäle, welche bis jetzt in Indien im Namen -des holländischen Königs regiert hatten. Das zweite Mal gab folgender -Anlass dem Gouverneur-General <a id="s_Jacob"></a>s. Jacob Gelegenheit, mich in Privataudienz -zu empfangen. Im Jahre 1880 herrschte im Süden der Provinz Bantam eine -schwere Malaria-Epidemie, und ich wurde, wie früher erzählt wurde, mit -noch drei anderen Aerzten dahin gesendet, dieser armen Bevölkerung -Hülfe zu leisten. Nachdem unsere Mission vollbracht war, sollte eine -regelmässige Hülfe durch Zusendung von entsprechenden Medicamenten -u. s. w. stattfinden.</p> - -<p>Die Regierung fand sich hierbei im Widerspruch mit dem Sanitätschef, -und zwar was die Frage betrifft, ob die Eingeborenen überhaupt andere -Arzneien als das Chinin, welches damals noch sehr theuer<a id="FNAnker_58" href="#Fussnote_58" class="fnanchor">[58]</a> war, -einnehmen würden. Vom Intendanten wurde »Seine Excellenz« auf mich -aufmerksam gemacht, welcher in dieser Streitfrage aus Erfahrung -gewiss einiges mittheilen könnte. Eines Tages erhielt ich also die -Mittheilung, dass Seine Excellenz mich nach der Visite im Spitale -zu sprechen wünsche, und dass ich zu diesem Zwecke ohne Veränderung -meiner täglichen Toilette im Palast mich einfinden sollte. Um 11 -Uhr kam ich in das Schloss und fand die drei Adjutanten bei der -l’hombretafel. Der Marinelieutenant C. meldete mich an, und sofort -befand ich mich im Arbeitszimmer Seiner Excellenz. Es war ein hohes, -jedoch nicht besonders grosses Zimmer, einfach möblirt, und der -grosse Bücherschrank beherrschte den Totaleindruck. Der Empfang war -ein sehr liebenswürdiger, und wenn mich meine Erinnerung darin nicht -trügt, bekam ich selbst beim Kommen und Weggehen einen Händedruck. -Meine Erfahrung über oben erwähnte Streitfrage ist seit dieser Zeit -dieselbe geblieben.<span class="pagenum" id="Seite_105">[S. 105]</span> Der Kampongbewohner wird bei jeder Erkrankung mit -seinen einheimischen Kräutern beginnen, bei langdauernder erfolgloser -Behandlung wird er das Chinin, Santonin oder das Ricinusöl der Europäer -sich zu verschaffen bemühen, aber andere europäische Arzneien wird er -nur unter dem Hochdruck eines europäischen Arztes oder vielleicht eines -Doctor-djawas<a id="FNAnker_59" href="#Fussnote_59" class="fnanchor">[59]</a> nehmen.</p> - -<p>Die anderen inneren Räumlichkeiten des Palastes habe ich niemals -besichtigen können. Wenn ein Gouverneur-General seinen Posten -verlässt, werden seine Möbel unter den Hammer gebracht, und bei -dieser Gelegenheit strömen die kauflustigen Menschen durch das -ganze Haus. Während meines Aufenthaltes in Buitenzorg hatte dieser -Wechsel des Unter-Königs nicht stattgefunden; zu einem Diner wurde -ich niemals eingeladen, ich kenne also von diesem Hause nur den -Empfangssaal und das Arbeitszimmer. In diesem Palaste befinden sich -auch die höchsten Aemter der Regierung, obzwar der eigentliche -Sitz der Regierung Weltevreden ist. Der streng centralistischen -Regierungsform Indiens entsprechend, ruhen alle Entscheidungen in -letzter Instanz in der Hand des Gouverneur-General, und er besitzt -darum ein grosses und zahlreiches Bureaupersonal, welches unter dem -Namen »Allgemeines Secretariat« thatsächlich die Spindel ist, um die -sich alles dreht. Es besteht aus einem General-Secretär mit zwei -Gouvernements-Secretären, zwei Referendaren, einem Archivar, einem -Expediteur, sechs »Hauptcommis« und 22 »Commis« und anderen Beamten für -specielle Dienste, z. B. für die Statistik und für die Redaction des -»Staatsblattes«.<a id="FNAnker_60" href="#Fussnote_60" class="fnanchor">[60]</a></p> - -<p>An der Ostfront des Palastes liegt ein Blumengarten mit einem schönen -Vogelhause, <a id="welcher"></a>welcher für den Privatgebrauch des Gouverneur-General -und seiner Familie abgeschlossen ist. In einem Teiche steht ein -kleiner Tempel mit den Gebeinen der im Jahre 1813 verstorbenen Frau -des Lieutenant-Gouverneurs von Java, Th. <em class="gesperrt">Stamford Raffles</em>, -und auf der Westseite des Teiches und des angrenzenden Weges ist der -Begräbnissplatz der jetzigen Bewohner des Palastes. Auch befindet sich -in diesem Garten das Denkmal des Hortulanus <em class="gesperrt">Teysman</em>, welcher -zur Zeit meines Aufenthaltes in Buitenzorg (1881) noch lebte, kurz -darauf starb und einen<span class="pagenum" id="Seite_106">[S. 106]</span> bedeutenden Antheil an der jetzigen Bedeutung -dieses botanischen Gartens hatte. Die systematische Anordnung nach -Familien und Unterfamilien der Tropenflora war in erster Reihe im Auge -behalten; schon dadurch allein ist es ein reizendes Bild. Hier ist eine -Gruppe von Palmen aus allen Ländern des Tropengürtels; was für einen -prachtvollen Anblick giebt uns die Allee von Fächerpalmen! Dort ist -eine zierliche Gruppe von allen bekannten Sorten des Bambusrohres; über -dem Teiche mit der Lotusblume und der Victoria regia neigen mächtige -Waringinbäume (Ficus religiosa) ihre Wipfel, und wie ein Wald in den -Lüften schweben ihre Luftwurzeln über die Fläche des Wassers. Hier -sind Alleen, deren Bäume ein grünes lebendes Dach mit ihrem Laube -bilden, das kein Sonnenstrahl durchdringen kann, und dort sind mächtige -Waldriesen, zwischen denen sich Lianen nach allen Seiten kreuzen und -uns das Bild eines Urwaldes vorzaubern. Leider bin ich kein Botaniker -und muss es mir versagen, von den 300 Pflanzenfamilien mit ihren 2500 -Geschlechtern und mit ihren 10,000 Arten auch nur die wichtigsten -Vertreter anzuführen, und muss mich auf die wenigen Andeutungen -beschränken, um jedem Botanicus zuzurufen: Gehe hin und sieh selbst!</p> - -<p>Der grosse Weg, welcher auch befahren werden darf, führte uns auf -der Westseite des Palastes vorbei zum nördlichen Hauptthor und -durch dieses in die grosse, schöne Strasse, welche an dem neuen -Campament, Militärspitale, dem Officiers-Club und dem Hause des -Assistent-Residenten vorbei nach Tjilawar führt; am Ende der Stadt -steht ein Obelisk, und an diesem vorbei führt östlich ein Weg nach -Tanah Sáreal, wo jährlich bedeutende Wettrennen abgehalten werden.</p> - -<p>Der Erfolg der Wettrennen war, abgesehen von Festlichkeiten und dem -damit verbundenen Zuströmen der Fremden, wie überall auch in Buitenzorg -kein nennenswerther. Die Preangerpferde, welche früher eine grosse -Rasse, d. h. über 1,5 Meter hoch waren, wegen ihres schlanken und -kräftigen Baues sehr gerne zu Luxuspferden gebraucht wurden, haben -durch die Wettrennen nicht gewonnen. Der Regierung wurde erst durch -einen der Häuptlinge der richtige Weg gezeigt, diesen Pferden ihre -frühere Bedeutung wieder zu geben. Es wurden in letzter Zeit drei -Deckhengste angekauft, welche auf Kosten der Regierung von Bezirk zu -Bezirk gesendet werden, während der früher erwähnte Häuptling die -Verbesserung der Rasse sich theuer bezahlen liess.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_107">[S. 107]</span></p> - -<p>Den Rennplatz verliessen wir bald, weil er eben wie jeder andere nichts -Sehenswürdiges bot; andererseits weckte er so manche Rückerinnerung -aus dem Jahre 1881, welche in jeder Hinsicht sehr angenehm war. In -Buitenzorg habe ich das glücklichste Jahr meines Lebens gehabt. Ich -»diente« angenehm; ich hatte eine starke Privatpraxis (unter den -Chinesen); ich wohnte in einem grossen und schönen Hause und hatte -einen kleinen, aber sehr angenehmen Kreis von Bekannten. Das Klima -der Stadt ist sehr gesund und angenehm. Wenn auch bei einer Höhe von -267 Metern die Durchschnitts-Temperatur niedriger als in Batavia -war, so hatten wir in Buitenzorg oft genug des Mittags 30° C.; -aber der in den Nachmittagsstunden fallende Regen erfrischte und -reinigte die Temperatur, so dass man um 6 Uhr mit frischen Kräften -seinen Spaziergang machen konnte, und die Nächte waren immer so viel -abgekühlt, dass ein erquickender Schlaf neue Kräfte brachte. Wenn, wie -es auf den Strandplätzen so häufig geschieht, auf die warmen Tage keine -kühlen Nächte folgen, so ist der Aufenthalt hinter dem Mosquitonetze -mehr eine Qual als eine Erholung. Man transpirirt so stark, dass die -Bettwäsche nass wird, man ist gezwungen, die Leibwäsche zu wechseln, -und wenn man endlich in später Nachtstunde oder in früher Morgenstunde -in den Schlaf fällt, so ist er nicht erquickend; müde und matt steht -man auf und erfrischt sich durch ein Schiffsbad die Glieder, um gegen -8 Uhr wieder die starke Transpiration sich erneuern zu sehen. In -Buitenzorg waren die kühlen Nächte Regel. Leider bot dieser Ort aber -sehr wenig geistige Genüsse. Selbst den Club konnte ich wenig besuchen, -weil die angestrengte Praxis mir dazu keine Zeit liess.</p> - -<p>Von dem Obelisk kehrten wir auf demselben Wege zurück und verliessen -den Garten bei dem Thore an der Westseite, wo sich auch eine Wache -befand. Diese Wachen werden in Robotdienst von den Eingeborenen -abgehalten und bestehen aus zwei Mann, welche in einer steinernen -Hütte sitzen; sie halten eine Gabel in der Hand, um im gegebenen Falle -den Verbrecher beim Halse damit fangen zu können, und an der Hütte -hängt ein grosser ausgehöhlter Baumstamm, auf den mit einem Knüttel -geschlagen wird, entweder um die Stunde des Tages anzuzeigen oder Hülfe -herbeizurufen. Jeden Passanten muss sie bei Nacht mit Werda! anrufen. -Dieser Wache gegenüber läuft die Stationsstrasse mit dem Clubgebäude -zur Rechten und einigen europäischen Wohnhäusern und dem grossen -Hotel<span class="pagenum" id="Seite_108">[S. 108]</span> Chemin de fer zur Linken. Von diesem aus geht eine Strasse -neben dem Gefängniss und der europäischen Schule nach Empang, dem -Badeplatz Sukaradja und dem Landgute von Tjiomas, dessen Eigenthümer -eine lange Zeit allen Warnungen der Regierung zum Trotze seinen -Tyrannengelüsten gegenüber der Bevölkerung nicht entsagen wollte. -Von der Eisenbahnstation geht ein Weg nach Norden zu dem Stadttheile -Tjikomoh, in welchem die neue Landesirrenanstalt steht, welche allen -modernen Ansprüchen an ein solches Gebäude entspricht.</p> - -<p>Ueber Empang nahmen wir den Weg ins Hotel zurück, stolz darauf, »in -der Oost« einen so grossen Spaziergang zurückgelegt zu haben. Meine -Frau nahm ein Schiffsbad (siram) und ging in indischer Toilette<a id="FNAnker_61" href="#Fussnote_61" class="fnanchor">[61]</a> -zur Reistafel; nach derselben gingen wir zu Bett, nahmen unsern Thee, -um 4 Uhr wieder ein Bad, und um ½5 Uhr fuhren wir mit einem Wagen -nach Batu-tulis = beschriebener Stein. In dem chinesischen Viertel -führt neben dem chinesischen Tempel rechts ein schmaler Weg, der -nur von einem Wagen bequem befahren werden kann und vier Kilometer -lang ist, zu einem wunderschönen Panorama. In früheren Zeiten stand -ein Gesundheits-Etablissement für militärische Reconvalescenten an -diesem Orte. Ich selbst war im Jahre 1881 diesem zugetheilt; ich -wohnte in Buitenzorg und fuhr täglich mit meinem Dos-à-dos oder -mit meiner Victoria dahin. Das Dos-à-dos war mit einem wilden und -feurigen Sandelwoodpferd bespannt, welches nur mit Mühe zu einem -ruhigen Trabschritt angehalten werden konnte. Eines Tages fuhr ich -nach Buitenzorg zurück, und vor mir fuhr der Spitalschef in ruhigem -und gelassenem Schritt seiner makassarischen Pferde; meinem Pferde war -es zu langweilig, so langsam und ruhig traben zu sollen, und es ging -zum Galopp über. Ich rief dem Kutscher meines Chefs zu, so viel als -möglich den Wagen zur Seite zu lenken, weil ich mein Pferd vom Galopp -nicht abbringen könne; mein Eisenschimmel folgte seinem Willen, und so -flogen wir neben dem Coupé des Chefs vorbei, die Gläser klirrten, die -Schutzreifen beider Wagen brachen, und ein kräftiger Fluch begleitete -den Kutscher, der sich in seiner majestätischen (?) Ruhe nicht stören -liess und nicht um einen Finger breit von seiner vorgeschriebenen Route -abwich. Bald gelang es<span class="pagenum" id="Seite_109">[S. 109]</span> mir, den Uebereifer meines Pferdes zu zügeln, -und ich fuhr zunächst in die Wohnung des Chefs, um seine Ankunft -abzuwarten. Seine Frau war eine hochgebildete feine Dame, welche der -deutschen Sprache sehr gut mächtig war, und als ich ihr den Zweck -meiner Morgenvisite mittheilte und hinzufügte, dass ich nicht wisse, -ob ich bei meinem Chef mich über seinen Kutscher beklagen solle, dass -er so eigensinnig war, nicht ausweichen zu wollen, oder ob ich mich -entschuldigen müsse, weil ich ihren Kutscher beschimpft und die Fenster -des Coupés zerbrochen hatte, nahm sie das Air eines strengen Richters -an, der zunächst eine genaue Untersuchung der Affaire halten müsse, -und befahl mir im strengen Tone zu warten, bis das corpus delicti, -der Wagen, der zweite Angeklagte und der Kläger, ihr Mann, erschienen -seien. Es dauerte kaum eine Viertelstunde, und der Wagen meines Chefs -fuhr vor. Wir gingen zur Treppe, und auf die Frage der Hausfrau, warum -die Fenster des Coupés zerbrochen seien, antwortete der Kutscher in -seiner unerschütterlichen Ruhe: »Der Herr Doctor wollte vorfahren, aber -ich kann doch nicht gestatten, oder sogar dazu behülflich sein, dass -Jemand an seinem Vorgesetzten vorbeifahre!« Als wir alle Drei gegenüber -diesen Argumenten in ein schallendes Gelächter ausbrachen, sah uns der -Kutscher verwundert an, weil wir diese primitivste Höflichkeit nicht -verstehen wollten, und als ich ihn hierauf frug, was er gethan hätte, -wenn er dabei vom Bocke gefallen, oder mein leichter Wagen von dem -Coupé seines Herrn zerschmettert und ich und mein Bedienter den Kopf -zerbrochen hätten, fügte er mit der grössten Ruhe hinzu: »Tuwan Allah -Kassih = Gott bescheert es.«</p> - -<p>Das Militär-Reconvalescentenhaus zu Batu-tulis, in welchem ich ein -Jahr lang thätig gewesen war, bestand aus zwei Reihen Baracken aus -Bambus, welche bei meinem letzten Besuche bereits abgetragen waren. Ihm -gegenüber stand der »gläserne Palast«, welcher ein einstöckiges Gebäude -aus Steinen war, und dessen erster Stock eine gläserne Veranda hatte. -Diese war einem der behandelnden Aerzte zur Wohnung angewiesen, während -im Parterre der »Administrator« wohnte. Das Spital war abgetragen, -und der »gläserne Palast« wurde nur von einem Wächter bewohnt. Noch -einmal, und zwar zum letzten Male, entzückte ich mich an dem herrlichen -Panorama, welches der südwestliche Theil der Veranda mir bot. Schäumend -und brausend wälzt sich das Wasser des Daniflusses zwischen zahlreichen -erratischen Blöcken und kleinen Steinen; Kinder spielen und springen -lebensfroh<span class="pagenum" id="Seite_110">[S. 110]</span> in diesem seichten Wasser, über welches sich eine zierliche -Brücke, nur aus Bambus verfertigt, zu dem Fusse des Salak zieht. -Zahlreiche kleine Häuser und Fruchtgärten bedecken den Abhang des -Berges, und ein riesiger Waringinbaum breitet seine doppelt gefärbte -Krone über lachende Fluren. Das Schnauben der Locomotive, welche tief -unter uns nach Buitenzorg dampfte, störte uns in der Betrachtung dieses -schönen Panoramas, welches lieblicher und milder ist als jenes, welches -der Salakberg den Bewohnern des Hotels Bellevue in Buitenzorg bietet.</p> - -<p>Den ersten »beschriebenen Stein« fanden wir zwischen zwei Bambushütten; -es war ein Stein, auf welchem die Abdrücke zweier Füsse sich befanden, -und zwar die des <em class="gesperrt">Radja Mantri</em>, welcher auf diesem Steine so -lange gestanden hatte, um nachzudenken, welche Bedeutung die vor -ihm liegenden beschriebenen Steine hätten, bis seine Füsse in dem -Stein sich abgedrückt hatten. Die übrigen Steine werden von den -Alterthumsforschern als sprechende Ruinen des alten Reiches Padjadjaran -vielfach beurtheilt und gedeutet, und von den Eingeborenen einem -mohamedanischen Heiligen, dem <em class="gesperrt">Kean Ansantang</em>, zugeschrieben; -leider war die Zeit zu kurz, um mich mit diesen Steinen näher -zu beschäftigen. Die Sonne näherte sich als eine grosse feurige -Scheibe dem Horizonte, immer schneller und schneller sank sie hinter -die waldreichen Gipfel des nahen Hügellandes, und als der letzte -Sonnenstrahl über unsere Köpfe hinweg auf den Abhängen des Salak sich -zu einem feurigen Fächer verbreitete, mahnte er uns zur Rückreise nach -Buitenzorg (<a href="#fig5">Fig. 5</a>); denn die Dämmerung dauerte auch hier<a id="FNAnker_62" href="#Fussnote_62" class="fnanchor">[62]</a> nur -ungefähr eine Viertelstunde, und der Weg war mit zahlreichen Steinen -bedeckt.</p> - -<p>Wir kehrten also nach Buitenzorg zurück, um am folgenden Morgen die -Reise in die »Preangerprovinz« fortzusetzen. Die Nordgrenze dieser -Provinz zieht über die Gipfel zahlreicher Bergriesen (Halimun 1921 -Meter hoch, Salak 2215 Meter, Gedéh 3022 Meter, Sanggabuwana 1298 -Meter, Tankubauprahu 2075 Meter, Bukittimpul 2208 Meter und andere -hohe Berge), welche an der Ostgrenze in einen spitzen Bogen übergehen -und eine zweite Gebirgskette formen, welche beinahe parallel zu -der ersten läuft und bei Bandong eine grosse und einige kleine -Hochebenen einschliesst. Diese Provinz erinnert in vieler Hinsicht -an die Alpenländer Europas.<span class="pagenum" id="Seite_111">[S. 111]</span> Sie ist zwar die grösste Provinz Javas -(371,001 ☐Meilen), aber auch am wenigsten bevölkert (2,000,033 -Einwohner<a id="FNAnker_63" href="#Fussnote_63" class="fnanchor">[63]</a> mit 5391<a id="FNAnker_64" href="#Fussnote_64" class="fnanchor">[64]</a> auf die ☐Meile). Sie hat ein herrliches, -geradezu südeuropäisches Klima, hat unzählbare warme Quellen, eine -unerschöpfliche Quelle von Naturproducten (zahlreich sind die Plantagen -für Thee, China, Tabak, Kaffee, Cacao, Vanille, Muscatnuss u. s. w.); -aber von der Gewinnung von Mineralien ist nirgends die Rede; sollte -denn nirgends z. B. Gold gefunden werden, da doch so manche Ruine einen -grossen Goldreichthum in den ältesten Zeiten vermuthen lässt. Eine -engherzige und kurzsichtige Gesetzgebung im Bergbauwesen hat bisher die -indische Regierung im Allgemeinen gezeigt; seit Mai des Jahres 1897 ist -sie diesbezüglich liberaler geworden. In Semarang, oder vielmehr in -der Provinz Semarang, wurden reiche Quellen von Petroleum in Betrieb -gesetzt, und das Leuchtöl der »Dordrechtischen Gesellschaft« hat in -China und Japan einen grossen Theil des russischen und amerikanischen -Petroleums verdrängt. Auch in Celebes wurden Goldminen dem Handel -eröffnet; vielleicht bemächtigt sich der Handel auch des Bodens -der Provinz Preanger und lässt durch fleissige Untersuchungen des -Bodens der Berge neue Quellen der Wohlfahrt eröffnen. Kohlen befinden -sich im Westen Javas; Gold wurde in der Provinz Krawang gefunden; -Zinn auf einigen kleinen Inseln in der Nähe der Rhede von Samarang; -Jodium enthalten unzählbare Quellen; Schwefel kommt in ungeheurer -Masse vor, Marmor im Süden der Provinz Madiun. Petrefacten, Basalt, -Porphyr, Granit, Kaolin, Kalk, Kohle, Eisen, Spath u. s. w. kommen auf -Java vor, ohne dass, wenn wir vom Petroleum und von einigen heissen -Mineralquellen absehen, auch nur eine einzige Gesellschaft sich -gefunden hätte, um diese verborgenen Schätze Javas resp. der Provinz -Preanger zu heben.</p> - -<p>Einen ungeheuren Reichthum an warmen, heissen, kalten, an -indifferenten, an Salz-, Stahl-, Schwefel- und Jodiumquellen hat -Java, und die meisten von ihnen sind unbenutzt und unbekannt. Die -Provinz Preanger allein hat 1 Bittersalzbrunnen (bei Kandang Wesi), 1 -Mofette auf dem nördlichen Abhang des Telaga Bodas, 1 Moorwelle auf -dem Salak, 1 warmen Brunnen am Gedéh, 3 warme Brunnen am Mandalawangi, -2 in Sukabumi, 2 bei Dadap, 1 auf dem<span class="pagenum" id="Seite_112">[S. 112]</span> Berge Breng Breng, 1 bei dem -Flüsschen Tji Madja, 1 Bittersalzbrunnen bei Batur, 1 warme Quelle am -Berge Patua, 1 heisse und 1 warme bei Pengalengan, 1 auf dem Tangkuban -Prahu, 2 bei Lembang, 1 am Berge Guntur, 1 auf dem Papandajang, 1 im -District Wanakarta, 1 bei Tassikmalaya, 1 im District Karang, 1 bei -Tjiwalini, 1 bei Tjibalang; also diese eine Provinz allein hat 26 warme -Quellen, wovon 2 Karlsbad eine bedeutende Concurrenz machen könnten, -wenn —.</p> - -<p>Das Ziel meiner Reise war Sindanglaya, ein mit Recht viel gepriesener -Luftcurort Javas. Zunächst kamen wir (um 10 Uhr Vormittags) nach -Sukabumi, welches ebenfalls ein Reconvalescenten-Spital für Soldaten -besitzt; es liegt 602 Meter hoch, hat ein mildes, leicht warmes Klima -und ist besonders geeignet für Reconvalescenten nach Erkrankungen der -Lungen und nach allen Krankheiten, welche von Diarrhöe begleitet sind. -Nebstdem befanden sich zwei Pavillons für »Patienten erster Klasse«, -in welche natürlich auch Bürger aufgenommen wurden. Es ist nämlich -Eigenthum eines Arztes gewesen, der für seine militärischen Patienten -einen gewissen Betrag berechnete, im Uebrigen war es in jeder Hinsicht -ein Privat-Sanatorium. Ich selbst bezog es für eine Nacht, und ich und -meine Frau hatten eine angenehme Gesellschaft und eine gute Küche für -diesen einen Tag.</p> - -<div class="figcenter illowe38" id="fig8"> - <img class="w100" src="images/fig8.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Fig. 8. Eine malayische öffentliche Tänzerin mit der - kleinen Capelle eines Tôpéng - Babakan.<a id="FNAnker_66" href="#Fussnote_66" class="fnanchor">[66]</a></div> -</div> - -<p>Was mich jedoch unangenehm berührte, war der wissenschaftliche -Indifferentismus, der damals in dieser Anstalt herrschte; ein so -grosses Material wurde wissenschaftlich nicht verwerthet, und was -nicht direct mit der Behandlung der Patienten in Verbindung war, wurde -ignorirt. Wie viele noch offene Fragen mit Bezug auf das Leben in den -Tropen könnten in einem solchen Sanatorium ihre Lösung finden? Ich will -nur auf die besonders praktische und wichtige Frage der Magensäure -hinweisen. Fast in keiner Familie fehlt das Fläschchen Salzsäure -(und Ricinusöl) und wird bei allen möglichen Formen der gestörten -Magenfunction gebraucht. Ich kann mir zwar ganz gut vorstellen, dass -diese ungeheuren Massen Speise, welche bei der Reistafel<a id="FNAnker_65" href="#Fussnote_65" class="fnanchor">[65]</a> dem Magen -zugeführt werden, keine genügende Menge Salzsäure für die regelmässige -Verdauung vorfinden, und dass darum eine Nachhülfe mit künstlicher -Salzsäure sehr oft nöthig ist. Auch ist es auffallend, dass den Aerzten -so wenig<span class="pagenum" id="Seite_113">[S. 113]</span> Magengeschwüre zur Behandlung kommen, und dass so selten -Hyperacidität des Magens, d. h. zu grosser Säuregehalt des Magens -von ihnen diagnosticirt werde; aber dies sind nur aprioristische -Grundlagen für die Annahme, dass in den Tropen, im Gegensatz zu den -Ländern mit einem gemässigten Klima, die Hypacidität des Magens, -d. h. eine zu geringe Entwicklung der Magensäure, eine häufige, ja -selbst regelmässig vorkommende Krankheit sein sollte. Pfeffer, Senf, -Lombok (spanischer Pfeffer = Paprika), Peté (Parkia Africana), Assem -(Tamarinda Indica), Vanille, Tjenké (Caryophyllum aromaticum), Pála -(Myristica fragrans), Ketúmbar (Coriandrum sativum), Kápol (Ammonium -cardamomum), Kélor (Morynga pterygosperma), Kúnir (Curcuma), Kajumanis -(Cinnamomum aromaticum), Sintok (C. Sintok), Kerry, welches aus Santen -(Fleisch der Cocosnuss), Curcuma, Wurzeln von Ingwer, Langkwas (Alpinia -galanga), Zwiebeln, Paprika, Djinten (Anisodrilus carnosus), Kentjur -(Kaempheria galanga), Ketúmbar Seré (Graminea), Lada (Pfeffer) und -anderen Pflanzen besteht, sind eine stattliche Reihe von Gewürzen, -welche die Rysttafel sehr schmackhaft machen und den Magen zu erhöhter -Arbeit reizen. Ob nun darum allein der Magen keine hinreichende Menge -von Magensäure producirt, also eine relative Hypacidität besitze, oder -ob im Allgemeinen die Function des Magens in den Tropen eine träge sei -und gerade darum zur erhöhten Thätigkeit durch diese Gewürze angeregt -werden müsse, ist eine der vielen physiologischen Fragen, welche in den -Tropen selbst entschieden werden müssen, und für deren Lösung gerade -solche Sanatorien, welche über grosses Menschenmaterial verfügen, die -geeignetsten Orte wären.</p> - -<p>Auch Sindanglaya, wohin ich mich am andern Tag um 10 Uhr per Eisenbahn -begab, wurde damals wissenschaftlich nicht ausgenutzt; der leitende -Arzt war ein Psychiater, welcher, wenn ich mich nicht irre, jetzt -Professor dieses Faches in Holland ist; aber für die vielen hundert -offenen Fragen der Biologie in den Tropen ist in den Sanatorien Javas -bis jetzt gar nichts gethan worden. Das bacteriologische Laboratorium -in Weltevreden ist die einzige Stätte, welche sich über die Grenzen -des täglichen praktischen Bedürfnisses hinaus mit wissenschaftlichen -medicinischen Fragen beschäftigt.</p> - -<p>Die weitere Eisenbahnfahrt bot wiederum schöne Panoramen und -stellenweise Meisterstücke der modernen Eisenbahn-Baukunst. Den Berg<span class="pagenum" id="Seite_114">[S. 114]</span> -Kantjana (1240 Meter hoch) umzogen wir in einem grossen Bogen, bis wir -in Tjandjur die Hochebene gleichen Namens (459 Meter hoch) erreicht -hatten. Hier verliessen wir die Eisenbahn, um mit einem Dos-à-dos nach -Sindanglaya zu fahren.</p> - -<p>Tjandjur war bis zum Jahre 1864 die Hauptstadt der Provinz Preanger, -und seit dieser Zeit ist der Regent dieses Bezirks in jeder Hinsicht -ein Rivale von seinem Collegen in Bandong. Wenn ich auch auf dieser -Reise Bandong, die Hauptstadt der Provinz Bantam, nicht besuchte, -sondern von Tjandjur direct nach Sindanglaya fuhr, so glaube ich -doch aus verschiedenen Ursachen hier einige Worte über diese -schöne Stadt Javas verlieren zu müssen. Im Jahre 1882 wurde ich -nämlich jener Commission zugetheilt, welche in Batu-Djadjar, der -Artillerie-Schiessstätte auf der Hochebene von Bandong, von Krupp -erhaltene Kanonen untersuchen und einschiessen sollte.</p> - -<p>Hier blieb ich von Mitte December 1882 bis Ende März 1883 und hatte -oft Gelegenheit, die nahe gelegene Hauptstadt der Provinz aufzusuchen. -Von Batu-Djadjar gingen zwei Strassen auf die grosse Landstrasse; die -westliche endete bei der Halte Padalarang, bei welcher gewöhnlich die -von Batavia kommenden Reisenden ausstiegen; die zweite führte zur Halte -Tjimahi, wo seit dem Jahre 1896 ein grosses militärisches, stabiles -Lager<a id="FNAnker_67" href="#Fussnote_67" class="fnanchor">[67]</a> sich befindet. In 1½ Stunden konnten wir Bandong bequem -erreichen. Die Stadt liegt zum grössten Theile zu beiden Seiten der -grossen Poststrasse und macht einen freundlichen Eindruck. Der Regent -hat einen schönen Palast, dessen Empfangssaal geradezu verschwenderisch -ausgestattet ist. Wenn er auch viel von seiner früheren Grösse und -Reichthum verloren hat, so ist er dennoch der reichste Beamte von -Java; er bezieht einen Gehalt von 20,000 fl. pro Jahr, und für jeden -Pikol<a id="FNAnker_68" href="#Fussnote_68" class="fnanchor">[68]</a> Kaffee, der aus seinem Bezirk abgeliefert wird, einen halben -Gulden Prämie, welche jedoch 40,000 fl. nicht überschreiten darf. -60,000 fl. ist ein schönes Einkommen für einen eingeborenen Fürsten. -Von dem Vater des gegenwärtigen Regenten ist es bekannt, dass er nicht -nur einen grossen Aufwand führte, sondern auch gegen seine europäischen -Gäste in freigebiger und luxuriöser Weise die Gastfreundschaft übte. -Er bezog allerdings neben seinem<span class="pagenum" id="Seite_115">[S. 115]</span> Gehalt von 20,000 fl. noch eine -Personalzulage von 24,000 fl. und erhielt für jeden exportirten Pikol -Kaffee eine Prämie von 1 fl. (bis zu einem Betrage von 80,000 fl.). -(Dieser hohe Gehalt ist nämlich eine Entschädigung für den Verlust -an diversen Steuern, welche der Fürst von Bandong bis zu seiner -Anerkennung der holländischen Souveränität in dieser Provinz erhoben -hatte.) Der alte Regent war ein grosser Freund von einem wohlgefüllten -Stall mit arabischen, persischen und birmanesischen Pferden; er hielt -Pferdewettrennen und Treibjagden in grossem Maassstabe. Bei seinen -häuslichen Festen liess er die fürstlichen Tänzerinnen (Bedajas) -auftreten (<a href="#fig6">Fig. 6</a>), Turniere halten und grosse Marionetten in -europäischer Kleidung den europäischen Tanz persifliren. Auch hatte -er eine kleine Zahl von Hadjis, welche bei festlichen Gelegenheiten -das Gedebus zeigten, indem sie unter Anrufen des Propheten und des -Scheikh Abdul Kadir Djilani und mit wilden Tänzen eiserne Spitzen in -die Brust stachen. Man muss bei den eingeborenen Escamoteuren nicht -so leicht mit dem Worte Schwindel bei der Hand sein. Ich sah damals -im Club einen Klingalesen, welcher einen Knäuel Zwirn verschluckte, -in der Magengegend mit einem Messer die Haut ritzte und aus der Wunde -vielleicht hundert Meter Zwirn herauszog!</p> - -<p>Den gegenwärtigen Regenten von Bandong sprach ich das erste Mal in Batu -Djadjar; er war von dem Präsidenten der Commission eingeladen worden, -das Telephon zu besichtigen und zu gebrauchen, welches ihm damals -(im Jahre 1882) noch unbekannt und zu dem Zwecke der Controle der -erzielten Treffer auf der Schiessstätte in Gebrauch war. Er kam nur mit -einem kleinen Gefolge; sein Stellvertreter, der Patti, wurde auf die -entfernte Station bei der ersten Scheibe geschickt, und dann wurden sie -mit einander verbunden. Als der Regent durch das Telephon die Stimme -seines Patti erkannte, sprang er im strengsten Sinne des Wortes vor -Ueberraschung wie ein Narr herum und rief héran sakâli (Wunder über -Wunder), apa pintar orang blanda (wie weise sind die Holländer!). Da -wir, abgesehen von einem grossen Pavillon (mit doppelten Bambuswänden) -für die Officierswohnungen und einem als Caserne, noch einen -gemeinsamen Speisesaal hatten, der aus den Contributionen der einzelnen -Commissionen, welche jährlich hier eintrafen, mit vollkommenem Service -für zwölf Personen eingerichtet war, wollten wir den Regenten vor -seinem Abschied zur »Rysttafel« einladen; er nahm es nicht an, lud uns -aber für den folgenden Sonntag zu seinem Herrenabend ein.</p> - -<p>Zwei Officiere — ich selbst war damals noch ledig — hatten zwar<span class="pagenum" id="Seite_116">[S. 116]</span> ihre -Frauen bei sich; sie bekamen aber den erwünschten Urlaub, und so gingen -wir drei Tage später nach Bandong, zwei zu Pferde und die übrigen zwei -in einem Kâhar sewa, d. h. einem kleinen zweirädrigen Wagen, welcher -die Unbequemlichkeit im Sitzen und im Einsteigen bis zum Maximum zeigt. -Im Hotel Homan nahmen wir unser Nachtmahl, und um 9 Uhr fanden wir uns -bei dem Regenten ein. Es war ein schöner, reich mit Gold verzierter -Empfangssaal, oder vielmehr Empfangshalle (Pendoppo M.). Kaum hatten -wir den Hausherrn begrüsst, und zwar unter sanften, einschmeichelnden -Tönen der Gamelang, kam ein Bedienter mit einer grossen Platte, auf -welcher echt chinesische Schalen mit Kaffee-Extract standen, und Jeder -nahm sich von dem Zucker und von der Milch nach Belieben. Plötzlich -erhob die Gamelang einen gewaltigen Spectakel, der Regent eilte von uns -zu dem Eintritt seines Pendoppo, um den Residenten zu begrüssen, dessen -Ankunft eben durch diesen Tusch angekündigt wurde. Der Bediente des -Residenten war mit dem goldenen Pajong erschienen und setzte sich auf -der Treppe nieder mit hoch aufgerichtetem, jedoch geschlossenem Pajong, -und wir alle näherten uns dem Vertreter der Regierung und wurden -ebenso freundlich als leutselig von ihm begrüsst. Auf ein Zeichen -des Residenten erschien auch sofort die erste Tänzerin, welche eine -gewöhnliche Ronggeng war, d. h. eine öffentliche Tänzerin, welche zu -diesem Zwecke von dem Hausherrn gemiethet wurde. Die Gamelang erhob nun -ihre sanfte, liebliche Weise, und die Ronggeng begann ihren Tanz (?). -Sie war nur mit einem Sarong bekleidet, welcher mit einem silbernen -Gürtel in der Taille geschlossen war, während der obere Theil die volle -Büste nur theilweise deckte; sie hatte keine Schuhe und keine Strümpfe -und zeigte einen schönen, wohlgeformten, braunen Fuss; auch die Arme, -Schultern und Hals waren unbedeckt; jedoch hübsche Armbänder zierten -den Vorderarm, in den Ohren waren dicke, mit Diamanten besetzte Stäbe, -und in dem üppigen, pechschwarzen, glänzenden und zu einem Knoten -(Kondé) gebundenen Haar steckten zahlreiche grosse, mit Edelsteinen -besetzte Haarnadeln. Die Stirne war theilweise mit Boreh gelb und die -Augenwimpern schwarz gefärbt. Sie begann mit kreischender Stimme ein -Lied, verschämt lächelnd brachte sie den Salindang<a id="FNAnker_69" href="#Fussnote_69" class="fnanchor">[69]</a> vor den Mund, -und, ohne viel von der Stelle zu weichen, drehte sie sich langsam<span class="pagenum" id="Seite_117">[S. 117]</span> im -Kreise und streckte bald den einen, bald den andern Arm ein wenig in -die Höhe, wobei die Hand und alle Finger überstreckt waren, d. h. das -Handgelenk einen Winkel von weniger als 90° und die Finger von mehr -als 180° bildeten. Was sie sang, verstand ich nicht und ebensowenig -die übrigen Europäer. Aber auch die anwesenden eingeborenen Häuptlinge -erriethen wahrscheinlich den Inhalt der Lieder mehr als sie ihn -verstanden; wenn ich mich nämlich nicht irre, sang sie nicht in -sundanesischer Sprache, sondern wie die Ronggengs im eigentlichen Java, -in altjavanischer (Kawi) Sprache. Bald betheiligten sich auch Männer an -diesem Tanze. Den Reigen eröffnete der Regent in höchsteigener Person, -indem er ebenfalls einen Salindang nahm, einen Ryksdalder (= 2,50 fl.) -in die dazu bestimmte Kasse warf und nun den Bewegungen der Bidaja -folgte; es lag seinen drehenden Bewegungen etwas Caricatur zu Grunde, -ohne dass ich mir sagen konnte, was persiflirt werden sollte. Hierauf -wurde die Schärpe auch einigen europäischen Herren angeboten, welche -in gleicher Weise 1 oder 2,50 fl. in die Kasse warfen und sich Mühe -gaben, nach den Regeln der Kunst zu »tandaken«. Wenn auch die Tänzerin -nur wenige und sehr kleine Schritte machte, also gewissermaassen -trippelte, und nur im Affect in grossen und beschleunigten Schritten im -Kreise herumlief, so blieb doch der »Tandak« der Herren (welche dann -Beksos genannt werden) immer eine scherzhafte Caricatur der Tänzerin; -besonders die steife Haltung der Arme und Hände wollte den Männern -nicht gelingen; auch gelang es ihnen niemals, das verschämte und -verlegene Lächeln der Tänzerin zu imitiren, wenn ein besonders starker -Tabak im Liede — welcher in der Regel die Heroenzeit Javas besingt -und stark erotischen Beigeschmack hat — die Tänzerin veranlasste, -eine keusche, verlegene Jungfrau darzustellen. Diese Scene wurde schon -darum mit lautem ironischen Lachen der Eingeborenen begleitet, weil die -Ronggengs als zweites Geschäft die Prostitution üben.</p> - -<p>Jeder angesehene Fürst hält sich jedoch seine Privat-Tänzerin, welche, -wie z. B. an den Höfen von Solo und Djocja, von hoher Abkunft und bei -ihren Tänzen reich mit Gold und Edelsteinen geschmückt sind. Da nur die -schönsten Mädchen dazu erwählt werden, ist damit die Wahrscheinlichkeit -verbunden, entweder ein Beiweib des Sultans oder die Frau eines Prinzen -oder eines anderen angesehenen Fürsten zu werden.</p> - -<p>Während des »Tandaken« wurde den europäischen Gästen Rheinwein, rother -Wein, ein Brandy- oder Whisky-Grog offerirt, und so mancher<span class="pagenum" id="Seite_118">[S. 118]</span> der -anwesenden eingeborenen Häuptlinge verschmähte es nicht, anstatt des -ihm angebotenen Thees mit Backwaaren von dem Apollinaris-Wasser mit -»ein wenig Cognac«, nur »um den Geschmack zu verbessern«, ebenso häufig -als seine europäischen Collegen Gebrauch zu machen. So ein Herrenabend -bei einem eingeborenen Fürsten — die keusche Diana würde bei einer -Beschreibung desselben ihr Antlitz verhüllen — giebt den anwesenden -Ronggengs eine führende Rolle, und nachdem der Resident gegen 12 Uhr -sich empfohlen hatte, ging auch ich in’s Hotel. Meine philiströse -Anwandlung bedauerte ich am andern Tage lebhaft, weil mir mitgetheilt -wurde, dass der Regent von Bandong auch ein Wâjang orang hatte spielen -lassen.</p> - -<p>Ich habe jedoch späterhin, und zwar in Magelang, ein malayisches -Theater (Wâjang orang) wiederholt besucht, und ich muss gestehen: seine -Kunst steht hoch. Auf dem Schlossplatz stand ein grosses Zelt, in -dessen Hintergrunde die erhöhte Bühne auf kleinen Pfeilern ruhte. Die -Coulissen waren offenbar europäischen Ursprungs und blieben für alle -Stücke dieselben. Der Hintergrund war eine Thüre mit einem Vorhang, -und ein zweiter trennte die Bühne vom Zuschauerraum. In den Coulissen -sass ein Mann und spielte die Rebab (Violine). Auch eine Versenkung -fehlte nicht. Die Schauspieler waren halbeuropäischen Ursprungs, -sprachen jedoch während des Spielens nur die malayische Sprache und -stellten Scenen aus der Heroenzeit Javas dar. Ich war dieser Sprache -so weit mächtig, dass ich dem Gang der Handlung folgen konnte, wenn -mir auch manches Lied nicht in allen seinen Theilen verständlich war. -Wahre dramatische Scenen spielten sich ab, als z. B. der Awamuko -(Teufel) dem Batoro Guru (dem Lehrer des Heroen) zu Füssen fiel, ihm -die Schuhe küsste und in wehmüthigem Liede um Vergebung bat, während -aus den Coulissen sanfte, schmeichelnde und liebliche Töne der Rebab -sein Flehen begleiteten, oder als z. B. der Fischer den Göttern seine -Noth klagte, dass ihn Arimuko (ein Fürst der Unterwelt) mit seinem -Hasse verfolge und ihn sein Netz immer leer aus den Tiefen des Meeres -heraufziehen lasse. Stets waren es Scenen und Lieder, welche von hoher -dramatischer Wirkung waren und die Zuschauer mit Wehmuth und Lust -erfüllten. Zum letzten Male will er sein Glück probiren und wirft -das Netz hinaus in die Fluthen (hinter die Coulissen), ungeduldig -schreitet er auf und ab und zweifelt und hofft, dass Amankau (= -Arimuko) ihn nicht weiter mit seinem Hasse verfolge; endlich wagt er -es, das Netz zu heben; es ist schwer, hoffnungsvoll zieht er immer -stärker und stärker, er stützt<span class="pagenum" id="Seite_119">[S. 119]</span> seinen Fuss gegen einen Felsen, beugt -sich zurück, das Gesicht wird roth, die Muskeln der Arme schwellen an, -und endlich bringt er das Netz auf das Land; statt der viel erhofften -Fische ist jedoch eine schwere Kiste darin. Das Mienenspiel bei dieser -Enttäuschung war ein Meisterstück der Pantomime. Plötzlich erhebt sich -der Deckel der Kiste und Amankau (Arimuko) springt heraus; er hat eine -Teufelsmaske und tritt dem armen Fischer mit drohenden Worten entgegen.</p> - -<p>Ich muss aber auch bekennen, dass ihre Auffassung von »würdevollem« -Auftreten uns Europäern fremd erscheint, und dass ihre Engel oder Huris -einen geradezu komischen Eindruck machten; sie erschienen in weissen -Kleidern von europäischer Mode und hatten eine hellfarbige Schärpe -um die Taille. Da sie nebstdem keine Mieder hatten, und die weissen -europäischen Kleider offenbar nicht nach Maass bestellt waren, so waren -diese Engel alles, nur nicht eine engelhafte Erscheinung, wenigstens -nach europäischer Vorstellung.</p> - -<p>Auch ein Wâjang tjina habe ich gesehen und natürlich sehr häufig den -Wâjang Kulit besucht.</p> - -<p>Ein chinesisches Theater (Wâjang tjina) sah ich im Jahre 1881 während -meines Aufenthaltes in Buitenzorg. Die Bühne unterschied sich -wesentlich von der eines javanischen Wâjang orang. Sie hatte keinen -Vorhang und keine Coulissen; jeder der Schauspieler kam aus einer -und derselben Thüre im Hintergrunde auf die Bühne, neben welcher ein -Chinese mit einem grossen Gong sass. Ein paar Kisten standen zur -Seite, welche, wie mir ein Chinese erklärte, die Mauer und das Dach -eines Nachbarhauses improvisiren sollten. Den Mangel jeder Decoration -ersetzten die besonders reichen und kostbaren Costüme der Schauspieler; -sie waren von Seide und strotzten von Gold. Auch die weiblichen Rollen -wurden damals von Männern gegeben. Die Handlung war arm und dehnte -sich endlos. Auf die Europäer machte Verschiedenes einen befremdenden -Eindruck, nicht allein, weil wir die Sprache nicht verstanden, sondern -auch weil die Pantomime der Chinesen uns ganz unverständlich war. -Offenbar lag sehr viel in den Bewegungen des Körpers, wie es die -lärmende und rauschende Musik der Gong andeutete; freilich wussten -wir nicht, was es bedeutete. Jeder gesprochene Satz bekam am Ende -das Lärmen der Gong; ja selbst jede Bewegung erhielt ein solches -stürmisches Finale.</p> - -<p>Am häufigsten sieht man jedoch die Wâjang Kulit, d. h. ein -Marionettentheater mit Figuren aus Leder (Kulit), deren Schatten auf -eine weisse Fläche geworfen werden. Ein Rahmen aus reich geschnitztem<span class="pagenum" id="Seite_120">[S. 120]</span> -und verziertem Holze, Gewang genannt, ist mit weisser Leinwand -überzogen; auf der einen Seite sind eine grosse Lampe, der Regisseur -und zwei Stämme von Pisang; in diesen stecken die ledernen Figuren, -welche von der Hand des Regisseurs längs des weissen Schirms bewegt -werden. Zur Seite desselben sitzt die Musik, bestehend aus der Rebáb -(Violine), Bambusglockenspiel (Angklong), Flöte (Suling), Holzclavier, -welches mit einem Klöppel gespielt wird, Metallclavier, ähnlich dem -Spielzeug unserer Kinder, mehreren Becken (Gongs), Pauken, Tambourins -u. s. w. (<a href="#fig7">Fig. 7</a>.) Der Regisseur (Dalang) brachte — es war ebenfalls -in Buitenzorg im Jahre 1881, dass ich con amore die erste Wâjang -Kulit beobachten konnte und mir die nöthigen Erklärungen zu Theil -wurden — erst einen Berg zur Ansicht. Hierauf nahm er aus einer -Kiste die pittoresken Figuren, welche auf einem Stäbchen befestigt -waren; sie sind aus dem Leder der indischen Büffel geschnitten und -reich mit Farben und Gold verziert; sie haben immer die bekannte -Form der indischen Puppen und sehr dünne, magere Arme. Er steckte -die reichlicher verzierten, die Götter und Fürsten, in den einen -Bambusstamm und die Plebs in den zweiten. Unterdessen spielte die -Gamelang ihre Ouverture. Mit einem Schlag auf die Kiste eröffnete -der Regisseur die Vorstellung, die Musik schweigt, der Berg wird -weggenommen, und halb singend, halb erzählend bringt er zunächst die -Einleitung. Er beschreibt das Land, in welchem das Drama spielt, und -erzählt das ganze Vorleben; im richtigen Augenblick, d. h. wo das -eigentliche Drama beginnt, nimmt er mit beiden Händen die Helden des -Stückes von den Bambusstämmen, und ohne bedeutende, aber doch deutliche -Stimmenveränderung führt er den Dialog der Marionetten.</p> - -<p>Der Wâjang gohlèk, welcher aus Holz verfertigte, massive und mit -Kleidern behängte Figuren haben soll, ist mir aus Autopsie unbekannt; -ebenso wenig hatte ich Gelegenheit, einen Topeng zu sehen, welches eine -Pantomime von maskirten Männern und Frauen sein soll. Einen Topeng -Babakan sah ich jedoch in Majelang von Haus zu Haus ziehen, um auf -Verlangen eine Vorstellung zu geben. Ein Mann, welcher auf dem Rücken -eines gemalten Pferdes aus Papier sass, eine Ronggeng und eine kleine -Capelle, bestehend aus einer Gamelang, einer Gong (Becken) und einer -Flöte, war das ganze Personal. (<a href="#fig8">Fig. 8</a>.) Die Ronggeng sang einige -Pantons mit kreischender Stimme, auf welche der Ritter des papiernen -Pferdes manchmal Wechselgesänge folgen liess.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_121">[S. 121]</span></p> - -<p>Noch will ich erwähnen, dass ich weder ein Tigergefecht noch ein -Turnier zu sehen Gelegenheit hatte. Das Hahnengefecht aber, bei dem den -kämpfenden Hähnen scharfe Messerchen an den Sporen befestigt werden, -habe ich wiederholt gesehen, obzwar die holländische Regierung sie -verbietet und sich alle Mühe giebt, dieses leidenschaftliche Spiel -auszurotten. Auch Grillen (djankriks) und Wachteln (burung puju) werden -zu Wettkämpfen gebraucht. Auch das »Drachenfliegen« ist ein beliebtes -Spiel erwachsener Javanen.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Lieutenant P.. war mein Reisegenosse nach Bandong. Da zwei Tage lang -das Schiessen ausgesetzt wurde, gab uns der Präsident der Commission, -welcher den nächsten Tag nach Batu Djadjar zurückkehrte, noch einen -Tag Urlaub, den wir dazu benutzten, den Onkel des Lieutenants P.. zu -besuchen, welcher nordöstlich von Bandong die grosse Theeplantage -Djati Nangos (?) administrirte. Die Besitzerin war damals (1882) ein -junges Mädchen, eine Waise, welche in Europa ihre Erziehung genoss. Der -Administrator, der pensionirte Resident X., wohnte in einem hübschen -Landhause in der Nähe von Sumedang. Einen besonders interessanten -Empfang hatten wir, als wir durch das Gehege dieser Plantage fuhren. -Rehe sprangen über den Weg und blieben in einer Entfernung von wenigen -Metern stehen, um uns mit ihren grossen schönen Augen zu fragen, wer -wir seien und was wir hier zu thun hätten. Im Hintergrunde sahen wir -selbst einige hundert zu einem Rudel vereinigt. Der Herr X. empfing -uns in liebenswürdiger Weise, und da es gerade vier Uhr war, d. h. -die Zeit zum Theetrinken, setzte er uns sofort eine Schale seines -Eigenbaues vor. Wie war er jedoch entrüstet, als ich gewohnheitsgemäss -ihn um ein wenig Milch für meinen Thee ersuchte; ja er nannte mich -sogar einen Barbar, der tief, ja sehr tief unter einem Chinesen stehe. -Nur ein Barbar sei im Stande, das herrliche Aroma des Theeblattes -durch Zucker, Rum oder Milch zu zerstören! Interessant waren seine -Mittheilungen über die Einfuhr der ersten Theestauden und der raschen -Entwicklung, welche diese Pflanze im Laufe von wenigen Jahrzehnten auf -Java genommen habe. Denn erst vor sechzig Jahren ging ein Amsterdamer -Namens <em class="gesperrt">Jacobson</em> nach China, um dort die Bearbeitung des Thees -kennen zu lernen, nachdem schon der Gründer des botanischen Gartens -zu Buitenzorg, Prof. <em class="gesperrt">Reinhardt</em>, mit gutem Erfolg den Thee auf -dieser Insel gepflanzt hatte. In einem dickleibigen Buche beschrieb -<em class="gesperrt">Jacobson</em> die Theecultur, entsprechend dem damaligen Stande -der Wissenschaften, und seine praktischen<span class="pagenum" id="Seite_122">[S. 122]</span> Winke wurden Allgemeingut -der javanischen Theepflanzer, welche jährlich eine ungeheure Menge -produciren und exportiren.<a id="FNAnker_70" href="#Fussnote_70" class="fnanchor">[70]</a> Leider geschieht dies häufig unter -chinesischer Marke, d. h. mit chinesischen Aufschriften und in -chinesischer Verpackungsweise. Der Thee ist aber so gut, dass er unter -keiner falschen Flagge zu Markte zu fahren braucht.</p> - -<p>Der Anblick eines Theefeldes ist in keiner Hinsicht rühmenswerth; es -sind niedrige Sträucher, welche in kleinen Abständen (± 1·2 Meter -Entfernung), und zwar in gerader Linie gebaut sind. Zweimal des Jahres -werden die Blätter gepflückt; die zarten Blätter geben die feinste -Theesorte, und wenn der Baum zu alt ist, so werden die Blätter zu hart, -um in den Handel kommen zu können. Die guten Sorten Thee werden nur -von jungen Bäumen, und die feinsten Sorten von den jüngsten Blättern -dieser Sträucher bereitet. Die Farbe der in den Handel kommenden Thees -ist nur von der weiteren Bereitungsweise abhängig. Ursprünglich hat der -Theebaum nur grüne Blätter. Werden sie nur an der Sonne getrocknet, -so behalten sie ihre ursprüngliche Farbe; werden sie aber sofort nach -dem Pflücken in Säcken oder Leinwandcylindern über einem Kohlenfeuer -getrocknet, so werden sie schwarz. Während sie in der Dörrpfanne sich -befinden, werden sie von Frauen besser zusammengerollt, als es durch -den einfachen Trocknungsprocess geschieht, und je mehr Blätter mit den -Fingern gerollt sind, desto höher ist der Preis.</p> - -<p>Mit diesen spärlichen Mittheilungen musste ich mich begnügen, weil -ich und mein Reisegenosse bereits den nächsten Tag diese Plantagen -wieder verlassen mussten. In Batu Djadjar sollte das Schiessen wieder -beginnen, und dies darf nach den gesetzlichen Bestimmungen niemals ohne -gleichzeitige Anwesenheit eines Arztes stattfinden. Ich sah also weder -das Pflücken der Blätter, noch das Rösten derselben — nicht einmal die -Dörrschuppen, das Sortiren des Thees, seine Verpackung u. s. w.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Mein Aufenthalt auf der Heide von Batu Djadjar war der unangenehmste, -weil langweilig, in meiner ganzen indischen Carrière. Es waren im -Ganzen 40 Mann, welche sich damals an den Arbeiten der Commission -betheiligten und in den günstigsten hygienischen Verhältnissen<span class="pagenum" id="Seite_123">[S. 123]</span> -befanden. Vor ihrer Abreise wurden sie ärztlich untersucht und kamen -in ein herrliches Klima. Wir hatten in der Morgenstunde zwischen 6 und -7 Uhr oft nicht mehr als 17° C., und sofort nach Sonnen-Untergang sank -die Temperatur so tief, dass ich europäische Kleider anziehen musste, -wenn ich mit den übrigen Officieren im Gartenhäuschen die Zeit des -Nachtmahles abwarten wollte. Wenn man um 2 Uhr Nachmittags 31–32° C. im -Schatten hat und die Wärme des Abends auf 22–20° C. sinkt, so empfindet -man diesen Unterschied der Temperatur geradezu als Kälte. Auch bei -meiner Reise nach Europa im Jahre 1897 hatte ich im rothen Meere durch -die Kälte (?!) <a id="Beschwerden"></a>Beschwerden, obzwar das Thermometer 16° C. zeigte.</p> - -<p>Die Soldaten hätten sich also einer ausgezeichneten Gesundheit erfreut, -wenn sie nicht den Unbilden — der Liebe zum Opfer gefallen wären.<a id="FNAnker_71" href="#Fussnote_71" class="fnanchor">[71]</a></p> - -<p>Aber auch diese Krankheiten beschäftigten mich kaum eine Stunde -täglich. Das Schiessen selbst forderte kein einziges Opfer. Keine -Kanone war gesprungen und keine Kartätsche hatte Unheil angestiftet. -Rothe Fahnen verkündeten den Bewohnern der benachbarten Kampongs -die Stunde des Anfanges und des Endes des Schiessens; sie blieben -also um diese Zeit ausser Schussweite und ausserhalb des verbotenen -Terrains. Ich blieb jedoch nicht gänzlich von chirurgischen Arbeiten -verschont. Ein Kanonier schnitt sich eines Tages mit einem Bambus in -den Goldfinger der linken Hand. Mit Recht werden von den indischen -Aerzten »Bambuswunden« sehr gefürchtet. Sie veranlassen sehr häufig -gefährliche Folgekrankheiten, weil ein Stück Bambus nicht so scharf -ist, um eine gequetschte Wunde zu vermeiden und weil — nicht, wie -man gewöhnlich annimmt, die Ränder mit kleinen Haaren bedeckt sind -— sondern weil sich auf ihrer rauhen Oberfläche stets eine Unzahl -schädlicher Bacterien befinden. Dieser Kanonier hatte sich an der -Schiessstätte, wie gesagt, mit einem scharfen Stück eines Bambusrohres -geschnitten; sofort wurde ich telephonisch davon benachrichtigt, und -sofort konnte ich die Schnittwunde, welche ziemlich glatte Ränder -hatte, antiseptisch behandeln und nähen. Nach 36 Stunden zeigten die -Wundränder eine verdächtige Röthe und Spannung. Beim Oeffnen der -Wundnähte flossen einige Tropfen Eiter aus; seine Temperatur stieg auf -39°, und bis zum folgenden Morgen war die Eiterung bis zum Handgelenk -fortgeschritten (progrediente Phlegmone); als<span class="pagenum" id="Seite_124">[S. 124]</span> nach abermals 12 Stunden -sich am Vorderarme rothe Streifen zeigten, der heftige Schmerz und die -hohe Temperatur unverändert blieben, zögerte ich keinen Augenblick -mehr, radical einzuschreiten. Ich entfernte die Quelle der Eiterung, -und das Leben, der Arm und die Hand waren gerettet.</p> - -<p>Hatte ich als Arzt sehr wenig Beschäftigung, so gab das -gesellschaftliche und das tägliche Leben noch weniger Zerstreuung. Wir -waren im Ganzen vier Officiere, zwei derselben waren verheiratet und -hatten ihre Frauen und Kinder bei sich. Wenn des Vormittags die Männer -auf der Schiessstätte sich befanden, sass die Frau des Rittmeisters X. -in dem rechten Flügel des Officier-Pavillons mit ihrem Söhnchen von -vier Jahren in ihrem Zimmer, im linken Flügel beschäftigte sich Frau -Y. mit ihrem acht Monate alten Kindchen, und in der Mitte desselben -sass ich bei meinen Büchern und las und las, bis ich dessen müde, -meinen kleinen Siamang (Hylobates syndactylus<a id="FNAnker_72" href="#Fussnote_72" class="fnanchor">[72]</a>) von meinem Bedienten -abnahm (an dessen Unterschenkel er stets hing) und vor meinem Zimmer -herumlaufen liess. Dieser kleine schelmische Affe hielt sich an keine -Stunde des Empfanges oder der Visite, sondern lief dann sofort in -das Zimmer des Rittmeisters X. und war dem kleinen Wilhelm ein stets -willkommener Spielkamerad. Diese zwei neckten sich, balgten sich im -Hofraum oft Stunden lang herum, und der ärgste Hypochonder hätte sich -an dem Spiel dieser zwei guten Freunde ergötzen müssen. Ich aber sass -wieder in meinem Zimmer und las wieder und las wieder. Gegen die -Mittagsstunde kamen die Männer nach Hause. Die verheirateten Officiere -widmeten sich ihren Vaterpflichten, und ich sass noch immer beim -Lesen; denn der dritte Officier, welcher neben meinem Zimmer seine -Schlafstätte aufgeschlagen hatte, ging nach Ablauf seines Dienstes -ein Bad nehmen, speisen und sein Mittagsschläfchen halten. Gegen 4½ -Uhr brach endlich der Zauberbann die Langeweile. Lieutenant P. kam in -seiner indischen Haustoilette bei mir seinen Thee trinken, und nachdem -wir um 5½ Uhr unser Bad genommen und uns angekleidet hatten, gingen -wir spazieren. Wir Beide nahmen den Weg nach rechts, Rittmeister -X. mit seiner Frau und seinem Sohne nach links, und Lieutenant Y. -erging sich mit seiner Frau, welche ihr erstes Töchterchen auf einer -kleinen Matratze trug, auf einem dritten Wege in der erfrischenden -kühlen Abendluft. Um 7 Uhr, also zur officiellen Visitenzeit, trafen -wir uns in dem Gartenhäuschen,<span class="pagenum" id="Seite_125">[S. 125]</span> welches vor der Hauptfront des -Officier-Pavillons stand, und besprachen den Inhalt der Zeitungen, -welche unterdessen angekommen waren. Um 8 Uhr ging Jeder nach seinem -Zimmer, um das Nachtmahl zu nehmen, und blieb bis zum nächsten Morgen -für Jedermann unsichtbar. Innerhalb der vier Monate, welche wir auf -dieser Hochebene zubrachten, kam nur zweimal eine Veränderung in -dieses einförmige und langweilige Leben. Einmal kam, wie schon erwähnt -wurde, der Regent von Bandong, um das Telephon zu sehen, von dem -er Unglaubliches gehört hatte, und das zweite Mal besuchte uns der -Commandant der indischen Armee. General Bouwmeester gehörte dem Corps -der Artillerie an und interessirte sich für die neuen »Bergkanonen«, -welche bei <em class="gesperrt">Krupp</em> in Essen gegossen waren. Das erhaltene erste -Exemplar zeigte einen sehr grossen Fehler; der Schwerpunkt der Kanone -fiel nicht mit dem der Affuite in eine Linie; die Folge davon war, dass -beim Abfeuern die ganze Kanone, wenn sie geremmt wurde, nicht nur sich -aufstellte, sondern sogar einen Purzelbaum schlug. Der General kam mit -dem Chef der Artillerie und mit dem Commandanten der Berg-Artillerie -zu uns, um sich persönlich davon zu überzeugen und die Vorschläge des -Rittmeisters X. zur Verbesserung dieses Fehlers zu besprechen.<a id="FNAnker_73" href="#Fussnote_73" class="fnanchor">[73]</a> Wir -hatten also einige Tage grosse Gesellschaft und gemeinsame Tafel (ohne -die beiden Damen). Bei dieser Gelegenheit brachte, wie ich späterhin -vom Lieutenant P. erfuhr, der Vorsitzende der Commission eine Geldfrage -zur Debatte, welche den drei Officieren der Artillerie, aber nicht -meiner Person zu Gute kommen sollte.</p> - -<p>In Batu Djadjar werden nämlich jährlich die Schiessübungen der -Artillerie gehalten, und die Officiere, welche daran theilnehmen, -bekommen reglementär 1,50 bis 2 fl. Tagegeld; für unseren Fall könne -dieses Gesetz nicht in Anwendung gebracht werden, weil wir als -»Commission« mit einem speciellen Auftrage dahin gesendet worden -seien; als solche hätten wir Anspruch auf ein Tagegeld von 6 fl. -Diese Angelegenheit hatte Rittmeister X. dem Armee-Commandanten -zur Unterstützung vorgelegt, und zwar nur im Interesse der drei -Artillerie-Officiere. Der General <em class="gesperrt">Bouwmeester</em> stimmte -der ausgesprochenen Ansicht bei und versprach, die betreffende -»Reclamation« zu unterstützen, obwohl er fürchtete, dass bei dem -herrschenden System, so viel als möglich der Sparsamkeit zu huldigen, -die Aussichten auf einen günstigen Erfolg nicht sehr gross seien. Als -ich von dieser<span class="pagenum" id="Seite_126">[S. 126]</span> Affaire erfuhr, ärgerte ich mich darüber, dass der -Vorsitzende in seinem Memorandum meiner mit keinem Worte gedacht hatte, -und machte ihm auch darüber in passender Weise Vorwürfe. Rittmeister -X. meinte jedoch, dass er den »Doctor« ausser Betracht gelassen habe, -weil dessen Arbeit in beiden Fällen dieselbe sei. Ende März war unsere -Arbeit abgelaufen, und ich musste mich wegen eines Gelenkleidens -wieder in das Spital zu Weltevreden aufnehmen lassen. Einen Schreiber -des Hospitalchefs ersuchte ich, die »Declaratie« meiner Reise und -meines Aufenthaltes in Batu Djadjar anzufertigen, und theilte ihm die -diesbezügliche Debatte mit dem Rittmeister X. mit. Er warf einen Blick -in meine Marschordre, welche dieser Rechnung beigelegt werden musste, -und rief: »Herr Doctor, Sie bekommen 6 fl. pro Tag, also 720 fl. für -die vier Monate, welche Sie in Batu Djadjar zugebracht haben; das Wort -Commission steht ja darin.« So geschah es auch. Der Zufall wollte es, -dass ich an demselben Tage, an dem ich die Anweisung von 720 fl. an die -Steuerkasse zu Batavia erhielt, dem Rittmeister X. begegnete. Seine -Reclamation hatte keinen Erfolg gehabt, und als er meine Anweisung in -der Höhe von 720 fl. erblickte, rief er wüthend aus: »Die Militärärzte -sind ja die Schoosshunde der Regierung«, und liess mich stehen.</p> - -<p>Ende März 1883 verliess ich Batu Djadjar, und ich habe seit dieser -Zeit die Provinz Preanger nur als flüchtiger Tourist besucht, sei -es, dass ich mit der Eisenbahn von oder nach Batavia fuhr, sei es — -um auf den Ausgangspunkt dieses Capitels zurückzukommen — dass ich -eine Erholungsreise in die Gebirge dieser Provinz machte. Auf dieser -Reise (im September des Jahres 1888) kam ich per Eisenbahn nur bis -Tjandjur.<a id="FNAnker_74" href="#Fussnote_74" class="fnanchor">[74]</a> Bei dieser Station macht die grosse Heeresstrasse, -welche bei Batu Tulis sich in zwei Arme theilt, in einem grossen Bogen -das Ende eines grossen Kreises, und auf ihrem östlichen Halbkreise -setzten wir unsere Reise mit einem Dos-à-dos fort. Der Weg führte über -den Berg Patjet (1122 Meter hoch), während wir den Berg Beser<span class="pagenum" id="Seite_127">[S. 127]</span> (1390 -Meter hoch) mit seinen dicht bewaldeten Abhängen in allen Nüancen des -Grüns zu unserer Rechten liegen sahen; an den Hügel-Gärten Tjipodas -und Tjipanas (mit ihren warmen Quellen) zogen wir vorbei, und gegen -fünf Uhr Abends erreichten wir das Ziel unserer Reise, den Luftcurort -Sindang-Lajà (1082 Meter hoch). Zwölf Tage blieben wir hier und -erfrischten unsere durch die Wärme des Nordens Sumatras erschlafften -Glieder. Des Morgens hatten wir 10° C., und erst um elf Uhr wagte -ich es, in dem grossen Bassin, welches durch eine grosse Pantjoran -reines Bergwasser erhielt, ein Bad zu nehmen; in einem dicken Strahl -stürzte das Wasser von zwei Meter Höhe herab und war so kalt, dass ich -keinen Augenblick diese Douche auf mich fallen lassen konnte. Dieses -Bad nahm ich mehr, um dem allgemeinen Gebrauch und der Gewohnheit zu -folgen, als einem Bedürfnisse zu entsprechen. Bei einer Temperatur von -10° C. schwitzt man ja nicht, wenn man keine anstrengenden Arbeiten -verrichtet. Dieses hat wieder einen sehr günstigen Einfluss auf die -Abscheidung der Nieren, und da der schwächende Einfluss der hohen -Temperatur auf alle Muskeln sich erstreckt und im Gebirge also fehlt, -so ist auch die Blase kräftiger, der Puls wird stärker und voller, die -Athmung geschieht in tieferen Zügen, die Beweglichkeit aller Gelenke -ist leichter, der Durst wird weniger lästig, der Appetit erhöht, mit -einem Worte: Lebenslust tritt an die Stelle der häufig künstlich -gepflegten energielosen, manchmal selbst apathischen Lebensweise in -den Tropen. Auch wir genossen in vollen Zügen die frische, kühle, -reine Bergluft und machten des Vormittags von 9–12 Uhr Spaziergänge, -ohne zu ermüden und ohne von der Tropensonne belästigt zu werden. Dass -trotz dieser scheinbar bedeutenden Vorzüge diese Luftcurorte nicht -regelmässig von allen Europäern und den reichen Eingeborenen benutzt -werden, so wie z. B. die Bewohner der grossen Städte Europas jedes Jahr -ihren Sommeraufenthalt im Gebirge nehmen, hat vielfache Ursachen. Die -wichtigste derselben ist folgende: für die Dauer ist der Aufenthalt -im Gebirge in der Regel nicht angenehm und — langweilig. Wenn der -Reiz der Neuheit vorüber ist, machen sich eben die Schattenseiten des -Gebirgslebens nur zu sehr fühlbar. In erster Reihe machen die grosse -Feuchtigkeit der Luft (oft 900‰) und die zahlreichen Regenfälle den -Aufenthalt im Gebirge sehr unangenehm; die Schuhe sind jeden Morgen -beschimmelt, die Bettwäsche ist feucht und kühl, und wenn man sich -zur Ruhe begiebt, bekommt man davon oft ein leichtes Frösteln. Die -Häuser müssen aus Holz gebaut sein, sonst ist das unterste Viertel<span class="pagenum" id="Seite_128">[S. 128]</span> -der Mauern mit braunen Flecken und grünem Schimmel bedeckt, und erst -gegen neun Uhr wird der Aufenthalt in einem solchen Gebäude erträglich, -d. h. wenn (in der trockenen Zeit) die Sonne, nicht behindert durch -eine grössere oder kleinere Wolkenschicht, durch ihre belebenden und -erwärmenden Strahlen die kühle und feuchte, oft nach Schimmel riechende -Luft aus den steinernen Häusern verdrängt hat. Menschen mit Affectionen -der Lungen und des Darmes befinden sich im Gebirge nicht wohl und -eilen daher, wenn sie wegen Malaria Erholung ihres geschwächten -Organismus im Gebirge gesucht hatten, sobald als möglich in minder hoch -gelegene Orte, welche, wie z. B. Djocja, minder kalt sind und durch -ihr »gleichmässig warmes Klima« den geschwächten Lungen und Därmen -zuträglicher und auch angenehmer sind.</p> - -<p>In Sindanglaya bestand, wie in Sukabumi, das Sanatorium aus zwei -räumlich von einander geschiedenen Theilen; der Pavillon für die -Patienten 1. Classe bestand aus einem grossen hölzernen Gebäude und -einigen kleineren für ganze Familien. Ein zweiter grosser Pavillon -diente zur Schlafstätte für Soldaten (3. Classe), und ein kleinerer -war für Unterofficiere (2. Classe) eingerichtet, welche je ein kleines -Zimmerchen erhielten. In allen Gebäuden wurde Table d’hôte gehalten, -wie überhaupt in allen Hotels Indiens beinahe niemals<a id="FNAnker_75" href="#Fussnote_75" class="fnanchor">[75]</a> à la carte -gegessen wird. Die vorgesetzten Speisen waren gut bereitet und -unterschieden sich nur wenig von den üblichen Menus in Europa; schon -damals wurden nämlich im Gebirge zahlreiche europäische Grünzeuge mit -Erfolg gepflanzt, und seit Vollendung der Eisenbahn im Jahre 1892 -werden auch alle Städte der Küste reichlich mit Erdbeeren, Kraut, -Salat, Rüben, rothen Rüben, Endivien, Schwarzwurzeln, Pfirsichen, -Petersilie, Sellerie<a id="FNAnker_76" href="#Fussnote_76" class="fnanchor">[76]</a> und Erdäpfeln versehen. Die Preise derselben -sind nicht besonders hoch. Im Jahre 1881 befand ich mich in Mittel-Java -(in <a id="Ngawie"></a>Ngawie) in Garnison; diese kleine Stadt war 9 km von der nächsten -Eisenbahnstation entfernt. In der Nähe, und zwar auf dem Berge Tosari -in der Provinz Pasaruan lebte ein deutscher Gärtner, welcher sich mit -dem Anbau der europäischen Grünzeuge beschäftigte. Nach dem üblichen -Gebrauch abonnirte ich mich bei ihm auf eine regelmässige Zusendung -von europäischem Gemüse. Ich erhielt<span class="pagenum" id="Seite_129">[S. 129]</span> jede Woche einen grossen Korb, -welcher jedoch für zwei Personen zu viel enthielt; ich theilte den -Inhalt also mit einem Lieutenant, und Jeder von uns bezahlte pro Monat -4 fl. 80 Ct. = 8 Mark. In einer anderen Garnison kam regelmässig jede -Woche einmal ein Hausirer mit Erdbeeren zu uns und verlangte für ein -Körbchen mit 75 Stück 25 Cents = 42 Pf. Ihr Geschmack war derselbe als -der in Europa; sie hatten die Grösse von der europäischen Walderdbeere. -Auch alle übrigen angeführten Grünzeuge unterschieden sich gar nicht -von jenen, welche in Europa gepflanzt werden; nur die Pfirsichen sind -weniger saftreich und die Weintrauben sind ungeniessbar. In Grissé -(bei Surabaya) habe ich sie zum ersten und zum letzten Male in Indien -im Jahre 1877 wachsen gesehen. Hin und wieder bekommt man Weintrauben -zu kaufen; sie stammen von Australien, haben eine dicke Schale und ihr -Geschmack ist nicht angenehm. Auch Aepfel werden von diesem Welttheil -auf Java importirt, ohne jedoch einem europäischen Apfel an Saft und -Schmackhaftigkeit nahe zu kommen. Seit einigen Jahren besitzen die -neuen Schiffe Kühlräume, wie z. B. der vor zwei Monaten in Rotterdam -erbaute Dampfer. Vielleicht wird es diesem möglich sein, Aepfel -und Birnen nach Indien zu bringen, obschon für den Importartikel -»europäische Früchte« in Indien gar kein Bedürfniss besteht. Diese -könnten höchstens den Beweis bringen, was manchmal noch bezweifelt -wird, dass die indischen Früchte in jeder Hinsicht hoch über den in -Europa gepflanzten stehen.</p> - -<div class="figcenter illowe27" id="fig9"> - <img class="w100" src="images/fig9.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Fig. 9. Eine malayische Njai (= Haushälterin) in - einfacher Haustoilette.</div> - <div class="caption_gross x-ebookmaker-drop"><a href="images/fig9_gross.jpg" - id="fig9_gross" rel="nofollow">⇒<br /> - <span class="s6">GRÖSSERES BILD</span></a></div> -</div> - -<p>Unser Nachbar im Hotel war Mr. A., ein Advocaat, dessen Mutter und -Vater keine Vollbluteuropäer waren; die Mutter Beider war eine -javanische Frau gewesen; er gehörte also zu der Rasse Sinju, sowie -jede Frau, welche, sei es auch im zweiten oder dritten Geschlecht, das -Blut eines Eingeborenen in sich hat, Nonna genannt wird, während seit -kurzer Zeit der Name Creole für die Europäer gebraucht wird, welche -in Indien von europäischen Eltern geboren werden. Ich muss betonen, -dass beinahe immer nur von einem <em class="gesperrt">europäischen</em> Vater und von -einer eingeborenen Mutter die Sinjus und Nonna abstammen, und dass -der umgekehrte Fall, dass nämlich ein Eingeborener eine europäische -Frau geheiratet hätte, zu selten vorkommt, um ihre Kinder in eine -bestimmte Classe oder unter einen gemeinsamen Namen zu classificiren. -Wahrscheinlich würden sie officiell zu den Eingeborenen gerechnet -werden. Der einzige mir bekannte Fall einer solchen Ehe blieb -kinderlos. Er war der Sohn eines angesehenen Fürsten von Djocja und -ging als Knabe mit einem Pastor nach Europa. Hier genoss er<span class="pagenum" id="Seite_130">[S. 130]</span> in der -Familie dieses protestantischen Predigers eine sorgfältige Erziehung -und wurde Ingenieur. Schon frühzeitig erwachte in ihm die Neigung -zu der Tochter seines Pflegevaters, welche mehr als schwesterliche -Gefühle für ihn hegte. Ich will den Inhalt des Romanes, in welchem -Ismangong und seine Frau die Heldenrollen spielen, ganz ausser Betracht -lassen und mich nur an das Thatsächliche halten, welches ich von -meinem Freunde Ismangong erfahren habe. Er fühlte für die Tochter -des Pastors van Steeden eine innige und aufrichtige Liebe und — war -Mohamedaner; diese war in gleicher Liebe ihm zugethan und war — -Protestantin. Weder Ismangong noch seine Braut wollten ihrem Glauben -untreu werden; ihm drohte der Fluch seiner kaiserlichen Familie, ihr -machten die diversen Tanten und Nichten die Hölle heiss und zeigten -die Schreckensbilder der Polygamie in fürchterlichen Farben. Die Liebe -siegte aber über alle Bedenken, und als glückliches Ehepaar zogen -sie nach Java. In Batavia bewarb er sich als Ingenieur vom Fach um -eine Anstellung in Staatsdiensten. Beamter zu werden, ist ja für die -Söhne aller Häuptlinge das Endziel aller Wünsche, und gerne dienen -sie viele Jahre lang als Magang = Volontär in den diversen Bureaux, -um endlich Schreiber mit einem monatlichen Gehalt von 30 fl. und zum -Tragen eines Pajongs berechtigt zu werden. Mein Freund Ismangong -konnte, als Verwandter der kaiserlichen Familie von Djocja, unmöglich -Privat-Ingenieur werden, und als Abtrünniger angewiesen auf den Erwerb -durch sein technisches Wissen bat er um eine Stellung beim Ministerium -der öffentlichen Bauten. Dieses Gesuch kam der indischen Regierung -jedoch sehr ungelegen. Ein Javane sollte mit europäischen Collegen -gleichberechtigt die Stufenleiter der hohen Beamten besteigen, um nach -zwei oder drei Jahrzehnten an die Spitze des technischen Departements -gestellt werden zu müssen!! Damit wären ja zu viel Inconvenienzen -verbunden gewesen! Sie ernannte ihn also zum Adjunct-Inspecteur -für die Unterrichts-Anstalten der Eingeborenen. (Volksschulen, -Lehrer-Seminar und Bürgerschulen für die Söhne von Häuptlingen.) In -dieser Eigenschaft lernte ich ihn im Jahre 1892 in Magelang kennen. -Seine Frau war ein Jahr nach ihrer Ankunft in Java an Lungentuberculose -gestorben, und die böse Welt behauptete, sie sei vergiftet worden. -Ismangong war ein gebildeter Mann und trug ganz das Gepräge eines -javanischen Fürsten; gelassen und gemessen im Gespräche und in seinen -Bewegungen imponirte er durch sein allgemeines Wissen, durch seine -Bescheidenheit und durch sein liebenswürdiges und höfliches Benehmen. -Seine Zwitterstellung als Mohamedaner und »europäischer Beamter«<span class="pagenum" id="Seite_131">[S. 131]</span> gab -nach seinem Tode unerwartete Schwierigkeiten. Sollte er als Mohamedaner -nach islamitischem Ritus begraben werden, oder sollte sein Grab auf dem -Friedhofe der Europäer sich befinden?</p> - -<p>Nach dem Tode seiner ersten Frau hatte er eine Prinzessin von Djocja -geheiratet, welche mit dem Regenten von Magelang verwandt war. Dieser -veranlasste den Residenten, ein mohamedanisches Begräbniss anzuordnen. -Als jedoch das Testament eröffnet wurde, in welchem der Bruder seiner -ersten Frau zum Testamentsvollstrecker ernannt wurde, ordnete dieser -ein europäisches Begräbniss auf dem Kirchhofe der Europäer an, und -der Resident musste seinen gegentheiligen Erlass zurückziehen. -Ismangong war ein Ehrenmann, der mit Tact und würdevollem Auftreten die -Schwierigkeiten seiner Zwitterstellung überwand. Requiescat in pace.</p> - -<p>Leider hatten wir in Sindanglaya auch eine Nachbarin, welche quasi als -Pendant zu dieser gesetzlichen Ehe einer europäischen Frau mit einem -Eingeborenen den Beweis brachte, dass Gott Amor keine Standes- und -keine Rassenunterschiede kenne.</p> - -<p>Den Abend vor unserer Abreise sass ich um 12 Uhr Nachts in der -Veranda des Hotels. Alle übrigen Gäste hatten sich in ihre Zimmer -zurückgezogen, die Lampen waren gelöscht, und in majestätische Ruhe -war alles gehüllt. Da klang plötzlich eine scharfe und nicht angenehme -Stimme aus dem Hintergrunde eines kleinen Pavillons in der bekannten -sentimentalen Arie der indischen Pantons:</p> - -<div class="poetry-container s5"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Djerok whangie, Blimbing Djapara,</div> - <div class="verse indent0">Djangan nangis muka njang kentara.</div> - <div class="verse indent0">(Duftende Citrone, Blimbing von Japara,</div> - <div class="verse indent0">Weine nicht — Deine Züge würden entstellt.)</div> - </div> -</div> -</div> - -<p>Es war eine unglücklich Liebende, welche ihr Leid den Lüften klagte, -denn die zweite Zeile hätte im anderen Falle von dem Manne gesungen -werden müssen. Obwohl der Mond beinahe mit Tageshelle den Garten -beleuchtete, sah ich keine sterbliche Seele in dem Gartenhäuschen, aus -welchem die Stimme deutlich zu meinen Ohren drang:</p> - -<div class="poetry-container s5"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Burung Kakatuwah</div> - <div class="verse indent0">Terbáng di djandélla</div> - <div class="verse indent0">(Der Vogel Kakadu</div> - <div class="verse indent0">Fliegt gegen das Fenster)</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="p0">sprach sie hierauf mit ängstlicher Stimme, und die Silbe délla liess -sie in einem gedehnten Seufzer ausklingen, und noch immer folgte keine -Antwort; mit wehmüthiger Stimme endigte sie endlich den Panton:</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_132">[S. 132]</span></p> - -<div class="poetry-container s5"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Nonna suda tuwa,</div> - <div class="verse indent0">Gigi tingal duwa.</div> - <div class="verse indent0">(Die Jungfrau, sie ist alt,</div> - <div class="verse indent0">Es blieben ihr der Zähne (nur) zwei.)</div> - </div> -</div> -</div> - -<p>Zu gleicher Zeit näherte sich zu meiner Rechten ein Mann in -Spitalkleidern; es war ein eingeborener Soldat und nur mit einem blauen -Sarong bekleidet.</p> - -<div class="poetry-container s5"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Tanam melatti di tanah miering,</div> - <div class="verse indent0">Di sînie bau — di sâna bau</div> - <div class="verse indent0">(Pflanze die Melatti auf den Abhang (des Berges),</div> - <div class="verse indent0">Dahin dringt der Duft, dorthin dringt der Duft)</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="p0">sang dieser Soldat so laut, dass sofort mit fröhlicher Stimme aus dem -Strauche die Antwort erfolgte:</p> - -<div class="poetry-container s5"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Ini tuwan, topi jang miering,</div> - <div class="verse indent0">Di sîni mau — di sâna mau.</div> - <div class="verse indent0">(Jener Herr, sein Hut sitzt schief,</div> - <div class="verse indent0">Dahin will er — dorthin will er.)</div> - </div> -</div> -</div> - -<p>Unser Leander antwortete mit fester Stimme:</p> - -<div class="poetry-container s5"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Deri mâna dâtangja tschinta</div> - <div class="verse indent0">(Woher kommt die Liebe)</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="p0">und eine ausgelassene frohe Stimme antwortete:</p> - -<div class="poetry-container s5"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Deri mâtá turun di hâti.</div> - <div class="verse indent0">(Aus dem Aug steigt sie zum Herzen [wörtlich: Leber].<a id="FNAnker_77" href="#Fussnote_77" class="fnanchor">[77]</a>)</div> - </div> -</div> -</div> - -<p>Jetzt sah ich in dem Gartenhäuschen von der Bank die Gestalt der Frau -Hauptmann X. sich erheben und ihrem Geliebten entgegeneilen, und -während sie ihren schönen blanken Arm um den braunen, nackten Hals des -Marssohnes schlang, flüsterte sie in neckischem Tone:</p> - -<div class="poetry-container s5"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Deri mana datang — ja linta</div> - <div class="verse indent0">(Woher kommt der Blutegel)</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="p0">und siegesbewusst antwortete er mit der Gegenfrage:</p> - -<div class="poetry-container s5"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Deri mana datang — ja tschinta</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="p0">und während sie lispelte:</p> - -<div class="poetry-container s5"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Deri sawah turun di Kali</div> - <div class="verse indent0">(Von dem Reisfelde steigt er zum Flusse hinab)</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="p0">brummte er zwei Mal:</p> - -<div class="poetry-container s5"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Deri mâta turun die hati.</div> - </div> -</div> -</div> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_133">[S. 133]</span></p> -<p>Diese pflichtvergessene Frau hatte ihren Mann verlassen, als seine -Ordonnanz, ein eingeborener Soldat, zur Erholung seiner durch Fieber -geschwächten Gesundheit nach Sindanglaya gesendet wurde. Ein anonymer -Brief verständigte einige Tage später den Hauptmann von dem Asyl -seiner Frau und von der Gesellschaft, in welcher sie die nächtlichen -Stunden verbrachte. Da sie bei ihrer Flucht nicht nur den Rest seines -Gehaltes mitgenommen, sondern auch die Compagnie-Kasse beraubt hatte, -welche er ersetzen musste, erstattete er die Anzeige gegen Beide. Unser -brauner Leander konnte seine Unschuld an dem Diebstahl seiner Geliebten -beweisen; er blieb straflos und behielt — seine Geliebte; sie zog zu -ihm in die Caserne!!</p> - -<p>Wie ich schon andeutete, sind dieses sehr vereinzelte Fälle und -bestätigen die Regel, dass die europäische Frau für den Javanen zu hoch -steht, um seine Frau oder seine Geliebte zu werden. Umgekehrt sieht man -häufig europäische Beamte mit eingeborenen Frauen eine Ehe schliessen, -nachdem die malayische, chinesische oder javanische Frau als Njai (= -Haushälterin) (<a href="#fig9">Fig. 9</a>) ihrem Herrn ein oder mehrere Kinder geschenkt -hat. Der Officier darf, so lange er im Dienste ist, »die Mutter seiner -Kinder« nicht heiraten; aber es giebt zahlreiche pensionirte Officiere, -welche mit dem Dienstrocke auch diese Art von Standesehre ablegen -und ihren Kindern durch eine Heirat mit ihrer Mutter officiell und -gesetzlich den eigenen Namen geben. Diese Sinjus und Nonnas tragen den -Stempel ihrer Abstammung stets in ihrem Angesicht; die Gesellschaft -tolerirt sie aber, sobald sie eine hinreichende Bildung erworben haben; -wenn sie jedoch, was vor 20 Jahren noch häufig geschah, kaum lesen oder -schreiben konnten und nur mangelhaft der holländischen Sprache mächtig -waren, dann allerdings müssen sehr günstige Verhältnisse herrschen, -um ihnen den Salon der Europäer zu öffnen. In den letzten Jahren ist -jedoch ihr Bildungsniveau bedeutend gestiegen, und sie bekleiden oft -die höchsten Stellen im Staate; nur bleiben sie manchmal mit Recht eine -reichliche Quelle von unterdrücktem mitleidigen Lächeln und tolerantem -Ertragen einiger Eigenthümlichkeiten; so z. B. verwechseln sie gern das -g mit dem h. Eine solche halbeuropäische Hauptmannsfrau rief mir eines -Tages zu: »Sehen Sie, Herr Doctor, hier kommt mein Hans«; nirgends sah -ich einen grossen oder kleinen Hans; aber eine dicke fette Gans kam -angewackelt.</p> - -<p>Noch komischer war folgender lapsus linguae. In grosser Gesellschaft -wurde von der grossen Summe Geldes gesprochen, welche der langjährige -Guerillakrieg in Atjeh gekostet hatte, und plötzlich rief eine<span class="pagenum" id="Seite_134">[S. 134]</span> Nonna -mit lauter Stimme: »Mein Gott, wo sind die Helden Atjehs geblieben?« -Sie wollte Geld(en) sagen, und ein schallendes Gelächter brachte diese -Dame so in Verlegenheit, dass sie entrüstet den Saal verliess. Ein -Officier hatte das Unglück, im Tanzsaale auf die Schleppe einer Nonna -zu treten und bat um Pardon. Diese Dame drehte sich aber entrüstet -gegen diesen Schlemihl und sprach das seither geflügelte Wort: »Was, -Gott verdamm, erst Sie reissen mein Rock in Stücke und dann Sie -rufen Gott verdamm, Sie Kurang adjar (M. = Lümmel).« Diese Typen der -indischen Gesellschaft sterben aus; wenigstens in den besseren Ständen -werden nur ausnahmsweise Frauen gefunden, welche der holländischen -Sprache nicht vollkommen mächtig sind.</p> - -<p>Auf der Insel Java<a id="FNAnker_78" href="#Fussnote_78" class="fnanchor">[78]</a> hat nämlich das Unterrichtswesen einen solchen -Aufschwung in den letzten dreissig Jahren genommen, dass nur selten -Jemand für die Dauer seine Kinder den Besuch einer Schule entbehren -lassen muss, und wenn man solchen ungebildeten Frauen oder Männern in -den niederen Ständen begegnet, sind diese meistens von abgelegenen -Inseln abstammend, wo sich nicht überall öffentliche Schulen befinden, -und die Eltern waren pecuniär nicht in der Lage, durch eine Gouvernante -u. s. w. ihren Kindern einen Ersatz für den Mangel einer Schule bieten -zu können.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Stellung der half-cast ist im Staate vollkommen gleichberechtigt -mit der der Vollblut-Europäer, und gesellschaftlich ist sie nur von der -Individualität des Einzelnen abhängig.</em></p> - -<p>Ein Herr de L. in Batavia war dreimal verheiratet und hatte nebstdem -zwei »Vorkinder« von einer früheren Haushälterin. Seine Frauen waren -eine Europäerin, eine Nonna und eine Chinesin, d. h. eine Frau, welche -die Tochter eines Chinesen und einer malayischen Frau war. Von jeder -dieser Frauen hatte er Kinder, und diese vertrugen sich nicht nur -untereinander sehr gut, sondern hatten auch die zwei »Vorkinder« in -ihren Freundschaftskreis aufgenommen. Die Kinder gaben ein gutes und -deutliches Mosaikbild der Ethnographie Javas. Herr de L. war — ein -Jude.<a id="FNAnker_79" href="#Fussnote_79" class="fnanchor">[79]</a></p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_135">[S. 135]</span></p> - -<p>Ich kann diese kleinen Skizzen über die Mischrassen auf Java nicht -beendigen, ohne auch deren geistige Eigenschaften mit einigen Worten -beschrieben zu haben.<a id="FNAnker_80" href="#Fussnote_80" class="fnanchor">[80]</a> Gewöhnlich wird behauptet, dass die Sinjus -und Nonnas nur die Fehler, aber nicht die guten Eigenschaften beider -Rassen in sich vereinigen. Dies ist ganz unrichtig. Wenn ich nur von -zwei meiner Bekannten, welche mir momentan vor Augen schweben, den -Charakter unter das Secirmesser der Kritik bringe, so zeigt sich diese -Behauptung in ihrer ganzen Nacktheit. Der Eine ist ein Sinju und war im -Jahre 1891 Assistent-Resident zu T. — Er war ein intelligenter Mann, -ein eifriger Beamter und jeder Zoll ein Ehrenmann. Die Zweite war eine -Nonna und die Frau eines Stabsarztes in S. Sie war eine liebenswürdige, -gebildete Dame und eine liebevolle solide Gattin, und immer führte -ich sie als Beweis an, dass die Nonnas gerade wie ihre europäischen -Schwestern der Bildung des Geistes und Herzens zugänglich sind und in -gleicher Weise Sinn für das Gute und Schöne haben.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Der Aufenthalt in Sindanglaya bot keine andere Zerstreuung, als -den Spaziergang und während des Regens die Lectüre und den Verkehr -mit den übrigen Gästen des Hotels. Wenn ich den Mr. A. oben (<a href="#Seite_129">Seite -129</a>) als unsern Nachbar speciell anführte und seine Abstammung von -halbeuropäischen Eltern zum Ausgangspunkt einiger Bemerkungen über die -Sinjus und Nonnas machte, so hat dies zwei Ursachen. Sein Vater war ein -hoher Beamter, und ich hatte im Jahre 1882 so viel Gastfreundschaft -von ihm und seiner Frau genossen, dass ich noch heute dafür eine -dankbare Erinnerung bewahre. Ich verkehrte also viel mit diesem -Nachbar. Nebstdem hatte er so viel dichterischen Schwung in seiner -Sprache und bestieg so oft den Pegasus, dass meine Frau, welche damals -erst zwei Jahre in Indien war und noch wenige halbeuropäische Männer -von grösserer Bildung kennen gelernt hatte, ihre Verwunderung über -seine poetische Begabung mir gegenüber äusserte. Es lag in seinen -Gedichten, welche wir von ihm erhielten, eine Poesie und eine Gluth -der Leidenschaft, welche wir in den Tropen, denen bekanntermaassen die -Musen nicht besonders freundschaftlich gesinnt sind, nicht erwartet -hätten. Seit einigen Jahren ruht er seinen ewigen Schlaf unter den -Palmen, welche er so schön, wie kein Anderer, besungen und gepriesen -hat.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_136">[S. 136]</span></p> - -<p>Der vierzehntägige Urlaub war beendigt, und die Pflicht rief mich nach -Batavia zurück. Ich wählte die kürzere Route, obwohl sie nur mit dem -Dos-à-dos, und noch dazu über den 1482 Meter hohen Puntjak zurückgelegt -werden konnte; wir mussten selbst von zwei Büffeln unsern kleinen -Wagen auf die Spitze des Berges ziehen lassen; aber ein herrliches -Panorama entzückte unsere Augen. Hier ruhte unser Blick auf den -stolzen Gipfeln des Salak, Pangerango und Gedéh, zu unserer Rechten -hatten wir den Berg Lemo (1862 Meter hoch), dort fiel er auf Abhänge, -welche mit Sawahfeldern bedeckt waren und in ihrem sanften Grün einen -schönen Contrast zu dem dunkelgrünen Walde formten. In der Nähe der -Grenze beider Provinzen lag ein Bergsee, Telaga Warna = Farbensee, -welcher mit so warmen Worten von dem Kutscher gepriesen wurde, dass -wir ausstiegen und den einen Kilometer langen Pfad durchschritten, um -dieses Naturwunder besichtigen zu können. Zwei sundanesische Frauen -(<a href="#fig10">Fig. 10</a> u. <a href="#fig11">11</a>) waren unsere Führerinnen. Wir wurden reichlich für -diesen kleinen Marsch zu Fuss belohnt. Es war ein ausgebrannter Vulcan, -in dem das Regenwasser zu einem See sich angesammelt hatte,<a id="FNAnker_81" href="#Fussnote_81" class="fnanchor">[81]</a> der in -seiner majestätischen Ruhe eine verborgene und verschollene Welt in -sich schloss. Die Trachitwände dieses Kessels sind mit Farrenbäumen, -Waringinbäumen und wilden Bananen bedeckt, und der Schatten dieser -dunkelgrünen Bäume spiegelt sich in der Fluth und spielt mit dem -braunen und grauen Licht des Bodens in einem bunten Farbenkreis, -welchen die kleinen Fischchen durch ihren unruhigen Marsch in dem -süssen, krystallhellen Wasser immer weiter und weiter ziehen. Nicht -das Zwitschern eines bunt gefärbten Vogels, nicht das Zirpen einer -Grille, nichts störte die Ruhe dieses alten, ausgestorbenen Vulcans, -und beklommen und ängstlich blickte meine Frau hinauf zu dem Rande -des Kraters, um nur irgend einen Sonnenstrahl zu erhaschen oder -irgend ein lebendes Wesen zu erblicken. Wir Beide waren in dieses -Sonderbare, Düstere, Lautlose tief versunken, als plötzlich die Stimme -des Kutschers uns dem Zauber dieses grossen Grabes in der herrlichen -Tropenvegetation entriss mit der Mahnung, unsere Reise fortzusetzen.</p> - -<p>Von nun an ging es immer bergab, bis wir Gadok (487 Meter) erreichten, -wo wir den Kreis der Heeresstrasse schlossen; 1 km lag dieser -Luftcurort von der Heeresstrasse entfernt, welche, Batu-tulis zur -linken Hand passirend, uns wieder nach Buitenzorg brachte.</p> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_137">[S. 137]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Capitel_7">7. Capitel.</h2> - -</div> - -<p class="center s4 mbot2"><b>Museum und botanischer Garten in Batavia — Reise nach Ngawie — -Sandhose — „Kykdag“ einer Auction — Auction — Venduaccepte — -Geographie der Provinz Madiun — Vier Chefs — Stockschläge in der -Armee — Lepra auf den Inseln des indischen Archipels — Prophylaxis -der Lepra — Eine Sylvester-Nacht auf Java — Eine unangenehme Fahrt -— Ein Neujahrstag in Solo — Eine Deputation am Hofe zu Djocja — -Die Stadt Solo — Der Aufschwung der Insel Java — Das Militär-Spital -in Ngawie — Ein Spital ohne Apotheker — Choleraphobie — Meine -Conduiteliste — Cholera in Indien — Entstehungsursache der Cholera in -Indien — Cholera — Prophylaxis der Cholera in Indien — Reisfelder.</b></p> - -<p class="p0"><span class="dc">A</span>m andern Morgen fuhr ich mit dem Zuge 6 Uhr 55 Min. nach -Weltevreden und meldete mich noch denselben Vormittag beim -Platz-Commandanten, welcher mich (und meine Frau) bei der »indischen -Dampfschifffahrts-Gesellschaft« zur Reise nach Samarang einschreiben -liess, von wo aus ich per Eisenbahn meine Reise nach Ngawie fortsetzen -sollte. Noch drei Tage konnte ich in Batavia bleiben, und ich benutzte -diese Zeit, um meine Frau den botanischen Garten und die Museen sehen -zu lassen, welche in Batavia zu wenig gewürdigte Sehenswürdigkeiten -sind. Das »Batavische Museum« steht auf der Westfront des Königsplatzes -und wird von dem Vereine »Tot nut van’t algemeen« = zum allgemeinen -Nutzen, verwaltet; es ist ein einfaches schmuck- und prunkloses Gebäude -ohne Stockwerke und hat vor seinem Haupteingange einen bronzenen -Elephanten auf einem steinernen Piedestal.<a id="FNAnker_82" href="#Fussnote_82" class="fnanchor">[82]</a> Es besteht aus drei -Abtheilungen: der ethnographischen, archäologischen und numismatischen -Sammlung. Da es mich zu weit<span class="pagenum" id="Seite_138">[S. 138]</span> führen würde, diese Sammlungen zu -beschreiben, so will ich nur bemerken, dass die Classification der -beiden ersten Abtheilungen viel zu wünschen übrig lässt, während die -numismatische Sammlung manche Lücken aufweist, andererseits aber viele -seltene Stücke hat, welche vielleicht Unica sind; z. B. das leinwandene -Geld von der Insel Buton bei Celebes aus dem 17. Jahrhundert. Der -zoologisch-botanische Garten bot, bis auf einige Schlangen, Vögel -und Säugethiere, kaum etwas Sehenswerthes, und auch diese sind in so -geringer Anzahl vorhanden, dass man eigentlich von diesem stolzen Namen -absehen sollte. Da jeden Sonntag regelmässig in den Vormittagsstunden, -und auch an anderen Abenden hin und wieder Concerte in diesem -Garten gegeben werden, und Schaukeln u. s. w. für die Kinder sich -dort befinden, so tritt die Sammlung der Pflanzen und Thiere in den -Hintergrund, wird auch so ziemlich vernachlässigt, und dieser Garten -ist also ein schöner Unterhaltungsort der batavischen Jugend und beau -monde.</p> - -<p>Nebstdem kauften wir in den Geschäften (Toko M.) von Ryswyk, Noordwyk, -Molenvlit, Tanah-Bang und Passar-Baru (im chinesischen Viertel) (<a href="#fig12">Fig. -12</a>) alle petits riens für unsere Wohnung in Ngawie, weil, wie wir -hörten, in dieser Garnisonstadt sich nur ein einziger Toko befand.</p> - -<p>Am 20. September konnte ich Weltevreden mit dem Dampfer verlassen, -und am andern Tag Abends kamen wir in Samarang an. Reglementär war -ich nur verpflichtet, am andern Morgen mit dem Zuge um 8 Uhr sofort -meine Reise nach meinem angewiesenen Garnisonsort fortzusetzen; mein -militärisches Gewissen forderte mich jedoch auf, mich persönlich -dem Landes-Sanitätschef und dem Landes-Commandanten der »zweiten -Militär-Abtheilung« vorzustellen, und ich beschloss also, zu diesem -Zwecke in dieser Stadt einen Tag zu bleiben; ich wohnte im Hotel -Pavillon und erfuhr zu spät, dass in diesem Hotel den Tag vorher ein -Passagier der Cholera erlegen war. Offenbar unter dem Eindruck dieser -Kunde erwachte in der zweiten Nacht meine Frau mit allen Erscheinungen -dieser Krankheit, ohne dass im weiteren Verlaufe mehr als eine heftige -Cholerine daraus wurde. Es gelang mir, mit einer grossen Dosis Laudanum -alle Symptome in kürzester Zeit zu bekämpfen, so dass meine Frau mit -Ungeduld die Morgenstunden erwartete, um so bald als möglich dieses -Hotel und die Stadt verlassen zu können. Um 8 Uhr 31 Minuten reisten -wir ab.</p> - -<p>Eine drückende Hitze herrschte in den Waggons, welche gar nicht -dem Klima der Tropenwelt Rechnung trugen, sondern, wie die böse -Welt erzählte, in Europa zurückgestellte und von den holländischen<span class="pagenum" id="Seite_139">[S. 139]</span> -Eisenbahnen nicht angenommene Waggons waren. Bei Kedong Djatti zweigt -sich die Bahn in zwei Aeste, der eine geht nach Wilhelm I., welches -damals die stärkste Festung Javas war und heute noch nicht mit dem -benachbarten Magelang, der grössten Militär-Colonie Javas, durch -eine Eisenbahn verbunden ist, und der zweite Ast ging nach Solo, der -Hauptstadt des Kaiserthums Surokarta. Hier beginnt die Staatsbahn, -welche nach Surabaya führt und eine grössere Spurweite als die Linie -von Samarang-Wilhelm I. hat. Ich musste also übersteigen, nebstdem -hatte ich noch Zeit, im Stations-Gebäude meine »Reistafel« zu nehmen, -und kam gegen 2 Uhr nach Paron, welches die letzte »Halte« vor -Ngawie ist. Dunkel sind die Wege der Eisenbahn-Politik. Fächerartig -läuft der Lawuberg (3254 Meter hoch) mit seinen Abhängen gegen die -kleine Hochebene aus, in welcher Ngawie liegt; eine schöne breite -Heeresstrasse läuft in ihr und mit ihr in einem grossen Bogen von Solo -nach Madiun, und doch verlässt die Schiene schon im ersten Viertel -der Ebene (bei Sragen) das flache Land, um in grossen Krümmungen -das Gebirge zu durchkreuzen und erst zwei Halten vor der Hauptstadt -der Provinz Madiun (bei Purwodadi) in die Ebene zurückzukehren. Die -Zuckerfabriken dieser Provinzen und die grosse Holzhandlung der -benachbarten Provinz Rembang hätten einen gleichmässig vertheilten -Vortheil von dieser Eisenbahn haben können, ohne dass Ngawie 10 -Kilometer von der Eisenbahn entfernt bleiben musste.</p> - -<p>Ueberrascht<a id="FNAnker_83" href="#Fussnote_83" class="fnanchor">[83]</a> stand ich nämlich bei der kleinen Halte Paron, als ich -vor mir eine grosse Ebene sah, ein grosser Reisewagen mich, meine Frau -und meinen Bedienten aufnahm und von Rindern gezogene Frachtwagen meine -Koffer und Kisten nach Ngawie bringen sollten.</p> - -<p>Ngawie besitzt nicht nur eine Strafanstalt für unverbesserliche -Soldaten, sondern auch eine Pulverfabrik. Wie viel Transportkosten -jährlich mit den Bedürfnissen von zwei so grossen Etablissements -verbunden sind, wird wohl die indische Regierung bis auf einen Kreuzer -wissen; dass sie aber dessenungeachtet Ngawie nicht in das Netz -der Eisenbahnen einbezogen hat, lässt mich annehmen, dass sie die -Existenzfähigkeit der einen Anstalt überhaupt in Zweifel zieht. Ngawie -soll eine Besserungsanstalt für widerspenstige Soldaten sein und hatte -bis zum Jahre 1888 nur acht (!!) Soldaten der Armee zurückgegeben. -Entweder ist das Princip derselben ein verfehltes, oder die<span class="pagenum" id="Seite_140">[S. 140]</span> Anwendung -des Reglements ist eine tactlose, oder es ist beides der Fall. Ich bin -zweimal in Ngawie, im Ganzen ungefähr zwei Jahre, gewesen und habe -während dieser Zeit drei Commandanten gehabt; ich kann daher eine -Ansicht über dieses Institut haben und darf sie darum vielleicht mehr -als mancher Andere auch aussprechen.</p> - -<p>Die brennenden Sonnenstrahlen standen während der ganzen Reise über -unsern Häuptern, und die ausstrahlende Wärme des Bodens liess uns in -der Ferne die Luft wie die Wellen einer sanftbewegten Meeresfläche -erzittern sehen. Es war ein neun Kilometer langer ebener Weg vor uns, -auf dem zu beiden Seiten nur junge Bäume standen. Plötzlich erhob sich, -ich möchte beinahe sagen unvermittelt, ein Sturmwind, und wir sahen -bei vollkommen heiterem Himmel einige tausend Meter vor uns entfernt -eine ungeheure Staubwolke von Westen nach Osten unsere Wege kreuzen -und sofort darauf sich zu einer compacten Masse, zu einer Sandhose -concentriren. Zwei ungeheure Sandkegel standen mit ihren Spitzen -aufeinandergestellt. Die Basis des einen bog sich auf der Strasse immer -mehr und mehr nach Osten, während die Basis des zweiten Kegels hundert -Meter hoch über dem Boden dem Hügelland in der Provinz Rembang zueilte. -Wie ich später hörte, waren nur einige Bäume dieser Windsbraut zum -Opfer gefallen.</p> - -<p>Nach 1½ Stunden gelangten wir nach Ngawie, passirten zuerst das -Gefängniss und kamen dann auf den Schlossplatz (Alang-âlang), dessen -Nordfront von der Wohnung des Regenten und einer europäischen Schule -eingenommen wurde. In der Mitte stand ein grosser Waringinbaum als -Wahrzeichen der höchsten Würde, welche der Regent in diesem Districte -führte. Auf der Ostseite dieser grossen Grasfläche stand das Haus des -Assistent-Residenten mit der holländischen Flagge und daneben das -Postamt. Hier schloss <em class="gesperrt">die Stadt</em> Ngawie stricte dictu. An der -Westseite begann eine lange Strasse, welche nur von Chinesen bewohnt -war, und nach der letzten Krümmung dieses Weges sah man im Hintergrunde -das Fort mit seinen Adnexen: zunächst ein Pulvermagazin zur Rechten -und zwei Officiers-Wohnungen zur Linken, weiterhin die Cantine und -dahinter verborgen von Wällen und umgeben von einem Wassercanal das -Fort selbst. Die Pulverfabrik lag ausserhalb der Stadt, im Westen des -grossen Grasfeldes. Da mein Vorgänger ohne Frau war und nebst seinen -Dienstpflichten auch die häuslichen Angelegenheiten zu besorgen hatte, -konnten wir bei ihm nicht logiren, sondern mussten in das <a id="Pesanggrahan"></a>Pesanggrâhan -ziehen, welches von einem Schreiber des Assistent-Residenten gegen eine -staatliche<span class="pagenum" id="Seite_141">[S. 141]</span> Subvention von 50 fl. pro Monat für die durchreisenden -Beamten, Officiere und Reisenden schlecht und recht gehalten wurde. -Es war ein Haus aus Bretterwänden, welche spärlich mit Kalk bedeckt -waren. In dem Zimmer, welches mir und meiner Frau angewiesen wurde, -hing zu meiner Ueberraschung ein Thermometer, es zeigte 100° F. = -37° C. Wir eilten in das Badezimmer, um uns, so viel es möglich war, -durch ein Schiffsbad (Sîram M.) zu erfrischen, und setzten uns in der -»Vorgalerie« nieder, um durch eine Schale Thee und ein Glas durch Eis -abgekühltes Mineralwasser unsern Durst zu löschen. Ungefähr 5½ Uhr -waren wir wieder angekleidet und zogen nun aus, um den Ort kennen zu -lernen. Wir nahmen zunächst unsern Weg durch das chinesische Viertel. -Ist an und für sich beinahe in ganz Indien das Stadtviertel der -Chinesen ob seines Schmutzes und üblen Geruches berüchtigt, so fanden -wir hier noch dazu das abscheuliche Bild einiger Leprösen, welche in -der Strasse bettelten und ihre faulenden Glieder nur mangelhaft mit -schmutzigen Lappen bedeckt hatten. Nach der letzten Krümmung des Weges -passirten wir das neu errichtete Spital für Prostitués und ungefähr -200 Schritte davon entfernt das Haus des rangältesten Militärarztes, -welches von meinem Vorgänger bewohnt wurde. Es war ein steinernes -Gebäude im altgriechischen Stile, hatte vor der Vorderfront einen -kleinen und an der Ostseite einen grösseren Garten mit zahlreichen -Fruchtbäumen. Ein geschäftiges und reges Treiben herrschte im Hause -selbst und in dem umgebenden Garten. Nach landesüblicher Weise sollte -ja nun von ½7–8 Uhr »Beschautag« sein, d. h. es sollte die ganze -Einrichtung, welche am nächsten Tage unter den Hammer kommen sollte, -von den Damen mit ihren Männern besichtigt werden, während bei der -Auction selbst nur die Männer als Käufer auftreten können. Zu diesem -Zwecke wurden alle Möbel polirt, ihre schadhaften Stellen mit Farbe -angestrichen, alle Lampen gefüllt und angezündet, zerbrochene Stühle -geleimt, gefärbt und polirt, alte Bücher werden auf dem Bücherschrank -in Packeten geordnet, alte Wäsche mit schönen blauen oder rothen -Bändchen zusammengebunden, das Küchengeschirr mit Sand fein abgerieben -und in der Hintergalerie unter dem Tische aufgestellt, die Pferde und -Kühe wurden schön gewaschen und jeder Riss in der Farbe des Wagens -verkittet und neu lackirt.</p> - -<p>Wir kamen also meinem Collegen gewissermaassen ungelegen. Er schlug uns -jedoch vor, ohne sein Geleite die Räumlichkeiten zu besichtigen, welche -unser zukünftiges Heim werden würden, und ruhig die Wahl unter den -Möbeln zu treffen, welche den andern Tag bei der<span class="pagenum" id="Seite_142">[S. 142]</span> »Vendutie« (Auction) -gekauft werden sollten. Wir konnten nebstdem das Angenehme mit dem -Nützlichen vereinigen. Um 7 Uhr sollten die kauflustigen Bewohner -Ngawies sich einfinden, und bis zu dieser Stunde konnte ich in Ruhe und -Musse mit meiner Frau die Wahl der Möbel getroffen haben und danach mit -allen Notabeln dieser Provinzstadt Bekanntschaft machen. Unterdessen -fuhr Dr. X. mit einer gemietheten Equipage durch die Stadt, um seine -letzten Abschiedsvisiten zu machen. Ueberall gönnte er sich kaum Zeit, -um sich zu setzen, versicherte, dass er von seiner Transferirung nach -Surabaya eingenommen sei, dass ihm die Vorbereitungen zur Auction so -viel Scheerereien gemacht hätten, weil seine Frau zufällig nach Batavia -zu ihren Eltern abgereist, und dass dieses die Ursache sei, dass er -keinen Abschiedsempfang halten könne und darum jetzt definitiv Abschied -nehme; so eilte er weiter zu Jedem, dem er »anständiger Weise« einen -Besuch machen konnte; denn nur auf diese Weise konnte er hoffen, dass -auch die »kleinen« Menschen zu der Auction seiner Einrichtung kommen -würden und mit der Zahl der Käufer auch die Kauflust sich erhöhe. -Die strenge Scheidewand zwischen Europäern einerseits und Chinesen, -Arabern und Eingeborenen andererseits fällt durch das Zauberwort -»Vendutie«. Schon am Abend vor der Auction kommen Alt und Jung, Mann -und Frau, Araber, Chinesen, Europäer, General und Soldat in das Haus -eines Jeden, ob Schreiber oder Resident, ob gemeiner Soldat oder -Oberst, sie alle durchziehen das Haus, um die hell erleuchteten Räume -zu durchschnüffeln, zu bekritteln und — von ihren Frauen Aufträge für -dieses oder jenes Bild, für diesen oder jenen Blumentopf, oder für -ein Bügeleisen zu erhalten. An diesem »Beschauabend« kommt aber auch -Freund und Feind. Endlich wird es 8 Uhr; der Schauplatz wird leer, -die Bedienten löschen die Lampen aus und der Hausherr ist bei einem -seiner Freunde zum Abendessen eingeladen, weil in seinem ganzen Haus -kein Plätzchen frei ist, auf das er einen Teller oder Glas niedersetzen -könnte; auf allen Tischen und Kisten liegen die Gläser, Teller, -alte Hosen, Nippsachen, verrostete Revolver, alte Bücher, geflickte -Schuhe u. s. w. Endlich bricht der grosse Tag an. Um 8½ Uhr sitzt der -Ausrufer mit einem grossen Becken vor dem Hause und ruft mit lauten -Schlägen die Kauflustigen herbei. Im Fort sind alle Dienste beendigt, -um den Officieren und Soldaten Gelegenheit zu geben, »zur Vendutie -des ‚Eerstaanwezenden Officiers van Gezondheid‘ zu gehen«, d. h. wenn -der Platz-Commandant mit dem Chefarzt gut befreundet war; im anderen -Falle sind gerade wichtige Commissionen<span class="pagenum" id="Seite_143">[S. 143]</span> an Tagesordre, so dass die -Officiere u. s. w. erst um 12 Uhr dahin gehen können. Ich habe 7 Jahre -später es sogar erlebt, dass an dem Tage der Auction meiner Einrichtung -grosser militärischer Marsch angekündigt wurde, und die Officiere und -Soldaten erst um 3 Uhr nach Hause kamen. Noch vortheilhafter ist es, -den Assistent-Residenten zum Freunde zu haben; denn er kann ja alle -Beamten seines Bezirkes gerade an diesem Tage zur »Conferenz« nach -der Hauptstadt des Bezirkes einladen und mit ihnen zur Auction gehen. -Im andern Falle schickt er gerade an diesem Tage alle Beamten seiner -Bureaux zu wichtigen Untersuchungen in die abgelegenen Dörfer oder -giebt ihnen sofort zu behandelnde Sachen; so viel wie möglich werden -jedoch die civilen und militärischen Häupter des Ortes persönlich auf -der Auction erscheinen, ja vielleicht selbst um ein paar Gulden eine -Kleinigkeit kaufen, um den Schein zu bewahren, dass die schöne Harmonie -zwischen diesen beiden Mächten nicht gestört sei.</p> - -<p>Endlich ist es 9½ Uhr geworden und die Schlacht beginnt mit den -grossen Möbeln, Kästen, Betten u. s. w., auf welche in der Regel nur -der Nachfolger und andere Neuangekommene reflectiren; die Zahl dieser -europäischen Käufer ist natürlich klein, und es ist mit Recht zu -fürchten, dass das Erträgniss derselben nicht gross sein wird; aber -die eingeborenen Beamten, Häuptlinge, und besonders die Chinesen, -sind die Hauptmacht, welche bald mit ihren Reservetruppen, den -persönlichen Freunden des Besitzers, und dem Schnaps, dem Bier und -dem Grog heranrücken, um ein glänzendes Resultat zu ermöglichen. Wehe -dem Neuling, welcher zum ersten Male auf diese Weise seinen Bedarf an -Möbeln, Gläsern, Geschirr u. s. w. decken will und muss, ohne diese -Intriguen zu kennen. In der Regel kennt er den factischen Ladenpreis -dieser Sachen nicht; wenn jedoch wie ein Salvenfeuer von ungeübten -Recruten von allen Seiten satu rupia = ein Gulden gerufen wird, -dieses Salvenfeuer Minuten lang anhält, dann lässt er sich mitreissen -und ruft immer und immer »ein Gulden«; das Raketenfeuer beginnt zu -erschlaffen, und es folgt jetzt klein Geschütz: sa téngah = ½ Gulden, -und endlich bleibt er in diesem edlen Wettstreit Sieger und hat einen -alten, wurmstichigen Kasten um einen Preis erstanden, für welchen er -sicher einen schönen neuen Kasten bei einem chinesischen Möbelhändler -hätte kaufen können. Die grossen Möbel, wie Kästen, Tische, Stühle -und Wandgemälde finden in der Regel immer einen Käufer, weil der -Comfort bis in das kleinste Dorf schon gedrungen ist, und man kann — -wenigstens auf Java — bei<span class="pagenum" id="Seite_144">[S. 144]</span> jedem Häuptling einen Schaukelstuhl, einen -polirten Tisch mit oder ohne Tischtuch, eine Petroleumlampe, oder -selbst ein eisernes Bett mit Mosquitonetz, oder sogar das Porträt des -deutschen Kaisers finden. Mit dem »Aufjagen« der Preise für die grossen -Stücke haben die Freunde des Besitzers ihre Aufgabe noch nicht gelöst; -sie haben ja untereinander einen Reservefonds von 50–100 fl. angelegt, -um etwaige Verluste zu decken, d. h. sollte ein Kasten oder Tisch -u. s. w. ihnen zugeschlagen worden sein, weil sich der »Baar« zu klug -für sie erwies, ohne dass Einer oder der Andere dafür Bedürfniss hätte, -wird er nochmals licitirt und der Unterschied des Preises wird durch -den Reservefonds ausgeglichen.</p> - -<p>Die Hauptschlacht der Freunde wird nämlich beim Tische geführt, welcher -mit den petits riens, mit den Nippsachen, Büchern, Photographien, -Luxusgläsern u. s. w. beladen ist. Es ist unterdessen 11½ Uhr geworden, -die Zeit für das »Bitterchen« ist herangerückt, die Luft im Zimmer -ist heiss und schwül geworden, und die Gläser mit Bier, Bitterchen, -Brandy-Soda und Whisky-Soda rücken in Schaaren heran (natürlich auf -Kosten des freigebigen Hausherrn).</p> - -<p>Dicht gedrängt stehen Europäer, Chinesen und Eingeborene um den -Tisch, und mit Mühe drängt sich der Abrufer und der Schreiber durch -die Menschenmassen, um einen Platz bei demselben zu finden. Der Notar -selbst steht in der Nähe, um zur rechten Zeit in strittigen Fällen -sein entscheidendes Wort geben zu können. Ist die Zahl der Freunde -gross, dann wird die Auction in diesem Sinne zu einem gemüthlichen, -häuslichen, aber auch lebhaften Feste. Von allen Seiten werden die -bereits verkauften Stühle von den Käufern oder von ihren Bedienten -herbeigeschafft, und mit dem Glas Bier oder Brandy-Soda vor sich, -beginnt das Bieten mit erneuter Kraft. Ein halber, ein viertel Gulden -ertönt es in allen Tonarten von allen Seiten, dort steht ein Mann -und winkt dem Abrufer jedesmal zu, hier wieder einer, der nur einen -Finger an die Nase führt, um ihm zu zeigen, dass er noch einen viertel -Gulden mehr biete, und endlich fällt der Ruf: Zum dritten Male 8 fl. -für die Karaffe für Herrn X. Nun ruft der Herr Y.: mir gehört die -Karaffe, denn ich habe 8 fl. dafür geboten. Das ist nicht wahr, ruft -ein Dritter dazwischen, bevor der Ausrufer das »dritte Mal« aussprach, -habe ich noch einen viertel Gulden geboten, sie gehört mir für 8¼ -Gulden. Der Notar erscheint, erklärt den Kauf für ungültig, und noch -einmal beginnt der Kampf. Durch den Wettstreit erhitzt, steigt der -Preis diesmal bis auf 15 Gulden, für<span class="pagenum" id="Seite_145">[S. 145]</span> welchen Preis sie dem Herrn -X. zufällt (der natürlich zu Hause von seiner Frau die heftigsten -Vorwürfe bekommt, für einen solchen »Schmarn« 15 fl. geboten zu haben). -Der Stein ist jedoch jetzt im Rollen, und Niemand hält ihn auf. Der -Vorrath an »Kleinigkeiten« droht sich zu erschöpfen. Es ist 1 Uhr -geworden, und wenigstens noch eine halbe Stunde wollen die Freunde »dem -gemüthlichen Beisammensein« kein Ende machen; erst werden also die -Flaschen Brandy geöffnet und jedes Gläschen unter den Hammer gebracht, -bevor es ausgetrunken werden darf, und wenn diese geleert sind, werden -die restirenden Gläser zweimal, dreimal, selbst viermal verkauft, bis -endlich das Küchengeräthe an die Reihe gekommen und die »Vendutie« -abgelaufen ist.</p> - -<div class="figcenter illowe29" id="fig10"> - <img class="w100" src="images/fig10.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Fig. 10. Eine sundanesische Frau in ihrer Haustoilette.</div> - <div class="caption_gross x-ebookmaker-drop"><a href="images/fig10_gross.jpg" - id="fig10_gross" rel="nofollow">⇒<br /> - <span class="s6">GRÖSSERES BILD</span></a></div> -</div> - -<p>Die Glücksgüter sind auf der Erde ungleichmässig vertheilt, und -auch das Erträgniss der Auctionen variirt sehr — je nachdem man -in der Gunst des Publicums steht. Nur ausnahmsweise erfreut sich -ein Lieutenant oder ein Schullehrer einer solchen Popularität oder -eines solchen grossen Kreises von Freunden, dass die Auction nahezu -die Kosten der Anschaffung deckt, oder dass er selbst beim Verkauf -seiner Einrichtung noch einen kleinen Betrag gewinnt. Die höchsten -Beamten und Officiere einer Provinz (Residentschaft), welche durch -ihre Stellung einen grossen Einfluss auf die Lieferanten der Armee und -die verschiedenen Aemter haben, sind die vom Glücke begünstigtsten. -Der Durchschnittspreis der »Vendutie« der Residenten kann gewiss auf -15–20,000 fl. gerechnet werden, wenn wir die Einrichtung seines Hauses -auf ungefähr 10,000 fl. anschlagen; ja noch mehr; ich bezweifle es, -ob jemals ein Resident an dem Einkaufspreis seiner Einrichtung auch -nur einen einzigen Gulden verloren, selbst wenn er zehn Jahre lang von -seinen Möbeln u. s. w. Gebrauch gemacht hat. Der Chinese kann sich -selbst den ehrlichsten Contract ohne Bestechung nicht vorstellen. -Kommt nun ein neuer Resident ins Amt, der durch die Unbescholtenheit -seines Charakters bekannt ist, will der Chinese ihm zeigen, was er -zu erwarten habe, wenn er ihm bei der Uebernahme einer Lieferung -keine Schwierigkeiten in den Weg legt; er beginnt bei der Auction -des abtretenden Residenten sofort, sagen wir 100 fl. für den ersten -Blumentopf mit lauter Stimme zu bieten, oder 2000 fl. für dessen -Reitpferd, jedoch nicht um es nach Hause bringen, sondern in dem -Stall »irrthümlicherweise« stehen zu lassen. In der Regel versteht -der neue Resident diese Art der Bestechung und schickt sofort das -»vergessene« Pferd dem Käufer zu; der Chinese jedoch hat seine Captatio -benevolentiae gezeigt und ist zufrieden. Aber auch der<span class="pagenum" id="Seite_146">[S. 146]</span> europäische -Pflanzer will sich um die Gunst des neuen Residenten bewerben, behält -sich jedoch vor, erst am Ende seiner Herrschaft seine Dankbarkeit -für das entgegenkommende oder vielleicht behülfliche Benehmen des -Residenten mit klingender Münze zu bezeigen. Hat der Resident während -seiner Amtsthätigkeit die von so arger Fiscalität zeugenden Gesetze -mit Tact und Billigkeit ausgeführt, so zeigen sich auch die Zucker- -oder Indigopflanzer beim Scheiden des Residenten erkenntlich und -trinken während der »Vendutie« auf das Wohl des abreisenden Residenten -Champagner, welchen sie selbst mitgebracht haben und glasweise unter -den Hammer bringen; 10–100 fl. werden für das erste Glas Champagner -geboten, und zuletzt werden auch die Gläser mit 1–100 fl. bezahlt, -aus welchen auf die Gesundheit des scheidenden Residenten getrunken -wurde. Nur ein Missbrauch dieser Einrichtung ist mir bekannt. Die -zahlreichen eingeborenen Beamten werden moralisch gezwungen, bei jeder -Auction eines Controleurs, Assistent-Residenten und Residenten zu -erscheinen und zu kaufen; da der Gehalt derselben niemals ausreicht, -ihre Bedürfnisse zu decken, weil Jeder von ihnen ein grosses Gefolge -hat, das von dessen Erträgnissen lebt, so verfallen sie in Schulden und -suchen sich auf andere Weise dafür zu entschädigen, und zwar auf Kosten -des kleinen Mannes, wie wir noch sehen werden. Im Uebrigen entspricht -dieses Auctionsamt einem tiefgefühlten Bedürfnisse:</p> - -<p>Wenn auch in den letzten Jahren die Eisenbahn den Norden der -Insel Java mit dem Süden, und den Osten mit dem Westen verbindet, -so ist das Netz doch noch nicht hinreichend entwickelt.<a id="FNAnker_84" href="#Fussnote_84" class="fnanchor">[84]</a> Die -Transportkosten durch Kulis oder Lastwagen sind sehr gross; es ist -daher der abreisende Beamte, Officier, Lehrer u. s. w. gezwungen, -seine Einrichtung zu verkaufen. Er findet in dem Vendu-Departement, -welches dem Finanzministerium untergeordnet ist, eine ausgiebige -Hülfe. Mit Hülfe eines Commissionärs oder eines Freundes meldet er -bei dem damit betrauten Beamten seine Auction an, und das Erträgniss -wird ihm in der Form eines Acceptes, welches nach vier Monaten fällig -ist, ausbezahlt; wenn ich mich nicht irre, muss der Verkäufer 2% des -Erträgnisses für die Auction bezahlen. Der Eingang des Erträgnisses -ist ihm so sicher (der Staat übernimmt ja die Bezahlung), dass er in -der Regel die Auction nicht einmal abwartet, sondern abreist und das<span class="pagenum" id="Seite_147">[S. 147]</span> -Venduaccept sich nachschicken lässt. Dieses wird von allen Privatbanken -gerne discontirt. Andererseits hat Jedermann, ob er eine Frau und -zahlreiche Kinder hat oder ledig ist, bei der Ankunft aus Europa oder -einem anderen Orte nicht immer disponibles Geld, um sich einrichten -zu können; wenn er auch vielleicht bei jedem Möbelmacher (NB. wenn -einer vorhanden ist, was im Innern der Insel nicht immer der Fall ist) -auf Credit die ganze Einrichtung seines Hauses bekommen könnte, so -convenirt ihm oft dieses nicht; er kauft also das momentan Nothwendige -»auf der nächsten Vendutie«, kann den Betrag 3–4 Monate später bezahlen -und bezahlt dafür 6% des Betrages und 1‰ für den Armenfonds.</p> - -<p>Stilgerecht ist eine solche Wohnung allerdings nicht eingerichtet; jene -Glücklichen, welche Stil in ihrer Wohnung und in ihrem Hause entwickeln -wollen, scheuen nicht die grossen Kosten einer neuen Einrichtung; -wer aber billig und schnell unter Dach kommen will, der kauft »auf -Vendutie« alte Möbel und Verzierungen und verkauft sie wieder bei der -nächsten Transferirung.</p> - -<p>Selbstverständlich machen auch der Handel und die -Schifffahrtsgesellschaften häufig von dem Auctionsamt Gebrauch.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>In den ersten Monaten meines Aufenthaltes in Ngawie hatte ich einen -Assistenzarzt, dem ich den Dienst in der Apotheke, in der Caserne und -im Frauenspitale anvertraute. Den Officieren liess ich die Wahl, ob sie -im Erkrankungsfalle ihrer Angehörigen mich oder den Assistenzarzt um -Hülfe ersuchen wollten, und dennoch war ich von früh bis abends und oft -bis spät in die Nacht mit Arbeiten überladen; ich führte nämlich mit -allen meinen Vorgesetzten Krieg, und das Geschütz waren — Briefe.</p> - -<p>Wenn ich den Dienst im Spitale beendigt hatte, zog ich mich in mein -Bureau zurück, um anfangs durch das Studium des Archivs die Auffassung -der herrschenden Verhältnisse von Seiten meiner Vorgänger und früheren -Chefs kennen zu lernen und späterhin, um auf schriftlichem Wege die von -mir nöthig erachteten Vorschläge auseinander zu setzen.</p> - -<p>Als Rangältester war ich der »Eerstaanwezende Officier van Gezondheid« -und als solcher der verantwortliche Chef für die Abtheilung Ngawie und -theilweise auch für die Provinz Madiun.</p> - -<p>Diese Provinz ist nicht gross, sie hat 106,822 Quadrat-Meilen mit<span class="pagenum" id="Seite_148">[S. 148]</span> -1,070,074 Einwohnern,<a id="FNAnker_85" href="#Fussnote_85" class="fnanchor">[85]</a> worunter 1276 Europäer und 3904 Chinesen. Auf -die ☐Meile kommen also 10,109 Einwohner oder auf den ☐km ungefähr 235 -Seelen. (Der dicht bevölkerte Staat Belgien hat 200 Einwohner auf den -☐km.) Madiun hat also eine ziemlich starke Bevölkerung. (Die Provinz -<a id="Bageleen"></a>Bageléen hat sogar 20,000 Einwohner pro ☐Meile oder 365 auf den ☐km.)</p> - -<p>Von den wenigen Flüssen dieser Provinz ist hier nur der Bengawan -erwähnenswerth, der bei Ngawie an der Grenze der Provinz Rembang mit -dem Madiunfluss sich vereinigt und unter dem Namen Solofluss bei -Surabaya sich in den Javasee ergiesst. Zahlreiche Berge und grosse -Gebirgsstöcke durchziehen diese Provinz. Die höchsten Berge sind -der Berg Lawu (3254 Meter), der Berg Willis (2551 Meter) und der -Berg Manjutan (1554 Meter). Zahlreiche warme Quellen entspringen dem -vulcanischen Boden Javas. Schon ungefähr 400 Beschreibungen sind -bekannt von den in Indien vorkommenden warmen Quellen; so hat auch die -Provinz Madiun in der Nähe des Berges Willis Brunnen von Kohlensäure, -neben dem Bergsee Nebel (715 Meter hoch) alcalische Säuerlinge, und -hinter Ngawie selbst fand ich die warme Quelle Sendáng,<a id="FNAnker_86" href="#Fussnote_86" class="fnanchor">[86]</a> welche in -früherer Zeit zum Baden gebraucht wurde. Sie ist nämlich von einer -ungefähr drei Meter hohen steinernen Mauer umgeben, so dass ich auf -einer Leiter hinuntersteigen musste, um sie benutzen zu können. Die -in der Nähe sich befindenden Eingeborenen konnten mir keine Auskunft -über das Alter dieser Mauer angeben und wussten nur mitzutheilen, dass -tempo dulu, dulu, d. h. in längstvergangenen Zeiten ein Badeplatz hier -bestanden habe.</p> - -<p>Auch Erdöl wird im Bette des Soloflusses gefunden.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Meine Vorgesetzten waren folgende:</p> - -<ol class="medizinisches"> - -<li>Der Platz-Commandant, der in allen militärischen Fragen, selbst -wenn sie das rein Technische des Militärarztes streifen, berechtigt -und verpflichtet ist, dem ihm zugetheilten Militärarzt die Directive -zu geben. Die Grenzen, wie weit ein solcher Laie gehen soll und darf, -lassen sich natürlich durch kein Gesetz scharf bezeichnen, und ich -habe es erfahren, wie unerträglich, lästig und selbst sehr unangenehm -ein Haudegen werden kann, wenn er als<span class="pagenum" id="Seite_149">[S. 149]</span> Platz-Commandant überhaupt -keine Grenzen seiner Machtvollkommenheit kennen will.</li> - -<li>Der Landes-Sanitätschef, der in Samarang seinen Sitz hatte, war de -facto und de jure mein Chef. Er hatte nicht allein den technischen -Theil meiner Arbeit zu beurtheilen (trotz der örtlichen Entfernung), -sondern er musste auch die Mittheilungen des Platz-Commandos über -mein Benehmen als Mann und Officier zur Zusammenstellung der -Qualificationsliste benutzen. Wenn er auch als Chef dem Reglement -zufolge das Interesse seiner Untergeordneten beherzigen musste, hat -er es doch nie gethan, weil er als mein persönlicher Feind geradezu -jede Objectivität mir gegenüber verlor, und selbst jede Gelegenheit -suchte, sein Müthchen an mir zu kühlen, wozu ihm das militärische -Disciplinargesetz reichlich Handhabe bot.</li> - -<li>Der Resident (Statthalter) der Provinz Madiun. Jeder Militärarzt -geniesst je nach seinem Range für »civile« Dienste eine monatliche -Zulage von 50–100 fl. und verpflichtet sich stillschweigend dadurch, -die Armenpraxis zu üben (dazu gehören auch die europäischen -Beamten, welche weniger als 150 fl. monatlichen Gehalt haben), die -gerichtlichen Fälle zu begutachten, die Gefangenen zu behandeln und -die Prostitués zu untersuchen u. s. w., kurz gesagt, den Dienst -eines Polizei-, Armen- und Bezirksarztes zu thun; NB. wenn ein -Civilarzt nicht anwesend oder aus irgend einer Ursache nicht dazu -geeignet ist. Durch diese Dienstleistungen tritt der Militärarzt in -ein dienstliches Verhältniss auch zum Residenten, ohne jedoch in der -Regel mehr, als durch die Arbeit nöthig ist, belästigt zu werden. -Ich hatte in Ngawie oft, selbst sehr oft für diese Zulage von 50 fl. -monatlich, Arbeiten zu leisten, welche in gar keinem Verhältnisse zu -dieser Bezahlung standen (an anderen Orten aber, wie z. B. in Batavia -oder Samarang, erhält man diese Zulage, ohne auch nur etwas dafür -leisten zu müssen), und der Assistent-Resident hat als Vertreter des -Residenten in der Regel für das Verhältniss des Militärarztes zu -diesem ein richtiges Verständniss. Die Ausnahmen bleiben nicht aus, -wo die zwei Mächte des Staates sich nicht vertragen, und überall -entstehen Streitigkeiten, und immer wird die Harmonie des Ortes -gestört, wenn der Platz-Commandant im Range nicht viel niedriger -ist, als der Vertreter der Regierung. Diese Rangstreitigkeiten -ziehen sich wie ein rother Faden durch die<span class="pagenum" id="Seite_150">[S. 150]</span> Chronica scandalosa der -Garnisonsplätze, und der Militärarzt muss durch seine Stellung nur zu -oft das vermittelnde und verbindende Element in diesem Kriege werden.</li> - -<li>Der Inspector des »bürgerlich ärztlichen Dienstes«, welcher im -Range eines Oberstabsarztes der Adviseur des Sanitätschefs in allen -hygienischen Fragen der Colonien ist und die Impfung durch das grosse -Corps der eingeborenen Vaccinateure leitet. Als »Eerstanwezend -Officier van Gezondheid« zu Ngawie war ich verpflichtet, die -Vaccinateure der Abtheilung Ngawie zu controliren, ihre Rapporte -entgegenzunehmen und auf dienstlichem Wege diese meinem vierten Chef -einzusenden.</li> - -</ol> - -<p>Am 24. März 1889 wurde mein Assistenzarzt von Ngawie abberufen, und -ich musste nun auch den »Garnisonsdienst« und die Arbeiten in der -Apotheke auf mich nehmen. Als »Garnisonsdoctor« musste ich auch auf -dem Executionsplatze anwesend sein, wenn ein Insasse Stockschläge -bekam. Widrige Scenen habe ich damals gesehen, aber das maassvolle, -ruhige und humane Auftreten der zwei ersten Platz-Commandanten gab -mir keinen Anlass, mit dem herrschenden Princip der Stockschläge -mich zu beschäftigen. Der Geist des Gesetzes, Soldaten, welche durch -kein Disciplinar-Verfahren zur Zucht und Ordnung herangezogen werden -konnten, vielleicht durch die Schläge zu brauchbaren Mitgliedern der -Armee zu machen, wurde in tactvoller Weise gehandhabt. Erst als der -Major X. eintraf, welcher 1½ Jahre später dahin versetzt wurde, war -meine und die Ruhe aller übrigen Officiere dahin.</p> - -<p>Ist es schon an und für sich ein Anachronismus, Soldaten, welche keine -Verbrecher sind, durch Stockschläge zur Reinlichkeit oder zur Zucht und -Ordnung zwingen zu wollen, und ist diese ganze Anstalt geradezu ein -Schandfleck der indischen Armee, so erniedrigte dieser Commandant durch -seinen Uebereifer die Officiere zu einer rohen, herzlosen Soldateska, -seine Unterofficiere zu Henkersknechten und die Soldaten zu Sclaven. -Die Scenen, welchen ich damals beigewohnt habe, widern mich noch heute -an. Wenn dieser Major durch die geübte Feder seines Vaters in Nr. -208 des »Javabode« vom Jahre 1891 eine Lanze für die »Stockschläge« -in der Armee einlegen liess, um das Armee-Commando in der durch mich -angeregten Polemik für sich zu gewinnen, so ist ihm dies gelungen; -er avancirte und mir wurde die Carrière abgeschnitten; ich aber habe -nicht den Fluch von hunderten Soldaten, und gewiss nicht viel weniger -Officieren auf mich geladen. Im Norden der Stadt Ngawie, ungefähr ½ km -entfernt von der Mündung<span class="pagenum" id="Seite_151">[S. 151]</span> des Madiunflusses in den Solofluss, liegt das -Fort »General van den Bosch«. Zugbrücken, Wälle und Gräben, steinerne -Casernen und Kasematten sind dieselben, wie sie alle Forts aus jener -Zeit haben, in welchen die Kanonen kaum 1–2 km Schussweite hatten. Auf -der Südseite führte ein grosser Gang in den ersten Hof, in welchem sich -die Wohnung und das Bureau des Platz-Commandanten und einiger Officiere -befanden. Der Platz-Adjutant hatte sein Bureau in einem Zimmer, welches -in diesem Gange auf der rechten Seite lag; in diesem Zimmer hielt der -Platz-Commandant täglich den Rapport, bei welcher Gelegenheit ihm -auch alle Soldaten vorgeführt wurden, welche im Laufe der letzten 24 -Stunden sich etwas hatten zu Schulden kommen lassen. Nach den für -diese Anstalt bestehenden gesetzlichen Bestimmungen, welche auch in -das neue Reglement von 1891 aufgenommen sind, existiren für diese, mit -Recht will ich sie so nennen, Unglücklichen nur zwei Strafen: Cachot -und zehn oder zwanzig Stockschläge. Natürlich bleibt es dem Tacte und -dem Ermessen des Commandanten überlassen, wann und ob überhaupt eine -dieser beiden Strafen angewendet werden soll. Als der genannte Major -X. das Bedürfniss empfand, sein System von seinem Vater (natürlich -anonym) in einer Zeitung vertheidigen zu lassen, waren in einem -<em class="gesperrt">einzigen Monat</em> 70%, sage siebzig Procent!<a id="FNAnker_87" href="#Fussnote_87" class="fnanchor">[87]</a> des I. Standes mit -zwanzig Stockschlägen bestraft worden. Wie weit dieser Major unseligen -Andenkens die Abschreckungstheorie des Strafens getrieben hat, werden -folgende zwei Beispiele am besten illustriren:</p> - -<p>Eines Tages stand ich mit dem einzigen Officier, welchem das Thun -und Lassen unseres Commandanten sympathisch war, in der Nähe des -Platzbureau, als der Rapport einrücken musste. In strammer Haltung und -im Paradeschritt eines preussischen Grenadiers zog der Zug ein Mann -hoch an uns vorbei, und zwar mit einer Schwenkung nach rechts. Einer -der Sträflinge drehte jedoch bei dieser Gelegenheit reglementswidrig -auch seinen Kopf nach rechts. »Dafür giebt’s wiederum zwanzig Schläge!« -rief frohlockend dieser einzige Bewunderer unseres allzu strengen -Commandanten, obwohl er als Fachmann wissen musste, dass in der Regel -nur links geschwenkt wird, wobei der Kopf rechts gedreht werden muss.</p> - -<p>Noch charakteristischer ist folgender Fall, welcher gleichzeitig der<span class="pagenum" id="Seite_152">[S. 152]</span> -Anlass zu einer grossen Polemik zwischen Major X. und mir und die erste -Ursache meines Sturzes wurde.</p> - -<p>Ein Zug von Sträflingen war zum Rapport angetreten. Plötzlich bemerkte -der Commandant, dass einer derselben nicht gerade vor sich hinblickte; -er rief dem Schuldigen das Commando »Lîhat trus« (= Geradeaus schaun) -zu, und als dieser, eingeschüchtert durch den strengen Blick des -Majors, im folgenden Augenblick wieder den Kopf ein wenig zur Seite -drehte, legte ihm der Commandant sofort die Strafe von 20 Stockschlägen -auf. Ueblicher Weise wurde der Delinquent zu mir gebracht, um -untersuchen zu lassen, ob kein Hinderniss für die Ausführung der Strafe -vorliege.</p> - -<p>Als Maassstab zur Beurtheilung dieser Frage hatte ich (und auch -mein Vorgänger), abgesehen von acuten Krankheiten oder schlechtem -Allgemeinbefinden u. s. w., den Zustand der Hinterbacken angenommen.</p> - -<p>Dieser Delinquent hatte kurz vorher dieselbe Strafe erhalten, und die -Wunden waren noch nicht geheilt. Ich avisirte also: »<em class="gesperrt">Zeitlich</em> -ungeeignet.« Wenige Minuten danach stand der Commandant vor mir und -machte mir die heftigsten Vorwürfe, da er unter diesen Verhältnissen -unmöglich Zucht und Ordnung unter den Insassen erhalten könne, dass -<em class="gesperrt">ich</em> Schuld daran sei, wenn eine indisciplinirte Bande im Fort -hausen werde. Diesen Sturm der Entrüstung, gespickt mit Hyperbeln und -Uebertreibungen, liess ich, wie üblich bei solchen Gelegenheiten, ruhig -über mich ergehen, weil er ja nur die Vorrede zu der Mittheilung des -Thatsächlichen sein sollte. Endlich konnte ich zu Worte kommen. Ich -theilte dem Commandanten mit, dass ich gar keine Ahnung hätte, um was -es sich handle, und darum auch mich gar keiner Schuld bewusst fühlte.</p> - -<p>»Nur wenn die Strafe dem Verbrechen auf dem Fusse folgt, nur dann, Herr -Regiments-Arzt, kann sie helfen.«</p> - -<p>Da ich in diesem Augenblicke noch nicht wusste, was der Delinquent -begangen hatte, und natürlich an ein factisches Verbrechen denken -musste, so erinnerte ich den Herrn Major X. daran, dass dies -niemals und nirgends in Friedenszeiten geschehe, und dass stets der -Bestrafung die Untersuchung, die Verhandlung und die Vertheidigung -vorangehen. Natürlich war ich sehr überrascht, als ich das Vergehen -dieses unglücklichen Soldaten erfuhr; die militärische Disciplin -hielt mich zurück, seine Auffassung dieses Vergehens in gebührender -Weise zu classificiren, ich gab mir jedoch Mühe, den Vorfall in einem -günstigeren Lichte darzustellen. Der Herr Major X. war ein grosser, -schöner Mann und<span class="pagenum" id="Seite_153">[S. 153]</span> hatte ein imposantes Auftreten. Selbst die Officiere -bekamen das Gruseln, wenn sie in Dienstsachen zu dem Platz-Commandanten -gerufen wurden, um wieviel mehr musste es mit so einem armen -eingeborenen Delinquenten der Fall sein, welcher vor ihm stand und -beinahe mit Sicherheit wusste, dass ihm eine schwere Züchtigung -bevorstehe; er wurde also nervös und unruhig und auf diese Weise das -Opfer seiner erregten Nerven.</p> - -<p>Anfangs fühlte sich Major X. geschmeichelt, zu hören, dass er in so -hohem Maasse den Soldaten und Officieren imponire, aber bald sah er -in mir wieder den Untergeordneten, der niemals eine andere oder sogar -bessere Auffassung oder Ansicht als er haben durfte, und verlangte -selbst von mir, dass ich überhaupt niemals einen Delinquenten -ungeeignet für die Strafe erklären und nur zum Scheine das Stethoskop -auf die Brust desselben setzen sollte!! Nun war es meine Sache, -Entrüstung zu zeigen.</p> - -<p>»Herr Major, Sie verlangen etwas von mir, das gewiss mich in Ihren -Augen herabsetzen würde. Unsere Sträflinge sind ja keine Mörder oder -Räuber, es sind ja <em class="gesperrt">meistens</em> nur Schlemihls, welchen es trotz -ein- bis zweijähriger Recrutenzeit nicht gelungen ist, brauchbare -Soldaten zu werden, es sind eingeborene Soldaten, welche noch nicht -gelernt haben, das Gewehr sauber zu putzen oder die metallenen Knöpfe -glänzend zu erhalten. Das Aergste, was einer dieser Unglücklichen -angestellt hat, war, dass er sich trotz aller Ermahnungen und Strafen -den verführerischen Blicken seiner braunen Geliebten bis in die -späte Nachtstunde ausserhalb der Caserne ohne Erlaubniss seines -Compagnie-Commandanten hingab, oder dass er im Würfelspiel nicht nur -sein Baargeld, sondern auch seine zweite Hose verlor. Aber selbst, -wenn es Räuber und Mörder wären, wäre es meine Pflicht, ihnen meine -ärztliche Hülfe zu leisten, oder in casu zu verhindern, dass ihnen die -Stockschläge unheilbares Leiden oder sogar den Tod bringen; selbst das -Gesetz verpflichtet mich, bei der Strafvollziehung gegenwärtig zu sein -und die Fortsetzung der Schläge zu verbieten, wenn ich sie gefährlich -für den Delinquenten erachte. Ich habe selbst bis jetzt nur meine -Pflicht als Arzt und als Officier gethan, wenn ich einen Delinquenten -nicht bestrafen liess, so lange die Wunde der früheren Züchtigung nicht -geheilt war.</p> - -<p>»Ich will Ihnen aber behülflich sein, ganz unbeschränkt nach Ihrem -Ermessen handeln zu können. Schicken Sie mir nicht die Delinquenten zur -Untersuchung. Sie wissen, dass ich keinen Assistenzarzt<span class="pagenum" id="Seite_154">[S. 154]</span> habe und mit -Amtspflichten überhäuft bin, ich habe auch keinen Apotheker und muss -also den Dienst für <em class="gesperrt">drei</em> Officiere verrichten; ich verspreche -Ihnen, niemals und nirgends mich zu bekümmern, ob ein Delinquent -täglich oder einmal im Jahre geprügelt wird. Wenn Sie aber, Herr Major, -diese mir zur Untersuchung schicken, dann thue ich es gewissenhaft, und -ich kann daher Ihren Vorschlag nicht acceptiren, nur »pura pura« (= zum -Schein) zu untersuchen und Jedermann geeignet für die Prügelstrafe zu -erklären.«</p> - -<p>Die Mittheilung meiner Erlebnisse ist nicht Selbstzweck, sondern -hat das Ziel, ein Bild von Land und Leuten der Inseln des indischen -Archipels zu geben, und darum will ich mich mit dieser Affaire -im Weiteren nur kurz fassen. Major X. berichtete darüber an den -Landes-Commandanten in Samarang und liess durch einen Artikel in dem -»Javabode« vom 8. September 1891 seinen Vater für die Prügelstrafe -in der Armee eine Lanze brechen; ich selbst beschränkte mich auf die -Vertheidigung meines Standpunktes gegenüber dem Landes-Sanitätschef, -leider ohne Erfolg. Dieser Mann (de mortuis nil nisi bene) hatte -niemals das Interesse seiner Untergeordneten vertreten, und war auch in -dieser Affaire nur das Echo des Major X.</p> - -<p>Ueber die Prügelstrafe in der indischen Armee selbst, für welche der -pensionirte Oberst-Lieutenant X. in so warmen Worten eintrat, dass -er die Absicht deutlich verrieth, meine »falsche Humanität gegen den -Auswurf der Armee« der Heeresleitung ad oculos zu demonstriren, und -seinem Sohne im Kampfe gegen mich Hülfstruppen zu senden, muss ich auf -Grund meiner Erfahrungen unbedingt den Stab brechen.</p> - -<p>Die indische Armee besteht aus zwei ausgesprochenen Elementen: -Europäern und Nicht-Europäern (von welchen die ambonesischen Soldaten -auch Christen sind und darum auch alcoholische Getränke gebrauchen, -sie sind aber dennoch sehr nüchtern und müssen nur sehr selten wegen -Missbrauchs des Alcohol gestraft werden). Im Allgemeinen stellt die -Prügelstrafe dieselben Fragen an uns als die Todesstrafe, und zwar -die der Abschreckungstheorie, der Besserung und der Repression. Die -Abschreckungstheorie ist ungerecht und erreicht, wie die Erfahrung -lehrt, ihr Ziel nicht; zur Zeit, als die härtesten und grausamsten -Strafen für Mord und Diebstahl u. s. w. angewendet wurden, waren auch -die gemeinsten Verbrechen an der Tagesordnung. Das Unrecht ist auch -zweifellos, wenn Jemand für sein Vergehen härter bestraft werden soll, -als er es verdient, nur um zu verhindern, dass ein Anderer dasselbe -Verbrechen begehe.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_155">[S. 155]</span></p> - -<p>Die Besserungstheorie zerfällt natürlich gegenüber der Todesstrafe in -ein Nichts. Aber auch die Prügelstrafe hat selten Jemanden gebessert; -bis zum Jahre 1891 waren nur acht Mann, sage acht Mann!! gebessert der -Armee von Ngawie zurückgegeben worden.</p> - -<p>Die Repressionstheorie hat gar kein Recht zu bestehen, wenigstens -der Prügelstrafe gegenüber. Wie schon erwähnt, besteht die indische -Armee aus Europäern<a id="FNAnker_88" href="#Fussnote_88" class="fnanchor">[88]</a> und Eingeborenen; die grösste Zahl der -europäischen unbotmässigen Soldaten war ein Opfer des Alcohols oder -eines rachsüchtigen gemeinen Feldwebels, welcher, unbeschadet der -Folgen, immer und immer über seinen Nebenbuhler Klagen bei seinem -Compagnie-Commandanten führte. Was ein solcher Mann im Stande sei, -habe ich selbst, wenn auch mit minder tragischem Ausgange, erfahren. -Im Jahre 1887 wurde ich nach einem kleinen Fort an der Grenze des -feindlichen Landes in Sumatra versetzt. Jedes Schriftstück, welches -ich von dort aus an den Landes-Sanitätschef einreichte, wurde mir als -fehlerhaft oder schlecht geschrieben zurückgeschickt. Eines Tages kam -ich nach der Hauptstadt, und ein College theilte mir mit, dass der -Sanitätschef sein Befremden ausgedrückt habe, von mir, dem ältesten -Arzte, und nur von mir allein mangelhafte und schauderhaft geschriebene -Rapporte zu erhalten. Es stellte sich heraus, dass der Schreiber des -Chefs von jedem Arzte, der nach einem Fort gesendet wurde, 5 fl. -erhielt, und darum die erhaltenen Rapporte, auch wenn sie irgend einen -Fehler hatten, dem Chef <em class="gesperrt">nicht</em> vorlegte. Ich jedoch hatte mir -die Gunst dieses Feldwebels aus leicht begreiflichen Ursachen nicht -erkauft, und darum wurde jeder weggelassene Bleistrich, jede krumme -Linie von diesem Manne roth angestrichen dem Chef unter die Augen -gebracht. Wäre ich kein Officier, sondern ein Soldat gewesen, so wäre -ich im Laufe von 1–2 Jahren sicher »reif für Ngawie« geworden.</p> - -<p>Ich verstehe es, dass man die strengsten Maassregeln gegenüber dem -Missbrauch des Alcohols nimmt, d. h. präventive Maassregeln schafft; -aber den Säufer durch Stockschläge von seiner Trunksucht zu befreien -— ist dumm und schlecht. Dumm ist es, weil es niemals gelingt, und -schlecht ist es, weil Hunderte von Officieren mit einem<span class="pagenum" id="Seite_156">[S. 156]</span> Rausch nach -Hause kommen können, ohne Prügel dafür zu erhalten, und weil Hunderte, -vielleicht Tausende von Soldaten gut angeheitert täglich in die Caserne -gelangen und ungestraft bleiben, weil es ihnen gelang, den Feldwebel -der Wache zum Freund sich zu erhalten.</p> - -<p>Bei den eingeborenen Soldaten ist die »Malpropertät« die häufigste, und -das Verkaufen von Equipementsstücken die <em class="gesperrt">vereinzelte</em> Ursache, -dass sie als unbotmässig und als unverbesserliche Sujets nach Ngawie -geschickt werden. Wenn Sonnabends um 9 Uhr der Compagnie-Commandant -über die Kleidung und Waffen der Mannschaft Inspection hält, ist er -ganz und gar von dem guten Willen des Feldwebels abhängig, um viel -oder wenig Unziemlichkeiten zu finden. Dieser hat die Pflicht, vor -Ankunft des Hauptmanns dafür zu sorgen, dass alles nach den Regeln -der Vorschriften ausgepackt sei; sieht der humane Feldwebel nun bei -einem Soldaten, dass sich irgend wo ein kleiner Fleck befindet, so -lässt er sofort vom Eigenthümer den kleinen Fleck abputzen oder er -schweigt, wenn es schon zu spät ist und überlässt es dem Zufalle, -dass der inspicirende Hauptmann es sehe oder übersehe. Hat jedoch -der betreffende Recrut aus gewissen naheliegenden Ursachen sich die -Gunst eines inhumanen Feldwebels verscherzt, wird letzterer sogar -den inspicirenden Hauptmann darauf aufmerksam machen. Ohne die -diesbezüglichen Witze der Fliegenden Blätter hier zu wiederholen, ist -es naheliegend, dass ein solcher Unglücklicher in kürzester Zeit »reif -für Ngawie« wird.</p> - -<p>Wenn der Feldwebel nicht nur für das reglementäre Anordnen der Kleider -u. s. w. bei der Inspection verantwortlich gemacht würde, sondern -auch für die tadellose Reinheit derselben, so würde die Zahl der -»unbotmässigen« <em class="gesperrt">eingeborenen</em> Soldaten auf ein Viertel sinken, ja -noch mehr: Ngawie wäre in seiner Existenz bedroht. Die Zahl derjenigen -Soldaten, welche einzelne Kleidungsstücke verkaufen, um Geld für die -Liebe und das Würfelspiel zu bekommen, ist gegenüber der Zahl der -»Unreinen« klein, und darum schliesse ich gern diesen Abschnitt mit dem -Rufe: »Weg mit der Prügelstrafe aus der indischen Armee!«<a id="FNAnker_89" href="#Fussnote_89" class="fnanchor">[89]</a></p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_157">[S. 157]</span></p> - -<p>Hinter dem Fort führte ein krummer Weg zum Officiers-Clubgebäude, -welches auf der Landzunge zwischen dem Solo- und dem Madiunflusse -lag. Das jenseitige Ufer gehörte bereits zur Provinz Rembang und war -zugleich der Exercierplatz für Feldübungen der Bewachungstruppe und -jener Sträflinge, welche drei Monate lang frei von Strafen geblieben -waren. Auf dem Wege nach Rembang und noch in der nächsten Nähe -des Ufers lagen drei kleine Hütten. Eines Tages machte ich meinen -Spaziergang mit Hülfe der dort befindlichen Fähre ins Gebiet der -benachbarten Provinz und gelangte zu diesen Hütten; sie bestanden nur -aus Bambusmatten und hatten kein einziges Möbelstück. Vor jeder Hütte -sass ein — Leprakranker. Ich liess mich mit ihnen in ein Gespräch -ein, und zwar nur über ihre momentane Lebensweise; denn über die Dauer -ihrer Erkrankung, über die Entstehungsweise, über Heredität und über -den Verlauf der Krankheit ist von diesen Menschen überhaupt nichts -Bestimmtes zu erfahren. Wie lange die Lepra im indischen Archipel sei, -lässt sich nicht einmal annähernd sagen. Nach <em class="gesperrt">Hirsch</em> lässt sich -in Indien die Lepra bis auf das 7. Jahrhundert vor Christo verfolgen; -nach dem 54. Buche der Geschichte der Liang-Dynastie (502–556) und dem -324. Buche der Ming-Dynastie, und übereinstimmend mit der javanischen -Sagenwelt (Babads) hat Prabu Djaja Baja im ersten Jahrhundert unserer -Zeitrechnung eine grosse Colonie von Hindus nach Java gebracht, welche -die dort befindlichen Urbewohner verdrängt haben. Da von diesen selbst -ganz und gar keine Ueberlieferungen bestehen, und eine Vergleichung mit -den auf anderen Inseln im Urzustands jetzt noch lebenden Eingeborenen -nur ein hypothetisches Ergebniss haben kann, so ist und bleibt die -Frage der Lepra bei den Urbewohnern Javas unerledigt. Da sich ein -grosser Menschenstrom von Hindostan vom Jahre 78 p. Ch. an über alle -Inseln des indischen Archipels, und somit auch über Java einige -Jahrhunderte hindurch ergoss, die Lepra schon seit vielen Jahrhunderten -in Hindostan bekannt war und die Hygiene dieser Zeit gewiss der -Ausbreitung der Lepra mehr förderlich als hinderlich war, so kann mit -gewisser Wahrscheinlichkeit angenommen werden, dass mit dem Strome der -Auswanderer auch die Lepra nach Java gekommen ist.<a id="FNAnker_90" href="#Fussnote_90" class="fnanchor">[90]</a><span class="pagenum" id="Seite_158">[S. 158]</span> Ich besass -einen Raksassa (Tempelwächter), jetzt im Besitze des ethnographischen -Museums zu Berlin, welcher bei dem Untergang der Hindu-Dynastie auf -Bali (im Jahre 1894) in der Residenz des Fürsten gefunden wurde. Er -hatte über den ganzen Körper vertheilt zahlreiche scharf begrenzte -Flecken, welche meiner Ansicht nach sehr gut für die der maculösen -Lepra angesehen werden können. Da die Raksassas im Allgemeinen der -Heroenzeit der Hindus angehören, so könnte, wenn die Deutung der -Flecken richtig ist, damit gewiss ein sehr altes Document für die Zeit -der Lepra gegeben sein; vielleicht eben so alt, als <em class="gesperrt">Engel Bey</em> -von Aegypten spricht; nach <em class="gesperrt">Engel Bey</em> soll nämlich schon 4260 vor -Christus in einem Papyrus von Lepra gesprochen werden.</p> - -<p>Wenn in Europa gegenwärtig kein einziger Staat besteht, in dem sich -nicht einzelne Fälle oder kleinere oder grössere Herde von Lepra -befinden, so ist dieses doch bei den Inseln des indischen Archipels -der Fall, und zwar in jenen Theilen, in welchen die Urbewohner sich -so ziemlich rein in der Rasse bis zum heutigen Tage erhalten haben, -wie z. B. die Alfuren oder die Dajaker im <em class="gesperrt">Innern</em> Borneos. In -Muarah Teweh, welches im Herzen Borneos liegt, habe ich während meines -dreijährigen Aufenthaltes keinen einzigen Fall von Lepra gesehen. In -den statistischen Ausweisen der Armee kommen sehr wenig Leprafälle -vor; ich besitze die vom Jahre 1847, in welchen kein einziger Fall -angegeben wird, und vom Jahre 1893 bis 1897 waren je 2, 2, 5, 2 und -2 Soldaten an Lepra erkrankt. Nach Dr. <em class="gesperrt">van der Burg</em> wurden -vom Jahre 1882 bis 1885 12 europäische und 8 eingeborene Soldaten -wegen Lepra in die Militärspitäler aufgenommen. Dr. <em class="gesperrt">Broes van -Dort</em> aus Rotterdam hat mit Hülfe der officiellen Bescheide für die -Lepra-Conferenz im Jahre 1897 eine hübsche Arbeit über die Verbreitung -der Lepra auf den Inseln des indischen Archipels geschrieben. Nach -dieser hat der Westen von Java im Jahre 1896 (?) nur 42 Leprafälle, in -Mittel-Java sehr wenig Fälle, wenn wir absehen von dem Sanatorium zu -Pelantungan, wo sich ungefähr 30 bis 32 Lepröse gewöhnlich befinden; -vom Osten Javas wird jedoch von 1817 Leprösen und von der Insel Madura -von 886 dieser Patienten gesprochen. Auf der Insel Bali ist die Zahl -der Leprakranken unbekannt, sie werden zur Isolirung gezwungen, und -ihre Leichen werden verbrannt. Von der Insel Lombok ist diesbezüglich -nichts bekannt. Was die Westküste der Insel Sumatra betrifft, so ist -die Zahl dieser Kranken dort nicht gross; am stärksten kommen sie im -Innern des Landes unter den Batakern vor, welche einen bis zwei Fälle<span class="pagenum" id="Seite_159">[S. 159]</span> -auf tausend Seelen aufweisen. Im südlichen Theile dieser Insel mit -ungefähr 128,000 Einwohnern sollen nur 22 Leprakranke vorgekommen sein, -und zwar unter den Chinesen; man isolirt sie, giebt ihnen aber keine -Nahrung, so dass sie bald sterben. Die Ostküste Sumatras hat, nach Dr. -<em class="gesperrt">Broes van Dort</em>, bei einer Bevölkerung von 300,000 Seelen 1000 -Leprafälle. In Deli, der reichsten Provinz Sumatras, befanden sich -in diesem Jahre 184 Lepra-Patienten, worunter 170 Chinesen. Auch in -der Provinz Riouw sind es beinahe ausschliesslich chinesische Kulis, -welche an Lepra leiden. Von den Inseln Borneo und Banka ist die Zahl -der Leprakranken nicht bekannt. Auf der Insel Biliton mit 40,000 -Einwohnern soll diese Krankheit im Jahre 1886 von einem Buginesen -eingeschleppt worden sein. Von der Insel Celebes theilt Dr. <em class="gesperrt">Broes -van Dort</em> 87 Fälle mit (von 26,863 Einwohnern), glaubt aber, dass -diese Zahl zu niedrig gegriffen sei, weil die Eingeborenen die nervöse -Form der Lepra nicht kennen, und darum nur die tuberösen und ulcerösen -Formen mittheilen. In den Molukken ist die Zahl der Leprösen auch nicht -gross; in Banda musste im Jahre 1872 die Leproserie wegen Mangels an -Kranken geschlossen werden. In Bandaneira jedoch ist in den letzten -fünf Jahren die Anzahl der Kranken von 2 auf 20, und in Saparua von 49 -auf 63 gestiegen. Auf der Insel Amboina mit 30,000 Einwohnern hat der -Hauptplatz 308 Leprakranke. darunter 11 Europäer. Auf der Insel Morano -fanden sich im Jahre 1864 8 verheiratete Leprosen mit 21 Kindern, -<em class="gesperrt">ohne dass eines davon an dieser Krankheit litt</em>. Auf der Insel -Ternate befinden sich ungefähr 450 Fälle, welche nach der Ansicht von -<em class="gesperrt">Valentyn</em> von Batavia eingeschleppt worden sein sollen.</p> - -<p>Wenn auch diese Ziffern nach vielen Richtungen hin bezweifelt werden -können, so steht doch das Eine fest, dass in der Gegenwart auf den -Inseln des indischen Archipels die Lepra nicht verheerend auftritt, -aber immerhin noch zahlreicher vorkommt als in Europa.</p> - -<p>Die Mittheilungen der Leprakranken beschränkten sich auf die -Unterstützung, welche ihnen von der mohamedanischen Kirchenkasse zu -Ngawie geboten wurde, und auf die Eintheilung ihres täglichen Lebens. -Im Ganzen waren sechs Patienten; sie erhielten monatlich 8 fl. aus -der Armenkasse der Messigit; zwei von ihnen waren an die Scholle -gebunden, weil sie sich durch den Verlust von einigen Zehen nicht -bewegen konnten; die andern vier fuhren täglich mit der Fähre nach -Ngawie, wo sie sich meistens im chinesischen Viertel aufhielten und -bettelten. Ihr Erscheinen erregte nur bei den europäischen Passanten<span class="pagenum" id="Seite_160">[S. 160]</span> -Widerwillen; sorglos verkehrten die eingeborenen und chinesischen -Bewohner dieses Viertels mit ihnen, obwohl ihre schwürigen Extremitäten -nur mangelhaft mit alten und schmutzigen Lappen bedeckt waren; offenbar -glauben eben die Eingeborenen von Ngawie nicht an eine Uebertragung -der Lepra à distance. Ich für meine Person habe s. Z., als die Aerzte -um ihre diesbezügliche Ansicht von der Regierung gefragt wurden, mich -nur bedingungsweise für die Contagiosität der Lepra ausgesprochen, und -zwar in »nicht höherem Grade als die Syphilis«. Das bis jetzt, trotz -der Untersuchungen von <em class="gesperrt" id="Armauer_Hansen">G. Armauer Hansen</em>, <em class="gesperrt">Neisser</em> -u. s. w., noch nicht genau bekannte Gift der Lepra müsse eine -Porte-d’entrée bei einem dazu disponirten Individuum finden, um sich -entwickeln zu können. Wer zur Aufnahme dieses Giftes die »Disposition« -habe, ist unbekannt. Das Gift selbst ist nur theilweise oder gar nicht -durch den Bacillus von <em class="gesperrt">Hansen</em> constatirt. <em class="gesperrt">Reinculturen dieser -Bacterien sind bis jetzt ebenso wenig gelungen als Impfungen</em> (ich -will die Gründe unbesprochen lassen, warum <em class="gesperrt">Kaposi</em> nach seinen -Mittheilungen auf der Lepra-Conferenz im Jahre 1897 bei zwei Fällen von -Lepra keine Bacillen gefunden hat; es ist aber keinesfalls erlaubt, wie -es damals geschah, zu erklären, dass dies eben keine Leprafälle gewesen -sein sollten, und <em class="gesperrt">Kaposi</em> einen lapsus diagnosidis begangen -hätte). Ohne Reinculturen ist aber eine Impfung des Lepragiftes -überhaupt niemals bewiesen; aber noch mehr Zweifel muss sich in Betreff -der Contagiosität der Lepra aufdrängen, wenn man liest, dass Dr. -<em class="gesperrt">Danielsen</em>, Prof. <em class="gesperrt">Profeta</em> und Dr. <em class="gesperrt">Bargilli</em> <em class="gesperrt">ohne -Erfolg</em> mit allen möglichen Stoffen der Leprakranken Impfungen auf -sich und andere Menschen vornahmen. Da aber alle Bacteriologen und -Dermatologen, wenn auch nicht <em class="gesperrt">immer</em>, so doch in der grossen -Zahl der Fälle den Bacillus von <em class="gesperrt">Hansen</em> bei Leprakranken finden, -so ist es selbstverständlich, dass dieser Bacillus vorläufig als -Krankheitserreger der Lepra angesehen wird; dass aber tief greifende -prophylaktische Maassregeln auf Grund dieser Bacterien getroffen -werden, ist ebenso selbstverständlich — verfrüht.</p> - -<div class="figcenter illowe30" id="fig11"> - <img class="w100" src="images/fig11.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Fig. 11. Sundanesische Früchtehändlerin.</div> - <div class="caption_gross x-ebookmaker-drop"><a href="images/fig11_gross.jpg" - id="fig11_gross" rel="nofollow">⇒<br /> - <span class="s6">GRÖSSERES BILD</span></a></div> -</div> - -<p>Auch die Frage der Heredität ist bis heute noch nicht erledigt und wird -auch nicht so bald erledigt werden können, weil die Incubationszeit -der Lepra sich über Monate, wenn nicht über Jahre erstreckt, und -immer der Einwurf gerechtfertigt sein wird, dass bei einer so langen -Incubationszeit vielfach Gelegenheit zur extrauterinären Acquisition -der Lepra gegeben war, und darum hat der Ausspruch <em class="gesperrt">Virchow’s</em>, -die Lepra sei nicht hereditär, weil niemals ein lepröses Kind -geboren<span class="pagenum" id="Seite_161">[S. 161]</span> wurde, nur bedingungsweise raison d’être. Leider hat der -Altmeister der deutschen Medicin bei der erwähnten Lepra-Conferenz in -seiner andererseits gewiss erschöpfenden und interessanten Rede zur -Frage der Ansteckungsfähigkeit der Lepra nicht Stellung genommen. Er -sagte im Anfang: »Wenn man z. B. im Augenblick vorzugsweise geneigt -ist, die Lepra zu den <em class="gesperrt">Infections-Krankheiten</em> zu rechnen, -so ist damit noch nicht ausgemacht, dass man sie auch unter die -<em class="gesperrt">ansteckenden Krankheiten</em> stellen müsse,« und fügt später hinzu: -»Für strenge Anforderungen (sc. für ein Contagium) fehlen also noch -immer wichtige Bindeglieder,« und »dennoch hat der Gedanke, dass -der Aussatz eine contagiöse Krankheit sei, so schnell viele Gebiete -erobert, dass sowohl die theoretische als die praktische Lehre auf -ihm aufgebaut worden ist.« — Leider steht nicht einmal fest, durch -welches Intermedium die Lepra-Bacillen in den menschlichen Organismus -gelangen. Der holländisch-indische Arzt Dr. <em class="gesperrt">Geill</em> glaubte in den -Fusswunden die porte-d’entrée für die Lepra gefunden zu haben, während -<em class="gesperrt">Georg Sticker</em> durch die Nase diese Bacterien in den menschlichen -Körper eindringen liess. Mit Rücksicht auf die Verhältnisse Javas -und jener der übrigen Inseln würde also von der indischen Regierung -folgender Standpunkt einzunehmen sein:</p> - -<ol class="medizinisches"> - -<li>Die Lepra ist nicht mehr und nicht weniger übertragbar als die -Syphilis.</li> - -<li>So wie gegen die Syphilis prophylaktische Maassregeln von dem -Staate und von der Gemeinde getroffen werden, müssten dieselben auch -gegen die Leprakranken geschehen.</li> - -<li>Da die Leprösen im Terminalstadium ernährungsunfähig und besonders -hülfsbedürftig sind, muss die staatliche Hülfe zur Linderung der Noth -einschreiten.</li> - -<li>Da es durch die Erfahrung und durch die Geschichte erwiesen -ist, dass die Zahl der Leprösen in einer für das Wohl des Staates -bedrohlichen Weise zunehmen kann, müssen prophylaktische Maassregeln -getroffen werden.</li> - -</ol> - -<p>Dementsprechend müssten:</p> - -<ol class="medizinisches"> - -<li>Alle »Doctoren djawas« und <em class="gesperrt">alle »Vaccinateure«</em>, sowie -<em class="gesperrt">alle</em> eingeborenen Beamten eine in der Landessprache verfasste -Belehrung über die Gefahren der Lepra (Kedál M.) erhalten und so viel -als möglich unter der Bevölkerung verbreiten.</li> - -<li>Die eingeborenen Beamten müssten unter <em class="gesperrt">thatsächlicher</em> -Controle<span class="pagenum" id="Seite_162">[S. 162]</span> der europäischen Beamten eine genaue Statistik der -Leprakranken anlegen.</li> - -<li>In allen Orten, wo sich Leprakranke aufhalten, muss für die -armen Menschen Gelegenheit zur Isolirung gegeben werden, und zwar -in einer Hütte aus Bambus, in welcher sich für jeden Patienten -auch eine Pritsche befindet. Für jeden Kranken, der sich dahin -begiebt, müssen täglich ½ Kilo Reis, 10 Gramm Salz und 50 Gramm -deng-deng (getrocknetes Fleisch) verabfolgt werden. An den Kosten -der Errichtung solcher Leproserien und der Verpflegung der Kranken -haben sich die Armenkassen <em class="gesperrt">aller</em> Religions-Genossenschaften zu -betheiligen und bei etwaigem Manco der Staat die nöthigen<a id="Subsidien"></a> Subsidien -zu leisten.</li> - -<li>Wo ein europäischer Arzt oder ein Doctor djawa sich in der Nähe -aufhält, müsste er verpflichtet sein, eine geregelte Behandlung -dieser Unglücklichen auf sich zu nehmen; in anderen Fällen müsste, -je nach den herrschenden Verkehrsmitteln, ein Arzt aus der -nächstgelegenen Stadt ein- oder zweimal im Monat diese Leproserien -aufsuchen und die nöthigen Verhaltungsmaassregeln u. s. w. für die -folgenden zwei oder vier Wochen vorschreiben.</li> - -<li>Für die Desinfection nicht nur dieser Leproserien, sondern auch -die Wohnungen aller jener, welche in der Familie bleiben und das -traurige Ende ausserhalb dieser Anstalten abwarten wollen, müssten -dieselben Maassregeln getroffen werden, wie für Cholera, Blattern -u. s. w.</li> - -<li id="civiel">Die Aufnahme in eine Leproserie sei facultativ, d. h. freiwillig -für jeden bemittelten Eingeborenen, und obligatorisch für jeden -bedürftigen.</li> - -<li>Der »Inspecteur van de burgerlyke civielgeneeskundige Dienst« -werde mit der Ausführung und Controle aller Maassregeln betraut.</li> - -</ol> - -<hr class="tb" /> - -<p>Das Leben in der Grossstadt hat unter anderem auch diesen Vortheil, -dass man sich den kleinen Kreis wählen kann, mit und in dem man -einen regen Verkehr pflegen will; aber auch in einer kleinen Stadt -kann man angenehm leben, wenn man nicht zu grosse Ansprüche an das -Leben stellt. Weil man das rauschende und lebhafte Treiben einer -grossen Stadt entbehrt, der Geist weder durch die Kunst noch durch -die Wissenschaft Anregung und Befriedigung findet, so ist man -gezwungen, im Verkehr mit seinen Schicksalsgenossen ein Surrogat -für<span class="pagenum" id="Seite_163">[S. 163]</span> diese geistigen Genüsse zu suchen, und nur zu oft gelingt es, -einen gemüthlichen und freundschaftlichen Bekanntenkreis zu erwerben, -der selbst Freundschaftsbande ermöglicht. In solchen Verhältnissen -verkehrten wir in Ngawie. Klein war die Zahl der europäischen Bewohner; -ein Assistent-Resident, ein Controlor, ein Landesgerichtsrath, ein -Notar, drei Lehrer und eine Lehrerin, ein Förster und acht Officiere -waren die europäischen Bewohner, mit welchen wir verkehren konnten. -Der Regent und sein Stellvertreter (Patti) waren die einzigen -Eingeborenen, welche hin und wieder uns besuchten, und nur selten -gab der Regent in seinem Palaste (?) (Kabupatten) ein Fest, obwohl -er doch den nicht unansehnlichen Gehalt von 12,000 fl.<a id="FNAnker_91" href="#Fussnote_91" class="fnanchor">[91]</a> jährlich -bezog. Trotzdem hatten wir einen hübschen Club und kamen beinahe jeden -Abend vor dem Nachtmahle dort zusammen, um bei einem Glase Bier, -Portwein, Mineralwasser oder Genevre ein Stündchen zu verplaudern. -Jeden <a id="Samstag"></a>Samstag Abend war nach dem Nachtmahl (von 9 Uhr ab) Spielabend, -an welchem sich manchmal auch die Damen betheiligten. Ein Leierkasten -sorgte für die Musik, und in aussergewöhnlichen Fällen wurde auch -von Jung und Alt bei den etwas falsch gestimmten Klängen dieses -veralteten Instruments getanzt. Dies geschah auch am 31. December -1888, der ersten Neujahrsnacht, welche meine Frau auf Java zugebracht -hatte. Die Pferde, welche ich unterdessen gekauft hatte, waren etwas -eigensinnig und zugleich wild und feurig. Ich wagte es nicht, mit -ihnen nach dem Clubgebäude zu fahren, welches ungefähr zwei Kilometer -von meinem Hause entfernt lag, und wir gingen zu Fuss. Es war eine -schöne Nacht, und als wir um 9¼ Uhr Abends dort anlangten, waren -bereits alle Notabeln des Ortes versammelt. Das gewöhnliche Programm -solcher »geselliger Abende« wurde abgespielt; auf Kosten des Clubs -wurde Liqueur und Kaffee präsentirt. Die Herren setzten sich zur -L’hombre-Tafel, während die Damen am liebsten Whist spielten, und zwar -Whist »met de Klets« = mit Plauschen (!), weil natürlich bei diesem -Spiel Ruhe die erste Pflicht ist. Obwohl auch einige »Zuckerlords« der -Umgebung, welche gewöhnt sind, um hohen Preis zu spielen, anwesend -waren, blieb dennoch der Preis ein bescheidener. Im L’hombre war das -»Capital« = 5 fl., und auch die Damen spielten das Hundert um denselben -Preis. Im Durchschnitt<span class="pagenum" id="Seite_164">[S. 164]</span> verliert oder gewinnt man bei diesem Tarif -2–3 fl. pro Abend, was gewiss nicht die Kasse eines Beamten oder -Officiers stark in Anspruch nimmt. Um 12 Uhr erhob sich Jedermann -mit dem Glas Rheinwein, <a id="Brandy_Soda"></a>Brandy-Soda oder Bordeauxwein und stimmte -in das Hurrah ein, welches der Assistent-Resident nach einem kleinen -Toaste auf ein glückliches Neujahr ausgebracht hatte. Das neue Jahr -musste mit Tanz beginnen; die Damen beendigten den letzten »Robber« -und gingen in den Tanzsaal. Ce qu’une femme veut, dieu le veut; die -Herren mussten ebenfalls nolens volens die Karte zur Seite legen, um -wenigstens eine anständige Polonaise zu Stande zu bringen. Streng -nach Rang und Anciennität geordnet marschirten die Paare durch den -Saal; der Militär-Commandant führte die Frau des Assistent-Residenten, -während dieser die »Commandeuse« am Arm hatte. Der Regent bot meiner -Frau, als der ältesten Hauptmannsfrau, das Geleite, und in langsamen, -gemessenen Schritten durchzog der kleine Zug zweimal den Saal; eine -neue Rolle wurde in den Leierkasten eingelegt, und ein Walzer eröffnete -den Reigen der Tänze; in diesem Augenblick verschwanden nicht nur der -Regent von dem Schauplatz, sondern auch alle Herren, welche entweder -mehr Freude am Kartenspiel als an dem der Terpsichore hatten, oder im -Allgemeinen »de Oost« als viel zu warm für dieses Vergnügen hielten. -Die wenigen Herren, welche tapfer genug waren, um in dem Tanzsaal zu -bleiben, wurden reichlich für ihren Muth belohnt; sie konnten nicht -nur nach Herzenslust mit den Fräulein und mit den jungen verheirateten -Damen tanzen, sondern <em class="gesperrt">mussten</em>, wollten sie nicht demonstrativ -werden, auch die alten Damen zum Tanze einladen, welche ihren Enkeln -versprochen hatten, vom Balle einige »Kwé-Kwé« mitzubringen. Aber auch -die übrigen Herren, welche sich zur Spieltafel geflüchtet hatten, -ereilte dasselbe Schicksal. Als nämlich die Klänge des ersten Lanciers -erschollen, war Leiden in Noth; vier mal vier Männer waren zu vier -Figuren nöthig, und nur elf befanden sich im Saal. Die zwei Mächte -der Stadt, die »Commandeuse« und die Frau des Assistent-Residenten, -erschienen in der Veranda der Spieler und forderten kategorisch -Abhülfe dieser peinlichen Situation. Ganz bescheiden erlaubte ich -mir die Bemerkung, dass für Ngawie doch drei, ja selbst zwei Figuren -hinreichend wären, und dass ich es mit meinem Gewissen nicht vereinigen -könne, einem solchen Laster, als der Hochmuth sei, vier Figuren -herbeizuschaffen, Vorschub zu leisten; nichts half mir, ich musste -»Lanciers tanzen«.</p> - -<p>Endlich war ich auch dieser gesellschaftlichen Pflicht entledigt -und<span class="pagenum" id="Seite_165">[S. 165]</span> hatte eine halbe Stunde wieder ruhig mit der »Spadille, -Manille, Basta, Ponto« mich beschäftigen können, als der Ruf: »Eine -Quadrille« durch den Saal schallte. Angstvoll blickte ich nach der -Thüre des Tanzsaals und sah zu meinem Schrecken wiederum diese beiden -ehrwürdigen Damen erscheinen, und hinter ihnen stand meine Frau mit -einem höhnisch-spöttischen Lächeln um ihre Lippen. Ich hatte noch -niemals mit meiner Frau getanzt, und an diesem Abend mit einer fremden -Dame an einem Lanciers mich betheiligt, also — eine Verschwörung. -Meine Ahnung betrog mich nicht. Linea recta segelten diese beiden -ehrwürdigen Matronen auf mich zu und theilten mir mit, dass meine Frau -zu der nächsten Quadrille keinen Cavalier hätte, und dass ich also -höflichst, aber auch mit dem nöthigen Nachdruck eingeladen werde, -für eine halbe Stunde mich dem Spielteufel zu entziehen und meine -eigene Frau »nicht sitzen zu lassen«. Der erste und einzige Lanciers, -welchen ich diesen Abend getanzt hatte, sass mir noch in den Gliedern. -Ich wusste, wie toll und wild die letzten Touren der Quadrille in -Indien von den angesehensten und ältesten Männern getanzt werden. Ich -beschloss also, den Angriff dieser zwei Fregatten mit groben Geschützen -zurückzuschlagen und erklärte einfach, dass ich solchen liebenswürdigen -Einladungen kein Gehör geben <em class="gesperrt">dürfe</em>, weil ich mir bewusst sei, -dass meine Frau das Haupt einer Verschwörung sei, nämlich mich unter -den Pantoffel zu bekommen. Ich blieb bei meinem Entschluss, diesen -Abend und überhaupt nimmermehr zu tanzen, und blieb bei der Thüre -stehen, um mich wenigstens passiv an diesem Hexentanz zu betheiligen. -Die ersten drei Touren waren gelassen und ruhig, als aber die »chaine« -gebildet wurde, kam etwas Aufregung unter die Tänzer, und bei der -letzten Tour war ein Springen und Laufen und Jagen und ein »Hossen«, -wie auf einer Kirmess in Holland. Endlich fielen Alle, Jung und Alt, -Mann und Frau, erschöpft in die Stühle. Auf diese Quadrille folgten -wieder Rundtänze, und endlich um 3 Uhr Morgens verliess ich mit meiner -Frau das Clubgebäude, während die meisten Anderen den Sonnenaufgang -bei Tanz und Spiel erwarteten. Ich hatte nämlich von dem Leibarzte des -Kaisers von Solo eine Einladung erhalten, am 1. Januar dahin zu kommen, -um dem interessanten Empfangsabend des Residenten beiwohnen zu können. -Der Kaiser sei nämlich verpflichtet, zweimal des Jahres im Galaaufzuge -ausserhalb des Kratons zu erscheinen: am 1. Januar und bei dem -<a id="Garebeg"></a>Gárebegfeste. Er würde dafür sorgen, dass auch ich eine Einladung zu -diesem Feste bekäme, an welchem sich alle Europäer der Stadt und<span class="pagenum" id="Seite_166">[S. 166]</span> der -Provinz und alle Häuptlinge der Eingeborenen und der Chinesen jedesmal -betheiligen.</p> - -<p>Der Zug, welcher um 6¼ Uhr des Morgens von Madiun abging, kam um -7¼ Uhr nach Paron, wir mussten also um 6 Uhr von zu Haus abreisen. -Wir benutzten diese wenigen Stunden zunächst, um uns der durch den -Schweiss durchnässten Kleider zu entledigen, und ruhten bis 5 Uhr -im Bette aus. Zur festgesetzten Zeit erschien der Mylord mit meinen -zwei feurigen Sandelwoodpferden, welche offenbar überrascht waren, -in so früher Morgenstunde den warmen Stall verlassen zu müssen. Wie -der Wind flogen sie durch die Strassen der Stadt und durch die lange, -schattenlose Allee, welche nach Paron führt. Schon äusserte ich meine -Unzufriedenheit, so früh das Haus verlassen zu haben, als bei Paal<a id="FNAnker_92" href="#Fussnote_92" class="fnanchor">[92]</a> -4 die Pferde plötzlich stehen blieben, weil, wie ich später hörte, -ein todter Tiger seitwärts im Gebüsche lag,<a id="FNAnker_93" href="#Fussnote_93" class="fnanchor">[93]</a> und: »J’y suis, j’y -reste« mögen sie gedacht haben, denn weder Drohung noch die Peitsche, -weder gute Worte noch Ziehen an den Zügeln, nichts vermochte sie von -ihrem Entschluss abzubringen, bei Paal 4 zu bleiben. Endlich stiegen -wir Beide und die Babu aus dem Wagen, um so lange den Rest des Weges -zu Fuss zurückzulegen, bis es dem Kutscher gelingen sollte, den Streik -meiner Pferde zu beendigen. Wir kamen bis zum Paal 5, ohne von unserem -Mylord etwas zu hören oder zu sehen; noch 1½ Kilometer (= 1 Paal) -weit lag die Station, als aus weiter Ferne die Dampfpfeife erscholl. -Der Zug hatte Genéng, die letzte Station vor Paron, verlassen. Im -raschen Schritt eilten ich und meine Frau vorwärts, ohne zu bemerken, -dass die Babu, welche unser Handgepäck trug, mit echt indischer -Indolenz zurückgeblieben war. Aber auch meiner Frau wurde es zuletzt -unmöglich, im Sturmschritt die letzten 100 Schritte zurückzulegen. -Ich wusste, dass bei der Station Dos-à-dos zur Verfügung waren, im -Galopp durcheilte ich die letzte Krümmung des Weges und kam mit dem -Train gleichzeitig im Stationsgebäude an. Sofort liess ich meine -Frau durch einen Dos-à-dos holen und ersuchte den Stationschef, den -Train zwei Minuten auf meine Frau warten zu lassen und mir die Babu -und mein Gepäck mit dem Zuge von 11 Uhr nachsenden zu wollen. Nach -drei<span class="pagenum" id="Seite_167">[S. 167]</span> Stunden kamen wir in Solo an und erhielten nach der Rysttafel -die Nachtwäsche von unserer liebenswürdigen Hausfrau geborgt, um -unser Mittagsschläfchen halten zu können, welches nach den gemachten -Strapazen für uns geradezu ein Bedürfniss war. Leider konnte die Siesta -nicht lange dauern, weil bereits um 5 Uhr die europäischen Gäste vom -Residenten erwartet wurden.</p> - -<p>Nachdem wir aufgestanden und die Koffer mit den Kleidern und der -Wäsche thatsächlich mit dem Mittagstrain angelangt waren, nahmen wir -unsern Thee, gingen uns ankleiden und begaben uns mit der Hausfrau -ins anliegende Haus des Residenten. Auf dem Wege dahin erzählte sie -uns, dass die Eingeborenen schon um 6 Uhr früh ihre Glückwünsche dem -Residenten dargebracht hatten und dafür kleine Geschenke in Geld oder -Kleidern erhielten, und dass bis 10 Uhr alle, und zwar in Begleitung -von Musik, ihre Aufwartung gemacht hatten, welche durch ihre Stellung -sich dazu verpflichtet hielten: die Musikanten von der Leibwache des -Susuhunan, die Polizeiagenten, die Musikanten des Prinzen Mangku -Negara, die Führer der Elephanten u. s. w. Als Nachbarn des Residenten -hatten sie das Vorrecht, den ganzen Morgen die Musik zu hören, welche -am besten mit den Worten des deutschen Dichters charakterisirt werde: -»So ein Lied, das Stein erweichen, Menschen rasend machen kann«. Gegen -10 Uhr verminderte sich dieses Lärmen der Musik, und es erschienen -alle europäischen Beamten, Officiere, der Prinz Mangku Negara, der -Reichsverweser und die angesehensten Häuptlinge, um persönlich dem -Residenten ihre Glückwünsche zum Jahreswechsel auszusprechen.</p> - -<p>Unterdessen hatten wir die »Vorgalerie« dieses Beamten erreicht und -erfreuten uns an einem bunten Bilde, welches sich vor dem Hause unsern -Augen darbot. Eine grosse Allee von Tamarindenbäumen zog sich in -grosser und starker Krümmung gegen den Kraton; zwischen je zwei Bäumen -befand sich ein Flaggenstock, und in regelmässiger Entfernung sassen -die Tumenggungs<a id="FNAnker_94" href="#Fussnote_94" class="fnanchor">[94]</a> oder Bupatis,<a id="FNAnker_94a" href="#Fussnote_94" class="fnanchor">[94]</a> welche nicht dem Kraton selbst -zugetheilt waren. Jeder von ihnen hatte sein zahlreiches Gefolge mit -Lanzen und kleinen Fahnen bei sich, und die Farbe der Röckchen verrieth -den Häuptling, dem es angehörte. Jeder Bupati hatte neben sich seine -Gamelang; auch in der Pendoppo, welche vor dem Hause des Residenten -stand, befand sich eine solche und eine europäische Musikbande. Die -»Vorgalerie« schloss sich an eine grosse<span class="pagenum" id="Seite_168">[S. 168]</span> Halle, in deren Hintergrunde -zwei Thronsessel auf einem Podium standen, und zwar in <em class="gesperrt">gleicher</em> -Höhe, und senkrecht darauf zwei Reihen schöne europäische Stühle. Gegen -5½ Uhr erschienen zwei Häuptlinge mit einem glänzenden Hut auf dem -Kopfe (vide <a href="#fig13">Fig. 13</a>), welcher die Form eines umgekehrten Blumentopfes -hatte, und theilten dem Residenten mit, dass der Susuhunan, Paku -Buwana, Senapati ing-ngalaga, Ngabdu’r-rahman, Sajidîn, Panata-gama -= Seine Heiligkeit, der Nagel der Welt, der höchste Commandant des -Krieges, der Diener der Barmherzigkeit, der Herr der Religion und der -Leiter des Gottesdienstes angezogen und bereit sei, ihn zu empfangen. -Langsam und in demselben gemessenen Schritt, wie sie gekommen waren, -kehrten sie nach dem Kraton zurück. Nach einer Weile bestiegen -der Resident und der Assistent-Resident eine offene Equipage, um -den Susuhunan zu holen.<a id="FNAnker_95" href="#Fussnote_95" class="fnanchor">[95]</a> Das Zeichen ihrer Würde, der goldene -Sonnenschirm für den Residenten und der halb goldene, halb weisse für -den Assistent-Residenten, wurde ihnen über den Kopf gehalten, und so -gelangten sie in den Kraton, wo der Resident dem Susuhunan und der -Assistent-Resident dem Kronprinzen den Arm giebt und zu dem Wagen -des Fürsten geleiten. Es ist eine schöne, gläserne Equipage, von 8 -Pferden gezogen, welche Sammt-Decken, Federbüsche tragen und von -einem Pikeur geführt werden; die Equipage des Kronprinzen wird nur -von 6 Pferden gezogen. Der Zug wird eröffnet von 20 Hofbedienten zu -Pferde; hinter ihnen folgt eine Truppe mit Wasser, Holzkohle und Reis, -welche ebenfalls mit einem goldenen Sonnenschirme beschützt werden, -die europäische Leibwache des Kaisers, dann die javanische Leibwache, -Hofdamen mit blossen Schultern mit den Reichsinsignien (<a href="#fig14">Fig. 14</a>): Ein -Vogel (Peksi groeda), ein Hahn (Sawung galing), Arda wolika (ein Vogel -mit einem Kopf, der halb an einen Menschen, halb an eine Schlange -erinnert), zwei Elephanten (gadjah), ein Kidang (Reh) und eine Gans, -welche alle aus massivem Gold verfertigt waren. Hinter diesen folgen -zwei Herolde, die Equipage des Kaisers, des Kronprinzen und die übrigen -Häuptlinge zu Pferde und einige Hundert zu Fuss. Sobald die Equipage -des Kaisers den Kraton verlässt, dröhnen vom Fort die Salutschüsse der -Kanonen, die Gamelangs ertönen in gemessenen, ruhigen Tönen, und die -Häuptlinge mit ihrem Gefolge, an welchen der Zug langsam, ruhig, und -ich möchte sagen<span class="pagenum" id="Seite_169">[S. 169]</span> lautlos vorbeizieht, neigen ihren Kopf zur Erde und -erheben ihre Hände zur Stirne (Sembah); dasselbe thun die Häuptlinge -(welche auf dem Boden mit gekreuzten Füssen sitzen), wenn der Kaiser -die Avenue des Residentenhauses erreicht hat und den Wagen verlässt. -Majestätisch, oder besser gesagt ruhig und langsam schreitet der Kaiser -am Arm des Residenten und der Kronprinz am Arm des Assistent-Residenten -durch den Saal zum Throne, der Teppich wird hinter ihnen sofort -aufgerollt, um nicht durch plebejische Füsse entweiht zu werden, und -vor dem Thronsessel lassen sich die beiden Grössen von den eingeladenen -Europäern begrüssen. Die Gamelang wird in die Nähe des Thrones -gebracht, der Kaiser und der Resident setzen sich <em class="gesperrt">gleichzeitig</em> -nieder, links von ihnen der Kronprinz und einige angesehene Pangerans, -während rechts die europäischen Gäste sich niedersetzen und einen -genügend grossen Raum offen halten für die Serimpis (Bayaderen). Die -angesehensten Häuptlinge (Pangerans), welche in dem Zuge sich befanden, -haben unterdessen in Galatenue (<a href="#fig13">Fig. 13</a>) ihre Equipage verlassen -oder sind vom Pferde gestiegen und erscheinen nun am Eingange des -Saales, um dem Kaiser und dem Residenten ihre Huldigung zu bringen. -Dieses geschieht <em class="gesperrt">kriechend</em>, d. h. in hockender Stellung schob -Jeder abwechselnd das rechte und linke Bein vor, wobei er sich mit -den ausgestreckten Händen auf den Boden stützte und in ruhigen und -gemessenen Bewegungen mit dem einen Beine den Sarong zurückschleuderte, -gerade wie eine Dame der Schleppe ihres Kleides jeden Augenblick ihren -Platz anweist. In gemessener Entfernung bleibt er stehen oder vielmehr -sitzen, neigt sein Haupt bis zum Boden, erhebt den Körper wiederum und -führt die gefalteten Hände zur Stirne (Sembah). Der Kaiser selbst aber -sitzt unbeweglich wie eine Statue, und ein wohl berechnetes Zwinkern -mit den Augenlidern verkündet jedem Häuptlinge, in welchem Grade seine -Huldigung in den Augen seines Herrn Gnade gefunden habe. Ein für den -Neuling gewiss hochinteressantes Ballet, das wahrscheinlich beim -zweiten Male, aber sicher beim dritten Male die Zuschauer ermüden, ja -selbst langweilen muss!</p> - -<p>Dasselbe gilt von dem nun folgenden Tanze der Serimpis. <em class="gesperrt">Vier</em><a id="FNAnker_96" href="#Fussnote_96" class="fnanchor">[96]</a> -junge Mädchen erscheinen mit ebenso viel Hofdamen, welche unablässig -mit dem Ordnen der Toilette ihrer Schutzbefohlenen beschäftigt waren. -Diese Mädchen sind die Töchter von hohen Fürsten und werden später die -Nebenfrauen des Kaisers; sie haben einen Sarong, der, wie<span class="pagenum" id="Seite_170">[S. 170]</span> ich hörte, -ein nur für sie bestimmtes Dessin hat. Das Gesicht, der entblösste Hals -und Arme sind mit einer gelben Salbe (Boreh) bestrichen, und die Grenze -der Kopfhaare wird durch schwarze Farbe nach unten verrückt, ebenso -wie der Kronprinz die Augenbrauen durch einen dicken, schwarzen Strich -gegen die Mitte der Stirne vergrössert erscheinen liess. Das Haar der -Tänzerinnen hatte zahlreiche mit Diamanten und anderen Edelsteinen -geschmückte Haarnadeln, und an dem Halse hingen drei goldene Halbmonde. -Um die Taille befand sich ein Schleier, welchen sie bei den Tänzen zur -Unterstützung der Anmuth in ihren Bewegungen zierlich zu gebrauchen -wussten.</p> - -<p>Was den Tanz dieser hübschen Mädchen betrifft, so mag er nach -europäischer Auffassung kaum so genannt werden; sie verliessen nie -ihren Platz, sondern drehten sich abwechselnd unter den sanften, -wehmüthigen Klängen der Gamelang an Ort und Stelle; beim Auftreten und -beim Verlassen des Tanzsaales machten sie ihre Sembahs.</p> - -<p>Das ruhige und würdevolle Drehen wurde von steifen Bewegungen der Hände -und Füsse begleitet; dabei wurden diese hyperextendirt, so dass z. B. -die Finger und der Ellenbogen in ihren Gelenken oft einem Bogen von -190° entsprachen.</p> - -<p>Wenn auch der Anfang mir gewiss ein gewisses ethnographisches Interesse -abgewinnen musste, so wurde doch die Monotonie des Tanzes schon darum -ermüdend und langweilig, weil er beinahe zwei Stunden (!!) dauerte, -und auch die Gamelang nur wenig Abwechslung in ihren sentimentalen, -rührenden Weisen brachte. Uebrigens fehlte mir und auch den übrigen -Europäern jedes Verständniss für diesen Tanz. Die Tandakmädchen -(öffentliche Tänzerinnen) (<a href="#fig8">Fig. 8</a>), welche man täglich auf der Strasse -solche Tänze aufführen sieht, sind weniger langweilig; erstens singen -sie dabei Heldenlieder (leider mit kreischender Stimme), und zweitens -verlassen sie doch theilweise den Platz, auf dem sie stehen. Die -Bewegungen dieser Tandakmädchen sollen eine cynische oder erotische -Basis haben, und manchmal glaubte ich es auch in ihren Bewegungen zu -entdecken. Dem Tanze der Serimpis jedoch fehlt nach meiner Ansicht -diese Basis; hier sind diese seltsamen Bewegungen des Körpers und -Verdrehungen der Hände und Füsse Selbstzweck.</p> - -<p>Endlich nahm dieser Tanz sein Ende, die europäische Militärmusik -stimmte eine Polonaise an, der Resident gab dem Kaiser, der -Assistent-Resident dem Kronprinzen den Arm, ihnen schlossen sich -der Platz-Commandant mit der Frau des Residenten und die übrigen -Honoratioren<span class="pagenum" id="Seite_171">[S. 171]</span> an und machten zweimal die Runde durch den Tanzsaal. -Ueblicher Weise war der Schluss der Polonaise für die europäische -Gesellschaft ein Rundtanz, während der Kaiser ins Nebenzimmer zur -Whisttafel ging, an welcher die angesehensten und reichsten Landherren -theilnahmen. Der Kaiser <em class="gesperrt">muss</em> nämlich gewinnen, die böse Welt -erzählt auch, dass die Farmer untereinander ein Syndicat schliessen -und einen Fonds gestiftet haben, um auf Kosten aller Landherren den -Verlust der Spieler zu decken.<a id="FNAnker_97" href="#Fussnote_97" class="fnanchor">[97]</a> Ein Souper, welches die indische -Regierung bezahlt, ist der Schluss des Neujahrsfestes. Für 12 Uhr war -es bestimmt, aber seine Kaiserliche Hoheit hatte anders beschlossen. -Der Resident kam schon um 11½ Uhr in den Spielsalon, um quasi den -Kaiser an die Zeit des Soupers zu erinnern; der Kaiser liess sich -jedoch nicht stören. Endlich schlug es 12 Uhr und der Resident gab ihm -einen deutlichen Wink, indem er sich an den Eingang des Spielsalons -stellte, von wo er ihn per Arm an die Tafel führen sollte. Länger als -zehn Minuten, vielleicht eine Viertelstunde liess er den Residenten wie -einen Bedienten vor der Thüre stehen, bis er endlich sich herabliess, -dem Spiel ein Ende zu machen und den gewonnenen Preis seiner -Whistkunst (?) einzustreichen. Unterdessen hatte sich der Kronprinz im -Tanzsaale aufgehalten und, wenn auch nicht dem Tanze, so doch in echt -europäischer Weise den Freuden des Festes gehuldigt; namentlich im -Flirten mit den europäischen Damen leistete er geradezu Erstaunliches, -obwohl er durch die Zeichnung von grossen Augenbrauen mehr oder weniger -zur Caricatur eines Menschen geworden war. Die anderen »Reichsgrössen« -verfielen nicht so stark diesem Uebelstand, weil sie bis auf das -Kopftuch die Uniform ihres Ranges trugen, in dem sie der Armee à la -suite zugetheilt waren; der Kronprinz jedoch trug nur einen kurzen -Sarong über die Lenden, und im Uebrigen beinahe ganz europäische -Kleider.</p> - -<p>Unterdessen hatte ich oder vielmehr meine Frau dem Ceremonienmeister -viel Scherereien verursacht. Die vorige Nacht hatte meine Frau nur drei -Stunden geschlafen, der forcirte Marsch zu Fuss zum Bahnhof hatte sie -stark mitgenommen, und da sie aus Mangel an anderen Kleidern und Wäsche -bis 2 Uhr in denselben Kleidern bleiben musste, so brachte ihr das -Mittagschläfchen keine hinreichende Erholung. Die Schwäche überwältigte -sie, und ich ging also zu einem der beiden<span class="pagenum" id="Seite_172">[S. 172]</span> Ceremonienmeister und -theilte ihm mit, dass wir zu unserem Bedauern wegen Unwohlseins meiner -Frau nicht an der Hoftafel theilnehmen könnten. Zu meiner grössten -Ueberraschung gab er nur die kurze Antwort: »Unmöglich« und eilte weg, -um seine weiteren Anordnungen zu treffen. Als aber das Unwohlsein -meiner Frau zunahm, entfernte ich mich unbemerkt, brachte sie nach -Hause, und da ich die Ursache des Unwohlseins in der grossen Ermüdung -sah, ging ich beruhigt in den Tanzsaal zurück, theilte es dem zweiten -Ceremonienmeister mit und bat ihn um Aufklärung des Wortes »Unmöglich« -von Seiten seines Amtscollegen.</p> - -<p>»Ich kann jetzt endlich frei Athem schöpfen,« gab er mir zur Antwort, -»und Ihnen das non possumus meines Collegen erklären. Sie sehen hier -zwei grosse Tische, welche in der Form eines <img class="inline" src="images/t.png" alt="T" /> -angeordnet sind; an -dem horizontalen Tische sitzt der Kaiser, hat zu seiner Rechten den -Platz-Commandanten, zu seiner Linken den Residenten und an diesen -schliessen sich nach Rang und Würden die übrigen europäischen Gäste an. -An dem senkrechten Tische sitzen nur eingeborene Fürsten, deren Anzahl -so ziemlich feststehend ist; da nebstdem ihr Rang nach Jahrhunderte -alten Vorschriften (hadat) geregelt ist, so ergiebt sich, wenn ich -es so nennen kann, das Arrangement der Sitzplätze von selbst, um so -mehr, da diese Fürsten ihre Frauen nicht mitbringen. Die Zahl der -europäischen Gäste ist aber nicht nur variabel im Quantum, sondern -auch in der Qualität; bei jeder Hoftafel muss daher aufs Neue die -Sitzordnung der Gäste geregelt werden. Zufällig sind Sie mit Ihrer Frau -die jüngsten und niedrigsten im Range, welche noch an diesem Tische -Platz nehmen können; die übrigen europäischen Gäste erhielten einen -zweiten Tisch, an welchem sie sich nach Belieben niederlassen können, -weil der Rangunterschied derselben nicht mehr gross ist. Was würde -geschehen sein, wenn mein College Ihre Absagung angenommen hätte? Der -Platz hätte durch einen Andern eingenommen werden müssen, aber durch -wen? Sie wissen, dass wir mit dem Platz-Adjutanten die Rangverhältnisse -zwischen den Officieren und Civilbeamten u. s. w. regeln; wir haben uns -also geeinigt, auf Sie im Range die Civil-Ingenieure folgen zu lassen. -Wir haben deren zwei, welcher von Beiden hätte an der Hoftafel sitzen -sollen? Jedes Jahr bekommen wir Reclamationen über das Arrangement -der Sitzplätze für die Europäer, und heuer sind wir dem glücklich -entronnen, nur dadurch, dass wir Ihre Absage nicht annahmen. Der Sitz -blieb leer — und hâbis perkâra.« (M. die Sache ist erledigt.)</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_173">[S. 173]</span></p> - -<p>Welche Speisen die eingeborenen Fürsten erhielten, habe ich leider -nicht gesehen, und ebenso habe ich vergessen, ob auch der Kaiser -sich an den officiellen Toasten betheiligte; nur erinnere ich mich -noch, dass das erste Glas auf die Gesundheit des Königs von Holland -getrunken wurde, und dass das letzte mit den Worten: Salâmat tânah -Djawa! (Heil dem Lande Java!) den üblichen Schluss der Hoftafel -brachte. Der Kaiser und alle Gäste erhoben sich, der Resident gab ihm -den Arm, dasselbe that der Assistent-Resident mit dem Kronprinzen, und -unter den stürmischen Klängen der Gamelang verliess der »Susuhunan« -das Residenzgebäude. Auch ich ging nach Hause, und zwar mit dem -Bewusstsein, in Europa ein schöneres Banket und einen schöneren -Festzug, aber kein interessanteres Tableau als an dem vergangenen Tage -jemals gesehen zu haben.</p> - -<p>Im grellen Gegensatze zu der lauten und stürmischen Aufregung, welche -die Festzüge in Europa charakterisiren, stand die Ruhe und Gelassenheit -in allen Bewegungen der Theilnehmer, und wenn nicht die Gamelangs und -die verschiedenen Musikchöre Abwechslung in die Monotonie gebracht -hätten, wäre Langeweile der Grundton des ganzen Schauspieles gewesen. -Ich habe zwei Jahre später Gelegenheit gehabt, eine solche klang- und -sanglose Auffahrt bei Hof in Djocjokerto mitzumachen, wo sich der -zweite selbständige Fürst von Java befindet. Er führt denselben Titel -wie der Kaiser von Solo: Sultan, Hamangku Buwana, Senapati ing-ngalaga, -Ngabdu’r-rahman, Sajidîn Panatagama, Kalifahillah VII.,<a id="FNAnker_98" href="#Fussnote_98" class="fnanchor">[98]</a> nur dass -anstatt Susuhunan = Heiligkeit Sultan, und für Paku = Nagel Hamangku -= Herrscher der Welt genommen wird; auch in anderer Hinsicht ist der -Unterschied zwischen dem Hofceremoniell zu Solo und dem zu Djocja sehr -klein.</p> - -<p>Am 23. November 1890 war der König von Holland gestorben, und sofort -verständigten der Telegraph und die Post den ganzen indischen Archipel -von dieser Trauermär. Nebstdem sollte noch ein eigenhändiges Schreiben, -direct an den Sultan von Djocja (und natürlich auch an den Susuhunan -= Kaiser von Solo) von Holland aus gerichtet, den officiellen Bericht -bringen, dass König Wilhelm III. gestorben sei und seine Frau, »Konigin -Regentes« Emma, im Namen der unmündigen Königin Wilhelmina die -Regierung über Holland und seine Colonien »im Osten von dem Cap der -guten Hoffnung« auf sich genommen habe. Dieser Brief kam nach Djocja -zur Zeit (Anfangs Januar<span class="pagenum" id="Seite_174">[S. 174]</span> 1891), als ich mich dort zu meiner Erholung -von dem in Tjilatjap acquirirten Malariafieber aufhielt, und eines -Tages zu dem Residenten zum Nachtmahle eingeladen wurde. Gleichzeitig -befand sich hier der berühmte holländische Gelehrte <em class="gesperrt">Snouck -Hurgronje</em> als zweiter Gast, welcher bei dem Residenten wohnte. -Dieser Mann ist, wenn nicht in Europa, so doch in Holland der beste -Kenner der mohamedanischen Rechte und der Gesetze, ist der arabischen -Sprache vollkommen mächtig, und ihm war es auch gelungen, verkleidet -als arabischer Pilger nach Mekka zu kommen und an Ort und Stelle die -Gebräuche des Islam in Mekka zu studiren; er war mit seinen reichen -Erfahrungen der holländischen Regierung ein verlässlicher Rathgeber in -allen Angelegenheiten des Islam. Unter anderem besprachen die beiden -Männer das Ceremoniell, welches bei der officiellen Mittheilung von -dem Tode des Königs gehandhabt werden sollte. Als ich hörte, dass es -nur aus einer kleinen Deputation bestehen sollte, ersuchte ich den -Residenten, ein Mitglied derselben sein zu dürfen. Er verwies mich an -den Platz-Commandanten, der natürlich nichts dagegen einzuwenden hatte, -und so kam ich zu der seltenen Gelegenheit, in den Kraton bis in die -Gemächer der Sultanin gelangen zu können.</p> - -<p>Unter Kraton versteht man keinen Palast nach europäischer Nomenclatur, -sondern einen Complex von Gebäuden, welche mit einer Mauer umgeben sind -und von jener zahlreichen Menschenmasse bewohnt werden, die direct oder -indirect zum Gefolge des Herrschers gehört. Der Kraton zu Djocja wird -von ungefähr 15,000 Menschen bewohnt, ist von einer Mauer umgeben, -welche 1200 Meter lang und 700 Meter breit und 3½ Meter hoch ist.</p> - -<p>An dem festgesetzten Tage gegen 11 Uhr erschienen zwei Gala-Equipagen, -in der ersten nahm nur ein Schreiber des Residenten Platz, welcher ein -Polster in den Händen hielt, darauf lag in einem Couvert aus gelber -Seide der officielle Brief der »Konigin-Regentes« mit der Nachricht -von dem Tode S. M. des Königs von Holland; im zweiten Wagen sass der -Resident mit dem Platz-Commandanten, und in den folgenden Wagen sassen -der officielle Dolmetsch der javanischen Sprache, ein Controlor, der -Platz-Adjutant und meine Wenigkeit.</p> - -<p>Längs dem Fort Rustenburg,<a id="FNAnker_99" href="#Fussnote_99" class="fnanchor">[99]</a> in welchem sich ein halbes Bataillon<span class="pagenum" id="Seite_175">[S. 175]</span> -Infanterie, eine halbe Compagnie Artillerie, das Militärspital, die -Magazine und der grösste Theil der Officierswohnungen befinden, und -dem europäischen Clubgebäude kamen wir zunächst auf den Schlossplatz -mit seinen zwei riesigen Waringinbäumen, wohin sich in früherer Zeit -jene Unglücklichen (in weisse Kleider gehüllt) flüchteten, welche dem -Sultan ein Bittgesuch überreichen wollten. Auch soll hier stets ein -Tigerkäfig gestanden haben, in welchem jener Tiger gefangen gehalten -wurde, welcher bei der Thronbesteigung eines Sultans mit einem Büffel -(Karbouw) in Gegenwart des Hofes, der Beamten und des Volkes den Kampf -aufnehmen musste. Da der Tiger in der Regel durch vieltägiges Hungern -geschwächt war, und die Hörner des Büffels spitz geschliffen wurden, -erlag immer der Tiger, und der Büffel ging immer als Sieger aus dem -Kampfe hervor. An der Westseite des Schlossplatzes lag eine Moschee -(missîgit) von einem Wassergraben (ohne Brücke) umgeben, so dass Jeder -gezwungen war, entsprechend den Vorschriften des Islams, seine Füsse zu -waschen, bevor er das Heiligthum betrat.</p> - -<p>Vor der Bansal witana, d. i. dem Zugang zu dem eigentlichen Kraton, -welches ein Gang zwischen den zwei grossen Gebäuden für den Gerichtshof -war, stieg Alles aus, der Kronprinz erschien und gab dem Residenten -den Arm, neben ihm ging der Platz-Commandant, und der goldene Schirm -(Pajong) des Residenten liess den Kopf des Obersten unbeschützt. Der -offene Raum zwischen diesem Thor und dem nächsten, Bradjanala<a id="FNAnker_100" href="#Fussnote_100" class="fnanchor">[100]</a> -genannt, war mit Soldaten, »den Legionen« des Kaisers, ausgefüllt. -Sofort werden wir uns mit diesen eingehender beschäftigen müssen, weil -sie geradezu eine typische und originelle Erscheinung auf dem Hofe der -beiden Kaiser zu Solo und Djocja bilden. Vor diesem Thore hielt ein -europäischer Soldat Wache und gab jede Stunde durch einen Glockenschlag -die Stunde des Tages an. Hier befanden sich auch zwei Pendoppo = offene -Hallen, in welchen Gesandte, der Reichsverweser oder andere angesehene -Personen warten müssen, um nach erhaltener Zustimmung zur Audienz -vorgelassen zu werden. Wir gelangten durch das dritte Thor, »Sri -Menganti«, welches uns zu den Wohnhäusern des Sultans selbst brachte, -und vor dem Bangsal Kentjana = dem goldenen Pendoppo kam der Kaiser der -Deputation entgegen.</p> - -<p>Auch in der Nähe dieses Saales standen Soldaten; man muss sich -vollkommen dem Eindrucke des Hofceremoniells hingeben, wenn<span class="pagenum" id="Seite_176">[S. 176]</span> man -nicht beim Anblick dieser Helden ein lautes Lachen erschallen -lassen will. Die Legionen des Sultans sind 3–4000 Mann stark und -in zahlreiche Compagnien eingetheilt mit ihren eigenen Officieren, -eigenen Uniformen, Fahnen; jede hat zwei Tambours und zwei Pfeifer. -Die eine Compagnie, welche am meisten meine Aufmerksamkeit fesselte, -hatte einen Officier mit einem gelben Frack, grünen Hosen, grossen, -schwarzen Kanonenstiefeln, einem dreieckigen Hut mit einem grossen -Blumenstrauss, einem grossen, breiten Säbel in der Hand und einer -grossen, grünen Brille auf der Nase. Die Soldaten, welche um ihn -standen, hatten ungefähr dieselbe Uniform, waren jedoch mit einer Lanze -bewaffnet und hatten keine Brille, welche übrigens bei allen übrigen -Officieren offenbar als Zeichen ihrer Würde auf der Nase sass. Die -anderen Compagnien zeigten bedeutende und pittoreske Unterschiede; sie -waren mit Krissen (Dolchen) oder Schwertern und Schild, mit Lanzen oder -Gewehr bewaffnet; sie hatten einen Sarong oder kurze oder lange Hosen -an; dreieckige Hüte oder spitz zulaufende Mützen oder Helme aus den -diversen Jahrhunderten; der Frack war gelb, roth, blau oder schwarz; -sie trugen weisse Strümpfe mit Lackschuhen oder waren blossfüssig; kurz -und gut, die Uniformen der letzten 300 Jahre hatten ihre Vertreter in -den Legionen der beiden Kaiser von Java (<a href="#fig15">Fig. 15</a>).</p> - -<p>Als Pendoppo hatte dieser Saal keine Wände, und doch sind die Säulen, -welche das Dach tragen, und dieses selbst, sofern es den Plafond -dieser Halle bildet, als alt-javanische Holzschnitzereien von grossem -historischen und architektonischen Werth. Zur Seite steigt das Dach -schief nach oben, und seine Balken haben ihre natürliche Farbe, welche -durch das hohe Alter dunkel und düster wurde. Diese Balken jedoch sowie -die der Caissons des mittleren Theiles, welcher mattblau und roth -ist, sind mit zahlreichen Arabesken, Blumen und Thieren in Goldfarbe -bedeckt; da aber das Gold dieser Verzierungen auch nicht mehr neu -und also nur mattglänzend war, so machte dieser Saal einen düsteren -Eindruck. Die Einrichtung bestand nur aus zwei Thronsesseln und acht -gepolsterten Stühlen, und der Boden bestand aus Marmor.</p> - -<p>Nachdem der Resident dem Kaiser den Brief überreicht hatte, liess -dieser den Reichsverweser den Brief öffnen und vorlesen; danach gingen -wir uns setzen und Rheinwein trinken, welcher in schönen Gläsern -herumgereicht wurde.</p> - -<div class="figcenter illowe50" id="fig12"> - <img class="w100" src="images/fig12.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Fig. 12. Das Wohnhaus eines reichen Chinesen in Batavia.</div> - <div class="caption_gross x-ebookmaker-drop"><a href="images/fig12_gross.jpg" - id="fig12_gross" rel="nofollow">⇒<br /> - <span class="s6">GRÖSSERES BILD</span></a></div> -</div> - -<p>Aber einen noch selteneren Empfang sollte ich bei dieser Gelegenheit<span class="pagenum" id="Seite_177">[S. 177]</span> -mitmachen. Die Deputation wurde auch von der Sultanin empfangen.</p> - -<p>Hinter der erwähnten Pendoppo befindet sich eine lange, offene Halle, -an welche sich rechts die Gedong kuning, das gelbe Haus, die Wohnung -des Sultans und die Dalem oder Prabajasa, die Wohnung der Sultanin -anschlossen. Links von der Halle befanden sich die Ställe für die -Pferde und Hunde, obwohl die letzteren nach den mohamedanischen -Anschauungen haram = unrein sind.</p> - -<p>In dem eigentlichen Palaste der ersten Sultanin empfing uns also des -Sultans Favoritin; seine anderen Frauen und <a id="Gundiks_Beiweiber"></a>Gundiks = Beiweiber hatten hinter der -Prabajasa ihre Wohnungen, welche den Harem oder Kaputrén bilden und -von keinem männlichen Wesen betreten werden dürfen. Aber auch in die -eigentliche Wohnung des Sultans, in das gelbe Haus, mag niemals ein -Mann ohne directe Einladung kommen, und natürlich noch weniger in -den Palast der Sultanin. Alle Bedienung geschieht in beiden Palästen -nur durch Frauen. Die Veranda, in welcher der Empfang der Deputation -stattfand, war schlecht beleuchtet. Als wir eintraten, erhob sich von -einem sehr langen Divan, der die ganze Länge der Mauer einnahm, die -Sultanin, und der Resident stellte uns vor. Hierauf setzten sich die -vier Grössen auf den Divan, und wir Uebrigen, dii minorum gentium, -konnten stehen bleiben.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Den Kraton zu Solo will ich nicht beschreiben, weil ich nur wiederholen -müsste, was ich in obigen Zeilen von dem Palaste in Djocja mitgetheilt -habe, und weil ich dabei die Mittheilungen und Beschreibungen Anderer -benutzen müsste. Nach dem Feste beim Residenten fuhr ich den nächsten -Tag um 10 Uhr mit der Eisenbahn wieder nach Ngawie zurück, ohne -von der Stadt mehr als den Thiergarten, das Fort Vastenburg, das -Residenzgebäude und den schönen Palast des Prinzen Mangku-Negoro -gesehen zu haben. Die Stadt hatte mehr als 100,000 Einwohner<a id="FNAnker_101" href="#Fussnote_101" class="fnanchor">[101]</a> und -machte auf mich keinen günstigen Eindruck. Vielleicht waren es die -zahlreichen Spuren der jährlichen Ueberschwemmungen, welche der Stadt -geradezu ein schmutziges und unappetitliches Aussehen geben. Sie liegt -nämlich an der Mündung des<span class="pagenum" id="Seite_178">[S. 178]</span> kleinen Flusses Pepé<a id="FNAnker_102" href="#Fussnote_102" class="fnanchor">[102]</a> in den Bengawan -(= Solo), welcher der grösste Fluss Javas ist und in seinem oberen -Laufe aus zahlreichen kleinen Bergströmen besteht. Die Stadt hat aber -eine grosse und schöne Zukunft, weil seit ungefähr sieben Jahren die -Eisenbahn, welche Batavia mit Surabaya verbindet, den Fremdenverkehr -sehr erleichtert und den Strom der Touristen nach diesen zwei höchst -interessanten Kaiserreichen (Djocokarta und Surokarta = Solo) lenkt. -Die Provinz ist reich an Ruinen aus der Hinduzeit und hat zahlreiche -Naturschönheiten (zahlreiche warme Quellen, Mofetten und auf dem Berge -Lawu eine kleine Bergkluft mit zwei Teichen, aus welchen giftige Gase -[Kohlenstoff!] aufsteigen, Schwalbennesterhöhlen u. s. w.). Vielleicht -am interessantesten ist und bleibt die Anwesenheit eines orientalischen -Fürsten mit seinem ganzen Hofstaate, welcher am Gängelbande des -Residenten geht und bemüssigt wird, seinen despotischen Gelüsten -nur noch im Festhalten äusserer Formen zu genügen. Hatte nämlich -die indische Regierung grosse Schwierigkeiten, die depossedirten -Fürsten anderer Provinzen Javas, welche sie als »Regenten« in das -Corps der Beamten aufnahm, von ihren despotischen Gewohnheiten zu -befreien, so stand sie gegenüber den beiden Fürsten von Solo und -Djocja, welche äusserlich ihre Selbständigkeit behielten, geradezu vor -einem Augiasstalle. Ich bewundere die Geschicklichkeit und Ausdauer -der holländischen Regierung, welcher es gelang, zwei diametral -entgegengesetzte Regierungsprincipien in ihr Programm aufzunehmen und -dieses erfolgreich durchzuführen. Diese sind: Die einheimischen Fürsten -der unterworfenen Stämme an die Spitze der Verwaltung als Beamte zu -stellen, um die dynastischen Gefühle der grossen Menge des Volkes -zu schonen, und andererseits den kleinen Mann vor den despotischen -Gelüsten dieser Beamten zu beschützen.</p> - -<p>Der beste Beweis nicht nur für die Richtigkeit dieser Principien, -sondern auch für den bedeutenden Erfolg derselben ist der ungeheure -Aufschwung, den Java im 19. Jahrhundert genommen hat, und der sich in -dem Wachsen der Bevölkerung und in der menschenwürdigen Existenz des -javanischen Bauers am deutlichsten zeigt. Java hatte im Anfange dieses -Jahrhunderts ungefähr 3,000,000 Seelen, und heute beinahe 23 Millionen. -Selbst bis in die abgelegensten Kampongs ist die kleine Petroleumlampe -gedrungen, und beinahe jeder Dorfhäuptling<span class="pagenum" id="Seite_179">[S. 179]</span> hat seinen runden Tisch mit -einem bunten Tischtuch, einen Schaukelstuhl und seine Hängelampe.</p> - -<p>Die Provinz Surakarta (= Solo) hat bei einer Grösse von 112,905 ☐Meilen -1,176,833<a id="FNAnker_103" href="#Fussnote_103" class="fnanchor">[103]</a> Einwohner, also ungefähr 10,000 auf die Quadrat-Meile, -obwohl der Süden der Provinz von Kalkbergen durchzogen wird und nur -spärlich bewohnt ist.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Um ½12 Uhr kam ich wieder in Paron an, und der nächste Tag (3. Januar -1889) sah mich wieder dem täglichen Leben in dieser kleinen Stadt und -dem anstrengenden Dienste im Fort zurückgegeben.</p> - -<p>In dem Fort selbst befand sich das Spital von der 6.<a id="FNAnker_104" href="#Fussnote_104" class="fnanchor">[104]</a> Rangklasse. -Links von dem nördlichen Eingange des Forts befand sich das einstöckige -Gebäude, welches im Parterre das Bureau des Verwaltungsbeamten, die -Apotheke mit dem Sprechzimmer des »Eerstanwezenden Officiers van -Gezondheid«, und im ersten Stock die Säle für die Kranken enthielt. -Diese waren durch eine Brücke mit einem zweiten Gebäude verbunden. -Das Dach des Spitales war flach und konnte eventuell zum Spaziergange -von Reconvalescenten verwendet werden. Der Eingang zum Spitale selbst -war eine Treppe mit einer eisernen Thüre, welche zu einem Corridor -führte. Die Säle, welche für die Sträflinge bestimmt waren, hatten -eigene Thüren aus schweren eisernen Stäben, und die Fenster, welche -auf den Hofraum sahen, eiserne Gitter. Die Säle für die Soldaten des -Bewachungs-Detachements hatten Thüren und Fenster ohne Gitter. Die -Einrichtung des Spitales bestand aus eisernen Betten mit Strohsäcken -für die Patienten<span class="pagenum" id="Seite_180">[S. 180]</span> der 3. und 4. Klasse, und mit Matratzen mit -Kapok<a id="FNAnker_105" href="#Fussnote_105" class="fnanchor">[105]</a> gefüllt für die Unterofficiere und Officiere und für jene -Patienten der 3. und 4. Klasse, für welche eine harte Unterlage -gefährlich werden konnte, wie z. B. bei Erkrankungen des Rückenmarks, -bei Typhus u. s. w., bei welchen leicht Brand durch Druck entstehen -kann.</p> - -<p>Der Stand der Krankenwärter war entsprechend der 6. Rangklasse: 1 -Sergeant (Ziekenvader), 2 Corporäle (Bediende), 4 europäische Wärter -(Oppassers), 4 eingeborene Soldaten (Handlanger), 1 Bürger und 10 -Sträflinge.</p> - -<p>Von diesen Krankenwärtern mussten einer für die Apotheke, ein Koch -und ein Unter-Koch bestimmt und ein »Handlanger« als Kutscher für den -Leichenwagen angewiesen werden. Nebstdem wurden ein Sträfling der -Apotheke und vier der Küche zugetheilt. Der Krankenwärter, welcher in -der Apotheke die Dienste eines Gehilfen leistete, war schon seit Jahren -in Ngawie und hatte sich eine bedeutende Fertigkeit im Verfertigen -der Recepte u. s. w. angeeignet; das Reglement verbietet, einen -solchen Mann derartige Dienste verrichten zu lassen, und gestattet -nur, demselben die niedrigsten Dienste eines Apothekergehilfen -anzuvertrauen, z. B. Papier schneiden, die Pillenmasse zu kneten, -Pulver zu stampfen u. s. w. Es war möglich, diesem Gesetze zu -entsprechen, so lange ich einen Assistenzarzt hatte; dieser musste -die Recepte des Spitals und der Bürger verfertigen, und so brauchte -ich wirklich den Gehilfen nur die kleinen, von dem Gesetze erlaubten -Handarbeiten leisten zu lassen.</p> - -<p>Als aber dieser mir abgenommen wurde, stand ich vor einem schwierigen -Fall; ich hatte ein Spital mit 40–50 Patienten; ich <em class="gesperrt">musste</em> die -Armen-, Civil- und Gerichtspraxis ausüben und gewiss auch die erste -Hülfe bei den besser situirten Europäern, Chinesen und Eingeborenen -leisten, wenn sie den weiteren Verlauf auch dem nächsten Civil-Arzte -(in Madiun) hätten anvertrauen wollen; ich musste das Gefängniss -täglich besuchen, und, so lange ich keinen Doctor djawa zur Assistenz -hatte (auch dieser fehlte mir einige Monate), auch die Behandlung -der Prostitués auf mich nehmen, und doch bekam ich einen officiellen -Verweis, als es in Samarang bekannt wurde, dass ich die Recepte von -diesem nicht diplomirten Apotheker anfertigen liess!!</p> - -<p>Dieses ist in Indien ein sehr beliebtes und gern angewandtes Mittel -gewisser Officiere, um den Untergebenen aus leicht motivirbaren<span class="pagenum" id="Seite_181">[S. 181]</span> -Gründen die nöthige Assistenz abzunehmen, und dann auf diese Weise -glücklich im Suchen nach Fehlern u. s. w. sein zu können. So oft ich -nämlich nach Samarang schrieb, man möge mir einen Assistenzarzt senden, -bekam ich entweder keine Antwort oder ich wurde auf den Mangel an -Aerzten verwiesen, und dass ich mich so <em class="gesperrt">gut als möglich</em> ohne -Assistenz durchschlagen müsse.</p> - -<p>Ich hatte einen Oberarzt, welcher also Anfangs October 1888 per -Telegramm nach Samarang transferirt wurde, wo durch das epidemische -Auftreten der Cholera eine Vermehrung der Militärärzte nöthig wurde.</p> - -<p>Es war 3 Uhr Nachmittag, als ich in meinem Mittagschläfchen von diesem -Oberarzte gestört wurde; mit einem Telegramm in der Hand klagte er mir -sein Leid, sofort nach Samarang gehen zu müssen, wo die Cholera in -fürchterlicher Weise herrsche und so zahlreiche Schlachtopfer fordere. -Bald sah ich, dass die Furcht vor der Cholera ihn mehr beherrsche, als -es sich für einen Arzt geziemt, und mehr, als es für einen Arzt in den -Tropen zweckmässig ist, wo (besonders in Java) die Cholera endemisch -ist und oft zu starker Epidemie exacerbirt.</p> - -<p>Ich trachtete ihm also die Schwierigkeiten vor Augen zu halten, wenn er -sich nicht seiner Cholerafurcht widersetze, und machte ihn aufmerksam, -dass »der Arzt vor ansteckenden Krankheiten ebenso wenig als der -Soldat vor der feindlichen Kugel« sich zurückziehen dürfe. Endlich -bekannte er, dass die Furcht vor der Cholera ihn veranlasse, mich zu -bitten, telegraphisch seine Transferirung zurückziehen zu lassen, -weil die Choleraphobie, die Furcht vor der Cholera, eben schon eine -Infection durch Choleragift sei. Da jedoch in Ngawie selbst die Cholera -<em class="gesperrt">nicht</em> herrschte, so war seine Furcht vor der Cholera gewiss nur -psychischen Ursprungs, und ich machte ihn darauf aufmerksam, dass ich -zufälligerweise aus eigener Erfahrung über das Wesen der Choleraphobie, -welche gewissermaassen eine nervöse Form dieser Krankheit im -leichtesten Grade darstellt, einen richtigen Einblick habe.</p> - -<p>Ich selbst hatte nämlich im Jahre 1873 daran gelitten. In Wien -herrschte in diesem Jahre die Cholera, ohne viel Opfer zu fordern. Nur -60 oder 90 Todesfälle waren vorgekommen, trotzdem die Weltausstellung -Hunderttausende von Menschen dahin gelockt hatte. Es war an einem -warmen Augusttage, als ich in der Donau ein Bad nehmen wollte und auf -der Treppe von einem beängstigenden Gefühle ergriffen wurde; ich stieg -nicht in’s Wasser, sondern kleidete mich an. Dabei hatte ich keinen -anderen Gedanken, als<span class="pagenum" id="Seite_182">[S. 182]</span> den, an der Cholera erkrankt zu sein; ich bekam -Zwicken und Kneipen in dem Bauch und eilte sofort nach der Stadt, -um in einer Apotheke zehn Tropfen Laudanum zu nehmen. Die Angst in -der Magengrube (Präcordialangst) nahm zu, ich bekam Diarrhöe, und in -fürchterlicher Aufregung rannte ich in meine Wohnung, ohne durch die -angewendeten Hausmittel beruhigt zu werden. Die Nacht brach herein, -und ich sehnte mich nach dem Schlafe; aber in dem Augenblicke, als ich -einschlafen sollte, wurden die Schmerzen im Bauche so arg, dass ich -aus dem Bette sprang mit dem Gedanken: »Jetzt erfasst mich wirklich -die Cholera.« Endlich gegen 4 Uhr schlief ich ein. Dieser Zustand -dauerte vier Wochen lang und nichts half dagegen, bis ich endlich einen -Entschluss der Verzweiflung fasste: aut — aut, und ich meldete mich -für Ungarn an — als Choleraarzt. Während dieser vier Wochen durfte ich -das Wort Cholera weder hören noch lesen, oder ich bekam die ganze Reihe -der nervösen Aufregungen mit oder ohne Diarrhöe; ganze vier Wochen -lang kam ich nicht vor 4–5 Uhr in den Schlaf, weil mich jedesmal beim -Einschlafen das Schreckensgespenst der Cholera aus dem Schlafe riss.</p> - -<p>Weiterhin erzählte ich ihm, dass ich diesen Anfällen von Cholerafurcht -auch in Ungarn, wo damals eine fürchterliche Epidemie geherrscht hatte, -begegnet sei. Bei meiner Ankunft in Eperies wurden mir einige Dörfer -in den Karpathen zum Platze meiner Thätigkeit angewiesen, und einer -der Beamten begleitete mich, um mich dort zu installiren. Zu meinem -Standplatz wollte er die Wohnung eines Försters wählen, der mitten im -Gebirge wohnte und gewiss gern mir Gastfreundschaft bieten würde. Als -wir dahin kamen und dieser junge Mann alle diesbezüglichen Winke meines -Reisebegleiters nicht verstehen wollte, frug ihn dieser zuletzt direct, -ob er mich nicht in sein Haus aufnehmen wollte. »O ja, sehr gern,« -erwiderte er, »wenn mir der Herr Doctor verspricht, niemals das <em class="gesperrt">Wort -Cholera in meinem Hause auszusprechen</em>.« Der Mann also, der in den -Karpathen allein wohnte, weder Teufel noch Bären noch Wölfe fürchtete, -wurde schon durch das Wort »Cholera« in Angst versetzt. Natürlich -erklärte ich hierauf meinen festen Entschluss, irgendwo anders eine -Wohnung zu suchen.</p> - -<p>Das sind zwei ausgesprochene Fälle von Choleraphobie, weil beide -in einer von der Cholera inficirten Gegend auftraten, während mein -Assistenzarzt keine anderen Symptome als die der Furcht zeigte. Ich -wies im weiteren Verlaufe auch auf die geringe Gefahr der Ansteckung<span class="pagenum" id="Seite_183">[S. 183]</span> -von Seiten eines Arztes hin, weil er so wenig in directen Contact mit -den Entleerungen der Patienten komme. Als in Ungarn im Jahre 1873 in -einigen Dörfern die Cholerakranken von ihren gesunden Angehörigen -verlassen wurden, und dadurch ohne Pflege und ohne Behandlung blieben, -legte sich ein Arzt, dessen Name mir leider entfallen ist, ins Bett -zu einem sterbenden Cholerakranken; dieser Arzt blieb am Leben. Wenn -auch drei Krankenwärter in Batavia starben, welche Cholerakranke -verpflegt hatten, so sei darum der Arzt doch nicht mehr bedroht, als -alle anderen Menschen, welche in demselben Orte wohnen, weil er nur -selten oder niemals von den Entleerungen der Kranken beschmutzt werde, -und wenn dies zufällig geschehe, er sich auch sofort reinigen und -desinficiren könne. Ja noch mehr: wie viel Aerzte hätten in persona -bei Cholerakranken die Tanninklystiere gegeben, ohne darum ihre -Hülfeleistung mit dem Leben zu bezahlen. Wie oft hätte ich selbst, -trotz meiner Cholerafurcht, den fürchterlich nervösen Erscheinungen, -welche mit Diarrhöe gepaart gingen, den Cholerapatienten Morphium -subcutan eingespritzt (das allerdings nicht resorbirt wurde), ich -predigte tauben Ohren. Zuletzt erklärte mein Assistenzarzt — er sei -krank, er leide an einem Darmkatarrh! —</p> - -<p>»So,« erwiderte ich hierauf, »Sie sind krank; in der brennenden -Sonnenhitze von vielleicht 37° kommen Sie zu mir, und Sie sind so -krank, dass Sie Ihrer Transferirung nicht folgen können?! Nebstdem sind -Sie gestern Abend bis in die späte Nachtstunde im Club gewesen, und Sie -haben heute Vormittag nicht nur Ihren Dienst im Fort gethan, sondern -sind auch in die Stadt zu Ihren Privatpatienten gefahren ... Doch wenn -Sie sagen, dass Sie krank seien, muss ich es Ihnen glauben. Gehen Sie -nach Hause, ich komme um 5 Uhr zu Ihnen, um Sie zu untersuchen, und ich -bitte Sie, wenn möglich, mich auch Ihren Stuhl sehen zu lassen.«</p> - -<p>Als ich um die angegebene Stunde kam, erklärte er mir, seiner -Transferirung Folge zu geben.</p> - -<p>Vier Tage später kam er zurück, und ein Brief des Landes-Sanitätschefs -machte mir die heftigsten Vorwürfe über meine inhumane Handlungsweise, -einen Mann den Gefahren der Cholerainfection auszusetzen, der an -einem Katarrh des Dünn-, Dick- und Mastdarms leide. Ich vertheidigte -mich, nach meiner Ansicht, mit vollkommenem Erfolg; wie überrascht -war ich jedoch, am Ende des Jahres in meiner Conduiteliste zu lesen: -<em class="gesperrt">Nicht hinreichend selbständig, hat sich oberflächlich gezeigt in der -Erfüllung seiner Pflicht als Chefarzt<span class="pagenum" id="Seite_184">[S. 184]</span> gegenüber seinem Assistenzarzt. -Sein militärisches Benehmen ist tadelnswerth; verrichtet seine -Dienstpflichten mit Eifer, doch nicht immer in passender Weise; er -verdient also keine Beförderung!!</em></p> - -<p>Ich reichte meine Vertheidigung an den Armee-Commandanten ein, indem -ich die einfache Thatsache mittheilte mit der Bemerkung, dass der -Soldat ins Feuer und der Arzt zu ansteckenden Krankheiten gehen müsse, -und dass ich so überzeugt sei, nach Recht und Gewissen gehandelt zu -haben, dass ich bei Wiederholung dieses Falles wieder in gleicher Weise -zu Werke gehen würde.</p> - -<p>Während bis Ende März alle Conduite-Listen bei dem Armee-Commandanten -eingelangt sein müssen, nachdem der Platz-Commandant, der -Landes-Sanitätschef, der Landes-Commandant und der Sanitätschef ihre -etwaigen Zusätze und Anmerkungen hinzugefügt hatten, befremdete es -mich, im April noch keine Antwort auf diese Vertheidigung erhalten -zu haben. Bis Ende März müssen nämlich die Conduite-Listen mit den -etwaigen Vertheidigungsschriften aus dem ganzen Archipel eingegangen -sein. Von Java selbst gelangen diese »Papiere« schon in den ersten -Wochen des Monats Januar nach Batavia und werden sofort erledigt, d. h. -entweder im Kriegs-Departement deponirt oder es werden in strittigen -Fällen zur weiteren Behandlung die Erhebungen gepflegt.</p> - -<p>Aber Anfangs Juli hatte ich noch keine Antwort; endlich hiess es, dass -der Landes-Commandirende, General von K., kommen sollte, über die -Garnison von Ngawie Inspection zu halten.</p> - -<p>In üblicher Weise wurde den Officieren und Mannschaften der Tag und -die Stunde angegeben, an welchen sie ihre etwaigen Ansuchen dem -Landes-Commandirenden vorbringen konnten. Es war für mich eine schwere -Arbeit, zu sorgen, dass sich das Spital und die Apotheke mit ihren -Magazinen in reglementärer Ordnung befanden, und dass alle Rapporte bei -der Hand waren, welche dem General beim Erscheinen im Spitale vorgelegt -werden sollten. An den Inspectionen der Casernen und Officierswohnungen -musste ich theilnehmen, um etwaige von mir angegebene hygienische -Uebelstände zu demonstriren oder von anderer Seite eingebrachte -hygienische Fragen zu begutachten, und ich hatte keinen Assistenten, -um den Dienst in der Apotheke, im Gefängnisse, im Frauenspitale und -in der Civilbevölkerung von ihm verrichten lassen zu können. Im -Drange der Geschäfte vergass ich also, auch mich anzugeben und den -General um Mittheilung über den Stand meiner<span class="pagenum" id="Seite_185">[S. 185]</span> Vertheidigungsschrift zu -bitten. Jedoch an dem Revolverschiessen der Officiere betheiligte ich -mich; ich sollte als letzter an die Reihe kommen und unterhielt mich -unterdessen mit dem Adjutanten des Generals, einem alten Bekannten aus -der Zeit meines Aufenthaltes in Sumatra, und frug ihn, ob ihm nichts -bekannt sei, welche Erledigung bis jetzt, d. h. nach 6 Monaten Zeit, -meine »Affaire« genommen hätte. Er glaubte, mir eine ausweichende -Antwort geben zu müssen, welche mich annehmen liess, dass mein Recurs -ungünstig erledigt worden sei; dies erregte mich so mächtig, dass ich, -aufgerufen, an den Schiessstand zu treten, den Revolver bei dem Laufe -in die Hand nahm; ein schallendes Gelächter weckte mich aus meiner -Verlegenheit, doch ich schoss so gut, dass die Ehre des ärztlichen -Standes als Schütze gerettet wurde. Drei Tage später erhielt ich von -dem Landes-Sanitätschef die Mittheilung, dass der Armee-Commandant</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>».... mit Rücksicht auf die günstige Conduitebeurtheilung, welche -»de Officier van Gezondheid«, Breitenstein, bis jetzt hatte, die in -Colonne I mitgetheilte <em class="gesperrt">unrichtige</em> Behandlung von Sachen<a id="FNAnker_106" href="#Fussnote_106" class="fnanchor">[106]</a> -als einen vereinzelten Irrthum in gutem Glauben angesehen habe« und -dass »Seine Excellenz auf Grund dieses wünscht, die im Jahre 1887 -gefällte Beurtheilung vorläufig aufrecht gehalten zu sehen ...«</p> - -</div> - -<p>Diese Mittheilung des Sanitätschefs war datirt vom 3. Juni 1889, wurde -<em class="gesperrt">einen Monat</em> später auf Urgenz des Landes-Commandirenden mir -eingesendet und trug auch die Spuren <em class="gesperrt">der Fälschung</em>; Juni war -verändert in <em class="gesperrt">Juli</em>!!</p> - -<p>Es geschieht selten, dass eine Conduitebeurtheilung von dem -Armee-Commandanten gänzlich zu Gunsten der Reclamanten abgeändert wird, -und wenn es geschieht, ist es ein Pyrrhussieg; denn seine Vorgesetzten -sehen darin mit Recht eine Niederlage, welche sie in ihrer Existenz, -d. h. in ihrer eigenen Beförderung bedroht und — nehmen Rache.</p> - -<p>Dieser Bescheid des Sanitätschefs zeigt das militärische Leben in einem -eigenthümlichen Lichte, und es drängt sich die Frage auf, ob diesem ein -richtiger Standpunkt zu Grunde liege.</p> - -<p>Das Vergehen, welches so stark war, dass ich »nicht würdig« und »nicht -geeignet« war, befördert zu werden, wurde vom Armee-Commandanten als -bestehend angenommen, und nur im Gnadenacte wurde mir die Strafe für -dies Vergehen (??) erlassen, weil ich »in gutem<span class="pagenum" id="Seite_186">[S. 186]</span> Glauben geirrt hätte«, -d. h. mit anderen Worten, dass der Landes-Sanitätschef nicht unrichtig -mich beurtheilt hätte. <em class="gesperrt">Das Princip, welches dieser Aeusserung zu -Grunde liegt, ist die Wahrung der Autorität des Chefs gegenüber seinen -Untergeordneten.</em> Wenn wir von Uebertreibungen absehen, ist dieses -Princip im militärischen Leben ein richtiges und gesundes, es wird auch -mit Recht bei allen Disciplinaruntersuchungen angewendet; in strittigen -Fällen wird dem Höheren mehr geglaubt als dem Untergebenen; wird damit -ein Missbrauch getrieben, so hat jeder Soldat das Recht, auch wegen -einer auf dem Disciplinarwege aufgelegten Strafe zu reclamiren und -die Entscheidung eines Kriegsgerichts anzurufen, welches jedoch als -Jury das objective Beweisverfahren übt. Es ist auch dafür gesorgt, -dass dieser Schritt nicht leichtsinnig unternommen werde. Entscheidet -das Kriegsgericht (Krygsraad) zu Ungunsten des Reclamanten, so wird -nicht nur die primäre Strafe ins Strafregister aufgenommen (die Strafe -selbst muss ja nach dem Reglement abgebüsst sein, bevor er an das -Kriegsgericht appelliren kann, nebstdem muss der Reclamant die ganze -Zeit hindurch Casernenarrest halten), sondern er wird jedenfalls noch -einmal gestraft, weil er durch seine leichtsinnige Reclamation bewiesen -hat, nicht die seinem Chef schuldige Ehrfurcht zu besitzen. Officiere -müssen nebstdem alle Kosten tragen, welche etwaigenfalls damit -verbunden waren.</p> - -<p>Das Princip ist, ich wiederhole es, ein richtiges, aber die Ausführung -desselben lässt vieles zu wünschen übrig. Ich habe in dieser »Affaire« -correct gehandelt, ich habe mit Ueberlegung gehandelt; ein praktischer -Blick leitete meinen Entschluss, den Assistenzarzt ärztlich untersuchen -zu wollen, da er sich »krank« meldete. Er fürchtete diese Untersuchung; -wenn mir von Samarang geschrieben wurde, er habe ein Leiden des Dünn-, -Dick- und Mastdarmes gehabt, so konnte ich nichts anderes darauf -antworten, als: Bis zur Stunde der Abreise lebte er als ein gesunder -Mensch, der sich nicht einmal in der Freude des Lebens beschränkte. Bei -seiner Zurückkunft nach <em class="gesperrt">vier!</em> Tagen lebte er wieder wie jeder -andere gesunde Mensch; Furcht war also die Ursache seines Leidens. -<em class="gesperrt">Darf</em> es also geschehen, dass die Rachsucht seines Chefs jenen -unglücklichen Glücklichen verfolgt, der in seinem Recurse an die -höchste militärische Autorität rehabilitirt wird? Sollte in solchen -Fällen nicht sofort die Pensionirung des Chefs erfolgen, welcher sich -von seinen persönlichen Gefühlen der Antipathie hinreissen lässt,<span class="pagenum" id="Seite_187">[S. 187]</span> um -aus unbegründeten, bei den Haaren herbeigezogenen Ursachen einem jungen -Manne die Carrière abzuschneiden und die ganze Zukunft zu zerstören!</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Die Cholera beschränkte sich im Jahre 1888 auf Samarang und Umgebung -und kam nicht nach Ngawie. Ich hatte zwar vier Fälle, sie kamen jedoch -in vielwöchentlichen Pausen vor und nur bei <em class="gesperrt">Säufern</em>. Alle vier -Patienten waren Gehülfen des Koches und bekamen für die Ablieferung -der Abfälle der Küche an den chinesischen Schweinehändler von ihm -täglich eine Flasche Sagueer<a id="FNAnker_107" href="#Fussnote_107" class="fnanchor">[107]</a> oder Arac. Solche vereinzelten -Fälle sind in Indien häufig, weil die Cholera dort eben endemisch -ist und es <em class="gesperrt">wahrscheinlich</em> auch immer gewesen ist, wenn auch -<em class="gesperrt">Semelink</em> behauptet, dass vor dem Jahre 1817 die Cholera in -Indien unbekannt gewesen sei. Die Beweise, welche dieser indische -Oberstabsarzt in seinem Buche dafür bringt, gründen sich grösstentheils -auf philologische Untersuchungen, auf welches Gebiet ich ihm nicht -folgen kann. Mittheilungen bacteriologischer Art sind natürlich in -diesem sonst fleissig bearbeiteten Buche nicht enthalten, und in der -Zahl der Todesfälle einen Unterschied zu machen zwischen asiatischer -Cholera und Cholera nostras hat doch gar keine wissenschaftliche Basis. -Wenn also Oberstabsarzt <em class="gesperrt" id="Semmelink">Semmelink</em> auf philologische Gründe basirt -behauptet, dass vor dem Jahre 1817 auch in Indien die epidemische -Cholera asiatica nicht vorgekommen sei, und dass die Beschreibungen -solcher Fälle an Malaria oder Vergiftungen mit Datura oder Arsenik -u. s. w. erinnern, so kann dieser Behauptung nicht widersprochen -werden; aber jeder unbefangene Leser wird z. B. im folgenden Satze, -welcher auf einem Steine eines alten Tempels sich befand und einem -Schüler Buddha’s zugeschrieben wurde, in erster Reihe an Cholera -und nicht an Malaria denken. Dieser Satz lautet:<a id="FNAnker_108" href="#Fussnote_108" class="fnanchor">[108]</a> »Die blassen -Lippen, das abgemagerte Gesicht, die hohlen Augen, der eingezogene -Bauch, die zusammengezogenen und gekrümmten Extremitäten, wie wenn -sie dem Feuer ausgesetzt gewesen wären, charakterisiren die Cholera, -welche durch die boshaften Beschwörungen der Priester niedersteigt, -um die braven Menschen zu verderben. Der dicke Athem bleibt an dem -Gesichte des Kriegers hängen, seine Finger sind in verschiedener Weise<span class="pagenum" id="Seite_188">[S. 188]</span> -zusammengezogen und verdreht, er stirbt in Krämpfen, als Schlachtopfer -der Cholera von Siwa.«</p> - -<p>Vielleicht wird ein Bacteriologe sich finden, der z. B. in den Gräbern -verstorbener Hindus Cholerabacillen finden wird; denn ohne diesen -Befund wird die Behauptung <em class="gesperrt">Semelink’s</em>, dass die Cholera vor dem -Jahre 1817 auch in Indien nicht vorgekommen sei, auf wissenschaftlicher -Basis nicht widerlegt werden können; wenn aber im Jahre 1768 auf -der Küste von Coromandel 60,000 Menschen einer Krankheit erlegen -sind, welche die der Cholera eigenen Symptome hatte, ist es schwer, -darin eine Malaria-Epidemie zu sehen, weil es gewiss noch niemals -vorgekommen, dass die plötzlichen Todesfälle, veranlasst durch die -Malaria und bekannt unter dem Namen Febris perniciosa, in so grosser -Zahl vorkommen, als es in dem Charakter der Cholera-Epidemien gelegen -ist.</p> - -<p>Es drängt sich uns eine andere Frage auf, welche der Bacteriologe -momentan vielleicht als steril zurückweisen wird; aber in Zukunft wird -man auch unsere Ansicht reiflich in Erwägung ziehen müssen.</p> - -<p>Vor dem Jahre 1885 war Atjeh (im Norden Sumatras) die Heimstätte -zahlreicher und heimtückischer Malariaformen; in diesem Jahre brach -eine fürchterliche Epidemie von Beri-beri aus, welche z. B. das -Hülfs-Bataillon der Maduresen in drei Monaten Zeit decimirte!</p> - -<p>Ich habe zu wiederholten Malen Malariaformen gesehen, die schwer von -Lungenentzündung oder Typhus zu unterscheiden waren, ja noch mehr, ich -habe, ich möchte fast sagen, eine ganze lange Entwicklungsreihe von -typischer Malaria bis zu ausgesprochenem Bauchtyphus gesehen.</p> - -<p>In beiden Fällen musste ich diese Krankheiten »Bruder und Schwester« -nennen, d. h. verwandte Krankheitsformen auf miasmatischer Basis.</p> - -<p>Sollten also auch nicht Cholera und Malaria miasmatische Krankheiten -sein, welche wie Bruder und Schwester mit einander verwandt sind? Wenn -ich das Bild der wenigen Fälle von Febris perniciosa <em class="gesperrt">cholerica</em> -vor Augen halte, welche ich zu beobachten Gelegenheit hatte, und es -vergleiche mit jenen der Cholerakrankheit, dann werde ich vielleicht -mit dem deutschen Bilde, sie gleichen wie ein Ei dem andern, deutlicher -meine Ansicht ausdrücken als mit dem holländischen »Bruder und -Schwester«; aber mit beiden Bildern will ich die Verwandtschaft dieser -beiden Krankheiten aussprechen und die Polymorphie der Bacterien<span class="pagenum" id="Seite_189">[S. 189]</span> als -Krankheitserreger nur andeuten. Für die Systematik sind die Worte: -Plasmodien und Cholerabacillus gewiss von hohem Werthe; in der Praxis -wird uns das Wort <em class="gesperrt">Miasmen</em> in der Lehre der Malaria bessern -Dienst leisten und in der Aetiologie der <em class="gesperrt">Cholera</em> den Weg zu -einer richtigen Prophylaxis zeigen.</p> - -<p>Im Jahre 1817 hat also die Cholera ihre erste grosse Weltreise -angetreten; sie dauerte sieben Jahre lang und hatte zu ihrer -Ausbreitung auf den Inseln des indischen Archipels drei Jahre nöthig. -Interessantes hierüber theilt der »Militär-Krankenrapport über Java -und Madura« 1847 mit, und darum wird vielleicht ein Auszug von den -Mittheilungen des Sanitätschefs Dr. <em class="gesperrt">W. Bosch</em> aus dieser Zeit -nicht unerwünschte Beiträge zur Geschichte der Verbreitung der Cholera -geben:</p> - -<p>»Schon im vorigen Jahrhundert trat die Cholera bald sporadisch, bald -epidemisch auf; immer aber verschwand sie bald, ohne viele Opfer zu -heischen. Doch im Jahre 1817 trat sie als heftige Epidemie in Hindostan -auf und raubte Hunderttausenden das Leben. Zuerst brach sie in der -Umgebung von Calcutta aus und erreichte bald die Stadt, wo jede Woche -200 Menschen oder <span class="bruch"><span class="zaehler">1</span>⁄<span class="nenner">900</span></span> der Bevölkerung daran starben, ohne dass man -die Ursache oder den ersten Keim der Entwicklung entdecken konnte. Von -dort pflanzte sie sich nach China fort und wüthete in den Hauptstädten -Peking und Canton; weiterhin zog sie im Jahre 1818 nach Madras und nach -der Südküste von Coromandel und erreichte am Ende dieses Jahres Ceylon. -Weiter besuchte sie die Westküste von Vorderindien, den Golf von -Persien, Cochinchina, Manila, Pulu (Insel) Pinang, Singapore, Malacca -und im Jahre 1820 Mauritius und den Golf von Siam.«</p> - -<p>»Obwohl der Gouverneur von Pulu Pinang und der Prof. <em class="gesperrt">Reinwardt</em> -diese Krankheit auf das bestimmteste für <em class="gesperrt">nicht ansteckend</em> -erklärt hatten, glaubte doch unsere Regierung die Ansteckungsfähigkeit -für <em class="gesperrt">zweifelhaft</em> halten zu müssen, und es wurde vorsichtshalber -verordnet, dass von den Schiffen, welche aus oben genannten -Gegenden kamen, Niemand ans Land gehen sollte, bevor eine ärztliche -Commission untersucht hatte, ob sich keine verdächtigen Kranken oder -Reconvalescenten an Bord befanden. Auch sollten die Residenten in -Uebereinstimmung mit den Aerzten jene Maassregeln festsetzen, welche -die localen Verhältnisse erfordern sollten. Zugleich wurde der Bericht -des Gouverneurs von Malacca in den batavischen Zeitungen publicirt.«</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_190">[S. 190]</span></p> - -<p>»In einem Briefe vom 19. Januar 1820 berichtete der Resident von -Batavia an die Regierung, dass die Brik Fanny, welche von Mauritius -angekommen war, die Nachricht gebracht hatte, dass dort die Cholera -ausgebrochen war und in drei Wochen 3000 Menschen dahingerafft hatte, -dass dieses Schiff Quarantaine halten musste, welche Maassregel -gebilligt wurde, ebenso als die Isolirung der Schiffe, welche -die Strasse von Sunda passirten. Bald zeigte es sich, dass alle -Vorsichtsmaassregeln vergebens genommen waren. In der Nacht vom 22. auf -den 23. April 1821<a id="FNAnker_109" href="#Fussnote_109" class="fnanchor">[109]</a> brach die Cholera in Mittel-Java, und zwar in -Samarang aus, ohne dass eine strenge Untersuchung constatiren konnte, -von wo sie gekommen war und aus welcher Ursache sie sich entwickelt -hatte ...«</p> - -<p>»Die Schiffe, welche auf der Rhede von Samarang lagen, wurden genau -untersucht; aber es meldete der Militärarzt <em class="gesperrt">Bakker</em>,<a id="FNAnker_110" href="#Fussnote_110" class="fnanchor">[110]</a> dass -auf keinem der Schiffe eine Spur der Krankheit zu finden war, so dass -ihr Entstehen auch hier ein Räthsel blieb. Aber sicher ist es, dass sie -nicht über See eingebracht wurde, und dass zu Land kein Verkehr mit -irgend einem der inficirten Orte bestand.<a id="FNAnker_111" href="#Fussnote_111" class="fnanchor">[111]</a> Unterdessen kamen auch -einige Cholerafälle in Demak vor, welches im Osten von Samarang -liegt ...«</p> - -<p>Von 786 Javanen findet man in dem Staatsarchiv einen sehr genauen -Rapport, welcher von einem eingeborenen Häuptling verfasst war. Aus -diesem ist ersichtlich, dass gestorben waren</p> - -<table class="cholera_1"> - <tr> - <td> - <div class="center">am</div> - </td> - <td> - <div class="center">22.</div> - </td> - <td> - <div class="center">April</div> - </td> - <td> - <div class="center">  3</div> - </td> - <td> - <div class="center">Menschen</div> - </td> - <td> -   - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">23.</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">  6</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> -   - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">24.</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 15</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> -   - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">25.</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 53</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> -   - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">26.</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 42</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> -   - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">27.</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 85</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> -   - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">28.</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 99</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> -   - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">29.</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 87</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> -   - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">30.</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">126</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="left">(NB. Abends Regen)</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 1.</div> - </td> - <td> - <div class="center">Mai</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 77</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> -   - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 2.</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 99</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> -   - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 3.</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 94</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> -   - </td> - </tr> -</table> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_191">[S. 191]</span></p> - -<table class="cholera_2"> - <tr> - <td> - <div class="left">Es starben binnen</div> - </td> - <td> - <div class="right">1</div> - </td> - <td> - <div class="center">Stunde </div> - </td> - <td> - <div class="right">51</div> - </td> - <td> - <div class="center">Menschen</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td> - <div class="right">2</div> - </td> - <td> - <div class="center">Stunden</div> - </td> - <td> - <div class="right">46</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td> - <div class="right">3</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="right">39</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td> - <div class="right">4</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="right">60</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td> - <div class="right">5</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="right">40</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td> - <div class="right">6</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="right">38</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td> - <div class="right">7</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="right">49</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td> - <div class="right">8</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="right">35</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td> - <div class="right">9</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="right">32</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td> - <div class="right">10</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="right">40</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td> - <div class="right">11</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="right">33</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td> - <div class="right">12</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="right">73</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td> - <div class="right">18</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="right">31</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td> - <div class="right">24</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="right">65</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"> - <div class="right">48–80</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="right">7</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> -</table> - -<p>Die weiteren Mittheilungen des Sanitätschefs Dr. <em class="gesperrt">Bosch</em> will ich -unerwähnt lassen, weil sie nur der Spiegel der damaligen Rathlosigkeit -sind, was die Aetiologie dieser Krankheit betrifft.</p> - -<p>Wenn ich auch den statistischen Angaben aus dieser Zeit absolut -keinen Werth beilege, und auch die Mittheilungen über die angeblich -unternommenen »genauen« Untersuchungen geradezu bezweifle, so glaube -ich doch, natürlich ohne weiteren Commentar, die mir zugänglichen -Ziffern über die Cholera auf den Inseln des indischen Archipels -mittheilen zu sollen.</p> - -<p>Von 1821 bis 1832 starben in der Armee an Cholera 559, 118, 200, 158, -147, 256, 183, 281, 330, 261, 115, 30 (das erste Halbjahr) = 2638, und -8487 waren erkrankt.</p> - -<p>Dr. <em class="gesperrt">W. Bosch</em> theilt weiter mit, dass vom Jahre 1832 an die -Rapporte über die Cholera schweigen, so dass »man annehmen muss, dass -die eigentliche Cholera nicht mehr vorgekommen ist«, und dennoch — -sind unter der Statistik der in der Armee behandelten Krankheiten -von der ersten Hälfte des Jahres 1847 24 Patienten mit 5 Todesfällen -angegeben. Da dieser Summirrapport über »das erste halbe Jahr 1847« -erst in 1850 erschien, so lässt sich dieser Widerspruch nicht anders -erklären, als dass die sporadischen Fälle ausser Betracht blieben.</p> - -<p>Wenn wir die weiteren Jahre, deren Berichte mir zugänglich sind, -betrachten, so sehen wir, dass die Cholera in Indien endemisch ist.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_192">[S. 192]</span></p> - -<p>Vom Jahre 1852 bis 1885<a id="FNAnker_112" href="#Fussnote_112" class="fnanchor">[112]</a> starben an Cholera in Java (und Madura) -3122 europäische, 189 afrikanische und 1138 eingeborene Soldaten.<a id="FNAnker_113" href="#Fussnote_113" class="fnanchor">[113]</a></p> - -<p>Vom Jahre 1891 bis 1895 kamen 185, 91, 41, 1, 1, zusammen 319 -Todesfälle an Cholera vor, während im Jahre 1896 137 und im Jahre 1897 -229 Bürger dieser Seuche erlagen.</p> - -<p>Die Ziffern des Jahres 1891 bis 1895 sollten beweisen können, dass -die Cholera auf den Inseln des indischen Archipels nicht endemisch -sei, sondern wie in Europa hin und wieder verschwindet und dann -wieder entsteht und in der Form einer Epidemie Hunderte und Tausende -hinwegrafft. Das Gegentheil ist richtig. Gerade die Thatsache, dass in -den Jahren 1894 und 1895 nur vereinzelte Fälle in der Armee vorkamen -und sich nicht ausbreiteten, gerade dies ist das Charakteristische -einer <em class="gesperrt">endemischen</em> Krankheit.</p> - -<p>Warum jedoch solche vereinzelte Fälle <em class="gesperrt">manchmal</em> und -glücklicherweise nicht immer zu grossen Epidemien die Anläufe werden, -dafür fehlt uns jedes Verständniss. Dies ist ja nicht allein mit der -Cholera der Fall; es kommen ja in Europa isolirte Fälle von Pocken, -Diphtheritis, Lungenentzündung, Dysenterie, Typhus und Scharlach -vor, und in Indien geschieht dasselbe mit der Malaria, während im -anderen Jahre diese Infections-Krankheiten epidemisch auftreten -und sich rasch über grosse Strecken verbreiten. Will man sich mit -der Erklärung begnügen, dass in dem einen Falle sich weiter keine -dazu <em class="gesperrt">disponirten</em> Menschen fanden, in dem zweiten Falle sich -jedoch zahlreich solche Individuen einstellten — auch recht: »Wo -Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein«; ich -jedoch — bezweifle noch immer die Richtigkeit der herrschenden -Infectionstheorie, obwohl der Commabacillus in den Defäcationen der -meisten Cholerakranken gefunden wird.</p> - -<div class="figcenter illowe50" id="fig13"> - <img class="w100" src="images/fig13.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Fig. 13. Ein javanischer Häuptling mit seiner Frau in - Galakleidung.<a id="FNAnker_114" href="#Fussnote_114" class="fnanchor">[114]</a></div> -</div> - -<p>Im Jahre 1882 obducirte ich mit einem Collegen (Dr. <em class="gesperrt">van Th...</em>) -in Batavia einen Soldaten, welcher ins Spital gebracht worden war. Wie -üblich, machte der damit betraute Soldat die Section, und nur einige -kleine Handgriffe, wie z. B. das Oeffnen der Herzhöhlen, nahmen wir -vor. Wir machten die Diagnose: Cholera, und Dr. <em class="gesperrt">van Th...</em><span class="pagenum" id="Seite_193">[S. 193]</span> -bekam — einen Choleraanfall,<a id="FNAnker_115" href="#Fussnote_115" class="fnanchor">[115]</a> während ich nur eine Exacerbation -meines alten Nervenleidens erlitt. Ich bekam heftigen Stuhlgang und -Beklemmung in der Herzgrube (Präcordialangst), ich wurde aufgeregt -und gejagt, und wiederum raubte mir die Furcht vor der Cholera -beinahe die ganze Nacht den Schlaf. Diese Erkrankung des Dr. <em class="gesperrt">van -Th...</em>, sowie die vier oben erwähnten Fälle der Krankenwärter, -welche der Cholera erlagen, nachdem vier Tage hintereinander je ein -Patient von der Rhede von Batavia ins Spital geschickt wurde, sind wohl -genug Beweise, dass Cholera von Person auf Person übertragen werden -<em class="gesperrt">könne</em>, dass sie also eine Infectionskrankheit stricte dictu sei.</p> - -<p>Auf welchem Wege geschieht die Infection durch den Commabacillus? -<em class="gesperrt">Grossi</em>, <em class="gesperrt">Cattam</em> und <em class="gesperrt">Tizzoni</em> haben auf Fliegen -diese Bacterien gefunden; auch auf den Mosquitos Indiens sollen sie -gefunden worden sein. Für jeden Fall ist diese Quelle der Infection -eine ganz geringe, weil auf den Küsten zur Zeit der Cholera-Epidemie -Tausende und Tausende 10–20 Mal, und zwar jeden Abend gestochen werden, -ohne die Cholera zu bekommen, und andererseits diese Krankheit in -Gebirgsgegenden eine verheerende Verbreitung genommen hat, ohne dass -Mosquitos oder Fliegen vorgekommen wären.</p> - -<p><em class="gesperrt">Virchow</em> fand in dem Magen von Choleraleichen noch in Verdauung -begriffene Speisereste, wenn die Krankheit nur 1–2 Stunden gedauert -hatte; der saure Magensaft der Thiere vernichtet die Commabacillen, -und darum gelingt es nur ausnahmsweise, Thiere durch Fütterung von -Reinculturen dieser Bacterien an Cholera erkranken zu lassen, und man -muss zu diesem Zwecke erst die Säure des Magens abstumpfen. Es müssen -also mit den Speisen selbst in den von <em class="gesperrt">Virchow</em> angegebenen -Fällen die Bacillen eingeführt worden sein, und thatsächlich ist zu -allen Zeiten die Nahrung als Vehikel des Choleragiftes angesehen -worden; so z. B. sah <em class="gesperrt">Tytler</em> den Gebrauch von verdorbenem Reis -als die Ursache des Entstehens der Cholera an; noch heute werden -unreife Früchte, und von einigen Aerzten sogar auch solche, welche ganz -reif sind, als die Keimträger der Cholera angesehen. Als im October -1896 in Atjeh sieben Fälle von Cholera vorkamen, wurde auf Vorschlag -des Landes-Sanitätschefs der Verkauf von allen Früchten auf dem Markte -verboten. Auf allen Speisen können zufällig Commabacillen vorkommen. -Warum werden dann nicht alle Speisen verboten?</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_194">[S. 194]</span></p> - -<p>Natürlich musste man auch an das Trinkwasser als Vehikel des -Choleragiftes denken, und das Nutzwasser des Bades und der Küche -u. s. w. können in grösserer oder kleinerer Anzahl die Cholerabacterien -enthalten.</p> - -<p>Wenn wir absehen von den wenigen Städten in Indien, in welchen -artesisches Wasser gebraucht wird, ist ja die Quelle des Trinkwassers -und des Nutzwassers selten eine reine. Nach <em class="gesperrt">von Pettenkofer</em> -und Anderen sind der alluviale Boden und die tertiäre Formation -aussergewöhnlich günstig zur Entwicklung des Commabacillus; die ganze -Nordküste Javas ist ja angespültes Land; das Grundwasser derselben ist -überfüllt von faulenden Stoffen, und der Lehmboden ist ein schlechter -Filter. Darum ist Surabaya mit Recht eine ungesunde Stadt zu nennen.</p> - -<p>Wenn wir absehen von den Pantjorans im Gebirge, welche reines -Quellwasser führen, so ist das Wasser, welches der »kleine Mann« -gebraucht, beinahe eine Reincultur von allen möglichen Bacterien und -somit auch des Commabacillus. Er gebraucht das Wasser der Sümpfe und -der Strassenriolen zum Mischen mit der Milch, zum Trinken, zum Kochen -seines Reises, zum Baden, zum Mundspülen, zum Waschen seines Geschirrs -und zum Besprengen des Gemüses und der Früchte, welche er auf den Markt -bringt, um ihnen ein frisches Aussehen zu geben.</p> - -<p>Aber auch die Entleerungen der Menschen und Thiere befördern die -Verbreitung einer Cholera-Epidemie. In der Regel befinden sich die -Aborte im Garten neben dem Badezimmer, und die Abfuhr beider mündet in -eine Senkgrube, welche die verdünnten Fäces dem Boden mittheilt und das -Grundwasser verpestet.</p> - -<p>Dass die Cholera endemisch in Indien sei, lässt sich kaum bestreiten, -ohne dass wir die undeutliche Definition dieses Kunstausdruckes, welche -im Jahre 1876 von der indischen Regierung den Beamten zur Richtschnur -gegeben wurde, zur Basis dieser Behauptung nehmen.</p> - -<p>Sie lautet folgendermaassen: ... »zu erklären, dass eine Krankheit -dann <em class="gesperrt">epidemisch</em> genannt werden müsse, wenn sie den Stand -aller Krankheiten, wie er in gewöhnlichen Verhältnissen sich zeigt, -überschreitet, dass aber eine Krankheit dann <em class="gesperrt">endemisch</em> zu nennen -sei, wenn sie sich zwar beschränkt auf den Ort, wo sie entsteht, aber -gleichzeitig eine grosse Zahl Menschen angreift.«</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_195">[S. 195]</span></p> - -<p>Ich habe in Indien nur eine einzige Choleraleiche seciren sehen; ich -kann daher darüber nichts mittheilen, ob unter dem Einflusse des -Tropenklimas die Befunde der Choleraleichen andere als in Europa -seien. Was die Symptome dieser Krankheit betrifft, so will ich sie -unbesprochen lassen, weil sie dieselben wie in den gemässigten Zonen -sind. Ob mehr Europäer oder mehr Eingeborene der Cholera zum Opfer -fallen, ist deutlich aus den Militär-Krankenrapporten ersichtlich. -Ich habe vor mir die Rapporte von den Jahren 1878 bis 1885 und 1891 -bis 1895, also über 13 Jahre, und während jeder Epidemie erlagen -bedeutend mehr Europäer als Eingeborene dieser Seuche; auch die Zahl -der sporadischen Fälle spricht zu Gunsten der Eingeborenen.<a id="FNAnker_116" href="#Fussnote_116" class="fnanchor">[116]</a></p> - -<table class="cholera_3"> - <tr> - <td class="s5"> -   - </td> - <td class="s5"> - <div class="center">Europäer.</div> - </td> - <td class="s5"> - <div class="center">Eingeborene.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - 1878 - </td> - <td> - <div class="center"> 38</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 19</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - 1879 - </td> - <td> - <div class="center">  5</div> - </td> - <td> - <div class="center">  4</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - 1880 - </td> - <td> - <div class="center">  7</div> - </td> - <td> - <div class="center">  2</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - 1881 - </td> - <td> - <div class="center">410</div> - </td> - <td> - <div class="center">150</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - 1882 - </td> - <td> - <div class="center">262</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 72</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - 1883 - </td> - <td> - <div class="center">326</div> - </td> - <td> - <div class="center">128</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - 1884 - </td> - <td> - <div class="center"> 80</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 15</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - 1885 - </td> - <td> - <div class="center"> 69</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 35</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - 1891 - </td> - <td> - <div class="center">190</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 89</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - 1892 - </td> - <td> - <div class="center"> 91</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 34</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - 1893 - </td> - <td> - <div class="center"> 40</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 23</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - 1894 - </td> - <td> - <div class="center">—</div> - </td> - <td> - <div class="center">  2</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - 1895 - </td> - <td> - <div class="center">—</div> - </td> - <td> - <div class="center">  1</div> - </td> - </tr> -</table> - -<p>Die Behandlung der Cholera richtet sich in Indien nach den jeweilig -herrschenden Ansichten in Europa. So hat z. B. Dr. <em class="gesperrt">J. Gronemann</em>, -gewesener Leibarzt des Kaisers von Djocja, mit sehr viel Eifer auf -Grund der herrschenden Lehre der Bacteriologie die Creoline empfohlen. -Sein grosser Sanguinismus über den Werth dieses Heilmittels hat nicht -nur die indische Presse, sondern auch die von Holland ergriffen, und -als im Jahre 1897 die Cholera wieder in Surabaya epidemisch auftrat, -wurde eine Commission dahin geschickt, welche unter persönlicher -Leitung dieses alten Mannes die Creoline einer wissenschaftlichen -Untersuchung und Probe bei Cholerakranken unterziehen sollte. Als -endlich nach vielen Schreibereien diese Commission zusammengestellt -und mit Dr. <em class="gesperrt">Gronemann</em> in Surabaya angekommen war, wurden -die Cholerafälle mit jedem Tage weniger, so dass sie wegen Mangels -an Material unverrichteter Sache nach Hause gehen mussten. Dr. -<em class="gesperrt">Gronemann</em> ist kein Charlatan — ich kenne ihn persönlich — -sondern ein therapeutischer Optimist; in »de Locomotief« vom 5. -November<span class="pagenum" id="Seite_196">[S. 196]</span> 1896 empfahl er den Gebrauch (<em class="gesperrt">gereinigter</em>) Früchte zur -Cholerazeit, und schliesst mit folgenden Worten:</p> - -<p>»Nun noch folgende nicht unwichtige Mittheilung: Ein sehr bekannter -und renommirter Doctor-djawa wurde nach einem abseits gelegenen Ort -gesendet, wo in wenigen Tagen 40 Eingeborene an Cholera (oder an einer -der Cholera ähnlichen Krankheit) krank geworden und (<em class="gesperrt">Alle</em>) -gestorben waren. Er fand dort 10 neue — nach den Symptomen zu -urtheilen — an echter Cholera erkrankte Javanen. Eine bacteriologische -Untersuchung, welche allein ausmachen konnte, ob die Krankheit wirklich -die asiatische Cholera oder die Cholera nostras war, konnte nicht -gehalten werden. Aber beide Krankheitsformen, welche miteinander nahe -verwandt sind und unter derselben Erscheinung zum Tode führen, werden -durch Commabacillen verursacht, welche in den Darmcanal eindringen, -dort fortwuchern, untereinander sich nur wenig unterscheiden, und auf -gleiche Weise schnell und sicher durch Creoline getödtet werden.«</p> - -<p>»Der »Doctor-djawa« gab Allen Creoline nach meiner Methode, welche seit -mehr denn sieben Jahren von ihm angewandt wird. Von diesen 10 Patienten -starben noch 4, und 6 von ihnen blieben am Leben.«</p> - -<p>»Hierauf liess er <em class="gesperrt">alle</em> Kampongbewohner dieselbe Medicin als -<em class="gesperrt">Prophylacticum</em> gebrauchen, indem er ihnen weismachte, dass es -Wasser von Rum sei, welches die Teufel austreiben konnte, welche diese -Krankheit verursachten und ... kein einziger wurde wieder von der -Krankheit ergriffen.« »Practica est multiplex.«</p> - -<p>Ob seitdem diese Therapie der Cholera in die grosse Menge der indischen -Bevölkerung gedrungen sei, ist mir nicht bekannt; aber bis nun wurde -beim Ausbruch einer Cholera-Epidemie von der Regierung bis in die -kleinsten und abgelegensten Dörfer der »Choleratrank von Bleeker« in -hunderten und tausenden von Flaschen geschickt, weil die Eingeborenen -diese »Obat sakit parut« sehr gern nahmen.</p> - -<div class="rezept-container s5"> - <div class="rezept"> - <div class="csstab"> - <div class="cssrow"> - <div class="csscell left padright1">Rp.</div> - <div class="csscell left">Olei cajeputi p. II.</div> - </div> - <div class="cssrow"> - <div class="csscell left padright1"> </div> - <div class="csscell left">Olei menthae piperit. p. III.</div> - </div> - <div class="cssrow"> - <div class="csscell left padright1"> </div> - <div class="csscell left">Oxyd. aethyl. c. alcoh. p. XXX.</div> - </div> - <div class="cssrow"> - <div class="csscell left padright1"> </div> - <div class="csscell left">Vini opii aromatici p. XV.</div> - </div> - <div class="cssrow"> - <div class="csscell left padright1"> </div> - <div class="csscell left">M. D. S. Cholera-Essenz;</div> - </div> - </div> - </div> -</div> - -<p class="p0">davon 2 Esslöffel auf 1 Weinflasche (= 750 Gramm) filtrirtes Wasser -und davon jede ¼ oder ½ Stunde 1 Esslöffel zu nehmen.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_197">[S. 197]</span></p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Prophylaxis</em> der Cholera fällt mit der gegen die Malaria -zusammen, weil beide nicht nur theoretisch in die Klasse der -miasmatischen Krankheiten gehören, sondern auch factisch gleichzeitig -vorkommen. Da auch die dritte Geissel der Tropen, die Beri-Beri, eine -rein miasmatische Krankheit ist, so müssen alle prophylaktischen -Maassregeln des Staates gegen das Entstehen und Ausbreiten der einen -Krankheit auch den übrigen miasmatischen Krankheiten (worunter wir -auch in den Tropen den Typhus und die Dysenterie rechnen) zu Statten -kommen. Um also nicht in Wiederholungen zu verfallen, wird in dem -weiteren Capitel, welches die übrigen Krankheiten besprechen wird, die -staatliche Prophylaxis derselben nur angedeutet werden.</p> - -<p>Dieselbe erstreckt sich natürlich auf alle bekannten Quellen der -Miasmen und muss — Erreichbares anstreben, denn, wer das Höchste -anstrebt, wird das Hohe erreichen.</p> - -<p>Dazu gehören: Sümpfe, Reisfelder, Irrigation, Wasser, Abfuhr von -Fäcalien und Abattoirs.</p> - -<p><em class="gesperrt">Sümpfe</em> kommen nicht allein auf der Küste, sondern auch im -Gebirge vor, wo sie vulcanischen Ursprungs sind; darum sind auch nicht -alle Berg-Garnisonen frei von Malaria-Epidemien. Ein sprechendes -Beispiel hierfür ist z. B. die Stadt Ambarawa mit dem Fort Willem I. -Ausgedehnte Sümpfe (rawah) kommen auf Java in grosser Anzahl vor; der -berüchtigtste ist im Süden Javas bei Tjilatjap, wo ich im Jahre 1890 -in Garnison lag und von der Malaria stark heimgesucht wurde. Dazu -kommen die zahlreichen nassen <em class="gesperrt">Reisfelder</em> (sawah), welche wie ein -Mosaikbild die ganze Oberfläche Javas mit Farbennuancen vom Hellgelb -bis zum Dunkelgrün bedecken.</p> - -<p>Das Austrocknen der Sümpfe und die Beseitigung der nassen Reisfelder -wäre sicher eine radicale Maassregel; aber — beide sind unausführbar. -Im Jahre 1747 musste in Nordbrabant bei Steinbergen ein solches -Unternehmen unterbrochen und das Land wieder unter Wasser gesetzt -werden, weil die damit entstandene Exacerbation der Malaria-Epidemie -Tausende hinweggerafft hatte. Wie viel Opfer haben der Bau des -Hafens Tandjong Priok bei Batavia und von Tjilatjap gekostet, weil -die Arbeit in Sümpfen stattfinden musste. Die Sümpfe auf Java sind -zu gross, um vorläufig nur daran denken zu lassen, sie gleichzeitig -und in kurzer Zeit trocken legen zu lassen. So viel Geld und so viel -Menschenleben würde dieses kosten, dass »de remedie erger dan de kwaal« -= das Heilmittel ärger als die Calamität wäre. Wir haben ja noch -andere Mittel, um den schädlichen Einfluss der Sümpfe<span class="pagenum" id="Seite_198">[S. 198]</span> zu beseitigen -oder wenigstens zu verkleinern. Wir können sie sehr leicht zu Seen -verändern, welche immer mit einer hohen Wasserschicht bedeckt sind. -An Wasser ist wahrhaftig auf den Inseln des indischen Archipels kein -Mangel; so z. B. hatte Tjilatjap im October 1889 einen Regenfall von -1111 mm, und der geringste Wasserfall war im Januar, in welchem Monat 9 -Regentage mit 152 mm sich einstellten; im ganzen Jahre waren mehr als 4 -Meter Regen gefallen.<a id="FNAnker_117" href="#Fussnote_117" class="fnanchor">[117]</a> Das Eindämmen dieser zahlreichen Sümpfe und -Umwandeln derselben zu Seen erfordern keine grossen Summen Geldes und -gewiss nur wenig Menschenleben, so dass diese radicale Cur ins Reich -des Möglichen und Erreichbaren versetzt werden kann.</p> - -<p>Ein palliatives Mittel ist die theilweise Drainage der Sümpfe in der -Nähe von Dörfern und Städten durch Graben von Riolen um jedes Haus, -welche, zweckmässig untereinander verbunden, nicht nur das Regenwasser, -sondern auch das Grundwasser in grössere Canäle leiten und einem -Flusse zuführen würden. <em class="gesperrt">Soyka</em> sagt nämlich: Es lassen sich die -Beziehungen der Malaria zum Boden in folgenden Factoren zusammenfassen: -1. in der physikalischen und geographischen Beschaffenheit des -Bodens, 2. in der Durchfeuchtung desselben, und 3. in dem Gehalte -an organischen Stoffen. Den ersten Factor »die physikalische und -geographische Beschaffenheit des Bodens« müssen wir natürlich bei so -grossen Strecken, wie sie auf Java vorkommen, ausser Betracht lassen; -wir können vielleicht den Garten eines Hauses oder seinen Untergrund -oder vielleicht den Boden eines ganzen Dorfes in seiner Beschaffenheit -verändern, z. B. mit Sand oder einem Gemenge von Kalk und Sand oder -mit dem sogenannten Concrete pavement gegen das Eindringen von Luft, -Wärme und Feuchtigkeit schützen; aber <em class="gesperrt">unmöglich</em> kann von einer -Regierung verlangt werden, dieses auf Strecken von Millionen von -Hectaren anzuwenden.</p> - -<p>Auch die Durchfeuchtung solcher ausgestreckter grosser Ländereien -radical zu beseitigen, ist zu theuer; sie kann vermindert werden durch -gute Canalisirung der Städte oder durch Anbau von Pflanzen, welche -dem Boden viel Wasser entziehen, wie Eucalyptus, Sonnenblumen, Acacia -tomentosa u. s. w.</p> - -<p>Wenn aber durch Erdbeben oder durch vulcanische Ausbrüche<span class="pagenum" id="Seite_199">[S. 199]</span> solche tief -liegende Erdschichten aufgewühlt und auf der Oberfläche aufgeworfen -werden, welche mit irgend einer Wasserquelle in Verbindung standen -oder noch stehen, dann sind in der Regel diese neu entstandenen Sümpfe -oder Pfützen von so relativ unbedeutender Ausdehnung, dass der Staat -einschreiten kann, um das Entstehen einer neuen Quelle für miasmatische -Krankheiten zu verhüten, sei es durch die Anlage eines Dammes, -welcher den neuen Sumpf zu einem Teiche oder See umwandelt, oder -durch Drainage oder andere Wasserwege, welche den Sumpf entwässern. -Die nassen Reisfelder (sawah), welche ebenfalls eine reiche Quelle -von miasmatischen Krankheiten sind, werden von der Bevölkerung lieber -als die trockenen angelegt, weil das Erträgniss derselben reichlicher -als die der Ladang (trockenen Reisfelder) ist, und verdienen darum an -dieser Stelle einige Worte der Besprechung.</p> - -<p>Der Reis ist die Volksnahrung des ganzen Archipels und somit auch -Javas, und da nebstdem der Reisbau einen nicht unbeträchtlichen -Einfluss auf die Gesundheit Javas (sowie der übrigen Inseln) nimmt, so -glaube ich hier einiges über die Cultur, Eintheilung u. s. w. desselben -anführen zu müssen, wenn es auch etwas seitwärts von der Frage der -Prophylaxis der Cholera liegt.</p> - -<p>Ungefähr 80 Sorten des Reises soll es geben; darunter sind die -bekanntesten Kelán (Oryza glutinosa), Oryza sativa (Páddi),<a id="FNAnker_118" href="#Fussnote_118" class="fnanchor">[118]</a> Páddi -rawa (Oryza montana), Páddi tipar (Oryza praecox).</p> - -<p>Nach der Farbe des gestampften Reises spricht man von weissem, rothem -und schwarzem Reis. Beinahe ausschliesslich wird der weisse Reis von -den besser situirten Eingeborenen und Europäern gegessen; der rothe ist -viel billiger und wird am häufigsten in den Gefängnissen verabfolgt, -obzwar der weisse <em class="gesperrt">und nicht der rothe</em> Reis nach den letzten -Untersuchungen das Entstehen der Beri-beri veranlassen soll (??); -der bras itam (der schwarze Reis) wird nur im Nothfalle vom Menschen -gegessen, weil er einen unangenehmen adstringirenden Geschmack hat.</p> - -<p>Im ersten Theile Seite 70 habe ich bereits von dem hohen Nährwerthe -des Reises gesprochen und auch seine Bedeutung als Volksnahrung der -Eingeborenen hervorgehoben. Ich kann also<span class="pagenum" id="Seite_200">[S. 200]</span> sofort auf die Verhältnisse -hinweisen, wodurch die nassen Reisfelder zu einer reichlichen Quelle -der Malaria und anderer miasmatischer Krankheiten werden.</p> - -<p>Es ist ein kleines Feld, welches von dem benachbarten durch einen -schmalen Wall (galengan) getrennt ist. Die Felder liegen entweder in -der Ebene oder auf den Abhängen der Berge, auf welchen sie dann wie -breite Stufen den Berg bedecken. In beiden Fällen ist in sinnreicher -und kunstvoller Weise gesorgt, dass die Bewässerung der einzelnen -Reisfelder zu jeder Zeit und nach Belieben stattfinden könne. Zu -diesem Zweck wird einfach ein Loch in den Galengan gebohrt, und wenn -der Zufluss nicht mehr erwünscht ist, wird es wieder verstopft.<a id="FNAnker_119" href="#Fussnote_119" class="fnanchor">[119]</a> -Das Feld hat eine verschieden hohe Schicht Humus, welche durch -ihren Reichthum an organischen Stoffen durch die herrschende hohe -Temperatur und die Feuchtigkeit geradezu eine Reincultur für zahlreiche -Mikroorganismen und besonders für Miasmen ist.</p> - -<p>Die Aussaat geschieht nur in einem kleinen Theil des Feldes, welches zu -diesem Zwecke unter Wasser gesetzt wird. Hat der Reis eine Höhe von 40 -bis 50 Centimeter erreicht, wird der übrige Theil unter Wasser gesetzt, -und wenn die Erdschicht genug weich geworden ist, werden die jungen -Sprösslinge in gemessener Entfernung in den Grund gesetzt, und das -Feld bleibt mit einer niederen Wasserschicht bedeckt. Sobald der Reis -reif ist, wird das Wasser abgelassen und der Schnitt findet auf dem -ausgetrockneten Felde statt. Dies geschieht dreimal in zwei Jahren, und -dann bleibt das Feld brach liegen, oder wird, was häufiger geschieht, -ein »zweites Gewächs« gepflanzt, wie z. B. Leguminosen, indische -Knollenfrüchte oder <a id="Djagong"></a>Djagong (Mais). Zum Zwecke des neuen Reisbaues wird -das Feld wieder unter Wasser gesetzt und mit dem Büffel gepflügt.</p> - -<p>In Italien und Frankreich, in den englischen wie in den französischen -Colonien wurde vielfach diese Frage ventilirt, d. h. ob der Bau der -nassen Reisfelder Gefahren für die Volksgesundheit bringe, oder ob -diese Gefahren nur auf theoretischer Basis entstanden seien und auf -derselben Grundlage von Geschlecht zu Geschlecht irrthümlicherweise -sich überliefern.</p> - -<p>Mit mehr oder weniger Recht kann für Java der Einwand gemacht werden, -dass auf dieser Insel trotz der Anwesenheit der<span class="pagenum" id="Seite_201">[S. 201]</span> Sawahfelder die -Bevölkerung in diesem Jahrhundert so bedeutend zugenommen habe, dass -überhaupt keine Volkskrankheit von Bedeutung auf Java herrschen könne.</p> - -<p>Die Mortalität allein kann aber hierin nicht das entscheidende Wort -sprechen. Die Morbidität und das Allgemeinbefinden sind ja auch -Factoren, die in dieser Frage mitzusprechen haben.</p> - -<p>In Tjilatjap, der ärgsten Fieberhöhle von Java, wohnte eine europäische -Familie im Jahre 1891 seit 27 Jahren, eine zweite Familie seit 12 -Jahren u. s. w., ohne durch die dort herrschende Malaria zu leiden, -auch wenn diese zu der heftigsten Epidemie exacerbirte, der Tausende -und abermal Tausende erlagen; diese zwei Familien haben ebenso wie -Tausend andere der Eingeborenen eine gewisse Immunität erworben, die -ja, folgert Prof. <em class="gesperrt">Koch</em>, regelmässig mit dem Ueberstehen einer -Infection verbunden sein soll.</p> - -<p>Wenn man also behaupten will, dass der Sawahbau nicht schädlich sei, -weil die Bevölkerung trotz desselben mit jedem Jahre wachse, so müsste -man auch behaupten, dass die Sümpfe ungefährlich seien, und dass die -Malaria eine unschädliche Krankheit sei, weil trotz derselben die -Bevölkerung an Zahl zunehme; ja noch mehr; die grossen Sümpfe bei -Tjilatjap werden von dem Kindermeer begrenzt, welches, wie ich mich -persönlich überzeugt habe, seinen Namen mit Recht verdient: Eine -Unzahl von Kindern umschwärmte uns, als ich und eine Gesellschaft den -Kampong aufsuchte, welcher sich auf zwei Meter hohen Pfählen über der -Sumpffläche des Dorfes erhob.</p> - -<p>Entscheidend für die Schädlichkeiten der Sawahfelder ist allein die -Frage: Kommen in der Nähe derselben zahlreiche Fieberfälle vor, -welche aufhören, wenn die Sawahfelder aufgelassen werden? Dies -ist thatsächlich der Fall, und seit dem Jahre 1875<a id="FNAnker_120" href="#Fussnote_120" class="fnanchor">[120]</a> wurde die -Richtigkeit dieser Thatsache und Schlussforderung in zahlreichen Fällen -nachgewiesen. Die Sawahfelder sind also eine reichliche Quelle für die -Malaria; sie müssen also entweder abgeschafft oder unschädlich gemacht -werden.</p> - -<p>Nach dem ganz richtigen Principe der Holländer, die Eingeborenen so -viel als möglich in ihren Sitten und Gebräuchen zu<span class="pagenum" id="Seite_202">[S. 202]</span> lassen, könnte das -Abschaffen der Sawahfelder nur eine Frage der Zeit sein, d. h. man -könnte durch Belehrungen und durch andere Mittel der Ueberredung die -Javanen von der Schädlichkeit der Sawahfelder überzeugen, und es würde -bei dem Conservatismus der Javanen der Regierung zunächst gelingen -müssen, den Vortheilen des Baues trockener Reisfelder Anerkennung -zu verschaffen und erst die folgende Generation ihn in die Praxis -einführen zu lassen.</p> - -<p>Wenn jedoch, was mir nicht bekannt ist, das Erträgniss der Sawahfelder -um so viel das der Ladangs überragen sollte, dass dadurch das Interesse -des Volkes leiden sollte, dann kann man sich mit palliativen Mitteln -behelfen. Die Regierung kann ja verbieten, dass in einem Umkreise -von 250 Metern, welcher die öffentlichen Gebäude und eventuell die -Wohnstätte der Europäer und selbst die Kampongs umziehen würde, kein -nasses Reisfeld angelegt wird; es ist zwar richtig, dass ein Streifen -Land von 250 Meter Breite und vielleicht von 1 bis 2 Kilometer Länge -ein respectables Vermögen repräsentirt; aber mit diesem Vorschlag -ist ja noch nicht gesagt, dass dieser Streifen darum auch unbebaut -bleiben müsse; im Gegentheile, er müsste mit Garten-Anlagen versehen, -mit Fruchtbäumen als: <a id="Djerug"></a>Djerug, Mangistan, Advocaat, Duku, <a id="Langsat"></a>Langsat, -Kanaris, Tamarinda, Durian, Nangka u. s. w. bepflanzt werden, um das -Ueberstreichen der Miasmen zu verhüten.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Wasserbesorgung</em> bleibt für Indien immer eine schwierige -Frage, weil selbst artesische Brunnen nicht immer tadelfreies Wasser -liefern; sie wird weiter unten ausführlicher besprochen werden.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die Abfuhr der Fäcalien</em> ist in Java sowie auf allen Inseln -des indischen Archipels noch sehr primitiv. Als das Ideal derselben -gilt strömendes Wasser, über welchem sich der Abort befindet. Ein -grosser wasserreicher Strom erfüllt vielleicht (??) diesbezüglich alle -Anforderungen der modernen Hygiene. Solche kommen jedoch wenig auf -Java vor und können übrigens nur einer kleinen Anzahl von Wohnungen -hierin gute Dienste leisten; in der Regel durchziehen Riolen die Stadt, -welche zu wenig Wasser haben, um in ausgiebiger Weise die deponirten -Fäces in den benachbarten Strom zu bringen. Sehr häufig besitzen die -Häuser Senkgruben, welche alle Jahr einmal geleert werden. Natürlich -durchdringt der flüssige<span class="pagenum" id="Seite_203">[S. 203]</span> Inhalt den Boden und erreicht oft genug den -Brunnen. In den grossen Anstalten, Spitälern, Casernen und Gefängnissen -ist das Tonnensystem in Gebrauch; täglich werden von Sträflingen die -vollen Tonnen in den nahen Fluss (stromabwärts) entleert und gereinigt. -Die Eingeborenen gebrauchen für ihre Bedürfnisse am liebsten den Fluss, -auch wenn er selbst 2–300 Meter vom Hause entfernt ist; im andern Falle -haben sie im Garten eine Senkgrube, welche mit Brettern gedeckt ist.</p> - -<p>In den Deckel ist eine Oeffnung geschnitten, so dass der Eingeborene -seine Kunst im Hocken (Djongkok M.) auch bei dieser Gelegenheit üben -kann. Selbst wenn er als Bedienter bei seinem Herrn oder in einem -Hotel einen Sitzplatz findet, wird er nur darauf hockend oder stehend -davon Gebrauch machen. Aus hygienischen und Reinlichkeits-Gründen wäre -dieses Jedermann zu empfehlen, obwohl damit andere Unannehmlichkeiten -verbunden wären. Es ist aber nicht Jedermanns Sache, hockend einige -Minuten auf einem Brette stehen zu können oder zu wollen.</p> - -<p>Die Abfuhr der Fäcalien spielt in der Ausbreitung gewisser epidemischer -Krankheiten, wie z. B. der Cholera, des Typhus, der Dysenterie u. s. w. -eine grosse Rolle. Ich würde jedoch die Grenzen dieses Buches zu weit -überschreiten, wenn ich die Mittel besprechen wollte, welche Java von -dem schädlichen Einfluss dieser mangelhaften Canalisirung der Städte -befreien können.</p> - -<p>Von den auf <a href="#Seite_197">Seite 197</a> angeführten Factoren, welche in der Aetiologie -der Cholera eine Rolle spielen, werden die <em class="gesperrt">Abattoirs</em> in Java -am meisten stiefmütterlich behandelt. Das Thier wird in einer Schoppe -aus Bambus geschlachtet, das Blut wird von dem chinesischen und -europäischen Schlächter in grossen Töpfen aufgefangen und in der Küche -verwendet, während der Eingeborene es in die Riolen abfliessen lässt. -Die andern Abfälle werden in die nächste Senkgrube geworfen. Die -Haut der Rinder und die Hörner werden zu Industriezwecken verwendet, -und Niemand kümmert sich darum, ob die übrigen Abfälle durch das -Faulen in der freien Luft, in oder ausserhalb der Senkgruben die Luft -verpesten oder in der trockenen Zeit austrocknen, oder ob sie von den -»Gladakkers« = herrenlosen Hunden des nächsten Kampongs verzehrt werden.</p> - -<p>Die individuelle Prophylaxis der Cholera richtet sich in Java nach den -jeweiligen in Europa herrschenden Ansichten; bald wird<span class="pagenum" id="Seite_204">[S. 204]</span> Salzsäure, bald -Brandy in das Trinkwasser gegeben, bald wird nur gekochtes, bald gar -kein Trinkwasser getrunken, bald werden gar keine Früchte und bald nur -saure Früchte gegessen — auch gegen diese endemische Krankheit Javas -erwartet man von Europa nicht nur die Mittel der Behandlung, sondern -auch die der Prophylaxis.</p> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_205">[S. 205]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Capitel_8">8. Capitel.</h2> - -</div> - -<p class="center s4 mbot2"><b>Die Schiefertafel („Leitje“) — Die Wege der Fama — Lesegesellschaft -— Ein humoristischer Landesgerichtsrath — Abreise von Ngawie -— Ambarawa — Nepotismus in der Armee — In drei Tagen zweimal -transferirt — Vorschuss auf den Gehalt — Die Provinz Bageléen — -Essbare Vogelnester — In Tjilatjap — Polizeisoldaten — Beamte — -Sehenswürdigkeiten von Tjilatjap — Officiere in Civilkleidung — -Eingeborene Beamte — Gehalt eines Regimentsarztes — An Malaria -erkrankt — Djocja — Der Tempel Prambánan — Die „Tausend Tempel“ — -Wieder nach Ngawie — Spitalbehandlung der Officiere — Reibereien in -kleinen Städten — Die Provinz Surakarta — Der Kaffeebaum — Ein Roman -auf dem Vulcane „Lawu“.</b></p> - -<p class="p0"><span class="dc">A</span>m 10. Januar 1890 wurde meine Transferirung nach Willem I beschlossen. -Wie gewöhnlich erfuhr ich dies zunächst aus den telegraphischen -Nachrichten in der »Locomotief«, der besten, täglich erscheinenden -Zeitung von Indien. Ahnungslos sass ich Nachmittags um vier Uhr beim -Thee, als mich ein »Leitje« = »Schiefertafel« des Platz-Commandanten -davon verständigte. Es wird nämlich in Indien zum geselligen -schriftlichen Verkehr kein Papier, sondern das »Leitje« gebraucht, -welches aus einer doppelten Schiefertafel besteht. Auf die eine -schreibt man seine kurze Mittheilung, und auf die zweite kann der -Empfänger sofort die Antwort schreiben, weil sich der Griffel im -hölzernen Rahmen befindet. Dies ist eine sehr einfache und praktische -Correspondenz, welche voraussetzt, dass der Ueberbringer, der Bediente -oder die Babu (Zofe), es nicht lesen können, und dass kein indiscreter -Nachbar sie auffängt. Leider ist oft weder das Eine noch das Andere der -Fall, und werden Privatgeheimnisse bekannt, ohne dass der Verräther -eines solchen Geheimnisses geahnt wird.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_206">[S. 206]</span></p> - -<p>Ein solcher Fall trug sich auf Atjeh im Jahre 188. zu. Der Gouverneur -der Provinz, General v. T..., beschloss eines Tages, am anderen -Morgen eine grosse Expedition gegen die Atschinesen ausrücken zu -lassen, und besprach diese Angelegenheit mit den vier anwesenden -Bataillons-Commandanten. Diese Expedition musste geheim gehalten -werden, weil der Feind überfallen werden sollte. Am andern Morgen -wurde um drei Uhr Alarm geblasen, und die vier Bataillons-Commandanten -waren nach einer Viertelstunde an der Spitze ihrer Truppen. Da trat -plötzlich ein Hauptmann zu dem Oberst-Lieutenant B. und frug ihn, wie -spät er hoffe in Y. zu sein. »Wieso wissen Sie es, dass wir nach Y. -marschiren?« »O, dies habe ich gestern im Club gehört.« »Was? Sie haben -es gestern Abend im Club gehört, und wir vier Bataillons-Commandanten -haben dem General v. Th.. das Wort gegeben, die Expedition geheim zu -halten! Gehen Sie sofort zum General, ihm dieses zu melden; denn wenn -Sie es schon gestern im Club gehört haben, dann wissen es auch schon -die Atschinesen, und unsere Arbeit ist umsonst; ‚der Vogel ist sicher -geflogen‘.«<a id="FNAnker_121" href="#Fussnote_121" class="fnanchor">[121]</a> Der General war entrüstet, als er von diesem Vorfall -Rapport erhielt, liess die Truppen in die Caserne zurückgehen und -befahl dem Oberst-Lieutenant B., eine strenge und genaue Untersuchung -zu halten, von wem der Verrath ausgegangen sei. Alle Officiere, welche -den Abend vorher im Club gewesen waren, wurden vernommen, und endlich -fand man die Quelle des Verraths — bei dem Oberst-Lieutenant B., -welcher seinem Adjutanten ein »Leitje« mit dem Befehle geschickt hatte, -ihn den folgenden Morgen um 3 Uhr von der Wohnung abzuholen.</p> - -<p>Abends um 7 Uhr kamen alle Officiere und bekannte Bürger zu mir, um mir -zu meiner Transferirung zu »felicitiren«. Die Veranda meines Hauses -hatte zwei ovale Tische, um welche Schaukelstühle und gewöhnliche -Stühle standen; diese waren chinesisches Fabrikat und aus Djattiholz -(Tectonia grandis) verfertigt. An der Mauer hingen zwei Oleographien -nach Defregger, und dazwischen befanden sich einige kleine Etagèren für -Blumentöpfe. Diese Etagèren waren von einem Javanen aus dem schweren -und harten Djattiholz geschnitten; sie verriethen ebenso viel Kunstsinn -als Geschmack und hätten jedem europäischen Holzkünstler Ruhm und viel -Geld eingetragen; sie stellten zwei schnäbelnde Tauben dar, welche ein -Brettchen<span class="pagenum" id="Seite_207">[S. 207]</span> auf dem Rücken trugen. Der Künstler war damals schon ein -alter Mann, so dass er leider nur noch kurze Zeit für seine Kunst leben -konnte.</p> - -<p>Kein einziger der Besucher dachte daran, mir und meiner Frau etwas -anderes als den Glückwunsch auszusprechen, endlich von diesem »Neste« -befreit zu werden. Es ist wahr, dass Ngawie eine hohe mittlere -Temperatur hatte; aber es hatte damals »ein gesundes Klima«. Es ist -wahr, dass die Zahl der Europäer sehr klein war; die Garnison hatte -1 Major, 2 Capitäns und 4 bis 5 Lieutenants; von den Bürgern konnten -mit uns auch nur 8 Familien verkehren, so dass der gesellschaftliche -Verkehr sich auf 15 Familien beschränken musste; solche kleinen -Garnisonen haben aber den Vortheil, dass ein gemüthlicher und -geselliger Verkehr leicht zu Stande kommt.</p> - -<p>Eine grosse Stadt bietet eine grosse Auswahl im Kreise der Bekannten, -es giebt in Batavia, Samarang u. s. w. zahlreiche Musikvereine, es -besteht eine Theatergesellschaft von Dilettanten, oder es kommen hin -und wieder Opern- und Operettengesellschaften aus Europa und führen -in mittelmässiger Qualität die letzten Novitäten (?) in einem dazu -bestimmten Gebäude auf, es giebt wissenschaftliche Vereine, Museen, -welche dem Amateur Sehenswerthes in Hülle und Fülle bieten. In den -zahlreichen Geschäften können die Damen, wenn auch oft nur um hohe -Preise, der Mode ihre unvermeidlichen Opfer bringen. Die grossen -Entfernungen bieten nicht nur zahlreiche Spazierwege, sondern zwingen -auch, eine Equipage zu halten, um damit auch täglich ausfahren zu -können und sich den thatsächlich hohen Genuss zu gönnen, sich um 6 Uhr -beim Scheiden der Sonne an dem sanften Zephyrwinde zu erfrischen, der -dem in der Equipage Sitzenden die Schweisstropfen trocknet.</p> - -<p>Ngawie war dagegen eine kleine Garnison und hatte nur eine kleine -Auswahl der gesellschaftsfähigen Menschen, während der Ort selbst -nichts, gar nichts zur Abwechslung in dem täglichen monotonen Leben -bot; die Menschen schliessen sich also mehr an und — manchmal -entwickelt sich ein Freundschaftsverhältniss, das einen Ersatz für -alle Vorzüge der Grossstadt bietet. Für jeden Fall jedoch wird man -gezwungen, in »der Familie das Glück zu suchen«. Für die Zerstreuung -wird durch die »Büchsen« gesorgt. Wo nur zehn Europäer wohnen, wird -eine »Lesegesellschaft« errichtet, welche einen »Director« wählt. -Durch einen monatlichen Beitrag von 4 bis 5 fl. wird<span class="pagenum" id="Seite_208">[S. 208]</span> von den 10 -bis 15 Mitgliedern eine hinreichende Summe zusammengebracht, um auf -die bedeutendsten und bekanntesten europäischen Wochenschriften in -der holländischen, deutschen, französischen und englischen Sprache -zu abonniren; man wird in jeder Lesegesellschaft ebenso gut die -»Fliegenden Blätter« als die französische »L’Illustration« oder den -englischen »Punch« finden. Die bedeutendsten Romane kommen sofort -in die Hände des indischen Publicums, und nur wenn der »Director« -der Lesegesellschaft die Wahl der Bücher dem Buchhändler überlässt, -kommen Bücher »in die Büchsen«, welche für ein ganz anderes Publicum -bestimmt sind, als für das in Indien, welches gewöhnt ist, die besten -und neuesten Bücher zu lesen, auch wenn sie so theuer sind, dass der -Einzelne sich bedenken würde, sie zu kaufen. Die Wahl der Bücher und -Wochenschriften wird darum in der Regel den Mitgliedern überlassen; zu -diesem Zwecke wird in dem Monat September an diese eine Liste aller -möglichen Wochenschriften gesendet, und Jeder giebt an, von welcher er -ein neues Abonnement wünscht. Der »Director« entscheidet hierauf im -Verhältnisse zum Stande der Casse, was für das nächste Jahr bestellt -werden müsse. Dieser hat aber noch eine zweite und eine dritte Quelle -der Einnahmen. Zunächst haben viele Lesegesellschaften »Nachlesers«, -d. h. Menschen, welche aus verschiedenen Ursachen sich begnügen, die -Wochenschriften und Romane zu lesen, nachdem sie alle Mitglieder -ausgelesen haben. Der Eine thut es, weil er als Nachleser nur 2 oder -1½ fl. monatlich zu bezahlen hat; ein Zweiter kann einfach nicht -Mitglied werden, weil eine gewisse Zahl Mitglieder nicht überschritten -werden darf. Um auf dem Laufenden der Ereignisse in Europa zu bleiben, -wünscht natürlich jedes Mitglied bei Ankunft der Wochenschriften und -Bücher sofort wenigstens von zwei oder drei derselben das Exemplar zu -erhalten. Der Director sorgt also dafür, dass jede Woche Jeder der -Mitglieder in seiner »Trommel« eine oder zwei Nummern der zuletzt -erschienenen Zeitschriften erhält; diese »Trommeln« circuliren dann -jede Woche <em class="gesperrt">einmal</em>, und wenn 15 Mitglieder sind, bekommt jedes -Mitglied die meisten Zeitschriften, wenn sie schon 15 Wochen alt sind; -das ist natürlich selbst für Indien, wo man gewöhnt ist, erst in 4 bis -5 Wochen einen Brief aus Europa zu erhalten, eine veraltete Lectüre. -Darum wird eine gewisse Anzahl der Mitglieder nicht überschritten, -und jeder Candidat wird so lange »Nachleser«, bis er zum Mitgliede -avanciren kann. Dann giebt es<span class="pagenum" id="Seite_209">[S. 209]</span> Pflanzer oder Beamte oder selbst -Officiere, welche sich allein auf abgelegenen Plätzen befinden und -wegen grosser Entfernung nicht jede Woche eine »Trommel« erhalten -können; sobald eine Transportgelegenheit besteht, schickt ihm der -Director der Lesegesellschaft alle von den Mitgliedern gelesenen Bücher -und Zeitschriften, welche er seinerseits wieder zurückschicken muss.</p> - -<div class="figcenter illowe50" id="fig14"> - <img class="w100" src="images/fig14.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Fig. 14. Reichsinsignien, getragen von den Serimpis zu - Djocja, nach Dr. <em class="gesperrt">Gronemann</em>.</div> - <div class="caption_gross x-ebookmaker-drop"><a href="images/fig14_gross.jpg" - id="fig14_gross" rel="nofollow">⇒<br /> - <span class="s6">GRÖSSERES BILD</span></a></div> -</div> - -<p>Da für jede Beschädigung eines Buches oder einer Wochenschrift Strafe -bezahlt werden muss, so sind dieselben, trotzdem sie während 15 Wochen -durch die Hände von 15 Familien gegangen sind, dennoch in einem so -guten Zustande, dass sie mit oder ohne kleine Reparaturen wieder auf -Auction gebracht werden können. Der Director hält nämlich am Ende -des Jahres eine Versammlung der Mitglieder ab, um Bericht über den -Stand der Casse und über die Wahl der Bücher für das nächste Jahr zu -erstatten, eine Wahl des Directors und Cassirers vorzunehmen, und zum -Schlusse wird bei einem Glas Bier oder einem Gläschen Genevre eine -Auction der ausgelesenen Bücher und Zeitschriften gehalten. Der Ertrag -fliesst in die Casse der Lesegesellschaft, und die »Illustrationen« -wandern in die Kinderstube, um von den Kindern ausgeschnitten zu -werden, oder in die Zimmer kleiner eingeborener Häuptlinge oder -europäischer Beamten, oder werden von den Käufern an die Bibliothek des -nächsten Spitales oder der nächsten Militär-Cantine verschenkt.</p> - -<p>Diese »Lesegesellschaften« sind also für Indien geradezu ein -bedeutender Factor der Volkserziehung, und Alt und Jung und Reich und -Arm lesen in Indien viel mehr, als es ihre Standesgenossen in Europa -thun.</p> - -<p>Für mich und meine Frau war also der erste Aufenthalt in Ngawie -keinesfalls bedauernswerth gewesen, und den Glückwünschen unserer -Bekannten konnten wir das Bedauern entgegensetzen, Ngawie verlassen zu -<em class="gesperrt">müssen</em>, wo wir »gemüthliche und gesellige« Tage verbracht und -gute und brave Menschen zu Freunden erworben hatten.</p> - -<p>Unter den Anwesenden befand sich auch der Landesgerichtsrath Mr. X..., -welcher sich stets eines besonders guten Humors erfreute, und in -dessen Gesellschaft die Langeweile sich niemals einstellte. Plötzlich -erhob er sich von seinem Sessel und verlangte mit feierlicher und -ernster Miene, das Wort an den scheidenden Kameraden richten zu -können; in seiner Eigenschaft als »Präsident van den Landraad« müssten -ihm alle Geheimnisse der Bewohner Ngawies<span class="pagenum" id="Seite_210">[S. 210]</span> bekannt sein, und dank -dieser Wissenschaft sei ihm zu Ohren gekommen, dass ein grosses Fass -ungarischen Weines seit vierzehn Tagen in meiner Speisekammer ruhe und -nur warte, von seinem köstlichen Inhalte befreit, d. h. in Flaschen -abgezogen zu werden. »Wenn unser Aesculapius,« fuhr er fort, »Ngawie -verlässt, dann dürfe dieses Fass, gefüllt mit feurigem Ungar-Wein, -diesen Garnisonplatz nicht verlassen, es müsse in Ngawie bleiben, wo es -durch seinen vierzehntägigen Aufenthalt Bürgerrecht erhalten habe und -gewissermaassen Eigenthum der Stadt geworden sei. Wenn die anwesenden -Officiere und Bürger das fluchwürdige Vorhaben des Hausherrn, den Wein -nach Willem I mitnehmen zu wollen, ebenso entrüstet verurtheilen und -verdammen würden, wie er es thue, dann sei er überzeugt, dass eine -solche Fahnenflucht nicht werde stattfinden können. Er schlage also -vor, das Haus des Dr. Breitenstein nicht zu verlassen, sondern aus -der Cantine die Korkmaschine holen zu lassen und sofort mit vereinten -Kräften ans Werk zu gehen, d. h. mit dem Abzapfen des Fasses Wein -zu beginnen.« Mit lautem Hurrah wurde dieser Vorschlag von Allen -angenommen — bis auf meine Frau.</p> - -<p>Mit stummem, flehendem Blick sah sie bald mich, bald den Friedensstörer -an, der ihr auf diese Weise plötzlich zehn Gäste zum Abendessen auf -den Hals schaffen wollte. Herr X... verstand diesen stummen, jedoch -vielsagenden Blick und fuhr in seiner Rede fort: »Meine Herren und -Damen; blicken Sie jetzt in das Antlitz unserer hochverehrten Hausfrau; -ist in diesen edlen Zügen nur ein kleines Winkelchen Platz für das -schädlichste aller Laster, für den Geiz? Ich weiss es durch meine -Spione, welche alle Geheimnisse von Ngawie verrathen, dass in der -Speisekammer dieser Dame herrliche Conserven aufgespeichert liegen, -und doch erbleicht sie bei dem Gedanken, uns bewirthen zu müssen; aus -Geiz, nein, dieser edlen Seele sind alle Laster fremd, also auch das -des Geizes. Aber meine Herren und Damen, mein scharfes Auge durchblickt -nicht nur die Mauern der Speisekammer, sondern auch die des Herzens -unserer Hausfrau. Dort, in der Speisekammer, sehe ich nämlich Büchsen -mit Erbsen, Spargel, geräuchertem Lachs, Sardinen, condensirter -Milch, Krebsen, amerikanischen Früchten, Erbsensuppe, Kalbsbries und -geräucherten Heringen; hier in der Tiefe des Herzens sehe ich die Sorge -der Ohnmacht, eine so ansehnliche Schaar hungriger und durstiger Gäste -in würdiger Weise nach alter indischer Gastfreundschaft<span class="pagenum" id="Seite_211">[S. 211]</span> bewirthen -zu können. Meine Herren und Damen! erleichtern wir aber auch die -Sorge und Mühe unserer Gastfrau; es ist beinahe 8 Uhr; auf Jeden von -uns wartet zu Hause eine Schüssel Suppe, ein Stück Beefsteak mit -Erdäpfeln u. s. w.; lassen wir Boten nach allen Richtungen der schönen -und grossen Stadt Ngawie geflügelten Fusses eilen, dass uns unser -Abendessen hierher gesendet werde, und dem improvisirten Picknick folge -dann die schöne und süsse Arbeit des Abzapfens.« So geschah es. Um -9 Uhr begann das improvisirte Souper, und um 10 Uhr die Arbeit. Die -Bedienten, welche diese Arbeit schon früher einige Male gethan hatten, -wurden suspendirt, an ihre Stelle traten die Gäste. Der Eine sass am -Fussschemel, um die Flaschen zu füllen, der Zweite nahm sie ihm aus der -Hand, ein Dritter brachte sie nach der Korkmaschine, ein Lieutenant -tauchte sie in das flüssig gemachte Dammar (= Harz) u. s. w. Natürlich -hatte Jeder sein Glas und benutzte jeden freien Augenblick, mit ihm zum -Krahn zu gehen und sich »frisch vom Zapfen« den Labetrunk zu holen. Im -Hause selbst spielte bald meine Frau, bald eine der geladenen Damen -am Piano fröhliche Studentenlieder, und um 12 Uhr waren 450 Flaschen -gefüllt und gelackt in der Speisekammer. Als das Fass leer war, wurde -es von vier Herren auf die Schulter genommen und unter den Klängen -des Trauermarsches von Chopin rund um das Haus getragen und im Garten -begraben.</p> - -<p>Am andern Morgen bekam der Platz-Commandant die officielle Mittheilung -von meiner Transferirung. Dr. X... sollte mich ablösen, und nach -Uebergabe des »Dienstes in seinem ganzen Umfange« sollte ich nach -Ambarawa gehen und mich unter die Befehle des »Eerstanwezenden -Officiers van Gezondheid« von Willem I stellen. Da zu erwarten war, -dass mein Nachfolger noch vierzehn Tage auf sich werde warten lassen, -hatte ich genug Zeit, alle vorbereitenden Maassregeln für die Auction -meiner Einrichtung treffen zu können. Ich konnte mit Sicherheit auf -<em class="gesperrt">keinen</em> günstigen Erfolg meiner Auction rechnen, und besprach -also mit dem Auctionator für diesen Fall, meine Einrichtungsstücke -nicht à tout prix zu verkaufen. Für jedes einzelne Stück »limitirte« -ich den niedrigsten Preis und besprach zu gleicher Zeit mit dem -Stationschef die Miethe eines halben Waggons für meine Möbel und -Koffer und eines Wagens für meine Equipage und für meine beiden -Pferde. Endlich kam mein Nachfolger Dr. X., dem ich den Dienst sofort -übergab, und ich bekam<span class="pagenum" id="Seite_212">[S. 212]</span> dann vier Tage frei, um meine »persönlichen -Angelegenheiten regeln zu können«. Herr v. d. V... bot mir für die -letzten Tage meines Aufenthaltes in Ngawie in liebenswürdiger Weise -Gastfreundschaft in seinem Hause an und gab den Abend vor meiner -Abreise mir zu Ehren ein Abschiedsfest. Am 24. Februar war die -Auction, welche mich insofern befriedigte, als die grossen Stücke, wie -Pianino, Kasten, Equipage und Pferde zwar keinen Abnehmer gefunden -hatten, die kleineren Gegenstände aber, als Nippessachen, Service -u. s. w. doch noch um 817,40 fl. verkauft wurden. Nach der Auction -liess ich das Pianino und die übrigen Möbelstücke mit den Kisten auf -drei Frachtwagen, welche mit Ochsen bespannt waren, laden und sie in -der Nacht um 3 Uhr von Ngawie wegfahren. Als ich am andern Tage, den -25. Januar, um 7 Uhr nach Paron kam, war alles bereits in den Waggon -geladen, und ich verliess Ngawie nach einem Aufenthalte von 16 Monaten -in einer angenehmen Stimmung. Die Verdriesslichkeiten, welche ich -im Dienste erfahren hatte, traten in den Hintergrund vor den vielen -Beweisen der Freundschaft und Sympathie, deren ich mich erfreuen -konnte. Für den Transport meiner Möbel, für mich, meine Frau und zwei -Bediente bezahlte ich 210 fl. 97 Ct.<a id="FNAnker_122" href="#Fussnote_122" class="fnanchor">[122]</a></p> - -<p>Die Reise ging mit der Eisenbahn zunächst nach Solo auf der Staatsbahn; -hier musste ich umsteigen, weil die Privatbahn Samarang-Fürstenländer -schmalspurig ist, und musste das Gepäck mit meinen Pferden -zurücklassen; der Kutscher erhielt den Befehl, bei den Pferden zu -bleiben und das Ueberladen derselben auf die andere Linie zu leiten. -Eine halbe Stunde später setzte ich meine Reise fort bis Kedong-Djati, -wo eine Zweigbahn mich nach Ambarawa mit dem Fort Willem I brachte. -Hier kam ich um 6 Uhr Abends an und fand zu meiner Ueberraschung Dr. -K., meinen Landsmann und Studiengenossen, welcher bereits im Jahre 1874 -nach Indien gegangen war, als meinen künftigen Chef vor.</p> - -<p>Obwohl ich mich nur zwei Tage und drei Nächte in Ambarawa aufhielt, -weil, wie wir sofort sehen werden, ich schon am 28., also drei (!!) -Tage später nach Tjilatjap transferirt wurde, so glaube ich doch -einiges über diesen Ort und seine Festung Willem I mittheilen zu müssen.</p> - -<p>Ambarawa und das genannte Fort liegen 476 Meter hoch auf dem Fusse -des Ungarang (2048 Meter absoluter Höhe) und grenzen<span class="pagenum" id="Seite_213">[S. 213]</span> im Süden an den -grossen Sumpf (Rawa Peníng), welcher, wie der ganze Thalkessel von -Ambarawa, einem vulcanischen Einsturze sein Entstehen verdankte; das -von dem umgebenden Berge strömende Wasser ergiesst sich in den Sumpf, -um weiter als Fluss Tuntang, mit dem Fluss Demak vereint, der Javasee -zuzuströmen. Ich hatte späterhin oft Gelegenheit, von Magelang aus -per Wagen nach Ambarawa zu fahren, und immer war ich entzückt von dem -schönen Panorama, welches sich um das Thal von Ambarawa nach allen -Seiten ausbreitete; zahlreiche Dessas (Dörfer) umgeben den Rand des -Sumpfes und die anliegenden Berghügel, die Sawahfelder in aller ihrer -Farbenpracht, vom sanften Grün des jungen Reises bis zum Dunkelgelb des -alten Reisstrohes. Zahlreiche Gemüsefelder und Fruchtbäume umsäumen die -Peripherie des Sumpfes, welcher durch passende Ableitung des Wassers -theilweise urbar gemacht war. Im Süden erheben der Telamaja (1883 Meter -hoch) und der <a id="Merbabu"></a>Merbabu (3116 Meter hoch) stolz ihre Häupter, und bei -reiner Abendluft sieht man im Hintergrunde aus dem Merapi (2866 Meter -hoch) den Rauch zum Himmel steigen.</p> - -<p>Ambarawa selbst besteht aus den vier Ortschaften Pandjang, Ambarawa, -Losari und Kupang, während das Fort Willem I 1½ Kilometer im Süden -dieser Hauptstadt des gleichnamigen Bezirkes liegt. Nebst den -Eingeborenen befinden sich dort einige hundert Chinesen, einige -Araber, Mooren und Bengalesen. Auf dem Berge Ungarang befindet sich -ein Sanatorium, vielleicht in dem schönsten Theile Javas gelegen. -<em class="gesperrt">Veth</em> giebt seiner Bewunderung über dieses schöne Panorama mit -folgenden Worten Ausdruck:</p> - -<p>»Dieser Bergrücken (sc. Kendil), welcher nicht mehr als 1½ km Luftlinie -von Ambarawa entfernt ist und sich 300–350 Meter über das Thal erhebt, -bietet eine Aussicht, welche unter die schönsten gerechnet werden -kann, die Java zu geniessen giebt. Das reich bevölkerte Ambarawa, -das Lager und die Festung sieht man zu seinen Füssen liegen, und -wenn man dahinter den Blick über das Thal schweifen lässt, sieht man -dieses wie ein Schachbrett in Fächer vertheilt. Hier wird ein Feld -von Karbouwen für die neue Ernte gepflügt, dort prangt ein anderes im -lichten Grün der jungen Reishalme; hier ist ein drittes in das dunkle -Kleid von altem Reis gehüllt, und ein viertes ist gelb gefärbt von -den Aehren, welche unter der Last der Reife ihr Haupt neigen. Kleine -Wälder von Fruchtbäumen, welche die zu Dörfern vereinigten Wohnungen -der<span class="pagenum" id="Seite_214">[S. 214]</span> Eingeborenen verbergen, liegen wie Inseln zerstreut dazwischen. -Blickt man weiter hinein in den Thalkessel, dann sieht man ein grosses, -weites, graues Feld, neben grossen Wasserpfützen, welches weder Acker -noch Haine führt. Es ist der Sumpf, welcher durch seine todte Kahlheit -ebenso sehr absticht bei der weniger reich bevölkerten und bebauten -Gegend, welche sich an der anderen Seite ausbreitet, als bei jener, -welche sie von Ambarawa scheidet. Aber was besonders dieses Panorama so -ergreifend macht, das sind die grossen Bergprofile, welche jenseits den -Thalkessel begrenzen: Im Vordergrund der Kelir, Wiragama und Telamaja, -und fern im Süden der breite Scheitel des stolzen Merbabu.«</p> - -<p>Das Fort selbst wurde im Jahre 1833 von dem General <em class="gesperrt">van den -Bosch</em> als Mittelpunkt der Vertheidigung von Java hier angelegt, -weil sich hier der grosse Weg vom Norden nach dem Süden in zwei Arme -theilt und somit von den Kanonen des Forts bestrichen werden kann, und -weil das Terrain eventuell unter Wasser gesetzt werden kann. Nun, die -Vertheidigungsfähigkeit dieser zwei Strassen durch das Fort Willem I -wird heutzutage von Niemandem mehr anerkannt, und ein europäischer -Feind würde mit zwei Mörsern und zwei Gebirgskanonen, welche sich auf -dem Telamaja oder Kelir befinden würden, bald das Feuer aus dem Fort -zum Schweigen bringen.</p> - -<p>Die Vertheidigung Javas gegen einen europäischen Feind ist schon seit -Jahrzehnten die ununterbrochene Sorge der Regierung, und die stets -wechselnden Armee-Commandanten brachten zwar auch stets neue Ansichten, -aber das Endresultat ist gleich Null; denn das Anlegen von starken -Centren in den drei Militär-Abtheilungen von Java im Innern des Landes, -von wo aus im gegebenen Falle die Truppen nach allen Richtungen der -Windrose dirigirt werden können, ist alles, was bis jetzt geschehen -ist. Der heuer ernannte General-Gouverneur von Indien ist ein Militär, -und zwar der General <em class="gesperrt">Rozeboom</em>, welcher, wie mitgetheilt wird, -in Holland durch seine Arbeiten auf dem Gebiete der Festungsbauten -eine Autorität ist; wenn auch während seiner Regierungszeit,<a id="FNAnker_123" href="#Fussnote_123" class="fnanchor">[123]</a> -welche für fünf Jahre festgestellt ist und verlängert werden kann, -der Wechsel des Armee-Commandanten vielleicht derselbe wie früher -sein wird, so kann diese Lebensfrage in Indien ernstlich in Angriff -genommen werden. Im Laufe der letzten Jahre hat das Armee-Commando -sich nur<span class="pagenum" id="Seite_215">[S. 215]</span> mit der »Reorganisation« der Armee<a id="FNAnker_124" href="#Fussnote_124" class="fnanchor">[124]</a> beschäftigt und -die Rolle eines Despoten sich angeeignet, wobei natürlich ein -Missbrauch dieser absoluten Gewalt nicht ausgeschlossen blieb. Der -neue General-Gouverneur kann also die Frage der Vertheidigung Javas -selbst in die Hand nehmen und hin und wieder den Herrschergelüsten -des Armee-Commandanten mit seiner Autorität entgegentreten; unter den -früheren Armee-Commandanten war es bekannt, dass sie keine andere Sorge -hatten und kannten, als missliebige Personen zu entfernen und ihren -Freunden ein schnelles Avancement zu besorgen, unter dem passenden -Vorwande: Junge Kräfte und junges Blut in die höheren Rangstufen zu -bringen. Natürlich trat die Regierung in Holland dieser Verschwendung -entgegen, welche oft ein bitteres Unrecht gegen die davon Betroffenen -involvirte. Aber sie fanden einen Ausweg; was die Oberregierung in -Holland officiell verweigerte, erreichten sie durch »hinausekeln«. Dazu -sollte manchmal das ärztliche Corps Handlangerdienste leisten. Ich sass -beinahe fünf Jahre in der Superarbitrirungs-Commission und hatte als -ältester (nach dem Chef) das Referat auszuarbeiten. Dessen kann ich -mich jedoch rühmen: ich habe mich immer objectiv gehalten, und wenn -auch z. B. in den Zuschriften des Armee-Commandanten mitgetheilt wurde, -»dass natürlich unter solchen Verhältnissen nicht zu erwarten sei, -dass Hauptmann X. in Zukunft gesund bleiben werde« u. s. w., und wenn -auch der Chef der Commission diesen Wink mit dem <a id="Zaunpfahl"></a>Zaunpfahl verstehen -wollte, so liess ich mich dadurch in meinem Referat nicht beirren. Da -ich auf dieses widerliche Bild nicht mehr zurückkommen werde, so will -ich an dieser Stelle den Nepotismus in der indischen Armee skizziren, -ohne jedoch in Details zu verfallen. Der Regimentsarzt X. ist verwandt -und befreundet mit dem Armee-Commandanten und möchte gern schnell -Stabsarzt werden, ohne solche aussergewöhnlichen Leistungen aufweisen -zu können, welche ein aussertourliches Avancement<a id="FNAnker_125" href="#Fussnote_125" class="fnanchor">[125]</a> rechtfertigen -könnten. Capitän Y. möchte gern sobald als möglich den Dienst als -Major verlassen, um mit einer Pension von 2800 fl. in patria in der -Kraft seines Lebens noch eine Civilstellung annehmen zu können. Die -Vordermänner stehen ihnen im Wege, es wird also das Leid direct oder -indirect dem hohen Freund und Gönner geklagt. Dieser spricht natürlich -gegenüber<span class="pagenum" id="Seite_216">[S. 216]</span> den Chefs dieser Vordermänner das Bedauern aus, dass seine -gute Absicht in Holland aus falschen Sparsamkeitsrücksichten nicht -gewürdigt wurde, und dass also altersschwache<a id="FNAnker_126" href="#Fussnote_126" class="fnanchor">[126]</a> Männer ohne Energie -den goldenen Kragen bekämen. Dieser versteht den Wink und beginnt zu -»suchen«.</p> - -<p>»Wer einen Hund schlagen will, findet immer einen Stock«, und ich sah -oft die unwürdigsten Mittel anwenden, um ein solches Hinderniss aus -dem Wege zu räumen. Nepotismus und Protection kommen leider überall -vor; aber in einer kleinen Armee machen sie sich mehr als in einer -grossen fühlbar und kommen schneller zum Bewusstsein aller Officiere; -es entwickelt sich dadurch auch ein Servilismus, der geradezu lähmend -auf den ganzen Dienst wirken muss. Es ist zu hoffen, dass das Princip -der strengen Anciennität, welche das Gesetz vorschreibt, nicht wieder -auf so schändliche Weise umgangen wird, als es unter den früheren -Armee-Commandanten geschah. Doch genug von diesen Uebelständen in der -indischen Armee.</p> - -<p>Die Vertheidigung Javas gegen einen europäischen Feind resp. Amerika -ist also die Hauptsorge des neuen General-Gouverneurs; so wenig es mir -möglich ist, mich mit dieser Sache zu beschäftigen, so glaube ich auf -einen Factor hinweisen zu müssen, der früher als Axioma galt, heute -aber gewiss an Bedeutung verloren hat. Dieses Axioma lautet: Die beste -Vertheidigung Javas ist — sein Klima; ein europäischer Feind, der auf -Java landet, würde schon in den ersten Tagen ⅓ seiner Bemannung durch -Fieber, Dysenterie oder Cholera verlieren. Dieses <em class="gesperrt">war</em> wahr, hat -aber heute seine Richtigkeit verloren; die Lehren der Hygiene sind -Gemeingut geworden, und die Verluste einer fremden Macht würden nicht -viel grösser sein als die der indischen Armee. Sie würde, um nur ein -Beispiel anzuführen, für gutes Trinkwasser sorgen, und die Morbidität -der Truppen würde ebenso klein bleiben wie sich die Mortalität nur um -geringes steigern würde.</p> - -<p>Das Fort Willem I wird gewiss in dem zukünftigen Vertheidigungsplane -eine untergeordnete Rolle spielen, z. B. als Depot für Kriegsmaterial, -wie das benachbarte Banju-Biru, welches jetzt die Hauptstation für die -Feld- und Berg-Artillerie ist.</p> - -<p>Bei meiner Ankunft wurde mir eine Wohnung ausserhalb des Forts -angewiesen, und zwar im sogenannten »Campement«; d. h. die<span class="pagenum" id="Seite_217">[S. 217]</span> Bureaux -und die Wohnungen der Officiere, welche im Fort selbst keinen Platz -hatten, befanden sich vor der ersten Zugbrücke, und zwar in der Nähe -des grossen Postweges, welcher bei Samarang beginnt und bei <a id="Baven"></a>Baven -sich in zwei Arme theilt. An der Ecke des »Campements« befand sich -das »Windhaus«, welches mir zugewiesen wurde, und ich ersuchte »die -Genie«, solche Veränderungen des Hauses vorzunehmen, dass es von dem -Zuge nicht belästigt würde. Durch Abschliessen einiger Fenster sollte -dies geschehen, und so verliess ich am 28. das Hotel, um meine neue -Wohnung zu beziehen; meine Möbel, Kisten und Koffer waren am 27. -Abends angekommen, und ich hatte drei Lastwagen gemiethet, welche -sie vom Bahnhofe direct ins Haus bringen sollten. Alles war in gutem -Zustande angekommen; meine zwei Sandelwood-Pferde begrüssten mich mit -lautem Wiehern, und so zog ich an der Spitze der kleinen Karawane zum -»Windhause«. Als ich mich diesem näherte, sah ich zu meinem Schrecken -Dr. K., mit einem Telegramm in der Hand, mit meiner Frau sprechen, -welche laut schluchzend und weinend mir entgegen lief: »Wieder -transferirt, und zwar nach Tjilatjap, dem grössten Fieberherde von -Java, wo sich nicht einmal Soldaten befinden, von wo die Garnison -verlegt werden musste, weil das Fieber, die Malaria sie mordete, wo -selbst die Vertheidigungskanonen der Küste verlassen werden mussten, -dahin müssen wir gehen.« Dr. K. konnte nichts anderes thun als ich, und -zwar mit den Schultern zucken und sagen: es muss sein. Verblüfft sahen -mich die Führer der Frachtwagen an, als ich ihnen zurief: »Kombâli« -(= zurück); ebenfalls die Schultern zuckend, liessen sie die Ochsen -umkehren und die Lasten wieder zum Bahnhofe bringen. Glücklicherweise -war der Zug schon um 6 Uhr Morgens nach Solo abgegangen; sonst hätte -ich noch denselben Tag abreisen müssen, mit oder ohne Reisegepäck, denn -es war eine Eildepesche, und als ich den andern Tag Abends in Tjilatjap -ankam und sofort in die Wohnung des Regimentsarztes W... eilte, in -der Voraussetzung, ihn schwer krank oder vielleicht schon sterbend zu -finden, war er nicht zu Hause!! Als ich ihn endlich in der Infirmerie -fand, kam er mir mit den Worten entgegen: »Was kommen Sie hier thun?!!«</p> - -<p>Nach Erhalt des Telegrammes ging ich nach Haus, beruhigte meine Frau -so viel ich konnte und ging, mich beim Platz-Commandanten abzumelden. -Unterwegs fiel mir aber ein, dass so eine Reise nach Tjilatjap wieder -Geld und zwar sehr viel Geld kosten würde.<span class="pagenum" id="Seite_218">[S. 218]</span> Bei seiner Transferirung -muss nämlich der Officier alles selbst bezahlen und reicht später seine -»Declaration« ein, welche jedoch niemals sofort beglichen, sondern der -<a id="Rekenkamer"></a>»Rekenkamer« zur Revision vorgelegt wird. Der Officier kann jedoch -80% Vorschuss auf den Betrag seiner eingereichten Rechnung erhalten. -Für die Reise von Ngawie nach Ambarawa hatte ich meine »Declaration« -noch nicht eingereicht, von dem Ertrage meiner Auction hatte ich noch -keinen Wechsel erhalten; ich war also court d’argent für meine Reise -nach Tjilatjap, welche gewiss 300 fl. kosten würde. Ich ging also zum -»Bezahlmeister« der Garnison und ersuchte ihn um einen Vorschuss auf -meinen Gehalt. Der Zahlmeister, der niemals um einen Witz oder um ein -scherzhaftes Wort verlegen war, richtete sich bei meinem Ansuchen stolz -auf, sah mich mit drohenden Blicken an und rief entrüstet aus: »Was! -ein reicher Doctor, der nicht einmal Kinder hat, verlangt Vorschuss -auf seinen Gehalt! Das ist reiner Wucher! Sie wollen noch mehr Geld in -die Sparbank bringen; Sie wollen noch immer Zinsen auf Zinsen auf Ihr -Vermögen häufen! Das ist Schande!«</p> - -<p>»Ja, das ist Schande,« erwiderte ich in demselben Tone der Entrüstung; -»aber wessen? Da werde ich aus der Mitte Javas nach dem Norden der -Insel transferirt, und drei Tage später wieder vom Norden nach dem -Süden; der Regierung kostet dieses 219 fl. und mich über 300 fl.! Will -also die Regierung durch uns Officiere die Unkosten der Eisenbahnen -decken! Nehmen Sie jetzt an, dass ich 6 bis 8 Kinder hätte, wie viel -würde ich dann verlieren? Finden Sie es also ein Unrecht, dass die -Regierung dafür eine kleine Entschädigung bietet? Ich bekomme nach -Recht und Gesetz, weil ich verheiratet bin, von vier Monaten, im -anderen Falle von drei Monaten Gehalt einen Vorschuss, den ich nach -drei Monaten in Raten von ¼ meines Gehaltes abzuzahlen anfangen muss; -die 1700 fl., welche ich jetzt von Ihnen erhalte, tragen im günstigsten -Falle 65 fl. Interessen (zu 4% gerechnet). Ist dieser Betrag nicht so -klein, dass es eine Schande ist, darüber ein Wort, zu verlieren? Setzen -Sie jedoch den Fall, dass ich 6 oder 8 Kinder hätte; würde es für mich -nicht geradezu ein Unglück sein, in drei Tagen zweimal transferirt zu -werden? Ich würde den Verlust nicht verschmerzen können und Schulden -machen müssen.«</p> - -<p>Diese häufigen Transferirungen sind auch die Schuld, dass sehr viele -Officiere erst im Range vom Major aus ihren Schulden gegenüber der -Regierung herausgekommen sind, da sie ihre alte Schuld,<span class="pagenum" id="Seite_219">[S. 219]</span> welche in 19 -Monaten und von ledigen Officieren in 15 Monaten abbezahlt sein muss, -noch nicht getilgt hatten, wieder transferirt wurden und dabei zunächst -die alte Schuld abtragen mussten.</p> - -<p>In früheren Jahren gab die Regierung jedem Arzte, und wenn ich mich -nicht irre, jedem Officier, der darum das Ansuchen stellte, auch für -den Ankauf von zwei Reitpferden 400 fl. Vorschuss, welcher Betrag -(ebenfalls rentelos) in 20 Monaten abgezahlt sein musste. Da sich nach -und nach der Missbrauch eingestellt, dass von den dazu berechtigten -Officieren dieser Vorschuss genommen wurde, ohne dass sie sich factisch -zwei Pferde kauften, wie z. B. in Garnisonen, wo sie sie nicht -gebrauchen konnten, so hat die Regierung im Jahre 1888 damit ein Ende -gemacht, indem sie diesen Vorschuss nur für den Fall bewilligte, als -der Kauf der Pferde factisch geschah; zu diesem Zwecke wurde in allen -Garnisonen eine Controlliste der Officiers-Pferde angelegt.</p> - -<p>Nachdem ich meinen Vorschuss erhalten hatte, ging ich zunächst nach -dem Bahnhof, um zu sehen, ob mein Gepäck und besonders, ob meine -Pferde wieder ohne Schaden in den Waggon gebracht worden waren. Da -diese feurigen Temperamentes waren, gab ich ihnen auf die Reise keinen -Reis mit, sondern befahl dem Kutscher, welcher sie begleitete, jeden -Tag 2 Pikol frisches Gras zu kaufen = 125 Kilo, wofür ich ihn 20 Ct. -verrechnen liess. Es war ja die Regenzeit, und in diesem Monat kann man -einen Pikol Gras selbst um 6 Ct. = 6 Kreuzer = 10 Pfennige bekommen; -in der trockenen Zeit steigt der Preis oft bis auf 15–20 Cts., weil -es dann oft weit her, z. B. von den Ufern eines Flusses oder aus -schattigen Wäldern geholt werden muss. Ganz trocken ist das Gras in -Java allerdings niemals, weil der Feuchtigkeitsgehalt der Luft immer -ein hoher ist, und dies ist auch die Ursache, dass <a id="Lauffeuer"></a>grosse Lauffeuer selten in -Indien vorkommen. Am andern Morgen, den 28. Januar, ging ich -also um 6 Uhr früh wieder auf die Reise, um 1 Uhr kam ich in Djocja -an, wo mich der Resident erwartete, dessen Frau eine Schulkameradin -meiner Frau war, und lud mich ein, eine Nacht bei ihm zu logiren. Ich -nahm es nicht an, weil mich das Eiltelegramm des Landes-Sanitätschefs -das Aergste für den Gesundheitszustand des dortigen Arztes befürchten -liess. Es war glühend heiss, das Thermometer zeigte im Schatten 35° C.; -in der Restauration des Bahnhofes hatten wir ein ziemlich gutes -Beefsteak mit Erdäpfeln gegessen und eine Flasche Rheinwein geleert, so -dass wir gerade nicht<span class="pagenum" id="Seite_220">[S. 220]</span> leichten Muthes wieder die Reise fortsetzten. -Bei dieser hohen Wärme ist in Indien das Fahren auf der Eisenbahn ja -unerträglich. Ich hoffte eine Erleichterung zu finden, wenn ich für -mich und meine Frau Karten I. Classe nehmen würde, um dadurch ein -Coupé für uns Beide allein erhalten und mich des Rockes und der Schuhe -entledigen zu können; aber wer kann unsern Schreck schildern, als -unmittelbar vor Abgang des Zuges ein Herr sich zu uns gesellte, der, -wie er mir später erzählte, dieselbe Absicht gehegt hatte. Dieser brave -Mann ist seitdem gestorben. Ich kann also heute ruhig gestehen, dass -wir Beide alle Flüche und Qualen der Hölle auf seinen Kopf erwünschten, -natürlich nur im Flüsterton. Endlich um 6¼ Uhr Abends kamen wir in -Tjilatjap an und mein Vorgänger — erfreute sich der besten Gesundheit!!</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Bei meiner Transferirung von Ambarawa hatte ich die Provinzen -Samarang, Surakarta, Djocjacorta, Bageléen und Banjumas durchzogen. -Die ersten drei und die letzte Provinz werden uns weiterhin noch viel -beschäftigen, und darum will ich an dieser Stelle nur mit wenigen -Zeilen der Provinz Bageléen gedenken, weil ich einerseits sie nur per -Eisenbahn durcheilt habe und sie andererseits nicht viel Sehens- und -Mittheilenswerthes enthält.</p> - -<p>Vor dem grossen Kriege von Java in der ersten Hälfte dieses -Jahrhunderts war Bageléen (und Banjumas) ein Theil des westlichen -Mantja<a id="FNAnker_127" href="#Fussnote_127" class="fnanchor">[127]</a>-negara,<a id="FNAnker_128" href="#Fussnote_128" class="fnanchor">[128]</a> und seine Fürsten waren Vasallen des -Sultans von Solo. Hier in Bageléen, welches jetzt nicht nur die -dichtbevölkertste Landschaft von Java, sondern vielleicht von der -ganzen Erde ist [es wohnen ja mehr als 20,000 Menschen auf einer -Quadratmeile,<a id="FNAnker_129" href="#Fussnote_129" class="fnanchor">[129]</a> und es besitzt bei einer Grösse von 62,07 ☐Meilen -einen Ort (Purworedjo) mit 20,000 Seelen, 202 Kampongs mit 1000–5000, -679 Dessas mit 5–1000, 1327 mit 200–500, und 442 Dörfer bis 200 -Seelen], wüthete früher der Despotismus seiner Fürsten mit allen seinen -Qualen und Leiden für den kleinen Mann, und man<span class="pagenum" id="Seite_221">[S. 221]</span> muss oft die lebhafte -Phantasie bewundern, mit welcher diese kleinen Despoten Steuern zu -erfinden wussten. Es wurde eine Steuer für wohlgefüllte Waden erhoben, -die Einäugigen mussten Steuern für die Blinden bezahlen, bei jeder -Klage wegen Diebstahls musste ein gewisser Betrag erlegt werden, -für die Wachthütten auf den Reisfeldern, welche <em class="gesperrt">nicht</em> gebaut -wurden, für das Wiegen des Reises, welcher als Zehnt eingeliefert -werden musste, war ein Zoll festgesetzt, obzwar der Reis niemals -gewogen wurde, für das Zählen der Reisfelder, was niemals geschah, -für das Recht, den Tanzmädchen zuschauen zu <em class="gesperrt">können</em>, ob man -es ausübte oder nicht, wurde eine Steuer erhoben, kurz, unter 34 -(!!) verschiedenen Namen wurde der kleine Mann in seinem Erträgniss -des Bodens gekürzt. Im Jahre 1830 kam es endlich unter die directe -Verwaltung der holländischen Regierung; sofort wurden 24 dieser -diversen Steuern abgeschafft, und die üppige Tropenflora im Verein mit -der humanen europäischen Regierung schufen aus den öden, unbebauten, -brachliegenden Feldern eine reich bevölkerte und reich bebaute Provinz -mit einer glücklichen und zufriedenen Bevölkerung.</p> - -<p>Der Name dieser Provinz stammt aus dem altjavanischen <a id="Pageleen"></a>Pageléen = penis -und von der Linggasäule, welche sich bei Purworedjo, und zwar bei -dem Dorfe Bageléen befindet und noch heutzutage von der Bevölkerung -angebetet wird. Ueberhaupt findet man ja in Süd-Java viele Spuren des -Siva-Dienstes.</p> - -<p>Eine andere Sehenswürdigkeit ist der ausgehöhlte Felsen Karang bólang, -welcher sich 181 Meter hoch über die See an der Südküste erhebt -und sich wie ein Dom über die Fläche des Meeres wölbt, als Heimath -von Tausenden und abermal Tausenden von Schwalben, deren essbare -Nester unter dem Namen sarong burung ein starker und verbreiteter -Handelsartikel geworden sind. Im Jahre 1871 wurde das Erträgniss dieser -Höhle auf 25 Jahre für den Betrag von 37,100 fl. pro Jahr verpachtet. -Nach <em class="gesperrt">Friedmann</em> sollen jährlich 500,000 Stück gewonnen -werden.<a id="FNAnker_130" href="#Fussnote_130" class="fnanchor">[130]</a></p> - -<p>Die Hauptstadt Purworedjo mit dem Garnisonplatz Kedong Kebo und mit dem -Gunung Wangi (8 Kilom. entfernt) = Berg des herrlichen Duftes,<a id="FNAnker_131" href="#Fussnote_131" class="fnanchor">[131]</a> die -Grotte vom Berge Lawang und Tebasan<span class="pagenum" id="Seite_222">[S. 222]</span> mit den zahlreichen Ueberresten -des Siva-Dienstes, die Umgebung von Kabumen mit ihren warmen Quellen, -Gombong mit seiner Cadettenschule und der Grotte Ragadana mit schönen -Stalaktiten sowie zahlreiche Alterthümer kann ich nur andeuten, aber -nicht beschreiben, weil ich niemals Gelegenheit hatte, aus Autopsie sie -kennen zu lernen.</p> - -<p>Die Provinz Banjumas, in welcher Tjilatjap liegt, habe ich nach -vielen Richtungen hin durchzogen, und zwar entweder in dienstlichen -Angelegenheiten oder zu meinem Vergnügen. Am häufigsten kam ich nach -Babakan, wo sich längs des Meeresstrandes die Schiessstätte der -Artillerie der zwei militärischen Abtheilungen Javas befindet. Nach der -Hauptstadt Banjumas kam ich im Ganzen nur viermal. Das erste Mal hatte -den Zweck, mich dem Residenten (Statthalter) der Provinz vorzustellen, -weil dieser in civilen Angelegenheiten gewissermaassen mein Chef war.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Nachdem ich zu meiner Ueberraschung meinen Vorgänger nicht nur beim -besten Befinden getroffen, sondern auch von ihm vernommen hatte, dass -er schon seit einigen Wochen einer relativ günstigen Gesundheit sich -erfreue, ging ich nach Hause ins Hotel, um ein erfrischendes Bad zu -nehmen und hierauf trockene Leibwäsche anzuziehen. Das Hotel wurde -von Frau X... geleitet, während ihr Mann gleichzeitig Schiffshändler -und Kaufmann war; er hatte im Hotel einen Laden, in dem man einfach -Alles zu kaufen bekam; es war ein »Tôko«, wie sie überall in Indien -gefunden werden. Abgesehen von einigen Modistengeschäften in den -grossen Städten, wie Batavia u. s. w., kennt der Detailhandel in Indien -keine Specialitäten. In einem Tôko findet man Papier, Bücher, Gewehre, -Conserven, Leinwand, Schuhe, Hüte, Lampen, Gläser, Porzellanwaaren, -Petroleum, Käse, Butter, Thee, Kaffee u. s. w.</p> - -<p>Natürlich hatte sich wie ein Lauffeuer die Nachricht verbreitet, dass -ein neuer Arzt angekommen sei, und Jeder beeilte sich, diesen zu -Gesicht zu bekommen. Jeder hatte also diesen Abend in diesem Tôko etwas -zu kaufen; der Eine eine Kiste Cigarren, der Andere eine Schachtel -Maschinenzwirn und der Dritte bestellte eine Kiste Apollinaris-Wasser -u. s. w.</p> - -<p>Die Wirthin, eine schöne und stattliche Nonna,<a id="FNAnker_132" href="#Fussnote_132" class="fnanchor">[132]</a> sass unterdessen<span class="pagenum" id="Seite_223">[S. 223]</span> -bei uns in der Veranda und theilte uns von Jedem, der in den -Kaufladen trat, alles Wissenswerthe mit; unglaublich schienen mir die -Mittheilungen über den Herrn D...: »37 Jahre befindet er sich schon -in Tjilatjap und ist nur gesund, wenn er hier ist; jedes Jahr geht er -auf die Reise, und kaum hat er Tjilatjap hinter sich, so beginnt er -sich unwohl zu fühlen und bekommt das Fieber. Dasselbe ist der Fall -mit dem Herrn K..., der schon 17 Jahre hier wohnt und, wie Sie soeben -sahen, sich eines sehr gesunden Aussehens erfreut; er hat eine schöne -Tochter, welche hier geboren ist, und ebenso wie die zwei Töchter des -Herrn D... nur hin und wieder ein paar Tage lang Fieber haben; sie -nehmen 20 Chininpillen und bleiben dann wieder für viele Monate von -den Fieberanfällen verschont.« Dies waren sehr ermuthigende Worte, -besonders für meine Frau, welche sich früher in den Gedanken eingelebt -hatte, niemals dieses »verwünschte Fiebernest« bewohnen zu müssen, -weil im Jahre 1887 die Garnison aus Gesundheitsrücksichten eingezogen -worden war. Die Regierung schickt jedoch seit dieser Zeit immer einen -Militärarzt dahin, weil sich kein Civilarzt bis jetzt dort angesiedelt -hat. Die Zahl der Europäer in Tjilatjap und seiner Umgebung und die -der Chinesen ist nämlich zu klein, um einen Civilarzt zu veranlassen, -für ein Erträgniss, das kaum die Bedürfnisse des täglichen Lebens -decken würde, Leben und Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Die Garnison -war zwar aufgehoben, aber die zahlreichen militären Gebäude bestanden -noch; auch die Küsten-Batterien, welche den Eingang in den Canal -beherrschten, waren noch nicht entfernt und bedurften einiger Soldaten -zur Bewachung; diese wenigen Soldaten standen unter dem Befehl eines -Oberlieutenants »der Genie«. Uebrigens vertraten 80 Mann Pradjurits die -bewaffnete Macht; das sind nach europäischen Begriffen Polizeisoldaten, -welche den Verwaltungsbeamten zur Seite stehen und in erster Reihe -den Bewachungsdienst in den Gefängnissen und den Transport der -Sträflinge zu besorgen haben. Ihre militärische Ausbildung erhalten -sie von einem europäischen Officierstellvertreter, und im Uebrigen -unterstehen sie in allem und jedem dem Assistent-Residenten. Nur -findet über ihre militärische Ausbildung eine jährliche Inspection von -Seiten des jeweiligen Adjutanten des Landes-Commandirenden statt. Dies -ist natürlich eine im Princip ganz verfehlte Organisation, wenn der -Assistent-Resident es nicht gelernt hat, ein Commando über 80 Mann zu -führen. Ich will zwar zugeben,<span class="pagenum" id="Seite_224">[S. 224]</span> dass, wenn in ernstlichen Fällen der -Beamte die Hülfe des Militärs anruft, wie es z. B. bei einer Meuterei -afrikanischer Matrosen im Hafen geschah, dieses höchstens ein Beweis -für geringes Vertrauen zu dem Muthe dieser Polizeisoldaten sei; aber es -ist geschehen, dass der Instructeur von Dorf zu Dorf gehen und jeden -einzelnen Mann aufsuchen und überreden musste, sich rechtzeitig auf dem -Platz der Inspection einzufinden, und dass demungeachtet der Inspecteur -zur angesagten Stunde nicht die ganze Mannschaft anwesend fand, sondern -Alle einzeln wie verirrte Schafe erschienen.</p> - -<p>Wenn diese Polizeisoldaten in Casernen wohnten und ihren Instructeuren -auch in jeder Hinsicht, also auch in disciplinaren Vergehen -untergeordnet wären, d. h. mit anderen und wenigen Worten, wenn -sie Gensdarmen wären, wie sie in zahlreichen europäischen Staaten -bestehen, dann würden sie nicht nur bessere Dienste leisten, -sondern auch einem <em class="gesperrt">dringenden Bedürfnisse</em> entsprechen. Der -antimilitärische Geist der Holländer macht sich auch in dieser Hinsicht -in unangenehmer und fühlbarer Weise geltend. Der Assistent-Resident -X..., der damals in Tjilatjap residirte, war gewiss ein Ehrenmann, er -war als Beamter gewiss, so weit ich urtheilen kann, seinen Aufgaben -vollkommen gewachsen und lebte nur für seinen Dienst; und doch waren -die Pradjurits damals eine Caricatur von dem, was sie sein sollten; -sie machten von der Zwitterstellung ihres Instructeurs Missbrauch, -und dieser selbst — war froh, jeder Verantwortlichkeit enthoben zu -sein. Wenn jedoch der Instructeur auch das Recht des Strafens hätte, -und wenn sie in Casernen wohnten, welche ebenfalls ein militärisches -Reglement hätten, und wenn alle Befehle des Beamten durch die Hände des -Instructeurs gingen, dann hätte auch Indien ein Corps von Gensdarmen, -welches nach vielen Seiten hin erspriessliche Dienste leisten könnte; -denn die Polizisten der grossen Städte und des flachen Landes sind -nichts anderes als persönliche Bediente des Beamten und erfreuen sich -gar keines Ansehens und gar keiner Autorität. — Die Uniform der -Pradjurits ist die des Militärs aus den siebziger Jahren; dunkelblaue -Kleider aus Serge mit einem Kopftuche unter dem Käppi; dieses ist nach -der Weise der Javanen um den Kopf geschlungen. Die Bewaffnung ist -dieselbe wie die der Armee; sie haben Hinterlader und Bajonette.</p> - -<hr class="tb" /> - -<div class="figcenter illowe50" id="fig15"> - <img class="w100" src="images/fig15.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Fig. 15. Eine Compagnie der »Legionen« des Sultans von - Djocja.</div> - <div class="caption_gross x-ebookmaker-drop"><a href="images/fig15_gross.jpg" - id="fig15_gross" rel="nofollow">⇒<br /> - <span class="s6">GRÖSSERES BILD</span></a></div> -</div> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_225">[S. 225]</span></p> - -<p>Am andern Morgen stellte ich mich dem Assistent-Residenten vor und -liess den Platz-Commandanten wissen, dass ich angekommen sei, um den -Dienst von Herrn Dr. W. zu übernehmen. Beide Herren waren nämlich -niedriger im Range als ich, und nach den gesetzlichen Bestimmungen -ist es hinreichend, dass in einem solchen Falle der höhere -Officier schriftlich davon Nachricht giebt. Weil der Dienst eines -Oberarztes reglementär ganz derselbe wie der eines Regimentsarztes -ist, so geschieht es sehr häufig, dass in kleinen Garnisonen der -Platz-Commandant niedriger im Range oder Anciennität ist, als der -zugetheilte Militärarzt. Aus einer falsch angebrachten Gemüthlichkeit -lassen die Militärärzte in der Regel diesen Rangunterschied aus den -Augen und halten sich z. B. mehr an die herrschende bürgerliche -Gewohnheit, dass der zuletzt Angekommene bei den anwesenden Officieren -sich zuerst vorstelle u. s. w. Dies ist die Hauptursache, dass die -Officiere der »bewaffneten Corps« sich so oft über das antimilitärische -Benehmen der Militärärzte lustig und davon manchmal Missbrauch machen. -Es entstehen dadurch unangenehme Streitigkeiten, worunter auch der Gang -des Dienstes leiden muss.</p> - -<p>Der Platz-Commandant konnte nicht zu mir kommen, weil er am Fieber -litt und an diesem Tage sich zur Abreise von Tjilatjap rüstete. Ich -ging also zu ihm hin und besprach noch einige Fragen über die Abreise -meines Vorgängers und über sein Haus, welches mir zur Miethe angeboten -wurde. Dieses lag nämlich in jenem Theile der Stadt, in welchem sich -die Casernen und Wohnungen der Officiere befanden, und welches wegen -des dort herrschenden Malaria-Fiebers von der Garnison verlassen werden -musste. Das Flüsschen (Kali) Osso trennte diese beiden üblicherweise -so scharf auseinander gehaltenen Theile Tjilatjaps und zog hinter dem -Hause des Lt. G. vorbei. Im Westen dieses Flüsschens lag, wenn ich -mich dieses Ausdruckes bedienen darf, das bürgerliche Tjilatjap. Einen -überraschend schönen Anblick bietet die Stadt, wenn man des Morgens -früh aus dem Hotel tritt und sich der Wohnung des Assistent-Residenten -nähert; vor uns zieht in gerader Linie eine vielleicht mehr als 1½ -Kilometer lange Strasse, begrenzt von hohen, mächtigen Kanariebäumen -(canarie communis). Zur rechten Hand schliesst das Haus des -<a id="Club"></a>Clubs mit der <a id="Nussa_Insel"></a>Nussa (= Insel) Kambangan im Hintergrunde diese -schöne Allee ab; im Osten derselben liegt das Bureau und das Wohnhaus -des Assistent-Residenten mit wunderschönen<span class="pagenum" id="Seite_226">[S. 226]</span> Blumenbeeten im Garten, -und zur Seite desselben eröffnet sich die Aussicht über die schmale -Wasserstrasse mit den wildromantischen Ufern der genannten Inseln im -Süden. Das Rauschen der Brandung an der jenseitigen Küste erschüttert -die Luft um so imposanter, als die schäumenden und strömenden Wogen -nicht gesehen werden. Zur Linken zieht diese schöne Allee in beinahe -geometrisch gerader Linie nach Norden und zeigt uns im Hintergrunde den -Palast des Regenten mit seinem grossen <a id="Alang_alang"></a>Alang âlang (Schlossplatz). Auf -der linken Seite führt eine kleine Strasse zum Bahnhof und eine zweite -zum neuen Hafen, welcher in der Mündung des Flusses Donan liegt. Es ist -ein Meisterstück des modernen Hafenbaues.</p> - -<p>Die Schiffe liegen mit ihrem Bord an dem Rande der Quais, und die -Waaren, welche in einem Waggon der Eisenbahn ankommen, <em class="gesperrt">können</em> -von diesem direct durch einen Dampfkrahn in das Schiff geladen werden. -Ich sage: können; denn es geschieht leider nicht. Dieser Hafen wurde -ursprünglich angelegt, um die Producte des Landes, wie Kaffee, Zucker, -Thee, Indigo u. s. w. aus Mittel-Java bequem und billig nach der See -transportiren zu können; es wurde aber die Rechnung ohne den Wirth -gemacht. Zahlreiche Zuckerfabriken, Kaffeepflanzer u. s. w. arbeiten -nicht mit eigenem Geld und haben grosse Vorschüsse von den diversen -Banken, welche sich in Samarang (Nordküste) befinden. Diese Stadt -hat jedoch keinen modernen Hafen; die Schiffe liegen vielleicht eine -Stunde weit von der Küste entfernt. Der Transport der Waaren und der -Personen von der Küste auf die Rhede geschieht durch Dampfbarcassen, -welche direct oder indirect im Besitze dieser Banken sind. Diese geben -also keine Vorschüsse, wenn nicht der Schuldner sich verpflichtet, -seine Producte auf der Nordküste (in Samarang) einschiffen zu lassen. -Dadurch wird natürlich das Erträgniss der Transportgesellschaften in -seiner alten Höhe erhalten und — der schöne Hafen Tjilatjap wird wenig -benutzt. Dazu kommt noch ein zweiter Uebelstand. Im Jahre 1890 sollte -der letzte Theil der Eisenbahn gebaut werden, welcher die Nordküste -zwischen Batavia via Tjilatjap und Surabaya mit der Südküste verbinden -sollte; die Ministerien des Krieges, des Innern und der öffentlichen -Bauten stritten sich über den Punkt; bei welchem der letzte Theil, -welcher von Bandong kam, sich anschliessen sollte; die Wahl fiel auf -Maos, zwei Stationen nördlich von Tjilatjap. Die beiden Züge von -Batavia<span class="pagenum" id="Seite_227">[S. 227]</span> und Surabaya treffen hier in Maos Abends um 6½ Uhr ein und -fahren in der Nacht nicht weiter. Die Regierung hat also in Maos ein -grosses Hotel gebaut und dessen Verwaltung u. s. w. einem Pächter -übergeben; die Passagiere verbringen den Abend so gut es geht mit -Spazierengehen rund um das Hotel und setzen am andern Tage die Reise -fort. Zu einem Ausflug nach Tjilatjap ist keine Gelegenheit gegeben, -und dieser schöne Hafen mit seiner reizenden Lage, mit den wundervollen -Höhlen auf Nussa-Kambangan bleibt verschollen und unbeachtet von -der grossen Menge der Reisenden, welche eine Reise von Batavia nach -Surabaya lieber in einem Waggon zurücklegen, als sich vielleicht drei -oder vier Tage lang auf einem Schiffe den Unbilden der Seekrankheit -auszusetzen.</p> - -<p>Wenn sich in Tjilatjap ein unternehmender Mann fände, die -Sehenswürdigkeiten und Schätze der Umgebung dieser Stadt dem grossen -Strome der Reisenden zu eröffnen, welche täglich um 6½ Uhr in Maos -ankommen, würde es nicht geschehen, dass täglich Hunderte von Reisenden -an Naturschönheiten vorbeiziehen, welche in Europa jährlich Tausende -und Tausende von Touristen dahin locken würden, und die Stadt würde -sich zu einem Emporium der Südküste Javas erheben. Die Tropfsteinhöhle -der Insel Nussa-Kambangan und das Pfahldorf der Kindersee wird das Ziel -des einen Tages, und die wildromantische Scenerie von Karang Bolang -der Endpunkt eines zweiten Ausfluges sein. (Leider ist das Reisen in -Indien theuer; eine Fahrt nach der Hauptstadt Banjumas kam auf 20 fl. -zu stehen, wozu noch die Unkosten des Hotellebens gerechnet werden -müssen.) Die ganze Provinz ist übrigens reich an Sehenswürdigkeiten. -Das Dienggebirge (2045 Meter hoch) mit seinen ausgebrannten Vulcanen, -mit seinen Solfataren (von Segarawedi), mit seiner Mofette (das -Todtenthal Pakaraman<a id="FNAnker_133" href="#Fussnote_133" class="fnanchor">[133]</a>) entzücken das Herz eines jeden Touristen, -und wenn wir ihre Beschreibung in dem Meisterwerke des Prof. -<em class="gesperrt">Veth</em> lesen, können wir nur bedauern, dass dies Wunderspiel der -Natur jenseits der grossen Heereswege liegt,<span class="pagenum" id="Seite_228">[S. 228]</span> welche mit Eisenbahnen -die grossen Städte Javas untereinander verbinden.</p> - -<p>Das militärische Tjilatjap lag im Osten des Flüsschens Osso und war -mit einer steinernen Brücke mit dem »Seestrand« verbunden, welcher von -hier aus längs des Officierclubs nach der Mündung des Flusses Donan -sich mehr als 1½ Kilometer weit erstreckte. Kam man über die Brücke, -so hatte man zu seiner Rechten das grosse Lagerhaus, in welchem der -Gouvernementskaffee aufgespeichert und von Zeit zu Zeit an den Agenten -der »Handelsmaatschappij« abgeliefert wurde, weiterhin die Casernen und -vis-à-vis das Militärspital und die Wohnungen der Officiere.</p> - -<p>Das Militärspital war seit dem Verlassen der Garnison zu einem -Marodensaal degradirt worden und bestand hauptsächlich (gegenüber dem -Eingange) aus einer Apotheke, einem Bureau für den »Eerstaanwezenden -Officier van Gezondheid« und einem Zimmer für kranke Soldaten oder -Pradjurits. Bald zeigte sich jedoch die Unzulänglichkeit eines -Marodensaales. Es wurde nämlich, wie schon erwähnt, der letzte -Theil des Eisenbahnweges gebaut, welcher in einem grossen Bogen die -zwei Städte der Nordküste, Batavia und Surabaya, mit dem Süden der -Insel verbinden sollte. Zahlreich waren die Fälle, dass Arbeiter -verunglückten und mir zur Behandlung gebracht wurden. Dies geschah auch -von Seiten der Schiffe, welche das Material für den Bau der Eisenbahn -u. s. w. in den Hafen brachten. In einen Marodensaal dürfen keine -bürgerlichen Kranken aufgenommen werden. Die ersten Fälle brachten mich -also in Verlegenheit, aus welcher mir jedoch der Assistent-Resident -half; es waren arme Kulis; ich nahm sie in dem »Ziekenzaal« auf, und -auf Befehl dieses Magistrates kamen sie in den Bestand des Spitals -für Prostitués, welches einen halben Kilometer davon entfernt war. -Sträflinge brachten ihnen die Kost, welche ihnen auf Rechnung dieses -Spitals verabfolgt wurde, während die Krankenwäsche, Medicamente -u. s. w. aus dem Bestands des Marodensaales geliefert wurden. Die -Medicin konnte ich de jure verabfolgen. Ich musste eo ipso jeden Monat -eine Rechnung für (an die arme Bevölkerung) abgelieferte Medicamente -einreichen, welche dann mit dem Departement des Innern verrechnet -wurde; im Uebrigen besprach ich diese Sache mit dem Platz-Commandanten, -welcher im Interesse der Menschlichkeit keinen Einwand machte, um -so weniger, als ich versprach,<span class="pagenum" id="Seite_229">[S. 229]</span> die Erhöhung des »Ziekenzaales« zu -einem Spitale zu veranlassen, in welches, de jure, civile Patienten -aufgenommen werden können.</p> - -<p>Grössere Schwierigkeiten bereitete mir jedoch die Aufnahme -zahlungsfähiger Bürger; diese mussten für ihre Verpflegung selbst -sorgen, und mir erübrigte nur die ärztliche Hülfe. Als mir jedoch eines -Tages vom Agenten der Schifffahrtsgesellschaft Nederland ein Kuli -geschickt wurde, dem im Schiffsraum das Schienbein zertrümmert worden -war, konnte und wollte ich die Verköstigung dieses Patienten nicht auf -mich nehmen und vertraute sie dem »Mandur« des Spitals für Prostitués -an, welcher den Betrag hierfür bei mir jede Woche eincassirte. Sobald -als möglich leitete ich also die nöthigen Schritte ein, um aus dem -Marodensaal ein Spital 6. Classe machen zu dürfen, und am 30. September -kam der Bescheid von der Regierung zurück, welcher dieses erlaubte -und gleichzeitig die Vermehrung des Dienstpersonals in Aussicht -stellte. Denselben Abend aber kam auch der Landes-Commandirende an, -um Inspection zu halten. Ich und der Platz-Commandant erwarteten -ihn in <em class="gesperrt">Galatenue</em> an der Station. Einige Stunden später kam -der Tagesbefehl, »der General wünschte, dass wir in unserer »Tenue« -blieben, als ob Seine Hochwohlgeboren nicht anwesend wäre«, und der -Platz-Commandant fügte bei: also <em class="gesperrt">gewöhnliche Tenue</em>. Als Chef des -Marodenzimmers wäre ich für die Reinlichkeit nur dieses einen Saales -verantwortlich gewesen; als Chef des Spitals jedoch musste ich für -die Reinlichkeit des ganzen, alten, halbverfallenen Gebäude-Complexes -sorgen. Ich hatte aber noch nicht das nöthige Dienstpersonal. Um -jedoch wenigstens den gröbsten Schmutz des alten, verlassenen, öden -Spitalraumes wegschaffen zu lassen, verschaffte ich mir vier Kulis -und liess sie um 6 Uhr früh unter Aufsicht eines Krankenwärters die -Wege fegen u. s. w. Zur grösseren Sicherheit jedoch ging ich um 6 Uhr -dahin und sorgte, dass unter meiner persönlichen Aufsicht so viel als -möglich gereinigt werde. Im Eifer meiner Arbeit vergass ich die Zeit, -und als es 8 Uhr schlug — stand der General mit dem Adjutanten und dem -Platz-Commandanten vor der Thür, und ich war noch in Bürgerkleidung -(!). Dafür bekam ich in die Conduiteliste: Militärisches Benehmen -tadelnswerth und zeigt Mangel an Diensteifer, weil das Spital bei der -Inspection des Landes-Commandirenden Spuren von<span class="pagenum" id="Seite_230">[S. 230]</span> mangelhafter Aufsicht -trug und er in Civilkleidung war, obwohl die Inspection angesagt war!!</p> - -<p>Auch wurde ich dafür »unwürdig und ungeeignet« erklärt, einen höheren -Rang zu bekleiden. Ja, wenn man einen Hund schlagen will, findet man -immer einen Stock.</p> - -<p>Das Reglement »über das <a id="Civilkleider"></a>Tragen von Civilkleidern von Officieren« gestattet -den Officieren der Genie, den Militärärzten, den Zahlmeistern, -sowie auch den Officieren des Stabes und allen Arten, welche nicht -unmittelbar mit den Truppen in Beziehung stehen, bei ihren täglichen -Arbeiten von der Civilkleidung Gebrauch zu machen. Diese Erlaubniss -erstreckt sich jedoch nicht auf Inspection, es sei, dass das Gegentheil -speciell erlaubt wurde. Ob ich in dem gegebenen Falle im Eifer -des Dienstes die gesetzlichen Bestimmungen vergessen und dagegen -gesündigt hatte, will ich unerörtert lassen. Aber vielfach wurde die -Zweckmässigkeit dieser gesetzlichen Bestimmung in Frage gestellt, -ja noch mehr, man trachtete diese Begünstigung (?) der Aerzte in -den letzten Jahren direct oder indirect zu beschränken. Man glaubte -nämlich, dass dem Militärarzt durch die Uniform ein gewisses Prestige -gegeben werde, welches unerlässlich für seine oft schwierige Stellung -sei. Dies ist nur theoretisch wahr und richtig. Factisch hängt dieses -ganz und allein von der Individualität des Militärarztes ab, und zwar -schon darum, weil höchstens in den ersten Wochen der Dienstzeit die -Uniform einem Recruten imponirt; weiterhin gewiss nicht mehr; ich kenne -einen Fall, dass einem Regimentsarzte das Wort Charlatan von einem -Patienten zugerufen wurde, trotzdem er in Uniform war. Ein anderer -Einwand ist juridischer Natur. Die Disciplin muss leiden, wenn dem -Soldaten bei Uebertretung der Subordination die Ausrede gelassen wird, -er hätte nicht gewusst, dass der Betreffende ein Officier sei, weil -er nicht in Uniform war. Wenn es eine <em class="gesperrt">Ausrede</em> ist, kann ja -das Kriegsgericht in seinem Urtheil diesem Rechnung tragen. Auch der -Truppenofficier geht in seinen dienstfreien Stunden in Civilkleidung. -Es ist nur zu oft geschehen, dass Soldaten Officiere in Civilkleidung -beleidigten. Da es leicht nachzuweisen war, dass der Uebelthäter diesen -Officier als Officier gekannt hat, so wurde diese Ausrede nicht weiter -berücksichtigt.</p> - -<p>In der Regel wird dasselbe bei dem Militärarzte der Fall sein. -Der Delinquent ist in den meisten Fällen in Behandlung<span class="pagenum" id="Seite_231">[S. 231]</span> dieses -Militärarztes gewesen und kennt ihn. Die mala fides ist also bewiesen, -und das Kriegsgericht ist in seinem Urtheile nicht eingeschränkt. In -den Tropen ist es warm, und man transpirirt sehr stark; der Uniformrock -ist also geradezu hinderlich. Ich sah oft junge Militärärzte, welche -aus leicht begreiflicher Ursache gern die Uniform tragen, im Eifer -ihres Dienstes den Uniformrock ausziehen, wenn er sie in einem -gegebenen Augenblicke hinderte, und man sah dann ein vom Schweisse -durchtränktes Hemd, welcher Anblick gewiss ebenso unästhetisch als -unangenehm war. Die Bewegung in der Civilkleidung, und besonders im -Jaquet, ist freier und auch bequemer, weil der Arzt in einem solchen -genug Taschen hat, um die unentbehrlichen Instrumente, als: Stethoskop, -Hammer und Pravazische Spritze und auch seine Cigarrentasche, Sacktuch -und event. das Receptbuch, stets bei der Hand zu haben. Es war also -bis vor wenigen Jahren Usus, dass die Militarärzte in weisser Hose -und schwarzem Jacket ihren Dienst verrichteten. Mit den Fortschritten -der Bacteriologie begann vor ungefähr drei Jahren ein Sturm gegen -den Gebrauch des schwarzen Rockes, als den Träger aller pathogenen -Bacterien und als den Vermittler aller ansteckenden Krankheiten. Ob -dies, in dieser Allgemeinheit ausgesprochen, richtig sei oder nicht, -will ich dahin gestellt sein lassen; aber Thatsache ist, dass in allen -Operationszimmern und in allen Abtheilungen für ansteckende Krankheiten -Kittel zur Verfügung des Arztes stehen, so dass eine solche Gefahr -nicht zu bestehen braucht. Im Jahre 1894 wurde eine neue Uniform in -der Armee eingeführt, und den Officieren für die »kleinen Dienste« -weisser Uniformrock, Hose und Helmhut gegeben; den Militärärzten wurde -durch sanften Druck anheim gestellt, von der gesetzlichen Begünstigung, -den Spitaldienst in Civilkleidern versehen zu können, keinen Gebrauch -zu machen, weil mit der Einführung der weissen Uniform jede Ursache -dazu genommen sei, ja noch mehr, die weissen Kleider seien für den -Militärarzt geradezu die angezeigte und einzige praktische Kleidung, -weil sie gewaschen werden könne. Dies ist gewiss unrichtig und falsch; -denn zahlreich sind die Gefahren, welche den weissen Röcken eines -Arztes drohen. Beim Ausspritzen der Ohren, beim Touchiren der Kehle, -beim Reinigen eines Auges u. s. w. kommen Flecken von Lapis, Jodtinctur -u. s. w. in den Rock. Der Krankenkittel oder die grosse Schürze sollen -ihn vor diesen Schädigungen seines Rockes schützen, und dennoch — -hatte ich z. B. keine einzige<span class="pagenum" id="Seite_232">[S. 232]</span> weisse Hose, welche nicht schon nach -wenigen Wochen von Jodtinctur, Tinte u. s. w. gezeichnet war. Dieselbe -Gefahr droht dem Rock. Reinlichkeit und tadellose Kleider sind aber -unvermeidlich mit der Idee Uniform verbunden, und wenn ich auch manchen -Officier kannte, der nach drei Tagen ebenso nette und sauber weisse -Hosen hatte, als ich nach drei Stunden, so sah ich selten einen Arzt -ohne Flecken auf seiner weissen Hose. Nebstdem geschieht es häufig, -dass die Menschen unter den weissen Kleidern kein Flanellleibchen und -keine Unterhosen tragen. Geradezu widerlich ist der Anblick eines -solchen Rockes, welcher durch den Schweiss gezeichnet ist, und geradezu -gefährlich kann eine solche Kleidung werden, wenn ein kalter Wind die -durchnässten Kleider auf dem Körper zum raschen Verdunsten bringt.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Das gesellschaftliche Leben in Tjilatjap beschränkte sich auf den -Verkehr mit einigen Beamten, dem Platz-Commandanten und einigen -Handelsleuten. Zu den ersteren gehörten der Assistent-Resident und der -Chef-Ingenieur der Eisenbahn.</p> - -<p>Der Assistent-Resident C... war ein Halbeuropäer. Da er seinen Beruf -mit voller Gewissenhaftigkeit erfüllte und oft Anlass nahm, mit mir -darüber zu sprechen, bekam ich einen Einblick in den Wirkungskreis -der Verwaltungsbeamten. Ich finde die Stellung eines solchen geradezu -ideal; er ist ein Patriarch stricte dictu. Patriarchalisch ist ja -überhaupt die indische Regierung, und der Resident der Provinz -Banjumas ist gewissermaassen der Oberpatriarch über die 1,213,792<a id="FNAnker_134" href="#Fussnote_134" class="fnanchor">[134]</a> -Einwohner, welche diese Provinz zählt; wenn ich mir jedoch eine -Vergleichung mit der militärischen Organisation erlauben darf, so ist -der Resident der Bataillons-Commandant und der Assistent-Resident der -Commandant der Compagnie. Dieser letztere ist also mehr im Contact mit -dem kleinen Mann; er lernt die Leiden und Freuden seiner Unterthanen -aus erster Quelle kennen, und das Wohl und Wehe der ganzen Bevölkerung -findet in ihm einen Beschützer, wenn er seine Stellung richtig erfasst. -Nominell steht der kleine Mann unter der Herrschaft des eingeborenen -Fürsten, welcher Beamter der holländischen Regierung ist.<span class="pagenum" id="Seite_233">[S. 233]</span> Dieses -weiss er und fühlt es täglich. Es ist ihm aber auch bekannt, dass -jener »der jüngere Bruder ist«, dem der europäische Beamte als älterer -und erfahrener Bruder in allen Verwaltungs-Angelegenheiten rathend -zur Seite stehen muss. Der Tact, mit welchem der Assistent-Resident -dieses Princip in Anwendung bringt, ermöglicht ihm, ein Wohlthäter -seines Bezirkes zu sein, denn in jedem der eingeborenen Fürsten sitzt -noch immer der alte Tyrann, der den »kleinen Mann« als recht- und -schutzloses Wesen betrachtet. Trotzdem sieht dieser in dem Regenten -den angestammten rechtmässigen Herrscher, dessen Antlitz er nicht -einmal würdig ist zu sehen, und nur sehr selten wird er es wagen, -sich über ihn zu beklagen. Dieses Gefühl der Anhänglichkeit an den -angestammten Herrn wird natürlich genährt von den Fürsten, trotzdem sie -Beamte mit sehr hohem Gehalt sind, und von der Geistlichkeit. Diese -sehen sich als Verkünder des reinen Gottesglaubens im Gegensatz zu -den Kafirs, und sind also per se die Bundesgenossen der Häuptlinge. -Von der Autorität der eingeborenen Fürsten gegenüber dem Gros der -Bevölkerung zieht Holland den grössten Nutzen; es ist dadurch im -Stande, mit einer Armee von ungefähr 15,000 europäischen Soldaten nicht -nur die 25,000,000 Seelen Javas, sondern auch den ganzen indischen -Archipel zu beherrschen. Dies ist der punctum saliens der indischen -Regierungsweisheit, die Autorität der Fürsten nicht zu untergraben, -und andererseits den kleinen Mann gegen die Willkür und Despotismus -seiner Häuptlinge zu beschützen; dazu gehört Tact und zwar sehr -viel Tact von Seiten des Assistent-Residenten. Dass im Ganzen und -Grossen die Mehrzahl dieser Beamten diese Routine besitzt, und dass -das Regierungsprincip ein richtiges sei, dafür spricht der Erfolg. -Indien ist in diesem Jahrhundert ein blühender Staat geworden, und die -Sicherheit der Person ist — grösser als in Europa.</p> - -<div class="figcenter illowe50" id="fig16"> - <img class="w100" src="images/fig16.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Fig. 16. Eine Hängebrücke aus Bambus bei Bandjar im - Serajo-Thal (Bezirk Bandjarnegara).</div> - <div class="caption_gross x-ebookmaker-drop"><a href="images/fig16_gross.jpg" - id="fig16_gross" rel="nofollow">⇒<br /> - <span class="s6">GRÖSSERES BILD</span></a></div> -</div> - -<p>Wie viel jedoch ohne Wissen und Willen der Regierung gegen das -Regierungsprincip der europäischen Beamten gesündigt wird, lässt sich -schwer beurtheilen; viel ist es nicht, weil vom »Beamten zur Verfügung« -bis zum Residenten Jeder seine Spione hat; aber es kommt manchmal vor, -dass die Politik des Strausses die Richtschnur eines Beamten ist, weil -er sich dadurch viel Arbeit und »Susah«<a id="FNAnker_135" href="#Fussnote_135" class="fnanchor">[135]</a> erspart. Wenn z. B. der -Resident in einen Bezirk zum<span class="pagenum" id="Seite_234">[S. 234]</span> Besuche kommt und einige Tage bei dem -Regenten wohnt, der ungefähr 12,000 Gulden jährlichen Gehalt hat, so -wird dieser Häuptling die Hühner für seinen Gast von dem kleinen Mann -ohne Bezahlung verlangen, weil doch auch dieser »hoch erfreut über -die Ehre des hohen Besuches sein müsse«, und wenn der Gemüsegarten -des »Wedono«<a id="FNAnker_136" href="#Fussnote_136" class="fnanchor">[136]</a> vom Unkraut gereinigt werden muss, so müssen die -Bewohner der umliegenden Dörfer dieses thun, weil sonst der Assistent -über die Unreinlichkeit des Dorfes unzufrieden wäre. Wenn der Regent -eine Scheuer für seinen reifen Reis bauen will, die vielleicht 10 fl. -kosten würde, könne er unmöglich das Anerbieten (?) der Dorfbewohner -zurückweisen, welche ihm damit eine Aufmerksamkeit oder Ueberraschung -bereiten wollen, und wenn hundert Kulis seinen Acker bepflügen wollen, -weil sie gerade an diesem Tage keine andere Arbeit hätten, warum -sollte er es nicht annehmen statt sie müssig herumgehen und vielleicht -Diebstahl oder Mord verüben zu lassen!? (Solche Herrschergelüste -haben in früheren Jahren auch die europäischen Beamten gehabt; die -Journalistik deckte jedoch diese Uebelstände schonungslos auf, und sie -verschwanden nach und nach.) Wo solche Erpressungen stattfinden, kennt -sie in den meisten Fällen der Controlor oder der Assistent-Resident; -aber sie wollen sie oft nicht sehen, weil sie nicht immer — der Stütze -der Regierung resp. des Residenten sicher sind. Wenn nämlich die -Regierung nicht freie Verfügung über eine genügende Truppenmacht hat -und fürchten muss, ein energisches Auftreten nicht mit einer oder zwei -Compagnien Soldaten unterstützen zu können, dann will sie von kleinen -Missbräuchen der Amtsgewalt von Seiten eines einheimischen Fürsten -nichts wissen, und wenn der Assistent-Resident einen solchen Wink nicht -verstehen will, so wird er einfach transferirt, und der schuldige -Regent bekommt einen fürchterlichen Verweis. Die Transferirung des -Beamten jedoch ist für den Nachfolger des Assistent-Residenten -ein deutlicher Befehl, durch die Finger zu sehen, und für den -Regenten der deutlichste Beweis, in seinem Thun und Lassen von den -ewigen Rathschlägen seines »älteren Bruders« sich nicht beirren zu -lassen. <em class="gesperrt">Zu groben despotischen Ausschreitungen</em> der Fürsten -kommt es gegenwärtig auf Java <em class="gesperrt">nicht mehr</em>, und bei kleinen -Tyrannengelüsten schliesst die indische Regierung so lange die Augen, -bis sie die<span class="pagenum" id="Seite_235">[S. 235]</span> Macht hat, energisch gegen sie auftreten zu können. Leider -ist sie diesbezüglich vom Abgeordnetenhaus in Holland abhängig, und -bevor der Schuster und Schneider in dieser »Kammer« das nöthige Geld -zur Errichtung einiger neuen Bataillone Soldaten bewilligt, muss die -Noth sehr hoch gestiegen sein. Wenn auch nämlich der General-Gouverneur -(mit einem jährlichen Gehalt von 120,000 fl. und neuer Einrichtung des -Palastes in Buitenzorg) als Vertreter des Königs von Holland gegenüber -den eingeborenen Fürsten das Recht über Krieg und Frieden hat und -zugleich Oberbefehlshaber der Armee und der Marine ist, so untersteht -er doch der Oberaufsicht des Ministers der Colonien, und dieser ist -wiederum der Majorität des Abgeordnetenhauses für dessen ganzes -Thun und Lassen in den Colonien verantwortlich; dieses Verhältniss -veranlasste also die in Indien landläufige Phrase: Ueber das Schicksal -von Millionen Javanen entscheidet der Greisler (Kruidenier) in Holland.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Der erwähnte Oberingenieur, welcher den Bau der Eisenbahn zwischen -Tjilatjap und Bandong leitete, ist seit dieser Zeit gestorben; er war -ein tüchtiger Ingenieur, ein Ehrenmann und hat mich zu grossem Danke -verpflichtet. Er hat mir nämlich in liebenswürdiger Weise staatliche -Anerkennung, und zwar in klingender Münze verschafft. Die Einkünfte -eines Regimentsarztes sind in Indien nicht schlecht; aber ich hatte -durch die Erkrankung meiner Frau ausserordentliche Ausgaben, und -somit waren ausserordentliche Einnahmen mehr als erwünscht. Der -Normal-Monatsgehalt eines Regimentsarztes ist nämlich 400 fl.; nach -8jähriger ununterbrochener Dienstzeit bekommt er die erste Zulage -von 25 fl. monatlich, nach 12jähriger Dienstzeit weitere 50 fl. und -nach 4 Jahren wieder 25 fl. Erhöhung; nebstdem bezieht er als Zulagen -monatlich: 30 fl. für Pferdefourage, 50 fl. für civile Dienste und -freie Wohnung oder 60 bis 100 fl. Quartiergeld, je nachdem er sich in -einer grösseren oder kleineren Garnison befindet. Für einen ledigen -Regimentsarzt, der standesgemäss leben will, ist dieser Gehalt mehr -als hinreichend; denn er kann gewiss jeden Monat wenigstens 100 bis -200 fl. ersparen. Ein verheirateter Regimentsarzt kann, wenn er auch -zwei bis drei Kinder hat, ohne Sorgen davon leben, und selbst bei -einer grösseren Zahl von Kindern braucht er keine Schulden zu machen, -wenn er einen bescheidenen Haushalt führt, d. h. keine Equipage hält, -wenig Conserven gebraucht, keine feinen Weine trinkt und eventuell<span class="pagenum" id="Seite_236">[S. 236]</span> die -Kleider seiner Frau aus Europa kommen lässt. Wohnt er in einem Orte, -wo kein zweiter Arzt ist, dann wird allerdings in den meisten Fällen -eine Equipage nöthig sein. Die Unkosten einer solchen sind jedoch nicht -hoch, vielleicht 20 bis 30 fl. pro Monat, und werden natürlich durch -die Privatpraxis reichlich aufgewogen.</p> - -<p>Auch ich hatte eine kleine Privatpraxis in Tjilatjap, obwohl mein -Vorgänger sich dieser Gunst des Schicksals nicht erfreuen konnte. -Ich schreibe dies der Thatsache zu, dass ich die Bestimmungen der -Armenpraxis nicht engherzig auffasste. Wie schon früher erwähnt, -haben die Armen und die europäischen Beamten mit einem Gehalte -unter 150 fl. pro Monat Recht auf freie ärztliche Behandlung und -Medicamente. Nach einer Rücksprache mit dem Assistent-Residenten war -es mir ganz überlassen, diese gesetzlichen Bestimmungen so weit als -möglich auszudehnen, und thatsächlich fand diesbezüglich niemals -eine Controle statt. Am Ende eines jeden Monats reichte ich die -Rechnung für Medicamente ein, welche für das Frauenhospital und »die -arme Bevölkerung« abgeliefert wurde, und diese ging zur »Regulirung« -den dienstlichen Weg vom Kriegs-Departement zu dem des Innern. Für -die Praxis aurea galten ähnliche Bestimmungen. Ich musste am Ende -eines jeden Monats eine Liste der Arzneien und etwaiger Instrumente -anfertigen, welche ich an Privatpersonen verabfolgt hatte, und der -Betrag dafür, nach dem officiellen Preis-Courant berechnet, wurde -um 20% erhöht von dem Zahlmeister der Garnison bei dem nächsten -Monatsgehalt eingesetzt. Im Grossen und Ganzen ist dies ein Vorgang, -der einerseits an die Rechtlichkeit des Arztes appellirt, andererseits -die Nonchalance desselben unberücksichtigt lässt. Häufig geschieht -es, dass der Arzt am Ende des Monats pour acquit de conscience aus -dem Gedächtnisse zwei Listen anfertigt, wie es ihm eben einfällt; -zu einer regelmässigen Buchführung hat er weder die Zeit noch die -Musse, und vielleicht auch nicht die Geschicklichkeit; je kleiner -die Liste ist, die er anlegt, desto besser; denn die Verrechnung von -10 Gramm Soda z. B., von dem das Kilo 17 Cts. kostet, oder von 0·15 -Gramm Morphium ist eine langweilige Arbeit. Nebstdem werden diese -Rechnungen in Batavia controlirt, und wenn nur ½ Ct. unrichtig ist, -kommt die Rechnung zurück, und bei Wiederholung derselben schwebt das -Damoklesschwert der »oberflächlichen und nachlässigen Administration« -über dem Haupte des Schuldigen. Ich kann nur auf diese ungesunden -Verhältnisse hinweisen, ohne etwas Besseres dafür mittheilen<span class="pagenum" id="Seite_237">[S. 237]</span> zu -können; vielleicht ist Jemand anders diesbezüglich glücklicher.</p> - -<p>Aber auch auf die Behandlung der Patienten wandte ich das Reglement der -Armenpraxis im weitesten Sinne an.</p> - -<p>Alle Arbeiter, Tagschreiber und Aufseher der Eisenbahnwerke behandelte -ich gratis, obschon sie keine Armen und keine Beamten waren. Sie -waren keine »Armen«, weil sie durch einen Erwerb die Bedürfnisse des -Lebens deckten, und sie waren keine Beamten, weil sie nur per Tag -angenommen und auch jeden Tag entlassen werden konnten. Dies war das -Hauptmotiv für mich, diese ephemeren Existenzen gratis zu behandeln. -Der Oberingenieur C. scheint jedoch anders darüber gedacht zu haben, -denn im Juli bekam ich unerwartet den Erlass der Regierung, dass mir -für die Behandlung des Personals, welches beim Bau der Eisenbahnlinie -Tjilatjap-Bandong beschäftigt war, eine monatliche Zulage von 100 fl. -gegeben werde, und einen Monat später kam ein zweiter Erlass, dass -diese Zulage begonnen habe von dem Tage meiner Ankunft in Tjilatjap!! -Diese Freigebigkeit ist geradezu auffallend gewesen, weil die indische -Regierung gegenüber ihren Beamten und Officieren schon seit ungefähr -zehn Jahren die Sparsamkeit in recht unangenehmer Weise anwendet, -so z. B. giebt sie dem neueintretenden Apotheker keine Zulage für -Pferdefourage, die Zahl der Beamten wird verkleinert u. s. w.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Niemand wandelt ungestraft unter den Palmen, und Jedermann bekommt -in Tjilatjap sein Fieber. In früheren Zeiten war dieser Ort selbst -ein bevorzugter Verbannungsplatz der Fürsten von Solo und Djocja. -Missliebige Fürsten wurden von diesen beiden Potentaten am liebsten -nach Tjilatjap in Verbannung gesendet, weil sie ohne Dolch und ohne -Gift am schnellsten und am sichersten für ewige Zeiten von dort -verschwanden. Heute ist es damit nicht so arg bestellt. Der Regent -z. B. war ein kräftiger, junger Mann, der während meines einjährigen -Aufenthaltes mich nur einmal consultirte und nur dreimal Antipyrin -gegen seine Fieberanfälle holen liess.</p> - -<p>Ich selbst glaubte von jeher immun gegen Malaria zu sein, nachdem -ich 1877 eine schwere Krankheit durchgemacht hatte, welche mir zwei -Tage lang das Bewusstsein geraubt hatte. Nach dieser Zeit<span class="pagenum" id="Seite_238">[S. 238]</span> habe ich -beinahe jedes Jahr nur einmal einen Fieberanfall von 38 bis 40° mit -Schüttelfrost gehabt, der ohne Medicamente verschwand und nicht wieder -zurückkam. Was jedesmal dieser isolirte Fieberanfall bedeutete, weiss -ich heute ebenso wenig als damals. Ich hielt mich also gegen das Gift -der Malaria gefeit und lebte unbesorgt in Tjilatjap.</p> - -<p>Ich hatte schon die Durchschnittsdauer aller früheren Collegen -überschritten und war schon sieben Monate in Tjilatjap, ohne einen -Fieberanfall bekommen zu haben; ich war gewöhnt, wie ich soeben erwähnt -habe, jedes Jahr einmal, und gewöhnlich unter dem Schiffsbade, einen -Schüttelfrost zu bekommen mit einer Achsel-Temperatur von ungefähr -39° C.; auch diese ephemeren Erscheinungen hatten sich noch nicht -eingestellt; ich fühlte mich jedoch nicht wohl; ich verlor den Appetit, -vertrug aber das Essen ganz gut; ich wurde leicht müde, ich musste -wiederholt und selbst in Gesellschaft gähnen, oft überfiel mich ein -Frösteln, ohne dass die Körpertemperatur 37° C. überstieg; die Cigarre -schmeckte mir wie immer, aber gegen 11 Uhr bekam ich Brechreiz, welcher -ausserordentlich schmerzhaft war. Der Magen war nämlich leer, seine -peristaltischen Bewegungen konnten also keinen Inhalt zu Tage bringen; -ich hatte dabei das Gefühl, als ob ein Dutzend Rasirmesser durch die -Magenwände schnitten. Mir fehlte für diese Erscheinungen das richtige -Verständniss; wenn ich auch an eine chronische Malariavergiftung -dachte, so schloss ich sie dennoch aus, weil ich sie für unmöglich -hielt, ohne dass eine acute Attaque vorausgegangen wäre. Ich schrieb -also alles dem »Klima« zu. Aber nur zu bald sollte ich erfahren, dass -es eben auch eine primäre »chronische Malaria« gebe, und dass ich ein -Opfer derselben sei.</p> - -<p>Eines Tages erhielt ich von dem Assistent-Residenten die officielle -Einladung, mit ihm das Gefängniss zu inspiciren, um etwaige -hygienische Mängel zu constatiren, und zwar sollte dies um 8 Uhr früh -stattfinden. Ich hatte meine erste Wohnung im Osten des Flüsschens Osso -verlassen, weil sie sich in einem öden, verlassenen Viertel befand, -und ein Haus an der grossen, schönen Strasse bezogen, welches die -Wohnung des Regenten mit dem Hause des Officiersclubs verband. Der -Assistent-Resident kam, um mich mit seiner Equipage abzuholen, und nach -Ablauf der Inspection ersuchte ich ihn, en passant bei und mit mir -das Frühstück einzunehmen. Bei dieser Gelegenheit stellte sich ganz -unvermittelt und so unerwartet Erbrechen ein, dass<span class="pagenum" id="Seite_239">[S. 239]</span> die Eruption längs -der rechten Seite meines Gastes ihren Weg nahm und ihn beschmutzte. -Hierauf hatte ich 40° C. Körpertemperatur und zum ersten Male das -ausgesprochene Bild eines acuten Malariafiebers.</p> - -<p>Jetzt freilich hatte ich den Beweis, dass es eine primäre chronische -Malaria gäbe.</p> - -<p>Meine Frau hat jedoch viel später als ich das Entrée de campagne -bezahlt; während ich Ende des Jahres 1877, also nach einem Aufenthalte -von 13 Monaten, in den Tropen die erste nicht unbedeutende Erkrankung -mitgemacht hatte, blieb meine Frau vier Jahre lang vollkommen gesund; -ja noch mehr; während sie vor ihrer Abreise von Holland 55 Kilo wog, -kam sie nach halbjähriger Anwesenheit auf das stattliche Gewicht von -73 Kilo und behielt seitdem immer circa 70 Kilo; bis auf eine kleine -Attaque von Masern blieb sie auch vollkommen gesund. Ich schrieb diese -rasche und grosse Gewichtszunahme dem bequemen Leben in Indien zu. -In Holland bewohnt jede Familie ein ganzes Haus mit zwei, oft drei -Stockwerken. Indien hat bis auf nur wenige Ausnahmen nur Wohnhäuser -ohne Stockwerke. Da nebstdem in Holland, besonders in grossen Städten, -der Baugrund theuer ist, so werden die Häuser hoch, und zwar auf -kleiner Basis gebaut. Die Wohnräume vertheilen sich also auf zwei oder -drei Stockwerke, und die Hausfrau muss gewiss zehn bis zwanzig Mal -des Tages die Treppen auf- und absteigen. Dabei sind diese Stiegen -oft unglaublich steil. Das Treppensteigen erfordert aber noch mehr -Anstrengung der Muskulatur und des Herzens als das Bergsteigen, es ist -also eine bedeutende Arbeit, welche auf Kosten des Gesammtorganismus -geleistet werden muss. Diese Consumption des Körperfettes kennen die -Frauen in Indien nicht, und darum ist es verständlich, wie Prof. -<em class="gesperrt">Geer</em> nachwies, dass die mittlere Lebensdauer der holländischen -Damen in Indien grösser als in Holland ist. Ich möchte aber bezweifeln, -ob diese Sparung der Kräfte vor allem die Ursache ist, dass die Frauen -seltener an Fieber erkranken als die Männer. Diese Thatsache ist -zwar nicht allgemein anerkannt; aber wenn ich mein Kranken-Journal -zu Rathe ziehe, muss meine Erfahrung dieselbe Thatsache constatiren; -nebstdem ist a priori das Gegentheil nur schwer zu verstehen und zu -erklären. In allen Ständen der Gesellschaft setzt sich ja der Mann -den Schädlichkeiten des Tropenklimas mehr und viel häufiger aus -als die Frau, und ob wir nun nach Prof. <em class="gesperrt">Koch</em> die Mosquitos -beschuldigen,<span class="pagenum" id="Seite_240">[S. 240]</span> die Träger des Malariagiftes zu sein, oder ob wir das -Trinkwasser, und besonders die eingeathmete Luft die Malariaplasmodien -in unseren Körper einführen lassen, immer ist der Mann durch seine -Beschäftigung und durch seine Lebensweise mehr als die Frau den -Gefahren der Infection exponirt.</p> - -<p>Auch meine Frau blieb, wie oben angedeutet wurde, vom Fieber nicht -verschont. Sie hatte aber keinen Frostanfall im Anfange der Krankheit, -wie es beim schulgerechten Fall geschieht, sondern wurde kurzathmig, -bekam Hustenreiz und wurde müde; sie fühlte sich wie geschlagen, wurde -blass im Gesicht, bekam Kopfschmerzen, der Puls erreichte die Zahl -120, die Respiration stieg auf 30 bis 40, die Temperatur auf 39°, und -manchmal stellte sich Diarrhöe ein. [Auch Dr. <em class="gesperrt">van der Burg</em><a id="FNAnker_137" href="#Fussnote_137" class="fnanchor">[137]</a> -theilt mit, dass in Holländisch-Indien der Fieberanfall sehr oft ohne -Kältestadium verlaufe.] Wenn der Puls kräftig war, gab ich in diesem -Stadium 1 Gramm Antipyrin, und war er minder voll, liess ich das -Antipyrin mit einem Gläschen Cognac oder Portwein nehmen. Nach wenigen -Stunden war die Temperatur auf 37·8 oder 38° gesunken, und es trat ein -gewisses Wohlbefinden ein, welches die Patientin veranlasste, das Bett -zu verlassen. Dies dauerte einige Tage hindurch, und manchmal trat mit -dem Sinken der Temperatur eine starke Transpiration ein. Erst als nach -dem Fieberanfalle die Körpertemperatur auf 36·6° gefallen war, wusste -ich aus Erfahrung bei vielen hundert anderen Patienten, dass der Anfall -des Malariafiebers sein Ende erreicht hatte. Vier Monate dauerte das -fieberfreie Intervall meiner Frau. Anfangs December kam der Resident -mit seiner Frau von Banjumas, um persönlich mit den europäischen -Familien Tjilatjaps Bekanntschaft zu machen. Es folgten natürlich -Feste auf Feste zu Ehren der hohen Gäste; besonders interessant war -der Ausflug nach den Tropfsteinhöhlen der Insel Kambangan und nach den -Pfahlbauten in der Kindersee. Am 6. December war ein Ball im Casino, an -dem auch meine Frau theilnahm. Aber schon nach dem ersten Tanze bekam -sie einen so heftigen Frostanfall, dass wir den Ballsaal verlassen -mussten. Im Uebrigen war der Zustand meiner Frau derselbe als vor vier -Monaten, und zwar die am häufigsten vorkommende Form von Malaria. Nur -wurde diesmal die Dauer bedeutend abgekürzt; die Frau des Residenten O. -hatte beim Abschied aus dem Ballsaale ihre Gastfreundschaft angeboten, -für den Fall,<span class="pagenum" id="Seite_241">[S. 241]</span> als meine Frau Tjilatjap sollte verlassen müssen. -Diese Dame kannte uns erst wenige Tage, und dennoch folgte sie der -Regung ihres guten Herzens, welche ihre Rasse charakterisirt, meiner -Frau für unbestimmt lange Zeit Gastfreundschaft anzubieten, »weil ihr -Haus im Gebirge lag und gewiss eine sehr geeignete Stätte war, einen -Malariapatienten von dem Fieber zu befreien«.</p> - -<div class="figcenter illowe50" id="fig17"> - <img class="w100" src="images/fig17.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Fig. 17. Der Tempel bei Prambánan.</div> - <div class="caption_gross x-ebookmaker-drop"><a href="images/fig17_gross.jpg" - id="fig17_gross" rel="nofollow">⇒<br /> - <span class="s6">GRÖSSERES BILD</span></a></div> -</div> - -<p>Frau Resident O. war nämlich eine Halbeuropäerin, welche, wie allgemein -behauptet wird, die Tugenden und Fehler der beiden Rassen, der Europäer -und der Malayen, in sich vereinigen. Gewisse Europäer, welche in der -Beschränktheit ihrer Erfahrungen sich gerne auf die Präponderanz ihrer -Rasse stützen, um mit Geringschätzung von den indischen Nonnas und -Sinjus zu sprechen, könnten und müssten noch vieles<a id="FNAnker_138" href="#Fussnote_138" class="fnanchor">[138]</a> von jenen -Halbeuropäern lernen, welche ich z. B. in Tjilatjap kennen gelernt -habe, um ihnen an Herzensgüte gleich zu kommen.</p> - -<p>Nachdem das Fieber meiner Frau zwei Tage angehalten hatte, entschloss -ich mich, von der angebotenen Gastfreundschaft der Frau O. Gebrauch -zu machen und brachte die Patientin nach Banjumas. Zu diesem Zwecke -ersuchte ich den Stationschef zu Maos, einen Wagen nach Banjumas für -mich zu miethen, welchen der Hotelier L. zu diesem Zwecke in dieser -Station bereit hielt; es war ein alter Landauer, welcher mit vier -javanischen Pferden bespannt war. Das Geschirr war alt und schmutzig, -aber mit Windesschnelle flogen die kleinen Pferde über den Weg, ob es -bergab oder bergauf ging. Mit bewunderungswürdiger Sicherheit leitete -der Kutscher die Pferde. Als wir uns bei Glambong dem Serajothal -(<a href="#fig16">Fig. 16</a>) näherten, lag zu unserer Linken ein hundert Meter tiefer -Abgrund, der Weg krümmte sich beinahe zu einem Winkel von 90°, mit -unerschütterlicher Ruhe trieb der javanische Kutscher die Pferde über -den Bergrücken, während wir uns krampfhaft an die Wände des Wagens -fest hielten, weil wir fürchteten, aus dem Wagen in die Tiefe des -Abhanges geschleudert zu werden. Endlich erreichten wir die Hauptstadt -der Provinz, welche sich über eine ungeheure Fläche ausbreitet. Oft -sind tausend Meter zwischen zwei Häusern, so dass Jeder eine Equipage -halten muss, um nur mit seinem Nachbar verkehren zu können. Die einzige -Sehenswürdigkeit ist das Haus des Residenten, obwohl es sich in seiner -Bauart gar nicht von allen<span class="pagenum" id="Seite_242">[S. 242]</span> übrigen Häusern unterschied; es war im -alt-griechischen Stile gebaut mit vorderer und hinterer Säulenhalle. -Zu seiner Rechten befand sich der Pavillon für die Gäste, welcher auch -meiner Frau angewiesen wurde. Es waren fünf Gastzimmer, von denen eins -meine Frau bezog. Die Babu schlief vor dem Bette auf dem Boden, und vor -dem Pavillon stand die ganze Nacht die Polizeiwache.</p> - -<p>Bewunderungswürdig war der feine Tact, mit welchem Frau O. ihre -Rechte und Pflichten als Gastgeberin gegenüber ihren Gästen erfüllte; -unter dem Vorwande, im Allgemeinen meine diätetische Behandlung der -Malariakranken hören zu wollen, suchte sie alle Gewohnheiten und -Lieblingsspeisen meiner Frau zu erfahren, und, was noch mehr Tact -verrieth, sie beschäftigte sich mit meiner Frau nach meiner Abreise -gerade so viel, dass diese sich weder langweilte, noch durch das »zu -viel« belästigt fühlte.</p> - -<p>Die Flucht aus dem Malariaherde und der Aufenthalt in Banjumas -ermöglichten eine schnelle Heilung meiner Frau. Schon nach zehn -Tagen konnte sie ihre Gastgeberin verlassen und hatte bis zu dem -heutigen Tage keine Attaque von dem Malariafieber mehr, weil sie, -wie <em class="gesperrt">ich</em> behaupte, seit dieser Zeit immer gekochtes Wasser -getrunken hat oder weil sie, wie Prof. <em class="gesperrt">Koch</em> behauptete, immun -geworden war, trotzdem sie noch Jahre lang in Städten wohnte, in -welchen die Mosquitos geradezu Orgien feierten. Auf mich setzten sich -diese Thierchen nur so selten, dass ich glaubte, gegen Mosquitostiche -immun zu sein; überall, wo ich es thun konnte, schlief ich mit offenem -Mosquitonetze und — bekam einen zweiten Anfall von acuter Malaria, so -dass ich endlich um ärztliche Hülfe resp. um Ablösung von Tjilatjap -ersuchen musste. Am 19. Januar 1891 kam Dr. X. mich untersuchen, und am -20. Januar sass ich um 6 Uhr Morgens in der Eisenbahn, um in Djocja von -dem Fieber befreit zu werden. Ich hatte kaum die zweite Station Kroja -erreicht, als ich die Wohlthat der Flucht aus einem Fieberherde kennen -lernte und fühlte. Ein herrliches Wohlbefinden bemächtigte sich meiner, -obzwar die Gegend zwischen Maos und Kroja <em class="gesperrt">noch nicht sumpffrei</em> -ist, und das Fieber verliess mich wie mit einem Zauberschlage.</p> - -<p>Dr. X., welcher nach Tjilatjap kam, hat mir, ohne es zu wissen und auch -nur zu ahnen, einige bittere Stunden der Angst und Furcht bereitet. -Im Jahre 1888 verliess ich nämlich Sumatra mit dem geheimen Auftrage, -auf meiner Reise in A. zu landen,<span class="pagenum" id="Seite_243">[S. 243]</span> wo Dr. X. in Garnison lag. Obschon -es feste Regel war, dass aus dieser Garnison die Officiere nach drei -Monaten abgelöst wurden, weil sie noch ärger als Tjilatjap von der -Malaria heimgesucht war, so hatte Dr. X. schon nach vierzehntägigem -Aufenthalt um Transferirung ersucht mit der Mittheilung, dass er von -der Malaria bereits seit acht Tagen inficirt sei. Ich sollte also Dr. -X. untersuchen und je nach dem Befunde ihn evacuiren und einen anderen -jungen Oberarzt, welcher mir mitgegeben wurde, den Dienst übernehmen -oder im anderen Falle den zweiten Oberarzt mit dem nächsten Schiffe -nach der Hauptstadt zurückkehren lassen. Dr. X. klagte mir sein Leid, -dass er jeden Tag das Fieber bekomme und zwar in den Morgenstunden. -Ich nahm die Temperatur auf und fand 37·2°; ich untersuchte seine -Milz und Leber, sie waren nicht vergrössert; ich sah mich also zur -Erklärung gezwungen, dass keine dringende Ursache vorhanden sei, ihn -sofort zu evacuiren, und befahl also dem mitgekommenen Oberarzt B., -mit dem nächsten Schiffe nach K. zurückzukehren. 2½ Jahre später kam -nun derselbe Dr. X. nach Tjilatjap mit demselben Auftrag, d. h. mir -ärztliche Hülfe zu leisten, mich, wenn es nöthig sein sollte, zu -evacuiren und den Dienst in diesem verrufenen Orte zu übernehmen, oder -aber mich weiter in Tjilatjap verbleiben zu lassen. Zu seiner Ehre sei -es jedoch gesagt, dass er sofort meine Evacuation beschloss und den -Dienst übernahm; am folgenden Morgen verliess ich diesen stärksten -Malariaherd von ganz Java nach einem Aufenthalt von einem Jahre.</p> - -<p>In Djocja<a id="FNAnker_139" href="#Fussnote_139" class="fnanchor">[139]</a> wiederholten sich weder bei mir noch bei meiner Frau die -Fieberanfälle; es besitzt ein herrliches Klima und wird mit Recht von -den Aerzten als Luftcurort für Malariapatienten gepriesen; es liegt -113 Meter hoch und ist lange nicht so feucht als z. B. das in der Nähe -gelegene Magelang; dadurch transpirirt man besser, die Transpiration -verdampft schneller und besser; man ermüdet nicht so leicht; weil -nebstdem die Luft-Temperatur niedriger ist, so geht auch die Secretion -der Nieren leichter von Statten; gerne und sogar mit Vorliebe machte -ich vor der »Rysttafel« um die Mittagsstunde einen Spaziergang, was -z. B. in Batavia oder Samarang geradezu undenkbar ist. Ich wohnte -nämlich im<span class="pagenum" id="Seite_244">[S. 244]</span> Hotel Tugu, welches sich in der Nähe des Bahnhofes -befindet; von hier aus ging links eine grosse und breite Strasse, -nur von Chinesen bewohnt, zu dem Platze, auf welchem sich einerseits -das Fort, andererseits das Residenzgebäude und im Hintergrunde der -Kraton befanden. Nur zu häufig wird man bei seinem Spaziergange durch -die Stadt an die herrschende Regierungsform erinnert. In kleineren -Provinzialhauptstädten, wie z. B. Madiun oder Banjumas, sieht man -<em class="gesperrt">hin und wieder</em> hinter dem Residenten den »Kanarienvogel« mit dem -goldenen Pajong (Sonnenschirm) oder hinter dem Regenten einen Pajong -tragen, welcher halb weiss und halb grün mit vergoldeten Streifen und -Spitze ist; in Djocja jedoch wird der Pajong, der für jeden der hundert -Würdenträger seine bestimmten Farben hat, sogar über die Schale Früchte -gehalten, welche z. B. der Kronprinz dem Commandanten der Leibgarde zum -Geschenke schickt; natürlich ist auch die Grösse des Gefolges bei jeder -Gelegenheit nach den strengen Gesetzen der Etiquette berechnet; in -diesem Falle begleiteten fünf Mann den Bedienten, welcher die Früchte -trug.</p> - -<p>Das Sultanat Djocja besitzt nämlich wie das Kaiserthum von Surakarta -eine dreifache Regierung, und da sie einander so ziemlich ähnlich -sind, wird die Beschreibung einer der beiden hinreichen, um ein -Bild beider Staaten geben zu können. Beide haben nur den Schein -der Selbständigkeit, auch wenn sie den Eingeborenen gegenüber kein -Mittel unbenutzt lassen, ihre ganze Macht und Herrlichkeit zur Schau -zu tragen; so z. B. geschah es bei einem öffentlichen Empfange, bei -welchem der Kaiser von Solo und der Resident auf gleichen Thronsesseln -sassen, dass unter die Füsse des Thronsessels des Kaisers kleine -Stückchen Holz geschoben wurden, wodurch dieser höher als der -europäische Beamte sass. Beide Reiche haben zusammen nicht mehr als -169 ☐Meilen und doch noch vier Fürsten, d. h. zwei Kaiser mit je -einem unabhängigen Prinzen, und führen alle vier einen fürstlichen -Hofhalt. Wie wenig sie regierende Fürsten stricte dictu sind, möge -Folgendes illustriren: Die Reichsverweser der beiden Staaten werden -vom Gouverneur-General ernannt und beziehen von dem holländischen -Staat ihren Gehalt. Die Thronfolge wird nur mit Wissen und Zustimmung -der holländischen Regierung festgestellt. Die Regierung über die -Europäer und »fremden Orientalen«, als Araber, Chinesen u. s. w. -geschieht durch den Residenten. Dieser hat die Aufsicht über die -Polizei, Rechtspflege,<span class="pagenum" id="Seite_245">[S. 245]</span> Steuern der ganzen Provinz. Die Wälder und -Vogelnester sowie das Opiummonopol gehören dem holländischen Staate. -Das Land darf nur unter jenen Bedingungen an Europäer verpachtet -werden, welche das Departement des Innern für ganz Indien festgestellt -hat. Das Strafrecht ist das für ganz Indien giltige. Die unabhängigen -Prinzen sind nebstdem Officiere der indischen Armee à la suite. Der -Prinz Mangku Negara Sohir<a id="FNAnker_140" href="#Fussnote_140" class="fnanchor">[140]</a> von Solo ist ein Colonel und erhielt -früher einen Gehalt von 36,720 Gulden jährlich und 53,000 Gulden -Subvention für den Unterhalt seiner Truppen, während Prinz Paku-Alam -von Djocja als Lieutenantcolonel im Ganzen nur 51,000 fl. erhielt. -— Die Leibgarden beider Kaiser stehen unter einem europäischen -Officier und gehören ebenfalls zur indischen Armee. Der Susuhunan von -Solo erhält als Entschädigung für den Abstand der oben angedeuteten -Hoheitsrechte und Staatseinkünfte eine Apanage von 805,318 fl., und der -Sultan von Djocja 471,600 fl. Das sind freilich hohe Summen, welche -die holländische Regierung für die Souveränität über diesen kleinen -Theil von Java bezahlt. Den holländischen Chauvinisten sind diese zwei -Scheinpotentaten mit ihren zwei Gegenfürsten ein Dorn im Auge, weil sie -die letzten Antipoden ihrer unbeschränkten Herrschaft über Java sind. -Es sei ein Anachronismus, am Ende des 19. Jahrhunderts solche Despoten -mit rein mittelalterlicher Regierungsform der europäischen Civilisation -entgegentreten zu sehen. Das sind natürlich Phrasen. Ein ungarischer -Stuhlrichter erlaubt sich, wenn nicht mehr, so doch gewiss ebenso -viel Willkür gegen die Bürger seines Stuhlrichteramts als der Kaiser -von Djocja. Es ist ja eine Scheinregierung, und den Forderungen der -modernen Rechtspflege, der Sicherheit von Personen und Eigenthum wird -durch die europäischen Beamten Rechnung getragen. Es ist eine Geldfrage -und nichts anderes. Holland aber hat sich zur Bezahlung dieser Summe -verpflichtet, und so lange diese Potentaten ihren Verpflichtungen -nachkommen, kann und darf es der Erfüllung seiner Pflichten sich nicht -entziehen. Ja noch mehr, der ganze Hofhalt dieser beiden Fürsten, -die öffentlichen Staatsfeste (gárebegs), das prunkvolle Auftreten in -der Oeffentlichkeit ist einerseits ein unschuldiges Vergnügen dieser -kleinen Potentaten, und andererseits erhöht dies die Machtstellung -der holländischen Regierung nicht nur den Eingeborenen, sondern auch -Holland und vielleicht ganz Europa gegenüber.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_246">[S. 246]</span></p> - -<p>Was die politische Seite dieser Frage betrifft, so sind ja die -Gegenfürsten in beiden Reichen eine ausgezeichnete Erfindung der -holländischen Principien: Divide et impera. Die ganze Vergangenheit, -die ganze Geschichte des grossen Reiches Matarams sind ja Bürgschaft -genug, dass die letzten Glieder dieses mächtigen Fürstenhauses -niemals vereint gegen Holland auftreten werden; ja noch mehr, wenn -die Eifersucht der zahlreichen Fürsten untereinander nicht immer und -immer ein gemeinsames Auftreten gegen Holland unmöglich gemacht hätte, -würde niemals eine europäische Macht dort festen Fuss gefasst haben. -Die Deutschen in Afrika, die Franzosen in Tonking, die Engländer in -Indien u. s. w. hätten überhaupt keine Colonien gründen können, wenn -die Eingeborenen mit vereinten Kräften den Eroberern entgegengetreten -wären. Nicht die Macht der europäischen Civilisation und nicht die -Ueberlegenheit der europäischen Waffen haben Europas Colonien im fernen -Osten gegründet, es war die Uneinigkeit der Eingeborenen und ihrer -Fürsten, welche eine Ansiedlung der Eroberer ermöglicht hat.</p> - -<p>Wenn also jemals einer der beiden Kaiser die Abhängigkeit von Holland -lästig finden sollte, lauert schon sein Gegenfürst auf die Nachfolge -in der Herrschaft, welche ihm durch die Hülfe Hollands sicher zu Theil -werden würde. Sollte einer dieser sogenannten unabhängigen<a id="FNAnker_141" href="#Fussnote_141" class="fnanchor">[141]</a> Fürsten -jedoch mit seinem Confrater gemeinsame Sache gegen Holland machen -wollen, so würde er unbedingt den Kürzeren ziehen, denn er ist der -Stossballen zwischen dem Souverän und seinem Vasallen, und er ist sich -dessen bewusst.</p> - -<p>Die Stadt Djocja mit 58,267 Einwohnern (worunter 1826 Europäer und 3478 -Chinesen sind) hat aber noch aus anderen Ursachen ein eigenthümliches -Gepräge. Die Beamten und Officiere spielen dort keine dominirende -Rolle, sie sind ja häufigen Transferirungen unterworfen. Tonangebend -sind in Djocja die »Landherren«, weil sie, wenn auch nicht in der Stadt -selbst ihre Fabriken und Wohnungen haben, doch ihre freie Zeit im Club -oder bei Freunden in der Stadt zubringen. Wenn auch die »fetten Jahre« -schon vorüber sind, in denen der Zucker mit 16 fl. per Pikol bezahlt -wurde, und sie sich begnügen müssen, wenn sie 8 fl. dafür<span class="pagenum" id="Seite_247">[S. 247]</span> bekommen, -so ist z. B. das Spiel um hohe Preise im Club an der Tagesordnung. Ein -Pikol Kaffee für »das Capitaal« beim l’hombre war selbst eine lange -Zeit ein gewöhnlicher Preis. Nebstdem pflanzen die Europäer Indigo. -Diese drei Producte werden nach Europa exportirt. Für den einheimischen -Markt werden Reis, Tabak, Mais, Pfeffer und Kapok gepflanzt.<a id="FNAnker_142" href="#Fussnote_142" class="fnanchor">[142]</a> An -der Südküste befinden sich die Höhlen für die essbaren Nester der -Schwalbe (hirundo esculenta) und 8 Kilometer von Pleret entfernt -liegt der alte Kirchhof von Imagiri, bewachsen mit Nelken-<a id="FNAnker_143" href="#Fussnote_143" class="fnanchor">[143]</a> und -Mesuenbäumen, zu dem 360 Stufen emporführen. Ein kleiner Teich, zwei -Vorhöfe mit Mauern und mit den Gräbern zahlreicher Fürsten (Pángérans) -und zweier Frauen des Sultans Agung, mit grossen Martavanen (Töpfen) -mit heiligem Reinigungswasser für die Füsse umgeben das letzte Grab, -welches mit Zimmt- und Nelkenbäumen beschattet ist. Hier soll Sultan -Agung selbst den ewigen Schlaf ruhen.</p> - -<p>Am Seestrand liegt eine schöne Grotte, welche in der ganzen Geschichte -des Mataramschen Reiches eine grosse Rolle gespielt hat und noch heute -spielt; denn noch vor einigen Jahren flüchtete der Kronprinz von -Djocja nach der Grotte der Ratu Lara Kidul — dies ist nämlich ihr -Name —, um sich hier mit Fasten und Beten zum Kampfe gegen die Kafirs -vorzubereiten. Die Regierung schickte einfach eine Schwadron Cavallerie -dahin und störte ihn so sanft als möglich in seinen ascetischen -Betrachtungen. Da ich sie selbst nicht gesehen habe, will ich die von -<em class="gesperrt">Veth</em> gegebenen Beschreibungen folgen lassen, obwohl er niemals -auf Java gewesen ist und sie also auch nicht aus Autopsie kennt.</p> - -<p>»Die Grotte ist schief, unregelmässig gezackt, 15′ lang, 7′ breit und -nirgends mehr als 10′ hoch. Aber von ihrem Gewölbe hängen zahlreiche -blau-weisse, aus concentrischen Schichten geformte Stalaktiten in der -Form von Eiskegeln, Orgelpfeifen oder kleinen Pyramiden<span class="pagenum" id="Seite_248">[S. 248]</span> herab. Die -Wände der Grotte haben die Form von Säulen, welche durch tiefe Furchen -von einander getrennt sind; von ihren Spitzen und Zähnen am Gewölbe -tröpfelt immerwährend das Wasser, so dass ein natürliches Tropf- und -Regenbad entsteht, welchem sie den Namen Karang trètès = Tropfhöhle -verdankt. Das kalkhaltende Wasser sammelt sich in kleinen Bächen und -fliesst sanft murmelnd nach aussen. An dem Eingang der Grotte wachsen -Farnkräuter und Moose, welche von unten incrustirt sind, so dass sie -oben noch wachsen und grün sind, während sie auf der Basis zu einer -Steinmasse verkalkt sind.«</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Das Dolce far niente der Italiener hat sein Pendant in dem »Klima -schiessen« in Indien, in dem »Stündchen der Dämmerung« der Holländer -und in dem procul negotiis der Römer. Entrückt allen Sorgen des -täglichen Lebens giebt man sich der vollkommenen Ausspannung des -Geistes hin, ohne zu denken, ohne zu träumen und nur zu fühlen, und -zwar dem Genuss der Kühle der frühen Morgenstunde oder dem sanften -Zephyrwehen einer kühlen Abendluft. Dies ist das »Klima schiessen« der -Indier. — Besonders in Djocja war es ein herrliches Gefühl, nach dem -Abendessen, welches im Hotel um 9 Uhr beendigt war, in der »Vorgalerie« -in einem Schaukelstuhle zu sitzen und — nichts zu denken, nicht zu -träumen und sich ganz dem Genuss der Tropennacht hinzugeben. Die -Temperatur war in der Regel ungefähr 20° C., der Himmel unbedeckt; die -Oriongruppe, das südliche Kreuz und die Venus strahlten in schillerndem -Lichte, und nur selten wurde die Ruhe durch einen vorbeifahrenden -Wagen gestört. Des Morgens ist ein »Klima schiessen« weniger angenehm. -Zum richtigen »Klima schiessen« gehört ja die indische Haustoilette, -Nachthose, Kabaya (Leibchen) und Pantoffeln, welche den Körper nirgends -beengen; dazu ist es aber in Djocja zu kühl; man muss sich Bewegung -machen, um die kühle Morgenluft von 17° C. angenehm zu finden, oder man -muss sich »kleiden«. In Djocja sind allerdings die Etiquettenregeln -hinsichtlich der Toilette nicht strenge; die Stadt ist ja durch und -durch »indisch«, d. h. die Mehrzahl der Europäer ist entweder in Indien -geboren oder ist von gemischter Rasse. Wenn sich auch die Männer so -ziemlich der europäischen Mode anschliessen, so entziehen sich doch -die »indischen Damen« so viel als möglich dem Scepter der Mode Europas -und bleiben so viel als möglich, d. h. oft Tage,<span class="pagenum" id="Seite_249">[S. 249]</span> Wochen, wenn nicht -Monate lang in der indischen Toilette: Sarong, Kabaya, Kutang<a id="FNAnker_144" href="#Fussnote_144" class="fnanchor">[144]</a> und -Pantoffeln. Sie huldigen dabei ebenso viel der Eitelkeit als auch der -Bequemlichkeit. Man sieht also in Djocja nach 6 Uhr früh die meisten -Europäer, nachdem sie ihre Schale warmen Kaffee zu sich genommen haben, -in indischer Toilette in den Strassen spazieren gehen und zwischen -7 oder 7½ Uhr nach Hause zum Frühstück eilen; um 8 Uhr beginnt das -Business.</p> - -<div class="figcenter illowe50" id="fig18"> - <img class="w100" src="images/fig18.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Fig. 18. Eine Scene aus einem Wájang orang am Hofe zu - Djocja (nach Dr. Gronemann).<br /> - (Sultan Agung nähert sich in der Gestalt einer Nymphe der reizenden - Endel, welche ihre bedrohte Tugend mit Pfeil und Bogen vertheidigt.)</div> - <div class="caption_gross x-ebookmaker-drop"><a href="images/fig18_gross.jpg" - id="fig18_gross" rel="nofollow">⇒<br /> - <span class="s6">GRÖSSERES BILD</span></a></div> -</div> - -<p>Für mich waren in Djocja auch die Stunden des Vormittags dem Nichtsthun -geweiht; wenn man jedoch Jahre lang an intensive Arbeit gewöhnt -war, dann ist der Müssiggang ein bis zwei Tage lang sehr angenehm, -den dritten und vierten Tag redet man sich ein, dass das Nichtsthun -angenehm sei, aber am Ende der ersten Woche tritt das Schreckgespenst -der Langenweile in dem Hintergrunde des täglichen Lebens auf. Den -ganzen Tag zu lesen ist ja auch ermüdend, wenn man gesund »am Herzen -und der Seele ist«. Bekannte oder Freunde kann man ja auch nicht -aufsuchen, weil sie in ihrem Berufe thätig sind; in dem Club erscheinen -erst um 11½ bis 12 Uhr die Mitglieder; ich besuchte ihn aber nicht -gern, weil ich nicht gewöhnt war, etwas zu trinken, ich langweilte mich -also in der ersten Hälfte des Tages. Die zweite Hälfte ging jedoch viel -rascher vorbei; um 1 Uhr ging ich zur »Rysttafel« und nach dieser zu -Bett; um 4 Uhr stand ich auf, nahm meinen Thee und ein Glas Eiswasser, -las die unterdessen angelangten Briefe und medicinischen Zeitungen, -ging um 5 Uhr ins Schiffsbad und warf mich danach in europäische -Kleidung. Der Zustand meiner vergrösserten Leber und Milz erlaubte -zwar nicht grosse Spaziergänge; eine Stunde lang hielt ich es in der -Regel aus, und um 7 Uhr konnte ich meine Bekannten aufsuchen, nachdem -ich vorher um die Erlaubniss gebeten hatte, »mit meiner Frau meine -Aufwartung machen zu können«. Um 8 Uhr ging ich nach Hause, nahm das -Abendessen, und punkt 11 Uhr begab ich mich zu Bette.</p> - -<p>Schon nach der ersten Woche liessen die Schmerzen in der Leber -bedeutend nach, so dass ich mich zu grösseren Ausflügen entschliessen -konnte. Die Provinz Djocja ist ja sehr reich an alten Tempeln, -besonders in der Nähe der Grenze der Provinz Surakarta, und die -bedeutendsten sind die von Prambánan (<a href="#fig17">Fig. 17</a>). Eines Tages entschloss -ich mich also, mit meiner Frau und einer Ingenieursfamilie dahin zu -gehen: um 7 Uhr 10 Min.<span class="pagenum" id="Seite_250">[S. 250]</span> und 12 Uhr 21 Min. geht die Eisenbahn von -Djocja nach Samarang, und um 9 Uhr 43 Min. nach Solo. Beide Züge konnte -ich benutzen, weil sie beide in der Station Prambánan anhalten; für die -Rückfahrt konnte ich die Züge benutzen, welche von Samarang (via Solo) -um 11 Uhr 46 Min. und 3 Uhr 34 Min. oder von Solo allein um 6 Uhr 5 -Min. ankommen.</p> - -<p>Auf Wunsch unserer Reisegenossen fuhren wir mit dem Zuge um 12 Uhr 21 -Min. Leider trugen die Waggons den Anforderungen des Tropenklimas in -keiner Weise Rechnung; ja noch mehr; vielfach wird sogar behauptet, -dass sie aus zurückgestellten und untauglichen Waggons Hollands -bestanden. Die zweite Classe hatte zwar hölzerne Bänke mit Sitzflächen -aus Rohr; sie sollten aber auch Fauteuils haben, weil man in Indien -noch leichter als in Europa durch eine vielstündige Fahrt ermüdet; für -Ventilation ist beinahe gar nicht gesorgt, und noch weniger für Gänge -an den Längsseiten. (Für Speisesalonwagen ist bis jetzt noch kein -Bedürfniss.)</p> - -<p>Glücklicherweise dauerte die Fahrt nicht länger als ungefähr eine -Stunde. Die »Halte« Prambánan liegt an der Grenze Surakartas. Dort -mussten wir noch beinahe eine Viertelstunde zu Fuss zurückgehen, bis -wir nach einer kurzen Krümmung des Weges plötzlich den schönsten -Tempel von ganz Java vor uns sahen. Der Buru Budur ist grösser, ist -colossaler, ist vielleicht zehn bis zwanzig Mal so gross als dieser; -schöner in den Detailarbeiten ist gewiss der von Prambánan. Ich kann -leider nur eine Beschreibung des Aeusseren aus Autopsie geben, weil -mir damals das Treppensteigen zu viel Schmerzen verursachte und es mir -unmöglich war, das Innere zu besichtigen. In der Mitte des Tempels -war nämlich eine grosse Oeffnung nach Osten, und dahin führte eine -steinerne Treppe ohne Geländer; die einzelnen Treppen waren vielleicht -40 cm hoch, und sofort nach meinem ersten Versuch, hinauf zu kommen, -musste ich wegen intensiver Schmerzen in der Leber zurückkehren. Doch -ich sah genug, um die Baukunst der alten Hindu bewundern zu können und -das Bedauern meiner Frau gegenüber zu äussern, dass ganz Europa von -diesen wunderschönen Resten alter Sculpturen beinahe gar keine Ahnung -hat.<a id="FNAnker_145" href="#Fussnote_145" class="fnanchor">[145]</a> Selbst die holländischen Officiere und Beamten durchziehen -gleichgiltig den ganzen Archipel, ohne sich hier, wäre es auch nur -für einen Tag, aufzuhalten, und nur wenn<span class="pagenum" id="Seite_251">[S. 251]</span> sie der Dienst zwingt, -in Djocja, Solo oder Magelang einige Monate oder Jahre zu bleiben, -dann nehmen sie sich die Mühe, diese Stätte des alten Hindudienstes -aufzusuchen! Ich habe (im Jahre 1884) bei Kairo eine Pyramide und eine -Sphinx gesehen, und unbefriedigt zog ich weiter, weil das Massive und -das Grosse dieser zwei Denkmäler alter Baukunst eben auf mich keinen -Eindruck machten. In Prambánan jedoch stand ich entzückt vor einer -Schatzkammer der Bildhauerkunst. Der Tempel selbst war vielleicht 20 -bis 25 Meter hoch, und seine Länge und Breite schätzte ich auf ungefähr -20 Meter. Die Basis hatte übrigens die Form eines russischen Kreuzes -mit der Längsfront nach Osten; im Süden schloss sich ein zweiter noch -mehr verfallener Tempel (tjandi J.) an. An dem ersteren konnte man -noch die ursprüngliche Form vermuthen; sie war die eines Kegels; der -zweite jedoch war eine Ruine, welche wahrscheinlich mehr durch den -Vandalismus der Mohamedaner als durch den Zahn der Zeit gelitten hat -und heute eine formlose Menge zahlreicher und unzählbarer gemeisselter -Steine ist. Ueberall zerstreut und offenbar durch die Sorgfalt der -jetzigen Regierung gegen die Tempel angelehnt liegen wunderschöne -Reliefs und Hautreliefs; es sind die bekannten Figuren der indischen -Bildhauer; aber feiner ausgearbeitet, und jedes einzelne Stück verräth -den Meister. Einige Stücke, welche sich rechts von dem Eingange an die -Grundmauer frei lehnten, würde ein <em class="gesperrt">Thorwaldsen</em> nicht besser -geliefert haben, und diese Schatzkammer der indischen Bildhauerkunst -ist hier unbewacht und unbeschützt dem Sturm des Wetters und der Zeit -ausgesetzt!! Das Innere desselben habe ich ebensowenig gesehen als -die »Tausend Tempel«, welche ungefähr 1 Kilometer hinter Prambánan -liegen; ich lasse also, — natürlich nur auszugsweise — <em class="gesperrt">Veth’s</em> -Beschreibung hier folgen:<a id="FNAnker_146" href="#Fussnote_146" class="fnanchor">[146]</a></p> - -<p>»Wenn man sich von Djocja nach Solo begiebt, kommt man zunächst an -den Tjandi (Tempel) Kalason oder Tj. Kali Bening,<a id="FNAnker_147" href="#Fussnote_147" class="fnanchor">[147]</a> welcher einer -der schönsten und besten bearbeiteten Tempel von ganz Java und ein -wenig rechts vom grossen Wege abseits gelegen ist. Er wurde gebaut -in der Form eines griechischen Kreuzes mit hervorspringenden Ecken -und hatte vier Räume. Das Ganze ruhte auf einem Fussstück, welches in -schönster Abwechselung von glatten<span class="pagenum" id="Seite_252">[S. 252]</span> Leisten und Bändern mit Blumen -und Vasen umzogen war. Darauf erhoben sich die Wände mit wunderschön -verzierten Thüren, welche von Fächern mit flachen Nischen flankirt -waren. In jeder derselben stand ein beinahe lebensgrosses Bild mit -dem Gürtel der Brahmanen um die Lenden, und zwar als Hautrelief. Die -Eingänge lagen nach den vier Himmelsrichtungen und hatten über dem -oberen Rande eine nackte Frau, welche mit den Füssen eingeschlagen auf -dem Boden sass. Man kam auf Treppen dahin, welche jetzt durch Wegnahme -der Steine beinahe ganz verschwunden sind. Ein wunderschönes Pilaster -und Kronarbeit umfasste die Eingänge, und diese waren wiederum nur ein -Theil eines zweiten Pilasters, welches sich bis an die Kronleiste der -ganzen Gebäude erhob. Glatte Leisten zogen hier auf zwei colossalen -Elephantenköpfen mit hoch erhobenem Rüssel herab, welche sich auf jeder -Seite des Einganges befanden. Sie trugen eine Krone, welche aus kleinen -Tempeln mit Pilastern und pyramidenförmigen Dächern bestand, und -diese waren wieder bis zur Spitze mit Figuren bedeckt, welche in der -verschiedensten Weise die Demuth und Ergebenheit anzeigten. Zwischen -der Krone und den Leisten über dem Eingange war das gewöhnliche -Monster, von den Javanen Banaspati genannt, breit, ohne Unterkiefer, -mit frei hängenden Haaren und fürchterlich hervorstehenden Augen. -Darüber zog sich um das ganze Gebäude eine massive Kronleiste, welche -von einer ganzen Reihe Figuren getragen wurde, welche wiederum die -Hände über dem Kopf, die Kniee und den Nacken gebogen hielten.« Ueber -den letzten Theil des Daches kann man nichts Bestimmtes mittheilen, -weil es abgefallen und mit Wucherpflanzen ausgefüllt war; wie auch <a href="#fig17">Fig. -17</a> zeigt, hatte es Pyramidenform, welche die meisten dieser Tempel -charakterisirt.</p> - -<p>»Drei Nischen sind noch deutlich zu sehen, und man hat darin -Buddhabilder entdeckt, welche auf dem Lotusthrone sassen. Der Eingang -gegen Osten war am schönsten verziert, und hier war auch der grösste -Saal. Vor diesem Zimmer war eine Halle, 3 Meter breit und 5 Meter -lang, mit drei Nischen für Figuren und mit einem verschwenderischen -Reichthum an Laub und anderen architektonischen Verzierungen. Von hier -aus kam man in den Hauptsalon von quadratischer Form, ungefähr 12–13 -Schritte breit und lang, und gewiss 20 Meter hoch; eine der Wände ist -von einem Piedestal eingenommen, worauf wahrscheinlich der Gott sass, -dem der Tempel geweiht war. Von diesem ist jetzt keine Spur mehr zu -finden. Die drei<span class="pagenum" id="Seite_253">[S. 253]</span> anderen viel kleineren Zimmer waren in gleicher Weise -eingerichtet, hatten aber keine Vestibule. Auch aus diesen sind die -Gottesbilder verschwunden. Die Länge und Breite von dem Gebäude betrug -20 Meter, und die Höhe wird wohl zur Zeit, als das Dach complet war, 23 -Meter betragen haben.«</p> - -<p>Von den zahlreichen Ruinen, welche in den »Fürstenländern« gefunden -wurden, habe ich, wie erwähnt, nur den Tempel von Prambánan gesehen. -Leider war es mir nicht gegönnt, auch die »tausend« Tempel zu sehen, -und ich muss mich daher begnügen, ihrer mit einigen Worten aus dem -Werke <em class="gesperrt">Veth’s</em> Erwähnung zu thun. Bei Kalasan findet man grosse -Ruinen von dem »Palast von Prambánan«; 1½ Kilometer weiter ist die -Tjandi »Loro Djongrang«; ebenso weit ist die Tjandi Séwu und die Tjandi -Lumbung. Die »tausend Tempel« = Tjandi Séwu ist eine Gruppe von 254 -Tempeln, welche wahrscheinlich sowohl dem Dienst Siwah als des Buddha -geweiht waren. Es fällt mir die Wahl schwer, aus den Beschreibungen -das Interessanteste mitzutheilen, und ich verlasse dies Thema momentan -um so lieber, als ich später Gelegenheit hatte, den Riesentempel Buru -Budur und den von Mendut in der Provinz Kedu zu sehen, welche beide -ich sowohl vom ästhetischen als vom historischen Standpunkte aus werde -beschreiben müssen.</p> - -<p>Die alten Hindu müssen ein Volk von Bildhauern gewesen sein. Wenn ich -die ungeheure Zahl der Bilder berechnen wollte, welche diese tausend -Tempel besitzen, ich käme zu Ziffern, welche kein Land in Europa -aufweisen kann; ich muss es auch wiederholen, ich sah in den Ruinen, -welche bei dem grossen Tempel zu Prambánan zerstreut längs der Mauer -lagen, einzelne Reliefs, welche an Reinheit der Formen beinahe mit -denen einer Broncefigur wetteiferten. Eins verstehe ich nicht, die -ganze civilisirte Welt schwärmt von den Pyramiden Aegyptens, und -niemand spricht von dieser reichen Schatzkammer von Sculptur und -Architektur, welche Java in seiner Mitte birgt.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Das Fieber hatte sich seit meinem Aufenthalte in Djocja nicht wieder -eingestellt, der Magen begann wieder regelmässig zu functioniren, der -Appetit kam zurück, die schnelle und leichte Ermüdung wich, und nur ein -zeitweiliger Schmerz in der Leber und hin und wieder in der rechten -Schulter erinnerten mich an die überstandene<span class="pagenum" id="Seite_254">[S. 254]</span> Malaria-Infection. -Regimentsarzt X. besuchte mich einige Male in der Woche, und eines -Tages entdeckte er — eine Geschwulst im Pylorus!<a id="FNAnker_148" href="#Fussnote_148" class="fnanchor">[148]</a> Die häufigsten -Geschwülste an dieser Stelle sind der Krebs. So niederschmetternd diese -Diagnose für mich auch war, so wenig dachte ich an ihre Richtigkeit, -ohne es aber wissenschaftlich begründen zu können.</p> - -<p>Vielleicht hielt mich das Bewusstsein aufrecht, dass sich bei einem -Carcinom des Magens unmöglich das allgemeine Befinden so bessern -könnte, wie es bei mir der Fall war. Ich hatte leider diesbezüglich -schon einige Erfahrung, solche schweren Diagnosen der Collegen mit -gewisser Vorsicht aufzunehmen. Im Jahre 1883 litt ich an einem -Blasenkatarrh und liess mich im Militärspital zu Batavia aufnehmen.</p> - -<p>Nach vierwöchentlicher Behandlung bekam ich »wegen Morbus -Brightii«<a id="FNAnker_149" href="#Fussnote_149" class="fnanchor">[149]</a> Urlaub nach Europa. Ich hatte im Jahre 1884 kein -Nierenleiden und ich habe es glücklicherweise heute noch nicht. Ich -hatte im Jahre 1891 keinen Pyloruskrebs und ich habe ihn heute, nach -acht Jahren, glücklicherweise auch noch nicht.</p> - -<p>Am häufigsten werden die Officiere, welche an Malaria gelitten -hatten, auf ärztliches Zeugniss des Garnisondoctors in ein »kühles -oder Berg-Klima« transferirt; für Aerzte gab es in der zweiten -»Militär-Abtheilung« hinreichende Garnisonen, welche diesen Bedingungen -entsprachen: Salatiga, wo die Cavallerie ihren Stab hatte, Magelang, -wo 2 bis 4 Bataillone lagen, Willem I und Djocjakarta, welches für -alle Militärärzte geradezu ein Eldorado war. Ein herrliches Klima, -Gelegenheit zu einer Privatpraxis von 800–1000 fl. pro Monat, leichter -und angenehmer Dienst, eigenthümlich interessanter Verkehr mit den -Fürsten der Provinz und mit den Landherren, die günstige Lage an -einer Eisenbahn, waren Vorzüge, welche selten vereint in einer Stadt -in Indien gefunden werden. Ich war jedoch kein Fieberpatient, ich -hatte einen Pyloruskrebs (??); über meine weitere Zukunft musste -also die Superarbitrirungs-Commission in Samarang entscheiden. Am -7. Februar ging ich also nach Samarang und liess mich, freiwillig -gezwungen, in das Militär-Spital aufnehmen. Es besteht nämlich keine<span class="pagenum" id="Seite_255">[S. 255]</span> -Verpflichtung für einen Officier, sich im Spitale behandeln zu -lassen; mit verschiedenen Phrasen zwingt man jedoch jene Officiere -dazu, welche man maassregeln will. Bei mir war Folgendes der Fall: In -Ngawie war der Schwager des Sanitätschefs in Garnison, welcher »wegen -Gesundheitsrücksichten« nach Europa gehen wollte; er erschien mit -mir gleichzeitig »vor der Commission«. Er bekam sein diesbezügliches -Gesundheitszeugniss und wollte sofort seine Reise antreten, worauf er -gerechnet hatte. Ich selbst war zur Disposition, also sollte und musste -ich wiederum nach Ngawie; dafür musste jedoch eine Ursache gefunden -werden, weil ich Reconvalescent nach Malaria war und als solcher -ein »kaltes resp. Berg-Klima hätte erhalten sollen«. Diese Ursache -konnte nur gefunden werden, wenn ich im Spitale selbst beobachtet -werden konnte. Es wurde mir also nahe gelegt, wie zweckmässig für -mich eine Behandlung und Beobachtung im Spitale wäre, weil die -Differentialdiagnose zwischen Lebertumor und Magenkrebs auf sichere -Basis gestellt werden müsse.</p> - -<p>Ich liess meine Frau bei einer bekannten Officiersfamilie -Gastfreundschaft geniessen, ging ins Spital, und schon nach drei Tagen -war die Diarrhöe constatirt, welche es dringend nöthig machte, dass ich -wieder nach Ngawie versetzt wurde. Die Commission constatirte, dass ich -keinen Magenkrebs, sondern eine Lebervergrösserung hätte, und diese -dürfe, wenn sie mit Diarrhöe gepaart ginge, nur in einem »warmen Klima« -behandelt werden. Ich theilte dem behandelnden Arzte mit, dass ich seit -dem Jahre 1886 stets in den <em class="gesperrt">heissesten</em> Garnisonen gelebt hatte, -welche ganz Indien kenne, 2 Jahre in Atschin, 1½ Jahr in Ngawie und 1 -Jahr in Tjilatjap, dass ich geradezu Bedürfniss hätte, meinem durch das -Malariafieber erschöpften Organismus in einem Bergklima Erholung zu -gönnen, dass der kurze Aufenthalt in Djocja dies bewiesen hätte, aber -Roma locuta est. Ich wurde wieder nach Ngawie versetzt.</p> - -<p>Für Officiere, welche keine Frau haben, oder für die Behandlung -gewisser Krankheiten, welche z. B. eine Operation nöthig machen, ist -die Spitalsbehandlung in Indien aus vielfachen Ursachen der häuslichen -Pflege vorzuziehen; denn die Verpflegungsgebühren für einen Officier -sind nicht hoch; er bezahlt als Lieutenant 2,50 fl., als Hauptmann -3 fl. und als Stabsofficier 5 fl. pro Tag und erhält eine in jeder -Hinsicht reichliche Tafel mit Getränken (Wein, Mineralwasser u. s. w.) -und ein grosses Zimmer. Natürlich ist es conditio sine qua non, dass -der Spitalschef auch für<span class="pagenum" id="Seite_256">[S. 256]</span> Abwechselung in dem Menu sorgt. Wenn in -Berlin eine Kochschule als Postulat für Aerzte erklärt wird, wie viel -nöthiger sind gastronomische Studien für einen Militärarzt in Indien. -In meiner ganzen zwanzigjährigen Laufbahn sah ich nur einen einzigen -Chefarzt um die Küche des Spitals in gleicher Weise wie um alle anderen -Zweige seines Dienstkreises besorgt.</p> - -<p>Für verheiratete Officiere wird in Indien die Aufnahme in ein -Spital nur bei grösseren Operationen eine Nothwendigkeit, und darum -verpflichten die gesetzlichen Bestimmungen keinen Officier, ins -Spital gehen zu müssen. Muss die Superarbitrirungs-Commission eine -Entscheidung über einen Urlaub nach Europa, über Pensionirung u. s. w. -treffen, so ist der bisherige Modus agendi nicht immer zweckmässig. -Der betreffende Candidat wird von dem »Garnisondoctor« behandelt und -beobachtet; dieser erstattet einen ausführlichen schriftlichen Bericht -über seine Beobachtungen, macht seine Vorschläge, verfasst eine -zweckentsprechende Krankengeschichte, und auf Grund dieser Berichte -entscheidet der Präsident der Commission, ob und wann sich der Candidat -der Commission vorstellen soll. Sie untersuchen den Patienten auf Grund -der erhaltenen Mittheilungen und sind in der Regel in der Lage, ein -Urtheil über die Vorschläge des Garnisondoctors aussprechen zu können. -In einzelnen Fällen ist aber eine längere Observation des Candidaten -nöthig und wünschenswerth. Ich erinnere mich folgenden Falles aus der -Zeit, als ich Mitglied der Superarbitrirungscommission in S. war. -Oberstlieutenant X. war in Ungnade beim Armeecommandanten verfallen, -ohne dass dieser gesetzliche Gründe hatte, den missliebigen Officier -dem Gouverneur-General<a id="FNAnker_150" href="#Fussnote_150" class="fnanchor">[150]</a> zur Pensionirung vorzuschlagen. Da er -seit längerer Zeit ein Magenleiden hatte, welches ihn oft an seinem -Dienste verhinderte, erging also an den Landescommandanten der Befehl, -ihn durch eine ärztliche Commission untersuchen zu lassen. Mir war -bekannt, dass sein Leiden in einem Magengeschwür bestanden hatte; zur -Zeit seiner »Affaire« befand er sich vollkommen wohl, d. h. objectiv -liess sich nichts nachweisen. Zwei objective Symptome hätten uns -vielleicht in den Stand gesetzt, eine Wahrscheinlichkeitsdiagnose zu -stellen und zwar der Gehalt an Magensäure und der Appetit; die erste -Frage erregte<span class="pagenum" id="Seite_257">[S. 257]</span> zweierlei bedeutende Bedenken; der Arzt darf ja nicht -zum Zwecke einer Diagnose einen sonst gesunden Menschen <em class="gesperrt">mehrere -Male</em>, sei es durch Medicamente, sei es durch die Magensonde, -zum Erbrechen zwingen. Nebstdem ist die chemische Untersuchung -<em class="gesperrt">allein</em> nicht im Stande, mit Sicherheit eine Magenerkrankung -auszuschliessen oder zu constatiren. Bequemer war natürlich die -zweite Frage, die des Appetites dieses Patienten (?). Mit Zustimmung -des Präsidenten nahm ich es auf mich, ihn bei seinen Mahlzeiten zu -beobachten, und theilte ihm zu diesem Zwecke mit, dass wir nur ein -Mittel hätten, ihn für gesund zu erklären, und zwar wenn wir in der -Lage wären, in unserm Attest unsere Ansichten <em class="gesperrt">motiviren</em> zu -können. Natürlich fügte ich hinzu, dass wir seinen Mittheilungen -vollkommen Glauben schenkten, dass aber das Armee-Commando von uns -ein objectives und motivirtes Urtheil über den Zustand seines Magens -erwarte. Oberstlieutenant X. verstand mich sofort und lud mich ein, -Zeuge seines guten Appetites zu sein. Er ass seine ganze »Reistafel« -und brachte den andern Tag den Beweis, dass diese auch ganz verdaut -war. Es giebt also zahlreiche Fälle, welche die Commission veranlassen, -den Candidaten eine längere Zeit hindurch zu beobachten, bevor sie -ihr endgiltiges Urtheil aussprechen kann, und darum sollte die -gesetzliche Verpflichtung bestehen, dass alle Officiere, über welche -die Superarbitrirungs-Commission ein Urtheil aussprechen muss, sich — -und wäre es nur für einen Tag — ins Spital aufnehmen lassen müssen. -Mir sind ja Fälle bekannt, dass Officiere, welche die Controle der -Commission fürchten mussten, dem Sirenengesang der Phrasen, es wäre -in ihrem eigenen Interesse, wenn sie sich zur Observation ins Spital -begeben würden, u. s. w. nicht Folge leisteten, ja selbst brutal -ihre Weigerung mit den Worten motivirten, sie hätten keinen Beruf, -die Arbeit der ärztlichen Commission zu erleichtern, und — vollen -Erfolg ihrer Pläne hatten. Mir wurde also wiederum die Garnison Ngawie -angewiesen.</p> - -<div class="figcenter illowe45" id="fig19"> - <img class="w100" src="images/fig19.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Fig. 19. Tempel bei Mendút (Provinz Kedú).</div> - <div class="caption_gross x-ebookmaker-drop"><a href="images/fig19_gross.jpg" - id="fig19_gross" rel="nofollow">⇒<br /> - <span class="s6">GRÖSSERES BILD</span></a></div> -</div> - -<p>Die »Hölle Javas« eignete sich aber gar nicht dazu, mich von meiner -Vergrösserung der Leber zu befreien; die Schmerzen blieben, und zwei -Monate später (18. April) ersuchte ich wieder, durch eine Commission -nach einem »kalten Klima« transferirt zu werden; es wurde mir ebenso -wenig als drei Monate später die Gelegenheit geboten, durch einen -längeren Aufenthalt in einem Bergklima von meinem Leberleiden befreit -zu werden, und eine hochgradige Hypochondrie bemächtigte sich meiner, -welche am 18. September den<span class="pagenum" id="Seite_258">[S. 258]</span> Höhepunkt erreichte. An diesem Tage -wurde mir ein Knabe gebracht, welcher von einem tollen Hunde gebissen -war und sich beim Fallen auf die Erde an der Stirn verletzt hatte; -ich liess den zufällig anwesenden Doctor-djawa die Wunde reinigen, -und da die Wunde auf der Stirn glatte Ränder hatte, beabsichtigte -ich, sie zu nähen. Beim Einfädeln stach ich mich in die Finger. Die -gebissene Wunde hatte ich nicht einmal berührt; dennoch — erwachte -ich in der darauf folgenden Nacht mit dem Angstgefühl der Lyssa!! Ich -hatte Schlundkrämpfe, Speichelfluss und eine fürchterliche Aufregung, -verbunden mit dem Gefühle, Lyssa zu haben!</p> - -<p>Wenn ich mir auch das Lächerliche und Unwissenschaftliche des -Gedankens, inficirt zu sein, vor Augen hielt, weil ich gar nicht -in Contact mit der gebissenen Wunde gewesen war, und weil die -Lyssa doch wenigstens 5–6 Wochen Zeit zur Entwicklung nöthig hat -(Incubations-Zeit), so blieb doch diese fürchterliche Aufregung Tage -lang bestehen, und erst nach Jahresfrist <em class="gesperrt">kam</em> etwas Ruhe in -mein Nervenleben. Ich war ein Neurastheniker geworden, und diese -unbillige Behandlung, wegen eines Leberleidens in ein »warmes Klima« -versetzt zu werden, weil zufälliger Weise eine solche Stelle offen -war, war natürlich Oel ins Feuer gegossen. Gleichzeitig hatte ich -Schwierigkeiten mit dem Platz-Commandanten, welche ich früher erzählt -habe, und welche mir so viele Schreibereien verursachten, dass ich bei -meinen anderen vielseitigen Arbeiten oft vor 2 bis 3 Uhr nicht schlafen -gehen konnte; meine Nerven hielten diesen Choc nicht aus. Auch ein Mann -mit gesunden Nerven wäre ihm erlegen, und so wurde der Ausbruch einer -acuten Hypochondrie der Vorläufer eines Jahre langen Nervenleidens. -Major X. ging mit Urlaub nach Batavia und scheint dort über meinen -Zustand persönlich Bericht erstattet zu haben, denn kurz darauf wurde -ich nach Magelang transferirt, welches in der Provinz Kedu auf einer -Höhe von 384 Metern liegt.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Ich hielt also wieder Auction von der Einrichtung meines Hauses, welche -mir 1200 fl. einbrachte, und zog diesmal nur mit einigen Kisten beladen -nach Magelang. Es hatte sich nämlich bis auf meine Equipage für alle -Möbelstücke und auch für meine zwei Pferde ein Käufer gefunden. Der -Assistent-Resident und der Platz-Commandant hatten uns für die letzten -Tage unseres Aufenthaltes<span class="pagenum" id="Seite_259">[S. 259]</span> Gastfreundschaft angeboten. Ich konnte es -nicht annehmen, weil der Oberlehrer der europäischen Schule, Herr -X., sobald meine Transferirung bekannt geworden war, sofort zu uns -gekommen war und als selbstverständlich die Hoffnung und den Wunsch -aussprach, dass wir auch diesmal vor unserer Abreise seine Gäste seien. -Er und seine Frau waren ehrenwerthe Menschen, welche von dem früheren -Assistent-Residenten boycottirt waren.</p> - -<p>Zur Illustration des Lebens in den kleinen Städten Indiens glaube ich -den weiteren Verlauf dieses Boycotts mittheilen zu sollen.</p> - -<p>Als ich zum zweiten Male nach Ngawie kam, folgte ich meiner Gewohnheit, -mich allen kleinlichen und engherzigen Streitigkeiten fern zu halten, -und da diese Familie während meines ersten Aufenthaltes nicht nur meine -Patienten waren, sondern geradezu liebenswürdige Gastfreundschaft an -uns geübt hatten, war es nur selbstverständlich, dass ich und meine -Frau den alten Verkehr mit ihnen wieder aufnahmen, obschon »das -ganze Fort«, d. h. alle Officiere dem Boycott durch die Frau des -Assistent-Residenten sich angeschlossen hatten. Diese für diese braven -Menschen unangenehmen Verhältnisse änderten sich sofort, als wir sie -in den Kreis unserer Bekannten einzogen und so unzweideutige Beweise -unserer Sympathie gaben. Man muss so etwas gesehen oder mitgemacht -haben, um zu verstehen, dass ich an dieser Stelle davon spreche. Für -den gesellschaftlichen Verkehr bot dieser kleine Platz nichts, absolut -nichts als den Officiersclub, in welchem auch die Bürger Mitglieder -waren. In dem Club geschah auch nichts anderes als Kartenspielen und -Tanzen bei den Klängen eines alten, verdorbenen Leierkastens. Wenn -nun, was immer an einem Sonnabend geschah, ein »geselliger Abend« -im Club stattfand, bemühte sich Niemand der Anwesenden mit dieser -Familie; sie sassen allein. Aber die rächende Nemesis brachte ihr -bald die grösste Satisfaction. Die Frau des Assistent-Residenten, -welche den Bannfluch über diese braven Menschen ausgesprochen hatte, -war eine energische Dame und ertrug keinen Widerspruch. Kurz nach -unserer Ankunft mussten auch ich und meine Frau den freundschaftlichen -Verkehr mit ihr und ihrem Manne leider einstellen. Eines Tages erhielt -ich nämlich das Ansuchen, ihrer Tochter ärztliche Hülfe zu bringen. -Ich kam dahin, und bei der Treppe empfing mich diese Dame mit der -fertigen Diagnose und mit der nöthigen Behandlungsweise. Sie theilte -mir nämlich mit,<span class="pagenum" id="Seite_260">[S. 260]</span> dass ihre Tochter Dysenterie hätte und darum eines -Abgusses von Simaruba bedürfe. Ihre autokratische Sprechweise war mir -schon bekannt, und darum fragte ich sie mit officiellem Lächeln auf -den Lippen, ob sie sich nicht vielleicht in der Diagnose irre und ein -unschuldiges Hämorrhoidal-Leiden vorläge, und ob keine andere Arznei -vorgeschrieben werden dürfe, weil gerade bei der Dysenterie Simaruba -erst in einem späteren Zeitpunkte gegeben werden dürfe. (Patientin, -ein hübsches Mädchen von zehn Jahren, stand daneben und hatte gar -keine Spur von Dysenterie.) Aber für einen Gedankenaustausch war sie -nicht zugänglich. In gereiztem Tone antwortete sie: »Wenn Sie mir die -Simaruba nicht geben wollen, lasse ich sie mir von Madiun kommen.« Die -Sache wäre damit erledigt gewesen. Aber ihr Mann glaubte jetzt, mich -seine Macht als Assistent-Resident fühlen zu lassen. Kurz vorher hatte -ich ihn ersucht, frischen Vaccinestoff für die Bevölkerung kommen zu -lassen. Zwei Tage nach meinem Besuche bei seiner Frau erhielt ich einen -officiellen Brief mit der Nachricht, dass der Vaccinestoff angekommen -sei und ich den nächsten Mittwoch in der »Kabupaten«, d. h. in der -Veranda des Regenten einimpfen solle. Ich schrieb zurück, dass ich in -meiner Stellung nach Staatsblad Nr. 68 vom Jahre 1827 keine Befehle -von ihm annehmen könne noch dürfe, und dass ich nächsten Montag -<em class="gesperrt">im Fort</em> die Frauen und Kinder der Soldaten impfen werde. Er -wiederum verbot mir, den Vaccinestoff für »meine Militär-Familien« -zu gebrauchen, worauf ich telegraphisch den Residenten von Madiun -um Erlaubniss ersuchte, den Vaccinestoff für die »Soldatenkinder« -gebrauchen zu dürfen. Dieser Federkrieg zwischen uns Beiden entfremdete -uns natürlich so sehr, dass jeder freundschaftliche Verkehr abgebrochen -wurde.</p> - -<p>Den Sonnabend derselben Woche war wieder gemüthlicher Abend im Club. -Damals spielte sich eine jener Scenen ab, welche so charakteristisch -und so typisch für das Leben in kleinen Orten sind, dass ich sie trotz -ihrer Unbedeutendheit mittheilen zu sollen glaube. Das Clubgebäude -bestand, wie wir oben sahen, aus einer grossen »Binnengalerie«, welche -nach europäischer Anschauung Tanzsalon genannt werden kann, und der -vorderen und hinteren Veranda. Das unentbehrliche Möbelstück für -jeden Club ist in Indien die »Kletstafel«,<a id="FNAnker_151" href="#Fussnote_151" class="fnanchor">[151]</a><span class="pagenum" id="Seite_261">[S. 261]</span> das ist ein grosser -runder Tisch, mit einer Stütze für die Füsse. Wenn die Herren um 11½ -Vormittags und um 7 Uhr Abends in den Club gehen und kein Billard -spielen, vereinigen sie sich alle an der »Kletstafel« und besprechen -etwaige Ereignisse des Tages oder die letzten europäischen Nachrichten, -oder bearbeiten die grossen und kleinen Fehler der Abwesenden zu -einer chronica scandalosa. Die hintere Veranda des Clubgebäudes -zu Ngawie hatte zwei solche Tische. Nach und nach füllte sich die -»achtergallery«, und zuletzt erschien der Assistent-Resident mit -seiner Frau. Liebenswürdig grüssten sie nach allen Seiten und setzten -sich an den Tisch — an welchem wir nicht sassen. Jetzt kam die erste -Enttäuschung. In der Regel eilen sofort alle jungen Mitglieder nach -ihnen, verbeugen sich und wechseln einen Handdruck. Die verheirateten -Mitglieder theilen sich immer und überall diesbezüglich in drei wohl -charakterisirte Gruppen. Die eine Gruppe hält an dem Grundsatze -fest, dass es im Club keinen Rangunterschied gäbe, und wer zuletzt -käme, habe die <em class="gesperrt">Pflicht</em>, zu den Anwesenden zu gehen und sie -zu begrüssen. Die zweite Gruppe sind wahre Opportunisten; für diese -ist die Machtstellung des Würdenträgers auch im Club anerkannt. -Man könne nicht wissen, wie man die »grossen Herren« nöthig hätte, -und sie selbst sind und bleiben »die mindere« und eilen dahin, um -sie zu begrüssen. Die dritte Gruppe ist wieder sehr gewissenhaft -in der Beurtheilung des Rangunterschiedes; sie kennt allein einen -Rangunterschied der Männer und nicht der Frauen, sie selbst gehen also -sofort zum Assistent-Resident und seiner Frau, um sie zu begrüssen, -und erwarten dann, dass auch der Assistent-Resident sofort zu ihrer -Frau gehen werde, um »das Compliment abzustechen«. Diesen Abend -blieb jedoch alles auf seinem Platz — bis auf den Platzcommandant, -welcher ledig war und seinen neutralen Standpunkt nicht verleugnen -wollte. Diese Kraftprobe der Frau O. war also nicht gelungen, und eine -zweite sollte die Machtstellung dieser Dame rehabilitiren. Nach dem -pousse-café vereinigen sich die einzelnen Gruppen zu dem eigentlichen -Zwecke der Zusammenkunft. Einige der älteren Herren und Damen gehen -an die Spieltische zu einer Partie Whist, L’hombre oder quadrilliren; -die Jugend sucht und findet sich zum Flirten oder zum Tanzen — Andere -gehen ins benachbarte Zimmer zum Billard und Einige setzen sich zur -»Kletstafel« und geniessen bei einem Glase Grog, sei es ein Brandy-Soda -oder sei es ein Whisky-Soda — die herrliche Nachtluft. Das<span class="pagenum" id="Seite_262">[S. 262]</span> Tanzen -ist aber in Indien kein bevorzugter Genuss der Jugend; Grossväter und -Grossmütter sieht man in Indien mit ebenso viel Eifer der Kreuzpolka -und dem Walzer huldigen, als sie es vor 30 und 40 Jahren gethan -haben. Frau O. gab also bald das Zeichen zum Anfang des Tanzes; aber -o weh! der Leierkasten war verdorben und gab nur ohrenzerreissende, -schnarrende Töne; sofort schickte auf Ersuchen der Frau O. der -Platzcommandant einen Bedienten in das Fort und liess einen Korporal -kommen, welcher durch seine Virtuosität auf der Harmonika bekannt war. -Mit lautem Hurrah wurde seine Ankunft von der Frau des Assistenten -begrüsst, ohne dass jemand anders in diesen Freudenruf einstimmte. -Das war ein bedenkliches Symptom!? Aber noch Aergeres geschah. Die -Harmonika hatte schon die Hälfte der Polonaise gespielt, und noch immer -blieb alles auf seinen Sesseln. Der Major B. hatte pflichtgemäss die -Frau O. ersucht, mit ihr die Polonaise eröffnen zu dürfen — sie Beide -standen aber allein; die zweite Kraftprobe dieser Dame war verunglückt! -Sie trachtete in liebenswürdiger herablassender Weise durch persönliche -Intervention wenigstens die ledigen Herren zum Tanzen zu bewegen; jeder -derselben aber dankte unter irgend einem Vorwande, und sie begnügte -sich also mit einem Tanze mit dem Platzcommandanten. Die Familie X. war -also gerächt.</p> - -<p>Solche kindische und kleinliche Reibereien giebt es in allen kleinen -Orten in Europa und in Asien und in Amerika, überall, wo Menschen -auf einem engen Raum beisammen wohnen, so dass sich alle ihre Fehler -bemerkbar und auch fühlbar machen; es ist ja z. B. bekannt, dass -dieselben Reibereien auf den grossen Dampfern sich einstellen, auf -welchen die Passagiere wochenlang beisammen leben, und dass dieses -noch häufiger auf jenen Seglern geschah, welche zu ihrer Reise nach -Batavia oft mehr als 100 Tage nöthig hatten. Für den Nichtbetheiligten -sind sie eine reichliche Quelle von Zerstreuung; die davon Betroffenen -verbittern sich aber dadurch das Leben und verfeinden sich oft für -die ganze weitere Zukunft. Dieselbe Dame O. scheint in Madiun, wo -ihr Mann früher stationirt gewesen war, sich auch Feinde gemacht zu -haben. An dem Tage ihrer Ankunft in Ngawie bekam ich nämlich eine -Correspondenzkarte, welche mich zwar entrüstete ob der Gemeinheit, -welche der Grundton des kleinen Briefchens war, andererseits aber -wirklich ein Unicum anonymer Lästersucht darstellte. In der offenen -Correspondenzkarte<span class="pagenum" id="Seite_263">[S. 263]</span> wurde mir nämlich mitgetheilt, dass mir zwei Stück -Käse dieser Tage als Geschenk geschickt würden, dass der Absender -bedaure, keine bessern liefern zu können; der eine und zwar der -grössere sei nicht übel von Gestalt, aber wurmstichig im Innern; der -zweite sei in jeder Hinsicht hässlich, ekelhaft und ungeniessbar. -Arglos und ohne den tiefen Sinn dieser Worte zu ahnen, wollte ich -den nächsten Tag beim Assistent-Residenten O. diese zwei Käse holen -lassen; vielleicht war ein Brief beigepackt, der mir eine Aufklärung -von einer Bestellung geben sollte, deren ich mich nicht erinnerte. -Zufällig kam der Präsident des <a id="Landesgericht"></a>Landesgerichts<a id="FNAnker_152" href="#Fussnote_152" class="fnanchor">[152]</a> denselben Abend zu -mir, und ich frug ihn, ob er den Schreiber der Correspondenzkarte -kenne, welcher mir zwei »Präsent-Käse« schickt, ohne dass ich sie -bestellt hatte. Glücklicher Weise durchblickte der Rechtsgelehrte -sofort die Mystification, und niemals hat der seither verstorbene -Assistent-Resident O. etwas von dieser Correspondenzkarte erfahren, und -der Schreiber dieses anonymen Schmutzbriefes hatte von seiner gemeinen -Intrigue nicht den geringsten Erfolg.</p> - -<p>Ende October 1891 verliess ich also Ngawie und zwar wiederum via Solo.</p> - -<p>Zu wiederholten Malen habe ich Solo passirt und zwei mal für einige -Stunden mich dort aufgehalten, so dass ich aus <em class="gesperrt">eigener</em> -Anschauung nur wenig über die Stadt selbst, aber mehr über die -gleichnamige Provinz Surakarta berichten kann. Sie ist die reichste -Provinz der ganzen Insel Java und hat zahlreiche Plantagen und andere -Unternehmungen; nicht weniger als 23 Plantagen für Indigo, 13 für -Indigo und Tabak, 4 für Indigo, Tabak und Kaffee, 7 für Tabak; 17 -für Zucker, 4 für Zucker und Indigo, 20 für Indigo und Kaffee, 87 -für Kaffee, 1 für Kaffee und Tabak, 1 für Kaffee und Chinin und 1 -für Zucker und Kaffee, also 178 grosse Unternehmungen hat diese -»Residentie«, obwohl sie nur 112,905 ☐Meilen gross ist, drei grosse -Berge hat und zahlreiche kleine Gebirgsketten das Land durchziehen. Im -Süden der Hauptstadt ist eine grosse Ebene, welche in einem grossen -Bogen längs dem Solofluss bis weit in das Gebiet der Provinz Madiun -sich hinzieht. Drei grosse Berge begrenzen die Provinz als drei -mächtige hohe Grenzpfähle im Osten<span class="pagenum" id="Seite_264">[S. 264]</span> und Westen. Ueber die Spitze des -Lawuberges, welcher 3254 Meter hoch ist, zieht ihre östliche Grenze -zwischen Solo und Madiun, und die beiden Bergriesen Merapi (2866 Meter -hoch) und der Merbabu (3116 Meter hoch) trennen sie von den Provinzen -Kadu und Djocjokarta. Der grösste Fluss ist der Solofluss oder, wie -er in dieser Provinz genannt wird, der Bengawan-Fluss, der auf dem -Berge Merapi entspringt und auch der grösste Fluss der ganzen Insel -(Java) ist; er ergiesst sich bei Surabaya in die Javasee und wird -als billiger Transportweg von den Unternehmungen in den Provinzen -Surakarta, Madiun, Rembang und Surabaya häufig benutzt. Auf dem Berge -Lawu, auf dessen Gipfel oder vielmehr in der Nähe desselben ich als -Arzt in einem modernen Romane den rettenden Engel gespielt habe, sind -neben zahlreichen Ruinen aus der Zeit der Hindus noch zahlreiche -Mofetten und andere warme Mineralbrunnen bekannt; an seiner Westseite -findet man z. B. bei dem Dorfe Djurang Djerok zwei kleine Teiche, aus -denen stets giftige Gase aufsteigen, und bei den Dörfern Pablingan -und Gamping grosse schwefelhaltige Quellen. Die Hauptstadt Surakarta, -häufiger Solo genannt, macht keinen freundlichen Eindruck. Sie hat zwar -einige Sehenswürdigkeiten und trägt wie ihre Schwesterstadt Djocjokarta -noch ausgesprochener das Gepräge einer rein javanischen Fürstenstadt. -Sie leidet aber, wie ich schon früher erwähnt habe, so oft und so -stark durch die Ueberströmungen der Solo- und Pepéflüsse, an deren -Vereinigungspunkt sie liegt, dass es noch lange dauern wird, bis sie -den Anforderungen einer reinen, schönen Stadt gerecht werden kann.</p> - -<div class="figcenter illowe31" id="fig20"> - <img class="w100" src="images/fig20.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Fig. 20. Ein malayisches Mädchen mit Sirihdose und - Spucknapf aus Messing.</div> - <div class="caption_gross x-ebookmaker-drop"><a href="images/fig20_gross.jpg" - id="fig20_gross" rel="nofollow">⇒<br /> - <span class="s6">GRÖSSERES BILD</span></a></div> -</div> - -<p>Entsprechend der politischen Eintheilung des Landes hat die Hauptstadt -eine vierfache Vertretung. Der Kaiser wohnt in seinem Palast, Kraton -genannt; dieser ist gerade so wie der zu Djocja, eine kleine Stadt -mit Mauern und Gräben umgeben und hat seinen »Dalem«, d. i. die -Wohnung des Fürsten, den Sitinggil, die grosse Halle, wo sich der -Fürst dem Volke zeigt, den <a id="Alang_alang_2"></a>Alang âlang = Schlossplatz und hunderte -kleine Gebäude für das Gefolge. Das zweite stattliche Gebäude ist -das Fort Vastenburg, dessen Kanonen den Kraton bedrohen. Das dritte -ist der Palast des Gegenfürsten Mangku Negoro in europäischem Stile, -welcher einen sehr schönen und grossen Empfangssalon mit elektrischer -Beleuchtung hat. Das vierte ist das Gebäude des Residenten, welches -bei Weitem nicht so schön eingerichtet ist als das seines Collegen -in Djocja. Dann folgen zahlreiche<span class="pagenum" id="Seite_265">[S. 265]</span> Häuser für die Landherren der -Provinz, eine protestantische Kirche, der Club, Theatergebäude, drei -Hotels, wovon das eine gegenüber dem Fort liegt und »Jungfernheim« -genannt wird, weil die meisten ledigen Lehrerinnen dort wohnen, -der Thiergarten mit einigen exotischen Thieren u. s. w. Natürlich -fehlen in Solo weder der Hofhalt in allen seinen Abstufungen, wie -echte Prinzen mit ihrem Gefolge unter Aufsicht des Kronprinzen und -unechte Prinzen unter Controle eines zweiten Sohnes des Sunans, noch -die gut abgegrenzte Eintheilung des Adels, der Geistlichkeit und des -»kleinen Mannes«. Auch wird in Solo so viel als möglich für feierliche -Aufzüge, Galavorstellungen und Empfangsabende, und zwar mit demselben -Ceremoniell als in Djocja gesorgt. Ebenso wenig fehlte der Wâjang orang -(<a href="#fig18">Fig. 18</a>).</p> - -<p>Von den übrigen Städten dieser Provinz sind noch zu nennen: -Kartasura, welches früher die Hauptstadt des Sultanats war,<a id="FNAnker_153" href="#Fussnote_153" class="fnanchor">[153]</a> -Klaten, in welchem bis vor einigen Jahren in dem Fort Engelenburg das -Strafdetachement für europäische Taugenichtse bestand, Bojolali, wo ein -altes, verlassenes Fort steht, die Schlucht bei Sukabumi, Patuk Pakis -an der Küste mit seinen Schwalbennesterhöhlen u. s. w.</p> - -<p>Auf dem Vulcane Lawu, welcher seit seinem letzten Ausbruch am 1. Mai -1752 seine jetzige Form und Gestalt bewahrt hat, bin ich zweimal -gewesen, und jedesmal entzückte mich dieses Bild einer wildromantischen -Natur, wo mächtige erratische Blöcke, Trachitfelsen, Lianen, -<a id="Grotten"></a>Cäsarinen, Grotten, heisse Quellen, Mofetten, Abgründe und kahle, -steile Wände in die Wolken gehüllt zu meinen Füssen lagen. Es war die -Nordostseite, welche ich zu besteigen<span class="pagenum" id="Seite_266">[S. 266]</span> gezwungen wurde. In Djamus -hatte Herr R.... eine Kaffeeplantage; um dahin von Ngawie zu gelangen, -musste ich viermal die Reise-Vehikel verändern. Von Ngawie brachte -mich meine Equipage nach Paron, wo ich die Eisenbahn bis Walikukung -benutzte; hier erwartete mich ein Dos-à-dos, mit welchem ich bis Gidoro -gelangte, ungefähr 1000′ hoch, wo Herr K.... eine reizende Plantage von -Kaffee, und wenn ich nicht irre, auch von Muscatbäumen hatte. So ein -gepflegter Kaffeegarten gewährt einen lieblichen, anmuthigen Anblick; -der Baum wird zwar nicht höher als 6–7 Meter (der Liberia-Kaffeebaum, -den ich in meinem Garten in Magelang hatte, erreicht nicht einmal -die Höhe von 4 Metern), auch hat er keine stattliche, breite Krone, -aber jede Baumreihe hat einen grossen Schattenspender; man wählt dazu -am häufigsten den Dadapbaum (Erythrina indica), eine Papilionacee, -welche grosse, scharlachrothe Blüthen hat, deren Blätter und Rinde von -den Eingeborenen gegen Asthma und Fieber und deren Holz als Decoctum -gegen Hämaturie gebraucht wird. Die Blüthe des Kaffeebaumes ist -schneeweiss, hat ein herrliches Jasmin-Aroma und fällt schon nach 8 -Tagen auf den Boden, der dadurch eine herrlich duftende, schneeweisse -Decke bekommt. Nach einigen Monaten erscheinen die Früchte in grüner -Farbe, welche sehr bald kirschroth werden und die Grösse einer halben -Haselnuss haben. Zu dieser Zeit hat der Kaffeebaum einen gefährlichen -Feind in dem Paradoxurus Musanga. Die reifen Früchte sind seine -Lieblingsspeise, den Kern jedoch verdaut er nicht; er begnügt sich -mit dem Fleische der Frucht, und die überflüssigen Kaffeekörner — -sind die theuerste und beste Kaffeesorte, NB. nachdem sie den Darm des -Musangs verlassen haben. Mir wurde ein solches Excrement eines Musangs -gezeigt; es bestand aus drei Kaffeekörnern, welche mit einer schwarzen -Masse untereinander verklebt waren. Diese Kaffeekörner stehen in so -hohem Ansehen, dass sie als besondere Gunstbezeigung den Europäern -zum Geschenke angeboten werden. Wenn die Früchte kirschroth geworden -sind, werden sie gepflückt und auf Platten aus Rohr dem Fermentiren -überlassen. Hierauf werden sie getrocknet und gestampft. Ihre Heimath -ist Arabien, von wo sie schon im Jahre 1698 importirt wurden; doch -erst in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts (seit 1723) nahm die -Kaffeecultur einen bedeutenden Aufschwung, seitdem die Regierung mit -sanftem Druck die Eingeborenen<span class="pagenum" id="Seite_267">[S. 267]</span> zum Bau desselben zwang.<a id="FNAnker_154" href="#Fussnote_154" class="fnanchor">[154]</a> Das -Erträgniss des Kaffeebaumes ist sehr variabel. Ich erhielt von meinem -Baume stets mehr als 1 Kilo Bohnen, und wie ich es damals auf dem Lawu -mittheilen hörte, ist nur alle drei bis vier Jahre eine reiche Ernte zu -erwarten.</p> - -<p>Bei Herrn K.... konnte ich nicht länger bleiben, als die Zeit der -»Rysttafel« dauerte. Nach dieser konnte ich noch bis Ngrambe von dem -Dos-à-dos Gebrauch machen. Der Weg war gut und so breit, dass selbst -ein zweiter Wagen passiren konnte, ohne besondere Vorsicht gebrauchen -zu müssen. Hier wohnten einige Europäer, und darunter auch die Frau X. -Ihr Mann ersuchte mich, sie zu untersuchen, weil sie schon seit vielen -Jahren durch eine Schwäche in den Füssen kaum das Bett, aber niemals -das Zimmer oder das Haus verlassen hätte.</p> - -<p>Bei meiner Visite fand ich eine alte Dame, welche frischen Geistes -ihr Leiden mit bewunderungswürdigem Gleichmuth ertrug; sie litt an -Osteomalacie, d. i. einer Knochenerweichung, welche sie nach der -letzten Entbindung erhalten hatte. Es war das erste Mal und leider -auch das letzte Mal, dass ich sie damals sah. Einige Wochen später -wurde sie ermordet, und die leichtfüssige Fama beschuldigte sie des -Selbstmordes! Mir wurden davon während eines Festes beim Regenten -in Ngawie die einzelnen Details mitgetheilt;<span class="pagenum" id="Seite_268">[S. 268]</span> man fand sie im Bette -mit durchschnittenem Hals unter einer Bettdecke und nebstdem mit -einem blutigen Messer im Aermel der Kabaya?? Ich theilte dieses dem -Assistent-Residenten X. mit und erwartete, dass ich sofort mit einer -gerichtlichen Commission zur Untersuchung dahin gesendet würde; -der Herr scheint aber so bestimmte Nachricht von ihrem Selbstmord -erhalten zu haben, dass er zu einem Einschreiten keinen Anlass fand. -Mir freilich konnte es nicht einleuchten, dass eine Frau, welche -seit vielen Jahren mit Knochenerweichung an das Bett gefesselt war, -den Muth und die physische Kraft haben sollte, sich selbst den Hals -durchzuschneiden!? Auch in der Affaire, welche mich nach Djamus führte, -hatte Herr X. eine ganz unrichtige Auffassung der Verhältnisse; es war -vielmehr seine Frau, welche auch den geschäftlichen Ideengang ihres -Mannes beeinflusste; er weilt nicht mehr unter den Lebenden, und so -kann ich etwas ausführlicher in der Mittheilung dieser Affaire sein, -ohne fürchten zu müssen, jemandem direct oder indirect zu schaden.</p> - -<p>In Gendingan konnte ich schon einige sichere Nachrichten über die junge -Dame erhalten, deren Untersuchung von den Eltern von mir verlangt -wurde, weil ein Angestellter sie beschuldigte, diese eine Tochter — -sie hatten deren 7 — zu verwahrlosen und unter dem Vorwande, dass -sie irrsinnig sei, ihrer Freiheit zu berauben! Dieser Privatbeamte -schickte mir später die Abschrift der ganzen Correspondenz zwischen -ihm und dem Vater dieses unglücklichen Mädchens; ich besitze sie -noch heute, und fast möchte ich glauben, wenn ich sie wiederum lese, -dass dieser bona fide gehandelt hat. In allen Briefen betont er -die Nothwendigkeit, die Patientin der Einsiedelei auf dem Berge zu -entreissen und sie der Gesellschaft zurückzugeben. Aber falsch sind -die Motive, die er den unglücklichen Eltern in der Behandlung ihrer -Tochter unterschiebt. Die Plantage gehörte in nomine der Frau, und ihr -Mann sollte seine eigene Tochter zu dem geistigen Tode verurtheilt -haben, um als gesetzlicher Vormund ihr Erbe zu werden. Diese Briefe -wurden dem Assistent-Residenten X. gesendet mit der officiellen -Anklage, dass der Herr X. seine majorenne Tochter der Freiheit beraube -und sie durch schlechte Behandlung dem Wahnsinn in die Arme führen -wolle!! Das Traurigste in dieser Affaire ist, dass dieser Beamte oder -vielmehr seine Frau diesem Märchen Glauben schenkte,<span class="pagenum" id="Seite_269">[S. 269]</span> und als ich in -dieser Sache als Gerichtsarzt vernommen wurde, mir die zweifellose -Richtigkeit mit dem nöthigen Nachdruck vorgeleiert wurde. Ein Vater, -der sieben Töchter hat, sechs von ihnen eine gute Erziehung in Europa -angedeihen lässt und für jede derselben mehr als 1000 fl. jährlich -bezahlt, ein solcher Vater sollte mit dem Wissen und Willen seiner Frau -eine solche Missethat begehen!? Dieser Einwand blieb ohne Erfolg, und -der Assistent-Resident liess als »Hilfsofficier der Justiz« dem Rechte -seinen Lauf. Der Herr X. wurde von der gegen ihn erhobenen Anklage -verständigt und beschloss nun, durch mich den Wahnsinn seiner Tochter -constatiren zu lassen und bat mich, zu ihm zu kommen. Ich frug vorher -jedoch bei ihm an, ob ich meine Frau mitnehmen könnte, welche gern -einmal eine Plantage im Hochgebirge besuchen und besichtigen möchte. -Im August des Jahres 1889 begaben wir uns also auf die Reise, die ich -oben bereits angedeutet habe. In Ngrambe mussten wir das Dos-à-dos -verlassen, weil hinauf ins Gebirge kein Fahrweg bestand. Für mich stand -ein kleines Pferd und für meine Frau eine Sänfte zur Verfügung.</p> - -<p>Es war ein Fusspfad, den das herabströmende Regenwasser in den Berg -gegraben hatte; erratische Blöcke, Geröll und Sand wechselten mit -Grasflächen, und sicheren Schrittes trug mich das kleine javanische -Pferd über alle Hindernisse. Die Begleitung meiner Frau bestand aus 6 -Kulis, von denen abwechselnd je vier die Sänfte bald auf den Schultern, -bald mit den Händen trugen, je nachdem der Weg eben oder wellenförmig -war. Bei jeder Pause erfreute uns das herrliche Panorama hinter unserem -Rücken. Bald erhob sich das grosse Thal des Soloflusses in deutlichen -Linien auf dem Horizont, hinter welchem das Wellisgebirge seinen -breiten Bergrücken uns zeigte, später sahen wir den Smeru und den Kelut -am östlichen Horizont auftauchen. Auf dem Berge Lawu selbst sahen wir -nur niedriges Gesträuch, eine sanft aufsteigende Hochfläche, begrenzt -von kleinen Hügeln, welche bald Tjemarabäume, bald Acacien, Gnaphalien -und Vaccinia trugen.</p> - -<p>Nach ungefähr zwei Stunden erreichten wir die Plantage Djamus in einer -Höhe von 1500 Metern. Tief unter uns lagen dichte, schwarze Wolken, aus -denen eine zweite Spitze des Lawu hoch hervorragte und nur mit Mühe die -Schlucht zwischen beiden erkennen liess. Die dritte Spitze des Berges -habe ich nicht zu Gesicht bekommen.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_270">[S. 270]</span></p> - -<p>Der Kaffee war gepflückt, fermentirt, getrocknet und gestampft, und -Frau X. sass mit eingeborenen Frauen, die Körner zu assortiren. Unsere -Ankunft entriss natürlich die Familie ihrer täglichen Beschäftigung, -und bald sassen wir in der Veranda, eine Schale warmen Thees zu -trinken; es war kühl; vielleicht nicht mehr als 12° C., und wir Beide -kamen aus »der Hölle Javas«. Die Familie kam unsern Wünschen entgegen, -und wir zogen uns ins Haus zurück, wo auch die Fenster geschlossen -werden mussten, um uns von dem unangenehmen Gefühl des Fröstelns zu -befreien. Bald waren wir im Gespräche über die unglückliche Tochter, -und es war das alte Lied: Den Anfang und die Ursache des Wahnsinns -zu constatiren, welchen der Laie gern unvermittelt durch plötzliche -Eruption, sei es durch Schreck u. s. w. entstehen lässt; das ganze -traurige Familienleben entrollte sich vor mir, das ein irrsinniges -Mitglied bedingt, weil der Wahnsinn in seinen ersten Symptomen -verkannt wurde. Die Grenze zwischen psychischer Gesundheit und -psychischem Kranksein kann ja von niemandem gezogen werden. Endlich -wurde mir mitgetheilt, dass die Patientin sich in ihrem Zimmer im -danebenstehenden Pavillon befinde. Ich ging dahin und sah beim Fenster -ein Wesen stehen, welches das traurige Bild des Wahnsinns in allen -seinen Zügen zeigt. Verwahrlost in ihrer Kleidung, mit wirren Haaren, -starrte sie mich mit fragenden Blicken an, und als ich ihr einen -Gruss zurief, antwortete sie mir kurz, dass sie einen verheirateten -Liebhaber nicht haben wolle, warf die Pantoffeln nach mir und sprang -aus dem Fenster der andern Seite und verschwand im Gebüsche. Gegen das -Abendessen gelang es mir, sie in der Nähe zu sehen und zu sprechen. -Sie kam in die Küche, ihr Nachtmahl zu holen. Ich ging mit dem Vater -dahin, und mit dem charakteristischen Lächeln des Wahnsinns liess sie -mich näher kommen, ohne sich im Essen stören zu lassen. Der Schmutz -hinter den Ohren und die schmutzige Kabaya, sowie die schmutzigen -Nägel, begründeten meinen Vorschlag, die Unglückliche in eine -Anstalt aufnehmen zu lassen, in welcher die geschulten Wärterinnen -die Geschicklichkeit, Tact und Muth haben, solche Patienten zur -Reinlichkeit anzuhalten.</p> - -<p>Natürlich kamen auch die Motive zur Sprache, welche den Privat-Beamten -X. veranlassten, den Anwalt dieser Unglücklichen zu spielen. In seinen -Briefen ist das Mitleiden mit seiner »Nichte«, welche keinen Bruder -habe, um ihr Recht zu vertheidigen, der einzige<span class="pagenum" id="Seite_271">[S. 271]</span> Grundton, und in -allen Tonarten äusserte sich dieses Mitleiden. Herr X. aber fand ein -egoistisches Motiv, welches mir nicht recht einleuchten wollte. Seine -Tochter musste wiederholt aus der Wohnung des Privat-Beamten X. geholt -werden, welche sich am Fusse des Berges befand; vielleicht hoffte -dieser durch eine Ehe mit dieser Unglücklichen sich dann in den Besitz -eines Theiles dieser grossen Plantage zu setzen. Es waren im Ganzen -7 Töchter, und im günstigsten Falle wäre ⅛ Antheil nach dem Tode der -Mutter dem Manne dieser Irrsinnigen zugefallen; um einen solchen Preis -eine irrsinnige Frau zu erhalten — wäre eine schlechte Speculation.</p> - -<p>Diese Pflanzer waren so an die niedrige Temperatur ihres Ortes -gewöhnt, dass sie keine Oefen im Hause hatten. Die Biologie liegt in -allen Fragen darnieder, welche die »Gewohnheit« betreffen. Als ich -im Jahre 1897 Ende April durch das rothe Meer fuhr, war es so kalt, -dass nicht allein ich — dann könnte es individuellen Empfindungen -zugeschrieben werden, sondern alle Passagiere ihre Ueberzieher, Mäntel -oder Plaids u. s. w. in Gebrauch nehmen mussten, und das Thermometer -zeigte 17° C.! Es ist richtig, dass wir aus warmen Ländern kamen und -dass wir so niedrige Temperatur nicht <em class="gesperrt">gewöhnt</em> waren. — Welcher -chemische Vorgang erklärt das »Gewohntsein«? Was geschieht z. B. im -Rachen oder im Gehirn oder im Magen des jungen Mannes, welcher nach der -ersten Cigarre den heftigsten Gastricismus bekommt und nach ½ Jahren -anstandslos die schwerste Cigarre raucht? U. A. w. g.</p> - -<p>Wir sassen also den ganzen Abend bei geschlossenen Fenstern und Thüren, -und für die Nacht holte die liebenswürdige Hausfrau alle wollenen -Decken herbei, um uns in ihrem Heim nicht eine ganze Nacht »frieren« -zu lassen. In einem schönen Gedichte hat diese Dame den Berg Lawu -besungen. Mit Bedauern verliessen wir unsern Gastgeber am folgenden -Tage, weil mich meine Berufspflichten nach Ngawie riefen. Aber länger -als eine Woche über den Wolken nur die bewaldeten Gipfel eines Berges -zu sehen — NB. ohne Berufspflichten oder andere Arbeit zu haben — -d. h. dort zu logiren, das wäre doch zu viel verlangt.</p> - -<p>Hierauf beantwortete ich alle Fragen des »Officiers der Justiz« über -das Wesen der Krankheit dieser unglücklichen jungen Dame und über die -Symptome, welche mich bewogen hatten, in diesem<span class="pagenum" id="Seite_272">[S. 272]</span> Falle den Wahnsinn zu -constatiren. Sie wurde entmündigt, ihr Vater zum Curator ernannt und -der Assistent-Resident X. wurde nach Kudus transferirt.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Die westlichen Grenzpfähle der Provinz Surakarta, die Berge Merapi -und Merbabu mit ihrem Ausläufer Telomojo (1883 Meter hoch) habe ich -fünf Jahre lang beobachten können, und ich will ihrer im folgenden -Capitel erwähnen. Die »Fürstenthümer Javas« sind reiche Länder und -hochinteressant wegen ihrer Vergangenheit und zahlreichen Denkmäler aus -der Zeit der Hindu-Herrschaft.</p> - -<div class="figcenter illowe45" id="fig21"> - <img class="w100" src="images/fig21.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Fig. 21. In Sarong und Kabaya.</div> - <div class="caption_gross x-ebookmaker-drop"><a href="images/fig21_gross.jpg" - id="fig21_gross" rel="nofollow">⇒<br /> - <span class="s6">GRÖSSERES BILD</span></a></div> -</div> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_273">[S. 273]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Capitel_9">9. Capitel.</h2> - -</div> - -<p class="center s4 mbot2"><b>Die Provinz Kedú — Der Berg Tidar — In Magelang — Auf dem Pâsar (= -Markt) — Javanische Schönheitsmittel — Haustoilette der europäischen -Damen — Mein „Haus“ — Empfangsabende — Magelang — Opiumrauchen — -Die Chinesen auf Java — Die gerichtliche Medicin der Chinesen — Ein -zu grosses Militärspital — Die Königin von Siam in Magelang — Ein -Oberstabsarzt „gestellt“ — Nachtheile der Pavillons aus Bambus — -Organisation des Rechtswesens — Zum Theaterdirector gewählt — Die -Journalistik Indiens.</b></p> - -<p class="p0"><span class="dc">A</span>uch die Provinz Kedú hat auf ihrer westlichen und östlichen Grenze -grosse und mächtige Grenzpfeiler, im Osten die bereits erwähnten -Merapi, Merbabu und Telomojo, während der Sumbing, 3336 Meter hoch, -der Sindoro, 3124 Meter hoch, und der Berg Bisna, 2363 Meter hoch, -diese Provinz im Westen von der Provinz Bagelen scheiden. Die Ausläufer -dieser Berge durchziehen die ganze Provinz, und selbst die Thäler -des Progo- und des Elloflusses sind zu schmal, um den gebirgigen -Charakter dieser Provinz in hohem Grade zu beeinflussen. (Nur von -Magelang zieht nach Norden eine 10 Kilometer grosse Ebene.) Diese -Provinz ist reich an Kunstdenkmälern, unter denen der schönste, grösste -und mächtigste Tempel vielleicht der ganzen Welt der Buru-Budur ist. -Obwohl der grösste Theil des Landes Communalbesitz ist, die Provinz -bei einer Grösse von 37,05 ☐Meilen ungefähr 800,000 Einwohner, somit -mehr als 20,000 Seelen auf die ☐Meile zählt, so ist sie doch eine arme -Provinz. Vielleicht wird die Vollendung der Eisenbahn einen günstigen -Einfluss auf die Wohlfahrt des Landes nehmen; erst vor zwei Jahren -wurde die Linie Djocja-Magelang gebaut, und es fehlt noch<span class="pagenum" id="Seite_274">[S. 274]</span> die Linie -Magelang-Ambarawa, um die ganze Provinz durch den Schienenweg mit dem -Norden Javas<a id="FNAnker_155" href="#Fussnote_155" class="fnanchor">[155]</a> zu verbinden.</p> - -<p>Im Jahre 1891 konnte ich mich bei meiner Transferirung von Ngawie nach -Magelang, der Hauptstadt dieser Provinz, nur bis Djocja der Eisenbahn -bedienen. Mein Mylord, welcher bei der Auction in Ngawie keinen Käufer -fand, traf zu gleicher Zeit in Djocja ein; ich miethete im Hotel Tugu -nur vier Pferde (mit Kutscher und Palfenir) um 12 fl. und konnte also -in meiner bequemen Kutsche die Reise fortsetzen. Die Reisewagen, welche -man s. Z. in Djocja und in Magelang zu dieser mehrstündigen Reise -miethen konnte, waren alte, hässliche Wagen und hatten eine lothrechte -Rückenlehne, so dass ich mich oft verwundert frug, woher sie denn diese -unpraktischen Reisevehikel in so grosser Zahl auftreiben konnten.</p> - -<p>Bei Salam verliess ich die Provinz Djocja, und sofort fühlte ich den -Einfluss der holländischen Regierung. Wenn es auch ununterbrochen -bergauf ging, so war die Reise doch nicht unangenehm, weil sich der Weg -sofort hinter der Grenze in sehr gutem Zustande befand. In Muntilan -wurden die Pferde gewechselt, und noch immer stieg der Weg sanft mit -zahlreichen Wellen an, so dass wir von der Grenze, welche 331 Meter -absolute Höhe hatte, hier 355 Meter und in Magelang 384 Meter Höhe, -im Ganzen 53 Meter gestiegen waren. Hinter Muntilan lag eine schöne, -wenn auch schmale Strasse, welche links ab zu dem schönen Tempel Mendut -(<a href="#fig19">Fig. 19</a>) und mittelst Fähre über den Ellofluss zum Buru-Budur führte. -Gegen 5½ Uhr näherte ich mich der Stadt Magelang, d. h. ich sah den -Berg Tidar, welcher 504 Meter über dem Meere und 120 Meter hoch sich -über Magelang erhebt. Es ist der pâku = Nagel oder der pusar = Nabel -(= der Mittelpunkt von Java), durch dessen Spitze der Nagel getrieben -wurde, mit dem diese Insel auf der Erde befestigt wurde. Nicht allein -auf mich machte dieser Hügel den Eindruck, dass auch er die Ruinen -eines grossen Tempels bedecke, sondern es wurde so oft diese Vermuthung -geäussert, dass Ausgrabungen stattfanden, welche jedoch ein negatives -Resultat hatten. Der »Tidar« musste eben durch seine isolirte Stellung -zu solchen Vermuthungen Anlass geben; er steht nämlich<span class="pagenum" id="Seite_275">[S. 275]</span> ganz isolirt in -der Ebene zwischen den beiden Bergriesen Merapi und Sumbing. Auf den -Berg Tidar folgte der europäische Kirchhof, für dessen Verschönerung -ich späterhin als Präsident der »Kirchhofs-Commission« zu sorgen -hatte, hierauf der grosse Marktplatz, das chinesische Quartier mit der -chinesischen Kirche, und am Ende dieser Strasse lag der Schlossplatz -(Alang-âlang) mit der Moschee,<a id="FNAnker_156" href="#Fussnote_156" class="fnanchor">[156]</a> dem Palaste des Regenten, dem -Officiersclub, der Schule für Häuptlings-Söhne, dem Postamt, einem -Hotel und der Volksschule für Eingeborene.</p> - -<p>Der »grosse Weg« führte mich auf der Ostseite des Schlossplatzes -in eine schöne Allee mit europäischen Wohnungen bis zum Anfang des -»Campement«, wo auf der einen Seite die Wohnung des Commandanten und -zur rechten Seite das Hotel Kedú standen. Der Eigenthümer dieses Hotels -war ein sehr braver Mann, ein Deutscher von Geburt, der durch seinen -jahrelangen Aufenthalt unter den Holländern seine Muttersprache so -verlernt hatte, dass sein Kauderwelsch dem grössten Philologen ein -Räthsel blieb, weil er seinem deutschen und holländischen Wörterschatz -noch englische und malayische Wörter beifügte und nach Gutdünken die -Wort- und Satzbildung dieser vier Sprachen auf seine Rede anwandte. -Dies ist allerdings eine alltägliche Erscheinung, dass die Deutschen, -durch die Aehnlichkeit der beiden Sprachen, in den holländischen -Colonien ihre Muttersprache verlernen und umgekehrt die Holländer nach -einem kurzen Aufenthalt in deutschen Ländern die holländische Sprache -geradezu misshandeln; aber niemand will es glauben, der es nicht selbst -erfahren hat. Vor vielen Jahren sprach ich in Buitenzorg mit der -Frau eines Collegen, welche in Preussen ihre Wiege gehabt hatte, und -erzählte ihr einige drastische Fälle von solchem verdorbenen Deutsch -unserer Landsleute; darauf antwortete sie mir mit einem Seufzer: Ach, -wie kann man denn seine Mutter<em class="gesperrt">zaal</em> vergessen! Die Sprache -heisst im Holländischen taal, und da viele deutsche Worte mit Z in der -holländischen Sprache mit T<span class="pagenum" id="Seite_276">[S. 276]</span> beginnen, glaubte sie deutsch zu sprechen, -wenn sie aus taal einfach zaal machte. Diese Dame war erst ein Jahr in -Indien. Der Gastwirth des Hotels Kedú war als gewesener Corporal und -in seiner jetzigen Stellung schon Jahrzehnte in Indien und hatte also -ein Idiom angenommen, das ein mixtum compositum der vier Sprachen war, -welche er in seiner Eigenschaft als Wirth täglich am meisten gebrauchen -musste. Er empfing mich auch mit den Worten: »Es wird Sie freuen, dass -Sie hier <em class="gesperrt">geplatzt</em><a id="FNAnker_157" href="#Fussnote_157" class="fnanchor">[157]</a> sind, und ich <em class="gesperrt">soll</em> Ihnen so viel -als möglich helfen.« Ich hatte jedoch seine Hülfe nicht nöthig, weil -der Regimentsarzt, welcher mich in Ngawie ablöste, vor seiner Abreise -aus Magelang auf mein Ersuchen sein »Haus« für mich gemiethet hatte. -Dadurch wurde es mir möglich, in kürzester Zeit das Hotel verlassen und -mein eignes Heim beziehen zu können. Am folgenden Tage meldete ich mich -zunächst beim Platzcommandanten, welcher unweit vom Hotel sein Bureau -hatte. Eine schöne breite Strasse führte in das Campement; die linke -(westliche) Seite war von zwei grossen Officierpavillons eingenommen, -und rechts von ihr lag ein grosses schönes Exercierfeld mit Casernen in -der Form eines offenen Oblongums <img class="inline" src="images/oblongum.png" alt="Oblongum" /> -im Hintergrunde. Neben dem -Bureau dieses Officiers befand sich auch das des Zahlmeisters, dem die -Abrechnung mit seinem Collegen in Ngawie überreicht wurde. Mein Chef in -loco, ein Stabsarzt, hatte sein Bureau im Spital, welches sich damals -am Fusse des Berges Tidar befand; ich nahm also eine Equipage, um nicht -den Weg von 1½ Kilometer zu Fuss zurücklegen zu müssen. Ich nahm meine -Frau mit, weil ich unterwegs diverse Einkäufe besorgen wollte. Auf dem -»grossen Wege« befanden sich nämlich zwei europäische Geschäfte; das -eine gehörte einem pensionirten Hauptmann, der zu meiner Ueberraschung -im Geschäft von einem der Anwesenden mit Herr General-Major -angesprochen wurde. Erstaunt blickte ich Beide an, und lächelnd gab -mir der Kaufmann die Erklärung dieser seltsamen Titulatur; er sei -als pensionirter Hauptmann Mitglied des Officierclubs und bespreche -natürlich jeden Abend schon seit 15 Jahren an der »Kletstafel« das -Avancement seiner Zeitgenossen; von jeher wurde er scherzweise mit -jenem Titel angesprochen, den seine Zeitgenossen erlangt hatten, und -als einer derselben vor Kurzem General-Major geworden war, wurde auch -»auf sein Avancement« getrunken und unter Toasten seine Ernennung<span class="pagenum" id="Seite_277">[S. 277]</span> -zum General-Major gefeiert. Von dem »grossen Wege« gelangten wir -auf den Schlossplatz, ohne uns mit der Besichtigung der Moschee -aufzuhalten, welche wir passiren mussten, um in die Mörderallee zu -gelangen. Dies war nämlich die Strasse, welche zum Spitale führte, und -die diesen Namen (mordenaars-laan) erhalten haben soll, weil täglich -die Militärärzte diesen Weg nahmen. Ein reizendes Panorama bot sich -unsern Blicken dar, welches den Namen »Garten von Java« begründete und -rechtfertigte. Links war die Strasse von einer Reihe hoch liegender -europäischer Häuser in altgriechischem Stile begrenzt; rechts erhob -sich im Hintergrunde der Berg Sumbing, und an seinem Fusse spiegelte -sich die Sonne in dem farbenreichen Bild alter und junger Sawahfelder -und zahlreicher Gemüsebeete. Die Mordenaars-laan ging über in die -grosse Strasse nach Salaman. Vor dem Tidar bog jedoch der Weg in einem -rechten Winkel noch zweimal, bevor man das Spital erreichte. Dieses -bestand aus Bambus-Baracken und hatte nur zwei steinerne Gebäude; das -eine für die Bureaux und das andere war — ein Pulvermagazin!! Seit dem -2. November 1892 ist es verlassen und niedergerissen worden, so dass es -nicht der Mühe werth ist, einige Worte darüber zu verlieren. Nachdem -ich mich meinem Chef und den übrigen Officieren vorgestellt hatte -(meine Frau blieb im Wagen, um auf mich zu warten), fuhr ich zurück -und zwar längs dem Tidar, um von dort in das chinesische Quartier zu -kommen, wo sich die Möbelfabrikanten und zahlreiche Tokos befanden.</p> - -<p>Gegen das Ende dieser Strasse mässigte der Kutscher den Schritt der -Pferde, weil eine grosse Menschenmenge wie ein Bienenschwarm sich hin -und her bewegte. Wir befanden uns gegenüber dem Marktplatz, und es -war »hari Paing« d. h. Markttag, genannt nach dem zweiten Tage der -alten javanischen Woche, welche nur fünf Tage zählte und zwar Legi, -Paing, Pon, Wageh und Kliwon.<a id="FNAnker_158" href="#Fussnote_158" class="fnanchor">[158]</a> Wir waren im Lande des Indigo,<a id="FNAnker_159" href="#Fussnote_159" class="fnanchor">[159]</a> -denn die vorherrschende Farbe der Frauenkleider war blau; nur die -Haushälterinnen der Soldaten und die europäischen Bewohner hatten eine -weisse Kabaya mit Spitzen besetzt, oder eine dunkle, blaue, rothe -oder grüne aus Sammet oder Seide. Die Sonnenschirme hatten dieselben -grellen<span class="pagenum" id="Seite_278">[S. 278]</span> Farben, und ich muss gestehen, dass das Auge dies nicht -unangenehm fand. Wie ein Bienenschwarm bewegte sich die Menschenmasse -auf und ab. Wir stiegen aus dem Wagen, um uns dieses Gewoge näher zu -betrachten. Der Marktplatz bestand aus einfachen Hallen, welche mit -Schindeln aus gebackenem Lehm bedeckt waren. Früchte, Fische,<a id="FNAnker_160" href="#Fussnote_160" class="fnanchor">[160]</a> -Hühner, Enten, Eier, Gewürze, Küchengeräthe, Kalk, Alaun, Arsenik, -Kämme aus Horn, Hacken und Messer, Zwirn und Nadeln u. s. w. lagen bunt -durcheinander auf kleinen Bále-bále, das sind Bänke aus gespaltenem -Bambus. Die Gerüche Arabiens waren hier schwach vertreten, desto mehr -aber ein fürchterlicher Gestank, der den längeren Aufenthalt für eine -europäische Nase geradezu unangenehm machte. Die Ausdünstungen der -Menschen, welche ihre Haare mit ranzig gewordenem Oel gesalbt hatten, -mischten sich mit dem penetranten Gestank zahlreicher getrockneter -Fischsorten (îkan kaju = Stockfisch, îkan sepát = Trichopus -trichopterus u. T. striatus), dem trassi, Durianfrucht, Nangkafrucht, -Djambu bidji und last not least mit den Blumen des von den Dichtern -gepriesenen Melattibaumes (Jasminium Samboc). Alles, was eine indische -Schöne für die Pflege ihres Körpers nöthig erachtet, bringt der <a id="pasar"></a>pâsar; -aber auch alle Gewürze, welche das Krankenzimmer desinficiren sollen, -werden hier verkauft, wie dupa (Myrrha), menjang (Benzoë), stanggie -(Mixtum compositun aus Rásse [Zibeth]), Kaju garu (das Holz von ficus -procera), Menjang merra (Rothe Benzoë), Kaju tjindana (Sandalum album), -Zucker u. s. w., Kanariharz (Canarium commune) u. s. w.</p> - -<p>Die Babu (Zofe), welche uns begleitete, war auf dem Bocke neben dem -Kutscher zurückgeblieben. Um jedoch fachmännisch in die Geheimnisse -der javanischen Kosmetik eingeweiht werden zu können, liess ich -sie holen, und bei jedem Pulver, Salbe u. s. w. gab sie uns die -Gebrauchsanweisung. Zuerst zeigte sie uns die Bestandtheile des -»Kramas«, d. h. das Waschen des Kopfhaars: Der Reishalm wird verbrannt -und seine Kohle 24 Stunden lang im Wasser aufgelöst und filtrirt. Diese -Lauge heisst Merang und wird zum Waschen der Haare gebraucht. Das -überschüssige Alcali wird mit Citronenwasser (aus Citrus Limonellus) -entfernt, in welchem sich wohlriechende Blumen, als Melatti u. s. w. -befanden; hierauf wird wohlriechendes Cocosnussöl tüchtig in die Haare -eingerieben.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_279">[S. 279]</span></p> - -<p>Auf dem Toilettentischchen befindet sich ein Schälchen mit der fein -gestampften Rinde von Kapinango (Dysoxylum laxiflorum), mit welchem -sie nach dem Bade den Körper einschmieren, ein Fläschchen Widjenöl -(Sesamöl) und Kajaputiöl (Melaleuca leneadendron) oder Zimmtöl oder -eine grosse Flasche mit Cocosnussöl, in welchem sich wohlriechende -Blätter oder Blumen befinden. Mit diesen Oelsorten wird der letzte Act -der Körperpflege vorgenommen. Jetzt zeigte sie uns alle Odeurs, welche -nicht nur mit dem Oel zum Salben des Körpers gebraucht, sondern auch -zwischen die Kleider und Wäsche gelegt oder verbrannt werden, um diese -damit zu beräuchern; selbst unter die Kopfpolster des Bettes werden sie -gelegt; ich konnte mich aber niemals für diesen Gebrauch begeistern. -Sie riechen so stark, dass sie mir Kopfweh verursachten und ich mich -genöthigt sah, sie wegwerfen zu lassen. Dazu gehören die akar wangi -(Wurzel von Andropogon muricatus), die getrockneten, kleinen Zweige -von Pogostemon, die Blätter von Pandanus odoratissimus, die Blüthen -von Jasminum, von tandjong (Minusops Elengi), Kananga wangie (Uwaria -odorata), akar tjampakka (Dianella montana), Garuholz (ficus procera) -und Lakkaholz (Myristica iners)<a id="FNAnker_161" href="#Fussnote_161" class="fnanchor">[161]</a> u. s. w.</p> - -<p>Das Bedák fehlt in keinem Haushalt; auch alle europäischen Familien -gebrauchen dieses Cosmeticum, welches nichts anderes als das -europäische poudre de riz ist. Auf dem Pâsar kommt es jedoch in -der Form von kleinen, weissen Zeltchen in den Handel, welche dann -gestampft werden müssen. Sie werden dadurch wohlriechend gemacht, -dass sie zwischen wohlriechenden Blättern oder Blüthen aufgehoben -werden. Hierauf zeigte sie uns die Bestandtheile für die Boreh, -für das Schwarzfärben der Zähne, für das Sirihkauen, für das Malen -der Augenbrauen und das Rothfärben der Nägel. Die Babu fühlte sich -ausserordentlich geschmeichelt, in so zahlreichen Fragen Rathgeberin -sein zu können, und zeigte uns auch einige »djamu«, welche ihr -von den Verkäufern angepriesen wurden. Meinem Princip getreu, die -abergläubischen Ideen der Bedienten mir gegenüber nicht einmal äussern -zu lassen, schnitt ich ihre diesbezüglichen Mittheilungen mit dem -Worte »sudah« ab und ging zu dem nächsten Krämer, welcher mit lauter -Stimme rief: »patjar kuku«. Es war der Saft von Lawsonia alba, welcher -mit<span class="pagenum" id="Seite_280">[S. 280]</span> Oel gemischt zum Rothfärben der Nägel gebraucht wird. Wer sich -gut über die Bestandtheile der indischen Panaceen = djamu informiren -will, findet im III. Theil des Buches von Dr. <em class="gesperrt">van der Burg</em> -eine stattliche Reihe derselben genau beschrieben; sie entsprechen -ungefähr unsern Thees zur Blutreinigung und werden von den erwachsenen -Eingeborenen entweder täglich oder nur hin und wieder genommen. Ich -kann nicht umhin, die Zusammenstellung eines solchen »djamu« nach -<em class="gesperrt">van der Burg</em> hier mitzutheilen:</p> - -<ul class="djamu"> -<li>Djinten (Carum caroi).</li> -<li>Massooi (Cortex Cinnamomi Kiamis).</li> -<li>Sintok (Cort. Cinnamomi sintok).</li> -<li>Saparantu (Fructus Myrsinis avenis).</li> -<li>Ketúmbar (Semina coriandri).</li> -<li>Pala (Nuces moschatae).</li> -<li>Mungsi (Semina anethi).</li> -<li>Tawas (Aluman crudum).</li> -<li>Tjabé wungu (Capsicum bicolor).</li> -<li>Kamunkus (Piper cubebae).</li> -<li>Maridja (Piper nigrum).</li> -<li>Kedáwoong (Parkia intermedia).</li> -<li>Tjenké (Caryophili aromatici).</li> -<li>Djuruk nipis (Cotrus limonellus).</li> -<li>Ingu (Asa foetida).</li> -<li>Kaju manis tjina (Kadix liquiritiae).</li> -<li>Kasoh angin (Saccharum spontaneum?).</li> -<li>Kajus manis djawa (Cortex Cinnamomi aromatici).</li> -<li>Kuntji (Radix kampheriae rotundae).</li> -<li>Rawang merah (Allium cepa).</li> -<li>Mata Kentjur (Radix kampheriae galangae).</li> -<li>Daun lampas (Folia Ocimi basilici).</li> -<li>Daun kasimbukan (Folia Paederiae foetidae).</li> -<li>Klabet (Colocasia antiquorum).</li> -<li>Kembang Kasumba (Flores Bixiae orellanae).</li> -<li>Djongrahap?</li> -</ul> - -<p>Natürlich wollte ich auch die Mittel kennen lernen, mit welchen sie die -Zähne schwarz färben; die weissen Zähne sind für den echten Javanen so -hässlich, dass er sie mit denen eines Hundes vergleicht, welcher hâram -= unrein ist; die Zofe nannte mir zahlreiche Mittel, welche zu diesem -Zwecke gebraucht werden, flocht aber so häufig Anmerkungen<span class="pagenum" id="Seite_281">[S. 281]</span> über das -Sirihkauen und über das Abschleifen der Zähne ein, dass ich im Zweifel -war und blieb, ob denn nicht die Hauptquelle in dem Blosslegen der -Pulpa der Zähne zu suchen sei. Wenn ich auch manchmal die schwarzen -Zähne sehr gern sah, so war doch im Allgemeinen der Anblick eines -solchen Mundes geradezu widerlich; der verliebte Javane mag so einen -Mund mit einem Granatapfel vergleichen, den Europäer jedoch widern -die vom Sirih rothgefärbten Lippen und die entblössten Zähne in hohem -Maasse an. Ich glaube auch, dass in erster Reihe das Sirihkauen die -Zähne färbt; der Saft von Tater (Solanum verbascifolium), von Kimerak -(Scepasma buxifolia), Cocosmilch, worin 8 Tage lang ein Stück Eisen -gelegen war, und zahlreiche andere Pflanzen sollen diese Procedur -befördern; aber die Hauptsache bleibt nach meiner Ansicht das -Sirihkauen. Der Vorgang desselben ist folgender: Zwei oder drei Blätter -der Schlingpflanze Chavica siriboa werden mit nassem Kalk bestrichen, -darauf werden ein kleines Stückchen Pinangnuss,<a id="FNAnker_162" href="#Fussnote_162" class="fnanchor">[162]</a> ein kleines -Stückchen Catechu<a id="FNAnker_163" href="#Fussnote_163" class="fnanchor">[163]</a> und ein wenig feingeschnittener Tabak gelegt -und zu einem Kügelchen gefaltet in den Mund genommen und stundenlang -gekaut; der Speichel wird dadurch rothbraun gefärbt. Der Javane steht -diesbezüglich hoch über dem Perser; als im Jahre 1873 der Schah von -Persien Gast des österreichischen Kaisers war, sprachen die Wiener -Blätter von grossen braunen Flecken, welche auf den Tapeten der Zimmer -gefunden wurden; es war der braune Speichel, welchen die Sirihkauer -gern in kräftigem Strahl ausspritzen. Der Javane hat dafür immer seinen -grossen Spucknapf (tampat luda) bei der Hand. Eines Tages brachte der -Regent zu Magelang seine junge Frau zu uns. Diese Contrevisite war -angekündigt, und ich und meine Frau erwarteten also um 7 Uhr das junge -Ehepaar in der Veranda. Die Equipage fuhr vor. Es war ein offener -Mylord mit sechs Personen; auf dem Bocke sass neben dem Kutscher ein -Bedienter mit dem geschlossenen Pajong; im Wagen sassen zu Füssen des -fürstlichen Paares zwei Babus; die eine hatte die goldene Sirihschale -und die andere die vergoldete Spuckschale in den Händen. Sobald der -Wagen stehen blieb, sprang der Bediente vom Wagen herab und stellte -sich rechts zur Seite der Treppe auf, die zwei Babus setzten sich auf -den Boden der Veranda und das junge<span class="pagenum" id="Seite_282">[S. 282]</span> Ehepaar nahm neben uns Platz. -Die Dame machte jedoch weder von dem Sirih, noch von dem Spucknapf -Gebrauch, während der Regent die angebotene Manillacigarre annahm.</p> - -<p>Solche Sirihdosen und Spucknäpfe, welche aus getriebenem Kupfer -bestanden, sah ich in grosser Zahl auf dem Pâsar. Die letzteren waren -beinahe 50 cm hoch und hatten ungefähr die Form unserer Papierkörbe. -(<a href="#fig20">Fig. 20</a>.) Die Sirihdosen waren kupferne Kistchen mit einem Deckel, -auf welchem kleine kupferne Näpfe für die verschiedenen Ingredienzien -standen, und hatten nebstdem eine kleine Zange zum Zerschneiden -der Pinangnuss. Zuletzt zeigte uns die Babu eine schmutziggelbe -Wurzel,<a id="FNAnker_164" href="#Fussnote_164" class="fnanchor">[164]</a> welche gegen Gelbsucht, bei Stuhlverstopfung, Blasen- und -Nierensteinen, bei Hämorrhoiden und bei Urethritis von den Eingeborenen -in der Form eines Aufgusses gegeben wird; nebstdem sei sie der am -häufigsten gebrauchte Färbestoff für Salben, um den Oberleib und -die Arme gelb zu salben. Bei festlichen Gelegenheiten, wie z. B. am -Hochzeitstage, erscheint nämlich der Mann ohne Bekleidung der Brust und -Arme und die Braut trägt nur einen Sarong, welcher über der Brust mit -einem Gürtel befestigt ist. Die unbedeckten Theile werden mit Curcuma -gesalbt oder mit dem Safte von Pandamblättern<a id="FNAnker_165" href="#Fussnote_165" class="fnanchor">[165]</a> eingerieben.</p> - -<p>Diese Vorlesung der Babu hatte schon zu lange gedauert, um sich noch -länger die javanischen Cosmetica und Früchte u. s. w. erklären zu -lassen, und wir fuhren weiter, bis wir ungefähr in der Mitte der -Strasse auf die Geschäfte einiger chinesischer Möbelfabrikanten -stiessen. Vor einem derselben sass ein dicker, feister Chinese, nur mit -einer schwarzen, dünnen, weiten Hose bekleidet; die grosse Fleischmasse -füllte ganz den grossen Faulenzer aus, weil er seine schuhlosen Füsse -unter dem Leibe gekreuzt hatte. Seine Opiumpfeife hielt er in der Hand, -und der lange, schwarze Zopf war um den Kopf geschlungen. Als der -Wagen anhielt und wir ausstiegen, erhob sich zwar diese unförmliche, -halb nackte Fleischmasse aus seiner allzu bequemen Lage und starrte -uns mit fragenden Blicken an. Gewöhnlich pflege ich mich nicht mit den -guten oder schlechten Sitten meiner Nebenmenschen zu bemühen. Ich war -jedoch in Uniform und fand es unschicklich, dass er seinen Zopf nicht -fallen liess, die Hausschuhe anzog und den nackten Oberleib bekleidete, -obwohl auch meine Frau sein Geschäft betrat. Ich begnügte mich jedoch, -meinen Blick unverändert auf den um seinen Kopf geschlungenen<span class="pagenum" id="Seite_283">[S. 283]</span> Zopf zu -richten, er verstand diesen Wink, liess den Zopf fallen und holte sich -eine Kabaya. Er stammte aus der Stadt Tsjang Tsjowfu in der Provinz -Fuki-ën und war der malayischen Sprache nur sehr mangelhaft mächtig. -Mit Hülfe eines Nachbars, welcher schon lange in Magelang lebte und -sich schon ein kleines Vermögen erworben hatte und daher mit Bába -titulirt wurde, gelang es uns, uns mit ihm zu verständigen. Der grösste -Theil unserer Bedürfnisse wurde aus seinem Vorrath gedeckt. Das Uebrige -bestellten wir, und er versprach uns, es in acht Tagen zu liefern. -Die Möbel waren schön, solide und billiger, als ich sie bei gleicher -Qualität in Europa hätte kaufen können. Es waren Kasten, Tische und -Stühle aus gutem und schwerem Djattiholz (Tectonia grandis), welches -auch indisches Eichenholz genannt wird.</p> - -<p>Damit war das Programm für diesen Tag erledigt. Es war unterdessen -12 Uhr geworden, wir gingen nach Haus, ich zog Civilkleidung an und -meine Frau die indische Toilette. Es ist nämlich in den Hotels vom -ganzen indischen Archipel Sitte, dass die Damen zum Lunch, d. h. zur -sogenannten »Rysttafel«, in der Haustoilette kommen, während den Herren -dieses untersagt ist Auch diese Sitte hat ihre raison d’être. Die -Damen verwenden im Allgemeinen mehr Sorgfalt auf die Toilette als die -Herren, und es wird gewiss keine Dame zur Table d’hôte gehen, ohne auch -in der Haustoilette der Eitelkeit und somit auch der Nettigkeit und -der Reinlichkeit Rechnung zu tragen. Von den Männern kann dies leider -nicht immer gesagt werden; zum Frühstück geht Jedermann zwischen 7–9 -Uhr in der Haustoilette zur Tafel; da sieht man oft Männer in einer -Kabaya erscheinen, welche das Licht der Oeffentlichkeit scheuen sollte. -Es geschieht selten, dass Viele gleichzeitig ihr erstes Frühstück -einnehmen, aber das zweite Frühstück, die Rysttafel, wird gemeinsam -von allen Gästen des Hotels um 12½-1 Uhr genommen; es ist also besser, -dass zur Table d’hôte die Herren »gekleidet« kommen. Vielleicht wäre es -schicklicher, wenn auch die Damen in voller Toilette bei der Rysttafel -erschienen. Sarong und Kabaya kleidet die Damen (<a href="#fig21">Fig. 21</a>) sehr gut; -aber es ist eine Haustoilette, und es ist gewiss schicklicher, dass man -nicht in einer Haustoilette unter Menschen geht. Die Engländer finden -solches selbst shocking, und weder in Calcutta, noch in Singapore, noch -in Ceylon sah ich die Ladies anders als in Strassen- oder Salontoilette -beim zweiten Frühstück erscheinen. Wer weiss, ob nicht nach abermals -20 Jahren auch diese Unsitte wegfallen wird. Ich sah während meines -20jährigen Aufenthaltes die europäische Mode sich mit solcher Macht<span class="pagenum" id="Seite_284">[S. 284]</span> in -Indien einbürgern, und nicht immer zum Vortheil, dass ich hoffen kann, -dass sie auch die Haustoilette der Damen aufs Haus und aufs Zimmer -beschränken wird.</p> - -<p>Nach der »Rysttafel« nahm ich mein Mittagsschläfchen, darnach meinen -Thee und mein Bad, kleidete mich in Civilkleidung und machte mit meiner -Frau einen Spaziergang nach der Wohnung, welche mein Nachfolger in -Ngawie für mich gemiethet hatte.</p> - -<p>Auf der Westfront des Schlossplatzes zog eine schmale Gasse mit starker -Neigung hinab zu den Ufern des Progoflusses.</p> - -<p>Im ersten Drittel des Weges stand das Frauenspital, und ihm vis-à-vis -das Haus, welches Dr. B... vor mir bewohnt hatte. Es stand, wie beinahe -alle Häuser in Indien, in einem Garten, dessen vorderer, der Strasse -zugekehrter Theil nur Blumen, z. B. Rosen, Reseda, Heliotrop, Cactus -theils in Töpfen, theils in den Boden gepflanzt, während der hinter -dem Hause gelegene Theil nur Fruchtbäume enthielt. Ich hatte einen -Muscatbaum, zahlreiche Pisangbäume, einen Kaffeebaum, einige Melonen-, -Papaya- und Manggabäume, eine Reihe von Ananassträuchern, eine kleine -Plantage von Vanille, einige Pompelnussbäume und einige Palmen. An der -Westseite des Hauses stand ein Pavillon für Gäste, und daran grenzte -die Kudang,<a id="FNAnker_166" href="#Fussnote_166" class="fnanchor">[166]</a> die Küche und die Bedientenzimmer; daneben standen ein -zweiter Pavillon für das Badezimmer und für die Aborte. Hinter diesen -stand der Stall für zwei Pferde, an diesen grenzte ein Ziehbrunnen -(<a href="#fig22">Fig. 22</a>) für mich und meine Nachbarn, und an der Ostseite des Hauses -stand die Wagenkammer mit einem Zimmer, welches der Kutscher bewohnte.</p> - -<p>Das Hauptgebäude (<a href="#fig23">Fig. 23</a>) bestand aus vier Zimmern und zwei Veranden, -welche durch einen »Gang« zwischen je zwei Zimmern miteinander -verbunden waren. Nebstdem hatte ich eine »Binnengallery«, d. h. ein -grosses Zimmer, welches hinter der vorderen Veranda die ganze Breite -des Hauses einnahm. Bei schlechtem Wetter, d. h. wenn der Wind den -Regen in die Veranda trieb, diente sie als Empfangszimmer und wurde -darnach auch eingerichtet. Der Silberkasten und das Pianino fanden -nebst zahlreichen Phantasiestühlen und kleinen Tischchen in diesem -Raume Platz. Zum Schlafzimmer mit dem Ankleidezimmer meiner Frau -wählte ich die zwei Zimmer im östlichen Flügel des Hauses, während -mein Bureau und das Gastzimmer an der Westseite des Hauses lagen. Die -hintere Veranda diente als Aufenthalt für meine Frau, wenn sie mit -den häuslichen Angelegenheiten<span class="pagenum" id="Seite_285">[S. 285]</span> beschäftigt war. Hier war auch das -Speisezimmer mit einem langen Tisch, der durch eine Einlage selbst für -zwölf Menschen Platz hatte. Auch das Büffet und der Speisekasten sowie -ein kleiner runder Tisch für die Handarbeiten meiner Frau standen in -diesem Zimmer. Es war eigentlich ein Salon, denn es hatte an allen vier -Seiten Mauern und war eine »geschlossene Hinter-Veranda«. Da diese der -Aufenthaltsort für die ganze Familie ist und die Temperatur in Magelang -des Abends oft bis auf 16° C. sinkt, so ist es in einer offenen Veranda -zu kalt, um in der Haustoilette das Nachtmahl einzunehmen und dann noch -1–2 Stunden zu lesen. Darum besassen die meisten Häuser von Magelang -eine geschlossene »Achtergallery«, was beinahe niemals in den Städten -mit hoher Temperatur, wie Batavia, Samarang u. s. w. der Fall ist.</p> - -<p>Schon nach vier Tagen konnte ich meine Wohnung beziehen, d. h. in -meinem eigenen Hause essen und schlafen. Das Bett hatte ich nämlich -von Ngawie mitgenommen und überhaupt niemals unter den Hammer bringen -lassen, um eben so bald als möglich in meine Wohnung einziehen zu -können. Es bestand aus schwarzen Stäben mit kupfernen Verzierungen -und konnte bequem zu zwei kleinen Collis gebunden werden. Die zwei -Matratzen, zwei Kopfpolster und zwei Gulings (= Rollpolster) wurden -ebenfalls zu zwei Collis in Matten eingerollt, und so konnte ich -überall sofort nach der Ankunft meine eigene Schlafstätte haben, ohne -fürchten zu müssen, dass in einem Orte<a id="FNAnker_167" href="#Fussnote_167" class="fnanchor">[167]</a> kein neues Bett zu kaufen -war, oder dass erst nach langer Zeit eine Auction stattfinden würde, -welche mir Gelegenheit bot, dieses unentbehrliche Möbelstück theuer -zu erstehen. Glas- und Essservice konnte ich im chinesischen Viertel -kaufen, Küchengeräthe verschaffte ich mir vom Pâsar, und auf diese -Weise gelang es mir, schon am fünften Tage nach meiner Ankunft meinen -regelmässigen Haushalt zu haben und meiner Frau häusliche Thätigkeit zu -verschaffen. Nun traten auch die gesellschaftlichen Pflichten an uns; -wir mussten alle Empfangsabende frequentiren und so viel als möglich -Antrittsvisiten machen. Diese Empfangsabende sind eine sehr praktische -Einrichtung und sollten sich nicht auf die Spitzen der Behörden und -Officiere beschränken.</p> - -<p>Die Städte sind in Indien gross, weil Jeder ein Haus bewohnt, das in -der Regel von einem Garten umgeben ist. Die Besuchszeit ist 7 Uhr -Abends, und um diese Zeit regnet es wenigstens in 100 Tagen des Jahres; -es ist sehr unangenehm, wenn man Jemanden besuchen<span class="pagenum" id="Seite_286">[S. 286]</span> will, vielleicht -wegen des Regens eine Equipage nimmt, und man findet Niemanden zu -Hause. Solche jours fixes fanden in Magelang zahlreich statt; der -Platzcommandant, 4 Bataillonscommandanten und ihre Adjutanten, der -Resident, der Secretair, der Controlor, der Landesgerichts-Präsident, -der Director der Schulen für Häuptlings-Söhne, einige Oberlehrer -und einige Hauptleute. Auch ich entschloss mich, einen solchen zu -halten, und theilte mit, dass ich »jeden Sonnabend zu Hause sei«. -Die Empfangsabende dieser genannten Herren besuchte ich mit meiner -Frau, ohne gleichzeitig die jüngeren Collegen zu vergessen, welche -aus Bescheidenheit keinen jour fixe hielten. In Magelang war es nicht -nöthig, eine bestimmte Reihenfolge einzuhalten, aber wehe! wenn man -dieses in einem kleinen Orte thäte und es wagen sollte, erst den -Controlor und dann den Assistent-Residenten oder erst den Adjutant -und dann den Platzcommandant zu besuchen; ich glaube nicht, dass dies -ungestraft geschehen würde. Diese »ersten« Visiten thut man nicht -unangemeldet, sondern man theilt im Laufe des Vormittags mit, »dass -man wünscht, Herrn und Frau X. seine Aufwartung zu machen, wenn dies -gelegen käme«. Etwas Langweiligeres als solche Empfangsabende kann man -sich kaum vorstellen. Dazu kommt noch, dass das Haus, oder vielmehr -die Veranda des Platzcommandanten in Magelang sehr klein war und dass -deshalb bei den Empfangsabenden die meisten Herren stehen mussten. -Die Damen häuften sich in der einen Ecke an und fanden bald Stoff zu -einem Discurs; in der andern Ecke stand ein runder Tisch, beladen -mit Cigarren und Getränken, denen die Herren tüchtig zusprachen, um -sich hin und wieder in den Kreis der Damen zu wagen und bei dieser -oder jener ihre Anwesenheit durch eine Verbeugung und ein paar Worte -in Erinnerung zu bringen. Die Jugend fand sehr bald einen Ausweg aus -dieser steifen, langweiligen und ceremoniösen Gesellschaft. Vor dem -Hause spielte zwar die Militärmusik ihre Salonstücke oder Arien aus -verschiedenen bekannten Opern und Operetten; aber in der hinteren -Veranda stand ein Piano. Die Tochter des Hauses wechselte mit ihrer -Mama einen stillen Wink und darauf hin zogen die Mädchen und alle -jungen Männer durch die hellerleuchtete »Binnengallery« nach der -hinteren Veranda. Dort konnte die Jugend flirten und tanzen, bis die -Mamas sie zur Abreise abholten, d. h. bis der Resident aufgestanden -war, sich bei dem Gastgeber und der Hausfrau empfohlen hatte und seine -Frau am Arme des Colonels zu ihrer Equipage gebracht worden war.</p> - -<p>In dieser Hinsicht war der Resident viel günstiger situirt. Er<span class="pagenum" id="Seite_287">[S. 287]</span> hatte -ein grosses Haus, welches früher dem »chinesischen Major«<a id="FNAnker_168" href="#Fussnote_168" class="fnanchor">[168]</a> gehört -hatte, während das des Colonels das Bureau des Controlors gewesen sein -soll.</p> - -<p>Wenn man der Nordseite des Schlossplatzes folgte, sah man neben dem -Clubgebäude das Schloss des Regenten und im Anschluss daran die -Pfarrei, welche mit einigen europäischen Wohnungen parallel mit der -Eisallee, in welcher mein Haus stand, gegen das Ufer des Progoflusses -abfiel, ohne dieses jedoch zu erreichen. Sie endeten in jener grossen -Strasse, welche unter dem Namen die »kleine Tour« bei der Eisfabrik, -d. h. am Schlossplatze anfing, auf der grossen Heeresstrasse den -nördlichsten Punkt der Stadt erreichte, längs des Campements zum -Schlossplatze zurück den Weg durch das chinesische Viertel nahm und vor -dem Berge Tidar und durch die Mörderallee bei der Eisfabrik endigte. -Die grosse Tour nahm dieselbe Route, ging jedoch hinter dem Tidar -durch die Landstrasse nach Selaman durch die Mörderallee zurück; für -die erste hatte man ¾ und für die grosse Tour <span class="bruch"><span class="zaehler">5</span>⁄<span class="nenner">4</span></span> Stunden mit einer -Equipage nöthig, welche in mässigem Schritt fuhr.</p> - -<p>Das Residentengebäude konnte man jedoch am bequemsten durch die -Residentenallee erreichen, welche parallel mit der eben erwähnten -Strasse und mit der Eisallee lief; auch sie war an ihrem südlichen -Ende steil abfallend, und bei den Empfangsabenden des Residenten war -die Auffahrt an dieser Stelle geradezu gefährlich; wenn auch von -dem nördlichen Theile der »grossen Tour« an diesem Kreuzungspunkte -bei solchen Gelegenheiten nur ausnahmsweise eine Equipage kam, -so geschah es desto häufiger von dem südlichen Theile her. Sie -begegneten jenen, welche aus der Residentallee kamen und durch den -steilen Fall der Strasse nicht in Passschritt fahren konnten. In -Galopp ging es bei dem Pavillon für Gäste vorbei und um die Ecke -der Strasse vor die Hauptfront des Gebäudes mit der Aussicht auf -den Garten, der damals durch die Reichhaltigkeit der Rosensorten -berühmt war; am Ende desselben stand ein Gartenhäuschen, von welchem -aus man eine wunderschöne Aussicht auf beide Ufer des Progoflusses -hatte. Den Eingang in das Haus bewachten zwei grosse Götzenbilder. -Er führte zu einer »Voorgallery«, welche gross genug war, um selbst -bei aussergewöhnlich besuchten Empfangsabenden, wie z. B. bei der -Hochzeitsfeier der Tochter des Residenten, alle Anwesenden bequem<span class="pagenum" id="Seite_288">[S. 288]</span> -<em class="gesperrt">sitzen</em> zu lassen. Ja noch mehr; sehr oft liess der Resident -bei seinen Empfangsabenden die Militärmusik im Garten spielen, womit -die Jugend nicht zufrieden war. Die »alten Herren« wurden nach der -Peripherie des Saales gedrängt, wo zwei grosse »Kletstafeln« standen, -die »Musik« postirte sich an dem seitlichen Eingang der Veranda, und -Allen voran begann der Resident die Polonaise zu eröffnen. Die Jugend -hatte den Sieg über die »alten Herren« errungen. Dem Beispiele des -Residenten folgte Alles, was kein Zipperlein hatte, und trotz einer -Temperatur von 25° C. bis 30° C. wird bis 8½ Uhr getanzt, bis endlich -der Colonel das Zeichen zum Aufbruch gab. Der Resident A. war ein -braver und behülflicher Mensch; er war ein tüchtiger Beamter. Der -Colonel P. war auch ein braver und behülflicher Mensch; auch er war -ein tüchtiger Officier; in den Augen der weiblichen Jugend stand -dieser jedoch tief unter dem Residenten. Er war damals gewiss schon 55 -Jahre und tanzte mehr und besser als alle Lieutenants und Controlors -zusammen! Die weibliche Jugend bewahrt ihm gewiss heute noch ein -dankbares Andenken.</p> - -<p>Alle meine Antrittsvisiten musste ich mit einem Miethwagen machen, -weil ich zwar meine Equipage, aber noch keine Pferde hatte. Billig war -es, für einen solchen Abend einen Wagen zu miethen; denn man zahlte -nur 1,20 fl. = 2 Mark für die Stunde, oder aber, man liess den Wagen -nicht warten, sondern nur »bringen« und um 8½ Uhr holen, wofür nur 1 -fl. verlangt wurde. Auf den grossen Plätzen, wie Batavia, Samarang -u. s. w., sind die Preise zwar nicht höher als 1,20 fl. pro Stunde, -aber die »Wagenvermiether« geben nur für 3 bis 4 Stunden einen »Wagen -ab«, wofür sie sich 2,50 bis 4 fl. zahlen lassen. Wegen der Unkosten -brauchte ich mich also nicht zu beeilen, Pferde anzuschaffen. Aber die -gemietheten Wagen waren so alt, so schmutzig und so defect, dass man -glauben sollte, dass sich die Polizei gar nicht damit beschäftige. Ich -muss auch sagen, dass die öffentlichen Miethwagen in Singapore und -Ceylon viel netter, schöner und besser als in ganz holländisch Indien -sind.</p> - -<div class="figcenter illowe50" id="fig22"> - <img class="w100" src="images/fig22.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Fig. 22. Am Ziehbrunnen.</div> - <div class="caption_gross x-ebookmaker-drop"><a href="images/fig22_gross.jpg" - id="fig22_gross" rel="nofollow">⇒<br /> - <span class="s6">GRÖSSERES BILD</span></a></div> -</div> - -<p>Einen Pferdemarkt hatte Magelang nicht; eine Auction war -voraussichtlich vor einigen Wochen nicht zu erwarten, d. h. eine -Auction, auf welcher »ein Span« Pferde verkauft werden sollte. Ich -beschloss also, Pferde im Kampong kaufen zu lassen. Bald erfuhr ich die -Adresse eines chinesischen Pferdeagenten, ich liess ihn zu mir kommen -und theilte ihm meine Wünsche mit. Jeden Tag brachte er mir ein Paar -Pferde »zur Ansicht«, und endlich wählte ich ein Paar Kedupferde;<span class="pagenum" id="Seite_289">[S. 289]</span> -sie waren klein, 120 Centimeter hoch, schwarz, elegant und zierlich -gebaut, hatten keinen Fehler, wenigstens wie der Agent behauptete, -und ich konnte sie acht Tage lang probiren; er verlangte für sie 130 -fl., sie waren vier Jahre alt, und er demonstrirte mir dies an der -Form der Schneidezähne. Ein Pferdekenner war ich nicht, ein Thierarzt -lag nicht in Garnison, weil wir weder Cavallerie noch Artillerie -hatten. Ich wandte mich also an einen Officier, welcher sich seit -vielen Jahren ein Reitpferd hielt. Dieser bestätigte mir die Angaben -des Pferdehändlers, dass meine Pferde nicht älter als vier Jahre sein -könnten. Der freie Rand der Schneidezähne schleift sich nämlich im -Laufe der Jahre ab, und da diese Zähne conisch zur Wurzel ablaufen, -so wird der abgeschliffene Zahnrand eine wechselnde Form und Grösse -haben und besonders deutlich die Schichten des Zahnes zeigen, welche -blossgelegt werden. Das geübte Auge kann daraus mit ziemlich grosser -Wahrscheinlichkeit das Alter des Pferdes bestimmen. Dieser Process hat -aber seine Grenze, welche ungefähr mit dem neunten Jahre abgeschlossen -ist. Der Zahn schleift sich nicht mehr ab, und von dieser Zeit an kann -das Alter des Pferdes nicht mehr geschätzt werden; das Pferd »zeichnet« -nicht mehr. Ich behielt die Pferde acht Tage zur Probe und liess den -Kutscher das letzte Wort sprechen, ob ich sie behalten sollte. Dass -sie nicht blind oder lahm waren, konnte ich selbst beurtheilen; ob -sie aber Temperamentsfehler oder andere Untugenden besässen, welche -sie für den Gebrauch ungeeignet machen würden — konnte ich nicht -beurtheilen. Bis jetzt waren sie nur Pickulpferde gewesen, d. h. sie -hatten nur Kaffee getragen. Man sieht oft Colonnen von 20 Pferden -hintereinander gehen, welche je zwei Säcke Kaffee zu beiden Seiten des -Rückens tragen; ein solches Pferd muss zum Ziehen eines Wagens erst -dressirt werden. Zu diesem Zwecke borgte ich mir einen Lastwagen, der -gewöhnlich von einem Karbouw oder Rinde gezogen wurde. Diese erste -Probe gelang ausgezeichnet, ruhig und gelassen zog jedes Pferd den -Lastwagen (Grobak)<a id="FNAnker_169" href="#Fussnote_169" class="fnanchor">[169]</a>. Jetzt sollte es sich zeigen, ob sie auch den -guten Willen hätten, zusammen und gleichzeitig ihre Dienste zu leisten. -Dazu hatten sie jedoch gar keine Lust. Mit gespreizten Beinen standen -sie still, trotzdem die Peitsche nicht geschont wurde. Natürlich wollte -mein Kutscher die landesüblichen grausamen Mittel, wie die Flamme -u. s. w., anwenden, um ihren Eigensinn zu brechen. Ich gestattete aber -weder dieses noch andere heroische<span class="pagenum" id="Seite_290">[S. 290]</span> Mittel; er durfte nicht einmal -mit dem Peitschenstiel schlagen. Am andern Morgen bekamen sie nichts -zu fressen und wurden wieder vor den Grobak gespannt; ihr Starrsinn -blieb derselbe. Ich liess aber das Gespann umkehren, so dass sie den -Stall und das Futter sehen konnten; sie zogen den Wagen an, und als -sie bei dem Stall angelangt waren, bekamen sie einen kleinen Theil des -Futters und mussten wieder hinaus auf die Strasse. Dies Mittel half, -und nach zwei Tagen gingen sie mit dem Grobak, wohin ich wollte. Ich -hatte jedoch zu früh gejubelt. Als ich sie vor meinen Mylord lege -artis spannte, der sich bequem und leicht ziehen liess, da begann ihr -Starrsinn eine neue Form anzunehmen. Sie bäumten sich und drohten den -Wagen umzuwerfen, und zuletzt verwirrten sie sich mit den Strängen. -Die Hungercur musste wieder beginnen, und endlich wurde aus ihnen ein -tüchtiges Paar Dienstpferde, welches mir fünf Jahre lang vortreffliche -Dienste leistete, obwohl mein Wagen geradezu ein schwerer zu nennen war.</p> - -<p>Die Spitalpraxis brachte die erste Zeit wenig oder vielmehr gar nichts -Interessantes. Das Spital selbst bestand aus Bambus-Baracken und wurde -ein Jahr später verlassen; auch darüber lässt sich nichts Interessantes -mittheilen. In die Privatpraxis konnte ich nur langsam kommen, weil -sechs Militär-Aerzte hier waren und das europäische Publicum zu klein -war, um einem einzigen Civil-Arzte hinreichend Beschäftigung zu bieten, -wieviel weniger noch, einem neu angekommenen siebenten Militär-Arzte -Material zuzuführen. Die chinesische Bevölkerung jedoch war nicht nur -viel grösser, sondern liebte es auch, häufig den Arzt zu wechseln. Auf -diese Weise bekam ich bald genug Chinesen in Behandlung; einer der -ersten chinesischen Patienten war ein gewisser Kau-Sui King, welcher -von Temanggong kam, mit der Mittheilung, dass er Opiophag sei, täglich -2 fl. für Opium ausgebe und neben Impotenz an habitueller Verstopfung -leide; er habe nur alle acht Tage Stuhlgang, er ersuche mich also -um ein Gegengift, d. h. um eine Arznei, welche ihn von der üblen -Gewohnheit des Opiumrauchens abbringen könnte. Ich habe später einen -zweiten ähnlichen Fall zur Beobachtung und in Behandlung bekommen, -in welchem der Patient jedoch durch den Missbrauch des Opiums in -hohem Maasse heruntergekommen war;<a id="FNAnker_170" href="#Fussnote_170" class="fnanchor">[170]</a> er war mager, hatte eine -fahle Gesichtsfarbe und litt an einem hochgradigen Emphysem; eine -Blutdiarrhöe hatte ihn so erschöpft, dass<span class="pagenum" id="Seite_291">[S. 291]</span> er dem Tode nahe war; der -Puls war fadenförmig, der Herzschlag schwach zu hören — und doch -gelang es mir noch, ihn dem frühzeitigen Tode zu entreissen; ich muss -sofort bemerken, dass die Gefahren <em class="gesperrt">des mässigen Opiumgebrauches</em> -für Leib und Seele im Allgemeinen zu hoch angeschlagen werden und -nicht viel grösser als die des Alcohols sind. Ich habe vielleicht in -500 chinesischen Familien (während meines 20jährigen Aufenthaltes -in Indien) gewiss 1000 Patienten behandelt, ich habe zahlreiche -Morphiophagen (leider waren gerade Aerzte diese unglücklichen Opfer -ihrer körperlichen Leiden) unter den Europäern gesehen und ich kann -mir daher ein Urtheil in dieser Sache erlauben: Der <em class="gesperrt">mässige -Gebrauch</em> des Opiums schadet ebenso wenig als der des Alcohols, -und der <em class="gesperrt">Missbrauch</em> desselben ist ebenso perniciös als der der -Spiritualien. Im Jahre 1887 behandelte ich einen Collegen, welcher bis -zur täglichen Dosis von 1 g Morphium gestiegen war; der Bauch war von -Stichen der Injectionsspritze so bedeckt, dass er die Spritze nicht -mehr gebrauchen konnte und das Morphium in Form von Pillen nahm; erst -im Jahre 1899, also zwölf Jahre später, starb er. Aber auch unter den -zahlreichen chinesischen Patienten fand ich nur vereinzelte Opfer -dieses Genussmittels; oben erwähnter Kau-Sui King hatte bereits ein -Jahr lang täglich um 2 fl. Opium gebraucht, und nur relativ wenig hatte -dieses ungeheure Quantum von Opium seine Körperkraft untergraben; -ebenso wenig als ich den mässigen Gebrauch des Alcohols auf Grund -meiner Beobachtungen und Erfahrungen verurtheilen kann, ebenso wenig -möchte ich einen Stein auf den mässigen Gebrauch des Opiums werfen, um -so weniger, als die Europäer, welche sich dem ergeben, in der Regel -unglückliche Patienten sind, welchen schmerzhaftes Leiden das Leben zur -Last macht. Aber wie der <em class="gesperrt">Missbrauch</em> des Alcohols den Menschen -zum Thiere erniedrigt, ebenso sehr untergräbt der <em class="gesperrt">Missbrauch</em> -des Opiums Leib und Seele des Menschen. Allerdings muss ich auch noch -mehr vor dem mässigen Gebrauch des Opiums als dem des Alcohols meine -warnende Stimme erheben; der <em class="gesperrt">mässige Gebrauch</em> des Opiums führt -beinahe sicher, oder wenigstens viel leichter zum <em class="gesperrt">Missbrauch</em>, -als dieses der Alcohol thut. Wer in der Lage ist, und wem es die -Geldmittel erlauben, wird sicher dem Morphium oder dem Opium zum Opfer -fallen, wenn er einmal angefangen hat, zur Morphiumspritze zu greifen, -um Erleichterung von seinen körperlichen Leiden zu finden, und darum -rufe ich jedem Arzte zu: gieb keinem Patienten die Spritze in die Hand! -Principiis obsta!</p> - -<p>Der Opiumhandel ist in Indien in den Händen des Staates;<span class="pagenum" id="Seite_292">[S. 292]</span> dieses -Monopol hat natürlich die widerlichsten und garstigsten Schmuggelscenen -zur Folge, an welchen sich nicht nur Chinesen, sondern leider zu oft -auch Europäer<a id="FNAnker_171" href="#Fussnote_171" class="fnanchor">[171]</a> betheiligen, und gerne stimme ich in den heftigen -Tadel ein, welcher gegen den Schmuggel des »Höllensaftes« erhoben wird; -ich würde aber auch und gerade wegen dieser widerlichen Schmuggelscenen -mit so vielen Andern auch gegen den <em class="gesperrt">mässigen Gebrauch</em> des Opiums -meine Stimme erheben und überhaupt empfehlen, wie es s. Z. im Westen -Javas in der Preangerprovinz der Fall war, die Einfuhr von Opium im -Allgemeinen zu verbieten; aber hat eine Regierung das Recht und die -Pflicht, dem Volke ein Genussmittel mit Gewalt zu entziehen, das wie -der Alcohol nur durch den Missbrauch schädlich wird? Ich weiss es -nicht.<a id="FNAnker_172" href="#Fussnote_172" class="fnanchor">[172]</a></p> - -<p>Das Opium ist bekanntlich der getrocknete Saft einer Mohnkapsel -aus der Familie der Papaveraceen; als solcher kommt er unter dem -malayischen Namen Madat (= ampiun J.) in den Handel. Er wird nun in -warmem Wasser aufgelöst, filtrirt, abgedampft und heisst dann tjandu. -Dieses präparirte Opium wird mit Zucker und feingeschnittenem Tabak -oder anderen aromatischen Blättern gemischt und geraucht oder getrunken -(mit Kaffee) oder gekaut (mit Tabak). Die Pfeifen, aus welchen das -Opium geraucht wird, bestehen aus einem mehr oder weniger verzierten -Bambusstock, an dessen Ende sich eine kleine Oeffnung befindet, mit -oder ohne Pfeifenkopf.</p> - -<p>Den momentanen Einfluss des Opiumrauchens kann ich aus eigener -Erfahrung nicht beurtheilen; ich konnte mich niemals entschliessen, -diesen Genuss einmal zu probiren; wenn ich die Chinesen, welche ich -darüber interviewte, gut verstanden habe — es geschah in malayischer -Sprache —, so ist der Opiumrausch gewissermaassen dem Nirwâna der -Indier zu vergleichen, welcher mit wenigen Worten charakterisirt wird: -Absolute Ruhe, Glückseligkeit, beruhend <em class="gesperrt">auf dem Wegfall des Gefühls -der Existenz</em>, also ein potenzirtes »Klimaschiessen«.</p> - -<p>Die Javanen rauchen (ngesis) auch Opium; ich sprach bis jetzt nur -von den chinesischen Opiumrauchern, weil ich in diesem Capitel mich -vorherrschend mit diesem Volke beschäftigen will, welches Jahrhunderte -lang, vielleicht 1000 Jahre lang an der Spitze der Civilisation<span class="pagenum" id="Seite_293">[S. 293]</span> stand -und wie die Juden noch heute gleich einer ehernen Säule aus den Ruinen -der Völker des Alterthums hoch über mehr als die Hälfte der Menschen -hervorragt; schon zur Zeit Abraham’s, Ramses’ und Lycurgus’ blühte ein -chinesisches Reich; »seitdem sind die Aegypter, Griechenland und Rom -untergegangen. Die Civilisation der alten Hindus, Chaldäer, Assyrier -und Perser ist verschwunden von dem Platz ihrer Entstehung; nur das -chinesische Volk lebt fort, und unsere hochgerühmte Bildung von einem -kleinen Theil Europas ist mit seiner Civilisation <a id="verglichen"></a>verglichen, als -von gestern.«<a id="FNAnker_173" href="#Fussnote_173" class="fnanchor">[173]</a></p> - -<p>»Fan Tsjhi frug, was Humanität sei; der Meister sprach: Alle Menschen -lieben; er frug, was Wissenschaft sei; der Meister sprach: Alle -Menschen kennen.«</p> - -<p>Diese Worte des Confucius<a id="FNAnker_174" href="#Fussnote_174" class="fnanchor">[174]</a> sind Perlen der Weisheit und stammen -aus einer Zeit als in Nord-Europa kaum Spuren einer menschlichen -Civilisation zu finden waren und im Westen die Bewohner noch in den -Urwäldern ohne Staatsorganisation als Wilde hausten.</p> - -<p>Heute freilich zeigt das chinesische Volk nur das Bild einer alten, -versteinerten und verknöcherten Masse, welche den Fortschritt des -fernen Westens nicht begreifen kann und nur mit Gewalt gezwungen der -europäischen Civilisation die Thore öffnen wird, ob zu seinem Wohl oder -ob zu seinem Wehe, ist nicht zu entscheiden.</p> - -<p>Dimana gula, disana semút, wo Zucker, dort Ameisen, sagt der Chinese -in Java und charakterisirt damit die Macht des Goldes, und nur das -goldene Kalb betet der heutige Chinese an, wenn auch sein Gottesdienst -in erster Reihe ein reiner Ahnencultus ist; es ist aber unrichtig, -zu behaupten, dass dieses Volk baar aller hohen Ideen und Gefühle -sei, dass nur die nackte Gewalt sie beherrschen könne. Alles, was das -Menschenherz erregt, ist dem Chinesen nicht fremd. Ich wurde in Atschin -selbst zu einem Selbstmörder gerufen! Die Noth aber hatte ihn nicht -dazu getrieben.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Das chinesische Jahr hat 12 Monate zu 29 und 30 Tagen, der Rest wird -zu einem 13. Schaltmonat vereinigt; sie kennen auch eine Eintheilung -des Jahres in 24 halbe Monate nach dem jeweiligen Stande der Sonne -im Thierkreise; die Namen derselben entsprechen den jeweiligen -meteorologischen Verhältnissen, sie heissen: Anfang des Frühlings<span class="pagenum" id="Seite_294">[S. 294]</span> -(5. Februar), Regenwasser (19. Februar), Wiedergeburt der Insecten -(5. März), Frühlings Tag- und Nachtgleiche (20. März), Reine Luft (5. -April), Regen über das Korn (20. April), Anfang des Sommers (5. Mai) -u. s. w.</p> - -<p>Die Schrift ist eine Hieroglyphenschrift, oder besser gesagt, ist -dies ursprünglich gewesen und bis zum heutigen Tage geblieben; darum -können sich die Chinesen durch die Schrift immer verständigen, auch -wenn ihre Dialekte so stark abweichen, wie z. B. das Englische und das -Deutsche.<a id="FNAnker_175" href="#Fussnote_175" class="fnanchor">[175]</a> Allgemein ist bekannt, dass sie kein Alphabet haben und -jedes Wort durch ein bestimmtes Zeichen ausgedrückt wird; es ist Sache -des Studiums, eine grössere oder kleinere Zahl von Wörtern lesen und -schreiben zu können. Ich besitze z. B. ein Bild, welches eine Scene aus -dem Kriege mit den Franzosen bei Tonkin darstellt; rings um die etwas -primitiv ausgeführte Zeichnung sind zahlreiche Sprüche, deren Bedeutung -mir kein einziger meiner chinesischen Patienten in Magelang mittheilen -konnte. Endlich wandte ich mich auf Anrathen eines befreundeten -Chinesen an den Major-tschina, der ein grosser Gelehrter sei. Seinen -Mittheilungen über die Bedeutung musste ich um so eher Glauben -schenken, weil sie thatsächlich controlirt werden konnten; diese waren -die Namen der Städte, des Flusses, an welchem der Kampf stattgefunden -hatte, und die Jahreszahlen.</p> - -<p>In Magelang befand sich der chinesische Tempel auf dem Schlossplatz, -und zwar am Eingange der Hauptstrasse des chinesischen Quartiers — -in allen Städten dürfen sie nämlich nur in bestimmten, in der Regel -scharf abgegrenzten Stadttheilen wohnen. — Welcher Secte dieser Tempel -angehörte, und ob die Chinesen dieser Stadt, welche grösstentheils -von Amoy herstammen, Bekenner des Buddhismus, Taoismus oder des -Confucionismus sind, ist mir nicht bekannt; auch muss ich mich -enthalten, mich in eine Besprechung dieser drei Secten zu vertiefen, -weil ich darin, ich möchte sagen, gar nicht versirt bin; aber ich kann -es nicht unterlassen, eines ihrer Feste zu erwähnen, welches überall -mit grossem Pomp gefeiert wird, und welches ich jedes Jahr in Magelang -zu beobachten Gelegenheit hatte, weil meine Wohnung in der Nähe des -Schlossplatzes und des chinesischen Quartiers lag.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_295">[S. 295]</span></p> - -<p>Es ist das Tsáp gow mê<sup>ng</sup> Fest = (dem Fest) der fünfzehnten Nacht -geweiht der Verehrung des Herrn der drei Welten = siong goân, oder wie -es von den Europäern auch genannt wird: Das Laternenfest.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Was die Medicin der Chinesen auf Java betrifft, kann ich nur -mittheilen, dass wir in Magelang einen chinesischen Doctor und eine -chinesische Apotheke hatten. Bis vor Kurzem hatte ich zwei Pillen -in meinem Besitz, welche zeigten, dass sie in der Technik der -Arzneibereitung so ziemlich hoch stehen. Es waren zwei Hohlkugeln -aus Wachs, welche im Innern je eine grosse Pille enthielten, und -in chinesischer Schrift die Krankheit mittheilten, für welche sie -bestimmt waren; mit sakit angin übersetzte es mein Gewährsmann, d. h. -für Erkältungen. Die Pille selbst hatte etwa die Grösse von drei -unserer Chininpillen und war mit Zinnober bestreut; überhaupt spielt -das Quecksilber bei den Chinesen eine grosse Rolle in ihrer auf der -rohesten Empirie basirten Behandlung der Krankheiten. Die grosse Menge -des chinesischen Volkes macht noch häufig von den Zauberern Gebrauch, -welche bei den gebildeten und höheren Ständen geradezu verachtet sind. -Der Zauberer steht gesellschaftlich in Bann und Acht, und für jeden -Fall ausserhalb der vier anständigen Kasten: Gelehrte, Landbauer, -Arbeiter und Handelsleute. Es würde mich zu weit führen, solche Fälle -zu beschreiben, d. h. den Zauberapparat, wie, wann und durch wen er bei -»Besessenen« oder bei langdauernden chronischen Erkrankungen angewendet -wird; dass aber auch die medicinische Wissenschaft als solche noch -stark in den Windeln liege und vielleicht nicht einmal den Ehrennamen -der Wissenschaft verdiene, wird aus dem kleinen Aufsatz ersichtlich, -den ich vor zwei Jahren über die gerichtliche Medicin bei den Chinesen -in der »W. M. W.« veröffentlichte. Da ich aus verschiedenen Ursachen -dieses Thema nicht ausführlich besprechen kann und will, so werde ich -mich begnügen, diesen Aufsatz hier wörtlich zu reproduciren, weil -er meiner Ansicht nach den gegenwärtigen Stand der medicinischen -Wissenschaft in China selbst hinreichend andeutet und charakterisirt. -In Java haben ja, wie wir sofort sehen werden, die Chinesen ihre -heimathliche medicinische Wissenschaft grösstentheils verlassen, -und der chinesische Doctor sowie ihre Apotheke werden nur von jenen -Chinesen in Anspruch genommen, welche den herrschenden Sitten und -Gebräuchen Javas sich noch nicht angepasst haben.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_296">[S. 296]</span></p> - -<div class="section"> - -<h3><b>Die gerichtliche Medicin bei den Chinesen.</b></h3> - -</div> - -<p>Die gerichtliche Medicin war, seitdem unter <em class="gesperrt">Karl V.</em> im Jahre -1553 als Constitutio criminalis Carolinensis das erste Buch über -dieses Fach erschienen war, zu jeder Zeit und überall der Spiegel -der herrschenden medicinischen, juridischen, philosophischen und -selbst der religiösen Anschauungen. Wenn ich also im Anschlusse an -die zwei Aufsätze des Herrn Dr. Karl <em class="gesperrt">v. Scherzer</em><a id="FNAnker_176" href="#Fussnote_176" class="fnanchor">[176]</a> einen -kleinen Auszug aus einem Buche über gerichtliche Medicin bei den -Chinesen bringe und einige Beobachtungen hinzufüge, welche ich bei der -Behandlung meiner chinesischen Patienten auf Java gemacht habe, so -wird dadurch vielleicht ein Streiflicht geworfen auf die Anschauungen -der Chinesen, welche trotz der grossen Literatur über ihre Sitten und -Gebräuche den Bewohnern Europas so gut wie unbekannt sind.</p> - -<p>Bei dem Lesen dieses Buches, welches vor mehr als 30 Jahren von dem -chinesischen Dolmetsch C. F. M. <em class="gesperrt">de Grijs</em> in den Mittheilungen -der »Bataviaasch Genootschap van Kunsten en Wetenschappen« erschien, -und von welchem ich mir einen Separatabdruck besorgen liess, ging es -mir wie ein Mühlrad im Kopf herum. Denn nur wenige seiner Theorien sind -dem europäisch geschulten Arzte verständlich, und ich kann ruhig sagen: -Auf keiner einzigen Zeile dieses 118 Seiten starken Büchleins ist etwas -zu finden, woraus der europäische Gerichtsarzt neue Belehrung schöpfen -könnte.</p> - -<p>Da die letzte Vorrede zu der »Sammlung von ausgewischtem Unrechte«, -geschrieben von <em class="gesperrt">Li-koan-lan</em> den 27. August 1796, also schon -hundert Jahre alt ist und ich nicht in der Lage war, den Herrn <em class="gesperrt">de -Grijs</em> zu interpelliren, ob seine Uebersetzung die eines noch jetzt -in China gebrauchten Lehrbuches sei, wandte ich mich an den Professor -<em class="gesperrt">de Groot</em>, welcher in Leyden an der Akademie für indische Beamte -die chinesische Sprache docirt, mit der Bitte, mir seine Ansichten -darüber mitzutheilen, und in liebenswürdiger Weise beantwortete er -diese Frage dahin, dass »China sich niemals viel verändert hat und sich -niemals verändert«, dass also dieses Büchlein »ein ausgezeichnetes -Hülfsmittel sei, um die chinesischen Anschauungen socialer, juridischer -und medicinischer Natur kennen zu lernen«.</p> - -<p>In China erschien die erste gerichtliche Medicin unter dem Namen -»Gesammelte Auszüge von ausgewischtem Unrecht« zur Zeit der Regierung -des Kaisers Jun-yu in der Mitte des dreizehnten Jahrhunderts<span class="pagenum" id="Seite_297">[S. 297]</span> -(1241–1255), also 300 Jahre früher als oben erwähnte Constitutio -criminalis Carolinensis, und erlebte seit dieser Zeit mehrere -verbesserte und vergrösserte Auflagen.</p> - -<p>In der mir vorliegenden Auflage war es geradezu unmöglich, eine -wissenschaftliche Grundlage der gerichtlichen Medicin zu entdecken, und -ich verstehe es, wenn mir Professor <em class="gesperrt">de Groot</em> schrieb, dass die -chinesischen Aerzte sich allerlei Büchlein bedienen, welche auf keiner -wissenschaftlichen Basis beruhen, sondern nur auf philosophischen -Speculationen und auf einiger Empirie. Ich selbst habe gewiss mehr als -tausend chinesische Patienten behandelt, und in vielen Fällen war mein -ärztlicher Rath erst dann eingeholt worden, nachdem der chinesische -Doctor ohne Erfolg die Patienten behandelt hatte. Es war mir jedoch -niemals gelungen, ein deutliches und einheitliches Bild ihrer Therapie -zu bekommen. Nach der Lectüre dieses Büchleins jedoch und nach dem -Lesen des Briefes von Professor <em class="gesperrt">de Groot</em> wurde es mir deutlich, -dass dies eben unmöglich war. Ich kann also in den folgenden Zeilen nur -eine Blumenlese bringen aus diesem Buche, und es dem Leser überlassen, -sich darüber ein Urtheil zu bilden.</p> - -<p>Die Obduction wird nicht von den Gerichtsärzten selbst vorgenommen, -sondern von Beamten der niedersten Rangclassen, welche so wenig -Vertrauen bei den Gerichtsärzten geniessen, dass fast durch die ganze -»Thanathologie« wie ein rother Faden die Warnung vor dem Unfug dieser -Leute läuft.</p> - -<p>»Es geschieht, dass Schreiber oder Todtenbeschauer an die nächsten -Nachbarn vorher Nachricht geben, wenn eine Obduction soll gehalten -werden und sie lassen entfliehen, und nur entfernte Nachbarn oder alte -Leute, Frauen und Kinder, jünger als 16 Jahre, gefangen nehmen.« Seite -10.</p> - -<p>Auf Seite 19 wird nach einer weitschweifigen Vorrede das Suchen nach -Wunden folgendermaassen beschrieben:</p> - -<p>»Beim Untersuchen einer Leiche, bei welcher die Wunden noch nicht -deutlich zu sehen sind, gebraucht man Essig und das résidu (d. i. was -bei der Weinbereitung im Fasse zurückbleibt) und legt es auf die Wunden -im Freien, und hält ein frisch geöltes Tuch oder einen durchsichtigen -Sonnenschirm über die Leiche. Will man die Stelle besehen, wo die Wunde -ist, so hält man den Sonnenschirm gegen die Sonne und schaut dann nach -der Wunde, welche hierauf sichtbar wird. Bei bewölktem Himmel muss man -ein Holzkohlenfeuer machen und dann auf gleiche Weise nach den Wunden -schauen. Wenn auf diese Weise<span class="pagenum" id="Seite_298">[S. 298]</span> die Wunden noch nicht zu sehen sind, -dann nimmt man weisse Zwetschken, welche man fein zerreibt und auf die -verwundete Stelle legt, und lässt es darauf liegen« u. s. w.</p> - -<p>Auf Seite 24: »Wenn während der heissen Monate an den Oeffnungen des -Körpers noch keine Würmer zu sehen sind, und diese zuerst an den -Schläfen, dem Atlas, auf den Rippen und auf dem Bauche zum Vorschein -kommen, dann ist sicher auf dieser Stelle eine Wunde.«</p> - -<p>Auf Seite 26: »Die Todtenbeschauer thun auf Ersuchen anderer Leute oft -Rubia mangista in den Essig und reiben damit die verwundete Stelle ein. -Auf diese Weise werden die Wunden unsichtbar. Es giebt Bösewichte, -welche Leichen kaufen, sie verwunden und andere Leute fälschlich des -Mordes beschuldigen ...., sie bestechen die Todtenbeschauer, um mit -Eisenvitriol, Gallnüssen, Sapanholz die nebligen, blaurothen Wunden -nachzumachen, während die Todtenbeschauer die Wunden an die Beamten -dictiren.«</p> - -<p>Wenn vor einigen Jahren der deutsche Kaiser die europäischen Mächte -vor einer mongolischen Invasion warnte, dann verrieth er eine richtige -Auffassung der chinesischen Zustände, der chinesischen Ausdauer -und der chinesischen Zähigkeit. Ja, noch mehr, ich zweifle keinen -Augenblick, dass in den künftigen Jahrhunderten die mongolische Rasse -Europa überschwemmen werde. Java ist diesbezüglich eine Demonstration -ad oculos; beinahe der ganze Kleinhandel und beinahe der ganze -Grossgrundbesitz ist heute schon in den Händen der Chinesen. Von den -Ursachen und Verhältnissen, welche diese Thatsachen ermöglichten, will -ich nur die Zähigkeit der Chinesen, so weit sie auch auf unser Thema -Bezug hat, näher besprechen. Diese ist gross. In ihrem Leben spotten -sie geradezu <em class="gesperrt">allen</em> Regeln der Hygiene, und doch vermehren sie -sich wie — Kaninchen. Eine junge schöne Frau hatte z. B. einen so -schweren Blutverlust erlitten, dass sie wie ein Wachsbild beinahe -pulslos zu Bette lag, als meine ärztliche Hülfe eingeholt wurde. Keine -wie immer geartete manuelle Hülfeleistung wurde von Seite der Familie -erlaubt.</p> - -<p>Der Tod schien mir nach dieser heftigen Hämorrhagie post abortum -unvermeidlich, und doch erholte sie sich nur durch eine medicamentöse -Behandlung so vollkommen, dass sie nach Jahresfrist einem 5 Kilo -schweren Knaben das Leben gab. (Ich muss bemerken, dass auf Java -beinahe niemals echte chinesische Frauen gesehen werden, sondern -solche, die einem ehelichen oder unehelichen Verhältnisse mit einer -javanischen Frau entstammen.) Wenn ich absehe von einigen<span class="pagenum" id="Seite_299">[S. 299]</span> sehr reichen -Chinesen, welche bereits in zweiter Generation auf Java leben und sich -den Luxus eines europäischen Haushaltes erlauben, so sah ich bei allen -anderen fürchterliche Unreinlichkeit und Schmutz. Das Schlafzimmer -z. B. war bei 90 pCt. der von mir besuchten chinesischen Familien nicht -länger als das Bett und vielleicht nur um einen halben Meter breiter; -die Bettwäsche und das Moskitonetz hatten durch Alter und Schmutz eine -unkennbare Farbe; auf dem Boden dieses Zimmerchens, welches weder -eine hölzerne, noch eine steinerne Bedeckung hatte, wurden die Sputa -und der Inhalt des Magens deponirt, ohne an eine sofortige Entfernung -zu denken. Und doch standen noch in diesem kleinen Raume ein kleiner -Altar und die Geldtruhe, worin sich oft Tausende Gulden befanden. Der -Chinese ist übermässig im Essen und in der Liebe, und doch wimmelt -es im chinesischen Viertel von zahllosen Kindern. Magenkatarrhe, -Leberkrankheiten, Fettsucht, Erschöpfung durch den Missbrauch des -Opiumrauchens kamen mir ebenso oft zur Behandlung wie die Tropenfieber, -und doch sieht man zahlreiche chinesische Greise. Ihre Zähigkeit muss -man also bewundern.</p> - -<p>In dem vorliegenden Büchlein über gerichtliche Medicin umfasst die -Lehre der Vergiftungen 14 Blattseiten, von welchen ich natürlich nur -einige Zeilen mittheilen kann.</p> - -<p>Auf Seite 81 z. B.: »Es kommen nicht wenige Todesfälle vor, welche -dadurch bedingt sind, dass irrthümlicher Weise solche Speisen gegessen -werden, deren Charakter miteinander in Streit ist; so mag man z. B. -frischen Wein nicht gebrauchen mit Honig oder den Flussfisch »Tung« mit -Russ, welcher aus dem Kamin gefallen ist, da dies alles bald den Tod -zur Folge haben und den Zweifel erregen würde, ob nicht eine Vergiftung -vorliege, was ein grosser Irrthum sein würde.«</p> - -<p>Auf Seite 82: »Bei einer Todtenbeschauung von einem Vergifteten nehme -man eine silberne Exploitivnadel, welche in einem Aufguss von Mimosa -saponaria<a id="FNAnker_177" href="#Fussnote_177" class="fnanchor">[177]</a> gewaschen wurde, steckt sie in den Mund der Leiche und -stopft den Mund mit Papier zu. Wenn man nach einiger Zeit die Nadel -wieder herauszieht, so ist sie blauschwarz und bleibt es<span class="pagenum" id="Seite_300">[S. 300]</span> auch wenn man -sie mit demselben Abguss wiederum wäscht. Wenn jedoch keine Vergiftung -geschehen ist, bleibt die Nadel silberweiss.«</p> - -<p>Etwas praktischer ist folgendes Experiment.</p> - -<p>Seite 83: »Man nehme etwas gekochten Reis, stopfe ihn in den Mund und -in die Kehle der Leiche, bedecke den Mund 24 Stunden lang mit Papier, -nehme dann den Reis aus dem Munde und gebe ihn einem Huhn zu essen. -Stirbt das Huhn, dann lag eine Vergiftung vor.«</p> - -<p>Von dem stärksten Gift, welches ebenfalls durch die Nadelprobe erkannt -wird und der »Seide essende Wurm« in den Provinzen Canton und Kwang-si -Joh-sse-ku genannt wird (weil es wie eine Heuschrecke aussieht), wird -auf den Seiten 84 und 85 ausführlich gesprochen.</p> - -<p>»Um dieses Gift zu bereiten, wurden hundert kriechende Thiere und -Insecten gefangen und in einen Topf gegeben. Nach einem Jahre schaut -man nach, und es ist nur ein Thier übrig geblieben, welches die andern -aufgegessen hat. Dieses Thier enthält erwähntes Gift und kann sich wie -Teufel und Geister unsichtbar machen. Wenn es sich einrollt, sieht -es aus wie ein Ring. Es verzehrt alte Seidenstoffe, gerade wie der -Seidenwurm Maulbeerblätter. In Sze-tsuen, Ho-kwang, Canton und Tokio -giebt es böse Leute, welche diese Würmer in Speise und Trank mengen, um -die Menschen zu vergiften. Wer dies Gift gebraucht, stirbt sofort, was -den Würmern Freude schafft, den Besitzer der Würmer täglich reicher und -reicher macht. Es ist sehr schwer, von diesem Wurm abzukommen, da weder -Feuer noch Wasser, weder Schwert noch Messer über ihn etwas vermögen. -Wenn jedoch der Besitzer das doppelte Quantum von Gold, Silber und -Seide nimmt, den Wurm hineinlegt und das Ganze an der Heeresstrasse -weglegt, dann wird ein Vorbeigehender es aufnehmen und der Wurm wird -ihm folgen. Wenn der Besitzer dies nicht thut kriecht der Wurm ihm in -den Bauch, frisst Magen und Därme auf und geht dann weg.«</p> - -<p>Zum Schluss will ich nur noch jenen Theil des Capitels bringen, in -welchem die Blutprobe die Verwandtschaft streitender Parteien beweisen -soll.</p> - -<p>Seite 36: »Es ist noch eine Methode, um Blut zu untersuchen; zwei -Personen geben sich einen Stich und lassen Beide einen Tropfen Blut -in das Wasser fallen. Sind die Personen factisch Vater und Kind, -Mutter und Kind, <em class="gesperrt">oder Mann und Frau</em>, dann fliesst das Blut -zusammen; besteht jedoch keine Verwandtschaft, dann geschieht<span class="pagenum" id="Seite_301">[S. 301]</span> dies -nicht. Will ein Sohn oder eine Tochter das Skelet des Vaters oder der -Mutter agnosciren, dann befehlen die Beamten, dass der Sohn oder die -Tochter mit einer Nadel sich stechen und einen Tropfen Blut auf das -Skelet fallen lassen. Wenn dieses das Blut von einem der Eltern ist, -dringt das Blut in die Knochen, im anderen Falle nicht. Wenn jedoch -die Knochen mit Salzwasser gewaschen sind, dann wird das Blut nicht -eindringen, wenn auch eine Verwandtschaft zwischen den Beiden bestanden -hat. Das ist ein Kunstgriff, dessen sich schlechte Leute bedienen, und -man passe also gut auf.«</p> - -<p>Ich zweifle, ob es einem Anderen gelingen wird, aus dieser Blumenlese -oder aus dem ganzen Büchlein über die chinesische gerichtliche Medicin, -herausgegeben von dem Herrn <em class="gesperrt">Li-koan-lan</em> im Jahre 1796, eine -einheitliche wissenschaftliche Basis heraus zu finden. Mir gelang es -nicht!</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Jedem Arzte, welcher bei den Chinesen Javas eine grosse Praxis -erlangen will, möchte ich den Rath geben, sich mit der causalen -Behandlung chronischer Krankheiten nicht viel einzulassen. Der Chinese -beurtheilt den Arzt nach dem momentanen Erfolg, und diesem entspricht -am meisten die symptomatische Behandlung; ja noch mehr; wenn er auch -in Java geboren und bis auf den Zopf beinahe ganz in den Sitten und -Gebräuchen der Europäer aufgegangen ist, in einer holländischen -Schule die holländische und französische, und vielleicht auch die -englische Sprache erlernt hat, und seine Schwester unter Leitung einer -europäischen Gouvernante selbst das Klavierspiel sich aneignet, wird -er in acuten Krankheiten zwar einen europäischen Arzt zu Rathe ziehen -und einige Tage dessen Behandlung sich unterwerfen. Bei chronischen -Krankheiten oder bei acuten Krankheiten (wie dem Typhus z. B.), welche -wochenlang dauern, wird er aber gewiss eine Dukun kommen lassen, und -entweder dem europäischen Arzte den Abschied geben oder hinter dessen -Rücken die javanische oder halbeuropäische Heilkünstlerin zu Rathe -ziehen, weil die Behandlungsweise dieser Frauen seinen Anschauungen -näher steht, als die des europäischen Arztes. Will man nicht, wie es -einem meiner Collegen passirte, die unangenehme Erfahrung machen, -dass man am vierten oder fünften Tage mit den Worten: Apa mau tuwan? -= Was wünscht der Herr? empfangen wird, dann stelle man so bald als -möglich die Vertrauensfrage; so bald es nöthig wurde, dass ich nach -dem vierten Tage kommen sollte, frug ich den Patienten oder einen -seiner Verwandten:<span class="pagenum" id="Seite_302">[S. 302]</span> »Wünschen Sie, dass ich morgen wieder zu dem -Patienten komme?« und in den meisten Fällen bekam ich zur Antwort: -»Wenn es dem Patienten nicht besser geht, werde ich den Herrn Doctor -davon verständigen.« Natürlich giebt es Fälle, in welchen eine solche -Vertrauensfrage ganz überflüssig ist. Ich behandelte z. B. das Kind -eines angesehenen chinesischen Kaufmanns, Lie Tiauw Poo war sein Name, -welches einen eitrigen Erguss in der linken Brusthöhle hatte; den -10. September 1895 wurde ich zu dem kleinen, zweijährigen Patienten -gerufen, und zwei Tage später hatte ich durch eine Probepunction die -Bestätigung meiner Diagnose erhalten; ich theilte dem Vater mit, dass -Eiter niemals aufgesogen werde, dass eine Operation unvermeidlich -sei, und dass es vielleicht 2–3 Wochen dauern könne, bis der kleine -Patient geheilt sein würde. In diesem Falle stellte ich während der -ganzen Behandlungsdauer niemals die Vertrauensfrage; der Vater sah -ja ein, dass anfangs täglich und später in grösserem Zeitraume ein -Verbandwechsel eintreten müsse; dennoch wundert es mich heute noch, -dass er es bis zum 3. October, also durch 24 Tage mit mir ausgehalten -hat; an diesem Tage war die Wunde bis auf die Haut geschlossen. -Vorsichts halber theilte ich mit, dass jetzt meine Hülfe nicht mehr -nöthig sei, weil bei dem Gebrauch der Jodoformsalbe auch die Hautwunde -sich schliessen werde, und erhielt zur Antwort: Baik tuwan = gut, mein -Herr!</p> - -<p>Die gesellschaftliche Stellung der Chinesen ist stricte dictu eine -Zwischenstellung zwischen der herrschenden Rasse, den Europäern, und -den Unterthanen, den Malayen, Javanen u. s. w.; wenn es auch viele -Europäer giebt, welche die Präponderanz der weissen Rasse über die -gelbe so viel als möglich auch im alltäglichen Leben geltend machen -wollen, so sind andererseits viele — welche mich an einen Hausirer -erinnern, dem ich im Jahre 1884 in Singapore begegnete. Einige Europäer -standen im Hôtel de l’Europe beisammen und besprachen die einzelnen -Religionen in Indien; da nahm Einer von ihnen einen Dollar aus der -Tasche und rief mit Aplomb aus: Dieses ist <em class="gesperrt">meine</em> Religion! Ein -durch Opiumschmuggel reich gewordener Chinese gab zu Ehren der Hochzeit -seiner Tochter ein grosses Fest; er lud alle Europäer dazu ein, ob er -sie persönlich kannte oder nur vom Hörensagen von ihrem Aufenthalt -in Magelang etwas wusste; es waren nur Wenige, welche von dieser -Einladung keinen Gebrauch machten. Bei diesem Feste wurden die feinsten -Weine, Champagner ad libitum geschenkt; die besten und theuersten -Cigarren standen<span class="pagenum" id="Seite_303">[S. 303]</span> à Discretion auf den Tischen, und so mancher der -Anwesenden soll sich die Taschen mit Cigarren gefüllt und heimlich -ganze Flaschen den in der Nähe stehenden Bedienten zugesteckt haben!! -Solche dunklen Ehrenmänner sind die lautesten Schreier, wenn es gilt, -einem anständigen Chinesen auch anständig entgegenzukommen, und diese -problematischen Naturen sind es, welche von den Chinesen nur in dem -verächtlichsten und beschimpfendsten Tone als ekelhaften schweinischen -Wucherern u. s. w. sprechen. Solche Europäer haben auch dem Chinesen -das oben erwähnte malayische Sprichwort »dimana gula, disana aemut« -in den Mund gelegt, als er coram publico von diesem Missbrauch der -Gastfreundschaft Erwähnung that.</p> - -<p>Eine Ehe zwischen einem Chinesen und einer europäischen <em class="gesperrt">Dame</em> ist -meines Wissens nach auf Java noch nicht vorgekommen; umgekehrt halten -sich viele europäische Männer oft chinesische Haushälterinnen und -heiraten manchmal die Mutter ihrer Kinder; ob die Regierung jemals die -Erlaubniss geben würde, dass ein Officier eine Chinesin heirate, ist -sehr zu bezweifeln.</p> - -<p>Zu Aemtern und Würden werden sie nicht zugelassen; militärische Dienste -leisten sie keine, obwohl die Armee nur aus Freiwilligen besteht; sie -sind eben ein fremdes Element in dem Staate und werden es bleiben, so -lange — die herrschende Rasse es für gut findet.<a id="FNAnker_178" href="#Fussnote_178" class="fnanchor">[178]</a></p> - -<p>Ihre sociale Stellung ist eine ausgebreitete. Wenn man auch beinahe -niemals chinesische Bediente in einem Hotel oder in einem Privathause -findet,<a id="FNAnker_179" href="#Fussnote_179" class="fnanchor">[179]</a> weil sie viel höheren Lohn als die Eingeborenen verlangen, -so findet man sie in allen Zweigen der Industrie und des Handels. -Sie sind Hausirer, Schneider, Schuhmacher; sie verfertigen Wagen und -Möbel; sie sind Kulis und Buchdrucker; in den grossen Banken sieht -man nur chinesische Kassirer; sie sind Pächter von Plantagen und -Bauunternehmer, und gewiss ¾ des Detailhandels ist in ihren Händen. -Leihhausbesitzer und Wucherer ist Jeder von ihnen in grösserem oder -kleinerem Maasse. Kaum hat der chinesische Emigrant auf Java festen -Fuss gefasst, leistet er Kulidienste oder erhält von seinem Landsmann -einen kleinen Vorrath an Zwirn, Knöpfen, Band und Nadeln und hausirt -damit im Innern des Landes. Kaum hat er 5 fl.<span class="pagenum" id="Seite_304">[S. 304]</span> erspart, so spielt er -schon den Wucherer gegenüber den sorglosen Eingeborenen. Der Erfolg ist -immer derselbe, der Javane verarmt und der Chinese wird reich. Auch von -einem europäischen Wucherer kenne ich die Genesis seines Reichthums, -und sie giebt uns ein deutliches Bild über das Gebahren dieser -Ehrenmenschen (?). Die Frau desselben sass an jedem Markttage (hari -paing) im Garten ihres Hauses, vor welchem der Strom der Marktbesucher -vorbeizog. Die eine Frau brachte sechs Hühner auf den Markt, die andere -einen Sack Reis, eine dritte einen Korb Früchte u. s. w. Jede von -ihnen hoffte von dem Erträgniss ihrer Waare einiges für sich selbst zu -kaufen; ungewiss, ob und wie spät sie in den Besitz desselben kommen -werde, folgte sie gern dem Sirenengesang der Babu dieser Dame, welche -sich bereit zeigte, ihr ½ fl. zu borgen, wofür sie denselben Tag 60 -Ct. zurückzahlen musste. Hatte sie diesen Betrag nicht in baar, war -diese Dame immer so liebenswürdig (?), auch in Waaren sich bezahlen -zu lassen, deren Preis natürlich tief unter dem des Marktes stand. Im -Laufe der Jahre hatte diese Dame damit 75,000 fl. verdient!!! Es ist -nicht zu viel gesagt, dass jeder Chinese bei Gelegenheit ein Wucherer -ist, und es ist Sache der Regierung, diesem Unwesen zu steuern. Auch -als Kaufleute sind sie sehr unsolide; es ist aber die Sache des -Grosshandels, diesem Factor Rechnung zu tragen; die Creditverhältnisse -sind im Allgemeinen in Java sehr ungesund, und nur ein gemeinsames, -energisches Zusammengehen der europäischen Grosshändler kann diesen -Auswüchsen des »leichten Credits« in Indien ein Ende machen.</p> - -<p>Individuell ist der Chinese auf Java, wenn wir von der Moral absehen, -allen Anforderungen der Civilisation zugänglich; er ist fleissig und -sparsam und nüchtern, er ist ein Freund des Prunkes und des Aufwandes -— wenn er die Mittel dazu besitzt; wenn er als Kuli ¼ fl. pro Tag -verdient, wird er sicher 5 Cent davon zur Seite legen, und wenn er 5 -fl. pro Tag erwirbt, wird er niemals das ganze Erträgniss seiner Arbeit -verzehren; ist er jedoch reich, wird er gewiss niemals geizen, im -Gegentheil, er liebt den Prunk und wird z. B. bei der Hochzeit seiner -Tochter 1000 fl. allein für das Feuerwerk bezahlen.</p> - -<div class="figcenter illowe44" id="fig23"> - <img class="w100" src="images/fig23.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Fig. 23. Mein »Haus«.</div> - <div class="caption_gross x-ebookmaker-drop"><a href="images/fig23_gross.jpg" - id="fig23_gross" rel="nofollow">⇒<br /> - <span class="s6">GRÖSSERES BILD</span></a></div> -</div> - -<p>Vieles von dem bis jetzt Erwähnten passt allerdings nicht in das -landläufige Bild eines Chinesen; auf Java ist eben dieses Volk alles, -nur keine reine Rasse, weil es keine chinesischen Frauen stricte dictu -giebt. Sie stammen nämlich aus der Provinz Amoy, wo das Auswandern der -Frauen verboten ist. Auf anderen Inseln, z. B. auf<span class="pagenum" id="Seite_305">[S. 305]</span> Sumatra, sah ich -einige echt chinesische Frauen, d. h. von China eingewanderte Frauen, -welche noch die verkrüppelten Füsse hatten. In Java jedoch sind es nur -chinesisch-javanische Frauen, und als solche pflanzen sie sich als -eigene Rasse fort. Ihre Kinder heissen »chinesische Kinder«; der Knabe -bekommt seinen Zopf und das (reiche) Mädchen wird der Oeffentlichkeit -entzogen; da sie in der Regel wieder untereinander heiraten, bleiben -wohl einzelne Rasseneigenthümlichkeiten bestehen; aber rein ist die -Rasse nicht; es sei denn, dass man auch wissenschaftlich von einer -chinesisch-javanischen Rasse spricht. Ihre Hautfarbe ist lange nicht -so dunkel, als die der Javanen; die Männer haben den Zopf und das -bartlose Gesicht; nur bei einigen sind die enggeschlitzten Augen noch -zu erkennen; die Frauen sind zierliche Puppen; sie haben den eleganten -Körperbau der javanischen Rasse; durch die helle Hautfarbe ist oft das -zarte Roth der Wangen sehr deutlich; sie sind schön gebaut, und viele -von ihnen würden die Zierde eines jeden Salons sein.</p> - -<p>Vielfach wird behauptet, dass die Chinesen sich nicht in der Fremde -begraben liessen. Dieses hat wahrscheinlich für die echten Chinesen -seine Richtigkeit; der <a id="Halbchinese"></a>Halbchinese wird auch in Java begraben. Ich -erinnere mich nur eines vereinzelten Falles, dass von Magelang während -meines 5jährigen Aufenthaltes eine Leiche nach China transportirt -wurde, die übrigen wurden auf dem chinesischen Kirchhofe begraben, -welcher auf dem Wege nach Djocja lag. Wie überall, waren die Grabkeller -in einen Hügel eingegraben und hatten ein weisses<a id="FNAnker_180" href="#Fussnote_180" class="fnanchor">[180]</a> Rondeau; je nach -dem Vermögen und Stand der Familie ist dieses bald gross, bald klein. -Der Sarg ist einfach und schmucklos; er besteht aus einem ausgehöhlten -Baumstamme, und der Deckel ist demselben Baumstamme entnommen. Zum -Transport wird der darauf gut passende Deckel einfach mit Pech -verklebt, und doch belästigt die Verwesung der Leiche die Umgebung -nicht.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Am 1. November 1892 wurde das alte Spital verlassen und das -neue, welches sich im Norden des Campements befand, bezogen. -Die Uebersiedelung eines solchen Spitales mit ungefähr 500 -Soldaten-Patienten<span class="pagenum" id="Seite_306">[S. 306]</span> ist mit gewissen Schwierigkeiten verbunden; es -musste oder vielmehr sollte alles an einem Tage geschehen, weil sonst -die Küche, die Apotheke u. s. w. auf zwei Plätzen ihre Arbeiten -gleichzeitig verrichten mussten; vorher musste also festgestellt -werden, wie viel Patienten, zu Fuss gehen konnten — die beiden -Spitäler lagen ja beinahe 3 Kilometer von einander entfernt — wie -viel in einer Sänfte und wie viel in einem Wagen transportirt werden -sollten; es waren ja selbst einige Schwerkranke, welche man im Bette -beliess und welche in demselben auf den Schultern von 4 Kulis getragen -werden sollten. Da der Spitalschef alles selbst besorgte, so war -der Transport insoweit nicht geregelt, als einige Aerzte im neuen -Spital werklos auf die Ankunft der Kranken warteten, während sich der -Spitalschef übermüdete.</p> - -<div class="figcenter illowe50" id="fig24"> - <img class="w100" src="images/fig24.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Fig. 24. Grundriss des Militärspitals zu Magelang. - (Erklärung v. <a href="#Erklaerung">S. 308</a>).</div> - <div class="caption_gross x-ebookmaker-drop"><a href="images/fig24_gross.jpg" - id="fig24_gross" rel="nofollow">⇒<br /> - <span class="s6">GRÖSSERES BILD</span></a></div> -</div> - -<p class="s3 center mtop1" id="Erklaerung"><b>Erklärung zum „Grundriss des Militärspitals zu -Magelang“.</b></p> - -<table class="militaerspital"> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">I.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Hauptgebäude.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left"> 1. Zimmer für die Verwundeten.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left"> 2.  <span class="mleft1">„</span> <span class="mleft1">„</span> „  Operationen.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left"> 3.  <span class="mleft1">„</span> <span class="mleft1">„</span> „  Instrumente.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left"> 4. Bibliothek.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left"> 5. Sitzungssaal.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left"> 6. Bureau für den Chef.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left"> 7. Antichambre.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left"> 8. Bureau des Schreibers.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat"> - <div class="left"> 9. Wohnzimmer.</div> - </td> - <td class="vam" rowspan="2"> - <img class="h2em" src="images/klammer_2_re.png" alt="" /> - </td> - <td class="vam" colspan="3" rowspan="2"> - <div class="left">für den Doctor<br /> - <span class="mleft1"> du jour.</span></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">10. Schlafzimmer.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">11. <span class="mleft2">„</span> <span class="mleft1">für</span> - den Apotheker du jour.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">12. Tisanerie.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">13. Magazin der Apotheke.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">14. Laboratorium.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">15. Arbeitszimmer des Apothekers.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">16. Bureau des Apothekers.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">17. Apotheke.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">18. Oberkrankenwärter.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">19. Feuerspritze.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">20. Portier.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">21. Hauptthor.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">22. Bureau des Verwalters.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">23.  <span class="mleft1">„</span>  <span class="mleft1">„</span>  Schreibers.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">24. Magazine.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">25. <span class="mleft1">„</span></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">26. <span class="mleft1">„</span></div> - </td> - <td class="vam" rowspan="2"> - <img class="h2em" src="images/klammer_2_re.png" alt="" /> - </td> - <td class="vam" rowspan="2" colspan="3"> - <div class="left">für die Uniformen und<br /> -  Effecten d. Patienten.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat"> - <div class="left">27. <span class="mleft1">„</span></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">28. Schmutzwäsche.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">29. Bureau des Magazinmeisters.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">30. Magazin für Strohsäcke.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">31. <span class="mleft1">„</span>  für Holz- - u. Eisengegenstände.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="3"> - <div class="left">32. Zimmer für die Wäsche</div> - </td> - <td class="vam" rowspan="4"> - <img class="h4em" src="images/klammer_6_re.png" alt="" /> - </td> - <td class="vam" rowspan="4"> - <div class="center">im 1. Stock.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="3"> - <div class="left">33. Magazin für Spitalgegenstände</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="3"> - <div class="left">34.  <span class="mleft1">„</span> <span class="mleft1">„</span> unbrauchbare Gegenstände</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td class="vat" colspan="3"> - <div class="left">35.  <span class="mleft1">„</span> <span class="mleft1">„</span> Matratzen und Polster</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">IIa.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Aborte und Badezimmer für das Hospitalpersonal.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">IIb.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left"> <span class="mleft1">„</span>   für neue - Patienten.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">III.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Halle für Schwefelwasserstoff.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">IVa.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Abort b. Badezimmer f. d. Doctor du jour.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">V.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Wagenremise.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">VI.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Tolletbaracke für 42 Patienten.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">VII.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Küche.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">VIII.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">2 Pavillons für 120 Patienten.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">VIIIa.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Pavillon für Augenkranke mit Operationszimmer, Dunkelzimmer und 40 Betten.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">IX.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Badezimmer und Aborte für Patienten der 3. u. 4. Classe.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">X.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Officierspavillon.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">XI.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Badezimmer und Aborte für Officiere.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">XII.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Zimmer für Officiersbediente.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">XIII.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Pavillon für Damen.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">XIV.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Officiersküche.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">XV.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Pavillon für 20 Unterofficiere.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">XVI.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">idem.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">XVII.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Badezimmer und Aborte für Unterofficiere.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">XVIII.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Pavillon für Soldatenfrauen.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">XIX.</div> - </td> - <td class="vam" rowspan="2"> - <img class="h2em" src="images/klammer_2_re.png" alt="" /> - </td> - <td colspan="4" rowspan="2"> - <div class="left vam">Badezimmer und Aborte<br /> - für Soldatenfrauen</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">XX.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">XXI.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Pavillon für Prostitués.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">XXII.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Badezimmer u. Aborte für diese.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">XXIII.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Strafabtheilung und 2 Zellen für Irrsinnige.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">XXIV.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Badezimmer u. Aborte für diese.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">XXV.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Leichenhaus m. Pferdestall. Wagenremise und Laboratorium.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">XXVI.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Gebäude u. Ofen f. Desinfection.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">XXVII.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Pavillon für Infectionskrankheiten.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat padtop1" colspan="6"> - <div class="center"><em class="gesperrt">Casernen für die Krankenwärter.</em></div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">XXVIII.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Wohnung d. Aspirantofficiers.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">XXIX.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Abort, Badezimmer u. Küche desselben.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">XXX.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Oberkrankenwärter (Feldwebel).</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">XXXI.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Badezimmer u. Aborte für diese.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">XXXII.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Caserne für 57 europäische (oppassers), 75 eingeborene - Krankenwärter (handlangers), 13 Corporale u. ein Sergeant-Major.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">XXXIII.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Nebengebäude.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat" colspan="6"> - <div class="left">a. Frauenhalle.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat" colspan="6"> - <div class="left">b. Badezimmer f. d. verheirateten Frauen.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat" colspan="6"> - <div class="left">c.<span class="mleft3">„</span> <span class="mleft2">für</span> - Frauen.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat" colspan="6"> - <div class="left">d.<span class="mleft3">„</span> <span class="mleft2">„</span> -  Europäer.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat" colspan="6"> - <div class="left">e.<span class="mleft3">„</span> <span class="mleft2">„</span> -  Eingeborene.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat" colspan="6"> - <div class="left">f. Aborte für Eingeborene.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat" colspan="6"> - <div class="left">g. <span class="mleft1">„</span>  <span class="mleft1">„</span>  Europäer.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vam" colspan="6"> - <table class="left"> - <tr> - <td class="vam"> - <div class="left">h.<br /> - i.</div> - </td> - <td class="vam"> - <img class="h2em" src="images/klammer_2_re.png" alt="" /> - </td> - <td class="vam"> - <div class="left">Aborte für Frauen.</div> - </td> - </tr> - </table> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat" colspan="6"> - <div class="left">k. Küche.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">XXXIV.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Arrestlocale und Logis der 54 Sträflinge, welche dem - Spital für die groben Arbeiten zugetheilt sind.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">XXXV.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Aborte der Sträflinge.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">XXXVI.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Wasserreservoir.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="right">XXXVII.</div> - </td> - <td class="vat" colspan="5"> - <div class="left">Ofen f. die Warmwasserleitung.</div> - </td> - </tr> -</table> - -<p>Das neue Spital (<a href="#fig24">Fig. 24</a>) hat eine ungeheure Ausdehnung, weil das -Pavillonsystem in übertriebener Weise angewendet wurde. Die Luftlinie -von Norden nach Süden beträgt 450 Meter und von Osten nach Westen 200 -Meter. Wenn der »Doctor der Wacht«<a id="FNAnker_181" href="#Fussnote_181" class="fnanchor">[181]</a> reglementair in der Nacht -zweimal die Runde macht, d. h. durch alle Krankensäle und längs aller -Betten geht, hat er jedes Mal ¾ Stunden dazu nöthig, und thatsächlich -beträgt dann der zurückgelegte Weg jedesmal 3 Kilometer. Wie leicht -geschieht es, dass bei einem Krankenstand von 5–600 Mann der »Doctor -der Wacht«, ich will sagen nur einmal bei einem Patienten Hülfe leisten -muss; also wenigstens 7–8 Kilometer muss er jede Nacht zurücklegen, -wenn er seinen Pflichten nachkommen will. Er muss nebstdem den -darauf folgenden Vormittag nicht nur seinen gewöhnlichen Saaldienst -verrichten, sondern es erwarten ihn noch andere Obliegenheiten. -Er muss dreimal nach der Küche gehen, um das Essen zu kosten, das -erkrankte Hospitalpersonal muss er entweder in der Caserne oder bei -sich im Wartezimmer behandeln und, last not least er muss den Befund -beschreiben von etwaigen Verwundeten oder Todten, welche in den letzten -24 Stunden ins Spital gebracht und von ihm behandelt oder operirt -wurden. Die Runde des »Doctors der Wacht« ist überflüssig; denn -andere dazu mehr befugte und geeignete Personen können ja dasselbe -leisten, d. h. durch die Runde sich überzeugen, dass die Patienten in -ihren Betten liegen und dass die Krankenwärter nicht nur auf ihrem -Posten sind, sondern auch factisch wachen. Das sind nämlich die -Krankenoberwärter mit dem Range eines Feldwebels, welche im Allgemeinen -einen leichten<span class="pagenum" id="Seite_309">[S. 309]</span> Dienst haben; ein oder zwei Pavillons mit ungefähr -50 Patienten ist das Terrain ihrer Arbeit. Sie müssen dafür sorgen, -dass die »Handlangers« (eingeborene Krankenwärter) und »Oppassers« -(europäische Krankenwärter) den »Saal« rein halten, die Kranken jeden -dritten Tag mit neuer Leibwäsche versorgen; sie verfertigen die -Diätlisten nach den Mittheilungen des Arztes, sind beim Empfang der -Speisen in der Küche und bei der Vertheilung an die Patienten, und -halten den kleinen Vorrath von Wäsche in Evidenz, welche sich in einem -Kasten im Krankensaal befindet. Wenn sie auch die verantwortlichen -Personen für alles sind, was der Arzt für die Patienten vorschreibt, -und für alles, was in Abwesenheit des Arztes »auf dem Saale« geschieht, -so ist diese Arbeit doch eine sehr beschränkte, und es könnte ihnen -ausschliesslich die »Runde« überlassen werden und dem »Doctor der -Wacht« höchstens die Controle dieser Unterofficiere anvertraut werden.</p> - -<p>Aber noch andere Inconvenienzen sind mit solchen ausgedehnten -Räumlichkeiten verbunden. Der Krankenwärter ist auch »lieber faul -als müde«, wie ein holländisches Sprichwort sagt, und überlegt es -sich, einen Kilometer weit den »Dokter van de Wacht« zu holen. Ich -selbst habe es erfahren, als ich eines Tages »die Wacht« hatte, dass -einer meiner Patienten in der Nacht einen Blutsturz bekam, ohne -dass mich der Krankenwärter davon verständigte. Andererseits ist es -wiederholt vorgekommen, dass <em class="gesperrt">Aerzte dem Krankenwärter einen Vorwurf -machten</em>, ihn umsonst im Schlafe gestört zu haben, weil sie dem -Patienten doch nicht helfen konnten.</p> - -<p>Das Pavillonsystem ist gewiss für jedes Spital das richtige System. In -Magelang ist es jedoch auf die Spitze getrieben worden — zum Nachtheil -der Patienten. Dieses Spital wird als eine Sehenswürdigkeit von -Magelang, ja selbst von ganz Indien gepriesen. Als im Jahre 1896 der -König von Siam nach Java kam und den Tempel Buru Budur aufsuchte, wo er -fünf Tage verblieb, kam er auch nach Magelang, um das berühmte Spital -zu besichtigen. Es gefiel ihm in so hohem Maasse, dass er versprach, -auch die Königin dieses Gebäude besichtigen zu lassen. Am 2. Juli 1896 -um 4 Uhr sollte Ihre Majestät nach Magelang kommen, beim Residenten -absteigen und in Gesellschaft des Platz-Commandanten und Residenten das -Spital besichtigen. Wir Militärärzte bekamen natürlich den Auftrag, -in Galatenue zu dieser ungewöhnlichen Stunde im Spitale »präsent« zu -sein. Um 3½ Uhr stand ich mit dem Adjutanten und einigen Aerzten am -Eingange des Spitals,<span class="pagenum" id="Seite_310">[S. 310]</span> als ein schmutziger, alter Reisewagen vorfuhr -und stehen blieb. Der Platz-Commandant und der Resident waren nicht zu -sehen. Zu unserer Ueberraschung stiegen aus dem Wagen die Königin mit -zwei Hofdamen und dem Leibarzte Dr. <em class="gesperrt">Ruyther</em>, einem Belgier von -Geburt. Der Spitalchef sass noch in seinem Bureau, ich eilte also rasch -zum Wagen und bot der Königin, und der Zahlmeister der ersten Hofdame -den Arm. Die Königin nahm den Arm an, und ich führte sie ins Gebäude, -wobei wir zunächst die Apotheke passirten. Da erscholl in deutscher -Sprache mit lauter Stentorstimme der Ruf aus der Apotheke: »Man giebt -einer Königin <a id="nicht_den_Arm"></a>nicht den Arm.« Unterdessen kam der Spitalchef herbeigeeilt -und bemühte sich vergebens, die goldenen Schnüre an der Uniform zu -befestigen. Die Königin, welche ein wenig der englischen Sprache -mächtig war, ging aber so langsamen und gemessenen Schrittes,<a id="FNAnker_182" href="#Fussnote_182" class="fnanchor">[182]</a> dass -der brave Stabsarzt V. endlich die Schnüre befestigen konnte; er bot -nun der Königin den Arm und ich der Hofdame. Beide, die Königin und die -Hofdame, waren in europäischer Kleidung, welche aus einer einfachen -billigen Sommertoilette bestand; aber der Schmuck in den Ohren war -kostbar. Eine Stunde dauerte dieser Gang durch das Spital (unterdessen -hatte ich Gelegenheit, mit meiner Equipage die Spitzen der Behörden -wissen zu lassen, dass die Königin sich nicht ans Programm gehalten -hatte und direct nach dem Spitale gefahren war), und in dieser ganzen -Stunde konnte ich mit dieser Dame kein einziges Wort sprechen, weil -sie nur der siamesischen Sprache mächtig war. Es war eine peinliche -Situation, welche einen recht komischen Beigeschmack hatte.</p> - -<p>Gegen Ende des Rundgangs platzte endlich die Bombe. Ich und die Hofdame -ergingen uns in einem schallenden Gelächter, worauf sich das vor uns -gehende Paar fragend umdrehte. Was die Hofdame der Königin antwortete, -weiss ich nicht, weil es in siamesischer Sprache geschah; ungehalten -war sie nicht, denn sie sah mich lächelnd an, und beim Einsteigen in -den Wagen bekam ich von den beiden Damen einen Händedruck.</p> - -<p>Schön ist die Lage des Spitals, und schön sind seine Gartenanlagen; -am südlichsten Ende des Terrains liegt der Officierspavillon; es -war ein 40 Meter langes Gebäude mit 10 Zimmern, einer gemeinsamen -Vorder-Galerie und gemeinsamem »Tagverbleib«, d. h. einem Corridor,<span class="pagenum" id="Seite_311">[S. 311]</span> -in welchem die nicht bettlägerigen Patienten zusammenkamen und durch -Dominospiel u. s. w. mit ihren Leidensgenossen verkehren konnten. Ein -seltsam schönes Panorama bot die Galerie; von der Heeresstrasse nach -Bandongan trennte sie nur ein Gitter aus Stacheldraht. Nur zu oft sahen -die jungen Lieutenants junge Damen hier ihren Spaziergang nach den -Ufern des tiefer gelegenen Elloflusses machen, und ich weiss nicht, ob -nicht der kleine Schalk Amor die Schritte der jungen Schönen gerade -dorthin leitete, wenn, was nur selten geschah, einige Lieutenants sich -dort befanden. Im Hintergrunde erhoben sich die stolzen Häupter des -Merbabu und des stets rauchenden Merapis, und als im Januar des Jahres -1894 dieser Vulcan seine Feuermassen über den südöstlichen Abhang -wälzen liess, hatten gerade die Bewohner dieses Officierpavillons die -schönste und beste Aussicht auf dieses schaurige und romantische Bild.</p> - -<p>Der Stacheldraht ist ein einfaches und billiges Mittel, um ein -grosses Terrain abzuschliessen; aber von der <em class="gesperrt">praktischen Seite</em> -betrachtet, ist er nicht mehr werth, als der Eingang bei dem Hause -eines Eingeborenen. Das Häuschen desselben hat einen nur einige Meter -breiten Garten, welcher durch ein Gehege aus Bambus von der Strasse -getrennt ist. Der Eingang in das Gärtchen ist nicht frei, sondern durch -eine Scheidewand von 30–40 Centimeter Höhe behindert. Jeder Mensch und -jedes Thier überschreitet dieses Hinderniss leicht und bequem. Ich -hielt dies für ein Symbol des Privateigenthums. Auf gleiche Weise kann -das Netz des Geheges, welches das ganze Spital umzog, nicht viel mehr, -als z. B. ein Pfahl mit der Aufschrift: »Spital« leisten. Das Gehege -ist 2 Meter hoch und hat Zwischenräume von 30–40 Centimetern; die -Stacheln des Drahtes verhindern zwar das Durchschlüpfen des einzelnen -Patienten, welcher gern eine Nacht befreit von der Zucht und Disciplin -des Spitals zubringen möchte. Wenn man jedoch ein Brett darauf legt, -oder wenn ein zweiter Mann die Drähte auseinander zerrt, kann man sehr -leicht nach Belieben das Spital verlassen und unbemerkt zurückkommen. -Thatsächlich ist die Flucht aus diesem Spitale eine häufige Erscheinung -gewesen. Warum keine Schildwachen gestellt wurden, um dieses unmöglich -zu machen, mit der nöthigen Beleuchtung des Terrains, weiss ich nicht. -Ein »guter Soldat« ist nicht gern im Spitale; er will seinen Dienst -thun, aber auch die Freiheit der Bewegung ist ihm kostbar; wenn er -eine Krankheit hat, bei welcher »Leib und Seele gesund« sind, d. h. -abgesehen von den örtlichen Beschwerden sich nicht krank fühlt, dann -meidet der »gute Soldat«<span class="pagenum" id="Seite_312">[S. 312]</span> den Aufenthalt im Spitale und entzieht -sich so lange als möglich dem forschenden Auge des Arztes. Ich hatte -selbst einen Füsilier mit einer Blutgeschwulst (aneurysma) im Becken -in Behandlung. Der ganze linke Schenkel war durch die verhinderte -Blutcirculation verdickt; er hatte aber keine Schmerzen und fühlte -sich gesund; zweimal flüchtete er aus dem Spitale, weil ihn, wie -ich glaubte, die zarten Bande der Liebe und die starken Fesseln des -Genevers hinauszogen.</p> - -<p>Noch andere Gefahren birgt ein solches offenes Gebäude. Der -Schmuggel<a id="FNAnker_183" href="#Fussnote_183" class="fnanchor">[183]</a> und Tauschhandel<a id="FNAnker_184" href="#Fussnote_184" class="fnanchor">[184]</a> mit der Aussenwelt war zum -Nachtheile der Patienten und — des Spitalfonds in floribus. Der -Officier wie der Unterofficier sind als Patienten ebenso grosse -Kinder als der gewöhnliche Soldat. Wie oft findet der Arzt Ursache, -den Genever oder die Cigarre zu verbieten? (Cigarren kann er im -Spital kaufen. »Nach Ablauf der Visite« erscheint die Frau eines -»Ziekenvaders«, welche von dem Spitalschef die Erlaubniss erhielt, sich -eine kleine Bude zu halten. Tinte, Federn, Bleistifte, Streichhölzer, -Cigarren, Briefpapier und Couverts, europäischen und javanischen Zucker -und Tabak mag sie gegen feststehende Preise verkaufen.)</p> - -<div class="figcenter illowe40" id="fig25"> - <img class="w100" src="images/fig25.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Fig. 25. Buddha-Statue im Innern des Tempels bei Mendút.</div> - <div class="caption_gross x-ebookmaker-drop"><a href="images/fig25_gross.jpg" - id="fig25_gross" rel="nofollow">⇒<br /> - <span class="s6">GRÖSSERES BILD</span></a></div> -</div> - -<p>In den späten Abendstunden erhält mit grosser Leichtigkeit der Officier -und Unterofficier alle gewünschten Getränke von seiner Haushälterin -oder von seinen Kameraden, und er braucht sich nur etwas Mühe zu geben, -um die hineingeschmuggelten Waaren vor den Augen der inspicirenden -Aerzte zu verbergen. Das Personal, d. h. die Krankenwärter wagen es -nicht, den Verräther zu spielen. Im Jahre 1881 lag ich im Spitale -zu Weltevreden als Patient; ein Lieutenant war mein Nachbar, dem -der behandelnde Arzt erlaubt hatte, den Koffer in seinem Zimmer -zu behalten. Dieser war jedoch mit Conserven gefüllt, obzwar der -Patient an chronischer Dysenterie litt!! Die lästigsten Patrone sind -diesbezüglich die Unterofficiere. Der gemeine Soldat hat vor dem -»Ziekenvader« Furcht und Respect; bei den Officieren giebt es nur -wenige, welche sich nicht vor dem Krankenwärter geniren würden, Speisen -und Getränke hineinzuschmuggeln. Die Unterofficiere jedoch glauben, -es ihrer Stellung schuldig zu sein, sich so viel als möglich der -Disciplin, welche im Spitale ebenso nöthig ist, als in der Caserne, -zu entziehen. Ich war einige Jahre in Magelang mit der Behandlung -der »zweiten Abtheilung« betraut, und ich war gezwungen, die ganze -Strenge meiner Stellung gegenüber den Unterofficieren zur Geltung zu -bringen.<span class="pagenum" id="Seite_313">[S. 313]</span> Einmal kam ich dadurch in eine fürchterlich unangenehme -Lage gegenüber dem Hospitalschef, dem Oberstabsarzt X., welchen ich -<em class="gesperrt">ohne mein Wissen und Willen</em> dem Spott der Unterofficiere -blossgestellt habe.</p> - -<p>Der Pavillon der zweiten Abtheilung, d. h. der Unterofficiere, bestand -aus zwei Theilen, und jeder derselben hatte zwei Säle, welche durch -den »Tagverbleib« von einander getrennt waren. Eines Morgens war ich -in dem einen Saale mit der Untersuchung der Brust eines Feldwebels -beschäftigt, als ich im nächsten Saale sprechen hörte; ich wollte mich -in der Auscultation nicht stören lassen und rief: »Ruhe im andern -Zimmer.« Als demungeachtet das Sprechen nicht aufhören wollte, ging -ich raschen Schrittes in den benachbarten Saal und rief: »Wer wagt es -zu sprechen, wenn ich »auf dem Saale« bin?« Es war der Spitalschef. -Ich entschuldigte mich bei ihm, dass ich von seiner Anwesenheit nichts -gewusst hätte; aber das unterdrückte Lächeln der Patienten und des -Personals verrieth das Komische der Situation, dass ein Oberstabsarzt -von einem Regimentsarzte in dem heftigsten Tone der Ruhestörung -beschuldigt wurde. Meine Entschuldigung hielt er offenbar für eine -Ausrede, weil ich gerade zwei Tage vorher seinem lästigen Benehmen -<em class="gesperrt">wissend und wollend</em> entgegengetreten war. Er hatte nämlich eine -ganz falsche Auffassung von der Verantwortlichkeit eines Spitalschefs. -Das Gesetz bestimmt entsprechend den herrschenden Verhältnissen den -Chef als die Person, welche das Spital nach Aussen hin vertritt -und auch die Verantwortung für alles auf sich nehmen muss, was in -dem Spitale geschieht, und im gegebenen Falle zum Einschreiten der -militärischen und civilen Behörden Anlass geben kann; die Behandlung -der einzelnen Aerzte kann und muss natürlich, wenn sie sich in gewissen -Grenzen bewegt, ihnen überlassen werden. Oberstabsarzt B. glaubte aber -auch die »Leitung« der <em class="gesperrt">jüngern</em> Ober-Aerzte nicht nur auf deren -Diagnosestellung, Behandlungsweise und Vorschreiben der Diät ausdehnen, -sondern auch den älteren Regimentsärzten gegenüber dasselbe thun zu -müssen. Manche Ober- und Regimentsärzte waren so verständig (?), -sich diesem zu unterwerfen, und waren nichts mehr und nichts weniger -als seine Receptenschreiber. Andere aber wollten ihm gegenüber ihre -Selbständigkeit bewahren und kamen dadurch in manche Conflicte, wobei -sie den Kürzeren ziehen mussten. Ich selbst war um ein Jahr älter als -mein Chef und glaubte ihn manchmal auf diesen unrichtigen Standpunkt -aufmerksam machen zu müssen, mit dem Hinweis, dass er sich selbst den -Dienst erschwere,<span class="pagenum" id="Seite_314">[S. 314]</span> um 5–600 Patienten zu behandeln. Seine Eitelkeit -behielt die Oberhand, und so geschah es, dass er während der Zeit der -Visite »auf alle Säle« ging, die Diagnose, die Behandlung und Diät -aller Kranken controlirte und seine Ansichten dem behandelnden Arzte -mittheilte. Eines Tages kam er auch »auf meinen Saal«, der 30 Meter -lang war und für 21 Patienten Betten enthielt. Ich war am äussersten -Ende des »Saales«, als er bei der Thür erschien; in militärischem -Schritt ging ich ihm entgegen, er winkte mir jedoch mit der Hand ab -und fügte hinzu: »Lassen Sie sich nicht stören.« Anstatt aber den Saal -zu verlassen, ging er zu den Patienten und begann seine Controle! -Ich konnte unmöglich etwas anderes sagen oder thun, als meine Arbeit -einzustellen und zu warten, bis der Oberstabsarzt am Ende des Saales -sein Gespräch beendigt hatte. Wiederum rief er mir zu: »Lassen Sie -sich nicht stören.« Es war ein Saal mit internen Kranken; beim besten -Willen konnte ich nicht auscultiren, wenn nicht die grösste Ruhe im -Zimmer herrschte; ich hielt also wieder mit meiner Arbeit ein und -stellte mich wie ein preussischer Grenadier in »Position«. Endlich -verliess er den Saal, ohne zu grüssen. (Zwei Tage später geschah oben -erwähnter Vorfall in dem Unterofficierspavillon, und seit dieser -Zeit blieb ich während der Visite von seiner Anwesenheit verschont.) -Dieser Saal war die Hälfte der sogenannten Tolletbaracken, deren es -zwei gab, und zwar zu beiden Seiten der Küche, welche in dem offenen -Raum gegenüber dem Eingange lag. Diese Baracken (No. VI, <a href="#fig24">Fig. 24</a>) sind -sehenswerthe Pavillons für ein Spital in den Tropen; sie stehen auf -kleinen, steinernen Pfeilern von ungefähr 40 cm Höhe und bestehen aus -zwei Sälen, welche durch »das Tagverbleib« von einander getrennt sind. -Dieses hat zu beiden Seiten je ein kleines Zimmer für die Krankenwärter -und einen Bergeplatz für gewisse Geräthe; im Hintergrunde befindet -sich der Waschplatz mit zahlreichen Waschbecken und der Wasserleitung. -Der Vortheil dieser Baracken besteht in ihrer bedeutenden Höhe und -dass die Wände aus einer doppelten Reihe von Brettern mit einem -Zwischenraume bestehen; unten und oben sind Oeffnungen, durch welche -die Luft hinaufziehen und durch die Dachventilation nach Aussen strömen -kann. Drei Fehler zeigten diese Säle. Weil sie auf Pfählen standen, -dröhnte es fürchterlich, wenn man mit militärischem Schritt durch den -Saal schritt. Mein Vorschlag, diesem dadurch abzuhelfen, dass man -Laufteppiche legen sollte, wurde mit der Motivirung zurückgewiesen, -dass in Indien solche Laufteppiche die Brutnester zahlreicher Insecten -werden würden. Die Hohlräume in der<span class="pagenum" id="Seite_315">[S. 315]</span> Wand könnten die Brutstätte von -Mäusen und Ratten werden, und drittens lag die eine Fensterfront nach -dem Westen frei, so dass die Sonnenstrahlen in den Saal dringen konnten -und thatsächlich die Kranken stark belästigten. Aus »ästhetischen -Motiven« wurde mein Vorschlag, über den Fenstern kleine Marquisen -anzubringen, abgelehnt. Leider hatte das Spital nur zwei dieser -übrigens sehr praktischen Pavillons.</p> - -<p>Nebstdem befanden sich noch zu beiden Seiten der Küche je drei, und -parallel mit der Hauptfront des Gebäudes und hinter der Küche ein -neunter Pavillon. Vier von diesen Pavillons hatten mehr oder weniger -Holztheile, während die drei letzten nur aus Bambus bestanden und nicht -einmal einen steinernen oder hölzernen Flur hatten; diese hiessen -temporäre Gebäude, die übrigen Pavillons, welche nur theilweise aus -Bambus bestanden, trugen den stolzen Namen semipermanente, und die -Tolletbaracken waren permanente Gebäude. So lange die Baracken aus -Bambus neu sind, sehen sie ganz hübsch aus, leisten aber in den Tropen -nicht immer gute Dienste. Durch die Lücken der Matten findet ein steter -Luftwechsel statt, und bei hoher Temperatur der Aussenluft herrscht -im Innern eines solchen Gebäudes eine unerträgliche Hitze. Werden sie -alt, haben sie eine schmutzige, graue Farbe, Spinnen, Wespen und andere -Insecten nisten in ihnen, Staub und Holzmehl bedecken die Oberfläche, -und jeder geringe Sturm oder Wind schüttelt dieselben auf die Bewohner. -Im Jahre 1877 wohnte ich in einem solchen Fort, welches bereits 15 -Jahre stand. Jedesmal, wenn das Gebäude durch einen etwas heftigen Wind -erschüttert wurde, während ich mein Abendmahl verzehrte, musste ich den -Pajong über den Suppenteller halten lassen, um nicht ein unerwünschtes -Gewürz in meine Speise zu erhalten. Solche Gebäude sollten also aus -Reinlichkeitsursachen alle drei bis vier Jahre ganz erneuert werden, -was schon ihr Name temporär erwarten lässt; aber leider hat kein -Spitalschef den Muth, einen diesbezüglichen Vorschlag einzureichen, wie -mir s. Z. ein Hauptmann »der Genie« mittheilte. Kurz vor meiner Abreise -kam ein Fall von Tetanus vor, und dennoch wurden die Wände nicht sofort -erneuert.</p> - -<p>Auch die Abtheilung für Infectionskrankheiten (No. XXVII, <a href="#fig24">Fig. 24</a>), -welche im äussersten Norden des Terrains lag, hatte solche temporäre -Gebäude, und zwar mit einem Cementflur. Es war ganz entsprechend den -Anforderungen der modernen Wissenschaft für ansteckende Krankheiten -eingerichtet, d. h. es war ganz isolirt, hatte einen Desinfectionsofen, -der im Grossen und Ganzen gut functionirte, obwohl er irrthümlicher -Weise in Magelang nicht an seinem Platze war, aber die Gebäude<span class="pagenum" id="Seite_316">[S. 316]</span> -wurden nicht erneuert, wenn vereinzelte Fälle von Cholera, Blattern -u. s. w. vorkamen. Wenn auch die Kosten einer solchen Renovirung -geradezu unbedeutend<a id="FNAnker_185" href="#Fussnote_185" class="fnanchor">[185]</a> zu nennen sind, so wurde mein diesbezüglicher -Vorschlag vom Spitalschef jedesmal zurückgewiesen mit der Motivirung, -dass er unmöglich wegen eines <em class="gesperrt">vereinzelten</em> Cholerafalles einen -solchen Vorschlag an die Regierung einreichen dürfe.</p> - -<p>Die Hauptfront des Gebäudes, mit der Apotheke, Magazinen, Bureaux -für den Chef und den wachthabenden Doctor und Apotheker und -Operationszimmer,<a id="FNAnker_186" href="#Fussnote_186" class="fnanchor">[186]</a> bestand aus Ziegeln. <em class="gesperrt">Dieses Spital ist -also eine Versuchsstation der indischen Baukunst</em> und kein -architektonisches Ganzes oder Einheit und gewiss kein monumentales -Gebäude; es ist ein durcheinander geworfenes Mosaikbild aller -Baumaterialien, welche in den Tropen zum Bau von Gebäuden verwendet -werden können. »Die Genie« braucht auf dieses Gebäude nicht stolz zu -sein.</p> - -<p>Die Wasserleitung war gut; in einer Entfernung von ungefähr 1000 Metern -befand sich im Thale des Elloflusses eine Quelle mit Gebirgswasser; ein -Pumpwerk trieb das Wasser in das Spital, wo es in einem Wasserthurme -als Reservoir aufgefangen und danach mit Röhren in das ganze Spital -geleitet wurde.</p> - -<p>Die Canalisirung war ebenfalls praktisch angelegt; ein grosses -Ableitungsrohr mündete in bedeutender Entfernung in das rechte Ufer -des Elloflusses. Die Aborte hatten das Tonnensystem, an ihrer hinteren -Seite befand sich eine kleine Thür, und Sträflinge wechselten täglich -die grossen Tonnen aus dickem Eisen.</p> - -<p>Die Beleuchtung war anfangs so schlecht als möglich. Die Beleuchtung -in den Sälen brauchte nicht stark zu sein, weil die Patienten um 9 Uhr -zu Bette gehen mussten, aber die langen Corridore hatten wegen des -wellenförmigen Terrains hin und wieder Treppen; der erste Spitalschef -liess diese schwarz und weiss anstreichen und darüber die »glimmenden -Nägel« aufhängen. Die Petroleumlampen waren zu klein, um die »Runde« -hinreichend zu erleuchten, und verdienten mit vollem Rechte den Namen -»glimmende Nägel«. Um diesem Uebelstands abzuhelfen, wurden endlich -die Treppen entfernt, und die langen Corridore bildeten dann eine -sanft auf- und absteigende<span class="pagenum" id="Seite_317">[S. 317]</span> überdeckte Strasse. Im »Tagverbleib« der -einzelnen Pavillons und in den Zimmern der kranken Officiere und der -wachthabenden Aerzte und Apotheker befanden sich grosse Stehlampen oder -Hängelampen, welche hinreichend Licht gewährten.</p> - -<p>An die »Wissenschaft« wurde beim Bau des Spitales sehr wenig gedacht; -ein Häuschen für »Schwefelwasserstoffentwickelung« befand sich in der -Nähe der Apotheke, wurde aber als Rumpelkammer benutzt; in der Nähe -der Abtheilung für Infectionskrankheiten befand sich das Leichenhaus -mit einem Cabinet<a id="FNAnker_187" href="#Fussnote_187" class="fnanchor">[187]</a> für mikroskopische Untersuchungen; neben dem -»Conferenzzimmer« befand sich ein Cabinet mit der stolzen Aufschrift: -Bibliothek, welches von mir zur Untersuchung des Urins eingerichtet -wurde; in einem Spitale für 4–600 Patienten konnten keine chemischen -Untersuchungen des Mageninhaltes, keine Blutuntersuchungen, keine -bacteriologischen Arbeiten gemacht werden; es sei denn, man ersuchte -einen der Apotheker darum, welcher in der Regel mit der Receptur so -viel zu thun hatte, dass eine specielle Ausbildung in diesen Fächern -nicht erwartet werden konnte.</p> - -<p>Wenn ich noch mittheile, dass die »Badekammern« auch hölzerne Wannen -für warme und heisse Bäder<a id="FNAnker_188" href="#Fussnote_188" class="fnanchor">[188]</a> neben den üblichen Douchen hatten, -dann habe ich nichts vergessen aus dem mit grosser Raumverschwendung -errichteten Militärspitale zu Magelang, welches als eine -Sehenswürdigkeit Javas gepriesen wird.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Die Harmonie zwischen den beiden Mächten des Staates war in Magelang -anfangs sehr gut. Der Militär- und zugleich Platz-Commandant war ein -Ehrenmann, der durch die Ruhe seines Charakters und durch die Humanität -seines Denkens und Fühlens keinen Feind hatte; der Resident A. war, -ich möchte sagen, aus demselben Stück Eisen geschmiedet; beide Männer -füllten mit grosser Gewissenhaftigkeit, aber auch mit allem Tact -und Ehrlichkeit ihre Stellung aus und vermieden durch rechtzeitiges -Entgegenkommen jeden Conflict; niemals gab es Reibereien. Aber unter -den Civilbeamten ist noch eine Kategorie, welche durch die undeutliche -Competenzgrenze ihrer Stellung häufig zu Reibereien Anlass<span class="pagenum" id="Seite_318">[S. 318]</span> giebt, -und leider führt dieser Federkrieg oft genug auch zur Entfremdung der -beiden Würdenträger.</p> - -<p>Die jüngste Reorganisation des Rechtswesens hat nämlich den -Gerichtsbeamten beinahe eine ganz unabhängige und, ich möchte fast -sagen, isolirte Stellung im indischen Staatswesen eingeräumt. Die -Erfahrung muss erst den Beweis bringen, ob dieses Princip für die -Colonien ein richtiges sei; die administrativen Beamten konnten sich -bis jetzt nur schwer in die neuen Verhältnisse hineinfinden, obwohl -ihnen ein grosser Theil ihrer Arbeit und der Verantwortung ihrer -vielseitigen Leistungen abgenommen wurde. Die Gerichtsbeamten gewannen -dadurch so viel Freiheit in ihren Entschlüssen, dass sie vollständig -unabhängig und selbständig ihren Berufspflichten nachkommen konnten. -In beschränkten Köpfen musste diese Freiheit der Stellung eine -Begriffsverwirrung mit der Freiheit der Person veranlassen, und so -geschah es, dass der Landesgerichtsrath X. zu Magelang neben seinen -Berufspflichten die der Controle über den Residenten auf sich nahm und -zwar in der <em class="gesperrt">ausgesprochenen</em> Ansicht, dass die Gerichtsbeamten -in jedem Staate die einzigen und höchsten Stützen und Leiter seien. -In recht komischer und drastischer Weise bekundete der Herr X. diese -Anschauung gegenüber einem Major der Infanterie, welcher wegen seines -universellen Wissens eine sehr geachtete Stellung überall, zu jeder -Zeit und in jeder Gesellschaft einnahm.</p> - -<p>Diese beiden Männer besprachen das Thema, dass Niemand mit seinem -Stande zufrieden sei und dass Jedermann seine Kinder eine höhere -Stellung, als er selbst bekleide, anstreben lasse. Dabei entwickelte -Herr X. eine gesellschaftliche Leiter und gab die vorletzte Stufe -derselben dem Officier und die höchste und letzte Stufe dem Juristen.</p> - -<p>Leider ist die Organisation des Rechtswesens Schuld an den zahlreichen -Reibereien der betreffenden Beamten. Während die Regierungsform -durch und durch centralistisch ist, der Absolutismus im weitesten -und ausgebreitetsten Sinne das Scepter über die Europäer führt und -den Eingeborenen nur sehr geringe Communalangelegenheiten in eigener -Verwaltung überlässt, so dass der Verwaltungsbeamte beinahe im -strengsten Sinne des Wortes der Patriarch seines Verwaltungsbezirkes -ist, gab sie den Gerichtsbeamten eine zu weit gehende autonome -Organisation, so dass dies Regierungsprincip in seinen Grundpfeilern -erschüttert wurde. Die Zulassung der Europäer und »fremden Orientalen« -in N.-Indien, die Verbannung von Personen aus N.-Indien, die Aufsicht -über die Magistratsverordnung und über die Gefängnisse, die<span class="pagenum" id="Seite_319">[S. 319]</span> Gesuche um -Errichtung von Actiengesellschaften oder Vereinen, die Naturalisation, -die Aufsicht über die Presse, über Volksversammlungen, die Waisen- und -Nachlasskammer gehören in das Departement der Verwaltungsbeamten,<a id="FNAnker_189" href="#Fussnote_189" class="fnanchor">[189]</a> -die sich bei ihren Studien in Delft auch eine hinreichende Fülle des -juridischen Wissens diesbezüglich aneignen. Das Polizeiwesen blieb -in Händen der Verwaltungsbeamten, und auch die Zuweisung nach den -Strafrichtern, welche so viel als möglich die diesbezügliche Competenz -an sich reissen wollen und dadurch eine unerschöpfliche Quelle von -Streitigkeiten geschaffen haben.</p> - -<p>Der Europäer erscheint nämlich nur vor einem Gerichtshof aus Europäern, -deren drei auf Java bestehen, und zwar in Batavia, Samarang und -Surabaya, während zahlreiche Landesgerichte mit einem europäischen -Juristen als Präsidenten, einem europäischen Secretär und einigen -Häuptlingen mit dem Panghulu (mohamedanischen Priester) als Beisitzer -über die Eingeborenen die Jurisdiction üben. Es würde mich zu weit -führen, das Rechtswesen auf Java ausführlich zu beschreiben, und ich -will daher zu dem Ausgangspunkte dieses Capitels zurückkehren.</p> - -<p>Es herrschte in Magelang ein gemüthlicher Ton unter der Herrschaft -dieser zwei Würdenträger; als der Colonel P. wegen körperlicher -Gebrechen, denen er leider bald danach erlag, in Pension gehen musste, -kam ein Misston in das gesellschaftliche Leben der Residenzstadt, und -bald standen sich zwei feindliche Parteien gegenüber, welcher zwar die -Grenzen der Höflichkeit nicht überschritten, aber einen gemüthlichen -Verkehr derselben unmöglich machte. Lieutenant X. war ein Günstling des -Residenten, welcher ein Schulkamerad seines Vaters gewesen war; seine -Frau, eine liebenswürdige, schöne und gebildete Dame, verkehrte daher -gern im Hause des Residenten, und als ihr Mann in Conflict mit seinen -Vorgesetzten kam, fanden sie beide im Hause dieses hohen Beamten Trost -und Stütze in ihren Leiden.</p> - -<p>Lieutenant X. war mit seinem Kameraden Y. so befreundet, dass sie -gelobten, sich tolerant auf die gegenseitigen Fehler aufmerksam zu -machen und einander in Leid und Freud beizustehen. Doch bald darauf -bestand keiner von beiden die Feuerprobe ihrer Freundschaft; beide -standen bei demselben Bataillon und in derselben Compagnie. Beide -waren Oberlieutenants; Lieutenant Y. war aber im Range um acht -Monate höher und um 6 Jahre älter als Lieutenant X. In Vertretung -des kranken Compagnie-Commandanten führte eines Tages Lieutenant Y.<span class="pagenum" id="Seite_320">[S. 320]</span> -seine Compagnie auf das Exercierfeld bei dem Berge Tidar. In einer -Ruhepause blieb X. reglementswidrig nicht bei der Truppe stehen, -sondern begab sich zu seinem Freunde Y. Dieser glaubte dieses rügen -zu müssen und schickte seinen Freund X. auf seinen Platz. Lieutenant -X. beantwortete diese strenge Auffassung der Dienstvorschriften -mit einer brüsken Antwort, worauf sein Freund Y. die Sache an den -Bataillons-Commandanten rapportirte. Lieutenant X. bekam vier Tage -Arrest und forderte Lieutenant Y. zum Duell. Dieser weigerte sich, -das Duell anzunehmen, und theilte dieses wieder höheren Ortes mit; in -dem weiteren Verhalten in dieser Affaire zeigte sich Lieutenant X. so -unbotmässig, dass er sich die Sympathie seiner Freunde selbst unter den -Officieren verscherzte. Der Colonel beschuldigte jedoch den Residenten, -ihn zu seinem indisciplinaren Vorgehen aufgereizt zu haben, wofür er, -ich zweifle keinen Augenblick, keinen einzigen objectiven Beweis haben -konnte. Dies war die Veranlassung zu einem gespannten Verhältnisse -zwischen diesen beiden Würdenträgern, welche aber ihrerseits bei -öffentlichen Gelegenheiten den äusseren Schein des freundschaftlichen -Verkehrs bewahrten. Dazu gab es sehr oft Gelegenheit. Die Soldaten -hatten nämlich zwei Theatergesellschaften, welche in der Cantine oft -Vorstellungen gaben, und ich selbst hatte unter den Officieren und -Bürgern die »Thalia« errichtet. Im Jahre 1893 war nämlich in Magelang -ein Wettrennen, welches mit einer Ausstellung der Industrieproducte der -Provinz Kedu verbunden war. Nebstdem hatten einige Herren und Damen zu -dieser Gelegenheit ein Lustspiel einstudirt und für den zweiten Abend -einen Tingel-Tangel eröffnet. Das Lustspiel und das Café chantant wurde -in der Vorgalerie des Residenten gegeben, welcher zu diesem Zwecke -die Coulissen aus der Cantine entlehnt hatte. Diese hatten solchen -Anklang gefunden, dass nach Ablauf der Wettrennen einige Bürger und -Officiere zur Gründung eines Dilettantentheaters zusammentraten. Zum -ersten Director wurde meine Wenigkeit gewählt; jedes Mitglied sollte 1 -fl. monatlich bezahlen, und dafür sollten vier Vorstellungen im Jahre -gegeben werden. Mitglieder fanden sich in hinreichender Zahl; ausübende -Mitglieder gab es auch hinreichend; aber alles Andere fehlte. In erster -Reihe machte mir die Platzfrage sehr viel Sorge; endlich wurde ich auf -die Turnhalle der Schule für die Häuptlingssöhne aufmerksam gemacht; -obwohl hier jeden zweiten Sonntag von dem »Domine« Gottesdienst -gehalten wurde, der zu diesem Zwecke von Djocja nach Magelang -kam, wurde mir vom Residenten dieser Saal gerne zu diesem Zwecke -abgetreten.<span class="pagenum" id="Seite_321">[S. 321]</span> Die zweite Frage galt der Beschaffung der Coulissen. Der -Verein hatte im Anfang keine hinreichenden Geldmittel, um Coulissen -malen zu lassen. Ich miethete also für die erste Vorstellung, welche -die Feuerprobe der Existenzfähigkeit dieses Vereins geben sollte, die -Coulissen des Theaters aus der Cantine; als ich dessen sicher war, -berief ich die erste Versammlung der mitwirkenden Mitglieder, und nach -langer Debatte über die Wahl des Stückes wurde für die erste Aufführung -das echt holländische Drama »Janus Tulp«, und für die zweite die -holländische Uebersetzung des deutschen Lustspieles »Der Störefried« -angenommen. Das Lesen und Einstudiren der Rollen brachte der Jugend -Magelangs gemüthliche und unterhaltende Abende, zu denen sich natürlich -ganz heimlich auch der kleine Schalk Amor hin und wieder einstellte, -bis endlich die Opfer seiner Intrigue am Traualtar einander ewige -Treue schworen. Zahlreich waren die Detailarbeiten und sehr lästig -für mich, weil ich in die Geheimnisse des Coulissenlebens gar nicht -eingeweiht war. Endlich kam der grosse Tag der ersten Aufführung. Um 9 -Uhr Abends sollte sie stattfinden; ein schwerer Tropenregen schaffte -ganz unerwartet Hindernisse. Der Turnsaal stand mitten im Hofraum -zwischen den Pavillons für die Zöglinge der Anstalt; zwei Zimmer wurden -bereitwilligst von dem Director für diesen Abend der »Thalia« zur -Verfügung gestellt. Hier sollten die Herren und Damen sich schminken -lassen und den Toilettenwechsel besorgen. Mit einem Regenschirm konnten -sie sich gegen den strömenden Regen schützen. Wie sollten sie aber -durch die entstandenen Pfützen trockenen Fusses auf die Bühne gelangen? -Zwei Stunden vor dem Anfang nahm ich also meine Equipage und überfiel -den Residenten in seinen häuslichen Arbeiten. Er sollte und musste als -Mäcen den mit Lebensgefahr (??) bedrohten Schauspielerinnen helfen! -Der brave Mann schaffte Hülfe. Eine Bretterwand stand unbenutzt vor -einem vollendeten Gebäude; eine »Truppe« Sträflinge (25 Mann) erhielt -den Befehl, sofort diese Wand abzubrechen und nach dem Turnsaal zu -bringen. Der Regen hatte um 9 Uhr aufgehört, die entstandenen Pfützen -wurden mit den Brettern bedeckt, und ohne Lebensgefahr (?) konnten -die Schauspielerinnen und Schauspieler trockenen Fusses auf die Bühne -gelangen. Der Erfolg übertraf alle Erwartungen, und stolz rühme ich -mich noch heute dieser That. Janus Tulp<a id="FNAnker_190" href="#Fussnote_190" class="fnanchor">[190]</a> ist ein echtes Volksstück -mit einem kräftigen Dialog und gesunder Tendenz. Ein Barbier wird durch -ein Loos<span class="pagenum" id="Seite_322">[S. 322]</span> Besitzer eines grossen Vermögens und Protz in optima forma. -Seine Frau und seine Tochter jedoch bewahren ihre einfachen Sitten -und kommen dadurch in Conflict mit den hochfliegenden Plänen ihres -Vaters. Die Tochter ist die Heldin des Stückes und wurde von der Frau -des oben erwähnten Lieutenants Y. mit solcher Wärme und Natürlichkeit -gespielt, dass kein Auge trocken blieb. Frau Y. hätte auf jeder Bühne -Europas eine Zierde sein können. Um 11½ Uhr war das Drama beendigt; zum -Nachhausegehen hatte aber Niemand Lust. Die Schauspieler beeilten sich, -die Schminke abzuwaschen, und schon nach einer Viertelstunde formten -alle ausübenden Mitglieder unter dem Präsidium des Residenten einen -Aufzug. Die Militär-Musik, welche in den Zwischenacten gespielt hatte, -stellte sich an die Spitze, und unter den fröhlichen Klängen eines -Tara-ra-bum-Marsches zogen wir Alle in das Clubgebäude. Die Lampen -wurden angezündet, die Musik nahm im Tanzsaale Platz, und bis zur -frühen Morgenstunde wurde nun der Terpsichore gehuldigt.</p> - -<div class="figcenter illowe50" id="fig26"> - <img class="w100" src="images/fig26.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Fig. 26. Ein Feld aus dem grossen Fries in den Mauern - des Buru Budur.</div> - <div class="caption_gross x-ebookmaker-drop"><a href="images/fig26_gross.jpg" - id="fig26_gross" rel="nofollow">⇒<br /> - <span class="s6">GRÖSSERES BILD</span></a></div> -</div> - -<p>Wenn ich nun des Croquetclubs erwähne, welcher manchmal einige Wochen -oder Monate lang bestand, dann habe ich alles mitgetheilt, was den -Bewohnern Magelangs an Vergnügungen geboten wurde. Wollte man also in -die Monotonie des täglichen Lebens Abwechselung bringen, dann musste -man es in der Lectüre, in gesellschaftlichen Zusammenkünften oder im -Genuss der schönen Natur und der zahlreichen Ruinen suchen, an welchen -die Provinz Kedu aussergewöhnlich reich ist.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">tägliche</em> Lectüre war die »Locomotief«, welche in Samarang -herausgegeben wurde, oder der »Javabode«, welcher in Batavia täglich -erscheint; erstere kostete 40 und die Batavische Zeitung 20 fl. pro -Jahr. Natürlich erscheinen auf Java auch noch andere Zeitungen, z. B. -in Surabaya, in Djocja ein in malayischer Sprache geschriebenes -Tageblatt u. s. w., welche eine ausgezeichnete Controle der Regierung -sind, ja noch mehr; wenn auch in militärischen und Beamten-Kreisen -Jedermann ein trauriges Stigma hat, welcher »in den Zeitungen -schreibt«, so findet dennoch die Fama regelmässig ihren Weg in die -Redactionsstube, und manche Unregelmässigkeit, Nachlässigkeit oder -Uebergriff der Bureaux wird rechtzeitig der Kritik der öffentlichen -Meinung überliefert. Auch ohne diese stete und ununterbrochene Controle -der Würdenträger hat die indische Presse geradezu einen bedeutenden -Einfluss und pädagogischen Werth, der nicht hinreichend gewürdigt -wird. Mit mehr oder weniger Unrecht wird das persönliche Verdienst -der<span class="pagenum" id="Seite_323">[S. 323]</span> Redacteure hierbei geschmälert, nämlich durch die Behauptung, -dass der Scheere der Löwenantheil an diesem Verdienste gebühre; dies -ist wahrscheinlich richtig; aber die Mildthätigkeit hat auch oft -andere Quellen als das Verlangen, den Armen zu helfen; wer wird eine -mildthätige Stiftung zurückweisen, weil die Eitelkeit an ihrer Wiege -sass? Ob nun der Redacteur aus der Tiefe seines Geisteslebens schöpft -oder mit der Scheere bei seinen europäischen Collegen eine Anleihe -macht, kümmert den Leser gar nicht; Thatsache ist, dass die indischen -Zeitungen sehr instructiv und oft unterhaltend sind. Das Verdienst -ist um so grösser, weil Indien keine Gemeindevertretung<a id="FNAnker_191" href="#Fussnote_191" class="fnanchor">[191]</a> hat, -wodurch viele locale Blätter in Europa Stoff zu täglichen, meterlangen -Mittheilungen erlangen.</p> - -<p>Nebstdem war ich Mitglied zweier Lesegesellschaften; die eine hatte -ihren Sitz in Magelang und bot ihren Mitgliedern eine reiche Auswahl -in europäischen periodischen Zeitschriften; oft erhielt ich jeden -Sonnabend 20 Nummern, wie z. B. Fliegende Blätter, Ueber Land und -Meer, De aarde en haar volken, London News, Journal pour rire, Wiener -Caricaturen u. s. w. Die zweite wurde von einem Civil-Arzt in Samarang -verwaltet und besorgte die Fachlectüre; deutsche, holländische und -französische medicinische Wochenschriften wurden jede Woche nach -Magelang gesendet.</p> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_324">[S. 324]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Capitel_10">10. Capitel.</h2> - -</div> - -<p class="center s4 mbot2"><b>Der Buru Budur — Magelang während des Krieges mit Lombok — -Soldatenfreunde — Die Religionen auf Java — Schulen für die Javanen -— Die Dysenterie — Leberabscesse — Eine Expedition in den Tropen — -Nochmals von Dienstboten — „Der Garten von Java“.</b></p> - -<p class="p0"><span class="dc">D</span>ie gesellschaftlichen Zusammenkünfte in Magelang waren in der Regel -sehr amüsant; die erste, welche ich mitmachte, war ein Picknick am -Fusse des Buru Budur (= Bårå Budur = der unzählbare Buddha?). Der -Landesgerichtsrath T. hatte keine Kinder, ich hatte keine und Dr. A. -war kinderlos; wir sechs und die Familie des Dr. S. beschlossen eines -Tages, eine gemeinsame »Reistafel« unter den Palmen zu halten und zwar -am Fusse jenes 1000 Jahre alten Tempels, welcher als ehrwürdige Ruine -des alten Hindudienstes in seiner Grösse und in seinem Reichthum an -Bildarbeiten alle Pyramiden Aegyptens und alle Ruinen des Alterthums -hoch überragt.</p> - -<p>So schwer es fällt, das religiöse Denken der Javanen in seinen Theilen -zu erkennen, d. h. wie viel dem alt-polynesischen Glauben, wie viel -dem Bramadienste, wie viel dem Buddha-Glauben und wie wenig dem -Mohamedanismus angehört, so leicht haben sich die Gelehrten geeinigt, -den Buru Budur als dem Buddhadienste gewidmet anzuerkennen.</p> - -<p>Wir nahmen an einem Sonntag zwei Reisewagen, in welchen nicht nur -wir zehn Personen Platz hatten, sondern noch zwei Bediente mit dem -nöthigen Geschirr auf dem Bock sassen; am Ziele unserer Reise war ja -ein Passantenhaus, welches von einem ausgedienten Soldaten bewacht -wurde; in diesem <a id="Pesanggrahan_2"></a>Pesanggrâhan befanden sich nicht nur Betten, sondern -es bestand auch Gelegenheit, ein Mittagessen einzunehmen; d. h. -Reis, Früchte und Hühner konnten in den verschiedensten<span class="pagenum" id="Seite_325">[S. 325]</span> Formen den -Besuchern geboten werden; die Damen unserer Gesellschaft hatten also -nur für einige Speisen zu sorgen; denn auch einige Flaschen Bier, -Apollinariswasser und Rothwein hielt er in Vorrath.</p> - -<p>Schönes Wetter begleitete uns; wir nahmen den Weg durch die -Mörderallee, vorbei an dem Berge Tidar auf die grosse Strasse nach -Djocja; sie wird von den sie umgebenden Kampongs in gutem Zustande -erhalten; sobald die Regenzeit eintritt, wird der Schotter, welcher -in gewissen Abständen zu pyramidenförmigen Haufen längs des Weges in -Vorrath sich befindet, über die Strasse geworfen, und die schweren -Lastwagen drücken ihn in den Boden, welcher durch den Regen weich -geworden ist. Ungefähr ein Kilometer vor Muntilan geht eine schmale -Strasse nach Westen und zwar an das Ufer des Elloflusses. Kurz vor der -Einmündung dieses Flusses in den Progofluss sahen wir einen schönen -Tempel, es war der Tjandi Mendút (<a href="#fig19">Fig. 19</a>) aus Trachitblöcken. Er hat -acht Seiten und vier einspringende Ecken, ist pyramidenförmig und -hatte vielleicht eine Höhe von 25 Metern.<a id="FNAnker_192" href="#Fussnote_192" class="fnanchor">[192]</a> Er ist erst seit 60 -Jahren ausgegraben. Auf der Westseite befindet sich eine Treppe und ein -Eingang zu einer Halle von ungefähr 40 ☐Metern; die Mauer desselben -bestand aus porösen Trachitsteinen und war anfangs cylinderförmig und -ging in einer Höhe von ungefähr vier Metern in die Form einer spitzen -Pyramide über; ich wusste nicht, was ich zunächst bewundern sollte, die -kunstvolle Weise, in welcher dieser Saal gebaut war, oder die darin -befindlichen Statuen. Jeder Stein ruht nämlich in der angegebenen -Höhe so auf seiner Unterlage, dass er diese um einige Centimeter -überragt; ein weiterer Kitt oder Verbindungsmittel der Steine war -nicht zu sehen. Durch die Ausbrüche des Merapis wurde dieser Tempel -so erschüttert, dass der Eingang zahlreiche Risse zeigte, d. h. dass -über dem Eingange die Würfel-Steine grosse Lücken zeigten, welche -den ängstlichen Gemüthern der Damen selbst den Eintritt in die Halle -verleideten. Im Hintergrunde derselben sass Buddha mit herabhängenden -Beinen und wie zum Beten gefalteten Händen; er ist nackt, 4½ Meter -hoch, der Gesichtsausdruck erinnert an eine sanfte, gutmüthige Frau -(<a href="#fig25">Fig. 25</a>). Zu beiden Seiten befinden sich zwei weibliche Figuren, 2½ -Meter hoch, mit Ringen an den Armen und Knöcheln und Tiaras. Sollte es, -wie <em class="gesperrt">Veth</em><a id="FNAnker_193" href="#Fussnote_193" class="fnanchor">[193]</a> vermuthet, eine ihrem Gotte dargebrachte Huldigung -zweier Halbheiligen sein?</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_326">[S. 326]</span></p> - -<p>Bald verliessen wir diesen Tempel und bestiegen wieder unsere Wagen; -aber schon nach einigen Minuten erreichten wir den Ello, auf welchem -sich zwischen zwei grossen Rottangstricken eine Fährte befand; sie -war gross genug, um die acht Pferde und die zwei Wagen aufzunehmen. -Zunächst wurden diese an das jenseitige Ufer gebracht, und dann -bestiegen wir diese primitive Fahrgelegenheit. Noch ungefähr zehn -Minuten fuhren wir, als wir plötzlich vor einem kleinen Hügel standen, -wo sich nach links der Weg wandte. Keine hundert Meter weit lag der -Tempel vor uns. Der erste Eindruck liess mich kalt. Als ich im Jahre -1884 mit Urlaub nach Europa ging, verliess ich bei Ismailia das Schiff -und fuhr mit der Eisenbahn nach Kairo, um die Cheops-Pyramide und -die Sphinx zu sehen; auch das Massenhafte und das hohe Alter dieser -Denkmäler einer untergegangenen Kunstzeit packten keine Faser meine -Nerven. Ich glaubte damals überhaupt keinen Sinn für architektonische -Schönheit zu besitzen; als ich aber zwei Monate später zum ersten -Male das neue Rathhaus in Wien sah, da fasste mich der Zauber dieses -gothischen Baues mit aller Macht. Ich trat also mehr mit Neugierde als -mit Entzücken dem Buru<a id="FNAnker_194" href="#Fussnote_194" class="fnanchor">[194]</a> Budur näher und sah die hunderte Gruppen -und die tausende Figuren, welche sich an den Wänden dieses Tempels -befinden. Diese Basreliefs bringen Buddhas oder Verehrer des Buddha in -allen möglichen und unmöglichen Stellungen, Scenen aus dem Leben von -Fürsten, Riesen, Schlangenkönigen, Eseln, Geistern, Thierfabeln. Leider -fehlt uns der Ariadnefaden, der uns in diesem Labyrinth als Führer -dient.</p> - -<p>Die Frau des Dr. A. hatte schon wiederholt diesen Tempel besichtigt; -sie nahm also die Pflichten einer Hausfrau auf sich, um mit Hülfe des -Tempelwächters und der mitgenommenen Bedienten für die »Reistafel« zu -sorgen. Wir Andern bestiegen zunächst die Haupttreppe, welche von zwei -grossen, steinernen Löwen bewacht wurde und uns zur Basis des Tempels -brachte, welche die Form eines Quadrates von 151 Metern Seitenlänge -hatte. Die äusseren Grundmauern bestanden aus Trachitblöcken, deren -oberster Rand eine Reihe von Basreliefs einnahm (<a href="#fig26">Fig. 26</a>), welche -den Typus des ganzen Gebäudes charakterisiren. Auf einigen Treppen -stieg man auf die zweite Terrasse, auf welche wieder eine<span class="pagenum" id="Seite_327">[S. 327]</span> Galerie -folgte, die auch eine Wand nach aussen hatte. Es sind im Ganzen zwölf -Terrassen, und das Gebäude erlangt hierdurch die Höhe von ungefähr 50 -Metern über dem Fuss des Berges. Diese Terrassen oder Galerien sind mit -hundert Gruppen von Basreliefs verziert, in welchen Buddha meistens der -Mittelpunkt der verschiedensten Scenen ist. Zahlreich sind die Nischen, -in welchen er sitzt, und ebenso zahlreich sind die kleinen Kuppeln mit -diesem Gotte.</p> - -<p>Ein feenhafter Anblick war es für mich späterhin, wenn ich Abends dahin -ging und der Mond den ganzen Tempel in seine silbernen Strahlen hüllte. -Es war ein Zauberschloss, aus welchem von allen Seiten, von allen -Ecken und Winkeln das sanfte, ruhige Antlitz des Gottes Buddha auf uns -niederblickte.</p> - -<p>Auf der Spitze des Tempels stand die grösste Kuppel von 3,6 Meter Höhe -und 9,9 Meter Breite. Sie hatte eine Spitze von 9 Meter Höhe, darin -war ein rundes Zimmer, in welchem früher wahrscheinlich das grösste -Buddhabild, das Allerheiligste, gestanden hat.</p> - -<p>Ich kann mich unmöglich in eine weitere Beschreibung dieses -Riesentempels einlassen; die Photographie desselben (<a href="#fig27">Fig. 27</a>) möge dem -freundlichen Leser einen schwachen Ersatz dafür bieten, und möge er -mit mir die hohe Kunst der Javanen bewundern, die vor tausend Jahren -geblüht und heute unter den fanatischen, kunstfeindlichen Bekennern des -Islams beinahe bis auf das Niveau der Naturvölker gesunken ist.</p> - -<p><em class="gesperrt">Rhaden Saleh</em>, dessen Mutter ich in Magelang behandelte, ist, -wenn auch ein bedeutender Maler, doch der einzige Künstler, welchen -Java in der Gegenwart aufweisen kann, natürlich, wenn wir von den dort -lebenden Europäern absehen.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Am 2. August des Jahres 1894 war eine andere grosse Gesellschaft bei -mir versammelt; es wurde 8½ Uhr, und Alle waren in so fröhlicher -Laune, dass Niemand daran dachte, nach Hause zu gehen, und man das -holländische Volkslied anstimmte: »Wir gehen noch lange nicht nach -Haus«. Die Stunde des Nachtmahles war herangerückt, und eine Lehrerin -stellte den Antrag, ein Picknick zu improvisiren, dass Jeder sein -Nachtmahl in mein Haus bringen lasse, um auf diese Weise der Hausfrau -ihr Amt zu erleichtern. Mit lautem Hurrah wurde dieser Vorschlag -angenommen, und um 9½ Uhr sollten wir zu Tisch gehen; aber o weh! -die zurückgebliebenen Gäste waren 13! Da die eine Lehrerin aufs -Bestimmteste behauptete, unter solchen Verhältnissen nicht<span class="pagenum" id="Seite_328">[S. 328]</span> zu Tisch -gehen zu wollen, liess ich meine Equipage anspannen und fuhr in den -Officiersclub, der voraussichtlich noch nicht geschlossen sein würde. -Ich täuschte mich nicht. Der erste Herr, welcher mir entgegentrat, -war Lieutenant d’A..., welchem ich die Schwierigkeit meiner Lage -auseinandersetzte und die Bitte vortrug, eine so verspätete Einladung -anzunehmen; er fuhr mit mir nach Hause und — drei Wochen später war er -todt!</p> - -<p>Es war nämlich der Krieg mit Lombok<a id="FNAnker_195" href="#Fussnote_195" class="fnanchor">[195]</a> ausgebrochen und die -Truppen waren zum grössten Theil aus der Garnison von Magelang -genommen. Lieutenant d’A... war eines der ersten Opfer, welche der -Leichtgläubigkeit des Truppen-Commandanten zum Opfer gefallen waren.</p> - -<p>Die Sássak hatten schon zu wiederholten Malen bei dem Residenten von -Buleléng (auf der Insel Bali) über den Despotismus ihres Fürsten -geklagt. Alle Vorstellungen der holländischen Regierung, seinen -mohamedanischen Unterthanen, den Sássakern nämlich, einen erträglichen -Zustand zu gönnen, wie sie ihn bei ihren Glaubensgenossen auf Java -und Bali kannten, fanden immer ein zustimmendes »Ja-Ja«; aber eine -Veränderung brachte der Fürst weder in den politischen noch in den -socialen Verhältnissen der Sássak, und am 24. Juli 1893 liess er selbst -einen Controlor sechs Tage lang in Ampenan warten, um die Nachricht -ihm zukommen zu lassen, dass er weder ihn, noch einen Brief empfangen -wolle. Endlich musste Holland sich zur That aufraffen und organisirte -1894 eine Expedition, um unter dem Schutze von zwei Bataillonen -Soldaten den Fürsten von Lombok zu einer thatsächlichen und radikalen -Reorganisation seines Reiches zu zwingen. Unter dem Commando des -Generals Vetter, dem der Resident Dannenborgh als Civil-Commissar -und General van Ham als Stellvertreter zugetheilt wurde, zogen zwei -Bataillone, also ungefähr 1000 Mann, nach Lombok (6. Juli 1894). Sie -wurden aus der Garnison von Magelang genommen. In gehobener Stimmung -marschirten sie aus ihren Casernen, am Ende der Stadt erwartete sie -eine Commission von Bürgern, mit dem Residenten A. an der Spitze. Die -Soldaten erhielten Cigarren,<span class="pagenum" id="Seite_329">[S. 329]</span> Bier und Genevre, und den Officieren -sprach man bei einem Glase Champagner ein herzliches Lebewohl zu, ein -dreimaliges Hurrah auf die Gesundheit der Königin-Wittwe schloss diese -ergreifende Scene, und unter den Klängen eines Marsches zogen die -Soldaten zu Fuss nach Willem I, wo sie ebenfalls festlich empfangen -wurden. Am andern Morgen gingen sie per Eisenbahn nach Samarang, wo -sie sofort nach der Rhede marschirten, um sich zur Reise nach Lombok -einzuschiffen.</p> - -<p>Mehrere Bivouacs wurden errichtet: auf dem Landungsplatz Ampenan, -in der Hauptstadt Mataram und in der Fürstenstadt Tjakra negara. -Es geschah, was zu erwarten war. Der Fürst erklärte sich zu allem -bereit, was die holländische Regierung zu Gunsten der »armen Sássaker« -verlangte; er trat in Unterhandlung und verkehrte sehr gemüthlich und -freundschaftlich mit den Führern der Expedition, liess sich selbst Arm -in Arm mit dem General Vetter photographiren und zog die Verhandlungen -so in die Länge — bis alles zur Vernichtung der holländischen Armee -vorbereitet war.</p> - -<p>Am 26. August, es war ein Sonntag, schickte der Commandant der -Marinetruppen ein Telegramm nach Batavia, dass ein bedeutendes -Gewehrfeuer auf Lombok gehört werde. Ein zweites Telegramm meldete, -dass ein Kahn mit der Nachricht von einem Massacre angekommen war, -und dass er sofort die Marine zu Hülfe schicken werde, und am 27. -August kam die Trauermär, dass in der Nacht vom 25. auf den 26. August -ein Ueberfall der Lomboker stattgefunden habe, bei welchem beinahe -die ganze Armee aufgerieben wurde. Das 7. Bataillon lagerte zwischen -Mataram und Tjakra und bekam die volle Ladung aus erster Hand. -Ahnungslos lagen die holländischen Soldaten zwischen den niedrigen -Lehmmauern, als aus Hunderten von Oeffnungen von beiden Seiten ein -mörderisches Feuer begann; auf der Flucht durch Mataram war derselbe -schaurige Höllenlärm, und erst ausserhalb der Stadt konnten sich die -Truppen zur kunstgemässen Vertheidigung vereinigen. Das 6. Bataillon -verliess sofort sein Bivouac und besetzte die leerstehende »Puri«, in -welcher es sich zwei lange Tage und drei Nächte ohne Wasser befand -und nur von den wenigen Speisen lebte, welche die Soldaten in ihren -Beuteln mitgenommen hatten. Major B. war Bivouacs-Commandant. Am Abend -des 25. August ging er allein, wie er mir später erzählte, längs der -Schildwachen spaziren und sah plötzlich einen Lomboker vor sich stehen, -welcher ihm mit geheimnissvoller Stimme zuflüsterte, ihm zu folgen; -er wolle den tuwan Major zu einem reizenden Mädchen<span class="pagenum" id="Seite_330">[S. 330]</span> bringen, welche -alle Bewerbungen bis jetzt verschmäht habe und nur einem »hohen« Manne -ihre jungfräulichen Reize opfern wolle. Zwei Stunden später begann -das Schiessen; Major B. liess sofort die zurückgebliebenen Truppen in -Alarmstellung treten und pries das Geschick, dass er dem Sirenengesang -dieses Verräthers nicht Gehör gegeben hatte. Ein Schrei der Entrüstung -über die Sorglosigkeit und Leichtgläubigkeit der Anführer übertönte -den Jammer der zurückgebliebenen Frauen und Kinder der Officiere -und Soldaten in Magelang. Als die lange Liste der Verwundeten und -Todten an der Mauer des Clubs angeschlagen wurde, da entlockte der -Schmerz um den gefallenen Freund mir und jedem anderen Menschenfreunde -vielleicht zu scharfe, aber doch verdiente Verwünschungen und Flüche -über den Vertrauensdusel von Männern, welche sich, an die Spitze eines -Feldzuges gerufen, wie kleine Kinder mit allen ihren Truppen in die -Falle eines schlauen und verrätherischen Fürsten locken liessen. Zwei -Damen fuhren sofort nach Surabaya, um dem Kriegsschauplatze näher zu -kommen und die Ankunft ihrer Männer abzuwarten; die übrigen blieben -in Magelang und zählten die Stunden, bis sie die Detailberichte von -ihren Männern erhalten konnten. Die Frau des Capitäns K. war die -Unglücklichste, der Name ihres Mannes stand mit dem eines Arztes und -eines Lieutenants auf der Liste der Vermissten. Der Gouverneur-General -van Wyk schickte sofort Ersatztruppen, zu denen von Magelang das 2. -Bataillon gehörte. Wiederum geleitete eine Commission die Truppen bis -an das Ende der Stadt, und wiederum leerte der Resident A. ein Glas -Champagner auf das Wohl der Truppen, welche diesmal ihre durch den -Verrath eines treulosen Fürsten gefallenen Kameraden rächen sollten. -Ich bedauere, nicht ein Maler gewesen zu sein, um eine Scene zu -zeichnen, welche mich damals mächtig erschütterte und so ergriff, -dass ich trotz aller Mühe die Thränen nicht unterdrücken konnte. -Der Ausmarsch der Truppen aus den Casernen war begleitet von lautem -Jubel und Trompetenschall, besonders die Compagnie der Amboinesen gab -durch laute Rufe ihrer Freude Ausdruck, für Vaterland und Königin den -Tod ihrer Kameraden und ihrer Freunde rächen zu dürfen. Eine grosse -Menschenmenge umstand das Exercierfeld vor der Caserne, und in lauter -Aufregung rief die Menschenmasse ein Glückauf den braven Soldaten zu, -welche ihr Leben opfern gingen, um die erlittene Schmach auszulöschen -— und im Hintergrunde sass auf der Treppe ihrer Wohnung die Frau des -Capitäns K., in thränenlosem dumpfen Schmerz versunken, brütend<span class="pagenum" id="Seite_331">[S. 331]</span> über -die Qualen und Martern, mit welchen ein grausamer, verrätherischer -Feind ihren Mann in diesem Augenblicke foltern würde. Sie war eine -schöne, stattliche Dame und sass in ihrem Schmerze gebrochen auf der -Treppe. Dort zog eine jubelnde Schaar kräftiger, lebenslustiger Männer, -begleitet von ihren Freunden, von Frau und Kindern, und hier sass -verlassen und einsam mit starrem, angstvollem Blick wie eine Niobe eine -unglückliche Frau, welche das Schrecklichste für ihren in den Händen -eines Eingeborenen befindlichen Mann fürchtete.</p> - -<p>Die braven Soldaten hielten ihr Wort: Mataram und die Fürstenstadt -Tjakra negara wurden erobert, ihre Mauern niedergerissen und die -Schatzkammer nach Holland gebracht. Der Fürst wurde nach Batavia -verbannt, wo er auch nach kurzer Zeit starb.</p> - -<p>Die zahlreichen Verwundeten, sowie die durch andere Krankheiten -erschöpften und invaliden Soldaten wurden mit einem Dampfer der -indischen Dampfschifffahrts-Gesellschaft zunächst nach Surabaya -gebracht. Hier hatten sich natürlich ebenfalls Commissionen aus -den Bürgern gebildet, um den Opfern des Krieges bei ihrer Ankunft -Cigarren, erfrischende Getränke, Briefpapier und Couverts u. s. w. -zu geben, und auch das Rothe Kreuz betheiligte sich mit Lust und -Eifer an diesem menschenliebenden Werke. Sobald es der Zustand der -Patienten erlaubte, wurden sie nach dem Gesundheits-Etablissement im -Tengergebirge evacuirt, wo sie sich in der Regel sehr bald von den -überstandenen Miseren erholten. So dauerte es einige Wochen, selbst -oft zwei bis drei Monate, bis sie sich so weit erholt hatten, dass -sie auf ihr Verlangen wieder nach Lombok geschickt werden, oder aber -nach Magelang zurückkehren konnten, wo Viele ihre »Frauen« und Kinder -wieder fanden. Es wurde nämlich, wie bei jedem Feldzuge, beim Abmarsch -der Truppen nach Lombok nur 20 Soldaten pro Compagnie, also ungefähr -12%, gestattet, ihre Haushälterinnen mitzunehmen. Wie ich schon an -anderer Stelle mittheilte,<a id="FNAnker_196" href="#Fussnote_196" class="fnanchor">[196]</a> hat man kein Recht, von einem anderen -Standpunkte als von dem der geschlechtlichen Moral diese Frauen zu -verurtheilen. Wenn auch die Haushälterinnen der Officiere ihre »Männer« -manchmal in allem Thun und Lassen, in ihrem Denken und Fühlen auf das -Niveau eines Eingeborenen bringen, so sind, wie die Erfahrung lehrt, -die Haushälterinnen der <em class="gesperrt">Soldaten</em> geradezu ein nothwendiges -Element der Disciplin. Die wenigsten Strafen haben Soldaten,<span class="pagenum" id="Seite_332">[S. 332]</span> welche -eine Haushälterin haben, und am wenigsten dem Alcohol ergeben sind -jene europäischen Soldaten, welche die »Njai« (mit oder ohne Kind) -zwingt, von ihrem Solde einige Cents täglich zum gemeinsamen Haushalte -abzutreten. Nebstdem giebt es ja viele »Soldatenfrauen«, welche mit den -eingeborenen Soldaten gesetzlich verheiratet sind.</p> - -<p>Die zurückgebliebenen »Frauen« waren gewissermaassen versorgt; sie -konnten in der Caserne wohnen bleiben und erhielten pro Tag ½ Kilo -Reis und 3 (?) Decagramm Salz. Ein Lieutenant führte das Commando -über die Frauencompagnie, d. h. er überzeugte sich täglich von ihrer -Anwesenheit, bei welcher Gelegenheit sie militärmässig vor ihrem Bette -standen und die Frau eines Sergeanten über die Vorfälle der letzten -24 Stunden rapportirte. Nebstdem nahm sich die Frau eines Hauptmanns -der Intendantur, welcher Verwalter des grossen Militärspitales war, -der verlassenen Frauen und Kinder an; sie sorgte, dass die Kinder -regelmässig die Schule besuchten, dass sie von Zeit zu Zeit ihrem -Vater einen Brief schrieben, dass von dem errichteten »Lombokfonds« -die verwaisten Kinder mit Kleidern und Wäsche unterstützt wurden, -dass die zurückgekommenen halbinvaliden Soldaten mit Bier, Wein, -Cigarren u. s. w. bewirthet wurden und, last not least, dass die -zurückgebliebenen Frauen sich nicht der officiellen Prostitution in -die Arme warfen. Unterstützt wurde sie in ihrem humanen Werke von -einem Missionare der <a id="Sabbatarier"></a>Sabbatarier, welcher kurz vorher, von einigen -holländischen Damen reichlich unterstützt, nach Indien gekommen war, um -die Moral der europäischen Soldaten auf ein höheres Niveau zu bringen, -als sie bis jetzt hatten. Die Basis seines Thuns und Lassens war, die -Macht des Alcohols und der eingeborenen Frau zu brechen. Zu diesem -Zwecke errichtete er am nördlichen Ende der Stadt ein Clubgebäude für -die Soldaten, in welchem zahlreiche illustrirte Blätter auflagen und -Kaffee, Thee, Chocolade, Limonade u. s. w. für einen sehr mässigen -Preis zu bekommen waren. Diese Concurrenz der militären Cantine hatte -Erfolg; es waren genug Soldaten, welche dem Alcohol in jedweder Form -aus dem Wege gehen wollten; wenn man auch in der Cantine Limonade, -Syrup und Mineralwasser erhielt, so war es doch sehr schwer, und -für willensschwache Individuen geradezu unmöglich, dem Alcohol fern -zu bleiben. (Sagte mir ja selbst ein deutscher Militärarzt, dass er -sich dem allgemeinen Gebrauch des Genevre nicht entziehen konnte, -weil er damit den Schein auf sich genommen hätte, den holländischen -Collegen und übrigen Clubgenossen den Gebrauch<span class="pagenum" id="Seite_333">[S. 333]</span> des Genevre als -Untugend vorzuwerfen.) Es herrschte also in seinem Club ein ruhiger -und gelassener Ton, und dieser Theil seines Strebens und Wirkens hatte -gewiss die Sympathie jedes unbefangenen Beurtheilers der herrschenden -Verhältnisse.</p> - -<p>Der zweite Punkt seines Programmes ist jedoch nicht frei von Einwand. -Die Ertödtung der fleischlichen Gelüste der ledigen Soldaten hätte er -nicht anstreben sollen; wenn der Herr van der St... seine Anhänger -veranlasst hätte, mit den Töchtern des Landes eine Ehe einzugehen, -so hätte er weder gegen die heiligen Gesetze der Natur, noch gegen -die christliche Religion gesündigt; er aber verkündigte nur die -Schändlichkeit des unehelichen Lebens mit den Eingeborenen.</p> - -<p>Von der grossen Truppenzahl, welche in Magelang lag, also von ungefähr -4000 Mann,<a id="FNAnker_197" href="#Fussnote_197" class="fnanchor">[197]</a> hatten nur 13 diesen Theil des Programms angenommen, -und mein Berichterstatter selbst machte mir den Eindruck, dass diese -gewaltsame Unterdrückung des Geschlechtstriebes nur auf Kosten der -Gesundheit, d. h. gegen Tausch mit dem ekelhaften Laster der Onanie -erfolgt war. Ich muss aber bekennen, dass der Herr van der St... -praktisch und tolerant genug war, Jedermann die Thore seines Tempels -zu öffnen, und die Zahl der Besucher war so gross, dass gewiss sein -Clubgebäude im Laufe der Zeit zu klein wurde. Ja noch mehr; er nahm -sich jener Kinder an, welche der Vereinigung der Soldaten mit den -eingeborenen Frauen ihr Dasein verdankten, und sorgte mit seiner -Schwester für ihre Erziehung und für ihren Unterricht, wenn der Vater -durch Krankheit oder durch den Tod seinen Pflichten nicht gerecht -werden konnte. Leider kam er dabei in Conflict mit den Gesetzen -des Unterrichts. Eine gewisse Zahl von Kindern darf nur von einem -diplomirten Lehrer Unterricht erhalten; er wurde also gezwungen, alle -seine Schutzbefohlenen die öffentliche Schule besuchen zu lassen, da -er nicht im Stande war, für sie einen diplomirten Lehrer anstellen zu -können. Jetzt machte sich wieder eine andere Schwierigkeit geltend. -Er war Sabbathist und hielt als solcher den Sonnabend und nicht den -Sonntag für den von Gott festgestellten Ruhetag; demzufolge liess er -alle seine Zöglinge <em class="gesperrt">Sonnabends</em> die Schule nicht besuchen. Da -der Unterricht in Indien confessionslos ist und unmöglicher Weise -eine solche Störung des Unterrichtes gestattet werden konnte, musste -er den Staatsgesetzen sich fügen und seine Pfleglinge Sonnabends in -die Schule gehen<span class="pagenum" id="Seite_334">[S. 334]</span> lassen. Seine Arbeit war mir auch so sympathisch, -dass ich im September des Jahres 1896 keinen Augenblick zögerte, -durch meine Unterschrift das segensreiche Unternehmen des Herrn v. -d. St... zu empfehlen und die Stiftung eines Vereins zu veranlassen, -der die verlassenen Soldatenkinder und Soldatenfrauen zu nützlichen -Gliedern des Staates erziehen sollte. Dieser Verein sollte allen -hülfsbedürftigen Soldatenkindern ohne Unterschied der Religion zur -Seite stehen und die Erziehung eine christliche resp. protestantische -sein.</p> - -<p>Die herrschende Religion in Indien ist — der Indifferentismus.</p> - -<p>Zahlreiche <em class="gesperrt">Juden</em> befinden sich in der indischen Armee, im Corps -der Beamten, im Handel und unter den Pflanzern; es besteht jedoch keine -einzige jüdische Gemeinde, kein einziger jüdischer Tempel, und es ist -mir nicht bekannt, dass die rituellen Speisegesetze und die schönen -Familienfeste der Juden jemals in Indien gehalten wurden.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Protestanten</em> sind am zahlreichsten vertreten; aber die -orthodoxen, »die feinen« Protestanten, sind eine kleine, sehr kleine -Schaar. Die Regierung muss sich ja in religiösen Angelegenheiten nicht -nur wegen der Staatsgrundgesetze, sondern auch wegen der Millionen -Mohamedaner und Tausende von Heiden, über welche sie herrscht, jeder -religiösen Propaganda enthalten. Die Art und Weise, wie sie sich gegen -die Missionare der verschiedenen Religionen benimmt, kann geradezu -mustergiltig genannt werden; sie hindert nicht im geringsten Grade die -Freiheit der Religionen und ihrer Missionare; sie tritt aber überall -jedem Zelotismus entgegen und duldet nicht den geringsten Uebergriff, -von welcher Seite er auch kommen möge. Die Zahl der Protestanten ist, -wie gesagt, sehr gross; wenn eine Regierung keinen grossen Eifer in -religiösen Angelegenheiten zeigt, so ist auch die grosse Masse des -Volkes indifferent, und vielleicht ist dieses eine der Ursachen, dass -sich trotz der grossen Zahl der Protestanten kein reges, religiöses -Leben in Indien offenbart. Nur zu oft geschah es, dass ein sterbender -Kranker um die Ankunft eines »Domine« ersuchen liess, was, wie wir -sofort sehen werden, bei den »Katholiken« niemals nöthig war, weil der -»Pastor« täglich das Spital besuchte. Nur zu oft konnte dem Verlangen -eines sterbenden Protestanten nicht entsprochen werden, weil der -»Domine« sich in Djocja aufhielt und nur alle 14 Tage einmal nach -Magelang kam, um etwaige Taufen u. s. w. vorzunehmen. Uebrigens ist -der »moderne Domine« ein unglückseliges Mittelding zwischen Seelsorger -und Geistlicher. Wissenschaft und Glauben lassen sich theilweise -vereinigen; der »moderne Domine« leugnet<span class="pagenum" id="Seite_335">[S. 335]</span> dieses. Ich hörte einen -solchen Domine an die Soldaten, ich möchte sagen im Angesicht des -Feindes, eine akademische Rede halten, dass Jesus »ein braver Mann -und nichts mehr als ein braver Mann gewesen sei«; ich ärgerte mich -über diesen Mann, der zu den Soldaten, welche jeden Augenblick des -Ausmarsches gegen den Feind gewärtig sein mussten, nichts anderes zu -predigen wusste, als dass Jesus ein braver Mensch gewesen sei. Ihm -stand jedoch die Wissenschaft höher als der Glaube, so dass er nicht -einmal zu den Soldaten auf dem Kriegsschauplatze etwas anderes als über -den Werth der Wissenschaft zu sprechen wusste. Dieser Mann hatte seinen -Beruf verfehlt.</p> - -<p>Darum ist der Indifferentismus der Protestanten<a id="FNAnker_198" href="#Fussnote_198" class="fnanchor">[198]</a> in Indien gross. -An einigen hohen Feiertagen gehen sie in die Kirche, wenn eine solche -existirt, im Uebrigen denken sie weder an Gott noch an die Bibel.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Katholiken</em> sind an Zahl eine viel kleinere Gemeinde, aber -sie sind reger und unternehmender; in Magelang hatte »der Pastor« ein -eigenes Haus und eine kleine Kirche; zahlreich sind diese über ganz -Java zerstreut. Der Sitz des Bischofs von Mauricastro ist Batavia mit -einer schönen Pastorie auf dem Waterlooplatze. Selbst in Atschin ist -eine »Pastorie«, und der Pastor Verbaak dient dort schon seit mehr als -einem Jahrzehnt, geehrt und geachtet von Freund und Feind.</p> - -<p>Die <em class="gesperrt">Mohamedaner</em> sind in Java in grosser Zahl unter den Soldaten -vertreten; von ungefähr 17000 eingeborenen Soldaten sind nur circa -1800 Christen, und zwar 12 Compagnien ambonesischer Soldaten (aus -den Molukken). In der civilen Bevölkerung Javas ist der Islam die -vorherrschende Religion; ungefähr 50000 Europäer und Halbeuropäer, -220000 Chinesen u. s. w. stehen circa 22 Millionen Mohamedanern -gegenüber, wovon circa 11000 Araber und 5000 Armenier und Türken ihre -Heimath ausserhalb Javas haben.</p> - -<p>Auch unter den mohamedanischen Soldaten ist die Basis ihrer Religion -Indifferentismus mit einem starken Beigeschmack von Fatalismus. -Tuwan Allah Kassih = Gott hat es gegeben, ist das Um und Auf ihrer -Lebensphilosophie. Ich habe niemals einen eingeborenen Soldaten die -vorgeschriebenen religiösen Uebungen halten gesehen; bei der Geburt -eines Kindes, beim Tode seiner Frau oder bei der Hochzeit<span class="pagenum" id="Seite_336">[S. 336]</span> seiner -Tochter giebt er ein Salâmatan,<a id="FNAnker_199" href="#Fussnote_199" class="fnanchor">[199]</a> dem ein »Hadji« präsidiren und -durch das Ableiern einiger arabischer Segenssprüche die nöthige Weihe -geben muss; natürlich unterwerfen sie sich der Beschneidung, enthalten -sich des Genusses des Schweinefleisches und trinken manchmal Schnaps, -Bier oder Wein, ohne aber Missbrauch davon zu machen; d. h. wenn bei -gewissen Gelegenheiten ein »Freischnaps« gegeben wird, finden sich -immer einige eingeborene Soldaten, welche davon Gebrauch machen.</p> - -<p>Der Javane ist nur ausnahmsweise ein Zelote; mein Kutscher z. B. -war in jeder Hinsicht ein rechtgläubiger Mohamedaner, er ass kein -Schweinefleisch, er trank keinen Alcohol, selbst wenn er ihm als -Medicament von mir gegeben wurde. Aber das Gebot »Du sollst zu Gott, -dem Herrn, fünfmal des Tages beten« befolgte er nicht, denn es kostet -viel freie Zeit, dieser Vorschrift gerecht zu werden; er muss sich -vor dem Gebete reinigen, weil man sich nicht im unreinen Zustande -Gott nähern dürfe. Auch dieses Bad ist mit strengen Regeln verknüpft, -so dass man also, wie erwähnt, sehr viel freie Zeit, wie z. B. ein -Hadji, oder ein Hausirer haben muss, welcher durch die Heuchelei seiner -ausserordentlichen Frömmigkeit kauflustige Dorfbewohner locken will. -Sein Glaube ist ja nicht echt; er hat noch den ganzen Aberglauben der -alten Hindureligion, gerade wie die Mythologie der alten Indier in -allen ihren Heldenliedern und ihren Wâjangs Kulit fortlebt. Aber die -äusseren Ceremonien befolgt er gern, so lange sie ihm nicht zu unbequem -sind, z. B. er wird kein Huhn von unbefugter Hand schlachten lassen, -wenn ein Mann bei der Hand ist, der das für diese Operation angewiesene -Gebet sagen kann. Ist ein solcher Dorfpriester aber nicht bei der Hand, -wird er — das Huhn essen, auch wenn es nicht rituell geschlachtet -wurde. Dasselbe gilt von den Salâmatans. Diese werden bei allen Phasen -des täglichen, gesellschaftlichen und Familienlebens gegeben, und es -erhält der Dorfpriester (modin) die Einladung, um bei dem Festmahle -gegenwärtig zu sein, welches zu Ehren eines neugeborenen Kindes, -des Baues eines neuen Hauses, beim Anlegen eines neuen Reisfeldes -u. s. w. gegeben wird. Dieses Fest wird durch ein Gebet des Hadjis -eingeleitet, und treuherzig sagen die Anwesenden bei jeder Pause ihr -deutliches und lautes Amin, amin, obwohl sie kein einziges Wort von -demselben verstanden haben; es ist ihnen auch gleichgiltig,<span class="pagenum" id="Seite_337">[S. 337]</span> was der -Priester bei dieser Gelegenheit vor sich hinbrummt, wenn dieser nur in -deutlicher und vernehmbarer Sprache den Anlass des Festes mitgetheilt -hat, so dass Allah darüber keinen Augenblick den geringsten Zweifel -hegen kann. Im Allgemeinen kümmert er sich auch mehr um die bösen -Geister als um Tuwan Allah (Gott den Herrn), weil dieser gut und weise -ihm nicht schadet, jene aber durch Geschenke (Opfer) bestochen werden -müssen, um ihn nicht zu verfolgen. Helfen bei Krankheiten diese Opfer -nicht, dann muss List gegen List gebraucht werden. Ist z. B. ein Kind -krank und gelingt es der Dukun nicht, es zu heilen, so macht sie eine -Puppe z. B. aus einem Stück eines Pisangstammes, welche mit alten -Lappen umgeben wird. Diese Figur wird eine Zeit lang vor dem Hause -des kranken Kindes liegen gelassen und hierauf begraben, um den bösen -Geist glauben zu lassen, dass das Kind seinen Leiden schon erlegen sei, -so dass seine Bemühungen schon überflüssig seien. Ein anderer, häufig -angewendeter Streich ist folgender: Der Vater geht nach dem Brunnen, wo -das Kind nach seiner Ansicht sich erkältet oder im Allgemeinen seine -Erkrankung sich zugezogen hat; an dieser Stelle zündet er Weihrauch -an, um den »bösen Geist« auf sich aufmerksam zu machen, öffnet seinen -Gürtel und lässt das eine Ende ins Wasser fallen; ohne das andere -Ende des Riemens loszulassen, entfernt er sich von diesem vom Teufel -verhexten Orte (angkon), und zwar in einer der Wohnung des kranken -Kindes entgegengesetzten Richtung; der böse Geist verliert dadurch die -Spur des Kranken und — dieser ist gerettet.</p> - -<div class="figcenter illowe50" id="fig27"> - <img class="w100" src="images/fig27.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Fig. 27. Totalansicht des Buru Budur.</div> - <div class="caption_gross x-ebookmaker-drop"><a href="images/fig27_gross.jpg" - id="fig27_gross" rel="nofollow">⇒<br /> - <span class="s6">GRÖSSERES BILD</span></a></div> -</div> - -<p>Im Allgemeinen wird man nicht fehl gehen, wenn man die Quelle -aller abergläubischen Gebräuche und Sitten in dem Hinduglauben der -Vorväter suchen wird; aber ein kleiner Theil derselben ist auch ein -Importartikel der Araber, und noch mehr der Hadjis. Diese Hadjis sind -ja keine Priester stricte dictu; es sind nur Mekkapilger, welche auf -ihrer Reise nach Mekka mit Mohamedanern der ganzen Welt verkehrt hatten -und durch den Contact mit gleich wenig geschulten und gebildeten -Männern im Austausch der gegenseitigen Anschauungen in erster Reihe -das Mystische und Transcendentale angenommen haben und erst in zweiter -Reihe das Positive und Rationelle des mohamedanischen Glaubens nach -Hause mitnehmen. Dadurch sind sie auch gefährliche Elemente der Javanen -geworden; ob aber die indische Regierung keinen Missgriff begangen -hat, die Pilgerfahrt nach Mekka zu erleichtern, ist noch eine offene -Frage. Je mehr Hadjis nach Java kommen, desto kleiner sollte ihr -Einfluss werden;<span class="pagenum" id="Seite_338">[S. 338]</span> denn der Nimbus schwindet in demselben Verhältnisse, -als die Zahl der Würdenträger zunimmt; die Erfahrung scheint jedoch -damit nicht übereinzustimmen. Im Jahre 1888 war ein Aufstand in Bantam, -der gerade durch den Einfluss der zahlreichen Hadjis entstanden war, -um das »verhasste Joch der Kafirs« abzuschütteln; die Wohlfahrt des -Landes, die Sicherheit des Eigenthums und der Personen, welche der -Eingeborene unter der Regierung der Holländer geniesst, vergisst der -Hadji, wenn er den Prang sabib (den heiligen Krieg) predigt; aber die -grosse Menge der Javanen ist sich dieser Wohlthaten bewusst. Darum -gelingt es niemals diesen unruhigen Friedensstörern, ein grösseres Feld -für ihre Hetzereien zu finden. Seit dem grossen Javakrieg war niemals -eine Provinz (Residentie) oder auch nur ein grosser Bezirk auf Java in -Aufstand gegen die holländische Regierung; immer waren es nur einzelne -Kampongs, welchen die Hadjis einen solchen Hass gegen die Europäer -einimpfen konnten, dass sie zu den Waffen griffen. Leider scheint -der türkische Consul das Treiben der mohamedanischen Priester wenn -auch nicht gerade zu ermuthigen, so doch sicher auch nicht zu tadeln, -obzwar die holländische Regierung den Islamismus in jeder Hinsicht -unterstützt und hoch hält. Es sind ja ungefähr 15000 mohamedanische -Religionsschulen auf Java mit ungefähr 230000 Schülern; also 1% der -Bevölkerung lernt in solchen Schulen Schreiben (die arabische Schrift), -etwas Rechnen, einzelne Capitel aus dem Koran; nebstdem giebt es auch -zahlreiche Priesterschulen, in welchen die Liturgie, Dialektik und -Moral des mohamedanischen Glaubens ausführlich gelehrt werden.</p> - -<p>Die Stellung dieser Priester ist in den Dörfern keine lucrative, weil -eben der Javane ausser bei festlichen Gelegenheiten seinem Seelsorger -keine Geschenke giebt. Der Priester muss also theilweise selbst für -seinen Lebensunterhalt sorgen, und zwar durch Handel oder Landbau. -Am meisten wird der Puasa oder der Fastenmonat gehalten, und am Ende -desselben bringt wohl Jedermann seine Pitra dem Geistlichen des Dorfes. -In Magelang sollte im Jahre 1895 die Moschee einen Neubau erhalten; -der Kirchenrath fand es nicht rathsam, dafür die eigene Kasse in -Anspruch zu nehmen. Bald wurde es jedoch bekannt, dass Jedermann ein -gottgefälliges Werk ausüben und sicher einige Sprossen auf der Leiter -zum Himmel erobern könne, wenn er sich an dem Bau betheiligte. Ich -hatte damals eine Köchin, die vielleicht 60 Jahre alt war. Wenn um 1 -Uhr Nachmittags und um 8 Uhr Abends ihre Arbeit beendigt war, ging sie -mit einem kleinen<span class="pagenum" id="Seite_339">[S. 339]</span> Korbe hinab an die Ufer des Progoflusses, füllte -ihn mit Steinen und brachte sie auf den Bauplatz der Moschee und warf -jedesmal einen Duit (= ⅚ Cent) in die grosse, hölzerne Kiste, welche -zu diesem Zwecke als Opferstock am Eingang der Moschee stand; dasselbe -thaten meine übrigen Bedienten.</p> - -<p>Das sind natürlich Ausnahmefälle, welche die Regel bestätigen, -dass auf Java die Hadjis in den Dörfern von den Liebesgaben ihrer -Schutzbefohlenen nicht leben können.</p> - -<p>Ich muss noch bemerken, dass über ganz Java Volksschulen verbreitet -sind, welche sich wesentlich von jenen oben erwähnten unterscheiden, -welche quasi reine Religionsschulen sind. Die Kinder der Häuptlinge -besuchen oft die Volksschulen der Europäer (im Jahre 1887 waren nach -»Schulze’s Führer auf Java« 256 Eingeborene unter 8500 Schülern aller -Volksschulen), während für das Gros der Eingeborenen sich zahlreiche -Schulen befinden, in welchen Rechnen, Lesen und Schreiben, etwas -Naturkunde, Geographie und Geschichte von Ostindien, Zeichnen und -Singen gelehrt werden. Ich selbst habe zu wiederholten Malen Bediente -gehabt, welche schreiben und lesen konnten. Wie viel Analphabeten Java -in seiner Einwohnerzahl von ungefähr 25000000 besitzt, lässt sich nicht -einmal annähernd angeben. Diese Zahl kann nicht klein sein, weil erst -die gegenwärtige Generation unter dem Einflusse der neuen Schulen steht -und bei deren Entstehen nicht sofort alle Kinder daran theilnahmen.</p> - -<p>Nebstdem wird ein höherer Unterricht an die Söhne von Häuptlingen -ertheilt, welche das Cadre der künftigen Beamten bilden sollen. Leider -muss auch von diesen Schulen gesagt werden, dass die indische Regierung -im Unterrichtswesen der Eingeborenen des Guten zu viel gethan hat; -es wird z. B. in den Schulen für eingeborene Lehrer viel zu viel -auf die naturwissenschaftlichen Fächer verwendet — ich sah ja im -Seminarium zu Bandjermasing ein vollständig eingerichtetes chemisches -Laboratorium —, und in der Schule für die Söhne von Häuptlingen in -Magelang wird — Nationalökonomie docirt!! Der dafür angestellte Doctor -der Rechte versicherte mir zwar, dass diese Schüler der holländischen -Sprache vollkommen mächtig seien; aber auf meinen Einwand, dass -solche abstracte Theorien in dem Gehirn eines Javanen noch keinen -Platz hätten und von den 16–18jährigen Burschen unmöglich verdaut -werden könnten, konnte er mir nur entgegnen, dass in seinen Vorträgen -mehr der politischen Organisation gedacht werde, obwohl er für die -Nationalökonömie angestellt worden sei.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_340">[S. 340]</span></p> - -<p>Der Vollständigkeit halber muss ich auch die im ersten Bande: Borneo -erwähnten Doctor-djawa-Schulen für eingeborene Aerzte und die Schule -der ambonesischen Christen in Magelang anführen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Heiden</em> hat die Insel Java nur sehr wenige; im Osten Javas sind -die Bewohner des Tenggergebirges, ungefähr 4000, und im Westen auf -dem Berge Kentjana ungefähr 2000 Seelen, welche dem Hinduglauben treu -geblieben sind. In der Armee ist gegenwärtig die Zahl derselben sehr -klein, weil die africanischen Compagnien aufgehoben wurden, und die -Mohren, welche kein Verlangen hatten, in ihre Heimath zurückgesendet zu -werden, siedelten sich in der Provinz Bageléen an.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Nach der Eroberung von Tjákranegára kehrten die Truppen denselben Weg -zurück, den sie bei ihrem Auszuge genommen hatten. Das Schiff brachte -sie nach Samarang, dort bestiegen sie die Eisenbahn, und 4 Stunden -später kamen sie in Willem I an, wo sie ebenso herzlich als in Samarang -begrüsst wurden. Am andern Tage gingen sie zu Fuss bis nach Pringsurat, -wo für durchgehende Truppen ein ständiges Gebäude bestand. Da ein -Marschtag 27 Kilometer beträgt und dieser Ort von Magelang 25 Kilometer -entfernt ist, so konnten sie zwischen 9 und 10 Uhr in ihrer Garnison -anlangen. Auf dem grossen Exercierplatz zwischen der Caserne wurden aus -Bambus Hallen gebaut, und Jung und Alt, Arm und Reich war schon um 8 -Uhr auf diesem Felde versammelt, um die wackeren und braven Soldaten zu -begrüssen. Es war schon 10 Uhr, als die ersten Töne der Militär-Musik -an unsere Ohren drangen, und lauter und immer lauter wurde der Jubel, -als die Truppen zwischen den Häusern der Officierpavillons erschienen. -Es war ein trauriger Anblick, und manches Herz erzitterte bei dem -Gedanken, wie viel Elend und Entbehrung diese jungen Männer gelitten -haben mussten, dass sie so schmutzig, so blass und so verfallen -aussahen. Dennoch hatte Niemand mit ihnen Erbarmen; von Allen, die -durch ihre Stellung sich berechtigt hielten, eine Ansprache zu halten, -wollte kein Einziger seine schönen Worte der Menschheit vorenthalten, -und so mussten diese durch Krankheit und den Marsch von 25 Kilometern -ermüdeten und erschöpften Soldaten noch eine ganze Stunde lang in »Habt -Acht«-Stellung den gewiss gut gemeinten, aber auch recht unzeitgemässen -Redestrom über sich ergehen lassen. Endlich hatte der letzte Redner -sein Hip-hip Hurrah donnernd ihnen zugerufen; das Commando: Eingerückt, -marsch! erscholl, und sie zogen in ihre Caserne,<span class="pagenum" id="Seite_341">[S. 341]</span> wo eine Tafel für sie -hergerichtet stand, und umgeben von ihren Frauen, Kindern und Freunden -vergassen sie alles Leid, das sie erlitten, und alle Entbehrungen, -die sie erschöpft hatten. Die Reaction blieb natürlich nicht aus. Am -nächsten Tage kamen Viele ins Spital, und schon am zweiten Tage war das -Spital überfüllt. Hatte die Erwartung, ihre Garnison, ihre Freunde, -Frau und Kind wiedersehen zu können, sie während ihrer Reise »auf den -Beinen erhalten«, so forderte nach dem Rausche der ersten Freude des -Wiedersehens die Erschlaffung der überspannten Nerven ihr Recht. Die -grösste Zahl bestand aus Erkrankungen des Darmes und Fieberpatienten, -die Zahl der Dysenteriefälle und der Leberabscesse überstieg alle, -welche ich seit meinem Aufenthalte in Borneo (1877–80) beobachtet -hatte. Im Jahre 1880 herrschte im Südosten dieser Insel eine heftige -Dysenterie-Epidemie. Unter dem Drucke der herrschenden Verhältnisse -konnte ich nicht mehr thun, als dem Häuptlinge des Districtes und den -beiden dort weilenden Missionaren einige Rathschläge für die Behandlung -der Patienten und betreffs der nothwendigen hygienischen Maassregeln -zu geben. Ich konnte mir weder über den Verlauf der Krankheit, noch -über ihre Folgen ein Urtheil bilden, ich konnte nichts über die -Ursachen und die Entstehungsweise erfahren; ich konnte aber aus den -officiellen Mittheilungen einen Ueberblick über die geographische -Verbreitung dieser Epidemie gewinnen. Diesmal war ich unter günstigeren -Bedingungen. Mir war Zeit, Ort und das Wie des Entstehens bekannt. -Die meisten der Dysenteriefälle waren Recidivisten von Lombok; aber -ich bekam auch solche Kranke zur Behandlung, welche diesen Feldzug -nicht mitgemacht hatten und nicht einmal auf Lombok gewesen waren. -Diese Fälle blieben jedoch glücklicher Weise isolirt, und es entstand -keine Epidemie, weil in Magelang dazu alle Bedingungen fehlten. Nicht -locale oder meteorologische Verhältnisse habe ich dabei im Auge, -denn »ohne Einfluss sind Elevation und Figuration des Bodens, sowie -geologische Formation und physikalischer Charakter desselben«<a id="FNAnker_200" href="#Fussnote_200" class="fnanchor">[200]</a> -auf das Entstehen der Dysenterie-Epidemie. Ich kann mir auch keinen -grösseren geologischen und topographischen Unterschied vorstellen, -als den der Länder, aus welchen Beobachtungen von Dysenteriefällen -stammen. In Island und Grönland, in Africa, in Europa, in America und -in China und Japan kommen Dysenteriefälle entweder vereinzelt oder -in grossen Epidemien vor. Ich selbst sah den ersten Fall im Jahre -1873 in den Karpathen am Fusse<span class="pagenum" id="Seite_342">[S. 342]</span> des Gletschers Tartara; sieben Jahre -später befanden sich die von mir beobachteten Dysenteriefälle im -östlichen Randgebirge Borneos mit vorherrschender Kalkformation. Auf -Lombok 1894 war der reinste Typus des Alluvium, und in Magelang die -schönste tertiäre Formation. Wir müssen also dem Krankheitserreger -der Dysenterie die Ubiquität stricte dictu zuerkennen. Auch seine -Lebensdauer ist eine fürchterlich grosse. Schon 2000 Jahre vor -Christus wird dieser Krankheit in den indischen Schriften Erwähnung -gethan, und <em class="gesperrt">Herodot</em> wie <em class="gesperrt">Hippokrates</em> geben schon eine -ausführliche Beschreibung dieser Krankheit. Dieser fürchterliche Feind -der Menschheit hat also einen sehr alten Stammbaum; aber auch ihn -trifft das Schicksal alles Irdischen; »er ist werth, dass er zu Grunde -geht«, und er verschwindet unter dem mächtigen Einfluss der Hygiene. -<em class="gesperrt">Bleeker</em> erzählt in seinem Buche »Dysenteria tropica«, dass von -31879 Europäern, welche zwischen den Jahren 1816–1832, also innerhalb -17 Jahren, nach Indien gegangen waren, 24330 (!!) gestorben sind, und -dass</p> - -<table class="dysenterie"> - <tr> - <td colspan="2"> - <div class="center">im Jahre</div> - </td> - <td> - <div class="center">1819</div> - </td> - <td> - <div class="center">im</div> - </td> - <td> - <div class="center">Allgemeinen</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 1175</div> - </td> - <td> - <div class="center">und</div> - </td> - <td> - <div class="center">an</div> - </td> - <td> - <div class="center">der</div> - </td> - <td> - <div class="center">Dysenterie</div> - </td> - <td> - <div class="center">  597</div> - </td> - <td> - <div class="center">starben,</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"> - <div class="center"> </div> - </td> - <td> - <div class="center">1820</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 1315</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">  472</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"> - <div class="center">(Cholera)</div> - </td> - <td> - <div class="center">1821</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 2260</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">  801</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"> - <div class="center"> </div> - </td> - <td> - <div class="center">1822</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 1363</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">  572</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"> - <div class="center"> </div> - </td> - <td> - <div class="center">1823</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 1326</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">  505</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td rowspan="2"> - <div class="s5 center">Krieg<br /> - geg. Celes</div> - </td> - <td rowspan="2"> - <img class="h2em" src="images/klammer_2_li.png" alt="" /> - </td> - <td> - <div class="center">1824</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 1412</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">  423</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">1825</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 1869</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">  512</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td rowspan="6"> - <div class="s5 center">Krieg<br /> - in<br /> - Java</div> - </td> - <td rowspan="6"> - <img class="h6em" src="images/klammer_6_li.png" alt="" /> - </td> - <td> - <div class="center">1826</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 2409</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">  992</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">1827</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 3213</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 1199</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">1828</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 4243</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 2126</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">1829</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 3492</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 1632</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">1830</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 2265</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 1019</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">1831</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="bb"> - <div class="center"> 1548</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="bb"> - <div class="center">  629</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"> - <div class="center"> </div> - </td> - <td> - <div class="center"> </div> - </td> - <td> - <div class="center"> </div> - </td> - <td> - <div class="center"> </div> - </td> - <td> - <div class="center">27890</div> - </td> - <td> - <div class="center"> </div> - </td> - <td> - <div class="center"> </div> - </td> - <td> - <div class="center"> </div> - </td> - <td> - <div class="center"> </div> - </td> - <td> - <div class="center">11479</div> - </td> - <td> - <div class="center"> </div> - </td> - </tr> -</table> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_343">[S. 343]</span></p> - -<p>Die Zahlen der behandelten Dysenteriepatienten waren<a id="FNAnker_201" href="#Fussnote_201" class="fnanchor">[201]</a></p> - -<table class="dysenterie_behandelt"> - <tr> - <td> - <div class="left">im Jahre</div> - </td> - <td> - <div class="left">1819</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 5585</div> - </td> - <td> - <div class="center">Soldaten</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - <td> - <div class="left">1820</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 5050</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - <td> - <div class="left">1821</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 6963</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - <td> - <div class="left">1822</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 5681</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - <td> - <div class="left">1823</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 6063</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - <td> - <div class="left">1824</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 4393</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - <td> - <div class="left">1825</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 5719</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - <td> - <div class="left">1826</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 6414</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - <td> - <div class="left">1827</div> - </td> - <td> - <div class="center">10985</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - <td> - <div class="left">1828</div> - </td> - <td> - <div class="center">12980</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - <td> - <div class="left">1829</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 9818</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - <td> - <div class="left">1830</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 8939</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - <td> - <div class="left">1831</div> - </td> - <td class="bb"> - <div class="center"> 6490</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - <td> - <div class="left"> </div> - </td> - <td> - <div class="center">95080</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> -</table> - -<p>Es wurden also in diesen 13 Jahren 95080 europäische und eingeborene -Soldaten an Dysenterie »inclusive Diarrhöen« behandelt, davon starben -11479, während im Ganzen 27890 mit dem Tode abgingen; also 41% (!!) -der Gestorbenen fielen in diesem Zeitraume der Dysenterie und den -Diarrhöen zum Opfer. Interessant ist es, dass schon für diese Zeit -<em class="gesperrt">Bleeker</em> berichtet: »Die dysenterischen Krankheiten haben sowohl -an Extensität als an Intensität bedeutend abgenommen, so dass ihr -Charakter und Behandlung viel günstiger geworden ist.« Die Abnahme -der Dysenterie in der indischen Armee hält gleichen Schritt mit der -Entwicklung der Hygiene. Vom Zeitraume 1878–1885 berichtet Dr. <em class="gesperrt">van -der Burg</em> von 6324 Dysenteriefällen mit 857 Todten, d. h. also 107 -im Jahre, und in den Jahren 1891 bis 1895 kamen nur 4, 6, 2, 5 und 8 -Todesfälle der tropischen Dysenterie vor, und wenn wir billiger Weise -auch die katarrhale Form der Dysenterie nicht vergessen, welche in der -Statistik der früheren Jahre zu der tropischen Form gerechnet wurde, so -ist dennoch der Unterschied ein grosser. Im Jahre 1895 wurden in der -indischen Armee von der tropischen Dysenterie 8 und von der katarrhalen -Dysenterie 41 Soldaten unter 750 Todten im Allgemeinen hingerafft; -d. h. 6½% der Todten waren Opfer der Dysenterie, während vor 70 Jahren -41% daran gestorben waren. So sehr sich alle diese Ziffern bestreiten -lassen, steht doch diese Thatsache fest, dass die Dysenterie in Indien -bedeutend an In- und Extensität verloren hat, und nach meiner Ansicht -spielt die grössere Sorgfalt, welche dem <em class="gesperrt">Trinkwasser</em> gewidmet -wird, darin die Hauptrolle.</p> - -<p>Trotzdem die Bacteriologie bis jetzt eine hohe Entwicklung genommen -hat, stehen wir in der Dysenteriefrage noch immer einem unsichtbaren -und unbekannten Feinde gegenüber. Ob nun Amöben<span class="pagenum" id="Seite_344">[S. 344]</span> (Amoeba coli Lösch) -oder Bacterien (Bacterium coli commune) oder Paromaecium coli oder -Streptokokken die Krankheitserreger der Dysenterie seien, ist noch -nicht entschieden (denn auch mechanische und toxische Reizungen -des Dickdarmes [z. B. Stuhlverstopfungen, Quecksilber u. s. w.] -erzeugen ruhrähnliche Erkrankungen); und dennoch stehen wir in der -Prophylaxis nicht ohnmächtig der Dysenterie gegenüber, wenn wir uns -die Verhältnisse vor Augen halten, unter welchen bis jetzt diese -Krankheitsform in ihrer verheerenden Macht Einbusse erlitten hat. -Die individuelle Prophylaxis kann bei dieser Krankheit mehr leisten, -als der Staat helfen kann. Niemand fürchte sich vor dem Genuss der -Früchte; denn sie treten der Stuhlverstopfung entgegen und lassen im -Darme eine solche Menge nicht pathogener Bacterien entstehen, dass -sie die der Dysenterie überwinden können; man trage den jeweiligen -Temperaturverhältnissen Rechnung. In den kalten Nächten oder -Morgenstunden trage Jedermann eine Leibbinde. Das Baden möge nie mehr -als ein Reinigungsmittel sein, d. h. nicht so lange dauern, bis ein -Frösteln den Eintritt der Erkältung verräth. Jede Diarrhöe werde sofort -sorgfältig behandelt, und lässt sich vermuthen, dass eine Anhäufung -von Koth die Ursache sei, nehme man sofort ein Liqueurglas voll -Ricinusöl. In der Wahl der Getränke sei Jedermann vorsichtig; so wie -für die Soldaten im Kriegsfalle eine bestimmte Menge von Munition und -Lebensmitteln mitgenommen wird, muss auch für das Trinkwasser gesorgt -werden; vor dem Ausmarsch überzeuge sich der Commandant, dass jeder -Soldat in seiner Feldflasche Thee oder schwarzen Kaffee oder vollkommen -reines Wasser mitgenommen habe. Im Bivouac müssen die grossen Kessel -nach dem Kochen der Speisen sorgfältig gereinigt werden, oder es -müssen eigene Kessel mitgenommen werden, in denen eine hinreichend -grosse Menge Wasser ¼–½ Stunde lang in der Siedhitze gekocht wird; -hat man keine Gelegenheit, sich in der Nähe Eis zu verschaffen, so -werden sich manche Maassregeln finden lassen, um auch in den Tropen -bald die Temperatur des abgekühlten Wassers so niedrig als möglich -werden zu lassen, z. B. die Gefässe in den kühlen Grund zu senken. Das -Ueberschütten in kleinere Gefässe für die einzelnen Unterabtheilungen -der Armee wird immer hinreichen, um dem gekochten Wasser so viel -frische Luft beizumischen als nöthig ist, ihm einen erfrischenden -Geschmack zu geben; ich trinke z. B. noch jetzt nur gekochtes Wasser -und habe durch dieses Verfahren niemals den erfrischenden Geschmack -desselben entbehren müssen. Ich weiss, dass Hunger weh thut und dass -der<span class="pagenum" id="Seite_345">[S. 345]</span> Durst quält; aber mir ist auch aus Erfahrung bekannt, dass -mit einem geringen Maasse von Selbstbeherrschung der Durst einige -Stunden ertragen werden kann. Der Soldat werde also mit dem nöthigen -Nachdruck auf die Gefahren des Gebrauchs von ungekochtem Wasser auf -dem Kriegsterrain aufmerksam gemacht, und er wird es dann über sich -bringen, lieber einige Stunden Durst zu leiden, als sich der Gefahr -der Cholera, Ruhr u. s. w. auszusetzen. Uebrigens haben wir ja in den -Tropen eine <em class="gesperrt">bis jetzt unbekannt</em> gebliebene reichliche Quelle -von chemisch reinem Wasser: die Lianen. Bei der Wahl eines Bivouacs -wird ja immer dafür gesorgt, dass es in der Nähe eines Flusses oder -Teiches angelegt, die Küche oberhalb und die Aborte und Badehäuser -unterhalb des strömenden Wassers errichtet werden. Sollte jedoch trotz -aller Vorsichtsmaassregeln die Ruhr ausgebrochen sein, dann tritt die -Desinfection der Entleerungen mit der grössten Strenge und mit allen -möglichen Mitteln in ihre Rechte, und wenn die Aborte nicht über einen -grossen, starken Strom gebaut sind, dann ist es besser, Senkgruben zu -errichten, in welche täglich eine 10 cm hohe Schicht von Asche, Gyps, -Kalk oder Sand geschüttet werden muss. Eine sorgfältige Desinfection -der Entleerungen wird in der Regel hinreichend sein, das Fortschreiten -der Ruhrepidemie aufzuhalten, und es überflüssig machen, zu dem gewiss -nicht unbedenklichen Transferiren des Bivouacs nach einer ruhrfreien -Gegend übergehen zu müssen. Die Isolirung der Kranken und die grösste -Reinlichkeit dürfen natürlich in einem solchen Falle nicht vergessen -werden.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Wie den Fachleuten bekannt ist, giebt die Ruhr häufig Anlass zur -Entstehung von Leberabscessen, indem das Gift der Ruhr ins Blut -aufgenommen wird und auf dem Wege zur rechten Herzkammer in der Leber -deponirt wird. Vom Jahre 1876–1894, also während 18 Jahren, war ich -nicht in der Lage, in den Tropen Leberabscesse zu sehen, und in den -Jahren 1894 und 1895 bekam ich beinahe jeden Monat einen oder den -andern Fall dieser Krankheit zur Beobachtung oder zur Behandlung. Die -grosse Zahl derselben hatte natürlich auch zur Folge, dass so mancher -interessante Fall vorkam, der auch den Fachmann interessiren dürfte. -Bei einem Europäer z. B. stand ich Tage lang im Zweifel, ob eine -gewöhnliche Entzündung des Leberüberzuges vorhanden war, oder ob ein -Leberabscess die Ursache seiner Schmerzen sei; während des Gespräches -mit dem Patienten bekommt er plötzlich<span class="pagenum" id="Seite_346">[S. 346]</span> und unvermittelt einen -Hustenreiz, auf welchen die starken Brechbewegungen folgten; er hustete -den typischen Inhalt eines Leberabscesses aus, nach 14 Tagen verliess -er geheilt das Spital. Der Abscess hatte das Zwerchfell und die Lunge -durchbohrt, mündete in einen grossen Ast der Luftröhre, brach durch und -— heilte. Bei einem zweiten Patienten glaubte ich alle Symptome des -Leberabscesses vor mir zu haben, und trotz wiederholter Probepunction -gelang es mir nicht, den Sitz des Abscesses zu finden. Erst bei der 7. -Probepunction mit einer langen Hohlnadel stiess ich auf den Eiterherd, -ein Strom Eiter floss aus, ich nahm einen Theil der Rippe weg, um -freien Zugang zu dem Abscesse zu finden, und ungefähr nach sechs -Wochen verliess der Patient geheilt das Spital. Der Jahresausweis von -1895 berichtet nur von 38 Fällen von Leberabscessen (30 Europäer und -8 Eingeborene), wovon 9 starben (7 Europäer und 2 Eingeborene). Diese -Ziffer entspricht nicht den thatsächlichen Verhältnissen, weil die -Diagnosen für jeden Monat festgestellt werden müssen, und der eine Chef -nach drei Tagen, der andere nach acht Tagen und ein dritter erst am -Ende des Monats die Mittheilung der Diagnosen verlangt.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Brachte der Krieg mit Lombok auch den zurückgebliebenen Officieren -viel Abwechselung und viel Arbeit, so sollte das Jahr 1896 diesen -und also auch mir die Miseren des Kriegslebens nicht ersparen. -In Atschin hatte Tuku Umar seine Maske fallen lassen und sich -feierlich der Sultan-Partei angeschlossen. Ein neuer Feldzug -musste wieder unternommen werden, und das 6. Bataillon, welches -unterdessen auf den completen Stand eines vollkommen kriegstüchtigen -Feldbataillons<a id="FNAnker_202" href="#Fussnote_202" class="fnanchor">[202]</a> gebracht worden war, sollte daran theilnehmen. -Schon Anfangs April hatte sich das Gerücht in Magelang verbreitet, -dass das 6. Bataillon wieder »nach Atjeh gehen werde«; die Gesuche -der jungen Lieutenants, diesem Bataillon zugetheilt zu werden, kamen -von allen Seiten nach Batavia. Wir bekamen Befehl, die Soldaten -strenge auf ihre Kriegstüchtigkeit zu untersuchen. Endlich wurde den -eingetheilten Officieren officiell mitgetheilt,<span class="pagenum" id="Seite_347">[S. 347]</span> sich marschbereit -zu halten, und erst als am 23. April der Befehl kam, am 24. um 6 -Uhr früh abzumarschiren, wurde ich telegraphisch angewiesen, das 6. -Bataillon nach Atjeh »zu bringen«. Ein gleiches Schicksal hatten -zwei Jahre früher die Aerzte, welche nach Lombok gehen sollten. Die -Infanterieofficiere wussten Wochen lang vorher, dass sie (mit dem 6. -und 7. Bataillon) in den Krieg marschiren mussten; die Aerzte bekamen -erst 2–3 Tage vorher den Marschbefehl.<a id="FNAnker_203" href="#Fussnote_203" class="fnanchor">[203]</a> Im Mobilisirungsplane sind -schon Wochen vorher die Zahl und die Namen der Aerzte aufgenommen, -welche den Feldzug mitmachen müssen; aber die Landes-Sanitätschefs -halten sich strenge an die »geheime Ordre« und theilen die Namen der -angewiesenen Aerzte nicht mit; die anderen Corpschefs fürchten sich -nicht, ihren Officieren zur rechten Zeit einen Wink zu geben. Ich hatte -also kaum 24 Stunden Zeit, mich marschbereit zu machen. Der Inhalt -des Telegramms war nicht deutlich genug, um zu wissen, ob ich das 6. -Bataillon nur auf der Reise begleiten, oder ob ich auch weiterhin den -Feldzug mitmachen sollte. Ich musste also für alle Fälle sorgen und -mir verschaffen: Gamaschen, Revolver, dünne Matratze mit Mosquitonetz -und Polster, eine Commishose, einen Helmhut,<a id="FNAnker_204" href="#Fussnote_204" class="fnanchor">[204]</a> Militärschuhe, -Flanellhemden, Kerzen, Essbesteck, zwei Meter Lackleinwand, Feldflasche -mit Becher, Zwirn und Nadel und Spennnadel und Scheere, Briefpapier, -Bleistift und Taschentintenfass, Streichhölzer u. s. w. Dies alles -nebst der üblichen Wäsche und den Kleidern packte meine Frau in einen -Koffer, während ich die dienstlichen Angelegenheiten besorgte. Mein -Gärtner erklärte sich bereit, gegen eine Erhöhung seines Lohnes um 5 -fl. mit mir zu gehen, und so zogen wir am 24. April von Magelang aus. -Wieder begleitete eine grosse Menschenmasse die Truppen, und am Ende -der Stadt, bei dem Club des Herrn van der Steur nahm eine Commission -von Bürgern von uns Abschied, und bei einem Glas Champagner drückte der -Resident die üblichen Glückwünsche für unser Wohl, für den Sieg unserer -Waffen im Kampfe gegen den treulosen und verrätherischen Tuku Umar, für -Vaterland und Königin in herzlichen Worten aus.</p> - -<p>Unterdessen hatten die Soldaten Zeit und Gelegenheit, von diesem -ersten »Halt« den möglichst besten Gebrauch zu machen. In der Eile und -Aufregung des Abschiedes von Frau und Kind (auch diesmal<span class="pagenum" id="Seite_348">[S. 348]</span> durften nicht -mehr als 20 Frauen per Compagnie mitgehen) war vieles vergessen worden, -was bei bedächtigem Thun gewiss nicht geschehen wäre. Hier öffnete -der Eine den Schuh, dessen Zugriemen ihn drückte, dort entfernte sich -ein Anderer, um gewissen Bedürfnissen Genüge zu leisten, ein Dritter -lüftete die zu straff gebundene Cravatte, ein Anderer lief zum Train, -um ein Sacktuch aus dem Tornister zu holen, ohne ihn natürlich aus der -grossen Menge herausfinden zu können; ein Unterofficier bat den Herrn -van der Steur, seiner Frau und seinen Kindern hülfreich zur Seite zu -stehen u. s. w. Es war eben die sogenannte »Pishalte«, welche bei dem -Ausmarsch von Truppen die erste unerlässliche Pause bedingt. Einige -Officiere und Damen begleiteten uns bis zum »Paal« 4. Linksab befand -sich ein schmaler Weg, welcher nach Kali benéng führte, welches ein -sehr belebter Badeplatz für die Bewohner von Magelang ist. Eine Quelle -mit frischem reinen Bergwasser entspringt an dem Fusse eines Hügels; -ein Häuschen mit vier Cabinetten bietet Gelegenheit zum Auskleiden, -und da das Wasser auf der einen Seite nicht tiefer als 1½ Meter wird, -ist hier eine willkommene Badegelegenheit für Damen und Kinder. An der -andern Seite des Häuschens hat der Bach eine grössere Tiefe und wird -von den Männern gebraucht, welche des Schwimmens kundig sind. Nebstdem -befindet sich dort ein europäischer Pächter, welcher auf Verlangen -Getränke und Speisen liefert.</p> - -<p>Es war unterdessen 8½ Uhr geworden, die Sonne begann schon lästig zu -werden, und der Commandant der Truppen, Major X., gab Befehl, die -Cravatten und Röcke im oberen Theile zu öffnen.</p> - -<p>Major X. war für mich ein unerwünschter Commandant; im Jahre 1886 -waren wir beide in Atschin und er bekleidete damals den Rang eines -Oberlieutenants, und ich war schon 4 Jahre Regimentsarzt; ich duzte -ihn also damals; seit dieser Zeit war er Major geworden, und ich war -noch immer Regimentsarzt, stand unter seinen Befehlen, und als Zeichen -seiner Herablassung sprach er jetzt gegen mich mit jy und jou (= du), -ohne dass es mir die Disciplin erlaubt hätte, ein Gleiches zu thun. -So ein goldener Kragen verändert in hohem Maasse den Mann. Ich hatte -einen Collegen, mit dem ich Jahre lang im brieflichen Verkehre das »Du« -gebrauchte; er wurde Stabsarzt und ... mit Wohlgefallen liess er sich -mit Herr Stabsarzt und »Sie« tituliren.</p> - -<p>Ich hatte alle Ursache, auf dem Marsche auf dem vom Reglement -vorgeschriebenen Platze zu bleiben, d. h. ich blieb mit der Ambulanz<span class="pagenum" id="Seite_349">[S. 349]</span> -am Schlusse der Colonne, und hinter mir folgte der Train, welcher aus -den Officiersdienern, den Lastwagen, den Kulis und den Soldatenfrauen -bestand. Um 10 Uhr kamen wir nach Sedjang, wo uns die letzten -Begleiter, einige Officiere zu Pferde nämlich, verliessen. Bis dahin -war die Strasse beinahe wie eine Spiegelfläche. Im Hintergrunde -erhoben zu unserer Rechten der Telojo und der Merbabu, und zu unserer -Linken der Sumbing ihre stolzen Häupter. Hier erwartete uns der Regent -von Temunggung, um uns Glück auf! zu unserer Reise zu wünschen. Die -Truppen hielten ¼ Stunde Rast, weil wir einen steilen Weg zu ersteigen -hatten, und um 1 Uhr erreichten wir Medono, das Endziel des ersten -Tagemarsches. Wir hatten also 18 Paal = 27 Kilometer zurückgelegt, ohne -dass mehr als ein einziges Mal meine Hülfe in Anspruch genommen wurde. -Ein Officier hatte mich um ein Stückchen Pflaster für eine Blase an der -Ferse ersucht. (Die Soldaten erhalten keine Lappen, sondern Strümpfe.) -Hier in Medono hatte der »Quartiermacher«, Lieutenant-Kwartiermeester -M. für uns gut gesorgt; die Soldaten bezogen das Bivouac in Prins -Surat, und die Officiere fanden bei dem Häuptlinge des Bezirkes nicht -nur ein gutes Bett, sondern auch ein gutes Essen.</p> - -<p>Zunächst war es meine Pflicht, mich den Soldaten zur Verfügung zu -stellen, und ich ersuchte den Major X., das Signal »für den Doctor« -geben zu lassen; er sah mich an, als ob ich dem Irrenhause entsprungen -wäre; er besann sich jedoch nur einen Augenblick, liess »für den -Doctor« blasen und sah zu seinem Erstaunen eine stattliche Reihe von -Soldaten ankommen, welche meine Hülfe gegen diverse kleine Leiden -nöthig hatten. Die meisten unter ihnen klagten über Diarrhöe und -ersuchten mich um »einen Bauchtrank«. Ich hatte zu meiner Verfügung -zwei Verbandtaschen, eine Feldmedicinkiste und eine Feldverbandkiste, -nebstdem hatte ich eine grosse Büchse mit Medicin mitgenommen, welche -nicht in der officiellen Liste der Medicamente für den Feldgebrauch -aufgenommen war, wie z. B. Antipyrin u. s. w. Der »Bauchtrank« -bestand aus 10 Tropfen der auf <a href="#Seite_196">Seite 196</a> erwähnten Choleraessenz oder -Laudanumtinctur, welche in dem Feldbecher mit Wasser gegeben wurde; -aber auch einige Officiere ersuchten mich um »ein beruhigendes Mittel -für den Bauch«.</p> - -<p>Die Ankunft der Truppen war natürlich vorher bekannt gewesen, und -eine grosse Schaar Klontongs (Hausirer) erwartete uns, wodurch das -Lagerleben einen romantischen Anstrich bekam. Sehr<span class="pagenum" id="Seite_350">[S. 350]</span> Viele eilten -natürlich zunächst nach dem Badehause, um durch Siram<a id="FNAnker_205" href="#Fussnote_205" class="fnanchor">[205]</a> den Körper -zu erfrischen, Andere belagerten die Klontongs, welche erfrischende -Getränke feilboten, und Einige suchten einen passenden Platz, auf -welchem sie das Leder für das Würfelspiel ausbreiten konnten. Das -Würfelspiel (màïn dâdu) wird an besonderen Festtagen auch in der -Caserne gestattet und ist eine Concession an den Charakter der -eingeborenen Soldaten. Auf dem Marsche ist es eine erwünschte und -willkommene Zerstreuung in der Ruhepause, und es bleibt in der Hand des -Commandanten, sie bis zu jener Zeit zu gestatten, welche der Nachtruhe -gewidmet werden muss. Selbstverständlich betheiligte sich auch -mancher europäische Soldat an dem Spiel. Die Hausirer mit Früchten, -erfrischenden Getränken und Bäckereien machten den ganzen Nachmittag -und den ganzen Abend ein glänzendes Geschäft; aber auch die wandernde -Garküche fehlte nicht und erfreute sich eines reichlichen Absatzes. -Wenn bei Manövern in Europa die Bevölkerung ersucht wird, auf der -Heeresstrasse für die durchziehenden Truppen Trinkwasser zur Verfügung -zu stellen, so lässt sich wenig dagegen einwenden, ja vielleicht -ist dies sehr empfehlenswerth, weil in den meisten (??) Fällen das -Wasser rein und gut ist. In Indien wäre ein solches Ersuchen geradezu -gefährlich, weil in den seltensten Fällen ein gesundheitsschädliches -Wasser ausgeschlossen wäre. Ich muss es jedoch wiederholen, dass für -das Trinken der Soldaten ebenso viel Sorge als für das Essen getragen -werden sollte, und dass <em class="gesperrt">ebenso wenig die Besorgung des Trinkwassers -als die des Fleisches der Gunst des Zufalles überlassen werden -sollte</em>.</p> - -<p>Gross war die Zahl der Getränke, welche den Soldaten von den Hausirern -männlichen und weiblichen Geschlechts zum Kauf angeboten wurden. Hier -sass eine Frau mit einem Haufen alter Cocosnüsse,<a id="FNAnker_206" href="#Fussnote_206" class="fnanchor">[206]</a> deren harte -Schale handbreit abgeschlagen war, so dass man das weisse Fleisch -derselben sehen konnte. Die Milch der Nuss, welche Klapperwasser -genannt wird, ist ein erfrischendes, kühlendes, süss-säuerliches -Getränk, welches jedoch bei Diarrhöe nicht genommen werden darf. Jede -Nuss hat ungefähr zwei Gläser dieser bisweilen mit weissen Flocken -getrübten Flüssigkeit. Dort stand ein Javane mit<span class="pagenum" id="Seite_351">[S. 351]</span> einem Pack grosser -Bambusstöcke, welche wie eine Schreibfeder zugespitzt waren; die -Namen, welche er mit kreischender Stimme den Passanten zurief, waren -mir unbekannt; ich weiss also nicht, was für ein Getränk er den -durstigen Soldaten für einen Cent pro Glas anbot; vielleicht war es -nur warmes Zuckerwasser, welches von den Eingeborenen gern getrunken -wird. Auch Tjien tjau, Zuckerwasser mit Agar-agar und den Körnern -der Sulassifrucht (Ocimum gratissimum), und Tjien tjau idju wurde -verkauft, das ist eine Flüssigkeit von hellgrüner Farbe, welche aus -den Blättern des Cissampelos hirsuta gewonnen wird. Hier stand eine -wandernde Garküche: Auf einem Dâpur stand ein thönerner Topf mit warmem -Zuckerwasser und kleinen Stücken von Agar-agar und kleingeschnittenen -Blättern von Djeruk purut (Papeda Rumplin). Selbst Oghio wurde -verkauft, d. h. Zuckerwasser mit Agar und Eis, welches die Hausirer -aus Magelang mitgebracht hatten; ein Chinese rief mit lauter Stimme -Stéh als Verkürzung für das herrliche Sasâté, das sind kleine Stücke -Schweinefleisch (bei den mohamedanischen Eingeborenen wird natürlich -Rind-, Ziegen- oder Lammfleisch verwendet), welche in einer Kerrysauce -gekocht und mit einem Stäbchen durchbohrt über dem Feuer geröstet -werden.</p> - -<p>Es würde mich zu weit führen, von allen Speisen und Getränken, welche -hier feilgeboten wurden, eine ausführliche Beschreibung zu bringen; -ich muss mich begnügen, den Totaleindruck dieses romantischen Bildes -anzudeuten. Um 6¼ Uhr brach so ziemlich unvermittelt die Finsterniss -ein, und ein Meer von kleinen Lämpchen bedeckte das bunte Lager. Um -7 Uhr kamen alle Officiere in die Veranda des Bezirkshäuptlings zum -Souper. Als rangältester Hauptmann sass ich neben dem Major X. und -betheiligte mich an dem lebhaften Gespräche, welches so ziemlich -zeitgemäss war. Ein junger Bramarbas behauptete nämlich, dass derjenige -ein schlechter Officier sei, der nicht mit Freuden in den Krieg ziehe, -und wäre es nur, um eine Gelegenheit zu finden, den militärischen -Willemsorden 4. Classe verdienen zu können. Major X. glaubte diesem -in jeder Hinsicht beistimmen zu müssen, und entrollte hierauf ein -Bild seines Gemüthslebens von der Stunde an, in welcher er den -Marschbefehl erhielt, bis auf den jetzigen Augenblick. Ganz rührend war -die Schilderung von dem Momente, in welchem er von seinem in Europa -weilenden Sohne brieflich Abschied nahm und ihn ermahnte, falls er im -Kriege fallen sollte, eine Stütze seiner Mutter und seiner Schwestern -zu werden. Sie gab mir aber auch Gelegenheit, dem jungen Bramarbas auf -Grund meiner<span class="pagenum" id="Seite_352">[S. 352]</span> Erfahrungen und Beobachtungen das Unnatürliche seines -Ideenganges auseinanderzusetzen. Im Anfange der Debatte hatte dieser -junge Lieutenant ein Wörtchen fallen lassen, welches dem unter den -jungen Officieren landläufigen Glauben entsprach, dass der Militärarzt -»eigentlich kein Officier sei«, weil er »nicht combattant« sei. Bei -den älteren Officieren fand er damit keine Zustimmung, weil sie aus -dem letzten Kriege in Lombok nur zu gut wussten, dass der Militärarzt -alle Misèren und alles Elend des Kriegslebens wie jeder andere Officier -mitgemacht habe, und dass von dem Militärarzt oft mehr als von jedem -Andern gefordert werde; ich selbst hatte vor einigen Monaten Manöver -mitgemacht, und musste neunmal den Truppen nachlaufen, weil neunmal -Kranke sich gemeldet hatten, welchen ich Hülfe leisten musste; die -Truppen blieben nicht stehen, und ich musste oft 10–15 Minuten lang -in Laufschritt nacheilen; dazu kam noch, dass ich nicht wie jeder -»Combattant« Monate oder Jahre lang vorher im Marschiren geübt und -trainirt war. Last not least frug ich den jungen Marssohn, wozu denn -mehr Muth gehöre, im Kampfe mit dem Feinde den Säbel zu schwingen, den -Revolver abzuschiessen und im vollen Eifer und Feuer sein Leben zu -vertheidigen, oder wie ich es z. B. in Atjeh gethan hatte, unter dem -Feuer der Truppen ruhig und gelassen den Verwundeten die erste Hülfe -zu leisten und mit Ueberlegung z. B. die Quelle der Blutung zu suchen, -während die feindlichen Kugeln um mich flogen und sausten. Im weiteren -Gespräche betonte ich, dass nach meiner Ansicht jeder nachdenkende -Officier den Krieg verabscheuen könne und müsse. Der Krieg sei ein -nothwendiges Uebel, und die Soldaten seien <em class="gesperrt">verpflichtet</em>, in -diesem schaurigen Spiele die erste Rolle zu spielen. Der Officier, -welcher für dieses traurige Amt richtige Erkenntniss habe, sei ein -denkender Mensch, und wenn er den Ausmarsch zu dieser Arbeit mit -Wehmuth und Schmerz antrete, so sei er ein fühlender Officier, und -nicht, wie der junge Held glaube, ein schlechter Officier. In Betreff -der individuellen Seite charakterisirt die momentane Stimmung beim -Ausmarsche das Temperament des betreffenden Officiers. Dem Einen winkt -Ehre und Ruhm, dem Andern Krankheit, Wunden und Tod; der Eine ist darum -weder ein Officier mit Leib und Seele, noch ist der Andere darum ein -schlechter Officier. Der Eine denkt an Frau und Kind, und der Andere -an — Nichts. Beide thun ihre Pflicht, vielleicht noch mehr als die -Pflicht erfordert, und ich möchte auf zwei Thatsachen hinweisen, dass -die Sorge um Frau und Kind den Muth nicht lähme, und dass der sorglose -Blick in die Zukunft nicht immer<span class="pagenum" id="Seite_353">[S. 353]</span> den Muth erhöhe. Der Herr Y. möge -nur das Verzeichniss der Officiere nachsehen und nachrechnen, wie viel -der Decorirten verheiratet seien, und wie viel von ihnen das Joch der -Ehe noch nicht tragen; er würde finden, dass die Sorge um Frau und -Kind das Pflichtgefühl gewiss nicht einschränke, und zweitens möge er -constatiren, ob mehr verheiratete oder mehr ledige Officiere — mich -heute um ein Medicament zur Beruhigung des Bauches ersucht haben.</p> - -<div class="figcenter illowe30" id="fig28"> - <img class="w100" src="images/fig28.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Fig. 28. Ein Javane bei der Hausarbeit, d. h. ohne - den Kris (Dolch), welchen er in der Oeffentlichkeit immer trägt, und zwar - am Rücken, wie es <a href="#fig13">Fig. 13</a> zeigt.</div> - <div class="caption_gross x-ebookmaker-drop"><a href="images/fig28_gross.jpg" - id="fig28_gross" rel="nofollow">⇒<br /> - <span class="s6">GRÖSSERES BILD</span></a></div> -</div> - -<p>Nach der Tafel ersuchte uns Major X., bald zu Bett zu gehen, weil der -Aufbruch der Truppen um fünf Uhr stattfinden werde und wir uns daher -von dem letzten Marsche gut erholt haben müssten. Als ich darüber einen -verwunderten und fragenden Blick auf ihn warf, fügte der Major hinzu, -dass es in den Tropen rathsam sei, die Truppen wegen der herrschenden -kühlen Temperatur in den ersten Morgenstunden marschiren zu lassen; -ich war jedoch anderer Ansicht. Während die anderen Officiere uns -verliessen, machte ich ihn aufmerksam, dass der ganze Weg bis Ambaráwa -von unzähligen Sawahfeldern umgeben sei, dass wir uns also in einem -künstlichen Sumpf befänden, und dass gerade in den frühen Stunden -des Morgens die bacterientödtenden Strahlen der Sonne fehlten, dass -also gerade durch den Marsch die Soldaten den schädlichen Miasmen -dieser Felder ausgesetzt seien; hierzu komme noch, dass die meisten -Soldaten nicht früher in den Schlaf fallen würden, als sie seit Jahren -gewöhnt seien; wenn um fünf Uhr abmarschirt würde, müssten sie schon -um vier Uhr aufstehen, und könnten sich dann von den Strapazen des -vorigen Tages nicht erholt haben. Im Ernstfalle kennt man nur ein -Ziel: den Sieg, und die Gesetze der Hygiene müssten schweigen; aber in -Friedenszeiten sei es geradezu Pflicht, so weit als möglich die Kräfte -der Soldaten zu schonen, um jederzeit für den Ernstfall ungeschwächt -die Mannschaften ihrem Ziele entgegenführen zu können. Major X. gab -darauf keine Antwort — aber erst um 5 Uhr wurde Reveille geblasen, und -um 6 Uhr war Alles zum Abmarsch bereit.</p> - -<p>Medóno hat eine absolute Höhe von 598 Metern, und Pingit, die -Grenzstation zwischen den Provinzen Kedú und Samarang, ist 686 -Meter hoch. Diese 91 Meter mussten wir ersteigen, um dann in diesem -Djambu-Gebirge immer bergab bis Djambu (492 Meter) und 4 Kilometer -weiter bis Ambaráwa (498 Meter) nur unbedeutende Erhöhungen des -Bodens überwinden zu müssen. Ich nahm also gerne den Vorschlag des -»Kwartiermeesters« an, ein Dos-à-dos zu miethen, um dulce et jucunde -den letzten Theil unseres Marsches zurücklegen zu können. Das -vorgespannte<span class="pagenum" id="Seite_354">[S. 354]</span> Pferd war jedoch öfters ganz anderer Ansicht und blieb -stehen oder drängte den Wagen nach rückwärts. Sofort kamen aber einige -Kulis vom Train und zwangen den Gaul, anständig mit ihnen Schritt -zu halten. Auf der Spitze des Berges kam uns ein deutscher Pflanzer -entgegen und lud die Officiere ein, bei ihm Halt zu machen und sich -durch ein Gläschen Champagner zum weiteren Marsch zu stärken. Major -X. glaubte jedoch dieser wohlgemeinten Einladung kein Gehör geben -zu sollen, und um circa 12 Uhr kamen wir in Djambu an, wo uns eine -Commission von Bürgern aus Ambaráwa begrüsste. Zu dieser gehörte der -brave Dr. P., welcher mich sofort in Beschlag nahm und zur »Reistafel« -einlud. Er war in seiner Equipage und wollte mich überreden, mit -dieser in die Stadt zu fahren. Ich blieb jedoch bei der Truppe, und -dieser brave College war nun gezwungen, mit mir 4 Kilometer zu Fuss -zurückzulegen. Die Stadt war zu unserem Empfange geschmückt, und Abends -war in dem Clubgebäude des Forts Willem I ein Festabend.</p> - -<p>Am andern Morgen brachte uns die Eisenbahn nach Semárang, wo wir -sofort nach dem Hafen gingen. Hier war der Resident mit zahlreichen -Damen und Herren anwesend, um uns bei einem Glase Champagner Glück -zu unserer Reise und zu unseren künftigen Heldenthaten zu wünschen. -Der Landes-Sanitätschef hatte natürlich (?) für mich kein einziges -herzliches Wort und beschäftigte sich nur mit den »gleich hoch -stehenden« Stabsofficieren, und das Benehmen dieses Mannes mir -gegenüber sollte demonstrativ sein: Weil ich mit »meinem Commandanten« -in Ngawie eine Meinungsdifferenz<a id="FNAnker_207" href="#Fussnote_207" class="fnanchor">[207]</a> gehabt hatte, musste er, der -als mein Chef mein gutes Recht einer selbständigen Ansicht hätte -vertheidigen sollen, urbi et orbi zeigen, dass ich auch ihm eine -persona ingrata geworden sei. Ob das Prestige des militärärztlichen -Dienstes dabei gewonnen hat?? — —</p> - -<p>Ich wurde angewiesen, mich auf jenem Schiff einzuschiffen, welches die -Cavallerie mit den Mauleseln überführen sollte. Ich konnte also noch -einige Stunden auf das Einschiffen der Pferde und Maulesel warten. -Endlich war das letzte dieser störrischen und widerspenstigen Thiere -an Bord, und ein lauter Pfiff der Dampfpfeife erinnerte mich und die -dienstfreien Officiere, das Schiff zu besteigen. In Atjeh angelangt, -wurde mir mitgetheilt, dass meine Transferirung eine zeitliche gewesen -wäre, und so kehrte ich mit dem nächsten Schiffe nach Java zurück und<span class="pagenum" id="Seite_355">[S. 355]</span> -kam am 13. Mai, nach einer Abwesenheit von 20 Tagen, in Magelang wieder -an.</p> - -<p>Zu Hause angekommen, erwartete mich ein kleiner häuslicher Krieg. Mein -Diener Ali hatte im Jahre 1894 einen Officier nach Lombok begleitet und -war bei dem Ueberfalle von Mataram in die Hände der Feinde gefallen. -Wenige Tage danach kam er zurück und wurde auf Befehl des Commandanten -sofort nach Java zurückgeschickt, weil der mehr oder weniger begründete -Verdacht auf ihm ruhte, dass er von dem Feinde zurückgeschickt worden -sei, um Spionendienste zu leisten. Mir wurde dieses von Niemandem -erzählt, als ich ihn in meinen Dienst nahm. Mein früherer Bedienter, -ein Javane (<a href="#fig28">Fig. 28</a>), mit dem poetischen Namen Djojo, welcher fünf -Jahre bei mir gedient hatte, erklärte mir nämlich eines Tages, er -müsste mich verlassen, weil ihn sein Dienst bei mir langweile. Gegen -dieses Argument wusste oder wollte ich nichts einwenden und gab ihm -den Abschied. Es that mir leid, ihn entlassen zu müssen, denn er war -eine treue und ehrliche Seele. Im Allgemeinen sind ja die malayischen -Bedienten die besten der ganzen Welt, wenn man sie nicht schimpft -oder schlägt. Sie sind ruhig und gelassen, betrinken sich niemals und -werden nie den Abstand zwischen sich und ihrem Herrn vergessen. Wenn -vielfach über die malayischen Bedienten geklagt wird, so geschieht es -immer nur von Menschen, welche überhaupt keinen Tact haben. Vielfach -wird auch behauptet, man müsste der malayischen oder javanischen -Sprache vollkommen mächtig sein, um den Bedienten Respect einzuflössen. -Dies ist nicht richtig. Ein solcher Bedienter kennt genau seine -Position, und es entspricht dem Charakter, den Sitten und Gebräuchen -seiner Nation, den höheren Rang immer und überall zu respectiren; -schon die Sprache der Javanen documentirt dies aufs deutlichste. Sie -unterscheidet sich je nach dem Range<a id="FNAnker_208" href="#Fussnote_208" class="fnanchor">[208]</a> des Sprechenden in die -Ngoko-Sprache und Kromo-Sprache. In dieser spricht der an Rang oder -Jahren Höhere gegen den Untergebenen, welcher seinerseits immer nur -in der Ngoko<a id="FNAnker_209" href="#Fussnote_209" class="fnanchor">[209]</a>-Sprache gegen seinen Vorgesetzten antworten darf; -auch die reiche Literatur der Javanen unterscheidet diese zwei<span class="pagenum" id="Seite_356">[S. 356]</span> -Sprachen.<a id="FNAnker_210" href="#Fussnote_210" class="fnanchor">[210]</a> Wenn man der javanischen Sprache mächtig ist, muss man -also gegen seine Bedienten nur die Ngoko-Sprache gebrauchen, sonst -glaubt er, dass man ihn höhnen will; merkt er jedoch, dass sie nur -mangelhaft gesprochen wird, so wird er gewiss die grösste Toleranz -zeigen. Ich selbst hatte dieses bei meiner Ankunft in Java erfahren; -ich ersuchte meinen Bedienten um ein Streichhölzchen und gebrauchte -das malayische Wort ajer = Wasser; ohne mich irgend den lapsus linguae -fühlen zu lassen, brachte er mir das gewünschte Streichhölzchen. Zwei -Jahre später kam der Sultan von Kutei (Ostküste von Borneo) zu mir; -ich fragte ihn, wie es seinem »<em class="gesperrt">Weibe</em>« gehe, indem ich das Wort -parám-puwan gebrauchte; mit keiner Miene deutete er die Betise an, -die in diesem Worte lag. Später brachte er das Gespräch auf râtu = -Königin, ich musste ihn fragen, was das Wort râtu bedeutete, und in den -gelassensten Worten antwortete er: Râtu heisst die Frau des Sultans -oder Königs. Ich entschuldigte mich wegen meines lapsus linguae, was -er jedoch als überflüssig zurückwies. Ein Pendant zu diesem Falle -erfuhr ein junger Beamter, welcher zum ersten Male den Regenten seines -Bezirkes beim Empfange des Residenten sprach. Er sprach ihn mit lu -= »du« an;<a id="FNAnker_210a" href="#Fussnote_210" class="fnanchor">[210]</a> lächelnd wandte sich der Regent, welcher ein sehr -gebildeter Mann war, gegen den Residenten und sagte in correcter und -feiner holländischer Sprache: »Die jungen Herren machen in Delft<a id="FNAnker_211" href="#Fussnote_211" class="fnanchor">[211]</a> -bedeutende Fortschritte; vor einigen Jahren kam ein junger Beamter zu -mir und sprach mich mit Kôwe,<a id="FNAnker_212" href="#Fussnote_212" class="fnanchor">[212]</a> und Herr X. spricht mich jetzt mit -lu an.«</p> - -<p>So tief sitzt der Respect gegenüber dem Vorgesetzten in dem -Volkscharakter der Javanen, dass es immer dem Herrn zuzuschreiben -ist, wenn sein Bedienter sich eines unziemlichen Wortes oder einer -unpassenden Bewegung schuldig macht. Natürlich giebt es auch unter den -malayischen Dienstboten mauvais sujets — gerade wie in Europa, — aber -es lässt sich nicht leugnen, dass gute und brave Dienstboten sich immer -bei jenen Herren melden, welche ihre Bedienten gut behandeln, d. h. bei -etwaigen Nachlässigkeiten nicht schimpfen oder selbst schlagen.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_357">[S. 357]</span></p> - -<p>Ich will gern noch einmal über die Dienstboten<a id="FNAnker_213" href="#Fussnote_213" class="fnanchor">[213]</a> sprechen, weil -ich es geradezu für ein Unglück halte, wenn in einem Hause aller 14 -Tage ein Wechsel der Bedienten stattfindet. Es ist richtig, dass der -malayische Bediente streng auf die Arbeitstheilung hält, und dass -z. B. die Köchin nicht die Arbeit des Gärtners verrichten will. Dort -aber, wo die Verhältnisse es nicht erlauben, mehrere Bediente zu -halten, verrichtet auch der malayische Dienstbote alles, was man von -ihm fordert. Es ist wahr, dass der malayische Dienstbote naschhaft -ist, aber dagegen giebt es ja ein gutes Hülfemittel; entweder sei man -nicht zu sparsam und gebe ihm ebenso gut Kaffee und Thee, als man es -in Europa thun muss, oder man schliesse es ab. Es ist wahr, dass der -malayische Dienstbote mit der Wahrheit auf gespanntem Fusse steht; -mit der grössten Ruhe wird er z. B. auf die Frage, wer dieses oder -jenes zerbrochen habe, zur Antwort geben: Sie, mein Herr! Lässt man -sich durch diese Unverfrorenheit zu einer leidenschaftlichen Antwort -hinreissen, wird er keine Antwort geben, sondern weggehen und, bei -seinen Kameraden angelangt, seiner Freude Ausdruck verleihen, dem -Herrn einen solchen Streich gespielt zu haben. Zu dieser Gewohnheit -gehört auch das »indische Taubsein«; der betreffende Dienstbote sitzt -in der Nähe hockend und starrt in die blaue Luft, er wird gerufen, -er giebt keine Antwort. Nur zu oft lässt sich die europäische Dame -hinreissen und eilt fluchend und schimpfend zu ihm hin und erhält die -einfache Antwort: »Ich habe es nicht gehört.« Dies ist ein Symptom -des Unwillens, und dafür giebt es nur ein Heilmittel: Stante pede den -Abschied zu geben. Im Jahre 1883 war ich in einem abgelegenen Fort in -Sumatra in Garnison. Ich war sehr leidend und konnte mich in Folge -meines Rheumatismus manchmal kaum bewegen. Eines Tages rief ich meinen -Bedienten, der mich hören musste; er kam nicht; so schlecht es ging, -erhob ich mich von meinem Lehnstuhl und schleppte mich nach hinten, wo -mein Bedienter hockte und mit einem wesenlosen Ausdruck seinen Blick in -dem unendlichen Weltenraum schweifen liess. Natürlich behauptete er, -meinen Ruf nicht gehört zu haben. Ich liess ihn zum Fenster treten, -schaute in sein Ohr und erklärte einfach: Ja, dies ist richtig, du bist -taub, einen tauben Bedienten kann ich nicht gebrauchen, du kannst mich -sofort verlassen. Das Fort lag an der Grenze des feindlichen Landes -Atjeh, es war daher keine Möglichkeit, einen andern Dienstboten zu -erhalten, und darum gab er mir kurz die<span class="pagenum" id="Seite_358">[S. 358]</span> Antwort: Baik tuwan = gut, -mein Herr! Als ich ihn aber kurz darauf ins Spital schickte, einen -»Handlanger« kommen liess und diesen zu meiner »Ordonnanz« ernannte, -da hatte ich das Heft in den Händen; er setzte sich zu meinen Füssen -nieder, faltete die Hände, neigte den Kopf und sprach sein minta -ámpon = ich flehe um Verzeihung; er war seit dieser Zeit niemals mehr -»indisch taub«. Nur die Ruhe imponirt den malayischen Dienstboten. -Meine Frau kam mir oft mit Klagen über die Nachlässigkeit u. s. w. -meines Dienstboten, ich rieth ihr in der Regel, Geduld zu haben und zu -controliren und wiederum zu controliren. Hatte dieses keinen Erfolg, so -liess ich ihn zu mir auf »das Bureau« kommen und theilte ihm mit, dass -es mir unbegreiflich sei, dass meine Frau so oft Anlass zu Tadel über -seine Arbeiten hätte, und machte ihn darauf aufmerksam, dass dies das -Thun und Lassen eines <em class="gesperrt">schlechten</em> Bedienten sei.</p> - -<p>Glaubte ich jedoch Symptome von Unwillen zu sehen, da kannte ich kein -anderes Mittel als den Abschied. War es nöthig, so deutete ich es an -und drohte ihm damit, sobald er sich wieder Aehnliches zu Schulden -kommen liess, und führte meine Drohung im gegebenen Falle immer -aus. Dieses wussten meine Bedienten, und ich hatte nur sehr selten -Ursache, sie zu wechseln, obzwar Alle immer einen gewissen Betrag -des Lohnes in Vorschuss hatten. Sie erhielten nämlich 8 bis 15 fl. -pro Monat Gehalt; 8 fl. erhielt der Gärtner und 15 fl. der Kutscher, -der »Hausbediente«, die Köchin und die Babu (Zofe) erhielten 10 fl. -monatlichen Gehalt; nebstdem erhielt Jeder 3 fl. für die Kost; die -Ueberreste meiner Mahlzeiten vertheilte die Köchin nach ihrem Belieben, -und wenn zu dem Reste von Thee oder Kaffee auch manchmal ein bischen -Zucker »nach hinten« ging und meine Frau darüber klagte, gab ich ihr -den Rath, durch die Finger zu sehen oder den Zucker hinter Schloss und -Riegel zu setzen. Dieser Gehalt war in Magelang der landesübliche; -ebenso üblich ist es, dass die Dienstboten immer von ihrem Herrn einen -Vorschuss haben. Sofort beim Eintritt ersuchen sie um einen Vorschuss -von 1–3 Monaten; in ihrer dienstfreien Zeit ist ja alles verpfändet -worden, was sie besassen. Der Kris = Dolch der javanischen Bedienten, -der Ohrschmuck (= anting-anting) der Köchin, der schöne Sarong der -Babu ruhen in der chinesischen Pfandleihanstalt und müssen ausgelöst -werden, damit sie im Dienst des Herrn anständig gekleidet gehen -können. Späterhin giebt es zahlreiche Anlässe, um wieder und wieder -einen Vorschuss zu verlangen. Aber wie ich schon erwähnt habe, dieser -Vorschuss war für mich niemals<span class="pagenum" id="Seite_359">[S. 359]</span> ein Hinderniss, meinen Bedienten den -Abschied zu geben, obwohl es ihnen ganz gut bekannt war, dass damit nur -eine civilgerichtliche Forderung verbunden war, welche wahrscheinlich -niemals hätte eingebracht werden können. Wenn ich mich nicht irre, -ist dies erst seit ungefähr zwölf Jahren der Fall. Vor dieser Zeit -wurden diese Forderungen strafgerichtlich als Missbrauch des Vertrauens -verfolgt und bestraft, und als die Regierung diese Maassregel als -unbillig aufhob, erhoben die Handelsleute und alle möglichen Parteien -einen lauten Protest dagegen. Die Regierung liess sich dadurch nicht -beirren, auch den Eingeborenen diesen Rechtsschutz zu gewähren und — -es geht ganz gut. Ich selbst habe z. B. keinen Cent auf diese Weise -verloren. Als ich im Jahre 1886 in Batavia vor meiner Reise nach Ngawie -eine Babu aufnahm, gab ich ihr 15 fl. Vorschuss. Sie kam aber nicht -den Tag vor meiner Abreise in den Dienst. Ich ging zu dem Schout = -Revierinspector und theilte ihm den Vorfall mit. Der Hotelbediente, -welcher mir diese Babu empfohlen hatte, kannte ihren Namen und -Wohnort, und am folgenden Tage hatte ich mein Geld zurück. Sie selbst -erklärte, von ihrem Manne keine Bewilligung zur Abreise erhalten zu -haben. Andere sind vielleicht weniger glücklich als ich gewesen und -haben bei ihren Bedienten einige Gulden verloren. Ich muss es aber -wiederholen, dass eine gute und tactvolle Behandlung der Bedienten auch -in Java das einzige Mittel sei, um von den kleinen Nadelstichen des -Lebens verschont zu bleiben, welche der ewige Wechsel der Dienstboten -unvermeidlicher Weise mit sich bringt.</p> - -<p>Der oben angedeutete häusliche Krieg nahm folgenden Verlauf: Sofort -nach meiner Ankunft von Atjeh liess sich mein Kutscher durch die Babu -bei mir anmelden mit den Worten: »Minta bitjâra sama tuwan« = er -wünsche den Herrn zu sprechen. Ich fürchtete im ersten Augenblick, -etwas von einer Krankheit oder anderem Unglück meiner Pferde zu -hören, aber wie überrascht war ich, als er mir einfach mittheilte, -dass sein Sohn ein Hühnerei vor meinem Hause eingegraben gefunden -habe. Mein Hühnerstall stand im hinteren Theile des Gartens. In der -Meinung, dass er das Eigenthumsrecht des Eies für sich resp. für -seine Henne reclamiren wolle, sagte ich ganz kurz, um mich nicht -wegen eines Eies, das in Magelang zwei Cent kostete, in eine Debatte -einzulassen, er möge es behalten. Zu meiner Ueberraschung sagte er -nicht das übliche »trimah-kassih« (= ich danke), sondern warf einen -Blick der Verwunderung auf mich, schickte sich zum Weggehen an und -stotterte endlich die Worte heraus: »Vielleicht weiss<span class="pagenum" id="Seite_360">[S. 360]</span> der Herr -nicht, was dieses bedeutet.« Jetzt war es meine Sache, verwundert zu -sein. Ich bekannte diesbezüglich meine Unwissenheit und erfuhr nun, -dass Jemand mich behexen wolle; das Ei sei vor dem Hause eingegraben -worden mit der Zauberformel, dass das Faulen des Eies auch den -Bewohner des Hauses treffen möge; er wisse zwar nicht, ob ich die -Zielscheibe dieses Bannfluches sei; sehr gut könne auch er einen -Feind haben, der ihm dieses grosse Unglück wünsche, aber er halte es -für seine Pflicht, mir dieses mitzutheilen; das Ei sei noch frisch, -das Unheil könne also über mich noch keine Gewalt haben; aber ich -möge auf meiner Hut sein, weil nicht immer wie diesmal ein günstiger -Zufall das Faulen des Eies verhüten könne; sein Sohn habe es zufällig -gesehen, dass Ali, mein Bedienter, dieses Ei eingegraben hätte. Mir -war alles unverständlich, warum sollte Ali mich verhexen wollen, und -warum wollte mich der Kutscher vor dieser Verwünschung und Bezauberung -beschützen. Den Schlüssel zu diesem Räthsel gab mir meine Frau, indem -sie mir mittheilte, dass sie während meiner Abwesenheit wiederholt -Streitigkeiten zwischen den Bedienten bemerkt zu haben glaube. Bei -näherer Untersuchung zeigte es sich, dass alle übrigen Dienstboten Ali -hassten, weil er ein »Spion der Feinde« gewesen sei. Getreu meinem -Principe, dem Aberglauben meiner Bedienten keinen Werth beizulegen, -ohne ihn darum zu verspotten, liess ich beide Bediente zu mir auf das -Bureau kommen und theilte ihnen mit, dass ich mich nicht in ihren Zwist -mischen wolle, dass ich sie aber erinnere, den Frieden in meinem Hause -nicht weiter zu stören, und dass sie Beide am Ende des Monats meinen -Dienst verlassen müssten. Der Kutscher war der grosse Intriguant; durch -die nähere Untersuchung kam heraus, dass nicht Ali das Ei vor dem Hause -eingegraben hatte, sondern dass es der Kutscher gethan hatte, und dass -er hierauf sein Söhnlein das Ei suchen und finden liess, und dass also -Ali nicht den Plan geschmiedet hatte, den bösen Zauber und Fluch auf -mein unschuldiges Haupt zu laden. Der Frieden hielt nicht an. Ich sah -selbst den Gärtner sich mit einem Kris auf den »Spion Ali« stürzen, und -nur durch meine persönliche Intervention wurde ein Mord verhindert. -Noch vor Ende dieses Monats verliess Ali meinen Dienst, und der Frieden -war im Hinterhause hergestellt.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Magelang wird mit Recht der »Garten von Java« genannt, und alle Reize -der Tropenwelt sind dieser von fünf Bergriesen eingeschlossenen<span class="pagenum" id="Seite_361">[S. 361]</span> -Provinz verschwenderisch zu Theil geworden. Selbst ein ewig brummender, -ewig qualmender und rauchender Vulcan erhebt im Osten sein stolzes -Haupt und ist ein stolzer und erhabener Hintergrund dieses reizenden -Panoramas. Der Merapi ist von Wolken umhüllt, und stets steigt eine -grosse Rauchsäule zur Himmelshöhe, aber auch oft wälzt er grosse -Feuermassen über seinen kahlen Scheitel. Es ist mir nicht bekannt, wie -oft dieses in früheren Jahrhunderten geschehen ist. Verheerend müssen -seine Ausbrüche gewesen sein, wenn wir das Terrain auf Abhängen und -weit hinein in die drei Provinzen betrachten, über welche sich sein -kahles Haupt erhebt. Gewaltige erratische Blöcke bedecken die Provinzen -Kedú, Solo und Djocja. Auch der grosse Buru-Budur soll nur aus Steinen -erbaut sein, welche in früheren Jahrtausenden in den Tiefen des Merapi -geweilt hatten. Im Januar des Jahres 1894 fand die letzte<a id="FNAnker_214" href="#Fussnote_214" class="fnanchor">[214]</a> Eruption -statt; ein sanfter Zephyr wehte über Magelang; der Himmel glänzte in -seiner Sternenpracht; die majestätische Ruhe der Tropennacht wurde -nur durch das Quaken der Frösche und das Zirpen der Grillen gestört. -Ich ging mit einem Obersten über den Schlossplatz spazieren, als ein -unwillkürlicher und zufälliger Blick nach dem Osten des Horizontes -eine ungeheure feurige Schlange traf, welche sich von dem Gipfel des -Merapi in der Richtung nach Muntilan, also halbwegs zwischen Djocja und -unserer Stadt, hinabwälzte. Gleichzeitig fiel ein feiner Aschenregen, -der in wenigen Minuten unsere Kleider mit einer äusserst feinen und -dünnen Schicht bedeckte. Die Zeitungen hatten allerdings schon einige -Tage vorher von einer erhöhten Thätigkeit des Merapi gesprochen. Da -jedoch bei Tage der Anblick des Vulcans mit seiner variablen Rauchsäule -keine bedeutende Veränderung zeigte, so wurde dieser Notiz weiter -keine Beachtung geschenkt, und erst dieser unerwartete Anblick einer -riesigen, feurigen Schlange, welche sich in zahlreichen Krümmungen über -seinen Abhang mit unermüdlicher Dauer gegen den kleinen Vorberg wälzte, -nöthigte uns, immer und wieder den Blick auf ihn zu richten. Tage und -Wochen lang dauerte dieser Strom der feurigen Masse, und in dunklen -Nächten war die Rauchsäule von einem feurigen Kern erfüllt, welcher -jedoch nicht intensiv genug war, um auch das umliegende Terrain zu -beleuchten.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_362">[S. 362]</span></p> - -<p>Die Beschreibungen, welche der deutsche Gelehrte <em class="gesperrt">Junghuhn</em><a id="FNAnker_215" href="#Fussnote_215" class="fnanchor">[215]</a> -von diesem Vulcan bringt, haben, so weit sie die Spitze des Berges -betreffen, durch den Ausbruch im Jahre 1872 keinen Werth mehr; der -ganze Eruptionskegel ist verschwunden; er ist theilweise hinabgestürzt -und hat am Fusse des Berges so manches Dorf zerschmettert, oder er ist -in die Tiefen des Vulcans gestürzt, wo, laut Mittheilungen des Dr. -<em class="gesperrt">Gronemann</em>, der abgebröckelte Kraterrand auf einem grossen Felsen -schwebend gehalten wird und der Zeit harrt, durch einen hinreichend -starken Lavastrom mit hinausgeschleudert zu werden. Einige Ingenieure -wollten sich von Djocja aus der Stätte des Feuerstromes nähern; sie -gelangten nicht weiter als bis zur kleinen Ringmauer, welche sich -einige hundert Meter am Fusse des Berges hinzieht. Aus den Spalten des -Bodens drangen ihnen heisse Dämpfe entgegen, und tiefer und tiefer -sanken die Füsse ihrer Pferde in die aufgelagerte Aschenschicht, so -dass ein weiteres Vordringen unmöglich wurde.</p> - -<p>Sehr oft hatte ich Gelegenheit, dieses »Arcadien Javas« zu sehen und -zu bewundern; ich wurde nämlich einige Male zu dem Vater eines meiner -Patienten, Li Tiow Poo, welcher in Temanggoeng wohnte, gerufen und -ging eines Tages mit einem Agenten der Lebensversicherungs-Anstalt -»New York« am 25. December 1894 nach Páraan. Es fehlt mir an Worten, -in würdiger Weise die schönen Landschaftsbilder zu beschreiben, welche -in langer Reihe vor meinen Augen vorbeizogen, und ich muss es einer -fähigeren Feder überlassen; denn ich kann nur mit dürren und mageren -Worten den kürzesten Weg beschreiben, welchen ich nehmen musste, um -in einem Tage auf dieser Route hin und zurück zu reisen. Bis Setjáng -war der Weg eben; hier wechselte ich die vier Pferde und verliess die -grosse Heerstrasse, um linksab, d. h. westlich, einem kleinen Wege zu -folgen, der sich am Fusse des Sumbing über Berg und Thal in zahlreichen -Windungen hinschlängelt. Bei Kranggan ist eine grosse und schöne Brücke -über den Progofluss, und mit schaudererregender Geschwindigkeit zogen -die Pferde unsern schweren Reisewagen hinab in das Thal des Flusses; -und mit genau berechneter Sicherheit erreichten sie die Brücke. Reich -bedeckt ist der Sumbing bis zu einer Höhe von 900–1000 Metern mit -Sawahfeldern, weiter sah ich europäische Gemüse, Erdbeeren, Kraut, -Tabak u. s. w. angepflanzt; der Gipfel des Berges ist jedoch kahl. -Der dichte Urwald des Merapi fehlt hier; der Raubbau hat diesen Berg, -so wie den Sindara, seinen<span class="pagenum" id="Seite_363">[S. 363]</span> Nachbar, entwaldet, ohne rechtzeitig für -einen Nachwuchs zu sorgen, und beide Berge sind über der Höhe von 1250 -Metern wasserarm; kein Bächlein, kein Bergstrom stürzt sich in die -Tiefe; nur das »Himmelwasser« befeuchtet den fruchtbaren Boden dieser -beiden ruhenden und vielleicht ganz ausgestorbenen Vulcane. Auffallend -waren nebstdem zahlreiche Hügel, welche in den Sawahfeldern zerstreut -lagen und mit Gras bedeckt waren; es waren offenbar erratische -Blöcke und zwar von stattlicher Höhe (10–30 Meter!), in historischer -Zeit vielleicht aus dem Sumbing herausgeschleudert; man sieht sogar -in der Kratermauer eine Oeffnung, aus welcher sie herstammen. Wie -<em class="gesperrt">Junghuhn</em> erzählt, sind es nach der javanischen Sagenwelt -Reishaufen, welche von einem erzürnten Gotte in einen Stein verwandelt -wurden.</p> - -<p>In Temanggoeng bekamen wir neue Pferde; zwei Wege führen von hier aus -nach Páraan, dem Ziele unserer Reise; der eine zieht in einem grossen -Bogen (11 km lang) durch das Dorf Kedú, nach welchem die ganze Provinz -den Namen erhielt, und der andere (7½ km lang) führt direct am Fusse -des Berges dahin. Der Kampong ist ein langgestrecktes Dorf und beinahe -ausschliesslich von Chinesen bewohnt; sie sollen sehr reich sein und -dieses besonders dem Bau des Tabaks verdanken. Wir stiegen bei Lie -Tiauw Piek ab, welcher ein mit Reichthum und chinesischer Eleganz -ausgestattetes Haus bewohnte. Nachdem wir mit Bami,<a id="FNAnker_216" href="#Fussnote_216" class="fnanchor">[216]</a> Kimlo<a id="FNAnker_216a" href="#Fussnote_216" class="fnanchor">[216]</a> und -einer reichlichen Reistafel mit Bier, Wein und Apollinariswasser unsern -knurrenden Magen befriedigt hatten, kamen die fünf Candidaten für die -Lebensversicherung zur Untersuchung, und schon drohte die Sonne unter -dem Horizonte zu verschwinden, als wir unsere Rückreise antraten. -Freilich hatten unsere Pferde gar keine Lust, Páraan zu verlassen; -unter lautem Schreien halfen die Chinesen den Wagen vorausschieben, -um die Pferde an ihre Pflicht zu erinnern, sie blieben ruhig stehen. -Ein Kuli fasste das eine Pferd bei der Stange und zog es vorwärts; als -Antwort darauf schlug das Pferd mit dem rechten Hinterfusse aus und -brach die Stange, an welcher die Zugriemen befestigt waren. Sofort -wurde ein Stück Bambus an der Axe befestigt, die Pferde gaben ihren -Widerstand auf, und in brausendem Galopp verliessen wir das Dorf. Um -10½ Uhr kamen wir in Magelang an, und unvergesslich bleibt mir diese -Reise; ein schöneres und lieblicheres Bild, als diese Reise mir bot, -habe ich niemals gesehen.</p> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_364">[S. 364]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Schluss">Schluss.</h2> - -</div> - -<p class="center s4 mbot2"><b>Abreise von Magelang — Semárang — „Schuttery“ — Die chinesische -Behandlung der Diphtheritis — Das ewige Feuer — Salatiga — Abschied -von Semárang.</b></p> - -<p class="p0"><span class="dc">I</span>n Semárang, der Hauptstadt der gleichnamigen Provinz,<a id="FNAnker_217" href="#Fussnote_217" class="fnanchor">[217]</a> schloss ich -meine indische Carrière.</p> - -<p>Nach 10jähriger, ununterbrochener Dienstzeit hat der Officier und -Beamte Anspruch auf einen einjährigen Urlaub nach Europa. Er bekommt -freie Reise bis nach Holland für sich und seine ganze Familie und einen -Urlaubsgehalt, der je nach dem Range des Officiers zwischen 1350 und -8000 fl. pro Jahr variirt. Im Juli 1896 trat für mich dieser Zeitpunkt -ein, ohne dass ich aus verschiedenen Ursachen davon Gebrauch machte. -Ich wohnte ja in einer Garnisonstadt, welche ein italienisches Klima -hatte; ich hatte einen kleinen, aber angenehmen Kreis von Bekannten und -wohnte in einem steinernen Hause, welches mir allen Comfort erlaubte. -Zweitens sind die Sommer- oder Herbstmonate keine erwünschte Zeit für -eine Reise nach Europa; ungeheure Wärme und heftige Stürme sind keine -angenehmen Begleiter einer Seereise. Wer es kann, schiebt seine Reise -für die Monate März und April auf; thatsächlich habe ich auf meiner -Reise vom 12. April bis 13. Mai des folgenden Jahres das schönste -Wetter gehabt, welches man sich denken kann, nur einen einzigen Tag -war die See ein wenig unruhig. Wer wie ich leicht seekrank wird, -rechnet gewiss mit diesem Factor. Als ich nach Semárang (am 17. August -1896) transferirt wurde, beschloss ich, im Frühjahr 1897 von meinem -rechtlichen Anspruch auf einen einjährigen<span class="pagenum" id="Seite_365">[S. 365]</span> Urlaub nach Europa Gebrauch -zu machen. Ich hielt also wiederum Auction und gab dem Commissionär -den Auftrag, bis auf meinen Mylord und meine zwei Pferde, welche ich -auch in Semárang würde gebrauchen können, alles, und zwar à tout prix -zu verkaufen. Besonders mein Bücherkasten hatte einen bedenklichen -Umfang erhalten. Leider hatte ich versäumt, den Platzcommandanten um -seine Begünstigung zu bitten, und so geschah es, dass gerade an diesem -Tage grosse Feldübungen abgehalten wurden, die Officiere erst um ein -Uhr nach Hause kamen, und meine Auction wegen Mangels an kauflustigen -Officieren ein sehr geringes Erträgniss hatte. 1000 fl. erzielte die -ganze Einrichtung meines Hauses, Glas und Essservice, alle Kleider und -ein Kasten voll Bücher. Wagen und Pferde verkaufte ich drei Monate -später an einen Collegen, der mir 375 fl. dafür bezahlte. In Semárang -selbst miethete ich kein Haus, sondern zog in das Pavillonhotel, in -welchem ich und meine Frau für 250 fl. monatlich ganze Verpflegung und -zwei Zimmer erhielten. Leider sollte ich die wenigen Monate bis zu -meiner Abreise noch viel Misèren zu erleiden haben. Zunächst befiel -mich eine heftige Furunculosis, welche in fünf Monaten ungefähr 200 -Furunkeln, natürlich verschiedener Grösse, und zwar von der einer Erbse -bis zu der einer Handfläche brachte, und zweitens war ein solcher -Mangel an Aerzten, dass ich trotz meines so schmerzhaften Leidens -ausserordentlich intensive Arbeit auf mich nehmen musste, und der -Sanitätschef mir selbst den Urlaub nach Europa verweigern wollte und -bei der Regierung den Vorschlag einreichte, wegen herrschenden Mangels -an Aerzten ihnen den Anspruch auf einen Urlaub nach Europa zeitlich zu -suspendiren. Der Gouverneur-General wies jedoch diese Zumuthung zurück -mit der Motivirung, dass der Sanitätschef rechtzeitig für neue Aerzte -hätte sorgen sollen, und dass es nicht anginge, in so leichtfertiger -Weise einem Officier ein ihm zukommendes Recht zu verkümmern.</p> - -<p>Das Hotel, in welchem ich wohnte, lag an der letzten Krümmung des -»Bodjong’schen Weges«, einer schönen und breiten Strasse von 1½ -Kilometer Länge, und zwar gegenüber einem Garduhäuschen (<a href="#fig29">Fig. 29</a>); -das andere Ende zierte das Haus des Residenten, und daneben das des -Landes-Commandirenden, welcher den Rang eines General-Majors bekleidete.</p> - -<p>Dieser »Bodjong’sche Weg« ist eine Zierde der Stadt, welche im<span class="pagenum" id="Seite_366">[S. 366]</span> -Uebrigen vieles zu wünschen lässt. Artesische Brunnen und Dampftramway -erinnern uns zwar an ihren Rang als dritte Stadt Javas, aber sie -ist arm an Sehenswürdigkeiten, sie hat nur sehr wenige Plätze, kein -einziges monumentales Gebäude, kein einziges Denkmal, keine Museen -und nur ein unbedeutendes Theatergebäude, welches kaum diesen Namen -verdient, ein Clubgebäude, eine Freimaurerloge und Gotteshäuser für die -katholische, protestantische und mohamedanische Religion.</p> - -<p>Doch ganz im Verborgenen bildet, den Meisten unbekannt, eine Perle -der modernen Baukunst, die Capelle des katholischen Frauenklosters -eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges. Auf dem grossen Wege nach dem -Stationsgebäude, welches ebenfalls jedes architektonischen Schmuckes -baar ist, steht die katholische Kirche zur rechten Seite und ihr -gegenüber das Kloster der Franziskanerinnen, welche hier eine -öffentliche Schule halten. Zur Seite der Schule steht eine Capelle, -im Spitzbogen gebaut, welche im Innern die ganze Farbenpracht des -maurischen Stiles aufgenommen hat. Es ist ein überwältigender Reichthum -der Farben, welcher die Augen nicht beleidigt, sondern ergötzt.</p> - -<p>Das Stadthaus ist ein einstöckiges Gebäude ohne Stil und ohne Schmuck. -Ihm gegenüber liegt das Militär-Spital mit einigen Pavillons, und -an seiner Nordseite schliesst sich die Landes-Irrenanstalt an. -Das Spital ist zum grössten Theile aus steinernen Gebäuden, und -der Officierspavillon besitzt acht schöne, grosse Zimmer für acht -Patienten. Ein kleiner Garten grenzt an diesen und an den mittleren -Pavillon, in dessen erstem Stock die Krankensäle für Gefangene -sich befanden. Das Ganze ist mit einem eisernen Gitter umgeben und -sieht nach dem grossen Platz, welcher von dem erwähnten Stadthause, -der Moschee und der Wohnung des Regenten begrenzt ist. Hier werden -Sonntags um 5 Uhr Nachmittags von der Militär-Capelle oder von der -Landwehr Concerte gegeben, zu welchen sich die beau monde von Semárang -einstellt. Auf der Strasse steht eine doppelte Reihe von Equipagen, und -europäische, chinesische und arabische Sonntagsreiter und zahlreiche -Radfahrer vervollständigen dieses schwache Bild eines Corso. Die alte -und eigentliche Stadt wird von den angesehenen Europäern nicht bewohnt; -diese haben ihre »Häuser« auf dem »Bodjong’schen Wege«, im Pontjol und -Pendrian, welche sich auf einer beinahe parallel mit diesem gelegenen -Strasse befinden. »Auf Pontjol« liegt auch<span class="pagenum" id="Seite_367">[S. 367]</span> das alte, jetzt verlassene -Fort »Prinz von Oranje«, und zwar mitten im Sumpfe; von der Strasse aus -wird es gar nicht gesehen, weil Frucht- und andere Bäume es umgeben und -sein Dach über die Bäume nicht hervorragt. Die bombensichern Casematten -bestehen aus meterdicken Mauern, welche den Geschützen vergangener -Jahrzehnte Widerstand bieten konnten; jetzt befinden sich nur die -Bureaux der Intendantur und der Genie darin.</p> - -<p>Von den Strassen der »Stadt«, welche jenseits des rechten Ufers des -Flusses Ngaran oder Semárang liegen, lässt sich leider gar nichts -Rühmenswerthes sagen; sie sind schmal, ohne Bäume, haben selten ein -Trottoir, dafür aber offene, stinkende Canäle; ihre Häuser sind im -altholländischen Stile gebaut, ohne Garten, sie sind noch hässlicher -als die »alte Stadt von Batavia«. Nebstdem sind sie häufig den -Ueberströmungen ausgesetzt, so dass nur der eine Wunsch ausgesprochen -werden kann, dass die »Stadt« bald verlassen werden möge, und dass auf -dem grossen Wege von Randosari, welcher sich an den »Bodjong’schen Weg« -anschliesst, eine neue Stadt entstehen möge.</p> - -<p>Der Hafen ist ein primitiver Landungsplatz, ohne den bescheidensten -Ansprüchen der modernen Baukunde zu genügen. Auf dem -Ueberschwemmungscanal (Bandjir-Canal) ruhen Hunderte von Kähnen, -welche den Verkehr mit der Rhede vermitteln, und wenn wir noch die -Tausende und Tausende Mosquitos erwähnen, welche sich jeden Abend -aus den umgebenden Sümpfen, Sawahfeldern und Fischteichen erheben, -um blutdürstig die Bewohner Semárangs zu überfallen, und der grossen -Schwärme der niedlichen Reisvögel gedenken, welche den Bodjong’schen -Weg beleben, dann ist alles Wissens- und Sehenswerthe dieser Stadt -mitgetheilt.</p> - -<p>Im Spitale war mein Wirkungskreis derselbe wie in Magelang. Ich hatte -meinen »Saal« zur Behandlung europäischer Patienten und war wiederum -Mitglied der Superarbitrirungs-Commission. Diese hatte sich auch mit -bürgerlichen Angelegenheiten insofern zu beschäftigen, als jene Bürger, -welche von den Stadtärzten ungeeignet zum Dienst für die Bürger- und -Feuerwehr erklärt wurden, von uns superarbitrirt werden mussten. Diese -Bürgerwehr befindet sich nur in den fünf Städten Batavia, Semárang, -Surabaya, Djocja und Solo und hat die ganz richtige und gesunde Idee -zur Basis, in Zeiten der Gefahr und des Aufruhrs, bei Mangel an -Militär bei der Handhabung der Ruhe und Ordnung in diesen Städten zu -assistiren; sie<span class="pagenum" id="Seite_368">[S. 368]</span> besteht also nur aus Europäern und Halb-Europäern, und -der jeweilige Resident dieser fünf Provinzen ist der Ober-Commandant -der Bürgerwehr (Schuttery), welcher im gegebenen Falle seine Truppen -unter das Commando des militärischen Platz-Commandanten stellen -kann. Dieses Princip, dass in Zeiten der Gefahr und der Noth die -Bürger das Recht oder die Pflicht oder beides haben sollten, -ihre Stadt zu vertheidigen und zu beschützen, wird aber nicht -consequent durchgeführt, und dadurch wird die »Schuttery« zu einem -»Veteranen-Verein« der kleinen Städte Deutschlands degradirt. Wenn es -Pflicht eines jeden Bürgers ist, sein Vaterland oder seine Vaterstadt, -zu vertheidigen, warum sind davon »Haus- und andere Bediente und -Gemeindearme« ausgeschlossen? Wenn es ein Recht eines jeden Bürgers -ist, sich in den Waffen üben zu dürfen, wieder mit dem Zwecke, in -Zeiten von Aufruhr und Gefahr helfend und beschützend auftreten zu -können, warum wird den genannten Personen dieses Recht vorenthalten? -Warum wird diese Pflicht »hohen Beamten, Gerichtspersonen, Predigern, -Apothekern, pensionirten Officieren, Eisenbahn- und Tramway-Beamten, -Telephon-, Post- und Telegraphen-Beamten u. s. w. u. s. w.« nicht -auferlegt? Die Kostenfrage spielt keine Rolle; denn die »Schutters« -erhalten vom Staate nur die Waffen und im Bedarfsfalle einen den -Soldaten entsprechenden Sold. Selbst die Uniform, welche nur für den -Officier etwas kostspielig ist, bezahlen sie aus eigenem Vermögen; -sie besteht aus weisser Hose und weissem Röckchen ohne Schösse. Die -Officiere haben dunkle Kleider aus Tuch oder Serge und Epauletten und -Fouragères (Schulterquasten mit Schnüren) aus Gold oder Silber. Die -weissen Uniformen, aus russischer Leinwand oder ähnlichen Stoffen -verfertigt, sind ganz hübsch und zweckmässig auf dem Exercierplatz -und bei der Parade; sie haben aber den Nachtheil, dass das scharfe -Licht der Tropensonne zu stark reflectirt wird. (Im abessynischen -Kriege litten die Augen der englischen Soldaten dadurch, und sie waren -nebstdem eine grosse Zielscheibe für den Feind.) Schon bei Manövern -ist diese weisse Uniform unpraktisch, weil der geringste Schmutzfleck -deutlich sichtbar ist. Im Kriege werden sie natürlich von den Soldaten -und Officieren zu Hause gelassen, und für die »Schuttery« eine Ursache -sein, sich an einer offenen Feldschlacht nicht zu betheiligen.</p> - -<div class="figcenter illowe50" id="fig29"> - <img class="w100" src="images/fig29.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Fig. 29. Ein Garduhäuschen = Polizeiwachstube (im - Ellothale).</div> - <div class="caption_gross x-ebookmaker-drop"><a href="images/fig29_gross.jpg" - id="fig29_gross" rel="nofollow">⇒<br /> - <span class="s6">GRÖSSERES BILD</span></a></div> -</div> - -<p>Wenn dieses Corps nur zu oft die Zielscheibe schlechter Witze von -Seiten der Berufssoldaten und Officiere ist, so dass das Wort<span class="pagenum" id="Seite_369">[S. 369]</span> -»Schutter« als Prototyp eines indisciplinaren und ungeschulten Soldaten -in der Caserne heimisch ist, so ist die Organisation derselben doch -eine richtige. Die Disciplin ist in keiner Armee Selbstzweck, sie ist -nur Mittel zu dem Zwecke, ein geordnetes Zusammenleben von so viel -Hunderten und Tausenden von Männern zu ermöglichen, und den Mann zu -einem fügsamen und tauglichen Theil dieses grossen Mechanismus zu -erziehen. Die »Schutter« sind aber nicht casernirt; ein grosser Factor, -eine strenge Disciplin zu handhaben, entfällt also. Die Abrichtung und -Erziehung des Schutters kann also bleiben, wie sie jetzt geübt wird. -Aber die Pflicht zum Eintritt in die »Schuttery« werde verallgemeinert -und das Ziel derselben möge keine »Soldatenspielerei« sein, sondern -alle gesunden Männer zu kräftigen Wehrmännern heranziehen, welche in -der Zeit der Noth sich und dem Staate vortreffliche Dienste leisten -könnten.</p> - -<p>Ich muss noch erwähnen, dass die unvermeidlichen Ausgaben der -Verwaltung und der Musik aus dem Schutteryfonds gedeckt werden, -zu welchem die »Befreiten« ihre jährliche Contribution und die -»Gestraften« ihr Scherflein beitragen. Für die meisten disciplinaren -Vergehen werden nämlich Geld- und keine Freiheitsstrafen auferlegt.</p> - -<p>Die Superarbitrirungs-Commission hatte gegenüber diesen Herren oft -einen sehr schwierigen Standpunkt. Einer derselben hatte z. B. über -einen Herzfehler geklagt, und der Stadtarzt glaubte ihn dafür zu dem -Dienste der »Schuttery« untauglich erklären zu müssen. Der Dienst -dieser Leute ist nicht anstrengend; sie haben nur einmal in der -Woche von 5–6 Uhr zu exercieren und sich in einigen Wochen im Jahre -an der Scheibe zu üben. Nun, Herzfehler und Herzfehler können noch -sehr differente Zustände sein. In unserm Falle hatte der Recrut, ein -junger Halbeuropäer von 19 Jahren, ein leichtes Geräusch, wie es bei -Anämie (Blutarmuth) vorzukommen pflegt. Mir ist nicht bekannt, was -die Superarbitrirungs-Commission beschlossen hatte; dieses geschah im -Jahre 1896, als ich noch in Magelang sass. Der junge Mann bekam jedoch -eines Tages Lust, Soldat zu werden, er liess sich anwerben, bekam 300 -fl. Handgeld, und sofort meldete er sich krank, er könne wegen eines -Herzfehlers nicht exercieren! Dabei präsentirte er mir das Zeugniss -des Stadtarztes, welcher ihn selbst für den Dienst bei der »Schuttery« -untauglich erklärt hatte. Ich untersuchte ihn genau und fand, wie -ich schon erwähnt habe, nur ein geringes anämisches Geräusch.<span class="pagenum" id="Seite_370">[S. 370]</span> -Entrüstet hielt ich ihm vor, dass er auf diese Weise den Staat um -so viel hunderte Gulden beschwindelt habe. Dies liess ihn natürlich -kalt. Ich theilte ihm nebstdem mit, dass sein Herzfehler von keiner -Bedeutung sei, dass er ganz unbesorgt seine dienstlichen Obliegenheiten -verrichten könne, und dass ich es für Unwillen auffassen würde, wenn -er sich jemals wieder wegen dieser fraglichen Krankheit dem Dienst -entziehen würde.</p> - -<p>Durch ganze zwanzig Jahre hatte ich keinen Diphtheritisfall gesehen. -Wenn auch im Allgemeinen Erwachsene seltener als Kinder von dieser -Krankheit ergriffen werden — der vielfach erwähnte Jahresbericht -der indischen Armee vom Jahre 1895 weist keinen einzigen Fall dieser -Krankheit auf —, so muss ich es dennoch für einen besonderen -Zufall halten, dass ich in diesem langen Zeitraume keine einzige -diphtheritische Erkrankung der Kehle zu Gesicht bekam. Der Zufall ist -um so merkwürdiger, als in Indien diese Krankheit factisch häufig -vorkommt und gewissen <em class="gesperrt">chinesischen Curpfuschern</em> eine grosse -Berühmtheit verschafft hat. Selbst der Chef-Apotheker der indischen -Armee hatte vor einigen Jahren das Unglück, zwei seiner Kinder von -dieser tückischen Krankheit ergriffen zu sehen. Auch er liess einen -berühmten chinesischen Heilkünstler zu sich kommen, und trotzdem verlor -er seine Kinder. Es ist eine traurige Erscheinung, welche ich im -ersten Theile Seite 165 besprach, dass die Therapie der europäischen -Aerzte bis jetzt nicht nur wenig in die tiefen Schichten der indischen -Eingeborenen eingedrungen ist, sondern dass im Gegentheil die -Behandlung vieler Krankheiten, wie sie von den Malayen geübt wird, die -Europäer und selbst europäische Aerzte zu einem Hymnus veranlasst. Auch -Dr. <em class="gesperrt">van der Burg</em> schreibt über die Behandlung der Diphtheritis -im zweiten Theile seines grossen Werkes,<a id="FNAnker_218" href="#Fussnote_218" class="fnanchor">[218]</a> Seite 380: ... Das -Publicum setzt grosses Vertrauen in die Behandlung von diphtheritischer -Kehlentzündung durch Chinesen, <em class="gesperrt">wodurch manchmal gute Resultate -erzielt werden</em>. Auch diese chinesischen Heilkünstler huldigen dem -Principe aller Curpfuscher: Die günstigen Erfolge mit allen Glocken der -Reclame urbi et orbi zu verkündigen; bei den übrigen Fällen ist der -Rest — Schweigen.</p> - -<p>Worauf sind denn die günstigen Erfolge der Chinesen basirt? 1. Auf die -unrichtige Diagnose. Ich selbst habe im Jahre 1889 in<span class="pagenum" id="Seite_371">[S. 371]</span> Ngawie eine -Dame mit Erfolg behandelt, welche wegen ihrer »Diphtheritis« (??) von -Geneng zu mir gekommen war; sie hatte eine Stomatitis crouposa, d. h. -die ganze Mundhöhle war mit einem weissen Beschlag bedeckt, welchen -sie und ihre Familie für einen diphtheritischen erklärten. Auch in -Europa wird gegenwärtig die Diphtheritis viel häufiger diagnosticirt, -als es sein sollte. Die Anwesenheit des <em class="gesperrt">Löffler</em>’schen -Diphtheritis-Bacillus ist die Basis dieser Diagnose, und wenn die -Serumtherapie so günstige Erfolge aufzuweisen hat, ist zweifellos diese -unrichtige Basis der Diagnose Diphtheritis, wie auch <em class="gesperrt">Kassowitz</em> -und Andere mit Recht bemerken, der Urheber dieser Erfolge. Unschuldige -Affectionen der Mundhöhle, des Rachens und des Kehlkopfes werden also -von den chinesischen Curpfuschern als Diphtheritis behandelt, und der -günstige Verlauf dieser Krankheiten wird von ihnen als Heilung der -Diphtheritis durch ihre Therapie ausgeschrieen. 2. Giebt es zahlreiche -Diphtheritisfälle, ja selbst Epidemien dieser Krankheit, welche durch -ihre »Gutartigkeit« charakterisirt sind, d. h. bei jeder Therapie -oft kaum 20% Todesfälle aufzuweisen haben. Dies gehört in Indien -zu der Regel; nur selten geht dort der Process vom Rachen auf den -Kehlkopf über und erfordert den Kehlkopfschnitt. Dies war der Fall -mit jenem Patienten, welcher von Dr. W. behandelt und wegen drohender -Erstickungsgefahr in das Spital geschickt wurde, und welcher der -einzige Fall von Diphtheritis war, den ich in Indien beobachten konnte.</p> - -<p>Der Curiosität halber glaube ich die Behandlung der Chinesen hier -mittheilen zu sollen, wie sie Dr. <em class="gesperrt">van der Burg</em> beschreibt. -Auch Dr. <em class="gesperrt">Vordermann</em> hat s. Z. einige Recepte des chinesischen -»Pulvers zum Einblasen« angegeben. Dr. <em class="gesperrt">van der Burg</em> schreibt -hierüber Folgendes: »Es wird von den Chinesen besonders schwache -Nahrung und schwacher Luftwechsel verlangt; dann blasen sie -ein röthliches oder grünliches Pulver mit einem dünnen, hohlen -Bambusröhrchen auf die ergriffenen Stellen der Kehle ...« Die chemische -Untersuchung des am häufigsten gebrauchten Pulvers ergab nach <em class="gesperrt">van -der Wiel</em> folgendes Recept:</p> - -<table class="chinesische_medizin"> - <tr> - <td> - 2 - </td> - <td> - <div class="center">Theile</div> - </td> - <td> - <div class="center">Sulphuret</div> - </td> - <td> - arsenici (tsee houang), - </td> - </tr> - <tr> - <td> - 3 - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - hydrargyri (tju séh), - </td> - </tr> - <tr> - <td> - ½ - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td colspan="2"> - Sulphas cupri (tan-fan), - </td> - </tr> - <tr> - <td> - 3 - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td colspan="2"> - Borax (pang sha), - </td> - </tr> - <tr> - <td> - 2 - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td colspan="2"> - Kampfer (ping pien), - </td> - </tr> - <tr> - <td> -<span class="pagenum" id="Seite_372">[S. 372]</span> - 1 - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td colspan="2"> - Moschus (shie hiang), - </td> - </tr> - <tr> - <td> - 3 - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td colspan="2"> - Chloretum natrium (ché jèn), - </td> - </tr> - <tr> - <td> - 3 - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td colspan="2"> - Perlen (tjien tju), - </td> - </tr> - <tr> - <td> - 3 - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td colspan="2"> - Bezoarstein<a id="FNAnker_219" href="#Fussnote_219" class="fnanchor">[219]</a> (niu hoang), - </td> - </tr> - <tr> - <td> - 2 - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td colspan="2"> - Bambussteine (tschou houang), - </td> - </tr> - <tr> - <td> - 2 - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td colspan="2"> - Radix salviae multiorhizae (tan seng), - </td> - </tr> - <tr> - <td> - 2 - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td colspan="2"> - Galle (?) (hiem tàk), - </td> - </tr> - <tr> - <td> - ½ - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td colspan="2"> - der Baumrinde von? (djie tèh), - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - 3 - </td> - <td class="vat"> - <div class="center">„</div> - </td> - <td class="vat" colspan="2"> - Excremente von Kakerlaken<a id="FNAnker_220" href="#Fussnote_220" class="fnanchor">[220]</a> - (tay-ka-toi) und eingedämpftem Urin von Kindern (jin tchong pe), - </td> - </tr> -</table> - -<p class="p0">dieses alles wird gemischt, pulverisirt und 2–3mal jede Stunde in den -Mund eingeblasen!!</p> - -<p>Auch die Diphtheritis fordert in Indien zur Zeit der Kentering<a id="FNAnker_221" href="#Fussnote_221" class="fnanchor">[221]</a> die -meisten Opfer. In der Regenzeit verhindern die grossen Wassermassen -mechanisch die Entwickelung schädlicher Bacterien, in der trockenen -Jahreszeit versengen die heissen Strahlen der Tropensonne die Keime -aller zymotischen Krankheiten. In der Uebergangszeit dieser beiden -Jahreszeiten (Kentering) sind die Tropen ein Riesen-Brutkasten für -alle Krankheitserreger, und ebenso sind unausgesprochene Monsune, -die »trockene« Regenzeit (Westmonsun) und die »nasse« trockene -Zeit (Ostmonsun) für das einzelne dazu disponirte Individuum die -gefährlichste Zeit. Leider ging es auch mir während des Aufenthaltes -in Semárang schlecht. Wir hatten zur Zeit des Westmonsuns viele, ja -selbst zahlreiche Tage, an welchen es nur wenige Stunden, und noch -dazu in kleinen Mengen regnete. Die Feuchtigkeit, organische Stoffe -und Wärme waren in hinreichendem Quantum vorhanden, um ein üppiges -Wuchern aller möglichen schädlichen Bacterien zu veranlassen; ich -bekam die Furunculosis. So schmerzhaft die ersten Furunkeln waren, -so wenig störten sie mich in meinen täglichen Arbeiten. Das Spital -war in der nächsten Nähe; wenn ich auch unter Beschwerden den kurzen -Weg dahin zurücklegte, und auch die Behandlung von 50–60 Patienten -immerhin mit einiger Bewegung verbunden war, so überwand ich doch die -Schmerzen, weil einerseits damit keine Gefahr verbunden war, weil ich<span class="pagenum" id="Seite_373">[S. 373]</span> -andererseits zu Hause die Langeweile fürchtete, und weil ein solcher -Mangel an Aerzten herrschte, dass schon durch den Ausfall Eines Arztes -die Patienten des Spitals hätten leiden müssen. Unterdessen (Ende -Februar) hatte ich mein Gesuch um einen einjährigen Urlaub nach Europa -eingereicht und hoffte, da ein solches Gesuch gewöhnlich drei Wochen -zu seiner Erledigung nöthig hat, Mitte oder Ende März abreisen zu -können; sie erfolgte in dieser Frist nicht. Die Furunkeln heilten zwar, -es kamen aber jedoch immer neue hinzu; ich kam herunter und endlich -entschloss ich mich, den Dienst einzustellen, und der Garnisonsdoctor -gab mir ein ärztliches Zeugniss, dass ich wegen allgemeiner -Furunculosis einen Urlaub ins Gebirge dringend nöthig hätte. Am 25. -März 1897 ging ich mit der Eisenbahn nach Salatiga. Leider habe ich -dadurch das »ewige Feuer« nicht gesehen, von dem <em class="gesperrt">Veth</em> eine -ausführliche Beschreibung bringt und 5 km entfernt von Gubuk gefunden -werden soll. Aus Oeffnungen in dem Boden strömt ein brennbares Gas -aus, welches, einmal entzündet, wie Einige behaupten, zwar durch -Stampfen in der Umgebung, starkes Blasen oder durch Wasser ausgelöscht -werden kann, sich aber durch die Berührung mit der Luft immer wieder -entzündet. In Kedong Djatti, welches seinen Namen den dortigen grossen -Wäldern von Djattibäumen (Tectonia grandis) entlehnt, mussten wir -umsteigen, um die Strecke nach Ambarawa zur weiteren Reise zu benutzen. -Nur einige Kilometer hinter dieser Station betraten wir bei Gaga dalem -eine Enclave von Solo,<a id="FNAnker_222" href="#Fussnote_222" class="fnanchor">[222]</a> und acht Kilometer weiter erreichten wir -Bringin, von welchem Salatiga auf einer schmalen Strasse zu Pferde -oder mit einem Dos-à-dos in ungefähr einer Stunde zu erreichen wäre. -So wie die meisten Touristen fuhr ich jedoch weiter bis Tuntang, von -wo aus eine schöne breite Strasse über Salatiga nach Solo und Djocja -und an die Südküste führt. Der grosse Postweg<span class="pagenum" id="Seite_374">[S. 374]</span> Javas, welcher längs -der Nordküste dieser Insel von Batavia nach Surabaya zieht, giebt auch -in Semárang einen Zweig ab, welcher sich nördlich von Ambarawa (bei -Baven) in zwei Aeste theilt. Der eine umkreist die westlichen Abhänge -der Grenzgebirge Merbabu, Merapi u. s. w., während der andere im Osten -dieser Berge nach dem Süden Javas zieht. In Tuntang stand ein grosser -Reisewagen, und gegen 7 Uhr Abends kamen wir in Salatiga an. Im »Hotel -Taman« fanden wir eine aufmerksame Wirthin, ein hübsches Zimmer, eine -grosse Veranda mit einer schönen Aussicht und freiem Gebrauche des -Bades »Kali taman«, und zwar für 8 fl. pro Tag. Die Babu bekam von -mir täglich 20 Ct., wofür sie sich das Essen bezahlte, während eine -gastfreundliche Collegin des Hotels ihr eine Schlafstätte gratis anbot. -Zur Reise hatte sie sich nämlich nebst einem Kistchen aus Zinkblech für -ihre Schätze an Sarongs u. s. w. ein Kopfpolster mitgenommen, welches -in einer Matte eingerollt war; diese Matte wurde das Schlaflager -unserer Babu. Am andern Tag besuchte ich sofort das Bad Kali taman, -welches ungefähr einen Kilometer vom Hotel entfernt war; es bestand -aus einem grossen Bassin, in welches sich aus einer Höhe von zwei -Metern ein mächtiger Strahl von frischem, hellem und kühlem Bergwasser -stürzte. Ein Schwarm Goldfische bewohnte das Bassin, und als ich auf -der ersten Stufe stand, kamen ein paar Hundert dieser zierlichen -Fischchen auf mich zugeschwommen. Es fiel mir auf, dass die kleinen -in Gold- und Silberfarbe schimmernden Fische in der ersten Reihe -schwammen, und in der Peripherie die grossen mit grauem, mattem Kleide -es niemals wagten, sich uns zu nähern. Jetzt wurde es mir deutlich, -warum mir beim Eintritt der Wächter des Bades ein grosses Blatt, -gefüllt mit gekochtem rothen Reis, um 2½ Cent zum Kauf angeboten hatte. -Die Fische waren gewöhnt, von den Badegästen gefüttert zu werden; -späterhin verschaffte es mir viel Vergnügen, die klugen Aeuglein von -Hunderten von Fischen und Fischchen auf mich gerichtet zu sehen, sie -wurden so zutraulich, dass sie sich bis an meine Füsse heranwagten.</p> - -<p>Salatiga liegt 574 Meter hoch und erinnert in mancher Hinsicht an -die Riviera. Oft hatten wir es in den Morgenstunden nicht wärmer -als 12° und um 12 Uhr nur 17–18° C. Wenn ich in der Veranda des -Hotels auf meinem »Faulenzerstuhl« sass und meinen Blick über den -grossen Schlossplatz warf, sah ich im Nordwesten den Unarang und im -Südwesten den Merbabu ihre stolzen<span class="pagenum" id="Seite_375">[S. 375]</span> Häupter erheben, zwischen welchen -Ambarawa eingeschlossen ist, und aus welchen sich die herabstürzenden -Wassermassen durch eine Bergspalte in den Fluss Tuntang ergiessen. -Schon seit 250 Jahren ist Salatiga als Luftcurort bekannt, und wenn -die Vasallen zu dem grossen Fürsten des Mataramischen Reiches von -Semárang zogen, hielten sie ihren ersten Rasttag in Unarang und den -zweiten in diesem lieblich reizenden Bergstädtchen, das nach den -drei Tempeln (Selá tiga), welche hier gestanden hatten und schon -im vorigen Jahrhundert niedergerissen wurden, den Namen Salatiga -behielt. Zahlreiche Pensionäre wohnen hier wegen des italienischen -Klimas und wegen der Billigkeit seiner Lebensmittel. Der Besitzer des -Bades Kali taman und eines grossen Landgutes kam zu meiner grossen -Ueberraschung vor zwei Jahren nach Karlsbad, und ihm verdanke ich -so manche Aufklärung über das politische Verhältniss der Landherren -Javas einerseits zu der indischen Regierung und andererseits zu der -ansässigen Bevölkerung. Nebstdem hat die indische Cavallerie ihren Sitz -in Salatiga; der Stab dieses Corps liegt mit zwei Escadronen in dieser -kleinen Stadt, welche vielleicht 500 europäische Seelen, 3000 (?) -Javanen, 500 Chinesen und 50 (?) Araber als Einwohner hat.</p> - -<p>Leider war es mir durch meine Furunkeln unmöglich, grössere Ausflüge -zu machen, und weder das Gesundheits-Etablissement Ungaran noch -Pelántungan zu besichtigen. Das erstere ist wie Salatiga ein Luftcurort -(318 Meter hoch), während Pelántungan grosse und reiche jodhaltige -Quellen besitzt, wo Lepra- und Syphilis-Patienten Heilung von ihren -Gebrechen suchen, und sich seit 1844 eine Militär-Badeanstalt befindet. -Noch mehr bedauere ich es, dass mir die Gelegenheit genommen war, das -viel gepriesene Dienggebirge mit seinen Naturschönheiten und seinen -zahlreichen Ruinen besuchen zu können. Ich sollte Salatiga, die Provinz -Samarang und die Insel Java verlassen, ohne dieses Wunderland (das -Dienggebirge) auch nur gesehen zu haben.</p> - -<p>Schon im September 1896 hatte ich für mich und meine Frau bei der -französischen Schifffahrts-Gesellschaft »Passage besprochen«, und Ende -März 1897 konnte ich auf die Anfrage dieser Gesellschaft, wann ich -doch meine Anweisung der Regierung für die Unkosten einreichen würde, -nur ausweichende Antworten geben, weil noch immer keine Erledigung auf -mein Urlaubsgesuch erfolgt war. Ja noch mehr; die Zeitungen brachten, -wie ich schon erwähnt habe, die Nachricht, dass<span class="pagenum" id="Seite_376">[S. 376]</span> der Sanitätschef das -Ersuchen an die indische Regierung gerichtet hatte, wegen grossen -Mangels an Militärärzten diesen keinen Urlaub nach Europa zu gewähren.</p> - -<p>Endlich erhielt ich am 8. April die telegraphische Nachricht, dass -mir der Urlaub ertheilt werde, und da die Messagerie maritime mir auf -mein Ersuchen eine Cajüte auf »dem Ernest Simon«, welcher am 20. April -von Singapore abgehen sollte, reservirt hatte, eilte ich sofort am -folgenden Tage nach Semárang, wo es mir durch das Entgegenkommen aller -Behörden ermöglicht wurde, am 12. April mit dem Reael nach Batavia -abreisen zu können.</p> - -<p>Um 3 Uhr fuhr ich mit einem Wagen des Hotels zum Hafen. Für den Preis -von 2 fl. pro Kopf brachte mich und die übrigen Passagiere eine -Dampfbarcasse auf die Rhede, wo sich der kleine Dampfer Reael auf den -Wellen der etwas unruhigen See schaukelte. Um 4 Uhr wurde der Anker -gelöst, und geschützt von der Decke des Zeltes richtete ich zum letzten -Male meine Blicke hinüber zu dem vielköpfigen Merbabu. »Die Stadt -mit ihrer baumreichen Umgebung und den Bergprofilen im Hintergrund -formen ein liebliches Panorama. Im Südwesten erheben sich der Prahu, -der Sindoro und der Sumbing, und im Süden taucht der Telemaja auf, -hinter welchem der breite, vielköpfige Scheitel des Merbabu am -Horizonte erscheint. Zwischen dem Sumbing und Sindoro tritt der Unarang -deutlich in den Vordergrund. Seine malerische, trachitische und mit -Trachitblöcken bedeckten Vorhügel erstrecken sich bis in die Nähe der -Stadt, und man kann von der Rhede aus ihre rohen Formen, ihre breiten, -abgerundeten Scheitel und ihre arme Vegetation mit unbewaffnetem Auge -unterscheiden. Hinter diesen ungefähr 250 Meter hohen Hügeln erhebt -sich der Unarang mit sanft aufsteigenden Abhängen, welche nach und nach -in das Dunkelgrün seines dicht mit jungfräulichen Wäldern bedeckten -Scheitels übergehen.«</p> - -<p>Lebe wohl, du schönes, liebliches Java! Lebe wohl! Slamat Tanah Djava!</p> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_377">[S. 377]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Anhang">Anhang.</h2> - -</div> - -<p class="center s4 mbot2"><b>Die Ansiedelungen der Europäer auf der Insel -Java.<a id="FNAnker_223" href="#Fussnote_223" class="fnanchor">[223]</a></b></p> - -<p>Wenn auch Marco Polo (aus Venedig) schon am Ende des 13. Jahrhunderts -Sumatras Boden betreten hatte, so hat doch erst im Jahre 1323 (?) ein -Europäer, und zwar wiederum ein Italiener, der Mönch Fra Odorica, zum -ersten Male Java aus Autopsie kennen gelernt. Was sein Landsmann Nicolo -de Conti (1430?) von seinen Erlebnissen in Java mittheilte, ist nicht -der Mühe werth, geschichtlich beurtheilt zu werden, ebenso wenig haben -die Mittheilungen von Ludovico di Varthema aus Bologna (1505) irgend -welchen historischen Werth. Im Jahre 1512 schickte der Portugiese -d’Albuquerque den Mohamedaner Nakhoda Ismaïl mit einer Jonke nach den -Molukken mit dem Auftrage, die östlichen Inseln zu untersuchen. Im -folgenden Jahre (1513) kehrte er mit einer Ladung von Gewürzen zurück, -landete auf Java, wo bei Tuban sein Schiff strandete, worauf Inam Lopez -Aluim mit vier Schiffen die Staaten der Nordküste aufsuchte. Acht -Jahre später kam der Portugiese Antomode Brito mit fünf Schiffen nach -Java und Madura (wo seine Bemannung eine kurze Zeit gefangen gehalten -wurde), und im Januar 1522 Enrique Leme (nach Sunda), Garcia Enriquez -und der Portugiese Magalhães. Im Jahre 1523 sah Java wiederholt -portugiesische Schiffe, und zwar<span class="pagenum" id="Seite_378">[S. 378]</span> in Grisé. Während Simão de Soresa und -Martin Correa einem nächtlichen Anfall der Javanen durch rechtzeitige -Warnung des Manuel Botelho aus Surabaya entkamen, fiel Antonio de Pina, -Botelho selbst und Antonio Pessoa (1524) unter den verrätherischen -Anfällen der erbitterten Javanen. Die Portugiesen unterliessen es -hierauf einige Jahre lang, mit den verrätherischen Javanen des Ostens -der Insel Handel zu treiben, und besuchten allein Panarukan (1526 -unter Antonio de Brito und João de Morene), und im Jahre 1528 (unter -Don Garcia Enriquez), nachdem Francisco de Sá (1526) ebenfalls eine -unglückliche Expedition nach »Sunda«<a id="FNAnker_224" href="#Fussnote_224" class="fnanchor">[224]</a> unternommen hatte.<a id="FNAnker_225" href="#Fussnote_225" class="fnanchor">[225]</a></p> - -<p>Im Jahre 1536 kam der Spanier Andres de Urdaneta nach Panarukan, -nachdem 1532 die Portugiesen dort ein Standbild mit dem Wappen des -Königs von Portugal und drei Kreuze errichtet hatten. Dreizehn Jahre -lang fehlen die Nachrichten über die Fahrten der Portugiesen nach Java, -und erst 1545 kam Fernão Mendez Pinto nach Bantam, und mit 40 Mann -seiner Flotte betheiligte er sich an dem Zuge des Sultans von Bantam -nach Demak (Januar 1546), um gemeinschaftlich gegen den Sultan von -Pasuruan zu ziehen. Trotz der colossalen Heeresmacht (Pinto spricht -von 800000 Mann und 2700 grösseren und kleineren Schiffen) endigte -dieser Krieg mit einer fürchterlichen Niederlage, und die Portugiesen, -welche sich daran betheiligt hatten, setzten ihre beabsichtigte Reise -nach China fort. Auf der Rückreise erlitten sie an der Nordküste -Javas Schiffbruch, Pinto wurde mit einigen seiner Matrosen als Sclave -verkauft, später jedoch freigelassen und nach den portugiesischen -Schiffen gesendet, welche in dem »Hafen von Sunda« lagen. Sir Francis -Drake kam auf seiner Weltumsegelung (1577–80) ebenfalls nach Java. Die -Holländer kamen zum ersten Mal am 23. Januar 1596 nach Java (Bantam) -und schlossen unter Cornelis de Houtman (1. Juli 1596) mit Pangéran -Mangku bumi, dem Vormund des unmündigen Fürsten, einen Vertrag, -demzufolge Prinz Moritz von Nassau, zum grössten Aerger der anwesenden -Portugiesen, in Bantam freien Handel führen konnte, und es gelang -diesen auch, die Bantamer gegen die Holländer aufzuhetzen. De Houtman -wurde<span class="pagenum" id="Seite_379">[S. 379]</span> mit seinen Männern, welche am Strande ein Waarenlager errichtet -hatten, gefangen genommen, bald aber (2. October) freigelassen und -konnte unter denselben Bedingungen wie die Portugiesen und Chinesen -Handel treiben. Aber schon 3 Wochen später mussten sie wieder mit -Gewalt das Befolgen des Contractes erzwingen; die Flotte zog dann längs -der Nordküste bis Grisé; bei Sidaju wurde das Schiff Amsterdam von -feindlich gesinnten Javanen überrumpelt, und am 6. December wurden sie -bei Arisbaja, auf der Insel Madura, zu einem Angriff auf einige Kähne -der Javanen durch falschen Argwohn gezwungen. Nachdem sie in Bavean das -unbrauchbare Schiff »Amsterdam« verbrannt hatten, zogen sie nach der -Insel Bali (Januar 1597), und einen Monat später (27. Februar 1597) -zogen sie längs der Südküste Javas und Africas nach Holland zurück, -wozu sie ungefähr 5½ Monate nöthig hatten. Im Jahre 1598 erschien -wieder eine portugiesische Flotte, um die Niederländer, von deren -Abreise sie nichts wussten, von Java zu vertreiben; die Bantamer fanden -es jedoch zweckmässiger, sich diese ihre Freunde vom Halse zu schaffen, -überfielen ihre Schiffe, nahmen ihnen das von anderen Schiffen geraubte -Gut wieder ab und empfingen wieder mit Freuden die Ankunft einer neuen -holländischen Flotte (25. November 1598). Von den acht Schiffen, unter -dem Commando von Jacob van Neck, gingen vier voll beladen nach Holland -zurück, und die übrigen vier fuhren am 8. Januar 1599 nach Madura, -wo es ihnen, wie ihren Vorgängern, sehr schlecht erging. Fünfzig -Mann fielen in die Hände der Maduresen und mussten um hohes Lösegeld -freigekauft werden. Nach den Molukken setzten sie ihre Reise fort und -kamen am 9. August wieder nach Bantam zurück.</p> - -<p>Glücklicher waren in demselben Jahre zwei andere holländische Schiffe, -welche allerdings acht Monate lang auf die Ernte des Pfeffers warten -mussten, aber unter Gerard Leroy am 18. November 1599 voll geladen -ihre Reise nach Europa antreten konnten. Das Jahr 1600 sah mehrere -holländische Flotten vor Bantam, darunter die von Pieter Both, -welcher für die Neue Brabant’sche Compagnie in Amsterdam eine Factory -errichtete, während kurz vorher Wilkens für die alte Compagnie dasselbe -gethan hatte. Als im Jahre 1601 die Spanier<a id="FNAnker_226" href="#Fussnote_226" class="fnanchor">[226]</a> unter Furtado de -Mendoça als Erben<span class="pagenum" id="Seite_380">[S. 380]</span> der Portugiesen deren Colonien in Besitz nehmen -wollten, befanden sich in Bantam bereits vier Factoreien, und es -gelang Wolphert Harmensz (am 24. December 1601), die starke und weit -überlegene Flotte der Spanier zum Rückzug zu zwingen, auf der Rhede -von Bantam fünf Schiffe mit Gewürzen und Pfeffer voll zu laden und -nach Europa zu senden, während der Admiral van Heemskerck in Demak -einen Theil seiner Bemannung verlor und in Djaratan<a id="FNAnker_227" href="#Fussnote_227" class="fnanchor">[227]</a> die erste -holländische Factory im Osten der Insel errichtete (1602).</p> - -<p>Um diese Zeit errichteten auch die Engländer (December 1602) eine -Factory in Bantam (unter Capitän James Lancaster), und zwar in -demselben Jahre, als die ostindische Compagnie (20. März 1602) den -Grundstein zu der colonialen Besitzung Hollands gelegt hatte. Schon -1603 (29. April) konnte Wybrand van Warwyck in Bantam und Grisé mitten -in den Städten Bantam und Grisé steinerne Gebäude zur Errichtung der -Factory erhalten, während dieses vor dieser Zeit höchstens am Ufer des -Meeres erlaubt gewesen war. En mangeant vient l’appetit. Die Engländer -kamen schon im nächsten Jahre (1604) mit zahlreichen Schiffen, und wenn -auch anfangs diese zwei Seemächte sich freundschaftlich vertrugen, -blieb die Rivalität nicht aus, und im Jahre 1605 kam es zwischen -beiden zu einem blutigen Gefecht. Auch mit Spanien machte sich die -grösste Rivalität geltend, so dass sich die Compagnie endlich zu einem -weitgreifenden Schritte entschloss. Am 30. Januar 1610 verliess Pieter -Both mit acht Schiffen Texel, kam 10½ Monate später nach Bantam (19. -December), besuchte sofort Jakatra,<a id="FNAnker_228" href="#Fussnote_228" class="fnanchor">[228]</a> wo er eine Factory errichtete, -welche jedoch nach seiner Abreise ausgeplündert und verbrannt wurde. -Als er (October 1613<a id="FNAnker_229" href="#Fussnote_229" class="fnanchor">[229]</a>) von seiner Reise nach den Molukken zurückkam -und diesen traurigen Zustand erfuhr, ernannte er Jan Pieterszoon Koen -zum Director der beiden Factoreien Bantam und Jakatra. Dieser benutzte -die Rivalität der beiden Höfe von Bantam und Jakatra, um offensiv gegen -Bantam und die Engländer aufzutreten, welche ebenfalls in Jakatra, und -zwar am linken Ufer der Tji-Livong eine Factory errichtet hatten. Als<span class="pagenum" id="Seite_381">[S. 381]</span> -die Factory von Djapara ausgeplündert und am folgenden Tage selbst das -Gebäude zu Jakatra überfallen wurde, entschloss sich endlich Koen zu -radicalen Schritten und begann am 22. October 1618 ein Fort in Jakatra -zu bauen. Schon am 8. December 1618 erschien eine grosse Flotte der -Engländer vor Bantam, bemächtigte sich des reich beladenen Schiffes -»De zwarte Leeuw« und zog dann weiter nach Jakatra, wo sie Batterien -aufwarfen. Diese wurden jedoch schon am 23. von Koen angegriffen -und zerstört. Zu einem unentschiedenen Treffen kam es am 2. Januar -1619, worauf Koen nach den Molukken eilte, um eine hinreichend starke -Flotte zu erhalten, und zugleich van den Broek beauftragte, das neue -Fort zu verstärken und sich auf die Defensive gegen die Engländer -und Javanen zu beschränken. Dieser liess sich aber durch die Javanen -in die Falle locken, und sein Vertreter im Fort, Pieter van Raey, -capitulirte vor den Engländern und Jakatraern. In dieser Noth kam -unerwartet Hülfe von — Bantam, welche den Engländern und Jakatraern -das Recht absprach, sich mit den Holländern zu bemühen. Die darauf -entstandene Verhandlung zog sich in die Länge, bis im Mai (1619) Koen -mit 16 Schiffen vor Jakatra erschien, die Javanen aus ihren Bollwerken -vertrieb und <em class="gesperrt">Batavia</em>, welcher Name am 12. März van Raey dem -ganzen Fort, d. h. den vier Bastions Holland, West-Friesland, Zeeland -und Gelderland, gegeben wurde, als den Mittelpunkt des niederländischen -Handels in Indien erklärte. Bantam widersetzte sich noch einige -Monate dieser definitiven Ansiedelung der Holländer in Batavia, ohne -nicht einmal die Uebersiedelung seiner eigenen Unterthanen (Chinesen -und Bantamer) verhindern zu können. Mataram erklärte hierauf die -Niederländer zu seinen »Unterthanen« und glaubte ihnen gegenüber -dieselben despotischen Gebräuche wie gegen die Eingeborenen üben zu -können. Aber schon 1622 änderte der Panembahan seine Politik und bat -die Niederländer um Hülfe, Bantam zu unterwerfen. Koen fürchtete, -dass nach Bantam Batavia an die Reihe kommen sollte, und gab seiner -Gesandtschaft unter Dr. de Haan den Auftrag, diesbezüglich in Mataram -die nöthige Vorsicht zu üben. Durch die Eroberung von Sukadana auf -Borneo und von der Insel Madura war der Fürst von Mataram Herr von -beinahe ganz Java geworden und verlangte auch von dem Gesandten -Vos,<a id="FNAnker_230" href="#Fussnote_230" class="fnanchor">[230]</a> die Souveränität Matarams anzuerkennen.<span class="pagenum" id="Seite_382">[S. 382]</span> Als im August 1626 -eine Gesandtschaft nach Mataram abging, wurde sie in Karta nicht -zugelassen, weil »die Geschenke zu unansehnlich waren und die Regierung -in ihrem Briefe den Susuhunan nicht hoch genug betitelt und sich selbst -nicht genug erniedrigt hatte«.<a id="FNAnker_231" href="#Fussnote_231" class="fnanchor">[231]</a></p> - -<p>Unterdessen hatten die Engländer mit den Niederländern 1619 einen -Contract geschlossen, dem zufolge sie gemeinsam in Bantam unter einem -»Rath von Vertheidigung« die gegenseitigen Handelsinteressen schützen -sollten. Dieser Vertrag zwischen Hund und Katze dauerte nur bis 1628, -in welchem Jahre sie den Handel in Bantam ganz allein in ihre Hände -bekamen, um jedoch schon 1684 vor der Energie Hollands weichen zu -müssen.</p> - -<p>Im Jahre 1627 kam Koen zum zweiten Male als Gouverneur-General nach -Batavia, und hatte bald gegen einzelne Scharen von Bantamern Batavia -und sein Leben zu vertheidigen und auch einen Ueberfall von Mataram -(22. August 1628) zurückzuschlagen; ein zweiter Ueberfall (September -1629) endigte ebenso glücklich für die Niederländer, obzwar Koen selbst -ein Opfer der Cholera wurde. Jacques Specx wurde zu seinem Nachfolger -ernannt. Da die Regierung in Holland immer und immer wieder die -indische Regierung ermahnte, mit Bantam und Mataram in Freundschaft -zu leben, wurde der Regent von Djapara als Vermittler zwischen der -Compagnie und dem Sultan Ageng (= der Grosse), welchen Titel er von -einem arabischen Scheik aus Mekka erhalten hatte, gewählt, und eine -holländische Gesandtschaft, aus 25 Mann bestehend, brachte zahlreiche -Geschenke nach Djapara. Sie wurden jedoch mit ihren Geschenken von -dem Regenten selbst gefangen genommen. Da nebstdem Sultan Ageng -zahlreiche Räuberbanden nach Batavia sandte, so wollte G.-G. Brouwer, -der Nachfolger von Specx, die Macht des Sultans auf indirecte Weise -schwächen und schickte (1633) nach der Insel Bali eine Gesandtschaft, -um den Fürsten gegen seinen Erbfeind von Mataram aufzuhetzen. Da dies -nicht gelang, so entschlossen sie sich zu dem erniedrigenden Vorgang -(October 1634), eine Gesandtschaft an den Sultan zu senden und einen -jährlichen Tribut zu zahlen, »weil die Niederländer auf <em class="gesperrt">seinem</em> -Lande sich angesiedelt hatten«.<a id="FNAnker_232" href="#Fussnote_232" class="fnanchor">[232]</a> Der Sultan stellte jedoch -unerreichbare Forderungen und Antonie<span class="pagenum" id="Seite_383">[S. 383]</span> van Diemen<a id="FNAnker_233" href="#Fussnote_233" class="fnanchor">[233]</a> gab sich Mühe, -wieder mit Bantam auf guten Fuss zu gelangen, dessen Fürst ebenfalls -aus Mekka eine heilige Fahne und den Titel Abu’l, Mofachir Mohamed -Abdu’l Kadir erhielt. Dadurch stieg die Rivalität mit dem Sultan Ageng, -und nachdem 1639 die Niederländer ein Schutz- und Trutzbündniss mit -dem Sultan von Bantam geschlossen hatten, entfaltete er die heilige -Fahne zum Kriege gegen alle Ungläubigen. Obwohl um diese Zeit (1641) -die Niederländer ihren alten Rivalen, den Portugiesen, auf welche -Sultan Ageng seine ganze Hoffnung gründete, mit ihrer Hülfe die -Niederländer von Java zu vertreiben, auf Malacca eine solche Niederlage -beibrachten, dass sie gezwungen waren, diese Colonien aufzugeben, so -wurde ihre Lage doch nicht verbessert, weil wieder die Engländer auf -dem Kriegsschauplatze erschienen (1642), indem die Factory von Bantam -eine Gesandtschaft an den Fürsten von Mataram schickte, zu dem Zwecke, -die Insel Banka zu erwerben. Einen directen Angriff auf Batavia erlebte -Sultan Ageng nicht mehr, und nach 33jähriger Regierung (1645) starb er -und wurde zu Imagiri begraben, wo sein Grab noch heute von den Javanen -als Heiligthum verehrt wird.</p> - -<p>Nach dessen Tode gelang es endlich dem G.-G. Cornelis van der Lijn mit -dessen Nachfolger, Amangku-Rat, im Jahre 1647 Frieden zu schliessen.</p> - -<p>Auch in Bantam war der alte Sultan 1651 gestorben, und sein Enkel und -Nachfolger, Sultan Ageng Tirtajasa, auch Abu’l Fath, Abdu’l fattâh -genannt, nahm sofort nach seiner Thronbesteigung die alte feindliche -Haltung wieder an; nicht allein, dass er zahlreiche Räuberbanden nach -Batavia schickte, er griff selbst zwei Schiffe der Compagnie an, kurz, -alle Mittel des Guerillakrieges wendete er an, so dass im Jahre 1656 -die Vertreter der Compagnie sich flüchten mussten. Die <em class="gesperrt">Engländer</em> -und <em class="gesperrt">Dänen</em> unterstützten den Sultan in seinem Widerstande gegen -die Holländer; sie gingen zum Angriffe über, obwohl eine englische -Flotte aus Europa erschien, mit einem Briefe der Nied. O. I. Compagnie, -in welchem ein Bündniss und Frieden mit den Engländern gefordert wurde. -Die Niederländer schlossen also mit Bantam Frieden (1664), ohne jedoch -bedeutende Vortheile damit zu erzielen. Auch in Mataram spielte die<span class="pagenum" id="Seite_384">[S. 384]</span> -Compagnie in dieser Zeit keine würdige Rolle. Obwohl Amangku Rat wie -ein javanischer Nero seinen Tyrannengelüsten freie Zügel schiessen -liess, so huldigte die Compagnie ihm doch in auffallender Weise, indem -sie jedes Jahr eine Gesandtschaft an seinen Hof schickte, welche ihm -jedesmal die bedeutendste Erfindung Europas als Geschenk brachte.</p> - -<p>Unterdessen hatten die Makassaren von den Molukken durch ihre Raubzüge -die ganze Nordküste Javas geplündert und 1671 in Bantam günstige -Aufnahme gefunden, weil der Sultan hoffte, mit ihrer Hülfe seine beiden -Rivalen, den Fürsten von Mataram und die Holländer, demüthigen zu -können.</p> - -<p>Capitän Holsteyn’s unglücklicher Feldzug veranlasste die Compagnie, den -Major Poleman (1676) mit 300 Mann nach dem Osten Javas zu schicken, -wohin sich die Makassaren zurückgezogen hatten, nachdem sie Bantam -wegen Ermordung des Sohnes ihres Häuptlings Kraëng Montemarano -verlassen hatten. Poleman eroberte alle Bollwerke der Makassaren, so -dass sie sich ins Innere des Landes flüchten mussten. Das Heer des -Sultans von Mataram unter Commando von Pangeran Adipati Anom war jedoch -nicht im Stande, trotzdem sie ungefähr 60000 Mann stark waren, die -vereinigten Maduresen und Makassaren aufzuhalten, die ganze Küste von -Ost-Java fiel wieder in die Hände der Maduresen, der Bundesgenossen -der Makassaren (bis auf das niederländische Fort Djapara). Der Rath -von Indien, Cornelis Speelman, eilte dieser Factory zu Hülfe, und zwar -mit 300 europäischen und 400 eingeborenen Soldaten, und auf seinem -Zuge verhandelte er mit dem Sultan von Mataram über die Entschädigung, -welche ihm für diese Hülfeleistung geleistet werden sollte. Der -Gesandte Couper brachte am 28. März 1677 ein solch trauriges Bild -von den Zuständen in der Hauptstadt und besonders über die innere -Zerfahrenheit und die Streitigkeiten der vier Söhne des Sultans an -Speelman, dass er beschloss, den Kampf mit Truna Djaja, dem Anführer -der Maduresen, aufzunehmen. Nach einigen vergeblichen Versuchen, die -Javanen für den Susuhunan zu gewinnen, eroberte er das Fort des Truna -Djaja und schlug seine Truppen in die Flucht, ging dann selbst nach -Madura, wo er nur unter grossen Opfern Arisbaja eroberte, und wandte -sich dann wieder nach Java, um dem Sultan von Mataram ausgiebige Hülfe -gegen die aufständischen benachbarten Provinzen zu bringen. Mataram -erfuhr dadurch nur mehr Schaden als Nutzen. Durch das<span class="pagenum" id="Seite_385">[S. 385]</span> Bündniss mit -den Holländern gingen Samarang, Kudu, Pati, Demak zu Truna Djaja, -dem Vertheidiger des heiligen Glaubens über, und von dem Sultan, als -dem Freund der Kafirs, fielen selbst seine nächsten Verwandten ab, -so dass er flüchten musste, bis er endlich bei seinem ältesten Sohne -Pangeran Adipat Anom in Bageléen Asyl und Hülfe fand. Truna Djaja hatte -nämlich durch seinen Feldherrn Mangku Iuda die Hauptstadt Mataram -erobert und sich den Harem, die Pferde, Elephanten, Schatz-Kisten, die -Reichsinsignien und die Kanone Satomi nach Kediri bringen lassen. Der -Nachfolger Amangku Rat II. hatte trotz der grossen Bedrängnisse von -Seiten seiner Vasallen keine anderen Sorgen als die Liebe, während -Speelman sich alle Mühe gab, das Reich Mataram nicht untergehen zu -lassen, um in seinem Fürsten einen untergebenen Vasallen in Java zu -besitzen; nebstdem hatte er dem Sultan bereits 310000 Realen (1 R. -= 2½ fl.) vorgeschossen. Der Susuhunan verpflichtete sich also (19. -October 1677), alle Häfen der Nordküste, von Krawang angefangen bis -an den äussersten Osten, dafür der Compagnie als Pfand zu geben, -und erweiterte den factischen Besitz der Compagnie bis an den Fluss -Pamanukan im Osten und an den grossen indischen Ocean im Süden. -Nebstdem erhielt sie das alleinige Recht von Einfuhr der persischen -Teppiche und Verkauf von allem Zucker in den Ländern Djapara, Demak, -Grobogan, Pati, Djewana und Kudus. Im Jahre 1678 erhielt Speelman -nebstdem das Gebiet der Stadt Samarang und Umgebung. Leider wurde durch -den Tod des Gouverneur-General Maessuyker (4. Januar 1678) Speelman von -der definitiven Ausführung seiner grossen Pläne abgehalten; er wurde -nämlich »zum Directeur-General von dem Handel« ernannt und musste das -Commando an den Hauptmann de St. Martin übergeben.</p> - -<p>Antonie Hurdt, welcher auf seiner Rückreise von den Molukken in -Djapara gelandet war, um sich von dem politischen Zustande von -Mittel-Java zu überzeugen, wurde als Civil-Commissar mit de St. -Martin als Militär-Commandant nach Ost-Java gesendet, um für das -Reich von Mataram zu kämpfen, weil Bantam erst dessen Untergang und -danach den von Batavia beschlossen hatte. Nach zahlreichen kleinen -Gefechten und langen Märschen im Innern des Landes, das den Europäern -noch ganz unbekannt war, gelang es Hurdt, wenn auch mit grossen -Verlusten, Kediri zu erobern, die alte Königskrone von Madjopahit und -die Reichsinsignien in die Hände zu bekommen und sie dem Fürsten auf -den Kopf zu setzen. Die anderen<span class="pagenum" id="Seite_386">[S. 386]</span> feindlichen Truppen der Makassaren -und Maduresen gaben den Holländern noch viel zu thun, bis endlich -Truna Djoja (27. December 1679) gefangen genommen und von dem Sultan -selbst gekrist<a id="FNAnker_234" href="#Fussnote_234" class="fnanchor">[234]</a> wurde. Die javanische Helena, Ratu Blitar, um -deren Besitz der Sultan von Mataram alle seine Kriegszüge unternommen -hatte, wurde von dem Sultan von Bantam an ihn ausgeliefert, mit dem -guten Rath, ihren Liebhaber auf das Verächtliche seiner Stellung als -Freund der Kafirs immer und immer hinzuweisen. Dennoch fiel schon -1680 Cheribon in die Macht der Compagnie, und nach einem Vertrag vom -4. Januar 1681 diese Provinz unter denselben Bedingungen wie Mataram -unter die Suzeränität der Compagnie. In Bantam hatte der Kronprinz auf -Rath französischer und englischer Freunde eine Pilgerfahrt nach Mekka -(und nach der Türkei) unternommen und wurde bei seiner Zurückkunft -als Sultan Hadji von seinem Vater zum Mitregenten eingesetzt. Bald -trachtete er, seinen Vater zur Seite zu schieben, und zwar mit Hülfe -des Jacob de Roy, welcher ein desertirter Soldat und Brotbäcker -der Compagnie gewesen war, und ihm rieth, die Hülfe der Compagnie -anzurufen, als ihn sein Vater Sultan Ageng bei Surasowan belagerte. -Bei Tangeran kam es zur entscheidenden Schlacht, und in der ersten -Aufwallung seiner Freude wollte Sultan Hadji alle Freunde seines -Vaters, die Engländer, Dänen, Franzosen und Portugiesen, aus Bantam -vertreiben. Der alte Sultan flüchtete sich nach dem Süden der Provinz -(Lebak) und ergab sich freiwillig (1683), nachdem er sein Lustschloss -Tirtajasa in der Nacht vom 28. zum 29. December 1682 in die Luft -hatte fliegen lassen. Speelman starb 1684, und sein Nachfolger, der -Gouverneur-General Camphuis, schloss am 17. April 1684 mit Sultan -Hadji einen Vertrag, demzufolge er mit 600000 Ryksdaalers seine -Schuld an die Compagnie anerkannte und dafür das alleinige Recht der -Ausfuhr von Pfeffer und Einfuhr von persischen Teppichen für Bantam -und seine sumatranische Besitzung an die Compagnie gab. Alle diese -Contracte wurden natürlich so oft als möglich — gebrochen; selbst der -Sultan von Mataram trachtete in dem Aufstande des früheren Sträflings -Suropatti das Joch der Niederländer abzuschütteln. Dabei hatten diese -viele tausend Soldaten und so manche treffliche Führer, wie Tak, van -Vlieth u. s. w. verloren, aber zuletzt musste der Sultan (1689) sich -wieder unterwerfen; dabei wurde Cheribon nach europäischem<span class="pagenum" id="Seite_387">[S. 387]</span> Modell -organisirt und die Preanger (1698) verpflichtet, gegen festgesetzte -Preise inländische Gewebe, Pfeffer, Indigo, Wachs, Vogelnester, Zimmt -und Perlen zu liefern. »Alle Preanger-Menschen seien Unterthanen der -Compagnie und dürfen weder untereinander kämpfen noch das Land sich -abnehmen, es sei denn auf Befehl des Gouverneur-General.«</p> - -<p>Suropatti fuhr indessen fort, sowohl seinem westlichen Nachbar, -dem Sultan von Mataram, als seinem östlichen, dem Susuhunan von -Balambangan, lästig zu fallen, und Beide wandten sich um Hülfe an die -Compagnie. Die Bitte des Sultans von Mataram, dessen Residenz seit den -Tagen von Truna Djaja Kartasura war, musste unberücksichtigt bleiben, -weil er nicht einmal seine alte Schuld bezahlt hatte, welche auf -1200000 Reals angewachsen war, und als Amangku Rat starb, entstanden -in seiner Familie so viel Streitigkeiten, dass die Regierung factisch -nicht wusste, wer der eigentliche Sultan war. Pangeran Puger, der -Bruder des alten Sultans, blieb mit Hülfe der Compagnie Sieger, wofür -er die ganze Provinz Preanger, Cheribon und die östliche Hälfte von -Madura zu einem Vasallenstaate der N. Regierung erklärte (5. October -1705).</p> - -<p>Bei Suropatti befand sich auch Sunan Mas, der frühere Kronprätendent -von Mataram, und leitete den Widerstand gegen die Holländer am Ende -des Jahres 1706. Suropatti wurde in seinem eigenen Lande angegriffen. -Der Feldzug hatte nur den einen Erfolg, dass Suropatti bei Banggil -verwundet wurde und kurz darauf in Pasaruan starb. Im nächsten Jahre -jedoch gelang es dem Commandanten de Wilde, dem Reiche des Suropatti -ein unrühmliches Ende zu bereiten und die Regenten von Madjakerto, -Wirasaba, Kediri und Madiun an Paku Buwana zu unterwerfen. Seine Söhne -fanden jedoch ein Asyl in Balambangan, von wo aus sie ihre Raubzüge -fortsetzten, bis im Jahre 1712 die Holländer dagegen energisch -auftraten.</p> - -<p>Im Jahre 1709 sollte eine Conferenz aller Fürsten von Java und Madura -in Kartasura zusammenkommen, in welcher der Susuhunan mit dem Vertreter -der Compagnie, dem Commandanten Knol, feststellen sollte, welche -Landesproducte<a id="FNAnker_235" href="#Fussnote_235" class="fnanchor">[235]</a> und zu welchem Preise diese von jedem einzelnen -Häuptling an die Compagnie jährlich geliefert werden sollten; der -Dipati von Surabaya — Djageng Rana —<span class="pagenum" id="Seite_388">[S. 388]</span> wurde bei dieser Conferenz -heimtückisch vom Sultan unter Mitwissen von dem Commandanten Knol -ermordet und sein Reich unter zwei seiner drei Söhne getheilt, während -der dritte Regent von Lamonga wurde. Auch sie verpflichteten sich zu -dem verlangten Tribut an die Compagnie und zur Anerkennung des Sultans -von Mataram als ihres Herrschers, aber — sofort nach ihrer Abreise -verbanden sie sich mit den Söhnen Suropattis. In einem der zahlreichen -Kriege der nächsten Jahre fand die Compagnie Anlass, in Kartasura, der -neuen Hauptstadt des Reiches von Mataram, eine starke Festung zu bauen, -und im Jahre 1723 erfolgte die Uebergabe der angesehensten Häupter des -Aufstandes, und der Krieg fand ein befriedigendes Ende.</p> - -<p>Gleichzeitig wurde eine Revolution in Batavia selbst entdeckt und deren -Rädelsführer, Pieter Erberveld, mit 49 Theilnehmern auf die grausamste -Weise ermordet.</p> - -<p>Von Bantam bekam die Compagnie im Jahre 1731 die Insel Pandjang, welche -vor dem Bantambusen lag.</p> - -<p>Bald sollten die Sultanate Mataram und Bantam von dem Erdboden -verschwinden. Den Anlass zum Untergang des Reiches Mataram gab der -Aufruhr der Chinesen in Batavia, welcher beinahe mit gänzlicher -Vernichtung der chinesischen Bevölkerung in Batavia endete.</p> - -<p>Während der Susuhunan dem Gesandten der Regierung alle mögliche -Hülfe versprach, gab der neuernannte Reichsverweser Nata Kusumo den -chinesischen Häuptlingen seines Reiches die Versicherung, dass ihnen -die Städte der Küste abgetreten und alle Handelsvorrechte zugetheilt -werden sollten, welche die Compagnie dem Reiche Mataram abgerungen -hatte — wenn sie die Holländer vertreiben würden. Die Chinesen hatten -an der Nordküste bedeutende Eroberungen gemacht, selbst bis nach -Surabaya, sodass der Susuhunan von Kartasura endlich öffentlich ihre -Partei ergriff und zunächst die europäischen Soldaten seines Forts -entweder ermorden liess oder zum Uebertritt zum Islam zwang und als -Sclaven verkaufte (20. Juli 1741). Der Regierung gelang es jedoch -schon im November desselben Jahres, die Nordküste zurückzugewinnen, -und Paku Buwana — kroch zu Kreuze. Nebstdem wurde ein Gegensultan -ernannt, und zwar ein Enkel des nach Ceylon verbannten Sunan Mas; Mas -Garendi, mit seinem Königsnamen Sunan Kuning, konnte sich jedoch nicht -lange seines Thrones erfreuen; seine Anhänger, Chinesen und Javanen, -wurden geschlagen, der Anführer der Chinesen, Tai-Wan-Sui,<span class="pagenum" id="Seite_389">[S. 389]</span> flüchtete -sich nach Bali, und Sunan Kuning übergab sich am 3. October 1743 in -Surabaya den Beamten der Compagnie, wurde nach Ceylon verbannt und -Paku Buwana bestieg den Thron wieder, was er jedoch mit Aufgabe seiner -Selbständigkeit bezahlen musste. Unter anderm musste er in Zukunft die -Wahl eines Reichsverwesers und aller Regenten von der Zustimmung der -Compagnie abhängig sein lassen, und bei etwaigen strittigen Fragen -musste dem Befehl der Compagnie mehr als dem des Susuhunan gehorcht -werden.</p> - -<p>Der damalige Gouverneur-General van Imhoff bereiste die Preanger, -gründete das heutige Buitenzorg, sorgte für Colonisation von Tji -Sounas und hinreichende Bebauung des Landes. Nach dem Ende des Krieges -besuchte er die Ostküste Javas, durchzog das Innere Javas nach allen -Richtungen und erstattete einen ausführlichen Bericht nach Holland, der -leider niemals in die Oeffentlichkeit gelangte.</p> - -<p>Die zahlreichen Prätendenten in Mataram veranlassten den Sultan Paku -Buwana, am 11. December 1749 auf seinem Todtenbette dem anwesenden -Hohendorff das Reich feierlich zu übergeben und der Compagnie die Wahl -eines Thronfolgers zu überlassen.</p> - -<p>Hohendorff ernannte den Kronprinzen zum Thronfolger, obzwar sein Vater -ihn eines Liebesverhältnisses mit einer seiner Gundiks beschuldigt -hatte, und obwohl er augenleidend<a id="FNAnker_236" href="#Fussnote_236" class="fnanchor">[236]</a> war. Natürlich blieb ein -Gegensultan nicht aus, und zwar in der Person seines Onkels Mangku -Bumi, welcher sich im Palaste zu Djocja krönen liess. In dem darauf -folgenden Erbfolgekriege kämpften die Holländer mit abwechselndem -Glücke, selbst dann noch, als wiederum die Maduresen ihre gefürchteten -Banden der Compagnie zu Hülfe sandten, und als selbst die Streitmacht -des Mangku Bumi durch Zwist mit seinem Schwiegersohn Mas Saïd von -Surabaya geschwächt wurde. Der neue Gouverneur-General Mossel wählte -zwischen Mas Saïd, welcher »ganz Java«, und Mangku Bumi, welcher »halb -Java« als Preis der Versöhnung mit der Compagnie forderte, nicht -lange. Er verhandelte mit den bescheideneren Ansprüchen des Mangku -Bumi und veranlasste (1755) den Susuhunan, sein Reich mit seinem Onkel -zu theilen. Beide wurden Lehnsfürsten der Compagnie und zugleich die -Ahnherren<span class="pagenum" id="Seite_390">[S. 390]</span> der noch heute bestehenden Kaiserreiche auf Java. Paku -Buwana III. behielt in Solo seine Residenz, während Mangku Bumi Djocja -oder nach der damaligen Schreibweise Jogjakarta zur Residenz seines -neuen Reiches machte. Auch sein Schwiegersohn Mas Saïd wurde in Gnaden -aufgenommen und erhielt von dem Susuhunan von Solo im südlichen Gebirge -ein kleines Reich als Lehn.</p> - -<p>Da beinahe gleichzeitig auch in Bantam ein Erbfolgekrieg ausgebrochen -war, und zwar nach dem Tode des Sultans Zeinu’l-Arifîn, und erst im -Jahre 1752 endigte, hatte die Compagnie einen schwierigen Standpunkt. -Aber auch hier siegte ihr Princip: Divide et impera. Denn der Kronprinz -bestieg zwar als Sultan Abu’n Natsr-Mohamed Arûf Zeinu’l Asjekin den -Thron seiner Vorväter, aber auch nur als Lehnsfürst der Compagnie.</p> - -<p>Der östliche Theil von Java war schon 1743 an die Compagnie abgetreten -und hatte allerdings in den zahlreichen Erbfolgekriegen der Nachbarn -viel zu leiden; auch als die englische ostindische Compagnie mit Hülfe -der Balinesen und Chinesen in Balambangan Opium einführen wollte, und -ein Aufstand in diesem Vasallenstaat von Bali 1767 ausbrach, gelang -es den Holländern, ihn bald zu unterdrücken und selbst die letzten -Nachkommen des gefürchteten Suropatti zu tödten. Da diese Theile des -Landes durch die zahlreichen Kriege erschöpft waren, veranlasste die -Compagnie eine grosse Colonisation von Madura aus und setzte Mas Alit -als Regenten ein, der als Balinese dem Hinduglauben ergeben war.</p> - -<p>Am Ende des vorigen Jahrhunderts machte sich eine bedenkliche Schwäche -der Compagnie fühl- und bemerkbar, und es kostete ihr z. B. schon -grosse Anstrengung, bei dem Tode des Sultans von Djocja (1792) die -Prinzen des Susuhunan von Solo und die Verwandten des Sultans selbst -von einem neuen Erbfolgekrieg abzuhalten und den ältesten Sohn der -Sultanin am 2. April als Sultan, und seinen Sohn Mangku Bumi als -Thronfolger zu ernennen. Auch in Solo regelte van Overstraten die -Thronfolge. In Bantam gelang es ihr auch 1778, die Suzeränität über -Sukadana an der Westküste Borneos abgetreten und von den Lampongs -(Südküste von Sumatra) noch mehr Pfeffer zu erhalten, als von Bantam -selbst. Aber mit jedem Jahre wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts -die eingelieferte Quantität kleiner. Während im Jahre 1724 die -Compagnie 19000 Bahars (= Ballen à 7–8 spanische Dollars) von Bantam -und seinen Vasallenstaaten erhielt, war im Jahre 1796 dieses<span class="pagenum" id="Seite_391">[S. 391]</span> Quantum -auf 400 gesunken. Leider waren die ganz unrichtigen Anschauungen -der Handelspolitik von Seiten der europäischen Beamten mehr als der -Unwillen der Bevölkerung daran Schuld. Dieselben schlechten Erfolge -mit dem Kaffee und der Cultur des Indigo und des Zuckers waren die -Folgen einer kurzsichtigen und egoistischen Handelspolitik, bei -welcher natürlich die Beamten der Compagnie auch ihre Privatkasse -nicht vergassen. Dies zeigt uns deutlich die Provinz Cheribon, welche -anfänglich vier, im Jahre 1773 nur zwei Fürsten hatte und zwar Sultan -Sepúh und Sultan Anom. Die Kronstreitigkeiten haben wie alle übrigen -Staaten von Indien sehr bald ganz Cheribon zu einem Vasallenstaat der -Compagnie gemacht, in welchem der Resident — der Tyrann wurde, dem -Cheribon eine Goldgrube wurde. Nach <em class="gesperrt">Veth</em><a id="FNAnker_237" href="#Fussnote_237" class="fnanchor">[237]</a> lieferte sie -jährlich: 1000 Kojang (= 1 Kojang = 1729 Kilo<a id="FNAnker_238" href="#Fussnote_238" class="fnanchor">[238]</a>) Reis, 500000 Pfund -Zucker, 20000 Pfd. Wolle, 6–8000 Pfd. Indigo, 14–18000 Pikols Kaffee, -Pfeffer, Zimmt, Cocosöl, Fisolen, Bast, 2000 Balken, 80000 grosse -und 40000 kleine Dauben; der Hafenzoll betrug 16–20000 Ryksdaalers. -Die Einkünfte des Residenten waren: 80 fl. monatlicher Gehalt, 1500 -Ryksdaalers (= 2½ fl.) von dem chinesischen Fabrikanten der bleiernen -Scheidemünzen (pitjis), 2000 Ryksdaalers von den Pächtern der Pässe, -10000 Ryksdaalers aus den Holzlieferungen, 12000 von dem Opium, Salz -und Metalleinfuhr, 8000 von dem Export des Zuckers, 7000 von dem Reis, -9000 von den übrigen Zöllen des Hafens, von dem an die Compagnie -gelieferten Kaffee 64000. Solche Einkünfte eines einzigen Beamten -waren ein Symptom des unvermeidlichen Unterganges der Gesellschaft; -denn sie waren nicht vereinzelt und zeigten den niederen Beamten den -Weg, sich auf Kosten des kleinen Mannes zu bereichern. Die Einkünfte -des Gouverneurs der Nordküste, der in Samarang seine Residenz hatte, -waren ja beinahe zweimal so gross, als die Einkünfte der Residenz -von Cheribon. Er hatte zwar nur einen Gehalt von 200 fl. pro Monat, -aber allein aus dem Handel mit Vogelnestern<a id="FNAnker_239" href="#Fussnote_239" class="fnanchor">[239]</a> fielen in die -Tasche dieses Beamten 100000 fl.!! Die Inseln Madura und Bavean -wiederum<span class="pagenum" id="Seite_392">[S. 392]</span> waren für den Gouverneur der Nordostküste eine ausgiebige -Milchkuh, weil bei den vielfachen Thronstreitigkeiten die Gunst dieses -Gouverneurs endgiltig in die Waagschale fiel, und diese Gunst theuer -erkauft werden musste. Die Robotdienste und das Aussaugesystem der -einheimischen Fürsten, welche noch heutzutage der indischen Regierung -sehr viele Sorge bereiten, wurden schon durch van Overstraten vor -100 Jahren bekämpft, und Samarang, wo dies dem Gouverneur besonders -gelang, blühte in so hohem Maasse, dass er selbst aus hygienischer -Rücksicht der Uebervölkerung entgegentreten musste, während die -östlichsten Provinzen (bis Balambangan) nicht nur ein Auswandern der -Bevölkerung sahen, sondern auch zum Aufstand gezwungen wurden. Auch -»Batavia en Onderhoorigheden« zeigte einen bedeutenden Niedergang, -weil die Regierung den Landbau aller Naturproducte von einem falschen -Standpunkte regelte. Im Jahre 1710 hatten z. B. die »Ommelanden« 131 -Zuckermühlen, jede durfte nicht mehr als 300 Pikols bearbeiten. Als -nach dem Aufstande der Chinesen noch 52 Mühlen anwesend waren, gebot -sie in der Furcht, dass <em class="gesperrt">zu viel</em> Zucker fabricirt werde und der -Preis zu tief sinken würde, dass die Zahl von 70, und im Jahre 1750 die -Zahl von 80 nicht überschritten werde. Im Jahre 1796<a id="FNAnker_240" href="#Fussnote_240" class="fnanchor">[240]</a> waren nur -noch 40 in Thätigkeit.</p> - -<p>Es würde das Ziel dieser kurzen Geschichte der europäischen -Ansiedelungen überschreiten, wenn ich ein Bild der Unterdrückungen -entrollen würde, welche der »kleine Mann« durch seine Fürsten mit -Wissen und Willen der Beamten der Compagnie zu erleiden hatte. Aber -erinnern muss ich daran, weil der Verfall der Compagnie darin seine -Begründung hatte. Ja noch mehr; sie zahlte ihren Beamten so kleine -Gehälter, dass sie sich nach anderen Einkünften umsehen mussten. Es war -also der Geiz der Compagnie die Ursache ihres Falles.</p> - -<p>Das Privilegium endigte 1774, wurde auf zwei Jahre verlängert und -dann wieder auf zwanzig Jahre, also bis zum Jahre 1796 erstreckt. -Die französische Revolution mit dem Kriege gegen England brachte -eine englische Flotte nach Batavia, welche die Stadt vom 23. August -bis 12. November 1800 blockirte und die Waaren der Compagnie auf der -Insel Onrust in Brand steckte. Nebstdem<span class="pagenum" id="Seite_393">[S. 393]</span> wurden von der holländischen -Regierung zahlreiche Commissionen nach Java zur Untersuchung der -herrschenden Verhältnisse geschickt, und im Jahre 1800 nahm der Staat -alle Colonien, welche sich nicht in den Händen der Engländer befanden, -in eigene Verwaltung.</p> - -<p>Die Wogen der sturmbewegten Politik, welche im Anfange des 19. -Jahrhunderts Europa in seinen Grundmauern zu erschüttern drohten, -brachen sich nicht an der Küste Javas. Schon im August desselben Jahres -mussten die »Schutters« von Batavia ihre Heimath gegen 5 englische -Kriegsschiffe vertheidigen, und im November 1806 wurde die ganze -holländische Flotte, welche aus 8 Kriegs- und 20 Handelsschiffen -bestand, von den Engländern erobert (nebstdem war im Jahre 1802 ein -Aufruhr in Cheribon [Nord-Java] unterdrückt worden). Im Jahre 1808 -hat der ebenso energische als autokrate General Daendels, kaum in -Indien angekommen, den beiden suzeränen Staaten Djocja und Solo die -Ueberlegenheit der holländischen Regierung fühlen lassen und das Reich -Bantam (am 22. November 1808) dem holländischen Reiche einverleibt, den -alten Sultan nach Surabaya verbannt, seinen Sohn als besoldeten Sultan -angestellt, die alte Königsstadt niederreissen lassen und Serang zur -Hauptstadt des Landes ernannt.</p> - -<p>Als am 17. Februar 1811 die Einverleibung<a id="FNAnker_241" href="#Fussnote_241" class="fnanchor">[241]</a> Hollands in den -französischen Staat in Batavia bekannt wurde, trat die französische -Republik als Gebieterin über Java und die übrigen Inseln des indischen -Archipels auf, ohne sich länger als sieben Monate dieses Besitzes -erfreuen zu können. Schon am 4. August 1811 landeten 12000 Engländer -unter dem General Auchmuty in Batavia, der französische General Jamsens -wurde nach einigen unglücklichen Schlachten zur Capitulation gezwungen -und übergab am 17. September 1811 die Regierung in die Hände des -Lieutenant-Gouverneurs Sir Stamford Raffles, als des Vertreters der -»englischen Compagnie«, unter dem Protectorat der englischen Krone. -Während dieses kurzen Interregnums von fünf Jahren wurde auch nominell -das Sultanat von Bantam aufgehoben und zu einer gewöhnlichen Provinz -(»Residentie«) von Java ernannt, dasselbe geschah mit dem Reiche -Cheribon. Auch eine Verschwörung im Reiche Surakarta, um die Engländer -von Java zu vertreiben, wurde entdeckt und unterdrückt. Am 19. August -1816 übernahm eine holländische Commission die<span class="pagenum" id="Seite_394">[S. 394]</span> Regierung Javas aus den -Händen John Fendall’s, des Nachfolgers Sir St. Raffles, und seit dieser -Zeit weht die holländische Flagge nicht nur auf Java, sondern auch auf -den übrigen Inseln des indischen Archipels, bis auf den heutigen Tag. -Noch zahlreiche Kämpfe musste Holland um den Besitz von Java führen -(der grosse Javakrieg dauerte vom Jahre 1825–1830). Noch zahlreiche -Aufstände, meistens von fanatischen Priestern angezettelt, musste es -unterdrücken, bis es sich ungestört des Besitzes dieser herrlichen -Insel erfreuen konnte. Tausende und abermal Tausende europäischer -Soldaten fielen in diesen Kämpfen durch das todbringende Blei oder -unter den Schwertern und Lanzen der Javanen. Doch eine köstliche Saat -sprosste aus dem mit dem Blute dieser Europäer gedüngten Boden: Ruhe -und Frieden unter den zahlreichen Fürsten und Despoten dieser Insel und -Sicherheit des Lebens und Eigenthums der Eingeborenen. Der Bauer erntet -die Frucht seiner Arbeit, der europäische, chinesische und arabische -Kaufmann sendet ungestört die Schätze des Landes nach allen Theilen der -Erde,<a id="FNAnker_242" href="#Fussnote_242" class="fnanchor">[242]</a> und durch den Segen der europäischen Civilisation, unter -der Leitung der holländischen Regierung, wurde Java, um das Wort des -Dichters Multatuli zu wiederholen, das Land, »welches sich wie ein -Gürtel aus Smaragd um den Gleicher schlingt«. Slamat tanah Djawa!</p> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_395">[S. 395]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Sach-_und_Namen-Register">Sach- und Namen-Register.</h2> - -</div> - -<ul class="index"> - -<li class="ifrst"> A.</li> - -<li class="indx"> Abattoir <a href="#Seite_213">213</a></li> - -<li class="indx"> Abendunterhaltungen <a href="#Seite_47">47</a></li> - -<li class="indx"> Abenteuer <a href="#Seite_24">24</a></li> - -<li class="indx"> Abfuhr der Fäcalien <a href="#Seite_202">202</a>, <a href="#Seite_316">316</a></li> - -<li class="indx"> Abhärtung <a href="#Seite_4">4</a></li> - -<li class="indx"> Abschiedsvisite <a href="#Seite_142">142</a></li> - -<li class="indx"> Abschreckungstheorie <a href="#Seite_104">104</a></li> - -<li class="indx"> Abstammung vom Hunde <a href="#Seite_373">373</a></li> - -<li class="indx"> Acacien <a href="#Seite_36">36</a>, <a href="#Seite_198">198</a>, <a href="#Seite_269">269</a></li> - -<li class="indx"> Achtergallery <a href="#Seite_285">285</a></li> - -<li class="indx"> Adhipatti <a href="#Seite_61">61</a></li> - -<li class="indx"> Adjing tanah <a href="#Seite_81">81</a></li> - -<li class="indx"> Aepfel <a href="#Seite_129">129</a></li> - -<li class="indx"> Ahad <a href="#Seite_277">277</a></li> - -<li class="indx"> Aida-Oper <a href="#Seite_26">26</a></li> - -<li class="indx"> Akar tjampakka <a href="#Seite_279">279</a></li> - -<li class="indx"> Akar wangi <a href="#Seite_279">279</a></li> - -<li class="indx"> Alang alang <a href="#Seite_140">140</a>, <a href="#Seite_264">264</a></li> - -<li class="indx"> Alcalische Säuerlinge <a href="#Seite_148">148</a></li> - -<li class="indx"> Alcaloid der Chinarinde <a href="#Seite_126">126</a></li> - -<li class="indx"> Alfuren <a href="#Seite_158">158</a></li> - -<li class="indx"> Aling-Aling <a href="#Seite_81">81</a></li> - -<li class="indx"> Alter der Pferde <a href="#Seite_289">289</a></li> - -<li class="indx"> Alpinia galanga <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Altstadt von Batavia <a href="#Seite_24">24</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> „</span>  Semárang <a href="#Seite_366">366</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> „</span>  Surabaya <a href="#Seite_35">35</a></li> - -<li class="indx"> Ambarawa <a href="#Seite_212">212</a></li> - -<li class="indx"> Ammonium cardamomum <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Amor auf dem Schiffe <a href="#Seite_5">5</a></li> - -<li class="indx"> Amoy <a href="#Seite_294">294</a></li> - -<li class="indx"> Ampenan <a href="#Seite_329">329</a></li> - -<li class="indx"> Ampiun <a href="#Seite_292">292</a></li> - -<li class="indx"> Analphabeten <a href="#Seite_339">339</a></li> - -<li class="indx"> Anciennität <a href="#Seite_216">216</a></li> - -<li class="indx"> Andjomora (Berg) <a href="#Seite_42">42</a></li> - -<li class="indx"> Andropogon muricatus <a href="#Seite_279">279</a></li> - -<li class="indx"> Aneurysma <a href="#Seite_312">312</a></li> - -<li class="indx"> Angklong <a href="#Seite_120">120</a></li> - -<li class="indx"> Anisodrilus carnosus <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Anjer <a href="#Seite_97">97</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">„</span>  fluss <a href="#Seite_42">42</a></li> - -<li class="indx"> Ankunft in Batavia <a href="#Seite_10">10</a></li> - -<li class="indx"> Antiaris toxicarica <a href="#Seite_227">227</a></li> - -<li class="indx"> Ansiedlung der Europäer <a href="#Seite_377">377</a> ff.</li> - -<li class="indx"> Anting-Anting <a href="#Seite_358">358</a></li> - -<li class="indx"> Antipyrin <a href="#Seite_4">4</a>, <a href="#Seite_240">240</a></li> - -<li class="indx"> Aphrodisiacum <a href="#Seite_247">247</a></li> - -<li class="indx"> Apotheker <a href="#Seite_180">180</a></li> - -<li class="indx"> Araber <a href="#Seite_27">27</a>, <a href="#Seite_142">142</a></li> - -<li class="indx"> Arabien <a href="#Seite_266">266</a></li> - -<li class="indx"> Arak <a href="#Seite_187">187</a></li> - -<li class="indx"> Arcadien von Java <a href="#Seite_362">362</a></li> - -<li class="indx"> Arda wolika <a href="#Seite_168">168</a></li> - -<li class="indx"> Ardjuno (Berg) <a href="#Seite_42">42</a></li> - -<li class="indx"> Areca catechu <a href="#Seite_281">281</a></li> - -<li class="indx"> Areng-Palme <a href="#Seite_36">36</a>, <a href="#Seite_187">187</a></li> - -<li class="indx"> Arimuko <a href="#Seite_118">118</a></li> - -<li class="indx"> Armenpraxis <a href="#Seite_40">40</a>, <a href="#Seite_149">149</a>, <a href="#Seite_180">180</a>, <a href="#Seite_236">236</a></li> - -<li class="indx"> Arsenal <a href="#Seite_16">16</a></li> - -<li class="indx"> Artesisches Wasser <a href="#Seite_194">194</a>, <a href="#Seite_366">366</a></li> - -<li class="indx"> Artillerie <a href="#Seite_346">346</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">  „</span><span class="mleft1"> -Schiessstätte</span> <a href="#Seite_115">115</a></li> - -<li class="indx"> Arts <a href="#Seite_53">53</a></li> - -<li class="indx"> Assem <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Assistent-Resident <a href="#Seite_143">143</a>, <a href="#Seite_232">232</a></li> - -<li class="indx"> Atjeh <a href="#Seite_34">34</a></li> - -<li class="indx"> Atlantischer Ocean <a href="#Seite_4">4</a></li> - -<li class="indx"> Auction <a href="#Seite_141">141</a></li> - -<li class="indx"> Auctionsamt <a href="#Seite_147">147</a></li> - -<li class="indx"> Auction von Büchern <a href="#Seite_209">209</a></li> - -<li class="indx"> Audienz beim Unterkönig <a href="#Seite_104">104</a></li> - -<li class="indx"> Aufstände in Bantam <a href="#Seite_98">98</a></li> - -<li class="indx"> Ausbruch des Krakatau <a href="#Seite_97">97</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1">  „</span>  Merapi <a href="#Seite_361">361</a></li> - -<li class="indx"> Ausgestorbener Krater <a href="#Seite_136">136</a></li> - -<li class="indx"> Aussenbesitzungen <a href="#Seite_52">52</a></li> - -<li class="indx"> Aussterben der Büffel <a href="#Seite_84">84</a></li> - -<li class="indx"> Australien <a href="#Seite_129">129</a></li> - -<li class="ifrst"> B.</li> - -<li class="indx"> Bába <a href="#Seite_283">283</a></li> - -<li class="indx"> Babad <a href="#Seite_157">157</a></li> - -<li class="indx"> Babakan <a href="#Seite_222">222</a></li> - -<li class="indx"> Babu <a href="#Seite_18">18</a>, <a href="#Seite_278">278</a></li> - -<li class="indx"> Baduwies <a href="#Seite_78">78</a></li> - -<li class="indx"> Bagagetag <a href="#Seite_6">6</a></li> - -<li class="indx"> Bageléen <a href="#Seite_59">59</a>, <a href="#Seite_220">220</a></li> - -<li class="indx"> Bajaderen <a href="#Seite_169">169</a></li> - -<li class="indx"> Bakker (Dr.) <a href="#Seite_190">190</a></li> - -<li class="indx"> Bacterien <a href="#Seite_189">189</a></li> - -<li class="indx"> Bactericide Sonnenstrahlen <a href="#Seite_353">353</a></li> - -<li class="indx"> Bacteriologisches Laboratorium <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Baleh-Baleh <a href="#Seite_87">87</a>, <a href="#Seite_278">278</a></li> - -<li class="indx"> Bali <a href="#Seite_20">20</a>, <a href="#Seite_158">158</a>, <a href="#Seite_328">328</a></li> - -<li class="indx"> Bambus-Glockenspiel <a href="#Seite_120">120</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> Häuser</span> <a href="#Seite_315">315</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> Steine</span> <a href="#Seite_372">372</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> Wunden</span> <a href="#Seite_123">123</a></li> - -<li class="indx"> Bami <a href="#Seite_363">363</a></li> - -<li class="indx"> Banaspati <a href="#Seite_252">252</a></li> - -<li class="indx"> Banda <a href="#Seite_159">159</a></li> - -<li class="indx"> Bandong <a href="#Seite_114">114</a>, <a href="#Seite_226">226</a></li> - -<li class="indx"> Bandongan <a href="#Seite_311">311</a></li> - -<li class="indx"> Bangsal Kentjana <a href="#Seite_175">175</a></li> - -<li class="indx"> Banjir-Canal <a href="#Seite_367">367</a></li> - -<li class="indx"> Banju-Biru <a href="#Seite_216">216</a></li> - -<li class="indx"> Banjumas <a href="#Seite_241">241</a></li> - -<li class="indx"> Bansal witana <a href="#Seite_175">175</a></li> - -<li class="indx"> Bantam <a href="#Seite_59">59</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> Kidul</span> <a href="#Seite_61">61</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> lamah</span> <a href="#Seite_69">69</a></li> - -<li class="indx"> Baracken aus Bambus <a href="#Seite_315">315</a></li> - -<li class="indx"> Bargilli (Dr.) <a href="#Seite_160">160</a></li> - -<li class="indx"> Barmherzige Schwester <a href="#Seite_3">3</a></li> - -<li class="indx"> Basalt <a href="#Seite_111">111</a></li> - -<li class="indx"> Bataker (Pferde) <a href="#Seite_73">73</a>, <a href="#Seite_158">158</a></li> - -<li class="indx"> Batavia <a href="#Seite_11">11</a>, <a href="#Seite_59">59</a>, <a href="#Seite_367">367</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> -Museum</span> <a href="#Seite_137">137</a></li> - -<li class="indx"> Batoro Guru <a href="#Seite_118">118</a></li> - -<li class="indx"> Batu-Djadjar <a href="#Seite_114">114</a>, <a href="#Seite_123">123</a></li> - -<li class="indx">  „  galiga <a href="#Seite_373">373</a></li> - -<li class="indx">  „  Tulis <a href="#Seite_108">108</a>, <a href="#Seite_126">126</a>, <a href="#Seite_136">136</a></li> - -<li class="indx"> Batur <a href="#Seite_112">112</a></li> - -<li class="indx"> Bauchtrank <a href="#Seite_349">349</a></li> - -<li class="indx"> Baven <a href="#Seite_217">217</a></li> - -<li class="indx"> Bouwmeester (General) <a href="#Seite_125">125</a></li> - -<li class="indx"> Beamte <a href="#Seite_232">232</a></li> - -<li class="indx"> Beamtengehalt <a href="#Seite_114">114</a></li> - -<li class="indx"> Bedaja <a href="#Seite_114">114</a></li> - -<li class="indx"> Bedak <a href="#Seite_279">279</a></li> - -<li class="indx"> „Bediende“ <a href="#Seite_180">180</a></li> - -<li class="indx"> Bedienten <a href="#Seite_92">92</a>, <a href="#Seite_365">365</a></li> - -<li class="indx"> Begegnung mit einem Tiger <a href="#Seite_79">79</a></li> - -<li class="indx"> Behandlung der Eingeborenen <a href="#Seite_370">370</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2"> der</span> Fussgeschwüre <a href="#Seite_80">80</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2"> „</span> Seekrankheit <a href="#Seite_4">4</a></li> - -<li class="indx"> Beksos <a href="#Seite_117">117</a></li> - -<li class="indx"> Bengawan-Fluss <a href="#Seite_148">148</a>, <a href="#Seite_178">178</a>, <a href="#Seite_264">264</a></li> - -<li class="indx"> Benzoe <a href="#Seite_278">278</a></li> - -<li class="indx"> Bergbau <a href="#Seite_56">56</a></li> - -<li class="indx">   „  Kanone <a href="#Seite_125">125</a></li> - -<li class="indx">   „  Klima <a href="#Seite_254">254</a></li> - -<li class="indx">   „  luft <a href="#Seite_127">127</a></li> - -<li class="indx">   „  see Nebel <a href="#Seite_148">148</a></li> - -<li class="indx"> Beri-Beri <a href="#Seite_49">49</a>, <a href="#Seite_188">188</a>, <a href="#Seite_197">197</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">  „</span><span class="mleft1">  kring</span> <a href="#Seite_50">50</a></li> - -<li class="indx"> Bernelot Moens <a href="#Seite_126">126</a></li> - -<li class="indx"> Beschautag <a href="#Seite_141">141</a></li> - -<li class="indx"> Beschriebener Stein <a href="#Seite_108">108</a></li> - -<li class="indx"> Beser (Berg) <a href="#Seite_126">126</a></li> - -<li class="indx"> Besserungsanstalt <a href="#Seite_139">139</a></li> - -<li class="indx"> Besuki <a href="#Seite_59">59</a></li> - -<li class="indx"> Bezirksarzt <a href="#Seite_149">149</a></li> - -<li class="indx"> Bezoarstein <a href="#Seite_372">372</a></li> - -<li class="indx"> Bier <a href="#Seite_43">43</a></li> - -<li class="indx"> Binnendyk <a href="#Seite_101">101</a></li> - -<li class="indx"> Binnengallery <a href="#Seite_260">260</a>, <a href="#Seite_284">284</a></li> - -<li class="indx"> Biologie in den Tropen <a href="#Seite_112">112</a>, <a href="#Seite_271">271</a></li> - -<li class="indx"> Birnen <a href="#Seite_129">129</a></li> - -<li class="indx"> Bisna <a href="#Seite_273">273</a></li> - -<li class="indx"> Bischof von Mauricastro <a href="#Seite_335">335</a></li> - -<li class="indx"> Bittersalzquelle <a href="#Seite_96">96</a>, <a href="#Seite_111">111</a></li> - -<li class="indx"> Bleeker (Dr.) <a href="#Seite_196">196</a>, <a href="#Seite_278">278</a>, <a href="#Seite_342">342</a></li> - -<li class="indx"> Bodjong <a href="#Seite_365">365</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span> <span class="mleft1"> Manick</span> <a href="#Seite_96">96</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span> <span class="mleft1"> Bangku</span> <a href="#Seite_96">96</a></li> - -<li class="indx"> Bohnen <a href="#Seite_128">128</a></li> - -<li class="indx"> Bojolali <a href="#Seite_265">265</a></li> - -<li class="indx"> Bongkok (Berg) <a href="#Seite_78">78</a></li> - -<li class="indx"> Borax <a href="#Seite_371">371</a></li> - -<li class="indx"> Boreh <a href="#Seite_116">116</a>, <a href="#Seite_170">170</a>, <a href="#Seite_279">279</a></li> - -<li class="indx"> Bosch, van den <a href="#Seite_214">214</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span> <span class="mleft1"> W.</span> (Dr.) <a href="#Seite_189">189</a></li> - -<li class="indx"> Botanischer Garten <a href="#Seite_106">106</a></li> - -<li class="indx"> Both, Pieter <a href="#Seite_11">11</a></li> - -<li class="indx"> Boycott <a href="#Seite_259">259</a></li> - -<li class="indx"> Brandjanala <a href="#Seite_175">175</a></li> - -<li class="indx"> Brandy <a href="#Seite_204">204</a>, <a href="#Seite_261">261</a></li> - -<li class="indx"> Brantas (Fluss) <a href="#Seite_42">42</a>, <a href="#Seite_56">56</a></li> - -<li class="indx"> Bras <a href="#Seite_199">199</a></li> - -<li class="indx"> Breng-Breng (Berg) <a href="#Seite_112">112</a></li> - -<li class="indx"> Brille <a href="#Seite_176">176</a></li> - -<li class="indx"> Bringin <a href="#Seite_373">373</a></li> - -<li class="indx"> Broes van Dort (Dr.) <a href="#Seite_157">157</a>, <a href="#Seite_159">159</a></li> - -<li class="indx"> Büchsen <a href="#Seite_208">208</a></li> - -<li class="indx"> Buddha <a href="#Seite_325">325</a></li> - -<li class="indx"> Büffel <a href="#Seite_72">72</a>, <a href="#Seite_175">175</a></li> - -<li class="indx"> Buitenzorg <a href="#Seite_72">72</a>, <a href="#Seite_101">101</a></li> - -<li class="indx"> Bukit Limbul (Berg) <a href="#Seite_110">110</a></li> - -<li class="indx"> Buleléng <a href="#Seite_328">328</a></li> - -<li class="indx"> Bumbu tschinké <a href="#Seite_247">247</a></li> - -<li class="indx"> Bupatti <a href="#Seite_167">167</a></li> - -<li class="indx"> Burg, van der (Dr.) <a href="#Seite_87">87</a>, <a href="#Seite_158">158</a>, <a href="#Seite_187">187</a>, <a href="#Seite_240">240</a>, <a href="#Seite_279">279</a>, <a href="#Seite_343">343</a>, <a href="#Seite_370">370</a>, <a href="#Seite_371">371</a></li> - -<li class="indx"> Bürgerschulen <a href="#Seite_134">134</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span> <span class="mleft1">kleidung</span> <a href="#Seite_229">229</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span> <span class="mleft1">wehr</span> <a href="#Seite_367">367</a></li> - -<li class="indx"> Buru Budur <a href="#Seite_250">250</a>, <a href="#Seite_325">325</a>, <a href="#Seite_361">361</a></li> - -<li class="indx"> Burung <a href="#Seite_121">121</a></li> - -<li class="indx"> Bus de Ghisignies <a href="#Seite_20">20</a></li> - -<li class="ifrst"> C.</li> - -<li class="indx"> Cachot <a href="#Seite_151">151</a></li> - -<li class="indx"> Cäsarinen <a href="#Seite_265">265</a></li> - -<li class="indx"> Calcutta <a href="#Seite_189">189</a></li> - -<li class="indx"> Campement <a href="#Seite_216">216</a>, <a href="#Seite_275">275</a></li> - -<li class="indx"> Canarie communis <a href="#Seite_225">225</a></li> - -<li class="indx"> Canton <a href="#Seite_189">189</a></li> - -<li class="indx"> Capelle <a href="#Seite_366">366</a></li> - -<li class="indx"> Caryophyllum <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Casino in Batavia <a href="#Seite_20">20</a>, <a href="#Seite_23">23</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> „</span>  Surabaya <a href="#Seite_36">36</a></li> - -<li class="indx"> Catechu <a href="#Seite_281">281</a></li> - -<li class="indx"> Cattam <a href="#Seite_193">193</a></li> - -<li class="indx"> Cavallerie <a href="#Seite_346">346</a>, <a href="#Seite_375">375</a></li> - -<li class="indx"> Ceylon <a href="#Seite_189">189</a></li> - -<li class="indx"> Cervus Muntjac <a href="#Seite_90">90</a></li> - -<li class="indx"> Chavica siriboa <a href="#Seite_281">281</a></li> - -<li class="indx"> Ché jen <a href="#Seite_372">372</a></li> - -<li class="indx"> Cheribon <a href="#Seite_59">59</a></li> - -<li class="indx"> Cheyne-Stokes <a href="#Seite_84">84</a></li> - -<li class="indx"> China <a href="#Seite_189">189</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">„</span><span class="mleft1">-anpflanzungen</span> <a href="#Seite_126">126</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">„</span><span class="mleft1">-rinde</span> <a href="#Seite_126">126</a></li> - -<li class="indx"> Chinesische Behandlung der Diphtheritis <a href="#Seite_370">370</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span> <span class="mleft2">Frauen</span> <a href="#Seite_305">305</a></li> - -<li class="indx"> Chinesisches Jahr <a href="#Seite_293">293</a></li> - -<li class="indx"> Chinesische Civilisation <a href="#Seite_293">293</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span> <span class="mleft2">Selbstmörder</span> <a href="#Seite_293">293</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span> <span class="mleft2">Schrift</span> <a href="#Seite_294">294</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span> <span class="mleft2">Pillen</span> <a href="#Seite_295">295</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span> <span class="mleft2">Curpfuscher</span> <a href="#Seite_370">370</a></li> - -<li class="indx"> Chinesisches Gewicht <a href="#Seite_290">290</a></li> - -<li class="indx"> Chinesische Möbelmacher <a href="#Seite_283">283</a></li> - -<li class="indx"> Chinesisches Quartier in Buitenzorg <a href="#Seite_101">101</a></li> - -<li class="indx"> Chloralhydrat <a href="#Seite_4">4</a></li> - -<li class="indx"> Cholera <a href="#Seite_50">50</a>, <a href="#Seite_188">188</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span> <span class="mleft1">bacillen</span> <a href="#Seite_188">188</a>, <a href="#Seite_193">193</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span> <span class="mleft1">essenz</span> <a href="#Seite_196">196</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span> <span class="mleft1">phobie</span> <a href="#Seite_181">181</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span> <span class="mleft1">trank von Bleeker</span> <a href="#Seite_196">196</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span> <span class="mleft1">bei Säufern</span> <a href="#Seite_187">187</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span> <span class="mleft1">in der Armee</span> <a href="#Seite_195">195</a></li> - -<li class="indx"> Christen auf Java <a href="#Seite_78">78</a></li> - -<li class="indx"> Cicade <a href="#Seite_81">81</a></li> - -<li class="indx"> Cicadeen <a href="#Seite_36">36</a></li> - -<li class="indx"> Cinnamomum aromaticum <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft3">„</span><span class="mleft2"> Sintok</span> <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Cissampelos hirsute <a href="#Seite_351">351</a></li> - -<li class="indx"> Citadelle Prinz Frederik <a href="#Seite_115">115</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span> <span class="mleft1">  - „</span>  Hendrik <a href="#Seite_42">42</a></li> - -<li class="indx"> Civilarzt <a href="#Seite_149">149</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">„</span>  praxis <a href="#Seite_180">180</a></li> - -<li class="indx"> Cleghomia cymosa <a href="#Seite_247">247</a></li> - -<li class="indx"> Cocain <a href="#Seite_4">4</a></li> - -<li class="indx"> Cocosnussöl <a href="#Seite_279">279</a></li> - -<li class="indx"> Cocospalme <a href="#Seite_36">36</a></li> - -<li class="indx"> Colonisation der Europäer <a href="#Seite_377">377</a> ff.</li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2">  „</span>  Hindu <a href="#Seite_157">157</a></li> - -<li class="indx"> Combattant <a href="#Seite_352">352</a></li> - -<li class="indx"> Commabacillen <a href="#Seite_193">193</a></li> - -<li class="indx"> Commission <a href="#Seite_125">125</a></li> - -<li class="indx"> Committirte <a href="#Seite_84">84</a></li> - -<li class="indx"> Concordia <a href="#Seite_40">40</a></li> - -<li class="indx"> Concrete pavement <a href="#Seite_198">198</a></li> - -<li class="indx"> Conduite-Liste <a href="#Seite_21">21</a>, <a href="#Seite_183">183</a>, <a href="#Seite_229">229</a></li> - -<li class="indx"> „Conferentiekamer“ <a href="#Seite_38">38</a></li> - -<li class="indx"> Conserven <a href="#Seite_90">90</a>, <a href="#Seite_210">210</a></li> - -<li class="indx"> Control-Liste der Pferde <a href="#Seite_219">219</a></li> - -<li class="indx"> Cordon <a href="#Seite_79">79</a></li> - -<li class="indx"> Coriandrum sativum <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Coromandel <a href="#Seite_188">188</a></li> - -<li class="indx"> Corso in Weltevreden <a href="#Seite_18">18</a></li> - -<li class="indx"> Creditverhältnisse <a href="#Seite_304">304</a></li> - -<li class="indx"> Creole <a href="#Seite_15">15</a>, <a href="#Seite_129">129</a></li> - -<li class="indx"> Creoline <a href="#Seite_195">195</a></li> - -<li class="indx"> Croquetclub <a href="#Seite_322">322</a></li> - -<li class="indx"> Curcuma <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">   „ </span> <span class="mleft1"> longa</span> <a href="#Seite_282">282</a></li> - -<li class="ifrst"> D.</li> - -<li class="indx"> Dadap <a href="#Seite_111">111</a>, <a href="#Seite_266">266</a></li> - -<li class="indx"> Dalang <a href="#Seite_120">120</a></li> - -<li class="indx"> Daendels (Marschall) <a href="#Seite_20">20</a>, <a href="#Seite_59">59</a></li> - -<li class="indx"> Dajaker <a href="#Seite_158">158</a></li> - -<li class="indx"> Dalem <a href="#Seite_177">177</a>, <a href="#Seite_264">264</a></li> - -<li class="indx"> Damak <a href="#Seite_78">78</a></li> - -<li class="indx"> Damar <a href="#Seite_211">211</a></li> - -<li class="indx"> Dämmerung auf Java <a href="#Seite_110">110</a></li> - -<li class="indx"> Dampfschifffahrtsgesellschaft <a href="#Seite_31">31</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">„</span> <span class="mleft1">tramway</span> <a href="#Seite_366">366</a></li> - -<li class="indx"> Danaergeschenk <a href="#Seite_36">36</a></li> - -<li class="indx"> Danielsen (Dr.) <a href="#Seite_160">160</a></li> - -<li class="indx"> Dani-Fluss <a href="#Seite_102">102</a></li> - -<li class="indx"> Dapur <a href="#Seite_351">351</a></li> - -<li class="indx"> Datura <a href="#Seite_187">187</a></li> - -<li class="indx"> Deckhengste <a href="#Seite_72">72</a>, <a href="#Seite_106">106</a></li> - -<li class="indx">  „ passagier <a href="#Seite_8">8</a></li> - -<li class="indx"> „Declaratie“ <a href="#Seite_126">126</a>, <a href="#Seite_218">218</a></li> - -<li class="indx"> „Deeleman Kar“ <a href="#Seite_25">25</a></li> - -<li class="indx"> Deli <a href="#Seite_159">159</a></li> - -<li class="indx"> Demak (Fluss) <a href="#Seite_213">213</a></li> - -<li class="indx"> Deng-deng <a href="#Seite_69">69</a>, <a href="#Seite_91">91</a></li> - -<li class="indx"> Departement des Cultus <a href="#Seite_20">20</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2"> der</span> Finanzen <a href="#Seite_20">20</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2"> „</span> Justiz <a href="#Seite_23">23</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2"> des</span> Krieges <a href="#Seite_20">20</a></li> - -<li class="indx"> Deputation <a href="#Seite_173">173</a></li> - -<li class="indx"> Dersono <a href="#Seite_56">56</a></li> - -<li class="indx"> Desinfection <a href="#Seite_162">162</a></li> - -<li class="indx"> Dessa = Dörfer</li> - -<li class="indx"> Dianella montana <a href="#Seite_279">279</a></li> - -<li class="indx"> Diät <a href="#Seite_38">38</a></li> - -<li class="indx"> Diäten <a href="#Seite_125">125</a></li> - -<li class="indx"> Diënggebirge <a href="#Seite_227">227</a>, <a href="#Seite_375">375</a></li> - -<li class="indx"> Dienstboten <a href="#Seite_355">355</a></li> - -<li class="indx"> Diphtheritis <a href="#Seite_370">370</a></li> - -<li class="indx"> Djagong <a href="#Seite_200">200</a></li> - -<li class="indx"> Djaka Dolog <a href="#Seite_36">36</a></li> - -<li class="indx"> Djambugebirge <a href="#Seite_353">353</a></li> - -<li class="indx"> Djamu <a href="#Seite_280">280</a></li> - -<li class="indx"> Djamus <a href="#Seite_266">266</a></li> - -<li class="indx"> Djangkrig <a href="#Seite_81">81</a>, <a href="#Seite_121">121</a></li> - -<li class="indx"> Djarakblätter <a href="#Seite_15">15</a></li> - -<li class="indx"> Djati <a href="#Seite_157">157</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">„</span>  holz <a href="#Seite_206">206</a>, <a href="#Seite_373">373</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">„</span>  Nangos <a href="#Seite_121">121</a></li> - -<li class="indx"> Djelma dalem <a href="#Seite_82">82</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> luwar</span> <a href="#Seite_82">82</a></li> - -<li class="indx"> Djeruk purut <a href="#Seite_351">351</a></li> - -<li class="indx"> Djie tèh <a href="#Seite_372">372</a></li> - -<li class="indx"> Djinten <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Djocja <a href="#Seite_59">59</a>, <a href="#Seite_173">173</a>, <a href="#Seite_219">219</a>, <a href="#Seite_243">243</a>, <a href="#Seite_367">367</a>, <a href="#Seite_373">373</a></li> - -<li class="indx"> Djojo <a href="#Seite_355">355</a></li> - -<li class="indx"> Djombang <a href="#Seite_57">57</a></li> - -<li class="indx"> Djonkok <a href="#Seite_202">202</a></li> - -<li class="indx"> Djumahad <a href="#Seite_277">277</a></li> - -<li class="indx"> Djurang Djerok <a href="#Seite_264">264</a></li> - -<li class="indx"> Doktor djawa <a href="#Seite_161">161</a>, <a href="#Seite_196">196</a>, <a href="#Seite_340">340</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> der</span> Wacht <a href="#Seite_306">306</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> universae</span> medicinae <a href="#Seite_53">53</a></li> - -<li class="indx"> Dolmetsch der javanischen Sprache <a href="#Seite_174">174</a></li> - -<li class="indx"> Domine <a href="#Seite_275">275</a></li> - -<li class="indx"> Donan (Fluss) <a href="#Seite_226">226</a></li> - -<li class="indx"> Dörrpfanne für Thee <a href="#Seite_122">122</a></li> - -<li class="indx"> Dos-à-Dos <a href="#Seite_25">25</a>, <a href="#Seite_166">166</a></li> - -<li class="indx"> Douwes Dekker <a href="#Seite_61">61</a>, <a href="#Seite_68">68</a></li> - -<li class="indx"> Drachenfliegen <a href="#Seite_121">121</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> </span> fluss <a href="#Seite_294">294</a></li> - -<li class="indx"> Drainage <a href="#Seite_198">198</a></li> - -<li class="indx"> Dressur der Pferde <a href="#Seite_73">73</a></li> - -<li class="indx"> Duit <a href="#Seite_339">339</a></li> - -<li class="indx"> Dukun <a href="#Seite_31">31</a>, <a href="#Seite_301">301</a></li> - -<li class="indx"> Dupa <a href="#Seite_278">278</a></li> - -<li class="indx"> Dysenterie <a href="#Seite_260">260</a>, <a href="#Seite_341">341</a></li> - -<li class="indx"> Dysoxylum laxiflorum <a href="#Seite_278">278</a></li> - -<li class="ifrst"> E.</li> - -<li class="indx"> Ei <a href="#Seite_359">359</a></li> - -<li class="indx"> Eichhorst <a href="#Seite_3">3</a></li> - -<li class="indx"> Eigensinn der Pferde <a href="#Seite_73">73</a>, <a href="#Seite_290">290</a></li> - -<li class="indx"> Einfluss der Bergluft <a href="#Seite_127">127</a></li> - -<li class="indx"> Eingeborene <a href="#Seite_142">142</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2">  Beamte</span> <a href="#Seite_233">233</a></li> - -<li class="indx"> Eintheilung der Armee <a href="#Seite_346">346</a></li> - -<li class="indx"> Einwohnerzahl der Insel Bavean <a href="#Seite_54">54</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span> - <span class="mleft2"> „</span>  „ - <span class="mleft1">Java</span> <a href="#Seite_178">178</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span> - <span class="mleft2"> „</span>  „ - <span class="mleft1">Lombok</span> <a href="#Seite_328">328</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span> - <span class="mleft2"> „</span>  „ - <span class="mleft1">Madura</span> <a href="#Seite_54">54</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span> - <span class="mleft2"> „</span>  Prov. Bageléen <a href="#Seite_220">220</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span> - <span class="mleft2"> „</span>  „ - <span class="mleft1"> Banjumas</span> <a href="#Seite_232">232</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span> - <span class="mleft2"> „</span>  „ - <span class="mleft1"> Bantam</span> <a href="#Seite_96">96</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span> - <span class="mleft2"> „</span>  „ - <span class="mleft1"> Batavia</span> <a href="#Seite_28">28</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span> - <span class="mleft2"> „</span>  „ - <span class="mleft1"> Djocjakarta</span> <a href="#Seite_247">247</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span> - <span class="mleft2"> „</span>  „ - <span class="mleft1"> Kedu</span> <a href="#Seite_273">273</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span> - <span class="mleft2"> „</span>  „ - <span class="mleft1"> Madiun</span> <a href="#Seite_148">148</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span> - <span class="mleft2"> „</span>  „ - <span class="mleft1"> Preanger</span> <a href="#Seite_111">111</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span> - <span class="mleft2"> „</span>  „ - <span class="mleft1"> Semárang</span> <a href="#Seite_364">364</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span> - <span class="mleft2"> „</span>  „ - <span class="mleft1"> Surabaya</span> <a href="#Seite_55">55</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span> - <span class="mleft2"> „</span>  „ - <span class="mleft1"> Surokarta</span> <a href="#Seite_179">179</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span> - <span class="mleft2">  des</span> Kraton von Djocja <a href="#Seite_174">174</a></li> - -<li class="indx"><span class="mleft2"> „</span> - <span class="mleft2"> </span> von Batavia <a href="#Seite_27">27</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span> - <span class="mleft2"> „</span>  Djocja <a href="#Seite_286">286</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span> - <span class="mleft2"> „</span>  Magelang <a href="#Seite_333">333</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span> - <span class="mleft2"> „</span>  Purworedjo <a href="#Seite_220">220</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span> - <span class="mleft2"> „</span>  Salatiga <a href="#Seite_375">375</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span> - <span class="mleft2"> „</span>  Semárang <a href="#Seite_27">27</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span> - <span class="mleft2"> „</span>  Serang <a href="#Seite_60">60</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span> - <span class="mleft2"> „</span>  Solo <a href="#Seite_177">177</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span> - <span class="mleft2"> „</span>  Surabaya <a href="#Seite_27">27</a></li> - -<li class="indx"> Eisen <a href="#Seite_111">111</a></li> - -<li class="indx"> Eisenbahnen auf Java <a href="#Seite_33">33</a>, <a href="#Seite_146">146</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2"> auf</span> Sumatra <a href="#Seite_146">146</a></li> - -<li class="indx"> Electricität in den Tropen <a href="#Seite_12">12</a></li> - -<li class="indx"> Elend während einer Epidemie <a href="#Seite_74">74</a></li> - -<li class="indx"> Elephanten <a href="#Seite_137">137</a>, <a href="#Seite_168">168</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2">berg</span> <a href="#Seite_103">103</a></li> - -<li class="indx"> Ellofluss <a href="#Seite_273">273</a></li> - -<li class="indx"> Emoy-Chinesen <a href="#Seite_293">293</a></li> - -<li class="indx"> Empang <a href="#Seite_108">108</a></li> - -<li class="indx"> Empfang beim Armeecommandant <a href="#Seite_16">16</a></li> - -<li class="indx"> Empfangsabende <a href="#Seite_286">286</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1">  zimmer</span> des Armeecommandanten <a href="#Seite_16">16</a></li> - -<li class="indx"> Enclave von Solo <a href="#Seite_373">373</a></li> - -<li class="indx"> Endemische Krankheit <a href="#Seite_194">194</a></li> - -<li class="indx"> Endivien <a href="#Seite_128">128</a></li> - -<li class="indx"> Endut (Berg) <a href="#Seite_96">96</a></li> - -<li class="indx"> Engel Bey <a href="#Seite_158">158</a></li> - -<li class="indx"> Entstehungsursache der Cholera <a href="#Seite_193">193</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft3"> „</span> <span class="mleft3"> der</span> Dysenterie <a href="#Seite_341">341</a></li> - -<li class="indx"> Eperies <a href="#Seite_182">182</a></li> - -<li class="indx"> Epidemische Krankheit <a href="#Seite_194">194</a></li> - -<li class="indx"> Erbpachtländer <a href="#Seite_57">57</a></li> - -<li class="indx"> Erbsen <a href="#Seite_128">128</a></li> - -<li class="indx"> Erdäpfel <a href="#Seite_90">90</a>, <a href="#Seite_128">128</a></li> - -<li class="indx">  „ beeren <a href="#Seite_128">128</a></li> - -<li class="indx">  „ öl <a href="#Seite_148">148</a></li> - -<li class="indx"> Eriodendron anfractuosum <a href="#Seite_280">280</a></li> - -<li class="indx"> Erkältung <a href="#Seite_87">87</a></li> - -<li class="indx"> Ernest Simon <a href="#Seite_376">376</a></li> - -<li class="indx"> Erratische Blöcke <a href="#Seite_265">265</a>, <a href="#Seite_361">361</a></li> - -<li class="indx"> Erythrina indica <a href="#Seite_266">266</a></li> - -<li class="indx"> Escamoteur <a href="#Seite_115">115</a></li> - -<li class="indx"> Ethnographie <a href="#Seite_134">134</a></li> - -<li class="indx"> Eucalyptus <a href="#Seite_198">198</a></li> - -<li class="indx"> Ewiges Feuer <a href="#Seite_373">373</a></li> - -<li class="indx"> Expedition in den Tropen <a href="#Seite_347">347</a></li> - -<li class="indx"> Export im Allgemeinen <a href="#Seite_393">393</a></li> - -<li class="indx"> Export von Chinarinde <a href="#Seite_126">126</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span> <span class="mleft1"> „</span> Indigo <a href="#Seite_277">277</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span> <span class="mleft1"> „</span> Kaffee <a href="#Seite_267">267</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span> <span class="mleft1"> „</span> Schwalbennestern <a href="#Seite_221">221</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span> <span class="mleft1"> „</span> Thee <a href="#Seite_122">122</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span> <span class="mleft1"> „</span> Zucker <a href="#Seite_392">392</a></li> - -<li class="ifrst"> F.</li> - -<li class="indx"> Fäcalien <a href="#Seite_202">202</a></li> - -<li class="indx"> Fächerpalme <a href="#Seite_36">36</a></li> - -<li class="indx"> Fälschung <a href="#Seite_185">185</a></li> - -<li class="indx"> Fan Tsjhi <a href="#Seite_293">293</a></li> - -<li class="indx"> Farbensee <a href="#Seite_136">136</a></li> - -<li class="indx"> Farnkräuter <a href="#Seite_248">248</a></li> - -<li class="indx"> Fasanen <a href="#Seite_90">90</a></li> - -<li class="indx"> Fatalismus <a href="#Seite_335">335</a></li> - -<li class="indx"> Febris perniciosa <a href="#Seite_188">188</a></li> - -<li class="indx"> Feigenblatt aus Silber <a href="#fig2">17</a></li> - -<li class="indx"> Feldbataillon <a href="#Seite_346">346</a></li> - -<li class="indx"> Fermentiren des Kaffees <a href="#Seite_266">266</a></li> - -<li class="indx"> Feuchtigkeit der Luft <a href="#Seite_127">127</a></li> - -<li class="indx"> Feuerwehr <a href="#Seite_367">367</a></li> - -<li class="indx"> Ficus procera <a href="#Seite_278">278</a></li> - -<li class="indx"> Fieber <a href="#Seite_216">216</a></li> - -<li class="indx">  „ epidemie <a href="#Seite_68">68</a></li> - -<li class="indx">  „ herd <a href="#Seite_217">217</a></li> - -<li class="indx"> Fische <a href="#Seite_278">278</a></li> - -<li class="indx"> Fiscus <a href="#Seite_56">56</a></li> - -<li class="indx"> Flagge <a href="#Seite_6">6</a></li> - -<li class="indx"> Fleischsorten <a href="#Seite_90">90</a></li> - -<li class="indx"> Fliegen <a href="#Seite_193">193</a></li> - -<li class="indx"> Fliegende Blätter <a href="#Seite_280">280</a></li> - -<li class="indx"> Flöhe <a href="#Seite_95">95</a></li> - -<li class="indx"> Flöte <a href="#Seite_120">120</a></li> - -<li class="indx"> Fort Engelenburg <a href="#Seite_155">155</a>, <a href="#Seite_265">265</a></li> - -<li class="indx">   „  General van den Bosch <a href="#Seite_151">151</a></li> - -<li class="indx">   „  Nassau <a href="#Seite_11">11</a></li> - -<li class="indx">   „  Ngawie <a href="#Seite_151">151</a></li> - -<li class="indx">   „  Prinz von Oranje <a href="#Seite_366">366</a></li> - -<li class="indx">   „  Rustenburg <a href="#Seite_174">174</a></li> - -<li class="indx">   „  Vastenburg <a href="#Seite_177">177</a>, <a href="#Seite_264">264</a></li> - -<li class="indx">   „  Willem I <a href="#Seite_139">139</a>, <a href="#Seite_211">211</a></li> - -<li class="indx"> Freimaurerloge in Batavia <a href="#Seite_20">20</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft3">„</span> <span class="mleft3">„</span> Semárang <a href="#Seite_366">366</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft3">„</span> <span class="mleft3">„</span> Surabaya <a href="#Seite_36">36</a></li> - -<li class="indx"> Friedmann <a href="#Seite_221">221</a></li> - -<li class="indx"> Friesland (Dampfer) <a href="#Seite_1">1</a></li> - -<li class="indx"> Frösche <a href="#Seite_81">81</a></li> - -<li class="indx"> Früchte <a href="#Seite_129">129</a></li> - -<li class="indx"> Frühstück <a href="#Seite_15">15</a></li> - -<li class="indx"> Führer der Elephanten <a href="#Seite_167">167</a></li> - -<li class="indx"> Fürstenländer <a href="#Seite_253">253</a></li> - -<li class="indx"> Furunculosis <a href="#Seite_365">365</a>, <a href="#Seite_372">372</a></li> - -<li class="ifrst"> G.</li> - -<li class="indx"> Gaba <a href="#Seite_199">199</a></li> - -<li class="indx"> Gabel der Polizei <a href="#Seite_107">107</a></li> - -<li class="indx"> Gadja <a href="#Seite_168">168</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1">berg</span> <a href="#Seite_103">103</a></li> - -<li class="indx"> Gadok <a href="#Seite_136">136</a></li> - -<li class="indx"> Gaga dalem <a href="#Seite_373">373</a></li> - -<li class="indx"> Galengan <a href="#Seite_200">200</a></li> - -<li class="indx"> Gambing <a href="#Seite_264">264</a></li> - -<li class="indx"> Gamelang <a href="#Seite_120">120</a></li> - -<li class="indx"> Gangangan <a href="#Seite_148">148</a></li> - -<li class="indx"> Gans <a href="#Seite_168">168</a></li> - -<li class="indx"> Garebegfest <a href="#Seite_165">165</a>, <a href="#Seite_245">245</a></li> - -<li class="indx"> Garnisonsdoctor <a href="#Seite_150">150</a>, <a href="#Seite_255">255</a></li> - -<li class="indx"> Garduhäuschen <a href="#Seite_87">87</a>, <a href="#Seite_365">365</a></li> - -<li class="indx"> Garten von Java <a href="#Seite_277">277</a>, <a href="#Seite_360">360</a></li> - -<li class="indx"> Garuholz <a href="#Seite_279">279</a></li> - -<li class="indx"> Gasbeleuchtung <a href="#Seite_44">44</a></li> - -<li class="indx"> Gastfreundschaft <a href="#Seite_212">212</a>, <a href="#Seite_241">241</a></li> - -<li class="indx"> Gedebus <a href="#Seite_115">115</a></li> - -<li class="indx"> Gedéh (Berg) <a href="#Seite_103">103</a>, <a href="#Seite_110">110</a></li> - -<li class="indx"> Gedong <a href="#Seite_44">44</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „ </span> <span class="mleft1">Guning</span> <a href="#Seite_177">177</a></li> - -<li class="indx"> Geer (Prof.) <a href="#Seite_239">239</a></li> - -<li class="indx"> Gefahr des Opiumrauchens <a href="#Seite_291">291</a></li> - -<li class="indx"> Gegenfürsten <a href="#Seite_246">246</a></li> - -<li class="indx"> Gehalt der Bedienten <a href="#Seite_358">358</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1">  „</span> Fürsten <a href="#Seite_245">245</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> des</span> Gouverneur-General <a href="#Seite_235">235</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> eines</span> Oberarztes <a href="#Seite_40">40</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> „</span>  Regenten <a href="#Seite_114">114</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> „</span>  Regimentsarztes <a href="#Seite_235">235</a></li> - -<li class="indx"> Geill (Dr.) <a href="#Seite_161">161</a></li> - -<li class="indx"> Gekkó <a href="#Seite_11">11</a></li> - -<li class="indx"> Gemeindevertretung <a href="#Seite_323">323</a></li> - -<li class="indx"> Gemüse <a href="#Seite_128">128</a></li> - -<li class="indx"> Genäschigkeit der Diener <a href="#Seite_358">358</a></li> - -<li class="indx"> Gendingan <a href="#Seite_268">268</a></li> - -<li class="indx"> Genéng <a href="#Seite_166">166</a>, <a href="#Seite_371">371</a></li> - -<li class="indx"> Genietruppen <a href="#Seite_346">346</a></li> - -<li class="indx"> Gensdarmen <a href="#Seite_224">224</a></li> - -<li class="indx"> Genua <a href="#Seite_4">4</a></li> - -<li class="indx"> Geographie der Insel Lombok <a href="#Seite_328">328</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2"> „</span> „Residentie“ Bageléen <a href="#Seite_220">220</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2"> „</span> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2">  Bantam</span> <a href="#Seite_96">96</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2"> „</span> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2">  Banjumas</span> <a href="#Seite_227">227</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2"> „</span> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2">  Madiun</span> <a href="#Seite_147">147</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2"> „</span> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2">  Preanger</span> <a href="#Seite_110">110</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2"> „</span> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2">  Surabaya</span> <a href="#Seite_56">56</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2"> „</span> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2">  Surakarta</span> <a href="#Seite_264">264</a></li> - -<li class="indx"> Gepäcktag <a href="#Seite_7">7</a></li> - -<li class="indx"> Gerichtsbeamte <a href="#Seite_318">318</a></li> - -<li class="indx"> Gerichtshöfe <a href="#Seite_319">319</a></li> - -<li class="indx"> Gerichtspraxis <a href="#Seite_180">180</a></li> - -<li class="indx"> Gewang <a href="#Seite_120">120</a></li> - -<li class="indx"> Gewürze <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Gidoro <a href="#Seite_266">266</a></li> - -<li class="indx"> Gigerl von Batavia <a href="#Seite_19">19</a></li> - -<li class="indx"> Giran pohon <a href="#Seite_82">82</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">„</span><span class="mleft1">serát</span> <a href="#Seite_82">82</a></li> - -<li class="indx"> Gladakker <a href="#Seite_203">203</a></li> - -<li class="indx"> Glambong <a href="#Seite_241">241</a></li> - -<li class="indx"> Glaspalast <a href="#Seite_109">109</a></li> - -<li class="indx"> Gnaphalien <a href="#Seite_269">269</a></li> - -<li class="indx"> Gold auf Java <a href="#Seite_111">111</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">„</span>  fische <a href="#Seite_374">374</a></li> - -<li class="indx"> Gombong <a href="#Seite_222">222</a></li> - -<li class="indx"> Gong <a href="#Seite_120">120</a></li> - -<li class="indx"> Gouvernements-Bureau <a href="#Seite_20">20</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft3">„</span> <span class="mleft3">Passagier</span> <a href="#Seite_34">34</a></li> - -<li class="indx"> Grachten <a href="#Seite_40">40</a></li> - -<li class="indx"> Granit <a href="#Seite_111">111</a></li> - -<li class="indx"> Gras <a href="#Seite_219">219</a></li> - -<li class="indx"> Grassi <a href="#Seite_94">94</a>, <a href="#Seite_193">193</a></li> - -<li class="indx"> Grille <a href="#Seite_81">81</a>, <a href="#Seite_121">121</a></li> - -<li class="indx"> Grissée <a href="#Seite_78">78</a>, <a href="#Seite_129">129</a></li> - -<li class="indx"> Grijs, de <a href="#Seite_296">296</a></li> - -<li class="indx"> Grobak <a href="#Seite_73">73</a>, <a href="#Seite_80">80</a>, <a href="#Seite_289">289</a></li> - -<li class="indx"> Gronemann (Dr.) <a href="#Seite_195">195</a>, <a href="#Seite_362">362</a></li> - -<li class="indx"> Groot, de <a href="#Seite_293">293</a>, <a href="#Seite_296">296</a></li> - -<li class="indx"> Grosses Haus <a href="#Seite_20">20</a></li> - -<li class="indx"> Grösster Platz der Welt <a href="#Seite_20">20</a></li> - -<li class="indx"> Grotten <a href="#Seite_221">221</a>, <a href="#Seite_227">227</a>, <a href="#Seite_247">247</a>, <a href="#Seite_265">265</a></li> - -<li class="indx"> Grundwasser <a href="#Seite_194">194</a></li> - -<li class="indx"> Gubuk <a href="#Seite_373">373</a></li> - -<li class="indx"> Gulden, holländischer <a href="#Seite_212">212</a></li> - -<li class="indx"> Guling <a href="#Seite_285">285</a></li> - -<li class="indx"> Gundik <a href="#Seite_177">177</a></li> - -<li class="indx"> Guntur (Berg) <a href="#Seite_112">112</a></li> - -<li class="indx"> Gunung Kentjana <a href="#Seite_70">70</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> Wangi</span> <a href="#Seite_221">221</a></li> - -<li class="indx"> Gurken <a href="#Seite_128">128</a></li> - -<li class="ifrst"> H.</li> - -<li class="indx"> Haarlem (Insel) <a href="#Seite_9">9</a></li> - -<li class="indx"> Hackung <a href="#Seite_41">41</a></li> - -<li class="indx"> Hadat <a href="#Seite_172">172</a></li> - -<li class="indx"> Hadji <a href="#Seite_115">115</a>, <a href="#Seite_336">336</a></li> - -<li class="indx"> Hafen von Tjilatjap <a href="#Seite_226">226</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">„</span> <span class="mleft1"> „</span>  Semárang <a href="#Seite_226">226</a>, <a href="#Seite_367">367</a></li> - -<li class="indx"> Hahn <a href="#Seite_168">168</a></li> - -<li class="indx"> Hahnenkämpfe <a href="#Seite_72">72</a>, <a href="#Seite_121">121</a></li> - -<li class="indx"> Haifische <a href="#Seite_24">24</a></li> - -<li class="indx"> Halbeuropäer <a href="#Seite_241">241</a></li> - -<li class="indx"> Half-cast <a href="#Seite_134">134</a></li> - -<li class="indx"> Half-Chinesen <a href="#Seite_305">305</a></li> - -<li class="indx"> Halimun (Berg) <a href="#Seite_110">110</a></li> - -<li class="indx"> Hamangku Buwana <a href="#Seite_183">183</a></li> - -<li class="indx"> Handkuss <a href="#Seite_21">21</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2">„</span><span class="mleft1">langer</span> <a href="#Seite_180">180</a>, <a href="#Seite_309">309</a></li> - -<li class="indx"> Hausen Armauer (Dr.) <a href="#Seite_160">160</a></li> - -<li class="indx"> Hari Païng <a href="#Seite_277">277</a></li> - -<li class="indx"> Hari-Tag <a href="#Seite_277">277</a></li> - -<li class="indx"> Hasen <a href="#Seite_90">90</a></li> - -<li class="indx"> Hassa Udin <a href="#Seite_69">69</a></li> - -<li class="indx"> Hasskarl <a href="#Seite_102">102</a></li> - -<li class="indx"> Häuptlinge der Chinesen <a href="#Seite_287">287</a></li> - -<li class="indx"> Haus des Armee-Commandanten <a href="#Seite_16">16</a></li> - -<li class="indx"> Haushälterinnen <a href="#Seite_52">52</a>, <a href="#Seite_133">133</a></li> - -<li class="indx"> Hausirer <a href="#Seite_28">28</a>, <a href="#Seite_41">41</a>, <a href="#Seite_349">349</a></li> - -<li class="indx"> Haustoilette <a href="#Seite_14">14</a>, <a href="#Seite_45">45</a>, <a href="#Seite_248">248</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">„ </span> der Damen <a href="#Seite_249">249</a>, <a href="#Seite_283">283</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">„ </span> unterhaltung <a href="#Seite_45">45</a></li> - -<li class="indx"> Havelaar, Max <a href="#Seite_61">61</a></li> - -<li class="indx"> Heiden auf Java <a href="#Seite_78">78</a>, <a href="#Seite_340">340</a></li> - -<li class="indx"> Heilige Krieg <a href="#Seite_338">338</a></li> - -<li class="indx"> Heimchen <a href="#Seite_8">8</a></li> - -<li class="indx"> Hengste <a href="#Seite_70">70</a></li> - -<li class="indx"> Heredität der Lepra <a href="#Seite_160">160</a></li> - -<li class="indx"> Herodot <a href="#Seite_342">342</a></li> - -<li class="indx"> Herolde <a href="#Seite_168">168</a></li> - -<li class="indx"> Herzogs-Allee <a href="#Seite_16">16</a></li> - -<li class="indx"> Hibiscus <a href="#Seite_36">36</a></li> - -<li class="indx"> Hiëmtak <a href="#Seite_372">372</a></li> - -<li class="indx"> Hieroglyphen <a href="#Seite_294">294</a></li> - -<li class="indx"> Hilfsofficier der Justiz <a href="#Seite_269">269</a></li> - -<li class="indx"> Hindostan <a href="#Seite_157">157</a>, <a href="#Seite_189">189</a></li> - -<li class="indx"> Hindudienst <a href="#Seite_251">251</a></li> - -<li class="indx"> Hinterlader <a href="#Seite_224">224</a></li> - -<li class="indx"> Hippokrates <a href="#Seite_342">342</a></li> - -<li class="indx"> Hirsch (Prof.) <a href="#Seite_157">157</a></li> - -<li class="indx"> Hirsche <a href="#Seite_90">90</a></li> - -<li class="indx"> Hirundo esculenta <a href="#Seite_247">247</a></li> - -<li class="indx"> Hochebene von Bandong <a href="#Seite_114">114</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2">„ </span><span class="mleft2"> „</span>  Tjandjur <a href="#Seite_114">114</a></li> - -<li class="indx"> Hofceremoniell <a href="#Seite_173">173</a></li> - -<li class="indx"> Hofdamen <a href="#Seite_168">168</a></li> - -<li class="indx"> Höhe der javanischen Pferde <a href="#Seite_62">62</a></li> - -<li class="indx"> Hok-ho Chinesen <a href="#Seite_294">294</a></li> - -<li class="indx">   „   ka <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft2"><a href="#Seite_294">294</a></span></li> - -<li class="indx"> Hölle Javas <a href="#Seite_257">257</a></li> - -<li class="indx"> Höllensaft <a href="#Seite_292">292</a></li> - -<li class="indx"> Holzclavier <a href="#Seite_120">120</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">„</span>  schnitzereien <a href="#Seite_176">176</a></li> - -<li class="indx"> Hoorn (Insel) <a href="#Seite_9">9</a></li> - -<li class="indx"> Hotel Java <a href="#Seite_11">11</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">„</span><span class="mleft1">Jungfernheim</span> <a href="#Seite_265">265</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">„</span><span class="mleft1">Kedu</span> <a href="#Seite_275">275</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">„</span><span class="mleft1">Pavillon</span> <a href="#Seite_365">365</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">„</span><span class="mleft1">Taman</span> <a href="#Seite_374">374</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">„</span><span class="mleft1">Tugu</span> <a href="#Seite_244">244</a>, <a href="#Seite_274">274</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">„</span><span class="mleft1">Wynveldt</span> <a href="#Seite_35">35</a></li> - -<li class="indx"> Hun <a href="#Seite_290">290</a></li> - -<li class="indx"> Hunde <a href="#Seite_177">177</a></li> - -<li class="indx"> Hungertyphus <a href="#Seite_69">69</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2">  in</span> Bantam <a href="#Seite_82">82</a></li> - -<li class="indx"> Huri <a href="#Seite_119">119</a></li> - -<li class="indx"> Hüte <a href="#Seite_49">49</a></li> - -<li class="indx"> Hylobates leuciscus <a href="#Seite_81">81</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> syndactylus</span> <a href="#Seite_124">124</a></li> - -<li class="indx"> Hypacidität des Magens <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Hyperacidität „<span class="mleft1">  „</span> <span class="mleft1"> <a href="#Seite_112">112</a></span></li> - -<li class="ifrst"> I.</li> - -<li class="indx"> Ideen <a href="#Seite_68">68</a></li> - -<li class="indx"> Ikan kaju <a href="#Seite_278">278</a></li> - -<li class="indx">   „  sepát <a href="#Seite_278">278</a></li> - -<li class="indx"> Illustration <a href="#Seite_208">208</a></li> - -<li class="indx"> Imagiri <a href="#Seite_247">247</a></li> - -<li class="indx"> Impfungen der Lepra <a href="#Seite_160">160</a></li> - -<li class="indx"> Import von Opium <a href="#Seite_202">202</a></li> - -<li class="indx"> Incubation der Lepra <a href="#Seite_160">160</a></li> - -<li class="indx"> Indifferentismus <a href="#Seite_112">112</a>, <a href="#Seite_335">335</a></li> - -<li class="indx"> Indigo <a href="#Seite_57">57</a>, <a href="#Seite_247">247</a>, <a href="#Seite_277">277</a></li> - -<li class="indx"> „Indisch Taubsein“ <a href="#Seite_357">357</a></li> - -<li class="indx"> Indrukken van den dag <a href="#Seite_68">68</a></li> - -<li class="indx"> Ingwer <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx" id="Insel"> Insel Alkmaer <a href="#Seite_9">9</a></li> - -<li class="indx">   „   Amboina <a href="#Seite_159">159</a></li> - -<li class="indx">   „   Amsterdam <a href="#Seite_9">9</a></li> - -<li class="indx">   „   Bali <a href="#Seite_158">158</a>, <a href="#Seite_328">328</a></li> - -<li class="indx">   „   Banka <a href="#Seite_159">159</a></li> - -<li class="indx">   „   Bavean <a href="#Seite_54">54</a></li> - -<li class="indx">   „   Biliton <a href="#Seite_159">159</a></li> - -<li class="indx">   „   Celebes <a href="#Seite_73">73</a>, <a href="#Seite_159">159</a></li> - -<li class="indx">   „   Edam <a href="#Seite_9">9</a></li> - -<li class="indx">   „   Haarlem <a href="#Seite_9">9</a></li> - -<li class="indx">   „   Hoorn <a href="#Seite_9">9</a></li> - -<li class="indx">   „   Java <a href="#Seite_54">54</a></li> - -<li class="indx">   „   Kelupa <a href="#Seite_82">82</a></li> - -<li class="indx">   „   Kembangan <a href="#Seite_227">227</a></li> - -<li class="indx">   „   Krakatau <a href="#Seite_9">9</a>, <a href="#Seite_97">97</a></li> - -<li class="indx">   „   Lombok <a href="#Seite_158">158</a>, <a href="#Seite_328">328</a>, <a href="#Seite_355">355</a></li> - -<li class="indx">   „   Madura <a href="#Seite_54">54</a></li> - -<li class="indx">   „   Morano <a href="#Seite_159">159</a></li> - -<li class="indx">   „   Ngamuk <a href="#Seite_10">10</a></li> - -<li class="indx">   „   Ontong Djawa <a href="#Seite_10">10</a></li> - -<li class="indx">   „   Panaïtan <a href="#Seite_97">97</a></li> - -<li class="indx">   „   Pinang <a href="#Seite_189">189</a></li> - -<li class="indx">   „   Rotti <a href="#Seite_73">73</a></li> - -<li class="indx">   „   Sandelwood <a href="#Seite_73">73</a></li> - -<li class="indx">   „   Sawu <a href="#Seite_73">73</a></li> - -<li class="indx">   „   Sumatra <a href="#Seite_9">9</a>, <a href="#Seite_158">158</a></li> - -<li class="indx">   „   Sumbawa <a href="#Seite_73">73</a></li> - -<li class="indx">   „   Ternate <a href="#Seite_159">159</a></li> - -<li class="indx">   „   Timor <a href="#Seite_73">73</a></li> - -<li class="indx">   „   Tjindjil <a href="#Seite_82">82</a></li> - -<li class="indx"> Inspection <a href="#Seite_184">184</a></li> - -<li class="indx"> Inspector <a href="#Seite_150">150</a></li> - -<li class="indx"> Irrenanstalt in Buitenzorg <a href="#Seite_108">108</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2">„</span> <span class="mleft2"> in</span> Surabaya <a href="#Seite_36">36</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2">„</span> <span class="mleft2"> in</span> Semárang <a href="#Seite_366">366</a></li> - -<li class="indx"> Ismanggung <a href="#Seite_130">130</a></li> - -<li class="ifrst"> J.</li> - -<li class="indx"> Jacobson <a href="#Seite_121">121</a></li> - -<li class="indx"> Jagd auf Rhinocerosse <a href="#Seite_29">29</a></li> - -<li class="indx"> Janus Tulp <a href="#Seite_321">321</a></li> - -<li class="indx"> Japara <a href="#Seite_59">59</a></li> - -<li class="indx"> Jasminium Sambok <a href="#Seite_278">278</a></li> - -<li class="indx"> Javabode <a href="#Seite_150">150</a>, <a href="#Seite_322">322</a></li> - -<li class="indx"> Javane <a href="#Seite_55">55</a>, <a href="#Seite_213">213</a></li> - -<li class="indx"> Javanische Holzschnitzereien <a href="#Seite_176">176</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2">„</span> <span class="mleft2">Pferde</span> <a href="#Seite_72">72</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2">„</span> <span class="mleft2">Kunst</span> <a href="#Seite_327">327</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2">„</span> <span class="mleft2">Sagenwelt</span> <a href="#Seite_157">157</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2">„</span> <span class="mleft2">Schönheitsmittel</span> <a href="#Seite_281">281</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2">„</span> <span class="mleft2">Sprache</span> <a href="#Seite_355">355</a></li> - -<li class="indx"> Javasee <a href="#Seite_264">264</a></li> - -<li class="indx"> Jin tchong pe <a href="#Seite_372">372</a></li> - -<li class="indx"> Jodium <a href="#Seite_96">96</a>, <a href="#Seite_111">111</a></li> - -<li class="indx"> Jodiumquelle <a href="#Seite_56">56</a></li> - -<li class="indx"> Journalistik <a href="#Seite_322">322</a></li> - -<li class="indx"> Juden <a href="#Seite_134">134</a>, <a href="#Seite_334">334</a></li> - -<li class="indx"> Junghuhn <a href="#Seite_126">126</a>, <a href="#Seite_362">362</a></li> - -<li class="indx"> Justus von Maurik <a href="#Seite_321">321</a></li> - -<li class="ifrst"> K.</li> - -<li class="indx"> Kabaya <a href="#Seite_14">14</a>, <a href="#Seite_248">248</a>, <a href="#Seite_283">283</a></li> - -<li class="indx"> Kabumen <a href="#Seite_222">222</a></li> - -<li class="indx"> Kabupátten <a href="#Seite_163">163</a>, <a href="#Seite_260">260</a></li> - -<li class="indx"> Kaempheria galanga <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Kaffee <a href="#Seite_57">57</a>, <a href="#Seite_266">266</a></li> - -<li class="indx"> Kaffeehaus <a href="#Seite_128">128</a></li> - -<li class="indx"> Kâhar sewa <a href="#Seite_116">116</a></li> - -<li class="indx"> Kaiser von Solo <a href="#Seite_169">169</a>, <a href="#Seite_244">244</a></li> - -<li class="indx"> Kaju garu <a href="#Seite_278">278</a></li> - -<li class="indx">   „   manis <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx">   „   putiöl <a href="#Seite_279">279</a></li> - -<li class="indx">   „   tjindana <a href="#Seite_278">278</a></li> - -<li class="indx"> Kakaling <a href="#Seite_82">82</a></li> - -<li class="indx"> Kakerlaken <a href="#Seite_372">372</a></li> - -<li class="indx"> Kalang <a href="#Seite_373">373</a></li> - -<li class="indx"> Kalason <a href="#Seite_251">251</a></li> - -<li class="indx"> Kalbfleisch <a href="#Seite_90">90</a></li> - -<li class="indx"> Kali = Fluss</li> - -<li class="indx">   „  Bening <a href="#Seite_251">251</a>, <a href="#Seite_348">348</a></li> - -<li class="indx">   „  Mas <a href="#Seite_40">40</a>, <a href="#Seite_78">78</a></li> - -<li class="indx">   „  Osso <a href="#Seite_225">225</a></li> - -<li class="indx">   „  taman <a href="#Seite_374">374</a></li> - -<li class="indx"> Kalk <a href="#Seite_111">111</a></li> - -<li class="indx"> Kalong <a href="#Seite_90">90</a></li> - -<li class="indx"> Kampfer <a href="#Seite_371">371</a></li> - -<li class="indx"> Kampong = Dorf</li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span> <span class="mleft1"> Ampel</span> <a href="#Seite_41">41</a></li> - -<li class="indx"> Kananga wangie <a href="#Seite_279">279</a></li> - -<li class="indx"> Kanarienbäume <a href="#Seite_225">225</a></li> - -<li class="indx"> Kanarienharz <a href="#Seite_278">278</a></li> - -<li class="indx"> Kanarienvögel <a href="#Seite_60">60</a>, <a href="#Seite_244">244</a></li> - -<li class="indx"> Kandang Badak <a href="#Seite_102">102</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> Wesi</span> <a href="#Seite_111">111</a></li> - -<li class="indx"> Kanone von Krupp <a href="#Seite_114">114</a></li> - -<li class="indx"> Kantjana (Berg) <a href="#Seite_114">114</a>, <a href="#Seite_340">340</a></li> - -<li class="indx"> Kantschil <a href="#Seite_90">90</a></li> - -<li class="indx"> Kaolin <a href="#Seite_111">111</a></li> - -<li class="indx"> Kapinango <a href="#Seite_278">278</a></li> - -<li class="indx"> Kapok <a href="#Seite_180">180</a>, <a href="#Seite_247">247</a></li> - -<li class="indx"> Kapol <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Kaputrén <a href="#Seite_177">177</a></li> - -<li class="indx"> Karang <a href="#Seite_112">112</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> bolang</span> <a href="#Seite_221">221</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> trètès</span> <a href="#Seite_248">248</a></li> - -<li class="indx"> Karbouwen <a href="#Seite_90">90</a>, <a href="#Seite_175">175</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2">„</span> <span class="mleft2">weisse</span> <a href="#Seite_90">90</a></li> - -<li class="indx"> Kartasura <a href="#Seite_265">265</a></li> - -<li class="indx"> Kartenspiel <a href="#Seite_47">47</a>, <a href="#Seite_247">247</a></li> - -<li class="indx"> Käse <a href="#Seite_263">263</a></li> - -<li class="indx"> Kassowitz <a href="#Seite_371">371</a></li> - -<li class="indx"> Katholiken <a href="#Seite_335">335</a></li> - -<li class="indx"> Kean Ansantang <a href="#Seite_110">110</a></li> - -<li class="indx"> Kedal <a href="#Seite_161">161</a></li> - -<li class="indx"> Kediri <a href="#Seite_59">59</a></li> - -<li class="indx"> Kedong Djatti <a href="#Seite_139">139</a>, <a href="#Seite_373">373</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> Kebo</span> <a href="#Seite_221">221</a></li> - -<li class="indx"> Kedu <a href="#Seite_59">59</a>, <a href="#Seite_274">274</a>, <a href="#Seite_363">363</a></li> - -<li class="indx"> Keduer Pferde <a href="#Seite_72">72</a>, <a href="#Seite_288">288</a></li> - -<li class="indx"> Kelan <a href="#Seite_199">199</a></li> - -<li class="indx"> Kelor <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Kelut <a href="#Seite_269">269</a></li> - -<li class="indx"> Kemis <a href="#Seite_277">277</a></li> - -<li class="indx"> Kendeng <a href="#Seite_42">42</a></li> - -<li class="indx"> Kendil <a href="#Seite_213">213</a></li> - -<li class="indx"> Kentering <a href="#Seite_372">372</a></li> - -<li class="indx"> Kentjur <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Ketumbar <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span> <span class="mleft1"> Seré</span> <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Kiai Dadop <a href="#Seite_79">79</a></li> - -<li class="indx"> Kidang <a href="#Seite_90">90</a>, <a href="#Seite_168">168</a></li> - -<li class="indx"> Kimerok <a href="#Seite_251">251</a></li> - -<li class="indx"> Kimlo <a href="#Seite_363">363</a></li> - -<li class="indx"> Kindersee <a href="#Seite_201">201</a>, <a href="#Seite_227">227</a></li> - -<li class="indx"> Kirche, armenianische <a href="#Seite_20">20</a></li> - -<li class="indx">   „   chinesische <a href="#Seite_275">275</a></li> - -<li class="indx">   „   katholische <a href="#Seite_16">16</a>, <a href="#Seite_275">275</a></li> - -<li class="indx">   „   protestantische <a href="#Seite_20">20</a></li> - -<li class="indx"> Kirchkasse <a href="#Seite_159">159</a></li> - -<li class="indx"> Kirchhof der Europäer <a href="#Seite_275">275</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „ </span><span class="mleft1"> „</span>  Chinesen <a href="#Seite_305">305</a></li> - -<li class="indx"> Klatten <a href="#Seite_155">155</a>, <a href="#Seite_265">265</a></li> - -<li class="indx"> Klappermilch <a href="#Seite_91">91</a></li> - -<li class="indx"> Kletstafel <a href="#Seite_35">35</a>, <a href="#Seite_260">260</a></li> - -<li class="indx"> Klima <a href="#Seite_111">111</a>, <a href="#Seite_216">216</a>, <a href="#Seite_238">238</a></li> - -<li class="indx"> Klimaschiessen <a href="#Seite_248">248</a></li> - -<li class="indx"> Klingalesen <a href="#Seite_115">115</a></li> - -<li class="indx"> Kliwon <a href="#Seite_277">277</a></li> - -<li class="indx"> Klontongs <a href="#Seite_349">349</a></li> - -<li class="indx"> Kloster der Franziskaner <a href="#Seite_366">366</a></li> - -<li class="indx"> Koch (Prof.) 94, <a href="#Seite_201">201</a>, <a href="#Seite_239">239</a>, <a href="#Seite_242">242</a></li> - -<li class="indx"> Koen, J. P. van <a href="#Seite_18">18</a></li> - -<li class="indx"> Koffer <a href="#Seite_7">7</a></li> - -<li class="indx"> „Koffiecultur“ <a href="#Seite_267">267</a></li> - -<li class="indx"> Kohlen <a href="#Seite_96">96</a>, <a href="#Seite_111">111</a></li> - -<li class="indx"> Kondé 45, <a href="#Seite_116">116</a></li> - -<li class="indx"> Kon-fu-tse <a href="#Seite_293">293</a></li> - -<li class="indx"> König von Siam <a href="#Seite_137">137</a>, <a href="#Seite_309">309</a></li> - -<li class="indx"> Königsplatz <a href="#Seite_16">16</a>, <a href="#Seite_20">20</a></li> - -<li class="indx"> Königstiger <a href="#Seite_71">71</a></li> - -<li class="indx"> Kopfjäger <a href="#Seite_39">39</a></li> - -<li class="indx"> Kopfsteine der Chinesen <a href="#Seite_303">303</a></li> - -<li class="indx"> Kossong <a href="#Seite_41">41</a></li> - -<li class="indx"> Kramas <a href="#Seite_278">278</a></li> - -<li class="indx"> Kranggan <a href="#Seite_362">362</a></li> - -<li class="indx"> Krankenliste <a href="#Seite_37">37</a></li> - -<li class="indx"> Krankensäle <a href="#Seite_51">51</a></li> - -<li class="indx"> Kraton zu Djocja <a href="#Seite_175">175</a>, <a href="#Seite_244">244</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span> <span class="mleft1"> „</span>  Solo <a href="#Seite_264">264</a></li> - -<li class="indx"> Kraut <a href="#Seite_128">128</a></li> - -<li class="indx"> Krawang <a href="#Seite_59">59</a></li> - -<li class="indx"> Kriegsgericht <a href="#Seite_186">186</a></li> - -<li class="indx"> Kris <a href="#Seite_176">176</a>, <a href="#Seite_358">358</a></li> - -<li class="indx"> Kroja <a href="#Seite_242">242</a></li> - -<li class="indx"> Krok <a href="#Seite_31">31</a></li> - -<li class="indx"> Krokodile <a href="#Seite_10">10</a>, <a href="#Seite_24">24</a>, <a href="#Seite_166">166</a></li> - -<li class="indx"> Kromo-Sprache <a href="#Seite_355">355</a></li> - -<li class="indx"> Krygsraad <a href="#Seite_186">186</a></li> - -<li class="indx"> Kudang <a href="#Seite_284">284</a></li> - -<li class="indx"> Kunst in Indien <a href="#Seite_25">25</a></li> - -<li class="indx"> Kupang <a href="#Seite_213">213</a></li> - -<li class="indx"> Kurang adjar <a href="#Seite_137">137</a></li> - -<li class="indx"> Kutang <a href="#Seite_249">249</a></li> - -<li class="ifrst"> L.</li> - -<li class="indx"> Labák <a href="#Seite_59">59</a>, <a href="#Seite_61">61</a></li> - -<li class="indx"> Laboratorium <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Lada <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Ladang <a href="#Seite_199">199</a></li> - -<li class="indx"> Lakkaholz <a href="#Seite_279">279</a></li> - -<li class="indx"> Lamongan <a href="#Seite_42">42</a></li> - -<li class="indx"> Lancier <a href="#Seite_165">165</a></li> - -<li class="indx"> Landbau <a href="#Seite_68">68</a></li> - -<li class="indx"> Landeskasse <a href="#Seite_20">20</a></li> - -<li class="indx"> Landes-Sanitätschef <a href="#Seite_149">149</a></li> - -<li class="indx"> Landherren <a href="#Seite_246">246</a></li> - -<li class="indx"> Laternenfest <a href="#Seite_295">295</a></li> - -<li class="indx"> Laudanum <a href="#Seite_182">182</a></li> - -<li class="indx"> Lawsonia alba <a href="#Seite_279">279</a></li> - -<li class="indx"> Lawu (Berg) 139, <a href="#Seite_148">148</a>, <a href="#Seite_178">178</a>, <a href="#Seite_264">264</a></li> - -<li class="indx"> Lawang (Berg) <a href="#Seite_221">221</a></li> - -<li class="indx"> Lebensgefahr <a href="#Seite_85">85</a></li> - -<li class="indx"> Leber <a href="#Seite_132">132</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">„</span><span class="mleft1">abscesse</span> <a href="#Seite_341">341</a></li> - -<li class="indx"> Legi <a href="#Seite_277">277</a></li> - -<li class="indx"> Legionen des Kaisers von Solo <a href="#Seite_175">175</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2">„</span><span class="mleft2">„</span>  Sultans von Djocja <a href="#Seite_175">175</a></li> - -<li class="indx"> Leibwache <a href="#Seite_167">167</a>, <a href="#Seite_244">244</a></li> - -<li class="indx"> Leistung der javanischen Pferde <a href="#Seite_74">74</a></li> - -<li class="indx"> Leitje <a href="#Seite_205">205</a></li> - -<li class="indx"> Lembang <a href="#Seite_112">112</a>, <a href="#Seite_362">362</a></li> - -<li class="indx"> Lemo (Berg) <a href="#Seite_136">136</a></li> - -<li class="indx"> Lepra <a href="#Seite_157">157</a>, <a href="#Seite_375">375</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">„</span><span class="mleft1">in</span> der Armee <a href="#Seite_158">158</a></li> - -<li class="indx"> Leproserien <a href="#Seite_162">162</a></li> - -<li class="indx"> Lerchen <a href="#Seite_90">90</a></li> - -<li class="indx"> Lesegesellschaft <a href="#Seite_207">207</a></li> - -<li class="indx"> Leuchtkäfer <a href="#Seite_81">81</a></li> - -<li class="indx"> L’hombre <a href="#Seite_163">163</a>, <a href="#Seite_247">247</a></li> - -<li class="indx"> Li <a href="#Seite_290">290</a></li> - -<li class="indx"> Lianen <a href="#Seite_265">265</a>, <a href="#Seite_345">345</a></li> - -<li class="indx"> Liang Dynastie <a href="#Seite_157">157</a></li> - -<li class="indx"> Li koan-lan <a href="#Seite_296">296</a></li> - -<li class="indx"> Locomotief <a href="#Seite_52">52</a>, <a href="#Seite_205">205</a>, <a href="#Seite_322">322</a></li> - -<li class="indx"> Löffler’scher Bacillus <a href="#Seite_371">371</a></li> - -<li class="indx"> Loge in Surabaya <a href="#Seite_36">36</a></li> - -<li class="indx"> Lombok <a href="#Seite_113">113</a>, <a href="#Seite_355">355</a>, <a href="#Seite_328">328</a></li> - -<li class="indx"> Loro Djongrang <a href="#Seite_253">253</a></li> - -<li class="indx"> Losari <a href="#Seite_213">213</a></li> - -<li class="indx"> Luftcurorte <a href="#Seite_243">243</a>, <a href="#Seite_375">375</a></li> - -<li class="indx"> Lügenhaftigkeit der Bedienten <a href="#Seite_357">357</a></li> - -<li class="indx"> Lumbung <a href="#Seite_253">253</a></li> - -<li class="ifrst"> M.</li> - -<li class="indx"> Madat <a href="#Seite_292">292</a></li> - -<li class="indx"> Madiun <a href="#Seite_59">59</a>, <a href="#Seite_139">139</a>, <a href="#Seite_147">147</a></li> - -<li class="indx"> Madjapahit <a href="#Seite_36">36</a>, <a href="#Seite_57">57</a></li> - -<li class="indx"> Madras <a href="#Seite_189">189</a></li> - -<li class="indx"> Madura <a href="#Seite_54">54</a>, <a href="#Seite_59">59</a></li> - -<li class="indx"> Maduresen <a href="#Seite_55">55</a>, <a href="#Seite_188">188</a></li> - -<li class="indx"> Magang <a href="#Seite_130">130</a></li> - -<li class="indx"> Magelang <a href="#Seite_72">72</a>, <a href="#Seite_114">114</a>, <a href="#Seite_139">139</a>, <a href="#Seite_258">258</a>, <a href="#Seite_275">275</a>, <a href="#Seite_305">305</a></li> - -<li class="indx"> Magensäure <a href="#Seite_112">112</a>, <a href="#Seite_193">193</a></li> - -<li class="indx"> Mahomedaner <a href="#Seite_335">335</a></li> - -<li class="indx"> Mahomedanische Religionsschulen <a href="#Seite_338">338</a></li> - -<li class="indx"> Maïn dâdu <a href="#Seite_350">350</a></li> - -<li class="indx"> Mais <a href="#Seite_200">200</a></li> - -<li class="indx"> Major der Chinesen <a href="#Seite_48">48</a></li> - -<li class="indx"> Makassar <a href="#Seite_55">55</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">  „</span><span class="mleft1">  Pferde</span> <a href="#Seite_73">73</a></li> - -<li class="indx"> Malacca <a href="#Seite_81">81</a>, <a href="#Seite_189">189</a></li> - -<li class="indx"> Malang <a href="#Seite_114">114</a></li> - -<li class="indx"> Malaria <a href="#Seite_94">94</a>, <a href="#Seite_188">188</a>, <a href="#Seite_237">237</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1">chronische</span> <a href="#Seite_235">235</a></li> - -<li class="indx"> Malaye <a href="#Seite_55">55</a>, <a href="#Seite_60">60</a></li> - -<li class="indx"> Malayische Kinder <a href="#Seite_18">18</a></li> - -<li class="indx"> Malayisches Winken <a href="#Seite_21">21</a></li> - -<li class="indx"> Malik Ibrahim <a href="#Seite_78">78</a></li> - -<li class="indx"> Malimping <a href="#Seite_71">71</a>, <a href="#Seite_77">77</a></li> - -<li class="indx"> Malpropertät <a href="#Seite_156">156</a></li> - -<li class="indx"> Mandalangi (Berg) <a href="#Seite_111">111</a></li> - -<li class="indx"> Mangel an Aerzten <a href="#Seite_365">365</a>, <a href="#Seite_376">376</a></li> - -<li class="indx"> Mangko Negoro <a href="#Seite_177">177</a></li> - -<li class="indx"> Manjutan (Berg) <a href="#Seite_148">148</a></li> - -<li class="indx"> Mantja-negara <a href="#Seite_220">220</a></li> - -<li class="indx"> Maos <a href="#Seite_226">226</a>, <a href="#Seite_241">241</a></li> - -<li class="indx"> Marine-Etablissement <a href="#Seite_42">42</a></li> - -<li class="indx"> Marionetten <a href="#Seite_114">114</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2"> theater</span> <a href="#Seite_114">114</a></li> - -<li class="indx"> Marmor <a href="#Seite_111">111</a></li> - -<li class="indx"> Marodenzimmer <a href="#Seite_179">179</a>, <a href="#Seite_228">228</a></li> - -<li class="indx"> Marschbefehl <a href="#Seite_387">387</a></li> - -<li class="indx"> Marschtag <a href="#Seite_340">340</a></li> - -<li class="indx"> Marseille <a href="#Seite_4">4</a></li> - -<li class="indx"> Martavanen <a href="#Seite_247">247</a></li> - -<li class="indx"> Masern <a href="#Seite_239">239</a></li> - -<li class="indx"> Masseuse <a href="#Seite_31">31</a></li> - -<li class="indx"> Mataram <a href="#Seite_329">329</a>, <a href="#Seite_355">355</a></li> - -<li class="indx"> Matjaan <a href="#Seite_247">247</a></li> - -<li class="indx"> Matjan tutul <a href="#Seite_79">79</a></li> - -<li class="indx"> Maulesel <a href="#Seite_354">354</a></li> - -<li class="indx"> Mauritius <a href="#Seite_190">190</a></li> - -<li class="indx"> Mausoleum <a href="#Seite_69">69</a></li> - -<li class="indx"> Max Havelaar <a href="#Seite_61">61</a></li> - -<li class="indx"> Medicin der Chinesen <a href="#Seite_295">295</a></li> - -<li class="indx"> Medono <a href="#Seite_349">349</a>, <a href="#Seite_353">353</a></li> - -<li class="indx"> Meerbusen von Bantam <a href="#Seite_69">69</a></li> - -<li class="indx"> Meeresleuchten <a href="#Seite_2">2</a></li> - -<li class="indx"> Menado <a href="#Seite_34">34</a></li> - -<li class="indx"> Mendut <a href="#Seite_253">253</a>, <a href="#Seite_274">274</a>, <a href="#Seite_325">325</a></li> - -<li class="indx"> Menjang <a href="#Seite_278">278</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft2">merra</span> <a href="#Seite_278">278</a></li> - -<li class="indx"> Menschenrechte der Javanen <a href="#Seite_68">68</a></li> - -<li class="indx"> Merang <a href="#Seite_278">278</a></li> - -<li class="indx"> Merapi (Berg) 213, <a href="#Seite_264">264</a>, <a href="#Seite_361">361</a>, <a href="#Seite_374">374</a></li> - -<li class="indx"> Merbabu (Berg) 213, <a href="#Seite_264">264</a>, <a href="#Seite_374">374</a>, <a href="#Seite_376">376</a></li> - -<li class="indx"> Messagerie maritime <a href="#Seite_4">4</a></li> - -<li class="indx"> Mesuenbäume <a href="#Seite_287">287</a></li> - -<li class="indx"> Meteorologisches Observatorium <a href="#Seite_25">25</a></li> - -<li class="indx"> Meuterei <a href="#Seite_224">224</a></li> - -<li class="indx"> Miethwagen <a href="#Seite_288">288</a></li> - -<li class="indx"> Milchzahn des Rhinoceros <a href="#Seite_30">30</a></li> - -<li class="indx"> Militär-Abtheilungen <a href="#Seite_114">114</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> Aerzte</span> <a href="#Seite_51">51</a>, <a href="#Seite_125">125</a>, <a href="#Seite_230">230</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> Hygiene</span> <a href="#Seite_353">353</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> Spital</span> zu Batavia <a href="#Seite_16">16</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft2"> „</span><span class="mleft1"> „</span>  Magelang <a href="#Seite_306">306</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft2"> „</span><span class="mleft1"> „</span>  Ngawie <a href="#Seite_179">179</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft2"> „</span><span class="mleft1"> „</span>  Pelántungan <a href="#Seite_375">375</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft2"> „</span><span class="mleft1"> „</span>  Semárang <a href="#Seite_366">366</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft2"> „</span><span class="mleft1"> „</span>  Surabaya <a href="#Seite_35">35</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft2"> „</span><span class="mleft1"> „</span>  Tjilatjap <a href="#Seite_228">228</a></li> - -<li class="indx"> Millionenstudien <a href="#Seite_68">68</a></li> - -<li class="indx"> Mineralquellen <a href="#Seite_111">111</a></li> - -<li class="indx"> Ming-Dynastie <a href="#Seite_157">157</a></li> - -<li class="indx"> Minggu <a href="#Seite_277">277</a></li> - -<li class="indx"> Minnebrieven <a href="#Seite_68">68</a></li> - -<li class="indx"> Minusops Elengi <a href="#Seite_279">279</a></li> - -<li class="indx"> Miring-Fluss <a href="#Seite_42">42</a></li> - -<li class="indx"> Mischrassen <a href="#Seite_133">133</a></li> - -<li class="indx"> Mischehen <a href="#Seite_130">130</a></li> - -<li class="indx"> Missbrauch des Opiums <a href="#Seite_291">291</a></li> - -<li class="indx"> Missigit <a href="#Seite_175">175</a></li> - -<li class="indx"> Mission für christlich-reformirte Kirche <a href="#Seite_27">27</a></li> - -<li class="indx"> Mittagsschläfchen <a href="#Seite_15">15</a>, <a href="#Seite_43">43</a></li> - -<li class="indx"> Mittelstand <a href="#Seite_41">41</a></li> - -<li class="indx"> Modderlust <a href="#Seite_35">35</a></li> - -<li class="indx"> Modedame <a href="#Seite_19">19</a></li> - -<li class="indx"> Moderne Domine <a href="#Seite_334">334</a></li> - -<li class="indx"> Modin <a href="#Seite_336">336</a></li> - -<li class="indx"> Modjokerto <a href="#Seite_56">56</a></li> - -<li class="indx"> Modokarsi <a href="#Seite_42">42</a></li> - -<li class="indx"> Mof <a href="#Seite_21">21</a></li> - -<li class="indx"> Mofette <a href="#Seite_111">111</a>, <a href="#Seite_227">227</a>, <a href="#Seite_264">264</a></li> - -<li class="indx"> Mofrica <a href="#Seite_26">26</a></li> - -<li class="indx"> Mohamad Tsafînd-dîn <a href="#Seite_98">98</a></li> - -<li class="indx"> Mohren <a href="#Seite_340">340</a></li> - -<li class="indx"> Molenvliet <a href="#Seite_24">24</a>, <a href="#Seite_138">138</a></li> - -<li class="indx"> Monikendam (Insel) <a href="#Seite_9">9</a></li> - -<li class="indx"> Monsum <a href="#Seite_372">372</a></li> - -<li class="indx"> Moorwellen <a href="#Seite_111">111</a></li> - -<li class="indx"> Moos <a href="#Seite_248">248</a></li> - -<li class="indx"> Morbidität <a href="#Seite_216">216</a></li> - -<li class="indx"> Mörderallee <a href="#Seite_277">277</a></li> - -<li class="indx"> Morphin <a href="#Seite_4">4</a></li> - -<li class="indx"> Morphiophagen <a href="#Seite_291">291</a></li> - -<li class="indx"> Morynga pterygosperma <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Moschus <a href="#Seite_90">90</a>, <a href="#Seite_372">372</a></li> - -<li class="indx"> Mosquitos <a href="#Seite_94">94</a>, <a href="#Seite_193">193</a>, <a href="#Seite_239">239</a>, <a href="#Seite_242">242</a>, <a href="#Seite_367">367</a></li> - -<li class="indx"> Moschee in Magelang <a href="#Seite_275">275</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> „</span> Surabaya <a href="#Seite_40">40</a></li> - -<li class="indx"> Muara Teweh <a href="#Seite_38">38</a>, <a href="#Seite_158">158</a></li> - -<li class="indx"> Multatuli <a href="#Seite_68">68</a></li> - -<li class="indx"> Muntilan <a href="#Seite_274">274</a>, <a href="#Seite_325">325</a></li> - -<li class="indx"> Musang <a href="#Seite_266">266</a></li> - -<li class="indx"> Museum <a href="#Seite_20">20</a>, <a href="#Seite_137">137</a></li> - -<li class="indx"> Mutter Spandermann <a href="#Seite_11">11</a></li> - -<li class="indx"> Myristica fragrans <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1">  iners</span> <a href="#Seite_279">279</a></li> - -<li class="indx"> Myrrhe <a href="#Seite_278">278</a></li> - -<li class="ifrst"> N.</li> - -<li class="indx"> Nachleser <a href="#Seite_208">208</a></li> - -<li class="indx"> Nächte in den Tropen <a href="#Seite_107">107</a></li> - -<li class="indx"> Nachthose <a href="#Seite_14">14</a></li> - -<li class="indx"> Nassi <a href="#Seite_199">199</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">„</span><span class="mleft1">Koreng</span> <a href="#Seite_15">15</a></li> - -<li class="indx"> Nebel (See) <a href="#Seite_148">148</a></li> - -<li class="indx"> Nepentes <a href="#Seite_36">36</a></li> - -<li class="indx"> Nepotismus in der Armee <a href="#Seite_215">215</a></li> - -<li class="indx"> Neve, van (General) <a href="#Seite_18">18</a></li> - -<li class="indx"> New York <a href="#Seite_362">362</a></li> - -<li class="indx"> Ngabdu’r-Rahmann <a href="#Seite_168">168</a>, <a href="#Seite_173">173</a></li> - -<li class="indx"> Ngampel <a href="#Seite_41">41</a></li> - -<li class="indx"> Ngawen (Fluss) <a href="#Seite_42">42</a></li> - -<li class="indx"> Ngawie <a href="#Seite_140">140</a>, <a href="#Seite_255">255</a></li> - -<li class="indx"> Ngesis <a href="#Seite_292">292</a></li> - -<li class="indx"> Ngoko-Sprache <a href="#Seite_355">355</a></li> - -<li class="indx"> Ngrámbe <a href="#Seite_267">267</a></li> - -<li class="indx"> Nirwana <a href="#Seite_292">292</a></li> - -<li class="indx"> Niu-hoang <a href="#Seite_372">372</a></li> - -<li class="indx"> Njai <a href="#Seite_52">52</a>, <a href="#Seite_133">133</a>, <a href="#Seite_332">332</a></li> - -<li class="indx"> Nonna <a href="#Seite_19">19</a>, <a href="#Seite_44">44</a>, <a href="#Seite_129">129</a>, <a href="#Seite_241">241</a></li> - -<li class="indx"> Noordwyk <a href="#Seite_23">23</a>, <a href="#Seite_138">138</a></li> - -<li class="indx"> Nuces Querci infectoriae <a href="#Seite_287">287</a></li> - -<li class="ifrst"> O.</li> - -<li class="indx"> Obat sakit parút <a href="#Seite_196">196</a></li> - -<li class="indx"> Obors <a href="#Seite_79">79</a></li> - -<li class="indx"> Ocimum gratissimum <a href="#Seite_351">351</a></li> - -<li class="indx"> Officiere der Eingeborenen <a href="#Seite_51">51</a></li> - -<li class="indx"> Oghio <a href="#Seite_351">351</a></li> - -<li class="indx"> Opiumrauchen <a href="#Seite_290">290</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> monopol</span> <a href="#Seite_245">245</a></li> - -<li class="indx"> Oppas <a href="#Seite_77">77</a></li> - -<li class="indx"> Opasser <a href="#Seite_309">309</a></li> - -<li class="indx"> Orang-baru <a href="#Seite_11">11</a>, <a href="#Seite_23">23</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> Kâpir</span> <a href="#Seite_81">81</a></li> - -<li class="indx"> Orchideen <a href="#Seite_36">36</a></li> - -<li class="indx"> Ordonanz <a href="#Seite_358">358</a></li> - -<li class="indx"> Orientalen <a href="#Seite_27">27</a>, <a href="#Seite_55">55</a>, <a href="#Seite_244">244</a></li> - -<li class="indx"> Oryza <a href="#Seite_199">199</a></li> - -<li class="indx"> Osso (Fluss) <a href="#Seite_225">225</a></li> - -<li class="indx"> Osteomalacie <a href="#Seite_267">267</a></li> - -<li class="indx"> Ostmonsum <a href="#Seite_372">372</a></li> - -<li class="indx"> Over vryen arbeid <a href="#Seite_68">68</a></li> - -<li class="ifrst"> P.</li> - -<li class="indx"> Paal <a href="#Seite_166">166</a></li> - -<li class="indx"> Pablingan <a href="#Seite_264">264</a></li> - -<li class="indx"> Packetfahrtgesellschaft <a href="#Seite_33">33</a></li> - -<li class="indx"> Padalarang <a href="#Seite_114">114</a></li> - -<li class="indx"> Padang <a href="#Seite_9">9</a></li> - -<li class="indx"> Paddi <a href="#Seite_199">199</a></li> - -<li class="indx"> Padjadjaran <a href="#Seite_110">110</a></li> - -<li class="indx"> Pageléen <a href="#Seite_221">221</a></li> - -<li class="indx"> Païng <a href="#Seite_277">277</a></li> - -<li class="indx"> Pajong <a href="#Seite_45">45</a>, <a href="#Seite_60">60</a>, <a href="#Seite_116">116</a>, <a href="#Seite_175">175</a>, <a href="#Seite_241">241</a></li> - -<li class="indx"> Pajung (Berg) <a href="#Seite_96">96</a></li> - -<li class="indx"> Pakaraman <a href="#Seite_227">227</a></li> - -<li class="indx"> Paku Buwana <a href="#Seite_221">221</a></li> - -<li class="indx"> Pala <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Palast aus Glas <a href="#Seite_109">109</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1">des</span> Unterkönigs <a href="#Seite_104">104</a></li> - -<li class="indx"> Panata-gama <a href="#Seite_168">168</a>, <a href="#Seite_173">173</a></li> - -<li class="indx"> Pandan (Fluss) <a href="#Seite_96">96</a></li> - -<li class="indx"> Pandanus odoratissimus <a href="#Seite_279">279</a>, <a href="#Seite_282">282</a></li> - -<li class="indx"> Pandeglang <a href="#Seite_70">70</a></li> - -<li class="indx"> Pandjang <a href="#Seite_213">213</a></li> - -<li class="indx"> Pangasah kokolot <a href="#Seite_82">82</a></li> - -<li class="indx"> Pangeran <a href="#Seite_169">169</a>, <a href="#Seite_247">247</a></li> - -<li class="indx"> Pangerango (Berg) <a href="#Seite_103">103</a></li> - -<li class="indx"> Pang sha <a href="#Seite_371">371</a></li> - -<li class="indx"> Panther <a href="#Seite_79">79</a></li> - -<li class="indx"> Panton <a href="#Seite_19">19</a>, <a href="#Seite_120">120</a>, <a href="#Seite_131">131</a></li> - -<li class="indx"> Papeda Rumplin <a href="#Seite_351">351</a></li> - -<li class="indx"> Paprica <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Páraan <a href="#Seite_362">362</a></li> - -<li class="indx"> Paradoxurus Musanga <a href="#Seite_266">266</a></li> - -<li class="indx"> Parkia Africana <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Paron <a href="#Seite_139">139</a>, <a href="#Seite_166">166</a>, <a href="#Seite_179">179</a>, <a href="#Seite_212">212</a></li> - -<li class="indx"> Pasar <a href="#Seite_278">278</a></li> - -<li class="indx">   „ Baru <a href="#Seite_138">138</a></li> - -<li class="indx"> Pasaruan <a href="#Seite_59">59</a>, <a href="#Seite_78">78</a>, <a href="#Seite_114">114</a>, <a href="#Seite_335">335</a></li> - -<li class="indx"> Pastor Verbaak <a href="#Seite_335">335</a></li> - -<li class="indx"> Paté de foie gras <a href="#Seite_90">90</a></li> - -<li class="indx"> Patjar kuku <a href="#Seite_279">279</a></li> - -<li class="indx"> Patjet (Berg) <a href="#Seite_126">126</a></li> - -<li class="indx"> Patti <a href="#Seite_115">115</a>, <a href="#Seite_163">163</a></li> - -<li class="indx"> Patua (Berg) <a href="#Seite_112">112</a></li> - -<li class="indx"> Patuk Pakis <a href="#Seite_265">265</a></li> - -<li class="indx"> Pauken <a href="#Seite_120">120</a></li> - -<li class="indx"> Pavillonsystem <a href="#Seite_306">306</a></li> - -<li class="indx"> Pekalongan <a href="#Seite_59">59</a></li> - -<li class="indx"> Peking <a href="#Seite_189">189</a></li> - -<li class="indx"> Peksi gruda <a href="#Seite_168">168</a></li> - -<li class="indx"> Pelántungan <a href="#Seite_158">158</a>, <a href="#Seite_375">375</a></li> - -<li class="indx"> Penanggungan <a href="#Seite_42">42</a></li> - -<li class="indx"> Pendoppo <a href="#Seite_116">116</a>, <a href="#Seite_175">175</a></li> - -<li class="indx"> Pendrian <a href="#Seite_366">366</a></li> - -<li class="indx"> Pengalengan <a href="#Seite_112">112</a></li> - -<li class="indx"> Pepé-Fluss <a href="#Seite_42">42</a>, <a href="#Seite_178">178</a>, <a href="#Seite_264">264</a></li> - -<li class="indx"> Perigien-Fluss <a href="#Seite_42">42</a></li> - -<li class="indx"> Periplaneta orientalis <a href="#Seite_372">372</a></li> - -<li class="indx"> Perlen <a href="#Seite_372">372</a></li> - -<li class="indx"> Pesanggrâhan <a href="#Seite_140">140</a></li> - -<li class="indx"> Peté <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Petersilie <a href="#Seite_128">128</a></li> - -<li class="indx"> Petroleum <a href="#Seite_56">56</a>, <a href="#Seite_111">111</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1">  lampe</span> <a href="#Seite_178">178</a></li> - -<li class="indx"> Pfahlbauten <a href="#Seite_201">201</a>, <a href="#Seite_227">227</a></li> - -<li class="indx"> Pfandleihanstalt <a href="#Seite_358">358</a></li> - -<li class="indx"> Pfeffer <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Pfeifer <a href="#Seite_176">176</a></li> - -<li class="indx"> Pfeiffer, Ida <a href="#Seite_10">10</a></li> - -<li class="indx"> Pferde <a href="#Seite_72">72</a>, <a href="#Seite_115">115</a>, <a href="#Seite_288">288</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1">-Fourage</span> <a href="#Seite_40">40</a></li> - -<li class="indx"> Pfirsiche <a href="#Seite_128">128</a></li> - -<li class="indx"> Pflanzendune <a href="#Seite_180">180</a></li> - -<li class="indx"> Phenacetin <a href="#Seite_4">4</a></li> - -<li class="indx"> Philippo <a href="#Seite_29">29</a></li> - -<li class="indx"> Pidjet <a href="#Seite_31">31</a></li> - -<li class="indx"> Picknick <a href="#Seite_211">211</a></li> - -<li class="indx"> Piek von Lombok <a href="#Seite_328">328</a></li> - -<li class="indx"> Pikol <a href="#Seite_114">114</a></li> - -<li class="indx"> Pikolpferde <a href="#Seite_289">289</a></li> - -<li class="indx"> Pinangnuss <a href="#Seite_281">281</a></li> - -<li class="indx"> Pingit <a href="#Seite_353">353</a></li> - -<li class="indx"> Ping piën <a href="#Seite_371">371</a></li> - -<li class="indx"> Pisang <a href="#Seite_15">15</a></li> - -<li class="indx"> Pishalte <a href="#Seite_348">348</a></li> - -<li class="indx"> Plantage <a href="#Seite_56">56</a>, <a href="#Seite_247">247</a></li> - -<li class="indx"> Plasmodien <a href="#Seite_189">189</a></li> - -<li class="indx"> Pleret <a href="#Seite_247">247</a></li> - -<li class="indx"> Pogostemon <a href="#Seite_279">279</a></li> - -<li class="indx"> Polizei <a href="#Seite_25">25</a>, <a href="#Seite_68">68</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> arzt</span> <a href="#Seite_149">149</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> soldaten</span> <a href="#Seite_223">223</a></li> - -<li class="indx"> Polonaise <a href="#Seite_47">47</a></li> - -<li class="indx"> Polygamie <a href="#Seite_130">130</a></li> - -<li class="indx"> Pon <a href="#Seite_277">277</a></li> - -<li class="indx"> Pontang (Fluss) <a href="#Seite_96">96</a></li> - -<li class="indx"> Pontjol <a href="#Seite_366">366</a></li> - -<li class="indx"> Porong (Fluss) <a href="#Seite_42">42</a></li> - -<li class="indx"> Porphyr <a href="#Seite_111">111</a></li> - -<li class="indx"> Porte d’Entrée der Lepra <a href="#Seite_160">160</a></li> - -<li class="indx"> Portugiesen <a href="#Seite_81">81</a></li> - -<li class="indx"> Postamt <a href="#Seite_25">25</a></li> - -<li class="indx"> Prabajassa <a href="#Seite_177">177</a></li> - -<li class="indx"> Prabu Djaja Baja <a href="#Seite_157">157</a></li> - -<li class="indx"> Pradjurit <a href="#Seite_223">223</a></li> - -<li class="indx"> Präcordialangst <a href="#Seite_182">182</a>, <a href="#Seite_193">193</a></li> - -<li class="indx"> Praguman <a href="#Seite_373">373</a></li> - -<li class="indx"> Prahu (Berg) <a href="#Seite_376">376</a></li> - -<li class="indx"> Prambánan <a href="#Seite_249">249</a></li> - -<li class="indx"> Prang sabib <a href="#Seite_338">338</a></li> - -<li class="indx"> Präsentkäse <a href="#Seite_263">263</a></li> - -<li class="indx"> Preanger <a href="#Seite_59">59</a></li> - -<li class="indx"> Preis des Chinin <a href="#Seite_104">104</a></li> - -<li class="indx"> Pringsurat <a href="#Seite_340">340</a>, <a href="#Seite_349">349</a></li> - -<li class="indx"> Privatbahnen <a href="#Seite_33">33</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span>  güter <a href="#Seite_57">57</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span>  praxis <a href="#Seite_236">236</a></li> - -<li class="indx"> Probolingo <a href="#Seite_59">59</a>, <a href="#Seite_78">78</a></li> - -<li class="indx"> Progo (Fluss) <a href="#Seite_273">273</a>, <a href="#Seite_362">362</a></li> - -<li class="indx"> Protestanten <a href="#Seite_334">334</a></li> - -<li class="indx"> Prophylaxis der Cholera <a href="#Seite_197">197</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2">  „</span>  Dysenterie <a href="#Seite_344">344</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2">  „</span>  Lepra <a href="#Seite_161">161</a></li> - -<li class="indx"> Provinz vide <a href="#Residentie">Residentie</a></li> - -<li class="indx"> Prüfungen der Aerzte <a href="#Seite_52">52</a></li> - -<li class="indx"> Prügelstrafe <a href="#Seite_154">154</a></li> - -<li class="indx"> Pteropus edulis <a href="#Seite_90">90</a></li> - -<li class="indx"> Puasa <a href="#Seite_338">338</a></li> - -<li class="indx"> Pulu vide <a href="#Insel">Insel</a></li> - -<li class="indx"> Pulverfabrik <a href="#Seite_139">139</a></li> - -<li class="indx"> Pulvirenti <a href="#Seite_94">94</a></li> - -<li class="indx"> Puntjak <a href="#Seite_136">136</a></li> - -<li class="indx"> Purworedjo <a href="#Seite_220">220</a></li> - -<li class="indx"> Pylorus <a href="#Seite_253">253</a></li> - -<li class="indx"> Pyrotechnische Werkstätte <a href="#Seite_42">42</a></li> - -<li class="ifrst"> Q.</li> - -<li class="indx"> Quartiergeld für Oberärzte <a href="#Seite_40">40</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2">  „</span>  Regimentsärzte <a href="#Seite_235">235</a></li> - -<li class="indx"> Quecksilber bei den Chinesen <a href="#Seite_295">295</a></li> - -<li class="ifrst"> R.</li> - -<li class="indx"> Râden Djambu <a href="#Seite_221">221</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> Rachmat</span> <a href="#Seite_41">41</a></li> - -<li class="indx"> Radja <a href="#Seite_54">54</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">„</span><span class="mleft1">Mantri</span> <a href="#Seite_110">110</a></li> - -<li class="indx"> Raksassa <a href="#Seite_158">158</a></li> - -<li class="indx"> Randosari <a href="#Seite_367">367</a></li> - -<li class="indx"> Rangklasse der Spitäler <a href="#Seite_179">179</a></li> - -<li class="indx">  „  unterschiede <a href="#Seite_261">261</a></li> - -<li class="indx"> Rankas Betong <a href="#Seite_68">68</a></li> - -<li class="indx"> Rapatholz <a href="#Seite_247">247</a></li> - -<li class="indx"> Rasse <a href="#Seite_278">278</a></li> - -<li class="indx"> Rathhaus <a href="#Seite_25">25</a></li> - -<li class="indx"> Ratu Loro Kidul <a href="#Seite_247">247</a></li> - -<li class="indx"> Raubbau <a href="#Seite_362">362</a></li> - -<li class="indx"> Rawa <a href="#Seite_197">197</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">„</span><span class="mleft1">Pening</span> <a href="#Seite_213">213</a></li> - -<li class="indx"> Rebab <a href="#Seite_118">118</a></li> - -<li class="indx"> Rebu <a href="#Seite_277">277</a></li> - -<li class="indx"> „Rekenkamer“ <a href="#Seite_218">218</a></li> - -<li class="indx"> Reconvalescentenspital zu Batu Tulis <a href="#Seite_108">108</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft4"> „</span><span class="mleft4"> „</span>  Sindanglaya <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft4"> „</span><span class="mleft4"> „</span>  Sukabum <a href="#Seite_112">112</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft4"> „</span><span class="mleft4"> „</span>  Unarang <a href="#Seite_375">375</a></li> - -<li class="indx"> Recueil <a href="#Seite_37">37</a></li> - -<li class="indx"> Regenmenge auf Java <a href="#Seite_100">100</a>, <a href="#Seite_198">198</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2">  „</span><span class="mleft2"> in</span> Buitenzorg <a href="#Seite_198">198</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2">  „</span><span class="mleft2"> „ Magelang</span> <a href="#Seite_198">198</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2">  „</span><span class="mleft2"> „ Ngawie</span> <a href="#Seite_198">198</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2">  „</span><span class="mleft2"> „ Tjilatjap</span> <a href="#Seite_198">198</a></li> - -<li class="indx"> Regierungsprincip <a href="#Seite_233">233</a></li> - -<li class="indx"> Reh <a href="#Seite_121">121</a>, <a href="#Seite_168">168</a></li> - -<li class="indx"> Reibereien in kleinen Städten <a href="#Seite_259">259</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2">unter</span> Beamten <a href="#Seite_317">317</a></li> - -<li class="indx"> Reichsverweser <a href="#Seite_167">167</a></li> - -<li class="indx"> Reinwardt (Prof.) <a href="#Seite_102">102</a>, <a href="#Seite_121">121</a>, <a href="#Seite_189">189</a></li> - -<li class="indx"> Reis <a href="#Seite_57">57</a>, <a href="#Seite_199">199</a></li> - -<li class="indx">   „ felder <a href="#Seite_199">199</a></li> - -<li class="indx">   „ vögel <a href="#Seite_367">367</a></li> - -<li class="indx"> Reise nach Europa <a href="#Seite_364">364</a></li> - -<li class="indx"> Religionen <a href="#Seite_334">334</a></li> - -<li class="indx"> Reorganisation der Armee <a href="#Seite_215">215</a></li> - -<li class="indx"> Resident <a href="#Seite_149">149</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> schritt</span> <a href="#Seite_310">310</a></li> - -<li class="indx" id="Residentie"> Residentie Bageléen <a href="#Seite_148">148</a>, <a href="#Seite_220">220</a>, <a href="#Seite_267">267</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2">„</span><span class="mleft2">Banjumas</span> <a href="#Seite_232">232</a>, <a href="#Seite_267">267</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2">„</span><span class="mleft2">Bantam</span> <a href="#Seite_267">267</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2">„</span><span class="mleft2">Batavia</span> <a href="#Seite_27">27</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2">„</span><span class="mleft2">Djocjocarta</span> <a href="#Seite_361">361</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2">„</span><span class="mleft2">Kedu</span> <a href="#Seite_59">59</a>, <a href="#Seite_267">267</a>, <a href="#Seite_273">273</a>, <a href="#Seite_363">363</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2">„</span><span class="mleft2">Madiun</span> <a href="#Seite_147">147</a>, <a href="#Seite_264">264</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2">„</span><span class="mleft2">Pasaruan</span> <a href="#Seite_335">335</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2">„</span><span class="mleft2">Preanger</span> <a href="#Seite_59">59</a>, <a href="#Seite_267">267</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2">„</span><span class="mleft2">Rembang</span> <a href="#Seite_148">148</a>, <a href="#Seite_157">157</a>, <a href="#Seite_264">264</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2">„</span><span class="mleft2">Semárang</span> <a href="#Seite_261">261</a>, <a href="#Seite_364">364</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2">„</span><span class="mleft2">Surokarta</span> <a href="#Seite_59">59</a>, <a href="#Seite_155">155</a>, <a href="#Seite_178">178</a>, <a href="#Seite_263">263</a>, <a href="#Seite_361">361</a></li> - -<li class="indx"> Rhaden Saleh <a href="#Seite_327">327</a></li> - -<li class="indx"> Rhinoceros <a href="#Seite_29">29</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2">„</span><span class="mleft2">horn</span> <a href="#Seite_30">30</a></li> - -<li class="indx"> Ricinusöl <a href="#Seite_105">105</a>, <a href="#Seite_112">112</a></li> - -<li class="indx"> Rinder <a href="#Seite_73">73</a></li> - -<li class="indx"> Rindfleisch <a href="#Seite_90">90</a></li> - -<li class="indx"> Riolen <a href="#Seite_202">202</a></li> - -<li class="indx"> Riouw <a href="#Seite_159">159</a></li> - -<li class="indx"> Rollen der Schiffe <a href="#Seite_2">2</a></li> - -<li class="indx"> Ronggens <a href="#Seite_116">116</a></li> - -<li class="indx"> Rothe Brücke <a href="#Seite_40">40</a></li> - -<li class="indx"> Rothfärben der Nägel <a href="#Seite_180">180</a></li> - -<li class="indx"> Rotterdam (Insel) <a href="#Seite_9">9</a></li> - -<li class="indx"> Rozeboom <a href="#Seite_214">214</a></li> - -<li class="indx"> Rüben, rothe <a href="#Seite_128">128</a></li> - -<li class="indx"> Ruderclub <a href="#Seite_27">27</a></li> - -<li class="indx"> Runde <a href="#Seite_306">306</a></li> - -<li class="indx"> Ruyther, Dr. <a href="#Seite_310">310</a></li> - -<li class="ifrst"> S.</li> - -<li class="indx"> Sabbatarier <a href="#Seite_332">332</a></li> - -<li class="indx"> Saguerus sacchariferus <a href="#Seite_187">187</a></li> - -<li class="indx"> Said Rakidin <a href="#Seite_78">78</a></li> - -<li class="indx"> Sajidin <a href="#Seite_168">168</a>, <a href="#Seite_173">173</a></li> - -<li class="indx"> Salak (Berg) <a href="#Seite_103">103</a></li> - -<li class="indx"> Salam <a href="#Seite_274">274</a></li> - -<li class="indx"> Salaman <a href="#Seite_277">277</a></li> - -<li class="indx"> Salâmatan <a href="#Seite_336">336</a></li> - -<li class="indx"> Salatiga <a href="#Seite_373">373</a></li> - -<li class="indx"> Salindang <a href="#Seite_116">116</a></li> - -<li class="indx"> Salinen <a href="#Seite_111">111</a></li> - -<li class="indx"> Salpetergruben <a href="#Seite_56">56</a></li> - -<li class="indx"> Salzsäure <a href="#Seite_112">112</a>, <a href="#Seite_204">204</a></li> - -<li class="indx"> Sanatorien <a href="#Seite_112">112</a></li> - -<li class="indx"> Sandhose <a href="#Seite_140">140</a></li> - -<li class="indx"> Sanggabuwana (Berg) <a href="#Seite_110">110</a></li> - -<li class="indx"> Sangkapura <a href="#Seite_54">54</a></li> - -<li class="indx"> Sanitätschef <a href="#Seite_16">16</a></li> - -<li class="indx"> Santen <a href="#Seite_113">113</a>, <a href="#Seite_350">350</a></li> - -<li class="indx"> Santonina <a href="#Seite_105">105</a></li> - -<li class="indx"> Sardellen <a href="#Seite_90">90</a></li> - -<li class="indx"> Sardinen <a href="#Seite_90">90</a></li> - -<li class="indx"> Sarg der Chinesen <a href="#Seite_305">305</a></li> - -<li class="indx"> Sarong <a href="#Seite_249">249</a>, <a href="#Seite_283">283</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> burung</span> <a href="#Seite_221">221</a></li> - -<li class="indx"> Sasâté <a href="#Seite_351">351</a></li> - -<li class="indx"> Sassak <a href="#Seite_328">328</a></li> - -<li class="indx"> Saucis de Boulogne <a href="#Seite_90">90</a></li> - -<li class="indx"> Säuglinge <a href="#Seite_3">3</a></li> - -<li class="indx"> Saugwasser <a href="#Seite_7">7</a></li> - -<li class="indx"> Säuregehalt des Magens <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Sawa <a href="#Seite_195">195</a></li> - -<li class="indx"> Sawung galing <a href="#Seite_168">168</a></li> - -<li class="indx"> Scepasma buxifolia <a href="#Seite_281">281</a></li> - -<li class="indx"> Schafe <a href="#Seite_90">90</a></li> - -<li class="indx"> Schattenspender <a href="#Seite_266">266</a></li> - -<li class="indx"> Scheikh Abdul Kadir <a href="#Seite_115">115</a></li> - -<li class="indx"> Scheinpotentaten <a href="#Seite_245">245</a></li> - -<li class="indx"> Scheube <a href="#Seite_341">341</a></li> - -<li class="indx"> Schiefertafel <a href="#Seite_205">205</a></li> - -<li class="indx"> Schiessclub <a href="#Seite_27">27</a></li> - -<li class="indx"> Schiffsbad <a href="#Seite_141">141</a></li> - -<li class="indx"> Schimmel <a href="#Seite_128">128</a></li> - -<li class="indx"> Schinken <a href="#Seite_90">90</a></li> - -<li class="indx"> Schlammwelle <a href="#Seite_96">96</a></li> - -<li class="indx"> Schlangen <a href="#Seite_166">166</a></li> - -<li class="indx"> Schlossplatz <a href="#Seite_140">140</a>, <a href="#Seite_264">264</a></li> - -<li class="indx"> Schmuggeln von Opium <a href="#Seite_292">292</a></li> - -<li class="indx"> Schout <a href="#Seite_359">359</a></li> - -<li class="indx"> Schulen <a href="#Seite_16">16</a>, <a href="#Seite_134">134</a></li> - -<li class="indx"> Schulze <a href="#Seite_25">25</a>, <a href="#Seite_72">72</a>, <a href="#Seite_339">339</a></li> - -<li class="indx"> Schuttery <a href="#Seite_368">368</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span> <span class="mleft1"> fonds</span> <a href="#Seite_369">369</a></li> - -<li class="indx"> Schwalbennesterhöhle <a href="#Seite_178">178</a>, <a href="#Seite_221">221</a>, <a href="#Seite_247">247</a>, <a href="#Seite_265">265</a></li> - -<li class="indx"> Schwarzfärben der Zähne <a href="#Seite_281">281</a></li> - -<li class="indx"> Schwarzwurzel <a href="#Seite_128">128</a></li> - -<li class="indx"> Schwefel <a href="#Seite_111">111</a></li> - -<li class="indx"> Schweine <a href="#Seite_90">90</a></li> - -<li class="indx"> Section einer Choleraleiche <a href="#Seite_192">192</a></li> - -<li class="indx"> Sedjáng <a href="#Seite_349">349</a></li> - -<li class="indx"> Seekrankheit <a href="#Seite_1">1</a></li> - -<li class="indx"> Segaraweddi <a href="#Seite_227">227</a></li> - -<li class="indx"> Selassa <a href="#Seite_277">277</a></li> - -<li class="indx"> Sellerie <a href="#Seite_128">128</a></li> - -<li class="indx"> Semárang <a href="#Seite_59">59</a>, <a href="#Seite_190">190</a>, <a href="#Seite_364">364</a>, <a href="#Seite_372">372</a></li> - -<li class="indx"> Sembáh <a href="#Seite_169">169</a></li> - -<li class="indx"> Semelink (Dr.) <a href="#Seite_187">187</a></li> - -<li class="indx"> Seminar <a href="#Seite_16">16</a></li> - -<li class="indx"> Senapati ing ngalaga <a href="#Seite_168">168</a>, <a href="#Seite_173">173</a></li> - -<li class="indx"> Sendáng <a href="#Seite_148">148</a></li> - -<li class="indx"> Senén <a href="#Seite_277">277</a></li> - -<li class="indx"> Senf <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Senkgruben <a href="#Seite_202">202</a></li> - -<li class="indx"> Sêptu <a href="#Seite_277">277</a></li> - -<li class="indx"> Serang <a href="#Seite_60">60</a>, <a href="#Seite_69">69</a></li> - -<li class="indx"> Serenade auf dem Schiffe <a href="#Seite_7">7</a></li> - -<li class="indx"> Serímpi <a href="#Seite_169">169</a></li> - -<li class="indx"> Sesamöl <a href="#Seite_279">279</a></li> - -<li class="indx"> Setjáng <a href="#Seite_362">362</a></li> - -<li class="indx"> Sewu <a href="#Seite_253">253</a></li> - -<li class="indx"> Siamang <a href="#Seite_124">124</a></li> - -<li class="indx"> Sideh Mohamad <a href="#Seite_78">78</a></li> - -<li class="indx"> Sidoardjo <a href="#Seite_44">44</a>, <a href="#Seite_57">57</a></li> - -<li class="indx"> Simaruba <a href="#Seite_259">259</a></li> - -<li class="indx"> Sindang-laya <a href="#Seite_113">113</a>, <a href="#Seite_127">127</a></li> - -<li class="indx"> Sindoro <a href="#Seite_273">273</a>, <a href="#Seite_362">362</a>, <a href="#Seite_376">376</a></li> - -<li class="indx"> Singapore <a href="#Seite_376">376</a></li> - -<li class="indx"> Singcicade <a href="#Seite_81">81</a></li> - -<li class="indx"> Sinju <a href="#Seite_19">19</a>, <a href="#Seite_129">129</a>, <a href="#Seite_241">241</a></li> - -<li class="indx"> Sintok <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Siong goân <a href="#Seite_295">295</a></li> - -<li class="indx"> Siram <a href="#Seite_141">141</a></li> - -<li class="indx"> Sirihkauen <a href="#Seite_281">281</a></li> - -<li class="indx">  „ schale <a href="#Seite_281">281</a></li> - -<li class="indx"> Sitinggil <a href="#Seite_264">264</a></li> - -<li class="indx"> Sitz der Gefühle <a href="#Seite_130">130</a></li> - -<li class="indx"> Siwa <a href="#Seite_188">188</a>, <a href="#Seite_221">221</a>, <a href="#Seite_253">253</a></li> - -<li class="indx"> Sluisbrücke <a href="#Seite_15">15</a></li> - -<li class="indx"> Smeru <a href="#Seite_269">269</a></li> - -<li class="indx"> Snouk Hurgronje <a href="#Seite_147">147</a></li> - -<li class="indx"> Solanum verbascifolium <a href="#Seite_281">281</a></li> - -<li class="indx"> Soldatenfrauen <a href="#Seite_332">332</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">  „</span><span class="mleft1"> kinder</span> <a href="#Seite_260">260</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">  „</span><span class="mleft1"> freunde</span> <a href="#Seite_332">332</a></li> - -<li class="indx"> Solfatoren <a href="#Seite_227">227</a></li> - -<li class="indx"> Solo <a href="#Seite_139">139</a>, <a href="#Seite_263">263</a>, <a href="#Seite_367">367</a>, <a href="#Seite_373">373</a></li> - -<li class="indx">   „ fluss <a href="#Seite_42">42</a>, <a href="#Seite_148">148</a>, <a href="#Seite_178">178</a>, <a href="#Seite_264">264</a></li> - -<li class="indx"> Sonnenblumen <a href="#Seite_198">198</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> schirme</span> <a href="#Seite_168">168</a>, <a href="#Seite_277">277</a></li> - -<li class="indx"> Spath <a href="#Seite_111">111</a></li> - -<li class="indx"> Spaziergang im Regen <a href="#Seite_88">88</a></li> - -<li class="indx"> Spiegel <a href="#Seite_12">12</a></li> - -<li class="indx"> Spiele der Javanen <a href="#Seite_118">118</a></li> - -<li class="indx"> Spinat <a href="#Seite_128">128</a></li> - -<li class="indx"> Spital für Eingeborene <a href="#Seite_25">25</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> „</span>  Chinesen <a href="#Seite_25">25</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1">behandlung</span> für Officiere <a href="#Seite_257">257</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1">weg</span> <a href="#Seite_16">16</a></li> - -<li class="indx"> Spukhaus <a href="#Seite_101">101</a></li> - -<li class="indx"> Spurweite der Eisenbahnen <a href="#Seite_33">33</a>, <a href="#Seite_139">139</a></li> - -<li class="indx"> Sragen <a href="#Seite_139">139</a></li> - -<li class="indx"> Sri Menganti <a href="#Seite_175">175</a></li> - -<li class="indx"> Staatsbahnen <a href="#Seite_33">33</a></li> - -<li class="indx"> Stab der Cavallerie <a href="#Seite_375">375</a></li> - -<li class="indx"> Stabsmusik <a href="#Seite_18">18</a></li> - -<li class="indx"> Stacheldraht <a href="#Seite_311">311</a></li> - -<li class="indx"> Stachelstange <a href="#Seite_86">86</a></li> - -<li class="indx"> Stadthaus <a href="#Seite_25">25</a>, <a href="#Seite_366">366</a></li> - -<li class="indx"> Stalaktiten <a href="#Seite_222">222</a>, <a href="#Seite_247">247</a></li> - -<li class="indx"> Stamford Raffles <a href="#Seite_105">105</a></li> - -<li class="indx"> Stampfen des Schiffes <a href="#Seite_2">2</a></li> - -<li class="indx"> Stand der Armee <a href="#Seite_195">195</a></li> - -<li class="indx"> Stanggie <a href="#Seite_278">278</a></li> - -<li class="indx"> Starrsinn der Pferde <a href="#Seite_290">290</a></li> - -<li class="indx"> Statistik der Lepra <a href="#Seite_162">162</a></li> - -<li class="indx"> Steeden, van <a href="#Seite_130">130</a></li> - -<li class="indx"> Steinbergen <a href="#Seite_197">197</a></li> - -<li class="indx"> Steuer für Einäugige <a href="#Seite_221">221</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> „</span>  Waden <a href="#Seite_221">221</a></li> - -<li class="indx"> Steueramt <a href="#Seite_20">20</a></li> - -<li class="indx"> Sticker (Dr.) <a href="#Seite_161">161</a></li> - -<li class="indx"> Stockfisch <a href="#Seite_278">278</a></li> - -<li class="indx"> Stockschläge <a href="#Seite_150">150</a></li> - -<li class="indx"> Stomatitis crouposa <a href="#Seite_371">371</a></li> - -<li class="indx"> Strafanstalt Ngawie <a href="#Seite_139">139</a></li> - -<li class="indx"> Sträflinge <a href="#Seite_180">180</a>, <a href="#Seite_321">321</a></li> - -<li class="indx"> Strasse von Sunda <a href="#Seite_9">9</a></li> - -<li class="indx"> Strassenbeleuchtung <a href="#Seite_44">44</a></li> - -<li class="indx"> Streitigkeiten <a href="#Seite_360">360</a></li> - -<li class="indx"> Strohhüte <a href="#Seite_59">59</a></li> - -<li class="indx"> Sukabumi <a href="#Seite_111">111</a></li> - -<li class="indx"> Sulassifrucht <a href="#Seite_351">351</a></li> - -<li class="indx"> Suling <a href="#Seite_120">120</a></li> - -<li class="indx"> Sultan Ageng <a href="#Seite_247">247</a></li> - -<li class="indx"> Sultanat von Djocja <a href="#Seite_244">244</a></li> - -<li class="indx"> Sultanin von Djocja <a href="#Seite_177">177</a></li> - -<li class="indx"> Sumbing (Berg) <a href="#Seite_273">273</a>, <a href="#Seite_362">362</a>, <a href="#Seite_376">376</a></li> - -<li class="indx"> Sumedang <a href="#Seite_121">121</a></li> - -<li class="indx"> Sümpfe <a href="#Seite_197">197</a></li> - -<li class="indx"> Sundanesen <a href="#Seite_55">55</a>, <a href="#Seite_59">59</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2">„</span> <span class="mleft2">frauen</span> <a href="#Seite_136">136</a></li> - -<li class="indx"> Superarbitrirungscommission <a href="#Seite_255">255</a></li> - -<li class="indx"> Surabaya <a href="#Seite_35">35</a>, <a href="#Seite_195">195</a></li> - -<li class="indx"> Surakarta <a href="#Seite_59">59</a>, <a href="#Seite_139">139</a>, <a href="#Seite_263">263</a></li> - -<li class="indx"> Susuhunan <a href="#Seite_41">41</a>, <a href="#Seite_167">167</a>, <a href="#Seite_245">245</a></li> - -<li class="indx"> Sylvesternacht <a href="#Seite_163">163</a></li> - -<li class="indx"> Syphilis <a href="#Seite_375">375</a></li> - -<li class="ifrst"> T.</li> - -<li class="indx"> Tabak <a href="#Seite_57">57</a></li> - -<li class="indx"> Tail <a href="#Seite_290">290</a></li> - -<li class="indx"> Tamarindenbaum <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Tambour <a href="#Seite_176">176</a></li> - -<li class="indx"> Tambourin <a href="#Seite_120">120</a></li> - -<li class="indx"> Tampat ludah <a href="#Seite_281">281</a></li> - -<li class="indx"> Tanah-bang <a href="#Seite_138">138</a></li> - -<li class="indx">   „  Sereal <a href="#Seite_106">106</a></li> - -<li class="indx"> Tandaken <a href="#Seite_160">160</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">  „</span> <span class="mleft1"> mädchen</span> <a href="#Seite_170">170</a></li> - -<li class="indx"> Tandes <a href="#Seite_78">78</a></li> - -<li class="indx"> Tandjong <a href="#Seite_279">279</a></li> - -<li class="indx"> Tanjong Priok <a href="#Seite_197">197</a></li> - -<li class="indx"> Tan-fan <a href="#Seite_371">371</a></li> - -<li class="indx"> Tangerang <a href="#Seite_59">59</a></li> - -<li class="indx"> Tankuban Prahu <a href="#Seite_110">110</a></li> - -<li class="indx"> Tan-seng <a href="#Seite_372">372</a></li> - -<li class="indx"> Tanzen <a href="#Seite_262">262</a></li> - -<li class="indx"> Tanzen der Javanen <a href="#Seite_116">116</a></li> - -<li class="indx"> Tänzerinnen <a href="#Seite_114">114</a></li> - -<li class="indx"> Tapafluss <a href="#Seite_54">54</a></li> - -<li class="indx"> Tapotement <a href="#Seite_31">31</a></li> - -<li class="indx"> Tassik malaya <a href="#Seite_112">112</a></li> - -<li class="indx"> Tatelahan <a href="#Seite_81">81</a></li> - -<li class="indx"> Tater <a href="#Seite_281">281</a></li> - -<li class="indx"> Taubheit <a href="#Seite_357">357</a></li> - -<li class="indx"> Tauschhandel im Spital <a href="#Seite_312">312</a></li> - -<li class="indx"> Tausend Inseln <a href="#Seite_9">9</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> Tempel</span> <a href="#Seite_251">251</a></li> - -<li class="indx"> Tay-Ka-Toi <a href="#Seite_372">372</a></li> - -<li class="indx"> Tebásan <a href="#Seite_221">221</a></li> - -<li class="indx"> Tectonia grandis <a href="#Seite_206">206</a>, <a href="#Seite_373">373</a></li> - -<li class="indx"> Telaga bodas <a href="#Seite_110">110</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> Warna</span> <a href="#Seite_136">136</a></li> - -<li class="indx"> Telephon <a href="#Seite_115">115</a></li> - -<li class="indx"> Telok Betong <a href="#Seite_33">33</a></li> - -<li class="indx"> Telomojo (Berg) <a href="#Seite_213">213</a>, <a href="#Seite_272">272</a>, <a href="#Seite_386">386</a></li> - -<li class="indx"> Temanggung <a href="#Seite_290">290</a>, <a href="#Seite_349">349</a>, <a href="#Seite_362">362</a></li> - -<li class="indx"> Tempel <a href="#Seite_134">134</a>, <a href="#Seite_249">249</a></li> - -<li class="indx"> Tengergebirge <a href="#Seite_78">78</a>, <a href="#Seite_331">331</a></li> - -<li class="indx"> Teppiche <a href="#Seite_169">169</a></li> - -<li class="indx"> Teysman <a href="#Seite_102">102</a></li> - -<li class="indx"> Thalia <a href="#Seite_320">320</a></li> - -<li class="indx"> Theater <a href="#Seite_118">118</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1">director</span> <a href="#Seite_320">320</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1">gesellschaft</span> <a href="#Seite_320">320</a></li> - -<li class="indx"> Thee <a href="#Seite_121">121</a></li> - -<li class="indx">  „ plantagen <a href="#Seite_121">121</a></li> - -<li class="indx"> Thiergarten zu Solo <a href="#Seite_265">265</a></li> - -<li class="indx"> Tidar <a href="#Seite_275">275</a></li> - -<li class="indx"> Tiger <a href="#Seite_71">71</a>, <a href="#Seite_166">166</a></li> - -<li class="indx">  „ gefechte <a href="#Seite_121">121</a></li> - -<li class="indx"> Tinggi <a href="#Seite_54">54</a></li> - -<li class="indx"> Tin-sjong <a href="#Seite_247">247</a></li> - -<li class="indx"> Tizzoni <a href="#Seite_193">193</a></li> - -<li class="indx"> Tjai Duwejan <a href="#Seite_91">91</a></li> - -<li class="indx"> Tjakra Negara <a href="#Seite_329">329</a>, <a href="#Seite_340">340</a></li> - -<li class="indx"> Tjandi <a href="#Seite_251">251</a></li> - -<li class="indx"> Tjandjur <a href="#Seite_114">114</a></li> - -<li class="indx"> Tjemarabaum <a href="#Seite_269">269</a></li> - -<li class="indx"> Tjenké <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Tji <a href="#Seite_290">290</a></li> - -<li class="indx"> Tji-apus (Berg) <a href="#Seite_103">103</a></li> - -<li class="indx">  „ balang <a href="#Seite_112">112</a></li> - -<li class="indx">  „ barenoh <a href="#Seite_96">96</a></li> - -<li class="indx">  „ beo <a href="#Seite_82">82</a></li> - -<li class="indx">  „ berem <a href="#Seite_102">102</a></li> - -<li class="indx">  „ bodas <a href="#Seite_102">102</a>, <a href="#Seite_127">127</a></li> - -<li class="indx">  „ dani <a href="#Seite_102">102</a></li> - -<li class="indx">  „ kandi <a href="#Seite_84">84</a>, <a href="#Seite_96">96</a></li> - -<li class="indx">  „  „ ilir <a href="#Seite_59">59</a></li> - -<li class="indx">  „  „ udik <a href="#Seite_59">59</a></li> - -<li class="indx">  „ kanékes <a href="#Seite_82">82</a></li> - -<li class="indx">  „ komoh <a href="#Seite_108">108</a></li> - -<li class="indx">  „ langap <a href="#Seite_85">85</a></li> - -<li class="indx">  „ latjap <a href="#Seite_33">33</a>, <a href="#Seite_197">197</a>, <a href="#Seite_217">217</a>, <a href="#Seite_241">241</a></li> - -<li class="indx">  „ leles <a href="#Seite_70">70</a>, <a href="#Seite_77">77</a></li> - -<li class="indx">  „ ligon <a href="#Seite_23">23</a></li> - -<li class="indx">  „ madjah <a href="#Seite_112">112</a></li> - -<li class="indx">  „ manok <a href="#Seite_96">96</a></li> - -<li class="indx">  „ omas <a href="#Seite_108">108</a></li> - -<li class="indx">  „ panas <a href="#Seite_102">102</a>, <a href="#Seite_127">127</a></li> - -<li class="indx">  „ panimbang <a href="#Seite_96">96</a></li> - -<li class="indx">  „ samodor <a href="#Seite_82">82</a></li> - -<li class="indx">  „ walini <a href="#Seite_112">112</a></li> - -<li class="indx"> Tjien-tju <a href="#Seite_372">372</a></li> - -<li class="indx">  „ tjau <a href="#Seite_351">351</a></li> - -<li class="indx"> Tju-séh <a href="#Seite_371">371</a></li> - -<li class="indx"> Todtenthal <a href="#Seite_227">227</a></li> - -<li class="indx"> Toko <a href="#Seite_138">138</a>, <a href="#Seite_222">222</a></li> - -<li class="indx"> Tolletbaracken <a href="#Seite_314">314</a></li> - -<li class="indx"> Tonnensystem <a href="#Seite_316">316</a></li> - -<li class="indx"> Topeng <a href="#Seite_120">120</a></li> - -<li class="indx"> Toro <a href="#Seite_60">60</a></li> - -<li class="indx"> Totok <a href="#Seite_26">26</a></li> - -<li class="indx"> Tourniere <a href="#Seite_114">114</a>, <a href="#Seite_121">121</a></li> - -<li class="indx"> Trachitstein <a href="#Seite_265">265</a>, <a href="#Seite_361">361</a>, <a href="#Seite_376">376</a></li> - -<li class="indx"> Tramway <a href="#Seite_23">23</a></li> - -<li class="indx"> Transferirung <a href="#Seite_34">34</a>, <a href="#Seite_218">218</a></li> - -<li class="indx"> Trassi <a href="#Seite_278">278</a></li> - -<li class="indx"> Treppensteigen <a href="#Seite_239">239</a></li> - -<li class="indx"> Treub (Prof.) <a href="#Seite_101">101</a></li> - -<li class="indx"> Trichopus trichopterus <a href="#Seite_278">278</a></li> - -<li class="indx"> Trinkgelder <a href="#Seite_21">21</a></li> - -<li class="indx">  „ wasser <a href="#Seite_194">194</a>, <a href="#Seite_216">216</a>, <a href="#Seite_240">240</a>, <a href="#Seite_343">343</a></li> - -<li class="indx"> Trommel <a href="#Seite_26">26</a></li> - -<li class="indx"> Tropfsteinhöhle <a href="#Seite_227">227</a>, <a href="#Seite_248">248</a></li> - -<li class="indx"> Tsáp gow mêng-Fest <a href="#Seite_294">294</a></li> - -<li class="indx"> Tschou houang <a href="#Seite_372">372</a></li> - -<li class="indx"> Tsee houang <a href="#Seite_371">371</a></li> - -<li class="indx"> Tuban <a href="#Seite_42">42</a></li> - -<li class="indx"> Tukang pidjit <a href="#Seite_31">31</a></li> - -<li class="indx"> Tukung (Berg) <a href="#Seite_96">96</a></li> - -<li class="indx"> Tuku Umar <a href="#Seite_346">346</a></li> - -<li class="indx"> Tumenggung <a href="#Seite_167">167</a></li> - -<li class="indx"> Tuntang <a href="#Seite_213">213</a>, <a href="#Seite_373">373</a>, <a href="#Seite_375">375</a></li> - -<li class="indx"> Turnschule <a href="#Seite_27">27</a></li> - -<li class="indx">  „ vereine <a href="#Seite_27">27</a></li> - -<li class="indx"> Tuwak <a href="#Seite_187">187</a></li> - -<li class="indx"> Tytler <a href="#Seite_193">193</a></li> - -<li class="ifrst"> U.</li> - -<li class="indx"> Ueberschwemmungs-Canal <a href="#Seite_367">367</a></li> - -<li class="indx"> Uncaria gambir <a href="#Seite_281">281</a></li> - -<li class="indx"> Ungarang <a href="#Seite_212">212</a>, <a href="#Seite_374">374</a></li> - -<li class="indx"> Unglücksfälle durch Thiere <a href="#Seite_166">166</a></li> - -<li class="indx"> Uniform der Militärärzte <a href="#Seite_231">231</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">  „</span><span class="mleft1">   „</span> Pradjurits <a href="#Seite_224">224</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">  „</span><span class="mleft1">   „</span> Schuttery <a href="#Seite_368">368</a></li> - -<li class="indx"> Upasbaum <a href="#Seite_227">227</a></li> - -<li class="indx"> Urat sala <a href="#Seite_32">32</a></li> - -<li class="indx"> Urlaub nach Europa <a href="#Seite_364">364</a></li> - -<li class="indx"> Urut <a href="#Seite_31">31</a></li> - -<li class="indx"> Uvaria odorata <a href="#Seite_279">279</a></li> - -<li class="ifrst"> V.</li> - -<li class="indx"> Vaccinateur <a href="#Seite_150">150</a>, <a href="#Seite_161">161</a></li> - -<li class="indx"> Vaccinestoff <a href="#Seite_260">260</a></li> - -<li class="indx"> Valentyn <a href="#Seite_159">159</a></li> - -<li class="indx"> Vanille <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Vendutie <a href="#Seite_142">142</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1">  accept</span> <a href="#Seite_147">147</a></li> - -<li class="indx"> Verbannungsort <a href="#Seite_237">237</a></li> - -<li class="indx"> Verbreitung des Islam <a href="#Seite_78">78</a></li> - -<li class="indx"> Vereine in Batavia <a href="#Seite_26">26</a>, <a href="#Seite_27">27</a></li> - -<li class="indx"> Verein der surabayischen Zuckerfabrikanten <a href="#Seite_56">56</a></li> - -<li class="indx"> Vergiftungsfälle <a href="#Seite_96">96</a></li> - -<li class="indx"> Verhexen <a href="#Seite_360">360</a></li> - -<li class="indx"> Verpflegsgebühren <a href="#Seite_255">255</a></li> - -<li class="indx"> Vertheidigungsschrift <a href="#Seite_185">185</a></li> - -<li class="indx"> Vertheidigung von Java <a href="#Seite_214">214</a></li> - -<li class="indx"> Veth <a href="#Seite_157">157</a>, <a href="#Seite_213">213</a>, <a href="#Seite_227">227</a>, <a href="#Seite_247">247</a>, <a href="#Seite_251">251</a>, <a href="#Seite_253">253</a>, <a href="#Seite_325">325</a>, <a href="#Seite_373">373</a></li> - -<li class="indx"> Vetter <a href="#Seite_328">328</a></li> - -<li class="indx"> Vibration <a href="#Seite_31">31</a></li> - -<li class="indx"> Viehpest <a href="#Seite_68">68</a>, <a href="#Seite_83">83</a></li> - -<li class="indx">  „ zucht <a href="#Seite_68">68</a></li> - -<li class="indx"> Violine <a href="#Seite_118">118</a></li> - -<li class="indx"> Virchow <a href="#Seite_160">160</a>, <a href="#Seite_193">193</a></li> - -<li class="indx"> Vivres <a href="#Seite_39">39</a></li> - -<li class="indx"> Vogel <a href="#Seite_168">168</a></li> - -<li class="indx"> Vogelnester <a href="#Seite_56">56</a>, <a href="#Seite_245">245</a></li> - -<li class="indx"> Volksschulen <a href="#Seite_134">134</a>, <a href="#Seite_339">339</a></li> - -<li class="indx"> Vordermann (Dr.) <a href="#Seite_371">371</a></li> - -<li class="indx"> Vorkinder <a href="#Seite_134">134</a></li> - -<li class="indx"> Vorschuss <a href="#Seite_218">218</a>, <a href="#Seite_358">358</a></li> - -<li class="indx"> Vorstenschool <a href="#Seite_68">68</a></li> - -<li class="indx"> Vulcan Bromo <a href="#Seite_79">79</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> Karang</span> <a href="#Seite_96">96</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> Lawu</span> <a href="#Seite_270">270</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> Merapi</span> <a href="#Seite_161">161</a></li> - -<li class="ifrst"> W.</li> - -<li class="indx"> Wachtel <a href="#Seite_121">121</a></li> - -<li class="indx"> Wachthäuschen <a href="#Seite_87">87</a>, <a href="#Seite_107">107</a></li> - -<li class="indx"> Wageh <a href="#Seite_277">277</a></li> - -<li class="indx"> Wajang gohlek <a href="#Seite_120">120</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> Kulit</span> <a href="#Seite_119">119</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> Orang</span> <a href="#Seite_118">118</a>, <a href="#Seite_265">265</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> tjina</span> <a href="#Seite_119">119</a></li> - -<li class="indx"> Walikukung <a href="#Seite_265">265</a></li> - -<li class="indx"> Wanakarta <a href="#Seite_112">112</a></li> - -<li class="indx"> Wanakrama <a href="#Seite_36">36</a></li> - -<li class="indx"> Waringinbaum <a href="#Seite_36">36</a>, <a href="#Seite_140">140</a></li> - -<li class="indx"> Warme Quellen <a href="#Seite_96">96</a>, <a href="#Seite_148">148</a>, <a href="#Seite_222">222</a>, <a href="#Seite_264">264</a></li> - -<li class="indx"> Wasser <a href="#Seite_194">194</a>, <a href="#Seite_216">216</a></li> - -<li class="indx"> Waterlooplatz <a href="#Seite_16">16</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1">  „</span><span class="mleft1"> säule</span> <a href="#Seite_16">16</a></li> - -<li class="indx"> Wechsel der Dienstboten <a href="#Seite_359">359</a></li> - -<li class="indx"> Wedono <a href="#Seite_78">78</a></li> - -<li class="indx"> Wege der Fama <a href="#Seite_206">206</a></li> - -<li class="indx"> Weintrauben <a href="#Seite_129">129</a></li> - -<li class="indx"> Weisse Röcke <a href="#Seite_232">232</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> Uniform</span> <a href="#Seite_368">368</a></li> - -<li class="indx"> Welirang <a href="#Seite_42">42</a></li> - -<li class="indx"> Wellisgebirge <a href="#Seite_269">269</a></li> - -<li class="indx"> Weltevreden <a href="#Seite_15">15</a>, <a href="#Seite_113">113</a></li> - -<li class="indx"> Westmonsum <a href="#Seite_372">372</a></li> - -<li class="indx"> Wettrennen <a href="#Seite_72">72</a>, <a href="#Seite_106">106</a>, <a href="#Seite_320">320</a></li> - -<li class="indx"> Whisky <a href="#Seite_261">261</a></li> - -<li class="indx"> Whist <a href="#Seite_163">163</a></li> - -<li class="indx"> Widjen-Oel <a href="#Seite_279">279</a></li> - -<li class="indx"> Wiel, van der <a href="#Seite_371">371</a></li> - -<li class="indx"> Wiener Möbel <a href="#Seite_16">16</a></li> - -<li class="indx"> Willem I 139, <a href="#Seite_211">211</a></li> - -<li class="indx"> Willisberg <a href="#Seite_148">148</a></li> - -<li class="indx"> Wildschweine <a href="#Seite_90">90</a></li> - -<li class="indx"> Winken der Malayen <a href="#Seite_21">21</a></li> - -<li class="indx"> Wirogomo <a href="#Seite_214">214</a></li> - -<li class="indx"> Wohnungen der Europäer <a href="#Seite_284">284</a></li> - -<li class="indx"> Wollbaum <a href="#Seite_180">180</a></li> - -<li class="indx"> Wucherer <a href="#Seite_304">304</a></li> - -<li class="indx"> Wunderöl <a href="#Seite_115">115</a></li> - -<li class="indx"> Würfelspiel <a href="#Seite_350">350</a></li> - -<li class="indx"> Würste <a href="#Seite_90">90</a></li> - -<li class="ifrst"> Z.</li> - -<li class="indx"> Zahlmeister <a href="#Seite_218">218</a></li> - -<li class="indx"> Zähne der Pferde <a href="#Seite_289">289</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1"> „</span>  Malayen <a href="#Seite_18">18</a>, <a href="#Seite_281">281</a></li> - -<li class="indx"> Zauberer <a href="#Seite_295">295</a></li> - -<li class="indx"> Zibeth <a href="#Seite_278">278</a></li> - -<li class="indx"> Ziegen <a href="#Seite_90">90</a></li> - -<li class="indx"> Ziehbrunnen <a href="#Seite_284">284</a></li> - -<li class="indx"> Ziekenvader <a href="#Seite_306">306</a></li> - -<li class="indx"> Ziekenzaal <a href="#Seite_228">228</a></li> - -<li class="indx"> Zinkblech im Koffer <a href="#Seite_7">7</a></li> - -<li class="indx"> Zinn <a href="#Seite_111">111</a></li> - -<li class="indx"> Zoologischer Garten in Batavia <a href="#Seite_138">138</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft3"> „</span><span class="mleft1"> „</span> Solo <a href="#Seite_265">265</a></li> - -<li class="indx"> Zuckerfabriken <a href="#Seite_57">57</a></li> - -<li class="indx"> <span class="mleft1"> „</span><span class="mleft1">plantagen</span> <a href="#Seite_57">57</a></li> - -<li class="indx"> Zulagen eines Militärarztes <a href="#Seite_235">235</a></li> - -<li class="indx"> Zwiebeln <a href="#Seite_113">113</a></li> - -</ul> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_406">[S. 406]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Inhaltsverzeichniss_Band_1" title="Inhaltsverzeichniss -des ersten Bandes">Inhaltsverzeichniss<a id="FNAnker_243" href="#Fussnote_243" class="fnanchor"><span class="s7 vat">[243]</span></a></h2> - -</div> - -<p class="center">des 1. Bandes »Borneo« von Breitenstein, 21 Jahre in Indien.</p> - -<table class="toc"> - <tr> - <td class="s5" colspan="2"> -   - </td> - <td class="s5"> - <div class="right">Seite</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> -   - </td> - <td> - <div class="left">Vorwort</div> - </td> - <td> - <div class="right">V</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="left"><b> 1. Capitel.</b></div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="just">Rassen auf Borneo: Olo-Ott, Dajaker u. s. w. — Reise von - Surabaya nach Bandjermasing — Insel Madura und Bawean — Dussonfluss — - Mosquitos — Oedipussage auf Borneo — Danaus-Seen — Antassan — Rother Hund - (eine Hautkrankheit)</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">1</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="left"><b> 2. Capitel.</b></div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="just">Pesanggrâhan = Passantenhaus — Ausflug nach der Affeninsel - — Aberglaube der Eingeborenen — Reise nach Teweh — Ein chinesisches Schiff - im Innern Borneos — Trinkwasser in Indien — Eis — Mineralwässer</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">13</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="left"><b> 3. Capitel.</b></div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="just">Amethysten-Verein — Alcohol — Gandruwo, eine Spukgeschichte - — Polypragmasie der jungen Aerzte — Verpflegung in einem Fort — - Unselbständigkeit der Militärärzte — Malayische Sprache — Vergiftung mit - Chloralhydrat und Arsenik — Krankenwärter und Sträflinge — Amoklaufen — - Erste Praxis unter den Dajakern — Schwanzmenschen</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">24</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="left"><b> 4. Capitel.</b></div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="just">Fischschuppen-Krankheit — Tigerschlange — Schlangenbeschwörer - — Gibbon — Kentering — Beri-Beri — Simulanten beim Militär — Mohammedanisches - Neujahr — Tochter von Mangkosari — Kopfjagd — Pfeilgift — Genesungsfest — - Gesundes Essen — Früchte — Indische Haustoilette — Wüthende Haushälterin — - Dysenterie — Gewissenlose Beamte — Missionare</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">45</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="left"><b> 5. Capitel.</b></div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="just">Fort Buntok — Orang-Utang — Operationen — Prostitué - bei den Affen — Darwinisten — Indische Häuser — Möbelfabrikanten - — Französische Mode — Gefährliche Obstbäume — Einrichtung der Häuser - — Dajakische Häuser — Götzenbilder — Tuwak oder Palmwein — - Wittwenstand der Dajaker — Opfern der Sclaven — Todtenfest</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">88</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="left"><b> 6. Capitel.</b></div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="just">Ameisen und Termiten in den Wohnungen — Verderben der - Speisevorräthe — Milch-Ernährung der Säuglinge — Aborte Tjebok — - Transpiration in den Tropen — Baden — Siram = Schiffsbad — - Antimilitärischer Geist der Holländer — Das Ausmorden der Bemannung des - Kriegsschiffes „Onrust“, von den Dajakern erzählt</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">113</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> -<span class="pagenum" id="Seite_407">[S. 407]</span> - <div class="left"><b> 7. Capitel.</b></div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="just">Acclimatisation — Sport in Indien — Sonnenstich — Prophylaxis - gegen Sonnenstich — Alcoholica — Bier — Schwarzer Hund — Mortalität beim - Militär im Gebirge und in der Ebene — Klima — Statistik — Erröthen der - Eingeborenen — Geringschätzung der „Indischen“ — Fluor albus, Menstruation - — Gesundheitslappen — Erziehung der Mädchen — Indische Venus — Indischer - Don Juan</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">130</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="left"><b> 8. Capitel.</b></div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="just">Urbewohner von Borneo — Eisengewinnung bei den Dajakern - — Eisenbahn auf Borneo — Landbaucolonien — Jagd in Borneo — Im Urwalde - verirrt — Wilde Büffel — Medicin auf Borneo — Actiologie bei den Dajakern - — Taufe bei den Dajakern — Dukun — Doctor djawa</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">147</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="left"><b> 9. Capitel.</b></div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="just">Kriegsspiele der Dajaker — Angriff auf einen Dampfer — - Hebammen — Frauen-Doctor — Europäische Aerzte — Gerichtsärzte - — Stadtärzte — Civilärzte — Furunculosis — Aerztliche Commissionen — - Vaccinateurs</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">170</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="left"><b>10. Capitel.</b></div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="just">Geographie von Borneo — Reise des dänischen Gelehrten - Dr. Bock — Besteigung des Berges Kinibalu — Die Syphilis in Indien — - Beschneidung</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">190</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="left"><b>11. Capitel.</b></div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="just">Das „Liebesleben“ bei den Waldmenschen, Dajakern, Malayen - und Europäern — Aphrodisiaca</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">223</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="left"><b>12. Capitel.</b></div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="just">Abreise von Borneo — Tod meiner zwei Hausfreunde durch - Leberabscesse — Bandjermasing nach 100 Jahren</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">232</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat"> - <div class="left"><b>Anhang.</b></div> - </td> - <td class="vat"> - <div class="just">Geschichte des Süd-Ostens von Borneo</div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">238</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td class="vat" colspan="2"> - <div class="left"><b>Sach- und Namen-Register</b></div> - </td> - <td class="vab"> - <div class="right">255</div> - </td> - </tr> -</table> - -<hr class="full x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> - -<div class="schmal"> - -<p class="s4 mleft7">Im gleichen Verlage sind u. A. erschienen:</p> - -<p class="s2 center"><b>Führer auf Java.</b></p> - -<p class="center">Ein Handbuch für Reisende.</p> - -<p class="center">Mit Berücksichtigung der socialen, commerziellen, -industriellen und naturgeschichtlichen Verhältnisse.</p> - -<p class="s5 center">Von</p> - -<p class="s3 center"><b>L. F. M. Schulze.</b></p> - -<p class="center"><em class="gesperrt">— Mit einer Eisenbahnkarte von Java. —</em></p> - -<p class="center">Preis: broch. 9 M., gebunden 10 M. 20 Pf.</p> - -<hr class="r65" /> - -<p class="s2 center"><b>21 Jahre in Indien.</b></p> - -<p class="center"><em class="gesperrt">Aus dem Tagebuche eines Militärarztes.</em></p> - -<p class="s3 center"><span class="s6">Von</span> <b>Dr. H. Breitenstein</b>.</p> - -<p class="center"><em class="gesperrt">Erster Theil: <b>Borneo.</b></em></p> - -<p class="center">Mit 1 Titelbild und 8 Illustrationen im Text.</p> - -<p class="center">Preis: broch. 5 M. 50 Pf., gebd. 6 M. 50 Pf.</p> - -<hr class="r65" /> - -<p class="s2 center"><b>Das Weib in der Natur- und Völkerkunde.</b></p> - -<p class="center">Anthropologische Studien</p> - -<p class="s3 center"><span class="s6">von</span> <b>Dr. H. Ploss</b>.</p> - -<p class="s5 center"><b>6. umgearbeitete und stark vermehrte Auflage.</b></p> - -<p class="s5 center">Nach dem Tode des Verfassers bearbeitet und herausgegeben</p> - -<p class="s3 center"><span class="s6">von</span> <b>Dr. Max Bartels</b>.</p> - -<p class="center">Mit 11 lithographischen Tafeln und 539 Abbildungen. 2 Bände.</p> - -<p class="center">Preis: brochirt 26 M., in Halbfranzband 30 M.</p> - -<hr class="r65" /> - -<p class="s2 center"><b>Das Kind in Brauch und Sitte der Völker.</b></p> - -<p class="center">Anthropologische Studien.</p> - -<p class="s3 center"><span class="s6">Von</span> <b>Dr. H. Ploss</b>.</p> - -<p class="center">Zweite neu durchgesehene und stark vermehrte Auflage. -2. Ausgabe. 2 starke Bände.</p> - -<p class="center">Preis: broch. 12 M., in zwei eleg. Ganzleinwandbänden 15 M.</p> - -<hr class="r65" /> - -<p class="s2 center"><b>Die Medicin der Naturvölker.</b></p> - -<p class="center">Ethnologische Beiträge</p> - -<p class="s5 center">zur</p> - -<p class="center"><em class="gesperrt">Urgeschichte der Medicin.</em></p> - -<p class="s3 center"><span class="s6">Von</span> <b>Dr. Max Bartels</b>,</p> - -<p class="s5 center"><b>Geh. Sanitätsrath in Berlin.</b></p> - -<p class="center">Mit 175 Original-Holzschnitten im Text.</p> - -<p class="center">Preis: brochirt 9 M., in Halbfranzband 11 M.</p> - -<hr class="r65" /> - -<p class="s2 center"><b>Volksbräuche und Aberglauben<br /> - -<span class="s6">in der Geburtshilfe u. der Pflege des Neugeborenen in -Ungarn.</span></b></p> - -<p class="center">Ethnographische Studien</p> - -<p class="s3 center"><span class="s6">von</span> <b>Dr. Rudolf Temesváry</b>.</p> - -<p class="center">Mit 16 Abbildungen. Preis: broch. 2,80 M., gebunden 3,60 M.</p> - -</div> - -</div> - -<hr class="full x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> - -<div class="footnotes"> - -<p class="s3 center mtop1 mbot1"><b>Fußnoten:</b></p> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_1" href="#FNAnker_1" class="label">[1]</a> Zwei Jahre später ist dieses Schiff an der spanischen -Küste mit Mann und Maus untergegangen; wie mir ein jetziger Patient, -der Eigenthümer des Rotterdamer Lloyd, erzählte, war es auf einen -Felsen aufgefahren und wurde in zwei Stücke zerrissen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_2" href="#FNAnker_2" class="label">[2]</a> Sie haben eine Grösse von 8,503 Quadrat-Meilen, während -Java 2281,432 Quadrat-Meilen gross ist.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_3" href="#FNAnker_3" class="label">[3]</a> Weltevreden ist die südliche Vorstadt von Batavia, welche -ausschliesslich von Europäern bewohnt wird. Oft wird der ganzen Stadt -Batavia dieser Name gegeben.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_4" href="#FNAnker_4" class="label">[4]</a> „Nachthose“ (Hose aus buntem Kattun) und Kabaya (weisses -Leibchen).</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_5" href="#FNAnker_5" class="label">[5]</a> Capsicum annuum.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_6" href="#FNAnker_6" class="label">[6]</a> Ricinus communis oder R. rugosus oder R. ruber oder R. -spectabilis, welche alle zu der Klasse der Euphorbiaceen gehören. Die -Chinesen Javas bereiten ihr häufig gebrauchtes Laxans aus Ricinus -ruber.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_7" href="#FNAnker_7" class="label">[7]</a> Java wird militärisch in drei Abtheilungen eingetheilt, -welche in Weltevreden, Samarang und Surabaya ihren Sitz haben.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_8" href="#FNAnker_8" class="label">[8]</a> Nur Dr. <em class="gesperrt">Wasklewitz</em> hatte als Sanitätschef den Rang -eines Generals.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_9" href="#FNAnker_9" class="label">[9]</a> Nur der General-Gouverneur und der Armee-Commandant sind -Excellenzen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_10" href="#FNAnker_10" class="label">[10]</a> Vide Schulze, Führer auf Java S. 147.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_11" href="#FNAnker_11" class="label">[11]</a> In dieser Haustoilette sieht man die malayischen Mädchen -nicht mehr auf Java, sondern nur auf den übrigen Inseln auf der Strasse -herumgehen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_12" href="#FNAnker_12" class="label">[12]</a> Zur Erinnerung an die Eroberung von Bali, einer Insel im -Osten Javas.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_13" href="#FNAnker_13" class="label">[13]</a> Spitzwort für die Deutschen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_14" href="#FNAnker_14" class="label">[14]</a> <em class="gesperrt">Schulze</em> bringt ein vollständiges Verzeichniss -aller Gesellschaften, welche in Batavia ihren Sitz oder ihre Vertreter -haben.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_15" href="#FNAnker_15" class="label">[15]</a> Factisch liessen die Decorationen dieser Oper nichts zu -wünschen übrig, wie ich mich einige Tage später überzeugte.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_16" href="#FNAnker_16" class="label">[16]</a> Aus den Mittheilungen des Ministeriums der Colonien -vom Jahre 1894 ist ersichtlich, dass die drei grössten Städte Javas: -Batavia, Surabaya und Samarang folgende Einwohnerzahl im Jahre 1892 -hatten:</p> - -<table> - <tr> - <td class="s5"> -   - </td> - <td class="s5 vat"> - <div class="center">Europäer.</div> - </td> - <td class="s5 vat"> - <div class="center">Chinesen.</div> - </td> - <td class="s5 vat"> - <div class="center">Araber.</div> - </td> - <td class="s5 vat"> - <div class="center">Andere<br />Orientalen.</div> - </td> - <td class="s5 vat"> - <div class="center">Eingeborene.</div> - </td> - <td class="s5 vat"> -   - </td> - <td class="s5"> - <div class="center">Total.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left">Batavia</div> - </td> - <td> - <div class="center">8613</div> - </td> - <td> - <div class="center">27,279</div> - </td> - <td> - <div class="center">2622</div> - </td> - <td> - <div class="center">104</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 76,246</div> - </td> - <td> - <div class="center">=</div> - </td> - <td> - <div class="center">114,864.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left">Samarang</div> - </td> - <td> - <div class="center">3732</div> - </td> - <td> - <div class="center">11,282</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 702</div> - </td> - <td> - <div class="center">993</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 56,210</div> - </td> - <td> - <div class="center">=</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 72,919</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="left">Surabaya</div> - </td> - <td> - <div class="center">5913</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 9,160</div> - </td> - <td> - <div class="center">1931</div> - </td> - <td> - <div class="center">392</div> - </td> - <td> - <div class="center">128,294</div> - </td> - <td> - <div class="center">=</div> - </td> - <td> - <div class="center">145,690</div> - </td> - </tr> -</table> - -<p>Auch die Provinz Batavia hat seit dieser Zeit stark zugenommen. Sie -hatte im Jahre 1892 1,150,957 Einwohner (darunter 11,701 Europäer, -80,395 Chinesen, 3081 Araber, 119 Orientalen und 1,055,661 Eingeborene) -und hat einen Flächeninhalt von 122,154 Quadrat-Meilen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_17" href="#FNAnker_17" class="label">[17]</a> Das Tapotement (Hackung) und die Vibration -(Erschütterung) der europäischen Masseure üben sie jedoch nicht.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_18" href="#FNAnker_18" class="label">[18]</a> Holländische Phrase.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_19" href="#FNAnker_19" class="label">[19]</a> Susuhunan = Seiner Heiligkeit ist der Titel des Kaisers -von Solo.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_20" href="#FNAnker_20" class="label">[20]</a> Seine Mutter stammte von Cambodga, und sein Vater war -ein Araber, der ihn in einem Alter von 20 Jahren zu seinem Bruder in -Madjopahit sandte; er wurde hier der zweite Apostel des Islam in Java. -Der erste war Manlana Malik Ibrahim, welcher am 8. April 1419 zu Grissé -starb.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_21" href="#FNAnker_21" class="label">[21]</a> Vide <a href="#Fussnote_16">Note Seite 27</a>.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_22" href="#FNAnker_22" class="label">[22]</a> Vide I. Band: Borneo, Seite 68.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_23" href="#FNAnker_23" class="label">[23]</a> <span class="mleft1">„</span> <span class="mleft2">„</span> <span class="mleft2"> „</span><span class="mleft2"> „</span>   123.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_24" href="#FNAnker_24" class="label">[24]</a> Den ersten Tag erhält jeder Patient nur Reis in Milch -gekocht.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_25" href="#FNAnker_25" class="label">[25]</a> Gegenwärtig wird diese Stadt natürlich durch Gas -beleuchtet. Batavia hat seit 38 Jahren, Surabaya seit 20 Jahren und -Samarang seit 1898 eine Gasfabrik.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_26" href="#FNAnker_26" class="label">[26]</a> Seit dieser Zeit hat die Mode den Männern und den Damen -den Gebrauch des Hutes auch nach Sonnenuntergang aufgedrungen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_27" href="#FNAnker_27" class="label">[27]</a> In den „Sälen“ der Unterofficiere und Officiere befanden -sich nur europäische Patienten. Aus disciplinären Gründen werden -nämlich die eingeborenen Unterofficiere gemeinsam mit den eingeborenen -„Minderen“ verpflegt, und die eingeborenen Officiere sind in der -regulären Armee schon seit vielen Jahrzehnten auf das Aussterbeetat -gesetzt. Vor drei Jahren lebte noch der letzte „eingeborene Officier“ -pensionirt als hochbetagter Greis in Magelang (Java).</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_28" href="#FNAnker_28" class="label">[28]</a> Im Jahre 1893.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_29" href="#FNAnker_29" class="label">[29]</a> Im Westen ist die Küste gebirgig; an diesen Theil -schliesst sich die Ebene von Grissé; im Süden derselben folgen die -Gebirgszüge von Lamongan, Kendeng und Modjokasri; die grosse Ebene von -Djombang geht im Süden in einen mächtigen Gebirgsstock über, welcher -sich mit zahlreichen Bergriesen über die östliche Grenze bis tief in -die Provinz Passuruan erstreckt.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_30" href="#FNAnker_30" class="label">[30]</a> Gesetz (Wet) vom 23. Mai 1899 (Staatsblad No. 124).</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_31" href="#FNAnker_31" class="label">[31]</a> In den acht Districten dieser Provinz sind nur die Städte -Surabaya, Grissé, Modjokerto, Djombang und Sidoardjo von Bedeutung.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_32" href="#FNAnker_32" class="label">[32]</a> Java wird nämlich in 22 Residenties = Provinzen -eingetheilt, welche, von Westen nach Osten gezählt, folgende Namen -führen: Bantam, Batavia, Krawang, Cheribon, Preanger, Banjumas, Tegal, -Pekalongan, Samarang, Japara, Kedu, Bagélen, Surakarta, Djokjakarta, -Rembang, Madiun, Kediri, Surabaya, Madura (Insel), Pasuruan, Probolingo -und Besuki.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_33" href="#FNAnker_33" class="label">[33]</a> Serang ist eine kleine Stadt, sie hatte im Jahre 1892 nur -5700 Einwohner (mit 179 Europäern und 446 Chinesen u. s. w.).</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_34" href="#FNAnker_34" class="label">[34]</a> Holländisches Sprichwort.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_35" href="#FNAnker_35" class="label">[35]</a> = Offene Säulenhalle.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_36" href="#FNAnker_36" class="label">[36]</a> <em class="gesperrt">Eduard Douwes Dekker</em>, geb. am 2. März 1820 -in Amsterdam, schrieb mit dem Pseudonym Multatuli oben erwähnten -Tendenzroman Max Havelaar, Minnebrieven, indrukken van den dag, Ideen, -Over vryen arbeid, Duizend en eenige hoofdstukken over specialiteiten, -Millionenstudien und ein Drama — Vorstenschool —, das noch heute zu -den beliebtesten Stücken des Repertoirs gehört. Er starb am 19. Februar -1887.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_37" href="#FNAnker_37" class="label">[37]</a> Im Durchschnitt haben die javanischen Pferde, wenn wir -von den importirten australischen absehen, eine Höhe von 1.20 Meter.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_38" href="#FNAnker_38" class="label">[38]</a> Oppas (M.) = Oppasser (H.) = Aufseher.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_39" href="#FNAnker_39" class="label">[39]</a> Tjileles liegt 6° 30′ s. Br.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_40" href="#FNAnker_40" class="label">[40]</a> Diese Ziffern sind die absolute Höhe.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_41" href="#FNAnker_41" class="label">[41]</a> = Beamtentitel.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_42" href="#FNAnker_42" class="label">[42]</a> Der Jahresbericht des Ministeriums der Colonien vom -Jahre 1894 spricht von 2789 evangelischen und 436 römisch-katholischen -Eingeborenen auf Java.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_43" href="#FNAnker_43" class="label">[43]</a> Der Photograph hat in richtiger Auffassung der -javanischen Etiquette bei der Aufnahme die Prinzessinnen stehen -und die Bedajas und die Musikanten sitzen lassen. Nicht nur bei -officiellen Festlichkeiten, sondern auch im alltäglichen Leben setzt -sich der „kleine Mann“ sofort auf den Boden, wenn er mit einem hohen -eingeborenen oder europäischen Beamten, und wäre es nur für wenige -Secunden, zu thun hat; ja selbst auf der Strasse wird im Innern -des Landes der „kleine Mann“, selbst wenn er zu Pferde ist, sofort -absteigen und sich auf den Boden setzen, sobald ein Höherer sich -nähert. In den Städten wird diese Ehrenbezeigung nur im Amte, aber -nicht auf der Strasse, und auch nur den allerhöchsten Würdenträgern -erwiesen. Selbst der Titel „Kanjeng tuwan“ heisst wörtlich übersetzt: -Der Herr (tuwan), welcher steht.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_44" href="#FNAnker_44" class="label">[44]</a> Tji ist die Verkürzung von Tjai = Wasser (S.).</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_45" href="#FNAnker_45" class="label">[45]</a> W. M. W. Nr. 47, 1898.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_46" href="#FNAnker_46" class="label">[46]</a> Es ist bereits gelungen, durch mikroskopische Schwämme -die Heuschrecken in grossen Massen sterben zu lassen. Vielleicht wird -sich ein Mittel finden lassen, um auch diese Landplage (die Mosquitos) -Indiens durch Vergiftung mit solchen niedrigen Pflanzen epidemisch zu -Grunde gehen zu lassen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_47" href="#FNAnker_47" class="label">[47]</a> Die Kohlenlager von Bodjong Manick und von Bodjong Mangku -sind kaum dem Namen nach bekannt. Ein gleiches Schicksal haben die -Bittersalz-Quellen, Schlammwellen, warme Quellen und Jodium haltende -Wasser dieser Provinz.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_48" href="#FNAnker_48" class="label">[48]</a> Vide <a href="#Fussnote_47">Fussnote 2, Seite 96</a>.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_49" href="#FNAnker_49" class="label">[49]</a> Für die Richtigkeit dieser Nachrichten über die Insel -Panaïtan will ich nicht einstehen, weil sie nur den Mittheilungen eines -Häuptlings von Lebak entnommen sind.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_50" href="#FNAnker_50" class="label">[50]</a> In der Provinz Preanger bin ich im Jahre 1881 in -Garnison gelegen und habe sie einige Male als Tourist durchreist. Um -Wiederholungen zu vermeiden, muss ich die chronologische Reihe meiner -Erlebnisse unterbrechen und nur mit wenigen Worten meine Wanderungen -vom Jahre 1881 bis 1888 andeuten: Vier Monate blieb ich in der -Provinz Bantam. Nachdem ich hierauf elf Monate in Buitenzorg, der -Residenz des Unterkönigs (= Gouverneur-General) gedient hatte, begann -abermals das Wanderleben. Im Jahre 1882 war ich in Weltevreden und -in Telok Betong (Süden von Sumatra) in Garnison, musste im September -wiederum nach Weltevreden transferirt werden, um mich einer Prüfung -für den Rang eines Regimentsarztes zu unterwerfen. Nachdem ich diese -mit Erfolg abgelegt hatte, wurde ich nach Batu-Djadjur geschickt, -wo die grosse Schiessstätte der Artillerie sich befand. Ende März -1883 kehrte ich nach Batavia zurück und bekam nach zwei Monaten den -Auftrag, das zehnte Bataillon nach Atjeh zu begleiten. Kaum drei Wochen -später wurde ich nach „Polonia“ in der heutigen Provinz „Ostküste von -Sumatra“ transferirt, wo ich an der äussersten Grenze des holländischen -Gebietes wieder zehn Monate lang in dem Fort Seruway, abseits von der -menschlichen Civilisation, mit zwei Officieren lebte. Die Einöde dieses -Festungslebens machte sich um so fühlbarer, als ich schwer krank wurde -und meine Abberufung sich verzögerte. Im März 1884 verliess ich endlich -diese einsame und verlassene Gegend, und nach sechswöchentlichem -Aufenthalte in dem Spitale zu Weltevreden bekam ich einen zweijährigen -Urlaub nach Europa. Am 19. Juni 1886 kehrte ich nach Indien zurück -und wurde bei meiner Ankunft in Batavia angewiesen, nach Atjeh -(Nord-Sumatra) zu gehen, wo die Eingeborenen einen Guerillakrieg gegen -die Holländer führten. Hier blieb ich (mit meiner Frau, welche ich im -Mai 1886 in Rotterdam geheiratet hatte) volle zwei Jahre, um hierauf -die Insel Java bis zum Jahre 1897 nicht mehr verlassen zu müssen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_51" href="#FNAnker_51" class="label">[51]</a> Indisch-holländisches Sprichwort.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_52" href="#FNAnker_52" class="label">[52]</a> Berechnet nach einem Durchschnitt von 10 Jahren.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_53" href="#FNAnker_53" class="label">[53]</a> Genannt nach dem gleichnamigen Flusse, welcher auf diesem -Berge entspringt oder wenigstens in seiner Nähe fliesst.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_54" href="#FNAnker_54" class="label">[54]</a> Der Gunung Gadjah = der Elephantenberg ist 2225 Meter -hoch.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_55" href="#FNAnker_55" class="label">[55]</a> 3622 Meter hoch.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_56" href="#FNAnker_56" class="label">[56]</a> Nach Veth III, 84.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_57" href="#FNAnker_57" class="label">[57]</a> Buitenzorg ist nämlich seit dem Jahre 1746 die Residenz -des Gouverneur-General von Holländisch-Indien.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_58" href="#FNAnker_58" class="label">[58]</a> Im Jahre 1876 zahlte die indische Regierung für ein Kilo -Chinin 279 fl., in letzter Zeit fiel es bis auf 39 fl.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_59" href="#FNAnker_59" class="label">[59]</a> Vide I. Theil, Seite 167.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_60" href="#FNAnker_60" class="label">[60]</a> Vide <em class="gesperrt">L. F. Schulze</em>, Führer auf Java.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_61" href="#FNAnker_61" class="label">[61]</a> Die schon oft erwähnten Sarong und Kabaya der -europäischen Damen sind dieselben, welche die kleinere Prinzessin auf -<a href="#fig6">Fig. 6</a> trägt; nur sind sie etwas reichlicher mit Spitzen besetzt.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_62" href="#FNAnker_62" class="label">[62]</a> Batu-tulis liegt nämlich 6° 35′ S. B.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_63" href="#FNAnker_63" class="label">[63]</a> Nämlich: 1699 Europäer, 4165 Chinesen, 109 Araber, 11 -Orientalen und 1,994,049 Eingeborene.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_64" href="#FNAnker_64" class="label">[64]</a> Die Provinz Bagelen hat ungefähr 20,000 Seelen pro -Quadrat-Meile.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_65" href="#FNAnker_65" class="label">[65]</a> Vide I. Theil, Seite 68.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_66" href="#FNAnker_66" class="label">[66]</a> Nur sehr selten wird der Tourist eine malayische -<em class="gesperrt">Strassentänzerin</em> in obiger Toilette sehen. In der Regel ist der -obere Theil der Brust, Hals und Nacken unbedeckt, weil der Sarong das -einzige Gewand ist, welches sie bis unter die Achseln trägt und in der -Taille mit einem silbernen Gürtel schliesst.</p> - -<p>Ich kann nicht umhin, an dieser Stelle einiges über die malayische -Auffassung des Tanzes mitzutheilen.</p> - -<p>So eine Strassentänzerin gehört zur Hefe des Volkes und ist eine -Prostituée stricte dictu; eine anständige Frau meidet den Tanz. Die -Bedajas und Serimpis üben ihre Kunst immer ohne Männer aus. Der -europäische Einfluss hat in diese Auffassung der geschlechtlichen -Moral nur eine Bresche geschossen. Wo die Frau eines Fürsten in der -europäischen Gesellschaft erscheint, nimmt sie an der Polonaise Theil; -im Uebrigen ist jede Berührung des Mannes in Gegenwart Anderer von Mann -und Frau als unsittlich verpönt.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_67" href="#FNAnker_67" class="label">[67]</a> Die drei „militärischen Abtheilungen“ haben im Innern der -Insel ihre Concentrationspunkte der Truppen; die erste hat Tjimahi, die -zweite hat Magelang in der Provinz Kedú und die dritte hat Malang in -der Provinz Pasaruan zum Centrum ihrer Truppenmacht.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_68" href="#FNAnker_68" class="label">[68]</a> = 62½ Kilo.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_69" href="#FNAnker_69" class="label">[69]</a> = eine Schärpe, welche von der rechten Schulter zur -linken Seite gezogen wird.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_70" href="#FNAnker_70" class="label">[70]</a> In den Jahren 1889–1893 wurden 3,492,000, 3,210,000, -2,673,000, 3,671,000 und 2,712,000 kg Thee exportirt.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_71" href="#FNAnker_71" class="label">[71]</a> Vide Band I, Seite 199.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_72" href="#FNAnker_72" class="label">[72]</a> Seine Heimath ist Sumatra.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_73" href="#FNAnker_73" class="label">[73]</a> Sc.: Die Affuite nämlich zu verlängern.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_74" href="#FNAnker_74" class="label">[74]</a> Leider hatte ich keine Gelegenheit, die grossen und -bedeutenden China-Anpflanzungen der Preangerprovinz zu sehen. Seit -<em class="gesperrt">Junghuhn</em> (vor 50 Jahren) auf dem Abhange des Tankuban Prahu -die erste „Kinacultur“ anlegte, hat diese unter seinem Nachfolger -<em class="gesperrt" id="Bernelot">Bernelot Moens</em> in <em class="gesperrt">Java</em> einen grossen Aufschwung genommen; -ja noch mehr: Selbst die Gewinnung des Alkaloid (Chinin) wird seit -ungefähr fünf Jahren auf Java fabrikmässig betrieben. In den Jahren -1889–1893 wurden 2,257,000, 2,820,000, 3,090,000, 2,330,000 und -2,710,000 Kilo Chinarinde exportirt.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_75" href="#FNAnker_75" class="label">[75]</a> In der alten Stadt Batavia besteht ein „Kaffeehaus“, in -welchem à la carte servirt wird.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_76" href="#FNAnker_76" class="label">[76]</a> Spinat, Bohnen, Gurken, kleine Sorten von Erbsen findet -man überall.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_77" href="#FNAnker_77" class="label">[77]</a> Die Malayen sehen nicht im Herzen, sondern in der Leber -den Sitz der Gefühle, z. B. sakit hati = kränken heisst wörtlich -übersetzt Leber — krank u. s. w.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_78" href="#FNAnker_78" class="label">[78]</a> Im Jahre 1890 hatte Java 97 europäische Volksschulen -(mit 8500 Schülern), 3 Realschulen (burgerscholen) für Knaben, 1 für -Mädchen, 1 Bürger-Abendschule und 18 Privatschulen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_79" href="#FNAnker_79" class="label">[79]</a> Im ganzen indischen Archipel befindet sich kein jüdischer -Tempel und keine jüdische Cultusgemeinde, obwohl zahlreiche Juden im -Handel, in der Armee und im Corps der Beamten gefunden werden.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_80" href="#FNAnker_80" class="label">[80]</a> Vide I. Band, Seite 146.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_81" href="#FNAnker_81" class="label">[81]</a> Hier soll der Fluss Tji-Liwong entspringen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_82" href="#FNAnker_82" class="label">[82]</a> Ein Geschenk des Königs von Siam, welcher im Jahre 1870 -Batavia zum ersten Male besucht hat.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_83" href="#FNAnker_83" class="label">[83]</a> Ueberrascht war ich, weil ich bei meiner Ankunft nicht -wusste, dass Ngawie mit seinen zwei grossen Militär-Etablissements 10 -km weit von der nächsten Eisenbahnstation entfernt lag.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_84" href="#FNAnker_84" class="label">[84]</a> Von den übrigen Inseln des indischen Archipels hat nur -Sumatra Eisenbahnen und zwar je eine auf der <a id="Nord_West"></a>Nord-, West- und Ostküste.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_85" href="#FNAnker_85" class="label">[85]</a> Nach dem statistischen Bericht des Ministeriums der -Colonien (1894).</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_86" href="#FNAnker_86" class="label">[86]</a> Bei dem Dorfe Gangángan.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_87" href="#FNAnker_87" class="label">[87]</a> Sein Vorgänger im Jahre 1889 hatte niemals mehr als 15% -der Sträflinge im Spitale.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_88" href="#FNAnker_88" class="label">[88]</a> Vor dem Jahre 1891 bestanden zwei Strafanstalten für -die Taugenichtse der Armee. Die Europäer wurden nach Klatten (Provinz -Surakata) geschickt, wo das Fort Engelenburg (nomen — omen??) sie -beherbergte; seit acht Jahren jedoch werden in Ngawie beide Rassen -aufgenommen, weil Klatten als Strafdetachement aufgehoben wurde.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_89" href="#FNAnker_89" class="label">[89]</a> In der deutschen und österreichischen Armee ist sie -schon seit Jahrzehnten abgeschafft, und doch wurden im Jahre 1870 in -Frankreich, und im Jahre 1878 in Bosnien glänzende Siege erfochten. Ich -muss noch bemerken, dass erst seit dem Jahre 1891 auch die Insassen der -Militär-Gefängnisse nach Abbüssen ihrer Strafzeit für 1 oder 2 Jahre -nach Ngawie gesendet werden können.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_90" href="#FNAnker_90" class="label">[90]</a> Im Westen Javas führte im 15. Jahrhundert Sjeikh -Nuru’d-dûn Ibrahim ibn Manlana Israîl, volgens <a id="Veth"></a>„Veth Java“ den Islam -ein. Auf dem Hügel Djati bei Cheribon baute er sich ein Haus und — -heilte eine lepröse Frau. Es ist also die Mittheilung von Dr. <em class="gesperrt">T. -Broes van Dort</em>, dass die Hindus und Chinesen die Lepra in der -ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts eingeführt hätten, für jeden Fall -noch einer Kritik zu unterziehen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_91" href="#FNAnker_91" class="label">[91]</a> Dieser Regent hatte für sich, seine Familie und sein -Gefolge, wie er mir erzählte, täglich 1 Pikol = 62½ Kilo! Reis nöthig. -Dies erklärt hinreichend die allgemein bekannte Thatsache, dass diese -Herren oft trotz ihres hohen Gehaltes noch Schulden machen müssen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_92" href="#FNAnker_92" class="label">[92]</a> 1 Paal = 1506,943 Meter.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_93" href="#FNAnker_93" class="label">[93]</a> Die Unglücksfälle durch reissende Thiere scheinen in -Holländisch-Indien nicht zahlreich zu sein, wenigstens spricht der -Jahresbericht von 1893 nur von 43 durch Tiger, 39 durch Krokodile und -38 durch Schlangen veranlassten Todesfällen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_94" href="#FNAnker_94" class="label">[94]</a> Würdenträger der Eingeborenen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_95" href="#FNAnker_95" class="label">[95]</a> Seit ungefähr zwei Jahren holt der Resident den Sultan -nicht ab, sondern erwartet ihn in seinem Hause.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_96" href="#FNAnker_96" class="label">[96]</a> Und nicht <em class="gesperrt">neun</em>, wie es <em class="gesperrt">Veth</em> in seinem -„Java“ erzählt, was übrigens der Name Serimpi schon andeutet.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_97" href="#FNAnker_97" class="label">[97]</a> Weil der Kaiser selbst bis zum frühen Morgen spielen -würde, um seinen etwaigen Verlust wieder zurückgewinnen zu können.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_98" href="#FNAnker_98" class="label">[98]</a> Seit dem 22. December 1877 auf dem Throne.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_99" href="#FNAnker_99" class="label">[99]</a> Dieses Fort wurde im Jahre 1760 gleichzeitig mit dem -Kraton gebaut. Nach der herrschenden Anschauung darf ein Kraton nicht -länger als ein (javanisches) Jahrhundert bestehen; die holländische -Regierung gab aber in diesem Jahrhundert zu einem Neubau nicht die -Zustimmung.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_100" href="#FNAnker_100" class="label">[100]</a> Der Setzer hat bei allen Wörtern mit å nur a genommen; -dessen Schuld ist es also, dass auch dieses Wort hier geschrieben ist, -als ob es aus West-Java stammen würde. Der Buchstabe å des mittleren und -östlichen Javas wird +ungefähr+ wie das deutsche o ausgesprochen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_101" href="#FNAnker_101" class="label">[101]</a> Darunter waren nach dem officiellen Ausweise vom Jahre -1892 1139 Europäer, 4167 Chinesen, 83 Araber, 241 „andere Orientalen“ -und 96,296 Eingeborene.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_102" href="#FNAnker_102" class="label">[102]</a> Entspringt auf dem Bergsattel zwischen den beiden -Bergriesen Merapi und Merbabu.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_103" href="#FNAnker_103" class="label">[103]</a> D. h.: 2680 Europäer, 8058 Chinesen, 83 Araber, 241 -Orientalen und 1,165,771 Eingeborene.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_104" href="#FNAnker_104" class="label">[104]</a> Die indische Armee hat zwei Sorten von Spitälern, -solche mit selbständiger Verwaltung, welche Spitäler heissen, und -Marodenzimmer (= Ziekenzaal), welche von dem Platz-Commandanten -verwaltet werden. Die Spitäler werden in 6 Klassen und die -Marodenzimmer in 4 Klassen, je nach dem durchschnittlichen -Patientenstande, eingetheilt.</p> - -<table> - <tr> - <td> - <div class="center">Das</div> - </td> - <td> - <div class="center">Spital</div> - </td> - <td> - <div class="center">1.</div> - </td> - <td> - <div class="center">Kl.</div> - </td> - <td> - <div class="center">entspricht</div> - </td> - <td> - <div class="center">einem</div> - </td> - <td> - <div class="center">Krankenstande</div> - </td> - <td> - <div class="center">von</div> - </td> - <td> - <div class="center">650</div> - </td> - <td> - <div class="center">Mann</div> - </td> - <td> - <div class="center">4. Kl.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">2.</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">500</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">3.</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">350</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">4.</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">200</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">5.</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">100</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">6.</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 50</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> -</table> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_105" href="#FNAnker_105" class="label">[105]</a> = Pflanzendune vom Wollbaume (Eriodendron anfractuosum -Dec.).</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_106" href="#FNAnker_106" class="label">[106]</a> d. h. die Affaire der Transferirung des Assistenzarztes.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_107" href="#FNAnker_107" class="label">[107]</a> Sagueer oder tuwak wird aus dem Safte der Blüthenkolbe -der Arengpalme (Saguerus saccharifer) gewonnen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_108" href="#FNAnker_108" class="label">[108]</a> Nach <em class="gesperrt">van der Burg</em> II, Seite 169.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_109" href="#FNAnker_109" class="label">[109]</a> Ist wahrscheinlich ein Druckfehler und soll 1820 -heissen; denn schon im Jahre 1818 hatte sich die Cholera auf Java -gezeigt.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_110" href="#FNAnker_110" class="label">[110]</a> Auch er fiel später als Opfer der Cholera.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_111" href="#FNAnker_111" class="label">[111]</a>?? der Uebersetzer.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_112" href="#FNAnker_112" class="label">[112]</a> <em class="gesperrt">Van der Burg</em> II, Seite 195.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_113" href="#FNAnker_113" class="label">[113]</a> Im Jahre 1879 starb kein einziger Soldat, und im Jahre -1880 nur zwei an Cholera.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_114" href="#FNAnker_114" class="label">[114]</a> Wenn ich auch bei diesem Feste zahlreiche Häuptlinge -gesehen habe, welche in obiger Toilette ihre Aufwartung dem Kaiser von -Solo und dem Residenten machten, so war es von den Frauen nur eine -Braut, welche ich in obiger Galakleidung in Tjilatjap zu bewundern -(?) Gelegenheit hatte. Beide, Bräutigam und Braut, hatten den oberen -Theil der Brust, Hals, Nacken und das Gesicht mit Boreh (einer gelben -Farbe) bestrichen. Die Kopfbedeckung dieser Häuptlinge war schwarz oder -durchscheinend weiss. Noch muss ich bemerken, dass der Dolch (Kris) -nicht nur bei der Galakleidung, sondern zu jeder Zeit auf der Strasse -von den wohlhabenden Javanen, und zwar am Rücken von rechts nach links -getragen wird.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_115" href="#FNAnker_115" class="label">[115]</a> Ohne ihm zum Opfer zu fallen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_116" href="#FNAnker_116" class="label">[116]</a> Ich muss bemerken, dass die Zahl der europäischen und -eingeborenen Soldaten für beide Rassen ca. 15,000 Mann gewesen ist.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_117" href="#FNAnker_117" class="label">[117]</a> Im Durchschnitt von 19 Jahren fielen jährlich in -Buitenzorg 4358 mm, in Magelang 2978 mm, in Tjilatjap 3755 mm, in -Ngawie 2126 mm Regen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_118" href="#FNAnker_118" class="label">[118]</a> Reis noch in der Hülse allein heisst in der malayischen Sprache -gaba; der gedroschene von den Hülsen befreite Reis wird bras, und der -gekochte wird nassi genannt.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_119" href="#FNAnker_119" class="label">[119]</a> Natürlich ist dies die Quelle vieler Streitigkeiten der -jeweiligen Besitzer.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_120" href="#FNAnker_120" class="label">[120]</a> In diesem Jahre wurde nämlich diese Frage mit Bezug auf -das Fort Willem I erörtert, welches im Gebirge zwischen zahlreichen -Sawahfeldern lag und vom Fieber stark heimgesucht wurde.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_121" href="#FNAnker_121" class="label">[121]</a> Holländisches Sprichwort.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_122" href="#FNAnker_122" class="label">[122]</a> Ein holländischer Gulden ist ungefähr so viel als 2 = -Kronen ö. W. = 1 Mark 60 Pf.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_123" href="#FNAnker_123" class="label">[123]</a> Die General-Gouverneure werden immer auf fünf Jahre -ernannt.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_124" href="#FNAnker_124" class="label">[124]</a> d. h. mit der Pensionirung der sogenannten „alten -Herren“.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_125" href="#FNAnker_125" class="label">[125]</a> Aussertourliche Beförderungen sind in der indischen -Armee <em class="gesperrt">sehr seltene</em> Ausnahmen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_126" href="#FNAnker_126" class="label">[126]</a> NB. Männer von 45 (!!) Jahren.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_127" href="#FNAnker_127" class="label">[127]</a> Abgelegen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_128" href="#FNAnker_128" class="label">[128]</a> = (J.) Landschaft.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_129" href="#FNAnker_129" class="label">[129]</a> Bei einer Grösse von 62,07 Quadratmeilen zählte es im -Jahre 1892 1035 Europäer, 3439 Chinesen, 55 Orientalen und 1,348,204 -Eingeborene = 1,352,733.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_130" href="#FNAnker_130" class="label">[130]</a> Im Jahre 1894 würden von ganz Indien für 202,900 fl. = -±350,000 Mark Vogelnester exportirt.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_131" href="#FNAnker_131" class="label">[131]</a> Hier soll <em class="gesperrt">Râdèn Djambu</em> zum ersten Male in der -Provinz Bageléen den Islam gepredigt haben.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_132" href="#FNAnker_132" class="label">[132]</a> Halbeuropäerin.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_133" href="#FNAnker_133" class="label">[133]</a> Hier wächst auch der Upasbaum (Antiaris toxicarica), -dessen Wurzeln einen giftigen Saft enthalten, welcher früher zum -Vergiften der Pfeile angewendet wurde. Selbst seine Ausdünstungen -wurden für giftig gehalten; wenn sich dieser Baum in der Nähe einer -Mofette befindet, kann leicht dieser Irrthum entstehen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_134" href="#FNAnker_134" class="label">[134]</a> Die Provinz Banjumas ist 101,013 Quadrat-Meilen gross -und zählt 939 Europäer, 5033 Chinesen, 7 Araber, 123 Orientalen und -1,207,690 Eingeborene.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_135" href="#FNAnker_135" class="label">[135]</a> = Schwierigkeiten.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_136" href="#FNAnker_136" class="label">[136]</a> Der Häuptling des Bezirkes mit einem monatlichen Gehalt -von 100–200 fl.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_137" href="#FNAnker_137" class="label">[137]</a> II. Theil. Seite 73.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_138" href="#FNAnker_138" class="label">[138]</a> Vide I. Band, Seite 145.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_139" href="#FNAnker_139" class="label">[139]</a> Ist die Verkürzung des Namens Jogjakarta, ebenso wie -Solo im täglichen Leben für Surakarta gebraucht wird.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_140" href="#FNAnker_140" class="label">[140]</a> Sein Titel ist: Pangeran, Adipatti Ario Prabu Prang -Wedono.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_141" href="#FNAnker_141" class="label">[141]</a> Sie sind von dem Sultan, aber nicht von Holland -unabhängig.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_142" href="#FNAnker_142" class="label">[142]</a> Die Provinz hat 16 Zuckerplantagen, 4 Indigo- -und Zuckerplantagen, 27 Indigoplantagen, 1 Kaffeeplantage, 2 -Tabakplantagen, 1 Tabak- und Kaffeeplantage und 1 Tabak- und -Indigoplantage, ist 56,472 Quadrat-Meilen gross und zählt zu seinen -Einwohnern 2128 Europäer, 4110 Chinesen, 86 Araber, 144 Orientalen und -787,774 Eingeborene. (Im Jahre 1892.)</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_143" href="#FNAnker_143" class="label">[143]</a> Caryophillus aromaticus wird von den Chinesen unter dem -Namen Tin sjong als Aphrodisiacum gebraucht, und auch die Liebestränke -der Javanen bestehen aus bumbu tschinké (Nelken), Rapatholz (Cleghomia -cymosa) und aus Matjaän (Nuces Querci infectoriae).</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_144" href="#FNAnker_144" class="label">[144]</a> Vide I. Theil, Seite 75.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_145" href="#FNAnker_145" class="label">[145]</a> Abgesehen von einigen Fachgelehrten.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_146" href="#FNAnker_146" class="label">[146]</a> Vide <em class="gesperrt">Veth</em>, Java II, Seite 91 ff.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_147" href="#FNAnker_147" class="label">[147]</a> Kali Bening ist ein häufig vorkommender Name für kleine -Bäche = klares Flüsschen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_148" href="#FNAnker_148" class="label">[148]</a> Der Pförtner, das ist der Schliessmuskel, welcher den -Magen von dem daranliegenden Zwölffingerdarm abschliesst.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_149" href="#FNAnker_149" class="label">[149]</a> Diese Nierenerkrankung sollte Ursache meiner -Pensionirung werden.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_150" href="#FNAnker_150" class="label">[150]</a> Nur die Generäle werden von dem König in Holland ernannt -und verabschiedet.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_151" href="#FNAnker_151" class="label">[151]</a> Tratschtisch.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_152" href="#FNAnker_152" class="label">[152]</a> Die Eingeborenen werden für ihre Verbrechen vor -eine Jury gebracht, welche aus einigen Häuptlingen besteht, deren -Vorsitzender ein europäischer Rechtsgelehrter ist.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_153" href="#FNAnker_153" class="label">[153]</a> Diese sollte nach der javanischen Tradition jede 100 -Jahre verlegt werden; da aber die holländische Regierung nicht geneigt -war, auch ein neues Fort, Residentenhaus, Post und Telegraphenamt -u. s. w. zu schaffen, gelang es ihr, in beiden Sultanstädten (Solo -und Djocja) die Befolgung dieses Gebrauches in diesem Jahrhundert zu -hintertreiben: In diesem Falle hätte weder die arabische, noch die -jetzt allgemein übliche mohamedanisch-javanische Zeitrechnung den -Zeitpunkt der Uebersiedlung angegeben, sondern man hätte 100 Jahre -der „Saka“ genommen, d. h. der alten javanischen Zeitrechnung, welche -mit dem Jahre 78 v. Chr. als 0 beginnt und genannt wird nach dem -Fürsten Adji Saka von Deckau, welcher sie auf Java eingeführt hat; sie -hatte rein lunare Monate und hat sich am längsten auf der Insel Bali -erhalten.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_154" href="#FNAnker_154" class="label">[154]</a> Im Jahre 1893 bestand die „Kofficultur“ der Regierung -entre autre:</p> - -<table> - <tr> - <td> - <div class="center">in</div> - </td> - <td> - <div class="center">der</div> - </td> - <td> - <div class="center">Provinz</div> - </td> - <td> - <div class="left">Bantam</div> - </td> - <td> - <div class="center">in</div> - </td> - <td> - <div class="center">216</div> - </td> - <td> - <div class="center">Dessas</div> - </td> - <td> - <div class="center">=</div> - </td> - <td> - <div class="center">Dörfer</div> - </td> - <td> - <div class="center">mit</div> - </td> - <td> - <div class="center">12262</div> - </td> - <td> - <div class="center">Familien,</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="left">Krawang</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 18</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> -   - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 1446</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="left">Preanger</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">618</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> -   - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">71621</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="left">Cheribon</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">147</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> -   - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">14826</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="left">Tegál</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">154</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> -   - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">17793</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="left">Samarang</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">460</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> -   - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">35626</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="left">Surabaya</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 98</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> -   - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 3566</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="left">Kedú</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">297</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> -   - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">13136</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="left">Banjumas</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">264</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> -   - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">16400</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="left">Bageléen</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 85</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> -   - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center"> 6021</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> -</table> - -<p>Im Ganzen beschäftigten sich 320539 Familien in 3944 Dessas mit dem Bau -des Kaffees und lieferten ihn an die Regierung. Diese exportirte in -demselben Jahre 13444827 Kilo im Werthe von 12772586 fl., während der -Gesammtexport des Kaffees, d. h. incl. dem der Privatunternehmungen, -25361000 Kilo im Werthe von 24855930 fl. betrug. Im Quinquennium -1889–1893 wurden 41822000, 25169000, 38758000, 41058000 und 25361000 -Kilo aus Indien exportirt.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_155" href="#FNAnker_155" class="label">[155]</a> Vom strategischen Standpunkte aus ist diese Linie selbst -unentbehrlich zu nennen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_156" href="#FNAnker_156" class="label">[156]</a> Magelang besitzt ein chinesisches, mohamedanisches -und katholisches Gotteshaus, aber keine protestantische Kirche! -Die „ambonesischen Soldaten“ hatten zwar eine kleine Kirche auf -dem „grossen Weg“; für die übrigen Protestanten hielt jedoch der -„Domine“, welcher in Djocja seinen Standplatz hatte, hin und wieder -Gottesdienst, und zwar in einem alten, verfallenen Turnsaal der Schule -für Häuptlings-Söhne, in welchem auch ein Dilettantenverein seine Bühne -für die „Thalia“ errichtete!!</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_157" href="#FNAnker_157" class="label">[157]</a> Das holländische plaatsen = anstellen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_158" href="#FNAnker_158" class="label">[158]</a> Die officielle Woche hat jetzt 7 Tage und zwar: Ahad -oder Minggu (aus dem portugiesischen Wort Domingo), Senen, Selassa, -Rebú, Kemis, Djumahad und Sêptu (portugiesisch).</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_159" href="#FNAnker_159" class="label">[159]</a> Im Jahre 1893 wurde aus Indien um 2,224,522 fl. Indigo -exportirt.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_160" href="#FNAnker_160" class="label">[160]</a> Dr. <em class="gesperrt">Bleeker</em> spricht von 380 Sorten Fischen, -welche in Indien gegessen werden.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_161" href="#FNAnker_161" class="label">[161]</a> Die wissenschaftlichen Namen sind dem Werke: Dr. <em class="gesperrt">van -der Burg</em>, De geneesheer in Indien, I. Theil, entnommen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_162" href="#FNAnker_162" class="label">[162]</a> Von Areca catech.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_163" href="#FNAnker_163" class="label">[163]</a> Eingetrockneter Saft der Blätter von Uncaria gambir oder -zahlreichen anderen tanninhaltigen Bäumen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_164" href="#FNAnker_164" class="label">[164]</a> Von Curcuma longa (eine Zingiberacea).</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_165" href="#FNAnker_165" class="label">[165]</a> Die Blätter von Pandamus odoratissimus, von welchen auch -das Rampéöl (gegen Rheumatismus) gewonnen wird.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_166" href="#FNAnker_166" class="label">[166]</a> = Vorrathskammer.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_167" href="#FNAnker_167" class="label">[167]</a> wie z. B. in Ngawie.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_168" href="#FNAnker_168" class="label">[168]</a> Die Häuptlinge der Chinesen führen den Titel Lieutenant, -Capitän und Major.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_169" href="#FNAnker_169" class="label">[169]</a> Vide <a href="#Grobak">Seite 73</a>.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_170" href="#FNAnker_170" class="label">[170]</a> Das chinesische Gewicht, in welchem das Opium verkauft -wird, ist der tail = 38·6007 Gramm; 1 tail = 10 tji = 100 hun = 1000 -li; ein li = 38·6 Milligramm.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_171" href="#FNAnker_171" class="label">[171]</a> Bei einer grossen europäischen Firma in Surabaya wurden -vor wenigen Jahren einige Kisten Wein confiscirt, welche anstatt -Traubensaft Opium enthielten.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_172" href="#FNAnker_172" class="label">[172]</a> Im Jahre 1893 wurden von Privatleuten um 3,357,480 fl. -und von der Regierung um 1,541,020 fl. Opium eingeführt.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_173" href="#FNAnker_173" class="label">[173]</a> Vide: Jährliche Feste und Gebräuche der Emoychinesen von -<em class="gesperrt">J. J. M. de Groot</em>.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_174" href="#FNAnker_174" class="label">[174]</a> = Kon-fu-tse lebte von 550–478 vor Christi Geburt.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_175" href="#FNAnker_175" class="label">[175]</a> Die wenigen Canton-Chinesen, Hok-Lo- und Hokka-Chinesen, -welche auf Java vorkommen, kennen sich mit den Emoy-Chinesen nur durch -die Schrift verständigen. Nach <em class="gesperrt">de Groot</em> sprechen sie selbst ganz -andere Sprachen als die vom Drachenfluss.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_176" href="#FNAnker_176" class="label">[176]</a> Siehe Nr. 11960 und 11941 der „Neuen Freien Presse“.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_177" href="#FNAnker_177" class="label">[177]</a> Die Uebersetzung der chinesischen Namen für Pflanzen, -Thiere und Mineralien hatte für den Herrn <em class="gesperrt">de Grijs</em> manche -Schwierigkeiten; da er dreizehn wissenschaftliche Werke darüber zu -Rathe zog, so verdient sie das vollste Vertrauen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_178" href="#FNAnker_178" class="label">[178]</a> Sie leben, wie schon früher erwähnt, in einem Ghetto und -zahlen nebst allen anderen üblichen Steuern 2–50 fl. Kopfsteuer je nach -ihrer Stellung und ihrem Vermögen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_179" href="#FNAnker_179" class="label">[179]</a> Ich spreche nur von Java; auf der Ostküste Sumatras -folgen die Tabakpflanzer dem englischen Gebrauche und halten auch -chinesische Diener.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_180" href="#FNAnker_180" class="label">[180]</a> Bei ihnen ist die Farbe der Trauer weiss. Weisse -Vorhänge und weisse Laternen vor dem Eingange des Hauses theilen mit, -dass ein Todter im Hause sei, und bei einem Leichenbegängnisse sind die -trauernden Frauen in weisse Kleider gehüllt.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_181" href="#FNAnker_181" class="label">[181]</a> = Doctor du jour.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_182" href="#FNAnker_182" class="label">[182]</a> Dieser Schritt wird in Indien der „Residentenschritt“ -genannt, weil in der Regel diese Beamten einen schnellen Schritt mit -ihrer hohen Stellung nicht vereinbar halten.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_183" href="#FNAnker_183" class="label">[183]</a> von Schnaps.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_184" href="#FNAnker_184" class="label">[184]</a> von Hühnern, Wein und Brot.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_185" href="#FNAnker_185" class="label">[185]</a> Der Quadratmeter einer solchen Wand wird auf dem Markt -je nach der Qualität des Materials um 20–50 Cent verkauft.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_186" href="#FNAnker_186" class="label">[186]</a> sowie die Pavillons für Frauen und Sträflinge (No. XVIII -bis XXIII, <a href="#fig24">Fig. 24</a>).</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_187" href="#FNAnker_187" class="label">[187]</a> welches aber wegen seiner ungünstigen Lage nicht in -Gebrauch genommen wurde.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_188" href="#FNAnker_188" class="label">[188]</a> Neben dem Wasserthurme stand der grosse Kessel, von -welchem das warme Wasser für die Bäder in einer zweiten Leitung durch -das ganze Spital, aber nicht für den Officierspavillon, geleitet wurde.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_189" href="#FNAnker_189" class="label">[189]</a> und nicht in das der Justiz.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_190" href="#FNAnker_190" class="label">[190]</a> von dem bekannten Dichter <em class="gesperrt">Justus van Maurik</em>.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_191" href="#FNAnker_191" class="label">[191]</a> Erst im März des Jahres 1899 wollte die Regierung einen -Anfang mit einer Gemeindevertretung machen; sie holte von den drei -Residenten zu Batavia, Samarang und Surabaya Gutachten ein, um für -die <em class="gesperrt">beabsichtigte</em> Einführung einer Gemeindeverwaltung „sofort -Gemeindesteuern auszuschreiben für die localen Bedürfnisse, z. B. für -die Strassenbeleuchtung u. s. w.“ Vorläufig sollten die Erträgnisse -dieser Steuern in die <em class="gesperrt">Staatskasse</em> fliessen, um sie später, wenn -die Gemeindevertretungen zu Stande kommen sollten, diesen zu übergeben. -Darauf sagt die „Locomotief“ vom 4. April: Es handelt sich also mehr um -eine neue Steuer, als um eine neue Volksvertretung.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_192" href="#FNAnker_192" class="label">[192]</a> <em class="gesperrt">Veth</em> giebt die Höhe auf 60–70′ an.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_193" href="#FNAnker_193" class="label">[193]</a> <em class="gesperrt">Veth</em>, „Java“, Band II, Seite 85.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_194" href="#FNAnker_194" class="label">[194]</a> <em class="gesperrt">Veth</em> nennt ihn <em class="gesperrt">Bårå</em> und nicht Buru Budur; -das javanische å ist ein Mittellaut zwischen a und o; etymologisch ist -dies die richtigere Schreibweise als mein Buru; in allen malayischen -und javanischen Ausdrücken glaubte ich aber aus naheliegenden Ursachen -der phonetischen Schreibweise folgen zu sollen. Ich hörte immer von -Buru und niemals von Bårå sprechen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_195" href="#FNAnker_195" class="label">[195]</a> Lombok ist eine der kleinen Sundainseln, 5435 -Quadrat-Meter gross, und hatte ungefähr 500,000 Einwohner, welche zum -grössten Theil Mohamedaner waren, während das Fürstenhaus mit seinem -ganzen Anhange Anhänger des Hinduglaubens geblieben waren. Sie liegt -zwischen 115° 45′ und 116° 42′ ö. L. und zwischen dem 8. und 9.° s. -Br. Der höchste Berg ist der Piek von Lombok, 3800 Meter hoch, und -zahlreiche kleine Flüsse durchziehen die Insel.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_196" href="#FNAnker_196" class="label">[196]</a> Band I, Seite 215.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_197" href="#FNAnker_197" class="label">[197]</a> Nebstdem hat diese Stadt 2187 chinesische, 108 -arabische, 7 orientalische, 18,934 eingeborene und 496 europäische -Bewohner.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_198" href="#FNAnker_198" class="label">[198]</a> In der Provinz Pasuruan ist eine grosse, protestantische -Gemeinde von Eingeborenen mit Missionsschule in Swaru und Kendal pajak.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_199" href="#FNAnker_199" class="label">[199]</a> Vide I. Theil, Seite 220.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_200" href="#FNAnker_200" class="label">[200]</a> <em class="gesperrt">Scheube</em>, Die Krankheiten der warmen Länder.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_201" href="#FNAnker_201" class="label">[201]</a> Vide: „Militaire Summierziekenrapport 1847“, -herausgegeben auf Befehl der niederländisch-indischen Regierung. -Batavia, Lange et Comp. 1850.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_202" href="#FNAnker_202" class="label">[202]</a> Die indische Armee zählt 18 Feldbataillone mit je -4 Compagnien, 10 Garnisonsbataillone, 5 Garnisonscompagnien, 4 -Depotbataillone, 2 Recrutenbataillone und 5 Subsistenten-Caders der -Infanterie, 1 Regiment Cavallerie, 4 Batterien Feldartillerie, 4 idem -Bergartillerie, 7 Compagnien Festungsartillerie und 8 Compagnien für -die Aussenbesitzungen und 2 Compagnien Genietruppen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_203" href="#FNAnker_203" class="label">[203]</a> Die Aerzte sind nämlich keinem Regiment oder Bataillon, -sondern stets einer Garnison zugetheilt.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_204" href="#FNAnker_204" class="label">[204]</a> welcher damals noch nicht officiell zur Uniform gehörte.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_205" href="#FNAnker_205" class="label">[205]</a> Vide I. Theil, Seite 123.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_206" href="#FNAnker_206" class="label">[206]</a> Das weisse Fleisch der Cocosnuss giebt in der Küche eine -sehr schmackhafte Zuspeise: das santen, aus welchem ein Brei, aber auch -eine herrliche Torte bereitet wird. Durch Kochen und Verdampfen des -santen wird das Cocosnussöl gewonnen, welches in Indien eine grössere -Rolle als die Butter spielt.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_207" href="#FNAnker_207" class="label">[207]</a> Vide <a href="#Capitel_7">7. Capitel</a>.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_208" href="#FNAnker_208" class="label">[208]</a> In der malayischen Sprache beschränkt sich dieser -Unterschied nur auf den Gebrauch der Fürwörter; so wird z. B. das „ich“ -des höher Stehenden aku und das „ich“ des Untergebenen saja genannt.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_209" href="#FNAnker_209" class="label">[209]</a> Sie hat sehr viele sanskritische, arabische, persische -und holländische Wörter.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_210" href="#FNAnker_210" class="label">[210]</a> In der <em class="gesperrt">javanischen</em> Sprache beschränkt sich dieser -Unterschied nicht auf die Fürwörter, sondern erstreckt sich auch -auf zahlreiche Haupt- und Beiwörter. Das Gewehr heisst z. B. in der -hochjavanischen Sprache Sendjåtå und im Ngoko = bedíl.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_211" href="#FNAnker_211" class="label">[211]</a> In Delft ist nämlich das Seminarium für indische Beamte.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_212" href="#FNAnker_212" class="label">[212]</a> Kôwe = „du“ gegen einen Untergebenen; lu = „du“ mit -verächtlicher Betonung.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_213" href="#FNAnker_213" class="label">[213]</a> Vide <a href="#Dienstboten">Seite 92 ff.</a></p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_214" href="#FNAnker_214" class="label">[214]</a> Aus diesem Jahrhundert sind mir zehn Ausbrüche dieses -Vulcans bekannt, und zwar von den Jahren 1822, 1823, 1832, 1837, 1846, -1849, 1863, 1869, 1872 und 1894. Seit dem Jahre 1897 fehlt mir jede -Nachricht über einen etwaigen Ausbruch des Merapi.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_215" href="#FNAnker_215" class="label">[215]</a> Dr. <em class="gesperrt">Franz Wilhelm Junghuhn</em> wurde am 26. October -1812 in Mansfeld geboren und starb am 20. April 1864 in Lembang bei -Bandong (Java).</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_216" href="#FNAnker_216" class="label">[216]</a> Chinesische Speisen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_217" href="#FNAnker_217" class="label">[217]</a> Diese Provinz ist 93,605 Quadrat-Meilen gross und zählte -im Jahre 1893 6187 europäische, 19205 chinesische, 796 arabische, 1077 -orientalische und 1407752 eingeborene Bewohner.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_218" href="#FNAnker_218" class="label">[218]</a> De geneesheer in Nederlandsch Indie.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_219" href="#FNAnker_219" class="label">[219]</a> Ein Gallenstein aus dem Bauche verschiedener -Affensorten; er spielte früher unter dem Namen von Batu galiga auf -Borneo als Exportartikel eine grosse Rolle.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_220" href="#FNAnker_220" class="label">[220]</a> Periplaneta orientalis (?) = Schabe.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_221" href="#FNAnker_221" class="label">[221]</a> Vide I. Theil, Seite 63.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_222" href="#FNAnker_222" class="label">[222]</a> Auf dem Wege nach Salagatija passirten wir das Dorf -Praguman mit den Ruinen jenes Tempels, welcher das Grab des Hundes -enthielt, von welchem die „Kalangs“ abstammen sollen. Bis zur Mitte des -17. Jahrhunderts waren sie ein Nomadenvolk und wurden von dem damaligen -Sultan von Mataram gezwungen, sich anzusiedeln. Bei der Theilung des -Reiches im Jahre 1755 erhielten beide Fürsten ungefähr 3000 Familien. -Ein Theil dieser „Kalangs“ von Solo wohnt gegenwärtig in der Provinz -Samarang, welche eine grosse und mehrere kleine Enclaven von Solo -besitzt. Warum diese „Kalangs“ noch gegenwärtig von den übrigen Javanen -so verachtet werden, dass die Sagenwelt sie bald von einem männlichen, -bald von einem weiblichen Hunde abstammen lässt, ist mir unbekannt.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_223" href="#FNAnker_223" class="label">[223]</a> Die ältesten Berichte über Java-dwipa (= Land, Sanskrit) -finden wir bei Ptolemaeus, und der Name Java soll von der in Indien -wild wachsenden Kernfrucht Panicum abstammen. Von der ursprünglichen -Bevölkerung dieser Insel wird in den javanischen Chroniken (Babads) -wenig, und von den alten Hindus auf dem Contingent nicht nur von -diesen, sondern überhaupt von der Ansiedelung auf Java keine Erwähnung -gemacht; so wie die Babads mittheilen, hat schon im Jahre 78 p. C. -Prabu Djaja Baja eine grosse Colonie Hindus nach Java gebracht. Von -den Chinesen war Fa Hien der erste, welcher (im Jahre 414) auf seiner -Reise von Ceylon nach China Je-pho-thi = Java besucht hat. Die Araber -scheinen zum ersten Male im Jahre 851 in Zabedj = Java gewesen zu sein.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_224" href="#FNAnker_224" class="label">[224]</a> welches damals nicht nur sprachlich, sondern auch -geographisch für eine separate Insel gehalten wurde.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_225" href="#FNAnker_225" class="label">[225]</a> Einer der Schiffscapitäne gerieth in Gefangenschaft des -Sultans von Pasuruan.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_226" href="#FNAnker_226" class="label">[226]</a> Nach dem Erlöschen der unechten Burgundischen Linie fiel -im Jahre 1580 Portugal an Spanien, um 60 Jahre später (1. December -1640) wieder selbständig zu werden.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_227" href="#FNAnker_227" class="label">[227]</a> In der Nähe des heutigen Surabaya.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_228" href="#FNAnker_228" class="label">[228]</a> Das heutige Batavia.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_229" href="#FNAnker_229" class="label">[229]</a> Im September war er nach Grisé gekommen, wo seit 1602 -eine niederländische Factory bestanden hatte und kurz vor seiner -Ankunft von Seda Krapjak zugleich mit den Städten Grisé und Djaratan -verwüstet wurde, und stiftete hierauf in Djapara eine Loge (Mai 1615).</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_230" href="#FNAnker_230" class="label">[230]</a> des Gouverneur-General de Carpentier, Nachfolgers von -Koen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_231" href="#FNAnker_231" class="label">[231]</a> <em class="gesperrt">Veth</em>, Seite 372.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_232" href="#FNAnker_232" class="label">[232]</a> <em class="gesperrt">Veth</em>, Seite 386.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_233" href="#FNAnker_233" class="label">[233]</a> G.-G. Brouwer wurde wegen des Misserfolges dieser -Gesandtschaft abberufen.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_234" href="#FNAnker_234" class="label">[234]</a> = mit dem Kris (= Dolch) erstochen wurde.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_235" href="#FNAnker_235" class="label">[235]</a> Im Jahre 1696 wurden von Adriaan van Ommen, Commandeur -von Malabar, die ersten Kaffeebäumchen nach Java gesendet, und im Jahre -1712 kam die erste Ladung Javakaffee, 894 Pfund schwer, in Holland auf -den Markt.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_236" href="#FNAnker_236" class="label">[236]</a> Nach mohamedanischer Anschauung muss der Sultan frei von -körperlichen Gebrechen sein.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_237" href="#FNAnker_237" class="label">[237]</a> <em class="gesperrt">Veth</em>, Seite 226.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_238" href="#FNAnker_238" class="label">[238]</a></p> - -<table> - <tr> - <td> - <div class="center">Ein</div> - </td> - <td> - <div class="center">Kojang</div> - </td> - <td> - <div class="center">Reis</div> - </td> - <td> - <div class="center">in</div> - </td> - <td> - <div class="left">Batavia</div> - </td> - <td> - <div class="center">=</div> - </td> - <td> - <div class="center">1667·555</div> - </td> - <td> - <div class="center">Kilogramm.</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="left">Samarang</div> - </td> - <td> - <div class="center">=</div> - </td> - <td> - <div class="center">1729·316</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> - <tr> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - <td> - <div class="left">Surabaya</div> - </td> - <td> - <div class="center">=</div> - </td> - <td> - <div class="center">1852·839</div> - </td> - <td> - <div class="center">„</div> - </td> - </tr> -</table> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_239" href="#FNAnker_239" class="label">[239]</a> Von Hirundo esculenta; als Aphrodisiaca sind sie noch -heute bei den Chinesen ein beliebter Handelsartikel.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_240" href="#FNAnker_240" class="label">[240]</a> Im Jahre 1893 wurden um 71048·605 Gulden und im -Quinquennium 1889–1893 315750·000, 367785·000, 463560·000, 425367·000 -und 507490·000 Kilo Zucker exportirt.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_241" href="#FNAnker_241" class="label">[241]</a> Sie hatte bereits am 9. Juli 1810 stattgefunden.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_242" href="#FNAnker_242" class="label">[242]</a> Im Jahre 1893 betrug z. B. die Ausfuhr nach Amerika -24215·538 Gulden, nach Australien 5968·823 Golden. Der Gesammtexport -erreichte die Höhe von 191361·780 Gulden.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_243" href="#FNAnker_243" class="label">[243]</a> Zur Orientirung in den bereits besprochenen Fragen der -Tropenhygiene dürfte eine Wiederholung dieses Inhaltsverzeichnisses -vielen Lesern vielleicht nicht unwillkommen sein.</p> - -<p class="right mright2"><em class="gesperrt">Der Verleger.</em></p> - -</div> -</div> - -</div> - -<div lang='en' xml:lang='en'> -<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>21 JAHRE IN INDIEN.</span> ***</div> -<div style='text-align:left'> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Updated editions will replace the previous one—the old editions will -be renamed. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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Information about the Mission of Project Gutenberg™ -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg™’s -goals and ensuring that the Project Gutenberg™ collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg™ and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation’s EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state’s laws. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation’s business office is located at 809 North 1500 West, -Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up -to date contact information can be found at the Foundation’s website -and official page at www.gutenberg.org/contact -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without widespread -public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state -visit <a href="https://www.gutenberg.org/donate/">www.gutenberg.org/donate</a>. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Please check the Project Gutenberg web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 5. General Information About Project Gutenberg™ electronic works -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg™ concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg™ eBooks with only a loose network of -volunteer support. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Most people start at our website which has the main PG search -facility: <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -This website includes information about Project Gutenberg™, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. -</div> - -</div> -</div> -</body> -</html> diff --git a/old/68882-h/images/cover.jpg b/old/68882-h/images/cover.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 609037d..0000000 --- a/old/68882-h/images/cover.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/68882-h/images/cover_h1000.jpg b/old/68882-h/images/cover_h1000.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index d5bb4e0..0000000 --- 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