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diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes new file mode 100644 index 0000000..d7b82bc --- /dev/null +++ b/.gitattributes @@ -0,0 +1,4 @@ +*.txt text eol=lf +*.htm text eol=lf +*.html text eol=lf +*.md text eol=lf diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt new file mode 100644 index 0000000..6312041 --- /dev/null +++ b/LICENSE.txt @@ -0,0 +1,11 @@ +This eBook, including all associated images, markup, improvements, +metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be +in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES. + +Procedures for determining public domain status are described in +the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org. + +No investigation has been made concerning possible copyrights in +jurisdictions other than the United States. 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If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst - Erster Teil. Erfindung. Verbreitung. Blüte. Verfall. 1450-1750. - -Author: Carl B. Lorck - -Release Date: June 24, 2022 [eBook #68395] - -Language: German - -Produced by: Peter Becker, Franz L Kuhlmann and the Online Distributed - Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was - produced from images generously made available by The - Internet Archive) - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK HANDBUCH DER GESCHICHTE DER -BUCHDRUCKERKUNST *** - - +-------------------------------------------------------------------+ - | | - | Anmerkungen zur Transkription | - | | - | Die Schreibweise im Text (wie z. B. Ae statt Ä) ist beibehalten. | - | Typografische und Fehler bei der Zeichensetzung sind still- | - | schweigend korrigiert. | - | | - | Die Markierung mit dem Sonderzeichen (□) zeigt das Hervorheben | - | durch "Kapitälchen" für Personen- und Ortsnamen an; das Einfassen | - | mit Unterstrichen (_) kursiven Druck für fremdsprachliche Phrasen | - | im Original - im vorliegenden Text auch das ganze Vorwort. | - | Mit dem Sonderzeichen (•) wird Fettdruck angezeigt. | - | | - | Die Randnotizen aus dem Original sind hier nach rechts ausgerückt.| - | | - +-------------------------------------------------------------------+ - - - - - CARL B. LORCK - - HANDBUCH DER GESCHICHTE - - DER - - BUCHDRUCKERKUNST - - - - - HANDBUCH DER GESCHICHTE - - DER - - BUCHDRUCKERKUNST - - VON - - CARL B. LORCK. - - ERSTER TEIL - - ERFINDUNG. VERBREITUNG. BLÜTE. VERFALL. - 1450-1750. - - [Illustration:Verlagslogo] - - LEIPZIG - - VERLAG VON J. J. WEBER - - MDCCCLXXXII. - - - - -[Illustration:Kapitelanfang] - -_VORWORT._ - - -_Jeder denkende Mensch, mag er nun als Buchdrucker, Buchhändler oder -Schriftsteller der weltumgestaltenden Erfindung Gutenbergs näher stehen -oder auch nur als Laie die Segnungen, derselben schätzen gelernt haben, -fühlte gewiss den Trieb, etwas Zusammenhängendes über die Entstehung, -die allmähliche Verbreitung und die technische Vervollkommnung der -Buchdruckerkunst zu erfahren, und hegte den Wunsch Näheres über das -Leben des Erfinders und seiner bedeutenderen Nachfolger, die bis auf -die Jetztzeit für oder durch diese Kunst wirkten, zu hören._ - -_Verlangte jedoch ein solcher Wissbegieriger nach einem leicht -verständlichen, übersichtlich geordneten Handbuch der Geschichte der -Buchdruckerkunst, das ihm als Führer durch die mehr als vierhundert -Jahre dienen konnte, in welchen das von der Presse ausströmende Licht -bereits die Welt erleuchtet, so wird er die Erfahrung gemacht haben, -dass sein Suchen ein vergebliches war._ - -_Wir besitzen gelehrte, höchst wertvolle Prachtwerke über -die vorgutenbergischen Drucke und die Zeit der Inkunabeln; es -existieren hunderte von Parteischriften über Gutenberg und die ihm -gegenübergestellten, zu Erfindern heraufgeschraubten, mythischen -Persönlichkeiten; wir haben eine Reihe von zumteil erschöpfenden -Schilderungen einzelner berühmter Drucker oder Druckerfamilien; ferner -zahlreiche Jubelschriften, welche von dem Gange der Kunst in einzelnen -Städten erzählen; auch ist kein Mangel an fachlichen Lehrbüchern oder -an Berichten über die verschiedenen mit der Typographie in Verbindung -stehenden Erfindungen._ - -_Es steht uns somit ein reiches, mitunter fast durch seine -Fülle erdrückendes Material für eine allgemeine Geschichte der -Buchdruckerkunst zu Gebote. An einem Handbuch jedoch, welches dieses -Material in natürliche Perioden systematisch einzuordnen, nach Ländern -und nach mit einander verwandten Gruppen zu gliedern versuchte, um in -einer einigermassen gleichmässigen Durchführung jeder Zeit, jedem Lande -sein Recht zu gewähren, ohne dass der Verfasser dabei vergässe, dass -er für die Angehörigen einer bestimmten Nationalität schreibt, fehlt -es noch heute, wie in meiner Jugendzeit, wo ich vergeblich nach einem -solchen Leitfaden auf dem typographisch-geschichtlichen Gebiet mich -umsah und schliesslich darauf angewiesen war, aus den verschiedenen -Quellen die mir erwünschten Belehrungen selbst zu sammeln._ - -_Somit wurzeln die Anfänge dieses Handbuches in dem eigenen wirklich -und lebhaft gefühlten Bedürfnis nach einem solchen. In späteren Jahren -fing ich an in den von mir herausgegebenen „Annalen der Typographie“ -das Gesammelte in einer Reihe von Artikeln, die jedoch nur die älteren -Perioden der Kunst behandelten, zu veröffentlichen. Das Vorhaben, -diese Artikel bis auf die neueste Zeit zu vervollständigen und sie -dann zu einem Gesamtbild zusammenzufügen, wurde durch Berufsarbeiten -für lange in den Hintergrund gedrängt, die Arbeit jedoch nach Zeit und -Gelegenheit immer wieder aufgenommen._ - -_So entstand das jetzt vorliegende Buch als ein Ergebnis längerer -Vorarbeiten ohne den bestimmten Entschluss einer Veröffentlichung. Als -jedoch die jetzigen Inhaber der Verlagshandlung J. J. Weber zu Anfang -des Jahres 1880 den Wunsch äusserten, dass eine Veröffentlichung und -zwar in ihrem Verlag stattfinden möchte, bin ich unter Benutzung der -inzwischen erschlossenen, teilweise wichtigen Quellen ernstlich an eine -nochmalige Durcharbeitung des Manuskripts gegangen._ - -_Bei meinen Verlegern war inzwischen der, ihrerseits gewiss vollständig -berechtigte Wunsch rege geworden, das Buch in einer „illustrierten -Prachtausgabe“ erscheinen zu lassen, und sie hatten mir bereits zu -Ostern 1881 ihre desfallsigen Ansichten in der Form eines gedruckten -Prospektus für das Publikum unterbreitet._ - -_So viel Verlockendes es auch für jeden haben mag, sein Buch in ein -prächtiges Gewand kleiden zu lassen, so konnte ich, das ganz bestimmte -Ziel vor Augen, ein knappes und einfaches Handbuch für den praktischen -Bedarf, wie es mir als wünschenswert vorschwebte, zu liefern, mich -doch meinerseits mit dieser Ansicht zu jener Zeit nicht befreunden. -Ich würde mich damit der unvermeidlichen Gefahr ausgesetzt haben, der -Illustration zuliebe von dem mir vorgezeichneten Weg abgedrängt zu -werden._ - -_Obgleich nicht allein der persönlichen Neigung, sondern auch -dem pekuniären Interesse meiner Verleger durch eine illustrierte -Prachtausgabe wohl am besten entsprochen worden wäre, liessen diese -doch bereitwilligst meinem Standpunkt Gerechtigkeit widerfahren._ - -_Sowohl das über die Entstehung und den Zweck der vorliegenden Arbeit -oben gesagte, als auch mein Lebensberuf schliessen schon von allem -Anfang die Erwartung aus, als habe man es hier mit einem gelehrten -Werk zu thun, bestimmt, die Ergebnisse tiefer Forschung ans Tageslicht -zu fördern. Weder sollte meine Aufgabe noch konnte dieselbe eine -höhere sein, als meinen Berufsgenossen oder denjenigen, die sonst -Drang nach einer leichteren Orientierung in dem Gewirr der Geschichte -der Buchdruckerkunst empfinden, nützlich zu sein, indem ich den -Versuch machte, das aufgespeicherte Material nach bestem Wissen und -Gewissen zu sichten, zu ordnen, und indem ich mich, die geschäftliche -Praxis zurhand, bestrebte, einige von der Gelehrsamkeit im Dunkel -gelassene Punkte klar zu stellen. Was die neue Zeit betrifft, so gab -ein Geschäftsleben, das sich fast über die ganze Periode der neuen -Blüte der Typographie und der verwandten Künste und Gewerbe seit -den dreissiger Jahren erstreckt, wohl auch manchmal Gelegenheit, das -vorhandene Material durch die eigene Erfahrung zu vervollständigen._ - -_Es konnte nicht in meinem Plan liegen, mit der Geschichte der -Buchdruckerkunst die des Buchhandels zu verbinden. Beide Berufszweige -sind jedoch derart eng mit einander verknüpft und so viele der -auftretenden Persönlichkeiten wirkten zu gleicher Zeit als Drucker -und als Verleger, dass es nicht zu umgehen war, auch Ausflüge auf -das Gebiet des Buchhandels zu unternehmen. Sehr nahe lag ebenfalls -die Versuchung, die Geschichte der übrigen graphischen Künste und -Gewerbe, welche zur Herstellung eines Buches mitwirken, ausführlicher -zu behandeln. Um jedoch die Übersichtlichkeit nicht zu stören und -den Umfang des Buches nicht gar zu sehr über die gesteckten mässigen -Grenzen hinaus zu vermehren, war es geboten, dieser Versuchung nur -in so weit nachzugeben, als es zum Verständnis der gestellten Aufgabe -notwendig war._ - -_Die Geschichte der Buchdruckerkunst zerfällt in zwei natürliche -Hauptabschnitte. Der erste, welcher die Erfindung, Verbreitung, Blüte -und den allmählichen Verfall behandelt, und sich über einen Zeitraum -von über dreihundert Jahren erstreckt, findet seinen Abschluss in -der letzten Hälfte des XVIII. Säculums. Der zweite Hauptabschnitt -führt uns durch die Periode des Wiederaufwachens der Typographie und -deren Schwesterkünste in die Zeit der zweiten, mittels der enormen -technischen Fortschritte und der neuen Vervielfältigungsarten im Verein -mit der freiheitlichen Entwickelung der Presse hervorgerufenen Blüte, -deren wir uns heute erfreuen._ - -_Jeder dieser beiden Hauptteile, die sich wieder in mehrere Abteilungen -verzweigen, ist in seinem Wesen so eigenartig und verlangt eine so -verschiedene Art der Darstellung, dass auch eine äusserliche Trennung -in zwei vollständig abgeschlossene Hälften geboten schien._ - -_Zur Beurteilung der Grundsätze für die Behandlung der verschiedenen -Abschnitte verweise ich auf die, jedem der Bücher vorangeschickte -„Einführung“, in welcher ich mich sowohl über den jedesmal leitenden -Gesichtspunkt als auch über die jedesmaligen Quellen und deren -Benutzung ausgesprochen habe. Dass mir nur sehr wenige der letzteren -unbekannt geblieben sind, habe ich vor allem der Fachbibliothek -des Börsen-Vereins der deutschen Buchhändler, der Liberalität -des Vorstandes derselben und der unermüdlichen Gefälligkeit der -Bibliothek-Verwaltung zu verdanken._ - -_Dass trotz aller angewendeten Sorgfalt noch Vieles für die mir -Nachfolgenden (denen ich jedoch das Arbeiten in mancher Beziehung -leichter gemacht haben dürfte, als es mir geworden ist) zu thun übrig -geblieben, und dass selbst die grösste Mühe und der redlichste Wille, -etwas Brauchbares zu liefern, fehlende Eigenschaften nicht immer -ersetzen können, fühlt vielleicht niemand mehr als der unterzeichnete_ - - _Carl B. Lorck._ - -[Illustration:Kapitelende] - - - - - GESCHICHTE - - DER - - BUCHDRUCKERKUNST - - 1450-1750. - - - - -[Illustration:Kapitelanfang] - -INHALTS-VERZEICHNIS. - - - ERSTES BUCH. - - ERFINDUNG UND VERBREITUNG DER BUCHDRUCKERKUNST - 1450-1500. - - Seite - - EINFÜHRUNG IN DAS ERSTE BUCH (3-10). - - - I. KAPITEL. - - ZUR VORGESCHICHTE DER BUCHDRUCKERKUNST. - - Älteste Spuren der Vervielfältigung. Die Manuskripte. - Der Metall- und Holzschnitt. Die Kunstschulen. Die - xylographischen Werke. Die Vorbedingungen für die - Erfindung der Buchdruckerkunst. 11-22 - - II. KAPITEL. - - DIE ERFINDUNG. - - Johannes Gutenberg. Herkunft. Aufenthalt in Strassburg. - Gutenberg in Mainz. Verbindung mit Johann Fust. Peter - Schöffer. Gutenbergs Unglück. Sein Tod. Sein Andenken. 23-36 - - III. KAPITEL. - - DIE VERBREITUNG DER BUCHDRUCKERKUNST IN DEUTSCHLAND. - - Schnelle Verbreitung der Kunst. Die Nachfolger Gutenbergs - in Mainz. Peter Schöffer und seine Nachkommen. Ulm. - Beromünster. Basel. Bamberg. Albrecht Pfister. Augsburg. - Nürnberg. Wien. Der Norden: Köln, Münster, Magdeburg, - Leipzig. 37-54 - - IV. KAPITEL. - - DIE VERBREITUNG DER BUCHDRUCKERKUNST IM AUSLANDE. - - □Italien□: Subiaco und Rom. Venedig. Foligno. Mailand. - Florenz. □Spanien und Portugal.□ □Frankreich□: Paris. - Lyon. □Die Niederlande□: Die _Histoires_. Colard - Mansion. □England□: William Caxton. □Skandinavien□: - Dänemark. Schweden. □Die slawischen Länder.□ □Ungarn.□ - □Die Türkei.□ 55-76 - - V. KAPITEL. - - DIE TECHNIK DER BUCHDRUCKERKUNST UND DIE LITTERARISCHE - PRODUKTION. - - □Die Technik□: Schriftgiesserei. Satz. Druck. Korrektur. - Die Pressen. Die Farbe. Die Ausschmückung der Bücher. - Das Pergament und das Papier. Die Buchbinderkunst. □Die - Litterarische Produktion□: Der Buchhandel. Die Zensur. 77-96 - - - ZWEITES BUCH. - - GLANZPERIODE UND VERFALL DER BUCHDRUCKERKUNST - 1500-1750. - - - EINFÜHRUNG IN DAS ZWEITE BUCH (98-104). - - VI. KAPITEL. - - DIE ILLUSTRIERENDE KUNST IN DEUTSCHLAND. - - Die deutschen Malerschulen. Der Kupferstich und der - Holzschnitt. Michel Wolgemut. Albrecht Dürer, seine - Zeitgenossen und Nachfolger: Hans Burgkmair, Hans - Schaeuffelein, die „Kleinmeister“. Hans Holbein d. j. - Lucas Cranach d. ä. Die Schweizer und Elsasser Künstler. - Über die „eigenhändigen“ Holzschnitte der Zeichner. 105-126 - - VII. KAPITEL. - - DIE TYPOGRAPHIE IN DEUTSCHLAND UND IN DEN SKANDINAVISCHEN - LÄNDERN. - - □Nürnberg□: Der Theuerdank. Die deutschen Schriften. - □Augsburg□: Hans Schönsperger d. ä. □Frankfurt am Main□: - Chr. Egenolff, Sigism. Feyerabend, die Merians. □Mainz□: - Die Nachfolger Schöffers. □Tübingen□: Der slawische - Druck. Cotta. □Strassburg□: Illustrierter Druck. - □Basel□: Joh. Froben, die Familie Petri, Joh. Oporinus. - □Zürich□: Chr. Froschauer. □St. Gallen□: Leon. Straub. - □Wien□: Johan Sigriener, Hans Kohl, Joh. v. Gehlen. - □Leipzig□: Melch. Lotter, Valentin Bapst. Gute und - schwere Zeiten. □Wittenberg.□ □Der Norden.□ □Berlin.□ - - DIE SKANDINAVISCHEN LÄNDER. □Dänemark□, □Norwegen□ und - □Island□, □Schweden□ und □Finnland□. 127-158 - - VIII. KAPITEL. - - DER DRUCKBETRIEB UND DAS BUCHGEWERBE IN DEUTSCHLAND. - - □Die Schriftgiesserei□ und die Druckschriften. □Die - Technik□ des Setzens und Druckens: Der Satzapparat, die - Korrektur, die Presse, die Farbe. Prinzipal, Geselle und - Lehrling. □Die Buchbinderkunst.□ □Der Buchhandel□: Die - litterarische Produktion, das Verhältnis zwischen Autor - und Verleger. 159-174 - - IX. KAPITEL. - - ITALIEN, SPANIEN, PORTUGAL UND DAS SÜDLICHE AMERIKA. - - □Venedig.□ Die Familie Aldus: Aldus Pius Manutius, Paul - Manutius, Aldus □ii.□ Dan. Bomberg. Mechitar. □Rom□: Die - Buchdruckerei der „Propaganda“. □Genua.□ □Florenz□: Die - Giunta. □Padua.□ □Die Xylographie□: Ces. Vecellius, der - _Clair-obscur_-Druck. Ugo da Carpi, Graf Ant. Zanetti, - John Jackson. - - □Spanien und Portugal.□ Brocario und die complutinsche - Polyglotte. □Madrid.□ Ant. Bortazar. -- □Mexico.□ Joh. - Kromberger, Juan Pablos. □Lima.□ □Peru.□ □St. Domingo□ - u. a. 175-192 - - X. KAPITEL. - - FRANKREICH. - - Die Lage des Buchdruckers. Der Staat und die Presse. - Die Xylographie, die _livres d'heures_. Anton Verard. - Geofroy Tory. Jodocus Badius. Conrad Néobar. Berühmte - Druckerfamilien. Die Stephane: Heinrich □i.□, Robert - □i.□, Heinrich □ii.□, Ende der Familie. Die Gründung der - königlichen Buchdruckerei. Ant. Vitré. Savary de Brèves. - □Lyon□: Seb. Gryphius, Jean de Tournes, Steph. Dolet. - Die Schriftgiesserei. Die Buchbinderkunst. 193-216 - - XI. KAPITEL. - - DIE NIEDERLANDE. - - Die Illustration. Christoph Plantin, seine Nachkommen, - das Plantinsche Museum. Die Familie Blaeu. Die - Elzeviere: Ludwig □i.□, Matthias und Bonaventura, - Isaack, Bonaventura und Abraham □i.□ Johann und - Daniel. Ludwig und Daniel, das Ende des Hauses. Die - Nachahmer der Elzeviere. Die Familie Enschedé und die - Schriftgiesserei. 217-254 - - XII. KAPITEL. - - ENGLAND. NORDAMERIKA. - - Das allmähliche Wachstum der englischen Presse. Wynkyn - de Worde, Richard Pynson, Reynold Wolfe, John Day, - Th. Vautrollier, Th. Roycrofft, Sam. Palmer, Sam. - Richardson. □Oxford□, □Cambridge□. Die schottische und - die irische Presse. Die Stereotypie und Will. Ged. Das - Zeitungswesen. Die Schriftgiesserei. - - NORDAMERIKA. Kleine Anfänge der Presse. John Glover, James - Franklin, Benjamin Franklin. Die deutschen Einwanderer - und ihre Presse. Christoph Sauer und seine Nachkommen. 255-276 - - XIII. KAPITEL. - - DIE SLAWISCHEN LÄNDER. DIE TÜRKEI. DIE OSTASIATISCHEN LÄNDER. - - □Polen.□ □Russland□: Moskau, St. Petersburg. □Die - Türkei□: Konstantinopel, Ibrahim und Said Efendi. - Syrien. □Das östliche Asien□, China, das chinesische - Tafeldruckverfahren und die Papierfabrikation. - Europäischer Druck in Asien. Afrika. 277-288 - - Register. - - A. Namen- und Sachregister 289-300 - - B. Nachweis der angeführten Quellenschriften 301-304 - -[Illustration:Kapitelende] - - - - - ERSTES BUCH. - - [Illustration:Verzierung] - - ERFINDUNG UND VERBREITUNG - - DER - - BUCHDRUCKERKUNST - - 1450-1500. - - - - -[Illustration:Kapitelanfang] - -EINFÜHRUNG IN DAS ERSTE BUCH. - - - Das Dunkel der - Erfindung. - -MIT Dunkelheit und Vorurteilen ist die Geschichte derjenigen Kunst -umhüllt, welche geschaffen war, Licht über die Wissenschaften zu -verbreiten, sie zu erhalten und fortzupflanzen -- so klagte schon -der berühmte Johann Gottlieb Immanuel Breitkopf in seinem leider nur -Bruchstück gebliebenen Werk über die Geschichte der Buchdruckerkunst. - -Hundertmal wurde diese Klage seit Breitkopf wiederholt, teils -mit Recht, teils mit Unrecht. Allerdings sind manche Punkte der -Erfindungsgeschichte noch heute in ein Dunkel gehüllt, das kaum je -gelichtet werden wird, wenn nicht ein absonderlicher Glücksfall ein -typographisches Pompeji oder Olympia aus irgend einem verschütteten -Keller an das Tageslicht fördern sollte; jedoch mit solchen -Glücksfällen kann selbstverständlich nicht gerechnet werden und nicht -jeder, der nach Funden gräbt, ist im Finden ein Schliemann. - -In manchen Punkten jedoch hat das Licht der wissenschaftlichen Kritik -die, durch unpraktische Gelehrsamkeit, missverstandenen Patriotismus, -Mangel an technischen Kenntnissen bei den Schriftstellern, kritiklose -Kompilation oder Köhlerglauben an zweideutige Zeugnisse noch mehr -verdichteten Wolken endlich durchbrochen. - - Was ist Typo- - graphie? - -Was mehr als alles Andere zu dem langen Zustande der Unsicherheit -beigetragen hat, in welchem sich die Geschichte der Erfindung der -Buchdruckerkunst befand, ist, dass man nicht im voraus einig gewesen, -was man eigentlich unter Buchdruckerkunst -- □Typographie□ -- zu -verstehen hatte. Wie leicht wäre bei genügender Klarheit hierüber -mancher Streit zu verhindern gewesen! Die Kunst des „Druckens“ bestand, -selbst in Deutschland, lange vor Gutenberg, ja die Chinesen übten, wenn -man sich auch nur an das streng historisch Beglaubigte hält, einen -umfangreichen „Bücherdruck“ wenigstens 500 Jahre vor Gutenberg. Ist -trotzdem auch nur ein Wort darüber zu verlieren, dass die Chinesen -nicht die „Typographie“ erfunden haben? Cicero spricht, so klar wie -man es verlangen kann, das Prinzip des Setzens aus. Ist deshalb der -gelehrte Römer ein Gutenberg gewesen? Zugegeben selbst, dass in Haarlem -ein ehrlicher Küster oder Lichtzieher, zugleich ein guter Grossvater, -als Spielzeug für seine Enkel Buchstaben in Baumrinde geschnitten hat; -ja, noch viel weiter gegangen und angenommen, er hätte in dieser Weise -sogar ein Büchlein fertig gebracht, konnte man diesen Mann als den -Prototypographen bezeichnen? Gewiss nicht, wenn wir die unerlässlichen -Bedingungen vor Augen haben, welche das Wesen der „Typographie“ bilden. -Mit diesem Namen kann man nur diejenige Kunst bezeichnen: - - den niedergeschriebenen Gedanken, mittels „mechanisch durch - Guss vervielfältigter“ Typen (also beweglicher Metalltypen) - gesetzt, wiederzugeben und diesen Satz nach dessen Einreibung - mit Druckfarbe „mechanisch“ durch die „Druckerpresse“ in einer - beliebigen Anzahl vollständig gleicher Abdrücke herzustellen. - -Mit anderen Worten: die Erfindung der Buchdruckerkunst schliesst die -Erfindung der Schriftgiesserei, des Setzens, des Pressendruckes, der -Farbenbereitung in sich ein. Als Bestandteile gehören zu ihr: die -Stempel, die Matern, die Metalltypen, die mechanische Presse nebst den -verschiedenen Utensilien, die Farbe. - -Die Erfindung einzelner, zu dieser Gesamtheit gehörender Teile macht -nicht die Erfindung der Buchdruckerkunst aus. Würde man Gutenberg zwar -die Presse, die Farbe und die in Holz geschnitzten Buchstaben lassen, -jedoch die Erfindung der Schriftgiesserei auf Schöffer übertragen, so -wäre Gutenberg nicht der Erfinder derjenigen Kunst gewesen, welcher -die ganze zivilisierte Welt bereits auf vier Säkularfeiern als ihrer -grössten Wohlthäterin, als der Verbreiterin des Lichtes, als der -Befreierin von allen geistigen Fesseln gehuldigt hat, derjenigen Kunst, -welche die Grossmacht der Presse geschaffen hat. - - Gutenberg allei- - niger Erfinder. - -Jedoch, es steht unzweifelhaft fest, die Erfindung gehört in -ihrem vollen Umfange Gutenberg „und ihm allein“. Dies hat die -wissenschaftliche Kritik, welche in neuerer Zeit eine, blosses Material -anhäufende Gelehrsamkeit ablöste, unwiderruflich festgestellt. Über -diesen Punkt muss man endlich die Akten als geschlossen betrachten, wie -dies auch in den folgenden Blättern geschieht. - -Ob die 36zeilige Bibel vor der 42zeiligen gedruckt wurde, ob Caxton -1476 oder 1477 die Kunst nach London brachte, ob in Köln die _Fratres -vitæ communis_ zuerst gedruckt haben und dergleichen Einzelnheiten -werden die Federn der Gelehrten noch lange in Bewegung setzen und die -Entscheidung ist gewiss von dem höchsten Interesse. Es kann jedoch -nicht der Zweck dieses Handbuches sein, das Für und Wider solcher -Fragen breit zu erörtern, ohne doch ein bestimmtes Resultat ziehen -zu können. Selbst eine, vielleicht zu zuversichtliche Annahme eines -zweifelhaften Datums oder Faktums ist in einem Handbuch manchmal -weniger nachteilig, als eine Verwirrung des Urteils durch die sich -fortwährend wiederholende Erhebung von Zweifeln. - - Die Litteratur - der Erfindung. - -Von den Werken, welche im allgemeinen die Vorgeschichte der Erfindung, -diese selbst und die früheste Periode der Kunst behandeln, erwähnen wir -folgende, welche, namentlich so weit sie die älteren xylographischen -und typographischen Druckerzeugnisse in Reproduktionen vorführen, -mutmasslich eine grössere Anzahl von Lesern interessieren werden. - - K. Falkenstein. - -Wenn wir die Jubelschrift des Oberbibliothekars Dr. □Karl Falkenstein□: -„Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung“, -mit vielen Illustrationen (Leipzig 1840), obenan stellen, so geschieht -es, weil dies Werk sehr vieles dazu beigetragen hat, die Lust an der -Geschichte der Typographie zu wecken und zu nähren, zugleich, weil es -das einzige ist, welches den Anlauf nimmt, die Geschichte bis auf die -damals neueste Zeit, 1840, fortzuführen. Der Zweck eines Handbuches -für den täglichen Gebrauch konnte und wollte das Buch jedoch nicht -erfüllen, welches als Jubelschrift zur Verherrlichung der Erfindung -und des Erfinders das Hauptgewicht auf die Vorgeschichte und die -Erfindung selbst, sowie auf die Bekämpfung der Gegner Gutenbergs legen -musste. Auch konnte es nicht anders sein, als dass die Behandlung vom -gewerblich-technischen Standpunkt aus gegen die bibliographische Arbeit -zurücktreten musste, was ja vollständig aus dem Berufe des berühmten -Bibliothekars, aus dessen Feder das Buch stammt, sich erklärt. Dies -macht sich namentlich in Betreff der Ausführung sowohl der Periode -des nachmaligen Aufblühens der Kunst seit der Mitte des □xviii.□ -Jahrhunderts als auch der neuesten, den ganzen technischen Betrieb -umgestaltenden Zeit geltend. Seit dem Erscheinen des Werkes, das schon -lange im Buchhandel fehlt, sind ausserdem mehr als 40 Jahre verflossen, -die nicht nur manches Bedeutende in der Kunst zutage gefördert haben, -sondern auch über die Vergangenheit derselben in vielen Beziehungen -ein helleres Licht verbreiteten. Es werden dem Werke viele fehlerhafte -Angaben vorgeworfen; solche waren wohl kaum zu vermeiden, und darf -dieser Umstand denjenigen, der den Versuch macht ein Kompendium der -Geschichte der Buchdruckerkunst zu liefern, der Pflicht nicht entheben, -dankbar anzuerkennen, dass diese Aufgabe ohne die Anhaltspunkte, welche -das Falkensteinsche Buch gewährt, eine weit mühsamere gewesen sein -würde. - - T. O. Weigel. - Ad. Zestermann. - -Ein sehr bedeutendes Werk ist □T. O. Weigels□ und □Ad. Zestermanns□: -„Die Anfänge der Druckerkunst in Bild und Schrift an deren frühesten -Erzeugnissen in der Weigelschen Sammlung erläutert. Mit 125 Facsimiles -und vielen in den Text gedruckten Holzschnitten“. 2 Bde. fol. (Leipzig -1866). Die Verfasser stellen sich ganz entschieden auf die Seite -Gutenbergs: „Es gelang mir nicht“, sagt Weigel, „für Hollands Ansprüche -auch nur ein einziges Dokument vor 1460 zu entdecken“. Das Werk, in -den Brockhausschen Druck- und Kunstanstalten ausgeführt, ist zugleich, -indem es die alte Kunst uns vor Augen führt, ein würdiges Denkmal der -neueren graphischen Kunst Deutschlands. - - A. v. d. Linde - -Ein merkwürdiges, eine ganze Gutenberg-Bibliothek ersetzendes Werk ist: -„Gutenberg, Geschichte und Dichtung, aus den Quellen nachgewiesen von -□A. van der Linde□“ (Stuttgart 1878). Der Verfasser musste, nachdem -er die Koster-Legenden der Holländer in mehreren Streitschriften -auf das grausamste der Lächerlichkeit preisgegeben hatte, Holland -verlassen und lebt als kgl. Bibliothekar in Wiesbaden. Die erste -Abteilung des Werkes giebt die Geschichte der Erfindung, wie wir -sie nun endlich als feststehend betrachten müssen, wenn nicht ein -vollständig neues Material geboten werden sollte, denn mit dem alten -kommt man dem Ziele nicht näher. Die zweite Abteilung erzählt die -verschiedenen Erfindungs-Märchen und berichtet auf nicht weniger als -500 enggedruckten Seiten über die Fälschungen und Irrtümer. Zahlreiche -Urkunden machen den Beschluss. Der Verfasser bietet mit seinem Buche -keine leichte Lektüre und erschwert sie den meisten ausserdem durch -die ungewohnte Schreibweise und die unzähligen Einschaltungen und -Erläuterungen. - -Leider schlägt der gekränkte und hart behandelte Verfasser einen -gehässigen und einem streng wissenschaftlichen Werk nicht ganz -angemessenen Ton an, der eher seiner guten Sache schadet als sie -fördert. Das Wahre bleibt jedoch wahr und es mag sein, dass es, Gegnern -gegenüber, die recht wohl sehen und hören können, aber nicht wollen, -unmöglich ist, sich nicht von der Leidenschaft hinreissen zu lassen. -Die von anderen Seiten dem Peter Schöffer auf Kosten Gutenbergs -gewordene Bevorzugung hat möglicherweise van der Linde in seiner -scharfen Kritik gegen Schöffer viel zu weit geführt. - -Von den bereits noch vor Falkensteins Jubelschrift erschienenen Werken, -die namentlich dazu beigetragen haben Gutenbergs Namen hoch zu halten -und seine Erfinderehre den holländischen Ansprüchen gegenüber zu -wahren, sind zu nennen: - - C. A. Schaab. - J. Wetter. - -„Die Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst durch Johann -Gensfleisch genannt Gutenberg“, von □C. A. Schaab□. 3 Bde. (Mainz -1830-1831). - -„Kritische Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst durch Johann -Gutenberg zu Mainz“, von □J. Wetter□. Mit einem Atlas (Mainz 1836). - - J. G. I. Breitkopf. - -□J. G. I. Breitkopf□, der mehr, als irgend jemand, die Befähigung -hatte, eine Geschichte der Buchdruckerkunst zu schreiben, hat uns -leider nur einzelne wenn auch wertvolle Bruchstücke hinterlassen. - - G. W. Ottley. - S. Sotheby. - -Im Gegensatz zu Weigel treten zwei englische Autoren □Ottley□ und -□Sotheby□ entschieden für die holländischen Ansprüche in die Schranken -und lassen Gutenberg wenig von seinem Ruhm. Interessant sind beide -Werke durch die grosse Zahl von Nachbildungen. Der Titel von Ottleys -Werk lautet: - -„_An inquiry concerning the Invention of printing by the late William -Young Ottley, with an introduction by J. Ph. Berjeau. Illustrated with -37 plates and numerous wood engravings_“ (London 1863). Herr Ottley -findet es sehr natürlich, dass Fust dem Gutenberg den Stuhl vor die -Thüre gesetzt, nachdem letzterer sich unfähig bewiesen hatte, seine -Aufgabe zu lösen: „Er war ein schlauköpfiger Schwindler, geschickt -genug, die Arbeit anderer zu benutzen, aber nicht befähigt eigene Ideen -zu erzeugen und durchzuführen, ein Mann ohne mechanisches Geschick und -ohne Erfindungsgabe“. So urteilt Ottley über Gutenberg. - -Herr Samuel Sotheby ist zwar kein Verehrer von Gutenberg, lässt -sich jedoch nicht auf eine so gehässige Polemik wie Ottley ein. Das -Endergebnis seiner Untersuchungen ist, dass die Kunst mit beweglichen -Typen zu drucken in den Niederlanden bereits 1454 geübt wurde. Das von -seinem Sohne Samuel Ligh Sotheby herausgegebene Werk ist betitelt: - -„_Principia typographica. The block-books or xylographic delineations -of Scripture history, issued in Holland, Flanders and Germany, during -the XV Century. Exemplified and considered in connection with the -origin of printing_“ (London 1858). - - J. W. Holtrop. - -Hieran schliessen sich: □J. W. Holtrop□, „_Monuments typographiques des -Pays-Bas au XV Siècle_“ (Haag 1851-1868). - - W. A. Chatto. - J. Jackson. - -Ein lehrreiches und verdienstliches Buch ist: „_A treatise on wood -engraving historical and practical by Jackson and W. A. Chatto. 2. -Ed._“ (London 1861). □Chatto□ lieferte den Text; □J. Jackson□ gegen 300 -vortreffliche xylographische Nachbildungen, wenn auch zum grossen Teil -in verkleinertem Formate. - - T. F. Dibdin. - -Namentlich durch ihre vorzüglichen Abbildungen instruktiv sind -die Werke □Thomas Frognall Dibdins□, des berühmten Bibliomanen und -Bibliothekars des Lord Spencer auf Althorp. Sein Hauptwerk: „_The -bibliographical Decameron or ten days' pleasant discourse upon -illuminated Manuscripts and Subjects connected with early Engraving, -Typography and Bibliography_“ (London 1817) strotzt von prachtvollen -Stichen und Holzschnitten, die in vandalischer Weise zerstört wurden, -um das Buch selten zu erhalten. Der Text ist schwatzhaft; die Noten, -welche neun Zehnteile des grossen dreibändigen Werkes bilden, strömen -von Gelehrsamkeit und Belesenheit über, sind aber schwer geniessbar. - - H. N. Hum- - phreys. - -Unter den populären Werken, welche Nachbildungen bringen, sind -erwähnenswert: □H. N. Humphreys'□ „_The illuminated books of the middle -age_“ (London 1844) und desselben Verfassers: „_History of the art -of printing_“ (London 1867), eine anspruchslose klare und fassliche -Darstellung der Verbreitung der Kunst. Die 100, teils schwarzen, teils -farbigen, Reproductionen haben zwar den Vorzug, dass sie meist in den -Originalgrössen aufgenommen sind, die Photolithographie lässt jedoch -an Klarheit zu wünschen übrig. Eine dritte Sammlung von Humphreys ist: -„_Masterpieces of the early printers and engravers_“ (London 1869). - - L. de Vinne. - -In dem Verfasser des Werkes: „_The invention of printing_“ □L. De -Vinne□. Mit vielen Abbildungen (New-York 1876) haben wir es nicht -mit einem Gelehrten, jedoch mit einem tüchtigen Praktiker, zugleich -durchgebildeten Manne zu thun. Sein Buch ist klar und verständlich -geschrieben, namentlich sind seine technischen Exkurse sehr -lehrreich und anziehend. Beigegeben ist eine grosse Zahl besonders -gut ausgeführter, wenn auch in den meisten Fällen reduzierter -Illustrationen. Herr de Vinne ist ein enthusiastischer Verteidiger -Gutenbergs, demzufolge auch leicht geneigt, ein zu strenges Urteil über -die Thätigkeit Schöffers zu fällen, dem, wie schon gesagt, v. d. Linde -ganz beistimmt. - - A. Bernard. - -Von französischen Werken seien erwähnt: □A. Bernards□ „_De l'origine et -des débuts de l'imprimerie en Europe_“ (Paris 1853). - - A. F. Didot. - -Ein Werk, das in kleinem Umfang einen Schatz des Wissenswerten birgt, -ist □Ambroise Firmin Didots□ „_Essai typographique et bibliographique -sur l'histoire de la gravure sur bois_“ (Paris 1853). Der berühmte -Buchdrucker, Buchhändler, Gelehrte und Sammler (gestorben 1876) -verband mit der grössten Vertrautheit der deutschen Verhältnisse eine -vollkommene Unparteilichkeit. - - J. P. A. Madden. - -In neuester Zeit erregten in der typographischen Welt ein -nicht gewöhnliches Aufsehen □J. P. A. Maddens□, „_Lettres d'un -Bibliographe_“. 5 Bde. (Paris, 1868-1878). Zahlreiche Abhandlungen in -Briefform, welche eine Menge von Fragen in Bezug auf die Erfindungs- -und die Inkunabelnzeit behandeln, bilden den Inhalt. Ein Hauptzweck -des Verfassers ist die Führung des Beweises, dass die _Fratres -vitæ communis_ in ihrem Kloster am Weidenbach bei Köln eine grosse -Druckanstalt gehabt haben, aus welcher eine Anzahl der ältesten -bedeutenden Typographen als Ulrich Zell, Nik. Jenson, Collard -Mansion, Will. Caxton, Mentelin u. a. hervorgegangen sind. Von seiner -seltenen Kombinationsgabe und seinem ungemeinen Scharfsinne sowohl im -Aufstellen der eigenen Wahrscheinlichkeitsbeweise als im Entdecken der -Trugschlüsse anderer legt zwar fast jede Seite Zeugnis ab, doch wird es -nicht leicht sein, alles zu unterschreiben, was Madden behauptet, und -solange er nicht Thatsachen bringen kann, bleibt der Wert seiner Briefe -für die Geschichte mehr negativer Art, indem sie zur Vorsicht in der -Annahme manches bis jetzt als thatsächlich Anerkannten mahnen. - -Die Schriften, welche die Geschichte einzelner Perioden, Länder, Städte -oder Persönlichkeiten berühren, sind an den betreffenden Stellen des -Textes, soweit es der Plan des Buches notwendig oder wünschenswert -erscheinen liess, angeführt. - -[Illustration:Kapitelende] - - - - -[Illustration:Kapitelanfang] - -I. KAPITEL. - -ZUR VORGESCHICHTE DER BUCHDRUCKERKUNST. - - Älteste Spuren der Vervielfältigung. Die Manuskripte. Der Metall- - und Holzschnitt. Die Kunstschulen. Die xylographischen Werke. Die - Vorbedingungen für die Erfindung der Buchdruckerkunst. - - - Vorbedingungen - der Erfindung. - -IST es auch bei jeder Erfindung, bei welcher ja der Zufall und der -Blitz des Geistes eine so wesentliche Rolle spielen, eine schwer zu -beantwortende Frage, warum sie gerade zu „der“ Zeit oder bei „dem“ -Volke entstanden, so lässt sich andererseits doch nicht leugnen, dass -jede Erfindung in der Zeit wurzeln und im Zusammenhange mit dem Geiste -der Zeit stehen muss, wenn sie nicht ein Embryo bleiben soll. Ein -Denker, der seiner Zeit vorauseilt, empfängt vielleicht die Idee; ist -jedoch das Zeitalter für sie nicht reif, so bleibt sie in dem Kopfe -des Empfangenden ruhen, oder letzterer wird, wenn er sie ausspricht, -als ein Phantast oder gar als ein Wahnsinniger betrachtet, bis er in -dem vergeblichen Kampf gegen den Unverstand wohl gar schliesslich ein -solcher wird. - -Es kann auch keineswegs als eine blosse Zufälligkeit betrachtet -werden, dass die Kunst mit beweglichen Typen zu drucken von den Alten -trotz der hohen Kulturstufe, auf welcher sie standen, nicht erfunden -wurde, obwohl ihre Kinder durch Schablonen schreiben lernten und mit -geschnittenen, zu Worten zusammenzureihenden Buchstaben spielten. Eben -so wenig kann man es jedoch als ein Spiel des Zufalls betrachten, dass -die Erfindung der Buchdruckerkunst in das fünfzehnte Jahrhundert, das -Jahrhundert des Wiedererwachens der Poesie, der Wissenschaft und des -Kampfes für die kirchlich-religiöse Freiheit, fiel. Die Zeit brauchte -die Waffe für den grossen geistigen Kampf und der Geist der Zeit -schaffte sie, als die Reife einmal gekommen war. - -In dem Gesagten liegt schon, dass wir es hier nicht mit einer -urplötzlich aus dem Kopfe des Erfinders entsprungenen, bereits -vollständig gewaffneten Erscheinung zu thun haben. Viel eher passt -der einfache Vergleich mit einem, schon in den ältesten Zeiten -gelegten Samenkorn, das, sich selbst überlassen, zwar gekeimt und -Blätter getrieben hatte, aber erst unter der aufmerksamen Pflege des -verständigen Gärtners die schönsten Blüten spendete. - -Versuchen wir es in dem Folgenden in Kürze die Spuren des Entstehens -und des Wachstums der Pflanze zu verfolgen. - - Aelteste Spuren. - -In Stein gehauen, in Erz gegraben, in Thon eingedrückt oder in -Wachstafeln geritzt, sind von den Völkern des Altertums die ersten -Dokumente auf uns gekommen: Regententafeln, Gesetze und Nachrichten -über denkwürdige Ereignisse oder bedeutende Persönlichkeiten. Als die -Kultur stieg, schrieb man auf Papyrusblätter oder auf Pergamentrollen -und ganze Werke wurden auf diese Weise der Nachwelt erhalten. Die -Autoren hielten sich ihre Schreiber, die entweder Sklaven oder -Freigelassene waren. Es bildete sich die Klasse der Abschreiber und -wir finden sowohl bei den Griechen wie bei den Römern Buchhändler, -welche die Bücher-Rollen (_volumina_) in grösserer Zahl entweder zum -Verleihen oder zum Verkaufen abschreiben liessen und reich assortierte -Bücher-Lager hielten. Selbst Spuren des Farbendrucks, sowie der -Vervielfältigung der Illustrationen durch Schablonendruck, trifft man -an. - -„Es brennt“, heisst es im Kinderspiel, wenn Einer nahe daran ist, den -versteckten Gegenstand zu finden. Und so konnte man auch hier sagen -„es brannte“, denn man war der Kunst der mechanischen Vervielfältigung -durch Typen und Druck nahe; doch gefunden ward sie nicht, denn die -Zeit drängte nicht auf die Erfindung hin. Die wohlfeile Arbeitskraft -der Abschreiber und die gute Organisation ihrer Arbeit genügten -vollkommen für billige und rasche Herstellung der Werke. Das freie -öffentliche Leben bei den Kulturvölkern des Altertums, der heitere -südliche Himmel, das leichte, fröhliche Dasein waren ohnehin nicht -geeignet, Stubengelehrsamkeit zu nähren. Man hörte die Dichterwerke -öffentlich vorlesen, sah in den, Allen zugänglichen Theatern den -Schauspielen oder den Wettkämpfen zu, lauschte den Rednern des Forums. -Alle Staatsakte geschahen öffentlich; das ganze politische und geistige -Leben gipfelte in der Hauptstadt; man hatte genügende Gelegenheit -öffentlich die Ansichten auszutauschen; es fehlte das Bedürfnis, im -stillen Kämmerlein, von Büchern umgeben, über das Erlebte nachzugrübeln -und sich gelehrten Forschungen hinzugeben[1]. - - [1] □J. A. Arnett□, _An inquiry etc. of the books of the - ancients_. London 1837. -- □J. A. Bräutigam□, Ein Blick - in das Bücherwesen des Alterthums. Leipzig 1867. -- □J. - O. Le Clerc□, _Des journaux chez les Romains_. Paris - 1838. -- □J. A. Bräutigam□, Zur Gesch. d. Zeitungswesens - bei den Römern. Leipzig 1868. -- □W. Schmitz□, - Schriftsteller und Buchhändler in Athen. Heidelberg 1876. - -- □E. Caillemer□, La propriété littéraire à Athènes. - Paris 1868. - - Die Klöster und - die Manuskripte. - -Es folgte die Völkerwanderung und damit die Zertrümmerung des -frischen geistigen Lebens. Alle Völker Europas versanken in Barbarei. -Die Überreste der Gelehrsamkeit und des Studiums fanden sich nur -in den Klöstern vor. Hier entstand nach und nach das Bedürfnis, -die liturgischen Bücher und die Lehrmittel zu vervielfältigen. Die -Mönche hatten in ihrem beschaulichen Leben Zeit nicht allein zu -einem Abschreiben in einfacher Weise, sondern auch, dies zu einer -Kunst auszubilden. In roter Farbe ausgeführte Zierrate waren schon -bei den Römern gebräuchlich, die sich des Miniums bedienten, um die -Überschriften der Bücher oder Kapitel ins Auge fallend zu machen. -Das Verfahren verpflanzte sich nach Griechenland und dem Orient, uns -ist daraus noch die Bezeichnung „Rubrik“ geblieben. Später wurden die -Anfangsbuchstaben der Abschnitte und Paragraphen durch Hinzufügung von -roten Strichen bemerkbarer gemacht, oder man malte die Buchstaben ganz -rot aus. Im Griechischen Reiche wurde die rote Farbe ganz besonders -in Ehren gehalten und zu den heiligen Schriften sogar rotes Pergament -verwendet mit Buchstaben in Silber oder Gold. Auch bei den Gothen ward -diese Ausschmückungskunst geübt, wie der berühmte _Codex argenteus_, -die Übersetzung des Neuen Testaments von dem Bischof Ulfilas, beweist, -der einen Schatz der Universitätsbibliothek zu Upsala in Schweden -bildet. Die fränkischen Könige nahmen bald die Pracht der Handschriften -an, die in Deutschland durch Karl den Grossen bekannt wurde[2]. - - [2] □Th. Astle□, _The origin and progress of writing, - illustr._ London 1784. -- □J. G. I. Breitkopf□, Beiträge - zu einer Geschichte der Schreibkunst. Leipzig 1801. -- - □U. J. Kopp□, Bilder und Schriften der Vorzeit. Mannheim - 1819. -- Die Buchschriften des Mittelalters. Wien - 1852. -- □H. N. Humphreys□, _The origin and progress of - writing_. _2. Ed._ London 1855. -- □Digby Wyatt□, _The - art of illuminating_. London 1860. -- □K. Wattenbach□, - Das Schriftenwesen des Mittelalters. 2. Aufl. Leipzig - 1875. -- □H. Shaw□, _Illuminated Ornaments selected from - manuscripts of the middle ages_. London 1833. -- □K. - Faulmann□, Illustr. Geschichte der Schrift. Wien 1880. - - Die Illumination. - -Die Mönche gingen in der kunstreichen Abschrift und Ausschmückung der -Bücher immer weiter. Es fand eine förmliche Teilung der Arbeit nach den -verschiedenen Fähigkeiten statt. Einige schrieben, andere verglichen, -korrigierten und rubrizierten. Kunstfertige Brüder (_rubricatores_, -_illuminatores_, _miniatores_) malten Anfangsbuchstaben, -Randverzierungen und bildliche Darstellungen und oft entstanden auf -Pergament geschriebene wahre Prachtwerke mit herrlichen Miniaturen in -kostbare Deckel von Sammet oder sogar von edlem Metall, mit Edelsteinen -besetzt, gebunden, die mit goldenen Spangen geschlossen wurden. Solche -Werke hatten natürlich einen sehr hohen Preis und wurden mitunter mit -einem Rittergut aufgewogen, konnten also selbstverständlich nur von -Fürsten und reichen Leuten angeschafft werden. - -Zu dieser Pracht der Ausstattung passte schlecht die im □vii.□ -Jahrhundert aufgekommene Sitte, eine Menge von Wörtern so zu -abbrevieren, dass schliesslich eine besondere Gelehrsamkeit dazu -gehörte, ein Manuskript zu entziffern. Diese Unsitte wurzelte nicht -bloss in dem Wunsch, das teure Pergament zu sparen, sondern wohl auch -in der römischen Geschwindschrift (den tironianischen Noten), welche -schon zu Ciceros Zeiten gebräuchlich waren. - - Der Manuskrip- - tenhandel. - -Als gegen das Ende des elften Jahrhunderts ein, namentlich durch die -Benediktinermönche genährtes, regeres geistiges Leben begann, als die -Menschheit durch die Kreuzzüge in eine, bis dahin ungeahnte Bewegung -geraten war, als der Geschmack für die Klassiker sich wieder zu zeigen -begann und die Nachfrage nach abgeschriebenen Büchern grösser ward, -da fingen auch Laien an Bücher abzuschreiben und den Bücherhandel -zu treiben. Förmliche Korporationen bildeten sich (_stationarii_, -_librarii_). In Italien und Frankreich beschränkten sich die -Handschriftenhändler auf einige Universitätsstädte; sie waren, wie -später auch die Buchdrucker, in Paris Beamte der Universität, und -standen, was Ein- und Verkauf betraf, unter Aufsicht der letzteren. -Ohne Vorwissen des Rektors durften sie einem Studenten nichts abkaufen, -mussten schwören, reell zu sein und dem Käufer nur den 40. Pfennig -als Gewinn abzunehmen. Unter den deutschen Städten fand nur in Wien -eine ähnliche Kontrolle statt, die, wenn sie auch in Einzelnheiten -ihr Gutes gehabt haben mag, doch im allgemeinen nachteilig wirkte. Die -Produktion der Manuskripte und der Handel mit denselben entwickelten -sich deshalb auch in Deutschland viel freier, manchmal selbst an Orten, -wo keine innere Veranlassung vorlag, so in dem Städtchen Hagenau (um -1430). Die Manuskriptenhändler, die noch lange nach der Erfindung der -Buchdruckerkunst fortbestanden, besuchten die Jahrmärkte und Messen und -selbst in Frankfurt blühte nach der Erfindung der Buchdruckerkunst der -Manuskriptenhandel neben dem Buchhandel. Auch die Lehrer verkauften an -die Schüler die denselben notwendigen Bücher. - - Bilderschrift. - -Die Abschriften und das Material für diese war aber immer noch -teuer und nur die Auserwählten konnten lesen. Man nahm also, -um auf das grössere Publikum zu wirken, seine Zuflucht zu der, -Allen verständlichen, in Metall- oder Holzschnitt ausgeführten -„Bilderschrift“. Um Heiligen- und andere Bilder herzustellen, -entstanden die Zünfte der Briefmaler und Illuministen. Brief (_Breve -sc. scriptum_) wurde jedes einseitig gedruckte einzelne Blatt genannt, -es mochte nun eine Spielkarte, ein Heiligenbild, ein Ablassbrief, eine -Anordnung o. dgl. sein. - -Als bekannt darf das Wesen des Holzschnittes, wodurch dieser sich -von dem Kupferstich unterscheidet und der Schrifttype gleichkommt, -angenommen werden, nämlich darin bestehend, dass im Holzschnitt das -auf den Holzstock gezeichnete Bild stehen gelassen wird, während alle -nicht gezeichneten Stellen weggeschnitten werden, so dass schliesslich -die Zeichnung erhaben auf dem Holzstock zurückbleibt, während im -Kupferstich umgekehrt die Zeichnung graviert oder geätzt wird, also -in der Tiefe liegt. Das Material für den Holzschnitt war zu der Zeit, -von welcher hier die Rede ist, Linden-, Birn- oder Buchenholz, das -in Längenschnitten mit dem Messer bearbeitet wurde, während man jetzt -beinahe ausschliesslich nur Buchsbaum in Querschnitten verbraucht und -mit dem Stichel behandelt. - - Metallschnitt. - -Früher war man gewohnt, alle erhaben geschnittenen Formen als -Holzschnitte zu bezeichnen. Durch aufmerksame Prüfung kam man -jedoch zu der Erkenntnis, dass ein Teil der vorhandenen Abdrücke von -Metallplatten herrühren, und dass der Metallschnitt dem Holzschnitt -vorangegangen sei. Die Möglichkeit des Unterscheidens liegt namentlich -in der Farbe der vorhandenen Drucke, indem die Metallschnitte etwas -grauer, griesslicher und weniger gesättigt erscheinen, als die -Holzschnitt-Drucke. Öfters kann man auch in den Umfassungslinien -Verbiegungen wahrnehmen, die in einer Holzplatte nicht möglich -gewesen sein würden; man hat auch heute noch erhaltene Metallstiche -vorgefunden. - - Der Zeugdruck. - -Wir nähern uns hiermit schon der Buchdruckerkunst. Die erste -ausgedehnte Anwendung eines Druckverfahrens ist der farbige Zeugdruck, -der in Europa mutmasslich zuerst in Italien geübt wurde. Ohne uns -in ältere Zeiten zu verlieren steht es fest, dass schon im □xii.□ -Jahrhundert Seiden- und Leinenstoffe durch Formendruck verziert -wurden. Eine allgemeinere Verwendung fand der Zeugdruck im □xiii.□ -Jahrhundert und erscheint oft auf den Futterstoffen der reicheren -liturgischen Ornate. Gegen den Schluss des □xiii.□, namentlich aber -zu Beginn des □xiv.□ Jahrh., wurde auch Leder bedruckt und als Tapete -verwendet, selbst auf Bucheinbänden findet man farbige Muster auf -dünnes Schafsleder gepresst. Die verzierten Tapeten zeigen nicht nur -biblische Scenen sondern auch Gegenstände aus dem Sagenkreise; unter -die vorzüglichsten gehören die zu Sitten in der Schweiz. Die beim -Zeugdruck vorkommenden Farben beschränken sich zuerst hauptsächlich -auf Schwarz und Rot, die Goldverzierungen sind durch Bestäuben -erzielt. Auf grösseren Gemälden kommt an den Gewändern der Figuren -eine besondere Art von Farbendruck vor, indem die Stellen mit einer -kreide- oder gipsartigen Masse überzogen und dann mittels Formen -mit Mustern bedruckt wurden (Teigdrucke). Auch nach der Erfindung -der Buchdruckerkunst wurde der Zeugdruck mit Holz- oder Metallformen -fortgesetzt, der in neuerer Zeit in grossartiger Weise als Kattundruck -ausgebildet wurde. - - Aelteste Bilder- - drucke. - -Die ältesten uns bekannten bildlichen Darstellungen in Metallschnitt -reichen nach den gründlichsten Untersuchungen bis gegen Ende des □xii.□ -Jahrhunderts zurück, Holzschnitte bis gegen Ende des □xiv.□ Einer -der ältesten Metallschnitte ist das, früher in der T. O. Weigelschen -Sammlung in Leipzig, jetzt in dem Germanischen Museum in Nürnberg -befindliche Blatt „Christus am Kreuze“. Unzweifelhaft beglaubigt -ist der Holzschnitt „Der heilige Christoph“ aus dem Jahre 1423. Die -Erhaltung dieser, wie mancher anderen alten Drucke ist der Sitte -zu verdanken, die Deckel der Büchereinbände durch Aufeinanderkleben -solcher auszufüttern oder zu bekleben. Freilich haben wir durch diese -Sitte andererseits den Verlust zahlreicher Blätter zu beklagen. - -Die bildlichen Darstellungen hatten hauptsächlich religiöse Vorwürfe -und das Bedürfnis zeigte sich namentlich in den Zeiten bedeutender -religiöser Aufregung, wie zu Ende des □xiv.□ und zum Beginn des -□xvi.□ Jahrhunderts. Um die Andacht beim Gebet zu erhöhen, wurden die -Angerufenen durch Bilder versinnlicht. So entstanden die zahlreichen -Darstellungen der heiligen Jungfrau, der Kreuzigung, der Himmelfahrt, -der gesamten Passion, der Heiligen, des Weltgerichts. Gesteigert -wurde der Verbrauch durch die religiösen Brüderschaften und die -Wallfahrten. Es folgten die zusammenhängenden Bildwerke, die zumteil -schon im frühen Mittelalter gezeichnet vorhanden waren, und im □xv.□ -Jahrhundert xylographisch und typographisch vervielfältigt wurden. Die -Hauptsache ward im Bilde dargestellt und die notwendige Erklärung und -die Nutzanwendung in Schrift beigegeben. - -Daneben machte jedoch auch das profane Leben seine Forderungen geltend -und wurde durch eine Menge, teilweise sittenloser Darstellungen -befriedigt. Johann Gerson in Paris, zu Anfang des □xv.□ Jahrhunderts, -drang -- wie später Luther -- auf eine sittliche Umkehr und auf -Beseitigung schlechter und sittenverderbender Bücher und Bilder, die -sogar in den Kirchen zu Paris an hohen Festtagen verkauft wurden. -Es ist jedoch von solchen Erscheinungen nichts auf uns gekommen. -Das öffentliche Schamgefühl scheint das Vernichtungswerk gründlich -betrieben zu haben. Von profanen Büchern mit achtbaren Zwecken -sind einige erhalten worden, z. B. das „_moral play_“, die „zehn -Lebensalter“, das „Glücksrad“. - - Die Spielkarten. - -Neben den Heiligenbildern, ja vielleicht noch vor diesen, war das Buch -des Teufels, die □Spielkarten□, ein sehr gesuchter Artikel, der stark -abgenutzt wurde. Schon um das Jahr 1300 wurden die Karten in Italien -bekannt, kamen aber wahrscheinlich erst in dem letzten Viertel des -□xiv.□ Jahrh. nach Deutschland. Um der grossen Nachfrage zu genügen, -benutzte man ein Druckverfahren, durch welches die Figuren (darunter -auch Heilige) nach den Farben in Metallblätter ausgeschnitten und die -Farben schablonenmässig auf das Papier getragen wurden. Später schnitt -man die Umrisse in Holz, druckte diese und malte den inneren Raum -aus[3]. - - [3] □J. G. I. Breitkopf□, Versuch den Ursprung der Spielkarten - zu erforschen. Leipzig 1801. -- □W. S. Singer□, - _Researches into the history of playing cards_. London. - -- □W. A. Chatto□, _History of playing cards_. London - 1865. -- □P. Lacroix□, _Origine des cartes à jouer_. - Paris 1837. -- □N. H. Willshire□, _Descriptive Catalogue - of playing cards in the British Museum_, mit Illustr. - 1877. -- □J. Duchesne□ l'ainé, _Jeux de Cartes etc. du XIV - au XVIII Siècle_. Paris 1844. - - Feststellung der - Schnitte. - -Die Entscheidung über das Alter eines Metall- oder Holzschnittes -ist eine schwierige Aufgabe. Kolorit, Technik, Papier, Kleidung -der Figuren, die Art das Haar zu tragen, Bewaffnung u. s. w. müssen -in Betracht gezogen werden, um den Ort und die Zeit der Entstehung -festzustellen. Später kommt der Vergleich mit den wenigen datierten -Drucken hinzu. Auch die Mundart der, von den Figuren ausgehenden -Sprüche und die Form der, zu diesen benutzten Schrift gewähren -Anhaltepunkte, letztere jedoch insofern weniger, als die Mönchsschrift -sich ziemlich unverändert das □xv.□ Jahrh. hindurch erhielt. Nach -den erwähnten Merkmalen lassen sich die graphischen Kunsterzeugnisse -vor Gutenberg in gewisse Schulen einordnen: die □Schwäbische□ (Ulm, -Augsburg); die □Fränkische□ (Nürnberg, Nördlingen); die □Bayerische□ -(Freising, Tegernsee, Kaisersheim, Mondsee); die □Niederrheinische□ -(Köln, Burgund). Von diesen Schulen lieferten die beiden letzteren die -besten Zeichnungen; die letzte ausserdem auch noch die besten Schnitte. - - Fortschritte in - der Kunst. - -Beim Fortschreiten der Kunst bekommen die Zeichnungen Andeutungen -von Schattierung. Auf die einfachen Unterschriften der Bilder folgen -ganze Sprüche, gewöhnlich Bibelstellen und Verse; oft in der Form -von Devisen aus dem Munde einer Figur hervorgehend. Aus den Sprüchen -werden schliesslich ganze Textseiten, die dem Bilde gegenüberstehen. -Das Bedürfnis der weltlichen Belehrung führt schliesslich zu -einem Buch ohne Bilder, dem _Donatus_. Aus den Briefmalern werden -□Briefdrucker□ (am Rhein _printers_ genannt) und □Formenschneider□, -welche Massen produzieren, von denen leider sehr vieles in der Zeit -des dreissigjährigen Krieges vernichtet, einiges aber doch erhalten -wurde[4]. - - [4] □C. F. v. Rumohr□, Zur Geschichte der Formschnitte. 1837. - -- □J. D. F. Sotzmann□, Älteste Gesch. der Xylographie. - Leipzig 1837 (Raumers Taschenbuch). □J. M. Garnier□, - _Histoire de l'imagerie populaire et des Cartes à jouer à - Chartres_. Chartres 1869. - - Kunst-Zünfte. - -Die Zünfte der Genannten standen oft in grossem Ansehen. Als die -bedeutendsten sind zu nennen: die in Augsburg (1418), Nürnberg, -Frankfurt a. M., Mainz, Köln, Lübeck. In Ulm sind um das Jahr 1410 -schon Kartenmacher und Kartenmaler, Formenschneider jedoch erst -1441. In Brügge bestand 1454 eine Brüderschaft St. Johannis des -Evangelisten, zu welcher Schreiber, Schulmeister, Buchhändler, -Buchbinder, Bildermacher, Bildschnitzer, Illuminatoren, Holzdrucker, -Formenschneider und Briefdrucker gehörten und die noch lange nach -Erfindung der Buchdruckerkunst blühte. In Italien und Frankreich kannte -man solche Vereinigungen erst im □xvi.□ Jahrhundert; sie hiessen im -letztern Lande: _tailleurs et imprimeurs d'histoires et figures_. - - Reiberdrucke. - -Noch druckte man nicht auf einer Presse, sondern das Papier wurde -auf die Druckform, welche mit leichter Erdfarbe, später mit einer aus -Lampenruss und Firnis gemischten Schwärze eingerieben war, gelegt. Mit -einem harten Lederballen, der mit Pferde- oder Kalbshaaren gestopft -war, strich man über die Rückseite des Papiers hin und her, ähnlich -wie die Holzschneider mittels des Falzbeines ihre Probeabdrücke machen -und wie die Chinesen noch heutigentages ihre Bücher drucken. Da der -Reiber einen sehr starken Eindruck in dem Papier hinterliess, so konnte -man nicht auf die Rückseite desselben nochmals drucken, sondern diese -sogenannten □Reiberdrucke□ sind nur einseitige (anopistographische). -Um ein Blatt mit bedruckter Vorder- und Rückseite zu bilden, musste das -Blatt umgebogen und an den beiden Rändern zusammengeklebt oder geheftet -werden, wie es heut zu Tage noch bei den chinesischen Büchern der Fall -ist. - -Selbst nach Erfindung der beweglichen Typen hört der □Tafeldruck□ nicht -ganz auf, namentlich für Sachen, wozu kleinere Typen erforderlich, -deren Guss noch zu schwierig war. In dieser Weise vertraten die -Holzplatten zumteil die späteren Stereotypplatten. Man konnte die -ersteren, deren Material so gut wie nichts kostete, bequem aufbewahren, -um nach Bedürfnis Abdrücke zu machen, und hatte nicht nötig, den -Aufwand an Papier für längere Zeit im voraus zu bestreiten. Nach -Erfindung der Buchdruckerpresse konnte man selbstverständlich beide -Seiten des Papiers bedrucken. - - Die xylographi- - schen Werke. - -Von den Tafeldrucken in Buchform, speziell □Xylographische Werke□ -genannt, sind etwa 30 auf unsere Zeit gekommen, von denen die -umfangreichsten gegen 50 Blatt umfassen. Sie sind teils nur Bilder ohne -Text, teils Bilder mit Text, schliesslich Text ohne Bilder. Von einigen -sind die Federzeichnungen, welche der Anfertigung der Holzschnitte -vorausgingen, erhalten, andere sind später typographisch ausgeführt, -andere wieder xylographisch auf der Buchdruckerpresse gedruckt. Der -grösste Teil ist religiösen Inhalts, der künstlerische Wert gewöhnlich -unbedeutend. Wir nennen die hauptsächlichsten: - -_Ars moriendi._ Eine Anleitung, selig zu sterben, in einer kompendiösen -und in einer ausführlichen Darstellung (_speculum artis bene -moriendi_). Das Buch schildert die Versuchungen des Menschen durch -den Teufel, dem der Schutzengel entgegentritt. Der Stoff war ein sehr -beliebter und das Buch wurde in allen germanischen und romanischen -Sprachen bearbeitet. Der Verfasser ist nicht bekannt. Ein, früher im -Besitz von T. O. Weigel in Leipzig befindliches, jetzt dem _British -Museum_ einverleibtes xylographisches Exemplar der _ars moriendi_ gilt -als die erste, zugleich die vollendetste Ausgabe. Sie besteht aus 12 -Bogen kl. fol., in bräunlicher Farbe gedruckt. Die Schrift ist die -Mönchsschrift. Die Konzeption und die Ausführung übertrifft in dem -geistigen Ausdruck der Figuren und in kunstgerechter Handhabung des -Messers alles, was von Kunstblättern des □xv.□ Jahrh. bekannt ist. -Allen Anzeichen nach stammt das Werk aus Köln, wo es auch aufgefunden -wurde[5]. - - [5] Das Buch erschien in einer vortrefflichen photographischen - Nachbildung 1869. Das Original erzielte in der am 27.-29. - Mai 1872 abgehaltenen Versteigerung der Weigelschen - Sammlung die Summe von 21450 Mark. Der Seite 17 erwähnte - Metallschnitt „Christus am Kreuze“ wurde mit 3375 Mark - bezahlt. - - Die xylographi- - schen Werke. - -_Historia St. Johanni eiusque visiones apocalypticae_ oder „das Buch -der haymlichē Offenbarungē Sant Johans“ war schon frühzeitig der -Gegenstand bildlicher Darstellung. Es giebt drei Ausgaben mit 50, drei -mit 48 Vorstellungen. - -_Ars memorandi_: Die Kunst, die Erzählungen der vier Evangelisten in -Erinnerung zu behalten. Ein ebenfalls beliebtes, öfters aufgelegtes -Werk in 15 rohen, mit blasser Farbe gedruckten Holztafeln, und 15 -Blättern mit Text. - -_Biblia Pauperum_, „Die Armenbibel“, ist eine Reihe neutestamentlicher -Darstellungen von der Geburt der heiligen Jungfrau an bis zum jüngsten -Gericht, unter beständiger Hinweisung auf das Alte Testament. Das Buch -ist wahrscheinlich niederrheinischen Ursprungs. Die Benennung erklären -Einige, als sei das Buch für die geringeren Ordensgeistlichen, die sich -_Pauperes Christi_ nannten, bestimmt, Andere nehmen an, es solle damit -gesagt sein, sie sei eine Bibel für die an Gütern oder am Geiste Armen. - -_Speculum humanæ salvationis_ (holländ.: _Spieghel der menscheliker -Behoudnisse_): „Der Heilsspiegel“, ist ebenfalls eine Reihe -neutestamentlicher Darstellungen. Von den vielen Ausgaben dieses -beliebten Buches ist nur eine mit in den Tafeln geschnittenem Text, die -übrigen sind typographisch ausgeführt. Das Buch ist niederrheinischen -Ursprungs und die Holländer erklären dieses späte Produkt für ein von -Koster mit beweglichen Typen gedrucktes Werk. - -„Der Entkrist“, die Legende von dem falschen Messias. 26 Bl. in kl. fol. - -„Die Legende des heiligen Meinrad“, 48 xylogr. Blätter in 8°. - -Von den xylographischen Werken weltlichen Inhalts sind folgende -besonders erwähnenswert: - -„Die Kunst Ciromantia Dr. Joh. Hartliebs“, Leibarzt des Herzogs -Albrecht des Frommen zu Bayern, 24 auf beiden Seiten bedruckte Blätter. - -„Der Kalender des Magisters Johannes de Gamundia“, die älteste bekannte -Ephemeride (gedruckt um d. J. 1470). Das Werk bestand nicht bloss aus -der uns allein erhaltenen Tafel, sondern hatte 11 Foliobogen Text. - -„Der deutsche Kalender von Magister Johann von Kunsperk“ -(_Regiomontanus_) um d. J. 1473. Von diesem Werke hat man Exemplare, -welche nach dem Druck abgeschrieben sind, ein Beweis, dass die -gedruckten Bücher damals noch teuer waren und dass man in den Klöstern -immer noch Zeit übrig hatte. - -Von den Lehrbüchern war namentlich der _Donatus_ sehr verbreitet. Der -Verfasser Älius Donatus, welcher um 335 n. Chr. in Rom lehrte, hat -mehrere kleine grammatische Schriften hinterlassen, aus welchen man -einen Auszug in Katechismusform: _Donatus minor_ bildete, der bis tief -in das □xviii.□ Jahrhundert noch im Gebrauch war. - - * * * * * - - Ebnung des - Bodens für - Gutenberg. - -Um die Mitte des □xv.□ Jahrh. hebt sich der Sinn für die klassische -Litteratur in merklicher Weise. In Italien erblüht ein frisches -Geistesleben, durch Dante, Boccaccio und Petrarca geweckt. Die -fürstlichen Häuser der Medici, Visconti und Este suchen ihre Ehre in -der Beschützung und Pflege der Dichtkunst und der Wissenschaften. -Im Norden bilden der Hof von Burgund und die niederländischen -Städte Pflanzschulen der Kultur. In Deutschland geht das Lehns- und -Ritterwesen zuende und der Bürgerstand erhebt sich mächtig. Die Fragen -der Kirche sind auf die Tagesordnung gesetzt: Wiclef und Huss haben der -Reformation vorgearbeitet. - -Streitigkeiten an der Prager Universität veranlassen die Auswanderung -von Lehrern und Schülern, welche die Gründung der Hochschulen zu -Wien, Heidelberg, Köln, Erfurt, Würzburg und Leipzig zur Folge haben. -Die Zeit war für die Entdeckung der Buchdruckerkunst gereift und die -neue Welt des Geistes sollte noch eher, als die neue Welt jenseit des -Meeres, ihren Columbus finden. Dieser war: □Johannes Gutenberg□. - -[Illustration:Kapitelende] - - - - -[Illustration:Kapitelanfang] - -II. KAPITEL. - -DIE ERFINDUNG. - - Johannes Gutenberg. Herkunft. Aufenthalt in Strassburg. Gutenberg - in Mainz. Verbindung mit Johann Fust. Peter Schöffer. Gutenbergs - Unglück. Sein Tod. Sein Andenken. - - -JOHANNES GENSFLEISCH ZU GUTENBERG, geboren in Mainz um das Jahr -1397, gehörte einer dortigen angesehenen Patrizierfamilie an. Sein -Vater, □Frielo Gensfleisch□, heiratete □Else□, letzte Sprosse des -Patriziergeschlechtes „zum Gutenberg“. Dieser Ehe entstammten zwei -Söhne □Frielo□ und □Henne□ (Johannes). - - Herkunft und - Jugend Guten- - bergs. - -Von den Jugendjahren und dem Bildungsgang des Johannes ist nichts -bekannt. In die Streitigkeiten zwischen dem Adel und den Bürgern von -Mainz verwickelt, wanderte die Familie Gensfleisch 1421 von Mainz -aus und zog wahrscheinlich zuerst nach Eltville im Rheingau, wo sie -Güter besass. Hier wohnte 1434 noch der älteste Sohn Frielo. Aus einer -Urkunde, welche □Johannes Gutenberg□ (bei diesem seinen Weltnamen -werden wir ihn künftig nennen) im Jahre 1434 in Strassburg ausstellte, -erfährt man erst mit Bestimmtheit, dass er dort sein Domizil -aufgeschlagen hatte. Er wohnte im Kloster Arbogast an der Ill, eine -Viertelstunde vor dem Weissturmthore, an der, jetzt Grüneberg genannten -Stelle. In der erwähnten Urkunde erklärt Gutenberg, dass er, dem -Strassburger Magistrat zuliebe, den Mainzer Stadtschreiber Nikolaus, -den er hatte festnehmen lassen, um die Zahlung einer Rente von dem -Mainzer Rate zu erzwingen, welche dieser beanstandete, weil Gutenberg -nicht nach Mainz zurückgekehrt war, loslassen wolle. Gleichzeitig -verzichtet Gutenberg auf jede Forderung an die Stadt Mainz. - - Gutenbergs - Associationen. - -Als industrielles Talent zeigt sich Gutenberg erst um das Jahr 1435 -(„etliche Jahre vor 1439“). Zu der erwähnten Zeit sucht □Andreas -Dritzehn□ ihn auf, mit dem Begehren, Gutenberg möge ihn in einige -von den Künsten einweihen, mit welchen er sich abgebe. Gutenberg ging -hierauf ein und schloss einen Vertrag in Betreff des „Steinepolierens“ -mit Dritzehn ab. Im Jahre 1437 traf Gutenberg ein weiteres Abkommen mit -□Hans Riffe□, Voigt zu Lichtenau, bezüglich des „Spiegelmachens“, einer -Kunst, die man anlässlich der 1439 bevorstehenden Wallfahrt nach Aachen -mit Vorteil auszubeuten hoffte. Gutenberg sollte zwei Anteile von -dem Ertrag haben, Riffe einen. Als Dritzehn hiervon Kenntnis erhielt, -drang er darauf, auch in diese Gemeinschaft aufgenommen zu werden und -Gutenberg gab ihm schliesslich den einen seiner zwei Anteile. Später -erlangte Anthonin Heilmann, ein geistlicher Herr, noch für seinen -Bruder □Andreas Heilmann□, der wie Dritzehn zur Kürschnerzunft gehörte, -eine Teilnahme. Man einigte sich schliesslich dahin, dass er die Hälfte -von Dritzehns Drittel bekam. Jeder Teilnehmer musste an Gutenberg 80 -Gulden zahlen. - -Als die Aachener Wallfahrt auf das Jahr 1440 verschoben wurde, -entschlossen sich die Teilnehmer, den Vertrag zu prolongieren und auf -andere Zweige zu erweitern. Andr. Dritzehn und Andr. Heilmann sollten -je 125 Gulden einzahlen. Nach einigen Schwierigkeiten wurde der Vertrag -im Sommer 1438 auf fünf Jahre abgeschlossen. Starb in dieser Zeit einer -der Beteiligten, so sollten dessen Erben nach Ablauf des Vertrags mit -100 Gulden abgefunden werden. Das Verhältnis unter den Teilnehmern -blieb ein freundliches. Das Geschäft war namentlich Spiegelmachen, eine -Kunst, die damals Bedeutung hatte. Besonderes Gewicht wurde bei dieser -Fabrikation auf die gepressten Metallrahmen gelegt. Dass die Compagnons -sich mit Metallarbeiten beschäftigten, geht deutlich aus ihren Ankäufen -hervor. - - Dritzehns Tod. - -Weihnachten 1438 erkrankte Dritzehn in gefährlicher Weise und starb -an einem der Weihnachtsfeiertage. Andr. Heilmann, dem daran liegen -musste, dem Gerede Neugieriger vorzubeugen, ersuchte den Tischler -Saspach, der für die Gesellschaft eine Presse gefertigt hatte, diese -auseinanderzunehmen, „dann wisse niemand, was die Stücke zu bedeuten -hätten“. Saspach ging auch am 26. Dez. hin, aber „das Ding“ war fort. -Auch Gutenberg hatte seinen Diener Lorenz Beildeck mit einem ähnlichen -Auftrage gesandt. Vergebens; die Presse war fort. Wozu sollte sie aber -gedient haben? Es konnte eine Druckerpresse gewesen sein, aber ebenso -wohl eine Art von Prägepresse für die Verzierungen der Spiegelrahmen. -Andere haben die Vermutung ausgesprochen, es handle sich um ein -Giessinstrument, einen Apparat, der wirklich neu und für die Ausbeutung -der Erfindung der Buchdruckerkunst, falls es sich doch um diese -gehandelt haben sollte, weit massgebender war als eine Presse. Was ein -auseinandergenommenes Giessinstrument bedeuten könne, sollte allerdings -dem Uneingeweihten zu erraten schwer geworden sein. - - Ende der Asso- - ciation. - -Gegen die klaren Bestimmungen des Vertrags forderten die Brüder des -verstorbenen Dritzehn, in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden. -Gutenberg, der diesen Antrag verwarf, ward nunmehr von den Dritzehns -bei dem grossen Rate zu Strassburg verklagt, jedoch nach Abhören von -vielen Zeugen freigesprochen. Das Urteil vom 12. Dezbr. 1439 lautete: -Die Erben Dritzehns hätten sich bei der festgesetzten Entschädigung von -100 Gulden zu beruhigen, von welchen 85 Gulden, welche Dritzehn noch an -Gutenberg angeblich schuldete, abgezogen werden sollten, vorausgesetzt, -dass letzterer die Richtigkeit der Angabe beschwören würde. Den Eid -leistete Gutenberg. - -Wüssten wir auch nicht aus diesem Rechtsstreit, dass Gutenberg bis -zum Sommer 1443 in Strassburg gebunden gewesen, so könnten wir aus -dem Steuerregister, in welchem er in den Jahren 1439, 1443 und 1444 -verzeichnet ist, leicht erfahren, dass er um diese Zeit in Strassburg -verweilte. In diesem Register wird Gutenberg als „Konstofler“ -bezeichnet, d. h. als Mitglied einer lokalen Innung im Gegensatz zu den -gewerblichen. Auch eine Bürgschaftsurkunde Gutenbergs aus dem Jahr 1441 -ist vorhanden. Einem anderen Dokument ist sein Siegel beigefügt mit -der Umschrift: •S. Hans Gensfleisch dei Gutenb'g•. Aus dem -Strassburger Aufenthalt erfährt man ferner, dass Gutenberg auf Grund -eines angeblich nicht gehaltenen Eheversprechens von □Anna zur eisernen -Thüre□ in Anspruch genommen wurde. Von einer Heirat ist keine Spur zu -finden, jedoch schreibt sich Anna später □Annel Gutenbergerin□. - - Gutenbergs - Rückkehr nach - Mainz. - -Die pekuniären Erfolge der Strassburger Unternehmungen entsprachen den -Erwartungen der Teilnehmer nicht und Gutenberg kehrte, wahrscheinlich -in der Hoffnung von seinen Verwandten das erforderliche Geld zur -Durchführung seiner Pläne zu erlangen, nach Mainz zurück. Am 23. April -1444 weilt er noch in Strassburg. Nach Mainz muss er, in Begleitung von -seinem treuen Diener Lorenz Beildeck, zu Ende d. J. 1444 oder zu Anfang -d. J. 1445 gekommen sein. In Strassburg finden sich keine Spuren einer -Buchdruckerkunst vor. - - Vertrag mit Fust. - -Von den ersten fünf Jahren aus dem Aufenthalt Gutenbergs in Mainz ist -so viel wie nichts bekannt, nur dass sein Oheim Henne Gensfleisch der -ältere den „Hof zum Jungen“ mietete und ihn darin aufnahm, ferner, -dass ein anderer Verwandter Arnold Gelthuss für ein Darlehn von -150 Goldgulden, welches er am 6. Oktober 1448 gegen einen Zins von -5 Goldgulden für das Hundert aufnahm, sich verbürgte. Nur hieraus -kann der Schluss gezogen werden, dass seine Pläne sich in einem -vorgeschrittenen Stadium befanden, dass jedoch seine Mittel zur -Durchführung nicht genügten. - -Da erschien zu einer, in ihrer Folge teueren Hülfe ein angesehener -und gut situierter Bürger, □Johannes Fust□. Am 22. Aug. 1450 wurde -ein Vertrag zwischen diesem und Gutenberg abgeschlossen, nach -welchem Fust 800 Goldgulden gegen 6% Zinsen vorstreckte. „Das -Gezüge“ blieb Unterpfand. Sollten die Kontrahenten in Differenzen -geraten, so hatte Gutenberg die 800 Gulden zurückzuzahlen. Ausserdem -wurde übereingekommen, dass Fust jährlich bis zu 300 Gulden für -Löhne, Hauszins, Pergament, Papier, Farbe und andere Erfordernisse -vorschiessen sollte. Der ganze Vertrag hatte somit einen rein -finanziellen Charakter. Gutenberg gab den Gedanken, das Werkzeug, die -Arbeit; Fust das Geld. Von einer Miterfinderschaft des letzteren ist -mit keinem Worte die Rede. - - Damaliger Stand - der Erfindung. - -In seinem ganzen nachherigen Verfahren zeigt sich Fust als ein so -vorsichtiger und klug berechnender Geschäftsmann, dass unbedingt -angenommen werden muss, die Erfindung habe beim Abschluss des Vertrags -bereits auf einer weit vorgerückten Stufe der Entwickelung gestanden. -Mit einem projektmachenden Junker, der weiter nichts mitbrachte, als -etwa den Gedanken, Holztafeln in einzelne Buchstaben zu zersägen und -diese Buchstaben einzeln an einander zu reihen und zu drucken, würde -ein Fust kaum den Vertrag abgeschlossen haben. Und wie sollte ein -strebender Geist, wie Gutenberg, der jahrelang sich in Metallarbeiten -geübt hatte, auf den Gedanken kommen, grosse Hebel in Bewegung zu -setzen, um xylographische Drucke zu liefern oder bewegliche Holztypen -zu schaffen? Was heutzutage mit allen Raffinements der Hülfsmaschinen -kaum gelingen würde, sollte im Jahre 1450 denkbar gewesen sein! -Gutenberg müsste kein Erfindergenie gewesen sein, wenn er hölzerne -Typen je zu einem anderen Zweck hergestellt hätte, als um Versuche zu -machen und allenfalls sie als Stempel zu benutzen, um Matern zum Guss -der Buchstaben zu schaffen. Und, hat auch Gutenberg wirklich seine -ersten Stempel in Holz geschnitten, so wird es nicht lange gedauert -haben, bis er eingesehen hat, dass für die Stempel Metall, und zwar ein -härteres als das der Mater oder der Type, unumgänglich notwendig sei. -Es kann nicht genug betont werden: „Die mechanische Vervielfältigung -der Typen bildet das Wesen der Typographie“. Hätte Gutenberg nicht die -Schriftgiesserei erfunden, so gehörte ihm auch nicht die Erfindung der -Buchdruckerkunst. Dass Peter Schöffer wesentliche Verbesserungen in -diesem Zweige eingeführt habe, muss man jedoch annehmen. - - Gutenbergs neue - Verlegenheiten. - -Mit dem grossen Werke Gutenbergs ging es, wie mit so vielen anderen -Unternehmungen von Bedeutung: es verschlang, bevor es in seiner -Vollendung Geld bringen konnte, mehr Geld, als berechnet war. Im -Dezember 1452 schoss Fust abermals 800 Goldgulden vor, sorgte aber -vorsichtigerweise auf das beste für die Sicherstellung. Nicht allein -das „Gezüge“, sondern das „Werk des Buches“ wurde ihm verpfändet und -der Vorteil sollte ein gemeinschaftlicher sein. Hier ist also von einer -wirklichen Beteiligung die Rede, was einen sicherern Beweis liefert, -dass nicht mehr an der Rentabilität gezweifelt wurde. - - Erste Press- - erzeugnisse. - -Welches waren nun die ersten unbestreitbaren Erzeugnisse der -Gutenbergschen Presse? Den grössten Absatz versprachen natürlich -Schulbücher, namentlich die schon früher erwähnte sehr beliebte -Grammatik des Älius Donatus. Ein Fragment (jetzt in Paris), zwei -Pergamentblätter, eines solchen von Gutenberg gedruckten Donats, wurde -als Einschlag einer alten Rechnung entdeckt. Die grossen Typen des -Schriftchens sind die der 36zeiligen Bibel. Verkehrtstehende Buchstaben -weisen unwiderleglich auf eine typographische Herstellung hin, die um -das Jahr 1451 stattgefunden haben muss. - - Die Ablassbriefe. - -Am 12. Aug. 1451 bewilligte der Papst Nikolaus □v.□ denjenigen, welche -zur Unterstützung des Königreichs Cypern in seinem Krieg gegen die -Türken Geld spendeten, einen allgemeinen Ablass, der für die drei -Jahre vom 1. Mai 1452 - 1. Mai 1455 erteilt wurde. Paulinus Zapp -(_Chappe_) besorgte von Mainz aus den Vertrieb der Ablassbriefe für -Deutschland. Das Geschäft wollte aber nicht recht gehen, bis, nach -dem Fall von Konstantinopel (1453), Europa aufschrak. Nunmehr nahm -der Generalinquisitor Johann von Capistran die Sache in die Hand und -predigte den Kreuzzug gegen die Türken. Jetzt fand der Ablasshandel -einen günstigeren Boden. Zur massenhaften Anfertigung dieser -„Anteilscheine auf Seligkeit“ eignete sich Gutenbergs Erfindung ganz -vorzüglich. Man liess nur den Raum für den Ort, den Tag und den Namen -des Aktieninhabers offen und die Ausstellung konnte in raschester -Weise vor sich gehen. Ein vollständig „geschriebener“ Ablassbrief aus -Lübeck, datiert vom 6. Okt. 1454, ist noch vorhanden, daneben sind -aber auch „typographisch“ hergestellte Exemplare mit der Jahreszahl -□mccccliiii□ aufgefunden. Nach dem ersten Mai 1455 waren die Urkunden -wertlos und deshalb die Pergamentblätter namentlich von den Buchbindern -benutzt, oder sie gingen im Laufe der Jahrhunderte verloren. Allmählich -sind jedoch 23 solcher Denkmale der ältesten Typographie ans Licht -gezogen, die alle aus dem Zeitraum vom 25. Nov. 1454 bis zum 30. April -1455 stammen. Aus diesen geht hervor, dass Gutenberg im Jahre 1454 -wenigstens zwei Schriftgattungen besessen hat: die grosse Donattype und -eine kleinere, die jedoch zu keinem Buche von ihm benutzt wurde. - - Bibeldruck. - -Mit Resultaten wie die erwähnten war Gutenberg jedoch nicht zufrieden; -sein Sinn trachtete nach einem grösseren Ziele. Und welches Ziel -konnte der neuen Erfindung würdiger sein, als die Verallgemeinerung der -heiligen Schrift. Wir stehen nun vor einem der wichtigsten der vielen, -noch dunklen Punkte in der Erfindungsgeschichte. - - Welche Bibel ist - die erste? - -Es liegen zwei Bibeln vor, über welche Meinungsverschiedenheit -obwaltet: die „42zeilige“ (die sogenannte „Mazarinsche“), unzweifelhaft -von Gutenberg und Fust begonnene und von Fust und Schöffer vollendete, -und die „36zeilige“ (die „Schellhornsche“)[1]. Welcher von beiden -gebührt die Priorität? Früher wurde diese allgemein der 42zeiligen -zugesprochen und die 36zeilige Bibel als ein Druck Alb. Pfisters in -Bamberg betrachtet. Alle neueren Forscher jedoch, Didot, Weigel und -Zestermann, Madden, de Vinne, van der Linde, sind darin einig, dass -die 36zeilige Bibel die erste sei und ebenfalls aus Gutenbergs Offizin -stamme. Diese neuere Ansicht wird durch eine, aus der Schöfferschen -Druckerei direkt stammende Überlieferung bestätigt, welche Ulrich Zell -nach Köln brachte und die 1499 gedruckt erschien. Hiernach wäre die -erste Bibel die mit den „grossen Missalbuchstaben“ gedruckte d. i. -die „36zeilige“. Dieselben Typen, die für den erwähnten Donat dienten, -wurden 1454 zu: „Eyn manūg d' christēheit widd' die Durkē“ verwendet -und gingen wahrscheinlich später in den Besitz Pfisters in Bamberg -über. Dies mag Veranlassung zu der Annahme gegeben haben, dass die -36zeilige Bibel aus Pfisters Offizin stamme, wogegen jedoch dessen -sonstige typographische Leistungen und viele äussere Umstände und -innere Gründe entschieden sprechen. - - [1] „Mazarinsche“, weil das erste Exemplar in der Bibliothek - des Kardinal Mazarin entdeckt wurde; „Schellhornsche“, - weil der Superintendent Schellhorn besonders bemüht war, - derselben ihr Recht als ein Werk Gutenbergs zu wahren. - - Die 36zeilige - Bibel. - -Die 36□zeilige Bibel□ umfasst 881 Blätter oder 1762 zweispaltige -Seiten, zumeist in Lagen von 5 Bogen gefalzt, und ist in der Regel in -drei Bände gebunden. Zum Zweck der kalligraphischen Ergänzung sind die -Räume für die grossen Initialen freigelassen. Die neue Kunst wollte -eine genaue Reproduktion der Manuskripte geben. Deshalb wurden auch die -Drucklettern den geschriebenen Buchstaben mit den vielen Abbreviaturen -nachgebildet. Was in Druck nicht nachgeahmt werden konnte, wurde -hineingezeichnet. Eine beabsichtigte Täuschung hierin erblicken zu -wollen dürfte kaum zutreffend sein; man wagte es einfach nicht von -dem herrschenden Geschmack abzugehen. Ähnliches findet man noch heute -bei den für den Orient bestimmten Druckschriften, deren Schwierigkeit -hauptsächlich darin liegt, dass alle Abwechselungen der Handschrift -genau nachgebildet werden müssen. Das Druckjahr der 36zeiligen Bibel -ist nicht zu entdecken gewesen. Ein rubriziertes Exemplar in Paris -trägt das Datum 1461. Dies würde allerdings sehr gegen die Priorität -dieser Ausgabe sprechen, wenn es nicht auch sonst vorkäme, dass -Exemplare eines Buches erst später rubriziert wurden. Im Jahre 1460 -hatte man schon Blätter dieser Bibel als Makulatur benutzt. Die ersten -Bogen zeigen in technischer Beziehung noch Unsicherheit, der Druck ist -sehr stark, das Register steht nicht gut, und auch andere Mängel sind -sichtbar, der spätere Teil ist besser gearbeitet[2]. - - [2] Exemplare besitzen Leipzig, Jena, Stuttgart, Wolfenbüttel. - - Die 42zeilige - Bibel. - -Sollte die 36zeilige Bibel die erste und somit die zuerst aufgefundene -42□zeilige Bibel□ dem Alter nach die zweite gewesen sein, so bleibt -sie nichtsdestoweniger ein höchst ehrwürdiges und bedeutendes -Druckmonument. Es ist ein zweibändiger Foliant von 324 und 317, -im ganzen also von 641 Blättern von zweispaltigen Zeilen. Die 66 -Lagen bestehen meist aus je fünf Bogen (Quinternionen). Gedruckte -Seitenzahlen, Signaturen, Kustoden und Initialen fehlen. Ein -rubriziertes Exemplar ist mit dem Datum 24. Aug. 1456 bezeichnet. Man -hat Exemplare sowohl auf Pergament wie auf Papier. Die auf Pergament -gedruckten Exemplare, von denen man sechs kennt (davon je eins in -Leipzig und Berlin), sind mit brillant ausgemalten Initialen mit -Goldverzierungen geschmückt; die auf Papier gedruckten, von welchen -neun erhalten wurden (darunter in Frankfurt a. M., Leipzig, München, -Wien), haben wechselnd rote und blaue Initialen. - - Peter Schöffer. - -Einen tüchtigen Mitarbeiter fanden Gutenberg und Fust in □Peter -Schöffer□. Im Prinzip hatte Gutenberg die Erfindung allein vollbracht, -aber in der technischen Ausführung der Einzelnheiten mag vieles -noch gefehlt haben. Die Stempel und Formen (Matrizen) waren noch -unvollkommen. Die Schärfe der Typen verlor sich schnell auf Grund -der Weichheit des Metalls für die Schrift und die Matern; auch die -Zeichnung und der Schnitt der Stempel (Patrizen) liessen zu wünschen -übrig. Hier scheint nun Peter Schöffer zum Vorteil der Kunst energisch -eingegriffen zu haben. - -Schöffer[3] war in Gernsheim zwischen 1420 und 1430 geboren. Näheres -über seine Familie und seine Jugend ist nicht bekannt, nur dass -er sich zuerst der Jurisprudenz widmete und sich längere Zeit in -Paris aufhielt, wo er sich einen Ruf als tüchtiger Illuminator und -Rubrikator erwarb. Nach Mainz scheint er in dem Jahre 1450 oder 1451 -gekommen zu sein, wahrscheinlich um in den erwähnten Eigenschaften -in der Gutenbergschen Offizin zu wirken. Hier hat er nun mutmasslich -weitergehende Talente entwickelt, ohne dass es sich jedoch genau -feststellen lässt, wie weit seine Thätigkeit sich erstreckte. -Jedenfalls hat er die Form der Buchstaben verbessert, ein grösseres -Ebenmass derselben sowie auch eine bessere Legierung des Schriftmetalls -veranlasst, und einen schöneren Schnitt der Stempel in härterem -Metall (Stahl) eingeführt, wodurch man in den Stand gesetzt wurde, -dieselben in kupferne Matrizen einzutreiben. Kurz: hat auch Schöffer -die Schriftgiesserei nicht erfunden, so bleibt ihm doch das grosse -Verdienst, sie in die Bahn gelenkt zu haben, die sie bis jetzt nicht -verlassen hat. Auch die Verbesserung der Schwärze durch Zusatz von -Firnis soll sein Werk gewesen sein. - - [3] □H. Künzel□, Peter Schöffer von Gernsheim, der Miterfinder - der Buchdruckerkunst. Darmstadt o. J. - -Dass die Verdienste Schöffers nicht klein sein konnten, lässt sich -schon daraus schliessen, dass der angesehene und wohlhabende Fust -kein Bedenken trug, dem armen Schreiber seine Tochter Christine zur -Ehefrau zu geben. Diese Tüchtigkeit und dieses Zutrauen, welches Fust -in Schöffer setzte, sollten leider Gutenberg verderblich werden, denn -sie gaben Fust die Zuversicht, feindlich gegen ihn aufzutreten. Für -Schöffers Beteiligung bei diesen Schritten liegt kein Beweis vor; -zweideutig jedoch hat er sich wenigstens insofern gezeigt, als er -später auf Kosten Gutenbergs sich die Ehre der Erfindung anzueignen -versuchte. - - Fust klagt gegen - Gutenberg. - -Mag nun sein, dass die Auslagen zu gross und die Auflagen zu klein, -oder, dass Gutenberg in der praktischen Geschäftsführung nicht der -rechte Mann gewesen, die neue Kunst hatte trotz aller technischen -Fortschritte keinen finanziellen Erfolg gehabt. Es kam soweit, dass -Fust Klage gegen Gutenberg erhob. Er forderte: - - Erstes eingeschossenes Kapital: 800 Goldgulden - Zinsen darauf: 250 " - Zweites Kapital: 800 " - Zinsen darauf: 140 " - Zins vom Zins: 36 " - ------------------------------ - zusammen 2026 Goldgulden. - -Gutenberg machte dagegen geltend, 1) dass Zinsen von den 800 Gulden -zwar in dem Dokument festgestellt seien, dass aber Fust versprochen -habe, solche nicht zu erheben; 2) dass die ersten 800 Gulden nicht -voll eingezahlt gewesen; 3) dass er in Betreff der zweiten 800 -Gulden zwar die Verantwortung, nicht aber Zinsen zu tragen habe; -4) dass die zugesagten 300 Gulden jährliches Betriebskapital nicht -entrichtet worden seien. Hiergegen wird Fust der Eid auferlegt, -welchen er leistet, und Gutenberg, der nicht persönlich erschienen -war, wird am 6. Nov. 1455 zur Zahlung verurteilt. Auf Fusts Verlangen -stellte der Kleriker und Notar Ulrich Helmasperger eine Urkunde -über die Verhandlung auf, welche ein wichtiges Dokument in der -Erfindungsgeschichte bildet. - - Trennung Guten- - bergs und Fusts. - -Der Vertrag zwischen Gutenberg und Fust hatte somit seine Endschaft -erreicht; wie sich jedoch die schliessliche Auseinandersetzung -gestaltet hat, ist nicht bekannt. Aus später erschienenen Druckwerken -geht hervor, dass die Typen der noch nicht vollendeten 42zeiligen -Bibel auf Fust übergegangen sind, dass Gutenberg dagegen die Typen der -36zeiligen behielt. Denn nach dem Tode Fusts druckte sein Nachfolger -Peter Schöffer mit der zuerst erwähnten Schrift einen Donat, während -gegen Ende des Jahres 1456 mit den zuletzt genannten Typen ein Kalender -auf das Jahr 1457 fertiggestellt wurde. - - Gutenbergs - weitere Wirk- - samkeit. - -Gutenbergs Mut war durch den ihm beigebrachten Schlag nicht -erschüttert, und es scheint ihm nicht einmal schwer geworden zu -sein, wieder in Besitz von Betriebsmitteln zu kommen. Zwar wurde auch -diesmal eine Verpfändung notwendig, aber sein Gläubiger Conrad Humery, -„der Stadt Mainz Pfaff und Jurist“, war ein verständiger, Gutenberg -wohlgesinnter Mann. Gutenberg fertigte ganz neue Typen an und druckte -mit diesen zuerst zwei kleine undatierte Schriften: _Matthäus de -Cracovia, tractatus racionis et consciencie_, 22 Blatt in Quarto, und -_Thomas de Aquino, Summa de articulis fidei_, 12 Blatt in Quarto. Dann -aber brachte er im Jahre 1460 mit der neuen Schrift ein Riesenwerk -zustande, einen Folianten von 373 zweispaltig und eng gedruckten -Blättern (ohne Signatur, Kustoden und Seitenzahlen). Diese bedeutende -Leistung war die berühmte erste Ausgabe des Joannis de Janua: _Summa -quae vocatur Catholicon_. Den Anfang bildete eine lateinische Grammatik -in vier Abteilungen (64 Blatt), dann folgt als fünfter Teil ein -lateinisches Lexikon. Am Ende des Buchstaben I (Blatt 189 rechte Seite) -steht gedruckt das Wort _sequitur_ und darunter geschrieben _in alio -folio_; die Rückseite des Blattes ist weiss gelassen und somit konnte -das Werk in zwei Bände gebunden werden. - - Gutenbergs ein- - zige Ansprache. - -Zum Schluss des Werkes ergreift der Erfinder selbst, jedoch ohne seinen -Namen zu nennen, zum ersten, zugleich zum letzten male das Wort. Die -Schlussschrift (_Kolophon_) ist lateinisch und lautet übersetzt[4]: - - „Unter dem Beistande des Allerhöchsten, auf dessen Wink - die Zungen der Kinder beredt werden und der oft den Kleinen - offenbart, was er den Weisen verbirgt, ist dieses vortreffliche - Buch _Catholicon_ im Jahre der Menschwerdung des Herrn □mcccclx□ - in der guten, der ruhmwürdigen deutschen Nation angehörigen Stadt - Mainz, welche die Gnade Gottes mit so hehrem Geisteslichte und - freiem Gnadengeschenke den anderen Völkern der Erde vorzuziehen - und zu verherrlichen gewürdigt hat, gedruckt und zustande - gebracht worden, und zwar nicht mittels des Rohres, des Griffels - oder der Feder, sondern durch das bewundernswerte Zusammenpassen, - Verhältnis und Ebenmass der Patronen und Formen[5].“ - - [4] Nach □J. Wetters□ Uebersetzung. Krit. Gesch. S. 319. - - [5] Patrizen. -- Matrizen. - -So spricht sich der Erfinder selbst über die Erfindung aus. Es ist -kaum anzunehmen, dass er sich nur aus Bescheidenheit oder aus falschem -Stolz nicht genannt haben sollte, oder gar aus Verdruss, weil seine -Leistungen durch die Schöffers überflügelt waren. Wir müssen leider -eher glauben, dass derjenige, der für andere die Goldminen entdeckt -hatte, nicht in der Lage war, seinen Namen nennen zu dürfen, mögen nun -die Gründe in einem noch nicht geregelten Verhältnis zu Fust oder in -seiner neuen Stellung zu Humery oder sonst wo gelegen haben. - - Gutenberg in - Eltville. - -Aus dem Jahre 1461 haben wir noch einen Ablassbrief, mit den Typen des -Catholicons gedruckt. Dann kam das für Mainz und die junge Kunst so -verhängnisvolle Jahr 1462. Der Erzbischof von Mainz, Diether, Graf zu -Isenburg, war von Kaiser und Papst abgesetzt. Die Domherren wählten den -Grafen Adolf von Nassau; die Bürger aber nahmen Partei für Diether. -In der Nacht vom 27. zum 28. Oktober 1462 erstürmte Adolf die Stadt. -Hunderte von Bürgern fielen, andere wurden ausgeplündert und vertrieben -und ihre Häuser verwüstet. Dies Schicksal traf auch die Offizin -Fust und Schöffers. Mainz war in wenigen Tagen entvölkert und seiner -Privilegien beraubt. Handel und Gewerbe lagen auf lange darnieder und -von einer weiteren Ausdehnung der Buchdruckereien in Mainz konnte -vorläufig keine Rede sein. Obwohl die Offizin Gutenbergs verschont -geblieben war, da der Besitzer zum Grafen hielt, so musste er doch -mit seiner Druckerei auswandern. Er führte dieselbe nach Eltville, der -Residenz Adolfs, über. - - Gutenberg tritt - in Hofdienst. - -Am 15. Januar 1465 wurde er zum Hofdienstmann des Grafen auf Lebenszeit -ernannt. Als solcher hatte er jährlich die Hofkleidung eines Edlen, -für sein Haus zwanzig Malter Korn und zwei Fuder Wein steuerfrei. -Wachdienst, Einschätzung u. s. w. ward ihm auf immer erlassen. Da die -Hofdienstmänner für ihre Person freien Tisch am Hoflager und für ihre -Pferde Futter erhielten, so dürfen wir uns Gutenberg wenigstens nicht -als von materiellen Sorgen zu seinem Lebensende gequält vorstellen. -Seine Offizin hatte er pachtweise seinen Verwandten □Heinrich□ und -□Nikolaus Bechtermünze□ überlassen. - - Gutenbergs - Tod. - -Gutenberg starb in der Zeit zwischen dem 24. Nov. 1467 und dem -24. Febr. 1468 und wurde aller Wahrscheinlichkeit nach in der -Dominikanerkirche[6] zu Mainz begraben. Diese ging in der Nacht vom 20. -zum 21. Juli 1793 bei der Beschiessung von Mainz durch die Franzosen -in Flammen auf und auch die an derselben Stelle errichtete Fruchthalle -brannte (1875) nieder. - - [6] □Dr. K. G. Bockenheimer□, Gutenbergs Grabstätte. Mainz - 1876. - - Fortführung des - Geschäfts durch - Bechtermünze. - -Am 24. Febr. 1468 bescheinigt Humery, dass der Graf ihm den Vorrat -der zu Gutenbergs Nachlass gehörenden Formen, Buchstaben und -Werkzeuge verabfolgt habe. Gleichzeitig verpflichtet sich Humery, -den betreffenden Apparat nur in der Stadt Mainz zu benutzen. Sollte -er jedoch denselben verkaufen und ein Mainzer Bürger soviel dafür -geben wollen, wie ein Fremder, dann gebühre dem Mainzer der Vorzug. -Aus dieser Fürsorge Adolfs muss man schliessen, dass er Gutenberg -sehr zugethan und dass dessen Aufnahme an seinem Hofe eine Belohnung -gewesen, entweder für die Verdienste Gutenbergs im allgemeinen oder um -ihn selbst insbesondere. - -Die Offizin ging in den vollständigen Besitz des □Nikolaus -Bechtermünze□ über, dessen Bruder Heinrich bereits 1467 verstorben war. -Nikolaus setzte das Geschäft bis 1477 in Verbindung mit einem anderen -Patrizier □Wigand Spiess□ von Ortenberg fort. Gegen das neu aufgeblühte -Geschäft Fust und Schöffers aufzukommen mag wohl schwer gewesen sein. -Die ersten Drucke der neuen Offizin waren mit den Typen des Catholicons -ausgeführt. - - Weitere Schicksale - der Offizin - Gutenbergs. - -Nach dem Tode des Nikolaus überliessen seine Erben das sämtliche -Material der Brüderschaft des gemeinsamen Lebens zu Marienthal in -der Nähe von Eltville. Von diesen kam es 1508 an □Fr. Hewmann□ aus -Nürnberg, Buchdrucker im Kirschgarten zu Mainz. Beim genauen Durchgehen -eines Buches aus dessen Offizin soll die älteste Type Gutenbergs aus -den Ablassbriefen von 1454 und 1455 und der 36zeiligen Bibel wieder -erkannt worden sein, während die Nachfolger Gutenbergs bis dahin von -dessen Typen nur die des Catholicons benutzt hatten[7]. - - [7] □Henri Helbig□, _Une découverte pour l'histoire de - l'imprimerie_. Bruxelles 1855. - - Gutenbergs - Andenken. - -Hiermit nehmen wir Abschied von Gutenberg und dessen Offizin. Das erste -äussere Andenken an ihn wurde 1504 von Ivo Wittig gestiftet und bestand -in einem Denkstein im Hofe „Zum Gutenberg“. Seitdem hatte Mainz seinen -grossen Bürger ganz vergessen und die typographischen Schätze von Mainz -waren in ausgedehntester Weise verschleudert. Die Stadt musste die -Demütigung erleben, dass der französische Präfekt Jeanbon-St.-André -1804 den ersten Vorschlag machte, Gutenberg ein Denkmal zu setzen, zu -dem ganz Europa beitragen sollte, und dass Napoleon im Sept. 1804 in -Mainz dekretierte, dass ein grosser Gutenbergplatz geschaffen werden -sollte. Es blieb allerdings beim Dekret. Erst die mit vielem Pomp, -1821, in Haarlem begangene vierte Säkularfeier der, von den Holländern -für sich in Anspruch genommenen Erfindung der Buchdruckerkunst war -imstande Gutenbergs Vaterstadt aufzurütteln. Die Kasinogesellschaft -liess ihrem neu eingeweihten Hause den ursprünglichen Namen „Zum -Gutenberg“ wiedergeben und eine goldene Inschrift über das Eingangsthor -setzen. Am 24. Oktb. 1824 folgte ein Denkstein im Garten. Im Hofe -selbst stiftete der Kunstverein ein Standbild in Sandstein, den -„Ritter“ Gutenberg, eine Satzform haltend, darstellend. - - Die Denkmäler - Gutenbergs. - -Im Jahre 1831 erging ein Aufruf „an die gebildete Welt“ zur Errichtung -eines erhabenen Monuments zur Säkular-Feier der Buchdruckerkunst -1836![8] Es wurde eine Aufforderung an die Künstler der Plastik -erlassen, Entwürfe einzusenden, „um dann das beste aus jedem zu -benutzen“. Thorwaldsen erklärte 1832 die Ausführung eines, für den -Erzguss berechneten Modells ohne Entgelt übernehmen zu wollen, jedoch -ohne Konkurrenz. Der Vorschlag wurde angenommen und Crozatier in Paris -mit dem Guss betraut. Die feierliche Einweihung fand am 17. Aug. 1837 -statt[9]. - - [8] Diese Jahreszahl war eine Marotte von dem um das Andenken - und die Ehrenrettung Gutenbergs so verdienten □A. C. - A.□ Schaab, die er selbst als solche anerkannte, aber - trotzdem aufrecht hielt. - - [9] Ausführlicheres über die Denkmal-Angelegenheit, die - Inaugurationsfeier und die vierhundertjährige Feier - der Erfindung 1840 ist in □Meyers□ „Journal der - Buchdruckerkunst“, Jahrgang 1836 und 1840, enthalten. - -Seit dem 24. Juni 1840 besitzt auch Strassburg auf dem Gutenbergsplatz -ein Standbild des Erfinders, von David modelliert und von Soyez & -Ingé in Paris gegossen. Ein drittes schönes Denkmal von Herrn von der -Launitz in Frankfurt a. M. zeigt Gutenberg, Fust und Schöffer in einer -Einigkeit, wie sie bei ihren Lebzeiten so sehr erwünscht gewesen wäre, -die jedoch auf dem Denkmal fast wie eine Satire aussieht. - -„Alles zusammengenommen“, so sagt Dr. van der Linde, „existiert noch -kein der Erfindung der Typographie entsprechendes Monument. Gleichwie -das nächste Jahrhundert bei seiner Säkularfeier den schlüpfrigen -Boden der Sage zu verlassen und sich auf den Felsen der Geschichte zu -stellen, das heisst, das erste halbe Jahrtausend der Typographie - - •1450-1950• - -zu feiern hat, so errichte auch das neu entstandene Deutsche -Reich entweder in seiner politischen Hauptstadt □Berlin□ oder in -seiner typographischen Hauptstadt □Leipzig□ ein grossartiges, alle -Kleinkrämerei beschämendes □Gutenberg-Monument□.“ - - - - -[Illustration:Kapitelanfang] - -III. KAPITEL. - -DIE VERBREITUNG DER BUCHDRUCKERKUNST IN DEUTSCHLAND. - - Schnelle Verbreitung der Kunst. Die Nachfolger Gutenbergs in Mainz. - Peter Schöffer und seine Nachkommen. Ulm. Beromünster. Basel. - Bamberg, Albrecht Pfister. Augsburg. Nürnberg. Wien. Der Norden: - Köln, Münster, Magdeburg, Leipzig. - - - Art der Verbrei- - tung der Kunst. - -ES ist eins der Hauptwunder der überhaupt wunderbaren Geschichte -der Buchdruckerkunst, dass sie sich in einer verhältnismässig so -kurzen Zeit von 1455-1475 beinahe über das ganze zivilisierte Europa -verbreitete. Zwar liegt es auf der Hand, dass eine so wichtige -Erfindung, nachdem sie einmal in den ersten Erzeugnissen der Presse -ans Licht getreten war, auch von Anderen erfasst werden und, durch -kein Gesetz geschützt, sofort Nachahmung finden würde. Vergleichen wir -jedoch ihr schnelles Vordringen mit dem Gang der grossen Erfindungen -der neueren Zeit, z. B. der Gasbeleuchtung oder der Eisenbahnen, so -wird man finden, dass letztere, obwohl durch viele mitwirkende Umstände -unterstützt, sich nicht so schnell Bahn gebrochen haben wie die -Buchdruckerkunst. - -Und wie geschah dieses Wunder? - -Zu einer Zeit, wo das Reisen ein so beschwerliches und gefahrvolles -Unternehmen war, wie wir es uns jetzt nicht mehr recht vorstellen -können, bahnten ausdauernde deutsche Arbeiter, die unermüdlichen -Pioniere der Erfindung, sich ihren Weg über die weiten Gefilde -Deutschlands und Frankreichs, ja überschritten die Alpen und -die Pyrenäen, um die Fahne der neuen Kunst in fremden Ländern -aufzupflanzen. Es war, als ob Gutenberg ihnen einen unwiderstehlichen -Talisman vermacht hätte, durch welchen Deutschland bestimmt wurde, -die Wiege der Reformation zu werden und den Weg für jegliche Art des -Fortschrittes im Vaterlande sowohl wie in fremden Ländern zu ebnen. - -War auch die Absicht, den Lebensunterhalt zu verdienen, die -erste Triebfeder der Jünger Gutenbergs gewesen, so ist doch die -Unermüdlichkeit, mit der sie, das Geheimnis der neuen Kunst mit sich -führend, nach den fernsten Teilen Europas drangen, der höchsten -Bewunderung wert. Ein gewisser berechtigter Künstlerstolz und ein -achtungswerter Ehrgeiz erwarben ihnen Zuneigung und Vertrauen, wo sie -erschienen. Mit Energie verfolgten sie ihr Ziel ohne Rücksicht auf -Hindernisse und Gefahren, als furchtlose Apostel und prädestinierte -Verbreiter eines neuen Glaubens, von dem sie durchdrungen und -begeistert waren[1]. - - [1] Worte eines Engländers □H. Noel Humphreys□, in seiner - _History of the art of printing_. - -Folgen wir nun diesen begeisterten Jüngern auf ihren Wegen -in Deutschland und in den fremden Ländern bis zum Schluss des -Jahrhunderts, nachdem wir erst Kenntnis von dem Fortschreiten der -Druckerei von Fust und Schöffer genommen. - - * * * * * - - Fust und - Schöffers Offizin - in Mainz. - -Im Besitz des neuen Gutenbergschen Materials und der genügenden -Geldmittel, mit der technischen Tüchtigkeit verbunden, gelang es bald -Fust und Schöffer, den Erfinder der Kunst zu überflügeln und nach der -kurzen Zeit von noch nicht zwei Jahren eine grossartige Leistung der -Typographie zu vollenden: das Psalterium von 1457. Dieses Druckwerk -ist das erste, welches mit der Angabe des Druckers, des Druckortes, -der Jahreszahl und des Datums (14. Aug. 1457) zugleich mit farbigen -Initialen versehen ist, während Seitenzahl, Signatur und Kustoden immer -noch fehlen. Man kennt 6 Exemplare, von denen drei 175, die anderen -nur 143 resp. 136 Blätter zählen. Als unvollständig können letztere -jedoch nicht bezeichnet werden, da alle den Schlusssatz enthalten. Die -Auslassungen geschahen wahrscheinlich aus Sparsamkeitsrücksichten, um -nicht zu viel Pergament zu verbrauchen[2]. - - [2] Es befindet sich je eins der Exemplare in Darmstadt, - Dresden (nicht vollständig) und Wien (sehr schön und - vollständig). - - Das Psalterium - von 1457. - -Dreihundertundsechs grosse Initialen, in rot und blau gedruckt, -schmücken das kostbare, der starken Benutzung wegen nur auf Pergament -gedruckte Buch. Eine Hauptzierde ist das, den Text anfangende Initial -•B•. Der eigentliche Körper des Buchstabens bildet ein Viereck -von 9 cm Höhe und Breite, rechnet man jedoch die Ausläufer mit zur -Höhe, so beträgt diese 31 cm. Die Ornamentierung trägt einen maurischen -Charakter und ist wahrscheinlich einem spanischen Manuskripte -nachgebildet. Über die Herstellung dieser farbigen Initialen sind die -Kenner nicht einig. Die vollendete Genauigkeit des Passens schliesst, -bei den damaligen technischen Hülfsmitteln, den Gedanken an einen -Doppeldruck aus. Einige halten dafür, dass die Holzschnitte in einzelne -Teile nach den Farben zerlegt, diese einzeln eingefärbt, und dann, in -einander gefügt, mit Einem Druck hergestellt sind, ganz in der Art des, -zu Anfang unseres Jahrhunderts entstandenen Congrevedruckes. Andere -behaupten, die Holzschnitte seien blind in den Bogen gepresst und -nachher ausgemalt und wollen überhaupt an vielen Stellen des Textes -eine Übermalung weniger gut gedruckter Sätze und Buchstaben entdeckt -haben. Wie dem auch sei, so ist die Ausführung der Doppelfärbung -eine technisch vollendete. Ohne Mängel ist das Werk dennoch nicht, -namentlich ist der Ausschluss ein unregelmässiger und haben die -Zeilen verschiedene Länge; auch Druckfehler, selbst so auffälliger -Natur wie _spalmorum_ statt _psalmorum_ in der ersten Zeile des -Schlusswortes, kommen vor. Merkwürdig ist es überhaupt, dass gerade die -Schlussworte der alten Drucke nicht selten Fehler aufzuweisen haben; -namentlich in Bezug auf Jahreszahlen, was mitunter zu den sonderbarsten -Schlussfolgerungen für die Geschichte der Buchdruckerkunst Anlass -gegeben hat. - -Zugegeben, dass die ganze blendende Pracht der Erscheinung die, an -unseren nüchternen Buchdruck gewöhnten Beschauer befangen gemacht -und sie veranlasst hat, die Mängel zu übersehen und alles für -unübertrefflich zu halten, so kann man doch das Psalterium nur als ein -Wunderwerk ansehen, wenn man bedenkt, dass es nur wenige Jahre nach -der Erfindung erschien. Über diesen so schnellen Aufschwung muss man -staunen und bekennen, dass die vier Jahrhunderte, die seit der Zeit -vergangen sind, zwar in der technischen Tüchtigkeit und Korrektheit -des Materials grosse Fortschritte gemacht haben, in der eigentlichen -Kunst jedoch verhältnismässig wenige; ja wir möchten bezweifeln, dass -ein Meisterwerk von heute nach 400 Jahren ein so jugendliches Gepräge -besitzen wird, wie das Psalterium heute zur Schau trägt. Fasst man -ausserdem ins Auge, dass dies Werk kaum 21 Monate nach der Trennung -Fust und Schöffers von Gutenberg ausgegeben werden konnte, so liegt -der Gedanke nahe, dass die Anfänge schon aus der Zeit der Verbindung -stammen, worauf auch die von der sonstigen Schöfferschen abweichende -Schrift und die Ausstattungsart hinweisen. - -Bereits im Jahre 1459 erschien eine zweite Auflage in etwas -vergrössertem Format, von der man zwölf Exemplare kennt. Eine dritte -folgte 1490; eine vierte 1502; die fünfte, aus dem Jahre 1516, stammt -aus der Offizin des jüngeren Schöffer. - - Weitere Druck- - werke Fusts und - Schöffers. - -Am 6. Oktober 1459 vollendeten Fust und Schöffer _Durandi, Rationale -divinorum officiorum_, welches mit neuen Typen Schöffers gesetzt wurde. -Am 25. Juni 1460 erschienen: _Constitutiones Clementi V_. Im Frühjahr -1462 druckten Fust und Schöffer die erste politische Flugschrift in -Brief- (Plakat-)Form, das Manifest Diethers von Isenburg gegen Adolf -von Nassau, welches verhängnisvoll für ihre Druckerei werden sollte. - - Die 48zeilige - Bibel. - -Das vierte der grossen Mainzer Druckmonumente (vorausgesetzt, dass -die 36zeilige Bibel das erste gewesen), war die, fünf Jahre nach -dem Psalterium erschienene „_Biblia sacra latina_“ („Die 48zeilige“ -genannt). Dies Werk bildet zwei Foliobände von je 242 und 239 -zweispaltigen Blättern zu 48 Zeilen. Die Exemplare sind teils auf -Pergament, teils auf Papier gedruckt; in die ersteren sind die -Initialen hineingemalt, in den letzteren fehlen sie gewöhnlich. Gegen -siebenzig Exemplare dieses Druckwerkes, welches sowohl durch seine -typographische Schönheit, wie auch als erste vollständig datierte Bibel -einen Hauptrang einnimmt, sind erhalten. - -So wenig wie Gutenberg früher den Mut verlor, so wenig war es mit Fust -und Schöffer der Fall, als ihre Offizin in der Nacht vom 27.-28. Okt. -bei der Eroberung von Mainz durch den Grafen Adolf 1462 verwüstet wurde -und in Flammen aufging. - - Fust † um 1466. - -Schon 1465 ward die Herausgabe von „_Cicero de officiis_“ unternommen, -worin zum erstenmale griechische Schriften, jedoch in Holz geschnitten, -verwendet wurden. Im Sommer 1466 war Fust, um den Verkauf der -Verlagswerke zu betreiben, nach Paris gereist. In dem folgenden Jahre -war er nicht mehr am Leben; wahrscheinlich ist er in Paris, wo damals -die Pest hauste, gestorben. - -Schöffer setzte nun das Geschäft allein fort. Unter seinen Druckwerken -ist noch die am 24. Mai 1468 erschienene herrliche Ausgabe von: -„_Justiniani Institutiones cum glossa_“ zu nennen, in deren -Schlussschrift er sich selbst auf Kosten Gutenbergs etwas gar zu -grosssprecherisch hervorhebt. - - Schwabacher - Schrift. - - Erhard Rewich. - -Ob Schöffer auch das Verdienst gehabt hat, die erste rein deutsche -Schrift, die „Schwabacher“, zu erfinden, lässt sich nicht bestimmt -ermitteln. Sie kommt zum erstenmale 1486 in Mainz zum Vorschein in dem -Werke Bernhard von Breydenbachs „Heylige reyssen gen Jerusalem“, das -bei □Erhard Rewich□ gedruckt wurde. Da Schöffer im J. 1492 die Chronik -der Sachsen mit dieser Schrift druckte und man von Rewich aus Utrecht, -der als Maler die Reisen Breydenbachs mitmachte und auf dessen Buche -als der Drucker genannt wird, in letzterer Eigenschaft sonst nichts -kennt, so dürfte die Annahme, dass Rewich nur der Herausgeber und -Peter Schöffer der Drucker und Erfinder der Schrift sei, manches für -sich haben. Andernfalls müsste man annehmen, was ja nicht als einziger -Fall dastehen würde, dass Breydenbach als reicher Mann für dieses Werk -eine eigene Druckerei von Schöffer hätte einrichten lassen. Woher -der Name „Schwabacher“ stammt, ist ebenfalls nicht ermittelt. Die -Anwendung der Schrift als Werkschrift hält sich bis in die Mitte des -□xvi.□ Jahrhunderts und man verwandte sie ebensowohl zu lateinischen -wie zu deutschen Texten. Später unterlag sie mancherlei Änderungen, -die sie der Fraktur näherführten. Als Auszeichnungsschrift findet die -Schwabacher noch bis gegen die Mitte unseres Jahrhunderts Verwendung. -Dann kam sie in Vergessenheit, um in neuester Zeit wieder als -Buchschrift aufzuleben. - - Schöffer in Paris. - -Bald hätte noch ein neuer schwerer Verlust das Schöffersche Geschäft -getroffen. Das Bücherlager, welches Fust nach Paris gebracht hatte, -wurde, nachdem Schöffers dortiger Faktor Hermann von Stathoen -ebenfalls 1475 gestorben war, als herrenloses Gut vom Fiskus in Besitz -genommen. Zur Wiedererlangung seines Eigentums reiste Schöffer selbst -nach Paris, erreichte auch glücklich sein Ziel und ernannte Conrad -Henlif[3] zu seinem Faktor. Schöffer kann eigentlich als der erste -Sortiments-Buchhändler betrachtet werden, da er nicht allein mit seinen -eigenen Druckwerken Handel trieb, sondern auch die Erzeugnisse anderer -Drucker verkaufte. - - [3] □J. Wetter□, Conrad Henlif oder Henekies. Mainz 1851. - - Schöffers Tod. - -Von 1493 erlahmt seine Thätigkeit. Das letzte Buch mit seinem Namen ist -die schon erwähnte vierte Auflage des Psalterium (21. Dez. 1502). Das -erste Buch mit dem Namen seines Sohnes ist vom 27. März 1503 datiert. -Sonach fällt der Todestag Schöffers, den man nicht genau kennt, in -diese Zwischenzeit. Am 9. Juni 1836 wurde das ihm von seiner Vaterstadt -Gernsheim errichtete Denkmal enthüllt. - - * * * * * - - Strassburg. - Joh. Mentelin. - Heinr. Eggesteyn. - -Kehren wir auf unserer Wanderung[4] nach STRASSBURG[5] zurück, so -begegnen wir als den ersten Buchdruckern dort Johann Mentelin und -Heinrich Eggesteyn. Von beiden existieren Bibeln schon aus dem Jahre -1466; jedoch ohne Nennung des Druckers und des Datums. Die ersten -datierten Drucke aus Strassburg gehören Eggesteyn an (1471) das: -_Decretum Gratiani_. 2 Bde. fol. und die: _Constitutiones Clementi V._, -ebenfalls in fol., in welchen der Drucker sagt, er habe schon unzählige -Bände gedruckt. Dass auch Mentelin um diese Zeit eine grössere -Thätigkeit entwickelt hatte, geht schon daraus hervor, dass er 1471 -einen -- den ersten überhaupt existierenden -- Verlagskatalog auf einem -Oktavblatt von 19 Zeilen herausgab[6] und dass Kaiser Friedrich □iii.□ -ihn schon 1468 auf Grund seiner Verdienste in den Adelstand erhob. -Eggesteyns Wirksamkeit endigt schon 1472; Mentelin starb 1478 und sein -Begräbnis fand unter grossen Ehren im Dome statt[7]. - - [4] Wir schlagen den geographischen Weg ein, ohne uns streng - an die chronologische Folge der Einführung der Kunst zu - halten. - - [5] □L. de Laborde□, _Débuts de l'impr. à Strassbourg_. -- - □J. D. Schöpflin□, _Vindiciae typographicae_. Strassburg - 1760. - - [6] Die Bibliothek des Börsen-Vereins in Leipzig besitzt - hiervon ein Exemplar. - - [7] Nach Madden ist Mentelin aus der Offizin der „Brüder - des gemeinsamen Lebens“ im Kloster am Weidenbach in - Köln 1463 nach Strassburg gekommen. Alle Drucke mit den - absonderlichen R, die man von vielen Seiten Mentelin - zuschreibt, will Madden nach Köln verlegen. - -Die ersten Strassburger Drucke sind weit unvollkommener als die -Mainzer, und weisen eine ganz abweichende Type auf. Es war deshalb -nicht so unnatürlich, dass man auf eine selbständige und ältere -Erfindung in Strassburg, der „Wiege der Kunst“, -- jedoch wie Schaab -richtig bemerkt „eine Wiege ohne Kind“ --, schliessen wollte. - - Die Schweiz. - Beromünster. - - Basel. - - B. Richel. - -Das benachbarte Basel, das später einen bedeutenden Platz in der -Geschichte der Typographie behauptet, nahm die Kunst bald auf. -Allgemein wird jedoch nicht Basel, sondern der Flecken BEROMÜNSTER -im Canton Luzern, eine Stunde von Sempach, wo am 9. Juli 1386 Arnold -Winkelried durch seine heldenmütige Aufopferung „der Freiheit eine -Gasse brach“, als erster Druckort der Schweiz betrachtet. In dem -dortigen berühmten Chorherrenstift des Erzengels Michael lebte ein, -durch seine Gelehrsamkeit hervorragender Mann Elias Eliae (Helias -Helie)[8] aus dem berühmten Geschlecht derer von Laufen. Derselbe -soll die Buchdruckerkunst durch □Ulr. Gering□, der später als erster -Buchdrucker in Paris wirkte, nach der Schweiz gebracht haben und dort -als erstes Buch den _Mamotrectus_ des Joh. Marchesini, ein beliebtes, -für höhere Schulen bestimmtes Wörterbuch der schwersten Ausdrücke -der Bibel, gedruckt haben. Hiergegen wird jedoch Zweifel erhoben, -und der _Mamotrectus_ soll, inklusive der Jahreszahl 1470, nur ein -Nachdruck einer Mainzer Ausgabe aus diesem Jahre sein und frühestens -1474 gedruckt, dagegen das 1472 erschienene: _Roderici, Speculum -vitæ humanæ_ das erste Buch aus Beromünsters Presse sein. Um diese -Zeit kam auch die Kunst nach BASEL[9] durch □Bartholdus de Basilea□ -(eigentlich aus Hanau). Das erste Buch mit Jahreszahl ist Magister -Konrads _Repertorium vocabularum_ von 1473. □Michael Wenssler□ und □Fr. -Biel□ druckten die Briefe Gasparinis von Bergamo ohne Jahreszahl. Eine -handschriftliche Notiz in einem Exemplar in der Baseler Stadtbibliothek -bezeichnet es als im Jahre 1472 gekauft. □Bernhard Richel□ druckte -bis 1482. Bekannt sind seine vier Ausgaben der _Vulgata_. Aus seiner -Offizin stammt auch die erste Ausgabe des „Sachsenspiegels“, des von -Eyke von Reppgowe zwischen 1215-1230 verfassten deutschen Rechtsbuches. - - [8] □J. L. Äbi□, Die Buchdruckerei in Beromünster. Einsiedeln - 1870. - - [9] □D. A. Fechter□, Beiträge zur ältesten Gesch. d. - B. in Basel. Basel 1863 (B. Taschenbuch). -- □J. - Stockmeyer□ und □B. Reber□, Beiträge zur Baseler - Buchdruckergeschichte. (Herausg. von der Hist. - Gesellsch.) Basel 1840. -- □Streuber□, Neuere Beiträge - zur Baseler Buchdruckergeschichte. Basel 1846. - -Bekannt ist ebenfalls □Johannes Bergmann von Olpe□ (1494-1499), -namentlich durch die mit 114 merkwürdigen Holzschnitten geschmückte -Ausgabe von Sebastian Brants „Narrenschiff“. Die erste Auflage dieses -oft gedruckten und nachgedruckten Buches erschien 1494. - - Joh. Ammerbach. - -Der berühmteste unter den ältern Buchdruckern Basels war □Johannes -Ammerbach□ aus Reutlingen (geb. 1434). Seine Liebe zu den -Wissenschaften führte ihn nach Paris, wo er sich dem Rektor Joh. -v. Stein anschloss. Dies mag wohl den Anstoss gegeben haben, dass -Ammerbach sich der Buchdruckerei widmete. Als _Magister artium_ kehrte -er nach Deutschland zurück, arbeitete eine zeitlang als Korrektor -bei Anton Koberger. Zwischen 1475 und 1480 eröffnete er seine -Offizin in Basel und liess sich namentlich sorgfältige Ausgaben der -hauptsächlichsten Kirchenväter angelegen sein. Er war der erste Baseler -Buchdrucker, der sich der Antiqua bediente. Unterstützt wurde er in -seinen Unternehmungen von seinen gelehrten Freunden Aug. Dodo, Conr. -Pellicanus, Beat. Rhenanus und Joh. v. Stein, der von Paris nach Basel -gezogen war. - -Den Grund, weshalb die Druckkunst in Basel so schnell Wurzel fasste, -muss man namentlich in seiner 1460 gegründeten, frisch aufblühenden -Universität suchen. Mitgewirkt hat vielleicht auch der Umstand, dass -die Papierfabrikation dort in grossem Flor stand. Bereits 1440 besass -Hans Halbysen dort eine Papiermühle. Einen besonderen Aufschwung -erhielt die Fabrikation durch die Brüder Antonius und Michael, die -Gallicianen, welche um 1470 aus Spanien eingewandert waren. - - Ulm und seine - Kunstschule. - - L. Hohenwang. - -ULM[10] war, nächst Augsburg, in der ersten Hälfte des □xv.□ -Jahrhunderts die wichtigste Stadt Schwabens und zählte über 50000 -Einwohner. Es war nicht allein durch seinen Handel reich, sondern -zeichnete sich auch durch die Pflege der Poesie und der bildenden -Künste aus. Baukunst, Holzbildnerei, Malerei, Formenschneiderei -blühten dort und die Häupter der Schwäbischen Schule Martin Schön, -Bartholomäus Zeitblom und Martin Schaffner hatten einen grossen Ruf. -Neben Anfertigung von Heiligenbildern war das Kartenmachen sehr in -Schwung und grosse Massen dieser Erzeugnisse gingen nach Italien. -Es war deshalb natürlich, dass die Buchdruckerei dort schnell Fuss -fasste. Nächst Augsburg hat Ulm die meisten Wiegendrucke aufzuweisen, -nämlich 136, unter denen 86 datierte. □Ludwig Hohenwang□ aus Elchingen -war einer der ersten Ausüber der Kunst. Er war selbst Zeichner, -Formenschneider, Schriftsteller und Drucker, der mit Holztafeldruck -anfing. Vier Ausgaben der _ars moriendi_ sollen aus seinen Pressen -hervorgegangen sein. Seine keineswegs vorzügliche Type ähnelt der -römischen und seine Bücher zeichnen sich unvorteilhaft durch die -Masse der Abbreviaturen aus, mitunter über 300 auf einer 32zeiligen -Seite. Wahrscheinlich spielte Schriftmangel dabei eine Rolle, denn man -findet, wie öfters in alten Drucken, kleine Buchstaben für grosse, oder -einander ähnliche Buchstaben als Ersatz für einander verwendet, z. B. -ein K für ein R. - - [10] Dr. □K. D. Hassler□, Die Buchdrucker-Geschichte Ulms. - Ulm 1840. -- □G. W. Zapf□, Älteste Buchdruckergeschichte - Schwabens. Ulm 1791. - - Joh. Zainer. - -Scheint es demnach nach neueren Untersuchungen, als müsse □Johannes -Zainer□ dem Genannten den Ehrenplatz als „erster“ Buchdrucker -einräumen, so ist letzterem wenigstens der Ruhm als Ulms bedeutendsten -Druckers und als eines der hervorragendsten in Deutschland gesichert. -Durch einen langen Zeitraum, von dem Anfange der siebenziger Jahre des -□xv.□ bis zur Mitte der zwanziger Jahre des □xvi.□ Jahrh., lieferte er -umfangreiche Druckwerke. Zwar hat man von ihm kein datiertes Werk älter -als 1473 aufzuweisen, da er jedoch um diese Zeit mit einer Anzahl, -zumteil Vorbereitungen aus langer Hand erfordernder Werke auftritt, so -muss er jedenfalls früher als 1473 zu wirken angefangen haben, und die -handschriftliche Notiz des Käufers eines von ihm gedruckten Buches: -„_Albertus Magnus, de adherendo deo_“, dass es 1470 gekauft sei, dürfte -auf Wahrheit beruhen. Wahrscheinlich gebührt ihm, nicht Günther Zainer -in Augsburg, der Ruhm, die Antiqua zuerst in Deutschland eingeführt zu -haben. Ob er ein Bruder des Augsburger Zainer gewesen ist, weiss man -zwar nicht, beide stammen jedoch aus Reutlingen. Überhaupt kennt man -von seinem Privatleben wenig mehr, als dass es eine Kette von Sorgen -war. - - Leonh. Holl. - -□Leonhard Holl□, Ulms dritter Buchdrucker, besass eine -Spielkartenfabrik. Seine Waren gingen bis nach Konstantinopel. Er war -der erste, der ein Werk mit in Holz geschnittenen Landkarten, worin -zumteil Typen eingesetzt werden konnten, druckte. Es war dies: _Claudii -Ptolomäi Alexandrini Cosmographia_ mit 32 Karten von Johann Schnitzer -von Armsheim ausgeführt. Pekuniären Erfolg hatte Holl davon nicht; -erst musste er das Werk versetzen, später verkaufen. Es kam darauf in -die Hände eines Venetianers Justus de Albano, der durch seinen Faktor -Johannes Reger eine neue Ausgabe druckte. - - Augsburg. - -AUGSBURGS[11] erster Buchdrucker □Günther Zainer□ (1468-1475) ist -wahrscheinlich ein Schüler Fusts oder Schöffers gewesen. Bei ihm -erschien um 1470 die erste Ausgabe von Thomas a Kempis' „Vier Bücher -von der Nachfolge Christi“, ein Buch, welches nächst der Bibel am -häufigsten aufgelegt worden ist. Eine grosse Anzahl deutscher Bücher -druckte □Johann Bämler□ (1472-1492). □Anton Sorg□ (1475-1498) gab das -erste Wappenbuch heraus, enthaltend die Wappen aller bei dem Konzil von -Constanz anwesenden Herren. Einen hochberühmten Namen erwarb sich der -Augsburger □Erhard Ratdolt□, ein fahrender Buchdrucker, dessen Namen -mit der venetianischen Buchdruckergeschichte rühmlichst verknüpft ist. -Am meisten glänzt □Hans Schönsperger der Ältere□ (1481-1523). Über -diesen sowie über Ratdolt wird später ausführlicher zu sprechen sein. - - [11] □G. C. Mezger□, Augsburgs älteste Druckdenkmale. Augsburg - 1840. -- □G. W. Zapf□, Augsburgs Buchdruckergeschichte. 2 - Teile. Augsburg 1786. - - Nürnberg. - - Antonius Ko- - berger. - -Der Vater der Typographie NÜRNBERGS[12] ist □Johann Sensenschmid□ -(1473-1478), ein durch Gelehrsamkeit und Korrektheit seiner Druckwerke -bekannter Buchdrucker, der 1478 nach Bamberg zog. Auch der berühmte -Astronom □Joh. Regiomontanus□ (Joh. Müller aus Königsberg) errichtete -in Nürnberg eine Druckerei und druckte deutsche und lateinische -Kalender. Des grössten Namens als Buchdrucker und Buchhändler erfreute -sich aber □Antonius Koberger□[13] (1473-1513). Er arbeitete mit 24 -Pressen und beschäftigte über 100 Gesellen. Man kennt 220 aus seinen -Pressen hervorgegangene Werke, beinahe alle in Folio-Format von -bedeutendem Umfange, von grosser Korrektheit und Eleganz. Allein 19 -Bibeln druckte er, darunter eine in deutscher Sprache mit gothischen -Typen und mit denselben Holzschnitten ausgestattet, die bereits in Köln -zu der niederdeutschen Bibel von 1480 verwendet waren. - - [12] □G. W. Panzer□, Älteste Buchdruckergeschichte Nürnbergs. - Nürnberg 1789. -- □J. Baader□, Beiträge z. Kunstgesch. - Nürnbergs. 2 Hefte. Nördlingen 1860-62. - - [13] □G. E. Waldau□, Leben A. Kobergers. Dresden 1786. -- □Dr. - O. Hase□, Die Koburger. Leipzig 1869. - - Der Schatzbe- - halter. - -Die Ausführung befriedigte jedoch Koberger nicht und gab ihm -Veranlassung, Schritte zu thun, um künftig auf heimischem Boden -stehen zu können. Wie rasch dies gelang, zeigt der 1491 erschienene -„Schatzbehalter des Reichtums des ewigen Heils“. Die Holzschnitte -sind zwar ungleich, je nach Fertigkeit der Holzschneider, aber die -Zeichnungen, die unzweifelhaft Michel Wohlgemut angehören, sind -durchweg mit Geschmack und künstlerischem Sinn ausgeführt, zugleich -unter Innehaltung der Grenzen, welche die noch nicht vollendete Technik -des Holzschnittes verlangte. - - Schedels - Chronik. - -Das 1493 sowohl in einer deutschen, wie in einer lateinischen -Ausgabe erschienene „Buch der Chroniken und Geschichten“ des Doktor -Hartmann Schedel ist als illustriertes Werk eins der merkwürdigsten -Presserzeugnisse des □xv.□ Jahrhunderts. Da ein Übereinkommen mit -Wohlgemut und Wilh. Pleydenwurf über die Lieferung der mehr als 2000 -in dem Buch enthaltenen Illustrationen (von den zweimal und öfter -vorkommenden abgesehen) erst 1491 getroffen wurde, so sieht man, dass -über bedeutende sowohl xylographische wie typographische Kräfte verfügt -wurde. Zum Schluss des Werkes werden die angesehenen Nürnberger Bürger -Sebald Schreyer und Sebastian Kammermaister als um die Förderung des -Werkes verdient erwähnt, ohne dass jedoch über die Art und Weise etwas -verlautet, vielleicht haben sie als reiche Kunstkenner die Kosten der -Illustrationen getragen. - -Bei dem Druck der „Reformation der Stadt Nürnberg“ (1475) wendete -Koberger eine verschönerte halbgothische Schrift an, welche der -nachherigen Fraktur sehr nahe stand und die später auch bei dem grossen -Druckwerke „Leben der Heiligen“ (1488) benutzt wurde. - - Kobergers grosse - Thätigkeit. - -Die Wirksamkeit Kobergers als Verleger war eine so grosse -- sein -Katalog zählt allein 33 Bibeln auf --, dass die Kräfte der eigenen -bedeutenden Offizin zur Herstellung aller Werke nicht zulangten und -öfters andere Offizinen in Anspruch genommen werden mussten, namentlich -die von Johannes Ammerbach in Basel. Aus Kobergers Briefwechsel[14] mit -diesem zeigt sichs, wie umsichtig er für alles besorgt war, und mit -Recht allgemein den Ruf eines ungemein fleissigen, ordnungsliebenden -und pünktlichen Mannes genoss. - - [14] Als Vorläufer einer zweiten Auflage seines Buches über - die Koberger, zugleich als Weihgeschenk zu dem 25jährigen - Jubiläum des, um die Geschichte des Buchhandels - hochverdienten Dr. Albr. Kirchhoff, liess Dr. Hase - (einer der Chefs der Firma Breitkopf & Härtel) ein: - _Brieffbuch der Koberger zw Nurmbergk_, Leipzig 1881 - (in 25 Expl.) erscheinen, das namentlich Briefe des - Ant. Koberger an Joh. Ammerbach in Basel enthält. Diese - Briefe erstrecken sich über die Jahre 1493-1509, werden - aber von 1504 ab immer sparsamer und kürzer, der letzte - und einzige Brief aus 1509, „dem Erbern weisen meyster - Hanssen Froben zw bassell meinem Sundern gunstigen guten - Freund“ geschrieben, schliesst, das Obengesagte von der - Fürsorge Kobergers bestätigend: „Lieber meyster Hans jch - bitt euch wollet gute Fass machen lassen Die starck vnd - Dick von holcz sind wan es ist So grawsam wetter bey vnss - von regen vnd von schne Das gleichen kein man gedenkt - Jch hab euch gancz eyllet geschrieben Die furlewt seyn - wegfertig“. - -Selbst bei dieser grossen Verlagsthätigkeit ruhte Koberger nicht. Er -trieb zugleich einen ausgedehnten Sortimentshandel, hatte an mehreren -Orten Filialen und Agenten, ja es scheint sogar, als habe er sich -auch mit anderen als buchhändlerischen Geschäften befasst. Diese seine -Thätigkeit brachte ihm Ansehen und goldene Früchte. Auch im häuslichen -Leben war er gesegnet und hatte von seinen zwei Frauen mehr als zwanzig -Kinder, von denen einige ebenfalls eine bedeutende geschäftliche -Wirksamkeit entfalteten. Er starb im J. 1513. - - Bamberg. - Albr. Pfister. - -In BAMBERG[15] wirkte □Albrecht Pfister□ (geb. um 1420; gest. um 1470), -von vielen für einen selbständigen Erfinder der Buchdruckerkunst -und den Drucker der 36zeiligen Bibel gehalten. Als Beweis wird -die Identität der Typen dieses Werkes mit denen des Bonerschen -„Fabelbuches“ (1461), der „vier Historien“ (1462), sowie des „Belial“, -welche Pfisters Namen tragen, angeführt. Dagegen spricht entschieden -die typographisch sehr niedrig stehende Ausführung sämtlicher -Druckwerke Pfisters. Wer die 36zeilige Bibel gedruckt hat, wird -schwerlich als Künstler so tief sinken. Die Typen kann Pfister ja recht -wohl von Gutenberg erworben haben. - - [15] □Placidius Sprenger□, Älteste Buchdruckergeschichte von - Bamberg. Nürnberg 1800. -- □H. I. Jæck□, Jubelschrift - 1840. Erlangen 1840. Vergl. auch Kap. II, S. 29. - -Das Bonersche Fabelbuch (1461) enthält 88 sehr geringe Holzschnitte -und wurde früher für das erste deutsche illustrierte Buch[16] -gehalten. Die Priorität muss jedoch den: „Sieben Freuden Mariä“ -und der „Leidensgeschichte Jesu“ (1450-1460) eingeräumt werden, die -in künstlerischer Beziehung über dem Fabelbuch stehen. Ob letztere -beiden Erzeugnisse der Pfisterschen Presse angehören, lässt sich nicht -ermitteln. Unter diesen bleiben noch zu erwähnen: eine „Armenbibel“ -deutsch (wahrscheinlich 1462), sowie dasselbe Werk lateinisch. -Es enthält 17 Blätter in Folio mit 170 Holzschnitten. Mutmasslich -hat Pfister keinen bleibenden Aufenthalt in Bamberg gehabt, denn -in neunzehn Jahren, bis 1481, ist kein aus Bamberger Pressen -hervorgegangenes Werk bekannt. - - [16] Es ist hiervon nur ein Exemplar, in Wolfenbüttel - befindlich, bekannt. - - Johann Sensen- - schmid. - -Der von Nürnberg nach Bamberg übergesiedelte □Johann Sensenschmid□ -(1482-1490) lieferte ein prachtvolles _Missale ordinis S. Benedicti_ -und später im Verein mit □Heinrich Petzensteiner□ (bis 1491) das -_Missale ecclesiæ Ratisponensis_, welches so grossen Beifall fand, dass -der Drucker desselben mit vielen ähnlichen Aufträgen beehrt wurde. - - Wien. - -In WIEN[17] stand die 1365 begründete Universität in voller Blüte und -der Kaiser Friedrich □iii.□ war der Buchdruckerkunst wohl gewogen. -Er hatte, wie erwähnt, Joh. Mentel in den Adelstand erhoben und die -Kunst durch ihre und ihrer Verwandten Aufnahme in seinen und des -Reiches Schutz und durch Verleihung eines Wappens[18] geehrt. Zu -verwundern bleibt es umsomehr, dass erst 1482 in Wien gedruckt wurde. -Allerdings waren die Zeiten nicht gerade die günstigsten. Im Jahre 1481 -führte Matthias Corvinus von Ungarn zum drittenmale seine Heere nach -Österreich; 1482 brach die Pest in Wien aus; 1485 zog Matth. Corvinus -siegreich dort ein und behauptete seine Herrschaft bis 1490. - - [17] □M. Denis□, Wiens Buchdr.-Gesch. bis 1560. Wien 1782. - -- □Die österr. Buchdrucker-Zeitung□ 1873, Nr. 9 u. flg. - enthalten sehr detaillierte „Beiträge zur Geschichte der - Buchdruckerei in Wien“ bis auf die neueste Zeit. - - [18] Das Buchdruckerwappen ist ein schwarzer Adler auf - goldenem Schild, in der rechten Klaue einen Winkelhaken, - in der linken ein Tenakel haltend; den Helmschmuck - bildet ein Greif in halbem Körper, zwei Druckerballen - an einander drückend. Merkwürdigerweise herrscht - Zweifel, ob der ursprüngliche Adler der zweiköpfige - Reichsadler gewesen oder ein einköpfiger. □E. Bekkers□ - Eintreten für den ersteren (in seiner Broschüre „Das - Buchdruckerwappen“. Darmstadt 1837) stützt sich auf - nur schwache Argumente. Von den von ihm angezogenen - Quellen liegt keine weiter zurück als im Jahre 1730. Ein - Frankfurter Messkatalog, also eine offiziöse Erscheinung, - aus d. J. 1662 trägt auf dem Titel den einköpfigen Adler, - ob es mit älteren der Fall ist, ist uns unbekannt. Auch - □Ernestis□ „Wohleingerichtete Buchdruckerei“, 1721, - bildet den Adler einköpfig ab. Der Greif soll erst später - durch Kaiser Ferdinand □i.□ dem Wappen hinzugefügt worden - sein. - -Aus dem Jahre 1482 stammen die ersten unbedeutenden Druckerzeugnisse -Wiens ohne Namen und Datum. Bis zum Jahre 1492 zeigt sich keine -weitere Spur vom Druck und erst von da ab kann man eigentlich von einer -Buchdruckerkunst in Wien reden. - - J. Winterburger. - -In dem zuletzt genannten Jahre druckte □Joh. Winterburger□, aus -Winterburg bei Kreuznach, A. Flacci: _Persij Satire_. Weder dieser -Druck, noch die 1492 gedruckte Leichenrede Bernh. Pergers auf den -Kaiser Friedrich □iii.□ trägt die Firma Winterburgers und nur die Typen -gestatten den Schluss, dass sie von ihm ausgeführt wurden. Da seine -Druckerei damals eine sehr gut eingerichtete war, so ist es nicht -unmöglich, dass sie schon 1482 bestand und dass die Drucksachen aus -jener Zeit von ihm stammen, doch sind keine Beweise dafür vorhanden, -und die lange Pause wäre nicht ganz leicht zu erklären. Erst 1493 kommt -sein Name vor, zum erstenmale auf dem Ceremoniell zu dem „begencknus -Kaiserlicher Maistat“, Friedrich □iii.□ Kaiser Maximilian begünstigte -Winterburger sehr und verlieh ihm die Führung des kaiserlichen -Adlers[19]. Er verdiente aber auch jede Aufmunterung, denn er druckte -kostbare Werke und förderte die Arbeiten nicht allein der Wiener -Gelehrten. Er starb im hohen Alter (1519), in demselben Jahre wie sein -Gönner, der Kaiser. - - [19] Auch hierin dürfte ein Beweis gegen den zweiköpfigen - Adler im Buchdruckerwappen liegen; denn, dürfte jeder - Buchdrucker diesen führen, so lag ja darin keine - Bevorzugung Winterburgers. - - Köln. - Ulrich Zell. - -In den West- und Nordmarken des Deutschen Reiches ist es ganz besonders -KÖLN, das in den ersten Zeiten der Kunst die Aufmerksamkeit auf sich -zieht. Seine Lage machte es zum Mittelpunkte der Verbreitung des -Buchdrucks im Norden Deutschlands und überhaupt Europas, und von -dort gehen auch viele der typographischen Verbesserungen aus, z. -B. die Anwendung der Signaturen, der Pagination, des eigentlichen -Buchtitels und der Kolumnentitel, der kleinern Schriften und Formate. -Viele der Buchdrucker, die mit Ruhm anderswo arbeiteten, erhielten -ihre typographische Bildung in Köln. Schon im frühesten Mittelalter -war es ein Sitz der Wissenschaft und der Kunst, und seine 1388 -gegründete Universität bildete einen Hauptsitz der Theologie und der -Philosophie. □Ulrich Zell□, ein berühmter Schönschreiber, Illuminator, -Rubrikator und Schüler der Mainzer Offizin, war der erste Drucker -Kölns. Seine frühesten Werke sind Chrysostomus: _Super psalmo -quinquagesimo_ und die _Bulla retractionum Pii II._, datiert Rom 16. -März 1463. Von seinen vielen Meisterwerken verdient die lateinische -Bibel in zwei Grossfolio-Bänden (wahrscheinlich aus dem Jahre 1470), -besonders erwähnt zu werden. Die erste niederdeutsche Bibel, eins der -berühmtesten und wertvollsten Erzeugnisse der Kölner Presse, gehört -ohne Zweifel dem □Nikolaus Götz□ (1474-1478). Sein Geschäftsnachfolger -war □Heinrich Quentell□ (1479-1500), der berühmteste Typograph Kölns -und Stammvater einer hochangesehenen typographischen Familie. - - Heinr. Quentell. - -Solange die geistreichen Kombinationen Maddens nicht durch -unwiderlegliche Thatsachen unterstützt werden, kann die von ihm -angenommene grosse Druckanstalt und typographische Ausbildungsschule -der _fratres vitæ communis_ in Köln nicht der Geschichte eingereiht -werden[20]. - - [20] Vergl. die eingangs erwähnten: □Madden□, _Lettres d'un - bibliographe_, zugleich IV. Kap. S. 68. - - Münster. - -Auf die erwähnte energische und werkthätige Korporation dürfte die -erste Presse MÜNSTERS[21] zurückzuführen sein. Die Brüderhäuser in Köln -und Rostock standen mit denen zu Münster in naher Beziehung und die -ersten Pressen hier empfingen ihre Hauptnahrung von dem Humanismus. -Der Name des ersten Druckers ist □Johannes Limburgus, Aquensis□ (von -Aachen), und der erste Druck: _Kodri Kerkmeister, Comedia_ (1485). Mit -dem nächsten Jahre verschwindet aber die Presse Münsters und taucht -erst zu Anfang des □xvi.□ Jahrh. wieder auf. Bei der dort herrschenden -Gelehrsamkeit und Geistesthätigkeit bleibt nur die Vermutung übrig, -dass die mit Münster eng verknüpften Städte Köln und Deventer, -namentlich die letztere, dort Filiale errichtet haben; nur so lässt -sich die grosse Druckthätigkeit Deventers erklären. - - [21] □J. B. Nordhoff□, Denkwürdigkeiten aus dem Münsterschen - Humanismus. Münster 1874. - -Die grösste Bedeutung als Drucker in Münster hat der bekannte Humanist -□Theodorik Tzwyvel□. Von seinen vielen Druckwerken sind jedoch -verhältnismässig nur wenige übrig geblieben und die Wiedertäufer, -die seine Druckerei plünderten, haben gründlichst für die Zerstörung -gesorgt. - - Lübeck und - Hamburg. - -In LÜBECK[22], welches eine tüchtige Pflanzschule für den Norden wurde, -erschien 1498 die erste niederdeutsche Ausgabe des „Reineke de Voss“, -von der das einzige bekannte Exemplar in Wolfenbüttel aufbewahrt wird. -In HAMBURG[23] druckten 1491 die Brüder □Hans□ und □Thomas Borchardus□. -Aus dem □xv.□ Jahrh. ist nur ein einziger Hamburger Druck bekannt: -_Laudes beate Marie virginis_. Das Buch ist zwar sauber ausgeführt doch -in seiner ganzen Ausstattung sehr einfach ja fast dürftig gehalten. -Überhaupt scheinen die ersten dortigen Drucker auf keiner hohen Stufe -gestanden und nicht mit besonderem Glück gearbeitet zu haben. - - [22] □J. H. v. Seelen□, Nachricht über die Bchdkst. Lübeck - 1740. -- □Deecke□, Einige Nachrichten etc. Lübeck 1834. - - [23] □J. M. Lappenberg□, Gesch. d. Bchdkst. in Hamburg. 1840. - - Magdeburg. - -Ein überaus reges geistiges Leben entfaltete die reiche Stadt -MAGDEBURG[24], wohin die neue Kunst durch □Albert Ravenstein□ und -□Joachim Westfal□, zwei Brüder des gemeinsamen Lebens, gebracht wurde. -Sie lieferten 1483 und 1484 mehrere kleinere Schriften, dann aber auch -ein grösseres, auf Laien berechnetes niederdeutsches Evangelienbuch -in Folio. Westfal, der aus Stendal stammte, zog 1486 oder 1487 mit der -Offizin nach dort; von Ravenstein hört man nichts weiter. - - [24] □L. Götze□, Ältere Gesch. d. Bchdkst. in Magdeburg. - Magdeburg 1872. Hierzu ein Supplement. - -Eine staunenswerte Thätigkeit entfaltete □Moritz Brandis□, der von dem -damals im Erzstift regierenden kunstsinnigen Erzbischof, Ernst, Prinz -von Sachsen, aus Leipzig berufen wurde. Seine Offizin war mit zwölf -Typengattungen und mit mindestens 9 Suiten von Initialen ausgestattet. -Sein Meisterdruck ist die erste Ausgabe eines _Missale_ in Folio; die -zweite Stelle gebührt dem Halberstädter _Breviarium_ in 8° von 1495. - - Die Xylographie - in Magdeburg. - -Besondere Beachtung verdient die Magdeburger Xylographie. Schon -die ersten Drucke von dort zeigen Holzschnitte. Moritz Brandis -lieferte 1492 einen Folianten mit vierzig, 1494 einen anderen mit elf -Holzschnitten. Die meisten der, während eines Zeitraumes von siebzehn -Jahren erschienenen Holzschnitte zeigen eine solche künstlerische -Verwandtschaft, dass man auf die Abstammung von einem und demselben -Künstler oder von einer und derselben Kunstanstalt schliessen muss. -Dies wird noch bestätigt durch einen, im Kloster Zinna, dem einzigen -Ort der Mark Brandenburg, ausser Stendal, der im □xv.□ Jahrhundert -eine Presse hatte, gedruckten „Marienpsalter“, ein für damalige Zeit -seltenes Prachtwerk, das auf 116 Blatt in Quart nicht weniger als 189 -vortreffliche Holzschnitte enthält[25]. - - [25] Ein gut erhaltenes Exemplar besitzt die Stadtbibliothek - in Thorn. - - Leipzig. - Andr. Friesner. - -LEIPZIG[26], das später eine so wichtige Rolle in der Geschichte -der Typographie spielen sollte, erhielt eine Druckerei erst zu einer -Zeit, als manche andere Städte schon Bedeutendes geleistet hatten; ja -es war nicht einmal die erste Stadt Sachsens, die die Kunst in ihren -Mauern aufnahm, denn es giebt bereits Bücher aus dem Jahre 1473 mit -dem Druckorte MERRSBORG[27]. Trotzdem ist die Einführungsgeschichte in -Nebel gehüllt. Thatsache ist nur, dass □Andreas Friesner□, Sohn eines -Ratsherrn in Wunsiedel, ein gelehrter Mann, der mit Sensenschmid in -Nürnberg zusammen gewirkt hatte und 1479 nach Leipzig als Professor -der Theologie berufen wurde, eine Buchdruckerei mit sich brachte. Ob -er jedoch selbst gedruckt hat, oder ob er vielleicht seine Offizin -einem der, als die frühesten bekannten, Buchdrucker Leipzigs übergeben -hat, lässt sich nicht ermitteln. Im Jahre 1482 bekleidete Friesner die -Stelle eines Rektors der Universität Leipzig. Er starb in Rom im Jahre -1504 und vermachte seine Presse dem Leipziger Predigerkonvent[28]. - - [26] □J. H. Leich□, _De orig. typogr._ Lipsiensis 1740. -- □J. - J. Müller□, _Incunabula typogr. Lips._ Leipzig 1720. - - [27] Die Behauptung, dass dies nicht Merseburg sei, sondern - Mörsburg am Bodensee, hat sich längst als unbegründet - erwiesen. - - [28] □Dr. G. Wustmann□ in seiner Schrift: „Die Anfänge des - Leipziger Bücherwesens“, 1879, hält dafür, dass die Kunst - schon ~vor~ Friesner geübt wurde. - - Erster datierter - Druck. - -Ein datierter Druck ist erst aus dem Jahre 1481 bekannt, er trägt -jedoch keine Druckerfirma. Es ist ein sehr sauber auf gutes Papier -gedrucktes Bändchen in klein Quart, so frisch aussehend, als wäre -es erst vor einem Jahrzehnt aus der Presse gekommen. Es führt den -Titel: _Johāis viterbiēsis: Glosa sup. Apocalipsim_ und das Impressum: -_Lipczk MCCCC LXXXI in pfesto michahelis_. Der Schnitt der, namentlich -durch ihre absonderlich geformten Initialen sich auszeichnenden -halbgothischen Type ist derselbe, mit welchem das erste mit Namen des -Druckers versehene Buch Leipzigs gedruckt wurde: _Albici tractatulus -de regimine hominis_, welches von □Marcus Brandis□ (1487) herrührt. -Nicht weniger gut ist ein _Benedictionale_ des Marcus Brandis aus -dem Jahre 1487. Die Notensysteme sind rot eingedruckt, aber behufs -handschriftlicher Einzeichnung der Noten leer gelassen. Für mit Marcus -Brandis identisch wurde früher □Moritz Brandis□ (1488-1498) gehalten, -der, wie erwähnt, später nach Magdeburg zog. - - K. Kachelofen. - -□Konrad Kachelofen□, der langezeit für Leipzigs ersten Buchdrucker -angesehen wurde, entwickelte eine grosse Thätigkeit von 1489 ab, in -welchem Jahre er Joh. Widmanns von Eger: „Behende vnd hübsche Rechenung -auf allen Kaufmannschaft“ druckte, ein Lehrbuch der elementaren -Mathematik, in welchem auch einfache Holzschnitte vorkommen. Eine -ausgezeichnete Leistung ist das im Jahre 1495 gedruckte Meissner -_Missale_. 1495 zog Kachelofen, der in Leipzig herrschenden Pest wegen, -nach Freiberg; die Leipziger Stadtbibliothek besitzt jedoch einen -„Leipzig 1513“ datierten Druck von ihm. - -Vor dem Schluss des □xv.□ Jahrhunderts konnte Leipzig über 150 datierte -Drucke aufweisen, abgesehen von den vielen undatierten. - -[Illustration:Kapitelende] - - - - -[Illustration:Kapitelanfang] - -IV. KAPITEL. - -DIE VERBREITUNG DER BUCHDRUCKERKUNST IM AUSLANDE. - - □Italien□: Subiaco und Rom. Venedig. Foligno. Mailand. Florenz. - □Spanien und Portugal. Frankreich□: Paris. Lyon. □Die Niederlande□: - Die _Histoires_. Colard Mansion. □England□: William Caxton. - □Skandinavien□: Dänemark. Schweden. □Die slawischen Länder. Ungarn. - Die Türkei.□ - - - Die Verdienste - der Italiener. - -VOR allen fremden Ländern gebührt ITALIEN der hohe Ruhm, die -Buchdruckerkunst zuerst aufgenommen, sie wesentlich verbessert, -vervollkommnet und in edelster Weise verwendet zu haben, und mit diesem -Ruhm, den man den Italienern in vollstem Masse zollen muss, könnten sie -wohl zufrieden sein. Wenn sie jedoch noch im Jahre 1868 soweit gingen, -ihrem Landsmann Pamphilo Castaldi als dem Erfinder der Buchdruckerkunst -in seinem Geburtsorte Feltre ein Denkmal zu errichten, so verfielen -sie aus missverstandenem Patriotismus in einen Irrtum, zu dessen -Entschuldigung sich noch bei weitem weniger sagen lässt, als für die -Ansprüche der Holländer. - -Wie für die klassischen und bildenden Künste war Italien auch für die -Poesie das gelobte Land und hatte bereits seinen Dante, Boccaccio -und Petrarca hervorgebracht. Es waren namentlich die Höfe der -Mediceer in Florenz und der Herzöge von Este in Ferrara, welche die -Mittelpunkte der Kultur bildeten, an welchen die genannten grossen -Sterne und noch manche zweiten Ranges glänzten. Die nach der Eroberung -von Konstantinopel (1453) nach Italien geflüchteten Gelehrten -nährten noch mehr den Sinn für die klassische Litteratur und fanden -Unterstützung bei den aufgeklärten Fürsten, welche Pflanzschulen -für die Wissenschaften und Bibliotheken gründeten und die Werke der -griechischen Klassiker übersetzen liessen. - -So war in Italien wie in keinem andern Lande der Boden für die -neue Kunst geebnet. Bereits im Jahre 1480 hatten vierzig Städte -Buchdruckereien, zumteil hervorragender Art, die namentlich mit der -Herausgabe der Klassiker beschäftigt waren, während in dem Mutterlande -der Typographie noch immer Gebetbücher und trockene Kompendien die -hauptsächlichsten Druck-Erzeugnisse bildeten. - - Conrad Sweyn- - heim und - Arnold Pannartz. - -□Conrad Sweynheim□ und □Arnold Pannartz□, wahrscheinlich zwei der -überall hin verstreuten Schüler Gutenbergs, gründeten die erste -Druckerei Italiens in dem Kloster SUBIACO. Das Städtchen Subiaco mit -dem berühmten Stammkloster der Benediktiner liegt in unwirtlichster -Berggegend 14 Stunden von Rom. Entfernt von der Stadt auf den höchsten -nackten Felsen ragt das nur mit grossen Schwierigkeiten zu ersteigende -Kloster. Der Kommandaturabt desselben, der Kardinal Johannes a -Turrecremata, ein eifriger Bewunderer der Buchdruckerkunst, veranlasste -durch einige Mönche deutscher Nation die Einberufung Conrads aus -Schweinheim, bei Mainz, und Arnold Pannartz' aus Prag. Sie kamen 1464 -an. Zuerst entstand ein Donatus, dann des Lactantius _De divinis -institutionibus_ (1465), des heiligen Augustinus _De civitate dei_ -(1467), und wahrscheinlich auch 1465 Ciceros _De oratore_[1]. - - [1] Nach □Charles Fumagalli□: _Dei primi libri a stampa in - Italia_. Lugano 1875 soll _Cicero_ vor dem _Lactantius_ - von Sweynheim und Pannartz gedruckt sein. -- □Ed. - Frommann□: Aufsätze zur Gesch. d. Buchhandels. 2. Heft. - Jena 1881. - - Die römische - Schrift. - -Der Lactantius war das erste Buch, welches in römischer Schrift -gedruckt wurde. Die Kalligraphie hatte in Italien bereits zu den Zeiten -der Römischen Kaiser eine hohe Stufe erreicht. Durch den Wechsel der -herrschenden Völker in Italien änderte sich auch die Schrift vielfach. -Als die Gothen im □v.□ Jahrh. sich zu Herren Italiens machten, -fingen die römischen Kapital-Buchstaben schon an, eine veränderte -Gestalt anzunehmen; die eigentliche kleinere runde Kurrentschrift kam -jedoch erst im □viii.□ Jahrhundert auf. Nichts natürlicher, als dass -Sweynheim und Pannartz sich dem nationalen und gefälligen Schriftsystem -zuwendeten und für ihr Werk die römische Schrift annahmen, der sich -die jetzige Antiqua fast ganz anschliesst. Ein in Paris befindliches -Manuskript, welches 1459 in Italien geschrieben wurde, des heiligen -Augustinus _De civitate dei_, zeigt ganz die Schrift, wie sie in dem -Lactantius verwendet wurde. In dem ersten Bogen des Werkes ist, um die -griechischen Zitate hineinzuschreiben, Raum gelassen; in den späteren -Bogen wurden zum erstenmal griechische Typen verwendet, denn die -Zitate in Schöffers Princeps-Ausgabe von Ciceros _De officiis_ waren -Holzschnitte. - -Es zeigten sich jedoch bald die Schwierigkeiten einer so abgelegenen, -schwer zugänglichen Lage und Sweynheim und Pannartz folgten daher -gern der Einladung der beiden Brüder Pietro und Francesco Marquis -von Massimi, nach ROM zu kommen; in deren Palast sie 1467 installiert -wurden, zunächst um Ciceros Briefe zu drucken. In dieser Ausgabe findet -man zum erstenmale die reine Antiqua, wie sie schon in den Manuskripten -des □viii.□ u. □ix.□ Jahrh. vorkommt. - - Pannartz und - Sweynheims - Unglück. - -In den fünf folgenden Jahren entwickelten Sweynheim und Pannartz -eine grosse, jedoch weit über ihre Kräfte gehende Thätigkeit, die -sie dem geschäftlichen Ruin entgegenführte. Aus ihren Pressen gingen -hauptsächlich Ausgaben der Klassiker hervor, unter anderen ein _Livius_ -(1469), von welchem ein Exemplar, 1815, mit nahe an 20000 Mk. bezahlt -wurde. Rom war zwar ein Sitz der Gelehrsamkeit, lag aber ausserhalb des -grossen Verkehrskreises. In dem Verhältnis, wie sich das Bücherlager -von Sweynheim und Pannartz füllte, leerte sich ihre Kasse, und als sie -den 5. Band der Bibelerklärungen des Nikolas de Lyra gedruckt hatten, -waren sie ganz ohne Mittel. Der Herausgeber des Werkes, ihr Freund der -Bischof Andr. Bussi, empfahl sie zwar dringend der Unterstützung des -Papstes Sixtus □iv.□ Das Gesuch, welches für die Buchdruckergeschichte -deshalb ein besonderes Interesse hat, weil man daraus erfährt, dass -die gewöhnliche Auflage eines Buches 275 Exemplare gewesen, von den -populären Werken 550, hat jedoch entweder gar keinen oder keinen -genügenden Erfolg gehabt und die Vereinigung ward aufgelöst. Sweynheim -scheint sich nach der Trennung hauptsächlich mit Schriftschneiderei -beschäftigt zu haben und machte auch die ersten Versuche, Landkarten -für die Buchdruckerpresse in Kupfer hoch geschnitten herzustellen, um -damit die Geographie des Ptolomäus zu drucken, erlebte aber nicht die -Vollendung dieses ausgezeichneten Unternehmens, dessen letzte Platten -von Arnold Bucking angefertigt wurden. Von Sweynheim hört man nach 1473 -nichts mehr. Pannartz druckte bis 1476, um welche Zeit beide Teilnehmer -gestorben zu sein scheinen. - -Noch vor der Übersiedelung der Genannten nach Rom war □Ulrich Han□ -(Gallus) durch den Kardinal Torquemada nach dort berufen worden. Han -druckte mit gothischer Schrift das erste Buch mit Holzschnitten in -Italien, Torquemadas _Meditationes_ (1467). - - Venedig. - -Nach VENEDIG kam die Buchdruckerei erst 1469, überflügelte jedoch -in dem mächtigen Stapelplatz des Handels, wo zugleich Wissenschaft -und Kunst blühten, bald die aller anderen Städte Italiens. Auch hier -traten Deutsche als die ersten Buchdrucker auf. □Johann von Speyer□ -(_Johannes de Spira_) druckte 1469 als erstes, zugleich als Musterwerk, -Ciceros Briefe. Sehr geschätzt ist auch sein Plinius, von dem ein -Exemplar 1781 in Paris für ungefähr 4500 Mk. verkauft wurde. Seine -Type nähert sich der Antiqua; in der Interpunktion wendet er Punktum, -Kolon und Fragezeichen an. In einer Ausgabe des Tacitus, die jedoch -möglicherweise von seinem Nachfolger herrührt, kommen arabische Zahlen -als Pagination vor. Seine Verdienste wurden von dem Dogen, Pasquale -Malipiero, so hoch geschätzt, dass man ihm das Privilegium als -alleinigem Drucker auf venetianischem Territorium erteilte. Von diesem -Privilegium, das glücklicherweise für die Verbreitung der Kunst nur ein -persönliches war, sollte er jedoch keinen Nutzen ziehen, indem er 1470 -starb. Sein Bruder □Johann Wendelin□ von Speyer setzte das Geschäft -fort und druckte viele elegante Klassikerausgaben; auch die erste -italienische Bibel. Er verband sich mit □Johann□ von Köln (1471-1487), -der sich wieder später mit Nikolaus Jenson vereinigte. - - Nik. Jenson. - - Die lateinische - Schrift. - -Nach dem Erscheinen der Gutenbergschen Bibel war die Kunst in Paris -nicht unbeachtet geblieben. Auf direkte Veranlassung des Königs Karl -VII. erging am 3. Okt. 1458 eine Ordre an die königlichen Münzmeister, -einen erfahrenen Mann nach Mainz zu senden, der die neue Kunst erlernen -sollte. Die Wahl fiel auf □Nikolaus Jenson□, einen geschickten Graveur, -dem es auch wirklich gelang, die Kunst sich zu eigen zu machen. Er -kehrte jedoch nicht nach Paris zurück, sondern ging nach Venedig, wo -er als einer der berühmtesten Buchdrucker von 1470-1481 wirkte. Er -erkannte sofort die grosse Verwendbarkeit der Römischen Schrift, dabei -jedoch auch die Mängel der vorhandenen Muster. Letztern half er ab, -gab der Schrift noch mehr Rundung und brachte die schöne „lateinische -Schrift“ zustande, die schnell zur allgemeinen Geltung kam und noch -in solcher steht und stehen bleiben wird. Jensons Schrift wurde -erst die venetianische genannt; in den italienischen Schriftproben -heisst sie _lettera antiqua tonda_. Die Italiener behielten den Namen -_Antico_. Deutschland und das nördliche Europa benannten sie _Antiqua_, -Frankreich und Holland _Romain_ (auch _droit_) _Romeyn_, England -_Roman_. - -Um dem Geschmack der Zeit Rechnung zu tragen, schnitt Jenson jedoch -auch gothische Schriften, die sich ebenfalls durch ihre Schönheit -auszeichnen. Auch eine griechische Schrift, jedoch ohne Versalien, -rührt von ihm her. Seine Werke sind alle typographische Meisterstücke. -Er starb reich und angesehen im Sept. 1481; selbst der Papst ehrte ihn -und verlieh ihm den Titel eines Pfalzgrafen. - - Erhard Ratdolt. - -Unter den deutschen Buchdruckern in Venedig gehört in die erste Reihe -□Erhard Ratdolt□ (1476-1486), der bereits oben unter den Augsburger -Buchdruckern genannt wurde; sein „Euklid“ (1482) in gothischer Schrift -und reich ornamentiert, gilt als ein Meisterwerk ersten Ranges und -verschaffte ihm nach vielen Seiten den ehrenvollsten Ruf. Dieses -Werk ist das erste mit mathematischen Figuren ausgestattete. In den -Prachtexemplaren davon kommt auch zum erstenmale Golddruck vor. Seinen -Kunstsinn zeigte Ratdolt besonders durch Anwendung schön verzierter -Initialen, die unter dem Namen _litteræ florentes_ bekannt sind, und -durch seine sehr fein in Holzschnitt ausgeführten Randverzierungen. -Er war zugleich der erste, der Titelblätter in modernem Sinn allgemein -aufnahm. Auch musikalische Werke mit beweglichen Typen führte er aus. -Im Jahre 1486 folgte er dem Rufe des Bischofs Johann von Werdenberg -und kehrte nach Augsburg zurück, wo er nur bis 1516 wirkte, wenigstens -finden sich nach dieser Zeit keine Spuren einer geschäftlichen -Thätigkeit. - - Christoph Val- - darfer. - -Noch ist □Christoph Valdarfer□, der später nach Mailand übersiedelte, -zu nennen. In Venedig druckte er noch das _Decamerone_ des Boccaccio, -von welchem ein Exemplar im Jahre 1812 nach dem Tode des Herzogs von -Roxburgh für 2260 £ Sterl. (über 45000 Mk.) verkauft wurde, die höchste -Summe, die je für ein Buch gezahlt wurde. - - Aldus Pius - Manutius. - -Am Schluss des Jahrhunderts (1494) ging noch ein typographischer Stern -erster Grösse in Venedig auf: □Aldus Pius Manutius□, dessen Glanz die -nächste Periode erfüllt. Zu dieser Zeit waren gegen 150 Druckereien auf -einmal in Venedig in Betrieb. Über 3000 Werke hatten bis dahin hier das -Licht erblickt. Nimmt man die Auflage eines Werkes durchschnittlich auf -nur 300 Exemplare an, und jedes Werk durchschnittlich zu zwei Bänden, -so macht dies gegen zwei Millionen Bände. - - Joh. Numeister. - -Das Städtchen FOLIGNO im Kirchenstaate ist durch Zufall zu einer -typographischen Rolle gekommen. □Johann Numeister□, ein Schüler -Gutenbergs, suchte sein Glück in Italien und kam auf seiner Reise nach -Rom durch Foligno. Ein angesehener Bürger dort, Emilianus de Orfinis, -veranlasste ihn (1470), seine Presse in Foligno aufzuschlagen. Im -Jahre 1472 erschien seine Prachtausgabe von Dantes _Divina commedia_. -Numeister verwendete anfänglich die römische Schrift, später eine -gothische, der Gutenbergschen Bibelschrift ähnliche. - - Mailand. - - Florenz. - - Bern. Cennini. - -MAILAND und FLORENZ bekamen die ersten Pressen durch Eingeborene. -Über die Einführung in Mailand ist viel gestritten worden; es scheint -jedoch unzweifelhaft, dass sie durch □Philippus de Lavagna□ (1469) -geschah. In Florenz lebte ein Goldschmied, □Bernardo Cennini□, der mit -an Ghibertis berühmten Thüren gearbeitet hatte. Es schmerzte ihn, dass -Italien gänzlich von Deutschland in der Buchdruckerkunst abhängig sein -sollte. Er studierte deshalb genau die Drucke und Manuskripte und ging -nun selbst daran, Stempel, Schriften, Pressen u. s. w. herzustellen, -was ihm zwar gelang, jedoch unter solchen Opfern, dass er bald wieder -zu drucken aufhören musste. Es scheint, als habe er die griechischen -Schriften für den Homer geliefert, womit Demetrius Chalcondylas, ein -von Candia ausgewanderter Grieche, im J. 1488 hervortrat[2]. Es dauerte -aber nicht lange, dass kunsterfahrene Deutsche nach Florenz kamen, -darunter □Nikolas von Breslau□, der 1477 Bellinis _Monte Sancto di -Dio_ druckte, das erste Werk mit Illustrationen in Metallplatten, da -Sweynheims Ptolomäus noch nicht erschienen war. Noch bedeutender ist -seine Ausgabe von Dante. Die Wirksamkeit der berühmten Familie _Giunta_ -gehört der folgenden Periode an. - - [2] □F. Fantozzi□, _Notizie di B. Cennini_. Florenz 1839. - - Genua und an- - dere Städte. - -Nach GENUA kam als erster Drucker □Matthias Moravus□ („aus Olmütz“, -1474), die Schreiber petitionierten jedoch gegen die Konkurrenz und -Moravus ging nach Neapel. In SONCINO druckte □Abraham Colorito□ 1488 -eine schöne hebräische Bibel mit reichen Ornamenten und Einfassungen. -Die erste Offizin Siciliens wurde in MONTREALE bei Palermo 1472 -angelegt. In FANO druckte 1514 □Gregor Gregorio□ das erste arabische -Buch. - -Fünf Jahre nach der Ankunft Sweynheims und Pannartz' in Subiaco war die -Kunst überall in Italien und zwar fast nur durch Deutsche eingeführt. - - * * * * * - - Spanien. - -SPANIEN[3]. Obwohl die Gelehrsamkeit und die Wissenschaften in -Spanien hoch in Ehren gehalten wurden, so fand die Einführung der -Buchdruckerkunst doch verhältnismässig spät statt. Sie geschah dort, -wie fast überall, durch Deutsche, die Lehrlinge unter den Eingeborenen -ausbildeten, bis diese nach und nach die Plätze der Lehrmeister -einnahmen. - - Valencia. - -Trotz aller inneren Kriege und der Strenge der geistlichen Zensur muss -die Buchdruckerkunst doch manche Aufmunterung seitens hochgestellter -und wissenschaftlich gebildeter Männer gefunden haben. Früher wurde -allgemein die _Historia Hispanica_ des Roderic Sanctius de Arevalo, -Erzbischofs von Valencia, als das erste in Spanien gedruckte Werk -betrachtet; es stammt jedoch aus den Pressen von Ulrich Han in Rom. -Nachdem im J. 1470 VALENCIA eine Universität erhalten hatte, liess -die Druckkunst nicht lange auf sich warten. Das älteste dort gedruckte -Buch ist mutmasslich die, 1474 erschienene Sammlung von 36 Gedichten -zur Ehre der heiligen Jungfrau; 1475 folgten ein Sallust und ein -_Dictionarium linguæ latinæ_ in fol.; sämtlich ohne Nennung des -Druckers. - - [3] □Francesco Mendez□, _Tipografia española_. 2. Ed. Madrid - 1861-66. -- □J. F. Nee de la Rochelle□, _Recherches - historiques et critiques sur l'établiss. de l'art - typographique en Espagne et en Portugal_. Paris 1830. - -- □Vincent Salva□, _Catalogue of Spanish and Portuguese - books_. 2 vols. London 1826-1829. -- Deutsche Buchdrucker - des □xv.□ u. □xvi.□ Jahrh. in Portugal (Augsb. Allgem. - Zeit. 1878, Nr. 49). - - Lamb. Palmert. - -Der erste datierte Druck ist eine _Biblia sacra_ in fol. von □Lambert -Palmert□ (Palomar), einem Deutschen, begonnen im Febr. 1477, beendigt -im März 1478. Von diesem Werk sind nur die vier letzten Blätter -in einem Exemplar in den Archiven des Domes zu Valencia entdeckt -worden. Wahrscheinlich ist die Auflage nach geistlicher Ordre auf das -gründlichste vernichtet. Als Protektor oder Mitarbeiter Palmerts wurde -der ausgezeichnete Astronom Alfons Fernandes von Cordova genannt. -Palmert druckte bis 1494, um welche Zeit sich nicht wenige deutsche -Drucker in Valencia etablierten. - - Saragossa. - -Aus SARAGOSSA findet sich ein, 1475 von □Matthias Flander□, -wahrscheinlich einem fahrenden Buchdrucker, geliefertes Buch: _Guidonis -de Monte-Rocherii, manipulus curatorum_ vor. Der erste, fest in -Saragossa etablierte deutsche Buchdrucker war □Paulus Huros□ aus -Constanz (1485-1499). - - Sevilla. - -In SEVILLA traten die ersten einheimischen Buchdrucker: □Anton -Martinez□, □Bartholomäus Segur□ und □Alphons del Puerto□ -zusammenwirkend auf zum Druck eines Sacramentale. 1480 fällt schon der -Name Martinez weg; 1482 ist Alphons del Puerto allein zurück. Später -folgen mehrere Deutsche, als: □Paul von Köln□, und □Joh. Pegnizer□ aus -Nürnberg. Das Tribunal der Inquisition hatte i. J. 1500 eine eigene -Druckerei, aus welcher die Ordonnanzen des Grossinquisitors Didacus -Deca hervorgingen. - - Barcelona. - -Aus BARCELONA ist mutmasslich: _Th. von Aquino, commentar. in libros -ethicor. Aristotelis_ von □Petrus Brunus□ et □Nicolaus Spindeler□ -(1478) das erste Buch. SALAMANCA zeigt trotz seiner berühmten -Universität erst zu Ende des □xv.□ Jahrh. Drucke auf. - -Unter Basel wurde bereits mitgeteilt, dass □Friedr. Biel□ nach -BURGOS ging und dort 1485-1517 druckte. Er war ein sehr tüchtiger und -erfahrener Mann. - -In dem Kloster auf dem Berge MONSERRAT druckte ein Deutscher □Joh. -Luschmer□ in den Jahren 1499-1500, und ging dann nach Deutschland -zurück. Madrids Buchdruckergeschichte gehört der folgenden Periode an. - - Portugal. - -PORTUGAL verdankt den Juden die Einführung, den Deutschen die -Fortbildung der Druckerkunst. Die portugiesischen Juden wurden seit -jeher von ihren Stammesgenossen als eine Art Aristokratie betrachtet -und hatten zu Ende des □xv.□ Jahrhunderts durch ihre Bildung und -Wohlhabenheit eine grosse Bedeutung erlangt. - -Der Jude _Mestre_ (_Magister_) □Abraham d'Ortas□ druckte 1484 zu LEIRIA -den _Almanach. perpetuus ecclesiasticus astronomi Zacubi_, den ältesten -Druck Portugals. Ob der _Sephar Orach Chaim_ (1485) in Leiria oder in -Ixar in Spanien gedruckt wurde, ist wohl nicht ganz zu entscheiden. -1489 druckten die Rabbis □Eliezer□ und □Samuel Zorba□ in Lissabon des -Rabbi Mosis Nachmanidis hebräischen Kommentar zum Pentateuch und das -_Sepher Thephilod_ (1495). Eliezers Sohn □Zacchäus□ setzte das Geschäft -fort. - - Valentin - aus Mähren. - -Um für den Druck christlicher Werke nicht auf Juden angewiesen zu sein, -liess die Königin Eleonora, Gemahlin Johanns □ii.□, die Buchdrucker -□Valentin aus Mähren□ (Valentin de Moravia oder _Valentin Fernandes -Allemão_) und □Nikolaus aus Sachsen□ nach LISSABON kommen. Valentin -wirkte von 1495-1513 und wird _servidor e empremidor de sua Alteza_ -genannt. Er nahm durch seine Bildung eine angesehene Stellung ein, ward -Sekretär für die lateinische Korrespondenz des Königs, Dom Manuel, und -verfasste nach den Berichten des Seefahrers Diego Gomes zwei Schriften -über dessen Reisen. Als 1496 das Edikt erschien, nach welchem es -jedem Nichtchristen unter Todesstrafe verboten wurde, im Lande sich -aufzuhalten, mehrte sich die Arbeit seiner Pressen, auch gaben die -umgestalteten Justizverhältnisse, der rasch steigende Handelsverkehr -und die Kolonialverwaltung, sowie die rege Missionsthätigkeit für die -Kolonien viel zu thun. Eine seiner ersten Arbeiten war die, im Verein -mit Nikolaus von Sachsen gedruckte _Vita Christi_ des Karthäusermönches -Ludolfo de Sachsonia (1495), welche auf direkte Veranlassung der -königlichen Familie unternommen wurde. Nur ein einziges vollständiges -Exemplar in der Lissaboner Bibliothek existiert. Unter den vielen -Werken Valentins befindet sich eine, von ihm selbst besorgte -Übersetzung der Reisen des Marco Polo. Nach 1506 verringert sich seine -Thätigkeit und sein Name verschwindet 1513, ohne dass es bekannt ist, -ob Tod, Geschäftsaufgabe oder Rückreise Veranlassung gewesen. - - Hermann von - Kempen - in Setuval. - -Im Jahre 1509 hatte sich □Hermann von Kempen□ (_Armão de Campos, -Alemã_) in Setuval niedergelassen. Später zog er nach Lissabon mit -dem Titel _empremidor_ und _bombardeyro d'El Rei_. Die Bombardiere -bildeten eine aus hundert Mann bestehende Leibgarde des Königs, -die viele Vorteile, als Freiheit von Steuern, vom Kriegsdienst, -von Einquartierung, ausserdem einen nicht geringen Sold hatte. Da -hauptsächlich Metallarbeiter, die selbst ihre Munition anfertigen -konnten, wozu sie das Rohmaterial erhielten, in diese Garde gewählt -wurden, so ist Hermanns Beruf als Schriftgiesser wahrscheinlich -bei seiner Aufnahme bestimmend gewesen. Sein Hauptwerk ist das von -Garcia de Resende herausgegebene _Cancioneiro Geral_, ein berühmtes -Liederbuch, das die Poesien von 275 höfischen Dichtern enthält. Der -Druck ist sauber und geschmackvoll in gothischer Schrift. Von diesem -Buch sind nur ganz wenige unverstümmelte Exemplare übrig geblieben. Der -König, Dom Fernando, übersandte das in seinem Besitz befindliche dem -Stuttgarter Verein der Bücherfreunde behufs einer von Dr. v. Kausler -1846-1849 veranstalteten Ausgabe, welche dieses wichtige Werk der -portugiesischen Nation erhalten hat. - - Andere deutsche - Buchdrucker. - -Als Valentins Wirksamkeit zu stocken begann, berief der König, Dom -Manuel, □Jakob Kromberger□ aus Sevilla nach Lissabon (1508) und verlieh -ihm, wie allen fremden Buchdruckern, die sich in Portugal niederlassen -wollten, den Titel Ritter des königlichen Hauses. Sie mussten jedoch -den Besitz von 2000 Dublonen in Gold nachweisen und Altchristen -(_christãos velhos_) sein. - -Ob □Johann Gerling□, der 1494 in BRAGA druckte, auch auf königliche -Veranlassung berufen wurde, oder ob er ein fahrender Buchdrucker war, -lässt sich nicht bestimmen. Das von ihm gedruckte Brevier von Braga, -seine einzige Leistung, ist deshalb besonders wichtig, weil es die -Gebete und Hymnen nach dem Ritus der Mosaraber, einer Christengemeinde, -die unter der Maurenherrschaft fast ohne jede Verbindung mit -Rom fortbestanden hatte, enthält. Schliesslich siedelte noch im -□xvi.□ Jahrhundert □Joãs Blavio de Colonia Agrippina□ (1554) als -Hofbuchdrucker nach Lissabon über und druckte (bis 1556) 36 Werke. - -Die älteren portugiesischen Drucke gehören zu den grössten -bibliographischen Seltenheiten. Unter 739 Inkunabeln der Lissaboner -Bibliothek sind nur 4 portugiesische. Die Bibliothek zu Oporto zählt -109 Inkunabeln, davon bloss 2 portugiesische. - - * * * * * - - Paris - -Dass FRANKREICH[4], wo die Universität PARIS eine so grosse -Anziehungskraft auf die ganze wissenschaftliche Welt ausübte, mit der -Einführung der Buchdruckerkunst zurückblieb, muss hauptsächlich den -ungünstigen politischen Verhältnissen nach dem Tode Karls □vii.□ und -der Thronbesteigung seines grausamen Sohnes Ludwigs □xi.□ zugeschrieben -werden, obwohl dieser, nach seiner Art, ein Freund der Wissenschaft -war. So begünstigte er unter anderen auch □Jean Fouchet□ von Tours, -den bedeutendsten Illuminator damaliger Zeit, dessen Miniaturen in -Josephus' „Jüdischen Altertümern“ in ihrer Art unerreicht sind. Dass -der König an Schöffer einen Ersatz von 2425 Thaler für sein, von dem -Gerichte mit Beschlag belegtes Bücherlager gewährte, zeugt auch von -Interesse für die Kunst. - - [4] □P. Lacroix□, □E. Fournier□ et □F. Seré□, _Hist. de - l'impr. et des arts et professions, qui se rattachent à - la typogr. Avec fig._ Paris 1852. - - Ulrich Gering. - - Buchschriften in - Frankreich. - -Der Anblick der gedruckten Bücher, die gebotene Möglichkeit, z. B. eine -gedruckte Bibel für 50 Kronen kaufen zu können, veranlasste Wilhelm -Fichet, Doktor an der berühmten theologischen Fakultät, der sogenannten -Sorbonne, den Rektor der Universität Johann Heinlein, nach seinem -Geburtsort Stein bei Constanz Johann von Stein genannt, zu bewegen, -für die Einführung der Kunst Schritte zu thun. Stein berief demzufolge -seinen Landsmann □Ulrich Gering□ aus Constanz nach Paris. Gering, der -die Kunst in Mainz gelernt hatte, brachte □Martin Crantz□ von Basel -und □Michel Friburger□ von Colmar mit sich und errichtete die erste -Buchdruckerei Frankreichs in den Gebäuden der Sorbonne. Das erste -Buch, welches dort gedruckt wurde, waren die Briefe von Gasparino di -Bergamo (1470), denen später ein rhetorisches Werk Fichets und mehrere -Klassikerausgaben mit Kommentaren von Stein folgten. Für diese Werke -bediente sich Gering, vielleicht unter dem Einflusse seiner Gönner -von der Sorbonne, einer, der römischen Type Jensons ähnlichen Schrift. -Als er aber später die Räume der Sorbonne verliess und seine Offizin -nach der _rue St. Jacques_ verlegte, nahm er die allgemein beliebte -gothische Type an, die man _Allemand_, oder auch, nach den gebrochenen -Ecken, _lettres de forme_ nannte. Die kleinere Schrift, mit der man -Schulbücher druckte, wurde nach der: _Summa St. Thomæ_, einem solchen -Buche, _lettres de somme_ genannt. Die grössern Anfangsbuchstaben -hiessen _lettres cadeaux_, die runden Anfangsbuchstaben der Kapitel -_lettres tourneurs_. Die gothische Schrift wurde auch von □Peter -Kaiser□ (_Caesaris_) und □Johann Stoll□, ebenfalls zwei Deutschen, die -sich kaum drei Jahre nach Gering in Paris etabliert hatten, angewendet. -Später bildete sich eine halbgothische Schrift aus, bis Jod. Badius -1501 die römische Type wieder einführte, die nun endgültig die -herrschende blieb. - - Gerings Wirken. - -Durch das Beispiel mit Schöffers Faktor klug geworden, hatte Gering -schon 1474 um Naturalisation nachgesucht, die ihm auch gewährt wurde. -Crantz und Friburger gingen 1478 wieder nach Deutschland zurück -und Gering nahm später □Berthold Remboldt□ zum Teilnehmer, dessen -Virgil so sorgfältig korrigirt war, dass er als fehlerfrei gilt. Ein -Meisterwerk ist sein _Corpus juris canonici_, in fünf Spalten, mit -verschiedenen Schriften, rot und schwarz, gedruckt. Gering erwarb sich -ein bedeutendes Vermögen und vermachte dasselbe bei seinem Tode (1510) -grösstenteils der Sorbonne. - -Das erste „französisch“ in Frankreich gedruckte Buch _Les grandes -chroniques de la France_ stammt nicht aus Gerings Presse, sondern wurde -1476 von □Pasquier Bonhomme□ gedruckt. Einmal aufgenommen, verbreiteten -sich die Buchdruckereien rasch, es sind deren bis zum Jahre 1500 in -Paris 66 bekannt. - - Lyon. - - Joh. Trechsel. - -In LYON führte □Bartholomäus Buyer□ die Kunst (1473) ein. Das erste -Werk war das „Compendium“ des Kardinal Lothar. Der eigentliche Drucker -war jedoch nicht Buyer, sondern □Wilh. Leroy□, trotz des französischen -Namens wahrscheinlich ein Deutscher (König). Mit dem Jahre 1477 -verschwindet dieser Name und kommt erst 1488 wieder zum Vorschein. -Einen bedeutenden Platz nimmt □Joh. Trechsel□ ein, der, selbst ein -gelehrter Mann, mit einer grossen Zahl von Gelehrten auf dem besten -Fusse stand. Seine Tochter Thalie, die eine gelehrte Erziehung, wie -es mit den Töchtern der Buchdrucker damaliger Zeit öfters der Fall -war, genossen hatte, war mit dem berühmten Buchdrucker Joh. Badius -verheiratet, der zusammen mit Joh. Lascaris als Korrektor für Trechsel -gewirkt hatte. - - Grosse Bedeu- - tung Lyons. - -Die Druckkunst nahm in Lyon einen sehr schnellen Aufschwung und die -Stadt hatte zu Ende des □xv.□ Jahrhunderts schon 50 Buchdruckereien, -aus denen gegen 400 Werke hervorgegangen waren. Viele hunderte von -Setzern, Druckern und Giessern fanden dort Beschäftigung. Die Mehrzahl -der Drucker waren deutschen Ursprungs. Die Papiermühlen produzierten -grosse Quantitäten des vortrefflichsten Papiers. Der Buchhandel in -der freien Messstadt Lyon war ein sehr bedeutender, welches damals -dem Buchhandel das war, was ihm Leipzig heute ist, und mit Ausnahme -von Venedig lieferte keine Stadt dem Buchhandel eine grössere Zahl von -Büchern. Von dem Nachdruck hielt sie sich nicht frei, namentlich hatte -Aldus unter diesem zu leiden. - -Nach BORDEAUX brachte □Michel Svirler□ aus Ulm 1486 die Druckerkunst. - - * * * * * - - Dierik Martens. - - Kunstleben in - Brügge. - - Der Burgun- - dische Hof. - -In den NIEDERLANDEN druckte wahrscheinlich □Dierik Martens□[5] 1473 zu -AALST in Ostflandern das erste Buch, jedoch noch lange erhielt sich die -Anfertigung der Manuskripte neben dem Druck von Büchern, die sich mit -ihren rohen, ungeschlachten Holzschnitten nicht mit den prachtvollen -Miniaturen messen konnten. Ein Zentralpunkt der Manuskriptmanufaktur -war die reiche Handelsstadt BRÜGGE. Kunstlosere Manuskripte wurden zu -sehr billigen Preisen hergestellt, während die kostbar ausgestatteten -einen hohen Wert behielten. Jacques Raponde erhielt z. B. 500 -Goldkronen für _La legende dorée, ystorié de belles ystories_. Ein -Werk mit Miniaturen illustrieren, die sich auf den historischen Inhalt -bezogen, nannte man _historier_, die Bilder selbst hiessen _histoires_. -Eine grosse Stütze fanden die Illuminatoren in dem kunstsinnigen -Burgundischen Hofe, namentlich war der mächtige Herzog Philipp der Gute -ein grosser Liebhaber, der überall seine Agenten hatte, um seltene -Bücher zu erwerben; auch unterstützte er die Umarbeitung älterer -Werke in das neuere Französisch. Fraglich ist es sogar, ob er nicht -die neue Kunst zuerst in Belgien einführte. Raoul le Fèvre hatte eine -Bearbeitung der Iliade: _Histoires de Troyes_, geschrieben und 1464 dem -Herzog ein prachtvolles Exemplar überreicht. Es fand so vielen Beifall, -dass die Schreiber und die Illuminatoren nicht genug Exemplare schaffen -konnten, und es ist nicht unmöglich, dass das Werk unmittelbar am Hofe -des Herzogs gedruckt wurde. Karl der Kühne, der Sohn und Nachfolger -Philipps, war zwar auch ein Freund schön ausgestatteter Manuskripte, -aber seine kriegerischen Unternehmungen machten es ihm unmöglich, den -Künsten des Friedens dieselbe Unterstützung zu gewähren, wie es sein -Vater gethan. - - [5] □J. de Gand□, _Recherches sur la vie etc. de Thierry - Martens_. Aalst 1845. -- □A. F. van Iseghem□, _Biogr. de - Th. Martens_. 2. Ed. Aalst 1856. -- □J. W. Holtrop□, _Th. - Martens_. Haag 1867. - - Colard Mansion. - -In Brügge war ein hervorragendes Mitglied der Künstlergilde, □Colard -Mansion□[6], der Gründer der ersten Presse (1476). Er war als -Illuminator, Autor und Drucker thätig und bediente sich in seinen -Drucken einer eigentümlichen, nach französischen Handschriften -gebildeten, semigothischen Type. Die holländischen Schriften damaliger -Zeit waren im ganzen sehr roh. Nur □Richard Paff□ in Deventer zeichnet -sich durch eine schöne nationale Schrift (_Duits_) aus, die den -Leistungen des berühmten Schriftschneiders Fleischmann im □xviii.□ -Jahrhundert wenig nachsteht. - - [6] □de Praet□, _Notice sur C. Mansion_. Paris 1829. -- _C. - Mansion et les imprimeurs Brugeois du XV siècle._ Brügge - 1848. - - Die Brüder des - gemeins. Lebens. - -In DEVENTER entstand auch die Vereinigung der □Brüder des gemeinsamen -Lebens□, welche um die Verbreitung des Sinnes für Bücherwesen und -Buchdruckerkunst wesentliche Verdienste sich erworben hat. Zu den -Städten, die durch ihre Beteiligung bei dem Bunde der Hansa eine -Bedeutung erlangt hatten und wo ein frisches Leben blühte, gehörten -die drei Hauptorte Oberyssels: Deventer, Zwolle und Kampen. Namentlich -genoss Deventer ein gutes Ansehen. - -Hier lebte Gerhard Groote (_Gerhardus magnus_)[7], geboren 1340 aus -einer dortigen Patrizier-Familie. Gerhard bildete sich erst in Paris, -dann in Köln aus, trieb scholastische Philosophie, Gottesgelahrtheit -und Magie und lehrte in uneigennützigster Weise unter einem -ansehnlichen Zulauf. Da fasste er plötzlich den Entschluss der Welt -abzuschwören, ohne jedoch in einen geistlichen Orden zu treten, denn -er wollte „keine Seele eines Menschen auf seine Verantwortlichkeit -nehmen“. Öffentlich verbrannte er seine kostbaren magischen Bücher und -nahm ein einfaches Diakonat an, welches ihn berechtigte öffentlich zu -lehren. - - [7] □G. H. M. Delprat□, _Verhandeling over de Broederschap van - G. Groote etc._ Utrecht 1830. In deutscher Bearbeitung - von □Dr.□ G. Mohnike. Leipzig 1840. - - Gerh. Groote. - -Seine Hauptaufgabe ward es nun, den, das Volk verdummenden Einfluss der -Bettelmönche zu untergraben. Seine Predigten in Deventer und an anderen -Orten waren so stark besucht, dass die Kirchen die Menge nicht fassen -konnten und er im Freien reden musste. Selbstverständlich war die Wut -der Bettelmönche gegen ihn eine grosse, und es gelang ihnen auch, ein -Verbot gegen das Predigen Grootes zu erwirken. Dieser unterwarf sich -demütig, um durch Übersetzen und Unterweisung der reiferen Jugend zu -wirken. Er lehrte seine Schüler Bücher abzuschreiben und damit etwas -Geld zu ihrem Unterhalte zu verdienen. Bei der steigenden Arbeit hatte -er in Floris Radewynzoon (_Florentinus Radewini_) eine vortreffliche -Stütze. Was dieser mit den Schülern verdiente gab er an Groote ab. „Was -hindert uns“ -- rief Florentinus einmal aus --, „dass wir und diese -Brüder vom guten Willen (_fratres bonæ voluntatis_) die Früchte unserer -Arbeit zusammenlegen und uns als Brüder zu einem frommen gemeinsamen -Leben (_fratres vitæ communis_) verbinden?“ - -Hiermit war der Gedanke einer freiwilligen Vereinigung ohne -klösterliches Gelübde ausgesprochen, um zugunsten der Bildung und -der Wissenschaft die Zeit zu verwenden und das Erworbene in eine -gemeinschaftliche Kasse niederzulegen, aus welcher die Bedürfnisse -aller bestritten wurden. Auch eine gleichmässige Kleidung bezeichnete -die Brüder als solche. - -Groote selbst sollte die eigentliche Ausbildung der Gesellschaft der -Brüder nicht erleben; er starb, indem er liebevoll andere pflegte, -an der Pest am 20. Aug. 1384. Die Stiftung in Deventer hob sich mehr -und mehr. Florentinus fand in dem gebildeten Gerhard von Zütphen eine -wesentliche Hülfe. Andere Städte folgten dem Beispiel Deventers, so -Delft und Münster. Der Neid veranlasste Verfolgungen; die Brüder wurden -bei dem Papste Martin □v.□ als der Todsünde schuldig, als Mörder und -als falsche Propheten denunziert, jedoch freigesprochen, und eine Bulle -Eugens □iv.□ aus dem Jahre 1431 bedrohte denjenigen, der dem Wirken der -Brüder etwas in den Weg legte, mit dem Banne. - -Nach der Erfindung der Buchdruckerkunst nahmen die Brüder, statt des -Abschreibens, das Drucken in die Hand und erwarben sich namentlich in -Holland, in Westfalen und in den Nordwestmarken Deutschlands grosse -Verdienste um die Anlegung von Druckereien. In Deventer, wo die -Schule zum Schluss des ersten Drittels des □xvi.□ Jahrhunderts ihre -höchste Blüte erreichte, war dies zwar nicht der Fall, vielleicht -weil Paffs Druckerei einen ausgezeichneten Rang einnahm, dagegen in -Gouda, Brüssel, Löwen, an welchem letzteren Ort die Druckerei jedoch -nicht reussierte, sodass die Brüder sich wieder dem Abschreiben -zuwendeten[8]. - - [8] Dass die „Brüder des gemeinsamen Lebens“, nach ihren hohen - Kopfbedeckungen auch „Kogelherren“ genannt, die früher - Gutenbergische Druckerei nach Bechtermünzes Tod erwarben, - lasen wir schon S. 35. - - Haarlem. - - Koster-Legende. - -HAARLEM erhielt 1483 seinen ersten Buchdrucker □Jakob Bellaert□. Nach -einem langen Zeitraume, in welchem Haarlem keine Buchdruckerei hatte, -associiert sich 1561 □Jan van Zuren□ mit □Dirk Volckharts Coornhert□ -zur Errichtung einer solchen. In einem Empfehlungsschreiben an den -Rat zu Haarlem vindiziert letzterer der Stadt die Ehre der Erfindung -und auch sein Socius erzählt hiervon, jedoch ohne den Namen des -Erfinders zu nennen. Zu diesen gesellt sich ein Florentiner Luigi -Guicciardini, der sich 1550 in Antwerpen aufhielt und eine Beschreibung -der Niederlande herausgab, in der viele Erzählungen von Meermännern und -Meerweibern, die in Haarlem gelebt haben, enthalten sind. Auch dieser -berichtet, dass die Buchdruckerkunst in Haarlem erfunden sei, lässt -jedoch die Wahrheit dahingestellt. - - Koster-Legende. - -Diese Nachrichten wurden nun oft nachgeschrieben und jeder neue Abdruck -als ein neuer Beweis für Haarlem ausgebeutet. Indes wären diese Mythen -wahrscheinlich längst vergessen, wäre nicht Hadrianus Junius (_Adrian -de Jonghe_), Doktor und Rektor zu Haarlem, aufs neue als Vertreter der -Erfindungsrechte Haarlems aufgetreten und zwar unter genauer Angabe -des Namens, Zunamens, der Wohnung des Erfinders und der Jahreszahl der -Erfindung. In seinem, auf Veranlassung der Deputation der Stände von -Holland geschriebenen Werke: _Batavia_, das von grossartigen Fabeln -wimmelt, erzählt er, dass □Laurenz, Johanns Sohn□, mit dem Beinamen -□Koster□ (Küster), beim Spazierengehen in einem Wäldchen bei Haarlem -Buchstaben aus Baumrinde als Spielzeug für seine Enkel geschnitzt -habe. Ein zufälliger Abdruck eines solchen Buchstabens veranlasste -ihn, der ein Mann von grossem Verstand war, mit seinem Schwiegersohne -Thomas Peter weitergehende Entwürfe zu machen und schliesslich die -Buchdruckerkunst in _optima forma_ zu erfinden und zu betreiben. - -Das Geschäft erweiterte sich und warf reichlichen Gewinn ab. Unter -seinen Gehülfen befand sich jedoch ein ungetreuer Diener, „Johannes, -wahrscheinlich Faust“. Dieser steckte am Christabend, während der -Meister und seine Familie in der Kirche war, die Offizin in den Sack, -und fort war er, als man nach den Feiertagen die Druckerei wieder -eröffnete. Hadrianus Junius erinnert sich ganz genau, dass ein alter -ehrwürdiger Mann mit langen weissen Haaren, Namens Nikolaus Gelius, -erzählt habe, wie „er“ sich wieder erinnere, in „seiner“ Jugend von -einem gewissen Buchbinder, Cornelius, damals ein Mann von 80 Jahren, -die Geschichte gehört zu haben, und dass letzterer, wenn er von dem -Räuber erzählte, jedesmal bitterlich geweint habe. - -Das ist die Koster-Legende, die so viele Federn in Bewegung gesetzt, -so viele Bitterkeit hervorgerufen und Kosters Manen zwei öffentliche -Denkmäler eingebracht hat. Die Holländer haben, wie aus dem nächsten -Abschnitt hervorgehen wird, so viele wahrhaft grosse Verdienste um -die Buchdruckerkunst, die von der ganzen gebildeten Welt freudig -anerkannt werden, dass sie ohne Nachteil ihren Koster-Missgriff zugeben -können[9]. - - [9] □G. Meermann□, _Origines typr._ 2 Bde. Haag 1765. - Ausserdem eine grosse Anzahl mehr oder weniger wertvoller - Parteischriften, deren Aufzählung nur für wenige Leser - Interesse haben dürfte. - - * * * * * - -Nachdem über die Einführung der Kunst in ENGLAND vieles hin und her -gestritten worden, kann es jetzt als feststehend betrachtet werden, -dass sie im Jahre 1477 durch Caxton stattfand. - - William Caxton. - -□William Caxton□[10] wurde in der Grafschaft Kent geboren. Da er im -Jahre 1438 bei einem der angesehensten Kaufleute der City, Robert -Large, in die Lehre kam und eine solche Lehre gewöhnlich sieben Jahre -dauerte und mit dem 24. Jahre endigte, so ist, wenn wir diese Zahlen -für Caxton gelten lassen, sein Geburtsjahr etwa 1421. - - [10] □W. Blades□, _The biogr. and typogr. of W. Caxton_, - 2., einfachere Ausg. London 1877. -- □W. Blades□, _How - to tell a Caxton_. London 1870. -- _Caxton Celebration - 1877._ London 1877. -- □F. C. Price□, _Facsimiles - illustrating the labours of W. Caxton_. London 1877. - -- Fast alle Hauptwerke Caxtons sind entweder in - typographischen oder in photographischen Reproduktionen - erschienen. - - Caxton am Bur- - gundischen Hof. - - Das erste eng- - lische Buch. - -Nach der Vermählung des Herzogs von Burgund, Karl des Kühnen, mit der -Schwester Edwards □iv.□ von England, Margaretha, war es das eifrigste -Bemühen der englischen Regierung, die zum Nachteil beider Länder -erloschenen Handelstraktate wiederherzustellen. Caxton, der in Brügge -lebte, wo die Engländer eine „Nation“ bildeten und eine angesehene -Stellung als Geschäftsmann und Gouverneur (etwa Konsul) einnahm, war -einer der drei Abgeordneten, die zum Zweck der Unterhandlung nach dem -Burgundischen Hoflager gesandt wurden, wo er bald eine _persona grata_ -wurde, die namentlich bei der Herzogin so hoch in Gunst stand, dass -sie ihn bewog, in ihren Dienst zu treten. In diesem fand Caxton Musse -genug, mit litterarischen Arbeiten, denen er stets zugethan gewesen, -sich zu beschäftigen. Im Jahre 1469 begann er die Übersetzung des -schon erwähnten Buches Raoul le Fèvres: _Histoires de Troyes_ und auch -die englische Übersetzung fand, wie das Original, so grossen Beifall, -dass Caxton den Entschluss fasste, es durch den Druck vervielfältigen -zu lassen. So erschien in den Jahren 1473 bis 1474 im Druck das erste -englisch geschriebene Buch: _The recuyell of the historyes of Troy_, -351 Folio-Seiten. Früher hielt man allgemein dafür, dass dies Buch den -Pressen Ulrich Zells in Köln entstamme, doch sprechen viele äussere -und innere Zeichen dafür, dass es ein Werk Colard Mansions in Brügge -sei. Während des Druckes seiner Übersetzung scheint nun Caxton sich -mit der Technik der Buchdruckerkunst vertraut gemacht zu haben und -der Entschluss bei ihm gereift zu sein, seinem Vaterlande die Kunst -zuzuführen. Nach einer Abwesenheit von 35 Jahren kehrte er nach LONDON -zurück, den kostbaren Schatz einer Druckerei-Einrichtung mit sich -führend. - - Caxtons Thätig- - keit in London. - -Das erste Buch von Caxton, welches von ihm mit einem vollständigen -Impressum versehen wurde, ist: _The dictes and sayings of the -philosophers_, das im November 1477 erschien. Seine Offizin war in -Westminster gelegen, jedoch nicht in der Abtei selbst. 15 Jahre wirkte -er noch als Drucker, zugleich als Übersetzer und Bearbeiter eines -grossen Teils der von ihm gedruckten Schriften, deren Zahl 94 beträgt -inkl. 7 Drucke, die er bereits in Brügge hat ausführen lassen, und 3, -die erst nach seinem Tode erschienen. Da unter diesen nicht weniger -als 33 Unica sind, zumteil nicht einmal im vollständigen Zustande, -so ist anzunehmen, dass die Zahl der Erzeugnisse seiner Pressen -eine noch wesentlich grössere gewesen ist. Die umfangreichsten sind: -Chaucers _Canterbury tales_ in zwei Auflagen von je 742 und 622 Seiten; -_Polychronicon_, 890 Seiten; _The noble history of King Arthur_, 862 -Seiten; und _The golden Legend_, 892 Seiten. Letzteres mit vielen -Illustrationen versehene Buch, von dem kein vollständiges Exemplar -erhalten wurde, muss als Caxtons Hauptwerk betrachtet werden. Die -Technik sowohl als die Korrektur seiner Bücher waren höchst mangelhaft -und die Holzschnitte sehr untergeordneter Natur, wie überhaupt damals -von Kunst und Künstlern in England nicht zu reden war. - -Aus dem gesagten geht hervor, dass Caxton nicht einer der begeisterten -Jünger Gutenbergs war, wie sie in anderen Ländern in nicht geringer -Zahl getroffen wurden, welche die Kunst ihrer selbst wegen liebten. -Er war ein praktischer Engländer und Geschäftsmann, der nicht -den Wissenschaften Opfer brachte oder seine Ehre in korrekten, -geschmackvollen Ausgaben der Klassiker suchte, sondern Bücher druckte, -von welchen er einen tüchtigen Absatz und raschen Gewinn hoffen durfte. -Kann aus den wenigen Exemplaren, die von seinen vielen Büchern auf -die Gegenwart gekommen sind, auf die Aufnutzung geschlossen werden, so -hätte er nicht falsch gerechnet. Im ganzen existieren 5-600 Exemplare -seiner Druckwerke, die sich fast ausnahmslos in englischen Händen -befinden und grösstentheils mit den höchsten Preisen erworben wurden. -Für ein nicht vollständiges Exemplar von: _The historyes of Troy_ wurde -in der Versteigerung des Herzogs von Roxburgh 1060 £ Sterl. 10 s. über -(21000 Mark) gezahlt. - - Caxtons Tod. - -Caxton starb, geehrt und geachtet, gegen Ende des Jahres 1491. Wenn -die Engländer ihn und seine Werke, obwohl sie typographisch auf -einer niedrigen Stufe stehen, so hoch halten und im Jahre 1877 sein -vierhundertjähriges Jubiläum so glänzend begingen, so zeigten sie damit -eine, sie selbst ehrende Dankbarkeit gegen einen Mann, der ihnen die -Wohlthaten der Presse, die in keinem anderen Lande sich grösser als in -England erwiesen, teilhaft werden liess. - -Es erübrigt, einen Blick auf SKANDINAVIEN zu werfen. - -„Der gothische Sprachstamm ist eine Lyra, deren Saiten zwischen den -österreichischen Alpen und den skandinavischen Bergen gespannt sind, -und es lässt sich nicht in Abrede stellen, dass Vieles, dessen Wert -nicht hoch genug geschätzt werden kann, von Deutschland kam. Von dort -erhielt der Norden die Buchdruckerkunst, von dort die Reformation.“ - - Die Runen. - -Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen im Norden waren in Stein -gemeisselte oder in Holz geschnittene Runen. Noch wichtiger für das -spätere Kulturleben waren die Sagen und Lieder, die von Mund zu Mund, -von Generation zu Generation sich verpflanzten. Selbst nach Einführung -des Christentums hatte das neue Alphabet einen harten Kampf mit den -Runen zu bestehen und noch im Jahre 1547 kamen Fälle der Benutzung -solcher vor. - - Dänemark. - - Joh. Snell. - -Nach DÄNEMARK[11] brachten deutsche Mönche die ersten Bücher. Die -Bildung unter der dänischen Geistlichkeit war nicht gross, obwohl -die Universität Paris stark von Dänen besucht wurde. _Stationarii_ -und _librarii_ hatte Dänemark nicht aufzuweisen. Das erste Buch: eine -lateinische Beschreibung der Belagerung von Rhodos, wurde in ODENSE -auf der Insel Fühnen im Jahre 1482 von einem fahrenden deutschen -Buchdrucker, □Johann Snell□, gedruckt. - - [11] □C. Nyrop□, _Bidrag til den danske Boghandels - Historie_, 2 Bde. Kopenhagen 1870. -- □G. F. Ursin□, - _Bogtrykkerkunstens Opfindelse og Udvikling_. Kopenhagen - 1840. -- □J. H. Schröder□, _Incunabula artis typ. in - Svecia_. Upsala 1842. - - G. van Gehmen. - -Im Jahre 1485 druckte □Steph. Arendes□ in Schleswig: _Missale -Slesvicense_. Die Hauptstadt des Reiches, KOPENHAGEN, erhielt erst 1490 -eine Offizin durch □Godfred van Gehmen van Os□, der früher in Gouda in -Holland gewirkt haben soll. Nur 19 Bücher können mit Sicherheit als -aus seinen Pressen hervorgegangen bezeichnet werden. Das bekannteste -darunter ist: _Dansk Rimkrönike_, welche in den Jahren 1495-1508 -viermal aufgelegt wurde und das einzige in dänischer Sprache gedruckte -Buch aus dem □xv.□ Jahrhundert ist. Gehmens Type ist eine sehr -hübsche und sein Druck ein guter. In RIPEN in Jütland druckte 1504 -□Matthäus Brand□ aus Lübeck, der später nach Kopenhagen zog. Ihm folgte -□Povel Räff□, früher Rektor der Universität, der erste Däne, der die -Buchdruckerei betrieb. - - Schweden. - -In SCHWEDEN druckte (1483) der aus Dänemark gekommene □Johann Snell□ -das erste Buch: _Dialogus creaturum moralizatus_. Auf Snell folgte -□Johann Fabri□ mit dem _Breviarium Strengnense_ 1494, während Fabris -Witwe 1496 das _Breviarium Upsalense_ vollendete. Von da ab tritt eine -Unterbrechung von über 50 Jahren ein, in welcher man von der Kunst in -Schweden keine Spuren findet. - - * * * * * - -Auch Ungarn und die Slawischen Länder[12] eigneten sich bald die neue -Erfindung an. - - [12] □Ludw. Fischer□, König Matthias Corvinus und seine - Bibliothek. Wien 1878. -- □Joh. Németh□, _Mem. - Typographiarum inclyti regni Hungariæ et magn. principatus - Transsilvaniæ_. Pest 1818. -- □Jos. Dobrowsky□, Über - die Einführung und Verbreitung der B. in Böhmen. Prag - 1782. (Abhdl. einer Privatgesellsch. V. Bd.) -- □G. S. - Bandtkie□, _De primis Cracoviæ etc. incunabulis dissert. - brevis_. Krakau 1812. In polnischer Sprache lieferte - Bandtkie mehrere wertvolle Werke über die Typographie - Polens. - - Ungarn. - -UNGARN stand zur Zeit der Erfindung unter dem Scepter des aufgeklärten -und sich für die Wissenschaften sehr interessierenden Königs Matthias -Corvinus. Derselbe hatte mit grossen Kosten unter Mitwirkung des -bekannten Joh. Regiomontanus seine berühmte Bibliothek einrichten -lassen. Wenn auch die Angabe der Bändezahl auf 50000 jedenfalls eine -äusserst übertriebene ist, so war sie doch für damalige Zeit eine -höchst bedeutende. Berühmt waren auch die vorzüglichen Einbände, die -noch heute als grosse Schätze bei den Sammlern gelten. - -Der Kanzler Ladislas Gerab berief einen, damals in Italien weilenden -deutschen Buchdrucker □Andreas Hess□ nach OFEN, wo er auf Kosten des -Königs die _Chronica Hungarorum_ (1473) druckte. Der Typencharakter -dieses gut ausgeführten Werkes ist der der Antiqua. Da man von Hess -nur noch ein sehr mittelmässiges Buch ohne Datum: _Magni Basilii de -legendis poetis libellus_ kennt, so wird man versucht, diesen Druck für -einen früheren als die _Chronica_ zu halten. - -Unter den Nachfolgern des Matthias schwand die geistige Blüte. Auch -die berühmte Bibliothek ging nach und nach zurück und litt durch -Vernachlässigung, Diebstahl u. s. w. grosse Verluste, so dass sie -bereits sehr von ihrem Glanze heruntergekommen war, bevor die Eroberung -Ofens durch den Sultan Soliman den Prächtigen ihr den vollständigen -Ruin brachte, indem vieles verwüstet, der Rest nach Konstantinopel -geführt wurde, von wo aus später einiges, namentlich als Geschenke der -Sultane, nach Wien und Pest zurückkam. - - Böhmen. - -Auch BÖHMEN und POLEN standen zur Zeit der Erfindung der Kunst auf -einer hohen Stufe der Kultur. Prag liess sich in der Aufnahme der Kunst -von PILSEN überflügeln, von wo aus schon aus dem Jahre 1475 ein Neues -Testament in böhmischer Sprache stammt. Zwar trägt ein Buch, Guido -de Colonnas trojanischer Krieg, die Jahreszahl 1468, doch bezieht -sich diese wohl nur auf die Zeit der Abfassung des Manuskripts. Die -Schriften in diesem Werk sind eben so schön, wie die Ausführung eine -liederliche ist. PRAG folgte im Jahre 1478 mit: _Statuum utraquestorum -articuli_. 1488 erschien die erste Bibel in der Landessprache; die -zweite, mit Holzschnitten illustriert, wurde 1489 in der kleinen -Bergstadt KUTTENBERG durch den gelehrten □Martin von Tissnova□ -gedruckt, der später Dekan der philosophischen Fakultät in Prag wurde. -An diese Stadt knüpft sich eine der lächerlichsten Gutenberg-Legenden, -nach welcher Johann Faust das Licht der Welt in Kuttenberg erblickte, -eine Legende, die noch im J. 1840 Verteidiger aus missverstandenem -Patriotismus fand. Dieser Faust soll in Prag studiert, in Mainz aber -seiner Vaterstadt zu Ehren sich Johann Kuttenberger genannt haben. - - Polen. - -In KRAKAU, dem Sitz der Wissenschaften und der Kunst in Polen, druckte -zuerst □Swaybold Frank□ 1491; er lieferte auch russische Werke. In -RUSSLAND soll 1493 in TSCHERNIGOW gedruckt worden sein und zwar Werke -in illyrischer Sprache mit cyrillischen Schriften. Diese Schrift, deren -sich die Süd- und Ostslawen schon im □ix.□ Jahrh. bedienten, war von -dem Bischof Cyrillus und seinem Bruder Methodus erfunden. - - Türkei. - -Selbst die TÜRKEI, wo die Ausübung der Buchdruckerei durch den Sultan -Bajazet □ii.□ 1483 unter Todesstrafe verboten war, hat Drucke aus -dem □xv.□ Jahrh. aufzuweisen, die von Juden ausgeführt wurden. Eine -hebräische Geschichte des Josephus Ben Gorion trägt das Impressum -□Konstantinopel□ 1490. - -[Illustration:Kapitelende] - - - - -[Illustration:Kapitelanfang] - -V. KAPITEL. - -DIE TECHNIK DER BUCHDRUCKERKUNST UND DIE LITTERARISCHE PRODUKTION. - - □Die Technik.□ Schriftgiesserei. Satz. Druck. Korrektur. Die Pressen. - Die Farbe. Die Ausschmückung der Bücher. Das Pergament und das - Papier. Die Buchbinderkunst. □Die Litterarische Produktion.□ Der - Buchhandel. Die Zensur. - - - Schriftgiesserei. - -DIE SCHRIFTGIESSEREI[1], die wichtigste aller der zum Druckgewerbe -gehörenden Beschäftigungen, ist zugleich diejenige, deren Anfange uns -am unbekanntesten geblieben. Dies ist jedoch sehr erklärlich, denn -gerade in diesem Teil der Thätigkeit lagen der Schwerpunkt und das -eigentliche Geheimnis der Typographie. Eine Zeichnung von Jost Amann[2] -aus dem Jahre 1568 zeigt uns einen Giesser, vor einem niedrigen -Ofen sitzend, in welchen die Giesspfanne eingelassen ist. Werkzeuge -liegen umher. Neben dem Giesser steht die Mulde mit fertigen Typen, -an welchen der Anguss noch haftet. Auf einem Wandbrett sind Siebe, -Tiegel und Giessinstrumente gereiht. Die Siebe dienten ohne Zweifel -dazu, den Sand fein zu sieben, in welchem sowohl die Metallstangen -als auch die grossen Buchstaben geformt wurden. Die äussere Gestalt -des Giessinstruments weicht etwas von der des jetzigen ab und nähert -sich der eines Stereoskop-Apparates. Eine Feder zum Halten der Mater -ist nicht zu erblicken, dagegen bemerkt man ein Loch an der Seite des -Instruments, durch welches jedenfalls die Mater gesteckt wurde, so dass -sie festlag, solange der Guss des Buchstabens dauerte. Die erwähnte -Abbildung ist jedoch über hundert Jahre jünger als die Erfindung; was -sich in der Zwischenzeit geändert hatte, ist nicht bekannt. Dass die -Giessinstrumente aus Messing gefertigt wurden, scheint aus der öfteren -Erwähnung der Typen: „als in Messing gegossen“ hervorzugehen, denn dass -man damit „Messingtypen“ gemeint haben sollte, ist undenkbar. - - [1] Unter den eingangs erwähnten Werken enthalten namentlich - die von □W. Blades□ und □Th. de Vinne□ Beachtenswertes - über die ältere Technik. - - [2] Eigentliche Beschreibung aller Stände auf Erden etc. - Frankfurt a. M. 1568. Mit Stichen von □Amann□ und Versen - von □Hans Sachssen□. - - Die Stempel. - -Aus welchem Stoff die Stempel in der allerersten Zeit gewesen, lässt -sich nicht sagen, wahrscheinlich versuchte man es erst mit Holz -und ging dann zu einem leicht zu bearbeitenden Metall über. Unter -solchen Umständen konnte von einem „Einschlagen“ des Stempels in das -Mater-Metall natürlich keine Rede sein; man wird also annehmen müssen, -dass die Herstellung der Matern anfänglich mittels „Eindrückens“ in -eine halberstarrte Masse geschah. Jedoch konnten solche Stempel und -Matern nicht auf die Dauer befriedigen und man musste zum Stahl für die -Stempel, zum Kupfer für die Matern greifen. Dass der Handel mit Schrift -und Matern sehr schnell in Aufnahme kam, geht daraus hervor, dass -dieselben Schriften an den verschiedensten Orten vorkommen. - - Mangel an - Schriftsystem. - -Ein korrektes „Kegelsystem“ ist im □xv.□ Jahrh. noch nicht bemerkbar. -Die Dimensionen der Typen hingen von den Eigentümlichkeiten des gerade -vorliegenden Manuskripts ab. Der Buchdrucker von damals hatte noch -nicht den Wert regelmässig sich abstufender Schriftgrade kennen gelernt -und ahnte noch nicht, welche Unannehmlichkeiten er durch die Willkür -in der Schriftgrösse auf sich und seine Nachkommen laden würde. Bei der -Kostspieligkeit der Giessinstrumente ist nicht anzunehmen, dass man für -jede einzelne Schrift ein besonderes Instrument hätte haben sollen, -wahrscheinlicher ist es, dass die Instrumente eingerichtet waren um -sowohl auf Kegelhöhe als auf Buchstabenweite gestellt zu werden. - - Beschaffenheit - der alten Typen. - -Auffällig genug ist es, dass auch nicht eine der Millionen Typen -aus der ersten Zeit der Druckkunst auf uns gekommen ist, ja dass -wir, mit einer unfreiwilligen Ausnahme, nicht einmal eine getreue -Abbildung einer solchen besitzen. Einem Drucker, der 1476 in der -Offizin des Konrad Winter in Köln arbeitete, müssen wir auf Grund -seiner Unachtsamkeit sehr verpflichtet sein. Indem er nämlich eine, -vielleicht zu locker geschlossene Schriftform einschwärzte, hat er -mit dem Farbeballen einen schwachen Buchstaben herausgezogen und dies -nicht beim Einfahren der Form bemerkt. Die liegengebliebene Type -ist nun durch den Tiegel so fest in die Schrift hineingedrückt und -auf den Bogen so genau abgedruckt worden, dass wir eine ganz genaue -Seitenansicht derselben besitzen. Die Buchstabenhöhe stimmt ganz genau -mit der alten französischen von 10½ geom. Linie oder 24 mm neuen Masses -überein. An der sichtbaren (rechten) Seitenfläche der Type befindet -sich eine runde Vertiefung von etwa 3 mm im Durchmesser. Da die Type -keine Signatur hat, so diente augenscheinlich diese Vertiefung dem -Setzer als Richtschnur beim Aneinanderreihen der Buchstaben. Der Fuss -ist nicht ausgekehlt, man sieht daraus, dass die ersten Typen keinen -Gusszapfen gehabt haben und dass die Höhe durch Absägen reguliert -wurde. - -Über die üblichen Schrift-Quantitäten ist es fast unmöglich etwas -zu ermitteln. Die rasche Förderung vieler der älteren umfangreichen -Druckwerke, trotz der Erschwerung durch das Einreihen der Bogen in -Lagen, lässt vermuten, dass die Typenvorräte manchmal beträchtlich -gewesen sind. - - * * * * * - - Der Setzer. - - Die wandernden - Druckereien. - -Die Beschäftigung des SETZERS, des DRUCKERS und des Giessers war, wie -jetzt, im allgemeinen eine getrennte. Die Zahl der Setzer war grösser, -als die der Drucker. Erstere waren nicht selten Männer von Bildung -und Verständnis für ihr Fach. Diejenigen, die sich für das Geschäft -so ausbilden wollten, dass sie später selbst Meister werden konnten, -mussten eine angemessene Entschädigung zahlen. Wie jetzt, rekrutierten -sich auch die Prinzipale von damals hauptsächlich aus der Klasse der -Setzer. Hatte ein solcher vom Drucken und Giessen so viel gelernt, -dass er die Arbeit Anderer überwachen konnte, so war es nicht gar zu -schwierig eine Buchdruckerei zu gründen. Mit den erkauften Matern und -einem Giessinstrument zog der Meister nach irgend einer Stadt. Die -einfachen Utensilien konnten überall angefertigt werden, das Metall für -die Schrift und das Papier waren in den grösseren Städten zu haben. - -Der Buchdrucker fing nun zu giessen an, schlug seine Presse auf, -mischte seine Farbe und konnte dann die Arbeit beginnen. Fing solche -an zu fehlen, so lud er seine Druckerei auf einen Wagen und zog nach -einem andern Ort, wo man eines Buchdruckers benötigt war, um dort seine -Thätigkeit zu beginnen. - - Der Setzkasten. - -Die „Setzkästen“ ruhten zu zweien, einer hüben, einer drüben, auf einem -Pult, das wie ein grosses doppeltes Notenpult konstruiert war. Die -Zahl der Fächer hat auf Grund der vielen Ligaturen eine sehr grosse -sein müssen. Durch letztere wurde die Kunst des Setzens damals eher -schwieriger, als heute. Bei der grossen Ähnlichkeit mancher Ligaturen -unter einander war das korrekte Ablegen sehr erschwert und Fehler kamen -deshalb auch leichter beim Setzen vor. Ob die Fächer der Setzkästen, -wie es nach den Abbildungen den Anschein hat, gleichgross gewesen -sind, lässt sich nicht feststellen. Unwahrscheinlich ist es nicht, -denn die, heute im Satz oft vorkommenden, und deshalb grössere Fächer -verlangenden Buchstaben wurden auf Grund der vielen Ligaturen damals -nicht für sich allein so massenhaft verwendet. - -In der Regel wird der Setzer oder die Setzerin sitzend und säuberlichst -angeputzt abgebildet, während die Drucker mit der Toilette es nicht -gar zu ängstlich genommen zu haben scheinen und oft in einem, dem -adamitischen sich sehr nähernden Kostüm dargestellt werden. - - Winkelhaken. - -Der „Winkelhaken“ war aus Holz, sehr einfach und für wenige Zeilen -und nur für ein Format berechnet. Dass der Setzer öfters mit dem -Winkelhaken in der rechten Hand abgebildet wird, berechtigt nicht zu -dem Schluss, dass viele unter ihnen „links“ gewesen sind. Es beruht -dies allein auf Unachtsamkeit und auf Übersehen des Umstandes, dass -die Zeichnung im Schnitt umgekehrt zu stehen kommt. Ganz im Anfang -hatte man mutmasslich nicht einmal einen Winkelhaken, sondern reihte -die Zeilen gleich in einem flachen Kasten auf, der zugleich als -Rahmen diente. Setzlinien benutzte man nicht, sondern stellte eine -Zeile unmittelbar auf die andere, wodurch natürlich das Ausschliessen -erschwert wurde, da die Schrift sich nicht so leicht auf der doch immer -etwas rauhen Fläche der Typen hin- und herschieben liess. Der Kasten -mit den fertigen Kolumnen liess sich leicht in die Presse stellen. War -der Schluss auch nicht ein besonders fester, so war man bei Benutzung -der Ballen und der leichten Farbe nicht so sehr der Gefahr ausgesetzt, -dass die Buchstaben herausgezogen wurden, wie es jetzt bei den Walzen -mit starkem Zug und der schweren Farbe der Fall ist. Dagegen stiegen -öfters die Ausschlussstücke und verunstalteten den Druckbogen. Stege -und Regletten scheint man nicht gehabt zu haben. - - Das Tenakel und - das Manuskript. - -Dass das „Tenakel“ frühzeitig gekannt war, geht ebenfalls aus den -Abbildungen hervor, doch darf man annehmen, dass anfänglich dem -Setzer in der Regel nach dem Manuskript diktiert wurde, und dass der -Vorlesende so eingeübt war, dass er gleichzeitig mehreren Setzern aus -verschiedenen Manuskripten diktieren konnte. Abweichungen im Satz -in einem und demselben Werk können kaum anders erklärt werden, als -dass der Satz gleichzeitig von mehreren Setzern nach Diktat gesetzt -wurde. Für die Annahme des Diktierens des Manuskripts glaubt man -eine Bestätigung darin zu finden, dass man auf anderen Abbildungen -den Vorleser mit dem Manuskript in der Hand sieht, während die, um -ihn herum arbeitenden Setzer kein Tenakel mit Manuskript auf ihren -Setzpulten vor sich haben. Doch kann die für den Vorleser gehaltene -Person auch der Besitzer oder Besteller sein und das Fehlen des -Tenakels dem Zeichner zuzuschreiben sein. - - Unregelmässig- - keit im Setzen. - -An einem geschmackvollen Arrangement des Satzes, einer angenehmen -Abwechselung der Schriften oder einer wohlthuenden Durchsichtigkeit -durch weitere Trennungen der Zeilen und Absätze fehlt es im allgemeinen -sehr und die durch die übermässig gedrängten und stark geschwärzten -Typen hervorgebrachte Unklarheit wird noch durch Versündigungen -gegen die ersten orthographischen Regeln vermehrt. Eigennamen sind -bald mit Versalien, bald mit gemeinen Buchstaben, je nach Laune -des Setzers oder nach dem Schriftenvorrat, gesetzt. Die allein -üblichen Interpunktionszeichen Komma, Kolon, Punktum finden in der -willkürlichsten Weise Verwendung. Krumme, ungleich ausgeschlossene -Zeilen, mangelhaftes Umbrechen kommen ganz allgemein vor. Versetzungen -von Zeilen und Seiten, sogar Weglassungen von ganzen Seiten im Druck -gehören nicht zu den Seltenheiten, Wörter werden in der wunderbarsten -Weise geteilt. Am schlimmsten von allem ist die grenzenlose Willkür -im Abkürzen. Der Setzer dehnt oder drängt die Wörter, bis sie in das -Längenmass der Zeile passen oder hackt nach Belieben ein Glied von -ihnen ab, wenn sie durchaus nicht passen wollen. Oft wird zwar ein -alter Druck auf Grund der Regelmässigkeit des Ausschlusses gelobt, -sieht man jedoch näher hin, so findet man, dass die Regelmässigkeit -gewöhnlich nur durch Eigenmächtigkeit erreicht wurde. Mag man auch -manche gerechte Klagen über das Verfahren heutiger Kunstjünger führen, -eins steht doch fest, dass die Kunst, die Typen derart zu arrangieren, -dass der Sinn des Autors klarer ans Licht tritt, eine Errungenschaft -der modernen Setzerei ist. - - Die Korrektur. - -Das bei der KORREKTUR befolgte System ist nicht vollständig klar. Es -kommen in verschiedenen Exemplaren desselben Buches sonderbare Fehler -vor, die darauf hindeuten, dass die Setzer selbst die Korrekturen, -und zwar manchmal recht schlecht, lasen. Als Gegensatz muss erwähnt -werden, dass schon Gutenbergs Bibel, wenn sie auch nicht fehlerfrei -wurde, doch sehr sorgfältig korrigiert ist. Auch wissen wir, dass -oft ausgezeichnete Gelehrte die Korrektur besorgten; sie waren in -solchen Fällen nicht sowohl Korrektoren als Redaktoren des Textes. -Im allgemeinen ist es jedoch ein Irrtum, wenn angenommen wird, dass -die ältern Druckwerke sich durch ihre Korrektheit vor den heutigen -Erscheinungen auszeichnen. - - * * * * * - - Die Presse. - -Auffällig genug ist es, dass die ersten Drucker ihre PRESSEN so -wenig erwähnen. Es scheint fast, als ob man die Presse als eine alte -Erfindung keiner besonderen Aufmerksamkeit wert hielt. Mit Unrecht; -denn ist auch das Prinzip der Presse ein altes, so war doch der -Mechanismus der Druckerpresse neu. Die Vorzüge fallen leicht in die -Augen, wenn man sie mit der Schraubenpresse vergleicht, welche letztere -jedenfalls als Vorbild für die Druckerpresse gedient hat. Die Bibel -Gutenbergs muss unbedingt auf einer Presse hergestellt worden sein, -deren Druck rasch gesteigert und rasch gemindert werden konnte und -die mit einem beweglichen Fundament, einem Deckel und einem Rähmchen -versehen gewesen ist[3]. Die erste Abbildung einer Presse stammt -von Jod. Badius in Paris. Auf dieser Abbildung, wie auch auf allen -anderen, steht die Bank mit den zu bedruckenden und mit den bedruckten -Papierhaufen jenseit des Fundaments und des Karrens. Der Drucker zieht -den Bengel unter grosser Kraftanstrengung mit beiden Händen an, den -rechten Fuss stemmt er gegen den schrägen Tritt an. Und doch war der -Tiegel nur so gross wie die Hälfte der Schriftform; es gehörte demnach -ein zweimaliges Anziehen des Bengels dazu, um eine Form zu drucken. -Der erste Zug erfolgte, wenn der Karren zur Hälfte, der andere, wenn er -ganz eingefahren war. - - [3] Der Verlagsbuchhändler und Redacteur □H. Klemm□ in - Dresden, der mit grossen Kosten in einer verhältnismässig - sehr kurzen Zeit eine bedeutende Anzahl typographischer - Seltenheiten sammelte, hat auch die in einem Keller - des früheren Hofes „Zum Jungen“ in Mainz aufgefundenen - Bruchstücke einer Schraubenpresse erworben, von welchen - einerseits (vergl. □K. Klein□, Über Gutenberg und das - im ersten Druckhause aufgefundene Fragment der ersten - Druckerpresse. Mit 2 Abbd. Mainz 1851) angenommen wird, - dass sie der „ersten“, noch aus Strassburg stammenden - Presse Gutenbergs angehörten, was andererseits - angezweifelt wird, und zwar namentlich auf Grund der - Inschrift J. MCDXLI G., die in den erhaltenen Oberbalken - eingeschnitten ist, indem man sowohl an der Jahreszahl - und der ungewohnten Art diese zu schreiben (CD statt - CCCC) als auch an den römischen Buchstaben J. G. Anstoss - nimmt. Herr Klemm hat die Presse nach seinen Annahmen - vervollständigen lassen. Wie nahe er, namentlich in - Betreff des, aus vier Stücken sinnreich konstruierten - Rahmens, der sich leicht für verschiedene Formate - einrichten lässt, der Wirklichkeit gekommen, ist ja nicht - zu entscheiden. Nach H. Klemms Konjektur ist mit den - „vier Stücken“, um deren Auseinandernahme (vergl. S. 25) - man bei Dritzehns Tod so sehr besorgt war, ein solcher - Rahmen gemeint. - -Da die Pressen nur aus Holz und von gewöhnlichen Tischlern konstruiert -waren, so blieb vieles zu wünschen übrig. Selten mögen wohl Tiegel und -Fundament eine vollkommen gleichmässige Oberfläche gebildet haben. Die -unten abgesägten Typen hatten nicht ganz genaue Höhe, und das Papier -nicht gleiche Stärke, was die Ungleichheiten vermehrte. - -Um alle diese Unebenheiten auszugleichen war eine weiche Lage zwischen -Tiegel und dem Druckbogen notwendig, damit die Schrift tief genug in -das Papier eingedrückt wurde. Unter solchen erschwerenden Verhältnissen -verdienen die damaligen Leistungen des Druckers oft um so grössere -Anerkennung. - -Um das Register zu erzielen, bediente man sich anfänglich vierer -Punkturen in den Ecken. Die Plätze für den Rotdruck waren in dem -ersten Schwarzdruck mit niedrigen Quadraten ausgefüllt. Nachdem der -Schwarzdruck vollzogen war, wurden die rot zu druckenden Buchstaben -hineingestellt und durch Unterlagen etwas über die Schrifthöhe erhöht -und dann, nachdem die betreffenden Stellen in einem zweiten Rähmchen -ausgeschnitten waren, gedruckt. - - Die Farbe. - -Die FARBE der alten Drucke ist von sehr ungleicher Güte. In den Drucken -von Nic. Jenson in Venedig ist sie intensiv schwarz, sammetweich und -glänzend. Die Gutenbergsche Bibel ist mit kräftiger tiefschwarzer aber -glanzloser Farbe gedruckt. In dem Psalter von Fust und Schöffer ist -die Farbe bald glanzvoll, bald matt. In anderen Drucken ist die Farbe -wieder bräunlich oder schmierig, wieder in anderen ohne Konsistenz -und abwaschbar. Nicht selten ist die Schwärze in einem und demselben -Werke bald sehr dick, bald sehr sparsam aufgetragen. Hierbei hat -jedenfalls die grosse Verschiedenheit des Papiers wesentlich Schuld, -sowie die Unregelmässigkeit im Feuchten. Das Pergament ist öfters zu -stark poliert, öfters nicht ganz frei von Kalk oder Fett. Die allgemein -aufgestellte Behauptung, die ältere Farbe sei tiefer und glanzvoller -als unsere, ist nicht ganz korrekt. Sie scheint allerdings tiefer, -weil man sie auf Grund der grossen Typen und des starken Auftrags -massenhafter sieht; hätte man eine neue zarte Antiqua mit derselben zu -drucken gehabt, so würde sie wohl auch weniger schwarz erschienen sein. -Die Einschwärzung der Form geschah mittels Ballen, wie sie noch vor -etwa 50 Jahren im Gebrauch waren. - -Wie die Farbe zusammengesetzt wurde, ist nicht gesagt. Hier giebt -das aufgefundene Ausgabebuch der Ripoli-Presse von 1481, welches die -verbrauchten Materialien aller Art nach ihrer Quantität und ihren -Preisen angiebt, einigen Anhalt. Vom Russschwarz ist keine Rede, wohl -aber von Pech. Den ersten Platz nimmt Leinöl ein; Schellack und dünner -Firnis dienten dazu, der Farbe Glanz zu geben, ausserdem sind erwähnt -Cochenille und Harz. - - * * * * * - - Ausschmückung - der Bücher. - -Die „Illuminatoren“ und „Rubrikatoren“ verschwinden nach der Erfindung -der Buchdruckerkunst noch nicht von der Bühne. Die Initialen werden -zumteil nur in Umrissen, zumteil gar nicht eingedruckt und dann -von den Illuminatoren mehr oder weniger kunstvoll ausgemalt und -vergoldet; auch in dem Texte werden die Majuskeln, manchmal auch die -Interpunktionstrennungen mit roten Farbenstrichen hervorgehoben. Da -diese Arbeiten zeitraubend, demzufolge kostspielig waren, so verschob -man sie öfters; man findet deshalb viele Inkunabeln, in denen nur der -Raum für die Initialen gelassen ist, ohne dass diese später ausgeführt -wurden. - - Die eigentliche - Illustration. - -Die eigentliche ILLUSTRATION wurde von den ersten Buchdruckern -vernachlässigt, wahrscheinlich um nicht den Manuskript-Charakter der -Bücher zu stören. Die nachfolgenden waren jedoch weniger ängstlich. -Abgesehen von dem Mangel an künstlerischem Wert nahm man es mit -dem Sinn und der Wahrheit ziemlich leicht. Oft kommen in einem -und demselben Werk sogar damals lebende Persönlichkeiten in ganz -verschiedenen Auffassungen vor, oft dienen dieselben Holzstöcke als -Konterfeis von einem halben Dutzend historischer Personen von Adam -ab bis auf die damalige Zeit. Städte wurden ebenfalls ganz nach -der Phantasie abgebildet und derselbe Schnitt, selbst in einem und -demselben Werke, bald als Jerusalem, bald als London oder irgend eine -andere Stadt vorgeführt. Ob eine Einfassung im Einklang mit dem Texte -stand oder nicht, war ganz gleich. So kann man um die Seiten von -Gebetbüchern Einfassungen sehen, in welchen Affen ihr tolles Spiel -treiben oder gar anstössige Scenen aus der griechischen Mythologie -vorgeführt werden. Mit den Holzschnitt-Illustrationen wurde schon -frühzeitig Handel getrieben und dieselben zu Ausgaben in verschiedenen -Sprachen benutzt. - - * * * * * - -Obwohl das Baumwollen-Papier[4] anderthalbhundert Jahre vor der -Erfindung der Buchdruckerkunst in Europa bekannt war, so wurde für die -ersten Druckwerke doch auch von dem PERGAMENT, wenn auch daneben von -dem Papier, Gebrauch gemacht. Teils wollte man dem Gedruckten möglichst -den Charakter des Manuskriptes wahren, teils waren die liturgischen -Bücher einer so starken Abnutzung ausgesetzt, dass das solidere, -wennauch teurere Material vorgezogen wurde. - - [4] □De la Lande□, _Art de faire le Papier. 2. Ed._ Paris - 1820. -- □De la Lande□, _Art de faire le parchemin_. - Paris 1762. (Beide Werke auch deutsch.) -- □G. Peignot□, - _Essai sur l'hist. du parchemin et du velin_. Paris 1812. - -- □J. D. F. Sotzmann□, Über ältere Papierfabrikation. - Leipzig 1846 (Serapeum). -- Über Papierzeichen vergl. - die in der Einführung erwähnten Werke von □Sotheby□ und - □Weigel□ sowie □Ames□, _Typogr. Antiquities_, ferner: □G. - Fischer□, Versuch die Papierzeichen als Kennzeichen etc. - anzuwenden. Nürnberg 1804; □La Serna Santander□, _Les - livres impr. dans le XV Siècle_. Brüssel 1803 (Suppl. - zu der Beschreibung der Bibliothek des Verfassers). Über - Papierzeichen in Italien: _Esame sui principii della etc. - typogr._ Lucca 1797. - -Die Bearbeitung der Tierfelle als Stoff zum Beschreiben stammt -aus dem grauen Altertum. Schon Herodot berichtet, dass man auf -präparierte Hammel- und Ziegenfelle geschrieben habe. Später spricht -Josephus in seinen jüdischen Altertümern von einem prachtvollen, auf -Ziegenfell ausgeführten Manuskript aus dem Jahre 277 v. Chr. Will man -Plinius glauben, so rührt die Erfindung des eigentlichen Pergaments -(_Charta pergamena_) aus der Stadt Pergamum in Kleinasien, her, als -der ägyptische König Ptolomäus Epiphanes aus Eifersucht über die -Bestrebungen des pergamenischen Königs Eumenes □ii.□ (andere sagen -Attalus □ii.□), eine mit der alexandrinischen wetteifernde Bibliothek -zu schaffen, die Ausfuhr des Papyrus verbot. Später wurde das beste -Pergament, von den Römern gewöhnlich _membrana_ genannt, in Rom -verfertigt. - -Das Material für die Anfertigung des Pergaments, soweit es zum -Schreiben oder Bedrucken verwendet wird, sind Lamms-, Schafs-, Ziegen- -und namentlich Kalbsfelle. Das aus letzteren hergestellte Fabrikat -heisst _vellum_ (_Velin_), die Kälber dürfen, wenn das Velin gut werden -soll, nicht älter als sechs Wochen geworden sein; die feinste Sorte -liefern die Felle der ungeborenen Kälber (_velots_). - -Die Zubereitung des Pergaments[5] ist eine mühsame und zeitraubende. -Die Felle werden in eine Kalkgrube gethan, von der Wolle, den Haaren, -den Fleisch- und Fettteilen sorgsamst gereinigt, abwechselnd in Wasser -und wieder in Kalk gelegt, auf Rahmen gespannt, geschabt, mit Kreide -und Farbe ein- und mit Bimsstein abgerieben. - - [5] Mit dem tierischen Pergament ist nicht zu verwechseln das - Pergamentpapier (vegetabilische Pergament), das in der - neueren Zeit eine ziemlich grosse Verwendung findet. - -In Frankreich, wo die Fabrikation lebhaft betrieben wurde, gehörten -die Pergamentmacher unter die Jurisdiktion der Universität. Alles -nach Paris eingeführte Pergament musste nach der Halle der Mathuriner -gebracht werden, um dort von den Universitätsbehörden geprüft und -gestempelt zu werden (_rectorier_). Zu ihren Rechten zählte die -Universität auch den Verkauf auf den zwei grossen Messen zu St. Denis -und St. Ladre. - -Die nach Europa durch die Araber gebrachte Verfertigung des -BAUMWOLLEN-PAPIERS fasste mit jenen zuerst in Spanien Wurzel, -hauptsächlich in Xative, Valencia und Toledo. Anfänglich wurde zur -Fabrikation nur rohe Baumwolle benutzt, dann baumwollene Lumpen, -später baumwollene und leinene gemischt, schliesslich im □xiv.□ Jahrh. -leinwandene allein. Als mit der arabischen Herrschaft in Spanien auch -die dortige Papierfabrikation sank, wendete letztere sich namentlich -nach Italien. Um Mailand, Venedig, Florenz, Bologna, Parma, in -Padua, Treviso, namentlich in Fabriano entstanden Papiermühlen, die -nicht allein Italien, sondern bis in das □xv.□ Jahrh. hinein fast -ausschliesslich den Süden Deutschlands versorgten, ja ihr Fabrikat bis -nach Sachsen sandten, während West- und Niederdeutschland ihren Bedarf -aus Frankreich und Burgund bezogen, welche Länder auch nach England -ihren Absatz hatten. Von den Papiermärkten waren namentlich die in -Brügge, Antwerpen und Köln bedeutend. - -Aus dem gesagten geht schon hervor, dass die Fabrikation, wennauch in -Deutschland nicht unbekannt, hier doch nicht genügend fortgeschritten -war, um den heimischen Bedarf zu decken, noch weniger, um an eine -Ausfuhr zu denken. - -Die Bezugsquellen der Papiere lassen sich namentlich aus den -„Wasserzeichen“, Marken der Fabriken, erkennen, welche zugleich, wenn -nicht untrügliche, so doch beachtenswerte Beiträge zur Beurteilung -des Entstehens älterer Druckwerke liefern, untrüglich deshalb nicht, -weil einerseits einige dieser Zeichen, z. B. der Ochsenkopf oder das -Monogramm •P• fast überall verbreitet waren, andererseits, weil -oft Papiere aus verschiedenen Ländern oder Orten stammend und mit -verschiedenen Zeichen versehen in einem und demselben Werke verwendet -wurden. Das Entstehen des Ochsenkopfes und des •P• ist nicht -genügend erklärt. Ganz unwahrscheinlich ist es nicht, dass man den -Ochsenkopf wählte, weil St. Lucas, dessen Symbol bekanntlich ein -Ochs ist, der Hauptpatron der Malergilden von Italien bis nach den -Niederlanden war, und zu diesen Gilden gehörten auch die Papiermacher. -Das •P• dürfte auf „Papier“ hindeuten. Es wird dies dadurch um so -wahrscheinlicher, als dieses Zeichen dem italienischen Papier (_Carta_) -fehlt. Doch das alles ist Mutmassung. - -Einige Wasserzeichen als Schiff, Anker, Weintraube, Kardinalshut, -Bischofsmütze, gekreuzte Schlüssel, sowie die Wappen von einzelnen -Ländern, Städten und Familien deuten zwar mitunter etwas näher auf -einen Abstammungsort des Papiers, sie sind jedoch auch nicht immer -zuverlässige Kennzeichen, da z. B. Löwen, Lilien, Kronen in so vielen -Wappen vorkommen. - -Die deutschen Wasserzeichen sind in Bezug auf Bestimmung des Alters -und des Entstehungsortes der Bücher deshalb weniger wichtig, weil die -deutschen Papiere erst zu einer Zeit recht zur Geltung kamen, zu der -die Druckorte, Jahreszahlen und Verleger fast allgemein auf den Büchern -genau angegeben stehen. - -Die älteste deutsche Papierfabrik scheint die von U. Stromer in -Nürnberg gewesen zu sein, für welche im J. 1390 Arbeiter aus Italien -berufen wurden. Trotzdem wurden aber doch die ersten Nürnberger -Drucke auf italienischem Papier gedruckt. Basels Bedeutung für die -Papierfabrikation wurde bereits S. 44 erwähnt. - -In Augsburg ward 1468, in Kempten 1477 die erste Mühle angelegt. Ein -Hauptplatz der Fabrikation war um die Mitte des □xv.□ Jahrhunderts -die ehemalige Reichsstadt Ravensburg in Schwaben, wo grosse Massen von -Papier, jedoch keins, das mit den vorzüglicheren Sorten des Auslandes -den Vergleich aushielt, geliefert wurde[6]. - - [6] □D. E. Beyschlag□, Beiträge zur Kunstgesch. von - Nördlingen. Heft IV u. V. Nördlingen 1798-1801. - -Das älteste Druckpapier war stark geleimt, kräftig aber hart, und -verschieden in der Stärke, so dass gewissenhafte Druckereien das Papier -nach Stärke, wie auch nach Färbung, sortierten. Die rauhe Oberfläche -war dem Druck nicht günstig und das Satinieren und Glätten war -unbekannt. Man machte bald die Erfahrung, dass das ungeleimte Papier -nicht allein billiger, sondern auch zur Aufnahme der fetten Druckfarbe -zweckdienlicher sei, als das geleimte. - - * * * * * - - Neue und alte - Drucke vergli- - chen. - -Aus dem gesagten geht hervor, dass wir jetzt vollkommenere Werkzeuge -und besseres Material haben. Es wird schneller, billiger und mit -grösserer Akkuratesse und Eleganz, mit mehr Rücksicht auf die -Bequemlichkeit des Lesers und mit weit mehr Abwechselung für das -Auge gedruckt, so dass die alten Drucke im allgemeinen doch nicht den -Vergleich mit den neuen aushalten. Vieles, was bei den alten Drucken -uns fesselt, ohne dass wir uns stets genaue Rechenschaft von dem Grund -ablegen können, beruht sicherlich auf dem Umstand, dass sich in der -ersten Zeit Schriftgiesser, Buchdrucker, Verleger in einer Person -vereinigten. Hierdurch entstand eine einheitliche Durchführung; man -möchte fast sagen, es macht sich eine ausgeprägte Persönlichkeit in dem -Werke geltend, so dass man schon beim Aufschlagen eines Buches sofort -weiss, mit wem man zu thun hat, und sich wie zuhause fühlt. - -Sind nun auch die technischen Verbesserungen grossartig, so ist -die Arbeit des Typographen in ihrem Wesen dieselbe geblieben. -Die Druckweise Gutenbergs ist nicht veraltet und weder durch die -Lithographie, noch durch die Photographie, noch durch irgend ein -anderes Verfahren der Neuzeit in Schatten gesetzt; ihr gehört immer -noch die Führung der graphischen Künste, und sie wird ihr wohl auch für -die Zukunft bleiben. - - * * * * * - - Die Anfänge der - Buchbinder- - kunst. - -In engster Verbindung mit der Buchdruckerkunst stand die -BUCHBINDERKUNST[7], und es konnte von einer solchen eigentlich erst -nach der Entstehung des gedruckten Buches die Rede sein. Die ältesten -handschriftlichen Denkmale sind nicht in Bogen-, sondern in Rollenform, -indem man ein Blatt an das andere der Länge nach klebte und das Papier -nur einseitig beschrieb, sie konnten also auch nicht gebunden werden, -sondern mussten als Rolle (_volumen_) behandelt werden. Nach der -Erfindung des Pergaments trat ein anderes Verfahren ein, man faltete -die Pergamentblätter, beschrieb sie auf beiden Seiten und bildete -Lagen, gewöhnlich aus vier Doppelblättern bestehend. Diese wurden -auf schmale Streifen Pergament geheftet und mit einem Stück Pergament -umgeben, von welchem das obere Blatt öfters breiter geschnitten war, -als die anderen Blätter, so dass es wie die Klappe einer Brieftasche -die eingelegten Blätter schützte. - - [7] □Rich. Steche□, Zur Geschichte des Bucheinbandes. (Archiv - z. G. d. Buchh. I.) Leipzig 1878. -- □G. Peignot□, _Essai - etc. sur la relieure des livres_. Dijon 1834. -- □J. - Cundall□, _On bookbinding ancient and modern_. London - 1880. -- _Monuments inédits ou peu connus, faisant partie - du Cabinet du_ G. Libri. London 1864. -- □M. Michel□, _La - reliure française depuis l'invention de l'impr._ Paris - 1880. - - Die Diptychen. - - Ritualbücher. - -Von eigentlichen festen Einbänden gaben die römischen Diptychen, d. -h. zwei mit Wachs überzogene, an der einen Langenseite verbundene -Holztafeln, die ersten Proben. Waren in dieser Weise, statt zwei, drei -oder mehr Platten verbunden, so hatte man Triptychen oder Polyptychen. -Die Deckelseiten wurden öfters mit Schnitzwerk, Bildnissen von Konsuln -oder Kaisern, in der christlichen Zeit von Heiligen geschmückt, wobei -es mitunter einem Kaiser passierte zu einem Heiligen zu avancieren. Für -die schweren Ritualbücher auf Pergament wurden ähnliche feste Einbände -beibehalten, und die Deckel in Holz oder Elfenbein künstlich geschnitzt -oder in durchbrochenem Metall gearbeitet, oft unter Ausschmückung mit -Perlen und Edelsteinen. Auch Sammet- und Seidenüberzüge mit reichen -Goldstickereien kamen zur Anwendung. Während des □xi.□ Jahrhunderts -machte sich der deutsche Kunstfleiss und Geschmack, namentlich am -Niederrhein, geltend. Es entstanden eine grosse Anzahl Arbeiten in -Metall mit farbenprächtigem Schmelz überzogen, eine Technik, die im -□xii.□ Jahrh. besonders in Limoges in Frankreich zur Geltung kam. - -Solche wertvolle Bände sind in ziemlich grosser Zahl erhalten. Die -Werkstätten befanden sich in den Klöstern; die Verfertiger waren Mönche -oder Laienbrüder und arbeiteten mit den Abschreibern und Illuminatoren -Hand in Hand. - - Lederbereitung. - -Durch die Kreuzzüge lernte man die kunstreiche Lederbearbeitung des -Orients kennen. Das Gerben der Tierfelle ward schon in alter Zeit von -den Chinesen und Ägyptern in hoher Vollendung geübt. Durch die Araber -wurde diese Technik nach Spanien und Sicilien gebracht. Der Corduan, -der Saffian, das Chagrinleder und die Juchten gaben ein vortreffliches -Material für Bucheinbände ab. - -Der Corduan (so nach der Stadt Cordova, von den Franzosen _Maroquin_, -von den Engländern _Morocco_ genannt) ist ein narbiges Ziegenleder, von -dem sich der Saffian nur durch seine Glätte unterscheidet. Der Chagrin -(persisch _Sagre_) ist wie mit runden Körnchen übersät, was durch -Hineintreten von Samenkörnern hervorgebracht wird. Juchten ist meist -Rinds- oder Pferdeleder, welches mit Laugen, Beizen und Farbstoffen -behandelt und durch Birkenöl geschmeidig gemacht wird. - -Durch Verzierungen wurden die Lederflächen belebt, in der ältesten Zeit -sind diese gewöhnlich in das Leder eingeschnitten und die vertieften -Stellen mit Farbe ausgemalt. Der Grund wird öfters punktiert oder -mit kleinen eingetriebenen Verzierungen in Kreisform ausgefüllt. Das -feuchte Leder wurde auch mit dem Modellier-Eisen plastisch bearbeitet -und reiche Figurenbilder hergestellt. Manchmal kam die Schrotmanier -zur Anwendung. Von den mit Stanzen und Rollen eingepressten Ornamenten -wurde ein sehr freigebiger Gebrauch gemacht. Die Ecken waren gewöhnlich -mit, meist durchbrochenen, Metallbeschlägen versehen. Spangen -(Klausuren, Schleissen), teils von Leder, teils von Metall, hielten die -Deckel zusammen. Die grossen Folianten waren ungemein schwer, ruhten -gewöhnlich auf Schrägpulten und waren oft in den Bibliotheken an Ketten -gelegt. - - Die Einbände des - König Matthias - Corvinus. - -Den Übergang zur Renaissancezeit bilden die Arbeiten, welche der -ungarische König Matthias Corvinus in seiner ausgezeichneten Bibliothek -zu Ofen gesammelt hatte. Sämtliche Bücher dieser Bibliothek, für welche -jährlich 33000 Dukaten verwendet wurden, wurden in Sammet oder Leder -gebunden, mit goldenen oder silbernen Spangen und mit dem Wappen des -Königs geschmückt. Dreissig Schreiber und Maler, darunter bedeutende -Künstler, waren regelmässig für die Bibliothek beschäftigt. - - * * * * * - - Segensreicher - Einfluss der Buch- - druckerkunst. - -DIE LITTERARISCHE PRODUKTION[8]. Es ist nicht die Aufgabe eines -Handbuches der Geschichte der Buchdruckerkunst, die Werke alle -aufzuzählen, welche den Pressen ihr Dasein verdanken, noch weniger eine -Kritik zu üben, aber es dürfte doch geboten sein, in aller Kürze zu -überblicken, in welcher Weise die Presse und der Buchhandel sich bei -der Verbreitung der Erzeugnisse des Geistes in der ersten Zeit -- der -Periode der Wiegendrucke (Inkunabeln) -- beteiligten[9]. - - [8] Von den vielen bibliographischen Werken, welche die - früheren Erzeugnisse der Presse verzeichnen und zumteil - näher beschreiben, nennen wir nur einige wenige der - hervorragendsten und vollständigsten, da kaum anzunehmen - ist, dass viele der dem Buchdruckfach angehörenden Leser - dieses Handbuches in solchen Werken Belehrung suchen - werden, und andere, dem Litteraten- und Buchhändlerberufe - sich widmende, die betreffende Litteratur kennen: - - □Mich. Maittaire□, _Annales typographici ab artis inventæ - origine ad Annum MD_. (Die bis zum Jahr 1500 erschienenen - Werke bezeichnet man im engeren Sinn als Wiegendrucke, - Inkunabeln.) Tom. I des ganzen Werkes. Haag 1719, - vervollständigt durch die _Ed. nova_ (als Tom. IV). - Amsterdam 1733. -- □Georg Wolfg. Panzer□, _Ann. typ. ab - etc. ad annum MDCXXXVI_. 11 Bände. Nürnberg 1793-1803. - -- □Ludw. Hain□, _Repertorium Bibliogr. ab etc. usque - ad annum MD_. Stuttgart 1826-1838. -- □J. Ch. Brunet□, - _Manuel du libraire et de l'amateur de Livres_. 5. Aufl. - 6 vols. Paris 1860 u. flg. -- □J. G. Th. Grässe□, _Trésor - de livres rares et précieux_. Dresden 1859 u. flg. - Des näheren verweisen wir auf □Dr. Julius Petzholdt□, - _Bibliotheca Bibliographica_, Kritisches Verzeichnis - der das Gesamtgebiet der Bibliographie betreffenden - Litteratur des In- und Auslandes. 938 S. gr. 8. Der - Umfang beweist schon den enormen Reichtum dieser - Litteratur. - - [9] □Ch. F. Harless□, Die Litteratur der ersten hundert Jahre - nach der Erfindung der Typographie. Leipzig 1840. -- □A. - Kirchhoff□, Die Handschriftenhändler des Mittelalters. - 2. Ausg. Leipzig 1853. -- □A. Kirchhoff□, Beiträge zur - Gesch. des deutschen Buchh. 2 Bde. Leipzig 1851-1853; - weitere Beiträge 1855. -- □Dr. F. Sachse□, Die Anfänge - der Büchercensur in Deutschland. Leipzig 1869. - -Musste auch die Presse in ihren Anfängen vielfach der mystischen -Schwärmerei, der pedantischen Scholastik und spitzfindigen Dialektik -sowie dem Aberglauben und der Charlatanerie dienen, so dauerte es -doch nicht lange, bis ihr segensreicher Einfluss sich auf das ganze -wissenschaftliche und Kulturleben geltend machte. In allen Fächern -entbrannte ein Wettkampf der Gelehrten und Kunstverständigen, um -durch die Presse ihre Kenntnisse, Erfahrungen und Entdeckungen weiter -zu verbreiten, Irrtümer aufzuklären und die Fesseln des Wahnes zu -sprengen. - - Verbreitung der - heil. Schriften. - -Als die segensreichste Wirkung der Erfindung der Buchdruckerkunst ist -die rasche Durchführung der Reformation zu bezeichnen. Die Presse -bemächtigte sich sofort der heiligen Schriften, und wie schon oben -berichtet wurde waren nicht weniger als drei Ausgaben der lateinischen -Bibel die Hauptwerke des Erfinders und seiner Geschäfts-Nachfolger. -Zu diesen kamen die weiteren Bibel-Ausgaben des Mentelin und des -Eggesteyn in Strassburg, des Günther Zainer und des Ant. Sorg in -Augsburg, des Bernh. Richel in Basel, des Ulrich Zell und des Nik. -Götz in Köln, des Sweynheim und Pannartz in Rom, des Sensenschmid -und der Koberger in Nürnberg. In Paris erschien die Bibel 1476, in -Venedig 1475, in Neapel 1476; deutsche Bibeln wurden verbreitet in -Strassburg 1466, in Augsburg 1469, in Nürnberg 1471; Ausgaben in -französischer, italienischer, spanischer und holländischer Sprache gab -es in den siebenziger Jahren; plattdeutsche in Köln 1480, in Lübeck -1494; englische, dänische, schwedische und polnische Bibeln folgten zu -Anfang des □xvi.□ Jahrhunderts. Wie es die lateinisch gedruckte Bibel -war, welche Luther das Licht anzündete, so war es wieder die deutsch -gedruckte Bibel in Luthers unübertroffener Übersetzung, die im Verein -mit seinen eigenen Schriften und denen Philipp Melanchthons, Ullrich -Zwinglis, Joh. Calvins, John Knox' und anderer Reformatoren, unter das -Volk ein helles, nicht mehr zu verlöschendes Licht verbreiten. - - Die Kirchenväter - und Scholastiker. - -Neben der Bibel wurden namentlich die □Kirchenväter□ in korrekten -und schönen Ausgaben gedruckt, als: Lactantius, Augustinus, -Eusebius, Nemesius, Clemens von Alexandrien u. a. War der Nutzen -dieser und ähnlicher Werke für die Wissenschaft auch kein durchweg -unzweifelhafter, so wurde durch sie doch manche nützliche Kenntnis -verbreitet. Selbst die Häupter der Scholastik Thomas von Aquino, -Michael Scotus, Albertus Magnus blieben nicht ohne fruchtbringende -Anregungen, nicht zu vergessen Roger Baco. - - Die klassische - Litteratur. - -Gross waren die Fortschritte auf dem Gebiete der □klassischen -Litteratur□ und der Philologie. Italien, dessen Boden am besten -vorgeebnet war, ging voran; es folgten in ruhmwürdiger Weise namentlich -Frankreich und die Niederlande. Zuerst kamen die römischen Klassiker -an die Reihe, dann die griechischen in lateinischer Übersetzung, -schliesslich die Ausgaben in der griechischen Ursprache. Die ersten -Förderungsmittel der Linguistik waren die Donate, denen dann viele -andere Grammatiken folgten. - -Die Zahl der Klassiker-Ausgaben und der Kommentare war eine bedeutende. -Den Anfang machte _Cicero de officiis_ (1465 bei Fust und Schöffer); -bis zum Jahre 1500 erschienen verschiedene Werke Ciceros zusammen -in über 100 Ausgaben. Den Vorrang in dem Klassikerdruck behauptete -Venedig, dann folgten Rom, Florenz, Mailand, Neapel, Bologna, Paris, -Köln, Augsburg, Nürnberg, Ulm. Die römischen Dichter erschienen fast -alle in den ersten 25 Jahren der Kunst, die griechischen in den letzten -Dezennien des □xv.□ und in den ersten des □xvi.□ Jahrhunderts. Der -Lieblingsdichter war Virgil (1469 bei Sweynheim), von welchem im Jahre -1500 schon siebenzig Ausgaben existierten. - - Philosophen und - Naturforscher. - -Unter den □Philosophen□ und □Naturforschern□ stand Aristoteles -begreiflicherweise obenan. Seine Werke erschienen, jedoch sehr -entstellt, in lateinischer Übersetzung nach syrischen oder arabischen -Bearbeitungen; eine vollständige lateinische Ausgabe nach dem Originale -erblickte erst 1473 das Licht durch Andreas de Asola in Venedig; die -erste Original-Ausgabe brachte Aldus Manutius (1495-1498) in 5 Bänden; -Plato fand erst später Anerkennung. - -Auch die □Historiker□, □Geographen□ und □Mathematiker□ der Alten wurden -verbreitet. Bemerkenswert sind namentlich die Ausgaben des Ptolomäus -mit 27 grossen in Kupfer gestochenen Karten von Arnold Buckink e -Germania und des Euklid in der prachtvollen Ausstattung durch Ratdolt -(1482). - - Die Reise- - beschreibung. - -Dass die Typographie sich auch der neuen □Erd-□ und □Reisebeschreibung□ -zuwendete, war schon durch die einflussreichen Ereignisse der Kreuzzüge -und der grossen Entdeckungen gegeben. Die Kreuzzüge hatten nicht nur -die Streiter für die Kirche massenhaft in Bewegung gesetzt, sondern -auch manche friedliche und wissbegierige Reiselustige, Minstrels und -auch Abenteurer aller Art wurden nach dem Orient gelockt. Dadurch -entstanden nicht nur jene romantischen Legenden von dem heiligen -Lande, von den Heldenthaten und Abenteuern der Ritter, sondern auch -Beschreibungen von Reisen und Erlebnissen auf letzteren. Öfters -gingen auch Gesandtschaften an die Herrscher Asiens. Berühmt geworden -vor allen Reisenden in Asien ist der Venetianer Marco Polo. Eine -italienische Ausgabe seiner Reisen ist erst aus dem Jahre 1496 bekannt; -ob eine frühere existierte, weiss man nicht, eine deutsche, nach -einer lateinischen Ausgabe veranstaltete Übertragung war schon 1477 -vorhanden. Die Reise Bernh. Breydenbachs fand grossen Anklang. - - Die Entdecker. - -Eine noch grössere Bedeutung für die geographische Litteratur als -die Kreuzzüge hatten die grossen Entdeckungen von Christoph Columbus, -Amerigo Vespuzzi, Fernando Cortez in Amerika, sowie von Vasco de Gama, -Albuquerque in Afrika und Indien. Berichte über diese Entdeckungen -lieferten teils die Entdecker selbst, teils Andere. Bedeutend für -die Kosmographie und die Kartographie war Martin Behaim aus Nürnberg -(1436-1507). - - Die Chroniken. - -Weniger anziehend waren die Erscheinungen auf dem Gebiete der -□Geschichte□. Die Annalen und Chroniken waren meist trockene -kritiklose Aufzählungen von Daten, oder mehr oder weniger dichterisch -ausgeschmückte Erzählungen von den Heldenthaten der Ritter. Durch ihre -reiche Illustrierung epochemachend war die Schedelsche Chronik. - - Die juristische - Litteratur. - -Unter den Werken der □Jurisprudenz□ waren namentlich die _Institutiones -juris Justiniani_, zuerst von Schöffer 1468 gedruckt, welche in -zahlreichen Ausgaben verbreitet wurden. - - Die Naturwissen- - schaften und die - Heilkunde. - -Die Werke auf dem Gebiete der gesamten □Naturwissenschaften□ und -der □Heilkunde□ blieben zumeist ohne grossen Wert. Den Anfang machte -auch hier der Druck der Schriften der alten römischen, griechischen -und arabischen Ärzte, namentlich des sogenannten Fürsten der Ärzte, -Avicenna, von dessen Schriften bereits vor 1500 mehr als 25 Ausgaben -im Druck erschienen waren. Bedeutende wissenschaftliche Ausbeute geben -sie nicht. Leerer Dogmatismus, Alchemismus und Astrologismus hemmten -die freie Forschung. Die grossen geographischen Entdeckungen sollten -jedoch auch nicht ohne wohlthätigen Einfluss auf die Naturwissenschaft -und ihre Litteratur bleiben, man lernte neue Pflanzen, neue Heilmittel -und leider auch neue Krankheiten kennen. Es entstanden hierdurch die -zahlreichen mit Illustrationen geschmückten Kräuterbücher und Gärten -der Gesundheit. - - Die Poesie. - -Italien hatte, wie oben schon erwähnt wurde, noch vor der Erfindung der -Buchdruckerkunst seine grossen □Dichter□: Dante Alighieri, Boccaccio -und Petrarca hervorgebracht. Dantes _Divina commedia_ wurde zum -erstenmale 1472 in Foligno gedruckt; seine gesammelten Gedichte 1500. -Boccaccios _Decamerone_ erschien schon 1470 und dann in sehr vielen -Ausgaben, unter welchen die berühmte Valdarfersche (1471). Die erste -Gesamtausgabe des Boccaccio datiert aus dem Jahre 1490. Petrarcas -_Sonetti e trionfi_ wurden 1471 durch den Druck veröffentlicht. - -An die Meisterwerke der Poesie Italiens reichen die dichterischen -Erzeugnisse der anderen Länder nicht heran. Mit wenigen Ausnahmen -bewegen sich diese in der breiten, epischen Romantik des Rittertums, in -den Heldenliedern, in den lyrisch-elegischen Gesängen der Troubadours -und Minnesänger, in den, teils scherzhaften, teils ernsten Volksliedern -oder in langweiligen didaktischen Gedichten. Unter den humoristischen -und satirischen Schriften macht namentlich Sebastian Brants -Narrenschiff mit seinen Illustrationen Epoche. - - Trennung der - Buchdruckerei - vom Buchhandel. - -Der BUCHHANDEL. Mit den steigenden Bedürfnissen der Lesewelt und -der Verbreitung der Pressen selbst nach kleineren Städten musste -die Vereinigung des Schriftgiessers, Buchdruckers, Verlegers -und Händlers in einer Person von selbst fallen und die einzelnen -Geschäftszweige lösten sich nach und nach vom Stamme ab. Zuerst -musste der Buchdrucker-Verleger bei der Schwierigkeit des Betriebs -Persönlichkeiten suchen, die seine Fabrikate an das Publikum -verhandelten. So nahmen schon Peter Schöffer den Conrad Henliff; -Joh. Mentel den Adolf Rusch als Bevollmächtigte und Teilnehmer an, -welche weite Reisen machten, um die Bücher an den Mann zu bringen, -wozu sie sich auch der Kaufleute bedienten, die Bücher zugleich -mit anderen Waren führten. Neben dem kaufmännisch organisierten -Vertrieb fand auch das Kolportieren, das Webern, statt. Schon im -□xv.□ Jahrhundert fanden sich bedeutende Buchhändler. Niederlagen -wurden an den Knotenpunkten des Verkehrs errichtet, und gegen Ende des -Jahrhunderts war der Buchhandel in Venedig, Lyon, Frankfurt am Main -schon von grosser Bedeutung. Auch Köln war, wenn als Verlagsplatz auch -unter dem drückenden Einfluss der geistlichen Bevormundung stehend, -ein wichtiger Ort namentlich für die Vermittelung des Absatzes nach -den reichen Niederlanden, wo die Buchhändler der angesehenen St. -Lucas-Gilde angehörten, und nach England, wo indes der Buchhandel sich -nur langsam entwickelte, da es keine Bücher in Tausch anzubieten hatte. -Um bedeutende Werke erscheinen lassen zu können, wurde öfters zur -Association unter Buchdruckern und Buchhändlern geschritten. Man teilte -dann gewöhnlich die Auflagen. - - Die Zensur. - -Als die Bedeutung der neuen Kunst den geistlichen und weltlichen -Behörden klar geworden war, fand sich, als unwillkommener Gast, -baldigst die □Zensur□ ein, schon in den sechziger Jahren in Köln, -später in Mainz. Die Formel in Köln lautete: _admissum ac approbatum ab -alma universitate Coloniensi_. Ob jedoch vom Beginn ab die Einholung -der Approbation ein Zwang war, oder ob diese mehr als eine Empfehlung -nachgesucht wurde, ist nicht ganz klar. Gegen das Ende des □xv.□ -Jahrh. findet man jedoch in allen deutschen Erzdiözesen eine wirkliche -geistliche Zensur eingeführt. - -[Illustration:Kapitelende] - - - - - ZWEITES BUCH. - - [Illustration:Verzierung] - - GLANZPERIODE UND VERFALL - - DER - - BUCHDRUCKERKUNST - - 1500-1750. - - - - -[Illustration:Kapitelanfang] - -EINFÜHRUNG IN DAS ZWEITE BUCH. - - -WIR haben in dem vorstehenden gesehen, wie überraschend schnell -die Verbreitung der Buchdruckerkunst durch alle Länder Europas sich -vollzog, auch die Verhältnisse und Gründe kennen gelernt, welche zu -diesen ausserordentlichen Erfolgen beitrugen. Wir treten jetzt an die -zweite, die schönste, Periode der Typographie heran, in welcher sie -ihren Weltgang vollendete und in Europa zur hohen Blüte gelangte. - -Gelehrte von Ansehen wenden sich, teils direkt als praktische Ausüber, -teils indirekt als fördernde Herausgeber, Redaktoren und Korrektoren, -der Buchdruckerei zu, als dem vollendetsten Mittel, Aufklärung -überallhin zu verbreiten. Sie schaffen durch dieselbe zahlreiche -Ausgaben der Klassiker und andere Werke, deren äussere Ausstattung mit -dem inneren Wert harmoniert. Eine Anzahl von Familien, die man als -den Adel der Buchdrucker bezeichnen kann, erwirbt durch treffliche -Arbeiten Ruhm und bewahrt diesen durch lange Reihen von Jahren. -Gebildete Herrscher, in Deutschland voran der Kaiser Maximilian □i.□ -und die sächsischen Fürsten, in Frankreich Franz □i.□ und fast alle -seine Nachfolger, verschmähen es nicht der Typographie und den mit ihr -verwandten Gewerben ihre persönliche Aufmerksamkeit zu schenken. - -Die Buchdruckerkunst ist in den Dienst der Wissenschaft getreten, sie -ist ihr aber mehr eine sorgsame Genossin denn eine rastlos für alles -schaffende Magd. - -Die schönsten Früchte der ersten Hälfte des □xvi.□ Jahrhunderts -reifen jedoch erst durch die enge Vereinigung der Xylographie mit -der Typographie. Bedeutende Künstler, die zum Teil nur durch die -Holzschnitte ihren Ruf haben, welche, wenn nicht von ihnen selbst, so -doch unter ihrer Leitung ausgeführt wurden, widmen sich mit Vorliebe -der Illustration. So entstehen sowohl viele, heute noch mustergiltige -ganze Werke, als zahllose Einzelblätter. - -Diese Hinneigung zum Holzschnitt war nicht dem Zufall oder nur der -Bequemlichkeit, für ihn zu zeichnen, zuzuschreiben, sondern sie lag -in den Verhältnissen tiefer begründet. Es konnte nicht anders sein, -als dass die Maler der Reformationszeit, welche Zeugen der Segnungen -der Erfindung Gutenbergs waren, die populärste Kunst, die Xylographie, -deren Erzeugnisse so leicht und so weit durch die Druckerpresse -verbreitet werden konnten, freudig begrüssen und begierig eine -Gelegenheit ergreifen würden, durch welche auch sie berufen waren, an -dem grossen Werke der Reformation thätig mitzuwirken. - -So wurde das Zeitalter der Reformation, wie die Gegenwart, zugleich ein -Zeitalter der Illustration und die glückliche Verbindung von Bild und -Wort hat denn auch gar viel zur schnellen Verbreitung der Bildung durch -alle Schichten beigetragen. Die Geschichte der illustrierenden Künste, -speziell der Xylographie, ist deshalb nicht von der Geschichte der -Typographie dieser Periode zu trennen. - -Bei den in der Gegenwart mächtig sich kundgebenden ernsten -Bestrebungen, die zur Zeit der Renaissance bestandene innige -Verbindung der Kunst mit dem Gewerbe wieder herzustellen, musste -sich notwendigerweise auch die Aufmerksamkeit aller strebenden Jünger -Gutenbergs den goldenen Tagen der Druckkunst zuwenden. - -Ehrt man auch die vorangegangenen Anfänge der druckenden Künste als -die ältesten ehrwürdigen Denkmale, verfolgt man auch mit lebhafter -Teilnahme die allmählichen Fortschritte der Kunst bis zum Beginn des -□xvi.□ Jahrhunderts, so kann doch nur ein einseitiges Schwärmen für -die Vergangenheit in diesen Leistungen -- mit wenigen Ausnahmen -- -nachahmungswürdige Vorbilder erblicken. - -Anders verhält es sich jedoch mit den Werken derjenigen Periode, -vor welcher wir jetzt stehen. Hier haben wir es nicht mehr mit nur -historisch interessantem oder relativ gutem zu thun, sondern mit -Erzeugnissen der besten Schriftschneider, Buchdrucker und Holzschneider -und mit meisterlichen Schöpfungen noch heute nicht übertroffener -Künstler. Die Werke der Renaissancezeit bilden einen Born, aus dem man -immer und immer schöpfen kann, ohne dass ein Versiegen bemerkbar wäre. - -Deshalb kann auch ein Zurückgreifen der Schriftschneider auf die besten -Schriften des späteren Mittelalters oder ein Hervorholen der, lange -Zeit in den Kunstsammlungen und Bibliotheken für das grosse Publikum -begraben gewesenen Ornament- oder sonstigen Illustrations-Schätze nicht -als ein Rückschritt zu etwas „veraltetem“ bezeichnet werden. Nach den -Ausschreitungen über die Grenzen des Schönen, des Zweckmässigen und -der wirklichen Fortschritte hinaus, an welche die neuere Zeit ebenso -reich ist wie an wirklichen Verbesserungen, trat das Bedürfnis ein, die -ruhigen, einfachen und doch kräftigen Formen der Glanzperiode wieder -aufzusuchen, und was die Illustration betrifft, so kehren Künstler -ersten Ranges mit Befriedigung zu der edlen einfachen Weise eines Dürer -oder Holbein zurück. - -Damit sei aber nicht behauptet, dass in dieser Richtung nicht das -rechte Mass vielfach überschritten werde und dass nicht sklavische -Nachahmungssucht auf Irrwege geführt habe, aber im grossen und -ganzen bleibt es doch wahr, dass der denkende Schriftgiesser, der -illustrierende Künstler und der Typograph in der Renaissancezeit -die reichste Anregung und schönste Ermunterung für ein gedeihliches -Schaffen auf ihren Gebieten suchen können und finden werden. - -Darum bedarf es auch nicht der Entschuldigung, wenn wir bei dieser -bevorzugten Zeit und den hervorragenden Persönlichkeiten derselben mit -Vorliebe etwas länger verweilen; mussten doch gar zu bald fast in allen -Ländern die Folgen der kirchlichen und politischen Spaltungen sich -kund geben und der helle Glanz dem mehr oder weniger tiefen Dunkel des -Verfalls weichen. - -Leider sollte dieser Rückfall auf das empfindlichste das Heimatland -der Erfindung treffen. Der Bauernkrieg, die langen inneren religiösen -Kämpfe, vor allem der unselige dreissigjährige Krieg und die -verwüstenden Züge der Franzosen schlugen der geistigen Entwickelung -Deutschlands und seinem nationalen Wohlstande tiefe Wunden, die -nur langsam vernarben konnten. Erst zu Ende der vorliegenden -Periode zeigten sich der aufgehende Stern des preussischen Staates -und die Anfänge der neueren nationalen Litteratur als Vorboten -des Fortschrittes auf dem Gebiete der politischen und geistigen -Machtstellung Deutschlands. - -Je höher der Gipfel war, den Kunst und Bildung in Italien erreicht -hatten, um so tiefer war der Fall, der auch hier eintrat. Zu gleicher -Zeit seufzte Spanien unter dem Joche der Jesuiten und den Greueln der, -den physischen und geistigen Tod verbreitenden Inquisition. - -Frankreich musste unter politischen und Religionskämpfen bluten, -erreichte jedoch trotzdem in dieser Periode unter der glanzvollen -Regierung Ludwigs □xiv.□ sein höchstes äusseres Ansehen und seinen -litterarischen Zenith. Infolgedessen sinkt die Typographie hier auch -nicht so schnell und erst zu einer Zeit, wo wir bereits von einem -beginnenden Wiederaufblühen in anderen Ländern, namentlich in England, -zu berichten haben. - -Hier war eine Regierungsumwälzung der anderen gefolgt und die Presse -hatte in schweren Fesseln gelegen, bis gegen den Schluss der Periode -die Freiheit für immer einen festen Boden gewann, auf dem dann auch die -Buchdruckerkunst sich eben so mächtig wie schnell entfaltete. - -Im skandinavischen Norden wüteten die verwandten Stämme gegen einander -und Schweden verzehrte ausserdem seine Kräfte in dem dreissigjährigen -Krieg und in den Kämpfen mit Russland. Die Türken überschwemmten Ungarn -und Österreich. Schwere und weitverbreitete Seuchen glichen in ihren -Folgen den Kriegen. - -Somit war ein grosser Teil des zweiten und des dritten Jahrhunderts -der Buchdruckerkunst eine, dieser sehr ungünstige Zeit, in der sie -nothwendigerweise leiden musste, und erst das vierte Jahrhundert sollte -sie zum neuen Glanz wieder erstehen sehen. - -Werke, welche ein Gesamtbild dieser interessanten Periode der -typographischen und xylographischen Thätigkeit geben, oder auch -nur die Geschichte der einzelnen Hauptländer in ihrer Totalität -schildern, besitzen wir nicht. Dagegen giebt es eine stattliche Reihe -erschöpfender Schilderungen der Wirksamkeit hervorragender Familien -oder einzelner Persönlichkeiten, welche den Kern dieser Zeit bilden. -Was die Meister der Typographie betrifft, so befindet sich das Ausland -in einer besseren Lage als Deutschland, welches nicht einmal ein -biographisch-kritisches Werk über die Familie Breitkopf aufzuweisen -hat. Es sind namentlich die Franzosen, die sich durch solche Arbeiten -Verdienste erworben haben. - -Dahingegen bietet Deutschland vorzügliche Werke über seine grossen -Künstler, die auch für die Illustration thätig gewesen sind. Solche -Quellen des In- und Auslandes werden an den betreffenden Stellen -angeführt, hier sei nur der bereits eingangs erwähnten allgemeinen -Schilderungen □Jacksons, Chattos□ und □Firmin Didots□ gedacht, sowie -des, von Dr. □Rob. Dohme□ herausgegebenen Kollektiv-Werkes: „Kunst und -Künstler des Mittelalters und der Neuzeit“. 5 Bde. (Leipzig 1875-1881), -das kritische Würdigungen und biographische Skizzen fast aller der -Kleinmeister, die für die Illustration so Bedeutendes geschaffen haben, -enthält. - -Einen grossen Vorteil bieten die Kunstverfahren der Neuzeit: -Photographie, Lichtdruck, Photolithographie und Zink-Hochätzung, -durch die Möglichkeit, mittels derselben eine Anzahl von Werken -aus der Renaissancezeit, die auf Grund ihrer Seltenheit und ihrer -hohen Preise nur einem kleinen Kreis zugänglich waren, in getreuen -Nachbildungen allgemein zu verbreiten; denn Werke, die wie □R. -Weigels□ wertvolles „Holzschnitte berühmter Meister“ (Leipzig 1857), -vorzügliche Nachbildungen in Xylographie bringen, sind nur bei grosser -Opferwilligkeit des Verlegers möglich. - -Unter den Kollektivwerken, welche durch die oben erwähnten Verfahren -eine reiche Auswahl des für den Typographen zu Studium und Nacheiferung -Geeigneten bringen, sind namentlich die von □G. Hirth□ in München und -Leipzig herausgegebenen: „Der Formenschatz der Renaissance 1500-1600“ -und „Die Bücherornamentik der Renaissance“ erwähnenswert. - -Die Schriften der deutschen Fachgenossen aus älterer Zeit geben in -Bezug weder auf äussere noch innere Verhältnisse der Buchdruckereien -eine nennenswerte Ausbeute. Zu erwähnen sind: - -□J. H. G. Ernesti□, „Die wol-eingerichtete Buchdruckerey“, (Nürnberg -1721). Mit vielen deutschen, lateinischen und orientalischen Schriften. - -□Chr. Fr. Gessner□, „Die so nöthig als nützliche Buchdruckerkunst und -Schriftgiesserey“. 4 Teile. (Leipzig 1740-1745). Ein reichhaltiges, -fleissig zusammengetragenes Buch mit vielen Illustrationen technischer -und geschichtlicher Natur. - -□Ch. G. Täubel□, „Theoretisch praktisches Wörterbuch der -Buchdruckerkunst und Schriftgiesserei“ (Wien 1805). - -Höher stehen folgende Werke des Auslandes. - -□M. D. Fertel□, _La science pratique de l'imprimerie. Avec des fig._ 2 -Bde. (St. Omer 1723). - -□P. S. Fournier, Le Jeune□, _Manuel typographique_. 2 Bände (Paris -1764). Das auf vier Bände berechnete Werk wurde durch den Tod des -Verfassers unterbrochen. - -□Joseph Moxon□, Mechanick Exercises; or the doctrine of Handy-works, -applied to the art of printing_ (London 1677-1696). Das Buch ist sehr -selten und Schreiber dieses nicht zurhand gewesen. - -□John Johnson□, _Typographia or the Printers Instructor_. 2 Bde. -(London 1824), und □Thomas Curson Hansard□, _Typographia_ (London -1825), erschienen fast gleichzeitig und beide Verfasser waren tüchtige -Typographen. - -□C. H. Timperley□, _Encyclopaedia of literary and typographical -anecdote_ (London 1842) ist als eine vorsorglich gefüllte Vorratskammer -zu betrachten. Die unzähligen Artikel sind nach den Jahreszahlen, aus -allen Ländern untereinander, gereiht. - -Ein sehr schätzbares Werk aus allerneuester Zeit ist: - -□E. C. Bigmore□ _and_ □C. W. H. Wyman□, _A Bibliography of printing -with notes and illustrations_. I. Band. A-L (London 1880). Das Buch -enthält nicht nur eine reiche, wir möchten fast sagen überreiche, -typographische Bibliographie aller Länder von der ältesten Zeit bis -auf heute, sondern auch eine Menge von schätzbaren historischen Notizen -und Illustrationen. Die Fortsetzung des Werkes erscheint vorerst in der -von C. Wyman herausgegebenen vortrefflichen Fachzeitschrift: _Printing -times and Lithographer_. - -Die bereits in dem □i.□ Buch erwähnten Spezialgeschichten einzelner -Druckorte werden in dem □ii.□ Buch nicht wiederholt. - -[Illustration:Kapitelende] - - - - -[Illustration:Kapitelanfang] - -VI. KAPITEL. - -DIE ILLUSTRIERENDE KUNST IN DEUTSCHLAND. - - Die deutschen Malerschulen. Der Kupferstich und der Holzschnitt. - Michel Wolgemut. Albrecht Dürer, seine Zeitgenossen und Nachfolger: - Hans Burgkmair, Hans Schaeuffelein, die „Kleinmeister“. Hans Holbein - d. j. Lucas Cranach d. ä. Die Schweizer und Elsasser Künstler. Über - die „eigenhändigen“ Holzschnitte der Zeichner. - - - Die Maler- - schulen. - -UNTER wenig günstigen Verhältnissen hatte die Malerkunst in Deutschland -sich gestaltet. Das rauhe Klima gestattete keine Entwickelung der -Wandmalerei mit ihren grossen Verhältnissen und die alles beherrschende -gothische Baukunst benutzte die zeichnenden Künste fast nur zum -Zweck der Ornamentierung. Erst um die Mitte des □xiv.□ Jahrhunderts -entstanden eigentliche Malerschulen, die jedoch in ihrer ganzen Weise -noch die Spuren der früheren Unterordnung der Malerkunst unter die -Architektur tragen. - - Köln. - -Unter diesen war die rheinische, nach dem Hauptorte KÖLN gewöhnlich -die Kölnische Malerschule genannt, die bedeutendste. Sie zeichnete -sich durch ideales Streben im Dienste der Kirche aus. Ihr eigentümlich -waren demgemäss die schlanken, duftigen Gestalten mit heiligem -Gesichtsausdruck in weichen Farben auf Goldgrund gemalt. Rundere, -gedrungenere Formen entstanden erst beim Schärferwerden der -fortschreitenden Naturbeobachtung und der Vervollkommnung der Technik. -Wie früher die Menschen der Künstler mehr Heilige waren, so wurden -jetzt die Heiligen mehr gewöhnliche Menschen. - - Prag. - -Im Osten war PRAG ein Hauptsitz der Kunst geworden, welche hier unter -dem Einfluss des Kaiserhauses, besonders Karls □iv.□, eine, zunächst -die weltliche Macht verherrlichende Richtung nahm. - - Brügge. - -Wie Köln und Prag der geistlichen und staatlichen Gewalt huldigten, -so entwickelte sich in Brügge, wie in Nürnberg, wo Handel und Verkehr -blühten und ein mächtiges Bürgertum herrschte, die Kunst mehr in der -realistischen und begrenzteren Richtung des Bürgertums. BRÜGGE wurde -die Pflanzstätte der niederländischen Kunst, die ihre besondere Grösse -im kleinsten Genre entwickelte und sich unter der Führung Huberts van -Eyck durch eine, bis dahin unbekannte Naturtreue auszeichnete. - - Nürnberg. - -Unterstützt durch die Energie seiner Bürger und begünstigt durch -seine, allerdings reizlose, Zentrallage war NÜRNBERG nicht allein -ein Stapelplatz für die Produkte und Fabrikate Deutschlands geworden, -sondern auch ein Knotenpunkt des Zwischenhandels des Nordens und des -Westens mit dem Süden und dem Osten. Die Selbstregierung ruhte nach -liberalen Grundsätzen in den Händen eines aufgeklärten und reichen -Patriziertums, welches die Rechte der, in kleineren Verhältnissen -Lebenden zu schonen verstand. Der rege Verkehr hatte den Gesichtskreis -nicht allein in staatlichen und kirchlichen Verhältnissen erweitert, -sondern auch den Sinn für Wissenschaft und Kunst verallgemeinert, und -der Reichtum gab die Mittel, sie zu fördern. - -Die Malerschule in Nürnberg nahm zwar unter solchen Umständen, wie -in Brügge, einen bürgerlichen Charakter an, jedoch mit einer weit -vornehmeren, gemütreicheren und religiöseren Richtung. - - Kupferstich und - Holzschnitt. - -Unter Einwirkung der Buchdruckerkunst und der Reformation mussten die -neuen Kunstverfahren des Kupferstechers und des Holzschneiders einen -besonders günstigen Boden in Deutschland finden. Ohne Unterstützung -des sinnebestrickenden Farbenreizes und ohne andere Effektmittel, -als die mehr oder weniger geschwellten Linien und die weiteren -oder engeren Strichlagen, war der Künstler gehalten, eine um so -grössere Aufmerksamkeit der Idee, der Komposition und der korrekten -Formengebung zuzuwenden. Bald erreichten diese Künste, indem sie sich -den Bestrebungen der sich neu gestaltenden Zeit dienstbar machten, -trotz des räumlich kleinen Umfanges die Bedeutung einer monumentalen -Kunst, die am fröhlichsten dort gedeihen musste, wo die erwähnten -Bestrebungen sich am kräftigsten äusserten, demgemäss also auch in dem -geistig-bewegten Nürnberg. - - Die Formen- - schneider. - -Der erste Formenschneider, der als solcher im Bürgerbuche genannt -wird und zwar in den Jahren 1449-1492, ist □Hans Formenschneider□. -Bei dem langen Zeitraum ist es anzunehmen, dass man es mit zwei -Persönlichkeiten, vielleicht mit Vater und Sohn, zu thun hat. Auch -andere werden genannt, von denen jedoch keine Arbeiten bekannt sind. -Ein sehr unternehmender Mann war um diese Zeit □Hans Sporer d. j.□ -Seine Hauptwerke sind: „Der Endtkrist“ 2. Ausg. 1472; „Die Kunst zu -sterben“ 1473; „Die Armenbibel“ 1475, in denen der Ausdruck der Figuren -zum Teil noch etwas entschieden Fratzenhaftes und Gespenstisches hat. -Auch □Georg Glockendon d. ä.□ arbeitete schon um 1480 und schnitt u. -a. eine „Marie“ mit fünf weiblichen Heiligen und eine „Himmelfahrt -Christi“. Von □Wolfgang Hamer□ hat man eine „Heilige Familie“[1]. - - [1] □R. von Rettberg□, Nürnbergs Kunstleben. Stuttgart 1854. - - Michel Wolge- - mut. - - Wilh. Pleyden- - wurf. - -Der eigentliche Begründer der Nürnberger so berühmten -Holzschneiderschule und wahrscheinlich der Einführer des Kupferstiches -in Nürnberg ist □Michel Wolgemut□ (geboren 1434). Seine künstlerische -Ausbildung erhielt er am Rhein. Nach Nürnberg zurückgekehrt, heiratete -er die Witwe des Hans Pleydenwurf, eines achtbaren Künstlers. Einen -seiner Stiefsöhne, □Wilhelm Pleydenwurf□, bildete er als Künstler -aus und errichtete, namentlich um die Ansprüche Kobergers für seine -grossen Unternehmungen befriedigen zu können, mit ihm zusammen ein -Holzschneide-Atelier. Dasselbe nahm eine grosse Ausdehnung an und es -entstanden in sehr kurzer Zeit die bereits früher erwähnten Werke: „Der -Schatzbehalter“ und Schedels „Buch der Chroniken“[2]. Pleydenwurf starb -bereits kurz nach Vollendung derselben (1495); Wolgemut, der auch eine -bedeutende Thätigkeit als Kupferstecher entwickelte, am 30. Nov. 1519. -Abgesehen von seinen eigenen künstlerischen Verdiensten behält Wolgemut -eine grosse Bedeutung als Lehrer Albrecht Dürers, der stets mit grosser -Hochachtung von ihm sprach. - - [2] Vergl. S. 47. - - Albrecht Dürer. - -□Albrecht Dürer□[3], mit dem der Holzschnitt einen hohen Standpunkt -erreichte, war am 21. Mai 1471 als dritter Sohn des gleichnamigen -Vaters in Nürnberg geboren. □Dürer d. ä.□ war als Goldschmiedegesell -1455 nach Nürnberg gekommen, wo sein Meister Hieronymus Holper ihm -seine Tochter zur Frau gab, die ihm achtzehn Kinder gebar. Albrecht -wurde von seinem Vater in dem Goldschmiedehandwerk unterwiesen, -jedoch auf seinen dringenden Wunsch, Künstler zu werden, mit seinem -fünfzehnten Jahre bei Michel Wolgemut in die Lehre gebracht, und er -nahm somit vielleicht schon an den Unternehmungen Kobergers thätigen -Anteil. - - [3] □A. v. Eye□, Leben und Wirken Dürers. 2. Ausg. Nördlingen - 1869. -- □M. Thausing□, Dürer, Geschichte seines Lebens - und seiner Kunst. Leipzig 1876. - - Jugendjahre. - -Von seinen Lehrjahren und Wanderungen ist wenig bekannt. Zu Pfingsten -1494 kehrte er von letzteren nach Nürnberg zurück mit den äusseren -Vorzügen des Körpers sowohl als mit den inneren des Charakters und -der Tüchtigkeit ausgestattet. Er heiratete Jungfrau Agnes Frey, die -hübsch und nicht unbemittelt war. Es ist behauptet worden, dass die Ehe -nicht glücklich gewesen, doch liegen keine Beweise dafür vor, wenn es -auch den Anschein hat, als sei die Agnes mehr eine tüchtige Hausfrau, -als eine mit der Künstlernatur Dürers sympathisch gestimmte Seele -gewesen. Er bezog ein Haus am oberen Ende der Zisselgasse, welches er -gekauft hatte, um dort sein Atelier einzurichten. Das Haus, innerlich -und äusserlich leidlich unverändert erhalten, ist in den Besitz des -Dürer-Vereins übergegangen. - - Die Offenbarung - St. Johannis. - - Neue Bahnen für - den Holzschnitt. - -Dürer, der noch nicht seinen Weltruf hatte, musste des Verdienstes -wegen manche Arbeiten übernehmen, an denen er sich sonst kaum versucht -haben würde. Aber schon frühzeitig beschäftigte er sich mit einem -Gegenstande, woran er seine ganze Kraft bethätigen und sich selbst -genügen wollte. Im Jahre 1498 erschien sein Bildercyklus von 15 -xylographischen Darstellungen in Folio zur „Offenbarung St. Johannis“. -Der Text ist zweispaltig auf die Rückseite der Bilder gedruckt, jedoch -nicht immer so, dass Text und Bild korrespondieren. Das Werk erschien -sowohl in einer deutschen als in einer lateinischen Ausgabe und in -mehreren Auflagen. Komplette Exemplare sind selten. Hiermit war der, -bis dahin bekannte Kreis der Leistungen weit überschritten und die -Thätigkeit des Geistes zeigte sich selbst der aussergewöhnlichen -Fertigkeit der Hand so weit überlegen, dass die Ausübung der Kunst -nicht mehr als Handwerk gelten konnte. - -Dürers bahnbrechende Richtung für den Holzschnitt lag in seiner Manier -für diesen zu zeichnen. Bis dahin bestand der Holzschnitt hauptsächlich -nur in derben Umrissen auf das Kolorieren berechnet. Zwar hatte -Wolgemut eine künstlerische Richtung mit Glück eingeschlagen, aber -erst Dürer erreichte die Vollendung. Durch Abwechselung von Licht -und Schatten erzielte er eine grössere malerische Wirkung, als durch -Kolorit möglich war. Dazu gehörten jedoch Formenschneider, die auf -seine Intentionen eingingen. Solche konnte aber Dürer ausbilden, denn -niemand verstand es besser, als er, seinen künstlerischen Willen fest -und bestimmt mit der Feder anzugeben. Es blieb für den Formenschneider -nichts anderes übrig, als Strich für Strich der Zeichnung zu folgen. -Dürer wusste ganz genau, was er der Technik des Holzschneiders zumuten -konnte. Es war dies zwar weitergehenderes als sonst üblich, jedoch -nicht mehr, als was mit dem einfachen Material geleistet werden konnte. -Wie sicher er dies zu berechnen wusste, zeigt am besten der Vergleich -seiner Holzschnitt-Technik mit seiner Kupferstich-Technik, für die -keine solche hemmenden Schranken existierten. - - Verschiedene - Arbeiten. - -Aus den ersten Jahren des □xvi.□ Jahrh. stammen eine grosse Zahl -von Zeichnungen, Stichen und Holzschnitten von seiner Hand. Sein -überströmender Geist legte in seinen Zeichnungen zum Teil die Gedanken -nieder, die er später zu abgeschlossenen Werken ausarbeitete. - - Italien. Reise. - -Nach zehnjähriger und aufreibender Arbeit machte er eine Reise nach -Italien. Aus den mitgenommenen kleinen Kunstwerken und den Vorräten -seiner Stiche und Drucke hoffte er Vorteile zu erzielen, die indes -nicht so reichlich ausfielen, wie die Ehrenbezeigungen, die ihm -erwiesen wurden. Bei seiner Rückkehr malte er eine grosse Altartafel -für den Kaufherrn Jakob Heller in Frankfurt, welche allgemeine -Bewunderung erregte, aber doch so wenig lohnte, dass Dürer wieder zur -Feder und zum Stichel griff. Zu den bedeutendsten seiner Leistungen -gehören die drei „Passionen“ und das „Leben der Maria“ in Holzschnitt -und Kupferstich. Sie haben durch Jahrhunderte ihren unvergänglichen -Wert behauptet und sind wieder und wieder nachgebildet, nachdem die -Originale nicht mehr für den Bedarf ausreichten. - - Die Passionen. - -Eine der Passionen in Folio und eine in Oktav sind in Holzschnitt -ausgeführt, die dritte, auch in Oktav, ist in Kupfer gestochen. Die -beiden ersteren erschienen 1511 in Buchform. Die „grosse Passion“ ist -12 Blätter stark mit ebenso vielen Darstellungen; die „kleine Passion“ -38 Blätter mit 37 Darstellungen, beide mit lateinischen Versen von -Chelodonius, einem Benediktinermönch und Freund Dürers. Die dritte -„Passion“ in Kupferstich von 16 Blättern ward erst 1513 vollendet; sie -ist ohne Text und scheint nie in Buchform ausgegeben worden zu sein. -Die, ihrem Stoff nach umfangreichste „kleine Passion“ fängt mit dem -Sündenfall an und endigt mit dem jüngsten Gericht; die Bezeichnung -Passion ist demnach nicht ganz korrekt. - - Unser Frauen - Leben. - -In keinem Werke aber prägt sich der eigentümliche Geist Dürers und -überhaupt der deutschen Kunst voller und klarer aus, als in der Reihe -von zwanzig, „Unser Frauen Leben“ behandelnden Holzschnitten. Auch was -die Ausführung betrifft, gehört dieser Cyklus zu dem vorzüglichsten, -was die Holzschneidekunst je geliefert hat. - - Einzelblätter. - -Neben diesen Hauptwerken schenkte uns Dürer in diesem Zeitpunkt seines -reichen Schaffens eine grosse Anzahl von Einzelblättern, die den -genannten an Originalität der Erfindung und in der Ausführung nicht -nachstehen. Daneben musste er auch Zeit und Lust finden, Blätter für -Kinder und zum Schmücken von Schachteln; Zeichnungen von Wappen der -Patrizier zum Einkleben in ihre Bücher; Nachbildungen naturhistorischer -Gegenstände, u. dgl. m. zu liefern. - - Die Arbeiten für - Maximilian I. - -Eine besondere Klasse von Arbeiten, die zu den, für den Typographen -interessantesten gehören, sind die Werke, die er für den Kaiser -Maximilian ausführte, der zwar ein poetisches Gemüt und einen regen -Sinn für die schönen Künste besass, diese jedoch hauptsächlich -nur durch deren Ausbeutung zu seiner persönlichen Verherrlichung -bethätigte. - - Hans Burgkmair. - -Der Kaiser hatte den Gedanken gefasst, die ganze Glanzfülle seiner -ruhmreichen Abstammung, seine weite Herrschaft, Leben und Thaten durch -eine „Ehrenpforte“, einen „Triumphzug“ nebst einem „Triumphwagen“ -darstellen zu lassen. Den hauptsächlichsten Teil der Arbeit wollte er -Dürer übertragen, aber auch andere Künstler sollten bei den Werken -beschäftigt sein. Unter diesen ragte besonders □Hans Burgkmair□, -geboren zu Augsburg 1473, gestorben ebendaselbst 1529, hervor, der, -durch seinen Aufenthalt in Venedig von der dortigen Kunst beeinflusst, -einer der Hauptvertreter der Renaissance in Deutschland wurde. Berühmt -ist er hauptsächlich durch seine Holzzeichnungen zu den erwähnten und -anderen durch Maximilian □i.□ hervorgerufenen Werken. Er lieferte -30 Platten zur Ehrenpforte, 66 zu dem Triumphzug. Von ihm stammen -grösstenteils die 245 Zeichnungen zu dem „Weisskunig“, auch eine -Verherrlichung des Kaisers, des weiteren arbeitete er mit an den 124 -Blatt: „Heilige des österreichischen Kaiserhauses“. Berühmt ist auch -sein „Turnierbuch“ mit 52 Illustrationen. - - Die Ehrenpforte. - -Den Auftrag zur „Ehrenpforte“ erhielt Dürer mutmasslich schon im J. -1512. Der gelehrte Johannes Stabius war mit der litterarischen Leitung -und der Abfassung der vielen Inschriften betraut. Dürer ergriff die -Sache mit grossem Eifer und vollendete seine Arbeit schon 1515, obwohl -die Aussichten auf die entsprechende Entschädigung nicht gross waren, -da der Rat von Nürnberg das Ansinnen des Kaisers, der nicht gern aus -eigener Tasche zahlte, „Dürer Steuerfreiheit zu gewähren“, ablehnte -oder vielmehr Dürer veranlasste, selbst den Antrag zurückzunehmen. -Ebenso weigerte sich der Rat, ein, vom Kaiser auf Grund verschiedener -Arbeiten Dürer zugestandenes Jahresgehalt von 100 Gulden zugunsten -des Künstlers von den an Maximilian zu zahlenden Abgaben in Abzug zu -bringen. - -Die „Ehrenpforte“ ist das grossartigste, was jemals in Holzschnitt -geschaffen worden ist. Sie besteht aus 92 Holzstöcken, die -zusammengestellt eine Ausdehnung von nahe an 3 Meter 50 ctm. Höhe und -3 Meter Breite einnehmen. Mit einer Sicherheit ohne gleichen zeichnete -Dürer die Blätter mit Feder und Pinsel. Mit gleicher Genauigkeit -schnitt sie □Hieronymus Andreä□. Das Werk ist nicht ein Triumphbogen -im antiken Stil, sondern ein hoher giebelgekrönter Renaissancebau, -durch runde Türme flankiert und mit drei Thoren versehen. Der Reichtum -an historischen Darstellungen, Allegorien, Portraitfiguren und -ornamentalem Schmuck ist geradezu überwältigend. - - Der Triumphzug. - -Der „Triumphzug“ bildet in seiner Entfaltung ein Tableau von 54 Metern -Länge bei 37 ctm. Höhe und besteht aus 135 Stöcken, war jedoch auf -eine noch grössere Zahl berechnet. Von den Stöcken lieferte Burgkmair -66, Dürer zeichnete 24 Blatt. Dieses grossartige xylographische Werk -bietet, abgesehen von dem Kunstgenuss, einen höchst interessanten -Stoff für das Studium der Kostüme, Waffen, Geräte und Sitten damaliger -Zeit. Das eingehende Programm verfasste des Kaisers Sekretär Marx -Treytz-Saurwein. - - Der Triumph- - wagen. - -Der „Triumphwagen“, sozusagen der Mittel- und Schwerpunkt der gesamten -Unternehmungen, ist ein Werk Dürers. Die Zeichnungen entstanden -1514-1515, die Holzschnitte waren 1522 fertig. Der Rat Pirckheimer -hatte die Idee ausgearbeitet, die sich lediglich auf schale Lobrednerei -gründet. Der Kaiser fährt auf einem von 12 Pferden gezogenen -Triumphwagen, umgeben von allegorischen Figuren, die alle seine -Tugenden repräsentieren. Die aus 8 Holzstöcken bestehende Komposition -hat eine Länge von 2 Meter 32 ctm. bei einer Höhe von 47 ctm. - -Als Kaiser Maximilian am 12. Jan. 1519 starb, gerieten seine -Kunstunternehmungen ins Stocken. Dass der Kaiser nicht gern zahlte, -wurde schon erwähnt. Dürer und Andere hatten ihr Honorar noch nicht -erhalten. Um sich bezahlt zu machen, gab Dürer den „Triumphwagen“ auf -seine Rechnung heraus. Die erste Ausgabe erschien 1522 mit deutschem, -die zweite 1523 mit lateinischem Text; nachgedruckt wurde das Werk in -Venedig 1589. Auch von dem „Triumphzug“ verkaufte man einzelne Blätter. -König Ferdinand, dem daran lag, dass das Werk des Kaisers nicht in -Privathände zersplittert würde, erwarb durch Vermittelung des Rates -zu Nürnberg die noch unbezahlten Stöcke, die nach Wien kamen. Im Jahre -1759 machte man den Versuch, das ganze Werk herauszugeben. 1799 wurde -eine neue Ausgabe veranstaltet und die noch fehlenden Stöcke durch -Radierungen ersetzt. - - Maximilians - Gebetbuch. - -Zu seinem eigenen Gebrauch hatte Maximilian ein Gebetbuch -zusammenstellen lassen, das er von □Joh. Schönsperger□ in Augsburg in -kostbarem Pergamentdruck ausführen liess. Die Initialen wurden nach -einem, dem Congrevedruck ähnlichen Verfahren mehrfarbig eingedruckt. -Man kennt bloss drei Exemplare dieses Werkes, eins in der k. k. -Bibliothek zu Wien, das andere in der Münchner Bibliothek, das dritte -in dem _British Museum_. Zu 45 Blättern zeichnete Dürer mit farbiger -Tinte Einfassungen, die einen wahren Schatz von Ornamenten und -Allegorien, Ernst und Scherz, Profanem und Heiligem in bunter Reihe -enthalten. Dürer scheint die Absicht gehabt zu haben, sie durch seine -Schüler fortsetzen zu lassen. Es existieren auch acht Blatt von anderer -Hand gezeichnet, die fälschlich Lucas Cranach zugeschrieben wurden; -eher dürften sie Hans Springinklee gehören[4]. - - [4] Diese Randzeichnungen sind von □N. Strixner□ 1808 in - Lithographie vorzüglich nachgebildet und später auch - anderweit reproduziert. - - Reise nach den - Niederlanden. - -Im Jahre 1520 unternahm Dürer in Gesellschaft seiner Frau eine Reise an -den Rhein und nach den Niederlanden, auf welcher er dort mit grossen -Ehren empfangen wurde und mit vielen berühmten Persönlichkeiten in -Berührung kam. Sein Hauptzweck war, den Kaiser Karl □v.□, dessen Einzug -in Antwerpen und Krönung in Aachen er beiwohnte, zur Zahlung der, ihm -vom Kaiser Maximilian ausgesetzten Rente zu veranlassen, was ihm auch, -nach verschiedenen vergeblichen Bemühungen an den Kaiser hinanzukommen, -schliesslich in Köln gelang. - - Litterarische Ar- - beiten. - -Eine Hauptthätigkeit Dürers in den letzten Jahren seines Lebens war -die Ausarbeitung und Herausgabe seiner litterarischen Arbeiten, für -welche er sich durch sein ganzes Leben vorbereitet hatte. Sein erstes -Werk erschien 1525 unter dem Titel: „Underweysung der Messung, mit -dem Zirkel und Richtscheyte, in Linien ebnen wnd gantzen Corporen“. -Für Buchdrucker hat das Werk ein besonderes Interesse, weil es -die Verhältnisse der Buchstaben zum erstenmal in Deutschland nach -geometrischen Grundsätzen feststellt. Es erlebte mehrere Auflagen, -sowie eine Übersetzung in das Lateinische von Joh. Camerarius. Sein -zweites Werk ist eine „Befestigungslehre“; sein Hauptwerk (1525) -führt den Titel: „Hierine sind begriffen vier Bücher von mennschlicher -Proportion“, und erlebte viele Ausgaben in vielen Sprachen. - - Dürers Tod. - -Seine letzte Zeit verlebte Dürer geschätzt von allen bedeutenden -Männern in einfachen, jedoch keineswegs ärmlichen Verhältnissen. In den -Niederlanden hatte er sich ein Fieber geholt, das er nicht wieder los -werden konnte, trotz dessen er aber noch übermässig arbeitete. Er starb -am 6. April 1528. Seit 1840 schmückt sein Standbild aus Erz den nach -ihm benannten Platz in Nürnberg und die dortigen Künstler begehen zu -seinem Geburtstage jährlich an seinem Grabe eine einfache Feier. - -Die Zeitgenossen und Nachfolger Dürers zeigen, mit Ausnahme des -durchaus selbständigen Hans Holbein, einen unverkennbaren Einfluss -des grossen Meisters. Wenige unter ihnen, denen man im allgemeinen -auf Grund der räumlichen Kleinheit ihrer meisten Arbeiten den -Namen „Kleinmeister“ beigelegt hat, standen jedoch als Schüler in -einer näheren Verbindung mit Dürer. Nur von zweien wissen wir mit -Bestimmtheit, dass sie Dürers „Lehrjungen“ gewesen: Hans von Kulmbach -und Hans Springinklee, und gerade über diese sind die sonstigen -Nachrichten dürftig. - - Hans von Kulm- - bach. - -Hans Fuss, nach seiner Vaterstadt □Hans von Kulmbach□, trat, nachdem -er die Malerei bei _Jacopo dei Barberi_ (Jakob Walch) gelernt, 1510 bei -Dürer in weitere Lehre. Ob er viel für graphische Kunst gezeichnet hat, -ist nicht bekannt. Ein Blatt für den Triumphzug ist noch vorhanden mit -den hineingezeichneten Korrekturen Dürers. - - Hans Springin- - klee. - -□Hans Springinklee□, geboren zu Nördlingen 1470, entwickelte für die -graphischen Fächer eine grosse Thätigkeit. Er zeichnete 60, durch -seelenvolle Innigkeit sich auszeichnende Bilder zu dem _Hortulus -animæ_, der zuerst 1516 und dann in mehreren schnell auf einander -folgenden Auflagen bei Koberger erschien. Er arbeitete auch mit an den -Illustrationen zu dem Weisskunig und an verschiedenen Unternehmungen -Dürers, dessen Art er sich innig anschloss. Auch grössere Einzelblätter -hat man von ihm. - - Erhard Schön. - -□Erhard Schön□ war ein Mitarbeiter Springinklees bei dem _Hortulus -animæ_ (ob auch bei Dürers Werken ist nicht bekannt), lieferte auch die -zwölf Apostel und 24 Blatt Heilige. Er war Verfasser eines Lehrbuches: -„Unterweysung der Proportion und Stellung der Bossen (Modellfiguren)“ -mit einer Anzahl gut gezeichneter Köpfe und Körper in verschiedenen -Lagen mit Konstruktionsnetzen; geschätzt sind von Sammlern seine -Spielkarten. Er starb zu Nürnberg 1550. - - Pencz und die - Beham. - -Georg Pencz, Hans Sebald Beham und Barthel Beham sind Namen, die nicht -allein durch die Gemeinsamkeit der Kunstübung, sondern auch durch die -gemeinsamen Schicksale unzertrennlich geworden sind. - -Alle drei lernten in Nürnberg und erhielten in jungen Jahren die -Meisterschaft (ob in der Werkstatt Dürers ist nicht bekannt), -jedenfalls gehörten sie alle zu seinen begabtesten Nachfolgern. In -jugendlicher Schwärmerei wurden sie erklärte Anhänger des Thomas -Münzer, der anfangs der zwanziger Jahre nach Nürnberg kam. In einen -Prozess wegen Verbreitung deistischer und sozialistischer Ansichten -verwickelt, mussten die drei Maler ihrer Vaterstadt den Rücken kehren. - - Georg Pencz. - -□Pencz□ wurde nach einem Jahr begnadigt und später sogar Ratsmaler. -Er war ein vorzüglicher Kupferstecher in einer neuen Manier, die sich -nicht mit den einfachen Strichlagen Dürers begnügte, sondern nach -italienischen Vorbildern malerische Wirkung durch Licht und Schatten -und durch Abstufung der Töne zu erreichen suchte. Er liebte es, -zusammenhängende Folgen von Blättern zu liefern, z. B. die Geschichte -Abrahams, Josephs; 25 Blatt aus dem Leben Jesu. Vorzugsweise wandte -er sich Folgen aus dem klassischen Altertum zu, als z. B.: „berühmte -Liebespaare“, „Beispiele der Standhaftigkeit“, „unglückliche Frauen“. -Man besitzt von ihm 126 Blätter: Er starb 1550, hinterliess aber, trotz -fleissigen Arbeitens, die Seinen in grosser Dürftigkeit. - - Hans Sebald - Beham. - -Mehr Glück hatten die Behams, namentlich der jüngere, Barthel. Der -ältere □Hans Sebald Beham□ (geb. zu Nürnberg 1500) steht vielleicht von -allen Kleinmeistern als Zeichner Dürer am nächsten, und übertrifft ihn -als Kupferstecher. Er befindet sich schon vollständig auf dem Boden der -Renaissance. Nach verschiedenen Schicksalen fand er in Frankfurt 1534 -eine bleibende Stätte und ein reiches Feld seiner Thätigkeit. Für viele -Werke Chr. Egenolffs lieferte er Illustrationen; für die Weltchronik -(die in neun Auflagen erschien) 80 Holzschnitte; 26 Holzschnitte zu der -Offenbarung St. Johannis; eine ähnliche Zahl zu dem Neuen Testament; -ferner zu einem Handbuch der Fecht- und Ringerkunst und einem Buch vom -gesunden Lebensregiment u. s. w. Als er 1550 starb, hinterliess er 270 -Kupferstiche und an 500 Holzschnitte. Seinen Grundsätzen, für die er in -der Jugend büssen musste, blieb er bis an sein Ende treu. - -Die Herausgabe eines „Büchlein von den Proportionen des Ross“ -brachte ihn in Konflikt mit der Witwe Dürers, welche hierin eine -widerrechtliche Aneignung eines Manuskripts Dürers erblickte und ein -Verbot des Buches Behams erwirkte, bis Dürers Werk, das übrigens von -ganz anderen Gesichtspunkten ausgeht, erschienen sei. - -Es wird behauptet, er habe gegen Ende seines Lebens eine Weinschenke -errichtet und einem liederlichen Leben sich ergeben, dagegen scheint -jedoch die grosse Zahl von Arbeiten, die gerade aus seinen letzten -Lebensjahren stammen, zu sprechen. - - Barthel Beham. - -□Barthel Beham□ ging nach München und trat 1527 in den Dienst des -Herzogs Wilhelm von Bayern, der ihn auf seine Kosten nach Italien -sandte, wo er plötzlich im besten Mannesalter und auf der Höhe seiner -Kunst starb. Von seinen Kupferstichen sind 85 auf die heutige Zeit -gekommen. Ganz vorzügliches leistete er in Ornamentvorlagen für das -Kunsthandwerk, wie in Vignetten für Bücher. In derselben Richtung -zeichnete sich □Ludwig Krug□ in Nürnberg aus. - - Hans - Schaeuffelein. - -□Hans Leonhard Schaeuffelein□ (geb. um 1476) lehnt sich sehr an Dürer -an. Er wendete sich mit Vorliebe dem Holzschnitt zu, dessen Technik -ganz der Richtung seines Geistes entsprach. Wahrscheinlich lernte er -zuerst bei Wolgemut und arbeitete später bei Dürer, bis dieser 1505, -vor seiner Abreise nach Italien, seine Werkstatt auflöste. Im Jahre -1507 lieferte er bereits eine Holzschnittfolge von 65 Blatt für das -_Speculum passionis_ des Dr. Pinder. Von ihm rühren 118 Zeichnungen für -die Holzschnitte zu dem Theuerdank (1512) her, die von dem vorzüglichen -Holzschneider □Jost de Negker□ geschnitten wurden. Bei Schönsperger -erschien ferner von ihm „Der Heiligen Leben“ mit 130 kleinen -Holzschnitten und, im Verein mit Hans Burgkmair und Georg Brew, „Das -Leiden Christi“. - -Schaeuffelein heiratete die Nürnberger Patriziertochter Afra -Tucher und wandte sich 1515 nach Nördlingen, der Heimat seines -Vaters. Aus der Zeit seines dortigen Aufenthaltes sind zu nennen: -seine Holzschnittzeichnungen zu Ciceros Buch „Von den Pflichten“; -zu den Historien des Boccaccio; zu einem Buche mit dialektischen -Vorschriften; zu dem „goldenen Esel“ des Apulejus und zu mehreren -religiösen Werken. Am bedeutendsten sind einige, dem täglichen Leben -entnommene Darstellungen, Bilder aus dem Soldatenleben und namentlich -20 Blätter mit Hochzeitstänzern. Ein Abendmahl zeichnet sich durch -seine ungewöhnliche Grösse, 1 Meter 2 ctm. Breite bei 71 ctm. Höhe, -aus. Schaeuffelein besass wenig Genie und konnte sich nicht von dem -noch nicht fertigen Standpunkt der Form emanzipieren, auf welchem Dürer -damals, als er nach Italien reiste, stand. Schaeuffelein starb 1549. - - Albr. Altdorfer. - -□Albrecht Altdorfer□, wahrscheinlich in Amberg um 1480 geboren, tritt -weit selbständiger und origineller auf als Schaeuffelein, wenn er ihn -auch nicht in der Technik übertrifft. Er zersplitterte seine Kräfte -nach verschiedenen Richtungen hin. 1505 siedelte er nach Regensburg -über und wurde 1526 dort Ratsbaumeister. Er ist als Vater der modernen -Landschaftsmalerei zu betrachten und brachte es auch in der Ätzmanier -zur Virtuosität. Die Zahl seiner Kupferstiche beläuft sich auf etwa 80, -die der Holzschnitte auf 70, die der Radierungen auf 30. Er starb im -Jahre 1538. - - Michael Osten- - dorfer. - -□Michael Ostendorfer□, ein Zeitgenosse Altdorfers (1490-1559), leistete -als Zeichner mehr denn dieser und würde sicherlich bedeutendere Werke -geliefert haben, wenn nicht die Not ihn gezwungen hätte, die Kunst -allein als Erwerbsmittel zu betrachten und allerlei, seinen Fähigkeiten -nicht angemessene Arbeiten zu unternehmen. In der ersten Periode seiner -Thätigkeit sind seine besten Arbeiten der Verherrlichung der Jungfrau -Maria gewidmet, besonders ein Holzschnitt von ungewöhnlicher Grösse: -„Die Kirche der schönen Maria zu Regensburg“. Als diese Stadt 1542 das -Augsburger Bekenntnis annahm, widmete Ostendorfer seine Kunst mit Eifer -der Reformation. Seine bedeutendste Komposition ist ein umfangreicher -Holzschnitt „Die Kreuzabnahme“ (1548). - -Aus der grossen Zahl von Zeichnern für Formenschnitt von der Mitte -des □xvi.□ Jahrhunderts ab sind nur wenige nennenswert, unter diesen -besonders: Virgilius Solis, Jost Amann, Peter Flötner und Melchior -Lorch. - - Virgil Solis. - -□Virgil Solis□, geboren 1514 zu Nürnberg, hat für die Typographie eine -besondere Bedeutung, weil er eine grosse Zahl der schönsten Zierstöcke -für Bücherornamentierung erfand. Von ihm sind 600 Kupferstiche -bekannt und die Zahl seiner Holzschnitte ist ebenfalls gross, als: 100 -biblische Figuren zum Alten Testament; 116 zum Neuen; 67 zur Geschichte -der Bibel; 178 zu Ovids Metamorphosen; 194 zu Äsops Fabeln. Er starb um -1562. - - Jost Amann. - -□Jost Amann□[5] war einer der talentvollsten Holzzeichner seiner -Zeit und näherte sich mehr als Virgil Solis den alten Meistern. Seine -Figuren haben jedoch etwas theatralisches. Er war im J. 1539 in Zürich -geboren, zog 1560 nach Nürnberg und arbeitete vieles für dortige, -besonders jedoch für Frankfurter Buchhändler, namentlich für Sig. -Feyerabend. Wir haben von ihm Bibelillustrationen; _Icones Livianæ_, -Bilder aus der altrömischen Geschichte; Zeichnungen zu Reineke Fuchs; -das Stamm- und Wappenbuch; Kostümwerke von Bedeutung. Bekannt ist das -1564 erschienene: „Hans Sachse, eigentliche Beschreybung aller Stände -auf Erden -- aller Künste und Handwerken“. Wir finden darin auch den -Schriftgiesser, Drucker, Briefmaler, Formenschneider, Buchbinder. Bei -etwas grösserer Aufmerksamkeit auf die Details seitens Amanns würden -diese Abbildungen von grösserem Werte für die ältere Geschichte der -Buchdruckerkunst sein. Der Text in Versen bietet keine besonderen -Anhaltepunkte. Amann starb 1591. - - [5] □C. Becker□, Jost Amann, Zeichner etc. Mit Zusätzen von R. - Weigel. Leipzig 1854. Vergl. auch S. 77. - - Peter Flötner. - -□Peter Flötner□ aus Nürnberg, gestorben um 1546, war in erster Reihe -Bildhauer, doch auch als Zeichner besonders für den Formenschnitt -thätig. Unter den erhaltenen etwa 60 Holzschnitten zeichnen sich -besonders eine Reihe von Landsknechtsbildern vorteilhaft aus. Von Wert -für die Ornamentik ist noch heute seine Sammlung von 24 Vorlegeblättern -für Goldschmiede und sonstige Metallarbeiter. - - Melchior Lorch. - -□Melchior Lorch□ aus Flensburg, geb. 1527, lieferte schon in -seinem 18. Jahre tüchtige Stiche. Zu Dürer muss er in persönlichen -Beziehungen gestanden haben, da er dessen Portrait 1550 in Kupfer -stach, ebenso 1548 das Bildnis Luthers. Lorch machte grosse Reisen -und besuchte zweimal, indem er kaiserliche Gesandtschaften begleitete, -Konstantinopel. Die reiche Ausbeute, die er aus dem Orient mitbrachte, -erschien 1570 in einem Buch, verlegt zu Hamburg. Später trat Lorch in -den Dienst des Königs Friedrich □ii.□ von Dänemark. Eine, auf zwei -Platten geschnittene figurenreiche Darstellung der Sintflut ist die -grösste der von ihm erhaltenen Kompositionen. Er starb zu Rom 1585. - - Jakob Binck. - H. Ladenspelder. - -Geschickte Kupferstecher waren □Jakob Binck□ und □Hans Ladenspelder□. -Der erstere, zu Anfang des □xvi.□ Jahrh. geboren, siedelte 1531 nach -Kopenhagen über, wo er Hofmaler wurde, wir haben ungefähr 150 Stiche -von ihm. Von Ladenspelder (1511-1554) sind etwa 50 Stiche auf uns -gekommen; er neigt sich mehr den Italienern zu. - - H. Aldegrever. - -□Heinrich Aldegrever□ ist der letzte der Künstler, die mehr oder -weniger unter den sich widerstrebenden Einflüssen der Gothik und der -Renaissance stehen. Er wurde 1502 entweder in Paderborn oder in Soest -geboren. Der Reformation sehr zugethan, stach er die Portraits Luthers -und Melanchthons und griff die Pfaffenwirtschaft in mehreren Stichen -an. Gegen 300 als echt anerkannte Stichblätter sind von ihm vorhanden. -In grösseren Bilderfolgen behandelte er biblische Geschichten, z. B. -die Adams und Evas, des barmherzigen Samariters, des keuschen Joseph. -Seine ornamentalen Arbeiten gelten noch heute als nachahmenswerte -Vorlagen, namentlich diejenigen Blätter, in welchen er sich an das -einfache Pflanzenornament hält[6]. - - [6] Sie sind in vortrefflichen Lichtdrucken reproduziert. - - Luc. Cranach. - -Eine Sonderstellung behauptet □Lucas Cranach□[7], so genannt nach -seiner Vaterstadt Kronach in Oberfranken, wo er 1472 geboren wurde. -Im Jahre 1504 trat er in die Dienste des Kurfürsten Friedrich des -Weisen, bei dem, so wie auch bei den Kurfürsten Johann dem Beständigen -und Johann Friedrich dem Grossmütigen er in grosser Gunst stand und -zu denen er treu hielt. Nach Wittenberg übergesiedelt, kaufte er 1520 -dort eine Apotheke, trieb auch Buch- und Papierhandel, beteiligte sich -bei einer Buchdruckerei und lieferte, unterstützt von zahlreichen -Gehülfen, eine Unzahl von Bildern, die zwar geschätzt wurden, aber -doch keinen Vergleich mit denen Dürers und Holbeins vertragen. Durch -Zeichenfeder wie durch Pinsel kann er als ein tüchtiger Mitarbeiter -an dem Reformationswerk gelten, nicht nur, dass er die Bildnisse der -Reformatoren allgemein verbreitete, sondern er trug auch durch seine -satirischen Bilder dazu bei, einerseits das Papsttum blosszustellen, -andererseits die Religiosität zu fördern. Unter seinen Mitbürgern war -er sehr angesehen und er bekleidete das Amt eines Bürgermeisters. Mit -dem Kurfürsten Johann Friedrich ging er nach Weimar, wo er im Oktober -1553 starb. - - [7] □Chr. Schuchardt□, Lucas Cranach des älteren Leben und - Werke. 2 Bde. Leipzig 1851. -- □Jos. Heller□, Lucas - Cranachs Leben und Werke. Nürnberg 1854. - -Von beglaubigten Kupferstichen Cranachs giebt es kaum ein Dutzend; -von Holzschnitten jedoch über 500, teils Einzel-Blätter, teils Suiten. -Unter letzteren erwähnen wir: „Die Leiden Christi“ 14 Blatt; die 1509 -als _Passio Jesu Christi_ erschienen, und später vielfach benutzt -wurden; „Christus und die Apostel“, 14 Blatt; „Die Marter der Apostel“, -12 Blatt; „Passional Christi und Antichristi“, 26 Blatt, wovon 13 je -eine Scene aus dem Leben Christi, diesen gegenüber 13 je eine aus -dem Leben eines Papstes vorstellen; „Das Papsttum“, 10 Blatt, dann -„Das Wittenberger Heiligtumsbuch“, 119 Blatt, mit Abbildungen und -Beschreibungen kostbarer Gefässe etc. - - Hans Baldung. - -In Strassburg lebte □Hans Baldung□, genannt □Grün□, wenige Jahre -nach Dürer (1475) in Schwäb. Gmünd geboren. 1509 liess er sich in -Strassburg nieder. Als Maler ist er namentlich durch sein Altarbild -in dem Freiburger Münster bekannt (1510-1526). Nach seiner Rückkehr -nach Strassburg widmete er sich besonders dem Holzschnitt und lieferte -auch schöne Blätter in Clair-obscur_-Manier. Grossartig sind seine -Apostel-Figuren aus den Jahren 1518-19. Man kennt etwa 150 Blätter von -seiner Hand. Ein wahres Kleinod für die deutsche Kunstgeschichte ist -sein Skizzenbuch, welches in Karlsruhe aufbewahrt wird. Er starb im -Jahre 1545. - - Urse Graf. - Tobias Stimmer. - -Ein besonderer Glücksstern ruhte über Basel. Hier wirkte zuerst -□Urse Graf□ (geb. 1470, gest. 1530), von dessen Zeichnungen manche -nicht hinter denen Dürers und Burgkmairs stehen (Leben Christi in -24 Bl.); dann □Tobias Stimmer□ (geb. zu Schaffhausen 1534), dessen -„Newe künstliche Figuren biblischer Historien“ (1576) Rubens als eine -Schatzkammer der Kunst bezeichnete. Stimmer starb um das Jahr 1590. - -Basels grösster Stolz ist jedoch □Hans Holbein der jüngere□ dessen -Vater Hans, ein Maler von Verdienst, aus Augsburg stammend, um das Jahr -1495, in welchem der Sohn geboren wurde, nach Basel zog. - - Hans Holbein d. j. - -Die erste bedeutendere Holzschnitt-Arbeit Holbeins ist „Mucius -Scävola und Porsenna“. Das Werk des englischen Kanzlers Thomas Morus, -‚_Utopia_ʻ, welches bei Joh. Froben in Basel erschien, war Veranlassung -für Holbein, mit Erasmus in Berührung zu kommen, der ihn dem Kanzler -empfahl, durch dessen Vermittelung er als Hofmaler Heinrichs □viii.□ -in das Schloss Whitehall zog, wo er seine unvergleichlichen Bildnisse -malte und zeichnete und 1543 starb. Basel besuchte er in den Jahren -1529 und 1539[8]. - - [8] □Alfr. Woltmann□, Hans Holbein und seine Zeit. 2. Aufl. - Leipzig 1876. -- □Ambr. Firmin Didot□, _Essai sur - l'histoire de la gravure sur bois_. Paris 1853. - -Holbein lieferte, abgesehen von seinen Alphabeten, über 300 -Zeichnungen für den Holzschnitt, darunter Randverzierungen, -Titelblätter, Buchdruckerzeichen u. dgl. Seine drei in der Geschichte -der Holzschneidekunst unübertroffen dastehenden Werke sind: „Das -lateinische Totentanzalphabet“, „Der Totentanz“ und „Die Bilder zur -Bibel“. - - Das Totentanz- - Alphabet. - -„Das Totentanzalphabet.“ Auf Blättern von nur 24 Millimeter in Quadrat -hat es Holbein verstanden in Verbindung mit Initialen Gruppen zu -komponieren, von welchen jede eine Scene darstellt, wie der Tod den -Menschen in jedem Alter und in jeder Lebensstellung erfasst. Die -Zartheit des Stiches, die Reinheit der Linien veranlassten Kenner, -hierin eher Hochschnitte in Kupfer als Holzschnitte zu suchen. Die 24 -Vignetten, auf ein Blatt gedruckt, sind nur in ganz wenigen Exemplaren -vorhanden; auf zwei davon wird Hans Lützelburger als der Formschneider -angegeben. Was aus den Originalen geworden, weiss niemand, kopiert sind -sie vielmals. Loedel in Göttingen hat sie vortrefflich nach dem schönen -Exemplar in Dresden gestochen. - - Der Totentanz. - -„Der Totentanz.“ Noch berühmter ist der Totentanz, der in dreizehn -Ausgaben existiert. Früher hielt man dafür, dass die erste gedruckte -Ausgabe von den Originalstöcken, welche eine Höhe von nur 6 ctm. 5 -mm. und eine Breite von 5 ctm. haben, in Lyon erschienen sei, neuere -Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass wenigstens die zwei ersten -Ausgaben aus Basel stammen und dass wahrscheinlich erst die vierte aus -der Offizin der Gebr. Trechsel in Lyon herrührte. Dass die Schnitte -in Basel hergestellt wurden, dürfte ebenfalls zweifellos sein; in -Lyon waren damals keine, dieser Aufgabe gewachsenen Holzschneider. -Man schreibt sie dem, mit dem Namen Holbein so eng verknüpften -Formenschneider □Hans Lützelburger□, genannt □Franck□, zu. Die □iv.□ -bis □xi.□ Ausgabe wurde in Lyon; die □xii.□ in Basel; die □xiii.□ -wieder in Lyon gedruckt. Die □viii.□ Ausgabe und die folgenden haben -statt 41 Blätter deren 53. In dem Hin- und Herwandern der Holzschnitte -liegt nichts befremdendes; ein solches fand öfters statt. - -Die Engländer haben behauptet, dass die Originale für die Holzschnitte -des Totentanzes Gemälde im Schlosse Whitehall, welches 1697 in Flammen -aufging, gewesen seien. Die mit der Feder ausgeführten, und durch -leichtes Aufsetzen von braunen Tinten gehobenen Originalzeichnungen -befinden sich jetzt, nach verschiedenen Schicksalen, in dem -kaiserlichen Kabinet in St. Petersburg. Das Werk ist vielfach kopiert, -in Holzschnitt hat man 48, in Kupferstich 43 Ausgaben. Die von dem -bekannten englischen Kupferstecher Hollar in London 1647 gelieferten -Stiche sind nach den, damals in Besitz des Lord Arundel befindlichen -Originalen gemacht. - -Holbein erzielt in diesem Werke, dessen Gedankentiefe, Kraft -und Naivetät man nicht genug bewundern kann, mit den einfachsten -Mitteln die grösste Wirkung. Er schafft keine Schwierigkeit für den -Holzschneider, die Schatten deutet er nur schwach an. - - _Icones veteris - testamenti._ - -Die _Icones Veteris Testamenti_ halten sich in demselben einfachen -Stil. Der Ausdruck ist kräftig und naiv; eine Eigentümlichkeit sind die -etwas kurzen Figuren. Die erste Ausgabe erschien 1538 bei Trechsel in -Lyon. Sie enthält 92 Blätter. Schon 1539 folgte die zweite. Die dritte -Ausgabe druckten die Gebr. Frellon, welche überhaupt fünf Ausgaben -lieferten, nachdem sie die Druckerei von Trechsel erworben hatten. - -Wer die Platten geschnitten hat, ist unbekannt geblieben; dass Hans -Lützelburger allein eine so bedeutende Arbeit hätte ausführen können, -ist nicht anzunehmen. Angesehene Kenner haben vermutet, dass die -Schnitte in Paris besorgt sind. - -Im Jahre 1830 haben zwei geschickte englische Holzschneider, John und -Mary Blyfield, sowohl diese Zeichnungen, als auch den Totentanz so -getreu nachgebildet, dass sie kaum von den Originalen zu unterscheiden -sind. In demselben Jahre, wo das Original Holbeins in Lyon erschien, -liess Pierre Regnault in Paris eine, jedoch schwache Nachahmung -erscheinen. - - Höchste Stufe - d. Holzschnittes. - -Mit den Arbeiten Holbeins hatte die Holzschneidekunst ihren Höhepunkt -erreicht. Trotz aller Fortschritte in der Technik, die heute spielend -alle Schwierigkeiten überwindet, giebt es nichts, was den, mit so -einfachen Mitteln und bei so kleinen Dimensionen erreichten Effekt -dieser Kunstwerke übertrifft. Die Vortrefflichkeit der Ausführung -hat Sachkundige veranlasst, in dem Holzschneider den Künstler selbst -erkennen zu wollen. Überhaupt ist die Frage öfters aufgeworfen: „Waren -in der ersten Periode des Holzschnittes Zeichner und Holzschneider -dieselbe Person?“, eine Frage, die unterschiedliche Beantwortung -gefunden hat. - - Ueber die eigen- - händigen Holz- - schnitte. - -Es mag wohl unzweifelhaft sein, dass die Künstler damaliger Zeit, wo -Kunst und Gewerbe einander weit näher standen, als heutzutage, die -Technik des Holzschnittes innegehabt und öfters selbst die Xylographie -geübt, namentlich die Teile eines Bildes geschnitten haben, die -besondere Sorgfalt erforderten. Ebenso unzweifelhaft ist es aber wohl -auch, dass dies eine Ausnahme war, und dass die Zeichner sich in der -Regel des Formenschneiders bedienten, um die langwierige Arbeit des -Schnittes auszuführen. - -Es bleibt so gut für diese Periode, wie für unsere Zeit anzunehmen, -dass zwei Künstler bei der Arbeit zusammenwirkten: der eigentlich -Erfindende, der die Komposition entwarf und aufs Holz zeichnete (riss) --- eine Arbeit, die aber in manchen Fällen auch von einem zweiten -Künstler besorgt wurde --, und der Holzschneider, der selbst und durch -seine Gehülfen den Schnitt ausführte. - -Das Monogramm Holbeins oder Dürers auf einem Holzschnitt beweist -ebensowenig, dass er den Schnitt ausgeführt hat, als heutzutage das -Horace Vernets oder Adolph Menzels uns glauben lässt, dass diese in -Holz geschnitten haben. Dass der Holzschneider nicht seinen Namen -beigefügt hat, liegt einfach darin, dass er damals noch nicht den -Anspruch machte, als selbständiger Künstler zu gelten. Die Aufgabe des -Holzschneiders war nur, die Zeichnung auf das genaueste wiederzugeben; -je sklavischer er hierin arbeitete, je weniger er Anspruch auf -Selbständigkeit machte, ein um so besserer Holzschneider war er. -Abgesehen von den eigenen Äusserungen Dürers, woraus hervorgeht, dass -er sich wenigstens hauptsächlich nur mit der Zeichnung beschäftigt -hat, beweist die grosse Zahl von Holzschnitten von ihm, sowie die -Verschiedenheit in der Ausführung, dass sie nicht Arbeiten eines -einzigen Mannes sein können; und so wird es wohl auch mit den Arbeiten -mancher anderer Künstler der Fall sein. - - * * * * * - - Die Drucker- - zeichen. - -Über eine besondere Art der Illustration, welche sowohl in -Deutschland, wie in anderen Ländern allgemein üblich wurde, die -„□Druckerzeichen□“[9] mögen hier einige Worte Platz finden. - - [9] □Frid. Roth-Scholtz□, _Insignia bibliopolarum et - typographorum_. Nürnberg 1728. -- □C. L. Silvestre□, - _Marques typographiques_. Paris 1853. □Reiffenberg□, - _Marques et devises_. Brüssel 1874. -- □J. Ph. Berjeau□, - _Early Dutch German and English Printers Marks_. London - 1866. -- □Jessie E. Ringwalt□ in dem Amerikanischen - _Printers Circular_. 1873. - -Schon in der frühesten Periode machten die Buchdrucker Gebrauch von -Wappenschildern, Sinnbildern und Wahlsprüchen, die so zu sagen die -Stelle eines Fabrikzeichens einnahmen und sowohl ein Ursprungs-Zeugnis -als auch ein Eigentumszeichen bildeten. Bereits Fust und Schöffer -bedienten sich eines solchen; dass jedoch der zweite Zweck des -Druckerzeichens nicht immer erfüllt wurde, beweisen schon die Klagen -des Aldus, dass die Nachdrucker in Lyon nicht allein seine Bücher -nachdruckten, sondern auch sein Zeichen, den weltberühmten Anker von -einem Delphin umschlungen, nachmachten, so dass jedermann glauben -müsse, er sende solche fehlerhafte Drucke in die Welt. - -Mit dem zunehmenden Geschmack an Verzierungen wurde immer mehr -Phantasie und Geschick auf Erfindung und Ausführung der Druckerzeichen -verwendet. Die Familie der Elzevire wählte den vieltragenden Ölbaum, -welchen die griechische Mythe als das segensreiche Geschenk der -weisen Göttin Minerva an die Menschheit bezeichnete. Die Stephane -nahmen ebenfalls einen Baum, welchem der fromme und gelehrte Heinrich -Stephanus eine Apostelfigur beigab, die mit einem Fingerzeig auf die -herabgefallenen gebrochenen Zweige und auf den Ausspruch des Apostel -Paulus: _Noli altum sapere, sed time_ (Strebe nicht zu hoch, sondern -sei besorgt) warnend hinweist. - - Die Drucker- - zeichen. - -Plantin kennzeichnete den Geist, der seine Arbeiten leitete, durch -eine Hand und einen Zirkel mit dem Motto _Labore et constantia_ -(durch Arbeit und Beständigkeit). Froben führte einen, von Schlangen -umwundenen Stab, auf welchem eine Taube sitzt, was Erasmus zu dem -Ausspruch veranlasste, dass der gelehrte Drucker in Wahrheit die -Schlangenklugheit mit der Taubeneinfalt vereinige. Die Familie Marnef -wählte den Pelikan, wie er sich die Brust zerfleischt, um seine Jungen -zu nähren. - -Künstlerisch ist das Zeichen des Oporin: der auf dem schwimmenden -Delphin sich wiegende Arion, der von den Winden getragen zu werden -scheint, ebenfalls bemerkenswert der Saturn des Colinäus, sowie -das schöne Sinnbild der Gioleti mit dem grossen, keck in die Sonne -schauenden Adler und dem Motto _semper eadem_. Voller Kraft und Grazie -ist auch der Greif der Familie Gryphius und der prächtige Pegasus, auf -dem die Wechel ihrem Ruhme entgegeneilten. Würdig obigen beigesellt zu -werden ist das merkwürdige Symbol des Hieron. Scott: eine weibliche -Figur auf einer Erdkugel, welche dem leisesten Druck der Zügel zu -gehorchen scheint, die sie in ihrer Hand hält. Prosaischer war die -Herleitung des Druckerzeichens von dem Zeichen des Wohnhauses wo -gedruckt wurde. - -Manchmal hatten die Insignia eine bedeutende Grösse. Riesenhaft ist der -wilde Löwe des Mylius von Strassburg, ebenso wie die drei reissenden -Bestien Brylingers, während Couteaus kolossaler Löwe friedlich auf -einem Schild von Blumen ruht. - -Besonders beliebt waren die rebus-ähnlichen Wortspiele. Das Wappen -Baumanns in Breslau zeigt ein unfertiges Haus mit dem Baumeister davor. -Apiarius (Bienenzüchter) in Ingolstadt sendet einen Bären baumaufwärts -trotz des diesen umgebenden Bienenschwarmes. Froschauer in Zürich mag -für seinen schlechten Rebus einige Entschuldigung in dem Humor finden, -mit welchem sein Junge den riesenhaften Frosch reitet oder letzterer -auf den Baum klettert. Für Granjon lag das Wortspiel fertig in der -grossen Binse (_grand jonc_). Das Schiff (Galliote) des Galliot du -Pré fährt unter vollen Segeln dahin. Der wuchtige Elephant Regnaults -gewinnt sehr in den Händen seiner Witwe durch den pikanten Zusatz, dass -sie das Elephantentum fortsetzen werde: _Sicut Elephas sto!_ - - Die Druckerzeichen. - -Namentlich die englischen Buchdrucker gefielen sich in den, oftmals bis -an die Grenze des Erlaubten getriebenen Wortspielen. William Middleton -stellte sein W. M. mitten auf eine Tonne. William Griffith sendet uns -einen Greif mit einer Bartnelke (_Sweet William_) in dem Schnabel. -Thomas Woodcock (Holzhahn) setzte einen Hahn auf einen Scheiterhaufen -mit der Umschrift _Cantabo Jehovae, quia beneficit_ (ich will dem -gnadenreichen Gott lobsingen). Thomas Pavier führte als Zeichen einen -arbeitenden Pflastersetzer (_pavier_) mit dem Motto: _Thou shalt -labour, till thou return to dust_ (du sollst arbeiten, bis du wieder -zu Staube wirst). Reynard Wolf lässt seine Namensvettern, Fuchs und -Wolf, Schildhalterdienste bei ihm verrichten. Das Zeichen John Days -(Tag) zeigt eine von der aufgehenden Sonne beleuchtete Landschaft; im -Vordergrunde ein Schlafender, den ein Engel weckt, mit dem Ausspruch: -_Arise! for it is Day_ (Steh auf, denn der Tag ist da). - -Gewisse einfache und sehr leicht verständliche Embleme scheinen als ein -Gemeingut der Drucker aller Länder gegolten zu haben, so gebrauchten -Oeglin, Notary, Martens, Thanner und Weissemburger die Erdkugel; -die Druckerpresse wurde benutzt von Ascensius, Vascosan, Roigny, -Schilders, de Preux, Hanns Lufft u. s. w., Kreuz, Stern und Anker -wurden in allen erdenklichen Zusammenstellungen verwendet, die Zeit -zeigt sich in allerlei Gestalten, die Schlange windet sich durch eine -Menge von Druckerzeichen, ja selbst in der Benutzung der Kohlköpfe -findet Rivalität statt. Die oft vorkommende Axt, welche einen Holzblock -spaltet, erhielt eine schreckliche Vorbedeutung in dem Zeichen des -grausam hingeopferten Etienne Dolets. - -Als nach und nach die Buchdrucker aufhörten, zugleich die tonangebenden -Verleger zu sein, und Lohndrucker der Buchhändler wurden, mussten -sie den Verlegern den Platz räumen und bescheiden in den Hintergrund -treten. Die Verleger nahmen nun ihrerseits vielfach Embleme an, in -der Regel jedoch allgemeiner Natur, z. B. eine brennende Lampe, ein -aufgeschlagenes Buch, eine Presse im Strahlenkranze, einen Greif oder -einen Schild mit den Anfangsbuchstaben der Firma u. s. w. - - - - -[Illustration:Kapitelanfang] - -VII. KAPITEL. - -DIE TYPOGRAPHIE IN DEUTSCHLAND UND IN DEN SKANDINAVISCHEN LÄNDERN. - - □Nürnberg□: Der Theuerdank. Die deutschen Schriften. □Augsburg□: - Hans Schönsperger d. ä. □Frankfurt am Main□: Chr. Egenolff, - Sigism. Feyerabend, die Merians. □Mainz□: Die Nachfolger Schöffers. - □Tübingen□: Der slawische Druck. Cotta. □Strassburg□: Illustrierter - Druck. □Basel□: Joh. Froben, die Familie Petri, Joh. Oporinus. - □Zürich□: Chr. Froschauer. □St. Gallen□: Leon. Straub. □Wien□: Johan - Sigriener, Hans Kohl, Joh. v. Gehlen. □Leipzig□: Melch. Lotter, - Valentin Bapst. Gute und schwere Zeiten. □Wittenberg.□ □Der Norden.□ - □Berlin.□ - - DIE SKANDINAVISCHEN LÄNDER. □Dänemark□, □Norwegen□ und □Island□, - □Schweden□ und □Finnland□. - - -DER Ruhm, die Arbeiten der in dem vorigen Kapitel erwähnten Künstler -durch den Druck verbreitet zu haben, gehört vor allen Nürnberg, dann -Augsburg, Frankfurt am Main, Strassburg, Basel; doch auch manche -Druckstädte des Auslandes, besonders Lyon, trugen dazu bei, den Ruhm -deutscher Künstler im Ausland weiter zu verbreiten. - - Nürnberg. - - Der Theuerdank. - -Dass NÜRNBERGS Pressen den grössten Anteil an den von Maximilian I. -veranlassten Werken haben mussten, geht als natürliche Folge aus -dem oben mitgeteilten hervor. Typographisch das interessanteste -Druckerzeugnis bleibt: „Die Geheuerlichkeiten und eins teils der -geschichten des löblichen streytparen und hochberühmten Helds und -Ritters Tewrdanckhs“. Der Text ist eine recht schale Poesie des -Probstes Melchior Pfinzing zu St. Sebald in Nürnberg, und, wie -alle durch Maximilian hervorgerufenen Werke, auf dessen alleinige -Verherrlichung abgesehen. Das Buch schildert allegorisch alle -die Abenteuer, die er zu bestehen hatte, bis er in den Besitz der -Herzogin Maria von Burgund gelangte, und ist hauptsächlich nur seiner -artistisch-typographischen Ausstattung wegen berühmt geworden. - -Aus der Korrespondenz des Kaisers mit seinem Sekretär Peutinger geht -hervor, wie lebhaft er sich für diese Arbeit interessierte. Er war -eifersüchtig, wenn er glaubte, ein Künstler stelle seine Aufträge -gegen die anderer zurück, und besuchte öfters das Holzschneide-Atelier -des Hieronymus Resch, um sich von dem Vorwärtsschreiten des Werkes -zu überzeugen. Aber das Bezahlen war, wie schon erwähnt wurde, nicht -seine starke Seite. Die Zeichnungen lieferten Schaeuffelein und andere -angesehene Künstler.[1] - - [1] Vergl. S. 116, Absatz: □Hans Schaeuffelein□. - - Theuerdank-Type. - -Die „Theuerdanktype“ ist eine ganz eigentümliche und kann als ein -Wendepunkt in der deutschen Schriftschneiderei betrachtet werden, indem -von nun an die gothische Schrift verlassen und die jetzt gebräuchliche -Fraktur ausgebildet wurde. Die Zeichnung zu der Schrift besorgte der -Hofsekretär des Kaisers Maximilian, Vincenz Röckner, und soll er dazu -ein, von dem bekannten Schriftzeichner Joh. Neudörffer hinterlassenes -Manuskript benutzt haben. Wer die Stempel schnitt, lässt sich nicht -bestimmt nachweisen, wahrscheinlich war es Hieronymus Andrae, nach -damaliger Sitte Hieronymus „Formenschneider“ genannt. Es ist um so -eher anzunehmen, dass Andrae die Schrift schnitt, als er sie später -in verschiedenen Grössen ausführte und sie zugleich in der von ihm -eingerichteten Buchdruckerei benutzte, in welcher auch die Bücher -Dürers gedruckt wurden. - -Man hat lange darüber gestritten, ob nicht der Theuerdank von -Holztafeln gedruckt sei, jedoch einen unscheinbaren, aber sicheren -Gegenbeweis gefunden, indem in der ersten Ausgabe von 1517, unter -dem vierundachtzigsten Bilde, in der Unterschrift ein umgekehrtes i -vorkommt, ein Beleg, dass auch ein Satzfehler von Wert sein kann. -Die verschiedenen Formen der Versalbuchstaben, sowie die in Holz -geschnittenen angesetzten Züge und vielen Zieraten konnten freilich -leicht zu der Annahme führen, dass auch die eigentümliche Schrift -Holzschnitt sei. Diese Annahme konnte noch durch die Menge der -verschiedenartigsten Ligaturen bestätigt werden; mit solchen war -man jedoch damals äusserst freigebig. Die Theuerdankstype, ohne die -Zieraten, behielt bis in das □xvii.□ Jahrhundert ihre Geltung, sowohl -in Deutschland, wie in Holland, und alle andere deutsche Schriften -bildeten sich nach derselben. - - Die Koberger. - -Antonius Kobergers Wirksamkeit lernten wir schon früher kennen. Die -Bedeutung des Geschäftes hörte mit seinem Tode (1513) nicht auf. Der -Sohn □Ant. Koberger□ war damals minderjährig. Der eigentliche Chef -des Hauses scheint □Johannes Koberger□, entweder ein Sohn des älteren -Antonius aus erster Ehe oder ein Neffe desselben, gewesen zu sein; -das Verhältnis ist jedoch nicht ganz klar. Johannes war ein Mann von -grosser Thatkraft und das Geschäft befand sich 1532 in einem blühenden -Zustand; seit dieser Zeit hört man jedoch von demselben nichts mehr. -Antonius starb im J. 1540; Johannes 1543. - -Durch die grosse Korrektheit seiner Ausgaben zeichnete sich □Johann -Petreijus□ aus. Das bis in die neueste Zeit bestehende □Endter□sche -Geschäft wurde 1604 gegründet. Aus diesem stammt auch das erste -deutsche typographische Handbuch (1721). - - Schriftgiesserei - in Nürnberg. - -Eine grosse Bedeutung hat Nürnberg für die Schriftgiesserei. Unter -den Schreibmeistern (Modisten), welche die deutsche, besonders die -Kanzlei- und die Fraktur-Schrift, zu Ehren brachten, war □Paul Fischer□ -bedeutend. Sein Schüler □Johann Neudörffer d. ä.□ war der erste, der -die deutsche Schrift in die später allgemeine Form brachte. In den -Jahren 1538, 1544 und 1549 gab er seine Anweisungen heraus. Neudörffer -starb 1581. Einen guten Ruf erwarb sich □Pancratius Lobinger□, dessen -Schriften noch um die Mitte des □xviii.□ Jahrhunderts beliebt waren[2]. - - [2] Interessant ist in Bezug auf das Typenwesen im - Mittelalter: □F. Soennecken□, Das deutsche Schriftwesen. - Bonn 1881. - - Augsburg. - Hans Schöns- - perger d. ä. - -AUGSBURG zählte den Drucker des Theuerdanks zu seinen Bürgern. Es -war □Hans Schönsperger der ältere□, der von 1481 bis 1523 eine Reihe -ausgezeichneter Druckwerke lieferte. Er stellte jedoch die erste -Auflage nicht in Augsburg her, sondern wurde nach Nürnberg berufen, um -das Werk dort unter den Augen des Verfassers auszuführen. Die zweite -Auflage schreibt sich jedoch aus Augsburg. Von Schönspergers sonstigen -Druckwerken war das _Regimen sanitatis_ das erste, das „Neue Testament“ -das letzte. Von seinem gerühmten Verfahren, Gold- und Silberdruck -auszuführen, wissen wir nichts näheres. - - Andere Augs- - burger Drucker. - -Von bedeutenden Augsburger Druckern sind noch zu nennen: □Erhard -Oeglin□ (_Ocellus_), der zuerst in Deutschland hebräische, und -□Hans Müller□, welcher zuerst griechische Bücher lieferte. □Hans -Froschauer□ brachte ein Werk mit musikalischen Noten, die jedoch -nicht Typen, sondern Holzschnitte sind: _Lilium musicae planae_. Auch -Privatpersonen übten die Kunst, z. B. der gelehrte Arzt □Sigmund Grimm□ -und der reiche Kaufmann □Marx Würsing□; ja man lernt selbst eine Art -Aktien-Buchdruckerei kennen, die, nach ihrem Signet sogenannte: _Ad -insigne Pinus_, mit welcher eine Schriftgiesserei verbunden war. Aus -dieser Offizin ging eine Reihe von guten Ausgaben der römischen und -griechischen Klassiker hervor. Als Schriftgiesser war □Johann Rainmann□ -berühmt, man hat sogar behauptet, dass Aldus Manutius seine ersten -Typen von ihm bezogen habe. - -Für den Buchhandel behielt Augsburg lange seine Bedeutung. Hier -erschien auch 1564 der erste Messkatalog. - - Frankfurt a. M. - - Chr. Egenolff. - -FRANKFURT A. M., die bedeutende Handels- und Kulturstadt, bekam, -wenn man von einem zweifelhaften Hanns Petersheim absieht, erst -1531 eine Buchdruckerei durch □Christian Egenolff□[3] aus Hadamar im -Westerwalde (geb. am 26. Juli 1502). Er war ein feingebildeter Mann, -der in lebhafter Korrespondenz mit Melanchthon und anderen Gelehrten -stand. Seine Drucke (1531 bis 1555), namentlich die lateinischen -Ausgaben und seine deutsche Bibel, sind sehr sorgfältig ausgeführt. -Auch seine Schriftgiesserei war berühmt, und er lieferte Schriften -für einen grossen Teil der deutschen Offizinen, wie überhaupt die -Schriftgiesserei und die Stempelschneiderei damals und bis auf den -heutigen Tag in Frankfurt blühten. Von seinem Schwiegersohne □Sabon□ -stammt der, dessen Namen tragende Schriftkegel. - - [3] □Dr. H. Grotefend□, Chr. Egenolff, der erste ständige - Buchdrucker zu Frankfurt a. M. Frankfurt 1881. - - Sigism. Feyer- - abend. - -Als berühmter Buchdrucker, Holzschneider und Buchhändler glänzt -□Sigismund Feyerabend□ (geb. um 1527; gest. um 1590). Er entwickelte -eine grossartige Thätigkeit, besonders in der Herausgabe illustrierter -Werke, wobei er namentlich von den Künstlern Virgil Solis und Jost -Amann unterstützt wurde. Manche seiner grossen Verlagsunternehmungen -setzte er in Gemeinschaft mit Simon Hütter, Johann Feyerabend, Weigand -Hahn und Georg Rabe ins Werk. Die Holzschnitte fertigte er zum Teil -selbst. Als Korrektor und litterarischer Berater stand ihm Franz Modius -zur Seite, wofür dieser einen Jahresgehalt von 200 Kronenthalern bezog. -Feyerabend und seine gleichnamigen Verwandten druckten wenigstens -sieben Ausgaben der Bibel und fünf der biblischen Bilder in Folio, neun -Ausgaben der Bibel in kleinerem Format; eine Passion; Cäsar, Livius, -Josephus, Plutarch, alle in Folio; Werke über Krieg, Sport, Ackerbau; -Chroniken; Kochbücher, sämtlich mit zahlreichen Holzschnitten. - - Die Merian. - -Eine grosse Einwirkung auf die Frankfurter Bücherproduktion übten -die Merian, Vater und Sohn. □Matthias Merian□ der Vater (geb. 1593 -zu Basel, gest. 1651 zu Schwalbach), genoss schon im 20. Jahr den Ruf -eines tüchtigen Kupferstechers. Er wirkte einige Zeit in Frankfurt bei -seinem Schwiegervater, dem Kupferstecher und Buchhändler Theod. de Bry, -und ging dann nach Basel, wo er zuerst einzelne Stadtpläne herausgab. -Auf den Wunsch de Brys kehrte er 1623 nach Frankfurt zurück, wo er sich -als Künstler und Buchhändler den besten Ruf erwarb und eine ganz enorme -Thätigkeit entwickelte. Sein Sohn □Matthias Merian d. j.□ (geb. 1621 -zu Basel, gest. 1687) war fast noch berühmter als sein Vater und setzte -die Unternehmungen desselben fort, wobei sein Schwager Thomas Götz und -sein Bruder Kaspar ihn unterstützten[4]. - - [4] □Ed. Heyden□, Gallerie berühmter Frankfurter. 1861. - - And. Wechel. - -Einen ausserordentlichen Ruf erwarb sich □Andreas Wechel□, Sohn des -berühmten Pariser Buchdruckers Christ. Wechel. Wie der Vater zeichnete -sich auch der Sohn durch die Sorgfalt für die Korrektheit seiner -Druckwerke aus. Die Druckerei wurde nach Wechels Tod unter Beibehaltung -der Firma von Wechels Schwiegersöhnen Claude Morny und Jean Aubry im -gleichen Geiste fortgesetzt. - - Joh. Andreae. - -Die von □Johann Andreae□ 1667 gegründete Buchdruckerei und -Schriftgiesserei nimmt bis auf die neueste Zeit eine höchst ehrenvolle -Stelle ein. - -Weder Mainz, noch Köln, die in der ersten Zeit eine so hervorragende -Rolle spielten, behaupteten in dieser späteren Periode ihren früheren -Rang. - - Mainz. - - Familie Schöffer. - -In MAINZ ging, wie bereits erwähnt, die neue Gutenbergische -Buchdruckerei 1508 auf □Friedrich Hewmann□ aus Nürnberg über. Schöffer -hatte zwei Söhne, Johann und Peter. □Peter Schöffer der jüngere□[5] -druckte von 1513-1520 nur vier kleinere Schriften, sodass fast -anzunehmen ist, er habe in Mainz keine Druckerei selbst besessen und -die wenigen Schriften in der Offizin seines Bruders gedruckt. Seine -Verhältnisse scheinen nicht gut gewesen zu sein. 1518 soll er nach -Worms gezogen sein, wahrscheinlich ist es jedoch erst im Jahre 1528 -gewesen. Dort druckte er bis 1529, dann in Strassburg, schliesslich von -1541-1542 in Venedig. Sein Todesjahr ist nicht bekannt, mutmaasslich -liegt es nicht weit von 1542 ab. Sein Sohn □Ivo□ blieb bei dem Onkel -Johann in Mainz. - - [5] □H. Helbig□, _Notice sur P. Schœffer le fils_. Gent 1848. - -□Johann Schöffer□, der ältere Sohn Peters, ward einer der angesehensten -Bürger von Mainz und hat während seines Wirkens (1502-1531) eine Menge -tüchtiger Werke gedruckt, unter anderen eine Übersetzung des Livius -mit Holzschnitten. In der Dedikation zu diesem Werk giebt er unumwunden -Gutenberg die Ehre der Erfindung, während er bei anderen Gelegenheiten -diese seinem Grossvater Fust zu vindizieren versucht hatte. In den -Jahren 1519-1523 erschienen bei ihm mehrere Werke von Ulrich von Hutten -und Erasmus. Er starb 1531 und hinterliess vier Töchter. In der Leitung -des Geschäfts folgte ihm sein Neffe □Ivo□, der im Jahre 1552 kinderlos -starb, gerade ein Jahrhundert, nachdem sein Grossvater mit Hand an -das grosse Werk gelegt hatte. Die Druckerei ging in den Besitz von -□Balthasar Lips□ über, und wurde aus dem Hofe „Zum Humbrecht“ verlegt. - -□Johann Schöffer ii□, der Sohn des obengenannten, etablierte sich -später in Herzogenbusch, wo seine Nachkommen das Geschäft bis 1796 -fortführten, zu welcher Zeit die Familie mit einem □Jakob Schöffer□ -ausstarb. - - Tübingen. - - Slawischer - Druck. - -Einen guten Namen hat sich TÜBINGEN, seit 1477 Universitätstadt, -erworben. Eingeführt wurde die Kunst durch □Johannes Ottmar□ 1498. -Eine interessante Episode bildet um die Mitte des □xvi.□ Jahrh. der -slawische Bücherdruck in Tübingen und Urach[6]. Der Primus Truber, -1531 Domherr in Laibach, war der Lehre Luthers ergeben. Um drohenden -Verfolgungen zu entgehen, griff er zur Flucht und erhielt eine -Predigerstelle in Rotenburg a. d. Tauber, später in Kempten. Sein -sehnlichster Wunsch war, seinen wendischen Landsleuten die Bibel in -ihrer Sprache schaffen zu können. Nach vielen Schwierigkeiten brachte -er einen Katechismus zustande, stiess aber auf Zensurhindernisse -in Neuenburg und Schwäb. Hall und musste den Druck (1550) heimlich -in Tübingen veranstalten. Auf Veranlassung des Bischofs Paulus -Vergerius, welcher, der Religion wegen geflüchtet, sich in Graubündten -aufhielt, übersetzte er das Evangelium Matthäi. Den Druck übernahm -die □Morhard□sche Buchdruckerei in Tübingen auf Kosten des Herzogs -Christoph von Württemberg. Später wurde jedoch eine Presse nach -Reutlingen verlegt. Das erste Evangelium in wendischer Sprache erschien -1555; im Herbst 1557 war der ganze erste Teil des Neuen Testaments -vollendet, 1560 der zweite. - - [6] □C. F. Schurrer□, Slavischer Bücherdruck in Würtemberg - im □xvi.□ Jahrh. Tübingen 1799. -- □H. C. W. Sillem□, - _Primus Truber_. Erlangen 1861. - -Ein Hauptförderer des slawischen Drucks war Hans Ungnad, Freiherr von -Sonnegg. Er schickte den Priester Stephan Consul, der schon Truber -behülflich gewesen war, im Jahre 1560 nach Nürnberg, um bei dem -Stempelschneider Joh. Hartwach und bei dem Schriftgiesser Simon Auer -glagolitische Schriften (vgl. S. 76) nach seiner Anweisung fertigen -zu lassen. Später liess er die beiden Genannten nach Urach, wo Truber -Pastor geworden war, kommen (1561), um unter dessen und des nach -Urach berufenen Anton Dolmatas Aufsicht cyrillische Schriften zu -schneiden, überhaupt eine Druckerei einzurichten, die unter Steph. -Consuls Leitung stehen sollte. Auch andere Gelehrte aus Serbien -und Bosnien wurden berufen. Waren Typen für die slawischen Sprachen -nicht in genügender Menge vorhanden, so wurde auch in italienischer -Sprache gedruckt. Nach Ungnads Tod (1564) geriet die Druckerei ins -Stocken, die Typen wanderten, nach der Schlacht bei Nördlingen von den -Kaiserlichen gefunden, als Geschenk Kaiser Ferdinands □iii.□ nach Rom -in die Druckerei der Propaganda. Tübingen brachte auch 1522 den ersten -hebräischen Druck, die durch Reuchlin herausgegebenen Buss-Psalmen. - - Familie Cotta. - -Hier stand auch die geschäftliche Wiege des weltberühmten Cottaschen -Etablissements. Die Familie □Cotta□ war eine der ältesten und reichsten -Adelsfamilien der Lombardei und behauptet, ihre Ahnen bis in die -römische Konsularzeit verfolgen zu können. Durch ihre Parteinahme -gegen Franz Sforza ging sie ihrer Güter verlustig und wanderte nach -Deutschland aus. Bonaventura Cotta, der Stammvater des im Buchhandel -und Buchdruck berühmten Zweiges der Familie, liess sich in Sachsen -nieder. Durch die Verhältnisse darauf angewiesen lernte □Joh. Georg -Cotta□ den Buchhandel bei Zimmermann in Wittenberg, ging 1640 nach -Tübingen und erwarb durch Heirat das frühere Brunnsche Geschäft. Der -Glanz des Hauses gehört der nächsten Periode. - - Heidelberg. - -Nach HEIDELBERG, das durch seine Bibliothek in Ruf stand, war der -berühmte □Hieronymus Commelinus□ (1587-1597) gekommen. Seine Ausgaben -griechischer und römischer Schriftsteller, unter welchen Athanasius -und Chrysostomus besonders geschätzt werden, sind so angesehen wie die -Drucke der Stephane und der Aldi. Die Offizin wurde nach Commelinus' -Tod von □Judas Bonnutius□ fortgesetzt. In Heidelberg druckte auch -□Ernst Vögelin□, der Leipzig auf Grund seiner krypto-calvinistischen -Schriften hatte verlassen müssen. Das Vorzüglichste in Bezug -auf typographische Ausstattung dürften wohl die römischen -Geschichtschreiber von □Haurisius□ sein. - - Strassburg. - -STRASSBURG zeichnet sich in zweifacher Beziehung aus, erstens durch -eine grosse Zahl von bedeutenden illustrierten Werken, dann durch -die lebhafte Beteiligung der Humanisten bei seiner litterarischen -Produktion. Die Stadt hatte seit 1459 ihre Universität und das -benachbarte Schlettstadt war der Sitz einer gelehrten Schule, wo der -Humanismus besondere Pflege fand. Namentlich waren es Jakob Wimpfeling, -Johann Geiler von Kaisersberg und vor allen Sebastian Brant, welche zum -Schluss des □xv.□ und zum Beginn des □xvi.□ Jahrhunderts einen grossen -Einfluss übten. - - Joh. Grüninger. - -Was die bildende Kunst betrifft, so besass Strassburg schon im -□xv.□ Jahrh. nicht allein den bedeutendsten Kupferstecher □Martin -Schongauer□, sondern war auch im Holzschnitt sehr produktiv. Kein -deutsches Buch damaliger Zeit hatte einen so durchgreifenden Erfolg -gehabt wie Seb. Brants zuerst in Basel (vergl. S. 44) erschienenes -„Narrenschiff“, zu welchem er, nach Behauptung Einiger, selbst -Zeichnungen, sogar Holzschnitte geliefert haben soll. Wenn dies auch -nicht der Fall gewesen wäre, so beweist wenigstens dieses Werk und die -Beteiligung Brants bei verschiedenen der bedeutenden Unternehmungen -des □Johann Reinhard□, genannt □Grüninger□ (1483-1528), welch grosses -Gewicht dieser merkwürdige Mann und Schriftsteller auf die Verbindung -von Text und Illustration legte. - -Die Hauptwerke Grüningers sind der „Horaz“ in 4°, aus d. J. 1489; der -„Terenz“ in Folio, von 1496; besonders aber der „Virgil“ in Folio, -von 1492, mit über 200 „sorgfältig ausgeführten, durch Seb. Brant -beigefügten Figuren und Bildern“, von welchen etwa 40 die Grösse von -zweidrittel, 170 von einer halben Folioseite haben. Einen sonderbaren -Eindruck machen die Helden und Götter in dem Kostüm des □xvi.□ Jahrh. -Eine in Lyon gedruckte Ausgabe bringt, ohne Wissen Seb. Brants, ausser -den Holzschnitten der Strassburger eine Anzahl von weniger zarter -Natur, die er in der letzteren unterdrückt hatte. Es ist dieses Buch -nächst dem Theuerdank eins der interessantesten illustrierten Werke -des □xvi.□ Jahrh. Kunstkenner haben behauptet, die Schnitte seien -Metallhochschnitte, sie sind aber die Beweise dafür schuldig geblieben. - -Ein merkwürdiges Buch ist die von Grüninger gedruckte _Logica -memorativa_, ein Lehrbuch der Logik des Thomas Murner in Krakau in -Form von Spielkarten. Die erste Auflage war in Krakau erschienen; -der Verfasser erlitt als Zauberer den Flammentod. Auch zwei -grosse illustrierte Ritterromane erschienen bei Grüninger, die -wahrhaftige Historie von Hug Schapler, einem Fleischersohn, der -die Krone Frankreichs errang (als Hugo Capet) und die Geschichte -einer französischen Königstochter, die nach vielem Unglück Königin -von England wurde. 1503 erschien bei ihm: _Hortulus animæ_ mit 57 -Holzschnitten von Hans Springinklee und Erhard Schön. - - Joh. Knoblauch. - -□Johann Knoblauch□ brachte 1508 eine „Passion“ mit 25 Blatt von Urse -Graff, ferner Geiler von Kaisersbergs „Granatapfel“, von Hans Baldung -illustriert. - - Bedeutende - Drucker. - -Ausser den Genannten druckten noch □Joh. Scott□, □Wendelin Richel□, -□Reichart Beck□, □Bernh. Jobin□ u. a. viele illustrierte Ausgaben. -Besonders nennenswert sind Jobins: _Icones illustrium virorum, -recensente Nic. Reusnero_, 1587, mit Zeichnungen von Tob. Stimmer. -Zu HAGENAU waren □Heinr. Grau□ und □Theodor Anselm□ unternehmende -Verleger, die mit auswärtigen Künstlern von Rang, z. B. mit Hans -Schaeuffelein, in Verbindung standen. Ein Elsasser Formenschneider, -□Jakob von Strassburg□, gab 1503 in Venedig den „Triumphzug Cäsars“ in -12 Folioblättern heraus. - - Peter Pilgrim. - -Das Auftreten der Renaissance in Strassburg beginnt mit □Joh. -Wächtlin□, genannt □Pilgrim□ oder der Meister mit den gekreuzten -Pilgerstäben, der Maler und Formenschneider zugleich gewesen sein soll. -Er zeichnete sich namentlich durch den xylographischen Farbendruck aus. -Mit dem „Clair-obscur_-Druck“ sollte durch zwei oder drei Holzstöcke -mit verschiedenen Farben die Wirkung der damals sehr beliebten -Federzeichnungen auf farbigem Papier mit weiss aufgesetzten Lichtern -erreicht werden. Der Ursprung gehört jedenfalls Deutschland, in der -Weiterbildung war jedoch bald Italien voran. - - * * * * * - - Basel. - -Nur wenige Städte haben auf eine so glanzvolle Druck-Periode -zurückzublicken, wie BASEL auf seine in der ersten Hälfte des □xvi.□ -Jahrh. Selten haben Wissenschaft, Kunst und Technik brüderlicher -zusammen gewirkt, als dort. Namentlich ist es das Dreigestirn Froben, -Petri und Oporinus, welches einen hellen Glanz verbreitet. - - Joh. Froben. - - Verhältnis zu - Erasmus. - -□Johannes Froben□ (geb. um 1460, gest. im Okt. 1527) stammt aus -Hammelburg in Franken. Er bezog die Universität zu Basel und bekam -durch die Bekanntschaft mit Ammerbach, in dessen Offizin er als -Korrektor arbeitete, Lust zur Buchdruckerei. Im Jahre 1491 fing er -seine Thätigkeit mit dem Druck einer Bibel in höchst zierlicher Schrift -an. Seine Hauptwirksamkeit beginnt aber erst von der Zeit, als Erasmus -1514 nach Basel zog und seine Wohnung im Frobenschen Hause aufschlug, -wo er mit wenigen Unterbrechungen bis zu seinem Tode weilte. Erst mit -vier, dann mit sieben Pressen druckte er über dreihundert, meist sehr -bedeutende Werke, darunter die erste griechische Ausgabe des Neuen -Testaments. - -Das Verhältnis zu Erasmus erweckte grossen Neid unter Frobens Kollegen; -aber nicht nur mit dem Neide, sondern auch mit dem Nachdruck und -anderen geschäftlichen Sorgen hatte er zu kämpfen. Neben den Vorteilen, -welche die Verbindung mit Erasmus ihm brachte, musste er den Nachteil -mit in den Kauf nehmen, dass Luthers Schriften, die vorzugsweise -nachgefragt wurden, und alle anderen Schriften in den Hintergrund -drängten, von seiner Druckthätigkeit ausgeschlossen blieben, während -sein Kollege, Adam Petri, der Luther-(Nach-)drucker Basels wurde. - - Frobens Schick- - sale. - -Trotz aller Thätigkeit erwarb Froben kein Vermögen. Eine nicht gut -geregelte Wirtschaft und die Ausgaben, die er auf seine Druckwerke, -namentlich auf eine sorgfältige Korrektur derselben, verwendete, waren -zu gross. Als Korrektoren, oder „Kastigatoren“ wirkten für ihn, ausser -Erasmus, namentlich sein Schwiegervater Wolfgang Lachner, dann Marc. -Heiland, Wolfg. Musculus und Joh. Oecolampadius. Zu den Titeln liess er -sich meist Zeichnungen von Hans Holbein d. j. und Urse Graff liefern. -Froben verlor sein Leben infolge eines Falles von einer Leiter. Die -Vollendung seines Lieblingswerkes, der schönen Ausgabe des Augustinus, -welche er im Verein mit Ammerbach und Petri angefangen hatte, sollte -er nicht erleben, aber sein treuer Freund Erasmus that alles, damit -die Ausgabe im Interesse der Kinder Frobens rasch gefördert wurde. Der -Sohn □Hieronymus Froben□ (geb. 1501, gest. 1563) hielt das Verhältnis -zu Erasmus aufrecht, der in Frobens Hause „Zur Luft“ im Jahre 1536, -siebenzig Jahre alt, starb. Hieronymus druckte später im Verein mit -seinem Schwager Nikolaus Episcopius d. ä. (Bischoff) und seinen Söhnen -Ambrosius und Aurelius Froben eine Reihe von bedeutenden Werken[7]. - - [7] Interessante Mitteilungen über diese geschäftliche - Verbindung verbreitet das in Basel 1881 erschienene: - Rechnungsbuch des Froben und Episcopius 1557-1564. - - Familie Petri. - -□Johannes Petri□, zu Langendorf an der Saale 1441 geboren, ward -1488 Bürger von Basel. Er druckte nur wenige Bücher allein, die -meisten gemeinschaftlich mit Ammerbach und Froben. Er brachte seinen -sechsjährigen Neffen □Adam Petri□ (geb. 1482, gest. um 1525), der -nach Johannes' Tod (1511) das Geschäft übernahm, mit nach Basel. Die -Reformatoren, namentlich Luther, wurden gute Beute für seine Pressen. -Blitzschnell folgten seine Nachdrucke den Originalen auf dem Fusse. -Luthers Neues Testament erschien im Sept. 1522; im Dez. war schon -der Nachdruck Petris da. Er machte bessere Geschäfte als sein Freund -Froben und scheint trotz seiner reformatorischen Druckthätigkeit gut -katholisch gesinnt gewesen zu sein, wenigstens stand er in dem besten -Verkehr mit den Kartäusern. Für die künstlerische Ausschmückung seiner -Druckwerke arbeitete namentlich Hans Schaeuffelein. Der Sohn □Heinrich -Petri□ (geb. 1508, gest. 1579) studierte erst die Medizin, übernahm -jedoch später die Druckerei und führte sie mit Eifer fort. Vom Kaiser -Karl □v.□ wurde er in den Ritterstand erhoben. - -Die Druckthätigkeit seiner Nachfolger war seit 1620 nur eine geringe, -doch bestand die Firma noch 1660. Durch verschiedene Hände kam die -Offizin schliesslich in die Thurneisens und Schweighausers. - - Joh. Oporinus. - -Zu grossem Ansehen gelangte auch □Johannes Oporinus□[8] (Herbster). -Unter ärmlichen Verhältnissen am 25. Jan. 1507 zu Basel geboren, -wurde er in einem Kontubernium armer Schüler in Strassburg, woher -sein Vater stammte, erzogen. Später bekleidete er eine Lehrerstelle -an der Klosterschule St. Urban im Kanton Luzern, gab jedoch, von der -neuen Lehre angezogen, jene auf, fand 1526 bei Froben Beschäftigung -als Korrektor und gewann die Freundschaft des Erasmus. Später folgte -er dem berühmten Theophrastus Paracelsus als Famulus nach Strassburg, -wo er unter dessen Leitung die Medizin studierte, kehrte jedoch -nach zwei Jahren nach Basel zurück und wirkte als Professor erst im -Lateinischen, dann im Griechischen. Im Jahre 1539 kaufte er mit drei -Anderen, darunter seinem Schwager Rob. Winter, die Offizin des Andreas -Brabander. Die Teilnehmer wirtschafteten jedoch nicht gut und Oporin -versuchte es nun mit Winter, später, unter schweren Sorgen, allein. - - [8] □A. Jociscus□, _Oratio de ortu etc. J. Oporini_. - Strassburg 1569. - -Oporin wetteiferte in Beziehung auf Schönheit der Ausgaben, Sorgfalt -der Korrekturen und inneren Wert der Verlagswerke mit Froben. Selbst -sehr wissenschaftlich gebildet, stand er mit vielen Gelehrten in -innigem Verkehr und zeigte in allen Verhältnissen einen eisernen Fleiss -und eine unermüdliche Ausdauer. Er beschäftigte über fünfzig Arbeiter -und druckte mehr als siebenhundert und fünfzig grössere und kleinere -Werke, darunter viele von ihm selbst emendierte oder übersetzte -Klassiker. - - Die Anatomie - des Vesalius. - -Bis jetzt hatte man den Holzschnitt hauptsächlich nur als -künstlerischen Schmuck der Bücher verwendet, jetzt sollte man durch -die berühmte Ausgabe von Vesalius' Anatomie verstehen lernen, welchen -Wert der Holzschnitt für den wissenschaftlichen Zweck und das leichtere -Verständnis eines Werkes hat. Der berühmte Arzt und Anatom Andreas -Vesalius hatte in Venedig von Johann de Calcar, einem Schüler Tizians, -zahlreiche Holzschnitte anfertigen lassen, durch die mit grossem Talent -die Anatomie des Menschen erläutert wurde. Diese sandte Vesalius seinem -Freunde Oporin (1543), um damit sein Werk: _De humani corporis fabrica_ -zu illustrieren. Das grosse Portrait Vesalius' an der Spitze des -Buches konnte für ein Meisterwerk Tizians gehalten werden. In seiner -Sorgfalt um den guten Druck ging Vesalius so weit, dass er den Faktor -der berühmten Bombergschen Druckerei in Venedig mitfolgen liess, dass -er die Ausführung überwache. Um so mehr mussten ihn die schlechten -Ausgaben der Nachdrucker empören. - -Im Jahre 1566 zog sich Oporin von dem Geschäft zurück und starb am -6. Juli 1568. Er war viermal verheiratet, ohne jedoch besonderes -häusliches Glück zu geniessen. - -Unter die verdienten Buchdrucker Basels gehören ferner □Michael -Isengrin□, welcher eine zweite, die erste des Aldus Manutius an -Schönheit übertreffende, vollständige Ausgabe des Aristoteles druckte, -dann auch □Josias Münsch□ (1550), □Konrad von Mecheln□ (1685) und -□Emanuel Thurneisen□. - - Zürich. - Chr. Froschauer. - -Mit Stolz blickt ZÜRICH auf □Christoph Froschauer□[9] (oder -Froschower), dem es zu einem grossen Teil die Blüte seines -litterarischen Lebens verdankt. Im □xv.□ Jahrhundert zeigt sich in -Zürich noch keine Spur der Buchdruckerkunst. Der erste bekannte Druck -ist ein, am 6. Januar 1504 von dem Rate erlassenes Mandat, ohne Namen -des Druckers. Wahrscheinlich war dieser □Hans am Wasen□, der 1508 -einen Kalender mit guten Vignetten druckte. Von Wasen hörte man weiter -nichts. - - [9] □S. Vögelin□, Christoph Froschauer, erster berühmter - Buchdrucker in Zürich. Zürich 1840. -- □E. Camillo - Rudolphi□, Die Buchdrucker-Familie Froschauer in - Zürich (1521-1595). Verzeichnis der aus ihrer Offizin - hervorgegangenen Druckwerke. Zürich 1869. - -Erst 1519 erhielt Christoph Froschauer aus Neuburg bei Oetting in -Bayern das Bürgerrecht. Sein Geburtsjahr kennt man nicht; es fällt -jedoch wahrscheinlich in das zweitletzte Jahrzehnt des □xv.□ Jahrh. Ob -Christoph ein Verwandter des Augsburger Druckers, Johann Froschauer, -war, ist nicht bekannt. - - Froschauers - Thätigkeit. - -Froschauer war ein wissenschaftlich gebildeter, sehr thätiger und -zugleich glücklich spekulierender Mann. Er schloss sich sofort Zwingli -an und blieb diesem und der Reformation ein innig ergebener, wenn auch -nicht zelotischer Freund. Seinem Beruf gab er sich mit grosser Liebe -und mit heiligem Ernst hin. Das ihm entgegengetragene Vertrauen und den -erworbenen Wohlstand verwendete er in der edelsten Weise. - -Seine ersten datierten Drucke fallen in das Jahr 1521. Es waren -zwei von dem gelehrten Leo Jud ins Deutsche übersetzte Schriften des -Erasmus: „Ein klag des Frydens“ und „Ein nützliche wndervisung eines -Christenlichen Fürsten wol zw regieren“. Von Zwingli erschienen bei -ihm gegen 80 Schriften, oft in mehreren Ausgaben, einige davon druckte -□Hans Hager□ (1520-1526). Von da ab hörte man vom letzteren nichts -mehr, und Froschauer war der alleinige Drucker bis 1554, als sich -□Andreas Gessner□, ein naher Verwandter des bekannten Conrad Gessner, -etablierte. Zahlreiche Schriften von Leo Jud, Rod. Gualther (Walther), -C. Pellikan, Peter Martyr, Ludwig Lavater und namentlich von Heinrich -Bullinger, ausserdem eine grosse Anzahl Ausgaben der Klassiker wurden -von Froschauer verlegt. - - Der Bibeldruck. - -Seine wichtigste Thätigkeit war jedoch sein Bibeldruck. In den Jahren -1524-1529 stellte er die erste vollständige Schweizerausgabe der Bibel -in Folio fertig, und von da ab verging selten ein Jahr, in welchem -nicht entweder die ganze Bibel oder wenigstens Teile derselben in -deutscher, lateinischer, selbst in englischer Sprache erschienen. Zu -der ersten deutschen Ausgabe wurde mit Ausnahme der poetischen und -prophetischen Bücher, welche von Schweizer Gelehrten übersetzt wurden, -die lutherische Übertragung benutzt. Später führten Einheimische das -ganze Werk aus. Im Jahre 1535 wurde die berühmte englische Bibel, von -Moses Coverdale übersetzt und mit Holzschnitten von Hans Sebald Beham -illustriert, gedruckt. In den Jahren 1524-1564 erschienen nicht weniger -als 27 Ausgaben der vollständigen Bibel und viele Abdrücke des Neuen -Testaments. Anfänglich benutzte Froschauer die Antiquaschrift, später -veranlasste er den Schnitt einer an die Schwabacher sich anlehnenden -Schrift, liess Vignetten und Initialen anfertigen und verwandte -überhaupt die grösste Sorgfalt auf die Ausstattung. Die lateinischen -Ausgaben der Bibel waren von den Gelehrten sehr geschätzt. - - Die Froschau. - -Mit der Erweiterung des Geschäfts musste er auch nach einer -grösseren Lokalität suchen und fand eine solche in einem ehemaligen -Barfüsserkloster. Als diese Räumlichkeit jedoch i. J. 1551 eine andere -Bestimmung erhielt, kaufte er ein früheres Dominikaner-Frauenkloster, -welchem er den Namen: „Die Froschau“ gab, den es noch heute trägt. Auf -dem Brunnenhäuschen dort befindet sich noch sein Insignium. Er modelte -dasselbe in verschiedener Weise um, immer blieb jedoch der Frosch ein -Hauptbestandteil. In der ältesten Ausführung wird dieser von einem -behelmten Knaben geritten, der in der Linken den Zaun, in der Rechten -eine Fahne, mit der Inschrift CR. FR., hält. - -Die Frankfurter Messe besuchte Froschauer eine lange Reihe von -Jahren zweimal jährlich und machte mit seinem Verlage vorteilhafte -Geschäfte. Mit Gelehrten des In- und Auslandes stand er auf dem -freundschaftlichsten Fusse und zeigte sich ihnen gefällig, wo er nur -konnte; so räumte er beispielsweise ein ihm gehörendes Haus flüchtigen -englischen Gelehrten vollständig ein, die sich mehrere Jahre hindurch -in Zürich aufhielten. - - Froschauers - Nachfolger. - -In seinem Geschäft wurde er getreulich von seinem Bruder Eusebius -und von dessen Söhnen Eusebius und Christoph unterstützt. Kinderlos -verheiratet, hinterliess er dem Neffen □Christoph Froschauer□ das -ganze Geschäft zu sehr billigen Bedingungen. Er starb hochbejahrt am 1. -April 1564. Der Neffe blieb unverheiratet. Nach dessen Tode, 2. Febr. -1585, wurde das Geschäft noch bis 1590 fortgeführt und dann aufgelöst. -Die Druckerei ging auf □Johann Wolf□ über, der jedoch noch bis 1595 -einzelnen Werken die Bezeichnung _typis Froschovianis_ beifügte. Das -Verzeichnis des Froschauerschen Verlags zeigt 1564 bereits 601 Nummern, -von da bis 1595 noch 264. Im J. 1626 kam die Druckerei in den Besitz -der Familie Bodmer, 1723 an Heidegger & Rahn und wurde 1765 mit der -Orellschen Buchdruckerei, die jetzt noch blüht, vereinigt. - - St. Gallen. - Leonh. Straub. - -ST. GALLEN erhielt erst 1578 eine Buchdruckerei durch □Leonhard -Straub□, der eine sorgfältige Erziehung genossen und in den besten -Offizinen gearbeitet hatte. Ein von ihm gedruckter Wandkalender hat -eine zu merkwürdige Geschichte, um sie hier mit Stillschweigen zu -übergehen. Auf dem Kalender waren die Wappen der 13 Kantone, darunter -das Appenzeller, ein Bär, abgebildet. In Appenzell bemerkte man indes, -dass es eine Bärin, nicht ein „männlicher Bär“ sei! Grosse Aufregung -entstand; man verlangte Rüstung zu einer Fehde gegen St. Gallen. Der -dortige Rat erbat sich drei Tage Bedenkzeit, die aber nicht gewährt -wurde. In dieser kritischen Lage übernahm der Abt von St. Gallen die -Vermittelung. Der Bär hatte jedenfalls nur den Vorwand abgegeben, der -arme Straub musste jedoch Abbitte leisten und eidlich erklären, er habe -nur aus Einfalt gehandelt. Straub lebte in ewigem Hader mit der Zensur; -schliesslich musste er die Stadt verlassen, und starb 57 Jahre alt 1607 -in Konstanz. Sein Geschäft blühte noch im Besitz seiner Söhne und Enkel -über hundert Jahre fort[10]. - - [10] □G. Binckert□, Leonhard Straub, der erste Buchdrucker in - St. Gallen. 1878. - - * * * * * - - Wien. - - Joh. Singriener. - -In WIEN eröffnete □Hieronymus Victor□ aus Liebenthal im Fürstenthum -Jauer seine Offizin im Jahre 1510. Die Kunst hatte er wahrscheinlich -in der Hallerschen Druckerei in Krakau erlernt. Er vereinigte sich -mit Joh. Singriener aus Oetting in Bayern, trennte sich jedoch 1514 -wieder von ihm, worauf letzterer seine eigene Druckerei eröffnete. -□Joh. Singrieners□ Wirksamkeit durch 33 Jahre war eine bedeutende und -eine grosse Zahl gut ausgestatteter Werke ging aus seiner Offizin -hervor, unter welchen das 1517 erschienene _Tripartium opus juris -consuetudinarij incluti regis Hungarie_, über 70 Bogen stark, einen -bedeutenden Platz einnimmt. Die vielen in dem Werk vorkommenden -Druckfehler entschuldigt der Drucker damit, dass er das Werk in 40 -Tagen (!) habe liefern müssen, eine Leistung, die selbst heute für eine -grosse Druckerei eine bedeutende gewesen sein würde. Singriener war -nicht nur ein tüchtiger Buchdrucker, sondern auch ein wissenschaftlich -gebildeter, von den Gelehrten und Geistlichen gern gesehener Mann. -Unter seinen vielen Drucken sind besonders schön ausgeführt: _Pomponius -Mela_ in Fol.; _Bandinus_ auf Pergament; _Cicero_, _Pro lege Manilia_. -Seine Söhne Matthäus und Johannes setzten das Geschäft fort, bis es mit -dem Tode des letzteren erlischt. - - Hans Kohl. - -□Hans Kohl□ (_Johannes Carbo_) gehörte zu den fahrenden Buchdruckern -und arbeitete in Wien von 1549 bis 1551. Er war gut mit deutschen, -hebräischen und griechischen Lettern versehen und druckte zuerst -in Verbindung mit □Aegidius Adler□ (_Aquila_), aus den Niederlanden -gebürtig. Im J. 1550 arbeitete letzterer allein und übertraf seinen -früheren Compagnon durch die Menge und Schönheit seiner Ausgaben. Er -starb bereits am 17. Aug. 1552. - - Michael Zimmer- - mann. - -Die Offizin wurde von □Michael Zimmermann□ (_Cymbermannus_) übernommen, -dem bedeutendsten Buchdrucker Wiens aus dieser Zeit. Er druckte Werke -in italienischer, spanischer, arabischer, hebräischer und syrischer -Sprache, zu denen er die Schriften von Kaspar Kraft aus Ellwangen -bezogen hatte. Seine Ausgaben schmückte er mit rotem Druck, sowie mit -illuminierten Figuren und Landkarten. - - Raf. Hofhalter. - -Ein Pole, □Rafael Hofhalter□ (_Skrzetuski_), der sein Vaterland -auf Grund religiöser Misshelligkeiten verlassen hatte, kam nach -vielen Wanderungen nach Wien, wo er mit □Kaspar Kraft□, 1556, ein -Privilegium für eine Buchdruckerei „mit schönen, zierlichen, auf die -neue französische Art geschnittenen Buchstaben“ erhielt. Er lieferte -sehr hübsche Ausgaben. Eine interessante Erscheinung ist das bei ihm -(1561) erschienene „Thurnier Buch“ mit einem kunstreich geschnittenen -Titel und Wappen in Holzschnitt, sowie mit sieben grossen und kostbaren -Kupferstichen, von Hanns Lautensack gestochen. Im Jahre 1562 wanderte -Hofhalter, ebenfalls wohl aus religiösen Gründen, nach Ungarn aus; 1565 -druckte er in Debreczin calvinistische Schriften. Sein Sohn Rudolph -betrieb die Buchdruckerei in Grosswardein und folgte später dem Ruf des -Fürsten Johann nach Weissenburg in Siebenbürgen. - - Die Jesuiten- - druckerei. - -Ferdinand □i.□ hatte 1551 die Jesuiten nach Wien berufen. Der Rektor -Johann Victoria, ein geborener Spanier, kam auf den Gedanken, zum -besten der Religion und armer Studenten durch milde Beiträge eine -Druckerei anzulegen, die schon 1559 eröffnet wurde. Ein Hauptartikel -war der, auf Befehl des Kaisers von dem bekannten Pater Canisius aus -Nymwegen verfasste Katechismus, der in viele Sprachen übersetzt wurde -und noch jetzt in österreichischen Volksschulen im Gebrauch ist. Die -Druckerei hörte 1565, kurz nach dem Tode des kaiserlichen Beschützers -der Jesuiten, auf, und wurde 1577 als „Zeug“ an den Generalvikar von -Gran, Nikolaus Telegdi, verkauft, der damit eine Druckerei zu Tyrnau -gründete. - - Buchdruck im - □xvi.□ u. □xvii.□ Jahrh. - -Die Buchdruckerkunst in Wien hatte, namentlich durch Fremde gepflegt, -im □xvi.□ Jahrh. im ganzen genommen auf einer hohen Stufe gestanden. -Dasselbe war mit der Xylographie der Fall. Unter den Verlegern, die -eine besonders gute Einwirkung auf die Wiener Buchdruckerei dieser -Periode übten, ist die Familie Atlantsee zu erwähnen, die unter den -Buchhändlern damaliger Zeit einen bedeutenden Namen hatte, namentlich -was Lukas Atlantsee betrifft. - - Joh. von Gehlen. - -Im □xvii.□ Jahrh. dagegen ging es zu Wien, wie überall, mit der Kunst -zurück. Die Folgen des dreissigjährigen Krieges und der Türkenkriege -blieben nicht aus; die Bedeutung der Wiener Buchdruckereien sank -fast auf ein Nichts und die meisten Verlagswerke wurden in Nürnberg, -Augsburg und Ulm gedruckt. Der bedeutendste Wiener Drucker ist □Johann -von Gehlen□. Er stammte aus einem alten westfälischen Geschlecht -und war zu Antwerpen am 17. Mai 1645 geboren, widmete sich den -Studien und erlernte dann den Buchhandel und die Buchdruckerei. Durch -Geschicklichkeit und Fleiss erwarb er sich bald ein Vermögen, sodass er -1672 die Buchdruckerei seiner Schwägerin, der Witwe des Buchdruckers J. -B. Haquet, kaufen konnte. Er war in Besitz bedeutender linguistischer -Kenntnisse und erwarb sich die Freundschaft der Gelehrten. Vom Kaiser -Leopold □i.□ erhielt er im Jahre 1678 das Privilegium eines k. k. -italienischen Hofbuchdruckers und wurde ermächtigt, eine italienische -und lateinische Zeitung herauszugeben. Während der Belagerung von -Wien durch die Türken liess er die Druckerei ruhen und stellte sich -in die Reihe der Verteidiger. Nach aufgehobener Belagerung versuchte -er eine deutsche Zeitung zu gründen, welche in unbestimmter Zeitfolge -herausgegeben wurde. Die Regierung, welche das nützliche einer -regelmässigen Zeitung einsah, sicherte einer solchen bedeutende -Vorteile zu, infolgedessen Gehlen die erste regelmässige Zeitung unter -dem Titel „Posttäglicher Mercurius“ 1703 zweimal wöchentlich herausgab. -Am 8. Aug. d. J. begann er eine zweite politische Zeitung „Das -Wiener Diarium“, ebenfalls posttäglich. Dasselbe wurde später Organ -der Regierung und es entstand daraus die k. k. privilegierte Wiener -Zeitung. - -Gehlen starb am 13. Mai 1724, 72 Jahre alt. Sein Sohn Joh. Peter Gehlen -wurde in den Adelstand erhoben. - - Breslau. - -BRESLAU hatte in seiner „Stadtbuchdruckerei“ ein sehr angesehenes -Geschäft, das noch nach 350 Jahren blüht. Der Begründer □Andreas -Winkler□ war ein gelehrter Mann, der in Krakau studiert hatte und -die Kunst in echt wissenschaftlichem Sinne (1538-1555) übte. Auf ihn -folgten □Crispinus Scharffenberg□, dessen Sohn □Johann□, dann □Georg -Baumann□ und dessen gleichnamiger Sohn; die späteren Nachfolger gehören -der nächsten Periode an. - - * * * * * - - Das nördliche - Deutschland. - - Leipzig. - -Es wurde schon früher erwähnt, dass ein solches Zusammenwirken der -zeichnenden Kunst, der Xylographie und der Buchdruckerei, welches -im Süden Deutschlands eine gar stattliche Reihe herrlicher Drucke -zuwege brachte, in dem Norden Deutschlands nicht angetroffen -wird, wo die Presse sich hauptsächlich nur als treue Dienerin der -Wissenschaft und der Reformation zeigte. Es gilt dies ganz besonders -von LEIPZIG[11], welches dieser Aufgabe bis auf den heutigen Tag treu -geblieben ist. Kunstbegeisterte Fürsten und Künstler ersten Ranges -besass Leipzig nicht; Schule und Universität waren die Mäcene seiner -Buchdruckereien. Leipzigs Klassiker-Ausgaben zeichnen sich durchweg -durch ihre Sauberkeit und Genauigkeit aus und viele derselben stehen -noch heute neben den Aldinen und Juntinen in Ansehen. Gelehrte Männer -verschmähten es nicht, die Korrekturen zu übernehmen, und Leipzig -hat es verstanden, sich den Ruhm der Sorgsamkeit für die Textreinheit -seiner Presserzeugnisse zu wahren. - - [11] _Jubilæum typogr. Lipsiensium._ Leipzig 1640. -- - Gepriesenes Andenken. Jubelschrift. Leipzig 1740. -- □F. - Ch. A. Hasse□, Kurze Gesch. d. Leipziger Buchdk. Leipzig - 1840. -- □C. B. Lorck□, Die Druckkunst und der Buchhandel - in Leipzig durch vier Jahrhunderte. Leipzig 1879. - - Mart. Landsberg. - - Wolfg. Stöckel. - - Val. Schumann. - - Jakob Thanner. - -Als Mann von Geschmack ist □Martin Landsberg□ aus Würzburg (1499-1516) -zu erwähnen. Er gehörte zu den gelehrten Buchdruckern, interessierte -sich sehr für die Herausgabe wissenschaftlicher Werke und machte sich -namentlich durch seine Klassiker-Ausgaben bemerkbar. 1519 siedelte er -nach Halle über. □Wolfgang Stöckel□ (_Molitor_), aus München, ward in -Erfurt, wo er eine zeitlang eine Buchdruckerei hatte, Bakkalaureus. -1495 kam er nach Leipzig. Er druckte hauptsächlich Klassiker: -Ovid, Priscian, Seneca, Aristoteles, später theologische Schriften, -von welchen die, bis zum Jahre 1520 gedruckten, Partei für Luther -nehmen, zumteil von diesem verfasst waren. Von da ab wurde er ein -heftiger Gegner der Reformation und druckte schon im Jahre 1520 eine -Streitschrift des Franziskaner Alveld, eines der erbittertsten Gegner -Luthers; wahrscheinlich ist er auch der Drucker der Schriften Emsers -gegen jenen. Herzog Georg der Bärtige rief ihn 1524 als Hofbuchdrucker -nach Dresden. □Valentin Schumann□ (1525-1535) brachte vorzügliche -Klassiker-Ausgaben, darunter das erste griechische Buch Leipzigs. -□Jakob Thanner□ (_Abiegnus_) lieferte sehr gute Schulausgaben. - - Melch. Lotter. - -Unter den Buchdruckern, bei welchen die Reformation eine bereite Hülfe -fand, ist □Melchior Lotter□ obenan zu nennen. Er stammte aus Aue im -sächsischen Voigtlande, heiratete die Tochter Kachelofens, Dorothea, -und erhielt am 16. Juni 1498 das Leipziger Bürgerrecht. Ungefähr in dem -Jahre 1500 wurde er der Geschäftsnachfolger seines Schwiegervaters. -Die zweite Ausgabe des Meissner Missale hatten Kachelofen und Lotter -gemeinsam gedruckt, von nun an ging eine grosse Anzahl Missalen, -Breviarien und dergl., die das Bisthum Meissen herausgab, aus -Lotters Pressen hervor. Dieser selbst siedelte, vor der Pest aus -Leipzig fliehend, für eine zeitlang nach Meissen über. Seine eigene -Verlagsthätigkeit auf dem Gebiete der Philosophie und der Philologie -war eine ausserordentliche. Ein treuer wissenschaftlicher Mitarbeiter -war ihm Hermann Tulich, der später Professor in Wittenberg wurde. -Seit 1518 hatte Lotter wiederholt für Luther Druckaufträge bekommen -und letzterer bewog ihn, eine Druckerei in Wittenberg anzulegen, aus -der jedoch Lotter kein Segen erwachsen sollte. Er selbst übersiedelte -jedoch nicht nach Wittenberg, sondern sandte seine beiden Söhne -Melchior und Michael. Zum grossen Teil sind die zahlreichen Schriften, -welche Luther im Anfang der zwanziger Jahre in die Welt sandte, -aus Lotters Pressen hervorgegangen. Selbst das Monumentalwerk des -Reformators, die Bibelübersetzung, wurde von diesem unternommen und -schon am 21. Sept 1522 war der Druck des Neuen Testaments vollendet. -Während des Drucks des Alten Testaments tritt jedoch ein Erkalten -des freundschaftlichen Verhältnisses Luthers zu ihm ein und Hans -Lufft erscheint nun als der bevorzugte Bibeldrucker, wenngleich die -Verbindung zwischen Luther und Lotter nicht ganz aufhörte. Der Grund, -weshalb der letztere von dem ersteren fallengelassen wurde, und weshalb -auch der Kurfürst Friedrich ihm ungnädig wurde, ist nicht bekannt. -Lotters Thätigkeit, die jedoch sehr erlahmte, lässt sich noch bis Ende -der dreissiger Jahre verfolgen. Er soll im Jahre 1542 gestorben sein. - - Valentin Bapst. - - Luther über Illu- - strationen. - -Ein Buchdrucker ersten Ranges ist □Valentin Bapst□ (1541 bis 1589). -Seine Erzeugnisse werden von Kennern als den besten ebenbürtig erklärt. -Ein reich illustriertes Werkchen sind die „Geistlyche Lieder mit einer -neven Vorrede D. M. Luth.“. Interessant dürfte es manchem sein, aus -dem Vorwort zu erfahren, wie ein so ernster Mann wie Luther über die -Bücher-Illustration denkt: - -„Wer nicht singen vnn sagen wil, das ist ein Zeichen, das ers nicht -glaubet, vnn nicht ins new fröliche Testament, Sondern vnter das alte, -faule, vnlustige Testament gehöret. Darumb thun die Drucker sehr vol -dran, das sie gute Lieder fleissig drucken vnd mit allerley zierde, -den Leuten angeneme machen, da mit sie zu solcher Frewde des Glaubens -gereitzet werden, vnnd gerne singen. Wie denn dieser Druck Valentin -Bapsts sehr lustig zugericht ist, Gott gebe, das damit dem Römischen -Bapst, der nichts denn heulen, trawren vnd leid in aller welt hat -angericht, durch seine verdampte, vntregliche vnd leidige Gesetze, -grosser abbruch vnd schaden geschehe, Amen“. - - Ernst Vögelin - u. a. - -Berühmt waren die Klassiker-Ausgaben von □Ernst Vögelin□ (1559 -bis 1578), dem Schwiegersohn V. Bapsts, sowohl hinsichtlich der -technischen Ausführung als der Korrektheit, so dass sie den Aldinen -gleich geachtet werden. Vögelin, selbst ein studierter Mann, wurde in -Religionsstreitigkeiten verwickelt, flüchtete, und starb in Heidelberg -1590. Grossen Ruf erwarben sich Abraham Lamberg (1587 bis 1629), -Henning Gross (1575 bis 1621), Gregorius Ritzsch (1624 bis 1643) -und dessen Sohn Timotheus Ritzsch (1638 bis 1678), der bedeutende -theologische und juristische Schriften verlegte. - - Steigende - Bedeutung - Leipzigs. - -Infolge der Reformation war der Schwerpunkt der Kultur immer mehr nach -dem Norden verlegt. Hier wehte eine frischere Luft, während der Süden -weit mehr dem Einfluss der katholischen Kaiser, den Einflüsterungen -des Klerus und den Plackereien der kaiserlichen Bücherkommissionen -und Zensoren preisgegeben war. Auch die städtischen Behörden in -Frankfurt a. M. hatten nicht den Wert eines vollständig unbehelligten -buchhändlerischen Verkehrs genügend erkannt. - -Nichts war deshalb natürlicher, als dass der Norden sich von den -Büchermessen Frankfurts zu emanzipieren und in der berühmten Messstadt -des Nordens -- wo die Regierung jetzt liberaleren Ansichten huldigte, -die Zensur in humanerer Weise üben liess und die Bücher von der Accise -befreit hatte -- einen selbständigen Büchermarkt zu gründen wünschte. -Zur Michaelis-Messe 1594 erschien der erste Leipziger Messkatalog, -herausgegeben von dem Buchhändler und Buchdrucker □Henning Gross□, -zu dem sich in den Jahren 1598-1619 ein zweiter Katalog von □Abraham -Lamberg□ gesellte, der 1620 mit dem von Gross vereinigt wurde. Zwar -konnte Leipzig als Verlagsplatz im Jahre 1595 nur 68 Artikel gegen -117 in Frankfurt aufweisen, aber schon 1600 war das Verhältnis -ein besseres, nämlich 125 gegen 148, und 1632 trug Leipzig seinen -glänzendsten Sieg davon mit 221 Werken gegen 68 aus Frankfurt. Die -Messkataloge von 1565-1640 verzeichnen 8216 in Leipzig erschienene -Werke, davon kommen 243, als die stärkste Zahl einer Jahresproduktion, -auf das Jahr 1613. - - Rückschlag. - -Aber der Rückschlag der ungünstigen Zeiten sowohl für den Buchhandel -als für die Buchdruckerei konnte nicht ausbleiben und Leipzig litt mit -ganz Sachsen vorzugsweise unter den Drangsalen des dreissigjährigen -Krieges. Mangelhafte Schriften, nachlässige Korrektur, schlechtes -Papier kennzeichnen die Mehrzahl der Bücher aus damaliger Zeit. Nicht -besser war es mit der Xylographie bestellt. Hiergegen halfen natürlich -weder Beschränkungen der Buchdruckereien auf Leipzig, Wittenberg und -Dresden, noch kurfürstl. konzessionierte Buchdruckereiordnungen, Taxen -zur Regulierung der Papier- und Bücherpreise und Visitationsabschiede -an die Universitäten, worin Rektor und Dekane ermahnt werden, für guten -Druck und sorgfältige Korrektur zu sorgen. - - Neuer Auf- - schwung. - -Selbst nach dem endlich eingetretenen Frieden dauerte es lange, -ehe sich die Buchdruckerei von ihrem tiefen Verfall erholen konnte. -Trotzdem hat Leipzig, selbst aus der trübsten Periode, Druckwerke und -Drucker aufzuweisen, die jeder Zeit Ehre gemacht haben würden, und -hörte nie auf, namhafte Werke aus allen Gebieten der Wissenschaften an -das Tageslicht zu fördern. Ein wesentlicher und andauernder Aufschwung -tritt jedoch erst gegen Ende des □xvii.□ Jahrhunderts ein. Die Zahl -der angesehenen Verlagshandlungen wuchs, unter denen die von M. G. -Weidmann, J. F. Gleditsch, Joh. Fritsch, Joh. Fr. Zedler, Joh. S. -Heinsius zu nennen sind. - -Der Messkatalog[12], dieser Gradmesser des Buchhandels, wies eine -Steigerung auf. Leipzig, das Frankfurt im Jahre 1604 zum erstenmale -überholt hatte und von da ab bald vorangeht bald zurückbleibt, behält -nun, mit Ausnahme des Jahres 1680, die Führung und weist im Jahre 1689 -310 Werke gegen Frankfurts 90 auf; 1699 319 gegen 109 und im Jubeljahre -1740 253 gegen 74. Die Zahl der Presserzeugnisse Leipzigs von 1641 bis -1740 betrug 19711, wozu das Jahr 1698 mit 401 Artikeln das stärkste -Kontingent stellte. - - [12] □G. Schwetschke□, _Codex nundinarius Germaniae literatae - bisecularis_. Halle 1850. - - Bernh. Christ. - Breitkopf. - -Mit den Buchhändlern mussten die Buchdrucker Schritt halten. -Unter letzteren zeichneten sich aus: □Heinr. Christ. Takke□ durch -orientalische Schriften, ganz besonders aber □Bernh. Christoph -Breitkopf□[13]. Er war am 2. März 1695 in Klausthal geboren. 1718 -kam er nach Leipzig, heiratete 1719 die Witwe des Buchdruckers Joh. -Kasp. Müller, und übernahm die Buchdruckerei, die damals sehr in -Verfall geraten war. Breitkopfs Tüchtigkeit und Rechtschaffenheit -liessen ihn jedoch Gönner finden, die ihn in den Stand setzten, -sich herauszuarbeiten und den „Goldenen Bären“ zu bauen, der das -Geschäft 135 Jahre lang beherbergen sollte und Veranlassung zu dem -Druckerzeichen dem „Bären“ gab. Der „Silberne Bär“ ward dem goldenen -gegenüber 1765-67 erbaut. Die Offizin, im Jahre 1722 die dreizehnte in -der Rangordnung, war 1742 schon die dritte und der Besitzer zur Zeit -des Jubelfestes 1740 angesehener Oberältester der Innung, welche damals -17 Prinzipale mit 137 Gehülfen zählte. Auf dem Boden des tüchtigen -Druckerhandwerks erwuchs bald ein ansehnlicher Bücherverlag, der 1723 -mit einer hebräischen Handbibel begann. Die Messkataloge von 1725 bis -1761 weisen 656 Verlagswerke Breitkopfs auf. Den wesentlichen Charakter -erhielt der Verlag jedoch durch die engen Beziehungen Breitkopfs zu J. -Chr. Gottsched und dessen Frau Luise, geb. Kulmus. Gottsched blieb bis -zu seinem Ende Breitkopfs Freund und Hausgenosse im Goldenen Bären. -Seine Druckerei übergab Breitkopf 1745 seinem Sohn; im Verlage wirkte -er noch bis 1762 und starb hochbetagt und geehrt am 26. März 1777. Er -erlebte es noch, wie Gottsched ihm 1736 prophezeit hatte, dass, obwohl -er als der erste Buchdrucker Deutschlands gegolten hatte, sein Sohn ihn -noch überstrahlte. Die Geschichte darf aber nicht vergessen, dass dies -dem Sohne vielleicht nur dadurch möglich geworden ist, dass der Vater -ihm die Druckerei in einem Zustande hinterliess, der ihm gestattete, -sich ohne Schranken seinen, mitunter sehr kostspieligen Versuchen und -Erfindungen hinzugeben. - - [13] □Dr. O. Hase□, Breitkopf und Härtel. Leipzig 1875. - - Wittenberg. - - Hans Lufft, der - Bibeldrucker. - -Ein schlagendes Beispiel, wie das Buchdruckergewerbe mit dem geistigen -Leben fällt und steigt, giebt WITTENBERG[14], wo Luthers Wirksamkeit -die Kunst zu einer schnellen Blüte trieb. □Melchior Lotter d. jüng.□ -(1519-1523) begann die Reihe der Reformationsdrucker. Ihm folgte -□Georg Rhawe□ (1520-1548), welcher sowohl Schriften von Luther als von -Melanchthon druckte. Sein _Hortulus animæ_ mit Cranachs Zeichnungen -ist ebenso geschätzt wie □Gabr. Schnellboltzs□ Sammlung von Portraits -in einer so vorzüglichen Ausführung, dass man die Zeichnungen Lucas -Cranach zuschreibt. Der bekannteste unter Wittenbergs Buchdruckern -ist □Hans Lufft□, „der Bibeldrucker“ (1525-1584). Er druckte 1534 die -Luthersche Bibelübersetzung, die 1541, 1545 und 1546 in neuen Auflagen -wiederholt wurde. Da auch die meisten andern Schriften Luthers aus -seinen Pressen hervorgingen, so gewann sein Geschäft eine grosse -Ausdehnung. Für den Bibeldruck allein arbeiteten fortwährend drei bis -vier Pressen, und man behauptet, dass gegen 100000 Exemplare der Bibel -aus seiner Offizin hervorgegangen sind. Die Pressen von Hans Weyss, -Peter Seitz und Johann Kraft wurden ebenfalls durch die Reformation im -Gang erhalten. - - [14] □E. G. Eichsfeld□, Relation vom Wittenbergischen - Buchdrucker Jubilio 1740. Wittenberg 1740. - - Hamburg. - -Auch in HAMBURG eröffnete die Reformation der Presse ein weiteres -Feld, jedoch hatte sie hier mit einer besonderen Schwierigkeit -zu kämpfen. Während die hochdeutsche Schriftsprache durch die -Reformation fast überall Boden gewann, blieb sie hier dem Volke ein -mehr oder weniger fremdes Idiom. Die Verleger Hamburgs konnten für -Werke in niederdeutscher Sprache nur auf ein kleines, mehr lokales, -Publikum rechnen, anderseits die für das Volk bestimmten Schriften -nicht hochdeutsch drucken. Hierin trat erst zu Anfang des □xvii.□ -Jahrhunderts eine Änderung ein. - - Rostock. - -In ROSTOCK bestand schon 1476 eine angesehene Buchdruckerei der „Brüder -des gemeinsamen Lebens“. Die Reformation bereitete ihr den Untergang -(1534) und zwar zum grossen Verdruss der Gelehrten. Noch im Jahre 1564 -klagt der Professor Chyträus, dass es in Rostock nur einen Buchhändler -mit einer Druckerpresse und einem Lehrling gebe, sodass viele gelehrte -Ausländer nicht einmal wüssten, dass in Rostock eine hohe Schule -vorhanden sei. - - Berlin. - -BERLIN[15] war im Jahre 1500 zwar die Residenz der Kurfürsten in -den Marken, aber eine unbedeutende Stadt, die nicht einmal eine -Buchdruckerei besass, während Stendal und Kloster Zinna bei Jüterbogk -deren vor dem Schluss des □xv.□ Jahrhunderts hatten (vergl. S. 53), und -Frankfurt a. d. O. wenigstens 1502 eine solche, wenn auch nur in einem -kleinen Massstabe, durch Martin Tretter erhielt. - - [15] □G. G. Küster□, _Historia artis typographicæ in Marchia_. - Berlin 1746. -- Abhandlung, worin etwas von märkischen - Formschneidern. -- □J. C. W. Moehsen□, Beiträge zur - Geschichte der Wissenschaften in Mark Brandenburg. - Berlin 1783. -- □G. Friedländer□, Beiträge zur - Buchdruckergeschichte Berlins. Berlin 1834. - - Joh. Weiss. - -Erst um das Jahr 1540, zu einer Zeit, wo der Süden Deutschlands -bereits über seinen typographischen Glanzpunkt hinaus war, erfolgte -die Einführung der Kunst in Berlin und zwar auf besonderen Betrieb -des Kurfürsten Joachim □ii.□, welcher 1539 □Johann Weiss□, der schon -seit 1525 als ein anerkannt tüchtiger Buchdrucker in Wittenberg -gewirkt hatte, nach Berlin berief. Das erste dort gedruckte Buch, die -Kirchenordnung im Kurfürstenthum der Marken, erschien 1540. - -Bis 1544 lieferte Weiss etwa 20 Druckwerke, von da ab hört man weiter -nichts von ihm, und da auch die in Frankfurt a. d. O. bestehende -einzige Buchdruckerei von □Joh. Hanaw□ eingegangen war, so hatte die -Mark Brandenburg 1544 keine Buchdruckerei. - -□Frankfurt a. d. O.□ erhielt endlich, nachdem Nikolaus Wolrab dort -auf kurze Zeit (1547-1549) aufgetreten und dann wieder verschwunden -war, in □Joh. Eichhorn□ aus Nürnberg einen tüchtigen Buchdrucker mit -einem alleinigen Privilegium für die Mark ausgerüstet (1567). In Berlin -findet sich aber fast 30 Jahre lang keine Spur einer Buchdruckerei, bis -1574 Leonhard Thurneysser zum Thurn als solcher erscheint. - - Leonh. Thurn- - eysser. - -Dieser □Leonhard Thurneysser□ war kein gewöhnlicher, aber ein unsteter -Mensch. Geboren zu Basel 1530, war er nach einander Goldschmied, -Naturhistoriker, Chemiker, Bergmann, Arzt, in allen Eigenschaften -tüchtig; bald arm, bald reich. Nach langen Reisen in Europa und -Asien kam er 1568 zurück und erwarb sich Ruf als Arzt durch seine -Wunderkuren, die er auch mit Glück an der Gemahlin des Kurfürsten -Johann Georg in Frankfurt a. d. O., wo er sich wegen des Druckes seiner -Werke aufhielt, übte. Der Kurfürst nahm ihn in seine Dienste und gab -ihm in Berlin ein Lokal in dem Grauen Kloster, um dort zunächst für -seine eigenen Werke eine Druckerei einzurichten, aber auch, um für den -Kurfürsten zu drucken. Die Offizin stattete Thurneysser auf das beste -nicht nur mit deutschen, sondern auch mit allerlei orientalischen -Schriften aus. Später kam eine Schriftgiesserei und Holzschneiderei -dazu. Seine Bücher sind sehr sorgfältig gedruckt. Bedeutend und weit -verbreitet war sein Verlag von Kalendern, die zu der Zeit überhaupt -fast nur von Ärzten herausgegeben wurden. - -In Thurneyssers damals glänzenden Verhältnissen trat aber ein -allmählicher Rückgang ein. Unruhig wie er war, siedelte er 1579 nach -Basel über und ging dort eine unglücklich ausfallende Ehe ein, die -durch einen Prozess ihm grossen pekuniären Verlust brachte. Nach Berlin -zurückgekehrt, verliess er 1584 heimlich die Stadt und verschwand von -der Bühne. Die Druckerei hatte er schon 1577 für 1100 Thaler an seinen -tüchtigen Gehülfen □Michael Hentzke□ verkauft, der bereits 1580 starb. -Dessen Witwe heiratete □Nik. Voltz□, einen tüchtigen Buchdrucker, -der jedoch aus Mangel an Mitteln gezwungen war, einen Teilhaber zu -nehmen, den er in dem Rektor des Gymnasiums zum Grauen Kloster, □Wilh. -Hilden□, fand. Sie druckten jeder unter seinem Namen, bis Voltz 1586 -wieder in den alleinigen Besitz des Geschäftes kam, mit welchem er 1593 -nach Frankfurt a. d. O. zog. Hier fand er 1619 sein Ende, jedoch ohne -bessere Erfolge seiner Thätigkeit erreicht zu haben. - - Christoph - Runge. - -Von 1593 bis 1599 tritt nun wieder eine Pause in der Druckthätigkeit -Berlins ein. In diesem Jahr berief der Kurfürst Joachim Friedrich -□iii.□ □Christoph Runge□, Buchdrucker zu Neudamm, nach Berlin, wo er -bis 1607 druckte. Sein Sohn Georg, später sein Enkel Christoph, setzten -das Geschäft fort. Letzterer entwickelte mit seiner gut ausgestatteten -Offizin eine bedeutende Thätigkeit. Bei ihm wurde 1615 die erste -Zeitung Berlins gedruckt. Sein sorgenvolles Leben schloss im Jahre -1681[16]. - - [16] □J. O. Opel□, Die Anfänge der deutschen Zeitungspresse. - Leipzig 1879. -- □E. Dominik□ und □Otto Wenzel□, Zwei - Abhandl. in: „Der Bär“ 1881, Nr. 24 u. 42. - - Die Hofbuch- - drucker. - -Im Jahre 1660 wurde der erste Hofbuchdrucker ernannt, □Georg Schultze□, -der eine gut eingerichtete Buchdruckerei aus Guben mit nach Berlin -brachte, wo ihm im Schlosse ein Lokal eingeräumt wurde. Er starb 1685. -Seine Nachfolger im Amte brachten es nicht weit, und von 1721 ab, in -welchem Jahre der damalige Inhaber kassiert wurde, hört man nichts -weiteres von der Schlossdruckerei. - -Dieserart waren die bescheidenen Anfänge der Buchdruckerkunst in der -jetzigen Kaiserresidenz, Millionenstadt und dem Hauptsitz deutscher -Wissenschaft und Kunst. - - -DIE SKANDINAVISCHEN LÄNDER. - - Dänemark. - Die Reformation. - - Lud. Dietz und - die Bibel. - - Die Universität. - - Die Zensur. - - Der Buchhandel. - -DÄNEMARK[17]. Die Einführung der kirchlichen Reformation war nicht -ein so entscheidender Wendepunkt in dem geistigen Leben Dänemarks, -wie in dem Deutschlands. Der König Christian □ii.□ begünstigte zwar -die Bestrebungen der Humanisten und der Reformatoren, konnte sie -aber während seiner unruhigen und blutigen Laufbahn nicht genügend -stützen. Die erste dänische Ausgabe des Neuen Testaments wurde so zu -sagen unter seinen Augen in Leipzig 1524 gedruckt. Überhaupt war der -Buchdruck in Dänemark noch nicht imstande, mit den Bedürfnissen Schritt -zu halten und viele Bücher wurden in Paris, Antwerpen, Köln, Lübeck, -Magdeburg und Rostock ausgeführt, an letzterem Orte durch die _Fratres -vitæ communis_, namentlich aber durch □Ludw. Dietz□, der 1533 Luthers -Bibel plattdeutsch gedruckt hatte. Sein Name hatte in Dänemark einen -so guten Klang, dass er vom König Christian □iii.□, als dieser den -Vorsatz gefasst hatte, eine schöne Ausgabe der Bibel veranstalten zu -lassen, nach Kopenhagen berufen wurde, wo er das Vorhaben des Königs -in würdigster Weise ausführte. Der Vorschlag war von dem Reformator -Bugenhagen ausgegangen, der auch die erwähnte plattdeutsche Bibel -besorgt hatte, welche noch um ein Jahr eher erschien, als die erste -vollständige hochdeutsche Bibel durch Hans Lufft. Dietz wurde mit -seinem Gehülfen und seiner Druckerei 1548 nach Kopenhagen kostenfrei -übergeführt; dort erhielt er freies Quartier, eine Ladung Holz, 200 -Reichsthaler Handgeld und für jedes der 3000 Exemplare der Auflage -1 Gulden. Durch eine Abgabe von 2 Reichsthalern auf jede Kirche -in Dänemark wurden die Kosten für das Papier zuwegegebracht. Am -Johannistage 1550 war der Druck zur grössten Zufriedenheit beendigt -und Dietz und seine Offizin wurden wieder nach Rostock gebracht. -Diese Bibel ist ein vorzügliches Druckwerk, mit guten Holzschnitten -geschmückt, welche teilweise schon früher in Deutschland benutzt -waren. Das Portrait des Königs und ein Titelblatt sind von Jakob -Binck ausgeführt. Ein anderer Deutscher, □Hans Stockelmann□, war -der erste eigentliche Universitätsbuchdrucker (1574) und genoss als -solcher bedeutende Vorteile. Die Universität besass jedoch keine -rechte geistige Selbständigkeit und man blickte nach Wittenberg als -nach einem Richterstuhl ohne Appell in Angelegenheiten der Kirche -und der Wissenschaft. Die Zensur, die sich 1524 Eingang verschafft -hatte, um gegen Luthers Schriften angewendet zu werden, wurde nun -umgekehrt von den Protestanten nach Herzenslust geübt. Die Herausgabe -eines Spottliedes gegen einen Bischof kostete 1586 dem Prediger Jakob -Nielsen den Kopf. Die Einfuhr gedruckter Bücher wurde 1562 verboten. -Ein litterarisches Eigentumsrecht erkannte die damalige Zeit nicht an. -Selbstverständlich konnte der □Buchhandel□ keine grossen Fortschritte -machen; eine zunftmässige Organisation desselben bestand nicht und die -Bücher waren verhältnismässig teuer und selten. Unter den Verlegern -fand, wie in Deutschland, ein Tauschhandel statt; Kataloge und -Bekanntmachungen waren nicht gebräuchlich, doch besuchten dänische -Buchhändler die Frankfurter und die Leipziger Messen und erhielten -Besuch von deutschen und holländischen Verlegern. 1614 wurden die -ersten Zeitungsprivilegien erteilt. - - [17] □C. Nyrop□, _Bidrag til den danske Boghandels Historie_. - 2 Bde. Kopenh. 1870. - - Schrift u. Papier. - -□Schriftgiessereien□ hatte Dänemark noch nicht gehabt und die nötigen -Typen führten Deutschland und Holland ein. Nicht nur das Druckmaterial, -sondern auch die Arbeiter wurden aus dem Auslande geholt. Mit der -□Papierfabrikation□ wollte es auch nicht recht vorwärts gehen. Die -erste Fabrik wurde auf Seeland i. J. 1576 errichtet, prosperierte aber -nicht. Sogar berühmte Schriftsteller mussten den Druck ihrer Werke -einstellen, weil das benötigte Papier nicht zu beschaffen war. - -Im Jahre 1589 legte der berühmte Astronom □Tycho de Brahe□, neben -seiner schon seit 1584 bestehenden Privatdruckerei auf der kleinen -Insel Hveen im Öresund, auch eine Papierfabrik an; dieselbe hörte -jedoch bald auf. Bei ihm hielt sich der berühmte holländische -Buchdrucker und Geograph Wilh. Janszoon Blaeu längere Zeit auf und -arbeitete zusammen mit ihm zu wissenschaftlichen Zwecken. - - Buchbinderei. - -Um die □Buchbinderei□ war es nicht ganz übel bestellt, sie wurde aber -hauptsächlich von Franzosen und Deutschen betrieben. Von letzteren -berief man z. B. im Jahre 1550 □Christoph Schoch□ aus Wittenberg und -□Paul Knobloch□ aus Lübeck, um die 2000 Exemplare der obenerwähnten -Bibel Christians □iii.□ zu binden, wofür sie neben freier Station den -hohen Preis von 2 Mark dänisch pro Stück erhielten. - - Verfall - der Wissenschaft. - -Wie der Glanz und die Herrlichkeit der Geistlichkeit vor der -kirchlichen Reformation erloschen war, so sank nach der grossen -politischen Umwandlung durch die Einführung des absoluten Königtums im -Jahre 1660 die Macht des Adels auf immer und damit auch die von ihm der -Litteratur und den Wissenschaften gewährte Unterstützung. Ein freies, -aufgeklärtes und wohlhabendes Bürgertum als Ersatz gab es noch nicht. -Von den Königen wurden zwar viele Hofbuchdrucker und Hofbuchhändler -ernannt, es handelte sich jedoch nur um leere Titel. Pietismus und -Bigotterie herrschten in den oberen Kreisen und verbreiteten sich nach -unten, um dann dem Materialismus Platz zu machen. Lateinisch war immer -noch die Sprache der Gelehrten, wer nicht lateinisch schrieb, schrieb -deutsch und es dauerte lange, ehe die dänische Sprache und Litteratur -zu Ehren kamen. Die Zensur wurde mit Strenge gehandhabt; der Nachdruck -blühte und die Einfuhr von Büchern war hoch besteuert. - - Buchhandel. - - E. H. Berling. - -Glänzend konnte demnach der Zustand der Buchdruckerei und des -Buchhandels nicht sein. Hierzu kam noch der grosse Brand von -Kopenhagen 1728, nach welchem das Geschäft ganz darnieder lag und -erst durch □Georg Höpfner□ wieder zu Ehren kam. Im Jahre 1722 gab es -ausserhalb Kopenhagens keine Presse in Dänemark, 1769 arbeiteten 12 -Buchdruckereien. Vieles wurde jedoch in Deutschland gedruckt, wenn -auch nicht viel besser. Ein Deutscher, □Ernst Heinrich Berling□, hatte -um 1740 eine Schriftgiesserei angelegt, und das Verbot der Einfuhr -von Schriften-Guss erlangt. Aber dieses Verbot scheint nicht beachtet -worden zu sein. Die Fraktur war die allgemein gebräuchliche Type und -ein Versuch des Buchdruckers □Jokum Wielandt□, 1723, sie durch Antiqua -zu ersetzen, misslang. Im Jahre 1754 wollte man eine „Freie dänische -Buchdruckerei“ begründen mit ähnlicher Tendenz wie die „Gelehrte -Buchhandlung“ in Deutschland; sie endigte mit gleichem Misserfolg. Im -Jahre 1720 war das erste kritische Blatt erschienen. Mit den Zeitungen -sah es keineswegs gut aus. Die in deutscher Sprache geschriebenen waren -reine Abklatsche der elenden Hamburger Zeitungen. 1666 erschien eine -gereimte dänische Zeitung „Dansk Mercurius“. Erst ein Kopenhagener -Lokalblatt „Die Nachrichten des Adress-Komptoires“ hatte einen solchen -Erfolg, dass nun auch Provinzstädte Lust bekamen an dem Gewinne -teilzunehmen, was dann auch die Verbreitung der Buchdruckereien mit -sich brachte. - - Norwegen. - -In dem mit Dänemark politisch und sprachlich verbundenen NORWEGEN ging -die wissenschaftliche und litterarische Bewegung ganz in der dänischen -auf, so dass die Buchdruckereien dort nicht festen Fuss fassen konnten. -Das erste Buch wurde in CHRISTIANIA i. J. 1643 von einem wandernden -Buchdrucker, □Tyge Nielsen□ aus Kopenhagen, gedruckt. Eine fest -angesiedelte Offizin erhielt Norwegen erst durch einen Deutschen, -□Valentin Kuhn□. - - Island. - -Auf ISLAND herrschte und herrscht noch die von den eingewanderten -Norwegern mitgebrachte altnordische (_Norräna_-)Sprache und ein reges -geistiges Leben. Die Reformation ward 1551 eingeführt, und Island -erhielt, noch vor dem Mutterlande, eine Buchdruckerei. Dieselbe wurde -auf Veranlassung des letzten katholischen Bischofs Jon Arason durch -dessen Schreiber, den Schweden □Jon Matthiasson□, in HOLUM eingerichtet -und hier erschien 1531 das erste Buch _Missale Nidarosiense_ -(Drontheimsches Missal). Als der Bischof, ein Opfer seiner Überzeugung, -gefallen war, nahm der weniger skrupulöse Matthiasson die lutherische -Lehre an, behielt die Druckerei und druckte mehrere evangelische -Schriften. Die Offizin zog öfters hin und her und wurde 1574 von -dem Bischof Guldbrand Thorlakson übernommen, mit neuem Material -versehen und erweitert, so dass sie 1584 eine Folio-Bibel, von der -später mehrere Auflagen erschienen, isländisch drucken konnte. Der -Bischof besorgte selbst eine sehr genaue Korrektur und soll sogar die -zierlichen Initialen gezeichnet und geschnitten haben. Im Jahre 1704 -kam die Offizin nach SKALHOLT, wo sie über 40 Drucke lieferte, und -dann, nach längerem Stillstand, 1704 nach Holum zurück. - - Schweden. - -In SCHWEDEN wurde die Bibel zum erstenmale 1521 schwedisch gedruckt; -1548 das Neue Testament in finnischer Sprache. 1594 liess Karl □xi.□ -eine königliche Buchdruckerei einrichten, deren erster Vorstand □Anund -Olai□ war, und die, bald unter deutschen, bald unter schwedischen -Dirigenten, tüchtiges geliefert hat. - - Pet. v. Selou. - - Heinr. Keyser. - -Sowohl Gustav □ii.□ Adolf, als seine gelehrte Tochter, Christina, -förderten eifrig die Buchdruckerkunst. Zu einer Zeit, wo diese sonst -bereits anfing in Misskredit zu kommen, verlieh Gustav Adolf den -Buchdruckern Einkünfte. 1626 berief er aus Deutschland □Peter von -Selou□, damit er heilige Schriften mit russischen Typen drucke. -1636 gab er dem alten Bischofssitz STRENGNÄS eine Druckerei, nur -damit der Bischof von Schonen, Laurentius Paulinus, mit grösserer -Bequemlichkeit den Druck seiner Schriften überwachen konnte. Mit dem -Bischof wanderte die Druckerei später nach Upsala. Dem geschickten -Formenschneider und Kupferstecher □Heinrich Keyser□ schenkte er einen, -in Deutschland erbeuteten Buchdruckerei-Apparat, mit welchem Keyser, -unter der Regierung Christinas, die sehr geschätzte, sogenannte Bibel -der Königin Christina druckte. Bekannt ist Keyser namentlich durch sein -Werk _Insignia nobilitatis Suecanae_ mit sehr gut ausgeführten Wappen. -Als Keyser sich in seinen Hoffnungen auf guten Erfolg getäuscht sah, -zerstörte er in Unmut die Illustrationen, so dass das Werk sehr selten -geworden ist. Der tüchtige Sohn Keysers druckte in vorzüglicher Weise -die schönste Ausgabe der schwedischen Bibel, die erst 1703, nach seinem -1699 erfolgten Tode, vollendet wurde. - -Die Königin Christina hatte einen bekannten Amsterdamer Buchdrucker -□Johann Jansson□ (nicht der berühmten □Blaeu□'schen Familie -angehörend) nach Stockholm berufen. Ausser festem Gehalt wurden -ihm manche Vorteile, darunter freie Papiereinfuhr, zugestanden. Als -die Königin die gelehrte Schule in Åbo in Finnland zur Universität -erhoben hatte, berief der akademische Senat 1642 □Peter Valdius□ -als Universitätsbuchdrucker. 1713 wurde die Druckerei, auf Grund der -Kriegsunruhen, nach Stockholm gebracht. - -Über der in Gothenburg 1650 von □Amund Grefwe□ errichteten Offizin -ruhte ein Unglücksstern. Erst ging ein Schiff, welches neue Typen und -Papier aus Hamburg bringen sollte, unter, und 1669 brannte, mit einem -grossen Teil von Gothenburg, die Druckerei ab. - - Upsala. - -In UPSALA mit seiner schon 1476 gestifteten Universität hatte □Paul -Griis□ 1510 die Kunst eingeführt. Der König Karl Gustav unterstützte -ihn dabei, indem er ihm die Einkünfte eines Ritterguts überliess. -Griechisch, hebräisch, Runen und arabisch wurden bereits mit dem Anfang -des □xvii.□ Jahrhunderts dort gedruckt; die letztere Schrift wurde -von Peter Kirsten aus Breslau eingeführt, die Runen verbesserte 1702 -Peringskjöld. - - Olaus Rudbeck. - -In Upsala lebte auch der berühmte Gelehrte □Olaus Rudbeck□, bekannt -durch sein grosses Werk _Atlantica, sive Manheim_, von welchem Band -□i-iii□ in Folio mit einem grossen Atlas in den Jahren 1675-1698 -fertig wurden. Um den Druck zu fördern, hatte Rudbeck selbst 1686 eine -Druckerei angelegt, mit welcher, bei dem grossen Brande Upsalas 1702, -der noch in der Presse befindliche □iv.□ Band so gründlich vernichtet -wurde, dass nur 3 oder 4 Exemplare übrig geblieben sind. - - Lund. - -LUND hatte 1666 durch Karl □xi.□ seine Universität erhalten. Die -Versuche, die 1668 und 1676 gemacht wurden, die Druckerkunst dort -heimisch zu machen, waren jedoch für lange Zeit ohne rechten Erfolg. - -[Illustration:Kapitelende] - - - - -[Illustration:Kapitelanfang] - -VIII. KAPITEL. - -DER DRUCKBETRIEB UND DAS BUCHGEWERBE IN DEUTSCHLAND. - - □Die Schriftgiesserei□ und die Druckschriften. □Die Technik□ des - Setzens und Druckens: Der Satzapparat, die Korrektur, die Presse, - die Farbe. Prinzipal, Geselle und Lehrling. □Die Buchbinderkunst.□ - □Der Buchhandel□: Die litterarische Produktion, das Verhältnis - zwischen Autor und Verleger. - - - Technische Ver- - besserungen. - -MÖGEN auch abweichende Urteile darüber herrschen, welcher Anteil an -der technischen Weiterbildung der neuen Kunst dem Erfinder selbst, -welcher seinen Genossen und ersten Nachfolgern gehört, so steht doch -das eine fest, dass die Technik der Kunst und der mechanische Apparat, -nachdem die ersten unsicheren Versuche hinter den genannten lagen, -eine derartige Festigkeit im Prinzip und Abrundung in der Ausführung -gewonnen hatten, dass man, trotz der Fortschritte der Gewerbe und der -Anwendung wissenschaftlicher Grundsätze auf dieselben, in der langen -Zeit von dem Jahre 1500 bis zu dem Jahre 1750 nicht imstande war, das -Überkommene durch Neues zu ersetzen[1]. - - [1] Vergl. die in der Einführung erwähnten technischen Werke. - -Successive Verbesserungen in der Herstellung der Schriften und des -Druckes traten zwar ein, aber keine durchgreifenden Reformen. Erst -zu Ende des □xviii.□ Jahrhunderts zeigten sich die Vorboten solcher, -jedoch erst dem □xix.□ Jahrhundert war es beschieden, ihnen Fleisch und -Blut zu geben. - - Schriftgiesserei. - -In der SCHRIFTGIESSEREI bestanden die Verbesserungen, nachdem man schon -frühzeitig gelernt hatte, die Stempel in Stahl, die Matern in Kupfer, -die Schriften in härterer Metallmischung herzustellen, hauptsächlich -in der Einführung der nach bestimmten Regeln sich abstufenden -Schriftgrössen (□Kegel-System□), während anfänglich Zufälligkeiten oder -Laune bestimmend waren. - - Kegel und - Schrifthöhe. - -Leider wurde vom Beginn ab weder in Betreff des Kegels noch der -Schrifthöhe eine Einheitlichkeit in allen Ländern durchgeführt. -Nicht allein verfolgte jedes Land seinen eigenen Weg, sondern in den -einzelnen Ländern, und zwar ganz besonders in Deutschland, herrschte -Verschiedenheit, die sich sogar auf die einzelnen Städte ausdehnte, ja, -selbst in den Druckereien einer und derselben Stadt sah es oft traurig -genug um die Einheitlichkeit aus. - - Giessinstrument. - -Das □Giessinstrument□ war so eingerichtet worden, dass die Buchstaben -beim Giessen einen trichterförmigen Anguss erhielten, dessen -Schwere die scharfe Ausprägung des Buchstabenbildes förderte. -Die Interpunktionszeichen wurden vermehrt und erhielten eine -zweckmässigere, weniger prätentiöse Form. Die überaus zahlreichen -Ligaturen der Buchstaben wurden auf eine kleine Zahl beschränkt und -die sogenannten Auszeichnungsschriften zum Hervorheben einzelner Zeilen -oder Wörter eingeführt. - - Signatur. - -Die □Typen□ wurden mit einer Einkerbung (Signatur) versehen. Diese -diente nicht allein dem Setzer als Richtschnur, um den Buchstaben -gleich aus dem Kastenfach richtig zu fassen und in den Winkelhaken -einzureihen, sondern auch als Unterscheidung der verschiedenen, auf -einem und demselben Kegel gegossenen Schriftsorten, indem man mit der -Stellung der Signatur auf der unteren, beim Satz oberen, Langseite -der Type wechseln, nach Befinden auch gleichzeitig mehrere Signaturen -anbringen konnte. - - Vermehrung der - Schriften. - -Mit der steigenden Zahl der Schriften war dieses Unterscheidungszeichen -recht notwendig geworden. Bereits das, 1721 erschienene, Handbuch von -Ernesti weist nicht weniger als 47 verschiedene Frakturschriften bei -18 Kegelstärken auf. Man sieht auch hieraus, welche grosse Ansprüche -schon damals an die Schriftgiessereien und Buchdruckereien gestellt -wurden. In Deutschland verdoppelten sich diese Ansprüche, denn man -musste auch in Antiqua- und Kursiv-Schriften wohl versorgt sein. Das -erwähnte Handbuch bringt 21 Antiqua- und 14 Kursiv-Proben, daneben -11 Grade Griechisch und 9 Grade Hebräisch, ausserdem arabische, -samaritanische, armenische, koptische, cyrillische, glagolitische, -russische, hunnische, scytische, wendische Schriften, Runen, Choral- -und gewöhnliche Noten. - - Das Clichieren. - -War auch die eigentliche Stereotypie noch nicht zur Anwendung gekommen, -so kann doch kein Zweifel darüber obwalten, dass man bereits im □xv.□ -Jahrhundert in ziemlich ausgedehnter Weise das □Clichieren□ geübt hat, -freilich noch aus freier Hand durch Eindrücken der grossen Initialen -oder der Holzstöcke in ein halberstarrtes Metall oder in Thon, wodurch -man eine, für das weitere Giessen verwendbare Mater gewann. - - Die Fraktur und - die Zierschriften. - -Obwohl die □Frakturschrift□ die in Deutschland herrschende Schrift -war, so zeigte sich doch keine grosse Thätigkeit in der Fortbildung -derselben; wir berührten diese bereits, als von Nürnberg die Rede war -(S. 129). Als Auszeichnungsschrift wurde hauptsächlich die Schwabacher -Schrift, nachdem sie aufgehört hatte Buchschrift zu sein, benutzt; -auch machte sich die Typographie die Kanzlei- und die Kurrentschrift -dienstbar. Mit der Kanzlei nahm der herumreisende Schriftschneider -□Schmidt□ in Leipzig einen nicht üblen Versuch vor; □Crabath□ in -Prag schnitt eine schattierte Schrift mit einem starken und einem -schwachen Strich. Mit der Kurrentschrift wurde zu Beginn des □xviii.□ -Jahrhunderts verschiedentlich experimentiert. Voran ging □Christ. Zink□ -in Wittenberg, ihm folgten Schmidt und in Wien □von Trattnern□. In -Basel zeichneten sich □Joh. Putorius□ und □W. Haas□ aus, in Frankfurt -a. M. □Luther□. - - Die Antiqua. - -Noch weniger als in der Fraktur leistete Deutschland in der □Antiqua□. -Frobens und Oporins Typen blieben noch zu Anfang des □xvii.□ -Jahrhunderts massgebend, obwohl diese selbst mehr Nachahmungen des -römischen, als des verbesserten venetianischen Schnittes waren. - -Als zu Ende des □xvii.□ Jahrhunderts die Verbreitung der holländischen -Ausgaben in Deutschland den Sinn für schöne Drucke geweckt hatte, fing -man an, sich Matrizen aus Holland kommen zu lassen. Besonders war es -der Schriftgiesser □Erhard□ in Leipzig, welcher sich die Janssonschen -Schriften anschaffte. In Nürnberg schnitt □Joh. Lobinger□ lateinische -Schriften, die Beifall fanden, ebenso, in Nachahmung der holländischen, -Christ. Zinck in Wittenberg. Ein eigentlicher Bahnbrecher erstand -jedoch nicht unter den deutschen Schriftgiessern. Wahrscheinlich -würde ein solcher auch, in Ermangelung jeglicher Unterstützung und -Aufmunterung, das Schicksal so mancher Bahnbrecher gehabt haben. Unter -solchen Verhältnissen findet man deutsches Geschick und Talent, wie in -manchem anderen Fach, so auch in der Schriftgiesserei hauptsächlich nur -im Dienste des Auslandes thätig. - - Der Satzapparat. - -DIE TECHNIK DES SETZENS UND DRUCKENS. Was den □Satz-Apparat□ betrifft, -so wurde der Setzkasten zweckmässiger eingeteilt, und für die Fraktur -und Antiqua verschieden eingerichtet; auch machte die öftere Benutzung -der orientalischen Schriften besondere Kästen für diese notwendig. -Der „Winkelhaken“ wurde verstellbar und aus Metall angefertigt. Das -„Schiff“ erhielt den Doppelboden (Zunge) zum Ausziehen, war jedoch noch -von Holz. Die eisernen Schliessrahmen fanden überall Eingang. - - Der Satz. - -Der □Satz□ selbst bekam durch den Durchschuss, die Absätze, -die Schmutztitel, Buch- und Kapitel-Einteilungen eine freiere, -übersichtlichere Gestaltung. Die Titel in der jetzigen Einrichtung -wurden allgemein, ebenso die Angabe des Druckorts und des Datums, des -Druckers, später auch des Verlegers. Die kleineren Schriftgattungen -gestatteten die Verwendung der kleineren, handlichen Formate. Die -Zahl der letzteren war eine übergrosse, ausser den gewöhnlichsten: -Folio, Oktav, Duodez und Sedez, wurden: Achtzehner, Vierundzwanziger, -Zweiunddreissiger, Achtundvierziger, Zweiundsiebenziger, -Sechsundneunziger oft verwendet, es kamen dazwischen aber auch noch -andere vor. Die Kolumnentitel, die Signatur, die Norm und der Kustos -waren an und für sich kleine, aber doch wesentliche Verbesserungen. Die -Accidenzarbeiten hatten noch keine grosse Bedeutung. - - Die Presse. - -Die □Presse□ von 1750 war im Prinzip und in allen wesentlichen -Bestandteilen dieselbe wie die aus dem Jahre 1500. Sie wurde aus Holz -konstruiert, jedoch fertigte man nach und nach die Spindel, die Mutter, -den Tiegel aus Messing oder Eisen und das Fundament und die Schienen -aus Eisen. Als Verbesserer der Pressen werden namentlich Danner in -Nürnberg und Wilh. Janszoon Blaeu in Amsterdam genannt. - -Um eine Form zu drucken war ein zweimaliges Anziehen des Bengels -notwendig, da der Tiegel nicht gross genug war, um eine volle Form zu -decken. Der Karren wurde deshalb erst bloss bis auf die Hälfte der Form -hineingefahren und der erste Druck geübt, dann ganz hinein, damit auch -die andere Hälfte gedruckt wurde. - - Die Drucker. - -An der Presse arbeiteten zwei Drucker, der „Pressenmeister“ und der -„Ballenmeister“[2], die sich jedoch gewöhnlich in der Arbeit ablösten. -Der jedesmalige Ballenmeister hatte die zwei pilzförmigen Ballen -aus Holz, die mit Rosshaaren überdeckt und mit Schafleder überzogen -waren, einzufärben, die von dem Farbetische entnommene Farbe durch -tüchtiges Reiben der Ballen an einander gut zu verteilen und dann die -Form einzuschwärzen, indem er, unter fortwährend wiegender Bewegung -der Ballen, diese erst von oben nach unten und dann seitwärts auf -die Schrift drückte, und länger an den Stellen, die eine besonders -sorgfältige Einfärbung verlangten, z. B. bei grossen Titelschriften und -Illustrationen, anhielt. - - [2] Die Gehülfen, welche sowohl setzen als drucken konnten, - nannte man „Schweizerdegen“. Wie so oft, wenn einer zu - viel treibt, waren sie gewöhnlich in keinem Fach recht - zuhause und deshalb weniger gut angeschrieben. - -Trotz dieser zeitraubenden Manipulationen konnten doch zwei Drucker -in einem Arbeitstag 2000 Drucke, flinke Drucker sogar 3000, also resp. -1000 und 1500 vollständige Bogen fertig bringen. - - Die Farbe. - -Die □Farbe□ wurde von jeder Buchdruckerei selbst bereitet und bestand -aus Leinöl-Firnis und Kienruss. Sie war im allgemeinen eine gute, -und es kam hauptsächlich nur darauf an, dass der Firnis die richtige -Stärke erhielt. Da das Sieden desselben nicht ohne Feuergefahr war, so -gestattete man es nur auf einem, dazu von den Stadtbehörden bestimmten -Platz. Der Tag des Siedens galt als halber Festtag für die Drucker. -Um dem siedenden Öl sowohl die wässerigen als die überflüssigen -fettigen Teile zu nehmen wurden Stückchen von Brotrinde oder Semmel -hineingesteckt. Mit Salz bestreut, wurden diese Brotstückchen gern -gegessen, sie mehrten aber noch den selbstverständlichen Durst ins -unberechenbare und das Bier schmeckte nun um so besser. - - Die Korrektur. - -Die □Korrektur-Abzüge□ wurden mittels der Bürste abgeklopft, mitunter -auch in grausamer Weise abgetreten! Man legte eine Partie Makulatur -über den abzuziehenden Bogen und trat nun den Druck ab, indem man sich -auf die Form stellte. - -Grössere Offizinen hatten ihre Haus-Korrektoren und es bildete sich -ein besonderer Stand der Korrektoren von Beruf. Soll man nach den -Ermahnungen eines ihrer Kollegen[3] urteilen, so müssen sie nicht immer -sich des solidesten Lebenswandels befleissigt haben, denn neben einem -guten Auge verlangt er vor allen Dingen von einem guten Korrektor, dass -er „mit allem Fleiss für der Trunkenheit sich hütet, auff dass er nicht -etwa gantz nichts, oder hingegen mehr, als in Wahrheit vorhanden, sehe -oder auffzeichne. Und, welcher zu dieser Verrichtung verordnet, gerne -trincket, ist ein unnützer Mensch, zu welchem der Druckherr, wann er -ihm offt also bezecht sihet, ohne Vorwunderung wol sagen möchte: troll -dich du Bösewicht“. - - [3] □Hieronymus Hornschuh□, Ορθοτυπογραφία. Leipzig 1634 und - in mehr. Ausg. - - Der Prinzipal. - -□Der Buchdruckerprinzipal□ musste, bevor er eine Offizin eröffnete, den -Buchdruckereid ablegen, der, wenn auch nicht überall der gleiche, stets -darauf ging, nichts ohne Zensur und keine Schmähschrift zu drucken und -den Buchdruckerei-Ordnungen gemäss sich zu betragen. Die Rechte der -Innungen waren durch die Statuten und Freiheiten in den Artikel-Briefen -gesichert. Die Überwachung derselben, die Aufbewahrung der Lade und die -Führung der Innungsrechnungen war dem Oberältesten, dem „Ladenvater“, -übertragen, der auf dem Generalsitz (Session), welcher jedesmal 14 Tage -vor der Messe abgehalten wurde, gewählt ward. - - Der Geselle. - -□Die Gesellen□ bildeten ebenfalls unter sich einen Verein, der seine -zwei Obergesellen oder Assessoren, einen Drucker und einen Setzer, -hatte, die bei den Gesellen ungefähr die Stellung einnahmen, wie der -Oberälteste bei den Meistern, und für den Nutzen der Gesellschaft zu -sorgen hatten. - -Die Gesellen arbeiteten entweder in festem Lohn oder konsensweise, d. -h. wurden per Stück bezahlt. Das Engagement galt von Messe zu Messe; 14 -Tage vor der Messe wurde der „Anredetag“ abgehalten; wollte der Meister -den Gesellen noch ein halbes Jahr behalten, so wurde er „angeredet“, -geschah dies nicht, so wusste er, dass er nach 14 Tagen „Feierabend“ -hatte. Was der Geselle von Messe zu Messe von seinem Lohn stehen -liess, hiess seine Messbesoldung. Wurde er verschrieben, so erhielt er -„Laufgeld“. Beim Eintritt musste er „Introitus“ zahlen, war er nicht -gut beleumundet, so wurde er von seinen Kollegen zurückgewiesen. Er -hatte das Recht den Degen zu tragen. - -Der Introitus, die Abgaben der Ausgelernten, „das Titulgeld“, welches -der Verleger für den Druck eines roten Titels zahlte, oder sonstiges -Trinkgeld wurde jährlich zweimal, zu Fastnacht und zu Martini, verteilt -oder vertrunken. Zu Martini gab der Prinzipal einen Schmaus. - - Der Lehrling. - - Die Deposition. - -□Der Lehrling□ wurde, wenn er eine Probezeit von einigen Wochen gut -bestanden und durch Zeugen nachgewiesen hatte, dass er in ehrlicher -Ehe geboren war, „aufgedungen“. Er hatte 5-6 Jahre zu lernen und -den Meister und die Gesellen zu bedienen. Hatte er seine Lehre -ehrlich bestanden, so wurde er „Kornut“ oder Hörnerträger und hatte -als solcher wöchentlich an die eigentlichen Gesellen eine Abgabe, -„nach christlicher Billigkeit“, zu zahlen. Wollte er nun als Geselle -losgesprochen sein, so musste er sich dem „Postulat“, oder der -Deposition, unterwerfen. Dies geschah unter scenischen Festlichkeiten -und in Anwesenheit der Gesellen und Bekannten mit ihren Damen. Erst -trat der Prologus auf und hielt eine salbungsvolle Lobrede auf die -Kunst. Mit dem unförmlichen, mit Hörnern versehenen Hut aus schwarzem -Leder bedeckt[4], wurde nun der Kornut von dem Knecht eingeführt, -von letzterem durchgehechelt, geschimpft, geschlagen und mit guten -Lehren versehen. Der Kornut lässt sich alles gefallen und verspricht -dem Depositor, den Gesellennamen mit Ehren zu führen, die Laster der -Jugend und die schlechten Sitten abzulegen, und einen tugendsamen -Wandel zu führen. Hierauf erhält er die Konfirmation als Geselle, und -die von ihm gewählte „Kranzjungfer“ setzt ihm den Kranz auf. Das ganze -Schauspiel wimmelte von Trivialitäten und Roheiten[5]. Der Schmaus bei -dem „Postulatvater“, der für gute Speise und guten Trank zu sorgen -verpflichtet war, bildete selbstverständlich durchaus nicht eine -Nebensache. - - [4] Ein solcher Kornutenhut war in der Halleschen Ausstellung - 1881, in der Abteilung der Faberschen Buchdruckerei aus - Magdeburg, zu sehen. - - [5] Es giebt mehrere gedruckte Depositionsspiele; am - bekanntesten ist das im Jahre 1654 „der hoch- und - weitgerühmten Buchdrucker-Kunst zu unvergleichlichen - Ehren“ von □Johann Rist□ abgefasste, das in Ernestis - Handbuch mitgeteilt wird. - - Sitten im allge- - meinen. - -Von der Zucht und Ordnung in den Druckereien bekommen wir keinen -besonders vorteilhaften Begriff, wenn wir die Anordnungen lesen, in -welchen den Gehülfen eingeschärft wird, „ihrem Druckherrn gebührliche -Ehre und Gehorsam zu erzeigen, ihm nicht widersetzig zu sein, viel -weniger mit thatsächlicher Gewalt sich an ihm zu vergreifen“, und sie -ermahnt werden: „das Fluchen, Gottlästern, Andere zur Banckhauen zu -unterlassen; Abends nicht mit Ungestüm anzuklopfen, jauchzen, geschrey -zu tumultuiren, nicht die Wehren zu zucken; das liederliche Feiern, -mehrenteils um des unchristlichen Saufens, Schwelgens und Tollisirens -willen, sowie das Abhalten heimlicher Conventikula behufs des -Aufwiegelns anderer Gesellen, einzustellen“. - - * * * * * - - Aenderungen in - d. Buchbindung. - - Steigender Ge- - schmack im Ein- - binden. - -DIE BUCHBINDERKUNST[6]. Keine andere gewerbliche Technik konnte in -dem Masse durch die Buchdruckerkunst beeinflusst werden, als die -Buchbinderei. Die Folianten und Quartanten weichen den Oktavbänden -und zierlichen Bändchen, infolge dessen auch das Material für den -Einband ein leichteres wird. An Stelle der Holzplatten tritt die -Pappendecke oder der aus mehreren zusammengeklebten Blättern bestehende -Überzug. Die Beschläge fallen nach und nach weg, die Spangen bleiben -jedoch noch lange. Die Bereitung des Leders vervollkommnet sich -und es wird in allen Farben verwendet. Durch die Filetten wird ein -grösserer Reichtum an Mustern möglich. Jetzt kommen namentlich die -arabisch-maurischen phantasiereichen Flachornamente zur Geltung, -daneben erhalten sich jedoch Ornamente im Sinne der Renaissance aus -antiken Motiven entspringend unter Hinzufügung von Figuren-Schmuck. -Götter und Helden, Kaiser und Könige, Reformatoren, reiche Wappen, -ganze zusammenhängende Figurenbilder dienen als Einbandsschmuck, wobei -oft nicht die geringste Rücksicht auf den Inhalt genommen wird. Selbst -die namhaftesten Künstler, wie Hans Holbein d. j., Lucas Cranach Vater -und Sohn, Virgil Solis, u. a. verschmähten es nicht, ihre Talente -der Buchhülle zuzuwenden. Das Interesse des grossen Publikums und die -Bücherliebhaberei der Reichen und Grossen unterstützten die Kunst. In -vielen Privatbibliotheken war der Einband fast Hauptsache geworden. -Manche Liebhaber aus den höchsten Ständen, selbst Könige und Fürsten, -übten persönlich das Buchbinden. - - [6] Vergl. die S. 89 angegebenen Quellen. - -Die österreichisch-burgundischen kur- und pfalzbayrischen -Herrscher, die protestantisch sächsischen Fürsten Ernestinischer und -Albertinischer Linie, hatten schöne Büchersammlungen. Sowohl Kurfürst -Friedrich der Weise († 1525) als auch der unglückliche Johann Friedrich -der Grossmütige liessen ihre prachtvollen Bibelausgaben und die Werke -der Reformatoren für die Universitätsbibliotheken mit prächtigen -Einbänden versehen, die noch heute die Zierde der Sammlungen in Jena, -Weimar, Leipzig und Dresden sind. Die Hauptwerkstätte war Wittenberg, -der bedeutendste Buchbinder dort □Theodor Krüger□. Seinen Arbeiten -schliessen sich die von □Kaspar Krafft□ und die reichen farbigen -Lederbände aus den Offizinen der beiden □Cranach□ an. Auch der gelehrte -Herzog Georg der Bärtige († 1539) und sein Bruder Heinrich der Fromme -(† 1541) hatten dieses Interesse für die Kunst. - - Die sächsischen - Einbände. - -Unter den Förderern ist ferner der Kurfürst August von Sachsen (1526 -bis 1586) zu erwähnen. Im Jahre 1555 legte er den Grund zu der jetzigen -königlichen Bibliothek in Dresden und umfasste diese Anstalt mit -grosser Liebe. Er berief die Buchbinder □Georg Krause□ und □Kaspar -Meuser□ als Hofbuchbinder, und sandte sie auf Reisen, dass sie Bücher -ankauften. Um den Betrieb besser unter Augen zu haben, errichtete -er ihnen im Schlosse eine Werkstätte und beteiligte sich selbst -eifrig bei den Arbeiten. Die Ornamentierung war eine mannigfaltige -und die Goldpressung prächtig. Bemerkenswert sind die, zumteil -unübertroffenen, gemalten Bände, die sich bis zu Ende des □xvii.□ -Jahrh. hielten. Besondere Sorgfalt wurde dem Schnitt zugewendet. Auf -dem Goldschnitt schlug man mittels Punzen eine Zeichnung ein und malte -die Zwischenflächen aus. Interessant ist auch die Technik, den ein -wenig verschobenen Schnitt zu bemalen, und dann nachträglich den scharf -zusammengepressten Schnitt zu vergolden. Wird nun ein so gebundenes -Buch aufgeschlagen, und dadurch der Schnitt wieder verschoben, so tritt -die Untermalung in matten Farben hervor. Man hat diese Art von Arbeit -in neuester Zeit mit Glück wieder aufgenommen. Sehr praktisch sind die -Bände der kurfürstlichen Reisebibliothek. Damit sie nicht zu sehr ins -Gewicht fielen, wurden sie in feines Pergament ohne Pappenunterlagen -gebunden. - -Etwas zurück gegen die früheren stehen die unter den Kurfürsten -Christian □i.□ und □ii.□ von □Christoph Weidlich□, □Matthias Hauffe□, -□Bastian Elert□ und □Kaspar Krafft□ gelieferten Arbeiten. Man wandte -sich damals wieder der Technik der durchbrochenen Metallarbeiten mit -unterlegtem Sammet zu, in der □Hans Reichardt□ in Leipzig Meister war. -Noch mancher tüchtige Buchbinder dieser Zeit aus dem Süden und Westen -wäre zu nennen. - - Rückgang. - -Die schweren Jahre brachten bald die Periode des Verfalls. -Der Lederband tritt zurück, die technische Behandlung wird -vernachlässigt und das Pergament meist glatt behandelt. Die glänzenden -Schweinslederbände der Holländer, die sogenannten Horneinbände, und -die lange in Holland in Gebrauch bleibenden Kartonnagen mit Rücken von -rotem Schafsleder und Pappendeckel, mit marmoriertem oder gefedertem -Papier überzogen, treten in den Vordergrund. - - * * * * * - - Befestigung des - Buchhandels. - -DER BUCHHANDEL UND DIE BÜCHER-PRODUKTION[7]. Nach dem Ablauf des -ersten Viertels des □xvi.□ Jahrhunderts trat mit dem Buchhandel eine -Wandlung ein, indem er sich von den Jahrmärkten emanzipierte und eine -respektable Stellung einnahm. Viele der grösseren Buchdruckereien -verwandelten sich in Buchhandlungen. Die grosse Masse der Buchdrucker -geriet dagegen in Abhängigkeit von den Verlegern. Die Buchhandlungen -bemühten sich, als abgeschlossene Geschäftskorporationen von den -Regierungen anerkannt zu werden und Privilegien zu erlangen, ohne zu -bedenken, wie sehr sie damit den Regierungen eine Handhabe zu ihrer -Beaufsichtigung und der leichteren Durchführung der Zensur-Massregeln -gewährten. Überwachungs-Kommissionen wurden ernannt und die Buchhändler -verpflichtet, nichts regierungsfeindliches zu drucken. Die Zensur wurde -streng, und, was noch schlimmer war, launenhaft geübt; im Norden im -allgemeinen etwas freisinniger, als im Süden. - - [7] Vergl. die S. 91 u. 92 erwähnten Quellen. -- Ferner □G. - Schwetschke□, _Codex nundinarius etc._ Halle 1850 und - dessen Fortsetzung. Halle 1877. -- Wertvolle Beiträge - liefern ausserdem die von dem Börsenverein für den - deutschen Buchhandel in zwanglosen Heften herausgegebenen - „Publikationen“, deren neue Folge den Titel führt: - „Archiv für Geschichte des deutschen Buchhandels. - Herausgegeben von der Historischen Kommission des - Börsenvereines etc.“. - - Einfluss der Reformation. - -Den Impuls zu einem grösseren Bücherbetrieb hatten zuerst Luthers -Schriften gegeben; selbst seine Feinde mussten einräumen, dass seine -Bücher fast in jeder Bauernhütte zu finden waren. Zwar verlor sich -das religiöse Lesebedürfnis nach und nach, aber die einmal geweckte -Leselust blieb. Die schönwissenschaftliche Litteratur verschaffte den -Buchdruckereien viele Arbeiten und gewährte dem Buchhandel ein neues -Feld für seine Thätigkeit. Namentlich war es die fremde Litteratur, der -das Publikum von Beginn ab seine Neigung zuwendete. Boccaccio, Äneas -Sylvius und der Amadis von Gallien blieben die erklärten Lieblinge. - - Hebung der - Litteratur. - -Erst im Laufe des □xvii.□ Jahrh. hebt sich die deutsche Litteratur -und erweckt eine grössere Teilnahme, trotz der ungeheuerlichen -Romane, Erzählungen von Naturereignissen, Missgeburten, Unglücken; -je scheusslicher, je besser. Die Verarbeitung dieser Stoffe geschah -namentlich in Augsburg und Nürnberg. Hier, sowie auch in Frankfurt -am M., erschienen zuerst „die neuen Zeitungen“[8], die sich aus -Flugblättern nach und nach in regelmässig erscheinende Zeitungen -umwandelten, damit aber auch mehr und mehr dem Buchhandel entzogen -wurden, um in die Hände der Postanstalten überzugehen, namentlich -war die Thurn und Taxissche Post bemüht, den ganzen Zeitungs-Verlag -ihres Bezirks in die Hände zu bekommen. Hingegen erhielten die, gegen -Ende des □xvii.□ Jahrh. entstandenen wissenschaftlichen Journale -eine besondere, immer wachsende Wichtigkeit für den Buchhandel. -Auch der Kalender-Vertrieb erlangte grössere Bedeutung. Einige waren -ausserordentlich verbreitet, wie die, von Leonh. Thurneysser in Berlin -1572-1585 herausgegebenen (vergl. S. 152). Angeblich um die Richtigkeit -der Kalender zu überwachen, wurden sie von den Regierungen mit Stempel -versehen und öfters zum Gegenstand eines Monopols gemacht, welches man -verpachtete. - - [8] □Em. Weller□, Die ersten deutschen Zeitungen. Stuttgart - und Tübingen 1872. -- □J. O. Opel□, Die Anfänge der - deutschen Zeitungspresse. Leipzig 1879. - - Die Klassiker und - die Reisewerke. - -Auch ernsthaftere Lektüre bricht sich Bahn, namentlich Übersetzungen -der griechischen und lateinischen Klassiker, gewöhnlich mit -Holzschnitten, später mit Kupferstichen illustriert. In diesem Verlag -zeichneten sich namentlich Augsburg, Strassburg und Frankfurt a. M. -aus. Chroniken und Länderbeschreibungen, Originale und Übertragungen, -denen ebenfalls durch Illustrationen Reiz verliehen wurde, lieferten -namentlich Sigismund Feyerabend, Theod. und Joh. Th. de Bry sowie die -Matth. Merian in Frankfurt (s. S. 130); besonders bekannt waren die -Gottfriedsche Chronik mit ihren Fortsetzungen, das _Theatrum mundi_, -die Zeilerschen Topographien mit ihren unzähligen Kupferstichen und -Plänen. Eine Menge grosser Reisewerke, durchgehends reich illustriert, -erschienen bei L. Hulsius und später bei seiner Witwe in Nürnberg. - - Schwierigkeiten - des Vertriebs. - -Wennauch die Buchhändler selbst durch die Messen die neuen -Bücher kennen lernten, so blieb immer noch die Schwierigkeit des -Bekanntmachens derselben für das Publikum. Französische und englische -Buchhändler hatten schon früher Verlagsverzeichnisse gedruckt, deutsche -Buchhändler fingen jedoch mit solchen erst in der letzten Hälfte des -□xvi.□ Jahrh. an. Wenn die Gelehrten nicht durch ihre Korrespondenz -zufällig von dem Erscheinen eines Buches Kenntnis erhielten, so -waren sie ganz von ihrem Buchhändler abhängig. Hatten sie mit ihrem -Auftrag eine Messe versäumt, so musste in der Regel die nächste Messe -abgewartet werden. - - Messkatalog. - -Dies wurde wesentlich anders, als der Augsburger Buchhändler Georg -Willer 1564 den „Messkatalog“ ins Leben rief. Derselbe erschien -jährlich zweimal. 1592 hört der Katalog unter Willers Firma auf. Im -Jahre 1598 nahm die Stadt Frankfurt die Sache selbst in die Hand, und -der Messkatalog erschien nun bis 1615, bei Peter Kopff in Frankfurt: -_cum permissu superiorum_. Mit den Messkatalogen trat ein Umschwung -im Buchhandel ein. Die Buchhändler waren genötigt, ihre Erwerbungen -regelmässig auf den Messen zu machen und ein Lager des Neuesten zu -halten. - - Messverkehr. - -Für die Verleger war es natürlich von grösster Wichtigkeit, dass die -Neuigkeiten vor der Messe fertig vorlagen. Von den Besuchern waren -die Holländer, Belgier, sowie die Pariser und Lyoner Buchhändler -die wichtigsten. Das Hauptgeschäft beruhte auf Tausch, der sich -schon im □xv.□ Jahrh. ausgebildet hatte. Wennauch anfänglich den -Verhältnissen angepasst, hatte dieses System doch später auch seine -grossen Inkonvenienzen, da Produktion und Konsumtion der einzelnen -Länder und Städte und Firmen nicht immer sich die Wage halten konnten. -Dies verursachte eine teilweise Überproduktion in mittelmässigen -oder schlechten Büchern, um doch Tauschobjekte zur Messe mitbringen -zu können. Die grossen verlegenden Buchdruckereien, die nicht -Sortimentshandel trieben, konnten überhaupt nicht tauschen und so -bildete sich teilweise ein reiner Handel gegen Geld, der sogenannte -Nettohandel, aus. - - Verfall d. Frank- - furter Messe. - - Aufblühen Leip- - zigs. - -Das erste grosse Sortimentslager gründete der Frankfurter Buchhändler -Paul Brachfeldt, in den letzten Jahren des □xvi.□ Jahrh. Ausländische -Verleger, wie die Elzeviere, hielten in Frankfurt Lager. Hierdurch -gestaltete sich neben dem Messhandel ein regelmässiger Verkehr der -Sortimentshandlungen mit Frankfurt, doch gestattete die Zerrüttung -der Verhältnisse kein rasches Emporblühen, wozu die Massnahmen der -kaiserl. Regierung das ihrige beitrugen. Auch die Frankfurter Behörden -hatten dieser in die Hände gearbeitet, als sie dem Kaiser Maximilian -□ii.□ vorschlugen, er möge selbst Beamte senden, um die Überwachung -des Buchhandels, welche der Rat abgelehnt hatte, zu besorgen. Die -Massregel war jedoch erst unter dem Kaiser Rudolph □ii.□, 1579, -zur Ausführung gekommen. Seit dem Jahre 1629 verfuhr die kaiserl. -Bücherkommission vollständig souverän und der Rat machte nur ab und zu -einen vergeblichen Versuch, den Einfluss derselben zu mindern. Darunter -litt begreiflicherweise die Frankfurter Messe ausserordentlich, -während das aufblühende Leipzig den Vorteil davon hatte. Doch wirkten -noch andere Gründe gegen Frankfurt. Je mehr die lateinische Sprache -als Gelehrtensprache durch die deutsche verdrängt wurde, um so mehr -schmälerte sich der Absatz der deutschen Bücher im Auslande. Die -fremden Buchhändler blieben deshalb nach und nach aus, namentlich weil -auch der Absatz ihrer Artikel durch die Übersetzungssucht der deutschen -Verleger geringer wurde. Der Verkehr mit Italien war schon um 1570 -durch den _Index librorum prohibitorum et expurgendorum_ des Papstes -Pius □iv.□ so gut wie vernichtet. Mit den spanischen Niederlanden -verfiel der buchhändlerische Verkehr nach den Ordonnanzen Philipps -□ii.□ Am längsten hielt sich noch die Verbindung mit Holland, jedoch -bot letzteres bloss Bücher dar und nahm keine, wodurch der Handel -erschwert wurde, besonders da Holland zumteil seinem klassischen Verlag -untreu wurde, und sich den französischen Artikeln und dem Nachdruck -zuwandte. Wie Leipzigs Übergewicht um das Jahr 1650 eine vollendete -Thatsache wurde, ist bereits berichtet (S. 149). Ohne die Reformation -und ihren segensreichen Einfluss auf die Pflege der Wissenschaft, würde -es doch Leipzig kaum gelungen sein, seine Suprematie zu erlangen. Die -Gründung der Universitäten Wittenberg, Frankfurt a. d. O., später -Königsberg; die Kunstliebe der sächsischen und brandenburgischen -Kurfürsten und ihr Interesse für die Wissenschaften hatten einen -mächtigen Einfluss geübt, und im Norden ein bis jetzt brachgelegenes -Terrain dem Buchhandel, sowohl hinsichtlich der Produktion als der -Konsumtion, gewonnen[9]. - - [9] Zur näheren Kenntnis des Messverkehrs ist von besonderem - Interesse die Schilderung Heinrich Stephanus □ii.□ - Das lateinische Original ist von □J. Lisieux□ ins - Französische übersetzt (Paris 1875) und von □H. Frommann□ - in seinen „Beiträgen etc.“ Heft 1 (Jena 1879) im Auszug - deutsch wiedergegeben. -- Von besonderem Wert sind - ferner zwei Werke neuerer Zeit. In dem Frankfurter Archiv - wurde das Manuskript eines Messmemorials des Frankfurter - Buchhändlers □Michael Harder□ von der Fastnachtsmesse - 1569 aufgefunden und 1873 durch den Druck veröffentlicht. - Aus demselben geht hervor, dass Harder von seinen 83 - Messartikeln 5918 Bände verkaufte, davon 13 in mehr als - 100, 18 in mehr als 50 Exemplaren. Am besten gingen die - Sammlungen belehrender Erzählungen und Ritterbücher. - Die Geschichte von den sieben weisen Meystern trug den - Sieg davon mit 233 Exempl., dann folgten Fortunatus, - die schöne Magelona, Melusine, Ritter Pontus, Ritter - Galmy mit je 196, 176, 158, 147, 144 Exempl. Die - deutschen Heldensagen waren aus der Mode gekommen. - Von den „Teufeln“ gegen verschiedene Laster waren die - gangbarsten: der Sauf-, Hof-, Ehestands-, und Spielteufel - in je 69, 67, 64, 62 Exempl. -- Das „Rechnungsbuch des - Froben & Episcopius, Buchdrucker und Buchhändler zu - Basel, 1557-1564. Herausgegeben von □Rud. Wackernagel□“ - (Basel 1881) giebt sehr wertvolle Mitteilungen, nicht - allein in Betreff des Frankfurter Mess-Geschäfts, sondern - auch bezüglich der Herstellungskosten der Druckwerke. - -Neben Leipzig und Frankfurt a. M. entstanden auch andere -Kommissionsplätze mit beschränkteren Geschäftskreisen, darunter -namentlich Augsburg, das ein Mittelpunkt des katholischen Verlags -wurde, und Nürnberg. Auch in Strassburg zeigte sich zu Beginn des -□xvii.□ Jahrhunderts ein weiter gehender Verkehr. - - Die Verlagsver- - hältnisse. - - Die Honorare. - - Die Zensur. - -□Die Autorenverhältnisse□ boten nicht viel erfreuliches. Bei der -Ungunst, in welcher die deutsche Litteratur stand, sahen sich viele -Autoren genötigt, ihre Werke auf eigene Kosten drucken zu lassen. Wer -keine bedeutende litterarische Bekanntschaften oder einflussreiche -Verbindungen hatte, war übel daran und der Willkür der Buchhändler -anheim gegeben. Diese suchten durch lockende Titel, in Kupfer -gestochene Titelblätter und in den Text gedruckte Vignetten die -Kauflust zu reizen, die eigentliche Ausstattung jedoch wurde immer -schlechter und die Inkorrektheit ging oft über alle Grenzen. Die -Honorare waren sehr klein, oft nicht so hoch wie Schreiberlöhne. -Manchmal wurde durch Freiexemplare gezahlt. Als Ausgleich musste die -„Dedikation“ an einen vornehmen oder reichen Mann dienen, der seine -Dankbarkeit für die erwiesene Ehre klingend zu zeigen imstande war, bis -auch dieses Mittel in Misskredit kam. Zu den schlechten Verhältnissen -trugen der Nachdruck und die sowohl strenge als willkürliche Zensur -noch das ihrige bei. Letztere wurde von Lutheranern, Calvinisten und -Katholiken, je nach ihrer Konvenienz, zur Unterdrückung der Schriften -der Gegner benutzt und bei der engen Verknüpfung der geistlichen mit -den politischen Wirren bald auf das weltliche Gebiet übergeführt. -Manchmal beruhte die Unterwerfung unter die Zensur auf vorheriges -Abkommen mit den einzelnen Buchdruckern, bis sie mit dem Anfang des -□xviii.□ Jahrh. vollständig organisiert war. - - Zudrang zum - Buchhandel. - -Da der Betrieb des Buchhandels jedem freistand, so war es natürlich, -dass manche, die nicht den genügenden Grad von Bildung besassen, -besonders zu dem Sortimentshandel sich drängten, namentlich solche, -die schon mit dem Buchhandel in Berührung standen, z. B. Papier- und -Pergamentmacher, Buchbinder u. s. w. Bei den ersteren mag wohl der -Eintritt in den Buchhandel öfters ein unfreiwilliger gewesen sein, -wenn sie statt Barzahlung Bücher annehmen mussten. Am wichtigsten war -die Beteiligung der Buchbinder. Je mehr sich der Sortimentshandel -organisierte, je mehr fiel der Kleinhandel, namentlich auf den -Jahrmärkten, den Buchbindern zu. Auf der andern Seite schmälerten -Reisende den Markt. In dem Grade wie die Bildung und die deutsche -Litteratur sich verbreiteten, stieg der Zudrang zum Buchhandel und -damit die Unsolidität. - - Missbräuche im - Buchhandel. - -Grossen Nachteil brachte ferner die Masse der Bücherauktionen. -Aus allen Winkeln wurden Bücher zusammengetrieben, gebundene und -rohe, komplette und defekte. Die Käufer wurden geprellt und gegen -die Buchhändler unwillig gemacht, die ihre Lager in jeder Weise -räumten, um Geld zu machen. An Stelle der Auktionen traten später die -Bücherlotterien, die sich bis in die Mitte des □xix.□ Jahrh. erhielten. -Nicht allein Sortimentslager, sondern ganze Verlagsgeschäfte wurden in -dieser Weise versilbert und das Publikum betrogen. Ebenfalls ein arger -Missbrauch war das, wennauch in seinen Anfängen nicht verwerfliche, -Pränumerationswesen, indem die Versprechungen gewöhnlich nur mangelhaft -oder gar nicht gehalten wurden. - - Trennung des - Verlags vom - Sortiment. - -Die Trennung des Verlags vom Sortiment wurde immer üblicher. Die -Zahl der Verleger wurde durch Buchdrucker vermehrt, die öfters durch -die ungünstigen Arbeitsverhältnisse zum Verlegen gedrängt wurden, um -das Personal in Zeiten zu beschäftigen, wo die Aufträge der Verleger -fehlten. - -Hierdurch hörte das Tauschgeschäft ganz auf. Um die Artikel an den -Mann zu bringen, sah man sich genötigt die Neuigkeiten „in Kommission“ -zu versenden. In dem letzten Viertel des □xviii.□ Jahrhunderts war -dies Geschäft vollständig organisiert und führte wieder zur Errichtung -der Kommissionslager und der Gross-Sortimentslager in Leipzig. -Viele Sortimentshändler zogen es vor, ihren Bedarf von den grossen -Leipziger Kommissionären zu beziehen, statt mit den vielen Verlegern in -Verbindung zu stehen. - - Steigender - Nachdruck. - -Durch diese Änderungen, verbunden mit der Verschlechterung des -Münzfusses, traten erhöhte Ladenpreise ein, wodurch wieder der -Nachdruck gefördert wurde, namentlich waren es der Süden von -Deutschland und Österreich, welche den Nachdruck gewerbsmässig -betrieben. Die kaiserliche Regierung leistete demselben in den -Erblanden Vorschub, indem sie in diesen die erteilten kaiserlich -deutschen Privilegien nicht respektierte, ein Beispiel, das gar zu -willig bei anderen deutschen Fürsten Nachfolge fand. Da der Verkehr -auf der Messe den Nachdruckern so gut wie verschlossen war, so nahmen -sie ihre Zuflucht zu dem Colportagehandel und zogen auch Buchbinder, -Landgeistliche, Schullehrer in ihr Interesse durch Gewährung von -grossen Rabatten. Die Verleger rechtmässig erworbener Schriften folgten -dem gegebenen Beispiel. - -[Illustration:Kapitelende] - - - - -[Illustration:Kapitelanfang] - -IX. KAPITEL. - -ITALIEN, SPANIEN, PORTUGAL UND DAS SÜDLICHE AMERIKA. - - □Venedig.□ Die Familie Aldus: Aldus Pius Manutius, Paul Manutius, - Aldus □ii.□ Dan. Bomberg. Mechitar. □Rom□: Die Buchdruckerei - der „Propaganda“. □Genua.□ □Florenz□: Die Giunta. □Padua.□ □Die - Xylographie□: Cäs. Vecellius, der Clair-obscur-Druck. Ugo da Carpi, - Graf Ant. Zanetti, John Jackson. - - SPANIEN UND PORTUGAL. Brocario und die complutinsche Polyglotte. - Madrid. Ant. Bortazar. -- MEXICO. Joh. Kromberger, Juan Pablos. - LIMA. PERU. ST. DOMINGO u. a. - - -RIESENHAFT waren bereits die Fortschritte Italiens in der ersten -Periode der Buchdruckerkunst gewesen, sie sollten in dieser zweiten -Periode noch weitergehendere werden. - - Aldus Pius Ma- - nutius Romanus. - -Der hervorragendste Wahrer und allezeit Mehrer des typographischen -Ruhmes Italiens war ganz besonders der Gründer der berühmten -aldinischen Familie. □Aldus Manutius□[1], der Mann, dem die Jünger -Gutenbergs neben diesem die grösste Verehrung schuldig sind, war in -der Zeit zwischen 1447 und 1449 in dem Städtchen Bassiano in der Nähe -der pontinischen Sümpfe geboren. Wenn Aldus von 1500 ab sich _Romanus_ -nennt, so geschah es nur, weil diese Bezeichnung eine höhere Geltung in -den Augen des Publikums verlieh. - - [1] □A. A. Renouard□, _Annales de l'imprimerie des Alde_. - Paris 1834. Dritte Auflage. -- □Ambr. Firmin Didot□, - _Alde Manutius et l'hellenisme à Venise_. Paris 1875. - -Sein Taufname Aldo ist der typographische Familienname geblieben; -Manuzio kommt selten vor, dagegen nannte sich Aldus gewöhnlich Aldo -Pio, welchen Namen ihm sein Zögling Alberto Pio, Fürst von Carpi, als -Zeichen seiner hohen Achtung zuerteilt hatte. Seit 1503 wird _Aldo Pio -Manuzio Romano_ oder _Aldus Pius Manutius Romanus_ geschrieben. - - Seine Jugend. - -Aldus hatte eine zwar gelehrte aber nicht gute Erziehung gehabt. Er -war in die Hände eines Pedanten geraten und fand erst später in Rom -seine wirkliche Ausbildung. Von seinem ernsten Streben und seinem Eifer -legen die vielen, von ihm kommentierten griechischen Ausgaben und seine -wertvolle griechische Grammatik Zeugnis ab. - -In dem freundlichen Verkehr mit den fürstlichen Angehörigen seines -Zöglings, des Albertus Pius, namentlich dem gelehrten Johannes Pius, -entstand ohne Zweifel die erste Anregung, eine „gelehrte Buchdruckerei“ -zu gründen und ist es auch wahrscheinlich, dass die Mittel zur Anlage -derselben von den genannten herrühren. - - Etablissement in - Venedig. - -□Venedig□, wo Künste und Wissenschaften blühten, schien mit Grund -der günstigste Boden für ein solches Etablissement. Aldus begab sich, -entweder in dem Jahre 1488, oder 1489, dahin. Sein erstes datiertes -Druckwerk ist Constantin Lascaris' griechische Grammatik, im Jahre -1495 vollendet. Wahrscheinlich ist es, dass zwei kleine Werke ohne -Datum, wenn auch später als das von Lascaris angefangen, doch früher -erschienen sind, nämlich Musäus' Gedicht Hero und Leander, griechisch -und lateinisch, und die _Galeomyamachia_, griechisches Gedicht von -Theod. Prodromos. - - Die Ausgabe von - Aristoteles. - -Mit rastlosem Eifer ging Aldus an das grosse Werk, eine griechische -Ausgabe von Aristoteles, die noch nicht existierte, herzustellen. -Um sich von dem Umfang und den Schwierigkeiten dieses Unternehmens -ein klares Bild zu machen, muss man sich vergegenwärtigen, dass der -Inhalt von fünf Foliobänden aus zahlreichen noch nicht herausgegebenen -Abhandlungen in verschiedenen, beinahe unleserlichen oder durch die -Unwissenheit der Kopisten korrumpierten Manuskripten zusammengestellt -werden musste, ohne dass der Herausgeber eine frühere Ausgabe als -Leitfaden zur Seite hatte, so dass er selbst die jeden Augenblick -entstehenden Zweifel nur durch seinen Scharfsinn lösen konnte. -Bedenkt man ferner, dass diese Arbeiten sich nicht auf den Aristoteles -beschränkten, dass Aldus vielmehr eine grosse Zahl anderer Ausgaben in -derselben Weise besorgt hat, so muss man seine Arbeitskraft staunend -bewundern und kann unmöglich streng über einzelne typographische oder -kritische Fehler mäkeln. 1495 wurde das erwähnte Werk, welches Aldus -zu dem ersten Rang sowohl als Buchdrucker wie als Herausgeber erhebt, -begonnen; 1598 war es vollendet. Inzwischen förderte er viele kleinere, -aber doch wichtige Ausgaben an das Tageslicht und seine Wahl wurde -stets mit Einsicht und Geschmack getroffen. Während seine Kollegen -sich noch grösstenteils auf den Druck mystischer, scholastischer oder -höchstens juristischer Werke beschränkten, war es Aldus vorbehalten, -eine neue Richtung vorzuzeichnen, und nichts hat mehr zur Verbreitung -der klassischen Studien beigetragen, als seine billigen, korrekten und -handlichen Ausgaben, die es beinahe jedem möglich machten, die Werke -anzuschaffen. - - Griechische - Werke in Italien. - -Die Annahme, dass Aldus der Erste war, der ganze Bücher mit -griechischer Schrift druckte, beruht auf einem Irrtum. Zwar wurde -noch gewöhnlich der Platz für griechische Zitate freigelassen, um -diese später hineinzuschreiben; man hat jedoch griechische, sogar -umfangreichere, Werke vor denen von Aldus, als: aus Mailand Lascaris' -Grammatik von 1476; aus Florenz Homer von 1488. Aber die Zahl war -klein und die Werke folgten einander langsam, während die griechischen -Ausgaben des Aldus so zahlreich waren und so schnell zum Vorschein -kamen, dass es selbst bei gewöhnlichen Druckwerken überraschend gewesen -wäre. - - Lateinische Aus- - gaben. - - Cursivschrift. - -Nachdem Aldus eine grosse Zahl griechischer Meisterwerke gedruckt -hatte, ging er an die des alten Roms. Auch hier fing er mit einer -Grammatik, und zwar einer eigenen Arbeit, an. Um seine Bücher allgemein -zu verbreiten, fasste er den Plan zu einer Sammlung in klein Oktav -(_enchiridii forma_), wovon ein Bändchen jedoch ziemlich so viel, -wie sonst ein Quartband, enthalten sollte, und liess von □Franz von -Bologna□, der auch den Schnitt der meisten seiner übrigen Schriften -geleitet hat, seine berühmte schrägliegende Schrift schneiden, nach -Muster der üblichen _Cancellaresca Romana Cursiva_. Als nächstes -Vorbild soll Petrarcas Handschrift gedient haben. Da die Mehrzahl der -Bücher noch geschrieben war, so heimelte diese Buchschrift, die mit der -Feder geschrieben zu sein schien, die Leser zwar sehr an, und ganze -Bücher, zuerst der Virgil, wurden auch damit gedruckt. Bald jedoch -behielt die gefällige, zugleich kräftige Antiqua die Oberhand, und die -Cursiv wurde dann hauptsächlich nur zu den Einleitungen, Noten und als -Auszeichnungsschrift zu der Antiqua benutzt, bis in neuester Zeit die -fette, halbfette, Egyptienne, Stein- und andere Schriften ihr den Rang -abliefen. In Deutschland behielt die Schrift den Namen _Cursiv_; in -Frankreich hiess sie _Italique_ (auch _Penche_); in England _Italic_. - - Die kleinen - „Aldinen“. - - Die Nachdrucke - der „Aldinen“. - -Man kann sich vorstellen, mit welcher Begeisterung die schönen und -bequemen Ausgaben des Aldus aufgenommen wurden. Der Sprung von den -schweren Folianten und Quartbänden zu diesen niedlichen Bändchen, -die man überall mit sich führen konnte, war nicht viel kleiner, als -von den Manuskripten zu dem Gedruckten überhaupt. Am 13. Nov. 1502 -erhielt Aldus vom Senat ein zehnjähriges Privilegium für seine Cursiv -und am 17. Dezbr. ein solches vom Papste Alexander □vi.□, welches von -Julius □ii.□ und Leo □x.□ verlängert wurde. Auch sonst wurde er durch -Privilegien geschützt, die indes wenig respektiert wurden. Schon 1502 -fingen die Lyoner, jedenfalls auf Antrieb der Giunta in Venedig, an, -die Aldinen nachzudrucken. Aldus beschwert sich in einer gedruckten -Anzeige, welche er wahrscheinlich verteilte, über den Schaden, der -ihm, und namentlich seiner Ehre, durch die fehlerhaften Ausgaben der -Lyoner zugefügt werde, und giebt die Fehler an, woran letztere zu -erkennen wären. Die Lyoner druckten Cartons oder neue Ausgaben und -berichtigten diese Fehler, so dass die Käufer nun erst ganz sicher -waren, Originalausgaben zu kaufen. - -In den Jahren 1501-1505 entwickelte Aldus eine grosse Thätigkeit und -es verging kein Monat, worin nicht wenigstens ein klassisches Werk aus -seiner Offizin hervorging. Alles war an diesen Büchern gut; der Satz -mit Verständnis und Gleichmässigkeit besorgt; der Druck rein auf gutem -starken geleimten Papier, mit vorzüglicher Farbe, die noch heute ihre -Tiefe und ihren Glanz behalten hat. - - _Aldi - Neacademia._ - -Aldus war selbstverständlich nicht imstande gewesen, die Riesenaufgabe, -die er sich gestellt hatte, allein zu erfüllen. Er verstand es aber, -einen Kreis von gelehrten Männern um sich zu sammeln, die von demselben -Streben, die Schätze der Litteratur allen zugänglich zu machen, -beseelt waren. Von diesen lebte eine Anzahl in seinem Hause ganz von -ihm unterhalten, während andere für Honorar oder nur für die Ehre -arbeiteten. Diese sogenannte _Aldi Neacademia_, gegründet gegen 1500, -versammelte sich an gewissen Tagen bei ihm und bestand aus etwa 30 -Mitgliedern. Durch Tod und Wegzug lichteten sich aber die Reihen, und -die Akademie hörte nach einigen Jahren auf. Ausser mit den Mitgliedern -dieser stand Aldus selbstverständlich mit vielen anderen Gelehrten in -Verbindung, unter welchen sich auch Erasmus befand, mit dem er zuerst -in einem engen Freundschaftsbunde, später aber beinahe in Feindschaft -lebte. - - Beabsichtigte - Polyglott-Bibel. - -Der orientalischen Sprachen, besonders des Hebräischen, selbst mächtig, -wollte Aldus auch an den Druck hebräischer Werke gehen. Es existiert -aus den letzten Jahren des fünfzehnten Jahrhunderts ein Probeblatt -von einer Bibel in Folio, lateinisch, griechisch und hebräisch, mit -schönen Typen gedruckt, dieselbe ist jedoch nicht zur Ausführung -gekommen und Aldus hat sich somit den Ruhm nehmen lassen, zuerst -eine Polyglott-Bibel zu bringen. Dass weder von ihm, noch von seinen -Nachfolgern eine handliche Ausgabe des Neuen Testaments gedruckt worden -ist, mag vielleicht in den Verhältnissen zu Rom gelegen haben. - -Gegen das Jahr 1500 verheiratete sich Aldus mit Maria Asola († 1520), -der Tochter von Andreas Torresanus aus Asola, welcher 1479 Jensons -Druckerei in Venedig gekauft hatte. - - Geschäftliche - Schwierigkeiten. - -1506 musste Aldus Venedig verlassen und seine Druckerei schliessen, -nachdem er durch den Krieg, welcher Italien verwüstete, den grössten -Teil seines Vermögens verloren hatte. 1507 fing er unter Sorgen wieder -zu drucken an, bis eine Assoziation mit seinem reichen, thätigen -Schwiegervater Andreas Asolanus ihn in den Stand setzte nach 1508 das -Geschäft wieder kräftig zu betreiben. In den Jahren 1510-11 ruhte es -jedoch nochmals und wurde erst 1512 wieder eröffnet, in welchem Jahre -auch sein dritter später so berühmte, Sohn, Paul Manutius, geboren -ward. - - Tod des Aldus. - -1513 und 14 entfaltete Aldus wieder grössere Thätigkeit und rüstete -sich für eine noch grössere, als ihn in seinem 66. Jahre der Tod am 7. -Febr. 1515 überraschte. Ob seine irdischen Überreste seinem Wunsche -gemäss nach Carpi gebracht wurden, wissen wir nicht. Der Abbé Zenier -liess im Jahre 1828 eine einfache Gedenktafel an dem Hause Nr. 2013 -in der Nachbarschaft des _Campo di S. Agostino_, unzweifelhaft sein -Druckhaus, anbringen. - - Sein Druckerzeichen. - -Das berühmte Druckerzeichen des Aldus stellt einen, von einem Delphin -umschlungenen Anker vor und soll die, mit der Festigkeit verbundene -Beweglichkeit und Schnelligkeit, also das sprüchwörtliche _festina -lente_, symbolisch ausdrücken. Wie seine Typen und seine Ausgaben, -so wurde auch sein Druckerzeichen widerrechtlich von anderen, selbst -von den Giunta, nachgemacht, auch später von neueren Druckereien -angenommen. - - * * * * * - - Andreas Torresa- - nus de Asola. - - Paul Manutius. - -Nach dem Tode des Aldus wurde die Buchdruckerei von seinem -Schwiegervater □Andreas Torresanus□ aus □Asola□ in Verein mit -dessen Söhnen □Franz□ und □Friedrich□ fortgeführt. Andreas war ein -tüchtiger Mann, wenn er es auch nicht so wie Aldus verstand, die -besten geistigen Kräfte für seine Unternehmungen um sich zu sammeln. -Die Kinder von Aldus lebten erst mit ihrer Mutter in Asola, kehrten -aber bald wieder nach Venedig zurück, woselbst □Paul Manutius□ eine -sorgsame Erziehung genoss, jedoch durch geistige Anstrengungen seine -Gesundheit so sehr schwächte, dass er sich mehrere Jahre hindurch ganz -von den Studien zurückziehen musste. Bald sollte er auch in anderer -Weise den Ernst des Lebens kennen lernen, indem das Geschäft infolge -von Familienauseinandersetzungen vier Jahre lang (von 1529-1533) -geschlossen blieb. In dem letzteren Jahre übernahm Paul, nur 21 Jahre -alt, die Buchdruckerei, vorerst für gemeinschaftliche Rechnung mit -seinen Geschwistern und den Asolas. - -Trotz seiner Jugend zeigte er gleich den überlegenen Geist und trat -mit grosser Energie in die Fusstapfen seines Vaters. Da dieser die -griechische Litteratur beinahe erschöpft hatte, legte sich Paul -namentlich auf Herausgabe der lateinischen Klassiker und gewann zu -diesem Zweck die tüchtigsten Gelehrten für sich. 1535 liess er sich -zwar durch falsche Vorspiegelungen verleiten, nach Rom zu gehen, wo -sein eigentlicher Zweck sich bald als verfehlt ergab; aber die dort -angeknüpften Verbindungen mit vielen wissenschaftlichen Notabilitäten -kamen ihm später zu statten. - -Nachdem die Druckerei in Venedig 1541 nochmals auf Grund von -Familienmisshelligkeiten geruht hatte, übernahm sie Paul endlich 1542 -ganz für seine und seiner Geschwister alleinige Rechnung und heiratete -1546 Katharina Odoni, welche vier Kinder gebar, von denen das älteste, -Aldus, am 13. Febr. 1547 das Tageslicht erblickte. - -Von einer schweren Krankheit genesen, ging Paul 1555 nach Bologna, wo -man ihn, ebenso wie in Ferrara und in Spanien, zu fesseln versuchte; -aber sein Lieblingsgedanke, ein Etablissement in Rom zu begründen, -liess ihn alle vorteilhaften Anerbietungen abschlagen. Inzwischen hatte -in Venedig der Senator Badoano, 1556, die Idee zu einer grossartigen -_Academia Veneziana_, mit der eine gelehrte Buchdruckerei verbunden -werden sollte, gefasst. Dem Paul Manutius beabsichtigte man den -Lehrstuhl der Beredsamkeit und die Direktion der Buchdruckerei zu -übertragen. Bedeutende Vorbereitungen wurden getroffen, aber die -Akademie nahm ein schnelles und klägliches Ende. - - Ruf nach Rom. - -Da machte der Kardinal Seripandi, im Namen des Papstes Pius □iv.□, dem -Paul ebenso vorteilhafte als ehrenvolle Anerbietungen, wenn er nach -Rom kommen wollte, um dort eine Reihe heiliger Bücher, Kirchenväter -u. s. w., herauszugeben. Es wurden ihm für die Zeit von 12 Jahren -jährlich 500 Dukaten in Gold, ferner 300 Dukaten Umzugsentschädigung -zugesichert, und seinem Sohne eine Pension von 150 Dukaten in Aussicht -gestellt. Die Druckerei sollte auf Kosten des Papstes, der auch alle -laufenden Ausgaben zu zahlen hatte, eingerichtet, der Verdienst aber -zwischen dem päpstlichen Stuhl und Paul geteilt werden. Solchen mit -seinen Wünschen stimmenden Anerbietungen konnte Paul nicht widerstehen. - - Paul Manutius - in Rom. - -In Rom wurde er mit grosser Aufmerksamkeit aufgenommen und gut -eingerichtet. Typen wurden durch Vermittelung von Thomas Giunta -geliefert; denn die berühmten Cursiv-Matern des Aldus, die in den -Besitz der Torresanis gekommen waren, wollten diese nicht hergeben, -während die griechischen Matern, die man einem Bruder des Paul, -Antonius, der eine kurze Zeit in Bologna etabliert war, anvertraut -hatte, durch dessen liederliche Wirtschaft verloren gegangen waren. - -Aber diese Aussichten für Aldus waren nicht von langer Dauer. Die -eine Hälfte der Buchdruckerei ging als Eigentum auf den Magistrat von -Rom über, während die von dem Papst Sixtus □v.□ im Vatikan gegründete -typographische Anstalt ganz den Platz ausfüllte, der ursprünglich für -Pauls Druckerei bestimmt war. Die vorteilhaftesten Arbeiten wurden -dieser entzogen; der Magistrat verpachtete sogar seinen Anteil an -andere und nach dem Tode Pius' □iv.□ liess man im Jahre 1566 Paul die -Schlüssel abfordern. Zwar wurde diese harte Massregel auf Anordnung -Pius' □v.□ rückgängig gemacht, aber für Paul sollte keine rechte Freude -mehr aus seiner Stellung erwachsen. - - Rückkehr nach - Venedig. - - Wiederumzug - nach Rom u. Tod. - -Der mancherlei Chicanen müde, gab er 1570 seine Stellung in Rom auf, um -nach Venedig zurückzukehren, wo es mit der, an Dom. Basa verpachteten -Aldinischen Druckerei auch nicht zum besten ging. Vorher wollte er -jedoch seine Gesundheit durch eine Reise kräftigen. Den ganzen Winter -1571 verbrachte er in Mailand. Nach Venedig, wo er nun nicht mehr im -eigenen Hause Herr war, kam er erst im Mai 1572, kehrte aber schon im -Juni nach Rom zurück, um seine Tochter, die er dort in einem Kloster -zurückgelassen hatte, zu holen. Hier wurde er von seinen Freunden so -gut aufgenommen, dass er seinen Entschluss änderte und ganz dort blieb. -Der neue Papst Gregor □xiii.□ war ihm sehr gewogen und er erhielt von -ihm eine zwar mässige, jedoch seinen Bedürfnissen genügende Pension. -1573 verheiratete er seine Tochter mit Alexander Honorio. Paul hatte -nun die Aussicht, ruhig seinen Freunden und seinen Lieblingsneigungen -leben zu können; aber ein so heiterer Abschluss seiner sorgen- und -mühevollen Wirksamkeit war ihm nicht vergönnt. Er starb schon 1574 in -den Armen seines Sohnes Aldus, allgemein geachtet, allgemein betrauert, -und ward in der Kirche _Sancta Maria sopra Minervam_ begraben, wo noch -eine einfache Namensinschrift auf einem Denkstein die Stelle seiner -Gruft bezeichnet. - - * * * * * - - Aldus □ii.□ - -Sein Sohn □Aldus ii□., der älteste von vier Geschwistern, war, wie -erwähnt, 1547 geboren und ein frühreifes Kind, welches die Hoffnung -erregte, es werde seinem Vater und Grossvater gleich werden, wenn -nicht gar sie hinter sich lassen. Schon im zehnten Jahre war er bei -einer Ausgabe von Ciceros Briefen behülflich und im vierzehnten gab -er seine _Orthographiæ ratio_ heraus. Im Jahre 1562 ging er zu seinem -Vater nach Rom, wo er bis 1565 weilte, sich vielfach schriftstellerisch -beschäftigend. - -Nach Venedig zurückgekehrt, wurde ihm von seinen Vettern Bernh. und -Hieron. Torresanus der Vorschlag gemacht, mit ihnen gemeinschaftlich -zu drucken, was sich jedoch zerschlug. 1572 heiratete er eine Tochter -aus der berühmten Buchdrucker-Familie der Giunta, Franzisca Lucrezia, -wodurch auch zwischen den rivalisierenden Familien eine geschäftliche -Verbindung eintrat, wahrscheinlich unter Mitbeteiligung Basas, des -Pächters der Aldinischen Druckerei, deren alleiniger Besitzer Aldus -nach dem Tode des Vaters geworden war. - - Ruf nach Pisa - und nach Rom. - -Einer Ernennung Aldus' zum Professor der schönen Wissenschaften (um -1576) folgte bald ein vorteilhafter Ruf nach Pisa von seiten des -Franz von Medici. Kaum hatte er diesen angenommen, als er ein noch -ehrenvolleres Anerbieten von Rom aus erhielt, und sein Ansehen war -so gross, dass sein Name, obwohl er die Stelle jetzt ausschlagen -musste, in die Liste der Professoren eingetragen wurde, und die Stelle -unbesetzt blieb. Gegen Ende des Jahres konnte er endlich diesem Ruf und -seiner Neigung folgen und nach Rom gehen, wo der Papst Clemens □viii.□ -ihm auch die Aufsicht über die Vatikanische Druckerei anvertraute. - -Die alte berühmte Aldinische Druckerei gab er 1585 ganz ab, überhaupt -war er mehr durch Umstände als durch Neigung Buchdrucker. Seine zeitige -geistige Reife und die ihm so früh zugefallene litterarische Ehre -hatten ihn der Druckerei abspenstig gemacht. Die Genugthuung, Bücher zu -schreiben, ging ihm über die lohnende materielle Arbeit der Förderung -der Buchdruckerei. - - Aussterben der - Familie. - -Aldus starb, nachdem seine vier Kinder ihm schon im Tode vorangegangen -waren, am 28. Oktober 1597 im 51. Jahre und mit ihm der letzte berühmte -Sprössling einer Familie, die der Wissenschaft und der Typographie die -grösste Ehre gemacht, und deren Ruhm nicht erlöschen wird, so lange -einer der zahlreichen Bände existiert, welche in dem Zeitraum eines -Jahrhunderts aus ihren Pressen hervorgingen. Renouard verzeichnet in -seinen Annalen 153 Ausgaben von Aldus Manutius; 109 von den Asolas; 592 -von Paul Manutius; 215 von dem jüngeren Aldus; ausserdem noch 36 nicht -datierte Werke aus den Aldinischen Pressen, in Summa 1105 Ausgaben von -780 Autoren. Von Nachdrucken zählt er 64 auf. - - * * * * * - - Die Familie - Giunta. - -Glücklicher in ihren äusseren Erfolgen und spekulativer als die Aldi -zeigt sich die zweite berühmte Buchdrucker-Familie Italiens, die der -Giunta (Junta) in FLORENZ. Hat sie auch nicht die höchsten Ehren der -Familie Aldus erreicht, so nimmt sie wenigstens nach ihr die erste -Stelle ein und die Mitglieder der Familie waren, ohne selbst Gelehrte -von Rang zu sein, unterrichtete und tüchtige Männer, die ihre Kunst -thatkräftig und mit Vorteil zu üben verstanden. - - Luc-Ant. Giunta. - Seine - Nachkommen. - -Die Familie □Giunta□[2] gehörte zu den angesehenen in Florenz und -existierte schon im 14. Jahrhundert. Luc-Antonius und sein Bruder -Philippus, deren Vater Wollhändler war, begannen zu derselben Zeit, wie -Aldus in Venedig, zu drucken. - - [2] □A. M. Bandini□, _de Florentina Juntarum typgr._ 2 Bde. - Lucca 1791. - -□Luc-Antonius Giunta□ kam, nachdem er das Geschäft eines Buchhändlers -schon in Florenz betrieben hatte, um 1480 nach Venedig, wo sein -erstes Verlagswerk sich aus dem Jahre 1482 schreibt; Buchdrucker -ward er wahrscheinlich 1503. Eine seiner Hauptunternehmungen war der -Druck des Galenus in lateinischer Sprache. Während Aldus mit seiner -grossen griechischen Ausgabe bedeutenden Verlust hatte, druckten die -Giunta in der Zeit von 1522-1625 elf Auflagen ihrer lateinischen. Sie -spekulierten auf einen billigen Preis und reussierten. - -Luc-Antonius starb im Jahre 1537 oder 1538 und einer seiner drei Söhne, -□Thomas□, übernahm die Buchdruckerei. Thomas hinterliess keine Kinder, -aber seine Neffen führten das Geschäft unter der Firma: _apud Juntas_ -weiter und zwar mit so vielem Glück, dass ihr Nachfolger, □Gio-Maria -Giunta□, in den Jahren 1626-1628 jeder seiner zwei Töchter 100000 -Scudi, nach jetzigem Geldwerte gleich 500000 Mark, mitgeben konnte. -Sie heirateten zwei venetianische Nobili Foscarini und Cornaro, und -mit ihnen endigte der venetianische Zweig der Familie, während das -Geschäft in Venedig auch von dem Florentiner Zweig fortgesetzt und 1642 -von einem □Modesto Giunta□ geleitet wurde. Noch im Jahre 1791 wird eine -dieser Familie angehörende Persönlichkeit erwähnt. - - Philipp Giunta - und sein Stamm. - -□Philipp Giunta□, der Bruder Luc-Antonius', hatte Florenz nicht -verlassen und etablierte dort eine Buchdruckerei und Buchhandlung. -Sein erster Druck: _Zenobii Proverbia_, aus dem Jahre 1497, war ein -griechischer, ebenso der im Jahre 1500 folgenden _Orphei Argonautica_, -sonst druckte er nur lateinische und italienische Ausgaben, namentlich -in kleinem Oktav mit der, der Aldinischen nachgebildeten Cursivschrift; -den griechischen Druck nahm er erst 1514 wieder auf. - -Philipp starb am 16. September 1517, nachdem er die erste griechische -Ausgabe von Plutarch, von ihm selbst redigiert, gedruckt hatte. Sein -Sohn Bernhard führte das Geschäft für die Erben weiter und ihm hat man -die berühmte Quartausgabe von Boccaccios _Decamerone_ zu verdanken, -die als Prototyp aller späteren Ausgaben diente, bis die Entdeckung -eines, im Jahre 1384 angefertigten Manuskriptes den Wert des Buches -verringerte. Der enorme Preis der Giuntaschen Ausgabe veranlasste 1729 -einen Nachdruck, der in allen Äusserlichkeiten das Original nachzuahmen -versuchte; der Betrug wurde jedoch bald entdeckt. - -Das Florentiner Haus kam zwar dem Venetianer an Reichtum nicht -gleich, hielt sich aber stets auf einem geschäftlich respektablen -Standpunkte. Bernhard starb 1551; die Druckerei wurde von einem -seiner vielen Söhne, Philipp, dirigiert und bestand noch im ersten -Drittel des 17. Jahrhunderts. Glieder der Familie etablierten sich in -Rom, Burgos, Madrid und Lyon, an letzterem Orte wohl zunächst in der -unedlen Absicht, die Aldinen ungestört nachzudrucken. Hinsichtlich der -Ausstattung stehen die Juntinen den Aldinen sehr nach und haben bei den -Sammlern nie das Ansehen gehabt wie letztere. - - * * * * * - - Oriental. Druck. - - Daniel Bomberg. - -Was die Aldi und die Giunta für den griechischen, lateinischen und -italienischen Druck waren, war □Daniel Bomberg□ für den hebräischen. -Dieser Zweig der Typographie war bisher nur von den jüdischen -Buchdruckern zu Soncino, Neapel, Pesaro und Konstantinopel geübt. -Bomberg, gebürtig aus Antwerpen, war nicht Jude, gründete jedoch in -Venedig eine, nur der hebräischen und rabbinischen Litteratur gewidmete -Druckerei, in welcher er drei Ausgaben der Bibel mit den besten -rabbinischen Kommentaren in vier Foliobänden, ausserdem noch fünf -korrekte Handausgaben, einen prachtvollen babylonischen Talmud in zwölf -Foliobänden nebst mehreren rabbinischen Werken druckte. Die Korrektur -besorgte im Verein mit vielen tüchtigen Korrektoren der gelehrte Chaja -Maier Ben David. Die hebräischen Typen Bombergs gelten bis auf die -neueste Zeit für die schönsten, und ein Pergament-Abdruck seiner Bibel -von 1525, der sich auf der Wolfenbütteler Bibliothek befindet, wird als -ein typographisches Juwel betrachtet. Er soll zwischen 3-4 Millionen -Kronen für hebräischen Druck ausgegeben, und nicht genug auf seinen -eigenen Vorteil gesehen haben. - - Mechitar. - -Auch der sonstige orientalische Druck musste vorzugsweise in dem, mit -dem Orient so lebhaft verkehrenden Venedig Pflege und Unterstützung -finden. 1518 wurde hier der Koran arabisch gedruckt. 1701 gründete der -Armenier □Mechitar□ auf der Insel St. Lazaro bei Venedig ein Kloster, -mit welchem eine für orientalischen, speziell armenischen Druck -eingerichtete Druckerei verbunden wurde. Eine Foliobibel von 1733 mit -Kupfern ist wohl das erste grössere aus ihr hervorgegangene Druckwerk. - - Greg. Gregorio. - - _Congregatio de - propaganda fide._ - -Doch auch ausserhalb Venedigs wurde der orientalische Druck in Italien -geübt. Das erste gedruckte arabische Buch: _Septem horæ canonicæ_ -erschien 1514 in FANO in der auf Kosten des Papstes Julius □ii.□ von -□Gregor Gregorio□ errichteten Buchdruckerei. Genua, Ferrara, Trient[3] -lieferten manches Beachtenswerte. In ROM hatte der Papst Pius □iv.□ -schon die Vatikanische Bibliothek gegründet, welche von Sixtus □v.□ -vervollständigt wurde. Als die im Jahre 1622 gestiftete Kongregation -zur Verbreitung des Glaubens (_de propaganda fide_) 1627 mit ihrem -Missionsseminar eine für die Zwecke der Mission eingerichtete Druckerei -verband, wurde die vatikanische Offizin hiermit vereinigt und durch die -orientalischen Schriften des berühmten Druckers und Stempelschneiders -□Stefanus Paoli□ vermehrt. Diese Druckerei lieferte nun in vielen -Sprachen Neue Testamente und Andachtsbücher, hat aber nie eine -Wirksamkeit entwickelt, die im Einklang mit ihren bedeutenden Mitteln -stand[4]. - - [3] □E. Carmoly□, Annalen der hebr. Typogr. von Riva di - Trento. Frankf. a. M. - - [4] □J. C. Amaduti□, _Catalogus libr., qui ex typ. S. Congr. - etc. variis linguis prodierunt_. 7. Aufl. Rom 1773. - - Genua. - -In GENUA erschien 1516 die erste Polyglotte, ein Psalterium in -hebräischem, griechischem, arabischem, chaldäischem Text mit drei -lateinischen Übersetzungen und mit lateinischen Interpretationen. -Der Verfasser war der Dominikaner Agostino Giustiniani, der Drucker -□Peter Paul Porrus□. Justinianus hatte die Absicht, die ganze Bibel -in derselben Weise herauszugeben, aber die Unterstützung, welche der -Versuch fand, war eine so geringe, dass er davon absehen musste. An die -Worte des □xix.□ Ps. 5. V. „ihre Rede gehet an der Welt Ende“ hatte er -eine Biographie des Columbus geknüpft, die jedoch so mangelhaft war, -dass der Rat zu Genua die Verbreitung verbot. - - Padua. - -In PADUA[5] gründeten die zwei gelehrten Brüder Gaetano und Giovanni -Antonio Volpi eine bedeutende Buchdruckerei zur Herausgabe von -Klassikern und übergaben die Leitung dem □Giuseppe Comino□, der sich -durch grosse technische Tüchtigkeit auszeichnete. Die cominischen -Ausgaben der Klassiker, der Zahl nach zwanzig, sind sowohl wegen ihrer -Ausstattung als Korrektheit berühmt. - - [5] □F. Federici□, _Annali d. Tipogr. Volpi-Cominiana_. Padua - 1809. -- _Catalogus Stamperia Cominiana._ Padua. -- □G. - Volpi□, _La libreria dei Volpi e la Stamperia Cominiana_. - Padua 1756. -- □V. Fineschi□, _Notizie storiche sopra la - stamperia de Ripoli_. Florenz 1781. - - Verfall. - -Die Blüte der, durch die Unterstützung fein gebildeter Fürsten und -Grossen, sowie einer reichen, unabhängigen Bürgerschaft geförderten -litterarischen Kultur ging mit dem Ende des □xvi.□ Jahrhunderts zurück; -mit ihr verfiel, wie überall, so auch in Italien, die Buchdruckerkunst, -die erst in viel späterer Zeit als anderswo, zugleich mit der, auch -spät errungenen, politischen, nationalen Unabhängigkeit und damit -verbundenen Press-Freiheit, sich wieder zu heben beginnen sollte. - - * * * * * - - Die - Xylographie. - -DER HOLZSCHNITT entwickelte sich in Italien nicht in demselben Masse -wie in Deutschland, und der Kupferstich behauptet den Vorrang. Nur -Venedig macht einigermassen eine Ausnahme. Doch übte Dürers Stil -seinen Einfluss auch in Italien und wir sehen sogar einen bedeutenden -Künstler, Marc-Antonio Raimondi, die Holzschnitte Dürers in Kupferstich -wiedergeben, weshalb ihn Dürer verklagte, wobei er jedoch nur -erreichte, dass es Raimondi untersagt wurde, Dürers Monogramm mit -nachzumachen. - - Cesar Vecellio. - -Eine merkwürdige Erscheinung auf dem Gebiete des illustrierten -Druckes ist die von Aldus (1499) herausgegebene _Hypnerotomachia_ -oder der Kampf des Schlafes und der Liebe. Die reichen Illustrationen -wurden gewöhnlich □Benedetto Montagna□ zugeschrieben, von einigen -sogar Raphael, wahrscheinlich gehören sie aber einem, unbekannt -gebliebenen Künstler. Von Andrea Mantegna haben wir einige vorzügliche -Holzschnitte, ebenso von dem erwähnten Kupferstecher □Marc-Antonio -Raimondi□ (geb. 1488, gest. 1546). □Cesar Vecellio□ lieferte seine -berühmten _Habiti antichi e moderni_, 420 Kostümbilder, die von -Christoph Krieger (geb. 1550, gest. 1606) aus Nürnberg in Holz -geschnitten wurden[6]. Vecellius war ein Neffe Tizians und es ist von -Kennern behauptet worden, Tizian selbst habe die Originalzeichnungen -geliefert. Jedenfalls ist Vecellius sehr durch seinen berühmten -Verwandten beeinflusst worden und die Zeichnungen nähern sich -dessen grossartigem Stil. Die Ausführung in Holzschnitt ist leider -eine nur mittelmässige[7]. Sonst haben, besonders in Venedig, -eine Anzahl tüchtiger, aber dem Namen nach unbekannter Meister der -paduanisch-venetianischen Schule gearbeitet. Als Verfertiger der -vielen, mit dem aus den Buchstaben J. B. zusammengesetzten Monogramm -bezeichneten venetianischen Holzschnitt-Illustrationen ist nunmehr in -neuester Zeit □Giovanni Brito□ erkannt worden. - - [6] □Vecellius□ nennt □Krieger□, „_Christophe Guerra, mio - amico et excellentissimo intagliatore di legno_“. - - [7] □Ambr. Firmin Didot□ gab von dem Werke eine gelungenere - Reproduktion, welche zugleich Veranlassung zu der öfters - erwähnten Schrift _Essai typographique_ gab. - - Clair-Obscur-Druck. - -In dem farbigen (_Clair-obscur_-)Druck behaupteten die Italiener das -Übergewicht; wenn sie aber auch auf die Erfindung Anspruch machen, sind -sie im Unrecht, da deutsche _Clair-obscur_-Drucke aus dem Jahre 1509 -von Lucas Cranach existieren, während die ersten Drucke des angeblichen -Erfinders □Ugo da Carpi□ erst aus dem Jahre 1518 herrühren. Das -Verfahren besteht, wie schon kurz erwähnt wurde, darin, durch mehrere -Platten, in verschiedenen Farben oder Tonabstufungen gedruckt, den -Effekt des mit farbigen Tuschen gezeichneten oder in Sepia ausgeführten -Bildes hervorzubringen. Durch gänzliches Aussparen der lichten Stellen -fügt das, an diesen Stellen zum Vorschein kommende weisse Papier noch -die Wirkung hinzu, als wären weisse Lichter aufgesetzt. Öfters wurden -die ersten Konturplatten in Kupfer gestochen, die Töne aber mittels -Holzplatten aufgedruckt. Die Schwierigkeit der Ausführung dieser -Arbeiten liegt darin, dass die Grenzen der verschiedenen Platten sich -vollständig decken müssen, was bei dem Druck, trotz feinster Punkturen -und genauester Anlage, äusserst schwer zu erzielen ist, da das Papier -während des Druckes seinen Feuchtigkeitszustand, folglich seine Grösse, -ändert, auch die Punkturlöcher allmählich sich erweitern, was zur -Unsicherheit beiträgt. - -Ausser Ugo da Carpi (gest. um 1520) besitzt Italien eine ziemliche -Anzahl tüchtiger Künstler in diesem Genre, unter welchen □Nicolo -Boldrini□ aus Vicenza und □Andreas Andreani□ (geb. 1540, gest. 1625) -bedeutende Plätze einnehmen. Letzterer gab Platten von grossen -Dimensionen nach den wundervollen Mosaiken Domenico Beccafumis -ausgeführt. Sein „Triumphzug Cäsars“, von Andrea Mantegna gezeichnet, -ist ebenfalls von grosser Bedeutung. - - Graf Zanetti - - John Jackson. - -Noch in später Zeit machte sich der Graf □Anton Marie Zanetti□, geboren -in Venedig 1680, dort gestorben 1766, bekannt durch seine Bestrebungen, -den _Clair-obscur_-Druck aufs neue zu Ehren zu bringen. In einem -grossen Werke von 101 Blättern in Folio giebt er besonders Kopien -nach Parmesano. Leider wurde dieses kostbare Werk nur in 30 Exemplaren -gedruckt und dann die Platten vernichtet. In den Jahren 1738-1743 lebte -ein Engländer □John Jackson□, der in Papillons Schule sich ausgebildet -hatte, in Venedig, wo er eine Anzahl sehr tüchtiger Kopien von -berühmten italienischen Meistern in _Clair-obscur_-Manier fertigte. - - * * * * * - - -SPANIEN. PORTUGAL. DER SÜDEN AMERIKAS. - -In SPANIEN und PORTUGAL machte die Buchdruckerei in dieser Periode -keine grossen Fortschritte. Die bis Ende des □xv.□ Jahrhunderts -gedruckten Bücher zeigen keine anderen Schriften, als die in -Frankreich verwendeten halbgothischen, und bis in die Mitte des □xvi.□ -Jahrhunderts behalten die spanischen Bücher immer noch das Aussehen -derjenigen des □xv.□ Jahrhunderts. - - Complutinische - Polyglotte. - -Eine Berühmtheit der spanischen Buchdruckergeschichte weist die Stadt -ALCALA DE HENARES (_Complutum_) auf. Der Kardinal und Premierminister -Ferdinand des Katholischen, Franz Ximenes de Cisneros, hatte 1499 -die dortige Universität begründet und einen ausgewählten Kreis von -Gelehrten, namentlich Linguisten, dahin versammelt. Man brauchte Bücher -für die Studierenden und berief □Wilhelm de Brocario□ aus Pampelona, -der als tüchtigster Buchdrucker Spaniens galt. Er druckte erst eine -Anzahl von Klassikern und dann auf Befehl des Kardinals die berühmte -Complutinsche Polyglott-Bibel in 6 Bänden in Folio (1514-1517), eins -der prachtvollsten Druckerzeugnisse damaliger Zeit. Den Kostenaufwand, -welchen die Ausarbeitung und Herstellung des Werkes verursachten, -schätzt man auf über 50000 Goldkronen. Nach der Vollendung beanstandete -der Papst Leo □x.□ die allgemeine Verbreitung, welche erst am 22. März -1520 zugestanden wurde. Die Übergabe des Werkes in den Verkehr fand -erst 1522 statt. Brocario druckte bis 1522; sein Sohn, □Johann□, noch -lange nach ihm. Berühmt war auch □Michel de Eguia□. Alfonse de Fonseca, -der Nachfolger Ximenes' bei Karl □v.□, trat ganz in die Spuren seines -Vorgängers und unterstützte die Kunst. - - Madrid. - -Als MADRID 1560 Residenz geworden, zogen die Könige auch Buchdrucker -nach dort, und ernannten königliche Hofbuchdrucker, auch wurde, in -Nachahmung der Pariser Anstalt, eine königl. Buchdruckerei errichtet. -Die Kunst kam jedoch nicht recht in Flor; wollte man ein Buch recht -schön gedruckt haben, so suchte man vorzugsweise Plantin in Antwerpen, -oder dessen Nachfolger Moretus, auf. Unter den Madrider Buchdruckern -müssen wir □Johann de la Cuesta□ nennen, dem die Ehre vorbehalten -blieb, die erste Ausgabe von Miguel de Cervantes' unsterblichem Werke: -_El ingenioso hidalgo Don Quixote de la Mancha_, zu drucken. - -Einen bedeutenden Namen hatte □Antonio Bortazar□ in Valencia. Der -König Philipp □v.□ wurde auf ihn aufmerksam gemacht; bevor jedoch die -Organisationspläne zur Ausführung kommen konnten, starb Bortazar. In -SEVILLA zeichnete sich □Johann Kromberger□, ein Deutscher, aus. Der -berühmteste Name der spanischen Druckkunst, □Joachim Ibarra□, gehört -der nächsten Periode an. - - Süd-Amerika. - - Mexico. - -Begreiflicherweise waren die Spanier die ersten, welche die -Buchdruckerkunst in MITTEL- und SÜD-AMERIKA einführten und zwar volle -hundert Jahre bevor Nordamerika eine Presse hatte. Dort, wie hier, -waren die, in dieser Periode gedruckten Schriften hauptsächlich -religiösen Inhalts. In MEXICO erschienen jedoch auch einige -geschichtliche Werke und viele sprachliche Bücher für den Gebrauch -der Eingeborenen, in den mancherlei Idiomen derselben abgefasst[8]. -Was die Zahl, den Umfang und die Ausstattung der Bücher betrifft, ging -der Süden Amerikas bis gegen das Ende des □xvii.□ Jahrh. bedeutend dem -Norden voran. - - [8] □Joach. Garcia Icazbalceta□, _Apuntes para un catálogo de - Escritores en lenguas indigenos de Amerika_. Mexico 1866. - -Über die Zeit der Einführung und die Person des Einführenden herrschten -sehr abweichende Ansichten; jetzt steht es wenigstens unwiderleglich -fest, dass Bücher 1540 in Mexico gedruckt wurden, und dass die -Einführung der Kunst also noch vor diesem Jahre, wahrscheinlich um -1537, auf Betrieb des Vicekönigs Antonio de Mendoza geschah. - -Lange galt die Annahme, dass das _Vocabulario en lingva Castellana y -Mexicana_ (1571) des Franziskaners Alonso de Molina das erste Werk und -□Antonio de Spinosa□ der erste Drucker gewesen. Die Druckerlaubnis -wurde 1569 erteilt und so ist auch das Vorwort datiert. Der erste -Teil dieses bedeutenden Werkes besteht aus 122, das zweite aus -162 numerierten Blättern in Folio, dasselbe also im ganzen aus 568 -Seiten[9]. - - [9] Dieses bedeutende Werk ist auf Veranlassung des Herrn - □Dr. Jul. Platzmann□ in Leipzig zugleich mit einer Anzahl - anderer der ältesten grammatikalischen Schriften Mexicos - mit grossem Aufwand in ganz genauen Reproduktionen - herausgegeben. Letztere sind vortrefflich in der W. - Drugulin'schen Offizin in Leipzig ausgeführt. Von Dr. - Platzmann erschien auch ein „Verzeichnis einer Auswahl - amerikanischer Grammatiken etc.“, welche von ihm mit - grosser Sorgfalt gesammelt wurden. - -Später ward □Johan Krombergers□ Druck: _Doctrina Christiana_, in dem -Jahre 1544 mit gothischer Schrift ausgeführt, aufgefunden, die man nun -für das älteste Buch Mexicos hielt, bis auch diese Annahme, und zwar -durch sechs eigene Drucke Krombergers älteren Datums, widerlegt wurde. -Sein erstes Buch, _Manual de adultos_, von welchem jedoch nur die -letzten Blätter erhalten wurden, stammt nämlich schon aus dem J. 1540; -das zweite: _Relacion del espantable terremoto etc. de Guatemala_, -erschien 1541[10]. - - [10] Ein Exemplar wurde in Leipzig 1869 in der Versteigerung - Andrade (Bibliothek des unglücklichen Kaisers Maximilian - von Mexico, von dem _British Museum_ für 2250 Mark - angekauft.) - -Nach den angesehenen Geschichtsforschern D. Padella, Alonzo Fernandez -und Gonzales Danila hat Juan de Estrada in dem Novizenhause zu Mexico -noch vor 1740 eine Übersetzung aus dem Lateinischen des Joh. Climachus: -_Escala esperitual para llegar al cielo_ geliefert und □Juan Pablos□ -sie gedruckt. Nur nennt Danila den Verfasser _Juan de la Magdalena_, -was sich leicht als Klostername des Paters Juan de Estrada erklärt. - -Es dürfte jedoch nicht gar zu schwer sein, diese widersprechenden -Nachrichten mit einander in Einklang zu bringen. Da der Vizekönig -Antonio de Mendoza 1535 nach Mexico kam und dem (oben erwähnten) -Kromberger in „Sevilla“ den Auftrag gegeben hatte, eine Druckerei in -Mexico anzulegen, so ist es nicht unwahrscheinlich, dass Kromberger den -Juan Pablos nach dorthin gesandt hat, so dass dieser mit einem gewissen -Recht als der erste Drucker der neuen Welt bezeichnet werden, und -Kromberger doch die erste Druckfirma dort gewesen sein konnte. Pablos -kann also für Kromberger die erwähnte _Escala esperitual_ um 1537 -gedruckt haben. Kromberger starb vor 1541, doch hat man später aus dem -Geschäft in Sevilla Bücher mit seiner Firma. Und so wird es wohl auch -in Mexico gewesen sein, bis wahrscheinlich Pablos das Geschäft erwarb, -denn 1550 kommt auf der _Doctrina Christiana_ seine Firma vor und dann -später öfters. - - Südamerika. - -Icazbalceta führt 93 in Mexico und 7 in PERU gedruckte Werke aus der -Zeit von 1540-1600 auf. Zeitungen hatten Mexico und LIMA mutmasslich -schon von Ende des □xvii.□ Jahrh. Die Jahrgänge 1728-1730 der -Mexico-Gazette sind noch vorhanden. Ein litterarisches Journal _Gazetta -de literatura_ erschien 1750. - -Auf ST. DOMINGO war in der Stadt gleichen Namens eine spanische Presse -zu Beginn des □xvii.□ Jahrh. thätig. Es durfte jedoch nichts ohne -besondere Erlaubnis der Kolonialregierung gedruckt, und von jedem Werk -mussten derselben zwanzig Exemplare abgegeben werden. In PORT AU PRINCE -hatten die Franzosen 1750 eine königliche Druckerei etabliert. - -SURINAM erhielt von den Holländern vor 1775 eine Offizin. In dem -portugiesischen Amerika scheint die Presse in den Händen der Regierung -geblieben zu sein und diese erst gegen Ende des Jahrhunderts in -Thätigkeit gewesen zu sein. In CORDOVA bestand bereits im □xvii.□ -Jahrh. eine geheime Jesuitenpresse. - -[Illustration:Kapitelende] - - - - -[Illustration:Kapitelanfang] - -X. KAPITEL. - -FRANKREICH. - - Die Lage des Buchdruckers. Der Staat und die Presse. Die Xylographie, - die _livres d'heures_. Anton Verard. Geofroy Tory. Jodocus Badius. - Conrad Néobar. Berühmte Druckerfamilien. Die Stephane: Heinrich - □i.□, Robert □i.□, Heinrich □ii.□, Ende der Familie. Die Gründung - der königlichen Buchdruckerei. Ant. Vitré. Savary de Brèves. Lyon: - Seb. Gryphius, Jean de Tournes, Steph. Dolet. Die Schriftgiesserei. - Die Buchbinderkunst. - - - Unterstützung - und Bevormun- - dung der Kunst. - -WENN auch die Unterstützung der Universität der Einführung der -Buchdruckerkunst in Frankreich grossen Vorschub geleistet und ihr -anfänglich auch materielle Vorteile gewährt hatte, so zeigten sich doch -andererseits bald die Nachteile durch stete Bevormundung und die Kunst -nahm, trotz einer Reihe von ausgezeichneten Druckerfamilien, unter -welchen, wie in Italien, wieder Eine alle anderen überragt, nicht die -freie Entwickelung, wie dort[1]. - - [1] □P. Dupont□, Histoire de l'imprimerie. 2 Bde. Paris 1854. - -- □A. Tarbouniech□, _Les livres d'heures_. Paris 1865. - -- □J. Renouvier□, _Des gravures en bois dans les livres - d'A. Vérard_. Paris 1859. -- □J. Renouvier□, _Simon - Vostre_. Paris 1862. -- □G. A. Crapelet□, _Des progrès - de l'impr. en France etc._ Paris 1836. -- □A. Bernard□, - _Ant. Vérard_. Paris 1860. -- □A. Bernard□, _Ant. Vitré_. - Paris 1857. -- □A. Vérard□, _Renseignements sur le prix - des miniatures et des imprimés sur velin au XV siècle_. - Angoulême 1859. - - Vorteile der - Buchdrucker. - -Nicht allein Bücher, sondern selbst das Material, als Schriften -und Farbe, waren abgabenfrei. Aber man wollte als Ersatz für diese -Begünstigungen, dass die Bücher auch äusserlich mit Sorgfalt behandelt -würden; man verlangte, dass sie sowohl mit guter Schrift als auch auf -gutem Papier gedruckt werden sollten, worüber Inspektoren zu wachen -hatten. Buchdrucker, Korrektoren oder Autoren wurden für die Fehler -verantwortlich gemacht und mussten nötigenfalls Cartons drucken lassen. -Wollten sie sich gegen Versehen Anderer schützen, so mussten sie -die, von ihnen korrigierten Bogen kontrasignieren und deponieren. Die -Bücher, die nicht im Besitz der vorgeschriebenen Eigenschaften waren, -wurden vernichtet und die Unachtsamen bestraft. - -Auch auf mässige Preise hatten die Inspektoren zu halten, die -anfänglich zwar von den Druckereien aus eigenem Antrieb innegehalten -wurden, später aber nicht. Nicht weniger wurde der Zustand des -Materials überwacht. Das Abspenstigmachen eines Korrektors seitens -der Konkurrenten unterlag einer Strafe. Mit den auf Subskription -ausgegebenen Werken nahm man es sehr streng. Jeder Prospektus musste -von einem Probebogen begleitet sein, welcher ganz genau Format, -Papier und Schrift, sowie Umfang und Preis des Werkes angab. Bei -Übertretungen musste den Subskribenten der doppelte Betrag dessen, was -sie schon gezahlt hatten, vergütet werden, abgesehen von der sonstigen -gerichtlichen Brüche. - - Das Zunftwesen. - -Um als Buchdrucker oder Buchhändler aufgenommen zu werden war es -notwendig, vier Jahre gelernt und drei Jahre gedient zu haben, -Zeugnisse seiner Fähigkeiten im Lateinischen und Griechischen, seiner -Moralität und seiner Rechtgläubigkeit beizubringen, ausserdem bei -einem Examen zwei Drittel der Stimmen der acht Examinatoren für sich zu -haben. Die Meister waren berechtigt, den guten Arbeitern höher als nach -der Taxe zu zahlen, ohne dass diejenigen, welche diese Vergünstigung -wegen mangelhafter Arbeit nicht genossen, sich beschweren konnten. -Sowohl Lehrlinge als Gehülfen und Korrektoren wohnten in den Häusern -der Meister. - -Der Pergament- und der Papierhandel unterlag ebenfalls der Kontrolle, -und der Universität waren in Bezug auf Ankauf Vorrechte eingeräumt. -Später bestimmte ein Reglement für die Papierfabrikation, dass -alles Papier geleimt sein müsse, und setzte strenge Strafen auf das -Untermengen der Masse mit Kalk oder anderen ätzenden Stoffen. - - Fesseln verschie- - dener Art. - -Aber solche Schutzmassregeln konnten selbstverständlich unter den -zerrütteten politischen und finanziellen Verhältnissen, und in -Ermangelung der Freiheit der geschäftlichen Bewegung und der Presse, -ebensowenig in Frankreich wie anderswo ein Zurückgehen der Kunst -verhindern. Fesseln der verschiedensten Art wurden der Presse angelegt -und das Schwert des Damokles hing fortwährend über den Häuptern der -Buchdrucker und Buchhändler. - -Franz □i.□, der Typographie persönlich wohlgesinnt, bestätigte -alle vorhandenen Privilegien und stand, als die Sorbonne 1521 ein -fulminantes Verdammungsurteil über die Lutherische Lehre ausgesprochen -hatte und dadurch Gefahren über manche Buchdrucker und Buchhändler -heraufbeschworen wurden, zuerst auf deren Seite, liess sich jedoch -später verleiten, den strengsten Massregeln zuzustimmen. Zugleich -wurde die Zahl der Buchdruckereien in Paris auf nur 12 festgesetzt. Die -Thätigkeit der 12 auserwählten nahm dafür einen um so grösseren Umfang -an, so dass sogar Mangel an Arbeitern eintrat, was bereits damals -von den Gehülfen benutzt wurde, um einen wohlorganisierten Strike mit -gegenseitigen Unterstützungskassen in Scene zu setzen, welchem erst -1539 durch polizeiliche Massregeln ein Ende gemacht wurde. - -Heinrich □ii.□ erliess ein Verbot, theologische Schriften ohne -Autorisation der theologischen Fakultät zu drucken, auch musste der -Name des Autors und des Druckers auf jedes Werk gedruckt werden. -Karl □ix.□ verwehrte 1563 unter Androhung der strengsten Strafe, -überhaupt etwas ohne Erlaubnis zu drucken; alle Bücher mussten von -seinem Geheimrate geprüft werden. Ludwig □xiii.□ erteilte 1616 dem -Grosssiegelbewahrer die Vollmacht, die Zensur jeder tauglichen Person -zu übertragen. Zur Handhabung der inneren Polizei ward ein Syndikat, -bestehend aus fünf Mitgliedern (_les gardes de la librairie_), 1618 -errichtet. - - Ludwig □xiv.□ und - die Presse. - -Der Geschmack an der nationalen Litteratur, welcher schon zu Ende -der Regierung Ludwigs □xiii.□ namentlich durch die Gründung der -Akademie und durch die Werke Corneilles Nahrung gefunden hatte, gewann -allgemeine Verbreitung in der Glanzperiode der Litteratur und der Kunst -während der Regierung Ludwigs □xiv.□ und äusserte seine Wirkung auch -auf die Buchdruckerei, der der König, sowie sein Minister Colbert, -sehr zugethan war, was sie jedoch nicht verhinderte, die beschränkenden -Massregeln fortzusetzen. Die Zahl der Pariser Buchdruckereien wurde auf -36 festgesetzt. Zugleich wurde bestimmt, dass jede Druckerei wenigstens -vier Pressen und acht Sorten Antiqua- und Cursiv-Schriften haben müsse. - -Die Aufhebung des Edikts von Nantes (1683) hatte zur Folge, -dass die französischen Papiermacher nach England gingen, wo die -Papierfabrikation noch keine hohe Stufe einnahm. Als Ludwig □xiv.□ die -Fortschritte der englischen Papierfabrikation bemerkte, wendete er -grosse Summen auf, um die Arbeiter zur Rückkehr zu bewegen, was ihm -auch gelang; jedoch, die Fabrikation, die einmal dort Fuss gefasst -hatte, entwickelte sich trotzdem auf das glänzendste. - -Im Jahre 1723 wurde von Ludwig □xv.□ ein Dekret erlassen, durch welches -die Pressverhältnisse geordnet wurden und das bis zum Beginn der -Revolution Bestand hatte. - - * * * * * - - Die - Xylographie. - -Wenden wir unsere Aufmerksamkeit auch in Frankreich zuerst der -Xylographie zu, so finden wir, dass die Verhältnisse hier nicht -ganz so wie in Deutschland lagen. Dort war sie nicht, wie es hier -der Fall war, eine Lieblingsmanier der Künstler, um selbständige -Kunstwerke oder Kunstblätter herzustellen, sondern diente fast nur dem -Illustrationszweck, namentlich nur der Ornamentierung der Bücher. Die -Aufgabe, zu zeigen, was in letzterer Beziehung geleistet werden konnte, -fiel besonders den Andachtsbüchern zu. Die sehr beliebten illustrierten -Chroniken und Ritterromane enthielten fast nur rohe Umrisse, bestimmt -von den Künstlern ausgemalt zu werden, die öfters, wenn die Vorwürfe -ihnen nicht gefielen, die Stellen mit ganz anderen Kompositionen -ausfüllten und die vorhandenen Illustrationen ganz übermalten. - - Die - _livres d'heures_. - -Die Andachtsbücher (_livres d'heures_) wurden anfänglich fast nur -auf Pergament gedruckt, damit die Miniaturisten, von welchen Paris -eine Anzahl der gepriesensten besass, grössere Kompositionen und -Initialen, für welche Platz gelassen worden war, hineinmalen konnten. -Die bunten Figuren, nach byzantinischer Art auf Goldgrund gemalt, -boten einen prächtigen Anblick dar. Später versuchte man durch -Holzschnitte die Kunst der Miniaturisten, so weit dies ohne Farbe -möglich war, zu ersetzen und hatte es um 1486 soweit gebracht, solche -Bücher, dem Geschmack des Publikums angemessen, durch Hülfe allein der -Druckerpresse herstellen zu können. - - Die - _Livres d'heures_. - -Ein Teil der bekanntesten Herausgeber der _Livres d'heures_, als: -Pigouchet, Simon Vostre, Giles Hardoyn, Marnef, Michel le Noir u. a., -nahmen die gothischen Schriften und den strengeren deutschen Stil an, -und manche Illustrationen verraten unverkennbar den Einfluss Dürers, -namentlich aus der Zeit seines Aufenthaltes in Venedig, so dass öfters -Dürersche Figuren, von italienischer Architektur oder Ornamenten -umgeben, vorkommen. Andere Herausgeber als: Guyot, Marchand, Gourmont, -Simon de Colines, Janot, Anabat, vor allen Geofroy Tory standen ganz -unter dem Einfluss des italienischen Geschmackes und adoptierten -folglich als Druckschrift die Antiqua. - -Die schöne Ausführung dieser Bücher und ihr, im Vergleich zu den -Manuskriptenpreisen sehr wohlfeiler Ankaufspreis hatten einen -bedeutenden Absatz zur Folge. Man wandte sich von allen Seiten mit -Aufträgen nach Paris, wodurch die Buchdruckereien einen grossen -Aufschwung nahmen. Mit der zunehmenden Menge und Billigkeit liess -aber auch die Vortrefflichkeit der Ausführung nach. Die Feinheit -der Vignetten scheint auf Metallhochschnitt hinzuweisen, was durch -den Buchdrucker Jean Dupré, 1488, bestätigt wird, der von Vignetten, -_imprimées en cuyvre_, spricht. Wie hoch diese Bücher jetzt von den -Sammlern geschätzt werden, geht daraus hervor, dass die Preise seit dem -Beginn des Jahrhunderts bis auf das fünfzigfache gegen damals gestiegen -sind. - -In wie weit die obengenannten und andere, deren Namen in Verbindung mit -den illustrierten Büchern gebracht werden, Drucker, Herausgeber oder -ausübende Künstler waren, ist nicht immer genau festzustellen. - - Anton Verard. - -□Anton Verard□, geboren zu Paris gegen d. J. 1450, gestorben 1512, -anfänglich Kalligraph und Miniaturist, hatte jedenfalls selbst eine -Buchdruckerei, obwohl es auch Bücher giebt, die bei Anderen für seine -Rechnung gedruckt wurden. Er widmete sich ganz besonders der Herausgabe -von Chroniken und Rittergeschichten. Ihm verdankt man die ersten -Ausgaben von Froissart und Monstrelet. Er wurde von der kunstsinnigen -Königin Anna von Bretagne sehr begünstigt und in verschiedenen seiner -Verlagswerke sieht man ein Bild, auf welchem er knieend der Königin -ein Exemplar überreicht. Die Zahl der von ihm herausgegebenen Werke -ist eine sehr grosse. Ist auch der künstlerische und litterarische -Wert dieser Bücher kein bedeutender, so trugen sie doch mächtig bei, -den Sinn für ritterliche Ehre und Ritterpflichten zu nähren, bis das -Erscheinen des Don Quixote dem Enthusiasmus einen mächtigen Dämpfer -aufsetzte. Von da ab haben diese Romane nur für den Bibliophilen Wert. - - Geofroy Tory. - -Unter den Herausgebern illustrierter Bücher, überhaupt unter den -Reformatoren der Kunst und der Schriftsprache in Frankreich, nimmt -□Geofroy Tory□ einen ganz hervorragenden Platz ein[2]. Geboren in -Bourges um das Jahr 1480, widmete er sich mit Erfolg den Studien, -begann zugleich um 1505 das Zeichnen und die Holzschneiderei. Eine -zeitlang trieb er diese und die Philosophie friedlich nebeneinander, er -war jedoch kein Mann der Halbheit, gab deshalb seinen Lehrstuhl auf und -widmete sich ganz der Kunst. - - [2] □Auguste Bernard□, _Geofroy Tory, Peintre, graveur etc._ - 2. Ed. Paris 1869. Es ist ein Verdienst des deutschen - Buchhändlers Edwin Tross, auf die allgemeine Anerkennung - der grossen Bedeutung Torys eingewirkt zu haben. - - _Champ-fleury._ - -Ein Werk des Italieners Sigismund Fanti über die Verhältnisse -der Buchstaben (Venedig 1514) gab Tory die Anregung zu seinen -späteren Arbeiten, auch waren ihm die Werke Dürers, in welchen -dieser sich mit Schrift beschäftigt, bekannt. Er liess sich in die -Zunft der Buchhändler aufnehmen, zu welcher er als Illuminator und -Holzschneider gehörte, und bereitete für ein Andachtsbuch eine Serie -von Einfassungen in antikem Stile vor. Während seiner Arbeiten, die -jedoch fast zwei Jahre durch den Schmerz über den Tod seiner geliebten -Tochter, Agnes, unterbrochen wurden, reifte bei ihm die Idee zu einem -linguistisch-typographischen Werke, das 1529 unter dem Titel erschien: -„_Champ-fleury, au quel est contenu L'art et science la deue et vraye -Proportion des lettres Attiques, qu'on dit autrement Lettres antiques -et vulgairement Lettres Romaines, proportionees selon le Corps et -Visage humain_“. - -Das Werk zerfällt in drei Abteilungen. Die erste enthält die -Anweisung zu dem rechten Gebrauch der Sprache; die zweite behandelt -die Entstehung der Kapitalschrift und die Belehrung, wie die -Kapitalbuchstaben in Übereinstimmung mit dem Körper und dem Gesicht -eines wohlgebildeten Menschen stehen. Geistreiche Illustrationen in -Holzschnitt dienen zur Versinnlichung der Theorie, die zwar kaum für -etwas anderes als ein Paradoxon erklärt werden kann, jedoch in der -sinnreichsten Weise durchgeführt ist. Der dritte Teil wendet sich der -Praxis zu, und giebt genaue Zeichnungen der Buchstaben und begleitet -sie mit Untersuchungen über die Aussprache. Den Schluss machen -13 Alphabete, vier Gattungen französischer Schriften: _Cadeaulx_, -_Forme_, _Bâtard_, _Tourneure_, mehrere orientalische Schriften, grosse -Kapitalbuchstaben (_Imperiales_, _Bullatiques_), Phantasiebuchstaben -(_Utopiques_) mit Arabesken, verzierte Initialen u. s. w. - - Einfluss Torys. - -Das Werk, welches 1529 erschien, veranlasste eine wahre Revolution -in der französischen Typographie und Orthographie. In der Technik -wurde es eine Hauptveranlassung zur vollständigen Beseitigung der -gothischen Type und zu einem neuen Schnitt der Antiqua. Robert -Stephanus fand sich veranlasst, alle seine Schriften zu verwerfen und -andere einzuführen, die sich nun in ihrer neuen Gestalt beinahe bis zum -Anfang des □xix.□ Jahrhunderts unverändert erhielten. Noch wichtiger -waren die Veränderungen in philologischer Hinsicht, da von nun an die -Accente, Apostrophe und Cedillen, so wie eine verbesserte Orthographie -eingeführt wurden. - - Tory wird Hof- - buchdrucker. - - Torys Tod. - Seine Nachfolger. - -Dies konnte von dem, die Wissenschaften und die Typographie so sehr -liebenden König Franz □i.□ nicht unbemerkt und unbelohnt bleiben. Er -ernannte Tory, 1530, zum königlichen Hofbuchdrucker, ein Titel, mit -dem reelle Einnahmen verbunden waren, auch wurde ihm zuliebe eine 25. -Stelle als Universitätsbuchhändler geschaffen, da die festgesetzte -Zahl 24 bereits voll war. Torys Todestag ist nicht genau bekannt, -er muss aber vor dem Jahre 1534 liegen, da seine Witwe, Perette le -Hulin, um diese Zeit das Geschäft fortführte. Im Jahre 1535 gingen -die verschiedenen Offizinen auf Olivier Mallard über; nur die -Holzschneiderei behielt die Witwe. Mallard, der das Zeichen Torys, -die zerbrochene Vase mit der Umschrift _non plus_, wahrscheinlich -eine Anspielung auf seine durch den Tod seiner Tochter vernichtete -Lebenskraft, fortführte, starb 1542. Das Material kam in die Hände -□Thielemann Kervers□. Der berühmte Schriftgiesser Claude Garamond, ein -Schüler Torys, war wieder ein Lehrer der nicht weniger berühmten Wilh. -le Bé und Jacques Sanleque. - - Denys Janot. - St. Groulleau. - -Die eigentliche illustrierte Litteratur, in der der Schriftsteller, -wenn nötig, sich der Illustration unterordnet, wurde von □Denys Janot□ -(1530-1545), noch mehr von seinem Nachfolger □Stephan Groulleau□ -(1547-1565) in System gebracht. Als Schriftsteller unterstützte sie -Gilles Corrozet mit seiner geschmackvollen Feder und als Künstler -□Jean Cousin□ mit seinem grossen Zeichnertalent. Es ist schwer die -Stellung der einzelnen Teile dieses vierblätterigen Kleeblattes genau -festzustellen. Die Begierde des Publikums nach ihren Produktionen war -eine so grosse, dass es nicht immer möglich war, sie zu befriedigen. -Man musste deshalb, in Ermangelung der schönen Renaissance-Vignetten, -öfters zu Zeichnungen älteren Datums greifen und so findet man, sogar -in einem und demselben Buch, oft neues und geschmackvolles neben altem -und stillosem. - -Janots letztes Werk, _l'Amour de Psyché et de Cupidon_, erst durch -seine Witwe, aus der berühmten Buchdruckerfamilie de Marnef stammend, -herausgegeben, ist zugleich sein schönstes. Die Witwe heiratete 1547 -Stephan Groulleau, der viele der zierlichsten illustrierten Ausgaben -lieferte. Gilles Corrozet, geb. 1510, starb 1568. Jean Cousin, -ebenfalls 1510 geboren, 1590 gestorben, war Zeichner, Goldschmied, -Bildhauer und Geometer. - - Andere Künstler. - -Von Zeichnern und Holzschneidern sind noch zu nennen: □Mercure Jollet□, -□Pierre Wojiriot□, nach seinem Geburtsort □de Bouzey□ genannt, ein -Schüler Cousins und vielseitiger Künstler. Die Prinzessin □Marie von -Medici□ (geb. 1573, gest. 1642) war nicht allein eine grosse Gönnerin -der Kunst, sondern soll auch die Xylographie in tüchtiger Weise geübt -haben. - -□Jean Papillon□ (geb. 1660, gest. 1710) war der Stammvater einer -Holzschneider-Familie, die eine gewisse Berühmtheit erlangt hat, ohne -eigentlich grosse Ansprüche darauf machen zu können. Am bekanntesten -ist Jean Papillon durch seinen: _traité historique et pratique de la -gravure sur bois_ (2 Bde. Paris 1766) geworden, ein Werk, das zwar -ohne Kritik geschrieben ist, jedoch eine Menge von Nachrichten über -zeitgenössische Künstler enthält, die man sonst nicht haben würde. - -Von den Papillons ab sank der Holzschnitt vollständig und nur der -Kupferstich wurde zur Bücher-Illustration benutzt, nicht allein durch -Beigabe besonderer Blätter, sondern auch indem man Vignetten in den -Text eindruckte[3]. - - [3] □H. Cohen□, _Les livres à vignettes du XVIII Siècle_. - Paris 1873. - - Jodocus Badius. - - Mich. Vascosan. - -Unter den zugleich gelehrten und tüchtigen Buchdruckern ist zu -nennen □Jodocus Badius□[4] (1498-1535), nach seiner Vaterstadt Asch -bei Brüssel auch Ascensius genannt. In Lyon hatte er bei Trechsel -als Korrektor fungiert und dessen Tochter geheiratet. Er druckte -über 400 Werke, die sich durch Schönheit und Korrektheit empfehlen, -und versah viele Klassiker-Ausgaben mit seinen Anmerkungen. Er war -zu gleicher Zeit Buchhändler, Buchdrucker, Schriftschneider und -Schriftgiesser. Seine drei Töchter verheirateten sich mit drei der -berühmtesten Typographen, Michael Vascosan, Joh. Roigny und Robert -Etienne. Der Sohn, □Conrad Badius□, ebenfalls ein tüchtiger Gelehrter -und Buchdrucker, ging, als Calvinist verfolgt, 1549 nach Genf, wo er -litterarisch und typographisch fortwirkte. Sein Schwager □Vascosan□, -dessen Bücher in Druck und Papier gleich schön und grösstenteils mit -Antiqua gedruckt sind, wurde 1566 königlicher Typograph und lieferte, -ungerechnet neue Auflagen, 297 Werke. - - [4] □E. Hoyois□, _Notice sur Jose Bade_. Mons o. J. - - Die Familien - Morel u. Wechel. - -Der Schwiegersohn Vascosans, □Friedrich I. Morel□ (1571-1583), ist -Stammvater einer gelehrten und berühmten Druckerfamilie, von welcher -der Sohn des Genannten, □Friedrich ii. Morel□, das bedeutendste Glied -war. Seine Kommentare zu den Psalmen sind noch heute hoch geschätzt. - -Eine andere berühmte Familie war die Wechelsche, begründet 1522 von -□Christian Wechel□ aus Basel. Derselbe druckte öfters den Flavius -Vegesius, von dem mehr als 50 Ausgaben existieren, und gab die Werke -Dürers in lateinischer Sprache heraus. Maittaire verzeichnet 335 von -ihm verlegte Werke, durch welche er vorzugsweise die Medizin, die -Anatomie und die Chirurgie förderte. Er beschäftigte die berühmtesten -Korrektoren seiner Zeit, Friedr. Sylburge und Joh. Obsopäus. In -religiöse Streitigkeiten verwickelt, zog er es vor nach Frankfurt -a. M. zu gehen, wo er 1554 starb. Sein Sohn □Andreas□ (1535-1573) -war ebenfalls ein ausgezeichneter Drucker. Wie der Vater, nur noch -im höheren Masse, war er der Religion wegen Verfolgungen ausgesetzt. -In der Bartholomäusnacht entging er zwar der Todesgefahr, aber sein -Eigentum wurde konfisziert. Er zog, 1573, mit seiner Familie nach -Frankfurt (vergl. S. 131). - - Die Familie Ste- - phanus. - -Das Geschlecht, welches neben den Aldi zu den höchsten typographischen -Ehren gelangte und durch das ganze sechzehnte und einen Teil des -siebzehnten Jahrhunderts eine grossartige litterarisch-typographische -Thätigkeit entwickelte, war die Familie □Etienne□[5] oder nach -damaliger Sitte □Stephanus□, die mit dem □Heinrich Stephanus□ als -Stammvater begann. - - [5] □F. J. Almeloven□, _De vitis Stephanorum dissertatio_. - Amsterdam 1633. -- □A. A. Renouard□, _Annales de - l'imprimerie des Estienne_. Paris 1837. -- □Aug. Bernard□, - _Les Estienne et les types grecs de François I_. Paris - 1856. - - Heinr. □i.□ Stepha- - nus. - -Sein Geburtsjahr kennen wir nicht, wissen auch nichts von seiner -Jugendgeschichte und in welcher Weise er die Fähigkeiten erwarb, die -ihm einen hervorragenden Platz unter den tüchtigsten und gelehrtesten -Buchdruckern sicherten. Eine kurze Zeit (1502 bis 1504) arbeitete er -zusammen mit einem gelehrten deutschen Buchdrucker □Wolfgang Hopyl□, -dessen Ausgaben bis 1489 zurück- und bis 1522 heraufgehen. - -Die Ausgaben Heinrich □i.□ Stephanus' erreichen, so weit bekannt, -die Zahl von gegen 130, wovon einige in Gemeinschaft mit andern -Buchdruckern oder für fremde Rechnung, 107 aber für eigene Rechnung -ausgeführt wurden. Die meisten waren in Folio und mit grosser Sorgfalt -gedruckt. Der Inhalt ist beinahe ausschliesslich theologisch und -philosophisch, denn die klassische Litteratur war noch immer Domaine -der Italiener und hatte sich noch nicht nach Frankreich den Weg -gebahnt. - -Heinrich, welcher 1520 im August oder September starb, hatte drei -Söhne, Franz, Robert und Carl, welche alle Buchdrucker oder Buchhändler -wurden. Die Witwe Heinrichs verheiratete sich das Jahr nach dessen -Tod mit □Simon de Colines□ (_Colinäus_), der mutmasslich schon -Teilhaber des Geschäfts gewesen war und nun Besitzer der Buchdruckerei -wurde, deren Schriftenvorrat er vermehrte, namentlich durch eine, -grösstenteils von ihm selbst geschnittene Cursiv. Er machte sich durch -seine schöne Klassikerausgabe berühmt. - - Robert Stepha- - nus □i.□ - -□Robert□, der zweite Sohn, war 1503 geboren. Über seine Jugend wissen -wir nichts, wahrscheinlich ist er im väterlichen Hause geblieben, wo er -auch nach der Verheiratung seiner Mutter mit Colines arbeitete. Robert -heiratete Perette, die Tochter von Jod. Badius, die eine gelehrte -Bildung hatte und das Lateinische fliessend sprach. Überhaupt war -durch den steten Verkehr der Gelehrten in Roberts gastfreiem Hause, das -öfters durch die Besuche Franz □i.□ und Margarethas von Navarra geehrt -wurde, das Lateinische die tägliche Umgangssprache geworden, die selbst -den Dienstboten geläufig war. Perette ward die Mutter von acht Kindern -und starb gegen 1550, worauf Robert Margaretha Duchemin heiratete. - - Seine Wirksam- - keit. - -Roberts Wirksamkeit richtete sich auf die Herausgabe der so sehr -notwendigen Elementarbücher für das Studium der alten Sprachen -und auf korrekte Ausgaben der Klassiker; die Angabe, dass er seine -Korrekturbogen öffentlich aushing, gehört jedoch in das Gebiet der -Dichtung. Vor allem beschäftigte ihn die Herausgabe der heiligen -Schriften, lateinisch, griechisch und hebräisch. Schon die, 1523 -in Sedez gedruckte, sorgfältig revidierte lateinische Ausgabe des -Neuen Testaments erregte das Missvergnügen der Sorbonne gegen den -jugendlichen Herausgeber auf Grund der Emendationen, welche er -notwendig fand, und gab das Signal zu den Verfolgungen, unter welchen -er sein lebenlang zu leiden hatte. Jede neue Ausgabe der Bibel brachte -ihm zwar neue Ehren, aber auch neue Sorgen und Anfeindungen, gegen -welche ihn die Gunst Franz □i.□ nur wenig zu schützen vermochte. - - _Thesaurus linguæ - latinæ._ - -Die Zahl seiner Drucke beträgt über 600. Sein Hauptwerk, welches -allein als Ehrendenkmal für ihn genügend gewesen sein würde, ist der -_Thesaurus linguæ latinæ_ (1532). Die vergeblichen Versuche, ein altes -Vocabularium des Calepin zeitgemäss zu korrigieren, gaben dazu die -Veranlassung. Alle Gelehrten, die Robert anging, ein neues Lexikon -zu liefern, schreckten vor der Arbeit zurück, an die nunmehr Robert -selbst unter Beihülfe eines bescheidenen Gelehrten Joh. Thierry mit -einem solchen Eifer ging, dass das grosse Werk nach zweijähriger Arbeit -vollendet war. 1536 erschien eine zweite, verbesserte Auflage, eine -dritte 1543 und später noch weitere Ausgaben. - - Conr. Néobar. - -Bei Gelegenheit des Druckes seiner hebräischen Bibel (1539-1546) wurde -Robert am 24. Juni 1539 vom König Franz □i.□ zum königlichen Drucker -für die lateinischen und hebräischen Schriften ernannt, wozu noch im J. -1545 die Erhebung zu demselben Posten für das Griechische kam, welchen -zuerst □Conrad Néobar□ inne gehabt hatte. Es war der Aufmerksamkeit -Franz □i.□ nicht entgangen, dass die griechischen Drucke Frankreichs -trotz der Anstrengungen des gelehrten François Tissard im Verein -mit dem tüchtigen Praktiker Gilles de Gourmont, die zuerst 1507 ein -griechisches Buch in Frankreich gedruckt hatten, weit den italienischen -nachstanden. Dem wollte der König abhelfen und glaubte in Conrad -Néobar (1538-1540) den rechten Mann gefunden zu haben. Durch Patent vom -17. Januar 1538 wurde er zum königlichen Drucker für das Griechische -ernannt mit einem Jahresgehalt von 100 Goldthalern nebst den Vorteilen -der Universitäts-Angehörigen, auch sollten alle von ihm zuerst -gedruckten Werke auf 5 Jahre Schutz geniessen. Die Schriften sollte -Claude Garamond schneiden. Dies erlebte Néobar nicht, der schon nach -zwei Jahren starb, in der kurzen Zeit sich aber bereits einen berühmten -Namen erworben hatte. - - Rob. Stephanus, - kgl. Typograph. - -Stephanus übernahm nun die weitere Leitung. Die Zeichnungen zu der -Schrift rühren von dem berühmten Kalligraphen Angelus Vergecius (_Auge -Vergece_) her, zumteil auch von dessen damals erst fünfzehnjährigen -Schüler Heinrich, dem Sohne Roberts. Diese Schriften sind kaum durch -irgend eine spätere Produktion übertroffen und wurden bis in die -neueste Zeit in der kaiserlichen Druckerei in Paris verwendet. Auch der -berühmte Schriftschneider und Schriftgiesser Wilhelm le Bé wurde von -Robert, namentlich für die hebräische Bibel, beschäftigt. Dafür, dass -die hebräischen Schriften ebenfalls für königliche Rechnung geschnitten -wären, liegen keinerlei Beweise vor. - - Robert geht - nach Genf. - -Der fortwährenden Verfolgungen durch die Sorbonne müde, ging Robert -1550 oder 1551 nach Genf, um dort in der Ruhe, die er in Frankreich -nicht hatte finden können, mit den Reformatoren Calvin, Theodor Beza -u. a. zusammenzuleben, ihre Werke zu drucken und die Bibelausgaben -ungestört fortzusetzen. Es scheint, als habe Robert mit Standhaftigkeit -und Kraft die mit der Übersiedelung verbundenen Verluste und das -Ungemach aller Art ausgehalten. Seine Wirksamkeit in Genf war gleich -eine bedeutende, das Pariser Geschäft wurde jedoch nicht geschlossen -und 1556 beginnt sein Sohn Robert □ii.□ dort seine Ausgaben. - - Die griechischen - Schriften. - -Dass die Genfer Robert unentgeltlich als Mitbürger aufnahmen, -konnte ihm seinen Verfolgern gegenüber, gegen die er eine bittere -Rechtfertigungsschrift veröffentlichte, als eine Genugthuung gelten. Es -ist ihm vielfach zum Vorwurf gemacht, dass er die berühmten königlichen -griechischen Schriften mit nach Genf nahm. Sein Biograph Renouard hat -mit schlagenden Gründen ihn gegen den Verdacht, als habe er damit etwas -unrechtmässiges gethan, verteidigt. Im Jahre 1621 wurden die Schriften, -welche für 1500 Goldthaler dem Rate von Genf von Roberts Enkel, Paul, -verpfändet waren, von der französischen Regierung für 3000 Livres -gekauft und von Paul nach Paris gebracht. Bei den Verhandlungen deutet -nichts darauf hin, als sei Paul nicht rechtmässiger Besitzer der Matern -gewesen. Seit 1774 befinden sie sich in der Staatsdruckerei in Paris. - -Seinem lateinischen Wörterbuch wollte Robert ein griechisches folgen -lassen. Mit den Vorarbeiten beschäftigte er sich lebhaft, wurde aber -dabei vom Tode überrascht. Den Zustand dieser Vorarbeiten kennen wir -nicht, doch müssen dieselben nach der Aussage des Vollenders, seines -Sohnes Heinrich, weit vorgeschritten gewesen sein. - - Franz □i.□ - -Robert starb am 7. Sept. 1559, 56 Jahre alt. Von seinen acht Kindern -werden Heinrich □ii.□, geb. 1528; Robert □ii.□, geb. 1530, und Franz -□ii.□ Gegenstand weiterer Besprechung sein. Von Roberts □i.□ Bruder -□Franz i.□ ist wenig zu sagen; man kennt das Datum seiner Geburt -nicht, weiss auch nicht, ob er verheiratet war. Wahrscheinlich war -er nur Buchhändler; ein Buch von ihm später als aus dem J. 1548 kennt -man nicht, schliesst deshalb auf seinen frühen Tod um diese Zeit, der -vielleicht auch nur Schuld gewesen sein wird, dass er keine grössere -Berühmtheit erlangte; denn seine kurze Wirksamkeit zeugt von grosser -Tüchtigkeit. - - Karl. - -Der jüngste Bruder Roberts □i.□, □Karl□ (geb. 1504 od. 1505), war ein -tüchtiger Arzt, geschickter Buchdrucker und ausgezeichneter Gelehrter. -Der Wegzug Roberts von Paris war der Grund, dass Karl wider seinen -Willen das Geschäft übernehmen musste; er setzte aber dabei seinen -ärztlichen Beruf fort. Die Druckerei übte er nur bis zum Jahre 1561, -produzierte aber in der kurzen Zeit eine Reihe von guten Ausgaben, die -einen ehrenvollen Rang unter den Erzeugnissen der Familie einnehmen. -Er starb 1564 im Gefängnis, worin er sich, einige behaupten wegen -religiöser Ansichten, andere wegen Schulden, befand; Thatsache ist, -dass er vieles verloren hatte und dass man seit 1561 geschäftlich -nichts weiter von ihm hörte. - - Robert □ii.□ - -Nach dem Tode Roberts □i.□ fiel das Geschäft dem Sohne Heinrich □ii.□ -zu und Robert □ii.□ wurde enterbt; doch scheint dies keineswegs ein -Akt der Rache gegen Robert gewesen zu sein, der dem katholischen -Glauben treu geblieben war, sondern eine aus Klugheit getroffene -Massregel; denn wir sehen □Robert ii.□ seine Wirksamkeit auf Grundlage -des früheren Pariser Geschäfts beginnen und in freundschaftlichem und -geschäftlichem Verkehr mit seinem Bruder bleiben. Er starb 1571. Seine -Witwe heiratete Mamert Patisson, einen tüchtigen Buchdrucker. - - Heinrich □ii.□ - -□Heinrich ii.□, dessen Ruhm denjenigen der übrigen Mitglieder der -Familie noch überragte, war 1528 geboren, in demselben Jahre, in -welchem die berühmte lateinische Folio-Bibel seines Vaters erschien. Er -wurde von dem Lehrer des Dauphin, Pierre Danis, auf das sorgfältigste -im Griechischen unterrichtet; auch schrieb er das Griechische ebenso -kalligraphisch schön wie sein Lehrmeister Angelus Vergecius und trieb -eifrig Mathematik, selbst Astrologie. Von 1546 ab liess ihn der Vater -an den litterarischen Arbeiten teilnehmen, die er mit der Redaktion -des Dionysius von Halikarnass begann. Nach dreijährigen Reisen in -Italien, wo er die Bibliotheken durchsuchte und Italienisch wie ein -Eingeborener sprechen und schreiben lernte, kam er 1549 nach Paris -zurück, reiste aber schon 1550 nach England und 1551 nach Flandern, -wo er das Spanische studierte. Wahrscheinlich folgte er dem Vater nach -Genf, kehrte aber bald nach Paris zurück und ging dann wieder nach Rom. - -Seine typographische Laufbahn begann Heinrich erst 1557. Zwar nennt -er sich _Typographus Parisiensis_, welches aber nicht ausdrücken -soll, dass seine Offizin in Paris war; die Bezeichnung sollte ihm -nur ein grösseres Gewicht in den Augen des Publikums verschaffen. -Wahrscheinlich auf Grund seiner Reisen und der Kosten des -Etablissements kam Heinrich bald in Verlegenheit, wurde aber durch -ein Mitglied der berühmten Familie Fugger, Hulderich, unterstützt und -erhielt von ihm eine jährliche Rente. Er nannte sich deshalb auch zehn -Jahre lang _Fuggerorum Typographus_. Dies hörte aber, zugleich mit der -Freundschaft, 1568 auf. - - _Thesaurus linguæ - græcæ._ - -Mit grosser Energie ging Heinrich an die Fortsetzung der Wirksamkeit -des Vaters, in einer Weise, die seine körperlichen Kräfte überstieg. -Wenn auch die typographische Ausstattung ein wenig hinter der der -Pariser Ausgaben zurückbleibt, so kann ihnen dies doch den inneren -Wert nicht rauben. 1572 erschien das Werk, welches seinen Arbeiten -die Krone aufsetzte, der _Thesaurus linguæ græcæ_, aber er hatte -damit seine pekuniären Kräfte erschöpft. Den grössten Schaden that ihm -Johann Scapula durch einen Auszug. Obwohl Scapula an der Korrektur von -Stephanus' Werk und an der Redaktion teilgenommen hatte, entblödete er -sich nicht zu erklären, dass er nur zufällig den Thesaurus gesehen habe -und dass seine Arbeit ganz dem eigenen Geiste entsprungen sei. Eine -_editio posterior_, die Heinrich einige Jahre nachher veranstaltete, -ist nur durch Umdruck einzelner Blätter eine neue Ausgabe. - -Von jetzt ab fängt Heinrich ein nomadisierendes Leben an, das erst mit -seinem Tode aufhören sollte. Er folgte darin zumteil seinen Neigungen, -beabsichtigte aber auch seine grossen Lagervorräte an den Mann zu -bringen. Namentlich Deutschland und seine Büchermessen besuchte er -regelmässig, kam auch nach Wien und selbst nach Ungarn; war ebenso -öfters in Paris, wo er vom König Heinrich □iii.□ gut aufgenommen wurde. - - Heinrich □ii.□ stirbt - in Lyon. - -1597 wollte Heinrich von Genf aus wieder Frankreich besuchen. Er -verblieb eine zeitlang in Montpellier, wo seine Tochter Florence an den -gelehrten Isaak Casaubon verheiratet war, dem er seine Mitwirkung bei -dessen litterarischen Arbeiten anbot. Diese scheint abgelehnt worden zu -sein und Heinrich setzte nun seine Reise weiter fort, kam krank nach -Lyon und liess sich in das Spital bringen, wo er in den ersten Tagen -des März 1598, gegen 90 Jahre alt, starb. Heinrichs finanzielle Lage -war zwar nie glänzend gewesen, doch haben wir nicht nötig anzunehmen, -dass ihn die Armut in das Spital führte. Seine Verlegenheiten gingen -nicht so weit, dass seine Existenz gefährdet war, und der Verkauf -seiner Werke deckte nicht allein seine Schulden, sondern liess auch -noch etwas für die Witwe übrig und erhielt die Druckerei seinem Sohne -Paul. - - Paul. - -□Paul□ war zwar ein tüchtig gebildeter Mann, besass jedoch nicht -die geschäftliche Energie des Vaters, betrieb das Geschäft in wenig -hervorragender Weise und verkaufte dasselbe 1627 an die Gebr. Chouet. -Ein Sohn Pauls, □Antonius□, entwickelte Tüchtigkeit und Thätigkeit in -Paris, war jedoch nicht vom Glück begünstigt und starb 1674 schwach und -erblindet, 84 Jahr alt, im Hôtel-Dieu. - - Franz □ii.□ - -Der jüngste Bruder Heinrichs □ii.□, □Franz ii.□, kam schon jung mit -seinem Vater nach Genf, wurde dort in der protestantischen Konfession -erzogen und wissenschaftlich ausgebildet. Im Jahre 1562 hatte er -in Genf eine Druckerei, die bis zum Jahre 1582 fortbetrieben wurde, -jedoch keine besondere Thätigkeit entwickelte. Später zog er nach der -Normandie. - -Das grossartige Wirken der 1713 gegründeten Didot'schen Buchdruckerei -gehört der folgenden Periode an. - - * * * * * - - Die kgl. Buch- - druckerei. - -Es ist mehrfach angenommen worden, König Franz □i.□ habe die königl. -Buchdruckerei gestiftet; dem ist nicht so, und das Verhältnis der -„Königlichen Buchdrucker“ zu ihm ist schon oben klargelegt. Er förderte -die Kunst durch Unterstützung einzelner hervorragender Drucker in -dieser oder jener Richtung, wo es über die Kräfte des einzelnen -gegangen wäre, die notwendigen Opfer zu bringen. Das Verdienst, die -königliche Buchdruckerei gegründet zu haben, gehört Ludwig □xiii.□ und -dem Kardinal Richelieu[6]. - - [6] □Aug. Bernard□, _Histoire de l'imprimerie Royale du - Louvre_. Paris 1867. -- □F. A. Duprat□, _Histoire de - l'impr. Royale de France_. Paris 1851. - -Im Jahre 1631 hatte der zuletzt Genannte den Druck der liturgischen -und heiligen Schriften in verschiedenen, auch orientalischen -Sprachen, einem Consortium von Pariser Buchdruckern übergeben, unter -der Bedingung, dass eine Anzahl von Exemplaren zu Missionszwecken -der Regierung gratis zur Disposition gestellt würde. Der Verein -veröffentlichte auch mehrere solche Bücher in arabischer Sprache, -die Muselmänner wollten sie aber nicht annehmen, und Selim □i.□ -erneute das strenge Verbot Bajazet □ii.□ (vgl. S. 76). Der Verein -entsprach überhaupt nicht den Absichten des Kardinals und hatte -selbstverständlich zunächst seinen eigenen Vorteil vor Augen. Richelieu -fasste nun 1640 den Entschluss, eine Staatsanstalt, □Die königliche -Buchdruckerei□, zu errichten. - - Die königliche - Buchdruckerei. - -Eine Grundlage war schon in den griechischen Schriften Franz □i.□ -vorhanden gewesen, welche durch die Erwerbung der orientalischen -Schriften □Savary de Brèves'□ bedeutend vermehrt worden war. Der -Genannte war 1589 als französischer Gesandter nach Konstantinopel -gegangen, lebte dort eine lange Reihe von Jahren und hatte grosses -Interesse für orientalische Litteratur gefasst, eine bedeutende -Manuskripten-Sammlung angelegt und arabische, persische und syrische -Typen schneiden lassen, im ganzen über 1600 Stempel. Von Konstantinopel -zurückgekehrt, liess er mit seinen Typen 1613 in Rom, 1615 in Paris -drucken, wo mehrere Werke _ex typographia Savariana_ erschienen. - -Savary de Brèves starb bereits 1627. Von mehreren Seiten erstrebte -man die Erwerbung der Typen, es gelang jedoch 1632 dem Buchdrucker -□Antonius Vitré□, diese und die Manuskripte im geheimen Auftrag des -Königs, der früher vergeblich 27000 Livres geboten hatte, für die -höchst mässige Summe von 4300 Livres anzukaufen. - -Zwischen Vitré einerseits und den Erben de Brèves' und der Regierung -andererseits entstanden sehr langdauernde unerquickliche Differenzen; -schliesslich kamen die Typen nach dem Tode Vitrés 1691 definitiv in den -Besitz der königlichen Druckerei, welche sie den Pariser Buchdruckern -zur Disposition stellte. Die Typen waren bereits von Vitré zum Druck -der Polyglott-Bibel des Präsidenten le Jay benutzt. Diese Bibel in -hebräischer, samaritanischer, chaldäischer, griechischer, syrischer, -lateinischer und arabischer Sprache ist eins der merkwürdigsten -Druckerzeugnisse des □xvii.□ Jahrhunderts. Jay opferte mehr als 100000 -Thaler für dieses Werk und ruinierte sich vollständig. Es lag, wie man -berichtet, ganz in seiner Hand, diesen Schlag abzuwenden, wenn er sich -dazu verstanden hätte, dem Kardinal Richelieu die alleinige Ehre als -Urheber einzuräumen; er wollte jedoch diese sich nicht nehmen lassen. - -Die königliche Buchdruckerei ward auf das beste im Louvre eingerichtet -und □Sebastian Cramoisy□ zum Direktor ernannt. Richelieu hatte -namentlich Missionszwecke vor Augen und man begann daher mit dem -Drucke von Andachtsbüchern, die gratis verteilt werden sollten. Die -Wirksamkeit nahm aber bald eine typographisch grossartigere Richtung -an und man lieferte in dem ersten Jahrzehnt an 100 Werke, die mit dem -grössten Luxus und aller Sorgfalt ausgeführt, teilweise mit Stichen und -Vignetten der besten Künstler, selbst eines Nic. Poussin, geschmückt -waren. - - Die königliche - Buchdruckerei. - -Im Jahre 1692 bestimmte Ludwig □xiv.□, der sich nicht weniger als -sein Vorgänger für die kgl. Druckerei interessierte, dass ein grosses -Werk: _Description et perfection des arts et des metiers_, von -welchem der erste Band die Buchdruckerei, die Schriftgiesserei und -die Buchbinderkunst umfassen sollte, herauszugeben sei. Dieser Band, -der einzige, welcher überhaupt erschien, entsprach jedoch gerechten -Erwartungen nicht. Wichtiger war die Bestimmung des Königs, dass -eine besondere französische Schrift gezeichnet und geschnitten werden -sollte, welche nur in der königl. Druckerei Verwendung finden dürfe. -Zwar waren die, s. Z. von Claude Garamond geschnittene, vortrefflich, -man fand jedoch den Duktus etwas veraltet. Eine Kommission von -Akademikern wurde ernannt, die sich mit dem Schriftschneider Philipp -Grandjean in Verbindung setzte, in welcher ihm erst sein Schüler Jean -Alexandre 1723, dann dessen Schwiegersohn Louis Luce folgten. Die neue -prachtvolle Schriftengarnitur, welche 1745 vollendet wurde, leidet an -einer kleinen Geschmacklosigkeit. Die Schrift sollte, wie erwähnt, -nur für die kgl. Druckerei sein; man musste deshalb für sie etwas -eigentümliches erfinden. Dies bestand in einigen Strichelchen, welche -einer Anzahl Buchstaben angehängt wurden. Diese Geschmacklosigkeit -hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Die erste Verwendung fand -diese Schrift 1702 in einem Prachtwerke _Médailles sur les principaux -événements du règne de Louis le Grand_[7]. - - [7] Bei der grossen Bedeutung, welche diese Schrift in der - Geschichte der Typographie einnimmt, sei es gestattet - noch einige Einzelheiten zu erwähnen. Sie besteht aus - 21 Graden mit den dazu gehörenden Cursivschriften und - den grossen Initialen (_lettres de deux points_). Der - St. Augustin-(Mittel-)Kegel, mit dem das oben erwähnte - Werk _Description_ etc. gesetzt wurde, war der erste - Grad, der als Prototyp für alle die anderen Grade - diente. Der Punkt der kgl. Druckerei bildet den 6. Teil - einer Linie des _pied du roi_; 2½ Punkte gleichen einem - Millimeter. Die besonderen Kennzeichen sind, dass an - einigen der gemeinen Buchstaben, namentlich den hinauf- - oder heruntersteigenden, oben resp. unten, quer über den - Grundstrich durchgehende horizontale Strichelchen statt - der damals üblichen einseitigen, etwas schrägen Striche - angebracht sind, und dass das l einen kleinen Ansatz an - der Mitte der linken Seite des Striches bekam, welcher - dem Buchstaben das Aussehen giebt, als hätte die Mater an - dieser Stelle einen kleinen Fehler gehabt. - - Die königliche - Buchdruckerei. - -Aus den erwähnten Jahreszahlen ist bereits ersichtlich, dass Ludwig -□xiv.□ nicht die Vollendung der von ihm angeregten Verbesserungen -erlebte. Für die Anstalt blieb dies ohne weitere Folgen, denn der -Regent sowohl als der junge König Ludwig □xv.□ waren der Druckkunst -wohlgesinnt. Der letztere hatte sogar in den Tuilerien für seinen -persönlichen Gebrauch eine kleine Buchdruckerei, aus der ein Werkchen: -_Cours des principaux fleuves et rivières de l'Europe composé et -imprimé par Louis XV, roy de France et de Navarra. Paris_ 1718, stammt. - -Die griechischen Typen des Néobar und Stephanus wurden restauriert, -hebräische geschnitten und die Anfertigung chinesischer Typen unter -der Aufsicht des Herrn de Fourmont angeordnet, womit der Anfang schon -1742 gemacht wurde, während die Vollendung des im ganzen missglückten -Unternehmens sich jedoch weit über die Grenze unserer Periode -hinauszog. - -Wie Ludwig □xiv.□ die Vollendung des sorgfältig Angebahnten nicht -erlebte, so auch nicht der verdienstvolle Direktor Sebastian Cramoisy. -Er starb i. J. 1669; sein Nachfolger und Enkel □Marbre-Cramoisy□, ein -eben so tüchtiger Mann wie der Grossvater, 1687. Diesem folgte der -bekannte Lyoner Buchdrucker □Jean Anisson□, der 1709 sein Amt zugunsten -seines Schwagers und Associés, □Claude Rigaud□, niederlegte; nach ihm -traten wieder die □Anissons□ ein. - -Die grossartigen Werke alle aufzuzählen, die aus der königlichen -Anstalt hervorgegangen sind, ist nicht möglich, erwähnt seien nur die -_Biblia sacra_ in 8 Folio-Bänden; die _Concilia generalia etc._, 37 -Bde.; _Scriptores historiæ Byzantinæ_, 29 Bde.; _Gallia christiana_, 13 -Bde., alle in Folio; _Buffon, histoire naturelle_, 33 Bände in Quarto. - -Als ein Zeichen des Ansehens, worin die Buchdruckerkunst stand, -kann es gelten, dass die Sitzungen der von Richelieu gegründeten -französischen Akademie bei ihrem Buchdrucker und Buchhändler, □Jean -Camusat□, stattfanden, der öfters als Repräsentant der Akademie -verwendet wurde. Bei seinem Tode 1639 veranstaltete dieselbe eine -Leichenfeier, ausserdem ehrte man sein Andenken, indem man seiner Witwe -die Funktionen als Buchdrucker der Akademie liess, gegen den Willen -Richelieus, welcher diesen Posten Cramoisy zugedacht hatte. - -Doch, wie erwähnt, das wahre belebende Prinzip, die allgemeine gesunde -freiheitliche Bewegung, fehlte und konnte nicht durch persönliche -Vorliebe der regierenden Häupter ersetzt werden; der Verfall der -Buchdruckerei in Frankreich wurde zwar lange aufgehalten, konnte jedoch -nicht abgewendet werden, als die Revolution und dann die Reaktion über -Frankreich hereinbrachen. - - * * * * * - - Lyon. - -In Frankreich spielte ausserhalb Paris nur □Lyon□[8] eine wichtige -Rolle in der typographischen Geschichte Frankreichs, namentlich durch -die Produktion einer grossen Anzahl illustrierter Werke. Es entstand -eine besondere Holzschneiderschule, deren berühmtestes Mitglied -□Salomon Bernard□ war. Auch Werke deutscher Künstler erschienen in -Lyon, vor allen anderen zu nennen Holbeins „Totentanz“ und dessen -Illustrationen zu dem Alten Testament. Von der Bedeutung des dortigen -Druckgewerbes kann man sich daraus eine Vorstellung machen, dass -bei dem Einzug Heinrichs □ii.□ in Lyon, 1548, nicht weniger als 413 -Drucker, prachtvoll kostümiert, ihn im festlichen Aufzug empfingen. - - [8] _Manuel du bibliophile et de l'archéologue Lyonnais._ - Paris 1857. - - Jean Grandjon. - -Ausser durch seine illustrierten Werke zeichnete Lyon sich durch schöne -Schriften aus. □Jean Grandjon□ lieferte 1558 eine Cursivschrift, die -berühmt geworden ist. Er suchte die Feinheit der Federzüge nachzumachen -in ähnlicher Weise wie es in der Theuerdanktype der Fall war. Auch das -Binden der Bücher erreichte, namentlich durch das Interesse, welches -□Joh. Grollier□ daran nahm, hier eine grosse Vollkommenheit (vergl. S. -215). - - Seb. Gryphius. - -Zu den bedeutendsten Buchdruckern Lyons zählte □Sebastian Gryphius□ -(1528-1566). Er war zu Reutlingen geboren und einer der gelehrtesten -Männer seiner Zeit, der eine grosse Anzahl nützlicher Bücher in -lateinischer, griechischer und hebräischer, dagegen nur wenige in -französischer Sprache herausgegeben hat. Sein Sohn □Anton□, ebenfalls -ein sehr unterrichteter Mann, aber im Geschäft unpraktisch, starb arm. - - Jean de Tournes. - -Ein Schüler von S. Gryphius war □Jean de Tournes□ (geb. 1504, gest. -1564). Er stattete seine Bücher reichlich mit künstlerischem Schmuck -aus. Besonders hervorzuheben sind: _Delectus amicorum_; _Ovid_; mehrere -Ausgaben der Bibel und des Neuen Testaments. Er starb an der Presse -arbeitend. Der Sohn □Jean de Tournes□ war noch gelehrter als der Vater, -kam ihm aber als Buchdrucker nicht gleich. Der Reformation ergeben, -wurde er eingekerkert, sein Haus geplündert, seine Bücher verbrannt -und seine Papiere verwüstet. Zwar kam er mit dem Leben davon, als -aber Heinrich □iii.□ Todesstrafe über die Bekenner der neuen Lehre -aussprach, zog er nach Genf und gründete dort eine Buchhandlung und -Buchdruckerei, die bald in Flor kamen. - - Steph. Dolet. - -Das Leben des unglücklichen □Stephan Dolet□[9] (1508/09-1546) gehört -mehr der Litteratur-, als der typographischen Geschichte an. Dolet -stammte aus einer angesehenen Familie in Orleans, genoss einer -ausgezeichneten Erziehung, und zählte unter die gelehrtesten Männer -damaliger Zeit. Sein stürmischer Charakter und die Kühnheit seiner -religiösen Ansichten stürzten ihn in Ungelegenheiten aller Art. Von -Toulouse verbannt, flüchtete er nach Lyon und wurde Korrektor in -Gryphius' Offizin, wo er wahrscheinlich die Kunst lernte. Bereits -1536-1538 druckte Gryphius das bedeutendste Werk Dolets: _Commentarii -linguæ latinæ_. Nachdem er in einem Streit den Maler Henri Guillot -getötet hatte, war er gezwungen, Lyon zu verlassen, erhielt jedoch -durch die Protektion der Königin Margaretha von Valois und vieler -mächtigen Freunde die Erlaubnis, nach Lyon zurückzukehren, wo er 1537 -eine Druckerei errichtete, aus der viele geschätzte Werke hervorgingen. -Seine scharfe Feder schaffte ihm überall Feinde, mit seiner -Kollegenschaft überwarf er sich, indem er in Lohnstreitigkeiten sich -auf die Seite der Gehülfen stellte. Mehrmals eingekerkert, flüchtig -geworden, dann wieder zurückgekommen, wurde er angeklagt, Schriften -zugunsten der Reformation gedruckt zu haben, und am 3. Aug. 1546 in -Paris lebendig verbrannt. - - [9] □Jos. Boulmier□, E. Dolet. Paris 1857. - - Verschiedene - Drucker zu Lyon. - -Ein ebenso gewandter Buchdrucker als Buchhändler war □Guillaume de -Roville□ aus Tours. An Geschmack wetteiferte er mit de Tournes, und -seine Druckwerke enthalten viele schöne Illustrationen. Er erwarb -sich grosses Ansehen und grosse Reichtümer. Die Gebrüder □Jean□ und -□François Frellon□ (1520-1570) sind namentlich als Drucker Holbeinscher -Illustrationen bekannt. Ausser den genannten hat Lyon auch im □xvii.□ -Jahrh. noch manche tüchtige Buchdrucker aufzuweisen, unter diesen die -Mitglieder der Familie Anisson, deren bekanntestes, □Jean Anisson□, -in Verein mit seinem Bruder □Jacques□ druckte, bis er zum Direktor der -königlichen Druckerei im Louvre ernannt wurde. Anissons Druckerei war -die letzte von künstlerischer Bedeutung in Lyon, sie fabrizierte jedoch -später auch nur gewöhnliche Ware. - - Rouen. - -Von den Provinzstädten ist noch □Rouen□ zu erwähnen, wo namentlich -ein grosses Druckgeschäft mit Missalen stattfand, welche nach England -ausgeführt wurden, und □Sedan□, wo eine, noch heute geschätzte, -Sammlung von Klassikern mit einer sehr kleinen Schrift, _Sedanoise_, -von □Jean Jannon□, gedruckt wurde. - - * * * * * - - Schriftgiesserei. - -Aus dem, was oben über die Schriften der kgl. Druckerei, der Stephane -und anderer in Paris und Lyon gesagt wurde, geht bereits hervor, dass -Frankreich in der STEMPELSCHNEIDEREI und SCHRIFTGIESSEREI den Vorrang -behauptete. - -Die älteste der Privatschriftgiessereien ist die von □Guillaume le Bé□. -Mit den von ihm selbst geschnittenen Schriften vereinigte er 1561 einen -grossen Teil der Stempel des verstorbenen Garamond. Die le Bé folgten -sich in vier Generationen. 1730 kam das Geschäft in die Hände von -□Fournier l'ainé□. - -Die Anfänge der zweiten Giesserei durch □Jacques Sansleque□, Schüler -des le Bé, reichen bis auf das Jahr 1596. Auch dieses Geschäft erbte -durch vier Generationen auf □Jacques□, □Louis□ und □Louis Eustache -Sansleque□. - - Typogr. Punkt. - -1736 begann □Fournier le jeune□, Bruder des Besitzers des le Béschen -Geschäfts, eine Schriftgiesserei eigentümlicher Art, indem er selbst -alle Schriften derselben zeichnete, schnitt, abschlug und justierte, -wozu er etwa 30 Jahre gebrauchte. Er schrieb das bereits erwähnte -_Manuel typographique_ (2 Bde. Paris 1764), dessen zweiter Band, -fast nur systematische Schriftproben enthaltend, uns ein ziemlich -klares Bild von dem damaligen Stande des Typenwesens giebt. In dem -ersten Band entwickelt Fournier sein, 1737 aufgestelltes, System des -typographischen Punkts, welches, später von Didot fortentwickelt, die -Einheit in der französischen Schriftgiesserei zuwege brachte[10]. -Zwar bestand ein Reglement v. 28. Febr. 1723 sowohl in Betreff -der Schrifthöhe als der Progression der Schriftkegel. Dieses wurde -hinsichtlich der Höhe (10½ geom. Linien) nicht beachtet, so dass -letztere bis auf 10% differierte, und für die Kegel fehlte eine -„Normal-Einheit“, von welcher man auszugehen verpflichtet war, so dass -das Reglement gar keinen Nutzen erzielte. - - [10] □Fournier□ stellt als Ausgang für sein System ein - Typometer auf von 2 Zoll oder 12 Linien, gleich 12 - Cicero. Jede Linie teilt er in 6 typographische Punkte. - Die kleinste Schrift ist _Parisienne_ = 5 Punkte, - dann steigen _Nonpareille_, _Mignonne_, _Petit-Text_, - _Gaillarde_, _Petit-Romain_, _Philosophie_, _Cicero_ - je um 1 Punkt; darauf _Saint-Augustin_, _Gros-Texte_, - _Gros-Romain_, _Petit-Paragon_, _Gros-Paragon_, - _Palestine_ je um 2 Punkte, die dann folgenden grösseren - Schriften wachsen in stärkeren Steigungs-Verhältnissen. - -In der STEREOTYPIE hatte der Buchdrucker □Valeire□ bereits zu -Anfang des □xviii.□ Jahrh. Versuche gemacht und einen Kalender von -Messingplatten gedruckt. Die Typen wurden in Thon eingepresst; da die -Tiefe jedoch nicht gleichmässig war, konnten die Platten es auch nicht -werden. - - * * * * * - - Die Buchbinder- - kunst. - - de Thou. - -Eine hohe Stufe erreichte die □Buchbinderkunst□. Als Förderer -derselben steht obenan der erwähnte □Jean Grollier□, Vicomte d'Aguisy -(1479-1565), Schatzmeister unter mehreren französischen Königen. Er -hatte in Italien schöne Einbände lieben gelernt, ahmte sie nach und -veredelte sie. Er liess die Bücher in seinem Hause binden und legte -selbst Hand mit an. Die Bände Grolliers mit der Devise: _J. Grolliero -et amicis_ gelten noch heute als Edelsteine der Buchbinderkunst und -werden mit den höchsten Preisen bezahlt. Mit Grollier übernimmt -Frankreich die Führung in der Buchbinderei und behauptet sie. -Ausgezeichnet in seinen Bänden war der Zeitgenosse Grolliers, □Geoffr. -Tory□. Als würdiger Förderer gegen Ende des □xvi.□ Jahrh. erwies -sich □Ch. A. de Thou□, Direktor der königlichen Sammlungen. Während -Grolliers und Torys Bände phantastische arabische Ornamente zeigten, -sind die Fonds der meist in Maroquin ausgeführten Bände de Thous -hauptsächlich mit an die Natur sich anschliessenden Verzierungen: -Lorbeer-, Öl- und Eichenzweige gefüllt, während die Ornamente in -die Zwischenräume der Ranken verwiesen sind. Die Bände de Thous sind -ausserordentlich gesucht und mit bis zu 15000 Fr. bezahlt. Ebenfalls -geschätzt und selten sind die bei weitem einfacheren gleichzeitigen -Bände des Königs Franz □i.□ Sie sind meist in schwarzes Leder oder -Sammet gebunden, nur mit der königlichen Chiffre und einem Salamander -in Gold geschmückt. - - Bibliothek der - Diana v. Poitiers. - -Prächtig und sehr geschmackvoll sind die Bände des Königs Heinrich -□ii.□, namentlich diejenigen, welche er für seine Geliebte, die -geistreiche Diana von Poitiers, herstellen liess. Das für sie mit -Aufwand aller künstlerischen Ausschmückung eingerichtete Schloss -Anet enthielt eine Sammlung von gegen 800 in Ziegen- oder Schafleder -gebundenen Bänden. Sie sind reich mit Symbolen der Liebe ornamentiert, -z. B. den verschlungenen Anfangsbuchstaben H und D, zu welchem -letzteren noch galanterweise das Zeichen der jungfräulichen Göttin -Diana, die Mondsichel, gefügt wurde. - - le Gascon. - -Unter den späteren Meistern ist □le Gascon□, der Buchbinder der Königin -Anna von Österreich, berühmt geworden. Er war durchaus originell, -verzichtete auf die Wirkung verschiedener Farben und wendete nur -einfache Goldpressung auf dem einfarbigen Untergrund an; die leeren -Stellen zwischen den Linien wurden mit Punkten oder kleinen Ornamenten -ausgefüllt. Seine Hauptepoche fällt in die Zeit von 1640-1655. - -Als Ersatz für die Vielfarbigkeit suchte man dem Leder durch künstliche -Texturen und neue Färbungen Abwechselung zu geben; so erhielt der rote -Maroquin den Charakter der schuppigen Schlangenhaut, in welcher Weise -die Bücher des Ministers Colbert gebunden wurden, man ahmte Marmor, -Granit, Stoffe nach, verliess die Pflanzenornamente und die Arabesken, -imitierte durch Punkte Spitzenmuster oder überspannte die Decken wie -mit goldenen Spinnengeweben. - - du Seuil, Padeloup, - Derome. - -Zu Anfang des □xvii.□ Jahrh. wirken □du Seuil□, □Padeloup□ und -□Derome□. Die Goldpressung wird übermässig angewendet. In der -Ornamentierung herrscht Zerfahrenheit. Um 1750 tritt noch eine anmutige -Art der Goldpressung auf: Vögel, die sich in Ranken wiegen oder um -diese herumflattern. Der Üppigkeit der Zeit gemäss werden die Deckel -mit Atlas oder Sammet überzogen und mit Gold-, Silber- und anderen -Stickereien geschmückt, sogar die Gobelins werden der Buchbinderei -dienstbar. Man verfällt aber nach und nach in Geschmacklosigkeit und -geht in dieser so weit, beide Deckelseiten und den Rücken mit einem -fortlaufenden Bild zu überziehen. An Stelle des reichen Vorsatzes tritt -farbiges marmoriertes, gefedertes oder verschiedene Stoffe nachahmendes -Luxuspapier. Schon zu Anfang des □xviii.□ Jahrhunderts macht sich der -Papierüberzug als Ersatz für das Leder bemerkbar und die Periode des -Halbfranzbandes beginnt. - -[Illustration:Kapitelende] - - - - -[Illustration:Kapitelanfang] - -XI. KAPITEL. - -DIE NIEDERLANDE. - - Die Illustration. Christoph Plantin, seine Nachkommen, das Plantinsche - Museum. Die Familie Blaeu. Die Elzeviere: Ludwig □i.□, Matthias und - Bonaventura, Isaack, Bonaventura und Abraham □i.□ Johann und Daniel. - Ludwig und Daniel, das Ende des Hauses. Die Nachahmer der Elzeviere. - Die Familie Enschedé und die Schriftgiesserei. - - -DAUERTE es auch lange, ehe die Buchdruckerkunst in dem jetzigen -Belgien und Holland recht heimisch wurde, so trieb sie, einmal dorthin -verpflanzt, um so tiefere Wurzel; die Blütezeit derselben währte viel -länger als in Deutschland, der Verfall war dort nie so gross als hier. - - Die typographi- - schen Eigentüm- - lichkeiten. - -Dieselben Eigenschaften, welche die niederländische Malerkunst -auszeichnen, die grosse Sauberkeit der Ausführung und die über alle -Einzelheiten sich erstreckende minutiöse Sorgfalt, kennzeichnen -auch die dortige Typographie. Gleich den malenden Künstlern des -Landes verfolgten die Buchdrucker und Verleger im allgemeinen eine -realistische Tendenz. Sie veranstalteten eine Menge für das Leben und -die Wissenschaft nützlicher Werke, huldigten jedoch selten der idealen -Richtung, welche vorzugsweise in Deutschland, jedoch auch in Frankreich -und Italien, durch Zusammenwirken des Griffels der Künstler mit der -Feder des Schriftstellers die uns bekannt gewordene Reihe prächtiger -Erzeugnisse des Buchgewerbes hervorgebracht hat. - - Die Illustration. - -Dennoch blieben die Niederländer nicht ohne Verdienste um die -vervielfältigenden Künste, doch machen sich diese hauptsächlich in dem -Kupferstich und der Radierung, weniger in der mit dem Buchgewerbe enger -verbundenen Xylographie, geltend. - -Deutschlands Albrecht Dürer stellen sie ihren □Lucas van Leyden□ -(Dammetz, geboren 1494, gestorben 1533) entgegen. Er lieferte etwa 200 -Stiche; für den Holzschnitt ist seine Thätigkeit eine unbedeutende. -Im _Clair-obscur_-Druck zeichnen sich aus: □Hubert Goltz□ (geb. 1524, -gest. 1583), dessen _Icones imperatorum Romanorum_ in Kupferstich mit -aufgedruckten Holzschnittplatten ausgeführt sind; □Abraham Bloemaert□ -(geb. 1567, gest. 1647); und □Heinr. Goltzius□. Dieser nähert sich -in mancher Hinsicht Luc. van Leyden. Schon 1523 erschien bei Dodo in -Amsterdam eine Passion in 62 Blättern von einem ungenannten Künstler -(□Joh. Walter von Assen□?), welcher ein Jahrhundert vor Rembrandt in -der bekannten Manier dieses Künstlers zeichnete. □Rembrandt□ selbst -(geb. 1606, gest. 1665) hat sich im Holzschnitt versucht und □Joh. -Livens□ (geb. 1607, gest. 1663), sowie □Dirk van Bray□ (gest. 1680) -ahmten mit Glück seinen Stil im Holzschnitt nach, während Rubens' -Zeichnungen einen tüchtigen Dolmetsch in dem Holzschneider und Zeichner -□Christoph Jegher□ fanden, einem geborenen Deutschen, der 1620-1660 in -Antwerpen wirkte. - -Eine Notiz von K. v. Heinecken hat zu vielen Debatten über einen -mystischen frühesten Xylographen der Niederlande „Phillery“ Anlass -gegeben. Allem Anschein nach schrumpft derselbe zu einem erst in den -zwanziger Jahren des □xvi.□ Jahrh. lebenden Holzschneider „Willem“ -zusammen und beruht der Name Phillery wohl nur auf undeutlichen -Schriftzügen. - - * * * * * - -Als Träger der Buchdruckerei erblicken wir in den Niederlanden wie in -Italien und Frankreich mehrere berühmte Familien, vornehmlich die der -Plantin, der Blaeu und der Elzeviere. - - Blühende Lage - Antwerpens. - -Das blühende und mächtige Brügge hatte auf Grund seiner Haltung -gegen den Kaiser Maximilian □i.□ seine Privilegien verloren, die auf -ANTWERPEN übertragen wurden. Hierdurch hatte die letztere Stadt seit -dem Beginn des □xvi.□ Jahrhunderts einen grossen Aufschwung als Depot -zwischen Nord und Süd genommen. Auch die Buchdruckerei behauptete dort -eine angesehene Stellung, und es erschienen viele wertvolle und gut -ausgestattete Werke. Unter Karl □v.□ erreichte die Stadt ihre höchste -Blüte, ward jedoch zugleich ein Angelpunkt für die reformatorische -Bewegung in den Niederlanden, welche, nachdem Karl □v.□ am 25. Okt. -1555 die Regierung zugunsten seines Sohnes Philipp □ii.□ niedergelegt -hatte, so schwere Zeiten über das Land heraufbeschwören, jedoch auch -ihre Freiheit begründen sollte. - - Christ. Plantin. - -Inmitten der politischen und religiösen Gährung liessen sich, um das -Jahr 1550 herum, Plantin und seine Frau Johanne Rivière in Antwerpen -nieder. □Christoph Plantin□[1], in Mont-Louis bei Tours in Frankreich -geboren, hatte bei Robert Macé in Caen gelernt und eröffnete nach -vielen Reisen einen kleinen Buchladen mit Buchbinderei, während seine -Frau mit Leinen-Waren handelte. Der Gerichtsschreiber Graphäus gab -Plantin seine Bücher zu binden und machte ihm kleine Vorschüsse. 1550 -wurde er als Buchdrucker in die St. Lucas-Gilde aufgenommen, aber erst -1555 hatte er in dem von ihm angekauften Hause auf dem Freitagsmarkt -eine vollständig eingerichtete Offizin. - - [1] □C. Ruelens□ et □A. de Backer□, _Annales Plantiniennes_. - Paris 1866. -- □M. Rooses□, _Plantijn an de Plantijnsche - Drukerey_. Brüssel 1877. -- □Léon. Degeorge□, _La maison - Plantin à Anvers_. 2. Aufl. Brüssel 1878. - - Sorgsamkeit - Plantins. - -Eifersüchtig auf den Ruhm derselben, sorgte er für die schönsten -Schriften und den besten Druck. Wennauch die Verwendung silberner Typen -in das Reich der Fabel gehört, so steht es doch fest, dass er in seiner -Giesserei mit dem Guss solcher experimentiert hat. Plantin gehörte auch -nicht zu den Druckern, die, nach dem Ausspruch des Erasmus, „lieber -6000 Fehler, wie Ameisen, in ihren Werken herumkribbeln sehen, als -einen tüchtigen Korrektor bezahlen“; im Gegenteil, er hatte sich die -Worte Heinrich Stephanus', dass „die Korrektur das für die Druckerei -ist, was die Seele für den Leib“, zu eigen gemacht. Überhaupt verstand -er, wennauch nicht in Besitz tiefer Kenntnisse, als vorzüglicher -Praktiker, dabei zäh ausdauernd in der Durchführung seiner Pläne, die -Talente Anderer zu benutzen. - - Sein Korrektor - Corn. van Kiel. - -Der erste seiner Korrektoren war der berühmte Cornelius van Kiel, oder -Kilianus (geb. um 1528, gest. 15. April 1607), der während seines -fünfzigjährigen Wirkens in dem Plantinschen Hause sehr zu dem Ruhme -desselben beitrug. Über alle Beschreibung anspruchslos, dachte van Kiel -nie daran, sich selbst geltend zu machen, zufrieden wenn nur das Haus, -an das er seine Existenz geknüpft hatte, gedieh. - - Th. Pullmann. - - Just. Lipsius. - -Eine zweite Stütze hatte Plantin in dem gelehrten Theodor Pullmann -(geb. um 1510), von Profession ein Walkmüller, jedoch von seiner Jugend -ab den Wissenschaften mit Leidenschaft ergeben. Leider führte diese -ihn in seinem Emendieren der Klassiker zu weit, und oft füllte er die -Lacunen in kühnster Weise aus. Auch mit dem berühmten Justus Lipsius -stand Plantin in engem geschäftlichen Verkehr. - - Franz Raphelin- - gius. - -Einen Hauptmitarbeiter im Geschäft fand Plantin in □Franz -Raphelingius□. Derselbe hatte in Paris eifrigst griechisch und -lateinisch getrieben und seine Studien in Cambridge vollendet. Plantin -nahm ihn nicht allein als Korrektor auf, sondern gab ihm auch seine -älteste Tochter Margaretha zur Ehe. Als Plantin, 1582, das belagerte -Antwerpen verliess und das Geschäft in Leyden eröffnete, leitete -Rapheling die Stammoffizin und trieb zugleich den Buchhandel. Nach -der Rückkehr Plantins nach Antwerpen übernahm dagegen Rapheling das -Geschäft in Leyden und wurde an dortiger Universität Professor der -hebräischen Sprache. Er war ein Mann von bedeutenden Kenntnissen und -ein unermüdlicher Mitarbeiter an dem grossen Bibelwerke Plantins. - -Eine geschäftlich noch kräftigere Stütze fand Plantin in □Johannes -Moretus□ (Jean Moerentorff), geboren in Antwerpen am 22. Mai 1543. -Anfänglich Arbeiter bei Plantin, gefiel er, wenn er auch dessen Ideale -von einem Buchdrucker nicht vollständig entsprach, doch durch seine -praktische Tüchtigkeit diesem noch mehr als der gelehrte Rapheling -und er gab ihm seine zweite Tochter Martina zur Frau. Die dritte -Tochter ward mit □Gilles Beys□, ebenfalls einem tüchtigen Buchdrucker, -verbunden, welcher der Filiale des Geschäfts in Paris vorstand. - - Biblia - polyglotta. - -Das Werk, welches den Namen Plantin in der Buchdruckerwelt unsterblich -gemacht hat, und in seinem Leben eben so eine Epoche bildet, wie der -_Thesaurus græcæ linguæ_ in dem Dasein des Heinr. Stephanus, ist die -„_Biblia sacra hebraice, chaldaice, græce et latine. Philippi II. -reg. cathol. pietate et studio ad sacro sanctæ ecclesiæ usum Christoph -Plantinus excud. Antwerpiæ_“. - -Die erste Idee eines polyglotten Bibelwerkes[2] stammt von Aldus -Manutius, wie aus der in der National-Bibliothek zu Paris vorhandenen -Probe hervorgeht (S. 179). Diese dreispaltige Seite enthält den -hebräischen, griechischen und lateinischen Text und gab wahrscheinlich -Veranlassung zu der in den Jahren 1514-1517 in Alcala in Spanien -gedruckten Polyglotte des Kardinal Ximenes (S. 189), die bereits eine -grosse Seltenheit geworden, sodass öfters der Gedanke entstanden -war, eine neue Polyglottbibel zu drucken. Diesen Plan hatte auch -der Kurfürst August von Sachsen gefasst, gab ihn aber zugunsten des -Plantinschen Vorhabens auf. Auch Philipp □ii.□ beabsichtigte ein -ähnliches Werk ausführen zu lassen. Als Plantin ihm die Probebogen -seines Unternehmens überreichen liess, ging er bereitwillig auf dessen -Idee ein, bewilligte die Zahlung der für Druck und Papier allein auf -24000 Gulden veranschlagten Kosten, gewährte ausserdem einen Vorschuss -von 6000 Dukaten und bestellte seinen Kaplan Arias Montanus als -Überwacher der litterarischen Herstellung. Letzterer kam am 18. Mai -1568 nach Antwerpen und empfing vom König ausser seinem Gehalt noch -einen Zuschuss von 300 Kronen jährlich; für die Textrevision wurde eine -Anzahl tüchtiger Gelehrter gewonnen. Den Auftrag zur Anfertigung der -Schriften erhielt der berühmte Schriftgiesser Wilhelm le Bé in Paris. - - [2] □G. Outhuis□, _Geschiedkundig Verslag der voornamste - uitgaven van de Biblia polyglotta_. Franecker 1822. - - Druck der Polyglotte. - -Der Druck begann im Jahre 1568 und dauerte bei fortwährender -Beschäftigung von 40 Arbeitern bis zum Jahre 1572. Anfänglich war -das Werk auf vier Bände berechnet; auf Plantins Vorschlag wurde -jedoch noch das Neue Testament in der syrischen Sprache, welches -bereits in Wien gedruckt war, mit einverleibt, so dass das Werk -mit Inbegriff der drei Bände „_Appendix_“ aus acht Bänden besteht. -Ausser 12 Pergament-Abdrücken wurden 1200 Exemplare gedruckt; 10 -auf Imperial-Velin zu 40 Gulden das Ries; 30 Exemplare auf etwas -geringeres; 200 auf Royal-Velin aus Lyon und 960 Exemplare auf -Royal-Papier aus Troyes. Im Verhältnis zu den Kosten waren die -Verkaufspreise mässig gestellt. Der Preis betrug für eins der 200 -Exemplare auf Royal-Velin 40 Kronen, für ein gewöhnliches 35 Kronen[3]. - - [3] Eine ganz ausführliche bibliographische Beschreibung - der Polyglotte befindet sich in □C. Ruelens□ et □A. de - Bacher□, _Annales_ S. 128 u. f. - - Schwierigkeiten. - -Ein mühsames Werk war vollbracht; Plantin selbst sagt: „Jetzt, wo die -Bibel vollendet ist, stehe ich mit Überraschung und Erstaunen vor der -Arbeit, welche ich nicht nochmals machen möchte, selbst wenn man mir -12000 Kronen dazu schenkte, und obwohl sie jetzt, wo die Schriften und -die Einrichtung vorhanden sind, vielleicht um 6000 Kronen billiger zu -stehen kommen würde“. Nimmt man seine Aussprüche buchstäblich, so war -ihm nicht allein kein angemessener Vorteil, sondern sogar ein direkter -Nachteil aus der Arbeit erwachsen; jedoch, Plantin war ein schlauer -Geschäftsmann, der sich nicht gern tief in die Karten blicken liess. - -Ohne Verdriesslichkeiten sollte es nicht abgehen. Der König wünschte -die Approbation des Papstes Pius □v.□ Dieser verweigerte sie jedoch -entschieden und Plantin erhielt Ordre, vorläufig kein Exemplar -auszugeben. Montanus musste im Auftrag des Königs nach Rom gehen, um -womöglich die Angelegenheit zu ordnen. Er kam gerade an, als Gregor -□ix.□ den Stuhl des verstorbenen Pius □v.□ eingenommen hatte und fand -den neuen Papst günstiger für die Sache gestimmt. Die Approbation -wurde 1572 erteilt. Hiermit waren jedoch die Anfechtungen nicht vorbei. -Einer der erbittertsten Feinde des Unternehmens, der Professor León de -Castro in Salamanca, denunzierte Plantin und Montanus der Inquisition. -Montanus reichte seine Rechtfertigung ein, erhielt aber erst nach vier -Jahren, 1580, insoweit Recht, dass das Buch dem Schicksal entging, auf -den Index der verbotenen Bücher gesetzt zu werden. - - Plantin, _Proto- - typographus_. - -Durch Patent vom 10. Juni 1570 wurde Plantin zum _Prototypographus_ -der Niederlande ernannt. Es handelte sich dabei nicht um einen blossen -Ehrentitel. Er hatte die Rolle der Meister und Lehrlinge, sowie -der autorisierten Korrektoren, Holzschneider und Kupferstecher zu -führen, eine Liste über alle Werke, deren erster und letzter Bogen -ihm behändigt werden mussten, anzufertigen, und sollte ausserdem die -Bücherpreise bestimmen. Alle Änderungen in den Arbeiterverhältnissen -waren ihm anzuzeigen. Die Mühen und Verdriesslichkeiten bei diesem -Amte waren jedoch so gross, dass Plantin i. J. 1576 seine Entlassung -nachsuchte. Einmal war er sehr nahe daran, die Gunst des Königs zu -verscherzen, indem auf Veranlassung des Wiedertäufers Niclaes aus -Münster, mit dem er in inniger Verbindung stand, mehrere ketzerische -Schriften, angeblich freilich ohne Wissen des zufällig abwesenden -Besitzers, in seiner Offizin gedruckt wurden. Über seine religiöse -Überzeugung herrschte bereits lange einiger Zweifel, er verstand es -jedoch so gut, sich wenigstens äusserlich als guter Katholik zu geben, -dass er allen drohenden Gefahren entging. - - Umfang von - Plantins Thä- - tigkeit. - -Plantins Druckerthätigkeit blieb eine sehr grosse. Ruelens und Backers -Annalen zählen von ihm 1031 Druckwerke auf, obwohl viele Bibelausgaben -und Missalen nicht mit angeführt sind. Mit dem _Missale Romanum_ von -1522 fängt eine Reihe von prachtvollen liturgischen Werken an, durch -welche die Plantinsche Druckerei sich langezeit auszeichnete. - - Schönheit seiner - Typen. - -Die Typen des Plantin halten den Vergleich mit denen seiner -Zeitgenossen, Aldus Manutius und Heinr. Stephanus, vollkommen aus. -Seine Cursiv ist besonders elegant und nicht so schreibschrift-ähnlich, -wie die Aldinische. Die Antiqua ist etwas derb und breit, jedoch für -das Auge gefällig, leicht lesbar und den Schriften des Stephanus -vollständig ebenbürtig. Die griechischen Schriften sind schöner -als die des Aldus. Zu loben ist ferner die Genauigkeit des Gusses, -einschliesslich des Durchschusses und der Quadrate. Die ganze -Disposition der Titel, der Schriftkolumnen und der Vignetten zeigt -Geschmack und Verständnis. - - Plantins Druck- - zeichen. - -Das erste, 1555 angenommene Druckerzeichen Plantins war ein Baumstamm, -um welchen sich ein Weinstock schlingt, mit zwischen den Zweigen -herabhängenden Trauben. Ein Weinbauer ist beschäftigt die schlechten -Zweige abzuschneiden. Als Umschrift liest man _Excerce imperium et -ramos compesce fluentes_[4]. Als Zeichen bedient er sich von 1558 ab -des Zirkels, von einer Hand aus den Wolken geführt, mit der Inschrift: -„_Labore et constantia_“. Zwei allegorische, schildhaltende Figuren -versinnlichen des weiteren den Gedanken, worauf der Zirkel schon -hinweist: der feste Teil desselben deutet auf die Beständigkeit in dem -einmal Vorgenommenen; der bewegliche auf die rastlose Arbeit. - - [4] Abgebildet auf der Schlussseite von Ruelens, _Annales_. - - Plantins Tod. - -Plantin starb am 1. Juli 1589, 75 Jahre alt. Sein letztes Werk war der -□i.□ Band der: _Annales ecclestiastici Cæsaris Baroni Sorani_. - - Die Nachfolger - Plantins. - -Nach seinem Tode übernahm Rapheling das Leydener Geschäft. Beys behielt -die Pariser Filiale und Moretus die Antwerpener Offizin, deren Leitung -er schon seit zwei Jahren besorgt hatte. - -□Johannes Moretus□ besass keine tiefergehenden Kenntnisse, verstand es -aber die Verbindungen mit den vielen Gelehrten aufrecht zu erhalten. -Als im Jahre 1592 die _Vulgata_ in Rom gedruckt wurde, erhielt er durch -päpstliches Breve vom 11. März 1597 für zehn Jahre das Alleinrecht, -jenseit der Alpen das Werk zu drucken und zu verbreiten, unter -der Verpflichtung, die grösste Sorgfalt auf Korrektur und Druck zu -verwenden und durchaus keine Änderungen vornehmen zu lassen. - - Balthazar Mo- - retus. - -Unter der Leitung von dem Sohne des Johannes, dem gelehrten □Balthazar -Moretus□, nahm die Plantinsche Druckerei noch durch lange Zeit eine -hochangesehene Stellung ein. Gegen die Mitte des □xvii.□ Jahrhunderts -jedoch schwand die Bedeutung mehr und mehr, und mit dem Beginn des -□xviii.□ Jahrh. war der geschäftliche Glanz des Hauses erloschen. -Äusserlich wurde jedoch alles mit grosser Pietät in dem alten Stand -gelassen und das Haus mit allen seinen reichen Sammlungen, welche -es, von dem grossen Publikum ungekannt und selbst für Auserwählte nur -schwer zugänglich, umfasste, sorgfältig erhalten. Da wurden seitens der -Verwaltung der Stadt Antwerpen Verhandlungen über die Erwerbung dieser -typographischen Schatzkammer angeknüpft. Nachdem der Graf von Flandern -die Initiative ergriffen hatte, zeigte sich die Staatsregierung -geneigt, einen wesentlichen Anteil der Kosten auf sich zu nehmen, der -aber später sehr zusammenschrumpfte. Schliesslich wurde i. J. 1875 -ein Vertrag abgeschlossen, nach welchem das Haus und die Sammlungen -für 1200000 Franken, von welchen der Staat die 200000, die Stadt die -1000000, zahlte, in den Besitz der letzteren überging. Hiermit ist -ein wahres graphisches Museum für alle Zukunft erhalten, welches mit -jedem Jahr, das uns ferner von der früheren Geschäftsweise rückt, -an Wert gewinnt. Es ist geboten, demselben in einer Geschichte der -Buchdruckerkunst einige Seiten zu widmen. - - Das „Hôtel - Plantin“. - - Das Vestibule. - -Das HÔTEL PLANTIN, auf dem Freitagsmarkt gelegen, nimmt die eine Seite -desselben ganz ein. Die Façade wurde durch Joh. Moretus restauriert, -das alte Merkzeichen jedoch erhalten. Hat man die Thorschwelle -überschritten, befindet man sich in einem Vestibule mit vier -Eingangsthüren, zwei rechts, zwei links, während eine gut erhaltene -Glasthüre das Vestibule von dem Hofe abschliesst. Eine besondere -Zierde des ersteren ist das Medaillonporträt des Balthazar Moretus, -darüber ein Adler, in der linken Klaue einen, zu dem Wappen der Moretus -gehörenden, Stern haltend. - - Der Hof. - -Der Hof bildet ein grosses Viereck, von dessen vier Seiten drei ihr -ursprüngliches Aussehen ganz behielten. Das Hauptgebäude besteht -aus einem Erdgeschoss und zwei Etagen; der rechte Flügel aus zwei -Etagen und einem Bogengang, der sich auch unter die Hälfte des -Hintergebäudes erstreckt, das ganz von den Zweigen und Blättern -eines dreihundertjährigen Weinstocks, zwischen welchen die mit Blei -eingefassten Fensterscheiben sichtbar werden, überdeckt ist. Der linke -Flügel, aus neuerer Zeit stammend, besteht aus Einer Etage. Büsten von -Plantin, Johannes, Balthazar und Joh. Jak. Moretus, Just. Lipsius u. a. -zieren die Façaden. Der ganze Hof übt in seiner Abgeschlossenheit einen -besonderen Reiz aus, es ist, als könne von aussen keine Störung hier -hineindringen. Nichts Verunstaltendes, nichts Zerfallenes, wennauch -die Zeit dem Gemäuer ihr Gepräge aufgedrückt hat; man fühlt sich um -Jahrhunderte zurückversetzt. - - Der Setzersaal. - -In der Werkstätte findet sich der Apparat für 20-25 Setzer vor. Die -Setzkästen sind noch gefüllt, die Tenakel stehen noch darauf befestigt. -Die Kästen sind nicht so hoch angebracht, wie bei uns, man arbeitete -sitzend, und die Sessel stehen noch in den Gassen; an den Wänden hängen -die Kolumnenschnuren. Es ist, als wäre die Arbeit nur von der üblichen -Mittagspause unterbrochen und als müsste sie baldigst wieder begonnen -werden. - -Im Hintergrunde des Zimmers liegen auf verschiedenen Tischen: Linien -in allen Grössen, Schiffe mit noch nicht umbrochenem Satz, Durchschuss -u. dgl. Die hintere Wand ist von Aufsätzen mit Regletten und Keilen -eingenommen. Zwei zum Druck fertige Formen lehnen an der Wand. Auch -ein Stoss Papier steht noch da. An der linken Langseite sind sieben -hölzerne Pressen aufgestellt. - - Das Zimmer der - Korrektoren. - -Durch zwei kleine Räume, von denen der eine das Arbeitszimmer des Just. -Lipsius war, der andere die Revisionsbogen von verschiedenen Werken -in bester Ordnung enthält, kommt man in das Zimmer der Korrektoren, -ein längliches Viereck und einer der grössten Räume des Hauses. Alles -steht noch auf seinem alten Platze, alles spricht von den grossen -Arbeitern, deren Namen mit dem Ruhme des Hauses Plantin verbunden sind, -und die hier viele Jahre in rastloser Wirksamkeit zugebracht haben. Zur -Rechten steht eine enorme Truhe, gefüllt mit Briefen, Korrekturbogen, -Manuskripten, weiter das Pult der Korrektoren, ein Meisterstück der -Holzschnitzerei. Eine Seite desselben lehnt an der Mauer. An zwei -Seiten sind Sitze mit hohen Rücklehnen und reichen Bildschnitzereien -auf einem Podium angebracht, so dass man eine Stufe hinaufsteigen muss. -Unter dem Pult befinden sich viele Fächer. Zwei mächtige Repositorien -enthalten eine grosse Anzahl von Kästen, jeder derselben trägt den -Namen einer der Städte, mit welchen Plantin Verbindungen unterhielt, -und umschliesst die Aushängebogen der in Arbeit befindlichen Werke -aus dieser Stadt und die darauf bezügliche Korrespondenz. Der übrige -Wandraum ist mit Wandschränken und Regalen ausgefüllt, welche Pakete -mit Vorratsschriften und Defekten zu den in Gebrauch befindlichen -Schriftsorten enthalten; durch alles geht der Geist der genauesten -Ordnung. - - Bücherstube. - - Schriftgiesserei. - -In dem obern Stock ist die Bücherstube für das Trocknen, das Abpressen -und Komplettieren der Bücher. Hier steht auch ein Schatz von hohem -Wert, ein Schrank, dessen Kästen eine bedeutende Anzahl, mit grösster -Akkuratesse geordneter Geschäfts- und Familienbriefe bergen. Die -Schriftgiesserei nimmt zwei Räume ein; der eine für das eigentliche -Giessen bestimmt, der andere für das Schleifen, Fertigmachen und -Verpacken. Auch das Firniskochen wurde hier besorgt. Ferner zeigt man -eine Bronziermaschine. In diesen Räumen steht ebenfalls alles da, als -ob die Arbeit eben aufgehört hätte. Das Handwerkszeug hängt an den -Wänden, die Giessöfen enthalten Reste von flüssig gewesenem Metall. -Probepakete, Stempel, Instrumente liegen umher. Auch einige silberne -Buchstaben finden sich vor, jedenfalls Resultate von unpraktisch -befundenen Versuchen, Typen aus diesem Metall zu formen. - - Die Bibliothek. - -Die grosse Bibliothek (es giebt auch eine kleine) ist ein längliches -Viereck, dessen Wände, soweit sie nicht durch die Fenster unterbrochen -werden, mit Regalen bedeckt sind. Durch die ganze Länge des Zimmers -zieht sich ein Doppelpult, unten mit Fächern versehen. Hier lagern -Bücher, Zeichnungen, Stiche nach Rubens, Teniers, van Dyck, Jordaens -u. a., fast alle in den ersten Abdrücken vor der Schrift. Ein Album -umfasst mehr als vierhundert Handzeichnungen der grossen Meister, -darunter elf Rubens. Dreiunddreissig Familienporträts vollenden den -Schmuck des Raumes. - -Selbstverständlich bilden die Plantinschen Drucke einen wichtigen -Bestandteil der Bibliothek, sie sind jedoch nicht ganz vollzählig. -Die Zahl der Manuskripte kann man auf 200 anschlagen. Von Inkunabeln -sind gegen 60 vorhanden. Die Zahl der sonstigen Bücher wird auf 9000 -geschätzt, darunter eine auserlesene Sammlung von Missalen, Breviarien -u. dgl. - -Eine typographische Kuriosität ist ein Band, welchen Johann Moretus -1576 Plantin gewidmet hat, der eine Sammlung der Titel von allen bei -Plantin bis zum Jahre 1576 gedruckten Büchern enthält, gewiss ein -interessantes Musterbuch für Typographen. Von noch grösserem Interesse -dürfte das Studium des Journals des Hauses und der Hauptbücher aus -drei Jahrhunderten, 1566 bis 1865, sein. Mit letzterem Jahre hörte die -Thätigkeit des Hauses auf, die bereits früher auf ein Minimum reduziert -war. - - Die Schriftstücke - und andere Sel- - tenheiten. - -Ferner sind noch aufbewahrt: die Messabsatz-, die Arbeits- und -die Buchbinderbücher, Kataloge der verschiedensten Art, sowie die -Korrespondenz-Brouillons, geeignet Licht über manches zu werfen, was -jetzt dunkel ist. Die Zahl der Holzstöcke beträgt mindestens 15000; -die der Kupferstiche 7 bis 8000. Von den kostbaren Porträts aus den -Meisterhänden Rubens', van Dycks und anderer, den prachtvollen Meubeln, -den seltenen Porzellanstücken und von vielen anderen Kostbarkeiten -wollen wir hier nicht reden. Abgesehen von diesen, bietet das -Plantinsche Museum in typographischer Hinsicht ein so ungemeines -Interesse, dass die typographische Welt sich zu der Opferwilligkeit der -Bürgerschaft der Stadt Antwerpen Glück zu wünschen hat, welche diese -Schätze der Zukunft erhielt. - - Die Familie - Blaeu. - -Eine zweite bedeutende Druckerfamilie war die der Blaeu in Amsterdam. -□Wilhelm Blaeu□[5], geboren zu Alkmar im Jahre 1571, legte sich auf -Astronomie und war ein Schüler und Freund des berühmten dänischen -Astronomen Tycho de Brahe (S. 155). Blaeus Hauptthätigkeit war der -Herausgabe astronomischer und Karten-Werke gewidmet. Selbst ein -tüchtiger Mechaniker, richtete er seine Aufmerksamkeit auf die -Vervollkommnung der Druckpressen, deren neun, von verbesserter -Konstruktion und nach den neun Musen benannt, in seiner Offizin -aufgestellt waren. Die Verbesserungen bezogen sich namentlich auf den -elastischen Zug. Blaeu starb am 21. Okt. 1638 und sein Sohn □Johann□ -(geb. 1596) setzte die Druckerei fort, zuerst in Verbindung mit -seinem Bruder Cornelius, von 1641 ab allein. Im Jahre 1663 lieferte -er einen prachtvoll ausgeführten Atlas in zwölf Grossfoliobänden, dem -mehrere ebenso grossartige Werke folgten. Seine Offizin galt für die -bedeutendste und schönste Europas, sie beschäftigte regelmässig über -40 Arbeiter namentlich mit dem Druck grosser Werke, mit Karten und -Illustrationen, für deren Herstellung er einen besonderen Ruf hatte. -Am 22. Febr. 1672 brannte die Offizin gänzlich ab. Die strenggläubigen -Protestanten erklärten dies für ein Strafgericht des Himmels, weil -Blaeu viele Breviarien und Missalen für die Papisten druckte. Er starb -am 28. Dezember 1673 und wurde von seinen Söhnen □Peter□ und □Johann□ -gefolgt. - - [5] □P. J. H. Baudet□, _Leven en Werken van W. J. Bläu_. - Utrecht 1871. - - * * * * * - - Der Stammvater - der Elzeviere. - -Es bleibt noch die berühmteste der holländischen Buchdruckerfamilien, -die, wenn von den Leitsternen der Typographie die Rede ist, gewöhnlich -mit den Geschlechtern des Aldus und des Stephanus zusammen genannt -wird. - -□Ludwig Elzevier□, der Stammvater des berühmten Geschlechts, ist zu -Löwen in Brabant um das Jahr 1540 geboren. Aus den Arbeitsbüchern des -Plantin geht hervor, dass ein Buchdrucker Johann aus Löwen mit dem -Beinamen _Helsevier_ bei ihm von 1565-1588 arbeitete. Ob dies Ludwigs -Vater war, ist nicht ermittelt, doch ist es nicht unwahrscheinlich, -da Ludwig sich schon in jüngern Jahren in Antwerpen aufhielt und ihm -dort zwei Kinder Matthias (1564) und Ludwig (1566) geboren wurden. Die -Mutter derselben hiess Mayke (Marie) Duverdyn. Die Hypothese in Bezug -auf Ludwig Elzeviers Vater gewinnt dadurch an Wahrscheinlichkeit, dass -Ludwig, der die Buchbinderei übte, von Plantin beschäftigt wurde, der, -selbst früher Buchbinder, sich der Buchdruckerei und dem Verlagshandel -mit so grossem Erfolge gewidmet hatte[6]. - - [6] □Ch. Pieters□, _Annales de l'impr. elzevirienne_. 2. Ausg. - Gent 1858. -- □A. de Reume□, _Recherches historiques_. - Brüssel 1847. -- □Minzloff□, _Les Elzevir etc. de St. - Pétersbourg_. 1862. -- □Ch. Fr. Walther□, _Les Elzevir - etc. de St. Petersbourg_. 1864. Ein Hauptwerk ist: - □Alphonse Willems□, _Les Elzevir. Histoire et annales - typographiques._ Brüssel 1880. - - Lage der Protestanten. - -Antwerpen war, wie schon erwähnt wurde, der Herd der reformatorischen -Bewegung in den Niederlanden geworden, von welcher auch Elzevier -ergriffen wurde. Die scharfen Edikte des Kaisers Karl □v.□, welche -Todesstrafe für den Anschluss an eine sektiererische Verbindung -feststellten, waren noch in Kraft, wenn sie auch unter der milden -Regierung der Statthalterin Margaretha von Parma nicht so gefährlich -waren. Die Lage änderte sich jedoch, als König Philipp □ii.□ den Herzog -von Alba (1567) mit dem Auftrag sandte, durch Feuer und Schwert jede -Spur der Ketzerei zu vertilgen. Tausende von Familien verliessen den -heimatlichen Herd; auch die Ludwig Elzeviers gehörte zu diesen und -zog nach Wesel, wo zahlreiche Emigranten sich zusammengefunden hatten -und von wo eine thätige Propaganda ausging. Viele Bücher und kleinere -Schriften reformatorisch-agitatorischen Inhalts in vlämischer Sprache -wurden dort gedruckt und von dort aus verbreitet, so dass Elzevier als -Buchbinder auf Beschäftigung rechnen konnte. - -Wie man über seinen Aufenthalt in Antwerpen hauptsächlich aus den -Geburtsscheinen seiner Kinder Positives weiss, so auch über seine -Existenz in Wesel und später in Douai. In Wesel wurde sein dritter -Sohn, Aegidius; in Douai Justus und Arnold geboren. Nach seinem -Vaterland ist er jedenfalls erst nach der Übernahme der Regentschaft -durch Louis de Requesens i. J. 1574 zurückgekehrt, und mag wohl nur, -weil in Antwerpen schon verdächtig, Douai vorgezogen haben, das -seit 1462 eine wallonische Universität besass, die Philipp □ii.□ -als Gegengewicht zu den Universitäten in Genf und Paris mit ihrer -freieren religiösen Bewegung errichtet hatte, so dass ein Buchbinder -auch hier auf Erwerb rechnen durfte. Der Friede zu Gent, 1576, schien -den religiösen Wirren ein Ende machen zu wollen; als sich jedoch die -wallonischen Provinzen 1579 wieder unter das Joch Spaniens begaben, -zogen die Protestanten, unter diesen Elzevier, wieder aus, letzterer -nach Leyden, damals, nächst Amsterdam, die volkreichste Stadt Hollands, -wo der Handel blühte und die von Wilhelm von Oranien begründete -Universität einen raschen Aufschwung nahm. - - Ludwig Elzevier - in Leyden. - -Elzevier fand, als er 1580 mit seinen fünf Söhnen und einer Tochter -Marie nach Leyden kam, eine Stütze bei den vielen emigrierten -Landsleuten. Im übrigen kann er nicht ganz ohne Mittel gewesen -sein, denn er erwarb bald zwei Häuser, von denen das eine auf der -„Rapenburg“, in der Nähe der Universität gelegen war. Dass er für -letztere beschäftigt war, beweisen viele Rechnungen. Die günstige Lage -im Zentrum der Gelehrsamkeit veranlasste ihn den Buchhandel anzufangen, -der bald einen ziemlichen Umfang genommen haben muss, wie man aus einem -unerfreulichen Zusammenstoss mit Plantin erfährt. Elzevier war diesem -für gelieferte Bücher 1270 Gulden schuldig und musste 1583 vor Gericht -erklären, dass Plantin berechtigt sei, sich an seine beiden Häuser zu -halten, wenn Zahlung in den übereingekommenen Terminen nicht erfolgen -würde. - - Elzevier wird - Pedell. - -Elzevier hatte Gelegenheit gehabt, verschiedene bibliopolische -Erwerbungen für die Universität in einer für diese vorteilhaften Weise -zu machen, was auch Anerkennung fand, so dass er am 30. September 1586 -zum Pedell mit 72 Gulden Gehalt ernannt wurde. Noch mehr sollte ihm -aber die Gunst der Universität in indirekter Weise zustatten kommen. -Elzevier konnte die oben erwähnten Verbindlichkeiten gegen Plantin -nicht erfüllen und er musste seine Häuser diesem überweisen. In dieser -Not richtete er das Gesuch an den akademischen Senat, auf dem Grund -und Boden der Universität einen Laden errichten zu dürfen, weil es sehr -zum Nachteil der Professoren und Studierenden gereichen würde, wenn er -seinen Laden weit weg von der Universität verlegen müsste. Das Gesuch -Elzeviers wurde zugestanden; bis 1595 besass er den Laden ganz umsonst, -von da ab musste er 75 fl. Miete bezahlen. Dieser Laden war die Wiege -des Glanzes der Elzeviere, jedoch hatte Ludwig noch lange mit Sorgen -zu kämpfen. Erst das Jahr 1594, in welchem er Bürger von Leyden wurde, -scheint den Wendepunkt zum Günstigen gebildet zu haben. - - Ludwigs Kinder. - -Seinen ältesten Sohn □Matthias□ nahm er um 1590 als Teilnehmer auf, -später den zweitjüngsten □Bonaventura□; der zweite □Ludwig□ ging als -Buchhändler nach dem Haag, der vierte □Justus□ nach Utrecht. Der dritte -□Aegidius□ erscheint nur vorübergehend in dem Haager Geschäft, seine -übrigen zwei Söhne, Arnold und Adrian, gehören so wenig wie seine zwei -Töchter der Geschichte der Buchdruckerkunst an. - - Sein Verlag und - seine Reisen. - -Von seinen Verlagswerken erschien das erste 1592; nach 1594 folgten -sie in ununterbrochener Reihe. 1595 wendete er zum ersten male das -Insigne an: den Adler auf einer Säule, in den Klauen das Bündel mit -sieben Pfeilen haltend und mit der Umschrift: _Concordia res parvæ -crescunt_, wie bekannt die Devise der holländischen Republik. Um diese -Zeit fängt auch sein regelmässiger Besuch der Frankfurter Messen an. -Ludwig begriff sehr wohl, dass die Erzeugnisse des Geistes nicht -auf den heimischen Markt sich beschränken konnten und suchte den -ausländischen Markt auf. Er selbst war viel gereist und liess auch -seinen Sohn Bonaventura noch jung auf Reisen gehen. Seit 1601 besuchte -er regelmässig zweimal jährlich die Frankfurter Messe, wo er ein -besonderes Depot hatte, ohne sich durch die damals mit solchen Reisen -verbundenen vielen Mühseligkeiten und Gefahren abhalten zu lassen. Als -die Buchmesse sich mehr und mehr nach Leipzig zog, folgte Elzevier dem -Strom doch nicht, sondern fuhr fort, Frankfurt zu besuchen, wo er fast -das Monopol für Versorgung Deutschlands mit ausländischer Litteratur -hatte. Mit Paris unterhielt er ebenfalls regelmässige Verbindungen, -obwohl der Verkehr dort mancherlei Beschränkungen unterworfen war. - -Der Umfang seiner Geschäfte und das Zutrauen der Autoren zu ihm -stiegen fortwährend. Nicht wenige der letzteren übergaben ihm ihre -Werke in vielen Exemplaren zum Debit. Wenn deshalb sein Name öfters in -Verbindung mit dem eines anderen Verlegers auf einem Titel vorkommt, -so ist daraus nicht zu schliessen, dass es sich um eine Association -handelte, sondern, dass ein Verleger ihm den Debit eines Werkes für das -Ausland übertragen hatte. - - Geschäftliche - Manipulation. - -Bei seiner grossen Thätigkeit im Vertrieb war er nicht immer gar zu -wählerisch in den Mitteln. Er kaufte öfters liegengebliebene Auflagen -und versah sie, unter Benutzung seiner Firma, mit neuen Titeln; -manchmal wurden einige Seiten neu angedruckt oder zwei Bände in einen -verbunden, und dann solche als neue Ausgaben versandt. Kurz, es wurden -verschiedene, auch noch heute im Buchhandel übliche Mittel angewendet, -die man nicht gerade als Unrecht bezeichnet, die aber doch auch -nicht zu den ganz soliden zählen. Dass sein persönlicher Charakter -ein ehrenwerter war, dafür sprechen das grosse Zutrauen und die -Auszeichnung, welche ihm von den Gelehrten, seinen Geschäftsfreunden -und seinen Mitbürgern entgegengetragen wurden. - -So war der Name Elzevier, noch ohne Hinzutreten des Elements, welches -seinen eigentümlichen Ruhm begründen sollte, der Typographie, ein sehr -gut renommierter geworden. Ludwig selbst sollte eine Buchdruckerei -nicht besitzen, wohl aber erleben, dass sein Enkel Isaack, zweiter Sohn -des Matthias, eine solche (1616) erwarb. Noch konnte man nicht auf den -künftigen typographischen Ruhm schliessen, und die Werke, die Ludwig in -den verschiedenen Offizinen ausführen liess, zeichneten sich in Nichts -vor hundert anderen aus, wenn man auch später, als der Nimbus das -Haus umgab, oft versucht hat, einen besonderen Wert herauszufinden, wo -keiner vorhanden war. - - Ende Ludwigs. - -Ludwig näherte sich dem Ende seiner Laufbahn, auf die er mit -Befriedigung zurückschauen konnte. Der unbekannte Handwerker war ein -durch Europa angesehener Mann geworden. Vier Söhne hatten den Beruf -des Vaters ergriffen; ein Enkel übte die Buchdruckerei; sie konnten -sich in ihrer Wirksamkeit gegenseitig stützen und ergänzen. Sein neues -Vaterland war in seiner Freiheit anerkannt, es war ihm beschieden, auch -seinen religiösen Überzeugungen sich ruhig hingeben zu können. - -Doch sollten seine letzten Tage noch in peinlicher Weise eine Störung -erleiden. Ludwig hatte erlangt, dass sein Sohn Matthias 1607 ihm -als Vicepedell adjungiert wurde. Am 11. Nov. 1616 wurde ein Teil der -Universitätsgebäude vom Feuer zerstört und die Untersuchungsrichter -gaben der Nachlässigkeit der Pedelle allein die Schuld. Matthias wurde -seines Amtes enthoben; über Ludwig wurde der Beschluss noch nicht -gefasst. Die Möglichkeit ist wohl nicht ausgeschlossen, dass dies -Ereignis heftig auf ihn eingewirkt hat; Thatsache ist es, dass er -gleich zu Anfang des Februar 1617 starb und am 4. Febr. neben seiner -Frau, die ihm schon vor drei Jahren im Tode vorangegangen war, begraben -wurde. Übrigens wurde Matthias in demselben Jahre wieder in sein Amt -eingesetzt, das er bis zu seinem Tode behielt. 1636 war ihm das Recht -zugestanden, sich durch seinen Schwiegersohn, Peter Caron, vertreten zu -lassen. - - * * * * * - - Ludwigs Söhne. - -Nach dem Tode des Vaters übernahmen der älteste Sohn □Matthias□ und -der vorletzte □Bonaventura□ das Leydener Geschäft, jedoch bereits am -3. Septbr. 1622 übertrug der erstere seinen Anteil auf seinen ältesten -Sohn □Abraham□. - -Der zweite Sohn Ludwigs, □Ludwig ii.□, wahrscheinlich 1566 geboren, -ging 1590 als Buchhändler nach dem Haag. Seinen Laden hatte er in -einem grossen Saal des Palais der Generalstaaten, vorzugsweise _de -Zaal_ genannt, an dessen Wänden Buchhändlerstände ringsum eingerichtet -waren. Mit einer kurzen Unterbrechung in den Jahren 1598-99 stand er -an der Spitze des Haager Etablissements, welches keine grosse Bedeutung -hatte, und nur eine ganz geringe Verlagsthätigkeit entwickelte. Ludwig -□ii.□ starb wahrscheinlich 1621. Das Geschäft erwarb Bonaventura und -übergab es wieder in demselben Jahre an Jacob Elzevier, den dritten -Sohn des Matthias. Jacob zog sich 1636 zurück, ging in Staatsdienst -über und siedelte sich schliesslich in Gensingen im Kurpfälzischen an. -Das Haager Geschäft blieb als Filiale bei dem Leydener. Von dem dritten -Bruder □Aegidius□ weiss man nur, dass er in der Abwesenheit Ludwigs -eine kurze Zeit das Haager Geschäft besorgte. Er starb als Kaufmann in -Leyden 1651. - -Der vierte Bruder □Justus□ (geb. 1575) erhielt in Utrecht das -Bürgerrecht als Buchhändler. Von seinen vier Kindern war das älteste, -□Ludwig iii.□, der später so berühmte Gründer des Amsterdamer Hauses. -Sein Todesjahr ist nicht bekannt. Ein Enkel von ihm, □Peter□, trieb -kurze Zeit den Buchhandel in Utrecht und verschwand 1675 von der -geschäftlichen Bühne. Der fünfte Sohn wurde Landschaftsmaler, der -siebente, Adrian, trat in die Dienste der Ostindischen Compagnie und -wurde 1609 von den Wilden auf den Bandainseln ermordet. - -Bevor wir an die weitere Geschichte des Stammhauses in Leyden unter -Bonaventuras und Abrahams Leitung gehen, müssen wir der Thätigkeit -des zweiten Sohnes des Matthias, des Buchdruckers Isaack, gedenken, -die fast ihr Ende erreicht hatte, als die zuerstgenannten die ihre -begannen. - - Isaack, Ludwigs - Enkel. - -□Isaack□ war am 11. Mai 1596 in Leyden geboren. Am 14. Febr. 1616 -verheiratete er sich mit Jaquemine Symons van Swieten, einer Waise, -und wurde wahrscheinlich durch ihr Vermögen in die Lage versetzt, eine -Druckerei erwerben zu können, denn seine grossen für den Grossvater -ausgeführten Druckwerke datieren aus dem Jahre 1617. Isaack fuhr fort -vorzugsweise für Matthias und Bonaventura, später für Bonaventura und -Abraham zu drucken. Es finden sich auch Druckwerke vor, die keine -andere Firma als die Isaacks tragen, doch lässt sich daraus nicht -schliessen, dass er als Verleger und Konkurrent seiner Verwandten -aufgetreten wäre, sondern nur, dass solche Werke im Selbstverlage der -Autoren erschienen sind. - - Isaack, - Universitäts- - Buchdrucker. - -Am 9. Febr. 1620 erhielt Isaack die Stellung als akademischer -Buchdrucker, in der die Familie bis zu ihrem Ende 1712 blieb. Gleich -bei der Begründung der Universität Leyden war der Beschluss gefasst, -einen gelehrten, namhaften und erfahrenen Mann zum akademischen -Buchhändler und Buchdrucker zu ernennen. Die Wahl fiel auf Wilhelm -Sylvius, der in Antwerpen mit dem Titel königl. Buchdrucker etabliert -war (1579), Sylvius starb bereits 1580. Sein Nachfolger war der -berühmte Christoph Plantin (1584), der Antwerpen verlassen hatte, -jedoch bald wieder nach dort zurückkehrte. Seine Offizin und sein Amt -gingen auf seinen gelehrten Schwiegersohn, Franz von Rapheling, über; -das Amt erbte nach dessen Tode (20. Juli 1597) der Sohn Christoph, der -ihn jedoch nicht vier Jahre überlebte. Der Senat erwählte nun (1602) -Johann Paedts (_Patius_) zu seinem Nachfolger. Er starb 1620 und das -Amt wurde auf Isaack Elzevier übertragen. Als Universitätsbuchdrucker -war er verpflichtet, eine und eine halbe Presse für den Druck der -kleinen Universitäts-Schriften zur Disposition zu halten. Er hatte für -gute Korrektur und dafür zu haften, dass keine willkürlichen Änderungen -gemacht wurden; die Besorgung der Bücher zur Frankfurter Messe übernahm -er zu festgesetzten Bedingungen. Jährlich erhielt er eine Entschädigung -von 50 Gulden. - - Die Druckerei. - -Das Universitätsgebäude lag, und liegt noch, in einer breiten, -von einem Kanal, dessen Ufer mit grossen Bäumen bepflanzt waren, -durchzogenen Strasse, der „Rapenburg“. Das Gebäude war früher ein -Nonnenkloster gewesen, die Seitenfront kehrte es nach der Strasse, -daneben lief eine Mauer, in welcher sich der Eingang zu dem -Universitätshof und dem botanischen Garten befand. Das angrenzende Haus -hatte Matthias, Isaacks Vater, am 26. Aug. 1608 gekauft. Als Isaack -nun Universitätsbuchdrucker geworden war, teilte er dem Senat mit, -dass er bereit sei, das Haus seines Vaters zu beziehen, wenn man ihm -gestatten wollte, längs seinem Hause in dem unbenutzten Winkel des -Universitätshofes, der dem Ganzen keineswegs zur Zierde gereichte, -ein Atelier anzubauen. Es würde dies eine sehr grosse Annehmlichkeit -für die Professoren und die Studierenden sein. Man fand den Vorschlag -annehmbar und gestattete Isaack ein Gebäude von 14 Fuss Tiefe, -bestehend in einem Parterre mit einem hohen Dach, zu errichten. Der -Eingang für seine Arbeiter sollte jedoch durch sein Haus sein, und das -Hofthor nur für die Besucher der Universität dienen. Auch hinsichtlich -der Anbringung der Fenster wurden ihm verschiedene Beschränkungen -auferlegt. In diesem bescheidenen Lokal, das jetzt verschwunden ist, -blieb die Druckerei bis zu ihrem Aufhören. - - Isaack erwirbt die - Offizin Erpenius. - -Die Massregel der Universität, Isaack zu ihrem Buchdrucker zu ernennen, -war gewiss eine glückliche, denn durch die Ausführung schwieriger -Arbeiten, unter welchen namentlich das _Theatrum geographiæ veteris_ in -Folio, für Rechnung des Buchhändlers J. Hondius, besondere Erwähnung -verdient, hatte er sich bereits einen guten Namen erworben, und -sich auch in anderer Weise, durch den Ankauf der Buchdruckerei des -berühmten Orientalisten Erpenius (Th. van Erpe), klüglich vorbereitet. -Nicht damit zufrieden, die orientalischen Sprachen zu lehren und -Werke herauszugeben, hatte Erpenius eine Druckerei in seinem Hause -eingerichtet, die er selbst überwachte. Nach seinem plötzlichen Tod an -der Pest am 13. Nov. 1624 legte die Universität grosses Gewicht darauf, -seine Druckerei für Leyden zu erhalten. Mit dem seinem Geschlechte -eigenen Geschäfts-Instinkt war Isaack den Wünschen der Universität -bereits zuvorgekommen, und hatte alle Stempel, Matrizen und Schriften -des Erpenius erworben. - - Druckerzeichen. - -Als Druckerzeichen nahm Isaack eine Ulme an, die von einem Rebstock -voll Trauben umschlungen wird, daneben steht ein Einsiedler; die Devise -lautet: _non solus_. Der Baum mit dem Rebstock deutet dasselbe an, was -das Bund mit den Pfeilen ausdrücken will. Dies Druckerzeichen wurde -bis 1712 benutzt. Ein anderes, von Isaack verwendetes: ein Palmbaum -mit der Umschrift _Assurgo pressa_, war ursprünglich das Insigne des -Erpenius. Im übrigen bedienten sich Isaack sowohl als auch Bonaventura -und Abraham mitunter der Marke des Vaters. - - Isaack giebt das - Geschäft auf. - -Trotz des günstigen Fortgangs des Geschäfts fasste jedoch Isaack den -Entschluss, dasselbe aufzugeben, angeblich aus Besorgnis um die Folgen -des langwierigen Krieges in Deutschland. Durch Vertrag vom 24. Dez. -1625 übergab er die Offizin mit 5 Pressen und 1 Kupferdruckpresse, 10 -000 Kilo Schriften, Stempeln, Matern etc. seinem Bruder Bonaventura -und seinem Neffen Abraham für die Summe von 9000 Gulden, und 2000 -Gulden für das Lokal. Im Februar 1626 legte er auch sein Amt nieder -und verliess in den letzten Tagen des Jahres Leyden, trat in den -Marinedienst und hatte 1632 Kapitänsrang. 1648 finden wir ihn in Delft -in Association mit seinen zwei jüngsten Söhnen, um eine Brauerei zu -betreiben. Er starb in Köln am 8. Okt. 1651. - - * * * * * - - Bonaventura und - Abraham. - -Wir kehren nun zu dem Stammgeschäft zurück. □Bonaventura□, -wahrscheinlich so nach dem berühmten Gelehrten Bonaventura Vulcanus (de -Smidt) aus Brügge genannt, war 1583 in Leyden geboren. Sein Vater liess -ihn zeitig Geschäftsreisen machen. □Abraham□, in Leyden am 14. April -1592 geboren, war an Stelle seines Vaters eingetreten. Er hatte in -Leyden studiert und sich bei seinem Bruder Isaack mit der Typographie -vertraut gemacht. Am 21. Mai 1621 heiratete er Katharina van -Waesberghe, Tochter des Admiralitätsbuchdruckers in Rotterdam, und kam -dadurch in eine unabhängige Stellung, sodass er sich als Buchhändler -etablieren konnte. Ein Glück für Bonaventura war es, nachdem 1625 die -Druckerei Isaacks ihm noch zugefallen war, einen Mitarbeiter gefunden -zu haben, der sich namentlich der Buchdruckerei widmete. - -In demselben Jahre heiratete Bonaventura Sahra van Keulen, Tochter des -berühmten Gelehrten Daniel Colonius, für ihn ein doppelter Vorteil, -indem er nicht nur in eine sehr angesehene Familie eintrat, sondern -auch in nähere Verbindung mit einer grossen Anzahl der bedeutendsten -Gelehrten trat, die sich nun vorzugsweise der Pressen der Elzeviere -bedienten. - -Dass unter den obwaltenden Verhältnissen die Stellung als -Universitätsbuchdrucker den Elzeviers nicht entgehen konnte, ist fast -selbstverständlich. Man gewährte ihnen das Recht, die alte Lokalität -innezubehalten, und bewilligte ihnen ein jährliches Gehalt von 100 fl., -das auf 200 und später auf 300 fl. erhöht wurde. - - Der Glanz des - Hauses. - -Die nun folgenden 26 Jahre waren die des grössten Glanzes des Hauses. -Das Streben der Associés war von Beginn ab darauf gerichtet, sich -von dem Alltäglichen zu emanzipieren und ihren Erzeugnissen mehr -und mehr den Stempel der Vollkommenheit aufzudrücken. Schon ihre -ersten Druckwerke übertrafen die Isaacks, und jedes Jahr zeigt einen -Fortschritt, sei es in der Schrift, in der Ornamentierung, oder in -dem Druck. Schritt für Schritt kann man diese Elzeviere auf ihrem Wege -zur Vollendung verfolgen, bis sie, nach zehn Jahren, Meisterwerke wie -ihren Cäsar, Terenz und Plinius v. J. 1635 hervorzubringen imstande -waren. Ihnen verdankt man die Initiative zu allen den Unternehmungen, -welche den Namen Elzevier zu einem unsterblichen in der Geschichte -der Buchdruckerkunst und des Buchhandels gemacht haben. Im Jahre 1625 -begannen sie die Sammlung der kleinen „Republiken“, für welche sie -ein Privilegium vom 15. Mai 1626 erhielten. 1629 weihten sie die Reihe -der lateinischen Klassiker in dem berühmten Duodez durch den Horaz und -den Ovid ein; 1641 die Kollektion der renommiertesten Schriften einer -neueren Zeit mit dem Cid; die Sammlung französischer Klassiker mit -Régnier 1642. Daneben folgten aber auch Bücher in grösserem Formate, -darunter verschiedene orientalische Werke. - - Die kleinen Aus- - gaben. - -Ihren Hauptruhm bilden jedoch die Duodezausgaben der Klassiker zu -billigen Preisen. Zwar waren solche kleinere Ausgaben nicht ohne -Vorbild, wir erinnern nur an die „Aldinen“, im allgemeinen war man -jedoch bei den grossen Formaten geblieben, bis mit den Elzevieren die -Ausnahme Regel wurde. Die Bändchen, von den berühmtesten Kritikern -und Kommentatoren der Zeit besorgt, nahmen im Sturm das Publikum für -sich ein. Das Oktavformat blieb nur für die Ausgaben mit vielen Noten -und Varianten. Durch den billigen Preis von 1 fl. als Mittelpreis für -einen Band von etwa 500 Seiten steigerte sich der Absatz enorm. Die -Durchschnittsgrösse der Auflagen ist nicht bekannt, sie muss aber eine -bedeutende gewesen sein. - -Übrigens fehlte es nicht an Stimmen, die diese handlichen Bändchen als -eine Herabwürdigung der Gelehrsamkeit bezeichneten und als eine rein -kaufmännische Manipulation verdammten. Trotzdem suchten die Gelehrten -eine Ehre darin, dass ihre Werke den Kollektionen einverleibt wurden. -Ja, selbst Autoren, deren Schriften von den Elzevieren nachgedruckt -waren, schrieben ihnen verbindliche Briefe auf Grund der auf den -Nachdruck verwendeten Sorgfalt. Das Format wurde in ganz Holland und -Belgien _standard_ und auch von mehren Pariser Buchhändlern angenommen. -Bald bemächtigte auch die Sammelwut sich der kleinen Bändchen. Noch -vor Ablauf des Jahrhunderts wurde von Liebhabern berichtet, die sich -das Allernotwendigste versagten, um eine komplette Elzeviersammlung zu -besitzen. - - Papier und Kor- - rektur. - -Mit der Beschaffung des Papiers scheinen die Elzeviere manchmal Not -gehabt zu haben. Öfters wenden sie französisches an, das jedoch schon -in Frankreich auf Grund der dortigen Abgaben sehr teuer zu stehen kam, -wie viel mehr also im Auslande. Während des Krieges mit Frankreich -war die Einfuhr von Papier ganz verboten und die Elzeviere bezogen -grosse Massen aus Deutschland, klagen jedoch öfters, dass dieses oder -jenes Werk nicht recht gefördert werden könne, weil das in Frankfurt -bestellte Papier nicht angekommen sei. - -In Betreff der Korrektheit der Elzevier-Ausgaben sind von einander -abweichende Stimmen laut geworden. Viele loben dieselbe sehr, viele -tadeln derb die Inkorrektheit. Der Grund ist nicht schwer zu finden. -Die Elzeviere waren nicht, wie die Aldi, Stephane, oder wie Badius, -Morel, Oporin begeisterte Gelehrte, die im Interesse der Wissenschaft -Typographen geworden waren und einen Hauptteil der litterarischen -Arbeit auf sich nahmen; sie waren praktisch-tüchtige Geschäftsleute, -welche die Typographie hochhielten, aber nicht in der Lage waren, -durch ihre persönlichen Kenntnisse zur Förderung der Wissenschaft -beizutragen. Man darf sich nicht von ihrem Titel „akademischer -Buchdrucker“ oder von den gutgeschriebenen lateinischen Anreden in -ihren Verlagswerken irreleiten lassen; letztere sind Arbeiten ihrer -litterarischen Freunde, namentlich des Dan. Heinsius. Sie gaben sich -alle Mühe, für gute Korrektoren zu sorgen, diese waren aber selten; -oft mussten sie sich deshalb in Betreff der Korrektur auf die Verfasser -selbst verlassen, die bekanntlich selten diese Arbeit in befriedigender -Weise üben. So giebt es neben sehr gut korrigierten Ausgaben der -Elzeviere auch fehlerreiche. Im allgemeinen sind ihre lateinischen -Klassiker sorgsam korrigiert, der Virgil von 1676 gilt sogar als -ein nicht leicht zu erreichendes Muster, auch ihre französischen und -italienischen Ausgaben, obwohl Nachdrucke, waren öfters weit korrekter -als die Originale. Viele bekannte Namen fanden sich unter ihren -Korrektoren nicht vor, berühmte gar nicht. - - Das ausländische - Geschäft. - -Als eine Eigentümlichkeit der Elzevierischen Geschäftsorganisation -wurde schon der ausgedehnte ausländische Vertrieb erwähnt, der bereits -von Ludwig begonnen und sowohl (seit 1630) von dem Leydener als später -von dem Amsterdamer Haus in System gebracht wurde. - -Die meisten Glieder der Familie begannen ihre Thätigkeit mit dieser -Branche. Selbst nach seiner Association mit Matthias und Abraham setzte -Bonaventura seine Reisen fort; doch nötigten ihn später die steigenden -Geschäfte, diesen Teil der Arbeit dem Neffen, Ludwig, zu überlassen, -bis dieser sich 1638 in Amsterdam etablierte. Er wurde von Johann, dem -ältesten Sohn Abrahams, dieser wieder von Daniel, Bonaventuras Sohn, -abgelöst. - -Als letzterer später dem Geschäft Ludwigs in Amsterdam beitrat, setzte -er seine Reisen für dieses fort. - -Über die Depots in Frankfurt, Italien und Paris wurde schon oben -gesprochen. Eine grosse Bedeutung hatte die Verbindung mit den -skandinavischen Ländern. Kopenhagen, der Hauptsitz der Litteratur -im Norden, war gewohnt, sich in Frankfurt zu versorgen. Als jedoch -der Verkehr im 30jährigen Krieg immer schwieriger wurde, hielten -die Holländer mit ihrem merkantilen Genie es für angebracht, die -litterarische Versorgung des Nordens zu übernehmen. Der erste, der -den Versuch machte, war der Buchhändler Johann Jansson aus Amsterdam -und der Erfolg war ein so glänzender, dass die dänischen Buchhändler -bittre Beschwerden über die Eindringlinge führten. Eine Merkwürdigkeit -war, dass der Buchhandel dort in den Kirchen betrieben wurde, was erst -aufhörte, als Christian □iv.□ die prachtvolle Börse baute, in deren -erstem Stock eine Menge Detail-Läden, namentlich für den Buchhandel, -sich befanden. Hier mieteten Jansson und die Elzeviere Lokale. Ihr -Handel muss ein sehr bedeutender gewesen sein, denn sie liessen -besondere Kataloge drucken, von welchen einer auf uns gekommen ist: -_Catalogus omnium librorum, qui hoc tempore in officina Elzeviriana -prostant. Hafniæ 1642._ Man sieht, es handelt sich um eine vollständige -Filiale. Wer sie dirigierte, ist nicht bekannt; die Elzeviere selbst -besuchten jedoch oft Kopenhagen. Nicht weniger gut als dort waren sie -in Schweden angeschrieben, und die für die Wissenschaften eingenommene -Königin Christine machte ihnen vorteilhafte Anerbietungen, um sie zu -bestimmen, ein Haus dort zu gründen. Sie lehnten es ab, dagegen kamen -die Verhandlungen mit Joh. Jansson zustande, der 1647 das Privilegium, -eine Druckerei anzulegen, erhielt (vgl. S. 157). - - Eigenschaften - der Associés. - - Daniel Heinsius. - -Zu dem Glanze des Leydener Hauses trug jeder der Associés bei. -Bonaventura leitete mit grossem Geschick den bibliopolischen -und kaufmännischen Teil des Geschäfts, wozu ihn eine sorgfältige -Vorbereitung geeignet machte. Mit ihm verhandelten gewöhnlich die -Gelehrten und die Kunden. Abraham besorgte mit gleicher Sorgfalt und -grosser Hingebung das typographische Departement. Eine gute Hülfe -hatten sie in Ludwig □ii.□, bis dieser selbst sich etablierte. Eine -ganz wesentliche Stütze für das buchhändlerische Geschäft war der -berühmte Gelehrte Daniel Heinsius, der so eigentlich die Seele der -litterarischen Produktion war. Heinsius war 1580 in Genf geboren. In -Leyden war er der bevorzugte Schüler von Jos. Scaliger und später -von dessen Nachfolger. Er war ein Universalgenie, in allen Fächern -des Wissens zuhause, zugleich ein Dichter von gutem Geschmack. Ganz -natürlich, dass ein solcher Mann einen Verleger im Guten sowohl wie im -Bösen vollständig beherrschen konnte. In beiderlei Hinsicht übte er -auf die Elzeviere, speziell auf Bonaventura, einen grossen Einfluss. -Ihm verdanken sie den Besitz einer Reihe der besten Verlagswerke, bei -deren Herausgabe er ihnen zuhilfe kam, indem er die Einleitungen und -Dedikationen, mit welchen die Verleger ihre Werke begleiteten, schrieb. -Er war jedoch eine streitsüchtige, egoistische Natur und hielt die -Elzeviere von denjenigen Gelehrten ab, die bei ihm nicht in Gunst -standen. - - Tod Abrahams - u. Bonaventuras. - -Bonaventura selbst zeigt sich auch nicht durchweg als liebenswürdiger -Charakter, namentlich scheint er von einem mitunter hässlichen Geiz -beherrscht gewesen zu sein. Nichtsdestoweniger suchte man gern -eine Verbindung mit den Elzevieren und rühmte ihre Genauigkeit, -Pünktlichkeit und ihren Eifer, sowie ihr warmes Interesse für ihren -Beruf, dem sie einen förmlichen Kultus erwiesen. Liebenswürdiger als -Bonaventura dürfte Abraham gewesen sein, Wenigstens spricht für seine -Beliebtheit, dass die Universität nach seinem Tode, am 14. Aug. 1652, -ihm zu Ehren eine goldene Medaille prägen liess, eine Auszeichnung, mit -der sie sehr sparsam war. Dagegen geschah nichts zu Ehren Bonaventuras, -als dieser einen Monat später, am 17. Septbr. 1652, verschied. - -Die Auszeichnung Abrahams fällt um so mehr auf, als schon 1649 -Differenzen mit der Universität auf Grund der von den Elzevieren -angesetzten Preise entstanden waren. Es kam sogar in Frage, ihnen die -Emolumente zu entziehen, während sie ihrerseits auf Erhöhung derselben -antrugen. Bei dem Tode Abrahams und Bonaventuras war noch nichts -entschieden, doch muss ein Ausgleich stattgefunden haben, denn man -bewilligte den Nachfolgern die bisherigen Emolumente, und so blieb es -bis zum Erlöschen des Hauses 1712. - - * * * * * - - Johann und - Daniel. - -Bonaventura vermachte seinem ältesten Sohne Daniel sein Haus auf der -Rapenburg und seinen Anteil an allem, was er in Verbindung mit Abraham -besessen hatte. Ein Gleiches that Abraham in Betreff seines Sohnes -Johann. - -□Johann□, der älteste Sohn Abrahams aus seiner Ehe mit Katharine van -Waesberge, war das einzige von dessen Kindern, welches der väterlichen -Laufbahn folgte. Er war zu Leyden im Febr. 1622 geboren; 1638 wurde -er, 16 Jahre alt, nach Paris gesandt, wohl weniger um sich in der -Typographie, als im Französischen zu vervollkommnen und um neue -Verbindungen anzuknüpfen oder die alten zu pflegen. Schon 1643 ist er -wieder dort, zum Vertrieb von Büchern; 1641 ging er nach Dänemark; 1644 -wieder nach Paris. 1647 heiratete er Eva van Alphen aus Leyden; 1649 -etablierte er sich im Hause des Grossvaters Bonaventura. - -□Daniel□, der älteste Sohn Bonaventuras und der Sarah van Keulen, war -im Aug. 1626 in Leyden geboren. Aus seiner Jugendzeit wissen wir nur, -dass er 1645 nach Paris ging, um seine Ausbildung zu vollenden. Dort -blieb er gegen drittehalb Jahre, um dann in Leyden zu studieren, dabei -nahm er jedoch an den Geschäften teil. - - Trennung - Daniels von - Johann. - -Es war eine schwere Last, welche auf den Schultern der jungen Männer -ruhte. Sie begannen jedoch guten Mutes ihr Werk. Ihre Ausgaben der -Nachfolge Christi und des Psalters von 1653 gehören zu den besten -Erzeugnissen der Elzeviere. Aber die Aussichten für die Zukunft -waren weniger freundlich, als bisher. Gleichzeitig mit den Vätern -war eine grosse Zahl der gelehrten Freunde und Ratgeber von der Bühne -abgetreten; die Universität befand sich in einer Krisis; die Zeiten -waren vorbei, wo die Arbeiten ihrer Professoren die gelehrte Welt in -Bewegung setzten, sie genügten nicht mehr, um einer Druckerei eine -Fülle von Arbeit und Ehre zu bringen. Dabei war das Verhältnis der -jungen Männer zu der Universität ein nicht ganz ungestörtes. Es fehlte -ihnen noch an der nötigen Erfahrung und Autorität, um glücklich über -alle Klippen wegzukommen, Eigenschaften, die dagegen der Amsterdamer -Ludwig in hohem Grad besass. Diejenigen berühmten Gelehrten, die durch -Heinsius den Leydener Elzevieren entfremdet worden waren, näherten sich -Ludwig; selbst Leydener Gelehrte suchten die Verbindung mit ihm. Diese -Umstände, dazu Johanns schwankender Charakter werden wohl mitgewirkt -haben, um Daniel zu bestimmen aus dem Geschäft zu treten und sich mit -seinem Vetter Ludwig in Amsterdam zu verbinden. Ein weiterer Grund mag -wohl auch seine Heirat mit Anna Bierninck, Enkelin von seinem Onkel -Justus und Nichte und Mündel Ludwigs, gewesen sein. Er trennte sich -nach zwei und einem halben Jahre von Johann. - - * * * * * - -Wir werden nun □Ludwigs□ und □Daniels□ Schicksale in Amsterdam -verfolgen, um dann zu dem Leydener Geschäft und dessen traurigem Ende -zurückzukehren. - - Ludwig □iii.□ und - das Amsterdamer - Haus. - -Der Gründer des Amsterdamer Geschäfts, Ludwig □iii.□, ältester der -vier Söhne des Justus, war 1604 in Utrecht geboren. Früh vaterlos, -wurde er, um zu studieren, nach Leyden gesandt, wo er bei seinem -Onkel Matthias wohnte und Gelegenheit fand, sich mit Buchhandel und -Typographie bekannt zu machen. Durch seine vielen Reisen kreuz und quer -durch Europa hatte er sich vortrefflich für ein eigenes Etablissement -vorbereitet. Er war 33 Jahr alt geworden; Aussichten auf eine -selbständige Stellung in dem Leydener Geschäft waren nicht vorhanden; -Konkurrenz wollte er demselben nicht machen. Er wählte deshalb -Amsterdam zum Schauplatz seiner Thätigkeit. Wennauch vorzugsweise -Handelsstadt, war Amsterdam doch durch seine gelehrten Gesellschaften -bekannt, und besass eine Art von Universität in seinem neu errichteten -Athenäum, welches schon berühmte Lehrer zu den Seinigen zählte. Die -Leydener Verwandten hatten nichts gegen das Etablissement einzuwenden, -sie hofften sogar Vorteile durch energische Verbreitung ihrer Artikel -seitens Ludwigs zu erreichen und druckten auch anfänglich mehrere Werke -für ihn. - - Aufblühen des - Hauses. - -Jedoch Ludwig war der Mann, um ganz auf eigenen Füssen zu stehen. Kaum -etabliert, suchte er die Verbindung mit dem berühmten Hugo Grotius, -der als schwedischer Gesandter in Paris lebte. Ohne Freigeist zu sein, -hatte Ludwig auf seinen Reisen doch in religiösen Angelegenheiten einen -freieren Blick erworben, als seine Leydener Verwandten, die eine grosse -Strenggläubigkeit entweder wirklich besassen, oder durch die Verbindung -mit der Universität zu zeigen gehalten waren. Er war so recht geeignet, -als Verleger die unabhängigen Geister um sich zu versammeln. Er zählte -sogar zur katholischen Kirche übergetretene zu seinen litterarischen -Freunden, ohne dass dies ihn verhinderte, Schriften zu verlegen, -welche die Katholiken wenig schonten. Seit 1642 druckte er alle Werke -des Cartesius, was auf die volle Unabhängigkeit seines Charakters -deutet, denn man weiss, welche heftigen Angriffe der Autor seitens der -holländischen Theologen auszustehen hatte, sodass es in Leyden sogar -verpönt war, den Namen Cartesius zu nennen. Auch die Werke der Schüler -und Anhänger desselben gab Ludwig heraus, ebenso die Schriften der -französischen Jansenisten. - -Jedenfalls lag es gleich von Beginn ab in Ludwigs Absicht, eine -Druckerei anzulegen. Im Jahre 1640 besass er eine solche, wennauch -nach einem beschränkten Massstabe, denn seine Mittel waren nicht -bedeutend. Er liess sowohl bei seinen Verwandten, wie bei anderen -Kollegen, namentlich bei Fr. Hackius in Leyden drucken, der von allen -Buchdruckern den Elzevieren am nächsten stand, um so mehr als ein Sohn -des Hauses Hackius, Cornelius, mit Margaretha Elzevier, Schwester von -dem in Utrecht als Buchhändler etablierten Peter und Nichte Ludwigs, -verheiratet war. - -Es dauerte nicht lange, so stand das Amsterdamer Geschäft dem Leydener -gleich. Von 1640-45 kamen 219 Verlagsartikel heraus. Die Geschäfte -wuchsen so rasch, dass es Ludwig nicht immer möglich war, die nötige -Ordnung und Pünktlichkeit zu zeigen; er sah sich deshalb nach Hülfe -um. So wurde die Association mit Daniel am 1. Mai 1655 abgeschlossen. -Bei dieser Gelegenheit gingen eine Menge Verlagsartikel des Leydener -Geschäfts auf Daniel über und von dieser Zeit an begannen auch die -Amsterdamer Pressen, die berühmten Duodeze zu reproduzieren, auf -welche das Leydener Geschäft bis jetzt faktisch das Monopol gehabt -hatte. Die Zahl der von Ludwig und Daniel, während eines neunjährigen -Zusammenwirkens, herausgegebenen Werke beträgt gegen 150; auch der -Anfang ihres Hauptwerkes, der grossen Bibel von Desmarest, stammt aus -dieser Zeit. - - Druckerzeichen. - -Als Zeichen bedienten sie sich der Minerva mit der Aegide, dem Ölzweig -und der Eule und mit der Devise _Ne extra oleos_. Der Gedanke der -Devise ist dem Wettrennen der Alten entlehnt, bei welchem das Ziel -durch eine Reihe von Ölbäumen bezeichnet war. Die Warnung: „nicht über -die Ölbäume hinaus“, heisst also soviel als: „Halte dich innerhalb der -richtigen Grenzen, und schiesse nicht über das Ziel hinaus“. - - Geschäftslokal. - -Das Geschäftslokal war „_opt Water_ in den _Olm-boom_“. Diese -Bezeichnung „Auf dem Wasser“ hatte ein Hauptquai in Amsterdam, wo -vorzugsweise die Lokale der Buchhändler und Buchdrucker sich befanden. -Die Elzeviere bewohnten dort nach und nach verschiedene Häuser; wenn -sie nichtsdestoweniger als „in der Ulme“ wohnhaft fort firmierten, so -ist dies durch die Sitte erklärlich, die Häuser nicht nur nach den, -von dem Besitzer über den Thorweg in Stein gehauenen Emblemen, sondern -auch nach den beweglichen Schildern der gewerbetreibenden Bewohner zu -bezeichnen. - - Ludwigs Tod. - -Im Jahre 1664 zog sich Ludwig zurück, und lebte auf seinem schönen -Landsitz, welchen er halbwegs zwischen Amsterdam und Utrecht besass. -Sein Name findet sich fernerhin nur auf der Bibel Desmarests, welche -1669 in 2 Bdn. in Folio vollendet wurde. Sie war bei dem Ausscheiden -Ludwigs Gegenstand eines besonderen Übereinkommens unter den Associés -geblieben. Ludwig starb 1670 in Leyden, infolge eines Beinbruchs. - -In allen Angelegenheiten der Familie war Ludwig stets als das Oberhaupt -betrachtet worden, und er hatte gesucht, ihr Interesse, wo er konnte, -wahrzunehmen. Seine Rechtschaffenheit und Einsicht wurden überall -anerkannt. In seinem Testament zeigt er sich als einen durchaus noblen -Mann, sowohl gegen Andere, als auch gegen seinen Associé. Es sollten -alle Rechnungen mit ihm ohne irgend eine Revision geordnet werden. Es -war ihm freigestellt, die Artikel zu den Druck- und Papierkosten ohne -Zinsen und sonstige Lasten zu übernehmen, und die daraus entstehende -Schuld erst in langen Terminen unter 4% Verzinsung zu zahlen. - - * * * * * - - Daniels weitere - Wirksamkeit. - -Die Weiterführung des ausgedehnten und vielseitigen Geschäfts war -für Daniel mit seinen alleinigen Kräften eine schwere Aufgabe, wozu -die grösste Energie notwendig war. Hierzu kamen noch ungünstige -Zeitverhältnisse. Kurz nach der Übernahme brach der Krieg mit England -aus, der zwei Jahre (1665-67) mit wechselndem Kriegsglück, aber unter -fortwährender Hemmung der Geschäfte, dauerte. Daniel nahm deshalb -Jakob Zetter in sein Geschäft, der den buchhändlerischen Teil sehr gut -leitete. 1669 fesselte er den jungen □Heinr. Wetstein□, der bestimmt -war, selbst einen bedeutenden Platz in der niederländischen Typographie -einzunehmen, an sich. Wetstein war 1649 in Basel geboren, wo sein Vater -Professor der griechischen Litteratur war. Er hatte eine vortreffliche -wissenschaftliche Erziehung genossen, aber sein Trieb zur Typographie -war ein unwiderstehlicher. Am besten glaubte er seinen Zweck in -Holland zu erreichen, trat daher mit seinem 20. Jahre bei Daniel in -die Lehre und blieb 7 Jahre bei ihm. 1676 verheiratete sich Wetstein -und etablierte sich dann als Buchhändler. Er war mit Zetter zusammen -dem Hause Elzevier von grossem Nutzen. Daniels Buchhandlung hatte -vorher nur aus Verlags- oder Kommissionsartikeln bestanden; jetzt fügte -Wetstein ein vollständiges Sortiment neuer und alter Bücher hinzu. 1674 -gab Daniel, durch Wetstein unterstützt, seinen grossen Lagerkatalog, -über 20000 Werke enthaltend, heraus. - -In den Jahren 1667-1672 wurden über 100 neue Werke gedruckt, daneben -die grosse Bibel fortgesetzt. Daniel sammelte, als letzter der -bedeutenden Elzeviere, die ganze Ehre des Namens auf sich und wurde -als einer der Buchdrucker _majorum gentium_ betrachtet. Als im Jahre -1672 ein grosser Brand einen bedeutenden Teil des Blaeuschen Geschäfts -vernichtete und Blaeu in Verlegenheiten kam, kaufte Daniel eine Anzahl -von dessen Verlagsartikeln. Auch von Hackius machte er bedeutende -Erwerbungen. - -Trotz der schweren Zeiten hat man sich also Daniel nicht als mutlos -geworden zu denken, und noch in den Jahren 1675-1680 verliessen 90 -Verlagswerke, unter welchen sich einige seiner bedeutendsten Leistungen -befinden, seine Pressen. - - Daniels Tod. - -Da überraschte ihn der Tod mitten unter den Vorbereitungen zu einer -Menge neuer grossartiger Unternehmungen. Am 13. Oktbr. 1680 unterlag er -dem wiederholten Anfall eines heftigen Fiebers, wie solche in Amsterdam -nicht selten auftreten. - - Die Elzevier- - schriften. - -Die Verhältnisse waren schwer zu beherrschen. Zwar beabsichtigte -die Witwe das Geschäft fortzusetzen, sah aber bald die Notwendigkeit -einer Beschränkung ein. Zuerst kam die Reihe an die Schriftgiesserei, -bei welcher Gelegenheit ein Licht über die Entstehung der -Elzevier-Schriften geworfen wird. Es gelang dem Herrn Alfons Willems, -im Plantinschen Museum in Antwerpen ein Schreiben von der Witwe Daniels -an die Witwe des Balthazar Moretus aufzufinden, in welchem erstere den -Plantins ihre Schriftgiesserei anbietet, mit 27 Sorten von Stempeln -und 50 Sorten Matern „_gemaekt wesende bij Christoffel van Dyck, de -beste meester van sijnen en onsen tijdt, en bij gevolge de beroemste -gieterije, die ooyt ist geweesi_“. Beigefügt ist eine Schriftprobe, -ein einzelnes Blatt in Plakatformat, mit der Überschrift: „_Proeven -van Letteren die gesneden ziin door Wylen Christoffel van Dyck, soo -als de selve verkoft sullen werden ten huyse van de Weduwe Wylen Daniel -Elsevier, op't Water by the Papenbrugh, in den Olmboom, op Woensdagh, -den 5 Martii 1681_“. - -Zwar ist nur die Rede von den Typen der Amsterdamer, aber es ist -nicht anzunehmen, dass diese nur Plagiate der Leydener gewesen. Es -würde die Witwe Daniels kaum gewagt haben von van Dyck als von dem -ersten Schriftschneider seiner Zeit zu sprechen, wenn er nur ein -Plagiator gewesen[7]. Früher hat man die Schriften der Elzeviere -dem Claude Garamond oder den Sanleques zugeschrieben. Garamond war -jedoch bereits 1561 gestorben, auch zeigen seine Schriften einen -abweichenden Charakter. Eher stimmen die Elzevier-Schriften mit denen -Sanleques überein, der ein Zeit- und Religionsgenosse der Elzeviere -war, so dass die Vermutung, die Schriften stammten von diesem, mehr -Wahrscheinlichkeit hatte. - - [7] Über die Schriften van Dycks vergleiche auch „_Specimen de - J. Enschedé & fils_“. Haarlem 1867. - - Schicksale der - Elzevier- - schriften. - -Das Plantinsche Haus nahm das Anerbieten der Witwe Elzevier nicht -an, und die Schriftgiesserei ging nunmehr durch Kauf an Jean Bos im -Hause □Joseph Athias□ über. Letzterer war ein spanischer Jude, der -ein bedeutendes typographisches Etablissement in Amsterdam besass. Er -war namentlich bekannt als Drucker einer Anzahl von Bibeln in fremden -Sprachen, ganz besonders ist seine hebräische Bibel berühmt, für -welche ebenfalls Christoff van Dyck die Schriften geschnitten hatte, -die noch jetzt unter die schönsten hebräischen Schriften zählen. -Als Belohnung für diese Arbeit erhielt Athias von den Staaten von -Holland und Westfriesland eine goldene Medaille an goldener Kette zu -tragen, eine Auszeichnung, die noch keinem Israeliten zuteil geworden -war. Vielleicht hat Athias seine Dankbarkeit gegen van Dyck, durch -Ankauf des ganzen Komplexes seiner Schriften, zeigen wollen. Sein -Etablissement ging in die Hände von □J. J. Schepper□ über, später -an den Schriftgiesser □Johann Roman□, der die oben erwähnten Proben -genau mit allen Fehlern als Proben seiner Giesserei druckte. Diese -kam 1767 an die Brüder □Ploos van Amstel□ in Amsterdam und an □Johann -Enschedé□ in Haarlem, die den Fond teilten; später ging das Ganze -auf Enschedé über. Dieser, ein warmer Bewunderer der Leistungen des -Schriftschneiders Fleischmann, legte übrigens, wie es scheint, kein -grosses Gewicht auf die Schriften von van Dyck. - - Auflösung des - Amsterdamer - Geschäfts. - -Die Verhältnisse bei dem Tode der Witwe Daniels im Mai 1681 machten -alle Gedanken an eine wennauch beschränktere Fortführung des Geschäfts -zunichte. Die Erbschaft konnte von den Beauftragten der neun Kinder -Daniels nur _cum beneficio inventarii_ angetreten werden. Die -Liquidation fiel jedoch über alle Erwartung günstig aus und erzielte -nach heutigem Geldwerte eine Summe von etwa einer viertel Million -Mark. Die Amsterdamer Verleger hatten sich längst auf diesen Augenblick -gerüstet und kauften mit Begierde die berühmten Verlagsartikel. - -So verblieb nur die Erinnerung an das angesehene Elzeviersche Haus in -Amsterdam. Doch nicht allein der Glanz desselben wurde mit Daniel zu -Grabe getragen, auch der hohe Ruhm der niederländischen Typographie im -allgemeinen war dahin. Fast gleichzeitig mit Daniel schieden fast alle -die grossen holländischen Buchdrucker, welche die letzte Hälfte des -□xvii.□ Jahrhunderts mit ihrem Ruhm erfüllt hatten. Zwar erstanden aufs -neue tüchtige Männer, welche die typographische Fahne hochhielten, aber -die Kette war gebrochen, und es gelang nicht, die Glieder wieder zu -einem Ganzen zu vereinigen. - - * * * * * - - Ende d. Leydener - Hauses. - -Wir haben nun noch den letzten Blick, der keine Freude gewährt, dem -Leydener Hause zuzuwenden. - -Daniels Austritt war ein schwerer Schlag, indes verlor □Johann□ den -Mut nicht. Da er keinen Associé hatte, suchte er helfende Kräfte -zu gewinnen, und es scheint ihm dies durch das Engagement □Karl -Gerstekorns□ gelungen zu sein. Wenn unter den schwierigen Verhältnissen -Johann den Senat um Erlaubnis ersuchte, die Offizin baulich erweitern -zu dürfen, so ist dies, wenn es damit überhaupt Ernst war, nur in -der Weise zu erklären, dass er sich auf die Druckerei allein hat -beschränken und diese mit aller Kraft hat betreiben wollen. Wenigstens -mässigt er seine Verlagsthätigkeit sehr und sucht sein Lager durch -Auktionen zu erleichtern. Es gehören immerhin einige seiner Leistungen -dieser Zeit, als: _de Brebeuf, Pharsalus_ und _P. le Moyne, Gallerie -des femmes fortes_, zu den besten seiner Pressen. - -Johann starb, ohne einen Plan für die Zukunft des Geschäfts gelegt -zu haben, am 8. Juni 1661, erst 39 Jahre alt. Seine Witwe entschloss -sich, die Geschäfte fortzuführen, und erhielt auch die Bestätigung -des Verhältnisses zur Universität. Durch Auktionen in den Jahren 1659, -1660 und 1661 entledigte sie sich des Leydener Lagers und der Haager -Vorräte. Mit Ausnahme der Fortführung der grossen holländischen Bibel, -die schon während Daniels Zeit angefangen und bei der er beteiligt -geblieben war, scheint sie eigenes Verlegen ganz unterlassen zu haben. -So ging das Geschäft nach und nach zurück. 1681 übergab sie es dem -zweiten Sohne Abraham □ii.□, und starb 1695. - -□Abraham□, am 5. April 1653 geboren, hatte in Leyden studiert und 1679 -den Doktorgrad erworben. 1695 wurde er Schöffe zu Leyden. Unter seiner -Misswirtschaft verfiel die Druckerei vollständig. Als nach seinem am -30. Juli 1712 erfolgten Tode das Geschäft verkauft wurde, war der Erlös -noch nicht 2000 Fl. -- _Sic transit gloria mundi._ - - * * * * * - - Die Nachahmer - der Elzeviere. - -Es konnte nicht anders sein, als dass der grosse Erfolg der -Elzevierschen Duodezausgaben auch andere Buchdrucker innerhalb und -ausserhalb der Grenzen der Niederlande zur Nachahmung anstachelte. Es -dauerte nicht volle zehn Jahre nach den ersten Ausgaben seitens der -Elzeviere, bis eine Überschwemmung mit Nachahmungen derselben eintrat, -die oft die Vignetten und anderes Beiwerk so genau wiedergaben, dass -die Entscheidung, ob ein Buch wirklich den Elzevieren gehörte oder -nicht, manchmal eine sehr schwierige war. - -Nach der Druckerei der Elzeviere war in Leyden die bedeutendste die -von □Franz Hackius□, die viel für die erstgenannte druckte, und eine -sehr leistungsfähige Offizin war. Um die Mitte des □xvii.□ Jahrhunderts -gab es in Leyden überhaupt 9 Druckereien mit 23 Pressen, darunter -keine mit mehr als vier. In Amsterdam waren die Druckereien nicht so -zahlreich, aber sehr tüchtig. Von den □Blaeu□ hörten wir bereits. -□Johann Jansson□, der nicht dieser Familie angehörte, druckte von -1618-1664 und war besonders als Nachdrucker bekannt. Fand ein Werk -eines ausländischen oder auch eines holländischen Kollegen Beifall, -so war Jansson schnell mit einem Nachdruck bei der Hand. Er hatte, wie -schon erwähnt, eine Filiale in Kopenhagen und errichtete eine Druckerei -in Stockholm. Nachdem □Johann van Waesberge□ eine Tochter Janssons -geheiratet hatte, fügte letzterer den Namen des Schwiegersohns dem -seinigen bei. Nach Janssons Tod associierte sich Waesberge erst mit -seinem Schwager □Elisäus Weyerstraten□ (1664-1667), später mit dessen -Witwe. Von 1669 ab bis zu seinem Tode 1681 druckte er allein[8]. - - [8] □A. M. Ledeboer□, _Het geslagt van Waesberghe_. 2. Ausg. - Haag 1869. - -Zu den talentvollsten Nachahmern der Elzeviere gehören auch die -Brüsseler Buchdrucker □François Foppens□ (gest. 1684) und □Eugène Henry -Frix□ (gest. um 1715). - -Ein sehr geschätzter Buchdrucker, Buchhändler, Kartenstecher und -Geograph war □P. van der Aa□ (gest. 1730). Sein grösstes Werk, eine -Weltgalerie, umfasst 66 Bände. Die berühmte Familie □Wetstein□ wurde -schon früher erwähnt. - - Die Schrift- - giesserei. - -Nach dem Erlöschen der Familie der Elzeviere ist die der □Enschedé□ -die bekannteste, namentlich ist ihre Geschichte mit der der -□Schriftgiesserei□ in Holland auf das engste verknüpft. - -Es wurde schon früher erwähnt, dass Paffroed in Deventer[9] für -damalige Zeit sehr schöne nationale Schriften geliefert hatte. Von da -an jedoch machte in den Niederlanden der Schnitt der gothischen Schrift -nur sehr langsam Fortschritte. Dürers litterarische Arbeiten waren -durch seine Reise in den Niederlanden populär und von Joh. Jansson in -Amsterdam sowohl lateinisch als auch (1606) deutsch mit Frakturschrift -gedruckt worden. Die Fraktur fand bei den Schriftgiessern Aufnahme und -□Dirk Voskens□ z. B. lieferte sie in 14 Graden mit den entsprechenden -Schwabacher Schriften. Wahrscheinlich geschah dies mit auf Antrieb -Philipps von Zesen, der sich um die Mitte des □xvii.□ Jahrhunderts in -Amsterdam aufhielt und eine Anzahl eigener und übersetzter Werke dort -und in Leyden herausgab. Auch verschiedene der grossen illustrierten -Reisebeschreibungen wurden mit deutscher Schrift gedruckt. Es dauerte -jedoch nicht lange, so wurde sie ganz durch die Antiqua und die -Schreibschriften nach französischem Duktus verdrängt. - - [9] Seite 68. Durch ein Versehen ist dort die Silbe „roed“ aus - dem Namen „Paffroed“ ausgefallen. - -Die Antiqua erreichte jedoch im allgemeinen nicht die Schönheit -der Vorbilder. Sie ist in der Regel sehr schmal geschnitten und eng -zugerichtet, hauptsächlich auf Betrieb der holländischen Nachdrucker, -die viel Ware für das Geld bieten mussten. □Ament Tavernier□ -in Antwerpen führte 1558 die, dem Granjon in Lyon nachgebildete -Schreibschrift _Civilité_ ein, deren sich Wilh. Sylvius zuerst -bediente. Auch Plantin druckte ein Buch mit dieser Schrift, die bis -in das □xviii.□ Jahrhundert benutzt wurde. Die _Ronde_ wurde ebenfalls -als Werkschrift verwendet; daneben hielt sich die _Coulé_, von □J. F. -Rossart□ und □J. M. Fleischmann□ geschnitten. - - Isaak Enschedé. - -Der Stammvater der Enschedés □Isaak□ ward 1681 in Haarlem geboren -und gehörte einer in Gröningen angesessenen Buchdruckerfamilie an. Um -1703 eröffnete er eine Buchdruckerei in Haarlem und druckte 1727 im -Verein mit seinem Sohne □Johannes□ eine Bibel in Folio nach dem neuen -Verfahren von van der Mey und Müller. - -Ob dies Verfahren wirklich dasselbe gewesen ist, welches wir jetzt als -Stereotypie bezeichnen, blieb langezeit zweifelhaft. □J. van der Mey□ -stellte zu Anfang des □xviii.□ Jahrh. mit Unterstützung des deutschen -Predigers □Johann Müller□ in Leyden (gest. 1710), der von vielen für -den eigentlichen Erfinder gehalten wird, mehrere „stereotypierte“ -Werke. Die ersten Versuche haben sich wohl auf zusammengelötete -Schrift beschränkt, später scheint es jedoch, als habe man eine -wirkliche Stereotypie erfunden, denn unter den zu dem Caxton-Jubiläum -in London 1877 ausgestellt gewesenen Gegenständen befanden sich auch -vier auf Holz genagelte Platten Meys und Müllers[10]. Die Firma S. & -E. Luchtmanns in Leyden, für deren ersten Inhaber Samuel Luchtmanns -mehrere solche stereotypierte Werke hergestellt waren, drückt sich in -einem Schreiben vom 24. Juni 1801 an A. Renouard in Paris ebensowenig -wie der Baron van Weestreenen van Tiellandt in seinem, im Auftrag -der niederländischen Regierung abgefassten Bericht recht klar über -das Technische aus[11]. Eine Bibel in 4° und eine in Folio; ein Neues -Testament englisch und eins griechisch in 18°; ein syrisches Wörterbuch -wurden stereotypiert, dann ward es wieder still von der Erfindung. - - [10] _Caxton Celebration 1877. Preleminary issue. Class M. - Sect. II._ (Seite 395) 4652: _Original casts of various - pages made in the years 1700-1726 in the printing office - of Messrs Luchtmans & Co. by the process invented by - Rev. Muller, of Leiden. Lent by Messrs G. J. Brill._ - Zu wünschen wäre es gewesen, dass die Platten nicht - aufgenagelt worden. Die Rückseiten derselben könnten - möglicherweise noch einige nähere Aufschlüsse gegeben - haben. - - [11] _Rapport sur les recherches, relatives à l'invention et - à l'usage le plus ancien de l'imprimerie stéréotype etc._ - Haag 1813. - - Johannes En- - schedé. - -Isaak Enschedés Sohn □Johannes□ fing schon als Knabe an, Schriften -in Holz zu schneiden, und erwarb sich durch fortgesetzte praktische -Arbeiten einen sichern Blick, der ihn zu einer Autorität in der -Beurteilung xylographischer und typographischer Erstlingsdrucke -machte. Sein langes Leben (er starb 1781) teilte er zwischen -Wissenschaft und Praxis. Er vermehrte die schon von seinem Vater -gegründete ausgezeichnete Bibliothek mit den grössten typographischen -Seltenheiten. Das Ideal seines Strebens war, ein Hauptwerk über die -Erfindung der Buchdruckerkunst zu schreiben, wobei seine Sammlungen -ihm als Unterlage dienen sollten. Leider kam er aber damit nicht einmal -so weit, wie Breitkopf mit seiner ähnlichen Arbeit, und wir haben von -ihm nur eine Skizze über die Schriftgiesserei in den Niederlanden. Er -entdeckte Fragmente eines Donat und eines Horariums, welches letztere -von den Holländern als das erste Druckwerk Kosters mit beweglichen -Typen angesehen wird. Sein Sohn □Dr. Johannes Enschedé□ war noch mehr -Gelehrter als Buchdrucker; er stand in freundschaftlichem Verkehr -mit den berühmten Philologen Valckenaer und Ruhnken und vermehrte die -seltene typographische Büchersammlung. - -Durch die Vereinigung der wissenschaftlichen Bildung mit den -praktischen Kenntnissen haben die Chefs ihrer, noch heute fortblühenden -Buchdruckerei und Schriftgiesserei das eigentümliche Doppelgepräge -eines Geschäfts und einer historischen Sammlung aufgedrückt. Sie stehen -in dieser Hinsicht einzig in ihrer Art da, indem es hier gelungen ist, -beinahe alle Originalschriften aus der Blütezeit der Buchdruckerei -in Holland zu sammeln. Es bleibt unter diesen Umständen um so mehr -zu bedauern, dass die prachtvolle Bibliothek im Jahre 1867 durch -Versteigerung zerstreut wurde. Sie würde in Verbindung mit den seltenen -Schätzen der Giesserei und der Druckerei eine würdige Vervollständigung -des Plantinschen Museums abgegeben haben. - - Schriftgiesserei - der Enschedés. - -Johannes Enschedé wurde 1743 Schriftgiesser, indem er die bekannte -Giesserei von Hendrik Floris Wetstein kaufte. Die Stempel für diese -Giesserei hatte zumteil der berühmte Stempelschneider Johann Michael -Fleischmann geschnitten, der im November 1701 geboren war und am 11. -Mai 1768 in Amsterdam starb. Fleischmann fuhr fort, für Enschedés -Geschäft zu schneiden, das ausserdem durch die wertvollen Arbeiten -Johann Franz Rossarts, geb. zu Namur 1714, gest. zu Brüssel am 26. -Mai 1777, vermehrt wurde. Während das Geschäft in dieser Weise durch -die besten Künstler der Zeit bereichert wurde, erhielt es seinen -historischen Wert durch Erwerbung einer bedeutenden Anzahl älterer -Schriftgiessereien ersten und zweiten Ranges. So wurde die Giesserei -der Blaeu annektiert, welche am 21. April 1677 in die Hände des -Schriftschneiders □Dirk Voskens□ übergegangen war. Das Geschäft -Voskens wurde von dem Sohne Bartholomäus übernommen, später unter der -Firma Witwe Voskens & Sohn, nachher als Clerk & Voskens fortgeführt -und 1780 von Enschedé erworben. Wie die Erwerbung der Elzevierschen -Schriftgiesserei durch Enschedé geschah, ist bereits (S. 247) erzählt. - - _Specimen_ der - Enschedés. - -Leider gab es eine Zeit, wo man nicht, wie heute, diese Schätze -genügend würdigte, und zu Anfang unseres Jahrhunderts wanderte eine -grosse Masse von Stempeln unter das alte Eisen und die wertvollen -Matern in die Schmelztiegel, so dass von vielen Schriften nur ein -Minimal-Quantum übrig geblieben ist, allenfalls gross genug, um damit -einige kleine Wiederabdrücke für den Liebhaber herstellen zu können. Um -so mehr muss man den Enschedés dankbar sein, dass sie Abdrücke dieser -Schätze, nachdem sie schon mehrere ähnliche Proben gedruckt hatten, in -einem „_Specimen de caractères typographiques anciens, qui se trouvent -dans la collection typographique de Joh. Enschedé et fils, imprimeurs -à Harlem_“ vereinigten[12], denn diese Probe enthält nur solche -Schriften, von welchen die Stempel und Matern nicht mehr existieren, -sie führt uns somit die ältere Geschichte der Schriftgiesserei in -Holland vor Augen und wir müssen deshalb bei ihr verweilen. Den Anfang -machen die grossen Kapitalbuchstaben, überschrieben _chalcographia -sive typi aenei et matrices plumbeæ_. Diese Schriften rühren aus der -Zeit Albrecht Dürers her und tragen die Spuren seines Einflusses: die -Stempel waren aus Kupfer, die Matrizen aus Blei, wie in der ersten Zeit -der Buchdruckerkunst. Auf 12 Grade Antiqua-Versal, 8 Grade Cursiv, -12 Grade schattierte und verzierte Antiqua und 3 Grade schattierte -Cursiv folgen die Antiqua- und Cursiv-Buchschriften in breiterem und -schmälerem Schnitt, von der groben Canon bis abwärts zur _Non plus -ultra_. - - [12] Eine Anzahl dieser Schriften ging in den Besitz von Karl - Tauchnitz in Leipzig über und befindet sich jetzt in der - dortigen Offizin W. Drugulin. - -Darauf folgen die berühmten holländisch-gothischen Schriften -(_Flamand_), ebenfalls von der groben Canon bis _Non plus ultra_, -in einer Reinheit des Schnittes und einer Schärfe des Gusses, als -wären sie heute aus den Händen des Schriftschneiders und des Giessers -gekommen. - -Was von den gothischen Schriften gilt, lässt sich auch auf die -Fleischmannschen Musiknoten anwenden, welche Veranlassung zu einer -heftigen Polemik mit Breitkopf gaben. Höchst interessant ist eine -Reihe von zwanzig Schreibschriften (_Coulé_), unter ihnen die von -Fleischmann, „_den grootsten en konstigsten Letter-Stempelschnyder, die -'er ooit in de Wæreld geweest is, en mogelyk komen zal_“, welche er -1768 vollendete. Dann folgt die merkwürdige, sehr sauber und korrekt -ausgeführte _Civilité_, die ihren Namen von einem im 15. Jahrhundert -in Paris erschienenen Büchlein: „_La civilité puérile et honnête_“ -hat. Nach diesen schönen, im besten Stil ausgeführten Schriften bildet -allerdings die _Ecriture Allemande_ keinen besonders günstigen Schluss, -so wenig wie eine sehr magere, abscheulich geschnittene _Cicero -Allemande_, die einzige Frakturschrift in der Probe, einen schönen -Übergang zu zwei alten gothischen Schriften, die zwischen 1470-1480 -geschnitten sind. - -[Illustration:Kapitelende] - - - - -[Illustration:Kapitelanfang] - -XII. KAPITEL. - -ENGLAND. NORDAMERIKA. - - Das allmähliche Wachstum der englischen Presse. Wynkyn de Worde, - Richard Pynson, Reynold Wolfe, John Day, Th. Vautrollier, Th. - Roycrofft, Sam. Palmer, Sam. Richardson. □Oxford□, □Cambridge□. Die - schottische und die irische Presse. Die Stereotypie und Will. Ged. - Das Zeitungswesen. Die Schriftgiesserei. - - NORDAMERIKA. Kleine Anfänge der Presse. John Glover, James Franklin, - Benjamin Franklin. Die deutschen Einwanderer und ihre Presse. - Christoph Sauer und seine Nachkommen. - - - Kämpfe der eng- - lischen Presse. - -DIE englische Presse, welche später einer Freiheit geniessen und eine -Macht erlangen sollte, um welche der Kontinent das Inselland beneiden -musste, hatte in ihrem Beginn schwere Kämpfe zu bestehen. Bevormundung -mancherlei Art und Privilegien spielen eine grosse Rolle in der -englischen Buchdrucker-Geschichte. So lange der erste Buchdrucker -Caxton noch ohne Rivalen dastand, waren keine Privilegien notwendig, -als aber die Zahl der Buchdrucker wuchs, entstand auch der Wunsch -eines Schutzes. Schon 1504 wird William Fawkes als _regius impressor_ -genannt, d. h. als berechtigt alle Regierungsarbeiten herauszugeben. -Das erste ausschliessliche Privilegium für den Druck eines Buches -wurde an Richard Pynson 1518 erteilt, später mit solchen sehr freigebig -umgegangen. In diesen Privilegien finden sich auch die ersten Spuren -der Anerkennung eines geistigen Eigentumsrechtes, wennauch mehr in dem -materiellen Interesse des Verlegers als dem des Autors. Die Privilegien -gewährten nicht allein Schutz, sie waren auch eine Art von Empfehlung. - -Der Druck „vieler ketzerischer und aufrührerischer“ Bücher war unter -der Regierung der Königin Maria Veranlassung, dass die Buchdrucker, -die, wie in Deutschland, zugleich Buchführer waren, 1556 in der -Genossenschaft _Stationers' company_ vereinigt wurden. Eigentlich -handelte es sich nicht um ein neues Institut, denn schon 1403 -bestand eine Vereinigung von Abschreibern, Rubrikatoren, Briefmalern, -Papiermachern und Manuskriptenhändlern. Die Vorsteher waren für die -einzelnen Mitglieder verantwortlich und nur solche durften Bücher -drucken. Einige Jahre nachher wurde verfügt, dass jeder, der ein Buch -druckte, es in das Register des Vereins eintragen lassen müsse, was ihn -gegen den Nachdruck seitens anderer Mitglieder schützte. - - Privilegien, Ver- - bote und Strafen. - -Daneben blieben aber königliche Privilegien fortbestehen, die vielfach -an Personen ausserhalb des Vereins erteilt und dann für grosse Summen -an Mitglieder zur Ausnutzung verpachtet wurden. 1559 verordnete die -Königin Elisabeth sogar, dass kein Buch ohne besondere Erlaubnis von -ihr oder den von ihr dazu bevollmächtigten Personen erscheinen durfte. -Dies wurde jedoch nicht allgemein befolgt, weshalb 1566 Konfiskation, -Konzessionsentziehung, Gefängnisstrafen und Bürgschaftsscheine, kurz -der ganze Apparat der Presspolizei-Massregeln eingeführt wurde, welchen -man in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts in Deutschland so gut zu -kopieren verstand. Da aber die Beschwerden immer noch nicht aufhörten, -wurde bestimmt, dass mit Ausnahme der Universitätspressen in Oxford -und Cambridge nur in London gedruckt werden dürfte. Unter Karl □i.□ -wurden auf Antrieb des Erzbischofs Laud 1637 sehr scharfe Verordnungen -gegen den Buchhandel und die Presse erlassen und die Zahl der Londoner -Buchdrucker auf 20 beschränkt, die der Schriftgiessereien auf 4. -Dieselben durften nur je zwei Lehrlinge halten und waren solidarisch -verpflichtet, alle Gehülfen zu beschäftigen, denn kein Gehülfe durfte -feiern. Nur zu dem Abbrechen der Buchstaben war es gestattet, nicht -gelernte Arbeiter zu nehmen. - - Die Chapel. - -In den Druckereien bildete das Personal eine sogenannte Kapelle und -der älteste Gehülfe war der Vater der Kapelle. Eine Hauptaufgabe -derselben war, durch Strafbestimmungen der Kasse vielen Stoff -zuzuführen, so war es z. B. strafbar, seinen Winkelhaken fallen, oder -drei oder mehr Buchstaben auf der Erde liegen zu lassen u. dgl. m. -Die Strafen wechselten von 1-12 Pence; wer widerspenstig war, wurde -über den Korrigiertisch gelegt und bekam zehn Pfund und einen Beutel -dazu, d. i. elf Schläge auf einen gewissen Teil des Körpers. Jeder -Neueintretende musste sein _Bienvenue_ zahlen. Ein sehr beliebtes Spiel -war das Raffeln mit Gevierten. Der, welcher die meisten Signaturen -nach oben warf, war der Gewinner. Jedes Jahr wurden neue Papierfenster -eingesetzt, da musste der Prinzipal eine Stoppelgans mit den nötigen -Flüssigkeiten zum besten geben, bei welcher Gelegenheit man zugleich -die mit der Druckerei Verkehrenden, mit Ausnahme der Korrektoren, -brandschatzte. Die Setzer nannte man nach den Satzschiffen (_galleys_) -Galeerensklaven. - - Die Republik. - -Die Versuche, während der Republik die Bücher dem freien Verkehr zu -übergeben, blieben fruchtlos. 1643 erliess das Parlament eine Akte -zur Unterdrückung der Missbräuche und Unordnungen. Dem Nachdruck trat -man zwar entgegen, sogar der Buchbinder wurde durch das Binden von -Nachdrucken strafbar, dagegen beschränkte man die Presse durch neue -Edikte weiter und das Erscheinen der Bücher ward von einem vorherigen -Erlaubnisschein (_license_) abhängig gemacht, was Milton zu seiner -berühmten Rede für die Pressfreiheit Veranlassung gab. - - Wiedereinfüh- - rung des König- - tums. - -Die Wiedereinführung des Königtums hatte auch keine grössere Freiheit -im Gefolge und es kam noch 1663 die Anordnung dazu, drei Exemplare -jedes gedruckten Werkes an die Bibliotheken abzuliefern. Erst 1694 -wurden die letzten Restriktivmassregeln gegen die Presse aufgehoben und -von dieser Zeit ab kann man England als im Besitz einer freien Presse -betrachten. - -Mit dem ersten Viertel des □xviii.□ Jahrhunderts hatte London 75 -Buchdruckereien, die Provinzen deren 28. In London erschienen an -Zeitungen 3 täglich, 10 dreimal die Woche, 5 einmal wöchentlich. Der -Zeitungsstempel wurde 1712 eingeführt. - - Das geistige - Eigentumsrecht. - -Mit der Anerkennung des geistigen Eigentums war es auch schlecht genug -bestellt, und das Verlagsrecht wurde eigentlich als ein dem König -gehörendes betrachtet. Erst 1709 wurde das Autorrecht auf vierzehn -Jahre garantiert und, wenn der Autor beim Ablauf dieser Frist am Leben -war, auf noch weitere vierzehn Jahre. - - * * * * * - - Berühmte Buch- - drucker. - -Unter den Ausübern der Buchdruckerkunst in England befanden sich -zwar manche tüchtige Männer und die Kunst machte auch nach ihrer -Einführung durch Caxton rasche Fortschritte; aber von solchen -hervorragenden Familien, wie wir sie in Italien, Frankreich und -Holland kennen gelernt haben, deren Mitglieder gleich bedeutend als -Gelehrte und Kunstjünger waren, hören wir ebensowenig wie von solchen -zeichnenden Künstlern ersten Ranges, wie die, welche eine Reihe von -xylographisch-typographischen Kunstwerken in Deutschland schufen. -Die Vorzüge der Engländer als Buchdrucker treten erst in der spätern -Periode der Kunst, wo die Mechanik eine hervorragende Stelle einnimmt -und die Buchdruckerei sich mehr dem Fabrikbetrieb nähert, in helles -Licht. - -Unter den mit Caxton nach England gekommenen Buchdruckern zeichnen sich -namentlich Wynkyn de Worde und Richard Pynson aus. - - Wynkyn de - Worde. - -□Wynkyn de Worde□ war in Lothringen geboren und ward Mitarbeiter -und Nachfolger Caxtons, den er als Drucker bedeutend übertrifft. Er -vollendete in dem Caxtonschen Lokal mehrere, von diesem unvollendet -hinterlassene Werke, unter welchen die _Canterbury tales_. Später, -wahrscheinlich 1499, bezog er die „Goldene Sonne“ in St. Bride, wo er -eine grosse Anzahl, über 400, sehr sorgsam ausgestatteter Werke aus -allen Fächern, namentlich jedoch grammatikalischen Inhalts, ausführte. -Seine Typen sind ganz verschieden von den bis dahin verwendeten und -zeichnen sich durch Schönheit des Gusses und vorzügliche Zurichtung -aus. Wahrscheinlich war Wynkyn de Worde selbst Schriftgiesser, -wenigstens deutet der Umstand, dass seine Schriften sich in den Werken -anderer Druckereien häufig vorfinden, darauf hin. Selbst, wenn es nicht -der Fall wäre, verdient Wynkyn de Worde als einer der bedeutendsten -Typographen seiner Zeit geschätzt zu werden. Ob er oder Pynson die -Antiqua zuerst in England verwendete, lässt sich nicht bestimmt -entscheiden. Eins seiner schönsten Bücher ist der _Polychronikon_ -in Folio, aus d. J. 1495. Er starb hochbetagt 1534, wennauch eine -Ausgabe von „Esop“ aus dem Jahre 1535 noch seinen Namen trägt. In -seinem Druckerzeichen verband er das Monogramm Caxtons mit dem eigenen -Namen. Mit seinem früheren Kollegen bei Caxton, jetzigem Rival, Pynson, -verblieb er in dem besten Vernehmen. - - Richard Pynson. - -□Richard Pynson□ stammt wahrscheinlich aus der Normandie. Er stand sehr -in Gunst bei Hofe und wurde von Heinrich □viii.□ zum Hofbuchdrucker -ernannt. Mehr als 200 Werke gingen aus seinen Pressen hervor, sie -waren hauptsächlich mit einer, mutmasslich aus Frankreich bezogenen -Art semigothischer Schrift gedruckt, und reicher illustriert, als die -Druckwerke seiner Vorgänger und Zeitgenossen. Er starb um das Jahr -1529. - - Julian Notary. - -□Julian Notary□ druckte 1498 zusammen mit □Jean Barbier□, einem -Franzosen und einem der vorzüglichsten Typographen damaliger Zeit. Man -kennt aus ihren Pressen 23 Druckwerke. - - Richard Grafton. - - Will. Tyndales - Bibel. - -Ein Mann von hervorragender Bedeutung ist □Richard Grafton□, der -wahrscheinlich während der letzten Lebensjahre Heinrichs □viii.□ -geboren ward und bis in die Regierungszeit der Königin Elisabeth lebte. -Grafton war nicht allein ein bedeutender Geschäftsmann, sondern auch -ein tüchtiger Autor und angesehener Bürger, der mit den Notabilitäten -der Wissenschaft und des Adels in regem Verkehr stand. Sein Name -ist besonders eng mit der Geschichte der Verbreitung der heiligen -Schrift in England verknüpft, welcher hier, wie beinahe überall, viele -Schwierigkeiten in den Weg gelegt wurden, deren Ueberwindung oft mit -wesentlicher Gefahr für Gut und Leben verbunden war. „Wir müssen die -Buchdruckerkunst ausrotten oder sie wird uns ausrotten“, hatte ein -bekannter englischer Geistlicher geäussert, und sein Ausspruch hatte -lebhaften Anklang gefunden. Unter solchen Verhältnissen konnte es -William Tyndale, ein Engländer, der nach Antwerpen gegangen war, nur -im Auslande wagen, zuerst das Neue Testament und dann einen Teil des -Alten zu übersetzen und zum Druck zu geben. Die Übersetzung, bei der -ihn John Fryth und Joseph Roye unterstützten, ist ein Ergebnis der -Energie und des Ernstes, welche die Reformatoren beseelten, und blieb -eine Grundlage für alle späteren englischen Bibelbearbeitungen. Das -Neue Testament wurde 1526 bei Quentell in Köln, das Alte von Hanns -Lufft gedruckt. Der gegen diese Übersetzung in England begonnene -Vernichtungskrieg wurde so gründlich durchgeführt, dass von 3000 -Exemplaren nur eins, zudem ein defektes, auf uns gekommen ist. Tyndale -beabsichtigte nun eine zweite Ausgabe des Neuen Testaments bei Martin -Kayser in Antwerpen zu drucken. Aber auch auf fremdem Boden ereilte -die Rache den Urheber. Kaiser Karl □v.□ liess sich bestimmen, Tyndales -Gefangennehmung und Auslieferung anzuordnen; nach achtzehnmonatlicher -Einkerkerung wurde er gehängt und sein Leichnam verbrannt. Fryth -kam 1533 in Smithfield auf den Scheiterhaufen, Roye erlitt dasselbe -Schicksal in Portugal. Die Holländer druckten die Tyndalesche -Übersetzung in grossen Massen nach. - - Myles Coverda- - les Bibel. - -Zwar änderte Heinrich □viii.□, wenn nicht seine Gesinnung, so -doch seine Haltung, nachdem Erzbischof Cranmer die Lösung des -Bandes, welches ihn an Katharina von Aragonien fesselte, ermöglicht -hatte; nichtsdestoweniger wagte man es aber doch noch nicht, eine -Bibelübersetzung in England zu drucken. In dem Jahre 1535 erschien -die von Myles Coverdale revidierte und vervollständigte Übersetzung -Tyndales, jedoch in der Schweiz (ohne Angabe des Druckers Christoph -Froschauer in Zürich), da man sich nicht der Verfolgungen enthoben -glaubte, soweit die Macht Kaiser Karls □v.□ reichte. Die nach -derselben bearbeitete Matthews-Bibel erschien 1517 ebenfalls im -Auslande, wahrscheinlich in Deutschland. 1538 bis 1539 liess Grafton -in Verbindung mit □Edward Whitchurch□ eine Bibel in Paris drucken, die -aber in 2500 Exemplaren nebst den Pressen von der Regierung Franz □i.□ -mit Beschlag belegt wurde. Whitchurch, früher ein angesehener Kaufmann -und Abgesandter Heinrichs □viii.□ in Deutschland, heiratete später nach -der Hinrichtung des Bischofs Cranmer (1656) dessen Witwe. - - Cranmersche - Bibel. - -Das Hauptbibelwerk, welches Grafton selbst druckte, bleibt aber die -1539-1541 erschienene Prachtausgabe, bekannt als die Cranmer- oder -die Grosse Bibel. Die Type dieser Bibel, von der man sieben oder acht -Ausgaben hat, ist eine schöne gothische; das Titelblatt wird Holbein -zugeschrieben. Der Erzbischof Cranmer und Thomas Cromwell, Lord Essex, -interessierten sich besonders dafür. Grafton musste es indes erleben, -dass seine beiden Gönner durch Henkershand umkamen. Grafton druckte -auch das erste autorisierte Gebetbuch nach dem protestantischen Ritus. -Eines seiner schönsten Werke ist _Edw. Halles Chronicle_. - -In ernste Verwickelungen kam Grafton, als er in seiner Eigenschaft als -königlicher Buchdrucker nach Eduards □vi.□ Tode die Proklamation Jane -Grays als Königin druckte. Ihr Königtum dauerte bekanntlich nur 9 Tage -und nach der Einsetzung der Königin Maria wurde Grafton gefänglich -eingezogen, kam jedoch mit sechswöchentlichem Gefängnis, Einbusse von -ihm noch zuständigen 300 £ und Verlust seines Amtes als Hofbuchdrucker -davon. Er starb um 1572. - - John Bydells - Bibel. - -Von englischen Bibeln damaliger Zeit sind ausser den genannten zu -erwähnen die □John Bydells□, eigentlich nur eine verbesserte Ausgabe -der Matthewschen, und die „Bischofsbibel“ aus 1568, auch „Leda-Bibel“ -genannt, weil die Briefe an die Hebräer als Kopfvignette eine -Darstellung der Verbindung Jupiters mit der Leda zur Schau tragen. - - Die autorisierte - Bibel. - -Im Jahre 1604 wurden grosse Anstrengungen gemacht, um eine neue -tüchtige Bibelübersetzung zu bewerkstelligen. Ein Edikt Jakobs □i.□ -stellte die Ernennung einer Kommission von 54 gelehrten Männern fest, -welche, in 6 Sektionen geteilt, die Übersetzung besorgen und sich -gegenseitig in der Arbeit kontrollieren sollten. Das Werk wurde 1611 -durch □George Backer□ fertiggestellt. - - George Baker - u. George Lucas. - -Teuer sollte diesem und □George Lucas□ ein Druckfehler, die Weglassung -des Wortes „nicht“ aus dem □vii.□ Gebot, in einer von ihnen 1632 -gedruckten Bibel zu stehen kommen. Die Auflage wurde konfisciert -und die Drucker zu einer Busse von 3000 £ verurteilt. Dieses Geld -wurde nach Bestimmung des Königs Karl □i.□ grossenteils zum Ankauf -von griechischen Matern und Typen verwendet, welche den königl. -Buchdruckern zur Benutzung überlassen werden sollten, die dagegen -jährlich wenigstens ein griechisches Buch auf ihre Kosten zu drucken -hatten. - - John Field. - -Durch seine schlecht gedruckten Bibeln zeichnete □John Field□ sich -aus (um 1650). Es wurde ihm sogar nachgesagt, er habe sich von den -Independenten bestechen lassen, eine Stelle nach ihren Ansichten zu -fälschen. In einer seiner Bibelausgaben sind 3600 Fehler nachgewiesen, -man sagt sogar, die Zahl sei eine noch viel höhere. - - Thomas Roy- - crofft. - -Eine in der englischen Bibeldruckgeschichte epochemachende Erscheinung -ist die von Thomas Roycrofft (geb. 1718) gedruckte Waltonsche -Polyglottbibel in sechs Foliobänden, in welchen neun Sprachen -repräsentiert sind. Der erste Band erschien 1654, der letzte 1657; es -war das erste Werk, welches in England auf Subskription erschien. Das -Exemplar wurde zu 10 Pfund Sterl. geliefert und man sammelte bereits -in zwei Monaten 900 Subskribenten. Sowohl Cromwell als Karl □ii.□ -unterstützten das Unternehmen und Cromwell gewährte Steuerfreiheit für -das Papier. Als nach Cromwells Tode König Karl □ii.□ an die Regierung -gekommen war, liess Walton einige Dedikationsblätter, auf welchen er -sich dankend gegen Cromwell ausgesprochen hatte, durch andere, dem -König schmeichelhafte ersetzen, weshalb man von zwei Ausgaben, der -republikanischen und der loyalen, spricht. - -Als ein Appendix ist ein anderes grossartiges, durch Roycrofft -gedrucktes Werk, das _Lexicon Heptaglotton_ des Dr. E. Castell, 2 Bände -in Folio 1669, zu betrachten. Der Verfasser setzte leider dabei nicht -allein sein Vermögen von 12000 Pfund Sterl. zu, sondern stürzte sich -auch noch in Schulden. Siebzehn Jahre hatte er täglich 16-18 Stunden -daran gearbeitet und er musste ausserdem noch vierzehn Hülfsarbeiter, -die sämtlich während des Druckes starben, in seinem Hause unterhalten. -An diese beiden Unternehmungen schliessen sich die 1660 in 9 -Foliobänden erschienenen: _Critici sacri_ gedruckt von □Cornelius Bee□ -als verwandtes drittes. - - Reynold Wolfe. - -Sehr in Gunst am Hofe Heinrichs □viii.□ stand der Deutsche oder -Schweizer □Reynold Wolfe□ (gest. 1574). Er war der erste Buchdrucker, -der ein Patent erhielt, um lateinisch, griechisch und hebräisch zu -drucken, und wurde überhaupt durch die vorteilhaftesten Privilegien -begünstigt. Er druckte fast alle Schriften des Erzbischofs Cranmer. - - John Day. - -Als ein sehr tüchtiger Mann zeigte sich □John Day□. Er war in Suffolk -geboren und hatte ein Geschäft von grosser Ausdehnung, das er während -der Jahre 1544-1583 betrieb; doch setzte er seine Wirksamkeit, -wie Grafton und Whitchurch die ihrige, während der Regierung der -Königin Marie aus und gab sich in dieser Zeit mit Verbesserungen und -Erfindungen ab. Seine schönen Schriften verschafften ihm den Namen -des englischen Plantin und er brachte die Antiqua- und Cursivtype zu -einer solchen Vollkommenheit, dass von nun ab die gothische Schrift -(_Black letters_) so gut wie verschwand; auch die griechische Schrift -vervollkommnete er und liess angelsächsische Typen schneiden. Von -seinen Druckwerken nennen wir _Cosmographical glasse_ (1559), mit seiner -schönen Cursiv gedruckt und reich illustriert. Besonders geschätzt ist -sein _Queen Elizabeth's Prayerbook_, eins der wenigen englischen Bücher, -die in der Ausführung sich mit den französischen _livres d'heures_ -messen können. Als sein Hauptwerk gilt _Fox's book of martyrs_ mit sehr -guten Illustrationen. Day starb, reich an Jahren und Ehren, 1583. Er -war zweimal verheiratet und hatte mit jeder seiner Frauen 13 Kinder. - -Mit Ruhm verdient noch □Thomas Vautrollier□ (1574-1588) aus Paris oder -Rouen genannt zu werden, vorzüglich wegen seiner Ausgaben der Werke -des 1600 in Rom verbrannten Giordano Bruno. Um Verfolgungen deshalb -zu entgehen, zog er eine zeitlang nach Edinburgh, wo er vieles dazu -beitrug, die dortige Buchdruckerkunst auf eine höhere Stufe zu bringen. -Man kennt von ihm 78 Werke. - - Thomas Guy. - -Mit Dank zu erwähnen, wennauch nicht auf Grund seiner typographischen -Leistungen, die sehr primitiver Natur waren, ist □Thomas Guy□ (gest. -1724). Mit der Universität Oxford schloss er einen Vertrag ab, -nach welchem er den Druck der heiligen Schriften in die Hand nahm. -Hierdurch und durch Spekulationen, die jedoch zu den nicht allzu gut -angeschriebenen gehörten, verdiente er ein kolossales Vermögen, von dem -er aber für sich keinen Gebrauch machte, indem er im Gegenteil ärmlich -und unverheiratet lebte. Mit einem Aufwand von einer viertel Million -Pfund liess er das nach ihm genannte Hospital in London erbauen und -machte ausserdem zu wohlthätigen und gemeinnützigen Zwecken grosse -Schenkungen. - - Sam. Palmer. - -Bekannt durch die nach ihm benannte _History of printing_ war □Samuel -Palmer□ (gest. 1732). Dieses Werk rührt jedoch nicht von Palmer selbst -her; der eigentliche Verfasser hiess Palmanazar, und der zweite, -praktische Teil, der noch folgen sollte, musste aufgegeben werden, -weil seitens der Kollegen und der Schriftgiesser sich ein wahrer -Sturm der Entrüstung gegen die durch ein solches Lehrbuch vermeintlich -entstehende Schädigung des Gewerbes und Entwürdigung der Kunst erhob. - - John Barber. - -Im Jahre 1741 starb □John Barber□, der erste Buchdrucker Londons, der -die Würde eines Lord Mayors bekleidete. Er stand in naher Berührung mit -bedeutenden Männern seiner Zeit wie Lord Bolingbroke, Swift, Pope und -anderen. - - S. Richardson. - -Bekannt als Schriftsteller, Buchhändler und Buchdrucker ist □Samuel -Richardson□, der berühmte Verfasser der Romane „_Pamela_“, „_Clarissa -Harlowe_“, „_Grandison_“ und anderer Werke. Er war 1689 als Sohn eines -respektablen Tischlers geboren. Obwohl er nur eine ganz gewöhnliche -Erziehung genossen hatte, gab er bald Beweise seines ausserordentlichen -Talentes. In seinem fünfzehnten Lebensjahre entschied er sich aus -Neigung für den Buchdruckerberuf. Nach sieben schweren Lehrjahren -arbeitete er sechs Jahre als Gesell und Korrektor, worauf er selbst -ein Geschäft anfing, in welchem er sich durch seine Pünktlichkeit -und Ordnungsliebe bald Vertrauen erwarb. Er druckte unter anderen die -ersten 26 Foliobände des Journals des Unterhauses. Richardson starb -nach längeren Leiden, 72 Jahre alt, am 4. Juli 1761, nachdem ihm sechs -Söhne im Tode vorausgegangen waren. - - Oxford. - - Cambridge. - - York. - -In OXFORD wurde die Buchdruckerei 1478 durch □Theodor Rood□ aus Köln -und □Thomas Hunt□ eingeführt. Von 1486 bis 1585 ist eine vollständige -Lücke in der Druckgeschichte Oxfords mit Ausnahme der Jahre 1517-1519. -Nach der Begründung des _Sheldonian theatre_ im Jahre 1669 wurden -hier durch 50 Jahre viele vortreffliche Werke gedruckt und erst 1759 -verschwindet die Bezeichnung _e theatro Sheldoniano_. Die später -so berühmte sogenannte _Clarendon Press_ trat 1713 in Wirksamkeit. -Der Sohn Lord Clarendons hatte das Manuskript seines Vaters zu der -Geschichte der englischen Revolution der Universität geschenkt und -mit dem Erlös aus den gedruckten Exemplaren wurde die Druckerei, -aus welcher eine grosse Anzahl wertvoller Werke hervorgegangen ist, -gegründet. Um die Beschaffung von orientalischen und anderen Typen -machte sich namentlich der Bischof Fell verdient. Im Jahre 1672 -wurden 4000 £ zum Ankauf von Typen in Holland, Frankreich und England -bestimmt, da derzeit keine Schriftgiesserei in England im Gange war. -Eine solche erhielt Oxford 1677. Die Universitätsbuchdruckereien in -Oxford und Cambridge erwarben auch das Alleinrecht auf den Druck der -heiligen Schriften und der englischen liturgischen Bücher. In CAMBRIDGE -wurde die erste Presse um 1520 durch □Joh. Siberch□, einen Freund des -Erasmus, errichtet. In YORK druckte □Hewe Goes□ aus Antwerpen, 1509 bis -1516, in welchem letzteren Jahre er nach London übersiedelte. - - Schottland. - -Nach SCHOTTLAND kam die Kunst 1507 durch □Walter Chepman□, der Kaufmann -war und sich mit einem Praktiker □Andreas Myllar□ verband. Nach Chepman -ruhte die Pressthätigkeit Schottlands fast 30 Jahre lang. Erst im Jahre -1576 wurde die heilige Schrift von □Thomas Bassandyne□ gedruckt; selbst -in diesem Jahre besass Schottland weder griechische noch hebräische -Schriften. Während der Bürgerkriege suchte jede Partei, welche die -Macht hatte, hier wie in England die Presse auf jede mögliche Weise zu -knechten. 1648 wurde sogar unter Androhung der Todesstrafe verboten, -ohne Erlaubnis des _Committee of Estates_ etwas zu drucken. 1661 -erschien die erste Zeitung: _Mercurius Caledonicus_. - -1671 erhielt □Andreas Andersen□, in Vertretung auch anderer -Buchdruckereien Edinburghs, soweit gehende Privilegien, dass kein Buch -ohne Andersens Erlaubnisschein gedruckt werden konnte. Später trat -jedoch eine Beschränkung des Privilegs auf Parlamentsakte und heilige -Schriften, so wie auf 41 Jahre ein. Andersen selbst druckte das Neue -Testament so fehlervoll, dass es verboten wurde. Mit □James Watson□, -der sich 1695 in Edinburgh etablierte, lag er in fortwährendem Hader, -da Watson, Andersens Privilegium zum Trotz, druckte was er Lust hatte, -bis ihm die Königin Anna durch ein Patent 1711 das Recht zum Drucken -erteilte. Er veröffentlichte nun eine Reihe tüchtiger und sehr gut -ausgestatteter Werke, von welchen ein Neues Testament aus d. J. 1715 -von „unvergleichlicher Schönheit“ war. - - Die Stereotypie. - -Eine besondere Wichtigkeit hat Schottland als die vermeintliche Wiege -der Stereotypie. Bei der weiteren Verbreitung der Buchdruckerkunst -konnte es nicht fehlen, dass der Wunsch rege ward, teuere Satzwerke -aufheben zu können, um nach Bedürfnis Exemplare zu drucken, ohne -dass es nötig war, entweder grosse Kapitalien in Papier und Druck zu -stecken, oder auch sich neue Satzkosten zu bereiten. Man konnte sich -nicht verhehlen, dass die alten Bilderdrucker mit ihren Platten in -dieser Beziehung einen Vorsprung gehabt hatten. Der Gedanke lag zwar -nahe, die Schriftformen aufzuheben, aber erstens war das Verfahren -bei umfangreicheren Arbeiten kostspielig, und ausserdem unsicher, da -in dem beweglichen Satz leicht Fehler vorkommen konnten. Letzterer -Umstand liess sich allenfalls beseitigen, indem man die Fussseiten -der Buchstaben zusammenlötete, dadurch ging die Schrift aber für jeden -anderen Zweck verloren. Wir haben bereits die Versuche van der Meys und -Joh. Müllers kennen gelernt. - - William Ged. - -Die Priorität der Erfindung der Stereotypie, in dem Sinne wie wir jetzt -von dieser sprechen, wird fast allgemein dem Schottländer □William -Ged□ zugeschrieben. Dieser, ein Goldschmied in Edinburgh, kam gegen -das Jahr 1725 auf den Gedanken der Stereotypie. Mittellos, verband er -sich mit einem wohlhabenden Mann, der jedoch misstrauisch gegen die -Sache wurde und die nötigen Mittel herzugeben sich weigerte. Ged ging -nun 1729 nach London und einigte sich mit einem gewissen Fenner und den -Schriftgiessern James. Nach ihrem Verfahren wurde der Satz mit einer -Gipsmasse übergossen und die Matrize in Schriftzeug abgegossen. Ged -erhielt von der Universität Cambridge das Privilegium zum Druck einer -Bibel und mehrerer Gebetbücher. Die Platten wurden jedoch auf Grund der -grossen Masse von Fehlern, die durch Chicane entstanden sein sollen, -unterdrückt. Ruiniert kam Ged wieder nach Edinburgh zurück. Doch gelang -es ihm noch, im Verein mit einem dortigen Buchdrucker eine Ausgabe des -Sallust (1739, 150 Seiten in 12°, mit Petit gesetzt) herzustellen, die -sich jedoch keineswegs auszeichnete. Ged starb 1749. Das Prinzip, mag -nun die erste Ausführung Ged, Valeire, van der Mey oder Müller gehören, -sollte sich erst später nach den Verbesserungen durch Lord Stanhope für -die Praxis vollständig bewähren. - - Andr. und Rob. - Foulis. - -Bedeutende Buchdrucker waren □Andreas Foulis□ († 1774) und □Robert -Foulis□ († 1776) in Glasgow, letzterer druckte mehrere vorzügliche -Ausgaben von Klassikern, bekannt ist namentlich die 1744 erschienene -fehlerfreie Ausgabe des Horaz. Die erste Schriftgiesserei Schottlands -errichtete □Alex. Wilson□ und □Bain□ 1742 in St. Andrews. Bei ihrer -zunehmenden Geschäftsverbindung mit Irland und Amerika zogen sie nach -Gamalachie, einem Dorfe bei Glasgow. - - Irland. - -In IRLAND wurde erst 1551 durch □Humfrey Powell□ gedruckt und es -dauerte lange, ehe die Kunst hier einigermassen heimisch wurde. Irische -Typen wurden 1571 eingeführt und mit solchen ein Katechismus durch Joh. -Kerney gedruckt. Noch bis zum Beginn des □xviii.□ Jahrh. wurden beinahe -alle bedeutenden Werke ausser Landes hergestellt. Später entstand in -dem irländischen Nachdruck dem englischen Buchhandel ein böser Feind. - - * * * * * - - Zeitungswesen. - -Das in England jetzt in einer so grossartigen Weise entwickelte -Zeitungswesen hatte in seinen schwachen Anfängen manchen schweren Kampf -zu bestehen[1]. - - [1] □N. Drake□, _Essays etc. of the Tatler, Spectator - and Guardian_. 3 Bde. London 1814. -- □Jul. Duboc□, - Geschichte der engl. Presse nach J. Grant. Hannover 1873. - -Zur Zeit des Auslaufens der spanischen Armada (1588) fühlte die Königin -Elisabeth das Bedürfnis, durch Mitteilungen über den genauen Stand der -Sachen dahin zu wirken, dass die Besorgnisse betreffs der wirklichen -Gefahren nicht durch unnötige Furcht vor nicht vorhandenen vermehrt -würden. Sie ordnete deshalb das Erscheinen von _The english Mercurie -published by Autoritie_ an. Es erschienen hiervon 54 Nummern. An -Nachfolgern, unter den Titeln _Mercurius_, _Gazette_, _Diurnal_ etc., -fehlte es nicht. Darunter waren _Certain news of the present week_, -wahrscheinlich das erste politische Wochenblatt, _Imperial and spanish -news_, das zweite. - - Der _Tatler_ und - der _Spectator_. - - _Gentlemans - Magazine._ - -Von den periodischen Erscheinungen, die auch auf Belehrung und -Unterhaltung des Publikums berechnet waren, hatten namentlich der -von 1709 ab dreimal wöchentlich erscheinende _Tatler_ (der Plauderer) -herausgegeben von Rich. Steele, als Pseudonym Isaac Bickerstaff, und J. -Addisons, 1711 begonnener, _Spectator_ (Zuschauer) einen bedeutenden -Leserkreis und grossen Einfluss. Ein Schlag für diese Blätter und die -ganze periodische Presse war der 1712 eingeführte Stempel von einem -halben Penny für Blätter von einem halben Bogen, von einem Penny für -jeden Bogen. Hierdurch wurde der Preis von manchem Blatt verdoppelt, -wodurch die Abnehmerzahl sich verminderte, was wieder zu weiteren -Preiserhöhungen nötigte. Der _Spectator_ war das einzige Blatt, das, -ohne an Verbreitung einzubüssen, den Preis hatte verdoppeln können. -1731 begann das bis auf den heutigen Tag beliebte: _The gentlemans -Magazine_. Von allen konkurrierenden Blättern hatte nur das _London -Magazine_, von einem Consortium Londoner Buchhändler kräftigst -begonnen, eine grosse Verbreitung (10000 Expl.) und einen längeren -Bestand. - - Beliebte Werke. - -Der Prototyp aller Konversations- und Fachlexika war das 1719 -erscheinende _Dictionary of arts and science_. Unter den Werken, die -dem Buchhandel und den Buchdruckereien grossen Verdienst bereiteten, -ist Dan. Defoes († 1731) _Robinson Crusoe_, das, abgesehen von den -vielen Nachahmungen, in der ursprünglichen Gestalt, 41 Auflagen -erlebte. Bunyans: The _pilgrim's progress_ wurde fortwährend neu -gedruckt. Shakespeare war noch nicht populär; die erste gesammelte -Ausgabe seiner Bühnenstücke erschien, von zwei Schauspielern -herausgegeben, 1623, in fol. Bis 1664 gab es von seinen Werken nur -zwei Ausgaben, zusammen in kaum mehr als 1000 Exemplaren gedruckt. 1676 -erschien _General Catalogue of books 1666-1676_, von Rob. Clavel, nach -Fächern zusammengestellt und bis 1700 fortgesetzt. - - * * * * * - - Schriftgiesserei. - -Dass die englische Buchdruckerei nicht ohne eine entsprechende -Entwickelung der Schriftgiesserei zur Blüte hatte gelangen können, ist -selbstverständlich. Die Zahl der Schriftgiessereien, die, wie erwähnt, -anfänglich auf vier beschränkt war, ist bis heute eine verhältnismässig -kleine geblieben. Von Bedeutung war □Thomas James□. Im Jahre 1710 -kaufte er Matrizen in Holland und gründete nach seiner Rückkehr eine -Giesserei. In Verbindung mit Ged hatte er auch in der Stereotypie -experimentiert, was ihm direkt und indirekt Schaden brachte, denn -seine Kunden, die Buchdrucker, betrachteten das Verfahren mit scheelen -Augen als ein ihnen nachteiliges. Nach dem Tode von Thomas James (1736) -vereinigte der Sohn □John□ mehrere ältere Giessereien mit der seinigen -und gelangte dadurch in Besitz einer grösseren Anzahl von Matrizen von -der Zeit Wynkyn de Wordes bis auf die seine. Später erwarb □Rowe Mores□ -(geb. 1730) das Geschäft. Er ist bekannt als Verfasser eines Werkes -über Schriftgiesserei und starb 1778 in unglücklicher Lage. - - Will. Caslon. - -Der bedeutendste der englischen Schriftgiesser war □William Caslon□, -der England erst von dem Kontinent unabhängig machte. Er war in -Cradley, Shropshire, geboren, arbeitete für Büchsenmacher als Graveur -und bewies als solcher durch Ornamente seine Geschicklichkeit. -Gelegentlich fertigte er auch für Buchbinder Stempel. Einige derselben -kamen dem Buchdrucker John Watt zu Gesicht. Die Sauberkeit und -Genauigkeit derselben liessen ihn folgern, dass Caslon wohl imstande -sein würde, den Mängeln der englischen Schriftgiesserei abzuhelfen, -und er verhiess ihm seine Unterstützung und Empfehlung, wenn er eine -Schriftgiesserei errichten wollte. Seine Freunde liehen ihm 500 £ -und er fing nun mit Eifer sein Werk an. Für die Bibelgesellschaft -bekam er den Auftrag eine arabische Schrift zu schneiden. Als -Unterschrift seiner Firma hatte er sich einiger von ihm geschnittener -Antiqua-Buchstaben bedient, von welchen Sam. Palmer so entzückt war, -dass er ihm auftrug, die ganze Schrift zu schneiden. Später wurde -dies dem Palmer leid, da er gute Gründe hatte, es nicht mit den -anderen Schriftgiessereien zu verderben, die durch Caslons überlegene -Konkurrenz Schaden leiden mussten. Er suchte deshalb Caslon von -seinem Vorhaben wieder abzubringen, was ihm jedoch nicht gelang. -Caslon wendete sich an den Buchdrucker William Bowyer den älteren, mit -dessen Hülfe nun seine prachtvolle Antiqua-Garnitur, die an Klarheit, -Leserlichkeit und Gleichmässigkeit nicht viele ihresgleichen hat, -vollendet wurde. In der Zeit von 1720-1780 wurden fast alle Werke von -Bedeutung mit den Caslonschen Schriften gedruckt, die den Vergleich mit -den Meisterwerken der früheren Periode der Kunst vollständig vertrugen -und von späteren nicht übertroffen wurden. Er starb am 23. Januar 1766, -74 Jahre alt. - - * * * * * - -NORDAMERIKA. - - Die Presse Nord- - amerikas. - -Die Presse Nordamerikas[2], welche in unserer Zeit eine so grossartige -Entwickelung nehmen und die meisten ihrer älteren Schwestern -überflügeln sollte, war in dieser Periode noch das „Riesenkind in -Wickeln“. - - [2] □Isaiah Thomas□, _The history of printing in America_. 2 - Bde. Albany 1874. -- □J. F. Fabricius□, Notizen über die - Einführung und erste Ausbreitung der Buchdruckerkunst - in Amerika. Hamburg 1841. -- □Fr. Kapp□, Der - deutsch-amerikanische Buchdruck und Buchhandel im vorigen - Jahrh. Leipzig 1878. - -Es lag in den Verhältnissen, dass die Presse in Nordamerika nicht wie -in Europa ihre hauptsächlichste Nahrung aus der Wissenschaft und der -Litteratur ziehen konnte. In den Tagen des Ringens um die politische -und materielle Existenz bestand ihre hauptsächlichste Aufgabe -darin, zur Förderung der bürgerlichen Freiheit und der politischen -Ausbildung, sowie zur Stärkung des Glaubens unter den Anhängern der -vielen religiösen Sekten beizutragen, die in Amerika ein Asyl für -das „Seligwerden eines jeden nach seiner Façon“ gesucht und gefunden -hatten. - - Joseph Glover. - -Als Schöpfer der nordamerikanischen Typographie ist der Prediger -□Joseph Glover□ zu bezeichnen. Er schiffte sich mit einer Buchdruckerei -in England ein, starb jedoch während der Überfahrt; seine Witwe -gründete darauf 1638 die erste Druckwerkstätte in CAMBRIDGE -(Massachusetts), und das erste Buch, welches aus dieser hervorging, -war _The Freemans Oath_ (1639). Die Offizin ward später nach Boston -übergeführt und die Leitung □Stephan Daye□ übertragen, dem □Samuel -Green□ folgte. Bei der Gründung der frühesten Druckereien in Amerika -war in der Regel das Material Eigentum der Regierung oder einer -Gesellschaft. Ein verantwortlicher Geschäftsführer wurde ernannt, der -unter seinem Namen druckte. Oft blieb in dieser Weise die Leitung einer -Buchdruckerei auf lange Zeit in einer Familie. - -Viele Bücher wurden noch in England gedruckt. Die Regierung war im -allgemeinen der amerikanischen Presse nicht besonders günstig gestimmt, -vielleicht im Vorgefühl der Gefahren, die ihr von derselben erwachsen -sollten, und die Freiheit der Presse war eine ziemlich beschränkte. -1662 setzten die Behörden von Massachusetts förmliche Zensoren ein -und erliessen ein Gesetz, dass ausser der in Cambridge befindlichen -Druckerei keine andere im Bereich ihrer Jurisdiktion angelegt werden -sollte. Erst um 1755 scheint eine vollständige Freiheit eingetreten zu -sein. - - Boston. - -In BOSTON ward □John Forster□ mit der ersten Buchdruckerei belehnt, die -zweite begann der schon erwähnte □Sam. Green□. Sie wurde von seinem -Bruder □Bartholomeo□ fortgesetzt, der 1704 die erste amerikanische -Zeitung _The Boston News Letter_ begann. 1709 erschien bei Green ein -Psalter in indianischer Sprache mit der Bezeichnung: _Boston, printed -by B. Green and F. Printer_. Letzterer, ein getaufter Indianer, war -jedoch nicht Miteigentümer der Offizin, sondern Drucker daselbst, und -sein Name wurde wahrscheinlich nur aus Klugheit auf den Titel gesetzt, -um dem Buch bei den Indianern leichteren Eingang zu verschaffen. - - James Franklin. - -Im März 1717 kam □James Franklin□, älterer Bruder des berühmten -Benjamin, mit einer Presse und mit Schriften nach Boston. Die Kunst -hatte er in England gelernt, 1719 druckte er für Rechnung des Bostoner -Postmeisters die zweite amerikanische Zeitung: _The Boston Gazette_. -Als ihm der Druck derselben entzogen ward, gründete er selbst _The -New England Courant_. Auf Grund von dessen freisinniger Richtung -sollte dem James Franklin 1723 die Zensur auferlegt werden. Um dies zu -umgehen, sprach er seinen Bruder Benjamin, der bei ihm lernte, los, -und das Blatt erschien nun mit dem Impressum: _Boston, printed and -sold by Benjamin Franklin_. James ging später nach Newport und gab die -_Rhode-Island Gazette_ heraus. Er starb 1735. - - Benj. Franklin. - -□Benjamin Franklin□, dessen Ruhm ewig leben wird, war am 17. Januar -1706 geboren. Gehört er auch nicht zu den Koryphäen der Typographie in -der Bedeutung, wie ein Aldus, Elzevier, Stephanus, Didot, so werden die -Jünger Gutenbergs ihn doch stets mit wahrem Stolz den ihrigen nennen, -und er war seinerseits auch nicht nur dem Namen nach einer der ihrigen. - -Nach der Übernahme des _New England Courant_ scheint eine Spannung -zwischen den Brüdern eingetreten zu sein. Aufgemuntert durch den -Gouverneur von Philadelphia Sir William Keith, auf dessen Kosten dort -eine Buchdruckerei, die Benjamin aus England holen sollte, anzulegen, -ging er nach London. Aber die Kreditbriefe blieben aus und Franklin -war, um zu existieren, genötigt als Gehülfe zu arbeiten. Nach seiner -Rückkehr nach Philadelphia errichtete er zusammen mit einem gewissen -□Meredith□ eine Buchdruckerei, die Verbindung wurde jedoch bald gelöst -und nun entwickelte Franklin seine ganze ausserordentliche Thätigkeit. -Er arbeitete von früh bis spät, schrieb seinen _Poor Richards -almanack_, den er 25 Jahre lang herausgab, und gelangte zu Ansehen und -Wohlhabenheit. - - Deutscher - Druck Franklins. - -Mit der deutsch-amerikanischen Typographie ist Franklins Name -enger verknüpft, denn seiner Presse entstammt der älteste -aufgefundene deutsche Druck Amerikas, ein Büchlein von 96 Seiten -in Duodez mit Antiqua gedruckt. Der Titel, der zugleich geeignet -ist, eine Vorstellung von der Beschaffenheit der Anfänge der -deutsch-amerikanischen Litteratur zu geben, lautet: - -„Goettliche Liebes und Lobesgethoene, welche in den Hertzen der kinder -der Weiszheit zusammen ein und von da wieder ausgefloszen. □Zum Lob -Gottes□ und nun von denen schuelern der himmlischen Weiszheit zur -erweckung und aufmunterung in ihrem Creutz und leiden aus hertzlicher -Liebe mitgetheilet. Dann mit lieb erfuellet sein, bringt Gott den -besten Preisz Und giebt zum singen uns die allerschoenste weisz. Zu -Philadelphia, Gedruckt bey Benjamin Franklin in der Marckstrasz 1730“. - - Verdienste - Franklins. - -Franklins ausserordentliche Verdienste um die Wissenschaft, seine -Stadt, seinen Staat und die ganze Menschheit können wir hier nur -andeuten. 1752 erfand er den Blitzableiter, wofür die Universität -Oxford ihn zum Doktor ernannte, eine damals seltene Ehre. Im -bürgerlichen und Staats-Leben stieg er von Stufe zu Stufe, bekleidete, -und zwar mit Auszeichnung, selbst den militärischen Posten eines -Obersten in der, besonders durch ihn hervorgerufenen, freiwilligen -Miliz. Als Agent für Pennsylvanien in England legte er der englischen -Regierung, die mit Frankreich in Krieg verwickelt war, einen Plan -zur Eroberung Canadas vor, der auch ausgeführt wurde und vollständig -gelang. Zur Belohnung erhielt sein Sohn den Posten eines Gouverneurs -von New-Jersey. Derselbe wurde jedoch, als er sich später nicht der -Revolution gegen England anschloss, zwei Jahre gefangen gehalten. -Bei Begründung der Konföderation wurde Benjamin als Abgeordneter -Pennsylvaniens zum Kongress und dann zum Präsidenten dieses Staates -gewählt, als welcher er die Universität Philadelphia gründete. In -seiner Eigenschaft als nordamerikanischer Gesandter in Frankreich -leistete er seinem Lande und dessen Unabhängigkeit die grössten -Dienste. Die französische Akademie ernannte ihn zu ihrem Mitglied und -der Präsident derselben, d'Alembert, begrüsste ihn mit dem berühmt -gewordenen: _Eripuit coelo fulmen sceptrumque tyrannis_[3]. - - [3] Dem Himmel entriss er den Blitz, den Tyrannen das Szepter. - -Bei seinem Tode am 17. April 1790 wurde eine vierwöchentliche -Landestrauer angeordnet und die französische Nationalversammlung legte -seinem Andenken zu Ehren eine dreitägige Trauer an. - -Als Franklins Zeit durch die öffentliche Angelegenheit zu sehr in -Anspruch genommen wurde, hatte er erst □David Holl□ zum Teilnehmer -am Geschäft genommen und ihm dann 1766 die Firma Franklin & Holl ganz -übergeben. Hörte er auch damit auf, ein Mitglied des Buchdruckerstandes -zu sein, so beweist doch seine, von ihm selbst verfasste Grabschrift, -dass er demselben im Herzen treu geblieben war. Sie lautet: - - Franklins Grab- - schrift. - -_The body of Benjamin Franklin, Printer, (like the cover of an old -book, its contents worn out, and stript of its lettering and gilding) -lies here, food for worms! Yet the work itself shall not be lost, for -it will, as he believed, appear once more in a new and more beautiful -edition, corrected and amended by its Author_[4]. - - [4] „Hier ruht der Leib Benjamin Franklins, Buchdrucker - (gleich dem Deckel eines alten Buches, dessen Inhalt - herausgenommen ist und der seiner Aufschrift und - Vergoldung beraubt wurde), Nahrung für die Würmer. - Doch wird das Werk selbst nicht verloren sein, sondern - einstens in einer neuen und schöneren, vom Verfasser - durchgesehenen und verbesserten Auflage erscheinen.“ -- - Der Gedanke selbst war vielleicht nicht ganz original, - wenigstens hat er grosse Ähnlichkeit mit einem von Joseph - Capen in einem Leichencarmen auf John Foster in Boston - ausgesprochenen. - - Baltimore und - New-York. - -In BALTIMORE war der erste Buchdrucker □Nikolaus Hasselbaugh□, von -deutschen Eltern in Philadelphia geboren. NEW-YORK erhielt erst 1693 -eine Offizin durch □William Bradford□ aus Philadelphia. Die zweite -Buchdruckerei errichtete □Joh. Peter Zenger□ 1726. Dieser gab 1733 _The -New-York weekly Journal_ heraus, das durch seine freisinnige Haltung -Zenger Gefangenschaft eintrug, aus welcher ihn jedoch, nach Verlauf von -acht Monaten, der Spruch der Geschworenen erlöste. - - Die deutschen - Einwanderer. - -Wesentliche Verdienste erwarben sich die deutschen Ansiedler um die -Presse. Die ersten derselben gehörten zumeist pietistischen Sekten -an, und waren namentlich Anhänger und Freunde Ph. Jacob Speners. Will. -Penn, der auf seinen Reisen dem erwähnten näher getreten war, forderte -zur Einwanderung auf. Die zu diesem Zweck gebildete „Frankfurter -Compagnie“ erwarb ein Stück Land, und der Grund zu Germantown, jetzt -ein Teil von Philadelphia, ward gelegt. - -Die deutschen Einwanderer waren jedoch nicht allein der Frömmigkeit, -sondern auch der Thätigkeit ergeben und bei ihren Mitbürgern gut -angeschrieben. Die ersten deutschen Drucke sollen von den in Ephrata -angesiedelten Wiedertäufern stammen, von ihren Büchern ist jedoch -nichts auf uns gekommen, dagegen besitzt die Historische Gesellschaft -in Philadelphia, die um die Sammlung der deutsch-amerikanischen Drucke -sich sehr verdient gemacht hat, ihre Presse. - - Christoph Sauer. - -Für die deutschen Ansiedler war die Errichtung von Druckereien eine -schwierige Aufgabe. Pressen, Schriften, Papier, Schwärze, kurz alles -zum Druck Notwendige musste aus Deutschland beschafft werden. Die -grössten Verdienste erwarb sich □Christoph Sauer□ (Saur, Sower), -geboren 1693 in Laasphe in Westfalen. Er übte die Profession eines -Brillenmachers und wanderte 1724 nach GERMANTOWN aus. Von 1726-1731 -lebte er in Lancaster als Heilkünstler, kehrte dann nach Germantown -zurück, wo er 1737 oder 1738 eine Druckerei kaufte, die ein Freund in -Deutschland erworben und von dort nach Amerika befördert hatte. - -Anfänglich wollte es nicht recht gehen und Sauer hatte viele Sorgen. -Sein erstes Verlagswerk war ein „ABC Buch, bei allen Religionen ohne -billigen Anstoss zu gebrauchen“ (1738) und ein Kalender, welcher -bis 1777 fortgesetzt wurde. Sein erstes grösseres Verlagswerk war -das, von der Sekte der Siebentäger (die den Sonnabend als Sabbat -feierten) herausgegebene Gesangbuch: „Zionitischer Weyrauchs-Hügel oder -Myrrhen Berg, worinnen allerley liebliches und wohlriechendes nach -Apotheker-Kunst zubereitetes Rauch-Werk zu finden“. Gewidmet war es: -„allen in der Wüsten Girrenden und einsamen Turteltäublein“. - -Im Jahre 1739 gab Sauer das erste Stück der ersten -deutsch-amerikanischen Zeitung heraus: „Der hochdeutsch Pennsylvanische -Geschicht Schreiber, oder Sammlung wichtiger Nachrichten aus dem Natur -und Kirchen-Reich“, die viermal jährlich erscheinen sollte, hieraus -ward bald zwölf- und von 1762 ab 24mal. Von 1775-1777 erschien das -Blatt wöchentlich und soll bereits 1751 4000 Abonnenten gehabt haben; -die Zahl steigerte sich später auf 8000. Der Titel ward mehrmals -geändert, zuletzt von dem jüngern Sauer in „Germantowner Zeitung oder -Sammlung wahrscheinlicher Nachrichten aus dem Natur- und Kirchenreich“. -Er wählte das Wort „wahrscheinlicher“, da er zu gewissenhaft war, um -die Leser durch den Titel zu dem Glauben veranlassen zu wollen, es sei -alles wahr, was in der Zeitung stände. - - Sauers Bibel- - druck. - -Sauers bedeutendstes Unternehmen war die Herausgabe der deutschen -lutherischen Bibel. Bei dieser Veranlassung legte er (1740) selbst -eine Schriftgiesserei an, die erste in Amerika, und 1743 war das Werk -von 1284 Seiten in Royal-Quart in 1200 Exemplaren vollständig und -in Leder gebunden. Diese Bibel war die erste in einer europäischen -Sprache in Nordamerika gedruckte; die erste Ausgabe in englischer -Sprache erschien, auf Grund des Monopols der Universität Oxford, erst -1782. Ausser der Bibel druckte Sauer das Neue Testament in 7 Auflagen -und eine grosse Anzahl Bücher, meist Nachdrucke von in Deutschland -erschienenen theologischen Schriften und Andachtsbüchern. Politisch -gehörte Sauer zu den Gesinnungsgenossen Franklins und der Einfluss -seines Blattes ward von den Regierungsmännern besonders gefürchtet. - - Christ. Sauer d. j. - -□Christoph Sauer□ d. j. dehnte das Geschäft sehr aus, beschränkte -jedoch, wie der Vater, den Verlag hauptsächlich auf Schul- und -Andachtsbücher. Nur einer seiner vielen Verlagsartikel hat nähern -Bezug auf Deutschland: „Das Leben und die heroischen Thaten des König -Friedrich □ii.□ von Preussen“. Auch als Buchdrucker blieb der Sohn -der bedeutendste Vertreter der deutsch-amerikanischen Presse. Die -Bibel druckte er noch in zwei Auflagen, von welchen die letzte fast -gänzlich von den Soldaten zu Patronen verwendet wurde, als 1776 der -Freiheitskrieg sich nach Germantown gezogen hatte. Alle Druckwerke des -Vaters sowohl als des Sohnes zeichnen sich durch Reinheit der Schriften -und guten Druck aus; auch das Papier ist kräftig und gut geleimt. Der -Sohn stand politisch auf Seiten der englischen Regierung und zog zu -seinen Kindern nach Philadelphia, welche ebenfalls für den König Partei -nahmen. Er ward als Verräter erklärt, sein Eigentum konfisciert und er -nach seiner Rückkehr zu Germantown verhaftet und misshandelt. Seinen -Lebensabend verbrachte der tüchtige und redliche Mann in ärmlichen -Verhältnissen, und starb 1784. - - Die späteren - Nachkommen - Sauers. - -Zwei seiner Söhne, □Peter□ und □Christoph iii.□, gaben in Philadelphia -das einzige, sich zugleich durch seine masslose Sprache auszeichnende -deutsche, englischgesinnte Blatt, heraus. Ein dritter Sohn □Samuel□ -liess sich erst in Philadelphia, dann in Baltimore als Schriftgiesser, -Drucker und Verleger nieder und genoss einen bedeutenden Ruf; der -vierte Sohn □Daniel□ setzte das alte väterliche und grossväterliche -Geschäft in Philadelphia fort. - - Sonstige - deutsche Drucker - u. Buchhändler. - -Die übrigen deutschen Buchhändler Pennsylvaniens nahmen keinen grossen -Rang ein. Die Gebrüder □Gotthart□ und □Anton Armbruster□ gehörten -zu den bedeutendsten und gaben eine zeitlang gemeinschaftlich mit -Benjamin Franklin die _Pennsylvania Gazette_ heraus. Vor und während -der Revolution blühte das Geschäft von □Heinrich Müller□, der -sich 1760 dauernd in Philadelphia niederliess. Sein wöchentlicher -„Philadelphia-Staatsbote“ war das erste Blatt, welches am 9. Juli 1776 -die Unabhängigkeits-Erklärung veröffentlichte. Bei dem Einzug der -Engländer wurde Müllers Offizin verwüstet. Noch verdienen □Melchior -Steiner□ und □Carl Cist□ als Drucker und Verleger genannt zu werden. -Von einem geregelten buchhändlerischen Verkehr war keine Rede, der -Vertrieb wurde durch Hausierer besorgt. - - Sonst und Jetzt. - -So waren die ersten schwachen Anfänge der amerikanischen Presse, deren -Riesendimensionen jetzt unser Staunen erregen. Was würde wohl der -einstmalige Gouverneur von Virginien Sir Thomas Berkeley sagen, wenn -er heute nach Virginien zurückkehrte, von wo aus er 1671 mit Stolz -und Befriedigung nach London berichtete: „Ich danke Gott, wir haben -hier keine Freischulen und keine Buchdruckereien, und ich hoffe, es -soll noch lange Zeit so bleiben, denn das Lernen hat nur Ungehorsam, -Ketzerei und Sektenwesen in die Welt gebracht; die Buchdruckerkunst -aber war die Dienerin aller dieser Gräuel; Gott bewahre uns vor -beiden“. - -[Illustration:Kapitelende] - - - - -[Illustration:Kapitelanfang] - -XIII. KAPITEL. - -DIE SLAWISCHEN LÄNDER. DIE TÜRKEI. DIE OSTASIATISCHEN LÄNDER. - - □Polen.□ □Russland□: Moskau, St. Petersburg. □Die Türkei□: - Konstantinopel, Ibrahim und Said Efendi, Syrien. □Das östliche - Asien, China□, das chinesische Tafeldruckverfahren und die - Papierfabrikation. Europäischer Druck in Asien. - - -POLEN, im □xv.□ und □xvi.□ Jahrhundert ein blühendes Reich, wo -Wissenschaft und Litteratur begünstigt wurden, förderte auch rüstig -die Buchdruckerkunst. □Johann Haller□ aus Nürnberg (um d. J. 1500), -ein Schüler Kobergers, war ein bedeutender Buchdrucker und Buchhändler -in KRAKAU. Die Juden begannen 1517 den hebräischen Druck zu üben, der -sehr aufblühte. □Paul Helic□ gab 1540 das von einem getauften Juden -ins Hebräische übersetzte Neue Testament heraus. Mit ihm gleichzeitig -wirkte □Hieronymus Victor□ aus Wien (1518-1543). - -Der bedeutendste Buchdrucker war wohl □Nikolaus Scharfenberg□. -Berühmt sind seine den Königen Sigismund August, Heinrich von Valois -und Stephan □i.□ gewidmeten Bibeln in polnischer Sprache und seine -_Constitutiones, statuta et privilegia in comitiis regni etc._, die er -für den Buchhändler □Andreas Lazarsz□ druckte, der, selbst Buchdrucker, -auch eine grosse Anzahl vorzüglicher und hochgeschätzter Werke aus -seiner Offizin lieferte. - - Polen. - -Einer der angesehensten Männer Polens war □Johann Januszowski□. Früher -Gesandter bei Kaiser Maximilian □ii.□ und Geheimschreiber des Königs -Sigismund August, zog er sich von den Staatsgeschäften ganz zurück, um -nur den Wissenschaften und der Typographie zu leben. Polen hat seiner -Feder und seinen Pressen eine Menge wertvoller Schriften zu verdanken. -Ein berühmter Buchdrucker war □Franz Cäsarius□ (wahrscheinlich ein -Deutscher, Kaiser), der die Lazarszsche Offizin erwarb, welche über 100 -Jahre im Besitz der Familie blieb. - -Unter den jüdischen Buchdruckern zeichnete sich namentlich -□Isaak-Ben-Aaron Prostitz□ (um 1550) aus. Unter vielen anderen -Schriften druckte er sowohl den babylonischen als den jerusalemitischen -Talmud. In POSEN, WILNA und LUBLIN, wo sich der Sitz der Socinianer[1] -befand, wurde viel gedruckt, ebenso in BRZESC, wo die bekannte _Biblia -swięta_ mit Illustrationen (1563) erschien, die nach dem Kostenträger -gewöhnlich die Radziwill-Bibel genannt wird. In OSTROG kam auf Kosten -des Fürsten Konstantin von Ostrog, Palatins von Kiew, die jetzt sehr -selten gewordene Bibel in altrussischer Sprache heraus. Die Leitung -hatte der Patriarch Jeremias von Konstantinopel übernommen; die Typen -sind genau den slawischen Manuskripten nachgebildet. Der Druck ist -vorzüglich, nur das Papier ist nicht gut. - - [1] Unitarier. Vorläufer der Rationalisten. - -In WARSCHAU wurde erst 1580 gedruckt; in LEMBERG 1593. Die galizische -Presse hat nie eine Bedeutung erlangt und wurde von den Jesuiten -vollständig beherrscht. Aus Böhmen und Mähren ist wenig zu berichten. -PRAG hat einige hebräische Drucke von Bedeutung aufzuweisen. Auf -dem Schlosse KRALITZ in Mähren liess der Freiherr von Zarotin -von böhmischen Brüdern die erste Bibel in der Landessprache in 6 -Quartbänden drucken (1579-1593). - - Ungarn. - -In UNGARN war die frische Blüte bald vorbei und die Buchdruckerkunst -in Ofen bis 1725 wieder in Vergessenheit geraten. SIEBENBÜRGEN erhielt -in KLAUSENBURG 1550 seine erste Druckerei. Der berühmteste Typograph -und Schriftgiesser dort war □Nikolaus Tótfalu□, der sogar Florenz und -Amsterdam mit georgischen und samaritanischen Schriften versorgte.[2] - - [2] □J. D. Hoffmann□, _de typographiis eorumque initiis et - incrementis in Regno Poloniae_. Danzig 1740. -- □K. - Ungar□, Neue Beiträge zur alten Gesch. d. Buchdrk. in - Böhmen. Prag 1795. -- □Ch. d'Elwert□, Beitr. zur Gesch. - etc. Mährens. I. Bd. Brünn 1854. -- Etwas von der Buchdr. - des □xv.□ u. □xvi.□ Jahrh. in Ungarn und Siebenbürgen. - (Ungar. Mag. 1788. No. 26.) Pressburg. -- □Joh. Nemeth□, - _Mém. typogr._ Pest 1838. - - Russland. - -In RUSSLAND war die alte Zarenstadt MOSKAU der Hauptsitz der -slawischen Gelehrsamkeit. Hier entstand unter dem Grossfürsten Iwan -Wassiljewitsch 1553 die erste Buchdruckerei □Synodalnija typografia□ -durch den Diakon □Iwan Feodorow□ und □Timoféew Mstislavzoff□ unter -Aufsicht des Dänen □Hans Hannsen□, und hier erschien 1564 der in der -russischen Litteratur so berühmte _Apostol_, in slawischer Sprache -gedruckt, von welchem das einzige bekannte Exemplar in der Bibliothek -der Akademie zu St. Petersburg aufbewahrt wird. Das Volk verjagte -die Drucker, die es für Zauberer hielt und die nun ihre Arbeiten in -Wilna und Lemberg fortsetzten. Erst 1644 unter Michael Fedorowitsch' -Regierung wurde eine neue Offizin eröffnet, deren Erzeugnisse, fast -nur aus kirchlichen Werken bestehend, grosses Lob verdienen. Im Jahre -1643 hatte der Klostergeistliche □Arsenij Suhanow□ den Gebrauch einer -sehr schmalen und schlanken Schrift eingeführt, die noch jetzt in der -Synodaldruckerei unter dem Namen „die arsenijsche“ vorhanden ist. Im -Jahre 1663 erschien die zweite sorgfältige Ausgabe der russischen Bibel -nach dem Muster der Ostroger v. 1581. - - Peter der Grosse. - -Die Einführung der weltlichen russischen, sich an die Antiqua -anlehnenden, Schrift, durch welche die Volkslitteratur sich entschieden -von der kirchlichen scheidet, ist ein Werk Peters des Grossen. Dieser -erteilte im Jahre 1698 dem Amsterdamer Buchdrucker □Tessing□ das -Privilegium, Bücher für Russland zu drucken. Zar Peter liess auch -Typen in Holland schneiden und Schrift giessen, mit welcher die -Synodal-Buchdruckerei in Moskau 1705 die erste Zeitung in Russland -druckte. Bis 1707 war das Drucken ein Vorrecht der Krone oder des -Metropoliten gewesen, von da ab durften auch Privatpersonen das -Buchdrucker-Geschäft ausüben, welches nun einen kräftigen Anlauf nahm. - - Peter der Grosse. - -Im Jahre 1717 liess Zar Peter die Bibel in Amsterdam von □Jan van -Duren□ derart drucken, dass von zwei Spalten die eine den holländischen -Text enthielt, während die slawische Übersetzung auf die zweite Spalte -in Russland eingedruckt werden sollte. In dieser Weise kam jedoch nur -das Neue Testament 1721 zustande, das Alte blieb in der unfertigen -holländischen Gestalt. - -Im Jahre 1740 errichtete ein Engländer □Andrew Johnson□ eine georgische -Buchdruckerei, in welcher die Bibel mit Typen, die auf Befehl des -gelehrten georgischen Fürsten Vakuset ausgeführt waren, gedruckt wurde, -unter dessen Aufsicht auch das Evangelium Matthäi 1712 als Polyglotte -in 8 Sprachen ausgeführt sein soll. - - St. Petersburg. - -Nach ST. PETERSBURG brachte Peter der Grosse die Pressen von Moskau, -das erste hier erschienene Buch war „das Buch des Mars“, datiert -1713. Die erste St. Petersburger Zeitung erschien 1714. Der Senat -erhielt 1719 eine eigene Offizin. 1720 errichteten die Mönche -in dem St. Alexander Newski-Kloster eine Offizin, 1724 hatte das -Admiralitäts-Kollegium, 1727 die Akademie der Wissenschaften, 1735 -die Synode eigene Druckerei. Chinesische Bücher wurden bereits 1730 -geliefert. - -Für GRIECHENLAND war die Kunst so gut wie nicht vorhanden, nur hier und -dort erschien vorübergehend eine ambulante jüdische Buchdruckerei. - - Die Türkei. - -In der TÜRKEI[3] war auf Anordnung des Sultan Bajazet □ii.□ die -Ausübung der Buchdruckerei verboten worden (S. 76) und sein Sohn Selim -□i.□ hatte dieses Verbot erneuert. Trotz der angedrohten Todesstrafe -druckten jedoch die Juden im Stillen fort und aus den Jahren 1490-1726 -sind manche Drucke in hebräischer Sprache bekannt, unter welchen der -Polyglott-Pentateuch von 1546 wohl der bedeutendste ist. - - [3] □J. Beckmann□, Nachrichten von der Buchdruckerei zu - Konstantinopel (Hann. Mag. 1768). -- □Giamb. Toderini□, - Litteratur der Türken. Aus dem Ital. durch P. W. G. - Hausleutner. □ii.□ Band. 2. Teil. Buchdruckerei der - Türken. Königsberg 1790. - -Im □xvii.□ Jahrhundert versuchte □Nicodemus Metaxa□, ein gelehrter -Mönch aus Cephalonia, unter den Auspizien des Patriarchen Cyrillus -Lukaris eine griechische Offizin in KONSTANTINOPEL zu begründen. Der -Versuch wurde jedoch durch die Jesuiten vereitelt und eine 1698 aus -Venedig eingeführte armenische Presse auf Befehl des Sultans zerstört. - - Ibrahim und - Said Efendi. - -Erst 1726 unter der Regierung Achmeds □ii.□ trat die, von der -Regierung erlaubte, ja von ihr unterstützte freie Ausübung der -Buchdruckerei ein. Sie war ein Werk des verdienten und gelehrten -□Ibrahim Efendi□. Besonders thätig war dabei □Said Efendi□, der als -Gesandtschaftssekretär in Paris Geschmack an der Kunst gefunden -hatte und nun die nötigen Schriften anschaffte, und zwar diese -in Konstantinopel selbst schneiden und giessen liess. Nach vielen -Beratungen mit den ersten Staatsmännern und Gesetzverständigen that der -Mufti den Ausspruch, dass es gestattet sein solle, mit Ausnahme der -Religionsbücher, in arabischer Sprache zu drucken, dass es aber gut -sei, wenn vier Oberaufseher ernannt würden, welche wissenschaftliche -Kenntnisse genug besässen, um über den richtigen Abdruck der Bücher -zu wachen. Das erste Buch, welches demgemäss erschien, war Wankulis: -_Kitab Lugat_, arabisch-türkisches Wörterbuch, 2 Bde., zusammen von -1422 Seiten, 1728. Ein kaiserlicher Befehl stellte den Preis auf 35 -Piaster fest. Als erstes mit Antiquaschrift gedrucktes Buch folgte -Holdermanns französisch-türkische Grammatik 1730. Um dieses Jahr -entwickelte sich eine ziemlich lebhafte Druckthätigkeit, namentlich -um geschichtliche und geographische Werke herzustellen, darunter eine -Geschichte von Amerika mit Landkarten und Illustrationen, ein Atlas von -39 Tafeln; „das Buch von dem Spiegel der Welt“ u. a. - -Dies Aufblühen der Buchdruckerei war jedoch nicht von langem Bestand. -Man hat behauptet, dass sie auf Grund einer Pression der vielen -Abschreiber auf die Regierung eingestellt worden sei. Das ist jedoch -unbegründet, auch dürfte der Schaden, der den Abschreibern entstanden -war, nur ein sehr kleiner gewesen sein, da die religiösen Werke -nicht gedruckt werden durften, auch das Abschreiben vieler Werke -noch notwendig blieb. Mehr scheint der Mangel an Arbeitern massgebend -gewesen zu sein und die Vorliebe für schön geschriebene Bücher, die -allen Orientalen gemeinsam ist. - -Mit Ibrahims Tode tritt der Stillstand ein und erst gegen das Ende des -Jahrhunderts lebte die Buchdruckerkunst in Konstantinopel wieder auf. - - Die Wallachei. - -In der WALLACHEI wurde im Kloster SNAGOF, nahe bei Bukarest, auf -Kosten des Woywoden Johannes Konstantin Bessaraba, i. J. 1701 ein -griechisch-arabisches Missal gedruckt. Die dortige Klosterbuchdruckerei -war reich an arabischen, griechischen und illyrischen Schriften. - - Syrien. - -In SYRIEN bildeten die Klöster des Libanon eine Zuflucht für -abendländische Wissenschaft, wo seit länger als 250 Jahren -gedruckt worden ist. □Paschalis-Elis□ und □Joseph Ibn-Amimas□ -arabisch-syrischer Psalter ist 1610 datiert. Aus ALEPPO, wo eine -Buchdruckerei unter der Direktion des Patriarchen Athanasius von -Antiochien bestand, existierten Drucke aus dem Jahre 1706, aus BEIRUT -von 1751; georgische aus TIFLIS von 1701. In DAMASCUS druckten die -Juden schon 1605. Im Jahre 1622 beschloss ein Konzil der armenischen -Bischöfe die Buchdruckerei einzuführen. Ein Mönch aus Eriwan, □Uscan□ -oder □Osgan□ (gest. 1676) wurde nach Amsterdam gesandt und druckte dort -die Bibel. 1669 errichtete Uscan eine armenische Presse in Marseille, -die schliesslich nach Konstantinopel übergeführt wurde. - - * * * * * - - Früher Druck in - China. - -Im ÖSTLICHEN ASIEN wurde lange vor Einführung von Gutenbergs Kunst -der Bücherdruck in ziemlichen Umfange getrieben und CHINA[4] ist oft -als die Mutter der Buchdruckerkunst genannt. Nach dem, was wir unter -Typographie verstehen, kann davon, wie auch gleich eingangs bemerkt -wurde, keine Rede sein, aber der chinesische Bücherdruck ist wichtig -und interessant genug, um demselben unsere Aufmerksamkeit zu schenken. -Wir übergehen alle sich in das Mythenreich verlierenden Erzählungen von -der Entstehung der chinesischen Schrift und der frühesten Verwendung -derselben, und halten uns an die historisch begründete Thatsache, dass -um das Jahr 1000 n. Chr. viele Bücher von Holztafeln gedruckt wurden. -Zuerst waren die Schriften vertieft in Stein oder Holz geschnitten -worden, so dass nach der Einreibung mit Farbe die Schrift weiss auf -schwarzem Grund erschien; man lernte jedoch bald die Vorzüge des -erhabenen Buchstabenschnittes kennen. - - [4] □Stan. Julien□, _L'imprimerie en Chine au VI Siècle de - notre ère_. Paris o. J. -- □Stan. Julien□, _Documens - sur l'art de l'impr. etc. en Chine_. Paris 1847. -- □H. - Wuttke□, Die Entstehung der Schrift etc. Leipzig 1872. - -Das chinesische Druckverfahren, wie es sich bis auf den heutigen Tag -erhalten hat, ist folgendes: - - Das chinesische - Druckverfahren. - -Aus hartem Holz, gewöhnlich Kirsch-, Birn- oder Pflaumenbaumholz, -werden, ½-¾ Zoll dicke Tafeln geschnitten, die kleinen Ritzen und -Löcher ausgefüllt und die geglätteten Flächen (man benutzt in der Regel -beide) mit einem Reisteig überzogen. Das Herstellen solcher Platten -ist ein besonderer Geschäftszweig. Der Schönschreiber malt nun genau -und zierlich das zu Druckende auf durchsichtiges Papier und vergleicht -seine Arbeit mit dem Manuskript. Ein Blatt (zwei neben einander -stehende Seiten) enthält gewöhnlich ein halbes tausend Zeichen. Die -beiden Seiten werden mit einem starken Strich umrahmt; ein anderer -Strich durch die Mitte des Blattes bezeichnet die Stelle, wo das, nur -auf der einen Seite bedruckte Blatt, mit der zugemachten Seite nach -aussen gekehrt, beim Heften gefalzt werden muss, ganz wie es bei den -xylographischen Reiberdrucken des □xv.□ Jahrh. in Deutschland der Fall -war. - - Uebertragung - der Schrift. - -Auf die noch feuchte Klebmasse, mit der das Holz überzogen wurde, wird -das beschriebene Blatt verkehrt aufgelegt und, nachdem es angetrocknet -ist, mit einem benetzten Finger das Papier sorgsam abgerieben. Die -Schrift bleibt deutlich auf dem Holzblock zurück. Damit sie noch besser -hervortritt und das Holz leichter zu behandeln ist, wird die Oberfläche -mit Fett überzogen oder mit Öl getränkt. - - Der Schnitt. - -Dann geht „der Setzer“ (d. h. der Holzschneider) ans Werk und sticht -alles nicht Beschriebene wie bei der Holzschnittzeichnung weg. Den -durch einen solchen erhabenen Schnitt entstehenden Druck nennt man den -männlichen (_Jangwen_), wird dagegen die Schrift vertieft geschnitten, -so dass sie im Druck weiss auf schwarzem Grund erscheint, so heisst das -Verfahren weiblicher Druck (_Jenwen_). - - Der Drucker. - -„Der Drucker“ sitzt vor einer Bank, auf welcher der Block so festgelegt -wird, dass er sich nicht rücken und reiben kann, was schon deshalb -vermieden werden muss, weil, wie erwähnt, gewöhnlich beide Seiten der -Platte zum Schnitt benutzt werden. Auf der einen Seite steht ein Haufen -Papier, auf der andern befindet sich der Topf mit der Schwärze, sowie -der Pinsel oder die Bürste. Die Druckerschwärze besteht aus gestossenem -und durch ein Haarsieb geschüttetem Lampenruss, welcher in Branntwein -zu einem Brei aufgeweicht, bis zu einem Zehnteil der Masse mit -animalischem Leim oder Pflanzenöl angemacht, schliesslich mit Wasser -verdünnt wurde. - - Reiberdruck. - -Das erste Geschäft des Druckers ist, dass er mit dem in die Schwärze -getauchten Pinsel oder der Druckbürste die Tafel zweimal sanft -überfahrt, so dass die erhabenstehende Schrift gleichmässig gefärbt -wird. Dann legt er einen Bogen auf die Schrift, streicht ihn behutsam -mit der Bürste aus, legt einen zweiten Bogen als schützenden Deckel -darauf und fährt mit der Bürste oder einem Reiber aus Palmenrinde ein -paarmal fest darüber weg, dann ist der Druck fertig. Der Farbenanstrich -dient für drei bis vier Abzüge und muss dann erneuert werden. Ein guter -Drucker soll täglich zwei- bis dreitausend Blätter liefern können. - - Das Heft. - -Die zusammengefalzten, gedruckten Blätter werden zu einem Heft (_pen_) -vereinigt, selten mehr als 50-80 Blätter. Oft erhalten die Hefte einen -obern und untern Deckel, mit Seide oder Brokat überzogen. Die zu einem -Werke gehörenden Hefte werden zusammen in einer Kapsel von Pappe oder -Holz aufbewahrt. Die Kapseln werden auf die Bücherbretter flach gelegt -und über einander geschichtet. - - Das Format. - -Das beliebteste „Format“ ist, was wir ein längliches Oktav nennen -würden. Doch giebt es auch „Ärmel-Ausgaben“ in kleinerem Format und ein -„Quartformat“ bis 14 Zoll im Quadrat. - - Typographische - Einteilung - -Der „Titel“ kommt nach unserer Bezeichnung hinten, wie bei den -semitischen Büchern, die erste Seite eines chinesischen Buches würde -also unsere letzte sein. Die „Zeile“ geht von oben nach unten, und jede -Zeile ist von der nächsten durch einen Längenstrich geschieden. Der -allgemeine und der Kapiteltitel wird der Länge nach in der Mitte des -Bundstegs gedruckt, so dass er halb auf der einen, halb auf der andern -Kolumne steht. Der Titel zu Anfang giebt das Druckjahr und den Drucker -an. Fängt das Buch nicht mit einem Vorwort an, so hat es gewöhnlich ein -Schlusswort. Längere Anmerkungen werden auf dem oberen Teil der Seite -angebracht und durch einen Strich von dem Text getrennt, kurze öfters -mit kleinerer Schrift zwischen den Zeilen eingefügt. Reich illustrierte -Ausgaben mit höchst zierlichen Konturzeichnungen sind sehr häufig. -Ein Inhaltsverzeichnis wird manchmal beigegeben, nie ein Register, da -ja der Begriff einer alphabetischen Anordnung überhaupt den Chinesen -mangelt. Die Seiten werden gezählt, aber nicht durch das ganze Werk -fortlaufend, sondern für jeden Abschnitt besonders. Vom Staat besorgte -Ausgaben sind durch Drachenbilder kenntlich. Der Kaisersitz Hangtscheu -war lange der Hauptort der Druckereien und die dort erschienenen Drucke -galten als die vorzüglichsten. - - Das Papier. - -Das chinesische und japanische □Papier□ wird hauptsächlich aus -Bambusfasern, sowie aus Reis- und Getreidestroh, ausserdem auch aus -der Rinde, teilweise aus den Wurzeln des Papier-Maulbeerbaumes (der -_Broussonetia papyrifera_), der Schwertlilienpflanze, sowie aus -mehreren Nadelhölzern, endlich aus Baumwolle, Hanf und Abfällen der -Seidenspinnerei gefertigt. - - Das Bambus- - rohrpapier. - -Das für die Papier-Fabrikation bestimmte Bambusrohr wird im ersten -chinesischen Monat geschnitten, von den Blättern befreit und in 3-4 -Fuss lange dünne Stäbe gespalten. Diese werden entweder lose, oder in -Bündel gebunden, in Küpen gelegt, worin sie, schichtweise mit Kalklagen -bedeckt und mit Wasser übergossen, 3-4 Monate liegen, bis das Rohr in -völlige Fäulnis übergegangen ist. Nach dieser Zeit werden die Stücke -herausgenommen und mittels Schläger zu einem Brei verwandelt, der dann -gehörig gereinigt, und mit etwas Leimwasser vermischt wird. Von der -halbflüssigen Masse wird nun diejenige Quantität auf einen viereckigen -siebartigen Rahmen geschöpft, die zur Erzeugung eines Bogens nötig -ist, der Rahmen vorsichtig, aber rasch, hin und her bewegt, um die -gleichmässige Verteilung der Masse auf dem Siebe zu ermöglichen, -endlich die so gebildete dünne Schicht halbtrocken als Papierbogen vom -Rahmen abgehoben. Diese Bogen werden später auf mässig erhitzte Wände -geklebt und bei manchen Papiersorten mit einem Überzug von Reisstärke -versehen, schliesslich an der Sonne völlig getrocknet. Für die besten -Papiere werden bloss die Schösslinge des Bambus verwendet und diese -noch, ehe man sie spaltet, sorgfältig abgeschabt, während für die -Fabrikation geringerer Qualitäten auch die Blätter als Material dienen. - - Der Papier-Maulbeerbaum. - -Die Anfertigung des Papiers aus den Schösslingen des -Papier-Maulbeerbaumes erfolgt so: In jedem Jahre werden die Pflanzen -bis auf die Wurzeln abgeschnitten. Von jedem Stengel entstehen in -dem folgenden Jahre fünf Triebe, so dass sich im Laufe von fünf -Jahren ein dichter Strauch bildet. Die Triebe aus dem fünften Jahre -werden zu Papier verarbeitet. Nachdem die Stengel in Stücke von 2½-3 -Fuss Länge geschnitten worden sind, werden sie in einem Kessel, der -merkwürdigerweise aus Stroh besteht, mit Dampf behandelt. Durch diesen -Prozess wird die Rinde von den Stengeln gelöst, welch letztere nur als -Brennmaterial zu verwenden sind. Die Rinden werden getrocknet, später -einen Tag lang in fliessendem Wasser gewaschen, um die Ablösung der -innern Fasern, aus denen das beste Papier gemacht wird, zu erleichtern, -während die äussere, dunkle Rinde nur zu ordinärem Papier dient. Die -Fasern werden nun gepresst, gekocht und wieder gepresst und dann in -Blöcken aufgehoben. Nach Bedarf wird dann die Masse mit einer Art -Paste, die aus den Wurzeln des „Tororo“, einer der Baumwollenstaude -nicht unähnlichen Pflanze, gewonnen wird, versetzt. Die Mischung wird -tüchtig eingerührt, bis die richtige Konsistenz erreicht ist, und -dann das Papier in Formen mit zwei Böden geschöpft, getrocknet und -beschnitten. - - Das Reispapier. - -Ein, uneigentlich als Reispapier bezeichnetes Produkt ist das auf der -Insel Formosa aus der _Aralia papyrifera_ gewonnene. Das Mark dieser -Pflanze wird in dünne Blättchen geschnitten und dann noch flacher -gepresst und liefert Stücke von ½-1 Fuss im Quadrat. Die besten Stücke -werden zum Bemalen, die kleinen Stücke zu der Fabrikation künstlicher -Blumen benutzt. - - Das Papiergeld. - -Zur Fabrikation des Papiergeldes wird in Japan nur der Bast eines -Baumes „Mitsumata“ verwendet, welcher ausdrücklich zu diesem Zweck -kultiviert wird. Der Bast des Kaji-Baumes, der unserer Weide gleicht, -wird namentlich zu _Papiermaché_ verarbeitet, von welchem die -Chinesen und Japanesen wie bekannt eine Unendlichkeit von Gegenständen -herstellen[5]. - - [5] In der Beschreibung der Herstellung des Papiers - folgten wir dem Spezialkatalog der chinesischen - Ausstellungskommission der Wiener Ausstellung, der in - mehreren Punkten von den älteren Darstellungen, sowie von - einer Beschreibung des Herrn □von Ransonnet□, abweicht. - Die chinesische Ausstellung in Wien enthielt über hundert - verschiedene Sorten von Papier. - - * * * * * - - Europäischer - Druck in China - und Japan. - -EUROPÄISCHE TYPOGRAPHIE IN ASIEN. Um die Einführung der gutenbergischen -Typographie im östlichen und südlichen Asien machten sich die -Jesuiten-Missionäre schon ausgangs des □xvi.□ oder anfangs des -□xvii.□ Jahrhunderts verdient und sie hatten in der Hauptstadt PEKING -verborgene Pressen. Eins der ältesten dort gedruckten Bücher ist -die _Cœlestis doctrinæ vera ratio_ chinesisch aus dem Jahre 1603. -In NANKING gab der Jesuit Nikolas Trigault um 1620 ein chinesisches -Wörterbuch in 3 Bänden heraus, das jetzt zu den grössten Seltenheiten -gehört. In MACAO wurde schon um 1590 gedruckt. Das erste Buch war -der Bericht eines japanesischen Gesandten nach Rom in japanischer und -lateinischer Sprache. In CANTON wurde vieles gedruckt, darunter ist -zu erwähnen die „Bibliothek nützlicher Kenntnisse“ in 100 Bändchen. -Auf der Insel FORMOSA erschien 1661 eine malaische Übersetzung der -Evangelien Johannis und Matthäi. - -Das Druckverfahren in JAPAN ist dem chinesischen gleich und wird seit -uralter Zeit geübt. In europäischer Weise gedruckt erschien bereits -1591 in TACACO auf der Insel Nippon ein Leben der Apostel mit einem -angehängten Vokabularium. Gleichzeitig druckten die Jesuiten in -AMACUSA. NANGASAKI hatte zu Ende des □xvi.□ Jahrh. schon eine ziemlich -thätige Presse. - - Ostindien. - -OSTINDIEN. Im nördlichen Teile Ostindiens, in Kaschmir, Thibet und -Kabul, wurde der Holztafeldruck schon seit vielen Jahrhunderten geübt. -Der erste Ort, der 1563 nach europäischer Weise druckte, war GOA auf -einer Insel an der Westküste des Dekan, die früheste Niederlassung -der Portugiesen. Fast gleichzeitig, 1569, erhielt TRANQUEBAR auf -der Koromandelküste seine Presse durch die Londoner Gesellschaft für -Verbreitung des Evangeliums. Zuerst wurde ein schönes Neues Testament, -in Quarto, gedruckt, dann verschiedene Gebetbücher und Katechismen -in portugiesischer, englischer und dänischer Sprache, sowie in -verschiedenen asiatischen Dialekten. Als Tranquebar in dänischen Besitz -kam, war die dänische Mission sehr thätig. □Bartholomäus Ziegenbalg□ -und □Heinrich Plutschau□ brachten eine Presse und Schriften aus -Deutschland. Auf Kosten des Königs von Dänemark wurden tamulische -Schriften in der Waisenhausbuchdruckerei in Halle gegossen und durch -J. G. Adler nach Indien gebracht, wo dieser 1714 die vier Evangelien -und die Apostelgeschichte, 1715 die Episteln und die Apokalypse -herausgab. 1723 erschien die _Biblia tamulica_, 3 Teile in Quarto. Am -wichtigsten für die Typographie Indiens ist BENGALEN, es wurde jedoch -die Druckkunst erst 1778 dort eingeführt; demnach gehört die dortige -Pressthätigkeit erst einer späteren Periode an. - - Die asiatischen - Inseln. - -In dem ASIATISCHEN ARCHIPEL fand die Kunst zuerst auf JAVA eine Heimat. -Die niederländisch-indische Gesellschaft errichtete in BATAVIA zu Ende -des □xvii.□ Jahrhunderts mehrere Pressen. - -Von dem Wunsche beseelt, den Eingebornen das Evangelium in der -Landessprache in die Hände zu geben, befahl der Gouverneur von CEYLON -Freiherr □G. W. von Imhof□ 1737 eine Druckwerkstätte in COLOMBO -zu errichten, die später auch manches wissenschaftliche Werk ans -Tageslicht förderte. In der Hauptstadt der Philippinen, MANILLA, -wurde um 1600 gedruckt. Im □xviii.□ Jahrhundert wetteiferten die -katholischen Missionäre hier mit den protestantischen in Tranquebar in -der Verbreitung des Evangeliums. - - * * * * * - -So war die Kunst Gutenbergs, welche bereits in den ersten hundert -Jahren ihres Bestehens sich über ganz Europa den Weg gebahnt und -eine hohe Stufe der Ausbildung erreicht hatte, von welcher ungünstige -Verhältnisse sie nur zeitweilig herabzudrängen vermochten, über die -ganze Welt verbreitet. Schon um die Zeit, welche unsere vorläufige -Grenze bildet, galt das, hundert Jahre später ausgesprochene Wort: - - „_Über des Oceans Raum in die fernsten Gebiete der Erde - Trägt, Gefeierter! dich Fama, nie rastend im Flug; - Nicht des Gesteines bedarf es für dich, noch gegossenen Erzes, - Denn es verkündet dein Lob jegliche Zeile des Buchs._“ - -[Illustration:Kapitelende] - - - - -[Illustration:Kapitelanfang] - -A. NAMEN- UND SACH-REGISTER. - - -Aa, Peter van der S. 250. - -Åbo 158. - -Aalst 67. - -Abbreviieren 14. - -Ablassbriefe 28. - -Abschreiben der Bücher 13. - -_Academia Veneziana_ 181. - -Adler, Aegidius 143. - -_Ad insigne Pinus_ 130. - -Alcala de Henares 189. - -Aldegrever, Heinrich 119. - -Älteste Spuren vom Druck 12. - -□Aldus-Familie.□ - -Aldus Manutius 60. 175. - Herkunft 175. - Offizin in Venedig 176. - Griech. u. latein. Ausgaben 177. - Cursivschrift 177. - „Aldinen“ 178. - _Neacademia_ 178. - Geschäftl. Schwierigkeiten 179. - Tod des Aldus 179. - Druckerzeichen 180. - -Paul Manutius 180. - Jugendzeit 180. - Ruf nach Rom 181. - Rückkehr nach Venedig 182. - Wiederkehr nach Rom 182. - Tod 182. - -Aldus □ii.□ 182. - Jugend 182. - Ruf nach Rom 183. - Aussterben der Familie 183. - -_Allemand_-Schrift 65. - -Aleppo 282. - -Alexandre, Jean 210. - -Altdorfer, Albrecht 117. - -Amacusa 287. - -Amann, Jost 77. 118. - -Ammerbach, Johannes 44. - -Amstel, Ploos van 247. - -Amsterdam 228. 233. 242. - -_l'amour de Psyché_ durch J. Janot 200. - -Anabat, Guillaume 197. - -Andersen, Andreas 265. - -Andrae, Hieronymus in. 128. - -Andreae, Johann 131. - -Andreani, Andreas 189. - -Anisson, Jean 211. 213. - --- Jacques 213. - -Anopistographischer Druck 19. - -Anselm, Theodor 136. - -Antiqua-Schrift 59. 65. 161. - -Antwerpen 218. - -_Apostol_ 279. - -Arabische Schrift 61. - -Arendes, Stephan 74. - -Armbruster, Gotthart 275. - --- Anton 275. - -„Armenbibel“, die 21. - -Armenischer Druck 186. - -_Ars memorandi_ 21. - -_Ars moriendi_ 20. - -Assen, Walter von 218. - -Athias, Joseph 247. - -_Atlantica_ von Olaus Rudbeck 158. - -Auer, Simon 133. - -Auflagen in ältester Zeit 57. - -Augsburg 46. 129. - -Augustinus, St., _de civitate dei_ 56. - -Autorenverhältnisse 172. - - -Backer, George 261. - -Badius, Familie 201. - -Bämler, Johann 46. - -Baldung, Hans 120. - -Ballenmeister 163. - -Baltimore 273. - -Bamberg 48. - -Bapst, Valentin 147. - -Barber, John 263. - -Barbier, Jean 259. - -Barcelona 62. - -Bartholdus de Basilea 43. - -Basel 43. 120. 136. - -Bassandyne, Thomas 265. - -Batavia 287. - -_Batavia_ von Hadrianus Junius 70. - -Baumann, Georg d. ä. 145. - --- d. j. 145. - -Bé, Guillaume le 214. - -Bechtermünze, Heinrich 34. - --- Nikolaus 34. 35. - -Beck, Reichart 136. - -Beham, Barthel 116. - --- Hans Sebald 115. - -Beildeck, Lorenz 25. - -Beirut 282. - -Bellaert, Jacob 70. - -Bergmann von Olpe, Joh. 44. - -Berlin 151. - -Berling, Heinrich 156. - -Bernard, Salomon 212. - -Beromünster 42. - -Beschreib. all. Künste (J. Amann) 118. - -□Bibeldruck.□ - -Bibel, welche war die erste 29. - --- 36zeilige (Gutenberg) 29. - --- 42zeilige (Gutenberg) 30. - --- 48zeilige (Schöffer) 40. - --- spanische (Palmert) 62. - --- böhmische 76. 278. - --- illustr. (Koberger) 47. - --- (Ulrich Zell) 51. - --- niederdeutsche 51. - --- Hebr. (Bomberg) 185. - --- -- (Athias) 247. - --- Armenische 186. - --- d., k. Druckerei in Paris 211. - --- Englische (Cranmer) 260. - --- -- (Coverdale) 260. - --- -- (John Bydell) 261. - -Bibel, Englische (Bischofs) 261. - --- -- (autorisierte engl.) 261. - --- -- (John Field) 261. - --- -- (Baker) 261. - --- -- deutsch-amerikan. 274. - --- russische 280. - --- russisch-holländ. 280. - --- polnische 278. - --- -Druck v. Froschauer 140. - --- -- in Wittenberg 140. 146. 150. - --- -- in Dänemark 153. - --- -- auf Island 156. - --- -- in Schweden 157. - --- -- in Finnland 157. - --- Polyglotten. - Aldus' Versuche 179. - Complutinische 189. - Le Jays 209. - Plantins 220. - Waltons 261. - --- Verbreitung 92. - -_Biblia Pauperum_ 21. - -Bibliothek des M. Corvinus 75. 91. - -Biel, Friedrich 43. 62. - -Binck, Jakob 119. - -Blaeu, Familie 162. 228. - -Bloemaert, Abraham 218. - -Blavio, Johannes 64. - -Boccaccio, _Decamerone_ (Valdarf.) 60. - -Boldrini, Nicolo 189. - -Bologna, Franz von 177. - -_Bombardeyro d'El Rei_ 64. - -Bomberg, Daniel 185. - -Boners „Fabelbuch“ 49. - -Bonhomme, Pasquier 66. - -Bonnutius, Judas 134. - -Borchardus, Hans 52. - --- Thomas 52. - -Bordeaux 67. - -Bortazar, Antonio 190. - -Boston (Nordamerika) 270. - -_Boston Gazette_ 271. - -_Boston News letter_ 270. - -Brabander, Andreas 138. - -Bradford, William 273. - -Braga 64. - -Brahe, Tycho de 155. - -Brand, Matthäus 74. - -Brandis, Marcus 54. - -Brandis, Moritz 52. 54. - -Brant, Sebastian 135. - -Bray, Dirk van 218. - -Breitkopf, Bernh. Christoph 149. - -Breslau 145. - -Brèves, Savary de 208. - -Breydenbachs „Reyssen“ 41. - -Brief (Breve) 15. - -Briefdrucker 19. - -Brito, Giovanni 188. - -Brocario, Familie 189. - -Brüder d. gemeinsamen Lebens 68. - -Brügge 67. 106. - -Brunus, Petrus 62. - -Brzesc 278. - -Buch des Mars 280. - -Buchbinderkunst 89. 155. 166. 215. - -Buchdruckerwappen 49. - -Bücher-Messe in Frankfurt 170. - --- in Leipzig 148. 171. - -Buchhandel im □xv.□ Jahrhundert 95. - --- in Deutschland 168. - --- Missbräuche 173. - -_Buffon, histoire naturelle_ 211. - -Bukarest 282. - -_Bulla retractionum_ 51. - -Burgkmair, Hans 111. - -Burgos 62. - -Burgundischer Hof 67. 72. - -Buyer, Bartholomäus 66. - -Bydell, John 261. - - -Cambridge 264. - -Cambridge (Nordamerika) 270. - -Camusat, Jean 211. - -_Canterbury tales_ (Caxton) 73. 258. - -_Cancioneiro Geral_ 64. - -Canton 287. - -Carpi, Ugo da 188. - -Caslon, William 268. - -Catholicon (Gutenberg) 32. - -Caxton, William 71. - -Cennini, Bernardo 60. - -„Ciromantia, die Kunst“ 21. - -Champ-fleury von G. Tory 198. - -Chepman, Walther 265. - -China, Bücherdruck 282. - --- Papierfabrikation 285. - -Christiania 156. - -„Christoph, der heilige“ 17. - -„Christus am Kreuze“ 17. - -_Chronica Hungarorum_ 75. - -Cicero _de officiis_ (Schöffer) 41. - --- _de oratore_ (Sweynheim) 56. - --- _epistolae_ (J. de Spira) 58. - -Clair-obscur-Druck 136. 188. 218. - -_Clarendon-Press_ 264. - -_Codex argenteus_ 13. - -Colines, Simon de 197. 202. - -Colombo 287. - -Colorito, Abraham 61. - -Comino, Giuseppe 187. - -Commelinus, Hieronymus 134. - -Complutinische Polyglotte 189. - -_Const. Clementi v._ (Schöffer) 40. - -_Constitutiones regni Poloniæ_ 277. - -Consul, Stephan 133. - -Coornhert, Dirk Volckharts 70. - -Cordova (Südamerika) 192. - -_Corpus juris_ (Remboldt) 66. - -Corvinus, Matth. 75. 91. - -Corrozet, Gilles 200. - -_Cosmographia, Ptolomäi_ 46. - -_Cosmographical glasse_ (J. Day) 263. - -Cotta, Ursprung der Familie 133. - --- Johann Georg 133. - -_Cours des fleuves par Louis □xv.□_ 211. - -Cousin, Jean 200. - -Crabath 161. - -Cramoisy, Familie 209. 211. - -Cranach, Lucas d. ä. 119. 167. - -Crantz, Martin 65. - -Cuesta, Johann de la 190. - -Cursivschrift des Aldus 177. - - -Damascus 282. - -Dammetz, s. Luc. v. Leyden 218. - -Danner 162. - -„Dante“ (Numeister) 60. - -Day, John 262. - -Daye, Stephan 270. - -Denkmäler Gutenbergs 35. 36. - -Deposition, die 164. - -_Description des arts et des metiers_ 209. - -Deventer 68. - -_Dialogus creaturum_ 75. - -_Dictes and sayings_ (Caxton) 72. - -_Dictionary of arts_ 267. - -Dietz, Ludwig 153. - -Diptychen 90. - -_Doctrina christ._ (Kromberger) 191. - -Dolet, Stephan 213. - -Dolmata, Anton 133. - -Domingo, St. 192. - -Donatus 19. 22. 27. - -_Don Quixote de la Mancha_ 190. - -Dritzehn, Andreas 24. - -_Droit_-Schrift s. Antiqua. - -Druck, Älteste Spuren 12. - -Druck u. -Apparate, früheste 79. - -Drucker, Die 163. - -Druckschwärze 84, 163. - -Druckerzeichen 124. - -Dublin 266. - -_Duits_-Schrift 68. - -Durandi, _Rationale_ (Schöffer) 40. - -Duren, Jan van 280. - -Dürer, Albrecht. - Jugendjahre 108. - „Offenbarung St. Johannis“ 108. - Neue Bahnen f. d. Holzschn. 109. - Verschiedene Arbeiten 109. - Italienische Reise 109. - Die „Passionen“ 110. - „Unser Frauen Leben“ 110. - Arbeiten für Maximilian □i.□ 110. - Die „Ehrenpforte“ 111. - Der „Triumphzug“ 112. - Reise nach d. Niederlanden 113. - Litterarische Arbeiten 113. - Tod 113. - -Dyck, Christoffel van 246. - - -Edinburgh 265. - -Egenolff, Christian 130. - -Eggesteyn, Heinrich 42. - -Eguia, Michel de 190. - -Eichhorn, Johann 152. - -Elert, Bastian 168. - -□Elzevier-Familie.□ - -Elzevier, Ludwig 228. - Übersiedelung nach Leyden 230. - Ernennung zum Pedell 230. - Sein Verlag u. seine Reisen 231. - Geschäftl. Manipulationen 232. - Sein Tod 233. - -Elzevier, Matthias 233. - --- Ludwig □ii.□ 233. - -Elzevier, Aegidius 233. - --- Justus 233. - --- Peter 233. - -Elzevier, Isaack 234. - Universitätspedell 234. - Offizin Erpenius 235. - Druckerzeichen 235. - Geschäftsaufgabe 236. - -Elzevier, Abr., u. Bonavent. 236. - Ihre Association 236. - Glanz des Hauses 237. - kleine Ausgaben 237. - Ausstattung ihrer Bücher 238. - Ausländisches Geschäft 239. - Charakteristik 240. - Daniel Heinsius 240. - Tod beider 241. - -Elzevier, Johann 241. - Association mit Daniel 241. - Trennung von ihm 242. - Tod 248. - -Elzevier, Ludwig □iii.□ 242. - Aufenthalt bei Johann 242. - Geschäft in Amsterdam 243. - Aufblühen desselben 243. - Druckerzeichen 244. - Geschäftslokal 244. - Association mit Daniel 244. - Ludwigs Tod 245. - -Elzevier, Daniel 241. - Association mit Johann 241. - -- mit Ludwig 244. - Uebernahme des Geschäfts 245. - Heinrich Wetstein 245. - Daniels Tod 246. - Die Elzevierschriften 246. - Auflösung v. Daniels Geschäft 248. - -Elzevier, Abraham 249. - Ende der Familie 249. - -Enschedé, Familie. - Niederländ. Schriftgiesserei 250. - Isaak Enschedé 251. - Die Stereotypie 252. - Dr. Johannes Enschedé 252. - Die Sammlungen d. Hauses 252. - _Specimen de caractères_ 253. - -„Entkrist“, der 21. - -Erhard, Schriftgiesser 161. - -Erpenius, Theodor 235. - -_Escala esperitual_ (Pablos) 192. - -Estienne s. Stephanus. - -„Euklid“ (Ratdolt). - - -Fano 61, 186. - -Farbendruck 39. - -Faust, Johann s. Fust. - -Faust, Johann (falscher) 71. 76. - -Faust-Märchen 71. - -Fehde weg. eines Holzschnittes 142. - -Feodorow, Iwan 279. - -Fèvre, Raoul le, _Hist. de Troyes_ 72. - -Feyerabend, Sigismund 130. - -Field, John 261. - -Fischer, Paul 129. - -Flander, Matthias 62. - -Fleischmann, J. M. 251. 254. - -Flötner, Peter 118. - -Florenz 60. 184. - -Foligno 60. - -Foppens, François 250. - -Formenschneider 19. 107. - -Formenschneider, Hans 107. - -Formosa 287. - -Fouchet, Jean 65. - -Foulis, Andreas u. Robert 266. - -Fournier _l'ainé_ 214. - --- _le jeune_ 214. - -Fox _Book of martyrs_ 263. - -Franck, Hans (Lützelburger) 122. - -Frank, Swaybold 76. - -Frankfurt am Main 130. - -Frankfurt a. d. Oder 151. - -Franklin, James 270. - --- Benjamin 271. - -_Fratres vitæ communis_ 35. 51. 68. - -_Freemans_ Oath 270. - -Frellon, François 213. - -Friburger, Michel 65. - -Friesner, Andreas 53. - -Frix, Eugène 250. - -Froben, Hieronymus 137. - -Froben, Johannes 136. - -Froschauer, Christoph 139. - --- Christoph II. 141. - --- Hans 130. - -Fust, Johannes. - Darlehn an Gutenberg 26. - Association mit ihm 27. - Rechtsstreit mit ihm 31. - Trennung von ihm 31. - Fust und Schöffer 38. - Fusts Tod 41. - - -Gallen, St. 142. - -_Gallia christiana_ 211. - -Garamond, Claude 210. - -Gascon, Le 216. - -Ged, William 266. - -Gehlen, Johann von 144. - -Gehmen, Gottfried von 74. - -Gelthuss, Arnold 26. - -Gensfleisch, Frielo der Vater 23. - --- Frielo der Sohn 23. - --- Henne der ältere 26. - --- -- d. j. (s. Gutenb.) - -Genf 204. - -_Gentlemans Magazine_ 267. - -Genua 61. 186. - -Gering, Ulrich 43. 65. - -Gerling, Johann 64. - -Germantown 274. - -Gernsheim 42. - -Geselle, der 164. - -Gessner, Andr. 140. - -Giunta-Familie. - Luc-Antonius Giunta 184. - Thomas Giunta 184. - Gio-Maria Giunta 184. - Modesto Giunta 184. - Philipp Giunta 184. - -Glasgow 266. - -Glockendon, Georg d. ä. 107. - -Glover, Joseph 270. - -Goa 287. - -Goes, Hewe 264. - -„Goettliche Liebesgethoene“ 271. - -Götz; Nikolaus 51. - -Golddruck 59. - -Goltz, Hubert 218. - -Goltzius, Heinrich 218. - -Gothenburg 158. - -Gothische Schrift 59. 66. - -Gourmont, Gilles de 204. - -Graf, Urse 120. - -Grafton, Richard 259. - -Grandjean, Philipp 210. - -Grandjon, Jean 212. - -Grau, Heinrich 136. - -Green, Samuel 270. - --- Bartholomeo 270. - -Grefwe, Amund 158. - -Gregorio, Gregor 61. 186. - -Griechische Schrift 57. 59. 60. - -Griis, Paul 158. - -Grimm, Sigmund 130. - -Gross, Henning 148. - -Groote, Gerhard 68. - -Groulleau, Stephan 200. - -Gryphius, Anton 212. - --- Sebastian 212. - -Gutenberg, Johannes. - Herkunft 23. - Aufenthalt in Strassburg 24. - Dortige Associationen 24. - Rückkehr nach Mainz 26. - Association mit Fust 26. - Erste Presse 27. - Ablassbriefe 28. - Bibeldruck 28. - 36zeilige Bibel 29. - 42zeilige Bibel 30. - Rechtsstreit mit Fust 31. - Trennung von Fust 32. - Neue Offizin 32. - Das Catholicon 32. - Gutenberg in Eltville 33. - Sein Tod 34. - Sein Andenk. u. s. Denkm. 35. - -Gutenberg, Else zum 23. - -Gutenbergerin, Anna 26. - -Guy, Thomas 263. - - -Haag 233. - -Haarlem 70. 251. - -Haas, W. 161. - -Hackius, Franz 249. - -Hagenau 136. - -Hager, Hans 140. - -Haller, Johann 277. - -Hamburg 52. 150. - -Hamer, Wolfgang 107. - -Han, Ulrich 58. - -Hanaw, Johann 151. - -Hannsen, Hans 279. - -Hardoyn, Gilles 197. - -Hartwach, Joh. 113. - -Hasselbaugh, Nik. 273. - -Hauffe, Matthias 168. - -Haurisius 134. - -Hebräischer Druck 185. 203. - -Heidelberg 134. - -Heilmann, Andreas 24. - -Heilspiegel, der 21. - -Helic, Paul 277. - -Henlif, Conrad 42. - -Hentzke, Mich. 152. - -Hermann von Kempen 64. - -Hess, Andreas 75. - -Hewmann, Friedr. 35. 132. - -Hilden, Wilhelm 152. - -_Histoires. Historier_ 67. - -_Historyes of Troy_ (Caxton) 72. 73. - -_Historia Hispanica_ (61). - -Höpfner, Georg 156. - -Hof „zum Gutenberg“ 35. - --- „zum Jungen“ 26. - --- „zum Humbrecht“ 132. - -Hofhalter, Rafael 143. - -Hohenwang, Ludwig 45. - -Holbein, Hans d. j. - Jugend 120. - „Totentanzalphabet“ 121. - „Totentanz“ 121. - _Icones veteris testamenti_ 122. - Vollendung d. Holzschnitts 123. - -Holl, David 272. - --- Leonhard 46. - -Holzschnitt 15. - Wesen desselben 15. - Aeltester 15. 17. - Altersbestimmung 18. - Fortschritte 20. 22. - Magdeburg 52. - Zeichner-Holzschnitte 123. - Strassburg 135. - Schweden 157. - Italien 187. - Paris 196. - Lyon 212. - Niederlande 217. - -Holum 156. - -Hopyl, Wolfgang 202. - -_Hortulus animæ_ (Springinklee) 114. - -Humery, Conrad 32. 34. - -Hunt, Thomas 264. - -Huros, Paulus 62. - -Hveen 155. - -_Hypnerotomachia_ (Aldus) 187. - - -Ibn-Amima 282. - -Ibrahim-Efendi 281. - -Illuminatoren 14. 84. - -Illustration s. Holzschnitt. - -Indianischer „Psalter“ 270. - -Inkunabeln 91. - -Isengrin, Michael 139. - - -Jackson, John 189. - -James, Thomas 268. - -Jannon, Jean 214. - -Janot, Denys 199. - -Jansson, Johann 157. 249. - -Januszowski, Johann 278. - -Japan: Bücherdruck (s. China) 282. - --- Papierfabrik. (s. China) 285. - -Jegher, Christoph 218. - -Jensen, Nikolaus 59. - -Jesuiten-Druckerei in Wien 143. - -Jobin, Bernhard 136. - -Johannis, St., „Apokalypse“ 20. - -Johnson, Andrew 280. - -Jollet, Mercure 200. - -_Justiniani Institutiones_ (Schöffer) 41. - - -Kachelofen, Konrad 54. - -Kaiser, Peter 66. - -„Kalend. d. Joh. de Gamundia“ 21. - --- d. Joh. v. Kunsperk“ 21. - -Kapitalbuchstaben 56. - -Kartenmacher 19. - -Kerver, Thielemann 199. - -Keyser, Heinrich I. und II. 157. - -Kirchenväter 93. - -Klassiker-Ausgaben, Älteste 93. - -Klausenburg 278. - -Kleinmeister, Die 114. - -Knoblauch, Johann 135. - --- Paul 155. - -Koberger, Antonius, d. ä. 46. - --- -- d. j. 129. - --- Johannes 129. - -Köln 50. 105. - -Kogelherren 70. - -Kohl, Hans 143. - -Kgl. Buchdrucker 203. 208. - --- Buchdruckerei in Paris 208. - -Konstantinopel 76. 280. - -Kopenhagen 74. 154. 239. - -Korrektur 82. 163. - -Kornut 164. - -Koster, Laurenz Johanns Sohn 70. - -Kosterlegende 70. - -Kraft, Kasper 143. 167. - -Krakau 76. 277. - -Kralitz 278. - -Krause, Georg 167. - -Krieger, Christoph 188. - -Kromberger, Jakob 64. - --- Johann 190. 191. - -Krüger, Theodor 167. - -Kuhn, Valentin 156. - -Kulmbach, Hans von 114. - -Kuttenberg 76. - - -_Lactantius_ (Sweynheim) 56. - -Ladenspelder, Hans 119. - -Lamberg, Abraham 148. - -Landsberg, Martin 145. - -Lateinische Schrift 57. - -Lavagna, Philippus de 60. - -St. Lazaro 186. - -Lazarsz, Andreas 277. - -„Leben d. Heiligen“ 116. - -Lederbereitung zum Binden 90. - -_Legend, the golden_ (Caxton) 73. - -Lehrling, Der 164. - -Leipzig 53. 145. - -Leiria 63. - -Lemberg 278. - -Leroy, Wilh. 66. - -_Lettres cadeaux_ 66. - -_Lettres de Forme_ 65. - --- _de Somme_ 66. - --- _Tourneurs_ 66. - -_Lex. Heptaglotton_ (Dr. Castell) 262. - -Leyden 230. 251. - -Lima 192. - -Limburgus, Johannes 51. - -Lips, Balthasar 132. - -Lissabon 63. - -_Litteræ florentes_ 59. - -Litterarische Produktion 91. - -Livens, Joh. 218. - -_Livius_ (Sweynheim) 57. - -_Livres d'heures_ 196. - -Lobinger, Johann 161. - -Lobinger, Pancratius 129. - -London 72. 257. - -_London Magazine_ 267. - -Lorch, Melchior 118. - -Lotter, Melchior d. ä. 146. - --- -- d. j. 150. - -Lublin 278. - -Lucas, George 261. - -Lucas van Leyden 218. - -Luce, Louis 210. - -Luchtmans, S. & E. 251. - -Lübeck 52. - -Lützelburger, Hans Franck 122. - -Lufft, Hans 150. - -Lund 158. - -Luschmer, Joh. 62. - -Luther über Illustration 147. - -Lyon 66. 212. - - -Macao 287. - -Madrid 190. - -Magdeburg 52. - -Mailand 60. - -Mainz 23. 132. - -Malerschulen, Deutsche 105. - -_Mamotrectus_ (Beromünster) 43. - -Manilla 287. - -Mansion, Colard 68. - -Mantegna, Andrea 187. - -_Man. de adultos_ (Kromberger) 191. - -„Manung widd' die Durken“ 29. - -Manuskriptenhandel 14. - -Manutius s. Aldus. - -Marchand, Guyot 197. - -Marienthal 35. - -Marnef, Geoffroy de 197. - -Martens, Dierik 66. - -Martinez, Anton 62. - -Matthiasson, Jon 156. - -„Mazarinsche Bibel“ (42zeilig) 29. - -Mecheln, Konrad von 139. - -Mechitaristen-Druckerei 186. - -_Médailles etc. de Louis le Grand_ 210 - -Medici, Marie von 200. - -_Membrana_ 86. - -Mentelin, Johannes 42. - -_Mercurius Caledonicus_ 265. - -_Mercurie, The english_ 267. - -Merian, M., Vater u. Sohn 131. - -Merseburg 53. - -„Messkatalog“ 148. 170. - -Metallschnitt 16. 17. - -Metaxa, Nicodemus 280. - -Meuser, Kaspar 167. - -Mexico 190. - -Mey, J. van der 251. - -Millar, Andreas 265. - -Miniaturen 14. 84. - -Miniaturen 67. - -Modisten, die 129. - -Monserrat 62. - -Montagna, Benedetto 187. - -Montreale 61. - -Moravius, Matthias 61. - -Morel, Familie 201. - -Mores, Rowe 268. - -Moskau 279. - -Mstislavzoff Timoféew 279. - -Müller, Hans 130. - --- Heinrich 276. - --- Johann 251. - -Münsch, Josias 139. - -Münster 51. - -Myllar, Andrew 265. - - -Nachdruck 174. - -„Nachf. Christi“ v. Th. a. Kempis 46. - -Nangasaki 287. - -Nanking 287. - -„Narrenschiff“ (Seb. Brant) 44. 135. - -de Negker, Jost 116. - -Néobar, Conrad 203. - -Neudörffer d. ä. 129. - -_New-England Courant_ 271. - -Newport (Nordamerika) 271. - -New-York 273. - -_New-York weekly Journal_ 273. - -Nielsen Tyge 156. - -Nikolaus von Breslau 61. - -Nikolaus aus Sachsen 63. - -Noir, Michel le 197. - -Notary, Julian 259. - -Notendruck, erster 130. - -Nürnberg 46. 106. 127. - -Numeister, Johann 60. - - -Odense 74. - -Oeglin, Erhard 130. - -Ofen 75. - -Olai, Anund 157. - -Oporinus, Johannes 138. - -Ortas, Abraham d' 63. - -Ostendorfer, Michael 117. - -Ostrog 278. - -Ottmar, Johannes 132. - -Oxford 264. - - -Pablos, Juan 191. - -Padeloup 216. - -Padua 187. - -Paffroed, Richard 68. - -Palmanazar 263. - -Palmer, Samuel 263. - -Palmert, Lambert 62. - -Pampelona 189. - -Pannartz, Arnold 56. - -Paoli, Stefanus 186. - -Papier, Ältestes 86. - -Papiermühlen in Basel 44. - -Papier, chinesisches u. japan. 285. - -Papillon, Jean 200. - -Paris 65. 197. - -Paschalis-Eli 282. - -Paul von Köln 62. - -Pegnizer, Joh. 62. - -Peking 287. - -Pencz, Georg 115. - -Pergament 85. - -_Persij Satire_ 50. - -Petersburg, St. 280. - -Petreijus, Johann 129. - -Petri, Adam 137. - --- Heinrich 138. - --- Johannes 137. - -Petzensteiner, Heinrich 49. - -Pfister, Albrecht 48. - -Philadelphia 271. - -Phillery 218. - -Pigouchet, Paul 197. - -Pilgrim s. Wächtlin 136. - -_Pilgrim's Progress_ 268. - -Pilsen 76. - -Plantinsches Haus. - Plantin, Christoph 219. - Begründung des Geschäfts 219. - Seine Korrektoren 219. - Raphelingius, Franz 220. - Moretus, Johann 220. - Beys, Gilles 220. - _Biblia polyglotta_ 220. - _Prototypographus regius_ 222. - Plantins Schriften 223. - Sein Druckzeichen 223. - Seine Nachfolger 224. - Moretus, Balthazar 224. - Plantinsche Museum 225. - -Pleydenwurf, Hans 107. - --- Wilhelm 107. - -Plutschau, Heinrich 287. - -_Polychronicon_ (Caxton) 73. - -Polyglotten s. Bibel. - -_Poor Richards Almanach_ 271. - -Porrus, Pet. Paul 186. - -Port au Prince 192. - -Posen 278. - -Postulat 165. - -Powell, Humfrey 266. - -Prag 76, 106. - -Pressen, die ältesten 82. 162. - -Pressenmeister 163. - -Prinzipal 164. - -_Printers_ 19. - -Privilegien in Frankreich 193. - --- in England 255. - --- in Schottland 265. - -„Propaganda“, Druckerei der 186. - -„Proportion. d. Ross“ v. Beham 116. - -Prostitz, Isaak 278. - -„Psalterium“ (Schöffer) 38. - -Puerto, Alfons de 62. - -Putorius, Johann 161. - -Pynson, Richard 259. - - -_Queen Elizabeth's prayer book_ 263. - -Quentell, Heinrich 51. - - -Radewynzoon, Floris 69. - -Räff, Povel 74. - -Raimondi, Marc-Antonio 188. - -Rainmann, Johann 130. - -Ratdolt, Erhard 46, 59. - -Ravenstein, Albert 52. - -Regiomontanus, Joh. 46. - -Reiberdrucke 19. - -Reichardt, Hans 168. - -Reineke de Voss (Lübeck) 52. - -Reinhard, Johann 135. - -Remboldt, Berthold 66. - -Rembrandt, Paul 218. - -Rewich, Erhard 41. - -Rhawe, Georg 150. - -Richardson, Samuel 264. - -Richel, Bernhard 44. - --- Wendelin 136. - -Riffe, Hans 24. - -Rigaud, Claude 211. - -_Rimkrönike, Dansk_ 74. - -Ripen 74. - -„Robinson Crusoe“ 268. - -Röckner, Vincenz 128. - -Römische Schrift 56. - -Rom 57. 181. 183. 186. - -Roman, Johann 247. - -_Roman_ (_Romain_, _Romeyn_) s. Antiqua. - -Rood, Theodor 264. - -Rossart, J. F. 251. - -Rostock 151. - -Roville, Guillaume de 213. - -Roycrofft, Thomas 261. - -Rubrik 13. - -Rubrikatoren 14. 84. - -Rudbeck, Olaus 158. - -Runen 74. - -Runge, Christoph 153. - - -Sabon 130. - -„Sachsen-Chronik“ (Schöffer) 41. - -„Sachsen-Spiegel“ (Richel) 44. - -Said-Efendi 281. - -Salamanca 62. - -_Sallust_, stereotyp. v. W. Ged 266. - -Sansleque, Familie 214. - -Saragossa 62. - -Saspach, Hans 25. - -Satz-Apparate, früheste 79. 162. - -Sauer, Familie 274. - -Schaeuffelein 116. 128. - -Scharffenberg, Crispinus 145. - --- Johann 145. - --- Nikolaus 277. - -„Schatzbehalter, Der“ 47. 107. - -Schedel „Buch d. Chroniken“ 47. 107. - -„Schellhornsche Bibel“ (36zeil.) 29. - -Schepper, J. J. 247. - -Schleswig 74. - -Schnellboltz, Gabriel 150. - -Schnitzer, Joh. v. Armsheim 46. - -Schoch, Christoph 155. - -□Schöffer-Familie.□ - -Schöffer, Peter 30. - Jugend 30. - Ankunft in Mainz 31. - Verbindung mit Fust 38. - Psalterium 38. - 48zeilige Bibel 40. - Schwabacher Schrift 41. - Tod 42. - -Schöffer, Ivo 132. - --- Jakob 132. - --- Johann 132. - --- Johann □ii.□ 132. - --- Peter □ii.□ 132. - -Schön, Erhard 114. 135. - -Schönsperger, Hans d. ä. 46. 129. - -Schongauer, Martin 134. - -Schreibmeister, Die 129. - -□Schriftgiesserei.□ - Älteste 31. 77. - Verbesserungen 160. - Kegel und Höhe 160. - Giessinstrument 160. - Signatur 160. - Clichieren 161. - Fraktur 161. - Nürnberg 129. - Italien 177. - Frankreich 198. 214. - Niederlande 246. 250. - England 268. - Russland 279. - -Schultze, Georg 153. - -Schwabacher Schrift 41. - -Schumann, Valentin 146. - -Scott, Joh. 136. - -_Scriptores hist. Byzantinæ_ 211. - -Sedan 214. - -_Sedanoise_-Schrift 214. - -Segur, Bartholomäus 62. - -Selou, Peter von 157. - -Semigothische Schrift 66. - -Sensenschmid, Johann 46. 49. - -_Sephar Orach Chaim_ 63. - -Seuil, de 216. - -Sevilla 62. 190. - -_Sheldonian Theatre_ 264. - -Siberch, Johann 264. - -Singriener, Johann 142. - -Skalholt 157. - -Slawischer Druck in Tübingen 133. - -Snagof 282. - -Snell, Johann 74. 75. - -Solis, Virgil 117. - -Soncino 61. - -Sorbonne 65. - -Sorg, Anton 46. - -_Spectator, The_ 267. - -_Speculum hum. Salvationis_ 21. - -_Speculum pass._ (Schaeuffelein) 116. - -Speyer, Joh. von 58. - -Spielkarten 18. - -Spiess, Wigand von Ortenberg 35. - -Spindeler, Nikolaus 62. - -Spinosa, Antonio de 191. - -Springinklee, Hans 114. 135. - -Stathoen, Hermann an 42. - -Stendal 52. - -□Stephanus-Familie.□ - -Stephanus, Heinrich 202. - -Stephanus, Robert □i.□ 202. - Jugend u. Geschäftsanfang 202. - _Thesaurus linguæ latinæ_ 203. - Königl. Typograph 204. - Übersiedelung nach Genf 204. - Kgl. griech. Schriften 204. - -Stephanus, Franz □i.□ 205. - --- Karl 205. - --- Robert □ii.□ 206. - -Stephanus, Heinrich □ii.□ 206. - Geschäftsbahn 206. - _Thesaurus linguæ græcæ_ 207. - Heinrichs Tod 207. - -Stephanus, Paul 207. - -Stephanus, Franz □ii.□ 208. - -Stereotypie: - Valeire 215. - van der Mey und Müller 251. - William Ged 265. - -Stimmer, Tobias 120. - -Stockelmann, Hans 154. - -Stockholm 75. 157. - -Stöckel, Wolfgang 145. - -Stoll, Johann 66. - -Strassburg 23. 42. 120. 134. - -Strassburg, Jakob von 136. - -Straub, Leonhard 142. - -Strengnäs 157. - -Subiaco 56. - -Suhanow, Arsenij 279. - -_Summa de art. fidei_ (Gutenberg) 32. - -Surinam 192. - -Svirler, Michael 66. - -Sweynheim, Konrad 56. - -_Synodalnija Typografia_ 279. - - -Tacaco 287. - -Takke, Heinrich 149. - -„Talmud“ (Bomberg) 185. - -_Tattler, the_ 267. - -Tavernier, Ament 251. - -Technik, Verbesserungen 159. - -Teigdruck 16. - -Thanner, Jakob 146. - -_Theatrum geographiae veteris_ 235. - -_Thes. ling. lat._ (Rob. Steph.) 203. - --- -- _græcæ_ (H. Steph.) 207. - -Theuerdank, Der 127. - -Theuerdank-Type 128. - -Thou, Charles de 215. - -Thurneisen, Emm. 139. - -Thurneysser, Leonhard 152. - -Tiflis 282. - -Tissard, François 204. - -Tissnova, Martin von 76. - -Torresanus, Andr., de Asola 180. - -_Torquemada Meditationes_ (Han) 56. - -Tory, Geofroy 198. 215. - -Tótfalu, Nikolaus 279. - -Tournes, Jean de 212. - -_Tractatus racionis_ (Gutenberg) 32. - -Tranquebar 287. - -Trattnern, von 161. - -Trechsel, Joh. 66. - -„Triumphz. Cäsars“ (Andreani) 189. - -Truber, Primus 133. - -Tschernigow 76. - -Tübingen 132. - -Testament, Neues (Tyndale) 259. - -Tzwyvel, Theodorik 52. - - -Ulm 44. - -Ungnad, Hans, von Sonnegg 133. - -„Unterweysung d. Proportion“ 114. - -Upsala 157. 158. - -Urach 133. - -Uscan 282. - -Utrecht 231. - - -Valdarfer, Christoph 60. - -Valdius, Petrus 158. - -Valeire 215. - -Valentin aus Mähren 63. - -Valencia 61. 190. - -Vascosan, Michel 201. - -Vautrollier, Thomas 263. - -Vecellio, C., _Habiti antichi_ 188. - -Velin (_Vellum_) 86. - -Venedig 58. 176. 184. 185. 187. - -Vérard, Anton 197. - -Verlagskatalog, Erster 42. - -Vesalius, A., _hum. corp. fabrica_ 139. - -Victor, Hieronymus 142. 277. - -_Virgilius_ (Ratdolt) 66. - -Vitré, Antonius 209. - -_Vocabulario_ des A. de Molina 191. - -Vögelin, Ernst 134. 147. - -Volpi, Giovanni 187. - -Voltz, Nikolas 152. - -Voskens, Dirk 250. - -Vostre, Simon 197. - - -Wächtlin, Joh. 136. - -Waesberge, Johann van 249. - -Waltons Polyglotte 261. - -Wankuli _Kitab Lugat_ 281. - -„Wappenbuch“, erstes (Sorg) 46. - -Warschau 278. - -Wasen, Hans am 139. - -Wasserzeichen 87. - -Watson, James 265. - -Wechel, Familie 131. 201. - -Weidlich, Christoph 168. - -Weiss, Johann 151. - -Wendelin, Joh., de Spira 58. - -Wenssler, Michael 43. - -Westfal, Joachim 52. - -Wetstein, Heinrich 245. - -Weyerstraten, Elisäus 250. - -Whitchurch, Edward 260. - -Wien 49. 142. - -Willer, Georg 170. - -Wilna 278. 279. - -Wilson, Alexander 266. - -Winkler, Andreas 145. - -Winterburger, Joh. 50. - -Wittenberg 119. 150. - -Wojiriot, Pierre 200. - -Wolf, Johann 141. - -Wolfe, Reynold 262. - -Wolgemut, Michel 47. 107. - -Worde, Wynkyn de 258. - -Würsing, Marx 130. - - -Xylographie s. Holzschnitt. - -Xylographische Werke 20. - - -Zahlen, arabische 58. - -Zainer, Günther 46. - --- Johannes 45. - -Zanetti, Anton Graf v. 189. - -Zell, Ulrich 51. - -Zeitungen, erste, in Wien 144. - --- -- in England 267. - -Zeitungsstempel in England 267. - -Zenger, Peter 273. - -Zensur 96. 173. - -Zeugdruck 16. - -Ziegenbalg, Barth. 287. - -Zimmermann, Mich. 143. - -Zink, Christoph 161. - -Zinna, Kloster 53. - -„Zionitisch. Weyrauchs-Hügel“ 274. - -Zorba, Familie 63. - -Zürich 139. - -Zunftwesen in Frankreich 194. - -Zuren, Jan van 70. - - -B. NACHWEIS DER ANGEFÜHRTEN QUELLENSCHRIFTEN. - - Äbi, J. L., Die Buchdruckerei in Beromünster 43. - - Almeloven, F. J., _De vitis Stephanorum etc._ 202. - - Amaduti, J. C., _Catalogus librorum etc. St. Congregationis_ 186. - - Andenken, gepriesenes. Jubiläumsschrift 1740 145. - - Arnett, J. A., _The books of the Ancients_ 13. - - Astle, T., _The origin of writing_ 14. - - Baader, L., Beitrag zur Kunstgeschichte Nürnbergs 46. - - Bandini, A. 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Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. 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Lorck</p> -<div style='display:block; margin:1em 0'> -This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and -most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions -whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms -of the Project Gutenberg License included with this eBook or online -at <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. If you -are not located in the United States, you will have to check the laws of the -country where you are located before using this eBook. -</div> -</div> - -<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Title: <span lang='de' xml:lang='de'>Handbuch der Geschichte der Buchdruckerkunst</span></p> -<p style='display:block; margin-left:2em; text-indent:0; margin-top:0; margin-bottom:1em;'><span lang='de' xml:lang='de'>Erster Teil. Erfindung. Verbreitung. Blüte. Verfall. 1450-1750.</span></p> -<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Author: Carl B. Lorck</p> -<p style='display:block; text-indent:0; margin:1em 0'>Release Date: June 24, 2022 [eBook #68395]</p> -<p style='display:block; text-indent:0; margin:1em 0'>Language: German</p> - <p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em; text-align:left'>Produced by: Peter Becker, Franz L Kuhlmann and the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was produced from images generously made available by The Internet Archive)</p> -<div style='margin-top:2em; margin-bottom:4em'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>HANDBUCH DER GESCHICHTE DER BUCHDRUCKERKUNST</span> ***</div> - -<div class="tnotes pgbreak space-below"> -<p class="h4like">Anmerkungen zur Transkription</p> -<p class="covernote"> -Das Deckblatt wurde vom Einband des Originals übernommen und geht damit -in die "public domain". -</p> -<p> -Offensichtliche typografische und Fehler bei der Zeichensetzung -sind stillschweigend bereinigt. -</p> -<p> -Zum schnelleren Auffinden eines Eintrags in dem umfangreichen Register ist -diesem eine alphabetische Sprungtabelle vorangestellt. -<br /><br /></p> -</div> - -<div class="brd_0000 pgbreak"> - -<p class="center fs160 abst0-o3u1"> -CARL B. LORCK -</p> -<p class="center fs180 abst0-o1u1"> -HANDBUCH DER GESCHICHTE -</p> -<p class="center fs90 abst0-o1u1"> -DER -</p> -<p class="center fs180 abst0-o1u3"> -BUCHDRUCKERKUNST -</p> - -</div> - -<div class="brd_0000 pgbreak abst0-o1u2"> - -<h1> -<span class="fs60"> -HANDBUCH DER GESCHICHTE<br /> -<span class="fs60"> -DER<br /></span></span> -BUCHDRUCKERKUNST -</h1> - -<p class="center fs90 abst0-o1u1"> -VON -</p> -<p class="center fs120 abst0-o1u1"> -CARL B. LORCK. -</p> -<p class="center fs120 abst0-o1u1"> -ERSTER TEIL -</p> -<p class="center fs100 abst0-o1u1"> -ERFINDUNG. VERBREITUNG. BLÜTE. VERFALL. -<br />1450-1750. -</p> - -<div class="center clrboth"> - <img src="images/fiatlux.jpg" - alt="Verlagslogo" /> -</div> - -<p class="center fs120 abst0-o1u1"> -LEIPZIG -</p> -<p class="center fs100 abst0-o1u1"> -VERLAG VON J. J. WEBER -</p> -<p class="center fs80 abst0-o1u4"> -MDCCCLXXXII. -</p> - -</div> - -<div class="chapter"> -<div class="center clrboth pgbreak"> - <img src="images/pg_v_deco.jpg" - alt="Kapitel-Anfang" /> -</div> - -<h2 class="nobreak"> -<em class="kursiv">VORWORT.</em> -</h2> -</div> - -<p class="drop-cap"> -<em class="kursiv">Jeder denkende Mensch, mag er nun als Buchdrucker, -Buchhändler oder Schriftsteller der weltumgestaltenden -Erfindung Gutenbergs näher stehen oder auch nur als -Laie die Segnungen, derselben schätzen gelernt haben, -fühlte gewiss den Trieb, etwas Zusammenhängendes über -die Entstehung, die allmähliche Verbreitung und die -technische Vervollkommnung der Buchdruckerkunst zu -erfahren, und hegte den Wunsch Näheres über das Leben -des Erfinders und seiner bedeutenderen Nachfolger, die -bis auf die Jetztzeit für oder durch diese Kunst wirkten, -zu hören.</em> -</p> - -<p> -<em class="kursiv">Verlangte jedoch ein solcher Wissbegieriger nach einem -leicht verständlichen, übersichtlich geordneten Handbuch -der Geschichte der Buchdruckerkunst, das ihm als Führer -durch die mehr als vierhundert Jahre dienen konnte, in -welchen das von der Presse ausströmende Licht bereits die -Welt erleuchtet, so wird er die Erfahrung gemacht haben, -dass sein Suchen ein vergebliches war.</em> -</p> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_VI' name='Page_VI' href='#Page_VI'>[VI]</a></span> -<em class="kursiv">Wir besitzen gelehrte, höchst wertvolle Prachtwerke -über die vorgutenbergischen Drucke und die Zeit der -Inkunabeln; es existieren hunderte von Parteischriften über -Gutenberg und die ihm gegenübergestellten, zu Erfindern -heraufgeschraubten, mythischen Persönlichkeiten; wir -haben eine Reihe von zumteil erschöpfenden Schilderungen -einzelner berühmter Drucker oder Druckerfamilien; ferner -zahlreiche Jubelschriften, welche von dem Gange der Kunst -in einzelnen Städten erzählen; auch ist kein Mangel an -fachlichen Lehrbüchern oder an Berichten über die verschiedenen -mit der Typographie in Verbindung stehenden -Erfindungen.</em> -</p> - -<p> -<em class="kursiv">Es steht uns somit ein reiches, mitunter fast durch -seine Fülle erdrückendes Material für eine allgemeine -Geschichte der Buchdruckerkunst zu Gebote. An einem -Handbuch jedoch, welches dieses Material in natürliche -Perioden systematisch einzuordnen, nach Ländern und -nach mit einander verwandten Gruppen zu gliedern versuchte, -um in einer einigermassen gleichmässigen Durchführung -jeder Zeit, jedem Lande sein Recht zu gewähren, -ohne dass der Verfasser dabei vergässe, dass er für die -Angehörigen einer bestimmten Nationalität schreibt, fehlt -es noch heute, wie in meiner Jugendzeit, wo ich vergeblich -nach einem solchen Leitfaden auf dem typographisch-geschichtlichen -Gebiet mich umsah und schliesslich darauf -angewiesen war, aus den verschiedenen Quellen die mir -erwünschten Belehrungen selbst zu sammeln.</em> -</p> - -<p> -<em class="kursiv">Somit wurzeln die Anfänge dieses Handbuches in dem -eigenen wirklich und lebhaft gefühlten Bedürfnis nach -einem solchen. In späteren Jahren fing ich an in den -von mir herausgegebenen „Annalen der Typographie“ das -Gesammelte in einer Reihe von Artikeln, die jedoch nur die -<span class='pagenum'><a id='Page_VII' name='Page_VII' href='#Page_VII'>[VII]</a></span> -älteren Perioden der Kunst behandelten, zu veröffentlichen. -Das Vorhaben, diese Artikel bis auf die neueste Zeit zu -vervollständigen und sie dann zu einem Gesamtbild zusammenzufügen, -wurde durch Berufsarbeiten für lange -in den Hintergrund gedrängt, die Arbeit jedoch nach -Zeit und Gelegenheit immer wieder aufgenommen.</em> -</p> - -<p> -<em class="kursiv">So entstand das jetzt vorliegende Buch als ein Ergebnis -längerer Vorarbeiten ohne den bestimmten Entschluss -einer Veröffentlichung. Als jedoch die jetzigen Inhaber -der Verlagshandlung J. J. Weber zu Anfang des Jahres -1880 den Wunsch äusserten, dass eine Veröffentlichung -und zwar in ihrem Verlag stattfinden möchte, bin ich -unter Benutzung der inzwischen erschlossenen, teilweise -wichtigen Quellen ernstlich an eine nochmalige Durcharbeitung -des Manuskripts gegangen.</em> -</p> - -<p> -<em class="kursiv">Bei meinen Verlegern war inzwischen der, ihrerseits -gewiss vollständig berechtigte Wunsch rege geworden, das -Buch in einer „illustrierten Prachtausgabe“ erscheinen zu -lassen, und sie hatten mir bereits zu Ostern 1881 ihre -desfallsigen Ansichten in der Form eines gedruckten Prospektus -für das Publikum unterbreitet.</em> -</p> - -<p> -<em class="kursiv">So viel Verlockendes es auch für jeden haben mag, -sein Buch in ein prächtiges Gewand kleiden zu lassen, so -konnte ich, das ganz bestimmte Ziel vor Augen, ein knappes -und einfaches Handbuch für den praktischen Bedarf, -wie es mir als wünschenswert vorschwebte, zu liefern, -mich doch meinerseits mit dieser Ansicht zu jener Zeit -nicht befreunden. Ich würde mich damit der unvermeidlichen -Gefahr ausgesetzt haben, der Illustration zuliebe -von dem mir vorgezeichneten Weg abgedrängt zu werden.</em> -</p> - -<p> -<em class="kursiv">Obgleich nicht allein der persönlichen Neigung, sondern -auch dem pekuniären Interesse meiner Verleger durch eine -<span class='pagenum'><a id='Page_VIII' name='Page_VIII' href='#Page_VIII'>[VIII]</a></span> -illustrierte Prachtausgabe wohl am besten entsprochen -worden wäre, liessen diese doch bereitwilligst meinem -Standpunkt Gerechtigkeit widerfahren.</em> -</p> - -<p> -<em class="kursiv">Sowohl das über die Entstehung und den Zweck der -vorliegenden Arbeit oben gesagte, als auch mein Lebensberuf -schliessen schon von allem Anfang die Erwartung -aus, als habe man es hier mit einem gelehrten Werk zu -thun, bestimmt, die Ergebnisse tiefer Forschung ans -Tageslicht zu fördern. Weder sollte meine Aufgabe noch -konnte dieselbe eine höhere sein, als meinen Berufsgenossen -oder denjenigen, die sonst Drang nach einer leichteren -Orientierung in dem Gewirr der Geschichte der Buchdruckerkunst -empfinden, nützlich zu sein, indem ich den -Versuch machte, das aufgespeicherte Material nach bestem -Wissen und Gewissen zu sichten, zu ordnen, und indem -ich mich, die geschäftliche Praxis zurhand, bestrebte, einige -von der Gelehrsamkeit im Dunkel gelassene Punkte klar zu -stellen. Was die neue Zeit betrifft, so gab ein Geschäftsleben, -das sich fast über die ganze Periode der neuen -Blüte der Typographie und der verwandten Künste und -Gewerbe seit den dreissiger Jahren erstreckt, wohl auch -manchmal Gelegenheit, das vorhandene Material durch -die eigene Erfahrung zu vervollständigen.</em> -</p> - -<p> -<em class="kursiv">Es konnte nicht in meinem Plan liegen, mit der -Geschichte der Buchdruckerkunst die des Buchhandels zu -verbinden. Beide Berufszweige sind jedoch derart eng mit -einander verknüpft und so viele der auftretenden Persönlichkeiten -wirkten zu gleicher Zeit als Drucker und als -Verleger, dass es nicht zu umgehen war, auch Ausflüge -auf das Gebiet des Buchhandels zu unternehmen. Sehr -nahe lag ebenfalls die Versuchung, die Geschichte der -übrigen graphischen Künste und Gewerbe, welche zur -Herstellung eines Buches mitwirken, ausführlicher zu -<span class='pagenum'><a id='Page_IX' name='Page_IX' href='#Page_IX'>[IX]</a></span> -behandeln. Um jedoch die Übersichtlichkeit nicht zu -stören und den Umfang des Buches nicht gar zu sehr -über die gesteckten mässigen Grenzen hinaus zu vermehren, -war es geboten, dieser Versuchung nur in so weit -nachzugeben, als es zum Verständnis der gestellten Aufgabe -notwendig war.</em> -</p> - -<p> -<em class="kursiv">Die Geschichte der Buchdruckerkunst zerfällt in zwei -natürliche Hauptabschnitte. Der erste, welcher die Erfindung, -Verbreitung, Blüte und den allmählichen Verfall -behandelt, und sich über einen Zeitraum von über -dreihundert Jahren erstreckt, findet seinen Abschluss in -der letzten Hälfte des XVIII. Säculums. Der zweite -Hauptabschnitt führt uns durch die Periode des Wiederaufwachens -der Typographie und deren Schwesterkünste -in die Zeit der zweiten, mittels der enormen technischen -Fortschritte und der neuen Vervielfältigungsarten im -Verein mit der freiheitlichen Entwickelung der Presse -hervorgerufenen Blüte, deren wir uns heute erfreuen.</em> -</p> - -<p> -<em class="kursiv">Jeder dieser beiden Hauptteile, die sich wieder in -mehrere Abteilungen verzweigen, ist in seinem Wesen so -eigenartig und verlangt eine so verschiedene Art der Darstellung, -dass auch eine äusserliche Trennung in zwei -vollständig abgeschlossene Hälften geboten schien.</em> -</p> - -<p> -<em class="kursiv">Zur Beurteilung der Grundsätze für die Behandlung -der verschiedenen Abschnitte verweise ich auf die, jedem der -Bücher vorangeschickte „Einführung“, in welcher ich mich -sowohl über den jedesmal leitenden Gesichtspunkt als auch -über die jedesmaligen Quellen und deren Benutzung ausgesprochen -habe. Dass mir nur sehr wenige der letzteren -unbekannt geblieben sind, habe ich vor allem der Fachbibliothek -des Börsen-Vereins der deutschen Buchhändler, -<span class='pagenum'><a id='Page_X' name='Page_X' href='#Page_X'>[X]</a></span> -der Liberalität des Vorstandes derselben und der unermüdlichen -Gefälligkeit der Bibliothek-Verwaltung zu -verdanken.</em> -</p> - -<p> -<em class="kursiv">Dass trotz aller angewendeten Sorgfalt noch Vieles -für die mir Nachfolgenden (denen ich jedoch das Arbeiten -in mancher Beziehung leichter gemacht haben dürfte, als -es mir geworden ist) zu thun übrig geblieben, und dass -selbst die grösste Mühe und der redlichste Wille, etwas -Brauchbares zu liefern, fehlende Eigenschaften nicht -immer ersetzen können, fühlt vielleicht niemand mehr als -der unterzeichnete</em> -</p> - -<div class="ralign"> -<p> -<em class="kursiv fs120">Carl B. Lorck.</em> -</p> -</div> - -<div class="center clrboth"> - <img src="images/pg_x_deco.jpg" - alt="Kapitel-Ende" /> -</div> - -<div class="brd_0000 pgbreak abst0-o1u2"> - -<p class="center fs160 abst0-o3u1"> -GESCHICHTE -</p> - -<p class="center fs90 abst0-o1u1"> -DER -</p> - -<p class="center fs180 abst0-o1u2"> -BUCHDRUCKERKUNST -</p> - -<p class="center fs120 abst0-o1u3"> -1450—1750. -</p> - -</div> - -<div class="chapter"> -<div class="center pgbreak clrboth"> - <img src="images/pg_xiii_deco.jpg" - alt="Kapitel-Anfang" /> -</div> - -<h2 class="nobreak"> -INHALTS-VERZEICHNIS. -</h2> -</div> - -<p class="center fs120"> -<a id="toc_01" href="#h_21">ERSTES BUCH.</a> -</p> -<p class="center fs100"> -ERFINDUNG UND VERBREITUNG DER BUCHDRUCKERKUNST -<br />1450—1500. -</p> - -<div class="center"> -<table width="94%" summary="Toc_I"> - <tr> - <td> </td> - <td class="w4em c fs90">Seite</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2">EINFÜHRUNG IN <a id="toc_10" href="#h2_10">DAS ERSTE BUCH</a> (3-10).</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"><a id="toc_11" href="#h2_11">I. KAPITEL.</a></td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2">ZUR VORGESCHICHTE DER BUCHDRUCKERKUNST.</td> - </tr> - <tr> - <td class="blk">Älteste Spuren der Vervielfältigung. Die Manuskripte. Der Metall- und Holzschnitt. Die Kunstschulen. Die xylographischen Werke. Die Vorbedingungen für die Erfindung der Buchdruckerkunst.</td> - <td class="c vb fs90">11-22</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"><a id="toc_12" href="#h2_12">II. KAPITEL.</a></td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2">DIE ERFINDUNG.</td> - </tr> - <tr> - <td class="blk">Johannes Gutenberg. Herkunft. Aufenthalt in Strassburg. Gutenberg in Mainz. Verbindung mit Johann Fust. Peter Schöffer. Gutenbergs Unglück. Sein Tod. Sein Andenken.</td> - <td class="c vb fs90">23-36</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"><a id="toc_13" href="#h2_13">III. KAPITEL.</a></td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2">DIE VERBREITUNG DER BUCHDRUCKERKUNST IN DEUTSCHLAND.</td> - </tr> - <tr> - <td class="blk">Schnelle Verbreitung der Kunst. Die Nachfolger Gutenbergs in Mainz. Peter Schöffer und seine Nachkommen. Ulm. Beromünster. Basel. Bamberg. Albrecht Pfister. Augsburg. Nürnberg. Wien. Der Norden: Köln, Münster, Magdeburg, Leipzig.</td> - <td class="c vb fs90">37-54</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"><a id="toc_14" href="#h2_14">IV. KAPITEL.</a> -<span class='pagenum'><a id='Page_XIV' name='Page_XIV' href='#Page_XIV'>[XIV]</a></span> - </td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2">DIE VERBREITUNG DER BUCHDRUCKERKUNST IM AUSLANDE.</td> - </tr> - <tr> - <td class="blk"><span class='smcap'>Italien</span>: Subiaco und Rom. Venedig. Foligno. Mailand. Florenz. <span class='smcap'>Spanien und Portugal.</span> <span class='smcap'>Frankreich</span>: Paris. Lyon. <span class='smcap'>Die Niederlande</span>: Die <em class="kursiv">Histoires</em>. Colard Mansion. <span class='smcap'>England</span>: William Caxton. <span class='smcap'>Skandinavien</span>: Dänemark. Schweden. <span class='smcap'>Die slawischen Länder.</span> <span class='smcap'>Ungarn.</span> <span class='smcap'>Die Türkei.</span></td> - <td class="c vb fs90">55-76</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"><a id="toc_15" href="#h2_15">V. KAPITEL.</a></td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2">DIE TECHNIK DER BUCHDRUCKERKUNST UND DIE LITTERARISCHE PRODUKTION.</td> - </tr> - <tr> - <td class="blk"><span class='smcap'>Die Technik</span>: Schriftgiesserei. Satz. Druck. Korrektur. Die Pressen. Die Farbe. Die Ausschmückung der Bücher. Das Pergament und das Papier. Die Buchbinderkunst. <span class='smcap'>Die Litterarische Produktion</span>: Der Buchhandel. Die Zensur.</td> - <td class="c vb fs90">77-96</td> - </tr> -</table> -</div> - -<p class="center fs120"> -<a id="toc_02" href="#h_22">ZWEITES BUCH.</a> -</p> -<p class="center fs100"> -GLANZPERIODE UND VERFALL DER BUCHDRUCKERKUNST -<br />1500—1750. -</p> - -<div class="center"> -<table width="94%" summary="Toc_II"> - <tr> - <td> </td> - <td class="w4em c fs90">Seite</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2">EINFÜHRUNG IN <a id="toc_20" href="#h2_20">DAS ZWEITE BUCH</a> (98-104).</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"><a id="toc_21" href="#h2_21">VI. KAPITEL.</a></td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2">DIE ILLUSTRIERENDE KUNST IN DEUTSCHLAND.</td> - </tr> - <tr> - <td class="blk">Die deutschen Malerschulen. Der Kupferstich und der Holzschnitt. Michel Wolgemut. Albrecht Dürer, seine Zeitgenossen und Nachfolger: Hans Burgkmair, Hans Schaeuffelein, die „Kleinmeister“. Hans Holbein d. j. Lucas Cranach d. ä. Die Schweizer und Elsasser Künstler. Über die „eigenhändigen“ Holzschnitte der Zeichner.</td> - <td class="c vb fs90">105-126</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"><a id="toc_22" href="#h2_22">VII. KAPITEL.</a></td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2">DIE TYPOGRAPHIE IN DEUTSCHLAND UND IN DEN SKANDINAVISCHEN LÄNDERN.</td> - </tr> - <tr> - <td class="blk"><span class='smcap'>Nürnberg</span>: Der Theuerdank. Die deutschen Schriften. <span class='smcap'>Augsburg</span>: Hans Schönsperger d. ä. <span class='smcap'>Frankfurt am Main</span>: Chr. Egenolff, Sigism. Feyerabend, die Merians. <span class='smcap'>Mainz</span>: Die Nachfolger Schöffers. <span class='smcap'>Tübingen</span>: Der slawische Druck. Cotta. <span class='smcap'>Strassburg</span>: Illustrierter Druck. <span class='smcap'>Basel</span>: Joh. Froben, die Familie Petri, Joh. Oporinus. <span class='smcap'>Zürich</span>: Chr. Froschauer. <span class='smcap'>St. Gallen</span>: Leon. Straub. <span class='smcap'>Wien</span>: Johan Sigriener, Hans Kohl, Joh. v. Gehlen. <span class='smcap'>Leipzig</span>: Melch. Lotter, Valentin Bapst. Gute und schwere Zeiten. <span class='smcap'>Wittenberg.</span> <span class='smcap'>Der Norden.</span> <span class='smcap'>Berlin.</span></td> - <td></td> - </tr> - <tr> - <td class="blk">DIE SKANDINAVISCHEN LÄNDER. <span class='smcap'>Dänemark</span>, <span class='smcap'>Norwegen</span> und <span class='smcap'>Island</span>, <span class='smcap'>Schweden</span> und <span class='smcap'>Finnland</span>.</td> - <td class="c vb fs90">127-158 -<span class='pagenum'><a id='Page_XV' name='Page_XV' href='#Page_XV'>[XV]</a></span> - </td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"><a id="toc_23" href="#h2_23">VIII. KAPITEL.</a></td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2">DER DRUCKBETRIEB UND DAS BUCHGEWERBE IN DEUTSCHLAND.</td> - </tr> - <tr> - <td class="blk"><span class='smcap'>Die Schriftgiesserei</span> und die Druckschriften. <span class='smcap'>Die Technik</span> des Setzens und Druckens: Der Satzapparat, die Korrektur, die Presse, die Farbe. Prinzipal, Geselle und Lehrling. <span class='smcap'>Die Buchbinderkunst.</span> <span class='smcap'>Der Buchhandel</span>: Die litterarische Produktion, das Verhältnis zwischen Autor und Verleger.</td> - <td class="c vb fs90">159-174</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"><a id="toc_24" href="#h2_24">IX. KAPITEL.</a></td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2">ITALIEN, SPANIEN, PORTUGAL UND DAS SÜDLICHE AMERIKA.</td> - </tr> - <tr> - <td class="blk"><span class='smcap'>Venedig.</span> Die Familie Aldus: Aldus Pius Manutius, Paul Manutius, Aldus <span class='smcap'>ii.</span> Dan. Bomberg. Mechitar. <span class='smcap'>Rom</span>: Die Buchdruckerei der „Propaganda“. <span class='smcap'>Genua.</span> <span class='smcap'>Florenz</span>: Die Giunta. <span class='smcap'>Padua.</span> <span class='smcap'>Die Xylographie</span>: Ces. Vecellius, der <em class="kursiv">Clair-obscur</em>-Druck. Ugo da Carpi, Graf Ant. Zanetti, John Jackson.</td> - <td></td> - </tr> - <tr> - <td class="blk"><span class='smcap'>Spanien und Portugal.</span> Brocario und die complutinsche Polyglotte. <span class='smcap'>Madrid.</span> Ant. Bortazar. — <span class='smcap'>Mexico.</span> Joh. Kromberger, Juan Pablos. <span class='smcap'>Lima.</span> <span class='smcap'>Peru.</span> <span class='smcap'>St. Domingo</span> u. a.</td> - <td class="c vb fs90">175-192</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"><a id="toc_25" href="#h2_25">X. KAPITEL.</a></td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2">FRANKREICH.</td> - </tr> - <tr> - <td class="blk">Die Lage des Buchdruckers. Der Staat und die Presse. Die Xylographie, die <em class="kursiv">livres d'heures</em>. Anton Verard. Geofroy Tory. Jodocus Badius. Conrad Néobar. Berühmte Druckerfamilien. Die Stephane: Heinrich <span class='smcap'>i.</span>, Robert <span class='smcap'>i.</span>, Heinrich <span class='smcap'>ii.</span>, Ende der Familie. Die Gründung der königlichen Buchdruckerei. Ant. Vitré. Savary de Brèves. <span class='smcap'>Lyon</span>: Seb. Gryphius, Jean de Tournes, Steph. Dolet. Die Schriftgiesserei. Die Buchbinderkunst.</td> - <td class="c vb fs90">193-216</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"><a id="toc_26" href="#h2_26">XI. KAPITEL.</a></td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2">DIE NIEDERLANDE.</td> - </tr> - <tr> - <td class="blk">Die Illustration. Christoph Plantin, seine Nachkommen, das Plantinsche Museum. Die Familie Blaeu. Die Elzeviere: Ludwig <span class='smcap'>i.</span>, Matthias und Bonaventura, Isaack, Bonaventura und Abraham <span class='smcap'>i.</span> Johann und Daniel. Ludwig und Daniel, das Ende des Hauses. Die Nachahmer der Elzeviere. Die Familie Enschedé und die Schriftgiesserei.</td> - <td class="c vb">217-254</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"><a id="toc_27" href="#h2_27">XII. KAPITEL.</a> -<span class='pagenum'><a id='Page_XVI' name='Page_XVI' href='#Page_XVI'>[XVI]</a></span> - </td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2">ENGLAND. NORDAMERIKA.</td> - </tr> - <tr> - <td class="blk">Das allmähliche Wachstum der englischen Presse. Wynkyn de Worde, Richard Pynson, Reynold Wolfe, John Day, Th. Vautrollier, Th. Roycrofft, Sam. Palmer, Sam. Richardson. <span class='smcap'>Oxford</span>, <span class='smcap'>Cambridge</span>. Die schottische und die irische Presse. Die Stereotypie und Will. Ged. Das Zeitungswesen. Die Schriftgiesserei.</td> - <td></td> - </tr> - <tr> - <td class="blk">NORDAMERIKA. Kleine Anfänge der Presse. John Glover, James Franklin, Benjamin Franklin. Die deutschen Einwanderer und ihre Presse. Christoph Sauer und seine Nachkommen.</td> - <td class="c vb fs90">255-276</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"><a id="toc_28" href="#h2_28">XIII. KAPITEL.</a></td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2">DIE SLAWISCHEN LÄNDER. DIE TÜRKEI. DIE OSTASIATISCHEN LÄNDER.</td> - </tr> - <tr> - <td class="blk"><span class='smcap'>Polen.</span> <span class='smcap'>Russland</span>: Moskau, St. Petersburg. <span class='smcap'>Die Türkei</span>: Konstantinopel, Ibrahim und Said Efendi. Syrien. <span class='smcap'>Das östliche Asien</span>, China, das chinesische Tafeldruckverfahren und die Papierfabrikation. Europäischer Druck in Asien. Afrika.</td> - <td class="c vb fs90">277-288</td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"><a id="toc_29" href="#h2_29">Register.</a></td> - </tr> - <tr> - <td><a id="toc_31" href="#h2_31">A. Namen- und Sachregister</a></td> - <td class="c vb fs90">289-300</td> - </tr> - <tr> - <td><a id="toc_32" href="#h2_32">B. Nachweis der angeführten Quellenschriften</a></td> - <td class="c vb fs90">301-304</td> - </tr> -</table> -</div> - -<div class="center clrboth"> - <img src="images/pg_xvi_deco.jpg" - alt="Kapitel-Ende" /> -</div> - -<div id="h_21" class="brd_0000 pgbreak abst0-o1u2"> -<span class="seitnum">[<a href="#toc_01">←</a>]</span> - -<p class="center fs160 abst0-o3u1"> -ERSTES BUCH. -</p> - -<div class="center clrboth"> - <img src="images/pg_1_deco.jpg" - alt="Verzierung" /> -</div> - -<p class="center fs120 abst0-o2u1"> -ERFINDUNG UND VERBREITUNG -</p> -<p class="center fs90 abst0-o1u1"> -DER -</p> -<p class="center fs120 abst0-o1u2"> -BUCHDRUCKERKUNST -</p> -<p class="center fs140 abst0-o1u3"> -1450—1500. -</p> - -</div> - -<div class="chapter"> -<div class="center clrboth pgbreak"> - <img src="images/pg_3_deco.jpg" - alt="Kapitel-Anfang" /> -</div> - -<h2 class="nobreak" id="h2_10"> -EINFÜHRUNG IN DAS ERSTE BUCH. -<span class="seitnum">[<a href="#toc_10">←</a>]</span> -</h2> -</div> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em">Das Dunkel der<br />Erfindung.</div> - -<p class="hide_x_"> -<img src="images/pg_3_cap.jpg" alt="M" width="50" class="cap0" /> -<span class="hide">M</span>IT Dunkelheit und Vorurteilen ist die Geschichte derjenigen Kunst -umhüllt, welche geschaffen war, Licht über die Wissenschaften zu -verbreiten, sie zu erhalten und fortzupflanzen — so klagte schon -der berühmte Johann Gottlieb Immanuel Breitkopf in seinem leider nur -Bruchstück gebliebenen Werk über die Geschichte der Buchdruckerkunst. -</p> - -<p> -Hundertmal wurde diese Klage seit Breitkopf wiederholt, teils -mit Recht, teils mit Unrecht. Allerdings sind manche Punkte der -Erfindungsgeschichte noch heute in ein Dunkel gehüllt, das kaum je -gelichtet werden wird, wenn nicht ein absonderlicher Glücksfall ein -typographisches Pompeji oder Olympia aus irgend einem verschütteten -Keller an das Tageslicht fördern sollte; jedoch mit solchen -Glücksfällen kann selbstverständlich nicht gerechnet werden und nicht -jeder, der nach Funden gräbt, ist im Finden ein Schliemann. -</p> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_4' name='Page_4' href='#Page_4'>[4]</a></span> -In manchen Punkten jedoch hat das Licht der wissenschaftlichen Kritik -die, durch unpraktische Gelehrsamkeit, missverstandenen Patriotismus, -Mangel an technischen Kenntnissen bei den Schriftstellern, kritiklose -Kompilation oder Köhlerglauben an zweideutige Zeugnisse noch mehr -verdichteten Wolken endlich durchbrochen. -</p> - -<div class="sidenote">Was ist Typo-<br />graphie?</div> - -<p> -Was mehr als alles Andere zu dem langen Zustande der Unsicherheit -beigetragen hat, in welchem sich die Geschichte der Erfindung der -Buchdruckerkunst befand, ist, dass man nicht im voraus einig gewesen, -was man eigentlich unter Buchdruckerkunst — <span class='smcap'>Typographie</span> — zu -verstehen hatte. Wie leicht wäre bei genügender Klarheit hierüber -mancher Streit zu verhindern gewesen! Die Kunst des „Druckens“ bestand, -selbst in Deutschland, lange vor Gutenberg, ja die Chinesen übten, wenn -man sich auch nur an das streng historisch Beglaubigte hält, einen -umfangreichen „Bücherdruck“ wenigstens 500 Jahre vor Gutenberg. Ist -trotzdem auch nur ein Wort darüber zu verlieren, dass die Chinesen -nicht die „Typographie“ erfunden haben? Cicero spricht, so klar wie -man es verlangen kann, das Prinzip des Setzens aus. Ist deshalb der -gelehrte Römer ein Gutenberg gewesen? Zugegeben selbst, dass in Haarlem -ein ehrlicher Küster oder Lichtzieher, zugleich ein guter Grossvater, -als Spielzeug für seine Enkel Buchstaben in Baumrinde geschnitten hat; -ja, noch viel weiter gegangen und angenommen, er hätte in dieser Weise -sogar ein Büchlein fertig gebracht, konnte man diesen Mann als den -Prototypographen bezeichnen? Gewiss nicht, wenn wir die unerlässlichen -Bedingungen vor Augen haben, welche das Wesen der „Typographie“ bilden. -Mit diesem Namen kann man nur diejenige Kunst bezeichnen: -</p> - -<p class="zitat"> -den niedergeschriebenen Gedanken, mittels „mechanisch durch -Guss vervielfältigter“ Typen (also beweglicher Metalltypen) gesetzt, -wiederzugeben und diesen Satz nach dessen Einreibung mit Druckfarbe -„mechanisch“ durch die „Druckerpresse“ in einer beliebigen Anzahl -vollständig gleicher Abdrücke herzustellen. -</p> - -<p> -Mit anderen Worten: die Erfindung der Buchdruckerkunst schliesst die -Erfindung der Schriftgiesserei, des Setzens, des Pressendruckes, der -Farbenbereitung in sich ein. Als Bestandteile gehören zu ihr: die -Stempel, die Matern, die Metalltypen, die mechanische Presse nebst den -verschiedenen Utensilien, die Farbe. -</p> - -<p> -Die Erfindung einzelner, zu dieser Gesamtheit gehörender Teile macht -nicht die Erfindung der Buchdruckerkunst aus. Würde man Gutenberg zwar -die Presse, die Farbe und die in Holz geschnitzten Buchstaben lassen, -jedoch die Erfindung der Schriftgiesserei auf <span class='pagenum'><a id='Page_5' name='Page_5' href='#Page_5'>[5]</a></span> -Schöffer übertragen, so -wäre Gutenberg nicht der Erfinder derjenigen Kunst gewesen, welcher -die ganze zivilisierte Welt bereits auf vier Säkularfeiern als ihrer -grössten Wohlthäterin, als der Verbreiterin des Lichtes, als der -Befreierin von allen geistigen Fesseln gehuldigt hat, derjenigen Kunst, -welche die Grossmacht der Presse geschaffen hat. -</p> - -<div class="sidenote">Gutenberg allei-<br />niger Erfinder.</div> - -<p> -Jedoch, es steht unzweifelhaft fest, die Erfindung gehört in -ihrem vollen Umfange Gutenberg „und ihm allein“. Dies hat die -wissenschaftliche Kritik, welche in neuerer Zeit eine, blosses Material -anhäufende Gelehrsamkeit ablöste, unwiderruflich festgestellt. Über -diesen Punkt muss man endlich die Akten als geschlossen betrachten, wie -dies auch in den folgenden Blättern geschieht. -</p> - -<p> -Ob die 36zeilige Bibel vor der 42zeiligen gedruckt wurde, ob Caxton -1476 oder 1477 die Kunst nach London brachte, ob in Köln die <em class="kursiv">Fratres -vitæ communis</em> zuerst gedruckt haben und dergleichen Einzelnheiten -werden die Federn der Gelehrten noch lange in Bewegung setzen und die -Entscheidung ist gewiss von dem höchsten Interesse. Es kann jedoch -nicht der Zweck dieses Handbuches sein, das Für und Wider solcher -Fragen breit zu erörtern, ohne doch ein bestimmtes Resultat ziehen -zu können. Selbst eine, vielleicht zu zuversichtliche Annahme eines -zweifelhaften Datums oder Faktums ist in einem Handbuch manchmal -weniger nachteilig, als eine Verwirrung des Urteils durch die sich -fortwährend wiederholende Erhebung von Zweifeln. -</p> - -<div class="sidenote">Die Litteratur<br />der Erfindung.</div> - -<p> -Von den Werken, welche im allgemeinen die Vorgeschichte der Erfindung, -diese selbst und die früheste Periode der Kunst behandeln, erwähnen wir -folgende, welche, namentlich so weit sie die älteren xylographischen -und typographischen Druckerzeugnisse in Reproduktionen vorführen, -mutmasslich eine grössere Anzahl von Lesern interessieren werden. -</p> - -<div class="sidenote">K. Falkenstein.</div> - -<p> -Wenn wir die Jubelschrift des Oberbibliothekars Dr. <span class='smcap'>Karl Falkenstein</span>: -„Geschichte der Buchdruckerkunst in ihrer Entstehung und Ausbildung“, -mit vielen Illustrationen (Leipzig 1840), obenan stellen, so geschieht -es, weil dies Werk sehr vieles dazu beigetragen hat, die Lust an der -Geschichte der Typographie zu wecken und zu nähren, zugleich, weil es -das einzige ist, welches den Anlauf nimmt, die Geschichte bis auf die -damals neueste Zeit, 1840, <span class='pagenum'><a id='Page_6' name='Page_6' href='#Page_6'>[6]</a></span> -fortzuführen. Der Zweck eines Handbuches -für den täglichen Gebrauch konnte und wollte das Buch jedoch nicht -erfüllen, welches als Jubelschrift zur Verherrlichung der Erfindung -und des Erfinders das Hauptgewicht auf die Vorgeschichte und die -Erfindung selbst, sowie auf die Bekämpfung der Gegner Gutenbergs legen -musste. Auch konnte es nicht anders sein, als dass die Behandlung vom -gewerblich-technischen Standpunkt aus gegen die bibliographische Arbeit -zurücktreten musste, was ja vollständig aus dem Berufe des berühmten -Bibliothekars, aus dessen Feder das Buch stammt, sich erklärt. Dies -macht sich namentlich in Betreff der Ausführung sowohl der Periode des -nachmaligen Aufblühens der Kunst seit der Mitte des <span class='smcap'>xviii.</span> Jahrhunderts -als auch der neuesten, den ganzen technischen Betrieb umgestaltenden -Zeit geltend. Seit dem Erscheinen des Werkes, das schon lange im -Buchhandel fehlt, sind ausserdem mehr als 40 Jahre verflossen, die -nicht nur manches Bedeutende in der Kunst zutage gefördert haben, -sondern auch über die Vergangenheit derselben in vielen Beziehungen -ein helleres Licht verbreiteten. Es werden dem Werke viele fehlerhafte -Angaben vorgeworfen; solche waren wohl kaum zu vermeiden, und darf -dieser Umstand denjenigen, der den Versuch macht ein Kompendium der -Geschichte der Buchdruckerkunst zu liefern, der Pflicht nicht entheben, -dankbar anzuerkennen, dass diese Aufgabe ohne die Anhaltspunkte, welche -das Falkensteinsche Buch gewährt, eine weit mühsamere gewesen sein -würde. -</p> - -<div class="sidenote">T. O. Weigel.<br />Ad. Zestermann.</div> - -<p> -Ein sehr bedeutendes Werk ist <span class='smcap'>T. O. Weigels</span> und <span class='smcap'>Ad. Zestermanns</span>: -„Die Anfänge der Druckerkunst in Bild und Schrift an deren frühesten -Erzeugnissen in der Weigelschen Sammlung erläutert. Mit 125 Facsimiles -und vielen in den Text gedruckten Holzschnitten“. 2 Bde. fol. (Leipzig -1866). Die Verfasser stellen sich ganz entschieden auf die Seite -Gutenbergs: „Es gelang mir nicht“, sagt Weigel, „für Hollands Ansprüche -auch nur ein einziges Dokument vor 1460 zu entdecken“. Das Werk, in -den Brockhausschen Druck- und Kunstanstalten ausgeführt, ist zugleich, -indem es die alte Kunst uns vor Augen führt, ein würdiges Denkmal der -neueren graphischen Kunst Deutschlands. -</p> - -<div class="sidenote">A. v. d. Linde</div> - -<p> -Ein merkwürdiges, eine ganze Gutenberg-Bibliothek ersetzendes Werk -ist: „Gutenberg, Geschichte und Dichtung, aus den Quellen nachgewiesen -von <span class='smcap'>A. van der Linde</span>“<span class='pagenum'><a id='Page_7' name='Page_7' href='#Page_7'>[7]</a></span> -(Stuttgart 1878). Der Verfasser musste, nachdem -er die Koster-Legenden der Holländer in mehreren Streitschriften -auf das grausamste der Lächerlichkeit preisgegeben hatte, Holland -verlassen und lebt als kgl. Bibliothekar in Wiesbaden. Die erste -Abteilung des Werkes giebt die Geschichte der Erfindung, wie wir -sie nun endlich als feststehend betrachten müssen, wenn nicht ein -vollständig neues Material geboten werden sollte, denn mit dem alten -kommt man dem Ziele nicht näher. Die zweite Abteilung erzählt die -verschiedenen Erfindungs-Märchen und berichtet auf nicht weniger als -500 enggedruckten Seiten über die Fälschungen und Irrtümer. Zahlreiche -Urkunden machen den Beschluss. Der Verfasser bietet mit seinem Buche -keine leichte Lektüre und erschwert sie den meisten ausserdem durch -die ungewohnte Schreibweise und die unzähligen Einschaltungen und -Erläuterungen. -</p> - -<p> -Leider schlägt der gekränkte und hart behandelte Verfasser einen -gehässigen und einem streng wissenschaftlichen Werk nicht ganz -angemessenen Ton an, der eher seiner guten Sache schadet als sie -fördert. Das Wahre bleibt jedoch wahr und es mag sein, dass es, Gegnern -gegenüber, die recht wohl sehen und hören können, aber nicht wollen, -unmöglich ist, sich nicht von der Leidenschaft hinreissen zu lassen. -Die von anderen Seiten dem Peter Schöffer auf Kosten Gutenbergs -gewordene Bevorzugung hat möglicherweise van der Linde in seiner -scharfen Kritik gegen Schöffer viel zu weit geführt. -</p> - -<p> -Von den bereits noch vor Falkensteins Jubelschrift erschienenen Werken, -die namentlich dazu beigetragen haben Gutenbergs Namen hoch zu halten -und seine Erfinderehre den holländischen Ansprüchen gegenüber zu -wahren, sind zu nennen: -</p> - -<div class="sidenote">C. A. Schaab.<br />J. Wetter.</div> - -<p> -„Die Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst durch Johann -Gensfleisch genannt Gutenberg“, von <span class='smcap'>C. A. Schaab</span>. 3 Bde. (Mainz -1830-1831). -</p> - -<p> -„Kritische Geschichte der Erfindung der Buchdruckerkunst durch Johann -Gutenberg zu Mainz“, von <span class='smcap'>J. Wetter</span>. Mit einem Atlas (Mainz 1836). -</p> - -<div class="sidenote">J. G. I. Breitkopf.</div> - -<p> -<span class='smcap'>J. G. I. Breitkopf</span>, der mehr, als irgend jemand, die Befähigung hatte, -eine Geschichte der Buchdruckerkunst zu schreiben, hat uns <span class='pagenum'><a id='Page_8' name='Page_8' href='#Page_8'>[8]</a></span> -leider nur -einzelne wenn auch wertvolle Bruchstücke hinterlassen. -</p> - -<div class="sidenote">G. W. Ottley.<br />S. Sotheby.</div> - -<p> -Im Gegensatz zu Weigel treten zwei englische Autoren <span class='smcap'>Ottley</span> und <span class='smcap'>Sotheby</span> -entschieden für die holländischen Ansprüche in die Schranken und lassen -Gutenberg wenig von seinem Ruhm. Interessant sind beide Werke durch die -grosse Zahl von Nachbildungen. Der Titel von Ottleys Werk lautet: -</p> - -<p> -„<em class="kursiv">An inquiry concerning the Invention of printing by the late William -Young Ottley, with an introduction by J. Ph. Berjeau. Illustrated with -37 plates and numerous wood engravings</em>“ (London 1863). Herr Ottley -findet es sehr natürlich, dass Fust dem Gutenberg den Stuhl vor die -Thüre gesetzt, nachdem letzterer sich unfähig bewiesen hatte, seine -Aufgabe zu lösen: „Er war ein schlauköpfiger Schwindler, geschickt -genug, die Arbeit anderer zu benutzen, aber nicht befähigt eigene Ideen -zu erzeugen und durchzuführen, ein Mann ohne mechanisches Geschick und -ohne Erfindungsgabe“. So urteilt Ottley über Gutenberg. -</p> - -<p> -Herr Samuel Sotheby ist zwar kein Verehrer von Gutenberg, lässt -sich jedoch nicht auf eine so gehässige Polemik wie Ottley ein. Das -Endergebnis seiner Untersuchungen ist, dass die Kunst mit beweglichen -Typen zu drucken in den Niederlanden bereits 1454 geübt wurde. Das von -seinem Sohne Samuel Ligh Sotheby herausgegebene Werk ist betitelt: -</p> - -<p> -„<em class="kursiv">Principia typographica. The block-books or xylographic delineations -of Scripture history, issued in Holland, Flanders and Germany, during -the XV Century. Exemplified and considered in connection with the -origin of printing</em>“ (London 1858). -</p> - -<div class="sidenote">J. W. Holtrop.</div> - -<p> -Hieran schliessen sich: <span class='smcap'>J. W. Holtrop</span>, „<em class="kursiv">Monuments typographiques des -Pays-Bas au XV Siècle</em>“ (Haag 1851-1868). -</p> - -<div class="sidenote">W. A. Chatto.<br />J. Jackson.</div> - -<p> -Ein lehrreiches und verdienstliches Buch ist: „<em class="kursiv">A treatise on wood -engraving historical and practical by Jackson and W. A. Chatto. 2. -Ed.</em>“ (London 1861). <span class='smcap'>Chatto</span> lieferte den Text; <span class='smcap'>J. Jackson</span> gegen 300 -vortreffliche xylographische Nachbildungen, wenn auch zum grossen Teil -in verkleinertem Formate. -</p> - -<div class="sidenote">T. F. Dibdin.</div> - -<p> -Namentlich durch ihre vorzüglichen Abbildungen instruktiv sind -die Werke <span class='smcap'>Thomas Frognall Dibdins</span>, des berühmten Bibliomanen und -Bibliothekars des Lord Spencer auf Althorp. Sein <span class='pagenum'><a id='Page_9' name='Page_9' href='#Page_9'>[9]</a></span> -Hauptwerk: „<em class="kursiv">The -bibliographical Decameron or ten days' pleasant discourse upon -illuminated Manuscripts and Subjects connected with early Engraving, -Typography and Bibliography</em>“ (London 1817) strotzt von prachtvollen -Stichen und Holzschnitten, die in vandalischer Weise zerstört wurden, -um das Buch selten zu erhalten. Der Text ist schwatzhaft; die Noten, -welche neun Zehnteile des grossen dreibändigen Werkes bilden, strömen -von Gelehrsamkeit und Belesenheit über, sind aber schwer geniessbar. -</p> - -<div class="sidenote">H. N. Hum-<br />phreys.</div> - -<p> -Unter den populären Werken, welche Nachbildungen bringen, sind -erwähnenswert: <span class='smcap'>H. N. Humphreys'</span> „<em class="kursiv">The illuminated books of the middle -age</em>“ (London 1844) und desselben Verfassers: „<em class="kursiv">History of the art -of printing</em>“ (London 1867), eine anspruchslose klare und fassliche -Darstellung der Verbreitung der Kunst. Die 100, teils schwarzen, teils -farbigen, Reproductionen haben zwar den Vorzug, dass sie meist in den -Originalgrössen aufgenommen sind, die Photolithographie lässt jedoch -an Klarheit zu wünschen übrig. Eine dritte Sammlung von Humphreys ist: -„<em class="kursiv">Masterpieces of the early printers and engravers</em>“ (London 1869). -</p> - -<div class="sidenote">L. de Vinne.</div> - -<p> -In dem Verfasser des Werkes: „<em class="kursiv">The invention of printing</em>“ <span class='smcap'>L. De -Vinne</span>. Mit vielen Abbildungen (New-York 1876) haben wir es nicht -mit einem Gelehrten, jedoch mit einem tüchtigen Praktiker, zugleich -durchgebildeten Manne zu thun. Sein Buch ist klar und verständlich -geschrieben, namentlich sind seine technischen Exkurse sehr -lehrreich und anziehend. Beigegeben ist eine grosse Zahl besonders -gut ausgeführter, wenn auch in den meisten Fällen reduzierter -Illustrationen. Herr de Vinne ist ein enthusiastischer Verteidiger -Gutenbergs, demzufolge auch leicht geneigt, ein zu strenges Urteil über -die Thätigkeit Schöffers zu fällen, dem, wie schon gesagt, v. d. Linde -ganz beistimmt. -</p> - -<div class="sidenote">A. Bernard.</div> - -<p> -Von französischen Werken seien erwähnt: <span class='smcap'>A. Bernards</span> „<em class="kursiv">De l'origine et -des débuts de l'imprimerie en Europe</em>“ (Paris 1853). -</p> - -<div class="sidenote">A. F. Didot.</div> - -<p> -Ein Werk, das in kleinem Umfang einen Schatz des Wissenswerten birgt, -ist <span class='smcap'>Ambroise Firmin Didots</span> „<em class="kursiv">Essai typographique et bibliographique -sur l'histoire de la gravure sur bois</em>“ (Paris 1853). Der berühmte -Buchdrucker, Buchhändler, Gelehrte und Sammler (gestorben 1876) -verband mit der grössten Vertrautheit der deutschen Verhältnisse eine -vollkommene Unparteilichkeit. -</p> - -<div class="sidenote">J. P. A. Madden.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_10' name='Page_10' href='#Page_10'>[10]</a></span> -In neuester Zeit erregten in der typographischen Welt ein nicht -gewöhnliches Aufsehen <span class='smcap'>J. P. A. Maddens</span>, „<em class="kursiv">Lettres d'un Bibliographe</em>“. -5 Bde. (Paris, 1868-1878). Zahlreiche Abhandlungen in Briefform, -welche eine Menge von Fragen in Bezug auf die Erfindungs- und die -Inkunabelnzeit behandeln, bilden den Inhalt. Ein Hauptzweck des -Verfassers ist die Führung des Beweises, dass die <em class="kursiv">Fratres vitæ -communis</em> in ihrem Kloster am Weidenbach bei Köln eine grosse -Druckanstalt gehabt haben, aus welcher eine Anzahl der ältesten -bedeutenden Typographen als Ulrich Zell, Nik. Jenson, Collard -Mansion, Will. Caxton, Mentelin u. a. hervorgegangen sind. Von seiner -seltenen Kombinationsgabe und seinem ungemeinen Scharfsinne sowohl im -Aufstellen der eigenen Wahrscheinlichkeitsbeweise als im Entdecken der -Trugschlüsse anderer legt zwar fast jede Seite Zeugnis ab, doch wird es -nicht leicht sein, alles zu unterschreiben, was Madden behauptet, und -solange er nicht Thatsachen bringen kann, bleibt der Wert seiner Briefe -für die Geschichte mehr negativer Art, indem sie zur Vorsicht in der -Annahme manches bis jetzt als thatsächlich Anerkannten mahnen. -</p> - -<p> -Die Schriften, welche die Geschichte einzelner Perioden, Länder, Städte -oder Persönlichkeiten berühren, sind an den betreffenden Stellen des -Textes, soweit es der Plan des Buches notwendig oder wünschenswert -erscheinen liess, angeführt. -</p> - -<div class="center clrboth"> - <img src="images/pg_10_deco.jpg" - style="margin-bottom:4em;" - alt="Kapitel-Ende" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<div class="center clrboth pgbreak"> - <img src="images/pg_11_deco.jpg" - alt="Kapitel-Anfang" /> -</div> - -<h2 class="nobreak" id="h2_11"> -I. KAPITEL. -<span class="seitnum">[<a href="#toc_11">←</a>]</span> -</h2> -</div> - -<p> -ZUR VORGESCHICHTE DER BUCHDRUCKERKUNST. -</p> - -<div class="blockquote"> -<p> -Älteste Spuren der Vervielfältigung. Die Manuskripte. Der Metall- -und Holzschnitt. Die Kunstschulen. Die xylographischen Werke. Die -Vorbedingungen für die Erfindung der Buchdruckerkunst. -</p> -</div> - -<div class="sidenote">Vorbedingungen<br />der Erfindung.</div> - -<p class="hide_x_"> -<img src="images/pg_11_cap.jpg" alt="I" width="50" class="cap0" /> -<span class="hide">I</span>ST es auch bei jeder Erfindung, bei welcher ja der Zufall und der -Blitz des Geistes eine so wesentliche Rolle spielen, eine schwer zu -beantwortende Frage, warum sie gerade zu „der“ Zeit oder bei „dem“ -Volke entstanden, so lässt sich andererseits doch nicht leugnen, dass -jede Erfindung in der Zeit wurzeln und im Zusammenhange mit dem Geiste -der Zeit stehen muss, wenn sie nicht ein Embryo bleiben soll. Ein -Denker, der seiner Zeit vorauseilt, empfängt vielleicht die Idee; ist -jedoch das Zeitalter für sie nicht reif, so bleibt sie in dem Kopfe -des Empfangenden ruhen, oder letzterer wird, wenn er sie ausspricht, -als ein Phantast oder gar als ein Wahnsinniger betrachtet, bis er in -dem vergeblichen Kampf gegen den Unverstand wohl gar schliesslich ein -solcher wird. -</p> - -<p> -Es kann auch keineswegs als eine blosse Zufälligkeit betrachtet -werden, dass die Kunst mit beweglichen Typen zu drucken von den Alten -trotz der hohen Kulturstufe, auf welcher sie standen, nicht erfunden -wurde, obwohl ihre Kinder durch Schablonen schreiben lernten und mit -geschnittenen, zu Worten zusammenzureihenden -<span class='pagenum'><a id='Page_12' name='Page_12' href='#Page_12'>[12]</a></span> -Buchstaben spielten. Eben -so wenig kann man es jedoch als ein Spiel des Zufalls betrachten, dass -die Erfindung der Buchdruckerkunst in das fünfzehnte Jahrhundert, das -Jahrhundert des Wiedererwachens der Poesie, der Wissenschaft und des -Kampfes für die kirchlich-religiöse Freiheit, fiel. Die Zeit brauchte -die Waffe für den grossen geistigen Kampf und der Geist der Zeit -schaffte sie, als die Reife einmal gekommen war. -</p> - -<p> -In dem Gesagten liegt schon, dass wir es hier nicht mit einer -urplötzlich aus dem Kopfe des Erfinders entsprungenen, bereits -vollständig gewaffneten Erscheinung zu thun haben. Viel eher passt -der einfache Vergleich mit einem, schon in den ältesten Zeiten -gelegten Samenkorn, das, sich selbst überlassen, zwar gekeimt und -Blätter getrieben hatte, aber erst unter der aufmerksamen Pflege des -verständigen Gärtners die schönsten Blüten spendete. -</p> - -<p> -Versuchen wir es in dem Folgenden in Kürze die Spuren des Entstehens -und des Wachstums der Pflanze zu verfolgen. -</p> - -<div class="sidenote">Aelteste Spuren.</div> - -<p> -In Stein gehauen, in Erz gegraben, in Thon eingedrückt oder in -Wachstafeln geritzt, sind von den Völkern des Altertums die ersten -Dokumente auf uns gekommen: Regententafeln, Gesetze und Nachrichten -über denkwürdige Ereignisse oder bedeutende Persönlichkeiten. Als die -Kultur stieg, schrieb man auf Papyrusblätter oder auf Pergamentrollen -und ganze Werke wurden auf diese Weise der Nachwelt erhalten. Die -Autoren hielten sich ihre Schreiber, die entweder Sklaven oder -Freigelassene waren. Es bildete sich die Klasse der Abschreiber und -wir finden sowohl bei den Griechen wie bei den Römern Buchhändler, -welche die Bücher-Rollen (<em class="kursiv">volumina</em>) in grösserer Zahl entweder zum -Verleihen oder zum Verkaufen abschreiben liessen und reich assortierte -Bücher-Lager hielten. Selbst Spuren des Farbendrucks, sowie der -Vervielfältigung der Illustrationen durch Schablonendruck, trifft man -an. -</p> - -<p> -„Es brennt“, heisst es im Kinderspiel, wenn Einer nahe daran ist, den -versteckten Gegenstand zu finden. Und so konnte man auch hier sagen -„es brannte“, denn man war der Kunst der mechanischen Vervielfältigung -durch Typen und Druck nahe; doch gefunden ward sie nicht, denn die -Zeit drängte nicht auf die Erfindung hin. Die wohlfeile Arbeitskraft -der Abschreiber und die gute Organisation ihrer Arbeit genügten -vollkommen für billige und -<span class='pagenum'><a id='Page_13' name='Page_13' href='#Page_13'>[13]</a></span> -rasche Herstellung der Werke. Das freie -öffentliche Leben bei den Kulturvölkern des Altertums, der heitere -südliche Himmel, das leichte, fröhliche Dasein waren ohnehin nicht -geeignet, Stubengelehrsamkeit zu nähren. Man hörte die Dichterwerke -öffentlich vorlesen, sah in den, Allen zugänglichen Theatern den -Schauspielen oder den Wettkämpfen zu, lauschte den Rednern des Forums. -Alle Staatsakte geschahen öffentlich; das ganze politische und geistige -Leben gipfelte in der Hauptstadt; man hatte genügende Gelegenheit -öffentlich die Ansichten auszutauschen; es fehlte das Bedürfnis, im -stillen Kämmerlein, von Büchern umgeben, über das Erlebte nachzugrübeln -und sich gelehrten Forschungen hinzugeben<a name='FA_011' id='FA_011' href='#FN_011' class='fnanchor'>[1]</a>. -</p> - -<div class="sidenote">Die Klöster und<br />die Manuskripte.</div> - -<p> -Es folgte die Völkerwanderung und damit die Zertrümmerung des -frischen geistigen Lebens. Alle Völker Europas versanken in Barbarei. -Die Überreste der Gelehrsamkeit und des Studiums fanden sich nur -in den Klöstern vor. Hier entstand nach und nach das Bedürfnis, -die liturgischen Bücher und die Lehrmittel zu vervielfältigen. Die -Mönche hatten in ihrem beschaulichen Leben Zeit nicht allein zu -einem Abschreiben in einfacher Weise, sondern auch, dies zu einer -Kunst auszubilden. In roter Farbe ausgeführte Zierrate waren schon -bei den Römern gebräuchlich, die sich des Miniums bedienten, um die -Überschriften der Bücher oder Kapitel ins Auge fallend zu machen. -Das Verfahren verpflanzte sich nach Griechenland und dem Orient, uns -ist daraus noch die Bezeichnung „Rubrik“ geblieben. Später wurden die -Anfangsbuchstaben der Abschnitte und Paragraphen durch Hinzufügung von -roten Strichen bemerkbarer gemacht, oder man malte die Buchstaben ganz -rot aus. Im Griechischen Reiche wurde die rote Farbe ganz besonders -in Ehren gehalten und zu den heiligen Schriften sogar rotes Pergament -verwendet mit Buchstaben in Silber oder Gold. Auch bei den Gothen ward -diese Ausschmückungskunst geübt, wie der berühmte <em class="kursiv">Codex argenteus</em>, -die Übersetzung des Neuen Testaments von dem Bischof Ulfilas, beweist, -der einen Schatz der Universitätsbibliothek -<span class='pagenum'><a id='Page_14' name='Page_14' href='#Page_14'>[14]</a></span> -zu Upsala in Schweden -bildet. Die fränkischen Könige nahmen bald die Pracht der Handschriften -an, die in Deutschland durch Karl den Grossen bekannt wurde<a name='FA_012' id='FA_012' href='#FN_012' class='fnanchor'>[2]</a>. -</p> - -<div class="sidenote">Die Illumination.</div> - -<p> -Die Mönche gingen in der kunstreichen Abschrift und Ausschmückung der -Bücher immer weiter. Es fand eine förmliche Teilung der Arbeit nach den -verschiedenen Fähigkeiten statt. Einige schrieben, andere verglichen, -korrigierten und rubrizierten. Kunstfertige Brüder (<em class="kursiv">rubricatores</em>, -<em class="kursiv">illuminatores</em>, <em class="kursiv">miniatores</em>) malten Anfangsbuchstaben, -Randverzierungen und bildliche Darstellungen und oft entstanden auf -Pergament geschriebene wahre Prachtwerke mit herrlichen Miniaturen in -kostbare Deckel von Sammet oder sogar von edlem Metall, mit Edelsteinen -besetzt, gebunden, die mit goldenen Spangen geschlossen wurden. Solche -Werke hatten natürlich einen sehr hohen Preis und wurden mitunter mit -einem Rittergut aufgewogen, konnten also selbstverständlich nur von -Fürsten und reichen Leuten angeschafft werden. -</p> - -<p> -Zu dieser Pracht der Ausstattung passte schlecht die im <span class='smcap'>vii.</span> -Jahrhundert aufgekommene Sitte, eine Menge von Wörtern so zu -abbrevieren, dass schliesslich eine besondere Gelehrsamkeit dazu -gehörte, ein Manuskript zu entziffern. Diese Unsitte wurzelte nicht -bloss in dem Wunsch, das teure Pergament zu sparen, sondern wohl auch -in der römischen Geschwindschrift (den tironianischen Noten), welche -schon zu Ciceros Zeiten gebräuchlich waren. -</p> - -<div class="sidenote">Der Manuskrip-<br />tenhandel.</div> - -<p> -Als gegen das Ende des elften Jahrhunderts ein, namentlich durch die -Benediktinermönche genährtes, regeres geistiges Leben begann, als die -Menschheit durch die Kreuzzüge in eine, bis dahin ungeahnte Bewegung -geraten war, als der Geschmack für die Klassiker sich wieder zu zeigen -begann und die Nachfrage nach abgeschriebenen Büchern grösser ward, -da fingen auch Laien an Bücher abzuschreiben und den Bücherhandel -zu treiben. Förmliche -<span class='pagenum'><a id='Page_15' name='Page_15' href='#Page_15'>[15]</a></span> -Korporationen bildeten sich (<em class="kursiv">stationarii</em>, -<em class="kursiv">librarii</em>). In Italien und Frankreich beschränkten sich die -Handschriftenhändler auf einige Universitätsstädte; sie waren, wie -später auch die Buchdrucker, in Paris Beamte der Universität, und -standen, was Ein- und Verkauf betraf, unter Aufsicht der letzteren. -Ohne Vorwissen des Rektors durften sie einem Studenten nichts abkaufen, -mussten schwören, reell zu sein und dem Käufer nur den 40. Pfennig -als Gewinn abzunehmen. Unter den deutschen Städten fand nur in Wien -eine ähnliche Kontrolle statt, die, wenn sie auch in Einzelnheiten -ihr Gutes gehabt haben mag, doch im allgemeinen nachteilig wirkte. Die -Produktion der Manuskripte und der Handel mit denselben entwickelten -sich deshalb auch in Deutschland viel freier, manchmal selbst an Orten, -wo keine innere Veranlassung vorlag, so in dem Städtchen Hagenau (um -1430). Die Manuskriptenhändler, die noch lange nach der Erfindung der -Buchdruckerkunst fortbestanden, besuchten die Jahrmärkte und Messen und -selbst in Frankfurt blühte nach der Erfindung der Buchdruckerkunst der -Manuskriptenhandel neben dem Buchhandel. Auch die Lehrer verkauften an -die Schüler die denselben notwendigen Bücher. -</p> - -<div class="sidenote">Bilderschrift.</div> - -<p> -Die Abschriften und das Material für diese war aber immer noch -teuer und nur die Auserwählten konnten lesen. Man nahm also, -um auf das grössere Publikum zu wirken, seine Zuflucht zu der, -Allen verständlichen, in Metall- oder Holzschnitt ausgeführten -„Bilderschrift“. Um Heiligen- und andere Bilder herzustellen, -entstanden die Zünfte der Briefmaler und Illuministen. Brief (<em class="kursiv">Breve -sc. scriptum</em>) wurde jedes einseitig gedruckte einzelne Blatt genannt, -es mochte nun eine Spielkarte, ein Heiligenbild, ein Ablassbrief, eine -Anordnung o. dgl. sein. -</p> - -<p> -Als bekannt darf das Wesen des Holzschnittes, wodurch dieser sich -von dem Kupferstich unterscheidet und der Schrifttype gleichkommt, -angenommen werden, nämlich darin bestehend, dass im Holzschnitt das -auf den Holzstock gezeichnete Bild stehen gelassen wird, während alle -nicht gezeichneten Stellen weggeschnitten werden, so dass schliesslich -die Zeichnung erhaben auf dem Holzstock zurückbleibt, während im -Kupferstich umgekehrt die Zeichnung graviert oder geätzt wird, also -in der Tiefe liegt. Das Material für den Holzschnitt war zu der Zeit, -von welcher hier die Rede ist, Linden-, -<span class='pagenum'><a id='Page_16' name='Page_16' href='#Page_16'>[16]</a></span> -Birn- oder Buchenholz, das -in Längenschnitten mit dem Messer bearbeitet wurde, während man jetzt -beinahe ausschliesslich nur Buchsbaum in Querschnitten verbraucht und -mit dem Stichel behandelt. -</p> - -<div class="sidenote">Metallschnitt.</div> - -<p> -Früher war man gewohnt, alle erhaben geschnittenen Formen als -Holzschnitte zu bezeichnen. Durch aufmerksame Prüfung kam man -jedoch zu der Erkenntnis, dass ein Teil der vorhandenen Abdrücke von -Metallplatten herrühren, und dass der Metallschnitt dem Holzschnitt -vorangegangen sei. Die Möglichkeit des Unterscheidens liegt namentlich -in der Farbe der vorhandenen Drucke, indem die Metallschnitte etwas -grauer, griesslicher und weniger gesättigt erscheinen, als die -Holzschnitt-Drucke. Öfters kann man auch in den Umfassungslinien -Verbiegungen wahrnehmen, die in einer Holzplatte nicht möglich -gewesen sein würden; man hat auch heute noch erhaltene Metallstiche -vorgefunden. -</p> - -<div class="sidenote">Der Zeugdruck.</div> - -<p> -Wir nähern uns hiermit schon der Buchdruckerkunst. Die erste -ausgedehnte Anwendung eines Druckverfahrens ist der farbige Zeugdruck, -der in Europa mutmasslich zuerst in Italien geübt wurde. Ohne uns -in ältere Zeiten zu verlieren steht es fest, dass schon im <span class='smcap'>xii.</span> -Jahrhundert Seiden- und Leinenstoffe durch Formendruck verziert wurden. -Eine allgemeinere Verwendung fand der Zeugdruck im <span class='smcap'>xiii.</span> Jahrhundert -und erscheint oft auf den Futterstoffen der reicheren liturgischen -Ornate. Gegen den Schluss des <span class='smcap'>xiii.</span>, namentlich aber zu Beginn des <span class='smcap'>xiv.</span> -Jahrh., wurde auch Leder bedruckt und als Tapete verwendet, selbst -auf Bucheinbänden findet man farbige Muster auf dünnes Schafsleder -gepresst. Die verzierten Tapeten zeigen nicht nur biblische Scenen -sondern auch Gegenstände aus dem Sagenkreise; unter die vorzüglichsten -gehören die zu Sitten in der Schweiz. Die beim Zeugdruck vorkommenden -Farben beschränken sich zuerst hauptsächlich auf Schwarz und Rot, -die Goldverzierungen sind durch Bestäuben erzielt. Auf grösseren -Gemälden kommt an den Gewändern der Figuren eine besondere Art von -Farbendruck vor, indem die Stellen mit einer kreide- oder gipsartigen -Masse überzogen und dann mittels Formen mit Mustern bedruckt wurden -(Teigdrucke). Auch nach der Erfindung der Buchdruckerkunst wurde der -Zeugdruck mit Holz- oder Metallformen fortgesetzt, der in neuerer Zeit -in grossartiger Weise als Kattundruck ausgebildet wurde. -</p> - -<div class="sidenote">Aelteste Bilder-<br />drucke.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_17' name='Page_17' href='#Page_17'>[17]</a></span> -Die ältesten uns bekannten bildlichen Darstellungen in Metallschnitt -reichen nach den gründlichsten Untersuchungen bis gegen Ende des -<span class='smcap'>xii.</span> Jahrhunderts zurück, Holzschnitte bis gegen Ende des <span class='smcap'>xiv.</span> Einer -der ältesten Metallschnitte ist das, früher in der T. O. Weigelschen -Sammlung in Leipzig, jetzt in dem Germanischen Museum in Nürnberg -befindliche Blatt „Christus am Kreuze“. Unzweifelhaft beglaubigt -ist der Holzschnitt „Der heilige Christoph“ aus dem Jahre 1423. Die -Erhaltung dieser, wie mancher anderen alten Drucke ist der Sitte -zu verdanken, die Deckel der Büchereinbände durch Aufeinanderkleben -solcher auszufüttern oder zu bekleben. Freilich haben wir durch diese -Sitte andererseits den Verlust zahlreicher Blätter zu beklagen. -</p> - -<p> -Die bildlichen Darstellungen hatten hauptsächlich religiöse Vorwürfe -und das Bedürfnis zeigte sich namentlich in den Zeiten bedeutender -religiöser Aufregung, wie zu Ende des <span class='smcap'>xiv.</span> und zum Beginn des <span class='smcap'>xvi.</span> -Jahrhunderts. Um die Andacht beim Gebet zu erhöhen, wurden die -Angerufenen durch Bilder versinnlicht. So entstanden die zahlreichen -Darstellungen der heiligen Jungfrau, der Kreuzigung, der Himmelfahrt, -der gesamten Passion, der Heiligen, des Weltgerichts. Gesteigert wurde -der Verbrauch durch die religiösen Brüderschaften und die Wallfahrten. -Es folgten die zusammenhängenden Bildwerke, die zumteil schon im -frühen Mittelalter gezeichnet vorhanden waren, und im <span class='smcap'>xv.</span> Jahrhundert -xylographisch und typographisch vervielfältigt wurden. Die Hauptsache -ward im Bilde dargestellt und die notwendige Erklärung und die -Nutzanwendung in Schrift beigegeben. -</p> - -<p> -Daneben machte jedoch auch das profane Leben seine Forderungen geltend -und wurde durch eine Menge, teilweise sittenloser Darstellungen -befriedigt. Johann Gerson in Paris, zu Anfang des <span class='smcap'>xv.</span> Jahrhunderts, -drang — wie später Luther — auf eine sittliche Umkehr und auf -Beseitigung schlechter und sittenverderbender Bücher und Bilder, die -sogar in den Kirchen zu Paris an hohen Festtagen verkauft wurden. -Es ist jedoch von solchen Erscheinungen nichts auf uns gekommen. -Das öffentliche Schamgefühl scheint das Vernichtungswerk gründlich -betrieben zu haben. Von profanen Büchern mit achtbaren Zwecken -sind einige erhalten worden, z. B. das „<em class="kursiv">moral play</em>“, die „zehn -Lebensalter“, das „Glücksrad“. -</p> - -<div class="sidenote">Die Spielkarten.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_18' name='Page_18' href='#Page_18'>[18]</a></span> -Neben den Heiligenbildern, ja vielleicht noch vor diesen, war das Buch -des Teufels, die <span class='smcap'>Spielkarten</span>, ein sehr gesuchter Artikel, der stark -abgenutzt wurde. Schon um das Jahr 1300 wurden die Karten in Italien -bekannt, kamen aber wahrscheinlich erst in dem letzten Viertel des <span class='smcap'>xiv.</span> -Jahrh. nach Deutschland. Um der grossen Nachfrage zu genügen, benutzte -man ein Druckverfahren, durch welches die Figuren (darunter auch -Heilige) nach den Farben in Metallblätter ausgeschnitten und die Farben -schablonenmässig auf das Papier getragen wurden. Später schnitt man die -Umrisse in Holz, druckte diese und malte den inneren Raum aus<a name='FA_013' id='FA_013' href='#FN_013' class='fnanchor'>[3]</a>. -</p> - -<div class="sidenote">Feststellung der<br />Schnitte.</div> - -<p> -Die Entscheidung über das Alter eines Metall- oder Holzschnittes -ist eine schwierige Aufgabe. Kolorit, Technik, Papier, Kleidung -der Figuren, die Art das Haar zu tragen, Bewaffnung u. s. w. müssen -in Betracht gezogen werden, um den Ort und die Zeit der Entstehung -festzustellen. Später kommt der Vergleich mit den wenigen datierten -Drucken hinzu. Auch die Mundart der, von den Figuren ausgehenden -Sprüche und die Form der, zu diesen benutzten Schrift gewähren -Anhaltepunkte, letztere jedoch insofern weniger, als die Mönchsschrift -sich ziemlich unverändert das <span class='smcap'>xv.</span> Jahrh. hindurch erhielt. Nach den -erwähnten Merkmalen lassen sich die graphischen Kunsterzeugnisse -vor Gutenberg in gewisse Schulen einordnen: die <span class='smcap'>Schwäbische</span> (Ulm, -Augsburg); die <span class='smcap'>Fränkische</span> (Nürnberg, Nördlingen); die <span class='smcap'>Bayerische</span> -(Freising, Tegernsee, Kaisersheim, Mondsee); die <span class='smcap'>Niederrheinische</span> -(Köln, Burgund). Von diesen Schulen lieferten die beiden letzteren die -besten Zeichnungen; die letzte ausserdem auch noch die besten Schnitte. -</p> - -<div class="sidenote">Fortschritte in<br />der Kunst.</div> - -<p> -Beim Fortschreiten der Kunst bekommen die Zeichnungen Andeutungen -von Schattierung. Auf die einfachen Unterschriften der Bilder folgen -ganze Sprüche, gewöhnlich Bibelstellen und Verse; oft in der Form -von Devisen aus dem Munde einer Figur hervorgehend. Aus den Sprüchen -werden schliesslich ganze Textseiten, -<span class='pagenum'><a id='Page_19' name='Page_19' href='#Page_19'>[19]</a></span> -die dem Bilde gegenüberstehen. -Das Bedürfnis der weltlichen Belehrung führt schliesslich zu -einem Buch ohne Bilder, dem <em class="kursiv">Donatus</em>. Aus den Briefmalern werden -<span class='smcap'>Briefdrucker</span> (am Rhein <em class="kursiv">printers</em> genannt) und <span class='smcap'>Formenschneider</span>, -welche Massen produzieren, von denen leider sehr vieles in der Zeit -des dreissigjährigen Krieges vernichtet, einiges aber doch erhalten -wurde<a name='FA_014' id='FA_014' href='#FN_014' class='fnanchor'>[4]</a>. -</p> - -<div class="sidenote">Kunst-Zünfte.</div> - -<p> -Die Zünfte der Genannten standen oft in grossem Ansehen. Als die -bedeutendsten sind zu nennen: die in Augsburg (1418), Nürnberg, -Frankfurt a. M., Mainz, Köln, Lübeck. In Ulm sind um das Jahr 1410 -schon Kartenmacher und Kartenmaler, Formenschneider jedoch erst -1441. In Brügge bestand 1454 eine Brüderschaft St. Johannis des -Evangelisten, zu welcher Schreiber, Schulmeister, Buchhändler, -Buchbinder, Bildermacher, Bildschnitzer, Illuminatoren, Holzdrucker, -Formenschneider und Briefdrucker gehörten und die noch lange nach -Erfindung der Buchdruckerkunst blühte. In Italien und Frankreich kannte -man solche Vereinigungen erst im <span class='smcap'>xvi.</span> Jahrhundert; sie hiessen im -letztern Lande: <em class="kursiv">tailleurs et imprimeurs d'histoires et figures</em>. -</p> - -<div class="sidenote">Reiberdrucke.</div> - -<p> -Noch druckte man nicht auf einer Presse, sondern das Papier wurde -auf die Druckform, welche mit leichter Erdfarbe, später mit einer aus -Lampenruss und Firnis gemischten Schwärze eingerieben war, gelegt. Mit -einem harten Lederballen, der mit Pferde- oder Kalbshaaren gestopft -war, strich man über die Rückseite des Papiers hin und her, ähnlich -wie die Holzschneider mittels des Falzbeines ihre Probeabdrücke machen -und wie die Chinesen noch heutigentages ihre Bücher drucken. Da der -Reiber einen sehr starken Eindruck in dem Papier hinterliess, so konnte -man nicht auf die Rückseite desselben nochmals drucken, sondern diese -sogenannten <span class='smcap'>Reiberdrucke</span> sind nur einseitige (anopistographische). Um -ein Blatt mit bedruckter Vorder- und Rückseite zu bilden, musste das -Blatt umgebogen und an den beiden Rändern zusammengeklebt oder geheftet -werden, wie es heut zu Tage noch bei den chinesischen Büchern der Fall -ist. -</p> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_20' name='Page_20' href='#Page_20'>[20]</a></span> -Selbst nach Erfindung der beweglichen Typen hört der <span class='smcap'>Tafeldruck</span> nicht -ganz auf, namentlich für Sachen, wozu kleinere Typen erforderlich, -deren Guss noch zu schwierig war. In dieser Weise vertraten die -Holzplatten zumteil die späteren Stereotypplatten. Man konnte die -ersteren, deren Material so gut wie nichts kostete, bequem aufbewahren, -um nach Bedürfnis Abdrücke zu machen, und hatte nicht nötig, den -Aufwand an Papier für längere Zeit im voraus zu bestreiten. Nach -Erfindung der Buchdruckerpresse konnte man selbstverständlich beide -Seiten des Papiers bedrucken. -</p> - -<div class="sidenote">Die xylographi-<br />schen Werke.</div> - -<p> -Von den Tafeldrucken in Buchform, speziell <span class='smcap'>Xylographische Werke</span> -genannt, sind etwa 30 auf unsere Zeit gekommen, von denen die -umfangreichsten gegen 50 Blatt umfassen. Sie sind teils nur Bilder ohne -Text, teils Bilder mit Text, schliesslich Text ohne Bilder. Von einigen -sind die Federzeichnungen, welche der Anfertigung der Holzschnitte -vorausgingen, erhalten, andere sind später typographisch ausgeführt, -andere wieder xylographisch auf der Buchdruckerpresse gedruckt. Der -grösste Teil ist religiösen Inhalts, der künstlerische Wert gewöhnlich -unbedeutend. Wir nennen die hauptsächlichsten: -</p> - -<p> -<em class="kursiv">Ars moriendi.</em> Eine Anleitung, selig zu sterben, in einer kompendiösen -und in einer ausführlichen Darstellung (<em class="kursiv">speculum artis bene -moriendi</em>). Das Buch schildert die Versuchungen des Menschen durch -den Teufel, dem der Schutzengel entgegentritt. Der Stoff war ein sehr -beliebter und das Buch wurde in allen germanischen und romanischen -Sprachen bearbeitet. Der Verfasser ist nicht bekannt. Ein, früher im -Besitz von T. O. Weigel in Leipzig befindliches, jetzt dem <em class="kursiv">British -Museum</em> einverleibtes xylographisches Exemplar der <em class="kursiv">ars moriendi</em> -gilt als die erste, zugleich die vollendetste Ausgabe. Sie besteht -aus 12 Bogen kl. fol., in bräunlicher Farbe gedruckt. Die Schrift ist -die Mönchsschrift. Die Konzeption und die Ausführung übertrifft in -dem geistigen Ausdruck der Figuren und in kunstgerechter Handhabung -des Messers alles, was von Kunstblättern des <span class='smcap'>xv.</span> Jahrh. bekannt ist. -Allen Anzeichen nach stammt das Werk aus Köln, wo es auch aufgefunden -wurde<a name='FA_015' id='FA_015' href='#FN_015' class='fnanchor'>[5]</a>. -</p> - -<div class="sidenote">Die xylographi-<br />schen Werke.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_21' name='Page_21' href='#Page_21'>[21]</a></span> -<em class="kursiv">Historia St. Johanni eiusque visiones apocalypticae</em> oder „das Buch -der haymlichē Offenbarungē Sant Johans“ war schon frühzeitig der -Gegenstand bildlicher Darstellung. Es giebt drei Ausgaben mit 50, drei -mit 48 Vorstellungen. -</p> - -<p> -<em class="kursiv">Ars memorandi</em>: Die Kunst, die Erzählungen der vier Evangelisten in -Erinnerung zu behalten. Ein ebenfalls beliebtes, öfters aufgelegtes -Werk in 15 rohen, mit blasser Farbe gedruckten Holztafeln, und 15 -Blättern mit Text. -</p> - -<p> -<em class="kursiv">Biblia Pauperum</em>, „Die Armenbibel“, ist eine Reihe neutestamentlicher -Darstellungen von der Geburt der heiligen Jungfrau an bis zum jüngsten -Gericht, unter beständiger Hinweisung auf das Alte Testament. Das Buch -ist wahrscheinlich niederrheinischen Ursprungs. Die Benennung erklären -Einige, als sei das Buch für die geringeren Ordensgeistlichen, die sich -<em class="kursiv">Pauperes Christi</em> nannten, bestimmt, Andere nehmen an, es solle damit -gesagt sein, sie sei eine Bibel für die an Gütern oder am Geiste Armen. -</p> - -<p> -<em class="kursiv">Speculum humanæ salvationis</em> (holländ.: <em class="kursiv">Spieghel der menscheliker -Behoudnisse</em>): „Der Heilsspiegel“, ist ebenfalls eine Reihe -neutestamentlicher Darstellungen. Von den vielen Ausgaben dieses -beliebten Buches ist nur eine mit in den Tafeln geschnittenem Text, die -übrigen sind typographisch ausgeführt. Das Buch ist niederrheinischen -Ursprungs und die Holländer erklären dieses späte Produkt für ein von -Koster mit beweglichen Typen gedrucktes Werk. -</p> - -<p> -„Der Entkrist“, die Legende von dem falschen Messias. 26 Bl. in kl. fol. -</p> - -<p> -„Die Legende des heiligen Meinrad“, 48 xylogr. Blätter in 8°. -</p> - -<p> -Von den xylographischen Werken weltlichen Inhalts sind folgende -besonders erwähnenswert: -</p> - -<p> -„Die Kunst Ciromantia Dr. Joh. Hartliebs“, Leibarzt des Herzogs -Albrecht des Frommen zu Bayern, 24 auf beiden Seiten bedruckte Blätter. -</p> - -<p> -„Der Kalender des Magisters Johannes de Gamundia“, die älteste bekannte -Ephemeride (gedruckt um d. J. 1470). Das Werk bestand nicht bloss aus -der uns allein erhaltenen Tafel, sondern hatte 11 Foliobogen Text. -</p> - -<p> -„Der deutsche Kalender von Magister Johann von Kunsperk“ -(<em class="kursiv">Regiomontanus</em>) um d. J. 1473. Von diesem Werke hat man Exemplare, -<span class='pagenum'><a id='Page_22' name='Page_22' href='#Page_22'>[22]</a></span> -welche nach dem Druck abgeschrieben sind, ein Beweis, dass die -gedruckten Bücher damals noch teuer waren und dass man in den Klöstern -immer noch Zeit übrig hatte. -</p> - -<p> -Von den Lehrbüchern war namentlich der <em class="kursiv">Donatus</em> sehr verbreitet. Der -Verfasser Älius Donatus, welcher um 335 n. Chr. in Rom lehrte, hat -mehrere kleine grammatische Schriften hinterlassen, aus welchen man -einen Auszug in Katechismusform: <em class="kursiv">Donatus minor</em> bildete, der bis tief -in das <span class='smcap'>xviii.</span> Jahrhundert noch im Gebrauch war. -</p> - -<hr /> <!-- -<tb> - --> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Ebnung des<br />Bodens für<br />Gutenberg.</div> - -<p> -Um die Mitte des <span class='smcap'>xv.</span> Jahrh. hebt sich der Sinn für die klassische -Litteratur in merklicher Weise. In Italien erblüht ein frisches -Geistesleben, durch Dante, Boccaccio und Petrarca geweckt. Die -fürstlichen Häuser der Medici, Visconti und Este suchen ihre Ehre in -der Beschützung und Pflege der Dichtkunst und der Wissenschaften. -Im Norden bilden der Hof von Burgund und die niederländischen -Städte Pflanzschulen der Kultur. In Deutschland geht das Lehns- und -Ritterwesen zuende und der Bürgerstand erhebt sich mächtig. Die Fragen -der Kirche sind auf die Tagesordnung gesetzt: Wiclef und Huss haben der -Reformation vorgearbeitet. -</p> - -<p> -Streitigkeiten an der Prager Universität veranlassen die Auswanderung -von Lehrern und Schülern, welche die Gründung der Hochschulen zu -Wien, Heidelberg, Köln, Erfurt, Würzburg und Leipzig zur Folge haben. -Die Zeit war für die Entdeckung der Buchdruckerkunst gereift und die -neue Welt des Geistes sollte noch eher, als die neue Welt jenseit des -Meeres, ihren Columbus finden. Dieser war: <span class='smcap'>Johannes Gutenberg</span>. -</p> - -<div class='footnotes'> - -<div class='footnote' id='FN_011'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_011'>[1]</a></span> <span class='smcap'>J. A. Arnett</span>, <em class="kursiv">An inquiry etc. of the books of the -ancients</em>. London 1837. — <span class='smcap'>J. A. Bräutigam</span>, Ein Blick in das -Bücherwesen des Alterthums. Leipzig 1867. — <span class='smcap'>J. O. Le Clerc</span>, <em class="kursiv">Des -journaux chez les Romains</em>. Paris 1838. — <span class='smcap'>J. A. Bräutigam</span>, Zur -Gesch. d. Zeitungswesens bei den Römern. Leipzig 1868. — <span class='smcap'>W. Schmitz</span>, -Schriftsteller und Buchhändler in Athen. Heidelberg 1876. — <span class='smcap'>E. -Caillemer</span>, La propriété littéraire à Athènes. Paris 1868. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_012'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_012'>[2]</a></span> <span class='smcap'>Th. Astle</span>, <em class="kursiv">The origin and progress of writing, illustr.</em> -London 1784. — <span class='smcap'>J. G. I. Breitkopf</span>, Beiträge zu einer Geschichte der -Schreibkunst. Leipzig 1801. — <span class='smcap'>U. J. Kopp</span>, Bilder und Schriften der -Vorzeit. Mannheim 1819. — Die Buchschriften des Mittelalters. Wien -1852. — <span class='smcap'>H. N. Humphreys</span>, <em class="kursiv">The origin and progress of writing</em>. <em class="kursiv">2. -Ed.</em> London 1855. — <span class='smcap'>Digby Wyatt</span>, <em class="kursiv">The art of illuminating</em>. London -1860. — <span class='smcap'>K. Wattenbach</span>, Das Schriftenwesen des Mittelalters. 2. -Aufl. Leipzig 1875. — <span class='smcap'>H. Shaw</span>, <em class="kursiv">Illuminated Ornaments selected from -manuscripts of the middle ages</em>. London 1833. — <span class='smcap'>K. Faulmann</span>, Illustr. -Geschichte der Schrift. Wien 1880. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_013'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_013'>[3]</a></span> <span class='smcap'>J. G. I. Breitkopf</span>, Versuch den Ursprung der Spielkarten -zu erforschen. Leipzig 1801. — <span class='smcap'>W. S. Singer</span>, <em class="kursiv">Researches into the -history of playing cards</em>. London. — <span class='smcap'>W. A. Chatto</span>, <em class="kursiv">History of playing -cards</em>. London 1865. — <span class='smcap'>P. Lacroix</span>, <em class="kursiv">Origine des cartes à jouer</em>. Paris -1837. — <span class='smcap'>N. H. Willshire</span>, <em class="kursiv">Descriptive Catalogue of playing cards in -the British Museum</em>, mit Illustr. 1877. — <span class='smcap'>J. Duchesne</span> l'ainé, <em class="kursiv">Jeux de -Cartes etc. du XIV au XVIII Siècle</em>. Paris 1844. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_014'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_014'>[4]</a></span> <span class='smcap'>C. F. v. Rumohr</span>, Zur Geschichte der Formschnitte. 1837. -— <span class='smcap'>J. D. F. Sotzmann</span>, Älteste Gesch. der Xylographie. Leipzig 1837 -(Raumers Taschenbuch). <span class='smcap'>J. M. Garnier</span>, <em class="kursiv">Histoire de l'imagerie populaire -et des Cartes à jouer à Chartres</em>. Chartres 1869. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_015'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_015'>[5]</a></span> Das Buch erschien in einer vortrefflichen photographischen -Nachbildung 1869. Das Original erzielte in der am 27.-29. Mai 1872 -abgehaltenen Versteigerung der Weigelschen Sammlung die Summe von 21450 -Mark. Der Seite 17 erwähnte Metallschnitt „Christus am Kreuze“ wurde -mit 3375 Mark bezahlt. -</div> -</div> - -<div class="center clrboth"> - <img src="images/pg_22_deco.jpg" - style="margin-bottom:4em;" - alt="Kapitel-Ende" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<div class="center clrboth pgbreak"> - <img src="images/pg_23_deco.jpg" - alt="Kapitel-Anfang" /> -</div> - -<h2 class="nobreak" id="h2_12"> -II. KAPITEL. -<span class="seitnum">[<a href="#toc_12">←</a>]</span> -</h2> -</div> - -<p> -DIE ERFINDUNG. -</p> - -<div class="blockquote"> -<p> -Johannes Gutenberg. Herkunft. Aufenthalt in Strassburg. Gutenberg in -Mainz. Verbindung mit Johann Fust. Peter Schöffer. Gutenbergs Unglück. -Sein Tod. Sein Andenken. -</p> -</div> - -<p class="hide_x_"> -<span class='pagenum'><a id='Page_23' name='Page_23' href='#Page_23'>[23]</a></span> -<img src="images/pg_23_cap.jpg" alt="J" width="50" class="cap0" /> -<span class="hide">J</span>OHANNES GENSFLEISCH ZU GUTENBERG, geboren in Mainz um das Jahr -1397, gehörte einer dortigen angesehenen Patrizierfamilie an. -Sein Vater, <span class='smcap'>Frielo Gensfleisch</span>, heiratete <span class='smcap'>Else</span>, letzte Sprosse des -Patriziergeschlechtes „zum Gutenberg“. Dieser Ehe entstammten zwei -Söhne <span class='smcap'>Frielo</span> und <span class='smcap'>Henne</span> (Johannes). -</p> - -<div class="sidenote">Herkunft und<br />Jugend Guten-<br />bergs.</div> - -<p> -Von den Jugendjahren und dem Bildungsgang des Johannes ist nichts -bekannt. In die Streitigkeiten zwischen dem Adel und den Bürgern von -Mainz verwickelt, wanderte die Familie Gensfleisch 1421 von Mainz -aus und zog wahrscheinlich zuerst nach Eltville im Rheingau, wo sie -Güter besass. Hier wohnte 1434 noch der älteste Sohn Frielo. Aus einer -Urkunde, welche <span class='smcap'>Johannes Gutenberg</span> (bei diesem seinen Weltnamen werden -wir ihn künftig nennen) im Jahre 1434 in Strassburg ausstellte, erfährt -man erst mit Bestimmtheit, dass er dort sein Domizil aufgeschlagen -hatte. Er wohnte im Kloster Arbogast an der Ill, eine Viertelstunde -vor dem Weissturmthore, an der, jetzt Grüneberg genannten Stelle. In -der erwähnten Urkunde erklärt Gutenberg, dass er, dem Strassburger -Magistrat zuliebe, den Mainzer Stadtschreiber Nikolaus, den er hatte -<span class='pagenum'><a id='Page_24' name='Page_24' href='#Page_24'>[24]</a></span> -festnehmen lassen, um die Zahlung einer Rente von dem Mainzer Rate zu -erzwingen, welche dieser beanstandete, weil Gutenberg nicht nach Mainz -zurückgekehrt war, loslassen wolle. Gleichzeitig verzichtet Gutenberg -auf jede Forderung an die Stadt Mainz. -</p> - -<div class="sidenote">Gutenbergs<br />Associationen.</div> - -<p> -Als industrielles Talent zeigt sich Gutenberg erst um das Jahr 1435 -(„etliche Jahre vor 1439“). Zu der erwähnten Zeit sucht <span class='smcap'>Andreas -Dritzehn</span> ihn auf, mit dem Begehren, Gutenberg möge ihn in einige von -den Künsten einweihen, mit welchen er sich abgebe. Gutenberg ging -hierauf ein und schloss einen Vertrag in Betreff des „Steinepolierens“ -mit Dritzehn ab. Im Jahre 1437 traf Gutenberg ein weiteres Abkommen mit -<span class='smcap'>Hans Riffe</span>, Voigt zu Lichtenau, bezüglich des „Spiegelmachens“, einer -Kunst, die man anlässlich der 1439 bevorstehenden Wallfahrt nach Aachen -mit Vorteil auszubeuten hoffte. Gutenberg sollte zwei Anteile von -dem Ertrag haben, Riffe einen. Als Dritzehn hiervon Kenntnis erhielt, -drang er darauf, auch in diese Gemeinschaft aufgenommen zu werden und -Gutenberg gab ihm schliesslich den einen seiner zwei Anteile. Später -erlangte Anthonin Heilmann, ein geistlicher Herr, noch für seinen -Bruder <span class='smcap'>Andreas Heilmann</span>, der wie Dritzehn zur Kürschnerzunft gehörte, -eine Teilnahme. Man einigte sich schliesslich dahin, dass er die Hälfte -von Dritzehns Drittel bekam. Jeder Teilnehmer musste an Gutenberg 80 -Gulden zahlen. -</p> - -<p> -Als die Aachener Wallfahrt auf das Jahr 1440 verschoben wurde, -entschlossen sich die Teilnehmer, den Vertrag zu prolongieren und auf -andere Zweige zu erweitern. Andr. Dritzehn und Andr. Heilmann sollten -je 125 Gulden einzahlen. Nach einigen Schwierigkeiten wurde der Vertrag -im Sommer 1438 auf fünf Jahre abgeschlossen. Starb in dieser Zeit einer -der Beteiligten, so sollten dessen Erben nach Ablauf des Vertrags mit -100 Gulden abgefunden werden. Das Verhältnis unter den Teilnehmern -blieb ein freundliches. Das Geschäft war namentlich Spiegelmachen, eine -Kunst, die damals Bedeutung hatte. Besonderes Gewicht wurde bei dieser -Fabrikation auf die gepressten Metallrahmen gelegt. Dass die Compagnons -sich mit Metallarbeiten beschäftigten, geht deutlich aus ihren Ankäufen -hervor. -</p> - -<div class="sidenote">Dritzehns Tod.</div> - -<p> -Weihnachten 1438 erkrankte Dritzehn in gefährlicher Weise und starb -an einem der Weihnachtsfeiertage. Andr. Heilmann, -<span class='pagenum'><a id='Page_25' name='Page_25' href='#Page_25'>[25]</a></span> -dem daran liegen musste, dem Gerede Neugieriger vorzubeugen, ersuchte den Tischler -Saspach, der für die Gesellschaft eine Presse gefertigt hatte, diese -auseinanderzunehmen, „dann wisse niemand, was die Stücke zu bedeuten -hätten“. Saspach ging auch am 26. Dez. hin, aber „das Ding“ war fort. -Auch Gutenberg hatte seinen Diener Lorenz Beildeck mit einem ähnlichen -Auftrage gesandt. Vergebens; die Presse war fort. Wozu sollte sie aber -gedient haben? Es konnte eine Druckerpresse gewesen sein, aber ebenso -wohl eine Art von Prägepresse für die Verzierungen der Spiegelrahmen. -Andere haben die Vermutung ausgesprochen, es handle sich um ein -Giessinstrument, einen Apparat, der wirklich neu und für die Ausbeutung -der Erfindung der Buchdruckerkunst, falls es sich doch um diese -gehandelt haben sollte, weit massgebender war als eine Presse. Was ein -auseinandergenommenes Giessinstrument bedeuten könne, sollte allerdings -dem Uneingeweihten zu erraten schwer geworden sein. -</p> - -<div class="sidenote">Ende der Asso-<br />ciation.</div> - -<p> -Gegen die klaren Bestimmungen des Vertrags forderten die Brüder des -verstorbenen Dritzehn, in die Gemeinschaft aufgenommen zu werden. -Gutenberg, der diesen Antrag verwarf, ward nunmehr von den Dritzehns -bei dem grossen Rate zu Strassburg verklagt, jedoch nach Abhören von -vielen Zeugen freigesprochen. Das Urteil vom 12. Dezbr. 1439 lautete: -Die Erben Dritzehns hätten sich bei der festgesetzten Entschädigung von -100 Gulden zu beruhigen, von welchen 85 Gulden, welche Dritzehn noch an -Gutenberg angeblich schuldete, abgezogen werden sollten, vorausgesetzt, -dass letzterer die Richtigkeit der Angabe beschwören würde. Den Eid -leistete Gutenberg. -</p> - -<p> -Wüssten wir auch nicht aus diesem Rechtsstreit, dass Gutenberg bis -zum Sommer 1443 in Strassburg gebunden gewesen, so könnten wir aus -dem Steuerregister, in welchem er in den Jahren 1439, 1443 und 1444 -verzeichnet ist, leicht erfahren, dass er um diese Zeit in Strassburg -verweilte. In diesem Register wird Gutenberg als „Konstofler“ -bezeichnet, d. h. als Mitglied einer lokalen Innung im Gegensatz zu -den gewerblichen. Auch eine Bürgschaftsurkunde Gutenbergs aus dem Jahr -1441 ist vorhanden. Einem anderen Dokument ist sein Siegel beigefügt -mit der Umschrift: <em class="fett fs120">S. Hans Gensfleisch dei Gutenb'g</em>. Aus dem -Strassburger Aufenthalt erfährt man ferner, dass Gutenberg auf Grund -eines angeblich nicht gehaltenen Eheversprechens von <span class='smcap'>Anna zur eisernen -Thüre</span> in Anspruch genommen -<span class='pagenum'><a id='Page_26' name='Page_26' href='#Page_26'>[26]</a></span> -wurde. Von einer Heirat ist keine Spur zu -finden, jedoch schreibt sich Anna später <span class='smcap'>Annel Gutenbergerin</span>. -</p> - -<div class="sidenote">Gutenbergs<br />Rückkehr nach<br />Mainz.</div> - -<p> -Die pekuniären Erfolge der Strassburger Unternehmungen entsprachen den -Erwartungen der Teilnehmer nicht und Gutenberg kehrte, wahrscheinlich -in der Hoffnung von seinen Verwandten das erforderliche Geld zur -Durchführung seiner Pläne zu erlangen, nach Mainz zurück. Am 23. April -1444 weilt er noch in Strassburg. Nach Mainz muss er, in Begleitung von -seinem treuen Diener Lorenz Beildeck, zu Ende d. J. 1444 oder zu Anfang -d. J. 1445 gekommen sein. In Strassburg finden sich keine Spuren einer -Buchdruckerkunst vor. -</p> - -<div class="sidenote">Vertrag mit Fust.</div> - -<p> -Von den ersten fünf Jahren aus dem Aufenthalt Gutenbergs in Mainz ist -so viel wie nichts bekannt, nur dass sein Oheim Henne Gensfleisch der -ältere den „Hof zum Jungen“ mietete und ihn darin aufnahm, ferner, -dass ein anderer Verwandter Arnold Gelthuss für ein Darlehn von -150 Goldgulden, welches er am 6. Oktober 1448 gegen einen Zins von -5 Goldgulden für das Hundert aufnahm, sich verbürgte. Nur hieraus -kann der Schluss gezogen werden, dass seine Pläne sich in einem -vorgeschrittenen Stadium befanden, dass jedoch seine Mittel zur -Durchführung nicht genügten. -</p> - -<p> -Da erschien zu einer, in ihrer Folge teueren Hülfe ein angesehener -und gut situierter Bürger, <span class='smcap'>Johannes Fust</span>. Am 22. Aug. 1450 wurde -ein Vertrag zwischen diesem und Gutenberg abgeschlossen, nach -welchem Fust 800 Goldgulden gegen 6% Zinsen vorstreckte. „Das -Gezüge“ blieb Unterpfand. Sollten die Kontrahenten in Differenzen -geraten, so hatte Gutenberg die 800 Gulden zurückzuzahlen. Ausserdem -wurde übereingekommen, dass Fust jährlich bis zu 300 Gulden für -Löhne, Hauszins, Pergament, Papier, Farbe und andere Erfordernisse -vorschiessen sollte. Der ganze Vertrag hatte somit einen rein -finanziellen Charakter. Gutenberg gab den Gedanken, das Werkzeug, die -Arbeit; Fust das Geld. Von einer Miterfinderschaft des letzteren ist -mit keinem Worte die Rede. -</p> - -<div class="sidenote">Damaliger Stand<br />der Erfindung.</div> - -<p> -In seinem ganzen nachherigen Verfahren zeigt sich Fust als ein so -vorsichtiger und klug berechnender Geschäftsmann, dass unbedingt -angenommen werden muss, die Erfindung habe beim Abschluss des Vertrags -bereits auf einer weit vorgerückten Stufe der Entwickelung gestanden. -Mit einem projektmachenden Junker, der -<span class='pagenum'><a id='Page_27' name='Page_27' href='#Page_27'>[27]</a></span> -weiter nichts mitbrachte, als -etwa den Gedanken, Holztafeln in einzelne Buchstaben zu zersägen und -diese Buchstaben einzeln an einander zu reihen und zu drucken, würde -ein Fust kaum den Vertrag abgeschlossen haben. Und wie sollte ein -strebender Geist, wie Gutenberg, der jahrelang sich in Metallarbeiten -geübt hatte, auf den Gedanken kommen, grosse Hebel in Bewegung zu -setzen, um xylographische Drucke zu liefern oder bewegliche Holztypen -zu schaffen? Was heutzutage mit allen Raffinements der Hülfsmaschinen -kaum gelingen würde, sollte im Jahre 1450 denkbar gewesen sein! -Gutenberg müsste kein Erfindergenie gewesen sein, wenn er hölzerne -Typen je zu einem anderen Zweck hergestellt hätte, als um Versuche zu -machen und allenfalls sie als Stempel zu benutzen, um Matern zum Guss -der Buchstaben zu schaffen. Und, hat auch Gutenberg wirklich seine -ersten Stempel in Holz geschnitten, so wird es nicht lange gedauert -haben, bis er eingesehen hat, dass für die Stempel Metall, und zwar ein -härteres als das der Mater oder der Type, unumgänglich notwendig sei. -Es kann nicht genug betont werden: „Die mechanische Vervielfältigung -der Typen bildet das Wesen der Typographie“. Hätte Gutenberg nicht die -Schriftgiesserei erfunden, so gehörte ihm auch nicht die Erfindung der -Buchdruckerkunst. Dass Peter Schöffer wesentliche Verbesserungen in -diesem Zweige eingeführt habe, muss man jedoch annehmen. -</p> - -<div class="sidenote">Gutenbergs neue<br />Verlegenheiten.</div> - -<p> -Mit dem grossen Werke Gutenbergs ging es, wie mit so vielen anderen -Unternehmungen von Bedeutung: es verschlang, bevor es in seiner -Vollendung Geld bringen konnte, mehr Geld, als berechnet war. Im -Dezember 1452 schoss Fust abermals 800 Goldgulden vor, sorgte aber -vorsichtigerweise auf das beste für die Sicherstellung. Nicht allein -das „Gezüge“, sondern das „Werk des Buches“ wurde ihm verpfändet und -der Vorteil sollte ein gemeinschaftlicher sein. Hier ist also von einer -wirklichen Beteiligung die Rede, was einen sicherern Beweis liefert, -dass nicht mehr an der Rentabilität gezweifelt wurde. -</p> - -<div class="sidenote">Erste Press-<br />erzeugnisse.</div> - -<p> -Welches waren nun die ersten unbestreitbaren Erzeugnisse der -Gutenbergschen Presse? Den grössten Absatz versprachen natürlich -Schulbücher, namentlich die schon früher erwähnte sehr beliebte -Grammatik des Älius Donatus. Ein Fragment (jetzt in Paris), zwei -Pergamentblätter, eines solchen von Gutenberg gedruckten -<span class='pagenum'><a id='Page_28' name='Page_28' href='#Page_28'>[28]</a></span> -Donats, wurde als Einschlag einer alten Rechnung entdeckt. Die grossen Typen des -Schriftchens sind die der 36zeiligen Bibel. Verkehrtstehende Buchstaben -weisen unwiderleglich auf eine typographische Herstellung hin, die um -das Jahr 1451 stattgefunden haben muss. -</p> - -<div class="sidenote">Die Ablassbriefe.</div> - -<p> -Am 12. Aug. 1451 bewilligte der Papst Nikolaus <span class='smcap'>v.</span> denjenigen, welche -zur Unterstützung des Königreichs Cypern in seinem Krieg gegen die -Türken Geld spendeten, einen allgemeinen Ablass, der für die drei -Jahre vom 1. Mai 1452 - 1. Mai 1455 erteilt wurde. Paulinus Zapp -(<em class="kursiv">Chappe</em>) besorgte von Mainz aus den Vertrieb der Ablassbriefe für -Deutschland. Das Geschäft wollte aber nicht recht gehen, bis, nach -dem Fall von Konstantinopel (1453), Europa aufschrak. Nunmehr nahm -der Generalinquisitor Johann von Capistran die Sache in die Hand und -predigte den Kreuzzug gegen die Türken. Jetzt fand der Ablasshandel -einen günstigeren Boden. Zur massenhaften Anfertigung dieser -„Anteilscheine auf Seligkeit“ eignete sich Gutenbergs Erfindung ganz -vorzüglich. Man liess nur den Raum für den Ort, den Tag und den Namen -des Aktieninhabers offen und die Ausstellung konnte in raschester -Weise vor sich gehen. Ein vollständig „geschriebener“ Ablassbrief aus -Lübeck, datiert vom 6. Okt. 1454, ist noch vorhanden, daneben sind -aber auch „typographisch“ hergestellte Exemplare mit der Jahreszahl -<span class='smcap'>mccccliiii</span> aufgefunden. Nach dem ersten Mai 1455 waren die Urkunden -wertlos und deshalb die Pergamentblätter namentlich von den Buchbindern -benutzt, oder sie gingen im Laufe der Jahrhunderte verloren. Allmählich -sind jedoch 23 solcher Denkmale der ältesten Typographie ans Licht -gezogen, die alle aus dem Zeitraum vom 25. Nov. 1454 bis zum 30. April -1455 stammen. Aus diesen geht hervor, dass Gutenberg im Jahre 1454 -wenigstens zwei Schriftgattungen besessen hat: die grosse Donattype und -eine kleinere, die jedoch zu keinem Buche von ihm benutzt wurde. -</p> - -<div class="sidenote">Bibeldruck.</div> - -<p> -Mit Resultaten wie die erwähnten war Gutenberg jedoch nicht zufrieden; -sein Sinn trachtete nach einem grösseren Ziele. Und welches Ziel -konnte der neuen Erfindung würdiger sein, als die Verallgemeinerung der -heiligen Schrift. Wir stehen nun vor einem der wichtigsten der vielen, -noch dunklen Punkte in der Erfindungsgeschichte. -</p> - -<div class="sidenote">Welche Bibel ist<br />die erste?</div> - -<p> -Es liegen zwei Bibeln vor, über welche Meinungsverschiedenheit -<span class='pagenum'><a id='Page_29' name='Page_29' href='#Page_29'>[29]</a></span> -obwaltet: die „42zeilige“ (die sogenannte „Mazarinsche“), unzweifelhaft -von Gutenberg und Fust begonnene und von Fust und Schöffer vollendete, -und die „36zeilige“ (die „Schellhornsche“)<a name='FA_021' id='FA_021' href='#FN_021' class='fnanchor'>[1]</a>. Welcher von beiden -gebührt die Priorität? Früher wurde diese allgemein der 42zeiligen -zugesprochen und die 36zeilige Bibel als ein Druck Alb. Pfisters in -Bamberg betrachtet. Alle neueren Forscher jedoch, Didot, Weigel und -Zestermann, Madden, de Vinne, van der Linde, sind darin einig, dass -die 36zeilige Bibel die erste sei und ebenfalls aus Gutenbergs Offizin -stamme. Diese neuere Ansicht wird durch eine, aus der Schöfferschen -Druckerei direkt stammende Überlieferung bestätigt, welche Ulrich Zell -nach Köln brachte und die 1499 gedruckt erschien. Hiernach wäre die -erste Bibel die mit den „grossen Missalbuchstaben“ gedruckte d. i. -die „36zeilige“. Dieselben Typen, die für den erwähnten Donat dienten, -wurden 1454 zu: „Eyn manūg d' christēheit widd' die Durkē“ verwendet -und gingen wahrscheinlich später in den Besitz Pfisters in Bamberg -über. Dies mag Veranlassung zu der Annahme gegeben haben, dass die -36zeilige Bibel aus Pfisters Offizin stamme, wogegen jedoch dessen -sonstige typographische Leistungen und viele äussere Umstände und -innere Gründe entschieden sprechen. -</p> - -<div class="sidenote">Die 36zeilige<br />Bibel.</div> - -<p> -Die 36<span class='smcap'>zeilige Bibel</span> umfasst 881 Blätter oder 1762 zweispaltige Seiten, -zumeist in Lagen von 5 Bogen gefalzt, und ist in der Regel in drei -Bände gebunden. Zum Zweck der kalligraphischen Ergänzung sind die Räume -für die grossen Initialen freigelassen. Die neue Kunst wollte eine -genaue Reproduktion der Manuskripte geben. Deshalb wurden auch die -Drucklettern den geschriebenen Buchstaben mit den vielen Abbreviaturen -nachgebildet. Was in Druck nicht nachgeahmt werden konnte, wurde -hineingezeichnet. Eine beabsichtigte Täuschung hierin erblicken zu -wollen dürfte kaum zutreffend sein; man wagte es einfach nicht von -dem herrschenden Geschmack abzugehen. Ähnliches findet man noch heute -bei den für den Orient bestimmten Druckschriften, deren Schwierigkeit -hauptsächlich darin liegt, dass alle Abwechselungen der Handschrift genau -<span class='pagenum'><a id='Page_30' name='Page_30' href='#Page_30'>[30]</a></span> -nachgebildet werden müssen. Das Druckjahr der 36zeiligen Bibel -ist nicht zu entdecken gewesen. Ein rubriziertes Exemplar in Paris -trägt das Datum 1461. Dies würde allerdings sehr gegen die Priorität -dieser Ausgabe sprechen, wenn es nicht auch sonst vorkäme, dass -Exemplare eines Buches erst später rubriziert wurden. Im Jahre 1460 -hatte man schon Blätter dieser Bibel als Makulatur benutzt. Die ersten -Bogen zeigen in technischer Beziehung noch Unsicherheit, der Druck ist -sehr stark, das Register steht nicht gut, und auch andere Mängel sind -sichtbar, der spätere Teil ist besser gearbeitet<a name='FA_022' id='FA_022' href='#FN_022' class='fnanchor'>[2]</a>. -</p> - -<div class="sidenote">Die 42zeilige<br />Bibel.</div> - -<p> -Sollte die 36zeilige Bibel die erste und somit die zuerst aufgefundene -42<span class='smcap'>zeilige Bibel</span> dem Alter nach die zweite gewesen sein, so bleibt -sie nichtsdestoweniger ein höchst ehrwürdiges und bedeutendes -Druckmonument. Es ist ein zweibändiger Foliant von 324 und 317, -im ganzen also von 641 Blättern von zweispaltigen Zeilen. Die 66 -Lagen bestehen meist aus je fünf Bogen (Quinternionen). Gedruckte -Seitenzahlen, Signaturen, Kustoden und Initialen fehlen. Ein -rubriziertes Exemplar ist mit dem Datum 24. Aug. 1456 bezeichnet. Man -hat Exemplare sowohl auf Pergament wie auf Papier. Die auf Pergament -gedruckten Exemplare, von denen man sechs kennt (davon je eins in -Leipzig und Berlin), sind mit brillant ausgemalten Initialen mit -Goldverzierungen geschmückt; die auf Papier gedruckten, von welchen -neun erhalten wurden (darunter in Frankfurt a. M., Leipzig, München, -Wien), haben wechselnd rote und blaue Initialen. -</p> - -<div class="sidenote">Peter Schöffer.</div> - -<p> -Einen tüchtigen Mitarbeiter fanden Gutenberg und Fust in <span class='smcap'>Peter -Schöffer</span>. Im Prinzip hatte Gutenberg die Erfindung allein vollbracht, -aber in der technischen Ausführung der Einzelnheiten mag vieles -noch gefehlt haben. Die Stempel und Formen (Matrizen) waren noch -unvollkommen. Die Schärfe der Typen verlor sich schnell auf Grund -der Weichheit des Metalls für die Schrift und die Matern; auch die -Zeichnung und der Schnitt der Stempel (Patrizen) liessen zu wünschen -übrig. Hier scheint nun Peter Schöffer zum Vorteil der Kunst energisch -eingegriffen zu haben. -</p> - -<p> -Schöffer<a name='FA_023' id='FA_023' href='#FN_023' class='fnanchor'>[3]</a> war in Gernsheim zwischen 1420 und 1430 geboren. Näheres -über seine Familie und seine Jugend ist nicht bekannt, nur dass -<span class='pagenum'><a id='Page_31' name='Page_31' href='#Page_31'>[31]</a></span> -er sich zuerst der Jurisprudenz widmete und sich längere Zeit in -Paris aufhielt, wo er sich einen Ruf als tüchtiger Illuminator und -Rubrikator erwarb. Nach Mainz scheint er in dem Jahre 1450 oder 1451 -gekommen zu sein, wahrscheinlich um in den erwähnten Eigenschaften -in der Gutenbergschen Offizin zu wirken. Hier hat er nun mutmasslich -weitergehende Talente entwickelt, ohne dass es sich jedoch genau -feststellen lässt, wie weit seine Thätigkeit sich erstreckte. -Jedenfalls hat er die Form der Buchstaben verbessert, ein grösseres -Ebenmass derselben sowie auch eine bessere Legierung des Schriftmetalls -veranlasst, und einen schöneren Schnitt der Stempel in härterem -Metall (Stahl) eingeführt, wodurch man in den Stand gesetzt wurde, -dieselben in kupferne Matrizen einzutreiben. Kurz: hat auch Schöffer -die Schriftgiesserei nicht erfunden, so bleibt ihm doch das grosse -Verdienst, sie in die Bahn gelenkt zu haben, die sie bis jetzt nicht -verlassen hat. Auch die Verbesserung der Schwärze durch Zusatz von -Firnis soll sein Werk gewesen sein. -</p> - -<p> -Dass die Verdienste Schöffers nicht klein sein konnten, lässt sich -schon daraus schliessen, dass der angesehene und wohlhabende Fust -kein Bedenken trug, dem armen Schreiber seine Tochter Christine zur -Ehefrau zu geben. Diese Tüchtigkeit und dieses Zutrauen, welches Fust -in Schöffer setzte, sollten leider Gutenberg verderblich werden, denn -sie gaben Fust die Zuversicht, feindlich gegen ihn aufzutreten. Für -Schöffers Beteiligung bei diesen Schritten liegt kein Beweis vor; -zweideutig jedoch hat er sich wenigstens insofern gezeigt, als er -später auf Kosten Gutenbergs sich die Ehre der Erfindung anzueignen -versuchte. -</p> - -<div class="sidenote">Fust klagt gegen<br />Gutenberg.</div> - -<p> -Mag nun sein, dass die Auslagen zu gross und die Auflagen zu klein, -oder, dass Gutenberg in der praktischen Geschäftsführung nicht der -rechte Mann gewesen, die neue Kunst hatte trotz aller technischen -Fortschritte keinen finanziellen Erfolg gehabt. Es kam soweit, dass -Fust Klage gegen Gutenberg erhob. Er forderte: -</p> - -<div class="center"> -<table summary="Gulden"> - <tr> - <td>Erstes eingeschossenes Kapital:</td> - <td class="r">800</td> - <td class="c">Goldgulden</td> - </tr> - <tr> - <td> Zinsen darauf:</td> - <td class="r">250</td> - <td class="c">"</td> - </tr> - <tr> - <td>Zweites Kapital:</td> - <td class="r">800</td> - <td class="c">"</td> - </tr> - <tr> - <td> Zinsen darauf:</td> - <td class="r">140</td> - <td class="c">"</td> - </tr> - <tr> - <td> Zins vom Zins:</td> - <td class="r">36</td> - <td class="c">"</td> - </tr> - <tr> - <td class="r">zusammen</td> - <td class="r brd_1000">2026</td> - <td class="c brd_1000">Goldgulden.</td> - </tr> -</table> -</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_32' name='Page_32' href='#Page_32'>[32]</a></span> -Gutenberg machte dagegen geltend, 1) dass Zinsen von den 800 Gulden -zwar in dem Dokument festgestellt seien, dass aber Fust versprochen -habe, solche nicht zu erheben; 2) dass die ersten 800 Gulden nicht -voll eingezahlt gewesen; 3) dass er in Betreff der zweiten 800 -Gulden zwar die Verantwortung, nicht aber Zinsen zu tragen habe; -4) dass die zugesagten 300 Gulden jährliches Betriebskapital nicht -entrichtet worden seien. Hiergegen wird Fust der Eid auferlegt, -welchen er leistet, und Gutenberg, der nicht persönlich erschienen -war, wird am 6. Nov. 1455 zur Zahlung verurteilt. Auf Fusts Verlangen -stellte der Kleriker und Notar Ulrich Helmasperger eine Urkunde -über die Verhandlung auf, welche ein wichtiges Dokument in der -Erfindungsgeschichte bildet. -</p> - -<div class="sidenote">Trennung Guten-<br />bergs und Fusts.</div> - -<p> -Der Vertrag zwischen Gutenberg und Fust hatte somit seine Endschaft -erreicht; wie sich jedoch die schliessliche Auseinandersetzung -gestaltet hat, ist nicht bekannt. Aus später erschienenen Druckwerken -geht hervor, dass die Typen der noch nicht vollendeten 42zeiligen -Bibel auf Fust übergegangen sind, dass Gutenberg dagegen die Typen der -36zeiligen behielt. Denn nach dem Tode Fusts druckte sein Nachfolger -Peter Schöffer mit der zuerst erwähnten Schrift einen Donat, während -gegen Ende des Jahres 1456 mit den zuletzt genannten Typen ein Kalender -auf das Jahr 1457 fertiggestellt wurde. -</p> - -<div class="sidenote">Gutenbergs<br />weitere Wirk-<br />samkeit.</div> - -<p> -Gutenbergs Mut war durch den ihm beigebrachten Schlag nicht -erschüttert, und es scheint ihm nicht einmal schwer geworden zu -sein, wieder in Besitz von Betriebsmitteln zu kommen. Zwar wurde auch -diesmal eine Verpfändung notwendig, aber sein Gläubiger Conrad Humery, -„der Stadt Mainz Pfaff und Jurist“, war ein verständiger, Gutenberg -wohlgesinnter Mann. Gutenberg fertigte ganz neue Typen an und druckte -mit diesen zuerst zwei kleine undatierte Schriften: <em class="kursiv">Matthäus de -Cracovia, tractatus racionis et consciencie</em>, 22 Blatt in Quarto, und -<em class="kursiv">Thomas de Aquino, Summa de articulis fidei</em>, 12 Blatt in Quarto. Dann -aber brachte er im Jahre 1460 mit der neuen Schrift ein Riesenwerk -zustande, einen Folianten von 373 zweispaltig und eng gedruckten -Blättern (ohne Signatur, Kustoden und Seitenzahlen). Diese bedeutende -Leistung war die berühmte erste Ausgabe des Joannis de Janua: <em class="kursiv">Summa -quae vocatur Catholicon</em>. Den Anfang bildete eine lateinische Grammatik in vier -<span class='pagenum'><a id='Page_33' name='Page_33' href='#Page_33'>[33]</a></span> -Abteilungen (64 Blatt), dann folgt als fünfter Teil ein -lateinisches Lexikon. Am Ende des Buchstaben I (Blatt 189 rechte Seite) -steht gedruckt das Wort <em class="kursiv">sequitur</em> und darunter geschrieben <em class="kursiv">in alio -folio</em>; die Rückseite des Blattes ist weiss gelassen und somit konnte -das Werk in zwei Bände gebunden werden. -</p> - -<div class="sidenote">Gutenbergs ein-<br />zige Ansprache.</div> - -<p> -Zum Schluss des Werkes ergreift der Erfinder selbst, jedoch ohne seinen -Namen zu nennen, zum ersten, zugleich zum letzten male das Wort. Die -Schlussschrift (<em class="kursiv">Kolophon</em>) ist lateinisch und lautet übersetzt<a name='FA_024' id='FA_024' href='#FN_024' class='fnanchor'>[4]</a>: -</p> - -<p class="zitat2"> -„Unter dem Beistande des Allerhöchsten, auf dessen Wink die Zungen -der Kinder beredt werden und der oft den Kleinen offenbart, -was er den Weisen verbirgt, ist dieses vortreffliche Buch -<em class="kursiv">Catholicon</em> im Jahre der Menschwerdung des Herrn -<span class='smcap'>mcccclx</span> in der guten, der ruhmwürdigen -deutschen Nation angehörigen Stadt Mainz, welche die Gnade Gottes -mit so hehrem Geisteslichte und freiem Gnadengeschenke den anderen -Völkern der Erde vorzuziehen und zu verherrlichen gewürdigt hat, -gedruckt und zustande gebracht worden, und zwar nicht mittels des -Rohres, des Griffels oder der Feder, sondern durch das bewundernswerte -Zusammenpassen, Verhältnis und Ebenmass der Patronen und -Formen<a name='FA_025' id='FA_025' href='#FN_025' class='fnanchor'>[5]</a>.“ -</p> - -<p> -So spricht sich der Erfinder selbst über die Erfindung aus. Es ist -kaum anzunehmen, dass er sich nur aus Bescheidenheit oder aus falschem -Stolz nicht genannt haben sollte, oder gar aus Verdruss, weil seine -Leistungen durch die Schöffers überflügelt waren. Wir müssen leider -eher glauben, dass derjenige, der für andere die Goldminen entdeckt -hatte, nicht in der Lage war, seinen Namen nennen zu dürfen, mögen nun -die Gründe in einem noch nicht geregelten Verhältnis zu Fust oder in -seiner neuen Stellung zu Humery oder sonst wo gelegen haben. -</p> - -<div class="sidenote">Gutenberg in<br />Eltville.</div> - -<p> -Aus dem Jahre 1461 haben wir noch einen Ablassbrief, mit den Typen des -Catholicons gedruckt. Dann kam das für Mainz und die junge Kunst so -verhängnisvolle Jahr 1462. Der Erzbischof von Mainz, Diether, Graf zu -Isenburg, war von Kaiser und Papst abgesetzt. Die Domherren wählten den -Grafen Adolf von Nassau; die -<span class='pagenum'><a id='Page_34' name='Page_34' href='#Page_34'>[34]</a></span> -Bürger aber nahmen Partei für Diether. -In der Nacht vom 27. zum 28. Oktober 1462 erstürmte Adolf die Stadt. -Hunderte von Bürgern fielen, andere wurden ausgeplündert und vertrieben -und ihre Häuser verwüstet. Dies Schicksal traf auch die Offizin -Fust und Schöffers. Mainz war in wenigen Tagen entvölkert und seiner -Privilegien beraubt. Handel und Gewerbe lagen auf lange darnieder und -von einer weiteren Ausdehnung der Buchdruckereien in Mainz konnte -vorläufig keine Rede sein. Obwohl die Offizin Gutenbergs verschont -geblieben war, da der Besitzer zum Grafen hielt, so musste er doch -mit seiner Druckerei auswandern. Er führte dieselbe nach Eltville, der -Residenz Adolfs, über. -</p> - -<div class="sidenote">Gutenberg tritt<br />in Hofdienst.</div> - -<p> -Am 15. Januar 1465 wurde er zum Hofdienstmann des Grafen auf Lebenszeit -ernannt. Als solcher hatte er jährlich die Hofkleidung eines Edlen, -für sein Haus zwanzig Malter Korn und zwei Fuder Wein steuerfrei. -Wachdienst, Einschätzung u. s. w. ward ihm auf immer erlassen. Da die -Hofdienstmänner für ihre Person freien Tisch am Hoflager und für ihre -Pferde Futter erhielten, so dürfen wir uns Gutenberg wenigstens nicht -als von materiellen Sorgen zu seinem Lebensende gequält vorstellen. -Seine Offizin hatte er pachtweise seinen Verwandten <span class='smcap'>Heinrich</span> und -<span class='smcap'>Nikolaus Bechtermünze</span> überlassen. -</p> - -<div class="sidenote">Gutenbergs<br />Tod.</div> - -<p> -Gutenberg starb in der Zeit zwischen dem 24. Nov. 1467 und dem -24. Febr. 1468 und wurde aller Wahrscheinlichkeit nach in der -Dominikanerkirche<a name='FA_026' id='FA_026' href='#FN_026' class='fnanchor'>[6]</a> zu Mainz begraben. Diese ging in der Nacht vom 20. -zum 21. Juli 1793 bei der Beschiessung von Mainz durch die Franzosen -in Flammen auf und auch die an derselben Stelle errichtete Fruchthalle -brannte (1875) nieder. -</p> - -<div class="sidenote">Fortführung des<br />Geschäfts durch<br />Bechtermünze.</div> - -<p> -Am 24. Febr. 1468 bescheinigt Humery, dass der Graf ihm den Vorrat -der zu Gutenbergs Nachlass gehörenden Formen, Buchstaben und -Werkzeuge verabfolgt habe. Gleichzeitig verpflichtet sich Humery, -den betreffenden Apparat nur in der Stadt Mainz zu benutzen. Sollte -er jedoch denselben verkaufen und ein Mainzer Bürger soviel dafür -geben wollen, wie ein Fremder, dann gebühre dem Mainzer der Vorzug. -Aus dieser Fürsorge Adolfs muss man schliessen, dass er Gutenberg -sehr zugethan und dass -<span class='pagenum'><a id='Page_35' name='Page_35' href='#Page_35'>[35]</a></span> -dessen Aufnahme an seinem Hofe eine Belohnung -gewesen, entweder für die Verdienste Gutenbergs im allgemeinen oder um -ihn selbst insbesondere. -</p> - -<p> -Die Offizin ging in den vollständigen Besitz des <span class='smcap'>Nikolaus Bechtermünze</span> -über, dessen Bruder Heinrich bereits 1467 verstorben war. Nikolaus -setzte das Geschäft bis 1477 in Verbindung mit einem anderen Patrizier -<span class='smcap'>Wigand Spiess</span> von Ortenberg fort. Gegen das neu aufgeblühte Geschäft -Fust und Schöffers aufzukommen mag wohl schwer gewesen sein. Die -ersten Drucke der neuen Offizin waren mit den Typen des Catholicons -ausgeführt. -</p> - -<div class="sidenote">Weitere Schick-<br />sale der Offizin<br />Gutenbergs.</div> - -<p> -Nach dem Tode des Nikolaus überliessen seine Erben das sämtliche -Material der Brüderschaft des gemeinsamen Lebens zu Marienthal in der -Nähe von Eltville. Von diesen kam es 1508 an <span class='smcap'>Fr. Hewmann</span> aus Nürnberg, -Buchdrucker im Kirschgarten zu Mainz. Beim genauen Durchgehen eines -Buches aus dessen Offizin soll die älteste Type Gutenbergs aus den -Ablassbriefen von 1454 und 1455 und der 36zeiligen Bibel wieder erkannt -worden sein, während die Nachfolger Gutenbergs bis dahin von dessen -Typen nur die des Catholicons benutzt hatten<a name='FA_027' id='FA_027' href='#FN_027' class='fnanchor'>[7]</a>. -</p> - -<div class="sidenote">Gutenbergs<br />Andenken.</div> - -<p> -Hiermit nehmen wir Abschied von Gutenberg und dessen Offizin. Das erste -äussere Andenken an ihn wurde 1504 von Ivo Wittig gestiftet und bestand -in einem Denkstein im Hofe „Zum Gutenberg“. Seitdem hatte Mainz seinen -grossen Bürger ganz vergessen und die typographischen Schätze von Mainz -waren in ausgedehntester Weise verschleudert. Die Stadt musste die -Demütigung erleben, dass der französische Präfekt Jeanbon-St.-André -1804 den ersten Vorschlag machte, Gutenberg ein Denkmal zu setzen, zu -dem ganz Europa beitragen sollte, und dass Napoleon im Sept. 1804 in -Mainz dekretierte, dass ein grosser Gutenbergplatz geschaffen werden -sollte. Es blieb allerdings beim Dekret. Erst die mit vielem Pomp, -1821, in Haarlem begangene vierte Säkularfeier der, von den Holländern -für sich in Anspruch genommenen Erfindung der Buchdruckerkunst war -imstande Gutenbergs Vaterstadt aufzurütteln. Die Kasinogesellschaft -liess ihrem neu eingeweihten Hause den ursprünglichen Namen „Zum -Gutenberg“ wiedergeben und eine goldene Inschrift über das Eingangsthor -setzen. Am 24. Oktb. -<span class='pagenum'><a id='Page_36' name='Page_36' href='#Page_36'>[36]</a></span> -1824 folgte ein Denkstein im Garten. Im Hofe -selbst stiftete der Kunstverein ein Standbild in Sandstein, den -„Ritter“ Gutenberg, eine Satzform haltend, darstellend. -</p> - -<div class="sidenote">Die Denkmäler<br />Gutenbergs.</div> - -<p> -Im Jahre 1831 erging ein Aufruf „an die gebildete Welt“ zur Errichtung -eines erhabenen Monuments zur Säkular-Feier der Buchdruckerkunst -1836!<a name='FA_028' id='FA_028' href='#FN_028' class='fnanchor'>[8]</a> Es wurde eine Aufforderung an die Künstler der Plastik -erlassen, Entwürfe einzusenden, „um dann das beste aus jedem zu -benutzen“. Thorwaldsen erklärte 1832 die Ausführung eines, für den -Erzguss berechneten Modells ohne Entgelt übernehmen zu wollen, jedoch -ohne Konkurrenz. Der Vorschlag wurde angenommen und Crozatier in Paris -mit dem Guss betraut. Die feierliche Einweihung fand am 17. Aug. 1837 -statt<a name='FA_029' id='FA_029' href='#FN_029' class='fnanchor'>[9]</a>. -</p> - -<p> -Seit dem 24. Juni 1840 besitzt auch Strassburg auf dem Gutenbergsplatz -ein Standbild des Erfinders, von David modelliert und von Soyez & -Ingé in Paris gegossen. Ein drittes schönes Denkmal von Herrn von der -Launitz in Frankfurt a. M. zeigt Gutenberg, Fust und Schöffer in einer -Einigkeit, wie sie bei ihren Lebzeiten so sehr erwünscht gewesen wäre, -die jedoch auf dem Denkmal fast wie eine Satire aussieht. -</p> - -<p> -„Alles zusammengenommen“, so sagt Dr. van der Linde, „existiert noch -kein der Erfindung der Typographie entsprechendes Monument. Gleichwie -das nächste Jahrhundert bei seiner Säkularfeier den schlüpfrigen -Boden der Sage zu verlassen und sich auf den Felsen der Geschichte zu -stellen, das heisst, das erste halbe Jahrtausend der Typographie -</p> - -<p class="center"> -<em class="fett">1450-1950</em> -</p> - -<p> -zu feiern hat, so errichte auch das neu entstandene Deutsche Reich -entweder in seiner politischen Hauptstadt <span class='smcap'>Berlin</span> oder in seiner -typographischen Hauptstadt <span class='smcap'>Leipzig</span> ein grossartiges, alle Kleinkrämerei -beschämendes <span class='smcap'>Gutenberg-Monument</span>.“ -</p> - -<div class='footnotes' style="margin-bottom:4em;"> - -<div class='footnote' id='FN_021'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_021'>[1]</a></span> „Mazarinsche“, weil das erste Exemplar in der Bibliothek -des Kardinal Mazarin entdeckt wurde; „Schellhornsche“, weil der -Superintendent Schellhorn besonders bemüht war, derselben ihr Recht als -ein Werk Gutenbergs zu wahren. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_022'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_022'>[2]</a></span> Exemplare besitzen Leipzig, Jena, Stuttgart, Wolfenbüttel. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_023'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_023'>[3]</a></span> <span class='smcap'>H. Künzel</span>, Peter Schöffer von Gernsheim, der Miterfinder -der Buchdruckerkunst. Darmstadt o. J. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_024'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_024'>[4]</a></span> Nach <span class='smcap'>J. Wetters</span> Uebersetzung. Krit. Gesch. S. 319. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_025'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_025'>[5]</a></span> Patrizen. — Matrizen. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_026'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_026'>[6]</a></span> <span class='smcap'>Dr. K. G. Bockenheimer</span>, Gutenbergs Grabstätte. Mainz 1876. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_027'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_027'>[7]</a></span> <span class='smcap'>Henri Helbig</span>, <em class="kursiv">Une découverte pour l'histoire de -l'imprimerie</em>. Bruxelles 1855. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_028'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_028'>[8]</a></span> Diese Jahreszahl war eine Marotte von dem um das Andenken -und die Ehrenrettung Gutenbergs so verdienten <span class='smcap'>A. C. A.</span> Schaab, die er -selbst als solche anerkannte, aber trotzdem aufrecht hielt. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_029'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_029'>[9]</a></span> Ausführlicheres über die Denkmal-Angelegenheit, die -Inaugurationsfeier und die vierhundertjährige Feier der Erfindung 1840 -ist in <span class='smcap'>Meyers</span> „Journal der Buchdruckerkunst“, Jahrgang 1836 und 1840, -enthalten. -</div> -</div> - -<div class="chapter"> -<div class="center clrboth pgbreak"> - <img src="images/pg_37_deco.jpg" - alt="Kapitel-Anfang" /> -</div> - -<h2 class="nobreak" id="h2_13"> -III. KAPITEL. -<span class="seitnum">[<a href="#toc_13">←</a>]</span> -</h2> -</div> - -<p> -DIE VERBREITUNG DER BUCHDRUCKERKUNST IN DEUTSCHLAND. -</p> - -<div class="blockquote"> -<p> -Schnelle Verbreitung der Kunst. Die Nachfolger Gutenbergs in Mainz. -Peter Schöffer und seine Nachkommen. Ulm. Beromünster. Basel. Bamberg, -Albrecht Pfister. Augsburg. Nürnberg. Wien. Der Norden: Köln, Münster, -Magdeburg, Leipzig. -</p> -</div> - -<div class="sidenote">Art der Verbrei-<br />tung der Kunst.</div> - -<p class="hide_x_"> -<img src="images/pg_37_cap.jpg" alt="E" width="50" class="cap0" /> -<span class="hide">E</span>S ist eins der Hauptwunder der überhaupt wunderbaren Geschichte -der Buchdruckerkunst, dass sie sich in einer verhältnismässig so -kurzen Zeit von 1455-1475 beinahe über das ganze zivilisierte Europa -verbreitete. Zwar liegt es auf der Hand, dass eine so wichtige -Erfindung, nachdem sie einmal in den ersten Erzeugnissen der Presse -ans Licht getreten war, auch von Anderen erfasst werden und, durch -kein Gesetz geschützt, sofort Nachahmung finden würde. Vergleichen wir -jedoch ihr schnelles Vordringen mit dem Gang der grossen Erfindungen -der neueren Zeit, z. B. der Gasbeleuchtung oder der Eisenbahnen, so -wird man finden, dass letztere, obwohl durch viele mitwirkende Umstände -unterstützt, sich nicht so schnell Bahn gebrochen haben wie die -Buchdruckerkunst. -</p> - -<p> -Und wie geschah dieses Wunder? -</p> - -<p> -Zu einer Zeit, wo das Reisen ein so beschwerliches und gefahrvolles -Unternehmen war, wie wir es uns jetzt nicht mehr recht vorstellen -können, bahnten ausdauernde deutsche Arbeiter, die unermüdlichen -Pioniere der Erfindung, sich ihren Weg über die weiten -<span class='pagenum'><a id='Page_38' name='Page_38' href='#Page_38'>[38]</a></span> -Gefilde Deutschlands und Frankreichs, ja überschritten die Alpen und -die Pyrenäen, um die Fahne der neuen Kunst in fremden Ländern -aufzupflanzen. Es war, als ob Gutenberg ihnen einen unwiderstehlichen -Talisman vermacht hätte, durch welchen Deutschland bestimmt wurde, -die Wiege der Reformation zu werden und den Weg für jegliche Art des -Fortschrittes im Vaterlande sowohl wie in fremden Ländern zu ebnen. -</p> - -<p> -War auch die Absicht, den Lebensunterhalt zu verdienen, die -erste Triebfeder der Jünger Gutenbergs gewesen, so ist doch die -Unermüdlichkeit, mit der sie, das Geheimnis der neuen Kunst mit sich -führend, nach den fernsten Teilen Europas drangen, der höchsten -Bewunderung wert. Ein gewisser berechtigter Künstlerstolz und ein -achtungswerter Ehrgeiz erwarben ihnen Zuneigung und Vertrauen, wo sie -erschienen. Mit Energie verfolgten sie ihr Ziel ohne Rücksicht auf -Hindernisse und Gefahren, als furchtlose Apostel und prädestinierte -Verbreiter eines neuen Glaubens, von dem sie durchdrungen und -begeistert waren<a name='FA_031' id='FA_031' href='#FN_031' class='fnanchor'>[1]</a>. -</p> - -<p> -Folgen wir nun diesen begeisterten Jüngern auf ihren Wegen -in Deutschland und in den fremden Ländern bis zum Schluss des -Jahrhunderts, nachdem wir erst Kenntnis von dem Fortschreiten der -Druckerei von Fust und Schöffer genommen. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote">Fust und<br />Schöffers Offizin<br />in Mainz.</div> - -<p> -Im Besitz des neuen Gutenbergschen Materials und der genügenden -Geldmittel, mit der technischen Tüchtigkeit verbunden, gelang es bald -Fust und Schöffer, den Erfinder der Kunst zu überflügeln und nach der -kurzen Zeit von noch nicht zwei Jahren eine grossartige Leistung der -Typographie zu vollenden: das Psalterium von 1457. Dieses Druckwerk -ist das erste, welches mit der Angabe des Druckers, des Druckortes, -der Jahreszahl und des Datums (14. Aug. 1457) zugleich mit farbigen -Initialen versehen ist, während Seitenzahl, Signatur und Kustoden immer -noch fehlen. Man kennt 6 Exemplare, von denen drei 175, die anderen -nur 143 resp. 136 Blätter zählen. Als unvollständig können letztere -jedoch nicht bezeichnet werden, da alle den Schlusssatz enthalten. -<span class='pagenum'><a id='Page_39' name='Page_39' href='#Page_39'>[39]</a></span> -Die Auslassungen geschahen wahrscheinlich aus Sparsamkeitsrücksichten, um -nicht zu viel Pergament zu verbrauchen<a name='FA_032' id='FA_032' href='#FN_032' class='fnanchor'>[2]</a>. -</p> - -<div class="sidenote">Das Psalterium<br />von 1457.</div> - -<p> -Dreihundertundsechs grosse Initialen, in rot und blau gedruckt, -schmücken das kostbare, der starken Benutzung wegen nur auf Pergament -gedruckte Buch. Eine Hauptzierde ist das, den Text anfangende Initial -<em class="fett fs120">B</em>. Der eigentliche Körper des Buchstabens bildet ein Viereck -von 9 cm Höhe und Breite, rechnet man jedoch die Ausläufer mit zur -Höhe, so beträgt diese 31 cm. Die Ornamentierung trägt einen maurischen -Charakter und ist wahrscheinlich einem spanischen Manuskripte -nachgebildet. Über die Herstellung dieser farbigen Initialen sind die -Kenner nicht einig. Die vollendete Genauigkeit des Passens schliesst, -bei den damaligen technischen Hülfsmitteln, den Gedanken an einen -Doppeldruck aus. Einige halten dafür, dass die Holzschnitte in einzelne -Teile nach den Farben zerlegt, diese einzeln eingefärbt, und dann, in -einander gefügt, mit Einem Druck hergestellt sind, ganz in der Art des, -zu Anfang unseres Jahrhunderts entstandenen Congrevedruckes. Andere -behaupten, die Holzschnitte seien blind in den Bogen gepresst und -nachher ausgemalt und wollen überhaupt an vielen Stellen des Textes -eine Übermalung weniger gut gedruckter Sätze und Buchstaben entdeckt -haben. Wie dem auch sei, so ist die Ausführung der Doppelfärbung -eine technisch vollendete. Ohne Mängel ist das Werk dennoch nicht, -namentlich ist der Ausschluss ein unregelmässiger und haben die -Zeilen verschiedene Länge; auch Druckfehler, selbst so auffälliger -Natur wie <em class="kursiv">spalmorum</em> statt <em class="kursiv">psalmorum</em> in der ersten Zeile des -Schlusswortes, kommen vor. Merkwürdig ist es überhaupt, dass gerade die -Schlussworte der alten Drucke nicht selten Fehler aufzuweisen haben; -namentlich in Bezug auf Jahreszahlen, was mitunter zu den sonderbarsten -Schlussfolgerungen für die Geschichte der Buchdruckerkunst Anlass -gegeben hat. -</p> - -<p> -Zugegeben, dass die ganze blendende Pracht der Erscheinung die, an -unseren nüchternen Buchdruck gewöhnten Beschauer befangen gemacht -und sie veranlasst hat, die Mängel zu übersehen und alles für -unübertrefflich zu halten, so kann man doch das Psalterium nur als ein -Wunderwerk ansehen, wenn man bedenkt, dass -<span class='pagenum'><a id='Page_40' name='Page_40' href='#Page_40'>[40]</a></span> -es nur wenige Jahre nach -der Erfindung erschien. Über diesen so schnellen Aufschwung muss man -staunen und bekennen, dass die vier Jahrhunderte, die seit der Zeit -vergangen sind, zwar in der technischen Tüchtigkeit und Korrektheit -des Materials grosse Fortschritte gemacht haben, in der eigentlichen -Kunst jedoch verhältnismässig wenige; ja wir möchten bezweifeln, dass -ein Meisterwerk von heute nach 400 Jahren ein so jugendliches Gepräge -besitzen wird, wie das Psalterium heute zur Schau trägt. Fasst man -ausserdem ins Auge, dass dies Werk kaum 21 Monate nach der Trennung -Fust und Schöffers von Gutenberg ausgegeben werden konnte, so liegt -der Gedanke nahe, dass die Anfänge schon aus der Zeit der Verbindung -stammen, worauf auch die von der sonstigen Schöfferschen abweichende -Schrift und die Ausstattungsart hinweisen. -</p> - -<p> -Bereits im Jahre 1459 erschien eine zweite Auflage in etwas -vergrössertem Format, von der man zwölf Exemplare kennt. Eine dritte -folgte 1490; eine vierte 1502; die fünfte, aus dem Jahre 1516, stammt -aus der Offizin des jüngeren Schöffer. -</p> - -<div class="sidenote">Weitere Druck-<br />werke Fusts und<br />Schöffers.</div> - -<p> -Am 6. Oktober 1459 vollendeten Fust und Schöffer <em class="kursiv">Durandi, Rationale -divinorum officiorum</em>, welches mit neuen Typen Schöffers gesetzt wurde. -Am 25. Juni 1460 erschienen: <em class="kursiv">Constitutiones Clementi V</em>. Im Frühjahr -1462 druckten Fust und Schöffer die erste politische Flugschrift in -Brief- (Plakat-)Form, das Manifest Diethers von Isenburg gegen Adolf -von Nassau, welches verhängnisvoll für ihre Druckerei werden sollte. -</p> - -<div class="sidenote">Die 48zeilige<br />Bibel.</div> - -<p> -Das vierte der grossen Mainzer Druckmonumente (vorausgesetzt, dass -die 36zeilige Bibel das erste gewesen), war die, fünf Jahre nach -dem Psalterium erschienene „<em class="kursiv">Biblia sacra latina</em>“ („Die 48zeilige“ -genannt). Dies Werk bildet zwei Foliobände von je 242 und 239 -zweispaltigen Blättern zu 48 Zeilen. Die Exemplare sind teils auf -Pergament, teils auf Papier gedruckt; in die ersteren sind die -Initialen hineingemalt, in den letzteren fehlen sie gewöhnlich. Gegen -siebenzig Exemplare dieses Druckwerkes, welches sowohl durch seine -typographische Schönheit, wie auch als erste vollständig datierte Bibel -einen Hauptrang einnimmt, sind erhalten. -</p> - -<p> -So wenig wie Gutenberg früher den Mut verlor, so wenig war es mit Fust -und Schöffer der Fall, als ihre Offizin in der Nacht vom -<span class='pagenum'><a id='Page_41' name='Page_41' href='#Page_41'>[41]</a></span> -27.-28. Okt. bei der Eroberung von Mainz durch den Grafen Adolf 1462 verwüstet wurde -und in Flammen aufging. -</p> - -<div class="sidenote">Fust † um 1466.</div> - -<p> -Schon 1465 ward die Herausgabe von „<em class="kursiv">Cicero de officiis</em>“ unternommen, -worin zum erstenmale griechische Schriften, jedoch in Holz geschnitten, -verwendet wurden. Im Sommer 1466 war Fust, um den Verkauf der -Verlagswerke zu betreiben, nach Paris gereist. In dem folgenden Jahre -war er nicht mehr am Leben; wahrscheinlich ist er in Paris, wo damals -die Pest hauste, gestorben. -</p> - -<p> -Schöffer setzte nun das Geschäft allein fort. Unter seinen Druckwerken -ist noch die am 24. Mai 1468 erschienene herrliche Ausgabe von: -„<em class="kursiv">Justiniani Institutiones cum glossa</em>“ zu nennen, in deren -Schlussschrift er sich selbst auf Kosten Gutenbergs etwas gar zu -grosssprecherisch hervorhebt. -</p> - -<div class="sidenote"> -Schwabacher<br />Schrift. -<hr class="sidenote" /> -Erhard Rewich.</div> - -<p> -Ob Schöffer auch das Verdienst gehabt hat, die erste rein deutsche -Schrift, die „Schwabacher“, zu erfinden, lässt sich nicht bestimmt -ermitteln. Sie kommt zum erstenmale 1486 in Mainz zum Vorschein in dem -Werke Bernhard von Breydenbachs „Heylige reyssen gen Jerusalem“, das -bei <span class='smcap'>Erhard Rewich</span> gedruckt wurde. Da Schöffer im J. 1492 die Chronik -der Sachsen mit dieser Schrift druckte und man von Rewich aus Utrecht, -der als Maler die Reisen Breydenbachs mitmachte und auf dessen Buche -als der Drucker genannt wird, in letzterer Eigenschaft sonst nichts -kennt, so dürfte die Annahme, dass Rewich nur der Herausgeber und -Peter Schöffer der Drucker und Erfinder der Schrift sei, manches für -sich haben. Andernfalls müsste man annehmen, was ja nicht als einziger -Fall dastehen würde, dass Breydenbach als reicher Mann für dieses Werk -eine eigene Druckerei von Schöffer hätte einrichten lassen. Woher -der Name „Schwabacher“ stammt, ist ebenfalls nicht ermittelt. Die -Anwendung der Schrift als Werkschrift hält sich bis in die Mitte des -<span class='smcap'>xvi.</span> Jahrhunderts und man verwandte sie ebensowohl zu lateinischen -wie zu deutschen Texten. Später unterlag sie mancherlei Änderungen, -die sie der Fraktur näherführten. Als Auszeichnungsschrift findet die -Schwabacher noch bis gegen die Mitte unseres Jahrhunderts Verwendung. -Dann kam sie in Vergessenheit, um in neuester Zeit wieder als -Buchschrift aufzuleben. -</p> - -<div class="sidenote">Schöffer in Paris.</div> - -<p> -Bald hätte noch ein neuer schwerer Verlust das Schöffersche Geschäft -getroffen. Das Bücherlager, welches Fust nach Paris -<span class='pagenum'><a id='Page_42' name='Page_42' href='#Page_42'>[42]</a></span> -gebracht hatte, -wurde, nachdem Schöffers dortiger Faktor Hermann von Stathoen -ebenfalls 1475 gestorben war, als herrenloses Gut vom Fiskus in Besitz -genommen. Zur Wiedererlangung seines Eigentums reiste Schöffer selbst -nach Paris, erreichte auch glücklich sein Ziel und ernannte Conrad -Henlif<a name='FA_033' id='FA_033' href='#FN_033' class='fnanchor'>[3]</a> zu seinem Faktor. Schöffer kann eigentlich als der erste -Sortiments-Buchhändler betrachtet werden, da er nicht allein mit seinen -eigenen Druckwerken Handel trieb, sondern auch die Erzeugnisse anderer -Drucker verkaufte. -</p> - -<div class="sidenote">Schöffers Tod.</div> - -<p> -Von 1493 erlahmt seine Thätigkeit. Das letzte Buch mit seinem Namen ist -die schon erwähnte vierte Auflage des Psalterium (21. Dez. 1502). Das -erste Buch mit dem Namen seines Sohnes ist vom 27. März 1503 datiert. -Sonach fällt der Todestag Schöffers, den man nicht genau kennt, in -diese Zwischenzeit. Am 9. Juni 1836 wurde das ihm von seiner Vaterstadt -Gernsheim errichtete Denkmal enthüllt. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Strassburg.<br />Joh. Mentelin.<br />Heinr. Eggesteyn.</div> - -<p> -Kehren wir auf unserer Wanderung<a name='FA_034' id='FA_034' href='#FN_034' class='fnanchor'>[4]</a> nach STRASSBURG<a name='FA_035' id='FA_035' href='#FN_035' class='fnanchor'>[5]</a> zurück, so -begegnen wir als den ersten Buchdruckern dort Johann Mentelin und -Heinrich Eggesteyn. Von beiden existieren Bibeln schon aus dem Jahre -1466; jedoch ohne Nennung des Druckers und des Datums. Die ersten -datierten Drucke aus Strassburg gehören Eggesteyn an (1471) das: -<em class="kursiv">Decretum Gratiani</em>. 2 Bde. fol. und die: <em class="kursiv">Constitutiones Clementi -V.</em>, ebenfalls in fol., in welchen der Drucker sagt, er habe schon -unzählige Bände gedruckt. Dass auch Mentelin um diese Zeit eine -grössere Thätigkeit entwickelt hatte, geht schon daraus hervor, dass er -1471 einen — den ersten überhaupt existierenden — Verlagskatalog auf -einem Oktavblatt von 19 Zeilen herausgab<a name='FA_036' id='FA_036' href='#FN_036' class='fnanchor'>[6]</a> und dass Kaiser Friedrich -<span class='smcap'>iii.</span> ihn schon 1468 auf Grund seiner Verdienste in den Adelstand erhob. -Eggesteyns Wirksamkeit endigt schon 1472; Mentelin starb 1478 und sein -Begräbnis fand unter grossen Ehren im Dome statt<a name='FA_037' id='FA_037' href='#FN_037' class='fnanchor'>[7]</a>. -</p> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_43' name='Page_43' href='#Page_43'>[43]</a></span> -Die ersten Strassburger Drucke sind weit unvollkommener als die -Mainzer, und weisen eine ganz abweichende Type auf. Es war deshalb -nicht so unnatürlich, dass man auf eine selbständige und ältere -Erfindung in Strassburg, der „Wiege der Kunst“, — jedoch wie Schaab -richtig bemerkt „eine Wiege ohne Kind“ —, schliessen wollte. -</p> - -<div class="sidenote">Die Schweiz.<br />Beromünster. -<hr class="sidenote" /> -Basel. -<hr class="sidenote" /> -B. Richel.</div> - -<p> -Das benachbarte Basel, das später einen bedeutenden Platz in der -Geschichte der Typographie behauptet, nahm die Kunst bald auf. -Allgemein wird jedoch nicht Basel, sondern der Flecken BEROMÜNSTER -im Canton Luzern, eine Stunde von Sempach, wo am 9. Juli 1386 Arnold -Winkelried durch seine heldenmütige Aufopferung „der Freiheit eine -Gasse brach“, als erster Druckort der Schweiz betrachtet. In dem -dortigen berühmten Chorherrenstift des Erzengels Michael lebte ein, -durch seine Gelehrsamkeit hervorragender Mann Elias Eliae (Helias -Helie)<a name='FA_038' id='FA_038' href='#FN_038' class='fnanchor'>[8]</a> aus dem berühmten Geschlecht derer von Laufen. Derselbe -soll die Buchdruckerkunst durch <span class='smcap'>Ulr. Gering</span>, der später als erster -Buchdrucker in Paris wirkte, nach der Schweiz gebracht haben und dort -als erstes Buch den <em class="kursiv">Mamotrectus</em> des Joh. Marchesini, ein beliebtes, -für höhere Schulen bestimmtes Wörterbuch der schwersten Ausdrücke -der Bibel, gedruckt haben. Hiergegen wird jedoch Zweifel erhoben, -und der <em class="kursiv">Mamotrectus</em> soll, inklusive der Jahreszahl 1470, nur ein -Nachdruck einer Mainzer Ausgabe aus diesem Jahre sein und frühestens -1474 gedruckt, dagegen das 1472 erschienene: <em class="kursiv">Roderici, Speculum -vitæ humanæ</em> das erste Buch aus Beromünsters Presse sein. Um diese -Zeit kam auch die Kunst nach BASEL<a name='FA_039' id='FA_039' href='#FN_039' class='fnanchor'>[9]</a> durch <span class='smcap'>Bartholdus de Basilea</span> -(eigentlich aus Hanau). Das erste Buch mit Jahreszahl ist Magister -Konrads <em class="kursiv">Repertorium vocabularum</em> von 1473. <span class='smcap'>Michael Wenssler</span> und <span class='smcap'>Fr. -Biel</span> druckten die Briefe Gasparinis von Bergamo ohne Jahreszahl. Eine -handschriftliche Notiz in einem Exemplar in der Baseler Stadtbibliothek -<span class='pagenum'><a id='Page_44' name='Page_44' href='#Page_44'>[44]</a></span> -bezeichnet es als im Jahre 1472 gekauft. <span class='smcap'>Bernhard Richel</span> druckte -bis 1482. Bekannt sind seine vier Ausgaben der <em class="kursiv">Vulgata</em>. Aus seiner -Offizin stammt auch die erste Ausgabe des „Sachsenspiegels“, des von -Eyke von Reppgowe zwischen 1215-1230 verfassten deutschen Rechtsbuches. -</p> - -<p> -Bekannt ist ebenfalls <span class='smcap'>Johannes Bergmann von Olpe</span> (1494-1499), -namentlich durch die mit 114 merkwürdigen Holzschnitten geschmückte -Ausgabe von Sebastian Brants „Narrenschiff“. Die erste Auflage dieses -oft gedruckten und nachgedruckten Buches erschien 1494. -</p> - -<div class="sidenote">Joh. Ammerbach.</div> - -<p> -Der berühmteste unter den ältern Buchdruckern Basels war <span class='smcap'>Johannes -Ammerbach</span> aus Reutlingen (geb. 1434). Seine Liebe zu den Wissenschaften -führte ihn nach Paris, wo er sich dem Rektor Joh. v. Stein anschloss. -Dies mag wohl den Anstoss gegeben haben, dass Ammerbach sich der -Buchdruckerei widmete. Als <em class="kursiv">Magister artium</em> kehrte er nach Deutschland -zurück, arbeitete eine zeitlang als Korrektor bei Anton Koberger. -Zwischen 1475 und 1480 eröffnete er seine Offizin in Basel und liess -sich namentlich sorgfältige Ausgaben der hauptsächlichsten Kirchenväter -angelegen sein. Er war der erste Baseler Buchdrucker, der sich der -Antiqua bediente. Unterstützt wurde er in seinen Unternehmungen von -seinen gelehrten Freunden Aug. Dodo, Conr. Pellicanus, Beat. Rhenanus -und Joh. v. Stein, der von Paris nach Basel gezogen war. -</p> - -<p> -Den Grund, weshalb die Druckkunst in Basel so schnell Wurzel fasste, -muss man namentlich in seiner 1460 gegründeten, frisch aufblühenden -Universität suchen. Mitgewirkt hat vielleicht auch der Umstand, dass -die Papierfabrikation dort in grossem Flor stand. Bereits 1440 besass -Hans Halbysen dort eine Papiermühle. Einen besonderen Aufschwung -erhielt die Fabrikation durch die Brüder Antonius und Michael, die -Gallicianen, welche um 1470 aus Spanien eingewandert waren. -</p> - -<div class="sidenote">Ulm und seine<br />Kunstschule. -<hr class="sidenote" /> -L. Hohenwang.</div> - -<p> -ULM<a name='FA_0310' id='FA_0310' href='#FN_0310' class='fnanchor'>[10]</a> war, nächst Augsburg, in der ersten Hälfte des <span class='smcap'>xv.</span> Jahrhunderts -die wichtigste Stadt Schwabens und zählte über 50000 Einwohner. Es war -nicht allein durch seinen Handel reich, sondern zeichnete sich auch -durch die Pflege der Poesie und der bildenden -<span class='pagenum'><a id='Page_45' name='Page_45' href='#Page_45'>[45]</a></span> -Künste aus. Baukunst, Holzbildnerei, Malerei, Formenschneiderei blühten dort und die -Häupter der Schwäbischen Schule Martin Schön, Bartholomäus Zeitblom -und Martin Schaffner hatten einen grossen Ruf. Neben Anfertigung von -Heiligenbildern war das Kartenmachen sehr in Schwung und grosse Massen -dieser Erzeugnisse gingen nach Italien. Es war deshalb natürlich, dass -die Buchdruckerei dort schnell Fuss fasste. Nächst Augsburg hat Ulm die -meisten Wiegendrucke aufzuweisen, nämlich 136, unter denen 86 datierte. -<span class='smcap'>Ludwig Hohenwang</span> aus Elchingen war einer der ersten Ausüber der Kunst. -Er war selbst Zeichner, Formenschneider, Schriftsteller und Drucker, -der mit Holztafeldruck anfing. Vier Ausgaben der <em class="kursiv">ars moriendi</em> sollen -aus seinen Pressen hervorgegangen sein. Seine keineswegs vorzügliche -Type ähnelt der römischen und seine Bücher zeichnen sich unvorteilhaft -durch die Masse der Abbreviaturen aus, mitunter über 300 auf einer -32zeiligen Seite. Wahrscheinlich spielte Schriftmangel dabei eine -Rolle, denn man findet, wie öfters in alten Drucken, kleine Buchstaben -für grosse, oder einander ähnliche Buchstaben als Ersatz für einander -verwendet, z. B. ein K für ein R. -</p> - -<div class="sidenote">Joh. Zainer.</div> - -<p> -Scheint es demnach nach neueren Untersuchungen, als müsse <span class='smcap'>Johannes -Zainer</span> dem Genannten den Ehrenplatz als „erster“ Buchdrucker einräumen, -so ist letzterem wenigstens der Ruhm als Ulms bedeutendsten Druckers -und als eines der hervorragendsten in Deutschland gesichert. Durch -einen langen Zeitraum, von dem Anfange der siebenziger Jahre des -<span class='smcap'>xv.</span> bis zur Mitte der zwanziger Jahre des <span class='smcap'>xvi.</span> Jahrh., lieferte er -umfangreiche Druckwerke. Zwar hat man von ihm kein datiertes Werk älter -als 1473 aufzuweisen, da er jedoch um diese Zeit mit einer Anzahl, -zumteil Vorbereitungen aus langer Hand erfordernder Werke auftritt, so -muss er jedenfalls früher als 1473 zu wirken angefangen haben, und die -handschriftliche Notiz des Käufers eines von ihm gedruckten Buches: -„<em class="kursiv">Albertus Magnus, de adherendo deo</em>“, dass es 1470 gekauft sei, dürfte -auf Wahrheit beruhen. Wahrscheinlich gebührt ihm, nicht Günther Zainer -in Augsburg, der Ruhm, die Antiqua zuerst in Deutschland eingeführt zu -haben. Ob er ein Bruder des Augsburger Zainer gewesen ist, weiss man -zwar nicht, beide stammen jedoch aus Reutlingen. Überhaupt kennt man -von seinem Privatleben wenig mehr, als dass es eine Kette von Sorgen -war. -</p> - -<div class="sidenote">Leonh. Holl.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_46' name='Page_46' href='#Page_46'>[46]</a></span> -<span class='smcap'>Leonhard Holl</span>, Ulms dritter Buchdrucker, besass eine Spielkartenfabrik. -Seine Waren gingen bis nach Konstantinopel. Er war der erste, der -ein Werk mit in Holz geschnittenen Landkarten, worin zumteil Typen -eingesetzt werden konnten, druckte. Es war dies: <em class="kursiv">Claudii Ptolomäi -Alexandrini Cosmographia</em> mit 32 Karten von Johann Schnitzer von -Armsheim ausgeführt. Pekuniären Erfolg hatte Holl davon nicht; erst -musste er das Werk versetzen, später verkaufen. Es kam darauf in die -Hände eines Venetianers Justus de Albano, der durch seinen Faktor -Johannes Reger eine neue Ausgabe druckte. -</p> - -<div class="sidenote">Augsburg.</div> - -<p> -AUGSBURGS<a name='FA_0311' id='FA_0311' href='#FN_0311' class='fnanchor'>[11]</a> erster Buchdrucker <span class='smcap'>Günther Zainer</span> (1468-1475) ist -wahrscheinlich ein Schüler Fusts oder Schöffers gewesen. Bei ihm -erschien um 1470 die erste Ausgabe von Thomas a Kempis' „Vier Bücher -von der Nachfolge Christi“, ein Buch, welches nächst der Bibel am -häufigsten aufgelegt worden ist. Eine grosse Anzahl deutscher Bücher -druckte <span class='smcap'>Johann Bämler</span> (1472-1492). <span class='smcap'>Anton Sorg</span> (1475-1498) gab das -erste Wappenbuch heraus, enthaltend die Wappen aller bei dem Konzil von -Constanz anwesenden Herren. Einen hochberühmten Namen erwarb sich der -Augsburger <span class='smcap'>Erhard Ratdolt</span>, ein fahrender Buchdrucker, dessen Namen mit -der venetianischen Buchdruckergeschichte rühmlichst verknüpft ist. Am -meisten glänzt <span class='smcap'>Hans Schönsperger der Ältere</span> (1481-1523). Über diesen -sowie über Ratdolt wird später ausführlicher zu sprechen sein. -</p> - -<div class="sidenote">Nürnberg. -<hr class="sidenote" /> -Antonius Ko-<br />berger.</div> - -<p> -Der Vater der Typographie NÜRNBERGS<a name='FA_0312' id='FA_0312' href='#FN_0312' class='fnanchor'>[12]</a> ist <span class='smcap'>Johann Sensenschmid</span> -(1473-1478), ein durch Gelehrsamkeit und Korrektheit seiner Druckwerke -bekannter Buchdrucker, der 1478 nach Bamberg zog. Auch der berühmte -Astronom <span class='smcap'>Joh. Regiomontanus</span> (Joh. Müller aus Königsberg) errichtete in -Nürnberg eine Druckerei und druckte deutsche und lateinische Kalender. -Des grössten Namens als Buchdrucker und Buchhändler erfreute sich -aber <span class='smcap'>Antonius Koberger</span><a name='FA_0313' id='FA_0313' href='#FN_0313' class='fnanchor'>[13]</a> (1473-1513). Er arbeitete mit 24 Pressen -und beschäftigte über 100 Gesellen. Man kennt 220 aus seinen Pressen -hervorgegangene -<span class='pagenum'><a id='Page_47' name='Page_47' href='#Page_47'>[47]</a></span> -Werke, beinahe alle in Folio-Format von bedeutendem -Umfange, von grosser Korrektheit und Eleganz. Allein 19 Bibeln druckte -er, darunter eine in deutscher Sprache mit gothischen Typen und mit -denselben Holzschnitten ausgestattet, die bereits in Köln zu der -niederdeutschen Bibel von 1480 verwendet waren. -</p> - -<div class="sidenote">Der Schatzbe-<br />halter.</div> - -<p> -Die Ausführung befriedigte jedoch Koberger nicht und gab ihm -Veranlassung, Schritte zu thun, um künftig auf heimischem Boden -stehen zu können. Wie rasch dies gelang, zeigt der 1491 erschienene -„Schatzbehalter des Reichtums des ewigen Heils“. Die Holzschnitte -sind zwar ungleich, je nach Fertigkeit der Holzschneider, aber die -Zeichnungen, die unzweifelhaft Michel Wohlgemut angehören, sind -durchweg mit Geschmack und künstlerischem Sinn ausgeführt, zugleich -unter Innehaltung der Grenzen, welche die noch nicht vollendete Technik -des Holzschnittes verlangte. -</p> - -<div class="sidenote">Schedels<br />Chronik.</div> - -<p> -Das 1493 sowohl in einer deutschen, wie in einer lateinischen -Ausgabe erschienene „Buch der Chroniken und Geschichten“ des Doktor -Hartmann Schedel ist als illustriertes Werk eins der merkwürdigsten -Presserzeugnisse des <span class='smcap'>xv.</span> Jahrhunderts. Da ein Übereinkommen mit -Wohlgemut und Wilh. Pleydenwurf über die Lieferung der mehr als 2000 -in dem Buch enthaltenen Illustrationen (von den zweimal und öfter -vorkommenden abgesehen) erst 1491 getroffen wurde, so sieht man, dass -über bedeutende sowohl xylographische wie typographische Kräfte verfügt -wurde. Zum Schluss des Werkes werden die angesehenen Nürnberger Bürger -Sebald Schreyer und Sebastian Kammermaister als um die Förderung des -Werkes verdient erwähnt, ohne dass jedoch über die Art und Weise etwas -verlautet, vielleicht haben sie als reiche Kunstkenner die Kosten der -Illustrationen getragen. -</p> - -<p> -Bei dem Druck der „Reformation der Stadt Nürnberg“ (1475) wendete -Koberger eine verschönerte halbgothische Schrift an, welche der -nachherigen Fraktur sehr nahe stand und die später auch bei dem grossen -Druckwerke „Leben der Heiligen“ (1488) benutzt wurde. -</p> - -<div class="sidenote">Kobergers grosse<br />Thätigkeit.</div> - -<p> -Die Wirksamkeit Kobergers als Verleger war eine so grosse — sein -Katalog zählt allein 33 Bibeln auf —, dass die Kräfte der eigenen -bedeutenden Offizin zur Herstellung aller Werke nicht zulangten und -<span class='pagenum'><a id='Page_48' name='Page_48' href='#Page_48'>[48]</a></span> -öfters andere Offizinen in Anspruch genommen werden mussten, namentlich -die von Johannes Ammerbach in Basel. Aus Kobergers Briefwechsel<a name='FA_0314' id='FA_0314' href='#FN_0314' class='fnanchor'>[14]</a> mit -diesem zeigt sichs, wie umsichtig er für alles besorgt war, und mit -Recht allgemein den Ruf eines ungemein fleissigen, ordnungsliebenden -und pünktlichen Mannes genoss. -</p> - -<p> -Selbst bei dieser grossen Verlagsthätigkeit ruhte Koberger nicht. Er -trieb zugleich einen ausgedehnten Sortimentshandel, hatte an mehreren -Orten Filialen und Agenten, ja es scheint sogar, als habe er sich -auch mit anderen als buchhändlerischen Geschäften befasst. Diese seine -Thätigkeit brachte ihm Ansehen und goldene Früchte. Auch im häuslichen -Leben war er gesegnet und hatte von seinen zwei Frauen mehr als zwanzig -Kinder, von denen einige ebenfalls eine bedeutende geschäftliche -Wirksamkeit entfalteten. Er starb im J. 1513. -</p> - -<div class="sidenote">Bamberg.<br />Albr. Pfister.</div> - -<p> -In BAMBERG<a name='FA_0315' id='FA_0315' href='#FN_0315' class='fnanchor'>[15]</a> wirkte <span class='smcap'>Albrecht Pfister</span> (geb. um 1420; gest. um 1470), -von vielen für einen selbständigen Erfinder der Buchdruckerkunst -und den Drucker der 36zeiligen Bibel gehalten. Als Beweis wird -die Identität der Typen dieses Werkes mit denen des Bonerschen -„Fabelbuches“ (1461), der „vier Historien“ (1462), sowie des „Belial“, -welche Pfisters Namen tragen, angeführt. Dagegen spricht entschieden -die typographisch sehr niedrig stehende Ausführung sämtlicher -Druckwerke Pfisters. Wer die 36zeilige Bibel gedruckt hat, wird -schwerlich als Künstler so tief sinken. Die Typen kann Pfister ja recht -wohl von Gutenberg erworben haben. -</p> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_49' name='Page_49' href='#Page_49'>[49]</a></span> -Das Bonersche Fabelbuch (1461) enthält 88 sehr geringe Holzschnitte -und wurde früher für das erste deutsche illustrierte Buch<a name='FA_0316' id='FA_0316' href='#FN_0316' class='fnanchor'>[16]</a> -gehalten. Die Priorität muss jedoch den: „Sieben Freuden Mariä“ -und der „Leidensgeschichte Jesu“ (1450-1460) eingeräumt werden, die -in künstlerischer Beziehung über dem Fabelbuch stehen. Ob letztere -beiden Erzeugnisse der Pfisterschen Presse angehören, lässt sich nicht -ermitteln. Unter diesen bleiben noch zu erwähnen: eine „Armenbibel“ -deutsch (wahrscheinlich 1462), sowie dasselbe Werk lateinisch. -Es enthält 17 Blätter in Folio mit 170 Holzschnitten. Mutmasslich -hat Pfister keinen bleibenden Aufenthalt in Bamberg gehabt, denn -in neunzehn Jahren, bis 1481, ist kein aus Bamberger Pressen -hervorgegangenes Werk bekannt. -</p> - -<div class="sidenote">Johann Sensen-<br />schmid.</div> - -<p> -Der von Nürnberg nach Bamberg übergesiedelte <span class='smcap'>Johann Sensenschmid</span> -(1482-1490) lieferte ein prachtvolles <em class="kursiv">Missale ordinis S. Benedicti</em> -und später im Verein mit <span class='smcap'>Heinrich Petzensteiner</span> (bis 1491) das <em class="kursiv">Missale -ecclesiæ Ratisponensis</em>, welches so grossen Beifall fand, dass der -Drucker desselben mit vielen ähnlichen Aufträgen beehrt wurde. -</p> - -<div class="sidenote">Wien.</div> - -<p> -In WIEN<a name='FA_0317' id='FA_0317' href='#FN_0317' class='fnanchor'>[17]</a> stand die 1365 begründete Universität in voller Blüte -und der Kaiser Friedrich <span class='smcap'>iii.</span> war der Buchdruckerkunst wohl gewogen. -Er hatte, wie erwähnt, Joh. Mentel in den Adelstand erhoben und die -Kunst durch ihre und ihrer Verwandten Aufnahme in seinen und des -Reiches Schutz und durch Verleihung eines Wappens<a name='FA_0318' id='FA_0318' href='#FN_0318' class='fnanchor'>[18]</a> geehrt. Zu -verwundern bleibt es umsomehr, dass erst 1482 in -<span class='pagenum'><a id='Page_50' name='Page_50' href='#Page_50'>[50]</a></span> -Wien gedruckt wurde. -Allerdings waren die Zeiten nicht gerade die günstigsten. Im Jahre 1481 -führte Matthias Corvinus von Ungarn zum drittenmale seine Heere nach -Österreich; 1482 brach die Pest in Wien aus; 1485 zog Matth. Corvinus -siegreich dort ein und behauptete seine Herrschaft bis 1490. -</p> - -<p> -Aus dem Jahre 1482 stammen die ersten unbedeutenden Druckerzeugnisse -Wiens ohne Namen und Datum. Bis zum Jahre 1492 zeigt sich keine -weitere Spur vom Druck und erst von da ab kann man eigentlich von einer -Buchdruckerkunst in Wien reden. -</p> - -<div class="sidenote">J. Winterburger.</div> - -<p> -In dem zuletzt genannten Jahre druckte <span class='smcap'>Joh. Winterburger</span>, aus -Winterburg bei Kreuznach, A. Flacci: <em class="kursiv">Persij Satire</em>. Weder dieser -Druck, noch die 1492 gedruckte Leichenrede Bernh. Pergers auf den -Kaiser Friedrich <span class='smcap'>iii.</span> trägt die Firma Winterburgers und nur die Typen -gestatten den Schluss, dass sie von ihm ausgeführt wurden. Da seine -Druckerei damals eine sehr gut eingerichtete war, so ist es nicht -unmöglich, dass sie schon 1482 bestand und dass die Drucksachen aus -jener Zeit von ihm stammen, doch sind keine Beweise dafür vorhanden, -und die lange Pause wäre nicht ganz leicht zu erklären. Erst 1493 kommt -sein Name vor, zum erstenmale auf dem Ceremoniell zu dem „begencknus -Kaiserlicher Maistat“, Friedrich <span class='smcap'>iii.</span> Kaiser Maximilian begünstigte -Winterburger sehr und verlieh ihm die Führung des kaiserlichen -Adlers<a name='FA_0319' id='FA_0319' href='#FN_0319' class='fnanchor'>[19]</a>. Er verdiente aber auch jede Aufmunterung, denn er druckte -kostbare Werke und förderte die Arbeiten nicht allein der Wiener -Gelehrten. Er starb im hohen Alter (1519), in demselben Jahre wie sein -Gönner, der Kaiser. -</p> - -<div class="sidenote">Köln.<br />Ulrich Zell.</div> - -<p> -In den West- und Nordmarken des Deutschen Reiches ist es ganz besonders -KÖLN, das in den ersten Zeiten der Kunst die Aufmerksamkeit auf sich -zieht. Seine Lage machte es zum Mittelpunkte der Verbreitung des -Buchdrucks im Norden Deutschlands und überhaupt Europas, und von -dort gehen auch viele der typographischen Verbesserungen aus, z. -B. die Anwendung der Signaturen, der Pagination, des eigentlichen -Buchtitels und der Kolumnentitel, der kleinern Schriften und Formate. -Viele der Buchdrucker, die mit Ruhm anderswo arbeiteten, erhielten -ihre typographische -<span class='pagenum'><a id='Page_51' name='Page_51' href='#Page_51'>[51]</a></span> -Bildung in Köln. Schon im frühesten Mittelalter -war es ein Sitz der Wissenschaft und der Kunst, und seine 1388 -gegründete Universität bildete einen Hauptsitz der Theologie und der -Philosophie. <span class='smcap'>Ulrich Zell</span>, ein berühmter Schönschreiber, Illuminator, -Rubrikator und Schüler der Mainzer Offizin, war der erste Drucker -Kölns. Seine frühesten Werke sind Chrysostomus: <em class="kursiv">Super psalmo -quinquagesimo</em> und die <em class="kursiv">Bulla retractionum Pii II.</em>, datiert Rom 16. -März 1463. Von seinen vielen Meisterwerken verdient die lateinische -Bibel in zwei Grossfolio-Bänden (wahrscheinlich aus dem Jahre 1470), -besonders erwähnt zu werden. Die erste niederdeutsche Bibel, eins der -berühmtesten und wertvollsten Erzeugnisse der Kölner Presse, gehört -ohne Zweifel dem <span class='smcap'>Nikolaus Götz</span> (1474-1478). Sein Geschäftsnachfolger -war <span class='smcap'>Heinrich Quentell</span> (1479-1500), der berühmteste Typograph Kölns und -Stammvater einer hochangesehenen typographischen Familie. -</p> - -<div class="sidenote">Heinr. Quentell.</div> - -<p> -Solange die geistreichen Kombinationen Maddens nicht durch -unwiderlegliche Thatsachen unterstützt werden, kann die von ihm -angenommene grosse Druckanstalt und typographische Ausbildungsschule -der <em class="kursiv">fratres vitæ communis</em> in Köln nicht der Geschichte eingereiht -werden<a name='FA_0320' id='FA_0320' href='#FN_0320' class='fnanchor'>[20]</a>. -</p> - -<div class="sidenote">Münster.</div> - -<p> -Auf die erwähnte energische und werkthätige Korporation dürfte die -erste Presse MÜNSTERS<a name='FA_0321' id='FA_0321' href='#FN_0321' class='fnanchor'>[21]</a> zurückzuführen sein. Die Brüderhäuser in Köln -und Rostock standen mit denen zu Münster in naher Beziehung und die -ersten Pressen hier empfingen ihre Hauptnahrung von dem Humanismus. -Der Name des ersten Druckers ist <span class='smcap'>Johannes Limburgus, Aquensis</span> (von -Aachen), und der erste Druck: <em class="kursiv">Kodri Kerkmeister, Comedia</em> (1485). Mit -dem nächsten Jahre verschwindet aber die Presse Münsters und taucht -erst zu Anfang des <span class='smcap'>xvi.</span> Jahrh. wieder auf. Bei der dort herrschenden -Gelehrsamkeit und Geistesthätigkeit bleibt nur die Vermutung übrig, -dass die mit Münster eng verknüpften Städte Köln und Deventer, -namentlich die letztere, dort Filiale errichtet haben; nur so lässt -sich die grosse Druckthätigkeit Deventers erklären. -</p> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_52' name='Page_52' href='#Page_52'>[52]</a></span> -Die grösste Bedeutung als Drucker in Münster hat der bekannte -Humanist <span class='smcap'>Theodorik Tzwyvel</span>. Von seinen vielen Druckwerken sind jedoch -verhältnismässig nur wenige übrig geblieben und die Wiedertäufer, -die seine Druckerei plünderten, haben gründlichst für die Zerstörung -gesorgt. -</p> - -<div class="sidenote">Lübeck und<br />Hamburg.</div> - -<p> -In LÜBECK<a name='FA_0322' id='FA_0322' href='#FN_0322' class='fnanchor'>[22]</a>, welches eine tüchtige Pflanzschule für den Norden wurde, -erschien 1498 die erste niederdeutsche Ausgabe des „Reineke de Voss“, -von der das einzige bekannte Exemplar in Wolfenbüttel aufbewahrt wird. -In HAMBURG<a name='FA_0323' id='FA_0323' href='#FN_0323' class='fnanchor'>[23]</a> druckten 1491 die Brüder <span class='smcap'>Hans</span> und <span class='smcap'>Thomas Borchardus</span>. -Aus dem <span class='smcap'>xv.</span> Jahrh. ist nur ein einziger Hamburger Druck bekannt: -<em class="kursiv">Laudes beate Marie virginis</em>. Das Buch ist zwar sauber ausgeführt doch -in seiner ganzen Ausstattung sehr einfach ja fast dürftig gehalten. -Überhaupt scheinen die ersten dortigen Drucker auf keiner hohen Stufe -gestanden und nicht mit besonderem Glück gearbeitet zu haben. -</p> - -<div class="sidenote">Magdeburg.</div> - -<p> -Ein überaus reges geistiges Leben entfaltete die reiche Stadt -MAGDEBURG<a name='FA_0324' id='FA_0324' href='#FN_0324' class='fnanchor'>[24]</a>, wohin die neue Kunst durch <span class='smcap'>Albert Ravenstein</span> und -<span class='smcap'>Joachim Westfal</span>, zwei Brüder des gemeinsamen Lebens, gebracht wurde. -Sie lieferten 1483 und 1484 mehrere kleinere Schriften, dann aber auch -ein grösseres, auf Laien berechnetes niederdeutsches Evangelienbuch -in Folio. Westfal, der aus Stendal stammte, zog 1486 oder 1487 mit der -Offizin nach dort; von Ravenstein hört man nichts weiter. -</p> - -<p> -Eine staunenswerte Thätigkeit entfaltete <span class='smcap'>Moritz Brandis</span>, der von dem -damals im Erzstift regierenden kunstsinnigen Erzbischof, Ernst, Prinz -von Sachsen, aus Leipzig berufen wurde. Seine Offizin war mit zwölf -Typengattungen und mit mindestens 9 Suiten von Initialen ausgestattet. -Sein Meisterdruck ist die erste Ausgabe eines <em class="kursiv">Missale</em> in Folio; die -zweite Stelle gebührt dem Halberstädter <em class="kursiv">Breviarium</em> in 8° von 1495. -</p> - -<div class="sidenote">Die Xylographie<br />in Magdeburg.</div> - -<p> -Besondere Beachtung verdient die Magdeburger Xylographie. Schon -die ersten Drucke von dort zeigen Holzschnitte. Moritz Brandis -<span class='pagenum'><a id='Page_53' name='Page_53' href='#Page_53'>[53]</a></span> -lieferte 1492 einen Folianten mit vierzig, 1494 einen anderen mit elf -Holzschnitten. Die meisten der, während eines Zeitraumes von siebzehn -Jahren erschienenen Holzschnitte zeigen eine solche künstlerische -Verwandtschaft, dass man auf die Abstammung von einem und demselben -Künstler oder von einer und derselben Kunstanstalt schliessen muss. -Dies wird noch bestätigt durch einen, im Kloster Zinna, dem einzigen -Ort der Mark Brandenburg, ausser Stendal, der im <span class='smcap'>xv.</span> Jahrhundert -eine Presse hatte, gedruckten „Marienpsalter“, ein für damalige Zeit -seltenes Prachtwerk, das auf 116 Blatt in Quart nicht weniger als 189 -vortreffliche Holzschnitte enthält<a name='FA_0325' id='FA_0325' href='#FN_0325' class='fnanchor'>[25]</a>. -</p> - -<div class="sidenote">Leipzig.<br />Andr. Friesner.</div> - -<p> -LEIPZIG<a name='FA_0326' id='FA_0326' href='#FN_0326' class='fnanchor'>[26]</a>, das später eine so wichtige Rolle in der Geschichte -der Typographie spielen sollte, erhielt eine Druckerei erst zu einer -Zeit, als manche andere Städte schon Bedeutendes geleistet hatten; ja -es war nicht einmal die erste Stadt Sachsens, die die Kunst in ihren -Mauern aufnahm, denn es giebt bereits Bücher aus dem Jahre 1473 mit -dem Druckorte MERRSBORG<a name='FA_0327' id='FA_0327' href='#FN_0327' class='fnanchor'>[27]</a>. Trotzdem ist die Einführungsgeschichte in -Nebel gehüllt. Thatsache ist nur, dass <span class='smcap'>Andreas Friesner</span>, Sohn eines -Ratsherrn in Wunsiedel, ein gelehrter Mann, der mit Sensenschmid in -Nürnberg zusammen gewirkt hatte und 1479 nach Leipzig als Professor -der Theologie berufen wurde, eine Buchdruckerei mit sich brachte. Ob -er jedoch selbst gedruckt hat, oder ob er vielleicht seine Offizin -einem der, als die frühesten bekannten, Buchdrucker Leipzigs übergeben -hat, lässt sich nicht ermitteln. Im Jahre 1482 bekleidete Friesner die -Stelle eines Rektors der Universität Leipzig. Er starb in Rom im Jahre -1504 und vermachte seine Presse dem Leipziger Predigerkonvent<a name='FA_0328' id='FA_0328' href='#FN_0328' class='fnanchor'>[28]</a>. -</p> - -<div class="sidenote">Erster datierter<br />Druck.</div> - -<p> -Ein datierter Druck ist erst aus dem Jahre 1481 bekannt, er trägt -jedoch keine Druckerfirma. Es ist ein sehr sauber auf gutes Papier -gedrucktes Bändchen in klein Quart, so frisch aussehend, als wäre -es erst vor einem Jahrzehnt aus der Presse gekommen. -<span class='pagenum'><a id='Page_54' name='Page_54' href='#Page_54'>[54]</a></span> -Es führt den -Titel: <em class="kursiv">Johāis viterbiēsis: Glosa sup. Apocalipsim</em> und das Impressum: -<em class="kursiv">Lipczk MCCCC LXXXI in pfesto michahelis</em>. Der Schnitt der, namentlich -durch ihre absonderlich geformten Initialen sich auszeichnenden -halbgothischen Type ist derselbe, mit welchem das erste mit Namen des -Druckers versehene Buch Leipzigs gedruckt wurde: <em class="kursiv">Albici tractatulus -de regimine hominis</em>, welches von <span class='smcap'>Marcus Brandis</span> (1487) herrührt. -Nicht weniger gut ist ein <em class="kursiv">Benedictionale</em> des Marcus Brandis aus -dem Jahre 1487. Die Notensysteme sind rot eingedruckt, aber behufs -handschriftlicher Einzeichnung der Noten leer gelassen. Für mit Marcus -Brandis identisch wurde früher <span class='smcap'>Moritz Brandis</span> (1488-1498) gehalten, -der, wie erwähnt, später nach Magdeburg zog. -</p> - -<div class="sidenote">K. Kachelofen.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Konrad Kachelofen</span>, der langezeit für Leipzigs ersten Buchdrucker -angesehen wurde, entwickelte eine grosse Thätigkeit von 1489 ab, in -welchem Jahre er Joh. Widmanns von Eger: „Behende vnd hübsche Rechenung -auf allen Kaufmannschaft“ druckte, ein Lehrbuch der elementaren -Mathematik, in welchem auch einfache Holzschnitte vorkommen. Eine -ausgezeichnete Leistung ist das im Jahre 1495 gedruckte Meissner -<em class="kursiv">Missale</em>. 1495 zog Kachelofen, der in Leipzig herrschenden Pest wegen, -nach Freiberg; die Leipziger Stadtbibliothek besitzt jedoch einen -„Leipzig 1513“ datierten Druck von ihm. -</p> - -<p> -Vor dem Schluss des <span class='smcap'>xv.</span> Jahrhunderts konnte Leipzig über 150 datierte -Drucke aufweisen, abgesehen von den vielen undatierten. -</p> - -<div class='footnotes'> - -<div class='footnote' id='FN_031'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_031'>[1]</a></span> Worte eines Engländers <span class='smcap'>H. Noel Humphreys</span>, in seiner -<em class="kursiv">History of the art of printing</em>. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_032'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_032'>[2]</a></span> Es befindet sich je eins der Exemplare in Darmstadt, -Dresden (nicht vollständig) und Wien (sehr schön und vollständig). -</div> - -<div class='footnote' id='FN_033'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_033'>[3]</a></span> <span class='smcap'>J. Wetter</span>, Conrad Henlif oder Henekies. Mainz 1851. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_034'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_034'>[4]</a></span> Wir schlagen den geographischen Weg ein, ohne uns streng -an die chronologische Folge der Einführung der Kunst zu halten. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_035'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_035'>[5]</a></span> <span class='smcap'>L. de Laborde</span>, <em class="kursiv">Débuts de l'impr. à Strassbourg</em>. — <span class='smcap'>J. D. -Schöpflin</span>, <em class="kursiv">Vindiciae typographicae</em>. Strassburg 1760. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_036'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_036'>[6]</a></span> Die Bibliothek des Börsen-Vereins in Leipzig besitzt -hiervon ein Exemplar. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_037'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_037'>[7]</a></span> Nach Madden ist Mentelin aus der Offizin der „Brüder -des gemeinsamen Lebens“ im Kloster am Weidenbach in Köln 1463 nach -Strassburg gekommen. Alle Drucke mit den absonderlichen R, die man von -vielen Seiten Mentelin zuschreibt, will Madden nach Köln verlegen. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_038'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_038'>[8]</a></span> <span class='smcap'>J. L. Äbi</span>, Die Buchdruckerei in Beromünster. Einsiedeln -1870. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_039'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_039'>[9]</a></span> <span class='smcap'>D. A. Fechter</span>, Beiträge zur ältesten Gesch. d. B. in -Basel. Basel 1863 (B. Taschenbuch). — <span class='smcap'>J. Stockmeyer</span> und <span class='smcap'>B. Reber</span>, -Beiträge zur Baseler Buchdruckergeschichte. (Herausg. von der Hist. -Gesellsch.) Basel 1840. — <span class='smcap'>Streuber</span>, Neuere Beiträge zur Baseler -Buchdruckergeschichte. Basel 1846. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0310'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0310'>[10]</a></span> Dr. <span class='smcap'>K. D. Hassler</span>, Die Buchdrucker-Geschichte Ulms. -Ulm 1840. — <span class='smcap'>G. W. Zapf</span>, Älteste Buchdruckergeschichte Schwabens. Ulm -1791. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0311'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0311'>[11]</a></span> <span class='smcap'>G. C. Mezger</span>, Augsburgs älteste Druckdenkmale. Augsburg -1840. — <span class='smcap'>G. W. Zapf</span>, Augsburgs Buchdruckergeschichte. 2 Teile. Augsburg -1786. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0312'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0312'>[12]</a></span> <span class='smcap'>G. W. Panzer</span>, Älteste Buchdruckergeschichte Nürnbergs. -Nürnberg 1789. — <span class='smcap'>J. Baader</span>, Beiträge z. Kunstgesch. Nürnbergs. 2 -Hefte. Nördlingen 1860-62. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0313'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0313'>[13]</a></span> <span class='smcap'>G. E. Waldau</span>, Leben A. Kobergers. Dresden 1786. — <span class='smcap'>Dr. O. -Hase</span>, Die Koburger. Leipzig 1869. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0314'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0314'>[14]</a></span> Als Vorläufer einer zweiten Auflage seines Buches über -die Koberger, zugleich als Weihgeschenk zu dem 25jährigen Jubiläum -des, um die Geschichte des Buchhandels hochverdienten Dr. Albr. -Kirchhoff, liess Dr. Hase (einer der Chefs der Firma Breitkopf & -Härtel) ein: <em class="kursiv">Brieffbuch der Koberger zw Nurmbergk</em>, Leipzig 1881 (in -25 Expl.) erscheinen, das namentlich Briefe des Ant. Koberger an Joh. -Ammerbach in Basel enthält. Diese Briefe erstrecken sich über die Jahre -1493-1509, werden aber von 1504 ab immer sparsamer und kürzer, der -letzte und einzige Brief aus 1509, „dem Erbern weisen meyster Hanssen -Froben zw bassell meinem Sundern gunstigen guten Freund“ geschrieben, -schliesst, das Obengesagte von der Fürsorge Kobergers bestätigend: -„Lieber meyster Hans jch bitt euch wollet gute Fass machen lassen Die -starck vnd Dick von holcz sind wan es ist So grawsam wetter bey vnss -von regen vnd von schne Das gleichen kein man gedenkt Jch hab euch -gancz eyllet geschrieben Die furlewt seyn wegfertig“. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0315'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0315'>[15]</a></span> <span class='smcap'>Placidius Sprenger</span>, Älteste Buchdruckergeschichte von -Bamberg. Nürnberg 1800. — <span class='smcap'>H. I. Jæck</span>, Jubelschrift 1840. Erlangen -1840. Vergl. auch Kap. II, S. 29. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0316'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0316'>[16]</a></span> Es ist hiervon nur ein Exemplar, in Wolfenbüttel -befindlich, bekannt. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0317'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0317'>[17]</a></span> <span class='smcap'>M. Denis</span>, Wiens Buchdr.-Gesch. bis 1560. Wien 1782. — -<span class='smcap'>Die österr. Buchdrucker-Zeitung</span> 1873, Nr. 9 u. flg. enthalten sehr -detaillierte „Beiträge zur Geschichte der Buchdruckerei in Wien“ bis -auf die neueste Zeit. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0318'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0318'>[18]</a></span> Das Buchdruckerwappen ist ein schwarzer Adler auf -goldenem Schild, in der rechten Klaue einen Winkelhaken, in der linken -ein Tenakel haltend; den Helmschmuck bildet ein Greif in halbem Körper, -zwei Druckerballen an einander drückend. Merkwürdigerweise herrscht -Zweifel, ob der ursprüngliche Adler der zweiköpfige Reichsadler gewesen -oder ein einköpfiger. <span class='smcap'>E. Bekkers</span> Eintreten für den ersteren (in seiner -Broschüre „Das Buchdruckerwappen“. Darmstadt 1837) stützt sich auf nur -schwache Argumente. Von den von ihm angezogenen Quellen liegt keine -weiter zurück als im Jahre 1730. Ein Frankfurter Messkatalog, also -eine offiziöse Erscheinung, aus d. J. 1662 trägt auf dem Titel den -einköpfigen Adler, ob es mit älteren der Fall ist, ist uns unbekannt. -Auch <span class='smcap'>Ernestis</span> „Wohleingerichtete Buchdruckerei“, 1721, bildet den Adler -einköpfig ab. Der Greif soll erst später durch Kaiser Ferdinand <span class='smcap'>i.</span> dem -Wappen hinzugefügt worden sein. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0319'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0319'>[19]</a></span> Auch hierin dürfte ein Beweis gegen den zweiköpfigen -Adler im Buchdruckerwappen liegen; denn, dürfte jeder Buchdrucker -diesen führen, so lag ja darin keine Bevorzugung Winterburgers. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0320'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0320'>[20]</a></span> Vergl. die eingangs erwähnten: <span class='smcap'>Madden</span>, <em class="kursiv">Lettres d'un -bibliographe</em>, zugleich IV. Kap. S. 68. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0321'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0321'>[21]</a></span> <span class='smcap'>J. B. Nordhoff</span>, Denkwürdigkeiten aus dem Münsterschen -Humanismus. Münster 1874. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0322'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0322'>[22]</a></span> <span class='smcap'>J. H. v. Seelen</span>, Nachricht über die Bchdkst. Lübeck 1740. -— <span class='smcap'>Deecke</span>, Einige Nachrichten etc. Lübeck 1834. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0323'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0323'>[23]</a></span> <span class='smcap'>J. M. Lappenberg</span>, Gesch. d. Bchdkst. in Hamburg. 1840. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0324'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0324'>[24]</a></span> <span class='smcap'>L. Götze</span>, Ältere Gesch. d. Bchdkst. in Magdeburg. -Magdeburg 1872. Hierzu ein Supplement. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0325'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0325'>[25]</a></span> Ein gut erhaltenes Exemplar besitzt die Stadtbibliothek -in Thorn. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0326'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0326'>[26]</a></span> <span class='smcap'>J. H. Leich</span>, <em class="kursiv">De orig. typogr.</em> Lipsiensis 1740. — <span class='smcap'>J. J. -Müller</span>, <em class="kursiv">Incunabula typogr. Lips.</em> Leipzig 1720. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0327'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0327'>[27]</a></span> Die Behauptung, dass dies nicht Merseburg sei, sondern -Mörsburg am Bodensee, hat sich längst als unbegründet erwiesen. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0328'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0328'>[28]</a></span> <span class='smcap'>Dr. G. Wustmann</span> in seiner Schrift: „Die Anfänge des -Leipziger Bücherwesens“, 1879, hält dafür, dass die Kunst schon -<em class="gesperrt">vor</em> Friesner geübt wurde. -</div> -</div> - -<div class="center clrboth"> - <img src="images/pg_54_deco.jpg" - style="margin-bottom:4em;" - alt="Kapitel-Ende" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<div class="center clrboth pgbreak"> - <img src="images/pg_55_deco.jpg" - alt="Kapitel-Anfang" /> -</div> - -<h2 class="nobreak" id="h2_14"> -IV. KAPITEL. -<span class="seitnum">[<a href="#toc_14">←</a>]</span> -</h2> -</div> - -<p> -DIE VERBREITUNG DER BUCHDRUCKERKUNST IM AUSLANDE. -</p> - -<div class="blockquote"> -<p> -<span class='smcap'>Italien</span>: Subiaco und Rom. Venedig. -Foligno. Mailand. Florenz. <span class='smcap'>Spanien und -Portugal. Frankreich</span>: Paris. Lyon. <span class='smcap'>Die -Niederlande</span>: Die <em class="kursiv">Histoires</em>. Colard -Mansion. <span class='smcap'>England</span>: William Caxton. -<span class='smcap'>Skandinavien</span>: Dänemark. Schweden. -<span class='smcap'>Die slawischen Länder. Ungarn. Die Türkei.</span> -</p> -</div> - -<div class="sidenote">Die Verdienste<br />der Italiener.</div> - -<p class="hide_x_"> -<img src="images/pg_55_cap.jpg" alt="V" width="50" class="cap0" /> -<span class="hide">V</span>OR allen fremden Ländern gebührt ITALIEN der hohe Ruhm, die -Buchdruckerkunst zuerst aufgenommen, sie wesentlich verbessert, -vervollkommnet und in edelster Weise verwendet zu haben, und mit diesem -Ruhm, den man den Italienern in vollstem Masse zollen muss, könnten sie -wohl zufrieden sein. Wenn sie jedoch noch im Jahre 1868 soweit gingen, -ihrem Landsmann Pamphilo Castaldi als dem Erfinder der Buchdruckerkunst -in seinem Geburtsorte Feltre ein Denkmal zu errichten, so verfielen -sie aus missverstandenem Patriotismus in einen Irrtum, zu dessen -Entschuldigung sich noch bei weitem weniger sagen lässt, als für die -Ansprüche der Holländer. -</p> - -<p> -Wie für die klassischen und bildenden Künste war Italien auch für die -Poesie das gelobte Land und hatte bereits seinen Dante, Boccaccio -und Petrarca hervorgebracht. Es waren namentlich die Höfe der -Mediceer in Florenz und der Herzöge von Este in Ferrara, welche die -Mittelpunkte der Kultur bildeten, an welchen die genannten grossen -<span class='pagenum'><a id='Page_56' name='Page_56' href='#Page_56'>[56]</a></span> -Sterne und noch manche zweiten Ranges glänzten. Die nach der Eroberung -von Konstantinopel (1453) nach Italien geflüchteten Gelehrten -nährten noch mehr den Sinn für die klassische Litteratur und fanden -Unterstützung bei den aufgeklärten Fürsten, welche Pflanzschulen -für die Wissenschaften und Bibliotheken gründeten und die Werke der -griechischen Klassiker übersetzen liessen. -</p> - -<p> -So war in Italien wie in keinem andern Lande der Boden für die -neue Kunst geebnet. Bereits im Jahre 1480 hatten vierzig Städte -Buchdruckereien, zumteil hervorragender Art, die namentlich mit der -Herausgabe der Klassiker beschäftigt waren, während in dem Mutterlande -der Typographie noch immer Gebetbücher und trockene Kompendien die -hauptsächlichsten Druck-Erzeugnisse bildeten. -</p> - -<div class="sidenote">Conrad Sweyn-<br />heim und<br />Arnold Pannartz.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Conrad Sweynheim</span> und <span class='smcap'>Arnold Pannartz</span>, wahrscheinlich zwei der überall -hin verstreuten Schüler Gutenbergs, gründeten die erste Druckerei -Italiens in dem Kloster SUBIACO. Das Städtchen Subiaco mit dem -berühmten Stammkloster der Benediktiner liegt in unwirtlichster -Berggegend 14 Stunden von Rom. Entfernt von der Stadt auf den höchsten -nackten Felsen ragt das nur mit grossen Schwierigkeiten zu ersteigende -Kloster. Der Kommandaturabt desselben, der Kardinal Johannes a -Turrecremata, ein eifriger Bewunderer der Buchdruckerkunst, veranlasste -durch einige Mönche deutscher Nation die Einberufung Conrads aus -Schweinheim, bei Mainz, und Arnold Pannartz' aus Prag. Sie kamen 1464 -an. Zuerst entstand ein Donatus, dann des Lactantius <em class="kursiv">De divinis -institutionibus</em> (1465), des heiligen Augustinus <em class="kursiv">De civitate dei</em> -(1467), und wahrscheinlich auch 1465 Ciceros <em class="kursiv">De oratore</em><a name='FA_041' id='FA_041' href='#FN_041' class='fnanchor'>[1]</a>. -</p> - -<div class="sidenote">Die römische<br />Schrift.</div> - -<p> -Der Lactantius war das erste Buch, welches in römischer Schrift -gedruckt wurde. Die Kalligraphie hatte in Italien bereits zu den Zeiten -der Römischen Kaiser eine hohe Stufe erreicht. Durch den Wechsel der -herrschenden Völker in Italien änderte sich auch die Schrift vielfach. -Als die Gothen im <span class='smcap'>v.</span> Jahrh. sich zu Herren Italiens machten, fingen -die römischen Kapital-Buchstaben schon an, eine veränderte Gestalt -anzunehmen; die eigentliche kleinere runde -<span class='pagenum'><a id='Page_57' name='Page_57' href='#Page_57'>[57]</a></span> -Kurrentschrift kam jedoch -erst im <span class='smcap'>viii.</span> Jahrhundert auf. Nichts natürlicher, als dass Sweynheim -und Pannartz sich dem nationalen und gefälligen Schriftsystem -zuwendeten und für ihr Werk die römische Schrift annahmen, der sich -die jetzige Antiqua fast ganz anschliesst. Ein in Paris befindliches -Manuskript, welches 1459 in Italien geschrieben wurde, des heiligen -Augustinus <em class="kursiv">De civitate dei</em>, zeigt ganz die Schrift, wie sie in dem -Lactantius verwendet wurde. In dem ersten Bogen des Werkes ist, um die -griechischen Zitate hineinzuschreiben, Raum gelassen; in den späteren -Bogen wurden zum erstenmal griechische Typen verwendet, denn die -Zitate in Schöffers Princeps-Ausgabe von Ciceros <em class="kursiv">De officiis</em> waren -Holzschnitte. -</p> - -<p> -Es zeigten sich jedoch bald die Schwierigkeiten einer so abgelegenen, -schwer zugänglichen Lage und Sweynheim und Pannartz folgten daher -gern der Einladung der beiden Brüder Pietro und Francesco Marquis -von Massimi, nach ROM zu kommen; in deren Palast sie 1467 installiert -wurden, zunächst um Ciceros Briefe zu drucken. In dieser Ausgabe findet -man zum erstenmale die reine Antiqua, wie sie schon in den Manuskripten -des <span class='smcap'>viii.</span> u. <span class='smcap'>ix.</span> Jahrh. vorkommt. -</p> - -<div class="sidenote">Pannartz und<br />Sweynheims<br />Unglück.</div> - -<p> -In den fünf folgenden Jahren entwickelten Sweynheim und Pannartz -eine grosse, jedoch weit über ihre Kräfte gehende Thätigkeit, die -sie dem geschäftlichen Ruin entgegenführte. Aus ihren Pressen gingen -hauptsächlich Ausgaben der Klassiker hervor, unter anderen ein <em class="kursiv">Livius</em> -(1469), von welchem ein Exemplar, 1815, mit nahe an 20000 Mk. bezahlt -wurde. Rom war zwar ein Sitz der Gelehrsamkeit, lag aber ausserhalb des -grossen Verkehrskreises. In dem Verhältnis, wie sich das Bücherlager -von Sweynheim und Pannartz füllte, leerte sich ihre Kasse, und als sie -den 5. Band der Bibelerklärungen des Nikolas de Lyra gedruckt hatten, -waren sie ganz ohne Mittel. Der Herausgeber des Werkes, ihr Freund der -Bischof Andr. Bussi, empfahl sie zwar dringend der Unterstützung des -Papstes Sixtus <span class='smcap'>iv.</span> Das Gesuch, welches für die Buchdruckergeschichte -deshalb ein besonderes Interesse hat, weil man daraus erfährt, dass -die gewöhnliche Auflage eines Buches 275 Exemplare gewesen, von den -populären Werken 550, hat jedoch entweder gar keinen oder keinen -genügenden Erfolg gehabt und die Vereinigung ward aufgelöst. Sweynheim -scheint sich nach der Trennung hauptsächlich -<span class='pagenum'><a id='Page_58' name='Page_58' href='#Page_58'>[58]</a></span> -mit Schriftschneiderei -beschäftigt zu haben und machte auch die ersten Versuche, Landkarten -für die Buchdruckerpresse in Kupfer hoch geschnitten herzustellen, um -damit die Geographie des Ptolomäus zu drucken, erlebte aber nicht die -Vollendung dieses ausgezeichneten Unternehmens, dessen letzte Platten -von Arnold Bucking angefertigt wurden. Von Sweynheim hört man nach 1473 -nichts mehr. Pannartz druckte bis 1476, um welche Zeit beide Teilnehmer -gestorben zu sein scheinen. -</p> - -<p> -Noch vor der Übersiedelung der Genannten nach Rom war <span class='smcap'>Ulrich Han</span> -(Gallus) durch den Kardinal Torquemada nach dort berufen worden. Han -druckte mit gothischer Schrift das erste Buch mit Holzschnitten in -Italien, Torquemadas <em class="kursiv">Meditationes</em> (1467). -</p> - -<div class="sidenote">Venedig.</div> - -<p> -Nach VENEDIG kam die Buchdruckerei erst 1469, überflügelte jedoch -in dem mächtigen Stapelplatz des Handels, wo zugleich Wissenschaft -und Kunst blühten, bald die aller anderen Städte Italiens. Auch hier -traten Deutsche als die ersten Buchdrucker auf. <span class='smcap'>Johann von Speyer</span> -(<em class="kursiv">Johannes de Spira</em>) druckte 1469 als erstes, zugleich als Musterwerk, -Ciceros Briefe. Sehr geschätzt ist auch sein Plinius, von dem ein -Exemplar 1781 in Paris für ungefähr 4500 Mk. verkauft wurde. Seine -Type nähert sich der Antiqua; in der Interpunktion wendet er Punktum, -Kolon und Fragezeichen an. In einer Ausgabe des Tacitus, die jedoch -möglicherweise von seinem Nachfolger herrührt, kommen arabische Zahlen -als Pagination vor. Seine Verdienste wurden von dem Dogen, Pasquale -Malipiero, so hoch geschätzt, dass man ihm das Privilegium als -alleinigem Drucker auf venetianischem Territorium erteilte. Von diesem -Privilegium, das glücklicherweise für die Verbreitung der Kunst nur -ein persönliches war, sollte er jedoch keinen Nutzen ziehen, indem er -1470 starb. Sein Bruder <span class='smcap'>Johann Wendelin</span> von Speyer setzte das Geschäft -fort und druckte viele elegante Klassikerausgaben; auch die erste -italienische Bibel. Er verband sich mit <span class='smcap'>Johann</span> von Köln (1471-1487), -der sich wieder später mit Nikolaus Jenson vereinigte. -</p> - -<div class="sidenote">Nik. Jenson. -<hr class="sidenote" /> -Die lateinische<br />Schrift.</div> - -<p> -Nach dem Erscheinen der Gutenbergschen Bibel war die Kunst in Paris -nicht unbeachtet geblieben. Auf direkte Veranlassung des Königs Karl -VII. erging am 3. Okt. 1458 eine Ordre an die königlichen Münzmeister, -einen erfahrenen Mann nach Mainz zu senden, der die neue Kunst erlernen -sollte. Die Wahl fiel auf -<span class='pagenum'><a id='Page_59' name='Page_59' href='#Page_59'>[59]</a></span> -<span class='smcap'>Nikolaus Jenson</span>, einen geschickten Graveur, -dem es auch wirklich gelang, die Kunst sich zu eigen zu machen. Er -kehrte jedoch nicht nach Paris zurück, sondern ging nach Venedig, wo -er als einer der berühmtesten Buchdrucker von 1470-1481 wirkte. Er -erkannte sofort die grosse Verwendbarkeit der Römischen Schrift, dabei -jedoch auch die Mängel der vorhandenen Muster. Letztern half er ab, -gab der Schrift noch mehr Rundung und brachte die schöne „lateinische -Schrift“ zustande, die schnell zur allgemeinen Geltung kam und noch -in solcher steht und stehen bleiben wird. Jensons Schrift wurde -erst die venetianische genannt; in den italienischen Schriftproben -heisst sie <em class="kursiv">lettera antiqua tonda</em>. Die Italiener behielten den Namen -<em class="kursiv">Antico</em>. Deutschland und das nördliche Europa benannten sie <em class="kursiv">Antiqua</em>, -Frankreich und Holland <em class="kursiv">Romain</em> (auch <em class="kursiv">droit</em>) <em class="kursiv">Romeyn</em>, England -<em class="kursiv">Roman</em>. -</p> - -<p> -Um dem Geschmack der Zeit Rechnung zu tragen, schnitt Jenson jedoch -auch gothische Schriften, die sich ebenfalls durch ihre Schönheit -auszeichnen. Auch eine griechische Schrift, jedoch ohne Versalien, -rührt von ihm her. Seine Werke sind alle typographische Meisterstücke. -Er starb reich und angesehen im Sept. 1481; selbst der Papst ehrte ihn -und verlieh ihm den Titel eines Pfalzgrafen. -</p> - -<div class="sidenote">Erhard Ratdolt.</div> - -<p> -Unter den deutschen Buchdruckern in Venedig gehört in die erste Reihe -<span class='smcap'>Erhard Ratdolt</span> (1476-1486), der bereits oben unter den Augsburger -Buchdruckern genannt wurde; sein „Euklid“ (1482) in gothischer Schrift -und reich ornamentiert, gilt als ein Meisterwerk ersten Ranges und -verschaffte ihm nach vielen Seiten den ehrenvollsten Ruf. Dieses -Werk ist das erste mit mathematischen Figuren ausgestattete. In den -Prachtexemplaren davon kommt auch zum erstenmale Golddruck vor. Seinen -Kunstsinn zeigte Ratdolt besonders durch Anwendung schön verzierter -Initialen, die unter dem Namen <em class="kursiv">litteræ florentes</em> bekannt sind, und -durch seine sehr fein in Holzschnitt ausgeführten Randverzierungen. -Er war zugleich der erste, der Titelblätter in modernem Sinn allgemein -aufnahm. Auch musikalische Werke mit beweglichen Typen führte er aus. -Im Jahre 1486 folgte er dem Rufe des Bischofs Johann von Werdenberg -und kehrte nach Augsburg zurück, wo er nur bis 1516 wirkte, wenigstens -finden sich nach dieser Zeit keine Spuren einer geschäftlichen -Thätigkeit. -</p> - -<div class="sidenote">Christoph Val-<br />darfer.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_60' name='Page_60' href='#Page_60'>[60]</a></span> -Noch ist <span class='smcap'>Christoph Valdarfer</span>, der später nach Mailand übersiedelte, -zu nennen. In Venedig druckte er noch das <em class="kursiv">Decamerone</em> des Boccaccio, -von welchem ein Exemplar im Jahre 1812 nach dem Tode des Herzogs von -Roxburgh für 2260 £ Sterl. (über 45000 Mk.) verkauft wurde, die höchste -Summe, die je für ein Buch gezahlt wurde. -</p> - -<div class="sidenote">Aldus Pius<br />Manutius.</div> - -<p> -Am Schluss des Jahrhunderts (1494) ging noch ein typographischer Stern -erster Grösse in Venedig auf: <span class='smcap'>Aldus Pius Manutius</span>, dessen Glanz die -nächste Periode erfüllt. Zu dieser Zeit waren gegen 150 Druckereien auf -einmal in Venedig in Betrieb. Über 3000 Werke hatten bis dahin hier das -Licht erblickt. Nimmt man die Auflage eines Werkes durchschnittlich auf -nur 300 Exemplare an, und jedes Werk durchschnittlich zu zwei Bänden, -so macht dies gegen zwei Millionen Bände. -</p> - -<div class="sidenote">Joh. Numeister.</div> - -<p> -Das Städtchen FOLIGNO im Kirchenstaate ist durch Zufall zu einer -typographischen Rolle gekommen. <span class='smcap'>Johann Numeister</span>, ein Schüler -Gutenbergs, suchte sein Glück in Italien und kam auf seiner Reise nach -Rom durch Foligno. Ein angesehener Bürger dort, Emilianus de Orfinis, -veranlasste ihn (1470), seine Presse in Foligno aufzuschlagen. Im -Jahre 1472 erschien seine Prachtausgabe von Dantes <em class="kursiv">Divina commedia</em>. -Numeister verwendete anfänglich die römische Schrift, später eine -gothische, der Gutenbergschen Bibelschrift ähnliche. -</p> - -<div class="sidenote">Mailand. -<hr class="sidenote" /> -Florenz. -<hr class="sidenote" /> -Bern. Cennini.</div> - -<p> -MAILAND und FLORENZ bekamen die ersten Pressen durch Eingeborene. -Über die Einführung in Mailand ist viel gestritten worden; es scheint -jedoch unzweifelhaft, dass sie durch <span class='smcap'>Philippus de Lavagna</span> (1469) -geschah. In Florenz lebte ein Goldschmied, <span class='smcap'>Bernardo Cennini</span>, der mit -an Ghibertis berühmten Thüren gearbeitet hatte. Es schmerzte ihn, dass -Italien gänzlich von Deutschland in der Buchdruckerkunst abhängig sein -sollte. Er studierte deshalb genau die Drucke und Manuskripte und ging -nun selbst daran, Stempel, Schriften, Pressen u. s. w. herzustellen, -was ihm zwar gelang, jedoch unter solchen Opfern, dass er bald wieder -zu drucken aufhören musste. Es scheint, als habe er die griechischen -Schriften für den Homer geliefert, womit Demetrius Chalcondylas, -ein von Candia ausgewanderter Grieche, im J. 1488 hervortrat<a name='FA_042' id='FA_042' href='#FN_042' class='fnanchor'>[2]</a>. Es -<span class='pagenum'><a id='Page_61' name='Page_61' href='#Page_61'>[61]</a></span> -dauerte aber nicht lange, dass kunsterfahrene Deutsche nach Florenz -kamen, darunter <span class='smcap'>Nikolas von Breslau</span>, der 1477 Bellinis <em class="kursiv">Monte Sancto -di Dio</em> druckte, das erste Werk mit Illustrationen in Metallplatten, -da Sweynheims Ptolomäus noch nicht erschienen war. Noch bedeutender ist -seine Ausgabe von Dante. Die Wirksamkeit der berühmten Familie <em class="kursiv">Giunta</em> -gehört der folgenden Periode an. -</p> - -<div class="sidenote">Genua und an-<br />dere Städte.</div> - -<p> -Nach GENUA kam als erster Drucker <span class='smcap'>Matthias Moravus</span> („aus Olmütz“, -1474), die Schreiber petitionierten jedoch gegen die Konkurrenz und -Moravus ging nach Neapel. In SONCINO druckte <span class='smcap'>Abraham Colorito</span> 1488 eine -schöne hebräische Bibel mit reichen Ornamenten und Einfassungen. Die -erste Offizin Siciliens wurde in MONTREALE bei Palermo 1472 angelegt. -In FANO druckte 1514 <span class='smcap'>Gregor Gregorio</span> das erste arabische Buch. -</p> - -<p> -Fünf Jahre nach der Ankunft Sweynheims und Pannartz' in Subiaco war die -Kunst überall in Italien und zwar fast nur durch Deutsche eingeführt. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Spanien.</div> - -<p> -SPANIEN<a name='FA_043' id='FA_043' href='#FN_043' class='fnanchor'>[3]</a>. Obwohl die Gelehrsamkeit und die Wissenschaften in -Spanien hoch in Ehren gehalten wurden, so fand die Einführung der -Buchdruckerkunst doch verhältnismässig spät statt. Sie geschah dort, -wie fast überall, durch Deutsche, die Lehrlinge unter den Eingeborenen -ausbildeten, bis diese nach und nach die Plätze der Lehrmeister -einnahmen. -</p> - -<div class="sidenote">Valencia.</div> - -<p> -Trotz aller inneren Kriege und der Strenge der geistlichen Zensur muss -die Buchdruckerkunst doch manche Aufmunterung seitens hochgestellter -und wissenschaftlich gebildeter Männer gefunden haben. Früher wurde -allgemein die <em class="kursiv">Historia Hispanica</em> des Roderic Sanctius de Arevalo, -Erzbischofs von Valencia, als das erste in Spanien gedruckte Werk -betrachtet; es stammt jedoch aus den Pressen von Ulrich Han in Rom. -Nachdem im J. 1470 VALENCIA eine Universität erhalten hatte, liess -die Druckkunst nicht lange auf sich warten. Das älteste dort gedruckte -Buch ist mutmasslich die, -<span class='pagenum'><a id='Page_62' name='Page_62' href='#Page_62'>[62]</a></span> -1474 erschienene Sammlung von 36 Gedichten -zur Ehre der heiligen Jungfrau; 1475 folgten ein Sallust und ein -<em class="kursiv">Dictionarium linguæ latinæ</em> in fol.; sämtlich ohne Nennung des -Druckers. -</p> - -<div class="sidenote">Lamb. Palmert.</div> - -<p> -Der erste datierte Druck ist eine <em class="kursiv">Biblia sacra</em> in fol. von <span class='smcap'>Lambert -Palmert</span> (Palomar), einem Deutschen, begonnen im Febr. 1477, beendigt -im März 1478. Von diesem Werk sind nur die vier letzten Blätter -in einem Exemplar in den Archiven des Domes zu Valencia entdeckt -worden. Wahrscheinlich ist die Auflage nach geistlicher Ordre auf das -gründlichste vernichtet. Als Protektor oder Mitarbeiter Palmerts wurde -der ausgezeichnete Astronom Alfons Fernandes von Cordova genannt. -Palmert druckte bis 1494, um welche Zeit sich nicht wenige deutsche -Drucker in Valencia etablierten. -</p> - -<div class="sidenote">Saragossa.</div> - -<p> -Aus SARAGOSSA findet sich ein, 1475 von <span class='smcap'>Matthias Flander</span>, -wahrscheinlich einem fahrenden Buchdrucker, geliefertes Buch: <em class="kursiv">Guidonis -de Monte-Rocherii, manipulus curatorum</em> vor. Der erste, fest in -Saragossa etablierte deutsche Buchdrucker war <span class='smcap'>Paulus Huros</span> aus Constanz -(1485-1499). -</p> - -<div class="sidenote">Sevilla.</div> - -<p> -In SEVILLA traten die ersten einheimischen Buchdrucker: <span class='smcap'>Anton Martinez</span>, -<span class='smcap'>Bartholomäus Segur</span> und <span class='smcap'>Alphons del Puerto</span> zusammenwirkend auf zum -Druck eines Sacramentale. 1480 fällt schon der Name Martinez weg; 1482 -ist Alphons del Puerto allein zurück. Später folgen mehrere Deutsche, -als: <span class='smcap'>Paul von Köln</span>, und <span class='smcap'>Joh. Pegnizer</span> aus Nürnberg. Das Tribunal der -Inquisition hatte i. J. 1500 eine eigene Druckerei, aus welcher die -Ordonnanzen des Grossinquisitors Didacus Deca hervorgingen. -</p> - -<div class="sidenote">Barcelona.</div> - -<p> -Aus BARCELONA ist mutmasslich: <em class="kursiv">Th. von Aquino, commentar. in libros -ethicor. Aristotelis</em> von <span class='smcap'>Petrus Brunus</span> et <span class='smcap'>Nicolaus Spindeler</span> (1478) -das erste Buch. SALAMANCA zeigt trotz seiner berühmten Universität erst -zu Ende des <span class='smcap'>xv.</span> Jahrh. Drucke auf. -</p> - -<p> -Unter Basel wurde bereits mitgeteilt, dass <span class='smcap'>Friedr. Biel</span> nach BURGOS -ging und dort 1485-1517 druckte. Er war ein sehr tüchtiger und -erfahrener Mann. -</p> - -<p> -In dem Kloster auf dem Berge MONSERRAT druckte ein Deutscher <span class='smcap'>Joh. -Luschmer</span> in den Jahren 1499-1500, und ging dann nach Deutschland -zurück. Madrids Buchdruckergeschichte gehört der folgenden Periode an. -</p> - -<div class="sidenote">Portugal.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_63' name='Page_63' href='#Page_63'>[63]</a></span> -PORTUGAL verdankt den Juden die Einführung, den Deutschen die -Fortbildung der Druckerkunst. Die portugiesischen Juden wurden seit -jeher von ihren Stammesgenossen als eine Art Aristokratie betrachtet -und hatten zu Ende des <span class='smcap'>xv.</span> Jahrhunderts durch ihre Bildung und -Wohlhabenheit eine grosse Bedeutung erlangt. -</p> - -<p> -Der Jude <em class="kursiv">Mestre</em> (<em class="kursiv">Magister</em>) <span class='smcap'>Abraham d'Ortas</span> druckte 1484 zu LEIRIA -den <em class="kursiv">Almanach. perpetuus ecclesiasticus astronomi Zacubi</em>, den ältesten -Druck Portugals. Ob der <em class="kursiv">Sephar Orach Chaim</em> (1485) in Leiria oder in -Ixar in Spanien gedruckt wurde, ist wohl nicht ganz zu entscheiden. -1489 druckten die Rabbis <span class='smcap'>Eliezer</span> und <span class='smcap'>Samuel Zorba</span> in Lissabon des Rabbi -Mosis Nachmanidis hebräischen Kommentar zum Pentateuch und das <em class="kursiv">Sepher -Thephilod</em> (1495). Eliezers Sohn <span class='smcap'>Zacchäus</span> setzte das Geschäft fort. -</p> - -<div class="sidenote">Valentin<br />aus Mähren.</div> - -<p> -Um für den Druck christlicher Werke nicht auf Juden angewiesen zu sein, -liess die Königin Eleonora, Gemahlin Johanns <span class='smcap'>ii.</span>, die Buchdrucker -<span class='smcap'>Valentin aus Mähren</span> (Valentin de Moravia oder <em class="kursiv">Valentin Fernandes -Allemão</em>) und <span class='smcap'>Nikolaus aus Sachsen</span> nach LISSABON kommen. Valentin -wirkte von 1495-1513 und wird <em class="kursiv">servidor e empremidor de sua Alteza</em> -genannt. Er nahm durch seine Bildung eine angesehene Stellung ein, ward -Sekretär für die lateinische Korrespondenz des Königs, Dom Manuel, und -verfasste nach den Berichten des Seefahrers Diego Gomes zwei Schriften -über dessen Reisen. Als 1496 das Edikt erschien, nach welchem es -jedem Nichtchristen unter Todesstrafe verboten wurde, im Lande sich -aufzuhalten, mehrte sich die Arbeit seiner Pressen, auch gaben die -umgestalteten Justizverhältnisse, der rasch steigende Handelsverkehr -und die Kolonialverwaltung, sowie die rege Missionsthätigkeit für die -Kolonien viel zu thun. Eine seiner ersten Arbeiten war die, im Verein -mit Nikolaus von Sachsen gedruckte <em class="kursiv">Vita Christi</em> des Karthäusermönches -Ludolfo de Sachsonia (1495), welche auf direkte Veranlassung der -königlichen Familie unternommen wurde. Nur ein einziges vollständiges -Exemplar in der Lissaboner Bibliothek existiert. Unter den vielen -Werken Valentins befindet sich eine, von ihm selbst besorgte -Übersetzung der Reisen des Marco Polo. Nach 1506 verringert sich seine -Thätigkeit und sein Name verschwindet 1513, ohne dass es bekannt ist, -ob Tod, Geschäftsaufgabe oder Rückreise Veranlassung gewesen. -</p> - -<div class="sidenote">Hermann von<br />Kempen<br />in Setuval.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_64' name='Page_64' href='#Page_64'>[64]</a></span> -Im Jahre 1509 hatte sich <span class='smcap'>Hermann von Kempen</span> (<em class="kursiv">Armão de Campos, Alemã</em>) -in Setuval niedergelassen. Später zog er nach Lissabon mit dem Titel -<em class="kursiv">empremidor</em> und <em class="kursiv">bombardeyro d'El Rei</em>. Die Bombardiere bildeten eine -aus hundert Mann bestehende Leibgarde des Königs, die viele Vorteile, -als Freiheit von Steuern, vom Kriegsdienst, von Einquartierung, -ausserdem einen nicht geringen Sold hatte. Da hauptsächlich -Metallarbeiter, die selbst ihre Munition anfertigen konnten, wozu -sie das Rohmaterial erhielten, in diese Garde gewählt wurden, so ist -Hermanns Beruf als Schriftgiesser wahrscheinlich bei seiner Aufnahme -bestimmend gewesen. Sein Hauptwerk ist das von Garcia de Resende -herausgegebene <em class="kursiv">Cancioneiro Geral</em>, ein berühmtes Liederbuch, das -die Poesien von 275 höfischen Dichtern enthält. Der Druck ist sauber -und geschmackvoll in gothischer Schrift. Von diesem Buch sind nur -ganz wenige unverstümmelte Exemplare übrig geblieben. Der König, Dom -Fernando, übersandte das in seinem Besitz befindliche dem Stuttgarter -Verein der Bücherfreunde behufs einer von Dr. v. Kausler 1846-1849 -veranstalteten Ausgabe, welche dieses wichtige Werk der portugiesischen -Nation erhalten hat. -</p> - -<div class="sidenote">Andere deutsche<br />Buchdrucker.</div> - -<p> -Als Valentins Wirksamkeit zu stocken begann, berief der König, Dom -Manuel, <span class='smcap'>Jakob Kromberger</span> aus Sevilla nach Lissabon (1508) und verlieh -ihm, wie allen fremden Buchdruckern, die sich in Portugal niederlassen -wollten, den Titel Ritter des königlichen Hauses. Sie mussten jedoch -den Besitz von 2000 Dublonen in Gold nachweisen und Altchristen -(<em class="kursiv">christãos velhos</em>) sein. -</p> - -<p> -Ob <span class='smcap'>Johann Gerling</span>, der 1494 in BRAGA druckte, auch auf königliche -Veranlassung berufen wurde, oder ob er ein fahrender Buchdrucker war, -lässt sich nicht bestimmen. Das von ihm gedruckte Brevier von Braga, -seine einzige Leistung, ist deshalb besonders wichtig, weil es die -Gebete und Hymnen nach dem Ritus der Mosaraber, einer Christengemeinde, -die unter der Maurenherrschaft fast ohne jede Verbindung mit Rom -fortbestanden hatte, enthält. Schliesslich siedelte noch im <span class='smcap'>xvi.</span> -Jahrhundert <span class='smcap'>Joãs Blavio de Colonia Agrippina</span> (1554) als Hofbuchdrucker -nach Lissabon über und druckte (bis 1556) 36 Werke. -</p> - -<p> -Die älteren portugiesischen Drucke gehören zu den grössten -bibliographischen Seltenheiten. Unter 739 Inkunabeln der Lissaboner -<span class='pagenum'><a id='Page_65' name='Page_65' href='#Page_65'>[65]</a></span> -Bibliothek sind nur 4 portugiesische. Die Bibliothek zu Oporto zählt -109 Inkunabeln, davon bloss 2 portugiesische. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Paris</div> - -<p> -Dass FRANKREICH<a name='FA_044' id='FA_044' href='#FN_044' class='fnanchor'>[4]</a>, wo die Universität PARIS eine so grosse -Anziehungskraft auf die ganze wissenschaftliche Welt ausübte, mit der -Einführung der Buchdruckerkunst zurückblieb, muss hauptsächlich den -ungünstigen politischen Verhältnissen nach dem Tode Karls <span class='smcap'>vii.</span> und -der Thronbesteigung seines grausamen Sohnes Ludwigs <span class='smcap'>xi.</span> zugeschrieben -werden, obwohl dieser, nach seiner Art, ein Freund der Wissenschaft -war. So begünstigte er unter anderen auch <span class='smcap'>Jean Fouchet</span> von Tours, -den bedeutendsten Illuminator damaliger Zeit, dessen Miniaturen in -Josephus' „Jüdischen Altertümern“ in ihrer Art unerreicht sind. Dass -der König an Schöffer einen Ersatz von 2425 Thaler für sein, von dem -Gerichte mit Beschlag belegtes Bücherlager gewährte, zeugt auch von -Interesse für die Kunst. -</p> - -<div class="sidenote">Ulrich Gering. -<hr class="sidenote" /> -Buchschriften in<br />Frankreich.</div> - -<p> -Der Anblick der gedruckten Bücher, die gebotene Möglichkeit, z. B. -eine gedruckte Bibel für 50 Kronen kaufen zu können, veranlasste -Wilhelm Fichet, Doktor an der berühmten theologischen Fakultät, der -sogenannten Sorbonne, den Rektor der Universität Johann Heinlein, -nach seinem Geburtsort Stein bei Constanz Johann von Stein genannt, zu -bewegen, für die Einführung der Kunst Schritte zu thun. Stein berief -demzufolge seinen Landsmann <span class='smcap'>Ulrich Gering</span> aus Constanz nach Paris. -Gering, der die Kunst in Mainz gelernt hatte, brachte <span class='smcap'>Martin Crantz</span> -von Basel und <span class='smcap'>Michel Friburger</span> von Colmar mit sich und errichtete die -erste Buchdruckerei Frankreichs in den Gebäuden der Sorbonne. Das erste -Buch, welches dort gedruckt wurde, waren die Briefe von Gasparino di -Bergamo (1470), denen später ein rhetorisches Werk Fichets und mehrere -Klassikerausgaben mit Kommentaren von Stein folgten. Für diese Werke -bediente sich Gering, vielleicht unter dem Einflusse seiner Gönner -von der Sorbonne, einer, der römischen Type Jensons ähnlichen Schrift. -Als er aber später die Räume der Sorbonne verliess und seine Offizin -nach der <em class="kursiv">rue St. Jacques</em> verlegte, nahm er die allgemein beliebte -gothische Type an, die man <em class="kursiv">Allemand</em>, oder auch, nach den gebrochenen -Ecken, <em class="kursiv">lettres de forme</em> -<span class='pagenum'><a id='Page_66' name='Page_66' href='#Page_66'>[66]</a></span> -nannte. Die kleinere Schrift, mit der man -Schulbücher druckte, wurde nach der: <em class="kursiv">Summa St. Thomæ</em>, einem solchen -Buche, <em class="kursiv">lettres de somme</em> genannt. Die grössern Anfangsbuchstaben -hiessen <em class="kursiv">lettres cadeaux</em>, die runden Anfangsbuchstaben der Kapitel -<em class="kursiv">lettres tourneurs</em>. Die gothische Schrift wurde auch von <span class='smcap'>Peter Kaiser</span> -(<em class="kursiv">Caesaris</em>) und <span class='smcap'>Johann Stoll</span>, ebenfalls zwei Deutschen, die sich kaum -drei Jahre nach Gering in Paris etabliert hatten, angewendet. Später -bildete sich eine halbgothische Schrift aus, bis Jod. Badius 1501 -die römische Type wieder einführte, die nun endgültig die herrschende -blieb. -</p> - -<div class="sidenote">Gerings Wirken.</div> - -<p> -Durch das Beispiel mit Schöffers Faktor klug geworden, hatte Gering -schon 1474 um Naturalisation nachgesucht, die ihm auch gewährt wurde. -Crantz und Friburger gingen 1478 wieder nach Deutschland zurück -und Gering nahm später <span class='smcap'>Berthold Remboldt</span> zum Teilnehmer, dessen -Virgil so sorgfältig korrigirt war, dass er als fehlerfrei gilt. Ein -Meisterwerk ist sein <em class="kursiv">Corpus juris canonici</em>, in fünf Spalten, mit -verschiedenen Schriften, rot und schwarz, gedruckt. Gering erwarb sich -ein bedeutendes Vermögen und vermachte dasselbe bei seinem Tode (1510) -grösstenteils der Sorbonne. -</p> - -<p> -Das erste „französisch“ in Frankreich gedruckte Buch <em class="kursiv">Les grandes -chroniques de la France</em> stammt nicht aus Gerings Presse, sondern wurde -1476 von <span class='smcap'>Pasquier Bonhomme</span> gedruckt. Einmal aufgenommen, verbreiteten -sich die Buchdruckereien rasch, es sind deren bis zum Jahre 1500 in -Paris 66 bekannt. -</p> - -<div class="sidenote">Lyon. -<hr class="sidenote" /> -Joh. Trechsel.</div> - -<p> -In LYON führte <span class='smcap'>Bartholomäus Buyer</span> die Kunst (1473) ein. Das erste Werk -war das „Compendium“ des Kardinal Lothar. Der eigentliche Drucker war -jedoch nicht Buyer, sondern <span class='smcap'>Wilh. Leroy</span>, trotz des französischen Namens -wahrscheinlich ein Deutscher (König). Mit dem Jahre 1477 verschwindet -dieser Name und kommt erst 1488 wieder zum Vorschein. Einen bedeutenden -Platz nimmt <span class='smcap'>Joh. Trechsel</span> ein, der, selbst ein gelehrter Mann, mit -einer grossen Zahl von Gelehrten auf dem besten Fusse stand. Seine -Tochter Thalie, die eine gelehrte Erziehung, wie es mit den Töchtern -der Buchdrucker damaliger Zeit öfters der Fall war, genossen hatte, war -mit dem berühmten Buchdrucker Joh. Badius verheiratet, der zusammen mit -Joh. Lascaris als Korrektor für Trechsel gewirkt hatte. -</p> - -<div class="sidenote">Grosse Bedeu-<br />tung Lyons.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_67' name='Page_67' href='#Page_67'>[67]</a></span> -Die Druckkunst nahm in Lyon einen sehr schnellen Aufschwung und die -Stadt hatte zu Ende des <span class='smcap'>xv.</span> Jahrhunderts schon 50 Buchdruckereien, aus -denen gegen 400 Werke hervorgegangen waren. Viele hunderte von Setzern, -Druckern und Giessern fanden dort Beschäftigung. Die Mehrzahl der -Drucker waren deutschen Ursprungs. Die Papiermühlen produzierten grosse -Quantitäten des vortrefflichsten Papiers. Der Buchhandel in der freien -Messstadt Lyon war ein sehr bedeutender, welches damals dem Buchhandel -das war, was ihm Leipzig heute ist, und mit Ausnahme von Venedig -lieferte keine Stadt dem Buchhandel eine grössere Zahl von Büchern. Von -dem Nachdruck hielt sie sich nicht frei, namentlich hatte Aldus unter -diesem zu leiden. -</p> - -<p> -Nach BORDEAUX brachte <span class='smcap'>Michel Svirler</span> aus Ulm 1486 die Druckerkunst. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Dierik Martens. -<hr class="sidenote" /> -Kunstleben<br />in Brügge. -<hr class="sidenote" /> -Der Burgun-<br />dische Hof.</div> - -<p> -In den NIEDERLANDEN druckte wahrscheinlich <span class='smcap'>Dierik Martens</span><a name='FA_045' id='FA_045' href='#FN_045' class='fnanchor'>[5]</a> 1473 zu -AALST in Ostflandern das erste Buch, jedoch noch lange erhielt sich die -Anfertigung der Manuskripte neben dem Druck von Büchern, die sich mit -ihren rohen, ungeschlachten Holzschnitten nicht mit den prachtvollen -Miniaturen messen konnten. Ein Zentralpunkt der Manuskriptmanufaktur -war die reiche Handelsstadt BRÜGGE. Kunstlosere Manuskripte wurden zu -sehr billigen Preisen hergestellt, während die kostbar ausgestatteten -einen hohen Wert behielten. Jacques Raponde erhielt z. B. 500 -Goldkronen für <em class="kursiv">La legende dorée, ystorié de belles ystories</em>. Ein -Werk mit Miniaturen illustrieren, die sich auf den historischen Inhalt -bezogen, nannte man <em class="kursiv">historier</em>, die Bilder selbst hiessen <em class="kursiv">histoires</em>. -Eine grosse Stütze fanden die Illuminatoren in dem kunstsinnigen -Burgundischen Hofe, namentlich war der mächtige Herzog Philipp der Gute -ein grosser Liebhaber, der überall seine Agenten hatte, um seltene -Bücher zu erwerben; auch unterstützte er die Umarbeitung älterer -Werke in das neuere Französisch. Fraglich ist es sogar, ob er nicht -die neue Kunst zuerst in Belgien einführte. Raoul le Fèvre hatte eine -Bearbeitung der Iliade: <em class="kursiv">Histoires de Troyes</em>, geschrieben und 1464 dem -<span class='pagenum'><a id='Page_68' name='Page_68' href='#Page_68'>[68]</a></span> -Herzog ein prachtvolles Exemplar überreicht. Es fand so vielen Beifall, -dass die Schreiber und die Illuminatoren nicht genug Exemplare schaffen -konnten, und es ist nicht unmöglich, dass das Werk unmittelbar am Hofe -des Herzogs gedruckt wurde. Karl der Kühne, der Sohn und Nachfolger -Philipps, war zwar auch ein Freund schön ausgestatteter Manuskripte, -aber seine kriegerischen Unternehmungen machten es ihm unmöglich, den -Künsten des Friedens dieselbe Unterstützung zu gewähren, wie es sein -Vater gethan. -</p> - -<div class="sidenote">Colard Mansion.</div> - -<p> -In Brügge war ein hervorragendes Mitglied der Künstlergilde, -<span class='smcap'>Colard Mansion</span><a name='FA_046' id='FA_046' href='#FN_046' class='fnanchor'>[6]</a>, der Gründer der ersten Presse (1476). Er war als -Illuminator, Autor und Drucker thätig und bediente sich in seinen -Drucken einer eigentümlichen, nach französischen Handschriften -gebildeten, semigothischen Type. Die holländischen Schriften damaliger -Zeit waren im ganzen sehr roh. Nur <span class='smcap'>Richard Paff</span> in Deventer zeichnet -sich durch eine schöne nationale Schrift (<em class="kursiv">Duits</em>) aus, die den -Leistungen des berühmten Schriftschneiders Fleischmann im <span class='smcap'>xviii.</span> -Jahrhundert wenig nachsteht. -</p> - -<div class="sidenote">Die Brüder des<br />gemeins. Lebens.</div> - -<p> -In DEVENTER entstand auch die Vereinigung der <span class='smcap'>Brüder des gemeinsamen -Lebens</span>, welche um die Verbreitung des Sinnes für Bücherwesen und -Buchdruckerkunst wesentliche Verdienste sich erworben hat. Zu den -Städten, die durch ihre Beteiligung bei dem Bunde der Hansa eine -Bedeutung erlangt hatten und wo ein frisches Leben blühte, gehörten -die drei Hauptorte Oberyssels: Deventer, Zwolle und Kampen. Namentlich -genoss Deventer ein gutes Ansehen. -</p> - -<p> -Hier lebte Gerhard Groote (<em class="kursiv">Gerhardus magnus</em>)<a name='FA_047' id='FA_047' href='#FN_047' class='fnanchor'>[7]</a>, geboren 1340 aus -einer dortigen Patrizier-Familie. Gerhard bildete sich erst in Paris, -dann in Köln aus, trieb scholastische Philosophie, Gottesgelahrtheit -und Magie und lehrte in uneigennützigster Weise unter einem -ansehnlichen Zulauf. Da fasste er plötzlich den Entschluss der Welt -abzuschwören, ohne jedoch in einen geistlichen Orden zu treten, denn -er wollte „keine Seele eines Menschen auf seine Verantwortlichkeit -nehmen“. Öffentlich verbrannte er seine kostbaren -<span class='pagenum'><a id='Page_69' name='Page_69' href='#Page_69'>[69]</a></span> -magischen Bücher und -nahm ein einfaches Diakonat an, welches ihn berechtigte öffentlich zu -lehren. -</p> - -<div class="sidenote">Gerh. Groote.</div> - -<p> -Seine Hauptaufgabe ward es nun, den, das Volk verdummenden Einfluss der -Bettelmönche zu untergraben. Seine Predigten in Deventer und an anderen -Orten waren so stark besucht, dass die Kirchen die Menge nicht fassen -konnten und er im Freien reden musste. Selbstverständlich war die Wut -der Bettelmönche gegen ihn eine grosse, und es gelang ihnen auch, ein -Verbot gegen das Predigen Grootes zu erwirken. Dieser unterwarf sich -demütig, um durch Übersetzen und Unterweisung der reiferen Jugend zu -wirken. Er lehrte seine Schüler Bücher abzuschreiben und damit etwas -Geld zu ihrem Unterhalte zu verdienen. Bei der steigenden Arbeit hatte -er in Floris Radewynzoon (<em class="kursiv">Florentinus Radewini</em>) eine vortreffliche -Stütze. Was dieser mit den Schülern verdiente gab er an Groote ab. „Was -hindert uns“ — rief Florentinus einmal aus —, „dass wir und diese -Brüder vom guten Willen (<em class="kursiv">fratres bonæ voluntatis</em>) die Früchte unserer -Arbeit zusammenlegen und uns als Brüder zu einem frommen gemeinsamen -Leben (<em class="kursiv">fratres vitæ communis</em>) verbinden?“ -</p> - -<p> -Hiermit war der Gedanke einer freiwilligen Vereinigung ohne -klösterliches Gelübde ausgesprochen, um zugunsten der Bildung und -der Wissenschaft die Zeit zu verwenden und das Erworbene in eine -gemeinschaftliche Kasse niederzulegen, aus welcher die Bedürfnisse -aller bestritten wurden. Auch eine gleichmässige Kleidung bezeichnete -die Brüder als solche. -</p> - -<p> -Groote selbst sollte die eigentliche Ausbildung der Gesellschaft der -Brüder nicht erleben; er starb, indem er liebevoll andere pflegte, -an der Pest am 20. Aug. 1384. Die Stiftung in Deventer hob sich mehr -und mehr. Florentinus fand in dem gebildeten Gerhard von Zütphen eine -wesentliche Hülfe. Andere Städte folgten dem Beispiel Deventers, so -Delft und Münster. Der Neid veranlasste Verfolgungen; die Brüder wurden -bei dem Papste Martin <span class='smcap'>v.</span> als der Todsünde schuldig, als Mörder und als -falsche Propheten denunziert, jedoch freigesprochen, und eine Bulle -Eugens <span class='smcap'>iv.</span> aus dem Jahre 1431 bedrohte denjenigen, der dem Wirken der -Brüder etwas in den Weg legte, mit dem Banne. -</p> - -<p> -Nach der Erfindung der Buchdruckerkunst nahmen die Brüder, statt des -Abschreibens, das Drucken in die Hand und erwarben sich namentlich -<span class='pagenum'><a id='Page_70' name='Page_70' href='#Page_70'>[70]</a></span> -in Holland, in Westfalen und in den Nordwestmarken Deutschlands -grosse Verdienste um die Anlegung von Druckereien. In Deventer, wo -die Schule zum Schluss des ersten Drittels des <span class='smcap'>XVI.</span> Jahrhunderts ihre -höchste Blüte erreichte, war dies zwar nicht der Fall, vielleicht -weil Paffs Druckerei einen ausgezeichneten Rang einnahm, dagegen in -Gouda, Brüssel, Löwen, an welchem letzteren Ort die Druckerei jedoch -nicht reussierte, sodass die Brüder sich wieder dem Abschreiben -zuwendeten<a name='FA_048' id='FA_048' href='#FN_048' class='fnanchor'>[8]</a>. -</p> - -<div class="sidenote">Haarlem. -<hr class="sidenote" /> -Koster-Legende.</div> - -<p> -HAARLEM erhielt 1483 seinen ersten Buchdrucker <span class='smcap'>Jakob Bellaert</span>. Nach -einem langen Zeitraume, in welchem Haarlem keine Buchdruckerei hatte, -associiert sich 1561 <span class='smcap'>Jan van Zuren</span> mit <span class='smcap'>Dirk Volckharts Coornhert</span> zur -Errichtung einer solchen. In einem Empfehlungsschreiben an den Rat zu -Haarlem vindiziert letzterer der Stadt die Ehre der Erfindung und auch -sein Socius erzählt hiervon, jedoch ohne den Namen des Erfinders zu -nennen. Zu diesen gesellt sich ein Florentiner Luigi Guicciardini, der -sich 1550 in Antwerpen aufhielt und eine Beschreibung der Niederlande -herausgab, in der viele Erzählungen von Meermännern und Meerweibern, -die in Haarlem gelebt haben, enthalten sind. Auch dieser berichtet, -dass die Buchdruckerkunst in Haarlem erfunden sei, lässt jedoch die -Wahrheit dahingestellt. -</p> - -<div class="sidenote">Koster-Legende.</div> - -<p> -Diese Nachrichten wurden nun oft nachgeschrieben und jeder neue Abdruck -als ein neuer Beweis für Haarlem ausgebeutet. Indes wären diese Mythen -wahrscheinlich längst vergessen, wäre nicht Hadrianus Junius (<em class="kursiv">Adrian -de Jonghe</em>), Doktor und Rektor zu Haarlem, aufs neue als Vertreter der -Erfindungsrechte Haarlems aufgetreten und zwar unter genauer Angabe -des Namens, Zunamens, der Wohnung des Erfinders und der Jahreszahl der -Erfindung. In seinem, auf Veranlassung der Deputation der Stände von -Holland geschriebenen Werke: <em class="kursiv">Batavia</em>, das von grossartigen Fabeln -wimmelt, erzählt er, dass <span class='smcap'>Laurenz, Johanns Sohn</span>, mit dem Beinamen -<span class='smcap'>Koster</span> (Küster), beim Spazierengehen in einem Wäldchen bei Haarlem -Buchstaben aus Baumrinde als Spielzeug für seine Enkel geschnitzt -habe. Ein zufälliger Abdruck eines solchen Buchstabens veranlasste -<span class='pagenum'><a id='Page_71' name='Page_71' href='#Page_71'>[71]</a></span> -ihn, der ein Mann von grossem Verstand war, mit seinem Schwiegersohne -Thomas Peter weitergehende Entwürfe zu machen und schliesslich die -Buchdruckerkunst in <em class="kursiv">optima forma</em> zu erfinden und zu betreiben. -</p> - -<p> -Das Geschäft erweiterte sich und warf reichlichen Gewinn ab. Unter -seinen Gehülfen befand sich jedoch ein ungetreuer Diener, „Johannes, -wahrscheinlich Faust“. Dieser steckte am Christabend, während der -Meister und seine Familie in der Kirche war, die Offizin in den Sack, -und fort war er, als man nach den Feiertagen die Druckerei wieder -eröffnete. Hadrianus Junius erinnert sich ganz genau, dass ein alter -ehrwürdiger Mann mit langen weissen Haaren, Namens Nikolaus Gelius, -erzählt habe, wie „er“ sich wieder erinnere, in „seiner“ Jugend von -einem gewissen Buchbinder, Cornelius, damals ein Mann von 80 Jahren, -die Geschichte gehört zu haben, und dass letzterer, wenn er von dem -Räuber erzählte, jedesmal bitterlich geweint habe. -</p> - -<p> -Das ist die Koster-Legende, die so viele Federn in Bewegung gesetzt, -so viele Bitterkeit hervorgerufen und Kosters Manen zwei öffentliche -Denkmäler eingebracht hat. Die Holländer haben, wie aus dem nächsten -Abschnitt hervorgehen wird, so viele wahrhaft grosse Verdienste um -die Buchdruckerkunst, die von der ganzen gebildeten Welt freudig -anerkannt werden, dass sie ohne Nachteil ihren Koster-Missgriff zugeben -können<a name='FA_049' id='FA_049' href='#FN_049' class='fnanchor'>[9]</a>. -</p> - -<hr /> - -<p> -Nachdem über die Einführung der Kunst in ENGLAND vieles hin und her -gestritten worden, kann es jetzt als feststehend betrachtet werden, -dass sie im Jahre 1477 durch Caxton stattfand. -</p> - -<div class="sidenote">William Caxton.</div> - -<p> -<span class='smcap'>William Caxton</span><a name='FA_0410' id='FA_0410' href='#FN_0410' class='fnanchor'>[10]</a> wurde in der Grafschaft Kent geboren. Da er im Jahre -1438 bei einem der angesehensten Kaufleute der City, Robert Large, in -die Lehre kam und eine solche Lehre gewöhnlich -<span class='pagenum'><a id='Page_72' name='Page_72' href='#Page_72'>[72]</a></span> -sieben Jahre dauerte -und mit dem 24. Jahre endigte, so ist, wenn wir diese Zahlen für Caxton -gelten lassen, sein Geburtsjahr etwa 1421. -</p> - -<div class="sidenote">Caxton am Bur-<br />gundischen Hof. -<hr class="sidenote" /> -Das erste eng-<br />lische Buch.</div> - -<p> -Nach der Vermählung des Herzogs von Burgund, Karl des Kühnen, mit der -Schwester Edwards <span class='smcap'>iv.</span> von England, Margaretha, war es das eifrigste -Bemühen der englischen Regierung, die zum Nachteil beider Länder -erloschenen Handelstraktate wiederherzustellen. Caxton, der in Brügge -lebte, wo die Engländer eine „Nation“ bildeten und eine angesehene -Stellung als Geschäftsmann und Gouverneur (etwa Konsul) einnahm, war -einer der drei Abgeordneten, die zum Zweck der Unterhandlung nach dem -Burgundischen Hoflager gesandt wurden, wo er bald eine <em class="kursiv">persona grata</em> -wurde, die namentlich bei der Herzogin so hoch in Gunst stand, dass -sie ihn bewog, in ihren Dienst zu treten. In diesem fand Caxton Musse -genug, mit litterarischen Arbeiten, denen er stets zugethan gewesen, -sich zu beschäftigen. Im Jahre 1469 begann er die Übersetzung des -schon erwähnten Buches Raoul le Fèvres: <em class="kursiv">Histoires de Troyes</em> und auch -die englische Übersetzung fand, wie das Original, so grossen Beifall, -dass Caxton den Entschluss fasste, es durch den Druck vervielfältigen -zu lassen. So erschien in den Jahren 1473 bis 1474 im Druck das erste -englisch geschriebene Buch: <em class="kursiv">The recuyell of the historyes of Troy</em>, -351 Folio-Seiten. Früher hielt man allgemein dafür, dass dies Buch den -Pressen Ulrich Zells in Köln entstamme, doch sprechen viele äussere -und innere Zeichen dafür, dass es ein Werk Colard Mansions in Brügge -sei. Während des Druckes seiner Übersetzung scheint nun Caxton sich -mit der Technik der Buchdruckerkunst vertraut gemacht zu haben und -der Entschluss bei ihm gereift zu sein, seinem Vaterlande die Kunst -zuzuführen. Nach einer Abwesenheit von 35 Jahren kehrte er nach LONDON -zurück, den kostbaren Schatz einer Druckerei-Einrichtung mit sich -führend. -</p> - -<div class="sidenote">Caxtons Thätig-<br />keit in London.</div> - -<p> -Das erste Buch von Caxton, welches von ihm mit einem vollständigen -Impressum versehen wurde, ist: <em class="kursiv">The dictes and sayings of the -philosophers</em>, das im November 1477 erschien. Seine Offizin war in -Westminster gelegen, jedoch nicht in der Abtei selbst. 15 Jahre wirkte -er noch als Drucker, zugleich als Übersetzer und Bearbeiter eines -grossen Teils der von ihm gedruckten Schriften, deren Zahl 94 beträgt -inkl. 7 Drucke, die er bereits in Brügge hat -<span class='pagenum'><a id='Page_73' name='Page_73' href='#Page_73'>[73]</a></span> -ausführen lassen, und 3, -die erst nach seinem Tode erschienen. Da unter diesen nicht weniger -als 33 Unica sind, zumteil nicht einmal im vollständigen Zustande, -so ist anzunehmen, dass die Zahl der Erzeugnisse seiner Pressen -eine noch wesentlich grössere gewesen ist. Die umfangreichsten sind: -Chaucers <em class="kursiv">Canterbury tales</em> in zwei Auflagen von je 742 und 622 Seiten; -<em class="kursiv">Polychronicon</em>, 890 Seiten; <em class="kursiv">The noble history of King Arthur</em>, 862 -Seiten; und <em class="kursiv">The golden Legend</em>, 892 Seiten. Letzteres mit vielen -Illustrationen versehene Buch, von dem kein vollständiges Exemplar -erhalten wurde, muss als Caxtons Hauptwerk betrachtet werden. Die -Technik sowohl als die Korrektur seiner Bücher waren höchst mangelhaft -und die Holzschnitte sehr untergeordneter Natur, wie überhaupt damals -von Kunst und Künstlern in England nicht zu reden war. -</p> - -<p> -Aus dem gesagten geht hervor, dass Caxton nicht einer der begeisterten -Jünger Gutenbergs war, wie sie in anderen Ländern in nicht geringer -Zahl getroffen wurden, welche die Kunst ihrer selbst wegen liebten. -Er war ein praktischer Engländer und Geschäftsmann, der nicht -den Wissenschaften Opfer brachte oder seine Ehre in korrekten, -geschmackvollen Ausgaben der Klassiker suchte, sondern Bücher druckte, -von welchen er einen tüchtigen Absatz und raschen Gewinn hoffen durfte. -Kann aus den wenigen Exemplaren, die von seinen vielen Büchern auf -die Gegenwart gekommen sind, auf die Aufnutzung geschlossen werden, so -hätte er nicht falsch gerechnet. Im ganzen existieren 5-600 Exemplare -seiner Druckwerke, die sich fast ausnahmslos in englischen Händen -befinden und grösstentheils mit den höchsten Preisen erworben wurden. -Für ein nicht vollständiges Exemplar von: <em class="kursiv">The historyes of Troy</em> wurde -in der Versteigerung des Herzogs von Roxburgh 1060 £ Sterl. 10 s. über -(21000 Mark) gezahlt. -</p> - -<div class="sidenote">Caxtons Tod.</div> - -<p> -Caxton starb, geehrt und geachtet, gegen Ende des Jahres 1491. Wenn -die Engländer ihn und seine Werke, obwohl sie typographisch auf -einer niedrigen Stufe stehen, so hoch halten und im Jahre 1877 sein -vierhundertjähriges Jubiläum so glänzend begingen, so zeigten sie damit -eine, sie selbst ehrende Dankbarkeit gegen einen Mann, der ihnen die -Wohlthaten der Presse, die in keinem anderen Lande sich grösser als in -England erwiesen, teilhaft werden liess. -</p> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_74' name='Page_74' href='#Page_74'>[74]</a></span> -Es erübrigt, einen Blick auf SKANDINAVIEN zu werfen. -</p> - -<p> -„Der gothische Sprachstamm ist eine Lyra, deren Saiten zwischen den -österreichischen Alpen und den skandinavischen Bergen gespannt sind, -und es lässt sich nicht in Abrede stellen, dass Vieles, dessen Wert -nicht hoch genug geschätzt werden kann, von Deutschland kam. Von dort -erhielt der Norden die Buchdruckerkunst, von dort die Reformation.“ -</p> - -<div class="sidenote">Die Runen.</div> - -<p> -Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen im Norden waren in Stein -gemeisselte oder in Holz geschnittene Runen. Noch wichtiger für das -spätere Kulturleben waren die Sagen und Lieder, die von Mund zu Mund, -von Generation zu Generation sich verpflanzten. Selbst nach Einführung -des Christentums hatte das neue Alphabet einen harten Kampf mit den -Runen zu bestehen und noch im Jahre 1547 kamen Fälle der Benutzung -solcher vor. -</p> - -<div class="sidenote">Dänemark. -<hr class="sidenote" /> -Joh. Snell.</div> - -<p> -Nach DÄNEMARK<a name='FA_0411' id='FA_0411' href='#FN_0411' class='fnanchor'>[11]</a> brachten deutsche Mönche die ersten Bücher. Die -Bildung unter der dänischen Geistlichkeit war nicht gross, obwohl -die Universität Paris stark von Dänen besucht wurde. <em class="kursiv">Stationarii</em> -und <em class="kursiv">librarii</em> hatte Dänemark nicht aufzuweisen. Das erste Buch: eine -lateinische Beschreibung der Belagerung von Rhodos, wurde in ODENSE -auf der Insel Fühnen im Jahre 1482 von einem fahrenden deutschen -Buchdrucker, <span class='smcap'>Johann Snell</span>, gedruckt. -</p> - -<div class="sidenote">G. van Gehmen.</div> - -<p> -Im Jahre 1485 druckte <span class='smcap'>Steph. Arendes</span> in Schleswig: <em class="kursiv">Missale -Slesvicense</em>. Die Hauptstadt des Reiches, KOPENHAGEN, erhielt erst 1490 -eine Offizin durch <span class='smcap'>Godfred van Gehmen van Os</span>, der früher in Gouda in -Holland gewirkt haben soll. Nur 19 Bücher können mit Sicherheit als -aus seinen Pressen hervorgegangen bezeichnet werden. Das bekannteste -darunter ist: <em class="kursiv">Dansk Rimkrönike</em>, welche in den Jahren 1495-1508 -viermal aufgelegt wurde und das einzige in dänischer Sprache gedruckte -Buch aus dem <span class='smcap'>xv.</span> Jahrhundert ist. Gehmens Type ist eine sehr hübsche -und sein Druck ein guter. In RIPEN in Jütland druckte 1504 <span class='smcap'>Matthäus -Brand</span> aus Lübeck, der später nach Kopenhagen zog. Ihm folgte -<span class='smcap'>Povel Räff</span>, früher Rektor der Universität, der erste Däne, der die -Buchdruckerei betrieb. -</p> - -<div class="sidenote">Schweden.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_75' name='Page_75' href='#Page_75'>[75]</a></span> -In SCHWEDEN druckte (1483) der aus Dänemark gekommene <span class='smcap'>Johann Snell</span> -das erste Buch: <em class="kursiv">Dialogus creaturum moralizatus</em>. Auf Snell folgte -<span class='smcap'>Johann Fabri</span> mit dem <em class="kursiv">Breviarium Strengnense</em> 1494, während Fabris -Witwe 1496 das <em class="kursiv">Breviarium Upsalense</em> vollendete. Von da ab tritt eine -Unterbrechung von über 50 Jahren ein, in welcher man von der Kunst in -Schweden keine Spuren findet. -</p> - -<hr /> - -<p> -Auch Ungarn und die Slawischen Länder<a name='FA_0412' id='FA_0412' href='#FN_0412' class='fnanchor'>[12]</a> eigneten sich bald die neue -Erfindung an. -</p> - -<div class="sidenote">Ungarn.</div> - -<p> -UNGARN stand zur Zeit der Erfindung unter dem Scepter des aufgeklärten -und sich für die Wissenschaften sehr interessierenden Königs Matthias -Corvinus. Derselbe hatte mit grossen Kosten unter Mitwirkung des -bekannten Joh. Regiomontanus seine berühmte Bibliothek einrichten -lassen. Wenn auch die Angabe der Bändezahl auf 50000 jedenfalls eine -äusserst übertriebene ist, so war sie doch für damalige Zeit eine -höchst bedeutende. Berühmt waren auch die vorzüglichen Einbände, die -noch heute als grosse Schätze bei den Sammlern gelten. -</p> - -<p> -Der Kanzler Ladislas Gerab berief einen, damals in Italien weilenden -deutschen Buchdrucker <span class='smcap'>Andreas Hess</span> nach OFEN, wo er auf Kosten des -Königs die <em class="kursiv">Chronica Hungarorum</em> (1473) druckte. Der Typencharakter -dieses gut ausgeführten Werkes ist der der Antiqua. Da man von Hess -nur noch ein sehr mittelmässiges Buch ohne Datum: <em class="kursiv">Magni Basilii de -legendis poetis libellus</em> kennt, so wird man versucht, diesen Druck für -einen früheren als die <em class="kursiv">Chronica</em> zu halten. -</p> - -<p> -Unter den Nachfolgern des Matthias schwand die geistige Blüte. Auch -die berühmte Bibliothek ging nach und nach zurück und litt durch -Vernachlässigung, Diebstahl u. s. w. grosse Verluste, so dass sie -bereits sehr von ihrem Glanze heruntergekommen war, bevor die Eroberung -Ofens durch den Sultan Soliman den Prächtigen ihr den vollständigen -Ruin brachte, indem vieles verwüstet, der Rest nach -<span class='pagenum'><a id='Page_76' name='Page_76' href='#Page_76'>[76]</a></span> -Konstantinopel geführt wurde, von wo aus später einiges, namentlich als Geschenke der -Sultane, nach Wien und Pest zurückkam. -</p> - -<div class="sidenote">Böhmen.</div> - -<p> -Auch BÖHMEN und POLEN standen zur Zeit der Erfindung der Kunst auf -einer hohen Stufe der Kultur. Prag liess sich in der Aufnahme der Kunst -von PILSEN überflügeln, von wo aus schon aus dem Jahre 1475 ein Neues -Testament in böhmischer Sprache stammt. Zwar trägt ein Buch, Guido -de Colonnas trojanischer Krieg, die Jahreszahl 1468, doch bezieht -sich diese wohl nur auf die Zeit der Abfassung des Manuskripts. Die -Schriften in diesem Werk sind eben so schön, wie die Ausführung eine -liederliche ist. PRAG folgte im Jahre 1478 mit: <em class="kursiv">Statuum utraquestorum -articuli</em>. 1488 erschien die erste Bibel in der Landessprache; die -zweite, mit Holzschnitten illustriert, wurde 1489 in der kleinen -Bergstadt KUTTENBERG durch den gelehrten <span class='smcap'>Martin von Tissnova</span> gedruckt, -der später Dekan der philosophischen Fakultät in Prag wurde. An diese -Stadt knüpft sich eine der lächerlichsten Gutenberg-Legenden, nach -welcher Johann Faust das Licht der Welt in Kuttenberg erblickte, -eine Legende, die noch im J. 1840 Verteidiger aus missverstandenem -Patriotismus fand. Dieser Faust soll in Prag studiert, in Mainz aber -seiner Vaterstadt zu Ehren sich Johann Kuttenberger genannt haben. -</p> - -<div class="sidenote">Polen.</div> - -<p> -In KRAKAU, dem Sitz der Wissenschaften und der Kunst in Polen, druckte -zuerst <span class='smcap'>Swaybold Frank</span> 1491; er lieferte auch russische Werke. In -RUSSLAND soll 1493 in TSCHERNIGOW gedruckt worden sein und zwar Werke -in illyrischer Sprache mit cyrillischen Schriften. Diese Schrift, deren -sich die Süd- und Ostslawen schon im <span class='smcap'>ix.</span> Jahrh. bedienten, war von dem -Bischof Cyrillus und seinem Bruder Methodus erfunden. -</p> - -<div class="sidenote">Türkei.</div> - -<p> -Selbst die TÜRKEI, wo die Ausübung der Buchdruckerei durch den Sultan -Bajazet <span class='smcap'>ii.</span> 1483 unter Todesstrafe verboten war, hat Drucke aus dem <span class='smcap'>xv.</span> -Jahrh. aufzuweisen, die von Juden ausgeführt wurden. Eine hebräische -Geschichte des Josephus Ben Gorion trägt das Impressum <span class='smcap'>Konstantinopel</span> -1490. -</p> - -<div class='footnotes'> - -<div class='footnote' id='FN_041'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_041'>[1]</a></span> Nach <span class='smcap'>Charles Fumagalli</span>: <em class="kursiv">Dei primi libri a stampa in -Italia</em>. Lugano 1875 soll <em class="kursiv">Cicero</em> vor dem <em class="kursiv">Lactantius</em> von Sweynheim -und Pannartz gedruckt sein. — <span class='smcap'>Ed. Frommann</span>: Aufsätze zur Gesch. d. -Buchhandels. 2. Heft. Jena 1881. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_042'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_042'>[2]</a></span> <span class='smcap'>F. Fantozzi</span>, <em class="kursiv">Notizie di B. Cennini</em>. Florenz 1839. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_043'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_043'>[3]</a></span> <span class='smcap'>Francesco Mendez</span>, <em class="kursiv">Tipografia española</em>. 2. Ed. Madrid -1861-66. — <span class='smcap'>J. F. Nee de la Rochelle</span>, <em class="kursiv">Recherches historiques et -critiques sur l'établiss. de l'art typographique en Espagne et en -Portugal</em>. Paris 1830. — <span class='smcap'>Vincent Salva</span>, <em class="kursiv">Catalogue of Spanish and -Portuguese books</em>. 2 vols. London 1826-1829. — Deutsche Buchdrucker -des <span class='smcap'>xv.</span> u. <span class='smcap'>xvi.</span> Jahrh. in Portugal (Augsb. Allgem. Zeit. 1878, Nr. -49). -</div> - -<div class='footnote' id='FN_044'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_044'>[4]</a></span> <span class='smcap'>P. Lacroix</span>, <span class='smcap'>E. Fournier</span> et <span class='smcap'>F. Seré</span>, <em class="kursiv">Hist. de l'impr. -et des arts et professions, qui se rattachent à la typogr. Avec fig.</em> -Paris 1852. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_045'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_045'>[5]</a></span> <span class='smcap'>J. de Gand</span>, <em class="kursiv">Recherches sur la vie etc. de Thierry -Martens</em>. Aalst 1845. — <span class='smcap'>A. F. van Iseghem</span>, <em class="kursiv">Biogr. de Th. Martens</em>. 2. -Ed. Aalst 1856. — <span class='smcap'>J. W. Holtrop</span>, <em class="kursiv">Th. Martens</em>. Haag 1867. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_046'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_046'>[6]</a></span> <span class='smcap'>de Praet</span>, <em class="kursiv">Notice sur C. Mansion</em>. Paris 1829. — <em class="kursiv">C. -Mansion et les imprimeurs Brugeois du XV siècle.</em> Brügge 1848. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_047'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_047'>[7]</a></span> <span class='smcap'>G. H. M. Delprat</span>, <em class="kursiv">Verhandeling over de Broederschap -van G. Groote etc.</em> Utrecht 1830. In deutscher Bearbeitung von <span class='smcap'>Dr.</span> G. -Mohnike. Leipzig 1840. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_048'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_048'>[8]</a></span> Dass die „Brüder des gemeinsamen Lebens“, nach ihren hohen -Kopfbedeckungen auch „Kogelherren“ genannt, die früher Gutenbergische -Druckerei nach Bechtermünzes Tod erwarben, lasen wir schon S. 35. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_049'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_049'>[9]</a></span> <span class='smcap'>G. Meermann</span>, <em class="kursiv">Origines typr.</em> 2 Bde. Haag 1765. Ausserdem -eine grosse Anzahl mehr oder weniger wertvoller Parteischriften, deren -Aufzählung nur für wenige Leser Interesse haben dürfte. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0410'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0410'>[10]</a></span> <span class='smcap'>W. Blades</span>, <em class="kursiv">The biogr. and typogr. of W. Caxton</em>, 2., -einfachere Ausg. London 1877. — <span class='smcap'>W. Blades</span>, <em class="kursiv">How to tell a Caxton</em>. -London 1870. — <em class="kursiv">Caxton Celebration 1877.</em> London 1877. — <span class='smcap'>F. C. Price</span>, -<em class="kursiv">Facsimiles illustrating the labours of W. Caxton</em>. London 1877. — -Fast alle Hauptwerke Caxtons sind entweder in typographischen oder in -photographischen Reproduktionen erschienen. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0411'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0411'>[11]</a></span> <span class='smcap'>C. Nyrop</span>, <em class="kursiv">Bidrag til den danske Boghandels Historie</em>, 2 -Bde. Kopenhagen 1870. — <span class='smcap'>G. F. Ursin</span>, <em class="kursiv">Bogtrykkerkunstens Opfindelse og -Udvikling</em>. Kopenhagen 1840. — <span class='smcap'>J. H. Schröder</span>, <em class="kursiv">Incunabula artis typ. -in Svecia</em>. Upsala 1842. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0412'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0412'>[12]</a></span> <span class='smcap'>Ludw. Fischer</span>, König Matthias Corvinus und seine -Bibliothek. Wien 1878. — <span class='smcap'>Joh. Németh</span>, <em class="kursiv">Mem. Typographiarum inclyti regni -Hungariæ et magn. principatus Transsilvaniæ</em>. Pest 1818. — <span class='smcap'>Jos. -Dobrowsky</span>, Über die Einführung und Verbreitung der B. in Böhmen. Prag -1782. (Abhdl. einer Privatgesellsch. V. Bd.) — <span class='smcap'>G. S. Bandtkie</span>, <em class="kursiv">De -primis Cracoviæ etc. incunabulis dissert. brevis</em>. Krakau 1812. In -polnischer Sprache lieferte Bandtkie mehrere wertvolle Werke über die -Typographie Polens. -</div> -</div> - -<div class="center clrboth"> - <img src="images/pg_76_deco.jpg" - style="margin-bottom:5em;" - alt="Kapitel-Ende" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<div class="center clrboth pgbreak"> - <img src="images/pg_77_deco.jpg" - alt="Kapitel-Anfang" /> -</div> - -<h2 class="nobreak" id="h2_15"> -V. KAPITEL. -<span class="seitnum">[<a href="#toc_15">←</a>]</span> -</h2> -</div> - -<p> -DIE TECHNIK DER BUCHDRUCKERKUNST UND DIE LITTERARISCHE PRODUKTION. -</p> - -<div class="blockquote"> -<p> -<span class='smcap'>Die Technik.</span> Schriftgiesserei. Satz. Druck. -Korrektur. Die Pressen. Die Farbe. Die Ausschmückung der Bücher. Das -Pergament und das Papier. Die Buchbinderkunst. <span class='smcap'>Die -Litterarische Produktion.</span> Der Buchhandel. Die Zensur. -</p> -</div> - -<div class="sidenote">Schriftgiesserei.</div> - -<p class="hide_x_"> -<span class='pagenum'><a id='Page_77' name='Page_77' href='#Page_77'>[77]</a></span> -<img src="images/pg_77_cap.jpg" alt="D" width="50" class="cap0" /> -<span class="hide">D</span>IE SCHRIFTGIESSEREI<a name='FA_051' id='FA_051' href='#FN_051' class='fnanchor'>[1]</a>, die wichtigste aller der zum Druckgewerbe -gehörenden Beschäftigungen, ist zugleich diejenige, deren Anfange uns -am unbekanntesten geblieben. Dies ist jedoch sehr erklärlich, denn -gerade in diesem Teil der Thätigkeit lagen der Schwerpunkt und das -eigentliche Geheimnis der Typographie. Eine Zeichnung von Jost Amann<a name='FA_052' id='FA_052' href='#FN_052' class='fnanchor'>[2]</a> -aus dem Jahre 1568 zeigt uns einen Giesser, vor einem niedrigen -Ofen sitzend, in welchen die Giesspfanne eingelassen ist. Werkzeuge -liegen umher. Neben dem Giesser steht die Mulde mit fertigen Typen, -an welchen der Anguss noch haftet. Auf einem Wandbrett sind Siebe, -Tiegel und Giessinstrumente gereiht. Die Siebe dienten ohne Zweifel -dazu, den Sand fein zu sieben, in welchem sowohl die Metallstangen -als auch die grossen Buchstaben geformt wurden. Die äussere Gestalt -des Giessinstruments -<span class='pagenum'><a id='Page_78' name='Page_78' href='#Page_78'>[78]</a></span> -weicht etwas von der des jetzigen ab und nähert -sich der eines Stereoskop-Apparates. Eine Feder zum Halten der Mater -ist nicht zu erblicken, dagegen bemerkt man ein Loch an der Seite des -Instruments, durch welches jedenfalls die Mater gesteckt wurde, so dass -sie festlag, solange der Guss des Buchstabens dauerte. Die erwähnte -Abbildung ist jedoch über hundert Jahre jünger als die Erfindung; was -sich in der Zwischenzeit geändert hatte, ist nicht bekannt. Dass die -Giessinstrumente aus Messing gefertigt wurden, scheint aus der öfteren -Erwähnung der Typen: „als in Messing gegossen“ hervorzugehen, denn dass -man damit „Messingtypen“ gemeint haben sollte, ist undenkbar. -</p> - -<div class="sidenote">Die Stempel.</div> - -<p> -Aus welchem Stoff die Stempel in der allerersten Zeit gewesen, lässt -sich nicht sagen, wahrscheinlich versuchte man es erst mit Holz -und ging dann zu einem leicht zu bearbeitenden Metall über. Unter -solchen Umständen konnte von einem „Einschlagen“ des Stempels in das -Mater-Metall natürlich keine Rede sein; man wird also annehmen müssen, -dass die Herstellung der Matern anfänglich mittels „Eindrückens“ in -eine halberstarrte Masse geschah. Jedoch konnten solche Stempel und -Matern nicht auf die Dauer befriedigen und man musste zum Stahl für die -Stempel, zum Kupfer für die Matern greifen. Dass der Handel mit Schrift -und Matern sehr schnell in Aufnahme kam, geht daraus hervor, dass -dieselben Schriften an den verschiedensten Orten vorkommen. -</p> - -<div class="sidenote">Mangel an<br />Schriftsystem.</div> - -<p> -Ein korrektes „Kegelsystem“ ist im <span class='smcap'>xv.</span> Jahrh. noch nicht bemerkbar. -Die Dimensionen der Typen hingen von den Eigentümlichkeiten des gerade -vorliegenden Manuskripts ab. Der Buchdrucker von damals hatte noch -nicht den Wert regelmässig sich abstufender Schriftgrade kennen gelernt -und ahnte noch nicht, welche Unannehmlichkeiten er durch die Willkür -in der Schriftgrösse auf sich und seine Nachkommen laden würde. Bei der -Kostspieligkeit der Giessinstrumente ist nicht anzunehmen, dass man für -jede einzelne Schrift ein besonderes Instrument hätte haben sollen, -wahrscheinlicher ist es, dass die Instrumente eingerichtet waren um -sowohl auf Kegelhöhe als auf Buchstabenweite gestellt zu werden. -</p> - -<div class="sidenote">Beschaffenheit<br />der alten Typen.</div> - -<p> -Auffällig genug ist es, dass auch nicht eine der Millionen Typen -aus der ersten Zeit der Druckkunst auf uns gekommen ist, ja dass -wir, mit einer unfreiwilligen Ausnahme, nicht einmal eine getreue -<span class='pagenum'><a id='Page_79' name='Page_79' href='#Page_79'>[79]</a></span> -Abbildung einer solchen besitzen. Einem Drucker, der 1476 in der -Offizin des Konrad Winter in Köln arbeitete, müssen wir auf Grund -seiner Unachtsamkeit sehr verpflichtet sein. Indem er nämlich eine, -vielleicht zu locker geschlossene Schriftform einschwärzte, hat er -mit dem Farbeballen einen schwachen Buchstaben herausgezogen und dies -nicht beim Einfahren der Form bemerkt. Die liegengebliebene Type -ist nun durch den Tiegel so fest in die Schrift hineingedrückt und -auf den Bogen so genau abgedruckt worden, dass wir eine ganz genaue -Seitenansicht derselben besitzen. Die Buchstabenhöhe stimmt ganz genau -mit der alten französischen von 10½ geom. Linie oder 24 mm neuen Masses -überein. An der sichtbaren (rechten) Seitenfläche der Type befindet -sich eine runde Vertiefung von etwa 3 mm im Durchmesser. Da die Type -keine Signatur hat, so diente augenscheinlich diese Vertiefung dem -Setzer als Richtschnur beim Aneinanderreihen der Buchstaben. Der Fuss -ist nicht ausgekehlt, man sieht daraus, dass die ersten Typen keinen -Gusszapfen gehabt haben und dass die Höhe durch Absägen reguliert -wurde. -</p> - -<p> -Über die üblichen Schrift-Quantitäten ist es fast unmöglich etwas -zu ermitteln. Die rasche Förderung vieler der älteren umfangreichen -Druckwerke, trotz der Erschwerung durch das Einreihen der Bogen in -Lagen, lässt vermuten, dass die Typenvorräte manchmal beträchtlich -gewesen sind. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Der Setzer. -<hr class="sidenote" /> -Die wandernden<br />Druckereien.</div> - -<p> -Die Beschäftigung des SETZERS, des DRUCKERS und des Giessers war, wie -jetzt, im allgemeinen eine getrennte. Die Zahl der Setzer war grösser, -als die der Drucker. Erstere waren nicht selten Männer von Bildung -und Verständnis für ihr Fach. Diejenigen, die sich für das Geschäft -so ausbilden wollten, dass sie später selbst Meister werden konnten, -mussten eine angemessene Entschädigung zahlen. Wie jetzt, rekrutierten -sich auch die Prinzipale von damals hauptsächlich aus der Klasse der -Setzer. Hatte ein solcher vom Drucken und Giessen so viel gelernt, -dass er die Arbeit Anderer überwachen konnte, so war es nicht gar zu -schwierig eine Buchdruckerei zu gründen. Mit den erkauften Matern und -einem Giessinstrument zog der Meister nach irgend einer Stadt. Die -einfachen Utensilien konnten überall angefertigt werden, das Metall für -<span class='pagenum'><a id='Page_80' name='Page_80' href='#Page_80'>[80]</a></span> -die Schrift und das Papier waren in den grösseren Städten zu haben. -</p> - -<p> -Der Buchdrucker fing nun zu giessen an, schlug seine Presse auf, -mischte seine Farbe und konnte dann die Arbeit beginnen. Fing solche -an zu fehlen, so lud er seine Druckerei auf einen Wagen und zog nach -einem andern Ort, wo man eines Buchdruckers benötigt war, um dort seine -Thätigkeit zu beginnen. -</p> - -<div class="sidenote">Der Setzkasten.</div> - -<p> -Die „Setzkästen“ ruhten zu zweien, einer hüben, einer drüben, auf einem -Pult, das wie ein grosses doppeltes Notenpult konstruiert war. Die -Zahl der Fächer hat auf Grund der vielen Ligaturen eine sehr grosse -sein müssen. Durch letztere wurde die Kunst des Setzens damals eher -schwieriger, als heute. Bei der grossen Ähnlichkeit mancher Ligaturen -unter einander war das korrekte Ablegen sehr erschwert und Fehler kamen -deshalb auch leichter beim Setzen vor. Ob die Fächer der Setzkästen, -wie es nach den Abbildungen den Anschein hat, gleichgross gewesen -sind, lässt sich nicht feststellen. Unwahrscheinlich ist es nicht, -denn die, heute im Satz oft vorkommenden, und deshalb grössere Fächer -verlangenden Buchstaben wurden auf Grund der vielen Ligaturen damals -nicht für sich allein so massenhaft verwendet. -</p> - -<p> -In der Regel wird der Setzer oder die Setzerin sitzend und säuberlichst -angeputzt abgebildet, während die Drucker mit der Toilette es nicht -gar zu ängstlich genommen zu haben scheinen und oft in einem, dem -adamitischen sich sehr nähernden Kostüm dargestellt werden. -</p> - -<div class="sidenote">Winkelhaken.</div> - -<p> -Der „Winkelhaken“ war aus Holz, sehr einfach und für wenige Zeilen -und nur für ein Format berechnet. Dass der Setzer öfters mit dem -Winkelhaken in der rechten Hand abgebildet wird, berechtigt nicht zu -dem Schluss, dass viele unter ihnen „links“ gewesen sind. Es beruht -dies allein auf Unachtsamkeit und auf Übersehen des Umstandes, dass -die Zeichnung im Schnitt umgekehrt zu stehen kommt. Ganz im Anfang -hatte man mutmasslich nicht einmal einen Winkelhaken, sondern reihte -die Zeilen gleich in einem flachen Kasten auf, der zugleich als -Rahmen diente. Setzlinien benutzte man nicht, sondern stellte eine -Zeile unmittelbar auf die andere, wodurch natürlich das Ausschliessen -erschwert wurde, da die Schrift sich nicht so leicht auf der doch immer -etwas rauhen -<span class='pagenum'><a id='Page_81' name='Page_81' href='#Page_81'>[81]</a></span> -Fläche der Typen hin- und herschieben liess. Der Kasten -mit den fertigen Kolumnen liess sich leicht in die Presse stellen. War -der Schluss auch nicht ein besonders fester, so war man bei Benutzung -der Ballen und der leichten Farbe nicht so sehr der Gefahr ausgesetzt, -dass die Buchstaben herausgezogen wurden, wie es jetzt bei den Walzen -mit starkem Zug und der schweren Farbe der Fall ist. Dagegen stiegen -öfters die Ausschlussstücke und verunstalteten den Druckbogen. Stege -und Regletten scheint man nicht gehabt zu haben. -</p> - -<div class="sidenote">Das Tenakel und<br />das Manuskript.</div> - -<p> -Dass das „Tenakel“ frühzeitig gekannt war, geht ebenfalls aus den -Abbildungen hervor, doch darf man annehmen, dass anfänglich dem -Setzer in der Regel nach dem Manuskript diktiert wurde, und dass der -Vorlesende so eingeübt war, dass er gleichzeitig mehreren Setzern aus -verschiedenen Manuskripten diktieren konnte. Abweichungen im Satz -in einem und demselben Werk können kaum anders erklärt werden, als -dass der Satz gleichzeitig von mehreren Setzern nach Diktat gesetzt -wurde. Für die Annahme des Diktierens des Manuskripts glaubt man -eine Bestätigung darin zu finden, dass man auf anderen Abbildungen -den Vorleser mit dem Manuskript in der Hand sieht, während die, um -ihn herum arbeitenden Setzer kein Tenakel mit Manuskript auf ihren -Setzpulten vor sich haben. Doch kann die für den Vorleser gehaltene -Person auch der Besitzer oder Besteller sein und das Fehlen des -Tenakels dem Zeichner zuzuschreiben sein. -</p> - -<div class="sidenote">Unregelmässig-<br />keit im Setzen.</div> - -<p> -An einem geschmackvollen Arrangement des Satzes, einer angenehmen -Abwechselung der Schriften oder einer wohlthuenden Durchsichtigkeit -durch weitere Trennungen der Zeilen und Absätze fehlt es im allgemeinen -sehr und die durch die übermässig gedrängten und stark geschwärzten -Typen hervorgebrachte Unklarheit wird noch durch Versündigungen -gegen die ersten orthographischen Regeln vermehrt. Eigennamen sind -bald mit Versalien, bald mit gemeinen Buchstaben, je nach Laune -des Setzers oder nach dem Schriftenvorrat, gesetzt. Die allein -üblichen Interpunktionszeichen Komma, Kolon, Punktum finden in der -willkürlichsten Weise Verwendung. Krumme, ungleich ausgeschlossene -Zeilen, mangelhaftes Umbrechen kommen ganz allgemein vor. Versetzungen -von Zeilen und Seiten, sogar Weglassungen von ganzen Seiten im Druck -<span class='pagenum'><a id='Page_82' name='Page_82' href='#Page_82'>[82]</a></span> -gehören nicht zu den Seltenheiten, Wörter werden in der wunderbarsten -Weise geteilt. Am schlimmsten von allem ist die grenzenlose Willkür -im Abkürzen. Der Setzer dehnt oder drängt die Wörter, bis sie in das -Längenmass der Zeile passen oder hackt nach Belieben ein Glied von -ihnen ab, wenn sie durchaus nicht passen wollen. Oft wird zwar ein -alter Druck auf Grund der Regelmässigkeit des Ausschlusses gelobt, -sieht man jedoch näher hin, so findet man, dass die Regelmässigkeit -gewöhnlich nur durch Eigenmächtigkeit erreicht wurde. Mag man auch -manche gerechte Klagen über das Verfahren heutiger Kunstjünger führen, -eins steht doch fest, dass die Kunst, die Typen derart zu arrangieren, -dass der Sinn des Autors klarer ans Licht tritt, eine Errungenschaft -der modernen Setzerei ist. -</p> - -<div class="sidenote">Die Korrektur.</div> - -<p> -Das bei der KORREKTUR befolgte System ist nicht vollständig klar. Es -kommen in verschiedenen Exemplaren desselben Buches sonderbare Fehler -vor, die darauf hindeuten, dass die Setzer selbst die Korrekturen, -und zwar manchmal recht schlecht, lasen. Als Gegensatz muss erwähnt -werden, dass schon Gutenbergs Bibel, wenn sie auch nicht fehlerfrei -wurde, doch sehr sorgfältig korrigiert ist. Auch wissen wir, dass -oft ausgezeichnete Gelehrte die Korrektur besorgten; sie waren in -solchen Fällen nicht sowohl Korrektoren als Redaktoren des Textes. -Im allgemeinen ist es jedoch ein Irrtum, wenn angenommen wird, dass -die ältern Druckwerke sich durch ihre Korrektheit vor den heutigen -Erscheinungen auszeichnen. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Die Presse.</div> - -<p> -Auffällig genug ist es, dass die ersten Drucker ihre PRESSEN so -wenig erwähnen. Es scheint fast, als ob man die Presse als eine alte -Erfindung keiner besonderen Aufmerksamkeit wert hielt. Mit Unrecht; -denn ist auch das Prinzip der Presse ein altes, so war doch der -Mechanismus der Druckerpresse neu. Die Vorzüge fallen leicht in die -Augen, wenn man sie mit der Schraubenpresse vergleicht, welche letztere -jedenfalls als Vorbild für die Druckerpresse gedient hat. Die Bibel -Gutenbergs muss unbedingt auf einer Presse hergestellt worden sein, -deren Druck rasch gesteigert und rasch gemindert werden konnte und -die mit einem beweglichen Fundament, einem Deckel und einem Rähmchen -versehen gewesen ist<a name='FA_053' id='FA_053' href='#FN_053' class='fnanchor'>[3]</a>. -<span class='pagenum'><a id='Page_83' name='Page_83' href='#Page_83'>[83]</a></span> -Die erste Abbildung einer Presse stammt -von Jod. Badius in Paris. Auf dieser Abbildung, wie auch auf allen -anderen, steht die Bank mit den zu bedruckenden und mit den bedruckten -Papierhaufen jenseit des Fundaments und des Karrens. Der Drucker zieht -den Bengel unter grosser Kraftanstrengung mit beiden Händen an, den -rechten Fuss stemmt er gegen den schrägen Tritt an. Und doch war der -Tiegel nur so gross wie die Hälfte der Schriftform; es gehörte demnach -ein zweimaliges Anziehen des Bengels dazu, um eine Form zu drucken. -Der erste Zug erfolgte, wenn der Karren zur Hälfte, der andere, wenn er -ganz eingefahren war. -</p> - -<p> -Da die Pressen nur aus Holz und von gewöhnlichen Tischlern konstruiert -waren, so blieb vieles zu wünschen übrig. Selten mögen wohl Tiegel und -Fundament eine vollkommen gleichmässige Oberfläche gebildet haben. Die -unten abgesägten Typen hatten nicht ganz genaue Höhe, und das Papier -nicht gleiche Stärke, was die Ungleichheiten vermehrte. -</p> - -<p> -Um alle diese Unebenheiten auszugleichen war eine weiche Lage zwischen -Tiegel und dem Druckbogen notwendig, damit die Schrift tief genug in -das Papier eingedrückt wurde. Unter solchen erschwerenden Verhältnissen -verdienen die damaligen Leistungen des Druckers oft um so grössere -Anerkennung. -</p> - -<p> -Um das Register zu erzielen, bediente man sich anfänglich vierer -Punkturen in den Ecken. Die Plätze für den Rotdruck waren in dem -ersten Schwarzdruck mit niedrigen Quadraten ausgefüllt. Nachdem der -Schwarzdruck vollzogen war, wurden die rot zu -<span class='pagenum'><a id='Page_84' name='Page_84' href='#Page_84'>[84]</a></span> -druckenden Buchstaben -hineingestellt und durch Unterlagen etwas über die Schrifthöhe erhöht -und dann, nachdem die betreffenden Stellen in einem zweiten Rähmchen -ausgeschnitten waren, gedruckt. -</p> - -<div class="sidenote">Die Farbe.</div> - -<p> -Die FARBE der alten Drucke ist von sehr ungleicher Güte. In den Drucken -von Nic. Jenson in Venedig ist sie intensiv schwarz, sammetweich und -glänzend. Die Gutenbergsche Bibel ist mit kräftiger tiefschwarzer aber -glanzloser Farbe gedruckt. In dem Psalter von Fust und Schöffer ist -die Farbe bald glanzvoll, bald matt. In anderen Drucken ist die Farbe -wieder bräunlich oder schmierig, wieder in anderen ohne Konsistenz -und abwaschbar. Nicht selten ist die Schwärze in einem und demselben -Werke bald sehr dick, bald sehr sparsam aufgetragen. Hierbei hat -jedenfalls die grosse Verschiedenheit des Papiers wesentlich Schuld, -sowie die Unregelmässigkeit im Feuchten. Das Pergament ist öfters zu -stark poliert, öfters nicht ganz frei von Kalk oder Fett. Die allgemein -aufgestellte Behauptung, die ältere Farbe sei tiefer und glanzvoller -als unsere, ist nicht ganz korrekt. Sie scheint allerdings tiefer, -weil man sie auf Grund der grossen Typen und des starken Auftrags -massenhafter sieht; hätte man eine neue zarte Antiqua mit derselben zu -drucken gehabt, so würde sie wohl auch weniger schwarz erschienen sein. -Die Einschwärzung der Form geschah mittels Ballen, wie sie noch vor -etwa 50 Jahren im Gebrauch waren. -</p> - -<p> -Wie die Farbe zusammengesetzt wurde, ist nicht gesagt. Hier giebt -das aufgefundene Ausgabebuch der Ripoli-Presse von 1481, welches die -verbrauchten Materialien aller Art nach ihrer Quantität und ihren -Preisen angiebt, einigen Anhalt. Vom Russschwarz ist keine Rede, wohl -aber von Pech. Den ersten Platz nimmt Leinöl ein; Schellack und dünner -Firnis dienten dazu, der Farbe Glanz zu geben, ausserdem sind erwähnt -Cochenille und Harz. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Ausschmückung<br />der Bücher.</div> - -<p> -Die „Illuminatoren“ und „Rubrikatoren“ verschwinden nach der Erfindung -der Buchdruckerkunst noch nicht von der Bühne. Die Initialen werden -zumteil nur in Umrissen, zumteil gar nicht eingedruckt und dann -von den Illuminatoren mehr oder weniger kunstvoll ausgemalt und -vergoldet; auch in dem Texte werden die Majuskeln, manchmal auch die -Interpunktionstrennungen mit roten Farbenstrichen hervorgehoben. Da -diese Arbeiten zeitraubend, -<span class='pagenum'><a id='Page_85' name='Page_85' href='#Page_85'>[85]</a></span> -demzufolge kostspielig waren, so verschob -man sie öfters; man findet deshalb viele Inkunabeln, in denen nur der -Raum für die Initialen gelassen ist, ohne dass diese später ausgeführt -wurden. -</p> - -<div class="sidenote">Die eigentliche<br />Illustration.</div> - -<p> -Die eigentliche ILLUSTRATION wurde von den ersten Buchdruckern -vernachlässigt, wahrscheinlich um nicht den Manuskript-Charakter der -Bücher zu stören. Die nachfolgenden waren jedoch weniger ängstlich. -Abgesehen von dem Mangel an künstlerischem Wert nahm man es mit -dem Sinn und der Wahrheit ziemlich leicht. Oft kommen in einem -und demselben Werk sogar damals lebende Persönlichkeiten in ganz -verschiedenen Auffassungen vor, oft dienen dieselben Holzstöcke als -Konterfeis von einem halben Dutzend historischer Personen von Adam -ab bis auf die damalige Zeit. Städte wurden ebenfalls ganz nach -der Phantasie abgebildet und derselbe Schnitt, selbst in einem und -demselben Werke, bald als Jerusalem, bald als London oder irgend eine -andere Stadt vorgeführt. Ob eine Einfassung im Einklang mit dem Texte -stand oder nicht, war ganz gleich. So kann man um die Seiten von -Gebetbüchern Einfassungen sehen, in welchen Affen ihr tolles Spiel -treiben oder gar anstössige Scenen aus der griechischen Mythologie -vorgeführt werden. Mit den Holzschnitt-Illustrationen wurde schon -frühzeitig Handel getrieben und dieselben zu Ausgaben in verschiedenen -Sprachen benutzt. -</p> - -<hr /> - -<p> -Obwohl das Baumwollen-Papier<a name='FA_054' id='FA_054' href='#FN_054' class='fnanchor'>[4]</a> anderthalbhundert Jahre vor der -Erfindung der Buchdruckerkunst in Europa bekannt war, so wurde für die -ersten Druckwerke doch auch von dem PERGAMENT, wenn auch daneben von -dem Papier, Gebrauch gemacht. Teils wollte man dem Gedruckten möglichst -den Charakter des Manuskriptes wahren, teils waren die liturgischen -Bücher einer so starken Abnutzung ausgesetzt, dass das solidere, -wennauch teurere Material vorgezogen wurde. -</p> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_86' name='Page_86' href='#Page_86'>[86]</a></span> -Die Bearbeitung der Tierfelle als Stoff zum Beschreiben stammt -aus dem grauen Altertum. Schon Herodot berichtet, dass man auf -präparierte Hammel- und Ziegenfelle geschrieben habe. Später spricht -Josephus in seinen jüdischen Altertümern von einem prachtvollen, auf -Ziegenfell ausgeführten Manuskript aus dem Jahre 277 v. Chr. Will man -Plinius glauben, so rührt die Erfindung des eigentlichen Pergaments -(<em class="kursiv">Charta pergamena</em>) aus der Stadt Pergamum in Kleinasien, her, als -der ägyptische König Ptolomäus Epiphanes aus Eifersucht über die -Bestrebungen des pergamenischen Königs Eumenes <span class='smcap'>ii.</span> (andere sagen -Attalus <span class='smcap'>ii.</span>), eine mit der alexandrinischen wetteifernde Bibliothek -zu schaffen, die Ausfuhr des Papyrus verbot. Später wurde das beste -Pergament, von den Römern gewöhnlich <em class="kursiv">membrana</em> genannt, in Rom -verfertigt. -</p> - -<p> -Das Material für die Anfertigung des Pergaments, soweit es zum -Schreiben oder Bedrucken verwendet wird, sind Lamms-, Schafs-, Ziegen- -und namentlich Kalbsfelle. Das aus letzteren hergestellte Fabrikat -heisst <em class="kursiv">vellum</em> (<em class="kursiv">Velin</em>), die Kälber dürfen, wenn das Velin gut werden -soll, nicht älter als sechs Wochen geworden sein; die feinste Sorte -liefern die Felle der ungeborenen Kälber (<em class="kursiv">velots</em>). -</p> - -<p> -Die Zubereitung des Pergaments<a name='FA_055' id='FA_055' href='#FN_055' class='fnanchor'>[5]</a> ist eine mühsame und zeitraubende. -Die Felle werden in eine Kalkgrube gethan, von der Wolle, den Haaren, -den Fleisch- und Fettteilen sorgsamst gereinigt, abwechselnd in Wasser -und wieder in Kalk gelegt, auf Rahmen gespannt, geschabt, mit Kreide -und Farbe ein- und mit Bimsstein abgerieben. -</p> - -<p> -In Frankreich, wo die Fabrikation lebhaft betrieben wurde, gehörten -die Pergamentmacher unter die Jurisdiktion der Universität. Alles -nach Paris eingeführte Pergament musste nach der Halle der Mathuriner -gebracht werden, um dort von den Universitätsbehörden geprüft und -gestempelt zu werden (<em class="kursiv">rectorier</em>). Zu ihren Rechten zählte die -Universität auch den Verkauf auf den zwei grossen Messen zu St. Denis -und St. Ladre. -</p> - -<p> -Die nach Europa durch die Araber gebrachte Verfertigung des -BAUMWOLLEN-PAPIERS fasste mit jenen zuerst in Spanien Wurzel, -<span class='pagenum'><a id='Page_87' name='Page_87' href='#Page_87'>[87]</a></span> -hauptsächlich in Xative, Valencia und Toledo. Anfänglich wurde zur -Fabrikation nur rohe Baumwolle benutzt, dann baumwollene Lumpen, -später baumwollene und leinene gemischt, schliesslich im <span class='smcap'>xiv.</span> Jahrh. -leinwandene allein. Als mit der arabischen Herrschaft in Spanien -auch die dortige Papierfabrikation sank, wendete letztere sich -namentlich nach Italien. Um Mailand, Venedig, Florenz, Bologna, Parma, -in Padua, Treviso, namentlich in Fabriano entstanden Papiermühlen, -die nicht allein Italien, sondern bis in das <span class='smcap'>xv.</span> Jahrh. hinein fast -ausschliesslich den Süden Deutschlands versorgten, ja ihr Fabrikat bis -nach Sachsen sandten, während West- und Niederdeutschland ihren Bedarf -aus Frankreich und Burgund bezogen, welche Länder auch nach England -ihren Absatz hatten. Von den Papiermärkten waren namentlich die in -Brügge, Antwerpen und Köln bedeutend. -</p> - -<p> -Aus dem gesagten geht schon hervor, dass die Fabrikation, wennauch in -Deutschland nicht unbekannt, hier doch nicht genügend fortgeschritten -war, um den heimischen Bedarf zu decken, noch weniger, um an eine -Ausfuhr zu denken. -</p> - -<p> -Die Bezugsquellen der Papiere lassen sich namentlich aus den -„Wasserzeichen“, Marken der Fabriken, erkennen, welche zugleich, wenn -nicht untrügliche, so doch beachtenswerte Beiträge zur Beurteilung -des Entstehens älterer Druckwerke liefern, untrüglich deshalb nicht, -weil einerseits einige dieser Zeichen, z. B. der Ochsenkopf oder das -Monogramm <em class="fett fs120">P</em> fast überall verbreitet waren, andererseits, weil -oft Papiere aus verschiedenen Ländern oder Orten stammend und mit -verschiedenen Zeichen versehen in einem und demselben Werke verwendet -wurden. Das Entstehen des Ochsenkopfes und des <em class="fett fs120">P</em> ist nicht -genügend erklärt. Ganz unwahrscheinlich ist es nicht, dass man den -Ochsenkopf wählte, weil St. Lucas, dessen Symbol bekanntlich ein -Ochs ist, der Hauptpatron der Malergilden von Italien bis nach den -Niederlanden war, und zu diesen Gilden gehörten auch die Papiermacher. -Das <em class="fett fs120">P</em> dürfte auf „Papier“ hindeuten. Es wird dies dadurch um so -wahrscheinlicher, als dieses Zeichen dem italienischen Papier (<em class="kursiv">Carta</em>) -fehlt. Doch das alles ist Mutmassung. -</p> - -<p> -Einige Wasserzeichen als Schiff, Anker, Weintraube, Kardinalshut, -Bischofsmütze, gekreuzte Schlüssel, sowie die Wappen von -<span class='pagenum'><a id='Page_88' name='Page_88' href='#Page_88'>[88]</a></span> -einzelnen Ländern, Städten und Familien deuten zwar mitunter etwas näher auf -einen Abstammungsort des Papiers, sie sind jedoch auch nicht immer -zuverlässige Kennzeichen, da z. B. Löwen, Lilien, Kronen in so vielen -Wappen vorkommen. -</p> - -<p> -Die deutschen Wasserzeichen sind in Bezug auf Bestimmung des Alters -und des Entstehungsortes der Bücher deshalb weniger wichtig, weil die -deutschen Papiere erst zu einer Zeit recht zur Geltung kamen, zu der -die Druckorte, Jahreszahlen und Verleger fast allgemein auf den Büchern -genau angegeben stehen. -</p> - -<p> -Die älteste deutsche Papierfabrik scheint die von U. Stromer in -Nürnberg gewesen zu sein, für welche im J. 1390 Arbeiter aus Italien -berufen wurden. Trotzdem wurden aber doch die ersten Nürnberger -Drucke auf italienischem Papier gedruckt. Basels Bedeutung für die -Papierfabrikation wurde bereits S. 44 erwähnt. -</p> - -<p> -In Augsburg ward 1468, in Kempten 1477 die erste Mühle angelegt. Ein -Hauptplatz der Fabrikation war um die Mitte des <span class='smcap'>xv.</span> Jahrhunderts die -ehemalige Reichsstadt Ravensburg in Schwaben, wo grosse Massen von -Papier, jedoch keins, das mit den vorzüglicheren Sorten des Auslandes -den Vergleich aushielt, geliefert wurde<a name='FA_056' id='FA_056' href='#FN_056' class='fnanchor'>[6]</a>. -</p> - -<p> -Das älteste Druckpapier war stark geleimt, kräftig aber hart, und -verschieden in der Stärke, so dass gewissenhafte Druckereien das Papier -nach Stärke, wie auch nach Färbung, sortierten. Die rauhe Oberfläche -war dem Druck nicht günstig und das Satinieren und Glätten war -unbekannt. Man machte bald die Erfahrung, dass das ungeleimte Papier -nicht allein billiger, sondern auch zur Aufnahme der fetten Druckfarbe -zweckdienlicher sei, als das geleimte. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Neue und alte<br />Drucke vergli-<br />chen.</div> - -<p> -Aus dem gesagten geht hervor, dass wir jetzt vollkommenere Werkzeuge -und besseres Material haben. Es wird schneller, billiger und mit -grösserer Akkuratesse und Eleganz, mit mehr Rücksicht auf die -Bequemlichkeit des Lesers und mit weit mehr Abwechselung für das -Auge gedruckt, so dass die alten Drucke im allgemeinen doch nicht den -Vergleich mit den neuen aushalten. Vieles, was bei den alten Drucken -uns fesselt, ohne dass wir uns stets genaue -<span class='pagenum'><a id='Page_89' name='Page_89' href='#Page_89'>[89]</a></span> -Rechenschaft von dem Grund -ablegen können, beruht sicherlich auf dem Umstand, dass sich in der -ersten Zeit Schriftgiesser, Buchdrucker, Verleger in einer Person -vereinigten. Hierdurch entstand eine einheitliche Durchführung; man -möchte fast sagen, es macht sich eine ausgeprägte Persönlichkeit in dem -Werke geltend, so dass man schon beim Aufschlagen eines Buches sofort -weiss, mit wem man zu thun hat, und sich wie zuhause fühlt. -</p> - -<p> -Sind nun auch die technischen Verbesserungen grossartig, so ist -die Arbeit des Typographen in ihrem Wesen dieselbe geblieben. -Die Druckweise Gutenbergs ist nicht veraltet und weder durch die -Lithographie, noch durch die Photographie, noch durch irgend ein -anderes Verfahren der Neuzeit in Schatten gesetzt; ihr gehört immer -noch die Führung der graphischen Künste, und sie wird ihr wohl auch für -die Zukunft bleiben. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Die Anfänge der<br />Buchbinder-<br />kunst.</div> - -<p> -In engster Verbindung mit der Buchdruckerkunst stand die -BUCHBINDERKUNST<a name='FA_057' id='FA_057' href='#FN_057' class='fnanchor'>[7]</a>, und es konnte von einer solchen eigentlich erst -nach der Entstehung des gedruckten Buches die Rede sein. Die ältesten -handschriftlichen Denkmale sind nicht in Bogen-, sondern in Rollenform, -indem man ein Blatt an das andere der Länge nach klebte und das Papier -nur einseitig beschrieb, sie konnten also auch nicht gebunden werden, -sondern mussten als Rolle (<em class="kursiv">volumen</em>) behandelt werden. Nach der -Erfindung des Pergaments trat ein anderes Verfahren ein, man faltete -die Pergamentblätter, beschrieb sie auf beiden Seiten und bildete -Lagen, gewöhnlich aus vier Doppelblättern bestehend. Diese wurden -auf schmale Streifen Pergament geheftet und mit einem Stück Pergament -umgeben, von welchem das obere Blatt öfters breiter geschnitten war, -als die anderen Blätter, so dass es wie die Klappe einer Brieftasche -die eingelegten Blätter schützte. -</p> - -<div class="sidenote">Die Diptychen. -<hr class="sidenote" /> -Ritualbücher.</div> - -<p> -Von eigentlichen festen Einbänden gaben die römischen Diptychen, d. -h. zwei mit Wachs überzogene, an der einen Langenseite verbundene -Holztafeln, die ersten Proben. Waren in dieser -<span class='pagenum'><a id='Page_90' name='Page_90' href='#Page_90'>[90]</a></span> -Weise, statt zwei, drei -oder mehr Platten verbunden, so hatte man Triptychen oder Polyptychen. -Die Deckelseiten wurden öfters mit Schnitzwerk, Bildnissen von Konsuln -oder Kaisern, in der christlichen Zeit von Heiligen geschmückt, wobei -es mitunter einem Kaiser passierte zu einem Heiligen zu avancieren. Für -die schweren Ritualbücher auf Pergament wurden ähnliche feste Einbände -beibehalten, und die Deckel in Holz oder Elfenbein künstlich geschnitzt -oder in durchbrochenem Metall gearbeitet, oft unter Ausschmückung mit -Perlen und Edelsteinen. Auch Sammet- und Seidenüberzüge mit reichen -Goldstickereien kamen zur Anwendung. Während des <span class='smcap'>xi.</span> Jahrhunderts -machte sich der deutsche Kunstfleiss und Geschmack, namentlich am -Niederrhein, geltend. Es entstanden eine grosse Anzahl Arbeiten in -Metall mit farbenprächtigem Schmelz überzogen, eine Technik, die im -<span class='smcap'>xii.</span> Jahrh. besonders in Limoges in Frankreich zur Geltung kam. -</p> - -<p> -Solche wertvolle Bände sind in ziemlich grosser Zahl erhalten. Die -Werkstätten befanden sich in den Klöstern; die Verfertiger waren Mönche -oder Laienbrüder und arbeiteten mit den Abschreibern und Illuminatoren -Hand in Hand. -</p> - -<div class="sidenote">Lederbereitung.</div> - -<p> -Durch die Kreuzzüge lernte man die kunstreiche Lederbearbeitung des -Orients kennen. Das Gerben der Tierfelle ward schon in alter Zeit von -den Chinesen und Ägyptern in hoher Vollendung geübt. Durch die Araber -wurde diese Technik nach Spanien und Sicilien gebracht. Der Corduan, -der Saffian, das Chagrinleder und die Juchten gaben ein vortreffliches -Material für Bucheinbände ab. -</p> - -<p> -Der Corduan (so nach der Stadt Cordova, von den Franzosen <em class="kursiv">Maroquin</em>, -von den Engländern <em class="kursiv">Morocco</em> genannt) ist ein narbiges Ziegenleder, von -dem sich der Saffian nur durch seine Glätte unterscheidet. Der Chagrin -(persisch <em class="kursiv">Sagre</em>) ist wie mit runden Körnchen übersät, was durch -Hineintreten von Samenkörnern hervorgebracht wird. Juchten ist meist -Rinds- oder Pferdeleder, welches mit Laugen, Beizen und Farbstoffen -behandelt und durch Birkenöl geschmeidig gemacht wird. -</p> - -<p> -Durch Verzierungen wurden die Lederflächen belebt, in der ältesten Zeit -sind diese gewöhnlich in das Leder eingeschnitten und die vertieften -Stellen mit Farbe ausgemalt. Der Grund wird öfters punktiert oder -mit kleinen eingetriebenen Verzierungen in Kreisform -<span class='pagenum'><a id='Page_91' name='Page_91' href='#Page_91'>[91]</a></span> -ausgefüllt. Das -feuchte Leder wurde auch mit dem Modellier-Eisen plastisch bearbeitet -und reiche Figurenbilder hergestellt. Manchmal kam die Schrotmanier -zur Anwendung. Von den mit Stanzen und Rollen eingepressten Ornamenten -wurde ein sehr freigebiger Gebrauch gemacht. Die Ecken waren gewöhnlich -mit, meist durchbrochenen, Metallbeschlägen versehen. Spangen -(Klausuren, Schleissen), teils von Leder, teils von Metall, hielten die -Deckel zusammen. Die grossen Folianten waren ungemein schwer, ruhten -gewöhnlich auf Schrägpulten und waren oft in den Bibliotheken an Ketten -gelegt. -</p> - -<div class="sidenote">Die Einbände des<br />König Matthias<br />Corvinus.</div> - -<p> -Den Übergang zur Renaissancezeit bilden die Arbeiten, welche der -ungarische König Matthias Corvinus in seiner ausgezeichneten Bibliothek -zu Ofen gesammelt hatte. Sämtliche Bücher dieser Bibliothek, für welche -jährlich 33000 Dukaten verwendet wurden, wurden in Sammet oder Leder -gebunden, mit goldenen oder silbernen Spangen und mit dem Wappen des -Königs geschmückt. Dreissig Schreiber und Maler, darunter bedeutende -Künstler, waren regelmässig für die Bibliothek beschäftigt. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Segensreicher<br />Einfluss der Buch-<br />druckerkunst.</div> - -<p> -DIE LITTERARISCHE PRODUKTION<a name='FA_058' id='FA_058' href='#FN_058' class='fnanchor'>[8]</a>. Es ist nicht die Aufgabe eines -Handbuches der Geschichte der Buchdruckerkunst, die Werke alle -aufzuzählen, welche den Pressen ihr Dasein verdanken, -<span class='pagenum'><a id='Page_92' name='Page_92' href='#Page_92'>[92]</a></span> -noch weniger eine -Kritik zu üben, aber es dürfte doch geboten sein, in aller Kürze zu -überblicken, in welcher Weise die Presse und der Buchhandel sich bei -der Verbreitung der Erzeugnisse des Geistes in der ersten Zeit — der -Periode der Wiegendrucke (Inkunabeln) — beteiligten<a name='FA_059' id='FA_059' href='#FN_059' class='fnanchor'>[9]</a>. -</p> - -<p> -Musste auch die Presse in ihren Anfängen vielfach der mystischen -Schwärmerei, der pedantischen Scholastik und spitzfindigen Dialektik -sowie dem Aberglauben und der Charlatanerie dienen, so dauerte es -doch nicht lange, bis ihr segensreicher Einfluss sich auf das ganze -wissenschaftliche und Kulturleben geltend machte. In allen Fächern -entbrannte ein Wettkampf der Gelehrten und Kunstverständigen, um -durch die Presse ihre Kenntnisse, Erfahrungen und Entdeckungen weiter -zu verbreiten, Irrtümer aufzuklären und die Fesseln des Wahnes zu -sprengen. -</p> - -<div class="sidenote">Verbreitung der<br />heil. Schriften.</div> - -<p> -Als die segensreichste Wirkung der Erfindung der Buchdruckerkunst ist -die rasche Durchführung der Reformation zu bezeichnen. Die Presse -bemächtigte sich sofort der heiligen Schriften, und wie schon oben -berichtet wurde waren nicht weniger als drei Ausgaben der lateinischen -Bibel die Hauptwerke des Erfinders und seiner Geschäfts-Nachfolger. Zu -diesen kamen die weiteren Bibel-Ausgaben des Mentelin und des Eggesteyn -in Strassburg, des Günther Zainer und des Ant. Sorg in Augsburg, des -Bernh. Richel in Basel, des Ulrich Zell und des Nik. Götz in Köln, des -Sweynheim und Pannartz in Rom, des Sensenschmid und der Koberger in -Nürnberg. In Paris erschien die Bibel 1476, in Venedig 1475, in Neapel -1476; deutsche Bibeln wurden verbreitet in Strassburg 1466, in Augsburg -1469, in Nürnberg 1471; Ausgaben in französischer, italienischer, -spanischer und holländischer Sprache gab es in den siebenziger -Jahren; plattdeutsche in Köln 1480, in Lübeck 1494; englische, -dänische, schwedische und polnische Bibeln folgten zu Anfang des -<span class='smcap'>xvi.</span> Jahrhunderts. Wie es die lateinisch gedruckte Bibel war, welche -Luther das Licht anzündete, so war es wieder die deutsch gedruckte -Bibel in Luthers unübertroffener Übersetzung, die im Verein mit seinen -eigenen Schriften und denen -<span class='pagenum'><a id='Page_93' name='Page_93' href='#Page_93'>[93]</a></span> -Philipp Melanchthons, Ullrich Zwinglis, -Joh. Calvins, John Knox' und anderer Reformatoren, unter das Volk ein -helles, nicht mehr zu verlöschendes Licht verbreiten. -</p> - -<div class="sidenote">Die Kirchenväter<br />und Scholastiker.</div> - -<p> -Neben der Bibel wurden namentlich die <span class='smcap'>Kirchenväter</span> in korrekten -und schönen Ausgaben gedruckt, als: Lactantius, Augustinus, -Eusebius, Nemesius, Clemens von Alexandrien u. a. War der Nutzen -dieser und ähnlicher Werke für die Wissenschaft auch kein durchweg -unzweifelhafter, so wurde durch sie doch manche nützliche Kenntnis -verbreitet. Selbst die Häupter der Scholastik Thomas von Aquino, -Michael Scotus, Albertus Magnus blieben nicht ohne fruchtbringende -Anregungen, nicht zu vergessen Roger Baco. -</p> - -<div class="sidenote">Die klassische<br />Litteratur.</div> - -<p> -Gross waren die Fortschritte auf dem Gebiete der <span class='smcap'>klassischen Litteratur</span> -und der Philologie. Italien, dessen Boden am besten vorgeebnet war, -ging voran; es folgten in ruhmwürdiger Weise namentlich Frankreich und -die Niederlande. Zuerst kamen die römischen Klassiker an die Reihe, -dann die griechischen in lateinischer Übersetzung, schliesslich die -Ausgaben in der griechischen Ursprache. Die ersten Förderungsmittel -der Linguistik waren die Donate, denen dann viele andere Grammatiken -folgten. -</p> - -<p> -Die Zahl der Klassiker-Ausgaben und der Kommentare war eine bedeutende. -Den Anfang machte <em class="kursiv">Cicero de officiis</em> (1465 bei Fust und Schöffer); -bis zum Jahre 1500 erschienen verschiedene Werke Ciceros zusammen -in über 100 Ausgaben. Den Vorrang in dem Klassikerdruck behauptete -Venedig, dann folgten Rom, Florenz, Mailand, Neapel, Bologna, Paris, -Köln, Augsburg, Nürnberg, Ulm. Die römischen Dichter erschienen -fast alle in den ersten 25 Jahren der Kunst, die griechischen in den -letzten Dezennien des <span class='smcap'>xv.</span> und in den ersten des <span class='smcap'>xvi.</span> Jahrhunderts. Der -Lieblingsdichter war Virgil (1469 bei Sweynheim), von welchem im Jahre -1500 schon siebenzig Ausgaben existierten. -</p> - -<div class="sidenote">Philosophen und<br />Naturforscher.</div> - -<p> -Unter den <span class='smcap'>Philosophen</span> und <span class='smcap'>Naturforschern</span> stand Aristoteles -begreiflicherweise obenan. Seine Werke erschienen, jedoch sehr -entstellt, in lateinischer Übersetzung nach syrischen oder arabischen -Bearbeitungen; eine vollständige lateinische Ausgabe nach dem Originale -erblickte erst 1473 das Licht durch Andreas de Asola in Venedig; die -erste Original-Ausgabe brachte Aldus Manutius (1495-1498) in 5 Bänden; -Plato fand erst später Anerkennung. -</p> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_94' name='Page_94' href='#Page_94'>[94]</a></span> -Auch die <span class='smcap'>Historiker</span>, <span class='smcap'>Geographen</span> und <span class='smcap'>Mathematiker</span> der Alten wurden -verbreitet. Bemerkenswert sind namentlich die Ausgaben des Ptolomäus -mit 27 grossen in Kupfer gestochenen Karten von Arnold Buckink e -Germania und des Euklid in der prachtvollen Ausstattung durch Ratdolt -(1482). -</p> - -<div class="sidenote">Die Reise-<br />beschreibung.</div> - -<p> -Dass die Typographie sich auch der neuen <span class='smcap'>Erd-</span> und <span class='smcap'>Reisebeschreibung</span> -zuwendete, war schon durch die einflussreichen Ereignisse der Kreuzzüge -und der grossen Entdeckungen gegeben. Die Kreuzzüge hatten nicht nur -die Streiter für die Kirche massenhaft in Bewegung gesetzt, sondern -auch manche friedliche und wissbegierige Reiselustige, Minstrels und -auch Abenteurer aller Art wurden nach dem Orient gelockt. Dadurch -entstanden nicht nur jene romantischen Legenden von dem heiligen -Lande, von den Heldenthaten und Abenteuern der Ritter, sondern auch -Beschreibungen von Reisen und Erlebnissen auf letzteren. Öfters -gingen auch Gesandtschaften an die Herrscher Asiens. Berühmt geworden -vor allen Reisenden in Asien ist der Venetianer Marco Polo. Eine -italienische Ausgabe seiner Reisen ist erst aus dem Jahre 1496 bekannt; -ob eine frühere existierte, weiss man nicht, eine deutsche, nach -einer lateinischen Ausgabe veranstaltete Übertragung war schon 1477 -vorhanden. Die Reise Bernh. Breydenbachs fand grossen Anklang. -</p> - -<div class="sidenote">Die Entdecker.</div> - -<p> -Eine noch grössere Bedeutung für die geographische Litteratur als -die Kreuzzüge hatten die grossen Entdeckungen von Christoph Columbus, -Amerigo Vespuzzi, Fernando Cortez in Amerika, sowie von Vasco de Gama, -Albuquerque in Afrika und Indien. Berichte über diese Entdeckungen -lieferten teils die Entdecker selbst, teils Andere. Bedeutend für -die Kosmographie und die Kartographie war Martin Behaim aus Nürnberg -(1436-1507). -</p> - -<div class="sidenote">Die Chroniken.</div> - -<p> -Weniger anziehend waren die Erscheinungen auf dem Gebiete der -<span class='smcap'>Geschichte</span>. Die Annalen und Chroniken waren meist trockene -kritiklose Aufzählungen von Daten, oder mehr oder weniger dichterisch -ausgeschmückte Erzählungen von den Heldenthaten der Ritter. Durch ihre -reiche Illustrierung epochemachend war die Schedelsche Chronik. -</p> - -<div class="sidenote">Die juristische<br />Litteratur.</div> - -<p> -Unter den Werken der <span class='smcap'>Jurisprudenz</span> waren namentlich die <em class="kursiv">Institutiones -juris Justiniani</em>, zuerst von Schöffer 1468 gedruckt, welche in -zahlreichen Ausgaben verbreitet wurden. -</p> - -<div class="sidenote">Die Naturwissen-<br />schaften und die<br />Heilkunde.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_95' name='Page_95' href='#Page_95'>[95]</a></span> -Die Werke auf dem Gebiete der gesamten <span class='smcap'>Naturwissenschaften</span> und der -<span class='smcap'>Heilkunde</span> blieben zumeist ohne grossen Wert. Den Anfang machte auch -hier der Druck der Schriften der alten römischen, griechischen und -arabischen Ärzte, namentlich des sogenannten Fürsten der Ärzte, -Avicenna, von dessen Schriften bereits vor 1500 mehr als 25 Ausgaben -im Druck erschienen waren. Bedeutende wissenschaftliche Ausbeute geben -sie nicht. Leerer Dogmatismus, Alchemismus und Astrologismus hemmten -die freie Forschung. Die grossen geographischen Entdeckungen sollten -jedoch auch nicht ohne wohlthätigen Einfluss auf die Naturwissenschaft -und ihre Litteratur bleiben, man lernte neue Pflanzen, neue Heilmittel -und leider auch neue Krankheiten kennen. Es entstanden hierdurch die -zahlreichen mit Illustrationen geschmückten Kräuterbücher und Gärten -der Gesundheit. -</p> - -<div class="sidenote">Die Poesie.</div> - -<p> -Italien hatte, wie oben schon erwähnt wurde, noch vor der Erfindung -der Buchdruckerkunst seine grossen <span class='smcap'>Dichter</span>: Dante Alighieri, Boccaccio -und Petrarca hervorgebracht. Dantes <em class="kursiv">Divina commedia</em> wurde zum -erstenmale 1472 in Foligno gedruckt; seine gesammelten Gedichte 1500. -Boccaccios <em class="kursiv">Decamerone</em> erschien schon 1470 und dann in sehr vielen -Ausgaben, unter welchen die berühmte Valdarfersche (1471). Die erste -Gesamtausgabe des Boccaccio datiert aus dem Jahre 1490. Petrarcas -<em class="kursiv">Sonetti e trionfi</em> wurden 1471 durch den Druck veröffentlicht. -</p> - -<p> -An die Meisterwerke der Poesie Italiens reichen die dichterischen -Erzeugnisse der anderen Länder nicht heran. Mit wenigen Ausnahmen -bewegen sich diese in der breiten, epischen Romantik des Rittertums, in -den Heldenliedern, in den lyrisch-elegischen Gesängen der Troubadours -und Minnesänger, in den, teils scherzhaften, teils ernsten Volksliedern -oder in langweiligen didaktischen Gedichten. Unter den humoristischen -und satirischen Schriften macht namentlich Sebastian Brants -Narrenschiff mit seinen Illustrationen Epoche. -</p> - -<div class="sidenote">Trennung der<br />Buchdruckerei<br />vom Buchhandel.</div> - -<p> -Der BUCHHANDEL. Mit den steigenden Bedürfnissen der Lesewelt und -der Verbreitung der Pressen selbst nach kleineren Städten musste -die Vereinigung des Schriftgiessers, Buchdruckers, Verlegers -und Händlers in einer Person von selbst fallen und die einzelnen -Geschäftszweige lösten sich nach und nach vom Stamme ab. Zuerst -musste der Buchdrucker-Verleger bei der Schwierigkeit -<span class='pagenum'><a id='Page_96' name='Page_96' href='#Page_96'>[96]</a></span> -des Betriebs Persönlichkeiten suchen, die seine Fabrikate an das Publikum -verhandelten. So nahmen schon Peter Schöffer den Conrad Henliff; -Joh. Mentel den Adolf Rusch als Bevollmächtigte und Teilnehmer an, -welche weite Reisen machten, um die Bücher an den Mann zu bringen, -wozu sie sich auch der Kaufleute bedienten, die Bücher zugleich -mit anderen Waren führten. Neben dem kaufmännisch organisierten -Vertrieb fand auch das Kolportieren, das Webern, statt. Schon im <span class='smcap'>xv.</span> -Jahrhundert fanden sich bedeutende Buchhändler. Niederlagen wurden -an den Knotenpunkten des Verkehrs errichtet, und gegen Ende des -Jahrhunderts war der Buchhandel in Venedig, Lyon, Frankfurt am Main -schon von grosser Bedeutung. Auch Köln war, wenn als Verlagsplatz auch -unter dem drückenden Einfluss der geistlichen Bevormundung stehend, -ein wichtiger Ort namentlich für die Vermittelung des Absatzes nach -den reichen Niederlanden, wo die Buchhändler der angesehenen St. -Lucas-Gilde angehörten, und nach England, wo indes der Buchhandel sich -nur langsam entwickelte, da es keine Bücher in Tausch anzubieten hatte. -Um bedeutende Werke erscheinen lassen zu können, wurde öfters zur -Association unter Buchdruckern und Buchhändlern geschritten. Man teilte -dann gewöhnlich die Auflagen. -</p> - -<div class="sidenote">Die Zensur.</div> - -<p> -Als die Bedeutung der neuen Kunst den geistlichen und weltlichen -Behörden klar geworden war, fand sich, als unwillkommener Gast, -baldigst die <span class='smcap'>Zensur</span> ein, schon in den sechziger Jahren in Köln, später -in Mainz. Die Formel in Köln lautete: <em class="kursiv">admissum ac approbatum ab alma -universitate Coloniensi</em>. Ob jedoch vom Beginn ab die Einholung der -Approbation ein Zwang war, oder ob diese mehr als eine Empfehlung -nachgesucht wurde, ist nicht ganz klar. Gegen das Ende des <span class='smcap'>xv.</span> Jahrh. -findet man jedoch in allen deutschen Erzdiözesen eine wirkliche -geistliche Zensur eingeführt. -</p> - -<div class='footnotes'> - -<div class='footnote' id='FN_051'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_051'>[1]</a></span> Unter den eingangs erwähnten Werken enthalten namentlich -die von <span class='smcap'>W. Blades</span> und <span class='smcap'>Th. de Vinne</span> Beachtenswertes über die ältere -Technik. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_052'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_052'>[2]</a></span> Eigentliche Beschreibung aller Stände auf Erden etc. -Frankfurt a. M. 1568. Mit Stichen von <span class='smcap'>Amann</span> und Versen von <span class='smcap'>Hans -Sachssen</span>. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_053'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_053'>[3]</a></span> Der Verlagsbuchhändler und Redacteur <span class='smcap'>H. Klemm</span> in Dresden, -der mit grossen Kosten in einer verhältnismässig sehr kurzen Zeit eine -bedeutende Anzahl typographischer Seltenheiten sammelte, hat auch die -in einem Keller des früheren Hofes „Zum Jungen“ in Mainz aufgefundenen -Bruchstücke einer Schraubenpresse erworben, von welchen einerseits -(vergl. <span class='smcap'>K. Klein</span>, Über Gutenberg und das im ersten Druckhause -aufgefundene Fragment der ersten Druckerpresse. Mit 2 Abbd. Mainz -1851) angenommen wird, dass sie der „ersten“, noch aus Strassburg -stammenden Presse Gutenbergs angehörten, was andererseits angezweifelt -wird, und zwar namentlich auf Grund der Inschrift J. MCDXLI G., die in -den erhaltenen Oberbalken eingeschnitten ist, indem man sowohl an der -Jahreszahl und der ungewohnten Art diese zu schreiben (CD statt CCCC) -als auch an den römischen Buchstaben J. G. Anstoss nimmt. Herr Klemm -hat die Presse nach seinen Annahmen vervollständigen lassen. Wie nahe -er, namentlich in Betreff des, aus vier Stücken sinnreich konstruierten -Rahmens, der sich leicht für verschiedene Formate einrichten lässt, -der Wirklichkeit gekommen, ist ja nicht zu entscheiden. Nach H. Klemms -Konjektur ist mit den „vier Stücken“, um deren Auseinandernahme (vergl. -S. 25) man bei Dritzehns Tod so sehr besorgt war, ein solcher Rahmen -gemeint. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_054'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_054'>[4]</a></span> <span class='smcap'>De la Lande</span>, <em class="kursiv">Art de faire le Papier. 2. Ed.</em> Paris -1820. — <span class='smcap'>De la Lande</span>, <em class="kursiv">Art de faire le parchemin</em>. Paris 1762. -(Beide Werke auch deutsch.) — <span class='smcap'>G. Peignot</span>, <em class="kursiv">Essai sur l'hist. du -parchemin et du velin</em>. Paris 1812. — <span class='smcap'>J. D. F. Sotzmann</span>, Über ältere -Papierfabrikation. Leipzig 1846 (Serapeum). — Über Papierzeichen -vergl. die in der Einführung erwähnten Werke von <span class='smcap'>Sotheby</span> und <span class='smcap'>Weigel</span> -sowie <span class='smcap'>Ames</span>, <em class="kursiv">Typogr. Antiquities</em>, ferner: <span class='smcap'>G. Fischer</span>, Versuch die -Papierzeichen als Kennzeichen etc. anzuwenden. Nürnberg 1804; <span class='smcap'>La Serna -Santander</span>, <em class="kursiv">Les livres impr. dans le XV Siècle</em>. Brüssel 1803 (Suppl. -zu der Beschreibung der Bibliothek des Verfassers). Über Papierzeichen -in Italien: <em class="kursiv">Esame sui principii della etc. typogr.</em> Lucca 1797. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_055'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_055'>[5]</a></span> Mit dem tierischen Pergament ist nicht zu verwechseln das -Pergamentpapier (vegetabilische Pergament), das in der neueren Zeit -eine ziemlich grosse Verwendung findet. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_056'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_056'>[6]</a></span> <span class='smcap'>D. E. Beyschlag</span>, Beiträge zur Kunstgesch. von Nördlingen. -Heft IV u. V. Nördlingen 1798-1801. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_057'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_057'>[7]</a></span> <span class='smcap'>Rich. Steche</span>, Zur Geschichte des Bucheinbandes. (Archiv -z. G. d. Buchh. I.) Leipzig 1878. — <span class='smcap'>G. Peignot</span>, <em class="kursiv">Essai etc. sur -la reliure des livres</em>. Dijon 1834. — <span class='smcap'>J. Cundall</span>, <em class="kursiv">On bookbinding -ancient and modern</em>. London 1880. — <em class="kursiv">Monuments inédits ou peu connus, -faisant partie du Cabinet du</em> G. Libri. London 1864. — <span class='smcap'>M. Michel</span>, <em class="kursiv">La -relieure française depuis l'invention de l'impr.</em> Paris 1880. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_058'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_058'>[8]</a></span> Von den vielen bibliographischen Werken, welche die -früheren Erzeugnisse der Presse verzeichnen und zumteil näher -beschreiben, nennen wir nur einige wenige der hervorragendsten -und vollständigsten, da kaum anzunehmen ist, dass viele der dem -Buchdruckfach angehörenden Leser dieses Handbuches in solchen -Werken Belehrung suchen werden, und andere, dem Litteraten- und -Buchhändlerberufe sich widmende, die betreffende Litteratur kennen: - -<br /><br /> -<span class='smcap'>Mich. Maittaire</span>, <em class="kursiv">Annales typographici ab artis inventæ origine ad -Annum MD</em>. (Die bis zum Jahr 1500 erschienenen Werke bezeichnet man -im engeren Sinn als Wiegendrucke, Inkunabeln.) Tom. I des ganzen -Werkes. Haag 1719, vervollständigt durch die <em class="kursiv">Ed. nova</em> (als Tom. IV). -Amsterdam 1733. — <span class='smcap'>Georg Wolfg. Panzer</span>, <em class="kursiv">Ann. typ. ab etc. ad annum -MDCXXXVI</em>. 11 Bände. Nürnberg 1793-1803. — <span class='smcap'>Ludw. Hain</span>, <em class="kursiv">Repertorium -Bibliogr. ab etc. usque ad annum MD</em>. Stuttgart 1826-1838. — <span class='smcap'>J. Ch. -Brunet</span>, <em class="kursiv">Manuel du libraire et de l'amateur de Livres</em>. 5. Aufl. 6 -vols. Paris 1860 u. flg. — <span class='smcap'>J. G. Th. Grässe</span>, <em class="kursiv">Trésor de livres rares -et précieux</em>. Dresden 1859 u. flg. Des näheren verweisen wir auf <span class='smcap'>Dr. -Julius Petzholdt</span>, <em class="kursiv">Bibliotheca Bibliographica</em>, Kritisches Verzeichnis -der das Gesamtgebiet der Bibliographie betreffenden Litteratur des -In- und Auslandes. 938 S. gr. 8. Der Umfang beweist schon den enormen -Reichtum dieser Litteratur. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_059'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_059'>[9]</a></span> <span class='smcap'>Ch. F. Harless</span>, Die Litteratur der ersten hundert Jahre -nach der Erfindung der Typographie. Leipzig 1840. — <span class='smcap'>A. Kirchhoff</span>, -Die Handschriftenhändler des Mittelalters. 2. Ausg. Leipzig 1853. — -<span class='smcap'>A. Kirchhoff</span>, Beiträge zur Gesch. des deutschen Buchh. 2 Bde. Leipzig -1851-1853; weitere Beiträge 1855. — <span class='smcap'>Dr. F. Sachse</span>, Die Anfänge der -Büchercensur in Deutschland. Leipzig 1869. -</div> -</div> - -<div class="center clrboth"> - <img src="images/pg_96_deco.jpg" - style="margin-bottom:4em;" - alt="Kapitel-Ende" /> -</div> - -<div id="h_22" class="brd_0000 pgbreak abst0-o1u2"> -<span class="seitnum">[<a href="#toc_02">←</a>]</span> - -<p class="center fs160 abst0-o3u1"> -ZWEITES BUCH. -</p> - -<div class="center clrboth"> - <img src="images/pg_97_deco.jpg" - alt="Verzierung" /> -</div> - -<p class="center fs120 abst0-o2u1"> -GLANZPERIODE UND VERFALL -</p> - -<p class="center fs90 abst0-o1u1"> -DER -</p> - -<p class="center fs120 abst0-o1u2"> -BUCHDRUCKERKUNST -</p> - -<p class="center fs140 abst0-o1u3"> -1500—1750. -</p> - -</div> - -<div class="chapter"> -<div class="center clrboth pgbreak"> - <img src="images/pg_99_deco.jpg" - alt="Kapitel-Anfang" /> -</div> - -<h2 class="nobreak" id="h2_20"> -EINFÜHRUNG IN DAS ZWEITE BUCH. -<span class="seitnum">[<a href="#toc_20">←</a>]</span> -</h2> -</div> - -<p class="hide_x_"> -<img src="images/pg_99_cap.jpg" alt="W" width="50" class="cap0" /> -<span class="hide">W</span>IR haben in dem vorstehenden gesehen, wie überraschend schnell -die Verbreitung der Buchdruckerkunst durch alle Länder Europas sich -vollzog, auch die Verhältnisse und Gründe kennen gelernt, welche zu -diesen ausserordentlichen Erfolgen beitrugen. Wir treten jetzt an die -zweite, die schönste, Periode der Typographie heran, in welcher sie -ihren Weltgang vollendete und in Europa zur hohen Blüte gelangte. -</p> - -<p> -Gelehrte von Ansehen wenden sich, teils direkt als praktische Ausüber, -teils indirekt als fördernde Herausgeber, Redaktoren und Korrektoren, -der Buchdruckerei zu, als dem vollendetsten Mittel, Aufklärung -überallhin zu verbreiten. Sie schaffen durch dieselbe zahlreiche -Ausgaben der Klassiker und andere Werke, deren äussere Ausstattung mit -dem inneren Wert harmoniert. Eine Anzahl von Familien, die man als -den Adel der Buchdrucker bezeichnen kann, erwirbt durch treffliche -Arbeiten Ruhm und bewahrt diesen durch lange Reihen von Jahren. -Gebildete Herrscher, in Deutschland voran der Kaiser Maximilian <span class='smcap'>i.</span> -und die sächsischen Fürsten, in Frankreich Franz <span class='smcap'>i.</span> und fast alle -seine Nachfolger, verschmähen es nicht der Typographie und den mit ihr -verwandten Gewerben ihre persönliche Aufmerksamkeit zu schenken. -</p> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_100' name='Page_100' href='#Page_100'>[100]</a></span> -Die Buchdruckerkunst ist in den Dienst der Wissenschaft getreten, sie -ist ihr aber mehr eine sorgsame Genossin denn eine rastlos für alles -schaffende Magd. -</p> - -<p> -Die schönsten Früchte der ersten Hälfte des <span class='smcap'>xvi.</span> Jahrhunderts -reifen jedoch erst durch die enge Vereinigung der Xylographie mit -der Typographie. Bedeutende Künstler, die zum Teil nur durch die -Holzschnitte ihren Ruf haben, welche, wenn nicht von ihnen selbst, so -doch unter ihrer Leitung ausgeführt wurden, widmen sich mit Vorliebe -der Illustration. So entstehen sowohl viele, heute noch mustergiltige -ganze Werke, als zahllose Einzelblätter. -</p> - -<p> -Diese Hinneigung zum Holzschnitt war nicht dem Zufall oder nur der -Bequemlichkeit, für ihn zu zeichnen, zuzuschreiben, sondern sie lag -in den Verhältnissen tiefer begründet. Es konnte nicht anders sein, -als dass die Maler der Reformationszeit, welche Zeugen der Segnungen -der Erfindung Gutenbergs waren, die populärste Kunst, die Xylographie, -deren Erzeugnisse so leicht und so weit durch die Druckerpresse -verbreitet werden konnten, freudig begrüssen und begierig eine -Gelegenheit ergreifen würden, durch welche auch sie berufen waren, an -dem grossen Werke der Reformation thätig mitzuwirken. -</p> - -<p> -So wurde das Zeitalter der Reformation, wie die Gegenwart, zugleich ein -Zeitalter der Illustration und die glückliche Verbindung von Bild und -Wort hat denn auch gar viel zur schnellen Verbreitung der Bildung durch -alle Schichten beigetragen. Die Geschichte der illustrierenden Künste, -speziell der Xylographie, ist deshalb nicht von der Geschichte der -Typographie dieser Periode zu trennen. -</p> - -<p> -Bei den in der Gegenwart mächtig sich kundgebenden ernsten -Bestrebungen, die zur Zeit der Renaissance bestandene innige -Verbindung der Kunst mit dem Gewerbe wieder herzustellen, musste -sich notwendigerweise auch die Aufmerksamkeit aller strebenden Jünger -Gutenbergs den goldenen Tagen der Druckkunst zuwenden. -</p> - -<p> -Ehrt man auch die vorangegangenen Anfänge der druckenden Künste als -die ältesten ehrwürdigen Denkmale, verfolgt man auch mit lebhafter -Teilnahme die allmählichen Fortschritte der Kunst bis zum Beginn des -<span class='smcap'>xvi.</span> Jahrhunderts, so kann doch nur ein einseitiges Schwärmen für -die Vergangenheit in diesen Leistungen — mit wenigen Ausnahmen — -nachahmungswürdige Vorbilder erblicken. -</p> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_101' name='Page_101' href='#Page_101'>[101]</a></span> -Anders verhält es sich jedoch mit den Werken derjenigen Periode, -vor welcher wir jetzt stehen. Hier haben wir es nicht mehr mit nur -historisch interessantem oder relativ gutem zu thun, sondern mit -Erzeugnissen der besten Schriftschneider, Buchdrucker und Holzschneider -und mit meisterlichen Schöpfungen noch heute nicht übertroffener -Künstler. Die Werke der Renaissancezeit bilden einen Born, aus dem man -immer und immer schöpfen kann, ohne dass ein Versiegen bemerkbar wäre. -</p> - -<p> -Deshalb kann auch ein Zurückgreifen der Schriftschneider auf die besten -Schriften des späteren Mittelalters oder ein Hervorholen der, lange -Zeit in den Kunstsammlungen und Bibliotheken für das grosse Publikum -begraben gewesenen Ornament- oder sonstigen Illustrations-Schätze nicht -als ein Rückschritt zu etwas „veraltetem“ bezeichnet werden. Nach den -Ausschreitungen über die Grenzen des Schönen, des Zweckmässigen und -der wirklichen Fortschritte hinaus, an welche die neuere Zeit ebenso -reich ist wie an wirklichen Verbesserungen, trat das Bedürfnis ein, die -ruhigen, einfachen und doch kräftigen Formen der Glanzperiode wieder -aufzusuchen, und was die Illustration betrifft, so kehren Künstler -ersten Ranges mit Befriedigung zu der edlen einfachen Weise eines Dürer -oder Holbein zurück. -</p> - -<p> -Damit sei aber nicht behauptet, dass in dieser Richtung nicht das -rechte Mass vielfach überschritten werde und dass nicht sklavische -Nachahmungssucht auf Irrwege geführt habe, aber im grossen und -ganzen bleibt es doch wahr, dass der denkende Schriftgiesser, der -illustrierende Künstler und der Typograph in der Renaissancezeit -die reichste Anregung und schönste Ermunterung für ein gedeihliches -Schaffen auf ihren Gebieten suchen können und finden werden. -</p> - -<p> -Darum bedarf es auch nicht der Entschuldigung, wenn wir bei dieser -bevorzugten Zeit und den hervorragenden Persönlichkeiten derselben mit -Vorliebe etwas länger verweilen; mussten doch gar zu bald fast in allen -Ländern die Folgen der kirchlichen und politischen Spaltungen sich -kund geben und der helle Glanz dem mehr oder weniger tiefen Dunkel des -Verfalls weichen. -</p> - -<p> -Leider sollte dieser Rückfall auf das empfindlichste das Heimatland -der Erfindung treffen. Der Bauernkrieg, die langen inneren religiösen -Kämpfe, vor allem der unselige dreissigjährige Krieg und die -verwüstenden Züge der Franzosen schlugen der geistigen Entwickelung -<span class='pagenum'><a id='Page_102' name='Page_102' href='#Page_102'>[102]</a></span> -Deutschlands und seinem nationalen Wohlstande tiefe Wunden, die -nur langsam vernarben konnten. Erst zu Ende der vorliegenden -Periode zeigten sich der aufgehende Stern des preussischen Staates -und die Anfänge der neueren nationalen Litteratur als Vorboten -des Fortschrittes auf dem Gebiete der politischen und geistigen -Machtstellung Deutschlands. -</p> - -<p> -Je höher der Gipfel war, den Kunst und Bildung in Italien erreicht -hatten, um so tiefer war der Fall, der auch hier eintrat. Zu gleicher -Zeit seufzte Spanien unter dem Joche der Jesuiten und den Greueln der, -den physischen und geistigen Tod verbreitenden Inquisition. -</p> - -<p> -Frankreich musste unter politischen und Religionskämpfen bluten, -erreichte jedoch trotzdem in dieser Periode unter der glanzvollen -Regierung Ludwigs <span class='smcap'>xiv.</span> sein höchstes äusseres Ansehen und seinen -litterarischen Zenith. Infolgedessen sinkt die Typographie hier auch -nicht so schnell und erst zu einer Zeit, wo wir bereits von einem -beginnenden Wiederaufblühen in anderen Ländern, namentlich in England, -zu berichten haben. -</p> - -<p> -Hier war eine Regierungsumwälzung der anderen gefolgt und die Presse -hatte in schweren Fesseln gelegen, bis gegen den Schluss der Periode -die Freiheit für immer einen festen Boden gewann, auf dem dann auch die -Buchdruckerkunst sich eben so mächtig wie schnell entfaltete. -</p> - -<p> -Im skandinavischen Norden wüteten die verwandten Stämme gegen einander -und Schweden verzehrte ausserdem seine Kräfte in dem dreissigjährigen -Krieg und in den Kämpfen mit Russland. Die Türken überschwemmten Ungarn -und Österreich. Schwere und weitverbreitete Seuchen glichen in ihren -Folgen den Kriegen. -</p> - -<p> -Somit war ein grosser Teil des zweiten und des dritten Jahrhunderts -der Buchdruckerkunst eine, dieser sehr ungünstige Zeit, in der sie -nothwendigerweise leiden musste, und erst das vierte Jahrhundert sollte -sie zum neuen Glanz wieder erstehen sehen. -</p> - -<p> -Werke, welche ein Gesamtbild dieser interessanten Periode der -typographischen und xylographischen Thätigkeit geben, oder auch -nur die Geschichte der einzelnen Hauptländer in ihrer Totalität -schildern, besitzen wir nicht. Dagegen giebt es eine stattliche Reihe -erschöpfender Schilderungen der Wirksamkeit hervorragender <span class='pagenum'><a id='Page_103' name='Page_103' href='#Page_103'>[103]</a></span> -Familien -oder einzelner Persönlichkeiten, welche den Kern dieser Zeit bilden. -Was die Meister der Typographie betrifft, so befindet sich das Ausland -in einer besseren Lage als Deutschland, welches nicht einmal ein -biographisch-kritisches Werk über die Familie Breitkopf aufzuweisen -hat. Es sind namentlich die Franzosen, die sich durch solche Arbeiten -Verdienste erworben haben. -</p> - -<p> -Dahingegen bietet Deutschland vorzügliche Werke über seine grossen -Künstler, die auch für die Illustration thätig gewesen sind. Solche -Quellen des In- und Auslandes werden an den betreffenden Stellen -angeführt, hier sei nur der bereits eingangs erwähnten allgemeinen -Schilderungen <span class='smcap'>Jackson, Chattos</span> und <span class='smcap'>Firmin Didots</span> gedacht, sowie des, -von Dr. <span class='smcap'>Rob. Dohme</span> herausgegebenen Kollektiv-Werkes: „Kunst und -Künstler des Mittelalters und der Neuzeit“. 5 Bde. (Leipzig 1875-1881), -das kritische Würdigungen und biographische Skizzen fast aller der -Kleinmeister, die für die Illustration so Bedeutendes geschaffen haben, -enthält. -</p> - -<p> -Einen grossen Vorteil bieten die Kunstverfahren der Neuzeit: -Photographie, Lichtdruck, Photolithographie und Zink-Hochätzung, -durch die Möglichkeit, mittels derselben eine Anzahl von Werken -aus der Renaissancezeit, die auf Grund ihrer Seltenheit und ihrer -hohen Preise nur einem kleinen Kreis zugänglich waren, in getreuen -Nachbildungen allgemein zu verbreiten; denn Werke, die wie <span class='smcap'>R. -Weigels</span> wertvolles „Holzschnitte berühmter Meister“ (Leipzig 1857), -vorzügliche Nachbildungen in Xylographie bringen, sind nur bei grosser -Opferwilligkeit des Verlegers möglich. -</p> - -<p> -Unter den Kollektivwerken, welche durch die oben erwähnten Verfahren -eine reiche Auswahl des für den Typographen zu Studium und Nacheiferung -Geeigneten bringen, sind namentlich die von <span class='smcap'>G. Hirth</span> in München und -Leipzig herausgegebenen: „Der Formenschatz der Renaissance 1500-1600“ -und „Die Bücherornamentik der Renaissance“ erwähnenswert. -</p> - -<p> -Die Schriften der deutschen Fachgenossen aus älterer Zeit geben in -Bezug weder auf äussere noch innere Verhältnisse der Buchdruckereien -eine nennenswerte Ausbeute. Zu erwähnen sind: -</p> - -<p> -<span class='smcap'>J. H. G. Ernesti</span>, „Die wol-eingerichtete Buchdruckerey“, (Nürnberg -1721). Mit vielen deutschen, lateinischen und orientalischen Schriften. -</p> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_104' name='Page_104' href='#Page_104'>[104]</a></span> -<span class='smcap'>Chr. Fr. Gessner</span>, „Die so nöthig als nützliche Buchdruckerkunst und -Schriftgiesserey“. 4 Teile. (Leipzig 1740-1745). Ein reichhaltiges, -fleissig zusammengetragenes Buch mit vielen Illustrationen technischer -und geschichtlicher Natur. -</p> - -<p> -<span class='smcap'>Ch. G. Täubel</span>, „Theoretisch praktisches Wörterbuch der Buchdruckerkunst -und Schriftgiesserei“ (Wien 1805). -</p> - -<p> -Höher stehen folgende Werke des Auslandes. -</p> - -<p> -<span class='smcap'>M. D. Fertel</span>, <em class="kursiv">La science pratique de l'imprimerie. Avec des fig.</em> 2 -Bde. (St. Omer 1723). -</p> - -<p> -<span class='smcap'>P. S. Fournier, Le Jeune</span>, <em class="kursiv">Manuel typographique</em>. 2 Bände (Paris 1764). -Das auf vier Bände berechnete Werk wurde durch den Tod des Verfassers -unterbrochen. -</p> - -<p> -<span class='smcap'>Joseph Moxon</span>, <em class="kursiv">Mechanick Exercises; or the doctrine of Handy-works, -applied to the art of printing</em> (London 1677-1696). Das Buch ist sehr -selten und Schreiber dieses nicht zurhand gewesen. -</p> - -<p> -<span class='smcap'>John Johnson</span>, <em class="kursiv">Typographia or the Printers Instructor</em>. 2 Bde. -(London 1824), und <span class='smcap'>Thomas Curson Hansard</span>, <em class="kursiv">Typographia</em> (London -1825), erschienen fast gleichzeitig und beide Verfasser waren tüchtige -Typographen. -</p> - -<p> -<span class='smcap'>C. H. Timperley</span>, <em class="kursiv">Encyclopaedia of literary and typographical anecdote</em> -(London 1842) ist als eine vorsorglich gefüllte Vorratskammer zu -betrachten. Die unzähligen Artikel sind nach den Jahreszahlen, aus -allen Ländern untereinander, gereiht. -</p> - -<p> -Ein sehr schätzbares Werk aus allerneuester Zeit ist: -</p> - -<p> -<span class='smcap'>E. C. Bigmore</span> <em class="kursiv">and</em> <span class='smcap'>C. W. H. Wyman</span>, <em class="kursiv">A Bibliography of printing -with notes and illustrations</em>. I. Band. A-L (London 1880). Das Buch -enthält nicht nur eine reiche, wir möchten fast sagen überreiche, -typographische Bibliographie aller Länder von der ältesten Zeit bis -auf heute, sondern auch eine Menge von schätzbaren historischen Notizen -und Illustrationen. Die Fortsetzung des Werkes erscheint vorerst in der -von C. Wyman herausgegebenen vortrefflichen Fachzeitschrift: <em class="kursiv">Printing -times and Lithographer</em>. -</p> - -<p> -Die bereits in dem <span class='smcap'>i.</span> Buch erwähnten Spezialgeschichten einzelner -Druckorte werden in dem <span class='smcap'>ii.</span> Buch nicht wiederholt. -</p> - -<div class="center clrboth"> - <img src="images/pg_104_deco.jpg" - style="margin-bottom:4em;" - alt="Kapitel-Ende" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<div class="center clrboth pgbreak"> - <img src="images/pg_105_deco.jpg" - alt="Kapitel-Anfang" /> -</div> - -<h2 class="nobreak" id="h2_21"> -VI. KAPITEL. -<span class="seitnum">[<a href="#toc_21">←</a>]</span> -</h2> -</div> - -<p> -DIE -ILLUSTRIERENDE KUNST IN DEUTSCHLAND. -</p> - -<div class="blockquote"> -<p> -Die deutschen Malerschulen. Der Kupferstich und der Holzschnitt. Michel -Wolgemut. Albrecht Dürer, seine Zeitgenossen und Nachfolger: Hans -Burgkmair, Hans Schaeuffelein, die „Kleinmeister“. Hans Holbein d. -j. Lucas Cranach d. ä. Die Schweizer und Elsasser Künstler. Über die -„eigenhändigen“ Holzschnitte der Zeichner. -</p> -</div> - -<div class="sidenote">Die Maler-<br />schulen.</div> - -<p class="hide_x_"> -<span class='pagenum'><a id='Page_105' name='Page_105' href='#Page_105'>[105]</a></span> -<img src="images/pg_105_cap.jpg" alt="U" width="50" class="cap0" /> -<span class="hide">U</span>NTER wenig günstigen Verhältnissen hatte die -Malerkunst in Deutschland sich gestaltet. Das rauhe -Klima gestattete keine Entwickelung der Wandmalerei -mit ihren grossen Verhältnissen und die -alles beherrschende gothische Baukunst benutzte die -zeichnenden Künste fast nur zum Zweck der Ornamentierung. -Erst um die Mitte des <span class='smcap'>xiv.</span> Jahrhunderts entstanden eigentliche -Malerschulen, die jedoch in ihrer ganzen Weise noch die Spuren -der früheren Unterordnung der Malerkunst unter die Architektur -tragen. -</p> - -<div class="sidenote">Köln.</div> - -<p> -Unter diesen war die rheinische, nach dem Hauptorte KÖLN -gewöhnlich die Kölnische Malerschule genannt, die bedeutendste. -Sie zeichnete sich durch ideales Streben im Dienste der Kirche -aus. Ihr eigentümlich waren demgemäss die schlanken, duftigen -Gestalten mit heiligem Gesichtsausdruck in weichen Farben auf -Goldgrund gemalt. Rundere, gedrungenere Formen entstanden erst -beim Schärferwerden der fortschreitenden Naturbeobachtung und -der Vervollkommnung der Technik. Wie früher die Menschen der -<span class='pagenum'><a id='Page_106' name='Page_106' href='#Page_106'>[106]</a></span> -Künstler mehr Heilige waren, so wurden jetzt die Heiligen mehr -gewöhnliche Menschen. -</p> - -<div class="sidenote">Prag.</div> - -<p> -Im Osten war PRAG ein Hauptsitz der Kunst geworden, welche -hier unter dem Einfluss des Kaiserhauses, besonders Karls <span class='smcap'>iv.</span>, -eine, zunächst die weltliche Macht verherrlichende Richtung nahm. -</p> - -<div class="sidenote">Brügge.</div> - -<p> -Wie Köln und Prag der geistlichen und staatlichen Gewalt -huldigten, so entwickelte sich in Brügge, wie in Nürnberg, wo -Handel und Verkehr blühten und ein mächtiges Bürgertum herrschte, -die Kunst mehr in der realistischen und begrenzteren Richtung des -Bürgertums. BRÜGGE wurde die Pflanzstätte der niederländischen -Kunst, die ihre besondere Grösse im kleinsten Genre entwickelte -und sich unter der Führung Huberts van Eyck durch eine, bis dahin -unbekannte Naturtreue auszeichnete. -</p> - -<div class="sidenote">Nürnberg.</div> - -<p> -Unterstützt durch die Energie seiner Bürger und begünstigt -durch seine, allerdings reizlose, Zentrallage war NÜRNBERG nicht -allein ein Stapelplatz für die Produkte und Fabrikate Deutschlands -geworden, sondern auch ein Knotenpunkt des Zwischenhandels des -Nordens und des Westens mit dem Süden und dem Osten. Die -Selbstregierung ruhte nach liberalen Grundsätzen in den Händen -eines aufgeklärten und reichen Patriziertums, welches die Rechte -der, in kleineren Verhältnissen Lebenden zu schonen verstand. -Der rege Verkehr hatte den Gesichtskreis nicht allein in staatlichen -und kirchlichen Verhältnissen erweitert, sondern auch den Sinn für -Wissenschaft und Kunst verallgemeinert, und der Reichtum gab -die Mittel, sie zu fördern. -</p> - -<p> -Die Malerschule in Nürnberg nahm zwar unter solchen Umständen, -wie in Brügge, einen bürgerlichen Charakter an, jedoch mit -einer weit vornehmeren, gemütreicheren und religiöseren Richtung. -</p> - -<div class="sidenote">Kupferstich und<br />Holzschnitt.</div> - -<p> -Unter Einwirkung der Buchdruckerkunst und der Reformation -mussten die neuen Kunstverfahren des Kupferstechers und des -Holzschneiders einen besonders günstigen Boden in Deutschland -finden. Ohne Unterstützung des sinnebestrickenden Farbenreizes -und ohne andere Effektmittel, als die mehr oder weniger geschwellten -Linien und die weiteren oder engeren Strichlagen, war der Künstler -gehalten, eine um so grössere Aufmerksamkeit der Idee, der -Komposition und der korrekten Formengebung zuzuwenden. Bald -erreichten diese Künste, indem sie sich den Bestrebungen der sich -<span class='pagenum'><a id='Page_107' name='Page_107' href='#Page_107'>[107]</a></span> -neu gestaltenden Zeit dienstbar machten, trotz des räumlich kleinen -Umfanges die Bedeutung einer monumentalen Kunst, die am fröhlichsten -dort gedeihen musste, wo die erwähnten Bestrebungen sich -am kräftigsten äusserten, demgemäss also auch in dem geistig-bewegten -Nürnberg. -</p> - -<div class="sidenote">Die Formen-<br />schneider.</div> - -<p> -Der erste Formenschneider, der als solcher im Bürgerbuche -genannt wird und zwar in den Jahren 1449-1492, ist <span class='smcap'>Hans Formenschneider</span>. -Bei dem langen Zeitraum ist es anzunehmen, dass man -es mit zwei Persönlichkeiten, vielleicht mit Vater und Sohn, zu thun -hat. Auch andere werden genannt, von denen jedoch keine Arbeiten -bekannt sind. Ein sehr unternehmender Mann war um diese Zeit -<span class='smcap'>Hans Sporer d. j.</span> Seine Hauptwerke sind: „Der Endtkrist“ -2. Ausg. 1472; „Die Kunst zu sterben“ 1473; „Die Armenbibel“ -1475, in denen der Ausdruck der Figuren zum Teil noch etwas -entschieden Fratzenhaftes und Gespenstisches hat. Auch <span class='smcap'>Georg -Glockendon d. ä.</span> arbeitete schon um 1480 und schnitt u. a. eine -„Marie“ mit fünf weiblichen Heiligen und eine „Himmelfahrt Christi“. -Von <span class='smcap'>Wolfgang Hamer</span> hat man eine „Heilige Familie“<a name='FA_061' id='FA_061' href='#FN_061' class='fnanchor'>[1]</a>. -</p> - -<div class="sidenote">Michel Wolge-<br />mut. -<hr class="sidenote" /> -Wilh. Pleyden-<br />wurf.</div> - -<p> -Der eigentliche Begründer der Nürnberger so berühmten Holzschneiderschule -und wahrscheinlich der Einführer des Kupferstiches -in Nürnberg ist <span class='smcap'>Michel Wolgemut</span> (geboren 1434). Seine -künstlerische Ausbildung erhielt er am Rhein. Nach Nürnberg -zurückgekehrt, heiratete er die Witwe des Hans Pleydenwurf, -eines achtbaren Künstlers. Einen seiner Stiefsöhne, <span class='smcap'>Wilhelm -Pleydenwurf</span>, bildete er als Künstler aus und errichtete, namentlich -um die Ansprüche Kobergers für seine grossen Unternehmungen -befriedigen zu können, mit ihm zusammen ein Holzschneide-Atelier. -Dasselbe nahm eine grosse Ausdehnung an und es entstanden in -sehr kurzer Zeit die bereits früher erwähnten Werke: „Der Schatzbehalter“ -und Schedels „Buch der Chroniken“<a name='FA_062' id='FA_062' href='#FN_062' class='fnanchor'>[2]</a>. Pleydenwurf -starb bereits kurz nach Vollendung derselben (1495); Wolgemut, -der auch eine bedeutende Thätigkeit als Kupferstecher entwickelte, -am 30. Nov. 1519. Abgesehen von seinen eigenen künstlerischen -Verdiensten behält Wolgemut eine grosse Bedeutung als Lehrer -Albrecht Dürers, der stets mit grosser Hochachtung von ihm sprach. -</p> - -<div class="sidenote">Albrecht Dürer.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_108' name='Page_108' href='#Page_108'>[108]</a></span> -<span class='smcap'>Albrecht Dürer</span><a name='FA_063' id='FA_063' href='#FN_063' class='fnanchor'>[3]</a>, mit dem der Holzschnitt einen hohen -Standpunkt erreichte, war am 21. Mai 1471 als dritter Sohn des -gleichnamigen Vaters in Nürnberg geboren. <span class='smcap'>Dürer d. ä.</span> war als -Goldschmiedegesell 1455 nach Nürnberg gekommen, wo sein Meister -Hieronymus Holper ihm seine Tochter zur Frau gab, die ihm achtzehn -Kinder gebar. Albrecht wurde von seinem Vater in dem -Goldschmiedehandwerk unterwiesen, jedoch auf seinen dringenden -Wunsch, Künstler zu werden, mit seinem fünfzehnten Jahre bei -Michel Wolgemut in die Lehre gebracht, und er nahm somit vielleicht -schon an den Unternehmungen Kobergers thätigen Anteil. -</p> - -<div class="sidenote">Jugendjahre.</div> - -<p> -Von seinen Lehrjahren und Wanderungen ist wenig bekannt. -Zu Pfingsten 1494 kehrte er von letzteren nach Nürnberg zurück mit -den äusseren Vorzügen des Körpers sowohl als mit den inneren des -Charakters und der Tüchtigkeit ausgestattet. Er heiratete Jungfrau -Agnes Frey, die hübsch und nicht unbemittelt war. Es ist behauptet -worden, dass die Ehe nicht glücklich gewesen, doch -liegen keine Beweise dafür vor, wenn es auch den Anschein hat, -als sei die Agnes mehr eine tüchtige Hausfrau, als eine mit -der Künstlernatur Dürers sympathisch gestimmte Seele gewesen. -Er bezog ein Haus am oberen Ende der Zisselgasse, welches er -gekauft hatte, um dort sein Atelier einzurichten. Das Haus, innerlich -und äusserlich leidlich unverändert erhalten, ist in den Besitz des -Dürer-Vereins übergegangen. -</p> - -<div class="sidenote">Die Offenbarung<br />St. Johannis. -<hr class="sidenote" /> -Neue Bahnen für<br />den Holzschnitt.</div> - -<p> -Dürer, der noch nicht seinen Weltruf hatte, musste des Verdienstes -wegen manche Arbeiten übernehmen, an denen er sich sonst -kaum versucht haben würde. Aber schon frühzeitig beschäftigte er -sich mit einem Gegenstande, woran er seine ganze Kraft bethätigen -und sich selbst genügen wollte. Im Jahre 1498 erschien sein Bildercyklus -von 15 xylographischen Darstellungen in Folio zur „Offenbarung -St. Johannis“. Der Text ist zweispaltig auf die Rückseite der -Bilder gedruckt, jedoch nicht immer so, dass Text und Bild korrespondieren. -Das Werk erschien sowohl in einer deutschen als in -einer lateinischen Ausgabe und in mehreren Auflagen. Komplette -Exemplare sind selten. Hiermit war der, bis dahin bekannte Kreis -der Leistungen weit überschritten und die Thätigkeit des Geistes -<span class='pagenum'><a id='Page_109' name='Page_109' href='#Page_109'>[109]</a></span> -zeigte sich selbst der aussergewöhnlichen Fertigkeit der Hand so -weit überlegen, dass die Ausübung der Kunst nicht mehr als Handwerk -gelten konnte. -</p> - -<p> -Dürers bahnbrechende Richtung für den Holzschnitt lag in -seiner Manier für diesen zu zeichnen. Bis dahin bestand der Holzschnitt -hauptsächlich nur in derben Umrissen auf das Kolorieren -berechnet. Zwar hatte Wolgemut eine künstlerische Richtung mit -Glück eingeschlagen, aber erst Dürer erreichte die Vollendung. -Durch Abwechselung von Licht und Schatten erzielte er eine -grössere malerische Wirkung, als durch Kolorit möglich war. Dazu -gehörten jedoch Formenschneider, die auf seine Intentionen eingingen. -Solche konnte aber Dürer ausbilden, denn niemand -verstand es besser, als er, seinen künstlerischen Willen fest und -bestimmt mit der Feder anzugeben. Es blieb für den Formenschneider -nichts anderes übrig, als Strich für Strich der Zeichnung -zu folgen. Dürer wusste ganz genau, was er der Technik des Holzschneiders -zumuten konnte. Es war dies zwar weitergehenderes als -sonst üblich, jedoch nicht mehr, als was mit dem einfachen Material -geleistet werden konnte. Wie sicher er dies zu berechnen wusste, -zeigt am besten der Vergleich seiner Holzschnitt-Technik mit seiner -Kupferstich-Technik, für die keine solche hemmenden Schranken -existierten. -</p> - -<div class="sidenote">Verschiedene<br />Arbeiten.</div> - -<p> -Aus den ersten Jahren des <span class='smcap'>xvi.</span> Jahrh. stammen eine grosse -Zahl von Zeichnungen, Stichen und Holzschnitten von seiner -Hand. Sein überströmender Geist legte in seinen Zeichnungen zum -Teil die Gedanken nieder, die er später zu abgeschlossenen Werken -ausarbeitete. -</p> - -<div class="sidenote">Italien. Reise.</div> - -<p> -Nach zehnjähriger und aufreibender Arbeit machte er eine Reise -nach Italien. Aus den mitgenommenen kleinen Kunstwerken und -den Vorräten seiner Stiche und Drucke hoffte er Vorteile zu -erzielen, die indes nicht so reichlich ausfielen, wie die Ehrenbezeigungen, -die ihm erwiesen wurden. Bei seiner Rückkehr malte er -eine grosse Altartafel für den Kaufherrn Jakob Heller in Frankfurt, -welche allgemeine Bewunderung erregte, aber doch so wenig -lohnte, dass Dürer wieder zur Feder und zum Stichel griff. Zu den -bedeutendsten seiner Leistungen gehören die drei „Passionen“ und -das „Leben der Maria“ in Holzschnitt und Kupferstich. Sie haben -<span class='pagenum'><a id='Page_110' name='Page_110' href='#Page_110'>[110]</a></span> -durch Jahrhunderte ihren unvergänglichen Wert behauptet und sind -wieder und wieder nachgebildet, nachdem die Originale nicht mehr -für den Bedarf ausreichten. -</p> - -<div class="sidenote">Die Passionen.</div> - -<p> -Eine der Passionen in Folio und eine in Oktav sind in Holzschnitt -ausgeführt, die dritte, auch in Oktav, ist in Kupfer gestochen. -Die beiden ersteren erschienen 1511 in Buchform. Die -„grosse Passion“ ist 12 Blätter stark mit ebenso vielen Darstellungen; -die „kleine Passion“ 38 Blätter mit 37 Darstellungen, beide mit -lateinischen Versen von Chelodonius, einem Benediktinermönch -und Freund Dürers. Die dritte „Passion“ in Kupferstich von 16 -Blättern ward erst 1513 vollendet; sie ist ohne Text und scheint -nie in Buchform ausgegeben worden zu sein. Die, ihrem Stoff nach -umfangreichste „kleine Passion“ fängt mit dem Sündenfall an und -endigt mit dem jüngsten Gericht; die Bezeichnung Passion ist demnach -nicht ganz korrekt. -</p> - -<div class="sidenote">Unser Frauen<br />Leben.</div> - -<p> -In keinem Werke aber prägt sich der eigentümliche Geist -Dürers und überhaupt der deutschen Kunst voller und klarer aus, -als in der Reihe von zwanzig, „Unser Frauen Leben“ behandelnden -Holzschnitten. Auch was die Ausführung betrifft, gehört dieser -Cyklus zu dem vorzüglichsten, was die Holzschneidekunst je -geliefert hat. -</p> - -<div class="sidenote">Einzelblätter.</div> - -<p> -Neben diesen Hauptwerken schenkte uns Dürer in diesem -Zeitpunkt seines reichen Schaffens eine grosse Anzahl von Einzelblättern, -die den genannten an Originalität der Erfindung und in -der Ausführung nicht nachstehen. Daneben musste er auch Zeit -und Lust finden, Blätter für Kinder und zum Schmücken von -Schachteln; Zeichnungen von Wappen der Patrizier zum Einkleben -in ihre Bücher; Nachbildungen naturhistorischer Gegenstände, -u. dgl. m. zu liefern. -</p> - -<div class="sidenote">Die Arbeiten für<br />Maximilian I.</div> - -<p> -Eine besondere Klasse von Arbeiten, die zu den, für den Typographen -interessantesten gehören, sind die Werke, die er für den -Kaiser Maximilian ausführte, der zwar ein poetisches Gemüt und -einen regen Sinn für die schönen Künste besass, diese jedoch -hauptsächlich nur durch deren Ausbeutung zu seiner persönlichen -Verherrlichung bethätigte. -</p> - -<div class="sidenote">Hans Burgkmair.</div> - -<p> -Der Kaiser hatte den Gedanken gefasst, die ganze Glanzfülle -seiner ruhmreichen Abstammung, seine weite Herrschaft, Leben -<span class='pagenum'><a id='Page_111' name='Page_111' href='#Page_111'>[111]</a></span> -und Thaten durch eine „Ehrenpforte“, einen „Triumphzug“ nebst -einem „Triumphwagen“ darstellen zu lassen. Den hauptsächlichsten -Teil der Arbeit wollte er Dürer übertragen, aber auch andere -Künstler sollten bei den Werken beschäftigt sein. Unter diesen ragte -besonders <span class='smcap'>Hans Burgkmair</span>, geboren zu Augsburg 1473, gestorben -ebendaselbst 1529, hervor, der, durch seinen Aufenthalt in Venedig -von der dortigen Kunst beeinflusst, einer der Hauptvertreter der -Renaissance in Deutschland wurde. Berühmt ist er hauptsächlich -durch seine Holzzeichnungen zu den erwähnten und anderen durch -Maximilian <span class='smcap'>i.</span> hervorgerufenen Werken. Er lieferte 30 Platten zur -Ehrenpforte, 66 zu dem Triumphzug. Von ihm stammen grösstenteils -die 245 Zeichnungen zu dem „Weisskunig“, auch eine Verherrlichung -des Kaisers, des weiteren arbeitete er mit an den -124 Blatt: „Heilige des österreichischen Kaiserhauses“. Berühmt -ist auch sein „Turnierbuch“ mit 52 Illustrationen. -</p> - -<div class="sidenote">Die Ehrenpforte.</div> - -<p> -Den Auftrag zur „Ehrenpforte“ erhielt Dürer mutmasslich schon -im J. 1512. Der gelehrte Johannes Stabius war mit der litterarischen -Leitung und der Abfassung der vielen Inschriften betraut. Dürer -ergriff die Sache mit grossem Eifer und vollendete seine Arbeit -schon 1515, obwohl die Aussichten auf die entsprechende Entschädigung -nicht gross waren, da der Rat von Nürnberg das Ansinnen -des Kaisers, der nicht gern aus eigener Tasche zahlte, -„Dürer Steuerfreiheit zu gewähren“, ablehnte oder vielmehr Dürer -veranlasste, selbst den Antrag zurückzunehmen. Ebenso weigerte -sich der Rat, ein, vom Kaiser auf Grund verschiedener Arbeiten -Dürer zugestandenes Jahresgehalt von 100 Gulden zugunsten des -Künstlers von den an Maximilian zu zahlenden Abgaben in Abzug -zu bringen. -</p> - -<p> -Die „Ehrenpforte“ ist das grossartigste, was jemals in Holzschnitt -geschaffen worden ist. Sie besteht aus 92 Holzstöcken, die -zusammengestellt eine Ausdehnung von nahe an 3 Meter 50 ctm. -Höhe und 3 Meter Breite einnehmen. Mit einer Sicherheit ohne -gleichen zeichnete Dürer die Blätter mit Feder und Pinsel. Mit -gleicher Genauigkeit schnitt sie <span class='smcap'>Hieronymus Andreä</span>. Das Werk -ist nicht ein Triumphbogen im antiken Stil, sondern ein hoher -giebelgekrönter Renaissancebau, durch runde Türme flankiert und -mit drei Thoren versehen. Der Reichtum an historischen Darstellungen, -<span class='pagenum'><a id='Page_112' name='Page_112' href='#Page_112'>[112]</a></span> -Allegorien, Portraitfiguren und ornamentalem Schmuck -ist geradezu überwältigend. -</p> - -<div class="sidenote">Der Triumphzug.</div> - -<p> -Der „Triumphzug“ bildet in seiner Entfaltung ein Tableau von -54 Metern Länge bei 37 ctm. Höhe und besteht aus 135 Stöcken, -war jedoch auf eine noch grössere Zahl berechnet. Von den -Stöcken lieferte Burgkmair 66, Dürer zeichnete 24 Blatt. Dieses -grossartige xylographische Werk bietet, abgesehen von dem Kunstgenuss, -einen höchst interessanten Stoff für das Studium der -Kostüme, Waffen, Geräte und Sitten damaliger Zeit. Das eingehende -Programm verfasste des Kaisers Sekretär Marx Treytz-Saurwein. -</p> - -<div class="sidenote">Der Triumph-<br />wagen.</div> - -<p> -Der „Triumphwagen“, sozusagen der Mittel- und Schwerpunkt -der gesamten Unternehmungen, ist ein Werk Dürers. Die -Zeichnungen entstanden 1514-1515, die Holzschnitte waren 1522 -fertig. Der Rat Pirckheimer hatte die Idee ausgearbeitet, die sich -lediglich auf schale Lobrednerei gründet. Der Kaiser fährt auf -einem von 12 Pferden gezogenen Triumphwagen, umgeben von -allegorischen Figuren, die alle seine Tugenden repräsentieren. Die -aus 8 Holzstöcken bestehende Komposition hat eine Länge von -2 Meter 32 ctm. bei einer Höhe von 47 ctm. -</p> - -<p> -Als Kaiser Maximilian am 12. Jan. 1519 starb, gerieten seine -Kunstunternehmungen ins Stocken. Dass der Kaiser nicht gern -zahlte, wurde schon erwähnt. Dürer und Andere hatten ihr Honorar -noch nicht erhalten. Um sich bezahlt zu machen, gab Dürer den -„Triumphwagen“ auf seine Rechnung heraus. Die erste Ausgabe -erschien 1522 mit deutschem, die zweite 1523 mit lateinischem -Text; nachgedruckt wurde das Werk in Venedig 1589. Auch von -dem „Triumphzug“ verkaufte man einzelne Blätter. König Ferdinand, -dem daran lag, dass das Werk des Kaisers nicht in Privathände -zersplittert würde, erwarb durch Vermittelung des Rates zu -Nürnberg die noch unbezahlten Stöcke, die nach Wien kamen. Im -Jahre 1759 machte man den Versuch, das ganze Werk herauszugeben. -1799 wurde eine neue Ausgabe veranstaltet und die noch -fehlenden Stöcke durch Radierungen ersetzt. -</p> - -<div class="sidenote">Maximilians<br />Gebetbuch.</div> - -<p> -Zu seinem eigenen Gebrauch hatte Maximilian ein Gebetbuch -zusammenstellen lassen, das er von <span class='smcap'>Joh. Schönsperger</span> in Augsburg -in kostbarem Pergamentdruck ausführen liess. Die Initialen -<span class='pagenum'><a id='Page_113' name='Page_113' href='#Page_113'>[113]</a></span> -wurden nach einem, dem Congrevedruck ähnlichen Verfahren -mehrfarbig eingedruckt. Man kennt bloss drei Exemplare dieses -Werkes, eins in der k. k. Bibliothek zu Wien, das andere in der -Münchner Bibliothek, das dritte in dem <em class="kursiv">British Museum</em>. Zu 45 -Blättern zeichnete Dürer mit farbiger Tinte Einfassungen, die einen -wahren Schatz von Ornamenten und Allegorien, Ernst und Scherz, -Profanem und Heiligem in bunter Reihe enthalten. Dürer scheint die -Absicht gehabt zu haben, sie durch seine Schüler fortsetzen zu -lassen. Es existieren auch acht Blatt von anderer Hand gezeichnet, -die fälschlich Lucas Cranach zugeschrieben wurden; eher dürften -sie Hans Springinklee gehören<a name='FA_064' id='FA_064' href='#FN_064' class='fnanchor'>[4]</a>. -</p> - -<div class="sidenote">Reise nach den<br />Niederlanden.</div> - -<p> -Im Jahre 1520 unternahm Dürer in Gesellschaft seiner Frau -eine Reise an den Rhein und nach den Niederlanden, auf welcher -er dort mit grossen Ehren empfangen wurde und mit vielen -berühmten Persönlichkeiten in Berührung kam. Sein Hauptzweck -war, den Kaiser Karl <span class='smcap'>v.</span>, dessen Einzug in Antwerpen und Krönung in -Aachen er beiwohnte, zur Zahlung der, ihm vom Kaiser Maximilian -ausgesetzten Rente zu veranlassen, was ihm auch, nach verschiedenen -vergeblichen Bemühungen an den Kaiser hinanzukommen, -schliesslich in Köln gelang. -</p> - -<div class="sidenote">Litterarische Ar-<br />beiten.</div> - -<p> -Eine Hauptthätigkeit Dürers in den letzten Jahren seines -Lebens war die Ausarbeitung und Herausgabe seiner litterarischen -Arbeiten, für welche er sich durch sein ganzes Leben vorbereitet -hatte. Sein erstes Werk erschien 1525 unter dem Titel: „Underweysung -der Messung, mit dem Zirkel und Richtscheyte, in Linien -ebnen wnd gantzen Corporen“. Für Buchdrucker hat das Werk -ein besonderes Interesse, weil es die Verhältnisse der Buchstaben -zum erstenmal in Deutschland nach geometrischen Grundsätzen -feststellt. Es erlebte mehrere Auflagen, sowie eine Übersetzung in -das Lateinische von Joh. Camerarius. Sein zweites Werk ist eine -„Befestigungslehre“; sein Hauptwerk (1525) führt den Titel: -„Hierine sind begriffen vier Bücher von mennschlicher Proportion“, -und erlebte viele Ausgaben in vielen Sprachen. -</p> - -<div class="sidenote">Dürers Tod.</div> - -<p> -Seine letzte Zeit verlebte Dürer geschätzt von allen bedeutenden -Männern in einfachen, jedoch keineswegs ärmlichen Verhältnissen. -<span class='pagenum'><a id='Page_114' name='Page_114' href='#Page_114'>[114]</a></span> -In den Niederlanden hatte er sich ein Fieber geholt, das er -nicht wieder los werden konnte, trotz dessen er aber noch übermässig -arbeitete. Er starb am 6. April 1528. Seit 1840 schmückt -sein Standbild aus Erz den nach ihm benannten Platz in Nürnberg -und die dortigen Künstler begehen zu seinem Geburtstage jährlich -an seinem Grabe eine einfache Feier. -</p> - -<p> -Die Zeitgenossen und Nachfolger Dürers zeigen, mit Ausnahme -des durchaus selbständigen Hans Holbein, einen unverkennbaren -Einfluss des grossen Meisters. Wenige unter ihnen, denen man -im allgemeinen auf Grund der räumlichen Kleinheit ihrer meisten -Arbeiten den Namen „Kleinmeister“ beigelegt hat, standen jedoch -als Schüler in einer näheren Verbindung mit Dürer. Nur von -zweien wissen wir mit Bestimmtheit, dass sie Dürers „Lehrjungen“ -gewesen: Hans von Kulmbach und Hans Springinklee, und gerade -über diese sind die sonstigen Nachrichten dürftig. -</p> - -<div class="sidenote">Hans von Kulm-<br />bach.</div> - -<p> -Hans Fuss, nach seiner Vaterstadt <span class='smcap'>Hans von Kulmbach</span>, trat, -nachdem er die Malerei bei <em class="kursiv">Jacopo dei Barberi</em> (Jakob Walch) gelernt, -1510 bei Dürer in weitere Lehre. Ob er viel für graphische -Kunst gezeichnet hat, ist nicht bekannt. Ein Blatt für den -Triumphzug ist noch vorhanden mit den hineingezeichneten Korrekturen -Dürers. -</p> - -<div class="sidenote">Hans Springin-<br />klee.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Hans Springinklee</span>, geboren zu Nördlingen 1470, entwickelte -für die graphischen Fächer eine grosse Thätigkeit. Er zeichnete 60, -durch seelenvolle Innigkeit sich auszeichnende Bilder zu dem <em class="kursiv">Hortulus -animæ</em>, der zuerst 1516 und dann in mehreren schnell auf einander -folgenden Auflagen bei Koberger erschien. Er arbeitete auch -mit an den Illustrationen zu dem Weisskunig und an verschiedenen -Unternehmungen Dürers, dessen Art er sich innig anschloss. Auch -grössere Einzelblätter hat man von ihm. -</p> - -<div class="sidenote">Erhard Schön.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Erhard Schön</span> war ein Mitarbeiter Springinklees bei dem -<em class="kursiv">Hortulus animæ</em> (ob auch bei Dürers Werken ist nicht bekannt), -lieferte auch die zwölf Apostel und 24 Blatt Heilige. Er war -Verfasser eines Lehrbuches: „Unterweysung der Proportion -und Stellung der Bossen (Modellfiguren)“ mit einer Anzahl gut -gezeichneter Köpfe und Körper in verschiedenen Lagen mit Konstruktionsnetzen; -geschätzt sind von Sammlern seine Spielkarten. -Er starb zu Nürnberg 1550. -</p> - -<div class="sidenote">Pencz und die<br />Beham.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_115' name='Page_115' href='#Page_115'>[115]</a></span> -Georg Pencz, Hans Sebald Beham und Barthel Beham sind -Namen, die nicht allein durch die Gemeinsamkeit der Kunstübung, -sondern auch durch die gemeinsamen Schicksale unzertrennlich -geworden sind. -</p> - -<p> -Alle drei lernten in Nürnberg und erhielten in jungen Jahren -die Meisterschaft (ob in der Werkstatt Dürers ist nicht bekannt), -jedenfalls gehörten sie alle zu seinen begabtesten Nachfolgern. In -jugendlicher Schwärmerei wurden sie erklärte Anhänger des Thomas -Münzer, der anfangs der zwanziger Jahre nach Nürnberg kam. -In einen Prozess wegen Verbreitung deistischer und sozialistischer -Ansichten verwickelt, mussten die drei Maler ihrer Vaterstadt den -Rücken kehren. -</p> - -<div class="sidenote">Georg Pencz.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Pencz</span> wurde nach einem Jahr begnadigt und später sogar -Ratsmaler. Er war ein vorzüglicher Kupferstecher in einer neuen -Manier, die sich nicht mit den einfachen Strichlagen Dürers begnügte, -sondern nach italienischen Vorbildern malerische Wirkung -durch Licht und Schatten und durch Abstufung der Töne zu -erreichen suchte. Er liebte es, zusammenhängende Folgen von -Blättern zu liefern, z. B. die Geschichte Abrahams, Josephs; 25 Blatt -aus dem Leben Jesu. Vorzugsweise wandte er sich Folgen aus dem -klassischen Altertum zu, als z. B.: „berühmte Liebespaare“, „Beispiele -der Standhaftigkeit“, „unglückliche Frauen“. Man besitzt -von ihm 126 Blätter: Er starb 1550, hinterliess aber, trotz fleissigen -Arbeitens, die Seinen in grosser Dürftigkeit. -</p> - -<div class="sidenote">Hans Sebald<br />Beham.</div> - -<p> -Mehr Glück hatten die Behams, namentlich der jüngere, -Barthel. Der ältere <span class='smcap'>Hans Sebald Beham</span> (geb. zu Nürnberg -1500) steht vielleicht von allen Kleinmeistern als Zeichner Dürer -am nächsten, und übertrifft ihn als Kupferstecher. Er befindet sich -schon vollständig auf dem Boden der Renaissance. Nach verschiedenen -Schicksalen fand er in Frankfurt 1534 eine bleibende Stätte -und ein reiches Feld seiner Thätigkeit. Für viele Werke Chr. -Egenolffs lieferte er Illustrationen; für die Weltchronik (die in neun -Auflagen erschien) 80 Holzschnitte; 26 Holzschnitte zu der Offenbarung -St. Johannis; eine ähnliche Zahl zu dem Neuen Testament; -ferner zu einem Handbuch der Fecht- und Ringerkunst und -einem Buch vom gesunden Lebensregiment u. s. w. Als er 1550 -starb, hinterliess er 270 Kupferstiche und an 500 Holzschnitte. -<span class='pagenum'><a id='Page_116' name='Page_116' href='#Page_116'>[116]</a></span> -Seinen Grundsätzen, für die er in der Jugend büssen musste, blieb -er bis an sein Ende treu. -</p> - -<p> -Die Herausgabe eines „Büchlein von den Proportionen des -Ross“ brachte ihn in Konflikt mit der Witwe Dürers, welche hierin -eine widerrechtliche Aneignung eines Manuskripts Dürers erblickte -und ein Verbot des Buches Behams erwirkte, bis Dürers Werk, -das übrigens von ganz anderen Gesichtspunkten ausgeht, erschienen -sei. -</p> - -<p> -Es wird behauptet, er habe gegen Ende seines Lebens eine -Weinschenke errichtet und einem liederlichen Leben sich ergeben, -dagegen scheint jedoch die grosse Zahl von Arbeiten, die gerade -aus seinen letzten Lebensjahren stammen, zu sprechen. -</p> - -<div class="sidenote">Barthel Beham.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Barthel Beham</span> ging nach München und trat 1527 in den -Dienst des Herzogs Wilhelm von Bayern, der ihn auf seine Kosten -nach Italien sandte, wo er plötzlich im besten Mannesalter und auf -der Höhe seiner Kunst starb. Von seinen Kupferstichen sind 85 auf -die heutige Zeit gekommen. Ganz vorzügliches leistete er in Ornamentvorlagen -für das Kunsthandwerk, wie in Vignetten für Bücher. -In derselben Richtung zeichnete sich <span class='smcap'>Ludwig Krug</span> in Nürnberg -aus. -</p> - -<div class="sidenote">Hans<br />Schaeuffelein.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Hans Leonhard Schaeuffelein</span> (geb. um 1476) lehnt sich -sehr an Dürer an. Er wendete sich mit Vorliebe dem Holzschnitt -zu, dessen Technik ganz der Richtung seines Geistes entsprach. -Wahrscheinlich lernte er zuerst bei Wolgemut und arbeitete später -bei Dürer, bis dieser 1505, vor seiner Abreise nach Italien, seine -Werkstatt auflöste. Im Jahre 1507 lieferte er bereits eine Holzschnittfolge -von 65 Blatt für das <em class="kursiv">Speculum passionis</em> des Dr. Pinder. -Von ihm rühren 118 Zeichnungen für die Holzschnitte zu dem -Theuerdank (1512) her, die von dem vorzüglichen Holzschneider -<span class='smcap'>Jost de Negker</span> geschnitten wurden. Bei Schönsperger erschien -ferner von ihm „Der Heiligen Leben“ mit 130 kleinen Holzschnitten -und, im Verein mit Hans Burgkmair und Georg Brew, -„Das Leiden Christi“. -</p> - -<p> -Schaeuffelein heiratete die Nürnberger Patriziertochter Afra -Tucher und wandte sich 1515 nach Nördlingen, der Heimat seines -Vaters. Aus der Zeit seines dortigen Aufenthaltes sind zu nennen: -seine Holzschnittzeichnungen zu Ciceros Buch „Von den Pflichten“; -<span class='pagenum'><a id='Page_117' name='Page_117' href='#Page_117'>[117]</a></span> -zu den Historien des Boccaccio; zu einem Buche mit dialektischen -Vorschriften; zu dem „goldenen Esel“ des Apulejus und zu mehreren -religiösen Werken. Am bedeutendsten sind einige, dem täglichen -Leben entnommene Darstellungen, Bilder aus dem Soldatenleben -und namentlich 20 Blätter mit Hochzeitstänzern. Ein Abendmahl -zeichnet sich durch seine ungewöhnliche Grösse, 1 Meter 2 ctm. -Breite bei 71 ctm. Höhe, aus. Schaeuffelein besass wenig Genie und -konnte sich nicht von dem noch nicht fertigen Standpunkt der -Form emanzipieren, auf welchem Dürer damals, als er nach Italien -reiste, stand. Schaeuffelein starb 1549. -</p> - -<div class="sidenote">Albr. Altdorfer.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Albrecht Altdorfer</span>, wahrscheinlich in Amberg um 1480 -geboren, tritt weit selbständiger und origineller auf als Schaeuffelein, -wenn er ihn auch nicht in der Technik übertrifft. Er zersplitterte -seine Kräfte nach verschiedenen Richtungen hin. 1505 siedelte er -nach Regensburg über und wurde 1526 dort Ratsbaumeister. Er ist -als Vater der modernen Landschaftsmalerei zu betrachten und -brachte es auch in der Ätzmanier zur Virtuosität. Die Zahl seiner -Kupferstiche beläuft sich auf etwa 80, die der Holzschnitte auf 70, -die der Radierungen auf 30. Er starb im Jahre 1538. -</p> - -<div class="sidenote">Michael Osten-<br />dorfer.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Michael Ostendorfer</span>, ein Zeitgenosse Altdorfers (1490-1559), -leistete als Zeichner mehr denn dieser und würde sicherlich -bedeutendere Werke geliefert haben, wenn nicht die Not ihn -gezwungen hätte, die Kunst allein als Erwerbsmittel zu betrachten -und allerlei, seinen Fähigkeiten nicht angemessene Arbeiten zu -unternehmen. In der ersten Periode seiner Thätigkeit sind seine -besten Arbeiten der Verherrlichung der Jungfrau Maria gewidmet, -besonders ein Holzschnitt von ungewöhnlicher Grösse: „Die Kirche -der schönen Maria zu Regensburg“. Als diese Stadt 1542 das -Augsburger Bekenntnis annahm, widmete Ostendorfer seine Kunst -mit Eifer der Reformation. Seine bedeutendste Komposition ist ein -umfangreicher Holzschnitt „Die Kreuzabnahme“ (1548). -</p> - -<p> -Aus der grossen Zahl von Zeichnern für Formenschnitt von -der Mitte des <span class='smcap'>xvi.</span> Jahrhunderts ab sind nur wenige nennenswert, -unter diesen besonders: Virgilius Solis, Jost Amann, Peter Flötner -und Melchior Lorch. -</p> - -<div class="sidenote">Virgil Solis.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Virgil Solis</span>, geboren 1514 zu Nürnberg, hat für die Typographie -eine besondere Bedeutung, weil er eine grosse Zahl der -<span class='pagenum'><a id='Page_118' name='Page_118' href='#Page_118'>[118]</a></span> -schönsten Zierstöcke für Bücherornamentierung erfand. Von ihm -sind 600 Kupferstiche bekannt und die Zahl seiner Holzschnitte -ist ebenfalls gross, als: 100 biblische Figuren zum Alten Testament; -116 zum Neuen; 67 zur Geschichte der Bibel; 178 zu Ovids Metamorphosen; -194 zu Äsops Fabeln. Er starb um 1562. -</p> - -<div class="sidenote">Jost Amann.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Jost Amann</span><a name='FA_065' id='FA_065' href='#FN_065' class='fnanchor'>[5]</a> war einer der talentvollsten Holzzeichner seiner -Zeit und näherte sich mehr als Virgil Solis den alten Meistern. Seine -Figuren haben jedoch etwas theatralisches. Er war im J. 1539 in -Zürich geboren, zog 1560 nach Nürnberg und arbeitete vieles für -dortige, besonders jedoch für Frankfurter Buchhändler, namentlich -für Sig. Feyerabend. Wir haben von ihm Bibelillustrationen; <em class="kursiv">Icones -Livianæ</em>, Bilder aus der altrömischen Geschichte; Zeichnungen zu -Reineke Fuchs; das Stamm- und Wappenbuch; Kostümwerke von -Bedeutung. Bekannt ist das 1564 erschienene: „Hans Sachse, eigentliche -Beschreybung aller Stände auf Erden — aller Künste und -Handwerken“. Wir finden darin auch den Schriftgiesser, Drucker, -Briefmaler, Formenschneider, Buchbinder. Bei etwas grösserer -Aufmerksamkeit auf die Details seitens Amanns würden diese Abbildungen -von grösserem Werte für die ältere Geschichte der Buchdruckerkunst -sein. Der Text in Versen bietet keine besonderen -Anhaltepunkte. Amann starb 1591. -</p> - -<div class="sidenote">Peter Flötner.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Peter Flötner</span> aus Nürnberg, gestorben um 1546, war in -erster Reihe Bildhauer, doch auch als Zeichner besonders für den -Formenschnitt thätig. Unter den erhaltenen etwa 60 Holzschnitten -zeichnen sich besonders eine Reihe von Landsknechtsbildern vorteilhaft -aus. Von Wert für die Ornamentik ist noch heute seine -Sammlung von 24 Vorlegeblättern für Goldschmiede und sonstige -Metallarbeiter. -</p> - -<div class="sidenote">Melchior Lorch.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Melchior Lorch</span> aus Flensburg, geb. 1527, lieferte schon in -seinem 18. Jahre tüchtige Stiche. Zu Dürer muss er in persönlichen -Beziehungen gestanden haben, da er dessen Portrait 1550 -in Kupfer stach, ebenso 1548 das Bildnis Luthers. Lorch machte -grosse Reisen und besuchte zweimal, indem er kaiserliche Gesandtschaften -begleitete, Konstantinopel. Die reiche Ausbeute, die er -aus dem Orient mitbrachte, erschien 1570 in einem Buch, verlegt zu -<span class='pagenum'><a id='Page_119' name='Page_119' href='#Page_119'>[119]</a></span> -Hamburg. Später trat Lorch in den Dienst des Königs Friedrich <span class='smcap'>ii.</span> -von Dänemark. Eine, auf zwei Platten geschnittene figurenreiche -Darstellung der Sintflut ist die grösste der von ihm erhaltenen -Kompositionen. Er starb zu Rom 1585. -</p> - -<div class="sidenote">Jakob Binck.<br />H. Ladenspelder.</div> - -<p> -Geschickte Kupferstecher waren <span class='smcap'>Jakob Binck</span> und <span class='smcap'>Hans -Ladenspelder</span>. Der erstere, zu Anfang des <span class='smcap'>xvi.</span> Jahrh. geboren, -siedelte 1531 nach Kopenhagen über, wo er Hofmaler wurde, wir -haben ungefähr 150 Stiche von ihm. Von Ladenspelder (1511-1554) -sind etwa 50 Stiche auf uns gekommen; er neigt sich mehr -den Italienern zu. -</p> - -<div class="sidenote">H. Aldegrever.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Heinrich Aldegrever</span> ist der letzte der Künstler, die mehr -oder weniger unter den sich widerstrebenden Einflüssen der Gothik -und der Renaissance stehen. Er wurde 1502 entweder in Paderborn -oder in Soest geboren. Der Reformation sehr zugethan, stach er die -Portraits Luthers und Melanchthons und griff die Pfaffenwirtschaft -in mehreren Stichen an. Gegen 300 als echt anerkannte Stichblätter -sind von ihm vorhanden. In grösseren Bilderfolgen behandelte -er biblische Geschichten, z. B. die Adams und Evas, des barmherzigen -Samariters, des keuschen Joseph. Seine ornamentalen -Arbeiten gelten noch heute als nachahmenswerte Vorlagen, namentlich -diejenigen Blätter, in welchen er sich an das einfache Pflanzenornament -hält<a name='FA_066' id='FA_066' href='#FN_066' class='fnanchor'>[6]</a>. -</p> - -<div class="sidenote">Luc. Cranach.</div> - -<p> -Eine Sonderstellung behauptet <span class='smcap'>Lucas Cranach</span><a name='FA_067' id='FA_067' href='#FN_067' class='fnanchor'>[7]</a>, so genannt -nach seiner Vaterstadt Kronach in Oberfranken, wo er 1472 geboren -wurde. Im Jahre 1504 trat er in die Dienste des Kurfürsten Friedrich -des Weisen, bei dem, so wie auch bei den Kurfürsten Johann -dem Beständigen und Johann Friedrich dem Grossmütigen er in -grosser Gunst stand und zu denen er treu hielt. Nach Wittenberg -übergesiedelt, kaufte er 1520 dort eine Apotheke, trieb auch Buch- -und Papierhandel, beteiligte sich bei einer Buchdruckerei und -lieferte, unterstützt von zahlreichen Gehülfen, eine Unzahl von -Bildern, die zwar geschätzt wurden, aber doch keinen Vergleich mit -denen Dürers und Holbeins vertragen. Durch Zeichenfeder wie -durch Pinsel kann er als ein tüchtiger Mitarbeiter an dem Reformationswerk -<span class='pagenum'><a id='Page_120' name='Page_120' href='#Page_120'>[120]</a></span> -gelten, nicht nur, dass er die Bildnisse der Reformatoren -allgemein verbreitete, sondern er trug auch durch seine satirischen -Bilder dazu bei, einerseits das Papsttum blosszustellen, andererseits -die Religiosität zu fördern. Unter seinen Mitbürgern war er sehr -angesehen und er bekleidete das Amt eines Bürgermeisters. Mit dem -Kurfürsten Johann Friedrich ging er nach Weimar, wo er im Oktober -1553 starb. -</p> - -<p> -Von beglaubigten Kupferstichen Cranachs giebt es kaum ein -Dutzend; von Holzschnitten jedoch über 500, teils Einzel-Blätter, -teils Suiten. Unter letzteren erwähnen wir: „Die Leiden Christi“ -14 Blatt; die 1509 als <em class="kursiv">Passio Jesu Christi</em> erschienen, und später -vielfach benutzt wurden; „Christus und die Apostel“, 14 Blatt; „Die -Marter der Apostel“, 12 Blatt; „Passional Christi und Antichristi“, -26 Blatt, wovon 13 je eine Scene aus dem Leben Christi, diesen -gegenüber 13 je eine aus dem Leben eines Papstes vorstellen; „Das -Papsttum“, 10 Blatt, dann „Das Wittenberger Heiligtumsbuch“, -119 Blatt, mit Abbildungen und Beschreibungen kostbarer -Gefässe etc. -</p> - -<div class="sidenote">Hans Baldung.</div> - -<p> -In Strassburg lebte <span class='smcap'>Hans Baldung</span>, genannt <span class='smcap'>Grün</span>, wenige -Jahre nach Dürer (1475) in Schwäb. Gmünd geboren. 1509 liess er -sich in Strassburg nieder. Als Maler ist er namentlich durch sein -Altarbild in dem Freiburger Münster bekannt (1510-1526). Nach -seiner Rückkehr nach Strassburg widmete er sich besonders dem -Holzschnitt und lieferte auch schöne Blätter in <em class="kursiv">Clair-obscur</em>-Manier. -Grossartig sind seine Apostel-Figuren aus den Jahren 1518-19. -Man kennt etwa 150 Blätter von seiner Hand. Ein wahres Kleinod -für die deutsche Kunstgeschichte ist sein Skizzenbuch, welches in -Karlsruhe aufbewahrt wird. Er starb im Jahre 1545. -</p> - -<div class="sidenote">Urse Graf.<br />Tobias Stimmer.</div> - -<p> -Ein besonderer Glücksstern ruhte über Basel. Hier wirkte zuerst -<span class='smcap'>Urse Graf</span> (geb. 1470, gest. 1530), von dessen Zeichnungen manche -nicht hinter denen Dürers und Burgkmairs stehen (Leben Christi -in 24 Bl.); dann <span class='smcap'>Tobias Stimmer</span> (geb. zu Schaffhausen 1534), -dessen „Newe künstliche Figuren biblischer Historien“ (1576) Rubens -als eine Schatzkammer der Kunst bezeichnete. Stimmer starb um -das Jahr 1590. -</p> - -<p> -Basels grösster Stolz ist jedoch <span class='smcap'>Hans Holbein der jüngere</span> -dessen Vater Hans, ein Maler von Verdienst, aus Augsburg stammend, -<span class='pagenum'><a id='Page_121' name='Page_121' href='#Page_121'>[121]</a></span> -um das Jahr 1495, in welchem der Sohn geboren wurde, -nach Basel zog. -</p> - -<div class="sidenote">Hans Holbein d. j.</div> - -<p> -Die erste bedeutendere Holzschnitt-Arbeit Holbeins ist „Mucius -Scävola und Porsenna“. Das Werk des englischen Kanzlers -Thomas Morus, ‚<em class="kursiv">Utopia</em>ʻ, welches bei Joh. Froben in Basel erschien, -war Veranlassung für Holbein, mit Erasmus in Berührung zu -kommen, der ihn dem Kanzler empfahl, durch dessen Vermittelung -er als Hofmaler Heinrichs <span class='smcap'>viii.</span> in das Schloss Whitehall zog, wo er -seine unvergleichlichen Bildnisse malte und zeichnete und 1543 -starb. Basel besuchte er in den Jahren 1529 und 1539<a name='FA_068' id='FA_068' href='#FN_068' class='fnanchor'>[8]</a>. -</p> - -<p> -Holbein lieferte, abgesehen von seinen Alphabeten, über 300 -Zeichnungen für den Holzschnitt, darunter Randverzierungen, Titelblätter, -Buchdruckerzeichen u. dgl. Seine drei in der Geschichte -der Holzschneidekunst unübertroffen dastehenden Werke sind: „Das -lateinische Totentanzalphabet“, „Der Totentanz“ und „Die Bilder -zur Bibel“. -</p> - -<div class="sidenote">Das Totentanz-<br />Alphabet.</div> - -<p> -„Das Totentanzalphabet.“ Auf Blättern von nur 24 Millimeter -in Quadrat hat es Holbein verstanden in Verbindung mit Initialen -Gruppen zu komponieren, von welchen jede eine Scene darstellt, -wie der Tod den Menschen in jedem Alter und in jeder Lebensstellung -erfasst. Die Zartheit des Stiches, die Reinheit der Linien -veranlassten Kenner, hierin eher Hochschnitte in Kupfer als Holzschnitte -zu suchen. Die 24 Vignetten, auf ein Blatt gedruckt, sind -nur in ganz wenigen Exemplaren vorhanden; auf zwei davon wird -Hans Lützelburger als der Formschneider angegeben. Was aus -den Originalen geworden, weiss niemand, kopiert sind sie vielmals. -Loedel in Göttingen hat sie vortrefflich nach dem schönen Exemplar -in Dresden gestochen. -</p> - -<div class="sidenote">Der Totentanz.</div> - -<p> -„Der Totentanz.“ Noch berühmter ist der Totentanz, der in -dreizehn Ausgaben existiert. Früher hielt man dafür, dass die erste -gedruckte Ausgabe von den Originalstöcken, welche eine Höhe von -nur 6 ctm. 5 mm. und eine Breite von 5 ctm. haben, in Lyon -erschienen sei, neuere Untersuchungen haben jedoch ergeben, dass -wenigstens die zwei ersten Ausgaben aus Basel stammen und dass -wahrscheinlich erst die vierte aus der Offizin der Gebr. Trechsel in -<span class='pagenum'><a id='Page_122' name='Page_122' href='#Page_122'>[122]</a></span> -Lyon herrührte. Dass die Schnitte in Basel hergestellt wurden, -dürfte ebenfalls zweifellos sein; in Lyon waren damals keine, dieser -Aufgabe gewachsenen Holzschneider. Man schreibt sie dem, mit -dem Namen Holbein so eng verknüpften Formenschneider <span class='smcap'>Hans -Lützelburger</span>, genannt <span class='smcap'>Franck</span>, zu. Die <span class='smcap'>iv.</span> bis <span class='smcap'>xi.</span> Ausgabe -wurde in Lyon; die <span class='smcap'>xii.</span> in Basel; die <span class='smcap'>xiii.</span> wieder in Lyon gedruckt. -Die <span class='smcap'>viii.</span> Ausgabe und die folgenden haben statt 41 Blätter deren -53. In dem Hin- und Herwandern der Holzschnitte liegt nichts -befremdendes; ein solches fand öfters statt. -</p> - -<p> -Die Engländer haben behauptet, dass die Originale für die -Holzschnitte des Totentanzes Gemälde im Schlosse Whitehall, -welches 1697 in Flammen aufging, gewesen seien. Die mit der Feder -ausgeführten, und durch leichtes Aufsetzen von braunen Tinten -gehobenen Originalzeichnungen befinden sich jetzt, nach verschiedenen -Schicksalen, in dem kaiserlichen Kabinet in St. Petersburg. -Das Werk ist vielfach kopiert, in Holzschnitt hat man 48, in Kupferstich -43 Ausgaben. Die von dem bekannten englischen Kupferstecher -Hollar in London 1647 gelieferten Stiche sind nach den, -damals in Besitz des Lord Arundel befindlichen Originalen gemacht. -</p> - -<p> -Holbein erzielt in diesem Werke, dessen Gedankentiefe, Kraft -und Naivetät man nicht genug bewundern kann, mit den einfachsten -Mitteln die grösste Wirkung. Er schafft keine Schwierigkeit für den -Holzschneider, die Schatten deutet er nur schwach an. -</p> - -<div class="sidenote"><em class="kursiv">Icones veteris<br />testamenti.</em></div> - -<p> -Die <em class="kursiv">Icones Veteris Testamenti</em> halten sich in demselben einfachen -Stil. Der Ausdruck ist kräftig und naiv; eine Eigentümlichkeit -sind die etwas kurzen Figuren. Die erste Ausgabe erschien -1538 bei Trechsel in Lyon. Sie enthält 92 Blätter. Schon 1539 -folgte die zweite. Die dritte Ausgabe druckten die Gebr. Frellon, -welche überhaupt fünf Ausgaben lieferten, nachdem sie die Druckerei -von Trechsel erworben hatten. -</p> - -<p> -Wer die Platten geschnitten hat, ist unbekannt geblieben; dass -Hans Lützelburger allein eine so bedeutende Arbeit hätte ausführen -können, ist nicht anzunehmen. Angesehene Kenner haben vermutet, -dass die Schnitte in Paris besorgt sind. -</p> - -<p> -Im Jahre 1830 haben zwei geschickte englische Holzschneider, -John und Mary Blyfield, sowohl diese Zeichnungen, als auch den -Totentanz so getreu nachgebildet, dass sie kaum von den Originalen -<span class='pagenum'><a id='Page_123' name='Page_123' href='#Page_123'>[123]</a></span> -zu unterscheiden sind. In demselben Jahre, wo das Original Holbeins -in Lyon erschien, liess Pierre Regnault in Paris eine, jedoch -schwache Nachahmung erscheinen. -</p> - -<div class="sidenote">Höchste Stufe<br />d. Holzschnittes.</div> - -<p> -Mit den Arbeiten Holbeins hatte die Holzschneidekunst ihren -Höhepunkt erreicht. Trotz aller Fortschritte in der Technik, die heute -spielend alle Schwierigkeiten überwindet, giebt es nichts, was den, -mit so einfachen Mitteln und bei so kleinen Dimensionen erreichten -Effekt dieser Kunstwerke übertrifft. Die Vortrefflichkeit der Ausführung -hat Sachkundige veranlasst, in dem Holzschneider den -Künstler selbst erkennen zu wollen. Überhaupt ist die Frage öfters -aufgeworfen: „Waren in der ersten Periode des Holzschnittes Zeichner -und Holzschneider dieselbe Person?“, eine Frage, die unterschiedliche -Beantwortung gefunden hat. -</p> - -<div class="sidenote">Ueber die eigen-<br />händigen Holz-<br />schnitte.</div> - -<p> -Es mag wohl unzweifelhaft sein, dass die Künstler damaliger -Zeit, wo Kunst und Gewerbe einander weit näher standen, als heutzutage, -die Technik des Holzschnittes innegehabt und öfters selbst -die Xylographie geübt, namentlich die Teile eines Bildes geschnitten -haben, die besondere Sorgfalt erforderten. Ebenso unzweifelhaft ist -es aber wohl auch, dass dies eine Ausnahme war, und dass die -Zeichner sich in der Regel des Formenschneiders bedienten, um die -langwierige Arbeit des Schnittes auszuführen. -</p> - -<p> -Es bleibt so gut für diese Periode, wie für unsere Zeit anzunehmen, -dass zwei Künstler bei der Arbeit zusammenwirkten: der -eigentlich Erfindende, der die Komposition entwarf und aufs Holz -zeichnete (riss) — eine Arbeit, die aber in manchen Fällen auch von -einem zweiten Künstler besorgt wurde —, und der Holzschneider, -der selbst und durch seine Gehülfen den Schnitt ausführte. -</p> - -<p> -Das Monogramm Holbeins oder Dürers auf einem Holzschnitt -beweist ebensowenig, dass er den Schnitt ausgeführt hat, als heutzutage -das Horace Vernets oder Adolph Menzels uns glauben lässt, -dass diese in Holz geschnitten haben. Dass der Holzschneider nicht -seinen Namen beigefügt hat, liegt einfach darin, dass er damals -noch nicht den Anspruch machte, als selbständiger Künstler zu -gelten. Die Aufgabe des Holzschneiders war nur, die Zeichnung -auf das genaueste wiederzugeben; je sklavischer er hierin arbeitete, -je weniger er Anspruch auf Selbständigkeit machte, ein um so -besserer Holzschneider war er. Abgesehen von den eigenen Äusserungen -<span class='pagenum'><a id='Page_124' name='Page_124' href='#Page_124'>[124]</a></span> -Dürers, woraus hervorgeht, dass er sich wenigstens hauptsächlich -nur mit der Zeichnung beschäftigt hat, beweist die grosse -Zahl von Holzschnitten von ihm, sowie die Verschiedenheit in der -Ausführung, dass sie nicht Arbeiten eines einzigen Mannes sein -können; und so wird es wohl auch mit den Arbeiten mancher -anderer Künstler der Fall sein. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Die Drucker-<br />zeichen.</div> - -<p> -Über eine besondere Art der Illustration, welche sowohl in -Deutschland, wie in anderen Ländern allgemein üblich wurde, die -„<span class='smcap'>Druckerzeichen</span>“<a name='FA_069' id='FA_069' href='#FN_069' class='fnanchor'>[9]</a> mögen hier einige Worte Platz finden. -</p> - -<p> -Schon in der frühesten Periode machten die Buchdrucker -Gebrauch von Wappenschildern, Sinnbildern und Wahlsprüchen, die -so zu sagen die Stelle eines Fabrikzeichens einnahmen und sowohl -ein Ursprungs-Zeugnis als auch ein Eigentumszeichen bildeten. -Bereits Fust und Schöffer bedienten sich eines solchen; dass jedoch -der zweite Zweck des Druckerzeichens nicht immer erfüllt wurde, -beweisen schon die Klagen des Aldus, dass die Nachdrucker in Lyon -nicht allein seine Bücher nachdruckten, sondern auch sein Zeichen, -den weltberühmten Anker von einem Delphin umschlungen, nachmachten, -so dass jedermann glauben müsse, er sende solche fehlerhafte -Drucke in die Welt. -</p> - -<p> -Mit dem zunehmenden Geschmack an Verzierungen wurde -immer mehr Phantasie und Geschick auf Erfindung und Ausführung -der Druckerzeichen verwendet. Die Familie der Elzevire wählte -den vieltragenden Ölbaum, welchen die griechische Mythe als das -segensreiche Geschenk der weisen Göttin Minerva an die Menschheit -bezeichnete. Die Stephane nahmen ebenfalls einen Baum, -welchem der fromme und gelehrte Heinrich Stephanus eine Apostelfigur -beigab, die mit einem Fingerzeig auf die herabgefallenen -gebrochenen Zweige und auf den Ausspruch des Apostel Paulus: -<em class="kursiv">Noli altum sapere, sed time</em> (Strebe nicht zu hoch, sondern sei -besorgt) warnend hinweist. -</p> - -<div class="sidenote">Die Drucker-<br />zeichen.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_125' name='Page_125' href='#Page_125'>[125]</a></span> -Plantin kennzeichnete den Geist, der seine Arbeiten leitete, -durch eine Hand und einen Zirkel mit dem Motto <em class="kursiv">Labore et constantia</em> -(durch Arbeit und Beständigkeit). Froben führte einen, -von Schlangen umwundenen Stab, auf welchem eine Taube sitzt, -was Erasmus zu dem Ausspruch veranlasste, dass der gelehrte -Drucker in Wahrheit die Schlangenklugheit mit der Taubeneinfalt -vereinige. Die Familie Marnef wählte den Pelikan, wie er sich die -Brust zerfleischt, um seine Jungen zu nähren. -</p> - -<p> -Künstlerisch ist das Zeichen des Oporin: der auf dem schwimmenden -Delphin sich wiegende Arion, der von den Winden -getragen zu werden scheint, ebenfalls bemerkenswert der Saturn -des Colinäus, sowie das schöne Sinnbild der Gioleti mit dem grossen, -keck in die Sonne schauenden Adler und dem Motto <em class="kursiv">semper -eadem</em>. Voller Kraft und Grazie ist auch der Greif der Familie -Gryphius und der prächtige Pegasus, auf dem die Wechel ihrem -Ruhme entgegeneilten. Würdig obigen beigesellt zu werden ist das -merkwürdige Symbol des Hieron. Scott: eine weibliche Figur auf -einer Erdkugel, welche dem leisesten Druck der Zügel zu gehorchen -scheint, die sie in ihrer Hand hält. Prosaischer war die Herleitung -des Druckerzeichens von dem Zeichen des Wohnhauses wo -gedruckt wurde. -</p> - -<p> -Manchmal hatten die Insignia eine bedeutende Grösse. Riesenhaft -ist der wilde Löwe des Mylius von Strassburg, ebenso wie die -drei reissenden Bestien Brylingers, während Couteaus kolossaler -Löwe friedlich auf einem Schild von Blumen ruht. -</p> - -<p> -Besonders beliebt waren die rebus-ähnlichen Wortspiele. Das -Wappen Baumanns in Breslau zeigt ein unfertiges Haus mit dem -Baumeister davor. Apiarius (Bienenzüchter) in Ingolstadt sendet -einen Bären baumaufwärts trotz des diesen umgebenden Bienenschwarmes. -Froschauer in Zürich mag für seinen schlechten Rebus -einige Entschuldigung in dem Humor finden, mit welchem sein -Junge den riesenhaften Frosch reitet oder letzterer auf den Baum -klettert. Für Granjon lag das Wortspiel fertig in der grossen Binse -(<em class="kursiv">grand jonc</em>). Das Schiff (Galliote) des Galliot du Pré fährt unter -vollen Segeln dahin. Der wuchtige Elephant Regnaults gewinnt -sehr in den Händen seiner Witwe durch den pikanten Zusatz, dass -sie das Elephantentum fortsetzen werde: <em class="kursiv">Sicut Elephas sto!</em> -</p> - -<div class="sidenote">Die Drucker-<br />zeichen.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_126' name='Page_126' href='#Page_126'>[126]</a></span> -Namentlich die englischen Buchdrucker gefielen sich in den, -oftmals bis an die Grenze des Erlaubten getriebenen Wortspielen. -William Middleton stellte sein W. M. mitten auf eine Tonne. -William Griffith sendet uns einen Greif mit einer Bartnelke (<em class="kursiv">Sweet -William</em>) in dem Schnabel. Thomas Woodcock (Holzhahn) setzte -einen Hahn auf einen Scheiterhaufen mit der Umschrift <em class="kursiv">Cantabo -Jehovae, quia beneficit</em> (ich will dem gnadenreichen Gott lobsingen). -Thomas Pavier führte als Zeichen einen arbeitenden Pflastersetzer -(<em class="kursiv">pavier</em>) mit dem Motto: <em class="kursiv">Thou shalt labour, till thou return to dust</em> -(du sollst arbeiten, bis du wieder zu Staube wirst). Reynard Wolf -lässt seine Namensvettern, Fuchs und Wolf, Schildhalterdienste bei -ihm verrichten. Das Zeichen John Days (Tag) zeigt eine von der -aufgehenden Sonne beleuchtete Landschaft; im Vordergrunde ein -Schlafender, den ein Engel weckt, mit dem Ausspruch: <em class="kursiv">Arise! for -it is Day</em> (Steh auf, denn der Tag ist da). -</p> - -<p> -Gewisse einfache und sehr leicht verständliche Embleme scheinen -als ein Gemeingut der Drucker aller Länder gegolten zu haben, -so gebrauchten Oeglin, Notary, Martens, Thanner und Weissemburger -die Erdkugel; die Druckerpresse wurde benutzt von Ascensius, -Vascosan, Roigny, Schilders, de Preux, Hanns Lufft u. s. w., -Kreuz, Stern und Anker wurden in allen erdenklichen Zusammenstellungen -verwendet, die Zeit zeigt sich in allerlei Gestalten, die -Schlange windet sich durch eine Menge von Druckerzeichen, ja -selbst in der Benutzung der Kohlköpfe findet Rivalität statt. Die -oft vorkommende Axt, welche einen Holzblock spaltet, erhielt eine -schreckliche Vorbedeutung in dem Zeichen des grausam hingeopferten -Etienne Dolets. -</p> - -<p> -Als nach und nach die Buchdrucker aufhörten, zugleich die -tonangebenden Verleger zu sein, und Lohndrucker der Buchhändler -wurden, mussten sie den Verlegern den Platz räumen und bescheiden -in den Hintergrund treten. Die Verleger nahmen nun ihrerseits -vielfach Embleme an, in der Regel jedoch allgemeiner Natur, -z. B. eine brennende Lampe, ein aufgeschlagenes Buch, eine Presse -im Strahlenkranze, einen Greif oder einen Schild mit den Anfangsbuchstaben -der Firma u. s. w. -</p> - -<div class='footnotes' style="margin-bottom:6em;"> - -<div class='footnote' id='FN_061'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_061'>[1]</a></span> <span class='smcap'>R. von Rettberg</span>, Nürnbergs Kunstleben. Stuttgart 1854. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_062'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_062'>[2]</a></span> Vergl. S. 47. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_063'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_063'>[3]</a></span> <span class='smcap'>A. v. Eye</span>, Leben und Wirken Dürers. 2. Ausg. Nördlingen 1869. — -<span class='smcap'>M. Thausing</span>, Dürer, Geschichte seines Lebens und seiner Kunst. Leipzig 1876. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_064'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_064'>[4]</a></span> Diese Randzeichnungen sind von <span class='smcap'>N. Strixner</span> 1808 in Lithographie vorzüglich -nachgebildet und später auch anderweit reproduziert. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_065'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_065'>[5]</a></span> <span class='smcap'>C. Becker</span>, Jost Amann, Zeichner etc. Mit Zusätzen von R. Weigel. Leipzig -1854. Vergl. auch S. 77. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_066'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_066'>[6]</a></span> Sie sind in vortrefflichen Lichtdrucken reproduziert. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_067'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_067'>[7]</a></span> <span class='smcap'>Chr. Schuchardt</span>, Lucas Cranach des älteren Leben und Werke. 2 Bde. -Leipzig 1851. — <span class='smcap'>Jos. Heller</span>, Lucas Cranachs Leben und Werke. Nürnberg 1854. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_068'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_068'>[8]</a></span> <span class='smcap'>Alfr. Woltmann</span>, Hans Holbein und seine Zeit. 2. Aufl. Leipzig 1876. — -<span class='smcap'>Ambr. Firmin Didot</span>, <em class="kursiv">Essai sur l'histoire de la gravure sur bois</em>. Paris 1853. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_069'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_069'>[9]</a></span> <span class='smcap'>Frid. Roth-Scholtz</span>, <em class="kursiv">Insignia bibliopolarum et typographorum</em>. Nürnberg 1728. -— <span class='smcap'>C. L. Silvestre</span>, <em class="kursiv">Marques typographiques</em>. Paris 1853. <span class='smcap'>Reiffenberg</span>, <em class="kursiv">Marques -et devises</em>. Brüssel 1874. — <span class='smcap'>J. Ph. Berjeau</span>, <em class="kursiv">Early Dutch German and English -Printers Marks</em>. London 1866. — <span class='smcap'>Jessie E. Ringwalt</span> in dem Amerikanischen -<em class="kursiv">Printers Circular</em>. 1873. -</div> -</div> - -<div class="chapter"> -<div class="center clrboth pgbreak"> - <img src="images/pg_127_deco.jpg" - alt="Kapitel-Anfang" /> -</div> - -<h2 class="nobreak" id="h2_22"> -VII. KAPITEL. -<span class="seitnum">[<a href="#toc_22">←</a>]</span> -</h2> -</div> - -<p> -DIE TYPOGRAPHIE IN DEUTSCHLAND UND IN DEN SKANDINAVISCHEN LÄNDERN. -</p> - -<div class="blockquote"> -<p> -<span class="smcap">Nürnberg</span>: Der Theuerdank. Die deutschen -Schriften. <span class="smcap">Augsburg</span>: Hans Schönsperger -d. ä. <span class="smcap">Frankfurt am Main</span>: Chr. Egenolff, -Sigism. Feyerabend, die Merians. <span class="smcap">Mainz</span>: -Die Nachfolger Schöffers. <span class="smcap">Tübingen</span>: -Der slawische Druck. Cotta. <span class="smcap">Strassburg</span>: -Illustrierter Druck. <span class="smcap">Basel</span>: Joh. Froben, -die Familie Petri, Joh. Oporinus. <span class="smcap">Zürich</span>: -Chr. Froschauer. <span class="smcap">St. Gallen</span>: Leon. -Straub. <span class="smcap">Wien</span>: Johan Sigriener, Hans -Kohl, Joh. v. Gehlen. <span class="smcap">Leipzig</span>: -Melch. Lotter, Valentin Bapst. Gute und schwere Zeiten. -<span class="smcap">Wittenberg.</span> <span class="smcap">Der -Norden.</span> <span class="smcap">Berlin.</span> -</p> - -<p> -DIE SKANDINAVISCHEN LÄNDER. <span class="smcap">Dänemark</span>, -<span class="smcap">Norwegen</span> und -<span class="smcap">Island</span>, <span class="smcap">Schweden</span> -und <span class="smcap">Finnland</span>. -</p> -</div> - -<p class="hide_x_"> -<span class='pagenum'><a id='Page_127' name='Page_127' href='#Page_127'>[127]</a></span> -<img src="images/pg_127_cap.jpg" alt="D" width="50" class="cap0" /> -<span class="hide">D</span>ER Ruhm, die Arbeiten der in dem vorigen Kapitel erwähnten Künstler -durch den Druck verbreitet zu haben, gehört vor allen Nürnberg, dann -Augsburg, Frankfurt am Main, Strassburg, Basel; doch auch manche -Druckstädte des Auslandes, besonders Lyon, trugen dazu bei, den Ruhm -deutscher Künstler im Ausland weiter zu verbreiten. -</p> - -<div class="sidenote">Nürnberg. -<hr class="sidenote" /> -Der Theuerdank.</div> - -<p> -Dass NÜRNBERGS Pressen den grössten Anteil an den von Maximilian I. -veranlassten Werken haben mussten, geht als natürliche Folge aus -dem oben mitgeteilten hervor. Typographisch das interessanteste -Druckerzeugnis bleibt: „Die Geheuerlichkeiten und eins teils der -geschichten des löblichen streytparen und hochberühmten Helds und -Ritters Tewrdanckhs“. Der Text ist eine -<span class='pagenum'><a id='Page_128' name='Page_128' href='#Page_128'>[128]</a></span> -recht schale Poesie des -Probstes Melchior Pfinzing zu St. Sebald in Nürnberg, und, wie -alle durch Maximilian hervorgerufenen Werke, auf dessen alleinige -Verherrlichung abgesehen. Das Buch schildert allegorisch alle -die Abenteuer, die er zu bestehen hatte, bis er in den Besitz der -Herzogin Maria von Burgund gelangte, und ist hauptsächlich nur seiner -artistisch-typographischen Ausstattung wegen berühmt geworden. -</p> - -<p> -Aus der Korrespondenz des Kaisers mit seinem Sekretär Peutinger geht -hervor, wie lebhaft er sich für diese Arbeit interessierte. Er war -eifersüchtig, wenn er glaubte, ein Künstler stelle seine Aufträge -gegen die anderer zurück, und besuchte öfters das Holzschneide-Atelier -des Hieronymus Resch, um sich von dem Vorwärtsschreiten des Werkes -zu überzeugen. Aber das Bezahlen war, wie schon erwähnt wurde, nicht -seine starke Seite. Die Zeichnungen lieferten Schaeuffelein und andere -angesehene Künstler.<a name='FA_071' id='FA_071' href='#FN_071' class='fnanchor'>[1]</a> -</p> - -<div class="sidenote">Theuerdank-<br />Type.</div> - -<p> -Die „Theuerdanktype“ ist eine ganz eigentümliche und kann als ein -Wendepunkt in der deutschen Schriftschneiderei betrachtet werden, indem -von nun an die gothische Schrift verlassen und die jetzt gebräuchliche -Fraktur ausgebildet wurde. Die Zeichnung zu der Schrift besorgte der -Hofsekretär des Kaisers Maximilian, Vincenz Röckner, und soll er dazu -ein, von dem bekannten Schriftzeichner Joh. Neudörffer hinterlassenes -Manuskript benutzt haben. Wer die Stempel schnitt, lässt sich nicht -bestimmt nachweisen, wahrscheinlich war es Hieronymus Andrae, nach -damaliger Sitte Hieronymus „Formenschneider“ genannt. Es ist um so -eher anzunehmen, dass Andrae die Schrift schnitt, als er sie später -in verschiedenen Grössen ausführte und sie zugleich in der von ihm -eingerichteten Buchdruckerei benutzte, in welcher auch die Bücher -Dürers gedruckt wurden. -</p> - -<p> -Man hat lange darüber gestritten, ob nicht der Theuerdank von -Holztafeln gedruckt sei, jedoch einen unscheinbaren, aber sicheren -Gegenbeweis gefunden, indem in der ersten Ausgabe von 1517, unter -dem vierundachtzigsten Bilde, in der Unterschrift ein umgekehrtes i -vorkommt, ein Beleg, dass auch ein Satzfehler von Wert sein kann. -Die verschiedenen Formen der Versalbuchstaben, sowie die in Holz -geschnittenen angesetzten Züge und vielen Zieraten -<span class='pagenum'><a id='Page_129' name='Page_129' href='#Page_129'>[129]</a></span> -konnten freilich -leicht zu der Annahme führen, dass auch die eigentümliche Schrift -Holzschnitt sei. Diese Annahme konnte noch durch die Menge der -verschiedenartigsten Ligaturen bestätigt werden; mit solchen war -man jedoch damals äusserst freigebig. Die Theuerdankstype, ohne die -Zieraten, behielt bis in das <span class='smcap'>xvii.</span> Jahrhundert ihre Geltung, sowohl -in Deutschland, wie in Holland, und alle andere deutsche Schriften -bildeten sich nach derselben. -</p> - -<div class="sidenote">Die Koberger.</div> - -<p> -Antonius Kobergers Wirksamkeit lernten wir schon früher kennen. Die -Bedeutung des Geschäftes hörte mit seinem Tode (1513) nicht auf. -Der Sohn <span class='smcap'>Ant. Koberger</span> war damals minderjährig. Der eigentliche Chef -des Hauses scheint <span class='smcap'>Johannes Koberger</span>, entweder ein Sohn des älteren -Antonius aus erster Ehe oder ein Neffe desselben, gewesen zu sein; -das Verhältnis ist jedoch nicht ganz klar. Johannes war ein Mann von -grosser Thatkraft und das Geschäft befand sich 1532 in einem blühenden -Zustand; seit dieser Zeit hört man jedoch von demselben nichts mehr. -Antonius starb im J. 1540; Johannes 1543. -</p> - -<p> -Durch die grosse Korrektheit seiner Ausgaben zeichnete sich <span class='smcap'>Johann -Petreijus</span> aus. Das bis in die neueste Zeit bestehende <span class='smcap'>Endter</span>sche -Geschäft wurde 1604 gegründet. Aus diesem stammt auch das erste -deutsche typographische Handbuch (1721). -</p> - -<div class="sidenote">Schriftgiesserei<br />in Nürnberg.</div> - -<p> -Eine grosse Bedeutung hat Nürnberg für die Schriftgiesserei. Unter den -Schreibmeistern (Modisten), welche die deutsche, besonders die Kanzlei- -und die Fraktur-Schrift, zu Ehren brachten, war <span class='smcap'>Paul Fischer</span> bedeutend. -Sein Schüler <span class='smcap'>Johann Neudörffer d. ä.</span> war der erste, der die deutsche -Schrift in die später allgemeine Form brachte. In den Jahren 1538, 1544 -und 1549 gab er seine Anweisungen heraus. Neudörffer starb 1581. Einen -guten Ruf erwarb sich <span class='smcap'>Pancratius Lobinger</span>, dessen Schriften noch um die -Mitte des <span class='smcap'>xviii.</span> Jahrhunderts beliebt waren<a name='FA_072' id='FA_072' href='#FN_072' class='fnanchor'>[2]</a>. -</p> - -<div class="sidenote">Augsburg.<br />Hans Schöns-<br />perger d. ä.</div> - -<p> -AUGSBURG zählte den Drucker des Theuerdanks zu seinen Bürgern. Es -war <span class='smcap'>Hans Schönsperger der ältere</span>, der von 1481 bis 1523 eine Reihe -ausgezeichneter Druckwerke lieferte. Er stellte jedoch die erste -Auflage nicht in Augsburg her, sondern wurde nach Nürnberg berufen, um -das Werk dort unter den Augen des Verfassers auszuführen. Die zweite -Auflage schreibt sich jedoch -<span class='pagenum'><a id='Page_130' name='Page_130' href='#Page_130'>[130]</a></span> -aus Augsburg. Von Schönspergers sonstigen -Druckwerken war das <em class="kursiv">Regimen sanitatis</em> das erste, das „Neue Testament“ -das letzte. Von seinem gerühmten Verfahren, Gold- und Silberdruck -auszuführen, wissen wir nichts näheres. -</p> - -<div class="sidenote">Andere Augs-<br />burger Drucker.</div> - -<p> -Von bedeutenden Augsburger Druckern sind noch zu nennen: <span class='smcap'>Erhard -Oeglin</span> (<em class="kursiv">Ocellus</em>), der zuerst in Deutschland hebräische, und -<span class='smcap'>Hans Müller</span>, welcher zuerst griechische Bücher lieferte. <span class='smcap'>Hans -Froschauer</span> brachte ein Werk mit musikalischen Noten, die jedoch -nicht Typen, sondern Holzschnitte sind: <em class="kursiv">Lilium musicae planae</em>. Auch -Privatpersonen übten die Kunst, z. B. der gelehrte Arzt <span class='smcap'>Sigmund Grimm</span> -und der reiche Kaufmann <span class='smcap'>Marx Würsing</span>; ja man lernt selbst eine Art -Aktien-Buchdruckerei kennen, die, nach ihrem Signet sogenannte: <em class="kursiv">Ad -insigne Pinus</em>, mit welcher eine Schriftgiesserei verbunden war. Aus -dieser Offizin ging eine Reihe von guten Ausgaben der römischen und -griechischen Klassiker hervor. Als Schriftgiesser war <span class='smcap'>Johann Rainmann</span> -berühmt, man hat sogar behauptet, dass Aldus Manutius seine ersten -Typen von ihm bezogen habe. -</p> - -<p> -Für den Buchhandel behielt Augsburg lange seine Bedeutung. Hier -erschien auch 1564 der erste Messkatalog. -</p> - -<div class="sidenote">Frankfurt a. M. -<hr class="sidenote" /> -Chr. Egenolff.</div> - -<p> -FRANKFURT A. M., die bedeutende Handels- und Kulturstadt, bekam, -wenn man von einem zweifelhaften Hanns Petersheim absieht, erst -1531 eine Buchdruckerei durch <span class='smcap'>Christian Egenolff</span><a name='FA_073' id='FA_073' href='#FN_073' class='fnanchor'>[3]</a> aus Hadamar im -Westerwalde (geb. am 26. Juli 1502). Er war ein feingebildeter Mann, -der in lebhafter Korrespondenz mit Melanchthon und anderen Gelehrten -stand. Seine Drucke (1531 bis 1555), namentlich die lateinischen -Ausgaben und seine deutsche Bibel, sind sehr sorgfältig ausgeführt. -Auch seine Schriftgiesserei war berühmt, und er lieferte Schriften -für einen grossen Teil der deutschen Offizinen, wie überhaupt die -Schriftgiesserei und die Stempelschneiderei damals und bis auf den -heutigen Tag in Frankfurt blühten. Von seinem Schwiegersohne <span class='smcap'>Sabon</span> -stammt der, dessen Namen tragende Schriftkegel. -</p> - -<div class="sidenote">Sigism. Feyer-<br />abend.</div> - -<p> -Als berühmter Buchdrucker, Holzschneider und Buchhändler glänzt -<span class='smcap'>Sigismund Feyerabend</span> (geb. um 1527; gest. um 1590). -<span class='pagenum'><a id='Page_131' name='Page_131' href='#Page_131'>[131]</a></span> -Er entwickelte -eine grossartige Thätigkeit, besonders in der Herausgabe illustrierter -Werke, wobei er namentlich von den Künstlern Virgil Solis und Jost -Amann unterstützt wurde. Manche seiner grossen Verlagsunternehmungen -setzte er in Gemeinschaft mit Simon Hütter, Johann Feyerabend, Weigand -Hahn und Georg Rabe ins Werk. Die Holzschnitte fertigte er zum Teil -selbst. Als Korrektor und litterarischer Berater stand ihm Franz Modius -zur Seite, wofür dieser einen Jahresgehalt von 200 Kronenthalern bezog. -Feyerabend und seine gleichnamigen Verwandten druckten wenigstens -sieben Ausgaben der Bibel und fünf der biblischen Bilder in Folio, neun -Ausgaben der Bibel in kleinerem Format; eine Passion; Cäsar, Livius, -Josephus, Plutarch, alle in Folio; Werke über Krieg, Sport, Ackerbau; -Chroniken; Kochbücher, sämtlich mit zahlreichen Holzschnitten. -</p> - -<div class="sidenote">Die Merian.</div> - -<p> -Eine grosse Einwirkung auf die Frankfurter Bücherproduktion übten die -Merian, Vater und Sohn. <span class='smcap'>Matthias Merian</span> der Vater (geb. 1593 zu Basel, -gest. 1651 zu Schwalbach), genoss schon im 20. Jahr den Ruf eines -tüchtigen Kupferstechers. Er wirkte einige Zeit in Frankfurt bei seinem -Schwiegervater, dem Kupferstecher und Buchhändler Theod. de Bry, und -ging dann nach Basel, wo er zuerst einzelne Stadtpläne herausgab. Auf -den Wunsch de Brys kehrte er 1623 nach Frankfurt zurück, wo er sich -als Künstler und Buchhändler den besten Ruf erwarb und eine ganz enorme -Thätigkeit entwickelte. Sein Sohn <span class='smcap'>Matthias Merian d. j.</span> (geb. 1621 zu -Basel, gest. 1687) war fast noch berühmter als sein Vater und setzte -die Unternehmungen desselben fort, wobei sein Schwager Thomas Götz und -sein Bruder Kaspar ihn unterstützten<a name='FA_074' id='FA_074' href='#FN_074' class='fnanchor'>[4]</a>. -</p> - -<div class="sidenote">And. Wechel.</div> - -<p> -Einen ausserordentlichen Ruf erwarb sich <span class='smcap'>Andreas Wechel</span>, Sohn des -berühmten Pariser Buchdruckers Christ. Wechel. Wie der Vater zeichnete -sich auch der Sohn durch die Sorgfalt für die Korrektheit seiner -Druckwerke aus. Die Druckerei wurde nach Wechels Tod unter Beibehaltung -der Firma von Wechels Schwiegersöhnen Claude Morny und Jean Aubry im -gleichen Geiste fortgesetzt. -</p> - -<div class="sidenote">Joh. Andreae.</div> - -<p> -Die von <span class='smcap'>Johann Andreae</span> 1667 gegründete Buchdruckerei und -Schriftgiesserei nimmt bis auf die neueste Zeit eine höchst ehrenvolle -Stelle ein. -</p> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_132' name='Page_132' href='#Page_132'>[132]</a></span> -Weder Mainz, noch Köln, die in der ersten Zeit eine so hervorragende -Rolle spielten, behaupteten in dieser späteren Periode ihren früheren -Rang. -</p> - -<div class="sidenote">Mainz. -<hr class="sidenote" /> -Familie Schöffer.</div> - -<p> -In MAINZ ging, wie bereits erwähnt, die neue Gutenbergische -Buchdruckerei 1508 auf <span class='smcap'>Friedrich Hewmann</span> aus Nürnberg über. Schöffer -hatte zwei Söhne, Johann und Peter. <span class='smcap'>Peter Schöffer der jüngere</span><a name='FA_075' id='FA_075' href='#FN_075' class='fnanchor'>[5]</a> -druckte von 1513-1520 nur vier kleinere Schriften, sodass fast -anzunehmen ist, er habe in Mainz keine Druckerei selbst besessen und -die wenigen Schriften in der Offizin seines Bruders gedruckt. Seine -Verhältnisse scheinen nicht gut gewesen zu sein. 1518 soll er nach -Worms gezogen sein, wahrscheinlich ist es jedoch erst im Jahre 1528 -gewesen. Dort druckte er bis 1529, dann in Strassburg, schliesslich von -1541-1542 in Venedig. Sein Todesjahr ist nicht bekannt, mutmaasslich -liegt es nicht weit von 1542 ab. Sein Sohn <span class='smcap'>Ivo</span> blieb bei dem Onkel -Johann in Mainz. -</p> - -<p> -<span class='smcap'>Johann Schöffer</span>, der ältere Sohn Peters, ward einer der angesehensten -Bürger von Mainz und hat während seines Wirkens (1502-1531) eine Menge -tüchtiger Werke gedruckt, unter anderen eine Übersetzung des Livius -mit Holzschnitten. In der Dedikation zu diesem Werk giebt er unumwunden -Gutenberg die Ehre der Erfindung, während er bei anderen Gelegenheiten -diese seinem Grossvater Fust zu vindizieren versucht hatte. In den -Jahren 1519-1523 erschienen bei ihm mehrere Werke von Ulrich von Hutten -und Erasmus. Er starb 1531 und hinterliess vier Töchter. In der Leitung -des Geschäfts folgte ihm sein Neffe <span class='smcap'>Ivo</span>, der im Jahre 1552 kinderlos -starb, gerade ein Jahrhundert, nachdem sein Grossvater mit Hand an -das grosse Werk gelegt hatte. Die Druckerei ging in den Besitz von -<span class='smcap'>Balthasar Lips</span> über, und wurde aus dem Hofe „Zum Humbrecht“ verlegt. -</p> - -<p> -<span class='smcap'>Johann Schöffer ii</span>, der Sohn des obengenannten, etablierte sich -später in Herzogenbusch, wo seine Nachkommen das Geschäft bis 1796 -fortführten, zu welcher Zeit die Familie mit einem <span class='smcap'>Jakob Schöffer</span> -ausstarb. -</p> - -<div class="sidenote">Tübingen. -<hr class="sidenote" /> -Slawischer<br />Druck.</div> - -<p> -Einen guten Namen hat sich TÜBINGEN, seit 1477 Universitätstadt, -erworben. Eingeführt wurde die Kunst durch <span class='smcap'>Johannes Ottmar</span> 1498. Eine -interessante Episode bildet um die Mitte des -<span class='pagenum'><a id='Page_133' name='Page_133' href='#Page_133'>[133]</a></span> -<span class='smcap'>xvi.</span> Jahrh. der slawische -Bücherdruck in Tübingen und Urach<a name='FA_076' id='FA_076' href='#FN_076' class='fnanchor'>[6]</a>. Der Primus Truber, 1531 Domherr -in Laibach, war der Lehre Luthers ergeben. Um drohenden Verfolgungen -zu entgehen, griff er zur Flucht und erhielt eine Predigerstelle in -Rotenburg a. d. Tauber, später in Kempten. Sein sehnlichster Wunsch -war, seinen wendischen Landsleuten die Bibel in ihrer Sprache schaffen -zu können. Nach vielen Schwierigkeiten brachte er einen Katechismus -zustande, stiess aber auf Zensurhindernisse in Neuenburg und Schwäb. -Hall und musste den Druck (1550) heimlich in Tübingen veranstalten. Auf -Veranlassung des Bischofs Paulus Vergerius, welcher, der Religion wegen -geflüchtet, sich in Graubündten aufhielt, übersetzte er das Evangelium -Matthäi. Den Druck übernahm die <span class='smcap'>Morhard</span>sche Buchdruckerei in Tübingen -auf Kosten des Herzogs Christoph von Württemberg. Später wurde jedoch -eine Presse nach Reutlingen verlegt. Das erste Evangelium in wendischer -Sprache erschien 1555; im Herbst 1557 war der ganze erste Teil des -Neuen Testaments vollendet, 1560 der zweite. -</p> - -<p> -Ein Hauptförderer des slawischen Drucks war Hans Ungnad, Freiherr von -Sonnegg. Er schickte den Priester Stephan Consul, der schon Truber -behülflich gewesen war, im Jahre 1560 nach Nürnberg, um bei dem -Stempelschneider Joh. Hartwach und bei dem Schriftgiesser Simon Auer -glagolitische Schriften (vgl. S. 76) nach seiner Anweisung fertigen -zu lassen. Später liess er die beiden Genannten nach Urach, wo Truber -Pastor geworden war, kommen (1561), um unter dessen und des nach Urach -berufenen Anton Dolmatas Aufsicht cyrillische Schriften zu schneiden, -überhaupt eine Druckerei einzurichten, die unter Steph. Consuls Leitung -stehen sollte. Auch andere Gelehrte aus Serbien und Bosnien wurden -berufen. Waren Typen für die slawischen Sprachen nicht in genügender -Menge vorhanden, so wurde auch in italienischer Sprache gedruckt. -Nach Ungnads Tod (1564) geriet die Druckerei ins Stocken, die Typen -wanderten, nach der Schlacht bei Nördlingen von den Kaiserlichen -gefunden, als Geschenk Kaiser Ferdinands <span class='smcap'>iii.</span> nach Rom in die Druckerei -der Propaganda. Tübingen brachte auch -<span class='pagenum'><a id='Page_134' name='Page_134' href='#Page_134'>[134]</a></span> -1522 den ersten hebräischen -Druck, die durch Reuchlin herausgegebenen Buss-Psalmen. -</p> - -<div class="sidenote">Familie Cotta.</div> - -<p> -Hier stand auch die geschäftliche Wiege des weltberühmten Cottaschen -Etablissements. Die Familie <span class='smcap'>Cotta</span> war eine der ältesten und reichsten -Adelsfamilien der Lombardei und behauptet, ihre Ahnen bis in die -römische Konsularzeit verfolgen zu können. Durch ihre Parteinahme -gegen Franz Sforza ging sie ihrer Güter verlustig und wanderte nach -Deutschland aus. Bonaventura Cotta, der Stammvater des im Buchhandel -und Buchdruck berühmten Zweiges der Familie, liess sich in Sachsen -nieder. Durch die Verhältnisse darauf angewiesen lernte <span class='smcap'>Joh. Georg -Cotta</span> den Buchhandel bei Zimmermann in Wittenberg, ging 1640 nach -Tübingen und erwarb durch Heirat das frühere Brunnsche Geschäft. Der -Glanz des Hauses gehört der nächsten Periode. -</p> - -<div class="sidenote">Heidelberg.</div> - -<p> -Nach HEIDELBERG, das durch seine Bibliothek in Ruf stand, war der -berühmte <span class='smcap'>Hieronymus Commelinus</span> (1587-1597) gekommen. Seine Ausgaben -griechischer und römischer Schriftsteller, unter welchen Athanasius -und Chrysostomus besonders geschätzt werden, sind so angesehen wie die -Drucke der Stephane und der Aldi. Die Offizin wurde nach Commelinus' -Tod von <span class='smcap'>Judas Bonnutius</span> fortgesetzt. In Heidelberg druckte auch <span class='smcap'>Ernst -Vögelin</span>, der Leipzig auf Grund seiner krypto-calvinistischen Schriften -hatte verlassen müssen. Das Vorzüglichste in Bezug auf typographische -Ausstattung dürften wohl die römischen Geschichtschreiber von <span class='smcap'>Haurisius</span> -sein. -</p> - -<div class="sidenote">Strassburg.</div> - -<p> -STRASSBURG zeichnet sich in zweifacher Beziehung aus, erstens durch -eine grosse Zahl von bedeutenden illustrierten Werken, dann durch -die lebhafte Beteiligung der Humanisten bei seiner litterarischen -Produktion. Die Stadt hatte seit 1459 ihre Universität und das -benachbarte Schlettstadt war der Sitz einer gelehrten Schule, wo der -Humanismus besondere Pflege fand. Namentlich waren es Jakob Wimpfeling, -Johann Geiler von Kaisersberg und vor allen Sebastian Brant, welche -zum Schluss des <span class='smcap'>xv.</span> und zum Beginn des <span class='smcap'>xvi.</span> Jahrhunderts einen grossen -Einfluss übten. -</p> - -<div class="sidenote">Joh. Grüninger.</div> - -<p> -Was die bildende Kunst betrifft, so besass Strassburg schon im <span class='smcap'>xv.</span> -Jahrh. nicht allein den bedeutendsten Kupferstecher <span class='smcap'>Martin Schongauer</span>, -sondern war auch im Holzschnitt sehr produktiv. -<span class='pagenum'><a id='Page_135' name='Page_135' href='#Page_135'>[135]</a></span> -Kein deutsches Buch -damaliger Zeit hatte einen so durchgreifenden Erfolg gehabt wie Seb. -Brants zuerst in Basel (vergl. S. 44) erschienenes „Narrenschiff“, -zu welchem er, nach Behauptung Einiger, selbst Zeichnungen, sogar -Holzschnitte geliefert haben soll. Wenn dies auch nicht der Fall -gewesen wäre, so beweist wenigstens dieses Werk und die Beteiligung -Brants bei verschiedenen der bedeutenden Unternehmungen des <span class='smcap'>Johann -Reinhard</span>, genannt <span class='smcap'>Grüninger</span> (1483-1528), welch grosses Gewicht dieser -merkwürdige Mann und Schriftsteller auf die Verbindung von Text und -Illustration legte. -</p> - -<p> -Die Hauptwerke Grüningers sind der „Horaz“ in 4°, aus d. J. 1489; der -„Terenz“ in Folio, von 1496; besonders aber der „Virgil“ in Folio, -von 1492, mit über 200 „sorgfältig ausgeführten, durch Seb. Brant -beigefügten Figuren und Bildern“, von welchen etwa 40 die Grösse von -zweidrittel, 170 von einer halben Folioseite haben. Einen sonderbaren -Eindruck machen die Helden und Götter in dem Kostüm des <span class='smcap'>xvi.</span> Jahrh. -Eine in Lyon gedruckte Ausgabe bringt, ohne Wissen Seb. Brants, ausser -den Holzschnitten der Strassburger eine Anzahl von weniger zarter -Natur, die er in der letzteren unterdrückt hatte. Es ist dieses Buch -nächst dem Theuerdank eins der interessantesten illustrierten Werke -des <span class='smcap'>xvi.</span> Jahrh. Kunstkenner haben behauptet, die Schnitte seien -Metallhochschnitte, sie sind aber die Beweise dafür schuldig geblieben. -</p> - -<p> -Ein merkwürdiges Buch ist die von Grüninger gedruckte <em class="kursiv">Logica -memorativa</em>, ein Lehrbuch der Logik des Thomas Murner in Krakau in -Form von Spielkarten. Die erste Auflage war in Krakau erschienen; -der Verfasser erlitt als Zauberer den Flammentod. Auch zwei -grosse illustrierte Ritterromane erschienen bei Grüninger, die -wahrhaftige Historie von Hug Schapler, einem Fleischersohn, der -die Krone Frankreichs errang (als Hugo Capet) und die Geschichte -einer französischen Königstochter, die nach vielem Unglück Königin -von England wurde. 1503 erschien bei ihm: <em class="kursiv">Hortulus animæ</em> mit 57 -Holzschnitten von Hans Springinklee und Erhard Schön. -</p> - -<div class="sidenote">Joh. Knoblauch.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Johann Knoblauch</span> brachte 1508 eine „Passion“ mit 25 Blatt von Urse -Graff, ferner Geiler von Kaisersbergs „Granatapfel“, von Hans Baldung -illustriert. -</p> - -<div class="sidenote">Bedeutende<br />Drucker.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_136' name='Page_136' href='#Page_136'>[136]</a></span> -Ausser den Genannten druckten noch <span class='smcap'>Joh. Scott</span>, <span class='smcap'>Wendelin Richel</span>, -<span class='smcap'>Reichart Beck</span>, <span class='smcap'>Bernh. Jobin</span> u. a. viele illustrierte Ausgaben. -Besonders nennenswert sind Jobins: <em class="kursiv">Icones illustrium virorum, -recensente Nic. Reusnero</em>, 1587, mit Zeichnungen von Tob. Stimmer. -Zu HAGENAU waren <span class='smcap'>Heinr. Grau</span> und <span class='smcap'>Theodor Anselm</span> unternehmende -Verleger, die mit auswärtigen Künstlern von Rang, z. B. mit Hans -Schaeuffelein, in Verbindung standen. Ein Elsasser Formenschneider, -<span class='smcap'>Jakob von Strassburg</span>, gab 1503 in Venedig den „Triumphzug Cäsars“ in 12 -Folioblättern heraus. -</p> - -<div class="sidenote">Peter Pilgrim.</div> - -<p> -Das Auftreten der Renaissance in Strassburg beginnt mit <span class='smcap'>Joh. Wächtlin</span>, -genannt <span class='smcap'>Pilgrim</span> oder der Meister mit den gekreuzten Pilgerstäben, der -Maler und Formenschneider zugleich gewesen sein soll. Er zeichnete -sich namentlich durch den xylographischen Farbendruck aus. Mit -dem „<em class="kursiv">Clair-obscur</em>-Druck“ sollte durch zwei oder drei Holzstöcke -mit verschiedenen Farben die Wirkung der damals sehr beliebten -Federzeichnungen auf farbigem Papier mit weiss aufgesetzten Lichtern -erreicht werden. Der Ursprung gehört jedenfalls Deutschland, in der -Weiterbildung war jedoch bald Italien voran. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Basel.</div> - -<p> -Nur wenige Städte haben auf eine so glanzvolle Druck-Periode -zurückzublicken, wie BASEL auf seine in der ersten Hälfte des <span class='smcap'>xvi.</span> -Jahrh. Selten haben Wissenschaft, Kunst und Technik brüderlicher -zusammen gewirkt, als dort. Namentlich ist es das Dreigestirn Froben, -Petri und Oporinus, welches einen hellen Glanz verbreitet. -</p> - -<div class="sidenote">Joh. Froben. -<hr class="sidenote" /> -Verhältnis zu<br />Erasmus.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Johannes Froben</span> (geb. um 1460, gest. im Okt. 1527) stammt aus -Hammelburg in Franken. Er bezog die Universität zu Basel und bekam -durch die Bekanntschaft mit Ammerbach, in dessen Offizin er als -Korrektor arbeitete, Lust zur Buchdruckerei. Im Jahre 1491 fing er -seine Thätigkeit mit dem Druck einer Bibel in höchst zierlicher Schrift -an. Seine Hauptwirksamkeit beginnt aber erst von der Zeit, als Erasmus -1514 nach Basel zog und seine Wohnung im Frobenschen Hause aufschlug, -wo er mit wenigen Unterbrechungen bis zu seinem Tode weilte. Erst mit -vier, dann mit sieben Pressen druckte er über dreihundert, meist sehr -bedeutende Werke, darunter die erste griechische Ausgabe des Neuen -Testaments. -</p> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_137' name='Page_137' href='#Page_137'>[137]</a></span> -Das Verhältnis zu Erasmus erweckte grossen Neid unter Frobens Kollegen; -aber nicht nur mit dem Neide, sondern auch mit dem Nachdruck und -anderen geschäftlichen Sorgen hatte er zu kämpfen. Neben den Vorteilen, -welche die Verbindung mit Erasmus ihm brachte, musste er den Nachteil -mit in den Kauf nehmen, dass Luthers Schriften, die vorzugsweise -nachgefragt wurden, und alle anderen Schriften in den Hintergrund -drängten, von seiner Druckthätigkeit ausgeschlossen blieben, während -sein Kollege, Adam Petri, der Luther-(Nach-)drucker Basels wurde. -</p> - -<div class="sidenote">Frobens Schick-<br />sale.</div> - -<p> -Trotz aller Thätigkeit erwarb Froben kein Vermögen. Eine nicht gut -geregelte Wirtschaft und die Ausgaben, die er auf seine Druckwerke, -namentlich auf eine sorgfältige Korrektur derselben, verwendete, waren -zu gross. Als Korrektoren, oder „Kastigatoren“ wirkten für ihn, ausser -Erasmus, namentlich sein Schwiegervater Wolfgang Lachner, dann Marc. -Heiland, Wolfg. Musculus und Joh. Oecolampadius. Zu den Titeln liess er -sich meist Zeichnungen von Hans Holbein d. j. und Urse Graff liefern. -Froben verlor sein Leben infolge eines Falles von einer Leiter. Die -Vollendung seines Lieblingswerkes, der schönen Ausgabe des Augustinus, -welche er im Verein mit Ammerbach und Petri angefangen hatte, sollte -er nicht erleben, aber sein treuer Freund Erasmus that alles, damit -die Ausgabe im Interesse der Kinder Frobens rasch gefördert wurde. Der -Sohn <span class='smcap'>Hieronymus Froben</span> (geb. 1501, gest. 1563) hielt das Verhältnis -zu Erasmus aufrecht, der in Frobens Hause „Zur Luft“ im Jahre 1536, -siebenzig Jahre alt, starb. Hieronymus druckte später im Verein mit -seinem Schwager Nikolaus Episcopius d. ä. (Bischoff) und seinen Söhnen -Ambrosius und Aurelius Froben eine Reihe von bedeutenden Werken<a name='FA_077' id='FA_077' href='#FN_077' class='fnanchor'>[7]</a>. -</p> - -<div class="sidenote">Familie Petri.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Johannes Petri</span>, zu Langendorf an der Saale 1441 geboren, ward 1488 -Bürger von Basel. Er druckte nur wenige Bücher allein, die meisten -gemeinschaftlich mit Ammerbach und Froben. Er brachte seinen -sechsjährigen Neffen <span class='smcap'>Adam Petri</span> (geb. 1482, gest. um 1525), der -nach Johannes' Tod (1511) das Geschäft übernahm, mit nach Basel. Die -Reformatoren, namentlich Luther, wurden gute Beute für seine Pressen. -Blitzschnell folgten seine Nachdrucke den -<span class='pagenum'><a id='Page_138' name='Page_138' href='#Page_138'>[138]</a></span> -Originalen auf dem Fusse. -Luthers Neues Testament erschien im Sept. 1522; im Dez. war schon -der Nachdruck Petris da. Er machte bessere Geschäfte als sein Freund -Froben und scheint trotz seiner reformatorischen Druckthätigkeit gut -katholisch gesinnt gewesen zu sein, wenigstens stand er in dem besten -Verkehr mit den Kartäusern. Für die künstlerische Ausschmückung seiner -Druckwerke arbeitete namentlich Hans Schaeuffelein. Der Sohn <span class='smcap'>Heinrich -Petri</span> (geb. 1508, gest. 1579) studierte erst die Medizin, übernahm -jedoch später die Druckerei und führte sie mit Eifer fort. Vom Kaiser -Karl <span class='smcap'>v.</span> wurde er in den Ritterstand erhoben. -</p> - -<p> -Die Druckthätigkeit seiner Nachfolger war seit 1620 nur eine geringe, -doch bestand die Firma noch 1660. Durch verschiedene Hände kam die -Offizin schliesslich in die Thurneisens und Schweighausers. -</p> - -<div class="sidenote">Joh. Oporinus.</div> - -<p> -Zu grossem Ansehen gelangte auch <span class='smcap'>Johannes Oporinus</span><a name='FA_078' id='FA_078' href='#FN_078' class='fnanchor'>[8]</a> (Herbster). -Unter ärmlichen Verhältnissen am 25. Jan. 1507 zu Basel geboren, -wurde er in einem Kontubernium armer Schüler in Strassburg, woher -sein Vater stammte, erzogen. Später bekleidete er eine Lehrerstelle -an der Klosterschule St. Urban im Kanton Luzern, gab jedoch, von der -neuen Lehre angezogen, jene auf, fand 1526 bei Froben Beschäftigung -als Korrektor und gewann die Freundschaft des Erasmus. Später folgte -er dem berühmten Theophrastus Paracelsus als Famulus nach Strassburg, -wo er unter dessen Leitung die Medizin studierte, kehrte jedoch -nach zwei Jahren nach Basel zurück und wirkte als Professor erst im -Lateinischen, dann im Griechischen. Im Jahre 1539 kaufte er mit drei -Anderen, darunter seinem Schwager Rob. Winter, die Offizin des Andreas -Brabander. Die Teilnehmer wirtschafteten jedoch nicht gut und Oporin -versuchte es nun mit Winter, später, unter schweren Sorgen, allein. -</p> - -<p> -Oporin wetteiferte in Beziehung auf Schönheit der Ausgaben, Sorgfalt -der Korrekturen und inneren Wert der Verlagswerke mit Froben. Selbst -sehr wissenschaftlich gebildet, stand er mit vielen Gelehrten in -innigem Verkehr und zeigte in allen Verhältnissen einen eisernen Fleiss -und eine unermüdliche Ausdauer. Er beschäftigte über fünfzig Arbeiter -und druckte mehr als siebenhundert und -<span class='pagenum'><a id='Page_139' name='Page_139' href='#Page_139'>[139]</a></span> -fünfzig grössere und kleinere -Werke, darunter viele von ihm selbst emendierte oder übersetzte -Klassiker. -</p> - -<div class="sidenote">Die Anatomie<br />des Vesalius.</div> - -<p> -Bis jetzt hatte man den Holzschnitt hauptsächlich nur als -künstlerischen Schmuck der Bücher verwendet, jetzt sollte man durch -die berühmte Ausgabe von Vesalius' Anatomie verstehen lernen, welchen -Wert der Holzschnitt für den wissenschaftlichen Zweck und das leichtere -Verständnis eines Werkes hat. Der berühmte Arzt und Anatom Andreas -Vesalius hatte in Venedig von Johann de Calcar, einem Schüler Tizians, -zahlreiche Holzschnitte anfertigen lassen, durch die mit grossem Talent -die Anatomie des Menschen erläutert wurde. Diese sandte Vesalius seinem -Freunde Oporin (1543), um damit sein Werk: <em class="kursiv">De humani corporis fabrica</em> -zu illustrieren. Das grosse Portrait Vesalius' an der Spitze des -Buches konnte für ein Meisterwerk Tizians gehalten werden. In seiner -Sorgfalt um den guten Druck ging Vesalius so weit, dass er den Faktor -der berühmten Bombergschen Druckerei in Venedig mitfolgen liess, dass -er die Ausführung überwache. Um so mehr mussten ihn die schlechten -Ausgaben der Nachdrucker empören. -</p> - -<p> -Im Jahre 1566 zog sich Oporin von dem Geschäft zurück und starb am -6. Juli 1568. Er war viermal verheiratet, ohne jedoch besonderes -häusliches Glück zu geniessen. -</p> - -<p> -Unter die verdienten Buchdrucker Basels gehören ferner <span class='smcap'>Michael -Isengrin</span>, welcher eine zweite, die erste des Aldus Manutius an -Schönheit übertreffende, vollständige Ausgabe des Aristoteles druckte, -dann auch <span class='smcap'>Josias Münsch</span> (1550), <span class='smcap'>Konrad von Mecheln</span> (1685) und <span class='smcap'>Emanuel -Thurneisen</span>. -</p> - -<div class="sidenote">Zürich.<br />Chr. Froschauer.</div> - -<p> -Mit Stolz blickt ZÜRICH auf <span class='smcap'>Christoph Froschauer</span><a name='FA_079' id='FA_079' href='#FN_079' class='fnanchor'>[9]</a> (oder Froschower), -dem es zu einem grossen Teil die Blüte seines litterarischen Lebens -verdankt. Im <span class='smcap'>xv.</span> Jahrhundert zeigt sich in Zürich noch keine Spur der -Buchdruckerkunst. Der erste bekannte Druck ist ein, am 6. Januar 1504 -von dem Rate erlassenes Mandat, ohne Namen des Druckers. Wahrscheinlich -war dieser <span class='smcap'>Hans am Wasen</span>, -<span class='pagenum'><a id='Page_140' name='Page_140' href='#Page_140'>[140]</a></span> -der 1508 einen Kalender mit guten Vignetten -druckte. Von Wasen hörte man weiter nichts. -</p> - -<p> -Erst 1519 erhielt Christoph Froschauer aus Neuburg bei Oetting in -Bayern das Bürgerrecht. Sein Geburtsjahr kennt man nicht; es fällt -jedoch wahrscheinlich in das zweitletzte Jahrzehnt des <span class='smcap'>xv.</span> Jahrh. Ob -Christoph ein Verwandter des Augsburger Druckers, Johann Froschauer, -war, ist nicht bekannt. -</p> - -<div class="sidenote">Froschauers<br />Thätigkeit.</div> - -<p> -Froschauer war ein wissenschaftlich gebildeter, sehr thätiger und -zugleich glücklich spekulierender Mann. Er schloss sich sofort Zwingli -an und blieb diesem und der Reformation ein innig ergebener, wenn auch -nicht zelotischer Freund. Seinem Beruf gab er sich mit grosser Liebe -und mit heiligem Ernst hin. Das ihm entgegengetragene Vertrauen und den -erworbenen Wohlstand verwendete er in der edelsten Weise. -</p> - -<p> -Seine ersten datierten Drucke fallen in das Jahr 1521. Es waren -zwei von dem gelehrten Leo Jud ins Deutsche übersetzte Schriften des -Erasmus: „Ein klag des Frydens“ und „Ein nützliche wndervisung eines -Christenlichen Fürsten wol zw regieren“. Von Zwingli erschienen bei -ihm gegen 80 Schriften, oft in mehreren Ausgaben, einige davon druckte -<span class='smcap'>Hans Hager</span> (1520-1526). Von da ab hörte man vom letzteren nichts -mehr, und Froschauer war der alleinige Drucker bis 1554, als sich -<span class='smcap'>Andreas Gessner</span>, ein naher Verwandter des bekannten Conrad Gessner, -etablierte. Zahlreiche Schriften von Leo Jud, Rod. Gualther (Walther), -C. Pellikan, Peter Martyr, Ludwig Lavater und namentlich von Heinrich -Bullinger, ausserdem eine grosse Anzahl Ausgaben der Klassiker wurden -von Froschauer verlegt. -</p> - -<div class="sidenote">Der Bibeldruck.</div> - -<p> -Seine wichtigste Thätigkeit war jedoch sein Bibeldruck. In den Jahren -1524-1529 stellte er die erste vollständige Schweizerausgabe der Bibel -in Folio fertig, und von da ab verging selten ein Jahr, in welchem -nicht entweder die ganze Bibel oder wenigstens Teile derselben in -deutscher, lateinischer, selbst in englischer Sprache erschienen. Zu -der ersten deutschen Ausgabe wurde mit Ausnahme der poetischen und -prophetischen Bücher, welche von Schweizer Gelehrten übersetzt wurden, -die lutherische Übertragung benutzt. Später führten Einheimische das -ganze Werk aus. Im Jahre 1535 wurde die berühmte englische Bibel, von -Moses Coverdale übersetzt -<span class='pagenum'><a id='Page_141' name='Page_141' href='#Page_141'>[141]</a></span> -und mit Holzschnitten von Hans Sebald Beham -illustriert, gedruckt. In den Jahren 1524-1564 erschienen nicht weniger -als 27 Ausgaben der vollständigen Bibel und viele Abdrücke des Neuen -Testaments. Anfänglich benutzte Froschauer die Antiquaschrift, später -veranlasste er den Schnitt einer an die Schwabacher sich anlehnenden -Schrift, liess Vignetten und Initialen anfertigen und verwandte -überhaupt die grösste Sorgfalt auf die Ausstattung. Die lateinischen -Ausgaben der Bibel waren von den Gelehrten sehr geschätzt. -</p> - -<div class="sidenote">Die Froschau.</div> - -<p> -Mit der Erweiterung des Geschäfts musste er auch nach einer -grösseren Lokalität suchen und fand eine solche in einem ehemaligen -Barfüsserkloster. Als diese Räumlichkeit jedoch i. J. 1551 eine andere -Bestimmung erhielt, kaufte er ein früheres Dominikaner-Frauenkloster, -welchem er den Namen: „Die Froschau“ gab, den es noch heute trägt. Auf -dem Brunnenhäuschen dort befindet sich noch sein Insignium. Er modelte -dasselbe in verschiedener Weise um, immer blieb jedoch der Frosch ein -Hauptbestandteil. In der ältesten Ausführung wird dieser von einem -behelmten Knaben geritten, der in der Linken den Zaun, in der Rechten -eine Fahne, mit der Inschrift CR. FR., hält. -</p> - -<p> -Die Frankfurter Messe besuchte Froschauer eine lange Reihe von -Jahren zweimal jährlich und machte mit seinem Verlage vorteilhafte -Geschäfte. Mit Gelehrten des In- und Auslandes stand er auf dem -freundschaftlichsten Fusse und zeigte sich ihnen gefällig, wo er nur -konnte; so räumte er beispielsweise ein ihm gehörendes Haus flüchtigen -englischen Gelehrten vollständig ein, die sich mehrere Jahre hindurch -in Zürich aufhielten. -</p> - -<div class="sidenote">Froschauers<br />Nachfolger.</div> - -<p> -In seinem Geschäft wurde er getreulich von seinem Bruder Eusebius -und von dessen Söhnen Eusebius und Christoph unterstützt. Kinderlos -verheiratet, hinterliess er dem Neffen <span class='smcap'>Christoph Froschauer</span> das ganze -Geschäft zu sehr billigen Bedingungen. Er starb hochbejahrt am 1. April -1564. Der Neffe blieb unverheiratet. Nach dessen Tode, 2. Febr. 1585, -wurde das Geschäft noch bis 1590 fortgeführt und dann aufgelöst. Die -Druckerei ging auf <span class='smcap'>Johann Wolf</span> über, der jedoch noch bis 1595 einzelnen -Werken die Bezeichnung <em class="kursiv">typis Froschovianis</em> beifügte. Das Verzeichnis -des Froschauerschen Verlags zeigt 1564 bereits 601 Nummern, von da bis -1595 noch 264. Im J. 1626 kam die Druckerei in den Besitz der Familie -<span class='pagenum'><a id='Page_142' name='Page_142' href='#Page_142'>[142]</a></span> -Bodmer, 1723 an Heidegger & Rahn und wurde 1765 mit der Orellschen -Buchdruckerei, die jetzt noch blüht, vereinigt. -</p> - -<div class="sidenote">St. Gallen.<br />Leonh. Straub.</div> - -<p> -ST. GALLEN erhielt erst 1578 eine Buchdruckerei durch <span class='smcap'>Leonhard Straub</span>, -der eine sorgfältige Erziehung genossen und in den besten Offizinen -gearbeitet hatte. Ein von ihm gedruckter Wandkalender hat eine zu -merkwürdige Geschichte, um sie hier mit Stillschweigen zu übergehen. -Auf dem Kalender waren die Wappen der 13 Kantone, darunter das -Appenzeller, ein Bär, abgebildet. In Appenzell bemerkte man indes, -dass es eine Bärin, nicht ein „männlicher Bär“ sei! Grosse Aufregung -entstand; man verlangte Rüstung zu einer Fehde gegen St. Gallen. Der -dortige Rat erbat sich drei Tage Bedenkzeit, die aber nicht gewährt -wurde. In dieser kritischen Lage übernahm der Abt von St. Gallen die -Vermittelung. Der Bär hatte jedenfalls nur den Vorwand abgegeben, der -arme Straub musste jedoch Abbitte leisten und eidlich erklären, er habe -nur aus Einfalt gehandelt. Straub lebte in ewigem Hader mit der Zensur; -schliesslich musste er die Stadt verlassen, und starb 57 Jahre alt 1607 -in Konstanz. Sein Geschäft blühte noch im Besitz seiner Söhne und Enkel -über hundert Jahre fort<a name='FA_0710' id='FA_0710' href='#FN_0710' class='fnanchor'>[10]</a>. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Wien. -<hr class="sidenote" /> -Joh. Singriener.</div> - -<p> -In WIEN eröffnete <span class='smcap'>Hieronymus Victor</span> aus Liebenthal im Fürstenthum -Jauer seine Offizin im Jahre 1510. Die Kunst hatte er wahrscheinlich -in der Hallerschen Druckerei in Krakau erlernt. Er vereinigte sich -mit Joh. Singriener aus Oetting in Bayern, trennte sich jedoch 1514 -wieder von ihm, worauf letzterer seine eigene Druckerei eröffnete. -<span class='smcap'>Joh. Singrieners</span> Wirksamkeit durch 33 Jahre war eine bedeutende und -eine grosse Zahl gut ausgestatteter Werke ging aus seiner Offizin -hervor, unter welchen das 1517 erschienene <em class="kursiv">Tripartium opus juris -consuetudinarij incluti regis Hungarie</em>, über 70 Bogen stark, einen -bedeutenden Platz einnimmt. Die vielen in dem Werk vorkommenden -Druckfehler entschuldigt der Drucker damit, dass er das Werk in 40 -Tagen (!) habe liefern müssen, eine Leistung, die selbst heute für eine -grosse Druckerei eine bedeutende gewesen sein würde. Singriener war -nicht nur ein tüchtiger Buchdrucker, sondern auch ein wissenschaftlich -gebildeter, von den Gelehrten und Geistlichen gern gesehener Mann. -Unter seinen vielen -<span class='pagenum'><a id='Page_143' name='Page_143' href='#Page_143'>[143]</a></span> -Drucken sind besonders schön ausgeführt: <em class="kursiv">Pomponius -Mela</em> in Fol.; <em class="kursiv">Bandinus</em> auf Pergament; <em class="kursiv">Cicero</em>, <em class="kursiv">Pro lege Manilia</em>. -Seine Söhne Matthäus und Johannes setzten das Geschäft fort, bis es mit -dem Tode des letzteren erlischt. -</p> - -<div class="sidenote">Hans Kohl.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Hans Kohl</span> (<em class="kursiv">Johannes Carbo</em>) gehörte zu den fahrenden Buchdruckern -und arbeitete in Wien von 1549 bis 1551. Er war gut mit deutschen, -hebräischen und griechischen Lettern versehen und druckte zuerst -in Verbindung mit <span class='smcap'>Aegidius Adler</span> (<em class="kursiv">Aquila</em>), aus den Niederlanden -gebürtig. Im J. 1550 arbeitete letzterer allein und übertraf seinen -früheren Compagnon durch die Menge und Schönheit seiner Ausgaben. Er -starb bereits am 17. Aug. 1552. -</p> - -<div class="sidenote">Michael Zimmer-<br />mann.</div> - -<p> -Die Offizin wurde von <span class='smcap'>Michael Zimmermann</span> (<em class="kursiv">Cymbermannus</em>) übernommen, -dem bedeutendsten Buchdrucker Wiens aus dieser Zeit. Er druckte Werke -in italienischer, spanischer, arabischer, hebräischer und syrischer -Sprache, zu denen er die Schriften von Kaspar Kraft aus Ellwangen -bezogen hatte. Seine Ausgaben schmückte er mit rotem Druck, sowie mit -illuminierten Figuren und Landkarten. -</p> - -<div class="sidenote">Raf. Hofhalter.</div> - -<p> -Ein Pole, <span class='smcap'>Rafael Hofhalter</span> (<em class="kursiv">Skrzetuski</em>), der sein Vaterland auf -Grund religiöser Misshelligkeiten verlassen hatte, kam nach vielen -Wanderungen nach Wien, wo er mit <span class='smcap'>Kaspar Kraft</span>, 1556, ein Privilegium -für eine Buchdruckerei „mit schönen, zierlichen, auf die neue -französische Art geschnittenen Buchstaben“ erhielt. Er lieferte sehr -hübsche Ausgaben. Eine interessante Erscheinung ist das bei ihm (1561) -erschienene „Thurnier Buch“ mit einem kunstreich geschnittenen Titel -und Wappen in Holzschnitt, sowie mit sieben grossen und kostbaren -Kupferstichen, von Hanns Lautensack gestochen. Im Jahre 1562 wanderte -Hofhalter, ebenfalls wohl aus religiösen Gründen, nach Ungarn aus; 1565 -druckte er in Debreczin calvinistische Schriften. Sein Sohn Rudolph -betrieb die Buchdruckerei in Grosswardein und folgte später dem Ruf des -Fürsten Johann nach Weissenburg in Siebenbürgen. -</p> - -<div class="sidenote">Die Jesuiten-<br />druckerei.</div> - -<p> -Ferdinand <span class='smcap'>i.</span> hatte 1551 die Jesuiten nach Wien berufen. Der Rektor -Johann Victoria, ein geborener Spanier, kam auf den Gedanken, zum -besten der Religion und armer Studenten durch milde Beiträge eine -Druckerei anzulegen, die schon 1559 eröffnet wurde. Ein Hauptartikel -war der, auf Befehl des Kaisers von dem bekannten Pater Canisius aus -Nymwegen verfasste Katechismus, -<span class='pagenum'><a id='Page_144' name='Page_144' href='#Page_144'>[144]</a></span> -der in viele Sprachen übersetzt wurde -und noch jetzt in österreichischen Volksschulen im Gebrauch ist. Die -Druckerei hörte 1565, kurz nach dem Tode des kaiserlichen Beschützers -der Jesuiten, auf, und wurde 1577 als „Zeug“ an den Generalvikar von -Gran, Nikolaus Telegdi, verkauft, der damit eine Druckerei zu Tyrnau -gründete. -</p> - -<div class="sidenote">Buchdruck im<br /><span class='smcap'>xvi.</span> u. <span class='smcap'>xvii.</span> Jahrh.</div> - -<p> -Die Buchdruckerkunst in Wien hatte, namentlich durch Fremde gepflegt, -im <span class='smcap'>xvi.</span> Jahrh. im ganzen genommen auf einer hohen Stufe gestanden. -Dasselbe war mit der Xylographie der Fall. Unter den Verlegern, die -eine besonders gute Einwirkung auf die Wiener Buchdruckerei dieser -Periode übten, ist die Familie Atlantsee zu erwähnen, die unter den -Buchhändlern damaliger Zeit einen bedeutenden Namen hatte, namentlich -was Lukas Atlantsee betrifft. -</p> - -<div class="sidenote">Joh. von Gehlen.</div> - -<p> -Im <span class='smcap'>xvii.</span> Jahrh. dagegen ging es zu Wien, wie überall, mit der Kunst -zurück. Die Folgen des dreissigjährigen Krieges und der Türkenkriege -blieben nicht aus; die Bedeutung der Wiener Buchdruckereien sank -fast auf ein Nichts und die meisten Verlagswerke wurden in Nürnberg, -Augsburg und Ulm gedruckt. Der bedeutendste Wiener Drucker ist <span class='smcap'>Johann -von Gehlen</span>. Er stammte aus einem alten westfälischen Geschlecht und -war zu Antwerpen am 17. Mai 1645 geboren, widmete sich den Studien -und erlernte dann den Buchhandel und die Buchdruckerei. Durch -Geschicklichkeit und Fleiss erwarb er sich bald ein Vermögen, sodass er -1672 die Buchdruckerei seiner Schwägerin, der Witwe des Buchdruckers J. -B. Haquet, kaufen konnte. Er war in Besitz bedeutender linguistischer -Kenntnisse und erwarb sich die Freundschaft der Gelehrten. Vom Kaiser -Leopold <span class='smcap'>i.</span> erhielt er im Jahre 1678 das Privilegium eines k. k. -italienischen Hofbuchdruckers und wurde ermächtigt, eine italienische -und lateinische Zeitung herauszugeben. Während der Belagerung von -Wien durch die Türken liess er die Druckerei ruhen und stellte sich -in die Reihe der Verteidiger. Nach aufgehobener Belagerung versuchte -er eine deutsche Zeitung zu gründen, welche in unbestimmter Zeitfolge -herausgegeben wurde. Die Regierung, welche das nützliche einer -regelmässigen Zeitung einsah, sicherte einer solchen bedeutende -Vorteile zu, infolgedessen Gehlen die erste regelmässige Zeitung unter -dem Titel „Posttäglicher Mercurius“ 1703 zweimal wöchentlich herausgab. -Am 8. Aug. d. J. begann er eine zweite politische Zeitung „Das -Wiener Diarium“, -<span class='pagenum'><a id='Page_145' name='Page_145' href='#Page_145'>[145]</a></span> -ebenfalls posttäglich. Dasselbe wurde später Organ -der Regierung und es entstand daraus die k. k. privilegierte Wiener -Zeitung. -</p> - -<p> -Gehlen starb am 13. Mai 1724, 72 Jahre alt. Sein Sohn Joh. Peter Gehlen -wurde in den Adelstand erhoben. -</p> - -<div class="sidenote">Breslau.</div> - -<p> -BRESLAU hatte in seiner „Stadtbuchdruckerei“ ein sehr angesehenes -Geschäft, das noch nach 350 Jahren blüht. Der Begründer <span class='smcap'>Andreas Winkler</span> -war ein gelehrter Mann, der in Krakau studiert hatte und die Kunst -in echt wissenschaftlichem Sinne (1538-1555) übte. Auf ihn folgten -<span class='smcap'>Crispinus Scharffenberg</span>, dessen Sohn <span class='smcap'>Johann</span>, dann <span class='smcap'>Georg Baumann</span> und -dessen gleichnamiger Sohn; die späteren Nachfolger gehören der nächsten -Periode an. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Das nördliche<br />Deutschland. -<hr class="sidenote" /> -Leipzig.</div> - -<p> -Es wurde schon früher erwähnt, dass ein solches Zusammenwirken der -zeichnenden Kunst, der Xylographie und der Buchdruckerei, welches -im Süden Deutschlands eine gar stattliche Reihe herrlicher Drucke -zuwege brachte, in dem Norden Deutschlands nicht angetroffen -wird, wo die Presse sich hauptsächlich nur als treue Dienerin der -Wissenschaft und der Reformation zeigte. Es gilt dies ganz besonders -von LEIPZIG<a name='FA_0711' id='FA_0711' href='#FN_0711' class='fnanchor'>[11]</a>, welches dieser Aufgabe bis auf den heutigen Tag treu -geblieben ist. Kunstbegeisterte Fürsten und Künstler ersten Ranges -besass Leipzig nicht; Schule und Universität waren die Mäcene seiner -Buchdruckereien. Leipzigs Klassiker-Ausgaben zeichnen sich durchweg -durch ihre Sauberkeit und Genauigkeit aus und viele derselben stehen -noch heute neben den Aldinen und Juntinen in Ansehen. Gelehrte Männer -verschmähten es nicht, die Korrekturen zu übernehmen, und Leipzig -hat es verstanden, sich den Ruhm der Sorgsamkeit für die Textreinheit -seiner Presserzeugnisse zu wahren. -</p> - -<div class="sidenote">Mart. Landsberg. -<hr class="sidenote" /> -Wolfg. Stöckel. -<hr class="sidenote" /> -Val. Schumann. -<hr class="sidenote" /> -Jakob Thanner.</div> - -<p> -Als Mann von Geschmack ist <span class='smcap'>Martin Landsberg</span> aus Würzburg (1499-1516) -zu erwähnen. Er gehörte zu den gelehrten Buchdruckern, interessierte -sich sehr für die Herausgabe wissenschaftlicher Werke und machte sich -namentlich durch seine Klassiker-Ausgaben bemerkbar. 1519 siedelte er -nach Halle über. <span class='smcap'>Wolfgang Stöckel</span> -<span class='pagenum'><a id='Page_146' name='Page_146' href='#Page_146'>[146]</a></span> -(<em class="kursiv">Molitor</em>), aus München, ward in -Erfurt, wo er eine zeitlang eine Buchdruckerei hatte, Bakkalaureus. -1495 kam er nach Leipzig. Er druckte hauptsächlich Klassiker: -Ovid, Priscian, Seneca, Aristoteles, später theologische Schriften, -von welchen die, bis zum Jahre 1520 gedruckten, Partei für Luther -nehmen, zumteil von diesem verfasst waren. Von da ab wurde er ein -heftiger Gegner der Reformation und druckte schon im Jahre 1520 eine -Streitschrift des Franziskaner Alveld, eines der erbittertsten Gegner -Luthers; wahrscheinlich ist er auch der Drucker der Schriften Emsers -gegen jenen. Herzog Georg der Bärtige rief ihn 1524 als Hofbuchdrucker -nach Dresden. <span class='smcap'>Valentin Schumann</span> (1525-1535) brachte vorzügliche -Klassiker-Ausgaben, darunter das erste griechische Buch Leipzigs. <span class='smcap'>Jakob -Thanner</span> (<em class="kursiv">Abiegnus</em>) lieferte sehr gute Schulausgaben. -</p> - -<div class="sidenote">Melch. Lotter.</div> - -<p> -Unter den Buchdruckern, bei welchen die Reformation eine bereite Hülfe -fand, ist <span class='smcap'>Melchior Lotter</span> obenan zu nennen. Er stammte aus Aue im -sächsischen Voigtlande, heiratete die Tochter Kachelofens, Dorothea, -und erhielt am 16. Juni 1498 das Leipziger Bürgerrecht. Ungefähr in dem -Jahre 1500 wurde er der Geschäftsnachfolger seines Schwiegervaters. -Die zweite Ausgabe des Meissner Missale hatten Kachelofen und Lotter -gemeinsam gedruckt, von nun an ging eine grosse Anzahl Missalen, -Breviarien und dergl., die das Bisthum Meissen herausgab, aus -Lotters Pressen hervor. Dieser selbst siedelte, vor der Pest aus -Leipzig fliehend, für eine zeitlang nach Meissen über. Seine eigene -Verlagsthätigkeit auf dem Gebiete der Philosophie und der Philologie -war eine ausserordentliche. Ein treuer wissenschaftlicher Mitarbeiter -war ihm Hermann Tulich, der später Professor in Wittenberg wurde. -Seit 1518 hatte Lotter wiederholt für Luther Druckaufträge bekommen -und letzterer bewog ihn, eine Druckerei in Wittenberg anzulegen, aus -der jedoch Lotter kein Segen erwachsen sollte. Er selbst übersiedelte -jedoch nicht nach Wittenberg, sondern sandte seine beiden Söhne -Melchior und Michael. Zum grossen Teil sind die zahlreichen Schriften, -welche Luther im Anfang der zwanziger Jahre in die Welt sandte, -aus Lotters Pressen hervorgegangen. Selbst das Monumentalwerk des -Reformators, die Bibelübersetzung, wurde von diesem unternommen und -schon am 21. Sept 1522 war der Druck des Neuen Testaments vollendet. -Während des Drucks des Alten Testaments tritt jedoch ein Erkalten -<span class='pagenum'><a id='Page_147' name='Page_147' href='#Page_147'>[147]</a></span> -des freundschaftlichen Verhältnisses Luthers zu ihm ein und Hans -Lufft erscheint nun als der bevorzugte Bibeldrucker, wenngleich die -Verbindung zwischen Luther und Lotter nicht ganz aufhörte. Der Grund, -weshalb der letztere von dem ersteren fallengelassen wurde, und weshalb -auch der Kurfürst Friedrich ihm ungnädig wurde, ist nicht bekannt. -Lotters Thätigkeit, die jedoch sehr erlahmte, lässt sich noch bis Ende -der dreissiger Jahre verfolgen. Er soll im Jahre 1542 gestorben sein. -</p> - -<div class="sidenote">Valentin Bapst. -<hr class="sidenote" /> -Luther über Illu-<br />strationen.</div> - -<p> -Ein Buchdrucker ersten Ranges ist <span class='smcap'>Valentin Bapst</span> (1541 bis 1589). Seine -Erzeugnisse werden von Kennern als den besten ebenbürtig erklärt. Ein -reich illustriertes Werkchen sind die „Geistlyche Lieder mit einer -neven Vorrede D. M. Luth.“. Interessant dürfte es manchem sein, aus -dem Vorwort zu erfahren, wie ein so ernster Mann wie Luther über die -Bücher-Illustration denkt: -</p> - -<p> -„Wer nicht singen vnn sagen wil, das ist ein Zeichen, das ers nicht -glaubet, vnn nicht ins new fröliche Testament, Sondern vnter das alte, -faule, vnlustige Testament gehöret. Darumb thun die Drucker sehr vol -dran, das sie gute Lieder fleissig drucken vnd mit allerley zierde, -den Leuten angeneme machen, da mit sie zu solcher Frewde des Glaubens -gereitzet werden, vnnd gerne singen. Wie denn dieser Druck Valentin -Bapsts sehr lustig zugericht ist, Gott gebe, das damit dem Römischen -Bapst, der nichts denn heulen, trawren vnd leid in aller welt hat -angericht, durch seine verdampte, vntregliche vnd leidige Gesetze, -grosser abbruch vnd schaden geschehe, Amen“. -</p> - -<div class="sidenote">Ernst Vögelin<br />u. a.</div> - -<p> -Berühmt waren die Klassiker-Ausgaben von <span class='smcap'>Ernst Vögelin</span> (1559 -bis 1578), dem Schwiegersohn V. Bapsts, sowohl hinsichtlich der -technischen Ausführung als der Korrektheit, so dass sie den Aldinen -gleich geachtet werden. Vögelin, selbst ein studierter Mann, wurde in -Religionsstreitigkeiten verwickelt, flüchtete, und starb in Heidelberg -1590. Grossen Ruf erwarben sich Abraham Lamberg (1587 bis 1629), -Henning Gross (1575 bis 1621), Gregorius Ritzsch (1624 bis 1643) -und dessen Sohn Timotheus Ritzsch (1638 bis 1678), der bedeutende -theologische und juristische Schriften verlegte. -</p> - -<div class="sidenote">Steigende<br />Bedeutung<br />Leipzigs.</div> - -<p> -Infolge der Reformation war der Schwerpunkt der Kultur immer mehr nach -dem Norden verlegt. Hier wehte eine frischere -<span class='pagenum'><a id='Page_148' name='Page_148' href='#Page_148'>[148]</a></span> -Luft, während der Süden -weit mehr dem Einfluss der katholischen Kaiser, den Einflüsterungen -des Klerus und den Plackereien der kaiserlichen Bücherkommissionen -und Zensoren preisgegeben war. Auch die städtischen Behörden in -Frankfurt a. M. hatten nicht den Wert eines vollständig unbehelligten -buchhändlerischen Verkehrs genügend erkannt. -</p> - -<p> -Nichts war deshalb natürlicher, als dass der Norden sich von den -Büchermessen Frankfurts zu emanzipieren und in der berühmten Messstadt -des Nordens — wo die Regierung jetzt liberaleren Ansichten huldigte, -die Zensur in humanerer Weise üben liess und die Bücher von der Accise -befreit hatte — einen selbständigen Büchermarkt zu gründen wünschte. -Zur Michaelis-Messe 1594 erschien der erste Leipziger Messkatalog, -herausgegeben von dem Buchhändler und Buchdrucker <span class='smcap'>Henning Gross</span>, zu dem -sich in den Jahren 1598-1619 ein zweiter Katalog von <span class='smcap'>Abraham Lamberg</span> -gesellte, der 1620 mit dem von Gross vereinigt wurde. Zwar konnte -Leipzig als Verlagsplatz im Jahre 1595 nur 68 Artikel gegen 117 in -Frankfurt aufweisen, aber schon 1600 war das Verhältnis ein besseres, -nämlich 125 gegen 148, und 1632 trug Leipzig seinen glänzendsten Sieg -davon mit 221 Werken gegen 68 aus Frankfurt. Die Messkataloge von -1565-1640 verzeichnen 8216 in Leipzig erschienene Werke, davon kommen -243, als die stärkste Zahl einer Jahresproduktion, auf das Jahr 1613. -</p> - -<div class="sidenote">Rückschlag.</div> - -<p> -Aber der Rückschlag der ungünstigen Zeiten sowohl für den Buchhandel -als für die Buchdruckerei konnte nicht ausbleiben und Leipzig litt mit -ganz Sachsen vorzugsweise unter den Drangsalen des dreissigjährigen -Krieges. Mangelhafte Schriften, nachlässige Korrektur, schlechtes -Papier kennzeichnen die Mehrzahl der Bücher aus damaliger Zeit. Nicht -besser war es mit der Xylographie bestellt. Hiergegen halfen natürlich -weder Beschränkungen der Buchdruckereien auf Leipzig, Wittenberg und -Dresden, noch kurfürstl. konzessionierte Buchdruckereiordnungen, Taxen -zur Regulierung der Papier- und Bücherpreise und Visitationsabschiede -an die Universitäten, worin Rektor und Dekane ermahnt werden, für guten -Druck und sorgfältige Korrektur zu sorgen. -</p> - -<div class="sidenote">Neuer Auf-<br />schwung.</div> - -<p> -Selbst nach dem endlich eingetretenen Frieden dauerte es lange, -ehe sich die Buchdruckerei von ihrem tiefen Verfall erholen konnte. -<span class='pagenum'><a id='Page_149' name='Page_149' href='#Page_149'>[149]</a></span> -Trotzdem hat Leipzig, selbst aus der trübsten Periode, Druckwerke und -Drucker aufzuweisen, die jeder Zeit Ehre gemacht haben würden, und -hörte nie auf, namhafte Werke aus allen Gebieten der Wissenschaften an -das Tageslicht zu fördern. Ein wesentlicher und andauernder Aufschwung -tritt jedoch erst gegen Ende des <span class='smcap'>xvii.</span> Jahrhunderts ein. Die Zahl -der angesehenen Verlagshandlungen wuchs, unter denen die von M. G. -Weidmann, J. F. Gleditsch, Joh. Fritsch, Joh. Fr. Zedler, Joh. S. -Heinsius zu nennen sind. -</p> - -<p> -Der Messkatalog<a name='FA_0712' id='FA_0712' href='#FN_0712' class='fnanchor'>[12]</a>, dieser Gradmesser des Buchhandels, wies eine -Steigerung auf. Leipzig, das Frankfurt im Jahre 1604 zum erstenmale -überholt hatte und von da ab bald vorangeht bald zurückbleibt, behält -nun, mit Ausnahme des Jahres 1680, die Führung und weist im Jahre 1689 -310 Werke gegen Frankfurts 90 auf; 1699 319 gegen 109 und im Jubeljahre -1740 253 gegen 74. Die Zahl der Presserzeugnisse Leipzigs von 1641 bis -1740 betrug 19711, wozu das Jahr 1698 mit 401 Artikeln das stärkste -Kontingent stellte. -</p> - -<div class="sidenote">Bernh. Christ.<br />Breitkopf.</div> - -<p> -Mit den Buchhändlern mussten die Buchdrucker Schritt halten. Unter -letzteren zeichneten sich aus: <span class='smcap'>Heinr. Christ. Takke</span> durch orientalische -Schriften, ganz besonders aber <span class='smcap'>Bernh. Christoph Breitkopf</span><a name='FA_0713' id='FA_0713' href='#FN_0713' class='fnanchor'>[13]</a>. Er -war am 2. März 1695 in Klausthal geboren. 1718 kam er nach Leipzig, -heiratete 1719 die Witwe des Buchdruckers Joh. Kasp. Müller, und -übernahm die Buchdruckerei, die damals sehr in Verfall geraten war. -Breitkopfs Tüchtigkeit und Rechtschaffenheit liessen ihn jedoch Gönner -finden, die ihn in den Stand setzten, sich herauszuarbeiten und den -„Goldenen Bären“ zu bauen, der das Geschäft 135 Jahre lang beherbergen -sollte und Veranlassung zu dem Druckerzeichen dem „Bären“ gab. Der -„Silberne Bär“ ward dem goldenen gegenüber 1765-67 erbaut. Die Offizin, -im Jahre 1722 die dreizehnte in der Rangordnung, war 1742 schon die -dritte und der Besitzer zur Zeit des Jubelfestes 1740 angesehener -Oberältester der Innung, welche damals 17 Prinzipale mit 137 Gehülfen -zählte. Auf dem Boden des tüchtigen Druckerhandwerks erwuchs bald ein -ansehnlicher Bücherverlag, der 1723 mit einer hebräischen Handbibel -begann. Die Messkataloge von 1725 bis 1761 weisen 656 Verlagswerke -Breitkopfs auf. Den wesentlichen Charakter erhielt -<span class='pagenum'><a id='Page_150' name='Page_150' href='#Page_150'>[150]</a></span> -der Verlag jedoch -durch die engen Beziehungen Breitkopfs zu J. Chr. Gottsched und -dessen Frau Luise, geb. Kulmus. Gottsched blieb bis zu seinem Ende -Breitkopfs Freund und Hausgenosse im Goldenen Bären. Seine Druckerei -übergab Breitkopf 1745 seinem Sohn; im Verlage wirkte er noch bis -1762 und starb hochbetagt und geehrt am 26. März 1777. Er erlebte es -noch, wie Gottsched ihm 1736 prophezeit hatte, dass, obwohl er als -der erste Buchdrucker Deutschlands gegolten hatte, sein Sohn ihn noch -überstrahlte. Die Geschichte darf aber nicht vergessen, dass dies -dem Sohne vielleicht nur dadurch möglich geworden ist, dass der Vater -ihm die Druckerei in einem Zustande hinterliess, der ihm gestattete, -sich ohne Schranken seinen, mitunter sehr kostspieligen Versuchen und -Erfindungen hinzugeben. -</p> - -<div class="sidenote">Wittenberg. -<hr class="sidenote" /> -Hans Lufft, der<br />Bibeldrucker.</div> - -<p> -Ein schlagendes Beispiel, wie das Buchdruckergewerbe mit dem geistigen -Leben fällt und steigt, giebt WITTENBERG<a name='FA_0714' id='FA_0714' href='#FN_0714' class='fnanchor'>[14]</a>, wo Luthers Wirksamkeit -die Kunst zu einer schnellen Blüte trieb. <span class='smcap'>Melchior Lotter d. jüng.</span> -(1519-1523) begann die Reihe der Reformationsdrucker. Ihm folgte -<span class='smcap'>Georg Rhawe</span> (1520-1548), welcher sowohl Schriften von Luther als von -Melanchthon druckte. Sein <em class="kursiv">Hortulus animæ</em> mit Cranachs Zeichnungen -ist ebenso geschätzt wie <span class='smcap'>Gabr. Schnellboltzs</span> Sammlung von Portraits -in einer so vorzüglichen Ausführung, dass man die Zeichnungen Lucas -Cranach zuschreibt. Der bekannteste unter Wittenbergs Buchdruckern -ist <span class='smcap'>Hans Lufft</span>, „der Bibeldrucker“ (1525-1584). Er druckte 1534 die -Luthersche Bibelübersetzung, die 1541, 1545 und 1546 in neuen Auflagen -wiederholt wurde. Da auch die meisten andern Schriften Luthers aus -seinen Pressen hervorgingen, so gewann sein Geschäft eine grosse -Ausdehnung. Für den Bibeldruck allein arbeiteten fortwährend drei bis -vier Pressen, und man behauptet, dass gegen 100000 Exemplare der Bibel -aus seiner Offizin hervorgegangen sind. Die Pressen von Hans Weyss, -Peter Seitz und Johann Kraft wurden ebenfalls durch die Reformation im -Gang erhalten. -</p> - -<div class="sidenote">Hamburg.</div> - -<p> -Auch in HAMBURG eröffnete die Reformation der Presse ein weiteres -Feld, jedoch hatte sie hier mit einer besonderen Schwierigkeit zu -kämpfen. Während die hochdeutsche Schriftsprache durch -<span class='pagenum'><a id='Page_151' name='Page_151' href='#Page_151'>[151]</a></span> -die Reformation -fast überall Boden gewann, blieb sie hier dem Volke ein mehr oder -weniger fremdes Idiom. Die Verleger Hamburgs konnten für Werke in -niederdeutscher Sprache nur auf ein kleines, mehr lokales, Publikum -rechnen, anderseits die für das Volk bestimmten Schriften nicht -hochdeutsch drucken. Hierin trat erst zu Anfang des <span class='smcap'>xvii.</span> Jahrhunderts -eine Änderung ein. -</p> - -<div class="sidenote">Rostock.</div> - -<p> -In ROSTOCK bestand schon 1476 eine angesehene Buchdruckerei der „Brüder -des gemeinsamen Lebens“. Die Reformation bereitete ihr den Untergang -(1534) und zwar zum grossen Verdruss der Gelehrten. Noch im Jahre 1564 -klagt der Professor Chyträus, dass es in Rostock nur einen Buchhändler -mit einer Druckerpresse und einem Lehrling gebe, sodass viele gelehrte -Ausländer nicht einmal wüssten, dass in Rostock eine hohe Schule -vorhanden sei. -</p> - -<div class="sidenote">Berlin.</div> - -<p> -BERLIN<a name='FA_0715' id='FA_0715' href='#FN_0715' class='fnanchor'>[15]</a> war im Jahre 1500 zwar die Residenz der Kurfürsten in -den Marken, aber eine unbedeutende Stadt, die nicht einmal eine -Buchdruckerei besass, während Stendal und Kloster Zinna bei Jüterbogk -deren vor dem Schluss des <span class='smcap'>xv.</span> Jahrhunderts hatten (vergl. S. 53), und -Frankfurt a. d. O. wenigstens 1502 eine solche, wenn auch nur in einem -kleinen Massstabe, durch Martin Tretter erhielt. -</p> - -<div class="sidenote">Joh. Weiss.</div> - -<p> -Erst um das Jahr 1540, zu einer Zeit, wo der Süden Deutschlands -bereits über seinen typographischen Glanzpunkt hinaus war, erfolgte -die Einführung der Kunst in Berlin und zwar auf besonderen Betrieb des -Kurfürsten Joachim <span class='smcap'>ii.</span>, welcher 1539 <span class='smcap'>Johann Weiss</span>, der schon seit 1525 -als ein anerkannt tüchtiger Buchdrucker in Wittenberg gewirkt hatte, -nach Berlin berief. Das erste dort gedruckte Buch, die Kirchenordnung -im Kurfürstenthum der Marken, erschien 1540. -</p> - -<p> -Bis 1544 lieferte Weiss etwa 20 Druckwerke, von da ab hört man weiter -nichts von ihm, und da auch die in Frankfurt a. d. O. bestehende -einzige Buchdruckerei von <span class='smcap'>Joh. Hanaw</span> eingegangen war, so hatte die Mark -Brandenburg 1544 keine Buchdruckerei. -</p> - -<p> -<span class='smcap'>Frankfurt a. d. O.</span> erhielt endlich, nachdem Nikolaus Wolrab dort auf -kurze Zeit (1547-1549) aufgetreten und dann wieder -<span class='pagenum'><a id='Page_152' name='Page_152' href='#Page_152'>[152]</a></span> -verschwunden war, -in <span class='smcap'>Joh. Eichhorn</span> aus Nürnberg einen tüchtigen Buchdrucker mit einem -alleinigen Privilegium für die Mark ausgerüstet (1567). In Berlin -findet sich aber fast 30 Jahre lang keine Spur einer Buchdruckerei, bis -1574 Leonhard Thurneysser zum Thurn als solcher erscheint. -</p> - -<div class="sidenote">Leonh. Thurn-<br />eysser.</div> - -<p> -Dieser <span class='smcap'>Leonhard Thurneysser</span> war kein gewöhnlicher, aber ein unsteter -Mensch. Geboren zu Basel 1530, war er nach einander Goldschmied, -Naturhistoriker, Chemiker, Bergmann, Arzt, in allen Eigenschaften -tüchtig; bald arm, bald reich. Nach langen Reisen in Europa und -Asien kam er 1568 zurück und erwarb sich Ruf als Arzt durch seine -Wunderkuren, die er auch mit Glück an der Gemahlin des Kurfürsten -Johann Georg in Frankfurt a. d. O., wo er sich wegen des Druckes seiner -Werke aufhielt, übte. Der Kurfürst nahm ihn in seine Dienste und gab -ihm in Berlin ein Lokal in dem Grauen Kloster, um dort zunächst für -seine eigenen Werke eine Druckerei einzurichten, aber auch, um für den -Kurfürsten zu drucken. Die Offizin stattete Thurneysser auf das beste -nicht nur mit deutschen, sondern auch mit allerlei orientalischen -Schriften aus. Später kam eine Schriftgiesserei und Holzschneiderei -dazu. Seine Bücher sind sehr sorgfältig gedruckt. Bedeutend und weit -verbreitet war sein Verlag von Kalendern, die zu der Zeit überhaupt -fast nur von Ärzten herausgegeben wurden. -</p> - -<p> -In Thurneyssers damals glänzenden Verhältnissen trat aber ein -allmählicher Rückgang ein. Unruhig wie er war, siedelte er 1579 nach -Basel über und ging dort eine unglücklich ausfallende Ehe ein, die -durch einen Prozess ihm grossen pekuniären Verlust brachte. Nach Berlin -zurückgekehrt, verliess er 1584 heimlich die Stadt und verschwand -von der Bühne. Die Druckerei hatte er schon 1577 für 1100 Thaler an -seinen tüchtigen Gehülfen <span class='smcap'>Michael Hentzke</span> verkauft, der bereits 1580 -starb. Dessen Witwe heiratete <span class='smcap'>Nik. Voltz</span>, einen tüchtigen Buchdrucker, -der jedoch aus Mangel an Mitteln gezwungen war, einen Teilhaber zu -nehmen, den er in dem Rektor des Gymnasiums zum Grauen Kloster, <span class='smcap'>Wilh. -Hilden</span>, fand. Sie druckten jeder unter seinem Namen, bis Voltz 1586 -wieder in den alleinigen Besitz des Geschäftes kam, mit welchem er 1593 -nach Frankfurt a. d. O. zog. Hier fand er 1619 sein Ende, jedoch ohne -bessere Erfolge seiner Thätigkeit erreicht zu haben. -</p> - -<div class="sidenote">Christoph<br />Runge.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_153' name='Page_153' href='#Page_153'>[153]</a></span> -Von 1593 bis 1599 tritt nun wieder eine Pause in der Druckthätigkeit -Berlins ein. In diesem Jahr berief der Kurfürst Joachim Friedrich <span class='smcap'>iii.</span> -<span class='smcap'>Christoph Runge</span>, Buchdrucker zu Neudamm, nach Berlin, wo er bis 1607 -druckte. Sein Sohn Georg, später sein Enkel Christoph, setzten das -Geschäft fort. Letzterer entwickelte mit seiner gut ausgestatteten -Offizin eine bedeutende Thätigkeit. Bei ihm wurde 1615 die erste -Zeitung Berlins gedruckt. Sein sorgenvolles Leben schloss im Jahre -1681<a name='FA_0716' id='FA_0716' href='#FN_0716' class='fnanchor'>[16]</a>. -</p> - -<div class="sidenote">Die Hofbuch-<br />drucker.</div> - -<p> -Im Jahre 1660 wurde der erste Hofbuchdrucker ernannt, <span class='smcap'>Georg Schultze</span>, -der eine gut eingerichtete Buchdruckerei aus Guben mit nach Berlin -brachte, wo ihm im Schlosse ein Lokal eingeräumt wurde. Er starb 1685. -Seine Nachfolger im Amte brachten es nicht weit, und von 1721 ab, in -welchem Jahre der damalige Inhaber kassiert wurde, hört man nichts -weiteres von der Schlossdruckerei. -</p> - -<p> -Dieserart waren die bescheidenen Anfänge der Buchdruckerkunst in der -jetzigen Kaiserresidenz, Millionenstadt und dem Hauptsitz deutscher -Wissenschaft und Kunst. -</p> - -<hr /> - -<h3> -DIE SKANDINAVISCHEN LÄNDER. -</h3> - -<div class="sidenote">Dänemark.<br />Die Reformation. -<hr class="sidenote" /> -Lud. Dietz und<br />die Bibel. -<hr class="sidenote" /> -Die Universität. -<hr class="sidenote" /> -Die Zensur. -<hr class="sidenote" /> -Der Buchhandel.</div> - -<p> -DÄNEMARK<a name='FA_0717' id='FA_0717' href='#FN_0717' class='fnanchor'>[17]</a>. Die Einführung der kirchlichen Reformation war nicht -ein so entscheidender Wendepunkt in dem geistigen Leben Dänemarks, -wie in dem Deutschlands. Der König Christian <span class='smcap'>ii.</span> begünstigte zwar -die Bestrebungen der Humanisten und der Reformatoren, konnte sie aber -während seiner unruhigen und blutigen Laufbahn nicht genügend stützen. -Die erste dänische Ausgabe des Neuen Testaments wurde so zu sagen unter -seinen Augen in Leipzig 1524 gedruckt. Überhaupt war der Buchdruck in -Dänemark noch nicht imstande, mit den Bedürfnissen Schritt zu halten -und viele Bücher wurden in Paris, Antwerpen, Köln, Lübeck, Magdeburg -und Rostock ausgeführt, an letzterem Orte durch die <em class="kursiv">Fratres vitæ -communis</em>, namentlich aber durch <span class='smcap'>Ludw. Dietz</span>, der 1533 Luthers Bibel -plattdeutsch gedruckt hatte. Sein Name hatte in Dänemark einen so guten -Klang, dass er vom König Christian <span class='smcap'>iii.</span>, als dieser den Vorsatz gefasst -hatte, eine schöne Ausgabe der Bibel veranstalten zu -<span class='pagenum'><a id='Page_154' name='Page_154' href='#Page_154'>[154]</a></span> -lassen, nach Kopenhagen berufen wurde, wo er das Vorhaben des Königs in würdigster -Weise ausführte. Der Vorschlag war von dem Reformator Bugenhagen -ausgegangen, der auch die erwähnte plattdeutsche Bibel besorgt hatte, -welche noch um ein Jahr eher erschien, als die erste vollständige -hochdeutsche Bibel durch Hans Lufft. Dietz wurde mit seinem Gehülfen -und seiner Druckerei 1548 nach Kopenhagen kostenfrei übergeführt; -dort erhielt er freies Quartier, eine Ladung Holz, 200 Reichsthaler -Handgeld und für jedes der 3000 Exemplare der Auflage 1 Gulden. Durch -eine Abgabe von 2 Reichsthalern auf jede Kirche in Dänemark wurden -die Kosten für das Papier zuwegegebracht. Am Johannistage 1550 war der -Druck zur grössten Zufriedenheit beendigt und Dietz und seine Offizin -wurden wieder nach Rostock gebracht. Diese Bibel ist ein vorzügliches -Druckwerk, mit guten Holzschnitten geschmückt, welche teilweise schon -früher in Deutschland benutzt waren. Das Portrait des Königs und ein -Titelblatt sind von Jakob Binck ausgeführt. Ein anderer Deutscher, <span class='smcap'>Hans -Stockelmann</span>, war der erste eigentliche Universitätsbuchdrucker (1574) -und genoss als solcher bedeutende Vorteile. Die Universität besass -jedoch keine rechte geistige Selbständigkeit und man blickte nach -Wittenberg als nach einem Richterstuhl ohne Appell in Angelegenheiten -der Kirche und der Wissenschaft. Die Zensur, die sich 1524 Eingang -verschafft hatte, um gegen Luthers Schriften angewendet zu werden, -wurde nun umgekehrt von den Protestanten nach Herzenslust geübt. Die -Herausgabe eines Spottliedes gegen einen Bischof kostete 1586 dem -Prediger Jakob Nielsen den Kopf. Die Einfuhr gedruckter Bücher wurde -1562 verboten. Ein litterarisches Eigentumsrecht erkannte die damalige -Zeit nicht an. Selbstverständlich konnte der <span class='smcap'>Buchhandel</span> keine grossen -Fortschritte machen; eine zunftmässige Organisation desselben bestand -nicht und die Bücher waren verhältnismässig teuer und selten. Unter den -Verlegern fand, wie in Deutschland, ein Tauschhandel statt; Kataloge -und Bekanntmachungen waren nicht gebräuchlich, doch besuchten dänische -Buchhändler die Frankfurter und die Leipziger Messen und erhielten -Besuch von deutschen und holländischen Verlegern. 1614 wurden die -ersten Zeitungsprivilegien erteilt. -</p> - -<div class="sidenote">Schrift u. Papier.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Schriftgiessereien</span> hatte Dänemark noch nicht gehabt und die nötigen -Typen führten Deutschland und Holland ein. Nicht -<span class='pagenum'><a id='Page_155' name='Page_155' href='#Page_155'>[155]</a></span> -nur das Druckmaterial, -sondern auch die Arbeiter wurden aus dem Auslande geholt. Mit der -<span class='smcap'>Papierfabrikation</span> wollte es auch nicht recht vorwärts gehen. Die erste -Fabrik wurde auf Seeland i. J. 1576 errichtet, prosperierte aber nicht. -Sogar berühmte Schriftsteller mussten den Druck ihrer Werke einstellen, -weil das benötigte Papier nicht zu beschaffen war. -</p> - -<p> -Im Jahre 1589 legte der berühmte Astronom <span class='smcap'>Tycho de Brahe</span>, neben seiner -schon seit 1584 bestehenden Privatdruckerei auf der kleinen Insel Hveen -im Öresund, auch eine Papierfabrik an; dieselbe hörte jedoch bald auf. -Bei ihm hielt sich der berühmte holländische Buchdrucker und Geograph -Wilh. Janszoon Blaeu längere Zeit auf und arbeitete zusammen mit ihm zu -wissenschaftlichen Zwecken. -</p> - -<div class="sidenote">Buchbinderei.</div> - -<p> -Um die <span class='smcap'>Buchbinderei</span> war es nicht ganz übel bestellt, sie wurde aber -hauptsächlich von Franzosen und Deutschen betrieben. Von letzteren -berief man z. B. im Jahre 1550 <span class='smcap'>Christoph Schoch</span> aus Wittenberg und <span class='smcap'>Paul -Knobloch</span> aus Lübeck, um die 2000 Exemplare der obenerwähnten Bibel -Christians <span class='smcap'>iii.</span> zu binden, wofür sie neben freier Station den hohen -Preis von 2 Mark dänisch pro Stück erhielten. -</p> - -<div class="sidenote">Verfall<br />der Wissenschaft.</div> - -<p> -Wie der Glanz und die Herrlichkeit der Geistlichkeit vor der -kirchlichen Reformation erloschen war, so sank nach der grossen -politischen Umwandlung durch die Einführung des absoluten Königtums im -Jahre 1660 die Macht des Adels auf immer und damit auch die von ihm der -Litteratur und den Wissenschaften gewährte Unterstützung. Ein freies, -aufgeklärtes und wohlhabendes Bürgertum als Ersatz gab es noch nicht. -Von den Königen wurden zwar viele Hofbuchdrucker und Hofbuchhändler -ernannt, es handelte sich jedoch nur um leere Titel. Pietismus und -Bigotterie herrschten in den oberen Kreisen und verbreiteten sich nach -unten, um dann dem Materialismus Platz zu machen. Lateinisch war immer -noch die Sprache der Gelehrten, wer nicht lateinisch schrieb, schrieb -deutsch und es dauerte lange, ehe die dänische Sprache und Litteratur -zu Ehren kamen. Die Zensur wurde mit Strenge gehandhabt; der Nachdruck -blühte und die Einfuhr von Büchern war hoch besteuert. -</p> - -<div class="sidenote">Buchhandel. -<hr class="sidenote" /> -E. H. Berling.</div> - -<p> -Glänzend konnte demnach der Zustand der Buchdruckerei und des -Buchhandels nicht sein. Hierzu kam noch der grosse Brand von -<span class='pagenum'><a id='Page_156' name='Page_156' href='#Page_156'>[156]</a></span> -Kopenhagen 1728, nach welchem das Geschäft ganz darnieder lag und -erst durch <span class='smcap'>Georg Höpfner</span> wieder zu Ehren kam. Im Jahre 1722 gab es -ausserhalb Kopenhagens keine Presse in Dänemark, 1769 arbeiteten 12 -Buchdruckereien. Vieles wurde jedoch in Deutschland gedruckt, wenn -auch nicht viel besser. Ein Deutscher, <span class='smcap'>Ernst Heinrich Berling</span>, hatte -um 1740 eine Schriftgiesserei angelegt, und das Verbot der Einfuhr -von Schriften-Guss erlangt. Aber dieses Verbot scheint nicht beachtet -worden zu sein. Die Fraktur war die allgemein gebräuchliche Type und -ein Versuch des Buchdruckers <span class='smcap'>Jokum Wielandt</span>, 1723, sie durch Antiqua -zu ersetzen, misslang. Im Jahre 1754 wollte man eine „Freie dänische -Buchdruckerei“ begründen mit ähnlicher Tendenz wie die „Gelehrte -Buchhandlung“ in Deutschland; sie endigte mit gleichem Misserfolg. Im -Jahre 1720 war das erste kritische Blatt erschienen. Mit den Zeitungen -sah es keineswegs gut aus. Die in deutscher Sprache geschriebenen waren -reine Abklatsche der elenden Hamburger Zeitungen. 1666 erschien eine -gereimte dänische Zeitung „Dansk Mercurius“. Erst ein Kopenhagener -Lokalblatt „Die Nachrichten des Adress-Komptoires“ hatte einen solchen -Erfolg, dass nun auch Provinzstädte Lust bekamen an dem Gewinne -teilzunehmen, was dann auch die Verbreitung der Buchdruckereien mit -sich brachte. -</p> - -<div class="sidenote">Norwegen.</div> - -<p> -In dem mit Dänemark politisch und sprachlich verbundenen NORWEGEN ging -die wissenschaftliche und litterarische Bewegung ganz in der dänischen -auf, so dass die Buchdruckereien dort nicht festen Fuss fassen -konnten. Das erste Buch wurde in CHRISTIANIA i. J. 1643 von einem -wandernden Buchdrucker, <span class='smcap'>Tyge Nielsen</span> aus Kopenhagen, gedruckt. Eine -fest angesiedelte Offizin erhielt Norwegen erst durch einen Deutschen, -<span class='smcap'>Valentin Kuhn</span>. -</p> - -<div class="sidenote">Island.</div> - -<p> -Auf ISLAND herrschte und herrscht noch die von den eingewanderten -Norwegern mitgebrachte altnordische (<em class="kursiv">Norräna</em>-)Sprache und ein reges -geistiges Leben. Die Reformation ward 1551 eingeführt, und Island -erhielt, noch vor dem Mutterlande, eine Buchdruckerei. Dieselbe wurde -auf Veranlassung des letzten katholischen Bischofs Jon Arason durch -dessen Schreiber, den Schweden <span class='smcap'>Jon Matthiasson</span>, in HOLUM eingerichtet -und hier erschien 1531 das erste Buch <em class="kursiv">Missale Nidarosiense</em> -(Drontheimsches Missal). Als der Bischof, ein Opfer seiner Überzeugung, -gefallen war, nahm der weniger skrupulöse -<span class='pagenum'><a id='Page_157' name='Page_157' href='#Page_157'>[157]</a></span> -Matthiasson die lutherische -Lehre an, behielt die Druckerei und druckte mehrere evangelische -Schriften. Die Offizin zog öfters hin und her und wurde 1574 von -dem Bischof Guldbrand Thorlakson übernommen, mit neuem Material -versehen und erweitert, so dass sie 1584 eine Folio-Bibel, von der -später mehrere Auflagen erschienen, isländisch drucken konnte. Der -Bischof besorgte selbst eine sehr genaue Korrektur und soll sogar die -zierlichen Initialen gezeichnet und geschnitten haben. Im Jahre 1704 -kam die Offizin nach SKALHOLT, wo sie über 40 Drucke lieferte, und -dann, nach längerem Stillstand, 1704 nach Holum zurück. -</p> - -<div class="sidenote">Schweden.</div> - -<p> -In SCHWEDEN wurde die Bibel zum erstenmale 1521 schwedisch gedruckt; -1548 das Neue Testament in finnischer Sprache. 1594 liess Karl <span class='smcap'>xi.</span> eine -königliche Buchdruckerei einrichten, deren erster Vorstand <span class='smcap'>Anund Olai</span> -war, und die, bald unter deutschen, bald unter schwedischen Dirigenten, -tüchtiges geliefert hat. -</p> - -<div class="sidenote">Pet. v. Selou. -<hr class="sidenote" /> -Heinr. Keyser.</div> - -<p> -Sowohl Gustav <span class='smcap'>ii.</span> Adolf, als seine gelehrte Tochter, Christina, -förderten eifrig die Buchdruckerkunst. Zu einer Zeit, wo diese -sonst bereits anfing in Misskredit zu kommen, verlieh Gustav Adolf -den Buchdruckern Einkünfte. 1626 berief er aus Deutschland <span class='smcap'>Peter -von Selou</span>, damit er heilige Schriften mit russischen Typen drucke. -1636 gab er dem alten Bischofssitz STRENGNÄS eine Druckerei, nur -damit der Bischof von Schonen, Laurentius Paulinus, mit grösserer -Bequemlichkeit den Druck seiner Schriften überwachen konnte. Mit dem -Bischof wanderte die Druckerei später nach Upsala. Dem geschickten -Formenschneider und Kupferstecher <span class='smcap'>Heinrich Keyser</span> schenkte er einen, -in Deutschland erbeuteten Buchdruckerei-Apparat, mit welchem Keyser, -unter der Regierung Christinas, die sehr geschätzte, sogenannte Bibel -der Königin Christina druckte. Bekannt ist Keyser namentlich durch sein -Werk <em class="kursiv">Insignia nobilitatis Suecanae</em> mit sehr gut ausgeführten Wappen. -Als Keyser sich in seinen Hoffnungen auf guten Erfolg getäuscht sah, -zerstörte er in Unmut die Illustrationen, so dass das Werk sehr selten -geworden ist. Der tüchtige Sohn Keysers druckte in vorzüglicher Weise -die schönste Ausgabe der schwedischen Bibel, die erst 1703, nach seinem -1699 erfolgten Tode, vollendet wurde. -</p> - -<p> -Die Königin Christina hatte einen bekannten Amsterdamer Buchdrucker -<span class='smcap'>Johann Jansson</span> (nicht der berühmten <span class='smcap'>Blaeu</span>'schen -<span class='pagenum'><a id='Page_158' name='Page_158' href='#Page_158'>[158]</a></span> -Familie angehörend) -nach Stockholm berufen. Ausser festem Gehalt wurden ihm manche -Vorteile, darunter freie Papiereinfuhr, zugestanden. Als die -Königin die gelehrte Schule in Åbo in Finnland zur Universität -erhoben hatte, berief der akademische Senat 1642 <span class='smcap'>Peter Valdius</span> als -Universitätsbuchdrucker. 1713 wurde die Druckerei, auf Grund der -Kriegsunruhen, nach Stockholm gebracht. -</p> - -<p> -Über der in Gothenburg 1650 von <span class='smcap'>Amund Grefwe</span> errichteten Offizin ruhte -ein Unglücksstern. Erst ging ein Schiff, welches neue Typen und Papier -aus Hamburg bringen sollte, unter, und 1669 brannte, mit einem grossen -Teil von Gothenburg, die Druckerei ab. -</p> - -<div class="sidenote">Upsala.</div> - -<p> -In UPSALA mit seiner schon 1476 gestifteten Universität hatte <span class='smcap'>Paul -Griis</span> 1510 die Kunst eingeführt. Der König Karl Gustav unterstützte -ihn dabei, indem er ihm die Einkünfte eines Ritterguts überliess. -Griechisch, hebräisch, Runen und arabisch wurden bereits mit dem -Anfang des <span class='smcap'>xvii.</span> Jahrhunderts dort gedruckt; die letztere Schrift wurde -von Peter Kirsten aus Breslau eingeführt, die Runen verbesserte 1702 -Peringskjöld. -</p> - -<div class="sidenote">Olaus Rudbeck.</div> - -<p> -In Upsala lebte auch der berühmte Gelehrte <span class='smcap'>Olaus Rudbeck</span>, bekannt durch -sein grosses Werk <em class="kursiv">Atlantica, sive Manheim</em>, von welchem Band <span class='smcap'>i-iii</span> in -Folio mit einem grossen Atlas in den Jahren 1675-1698 fertig wurden. -Um den Druck zu fördern, hatte Rudbeck selbst 1686 eine Druckerei -angelegt, mit welcher, bei dem grossen Brande Upsalas 1702, der noch in -der Presse befindliche <span class='smcap'>iv.</span> Band so gründlich vernichtet wurde, dass nur -3 oder 4 Exemplare übrig geblieben sind. -</p> - -<div class="sidenote">Lund.</div> - -<p> -LUND hatte 1666 durch Karl <span class='smcap'>xi.</span> seine Universität erhalten. Die -Versuche, die 1668 und 1676 gemacht wurden, die Druckerkunst dort -heimisch zu machen, waren jedoch für lange Zeit ohne rechten Erfolg. -</p> - -<div class='footnotes'> - -<div class='footnote' id='FN_071'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_071'>[1]</a></span> Vergl. S. 116, Absatz: <span class='smcap'>Hans Schaeuffelein</span>. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_072'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_072'>[2]</a></span> Interessant ist in Bezug auf das Typenwesen im -Mittelalter: <span class='smcap'>F. Soennecken</span>, Das deutsche Schriftwesen. Bonn 1881. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_073'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_073'>[3]</a></span> <span class='smcap'>Dr. H. Grotefend</span>, Chr. Egenolff, der erste ständige -Buchdrucker zu Frankfurt a. M. Frankfurt 1881. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_074'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_074'>[4]</a></span> <span class='smcap'>Ed. Heyden</span>, Gallerie berühmter Frankfurter. 1861. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_075'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_075'>[5]</a></span> <span class='smcap'>H. Helbig</span>, <em class="kursiv">Notice sur P. Schœffer le fils</em>. Gent 1848. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_076'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_076'>[6]</a></span> <span class='smcap'>C. F. Schurrer</span>, Slavischer Bücherdruck in Würtemberg -im <span class='smcap'>xvi.</span> Jahrh. Tübingen 1799. — <span class='smcap'>H. C. W. Sillem</span>, <em class="kursiv">Primus Truber</em>. -Erlangen 1861. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_077'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_077'>[7]</a></span> Interessante Mitteilungen über diese geschäftliche -Verbindung verbreitet das in Basel 1881 erschienene: Rechnungsbuch des -Froben und Episcopius 1557-1564. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_078'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_078'>[8]</a></span> <span class='smcap'>A. Jociscus</span>, <em class="kursiv">Oratio de ortu etc. J. Oporini</em>. Strassburg -1569. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_079'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_079'>[9]</a></span> <span class='smcap'>S. Vögelin</span>, Christoph Froschauer, erster berühmter -Buchdrucker in Zürich. Zürich 1840. — <span class='smcap'>E. Camillo Rudolphi</span>, Die -Buchdrucker-Familie Froschauer in Zürich (1521-1595). Verzeichnis der -aus ihrer Offizin hervorgegangenen Druckwerke. Zürich 1869. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0710'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0710'>[10]</a></span> <span class='smcap'>G. Binckert</span>, Leonhard Straub, der erste Buchdrucker in -St. Gallen. 1878. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0711'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0711'>[11]</a></span> <em class="kursiv">Jubilæum typgr. Lipsiensium.</em> Leipzig 1640. — -Gepriesenes Andenken. Jubelschrift. Leipzig 1740. — <span class='smcap'>F. Ch. A. Hasse</span>, -Kurze Gesch. d. Leipziger Buchdk. Leipzig 1840. — <span class='smcap'>C. B. Lorck</span>, Die -Druckkunst und der Buchhandel in Leipzig durch vier Jahrhunderte. -Leipzig 1879. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0712'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0712'>[12]</a></span> <span class='smcap'>G. Schwetschke</span>, <em class="kursiv">Codex nundinarius Germaniae literatae -bisecularis</em>. Halle 1850. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0713'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0713'>[13]</a></span> <span class='smcap'>Dr. O. Hase</span>, Breitkopf und Härtel. Leipzig 1875. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0714'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0714'>[14]</a></span> <span class='smcap'>E. G. Eichsfeld</span>, Relation vom Wittenbergischen -Buchdrucker Jubilio 1740. Wittenberg 1740. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0715'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0715'>[15]</a></span> <span class='smcap'>G. G. Küster</span>, <em class="kursiv">Historia artis typographicæ in Marchia</em>. -Berlin 1746. — Abhandlung, worin etwas von märkischen Formschneidern. -— <span class='smcap'>J. C. W. Moehsen</span>, Beiträge zur Geschichte der Wissenschaften -in Mark Brandenburg. Berlin 1783. — <span class='smcap'>G. Friedländer</span>, Beiträge zur -Buchdruckergeschichte Berlins. Berlin 1834. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0716'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0716'>[16]</a></span> <span class='smcap'>J. O. Opel</span>, Die Anfänge der deutschen Zeitungspresse. -Leipzig 1879. — <span class='smcap'>E. Dominik</span> und <span class='smcap'>Otto Wenzel</span>, Zwei Abhandl. in: „Der -Bär“ 1881, Nr. 24 u. 42. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0717'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0717'>[17]</a></span> <span class='smcap'>C. Nyrop</span>, <em class="kursiv">Bidrag til den danske Boghandels Historie</em>. 2 -Bde. Kopenh. 1870. -</div> -</div> - -<div class="center clrboth"> - <img src="images/pg_158_deco.jpg" - style="margin-bottom:5em;" - alt="Kapitel-Ende" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<div class="center clrboth pgbreak"> - <img src="images/pg_159_deco.jpg" - alt="Kapitel-Anfang" /> -</div> - -<h2 class="nobreak" id="h2_23"> -VIII. KAPITEL. -<span class="seitnum">[<a href="#toc_23">←</a>]</span> -</h2> -</div> - -<p> -DER DRUCKBETRIEB UND DAS BUCHGEWERBE IN DEUTSCHLAND. -</p> - -<div class="blockquote"> -<p> -<span class='smcap'>Die Schriftgiesserei</span> und die Druckschriften. -<span class='smcap'>Die Technik</span> des Setzens und Druckens: -Der Satzapparat, die Korrektur, die Presse, die Farbe. Prinzipal, -Geselle und Lehrling. <span class='smcap'>Die Buchbinderkunst.</span> -<span class='smcap'>Der Buchhandel</span>: Die litterarische -Produktion, das Verhältnis zwischen Autor und Verleger. -</p> -</div> - -<div class="sidenote">Technische Ver-<br />besserungen.</div> - -<p class="hide_x_"> -<span class='pagenum'><a id='Page_159' name='Page_159' href='#Page_159'>[159]</a></span> -<img src="images/pg_159_cap.jpg" alt="M" width="50" class="cap0" /> -<span class="hide">M</span>ÖGEN auch abweichende Urteile darüber herrschen, welcher Anteil an -der technischen Weiterbildung der neuen Kunst dem Erfinder selbst, -welcher seinen Genossen und ersten Nachfolgern gehört, so steht doch -das eine fest, dass die Technik der Kunst und der mechanische Apparat, -nachdem die ersten unsicheren Versuche hinter den genannten lagen, -eine derartige Festigkeit im Prinzip und Abrundung in der Ausführung -gewonnen hatten, dass man, trotz der Fortschritte der Gewerbe und der -Anwendung wissenschaftlicher Grundsätze auf dieselben, in der langen -Zeit von dem Jahre 1500 bis zu dem Jahre 1750 nicht imstande war, das -Überkommene durch Neues zu ersetzen<a name='FA_081' id='FA_081' href='#FN_081' class='fnanchor'>[1]</a>. -</p> - -<p> -Successive Verbesserungen in der Herstellung der Schriften und des -Druckes traten zwar ein, aber keine durchgreifenden Reformen. Erst zu -Ende des <span class='smcap'>xviii.</span> Jahrhunderts zeigten sich die Vorboten solcher, jedoch -erst dem <span class='smcap'>xix.</span> Jahrhundert war es beschieden, ihnen Fleisch und Blut zu -geben. -</p> - -<div class="sidenote">Schriftgiesserei.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_160' name='Page_160' href='#Page_160'>[160]</a></span> -In der SCHRIFTGIESSEREI bestanden die Verbesserungen, nachdem man schon -frühzeitig gelernt hatte, die Stempel in Stahl, die Matern in Kupfer, -die Schriften in härterer Metallmischung herzustellen, hauptsächlich -in der Einführung der nach bestimmten Regeln sich abstufenden -Schriftgrössen (<span class='smcap'>Kegel-System</span>), während anfänglich Zufälligkeiten oder -Laune bestimmend waren. -</p> - -<div class="sidenote">Kegel und<br />Schrifthöhe.</div> - -<p> -Leider wurde vom Beginn ab weder in Betreff des Kegels noch der -Schrifthöhe eine Einheitlichkeit in allen Ländern durchgeführt. -Nicht allein verfolgte jedes Land seinen eigenen Weg, sondern in den -einzelnen Ländern, und zwar ganz besonders in Deutschland, herrschte -Verschiedenheit, die sich sogar auf die einzelnen Städte ausdehnte, ja, -selbst in den Druckereien einer und derselben Stadt sah es oft traurig -genug um die Einheitlichkeit aus. -</p> - -<div class="sidenote">Giessinstrument.</div> - -<p> -Das <span class='smcap'>Giessinstrument</span> war so eingerichtet worden, dass die Buchstaben -beim Giessen einen trichterförmigen Anguss erhielten, dessen -Schwere die scharfe Ausprägung des Buchstabenbildes förderte. -Die Interpunktionszeichen wurden vermehrt und erhielten eine -zweckmässigere, weniger prätentiöse Form. Die überaus zahlreichen -Ligaturen der Buchstaben wurden auf eine kleine Zahl beschränkt und -die sogenannten Auszeichnungsschriften zum Hervorheben einzelner Zeilen -oder Wörter eingeführt. -</p> - -<div class="sidenote">Signatur.</div> - -<p> -Die <span class='smcap'>Typen</span> wurden mit einer Einkerbung (Signatur) versehen. Diese diente -nicht allein dem Setzer als Richtschnur, um den Buchstaben gleich aus -dem Kastenfach richtig zu fassen und in den Winkelhaken einzureihen, -sondern auch als Unterscheidung der verschiedenen, auf einem und -demselben Kegel gegossenen Schriftsorten, indem man mit der Stellung -der Signatur auf der unteren, beim Satz oberen, Langseite der Type -wechseln, nach Befinden auch gleichzeitig mehrere Signaturen anbringen -konnte. -</p> - -<div class="sidenote">Vermehrung der<br />Schriften.</div> - -<p> -Mit der steigenden Zahl der Schriften war dieses Unterscheidungszeichen -recht notwendig geworden. Bereits das, 1721 erschienene, Handbuch von -Ernesti weist nicht weniger als 47 verschiedene Frakturschriften bei -18 Kegelstärken auf. Man sieht auch hieraus, welche grosse Ansprüche -schon damals an die Schriftgiessereien und Buchdruckereien gestellt -wurden. In Deutschland verdoppelten sich diese Ansprüche, denn man -musste auch in Antiqua- und Kursiv-Schriften wohl versorgt sein. Das erwähnte -<span class='pagenum'><a id='Page_161' name='Page_161' href='#Page_161'>[161]</a></span> -Handbuch bringt 21 Antiqua- und 14 Kursiv-Proben, daneben -11 Grade Griechisch und 9 Grade Hebräisch, ausserdem arabische, -samaritanische, armenische, koptische, cyrillische, glagolitische, -russische, hunnische, scytische, wendische Schriften, Runen, Choral- -und gewöhnliche Noten. -</p> - -<div class="sidenote">Das Clichieren.</div> - -<p> -War auch die eigentliche Stereotypie noch nicht zur Anwendung gekommen, -so kann doch kein Zweifel darüber obwalten, dass man bereits im <span class='smcap'>xv.</span> -Jahrhundert in ziemlich ausgedehnter Weise das <span class='smcap'>Clichieren</span> geübt hat, -freilich noch aus freier Hand durch Eindrücken der grossen Initialen -oder der Holzstöcke in ein halberstarrtes Metall oder in Thon, wodurch -man eine, für das weitere Giessen verwendbare Mater gewann. -</p> - -<div class="sidenote">Die Fraktur und<br />die Zierschriften.</div> - -<p> -Obwohl die <span class='smcap'>Frakturschrift</span> die in Deutschland herrschende Schrift -war, so zeigte sich doch keine grosse Thätigkeit in der Fortbildung -derselben; wir berührten diese bereits, als von Nürnberg die Rede war -(S. 129). Als Auszeichnungsschrift wurde hauptsächlich die Schwabacher -Schrift, nachdem sie aufgehört hatte Buchschrift zu sein, benutzt; -auch machte sich die Typographie die Kanzlei- und die Kurrentschrift -dienstbar. Mit der Kanzlei nahm der herumreisende Schriftschneider -<span class='smcap'>Schmidt</span> in Leipzig einen nicht üblen Versuch vor; <span class='smcap'>Crabath</span> in Prag -schnitt eine schattierte Schrift mit einem starken und einem schwachen -Strich. Mit der Kurrentschrift wurde zu Beginn des <span class='smcap'>xviii.</span> Jahrhunderts -verschiedentlich experimentiert. Voran ging <span class='smcap'>Christ. Zink</span> in Wittenberg, -ihm folgten Schmidt und in Wien <span class='smcap'>von Trattnern</span>. In Basel zeichneten sich -<span class='smcap'>Joh. Putorius</span> und <span class='smcap'>W. Haas</span> aus, in Frankfurt a. M. <span class='smcap'>Luther</span>. -</p> - -<div class="sidenote">Die Antiqua.</div> - -<p> -Noch weniger als in der Fraktur leistete Deutschland in der <span class='smcap'>Antiqua</span>. -Frobens und Oporins Typen blieben noch zu Anfang des <span class='smcap'>xvii.</span> Jahrhunderts -massgebend, obwohl diese selbst mehr Nachahmungen des römischen, als -des verbesserten venetianischen Schnittes waren. -</p> - -<p> -Als zu Ende des <span class='smcap'>xvii.</span> Jahrhunderts die Verbreitung der holländischen -Ausgaben in Deutschland den Sinn für schöne Drucke geweckt hatte, fing -man an, sich Matrizen aus Holland kommen zu lassen. Besonders war es -der Schriftgiesser <span class='smcap'>Erhard</span> in Leipzig, welcher sich die Janssonschen -Schriften anschaffte. In Nürnberg schnitt <span class='smcap'>Joh. Lobinger</span> lateinische -Schriften, die Beifall fanden, -<span class='pagenum'><a id='Page_162' name='Page_162' href='#Page_162'>[162]</a></span> -ebenso, in Nachahmung der holländischen, -Christ. Zinck in Wittenberg. Ein eigentlicher Bahnbrecher erstand -jedoch nicht unter den deutschen Schriftgiessern. Wahrscheinlich -würde ein solcher auch, in Ermangelung jeglicher Unterstützung und -Aufmunterung, das Schicksal so mancher Bahnbrecher gehabt haben. Unter -solchen Verhältnissen findet man deutsches Geschick und Talent, wie in -manchem anderen Fach, so auch in der Schriftgiesserei hauptsächlich nur -im Dienste des Auslandes thätig. -</p> - -<div class="sidenote">Der Satzapparat.</div> - -<p> -DIE TECHNIK DES SETZENS UND DRUCKENS. Was den <span class='smcap'>Satz-Apparat</span> betrifft, -so wurde der Setzkasten zweckmässiger eingeteilt, und für die Fraktur -und Antiqua verschieden eingerichtet; auch machte die öftere Benutzung -der orientalischen Schriften besondere Kästen für diese notwendig. -Der „Winkelhaken“ wurde verstellbar und aus Metall angefertigt. Das -„Schiff“ erhielt den Doppelboden (Zunge) zum Ausziehen, war jedoch noch -von Holz. Die eisernen Schliessrahmen fanden überall Eingang. -</p> - -<div class="sidenote">Der Satz.</div> - -<p> -Der <span class='smcap'>Satz</span> selbst bekam durch den Durchschuss, die Absätze, die -Schmutztitel, Buch- und Kapitel-Einteilungen eine freiere, -übersichtlichere Gestaltung. Die Titel in der jetzigen Einrichtung -wurden allgemein, ebenso die Angabe des Druckorts und des Datums, des -Druckers, später auch des Verlegers. Die kleineren Schriftgattungen -gestatteten die Verwendung der kleineren, handlichen Formate. Die -Zahl der letzteren war eine übergrosse, ausser den gewöhnlichsten: -Folio, Oktav, Duodez und Sedez, wurden: Achtzehner, Vierundzwanziger, -Zweiunddreissiger, Achtundvierziger, Zweiundsiebenziger, -Sechsundneunziger oft verwendet, es kamen dazwischen aber auch noch -andere vor. Die Kolumnentitel, die Signatur, die Norm und der Kustos -waren an und für sich kleine, aber doch wesentliche Verbesserungen. Die -Accidenzarbeiten hatten noch keine grosse Bedeutung. -</p> - -<div class="sidenote">Die Presse.</div> - -<p> -Die <span class='smcap'>Presse</span> von 1750 war im Prinzip und in allen wesentlichen -Bestandteilen dieselbe wie die aus dem Jahre 1500. Sie wurde aus Holz -konstruiert, jedoch fertigte man nach und nach die Spindel, die Mutter, -den Tiegel aus Messing oder Eisen und das Fundament und die Schienen -aus Eisen. Als Verbesserer der Pressen werden namentlich Danner in -Nürnberg und Wilh. Janszoon Blaeu in Amsterdam genannt. -</p> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_163' name='Page_163' href='#Page_163'>[163]</a></span> -Um eine Form zu drucken war ein zweimaliges Anziehen des Bengels -notwendig, da der Tiegel nicht gross genug war, um eine volle Form zu -decken. Der Karren wurde deshalb erst bloss bis auf die Hälfte der Form -hineingefahren und der erste Druck geübt, dann ganz hinein, damit auch -die andere Hälfte gedruckt wurde. -</p> - -<div class="sidenote">Die Drucker.</div> - -<p> -An der Presse arbeiteten zwei Drucker, der „Pressenmeister“ und der -„Ballenmeister“<a name='FA_082' id='FA_082' href='#FN_082' class='fnanchor'>[2]</a>, die sich jedoch gewöhnlich in der Arbeit ablösten. -Der jedesmalige Ballenmeister hatte die zwei pilzförmigen Ballen -aus Holz, die mit Rosshaaren überdeckt und mit Schafleder überzogen -waren, einzufärben, die von dem Farbetische entnommene Farbe durch -tüchtiges Reiben der Ballen an einander gut zu verteilen und dann die -Form einzuschwärzen, indem er, unter fortwährend wiegender Bewegung -der Ballen, diese erst von oben nach unten und dann seitwärts auf -die Schrift drückte, und länger an den Stellen, die eine besonders -sorgfältige Einfärbung verlangten, z. B. bei grossen Titelschriften und -Illustrationen, anhielt. -</p> - -<p> -Trotz dieser zeitraubenden Manipulationen konnten doch zwei Drucker -in einem Arbeitstag 2000 Drucke, flinke Drucker sogar 3000, also resp. -1000 und 1500 vollständige Bogen fertig bringen. -</p> - -<div class="sidenote">Die Farbe.</div> - -<p> -Die <span class='smcap'>Farbe</span> wurde von jeder Buchdruckerei selbst bereitet und bestand -aus Leinöl-Firnis und Kienruss. Sie war im allgemeinen eine gute, -und es kam hauptsächlich nur darauf an, dass der Firnis die richtige -Stärke erhielt. Da das Sieden desselben nicht ohne Feuergefahr war, so -gestattete man es nur auf einem, dazu von den Stadtbehörden bestimmten -Platz. Der Tag des Siedens galt als halber Festtag für die Drucker. -Um dem siedenden Öl sowohl die wässerigen als die überflüssigen -fettigen Teile zu nehmen wurden Stückchen von Brotrinde oder Semmel -hineingesteckt. Mit Salz bestreut, wurden diese Brotstückchen gern -gegessen, sie mehrten aber noch den selbstverständlichen Durst ins -unberechenbare und das Bier schmeckte nun um so besser. -</p> - -<div class="sidenote">Die Korrektur.</div> - -<p> -Die <span class='smcap'>Korrektur-Abzüge</span> wurden mittels der Bürste abgeklopft, mitunter -auch in grausamer Weise abgetreten! Man legte -<span class='pagenum'><a id='Page_164' name='Page_164' href='#Page_164'>[164]</a></span> -eine Partie Makulatur -über den abzuziehenden Bogen und trat nun den Druck ab, indem man sich -auf die Form stellte. -</p> - -<p> -Grössere Offizinen hatten ihre Haus-Korrektoren und es bildete sich -ein besonderer Stand der Korrektoren von Beruf. Soll man nach den -Ermahnungen eines ihrer Kollegen<a name='FA_083' id='FA_083' href='#FN_083' class='fnanchor'>[3]</a> urteilen, so müssen sie nicht immer -sich des solidesten Lebenswandels befleissigt haben, denn neben einem -guten Auge verlangt er vor allen Dingen von einem guten Korrektor, dass -er „mit allem Fleiss für der Trunkenheit sich hütet, auff dass er nicht -etwa gantz nichts, oder hingegen mehr, als in Wahrheit vorhanden, sehe -oder auffzeichne. Und, welcher zu dieser Verrichtung verordnet, gerne -trincket, ist ein unnützer Mensch, zu welchem der Druckherr, wann er -ihm offt also bezecht sihet, ohne Vorwunderung wol sagen möchte: troll -dich du Bösewicht“. -</p> - -<div class="sidenote">Der Prinzipal.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Der Buchdruckerprinzipal</span> musste, bevor er eine Offizin eröffnete, den -Buchdruckereid ablegen, der, wenn auch nicht überall der gleiche, stets -darauf ging, nichts ohne Zensur und keine Schmähschrift zu drucken und -den Buchdruckerei-Ordnungen gemäss sich zu betragen. Die Rechte der -Innungen waren durch die Statuten und Freiheiten in den Artikel-Briefen -gesichert. Die Überwachung derselben, die Aufbewahrung der Lade und die -Führung der Innungsrechnungen war dem Oberältesten, dem „Ladenvater“, -übertragen, der auf dem Generalsitz (Session), welcher jedesmal 14 Tage -vor der Messe abgehalten wurde, gewählt ward. -</p> - -<div class="sidenote">Der Geselle.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Die Gesellen</span> bildeten ebenfalls unter sich einen Verein, der seine -zwei Obergesellen oder Assessoren, einen Drucker und einen Setzer, -hatte, die bei den Gesellen ungefähr die Stellung einnahmen, wie der -Oberälteste bei den Meistern, und für den Nutzen der Gesellschaft zu -sorgen hatten. -</p> - -<p> -Die Gesellen arbeiteten entweder in festem Lohn oder konsensweise, d. -h. wurden per Stück bezahlt. Das Engagement galt von Messe zu Messe; 14 -Tage vor der Messe wurde der „Anredetag“ abgehalten; wollte der Meister -den Gesellen noch ein halbes Jahr behalten, so wurde er „angeredet“, -geschah dies nicht, so wusste er, dass er nach 14 Tagen „Feierabend“ -hatte. Was der Geselle von Messe zu Messe von seinem Lohn stehen -liess, hiess seine Messbesoldung. Wurde er verschrieben, so erhielt er -„Laufgeld“. -<span class='pagenum'><a id='Page_165' name='Page_165' href='#Page_165'>[165]</a></span> -Beim Eintritt musste er „Introitus“ zahlen, war er nicht -gut beleumundet, so wurde er von seinen Kollegen zurückgewiesen. Er -hatte das Recht den Degen zu tragen. -</p> - -<p> -Der Introitus, die Abgaben der Ausgelernten, „das Titulgeld“, welches -der Verleger für den Druck eines roten Titels zahlte, oder sonstiges -Trinkgeld wurde jährlich zweimal, zu Fastnacht und zu Martini, verteilt -oder vertrunken. Zu Martini gab der Prinzipal einen Schmaus. -</p> - -<div class="sidenote">Der Lehrling. -<hr class="sidenote" /> -Die Deposition.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Der Lehrling</span> wurde, wenn er eine Probezeit von einigen Wochen gut -bestanden und durch Zeugen nachgewiesen hatte, dass er in ehrlicher -Ehe geboren war, „aufgedungen“. Er hatte 5-6 Jahre zu lernen und -den Meister und die Gesellen zu bedienen. Hatte er seine Lehre -ehrlich bestanden, so wurde er „Kornut“ oder Hörnerträger und hatte -als solcher wöchentlich an die eigentlichen Gesellen eine Abgabe, -„nach christlicher Billigkeit“, zu zahlen. Wollte er nun als Geselle -losgesprochen sein, so musste er sich dem „Postulat“, oder der -Deposition, unterwerfen. Dies geschah unter scenischen Festlichkeiten -und in Anwesenheit der Gesellen und Bekannten mit ihren Damen. Erst -trat der Prologus auf und hielt eine salbungsvolle Lobrede auf die -Kunst. Mit dem unförmlichen, mit Hörnern versehenen Hut aus schwarzem -Leder bedeckt<a name='FA_084' id='FA_084' href='#FN_084' class='fnanchor'>[4]</a>, wurde nun der Kornut von dem Knecht eingeführt, -von letzterem durchgehechelt, geschimpft, geschlagen und mit guten -Lehren versehen. Der Kornut lässt sich alles gefallen und verspricht -dem Depositor, den Gesellennamen mit Ehren zu führen, die Laster der -Jugend und die schlechten Sitten abzulegen, und einen tugendsamen -Wandel zu führen. Hierauf erhält er die Konfirmation als Geselle, und -die von ihm gewählte „Kranzjungfer“ setzt ihm den Kranz auf. Das ganze -Schauspiel wimmelte von Trivialitäten und Roheiten<a name='FA_085' id='FA_085' href='#FN_085' class='fnanchor'>[5]</a>. Der Schmaus bei -dem „Postulatvater“, der für gute Speise und guten Trank zu sorgen -verpflichtet war, bildete selbstverständlich durchaus nicht eine -Nebensache. -</p> - -<div class="sidenote">Sitten im allge-<br />meinen.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_166' name='Page_166' href='#Page_166'>[166]</a></span> -Von der Zucht und Ordnung in den Druckereien bekommen wir keinen -besonders vorteilhaften Begriff, wenn wir die Anordnungen lesen, in -welchen den Gehülfen eingeschärft wird, „ihrem Druckherrn gebührliche -Ehre und Gehorsam zu erzeigen, ihm nicht widersetzig zu sein, viel -weniger mit thatsächlicher Gewalt sich an ihm zu vergreifen“, und sie -ermahnt werden: „das Fluchen, Gottlästern, Andere zur Banckhauen zu -unterlassen; Abends nicht mit Ungestüm anzuklopfen, jauchzen, geschrey -zu tumultuiren, nicht die Wehren zu zucken; das liederliche Feiern, -mehrenteils um des unchristlichen Saufens, Schwelgens und Tollisirens -willen, sowie das Abhalten heimlicher Conventikula behufs des -Aufwiegelns anderer Gesellen, einzustellen“. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Aenderungen in<br />d. Buchbindung. -<hr class="sidenote" /> -Steigender Ge-<br />schmack im Ein-<br />binden.</div> - -<p> -DIE BUCHBINDERKUNST<a name='FA_086' id='FA_086' href='#FN_086' class='fnanchor'>[6]</a>. Keine andere gewerbliche Technik konnte in -dem Masse durch die Buchdruckerkunst beeinflusst werden, als die -Buchbinderei. Die Folianten und Quartanten weichen den Oktavbänden -und zierlichen Bändchen, infolge dessen auch das Material für den -Einband ein leichteres wird. An Stelle der Holzplatten tritt die -Pappendecke oder der aus mehreren zusammengeklebten Blättern bestehende -Überzug. Die Beschläge fallen nach und nach weg, die Spangen bleiben -jedoch noch lange. Die Bereitung des Leders vervollkommnet sich -und es wird in allen Farben verwendet. Durch die Filetten wird ein -grösserer Reichtum an Mustern möglich. Jetzt kommen namentlich die -arabisch-maurischen phantasiereichen Flachornamente zur Geltung, -daneben erhalten sich jedoch Ornamente im Sinne der Renaissance aus -antiken Motiven entspringend unter Hinzufügung von Figuren-Schmuck. -Götter und Helden, Kaiser und Könige, Reformatoren, reiche Wappen, -ganze zusammenhängende Figurenbilder dienen als Einbandsschmuck, wobei -oft nicht die geringste Rücksicht auf den Inhalt genommen wird. Selbst -die namhaftesten Künstler, wie Hans Holbein d. j., Lucas Cranach Vater -und Sohn, Virgil Solis, u. a. verschmähten es nicht, ihre Talente -der Buchhülle zuzuwenden. Das Interesse des grossen Publikums und die -Bücherliebhaberei der Reichen und Grossen unterstützten die Kunst. In -vielen Privatbibliotheken -<span class='pagenum'><a id='Page_167' name='Page_167' href='#Page_167'>[167]</a></span> -war der Einband fast Hauptsache geworden. -Manche Liebhaber aus den höchsten Ständen, selbst Könige und Fürsten, -übten persönlich das Buchbinden. -</p> - -<p> -Die österreichisch-burgundischen kur- und pfalzbayrischen -Herrscher, die protestantisch sächsischen Fürsten Ernestinischer -und Albertinischer Linie, hatten schöne Büchersammlungen. Sowohl -Kurfürst Friedrich der Weise († 1525) als auch der unglückliche Johann -Friedrich der Grossmütige liessen ihre prachtvollen Bibelausgaben -und die Werke der Reformatoren für die Universitätsbibliotheken mit -prächtigen Einbänden versehen, die noch heute die Zierde der Sammlungen -in Jena, Weimar, Leipzig und Dresden sind. Die Hauptwerkstätte war -Wittenberg, der bedeutendste Buchbinder dort <span class='smcap'>Theodor Krüger</span>. Seinen -Arbeiten schliessen sich die von <span class='smcap'>Kaspar Krafft</span> und die reichen farbigen -Lederbände aus den Offizinen der beiden <span class='smcap'>Cranach</span> an. Auch der gelehrte -Herzog Georg der Bärtige († 1539) und sein Bruder Heinrich der Fromme -(† 1541) hatten dieses Interesse für die Kunst. -</p> - -<div class="sidenote">Die sächsischen<br />Einbände.</div> - -<p> -Unter den Förderern ist ferner der Kurfürst August von Sachsen -(1526 bis 1586) zu erwähnen. Im Jahre 1555 legte er den Grund zu der -jetzigen königlichen Bibliothek in Dresden und umfasste diese Anstalt -mit grosser Liebe. Er berief die Buchbinder <span class='smcap'>Georg Krause</span> und <span class='smcap'>Kaspar -Meuser</span> als Hofbuchbinder, und sandte sie auf Reisen, dass sie Bücher -ankauften. Um den Betrieb besser unter Augen zu haben, errichtete -er ihnen im Schlosse eine Werkstätte und beteiligte sich selbst -eifrig bei den Arbeiten. Die Ornamentierung war eine mannigfaltige -und die Goldpressung prächtig. Bemerkenswert sind die, zumteil -unübertroffenen, gemalten Bände, die sich bis zu Ende des <span class='smcap'>xvii.</span> Jahrh. -hielten. Besondere Sorgfalt wurde dem Schnitt zugewendet. Auf dem -Goldschnitt schlug man mittels Punzen eine Zeichnung ein und malte die -Zwischenflächen aus. Interessant ist auch die Technik, den ein wenig -verschobenen Schnitt zu bemalen, und dann nachträglich den scharf -zusammengepressten Schnitt zu vergolden. Wird nun ein so gebundenes -Buch aufgeschlagen, und dadurch der Schnitt wieder verschoben, so tritt -die Untermalung in matten Farben hervor. Man hat diese Art von Arbeit -in neuester Zeit mit Glück wieder aufgenommen. Sehr praktisch sind die -Bände der kurfürstlichen Reisebibliothek. -<span class='pagenum'><a id='Page_168' name='Page_168' href='#Page_168'>[168]</a></span> -Damit sie nicht zu sehr ins -Gewicht fielen, wurden sie in feines Pergament ohne Pappenunterlagen -gebunden. -</p> - -<p> -Etwas zurück gegen die früheren stehen die unter den Kurfürsten -Christian <span class='smcap'>i.</span> und <span class='smcap'>ii.</span> von <span class='smcap'>Christoph Weidlich</span>, <span class='smcap'>Matthias Hauffe</span>, <span class='smcap'>Bastian -Elert</span> und <span class='smcap'>Kaspar Krafft</span> gelieferten Arbeiten. Man wandte sich damals -wieder der Technik der durchbrochenen Metallarbeiten mit unterlegtem -Sammet zu, in der <span class='smcap'>Hans Reichardt</span> in Leipzig Meister war. Noch mancher -tüchtige Buchbinder dieser Zeit aus dem Süden und Westen wäre zu -nennen. -</p> - -<div class="sidenote">Rückgang.</div> - -<p> -Die schweren Jahre brachten bald die Periode des Verfalls. -Der Lederband tritt zurück, die technische Behandlung wird -vernachlässigt und das Pergament meist glatt behandelt. Die glänzenden -Schweinslederbände der Holländer, die sogenannten Horneinbände, und -die lange in Holland in Gebrauch bleibenden Kartonnagen mit Rücken von -rotem Schafsleder und Pappendeckel, mit marmoriertem oder gefedertem -Papier überzogen, treten in den Vordergrund. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Befestigung des<br />Buchhandels.</div> - -<p> -DER BUCHHANDEL UND DIE BÜCHER-PRODUKTION<a name='FA_087' id='FA_087' href='#FN_087' class='fnanchor'>[7]</a>. Nach dem Ablauf des -ersten Viertels des <span class='smcap'>xvi.</span> Jahrhunderts trat mit dem Buchhandel eine -Wandlung ein, indem er sich von den Jahrmärkten emanzipierte und eine -respektable Stellung einnahm. Viele der grösseren Buchdruckereien -verwandelten sich in Buchhandlungen. Die grosse Masse der Buchdrucker -geriet dagegen in Abhängigkeit von den Verlegern. Die Buchhandlungen -bemühten sich, als abgeschlossene Geschäftskorporationen von den -Regierungen anerkannt zu werden und Privilegien zu erlangen, ohne zu -bedenken, wie sehr sie damit den Regierungen eine Handhabe zu ihrer -Beaufsichtigung und der leichteren Durchführung der Zensur-Massregeln -gewährten. Überwachungs-Kommissionen wurden ernannt und die Buchhändler -verpflichtet, nichts regierungsfeindliches zu drucken. -<span class='pagenum'><a id='Page_169' name='Page_169' href='#Page_169'>[169]</a></span> -Die Zensur wurde -streng, und, was noch schlimmer war, launenhaft geübt; im Norden im -allgemeinen etwas freisinniger, als im Süden. -</p> - -<div class="sidenote">Einfluss der Re-<br />formation.</div> - -<p> -Den Impuls zu einem grösseren Bücherbetrieb hatten zuerst Luthers -Schriften gegeben; selbst seine Feinde mussten einräumen, dass seine -Bücher fast in jeder Bauernhütte zu finden waren. Zwar verlor sich -das religiöse Lesebedürfnis nach und nach, aber die einmal geweckte -Leselust blieb. Die schönwissenschaftliche Litteratur verschaffte den -Buchdruckereien viele Arbeiten und gewährte dem Buchhandel ein neues -Feld für seine Thätigkeit. Namentlich war es die fremde Litteratur, der -das Publikum von Beginn ab seine Neigung zuwendete. Boccaccio, Äneas -Sylvius und der Amadis von Gallien blieben die erklärten Lieblinge. -</p> - -<div class="sidenote">Hebung der<br />Litteratur.</div> - -<p> -Erst im Laufe des <span class='smcap'>xvii.</span> Jahrh. hebt sich die deutsche Litteratur -und erweckt eine grössere Teilnahme, trotz der ungeheuerlichen -Romane, Erzählungen von Naturereignissen, Missgeburten, Unglücken; -je scheusslicher, je besser. Die Verarbeitung dieser Stoffe geschah -namentlich in Augsburg und Nürnberg. Hier, sowie auch in Frankfurt -am M., erschienen zuerst „die neuen Zeitungen“<a name='FA_088' id='FA_088' href='#FN_088' class='fnanchor'>[8]</a>, die sich aus -Flugblättern nach und nach in regelmässig erscheinende Zeitungen -umwandelten, damit aber auch mehr und mehr dem Buchhandel entzogen -wurden, um in die Hände der Postanstalten überzugehen, namentlich -war die Thurn und Taxissche Post bemüht, den ganzen Zeitungs-Verlag -ihres Bezirks in die Hände zu bekommen. Hingegen erhielten die, -gegen Ende des <span class='smcap'>xvii.</span> Jahrh. entstandenen wissenschaftlichen Journale -eine besondere, immer wachsende Wichtigkeit für den Buchhandel. -Auch der Kalender-Vertrieb erlangte grössere Bedeutung. Einige waren -ausserordentlich verbreitet, wie die, von Leonh. Thurneysser in Berlin -1572-1585 herausgegebenen (vergl. S. 152). Angeblich um die Richtigkeit -der Kalender zu überwachen, wurden sie von den Regierungen mit Stempel -versehen und öfters zum Gegenstand eines Monopols gemacht, welches man -verpachtete. -</p> - -<div class="sidenote">Die Klassiker und<br />die Reisewerke.</div> - -<p> -Auch ernsthaftere Lektüre bricht sich Bahn, namentlich Übersetzungen -der griechischen und lateinischen Klassiker, gewöhnlich mit -Holzschnitten, später mit Kupferstichen illustriert. In diesem -<span class='pagenum'><a id='Page_170' name='Page_170' href='#Page_170'>[170]</a></span> -Verlag zeichneten sich namentlich Augsburg, Strassburg und Frankfurt a. M. -aus. Chroniken und Länderbeschreibungen, Originale und Übertragungen, -denen ebenfalls durch Illustrationen Reiz verliehen wurde, lieferten -namentlich Sigismund Feyerabend, Theod. und Joh. Th. de Bry sowie die -Matth. Merian in Frankfurt (s. S. 130); besonders bekannt waren die -Gottfriedsche Chronik mit ihren Fortsetzungen, das <em class="kursiv">Theatrum mundi</em>, -die Zeilerschen Topographien mit ihren unzähligen Kupferstichen und -Plänen. Eine Menge grosser Reisewerke, durchgehends reich illustriert, -erschienen bei L. Hulsius und später bei seiner Witwe in Nürnberg. -</p> - -<div class="sidenote">Schwierigkeiten<br />des Vertriebs.</div> - -<p> -Wennauch die Buchhändler selbst durch die Messen die neuen -Bücher kennen lernten, so blieb immer noch die Schwierigkeit des -Bekanntmachens derselben für das Publikum. Französische und englische -Buchhändler hatten schon früher Verlagsverzeichnisse gedruckt, deutsche -Buchhändler fingen jedoch mit solchen erst in der letzten Hälfte des -<span class='smcap'>xvi.</span> Jahrh. an. Wenn die Gelehrten nicht durch ihre Korrespondenz -zufällig von dem Erscheinen eines Buches Kenntnis erhielten, so -waren sie ganz von ihrem Buchhändler abhängig. Hatten sie mit ihrem -Auftrag eine Messe versäumt, so musste in der Regel die nächste Messe -abgewartet werden. -</p> - -<div class="sidenote">Messkatalog.</div> - -<p> -Dies wurde wesentlich anders, als der Augsburger Buchhändler Georg -Willer 1564 den „Messkatalog“ ins Leben rief. Derselbe erschien -jährlich zweimal. 1592 hört der Katalog unter Willers Firma auf. Im -Jahre 1598 nahm die Stadt Frankfurt die Sache selbst in die Hand, und -der Messkatalog erschien nun bis 1615, bei Peter Kopff in Frankfurt: -<em class="kursiv">cum permissu superiorum</em>. Mit den Messkatalogen trat ein Umschwung -im Buchhandel ein. Die Buchhändler waren genötigt, ihre Erwerbungen -regelmässig auf den Messen zu machen und ein Lager des Neuesten zu -halten. -</p> - -<div class="sidenote">Messverkehr.</div> - -<p> -Für die Verleger war es natürlich von grösster Wichtigkeit, dass die -Neuigkeiten vor der Messe fertig vorlagen. Von den Besuchern waren -die Holländer, Belgier, sowie die Pariser und Lyoner Buchhändler die -wichtigsten. Das Hauptgeschäft beruhte auf Tausch, der sich schon im -<span class='smcap'>xv.</span> Jahrh. ausgebildet hatte. Wennauch anfänglich den Verhältnissen -angepasst, hatte dieses System doch später auch seine grossen -Inkonvenienzen, da Produktion und Konsumtion der einzelnen Länder -und Städte und Firmen nicht -<span class='pagenum'><a id='Page_171' name='Page_171' href='#Page_171'>[171]</a></span> -immer sich die Wage halten konnten. -Dies verursachte eine teilweise Überproduktion in mittelmässigen -oder schlechten Büchern, um doch Tauschobjekte zur Messe mitbringen -zu können. Die grossen verlegenden Buchdruckereien, die nicht -Sortimentshandel trieben, konnten überhaupt nicht tauschen und so -bildete sich teilweise ein reiner Handel gegen Geld, der sogenannte -Nettohandel, aus. -</p> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Verfall d. Frank-<br />furter Messe. -<hr class="sidenote" /> -Aufblühen Leip-<br />zigs.</div> - -<p> -Das erste grosse Sortimentslager gründete der Frankfurter Buchhändler -Paul Brachfeldt, in den letzten Jahren des <span class='smcap'>xvi.</span> Jahrh. Ausländische -Verleger, wie die Elzeviere, hielten in Frankfurt Lager. Hierdurch -gestaltete sich neben dem Messhandel ein regelmässiger Verkehr der -Sortimentshandlungen mit Frankfurt, doch gestattete die Zerrüttung -der Verhältnisse kein rasches Emporblühen, wozu die Massnahmen der -kaiserl. Regierung das ihrige beitrugen. Auch die Frankfurter Behörden -hatten dieser in die Hände gearbeitet, als sie dem Kaiser Maximilian -<span class='smcap'>ii.</span> vorschlugen, er möge selbst Beamte senden, um die Überwachung -des Buchhandels, welche der Rat abgelehnt hatte, zu besorgen. -Die Massregel war jedoch erst unter dem Kaiser Rudolph <span class='smcap'>ii.</span>, 1579, -zur Ausführung gekommen. Seit dem Jahre 1629 verfuhr die kaiserl. -Bücherkommission vollständig souverän und der Rat machte nur ab und zu -einen vergeblichen Versuch, den Einfluss derselben zu mindern. Darunter -litt begreiflicherweise die Frankfurter Messe ausserordentlich, -während das aufblühende Leipzig den Vorteil davon hatte. Doch wirkten -noch andere Gründe gegen Frankfurt. Je mehr die lateinische Sprache -als Gelehrtensprache durch die deutsche verdrängt wurde, um so mehr -schmälerte sich der Absatz der deutschen Bücher im Auslande. Die -fremden Buchhändler blieben deshalb nach und nach aus, namentlich -weil auch der Absatz ihrer Artikel durch die Übersetzungssucht der -deutschen Verleger geringer wurde. Der Verkehr mit Italien war schon -um 1570 durch den <em class="kursiv">Index librorum prohibitorum et expurgendorum</em> des -Papstes Pius <span class='smcap'>iv.</span> so gut wie vernichtet. Mit den spanischen Niederlanden -verfiel der buchhändlerische Verkehr nach den Ordonnanzen Philipps -<span class='smcap'>ii.</span> Am längsten hielt sich noch die Verbindung mit Holland, jedoch bot -letzteres bloss Bücher dar und nahm keine, wodurch der Handel erschwert -wurde, besonders da Holland zumteil seinem klassischen Verlag untreu -wurde, und sich den französischen Artikeln und dem Nachdruck -<span class='pagenum'><a id='Page_172' name='Page_172' href='#Page_172'>[172]</a></span> -zuwandte. Wie Leipzigs Übergewicht um das Jahr 1650 eine vollendete Thatsache -wurde, ist bereits berichtet (S. 149). Ohne die Reformation und ihren -segensreichen Einfluss auf die Pflege der Wissenschaft, würde es doch -Leipzig kaum gelungen sein, seine Suprematie zu erlangen. Die Gründung -der Universitäten Wittenberg, Frankfurt a. d. O., später Königsberg; -die Kunstliebe der sächsischen und brandenburgischen Kurfürsten und ihr -Interesse für die Wissenschaften hatten einen mächtigen Einfluss geübt, -und im Norden ein bis jetzt brachgelegenes Terrain dem Buchhandel, -sowohl hinsichtlich der Produktion als der Konsumtion, gewonnen<a name='FA_089' id='FA_089' href='#FN_089' class='fnanchor'>[9]</a>. -</p> - -<p> -Neben Leipzig und Frankfurt a. M. entstanden auch andere -Kommissionsplätze mit beschränkteren Geschäftskreisen, darunter -namentlich Augsburg, das ein Mittelpunkt des katholischen Verlags -wurde, und Nürnberg. Auch in Strassburg zeigte sich zu Beginn des <span class='smcap'>xvii.</span> -Jahrhunderts ein weiter gehender Verkehr. -</p> - -<div class="sidenote">Die Verlagsver-<br />hältnisse. -<hr class="sidenote" /> -Die Honorare. -<hr class="sidenote" /> -Die Zensur.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Die Autorenverhältnisse</span> boten nicht viel erfreuliches. Bei der -Ungunst, in welcher die deutsche Litteratur stand, sahen sich viele -Autoren genötigt, ihre Werke auf eigene Kosten drucken zu lassen. Wer -keine bedeutende litterarische Bekanntschaften oder einflussreiche -Verbindungen hatte, war übel daran und der Willkür der Buchhändler -anheim gegeben. Diese suchten durch lockende Titel, in Kupfer -gestochene Titelblätter und in den Text -<span class='pagenum'><a id='Page_173' name='Page_173' href='#Page_173'>[173]</a></span> -gedruckte Vignetten die -Kauflust zu reizen, die eigentliche Ausstattung jedoch wurde immer -schlechter und die Inkorrektheit ging oft über alle Grenzen. Die -Honorare waren sehr klein, oft nicht so hoch wie Schreiberlöhne. -Manchmal wurde durch Freiexemplare gezahlt. Als Ausgleich musste die -„Dedikation“ an einen vornehmen oder reichen Mann dienen, der seine -Dankbarkeit für die erwiesene Ehre klingend zu zeigen imstande war, bis -auch dieses Mittel in Misskredit kam. Zu den schlechten Verhältnissen -trugen der Nachdruck und die sowohl strenge als willkürliche Zensur -noch das ihrige bei. Letztere wurde von Lutheranern, Calvinisten und -Katholiken, je nach ihrer Konvenienz, zur Unterdrückung der Schriften -der Gegner benutzt und bei der engen Verknüpfung der geistlichen mit -den politischen Wirren bald auf das weltliche Gebiet übergeführt. -Manchmal beruhte die Unterwerfung unter die Zensur auf vorheriges -Abkommen mit den einzelnen Buchdruckern, bis sie mit dem Anfang des -<span class='smcap'>xviii.</span> Jahrh. vollständig organisiert war. -</p> - -<div class="sidenote">Zudrang zum<br />Buchhandel.</div> - -<p> -Da der Betrieb des Buchhandels jedem freistand, so war es natürlich, -dass manche, die nicht den genügenden Grad von Bildung besassen, -besonders zu dem Sortimentshandel sich drängten, namentlich solche, -die schon mit dem Buchhandel in Berührung standen, z. B. Papier- und -Pergamentmacher, Buchbinder u. s. w. Bei den ersteren mag wohl der -Eintritt in den Buchhandel öfters ein unfreiwilliger gewesen sein, -wenn sie statt Barzahlung Bücher annehmen mussten. Am wichtigsten war -die Beteiligung der Buchbinder. Je mehr sich der Sortimentshandel -organisierte, je mehr fiel der Kleinhandel, namentlich auf den -Jahrmärkten, den Buchbindern zu. Auf der andern Seite schmälerten -Reisende den Markt. In dem Grade wie die Bildung und die deutsche -Litteratur sich verbreiteten, stieg der Zudrang zum Buchhandel und -damit die Unsolidität. -</p> - -<div class="sidenote">Missbräuche im<br />Buchhandel.</div> - -<p> -Grossen Nachteil brachte ferner die Masse der Bücherauktionen. -Aus allen Winkeln wurden Bücher zusammengetrieben, gebundene und -rohe, komplette und defekte. Die Käufer wurden geprellt und gegen -die Buchhändler unwillig gemacht, die ihre Lager in jeder Weise -räumten, um Geld zu machen. An Stelle der Auktionen traten später die -Bücherlotterien, die sich bis in die Mitte des <span class='smcap'>xix.</span> Jahrh. erhielten. -Nicht allein Sortimentslager, sondern ganze Verlagsgeschäfte wurden in -dieser Weise versilbert und das -<span class='pagenum'><a id='Page_174' name='Page_174' href='#Page_174'>[174]</a></span> -Publikum betrogen. Ebenfalls ein arger -Missbrauch war das, wennauch in seinen Anfängen nicht verwerfliche, -Pränumerationswesen, indem die Versprechungen gewöhnlich nur mangelhaft -oder gar nicht gehalten wurden. -</p> - -<div class="sidenote">Trennung des<br />Verlags vom<br />Sortiment.</div> - -<p> -Die Trennung des Verlags vom Sortiment wurde immer üblicher. Die -Zahl der Verleger wurde durch Buchdrucker vermehrt, die öfters durch -die ungünstigen Arbeitsverhältnisse zum Verlegen gedrängt wurden, um -das Personal in Zeiten zu beschäftigen, wo die Aufträge der Verleger -fehlten. -</p> - -<p> -Hierdurch hörte das Tauschgeschäft ganz auf. Um die Artikel an den -Mann zu bringen, sah man sich genötigt die Neuigkeiten „in Kommission“ -zu versenden. In dem letzten Viertel des <span class='smcap'>xviii.</span> Jahrhunderts war dies -Geschäft vollständig organisiert und führte wieder zur Errichtung -der Kommissionslager und der Gross-Sortimentslager in Leipzig. -Viele Sortimentshändler zogen es vor, ihren Bedarf von den grossen -Leipziger Kommissionären zu beziehen, statt mit den vielen Verlegern in -Verbindung zu stehen. -</p> - -<div class="sidenote">Steigender<br />Nachdruck.</div> - -<p> -Durch diese Änderungen, verbunden mit der Verschlechterung des -Münzfusses, traten erhöhte Ladenpreise ein, wodurch wieder der -Nachdruck gefördert wurde, namentlich waren es der Süden von -Deutschland und Österreich, welche den Nachdruck gewerbsmässig -betrieben. Die kaiserliche Regierung leistete demselben in den -Erblanden Vorschub, indem sie in diesen die erteilten kaiserlich -deutschen Privilegien nicht respektierte, ein Beispiel, das gar zu -willig bei anderen deutschen Fürsten Nachfolge fand. Da der Verkehr -auf der Messe den Nachdruckern so gut wie verschlossen war, so nahmen -sie ihre Zuflucht zu dem Colportagehandel und zogen auch Buchbinder, -Landgeistliche, Schullehrer in ihr Interesse durch Gewährung von -grossen Rabatten. Die Verleger rechtmässig erworbener Schriften folgten -dem gegebenen Beispiel. -</p> - -<div class='footnotes'> - -<div class='footnote' id='FN_081'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_081'>[1]</a></span> Vergl. die in der Einführung erwähnten technischen Werke. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_082'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_082'>[2]</a></span> Die Gehülfen, welche sowohl setzen als drucken konnten, -nannte man „Schweizerdegen“. Wie so oft, wenn einer zu viel treibt, -waren sie gewöhnlich in keinem Fach recht zuhause und deshalb weniger -gut angeschrieben. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_083'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_083'>[3]</a></span> <span class='smcap'>Hieronymus Hornschuh</span>, Ορθοτυπογραφία. Leipzig 1634 und in -mehr. Ausg. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_084'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_084'>[4]</a></span> Ein solcher Kornutenhut war in der Halleschen Ausstellung -1881, in der Abteilung der Faberschen Buchdruckerei aus Magdeburg, zu -sehen. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_085'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_085'>[5]</a></span> Es giebt mehrere gedruckte Depositionsspiele; am -bekanntesten ist das im Jahre 1654 „der hoch- und weitgerühmten -Buchdrucker-Kunst zu unvergleichlichen Ehren“ von <span class='smcap'>Johann Rist</span> -abgefasste, das in Ernestis Handbuch mitgeteilt wird. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_086'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_086'>[6]</a></span> Vergl. die S. 89 angegebenen Quellen. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_087'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_087'>[7]</a></span> Vergl. die S. 91 u. 92 erwähnten Quellen. — Ferner -<span class='smcap'>G. Schwetschke</span>, <em class="kursiv">Codex nundinarius etc.</em> Halle 1850 und dessen -Fortsetzung. Halle 1877. — Wertvolle Beiträge liefern ausserdem die -von dem Börsenverein für den deutschen Buchhandel in zwanglosen Heften -herausgegebenen „Publikationen“, deren neue Folge den Titel führt: -„Archiv für Geschichte des deutschen Buchhandels. Herausgegeben von der -Historischen Kommission des Börsenvereines etc.“. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_088'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_088'>[8]</a></span> <span class='smcap'>Em. Weller</span>, Die ersten deutschen Zeitungen. Stuttgart und -Tübingen 1872. — <span class='smcap'>J. O. Opel</span>, Die Anfänge der deutschen Zeitungspresse. -Leipzig 1879. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_089'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_089'>[9]</a></span> Zur näheren Kenntnis des Messverkehrs ist von besonderem -Interesse die Schilderung Heinrich Stephanus <span class='smcap'>ii.</span> Das lateinische -Original ist von <span class='smcap'>J. Lisieux</span> ins Französische übersetzt (Paris 1875) -und von <span class='smcap'>H. Frommann</span> in seinen „Beiträgen etc.“ Heft 1 (Jena 1879) im -Auszug deutsch wiedergegeben. — Von besonderem Wert sind ferner zwei -Werke neuerer Zeit. In dem Frankfurter Archiv wurde das Manuskript -eines Messmemorials des Frankfurter Buchhändlers <span class='smcap'>Michael Harder</span> -von der Fastnachtsmesse 1569 aufgefunden und 1873 durch den Druck -veröffentlicht. Aus demselben geht hervor, dass Harder von seinen 83 -Messartikeln 5918 Bände verkaufte, davon 13 in mehr als 100, 18 in -mehr als 50 Exemplaren. Am besten gingen die Sammlungen belehrender -Erzählungen und Ritterbücher. Die Geschichte von den sieben weisen -Meystern trug den Sieg davon mit 233 Exempl., dann folgten Fortunatus, -die schöne Magelona, Melusine, Ritter Pontus, Ritter Galmy mit je -196, 176, 158, 147, 144 Exempl. Die deutschen Heldensagen waren aus -der Mode gekommen. Von den „Teufeln“ gegen verschiedene Laster waren -die gangbarsten: der Sauf-, Hof-, Ehestands-, und Spielteufel in je -69, 67, 64, 62 Exempl. — Das „Rechnungsbuch des Froben & Episcopius, -Buchdrucker und Buchhändler zu Basel, 1557-1564. Herausgegeben von -<span class='smcap'>Rud. Wackernagel</span>“ (Basel 1881) giebt sehr wertvolle Mitteilungen, -nicht allein in Betreff des Frankfurter Mess-Geschäfts, sondern auch -bezüglich der Herstellungskosten der Druckwerke. -</div> -</div> - -<div class="center clrboth"> - <img src="images/pg_174_deco.jpg" - style="margin-bottom:4em;" - alt="Kapitel-Ende" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<div class="center clrboth pgbreak"> - <img src="images/pg_175_deco.jpg" - alt="Kapitel-Anfang" /> -</div> - -<h2 class="nobreak" id="h2_24"> -IX. KAPITEL. -<span class="seitnum">[<a href="#toc_24">←</a>]</span> -</h2> -</div> - -<p> -ITALIEN, SPANIEN, PORTUGAL UND DAS SÜDLICHE AMERIKA. -</p> - -<div class="blockquote"> -<p> -<span class='smcap'>Venedig.</span> Die Familie Aldus: Aldus Pius -Manutius, Paul Manutius, Aldus <span class='smcap'>ii.</span> -Dan. Bomberg. Mechitar. <span class='smcap'>Rom</span>: Die -Buchdruckerei der „Propaganda“. <span class='smcap'>Genua.</span> -<span class='smcap'>Florenz</span>: Die Giunta. -<span class='smcap'>Padua.</span> <span class='smcap'>Die -Xylographie</span>: Cäs. Vecellius, der Clair-obscur-Druck. Ugo da -Carpi, Graf Ant. Zanetti, John Jackson. -</p> - -<p> -SPANIEN UND PORTUGAL. Brocario und die complutinsche Polyglotte. -Madrid. Ant. Bortazar. — MEXICO. Joh. Kromberger, Juan Pablos. -LIMA. PERU. ST. DOMINGO u. a. -</p> -</div> - -<p class="hide_x_"> -<span class='pagenum'><a id='Page_175' name='Page_175' href='#Page_175'>[175]</a></span> -<img src="images/pg_175_cap.jpg" alt="R" width="50" class="cap0" /> -<span class="hide">R</span>IESENHAFT waren bereits die Fortschritte Italiens in der ersten -Periode der Buchdruckerkunst gewesen, sie sollten in dieser zweiten -Periode noch weitergehendere werden. -</p> - -<div class="sidenote">Aldus Pius Ma-<br />nutius Romanus.</div> - -<p> -Der hervorragendste Wahrer und allezeit Mehrer des typographischen -Ruhmes Italiens war ganz besonders der Gründer der berühmten -aldinischen Familie. <span class='smcap'>Aldus Manutius</span><a name='FA_091' id='FA_091' href='#FN_091' class='fnanchor'>[1]</a>, der Mann, dem die Jünger -Gutenbergs neben diesem die grösste Verehrung schuldig sind, war in -der Zeit zwischen 1447 und 1449 in dem Städtchen Bassiano in der Nähe -der pontinischen Sümpfe geboren. Wenn Aldus von 1500 ab sich <em class="kursiv">Romanus</em> -nennt, so geschah es nur, weil diese Bezeichnung eine höhere Geltung in -den Augen des Publikums verlieh. -</p> - -<p> -Sein Taufname Aldo ist der typographische Familienname geblieben; -Manuzio kommt selten vor, dagegen nannte sich -<span class='pagenum'><a id='Page_176' name='Page_176' href='#Page_176'>[176]</a></span> -Aldus gewöhnlich Aldo -Pio, welchen Namen ihm sein Zögling Alberto Pio, Fürst von Carpi, als -Zeichen seiner hohen Achtung zuerteilt hatte. Seit 1503 wird <em class="kursiv">Aldo Pio -Manuzio Romano</em> oder <em class="kursiv">Aldus Pius Manutius Romanus</em> geschrieben. -</p> - -<div class="sidenote">Seine Jugend.</div> - -<p> -Aldus hatte eine zwar gelehrte aber nicht gute Erziehung gehabt. Er -war in die Hände eines Pedanten geraten und fand erst später in Rom -seine wirkliche Ausbildung. Von seinem ernsten Streben und seinem Eifer -legen die vielen, von ihm kommentierten griechischen Ausgaben und seine -wertvolle griechische Grammatik Zeugnis ab. -</p> - -<p> -In dem freundlichen Verkehr mit den fürstlichen Angehörigen seines -Zöglings, des Albertus Pius, namentlich dem gelehrten Johannes Pius, -entstand ohne Zweifel die erste Anregung, eine „gelehrte Buchdruckerei“ -zu gründen und ist es auch wahrscheinlich, dass die Mittel zur Anlage -derselben von den genannten herrühren. -</p> - -<div class="sidenote">Etablissement in<br />Venedig.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Venedig</span>, wo Künste und Wissenschaften blühten, schien mit Grund der -günstigste Boden für ein solches Etablissement. Aldus begab sich, -entweder in dem Jahre 1488, oder 1489, dahin. Sein erstes datiertes -Druckwerk ist Constantin Lascaris' griechische Grammatik, im Jahre -1495 vollendet. Wahrscheinlich ist es, dass zwei kleine Werke ohne -Datum, wenn auch später als das von Lascaris angefangen, doch früher -erschienen sind, nämlich Musäus' Gedicht Hero und Leander, griechisch -und lateinisch, und die <em class="kursiv">Galeomyamachia</em>, griechisches Gedicht von -Theod. Prodromos. -</p> - -<div class="sidenote">Die Ausgabe von<br />Aristoteles.</div> - -<p> -Mit rastlosem Eifer ging Aldus an das grosse Werk, eine griechische -Ausgabe von Aristoteles, die noch nicht existierte, herzustellen. -Um sich von dem Umfang und den Schwierigkeiten dieses Unternehmens -ein klares Bild zu machen, muss man sich vergegenwärtigen, dass der -Inhalt von fünf Foliobänden aus zahlreichen noch nicht herausgegebenen -Abhandlungen in verschiedenen, beinahe unleserlichen oder durch die -Unwissenheit der Kopisten korrumpierten Manuskripten zusammengestellt -werden musste, ohne dass der Herausgeber eine frühere Ausgabe als -Leitfaden zur Seite hatte, so dass er selbst die jeden Augenblick -entstehenden Zweifel nur durch seinen Scharfsinn lösen konnte. -Bedenkt man ferner, dass diese Arbeiten sich nicht auf den Aristoteles -beschränkten, dass Aldus vielmehr eine grosse Zahl anderer -<span class='pagenum'><a id='Page_177' name='Page_177' href='#Page_177'>[177]</a></span> -Ausgaben in derselben Weise besorgt hat, so muss man seine Arbeitskraft staunend -bewundern und kann unmöglich streng über einzelne typographische oder -kritische Fehler mäkeln. 1495 wurde das erwähnte Werk, welches Aldus -zu dem ersten Rang sowohl als Buchdrucker wie als Herausgeber erhebt, -begonnen; 1598 war es vollendet. Inzwischen förderte er viele kleinere, -aber doch wichtige Ausgaben an das Tageslicht und seine Wahl wurde -stets mit Einsicht und Geschmack getroffen. Während seine Kollegen -sich noch grösstenteils auf den Druck mystischer, scholastischer oder -höchstens juristischer Werke beschränkten, war es Aldus vorbehalten, -eine neue Richtung vorzuzeichnen, und nichts hat mehr zur Verbreitung -der klassischen Studien beigetragen, als seine billigen, korrekten und -handlichen Ausgaben, die es beinahe jedem möglich machten, die Werke -anzuschaffen. -</p> - -<div class="sidenote">Griechische<br />Werke in Italien.</div> - -<p> -Die Annahme, dass Aldus der Erste war, der ganze Bücher mit -griechischer Schrift druckte, beruht auf einem Irrtum. Zwar wurde -noch gewöhnlich der Platz für griechische Zitate freigelassen, um -diese später hineinzuschreiben; man hat jedoch griechische, sogar -umfangreichere, Werke vor denen von Aldus, als: aus Mailand Lascaris' -Grammatik von 1476; aus Florenz Homer von 1488. Aber die Zahl war -klein und die Werke folgten einander langsam, während die griechischen -Ausgaben des Aldus so zahlreich waren und so schnell zum Vorschein -kamen, dass es selbst bei gewöhnlichen Druckwerken überraschend gewesen -wäre. -</p> - -<div class="sidenote">Lateinische Aus-<br />gaben. -<hr class="sidenote" /> -Cursivschrift.</div> - -<p> -Nachdem Aldus eine grosse Zahl griechischer Meisterwerke gedruckt -hatte, ging er an die des alten Roms. Auch hier fing er mit einer -Grammatik, und zwar einer eigenen Arbeit, an. Um seine Bücher allgemein -zu verbreiten, fasste er den Plan zu einer Sammlung in klein Oktav -(<em class="kursiv">enchiridii forma</em>), wovon ein Bändchen jedoch ziemlich so viel, -wie sonst ein Quartband, enthalten sollte, und liess von <span class='smcap'>Franz von -Bologna</span>, der auch den Schnitt der meisten seiner übrigen Schriften -geleitet hat, seine berühmte schrägliegende Schrift schneiden, nach -Muster der üblichen <em class="kursiv">Cancellaresca Romana Cursiva</em>. Als nächstes -Vorbild soll Petrarcas Handschrift gedient haben. Da die Mehrzahl der -Bücher noch geschrieben war, so heimelte diese Buchschrift, die mit der -Feder geschrieben zu sein schien, die Leser zwar sehr an, und ganze -Bücher, zuerst der Virgil, -<span class='pagenum'><a id='Page_178' name='Page_178' href='#Page_178'>[178]</a></span> -wurden auch damit gedruckt. Bald jedoch -behielt die gefällige, zugleich kräftige Antiqua die Oberhand, und die -Cursiv wurde dann hauptsächlich nur zu den Einleitungen, Noten und als -Auszeichnungsschrift zu der Antiqua benutzt, bis in neuester Zeit die -fette, halbfette, Egyptienne, Stein- und andere Schriften ihr den Rang -abliefen. In Deutschland behielt die Schrift den Namen <em class="kursiv">Cursiv</em>; in -Frankreich hiess sie <em class="kursiv">Italique</em> (auch <em class="kursiv">Penche</em>); in England <em class="kursiv">Italic</em>. -</p> - -<div class="sidenote">Die kleinen<br />„Aldinen“. -<hr class="sidenote" /> -Die Nachdrucke<br />der „Aldinen“.</div> - -<p> -Man kann sich vorstellen, mit welcher Begeisterung die schönen und -bequemen Ausgaben des Aldus aufgenommen wurden. Der Sprung von den -schweren Folianten und Quartbänden zu diesen niedlichen Bändchen, die -man überall mit sich führen konnte, war nicht viel kleiner, als von -den Manuskripten zu dem Gedruckten überhaupt. Am 13. Nov. 1502 erhielt -Aldus vom Senat ein zehnjähriges Privilegium für seine Cursiv und am -17. Dezbr. ein solches vom Papste Alexander <span class='smcap'>vi.</span>, welches von Julius -<span class='smcap'>ii.</span> und Leo <span class='smcap'>x.</span> verlängert wurde. Auch sonst wurde er durch Privilegien -geschützt, die indes wenig respektiert wurden. Schon 1502 fingen die -Lyoner, jedenfalls auf Antrieb der Giunta in Venedig, an, die Aldinen -nachzudrucken. Aldus beschwert sich in einer gedruckten Anzeige, welche -er wahrscheinlich verteilte, über den Schaden, der ihm, und namentlich -seiner Ehre, durch die fehlerhaften Ausgaben der Lyoner zugefügt werde, -und giebt die Fehler an, woran letztere zu erkennen wären. Die Lyoner -druckten Cartons oder neue Ausgaben und berichtigten diese Fehler, so -dass die Käufer nun erst ganz sicher waren, Originalausgaben zu kaufen. -</p> - -<p> -In den Jahren 1501-1505 entwickelte Aldus eine grosse Thätigkeit und -es verging kein Monat, worin nicht wenigstens ein klassisches Werk aus -seiner Offizin hervorging. Alles war an diesen Büchern gut; der Satz -mit Verständnis und Gleichmässigkeit besorgt; der Druck rein auf gutem -starken geleimten Papier, mit vorzüglicher Farbe, die noch heute ihre -Tiefe und ihren Glanz behalten hat. -</p> - -<div class="sidenote"><em class="kursiv">Aldi<br />Neacademia.</em></div> - -<p> -Aldus war selbstverständlich nicht imstande gewesen, die Riesenaufgabe, -die er sich gestellt hatte, allein zu erfüllen. Er verstand es aber, -einen Kreis von gelehrten Männern um sich zu sammeln, die von demselben -Streben, die Schätze der Litteratur allen zugänglich zu machen, -beseelt waren. Von diesen lebte eine -<span class='pagenum'><a id='Page_179' name='Page_179' href='#Page_179'>[179]</a></span> -Anzahl in seinem Hause ganz von -ihm unterhalten, während andere für Honorar oder nur für die Ehre -arbeiteten. Diese sogenannte <em class="kursiv">Aldi Neacademia</em>, gegründet gegen 1500, -versammelte sich an gewissen Tagen bei ihm und bestand aus etwa 30 -Mitgliedern. Durch Tod und Wegzug lichteten sich aber die Reihen, und -die Akademie hörte nach einigen Jahren auf. Ausser mit den Mitgliedern -dieser stand Aldus selbstverständlich mit vielen anderen Gelehrten in -Verbindung, unter welchen sich auch Erasmus befand, mit dem er zuerst -in einem engen Freundschaftsbunde, später aber beinahe in Feindschaft -lebte. -</p> - -<div class="sidenote">Beabsichtigte<br />Polyglott-Bibel.</div> - -<p> -Der orientalischen Sprachen, besonders des Hebräischen, selbst mächtig, -wollte Aldus auch an den Druck hebräischer Werke gehen. Es existiert -aus den letzten Jahren des fünfzehnten Jahrhunderts ein Probeblatt -von einer Bibel in Folio, lateinisch, griechisch und hebräisch, mit -schönen Typen gedruckt, dieselbe ist jedoch nicht zur Ausführung -gekommen und Aldus hat sich somit den Ruhm nehmen lassen, zuerst -eine Polyglott-Bibel zu bringen. Dass weder von ihm, noch von seinen -Nachfolgern eine handliche Ausgabe des Neuen Testaments gedruckt worden -ist, mag vielleicht in den Verhältnissen zu Rom gelegen haben. -</p> - -<p> -Gegen das Jahr 1500 verheiratete sich Aldus mit Maria Asola († 1520), -der Tochter von Andreas Torresanus aus Asola, welcher 1479 Jensons -Druckerei in Venedig gekauft hatte. -</p> - -<div class="sidenote">Geschäftliche<br />Schwierigkeiten.</div> - -<p> -1506 musste Aldus Venedig verlassen und seine Druckerei schliessen, -nachdem er durch den Krieg, welcher Italien verwüstete, den grössten -Teil seines Vermögens verloren hatte. 1507 fing er unter Sorgen wieder -zu drucken an, bis eine Assoziation mit seinem reichen, thätigen -Schwiegervater Andreas Asolanus ihn in den Stand setzte nach 1508 das -Geschäft wieder kräftig zu betreiben. In den Jahren 1510-11 ruhte es -jedoch nochmals und wurde erst 1512 wieder eröffnet, in welchem Jahre -auch sein dritter später so berühmte, Sohn, Paul Manutius, geboren -ward. -</p> - -<div class="sidenote">Tod des Aldus.</div> - -<p> -1513 und 14 entfaltete Aldus wieder grössere Thätigkeit und rüstete -sich für eine noch grössere, als ihn in seinem 66. Jahre der Tod am 7. -Febr. 1515 überraschte. Ob seine irdischen Überreste seinem Wunsche -gemäss nach Carpi gebracht wurden, wissen wir nicht. Der Abbé Zenier -liess im Jahre 1828 eine einfache Gedenktafel -<span class='pagenum'><a id='Page_180' name='Page_180' href='#Page_180'>[180]</a></span> -an dem Hause Nr. 2013 -in der Nachbarschaft des <em class="kursiv">Campo di S. Agostino</em>, unzweifelhaft sein -Druckhaus, anbringen. -</p> - -<div class="sidenote">Sein Drucker-<br />zeichen.</div> - -<p> -Das berühmte Druckerzeichen des Aldus stellt einen, von einem Delphin -umschlungenen Anker vor und soll die, mit der Festigkeit verbundene -Beweglichkeit und Schnelligkeit, also das sprüchwörtliche <em class="kursiv">festina -lente</em>, symbolisch ausdrücken. Wie seine Typen und seine Ausgaben, -so wurde auch sein Druckerzeichen widerrechtlich von anderen, selbst -von den Giunta, nachgemacht, auch später von neueren Druckereien -angenommen. -</p> - -<hr /> <!-- -<tb> - --> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Andreas Torresa-<br />nus de Asola. -<hr class="sidenote" /> -Paul Manutius.</div> - -<p> -Nach dem Tode des Aldus wurde die Buchdruckerei von seinem -Schwiegervater <span class='smcap'>Andreas Torresanus</span> aus <span class='smcap'>Asola</span> in Verein mit dessen -Söhnen <span class='smcap'>Franz</span> und <span class='smcap'>Friedrich</span> fortgeführt. Andreas war ein tüchtiger -Mann, wenn er es auch nicht so wie Aldus verstand, die besten -geistigen Kräfte für seine Unternehmungen um sich zu sammeln. Die -Kinder von Aldus lebten erst mit ihrer Mutter in Asola, kehrten -aber bald wieder nach Venedig zurück, woselbst <span class='smcap'>Paul Manutius</span> eine -sorgsame Erziehung genoss, jedoch durch geistige Anstrengungen seine -Gesundheit so sehr schwächte, dass er sich mehrere Jahre hindurch ganz -von den Studien zurückziehen musste. Bald sollte er auch in anderer -Weise den Ernst des Lebens kennen lernen, indem das Geschäft infolge -von Familienauseinandersetzungen vier Jahre lang (von 1529-1533) -geschlossen blieb. In dem letzteren Jahre übernahm Paul, nur 21 Jahre -alt, die Buchdruckerei, vorerst für gemeinschaftliche Rechnung mit -seinen Geschwistern und den Asolas. -</p> - -<p> -Trotz seiner Jugend zeigte er gleich den überlegenen Geist und trat -mit grosser Energie in die Fusstapfen seines Vaters. Da dieser die -griechische Litteratur beinahe erschöpft hatte, legte sich Paul -namentlich auf Herausgabe der lateinischen Klassiker und gewann zu -diesem Zweck die tüchtigsten Gelehrten für sich. 1535 liess er sich -zwar durch falsche Vorspiegelungen verleiten, nach Rom zu gehen, wo -sein eigentlicher Zweck sich bald als verfehlt ergab; aber die dort -angeknüpften Verbindungen mit vielen wissenschaftlichen Notabilitäten -kamen ihm später zu statten. -</p> - -<p> -Nachdem die Druckerei in Venedig 1541 nochmals auf Grund von -Familienmisshelligkeiten geruht hatte, übernahm sie Paul endlich -<span class='pagenum'><a id='Page_181' name='Page_181' href='#Page_181'>[181]</a></span> -1542 ganz für seine und seiner Geschwister alleinige Rechnung und heiratete -1546 Katharina Odoni, welche vier Kinder gebar, von denen das älteste, -Aldus, am 13. Febr. 1547 das Tageslicht erblickte. -</p> - -<p> -Von einer schweren Krankheit genesen, ging Paul 1555 nach Bologna, wo -man ihn, ebenso wie in Ferrara und in Spanien, zu fesseln versuchte; -aber sein Lieblingsgedanke, ein Etablissement in Rom zu begründen, -liess ihn alle vorteilhaften Anerbietungen abschlagen. Inzwischen hatte -in Venedig der Senator Badoano, 1556, die Idee zu einer grossartigen -<em class="kursiv">Academia Veneziana</em>, mit der eine gelehrte Buchdruckerei verbunden -werden sollte, gefasst. Dem Paul Manutius beabsichtigte man den -Lehrstuhl der Beredsamkeit und die Direktion der Buchdruckerei zu -übertragen. Bedeutende Vorbereitungen wurden getroffen, aber die -Akademie nahm ein schnelles und klägliches Ende. -</p> - -<div class="sidenote">Ruf nach Rom.</div> - -<p> -Da machte der Kardinal Seripandi, im Namen des Papstes Pius <span class='smcap'>iv.</span>, dem -Paul ebenso vorteilhafte als ehrenvolle Anerbietungen, wenn er nach -Rom kommen wollte, um dort eine Reihe heiliger Bücher, Kirchenväter -u. s. w., herauszugeben. Es wurden ihm für die Zeit von 12 Jahren -jährlich 500 Dukaten in Gold, ferner 300 Dukaten Umzugsentschädigung -zugesichert, und seinem Sohne eine Pension von 150 Dukaten in Aussicht -gestellt. Die Druckerei sollte auf Kosten des Papstes, der auch alle -laufenden Ausgaben zu zahlen hatte, eingerichtet, der Verdienst aber -zwischen dem päpstlichen Stuhl und Paul geteilt werden. Solchen mit -seinen Wünschen stimmenden Anerbietungen konnte Paul nicht widerstehen. -</p> - -<div class="sidenote">Paul Manutius<br />in Rom.</div> - -<p> -In Rom wurde er mit grosser Aufmerksamkeit aufgenommen und gut -eingerichtet. Typen wurden durch Vermittelung von Thomas Giunta -geliefert; denn die berühmten Cursiv-Matern des Aldus, die in den -Besitz der Torresanis gekommen waren, wollten diese nicht hergeben, -während die griechischen Matern, die man einem Bruder des Paul, -Antonius, der eine kurze Zeit in Bologna etabliert war, anvertraut -hatte, durch dessen liederliche Wirtschaft verloren gegangen waren. -</p> - -<p> -Aber diese Aussichten für Aldus waren nicht von langer Dauer. Die -eine Hälfte der Buchdruckerei ging als Eigentum auf den Magistrat von -Rom über, während die von dem Papst Sixtus <span class='smcap'>v.</span> im Vatikan gegründete -typographische Anstalt ganz den Platz -<span class='pagenum'><a id='Page_182' name='Page_182' href='#Page_182'>[182]</a></span> -ausfüllte, der ursprünglich für -Pauls Druckerei bestimmt war. Die vorteilhaftesten Arbeiten wurden -dieser entzogen; der Magistrat verpachtete sogar seinen Anteil an -andere und nach dem Tode Pius' <span class='smcap'>iv.</span> liess man im Jahre 1566 Paul die -Schlüssel abfordern. Zwar wurde diese harte Massregel auf Anordnung -Pius' <span class='smcap'>v.</span> rückgängig gemacht, aber für Paul sollte keine rechte Freude -mehr aus seiner Stellung erwachsen. -</p> - -<div class="sidenote">Rückkehr nach<br />Venedig. -<hr class="sidenote" /> -Wiederumzug<br />nach Rom u. Tod.</div> - -<p> -Der mancherlei Chicanen müde, gab er 1570 seine Stellung in Rom auf, um -nach Venedig zurückzukehren, wo es mit der, an Dom. Basa verpachteten -Aldinischen Druckerei auch nicht zum besten ging. Vorher wollte er -jedoch seine Gesundheit durch eine Reise kräftigen. Den ganzen Winter -1571 verbrachte er in Mailand. Nach Venedig, wo er nun nicht mehr im -eigenen Hause Herr war, kam er erst im Mai 1572, kehrte aber schon im -Juni nach Rom zurück, um seine Tochter, die er dort in einem Kloster -zurückgelassen hatte, zu holen. Hier wurde er von seinen Freunden so -gut aufgenommen, dass er seinen Entschluss änderte und ganz dort blieb. -Der neue Papst Gregor <span class='smcap'>xiii.</span> war ihm sehr gewogen und er erhielt von ihm -eine zwar mässige, jedoch seinen Bedürfnissen genügende Pension. 1573 -verheiratete er seine Tochter mit Alexander Honorio. Paul hatte nun die -Aussicht, ruhig seinen Freunden und seinen Lieblingsneigungen leben zu -können; aber ein so heiterer Abschluss seiner sorgen- und mühevollen -Wirksamkeit war ihm nicht vergönnt. Er starb schon 1574 in den Armen -seines Sohnes Aldus, allgemein geachtet, allgemein betrauert, und ward -in der Kirche <em class="kursiv">Sancta Maria sopra Minervam</em> begraben, wo noch eine -einfache Namensinschrift auf einem Denkstein die Stelle seiner Gruft -bezeichnet. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Aldus <span class='smcap'>ii.</span></div> - -<p> -Sein Sohn <span class='smcap'>Aldus ii</span>., der älteste von vier Geschwistern, war, wie -erwähnt, 1547 geboren und ein frühreifes Kind, welches die Hoffnung -erregte, es werde seinem Vater und Grossvater gleich werden, wenn -nicht gar sie hinter sich lassen. Schon im zehnten Jahre war er bei -einer Ausgabe von Ciceros Briefen behülflich und im vierzehnten gab -er seine <em class="kursiv">Orthographiæ ratio</em> heraus. Im Jahre 1562 ging er zu seinem -Vater nach Rom, wo er bis 1565 weilte, sich vielfach schriftstellerisch -beschäftigend. -</p> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_183' name='Page_183' href='#Page_183'>[183]</a></span> -Nach Venedig zurückgekehrt, wurde ihm von seinen Vettern Bernh. und -Hieron. Torresanus der Vorschlag gemacht, mit ihnen gemeinschaftlich -zu drucken, was sich jedoch zerschlug. 1572 heiratete er eine Tochter -aus der berühmten Buchdrucker-Familie der Giunta, Franzisca Lucrezia, -wodurch auch zwischen den rivalisierenden Familien eine geschäftliche -Verbindung eintrat, wahrscheinlich unter Mitbeteiligung Basas, des -Pächters der Aldinischen Druckerei, deren alleiniger Besitzer Aldus -nach dem Tode des Vaters geworden war. -</p> - -<div class="sidenote">Ruf nach Pisa<br />und nach Rom.</div> - -<p> -Einer Ernennung Aldus' zum Professor der schönen Wissenschaften (um -1576) folgte bald ein vorteilhafter Ruf nach Pisa von seiten des -Franz von Medici. Kaum hatte er diesen angenommen, als er ein noch -ehrenvolleres Anerbieten von Rom aus erhielt, und sein Ansehen war -so gross, dass sein Name, obwohl er die Stelle jetzt ausschlagen -musste, in die Liste der Professoren eingetragen wurde, und die Stelle -unbesetzt blieb. Gegen Ende des Jahres konnte er endlich diesem Ruf und -seiner Neigung folgen und nach Rom gehen, wo der Papst Clemens <span class='smcap'>viii.</span> -ihm auch die Aufsicht über die Vatikanische Druckerei anvertraute. -</p> - -<p> -Die alte berühmte Aldinische Druckerei gab er 1585 ganz ab, überhaupt -war er mehr durch Umstände als durch Neigung Buchdrucker. Seine zeitige -geistige Reife und die ihm so früh zugefallene litterarische Ehre -hatten ihn der Druckerei abspenstig gemacht. Die Genugthuung, Bücher zu -schreiben, ging ihm über die lohnende materielle Arbeit der Förderung -der Buchdruckerei. -</p> - -<div class="sidenote">Aussterben der<br />Familie.</div> - -<p> -Aldus starb, nachdem seine vier Kinder ihm schon im Tode vorangegangen -waren, am 28. Oktober 1597 im 51. Jahre und mit ihm der letzte berühmte -Sprössling einer Familie, die der Wissenschaft und der Typographie die -grösste Ehre gemacht, und deren Ruhm nicht erlöschen wird, so lange -einer der zahlreichen Bände existiert, welche in dem Zeitraum eines -Jahrhunderts aus ihren Pressen hervorgingen. Renouard verzeichnet in -seinen Annalen 153 Ausgaben von Aldus Manutius; 109 von den Asolas; 592 -von Paul Manutius; 215 von dem jüngeren Aldus; ausserdem noch 36 nicht -datierte Werke aus den Aldinischen Pressen, in Summa 1105 Ausgaben von -780 Autoren. Von Nachdrucken zählt er 64 auf. -</p> - -<hr /> <!-- -<tb> - --> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Die Familie<br />Giunta.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_184' name='Page_184' href='#Page_184'>[184]</a></span> -Glücklicher in ihren äusseren Erfolgen und spekulativer als die Aldi -zeigt sich die zweite berühmte Buchdrucker-Familie Italiens, die der -Giunta (Junta) in FLORENZ. Hat sie auch nicht die höchsten Ehren der -Familie Aldus erreicht, so nimmt sie wenigstens nach ihr die erste -Stelle ein und die Mitglieder der Familie waren, ohne selbst Gelehrte -von Rang zu sein, unterrichtete und tüchtige Männer, die ihre Kunst -thatkräftig und mit Vorteil zu üben verstanden. -</p> - -<div class="sidenote">Luc-Ant. Giunta.<br />Seine<br />Nachkommen.</div> - -<p> -Die Familie <span class='smcap'>Giunta</span><a name='FA_092' id='FA_092' href='#FN_092' class='fnanchor'>[2]</a> gehörte zu den angesehenen in Florenz und -existierte schon im 14. Jahrhundert. Luc-Antonius und sein Bruder -Philippus, deren Vater Wollhändler war, begannen zu derselben Zeit, wie -Aldus in Venedig, zu drucken. -</p> - -<p> -<span class='smcap'>Luc-Antonius Giunta</span> kam, nachdem er das Geschäft eines Buchhändlers -schon in Florenz betrieben hatte, um 1480 nach Venedig, wo sein -erstes Verlagswerk sich aus dem Jahre 1482 schreibt; Buchdrucker -ward er wahrscheinlich 1503. Eine seiner Hauptunternehmungen war der -Druck des Galenus in lateinischer Sprache. Während Aldus mit seiner -grossen griechischen Ausgabe bedeutenden Verlust hatte, druckten die -Giunta in der Zeit von 1522-1625 elf Auflagen ihrer lateinischen. Sie -spekulierten auf einen billigen Preis und reussierten. -</p> - -<p> -Luc-Antonius starb im Jahre 1537 oder 1538 und einer seiner drei Söhne, -<span class='smcap'>Thomas</span>, übernahm die Buchdruckerei. Thomas hinterliess keine Kinder, -aber seine Neffen führten das Geschäft unter der Firma: <em class="kursiv">apud Juntas</em> -weiter und zwar mit so vielem Glück, dass ihr Nachfolger, <span class='smcap'>Gio-Maria -Giunta</span>, in den Jahren 1626-1628 jeder seiner zwei Töchter 100000 -Scudi, nach jetzigem Geldwerte gleich 500000 Mark, mitgeben konnte. -Sie heirateten zwei venetianische Nobili Foscarini und Cornaro, und -mit ihnen endigte der venetianische Zweig der Familie, während das -Geschäft in Venedig auch von dem Florentiner Zweig fortgesetzt und 1642 -von einem <span class='smcap'>Modesto Giunta</span> geleitet wurde. Noch im Jahre 1791 wird eine -dieser Familie angehörende Persönlichkeit erwähnt. -</p> - -<div class="sidenote">Philipp Giunta<br />und sein Stamm.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Philipp Giunta</span>, der Bruder Luc-Antonius', hatte Florenz nicht verlassen -und etablierte dort eine Buchdruckerei und Buchhandlung. Sein erster -Druck: <em class="kursiv">Zenobii Proverbia</em>, aus dem Jahre 1497, -<span class='pagenum'><a id='Page_185' name='Page_185' href='#Page_185'>[185]</a></span> -war ein griechischer, -ebenso der im Jahre 1500 folgenden <em class="kursiv">Orphei Argonautica</em>, sonst druckte -er nur lateinische und italienische Ausgaben, namentlich in kleinem -Oktav mit der, der Aldinischen nachgebildeten Cursivschrift; den -griechischen Druck nahm er erst 1514 wieder auf. -</p> - -<p> -Philipp starb am 16. September 1517, nachdem er die erste griechische -Ausgabe von Plutarch, von ihm selbst redigiert, gedruckt hatte. Sein -Sohn Bernhard führte das Geschäft für die Erben weiter und ihm hat man -die berühmte Quartausgabe von Boccaccios <em class="kursiv">Decamerone</em> zu verdanken, -die als Prototyp aller späteren Ausgaben diente, bis die Entdeckung -eines, im Jahre 1384 angefertigten Manuskriptes den Wert des Buches -verringerte. Der enorme Preis der Giuntaschen Ausgabe veranlasste 1729 -einen Nachdruck, der in allen Äusserlichkeiten das Original nachzuahmen -versuchte; der Betrug wurde jedoch bald entdeckt. -</p> - -<p> -Das Florentiner Haus kam zwar dem Venetianer an Reichtum nicht -gleich, hielt sich aber stets auf einem geschäftlich respektablen -Standpunkte. Bernhard starb 1551; die Druckerei wurde von einem -seiner vielen Söhne, Philipp, dirigiert und bestand noch im ersten -Drittel des 17. Jahrhunderts. Glieder der Familie etablierten sich in -Rom, Burgos, Madrid und Lyon, an letzterem Orte wohl zunächst in der -unedlen Absicht, die Aldinen ungestört nachzudrucken. Hinsichtlich der -Ausstattung stehen die Juntinen den Aldinen sehr nach und haben bei den -Sammlern nie das Ansehen gehabt wie letztere. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Oriental. Druck. -<hr class="sidenote" /> -Daniel Bomberg.</div> - -<p> -Was die Aldi und die Giunta für den griechischen, lateinischen und -italienischen Druck waren, war <span class='smcap'>Daniel Bomberg</span> für den hebräischen. -Dieser Zweig der Typographie war bisher nur von den jüdischen -Buchdruckern zu Soncino, Neapel, Pesaro und Konstantinopel geübt. -Bomberg, gebürtig aus Antwerpen, war nicht Jude, gründete jedoch in -Venedig eine, nur der hebräischen und rabbinischen Litteratur gewidmete -Druckerei, in welcher er drei Ausgaben der Bibel mit den besten -rabbinischen Kommentaren in vier Foliobänden, ausserdem noch fünf -korrekte Handausgaben, einen prachtvollen babylonischen Talmud in zwölf -Foliobänden nebst mehreren rabbinischen Werken druckte. Die Korrektur -besorgte im Verein mit vielen tüchtigen Korrektoren der gelehrte Chaja -Maier Ben David. Die hebräischen Typen Bombergs gelten -<span class='pagenum'><a id='Page_186' name='Page_186' href='#Page_186'>[186]</a></span> -bis auf die neueste Zeit für die schönsten, und ein Pergament-Abdruck seiner Bibel -von 1525, der sich auf der Wolfenbütteler Bibliothek befindet, wird als -ein typographisches Juwel betrachtet. Er soll zwischen 3-4 Millionen -Kronen für hebräischen Druck ausgegeben, und nicht genug auf seinen -eigenen Vorteil gesehen haben. -</p> - -<div class="sidenote">Mechitar.</div> - -<p> -Auch der sonstige orientalische Druck musste vorzugsweise in dem, mit -dem Orient so lebhaft verkehrenden Venedig Pflege und Unterstützung -finden. 1518 wurde hier der Koran arabisch gedruckt. 1701 gründete der -Armenier <span class='smcap'>Mechitar</span> auf der Insel St. Lazaro bei Venedig ein Kloster, -mit welchem eine für orientalischen, speziell armenischen Druck -eingerichtete Druckerei verbunden wurde. Eine Foliobibel von 1733 mit -Kupfern ist wohl das erste grössere aus ihr hervorgegangene Druckwerk. -</p> - -<div class="sidenote">Greg. Gregorio. -<hr class="sidenote" /> -<em class="kursiv">Congregatio de<br />propaganda fide.</em></div> - -<p> -Doch auch ausserhalb Venedigs wurde der orientalische Druck in Italien -geübt. Das erste gedruckte arabische Buch: <em class="kursiv">Septem horæ canonicæ</em> -erschien 1514 in FANO in der auf Kosten des Papstes Julius <span class='smcap'>ii.</span> von -<span class='smcap'>Gregor Gregorio</span> errichteten Buchdruckerei. Genua, Ferrara, Trient<a name='FA_093' id='FA_093' href='#FN_093' class='fnanchor'>[3]</a> -lieferten manches Beachtenswerte. In ROM hatte der Papst Pius <span class='smcap'>iv.</span> -schon die Vatikanische Bibliothek gegründet, welche von Sixtus <span class='smcap'>v.</span> -vervollständigt wurde. Als die im Jahre 1622 gestiftete Kongregation -zur Verbreitung des Glaubens (<em class="kursiv">de propaganda fide</em>) 1627 mit ihrem -Missionsseminar eine für die Zwecke der Mission eingerichtete Druckerei -verband, wurde die vatikanische Offizin hiermit vereinigt und durch die -orientalischen Schriften des berühmten Druckers und Stempelschneiders -<span class='smcap'>Stefanus Paoli</span> vermehrt. Diese Druckerei lieferte nun in vielen -Sprachen Neue Testamente und Andachtsbücher, hat aber nie eine -Wirksamkeit entwickelt, die im Einklang mit ihren bedeutenden Mitteln -stand<a name='FA_094' id='FA_094' href='#FN_094' class='fnanchor'>[4]</a>. -</p> - -<div class="sidenote">Genua.</div> - -<p> -In GENUA erschien 1516 die erste Polyglotte, ein Psalterium in -hebräischem, griechischem, arabischem, chaldäischem Text mit drei -lateinischen Übersetzungen und mit lateinischen Interpretationen. -Der Verfasser war der Dominikaner Agostino Giustiniani, der Drucker -<span class='smcap'>Peter Paul Porrus</span>. Justinianus hatte die Absicht, die ganze Bibel -<span class='pagenum'><a id='Page_187' name='Page_187' href='#Page_187'>[187]</a></span> -in derselben Weise herauszugeben, aber die Unterstützung, welche der -Versuch fand, war eine so geringe, dass er davon absehen musste. An die -Worte des <span class='smcap'>xix.</span> Ps. 5. V. „ihre Rede gehet an der Welt Ende“ hatte er -eine Biographie des Columbus geknüpft, die jedoch so mangelhaft war, -dass der Rat zu Genua die Verbreitung verbot. -</p> - -<div class="sidenote">Padua.</div> - -<p> -In PADUA<a name='FA_095' id='FA_095' href='#FN_095' class='fnanchor'>[5]</a> gründeten die zwei gelehrten Brüder Gaetano und Giovanni -Antonio Volpi eine bedeutende Buchdruckerei zur Herausgabe von -Klassikern und übergaben die Leitung dem <span class='smcap'>Giuseppe Comino</span>, der sich -durch grosse technische Tüchtigkeit auszeichnete. Die cominischen -Ausgaben der Klassiker, der Zahl nach zwanzig, sind sowohl wegen ihrer -Ausstattung als Korrektheit berühmt. -</p> - -<div class="sidenote">Verfall.</div> - -<p> -Die Blüte der, durch die Unterstützung fein gebildeter Fürsten und -Grossen, sowie einer reichen, unabhängigen Bürgerschaft geförderten -litterarischen Kultur ging mit dem Ende des <span class='smcap'>xvi.</span> Jahrhunderts zurück; -mit ihr verfiel, wie überall, so auch in Italien, die Buchdruckerkunst, -die erst in viel späterer Zeit als anderswo, zugleich mit der, auch -spät errungenen, politischen, nationalen Unabhängigkeit und damit -verbundenen Press-Freiheit, sich wieder zu heben beginnen sollte. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Die<br />Xylographie.</div> - -<p> -DER HOLZSCHNITT entwickelte sich in Italien nicht in demselben Masse -wie in Deutschland, und der Kupferstich behauptet den Vorrang. Nur -Venedig macht einigermassen eine Ausnahme. Doch übte Dürers Stil -seinen Einfluss auch in Italien und wir sehen sogar einen bedeutenden -Künstler, Marc-Antonio Raimondi, die Holzschnitte Dürers in Kupferstich -wiedergeben, weshalb ihn Dürer verklagte, wobei er jedoch nur -erreichte, dass es Raimondi untersagt wurde, Dürers Monogramm mit -nachzumachen. -</p> - -<div class="sidenote">Cesar Vecellio.</div> - -<p> -Eine merkwürdige Erscheinung auf dem Gebiete des illustrierten Druckes -ist die von Aldus (1499) herausgegebene <em class="kursiv">Hypnerotomachia</em> oder der -Kampf des Schlafes und der Liebe. Die reichen Illustrationen wurden -gewöhnlich <span class='smcap'>Benedetto Montagna</span> zugeschrieben, von einigen sogar Raphael, -wahrscheinlich gehören sie aber einem, unbekannt gebliebenen Künstler. -Von Andrea Mantegna -<span class='pagenum'><a id='Page_188' name='Page_188' href='#Page_188'>[188]</a></span> -haben wir einige vorzügliche Holzschnitte, ebenso -von dem erwähnten Kupferstecher <span class='smcap'>Marc-Antonio Raimondi</span> (geb. 1488, -gest. 1546). <span class='smcap'>Cesar Vecellio</span> lieferte seine berühmten <em class="kursiv">Habiti antichi -e moderni</em>, 420 Kostümbilder, die von Christoph Krieger (geb. 1550, -gest. 1606) aus Nürnberg in Holz geschnitten wurden<a name='FA_096' id='FA_096' href='#FN_096' class='fnanchor'>[6]</a>. Vecellius -war ein Neffe Tizians und es ist von Kennern behauptet worden, -Tizian selbst habe die Originalzeichnungen geliefert. Jedenfalls -ist Vecellius sehr durch seinen berühmten Verwandten beeinflusst -worden und die Zeichnungen nähern sich dessen grossartigem Stil. -Die Ausführung in Holzschnitt ist leider eine nur mittelmässige<a name='FA_097' id='FA_097' href='#FN_097' class='fnanchor'>[7]</a>. -Sonst haben, besonders in Venedig, eine Anzahl tüchtiger, aber dem -Namen nach unbekannter Meister der paduanisch-venetianischen Schule -gearbeitet. Als Verfertiger der vielen, mit dem aus den Buchstaben -J. B. zusammengesetzten Monogramm bezeichneten venetianischen -Holzschnitt-Illustrationen ist nunmehr in neuester Zeit <span class='smcap'>Giovanni Brito</span> -erkannt worden. -</p> - -<div class="sidenote">Clair-Obscur-<br />Druck.</div> - -<p> -In dem farbigen (<em class="kursiv">Clair-obscur</em>-)Druck behaupteten die Italiener das -Übergewicht; wenn sie aber auch auf die Erfindung Anspruch machen, sind -sie im Unrecht, da deutsche <em class="kursiv">Clair-obscur</em>-Drucke aus dem Jahre 1509 -von Lucas Cranach existieren, während die ersten Drucke des angeblichen -Erfinders <span class='smcap'>Ugo da Carpi</span> erst aus dem Jahre 1518 herrühren. Das Verfahren -besteht, wie schon kurz erwähnt wurde, darin, durch mehrere Platten, -in verschiedenen Farben oder Tonabstufungen gedruckt, den Effekt des -mit farbigen Tuschen gezeichneten oder in Sepia ausgeführten Bildes -hervorzubringen. Durch gänzliches Aussparen der lichten Stellen fügt -das, an diesen Stellen zum Vorschein kommende weisse Papier noch die -Wirkung hinzu, als wären weisse Lichter aufgesetzt. Öfters wurden -die ersten Konturplatten in Kupfer gestochen, die Töne aber mittels -Holzplatten aufgedruckt. Die Schwierigkeit der Ausführung dieser -Arbeiten liegt darin, dass die Grenzen der verschiedenen Platten sich -vollständig decken müssen, was bei dem Druck, trotz feinster Punkturen -und genauester Anlage, äusserst -<span class='pagenum'><a id='Page_189' name='Page_189' href='#Page_189'>[189]</a></span> -schwer zu erzielen ist, da das Papier -während des Druckes seinen Feuchtigkeitszustand, folglich seine Grösse, -ändert, auch die Punkturlöcher allmählich sich erweitern, was zur -Unsicherheit beiträgt. -</p> - -<p> -Ausser Ugo da Carpi (gest. um 1520) besitzt Italien eine ziemliche -Anzahl tüchtiger Künstler in diesem Genre, unter welchen <span class='smcap'>Nicolo -Boldrini</span> aus Vicenza und <span class='smcap'>Andreas Andreani</span> (geb. 1540, gest. 1625) -bedeutende Plätze einnehmen. Letzterer gab Platten von grossen -Dimensionen nach den wundervollen Mosaiken Domenico Beccafumis -ausgeführt. Sein „Triumphzug Cäsars“, von Andrea Mantegna gezeichnet, -ist ebenfalls von grosser Bedeutung. -</p> - -<div class="sidenote">Graf Zanetti -<hr class="sidenote" /> -John Jackson.</div> - -<p> -Noch in später Zeit machte sich der Graf <span class='smcap'>Anton Marie Zanetti</span>, geboren -in Venedig 1680, dort gestorben 1766, bekannt durch seine Bestrebungen, -den <em class="kursiv">Clair-obscur</em>-Druck aufs neue zu Ehren zu bringen. In einem -grossen Werke von 101 Blättern in Folio giebt er besonders Kopien -nach Parmesano. Leider wurde dieses kostbare Werk nur in 30 Exemplaren -gedruckt und dann die Platten vernichtet. In den Jahren 1738-1743 lebte -ein Engländer <span class='smcap'>John Jackson</span>, der in Papillons Schule sich ausgebildet -hatte, in Venedig, wo er eine Anzahl sehr tüchtiger Kopien von -berühmten italienischen Meistern in <em class="kursiv">Clair-obscur</em>-Manier fertigte. -</p> - -<hr /> - -<h3> -SPANIEN. PORTUGAL. DER SÜDEN AMERIKAS. -</h3> - -<p> -In SPANIEN und PORTUGAL machte die Buchdruckerei in dieser Periode -keine grossen Fortschritte. Die bis Ende des <span class='smcap'>xv.</span> Jahrhunderts -gedruckten Bücher zeigen keine anderen Schriften, als die in Frankreich -verwendeten halbgothischen, und bis in die Mitte des <span class='smcap'>xvi.</span> Jahrhunderts -behalten die spanischen Bücher immer noch das Aussehen derjenigen des -<span class='smcap'>xv.</span> Jahrhunderts. -</p> - -<div class="sidenote">Complutinische<br />Polyglotte.</div> - -<p> -Eine Berühmtheit der spanischen Buchdruckergeschichte weist die Stadt -ALCALA DE HENARES (<em class="kursiv">Complutum</em>) auf. Der Kardinal und Premierminister -Ferdinand des Katholischen, Franz Ximenes de Cisneros, hatte 1499 -die dortige Universität begründet und einen ausgewählten Kreis von -Gelehrten, namentlich Linguisten, dahin versammelt. Man brauchte Bücher -für die Studierenden und berief <span class='smcap'>Wilhelm de Brocario</span> aus Pampelona, -der als tüchtigster Buchdrucker Spaniens galt. Er druckte erst eine -Anzahl von Klassikern und dann auf Befehl des Kardinals die berühmte -Complutinsche -<span class='pagenum'><a id='Page_190' name='Page_190' href='#Page_190'>[190]</a></span> -Polyglott-Bibel in 6 Bänden in Folio (1514-1517), eins -der prachtvollsten Druckerzeugnisse damaliger Zeit. Den Kostenaufwand, -welchen die Ausarbeitung und Herstellung des Werkes verursachten, -schätzt man auf über 50000 Goldkronen. Nach der Vollendung beanstandete -der Papst Leo <span class='smcap'>x.</span> die allgemeine Verbreitung, welche erst am 22. März -1520 zugestanden wurde. Die Übergabe des Werkes in den Verkehr fand -erst 1522 statt. Brocario druckte bis 1522; sein Sohn, <span class='smcap'>Johann</span>, noch -lange nach ihm. Berühmt war auch <span class='smcap'>Michel de Eguia</span>. Alfonse de Fonseca, -der Nachfolger Ximenes' bei Karl <span class='smcap'>v.</span>, trat ganz in die Spuren seines -Vorgängers und unterstützte die Kunst. -</p> - -<div class="sidenote">Madrid.</div> - -<p> -Als MADRID 1560 Residenz geworden, zogen die Könige auch Buchdrucker -nach dort, und ernannten königliche Hofbuchdrucker, auch wurde, in -Nachahmung der Pariser Anstalt, eine königl. Buchdruckerei errichtet. -Die Kunst kam jedoch nicht recht in Flor; wollte man ein Buch recht -schön gedruckt haben, so suchte man vorzugsweise Plantin in Antwerpen, -oder dessen Nachfolger Moretus, auf. Unter den Madrider Buchdruckern -müssen wir <span class='smcap'>Johann de la Cuesta</span> nennen, dem die Ehre vorbehalten blieb, -die erste Ausgabe von Miguel de Cervantes' unsterblichem Werke: <em class="kursiv">El -ingenioso hidalgo Don Quixote de la Mancha</em>, zu drucken. -</p> - -<p> -Einen bedeutenden Namen hatte <span class='smcap'>Antonio Bortazar</span> in Valencia. Der -König Philipp <span class='smcap'>v.</span> wurde auf ihn aufmerksam gemacht; bevor jedoch die -Organisationspläne zur Ausführung kommen konnten, starb Bortazar. -In SEVILLA zeichnete sich <span class='smcap'>Johann Kromberger</span>, ein Deutscher, aus. Der -berühmteste Name der spanischen Druckkunst, <span class='smcap'>Joachim Ibarra</span>, gehört der -nächsten Periode an. -</p> - -<div class="sidenote">Süd-Amerika. -<hr class="sidenote" /> -Mexico.</div> - -<p> -Begreiflicherweise waren die Spanier die ersten, welche die -Buchdruckerkunst in MITTEL- und SÜD-AMERIKA einführten und zwar volle -hundert Jahre bevor Nordamerika eine Presse hatte. Dort, wie hier, -waren die, in dieser Periode gedruckten Schriften hauptsächlich -religiösen Inhalts. In MEXICO erschienen jedoch auch einige -geschichtliche Werke und viele sprachliche Bücher für den Gebrauch der -Eingeborenen, in den mancherlei Idiomen derselben abgefasst<a name='FA_098' id='FA_098' href='#FN_098' class='fnanchor'>[8]</a>. Was -die Zahl, den Umfang und die Ausstattung -<span class='pagenum'><a id='Page_191' name='Page_191' href='#Page_191'>[191]</a></span> -der Bücher betrifft, ging der -Süden Amerikas bis gegen das Ende des <span class='smcap'>xvii.</span> Jahrh. bedeutend dem Norden -voran. -</p> - -<p> -Über die Zeit der Einführung und die Person des Einführenden herrschten -sehr abweichende Ansichten; jetzt steht es wenigstens unwiderleglich -fest, dass Bücher 1540 in Mexico gedruckt wurden, und dass die -Einführung der Kunst also noch vor diesem Jahre, wahrscheinlich um -1537, auf Betrieb des Vicekönigs Antonio de Mendoza geschah. -</p> - -<p> -Lange galt die Annahme, dass das <em class="kursiv">Vocabulario en lingva Castellana y -Mexicana</em> (1571) des Franziskaners Alonso de Molina das erste Werk und -<span class='smcap'>Antonio de Spinosa</span> der erste Drucker gewesen. Die Druckerlaubnis wurde -1569 erteilt und so ist auch das Vorwort datiert. Der erste Teil dieses -bedeutenden Werkes besteht aus 122, das zweite aus 162 numerierten -Blättern in Folio, dasselbe also im ganzen aus 568 Seiten<a name='FA_099' id='FA_099' href='#FN_099' class='fnanchor'>[9]</a>. -</p> - -<p> -Später ward <span class='smcap'>Johan Krombergers</span> Druck: <em class="kursiv">Doctrina Christiana</em>, in dem -Jahre 1544 mit gothischer Schrift ausgeführt, aufgefunden, die man nun -für das älteste Buch Mexicos hielt, bis auch diese Annahme, und zwar -durch sechs eigene Drucke Krombergers älteren Datums, widerlegt wurde. -Sein erstes Buch, <em class="kursiv">Manual de adultos</em>, von welchem jedoch nur die -letzten Blätter erhalten wurden, stammt nämlich schon aus dem J. 1540; -das zweite: <em class="kursiv">Relacion del espantable terremoto etc. de Guatemala</em>, -erschien 1541<a name='FA_0910' id='FA_0910' href='#FN_0910' class='fnanchor'>[10]</a>. -</p> - -<p> -Nach den angesehenen Geschichtsforschern D. Padella, Alonzo Fernandez -und Gonzales Danila hat Juan de Estrada in dem Novizenhause zu Mexico -noch vor 1740 eine Übersetzung aus dem Lateinischen des Joh. Climachus: -<em class="kursiv">Escala esperitual para llegar al cielo</em> geliefert und <span class='smcap'>Juan Pablos</span> sie -gedruckt. Nur nennt Danila den Verfasser <em class="kursiv">Juan de la Magdalena</em>, was -sich leicht als Klostername des Paters Juan de Estrada erklärt. -</p> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_192' name='Page_192' href='#Page_192'>[192]</a></span> -Es dürfte jedoch nicht gar zu schwer sein, diese widersprechenden -Nachrichten mit einander in Einklang zu bringen. Da der Vizekönig -Antonio de Mendoza 1535 nach Mexico kam und dem (oben erwähnten) -Kromberger in „Sevilla“ den Auftrag gegeben hatte, eine Druckerei in -Mexico anzulegen, so ist es nicht unwahrscheinlich, dass Kromberger den -Juan Pablos nach dorthin gesandt hat, so dass dieser mit einem gewissen -Recht als der erste Drucker der neuen Welt bezeichnet werden, und -Kromberger doch die erste Druckfirma dort gewesen sein konnte. Pablos -kann also für Kromberger die erwähnte <em class="kursiv">Escala esperitual</em> um 1537 -gedruckt haben. Kromberger starb vor 1541, doch hat man später aus dem -Geschäft in Sevilla Bücher mit seiner Firma. Und so wird es wohl auch -in Mexico gewesen sein, bis wahrscheinlich Pablos das Geschäft erwarb, -denn 1550 kommt auf der <em class="kursiv">Doctrina Christiana</em> seine Firma vor und dann -später öfters. -</p> - -<div class="sidenote">Südamerika.</div> - -<p> -Icazbalceta führt 93 in Mexico und 7 in PERU gedruckte Werke aus der -Zeit von 1540-1600 auf. Zeitungen hatten Mexico und LIMA mutmasslich -schon von Ende des <span class='smcap'>xvii.</span> Jahrh. Die Jahrgänge 1728-1730 der -Mexico-Gazette sind noch vorhanden. Ein litterarisches Journal <em class="kursiv">Gazetta -de literatura</em> erschien 1750. -</p> - -<p> -Auf ST. DOMINGO war in der Stadt gleichen Namens eine spanische -Presse zu Beginn des <span class='smcap'>xvii.</span> Jahrh. thätig. Es durfte jedoch nichts ohne -besondere Erlaubnis der Kolonialregierung gedruckt, und von jedem Werk -mussten derselben zwanzig Exemplare abgegeben werden. In PORT AU PRINCE -hatten die Franzosen 1750 eine königliche Druckerei etabliert. -</p> - -<p> -SURINAM erhielt von den Holländern vor 1775 eine Offizin. In dem -portugiesischen Amerika scheint die Presse in den Händen der Regierung -geblieben zu sein und diese erst gegen Ende des Jahrhunderts in -Thätigkeit gewesen zu sein. In CORDOVA bestand bereits im <span class='smcap'>xvii.</span> Jahrh. -eine geheime Jesuitenpresse. -</p> - -<div class='footnotes'> - -<div class='footnote' id='FN_091'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_091'>[1]</a></span> <span class='smcap'>A. A. Renouard</span>, <em class="kursiv">Annales de l'imprimerie des Alde</em>. -Paris 1834. Dritte Auflage. — <span class='smcap'>Ambr. Firmin Didot</span>, <em class="kursiv">Alde Manutius et -l'hellenisme à Venise</em>. Paris 1875. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_092'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_092'>[2]</a></span> <span class='smcap'>A. M. Bandini</span>, <em class="kursiv">de Florentina Juntarum typgr.</em> 2 Bde. -Lucca 1791. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_093'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_093'>[3]</a></span> <span class='smcap'>E. Carmoly</span>, Annalen der hebr. Typogr. von Riva di Trento. -Frankf. a. M. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_094'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_094'>[4]</a></span> <span class='smcap'>J. C. Amaduti</span>, <em class="kursiv">Catalogus libr., qui ex typ. S. Congr. -etc. variis linguis prodierunt</em>. 7. Aufl. Rom 1773. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_095'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_095'>[5]</a></span> <span class='smcap'>F. Federici</span>, <em class="kursiv">Annali d. Tipogr. Volpi-Cominiana</em>. Padua -1809. — <em class="kursiv">Catalogus Stamperia Cominiana.</em> Padua. — <span class='smcap'>G. Volpi</span>, <em class="kursiv">La -libreria dei Volpi e la Stamperia Cominiana</em>. Padua 1756. — <span class='smcap'>V. -Fineschi</span>, <em class="kursiv">Notizie storiche sopra la stamperia de Ripoli</em>. Florenz -1781. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_096'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_096'>[6]</a></span> <span class='smcap'>Vecellius</span> nennt <span class='smcap'>Krieger</span>, „<em class="kursiv">Christophe Guerra, mio amico et -excellentissimo intagliatore di legno</em>“. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_097'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_097'>[7]</a></span> <span class='smcap'>Ambr. Firmin Didot</span> gab von dem Werke eine gelungenere -Reproduktion, welche zugleich Veranlassung zu der öfters erwähnten -Schrift <em class="kursiv">Essai typographique</em> gab. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_098'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_098'>[8]</a></span> <span class='smcap'>Joach. Garcia Icazbalceta</span>, <em class="kursiv">Apuntes para un catálogo de -Escritores en lenguas indigenos de Amerika</em>. Mexico 1866. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_099'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_099'>[9]</a></span> Dieses bedeutende Werk ist auf Veranlassung des Herrn -<span class='smcap'>Dr. Jul. Platzmann</span> in Leipzig zugleich mit einer Anzahl anderer der -ältesten grammatikalischen Schriften Mexicos mit grossem Aufwand in -ganz genauen Reproduktionen herausgegeben. Letztere sind vortrefflich -in der W. Drugulin'schen Offizin in Leipzig ausgeführt. Von Dr. -Platzmann erschien auch ein „Verzeichnis einer Auswahl amerikanischer -Grammatiken etc.“, welche von ihm mit grosser Sorgfalt gesammelt -wurden. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_0910'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_0910'>[10]</a></span> Ein Exemplar wurde in Leipzig 1869 in der Versteigerung -Andrade (Bibliothek des unglücklichen Kaisers Maximilian von Mexico, -von dem <em class="kursiv">British Museum</em> für 2250 Mark angekauft.) -</div> -</div> - -<div class="center clrboth"> - <img src="images/pg_192_deco.jpg" - style="margin-bottom:5em;" - alt="Kapitel-Ende" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<div class="center clrboth pgbreak"> - <img src="images/pg_193_deco.jpg" - alt="Kapitel-Anfang" /> -</div> - -<h2 class="nobreak" id="h2_25"> -X. KAPITEL. -<span class="seitnum">[<a href="#toc_25">←</a>]</span> -</h2> -</div> - -<p> -FRANKREICH. -</p> - -<div class="blockquote"> -<p> -Die Lage des Buchdruckers. Der Staat und die Presse. Die Xylographie, -die <em class="kursiv">livres d'heures</em>. Anton Verard. Geofroy -Tory. Jodocus Badius. Conrad Néobar. Berühmte Druckerfamilien. -Die Stephane: Heinrich <span class='smcap'>i.</span>, Robert -<span class='smcap'>i.</span>, Heinrich <span class='smcap'>ii.</span>, -Ende der Familie. Die Gründung der königlichen Buchdruckerei. Ant. -Vitré. Savary de Brèves. Lyon: Seb. Gryphius, Jean de Tournes, Steph. -Dolet. Die Schriftgiesserei. Die Buchbinderkunst. -</p> -</div> - -<div class="sidenote">Unterstützung<br />und Bevormun-<br />dung der Kunst.</div> - -<p class="hide_x_"> -<span class='pagenum'><a id='Page_193' name='Page_193' href='#Page_193'>[193]</a></span> -<img src="images/pg_193_cap.jpg" alt="W" width="50" class="cap0" /> -<span class="hide">W</span>ENN auch die Unterstützung der Universität der Einführung der -Buchdruckerkunst in Frankreich grossen Vorschub geleistet und ihr -anfänglich auch materielle Vorteile gewährt hatte, so zeigten sich doch -andererseits bald die Nachteile durch stete Bevormundung und die Kunst -nahm, trotz einer Reihe von ausgezeichneten Druckerfamilien, unter -welchen, wie in Italien, wieder Eine alle anderen überragt, nicht die -freie Entwickelung, wie dort<a name='FA_101' id='FA_101' href='#FN_101' class='fnanchor'>[1]</a>. -</p> - -<div class="sidenote">Vorteile der<br />Buchdrucker.</div> - -<p> -Nicht allein Bücher, sondern selbst das Material, als Schriften -und Farbe, waren abgabenfrei. Aber man wollte als Ersatz für diese -Begünstigungen, dass die Bücher auch äusserlich mit Sorgfalt behandelt -würden; man verlangte, dass sie sowohl mit guter Schrift -<span class='pagenum'><a id='Page_194' name='Page_194' href='#Page_194'>[194]</a></span> -als auch auf gutem Papier gedruckt werden sollten, worüber Inspektoren zu wachen -hatten. Buchdrucker, Korrektoren oder Autoren wurden für die Fehler -verantwortlich gemacht und mussten nötigenfalls Cartons drucken lassen. -Wollten sie sich gegen Versehen Anderer schützen, so mussten sie -die, von ihnen korrigierten Bogen kontrasignieren und deponieren. Die -Bücher, die nicht im Besitz der vorgeschriebenen Eigenschaften waren, -wurden vernichtet und die Unachtsamen bestraft. -</p> - -<p> -Auch auf mässige Preise hatten die Inspektoren zu halten, die -anfänglich zwar von den Druckereien aus eigenem Antrieb innegehalten -wurden, später aber nicht. Nicht weniger wurde der Zustand des -Materials überwacht. Das Abspenstigmachen eines Korrektors seitens -der Konkurrenten unterlag einer Strafe. Mit den auf Subskription -ausgegebenen Werken nahm man es sehr streng. Jeder Prospektus musste -von einem Probebogen begleitet sein, welcher ganz genau Format, -Papier und Schrift, sowie Umfang und Preis des Werkes angab. Bei -Übertretungen musste den Subskribenten der doppelte Betrag dessen, was -sie schon gezahlt hatten, vergütet werden, abgesehen von der sonstigen -gerichtlichen Brüche. -</p> - -<div class="sidenote">Das Zunftwesen.</div> - -<p> -Um als Buchdrucker oder Buchhändler aufgenommen zu werden war es -notwendig, vier Jahre gelernt und drei Jahre gedient zu haben, -Zeugnisse seiner Fähigkeiten im Lateinischen und Griechischen, seiner -Moralität und seiner Rechtgläubigkeit beizubringen, ausserdem bei -einem Examen zwei Drittel der Stimmen der acht Examinatoren für sich zu -haben. Die Meister waren berechtigt, den guten Arbeitern höher als nach -der Taxe zu zahlen, ohne dass diejenigen, welche diese Vergünstigung -wegen mangelhafter Arbeit nicht genossen, sich beschweren konnten. -Sowohl Lehrlinge als Gehülfen und Korrektoren wohnten in den Häusern -der Meister. -</p> - -<p> -Der Pergament- und der Papierhandel unterlag ebenfalls der Kontrolle, -und der Universität waren in Bezug auf Ankauf Vorrechte eingeräumt. -Später bestimmte ein Reglement für die Papierfabrikation, dass -alles Papier geleimt sein müsse, und setzte strenge Strafen auf das -Untermengen der Masse mit Kalk oder anderen ätzenden Stoffen. -</p> - -<div class="sidenote">Fesseln verschie-<br />dener Art.</div> - -<p> -Aber solche Schutzmassregeln konnten selbstverständlich unter den -zerrütteten politischen und finanziellen Verhältnissen, und in -<span class='pagenum'><a id='Page_195' name='Page_195' href='#Page_195'>[195]</a></span> -Ermangelung der Freiheit der geschäftlichen Bewegung und der Presse, -ebensowenig in Frankreich wie anderswo ein Zurückgehen der Kunst -verhindern. Fesseln der verschiedensten Art wurden der Presse angelegt -und das Schwert des Damokles hing fortwährend über den Häuptern der -Buchdrucker und Buchhändler. -</p> - -<p> -Franz <span class='smcap'>i.</span>, der Typographie persönlich wohlgesinnt, bestätigte -alle vorhandenen Privilegien und stand, als die Sorbonne 1521 ein -fulminantes Verdammungsurteil über die Lutherische Lehre ausgesprochen -hatte und dadurch Gefahren über manche Buchdrucker und Buchhändler -heraufbeschworen wurden, zuerst auf deren Seite, liess sich jedoch -später verleiten, den strengsten Massregeln zuzustimmen. Zugleich -wurde die Zahl der Buchdruckereien in Paris auf nur 12 festgesetzt. Die -Thätigkeit der 12 auserwählten nahm dafür einen um so grösseren Umfang -an, so dass sogar Mangel an Arbeitern eintrat, was bereits damals -von den Gehülfen benutzt wurde, um einen wohlorganisierten Strike mit -gegenseitigen Unterstützungskassen in Scene zu setzen, welchem erst -1539 durch polizeiliche Massregeln ein Ende gemacht wurde. -</p> - -<p> -Heinrich <span class='smcap'>ii.</span> erliess ein Verbot, theologische Schriften ohne -Autorisation der theologischen Fakultät zu drucken, auch musste der -Name des Autors und des Druckers auf jedes Werk gedruckt werden. -Karl <span class='smcap'>ix.</span> verwehrte 1563 unter Androhung der strengsten Strafe, -überhaupt etwas ohne Erlaubnis zu drucken; alle Bücher mussten von -seinem Geheimrate geprüft werden. Ludwig <span class='smcap'>xiii.</span> erteilte 1616 dem -Grosssiegelbewahrer die Vollmacht, die Zensur jeder tauglichen Person -zu übertragen. Zur Handhabung der inneren Polizei ward ein Syndikat, -bestehend aus fünf Mitgliedern (<em class="kursiv">les gardes de la librairie</em>), 1618 -errichtet. -</p> - -<div class="sidenote">Ludwig <span class='smcap'>xiv.</span> und<br />die Presse.</div> - -<p> -Der Geschmack an der nationalen Litteratur, welcher schon zu Ende der -Regierung Ludwigs <span class='smcap'>xiii.</span> namentlich durch die Gründung der Akademie und -durch die Werke Corneilles Nahrung gefunden hatte, gewann allgemeine -Verbreitung in der Glanzperiode der Litteratur und der Kunst während -der Regierung Ludwigs <span class='smcap'>xiv.</span> und äusserte seine Wirkung auch auf die -Buchdruckerei, der der König, sowie sein Minister Colbert, sehr -zugethan war, was sie jedoch nicht verhinderte, die beschränkenden -Massregeln fortzusetzen. Die Zahl der Pariser Buchdruckereien wurde auf 36 -<span class='pagenum'><a id='Page_196' name='Page_196' href='#Page_196'>[196]</a></span> -festgesetzt. Zugleich wurde bestimmt, dass jede Druckerei wenigstens -vier Pressen und acht Sorten Antiqua- und Cursiv-Schriften haben müsse. -</p> - -<p> -Die Aufhebung des Edikts von Nantes (1683) hatte zur Folge, -dass die französischen Papiermacher nach England gingen, wo die -Papierfabrikation noch keine hohe Stufe einnahm. Als Ludwig <span class='smcap'>xiv.</span> die -Fortschritte der englischen Papierfabrikation bemerkte, wendete er -grosse Summen auf, um die Arbeiter zur Rückkehr zu bewegen, was ihm -auch gelang; jedoch, die Fabrikation, die einmal dort Fuss gefasst -hatte, entwickelte sich trotzdem auf das glänzendste. -</p> - -<p> -Im Jahre 1723 wurde von Ludwig <span class='smcap'>xv.</span> ein Dekret erlassen, durch welches -die Pressverhältnisse geordnet wurden und das bis zum Beginn der -Revolution Bestand hatte. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Die<br />Xylographie.</div> - -<p> -Wenden wir unsere Aufmerksamkeit auch in Frankreich zuerst der -Xylographie zu, so finden wir, dass die Verhältnisse hier nicht -ganz so wie in Deutschland lagen. Dort war sie nicht, wie es hier -der Fall war, eine Lieblingsmanier der Künstler, um selbständige -Kunstwerke oder Kunstblätter herzustellen, sondern diente fast nur dem -Illustrationszweck, namentlich nur der Ornamentierung der Bücher. Die -Aufgabe, zu zeigen, was in letzterer Beziehung geleistet werden konnte, -fiel besonders den Andachtsbüchern zu. Die sehr beliebten illustrierten -Chroniken und Ritterromane enthielten fast nur rohe Umrisse, bestimmt -von den Künstlern ausgemalt zu werden, die öfters, wenn die Vorwürfe -ihnen nicht gefielen, die Stellen mit ganz anderen Kompositionen -ausfüllten und die vorhandenen Illustrationen ganz übermalten. -</p> - -<div class="sidenote">Die<br /><em class="kursiv">livres d'heures</em>.</div> - -<p> -Die Andachtsbücher (<em class="kursiv">livres d'heures</em>) wurden anfänglich fast nur -auf Pergament gedruckt, damit die Miniaturisten, von welchen Paris -eine Anzahl der gepriesensten besass, grössere Kompositionen und -Initialen, für welche Platz gelassen worden war, hineinmalen konnten. -Die bunten Figuren, nach byzantinischer Art auf Goldgrund gemalt, -boten einen prächtigen Anblick dar. Später versuchte man durch -Holzschnitte die Kunst der Miniaturisten, so weit dies ohne Farbe -möglich war, zu ersetzen und hatte es um 1486 soweit gebracht, solche -Bücher, dem Geschmack des Publikums angemessen, durch Hülfe allein der -Druckerpresse herstellen zu können. -</p> - -<div class="sidenote">Die<br /><em class="kursiv">Livres d'heures</em>.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_197' name='Page_197' href='#Page_197'>[197]</a></span> -Ein Teil der bekanntesten Herausgeber der <em class="kursiv">Livres d'heures</em>, als: -Pigouchet, Simon Vostre, Giles Hardoyn, Marnef, Michel le Noir u. a., -nahmen die gothischen Schriften und den strengeren deutschen Stil an, -und manche Illustrationen verraten unverkennbar den Einfluss Dürers, -namentlich aus der Zeit seines Aufenthaltes in Venedig, so dass öfters -Dürersche Figuren, von italienischer Architektur oder Ornamenten -umgeben, vorkommen. Andere Herausgeber als: Guyot, Marchand, Gourmont, -Simon de Colines, Janot, Anabat, vor allen Geofroy Tory standen ganz -unter dem Einfluss des italienischen Geschmackes und adoptierten -folglich als Druckschrift die Antiqua. -</p> - -<p> -Die schöne Ausführung dieser Bücher und ihr, im Vergleich zu den -Manuskriptenpreisen sehr wohlfeiler Ankaufspreis hatten einen -bedeutenden Absatz zur Folge. Man wandte sich von allen Seiten mit -Aufträgen nach Paris, wodurch die Buchdruckereien einen grossen -Aufschwung nahmen. Mit der zunehmenden Menge und Billigkeit liess -aber auch die Vortrefflichkeit der Ausführung nach. Die Feinheit -der Vignetten scheint auf Metallhochschnitt hinzuweisen, was durch -den Buchdrucker Jean Dupré, 1488, bestätigt wird, der von Vignetten, -<em class="kursiv">imprimées en cuyvre</em>, spricht. Wie hoch diese Bücher jetzt von den -Sammlern geschätzt werden, geht daraus hervor, dass die Preise seit dem -Beginn des Jahrhunderts bis auf das fünfzigfache gegen damals gestiegen -sind. -</p> - -<p> -In wie weit die obengenannten und andere, deren Namen in Verbindung mit -den illustrierten Büchern gebracht werden, Drucker, Herausgeber oder -ausübende Künstler waren, ist nicht immer genau festzustellen. -</p> - -<div class="sidenote">Anton Verard.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Anton Verard</span>, geboren zu Paris gegen d. J. 1450, gestorben 1512, -anfänglich Kalligraph und Miniaturist, hatte jedenfalls selbst eine -Buchdruckerei, obwohl es auch Bücher giebt, die bei Anderen für seine -Rechnung gedruckt wurden. Er widmete sich ganz besonders der Herausgabe -von Chroniken und Rittergeschichten. Ihm verdankt man die ersten -Ausgaben von Froissart und Monstrelet. Er wurde von der kunstsinnigen -Königin Anna von Bretagne sehr begünstigt und in verschiedenen seiner -Verlagswerke sieht man ein Bild, auf welchem er knieend der Königin -ein Exemplar überreicht. Die Zahl der von ihm herausgegebenen Werke -ist eine sehr grosse. -<span class='pagenum'><a id='Page_198' name='Page_198' href='#Page_198'>[198]</a></span> -Ist auch der künstlerische und litterarische -Wert dieser Bücher kein bedeutender, so trugen sie doch mächtig bei, -den Sinn für ritterliche Ehre und Ritterpflichten zu nähren, bis das -Erscheinen des Don Quixote dem Enthusiasmus einen mächtigen Dämpfer -aufsetzte. Von da ab haben diese Romane nur für den Bibliophilen Wert. -</p> - -<div class="sidenote">Geofroy Tory.</div> - -<p> -Unter den Herausgebern illustrierter Bücher, überhaupt unter den -Reformatoren der Kunst und der Schriftsprache in Frankreich, nimmt -<span class='smcap'>Geofroy Tory</span> einen ganz hervorragenden Platz ein<a name='FA_102' id='FA_102' href='#FN_102' class='fnanchor'>[2]</a>. Geboren in Bourges -um das Jahr 1480, widmete er sich mit Erfolg den Studien, begann -zugleich um 1505 das Zeichnen und die Holzschneiderei. Eine zeitlang -trieb er diese und die Philosophie friedlich nebeneinander, er war -jedoch kein Mann der Halbheit, gab deshalb seinen Lehrstuhl auf und -widmete sich ganz der Kunst. -</p> - -<div class="sidenote"><em class="kursiv">Champ-fleury.</em></div> - -<p> -Ein Werk des Italieners Sigismund Fanti über die Verhältnisse -der Buchstaben (Venedig 1514) gab Tory die Anregung zu seinen -späteren Arbeiten, auch waren ihm die Werke Dürers, in welchen -dieser sich mit Schrift beschäftigt, bekannt. Er liess sich in die -Zunft der Buchhändler aufnehmen, zu welcher er als Illuminator und -Holzschneider gehörte, und bereitete für ein Andachtsbuch eine Serie -von Einfassungen in antikem Stile vor. Während seiner Arbeiten, die -jedoch fast zwei Jahre durch den Schmerz über den Tod seiner geliebten -Tochter, Agnes, unterbrochen wurden, reifte bei ihm die Idee zu einem -linguistisch-typographischen Werke, das 1529 unter dem Titel erschien: -„<em class="kursiv">Champ-fleury, au quel est contenu L'art et science la deue et vraye -Proportion des lettres Attiques, qu'on dit autrement Lettres antiques -et vulgairement Lettres Romaines, proportionees selon le Corps et -Visage humain</em>“. -</p> - -<p> -Das Werk zerfällt in drei Abteilungen. Die erste enthält die -Anweisung zu dem rechten Gebrauch der Sprache; die zweite behandelt -die Entstehung der Kapitalschrift und die Belehrung, wie die -Kapitalbuchstaben in Übereinstimmung mit dem Körper und dem Gesicht -eines wohlgebildeten Menschen stehen. Geistreiche Illustrationen in -Holzschnitt dienen zur Versinnlichung der Theorie, die zwar kaum für -etwas anderes als ein Paradoxon erklärt werden -<span class='pagenum'><a id='Page_199' name='Page_199' href='#Page_199'>[199]</a></span> -kann, jedoch in der -sinnreichsten Weise durchgeführt ist. Der dritte Teil wendet sich der -Praxis zu, und giebt genaue Zeichnungen der Buchstaben und begleitet -sie mit Untersuchungen über die Aussprache. Den Schluss machen -13 Alphabete, vier Gattungen französischer Schriften: <em class="kursiv">Cadeaulx</em>, -<em class="kursiv">Forme</em>, <em class="kursiv">Bâtard</em>, <em class="kursiv">Tourneure</em>, mehrere orientalische Schriften, grosse -Kapitalbuchstaben (<em class="kursiv">Imperiales</em>, <em class="kursiv">Bullatiques</em>), Phantasiebuchstaben -(<em class="kursiv">Utopiques</em>) mit Arabesken, verzierte Initialen u. s. w. -</p> - -<div class="sidenote">Einfluss Torys.</div> - -<p> -Das Werk, welches 1529 erschien, veranlasste eine wahre Revolution -in der französischen Typographie und Orthographie. In der Technik -wurde es eine Hauptveranlassung zur vollständigen Beseitigung der -gothischen Type und zu einem neuen Schnitt der Antiqua. Robert -Stephanus fand sich veranlasst, alle seine Schriften zu verwerfen und -andere einzuführen, die sich nun in ihrer neuen Gestalt beinahe bis -zum Anfang des <span class='smcap'>xix.</span> Jahrhunderts unverändert erhielten. Noch wichtiger -waren die Veränderungen in philologischer Hinsicht, da von nun an die -Accente, Apostrophe und Cedillen, so wie eine verbesserte Orthographie -eingeführt wurden. -</p> - -<div class="sidenote">Tory wird Hof-<br />buchdrucker. -<hr class="sidenote" /> -Torys Tod.<br />Seine Nachfolger.</div> - -<p> -Dies konnte von dem, die Wissenschaften und die Typographie so sehr -liebenden König Franz <span class='smcap'>i.</span> nicht unbemerkt und unbelohnt bleiben. Er -ernannte Tory, 1530, zum königlichen Hofbuchdrucker, ein Titel, mit -dem reelle Einnahmen verbunden waren, auch wurde ihm zuliebe eine 25. -Stelle als Universitätsbuchhändler geschaffen, da die festgesetzte -Zahl 24 bereits voll war. Torys Todestag ist nicht genau bekannt, -er muss aber vor dem Jahre 1534 liegen, da seine Witwe, Perette le -Hulin, um diese Zeit das Geschäft fortführte. Im Jahre 1535 gingen -die verschiedenen Offizinen auf Olivier Mallard über; nur die -Holzschneiderei behielt die Witwe. Mallard, der das Zeichen Torys, -die zerbrochene Vase mit der Umschrift <em class="kursiv">non plus</em>, wahrscheinlich -eine Anspielung auf seine durch den Tod seiner Tochter vernichtete -Lebenskraft, fortführte, starb 1542. Das Material kam in die Hände -<span class='smcap'>Thielemann Kervers</span>. Der berühmte Schriftgiesser Claude Garamond, ein -Schüler Torys, war wieder ein Lehrer der nicht weniger berühmten Wilh. -le Bé und Jacques Sanleque. -</p> - -<div class="sidenote">Denys Janot.<br />St. Groulleau.</div> - -<p> -Die eigentliche illustrierte Litteratur, in der der Schriftsteller, -wenn nötig, sich der Illustration unterordnet, wurde von <span class='smcap'>Denys -<span class='pagenum'><a id='Page_200' name='Page_200' href='#Page_200'>[200]</a></span> -Janot</span> (1530-1545), noch mehr von seinem Nachfolger <span class='smcap'>Stephan Groulleau</span> -(1547-1565) in System gebracht. Als Schriftsteller unterstützte sie -Gilles Corrozet mit seiner geschmackvollen Feder und als Künstler -<span class='smcap'>Jean Cousin</span> mit seinem grossen Zeichnertalent. Es ist schwer die -Stellung der einzelnen Teile dieses vierblätterigen Kleeblattes genau -festzustellen. Die Begierde des Publikums nach ihren Produktionen war -eine so grosse, dass es nicht immer möglich war, sie zu befriedigen. -Man musste deshalb, in Ermangelung der schönen Renaissance-Vignetten, -öfters zu Zeichnungen älteren Datums greifen und so findet man, sogar -in einem und demselben Buch, oft neues und geschmackvolles neben altem -und stillosem. -</p> - -<p> -Janots letztes Werk, <em class="kursiv">l'Amour de Psyché et de Cupidon</em>, erst durch -seine Witwe, aus der berühmten Buchdruckerfamilie de Marnef stammend, -herausgegeben, ist zugleich sein schönstes. Die Witwe heiratete 1547 -Stephan Groulleau, der viele der zierlichsten illustrierten Ausgaben -lieferte. Gilles Corrozet, geb. 1510, starb 1568. Jean Cousin, -ebenfalls 1510 geboren, 1590 gestorben, war Zeichner, Goldschmied, -Bildhauer und Geometer. -</p> - -<div class="sidenote">Andere Künstler.</div> - -<p> -Von Zeichnern und Holzschneidern sind noch zu nennen: <span class='smcap'>Mercure Jollet</span>, -<span class='smcap'>Pierre Wojiriot</span>, nach seinem Geburtsort <span class='smcap'>de Bouzey</span> genannt, ein Schüler -Cousins und vielseitiger Künstler. Die Prinzessin <span class='smcap'>Marie von Medici</span> -(geb. 1573, gest. 1642) war nicht allein eine grosse Gönnerin der -Kunst, sondern soll auch die Xylographie in tüchtiger Weise geübt -haben. -</p> - -<p> -<span class='smcap'>Jean Papillon</span> (geb. 1660, gest. 1710) war der Stammvater einer -Holzschneider-Familie, die eine gewisse Berühmtheit erlangt hat, ohne -eigentlich grosse Ansprüche darauf machen zu können. Am bekanntesten -ist Jean Papillon durch seinen: <em class="kursiv">traité historique et pratique de la -gravure sur bois</em> (2 Bde. Paris 1766) geworden, ein Werk, das zwar -ohne Kritik geschrieben ist, jedoch eine Menge von Nachrichten über -zeitgenössische Künstler enthält, die man sonst nicht haben würde. -</p> - -<p> -Von den Papillons ab sank der Holzschnitt vollständig und nur der -Kupferstich wurde zur Bücher-Illustration benutzt, nicht allein durch -Beigabe besonderer Blätter, sondern auch indem man Vignetten in den -Text eindruckte<a name='FA_103' id='FA_103' href='#FN_103' class='fnanchor'>[3]</a>. -</p> - -<div class="sidenote">Jodocus Badius. -<hr class="sidenote" /> -Mich. Vascosan.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_201' name='Page_201' href='#Page_201'>[201]</a></span> -Unter den zugleich gelehrten und tüchtigen Buchdruckern ist zu nennen -<span class='smcap'>Jodocus Badius</span><a name='FA_104' id='FA_104' href='#FN_104' class='fnanchor'>[4]</a> (1498-1535), nach seiner Vaterstadt Asch bei Brüssel -auch Ascensius genannt. In Lyon hatte er bei Trechsel als Korrektor -fungiert und dessen Tochter geheiratet. Er druckte über 400 Werke, -die sich durch Schönheit und Korrektheit empfehlen, und versah viele -Klassiker-Ausgaben mit seinen Anmerkungen. Er war zu gleicher Zeit -Buchhändler, Buchdrucker, Schriftschneider und Schriftgiesser. Seine -drei Töchter verheirateten sich mit drei der berühmtesten Typographen, -Michael Vascosan, Joh. Roigny und Robert Etienne. Der Sohn, <span class='smcap'>Conrad -Badius</span>, ebenfalls ein tüchtiger Gelehrter und Buchdrucker, ging, -als Calvinist verfolgt, 1549 nach Genf, wo er litterarisch und -typographisch fortwirkte. Sein Schwager <span class='smcap'>Vascosan</span>, dessen Bücher in -Druck und Papier gleich schön und grösstenteils mit Antiqua gedruckt -sind, wurde 1566 königlicher Typograph und lieferte, ungerechnet neue -Auflagen, 297 Werke. -</p> - -<div class="sidenote">Die Familien<br />Morel u. Wechel.</div> - -<p> -Der Schwiegersohn Vascosans, <span class='smcap'>Friedrich I. Morel</span> (1571-1583), ist -Stammvater einer gelehrten und berühmten Druckerfamilie, von welcher -der Sohn des Genannten, <span class='smcap'>Friedrich ii. Morel</span>, das bedeutendste Glied -war. Seine Kommentare zu den Psalmen sind noch heute hoch geschätzt. -</p> - -<p> -Eine andere berühmte Familie war die Wechelsche, begründet 1522 -von <span class='smcap'>Christian Wechel</span> aus Basel. Derselbe druckte öfters den Flavius -Vegesius, von dem mehr als 50 Ausgaben existieren, und gab die Werke -Dürers in lateinischer Sprache heraus. Maittaire verzeichnet 335 von -ihm verlegte Werke, durch welche er vorzugsweise die Medizin, die -Anatomie und die Chirurgie förderte. Er beschäftigte die berühmtesten -Korrektoren seiner Zeit, Friedr. Sylburge und Joh. Obsopäus. In -religiöse Streitigkeiten verwickelt, zog er es vor nach Frankfurt a. M. -zu gehen, wo er 1554 starb. Sein Sohn <span class='smcap'>Andreas</span> (1535-1573) war ebenfalls -ein ausgezeichneter Drucker. Wie der Vater, nur noch im höheren -Masse, war er der Religion wegen Verfolgungen ausgesetzt. In der -Bartholomäusnacht entging er zwar der Todesgefahr, aber sein Eigentum -wurde konfisziert. Er zog, 1573, mit seiner Familie nach Frankfurt -(vergl. S. 131). -</p> - -<div class="sidenote">Die Familie Ste-<br />phanus.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_202' name='Page_202' href='#Page_202'>[202]</a></span> -Das Geschlecht, welches neben den Aldi zu den höchsten typographischen -Ehren gelangte und durch das ganze sechzehnte und einen Teil des -siebzehnten Jahrhunderts eine grossartige litterarisch-typographische -Thätigkeit entwickelte, war die Familie <span class='smcap'>Etienne</span><a name='FA_105' id='FA_105' href='#FN_105' class='fnanchor'>[5]</a> oder nach damaliger -Sitte <span class='smcap'>Stephanus</span>, die mit dem <span class='smcap'>Heinrich Stephanus</span> als Stammvater begann. -</p> - -<div class="sidenote">Heinr. <span class='smcap'>i.</span> Stepha-<br />nus.</div> - -<p> -Sein Geburtsjahr kennen wir nicht, wissen auch nichts von seiner -Jugendgeschichte und in welcher Weise er die Fähigkeiten erwarb, die -ihm einen hervorragenden Platz unter den tüchtigsten und gelehrtesten -Buchdruckern sicherten. Eine kurze Zeit (1502 bis 1504) arbeitete er -zusammen mit einem gelehrten deutschen Buchdrucker <span class='smcap'>Wolfgang Hopyl</span>, -dessen Ausgaben bis 1489 zurück- und bis 1522 heraufgehen. -</p> - -<p> -Die Ausgaben Heinrich <span class='smcap'>i.</span> Stephanus' erreichen, so weit bekannt, -die Zahl von gegen 130, wovon einige in Gemeinschaft mit andern -Buchdruckern oder für fremde Rechnung, 107 aber für eigene Rechnung -ausgeführt wurden. Die meisten waren in Folio und mit grosser Sorgfalt -gedruckt. Der Inhalt ist beinahe ausschliesslich theologisch und -philosophisch, denn die klassische Litteratur war noch immer Domaine -der Italiener und hatte sich noch nicht nach Frankreich den Weg -gebahnt. -</p> - -<p> -Heinrich, welcher 1520 im August oder September starb, hatte drei -Söhne, Franz, Robert und Carl, welche alle Buchdrucker oder Buchhändler -wurden. Die Witwe Heinrichs verheiratete sich das Jahr nach dessen Tod -mit <span class='smcap'>Simon de Colines</span> (<em class="kursiv">Colinäus</em>), der mutmasslich schon Teilhaber des -Geschäfts gewesen war und nun Besitzer der Buchdruckerei wurde, deren -Schriftenvorrat er vermehrte, namentlich durch eine, grösstenteils -von ihm selbst geschnittene Cursiv. Er machte sich durch seine schöne -Klassikerausgabe berühmt. -</p> - -<div class="sidenote">Robert Stepha-<br />nus <span class='smcap'>i.</span></div> - -<p> -<span class='smcap'>Robert</span>, der zweite Sohn, war 1503 geboren. Über seine Jugend wissen -wir nichts, wahrscheinlich ist er im väterlichen Hause geblieben, wo er -auch nach der Verheiratung seiner Mutter mit Colines arbeitete. Robert -heiratete Perette, die Tochter von Jod. Badius, die eine gelehrte -Bildung hatte und das Lateinische fliessend -<span class='pagenum'><a id='Page_203' name='Page_203' href='#Page_203'>[203]</a></span> -sprach. Überhaupt war -durch den steten Verkehr der Gelehrten in Roberts gastfreiem Hause, das -öfters durch die Besuche Franz <span class='smcap'>i.</span> und Margarethas von Navarra geehrt -wurde, das Lateinische die tägliche Umgangssprache geworden, die selbst -den Dienstboten geläufig war. Perette ward die Mutter von acht Kindern -und starb gegen 1550, worauf Robert Margaretha Duchemin heiratete. -</p> - -<div class="sidenote">Seine Wirksam-<br />keit.</div> - -<p> -Roberts Wirksamkeit richtete sich auf die Herausgabe der so sehr -notwendigen Elementarbücher für das Studium der alten Sprachen -und auf korrekte Ausgaben der Klassiker; die Angabe, dass er seine -Korrekturbogen öffentlich aushing, gehört jedoch in das Gebiet der -Dichtung. Vor allem beschäftigte ihn die Herausgabe der heiligen -Schriften, lateinisch, griechisch und hebräisch. Schon die, 1523 -in Sedez gedruckte, sorgfältig revidierte lateinische Ausgabe des -Neuen Testaments erregte das Missvergnügen der Sorbonne gegen den -jugendlichen Herausgeber auf Grund der Emendationen, welche er -notwendig fand, und gab das Signal zu den Verfolgungen, unter welchen -er sein lebenlang zu leiden hatte. Jede neue Ausgabe der Bibel brachte -ihm zwar neue Ehren, aber auch neue Sorgen und Anfeindungen, gegen -welche ihn die Gunst Franz <span class='smcap'>i.</span> nur wenig zu schützen vermochte. -</p> - -<div class="sidenote"><em class="kursiv">Thesaurus linguæ<br />latinæ.</em></div> - -<p> -Die Zahl seiner Drucke beträgt über 600. Sein Hauptwerk, welches -allein als Ehrendenkmal für ihn genügend gewesen sein würde, ist der -<em class="kursiv">Thesaurus linguæ latinæ</em> (1532). Die vergeblichen Versuche, ein altes -Vocabularium des Calepin zeitgemäss zu korrigieren, gaben dazu die -Veranlassung. Alle Gelehrten, die Robert anging, ein neues Lexikon -zu liefern, schreckten vor der Arbeit zurück, an die nunmehr Robert -selbst unter Beihülfe eines bescheidenen Gelehrten Joh. Thierry mit -einem solchen Eifer ging, dass das grosse Werk nach zweijähriger Arbeit -vollendet war. 1536 erschien eine zweite, verbesserte Auflage, eine -dritte 1543 und später noch weitere Ausgaben. -</p> - -<div class="sidenote">Conr. Néobar.</div> - -<p> -Bei Gelegenheit des Druckes seiner hebräischen Bibel (1539-1546) wurde -Robert am 24. Juni 1539 vom König Franz <span class='smcap'>i.</span> zum königlichen Drucker für -die lateinischen und hebräischen Schriften ernannt, wozu noch im J. -1545 die Erhebung zu demselben Posten für das Griechische kam, welchen -zuerst <span class='smcap'>Conrad Néobar</span> inne gehabt hatte. Es war der Aufmerksamkeit -Franz <span class='smcap'>i.</span> nicht entgangen, -<span class='pagenum'><a id='Page_204' name='Page_204' href='#Page_204'>[204]</a></span> -dass die griechischen Drucke Frankreichs -trotz der Anstrengungen des gelehrten François Tissard im Verein -mit dem tüchtigen Praktiker Gilles de Gourmont, die zuerst 1507 ein -griechisches Buch in Frankreich gedruckt hatten, weit den italienischen -nachstanden. Dem wollte der König abhelfen und glaubte in Conrad -Néobar (1538-1540) den rechten Mann gefunden zu haben. Durch Patent vom -17. Januar 1538 wurde er zum königlichen Drucker für das Griechische -ernannt mit einem Jahresgehalt von 100 Goldthalern nebst den Vorteilen -der Universitäts-Angehörigen, auch sollten alle von ihm zuerst -gedruckten Werke auf 5 Jahre Schutz geniessen. Die Schriften sollte -Claude Garamond schneiden. Dies erlebte Néobar nicht, der schon nach -zwei Jahren starb, in der kurzen Zeit sich aber bereits einen berühmten -Namen erworben hatte. -</p> - -<div class="sidenote">Rob. Stephanus,<br />kgl. Typograph.</div> - -<p> -Stephanus übernahm nun die weitere Leitung. Die Zeichnungen zu der -Schrift rühren von dem berühmten Kalligraphen Angelus Vergecius (<em class="kursiv">Auge -Vergece</em>) her, zumteil auch von dessen damals erst fünfzehnjährigen -Schüler Heinrich, dem Sohne Roberts. Diese Schriften sind kaum durch -irgend eine spätere Produktion übertroffen und wurden bis in die -neueste Zeit in der kaiserlichen Druckerei in Paris verwendet. Auch der -berühmte Schriftschneider und Schriftgiesser Wilhelm le Bé wurde von -Robert, namentlich für die hebräische Bibel, beschäftigt. Dafür, dass -die hebräischen Schriften ebenfalls für königliche Rechnung geschnitten -wären, liegen keinerlei Beweise vor. -</p> - -<div class="sidenote">Robert geht<br />nach Genf.</div> - -<p> -Der fortwährenden Verfolgungen durch die Sorbonne müde, ging Robert -1550 oder 1551 nach Genf, um dort in der Ruhe, die er in Frankreich -nicht hatte finden können, mit den Reformatoren Calvin, Theodor Beza -u. a. zusammenzuleben, ihre Werke zu drucken und die Bibelausgaben -ungestört fortzusetzen. Es scheint, als habe Robert mit Standhaftigkeit -und Kraft die mit der Übersiedelung verbundenen Verluste und das -Ungemach aller Art ausgehalten. Seine Wirksamkeit in Genf war gleich -eine bedeutende, das Pariser Geschäft wurde jedoch nicht geschlossen -und 1556 beginnt sein Sohn Robert <span class='smcap'>ii.</span> dort seine Ausgaben. -</p> - -<div class="sidenote">Die griechischen<br />Schriften.</div> - -<p> -Dass die Genfer Robert unentgeltlich als Mitbürger aufnahmen, -konnte ihm seinen Verfolgern gegenüber, gegen die er eine bittere -Rechtfertigungsschrift veröffentlichte, als eine Genugthuung gelten. -<span class='pagenum'><a id='Page_205' name='Page_205' href='#Page_205'>[205]</a></span> -Es ist ihm vielfach zum Vorwurf gemacht, dass er die berühmten königlichen -griechischen Schriften mit nach Genf nahm. Sein Biograph Renouard hat -mit schlagenden Gründen ihn gegen den Verdacht, als habe er damit etwas -unrechtmässiges gethan, verteidigt. Im Jahre 1621 wurden die Schriften, -welche für 1500 Goldthaler dem Rate von Genf von Roberts Enkel, Paul, -verpfändet waren, von der französischen Regierung für 3000 Livres -gekauft und von Paul nach Paris gebracht. Bei den Verhandlungen deutet -nichts darauf hin, als sei Paul nicht rechtmässiger Besitzer der Matern -gewesen. Seit 1774 befinden sie sich in der Staatsdruckerei in Paris. -</p> - -<p> -Seinem lateinischen Wörterbuch wollte Robert ein griechisches folgen -lassen. Mit den Vorarbeiten beschäftigte er sich lebhaft, wurde aber -dabei vom Tode überrascht. Den Zustand dieser Vorarbeiten kennen wir -nicht, doch müssen dieselben nach der Aussage des Vollenders, seines -Sohnes Heinrich, weit vorgeschritten gewesen sein. -</p> - -<div class="sidenote">Franz <span class='smcap'>i.</span></div> - -<p> -Robert starb am 7. Sept. 1559, 56 Jahre alt. Von seinen acht Kindern -werden Heinrich <span class='smcap'>ii.</span>, geb. 1528; Robert <span class='smcap'>ii.</span>, geb. 1530, und Franz <span class='smcap'>ii.</span> -Gegenstand weiterer Besprechung sein. Von Roberts <span class='smcap'>i.</span> Bruder <span class='smcap'>Franz i.</span> -ist wenig zu sagen; man kennt das Datum seiner Geburt nicht, weiss auch -nicht, ob er verheiratet war. Wahrscheinlich war er nur Buchhändler; -ein Buch von ihm später als aus dem J. 1548 kennt man nicht, schliesst -deshalb auf seinen frühen Tod um diese Zeit, der vielleicht auch nur -Schuld gewesen sein wird, dass er keine grössere Berühmtheit erlangte; -denn seine kurze Wirksamkeit zeugt von grosser Tüchtigkeit. -</p> - -<div class="sidenote">Karl.</div> - -<p> -Der jüngste Bruder Roberts <span class='smcap'>i.</span>, <span class='smcap'>Karl</span> (geb. 1504 od. 1505), war ein -tüchtiger Arzt, geschickter Buchdrucker und ausgezeichneter Gelehrter. -Der Wegzug Roberts von Paris war der Grund, dass Karl wider seinen -Willen das Geschäft übernehmen musste; er setzte aber dabei seinen -ärztlichen Beruf fort. Die Druckerei übte er nur bis zum Jahre 1561, -produzierte aber in der kurzen Zeit eine Reihe von guten Ausgaben, die -einen ehrenvollen Rang unter den Erzeugnissen der Familie einnehmen. -Er starb 1564 im Gefängnis, worin er sich, einige behaupten wegen -religiöser Ansichten, andere wegen Schulden, befand; Thatsache ist, -dass er vieles verloren hatte und dass man seit 1561 geschäftlich -nichts weiter von ihm hörte. -</p> - -<div class="sidenote">Robert <span class='smcap'>ii.</span></div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_206' name='Page_206' href='#Page_206'>[206]</a></span> -Nach dem Tode Roberts <span class='smcap'>i.</span> fiel das Geschäft dem Sohne Heinrich <span class='smcap'>ii.</span> zu -und Robert <span class='smcap'>ii.</span> wurde enterbt; doch scheint dies keineswegs ein Akt der -Rache gegen Robert gewesen zu sein, der dem katholischen Glauben treu -geblieben war, sondern eine aus Klugheit getroffene Massregel; denn wir -sehen <span class='smcap'>Robert ii.</span> seine Wirksamkeit auf Grundlage des früheren Pariser -Geschäfts beginnen und in freundschaftlichem und geschäftlichem Verkehr -mit seinem Bruder bleiben. Er starb 1571. Seine Witwe heiratete Mamert -Patisson, einen tüchtigen Buchdrucker. -</p> - -<div class="sidenote">Heinrich <span class='smcap'>ii.</span></div> - -<p> -<span class='smcap'>Heinrich ii.</span>, dessen Ruhm denjenigen der übrigen Mitglieder der Familie -noch überragte, war 1528 geboren, in demselben Jahre, in welchem die -berühmte lateinische Folio-Bibel seines Vaters erschien. Er wurde -von dem Lehrer des Dauphin, Pierre Danis, auf das sorgfältigste im -Griechischen unterrichtet; auch schrieb er das Griechische ebenso -kalligraphisch schön wie sein Lehrmeister Angelus Vergecius und trieb -eifrig Mathematik, selbst Astrologie. Von 1546 ab liess ihn der Vater -an den litterarischen Arbeiten teilnehmen, die er mit der Redaktion -des Dionysius von Halikarnass begann. Nach dreijährigen Reisen in -Italien, wo er die Bibliotheken durchsuchte und Italienisch wie ein -Eingeborener sprechen und schreiben lernte, kam er 1549 nach Paris -zurück, reiste aber schon 1550 nach England und 1551 nach Flandern, -wo er das Spanische studierte. Wahrscheinlich folgte er dem Vater nach -Genf, kehrte aber bald nach Paris zurück und ging dann wieder nach Rom. -</p> - -<p> -Seine typographische Laufbahn begann Heinrich erst 1557. Zwar nennt -er sich <em class="kursiv">Typographus Parisiensis</em>, welches aber nicht ausdrücken -soll, dass seine Offizin in Paris war; die Bezeichnung sollte ihm -nur ein grösseres Gewicht in den Augen des Publikums verschaffen. -Wahrscheinlich auf Grund seiner Reisen und der Kosten des -Etablissements kam Heinrich bald in Verlegenheit, wurde aber durch -ein Mitglied der berühmten Familie Fugger, Hulderich, unterstützt und -erhielt von ihm eine jährliche Rente. Er nannte sich deshalb auch zehn -Jahre lang <em class="kursiv">Fuggerorum Typographus</em>. Dies hörte aber, zugleich mit der -Freundschaft, 1568 auf. -</p> - -<div class="sidenote"><em class="kursiv">Thesaurus linguæ<br />græcæ.</em></div> - -<p> -Mit grosser Energie ging Heinrich an die Fortsetzung der Wirksamkeit -des Vaters, in einer Weise, die seine körperlichen Kräfte überstieg. -Wenn auch die typographische Ausstattung ein -<span class='pagenum'><a id='Page_207' name='Page_207' href='#Page_207'>[207]</a></span> -wenig hinter der der -Pariser Ausgaben zurückbleibt, so kann ihnen dies doch den inneren -Wert nicht rauben. 1572 erschien das Werk, welches seinen Arbeiten -die Krone aufsetzte, der <em class="kursiv">Thesaurus linguæ græcæ</em>, aber er hatte -damit seine pekuniären Kräfte erschöpft. Den grössten Schaden that ihm -Johann Scapula durch einen Auszug. Obwohl Scapula an der Korrektur von -Stephanus' Werk und an der Redaktion teilgenommen hatte, entblödete er -sich nicht zu erklären, dass er nur zufällig den Thesaurus gesehen habe -und dass seine Arbeit ganz dem eigenen Geiste entsprungen sei. Eine -<em class="kursiv">editio posterior</em>, die Heinrich einige Jahre nachher veranstaltete, -ist nur durch Umdruck einzelner Blätter eine neue Ausgabe. -</p> - -<p> -Von jetzt ab fängt Heinrich ein nomadisierendes Leben an, das erst mit -seinem Tode aufhören sollte. Er folgte darin zumteil seinen Neigungen, -beabsichtigte aber auch seine grossen Lagervorräte an den Mann zu -bringen. Namentlich Deutschland und seine Büchermessen besuchte er -regelmässig, kam auch nach Wien und selbst nach Ungarn; war ebenso -öfters in Paris, wo er vom König Heinrich <span class='smcap'>iii.</span> gut aufgenommen wurde. -</p> - -<div class="sidenote">Heinrich <span class='smcap'>ii.</span> stirbt<br />in Lyon.</div> - -<p> -1597 wollte Heinrich von Genf aus wieder Frankreich besuchen. Er -verblieb eine zeitlang in Montpellier, wo seine Tochter Florence an den -gelehrten Isaak Casaubon verheiratet war, dem er seine Mitwirkung bei -dessen litterarischen Arbeiten anbot. Diese scheint abgelehnt worden zu -sein und Heinrich setzte nun seine Reise weiter fort, kam krank nach -Lyon und liess sich in das Spital bringen, wo er in den ersten Tagen -des März 1598, gegen 90 Jahre alt, starb. Heinrichs finanzielle Lage -war zwar nie glänzend gewesen, doch haben wir nicht nötig anzunehmen, -dass ihn die Armut in das Spital führte. Seine Verlegenheiten gingen -nicht so weit, dass seine Existenz gefährdet war, und der Verkauf -seiner Werke deckte nicht allein seine Schulden, sondern liess auch -noch etwas für die Witwe übrig und erhielt die Druckerei seinem Sohne -Paul. -</p> - -<div class="sidenote">Paul.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Paul</span> war zwar ein tüchtig gebildeter Mann, besass jedoch nicht die -geschäftliche Energie des Vaters, betrieb das Geschäft in wenig -hervorragender Weise und verkaufte dasselbe 1627 an die Gebr. Chouet. -Ein Sohn Pauls, <span class='smcap'>Antonius</span>, entwickelte Tüchtigkeit und Thätigkeit in -Paris, war jedoch nicht vom Glück begünstigt und starb 1674 schwach und -erblindet, 84 Jahr alt, im Hôtel-Dieu. -</p> - -<div class="sidenote">Franz <span class='smcap'>ii.</span></div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_208' name='Page_208' href='#Page_208'>[208]</a></span> -Der jüngste Bruder Heinrichs <span class='smcap'>ii.</span>, <span class='smcap'>Franz ii.</span>, kam schon jung mit seinem -Vater nach Genf, wurde dort in der protestantischen Konfession erzogen -und wissenschaftlich ausgebildet. Im Jahre 1562 hatte er in Genf eine -Druckerei, die bis zum Jahre 1582 fortbetrieben wurde, jedoch keine -besondere Thätigkeit entwickelte. Später zog er nach der Normandie. -</p> - -<p> -Das grossartige Wirken der 1713 gegründeten Didot'schen Buchdruckerei -gehört der folgenden Periode an. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Die kgl. Buch-<br />druckerei.</div> - -<p> -Es ist mehrfach angenommen worden, König Franz <span class='smcap'>i.</span> habe die königl. -Buchdruckerei gestiftet; dem ist nicht so, und das Verhältnis der -„Königlichen Buchdrucker“ zu ihm ist schon oben klargelegt. Er förderte -die Kunst durch Unterstützung einzelner hervorragender Drucker in -dieser oder jener Richtung, wo es über die Kräfte des einzelnen -gegangen wäre, die notwendigen Opfer zu bringen. Das Verdienst, die -königliche Buchdruckerei gegründet zu haben, gehört Ludwig <span class='smcap'>xiii.</span> und -dem Kardinal Richelieu<a name='FA_106' id='FA_106' href='#FN_106' class='fnanchor'>[6]</a>. -</p> - -<p> -Im Jahre 1631 hatte der zuletzt Genannte den Druck der liturgischen -und heiligen Schriften in verschiedenen, auch orientalischen -Sprachen, einem Consortium von Pariser Buchdruckern übergeben, unter -der Bedingung, dass eine Anzahl von Exemplaren zu Missionszwecken -der Regierung gratis zur Disposition gestellt würde. Der Verein -veröffentlichte auch mehrere solche Bücher in arabischer Sprache, die -Muselmänner wollten sie aber nicht annehmen, und Selim <span class='smcap'>i.</span> erneute das -strenge Verbot Bajazet <span class='smcap'>ii.</span> (vgl. S. 76). Der Verein entsprach überhaupt -nicht den Absichten des Kardinals und hatte selbstverständlich -zunächst seinen eigenen Vorteil vor Augen. Richelieu fasste nun 1640 -den Entschluss, eine Staatsanstalt, <span class='smcap'>Die königliche Buchdruckerei</span>, zu -errichten. -</p> - -<div class="sidenote">Die königliche<br />Buchdruckerei.</div> - -<p> -Eine Grundlage war schon in den griechischen Schriften Franz <span class='smcap'>i.</span> -vorhanden gewesen, welche durch die Erwerbung der orientalischen -Schriften <span class='smcap'>Savary de Brèves'</span> bedeutend vermehrt worden war. Der Genannte -war 1589 als französischer Gesandter nach Konstantinopel gegangen, -lebte dort eine lange Reihe von Jahren und hatte grosses Interesse für -orientalische Litteratur gefasst, eine bedeutende -<span class='pagenum'><a id='Page_209' name='Page_209' href='#Page_209'>[209]</a></span> -Manuskripten-Sammlung -angelegt und arabische, persische und syrische Typen schneiden lassen, -im ganzen über 1600 Stempel. Von Konstantinopel zurückgekehrt, liess er -mit seinen Typen 1613 in Rom, 1615 in Paris drucken, wo mehrere Werke -<em class="kursiv">ex typographia Savariana</em> erschienen. -</p> - -<p> -Savary de Brèves starb bereits 1627. Von mehreren Seiten erstrebte man -die Erwerbung der Typen, es gelang jedoch 1632 dem Buchdrucker <span class='smcap'>Antonius -Vitré</span>, diese und die Manuskripte im geheimen Auftrag des Königs, der -früher vergeblich 27000 Livres geboten hatte, für die höchst mässige -Summe von 4300 Livres anzukaufen. -</p> - -<p> -Zwischen Vitré einerseits und den Erben de Brèves' und der Regierung -andererseits entstanden sehr langdauernde unerquickliche Differenzen; -schliesslich kamen die Typen nach dem Tode Vitrés 1691 definitiv in den -Besitz der königlichen Druckerei, welche sie den Pariser Buchdruckern -zur Disposition stellte. Die Typen waren bereits von Vitré zum Druck -der Polyglott-Bibel des Präsidenten le Jay benutzt. Diese Bibel in -hebräischer, samaritanischer, chaldäischer, griechischer, syrischer, -lateinischer und arabischer Sprache ist eins der merkwürdigsten -Druckerzeugnisse des <span class='smcap'>xvii.</span> Jahrhunderts. Jay opferte mehr als 100000 -Thaler für dieses Werk und ruinierte sich vollständig. Es lag, wie man -berichtet, ganz in seiner Hand, diesen Schlag abzuwenden, wenn er sich -dazu verstanden hätte, dem Kardinal Richelieu die alleinige Ehre als -Urheber einzuräumen; er wollte jedoch diese sich nicht nehmen lassen. -</p> - -<p> -Die königliche Buchdruckerei ward auf das beste im Louvre eingerichtet -und <span class='smcap'>Sebastian Cramoisy</span> zum Direktor ernannt. Richelieu hatte namentlich -Missionszwecke vor Augen und man begann daher mit dem Drucke von -Andachtsbüchern, die gratis verteilt werden sollten. Die Wirksamkeit -nahm aber bald eine typographisch grossartigere Richtung an und man -lieferte in dem ersten Jahrzehnt an 100 Werke, die mit dem grössten -Luxus und aller Sorgfalt ausgeführt, teilweise mit Stichen und -Vignetten der besten Künstler, selbst eines Nic. Poussin, geschmückt -waren. -</p> - -<div class="sidenote">Die königliche<br />Buchdruckerei.</div> - -<p> -Im Jahre 1692 bestimmte Ludwig <span class='smcap'>xiv.</span>, der sich nicht weniger als sein -Vorgänger für die kgl. Druckerei interessierte, dass ein grosses -Werk: <em class="kursiv">Description et perfection des arts et des metiers</em>, von -<span class='pagenum'><a id='Page_210' name='Page_210' href='#Page_210'>[210]</a></span> -welchem der erste Band die Buchdruckerei, die Schriftgiesserei und -die Buchbinderkunst umfassen sollte, herauszugeben sei. Dieser Band, -der einzige, welcher überhaupt erschien, entsprach jedoch gerechten -Erwartungen nicht. Wichtiger war die Bestimmung des Königs, dass -eine besondere französische Schrift gezeichnet und geschnitten werden -sollte, welche nur in der königl. Druckerei Verwendung finden dürfe. -Zwar waren die, s. Z. von Claude Garamond geschnittene, vortrefflich, -man fand jedoch den Duktus etwas veraltet. Eine Kommission von -Akademikern wurde ernannt, die sich mit dem Schriftschneider Philipp -Grandjean in Verbindung setzte, in welcher ihm erst sein Schüler Jean -Alexandre 1723, dann dessen Schwiegersohn Louis Luce folgten. Die neue -prachtvolle Schriftengarnitur, welche 1745 vollendet wurde, leidet an -einer kleinen Geschmacklosigkeit. Die Schrift sollte, wie erwähnt, -nur für die kgl. Druckerei sein; man musste deshalb für sie etwas -eigentümliches erfinden. Dies bestand in einigen Strichelchen, welche -einer Anzahl Buchstaben angehängt wurden. Diese Geschmacklosigkeit -hat sich bis auf den heutigen Tag erhalten. Die erste Verwendung fand -diese Schrift 1702 in einem Prachtwerke <em class="kursiv">Médailles sur les principaux -événements du règne de Louis le Grand</em><a name='FA_107' id='FA_107' href='#FN_107' class='fnanchor'>[7]</a>. -</p> - -<div class="sidenote">Die königliche<br />Buchdruckerei.</div> - -<p> -Aus den erwähnten Jahreszahlen ist bereits ersichtlich, dass Ludwig -<span class='smcap'>xiv.</span> nicht die Vollendung der von ihm angeregten Verbesserungen -erlebte. Für die Anstalt blieb dies ohne weitere Folgen, denn der -Regent sowohl als der junge König Ludwig <span class='smcap'>xv.</span> waren der Druckkunst -wohlgesinnt. Der letztere hatte sogar in den Tuilerien für seinen -persönlichen Gebrauch eine kleine Buchdruckerei, -<span class='pagenum'><a id='Page_211' name='Page_211' href='#Page_211'>[211]</a></span> -aus der ein Werkchen: -<em class="kursiv">Cours des principaux fleuves et rivières de l'Europe composé et -imprimé par Louis XV, roy de France et de Navarra. Paris</em> 1718, stammt. -</p> - -<p> -Die griechischen Typen des Néobar und Stephanus wurden restauriert, -hebräische geschnitten und die Anfertigung chinesischer Typen unter -der Aufsicht des Herrn de Fourmont angeordnet, womit der Anfang schon -1742 gemacht wurde, während die Vollendung des im ganzen missglückten -Unternehmens sich jedoch weit über die Grenze unserer Periode -hinauszog. -</p> - -<p> -Wie Ludwig <span class='smcap'>xiv.</span> die Vollendung des sorgfältig Angebahnten nicht -erlebte, so auch nicht der verdienstvolle Direktor Sebastian Cramoisy. -Er starb i. J. 1669; sein Nachfolger und Enkel <span class='smcap'>Marbre-Cramoisy</span>, ein -eben so tüchtiger Mann wie der Grossvater, 1687. Diesem folgte der -bekannte Lyoner Buchdrucker <span class='smcap'>Jean Anisson</span>, der 1709 sein Amt zugunsten -seines Schwagers und Associés, <span class='smcap'>Claude Rigaud</span>, niederlegte; nach ihm -traten wieder die <span class='smcap'>Anissons</span> ein. -</p> - -<p> -Die grossartigen Werke alle aufzuzählen, die aus der königlichen -Anstalt hervorgegangen sind, ist nicht möglich, erwähnt seien nur die -<em class="kursiv">Biblia sacra</em> in 8 Folio-Bänden; die <em class="kursiv">Concilia generalia etc.</em>, 37 -Bde.; <em class="kursiv">Scriptores historiæ Byzantinæ</em>, 29 Bde.; <em class="kursiv">Gallia christiana</em>, 13 -Bde., alle in Folio; <em class="kursiv">Buffon, histoire naturelle</em>, 33 Bände in Quarto. -</p> - -<p> -Als ein Zeichen des Ansehens, worin die Buchdruckerkunst stand, -kann es gelten, dass die Sitzungen der von Richelieu gegründeten -französischen Akademie bei ihrem Buchdrucker und Buchhändler, <span class='smcap'>Jean -Camusat</span>, stattfanden, der öfters als Repräsentant der Akademie -verwendet wurde. Bei seinem Tode 1639 veranstaltete dieselbe eine -Leichenfeier, ausserdem ehrte man sein Andenken, indem man seiner Witwe -die Funktionen als Buchdrucker der Akademie liess, gegen den Willen -Richelieus, welcher diesen Posten Cramoisy zugedacht hatte. -</p> - -<p> -Doch, wie erwähnt, das wahre belebende Prinzip, die allgemeine gesunde -freiheitliche Bewegung, fehlte und konnte nicht durch persönliche -Vorliebe der regierenden Häupter ersetzt werden; der Verfall der -Buchdruckerei in Frankreich wurde zwar lange aufgehalten, konnte jedoch -nicht abgewendet werden, als die Revolution und dann die Reaktion über -Frankreich hereinbrachen. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Lyon.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_212' name='Page_212' href='#Page_212'>[212]</a></span> -In Frankreich spielte ausserhalb Paris nur <span class='smcap'>Lyon</span><a name='FA_108' id='FA_108' href='#FN_108' class='fnanchor'>[8]</a> eine wichtige Rolle -in der typographischen Geschichte Frankreichs, namentlich durch die -Produktion einer grossen Anzahl illustrierter Werke. Es entstand eine -besondere Holzschneiderschule, deren berühmtestes Mitglied <span class='smcap'>Salomon -Bernard</span> war. Auch Werke deutscher Künstler erschienen in Lyon, vor -allen anderen zu nennen Holbeins „Totentanz“ und dessen Illustrationen -zu dem Alten Testament. Von der Bedeutung des dortigen Druckgewerbes -kann man sich daraus eine Vorstellung machen, dass bei dem Einzug -Heinrichs <span class='smcap'>ii.</span> in Lyon, 1548, nicht weniger als 413 Drucker, prachtvoll -kostümiert, ihn im festlichen Aufzug empfingen. -</p> - -<div class="sidenote">Jean Grandjon.</div> - -<p> -Ausser durch seine illustrierten Werke zeichnete Lyon sich durch schöne -Schriften aus. <span class='smcap'>Jean Grandjon</span> lieferte 1558 eine Cursivschrift, die -berühmt geworden ist. Er suchte die Feinheit der Federzüge nachzumachen -in ähnlicher Weise wie es in der Theuerdanktype der Fall war. Auch das -Binden der Bücher erreichte, namentlich durch das Interesse, welches -<span class='smcap'>Joh. Grollier</span> daran nahm, hier eine grosse Vollkommenheit (vergl. S. -215). -</p> - -<div class="sidenote">Seb. Gryphius.</div> - -<p> -Zu den bedeutendsten Buchdruckern Lyons zählte <span class='smcap'>Sebastian Gryphius</span> -(1528-1566). Er war zu Reutlingen geboren und einer der gelehrtesten -Männer seiner Zeit, der eine grosse Anzahl nützlicher Bücher in -lateinischer, griechischer und hebräischer, dagegen nur wenige in -französischer Sprache herausgegeben hat. Sein Sohn <span class='smcap'>Anton</span>, ebenfalls ein -sehr unterrichteter Mann, aber im Geschäft unpraktisch, starb arm. -</p> - -<div class="sidenote">Jean de Tournes.</div> - -<p> -Ein Schüler von S. Gryphius war <span class='smcap'>Jean de Tournes</span> (geb. 1504, gest. -1564). Er stattete seine Bücher reichlich mit künstlerischem Schmuck -aus. Besonders hervorzuheben sind: <em class="kursiv">Delectus amicorum</em>; <em class="kursiv">Ovid</em>; mehrere -Ausgaben der Bibel und des Neuen Testaments. Er starb an der Presse -arbeitend. Der Sohn <span class='smcap'>Jean de Tournes</span> war noch gelehrter als der Vater, -kam ihm aber als Buchdrucker nicht gleich. Der Reformation ergeben, -wurde er eingekerkert, sein Haus geplündert, seine Bücher verbrannt -und seine Papiere verwüstet. Zwar kam er mit dem Leben davon, als aber -Heinrich <span class='smcap'>iii.</span> Todesstrafe über die Bekenner der neuen Lehre aussprach, -zog er nach -<span class='pagenum'><a id='Page_213' name='Page_213' href='#Page_213'>[213]</a></span> -Genf und gründete dort eine Buchhandlung und Buchdruckerei, -die bald in Flor kamen. -</p> - -<div class="sidenote">Steph. Dolet.</div> - -<p> -Das Leben des unglücklichen <span class='smcap'>Stephan Dolet</span><a name='FA_109' id='FA_109' href='#FN_109' class='fnanchor'>[9]</a> (1508/09-1546) gehört mehr -der Litteratur-, als der typographischen Geschichte an. Dolet stammte -aus einer angesehenen Familie in Orleans, genoss einer ausgezeichneten -Erziehung, und zählte unter die gelehrtesten Männer damaliger Zeit. -Sein stürmischer Charakter und die Kühnheit seiner religiösen Ansichten -stürzten ihn in Ungelegenheiten aller Art. Von Toulouse verbannt, -flüchtete er nach Lyon und wurde Korrektor in Gryphius' Offizin, wo er -wahrscheinlich die Kunst lernte. Bereits 1536-1538 druckte Gryphius das -bedeutendste Werk Dolets: <em class="kursiv">Commentarii linguæ latinæ</em>. Nachdem er in -einem Streit den Maler Henri Guillot getötet hatte, war er gezwungen, -Lyon zu verlassen, erhielt jedoch durch die Protektion der Königin -Margaretha von Valois und vieler mächtigen Freunde die Erlaubnis, nach -Lyon zurückzukehren, wo er 1537 eine Druckerei errichtete, aus der -viele geschätzte Werke hervorgingen. Seine scharfe Feder schaffte ihm -überall Feinde, mit seiner Kollegenschaft überwarf er sich, indem er in -Lohnstreitigkeiten sich auf die Seite der Gehülfen stellte. Mehrmals -eingekerkert, flüchtig geworden, dann wieder zurückgekommen, wurde er -angeklagt, Schriften zugunsten der Reformation gedruckt zu haben, und -am 3. Aug. 1546 in Paris lebendig verbrannt. -</p> - -<div class="sidenote">Verschiedene<br />Drucker zu Lyon.</div> - -<p> -Ein ebenso gewandter Buchdrucker als Buchhändler war <span class='smcap'>Guillaume de -Roville</span> aus Tours. An Geschmack wetteiferte er mit de Tournes, und -seine Druckwerke enthalten viele schöne Illustrationen. Er erwarb -sich grosses Ansehen und grosse Reichtümer. Die Gebrüder <span class='smcap'>Jean</span> und -<span class='smcap'>François Frellon</span> (1520-1570) sind namentlich als Drucker Holbeinscher -Illustrationen bekannt. Ausser den genannten hat Lyon auch im <span class='smcap'>xvii.</span> -Jahrh. noch manche tüchtige Buchdrucker aufzuweisen, unter diesen -die Mitglieder der Familie Anisson, deren bekanntestes, <span class='smcap'>Jean Anisson</span>, -in Verein mit seinem Bruder <span class='smcap'>Jacques</span> druckte, bis er zum Direktor der -königlichen Druckerei im Louvre ernannt wurde. Anissons Druckerei war -die letzte von künstlerischer Bedeutung in Lyon, sie fabrizierte jedoch -später auch nur gewöhnliche Ware. -</p> - -<div class="sidenote">Rouen.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_214' name='Page_214' href='#Page_214'>[214]</a></span> -Von den Provinzstädten ist noch <span class='smcap'>Rouen</span> zu erwähnen, wo namentlich ein -grosses Druckgeschäft mit Missalen stattfand, welche nach England -ausgeführt wurden, und <span class='smcap'>Sedan</span>, wo eine, noch heute geschätzte, Sammlung -von Klassikern mit einer sehr kleinen Schrift, <em class="kursiv">Sedanoise</em>, von <span class='smcap'>Jean -Jannon</span>, gedruckt wurde. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Schriftgiesserei.</div> - -<p> -Aus dem, was oben über die Schriften der kgl. Druckerei, der Stephane -und anderer in Paris und Lyon gesagt wurde, geht bereits hervor, dass -Frankreich in der STEMPELSCHNEIDEREI und SCHRIFTGIESSEREI den Vorrang -behauptete. -</p> - -<p> -Die älteste der Privatschriftgiessereien ist die von <span class='smcap'>Guillaume le Bé</span>. -Mit den von ihm selbst geschnittenen Schriften vereinigte er 1561 einen -grossen Teil der Stempel des verstorbenen Garamond. Die le Bé folgten -sich in vier Generationen. 1730 kam das Geschäft in die Hände von -<span class='smcap'>Fournier l'ainé</span>. -</p> - -<p> -Die Anfänge der zweiten Giesserei durch <span class='smcap'>Jacques Sansleque</span>, Schüler des -le Bé, reichen bis auf das Jahr 1596. Auch dieses Geschäft erbte durch -vier Generationen auf <span class='smcap'>Jacques</span>, <span class='smcap'>Louis</span> und <span class='smcap'>Louis Eustache Sansleque</span>. -</p> - -<div class="sidenote">Typogr. Punkt.</div> - -<p> -1736 begann <span class='smcap'>Fournier le jeune</span>, Bruder des Besitzers des le Béschen -Geschäfts, eine Schriftgiesserei eigentümlicher Art, indem er selbst -alle Schriften derselben zeichnete, schnitt, abschlug und justierte, -wozu er etwa 30 Jahre gebrauchte. Er schrieb das bereits erwähnte -<em class="kursiv">Manuel typographique</em> (2 Bde. Paris 1764), dessen zweiter Band, -fast nur systematische Schriftproben enthaltend, uns ein ziemlich -klares Bild von dem damaligen Stande des Typenwesens giebt. In dem -ersten Band entwickelt Fournier sein, 1737 aufgestelltes, System des -typographischen Punkts, welches, später von Didot fortentwickelt, die -Einheit in der französischen Schriftgiesserei zuwege brachte<a name='FA_1010' id='FA_1010' href='#FN_1010' class='fnanchor'>[10]</a>. -Zwar bestand ein Reglement v. 28. Febr. 1723 sowohl in Betreff -der Schrifthöhe als der Progression der Schriftkegel. Dieses wurde -hinsichtlich der Höhe (10½ geom. Linien) nicht -<span class='pagenum'><a id='Page_215' name='Page_215' href='#Page_215'>[215]</a></span> -beachtet, so dass -letztere bis auf 10% differierte, und für die Kegel fehlte eine -„Normal-Einheit“, von welcher man auszugehen verpflichtet war, so dass -das Reglement gar keinen Nutzen erzielte. -</p> - -<p> -In der STEREOTYPIE hatte der Buchdrucker <span class='smcap'>Valeire</span> bereits zu Anfang des -<span class='smcap'>xviii.</span> Jahrh. Versuche gemacht und einen Kalender von Messingplatten -gedruckt. Die Typen wurden in Thon eingepresst; da die Tiefe jedoch -nicht gleichmässig war, konnten die Platten es auch nicht werden. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Die Buchbinder-<br />kunst. -<hr class="sidenote" /> -de Thou.</div> - -<p> -Eine hohe Stufe erreichte die <span class='smcap'>Buchbinderkunst</span>. Als Förderer derselben -steht obenan der erwähnte <span class='smcap'>Jean Grollier</span>, Vicomte d'Aguisy (1479-1565), -Schatzmeister unter mehreren französischen Königen. Er hatte in Italien -schöne Einbände lieben gelernt, ahmte sie nach und veredelte sie. Er -liess die Bücher in seinem Hause binden und legte selbst Hand mit an. -Die Bände Grolliers mit der Devise: <em class="kursiv">J. Grolliero et amicis</em> gelten -noch heute als Edelsteine der Buchbinderkunst und werden mit den -höchsten Preisen bezahlt. Mit Grollier übernimmt Frankreich die Führung -in der Buchbinderei und behauptet sie. Ausgezeichnet in seinen Bänden -war der Zeitgenosse Grolliers, <span class='smcap'>Geoffr. Tory</span>. Als würdiger Förderer -gegen Ende des <span class='smcap'>xvi.</span> Jahrh. erwies sich <span class='smcap'>Ch. A. de Thou</span>, Direktor der -königlichen Sammlungen. Während Grolliers und Torys Bände phantastische -arabische Ornamente zeigten, sind die Fonds der meist in Maroquin -ausgeführten Bände de Thous hauptsächlich mit an die Natur sich -anschliessenden Verzierungen: Lorbeer-, Öl- und Eichenzweige gefüllt, -während die Ornamente in die Zwischenräume der Ranken verwiesen -sind. Die Bände de Thous sind ausserordentlich gesucht und mit bis zu -15000 Fr. bezahlt. Ebenfalls geschätzt und selten sind die bei weitem -einfacheren gleichzeitigen Bände des Königs Franz <span class='smcap'>i.</span> Sie sind meist in -schwarzes Leder oder Sammet gebunden, nur mit der königlichen Chiffre -und einem Salamander in Gold geschmückt. -</p> - -<div class="sidenote">Bibliothek der<br />Diana v. Poitiers.</div> - -<p> -Prächtig und sehr geschmackvoll sind die Bände des Königs Heinrich <span class='smcap'>ii.</span>, -namentlich diejenigen, welche er für seine Geliebte, die geistreiche -Diana von Poitiers, herstellen liess. Das für sie mit Aufwand aller -künstlerischen Ausschmückung eingerichtete Schloss Anet enthielt -eine Sammlung von gegen 800 in Ziegen- oder -<span class='pagenum'><a id='Page_216' name='Page_216' href='#Page_216'>[216]</a></span> -Schafleder gebundenen -Bänden. Sie sind reich mit Symbolen der Liebe ornamentiert, z. B. -den verschlungenen Anfangsbuchstaben H und D, zu welchem letzteren -noch galanterweise das Zeichen der jungfräulichen Göttin Diana, die -Mondsichel, gefügt wurde. -</p> - -<div class="sidenote">le Gascon.</div> - -<p> -Unter den späteren Meistern ist <span class='smcap'>le Gascon</span>, der Buchbinder der Königin -Anna von Österreich, berühmt geworden. Er war durchaus originell, -verzichtete auf die Wirkung verschiedener Farben und wendete nur -einfache Goldpressung auf dem einfarbigen Untergrund an; die leeren -Stellen zwischen den Linien wurden mit Punkten oder kleinen Ornamenten -ausgefüllt. Seine Hauptepoche fällt in die Zeit von 1640-1655. -</p> - -<p> -Als Ersatz für die Vielfarbigkeit suchte man dem Leder durch künstliche -Texturen und neue Färbungen Abwechselung zu geben; so erhielt der rote -Maroquin den Charakter der schuppigen Schlangenhaut, in welcher Weise -die Bücher des Ministers Colbert gebunden wurden, man ahmte Marmor, -Granit, Stoffe nach, verliess die Pflanzenornamente und die Arabesken, -imitierte durch Punkte Spitzenmuster oder überspannte die Decken wie -mit goldenen Spinnengeweben. -</p> - -<div class="sidenote">du Seuil, Pade-<br />loup, Derome.</div> - -<p> -Zu Anfang des <span class='smcap'>xvii.</span> Jahrh. wirken <span class='smcap'>du Seuil</span>, <span class='smcap'>Padeloup</span> und <span class='smcap'>Derome</span>. Die -Goldpressung wird übermässig angewendet. In der Ornamentierung herrscht -Zerfahrenheit. Um 1750 tritt noch eine anmutige Art der Goldpressung -auf: Vögel, die sich in Ranken wiegen oder um diese herumflattern. -Der Üppigkeit der Zeit gemäss werden die Deckel mit Atlas oder Sammet -überzogen und mit Gold-, Silber- und anderen Stickereien geschmückt, -sogar die Gobelins werden der Buchbinderei dienstbar. Man verfällt aber -nach und nach in Geschmacklosigkeit und geht in dieser so weit, beide -Deckelseiten und den Rücken mit einem fortlaufenden Bild zu überziehen. -An Stelle des reichen Vorsatzes tritt farbiges marmoriertes, gefedertes -oder verschiedene Stoffe nachahmendes Luxuspapier. Schon zu Anfang des -<span class='smcap'>xviii.</span> Jahrhunderts macht sich der Papierüberzug als Ersatz für das -Leder bemerkbar und die Periode des Halbfranzbandes beginnt. -</p> - -<div class='footnotes'> - -<div class='footnote' id='FN_101'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_101'>[1]</a></span> <span class='smcap'>P. Dupont</span>, Histoire de l'imprimerie. 2 Bde. Paris 1854. -— <span class='smcap'>A. Tarbouniech</span>, <em class="kursiv">Les livres d'heures</em>. Paris 1865. — <span class='smcap'>J. Renouvier</span>, -<em class="kursiv">Des gravures en bois dans les livres d'A. Vérard</em>. Paris 1859. — <span class='smcap'>J. -Renouvier</span>, <em class="kursiv">Simon Vostre</em>. Paris 1862. — <span class='smcap'>G. A. Crapelet</span>, <em class="kursiv">Des progrès -de l'impr. en France etc.</em> Paris 1836. — <span class='smcap'>A. Bernard</span>, <em class="kursiv">Ant. Vérard</em>. -Paris 1860. — <span class='smcap'>A. Bernard</span>, <em class="kursiv">Ant. Vitré</em>. Paris 1857. — <span class='smcap'>A. Vérard</span>, -<em class="kursiv">Renseignements sur le prix des miniatures et des imprimés sur velin au -XV siècle</em>. Angoulême 1859. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_102'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_102'>[2]</a></span> <span class='smcap'>Auguste Bernard</span>, <em class="kursiv">Geofroy Tory, Peintre, graveur etc.</em> 2. -Ed. Paris 1869. Es ist ein Verdienst des deutschen Buchhändlers Edwin -Tross, auf die allgemeine Anerkennung der grossen Bedeutung Torys -eingewirkt zu haben. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_103'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_103'>[3]</a></span> <span class='smcap'>H. Cohen</span>, <em class="kursiv">Les livres à vignettes du XVIII Siècle</em>. Paris -1873. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_104'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_104'>[4]</a></span> <span class='smcap'>E. Hoyois</span>, <em class="kursiv">Notice sur Jose Bade</em>. Mons o. J. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_105'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_105'>[5]</a></span> <span class='smcap'>F. J. Almeloven</span>, <em class="kursiv">De vitis Stephanorum dissertatio</em>. -Amsterdam 1633. — <span class='smcap'>A. A. Renouard</span>, <em class="kursiv">Annales de l'imprimerie des -Estienne</em>. Paris 1837. — <span class='smcap'>Aug. Bernard</span>, <em class="kursiv">Les Estienne et les types -grecs de François I</em>. Paris 1856. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_106'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_106'>[6]</a></span> <span class='smcap'>Aug. Bernard</span>, <em class="kursiv">Histoire de l'imprimerie Royale du Louvre</em>. -Paris 1867. — <span class='smcap'>F. A. Duprat</span>, <em class="kursiv">Histoire de l'impr. Royale de France</em>. -Paris 1851. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_107'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_107'>[7]</a></span> Bei der grossen Bedeutung, welche diese Schrift in der -Geschichte der Typographie einnimmt, sei es gestattet noch einige -Einzelheiten zu erwähnen. Sie besteht aus 21 Graden mit den dazu -gehörenden Cursivschriften und den grossen Initialen (<em class="kursiv">lettres de -deux points</em>). Der St. Augustin-(Mittel-)Kegel, mit dem das oben -erwähnte Werk <em class="kursiv">Description</em> etc. gesetzt wurde, war der erste Grad, -der als Prototyp für alle die anderen Grade diente. Der Punkt der -kgl. Druckerei bildet den 6. Teil einer Linie des <em class="kursiv">pied du roi</em>; 2½ -Punkte gleichen einem Millimeter. Die besonderen Kennzeichen sind, -dass an einigen der gemeinen Buchstaben, namentlich den hinauf- oder -heruntersteigenden, oben resp. unten, quer über den Grundstrich -durchgehende horizontale Strichelchen statt der damals üblichen -einseitigen, etwas schrägen Striche angebracht sind, und dass das l -einen kleinen Ansatz an der Mitte der linken Seite des Striches bekam, -welcher dem Buchstaben das Aussehen giebt, als hätte die Mater an -dieser Stelle einen kleinen Fehler gehabt. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_108'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_108'>[8]</a></span> <em class="kursiv">Manuel du bibliophile et de l'archéologue Lyonnais.</em> -Paris 1857. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_109'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_109'>[9]</a></span> <span class='smcap'>Jos. Boulmier</span>, E. Dolet. Paris 1857. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_1010'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_1010'>[10]</a></span> <span class='smcap'>Fournier</span> stellt als Ausgang für sein System ein Typometer -auf von 2 Zoll oder 12 Linien, gleich 12 Cicero. Jede Linie teilt er -in 6 typographische Punkte. Die kleinste Schrift ist <em class="kursiv">Parisienne</em> -= 5 Punkte, dann steigen <em class="kursiv">Nonpareille</em>, <em class="kursiv">Mignonne</em>, <em class="kursiv">Petit-Text</em>, -<em class="kursiv">Gaillarde</em>, <em class="kursiv">Petit-Romain</em>, <em class="kursiv">Philosophie</em>, <em class="kursiv">Cicero</em> je um 1 Punkt; -darauf <em class="kursiv">Saint-Augustin</em>, <em class="kursiv">Gros-Texte</em>, <em class="kursiv">Gros-Romain</em>, <em class="kursiv">Petit-Paragon</em>, -<em class="kursiv">Gros-Paragon</em>, <em class="kursiv">Palestine</em> je um 2 Punkte, die dann folgenden -grösseren Schriften wachsen in stärkeren Steigungs-Verhältnissen. -</div> -</div> - -<div class="center clrboth"> - <img src="images/pg_216_deco.jpg" - style="margin-bottom:5em;" - alt="Kapitel-Ende" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<div class="center clrboth pgbreak"> - <img src="images/pg_217_deco.jpg" - alt="Kapitel-Anfang" /> -</div> - -<h2 class="nobreak" id="h2_26"> -XI. KAPITEL. -<span class="seitnum">[<a href="#toc_26">←</a>]</span> -</h2> -</div> - -<p> -DIE NIEDERLANDE. -</p> - -<div class="blockquote"> -<p> -Die Illustration. Christoph Plantin, seine Nachkommen, das -Plantinsche Museum. Die Familie Blaeu. Die Elzeviere: Ludwig -<span class='smcap'>i.</span>, Matthias und Bonaventura, Isaack, -Bonaventura und Abraham <span class='smcap'>i.</span> Johann und -Daniel. Ludwig und Daniel, das Ende des Hauses. Die Nachahmer der -Elzeviere. Die Familie Enschedé und die Schriftgiesserei. -</p> -</div> - -<p class="hide_x_"> -<span class='pagenum'><a id='Page_217' name='Page_217' href='#Page_217'>[217]</a></span> -<img src="images/pg_217_cap.jpg" alt="D" width="50" class="cap0" /> -<span class="hide">D</span>AUERTE es auch lange, ehe die Buchdruckerkunst in dem jetzigen -Belgien und Holland recht heimisch wurde, so trieb sie, einmal dorthin -verpflanzt, um so tiefere Wurzel; die Blütezeit derselben währte viel -länger als in Deutschland, der Verfall war dort nie so gross als hier. -</p> - -<div class="sidenote">Die typographi-<br />schen Eigentüm-<br />lichkeiten.</div> - -<p> -Dieselben Eigenschaften, welche die niederländische Malerkunst -auszeichnen, die grosse Sauberkeit der Ausführung und die über alle -Einzelheiten sich erstreckende minutiöse Sorgfalt, kennzeichnen -auch die dortige Typographie. Gleich den malenden Künstlern des -Landes verfolgten die Buchdrucker und Verleger im allgemeinen eine -realistische Tendenz. Sie veranstalteten eine Menge für das Leben und -die Wissenschaft nützlicher Werke, huldigten jedoch selten der idealen -Richtung, welche vorzugsweise in Deutschland, jedoch auch in Frankreich -und Italien, durch Zusammenwirken des Griffels der Künstler mit der -Feder des Schriftstellers die uns bekannt gewordene Reihe prächtiger -Erzeugnisse des Buchgewerbes hervorgebracht hat. -</p> - -<div class="sidenote">Die Illustration.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_218' name='Page_218' href='#Page_218'>[218]</a></span> -Dennoch blieben die Niederländer nicht ohne Verdienste um die -vervielfältigenden Künste, doch machen sich diese hauptsächlich in dem -Kupferstich und der Radierung, weniger in der mit dem Buchgewerbe enger -verbundenen Xylographie, geltend. -</p> - -<p> -Deutschlands Albrecht Dürer stellen sie ihren <span class='smcap'>Lucas van Leyden</span> -(Dammetz, geboren 1494, gestorben 1533) entgegen. Er lieferte etwa 200 -Stiche; für den Holzschnitt ist seine Thätigkeit eine unbedeutende. -Im <em class="kursiv">Clair-obscur</em>-Druck zeichnen sich aus: <span class='smcap'>Hubert Goltz</span> (geb. 1524, -gest. 1583), dessen <em class="kursiv">Icones imperatorum Romanorum</em> in Kupferstich mit -aufgedruckten Holzschnittplatten ausgeführt sind; <span class='smcap'>Abraham Bloemaert</span> -(geb. 1567, gest. 1647); und <span class='smcap'>Heinr. Goltzius</span>. Dieser nähert sich in -mancher Hinsicht Luc. van Leyden. Schon 1523 erschien bei Dodo in -Amsterdam eine Passion in 62 Blättern von einem ungenannten Künstler -(<span class='smcap'>Joh. Walter von Assen</span>?), welcher ein Jahrhundert vor Rembrandt in der -bekannten Manier dieses Künstlers zeichnete. <span class='smcap'>Rembrandt</span> selbst (geb. -1606, gest. 1665) hat sich im Holzschnitt versucht und <span class='smcap'>Joh. Livens</span> -(geb. 1607, gest. 1663), sowie <span class='smcap'>Dirk van Bray</span> (gest. 1680) ahmten mit -Glück seinen Stil im Holzschnitt nach, während Rubens' Zeichnungen -einen tüchtigen Dolmetsch in dem Holzschneider und Zeichner <span class='smcap'>Christoph -Jegher</span> fanden, einem geborenen Deutschen, der 1620-1660 in Antwerpen -wirkte. -</p> - -<p> -Eine Notiz von K. v. Heinecken hat zu vielen Debatten über einen -mystischen frühesten Xylographen der Niederlande „Phillery“ Anlass -gegeben. Allem Anschein nach schrumpft derselbe zu einem erst in den -zwanziger Jahren des <span class='smcap'>xvi.</span> Jahrh. lebenden Holzschneider „Willem“ -zusammen und beruht der Name Phillery wohl nur auf undeutlichen -Schriftzügen. -</p> - -<hr /> - -<p> -Als Träger der Buchdruckerei erblicken wir in den Niederlanden wie in -Italien und Frankreich mehrere berühmte Familien, vornehmlich die der -Plantin, der Blaeu und der Elzeviere. -</p> - -<div class="sidenote">Blühende Lage<br />Antwerpens.</div> - -<p> -Das blühende und mächtige Brügge hatte auf Grund seiner Haltung -gegen den Kaiser Maximilian <span class='smcap'>i.</span> seine Privilegien verloren, die auf -ANTWERPEN übertragen wurden. Hierdurch hatte die letztere Stadt seit -dem Beginn des <span class='smcap'>xvi.</span> Jahrhunderts einen grossen Aufschwung als Depot -zwischen Nord und Süd genommen. Auch -<span class='pagenum'><a id='Page_219' name='Page_219' href='#Page_219'>[219]</a></span> -die Buchdruckerei behauptete dort -eine angesehene Stellung, und es erschienen viele wertvolle und gut -ausgestattete Werke. Unter Karl <span class='smcap'>v.</span> erreichte die Stadt ihre höchste -Blüte, ward jedoch zugleich ein Angelpunkt für die reformatorische -Bewegung in den Niederlanden, welche, nachdem Karl <span class='smcap'>v.</span> am 25. Okt. 1555 -die Regierung zugunsten seines Sohnes Philipp <span class='smcap'>ii.</span> niedergelegt hatte, -so schwere Zeiten über das Land heraufbeschwören, jedoch auch ihre -Freiheit begründen sollte. -</p> - -<div class="sidenote">Christ. Plantin.</div> - -<p> -Inmitten der politischen und religiösen Gährung liessen sich, um das -Jahr 1550 herum, Plantin und seine Frau Johanne Rivière in Antwerpen -nieder. <span class='smcap'>Christoph Plantin</span><a name='FA_111' id='FA_111' href='#FN_111' class='fnanchor'>[1]</a>, in Mont-Louis bei Tours in Frankreich -geboren, hatte bei Robert Macé in Caen gelernt und eröffnete nach -vielen Reisen einen kleinen Buchladen mit Buchbinderei, während seine -Frau mit Leinen-Waren handelte. Der Gerichtsschreiber Graphäus gab -Plantin seine Bücher zu binden und machte ihm kleine Vorschüsse. 1550 -wurde er als Buchdrucker in die St. Lucas-Gilde aufgenommen, aber erst -1555 hatte er in dem von ihm angekauften Hause auf dem Freitagsmarkt -eine vollständig eingerichtete Offizin. -</p> - -<div class="sidenote">Sorgsamkeit<br />Plantins.</div> - -<p> -Eifersüchtig auf den Ruhm derselben, sorgte er für die schönsten -Schriften und den besten Druck. Wennauch die Verwendung silberner Typen -in das Reich der Fabel gehört, so steht es doch fest, dass er in seiner -Giesserei mit dem Guss solcher experimentiert hat. Plantin gehörte auch -nicht zu den Druckern, die, nach dem Ausspruch des Erasmus, „lieber -6000 Fehler, wie Ameisen, in ihren Werken herumkribbeln sehen, als -einen tüchtigen Korrektor bezahlen“; im Gegenteil, er hatte sich die -Worte Heinrich Stephanus', dass „die Korrektur das für die Druckerei -ist, was die Seele für den Leib“, zu eigen gemacht. Überhaupt verstand -er, wennauch nicht in Besitz tiefer Kenntnisse, als vorzüglicher -Praktiker, dabei zäh ausdauernd in der Durchführung seiner Pläne, die -Talente Anderer zu benutzen. -</p> - -<div class="sidenote">Sein Korrektor<br />Corn. van Kiel.</div> - -<p> -Der erste seiner Korrektoren war der berühmte Cornelius van Kiel, oder -Kilianus (geb. um 1528, gest. 15. April 1607), der während -<span class='pagenum'><a id='Page_220' name='Page_220' href='#Page_220'>[220]</a></span> -seines fünfzigjährigen Wirkens in dem Plantinschen Hause sehr zu dem Ruhme -desselben beitrug. Über alle Beschreibung anspruchslos, dachte van Kiel -nie daran, sich selbst geltend zu machen, zufrieden wenn nur das Haus, -an das er seine Existenz geknüpft hatte, gedieh. -</p> - -<div class="sidenote">Th. Pullmann. -<hr class="sidenote" /> -Just. Lipsius.</div> - -<p> -Eine zweite Stütze hatte Plantin in dem gelehrten Theodor Pullmann -(geb. um 1510), von Profession ein Walkmüller, jedoch von seiner Jugend -ab den Wissenschaften mit Leidenschaft ergeben. Leider führte diese -ihn in seinem Emendieren der Klassiker zu weit, und oft füllte er die -Lacunen in kühnster Weise aus. Auch mit dem berühmten Justus Lipsius -stand Plantin in engem geschäftlichen Verkehr. -</p> - -<div class="sidenote">Franz Raphelin-<br />gius.</div> - -<p> -Einen Hauptmitarbeiter im Geschäft fand Plantin in <span class='smcap'>Franz Raphelingius</span>. -Derselbe hatte in Paris eifrigst griechisch und lateinisch getrieben -und seine Studien in Cambridge vollendet. Plantin nahm ihn nicht -allein als Korrektor auf, sondern gab ihm auch seine älteste Tochter -Margaretha zur Ehe. Als Plantin, 1582, das belagerte Antwerpen -verliess und das Geschäft in Leyden eröffnete, leitete Rapheling die -Stammoffizin und trieb zugleich den Buchhandel. Nach der Rückkehr -Plantins nach Antwerpen übernahm dagegen Rapheling das Geschäft in -Leyden und wurde an dortiger Universität Professor der hebräischen -Sprache. Er war ein Mann von bedeutenden Kenntnissen und ein -unermüdlicher Mitarbeiter an dem grossen Bibelwerke Plantins. -</p> - -<p> -Eine geschäftlich noch kräftigere Stütze fand Plantin in <span class='smcap'>Johannes -Moretus</span> (Jean Moerentorff), geboren in Antwerpen am 22. Mai 1543. -Anfänglich Arbeiter bei Plantin, gefiel er, wenn er auch dessen Ideale -von einem Buchdrucker nicht vollständig entsprach, doch durch seine -praktische Tüchtigkeit diesem noch mehr als der gelehrte Rapheling und -er gab ihm seine zweite Tochter Martina zur Frau. Die dritte Tochter -ward mit <span class='smcap'>Gilles Beys</span>, ebenfalls einem tüchtigen Buchdrucker, verbunden, -welcher der Filiale des Geschäfts in Paris vorstand. -</p> - -<div class="sidenote">Biblia<br />polyglotta.</div> - -<p> -Das Werk, welches den Namen Plantin in der Buchdruckerwelt unsterblich -gemacht hat, und in seinem Leben eben so eine Epoche bildet, wie der -<em class="kursiv">Thesaurus græcæ linguæ</em> in dem Dasein des Heinr. Stephanus, ist die -„<em class="kursiv">Biblia sacra hebraice, chaldaice, -<span class='pagenum'><a id='Page_221' name='Page_221' href='#Page_221'>[221]</a></span> -græce et latine. Philippi II. -reg. cathol. pietate et studio ad sacro sanctæ ecclesiæ usum Christoph -Plantinus excud. Antwerpiæ</em>“. -</p> - -<p> -Die erste Idee eines polyglotten Bibelwerkes<a name='FA_112' id='FA_112' href='#FN_112' class='fnanchor'>[2]</a> stammt von Aldus -Manutius, wie aus der in der National-Bibliothek zu Paris vorhandenen -Probe hervorgeht (S. 179). Diese dreispaltige Seite enthält den -hebräischen, griechischen und lateinischen Text und gab wahrscheinlich -Veranlassung zu der in den Jahren 1514-1517 in Alcala in Spanien -gedruckten Polyglotte des Kardinal Ximenes (S. 189), die bereits eine -grosse Seltenheit geworden, sodass öfters der Gedanke entstanden -war, eine neue Polyglottbibel zu drucken. Diesen Plan hatte auch -der Kurfürst August von Sachsen gefasst, gab ihn aber zugunsten -des Plantinschen Vorhabens auf. Auch Philipp <span class='smcap'>ii.</span> beabsichtigte ein -ähnliches Werk ausführen zu lassen. Als Plantin ihm die Probebogen -seines Unternehmens überreichen liess, ging er bereitwillig auf dessen -Idee ein, bewilligte die Zahlung der für Druck und Papier allein auf -24000 Gulden veranschlagten Kosten, gewährte ausserdem einen Vorschuss -von 6000 Dukaten und bestellte seinen Kaplan Arias Montanus als -Überwacher der litterarischen Herstellung. Letzterer kam am 18. Mai -1568 nach Antwerpen und empfing vom König ausser seinem Gehalt noch -einen Zuschuss von 300 Kronen jährlich; für die Textrevision wurde eine -Anzahl tüchtiger Gelehrter gewonnen. Den Auftrag zur Anfertigung der -Schriften erhielt der berühmte Schriftgiesser Wilhelm le Bé in Paris. -</p> - -<div class="sidenote">Druck der Poly-<br />glotte.</div> - -<p> -Der Druck begann im Jahre 1568 und dauerte bei fortwährender -Beschäftigung von 40 Arbeitern bis zum Jahre 1572. Anfänglich war -das Werk auf vier Bände berechnet; auf Plantins Vorschlag wurde -jedoch noch das Neue Testament in der syrischen Sprache, welches -bereits in Wien gedruckt war, mit einverleibt, so dass das Werk -mit Inbegriff der drei Bände „<em class="kursiv">Appendix</em>“ aus acht Bänden besteht. -Ausser 12 Pergament-Abdrücken wurden 1200 Exemplare gedruckt; 10 -auf Imperial-Velin zu 40 Gulden das Ries; 30 Exemplare auf etwas -geringeres; 200 auf Royal-Velin aus Lyon und 960 Exemplare auf -Royal-Papier aus Troyes. Im Verhältnis zu den Kosten waren die -Verkaufspreise mässig gestellt. Der Preis -<span class='pagenum'><a id='Page_222' name='Page_222' href='#Page_222'>[222]</a></span> -betrug für eins der 200 -Exemplare auf Royal-Velin 40 Kronen, für ein gewöhnliches 35 Kronen<a name='FA_113' id='FA_113' href='#FN_113' class='fnanchor'>[3]</a>. -</p> - -<div class="sidenote">Schwierigkeiten.</div> - -<p> -Ein mühsames Werk war vollbracht; Plantin selbst sagt: „Jetzt, wo die -Bibel vollendet ist, stehe ich mit Überraschung und Erstaunen vor der -Arbeit, welche ich nicht nochmals machen möchte, selbst wenn man mir -12000 Kronen dazu schenkte, und obwohl sie jetzt, wo die Schriften und -die Einrichtung vorhanden sind, vielleicht um 6000 Kronen billiger zu -stehen kommen würde“. Nimmt man seine Aussprüche buchstäblich, so war -ihm nicht allein kein angemessener Vorteil, sondern sogar ein direkter -Nachteil aus der Arbeit erwachsen; jedoch, Plantin war ein schlauer -Geschäftsmann, der sich nicht gern tief in die Karten blicken liess. -</p> - -<p> -Ohne Verdriesslichkeiten sollte es nicht abgehen. Der König wünschte -die Approbation des Papstes Pius <span class='smcap'>v.</span> Dieser verweigerte sie jedoch -entschieden und Plantin erhielt Ordre, vorläufig kein Exemplar -auszugeben. Montanus musste im Auftrag des Königs nach Rom gehen, um -womöglich die Angelegenheit zu ordnen. Er kam gerade an, als Gregor <span class='smcap'>ix.</span> -den Stuhl des verstorbenen Pius <span class='smcap'>v.</span> eingenommen hatte und fand den neuen -Papst günstiger für die Sache gestimmt. Die Approbation wurde 1572 -erteilt. Hiermit waren jedoch die Anfechtungen nicht vorbei. Einer der -erbittertsten Feinde des Unternehmens, der Professor León de Castro in -Salamanca, denunzierte Plantin und Montanus der Inquisition. Montanus -reichte seine Rechtfertigung ein, erhielt aber erst nach vier Jahren, -1580, insoweit Recht, dass das Buch dem Schicksal entging, auf den -Index der verbotenen Bücher gesetzt zu werden. -</p> - -<div class="sidenote">Plantin, <em class="kursiv">Proto-<br />typographus</em>.</div> - -<p> -Durch Patent vom 10. Juni 1570 wurde Plantin zum <em class="kursiv">Prototypographus</em> -der Niederlande ernannt. Es handelte sich dabei nicht um einen blossen -Ehrentitel. Er hatte die Rolle der Meister und Lehrlinge, sowie -der autorisierten Korrektoren, Holzschneider und Kupferstecher zu -führen, eine Liste über alle Werke, deren erster und letzter Bogen -ihm behändigt werden mussten, anzufertigen, und sollte ausserdem die -Bücherpreise bestimmen. Alle Änderungen in den Arbeiterverhältnissen -waren ihm anzuzeigen. Die Mühen und Verdriesslichkeiten bei diesem -Amte waren jedoch so gross, dass -<span class='pagenum'><a id='Page_223' name='Page_223' href='#Page_223'>[223]</a></span> -Plantin i. J. 1576 seine Entlassung -nachsuchte. Einmal war er sehr nahe daran, die Gunst des Königs zu -verscherzen, indem auf Veranlassung des Wiedertäufers Niclaes aus -Münster, mit dem er in inniger Verbindung stand, mehrere ketzerische -Schriften, angeblich freilich ohne Wissen des zufällig abwesenden -Besitzers, in seiner Offizin gedruckt wurden. Über seine religiöse -Überzeugung herrschte bereits lange einiger Zweifel, er verstand es -jedoch so gut, sich wenigstens äusserlich als guter Katholik zu geben, -dass er allen drohenden Gefahren entging. -</p> - -<div class="sidenote">Umfang von<br />Plantins Thä-<br />tigkeit.</div> - -<p> -Plantins Druckerthätigkeit blieb eine sehr grosse. Ruelens und Backers -Annalen zählen von ihm 1031 Druckwerke auf, obwohl viele Bibelausgaben -und Missalen nicht mit angeführt sind. Mit dem <em class="kursiv">Missale Romanum</em> von -1522 fängt eine Reihe von prachtvollen liturgischen Werken an, durch -welche die Plantinsche Druckerei sich langezeit auszeichnete. -</p> - -<div class="sidenote">Schönheit seiner<br />Typen.</div> - -<p> -Die Typen des Plantin halten den Vergleich mit denen seiner -Zeitgenossen, Aldus Manutius und Heinr. Stephanus, vollkommen aus. -Seine Cursiv ist besonders elegant und nicht so schreibschrift-ähnlich, -wie die Aldinische. Die Antiqua ist etwas derb und breit, jedoch für -das Auge gefällig, leicht lesbar und den Schriften des Stephanus -vollständig ebenbürtig. Die griechischen Schriften sind schöner -als die des Aldus. Zu loben ist ferner die Genauigkeit des Gusses, -einschliesslich des Durchschusses und der Quadrate. Die ganze -Disposition der Titel, der Schriftkolumnen und der Vignetten zeigt -Geschmack und Verständnis. -</p> - -<div class="sidenote">Plantins Druck-<br />zeichen.</div> - -<p> -Das erste, 1555 angenommene Druckerzeichen Plantins war ein Baumstamm, -um welchen sich ein Weinstock schlingt, mit zwischen den Zweigen -herabhängenden Trauben. Ein Weinbauer ist beschäftigt die schlechten -Zweige abzuschneiden. Als Umschrift liest man <em class="kursiv">Excerce imperium et -ramos compesce fluentes</em><a name='FA_114' id='FA_114' href='#FN_114' class='fnanchor'>[4]</a>. Als Zeichen bedient er sich von 1558 ab -des Zirkels, von einer Hand aus den Wolken geführt, mit der Inschrift: -„<em class="kursiv">Labore et constantia</em>“. Zwei allegorische, schildhaltende Figuren -versinnlichen des weiteren den Gedanken, worauf der Zirkel schon -hinweist: der feste Teil desselben deutet auf die Beständigkeit in dem -einmal Vorgenommenen; der bewegliche auf die rastlose Arbeit. -</p> - -<div class="sidenote">Plantins Tod.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_224' name='Page_224' href='#Page_224'>[224]</a></span> -Plantin starb am 1. Juli 1589, 75 Jahre alt. Sein letztes Werk war der -<span class='smcap'>i.</span> Band der: <em class="kursiv">Annales ecclestiastici Cæsaris Baroni Sorani</em>. -</p> - -<div class="sidenote">Die Nachfolger<br />Plantins.</div> - -<p> -Nach seinem Tode übernahm Rapheling das Leydener Geschäft. Beys behielt -die Pariser Filiale und Moretus die Antwerpener Offizin, deren Leitung -er schon seit zwei Jahren besorgt hatte. -</p> - -<p> -<span class='smcap'>Johannes Moretus</span> besass keine tiefergehenden Kenntnisse, verstand es -aber die Verbindungen mit den vielen Gelehrten aufrecht zu erhalten. -Als im Jahre 1592 die <em class="kursiv">Vulgata</em> in Rom gedruckt wurde, erhielt er durch -päpstliches Breve vom 11. März 1597 für zehn Jahre das Alleinrecht, -jenseit der Alpen das Werk zu drucken und zu verbreiten, unter -der Verpflichtung, die grösste Sorgfalt auf Korrektur und Druck zu -verwenden und durchaus keine Änderungen vornehmen zu lassen. -</p> - -<div class="sidenote">Balthazar Mo-<br />retus.</div> - -<p> -Unter der Leitung von dem Sohne des Johannes, dem gelehrten <span class='smcap'>Balthazar -Moretus</span>, nahm die Plantinsche Druckerei noch durch lange Zeit eine -hochangesehene Stellung ein. Gegen die Mitte des <span class='smcap'>xvii.</span> Jahrhunderts -jedoch schwand die Bedeutung mehr und mehr, und mit dem Beginn des -<span class='smcap'>xviii.</span> Jahrh. war der geschäftliche Glanz des Hauses erloschen. -Äusserlich wurde jedoch alles mit grosser Pietät in dem alten Stand -gelassen und das Haus mit allen seinen reichen Sammlungen, welche -es, von dem grossen Publikum ungekannt und selbst für Auserwählte nur -schwer zugänglich, umfasste, sorgfältig erhalten. Da wurden seitens der -Verwaltung der Stadt Antwerpen Verhandlungen über die Erwerbung dieser -typographischen Schatzkammer angeknüpft. Nachdem der Graf von Flandern -die Initiative ergriffen hatte, zeigte sich die Staatsregierung -geneigt, einen wesentlichen Anteil der Kosten auf sich zu nehmen, der -aber später sehr zusammenschrumpfte. Schliesslich wurde i. J. 1875 -ein Vertrag abgeschlossen, nach welchem das Haus und die Sammlungen -für 1200000 Franken, von welchen der Staat die 200000, die Stadt die -1000000, zahlte, in den Besitz der letzteren überging. Hiermit ist -ein wahres graphisches Museum für alle Zukunft erhalten, welches mit -jedem Jahr, das uns ferner von der früheren Geschäftsweise rückt, -an Wert gewinnt. Es ist geboten, demselben in einer Geschichte der -Buchdruckerkunst einige Seiten zu widmen. -</p> - -<div class="sidenote">Das „Hôtel<br />Plantin“. -<hr class="sidenote" /> -Das Vestibule.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_225' name='Page_225' href='#Page_225'>[225]</a></span> -Das HÔTEL PLANTIN, auf dem Freitagsmarkt gelegen, nimmt die eine Seite -desselben ganz ein. Die Façade wurde durch Joh. Moretus restauriert, -das alte Merkzeichen jedoch erhalten. Hat man die Thorschwelle -überschritten, befindet man sich in einem Vestibule mit vier -Eingangsthüren, zwei rechts, zwei links, während eine gut erhaltene -Glasthüre das Vestibule von dem Hofe abschliesst. Eine besondere -Zierde des ersteren ist das Medaillonporträt des Balthazar Moretus, -darüber ein Adler, in der linken Klaue einen, zu dem Wappen der Moretus -gehörenden, Stern haltend. -</p> - -<div class="sidenote">Der Hof.</div> - -<p> -Der Hof bildet ein grosses Viereck, von dessen vier Seiten drei ihr -ursprüngliches Aussehen ganz behielten. Das Hauptgebäude besteht -aus einem Erdgeschoss und zwei Etagen; der rechte Flügel aus zwei -Etagen und einem Bogengang, der sich auch unter die Hälfte des -Hintergebäudes erstreckt, das ganz von den Zweigen und Blättern -eines dreihundertjährigen Weinstocks, zwischen welchen die mit Blei -eingefassten Fensterscheiben sichtbar werden, überdeckt ist. Der linke -Flügel, aus neuerer Zeit stammend, besteht aus Einer Etage. Büsten von -Plantin, Johannes, Balthazar und Joh. Jak. Moretus, Just. Lipsius u. a. -zieren die Façaden. Der ganze Hof übt in seiner Abgeschlossenheit einen -besonderen Reiz aus, es ist, als könne von aussen keine Störung hier -hineindringen. Nichts Verunstaltendes, nichts Zerfallenes, wennauch -die Zeit dem Gemäuer ihr Gepräge aufgedrückt hat; man fühlt sich um -Jahrhunderte zurückversetzt. -</p> - -<div class="sidenote">Der Setzersaal.</div> - -<p> -In der Werkstätte findet sich der Apparat für 20-25 Setzer vor. Die -Setzkästen sind noch gefüllt, die Tenakel stehen noch darauf befestigt. -Die Kästen sind nicht so hoch angebracht, wie bei uns, man arbeitete -sitzend, und die Sessel stehen noch in den Gassen; an den Wänden hängen -die Kolumnenschnuren. Es ist, als wäre die Arbeit nur von der üblichen -Mittagspause unterbrochen und als müsste sie baldigst wieder begonnen -werden. -</p> - -<p> -Im Hintergrunde des Zimmers liegen auf verschiedenen Tischen: Linien -in allen Grössen, Schiffe mit noch nicht umbrochenem Satz, Durchschuss -u. dgl. Die hintere Wand ist von Aufsätzen mit Regletten und Keilen -eingenommen. Zwei zum Druck fertige Formen lehnen an der Wand. Auch -ein Stoss Papier steht noch da. An der linken Langseite sind sieben -hölzerne Pressen aufgestellt. -</p> - -<div class="sidenote">Das Zimmer der<br />Korrektoren.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_226' name='Page_226' href='#Page_226'>[226]</a></span> -Durch zwei kleine Räume, von denen der eine das Arbeitszimmer des Just. -Lipsius war, der andere die Revisionsbogen von verschiedenen Werken -in bester Ordnung enthält, kommt man in das Zimmer der Korrektoren, -ein längliches Viereck und einer der grössten Räume des Hauses. Alles -steht noch auf seinem alten Platze, alles spricht von den grossen -Arbeitern, deren Namen mit dem Ruhme des Hauses Plantin verbunden sind, -und die hier viele Jahre in rastloser Wirksamkeit zugebracht haben. Zur -Rechten steht eine enorme Truhe, gefüllt mit Briefen, Korrekturbogen, -Manuskripten, weiter das Pult der Korrektoren, ein Meisterstück der -Holzschnitzerei. Eine Seite desselben lehnt an der Mauer. An zwei -Seiten sind Sitze mit hohen Rücklehnen und reichen Bildschnitzereien -auf einem Podium angebracht, so dass man eine Stufe hinaufsteigen muss. -Unter dem Pult befinden sich viele Fächer. Zwei mächtige Repositorien -enthalten eine grosse Anzahl von Kästen, jeder derselben trägt den -Namen einer der Städte, mit welchen Plantin Verbindungen unterhielt, -und umschliesst die Aushängebogen der in Arbeit befindlichen Werke -aus dieser Stadt und die darauf bezügliche Korrespondenz. Der übrige -Wandraum ist mit Wandschränken und Regalen ausgefüllt, welche Pakete -mit Vorratsschriften und Defekten zu den in Gebrauch befindlichen -Schriftsorten enthalten; durch alles geht der Geist der genauesten -Ordnung. -</p> - -<div class="sidenote">Bücherstube. -<hr class="sidenote" /> -Schriftgiesserei.</div> - -<p> -In dem obern Stock ist die Bücherstube für das Trocknen, das Abpressen -und Komplettieren der Bücher. Hier steht auch ein Schatz von hohem -Wert, ein Schrank, dessen Kästen eine bedeutende Anzahl, mit grösster -Akkuratesse geordneter Geschäfts- und Familienbriefe bergen. Die -Schriftgiesserei nimmt zwei Räume ein; der eine für das eigentliche -Giessen bestimmt, der andere für das Schleifen, Fertigmachen und -Verpacken. Auch das Firniskochen wurde hier besorgt. Ferner zeigt man -eine Bronziermaschine. In diesen Räumen steht ebenfalls alles da, als -ob die Arbeit eben aufgehört hätte. Das Handwerkszeug hängt an den -Wänden, die Giessöfen enthalten Reste von flüssig gewesenem Metall. -Probepakete, Stempel, Instrumente liegen umher. Auch einige silberne -Buchstaben finden sich vor, jedenfalls Resultate von unpraktisch -befundenen Versuchen, Typen aus diesem Metall zu formen. -</p> - -<div class="sidenote">Die Bibliothek.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_227' name='Page_227' href='#Page_227'>[227]</a></span> -Die grosse Bibliothek (es giebt auch eine kleine) ist ein längliches -Viereck, dessen Wände, soweit sie nicht durch die Fenster unterbrochen -werden, mit Regalen bedeckt sind. Durch die ganze Länge des Zimmers -zieht sich ein Doppelpult, unten mit Fächern versehen. Hier lagern -Bücher, Zeichnungen, Stiche nach Rubens, Teniers, van Dyck, Jordaens -u. a., fast alle in den ersten Abdrücken vor der Schrift. Ein Album -umfasst mehr als vierhundert Handzeichnungen der grossen Meister, -darunter elf Rubens. Dreiunddreissig Familienporträts vollenden den -Schmuck des Raumes. -</p> - -<p> -Selbstverständlich bilden die Plantinschen Drucke einen wichtigen -Bestandteil der Bibliothek, sie sind jedoch nicht ganz vollzählig. -Die Zahl der Manuskripte kann man auf 200 anschlagen. Von Inkunabeln -sind gegen 60 vorhanden. Die Zahl der sonstigen Bücher wird auf 9000 -geschätzt, darunter eine auserlesene Sammlung von Missalen, Breviarien -u. dgl. -</p> - -<p> -Eine typographische Kuriosität ist ein Band, welchen Johann Moretus -1576 Plantin gewidmet hat, der eine Sammlung der Titel von allen bei -Plantin bis zum Jahre 1576 gedruckten Büchern enthält, gewiss ein -interessantes Musterbuch für Typographen. Von noch grösserem Interesse -dürfte das Studium des Journals des Hauses und der Hauptbücher aus -drei Jahrhunderten, 1566 bis 1865, sein. Mit letzterem Jahre hörte die -Thätigkeit des Hauses auf, die bereits früher auf ein Minimum reduziert -war. -</p> - -<div class="sidenote">Die Schriftstücke<br />und andere Sel-<br />tenheiten.</div> - -<p> -Ferner sind noch aufbewahrt: die Messabsatz-, die Arbeits- und -die Buchbinderbücher, Kataloge der verschiedensten Art, sowie die -Korrespondenz-Brouillons, geeignet Licht über manches zu werfen, was -jetzt dunkel ist. Die Zahl der Holzstöcke beträgt mindestens 15000; -die der Kupferstiche 7 bis 8000. Von den kostbaren Porträts aus den -Meisterhänden Rubens', van Dycks und anderer, den prachtvollen Meubeln, -den seltenen Porzellanstücken und von vielen anderen Kostbarkeiten -wollen wir hier nicht reden. Abgesehen von diesen, bietet das -Plantinsche Museum in typographischer Hinsicht ein so ungemeines -Interesse, dass die typographische Welt sich zu der Opferwilligkeit der -Bürgerschaft der Stadt Antwerpen Glück zu wünschen hat, welche diese -Schätze der Zukunft erhielt. -</p> - -<div class="sidenote">Die Familie<br />Blaeu.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_228' name='Page_228' href='#Page_228'>[228]</a></span> -Eine zweite bedeutende Druckerfamilie war die der Blaeu in Amsterdam. -<span class='smcap'>Wilhelm Blaeu</span><a name='FA_115' id='FA_115' href='#FN_115' class='fnanchor'>[5]</a>, geboren zu Alkmar im Jahre 1571, legte sich auf -Astronomie und war ein Schüler und Freund des berühmten dänischen -Astronomen Tycho de Brahe (S. 155). Blaeus Hauptthätigkeit war der -Herausgabe astronomischer und Karten-Werke gewidmet. Selbst ein -tüchtiger Mechaniker, richtete er seine Aufmerksamkeit auf die -Vervollkommnung der Druckpressen, deren neun, von verbesserter -Konstruktion und nach den neun Musen benannt, in seiner Offizin -aufgestellt waren. Die Verbesserungen bezogen sich namentlich auf den -elastischen Zug. Blaeu starb am 21. Okt. 1638 und sein Sohn <span class='smcap'>Johann</span> -(geb. 1596) setzte die Druckerei fort, zuerst in Verbindung mit -seinem Bruder Cornelius, von 1641 ab allein. Im Jahre 1663 lieferte -er einen prachtvoll ausgeführten Atlas in zwölf Grossfoliobänden, dem -mehrere ebenso grossartige Werke folgten. Seine Offizin galt für die -bedeutendste und schönste Europas, sie beschäftigte regelmässig über -40 Arbeiter namentlich mit dem Druck grosser Werke, mit Karten und -Illustrationen, für deren Herstellung er einen besonderen Ruf hatte. -Am 22. Febr. 1672 brannte die Offizin gänzlich ab. Die strenggläubigen -Protestanten erklärten dies für ein Strafgericht des Himmels, weil -Blaeu viele Breviarien und Missalen für die Papisten druckte. Er starb -am 28. Dezember 1673 und wurde von seinen Söhnen <span class='smcap'>Peter</span> und <span class='smcap'>Johann</span> -gefolgt. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Der Stammvater<br />der Elzeviere.</div> - -<p> -Es bleibt noch die berühmteste der holländischen Buchdruckerfamilien, -die, wenn von den Leitsternen der Typographie die Rede ist, gewöhnlich -mit den Geschlechtern des Aldus und des Stephanus zusammen genannt -wird. -</p> - -<p> -<span class='smcap'>Ludwig Elzevier</span>, der Stammvater des berühmten Geschlechts, ist zu -Löwen in Brabant um das Jahr 1540 geboren. Aus den Arbeitsbüchern des -Plantin geht hervor, dass ein Buchdrucker Johann aus Löwen mit dem -Beinamen <em class="kursiv">Helsevier</em> bei ihm von 1565-1588 arbeitete. Ob dies Ludwigs -Vater war, ist nicht ermittelt, doch ist es nicht unwahrscheinlich, -da Ludwig sich schon in jüngern Jahren in Antwerpen aufhielt und ihm -dort zwei Kinder Matthias (1564) und Ludwig (1566) geboren wurden. Die -Mutter derselben -<span class='pagenum'><a id='Page_229' name='Page_229' href='#Page_229'>[229]</a></span> -hiess Mayke (Marie) Duverdyn. Die Hypothese in Bezug -auf Ludwig Elzeviers Vater gewinnt dadurch an Wahrscheinlichkeit, dass -Ludwig, der die Buchbinderei übte, von Plantin beschäftigt wurde, der, -selbst früher Buchbinder, sich der Buchdruckerei und dem Verlagshandel -mit so grossem Erfolge gewidmet hatte<a name='FA_116' id='FA_116' href='#FN_116' class='fnanchor'>[6]</a>. -</p> - -<div class="sidenote">Lage der Prote-<br />stanten.</div> - -<p> -Antwerpen war, wie schon erwähnt wurde, der Herd der reformatorischen -Bewegung in den Niederlanden geworden, von welcher auch Elzevier -ergriffen wurde. Die scharfen Edikte des Kaisers Karl <span class='smcap'>v.</span>, welche -Todesstrafe für den Anschluss an eine sektiererische Verbindung -feststellten, waren noch in Kraft, wenn sie auch unter der milden -Regierung der Statthalterin Margaretha von Parma nicht so gefährlich -waren. Die Lage änderte sich jedoch, als König Philipp <span class='smcap'>ii.</span> den Herzog -von Alba (1567) mit dem Auftrag sandte, durch Feuer und Schwert jede -Spur der Ketzerei zu vertilgen. Tausende von Familien verliessen den -heimatlichen Herd; auch die Ludwig Elzeviers gehörte zu diesen und -zog nach Wesel, wo zahlreiche Emigranten sich zusammengefunden hatten -und von wo eine thätige Propaganda ausging. Viele Bücher und kleinere -Schriften reformatorisch-agitatorischen Inhalts in vlämischer Sprache -wurden dort gedruckt und von dort aus verbreitet, so dass Elzevier als -Buchbinder auf Beschäftigung rechnen konnte. -</p> - -<p> -Wie man über seinen Aufenthalt in Antwerpen hauptsächlich aus den -Geburtsscheinen seiner Kinder Positives weiss, so auch über seine -Existenz in Wesel und später in Douai. In Wesel wurde sein dritter -Sohn, Aegidius; in Douai Justus und Arnold geboren. Nach seinem -Vaterland ist er jedenfalls erst nach der Übernahme der Regentschaft -durch Louis de Requesens i. J. 1574 zurückgekehrt, und mag wohl -nur, weil in Antwerpen schon verdächtig, Douai vorgezogen haben, -das seit 1462 eine wallonische Universität besass, die Philipp <span class='smcap'>ii.</span> -als Gegengewicht zu den Universitäten in Genf und Paris mit ihrer -freieren religiösen Bewegung errichtet hatte, so dass ein Buchbinder -auch hier auf Erwerb rechnen durfte. Der Friede zu Gent, 1576, schien -den religiösen Wirren ein Ende machen zu -<span class='pagenum'><a id='Page_230' name='Page_230' href='#Page_230'>[230]</a></span> -wollen; als sich jedoch die -wallonischen Provinzen 1579 wieder unter das Joch Spaniens begaben, -zogen die Protestanten, unter diesen Elzevier, wieder aus, letzterer -nach Leyden, damals, nächst Amsterdam, die volkreichste Stadt Hollands, -wo der Handel blühte und die von Wilhelm von Oranien begründete -Universität einen raschen Aufschwung nahm. -</p> - -<div class="sidenote">Ludwig Elzevier<br />in Leyden.</div> - -<p> -Elzevier fand, als er 1580 mit seinen fünf Söhnen und einer Tochter -Marie nach Leyden kam, eine Stütze bei den vielen emigrierten -Landsleuten. Im übrigen kann er nicht ganz ohne Mittel gewesen -sein, denn er erwarb bald zwei Häuser, von denen das eine auf der -„Rapenburg“, in der Nähe der Universität gelegen war. Dass er für -letztere beschäftigt war, beweisen viele Rechnungen. Die günstige Lage -im Zentrum der Gelehrsamkeit veranlasste ihn den Buchhandel anzufangen, -der bald einen ziemlichen Umfang genommen haben muss, wie man aus einem -unerfreulichen Zusammenstoss mit Plantin erfährt. Elzevier war diesem -für gelieferte Bücher 1270 Gulden schuldig und musste 1583 vor Gericht -erklären, dass Plantin berechtigt sei, sich an seine beiden Häuser zu -halten, wenn Zahlung in den übereingekommenen Terminen nicht erfolgen -würde. -</p> - -<div class="sidenote">Elzevier wird<br />Pedell.</div> - -<p> -Elzevier hatte Gelegenheit gehabt, verschiedene bibliopolische -Erwerbungen für die Universität in einer für diese vorteilhaften Weise -zu machen, was auch Anerkennung fand, so dass er am 30. September 1586 -zum Pedell mit 72 Gulden Gehalt ernannt wurde. Noch mehr sollte ihm -aber die Gunst der Universität in indirekter Weise zustatten kommen. -Elzevier konnte die oben erwähnten Verbindlichkeiten gegen Plantin -nicht erfüllen und er musste seine Häuser diesem überweisen. In dieser -Not richtete er das Gesuch an den akademischen Senat, auf dem Grund -und Boden der Universität einen Laden errichten zu dürfen, weil es sehr -zum Nachteil der Professoren und Studierenden gereichen würde, wenn er -seinen Laden weit weg von der Universität verlegen müsste. Das Gesuch -Elzeviers wurde zugestanden; bis 1595 besass er den Laden ganz umsonst, -von da ab musste er 75 fl. Miete bezahlen. Dieser Laden war die Wiege -des Glanzes der Elzeviere, jedoch hatte Ludwig noch lange mit Sorgen -zu kämpfen. Erst das Jahr 1594, in welchem er Bürger von Leyden wurde, -scheint den Wendepunkt zum Günstigen gebildet zu haben. -</p> - -<div class="sidenote">Ludwigs Kinder.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_231' name='Page_231' href='#Page_231'>[231]</a></span> -Seinen ältesten Sohn <span class='smcap'>Matthias</span> nahm er um 1590 als Teilnehmer auf, -später den zweitjüngsten <span class='smcap'>Bonaventura</span>; der zweite <span class='smcap'>Ludwig</span> ging als -Buchhändler nach dem Haag, der vierte <span class='smcap'>Justus</span> nach Utrecht. Der dritte -<span class='smcap'>Aegidius</span> erscheint nur vorübergehend in dem Haager Geschäft, seine -übrigen zwei Söhne, Arnold und Adrian, gehören so wenig wie seine zwei -Töchter der Geschichte der Buchdruckerkunst an. -</p> - -<div class="sidenote">Sein Verlag und<br />seine Reisen.</div> - -<p> -Von seinen Verlagswerken erschien das erste 1592; nach 1594 folgten -sie in ununterbrochener Reihe. 1595 wendete er zum ersten male das -Insigne an: den Adler auf einer Säule, in den Klauen das Bündel mit -sieben Pfeilen haltend und mit der Umschrift: <em class="kursiv">Concordia res parvæ -crescunt</em>, wie bekannt die Devise der holländischen Republik. Um diese -Zeit fängt auch sein regelmässiger Besuch der Frankfurter Messen an. -Ludwig begriff sehr wohl, dass die Erzeugnisse des Geistes nicht -auf den heimischen Markt sich beschränken konnten und suchte den -ausländischen Markt auf. Er selbst war viel gereist und liess auch -seinen Sohn Bonaventura noch jung auf Reisen gehen. Seit 1601 besuchte -er regelmässig zweimal jährlich die Frankfurter Messe, wo er ein -besonderes Depot hatte, ohne sich durch die damals mit solchen Reisen -verbundenen vielen Mühseligkeiten und Gefahren abhalten zu lassen. Als -die Buchmesse sich mehr und mehr nach Leipzig zog, folgte Elzevier dem -Strom doch nicht, sondern fuhr fort, Frankfurt zu besuchen, wo er fast -das Monopol für Versorgung Deutschlands mit ausländischer Litteratur -hatte. Mit Paris unterhielt er ebenfalls regelmässige Verbindungen, -obwohl der Verkehr dort mancherlei Beschränkungen unterworfen war. -</p> - -<p> -Der Umfang seiner Geschäfte und das Zutrauen der Autoren zu ihm -stiegen fortwährend. Nicht wenige der letzteren übergaben ihm ihre -Werke in vielen Exemplaren zum Debit. Wenn deshalb sein Name öfters in -Verbindung mit dem eines anderen Verlegers auf einem Titel vorkommt, -so ist daraus nicht zu schliessen, dass es sich um eine Association -handelte, sondern, dass ein Verleger ihm den Debit eines Werkes für das -Ausland übertragen hatte. -</p> - -<div class="sidenote">Geschäftliche<br />Manipulation.</div> - -<p> -Bei seiner grossen Thätigkeit im Vertrieb war er nicht immer gar zu -wählerisch in den Mitteln. Er kaufte öfters liegengebliebene Auflagen -und versah sie, unter Benutzung seiner Firma, mit neuen -<span class='pagenum'><a id='Page_232' name='Page_232' href='#Page_232'>[232]</a></span> -Titeln; manchmal wurden einige Seiten neu angedruckt oder zwei Bände in einen -verbunden, und dann solche als neue Ausgaben versandt. Kurz, es wurden -verschiedene, auch noch heute im Buchhandel übliche Mittel angewendet, -die man nicht gerade als Unrecht bezeichnet, die aber doch auch -nicht zu den ganz soliden zählen. Dass sein persönlicher Charakter -ein ehrenwerter war, dafür sprechen das grosse Zutrauen und die -Auszeichnung, welche ihm von den Gelehrten, seinen Geschäftsfreunden -und seinen Mitbürgern entgegengetragen wurden. -</p> - -<p> -So war der Name Elzevier, noch ohne Hinzutreten des Elements, welches -seinen eigentümlichen Ruhm begründen sollte, der Typographie, ein sehr -gut renommierter geworden. Ludwig selbst sollte eine Buchdruckerei -nicht besitzen, wohl aber erleben, dass sein Enkel Isaack, zweiter Sohn -des Matthias, eine solche (1616) erwarb. Noch konnte man nicht auf den -künftigen typographischen Ruhm schliessen, und die Werke, die Ludwig in -den verschiedenen Offizinen ausführen liess, zeichneten sich in Nichts -vor hundert anderen aus, wenn man auch später, als der Nimbus das -Haus umgab, oft versucht hat, einen besonderen Wert herauszufinden, wo -keiner vorhanden war. -</p> - -<div class="sidenote">Ende Ludwigs.</div> - -<p> -Ludwig näherte sich dem Ende seiner Laufbahn, auf die er mit -Befriedigung zurückschauen konnte. Der unbekannte Handwerker war ein -durch Europa angesehener Mann geworden. Vier Söhne hatten den Beruf -des Vaters ergriffen; ein Enkel übte die Buchdruckerei; sie konnten -sich in ihrer Wirksamkeit gegenseitig stützen und ergänzen. Sein neues -Vaterland war in seiner Freiheit anerkannt, es war ihm beschieden, auch -seinen religiösen Überzeugungen sich ruhig hingeben zu können. -</p> - -<p> -Doch sollten seine letzten Tage noch in peinlicher Weise eine Störung -erleiden. Ludwig hatte erlangt, dass sein Sohn Matthias 1607 ihm -als Vicepedell adjungiert wurde. Am 11. Nov. 1616 wurde ein Teil der -Universitätsgebäude vom Feuer zerstört und die Untersuchungsrichter -gaben der Nachlässigkeit der Pedelle allein die Schuld. Matthias wurde -seines Amtes enthoben; über Ludwig wurde der Beschluss noch nicht -gefasst. Die Möglichkeit ist wohl nicht ausgeschlossen, dass dies -Ereignis heftig auf ihn eingewirkt hat; Thatsache ist es, dass er -gleich zu Anfang des Februar -<span class='pagenum'><a id='Page_233' name='Page_233' href='#Page_233'>[233]</a></span> -1617 starb und am 4. Febr. neben seiner -Frau, die ihm schon vor drei Jahren im Tode vorangegangen war, begraben -wurde. Übrigens wurde Matthias in demselben Jahre wieder in sein Amt -eingesetzt, das er bis zu seinem Tode behielt. 1636 war ihm das Recht -zugestanden, sich durch seinen Schwiegersohn, Peter Caron, vertreten zu -lassen. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Ludwigs Söhne.</div> - -<p> -Nach dem Tode des Vaters übernahmen der älteste Sohn <span class='smcap'>Matthias</span> und -der vorletzte <span class='smcap'>Bonaventura</span> das Leydener Geschäft, jedoch bereits am 3. -Septbr. 1622 übertrug der erstere seinen Anteil auf seinen ältesten -Sohn <span class='smcap'>Abraham</span>. -</p> - -<p> -Der zweite Sohn Ludwigs, <span class='smcap'>Ludwig ii.</span>, wahrscheinlich 1566 geboren, ging -1590 als Buchhändler nach dem Haag. Seinen Laden hatte er in einem -grossen Saal des Palais der Generalstaaten, vorzugsweise <em class="kursiv">de Zaal</em> -genannt, an dessen Wänden Buchhändlerstände ringsum eingerichtet waren. -Mit einer kurzen Unterbrechung in den Jahren 1598-99 stand er an der -Spitze des Haager Etablissements, welches keine grosse Bedeutung hatte, -und nur eine ganz geringe Verlagsthätigkeit entwickelte. Ludwig <span class='smcap'>ii.</span> -starb wahrscheinlich 1621. Das Geschäft erwarb Bonaventura und übergab -es wieder in demselben Jahre an Jacob Elzevier, den dritten Sohn des -Matthias. Jacob zog sich 1636 zurück, ging in Staatsdienst über und -siedelte sich schliesslich in Gensingen im Kurpfälzischen an. Das -Haager Geschäft blieb als Filiale bei dem Leydener. Von dem dritten -Bruder <span class='smcap'>Aegidius</span> weiss man nur, dass er in der Abwesenheit Ludwigs -eine kurze Zeit das Haager Geschäft besorgte. Er starb als Kaufmann in -Leyden 1651. -</p> - -<p> -Der vierte Bruder <span class='smcap'>Justus</span> (geb. 1575) erhielt in Utrecht das Bürgerrecht -als Buchhändler. Von seinen vier Kindern war das älteste, <span class='smcap'>Ludwig iii.</span>, -der später so berühmte Gründer des Amsterdamer Hauses. Sein Todesjahr -ist nicht bekannt. Ein Enkel von ihm, <span class='smcap'>Peter</span>, trieb kurze Zeit den -Buchhandel in Utrecht und verschwand 1675 von der geschäftlichen Bühne. -Der fünfte Sohn wurde Landschaftsmaler, der siebente, Adrian, trat in -die Dienste der Ostindischen Compagnie und wurde 1609 von den Wilden -auf den Bandainseln ermordet. -</p> - -<p> -Bevor wir an die weitere Geschichte des Stammhauses in Leyden unter -Bonaventuras und Abrahams Leitung gehen, müssen -<span class='pagenum'><a id='Page_234' name='Page_234' href='#Page_234'>[234]</a></span> -wir der Thätigkeit -des zweiten Sohnes des Matthias, des Buchdruckers Isaack, gedenken, -die fast ihr Ende erreicht hatte, als die zuerstgenannten die ihre -begannen. -</p> - -<div class="sidenote">Isaack, Ludwigs<br />Enkel.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Isaack</span> war am 11. Mai 1596 in Leyden geboren. Am 14. Febr. 1616 -verheiratete er sich mit Jaquemine Symons van Swieten, einer Waise, -und wurde wahrscheinlich durch ihr Vermögen in die Lage versetzt, eine -Druckerei erwerben zu können, denn seine grossen für den Grossvater -ausgeführten Druckwerke datieren aus dem Jahre 1617. Isaack fuhr fort -vorzugsweise für Matthias und Bonaventura, später für Bonaventura und -Abraham zu drucken. Es finden sich auch Druckwerke vor, die keine -andere Firma als die Isaacks tragen, doch lässt sich daraus nicht -schliessen, dass er als Verleger und Konkurrent seiner Verwandten -aufgetreten wäre, sondern nur, dass solche Werke im Selbstverlage der -Autoren erschienen sind. -</p> - -<div class="sidenote">Isaack,<br />Universitäts-<br />Buchdrucker.</div> - -<p> -Am 9. Febr. 1620 erhielt Isaack die Stellung als akademischer -Buchdrucker, in der die Familie bis zu ihrem Ende 1712 blieb. Gleich -bei der Begründung der Universität Leyden war der Beschluss gefasst, -einen gelehrten, namhaften und erfahrenen Mann zum akademischen -Buchhändler und Buchdrucker zu ernennen. Die Wahl fiel auf Wilhelm -Sylvius, der in Antwerpen mit dem Titel königl. Buchdrucker etabliert -war (1579), Sylvius starb bereits 1580. Sein Nachfolger war der -berühmte Christoph Plantin (1584), der Antwerpen verlassen hatte, -jedoch bald wieder nach dort zurückkehrte. Seine Offizin und sein Amt -gingen auf seinen gelehrten Schwiegersohn, Franz von Rapheling, über; -das Amt erbte nach dessen Tode (20. Juli 1597) der Sohn Christoph, der -ihn jedoch nicht vier Jahre überlebte. Der Senat erwählte nun (1602) -Johann Paedts (<em class="kursiv">Patius</em>) zu seinem Nachfolger. Er starb 1620 und das -Amt wurde auf Isaack Elzevier übertragen. Als Universitätsbuchdrucker -war er verpflichtet, eine und eine halbe Presse für den Druck der -kleinen Universitäts-Schriften zur Disposition zu halten. Er hatte für -gute Korrektur und dafür zu haften, dass keine willkürlichen Änderungen -gemacht wurden; die Besorgung der Bücher zur Frankfurter Messe übernahm -er zu festgesetzten Bedingungen. Jährlich erhielt er eine Entschädigung -von 50 Gulden. -</p> - -<div class="sidenote">Die Druckerei.</div> - -<p> -Das Universitätsgebäude lag, und liegt noch, in einer breiten, -von einem Kanal, dessen Ufer mit grossen Bäumen bepflanzt waren, -<span class='pagenum'><a id='Page_235' name='Page_235' href='#Page_235'>[235]</a></span> -durchzogenen Strasse, der „Rapenburg“. Das Gebäude war früher ein -Nonnenkloster gewesen, die Seitenfront kehrte es nach der Strasse, -daneben lief eine Mauer, in welcher sich der Eingang zu dem -Universitätshof und dem botanischen Garten befand. Das angrenzende Haus -hatte Matthias, Isaacks Vater, am 26. Aug. 1608 gekauft. Als Isaack -nun Universitätsbuchdrucker geworden war, teilte er dem Senat mit, -dass er bereit sei, das Haus seines Vaters zu beziehen, wenn man ihm -gestatten wollte, längs seinem Hause in dem unbenutzten Winkel des -Universitätshofes, der dem Ganzen keineswegs zur Zierde gereichte, -ein Atelier anzubauen. Es würde dies eine sehr grosse Annehmlichkeit -für die Professoren und die Studierenden sein. Man fand den Vorschlag -annehmbar und gestattete Isaack ein Gebäude von 14 Fuss Tiefe, -bestehend in einem Parterre mit einem hohen Dach, zu errichten. Der -Eingang für seine Arbeiter sollte jedoch durch sein Haus sein, und das -Hofthor nur für die Besucher der Universität dienen. Auch hinsichtlich -der Anbringung der Fenster wurden ihm verschiedene Beschränkungen -auferlegt. In diesem bescheidenen Lokal, das jetzt verschwunden ist, -blieb die Druckerei bis zu ihrem Aufhören. -</p> - -<div class="sidenote">Isaack erwirbt die<br />Offizin Erpenius.</div> - -<p> -Die Massregel der Universität, Isaack zu ihrem Buchdrucker zu ernennen, -war gewiss eine glückliche, denn durch die Ausführung schwieriger -Arbeiten, unter welchen namentlich das <em class="kursiv">Theatrum geographiæ veteris</em> in -Folio, für Rechnung des Buchhändlers J. Hondius, besondere Erwähnung -verdient, hatte er sich bereits einen guten Namen erworben, und -sich auch in anderer Weise, durch den Ankauf der Buchdruckerei des -berühmten Orientalisten Erpenius (Th. van Erpe), klüglich vorbereitet. -Nicht damit zufrieden, die orientalischen Sprachen zu lehren und -Werke herauszugeben, hatte Erpenius eine Druckerei in seinem Hause -eingerichtet, die er selbst überwachte. Nach seinem plötzlichen Tod an -der Pest am 13. Nov. 1624 legte die Universität grosses Gewicht darauf, -seine Druckerei für Leyden zu erhalten. Mit dem seinem Geschlechte -eigenen Geschäfts-Instinkt war Isaack den Wünschen der Universität -bereits zuvorgekommen, und hatte alle Stempel, Matrizen und Schriften -des Erpenius erworben. -</p> - -<div class="sidenote">Druckerzeichen.</div> - -<p> -Als Druckerzeichen nahm Isaack eine Ulme an, die von einem Rebstock -voll Trauben umschlungen wird, daneben steht ein Einsiedler; -<span class='pagenum'><a id='Page_236' name='Page_236' href='#Page_236'>[236]</a></span> -die Devise lautet: <em class="kursiv">non solus</em>. Der Baum mit dem Rebstock deutet dasselbe an, was -das Bund mit den Pfeilen ausdrücken will. Dies Druckerzeichen wurde -bis 1712 benutzt. Ein anderes, von Isaack verwendetes: ein Palmbaum -mit der Umschrift <em class="kursiv">Assurgo pressa</em>, war ursprünglich das Insigne des -Erpenius. Im übrigen bedienten sich Isaack sowohl als auch Bonaventura -und Abraham mitunter der Marke des Vaters. -</p> - -<div class="sidenote">Isaack giebt das<br />Geschäft auf.</div> - -<p> -Trotz des günstigen Fortgangs des Geschäfts fasste jedoch Isaack den -Entschluss, dasselbe aufzugeben, angeblich aus Besorgnis um die Folgen -des langwierigen Krieges in Deutschland. Durch Vertrag vom 24. Dez. -1625 übergab er die Offizin mit 5 Pressen und 1 Kupferdruckpresse, 10 -000 Kilo Schriften, Stempeln, Matern etc. seinem Bruder Bonaventura -und seinem Neffen Abraham für die Summe von 9000 Gulden, und 2000 -Gulden für das Lokal. Im Februar 1626 legte er auch sein Amt nieder -und verliess in den letzten Tagen des Jahres Leyden, trat in den -Marinedienst und hatte 1632 Kapitänsrang. 1648 finden wir ihn in Delft -in Association mit seinen zwei jüngsten Söhnen, um eine Brauerei zu -betreiben. Er starb in Köln am 8. Okt. 1651. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Bonaventura und<br />Abraham.</div> - -<p> -Wir kehren nun zu dem Stammgeschäft zurück. <span class='smcap'>Bonaventura</span>, wahrscheinlich -so nach dem berühmten Gelehrten Bonaventura Vulcanus (de Smidt) aus -Brügge genannt, war 1583 in Leyden geboren. Sein Vater liess ihn -zeitig Geschäftsreisen machen. <span class='smcap'>Abraham</span>, in Leyden am 14. April 1592 -geboren, war an Stelle seines Vaters eingetreten. Er hatte in Leyden -studiert und sich bei seinem Bruder Isaack mit der Typographie vertraut -gemacht. Am 21. Mai 1621 heiratete er Katharina van Waesberghe, Tochter -des Admiralitätsbuchdruckers in Rotterdam, und kam dadurch in eine -unabhängige Stellung, sodass er sich als Buchhändler etablieren konnte. -Ein Glück für Bonaventura war es, nachdem 1625 die Druckerei Isaacks -ihm noch zugefallen war, einen Mitarbeiter gefunden zu haben, der sich -namentlich der Buchdruckerei widmete. -</p> - -<p> -In demselben Jahre heiratete Bonaventura Sahra van Keulen, Tochter des -berühmten Gelehrten Daniel Colonius, für ihn ein doppelter Vorteil, -indem er nicht nur in eine sehr angesehene Familie eintrat, sondern -auch in nähere Verbindung mit einer -<span class='pagenum'><a id='Page_237' name='Page_237' href='#Page_237'>[237]</a></span> -grossen Anzahl der bedeutendsten -Gelehrten trat, die sich nun vorzugsweise der Pressen der Elzeviere -bedienten. -</p> - -<p> -Dass unter den obwaltenden Verhältnissen die Stellung als -Universitätsbuchdrucker den Elzeviers nicht entgehen konnte, ist fast -selbstverständlich. Man gewährte ihnen das Recht, die alte Lokalität -innezubehalten, und bewilligte ihnen ein jährliches Gehalt von 100 fl., -das auf 200 und später auf 300 fl. erhöht wurde. -</p> - -<div class="sidenote">Der Glanz des<br />Hauses.</div> - -<p> -Die nun folgenden 26 Jahre waren die des grössten Glanzes des Hauses. -Das Streben der Associés war von Beginn ab darauf gerichtet, sich -von dem Alltäglichen zu emanzipieren und ihren Erzeugnissen mehr -und mehr den Stempel der Vollkommenheit aufzudrücken. Schon ihre -ersten Druckwerke übertrafen die Isaacks, und jedes Jahr zeigt einen -Fortschritt, sei es in der Schrift, in der Ornamentierung, oder in -dem Druck. Schritt für Schritt kann man diese Elzeviere auf ihrem Wege -zur Vollendung verfolgen, bis sie, nach zehn Jahren, Meisterwerke wie -ihren Cäsar, Terenz und Plinius v. J. 1635 hervorzubringen imstande -waren. Ihnen verdankt man die Initiative zu allen den Unternehmungen, -welche den Namen Elzevier zu einem unsterblichen in der Geschichte -der Buchdruckerkunst und des Buchhandels gemacht haben. Im Jahre 1625 -begannen sie die Sammlung der kleinen „Republiken“, für welche sie -ein Privilegium vom 15. Mai 1626 erhielten. 1629 weihten sie die Reihe -der lateinischen Klassiker in dem berühmten Duodez durch den Horaz und -den Ovid ein; 1641 die Kollektion der renommiertesten Schriften einer -neueren Zeit mit dem Cid; die Sammlung französischer Klassiker mit -Régnier 1642. Daneben folgten aber auch Bücher in grösserem Formate, -darunter verschiedene orientalische Werke. -</p> - -<div class="sidenote">Die kleinen Aus-<br />gaben.</div> - -<p> -Ihren Hauptruhm bilden jedoch die Duodezausgaben der Klassiker zu -billigen Preisen. Zwar waren solche kleinere Ausgaben nicht ohne -Vorbild, wir erinnern nur an die „Aldinen“, im allgemeinen war man -jedoch bei den grossen Formaten geblieben, bis mit den Elzevieren die -Ausnahme Regel wurde. Die Bändchen, von den berühmtesten Kritikern -und Kommentatoren der Zeit besorgt, nahmen im Sturm das Publikum für -sich ein. Das Oktavformat blieb nur für die Ausgaben mit vielen Noten -und Varianten. Durch den billigen Preis von 1 fl. als Mittelpreis für -einen Band von -<span class='pagenum'><a id='Page_238' name='Page_238' href='#Page_238'>[238]</a></span> -etwa 500 Seiten steigerte sich der Absatz enorm. Die -Durchschnittsgrösse der Auflagen ist nicht bekannt, sie muss aber eine -bedeutende gewesen sein. -</p> - -<p> -Übrigens fehlte es nicht an Stimmen, die diese handlichen Bändchen als -eine Herabwürdigung der Gelehrsamkeit bezeichneten und als eine rein -kaufmännische Manipulation verdammten. Trotzdem suchten die Gelehrten -eine Ehre darin, dass ihre Werke den Kollektionen einverleibt wurden. -Ja, selbst Autoren, deren Schriften von den Elzevieren nachgedruckt -waren, schrieben ihnen verbindliche Briefe auf Grund der auf den -Nachdruck verwendeten Sorgfalt. Das Format wurde in ganz Holland und -Belgien <em class="kursiv">standard</em> und auch von mehren Pariser Buchhändlern angenommen. -Bald bemächtigte auch die Sammelwut sich der kleinen Bändchen. Noch -vor Ablauf des Jahrhunderts wurde von Liebhabern berichtet, die sich -das Allernotwendigste versagten, um eine komplette Elzeviersammlung zu -besitzen. -</p> - -<div class="sidenote">Papier und Kor-<br />rektur.</div> - -<p> -Mit der Beschaffung des Papiers scheinen die Elzeviere manchmal Not -gehabt zu haben. Öfters wenden sie französisches an, das jedoch schon -in Frankreich auf Grund der dortigen Abgaben sehr teuer zu stehen kam, -wie viel mehr also im Auslande. Während des Krieges mit Frankreich -war die Einfuhr von Papier ganz verboten und die Elzeviere bezogen -grosse Massen aus Deutschland, klagen jedoch öfters, dass dieses oder -jenes Werk nicht recht gefördert werden könne, weil das in Frankfurt -bestellte Papier nicht angekommen sei. -</p> - -<p> -In Betreff der Korrektheit der Elzevier-Ausgaben sind von einander -abweichende Stimmen laut geworden. Viele loben dieselbe sehr, viele -tadeln derb die Inkorrektheit. Der Grund ist nicht schwer zu finden. -Die Elzeviere waren nicht, wie die Aldi, Stephane, oder wie Badius, -Morel, Oporin begeisterte Gelehrte, die im Interesse der Wissenschaft -Typographen geworden waren und einen Hauptteil der litterarischen -Arbeit auf sich nahmen; sie waren praktisch-tüchtige Geschäftsleute, -welche die Typographie hochhielten, aber nicht in der Lage waren, -durch ihre persönlichen Kenntnisse zur Förderung der Wissenschaft -beizutragen. Man darf sich nicht von ihrem Titel „akademischer -Buchdrucker“ oder von den gutgeschriebenen lateinischen Anreden in -ihren Verlagswerken irreleiten -<span class='pagenum'><a id='Page_239' name='Page_239' href='#Page_239'>[239]</a></span> -lassen; letztere sind Arbeiten ihrer -litterarischen Freunde, namentlich des Dan. Heinsius. Sie gaben sich -alle Mühe, für gute Korrektoren zu sorgen, diese waren aber selten; -oft mussten sie sich deshalb in Betreff der Korrektur auf die Verfasser -selbst verlassen, die bekanntlich selten diese Arbeit in befriedigender -Weise üben. So giebt es neben sehr gut korrigierten Ausgaben der -Elzeviere auch fehlerreiche. Im allgemeinen sind ihre lateinischen -Klassiker sorgsam korrigiert, der Virgil von 1676 gilt sogar als -ein nicht leicht zu erreichendes Muster, auch ihre französischen und -italienischen Ausgaben, obwohl Nachdrucke, waren öfters weit korrekter -als die Originale. Viele bekannte Namen fanden sich unter ihren -Korrektoren nicht vor, berühmte gar nicht. -</p> - -<div class="sidenote">Das ausländische<br />Geschäft.</div> - -<p> -Als eine Eigentümlichkeit der Elzevierischen Geschäftsorganisation -wurde schon der ausgedehnte ausländische Vertrieb erwähnt, der bereits -von Ludwig begonnen und sowohl (seit 1630) von dem Leydener als später -von dem Amsterdamer Haus in System gebracht wurde. -</p> - -<p> -Die meisten Glieder der Familie begannen ihre Thätigkeit mit dieser -Branche. Selbst nach seiner Association mit Matthias und Abraham setzte -Bonaventura seine Reisen fort; doch nötigten ihn später die steigenden -Geschäfte, diesen Teil der Arbeit dem Neffen, Ludwig, zu überlassen, -bis dieser sich 1638 in Amsterdam etablierte. Er wurde von Johann, dem -ältesten Sohn Abrahams, dieser wieder von Daniel, Bonaventuras Sohn, -abgelöst. -</p> - -<p> -Als letzterer später dem Geschäft Ludwigs in Amsterdam beitrat, setzte -er seine Reisen für dieses fort. -</p> - -<p> -Über die Depots in Frankfurt, Italien und Paris wurde schon oben -gesprochen. Eine grosse Bedeutung hatte die Verbindung mit den -skandinavischen Ländern. Kopenhagen, der Hauptsitz der Litteratur -im Norden, war gewohnt, sich in Frankfurt zu versorgen. Als jedoch -der Verkehr im 30jährigen Krieg immer schwieriger wurde, hielten -die Holländer mit ihrem merkantilen Genie es für angebracht, die -litterarische Versorgung des Nordens zu übernehmen. Der erste, der -den Versuch machte, war der Buchhändler Johann Jansson aus Amsterdam -und der Erfolg war ein so glänzender, dass die dänischen Buchhändler -bittre Beschwerden über die Eindringlinge führten. Eine Merkwürdigkeit -war, dass der Buchhandel -<span class='pagenum'><a id='Page_240' name='Page_240' href='#Page_240'>[240]</a></span> -dort in den Kirchen betrieben wurde, was -erst aufhörte, als Christian <span class='smcap'>iv.</span> die prachtvolle Börse baute, in deren -erstem Stock eine Menge Detail-Läden, namentlich für den Buchhandel, -sich befanden. Hier mieteten Jansson und die Elzeviere Lokale. Ihr -Handel muss ein sehr bedeutender gewesen sein, denn sie liessen -besondere Kataloge drucken, von welchen einer auf uns gekommen ist: -<em class="kursiv">Catalogus omnium librorum, qui hoc tempore in officina Elzeviriana -prostant. Hafniæ 1642.</em> Man sieht, es handelt sich um eine vollständige -Filiale. Wer sie dirigierte, ist nicht bekannt; die Elzeviere selbst -besuchten jedoch oft Kopenhagen. Nicht weniger gut als dort waren sie -in Schweden angeschrieben, und die für die Wissenschaften eingenommene -Königin Christine machte ihnen vorteilhafte Anerbietungen, um sie zu -bestimmen, ein Haus dort zu gründen. Sie lehnten es ab, dagegen kamen -die Verhandlungen mit Joh. Jansson zustande, der 1647 das Privilegium, -eine Druckerei anzulegen, erhielt (vgl. S. 157). -</p> - -<div class="sidenote">Eigenschaften der<br />Associés. -<hr class="sidenote" /> -Daniel Heinsius.</div> - -<p> -Zu dem Glanze des Leydener Hauses trug jeder der Associés bei. -Bonaventura leitete mit grossem Geschick den bibliopolischen -und kaufmännischen Teil des Geschäfts, wozu ihn eine sorgfältige -Vorbereitung geeignet machte. Mit ihm verhandelten gewöhnlich die -Gelehrten und die Kunden. Abraham besorgte mit gleicher Sorgfalt und -grosser Hingebung das typographische Departement. Eine gute Hülfe -hatten sie in Ludwig <span class='smcap'>ii.</span>, bis dieser selbst sich etablierte. Eine -ganz wesentliche Stütze für das buchhändlerische Geschäft war der -berühmte Gelehrte Daniel Heinsius, der so eigentlich die Seele der -litterarischen Produktion war. Heinsius war 1580 in Genf geboren. In -Leyden war er der bevorzugte Schüler von Jos. Scaliger und später -von dessen Nachfolger. Er war ein Universalgenie, in allen Fächern -des Wissens zuhause, zugleich ein Dichter von gutem Geschmack. Ganz -natürlich, dass ein solcher Mann einen Verleger im Guten sowohl wie im -Bösen vollständig beherrschen konnte. In beiderlei Hinsicht übte er -auf die Elzeviere, speziell auf Bonaventura, einen grossen Einfluss. -Ihm verdanken sie den Besitz einer Reihe der besten Verlagswerke, bei -deren Herausgabe er ihnen zuhilfe kam, indem er die Einleitungen und -Dedikationen, mit welchen die Verleger ihre Werke begleiteten, schrieb. -Er war jedoch eine streitsüchtige, egoistische Natur und hielt die -<span class='pagenum'><a id='Page_241' name='Page_241' href='#Page_241'>[241]</a></span> -Elzeviere von denjenigen Gelehrten ab, die bei ihm nicht in Gunst -standen. -</p> - -<div class="sidenote">Tod Abrahams<br />u. Bonaventuras.</div> - -<p> -Bonaventura selbst zeigt sich auch nicht durchweg als liebenswürdiger -Charakter, namentlich scheint er von einem mitunter hässlichen Geiz -beherrscht gewesen zu sein. Nichtsdestoweniger suchte man gern -eine Verbindung mit den Elzevieren und rühmte ihre Genauigkeit, -Pünktlichkeit und ihren Eifer, sowie ihr warmes Interesse für ihren -Beruf, dem sie einen förmlichen Kultus erwiesen. Liebenswürdiger als -Bonaventura dürfte Abraham gewesen sein, Wenigstens spricht für seine -Beliebtheit, dass die Universität nach seinem Tode, am 14. Aug. 1652, -ihm zu Ehren eine goldene Medaille prägen liess, eine Auszeichnung, mit -der sie sehr sparsam war. Dagegen geschah nichts zu Ehren Bonaventuras, -als dieser einen Monat später, am 17. Septbr. 1652, verschied. -</p> - -<p> -Die Auszeichnung Abrahams fällt um so mehr auf, als schon 1649 -Differenzen mit der Universität auf Grund der von den Elzevieren -angesetzten Preise entstanden waren. Es kam sogar in Frage, ihnen die -Emolumente zu entziehen, während sie ihrerseits auf Erhöhung derselben -antrugen. Bei dem Tode Abrahams und Bonaventuras war noch nichts -entschieden, doch muss ein Ausgleich stattgefunden haben, denn man -bewilligte den Nachfolgern die bisherigen Emolumente, und so blieb es -bis zum Erlöschen des Hauses 1712. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Johann und<br />Daniel.</div> - -<p> -Bonaventura vermachte seinem ältesten Sohne Daniel sein Haus auf der -Rapenburg und seinen Anteil an allem, was er in Verbindung mit Abraham -besessen hatte. Ein Gleiches that Abraham in Betreff seines Sohnes -Johann. -</p> - -<p> -<span class='smcap'>Johann</span>, der älteste Sohn Abrahams aus seiner Ehe mit Katharine van -Waesberge, war das einzige von dessen Kindern, welches der väterlichen -Laufbahn folgte. Er war zu Leyden im Febr. 1622 geboren; 1638 wurde -er, 16 Jahre alt, nach Paris gesandt, wohl weniger um sich in der -Typographie, als im Französischen zu vervollkommnen und um neue -Verbindungen anzuknüpfen oder die alten zu pflegen. Schon 1643 ist er -wieder dort, zum Vertrieb von Büchern; 1641 ging er nach Dänemark; 1644 -wieder nach Paris. -<span class='pagenum'><a id='Page_242' name='Page_242' href='#Page_242'>[242]</a></span> -1647 heiratete er Eva van Alphen aus Leyden; 1649 -etablierte er sich im Hause des Grossvaters Bonaventura. -</p> - -<p> -<span class='smcap'>Daniel</span>, der älteste Sohn Bonaventuras und der Sarah van Keulen, war im -Aug. 1626 in Leyden geboren. Aus seiner Jugendzeit wissen wir nur, dass -er 1645 nach Paris ging, um seine Ausbildung zu vollenden. Dort blieb -er gegen drittehalb Jahre, um dann in Leyden zu studieren, dabei nahm -er jedoch an den Geschäften teil. -</p> - -<div class="sidenote">Trennung<br />Daniels von<br />Johann.</div> - -<p> -Es war eine schwere Last, welche auf den Schultern der jungen Männer -ruhte. Sie begannen jedoch guten Mutes ihr Werk. Ihre Ausgaben der -Nachfolge Christi und des Psalters von 1653 gehören zu den besten -Erzeugnissen der Elzeviere. Aber die Aussichten für die Zukunft -waren weniger freundlich, als bisher. Gleichzeitig mit den Vätern -war eine grosse Zahl der gelehrten Freunde und Ratgeber von der Bühne -abgetreten; die Universität befand sich in einer Krisis; die Zeiten -waren vorbei, wo die Arbeiten ihrer Professoren die gelehrte Welt in -Bewegung setzten, sie genügten nicht mehr, um einer Druckerei eine -Fülle von Arbeit und Ehre zu bringen. Dabei war das Verhältnis der -jungen Männer zu der Universität ein nicht ganz ungestörtes. Es fehlte -ihnen noch an der nötigen Erfahrung und Autorität, um glücklich über -alle Klippen wegzukommen, Eigenschaften, die dagegen der Amsterdamer -Ludwig in hohem Grad besass. Diejenigen berühmten Gelehrten, die durch -Heinsius den Leydener Elzevieren entfremdet worden waren, näherten sich -Ludwig; selbst Leydener Gelehrte suchten die Verbindung mit ihm. Diese -Umstände, dazu Johanns schwankender Charakter werden wohl mitgewirkt -haben, um Daniel zu bestimmen aus dem Geschäft zu treten und sich mit -seinem Vetter Ludwig in Amsterdam zu verbinden. Ein weiterer Grund mag -wohl auch seine Heirat mit Anna Bierninck, Enkelin von seinem Onkel -Justus und Nichte und Mündel Ludwigs, gewesen sein. Er trennte sich -nach zwei und einem halben Jahre von Johann. -</p> - -<hr /> - -<p> -Wir werden nun <span class='smcap'>Ludwigs</span> und <span class='smcap'>Daniels</span> Schicksale in Amsterdam -verfolgen, um dann zu dem Leydener Geschäft und dessen traurigem Ende -zurückzukehren. -</p> - -<div class="sidenote">Ludwig <span class='smcap'>iii.</span> und<br />das Amsterdamer<br />Haus.</div> - -<p> -Der Gründer des Amsterdamer Geschäfts, Ludwig <span class='smcap'>iii.</span>, ältester der -vier Söhne des Justus, war 1604 in Utrecht geboren. -<span class='pagenum'><a id='Page_243' name='Page_243' href='#Page_243'>[243]</a></span> -Früh vaterlos, wurde er, um zu studieren, nach Leyden gesandt, wo er bei seinem -Onkel Matthias wohnte und Gelegenheit fand, sich mit Buchhandel und -Typographie bekannt zu machen. Durch seine vielen Reisen kreuz und quer -durch Europa hatte er sich vortrefflich für ein eigenes Etablissement -vorbereitet. Er war 33 Jahr alt geworden; Aussichten auf eine -selbständige Stellung in dem Leydener Geschäft waren nicht vorhanden; -Konkurrenz wollte er demselben nicht machen. Er wählte deshalb -Amsterdam zum Schauplatz seiner Thätigkeit. Wennauch vorzugsweise -Handelsstadt, war Amsterdam doch durch seine gelehrten Gesellschaften -bekannt, und besass eine Art von Universität in seinem neu errichteten -Athenäum, welches schon berühmte Lehrer zu den Seinigen zählte. Die -Leydener Verwandten hatten nichts gegen das Etablissement einzuwenden, -sie hofften sogar Vorteile durch energische Verbreitung ihrer Artikel -seitens Ludwigs zu erreichen und druckten auch anfänglich mehrere Werke -für ihn. -</p> - -<div class="sidenote">Aufblühen des<br />Hauses.</div> - -<p> -Jedoch Ludwig war der Mann, um ganz auf eigenen Füssen zu stehen. Kaum -etabliert, suchte er die Verbindung mit dem berühmten Hugo Grotius, -der als schwedischer Gesandter in Paris lebte. Ohne Freigeist zu sein, -hatte Ludwig auf seinen Reisen doch in religiösen Angelegenheiten einen -freieren Blick erworben, als seine Leydener Verwandten, die eine grosse -Strenggläubigkeit entweder wirklich besassen, oder durch die Verbindung -mit der Universität zu zeigen gehalten waren. Er war so recht geeignet, -als Verleger die unabhängigen Geister um sich zu versammeln. Er zählte -sogar zur katholischen Kirche übergetretene zu seinen litterarischen -Freunden, ohne dass dies ihn verhinderte, Schriften zu verlegen, -welche die Katholiken wenig schonten. Seit 1642 druckte er alle Werke -des Cartesius, was auf die volle Unabhängigkeit seines Charakters -deutet, denn man weiss, welche heftigen Angriffe der Autor seitens der -holländischen Theologen auszustehen hatte, sodass es in Leyden sogar -verpönt war, den Namen Cartesius zu nennen. Auch die Werke der Schüler -und Anhänger desselben gab Ludwig heraus, ebenso die Schriften der -französischen Jansenisten. -</p> - -<p> -Jedenfalls lag es gleich von Beginn ab in Ludwigs Absicht, eine -Druckerei anzulegen. Im Jahre 1640 besass er eine solche, wennauch -<span class='pagenum'><a id='Page_244' name='Page_244' href='#Page_244'>[244]</a></span> -nach einem beschränkten Massstabe, denn seine Mittel waren nicht -bedeutend. Er liess sowohl bei seinen Verwandten, wie bei anderen -Kollegen, namentlich bei Fr. Hackius in Leyden drucken, der von allen -Buchdruckern den Elzevieren am nächsten stand, um so mehr als ein Sohn -des Hauses Hackius, Cornelius, mit Margaretha Elzevier, Schwester von -dem in Utrecht als Buchhändler etablierten Peter und Nichte Ludwigs, -verheiratet war. -</p> - -<p> -Es dauerte nicht lange, so stand das Amsterdamer Geschäft dem Leydener -gleich. Von 1640-45 kamen 219 Verlagsartikel heraus. Die Geschäfte -wuchsen so rasch, dass es Ludwig nicht immer möglich war, die nötige -Ordnung und Pünktlichkeit zu zeigen; er sah sich deshalb nach Hülfe -um. So wurde die Association mit Daniel am 1. Mai 1655 abgeschlossen. -Bei dieser Gelegenheit gingen eine Menge Verlagsartikel des Leydener -Geschäfts auf Daniel über und von dieser Zeit an begannen auch die -Amsterdamer Pressen, die berühmten Duodeze zu reproduzieren, auf -welche das Leydener Geschäft bis jetzt faktisch das Monopol gehabt -hatte. Die Zahl der von Ludwig und Daniel, während eines neunjährigen -Zusammenwirkens, herausgegebenen Werke beträgt gegen 150; auch der -Anfang ihres Hauptwerkes, der grossen Bibel von Desmarest, stammt aus -dieser Zeit. -</p> - -<div class="sidenote">Druckerzeichen.</div> - -<p> -Als Zeichen bedienten sie sich der Minerva mit der Aegide, dem Ölzweig -und der Eule und mit der Devise <em class="kursiv">Ne extra oleos</em>. Der Gedanke der -Devise ist dem Wettrennen der Alten entlehnt, bei welchem das Ziel -durch eine Reihe von Ölbäumen bezeichnet war. Die Warnung: „nicht über -die Ölbäume hinaus“, heisst also soviel als: „Halte dich innerhalb der -richtigen Grenzen, und schiesse nicht über das Ziel hinaus“. -</p> - -<div class="sidenote">Geschäftslokal.</div> - -<p> -Das Geschäftslokal war „<em class="kursiv">opt Water</em> in den <em class="kursiv">Olm-boom</em>“. Diese -Bezeichnung „Auf dem Wasser“ hatte ein Hauptquai in Amsterdam, wo -vorzugsweise die Lokale der Buchhändler und Buchdrucker sich befanden. -Die Elzeviere bewohnten dort nach und nach verschiedene Häuser; wenn -sie nichtsdestoweniger als „in der Ulme“ wohnhaft fort firmierten, so -ist dies durch die Sitte erklärlich, die Häuser nicht nur nach den, -von dem Besitzer über den Thorweg in Stein gehauenen Emblemen, sondern -auch nach den beweglichen Schildern der gewerbetreibenden Bewohner zu -bezeichnen. -</p> - -<div class="sidenote">Ludwigs Tod.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_245' name='Page_245' href='#Page_245'>[245]</a></span> -Im Jahre 1664 zog sich Ludwig zurück, und lebte auf seinem schönen -Landsitz, welchen er halbwegs zwischen Amsterdam und Utrecht besass. -Sein Name findet sich fernerhin nur auf der Bibel Desmarests, welche -1669 in 2 Bdn. in Folio vollendet wurde. Sie war bei dem Ausscheiden -Ludwigs Gegenstand eines besonderen Übereinkommens unter den Associés -geblieben. Ludwig starb 1670 in Leyden, infolge eines Beinbruchs. -</p> - -<p> -In allen Angelegenheiten der Familie war Ludwig stets als das Oberhaupt -betrachtet worden, und er hatte gesucht, ihr Interesse, wo er konnte, -wahrzunehmen. Seine Rechtschaffenheit und Einsicht wurden überall -anerkannt. In seinem Testament zeigt er sich als einen durchaus noblen -Mann, sowohl gegen Andere, als auch gegen seinen Associé. Es sollten -alle Rechnungen mit ihm ohne irgend eine Revision geordnet werden. Es -war ihm freigestellt, die Artikel zu den Druck- und Papierkosten ohne -Zinsen und sonstige Lasten zu übernehmen, und die daraus entstehende -Schuld erst in langen Terminen unter 4% Verzinsung zu zahlen. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Daniels weitere<br />Wirksamkeit.</div> - -<p> -Die Weiterführung des ausgedehnten und vielseitigen Geschäfts war -für Daniel mit seinen alleinigen Kräften eine schwere Aufgabe, wozu -die grösste Energie notwendig war. Hierzu kamen noch ungünstige -Zeitverhältnisse. Kurz nach der Übernahme brach der Krieg mit England -aus, der zwei Jahre (1665-67) mit wechselndem Kriegsglück, aber unter -fortwährender Hemmung der Geschäfte, dauerte. Daniel nahm deshalb -Jakob Zetter in sein Geschäft, der den buchhändlerischen Teil sehr -gut leitete. 1669 fesselte er den jungen <span class='smcap'>Heinr. Wetstein</span>, der bestimmt -war, selbst einen bedeutenden Platz in der niederländischen Typographie -einzunehmen, an sich. Wetstein war 1649 in Basel geboren, wo sein Vater -Professor der griechischen Litteratur war. Er hatte eine vortreffliche -wissenschaftliche Erziehung genossen, aber sein Trieb zur Typographie -war ein unwiderstehlicher. Am besten glaubte er seinen Zweck in -Holland zu erreichen, trat daher mit seinem 20. Jahre bei Daniel in -die Lehre und blieb 7 Jahre bei ihm. 1676 verheiratete sich Wetstein -und etablierte sich dann als Buchhändler. Er war mit Zetter zusammen -dem Hause Elzevier von grossem Nutzen. Daniels Buchhandlung hatte -vorher nur aus Verlags- oder Kommissionsartikeln -<span class='pagenum'><a id='Page_246' name='Page_246' href='#Page_246'>[246]</a></span> -bestanden; jetzt fügte -Wetstein ein vollständiges Sortiment neuer und alter Bücher hinzu. 1674 -gab Daniel, durch Wetstein unterstützt, seinen grossen Lagerkatalog, -über 20000 Werke enthaltend, heraus. -</p> - -<p> -In den Jahren 1667-1672 wurden über 100 neue Werke gedruckt, daneben -die grosse Bibel fortgesetzt. Daniel sammelte, als letzter der -bedeutenden Elzeviere, die ganze Ehre des Namens auf sich und wurde -als einer der Buchdrucker <em class="kursiv">majorum gentium</em> betrachtet. Als im Jahre -1672 ein grosser Brand einen bedeutenden Teil des Blaeuschen Geschäfts -vernichtete und Blaeu in Verlegenheiten kam, kaufte Daniel eine Anzahl -von dessen Verlagsartikeln. Auch von Hackius machte er bedeutende -Erwerbungen. -</p> - -<p> -Trotz der schweren Zeiten hat man sich also Daniel nicht als mutlos -geworden zu denken, und noch in den Jahren 1675-1680 verliessen 90 -Verlagswerke, unter welchen sich einige seiner bedeutendsten Leistungen -befinden, seine Pressen. -</p> - -<div class="sidenote">Daniels Tod.</div> - -<p> -Da überraschte ihn der Tod mitten unter den Vorbereitungen zu einer -Menge neuer grossartiger Unternehmungen. Am 13. Oktbr. 1680 unterlag er -dem wiederholten Anfall eines heftigen Fiebers, wie solche in Amsterdam -nicht selten auftreten. -</p> - -<div class="sidenote">Die Elzevier-<br />schriften.</div> - -<p> -Die Verhältnisse waren schwer zu beherrschen. Zwar beabsichtigte -die Witwe das Geschäft fortzusetzen, sah aber bald die Notwendigkeit -einer Beschränkung ein. Zuerst kam die Reihe an die Schriftgiesserei, -bei welcher Gelegenheit ein Licht über die Entstehung der -Elzevier-Schriften geworfen wird. Es gelang dem Herrn Alfons Willems, -im Plantinschen Museum in Antwerpen ein Schreiben von der Witwe Daniels -an die Witwe des Balthazar Moretus aufzufinden, in welchem erstere den -Plantins ihre Schriftgiesserei anbietet, mit 27 Sorten von Stempeln -und 50 Sorten Matern „<em class="kursiv">gemaekt wesende bij Christoffel van Dyck, de -beste meester van sijnen en onsen tijdt, en bij gevolge de beroemste -gieterije, die ooyt ist geweesi</em>“. Beigefügt ist eine Schriftprobe, -ein einzelnes Blatt in Plakatformat, mit der Überschrift: „<em class="kursiv">Proeven -van Letteren die gesneden ziin door Wylen Christoffel van Dyck, soo -als de selve verkoft sullen werden ten huyse van de Weduwe Wylen Daniel -Elsevier, op't Water by the Papenbrugh, in den Olmboom, op Woensdagh, -den 5 Martii 1681</em>“. -</p> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_247' name='Page_247' href='#Page_247'>[247]</a></span> -Zwar ist nur die Rede von den Typen der Amsterdamer, aber es ist -nicht anzunehmen, dass diese nur Plagiate der Leydener gewesen. Es -würde die Witwe Daniels kaum gewagt haben von van Dyck als von dem -ersten Schriftschneider seiner Zeit zu sprechen, wenn er nur ein -Plagiator gewesen<a name='FA_117' id='FA_117' href='#FN_117' class='fnanchor'>[7]</a>. Früher hat man die Schriften der Elzeviere -dem Claude Garamond oder den Sanleques zugeschrieben. Garamond war -jedoch bereits 1561 gestorben, auch zeigen seine Schriften einen -abweichenden Charakter. Eher stimmen die Elzevier-Schriften mit denen -Sanleques überein, der ein Zeit- und Religionsgenosse der Elzeviere -war, so dass die Vermutung, die Schriften stammten von diesem, mehr -Wahrscheinlichkeit hatte. -</p> - -<div class="sidenote">Schicksale der<br />Elzevier-<br />schriften.</div> - -<p> -Das Plantinsche Haus nahm das Anerbieten der Witwe Elzevier nicht -an, und die Schriftgiesserei ging nunmehr durch Kauf an Jean Bos im -Hause <span class='smcap'>Joseph Athias</span> über. Letzterer war ein spanischer Jude, der ein -bedeutendes typographisches Etablissement in Amsterdam besass. Er war -namentlich bekannt als Drucker einer Anzahl von Bibeln in fremden -Sprachen, ganz besonders ist seine hebräische Bibel berühmt, für -welche ebenfalls Christoff van Dyck die Schriften geschnitten hatte, -die noch jetzt unter die schönsten hebräischen Schriften zählen. -Als Belohnung für diese Arbeit erhielt Athias von den Staaten von -Holland und Westfriesland eine goldene Medaille an goldener Kette zu -tragen, eine Auszeichnung, die noch keinem Israeliten zuteil geworden -war. Vielleicht hat Athias seine Dankbarkeit gegen van Dyck, durch -Ankauf des ganzen Komplexes seiner Schriften, zeigen wollen. Sein -Etablissement ging in die Hände von <span class='smcap'>J. J. Schepper</span> über, später an -den Schriftgiesser <span class='smcap'>Johann Roman</span>, der die oben erwähnten Proben genau -mit allen Fehlern als Proben seiner Giesserei druckte. Diese kam 1767 -an die Brüder <span class='smcap'>Ploos van Amstel</span> in Amsterdam und an <span class='smcap'>Johann Enschedé</span> in -Haarlem, die den Fond teilten; später ging das Ganze auf Enschedé über. -Dieser, ein warmer Bewunderer der Leistungen des Schriftschneiders -Fleischmann, legte übrigens, wie es scheint, kein grosses Gewicht auf -die Schriften von van Dyck. -</p> - -<div class="sidenote">Auflösung des<br />Amsterdamer<br />Geschäfts.</div> - -<p> -Die Verhältnisse bei dem Tode der Witwe Daniels im Mai 1681 machten -alle Gedanken an eine wennauch beschränktere Fortführung -<span class='pagenum'><a id='Page_248' name='Page_248' href='#Page_248'>[248]</a></span> -des Geschäfts zunichte. Die Erbschaft konnte von den Beauftragten der neun Kinder -Daniels nur <em class="kursiv">cum beneficio inventarii</em> angetreten werden. Die -Liquidation fiel jedoch über alle Erwartung günstig aus und erzielte -nach heutigem Geldwerte eine Summe von etwa einer viertel Million -Mark. Die Amsterdamer Verleger hatten sich längst auf diesen Augenblick -gerüstet und kauften mit Begierde die berühmten Verlagsartikel. -</p> - -<p> -So verblieb nur die Erinnerung an das angesehene Elzeviersche Haus in -Amsterdam. Doch nicht allein der Glanz desselben wurde mit Daniel zu -Grabe getragen, auch der hohe Ruhm der niederländischen Typographie im -allgemeinen war dahin. Fast gleichzeitig mit Daniel schieden fast alle -die grossen holländischen Buchdrucker, welche die letzte Hälfte des -<span class='smcap'>xvii.</span> Jahrhunderts mit ihrem Ruhm erfüllt hatten. Zwar erstanden aufs -neue tüchtige Männer, welche die typographische Fahne hochhielten, aber -die Kette war gebrochen, und es gelang nicht, die Glieder wieder zu -einem Ganzen zu vereinigen. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Ende d. Leydener<br />Hauses.</div> - -<p> -Wir haben nun noch den letzten Blick, der keine Freude gewährt, dem -Leydener Hause zuzuwenden. -</p> - -<p> -Daniels Austritt war ein schwerer Schlag, indes verlor <span class='smcap'>Johann</span> den -Mut nicht. Da er keinen Associé hatte, suchte er helfende Kräfte zu -gewinnen, und es scheint ihm dies durch das Engagement <span class='smcap'>Karl Gerstekorns</span> -gelungen zu sein. Wenn unter den schwierigen Verhältnissen Johann den -Senat um Erlaubnis ersuchte, die Offizin baulich erweitern zu dürfen, -so ist dies, wenn es damit überhaupt Ernst war, nur in der Weise zu -erklären, dass er sich auf die Druckerei allein hat beschränken und -diese mit aller Kraft hat betreiben wollen. Wenigstens mässigt er -seine Verlagsthätigkeit sehr und sucht sein Lager durch Auktionen zu -erleichtern. Es gehören immerhin einige seiner Leistungen dieser Zeit, -als: <em class="kursiv">de Brebeuf, Pharsalus</em> und <em class="kursiv">P. le Moyne, Gallerie des femmes -fortes</em>, zu den besten seiner Pressen. -</p> - -<p> -Johann starb, ohne einen Plan für die Zukunft des Geschäfts gelegt -zu haben, am 8. Juni 1661, erst 39 Jahre alt. Seine Witwe entschloss -sich, die Geschäfte fortzuführen, und erhielt auch die Bestätigung -des Verhältnisses zur Universität. Durch Auktionen in den -<span class='pagenum'><a id='Page_249' name='Page_249' href='#Page_249'>[249]</a></span> -Jahren 1659, 1660 und 1661 entledigte sie sich des Leydener Lagers und der Haager -Vorräte. Mit Ausnahme der Fortführung der grossen holländischen Bibel, -die schon während Daniels Zeit angefangen und bei der er beteiligt -geblieben war, scheint sie eigenes Verlegen ganz unterlassen zu haben. -So ging das Geschäft nach und nach zurück. 1681 übergab sie es dem -zweiten Sohne Abraham <span class='smcap'>ii.</span>, und starb 1695. -</p> - -<p> -<span class='smcap'>Abraham</span>, am 5. April 1653 geboren, hatte in Leyden studiert und 1679 -den Doktorgrad erworben. 1695 wurde er Schöffe zu Leyden. Unter seiner -Misswirtschaft verfiel die Druckerei vollständig. Als nach seinem am -30. Juli 1712 erfolgten Tode das Geschäft verkauft wurde, war der Erlös -noch nicht 2000 Fl. — <em class="kursiv">Sic transit gloria mundi.</em> -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Die Nachahmer<br />der Elzeviere.</div> - -<p> -Es konnte nicht anders sein, als dass der grosse Erfolg der -Elzevierschen Duodezausgaben auch andere Buchdrucker innerhalb und -ausserhalb der Grenzen der Niederlande zur Nachahmung anstachelte. Es -dauerte nicht volle zehn Jahre nach den ersten Ausgaben seitens der -Elzeviere, bis eine Überschwemmung mit Nachahmungen derselben eintrat, -die oft die Vignetten und anderes Beiwerk so genau wiedergaben, dass -die Entscheidung, ob ein Buch wirklich den Elzevieren gehörte oder -nicht, manchmal eine sehr schwierige war. -</p> - -<p> -Nach der Druckerei der Elzeviere war in Leyden die bedeutendste die -von <span class='smcap'>Franz Hackius</span>, die viel für die erstgenannte druckte, und eine sehr -leistungsfähige Offizin war. Um die Mitte des <span class='smcap'>xvii.</span> Jahrhunderts gab es -in Leyden überhaupt 9 Druckereien mit 23 Pressen, darunter keine mit -mehr als vier. In Amsterdam waren die Druckereien nicht so zahlreich, -aber sehr tüchtig. Von den <span class='smcap'>Blaeu</span> hörten wir bereits. <span class='smcap'>Johann Jansson</span>, -der nicht dieser Familie angehörte, druckte von 1618-1664 und war -besonders als Nachdrucker bekannt. Fand ein Werk eines ausländischen -oder auch eines holländischen Kollegen Beifall, so war Jansson schnell -mit einem Nachdruck bei der Hand. Er hatte, wie schon erwähnt, eine -Filiale in Kopenhagen und errichtete eine Druckerei in Stockholm. -Nachdem <span class='smcap'>Johann van Waesberge</span> eine Tochter Janssons geheiratet hatte, -fügte letzterer den Namen des Schwiegersohns dem seinigen -<span class='pagenum'><a id='Page_250' name='Page_250' href='#Page_250'>[250]</a></span> -bei. Nach Janssons Tod associierte sich Waesberge erst mit seinem Schwager -<span class='smcap'>Elisäus Weyerstraten</span> (1664-1667), später mit dessen Witwe. Von 1669 ab -bis zu seinem Tode 1681 druckte er allein<a name='FA_118' id='FA_118' href='#FN_118' class='fnanchor'>[8]</a>. -</p> - -<p> -Zu den talentvollsten Nachahmern der Elzeviere gehören auch die -Brüsseler Buchdrucker <span class='smcap'>François Foppens</span> (gest. 1684) und <span class='smcap'>Eugène Henry -Frix</span> (gest. um 1715). -</p> - -<p> -Ein sehr geschätzter Buchdrucker, Buchhändler, Kartenstecher und -Geograph war <span class='smcap'>P. van der Aa</span> (gest. 1730). Sein grösstes Werk, eine -Weltgalerie, umfasst 66 Bände. Die berühmte Familie <span class='smcap'>Wetstein</span> wurde -schon früher erwähnt. -</p> - -<div class="sidenote">Die Schrift-<br />giesserei.</div> - -<p> -Nach dem Erlöschen der Familie der Elzeviere ist die der <span class='smcap'>Enschedé</span> -die bekannteste, namentlich ist ihre Geschichte mit der der -<span class='smcap'>Schriftgiesserei</span> in Holland auf das engste verknüpft. -</p> - -<p> -Es wurde schon früher erwähnt, dass Paffroed in Deventer<a name='FA_119' id='FA_119' href='#FN_119' class='fnanchor'>[9]</a> für -damalige Zeit sehr schöne nationale Schriften geliefert hatte. Von da -an jedoch machte in den Niederlanden der Schnitt der gothischen Schrift -nur sehr langsam Fortschritte. Dürers litterarische Arbeiten waren -durch seine Reise in den Niederlanden populär und von Joh. Jansson in -Amsterdam sowohl lateinisch als auch (1606) deutsch mit Frakturschrift -gedruckt worden. Die Fraktur fand bei den Schriftgiessern Aufnahme und -<span class='smcap'>Dirk Voskens</span> z. B. lieferte sie in 14 Graden mit den entsprechenden -Schwabacher Schriften. Wahrscheinlich geschah dies mit auf Antrieb -Philipps von Zesen, der sich um die Mitte des <span class='smcap'>xvii.</span> Jahrhunderts in -Amsterdam aufhielt und eine Anzahl eigener und übersetzter Werke dort -und in Leyden herausgab. Auch verschiedene der grossen illustrierten -Reisebeschreibungen wurden mit deutscher Schrift gedruckt. Es dauerte -jedoch nicht lange, so wurde sie ganz durch die Antiqua und die -Schreibschriften nach französischem Duktus verdrängt. -</p> - -<p> -Die Antiqua erreichte jedoch im allgemeinen nicht die Schönheit -der Vorbilder. Sie ist in der Regel sehr schmal geschnitten und eng -zugerichtet, hauptsächlich auf Betrieb der holländischen Nachdrucker, -die viel Ware für das Geld bieten mussten. -<span class='pagenum'><a id='Page_251' name='Page_251' href='#Page_251'>[251]</a></span> -<span class='smcap'>Ament Tavernier</span> in Antwerpen -führte 1558 die, dem Granjon in Lyon nachgebildete Schreibschrift -<em class="kursiv">Civilité</em> ein, deren sich Wilh. Sylvius zuerst bediente. Auch Plantin -druckte ein Buch mit dieser Schrift, die bis in das <span class='smcap'>xviii.</span> Jahrhundert -benutzt wurde. Die <em class="kursiv">Ronde</em> wurde ebenfalls als Werkschrift verwendet; -daneben hielt sich die <em class="kursiv">Coulé</em>, von <span class='smcap'>J. F. Rossart</span> und <span class='smcap'>J. M. Fleischmann</span> -geschnitten. -</p> - -<div class="sidenote">Isaak Enschedé.</div> - -<p> -Der Stammvater der Enschedés <span class='smcap'>Isaak</span> ward 1681 in Haarlem geboren und -gehörte einer in Gröningen angesessenen Buchdruckerfamilie an. Um 1703 -eröffnete er eine Buchdruckerei in Haarlem und druckte 1727 im Verein -mit seinem Sohne <span class='smcap'>Johannes</span> eine Bibel in Folio nach dem neuen Verfahren -von van der Mey und Müller. -</p> - -<p> -Ob dies Verfahren wirklich dasselbe gewesen ist, welches wir jetzt als -Stereotypie bezeichnen, blieb langezeit zweifelhaft. <span class='smcap'>J. van der Mey</span> -stellte zu Anfang des <span class='smcap'>xviii.</span> Jahrh. mit Unterstützung des deutschen -Predigers <span class='smcap'>Johann Müller</span> in Leyden (gest. 1710), der von vielen für -den eigentlichen Erfinder gehalten wird, mehrere „stereotypierte“ -Werke. Die ersten Versuche haben sich wohl auf zusammengelötete -Schrift beschränkt, später scheint es jedoch, als habe man eine -wirkliche Stereotypie erfunden, denn unter den zu dem Caxton-Jubiläum -in London 1877 ausgestellt gewesenen Gegenständen befanden sich auch -vier auf Holz genagelte Platten Meys und Müllers<a name='FA_1110' id='FA_1110' href='#FN_1110' class='fnanchor'>[10]</a>. Die Firma S. & -E. Luchtmanns in Leyden, für deren ersten Inhaber Samuel Luchtmanns -mehrere solche stereotypierte Werke hergestellt waren, drückt sich in -einem Schreiben vom 24. Juni 1801 an A. Renouard in Paris ebensowenig -wie der Baron van Weestreenen van Tiellandt in seinem, im Auftrag -der niederländischen Regierung abgefassten Bericht recht klar über -das Technische aus<a name='FA_1111' id='FA_1111' href='#FN_1111' class='fnanchor'>[11]</a>. Eine Bibel in 4° und eine in Folio; ein Neues -Testament englisch und eins griechisch in 18°; ein syrisches Wörterbuch -wurden stereotypiert, dann ward es wieder still von der Erfindung. -</p> - -<div class="sidenote">Johannes En-<br />schedé.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_252' name='Page_252' href='#Page_252'>[252]</a></span> -Isaak Enschedés Sohn <span class='smcap'>Johannes</span> fing schon als Knabe an, Schriften in -Holz zu schneiden, und erwarb sich durch fortgesetzte praktische -Arbeiten einen sichern Blick, der ihn zu einer Autorität in der -Beurteilung xylographischer und typographischer Erstlingsdrucke -machte. Sein langes Leben (er starb 1781) teilte er zwischen -Wissenschaft und Praxis. Er vermehrte die schon von seinem Vater -gegründete ausgezeichnete Bibliothek mit den grössten typographischen -Seltenheiten. Das Ideal seines Strebens war, ein Hauptwerk über die -Erfindung der Buchdruckerkunst zu schreiben, wobei seine Sammlungen -ihm als Unterlage dienen sollten. Leider kam er aber damit nicht einmal -so weit, wie Breitkopf mit seiner ähnlichen Arbeit, und wir haben von -ihm nur eine Skizze über die Schriftgiesserei in den Niederlanden. Er -entdeckte Fragmente eines Donat und eines Horariums, welches letztere -von den Holländern als das erste Druckwerk Kosters mit beweglichen -Typen angesehen wird. Sein Sohn <span class='smcap'>Dr. Johannes Enschedé</span> war noch mehr -Gelehrter als Buchdrucker; er stand in freundschaftlichem Verkehr -mit den berühmten Philologen Valckenaer und Ruhnken und vermehrte die -seltene typographische Büchersammlung. -</p> - -<p> -Durch die Vereinigung der wissenschaftlichen Bildung mit den -praktischen Kenntnissen haben die Chefs ihrer, noch heute fortblühenden -Buchdruckerei und Schriftgiesserei das eigentümliche Doppelgepräge -eines Geschäfts und einer historischen Sammlung aufgedrückt. Sie stehen -in dieser Hinsicht einzig in ihrer Art da, indem es hier gelungen ist, -beinahe alle Originalschriften aus der Blütezeit der Buchdruckerei -in Holland zu sammeln. Es bleibt unter diesen Umständen um so mehr -zu bedauern, dass die prachtvolle Bibliothek im Jahre 1867 durch -Versteigerung zerstreut wurde. Sie würde in Verbindung mit den seltenen -Schätzen der Giesserei und der Druckerei eine würdige Vervollständigung -des Plantinschen Museums abgegeben haben. -</p> - -<div class="sidenote">Schriftgiesserei<br />der Enschedés.</div> - -<p> -Johannes Enschedé wurde 1743 Schriftgiesser, indem er die bekannte -Giesserei von Hendrik Floris Wetstein kaufte. Die Stempel für diese -Giesserei hatte zumteil der berühmte Stempelschneider Johann Michael -Fleischmann geschnitten, der im November 1701 geboren war und am 11. -Mai 1768 in Amsterdam starb. Fleischmann fuhr fort, für Enschedés -Geschäft zu schneiden, das ausserdem durch -<span class='pagenum'><a id='Page_253' name='Page_253' href='#Page_253'>[253]</a></span> -die wertvollen Arbeiten -Johann Franz Rossarts, geb. zu Namur 1714, gest. zu Brüssel am 26. -Mai 1777, vermehrt wurde. Während das Geschäft in dieser Weise durch -die besten Künstler der Zeit bereichert wurde, erhielt es seinen -historischen Wert durch Erwerbung einer bedeutenden Anzahl älterer -Schriftgiessereien ersten und zweiten Ranges. So wurde die Giesserei -der Blaeu annektiert, welche am 21. April 1677 in die Hände des -Schriftschneiders <span class='smcap'>Dirk Voskens</span> übergegangen war. Das Geschäft Voskens -wurde von dem Sohne Bartholomäus übernommen, später unter der Firma -Witwe Voskens & Sohn, nachher als Clerk & Voskens fortgeführt und -1780 von Enschedé erworben. Wie die Erwerbung der Elzevierschen -Schriftgiesserei durch Enschedé geschah, ist bereits (S. 247) erzählt. -</p> - -<div class="sidenote"><em class="kursiv">Specimen</em> der<br />Enschedés.</div> - -<p> -Leider gab es eine Zeit, wo man nicht, wie heute, diese Schätze -genügend würdigte, und zu Anfang unseres Jahrhunderts wanderte eine -grosse Masse von Stempeln unter das alte Eisen und die wertvollen -Matern in die Schmelztiegel, so dass von vielen Schriften nur ein -Minimal-Quantum übrig geblieben ist, allenfalls gross genug, um damit -einige kleine Wiederabdrücke für den Liebhaber herstellen zu können. Um -so mehr muss man den Enschedés dankbar sein, dass sie Abdrücke dieser -Schätze, nachdem sie schon mehrere ähnliche Proben gedruckt hatten, in -einem „<em class="kursiv">Specimen de caractères typographiques anciens, qui se trouvent -dans la collection typographique de Joh. Enschedé et fils, imprimeurs -à Harlem</em>“ vereinigten<a name='FA_1112' id='FA_1112' href='#FN_1112' class='fnanchor'>[12]</a>, denn diese Probe enthält nur solche -Schriften, von welchen die Stempel und Matern nicht mehr existieren, -sie führt uns somit die ältere Geschichte der Schriftgiesserei in -Holland vor Augen und wir müssen deshalb bei ihr verweilen. Den Anfang -machen die grossen Kapitalbuchstaben, überschrieben <em class="kursiv">chalcographia -sive typi aenei et matrices plumbeæ</em>. Diese Schriften rühren aus der -Zeit Albrecht Dürers her und tragen die Spuren seines Einflusses: die -Stempel waren aus Kupfer, die Matrizen aus Blei, wie in der ersten Zeit -der Buchdruckerkunst. Auf 12 Grade Antiqua-Versal, 8 Grade Cursiv, -12 Grade schattierte und verzierte Antiqua und 3 Grade schattierte -Cursiv folgen die Antiqua- und Cursiv-Buchschriften in -<span class='pagenum'><a id='Page_254' name='Page_254' href='#Page_254'>[254]</a></span> -breiterem und -schmälerem Schnitt, von der groben Canon bis abwärts zur <em class="kursiv">Non plus -ultra</em>. -</p> - -<p> -Darauf folgen die berühmten holländisch-gothischen Schriften -(<em class="kursiv">Flamand</em>), ebenfalls von der groben Canon bis <em class="kursiv">Non plus ultra</em>, -in einer Reinheit des Schnittes und einer Schärfe des Gusses, als -wären sie heute aus den Händen des Schriftschneiders und des Giessers -gekommen. -</p> - -<p> -Was von den gothischen Schriften gilt, lässt sich auch auf die -Fleischmannschen Musiknoten anwenden, welche Veranlassung zu einer -heftigen Polemik mit Breitkopf gaben. Höchst interessant ist eine -Reihe von zwanzig Schreibschriften (<em class="kursiv">Coulé</em>), unter ihnen die von -Fleischmann, „<em class="kursiv">den grootsten en konstigsten Letter-Stempelschnyder, die -'er ooit in de Wæreld geweest is, en mogelyk komen zal</em>“, welche er -1768 vollendete. Dann folgt die merkwürdige, sehr sauber und korrekt -ausgeführte <em class="kursiv">Civilité</em>, die ihren Namen von einem im 15. Jahrhundert -in Paris erschienenen Büchlein: „<em class="kursiv">La civilité puérile et honnête</em>“ -hat. Nach diesen schönen, im besten Stil ausgeführten Schriften bildet -allerdings die <em class="kursiv">Ecriture Allemande</em> keinen besonders günstigen Schluss, -so wenig wie eine sehr magere, abscheulich geschnittene <em class="kursiv">Cicero -Allemande</em>, die einzige Frakturschrift in der Probe, einen schönen -Übergang zu zwei alten gothischen Schriften, die zwischen 1470-1480 -geschnitten sind. -</p> - -<div class='footnotes'> - -<div class='footnote' id='FN_111'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_111'>[1]</a></span> <span class='smcap'>C. Ruelens</span> et <span class='smcap'>A. de Backer</span>, <em class="kursiv">Annales Plantiniennes</em>. Paris -1866. — <span class='smcap'>M. Rooses</span>, <em class="kursiv">Plantijn an de Plantijnsche Drukerey</em>. Brüssel -1877. — <span class='smcap'>Léon. Degeorge</span>, <em class="kursiv">La maison Plantin à Anvers</em>. 2. Aufl. Brüssel -1878. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_112'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_112'>[2]</a></span> <span class='smcap'>G. Outhuis</span>, <em class="kursiv">Geschiedkundig Verslag der voornamste -uitgaven van de Biblia polyglotta</em>. Franecker 1822. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_113'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_113'>[3]</a></span> Eine ganz ausführliche bibliographische Beschreibung der -Polyglotte befindet sich in <span class='smcap'>C. Ruelens</span> et <span class='smcap'>A. de Bacher</span>, <em class="kursiv">Annales</em> S. -128 u. f. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_114'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_114'>[4]</a></span> Abgebildet auf der Schlussseite von Ruelens, <em class="kursiv">Annales</em>. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_115'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_115'>[5]</a></span> <span class='smcap'>P. J. H. Baudet</span>, <em class="kursiv">Leven en Werken van W. J. Bläu</em>. Utrecht -1871. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_116'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_116'>[6]</a></span> <span class='smcap'>Ch. Pieters</span>, <em class="kursiv">Annales de l'impr. elzevirienne</em>. 2. Ausg. -Gent 1858. — <span class='smcap'>A. de Reume</span>, <em class="kursiv">Recherches historiques</em>. Brüssel 1847. — -<span class='smcap'>Minzloff</span>, <em class="kursiv">Les Elzevir etc. de St. Pétersbourg</em>. 1862. — <span class='smcap'>Ch. Fr. Walther</span>, -<em class="kursiv">Les Elzevir etc. de St. Petersbourg</em>. 1864. Ein Hauptwerk ist: -<span class='smcap'>Alphonse Willems</span>, <em class="kursiv">Les Elzevir. Histoire et annales typographiques.</em> -Brüssel 1880. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_117'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_117'>[7]</a></span> Über die Schriften van Dycks vergleiche auch „<em class="kursiv">Specimen de -J. Enschedé & fils</em>“. Haarlem 1867. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_118'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_118'>[8]</a></span> <span class='smcap'>A. M. Ledeboer</span>, <em class="kursiv">Het geslagt van Waesberghe</em>. 2. Ausg. -Haag 1869. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_119'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_119'>[9]</a></span> Seite 68. Durch ein Versehen ist dort die Silbe „roed“ aus -dem Namen „Paffroed“ ausgefallen. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_1110'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_1110'>[10]</a></span> <em class="kursiv">Caxton Celebration 1877. Preleminary issue. Class M. -Sect. II.</em> (Seite 395) 4652: <em class="kursiv">Original casts of various pages made in -the years 1700-1726 in the printing office of Messrs Luchtmans & Co. -by the process invented by Rev. Muller, of Leiden. Lent by Messrs G. J. -Brill.</em> Zu wünschen wäre es gewesen, dass die Platten nicht aufgenagelt -worden. Die Rückseiten derselben könnten möglicherweise noch einige -nähere Aufschlüsse gegeben haben. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_1111'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_1111'>[11]</a></span> <em class="kursiv">Rapport sur les recherches, relatives à l'invention et à -l'usage le plus ancien de l'imprimerie stéréotype etc.</em> Haag 1813. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_1112'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_1112'>[12]</a></span> Eine Anzahl dieser Schriften ging in den Besitz von -Karl Tauchnitz in Leipzig über und befindet sich jetzt in der dortigen -Offizin W. Drugulin. -</div> -</div> - -<div class="center clrboth"> - <img src="images/pg_254_deco.jpg" - style="margin-bottom:5em;" - alt="Kapitel-Ende" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<div class="center clrboth pgbreak"> - <img src="images/pg_255_deco.jpg" - alt="Kapitel-Anfang" /> -</div> - -<h2 class="nobreak" id="h2_27"> -XII. KAPITEL. -<span class="seitnum">[<a href="#toc_27">←</a>]</span> -</h2> -</div> - -<p> -ENGLAND. NORDAMERIKA. -</p> - -<div class="blockquote"> -<p> -Das allmähliche Wachstum der englischen Presse. -Wynkyn de Worde, Richard Pynson, Reynold Wolfe, John -Day, Th. Vautrollier, Th. Roycrofft, Sam. Palmer, -Sam. Richardson. <span class='smcap'>Oxford</span>, -<span class='smcap'>Cambridge</span>. Die schottische und die -irische Presse. Die Stereotypie und Will. Ged. Das Zeitungswesen. Die -Schriftgiesserei. -</p> - -<p> -NORDAMERIKA. Kleine Anfänge der Presse. John Glover, James Franklin, -Benjamin Franklin. Die deutschen Einwanderer und ihre Presse. Christoph -Sauer und seine Nachkommen. -</p> -</div> - -<div class="sidenote">Kämpfe der eng-<br />lischen Presse.</div> - -<p class="hide_x_"> -<span class='pagenum'><a id='Page_255' name='Page_255' href='#Page_255'>[255]</a></span> -<img src="images/pg_255_cap.jpg" alt="D" width="50" class="cap0" /> -<span class="hide">D</span>IE englische Presse, welche später einer Freiheit geniessen und eine -Macht erlangen sollte, um welche der Kontinent das Inselland beneiden -musste, hatte in ihrem Beginn schwere Kämpfe zu bestehen. Bevormundung -mancherlei Art und Privilegien spielen eine grosse Rolle in der -englischen Buchdrucker-Geschichte. So lange der erste Buchdrucker -Caxton noch ohne Rivalen dastand, waren keine Privilegien notwendig, -als aber die Zahl der Buchdrucker wuchs, entstand auch der Wunsch -eines Schutzes. Schon 1504 wird William Fawkes als <em class="kursiv">regius impressor</em> -genannt, d. h. als berechtigt alle Regierungsarbeiten herauszugeben. -Das erste ausschliessliche Privilegium für den Druck eines Buches -wurde an Richard Pynson 1518 erteilt, später mit solchen sehr freigebig -umgegangen. In diesen Privilegien finden sich auch die ersten Spuren -der Anerkennung eines geistigen Eigentumsrechtes, wennauch mehr in dem -materiellen Interesse des Verlegers als dem des Autors. Die Privilegien -<span class='pagenum'><a id='Page_256' name='Page_256' href='#Page_256'>[256]</a></span> -gewährten nicht allein Schutz, sie waren auch eine Art von Empfehlung. -</p> - -<p> -Der Druck „vieler ketzerischer und aufrührerischer“ Bücher war unter -der Regierung der Königin Maria Veranlassung, dass die Buchdrucker, -die, wie in Deutschland, zugleich Buchführer waren, 1556 in der -Genossenschaft <em class="kursiv">Stationers' company</em> vereinigt wurden. Eigentlich -handelte es sich nicht um ein neues Institut, denn schon 1403 -bestand eine Vereinigung von Abschreibern, Rubrikatoren, Briefmalern, -Papiermachern und Manuskriptenhändlern. Die Vorsteher waren für die -einzelnen Mitglieder verantwortlich und nur solche durften Bücher -drucken. Einige Jahre nachher wurde verfügt, dass jeder, der ein Buch -druckte, es in das Register des Vereins eintragen lassen müsse, was ihn -gegen den Nachdruck seitens anderer Mitglieder schützte. -</p> - -<div class="sidenote">Privilegien, Ver-<br />bote und Strafen.</div> - -<p> -Daneben blieben aber königliche Privilegien fortbestehen, die vielfach -an Personen ausserhalb des Vereins erteilt und dann für grosse Summen -an Mitglieder zur Ausnutzung verpachtet wurden. 1559 verordnete die -Königin Elisabeth sogar, dass kein Buch ohne besondere Erlaubnis von -ihr oder den von ihr dazu bevollmächtigten Personen erscheinen durfte. -Dies wurde jedoch nicht allgemein befolgt, weshalb 1566 Konfiskation, -Konzessionsentziehung, Gefängnisstrafen und Bürgschaftsscheine, kurz -der ganze Apparat der Presspolizei-Massregeln eingeführt wurde, welchen -man in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts in Deutschland so gut zu -kopieren verstand. Da aber die Beschwerden immer noch nicht aufhörten, -wurde bestimmt, dass mit Ausnahme der Universitätspressen in Oxford -und Cambridge nur in London gedruckt werden dürfte. Unter Karl <span class='smcap'>i.</span> -wurden auf Antrieb des Erzbischofs Laud 1637 sehr scharfe Verordnungen -gegen den Buchhandel und die Presse erlassen und die Zahl der Londoner -Buchdrucker auf 20 beschränkt, die der Schriftgiessereien auf 4. -Dieselben durften nur je zwei Lehrlinge halten und waren solidarisch -verpflichtet, alle Gehülfen zu beschäftigen, denn kein Gehülfe durfte -feiern. Nur zu dem Abbrechen der Buchstaben war es gestattet, nicht -gelernte Arbeiter zu nehmen. -</p> - -<div class="sidenote">Die Chapel.</div> - -<p> -In den Druckereien bildete das Personal eine sogenannte Kapelle und -der älteste Gehülfe war der Vater der Kapelle. Eine -<span class='pagenum'><a id='Page_257' name='Page_257' href='#Page_257'>[257]</a></span> -Hauptaufgabe derselben war, durch Strafbestimmungen der Kasse vielen Stoff -zuzuführen, so war es z. B. strafbar, seinen Winkelhaken fallen, oder -drei oder mehr Buchstaben auf der Erde liegen zu lassen u. dgl. m. -Die Strafen wechselten von 1-12 Pence; wer widerspenstig war, wurde -über den Korrigiertisch gelegt und bekam zehn Pfund und einen Beutel -dazu, d. i. elf Schläge auf einen gewissen Teil des Körpers. Jeder -Neueintretende musste sein <em class="kursiv">Bienvenue</em> zahlen. Ein sehr beliebtes Spiel -war das Raffeln mit Gevierten. Der, welcher die meisten Signaturen -nach oben warf, war der Gewinner. Jedes Jahr wurden neue Papierfenster -eingesetzt, da musste der Prinzipal eine Stoppelgans mit den nötigen -Flüssigkeiten zum besten geben, bei welcher Gelegenheit man zugleich -die mit der Druckerei Verkehrenden, mit Ausnahme der Korrektoren, -brandschatzte. Die Setzer nannte man nach den Satzschiffen (<em class="kursiv">galleys</em>) -Galeerensklaven. -</p> - -<div class="sidenote">Die Republik.</div> - -<p> -Die Versuche, während der Republik die Bücher dem freien Verkehr zu -übergeben, blieben fruchtlos. 1643 erliess das Parlament eine Akte -zur Unterdrückung der Missbräuche und Unordnungen. Dem Nachdruck trat -man zwar entgegen, sogar der Buchbinder wurde durch das Binden von -Nachdrucken strafbar, dagegen beschränkte man die Presse durch neue -Edikte weiter und das Erscheinen der Bücher ward von einem vorherigen -Erlaubnisschein (<em class="kursiv">license</em>) abhängig gemacht, was Milton zu seiner -berühmten Rede für die Pressfreiheit Veranlassung gab. -</p> - -<div class="sidenote">Wiedereinfüh-<br />rung des König-<br />tums.</div> - -<p> -Die Wiedereinführung des Königtums hatte auch keine grössere Freiheit -im Gefolge und es kam noch 1663 die Anordnung dazu, drei Exemplare -jedes gedruckten Werkes an die Bibliotheken abzuliefern. Erst 1694 -wurden die letzten Restriktivmassregeln gegen die Presse aufgehoben und -von dieser Zeit ab kann man England als im Besitz einer freien Presse -betrachten. -</p> - -<p> -Mit dem ersten Viertel des <span class='smcap'>xviii.</span> Jahrhunderts hatte London 75 -Buchdruckereien, die Provinzen deren 28. In London erschienen an -Zeitungen 3 täglich, 10 dreimal die Woche, 5 einmal wöchentlich. Der -Zeitungsstempel wurde 1712 eingeführt. -</p> - -<div class="sidenote">Das geistige<br />Eigentumsrecht.</div> - -<p> -Mit der Anerkennung des geistigen Eigentums war es auch schlecht genug -bestellt, und das Verlagsrecht wurde eigentlich als ein dem König -gehörendes betrachtet. Erst 1709 wurde das -<span class='pagenum'><a id='Page_258' name='Page_258' href='#Page_258'>[258]</a></span> -Autorrecht auf vierzehn -Jahre garantiert und, wenn der Autor beim Ablauf dieser Frist am Leben -war, auf noch weitere vierzehn Jahre. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Berühmte Buch-<br />drucker.</div> - -<p> -Unter den Ausübern der Buchdruckerkunst in England befanden sich -zwar manche tüchtige Männer und die Kunst machte auch nach ihrer -Einführung durch Caxton rasche Fortschritte; aber von solchen -hervorragenden Familien, wie wir sie in Italien, Frankreich und -Holland kennen gelernt haben, deren Mitglieder gleich bedeutend als -Gelehrte und Kunstjünger waren, hören wir ebensowenig wie von solchen -zeichnenden Künstlern ersten Ranges, wie die, welche eine Reihe von -xylographisch-typographischen Kunstwerken in Deutschland schufen. -Die Vorzüge der Engländer als Buchdrucker treten erst in der spätern -Periode der Kunst, wo die Mechanik eine hervorragende Stelle einnimmt -und die Buchdruckerei sich mehr dem Fabrikbetrieb nähert, in helles -Licht. -</p> - -<p> -Unter den mit Caxton nach England gekommenen Buchdruckern zeichnen sich -namentlich Wynkyn de Worde und Richard Pynson aus. -</p> - -<div class="sidenote">Wynkyn de<br />Worde.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Wynkyn de Worde</span> war in Lothringen geboren und ward Mitarbeiter und -Nachfolger Caxtons, den er als Drucker bedeutend übertrifft. Er -vollendete in dem Caxtonschen Lokal mehrere, von diesem unvollendet -hinterlassene Werke, unter welchen die <em class="kursiv">Canterbury tales</em>. Später, -wahrscheinlich 1499, bezog er die „Goldene Sonne“ in St. Bride, wo er -eine grosse Anzahl, über 400, sehr sorgsam ausgestatteter Werke aus -allen Fächern, namentlich jedoch grammatikalischen Inhalts, ausführte. -Seine Typen sind ganz verschieden von den bis dahin verwendeten und -zeichnen sich durch Schönheit des Gusses und vorzügliche Zurichtung -aus. Wahrscheinlich war Wynkyn de Worde selbst Schriftgiesser, -wenigstens deutet der Umstand, dass seine Schriften sich in den Werken -anderer Druckereien häufig vorfinden, darauf hin. Selbst, wenn es nicht -der Fall wäre, verdient Wynkyn de Worde als einer der bedeutendsten -Typographen seiner Zeit geschätzt zu werden. Ob er oder Pynson die -Antiqua zuerst in England verwendete, lässt sich nicht bestimmt -entscheiden. Eins seiner schönsten Bücher ist der <em class="kursiv">Polychronikon</em> -in Folio, aus d. J. 1495. Er starb hochbetagt 1534, wennauch eine -Ausgabe von „Esop“ aus dem Jahre 1535 noch -<span class='pagenum'><a id='Page_259' name='Page_259' href='#Page_259'>[259]</a></span> -seinen Namen trägt. In -seinem Druckerzeichen verband er das Monogramm Caxtons mit dem eigenen -Namen. Mit seinem früheren Kollegen bei Caxton, jetzigem Rival, Pynson, -verblieb er in dem besten Vernehmen. -</p> - -<div class="sidenote">Richard Pynson.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Richard Pynson</span> stammt wahrscheinlich aus der Normandie. Er stand sehr -in Gunst bei Hofe und wurde von Heinrich <span class='smcap'>viii.</span> zum Hofbuchdrucker -ernannt. Mehr als 200 Werke gingen aus seinen Pressen hervor, sie -waren hauptsächlich mit einer, mutmasslich aus Frankreich bezogenen -Art semigothischer Schrift gedruckt, und reicher illustriert, als die -Druckwerke seiner Vorgänger und Zeitgenossen. Er starb um das Jahr -1529. -</p> - -<div class="sidenote">Julian Notary.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Julian Notary</span> druckte 1498 zusammen mit <span class='smcap'>Jean Barbier</span>, einem Franzosen -und einem der vorzüglichsten Typographen damaliger Zeit. Man kennt aus -ihren Pressen 23 Druckwerke. -</p> - -<div class="sidenote">Richard Grafton. -<hr class="sidenote" /> -Will. Tyndales<br />Bibel.</div> - -<p> -Ein Mann von hervorragender Bedeutung ist <span class='smcap'>Richard Grafton</span>, der -wahrscheinlich während der letzten Lebensjahre Heinrichs <span class='smcap'>viii.</span> geboren -ward und bis in die Regierungszeit der Königin Elisabeth lebte. -Grafton war nicht allein ein bedeutender Geschäftsmann, sondern auch -ein tüchtiger Autor und angesehener Bürger, der mit den Notabilitäten -der Wissenschaft und des Adels in regem Verkehr stand. Sein Name -ist besonders eng mit der Geschichte der Verbreitung der heiligen -Schrift in England verknüpft, welcher hier, wie beinahe überall, viele -Schwierigkeiten in den Weg gelegt wurden, deren Ueberwindung oft mit -wesentlicher Gefahr für Gut und Leben verbunden war. „Wir müssen die -Buchdruckerkunst ausrotten oder sie wird uns ausrotten“, hatte ein -bekannter englischer Geistlicher geäussert, und sein Ausspruch hatte -lebhaften Anklang gefunden. Unter solchen Verhältnissen konnte es -William Tyndale, ein Engländer, der nach Antwerpen gegangen war, nur -im Auslande wagen, zuerst das Neue Testament und dann einen Teil des -Alten zu übersetzen und zum Druck zu geben. Die Übersetzung, bei der -ihn John Fryth und Joseph Roye unterstützten, ist ein Ergebnis der -Energie und des Ernstes, welche die Reformatoren beseelten, und blieb -eine Grundlage für alle späteren englischen Bibelbearbeitungen. Das -Neue Testament wurde 1526 bei Quentell in Köln, das Alte von Hanns -Lufft gedruckt. Der gegen diese Übersetzung in England begonnene -Vernichtungskrieg wurde so -<span class='pagenum'><a id='Page_260' name='Page_260' href='#Page_260'>[260]</a></span> -gründlich durchgeführt, dass von 3000 -Exemplaren nur eins, zudem ein defektes, auf uns gekommen ist. Tyndale -beabsichtigte nun eine zweite Ausgabe des Neuen Testaments bei Martin -Kayser in Antwerpen zu drucken. Aber auch auf fremdem Boden ereilte -die Rache den Urheber. Kaiser Karl <span class='smcap'>v.</span> liess sich bestimmen, Tyndales -Gefangennehmung und Auslieferung anzuordnen; nach achtzehnmonatlicher -Einkerkerung wurde er gehängt und sein Leichnam verbrannt. Fryth -kam 1533 in Smithfield auf den Scheiterhaufen, Roye erlitt dasselbe -Schicksal in Portugal. Die Holländer druckten die Tyndalesche -Übersetzung in grossen Massen nach. -</p> - -<div class="sidenote">Myles Coverda-<br />les Bibel.</div> - -<p> -Zwar änderte Heinrich <span class='smcap'>viii.</span>, wenn nicht seine Gesinnung, so doch -seine Haltung, nachdem Erzbischof Cranmer die Lösung des Bandes, -welches ihn an Katharina von Aragonien fesselte, ermöglicht -hatte; nichtsdestoweniger wagte man es aber doch noch nicht, eine -Bibelübersetzung in England zu drucken. In dem Jahre 1535 erschien -die von Myles Coverdale revidierte und vervollständigte Übersetzung -Tyndales, jedoch in der Schweiz (ohne Angabe des Druckers Christoph -Froschauer in Zürich), da man sich nicht der Verfolgungen enthoben -glaubte, soweit die Macht Kaiser Karls <span class='smcap'>v.</span> reichte. Die nach derselben -bearbeitete Matthews-Bibel erschien 1517 ebenfalls im Auslande, -wahrscheinlich in Deutschland. 1538 bis 1539 liess Grafton in -Verbindung mit <span class='smcap'>Edward Whitchurch</span> eine Bibel in Paris drucken, die aber -in 2500 Exemplaren nebst den Pressen von der Regierung Franz <span class='smcap'>i.</span> mit -Beschlag belegt wurde. Whitchurch, früher ein angesehener Kaufmann und -Abgesandter Heinrichs <span class='smcap'>viii.</span> in Deutschland, heiratete später nach der -Hinrichtung des Bischofs Cranmer (1656) dessen Witwe. -</p> - -<div class="sidenote">Cranmersche<br />Bibel.</div> - -<p> -Das Hauptbibelwerk, welches Grafton selbst druckte, bleibt aber die -1539-1541 erschienene Prachtausgabe, bekannt als die Cranmer- oder -die Grosse Bibel. Die Type dieser Bibel, von der man sieben oder acht -Ausgaben hat, ist eine schöne gothische; das Titelblatt wird Holbein -zugeschrieben. Der Erzbischof Cranmer und Thomas Cromwell, Lord Essex, -interessierten sich besonders dafür. Grafton musste es indes erleben, -dass seine beiden Gönner durch Henkershand umkamen. Grafton druckte -auch das erste autorisierte Gebetbuch nach dem protestantischen Ritus. -Eines seiner schönsten Werke ist <em class="kursiv">Edw. Halles Chronicle</em>. -</p> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_261' name='Page_261' href='#Page_261'>[261]</a></span> -In ernste Verwickelungen kam Grafton, als er in seiner Eigenschaft als -königlicher Buchdrucker nach Eduards <span class='smcap'>vi.</span> Tode die Proklamation Jane -Grays als Königin druckte. Ihr Königtum dauerte bekanntlich nur 9 Tage -und nach der Einsetzung der Königin Maria wurde Grafton gefänglich -eingezogen, kam jedoch mit sechswöchentlichem Gefängnis, Einbusse von -ihm noch zuständigen 300 £ und Verlust seines Amtes als Hofbuchdrucker -davon. Er starb um 1572. -</p> - -<div class="sidenote">John Bydells<br />Bibel.</div> - -<p> -Von englischen Bibeln damaliger Zeit sind ausser den genannten zu -erwähnen die <span class='smcap'>John Bydells</span>, eigentlich nur eine verbesserte Ausgabe -der Matthewschen, und die „Bischofsbibel“ aus 1568, auch „Leda-Bibel“ -genannt, weil die Briefe an die Hebräer als Kopfvignette eine -Darstellung der Verbindung Jupiters mit der Leda zur Schau tragen. -</p> - -<div class="sidenote">Die autorisierte<br />Bibel.</div> - -<p> -Im Jahre 1604 wurden grosse Anstrengungen gemacht, um eine neue -tüchtige Bibelübersetzung zu bewerkstelligen. Ein Edikt Jakobs <span class='smcap'>i.</span> -stellte die Ernennung einer Kommission von 54 gelehrten Männern fest, -welche, in 6 Sektionen geteilt, die Übersetzung besorgen und sich -gegenseitig in der Arbeit kontrollieren sollten. Das Werk wurde 1611 -durch <span class='smcap'>George Baker</span> fertiggestellt. -</p> - -<div class="sidenote">George Backer<br />u. George Lucas.</div> - -<p> -Teuer sollte diesem und <span class='smcap'>George Lucas</span> ein Druckfehler, die Weglassung -des Wortes „nicht“ aus dem <span class='smcap'>vii.</span> Gebot, in einer von ihnen 1632 -gedruckten Bibel zu stehen kommen. Die Auflage wurde konfisciert -und die Drucker zu einer Busse von 3000 £ verurteilt. Dieses Geld -wurde nach Bestimmung des Königs Karl <span class='smcap'>i.</span> grossenteils zum Ankauf -von griechischen Matern und Typen verwendet, welche den königl. -Buchdruckern zur Benutzung überlassen werden sollten, die dagegen -jährlich wenigstens ein griechisches Buch auf ihre Kosten zu drucken -hatten. -</p> - -<div class="sidenote">John Field.</div> - -<p> -Durch seine schlecht gedruckten Bibeln zeichnete <span class='smcap'>John Field</span> sich -aus (um 1650). Es wurde ihm sogar nachgesagt, er habe sich von den -Independenten bestechen lassen, eine Stelle nach ihren Ansichten zu -fälschen. In einer seiner Bibelausgaben sind 3600 Fehler nachgewiesen, -man sagt sogar, die Zahl sei eine noch viel höhere. -</p> - -<div class="sidenote">Thomas Roy-<br />crofft.</div> - -<p> -Eine in der englischen Bibeldruckgeschichte epochemachende Erscheinung -ist die von Thomas Roycrofft (geb. 1718) gedruckte Waltonsche -Polyglottbibel in sechs Foliobänden, in welchen neun Sprachen -repräsentiert sind. Der erste Band erschien 1654, der -<span class='pagenum'><a id='Page_262' name='Page_262' href='#Page_262'>[262]</a></span> -letzte 1657; es -war das erste Werk, welches in England auf Subskription erschien. Das -Exemplar wurde zu 10 Pfund Sterl. geliefert und man sammelte bereits -in zwei Monaten 900 Subskribenten. Sowohl Cromwell als Karl <span class='smcap'>ii.</span> -unterstützten das Unternehmen und Cromwell gewährte Steuerfreiheit für -das Papier. Als nach Cromwells Tode König Karl <span class='smcap'>ii.</span> an die Regierung -gekommen war, liess Walton einige Dedikationsblätter, auf welchen er -sich dankend gegen Cromwell ausgesprochen hatte, durch andere, dem -König schmeichelhafte ersetzen, weshalb man von zwei Ausgaben, der -republikanischen und der loyalen, spricht. -</p> - -<p> -Als ein Appendix ist ein anderes grossartiges, durch Roycrofft -gedrucktes Werk, das <em class="kursiv">Lexicon Heptaglotton</em> des Dr. E. Castell, 2 Bände -in Folio 1669, zu betrachten. Der Verfasser setzte leider dabei nicht -allein sein Vermögen von 12000 Pfund Sterl. zu, sondern stürzte sich -auch noch in Schulden. Siebzehn Jahre hatte er täglich 16-18 Stunden -daran gearbeitet und er musste ausserdem noch vierzehn Hülfsarbeiter, -die sämtlich während des Druckes starben, in seinem Hause unterhalten. -An diese beiden Unternehmungen schliessen sich die 1660 in 9 -Foliobänden erschienenen: <em class="kursiv">Critici sacri</em> gedruckt von <span class='smcap'>Cornelius Bee</span> -als verwandtes drittes. -</p> - -<div class="sidenote">Reynold Wolfe.</div> - -<p> -Sehr in Gunst am Hofe Heinrichs <span class='smcap'>viii.</span> stand der Deutsche oder Schweizer -<span class='smcap'>Reynold Wolfe</span> (gest. 1574). Er war der erste Buchdrucker, der ein -Patent erhielt, um lateinisch, griechisch und hebräisch zu drucken, und -wurde überhaupt durch die vorteilhaftesten Privilegien begünstigt. Er -druckte fast alle Schriften des Erzbischofs Cranmer. -</p> - -<div class="sidenote">John Day.</div> - -<p> -Als ein sehr tüchtiger Mann zeigte sich <span class='smcap'>John Day</span>. Er war in Suffolk -geboren und hatte ein Geschäft von grosser Ausdehnung, das er während -der Jahre 1544-1583 betrieb; doch setzte er seine Wirksamkeit, -wie Grafton und Whitchurch die ihrige, während der Regierung der -Königin Marie aus und gab sich in dieser Zeit mit Verbesserungen und -Erfindungen ab. Seine schönen Schriften verschafften ihm den Namen -des englischen Plantin und er brachte die Antiqua- und Cursivtype zu -einer solchen Vollkommenheit, dass von nun ab die gothische Schrift -(<em class="kursiv">Black letters</em>) so gut wie verschwand; auch die griechische Schrift -vervollkommnete er und liess angelsächsische Typen schneiden. Von -seinen Druckwerken nennen -<span class='pagenum'><a id='Page_263' name='Page_263' href='#Page_263'>[263]</a></span> -wir <em class="kursiv">Cosmographical glasse</em> (1559), mit seiner -schönen Cursiv gedruckt und reich illustriert. Besonders geschätzt ist -sein <em class="kursiv">Queen Elizabeth's Prayerbook</em>, eins der wenigen englischen Bücher, -die in der Ausführung sich mit den französischen <em class="kursiv">livres d'heures</em> -messen können. Als sein Hauptwerk gilt <em class="kursiv">Fox's book of martyrs</em> mit sehr -guten Illustrationen. Day starb, reich an Jahren und Ehren, 1583. Er -war zweimal verheiratet und hatte mit jeder seiner Frauen 13 Kinder. -</p> - -<p> -Mit Ruhm verdient noch <span class='smcap'>Thomas Vautrollier</span> (1574-1588) aus Paris oder -Rouen genannt zu werden, vorzüglich wegen seiner Ausgaben der Werke -des 1600 in Rom verbrannten Giordano Bruno. Um Verfolgungen deshalb -zu entgehen, zog er eine zeitlang nach Edinburgh, wo er vieles dazu -beitrug, die dortige Buchdruckerkunst auf eine höhere Stufe zu bringen. -Man kennt von ihm 78 Werke. -</p> - -<div class="sidenote">Thomas Guy.</div> - -<p> -Mit Dank zu erwähnen, wennauch nicht auf Grund seiner typographischen -Leistungen, die sehr primitiver Natur waren, ist <span class='smcap'>Thomas Guy</span> (gest. -1724). Mit der Universität Oxford schloss er einen Vertrag ab, -nach welchem er den Druck der heiligen Schriften in die Hand nahm. -Hierdurch und durch Spekulationen, die jedoch zu den nicht allzu gut -angeschriebenen gehörten, verdiente er ein kolossales Vermögen, von dem -er aber für sich keinen Gebrauch machte, indem er im Gegenteil ärmlich -und unverheiratet lebte. Mit einem Aufwand von einer viertel Million -Pfund liess er das nach ihm genannte Hospital in London erbauen und -machte ausserdem zu wohlthätigen und gemeinnützigen Zwecken grosse -Schenkungen. -</p> - -<div class="sidenote">Sam. Palmer.</div> - -<p> -Bekannt durch die nach ihm benannte <em class="kursiv">History of printing</em> war <span class='smcap'>Samuel -Palmer</span> (gest. 1732). Dieses Werk rührt jedoch nicht von Palmer selbst -her; der eigentliche Verfasser hiess Palmanazar, und der zweite, -praktische Teil, der noch folgen sollte, musste aufgegeben werden, -weil seitens der Kollegen und der Schriftgiesser sich ein wahrer -Sturm der Entrüstung gegen die durch ein solches Lehrbuch vermeintlich -entstehende Schädigung des Gewerbes und Entwürdigung der Kunst erhob. -</p> - -<div class="sidenote">John Barber.</div> - -<p> -Im Jahre 1741 starb <span class='smcap'>John Barber</span>, der erste Buchdrucker Londons, der -die Würde eines Lord Mayors bekleidete. Er stand in naher Berührung mit -bedeutenden Männern seiner Zeit wie Lord Bolingbroke, Swift, Pope und -anderen. -</p> - -<div class="sidenote">S. Richardson.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_264' name='Page_264' href='#Page_264'>[264]</a></span> -Bekannt als Schriftsteller, Buchhändler und Buchdrucker ist <span class='smcap'>Samuel -Richardson</span>, der berühmte Verfasser der Romane „<em class="kursiv">Pamela</em>“, „<em class="kursiv">Clarissa -Harlowe</em>“, „<em class="kursiv">Grandison</em>“ und anderer Werke. Er war 1689 als Sohn eines -respektablen Tischlers geboren. Obwohl er nur eine ganz gewöhnliche -Erziehung genossen hatte, gab er bald Beweise seines ausserordentlichen -Talentes. In seinem fünfzehnten Lebensjahre entschied er sich aus -Neigung für den Buchdruckerberuf. Nach sieben schweren Lehrjahren -arbeitete er sechs Jahre als Gesell und Korrektor, worauf er selbst -ein Geschäft anfing, in welchem er sich durch seine Pünktlichkeit -und Ordnungsliebe bald Vertrauen erwarb. Er druckte unter anderen die -ersten 26 Foliobände des Journals des Unterhauses. Richardson starb -nach längeren Leiden, 72 Jahre alt, am 4. Juli 1761, nachdem ihm sechs -Söhne im Tode vorausgegangen waren. -</p> - -<div class="sidenote">Oxford. -<hr class="sidenote" /> -Cambridge. -<hr class="sidenote" /> -York.</div> - -<p> -In OXFORD wurde die Buchdruckerei 1478 durch <span class='smcap'>Theodor Rood</span> aus Köln und -<span class='smcap'>Thomas Hunt</span> eingeführt. Von 1486 bis 1585 ist eine vollständige Lücke -in der Druckgeschichte Oxfords mit Ausnahme der Jahre 1517-1519. Nach -der Begründung des <em class="kursiv">Sheldonian theatre</em> im Jahre 1669 wurden hier durch -50 Jahre viele vortreffliche Werke gedruckt und erst 1759 verschwindet -die Bezeichnung <em class="kursiv">e theatro Sheldoniano</em>. Die später so berühmte -sogenannte <em class="kursiv">Clarendon Press</em> trat 1713 in Wirksamkeit. Der Sohn Lord -Clarendons hatte das Manuskript seines Vaters zu der Geschichte der -englischen Revolution der Universität geschenkt und mit dem Erlös -aus den gedruckten Exemplaren wurde die Druckerei, aus welcher eine -grosse Anzahl wertvoller Werke hervorgegangen ist, gegründet. Um die -Beschaffung von orientalischen und anderen Typen machte sich namentlich -der Bischof Fell verdient. Im Jahre 1672 wurden 4000 £ zum Ankauf von -Typen in Holland, Frankreich und England bestimmt, da derzeit keine -Schriftgiesserei in England im Gange war. Eine solche erhielt Oxford -1677. Die Universitätsbuchdruckereien in Oxford und Cambridge erwarben -auch das Alleinrecht auf den Druck der heiligen Schriften und der -englischen liturgischen Bücher. In CAMBRIDGE wurde die erste Presse um -1520 durch <span class='smcap'>Joh. Siberch</span>, einen Freund des Erasmus, errichtet. In YORK -druckte <span class='smcap'>Hewe Goes</span> aus Antwerpen, 1509 bis 1516, in welchem letzteren -Jahre er nach London übersiedelte. -</p> - -<div class="sidenote">Schottland.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_265' name='Page_265' href='#Page_265'>[265]</a></span> -Nach SCHOTTLAND kam die Kunst 1507 durch <span class='smcap'>Walter Chepman</span>, der Kaufmann -war und sich mit einem Praktiker <span class='smcap'>Andreas Myllar</span> verband. Nach Chepman -ruhte die Pressthätigkeit Schottlands fast 30 Jahre lang. Erst im Jahre -1576 wurde die heilige Schrift von <span class='smcap'>Thomas Bassandyne</span> gedruckt; selbst -in diesem Jahre besass Schottland weder griechische noch hebräische -Schriften. Während der Bürgerkriege suchte jede Partei, welche die -Macht hatte, hier wie in England die Presse auf jede mögliche Weise zu -knechten. 1648 wurde sogar unter Androhung der Todesstrafe verboten, -ohne Erlaubnis des <em class="kursiv">Committee of Estates</em> etwas zu drucken. 1661 -erschien die erste Zeitung: <em class="kursiv">Mercurius Caledonicus</em>. -</p> - -<p> -1671 erhielt <span class='smcap'>Andreas Andersen</span>, in Vertretung auch anderer -Buchdruckereien Edinburghs, soweit gehende Privilegien, dass kein Buch -ohne Andersens Erlaubnisschein gedruckt werden konnte. Später trat -jedoch eine Beschränkung des Privilegs auf Parlamentsakte und heilige -Schriften, so wie auf 41 Jahre ein. Andersen selbst druckte das Neue -Testament so fehlervoll, dass es verboten wurde. Mit <span class='smcap'>James Watson</span>, der -sich 1695 in Edinburgh etablierte, lag er in fortwährendem Hader, da -Watson, Andersens Privilegium zum Trotz, druckte was er Lust hatte, -bis ihm die Königin Anna durch ein Patent 1711 das Recht zum Drucken -erteilte. Er veröffentlichte nun eine Reihe tüchtiger und sehr gut -ausgestatteter Werke, von welchen ein Neues Testament aus d. J. 1715 -von „unvergleichlicher Schönheit“ war. -</p> - -<div class="sidenote">Die Stereotypie.</div> - -<p> -Eine besondere Wichtigkeit hat Schottland als die vermeintliche Wiege -der Stereotypie. Bei der weiteren Verbreitung der Buchdruckerkunst -konnte es nicht fehlen, dass der Wunsch rege ward, teuere Satzwerke -aufheben zu können, um nach Bedürfnis Exemplare zu drucken, ohne -dass es nötig war, entweder grosse Kapitalien in Papier und Druck zu -stecken, oder auch sich neue Satzkosten zu bereiten. Man konnte sich -nicht verhehlen, dass die alten Bilderdrucker mit ihren Platten in -dieser Beziehung einen Vorsprung gehabt hatten. Der Gedanke lag zwar -nahe, die Schriftformen aufzuheben, aber erstens war das Verfahren -bei umfangreicheren Arbeiten kostspielig, und ausserdem unsicher, da -in dem beweglichen Satz leicht Fehler vorkommen konnten. Letzterer -Umstand liess sich allenfalls beseitigen, indem man die Fussseiten -der Buchstaben zusammenlötete, -<span class='pagenum'><a id='Page_266' name='Page_266' href='#Page_266'>[266]</a></span> -dadurch ging die Schrift aber für jeden -anderen Zweck verloren. Wir haben bereits die Versuche van der Meys und -Joh. Müllers kennen gelernt. -</p> - -<div class="sidenote">William Ged.</div> - -<p> -Die Priorität der Erfindung der Stereotypie, in dem Sinne wie wir jetzt -von dieser sprechen, wird fast allgemein dem Schottländer <span class='smcap'>William Ged</span> -zugeschrieben. Dieser, ein Goldschmied in Edinburgh, kam gegen das -Jahr 1725 auf den Gedanken der Stereotypie. Mittellos, verband er sich -mit einem wohlhabenden Mann, der jedoch misstrauisch gegen die Sache -wurde und die nötigen Mittel herzugeben sich weigerte. Ged ging nun -1729 nach London und einigte sich mit einem gewissen Fenner und den -Schriftgiessern James. Nach ihrem Verfahren wurde der Satz mit einer -Gipsmasse übergossen und die Matrize in Schriftzeug abgegossen. Ged -erhielt von der Universität Cambridge das Privilegium zum Druck einer -Bibel und mehrerer Gebetbücher. Die Platten wurden jedoch auf Grund der -grossen Masse von Fehlern, die durch Chicane entstanden sein sollen, -unterdrückt. Ruiniert kam Ged wieder nach Edinburgh zurück. Doch gelang -es ihm noch, im Verein mit einem dortigen Buchdrucker eine Ausgabe des -Sallust (1739, 150 Seiten in 12°, mit Petit gesetzt) herzustellen, die -sich jedoch keineswegs auszeichnete. Ged starb 1749. Das Prinzip, mag -nun die erste Ausführung Ged, Valeire, van der Mey oder Müller gehören, -sollte sich erst später nach den Verbesserungen durch Lord Stanhope für -die Praxis vollständig bewähren. -</p> - -<div class="sidenote">Andr. und Rob.<br />Foulis.</div> - -<p> -Bedeutende Buchdrucker waren <span class='smcap'>Andreas Foulis</span> († 1774) und <span class='smcap'>Robert Foulis</span> -(† 1776) in Glasgow, letzterer druckte mehrere vorzügliche Ausgaben von -Klassikern, bekannt ist namentlich die 1744 erschienene fehlerfreie -Ausgabe des Horaz. Die erste Schriftgiesserei Schottlands errichtete -<span class='smcap'>Alex. Wilson</span> und <span class='smcap'>Bain</span> 1742 in St. Andrews. Bei ihrer zunehmenden -Geschäftsverbindung mit Irland und Amerika zogen sie nach Gamalachie, -einem Dorfe bei Glasgow. -</p> - -<div class="sidenote">Irland.</div> - -<p> -In IRLAND wurde erst 1551 durch <span class='smcap'>Humfrey Powell</span> gedruckt und es dauerte -lange, ehe die Kunst hier einigermassen heimisch wurde. Irische Typen -wurden 1571 eingeführt und mit solchen ein Katechismus durch Joh. -Kerney gedruckt. Noch bis zum Beginn des <span class='smcap'>xviii.</span> Jahrh. wurden beinahe -alle bedeutenden Werke ausser -<span class='pagenum'><a id='Page_267' name='Page_267' href='#Page_267'>[267]</a></span> -Landes hergestellt. Später entstand in -dem irländischen Nachdruck dem englischen Buchhandel ein böser Feind. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Zeitungswesen.</div> - -<p> -Das in England jetzt in einer so grossartigen Weise entwickelte -Zeitungswesen hatte in seinen schwachen Anfängen manchen schweren Kampf -zu bestehen<a name='FA_121' id='FA_121' href='#FN_121' class='fnanchor'>[1]</a>. -</p> - -<p> -Zur Zeit des Auslaufens der spanischen Armada (1588) fühlte die Königin -Elisabeth das Bedürfnis, durch Mitteilungen über den genauen Stand der -Sachen dahin zu wirken, dass die Besorgnisse betreffs der wirklichen -Gefahren nicht durch unnötige Furcht vor nicht vorhandenen vermehrt -würden. Sie ordnete deshalb das Erscheinen von <em class="kursiv">The english Mercurie -published by Autoritie</em> an. Es erschienen hiervon 54 Nummern. An -Nachfolgern, unter den Titeln <em class="kursiv">Mercurius</em>, <em class="kursiv">Gazette</em>, <em class="kursiv">Diurnal</em> etc., -fehlte es nicht. Darunter waren <em class="kursiv">Certain news of the present week</em>, -wahrscheinlich das erste politische Wochenblatt, <em class="kursiv">Imperial and spanish -news</em>, das zweite. -</p> - -<div class="sidenote">Der <em class="kursiv">Tatler</em> und<br />der <em class="kursiv">Spectator</em>. -<hr class="sidenote" /> -<em class="kursiv">Gentlemans<br />Magazine.</em></div> - -<p> -Von den periodischen Erscheinungen, die auch auf Belehrung und -Unterhaltung des Publikums berechnet waren, hatten namentlich der -von 1709 ab dreimal wöchentlich erscheinende <em class="kursiv">Tatler</em> (der Plauderer) -herausgegeben von Rich. Steele, als Pseudonym Isaac Bickerstaff, und J. -Addisons, 1711 begonnener, <em class="kursiv">Spectator</em> (Zuschauer) einen bedeutenden -Leserkreis und grossen Einfluss. Ein Schlag für diese Blätter und die -ganze periodische Presse war der 1712 eingeführte Stempel von einem -halben Penny für Blätter von einem halben Bogen, von einem Penny für -jeden Bogen. Hierdurch wurde der Preis von manchem Blatt verdoppelt, -wodurch die Abnehmerzahl sich verminderte, was wieder zu weiteren -Preiserhöhungen nötigte. Der <em class="kursiv">Spectator</em> war das einzige Blatt, das, -ohne an Verbreitung einzubüssen, den Preis hatte verdoppeln können. -1731 begann das bis auf den heutigen Tag beliebte: <em class="kursiv">The gentlemans -Magazine</em>. Von allen konkurrierenden Blättern hatte nur das <em class="kursiv">London -Magazine</em>, von einem Consortium Londoner Buchhändler kräftigst -begonnen, eine grosse Verbreitung (10000 Expl.) und einen längeren -Bestand. -</p> - -<div class="sidenote">Beliebte Werke.</div> - -<p> -Der Prototyp aller Konversations- und Fachlexika war das 1719 -erscheinende <em class="kursiv">Dictionary of arts and science</em>. Unter den Werken, die -<span class='pagenum'><a id='Page_268' name='Page_268' href='#Page_268'>[268]</a></span> -dem Buchhandel und den Buchdruckereien grossen Verdienst bereiteten, -ist Dan. Defoes († 1731) <em class="kursiv">Robinson Crusoe</em>, das, abgesehen von den -vielen Nachahmungen, in der ursprünglichen Gestalt, 41 Auflagen -erlebte. Bunyans: The <em class="kursiv">pilgrim's progress</em> wurde fortwährend neu -gedruckt. Shakespeare war noch nicht populär; die erste gesammelte -Ausgabe seiner Bühnenstücke erschien, von zwei Schauspielern -herausgegeben, 1623, in fol. Bis 1664 gab es von seinen Werken nur -zwei Ausgaben, zusammen in kaum mehr als 1000 Exemplaren gedruckt. 1676 -erschien <em class="kursiv">General Catalogue of books 1666-1676</em>, von Rob. Clavel, nach -Fächern zusammengestellt und bis 1700 fortgesetzt. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Schriftgiesserei.</div> - -<p> -Dass die englische Buchdruckerei nicht ohne eine entsprechende -Entwickelung der Schriftgiesserei zur Blüte hatte gelangen können, ist -selbstverständlich. Die Zahl der Schriftgiessereien, die, wie erwähnt, -anfänglich auf vier beschränkt war, ist bis heute eine verhältnismässig -kleine geblieben. Von Bedeutung war <span class='smcap'>Thomas James</span>. Im Jahre 1710 -kaufte er Matrizen in Holland und gründete nach seiner Rückkehr eine -Giesserei. In Verbindung mit Ged hatte er auch in der Stereotypie -experimentiert, was ihm direkt und indirekt Schaden brachte, denn -seine Kunden, die Buchdrucker, betrachteten das Verfahren mit scheelen -Augen als ein ihnen nachteiliges. Nach dem Tode von Thomas James (1736) -vereinigte der Sohn <span class='smcap'>John</span> mehrere ältere Giessereien mit der seinigen -und gelangte dadurch in Besitz einer grösseren Anzahl von Matrizen von -der Zeit Wynkyn de Wordes bis auf die seine. Später erwarb <span class='smcap'>Rowe Mores</span> -(geb. 1730) das Geschäft. Er ist bekannt als Verfasser eines Werkes -über Schriftgiesserei und starb 1778 in unglücklicher Lage. -</p> - -<div class="sidenote">Will. Caslon.</div> - -<p> -Der bedeutendste der englischen Schriftgiesser war <span class='smcap'>William Caslon</span>, der -England erst von dem Kontinent unabhängig machte. Er war in Cradley, -Shropshire, geboren, arbeitete für Büchsenmacher als Graveur und bewies -als solcher durch Ornamente seine Geschicklichkeit. Gelegentlich -fertigte er auch für Buchbinder Stempel. Einige derselben kamen dem -Buchdrucker John Watt zu Gesicht. Die Sauberkeit und Genauigkeit -derselben liessen ihn folgern, dass Caslon wohl imstande sein würde, -den Mängeln der englischen Schriftgiesserei abzuhelfen, und er verhiess ihm seine -<span class='pagenum'><a id='Page_269' name='Page_269' href='#Page_269'>[269]</a></span> -Unterstützung und Empfehlung, wenn er eine Schriftgiesserei -errichten wollte. Seine Freunde liehen ihm 500 £ und er fing nun mit -Eifer sein Werk an. Für die Bibelgesellschaft bekam er den Auftrag eine -arabische Schrift zu schneiden. Als Unterschrift seiner Firma hatte -er sich einiger von ihm geschnittener Antiqua-Buchstaben bedient, von -welchen Sam. Palmer so entzückt war, dass er ihm auftrug, die ganze -Schrift zu schneiden. Später wurde dies dem Palmer leid, da er gute -Gründe hatte, es nicht mit den anderen Schriftgiessereien zu verderben, -die durch Caslons überlegene Konkurrenz Schaden leiden mussten. Er -suchte deshalb Caslon von seinem Vorhaben wieder abzubringen, was -ihm jedoch nicht gelang. Caslon wendete sich an den Buchdrucker -William Bowyer den älteren, mit dessen Hülfe nun seine prachtvolle -Antiqua-Garnitur, die an Klarheit, Leserlichkeit und Gleichmässigkeit -nicht viele ihresgleichen hat, vollendet wurde. In der Zeit von -1720-1780 wurden fast alle Werke von Bedeutung mit den Caslonschen -Schriften gedruckt, die den Vergleich mit den Meisterwerken der -früheren Periode der Kunst vollständig vertrugen und von späteren nicht -übertroffen wurden. Er starb am 23. Januar 1766, 74 Jahre alt. -</p> - -<hr /> - -<h3> -NORDAMERIKA. -</h3> - -<div class="sidenote">Die Presse Nord-<br />amerikas.</div> - -<p> -Die Presse Nordamerikas<a name='FA_122' id='FA_122' href='#FN_122' class='fnanchor'>[2]</a>, welche in unserer Zeit eine so grossartige -Entwickelung nehmen und die meisten ihrer älteren Schwestern -überflügeln sollte, war in dieser Periode noch das „Riesenkind in -Wickeln“. -</p> - -<p> -Es lag in den Verhältnissen, dass die Presse in Nordamerika nicht wie -in Europa ihre hauptsächlichste Nahrung aus der Wissenschaft und der -Litteratur ziehen konnte. In den Tagen des Ringens um die politische -und materielle Existenz bestand ihre hauptsächlichste Aufgabe -darin, zur Förderung der bürgerlichen Freiheit und der politischen -Ausbildung, sowie zur Stärkung des Glaubens unter den Anhängern der -vielen religiösen Sekten beizutragen, die in -<span class='pagenum'><a id='Page_270' name='Page_270' href='#Page_270'>[270]</a></span> -Amerika ein Asyl für -das „Seligwerden eines jeden nach seiner Façon“ gesucht und gefunden -hatten. -</p> - -<div class="sidenote">Joseph Glover.</div> - -<p> -Als Schöpfer der nordamerikanischen Typographie ist der Prediger <span class='smcap'>Joseph -Glover</span> zu bezeichnen. Er schiffte sich mit einer Buchdruckerei in -England ein, starb jedoch während der Überfahrt; seine Witwe gründete -darauf 1638 die erste Druckwerkstätte in CAMBRIDGE (Massachusetts), und -das erste Buch, welches aus dieser hervorging, war <em class="kursiv">The Freemans Oath</em> -(1639). Die Offizin ward später nach Boston übergeführt und die Leitung -<span class='smcap'>Stephan Daye</span> übertragen, dem <span class='smcap'>Samuel Green</span> folgte. Bei der Gründung -der frühesten Druckereien in Amerika war in der Regel das Material -Eigentum der Regierung oder einer Gesellschaft. Ein verantwortlicher -Geschäftsführer wurde ernannt, der unter seinem Namen druckte. Oft -blieb in dieser Weise die Leitung einer Buchdruckerei auf lange Zeit in -einer Familie. -</p> - -<p> -Viele Bücher wurden noch in England gedruckt. Die Regierung war im -allgemeinen der amerikanischen Presse nicht besonders günstig gestimmt, -vielleicht im Vorgefühl der Gefahren, die ihr von derselben erwachsen -sollten, und die Freiheit der Presse war eine ziemlich beschränkte. -1662 setzten die Behörden von Massachusetts förmliche Zensoren ein -und erliessen ein Gesetz, dass ausser der in Cambridge befindlichen -Druckerei keine andere im Bereich ihrer Jurisdiktion angelegt werden -sollte. Erst um 1755 scheint eine vollständige Freiheit eingetreten zu -sein. -</p> - -<div class="sidenote">Boston.</div> - -<p> -In BOSTON ward <span class='smcap'>John Forster</span> mit der ersten Buchdruckerei belehnt, die -zweite begann der schon erwähnte <span class='smcap'>Sam. Green</span>. Sie wurde von seinem -Bruder <span class='smcap'>Bartholomeo</span> fortgesetzt, der 1704 die erste amerikanische -Zeitung <em class="kursiv">The Boston News Letter</em> begann. 1709 erschien bei Green ein -Psalter in indianischer Sprache mit der Bezeichnung: <em class="kursiv">Boston, printed -by B. Green and F. Printer</em>. Letzterer, ein getaufter Indianer, war -jedoch nicht Miteigentümer der Offizin, sondern Drucker daselbst, und -sein Name wurde wahrscheinlich nur aus Klugheit auf den Titel gesetzt, -um dem Buch bei den Indianern leichteren Eingang zu verschaffen. -</p> - -<div class="sidenote">James Franklin.</div> - -<p> -Im März 1717 kam <span class='smcap'>James Franklin</span>, älterer Bruder des berühmten Benjamin, -mit einer Presse und mit Schriften nach Boston. Die Kunst hatte er in -England gelernt, 1719 druckte er für Rechnung -<span class='pagenum'><a id='Page_271' name='Page_271' href='#Page_271'>[271]</a></span> -des Bostoner Postmeisters -die zweite amerikanische Zeitung: <em class="kursiv">The Boston Gazette</em>. Als ihm der -Druck derselben entzogen ward, gründete er selbst <em class="kursiv">The New England -Courant</em>. Auf Grund von dessen freisinniger Richtung sollte dem James -Franklin 1723 die Zensur auferlegt werden. Um dies zu umgehen, sprach -er seinen Bruder Benjamin, der bei ihm lernte, los, und das Blatt -erschien nun mit dem Impressum: <em class="kursiv">Boston, printed and sold by Benjamin -Franklin</em>. James ging später nach Newport und gab die <em class="kursiv">Rhode-Island -Gazette</em> heraus. Er starb 1735. -</p> - -<div class="sidenote">Benj. Franklin.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Benjamin Franklin</span>, dessen Ruhm ewig leben wird, war am 17. Januar 1706 -geboren. Gehört er auch nicht zu den Koryphäen der Typographie in der -Bedeutung, wie ein Aldus, Elzevier, Stephanus, Didot, so werden die -Jünger Gutenbergs ihn doch stets mit wahrem Stolz den ihrigen nennen, -und er war seinerseits auch nicht nur dem Namen nach einer der ihrigen. -</p> - -<p> -Nach der Übernahme des <em class="kursiv">New England Courant</em> scheint eine Spannung -zwischen den Brüdern eingetreten zu sein. Aufgemuntert durch den -Gouverneur von Philadelphia Sir William Keith, auf dessen Kosten dort -eine Buchdruckerei, die Benjamin aus England holen sollte, anzulegen, -ging er nach London. Aber die Kreditbriefe blieben aus und Franklin -war, um zu existieren, genötigt als Gehülfe zu arbeiten. Nach seiner -Rückkehr nach Philadelphia errichtete er zusammen mit einem gewissen -<span class='smcap'>Meredith</span> eine Buchdruckerei, die Verbindung wurde jedoch bald gelöst -und nun entwickelte Franklin seine ganze ausserordentliche Thätigkeit. -Er arbeitete von früh bis spät, schrieb seinen <em class="kursiv">Poor Richards -almanack</em>, den er 25 Jahre lang herausgab, und gelangte zu Ansehen und -Wohlhabenheit. -</p> - -<div class="sidenote">Deutscher<br />Druck Franklins.</div> - -<p> -Mit der deutsch-amerikanischen Typographie ist Franklins Name -enger verknüpft, denn seiner Presse entstammt der älteste -aufgefundene deutsche Druck Amerikas, ein Büchlein von 96 Seiten -in Duodez mit Antiqua gedruckt. Der Titel, der zugleich geeignet -ist, eine Vorstellung von der Beschaffenheit der Anfänge der -deutsch-amerikanischen Litteratur zu geben, lautet: -</p> - -<p> -„Goettliche Liebes und Lobesgethoene, welche in den Hertzen der kinder -der Weiszheit zusammen ein und von da wieder ausgefloszen. <span class='smcap'>Zum Lob -Gottes</span> und nun von denen schuelern der -<span class='pagenum'><a id='Page_272' name='Page_272' href='#Page_272'>[272]</a></span> -himmlischen Weiszheit zur -erweckung und aufmunterung in ihrem Creutz und leiden aus hertzlicher -Liebe mitgetheilet. Dann mit lieb erfuellet sein, bringt Gott den -besten Preisz Und giebt zum singen uns die allerschoenste weisz. Zu -Philadelphia, Gedruckt bey Benjamin Franklin in der Marckstrasz 1730“. -</p> - -<div class="sidenote">Verdienste<br />Franklins.</div> - -<p> -Franklins ausserordentliche Verdienste um die Wissenschaft, seine -Stadt, seinen Staat und die ganze Menschheit können wir hier nur -andeuten. 1752 erfand er den Blitzableiter, wofür die Universität -Oxford ihn zum Doktor ernannte, eine damals seltene Ehre. Im -bürgerlichen und Staats-Leben stieg er von Stufe zu Stufe, bekleidete, -und zwar mit Auszeichnung, selbst den militärischen Posten eines -Obersten in der, besonders durch ihn hervorgerufenen, freiwilligen -Miliz. Als Agent für Pennsylvanien in England legte er der englischen -Regierung, die mit Frankreich in Krieg verwickelt war, einen Plan -zur Eroberung Canadas vor, der auch ausgeführt wurde und vollständig -gelang. Zur Belohnung erhielt sein Sohn den Posten eines Gouverneurs -von New-Jersey. Derselbe wurde jedoch, als er sich später nicht der -Revolution gegen England anschloss, zwei Jahre gefangen gehalten. -Bei Begründung der Konföderation wurde Benjamin als Abgeordneter -Pennsylvaniens zum Kongress und dann zum Präsidenten dieses Staates -gewählt, als welcher er die Universität Philadelphia gründete. In -seiner Eigenschaft als nordamerikanischer Gesandter in Frankreich -leistete er seinem Lande und dessen Unabhängigkeit die grössten -Dienste. Die französische Akademie ernannte ihn zu ihrem Mitglied und -der Präsident derselben, d'Alembert, begrüsste ihn mit dem berühmt -gewordenen: <em class="kursiv">Eripuit coelo fulmen sceptrumque tyrannis</em><a name='FA_123' id='FA_123' href='#FN_123' class='fnanchor'>[3]</a>. -</p> - -<p> -Bei seinem Tode am 17. April 1790 wurde eine vierwöchentliche -Landestrauer angeordnet und die französische Nationalversammlung legte -seinem Andenken zu Ehren eine dreitägige Trauer an. -</p> - -<p> -Als Franklins Zeit durch die öffentliche Angelegenheit zu sehr in -Anspruch genommen wurde, hatte er erst <span class='smcap'>David Holl</span> zum Teilnehmer am -Geschäft genommen und ihm dann 1766 die Firma Franklin & Holl ganz -übergeben. Hörte er auch damit auf, ein Mitglied des Buchdruckerstandes -zu sein, so beweist doch seine, -<span class='pagenum'><a id='Page_273' name='Page_273' href='#Page_273'>[273]</a></span> -von ihm selbst verfasste Grabschrift, -dass er demselben im Herzen treu geblieben war. Sie lautet: -</p> - -<div class="sidenote">Franklins Grab-<br />schrift.</div> - -<p> -<em class="kursiv">The body of Benjamin Franklin, Printer, (like the cover of an old -book, its contents worn out, and stript of its lettering and gilding) -lies here, food for worms! Yet the work itself shall not be lost, for -it will, as he believed, appear once more in a new and more beautiful -edition, corrected and amended by its Author</em><a name='FA_124' id='FA_124' href='#FN_124' class='fnanchor'>[4]</a>. -</p> - -<div class="sidenote">Baltimore und<br />New-York.</div> - -<p> -In BALTIMORE war der erste Buchdrucker <span class='smcap'>Nikolaus Hasselbaugh</span>, von -deutschen Eltern in Philadelphia geboren. NEW-YORK erhielt erst 1693 -eine Offizin durch <span class='smcap'>William Bradford</span> aus Philadelphia. Die zweite -Buchdruckerei errichtete <span class='smcap'>Joh. Peter Zenger</span> 1726. Dieser gab 1733 <em class="kursiv">The -New-York weekly Journal</em> heraus, das durch seine freisinnige Haltung -Zenger Gefangenschaft eintrug, aus welcher ihn jedoch, nach Verlauf von -acht Monaten, der Spruch der Geschworenen erlöste. -</p> - -<div class="sidenote">Die deutschen<br />Einwanderer.</div> - -<p> -Wesentliche Verdienste erwarben sich die deutschen Ansiedler um die -Presse. Die ersten derselben gehörten zumeist pietistischen Sekten -an, und waren namentlich Anhänger und Freunde Ph. Jacob Speners. Will. -Penn, der auf seinen Reisen dem erwähnten näher getreten war, forderte -zur Einwanderung auf. Die zu diesem Zweck gebildete „Frankfurter -Compagnie“ erwarb ein Stück Land, und der Grund zu Germantown, jetzt -ein Teil von Philadelphia, ward gelegt. -</p> - -<p> -Die deutschen Einwanderer waren jedoch nicht allein der Frömmigkeit, -sondern auch der Thätigkeit ergeben und bei ihren Mitbürgern gut -angeschrieben. Die ersten deutschen Drucke sollen von den in Ephrata -angesiedelten Wiedertäufern stammen, von ihren Büchern ist jedoch -nichts auf uns gekommen, dagegen besitzt die Historische Gesellschaft -in Philadelphia, die um die Sammlung der deutsch-amerikanischen Drucke -sich sehr verdient gemacht hat, ihre Presse. -</p> - -<div class="sidenote">Christoph Sauer.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_274' name='Page_274' href='#Page_274'>[274]</a></span> -Für die deutschen Ansiedler war die Errichtung von Druckereien -eine schwierige Aufgabe. Pressen, Schriften, Papier, Schwärze, kurz -alles zum Druck Notwendige musste aus Deutschland beschafft werden. -Die grössten Verdienste erwarb sich <span class='smcap'>Christoph Sauer</span> (Saur, Sower), -geboren 1693 in Laasphe in Westfalen. Er übte die Profession eines -Brillenmachers und wanderte 1724 nach GERMANTOWN aus. Von 1726-1731 -lebte er in Lancaster als Heilkünstler, kehrte dann nach Germantown -zurück, wo er 1737 oder 1738 eine Druckerei kaufte, die ein Freund in -Deutschland erworben und von dort nach Amerika befördert hatte. -</p> - -<p> -Anfänglich wollte es nicht recht gehen und Sauer hatte viele Sorgen. -Sein erstes Verlagswerk war ein „ABC Buch, bei allen Religionen ohne -billigen Anstoss zu gebrauchen“ (1738) und ein Kalender, welcher -bis 1777 fortgesetzt wurde. Sein erstes grösseres Verlagswerk war -das, von der Sekte der Siebentäger (die den Sonnabend als Sabbat -feierten) herausgegebene Gesangbuch: „Zionitischer Weyrauchs-Hügel oder -Myrrhen Berg, worinnen allerley liebliches und wohlriechendes nach -Apotheker-Kunst zubereitetes Rauch-Werk zu finden“. Gewidmet war es: -„allen in der Wüsten Girrenden und einsamen Turteltäublein“. -</p> - -<p> -Im Jahre 1739 gab Sauer das erste Stück der ersten -deutsch-amerikanischen Zeitung heraus: „Der hochdeutsch Pennsylvanische -Geschicht Schreiber, oder Sammlung wichtiger Nachrichten aus dem Natur -und Kirchen-Reich“, die viermal jährlich erscheinen sollte, hieraus -ward bald zwölf- und von 1762 ab 24mal. Von 1775-1777 erschien das -Blatt wöchentlich und soll bereits 1751 4000 Abonnenten gehabt haben; -die Zahl steigerte sich später auf 8000. Der Titel ward mehrmals -geändert, zuletzt von dem jüngern Sauer in „Germantowner Zeitung oder -Sammlung wahrscheinlicher Nachrichten aus dem Natur- und Kirchenreich“. -Er wählte das Wort „wahrscheinlicher“, da er zu gewissenhaft war, um -die Leser durch den Titel zu dem Glauben veranlassen zu wollen, es sei -alles wahr, was in der Zeitung stände. -</p> - -<div class="sidenote">Sauers Bibel-<br />druck.</div> - -<p> -Sauers bedeutendstes Unternehmen war die Herausgabe der deutschen -lutherischen Bibel. Bei dieser Veranlassung legte er (1740) selbst -eine Schriftgiesserei an, die erste in Amerika, und 1743 war das Werk -von 1284 Seiten in Royal-Quart in 1200 Exemplaren -<span class='pagenum'><a id='Page_275' name='Page_275' href='#Page_275'>[275]</a></span> -vollständig und -in Leder gebunden. Diese Bibel war die erste in einer europäischen -Sprache in Nordamerika gedruckte; die erste Ausgabe in englischer -Sprache erschien, auf Grund des Monopols der Universität Oxford, erst -1782. Ausser der Bibel druckte Sauer das Neue Testament in 7 Auflagen -und eine grosse Anzahl Bücher, meist Nachdrucke von in Deutschland -erschienenen theologischen Schriften und Andachtsbüchern. Politisch -gehörte Sauer zu den Gesinnungsgenossen Franklins und der Einfluss -seines Blattes ward von den Regierungsmännern besonders gefürchtet. -</p> - -<div class="sidenote">Christ. Sauer d. j.</div> - -<p> -<span class='smcap'>Christoph Sauer</span> d. j. dehnte das Geschäft sehr aus, beschränkte jedoch, -wie der Vater, den Verlag hauptsächlich auf Schul- und Andachtsbücher. -Nur einer seiner vielen Verlagsartikel hat nähern Bezug auf -Deutschland: „Das Leben und die heroischen Thaten des König Friedrich -<span class='smcap'>ii.</span> von Preussen“. Auch als Buchdrucker blieb der Sohn der bedeutendste -Vertreter der deutsch-amerikanischen Presse. Die Bibel druckte er noch -in zwei Auflagen, von welchen die letzte fast gänzlich von den Soldaten -zu Patronen verwendet wurde, als 1776 der Freiheitskrieg sich nach -Germantown gezogen hatte. Alle Druckwerke des Vaters sowohl als des -Sohnes zeichnen sich durch Reinheit der Schriften und guten Druck aus; -auch das Papier ist kräftig und gut geleimt. Der Sohn stand politisch -auf Seiten der englischen Regierung und zog zu seinen Kindern nach -Philadelphia, welche ebenfalls für den König Partei nahmen. Er ward als -Verräter erklärt, sein Eigentum konfisciert und er nach seiner Rückkehr -zu Germantown verhaftet und misshandelt. Seinen Lebensabend verbrachte -der tüchtige und redliche Mann in ärmlichen Verhältnissen, und starb -1784. -</p> - -<div class="sidenote">Die späteren<br />Nachkommen<br />Sauers.</div> - -<p> -Zwei seiner Söhne, <span class='smcap'>Peter</span> und <span class='smcap'>Christoph iii.</span>, gaben in Philadelphia -das einzige, sich zugleich durch seine masslose Sprache auszeichnende -deutsche, englischgesinnte Blatt, heraus. Ein dritter Sohn <span class='smcap'>Samuel</span> -liess sich erst in Philadelphia, dann in Baltimore als Schriftgiesser, -Drucker und Verleger nieder und genoss einen bedeutenden Ruf; der -vierte Sohn <span class='smcap'>Daniel</span> setzte das alte väterliche und grossväterliche -Geschäft in Philadelphia fort. -</p> - -<div class="sidenote">Sonstige<br />deutsche Drucker<br />u. Buchhändler.</div> - -<p> -Die übrigen deutschen Buchhändler Pennsylvaniens nahmen keinen -grossen Rang ein. Die Gebrüder <span class='smcap'>Gotthart</span> und <span class='smcap'>Anton Armbruster</span> gehörten -zu den bedeutendsten und gaben eine -<span class='pagenum'><a id='Page_276' name='Page_276' href='#Page_276'>[276]</a></span> -zeitlang gemeinschaftlich -mit Benjamin Franklin die <em class="kursiv">Pennsylvania Gazette</em> heraus. Vor und -während der Revolution blühte das Geschäft von <span class='smcap'>Heinrich Müller</span>, der -sich 1760 dauernd in Philadelphia niederliess. Sein wöchentlicher -„Philadelphia-Staatsbote“ war das erste Blatt, welches am 9. Juli -1776 die Unabhängigkeits-Erklärung veröffentlichte. Bei dem Einzug -der Engländer wurde Müllers Offizin verwüstet. Noch verdienen <span class='smcap'>Melchior -Steiner</span> und <span class='smcap'>Carl Cist</span> als Drucker und Verleger genannt zu werden. Von -einem geregelten buchhändlerischen Verkehr war keine Rede, der Vertrieb -wurde durch Hausierer besorgt. -</p> - -<div class="sidenote">Sonst und Jetzt.</div> - -<p> -So waren die ersten schwachen Anfänge der amerikanischen Presse, deren -Riesendimensionen jetzt unser Staunen erregen. Was würde wohl der -einstmalige Gouverneur von Virginien Sir Thomas Berkeley sagen, wenn -er heute nach Virginien zurückkehrte, von wo aus er 1671 mit Stolz -und Befriedigung nach London berichtete: „Ich danke Gott, wir haben -hier keine Freischulen und keine Buchdruckereien, und ich hoffe, es -soll noch lange Zeit so bleiben, denn das Lernen hat nur Ungehorsam, -Ketzerei und Sektenwesen in die Welt gebracht; die Buchdruckerkunst -aber war die Dienerin aller dieser Gräuel; Gott bewahre uns vor -beiden“. -</p> - -<div class='footnotes'> - -<div class='footnote' id='FN_121'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_121'>[1]</a></span> <span class='smcap'>N. Drake</span>, <em class="kursiv">Essays etc. of the Tatler, Spectator and -Guardian</em>. 3 Bde. London 1814. — <span class='smcap'>Jul. Duboc</span>, Geschichte der engl. -Presse nach J. Grant. Hannover 1873. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_122'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_122'>[2]</a></span> <span class='smcap'>Isaiah Thomas</span>, <em class="kursiv">The history of printing in America</em>. 2 -Bde. Albany 1874. — <span class='smcap'>J. F. Fabricius</span>, Notizen über die Einführung und -erste Ausbreitung der Buchdruckerkunst in Amerika. Hamburg 1841. — -<span class='smcap'>Fr. Kapp</span>, Der deutsch-amerikanische Buchdruck und Buchhandel im vorigen -Jahrh. Leipzig 1878. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_123'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_123'>[3]</a></span> Dem Himmel entriss er den Blitz, den Tyrannen das Szepter. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_124'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_124'>[4]</a></span> „Hier ruht der Leib Benjamin Franklins, Buchdrucker -(gleich dem Deckel eines alten Buches, dessen Inhalt herausgenommen -ist und der seiner Aufschrift und Vergoldung beraubt wurde), Nahrung -für die Würmer. Doch wird das Werk selbst nicht verloren sein, sondern -einstens in einer neuen und schöneren, vom Verfasser durchgesehenen und -verbesserten Auflage erscheinen.“ — Der Gedanke selbst war vielleicht -nicht ganz original, wenigstens hat er grosse Ähnlichkeit mit einem -von Joseph Capen in einem Leichencarmen auf John Foster in Boston -ausgesprochenen. -</div> -</div> - -<div class="center clrboth"> - <img src="images/pg_276_deco.jpg" - style="margin-bottom:5em;" - alt="Kapitel-Ende" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<div class="center clrboth pgbreak"> - <img src="images/pg_277_deco.jpg" - alt="Kapitel-Anfang" /> -</div> - -<h2 class="nobreak" id="h2_28"> -XIII. KAPITEL. -<span class="seitnum">[<a href="#toc_28">←</a>]</span> -</h2> -</div> - -<p> -DIE SLAWISCHEN LÄNDER. DIE TÜRKEI. DIE OSTASIATISCHEN LÄNDER. -</p> - -<div class="blockquote"> -<p> -<span class='smcap'>Polen.</span> <span class='smcap'>Russland</span>: -Moskau, St. Petersburg. <span class='smcap'>Die Türkei</span>: -Konstantinopel, Ibrahim und Said Efendi, Syrien. -<span class='smcap'>Das östliche Asien, China</span>, das chinesische -Tafeldruckverfahren und die Papierfabrikation. Europäischer Druck in -Asien. -</p> -</div> - -<p class="hide_x_"> -<span class='pagenum'><a id='Page_277' name='Page_277' href='#Page_277'>[277]</a></span> -<img src="images/pg_277_cap.jpg" alt="P" width="50" class="cap0" /> -<span class="hide">P</span>OLEN, im <span class='smcap'>xv.</span> und <span class='smcap'>xvi.</span> Jahrhundert ein blühendes Reich, wo -Wissenschaft und Litteratur begünstigt wurden, förderte auch rüstig -die Buchdruckerkunst. <span class='smcap'>Johann Haller</span> aus Nürnberg (um d. J. 1500), ein -Schüler Kobergers, war ein bedeutender Buchdrucker und Buchhändler -in KRAKAU. Die Juden begannen 1517 den hebräischen Druck zu üben, -der sehr aufblühte. <span class='smcap'>Paul Helic</span> gab 1540 das von einem getauften Juden -ins Hebräische übersetzte Neue Testament heraus. Mit ihm gleichzeitig -wirkte <span class='smcap'>Hieronymus Victor</span> aus Wien (1518-1543). -</p> - -<p> -Der bedeutendste Buchdrucker war wohl <span class='smcap'>Nikolaus Scharfenberg</span>. -Berühmt sind seine den Königen Sigismund August, Heinrich von Valois -und Stephan <span class='smcap'>i.</span> gewidmeten Bibeln in polnischer Sprache und seine -<em class="kursiv">Constitutiones, statuta et privilegia in comitiis regni etc.</em>, die er -für den Buchhändler <span class='smcap'>Andreas Lazarsz</span> druckte, der, selbst Buchdrucker, -auch eine grosse Anzahl vorzüglicher und hochgeschätzter Werke aus -seiner Offizin lieferte. -</p> - -<div class="sidenote">Polen.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_278' name='Page_278' href='#Page_278'>[278]</a></span> -Einer der angesehensten Männer Polens war <span class='smcap'>Johann Januszowski</span>. Früher -Gesandter bei Kaiser Maximilian <span class='smcap'>ii.</span> und Geheimschreiber des Königs -Sigismund August, zog er sich von den Staatsgeschäften ganz zurück, um -nur den Wissenschaften und der Typographie zu leben. Polen hat seiner -Feder und seinen Pressen eine Menge wertvoller Schriften zu verdanken. -Ein berühmter Buchdrucker war <span class='smcap'>Franz Cäsarius</span> (wahrscheinlich ein -Deutscher, Kaiser), der die Lazarszsche Offizin erwarb, welche über 100 -Jahre im Besitz der Familie blieb. -</p> - -<p> -Unter den jüdischen Buchdruckern zeichnete sich namentlich -<span class='smcap'>Isaak-Ben-Aaron Prostitz</span> (um 1550) aus. Unter vielen anderen Schriften -druckte er sowohl den babylonischen als den jerusalemitischen Talmud. -In POSEN, WILNA und LUBLIN, wo sich der Sitz der Socinianer<a name='FA_131' id='FA_131' href='#FN_131' class='fnanchor'>[1]</a> -befand, wurde viel gedruckt, ebenso in BRZESC, wo die bekannte <em class="kursiv">Biblia -swięta</em> mit Illustrationen (1563) erschien, die nach dem Kostenträger -gewöhnlich die Radziwill-Bibel genannt wird. In OSTROG kam auf Kosten -des Fürsten Konstantin von Ostrog, Palatins von Kiew, die jetzt sehr -selten gewordene Bibel in altrussischer Sprache heraus. Die Leitung -hatte der Patriarch Jeremias von Konstantinopel übernommen; die Typen -sind genau den slawischen Manuskripten nachgebildet. Der Druck ist -vorzüglich, nur das Papier ist nicht gut. -</p> - -<p> -In WARSCHAU wurde erst 1580 gedruckt; in LEMBERG 1593. Die galizische -Presse hat nie eine Bedeutung erlangt und wurde von den Jesuiten -vollständig beherrscht. Aus Böhmen und Mähren ist wenig zu berichten. -PRAG hat einige hebräische Drucke von Bedeutung aufzuweisen. Auf -dem Schlosse KRALITZ in Mähren liess der Freiherr von Zarotin -von böhmischen Brüdern die erste Bibel in der Landessprache in 6 -Quartbänden drucken (1579-1593). -</p> - -<div class="sidenote">Ungarn.</div> - -<p> -In UNGARN war die frische Blüte bald vorbei und die Buchdruckerkunst -in Ofen bis 1725 wieder in Vergessenheit geraten. SIEBENBÜRGEN erhielt -in KLAUSENBURG 1550 seine erste Druckerei. Der berühmteste Typograph -und Schriftgiesser dort war -<span class='pagenum'><a id='Page_279' name='Page_279' href='#Page_279'>[279]</a></span> -<span class='smcap'>Nikolaus Tótfalu</span>, der sogar Florenz und -Amsterdam mit georgischen und samaritanischen Schriften versorgte.<a name='FA_132' id='FA_132' href='#FN_132' class='fnanchor'>[2]</a> -</p> - -<div class="sidenote">Russland.</div> - -<p> -In RUSSLAND war die alte Zarenstadt MOSKAU der Hauptsitz der slawischen -Gelehrsamkeit. Hier entstand unter dem Grossfürsten Iwan Wassiljewitsch -1553 die erste Buchdruckerei <span class='smcap'>Synodalnija typografia</span> durch den Diakon -<span class='smcap'>Iwan Feodorow</span> und <span class='smcap'>Timoféew Mstislavzoff</span> unter Aufsicht des Dänen <span class='smcap'>Hans -Hannsen</span>, und hier erschien 1564 der in der russischen Litteratur -so berühmte <em class="kursiv">Apostol</em>, in slawischer Sprache gedruckt, von welchem -das einzige bekannte Exemplar in der Bibliothek der Akademie zu St. -Petersburg aufbewahrt wird. Das Volk verjagte die Drucker, die es -für Zauberer hielt und die nun ihre Arbeiten in Wilna und Lemberg -fortsetzten. Erst 1644 unter Michael Fedorowitsch' Regierung wurde eine -neue Offizin eröffnet, deren Erzeugnisse, fast nur aus kirchlichen -Werken bestehend, grosses Lob verdienen. Im Jahre 1643 hatte der -Klostergeistliche <span class='smcap'>Arsenij Suhanow</span> den Gebrauch einer sehr schmalen und -schlanken Schrift eingeführt, die noch jetzt in der Synodaldruckerei -unter dem Namen „die arsenijsche“ vorhanden ist. Im Jahre 1663 erschien -die zweite sorgfältige Ausgabe der russischen Bibel nach dem Muster der -Ostroger v. 1581. -</p> - -<div class="sidenote">Peter der Grosse.</div> - -<p> -Die Einführung der weltlichen russischen, sich an die Antiqua -anlehnenden, Schrift, durch welche die Volkslitteratur sich entschieden -von der kirchlichen scheidet, ist ein Werk Peters des Grossen. -Dieser erteilte im Jahre 1698 dem Amsterdamer Buchdrucker <span class='smcap'>Tessing</span> -das Privilegium, Bücher für Russland zu drucken. Zar Peter liess -auch Typen in Holland schneiden und Schrift giessen, mit welcher die -Synodal-Buchdruckerei in Moskau 1705 die erste Zeitung in Russland -druckte. Bis 1707 war das Drucken ein Vorrecht der Krone oder des -Metropoliten gewesen, von da ab durften auch Privatpersonen das -Buchdrucker-Geschäft ausüben, welches nun einen kräftigen Anlauf nahm. -</p> - -<div class="sidenote">Peter der Grosse.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_280' name='Page_280' href='#Page_280'>[280]</a></span> -Im Jahre 1717 liess Zar Peter die Bibel in Amsterdam von <span class='smcap'>Jan van Duren</span> -derart drucken, dass von zwei Spalten die eine den holländischen Text -enthielt, während die slawische Übersetzung auf die zweite Spalte in -Russland eingedruckt werden sollte. In dieser Weise kam jedoch nur -das Neue Testament 1721 zustande, das Alte blieb in der unfertigen -holländischen Gestalt. -</p> - -<p> -Im Jahre 1740 errichtete ein Engländer <span class='smcap'>Andrew Johnson</span> eine georgische -Buchdruckerei, in welcher die Bibel mit Typen, die auf Befehl des -gelehrten georgischen Fürsten Vakuset ausgeführt waren, gedruckt wurde, -unter dessen Aufsicht auch das Evangelium Matthäi 1712 als Polyglotte -in 8 Sprachen ausgeführt sein soll. -</p> - -<div class="sidenote">St. Petersburg.</div> - -<p> -Nach ST. PETERSBURG brachte Peter der Grosse die Pressen von Moskau, -das erste hier erschienene Buch war „das Buch des Mars“, datiert -1713. Die erste St. Petersburger Zeitung erschien 1714. Der Senat -erhielt 1719 eine eigene Offizin. 1720 errichteten die Mönche -in dem St. Alexander Newski-Kloster eine Offizin, 1724 hatte das -Admiralitäts-Kollegium, 1727 die Akademie der Wissenschaften, 1735 -die Synode eigene Druckerei. Chinesische Bücher wurden bereits 1730 -geliefert. -</p> - -<p> -Für GRIECHENLAND war die Kunst so gut wie nicht vorhanden, nur hier und -dort erschien vorübergehend eine ambulante jüdische Buchdruckerei. -</p> - -<div class="sidenote">Die Türkei.</div> - -<p> -In der TÜRKEI<a name='FA_133' id='FA_133' href='#FN_133' class='fnanchor'>[3]</a> war auf Anordnung des Sultan Bajazet <span class='smcap'>ii.</span> die Ausübung -der Buchdruckerei verboten worden (S. 76) und sein Sohn Selim <span class='smcap'>i.</span> hatte -dieses Verbot erneuert. Trotz der angedrohten Todesstrafe druckten -jedoch die Juden im Stillen fort und aus den Jahren 1490-1726 sind -manche Drucke in hebräischer Sprache bekannt, unter welchen der -Polyglott-Pentateuch von 1546 wohl der bedeutendste ist. -</p> - -<p> -Im <span class='smcap'>xvii.</span> Jahrhundert versuchte <span class='smcap'>Nicodemus Metaxa</span>, ein gelehrter Mönch -aus Cephalonia, unter den Auspizien des Patriarchen Cyrillus Lukaris -eine griechische Offizin in KONSTANTINOPEL zu begründen. Der Versuch -wurde jedoch durch die Jesuiten vereitelt -<span class='pagenum'><a id='Page_281' name='Page_281' href='#Page_281'>[281]</a></span> -und eine 1698 aus Venedig -eingeführte armenische Presse auf Befehl des Sultans zerstört. -</p> - -<div class="sidenote">Ibrahim und<br />Said Efendi.</div> - -<p> -Erst 1726 unter der Regierung Achmeds <span class='smcap'>ii.</span> trat die, von der Regierung -erlaubte, ja von ihr unterstützte freie Ausübung der Buchdruckerei -ein. Sie war ein Werk des verdienten und gelehrten <span class='smcap'>Ibrahim Efendi</span>. -Besonders thätig war dabei <span class='smcap'>Said Efendi</span>, der als Gesandtschaftssekretär -in Paris Geschmack an der Kunst gefunden hatte und nun die nötigen -Schriften anschaffte, und zwar diese in Konstantinopel selbst schneiden -und giessen liess. Nach vielen Beratungen mit den ersten Staatsmännern -und Gesetzverständigen that der Mufti den Ausspruch, dass es gestattet -sein solle, mit Ausnahme der Religionsbücher, in arabischer Sprache -zu drucken, dass es aber gut sei, wenn vier Oberaufseher ernannt -würden, welche wissenschaftliche Kenntnisse genug besässen, um über -den richtigen Abdruck der Bücher zu wachen. Das erste Buch, welches -demgemäss erschien, war Wankulis: <em class="kursiv">Kitab Lugat</em>, arabisch-türkisches -Wörterbuch, 2 Bde., zusammen von 1422 Seiten, 1728. Ein kaiserlicher -Befehl stellte den Preis auf 35 Piaster fest. Als erstes mit -Antiquaschrift gedrucktes Buch folgte Holdermanns französisch-türkische -Grammatik 1730. Um dieses Jahr entwickelte sich eine ziemlich lebhafte -Druckthätigkeit, namentlich um geschichtliche und geographische Werke -herzustellen, darunter eine Geschichte von Amerika mit Landkarten und -Illustrationen, ein Atlas von 39 Tafeln; „das Buch von dem Spiegel der -Welt“ u. a. -</p> - -<p> -Dies Aufblühen der Buchdruckerei war jedoch nicht von langem Bestand. -Man hat behauptet, dass sie auf Grund einer Pression der vielen -Abschreiber auf die Regierung eingestellt worden sei. Das ist jedoch -unbegründet, auch dürfte der Schaden, der den Abschreibern entstanden -war, nur ein sehr kleiner gewesen sein, da die religiösen Werke -nicht gedruckt werden durften, auch das Abschreiben vieler Werke -noch notwendig blieb. Mehr scheint der Mangel an Arbeitern massgebend -gewesen zu sein und die Vorliebe für schön geschriebene Bücher, die -allen Orientalen gemeinsam ist. -</p> - -<p> -Mit Ibrahims Tode tritt der Stillstand ein und erst gegen das Ende des -Jahrhunderts lebte die Buchdruckerkunst in Konstantinopel wieder auf. -</p> - -<div class="sidenote">Die Wallachei.</div> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_282' name='Page_282' href='#Page_282'>[282]</a></span> -In der WALLACHEI wurde im Kloster SNAGOF, nahe bei Bukarest, auf -Kosten des Woywoden Johannes Konstantin Bessaraba, i. J. 1701 ein -griechisch-arabisches Missal gedruckt. Die dortige Klosterbuchdruckerei -war reich an arabischen, griechischen und illyrischen Schriften. -</p> - -<div class="sidenote">Syrien.</div> - -<p> -In SYRIEN bildeten die Klöster des Libanon eine Zuflucht für -abendländische Wissenschaft, wo seit länger als 250 Jahren gedruckt -worden ist. <span class='smcap'>Paschalis-Elis</span> und <span class='smcap'>Joseph Ibn-Amimas</span> arabisch-syrischer -Psalter ist 1610 datiert. Aus ALEPPO, wo eine Buchdruckerei unter -der Direktion des Patriarchen Athanasius von Antiochien bestand, -existierten Drucke aus dem Jahre 1706, aus BEIRUT von 1751; georgische -aus TIFLIS von 1701. In DAMASCUS druckten die Juden schon 1605. -Im Jahre 1622 beschloss ein Konzil der armenischen Bischöfe die -Buchdruckerei einzuführen. Ein Mönch aus Eriwan, <span class='smcap'>Uscan</span> oder <span class='smcap'>Osgan</span> -(gest. 1676) wurde nach Amsterdam gesandt und druckte dort die -Bibel. 1669 errichtete Uscan eine armenische Presse in Marseille, die -schliesslich nach Konstantinopel übergeführt wurde. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Früher Druck in<br />China.</div> - -<p> -Im ÖSTLICHEN ASIEN wurde lange vor Einführung von Gutenbergs Kunst -der Bücherdruck in ziemlichen Umfange getrieben und CHINA<a name='FA_134' id='FA_134' href='#FN_134' class='fnanchor'>[4]</a> ist oft -als die Mutter der Buchdruckerkunst genannt. Nach dem, was wir unter -Typographie verstehen, kann davon, wie auch gleich eingangs bemerkt -wurde, keine Rede sein, aber der chinesische Bücherdruck ist wichtig -und interessant genug, um demselben unsere Aufmerksamkeit zu schenken. -Wir übergehen alle sich in das Mythenreich verlierenden Erzählungen von -der Entstehung der chinesischen Schrift und der frühesten Verwendung -derselben, und halten uns an die historisch begründete Thatsache, dass -um das Jahr 1000 n. Chr. viele Bücher von Holztafeln gedruckt wurden. -Zuerst waren die Schriften vertieft in Stein oder Holz geschnitten -worden, so dass nach der Einreibung mit Farbe die Schrift weiss auf -schwarzem Grund erschien; man lernte jedoch bald die Vorzüge des -erhabenen Buchstabenschnittes kennen. -</p> - -<p> -<span class='pagenum'><a id='Page_283' name='Page_283' href='#Page_283'>[283]</a></span> -Das chinesische Druckverfahren, wie es sich bis auf den heutigen Tag -erhalten hat, ist folgendes: -</p> - -<div class="sidenote">Das chinesische<br />Druckverfahren.</div> - -<p> -Aus hartem Holz, gewöhnlich Kirsch-, Birn- oder Pflaumenbaumholz, -werden, ½-¾ Zoll dicke Tafeln geschnitten, die kleinen Ritzen und -Löcher ausgefüllt und die geglätteten Flächen (man benutzt in der Regel -beide) mit einem Reisteig überzogen. Das Herstellen solcher Platten -ist ein besonderer Geschäftszweig. Der Schönschreiber malt nun genau -und zierlich das zu Druckende auf durchsichtiges Papier und vergleicht -seine Arbeit mit dem Manuskript. Ein Blatt (zwei neben einander -stehende Seiten) enthält gewöhnlich ein halbes tausend Zeichen. Die -beiden Seiten werden mit einem starken Strich umrahmt; ein anderer -Strich durch die Mitte des Blattes bezeichnet die Stelle, wo das, nur -auf der einen Seite bedruckte Blatt, mit der zugemachten Seite nach -aussen gekehrt, beim Heften gefalzt werden muss, ganz wie es bei den -xylographischen Reiberdrucken des <span class='smcap'>xv.</span> Jahrh. in Deutschland der Fall -war. -</p> - -<div class="sidenote">Uebertragung<br />der Schrift.</div> - -<p> -Auf die noch feuchte Klebmasse, mit der das Holz überzogen wurde, wird -das beschriebene Blatt verkehrt aufgelegt und, nachdem es angetrocknet -ist, mit einem benetzten Finger das Papier sorgsam abgerieben. Die -Schrift bleibt deutlich auf dem Holzblock zurück. Damit sie noch besser -hervortritt und das Holz leichter zu behandeln ist, wird die Oberfläche -mit Fett überzogen oder mit Öl getränkt. -</p> - -<div class="sidenote">Der Schnitt.</div> - -<p> -Dann geht „der Setzer“ (d. h. der Holzschneider) ans Werk und sticht -alles nicht Beschriebene wie bei der Holzschnittzeichnung weg. Den -durch einen solchen erhabenen Schnitt entstehenden Druck nennt man den -männlichen (<em class="kursiv">Jangwen</em>), wird dagegen die Schrift vertieft geschnitten, -so dass sie im Druck weiss auf schwarzem Grund erscheint, so heisst das -Verfahren weiblicher Druck (<em class="kursiv">Jenwen</em>). -</p> - -<div class="sidenote">Der Drucker.</div> - -<p> -„Der Drucker“ sitzt vor einer Bank, auf welcher der Block so festgelegt -wird, dass er sich nicht rücken und reiben kann, was schon deshalb -vermieden werden muss, weil, wie erwähnt, gewöhnlich beide Seiten der -Platte zum Schnitt benutzt werden. Auf der einen Seite steht ein Haufen -Papier, auf der andern befindet sich der Topf mit der Schwärze, sowie -der Pinsel oder die Bürste. Die Druckerschwärze besteht aus gestossenem -und durch ein Haarsieb geschüttetem Lampenruss, welcher in Branntwein -zu einem Brei -<span class='pagenum'><a id='Page_284' name='Page_284' href='#Page_284'>[284]</a></span> -aufgeweicht, bis zu einem Zehnteil der Masse mit -animalischem Leim oder Pflanzenöl angemacht, schliesslich mit Wasser -verdünnt wurde. -</p> - -<div class="sidenote">Reiberdruck.</div> - -<p> -Das erste Geschäft des Druckers ist, dass er mit dem in die Schwärze -getauchten Pinsel oder der Druckbürste die Tafel zweimal sanft -überfahrt, so dass die erhabenstehende Schrift gleichmässig gefärbt -wird. Dann legt er einen Bogen auf die Schrift, streicht ihn behutsam -mit der Bürste aus, legt einen zweiten Bogen als schützenden Deckel -darauf und fährt mit der Bürste oder einem Reiber aus Palmenrinde ein -paarmal fest darüber weg, dann ist der Druck fertig. Der Farbenanstrich -dient für drei bis vier Abzüge und muss dann erneuert werden. Ein guter -Drucker soll täglich zwei- bis dreitausend Blätter liefern können. -</p> - -<div class="sidenote">Das Heft.</div> - -<p> -Die zusammengefalzten, gedruckten Blätter werden zu einem Heft (<em class="kursiv">pen</em>) -vereinigt, selten mehr als 50-80 Blätter. Oft erhalten die Hefte einen -obern und untern Deckel, mit Seide oder Brokat überzogen. Die zu einem -Werke gehörenden Hefte werden zusammen in einer Kapsel von Pappe oder -Holz aufbewahrt. Die Kapseln werden auf die Bücherbretter flach gelegt -und über einander geschichtet. -</p> - -<div class="sidenote">Das Format.</div> - -<p> -Das beliebteste „Format“ ist, was wir ein längliches Oktav nennen -würden. Doch giebt es auch „Ärmel-Ausgaben“ in kleinerem Format und ein -„Quartformat“ bis 14 Zoll im Quadrat. -</p> - -<div class="sidenote">Typographische<br />Einteilung</div> - -<p> -Der „Titel“ kommt nach unserer Bezeichnung hinten, wie bei den -semitischen Büchern, die erste Seite eines chinesischen Buches würde -also unsere letzte sein. Die „Zeile“ geht von oben nach unten, und jede -Zeile ist von der nächsten durch einen Längenstrich geschieden. Der -allgemeine und der Kapiteltitel wird der Länge nach in der Mitte des -Bundstegs gedruckt, so dass er halb auf der einen, halb auf der andern -Kolumne steht. Der Titel zu Anfang giebt das Druckjahr und den Drucker -an. Fängt das Buch nicht mit einem Vorwort an, so hat es gewöhnlich ein -Schlusswort. Längere Anmerkungen werden auf dem oberen Teil der Seite -angebracht und durch einen Strich von dem Text getrennt, kurze öfters -mit kleinerer Schrift zwischen den Zeilen eingefügt. Reich illustrierte -Ausgaben mit höchst zierlichen Konturzeichnungen sind sehr häufig. -Ein Inhaltsverzeichnis wird manchmal beigegeben, nie ein Register, da -ja der Begriff einer alphabetischen Anordnung -<span class='pagenum'><a id='Page_285' name='Page_285' href='#Page_285'>[285]</a></span> -überhaupt den Chinesen -mangelt. Die Seiten werden gezählt, aber nicht durch das ganze Werk -fortlaufend, sondern für jeden Abschnitt besonders. Vom Staat besorgte -Ausgaben sind durch Drachenbilder kenntlich. Der Kaisersitz Hangtscheu -war lange der Hauptort der Druckereien und die dort erschienenen Drucke -galten als die vorzüglichsten. -</p> - -<div class="sidenote">Das Papier.</div> - -<p> -Das chinesische und japanische <span class='smcap'>Papier</span> wird hauptsächlich aus -Bambusfasern, sowie aus Reis- und Getreidestroh, ausserdem auch aus -der Rinde, teilweise aus den Wurzeln des Papier-Maulbeerbaumes (der -<em class="kursiv">Broussonetia papyrifera</em>), der Schwertlilienpflanze, sowie aus -mehreren Nadelhölzern, endlich aus Baumwolle, Hanf und Abfällen der -Seidenspinnerei gefertigt. -</p> - -<div class="sidenote">Das Bambus-<br />rohrpapier.</div> - -<p> -Das für die Papier-Fabrikation bestimmte Bambusrohr wird im ersten -chinesischen Monat geschnitten, von den Blättern befreit und in 3-4 -Fuss lange dünne Stäbe gespalten. Diese werden entweder lose, oder in -Bündel gebunden, in Küpen gelegt, worin sie, schichtweise mit Kalklagen -bedeckt und mit Wasser übergossen, 3-4 Monate liegen, bis das Rohr in -völlige Fäulnis übergegangen ist. Nach dieser Zeit werden die Stücke -herausgenommen und mittels Schläger zu einem Brei verwandelt, der dann -gehörig gereinigt, und mit etwas Leimwasser vermischt wird. Von der -halbflüssigen Masse wird nun diejenige Quantität auf einen viereckigen -siebartigen Rahmen geschöpft, die zur Erzeugung eines Bogens nötig -ist, der Rahmen vorsichtig, aber rasch, hin und her bewegt, um die -gleichmässige Verteilung der Masse auf dem Siebe zu ermöglichen, -endlich die so gebildete dünne Schicht halbtrocken als Papierbogen vom -Rahmen abgehoben. Diese Bogen werden später auf mässig erhitzte Wände -geklebt und bei manchen Papiersorten mit einem Überzug von Reisstärke -versehen, schliesslich an der Sonne völlig getrocknet. Für die besten -Papiere werden bloss die Schösslinge des Bambus verwendet und diese -noch, ehe man sie spaltet, sorgfältig abgeschabt, während für die -Fabrikation geringerer Qualitäten auch die Blätter als Material dienen. -</p> - -<div class="sidenote">Der Papier-<br />Maulbeerbaum.</div> - -<p> -Die Anfertigung des Papiers aus den Schösslingen des -Papier-Maulbeerbaumes erfolgt so: In jedem Jahre werden die Pflanzen -bis auf die Wurzeln abgeschnitten. Von jedem Stengel entstehen in -dem folgenden Jahre fünf Triebe, so dass sich im Laufe von fünf -<span class='pagenum'><a id='Page_286' name='Page_286' href='#Page_286'>[286]</a></span> -Jahren ein dichter Strauch bildet. Die Triebe aus dem fünften Jahre -werden zu Papier verarbeitet. Nachdem die Stengel in Stücke von 2½-3 -Fuss Länge geschnitten worden sind, werden sie in einem Kessel, der -merkwürdigerweise aus Stroh besteht, mit Dampf behandelt. Durch diesen -Prozess wird die Rinde von den Stengeln gelöst, welch letztere nur als -Brennmaterial zu verwenden sind. Die Rinden werden getrocknet, später -einen Tag lang in fliessendem Wasser gewaschen, um die Ablösung der -innern Fasern, aus denen das beste Papier gemacht wird, zu erleichtern, -während die äussere, dunkle Rinde nur zu ordinärem Papier dient. Die -Fasern werden nun gepresst, gekocht und wieder gepresst und dann in -Blöcken aufgehoben. Nach Bedarf wird dann die Masse mit einer Art -Paste, die aus den Wurzeln des „Tororo“, einer der Baumwollenstaude -nicht unähnlichen Pflanze, gewonnen wird, versetzt. Die Mischung wird -tüchtig eingerührt, bis die richtige Konsistenz erreicht ist, und -dann das Papier in Formen mit zwei Böden geschöpft, getrocknet und -beschnitten. -</p> - -<div class="sidenote">Das Reispapier.</div> - -<p> -Ein, uneigentlich als Reispapier bezeichnetes Produkt ist das auf der -Insel Formosa aus der <em class="kursiv">Aralia papyrifera</em> gewonnene. Das Mark dieser -Pflanze wird in dünne Blättchen geschnitten und dann noch flacher -gepresst und liefert Stücke von ½-1 Fuss im Quadrat. Die besten Stücke -werden zum Bemalen, die kleinen Stücke zu der Fabrikation künstlicher -Blumen benutzt. -</p> - -<div class="sidenote">Das Papiergeld.</div> - -<p> -Zur Fabrikation des Papiergeldes wird in Japan nur der Bast eines -Baumes „Mitsumata“ verwendet, welcher ausdrücklich zu diesem Zweck -kultiviert wird. Der Bast des Kaji-Baumes, der unserer Weide gleicht, -wird namentlich zu <em class="kursiv">Papiermaché</em> verarbeitet, von welchem die -Chinesen und Japanesen wie bekannt eine Unendlichkeit von Gegenständen -herstellen<a name='FA_135' id='FA_135' href='#FN_135' class='fnanchor'>[5]</a>. -</p> - -<hr /> - -<div class="sidenote" style="margin-top:1em;">Europäischer<br />Druck in China<br />und Japan.</div> - -<p> -EUROPÄISCHE TYPOGRAPHIE IN ASIEN. Um die Einführung der gutenbergischen -Typographie im östlichen und südlichen Asien machten sich die -Jesuiten-Missionäre schon ausgangs des -<span class='pagenum'><a id='Page_287' name='Page_287' href='#Page_287'>[287]</a></span> -<span class='smcap'>xvi.</span> oder anfangs des <span class='smcap'>xvii.</span> -Jahrhunderts verdient und sie hatten in der Hauptstadt PEKING -verborgene Pressen. Eins der ältesten dort gedruckten Bücher ist -die <em class="kursiv">Cœlestis doctrinæ vera ratio</em> chinesisch aus dem Jahre 1603. -In NANKING gab der Jesuit Nikolas Trigault um 1620 ein chinesisches -Wörterbuch in 3 Bänden heraus, das jetzt zu den grössten Seltenheiten -gehört. In MACAO wurde schon um 1590 gedruckt. Das erste Buch war -der Bericht eines japanesischen Gesandten nach Rom in japanischer und -lateinischer Sprache. In CANTON wurde vieles gedruckt, darunter ist -zu erwähnen die „Bibliothek nützlicher Kenntnisse“ in 100 Bändchen. -Auf der Insel FORMOSA erschien 1661 eine malaische Übersetzung der -Evangelien Johannis und Matthäi. -</p> - -<p> -Das Druckverfahren in JAPAN ist dem chinesischen gleich und wird seit -uralter Zeit geübt. In europäischer Weise gedruckt erschien bereits -1591 in TACACO auf der Insel Nippon ein Leben der Apostel mit einem -angehängten Vokabularium. Gleichzeitig druckten die Jesuiten in -AMACUSA. NANGASAKI hatte zu Ende des <span class='smcap'>xvi.</span> Jahrh. schon eine ziemlich -thätige Presse. -</p> - -<div class="sidenote">Ostindien.</div> - -<p> -OSTINDIEN. Im nördlichen Teile Ostindiens, in Kaschmir, Thibet und -Kabul, wurde der Holztafeldruck schon seit vielen Jahrhunderten geübt. -Der erste Ort, der 1563 nach europäischer Weise druckte, war GOA auf -einer Insel an der Westküste des Dekan, die früheste Niederlassung -der Portugiesen. Fast gleichzeitig, 1569, erhielt TRANQUEBAR auf -der Koromandelküste seine Presse durch die Londoner Gesellschaft für -Verbreitung des Evangeliums. Zuerst wurde ein schönes Neues Testament, -in Quarto, gedruckt, dann verschiedene Gebetbücher und Katechismen -in portugiesischer, englischer und dänischer Sprache, sowie in -verschiedenen asiatischen Dialekten. Als Tranquebar in dänischen Besitz -kam, war die dänische Mission sehr thätig. <span class='smcap'>Bartholomäus Ziegenbalg</span> und -<span class='smcap'>Heinrich Plutschau</span> brachten eine Presse und Schriften aus Deutschland. -Auf Kosten des Königs von Dänemark wurden tamulische Schriften in -der Waisenhausbuchdruckerei in Halle gegossen und durch J. G. Adler -nach Indien gebracht, wo dieser 1714 die vier Evangelien und die -Apostelgeschichte, 1715 die Episteln und die Apokalypse herausgab. 1723 -erschien die <em class="kursiv">Biblia tamulica</em>, 3 Teile in Quarto. Am wichtigsten für -die Typographie Indiens ist BENGALEN, es wurde -<span class='pagenum'><a id='Page_288' name='Page_288' href='#Page_288'>[288]</a></span> -jedoch die Druckkunst -erst 1778 dort eingeführt; demnach gehört die dortige Pressthätigkeit -erst einer späteren Periode an. -</p> - -<div class="sidenote">Die asiatischen<br />Inseln.</div> - -<p> -In dem ASIATISCHEN ARCHIPEL fand die Kunst zuerst auf JAVA eine Heimat. -Die niederländisch-indische Gesellschaft errichtete in BATAVIA zu Ende -des <span class='smcap'>xvii.</span> Jahrhunderts mehrere Pressen. -</p> - -<p> -Von dem Wunsche beseelt, den Eingebornen das Evangelium in der -Landessprache in die Hände zu geben, befahl der Gouverneur von -CEYLON Freiherr <span class='smcap'>G. W. von Imhof</span> 1737 eine Druckwerkstätte in COLOMBO -zu errichten, die später auch manches wissenschaftliche Werk ans -Tageslicht förderte. In der Hauptstadt der Philippinen, MANILLA, wurde -um 1600 gedruckt. Im <span class='smcap'>xviii.</span> Jahrhundert wetteiferten die katholischen -Missionäre hier mit den protestantischen in Tranquebar in der -Verbreitung des Evangeliums. -</p> - -<hr /> - -<p> -So war die Kunst Gutenbergs, welche bereits in den ersten hundert -Jahren ihres Bestehens sich über ganz Europa den Weg gebahnt und -eine hohe Stufe der Ausbildung erreicht hatte, von welcher ungünstige -Verhältnisse sie nur zeitweilig herabzudrängen vermochten, über die -ganze Welt verbreitet. Schon um die Zeit, welche unsere vorläufige -Grenze bildet, galt das, hundert Jahre später ausgesprochene Wort: -</p> - -<div class="poetry-container kursiv"> -<div class="poetry"> -<div class="stanza"> -<div class="verse"> -„Über des Oceans Raum in die fernsten Gebiete der Erde -</div> -<div class="verse"> -Trägt, Gefeierter! dich Fama, nie rastend im Flug; -</div> -<div class="verse"> -Nicht des Gesteines bedarf es für dich, noch gegossenen Erzes, -</div> -<div class="verse"> -Denn es verkündet dein Lob jegliche Zeile des Buchs.“ -</div> -</div></div></div> - -<div class='footnotes'> - -<div class='footnote' id='FN_131'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_131'>[1]</a></span> Unitarier. Vorläufer der Rationalisten. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_132'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_132'>[2]</a></span> <span class='smcap'>J. D. Hoffmann</span>, <em class="kursiv">de typographiis eorumque initiis et -incrementis in Regno Poloniae</em>. Danzig 1740. — <span class='smcap'>K. Ungar</span>, Neue Beiträge -zur alten Gesch. d. Buchdrk. in Böhmen. Prag 1795. — <span class='smcap'>Ch. d'Elwert</span>, -Beitr. zur Gesch. etc. Mährens. I. Bd. Brünn 1854. — Etwas von der -Buchdr. des <span class='smcap'>xv.</span> u. <span class='smcap'>xvi.</span> Jahrh. in Ungarn und Siebenbürgen. (Ungar. Mag. -1788. No. 26.) Pressburg. — <span class='smcap'>Joh. Nemeth</span>, <em class="kursiv">Mém. typogr.</em> Pest 1838. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_133'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_133'>[3]</a></span> <span class='smcap'>J. Beckmann</span>, Nachrichten von der Buchdruckerei zu -Konstantinopel (Hann. Mag. 1768). — <span class='smcap'>Giamb. Toderini</span>, Litteratur der -Türken. Aus dem Ital. durch P. W. G. Hausleutner. <span class='smcap'>ii.</span> Band. 2. Teil. -Buchdruckerei der Türken. Königsberg 1790. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_134'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_134'>[4]</a></span> <span class='smcap'>Stan. Julien</span>, <em class="kursiv">L'imprimerie en Chine au VI Siècle de notre -ère</em>. Paris o. J. — <span class='smcap'>Stan. Julien</span>, <em class="kursiv">Documens sur l'art de l'impr. etc. -en Chine</em>. Paris 1847. — <span class='smcap'>H. Wuttke</span>, Die Entstehung der Schrift etc. -Leipzig 1872. -</div> - -<div class='footnote' id='FN_135'> -<span class='fnlabel'><a href='#FA_135'>[5]</a></span> In der Beschreibung der Herstellung des Papiers folgten -wir dem Spezialkatalog der chinesischen Ausstellungskommission -der Wiener Ausstellung, der in mehreren Punkten von den älteren -Darstellungen, sowie von einer Beschreibung des Herrn <span class='smcap'>von Ransonnet</span>, -abweicht. Die chinesische Ausstellung in Wien enthielt über hundert -verschiedene Sorten von Papier. -</div> -</div> - -<div class="center clrboth"> - <img src="images/pg_288_deco.jpg" - style="margin-bottom:5em;" - alt="Kapitel-Ende" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<div id="h2_29" class="center clrboth pgbreak"> -<span class="seitnum">[<a href="#toc_29">←</a>]</span> - <img src="images/pg_289_deco.jpg" - alt="Kapitel-Anfang" /> -</div> - -<h2 class="nobreak" id="h2_31"> -A. NAMEN- UND SACH-REGISTER. -<span class="seitnum">[<a href="#toc_31">←</a>]</span> -</h2> -</div> - -<div class="center"> -<table border="1" summary="Suchhilfe"> - <tr> - <td> <a href="#IX_A">A</a></td> - <td> <a href="#IX_B">B</a></td> - <td> <a href="#IX_C">C</a></td> - <td> <a href="#IX_D">D</a></td> - <td> <a href="#IX_E">E</a></td> - <td> <a href="#IX_F">F</a></td> - <td> <a href="#IX_G">G</a></td> - <td> <a href="#IX_H">H</a></td> - <td> <a href="#IX_I">I</a></td> - <td> <a href="#IX_J">J</a></td> - <td> <a href="#IX_K">K</a></td> - <td> <a href="#IX_L">L</a></td> - <td> <a href="#IX_M">M</a></td> - </tr> - <tr> - <td> <a href="#IX_N">N</a></td> - <td> <a href="#IX_O">O</a></td> - <td> <a href="#IX_P">P</a></td> - <td> <a href="#IX_Q">Q</a></td> - <td> <a href="#IX_R">R</a></td> - <td> <a href="#IX_S">S</a></td> - <td> <a href="#IX_T">T</a></td> - <td> <a href="#IX_U">U</a></td> - <td> <a href="#IX_V">V</a></td> - <td> <a href="#IX_W">W</a></td> - <td> <a href="#IX_X">X</a></td> - <td> <a href="#IX_Z">Z</a></td> - </tr> -</table> -</div> - -<div class="index" style="margin:0 7%;"> - -<ul class="IX Grp"> -<li><a class="spclcap" id="IX_A" name="IX_A">A</a>a, Peter van der S. <a href="#Page_250">250</a>.</li> -<li>Åbo <a href="#Page_158">158</a>.</li> -<li>Aalst <a href="#Page_67">67</a>.</li> -<li>Abbreviieren <a href="#Page_14">14</a>.</li> -<li>Ablassbriefe <a href="#Page_28">28</a>.</li> -<li>Abschreiben der Bücher <a href="#Page_13">13</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Academia Veneziana</em> <a href="#Page_181">181</a>.</li> -<li>Adler, Aegidius <a href="#Page_143">143</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Ad insigne Pinus</em> <a href="#Page_130">130</a>.</li> -<li>Alcala de Henares <a href="#Page_189">189</a>.</li> -<li>Aldegrever, Heinrich <a href="#Page_119">119</a>.</li> -<li>Älteste Spuren vom Druck <a href="#Page_12">12</a>.</li> -<li><span class='smcap'>Aldus-Familie.</span></li> -<li id="IXq_05">Aldus Manutius <a href="#Page_60">60</a>. <a href="#Page_175">175</a>. - <ul class="IX"> - <li>Herkunft <a href="#Page_175">175</a>.</li> - <li>Offizin in Venedig <a href="#Page_176">176</a>.</li> - <li>Griech. u. latein. Ausgaben <a href="#Page_177">177</a>.</li> - <li>Cursivschrift <a href="#Page_177">177</a>.</li> - <li>„Aldinen“ <a href="#Page_178">178</a>.</li> - <li><em class="kursiv">Neacademia</em> <a href="#Page_178">178</a>.</li> - <li>Geschäftl. Schwierigkeiten <a href="#Page_179">179</a>.</li> - <li>Tod des Aldus <a href="#Page_179">179</a>.</li> - <li>Druckerzeichen <a href="#Page_180">180</a>.</li> - </ul></li> -<li>Paul Manutius <a href="#Page_180">180</a>. - <ul class="IX"> - <li>Jugendzeit <a href="#Page_180">180</a>.</li> - <li>Ruf nach Rom <a href="#Page_181">181</a>.</li> - <li>Rückkehr nach Venedig <a href="#Page_182">182</a>.</li> - <li>Wiederkehr nach Rom <a href="#Page_182">182</a>.</li> - <li>Tod <a href="#Page_182">182</a>.</li> - </ul></li> -<li>Aldus <span class='smcap'>ii.</span> <a href="#Page_182">182</a>. - <ul class="IX"> - <li>Jugend <a href="#Page_182">182</a>.</li> - <li>Ruf nach Rom <a href="#Page_183">183</a>.</li> - <li>Aussterben der Familie <a href="#Page_183">183</a>.</li> - </ul></li> -<li><em class="kursiv">Allemand</em>-Schrift <a href="#Page_65">65</a>.</li> -<li>Aleppo <a href="#Page_282">282</a>.</li> -<li>Alexandre, Jean <a href="#Page_210">210</a>.</li> -<li>Altdorfer, Albrecht <a href="#Page_117">117</a>.</li> -<li>Amacusa <a href="#Page_287">287</a>.</li> -<li>Amann, Jost <a href="#Page_77">77</a>. <a href="#Page_118">118</a>.</li> -<li>Ammerbach, Johannes <a href="#Page_44">44</a>.</li> -<li>Amstel, Ploos van <a href="#Page_247">247</a>.</li> -<li>Amsterdam <a href="#Page_228">228</a>. <a href="#Page_233">233</a>. <a href="#Page_242">242</a>.</li> -<li><em class="kursiv">l'amour de Psyché</em> durch J. Janot <a href="#Page_200">200</a>.</li> -<li>Anabat, Guillaume <a href="#Page_197">197</a>.</li> -<li>Andersen, Andreas <a href="#Page_265">265</a>.</li> -<li>Andrae, Hieronymus in. <a href="#Page_128">128</a>.</li> -<li>Andreae, Johann <a href="#Page_131">131</a>.</li> -<li>Andreani, Andreas <a href="#Page_189">189</a>.</li> -<li>Anisson, Jean <a href="#Page_211">211</a>. <a href="#Page_213">213</a>.</li> -<li>— Jacques <a href="#Page_213">213</a>.</li> -<li>Anopistographischer Druck <a href="#Page_19">19</a>.</li> -<li>Anselm, Theodor <a href="#Page_136">136</a>.</li> -<li id="IXq_01">Antiqua-Schrift <a href="#Page_59">59</a>. <a href="#Page_65">65</a>. <a href="#Page_161">161</a>.</li> -<li>Antwerpen <a href="#Page_218">218</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Apostol</em> <a href="#Page_279">279</a>.</li> -<li>Arabische Schrift <a href="#Page_61">61</a>.</li> -<li>Arendes, Stephan <a href="#Page_74">74</a>.</li> -<li>Armbruster, Gotthart <a href="#Page_275">275</a>.</li> -<li>— Anton <a href="#Page_275">275</a>.</li> -<li>„Armenbibel“, die <a href="#Page_21">21</a>.</li> -<li>Armenischer Druck <a href="#Page_186">186</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Ars memorandi</em> <a href="#Page_21">21</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Ars moriendi</em> <a href="#Page_20">20</a>.</li> -<li>Assen, Walter von <a href="#Page_218">218</a>.</li> -<li>Athias, Joseph <a href="#Page_247">247</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Atlantica</em> von Olaus Rudbeck <a href="#Page_158">158</a>.</li> -<li>Auer, Simon <a href="#Page_133">133</a>.</li> -<li>Auflagen in ältester Zeit <a href="#Page_57">57</a>.</li> -<li>Augsburg <a href="#Page_46">46</a>. <a href="#Page_129">129</a>.</li> -<li>Augustinus, St., <em class="kursiv">de civitate dei</em> <a href="#Page_56">56</a>.</li> -<li>Autorenverhältnisse <a href="#Page_172">172</a>.</li> -</ul> - -<ul class="IX Grp"> -<li><a class="spclcap" id="IX_B" name="IX_B">B</a>acker, George <a href="#Page_261">261</a>.</li> -<li>Badius, Familie <a href="#Page_201">201</a>.</li> -<li> -<span class='pagenum'><a id='Page_290' name='Page_290' href='#Page_290'>[290]</a></span> -Bämler, Johann <a href="#Page_46">46</a>.</li> -<li>Baldung, Hans <a href="#Page_120">120</a>.</li> -<li>Ballenmeister <a href="#Page_163">163</a>.</li> -<li>Baltimore <a href="#Page_273">273</a>.</li> -<li>Bamberg <a href="#Page_48">48</a>.</li> -<li>Bapst, Valentin <a href="#Page_147">147</a>.</li> -<li>Barber, John <a href="#Page_263">263</a>.</li> -<li>Barbier, Jean <a href="#Page_259">259</a>.</li> -<li>Barcelona <a href="#Page_62">62</a>.</li> -<li>Bartholdus de Basilea <a href="#Page_43">43</a>.</li> -<li>Basel <a href="#Page_43">43</a>. <a href="#Page_120">120</a>. <a href="#Page_136">136</a>.</li> -<li>Bassandyne, Thomas <a href="#Page_265">265</a>.</li> -<li>Batavia <a href="#Page_287">287</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Batavia</em> von Hadrianus Junius <a href="#Page_70">70</a>.</li> -<li>Baumann, Georg d. ä. <a href="#Page_145">145</a>.</li> -<li>— d. j. <a href="#Page_145">145</a>.</li> -<li>Bé, Guillaume le <a href="#Page_214">214</a>.</li> -<li>Bechtermünze, Heinrich <a href="#Page_34">34</a>.</li> -<li>— Nikolaus <a href="#Page_34">34</a>. <a href="#Page_35">35</a>.</li> -<li>Beck, Reichart <a href="#Page_136">136</a>.</li> -<li>Beham, Barthel <a href="#Page_116">116</a>.</li> -<li>— Hans Sebald <a href="#Page_115">115</a>.</li> -<li>Beildeck, Lorenz <a href="#Page_25">25</a>.</li> -<li>Beirut <a href="#Page_282">282</a>.</li> -<li>Bellaert, Jacob <a href="#Page_70">70</a>.</li> -<li>Bergmann von Olpe, Joh. <a href="#Page_44">44</a>.</li> -<li>Berlin <a href="#Page_151">151</a>.</li> -<li>Berling, Heinrich <a href="#Page_156">156</a>.</li> -<li>Bernard, Salomon <a href="#Page_212">212</a>.</li> -<li>Beromünster <a href="#Page_42">42</a>.</li> -<li>Beschreib. all. Künste (J. Amann) <a href="#Page_118">118</a>.</li> -<li><span class='smcap'>Bibeldruck.</span></li> -<li id="IXq_06">Bibel, welche war die erste <a href="#Page_29">29</a>.</li> -<li>— 36zeilige (Gutenberg) <a href="#Page_29">29</a>.</li> -<li>— 42zeilige (Gutenberg) <a href="#Page_30">30</a>.</li> -<li>— 48zeilige (Schöffer) <a href="#Page_40">40</a>.</li> -<li>— spanische (Palmert) <a href="#Page_62">62</a>.</li> -<li>— böhmische <a href="#Page_76">76</a>. <a href="#Page_278">278</a>.</li> -<li>— illustr. (Koberger) <a href="#Page_47">47</a>.</li> -<li>— (Ulrich Zell) <a href="#Page_51">51</a>.</li> -<li>— niederdeutsche <a href="#Page_51">51</a>.</li> -<li>— Hebr. (Bomberg) <a href="#Page_185">185</a>.</li> -<li>— — (Athias) <a href="#Page_247">247</a>.</li> -<li>— Armenische <a href="#Page_186">186</a>.</li> -<li>— d., k. Druckerei in Paris <a href="#Page_211">211</a>.</li> -<li>— Englische (Cranmer) <a href="#Page_260">260</a>.</li> -<li>— — (Coverdale) <a href="#Page_260">260</a>.</li> -<li>— — (John Bydell) <a href="#Page_261">261</a>.</li> -<li>Bibel, Englische (Bischofs) <a href="#Page_261">261</a>.</li> -<li>— — (autorisierte engl.) <a href="#Page_261">261</a>.</li> -<li>— — (John Field) <a href="#Page_261">261</a>.</li> -<li>— — (Baker) <a href="#Page_261">261</a>.</li> -<li>— — deutsch-amerikan. <a href="#Page_274">274</a>.</li> -<li>— russische <a href="#Page_280">280</a>.</li> -<li>— russisch-holländ. <a href="#Page_280">280</a>.</li> -<li>— polnische <a href="#Page_278">278</a>.</li> -<li>— -Druck v. Froschauer <a href="#Page_140">140</a>.</li> -<li>— — in Wittenberg <a href="#Page_140">140</a>. <a href="#Page_146">146</a>. <a href="#Page_150">150</a>.</li> -<li>— — in Dänemark <a href="#Page_153">153</a>.</li> -<li>— — auf Island <a href="#Page_156">156</a>.</li> -<li>— — in Schweden <a href="#Page_157">157</a>.</li> -<li>— — in Finnland <a href="#Page_157">157</a>.</li> -<li>— Polyglotten. - <ul class="IX"> - <li>Aldus' Versuche <a href="#Page_179">179</a>.</li> - <li>Complutinische <a href="#Page_189">189</a>.</li> - <li>Le Jays <a href="#Page_209">209</a>.</li> - <li>Plantins <a href="#Page_220">220</a>.</li> - <li>Waltons <a href="#Page_261">261</a>.</li> - </ul></li> -<li>— Verbreitung <a href="#Page_92">92</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Biblia Pauperum</em> <a href="#Page_21">21</a>.</li> -<li>Bibliothek des M. Corvinus <a href="#Page_75">75</a>. <a href="#Page_91">91</a>.</li> -<li>Biel, Friedrich <a href="#Page_43">43</a>. <a href="#Page_62">62</a>.</li> -<li>Binck, Jakob <a href="#Page_119">119</a>.</li> -<li>Blaeu, Familie <a href="#Page_162">162</a>. <a href="#Page_228">228</a>.</li> -<li>Bloemaert, Abraham <a href="#Page_218">218</a>.</li> -<li>Blavio, Johannes <a href="#Page_64">64</a>.</li> -<li>Boccaccio, <em class="kursiv">Decamerone</em> (Valdarf.) <a href="#Page_60">60</a>.</li> -<li>Boldrini, Nicolo <a href="#Page_189">189</a>.</li> -<li>Bologna, Franz von <a href="#Page_177">177</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Bombardeyro d'El Rei</em> <a href="#Page_64">64</a>.</li> -<li>Bomberg, Daniel <a href="#Page_185">185</a>.</li> -<li>Boners „Fabelbuch“ <a href="#Page_49">49</a>.</li> -<li>Bonhomme, Pasquier <a href="#Page_66">66</a>.</li> -<li>Bonnutius, Judas <a href="#Page_134">134</a>.</li> -<li>Borchardus, Hans <a href="#Page_52">52</a>.</li> -<li>— Thomas <a href="#Page_52">52</a>.</li> -<li>Bordeaux <a href="#Page_67">67</a>.</li> -<li>Bortazar, Antonio <a href="#Page_190">190</a>.</li> -<li>Boston (Nordamerika) <a href="#Page_270">270</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Boston Gazette</em> <a href="#Page_271">271</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Boston Newsletter</em> <a href="#Page_270">270</a>.</li> -<li>Brabander, Andreas <a href="#Page_138">138</a>.</li> -<li>Bradford, William <a href="#Page_273">273</a>.</li> -<li>Braga <a href="#Page_64">64</a>.</li> -<li>Brahe, Tycho de <a href="#Page_155">155</a>.</li> -<li> -<span class='pagenum'><a id='Page_291' name='Page_291' href='#Page_291'>[291]</a></span> -Brand, Matthäus <a href="#Page_74">74</a>.</li> -<li>Brandis, Marcus <a href="#Page_54">54</a>.</li> -<li>Brandis, Moritz <a href="#Page_52">52</a>. <a href="#Page_54">54</a>.</li> -<li>Brant, Sebastian <a href="#Page_135">135</a>.</li> -<li>Bray, Dirk van <a href="#Page_218">218</a>.</li> -<li>Breitkopf, Bernh. Christoph <a href="#Page_149">149</a>.</li> -<li>Breslau <a href="#Page_145">145</a>.</li> -<li>Brèves, Savary de <a href="#Page_208">208</a>.</li> -<li>Breydenbachs „Reyssen“ <a href="#Page_41">41</a>.</li> -<li>Brief (Breve) <a href="#Page_15">15</a>.</li> -<li>Briefdrucker <a href="#Page_19">19</a>.</li> -<li>Brito, Giovanni <a href="#Page_188">188</a>.</li> -<li>Brocario, Familie <a href="#Page_189">189</a>.</li> -<li>Brüder d. gemeinsamen Lebens <a href="#Page_68">68</a>.</li> -<li>Brügge <a href="#Page_67">67</a>. <a href="#Page_106">106</a>.</li> -<li>Brunus, Petrus <a href="#Page_62">62</a>.</li> -<li>Brzesc <a href="#Page_278">278</a>.</li> -<li>Buch des Mars <a href="#Page_280">280</a>.</li> -<li>Buchbinderkunst <a href="#Page_89">89</a>. <a href="#Page_155">155</a>. <a href="#Page_166">166</a>. <a href="#Page_215">215</a>.</li> -<li>Buchdruckerwappen <a href="#Page_49">49</a>.</li> -<li>Bücher-Messe in Frankfurt <a href="#Page_170">170</a>.</li> -<li>— in Leipzig <a href="#Page_148">148</a>. <a href="#Page_171">171</a>.</li> -<li>Buchhandel im <span class='smcap'>xv.</span> Jahrhundert <a href="#Page_95">95</a>.</li> -<li>— in Deutschland <a href="#Page_168">168</a>.</li> -<li>— Missbräuche <a href="#Page_173">173</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Buffon, histoire naturelle</em> <a href="#Page_211">211</a>.</li> -<li>Bukarest <a href="#Page_282">282</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Bulla retractionum</em> <a href="#Page_51">51</a>.</li> -<li>Burgkmair, Hans <a href="#Page_111">111</a>.</li> -<li>Burgos <a href="#Page_62">62</a>.</li> -<li>Burgundischer Hof <a href="#Page_67">67</a>. <a href="#Page_72">72</a>.</li> -<li>Buyer, Bartholomäus <a href="#Page_66">66</a>.</li> -<li>Bydell, John <a href="#Page_261">261</a>.</li> -</ul> - -<ul class="IX Grp"> -<li><a class="spclcap" id="IX_C" name="IX_C">C</a>ambridge <a href="#Page_264">264</a>.</li> -<li>Cambridge (Nordamerika) <a href="#Page_270">270</a>.</li> -<li>Camusat, Jean <a href="#Page_211">211</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Canterbury tales</em> (Caxton) <a href="#Page_73">73</a>. <a href="#Page_258">258</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Cancioneiro Geral</em> <a href="#Page_64">64</a>.</li> -<li>Canton <a href="#Page_287">287</a>.</li> -<li>Carpi, Ugo da <a href="#Page_188">188</a>.</li> -<li>Caslon, William <a href="#Page_268">268</a>.</li> -<li>Catholicon (Gutenberg) <a href="#Page_32">32</a>.</li> -<li>Caxton, William <a href="#Page_71">71</a>.</li> -<li>Cennini, Bernardo <a href="#Page_60">60</a>.</li> -<li>„Ciromantia, die Kunst“ <a href="#Page_21">21</a>.</li> -<li>Champ-fleury von G. Tory <a href="#Page_198">198</a>.</li> -<li>Chepman, Walther <a href="#Page_265">265</a>.</li> -<li>China, Bücherdruck <a href="#Page_282">282</a>.</li> -<li>— Papierfabrikation <a href="#Page_285">285</a>.</li> -<li>Christiania <a href="#Page_156">156</a>.</li> -<li>„Christoph, der heilige“ <a href="#Page_17">17</a>.</li> -<li>„Christus am Kreuze“ <a href="#Page_17">17</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Chronica Hungarorum</em> <a href="#Page_75">75</a>.</li> -<li>Cicero <em class="kursiv">de officiis</em> (Schöffer) <a href="#Page_41">41</a>.</li> -<li>— <em class="kursiv">de oratore</em> (Sweynheim) <a href="#Page_56">56</a>.</li> -<li>— <em class="kursiv">epistolae</em> (J. de Spira) <a href="#Page_58">58</a>.</li> -<li>Clair-obscur-Druck <a href="#Page_136">136</a>. <a href="#Page_188">188</a>. <a href="#Page_218">218</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Clarendon-Press</em> <a href="#Page_264">264</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Codex argenteus</em> <a href="#Page_13">13</a>.</li> -<li>Colines, Simon de <a href="#Page_197">197</a>. <a href="#Page_202">202</a>.</li> -<li>Colombo <a href="#Page_287">287</a>.</li> -<li>Colorito, Abraham <a href="#Page_61">61</a>.</li> -<li>Comino, Giuseppe <a href="#Page_187">187</a>.</li> -<li>Commelinus, Hieronymus <a href="#Page_134">134</a>.</li> -<li>Complutinische Polyglotte <a href="#Page_189">189</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Const. Clementi v.</em> (Schöffer) <a href="#Page_40">40</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Constitutiones regni Poloniæ</em> <a href="#Page_277">277</a>.</li> -<li>Consul, Stephan <a href="#Page_133">133</a>.</li> -<li>Coornhert, Dirk Volckharts <a href="#Page_70">70</a>.</li> -<li>Cordova (Südamerika) <a href="#Page_192">192</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Corpus juris</em> (Remboldt) <a href="#Page_66">66</a>.</li> -<li>Corvinus, Matth. <a href="#Page_75">75</a>. <a href="#Page_91">91</a>.</li> -<li>Corrozet, Gilles <a href="#Page_200">200</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Cosmographia, Ptolomäi</em> <a href="#Page_46">46</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Cosmographical glasse</em> (J. Day) <a href="#Page_263">263</a>.</li> -<li>Cotta, Ursprung der Familie <a href="#Page_133">133</a>.</li> -<li>— Johann Georg <a href="#Page_133">133</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Cours des fleuves par Louis <span class='smcap'>xv.</span></em> <a href="#Page_211">211</a>.</li> -<li>Cousin, Jean <a href="#Page_200">200</a>.</li> -<li>Crabath <a href="#Page_161">161</a>.</li> -<li>Cramoisy, Familie <a href="#Page_209">209</a>. <a href="#Page_211">211</a>.</li> -<li>Cranach, Lucas d. ä. <a href="#Page_119">119</a>. <a href="#Page_167">167</a>.</li> -<li>Crantz, Martin <a href="#Page_65">65</a>.</li> -<li>Cuesta, Johann de la <a href="#Page_190">190</a>.</li> -<li>Cursivschrift des Aldus <a href="#Page_177">177</a>.</li> -</ul> - -<ul class="IX Grp"> -<li><a class="spclcap" id="IX_D" name="IX_D">D</a>amascus <a href="#Page_282">282</a>.</li> -<li>Dammetz, s. Luc. v. Leyden <a href="#Page_218">218</a>.</li> -<li>Danner <a href="#Page_162">162</a>.</li> -<li>„Dante“ (Numeister) <a href="#Page_60">60</a>.</li> -<li>Day, John <a href="#Page_262">262</a>.</li> -<li>Daye, Stephan <a href="#Page_270">270</a>.</li> -<li>Denkmäler Gutenbergs <a href="#Page_35">35</a>. <a href="#Page_36">36</a>.</li> -<li>Deposition, die <a href="#Page_164">164</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Description des arts et des metiers</em> <a href="#Page_209">209</a>.</li> -<li> -<span class='pagenum'><a id='Page_292' name='Page_292' href='#Page_292'>[292]</a></span> -Deventer <a href="#Page_68">68</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Dialogus creaturum</em> <a href="#Page_75">75</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Dictes and sayings</em> (Caxton) <a href="#Page_72">72</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Dictionary of arts</em> <a href="#Page_267">267</a>.</li> -<li>Dietz, Ludwig <a href="#Page_153">153</a>.</li> -<li>Diptychen <a href="#Page_90">90</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Doctrina christ.</em> (Kromberger) <a href="#Page_191">191</a>.</li> -<li>Dolet, Stephan <a href="#Page_213">213</a>.</li> -<li>Dolmata, Anton <a href="#Page_133">133</a>.</li> -<li>Domingo, St. <a href="#Page_192">192</a>.</li> -<li>Donatus <a href="#Page_19">19</a>. <a href="#Page_22">22</a>. <a href="#Page_27">27</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Don Quixote de la Mancha</em> <a href="#Page_190">190</a>.</li> -<li>Dritzehn, Andreas <a href="#Page_24">24</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Droit</em>-Schrift s. <a href="#IXq_01">Antiqua.</a></li> -<li>Druck, Älteste Spuren <a href="#Page_12">12</a>.</li> -<li>Druck u. -Apparate, früheste <a href="#Page_79">79</a>.</li> -<li>Drucker, Die <a href="#Page_163">163</a>.</li> -<li>Druckschwärze <a href="#Page_84">84</a>, <a href="#Page_163">163</a>.</li> -<li>Druckerzeichen <a href="#Page_124">124</a>.</li> -<li>Dublin <a href="#Page_266">266</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Duits</em>-Schrift <a href="#Page_68">68</a>.</li> -<li>Durandi, <em class="kursiv">Rationale</em> (Schöffer) <a href="#Page_40">40</a>.</li> -<li>Duren, Jan van <a href="#Page_280">280</a>.</li> -<li>Dürer, Albrecht. - <ul class="IX"> - <li>Jugendjahre <a href="#Page_108">108</a>.</li> - <li>„Offenbarung St. Johannis“ <a href="#Page_108">108</a>.</li> - <li>Neue Bahnen f. d. Holzschn. <a href="#Page_109">109</a>.</li> - <li>Verschiedene Arbeiten <a href="#Page_109">109</a>.</li> - <li>Italienische Reise <a href="#Page_109">109</a>.</li> - <li>Die „Passionen“ <a href="#Page_110">110</a>.</li> - <li>„Unser Frauen Leben“ <a href="#Page_110">110</a>.</li> - <li>Arbeiten für Maximilian <span class='smcap'>i.</span> <a href="#Page_110">110</a>.</li> - <li>Die „Ehrenpforte“ <a href="#Page_111">111</a>.</li> - <li>Der „Triumphzug“ <a href="#Page_112">112</a>.</li> - <li>Reise nach d. Niederlanden <a href="#Page_113">113</a>.</li> - <li>Litterarische Arbeiten <a href="#Page_113">113</a>.</li> - <li>Tod <a href="#Page_113">113</a>.</li> - </ul></li> -<li>Dyck, Christoffel van <a href="#Page_246">246</a>.</li> -</ul> - -<ul class="IX Grp"> -<li><a class="spclcap" id="IX_E" name="IX_E">E</a>dinburgh <a href="#Page_265">265</a>.</li> -<li>Egenolff, Christian <a href="#Page_130">130</a>.</li> -<li>Eggesteyn, Heinrich <a href="#Page_42">42</a>.</li> -<li>Eguia, Michel de <a href="#Page_190">190</a>.</li> -<li>Eichhorn, Johann <a href="#Page_152">152</a>.</li> -<li>Elert, Bastian <a href="#Page_168">168</a>.</li> -<li><span class='smcap'>Elzevier-Familie.</span></li> -<li>Elzevier, Ludwig <a href="#Page_228">228</a>. - <ul class="IX"> - <li>Übersiedelung nach Leyden <a href="#Page_230">230</a>.</li> - <li>Ernennung zum Pedell <a href="#Page_230">230</a>.</li> - <li>Sein Verlag u. seine Reisen <a href="#Page_231">231</a>.</li> - <li>Geschäftl. Manipulationen <a href="#Page_232">232</a>.</li> - <li>Sein Tod <a href="#Page_233">233</a>.</li> - </ul></li> -<li>Elzevier, Matthias <a href="#Page_233">233</a>.</li> -<li>— Ludwig <span class='smcap'>ii.</span> <a href="#Page_233">233</a>.</li> -<li>Elzevier, Aegidius <a href="#Page_233">233</a>.</li> -<li>— Justus <a href="#Page_233">233</a>.</li> -<li>— Peter <a href="#Page_233">233</a>.</li> -<li>Elzevier, Isaack <a href="#Page_234">234</a>. - <ul class="IX"> - <li>Universitätspedell <a href="#Page_234">234</a>.</li> - <li>Offizin Erpenius <a href="#Page_235">235</a>.</li> - <li>Druckerzeichen <a href="#Page_235">235</a>.</li> - <li>Geschäftsaufgabe <a href="#Page_236">236</a>.</li> - </ul></li> -<li>Elzevier, Abr., u. Bonavent. <a href="#Page_236">236</a>. - <ul class="IX"> - <li>Ihre Association <a href="#Page_236">236</a>.</li> - <li>Glanz des Hauses <a href="#Page_237">237</a>.</li> - <li>kleine Ausgaben <a href="#Page_237">237</a>.</li> - <li>Ausstattung ihrer Bücher <a href="#Page_238">238</a>.</li> - <li>Ausländisches Geschäft <a href="#Page_239">239</a>.</li> - <li>Charakteristik <a href="#Page_240">240</a>.</li> - <li>Daniel Heinsius <a href="#Page_240">240</a>.</li> - <li>Tod beider <a href="#Page_241">241</a>.</li> - </ul></li> -<li>Elzevier, Johann <a href="#Page_241">241</a>. - <ul class="IX"> - <li>Association mit Daniel <a href="#Page_241">241</a>.</li> - <li>Trennung von ihm <a href="#Page_242">242</a>.</li> - <li>Tod <a href="#Page_248">248</a>.</li> - </ul></li> -<li>Elzevier, Ludwig <span class='smcap'>iii.</span> <a href="#Page_242">242</a>. - <ul class="IX"> - <li>Aufenthalt bei Johann <a href="#Page_242">242</a>.</li> - <li>Geschäft in Amsterdam <a href="#Page_243">243</a>.</li> - <li>Aufblühen desselben <a href="#Page_243">243</a>.</li> - <li>Druckerzeichen <a href="#Page_244">244</a>.</li> - <li>Geschäftslokal <a href="#Page_244">244</a>.</li> - <li>Association mit Daniel <a href="#Page_244">244</a>.</li> - <li>Ludwigs Tod <a href="#Page_245">245</a>.</li> - </ul></li> -<li>Elzevier, Daniel <a href="#Page_241">241</a>. - <ul class="IX"> - <li>Association mit Johann <a href="#Page_241">241</a>.</li> - <li>— mit Ludwig <a href="#Page_244">244</a>.</li> - <li>Uebernahme des Geschäfts <a href="#Page_245">245</a>.</li> - <li>Heinrich Wetstein <a href="#Page_245">245</a>.</li> - <li>Daniels Tod <a href="#Page_246">246</a>.</li> - <li>Die Elzevierschriften <a href="#Page_246">246</a>.</li> - <li>Auflösung v. Daniels Geschäft <a href="#Page_248">248</a>.</li> - </ul></li> -<li>Elzevier, Abraham <a href="#Page_249">249</a>. - <ul class="IX"> - <li>Ende der Familie <a href="#Page_249">249</a>.</li> - </ul></li> -<li>Enschedé, Familie. - <ul class="IX"> - <li>Niederländ. Schriftgiesserei <a href="#Page_250">250</a>.</li> - <li>Isaak Enschedé <a href="#Page_251">251</a>.</li> - <li> - <span class='pagenum'><a id='Page_293' name='Page_293' href='#Page_293'>[293]</a></span> - Die Stereotypie <a href="#Page_252">252</a>.</li> - <li>Dr. Johannes Enschedé <a href="#Page_252">252</a>.</li> - <li>Die Sammlungen d. Hauses <a href="#Page_252">252</a>.</li> - <li><em class="kursiv">Specimen de caractères</em> <a href="#Page_253">253</a>.</li> - </ul></li> -<li>„Entkrist“, der <a href="#Page_21">21</a>.</li> -<li>Erhard, Schriftgiesser <a href="#Page_161">161</a>.</li> -<li>Erpenius, Theodor <a href="#Page_235">235</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Escala esperitual</em> (Pablos) <a href="#Page_192">192</a>.</li> -<li>Estienne s. <a href="#IXq_02">Stephanus.</a></li> -<li>„Euklid“ (Ratdolt).</li> -</ul> - -<ul class="IX Grp"> -<li><a class="spclcap" id="IX_F" name="IX_F">F</a>ano <a href="#Page_61">61</a>, <a href="#Page_186">186</a>.</li> -<li>Farbendruck <a href="#Page_39">39</a>.</li> -<li>Faust, Johann s. <a href="#IXq_03">Fust.</a></li> -<li>Faust, Johann (falscher) <a href="#Page_71">71</a>. <a href="#Page_76">76</a>.</li> -<li>Faust-Märchen <a href="#Page_71">71</a>.</li> -<li>Fehde weg. eines Holzschnittes <a href="#Page_142">142</a>.</li> -<li>Feodorow, Iwan <a href="#Page_279">279</a>.</li> -<li>Fèvres, Raoul le, <em class="kursiv">Hist. de Troye</em> <a href="#Page_72">72</a>.</li> -<li>Feyerabend, Sigismund <a href="#Page_130">130</a>.</li> -<li>Field, John <a href="#Page_261">261</a>.</li> -<li>Fischer, Paul <a href="#Page_129">129</a>.</li> -<li>Flander, Matthias <a href="#Page_62">62</a>.</li> -<li>Fleischmann, J. M. <a href="#Page_251">251</a>. <a href="#Page_254">254</a>.</li> -<li>Flötner, Peter <a href="#Page_118">118</a>.</li> -<li>Florenz <a href="#Page_60">60</a>. <a href="#Page_184">184</a>.</li> -<li>Foligno <a href="#Page_60">60</a>.</li> -<li>Foppens, François <a href="#Page_250">250</a>.</li> -<li>Formenschneider <a href="#Page_19">19</a>. <a href="#Page_107">107</a>.</li> -<li>Formenschneider, Hans <a href="#Page_107">107</a>.</li> -<li>Formosa <a href="#Page_287">287</a>.</li> -<li>Fouchet, Jean <a href="#Page_65">65</a>.</li> -<li>Foulis, Andreas u. Robert <a href="#Page_266">266</a>.</li> -<li>Fournier <em class="kursiv">l'ainé</em> <a href="#Page_214">214</a>.</li> -<li>— <em class="kursiv">le jeune</em> <a href="#Page_214">214</a>.</li> -<li>Fox <em class="kursiv">Book of martyrs</em> <a href="#Page_263">263</a>.</li> -<li>Franck, Hans (Lützelburger) <a href="#Page_122">122</a>.</li> -<li>Frank, Swaybold <a href="#Page_76">76</a>.</li> -<li>Frankfurt am Main <a href="#Page_130">130</a>.</li> -<li>Frankfurt a. d. Oder <a href="#Page_151">151</a>.</li> -<li>Franklin, James <a href="#Page_270">270</a>.</li> -<li>— Benjamin <a href="#Page_271">271</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Fratres vitæ communis</em> <a href="#Page_35">35</a>. <a href="#Page_51">51</a>. <a href="#Page_68">68</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Freemans</em> Oath <a href="#Page_270">270</a>.</li> -<li>Frellon, François <a href="#Page_213">213</a>.</li> -<li>Friburger, Michel <a href="#Page_65">65</a>.</li> -<li>Friesner, Andreas <a href="#Page_53">53</a>.</li> -<li>Frix, Eugène <a href="#Page_250">250</a>.</li> -<li>Froben, Hieronymus <a href="#Page_137">137</a>.</li> -<li>Froben, Johannes <a href="#Page_136">136</a>.</li> -<li>Froschauer, Christoph <a href="#Page_139">139</a>.</li> -<li>— Christoph II. <a href="#Page_141">141</a>.</li> -<li>— Hans <a href="#Page_130">130</a>.</li> -<li id="IXq_03">Fust, Johannes. - <ul class="IX"> - <li>Darlehn an Gutenberg <a href="#Page_26">26</a>.</li> - <li>Association mit ihm <a href="#Page_27">27</a>.</li> - <li>Rechtsstreit mit ihm <a href="#Page_31">31</a>.</li> - <li>Trennung von ihm <a href="#Page_31">31</a>.</li> - <li>Fust und Schöffer <a href="#Page_38">38</a>.</li> - <li>Fusts Tod <a href="#Page_41">41</a>.</li> - </ul></li> -</ul> - -<ul class="IX Grp"> -<li><a class="spclcap" id="IX_G" name="IX_G">G</a>allen, St. <a href="#Page_142">142</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Gallia christiana</em> <a href="#Page_211">211</a>.</li> -<li>Garamond, Claude <a href="#Page_210">210</a>.</li> -<li>Gascon, Le <a href="#Page_216">216</a>.</li> -<li>Ged, William <a href="#Page_266">266</a>.</li> -<li>Gehlen, Johann von <a href="#Page_144">144</a>.</li> -<li>Gehmen, Gottfried von <a href="#Page_74">74</a>.</li> -<li>Gelthuss, Arnold <a href="#Page_26">26</a>.</li> -<li>Gensfleisch, Frielo der Vater <a href="#Page_23">23</a>.</li> -<li>— Frielo der Sohn <a href="#Page_23">23</a>.</li> -<li>— Henne der ältere <a href="#Page_26">26</a>.</li> -<li>— — d. j. (s. Gutenb.)</li> -<li>Genf <a href="#Page_204">204</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Gentlemans Magazine</em> <a href="#Page_267">267</a>.</li> -<li>Genua <a href="#Page_61">61</a>. <a href="#Page_186">186</a>.</li> -<li>Gering, Ulrich <a href="#Page_43">43</a>. <a href="#Page_65">65</a>.</li> -<li>Gerling, Johann <a href="#Page_64">64</a>.</li> -<li>Germantown <a href="#Page_274">274</a>.</li> -<li>Gernsheim <a href="#Page_42">42</a>.</li> -<li>Geselle, der <a href="#Page_164">164</a>.</li> -<li>Gessner, Andr. <a href="#Page_140">140</a>.</li> -<li>Giunta-Familie. - <ul class="IX"> - <li>Luc-Antonius Giunta <a href="#Page_184">184</a>.</li> - <li>Thomas Giunta <a href="#Page_184">184</a>.</li> - <li>Gio-Maria Giunta <a href="#Page_184">184</a>.</li> - <li>Modesto Giunta <a href="#Page_184">184</a>.</li> - <li>Philipp Giunta <a href="#Page_184">184</a>.</li> - </ul></li> -<li>Glasgow <a href="#Page_266">266</a>.</li> -<li>Glockendon, Georg d. ä. <a href="#Page_107">107</a>.</li> -<li>Glover, Joseph <a href="#Page_270">270</a>.</li> -<li>Goa <a href="#Page_287">287</a>.</li> -<li>Goes, Hewe <a href="#Page_264">264</a>.</li> -<li>„Goettliche Liebesgethoene“ <a href="#Page_271">271</a>.</li> -<li>Götz; Nikolaus <a href="#Page_51">51</a>.</li> -<li>Golddruck <a href="#Page_59">59</a>.</li> -<li>Goltz, Hubert <a href="#Page_218">218</a>.</li> -<li> -<span class='pagenum'><a id='Page_294' name='Page_294' href='#Page_294'>[294]</a></span> -Goltzius, Heinrich <a href="#Page_218">218</a>.</li> -<li>Gothenburg <a href="#Page_158">158</a>.</li> -<li>Gothische Schrift <a href="#Page_59">59</a>. <a href="#Page_66">66</a>.</li> -<li>Gourmont, Gilles de <a href="#Page_204">204</a>.</li> -<li>Graf, Urse <a href="#Page_120">120</a>.</li> -<li>Grafton, Richard <a href="#Page_259">259</a>.</li> -<li>Grandjean, Philipp <a href="#Page_210">210</a>.</li> -<li>Grandjon, Jean <a href="#Page_212">212</a>.</li> -<li>Grau, Heinrich <a href="#Page_136">136</a>.</li> -<li>Green, Samuel <a href="#Page_270">270</a>.</li> -<li>— Bartholomeo <a href="#Page_270">270</a>.</li> -<li>Grefwe, Amund <a href="#Page_158">158</a>.</li> -<li>Gregorio, Gregor <a href="#Page_61">61</a>. <a href="#Page_186">186</a>.</li> -<li>Griechische Schrift <a href="#Page_57">57</a>. <a href="#Page_59">59</a>. <a href="#Page_60">60</a>.</li> -<li>Griis, Paul <a href="#Page_158">158</a>.</li> -<li>Grimm, Sigmund <a href="#Page_130">130</a>.</li> -<li>Gross, Henning <a href="#Page_148">148</a>.</li> -<li>Groote, Gerhard <a href="#Page_68">68</a>.</li> -<li>Groulleau, Stephan <a href="#Page_200">200</a>.</li> -<li>Gryphius, Anton <a href="#Page_212">212</a>.</li> -<li>— Sebastian <a href="#Page_212">212</a>.</li> -<li>Gutenberg, Johannes. - <ul class="IX"> - <li>Herkunft <a href="#Page_23">23</a>.</li> - <li>Aufenthalt in Strassburg <a href="#Page_24">24</a>.</li> - <li>Dortige Associationen <a href="#Page_24">24</a>.</li> - <li>Rückkehr nach Mainz <a href="#Page_26">26</a>.</li> - <li>Association mit Fust <a href="#Page_26">26</a>.</li> - <li>Erste Presse <a href="#Page_27">27</a>.</li> - <li>Ablassbriefe <a href="#Page_28">28</a>.</li> - <li>Bibeldruck <a href="#Page_28">28</a>.</li> - <li>36zeilige Bibel <a href="#Page_29">29</a>.</li> - <li>42zeilige Bibel <a href="#Page_30">30</a>.</li> - <li>Rechtsstreit mit Fust <a href="#Page_31">31</a>.</li> - <li>Trennung von Fust <a href="#Page_32">32</a>.</li> - <li>Neue Offizin <a href="#Page_32">32</a>.</li> - <li>Das Catholicon <a href="#Page_32">32</a>.</li> - <li>Gutenberg in Eltville <a href="#Page_33">33</a>.</li> - <li>Sein Tod <a href="#Page_34">34</a>.</li> - <li>Sein Andenk. u. s. Denkm. <a href="#Page_35">35</a>.</li> - </ul></li> -<li>Gutenberg, Else zum <a href="#Page_23">23</a>.</li> -<li>Gutenbergerin, Anna <a href="#Page_26">26</a>.</li> -<li>Guy, Thomas <a href="#Page_263">263</a>.</li> -</ul> - -<ul class="IX Grp"> -<li><a class="spclcap" id="IX_H" name="IX_H">H</a>aag <a href="#Page_233">233</a>.</li> -<li>Haarlem <a href="#Page_70">70</a>. <a href="#Page_251">251</a>.</li> -<li>Haas, W. <a href="#Page_161">161</a>.</li> -<li>Hackius, Franz <a href="#Page_249">249</a>.</li> -<li>Hagenau <a href="#Page_136">136</a>.</li> -<li>Hager, Hans <a href="#Page_140">140</a>.</li> -<li>Haller, Johann <a href="#Page_277">277</a>.</li> -<li>Hamburg <a href="#Page_52">52</a>. <a href="#Page_150">150</a>.</li> -<li>Hamer, Wolfgang <a href="#Page_107">107</a>.</li> -<li>Han, Ulrich <a href="#Page_58">58</a>.</li> -<li>Hanaw, Johann <a href="#Page_151">151</a>.</li> -<li>Hannsen, Hans <a href="#Page_279">279</a>.</li> -<li>Hardoyn, Gilles <a href="#Page_197">197</a>.</li> -<li>Hartwach, Joh. <a href="#Page_113">113</a>.</li> -<li>Hasselbaugh, Nik. <a href="#Page_273">273</a>.</li> -<li>Hauffe, Matthias <a href="#Page_168">168</a>.</li> -<li>Haurisius <a href="#Page_134">134</a>.</li> -<li>Hebräischer Druck <a href="#Page_185">185</a>. <a href="#Page_203">203</a>.</li> -<li>Heidelberg <a href="#Page_134">134</a>.</li> -<li>Heilmann, Andreas <a href="#Page_24">24</a>.</li> -<li>Heilspiegel, der <a href="#Page_21">21</a>.</li> -<li>Helic, Paul <a href="#Page_277">277</a>.</li> -<li>Henlif, Conrad <a href="#Page_42">42</a>.</li> -<li>Hentzke, Mich. <a href="#Page_152">152</a>.</li> -<li>Hermann von Kempen <a href="#Page_64">64</a>.</li> -<li>Hess, Andreas <a href="#Page_75">75</a>.</li> -<li>Hewmann, Friedr. <a href="#Page_35">35</a>. <a href="#Page_132">132</a>.</li> -<li>Hilden, Wilhelm <a href="#Page_152">152</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Histoires. Historier</em> <a href="#Page_67">67</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Historyes of Troy</em> (Caxton) <a href="#Page_72">72</a>. <a href="#Page_73">73</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Historia Hispanica</em> (61).</li> -<li>Höpfner, Georg <a href="#Page_156">156</a>.</li> -<li>Hof „zum Gutenberg“ <a href="#Page_35">35</a>.</li> -<li>— „zum Jungen“ <a href="#Page_26">26</a>.</li> -<li>— „zum Humbrecht“ <a href="#Page_132">132</a>.</li> -<li>Hofhalter, Rafael <a href="#Page_143">143</a>.</li> -<li>Hohenwang, Ludwig <a href="#Page_45">45</a>.</li> -<li>Holbein, Hans d. j. - <ul class="IX"> - <li>Jugend <a href="#Page_120">120</a>.</li> - <li>„Totentanzalphabet“ <a href="#Page_121">121</a>.</li> - <li>„Totentanz“ <a href="#Page_121">121</a>.</li> - <li><em class="kursiv">Icones veteris testamenti</em> <a href="#Page_122">122</a>.</li> - <li>Vollendung d. Holzschnitts <a href="#Page_123">123</a>.</li> - </ul></li> -<li>Holl, David <a href="#Page_272">272</a>.</li> -<li>— Leonhard <a href="#Page_46">46</a>.</li> -<li id="IXq_04">Holzschnitt <a href="#Page_15">15</a>. - <ul class="IX"> - <li>Wesen desselben <a href="#Page_15">15</a>.</li> - <li>Aeltester <a href="#Page_15">15</a>. <a href="#Page_17">17</a>.</li> - <li>Altersbestimmung <a href="#Page_18">18</a>.</li> - <li>Fortschritte <a href="#Page_20">20</a>. <a href="#Page_22">22</a>.</li> - <li>Magdeburg <a href="#Page_52">52</a>.</li> - <li>Zeichner-Holzschnitte <a href="#Page_123">123</a>.</li> - <li> -<span class='pagenum'><a id='Page_295' name='Page_295' href='#Page_295'>[295]</a></span> -Strassburg <a href="#Page_135">135</a>.</li> - <li>Schweden <a href="#Page_157">157</a>.</li> - <li>Italien <a href="#Page_187">187</a>.</li> - <li>Paris <a href="#Page_196">196</a>.</li> - <li>Lyon <a href="#Page_212">212</a>.</li> - <li>Niederlande <a href="#Page_217">217</a>.</li> - </ul></li> -<li>Holum <a href="#Page_156">156</a>.</li> -<li>Hopyl, Wolfgang <a href="#Page_202">202</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Hortulus animæ</em>(Springinklee) <a href="#Page_114">114</a>.</li> -<li>Humery, Conrad <a href="#Page_32">32</a>. <a href="#Page_34">34</a>.</li> -<li>Hunt, Thomas <a href="#Page_264">264</a>.</li> -<li>Huros, Paulus <a href="#Page_62">62</a>.</li> -<li>Hveen <a href="#Page_155">155</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Hypnerotomachia</em> (Aldus) <a href="#Page_187">187</a>.</li> -</ul> - -<ul class="IX Grp"> -<li><a class="spclcap" id="IX_I" name="IX_I">I</a>bn-Amima <a href="#Page_282">282</a>.</li> -<li>Ibrahim-Efendi <a href="#Page_281">281</a>.</li> -<li>Illuminatoren <a href="#Page_14">14</a>. <a href="#Page_84">84</a>.</li> -<li>Illustration s. <a href="#IXq_04">Holzschnitt.</a></li> -<li>Indianischer „Psalter“ <a href="#Page_270">270</a>.</li> -<li>Inkunabeln <a href="#Page_91">91</a>.</li> -<li>Isengrin, Michael <a href="#Page_139">139</a>.</li> -</ul> - -<ul class="IX Grp"> -<li><a class="spclcap" id="IX_J" name="IX_J">J</a>ackson, John <a href="#Page_189">189</a>.</li> -<li>James, Thomas <a href="#Page_268">268</a>.</li> -<li>Jannon, Jean <a href="#Page_214">214</a>.</li> -<li>Janot, Denys <a href="#Page_199">199</a>.</li> -<li>Jansson, Johann <a href="#Page_157">157</a>. <a href="#Page_249">249</a>.</li> -<li>Januszowski, Johann <a href="#Page_278">278</a>.</li> -<li>Japan: Bücherdruck (s. China) <a href="#Page_282">282</a>.</li> -<li>— Papierfabrik. (s. China) <a href="#Page_285">285</a>.</li> -<li>Jegher, Christoph <a href="#Page_218">218</a>.</li> -<li>Jensen, Nikolaus <a href="#Page_59">59</a>.</li> -<li>Jesuiten-Druckerei in Wien <a href="#Page_143">143</a>.</li> -<li>Jobin, Bernhard <a href="#Page_136">136</a>.</li> -<li>Johannis, St., „Apokalypse“ <a href="#Page_20">20</a>.</li> -<li>Johnson, Andrew <a href="#Page_280">280</a>.</li> -<li>Jollet, Mercure <a href="#Page_200">200</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Justiniani Institutiones</em> (Schöffer) <a href="#Page_41">41</a>.</li> -</ul> - -<ul class="IX Grp"> -<li><a class="spclcap" id="IX_K" name="IX_K">K</a>achelofen, Konrad <a href="#Page_54">54</a>.</li> -<li>Kaiser, Peter <a href="#Page_66">66</a>.</li> -<li>„Kalend. d. Joh. de Gamundia“ <a href="#Page_21">21</a>.</li> -<li>— d. Joh. v. Kunsperk“ <a href="#Page_21">21</a>.</li> -<li>Kapitalbuchstaben <a href="#Page_56">56</a>.</li> -<li>Kartenmacher <a href="#Page_19">19</a>.</li> -<li>Kerver, Thielemann <a href="#Page_199">199</a>.</li> -<li>Keyser, Heinrich I. und II. <a href="#Page_157">157</a>.</li> -<li>Kirchenväter <a href="#Page_93">93</a>.</li> -<li>Klassiker-Ausgaben, Älteste <a href="#Page_93">93</a>.</li> -<li>Klausenburg <a href="#Page_278">278</a>.</li> -<li>Kleinmeister, Die <a href="#Page_114">114</a>.</li> -<li>Knoblauch, Johann <a href="#Page_135">135</a>.</li> -<li>— Paul <a href="#Page_155">155</a>.</li> -<li>Koberger, Antonius, d. ä. <a href="#Page_46">46</a>.</li> -<li>— — d. j. <a href="#Page_129">129</a>.</li> -<li>— Johannes <a href="#Page_129">129</a>.</li> -<li>Köln <a href="#Page_50">50</a>. <a href="#Page_105">105</a>.</li> -<li>Kogelherren <a href="#Page_70">70</a>.</li> -<li>Kohl, Hans <a href="#Page_143">143</a>.</li> -<li>Kgl. Buchdrucker <a href="#Page_203">203</a>. <a href="#Page_208">208</a>.</li> -<li>— Buchdruckerei in Paris <a href="#Page_208">208</a>.</li> -<li>Konstantinopel <a href="#Page_76">76</a>. <a href="#Page_280">280</a>.</li> -<li>Kopenhagen <a href="#Page_74">74</a>. <a href="#Page_154">154</a>. <a href="#Page_239">239</a>.</li> -<li>Korrektur <a href="#Page_82">82</a>. <a href="#Page_163">163</a>.</li> -<li>Kornut <a href="#Page_164">164</a>.</li> -<li>Koster, Laurenz Johanns Sohn <a href="#Page_70">70</a>.</li> -<li>Kosterlegende <a href="#Page_70">70</a>.</li> -<li>Kraft, Kasper <a href="#Page_143">143</a>. <a href="#Page_167">167</a>.</li> -<li>Krakau <a href="#Page_76">76</a>. <a href="#Page_277">277</a>.</li> -<li>Kralitz <a href="#Page_278">278</a>.</li> -<li>Krause, Georg <a href="#Page_167">167</a>.</li> -<li>Krieger, Christoph <a href="#Page_188">188</a>.</li> -<li>Kromberger, Jakob <a href="#Page_64">64</a>.</li> -<li>— Johann <a href="#Page_190">190</a>. <a href="#Page_191">191</a>.</li> -<li>Krüger, Theodor <a href="#Page_167">167</a>.</li> -<li>Kuhn, Valentin <a href="#Page_156">156</a>.</li> -<li>Kulmbach, Hans von <a href="#Page_114">114</a>.</li> -<li>Kuttenberg <a href="#Page_76">76</a>.</li> -</ul> - -<ul class="IX Grp"> -<li><em class="kursiv"><a class="spclcap" id="IX_L" name="IX_L">L</a>actantius</em> (Sweynheim) <a href="#Page_56">56</a>.</li> -<li>Ladenspelder, Hans <a href="#Page_119">119</a>.</li> -<li>Lamberg, Abraham <a href="#Page_148">148</a>.</li> -<li>Landsberg, Martin <a href="#Page_145">145</a>.</li> -<li>Lateinische Schrift <a href="#Page_57">57</a>.</li> -<li>Lavagna, Philippus de <a href="#Page_60">60</a>.</li> -<li>St. Lazaro <a href="#Page_186">186</a>.</li> -<li>Lazarsz, Andreas <a href="#Page_277">277</a>.</li> -<li>„Leben d. Heiligen“ <a href="#Page_116">116</a>.</li> -<li>Lederbereitung zum Binden <a href="#Page_90">90</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Legend, the golden</em> (Caxton) <a href="#Page_73">73</a>.</li> -<li>Lehrling, Der <a href="#Page_164">164</a>.</li> -<li>Leipzig <a href="#Page_53">53</a>. <a href="#Page_145">145</a>.</li> -<li>Leiria <a href="#Page_63">63</a>.</li> -<li>Lemberg <a href="#Page_278">278</a>.</li> -<li>Leroy, Wilh. <a href="#Page_66">66</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Lettres cadeaux</em> <a href="#Page_66">66</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Lettres de Forme</em> <a href="#Page_65">65</a>.</li> -<li>— <em class="kursiv">de Somme</em> <a href="#Page_66">66</a>.</li> -<li>— <em class="kursiv">Tourneurs</em> <a href="#Page_66">66</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Lex. Heptaglotton</em> (Dr. Castell) <a href="#Page_262">262</a>.</li> -<li>Leyden <a href="#Page_230">230</a>. <a href="#Page_251">251</a>.</li> -<li>Lima <a href="#Page_192">192</a>.</li> -<li>Limburgus, Johannes <a href="#Page_51">51</a>.</li> -<li>Lips, Balthasar <a href="#Page_132">132</a>.</li> -<li>Lissabon <a href="#Page_63">63</a>.</li> -<li> -<span class='pagenum'><a id='Page_296' name='Page_296' href='#Page_296'>[296]</a></span> -<em class="kursiv">Litteræ florentes</em> <a href="#Page_59">59</a>.</li> -<li>Litterarische Produktion <a href="#Page_91">91</a>.</li> -<li>Livens, Joh. <a href="#Page_218">218</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Livius</em> (Sweynheim) <a href="#Page_57">57</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Livres d'heures</em> <a href="#Page_196">196</a>.</li> -<li>Lobinger, Johann <a href="#Page_161">161</a>.</li> -<li>Lobinger, Pancratius <a href="#Page_129">129</a>.</li> -<li>London <a href="#Page_72">72</a>. <a href="#Page_257">257</a>.</li> -<li><em class="kursiv">London Magazine</em> <a href="#Page_267">267</a>.</li> -<li>Lorch, Melchior <a href="#Page_118">118</a>.</li> -<li>Lotter, Melchior d. ä. <a href="#Page_146">146</a>.</li> -<li>— — d. j. <a href="#Page_150">150</a>.</li> -<li>Lublin <a href="#Page_278">278</a>.</li> -<li>Lucas, George <a href="#Page_261">261</a>.</li> -<li>Lucas van Leyden <a href="#Page_218">218</a>.</li> -<li>Luce, Louis <a href="#Page_210">210</a>.</li> -<li>Luchtmans, S. & E. <a href="#Page_251">251</a>.</li> -<li>Lübeck <a href="#Page_52">52</a>.</li> -<li>Lützelburger, Hans Franck <a href="#Page_122">122</a>.</li> -<li>Lufft, Hans <a href="#Page_150">150</a>.</li> -<li>Lund <a href="#Page_158">158</a>.</li> -<li>Luschmer, Joh. <a href="#Page_62">62</a>.</li> -<li>Luther über Illustration <a href="#Page_147">147</a>.</li> -<li>Lyon <a href="#Page_66">66</a>. <a href="#Page_212">212</a>.</li> -</ul> - -<ul class="IX Grp"> -<li><a class="spclcap" id="IX_M" name="IX_M">M</a>acao <a href="#Page_287">287</a>.</li> -<li>Madrid <a href="#Page_190">190</a>.</li> -<li>Magdeburg <a href="#Page_52">52</a>.</li> -<li>Mailand <a href="#Page_60">60</a>.</li> -<li>Mainz <a href="#Page_23">23</a>. <a href="#Page_132">132</a>.</li> -<li>Malerschulen, Deutsche <a href="#Page_105">105</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Mamotrectus</em> (Beromünster) <a href="#Page_43">43</a>.</li> -<li>Manilla <a href="#Page_287">287</a>.</li> -<li>Mansion, Colard <a href="#Page_68">68</a>.</li> -<li>Mantegna, Andrea <a href="#Page_187">187</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Man. de adultos</em> (Kromberger) <a href="#Page_191">191</a>.</li> -<li>„Manung widd' die Durken“ <a href="#Page_29">29</a>.</li> -<li>Manuskriptenhandel <a href="#Page_14">14</a>.</li> -<li>Manutius<a href="#IXq_05">Aldus.</a></li> -<li>Marchand, Guyot <a href="#Page_197">197</a>.</li> -<li>Marienthal <a href="#Page_35">35</a>.</li> -<li>Marnef, Geoffroy de <a href="#Page_197">197</a>.</li> -<li>Martens, Dierik <a href="#Page_66">66</a>.</li> -<li>Martinez, Anton <a href="#Page_62">62</a>.</li> -<li>Matthiasson, Jon <a href="#Page_156">156</a>.</li> -<li>„Mazarinsche Bibel“ (42zeilig) <a href="#Page_29">29</a>.</li> -<li>Mecheln, Konrad von <a href="#Page_139">139</a>.</li> -<li>Mechitaristen-Druckerei <a href="#Page_186">186</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Médailles etc. de Louis le Grand</em> <a href="#Page_210">210</a></li> -<li>Medici, Marie von <a href="#Page_200">200</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Membrana</em> <a href="#Page_86">86</a>.</li> -<li>Mentelin, Johannes <a href="#Page_42">42</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Mercurius Caledonicus</em> <a href="#Page_265">265</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Mercurie, The english</em> <a href="#Page_267">267</a>.</li> -<li>Merian, M., Vater u. Sohn <a href="#Page_131">131</a>.</li> -<li>Merseburg <a href="#Page_53">53</a>.</li> -<li>„Messkatalog“ <a href="#Page_148">148</a>. <a href="#Page_170">170</a>.</li> -<li>Metallschnitt <a href="#Page_16">16</a>. <a href="#Page_17">17</a>.</li> -<li>Metaxa, Nicodemus <a href="#Page_280">280</a>.</li> -<li>Meuser, Kaspar <a href="#Page_167">167</a>.</li> -<li>Mexico <a href="#Page_190">190</a>.</li> -<li>Mey, J. van der <a href="#Page_251">251</a>.</li> -<li>Miniaturen <a href="#Page_14">14</a>. <a href="#Page_84">84</a>.</li> -<li>Miniaturen <a href="#Page_67">67</a>.</li> -<li>Modisten, die <a href="#Page_129">129</a>.</li> -<li>Monserrat <a href="#Page_62">62</a>.</li> -<li>Montagna, Benedetto <a href="#Page_187">187</a>.</li> -<li>Montreale <a href="#Page_61">61</a>.</li> -<li>Moravius, Matthias <a href="#Page_61">61</a>.</li> -<li>Morel, Familie <a href="#Page_201">201</a>.</li> -<li>Mores, Rowe <a href="#Page_268">268</a>.</li> -<li>Moskau <a href="#Page_279">279</a>.</li> -<li>Mstislavzoff Timoféew <a href="#Page_279">279</a>.</li> -<li>Müller, Hans <a href="#Page_130">130</a>.</li> -<li>— Heinrich <a href="#Page_276">276</a>.</li> -<li>— Johann <a href="#Page_251">251</a>.</li> -<li>Münsch, Josias <a href="#Page_139">139</a>.</li> -<li>Münster <a href="#Page_51">51</a>.</li> -<li>Myllar, Andrew <a href="#Page_265">265</a>.</li> -</ul> - -<ul class="IX Grp"> -<li><a class="spclcap" id="IX_N" name="IX_N">N</a>achdruck <a href="#Page_174">174</a>.</li> -<li>„Nachf. Christi“ v. Th. a. Kempis <a href="#Page_46">46</a>.</li> -<li>Nangasaki <a href="#Page_287">287</a>.</li> -<li>Nanking <a href="#Page_287">287</a>.</li> -<li>„Narrenschiff“ (Seb. Brant) <a href="#Page_44">44</a>. <a href="#Page_135">135</a>.</li> -<li>de Negker, Jost <a href="#Page_116">116</a>.</li> -<li> -<span class='pagenum'><a id='Page_297' name='Page_297' href='#Page_297'>[297]</a></span> -Néobar, Conrad <a href="#Page_203">203</a>.</li> -<li>Neudörffer d. ä. <a href="#Page_129">129</a>.</li> -<li><em class="kursiv">New-England Courant</em> <a href="#Page_271">271</a>.</li> -<li>Newport (Nordamerika) <a href="#Page_271">271</a>.</li> -<li>New-York <a href="#Page_273">273</a>.</li> -<li><em class="kursiv">New-York weekly Journal</em> <a href="#Page_273">273</a>.</li> -<li>Nielsen Tyge <a href="#Page_156">156</a>.</li> -<li>Nikolaus von Breslau <a href="#Page_61">61</a>.</li> -<li>Nikolaus aus Sachsen <a href="#Page_63">63</a>.</li> -<li>Noir, Michel le <a href="#Page_197">197</a>.</li> -<li>Notary, Julian <a href="#Page_259">259</a>.</li> -<li>Notendruck, erster <a href="#Page_130">130</a>.</li> -<li>Nürnberg <a href="#Page_46">46</a>. <a href="#Page_106">106</a>. <a href="#Page_127">127</a>.</li> -<li>Numeister, Johann <a href="#Page_60">60</a>.</li> -</ul> - -<ul class="IX Grp"> -<li><a class="spclcap" id="IX_O" name="IX_O">O</a>dense <a href="#Page_74">74</a>.</li> -<li>Oeglin, Erhard <a href="#Page_130">130</a>.</li> -<li>Ofen <a href="#Page_75">75</a>.</li> -<li>Olai, Anund <a href="#Page_157">157</a>.</li> -<li>Oporinus, Johannes <a href="#Page_138">138</a>.</li> -<li>Ortas, Abraham d' <a href="#Page_63">63</a>.</li> -<li>Ostendorfer, Michael <a href="#Page_117">117</a>.</li> -<li>Ostrog <a href="#Page_278">278</a>.</li> -<li>Ottmar, Johannes <a href="#Page_132">132</a>.</li> -<li>Oxford <a href="#Page_264">264</a>.</li> -</ul> - -<ul class="IX Grp"> -<li><a class="spclcap" id="IX_P" name="IX_P">P</a>ablos, Juan <a href="#Page_191">191</a>.</li> -<li>Padeloup <a href="#Page_216">216</a>.</li> -<li>Padua <a href="#Page_187">187</a>.</li> -<li>Paffroed, Richard <a href="#Page_68">68</a>.</li> -<li>Palmanazar <a href="#Page_263">263</a>.</li> -<li>Palmer, Samuel <a href="#Page_263">263</a>.</li> -<li>Palmert, Lambert <a href="#Page_62">62</a>.</li> -<li>Pampelona <a href="#Page_189">189</a>.</li> -<li>Pannartz, Arnold <a href="#Page_56">56</a>.</li> -<li>Paoli, Stefanus <a href="#Page_186">186</a>.</li> -<li>Papier, Ältestes <a href="#Page_86">86</a>.</li> -<li>Papiermühlen in Basel <a href="#Page_44">44</a>.</li> -<li>Papier, chinesisches u. japan. <a href="#Page_285">285</a>.</li> -<li>Papillon, Jean <a href="#Page_200">200</a>.</li> -<li>Paris <a href="#Page_65">65</a>. <a href="#Page_197">197</a>.</li> -<li>Paschalis-Eli <a href="#Page_282">282</a>.</li> -<li>Paul von Köln <a href="#Page_62">62</a>.</li> -<li>Pegnizer, Joh. <a href="#Page_62">62</a>.</li> -<li>Peking <a href="#Page_287">287</a>.</li> -<li>Pencz, Georg <a href="#Page_115">115</a>.</li> -<li>Pergament <a href="#Page_85">85</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Persij Satire</em> <a href="#Page_50">50</a>.</li> -<li>Petersburg, St. <a href="#Page_280">280</a>.</li> -<li>Petreijus, Johann <a href="#Page_129">129</a>.</li> -<li>Petri, Adam <a href="#Page_137">137</a>.</li> -<li>— Heinrich <a href="#Page_138">138</a>.</li> -<li>— Johannes <a href="#Page_137">137</a>.</li> -<li>Petzensteiner, Heinrich <a href="#Page_49">49</a>.</li> -<li>Pfister, Albrecht <a href="#Page_48">48</a>.</li> -<li>Philadelphia <a href="#Page_271">271</a>.</li> -<li>Phillery <a href="#Page_218">218</a>.</li> -<li>Pigouchet, Paul <a href="#Page_197">197</a>.</li> -<li>Pilgrim s. Wächtlin <a href="#Page_136">136</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Pilgrim's Progress</em> <a href="#Page_268">268</a>.</li> -<li>Pilsen <a href="#Page_76">76</a>.</li> -<li>Plantinsches Haus. - <ul class="IX"> - <li>Plantin, Christoph <a href="#Page_219">219</a>.</li> - <li>Begründung des Geschäfts <a href="#Page_219">219</a>.</li> - <li>Seine Korrektoren <a href="#Page_219">219</a>.</li> - <li>Raphelingius, Franz <a href="#Page_220">220</a>.</li> - <li>Moretus, Johann <a href="#Page_220">220</a>.</li> - <li>Beys, Gilles <a href="#Page_220">220</a>.</li> - <li><em class="kursiv">Biblia polyglotta</em> <a href="#Page_220">220</a>.</li> - <li><em class="kursiv">Prototypographus regius</em> <a href="#Page_222">222</a>.</li> - <li>Plantins Schriften <a href="#Page_223">223</a>.</li> - <li>Sein Druckzeichen <a href="#Page_223">223</a>.</li> - <li>Seine Nachfolger <a href="#Page_224">224</a>.</li> - <li>Moretus Balthazar <a href="#Page_224">224</a>.</li> - <li>Plantinsche Museum <a href="#Page_225">225</a>.</li> - </ul></li> -<li>Pleydenwurf, Hans <a href="#Page_107">107</a>.</li> -<li>— Wilhelm <a href="#Page_107">107</a>.</li> -<li>Plutschau, Heinrich <a href="#Page_287">287</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Polychronicon</em> (Caxton) <a href="#Page_73">73</a>.</li> -<li>Polyglotten s. <a href="#IXq_06">Bibel.</a></li> -<li><em class="kursiv">Poor Richards Almanach</em> <a href="#Page_271">271</a>.</li> -<li>Porrus, Pet. Paul <a href="#Page_186">186</a>.</li> -<li>Port au Prince <a href="#Page_192">192</a>.</li> -<li>Posen <a href="#Page_278">278</a>.</li> -<li>Postulat <a href="#Page_165">165</a>.</li> -<li>Powell, Humfrey <a href="#Page_266">266</a>.</li> -<li>Prag <a href="#Page_76">76</a>, <a href="#Page_106">106</a>.</li> -<li>Pressen, die ältesten <a href="#Page_82">82</a>. <a href="#Page_162">162</a>.</li> -<li>Pressenmeister <a href="#Page_163">163</a>.</li> -<li>Prinzipal <a href="#Page_164">164</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Printers</em> <a href="#Page_19">19</a>.</li> -<li>Privilegien in Frankreich <a href="#Page_193">193</a>.</li> -<li>— in England <a href="#Page_255">255</a>.</li> -<li>— in Schottland <a href="#Page_265">265</a>.</li> -<li>„Propaganda“, Druckerei der <a href="#Page_186">186</a>.</li> -<li>„Proportion. d. Ross“ v. Beham <a href="#Page_116">116</a>.</li> -<li>Prostitz, Isaak <a href="#Page_278">278</a>.</li> -<li> -<span class='pagenum'><a id='Page_298' name='Page_298' href='#Page_298'>[298]</a></span> -„Psalterium“ (Schöffer) <a href="#Page_38">38</a>.</li> -<li>Puerto, Alfons de <a href="#Page_62">62</a>.</li> -<li>Putorius, Johann <a href="#Page_161">161</a>.</li> -<li>Pynson, Richard <a href="#Page_259">259</a>.</li> -</ul> - -<ul class="IX Grp"> -<li><em class="kursiv"><a class="spclcap" id="IX_Q" name="IX_Q">Q</a>ueen Elizabeth's prayer book</em> <a href="#Page_263">263</a>.</li> -<li>Quentell, Heinrich <a href="#Page_51">51</a>.</li> -</ul> - -<ul class="IX Grp"> -<li><a class="spclcap" id="IX_R" name="IX_R">R</a>adewynzoon, Floris <a href="#Page_69">69</a>.</li> -<li>Räff, Povel <a href="#Page_74">74</a>.</li> -<li>Raimondi, Marc-Antonio <a href="#Page_188">188</a>.</li> -<li>Rainmann, Johann <a href="#Page_130">130</a>.</li> -<li>Ratdolt, Erhard <a href="#Page_46">46</a>, <a href="#Page_59">59</a>.</li> -<li>Ravenstein, Albert <a href="#Page_52">52</a>.</li> -<li>Regiomontanus, Joh. <a href="#Page_46">46</a>.</li> -<li>Reiberdrucke <a href="#Page_19">19</a>.</li> -<li>Reichardt, Hans <a href="#Page_168">168</a>.</li> -<li>Reineke de Voss (Lübeck) <a href="#Page_52">52</a>.</li> -<li>Reinhard, Johann <a href="#Page_135">135</a>.</li> -<li>Remboldt, Berthold <a href="#Page_66">66</a>.</li> -<li>Rembrandt, Paul <a href="#Page_218">218</a>.</li> -<li>Rewich, Erhard <a href="#Page_41">41</a>.</li> -<li>Rhawe, Georg <a href="#Page_150">150</a>.</li> -<li>Richardson, Samuel <a href="#Page_264">264</a>.</li> -<li>Richel, Bernhard <a href="#Page_44">44</a>.</li> -<li>— Wendelin <a href="#Page_136">136</a>.</li> -<li>Riffe, Hans <a href="#Page_24">24</a>.</li> -<li>Rigaud, Claude <a href="#Page_211">211</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Rimkrönike, Dansk</em> <a href="#Page_74">74</a>.</li> -<li>Ripen <a href="#Page_74">74</a>.</li> -<li>„Robinson Crusoe“ <a href="#Page_268">268</a>.</li> -<li>Röckner, Vincenz <a href="#Page_128">128</a>.</li> -<li>Römische Schrift <a href="#Page_56">56</a>.</li> -<li>Rom <a href="#Page_57">57</a>. <a href="#Page_181">181</a>. <a href="#Page_183">183</a>. <a href="#Page_186">186</a>.</li> -<li>Roman, Johann <a href="#Page_247">247</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Roman</em> (<em class="kursiv">Romain</em>, <em class="kursiv">Romeyn</em>) s. <a href="#IXq_01">Antiqua.</a></li> -<li>Rood, Theodor <a href="#Page_264">264</a>.</li> -<li>Rossart, J. F. <a href="#Page_251">251</a>.</li> -<li>Rostock <a href="#Page_151">151</a>.</li> -<li>Roville, Guillaume de <a href="#Page_213">213</a>.</li> -<li>Roycrofft, Thomas <a href="#Page_261">261</a>.</li> -<li>Rubrik <a href="#Page_13">13</a>.</li> -<li>Rubrikatoren <a href="#Page_14">14</a>. <a href="#Page_84">84</a>.</li> -<li>Rudbeck, Olaus <a href="#Page_158">158</a>.</li> -<li>Runen <a href="#Page_74">74</a>.</li> -<li>Runge, Christoph <a href="#Page_153">153</a>.</li> -</ul> - -<ul class="IX Grp"> -<li><a class="spclcap" id="IX_S" name="IX_S">S</a>abon <a href="#Page_130">130</a>.</li> -<li>„Sachsen-Chronik“ (Schöffer) <a href="#Page_41">41</a>.</li> -<li>„Sachsen-Spiegel“ (Richel) <a href="#Page_44">44</a>.</li> -<li>Said-Efendi <a href="#Page_281">281</a>.</li> -<li>Salamanca <a href="#Page_62">62</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Sallust</em>, stereotyp. v. W. Ged <a href="#Page_266">266</a>.</li> -<li>Sansleque, Familie <a href="#Page_214">214</a>.</li> -<li>Saragossa <a href="#Page_62">62</a>.</li> -<li>Saspach, Hans <a href="#Page_25">25</a>.</li> -<li>Satz-Apparate, früheste <a href="#Page_79">79</a>. <a href="#Page_162">162</a>.</li> -<li>Sauer, Familie <a href="#Page_274">274</a>.</li> -<li>Schaeuffelein <a href="#Page_116">116</a>. <a href="#Page_128">128</a>.</li> -<li>Scharffenberg, Crispinus <a href="#Page_145">145</a>.</li> -<li>— Johann <a href="#Page_145">145</a>.</li> -<li>— Nikolaus <a href="#Page_277">277</a>.</li> -<li>„Schatzbehalter, Der“ <a href="#Page_47">47</a>. <a href="#Page_107">107</a>.</li> -<li>Schedel „Buch d. Chroniken“ <a href="#Page_47">47</a>. <a href="#Page_107">107</a>.</li> -<li>„Schellhornsche Bibel“ (36zeil.) <a href="#Page_29">29</a>.</li> -<li>Schepper, J. J. <a href="#Page_247">247</a>.</li> -<li>Schleswig <a href="#Page_74">74</a>.</li> -<li>Schnellboltz, Gabriel <a href="#Page_150">150</a>.</li> -<li>Schnitzer, Joh. v. Armsheim <a href="#Page_46">46</a>.</li> -<li>Schoch, Christoph <a href="#Page_155">155</a>.</li> -<li><span class='smcap'>Schöffer-Familie.</span></li> -<li>Schöffer, Peter <a href="#Page_30">30</a>. - <ul class="IX"> - <li>Jugend <a href="#Page_30">30</a>.</li> - <li>Ankunft in Mainz <a href="#Page_31">31</a>.</li> - <li>Verbindung mit Fust <a href="#Page_38">38</a>.</li> - <li>Psalterium <a href="#Page_38">38</a>.</li> - <li>48zeilige Bibel <a href="#Page_40">40</a>.</li> - <li>Schwabacher Schrift <a href="#Page_41">41</a>.</li> - <li>Tod <a href="#Page_42">42</a>.</li> - </ul></li> -<li>Schöffer, Ivo <a href="#Page_132">132</a>.</li> -<li>— Jakob <a href="#Page_132">132</a>.</li> -<li>— Johann <a href="#Page_132">132</a>.</li> -<li>— Johann <span class='smcap'>ii.</span> <a href="#Page_132">132</a>.</li> -<li>— Peter <span class='smcap'>ii.</span> <a href="#Page_132">132</a>.</li> -<li>Schön, Erhard <a href="#Page_114">114</a>. <a href="#Page_135">135</a>.</li> -<li>Schönsperger, Hans d. ä. <a href="#Page_46">46</a>. <a href="#Page_129">129</a>.</li> -<li>Schongauer, Martin <a href="#Page_134">134</a>.</li> -<li>Schreibmeister, Die <a href="#Page_129">129</a>.</li> -<li><span class='smcap'>Schriftgiesserei.</span> - <ul class="IX"> - <li>Älteste <a href="#Page_31">31</a>. <a href="#Page_77">77</a>.</li> - <li>Verbesserungen <a href="#Page_160">160</a>.</li> - <li>Kegel und Höhe <a href="#Page_160">160</a>.</li> - <li>Giessinstrument <a href="#Page_160">160</a>.</li> - <li>Signatur <a href="#Page_160">160</a>.</li> - <li>Clichieren <a href="#Page_161">161</a>.</li> - <li>Fraktur <a href="#Page_161">161</a>.</li> - <li> -<span class='pagenum'><a id='Page_299' name='Page_299' href='#Page_299'>[299]</a></span> -Nürnberg <a href="#Page_129">129</a>.</li> - <li>Italien <a href="#Page_177">177</a>.</li> - <li>Frankreich <a href="#Page_198">198</a>. <a href="#Page_214">214</a>.</li> - <li>Niederlande <a href="#Page_246">246</a>. <a href="#Page_250">250</a>.</li> - <li>England <a href="#Page_268">268</a>.</li> - <li>Russland <a href="#Page_279">279</a>.</li> - </ul></li> -<li>Schultze, Georg <a href="#Page_153">153</a>.</li> -<li>Schwabacher Schrift <a href="#Page_41">41</a>.</li> -<li>Schumann, Valentin <a href="#Page_146">146</a>.</li> -<li>Scott, Joh. <a href="#Page_136">136</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Scriptores hist. Byzantinæ</em> <a href="#Page_211">211</a>.</li> -<li>Sedan <a href="#Page_214">214</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Sedanoise</em>-Schrift <a href="#Page_214">214</a>.</li> -<li>Segur, Bartholomäus <a href="#Page_62">62</a>.</li> -<li>Selou, Peter von <a href="#Page_157">157</a>.</li> -<li>Semigothische Schrift <a href="#Page_66">66</a>.</li> -<li>Sensenschmid, Johann <a href="#Page_46">46</a>. <a href="#Page_49">49</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Sephar Orach Chaim</em> <a href="#Page_63">63</a>.</li> -<li>Seuil, de <a href="#Page_216">216</a>.</li> -<li>Sevilla <a href="#Page_62">62</a>. <a href="#Page_190">190</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Sheldonian Theatre</em> <a href="#Page_264">264</a>.</li> -<li>Siberch, Johann <a href="#Page_264">264</a>.</li> -<li>Singriener, Johann <a href="#Page_142">142</a>.</li> -<li>Skalholt <a href="#Page_157">157</a>.</li> -<li>Slawischer Druck in Tübingen <a href="#Page_133">133</a>.</li> -<li>Snagof <a href="#Page_282">282</a>.</li> -<li>Snell, Johann <a href="#Page_74">74</a>. <a href="#Page_75">75</a>.</li> -<li>Solis, Virgil <a href="#Page_117">117</a>.</li> -<li>Soncino <a href="#Page_61">61</a>.</li> -<li>Sorbonne <a href="#Page_65">65</a>.</li> -<li>Sorg, Anton <a href="#Page_46">46</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Spectator, The</em> <a href="#Page_267">267</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Speculum hum. Salvationis</em> <a href="#Page_21">21</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Speculum pass.</em> (Schaeuffelein) <a href="#Page_116">116</a>.</li> -<li>Speyer, Joh. von <a href="#Page_58">58</a>.</li> -<li>Spielkarten <a href="#Page_18">18</a>.</li> -<li>Spiess, Wigand von Ortenberg <a href="#Page_35">35</a>.</li> -<li>Spindeler, Nikolaus <a href="#Page_62">62</a>.</li> -<li>Spinosa, Antonio de <a href="#Page_191">191</a>.</li> -<li>Springinklee, Hans <a href="#Page_114">114</a>. <a href="#Page_135">135</a>.</li> -<li>Stathoen, Hermann an <a href="#Page_42">42</a>.</li> -<li>Stendal <a href="#Page_52">52</a>.</li> -<li id="IXq_02"><span class='smcap'>Stephanus-Familie.</span></li> -<li>Stephanus, Heinrich <a href="#Page_202">202</a>.</li> -<li>Stephanus, Robert <span class='smcap'>i.</span> <a href="#Page_202">202</a>. - <ul class="IX"> - <li>Jugend u. Geschäftsanfang <a href="#Page_202">202</a>.</li> - <li><em class="kursiv">Thesaurus linguæ latinæ</em> <a href="#Page_203">203</a>.</li> - <li>Königl. Typograph <a href="#Page_204">204</a>.</li> - <li>Übersiedelung nach Genf <a href="#Page_204">204</a>.</li> - <li>Kgl. griech. Schriften <a href="#Page_204">204</a>.</li> - </ul></li> -<li>Stephanus, Franz <span class='smcap'>i.</span> <a href="#Page_205">205</a>.</li> -<li>— Karl <a href="#Page_205">205</a>.</li> -<li>— Robert <span class='smcap'>ii.</span> <a href="#Page_206">206</a>.</li> -<li>Stephanus, Heinrich <span class='smcap'>ii.</span> <a href="#Page_206">206</a>. - <ul class="IX"> - <li>Geschäftsbahn <a href="#Page_206">206</a>.</li> - <li><em class="kursiv">Thesaurus linguæ græcæ</em> <a href="#Page_207">207</a>.</li> - <li>Heinrichs Tod <a href="#Page_207">207</a>.</li> - </ul></li> -<li>Stephanus, Paul <a href="#Page_207">207</a>.</li> -<li>Stephanus, Franz <span class='smcap'>ii.</span> <a href="#Page_208">208</a>.</li> -<li>Stereotypie: - <ul class="IX"> - <li>Valeire <a href="#Page_215">215</a>.</li> - <li>van der Mey und Müller <a href="#Page_251">251</a>.</li> - <li>William Ged <a href="#Page_265">265</a>.</li> - </ul></li> -<li>Stimmer, Tobias <a href="#Page_120">120</a>.</li> -<li>Stockelmann, Hans <a href="#Page_154">154</a>.</li> -<li>Stockholm <a href="#Page_75">75</a>. <a href="#Page_157">157</a>.</li> -<li>Stöckel, Wolfgang <a href="#Page_145">145</a>.</li> -<li>Stoll, Johann <a href="#Page_66">66</a>.</li> -<li>Strassburg <a href="#Page_23">23</a>. <a href="#Page_42">42</a>. <a href="#Page_120">120</a>. <a href="#Page_134">134</a>.</li> -<li>Strassburg, Jakob von <a href="#Page_136">136</a>.</li> -<li>Straub, Leonhard <a href="#Page_142">142</a>.</li> -<li>Strengnäs <a href="#Page_157">157</a>.</li> -<li>Subiaco <a href="#Page_56">56</a>.</li> -<li>Suhanow, Arsenij <a href="#Page_279">279</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Summa de art. fidei</em> (Gutenberg) <a href="#Page_32">32</a>.</li> -<li>Surinam <a href="#Page_192">192</a>.</li> -<li>Svirler, Michel <a href="#Page_66">66</a>.</li> -<li>Sweynheim, Konrad <a href="#Page_56">56</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Synodalnija Typografia</em> <a href="#Page_279">279</a>.</li> -</ul> - -<ul class="IX Grp"> -<li><a class="spclcap" id="IX_T" name="IX_T">T</a>acaco <a href="#Page_287">287</a>.</li> -<li>Takke, Heinrich <a href="#Page_149">149</a>.</li> -<li>„Talmud“ (Bomberg) <a href="#Page_185">185</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Tattler, the</em> <a href="#Page_267">267</a>.</li> -<li>Tavernier, Ament <a href="#Page_251">251</a>.</li> -<li>Technik, Verbesserungen <a href="#Page_159">159</a>.</li> -<li>Teigdruck <a href="#Page_16">16</a>.</li> -<li>Thanner, Jakob <a href="#Page_146">146</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Theatrum geographiae veteris</em> <a href="#Page_235">235</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Thes. ling. lat.</em> (Rob. Steph.) <a href="#Page_203">203</a>.</li> -<li>— — <em class="kursiv">græcæ</em> (H. Steph.) <a href="#Page_207">207</a>.</li> -<li>Theuerdank, Der <a href="#Page_127">127</a>.</li> -<li>Theuerdank-Type <a href="#Page_128">128</a>.</li> -<li>Thou, Charles de <a href="#Page_215">215</a>.</li> -<li>Thurneisen, Emm. <a href="#Page_139">139</a>.</li> -<li>Thurneysser, Leonhard <a href="#Page_152">152</a>.</li> -<li> -<span class='pagenum'><a id='Page_300' name='Page_300' href='#Page_300'>[300]</a></span> -Tiflis <a href="#Page_282">282</a>.</li> -<li>Tissard, François <a href="#Page_204">204</a>.</li> -<li>Tissnova, Martin von <a href="#Page_76">76</a>.</li> -<li>Torresanus, Andr., de Asola <a href="#Page_180">180</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Torquemada Meditationes</em> (Han) <a href="#Page_56">56</a>.</li> -<li>Tory, Geofroy <a href="#Page_198">198</a>. <a href="#Page_215">215</a>.</li> -<li>Tótfalu, Nikolaus <a href="#Page_279">279</a>.</li> -<li>Tournes, Jean de <a href="#Page_212">212</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Tractatus racionis</em> (Gutenberg) <a href="#Page_32">32</a>.</li> -<li>Tranquebar <a href="#Page_287">287</a>.</li> -<li>Trattnern, von <a href="#Page_161">161</a>.</li> -<li>Trechsel, Joh. <a href="#Page_66">66</a>.</li> -<li>„Triumphz. Cäsars“ (Andreani) <a href="#Page_189">189</a>.</li> -<li>Truber, Primus <a href="#Page_133">133</a>.</li> -<li>Tschernigow <a href="#Page_76">76</a>.</li> -<li>Tübingen <a href="#Page_132">132</a>.</li> -<li>Testament, Neues (Tyndale) <a href="#Page_259">259</a>.</li> -<li>Tzwyvel, Theodorik <a href="#Page_52">52</a>.</li> -</ul> - -<ul class="IX Grp"> -<li><a class="spclcap" id="IX_U" name="IX_U">U</a>lm <a href="#Page_44">44</a>.</li> -<li>Ungnad, Hans, von Sonnegg <a href="#Page_133">133</a>.</li> -<li>„Unterweysung d. Proportion“ <a href="#Page_114">114</a>.</li> -<li>Upsala <a href="#Page_157">157</a>. <a href="#Page_158">158</a>.</li> -<li>Urach <a href="#Page_133">133</a>.</li> -<li>Uscan <a href="#Page_282">282</a>.</li> -<li>Utrecht <a href="#Page_231">231</a>.</li> -</ul> - -<ul class="IX Grp"> -<li><a class="spclcap" id="IX_V" name="IX_V">V</a>aldarfer, Christoph <a href="#Page_60">60</a>.</li> -<li>Valdius, Petrus <a href="#Page_158">158</a>.</li> -<li>Valeire <a href="#Page_215">215</a>.</li> -<li>Valentin aus Mähren <a href="#Page_63">63</a>.</li> -<li>Valencia <a href="#Page_61">61</a>. <a href="#Page_190">190</a>.</li> -<li>Vascosan, Michel <a href="#Page_201">201</a>.</li> -<li>Vautrollier, Thomas <a href="#Page_263">263</a>.</li> -<li>Vecellio, C., <em class="kursiv">Habiti antichi</em> <a href="#Page_188">188</a>.</li> -<li>Velin (<em class="kursiv">Vellum</em>) <a href="#Page_86">86</a>.</li> -<li>Venedig <a href="#Page_58">58</a>. <a href="#Page_176">176</a>. <a href="#Page_184">184</a>. <a href="#Page_185">185</a>. <a href="#Page_187">187</a>.</li> -<li>Vérard, Anton <a href="#Page_197">197</a>.</li> -<li>Verlagskatalog, Erster <a href="#Page_42">42</a>.</li> -<li>Vesalius, A., <em class="kursiv">hum. corp. fabrica</em> <a href="#Page_139">139</a>.</li> -<li>Victor, Hieronymus <a href="#Page_142">142</a>. <a href="#Page_277">277</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Virgilius</em> (Ratdolt) <a href="#Page_66">66</a>.</li> -<li>Vitré, Antonius <a href="#Page_209">209</a>.</li> -<li><em class="kursiv">Vocabulario</em> des A. de Molina <a href="#Page_191">191</a>.</li> -<li>Vögelin, Ernst <a href="#Page_134">134</a>. <a href="#Page_147">147</a>.</li> -<li>Volpi, Giovanni <a href="#Page_187">187</a>.</li> -<li>Voltz, Nikolas <a href="#Page_152">152</a>.</li> -<li>Voskens, Dirk <a href="#Page_250">250</a>.</li> -<li>Vostre, Simon <a href="#Page_197">197</a>.</li> -</ul> - -<ul class="IX Grp"> -<li><a class="spclcap" id="IX_W" name="IX_W">W</a>ächtlin, Joh. <a href="#Page_136">136</a>.</li> -<li>Waesberge, Johann van <a href="#Page_249">249</a>.</li> -<li>Waltons Polyglotte <a href="#Page_261">261</a>.</li> -<li>Wankuli <em class="kursiv">Kitab Lugat</em> <a href="#Page_281">281</a>.</li> -<li>„Wappenbuch“, erstes (Sorg) <a href="#Page_46">46</a>.</li> -<li>Warschau <a href="#Page_278">278</a>.</li> -<li>Wasen, Hans am <a href="#Page_139">139</a>.</li> -<li>Wasserzeichen <a href="#Page_87">87</a>.</li> -<li>Watson, James <a href="#Page_265">265</a>.</li> -<li>Wechel, Familie <a href="#Page_131">131</a>. <a href="#Page_201">201</a>.</li> -<li>Weidlich, Christoph <a href="#Page_168">168</a>.</li> -<li>Weiss, Johann <a href="#Page_151">151</a>.</li> -<li>Wendelin, Joh., de Spira <a href="#Page_58">58</a>.</li> -<li>Wenssler, Michael <a href="#Page_43">43</a>.</li> -<li>Westfal, Joachim <a href="#Page_52">52</a>.</li> -<li>Wetstein, Heinrich <a href="#Page_245">245</a>.</li> -<li>Weyerstraten, Elisäus <a href="#Page_250">250</a>.</li> -<li>Whitchurch, Edward <a href="#Page_260">260</a>.</li> -<li>Wien <a href="#Page_49">49</a>. <a href="#Page_142">142</a>.</li> -<li>Willer, Georg <a href="#Page_170">170</a>.</li> -<li>Wilna <a href="#Page_278">278</a>. <a href="#Page_279">279</a>.</li> -<li>Wilson, Alexander <a href="#Page_266">266</a>.</li> -<li>Winkler, Andreas <a href="#Page_145">145</a>.</li> -<li>Winterburger, Joh. <a href="#Page_50">50</a>.</li> -<li>Wittenberg <a href="#Page_119">119</a>. <a href="#Page_150">150</a>.</li> -<li>Wojiriot, Pierre <a href="#Page_200">200</a>.</li> -<li>Wolf, Johann <a href="#Page_141">141</a>.</li> -<li>Wolfe, Reynold <a href="#Page_262">262</a>.</li> -<li>Wolgemut, Michel <a href="#Page_47">47</a>. <a href="#Page_107">107</a>.</li> -<li>Worde, Wynkyn de <a href="#Page_258">258</a>.</li> -<li>Würsing, Marx <a href="#Page_130">130</a>.</li> -</ul> - -<ul class="IX Grp"> -<li><a class="spclcap" id="IX_X" name="IX_X">X</a>ylographie s. <a href="#IXq_04">Holzschnitt.</a></li> -<li>Xylographische Werke <a href="#Page_20">20</a>.</li> -</ul> - -<ul class="IX Grp"> -<li><a class="spclcap" id="IX_Z" name="IX_Z">Z</a>ahlen, arabische <a href="#Page_58">58</a>.</li> -<li>Zainer, Günther <a href="#Page_46">46</a>.</li> -<li>— Johannes <a href="#Page_45">45</a>.</li> -<li>Zanetti, Anton Graf v. <a href="#Page_189">189</a>.</li> -<li>Zell, Ulrich <a href="#Page_51">51</a>.</li> -<li>Zeitungen, erste, in Wien <a href="#Page_144">144</a>.</li> -<li>— — in England <a href="#Page_267">267</a>.</li> -<li>Zeitungsstempel in England <a href="#Page_267">267</a>.</li> -<li>Zenger, Peter <a href="#Page_273">273</a>.</li> -<li>Zensur <a href="#Page_96">96</a>. <a href="#Page_173">173</a>.</li> -<li>Zeugdruck <a href="#Page_16">16</a>.</li> -<li>Ziegenbalg, Barth. <a href="#Page_287">287</a>.</li> -<li>Zimmermann, Mich. <a href="#Page_143">143</a>.</li> -<li>Zink, Christoph <a href="#Page_161">161</a>.</li> -<li> -<span class='pagenum'><a id='Page_301' name='Page_301' href='#Page_301'>[301]</a></span> -Zinna, Kloster <a href="#Page_53">53</a>.</li> -<li>„Zionitisch. Weyrauchs-Hügel“ <a href="#Page_274">274</a>.</li> -<li>Zorba, Familie <a href="#Page_63">63</a>.</li> -<li>Zürich <a href="#Page_139">139</a>.</li> -<li>Zunftwesen in Frankreich <a href="#Page_194">194</a>.</li> -<li>Zuren, Jan van <a href="#Page_70">70</a>.</li> -</ul> -</div> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="h2_32"> -B. NACHWEIS DER ANGEFÜHRTEN QUELLENSCHRIFTEN. -<span class="seitnum">[<a href="#toc_32">←</a>]</span> -</h2> -</div> - -<div class="qnachw-container fs90"> -<div class="qnachw"> -<div class="gruppe"> - -<div class="einzel"> -Äbi, J. L., Die Buchdruckerei in -Beromünster <a href="#Page_43">43</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Almeloven, F. J., <em class="kursiv">De vitis Stephanorum etc.</em> <a href="#Page_202">202</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Amaduti, J. C., <em class="kursiv">Catalogus librorum -etc. St. Congregationis</em> <a href="#Page_186">186</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Andenken, gepriesenes. Jubiläumsschrift 1740 <a href="#Page_145">145</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Arnett, J. A., <em class="kursiv">The books of the Ancients</em> <a href="#Page_13">13</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Astle, T., <em class="kursiv">The origin of writing</em> <a href="#Page_14">14</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Baader, L., Beitrag zur Kunstgeschichte Nürnbergs <a href="#Page_46">46</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Bandini, A. M., <em class="kursiv">De Florentina Juntarum -Typographia</em> <a href="#Page_184">184</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Bandtkie, G. S., <em class="kursiv">De primis Cracoviæ -etc. incunabulis</em> <a href="#Page_75">75</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Baudet, P. J. H., Leven van W. J. Blaeu <a href="#Page_228">228</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Becker, C., Jost Amann <a href="#Page_118">118</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Bekker, E., Buchdruckerwappen <a href="#Page_49">49</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Berjeau, J. Philipp, <em class="kursiv">Early printers -Marks</em> <a href="#Page_124">124</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Bernard, A., <em class="kursiv">Ant. Vérard</em> <a href="#Page_193">193</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -— <em class="kursiv">Ant. Vitré</em> <a href="#Page_193">193</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -— <em class="kursiv">Débuts de l'imprimerie</em> <a href="#Page_9">9</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -— <em class="kursiv">Geofroy Tory</em> <a href="#Page_198">198</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -— <em class="kursiv">Hist. de l'impr. Royale</em> <a href="#Page_208">208</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -— <em class="kursiv">Les Estienne</em> <a href="#Page_202">202</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Beyschlag, Beiträge zur Kunstgeschichte -von Nördlingen <a href="#Page_88">88</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Bigmore, E. C., <em class="kursiv">and</em> C. W. H. Wyman -<em class="kursiv">A bibliography of printing</em> <a href="#Page_104">104</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Binckert, G., Leonh. Straub <a href="#Page_142">142</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Blades, W., <em class="kursiv">How to tell a Caxton</em> <a href="#Page_71">71</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -— <em class="kursiv">The Life and typography of W. -Caxton</em> <a href="#Page_71">71</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Bockenheimer, K. G., Gutenbergs -Grabstätte <a href="#Page_34">34</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Boulmier, J., <em class="kursiv">Estienne Dolet</em> <a href="#Page_213">213</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Breitkopf, J. G. J., Beiträge zu einer -Gesch. d. Schreibkunst <a href="#Page_14">14</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -— Urspr. d. Spielkarten <a href="#Page_18">18</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Bräutigam, J. A., Das Bücherwesen -des Alterthums <a href="#Page_13">13</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -— Das Zeitungswesen bei den -Römern <a href="#Page_13">13</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Brunet, J. Ch., <em class="kursiv">Manuel du libraire</em> <a href="#Page_91">91</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Buchschriften des Mittelalters <a href="#Page_14">14</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Carmoly, E., Hebräische Typographie -in Riva di Trento <a href="#Page_186">186</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -<em class="kursiv">Caxton Celebration</em> 1877 <a href="#Page_251">251</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Chatto, W. A., <em class="kursiv">Hist. of playing -cards</em> <a href="#Page_18">18</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Chatto, W. A., <em class="kursiv">and</em> J. Jackson, <em class="kursiv">Treatise -on wood engraving</em> <a href="#Page_8">8</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Clerc, J. O. le, <em class="kursiv">Des journaux chez -les Romains</em> <a href="#Page_13">13</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Cohen, H., <em class="kursiv">Les livres à vignettes</em> <a href="#Page_200">200</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Crapelet, G. A., <em class="kursiv">Des progrès de -l'imprimerie en France</em> <a href="#Page_193">193</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Cundall, J., <em class="kursiv">On bookbinding ancient -and modern</em> <a href="#Page_89">89</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Denis, M., Wiens Buchdrucker-Geschichte -bis 1560 <a href="#Page_49">49</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Degeorge, <em class="kursiv">La maison Plantin</em> <a href="#Page_219">219</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Delprat, G. H. M., <em class="kursiv">Verh. over de -Broederschap v. G. Groote</em> <a href="#Page_68">68</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Dibdin, Th. F., <em class="kursiv">The bibliographical -Decameron</em> <a href="#Page_8">8</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Didot, A. F., <em class="kursiv">Alde Manuce</em> <a href="#Page_175">175</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -— <em class="kursiv">Essai sur l'histoire de la gravure -sur bois</em> <a href="#Page_9">9</a>. <a href="#Page_121">121</a>. <a href="#Page_188">188</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Dohme, Rob., Kunst und Künstler -des Mittelalters etc. <a href="#Page_103">103</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Drake, N., <em class="kursiv">Essays of the Tattler, -Spectator</em> etc. <a href="#Page_267">267</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Duboc, J., Gesch. d. engl. Presse <a href="#Page_267">267</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Duchesne, J., l'ainé, <em class="kursiv">Jeux de Cartes, -Tarots</em> etc. <a href="#Page_18">18</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Dupont, P., <em class="kursiv">Hist. de l'imprim.</em> <a href="#Page_193">193</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -<span class='pagenum'><a id='Page_302' name='Page_302' href='#Page_302'>[302]</a></span> -Duprat, F. A., <em class="kursiv">Hist. de l'imprimerie -Royale</em> <a href="#Page_208">208</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Eichsfeld, E. G., Wittenbergisches -Jubiläum 1740 <a href="#Page_150">150</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Ernesti, J. H. G., Die wol-eingerichtete -Buchdruckerey <a href="#Page_103">103</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -<em class="kursiv">Esame sui principii della typogr.</em> <a href="#Page_85">85</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Eye, A. v., Leben und Wirken -Dürers <a href="#Page_108">108</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Fabricius, J. F., Die Buchdruckerkunst -in Amerika <a href="#Page_269">269</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Falkenstein, K., Geschichte der -Buchdruckerkunst <a href="#Page_5">5</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Fantozzi, F., <em class="kursiv">Not. di B. Cennini</em> <a href="#Page_60">60</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Faulmann, K., Illustrirte Geschichte -der Schrift <a href="#Page_14">14</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Fechter, D. A., Beiträge zur Baseler -Buchdruckergeschichte <a href="#Page_43">43</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Federici, F., <em class="kursiv">Annali di Tipogr. -Volpi-Cominiana</em> <a href="#Page_187">187</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Fertel, M. D., <em class="kursiv">La science pratique de -l'imprimerie</em> <a href="#Page_104">104</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Fineschi, V., <em class="kursiv">Stamperia di Ripoli</em> <a href="#Page_187">187</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Fischer, G., Versuch d. Papierzeichen -als Kennzeichen anzuwenden <a href="#Page_85">85</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Fischer, Ludw., Math. Corvinus -und seine Bibliothek <a href="#Page_75">75</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Fournier, P. S., <em class="kursiv">le jeune, Manuel -typographique</em> <a href="#Page_104">104</a>. <a href="#Page_214">214</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Friedländer, G., Beiträge zur Buchdruckergeschichte -Berlins <a href="#Page_151">151</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Frommann, H., Aufsätze z. Gesch. -des Buchhandels <a href="#Page_56">56</a>. <a href="#Page_172">172</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Fumagalli, Ch., <em class="kursiv">Dei primi libri etc. -in Italia</em> <a href="#Page_56">56</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Gand, J. de, <em class="kursiv">Recherches sur la vie -de D. Martens</em> <a href="#Page_67">67</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Garnier, J. M., <em class="kursiv">l'Imagerie populaire -à Chartres</em> <a href="#Page_19">19</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Gessner, Chr. Fr., Die so nöthig als -nützliche Buchdruckerkunst <a href="#Page_104">104</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Götze, L., Ältere Geschichte der -Buchdrkst. in Magdeburg <a href="#Page_52">52</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Grässe, J. G. Th., <em class="kursiv">Trésor de livres -rares</em> <a href="#Page_91">91</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Grotefend, H., Chr. Egenolff <a href="#Page_130">130</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Hain, L., <em class="kursiv">Repertorium Bibliogr.</em> <a href="#Page_91">91</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Hansard, T. C., <em class="kursiv">Typographia</em> <a href="#Page_104">104</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Harless, Ch. F., Die Litteratur der -ersten hundert Jahre etc. <a href="#Page_92">92</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Hase, O., Brieffbuch der Koberger <a href="#Page_48">48</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -— Die Koburger <a href="#Page_47">47</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -— Breitkopf & Härtel <a href="#Page_149">149</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Hasse, F. Ch. A., Kurze Geschichte -d. Leipzig. Buckdruckereien <a href="#Page_145">145</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Hassler, K. D., Die Buchdruckergeschichte -Ulms <a href="#Page_44">44</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Helbig, Henri, <em class="kursiv">Une découverte pour -l'histoire de l'imprimerie</em> <a href="#Page_35">35</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Helbig, H., <em class="kursiv">Notice sur P. Schöffer -le fils</em> <a href="#Page_132">132</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Heller, Joh., Lucas Cranach <a href="#Page_119">119</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Heyden, Ed., Gallerie berühmter -Frankfurter <a href="#Page_131">131</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Hirth, G., Der Formenschatz der -Renaissance <a href="#Page_103">103</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -— Die Bücherornamentik der -Renaissance <a href="#Page_103">103</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Hoffmann, J. D., <em class="kursiv">De typographiis etc. -in Regno Poloniae</em> <a href="#Page_279">279</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Holtrop, J. W., <em class="kursiv">Monuments typogr. -des Pays-Bas</em> <a href="#Page_8">8</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -— <em class="kursiv">Thierry Martens</em> <a href="#Page_67">67</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Hornschuh, H., Ορθοτυπογραφια <a href="#Page_164">164</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Hoyois, E., <em class="kursiv">Notice sur Jose Bade</em> <a href="#Page_201">201</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Humphreys, H. N., <em class="kursiv">History of the -art of printing</em> <a href="#Page_9">9</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -— <em class="kursiv">Masterpieces of the early printers and engravers</em> <a href="#Page_9">9</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -— <em class="kursiv">The illum. books of the middle -ages</em> <a href="#Page_9">9</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -— <em class="kursiv">The origin and progress of -writing</em> <a href="#Page_14">14</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Icazbalceta, J. G., <em class="kursiv">Escritores en lenguas -indigenos</em> <a href="#Page_190">190</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Iseghem, <em class="kursiv">Biogr. de Th. Martens</em> <a href="#Page_67">67</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Jaeck, H. J., Jubelf. Erlangen <a href="#Page_48">48</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Jociscus, A., <em class="kursiv">Oratio de ortu etc. J. -Oporini</em> <a href="#Page_138">138</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Johnson, J., <em class="kursiv">Typographia</em> <a href="#Page_104">104</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -<em class="kursiv">Jubilaeum typogr. Lipsiensium</em> <a href="#Page_145">145</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Julien, St., <em class="kursiv">L'imprim. en Chine</em> <a href="#Page_282">282</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -— <em class="kursiv">Documens sur l'imprimerie en -Chine</em> <a href="#Page_282">282</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Kapp, Fr., Der deutsch-amerikanische -Buchdruck <a href="#Page_269">269</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -<span class='pagenum'><a id='Page_303' name='Page_303' href='#Page_303'>[303]</a></span> -Katalog der chinesischen Ausstellung -in Wien <a href="#Page_286">286</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Kirchhoff, A., Beiträge z. Geschichte -d. Buchhandels <a href="#Page_92">92</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -— Weitere Beiträge etc. <a href="#Page_92">92</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -— Die Handschriftenhändler <a href="#Page_92">92</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Klein, K., Über Gutenberg etc. -Fragm. der ersten Druckerpr. <a href="#Page_83">83</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Kopp, U. J., Bilder und Schriften -der Vorzeit <a href="#Page_14">14</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Künzel, H., Peter Schöffer <a href="#Page_30">30</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Küster,G. G., <em class="kursiv">Historia artis typogr. -in Marchia</em> <a href="#Page_151">151</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Laborde, L. de, <em class="kursiv">Débuts de l'imprimerie -à Strassbourg</em> <a href="#Page_42">42</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Lacroix, P., <em class="kursiv">Hist. de l'impr. etc.</em> <a href="#Page_65">65</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -— <em class="kursiv">Origine des cartes à jouer</em> <a href="#Page_18">18</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -La Lande, de, <em class="kursiv">Art de faire le Pap.</em> <a href="#Page_85">85</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -— <em class="kursiv">Art de faire le parchemin</em> <a href="#Page_85">85</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Lappenberg, J. M., Geschichte der -Buchdruckerk. in Hamburg <a href="#Page_52">52</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Ledeboer, A. M., <em class="kursiv">Het geslagt van -Waesberghe</em> <a href="#Page_250">250</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Leich, J. H., <em class="kursiv">De origine typographiae -Lipsiensis</em> <a href="#Page_53">53</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Linde, A. van der, Gutenberg <a href="#Page_7">7</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Lorck, C. B., Die Druckkunst etc. -in Leipzig 1479-1879 <a href="#Page_145">145</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Madden, J. P. A., <em class="kursiv">Lettres d'un Bibliographe</em> <a href="#Page_10">10</a>. <a href="#Page_20">20</a>. <a href="#Page_51">51</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Maittaire, Mich., <em class="kursiv">Annales typogr.</em> <a href="#Page_91">91</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -<em class="kursiv">Manuel du bibliophile Lyonnais</em> <a href="#Page_212">212</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Meermann, G., <em class="kursiv">Origines typogr.</em> <a href="#Page_71">71</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Mendez, Fr., <em class="kursiv">Tipogr. española</em> <a href="#Page_61">61</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Messmemorial Mich. Harders <a href="#Page_172">172</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Mezger, G. C., Augsburgs älteste -Druckdenkmale <a href="#Page_46">46</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Michel, M., <em class="kursiv">La reliure française</em> <a href="#Page_89">89</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Minzloff, <em class="kursiv">Les Elzevir etc. de St. -Pétersbourg</em> <a href="#Page_229">229</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -<em class="kursiv">Monum. inédits etc. du cabin. Libri</em> <a href="#Page_89">89</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Moxon, Jos., <em class="kursiv">Mechan. Exerc.</em> <a href="#Page_104">104</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Müller, J. J., <em class="kursiv">Incunabula typogr. -Lipsiens</em> <a href="#Page_53">53</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Németh, Joh., <em class="kursiv">Mem. typogr. etc. -Hungariae</em> <a href="#Page_75">75</a>. <a href="#Page_279">279</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Nordhoff, J. B., Denkw. aus dem -Münsterschen Humanismus <a href="#Page_51">51</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Nyrop, C., <em class="kursiv">Bidrag til den danske -Boghandels Historie</em> <a href="#Page_74">74</a>. <a href="#Page_153">153</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Opel, J. O., Anfänge der deutsch. -Zeitungspresse <a href="#Page_153">153</a>. <a href="#Page_169">169</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -<em class="kursiv">Ornaments, Illuminated, drawn by -H. Shaw</em> <a href="#Page_14">14</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Ottley, W. Y., <em class="kursiv">Inquiry conc. the invention -of printing</em> <a href="#Page_8">8</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Outhuis, G., <em class="kursiv">Uitgaven van de Biblia -polyglotta</em> <a href="#Page_221">221</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Panzer, G. W., <em class="kursiv">Annales typogr.</em> <a href="#Page_91">91</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -— Ält. Buchdrucker-Geschichte -Nürnbergs <a href="#Page_46">46</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Peignot, G., <em class="kursiv">Essai sur la relieure</em> <a href="#Page_89">89</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Petzholdt, J., <em class="kursiv">Bibliotheca typogr.</em> <a href="#Page_91">91</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Pieters, Ch., <em class="kursiv">Annales de l'imprimerie -Elzevirienne</em> <a href="#Page_229">229</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Platzmann, J., Verzeichniss einer Auswahl amerikanischer -Grammatiken <a href="#Page_191">191</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Praet, de, <em class="kursiv">Notice sur C. Mansion</em> <a href="#Page_68">68</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Price, F. C., <em class="kursiv">Facsimiles illustr. etc. -the labours of Caxton</em> <a href="#Page_71">71</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Publikationen des Börsenvereins <a href="#Page_168">168</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Rechnungsbuch des Froben u. des -Episcopius <a href="#Page_137">137</a>. <a href="#Page_172">172</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Reiffenberg, <em class="kursiv">Marques et devises</em> <a href="#Page_124">124</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Renouard, A. A., <em class="kursiv">Annales de l'imprimerie -des Alde</em> <a href="#Page_175">175</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -— <em class="kursiv">Annales de l'imprimerie des -Estienne</em> <a href="#Page_202">202</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Renouvier, J., <em class="kursiv">Des gravures en bois -d'A. Vérard</em> <a href="#Page_193">193</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -— <em class="kursiv">Simon Vostre</em> <a href="#Page_193">193</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Rettberg, R. v., Nürnbergs Kunstleben <a href="#Page_107">107</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Reume, A. de, <em class="kursiv">Recherches hist.</em> <a href="#Page_229">229</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Rochelle, J. F. Nee de la, <em class="kursiv">l'art. typ. -en Espagne et en Portugal</em> <a href="#Page_61">61</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Rooses, M., <em class="kursiv">Plantijn an de Pl. -Drukerey</em> <a href="#Page_219">219</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Roth-Scholtz, Fr., <em class="kursiv">Insignia etc.</em> <a href="#Page_124">124</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Rudolphi, E. C., Die Buchdrucker-Familie -Froschauer <a href="#Page_139">139</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Ruelens, C., et A. de Backer, <em class="kursiv">Annales -Plantiniennes</em> <a href="#Page_219">219</a>. <a href="#Page_222">222</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Rumohr, C. F. v., Zur Geschichte -der Formschnitte <a href="#Page_19">19</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -<span class='pagenum'><a id='Page_304' name='Page_304' href='#Page_304'>[304]</a></span> -Sachse, F., Die Anfänge d. Büchercensur -in Deutschland <a href="#Page_92">92</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Salva, Vincent, <em class="kursiv">Catalogue of Spanish -and Portuguese books</em> <a href="#Page_61">61</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Santander, La Serna, <em class="kursiv">Les livres -imp. dans le XV Siècle</em> <a href="#Page_85">85</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Schaab, C. A., Gesch. d. Erfindung -der Buchdruckerkunst <a href="#Page_7">7</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Schmitz, W., Schriftsteller u. Buchhändler -in Athen <a href="#Page_13">13</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Schöpflin, J. D., <em class="kursiv">Vindic. typogr.</em> <a href="#Page_42">42</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Schröder, J. H., <em class="kursiv">Incunabula etc. in -Svecia</em> <a href="#Page_74">74</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Schuchardt, Chr., Lucas Cranach -d. ä. <a href="#Page_119">119</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Schurrer, C. F., Slavischer Bücherdruck -in Würtemberg <a href="#Page_133">133</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Schwetschke, G., <em class="kursiv">Codex nundin.</em> <a href="#Page_149">149</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Seelen, J. H. v., Nachr. über die -Buchdruckerkunst in Lübeck <a href="#Page_52">52</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Sillem, H. C. W., Primus Truber <a href="#Page_133">133</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Silvestre, C. L., <em class="kursiv">Marques typ.</em> <a href="#Page_124">124</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Singer, W. S., <em class="kursiv">History of playing -cards</em> <a href="#Page_18">18</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Soennecken, F., D. deutsche Schriftwesen <a href="#Page_129">129</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Sotheby, S. L., <em class="kursiv">Principia typogr.</em> <a href="#Page_8">8</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Sotzmann, J. D. F., Älteste Gesch. -der Xylographie <a href="#Page_19">19</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -— Über ältere Papierfabrikat <a href="#Page_85">85</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Specimen de J. Enschedé <a href="#Page_247">247</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Sprenger, Pl., Älteste Buchdrucker-Geschichte -von Bamberg <a href="#Page_48">48</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Steche, R., Zur Geschichte d. Bucheinbandes <a href="#Page_89">89</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Stockmeyer, J. u. B. Reber. Beitr. -z. Baseler Buchdruckerg. <a href="#Page_43">43</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Streuber, Neue Beiträge z. Baseler -Buchdruckergeschichte <a href="#Page_43">43</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Täubel, Ch. G., Theor. prakt. Wörterbuch -d. Buchdruckerkst. <a href="#Page_104">104</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Tarbouniech, A., <em class="kursiv">Les livres d'heures</em> <a href="#Page_193">193</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Thausing, M., Dürer <a href="#Page_108">108</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Thomas, Isaiah, <em class="kursiv">History of printing -in America</em> <a href="#Page_269">269</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Timperley, C., <em class="kursiv">Encyclopaedia</em> <a href="#Page_104">104</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Toderini, G., Literatur d. Türken <a href="#Page_280">280</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Ursin, G. F., <em class="kursiv">Bogtrykkerkunstens -Opfindelse etc.</em> <a href="#Page_74">74</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Vinne, L. de, <em class="kursiv">The invention of printing</em> <a href="#Page_9">9</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Vögelin, S., Christ. Froschauer <a href="#Page_139">139</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Volpi, G., <em class="kursiv">La stamperia Cominiana</em> <a href="#Page_187">187</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Waldau, G. E., Leben A. Kobergers <a href="#Page_47">47</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Walther, Ch. Fr., <em class="kursiv">Les Elzevir etc. de -St. Petersbourg</em> <a href="#Page_229">229</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Wattenbach, K., Das Schriftenwesen -des Mittelalters <a href="#Page_14">14</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Weestreenen v. Tiellandt, <em class="kursiv">Rapport -etc. de l'impr. stéréotype</em> <a href="#Page_251">251</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Weigel, R., Holzschnitte berühmter -Meister <a href="#Page_103">103</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Weigel, T. O. und Dr. Ad. Zestermann, -Die Anfänge der Druckkunst <a href="#Page_6">6</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Weller, E., Die ersten deutschen -Zeitungen <a href="#Page_169">169</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Wetter, J., Kritische Geschichte d. -Erfindung d. Buchdruckerk. <a href="#Page_7">7</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -— Conrad Henlif <a href="#Page_42">42</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Willems, A., <em class="kursiv">Les Elzevir</em> <a href="#Page_229">229</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Willshire, N. H., <em class="kursiv">Playing cards in -the British Museum</em> <a href="#Page_18">18</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Woltmann, Alfr., Hans Holbein u. -seine Zeit <a href="#Page_121">121</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Wustmann, G., Die Anfänge des -Leipziger Bücherwesens <a href="#Page_53">53</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Wuttke, H., Die Entstehung der -Schrift <a href="#Page_282">282</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Wyatt, Digby, <em class="kursiv">The art of illuminating</em> <a href="#Page_14">14</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -Zapf, G. W., ält. Buchdr.-Gesch. -Schwabens <a href="#Page_44">44</a>. -</div> - -<div class="einzel"> -— Augsburgs Buchdrucker-Geschichte <a href="#Page_46">46</a>. -</div> - -</div> -</div> -</div> - -<p class="center fs60 abst0-o1u1"> -LEIPZIG, DRUCK VON W. DRUGULIN. -</p> - -<div lang='en' xml:lang='en'> -<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>HANDBUCH DER GESCHICHTE DER BUCHDRUCKERKUNST</span> ***</div> -<div style='text-align:left'> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Updated editions will replace the previous one—the old editions will -be renamed. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg™ electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG™ -concept and trademark. 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Information about the Mission of Project Gutenberg™ -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg™’s -goals and ensuring that the Project Gutenberg™ collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg™ and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation’s EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state’s laws. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation’s business office is located at 809 North 1500 West, -Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up -to date contact information can be found at the Foundation’s website -and official page at www.gutenberg.org/contact -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without widespread -public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state -visit <a href="https://www.gutenberg.org/donate/">www.gutenberg.org/donate</a>. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Please check the Project Gutenberg web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 5. General Information About Project Gutenberg™ electronic works -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg™ concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg™ eBooks with only a loose network of -volunteer support. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Most people start at our website which has the main PG search -facility: <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -This website includes information about Project Gutenberg™, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. -</div> - -</div> -</div> -</body> -</html> diff --git a/old/68395-h/images/cover.jpg b/old/68395-h/images/cover.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 63c6690..0000000 --- a/old/68395-h/images/cover.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/68395-h/images/fiatlux.jpg b/old/68395-h/images/fiatlux.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index a87fe31..0000000 --- a/old/68395-h/images/fiatlux.jpg 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