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If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Der Mord am Polizeiagenten Blau - Außenseiter der Gesellschaft. Die Verbrechen der Gegenwart. Band - 3 - -Author: Eduard Trautner - -Editor: Rudolf Leonhard - -Release Date: February 12, 2022 [eBook #67381] - -Language: German - -Produced by: Jens Sadowski and the Online Distributed Proofreading Team - at https://www.pgdp.net. This book was produced from images - made available by the HathiTrust Digital Library. - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DER MORD AM POLIZEIAGENTEN -BLAU *** - - - - AUSSENSEITER DER GESELLSCHAFT - – DIE VERBRECHEN DER GEGENWART – - - - - - AUSSENSEITER - DER GESELLSCHAFT - – DIE VERBRECHEN DER GEGENWART – - - - HERAUSGEGEBEN VON - RUDOLF LEONHARD - - BAND 3 - - - VERLAG DIE SCHMIEDE - BERLIN - - - - - DER MORD - AM POLIZEIAGENTEN BLAU - - - VON - EDUARD TRAUTNER - - - VERLAG DIE SCHMIEDE - BERLIN - - - EINBANDENTWURF - GEORG SALTER - BERLIN - - - Copyright 1924 by Verlag Die Schmiede Berlin - - - - - EINLEITUNG. - - -Der Fall des ermordeten Polizeispitzels Karl Blau interessiert nicht so -sehr wegen der beteiligten Personen; selbst nicht wegen der des -Ermordeten. Dieser scheint nach den in der Verhandlung vorgebrachten -Bekundungen ein geistig unbedeutender und sittlich minderwertiger Mensch -gewesen zu sein, den höchstens der Fanatismus seiner Beschränktheit -gefährlich machte; jene treten als Persönlichkeiten überhaupt nicht -hervor: man zweifelt, ob man Akteure vor sich hat, ob Statisten; denn -man erkennt weniger Individuen, als Funktionäre unsichtbarer Strömungen -und Bewegungen. Befangen und fast entselbstet sind sie schemenhaft -undurchdringbar in Zusammenhängen und Herkunft: so wie die Tat – die -zufällig sichtbar wurde aus einem verborgenen Mechanismus, in dessen -sonst geräuschlosem Ablauf sie eine vielleicht unwichtige Masche ist; -nur eine Masche, die dem Staatsanwalt Einschreiten gebot. - -Ein politischer Prozeß, – wie ein ähnlicher, gleichartig farblos in den -Persönlichkeiten und gleichartig undurchdringlich, morgen wie heute -bekannt werden mag: – und dies berechtigt den Versuch, den Fall zu -erörtern. Denn der Boden, dem er entspringt, ist zwar verborgen und -übersehen, doch heute wie damals vorhanden; er arbeitet und gärt, und -tritt morgen vielleicht schon in Erscheinung; es ist die unterirdische -Bewegung, die politisch unruhige Zeiten trägt; das vulkanische Rollen, -das Revolutionen und Restaurationen vorausgeht, nachfolgt und sie -begleitet. - -– Je ferner und entrückter ein Ding ist, desto einfacher wird es, es -klar zu betrachten, falls Betrachtung überhaupt statt hat; denn: der -Tätige jeden Berufes lebt einen Alltag, dessen Oberflächen ihm keine -Tiefen verbergen. Wo ihm Verwicklungen klaffen, hilft ihm ein knapp -formuliertes Urteil – das Schlagwort – jene Sicherheit zu bewahren, die -seiner Wirksamkeit Voraussetzung ist. Wenn aber Liebe und Haß, -Verzweiflung und Angst die Gemüter erregen, trübt sich der Blick, und: -wo jeder im tiefsten beteiligt, bereit und gezwungen ist sich und das -Letzte einzusetzen, dort ist man blind!, auch ohne zu rasen ... muß es -sein, um den Schritt ins Morgen zu wagen! - -Nun war des letzten Dezenniums Ablauf so rasch und hat so brutal mit uns -gehandelt, daß niemals das Heute Zeit ließ, an das Vorher zu denken. -Natürlich wissen wir alle Viel und Zu-Vieles aus diesen Jahren; so viel, -daß dessen Last uns ängstigte und nicht mehr tragbar war. Da setzten wir -an Stelle der Wahrheit leicht benutzbare Urteile, nach ihrem -Propagandawert ausgewählt! Und machten die Gegenwart uns dadurch -erträglich ... Wir haben eine tote Vergangenheit; nicht etwa, daß sie -leer wäre; nur: sie ward nie lebendig. Wir deckten unsere Erinnerungen -mit unseren Formulierungen zu ... und eiferten uns in die Berechtigung -unserer Ziele. - -Doch, – die Schufte sind selten; häufiger sind schon die Hanswurste, und -die weitaus überwiegende Mehrzahl der Menschen erhebt berechtigten -Anspruch darauf, für gute Bürger und gute Patrioten zu gelten. Und: man -wird auf der ganzen Erde zusammen nicht so viel Mut finden, um nur ein -Drittel eines Volkes zu den Verbrechern zu machen, die sie gegenseitig -sich schimpfen. Wer also nicht bereit sein will, in politischen Dingen -des Gegners nur Gemeinheit zu sehen und Niedertracht, muß das Bild all -der Jahre wecken: ohne Betrachtung der politischen Lage der breiten -Massen und ihrer Gestaltung unter dem Einfluß des Nachkrieges ist es -unmöglich, dem Fall Blau gerecht zu werden – soweit überhaupt -Möglichkeit ist, durch dieses Dunkel zu dringen, denn: - -In der Aufklärung, wie der Prozeß sie gibt, sind die letzten Enden und -Fäden verborgener Bestrebungen eben erkennbar; man sieht in der -aufgerissenen Wunde zerfetzte Sehnen und weiß, daß im Lebenden, irgendwo -hinter dem Sichtbaren, Wille sitzt und Gehirn. Aber es ist unmöglich, -diesen Spuren zu folgen; eine Spanne weit sind sie zu ahnen, dann kommt -das Uferlose. Die Ganzheit entzieht sich stumm und unfaßbar jeder -Betrachtung. - - - - - DER BODEN. - - - Die Außenseiter. - -Jede bisherige Art der menschlichen Gesellschaft fand im Urteile der -Betrachter das eine Wort: daß sie schlecht sei und berechtigten -Anforderungen nicht genüge. Der nächste Satz war, daß sie notdürftig -funktioniere. Darüber hinaus zeigten sich die Verschiedenheiten, -trennten sich die Wege: die einen betonten das Wort „funktionieren“, -während die anderen das „notdürftig“ rot unterstrichen. - -Ein Lebendiges sollte man nicht an Hand mechanischer Vorstellungen -erörtern, – aber unsere Sprachen sind nach diesen und Mathematik geformt -und für deren Bedürfnisse durchgebildet: So vergleicht man die -Gesellschaft mit einer riesigen und sehr komplizierten Maschine. - -Aber man muß sich erinnern, daß die Gesellschaft aus einer Unzahl -Einzelmenschen mit persönlichem Schicksal besteht; und, daß sie nicht -alle Menschen umfaßt: außerhalb stehen andere, die in anderen -Gesellschaften organisiert sind, und solche, die kaum irgendwo -zugehören. Es gibt mehrere solcher Maschinen, die sich berühren und in -manchem durchdringen: es braucht schon Gewalt, um eine allein zu -betrachten. Doch auch an der einzelnen ist nichts, was fest ist. Nicht -nur, daß die Menschen altern, sich ändern, wechseln; auch die Gruppen -von Menschen, die Teile der Maschine, wandeln sich in ihrer Struktur, -ihrer Leistung und sogar ihrer Notwendigkeit für das Ganze. So ist auch -dieses einer dauernden Umbildung unterworfen, die oftmals das -Schwergewicht zwischen den einzelnen Sphären (z. B. Landwirtschaft, -Wehrmacht, Geldwesen, Beamtentum usw.) verlagert und für immer -verschiebt. - -Die Mittelpunkte der Konsolidierung und Kristallisation sind selbständig -und suchen vielfach unabhängig voneinander den Bau zu durchdringen; ein -Ringen um die Hegemonie findet statt, und neben den Tendenzen, die auf -Befestigung zielen, laufen Prozesse der Auflösung und der Rückbildung -einher: Dies erfordert eine angemessene Beweglichkeit der einzelnen -Elemente und bedingt besonders an den Berührungszonen der einzelnen -Gebiete eine beträchtliche Lockerheit des Gefüges. Nur so kann der -Organismus die starke Reibung dort und hier die lose Verknüpfung -ertragen. - -Wo immer man eine Bevölkerungsgruppe abtastet, wird man an ihren Grenzen -finden, daß sie zerfasert und allmählich oder verzackt in andere Gruppen -überfließt. Dort, an den Grenzschichten, findet man diese elastischen -und beweglichen Elemente. Im Inneren der Gesellschaft füllen sie als -Zwischenhändler, Kommissionäre usw. vorhandene Lücken aus und -überbrücken sie; an den freien Außenflächen aber vermögen sie sich zu -entfalten und blühen aus als Künstler, Gelehrte, Propheten, oder -entwickeln sich zu Feinden und Verbrechern – je nachdem die Verhältnisse -gelagert sind und je nach dem, was die bestehende Form mit diesen -Gliedern anzufangen weiß, –: bis fortschreitende Entwicklung vielleicht -gerade von diesen Zonen aus neue und umwälzende Mittelpunkte zur Geltung -bringt. - -Darum ist auch eine andere Betrachtung der Gesellschaft möglich: im -Gegensatz zu den starren und durchkonstruierten Teilen der Maschine -stellt jenes schmiegsame Milieu das Bewegliche, Gärende und so das -Lebendige dar, das zeugt und stirbt. Man kann also das Geordnete als -gegeben und nicht weiter anregend statistisch aufnehmen: in den -Zwischenschichten aber das fruchtbare und fortbildende Element -untersuchen: den Ausgangspunkt der Entwicklung – und vielleicht besteht -der wesentliche Teil praktischer Innenpolitik im Versuch der Erkenntnis -und richtigen Voraussicht, im Auffangen der so bedingten Verschiebungen. -– - -Der Sprachgebrauch wird diese abseits des stabilen Kreislaufs wirksamen -Existenzen als Außenseiter bezeichnen. Der Außenseiter ist demnach kein -aus der Bahn geschleudertes Individuum, sondern ein der Gesellschaft und -jeder noch nicht verknöcherten Gesellschaft notwendiges Milieu. -Zwangsläufig wird der einzelne in diese Schicht getrieben; zum Teil, -weil er den benachbarten Stabilisierungstendenzen weniger geneigt und -von ihnen abgedrängt wird, zum anderen Teil, weil die vorhandene Lücke -von irgendwoher ihn ansaugt. Selbstverständlich wird eine gewisse -Auslese der Charaktere stattfinden, aber ebenso sehr erwartet das Milieu -den Menschen! Die Idee der Gesellschaft allein setzt schon als gegeben -den Außenseiter; die Art ihres Aufbaues bedingt die Rolle, die er zu -spielen hat, und so, wie sie der vorhandenen Lage entspricht, wird jener -fördernd oder auflösend oder erneuernd wirken. - -Aber, was stetig sich ändert, verschiebt und anpaßt, wird nie der Idee -entsprechen; bestenfalls ist es ein Angleichen, das Reibungen, Härten -und Stöße nicht ausschließt: sondern aushalten muß. Diese -Erschütterungen möglichst bald abzufedern – im Interesse des Ganzen – -ist nötig und die Wirklichkeit ist nicht wählerisch in den Mitteln. - -Der Außenseiter erfüllt eben eine Lücke, die besteht und Erfüllung -fordert; erst sekundär erweist sich die Wirksamkeit des neuen Gebildes -für die weitere Gestaltung des Ganzen. - - * * * * * - -Eine der kompliziertesten Arten des Außenseitertums ist die politische: -von den überragenden Köpfen, die zwischen und über den Parteien und -Völkern stehen, zu den vaterländischen Märtyrern und den Verbrechern, -die mit Raub und Erpressung arbeiten, von da wieder zu den Fälschern, -Schwindlern und politischen Hochstaplern sind schwebende Übergänge -vorhanden. Diese Verhältnisse zu erörtern, wäre eine langwierige Arbeit -für sich, die hier nicht in Betracht kommt. - -Der vorliegende Fall spielt im Jahre 1919, und um diese Zeit (kurz nach -dem Zusammenbruch und vor der Organisation und Politik der Geheimbünde) -herrschten in Deutschland Zustände, die mit denen vor dem Krieg und -entsprechenden Parallelen wenig Verwandtschaft haben. Selbst heute hat -sich schon so viel geändert, daß es am geratensten ist, das damalige -Chaos und seine Entstehung zu schildern – auf die Gefahr hin, Bekanntes -zu wiederholen. - - - Der Krieg. - -Das kurzsichtige Zusammenspiel etwa eines Dutzends sich hintereinander -versteckender Männer hatte im Jahre 1914 die Länder Europas an einen -Abgrund gebracht, vor dem sie nicht mehr zu retten waren. Im August -setzten die Kriegserklärungen ein: da ergriff alle Kreise der -Bevölkerung ein Zustand unpersönlicher Erregung, ein Gefühl der -Befreiung und ein Drang, sich zu opfern. - -Nur wenige vermochten, sich diesem Zwang zu entziehen: solche, deren -persönliche Welt vom Ganzen des Volkes gelöst und in kosmopolitischer -Seinsart verankert war: sie schwiegen damals, wie sie heute und immer -tun; und, wenn sie gesprochen hätten, hätte es niemand vernommen. -Solche, die aus überzeugter Gegnerschaft zum bestehenden System und -seiner Politik protestierten: und diese wurden eingesperrt. Die anderen -alle waren im Strom. - -Alle! Und es ist unrecht, den heutigen Sozialisten, Internationalisten -und Pazifisten vorzuwerfen, daß sie es waren; viel eher wäre berechtigt, -denen, die, ängstlich an Halme und Balken sich klammernd, in der Heimat -verblieben, ihren Mangel an Gemeinsinn nachzutragen. Das ganze Volk war -einig, die Atmosphäre war zu drückend gewesen, als daß sie nicht jeden -ergriffen hätte! - -Dies Bild änderte sich erst mit der Zeit: Im Herbst bereits konnten -Verständige sehen, daß der Krieg lange dauern würde und durch Siege -allein nicht zu gewinnen war. Doch die Verständigen schwiegen und -dienten: Man war Soldat (– und der Krieg wurde daran verloren, daß man -zuviel Soldat war!). - -Die großen Siege von 1915 und 16 rissen das Geschehen ins Grandiose; und -verwischten den Blick. Das Ausmaß der Ereignisse war so übermenschlich, -daß die Möglichkeit einer Niederlage zu grauenvoll war, um ihren -Gedanken zu wagen. Es mußte das Letzte geopfert werden zu irgendeinem, -zum möglichen Ziel: die Männer, die 1914 gebangt hatten vor der Schwere -der übernommenen Bürde, sahen, daß nur das Äußerste, das Unmögliche sie -rechtfertigen konnte: Siegfrieden; es mußte gesiegt sein, sonst war -alles verloren! Schon das Zurück überlegen war ein Verbrechen und dessen -Folgen mußten furchtbar sein! – - -[Anmerkung zur Transkription: Facsimile eines Flugblattes.] - - Wir - müssen siegen! - - Am kommenden Sonnabend, abends 8 Uhr - große öffentliche Versammlung - im Harmoniesaale - - Wir fordern: - Krieg bis zur siegreichen Entscheidung! - - Wir wollen: - den Frieden der Sicherheit, - den Frieden, der unserer Toten wert ist! - - Wir verlangen: - Rückerstattung der Kriegskosten, - militärische und industrielle Sicherungen, besonders der - Westfront, - koloniale Berichtigungen! - - Wir fordern unsern Platz auf der Welt! - - Durchhalten! - Aushalten! - Maul halten! - - Wir müssen siegen! - - Deutsche Vaterlandspartei. - Der Ortsvorstand. - -Die Mehrheit der Bevölkerung, besonders die Truppe, trug den Krieg wie -einen Beruf: sie wälzte Verantwortung auf die Höheren ab, erfüllte stumm -ihre Pflicht und schonte sich nicht. Selbst in den Kreisen hinter der -Front, die man nicht immer lobend erwähnte, blieb bei aller lokalen -Verlottertheit kein Appell ohne Wirkung; man war nicht mehr begeistert, -wie in jenem August; und mußte nicht unbedingt an der Spitze sein: doch -war man jederzeit bereit, wenn nötig, das Letzte zu geben. - -Es gab keine Außenseiter, es gab keine Beweglichkeit! Sicher, die -Kriegswirtschaft arbeitete mit ungeheuren Verlusten und Spesen, aber sie -funktionierte und – wenn man tausendmal manches hätte ändern und bessern -können: ohne die Versteifung und Verstählung um einen einzigen Kern ging -es nicht! Wenn nicht dieser ganze Staat eisern und ehern _eine_ Maschine -war, ohne Reibung und ohne Leerlauf nur Härte: dann war heiler Ausgang -unmöglich. - -Wenn er überhaupt möglich war! – Es ist für die Einheitlichkeit der -nationalen Bewegung beweisend, daß Widerspruch gegen den Krieg erst dann -weitere Kreise zog, als Männer an exponierten und orientierten Plätzen -die Möglichkeit des Sieges verneinten und jedes weitere Opfern als -unnütz und die Lage verschlimmernd zu erkennen glaubten; und hier fand -der entscheidende Bruch in der Psyche während des Krieges statt: die -einen sagten: „Wir können nicht zurück!“ und bissen die Zähne -ineinander; die anderen fühlten: „Wir müssen zurück!“ und schwiegen; und -warteten auf den besseren Augenblick. _Beide fühlten sich schuldig._ - - - 1918. - -Die Begeisterung jenes heißen Augusts war mit den Jahren ernster -Gefaßtheit gewichen; 1918 wandelte sie sich in beengenden Druck. Man -wußte, daß man nicht siegen konnte; man wußte, daß die leichten -Möglichkeiten zum Frieden vorüber waren; man wußte, daß zuviel -unwiederbringlich vorüber war und fühlte sich angstvoll und unfrei. -Jedenfalls, die Verantwortlichen taten nichts, einen Ausweg zu finden: -wie gelähmt folgten sie der Entwicklung, und selbst die erkannte -Wahrheit vermochte keinen Entschluß zu reifen. - -Und unverantwortlich waren nur die niedrigsten Gruppen: die einfachen -Soldaten und die in der Kriegsindustrie zusammengepferchten Arbeiter, -das hungernde Volk! Gerade die Masse dieser Unverantwortlichen – die -gehorchte und litt im Vertrauen auf den Erfolg – gerade dieses Vertrauen -forderte entscheidende Tat ... Aber man war schon zu weit! So hofften -die einen auf allgemeine Zermürbung, die anderen bangten vor der -erkannten Gefahr; beide hielten sich dadurch aufrecht, daß sie ihre -individuelle Pflicht erfüllten. - -Dabei war das System nur für den Sieg gebaut! Jede andere Lösung war -unerträglich; das Letzte war auf die einzige Karte gesetzt! Die ganze -Maschine des Staates war derart überkonstruiert und versteift, daß sie -die geringste Abweichung weder ertragen, noch überstehen konnte; sie -mußte springen. – - -Man spricht von Unterwühlung der Front und nennt die paar Streiks, die -paar Meutereien, nennt die wenigen Namen, die während des ganzen Krieges -ungehört widersprochen hatten: man suche nicht Sündenböcke! Zuerst -wollte, dann mußte man siegen; für den Fall, daß der Sieg ausbleiben -würde, war nicht gesorgt ... und hätte man dafür gesorgt, dann war keine -_Aussicht_, zu siegen. Es war eine Zwickmühle. Der Krieg war eben -verloren und war dadurch verloren, daß er zu lange Möglichkeit zeigte, -gewonnen zu werden. - -Dies ist eine Tragik, kein persönliches Verschulden; und vor der Größe -dieser Tragik wird alles belanglos, was man an Fehlern nach links und -rechts aufdecken kann. Man erhebt als plausibelsten Vorwurf den: im -Jahre 1918 selbst sei die Beilegung des Krieges so lange verzögert -worden, bis man den Waffenstillstand in wenigen Stunden haben _mußte_. - -Aber, während periphere (koloniale) Kriege im Verlustfalle gleichgültig -sind, im Gewinnfalle höchstens mit der Krönung des siegreichen Feldherrn -enden, enden zentrale (Erschöpfungs-) Kriege im Verlustfall mit dem -Sturz des Systems. Um die bestehende Ordnung zu erhalten, mußten die -verantwortlichen Leiter, als die Stützen und Träger des herrschenden -Systems, alles versuchen, um den Krieg nicht offensichtlich zu -verlieren. – Doch er war schon verloren! - - - Der November. - -Im August waren die letzten Offensiven gescheitert; im September-Oktober -erlahmte der Widerstand; Bulgarien, Österreich schieden aus, und in -diesem höchsten Moment zeigt sich nochmals der ganze Zwiespalt: viele -Demokraten forderten die nationale Verteidigung, viele Nationalisten das -sofortige Ende! Die Patrioten waren geteilt und, ehe sie sich einigen -konnten, erfolgte um sie herum der Zusammenbruch, ... in dem der Sturz -der Monarchien kaum mehr vernommen wurde. Die überbeanspruchte Maschine -zersprang an ihrem Mangel an Elastizität. - -Heute nennt man es Revolution und rechnet es sich als Verdienst oder -Schande; doch: - -Revolutionen entbrennen in einem müden und untergrabenen System -plötzlich, blutig und breiten erobernd sich über das Land aus. In diesem -Falle krachte der ganze Mechanismus des Bestehenden in einem Augenblick -völlig und überall zusammen. Über den Trümmern wehte keine Fahne, die -vorwärts ruft, keine Idee stand vor den Massen; es war nichts -Schöpferisches und Freudiges da, nur Panik. Es war eben keine -Revolution, es war einfach Zusammenbruch, Entsetzen und Chaos, débâcle. - -So leicht es ist, sich eine solche Erscheinung mechanisch vorzustellen, -so schwer ist es, sie psychologisch zu durchschauen. Daß innerhalb -weniger Stunden und Tage durch das ganze Gebiet des Landes bis in den -kleinsten Betrieb hinein die bestellten Leiter verschwanden und flohen -und jegliches Ruder ohne Führung war! Aber, man muß sich erinnern, wie -die Entwicklung des Krieges sowohl den Unentwegten wie den Defaitisten -ein gewisses Schuldbewußtsein brachte, ein schlechtes Gewissen, das sie -nicht froh werden ließ, eine Angst vor dem Morgen – ganz wenige nur -besaßen den Patriotismus oder die Schamlosigkeit, sich weiterhin zur -Verfügung zu stellen und zur Rettung des Ganzen zu drängen. Die anderen -verstummten und überließen das Feld der unendlichen Flut: den Arbeitern -und Soldaten. - -Diese, die bisher Unverantwortlichen, sahen plötzlich die Gesamtheit des -Vorhandenen in ihrem Bereich; doch anstatt darüber herzufallen, -erkannten sie eine Verpflichtung und versuchten, ihr Folge zu leisten. - - - Die Patrioten. - -Man darf in unruhigen Zeiten nicht nach dem urteilen, was geschrien und -geschrieben wird; man muß nach den Tatsachen fragen: es wurden Arbeiter- -und Bauern-, Bürger- und Soldaten-, sogar geistige Räte gebildet, die – -zu erhalten suchten! - -Wenn ein ausgehungertes und entnervtes Volk zusammenbricht, erwartet man -Plünderung und Zerstörung. Selbstverständlich wurde geplündert; aber -zerstört wurde fast nichts; vor die Maschinen stellten sich schützend -die Arbeiter, vor die Museen und Wertbesitzer die Räte: man wollte -erhalten. Leicht ist es heute, über den Wust unnützer Debatten und -wirkungsloser Beschlüsse zu lachen: die Leute, die damals sich Mühe -gaben, waren sehr gute Bürger, die ihr Vaterland liebten und versuchten, -möglichst vieles zu retten. Daran ändern Zitate nichts und nichts -Geringschätzung, denn sie haben’s geschafft. Als alle bis dahin -bestehende Ordnung zerbrach, vermochten sie es, den Bestand zu erhalten. -Aber weiter vermochten sie nichts. - -Verblüffend ist die Sorgfalt, mit der die Räte einschneidende Maßnahmen -zu umgehen suchten, Wahlen ausschrieben für eine verfassunggebende -Versammlung, und solcherart selbst ihre Wirksamkeit als vorübergehende -und rein abwickelnde bezeichneten – dabei waren sie in diesen Wochen die -einzige vollziehende und verwaltende Macht! Es ist einfach erstaunlich, -mit welcher Sorgfalt dies zu Boden geschmetterte Volk sich zu bewahren -suchte, – es muß wirklich kein Funken Revolutionsdrang in diesem Volke -vorhanden gewesen sein – der kleinste Anstoß müßte genügt haben, das -ganze Feld zu entflammen! – - -Man kann bestreiten, ob dieses Erhalten klug war; viele werden -behaupten, daß eine schmerzliche Operation besser ist als eine lange -Krankheit – und, wenn man bedenkt, daß heute (1924) die Herstellung des -Friedens noch nicht gelungen ist, mag man noch mehr mit dem Urteil -zögern. Trotzdem bleibt die Art, wie diese Männer die Liquidation -_dieses_ Krieges und die Erhaltung des toten Bestandes fertiggebracht -haben, ein Phänomen der Geschichte. - -Ihr Verdienst wird nicht dadurch geschmälert, daß ihnen die Errichtung -einer neuen Staatsmaschine mißlang; denn die Auflösung des alten Systems -war derart völlig und katastrophal, daß weder in Handel noch in -Produktion, weder in Verwaltung noch in den Gebieten der öffentlichen -Sicherheit irgendwelche leistungsfähige Organisation verschont war. Es -mußte alles neu aufgebaut werden. - - - Die Gegner. - -In den Novembertagen gab es eigentlich nur mehr Einzelne und zufällige -Anhäufungen von Einzelnen: auf den größten dieser zufälligen Anhäufungen -(dem Heer und den Arbeitermassen in den Betrieben) baute sich die erste -Struktur auf. Es entstanden Richtlinien und damit die Schwierigkeit des -Richtens: jeder Fortschritt mußte gegen den Widerstand des -desorganisierten Einzelnen überwunden werden. - -Doch darüber hinaus gaben die neuen Richtlinien zu Widerspruch Anlaß: -die einen versuchten, wenn nicht die alte Regierungsform zu erhalten, so -doch die Macht den Machtträgern des alten Regimes zuzuschieben. Die -anderen wollten, wenn man schon aufbaut, einen von Grund aus neuen und -verbesserten Bau – selbst, wenn es nötig war, vorher noch mehr zu -zerstören. Beide warfen dem sich bildenden Staate die Charakterlosigkeit -des feilschenden Maklers vor, die Angst um den billigsten Mittelweg. - -Nun soll ja Politik die Kunst des Möglichen sein: aber in einem -Trümmerfeld darf man nicht Politik verlangen, selbst wenn ein paar der -Stücke Kristallisationskraft besitzen. Man muß auch bedenken, daß die -rivalisierenden Kräfte sich gegeneinander organisierten und Tag um Tag -die Möglichkeit sahen, sich durch Gewalt in den Besitz der wenigen -Herrschaft zu setzen, die da war. Was die Arbeit und das Erbe der Räte -bedeutsam macht, ist, daß es sich bis heute erhielt und durchsetzte; -nicht: daß damals schon vorhanden war, was es ausgezeichnet hätte. - -Drei feindliche Richtungen bekriegten sich auf einem Meere von -Unordnung. Aber man darf die Zahl der zuverlässigen Anhänger nicht -überschätzen; die Richtungen selbst haben sich erst allmählich gefestigt -und durchgesetzt. - -Der damalige Zustand ist etwa auf die Formel zu bringen: Jeder sein -eigener Patriot; nach seinen Kräften. Wer einen Mund hatte, brüllte; wer -eine Faust hatte, schlug. Der Besitz eines Maschinengewehrs war mehr -wert als der einer Überzeugung; und, da die Verständigen ohnmächtig und -ratlos verstummten, hatten’s die Dummköpfe leicht, laut zu sein. Sie -fühlten sich sogar dazu berufen und angestellt. - -In solchem Zustand wiegen die Köpfe nicht, da gilt ein Temperament -alles, und die Temperamente kamen: - -Die Unruhigen: Abenteurer, Wichtigtuer, Projektemacher, Querulanten; Die -Phantasten: Fanatiker, Propheten, Halbirre, Ekstatiker; Die Schmarotzer: -Intriganten, Hanswurste, Schmeichler, Faulenzer: eine wogende Masse, die -brodelnd aufgerührt wurde und haltlos hin- und herschlug. Dazu kam die -Unzahl derer, die aus Trägheit oder Gelegenheit leichtem Unterhalt -nachging und dem nächsten sich anschloß; und endlich der -unzuverlässigste unter allen Machtfaktoren innerpolitischer -Auseinandersetzung: die, deren Stellungnahme in einer Stunde wechselt -und unvorhergesehen entscheiden kann; die Legion derer, die ihrer Art -nach Soldaten sind und gehorchen und siegen wollen, das Heer! - -Drei hauptsächliche Richtungen, eine Anzahl Querköpfe auf eigene Faust, -eine Unzahl von Mitläufern und ein desorganisiertes Heer: das waren die -Figuren des damaligen politischen Spieles – abgesehen von ein paar -Führern und ihrem organisierten Anhang unverantwortliche Außenseiter, -wucherndes Fleisch, dessen Aufsaugung der Republik bis heute nicht -gelang. - - - Der Bürgerkrieg. - -Seit 1919 lebt Deutschland im Bürgerkrieg. Daß immer mehrere sich -zusammentaten, um den anderen zu schlagen, und, daß die Republik immer -bei den mehreren war und so anscheinend erstarkte, ändert nichts an der -Sache. Ebensowenig die Feststellung, daß nicht an jedem Tage an jedem -Orte geschossen wurde. Denn: wer alle Schießereien, Morde, Prozesse -aneinanderreiht, erhält trotzdem einen ununterbrochenen Kriegsbericht, -der es mit irgendeinem historischen Krieg aufnehmen kann. - -[Anmerkung zur Transkription: Facsimile eines Flugblattes.] - - Offiziere der - 7. Kavalleriedivision! - - center.u Für Recht! Für Gesetz! Für Ordnung! - - Setzt euch in Beziehung mit euren Kameraden - - fürs Vaterland!!! - -Der Bürgerkrieg wird von mehreren, äußerlich kaum unterscheidbaren -Teilen eines Volkes geführt; von Leuten, die Mut haben und von ihrem -Recht überzeugt sind. Sie halten die Anderen für Schufte, Verräter und -Verbrecher: weil nur dieses Urteil den Totschlag von Volksgenossen -verantworten kann. Der Rest der Bevölkerung versucht ängstlich seinen -Besitz zu wahren, und sei es auf Kosten der Nachbarn oder des Ganzen – -um morgen vielleicht doch arm zu sein. Politische und wirtschaftliche -Zerrüttung: die Ereignisse der letzten Jahre bestätigen das. - -Die Tatsache, daß der Feind äußerlich nicht erkennbar und räumlich nicht -getrennt ist, schafft eine Atmosphäre des Mißtrauens und der -Unsicherheit, die zugleich mit der Verachtung des Gegners die Schärfe -des Kampfes und seine Brutalität erklärt. Dazu kommt, daß die Lage in -Deutschland die Folge eines Zusammenbruchs ist. Die ganze vorher -geschilderte brodelnde Masse schiebt sich hinter und zwischen die -Parteien und derselbe Zusammenbruch, der jenes unorganisierte Milieu -schuf, zwingt die Parteien, sich seiner zu bedienen; und es wird Träger -der Politik und ihrer Bestrebungen. Das Verantwortungslose ruft sich aus -zum System. - - - Der Spitzel. - -Für den Naiven besteht die Historie aus Schlachten und Morden: Dingen, -die mit Krawall in die Welt gesetzt werden und durch ihren Krach -überzeugen. Die Erinnerung des großen Krieges zeigt, daß Leisetreten -auch wirksam ist: daß Aufklärung und Propaganda, Kredite, Fehler des -Gegners, nicht zuletzt Ideen und Lügen das Schicksal der Völker -entscheidend zu beeinflussen vermögen; das Hinter- und Unter-der-Front -ergibt erst die Strategie. - -– Jeder Staat und jede Partei verfügt über Nachrichten- und -Propagandadienst, hat Interesse für Verrat und Provokation. In normalen -Zeiten verwendet man dazu möglichst ausgesuchte Leute, die mit aktiver -Spionage arbeiten oder mit bezahltem Verrat; eventuell über -Mittelmänner. Die Zwischenschicht des Spitzels ist, wie bei jeder -stabilisierten Gesellschaft die Zwischenschichten, dünn und einflußlos. -Von dem seltenen Spion aus Vaterlandsliebe und Opferwillen abgesehen -gibt es eine kleine Clique von Internationalen, unter denen echte und -falsche Nachrichten für mehr oder weniger Geld käuflich sind. - -Diese kommt für den Bürgerkrieg kaum in Betracht: der Boden ist heiß und -die Chancen sind gering. Außerdem sind die Erfordernisse ganz andere. In -der ruhigen Politik handelt es sich meist darum, Geheimnisse und -Geheimgehaltenes zu erfahren oder zu verbergen: Arbeiten, die auf lange -Sicht unternommen werden. Hier aber schafft jeder Tag neue Situationen. -Zuerst sind schon die Parteien nicht fest orientiert; Gruppen und -Grüppchen bilden sich, lösen sich auf; viele handeln auf eigene Faust: -und es ist schwer, orientiert zu sein, was von Belang ist. Zudem stehen -hinter den Leuten Waffen, die nicht in Jahren, sondern morgen schon -losgehen können. Das schafft eine Erregung, in der jeder geordnete -Nachrichtendienst versagt; da erwacht das Gerücht in seiner gefährlichen -Unkontrollierbarkeit. - -[Anmerkung zur Transkription: Facsimile eines Flugblattes.] - - Genossen! Vorsicht! - Spitzel! - - 1,67 groß, untersetzt, beweglich; aschblondes - Haar, dto. Schnurrbart, Rundschädel, starke - Backenknochen, eher Stupsnase, unruhige - graubraune Augen, schlechtes Gebiß, im - Oberkiefer einige Zähne fehlend. - - Gefälschte Ausweise des Spartakusbundes; - Namen wechselnd. - - Spitzel! - Genossen! Vorsicht! - -Jedes Ohr neigt jedem Mund sich zum Horchen. Jeder, der mit Leuten -verschiedener Parteien verkehrt, kann in die Lage des Zwischenträgers -und seine Not kommen. Es ist eine ununterbrochene Skala von den -Plauderern zu den Bezahlten, von den Gutgläubigen bis zu den -beauftragten Provokateuren. - -Wo Spitzel sind, da herrscht Spitzelangst; da alle Wasser trüb sind, -fischt man mit groben Netzen: Aushorchen, Erpressung, Verhaftungen und -Mißhandlungen, Haussuchung, Raub und Mord sind die Mittel, und ein Heer -von Zwischenträgern und Achtgroschenjungs lebt davon; der Feind macht’s -ebenso, und nun werden Verräter entlarvt, wird über Verbrechen und -Provokation gestritten, Urheberschaft sich in die Schuhe geschoben und -sich beschimpft: bis kein Mensch mehr weiß, wer was wirklich veranlaßt -hat. Berufsmäßiges Verbrechen mischt sich ein; Desordre – und jeder -schwört auf seine Meinung wie zuvor. - -Nach der Psychologie dieses Spitzels zu fragen ist müßig. Sie ist zu -verschieden; selbst die Bezahlten sind in keiner Weise ein Typ. Sie -kommen durch Zufall zu diesem Erwerb, und einmal im Zuge, gleiten sie -weiter; sie nehmen das Geld, oft von beiden Seiten, und haben meist gar -nicht vor, dafür Arbeit zu leisten; es wird gelogen, gedichtet und -provoziert: wahllos und ohne Hemmungen – wie es eben geglaubt, gewünscht -und bestellt wird. Alles an diesen Leuten ist falsch; sie kennen nicht -Freund noch Feind; nur Betrogene – und wahrscheinlich ohne darüber klar -zu sein: ein zerstörender Zustand der Demoralisation. Bei dem vielleicht -viele nicht wissen, wie sehr sie daran Anteil haben. - -Denn es ist unrichtig, einzig dem Zusammenbruch und der dadurch -bedingten Verwirrung die Schuld zu geben. Die Verantwortung liegt viel -mehr bei denen, die – anstatt mit allen Mitteln gegen das verwahrloste -Außenseitertum einzuschreiten – sich nicht scheuten gerade die -minderwertigsten Elemente für ihren Zweck zu engagieren; sie liegt bei -denen, die den Lockspitzel anstellten und ihn bezahlten. - -Der vorliegende Fall wird genügend Einblick in diese Zustände geben! - - - - - DIE ANKLAGE. - - - Vorgeschichte. - -Am 7. August 1919, vormittags 9 Uhr, wurde vor dem Hause -Königin-Augusta-Straße 31 zu Berlin eine männliche Leiche aus dem -Landwehrkanal geborgen; der Körper war bis auf Schuhe und Hut völlig -bekleidet; die Beine waren in eine um die Knie verknotete graue Decke -gewickelt; eine hanfene Waschleine verband beide Knie und hielt sie an -den Hals gezogen, wo sie in einer Schlinge endete; die Arme waren frei. -– Der Gerichtsarzt nahm Selbstmord an. - -In der Tasche des Toten wurde ein Gepäckschein, auf den Anhalter Bahnhof -lautend, gefunden; die Koffer wurden abgeholt: deren Durchsicht ergab -Papiere, die auf den landwirtschaftlichen Inspektor Karl Blau -ausgestellt waren. - -Dieser Mann war der Polizei als politischer Spitzel persönlich bekannt; -die Leiche wurde identifiziert. Aber gerade die Beschäftigung des Toten -mußte die Möglichkeit eines Verbrechens nahelegen. Nachuntersuchung -wurde angeordnet. - -Gerichtschemiker Dr. Brüning führte sie aus; ihm erschien die -Halsschlaufe zu weit, das Fehlen der Schuhe nicht selbstverständlich; -ohne sich zu entscheiden, wollte er gewaltsamen Tod nicht ausschließen. - -– Es dauerte mehrere Wochen, bis ein Resultat weiterer Nachforschungen -bekannt wurde. Die Nachtzeitung (Nr. 200 der Deutschen Abendzeitung, 6. -Jahrg.) brachte am 27. August 1919 folgende Meldung: - - Der Mörder des Inspektors Blau verhaftet. - - Wie uns aus _Königsberg_ gemeldet wird, wurde dort der _Landarbeiter - Max Leuschner_ aus Berlin, der als einer der Hauptbeteiligten an dem - politischen Morde des Inspektors Blau in Betracht kommt, von der - Königsberger Kriminalpolizei in der Wohnung des _Kommunisten Lang_, - wo er sich unter falschem Namen verborgen hielt, _verhaftet_. - -Andere Nachrichten folgten: - -B. Z. am Mittag, Nr. 195, am Freitag, 29. August 1919: - - Die Mordaffäre Blau. - - Der als Haupttäter an der Ermordung des Landwirtschaftsinspektors - Blau verdächtige, in Königsberg festgenommene Lederarbeiter - Leuschner ist von den Berliner Kriminalbeamten, die die Verhaftung - bewirkten, _nach Berlin gebracht_ worden. Im Polizeipräsidium wurde - heute mit dem _Verhör_ Leuschners begonnen. Die beiden - Kriminalkommissare Trettin und Dr. Riemann sind mit der Ermittelung - dieses Falles betraut worden. Leuschner gibt zu, daß er unter - falschem Namen in Königsberg gewohnt hat. Er sei von Berlin aus nach - Königsberg gegangen, habe dort bei einem Gesinnungsgenossen - Unterschlupf gefunden und auf die Gelegenheit gewartet, nach - Russland durchzukommen. Er gibt auch zu, die Versammlung, die am 1. - August in der Mittenwalder Straße in Berlin stattgefunden hat, - geleitet zu haben. Dabei habe er den Blau nach seinen Papieren - gefragt und diese geprüft. Die Vernehmung ist zur Stunde noch nicht - abgeschlossen. - -Freiheit, Nr. 432, am Montag, 8. September 1919: - - Der Tod des Inspektors Blau. - - Darüber berichtet eine Lokalkorrespondenz: Der Lederarbeiter _Max - Leuschner_ wurde gestern dem Untersuchungsrichter vorgeführt. Er - wird der Anstiftung zur Ermordung Blaus beschuldigt. Leuschner - erklärte, daß er von der Tat nichts wisse und auch über die Täter - nichts sagen könne, doch hat die Untersuchung ergeben, _daß er als - Versammlungsleiter den Befehl erteilt hat, Blau umzubringen_. Er - gibt an, daß ihm an dem Abend in der Versammlung aufgefallen sei, - daß Blau zwei Finger der rechten Hand fehlten. Als er nun in der - Zeitung gelesen habe, daß im Landwehrkanal die zusammengeschnürte - Leiche eines zunächst unbekannten Mannes gelandet worden sei, dem - die beiden Finger fehlten, habe er sich gleich gesagt, daß es sich - um Blau handeln müsse. Nun packte ihn die Angst. Wie er selbst sagt, - sah er sich schon in Untersuchungshaft und traf sofort - Vorbereitungen zur Flucht. Er fuhr nach Königsberg, um dort auf - Papiere zu warten, die ihm die kommunistische Zentrale zusenden und - die ihm ermöglichen sollten, über die Grenze nach Rußland zu - fliehen. Die hiesige Kriminalpolizei hatte jedoch seine Spur - verfolgt, seinen Aufenthalt in Königsberg ermittelt und die dortige - Kriminalpolizei aufmerksam gemacht, die ihn dann festnahm, bevor er - noch seinen Plan verwirklicht hatte. Der Plan, berichtet weiter die - Korrespondenz, Blau umzubringen, ist, wie die Feststellungen der - Kriminalpolizei ergeben haben, in München gefaßt worden. Zuerst - wollten die Spartakisten den ihnen lästigen Spitzel nach Wien locken - und ihn dort beiseite schaffen. Schließlich entschied man sich aber - für Berlin. Der 27 Jahre alte, aus Hötensleben gebürtige - Möbelzeichner Franz Herm lockte Blau von München nach Berlin und - führte ihn in die Versammlung, in der sein Tod beschlossen wurde. In - dem dringenden Verdacht, das Todesurteil vollstreckt zu haben, steht - der 22 Jahre alte, aus Arnswalde gebürtige Schlächtergeselle Hermann - Dahms, der zuletzt in Berlin wohnhaft war und ebenso wie Herm - flüchtig ist. Auf beide wird jetzt eifrig gefahndet, doch gelang es - bisher noch nicht, ihren Aufenthalt zu ermitteln. - -Es verlautbarte noch, daß Leuschner in Ostpreußen sich durch -unvorsichtige Äußerungen auffällig gemacht und dadurch die Verhaftung -ermöglicht hatte. - -Das Ergebnis vierwöchiger Ermittlung war demnach folgendes: - -1. die Identifizierung der Leiche und die Erkennung des Todesfalls als -Verbrechen, - -2. die Verhaftung eines Mannes, der mit Blau in Beziehung stand und -Anlaß zu haben schien, diese Tatsache zu verheimlichen. - - * * * * * - -Die Umgebung, in der die Ereignisse dieses Prozesses spielen, bringt es -mit sich, daß jede Aussage zweifelhaft wird. Schon ist es fast -unmöglich, Beteiligte und Zuschauer scharf zu trennen, noch schwerer -scheint es, den Wahrheitsgehalt einer Mitteilung klar zu bekommen; -unvermeidlich wird man in Voreingenommenheit und Konstruktion verfallen. - -Es ist nun leichter, einen Standpunkt als Standpunkt zu wechseln, als in -der Dauer schwieriger Diskussionen alle Parteilichkeit zu vermeiden: es -ergreife also der Staatsanwalt das Wort. - -Der Ablauf eines Schwurgerichtsverfahrens bis zur Verhandlung ist etwa -folgender: - -Zuerst erfolgen Nachforschungen der Kriminalpolizei und Feststellung -verdächtiger Personen. Die Schwere der Beschuldigung wie der belastenden -Anzeichen und die Wahrscheinlichkeit der Flucht oder Verdunklung -bedingen den vorläufigen Haftbefehl. - -Die körperliche Folter ist der modernen Gerichtsbarkeit nicht gestattet; -falls man nicht die endlos sich dehnende Untersuchungshaft mit ihrer oft -völligen Absperrung, die Tage und Nächte währenden Befragungen mit ihren -Bluffs und Tricks für solche halten mag. Denn das Prinzip der -Untersuchung ist sich natürlich gleichgeblieben: hat man erst einen, der -sicher wenigstens etwas weiß, so läßt man ihn erst, wenn er sichtlich -alles gestand. Bald oder später, einmal wird jeder mürbe. - -So addieren sich zu neuen Tatsachen Geständnisse, deren Auswertung -wieder Tatsachen fördert; bis ein zweiter Beteiligter festgestellt ist, -ein dritter, und schließlich das Bild der Geschehnisse sich entschleiern -läßt. - -Das Resultat dieser Ermittlungen wird in der Anklageschrift -zusammengefaßt und dem Beschuldigten zugestellt, dessen Anwalt in einer -Schutzschrift dazu Stellung nimmt. - -Nach Maßgabe der in beiden Ausführungen niedergelegten Beweiskraft -entscheidet das Gericht (die Strafkammer des Landgerichts) in -nichtöffentlicher Verhandlung über die Eröffnung des Hauptverfahrens. -Der Beschluß wird abermals allen Beteiligten zugestellt. Sobald die -Untersuchung zu einem vorläufigen oder endgültigen Abschluß gelangt ist, -wird die Verhandlung über die festgestellten Reate anberaumt. Erst in -der Verhandlung treten die Geschworenen auf; bis dahin läuft der -Gerichtsweg zwischen Staatsanwalt, Beschuldigtem, Verteidiger und den -von Amt bestimmten Richtern. - - Bei allen Eingaben ist die - nachstehende Geschäftsnummer - anzugeben. - - Geschäftsnummer: - 2 c J. 2691. 19 155. - - In der Strafsache - - gegen Fichtmann und Gen. - - wegen Mordes - - wird Ihnen die Anklageschrift in der Anlage mitgeteilt. Für den - Fall, daß Sie die Vornahme einzelner Beweiserhebungen vor der - Hauptverhandlung beantragen oder Einwendungen gegen die Eröffnung - des Hauptverfahrens vorbringen wollen, werden Sie aufgefordert, Ihre - Anträge oder Einwendungen innerhalb einer Frist von 5 Tagen entweder - schriftlich einzureichen oder zum Protokolle des Gerichtsschreibers - zu erklären. - - Die Rechtsanwälte Liebknecht, N 4, Chausseestr. 121 und Dr. - Weinberg, C 2, Klosterstr. 65, sind von Ihnen zu Verteidigern - gewählt worden. - - Berlin, den 27. Mai 1920. - NW 52, Turmstr. 93. - - Das Landgericht II Strafkammer 5. - Der Vorsitzende - gez. Scheringer. - - Beglaubigt - Nogolin, Rechnungsrat, - als Gerichtsschreiber. - - Der Erste Staatsanwalt - beim Landgericht II. - 2 c. J. 2691/19 - 151 - - Berlin, den 25. Mai 1920. - NW 52, Rathenower Str. 70. - - Haft- und Schwurgerichtssache! - Anklage. - - 1. Der Lederarbeiter (Schankwirt) Max _Fichtmann_ aus Berlin, Bd. VI - Parochialstraße 35, zur Zeit in der Strafanstalt Brandenburg a. d. Bl. 95 - H. in Sachen 67 J. 2899/19 Staatsanwaltschaft I Berlin in Strafhaft, - geboren am 22. November 1899 Berlin, mosaisch, unverheiratet, - vorbestraft (Strafregisterauszug folgt), - - 2. der Kaufmann (Verkäufer von Broschüren) Erwin _Hoppe_ aus Berlin, Bd. V - seit 13. November 1919 hier in Untersuchungshaft, geboren 1. April Bl. 89, 111 - 1899 Berlin, religionslos, unverheiratet, bestraft (neuer - Strafregisterauszug folgt), - - 3. der Schneidergeselle Willi _Winkler_ aus Berlin, seit 13. Bd. V - November 1919 hier in Untersuchungshaft, geboren 16. September 1899 Bl. 98, 109 - Berlin, evangelisch, unverheiratet, angeblich unbestraft (neuer - Strafregisterauszug folgt), - - werden angeklagt, zu Berlin zu Anfang August 1919 - - a) _Fichtmann_ und _Hoppe_ gemeinschaftlich mit anderen den - Inspektor Karl Blau vorsätzlich getötet und diese Tötung mit - Überlegung ausgeführt zu haben, - - b) _Winkler_ den Angeschuldigten Fichtmann und Hoppe und den anderen - Mittätern bei Begehung des Verbrechens des Mordes zu a) durch Rat - oder Tat wissentlich Hilfe geleistet zu haben, – Verbrechen gegen §§ - 211, 47, 49 Strafgesetzbuch. - - - An - das Landgericht II, - Schwurgericht, hier - - Ermittelungsergebnis. - - Am Dienstag, dem 7. August 1919, vormittags 9 Uhr wurde vor dem Bd. II - Hause Königin-Augusta-Straße 31 die Leiche des landwirtschaftlichen Bl. 3, 6 - Inspektors Karl Blau, geboren am 13. November 1891 Erfurt, zuletzt - in Charlottenburg, Bayreuther Straße 10, aus dem Landwehrkanal - gezogen. Der untere Körperteil war mit einer grauen wollenen - Schlafdecke umhüllt, die unter den Knien zusammengeschlungen war. - Die Leiche war mit einem Hanfstrick (in Waschleinenstärke) derart - zusammengebunden, daß der Hals in einer Schlinge lag und die Knie - bis zur Brust heraufgezogen waren. Der Tote war bekleidet; es - fehlten nur Schuhe und Kopfbedeckung. Die Leichenöffnung ergab keine - bestimmte Todesursache. Die Ärzte sprachen sich dahin aus, daß der Bd. I - Verstorbene seinen Tod wahrscheinlich durch Zuschnüren des Halses Bl. 7 - gefunden hat. Der Sachverständige Dr. Brüning, der die bei dem Toten Bd. II - gefundenen Sachen (Strick, Kragen, Krawatte, Jackett, Weste, Hose, Bl. 6, 87 - Hosenträger, Hemd, Unterhose, Vorhemd, Taschentuch, Decke) Bd. II - untersucht hat, konnte ebenfalls nicht feststellen, ob Mord oder Bl. 86, 138 - Selbstmord vorlag, erklärte aber, daß gegen letzteren eine Anzahl - von Momenten spreche, so insbesondere die Art der Verknotung, die - Schlaufen und die Weite der Halsschlaufe. Die fortgesetzten - Ermittelungen erbrachten die Gewißheit, daß Blau ermordet und daß - diese Tat von kommunistisch-terroristischer Seite planmäßig - ausgeführt worden war. - - Blau hatte in München in Kommunistenkreisen als Spitzel verkehrt, - insbesondere auch mit dem Möbelzeichner Franz Herm aus Hötensleben. - Als die Kommunisten die Spitzeltätigkeit des Blau entdeckt hatten, - war von ihnen seine gewaltsame Beseitigung beschlossen worden. Herm - war offenbar dazu bestimmt worden, dieserhalb das Weitere zu - veranlassen, insbesondere Blau nach Berlin zu bringen und ihn dann - ermorden zu lassen. Herm hatte sich dem Zeugen Schreiber und der Bd. I - Frau Baumeister gegenüber schon vor Antritt der Reise in diesem Bl. 29 v, 35 - Sinne geäußert. Am Abend des 29. Juli 1919 fuhren Herm, Blau, Bd. I - Schreiber und ein angeblicher Schuster von München ab. Die Reise Bl. 29 v - ging zunächst nur bis Magdeburg, wo Herm wahrscheinlich die dortigen - Kommunistenkreise in den Mordplan einweihte. In Magdeburg trennten - sich die vier. Schreiber fuhr am 31. Juli 1919 mittags über Bd. I - Schöningen nach Hötensleben zu den Eltern des Herm, wo er dessen Bl. 31 - Rückkehr aus Berlin abwarten sollte. Blau, der unterwegs von - Schreiber gehört hatte, daß man ihn als Spitzel entlarvt und geplant - hätte, ihn von Berlin nach Wien zu bringen und dort zu ermorden, - dieser Nachricht aber keine allzu große Bedeutung beigemessen zu - haben scheint, fuhr am Vormittage des 31. Juli 1919 von Magdeburg - mit dem Zug nach Halle ab. In Halle wollten sich Herm, der - nachkommen wollte, und Blau noch am selben Tage im Wartesaal II. - Klasse treffen und von dort aus dann gemeinschaftlich nach Berlin Bd. V - fahren. Blau scheint, bevor er nach Halle kam, noch vorher in Bl. 38 v f. - Sangerhausen gewesen zu sein. Wie der Zeuge Mahlig bekundet, hat - Blau Ende Juli oder am 1. August 1919 bei ihm in Sangerhausen - vorgesprochen. Er hat ihm von seinen politischen Reisen und Taten - erzählt und auch erwähnt, daß man ihm von der gegnerischen Seite - nach dem Leben trachte, und daß es bei ihm auf Leben und Tod gehe, - daß er wieder eine große Sache vorhätte und er ein gemachter Mann - wäre, wenn diese ihm glückte. Blau und Herm scheinen sich dann auch - in Halle getroffen zu haben und von dort nach Berlin gefahren zu - sein. Daß Herm in Berlin war, geht aus der Aussage des Zeugen - Schreiber und seinem Briefe an die Kaltenhauser vom 3. August 1919 Bd. I - hervor. Wie Schreiber bekundet, ist Herm am 2. August 1919 abends Bl. 31 v - sehr aufgeregt und bleich in Hötensleben erschienen. Er sagte, daß Bd. III - er direkt aus Berlin käme und entgegnete auf die Frage des Bl. 19 e - Schreiber, wo Blau sei, daß für Blau bereits gesorgt sei, er Abschriften - (Schreiber) werde über Blau das Nähere noch früh genug erfahren. Bd. I - Weiteren Fragen über Blau wich Herm jedesmal aus, erwähnte aber doch Bl. 50 - einmal, daß er von München aus die Berliner Genossen verständigt Bd. III - hatte, daß er mit Blau nach Berlin kommen würde. Bl. 7 - Bd. I - Bl. 33 - - In dem Briefe vom 3. August 1919 schrieb er von Hötensleben an die - Kaltenhauser in München folgendes: - - „Werte Genossin Kaltenhauser! Hoffentlich treffen Sie diese Zeilen Bd. III - bei gutem Befinden an. Ich bin gestern gut angekommen. Den Spitzel Bl. 19 e - Blau habe ich, da ich nicht anders konnte, von München mit - fortgenommen und _unterwegs besorgt. Er wird so bald nicht wieder in - München auftauchen._ Ich hatte noch einen Ausweis bei ihm gesehen, - nach welchem er für die Fahndungsabteilung in München arbeitet. - Dieser Ausweis war am 23. Juli ausgestellt und mit einem - Polizeistempel versehen. Der Fall B. hat mir zirka 200 Mark - gekostet. Hier in Magdeburg bei der K. P. D. war ein Meyer, welcher - von der K. P. D. beauftragt sein will, nach _Schuhmann_ zu suchen. - Der Mensch ist nach der Beschreibung der von mir kaltgestellte Dr. - Frey (Franz?) aus Zürich, ich nehme an, daß er ein Spitzel ist. - Freundlichen Gruß an Genossen Blumenfeld, ich habe die beiden gut - untergebracht. Papiere treffen in den nächsten Tagen ein. Grüßen Sie - den Genossen Weber bei Corl, ich habe seinen Bruder getroffen, es - geht ihm gut, er wird mich besuchen. Wenn Blumenfeld noch einige - dort hat, kann er sie in 14 Tagen zu mir senden. Herr Kämpfer soll - seine Revolutionen machen, die sich mit dem Gesetz vereinbaren - lassen (komisch?). Also seien Sie und Ihre Tochter und Schwester - recht herzlich von mir gegrüßt, Ihr Franz Herm. Freundlichen Gruß an - die Bekannten.“ Diesen Brief gab Herm dem Schreiber mit der Bitte, Bd. I - daß er ihn sofort als Eilbrief und eingeschrieben zur Post nach Bl. 31 v - Hötensleben bringen sollte. Als Quittung über die Abgabe des Briefes - auf der Post sollte Schreiber ihm den Postschein bringen. Da - Schreiber ahnte, daß in dem Briefe etwas Wichtiges stünde, nahm er - ein anderes Kuvert und schrieb die Adresse der Kaltenhauser darauf. - In das Kuvert legte er einen leeren Briefbogen und gab es dann zur - Post. Den Postschein gab er dem Herm. Den Brief des Herm an die - Kaltenhauser gab er nicht auf. Als Herm später in der Zeitung von - der Auffindung der Leiche des Blau las, freute er sich darüber, daß Bd. I - man bei Blau einen Selbstmord vermutete. Da in der Zeitung auch Bl. 38 - stand, daß für die Aufklärung im Falle einer Ermordung des Blau 5000 - Mark ausgesetzt seien, sagte Herm noch zu Schreiber, daß er ihn - hoffentlich wegen der 5000 Mark nicht verraten würde. Um Herm - vollständig sicher zu machen, klopfte Schreiber ihm auf die Schulter - und sagte, er sei auch zufrieden, daß so ein Lump von der Bildfläche - verschwinde. Unmittelbar im Anschluß an das Lesen der Zeitungsnotiz - gab Herm dem Schreiber den Auftrag, sofort nach Braunschweig zum - Büro der K. P. D. zu fahren und dort darauf zu dringen, daß die - schriftlichen Aufzeichnungen des Herm vor seinen, Schreibers, Augen - vernichtet würden. Schreiber fuhr auch nach Braunschweig, hörte dort - aber, daß die schriftlichen Angaben des Herm über Blau dort bereits - vernichtet wären, nachdem man die Ermordung des Blau in der Zeitung - gelesen hatte. Als Schreiber nach Hötensleben zurückkehrte, erfuhr - er von dem Bruder des Herm, daß letzterer nach München gefahren sei, - um seinen an die Kaltenhauser gerichteten Brief vom 3. August 1919 - in die Hände zu bekommen und zu vernichten. Am nächsten Tage (12. - August 1919) fuhr Schreiber nach Magdeburg zum Büro der K. P. D., - trug den ihm schon vorher erteilten Auftrag des Herm, seine - Aufzeichnungen über Blau zu vernichten, vor und sah auch, daß - demgemäß die Aufzeichnungen zerrissen und verbrannt wurden. Vom Büro - der K. P. D. ging Schreiber in das Büro der U. S. P. D. zu Peters. - Von diesem hörte er, daß er die Aufzeichnung über Blau bereits beim - Lesen der Zeitungsnachrichten über den Fall Blau vernichtet hätte. Bd. I - Als Schreiber von Magdeburg nach Hötensleben zurückgekehrt war, Bl. 32 v - konnte er sich dort nicht mehr länger aufhalten, da er seines Lebens 33 - dort nicht mehr sicher war und von Genossen, die wahrscheinlich von - Herm nach Entdeckung der Briefunterschlagung gedungen waren, um ihn - als wichtigen Belastungszeugen zu beseitigen, dieserhalb gesucht - wurde. Es gelang dem Schreiber aber, den ihn verfolgenden und auf - ihn schießenden Genossen zu entkommen. - - Blau wollte am Nachmittage des 1. August 1919 seine in Bd. II - Charlottenburg, Bayreuther Straße 19, wohnende Ehefrau besuchen, Bl. 25 - erfuhr aber von der Portierfrau Nowak, daß diese nicht zu Hause war. - Am Abend desselben Tages suchte Blau die kommunistische Versammlung, - die in der Aula des Friedrichs-Realgymnasiums in Berlin, - Mittenwalder Straße 34, stattfand und von Leuschner, dem Vorsteher - des 3. Bezirks der K. P. D., geleitet wurde, auf. Ob er allein oder - mit anderen, insbesondere mit Herm dorthin gegangen ist, konnte - bisher nicht festgestellt werden. Nach Lage der Sache ist aber - anzunehmen, daß er mit Herm oder jedenfalls auf dessen Veranlassung - in die Versammlung gegangen ist. Schon in der Versammlung wurde Blau - von einem Teil der anwesenden Genossen zur Rede gestellt. Dies - setzte sich nach Schluß der Versammlung auf der Straße fort. Blau - suchte sich zu verteidigen, fand aber keinen Glauben bei den - Genossen. Diese beschlossen vielmehr, um Blau vollends zu - überführen, noch den Zeugen Stolz (Strolz) heranzuführen. Zu diesem - Zwecke wurden Hoppe und noch ein Genosse fortgesandt. Die anderen, - unter denen sich Leuschner, Pohl sen. und jun., Geisler, Schröder, - Klust, Gentz, Schmitz, Hoffmann und Acosta (Mendelsohn) befanden, - gingen mit Blau durch die Mittenwalder-, Bergmann- und - Kreuzbergstraße nach dem Viktoriapark (Ecke Großbeerenstraße). Schon - unterwegs war davon die Rede, daß Blau umgebracht werden sollte. Man - sprach insbesondere davon, daß er auf dem Tempelhofer Felde - erschossen werden sollte. Von diesem Vorhaben wurde aber zunächst - mit Rücksicht auf die große Anzahl der Anwesenden Abstand genommen. - Am Viktoriapark kamen nach einiger Zeit die beiden nach Stolz - entsandten Genossen in einem Auto zurück. Sie brachten die - Nachricht, daß sie Stolz nicht getroffen hätten. Pohl jun. erklärte Bd. V - sich bereit, Blau in seiner Wohnung, Gneisenaustraße 7a, Bl. 52 v - aufzunehmen. Hoppe und Geisler kamen mit, angeblich nur, um Bd. V - aufzupassen, daß Blau nicht entwische. Hoppe hatte aber offenbar die Bl. 112 v - Absicht, Blau in der Wohnung des Pohl zu ermorden. Hoppe äußerte Bd. VI - sich jedenfalls am nächsten Tage zu Pohl in diesem Sinne und Bl. 47 v - bemerkte dabei, daß er einen Korb besorgen und die Leiche - fortschaffen würde. Pohl und seine Frau gingen aber darauf nicht - ein. Im Laufe des 3. August 1919 entfernte sich Geisler. Am Morgen Bd. VI - war bereits der Genosse, der mit Hoppe am Abend vorher den Stolz Bl. 47 v - holen sollte, in der Pohlschen Wohnung erschienen und hatte mit - Hoppe auf dem Korridor verhandelt. Pohl hörte, daß er zu Hoppe - sagte, er hätte niemand gefunden. Der Betreffende kam vormittags - nochmals, und zwar mit zwei Männern, die feldgraue Uniform trugen. - Der eine Wachmann, welcher einen Revolver trug, blieb in der - Wohnung. Weitere vier Mann bewachten das Haus. Ein Mann in braunem - Anzug, der gegen Mittag herauf kam, erklärte, er sei von der - „T-Terroristengruppe“, die unten das Haus bewache, er gab dem Hoppe Bd. V - auch eine Flasche, die Morphium enthielt. Ihr Vorhaben, Blau schon Bl. 113 - in der Pohlschen Wohnung umzubringen, scheiterte an dem Widerstande Bd. V - der Eheleute Pohl, die offenbar aus Angst nicht dulden wollten, daß Bl. 113, - die Tat bei ihnen ausgeführt wurde. Es blieb dem Hoppe daher nichts 45 v - anderes übrig, als sich nach einer anderen Wohnung umzusehen. Er - ging daher zu seinem Jugendfreunde Winkler, der bei seinen Eltern in - der Großbeerenstraße 20 wohnte. Dieser stellte ihm die Wohnung zur - Verfügung. Die Eltern des Winkler hielten sich während dieser Zeit - außerhalb auf ihrem Laubengrundstück am Teltowkanal auf. Die - Schlüssel zur Wohnung will Winkler dem Hoppe gleich mitgegeben Bd. VII - haben. Hoppe behauptet aber, daß Winkler sie zufolge einer zwischen Bl. 79 v - ihnen beiden vorher getroffenen Verabredung Ecke Hagelsbergerstraße Bd. V - dem zweiten „T“-Mann (Wachmann der Terroristen-Gruppe) ausgehändigt Bl. 113 v - habe. Dieser ging als erster in das Haus Großbeerenstraße 20. Hoppe - und Blau folgten. Einige Zeit später gingen weitere zwei Mann, Bd. VI - darunter Fichtmann, hinein. Pohl, der mit bis zum Hause gegangen Bl. 51 v - war, blieb zunächst in unmittelbarer Nähe des Hauses auf der anderen - Straßenseite stehen. Er bemerkte Acosta und Winkler, die auf der - Hausseite auf und ab gingen. Nach einiger Zeit kamen beide zu ihm Bd. VI - herüber und unterhielten sich mit ihm. Beide wußten, daß mit Blau Bl. 52 - etwas vor sich gehen sollte und fragten Pohl, was in seiner Wohnung Bd. VII - passiert sei. Pohl erzählte ihnen, daß man von Blau verschiedenes Bl. 90 v - herausbekommen und daß man bei ihm gegessen hätte. Im Laufe der - Unterhaltung, die sich nur um Blau drehte, erwähnte Winkler auch, - daß er den Auftrag gehabt hätte, einen Korb zu besorgen; er habe - dies aber nicht getan, da es schon dunkel sei und er auch Bd. VII - Zahnschmerzen hätte, zudem sei ja sein Vater Schneidermeister und Bl. 91 - habe genug Decken, in die man nachher Blau einwickeln könne. Die Bd. VII - Hauptsache sei, daß er nachher die Decke wiederbekäme. Winkler und Bl. 91 - Acosta gingen dann zu Schröder, wo sie über Nacht blieben. Auf die Bd. VI - Mitteilungen des erregten Acosta, daß der Spitzel Blau in der Bl. 55 - Großbeerenstraße sei, daß man verschiedenes schon von ihm - herausbekommen habe, insbesondere, daß er den Abgeordneten Eichhorn - für 50000 Mark ermorden sollte, Pohl stehe auf der Brücke und wisse - Näheres, ging Schröder zur Großbeerenstraße, wo er Pohl an der - Brücke traf. Nachdem sie sich längere Zeit unterhalten hatten und - währenddessen auch auf und ab gegangen waren, kam ein Mann auf sie - zu und forderte sie auf, bei dem Transport der inzwischen aus dem - Hause Großbeerenstraße 20 geschafften, in eine Decke eingewickelten - Leiche des Blau zu helfen. Schröder ging auf diese Aufforderung - sofort hin, hob die Leiche auf, trug sie zum Kanal und warf sie ins - Wasser. Hoppe, Schröder, Pohl und der eine Wachmann blieben dann - noch zusammen und gingen zum Lokal von Maaß in der Bergmannstraße, - während die anderen vier Männer der Terrorgruppe, unter ihnen - Fichtmann, sich zerstreuten. Auf dem Wege zum Maaßschen Lokale - erzählten Hoppe und der Wachmann die näheren Umstände der Ermordung: - „Sie hätten Blau zunächst Wein mit Morphium zu trinken gegeben. Blau Bd. VI - wäre eingeschlafen: Hoppe und der Wachmann hätten ihm die Schlinge Bl. 51 - um den Hals gelegt. Beim ersten Male sei Blau jedoch aufgewacht, und - es sei ihnen gerade noch gelungen, die Schlinge von seinem Halse zu - nehmen. Blau hätte sich gewundert, daß der Tisch abgerückt war, die - Tür zu und drei fremde Leute im Zimmer waren. Sie hätten ihn - beruhigt, er sei dann wieder eingeschlafen. Nunmehr hätten Hoppe und - der Wachmann ihm die Schlinge um den Hals gelegt und zugezogen, - während die beiden anderen Anwesenden sich auf die Knie des Blau - geworfen hätten. Die beiden letzteren (darunter Fichtmann) hätten - sich schlapp benommen; der eine Mann (Fichtmann) habe gezittert.“ - - Hoppe, Fichtmann und Winkler bestreiten, sich strafbar gemacht zu - haben. - - Hoppe hat zunächst überhaupt zu Abrede gestellt, in der Versammlung Bd. V - in der Schule, in der Wohnung des Pohl und Winkler und mit Blau Bl. 93 v - zusammengewesen zu sein. Erst nach hartnäckigem Leugnen hat er dies Bd. V - schließlich zugegeben. Er sucht die Sache jetzt so darzustellen, daß Bl. 111 v, - er die Wohnung des Winkler verlassen habe, als er merkte, daß man ff. 151 - Blau umbringen wollte. Seine Angaben verdienen indes keinen Glauben Bd. VI - und werden im übrigen durch die Bekundungen des Zeugen Pohl Bl. 18 ff. - widerlegt. Diesen und den Mitangeschuldigten Winkler hat er auch zu Bd. V - falschen Angaben verleiten wollen. Als er und Pohl kurz nach ihrer Bl. 9 v - Festnahme im Isoliergewahrsam zusammentrafen, stieß Hoppe den Pohl - im Vorbeigehen an und sagte: „Wir kennen uns nicht.“ Später steckte - er dem Winkler im Gefängnis einen Kassiber zu. Winkler aber kam Bd. VI - nicht zum Lesen desselben, da er ihm vorher von dem Gefängnisbeamten Bl. 17 - Bruhnke abgenommen wurde. Auf die Frage des Bruhnke, was er dem Bd. VIII - Winkler zugesteckt habe, erwiderte Hoppe: „Streichhölzer.“ Der Bl. 90 - Kassiber hatte folgenden Wortlaut: - - „Lieber Willy! Aus dem Dir zugegangenen Haftbefehl gegen uns Bd. VI - ersiehst Du ohne weiteres die Situation. Den Ernst derselben, soweit Bl. 17 - es sich um mich handelt, zu unterschätzen, wäre nicht möglich. Ich - bitte Dich daher dringend, um das Schlimmste zu verhindern, mich, - soweit es möglich ist, zu entlasten, wie ich es bei Dir auch dauernd - bestrebt bin. Ich bitte Dich daher um folgendes: Bei der Verhandlung - gestehe ein, daß Du die Wohnungsschlüssel auf sein Geheiß einem - Menschen in braunem Anzug (Dir unbekannt) auf ein bestimmtes - Parolewort (was Du aber vergessen hast) an der Hagelsbergerstraße - Ecke Großbeerenstraße ausgehändigt hast. (Zeitpunkt etwa ½ Stunde - nach meinem Besuch in Deiner Wohnung. Grund: Da ich noch etwas zu - erledigen hatte und Du aber noch nicht angezogen warst, um mit - herunterzugehen, mir also die Schlüssel nicht gleich mitgeben - konntest.) Alles vorher Geschehene bleibt wie abgemacht (Sitzung - abhalten usw.). Das wäre die 1. Bitte, die zu erfüllen wohl für Dich - keine großen Schwierigkeiten machen kann. Jetzt jedoch zu einer - anderen, etwas heikleren Frage, die für Dich aber auch noch kein - allzugroßes Opfer bedeutet im Verhältnis zur Wichtigkeit derselben - im Interesse meiner Person. Denn Du könntest mich damit retten und - für Dich wäre die Sache dadurch immer noch zu ertragen. Und dann, l. - W., kommt es doch hier nur darauf an, das Leben zu retten, alles - andere wäre doch nur von kurzer Dauer, denn die Zeit arbeitet doch - für uns. Mit dieser Hoffnung will ich Dir gleich meine 2. Bitte - vortragen. _Ich habe alles eingestanden._ Bin auch zu Deiner Wohnung - mit raufgegangen, aber nach einer ½ Stunde _wieder runtergekommen_, - da ich oben merkte, was die T.-Leute für Absichten hatten und ich - aber damit nicht einverstanden war, sondern dafür war, Blau nur - festzuhalten und dem Strolz u. a. gegenüberzustellen. Ich äußerte - also meine Bedenken, worauf man mich als Feigling runterschickte. - Ich bin also _nach ½ Stunde runtergekommen_ und nach Hause gegangen - und in den Straßen umhergeirrt, und bin dann, erst halb aus - Neugierde, halb aus Angst, ½ Stunde _bevor die T.-Leute mit Blau - herunterkamen, wieder vor Deinem Hause angelangt und habe dort - gestanden, bis man von oben runterkam_. Im Protokoll habe ich nur - angegeben, daß ich Acosta unten getroffen habe. Pohl dagegen hat - auch Dich und Schröder angegeben. Ich brauche jetzt also entweder - Dich oder Schröder als Alibi-Zeugen, der mich gesehen hat unten auf - der Straße, während die anderen oben waren. Ich rechne da stark auf - Dich, l. W. Nur _weiß ich nicht, wann Du überhaupt unten standest_, - also ob bei meinem _Runterkommen_ oder _später_, etwa ½ Stunde bevor - die anderen runterkamen mit d. L. Äußere Dich, bitte, ausführlich - über meine Bitte und Ausführung. Wenn Du gewillt bist, dann - überlasse alles mir bis zur Verhandlung. Was oben in der Wohnung - vorgeht, hast Du erst von Acosta erfahren. Mit kom. Gruß Erwin C. II - 48. Wenn Du also willst, dann rufe ich Dich in der Verhandlung als - Alibi-Zeugen an.“ - - Fichtmann stellt sogar in Abrede, mit in der Winklerschen Wohnung Bd. VI - gewesen zu sein. Der Zeuge Pohl hat ihn aber als eine der beiden Bl. 9 - Personen erkannt, die hinter Hoppe und Blau in das Mordhaus - hineingegangen sind und die später Wein aus der Teltower Straße - geholt haben. Fichtmann ist nach den Angaben des Pohl auch beim - Transport der Leiche nach dem Wasser vorangegangen und fortgelaufen, - nachdem sie ins Wasser geworfen war. Er ist auch von Hoppe als - derjenige bezeichnet werden, der bei der Ausführung der Mordtat sich Bd. VI - schlapp benommen und auf den Knien des Blau gelegen hatte. Sein Bl. 164 - Alibibeweis ist mißglückt. Nach der Vorstrafe ist ihm die Mordtat Bd. VII - auch zuzutrauen. Bl. 44 - - Winkler erklärte anfangs, daß er von der ganzen Sache überhaupt Bd. V - nichts wüßte und zur fraglichen Zeit überhaupt nicht in Berlin, Bl. 93 ff., - sondern mit seinen Eltern auf der Laube am Teltowkanal gewesen sei. 11 ff. - Diese Angabe wurde von ihm später widerrufen. Er erklärte nunmehr, Bd. VI - daß er dem Hoppe seine Wohnung zu einer „Sitzung“ zur Verfügung Bl. 51 ff., 89 - gestellt habe. Seine Angaben, die er dem Pohl gegenüber über das Bd. VIII - Besorgen des Korbes und über die Decken gemacht hat, sein ganzes Bl. 79 f. - auffälliges Verhalten während der Zeit, wo der Mord in seiner - Wohnung ausgeführt wurde, und die Angaben des Hoppe in dem an ihn - gerichteten Kassiber lassen erkennen, daß er in den Mordplan - eingeweiht gewesen ist. - - Beweismittel: - - a) Angaben der 3 Angeschuldigten, - - b) Skizze Blatt Bd. II Bl. 31, Bild des Blau Bd. I. 31. 52, - Lichtbilder Bd. V Bl. 155, Brief des Herm Bd. III Bl. 51. 19. - (Abschriften: Bd. I. Bl. 50, Bd. III Bl. 7) Kassiber des Hoppe Bd. - VI Bl. 13, Kasseauszug Bd. V Bl. 51 ff. Briefe des Leuschner Bd. V - Bl. 73 f., Bd. VI Bl. 162 c, - - c) Vorstrafakten des Fichtmann: 67 J. 2099/19 Staatsanwaltschaft I - Berlin. - - d) Sachverständige: - - 1. Gerichtsarzt Professor Dr. Strauch in Berlin, Bd. I - Bl. 4 ff. - - 2. Gerichtsarzt Geh. Medizinalrat Dr. Hoffmann in Berlin, Bd. I - Bl. 4 ff. - - 3. Dr. Brüning von der Staatlichen Bd. II - Nahrungsmitteluntersuchungsanstalt in Berlin, Alexanderstraße 3/6, Bl. 85, 132 - - e) Zeugen: - - 1. Schiffseigner Friedrich Kullmann in Züllichau, Oberweinberge, Bd. III - Bl. 3, 37 - - 2. Kriminalkommissar Dr. Biermann in Berlin, - - 3. Kriminalkommissar Trettin in Berlin, - - 4. Kriminalkommissar Maslak in Berlin, - - 5. Mechaniker Walter Schreiber – Adresse wird noch angegeben –, Bd. I - Bl. 36 ff., - 60, 68 v f. - - 6. Frau Mathilde Baumeister geb. Seidl in München, Badstraße, Bd. I - Bl. 34 ff., - 60 v f. - - 7. Frau Gertrud Kaltenhauser in München – nähere Adresse wird noch Bd. I - angegeben –, Bl. 54, 56, - 75 ff. - - 8. Student Hans Blumenfeld in München – nähere Adresse wird noch Bd. I - angegeben –, Bl. 53, 65, - 68 ff. - - 9. Landgerichtsrat Dr. Wiesehahn vom Landgericht I Berlin, Bd. I - Bl. 59 ff. - - 10. Landrichter Marquard, Untersuchungsrichter beim Landgericht II - Berlin, - - 11. Lagerist Georg Pohl in Berlin, Gneisenaustraße 7a, Bd. V - Bl. 31 ff., - 144, - 151 v, - 175 a f. - Bd. VI - Bl. 47 ff., - 50 ff., - 61, 97 - Bd. VII - Bl. 93 v f. - - 12. Frau Martha Pohl geb. Schubert in Berlin, Gneisenaustraße 7a, Bd. V - Bl. 13 ff., - 130 - Bd. VI - Bl. 118 - - 13. Frau Maria Sprung geb. Stumpf in Berlin, Schleiermacherstraße Bd. II - 23, Bl. 29 - - 14. Krim.-Wachtmeister Hencke in Berlin-Pankow, Talstraße 11, Bd. II - Bl. 23 v - - 15. Privatiere Gertrud Wollweber in Charlottenburg, Kantstraße 45, Bd. II Bl. 44 - bei Janke, Bd. V - Bl. 144 - - 16. Lederarbeiter Max Leuschner in Berlin, Dresdener Straße 125, Bd. II - Bl. 112 - Bd. I - Bl. 113 f. - Bd. VI - Bl. 150 - Bd. VII - Bl. 6 - - 17. Frau Martha Leuschner geb. Kallios in Berlin, Dresdener Straße Bd. II - 125, Bl. 46 - - 18. Edmund David de Samson – Adresse wird noch angegeben –, Bd. II - Bl. 98 f., 121 - - 19. Student Franz Stolz in Berlin, Weidenweg 38, Bd. II - Bl. 120 - - 20. Techniker Fritz Klust in Berlin, Katzbachstraße 23, Bd. I - Bl. 132 f. - Bd. V - Bl. 41 v ff. - - 21. Arbeiter Johann Pohl in Berlin, Nostitzstraße 49, Bd. V - Bl. 4 ff. - - 22. Schlosser Jakob Schmitz in Berlin, Gneisenaustraße 28, Bd. V - Bl. 49 ff., - 138 v - - 23. Hilfsarbeiter Karl Hoffmann in Berlin, Nostitzstraße 45, Bd. V - Bl. 51 ff., 135 - - 24. Eisendreher Alfred Geisler in Berlin, Großbeerenstraße 13 a, Bd. V - Bl. 65 ff., 75 - Bd. VI - Bl. 103 - - 25. Kutscher Paul Schröder in Berlin, Großbeerenstraße 30, Bd. V - Bl. 35, 113 - Bd. VI - Bl. 54, 41 v f. - - 26. Kaufmann Otto Mahlig in Sangerhausen, Bd. V - Bl. 63 v - - 27. Parteisekretär Wilhelm Peters in Magdeburg, Schillerstraße 47, Bd. IV - Bl. 1 ff. - - 28. Schneider Max Eulenberger, z. Zt. im Gefängnis Leipzig in Haft, Bd. VII - Bl. 56 f., - 100 f., 102 f. - - 29. Marta Kuschel in Berlin, Dunkerstraße 87, Bd. VI - Bl. 154 - - 30. Paul Born in Berlin, Parochialstraße 1/2, Bd. VII - Bl. 44 - - 31. Gefangenenaufseher Emil Bruhnke in Berlin, Bd. VII - Untersuchungsgefängnis. Bl. 90 - - Es wird beantragt, - - das Hauptverfahren zu eröffnen und die Verhandlung und Entscheidung - der Sache vor dem Schwurgericht des Landgerichts II in Berlin - stattfinden zu lassen, sowie die Fortdauer der Untersuchungshaft - gegen die Angeschuldigten Hoppe und Winkler aus den bisherigen - Gründen anzuordnen. - - gez. Hagemann. - - - Erörterung zur Anklageschrift. - Dokumente. - -Dem Staatsanwalt liegen nur zwei Dokumente vor: der Brief des Herm, der -besagt, daß er den Blau „besorgt“ habe. Dies „besorgt“ kann sehr viel -bedeuten; kann aber auch nur enthalten, daß er eine Absicht ausgeführt -habe; gleichgültig welche; etwa die, den Mann im Norden Deutschlands zu -verankern; „der kommt so bald nicht wieder nach München.“ Außerdem war -Herm während der fraglichen Zeit nicht in Berlin; wenigstens ist -Verbindung zwischen ihm und den Berlinern nicht nachgewiesen; im -Gegenteil scheint festzustehen, daß Blau sich allein nach Berlin begab -und sich freiwillig in der Versammlung im Friedrichsrealgymnasium -einfand. Hätte man ihn gefangen gehalten, dann hätte man ihn nicht vor -vielen Leuten herumgezogen – und ihm nicht gestattet, den Mahlig und -seine Frau aufzusuchen. Der Brief des Herm scheint Blaus Münchener -Tätigkeit zu liquidieren, ohne in direkter Beziehung zu den Berliner -Ereignissen zu stehen. Er erhärtet bestenfalls, daß man in Bayern Blaus -Spitzelrolle erkannt hatte und Sorge trug, ihn abzuschieben. - -Das zweite Schriftstück ist der Kassiber des Hoppe. In diesem steht, daß -der Schreiber alles gestanden habe; er fragt nun den Winkler, ob er ihn -auf der Straße vor dem Mordhause gesehen habe, und bittet ihn, falls das -der Fall sei, dies zu bezeugen. Die Tatsache des Kassibers kann man -nicht als Schuldbeweis zählen: die monatelange Einzelhaft wirkt -zermürbend und läßt jedes Mittel ergreifen. Über die Vorgänge in der -Winklerschen Wohnung ist nichts gesagt; als Quelle ihrer Kenntnis wird -Acosta angegeben, jener Acosta, von dem öfter gesprochen wird, doch den -zu verhaften nicht gelungen ist. Das Dokument ergibt nur, daß mehrere -Leute, unter ihnen Winkler, Acosta, Hoppe, sich damals auf der Straße -herumtrieben – was andere Aussagen bestätigen. Daß der verdächtigte -Hoppe versucht, einen der Mitanwesenden dazu zu veranlassen, seine und -damit auch Hoppes Anwesenheit zu gestehen, ist verständlich – ohne die -Tat zu erhellen. - -Alles andere sind Aussagen, bei denen der Untersuchende kaum zu -entscheiden vermag, ob die Sprechenden immer subjektiv bei der Wahrheit -bleiben. Man wird infolgedessen versuchen, das herauszuklauben, was an -objektiv Historischem berichtet wird. Die Gespräche und gar durch Dritte -berichtete Worte sind schon vorsichtiger zu verwerten, am -zweifelhaftesten sind aber Aussagen, die Zusammenhänge betreffen: da -schiebt sich oft die eigene Kombination vor die Dinge und, wenn einer -lügen will, wird er zuerst eine andere Ansicht haben, dann Gespräche -verändern; erst zuletzt und im Notfall wird er Tatsachen leugnen oder -erfinden: weil ihm das am leichtesten nachgewiesen werden kann. - - - Das Historische. - -Im Juli 1919 war in München eine aufgeregte Zeit. Am 1. Mai war die -Räterepublik gefallen. Die Kämpfe und Verhaftungen hatten durch Wochen -gedauert, noch jetzt war das große Aufräumen in Gang: täglich -Verhaftungen, Verhandlungen, täglich Gefahr. - -In dieser Zeit verkehrte in Münchener Kommunistenkreisen ein gewisser p. 45 -Blau. Kommunistenkreise waren damals illegal und bedroht; Blau lief in -dieser Illegalität und Bedrohung herum und führte vermutlich das Leben -der Geflüchteten: Übernachten da und dort bei Genossen, Treffpunkte in -entlegenen Wirtshäusern da und dort, alles geheim und verborgen. - -Am 29. Juli fuhr Blau mit drei Begleitern nach Magdeburg. Deren Namen p. 46 -sind Schreiber, Herm und ein gewisser Schuster. Vermutlich war die -Partei die Mittlerin ihrer Bekanntschaft; ob sie persönlich voneinander -gewußt haben, ist unbestimmt. Jedenfalls steht der Name Schuster in -Fragezeichen. - -In Magdeburg scheinen sich die vier getrennt zu haben: von Schuster ist p. 46 -keine Erwähnung mehr, Schreiber fuhr nach Hötensleben zu den Eltern des -Herm und blieb dort bis nach Auffindung der Leiche (7. August). - -Wo Herm geblieben war, ist nicht nachgewiesen; doch kam er noch vor der p. 47 -Ermordung des Blau am 2. August abends bei seinen Eltern in Hötensleben -an; nach Angabe des Schreiber aus Berlin. - -Blau war am 31. Juli vormittags allein bei einem gewissen Mahlig in p. 46 -Sangerhausen, am 1. August nachmittags, wieder ohne Begleitung, in p. 49 -Berlin, Bayreuther Straße 10, beim Portier Nowak des Hauses, in dem -seine Frau wohnte. - -Vom 1. August abends an ist Blaus Aufenthalt lückenlos festgestellt. Er p. 49 -taucht auf in einer Kommunistenversammlung in der Mittenwalder Straße zu -Berlin. Die Versammlung wurde von dem Lederarbeiter Leuschner geleitet. p. 50 -Noch während der Versammlung geriet Blau mit Anwesenden in lebhafte -Besprechung; nachher bewegte er sich mit einem Trupp in der Richtung zum -Viktoriapark. - -Als seine Begleiter wurden festgestellt: Acosta, Geißler, Gentz, Kluft, -Leuschner, Pohl jun. und sen., Schmidt, Schröder. Später kamen dazu noch -Hoppe und noch ein Mann, der als erster Unbekannter mit (1) bezeichnet -sei. - -In der Nähe des Viktoriaparkes trennte sich der Trupp und Blau ging mit p. 50 -Hoppe und Geißler in die Wohnung der beiden Pohl, wo anscheinend -geschlafen wurde. - -Am Morgen des 2. August ging Geißler weg. Später kam der Mann (1), rief -Hoppe und sprach mit ihm auf dem Flur; ging und kam mit zwei Feldgrauen -(2), (3) zurück; weitere vier Mann (4), (5), (6), (7) waren auf der -Straße und bewachten das Haus. - -Weiter kam ein Mann in braunem Anzug (8), der eine Flasche hatte, in der -nach seinen Angaben Morphium war; dieser sprach mit Hoppe und ging dann. - -Im Laufe des 2. August fand der Umzug in die zur Zeit leere Wohnung der p. 51 -Eheleute Winkler statt. Der junge Winkler verließ die Wohnung, ehe Blau -und seine Begleiter ankamen und händigte auf der Straße den Schlüssel -entweder dem Hoppe oder einem der Wachleute (1)-(7) aus. - -In die Wohnung ging zuerst dieser Wachmann, später erst kamen Blau und -Hoppe; einige andere, vermutlich welche der Wachleute (1-7), werden -nachgefolgt sein, der Rest soll als Posten auf der Straße gestanden -haben. Auch Fichtmann soll das Haus betreten haben. - -Auf der Straße trafen sich Neugierige; Pohl, Winkler, Acosta sind p. 52 -genannt; sie standen dort bis in die Nacht. Dann gingen Winkler und -Acosta zu Schröder, um dort zu schlafen; sie trafen Schröder zu Hause -und sprachen mit ihm. - -Schröder ging daraufhin fort und begegnete Pohl in der Nähe der -Winklerschen Wohnung; zu beiden trat einer der Wachleute und forderte -sie auf, die Leiche mittragen zu helfen. - -Schröder folgte dem Mann; der Körper, in eine Decke gewickelt, war schon -auf der Straße. Schröder nahm ihn auf und warf ihn in den Kanal – aus -dem er am 7. gezogen wurde. - -Anwesend waren noch Pohl, Schröder, Hoppe und ein Wachmann (die in das -Lokal von Maß gingen). Vier weitere Leute, darunter nach Aussage des -Pohl auch Fichtmann, zerstreuten sich. - - * * * * * - -Die Nachzählung der Personen ergibt, daß im Laufe des Tages etwa acht -Unbekannte auftauchten, von denen nach der Tat fünf noch anwesend waren. - - - Die Gespräche der Beteiligten. - -Die bezeugten Aussagen und Gespräche lassen einen Zusammenhang zwischen -den Münchener und Berliner Kommunistenkreisen zweifelhaft erscheinen: - -In München hielt man Blau für entlarvt; man hatte ihn erkannt; Herm p. 45 -äußerte sich in diesem Sinne, und Schreiber sowie Frau Baumeister geben -als Ziel der Reise an, Blau nach dem Norden vor die Berliner Genossen zu p. 47 -bringen. Blau hatte einen Ausweis der Fahndungsabteilung München, den -Herm ihm abnahm; an der Spitzeltätigkeit des Blau war kein Zweifel. - -(Daß Herm nach Auffindung der Leiche sofort an Mord dachte und bemüht p. 48 -war, seine Berührung mit Blau zu verwischen und Aufzeichnung und Briefe -zu vernichten, ist leicht verständlich, wenn man das Risiko -langmonatiger Untersuchungshaft berücksichtigt – wie sie in diesem -Prozeß der unbeteiligte Leuschner erlitt –.) - -In Berlin lagen die Dinge anders: als man den Mann in der Versammlung p. 49 -erkannt hatte, ließ man sich in eine Diskussion mit ihm ein und sandte -Hoppe mit einem Begleiter ab, um einen Genossen Stolz oder Strolz zu -holen, der den Verdächtigten bestätigen sollte. Hoppe gibt an, bis p. 55 -zuletzt die Gegenüberstellung der beiden gefordert zu haben: -unzweifelhafte Klarheit scheint nicht bestanden zu haben. - -Auch Blau selbst hat die gegen ihn erhobenen Anklagen nicht sehr ernst -genommen. Die Warnungen des Schreiber wies er ab. p. 46 - -Er wußte aber, daß ihm nach dem Leben getrachtet wurde und daß es um p. 46 -Leben und Tod ging. Dem Mahlig erzählte er, daß er große Dinge vorhabe: -ob es der Mordplan gegen den Kommunistenführer Eichhorn war, die 50000 -M., von denen Acosta dem Schröder erzählte? Schwer sind die Reden dieses -Mannes mit seinen Handlungen zu vereinen: warum geht er mit seinen -Feinden, bleibt dort über Nacht, geht in eine zweite Wohnung? Er mußte -die Gefahr nicht so nahe geahnt haben – oder er sah seine eigentlichen -Feinde gar nicht in den Kommunisten? Denn während dieser vierundzwanzig -langen Stunden hätte er sicher entfliehen, unbedingt aber Lärm schlagen -können; doch er blieb. - -Auch ein anderes ist auffällig: wenn man einen Spitzel entlarvt hat, -schlägt man ihn gleich tot oder man stellt seine Persönlichkeit fest, -photographiert ihn usw. und läßt ihn dann laufen. Aber man zieht ihn -nicht von Wohnung zu Wohnung, um ihn dann zu ermorden. (Daß man den Mann -von München abschob oder weglockte, ist begreiflich: unter den damaligen -Zuständen in München war der Mann zu gefährlich.) - -In Berlin soll der Plan zur Ermordung schon bei den Teilnehmern der p. 50 -Versammlung aufgetaucht sein. Greifbare Formen hat dieser Plan erst -gefunden, als man die Ausführung bespricht. Der junge Pohl gibt an, daß -ein Korb für die Leiche besorgt werden sollte; seine Eltern weigern -sich, in ihrer Wohnung die Tat ausführen zu lassen. Vor dem Winklerschen p. 51 -Hause, auf der Straße stehen Leute; Wachleute? Neugierige? Es wird -geraunt, daß oben mit Blau etwas vor sich gehe. Man beobachtet, p. 52 -erörtert, berichtet sich. Man spricht wieder von einem Korb für die -Leiche, sieht Wein holen usw.: sie reden alle von dem, was vermutlich -oben geschieht. - -Über die Vorfälle in der Wohnung selbst liegen widersprechende Aussagen -vor. Die ausführlichsten stammen vom Zeugen Pohl, der aber weder im p. 55 -Haus, noch in der Wohnung, sondern auf der relativ dunklen Straße sich -aufhielt. Dieser gibt an, daß Fichtmann für die Leute Wein geholt habe -(in dem Blau das Morphium verabreicht worden sei) und daß Fichtmann beim -Leichentransport vorausging; ferner, daß nach der Tat Hoppe und der eine p. 53 -Wachmann erzählt haben, sie beide hätten den Blau erdrosselt, die -anderen beiden Anwesenden, darunter Fichtmann, ihn festgehalten. Hoppe p. 53 -selbst gibt an, die Wohnung verlassen zu haben, als er sah, daß die -anderen vom Mord nicht zurückzuhalten waren. Auch in seinem Kassiber p. 54 -vertritt er diesen Standpunkt und gibt als Nachrichtenquelle für die p. 55 -Details der Ermordung Acosta an. Fichtmann leugnet überhaupt seine p. 55 -Anwesenheit, die Anwesenheit des Winkler ist unwahrscheinlich; auch p. 56 -Schröder, der nachher dazukam, vermag Näheres nicht anzugeben. – - - * * * * * - -Zieht man die Bilanz, so findet man das Vorauszusehende: der äußere Gang -der Ereignisse steht ziemlich fest. Man kennt den Schauplatz und weiß -ungefähr, was passierte; außer den Festgestellten waren noch unbekannte -Leute beteiligt, Leute, die vermutlich auch den Zeugen und Angeklagten -namentlich nicht bekannt waren. Wie die Rollen verteilt waren, ist nicht -klar; klar ist nur, was geschah: der Mord. - -Fragt man weiter nach dem Zusammenhang des Geschehens: der Abtransport -aus München erscheint motiviert und logisch; die Entlarvung in der -Versammlung und Diskussion über das „Was nun?“ ist erwiesen. Dann kommt -eine Lücke, in der man die Initiative nicht mehr erkennen kann. Diese -Dunkelheit wird durch das Verhalten des Blau noch mehr getrübt: was -geschah in der Wohnung des Pohl und des Winkler und wer waren die -treibenden Kräfte? Die Angeklagten, oder die Unbekannten? Man kann nur -raten, man weiß es nicht. Man weiß nur, daß außerhalb der betreffenden -Häuser, auf der Straße Zufällige, die von den Dingen wußten, -herumstanden und kombinierten – und daß dann die Leiche kam. - -Dies ungefähr sind die Bruchstücke, die der Kritik standhalten; man kann -damit nicht mehr tun, als die Leute taten, die auf der Straße standen: -kombinieren, – was nicht allzu schwer erscheint. Aber der Verlauf der -Verhandlung wird zeigen, wie all diese Kombinationen zusammenfallen, -weil ein ganz neues Element hinzukommt: das Spitzeltum. - - * * * * * - -Die Gegenschrift des Verteidigers Dr. Weinberg beschränkte sich, wie -meist bei Schwurgerichtssachen, auf die Betonung und Beantragung einiger -für die Beschuldigten vorteilhaften Punkte, so daß sie der Eröffnung des -Hauptverfahrens nicht im Wege stand. - - 2 c J 2691, 10 - - Beschluß. - - Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wird gegen - - 1. den Lederarbeiter (Schankwirt) Max Fichtmann aus Berlin, - Parochialstr. 35, zur Zeit in der Strafanstalt Brandenburg a. H. in - Sachen 67 J 2699, 10 Staatsanwaltschaft I Berlin in Strafhaft, geb. - am 22. November 1898 Berlin, mosaisch, - - 2. den Kaufmann (Verkäufer von Broschüren) Erwin Hoppe aus Berlin, - seit 13. November 1919 hier in Untersuchungshaft, geb. 1. April 1899 - Berlin, religionslos, unverheiratet, - - 3. den Schneidergesellen Willi Winkler aus Berlin, seit 13. November - 1919 hier in Untersuchungshaft, geb. 16. September 1899 Berlin, - evangelisch, unverheiratet, - - welche hinreichend verdächtig erscheinen, in Berlin zu Anfang August - 1919 - - a) Fichtmann und Hoppe gemeinschaftlich mit anderen den Inspektor - Blau (Karl) vorsätzlich getötet und diese Tötung mit Überlegung - ausgeführt zu haben, - - b) Winkler den Angeschuldigten Fichtmann und Hoppe und den - Mitgliedern bei Begehung des Verbrechens zu a durch Rat oder Tat - wissentlich Hilfe geleistet zu haben, - - Verbrechen gegen §§ 211, 47, 49, StGB. - - das Hauptverfahren vor dem Schwurgericht des Landgerichts II in - Berlin eröffnet. - - Die Untersuchungshaft gegen die Angeklagten Hoppe und Winkler dauert - aus den bisherigen Gründen fort. - - Die Ausführungen des Verteidigers Rechtsanwalt Dr. Weinberg in der - Schutzschrift vom 1. Juni 1920 stehen der Eröffnung des - Hauptverfahrens nicht entgegen. - - Berlin, den 7. Juni 1920. - - Landgericht II, Strafkammer 5 - gez. Scheringer David Gerhard. - - - - - DIE VERHANDLUNG. - - - Eröffnung. - -Die Verhandlung begann am Donnerstag, dem 24. Juni 1920, vor dem -Schwurgericht des Landgerichts II zu Berlin und dauerte bis Montag, den -5. Juli. Das Aufsehen, das der Prozeß in der Öffentlichkeit erregte, war -außerordentlich; besonders die republikanischen Organe und die Presse -der Linken nahm Anlaß zu heftigen Ausführungen. „Der Spitzelsumpf“ – -„Die Spitzelorganisation der Garde-Kavallerie-Schützendivision“ – „Die -Mordzentrale“ – „Der Lockspitzel als Zeuge“ waren etwa die -Überschriften, die den Berichten vorstanden, und es ist sehr -verständlich, daß weder Richter noch Staatsanwalt von den Enthüllungen -der Beweisaufnahme erbaut waren: ein Schmutz trat zutage, der in die -Berechtigung dieses speziellen Verfahrens ernsthafte Zweifel setzen läßt -und nach allgemeiner Remedur ruft. - -Den Vorsitz der Verhandlung führte Landgerichtsdirektor Dr. Joel, die -Anklage vertrat Staatsanwaltschaftsrat Dr. Ortmann, die Verteidigung der -Angeklagten lag in den Händen der Rechtsanwälte Theodor Liebknecht, Dr. -Kurt Rosenfeld und Dr. Siegfried Weinberg. Unter den Geschworenen -befanden sich Vertreter folgender Berufe: Bibliothekar, Dreher, -Bäckermeister, Bankbeamter, Bürobeamter, Brauereidirektor, -Generaldirektor, Rieselmeister, Maler, Landwirt, Architekt, -Molkereibesitzer, Kassenbeamter, Vorarbeiter, Chemiker, Obergärtner, -Buchdruckereibesitzer, Ingenieur, Rittergutsbesitzer, Fabrikbesitzer, -Kaufmann. Bei der Auslosung machte die Verteidigung von ihrem -Ablehnungsrecht Gebrauch. Als beisitzende Richter waren Landgerichtsrat, -Geh. Justizrat Bienutta und Gerichtsassessor Siemens tätig, als -Gerichtsschreiber Landgerichtsratsassistent Schröder. - - * * * * * - -Die Sitzungen des Gerichts füllten neun volle Tage aus. Bei kurzen -Prozessen gestattet die Anwesenheit aller Beteiligten eine klare -Disposition des Vorsitzenden: er vermag die Verhandlung so übersichtlich -zu leiten, daß ein genaues Protokoll imstande ist, ein klares Bild zu -geben. Hier, wo während der Tagung dauernd das Bild sich verschob, -nachträglich neue Zeugen erschienen, deren Aussagen an in Tagen vorher -Niedergelegtes sich anschließt; hier, wo zeitweise das Thema der -Verhandlung sich gar nicht um die Angeklagten zu drehen schien: ist es -unmöglich, eine getreu den Ereignissen folgende Schilderung ohne -intensives Studium zu überblicken. Es muß versucht werden, -Zusammengehöriges im Zusammenhang darzustellen, so gut es geht. Die -Gesichtspunkte, unter denen dies unternommen wurde, sind geteilt; es -ergaben sich Abschnitte, die den Gang des Prozesses betreffen; und -solche, in denen bestimmte zur Sprache gebrachte Personen oder Gebiete -für sich allein interessieren. Wenn hier nochmal gesagt ist, daß diese -Ausführungen keinerlei Stellungnahme beabsichtigen: weder zum Urteil, -noch zur Verhandlungsführung wird die gewählte Darstellung, die sich -übrigens streng an die Berichte hält, sicher zu Mißverständnissen keinen -Anlaß geben. - - - Allgemeines und Einleitendes. - -Bereits erwähnt wurde, daß bei der Auslosung der Schöffen die Anwälte -von ihrem Ablehnungsrecht Gebrauch machten. Wesentliches spielte sich -dabei nicht ab. - -Rechtsanwalt Liebknecht stellt dann einen - - - Antrag der Verteidigung - -„es möchte die Vertagung der Verhandlung beschlossen werden, da es trotz -der zehn Monate langen Voruntersuchung der Verteidigung nicht möglich -war, die Gerichtsakten rechtzeitig einzusehen.“ - -Antrag abgelehnt. - -Rechtsanwalt Dr. Siegfried Weinberg: - -„Ich stelle fest, daß vier der geladenen Zeugen zur Verhandlung nicht -erschienen sind; es handelt sich um die Zeugen Samson, Schreiber, Strolz -und Toifl.“ - -Staatsanwaltschaftsrat Dr. Ortmann: - -„Der Aufenthalt dieser Zeugen war nicht zu ermitteln.“ - -Rechtsanwalt Weinberg: - -„Diese vier Zeugen standen der Voruntersuchung zur Verfügung und haben -die Angeklagten schwer belastende Aussagen gemacht; diese vier Zeugen -sind als Lockspitzel der Polizei tätig gewesen und sollen jetzt nicht zu -erreichen sein?!“ - -Staatsanwalt: - -„Der Auftrag, diese Zeugen zu laden, erging ordnungsgemäß; es wurde -alles versucht, ihrer habhaft zu werden.“ - -Rechtsanwalt S. Weinberg: - -„Der Herr Staatsanwalt hat sich gewiß nicht an die richtigen Herren vom -Polizeipräsidium gewandt.“ - -Staatsanwalt: - -„Ich bitte Sie uns dabei behilflich zu sein!“ - -Rechtsanwalt S. Weinberg: - -„Einen Augenblick! – Ich erkläre: die nicht erschienenen Zeugen Samson -und Strolz sind in die vorliegende Tat als Lockspitzel verwickelt -gewesen; der Zeuge Toifl steht im Verdacht, an der Tat beteiligt gewesen -zu sein und gegen den wichtigsten dieser Belastungszeugen, den -Polizeispitzel Schreiber, besteht begründeter Argwohn, daß er selbst der -Täter sei! Ich verlange, daß alles geschieht, um diese Leute persönlich -vorzuführen! Der Eindruck ihrer Aussagen kann nicht ersetzt werden durch -Verlesung der Protokolle!“ - -Staatsanwalt: - -„Ich wiederhole nochmals, daß alles geschah, um die Zeugen -beizuschaffen. Der Zeuge Schreiber ist Schweizer Staatsangehöriger und -nach Mitteilung der Münchener Polizei von München nach der Schweiz -abgeschoben worden.“ - -Rechtsanwalt S. Weinberg: - -„Die Öffentlichkeit hat ein Interesse daran, daß dieser Mord aufgeklärt -werde. Es muß endlich Schluß werden mit der Tätigkeit privater und -militärischer Spitzelzentralen; es muß Schluß werden mit dem -Agentenwesen der Polizei! Dieser Schreiber hat zur Tat aufgereizt, sie -veranlaßt, vielleicht sie ausgeführt; er hat ausgesagt in der -Voruntersuchung – und jetzt ist er nicht zu ermitteln? Ich behaupte: die -Polizei kann diesen Spitzel nicht finden, weil sie ihn jetzt nicht -finden will! ... Genau, wie im Ledebourprozeß, wo die Zeugen Roland und -Leutnant Bachmann bei den behördlichen Spitzelzentralen ein- und -ausgingen, und dem Gericht nicht erreichbar waren! Wie oft, meine -Herren, wird dieses Spiel sich noch wiederholen? Der Zeuge Schreiber ist -von der Polizei nach der Schweiz gebracht worden, – gut: Im Namen der -Verteidigung stelle ich folgenden - - - Beweisantrag der Verteidigung. - -_Walter Schreiber_ wird als Zeuge bestätigen: - -1. daß er als Lockspitzel militärischer und polizeilicher Stellen tätig -war; - -2. daß er als solcher und im Einverständnis mit seinen Auftraggebern die -Beseitigung des unbequem gewordenen Blau übernommen hatte; - -3. daß er als solcher und im Einverständnis mit seinen Auftraggebern die -Beförderung des Blau nach Magdeburg und Berlin bewerkstelligt hat; - -4. daß er als solcher und im Einverständnis mit seinen Auftraggebern die -Ermordung des Blau betrieben hat, und, daß er selber, nicht aber die -Angeklagten die zur Anklage stehende Tat begangen hat. - -Die genaue Adresse des Schreiber ist bekannt: der schweizerischen -Behörde, sowie dem deutschen Konsulat in Zürich; ferner dem Vorsteher -der politischen und Fahndungsabteilung des Polizeipräsidiums zu München -und der politischen Abteilung des Polizeipräsidiums Berlin: die dies als -Zeugen bestätigen werden.“ - - * * * * * - -Staatsanwaltschaftsrat Dr. Ortmann: - -„Der Untersuchungsrichter hat keinen Anlaß gesehen, gegen die Zeugen -einzuschreiten oder ihre Glaubwürdigkeit zu bezweifeln – und ich stelle -dem Urteile des Gerichts anheim, ob nicht viel eher die Drohungen der -Kommunisten und die Angst vor Terrorakten Ursache sind, daß die Zeugen -ihren Aufenthalt verheimlichen. Aber die Staatsanwaltschaft will alles -tun, diesen Mord aufzuklären: ich werde die von der Verteidigung -genannten Wege beschreiten und nochmals alles versuchen, des Zeugen -Schreiber habhaft zu werden.“ - -Die Entscheidung über den Beweisantrag wird infolgedessen vertagt, – -doch ist es geraten, den weiteren Verlauf gleich hier zu berichten: - -Am zweiten Verhandlungstag teilt der Staatsanwalt mit, daß seine -Recherchen nach Schreiber erfolglos waren; er habe sich sofort an die -Polizeidirektion München gewandt und nochmals die Antwort erhalten: der -Zeuge sei seiner Zeit nach Lindau abgeschoben worden, sein Aufenthalt in -der Schweiz oder sonstwo sei unbekannt. Ebenso sei die telegraphische -Anfrage bei der Polizeidirektion Zürich und dem deutschen -Generalkonsulat Zürich bisher vergeblich gewesen. R.-A. Dr. S. Weinberg -rät, Herrn von Saldersberg von der antibolschewistischen Liga in Berlin -um Auskunft anzugehen. - -Zu Beginn des vierten Verhandlungstages, Montag, 28. Juni, verliest der -Staatsanwalt ein neues Telegramm des deutschen Generalkonsuls in Zürich, -an den er sich gewandt hatte. Das Konsulat teilt mit, daß Walter -Schreiber gefunden sei und sich bereit erklärt habe, unter bestimmten -Voraussetzungen vor Gericht zu erscheinen; er verlange 4000 M., ferner -für jeden Tag Aufenthalt 20 schw. Franken Entschädigung, sowie freie -Fahrt und freie Verpflegung; ferner polizeilichen Schutz während der -Fahrt und vor Gericht, und außerdem Erlaubnis zum Waffentragen. -Schreiber behauptete, die Münchner Polizei sei ihm die 4000 M. noch -schuldig und erst, wenn diese Schuld beglichen sei, sei er zu weiteren -Diensten bereit. - -Rechtsanwalt Th. Liebknecht: - -„Ich muß sagen, daß mir eine derartige Schamlosigkeit noch nicht -begegnet ist; ich finde das Vorgehen dieses Spitzels unerhört; doch -stelle ich es dem Ermessen des Gerichts anheim, ob es auf eine derartige -Erpressung sich einlassen will. Ich betone nur noch, daß dies die Leute -sind, die nach Ansicht des Herrn Staatsanwalts nicht erscheinen aus -Angst vor Terrorakten!“ - -Staatsanwalt: - -„Leider besteht keine gesetzliche Handhabe, den Zeugen hierher zu -schaffen; ich sehe also keinen anderen Weg als auf diese Bedingungen -einzugehen.“ - -Rechtsanwalt S. Weinberg: - -„Ich muß gegen die Zahlung von 4000 M. protestieren; eine derartige -Zahlung wird nie den Verdacht abschütteln können, Bestechungsgeld zu -sein; ich bitte das Gericht dieses Moment nicht zu unterschätzen.“ - -Staatsanwalt: - -„Wenn das Gericht die Zahlung ablehnt, die Staatsanwaltschaft wird -nichts unterlassen, diesen wichtigen Zeugen zur Vernehmung zu bringen! -Dann wird die Staatsanwaltschaft diese Summe von sich aus, aus einem ihr -zur Verfügung stehenden Dispositionsfonds erlegen.“ - -– Das Gericht beschließt nach kurzer Beratung, den Staatsanwalt zu -ermächtigen, den Zeugen zu den geforderten Bedingungen beizubringen; das -Gericht lehnt aber die Zahlung der 4000 M. ab. - -Staatsanwalt: - -„Dann werde ich diese Summe bereitstellen!“ - -Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld: - -„Ich möchte den Herrn Staatsanwalt bitten uns zu verraten, woher er die -4000 M. für den Schreiber nimmt. Nach meiner Kenntnis stehen der -Justizbehörde keine Spitzelfonds zur Verfügung.“ - -Staatsanwalt: - -„Ich verwahre mich gegen den Ausdruck Spitzelfonds. Ich habe keine -Spitzelfonds unter mir; ich schaffe nicht den Spitzel, sondern den -Zeugen Schreiber bei.“ - -Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld: - -„Ich wiederhole meine Frage, aus welchem Fonds die 4000 M. stammen?“ - -Vorsitzender Dr. Joel: - -„Ich bitte die Unterhaltung über diesen Punkt zu schließen!“ - -Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld: - -„Ich behalte mir vor, die Frage nochmal anzuschneiden.“ - -– Drei Tage später, am Donnerstag, dem 1. Juli, liegt ein Telegramm des -deutschen Generalkonsuls Zürich vor: Schreiber werde der Vorladung als -Zeuge nur Folge leisten, wenn er die 4000 M. vor Antritt der Fahrt -ausgehändigt erhalte. - -Rechtsanwalt S. Weinberg: - -„Es dürfte sich empfehlen, dem Schreiber die 4000 M. gleich zu schenken -und auf sein Erscheinen zu verzichten.“ - -Staatsanwalt: - -„Der Staatsanwaltschaft ist nach den vorhergegangenen Ausdrücken an dem -Erscheinen des Zeugen sehr viel gelegen. Ich möchte versuchen, mich -nochmal an das deutsche Konsulat Zürich zu wenden.“ - -Die Antwort lautete: Schreiber sei nur bereit nach Empfang der 4000 M. -auf dem Konsulat in Zürich auszusagen; er käme nicht nach Deutschland. -Weitere Bemühungen waren erfolglos und der Beweisantrag der Verteidigung -wurde, wie am Schluß berichtet wird, schließlich abgelehnt. - -Noch eine Episode ereignete sich, die zur übrigen Verhandlung nicht in -Beziehung steht: am fünften Verhandlungstag, Dienstag, 29. Juni, wurde -der Vertreter der Roten Fahne am Saaleingang angehalten und nach Waffen -durchsucht. Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld bemerkt zur Beschwerde des -betreffenden Herrn, daß nur dieser durchsucht worden sei. Der -Vorsitzende erklärt dazu, daß seine auf Überwachung und Kontrolle des -Zuschauerraumes zielenden Anordnungen dahin zu ändern seien, daß die -Pressevertreter künftighin unbehelligt blieben; die Kontrolle selbst sei -er der Sicherheit der einzelnen Zeugen schuldig. - - - Die Vernehmung des Fichtmann. - – Der Fall Orlowsky. – - -Die Nachmittagssitzung des ersten Verhandlungstages eröffnet die -Vernehmung des Angeklagten Max Fichtmann. Dieser verbüßte damals im -Zuchthause Brandenburg eine langjährige Zuchthausstrafe, die im Oktober -1919 vom außerordentlichen Kriegsgericht wegen versuchter räuberischer -Erpressung und versuchten Mordes an dem Edelsteinhändler Orlowsky -verhängt worden war. - -Rechtsanwalt Dr. S. Weinberg teilt zu dieser Sache mit, daß in dem -Prozesse das Wiederaufnahmeverfahren schwebe (da Berufung gegen das -Urteil des außerordentlichen Kriegsgerichts nicht möglich ist). - -Der Angeklagte erklärt: - -„Ich bin von Beruf Lederarbeiter und betrieb im vergangenen Jahre eine -Schankwirtschaft in der Jüdenstraße. Ich bin Anhänger und Mitglied der -KPD. (Kommunistische Partei Deutschlands); in meinem Lokale verkehrten -viele Genossen, unter ihnen auch der jetzt als Spitzel entlarvte Toifl. -Dieser gebärdete sich stets sehr extrem und propagierte die direkte -Aktion; er hatte an mehreren Unternehmungen Anteil. So führte er einen -Trupp, der in der Nacht vom 31. Juli zum 1. August 1919 am Molkenmarkt -den Diamantenhändler Orlowsky verhaftete; Orlowsky wurde in einen Vorort -verschleppt und um etwa 2000 M. beraubt; auch ein Schuß soll dabei -gefallen sein. Nachher behauptete Toifl, ich hätte den Überfall geleitet -und den Schuß abgegeben; auf sein Zeugnis hin wurde ich vom -Kriegsgericht verurteilt – aber ich fühle mich völlig schuldlos. Vor dem -Kriegsgericht sagte der Oberleutnant Graf Westarp aus, daß er dem Toifl -Auftrag gegeben habe, mich zu überwachen und unschädlich zu machen: -indem er mich in die Sache hineinzog, entledigte Toifl sich dieses -Auftrags. - -„Zum Fall Blau habe ich zu sagen: ich war am Abend des 2. August 1919 im -Lokal von Obst in der Höchster Straße; von da bin ich zwischen 1 und 2 -Uhr direkt nach Hause gegangen und habe mich schlafen gelegt. Von dem -ganzen Hergang in der Großbeerenstraße weiß ich nichts; wenn ich damit -in Verbindung gebracht werde, dürfte eine Personenverwechslung -vorliegen. Ich bin unbeteiligt und bereit mein Alibi zu beweisen.“ – - -Längere Diskussionen entspannen sich, ob das Urteil des -außerordentlichen Kriegsgerichts verlesen werden solle. Der Staatsanwalt -wünschte die Verlesung, da der Inhalt zur Charakterisierung des -Angeklagten beitrage. Die Verteidiger Th. Liebknecht und Dr. S. Weinberg -protestieren mit aller Energie: Das Urteil eines außerordentlichen -Gerichts könne niemals zur Charakterisierung des Betroffenen vor einem -ordentlichen Gerichte dienen; weiterhin sei das Wiederaufnahmeverfahren -eingeleitet: wenn also das Gericht das Urteil zur Verlesung gebracht -haben wolle, müsse mit Billigkeit auch der Antrag auf Wiederaufnahme -diskutiert und das ganze Verfahren neu aufgerollt werden; die -Geschworenen möchten sich doch ihre Ansicht nach dem Verlauf dieses -Prozesses und den Ergebnissen der Beweisaufnahme bilden. - -Daraufhin wurde die Frage zurückgestellt; am darauffolgenden (dritten) -Verhandlungstage wurde das Urteil unter erneutem Protest der -Verteidigung dennoch verlesen. Rechtsanwalt Dr. S. Weinberg gibt den -Geschworenen eine Erläuterung ab, daß das ganze Verfahren sich auf die -Aussage des einen Zeugen Toifl stützte, der nachgewiesenermaßen -Lockspitzel sei, und daß Orlowsky selbst den Fichtmann vor Gericht nicht -habe wiedererkennen und als Täter bezeichnen können. – Die Verteidigung -behält sich vor im Laufe der Verhandlung nochmals auf die Sache Orlowsky -zurückzukommen. - - * * * * * - -Des Zusammenhangs wegen seien gleich einige Zeugen in Sache des -Fichtmann erwähnt: - -Die Mutter des Fichtmann (7. Verhandlungstag): in der fraglichen Zeit -habe ihr Sohn regelmäßig zu Hause geschlafen und sei niemals -ausgeblieben; sie könne daher bezeugen, daß er sowohl in der Nacht des -1. als auch des 2. August zu Hause war. - -Die Zeugen Gastwirtseheleute Obst, Hans Löpert und Marie Schröder sowie -die Schwester des Fichtmann (6. Verhandlungstag) bekunden -übereinstimmend, daß Max Fichtmann am Mordtage des 2. August bis um -Mitternacht im Lokale von Obst war. Der Bruder des Fichtmann fügt noch -hinzu, daß er anschließend mit seinem Bruder und Freunden nach Hause -gegangen und später sich schlafen gelegt habe; eine nachträgliche -Entfernung käme nicht in Betracht, da sie in einem Bette geschlafen -hätten. - -Die Zeugin Fräulein Kuschel (6. Verh.-Tag) war mit Fichtmann näher -befreundet und bezeugt, sowohl am Freitag, dem 1., wie am Sonnabend, dem -2. August 1919, bis spät nacht mit ihm zusammen gewesen zu sein. -Fichtmann könne weder im Fall Orlowsky, noch im Fall Blau als -Beteiligter in Betracht kommen. - -Der Zeuge Worm (6. Verhandlungstag): auch er könne bestätigen, daß Max -Fichtmann am Raubzug gegen Orlowsky nicht beteiligt war; „wir -betrachteten damals den Toifl noch als Genossen und waren häufig mit ihm -zusammen; am fraglichen Tage hat Toifl mich aufgefordert, ich solle bei -dem Unternehmen gegen Orlowsky mitmachen. Aus prinzipiellen Gründen -lehnte ich mit Entschiedenheit ab; und ich kann mit Bestimmtheit -versichern, daß Fichtmann ebenfalls nicht dabei war: er war den ganzen -Abend in seinem Lokal! Der Toifl aber, der Uniformen der Reichswehr und -Stahlhelme besorgt hatte, ist mit einigen anderen losgezogen! ... Vor -dem außerordentlichen Kriegsgericht, das später Fichtmann verurteilte, -bin ich nicht vernommen worden.“ - -Der Vater des Fichtmann bestätigt noch (7. Verhandlungstag), daß Toifl -fortgesetzt agitierte und versuchte, die jungen Leute zu terroristischen -Gewaltakten aufzureizen. - - * * * * * - -Rechtsanwalt Dr. Siegfried Weinberg: - -„Aus verschiedenen Fragen des Herrn Staatsanwalts an diese Zeugen -entnehme ich, daß der Herr Staatsanwalt sich auf Angaben des Toifl -stützt. Da dieser selbst als Zeuge nicht erschienen ist, beantrage ich -die Ladung des Friseurs Julius Meyer, Grüneberger Straße, als Zeugen -über die Glaubwürdigkeit des Toifl.“ - - - Die Vernehmung des Hoppe. - -Auch der Angeklagte Erwin Hoppe macht seine Angaben in freier Rede: - -„Ich bin Handlungsgehilfe; seit meinem 14. Lebensjahr bin ich Mitglied -der Arbeiterjugend: dort habe ich die Lehren des Sozialismus kennen -gelernt. Ich lehne als Mitglied der K. P. D. jede individuelle Gewalt -ab. So war ich auch Gegner des Kriegs und versuchte mich dem -Militärdienste zu entziehen; ich wurde deshalb seiner Zeit auch in -Flensburg verurteilt. - -„Nach meiner Entlassung schloß ich mich der freien sozialistischen -Jugend an, der ich bis heute treu blieb und deren Ziele ich vertrete -...“ - -Vorsitzender: - -„Ist Ihnen bekannt, daß innerhalb der kommunistischen Partei sogenannte -Terroristengruppen bestehen, die ihre politischen Ziele auf gewaltsamem -Wege erreichen wollen?“ - -Hoppe: - -„Mir ist nichts darüber bekannt; ich selbst lehne, wie schon gesagt, -jeden individuellen Terror ab und halte mich von den Propagatoren -desselben fern. - -„An jenem Abend des 1. August war ich in einer Jugendversammlung in der -Weinmeisterstraße; nach deren Schluß ging ich in die Versammlung in der -Mittenwalderstraße, weil ich dort noch Freunde zu treffen hoffte. Als -ich dahin kam, war die Versammlung bereits beendet; ich betrat den Saal, -in dem noch etwa 30 Mann zusammenstanden. Ich trat näher und hörte, daß -die Leute sich lebhaft mit einem der Anwesenden stritten, den sie der -Spitzelei bezichtigten. Es war Blau, von dem ich vorher noch nie gehört -hatte und den ich damals zum ersten Male sah. - -„Die Genossen schienen Beweise in den Händen zu haben und hielten sie -dem Blau vor; dieser bestritt erregt deren Stichhaltigkeit und brachte -Erklärungen vor, die ich im Lärm der Redenden nicht völlig verstehen -konnte. Immer wieder kehrte nur die Behauptung, daß ein Genosse Strolz -ihn legitimieren würde und, daß er verlange, daß dieser Strolz sofort -geholt würde.“ - -Rechtsanwalt Th. Liebknecht: - -„Dieser Strolz wurde später als Spitzel erkannt; er steht auf der -Zeugenliste, ist aber heute nicht auffindbar!“ - -Hoppe: - -„Ein mir unbekannter Genosse erbot sich den Strolz zu holen; da er einen -Begleiter wünschte und sonst niemand Lust zu haben schien, schloß ich -mich ihm an.“ - -Rechtsanwalt Th. Liebknecht: - -„Auch dieser Genosse wurde später als Spitzel entlarvt!“ - -Hoppe: - -„Da der Saal geschlossen wurde, verließen alle das Haus. Die anderen -Genossen mit Blau bewegten sich in der Richtung zum Kreuzberg; ich und -der dazu bestimmte Genosse, wir nahmen ein Auto und fuhren ab. Am -Kreuzberg wollten wir uns wieder treffen. - -„Wir beide fuhren nach der Pariser Straße in Wilmersdorf; dort hielt der -Wagen und der Genosse stieg aus, während ich im Auto warten sollte.“ - -Rechtsanwalt Dr. S. Weinberg: - -„Wie lange blieb Ihr Begleiter aus?“ - -Hoppe: - -„Vielleicht zehn Minuten.“ - -Rechtsanwalt Dr. Weinberg: - -„Ich bemerke, daß von der Pariser Straße aus das berüchtigte Spitzelbüro -in der Lietzenburger Straße, das damalige Hauptquartier des Freikorps -Lüttwitz, der Garde-Kavallerie-Schützendivision usw., mit wenigen -Schritten zu erreichen ist. Ich vermute infolgedessen, daß der -Unbekannte dort vorsprach, Meldung machte, oder sich Weisungen holte ... -Herr Hoppe, wurde Ihnen eine Adresse des Strolz gesagt?“ - -Hoppe: - -„Nein. Der Genosse kam zurück und sagte, daß er den Strolz nicht -getroffen hätte. Wir fuhren dann zum Kreuzberg zurück, wo ein Teil der -anderen mit Blau wartete. - -„Für die Mehrheit der Genossen stand fest, daß Blau ein Spitzel war; -andere zweifelten. Blau selbst verlangte Gelegenheit, sich zu -rechtfertigen. Einer machte den Vorschlag, den Blau sofort auf dem -Tempelhofer Feld zu erschießen, was aber von den übrigen abgelehnt -wurde. Da es jedoch zu Gegenüberstellungen usw. zu spät war, beschloß -man zum anderen Tag zu warten; Blau war einverstanden, in der Wohnung -des anwesenden Genossen Pohl in der Gneisenaustraße zu übernachten.“ - -Vorsitzender: - -„Wurde dabei Gewalt angewandt?“ - -Hoppe: - -„Im Gegenteil; Blau war sehr damit einverstanden, da er sowieso kein -Quartier hatte. – In der Wohnung blieben die Eheleute Pohl, Geißler und -Blau.“ - -Staatsanwalt: - -„Sie kamen doch nur zufällig in die Mittenwalder Straße; wie kamen Sie -dazu, den Blau zu bewachen?“ - -Hoppe: - -„Es war schon spät und ich dachte mir, daß durch einen Anwesenden mehr -eine unüberlegte Tat vermieden werden könne.“ - -Vorsitzender: - -„Und wo war der Mann, mit dem Sie im Auto fuhren?“ - -Hoppe: - -„Darüber weiß ich nichts. – Am anderen Tag kam ein Mann, der sich als -Genosse vorstellte; dieser sagte, daß man den Strolz noch nicht erreicht -hätte und deshalb noch warten solle. Als ich mit ihm allein auf dem Flur -stand, sagte er zu mir, indem er mir ein gefülltes Fläschchen in die -Hand drückte: Blau sei doch ein Spitzel und es habe keinen Sinn, mit ihm -soviel Federlesens zu machen; in dem Fläschchen sei _Morphium_ und er -rate mir, möglichst gleich Schluß zu machen. Ich verweigerte die Annahme -des Giftes und lehnte den Gedanken an Mord entschieden ab. - -„Wir warteten den ganzen Tag auf Strolz und die Eheleute Pohl fingen an -ungeduldig zu werden. Ich ging infolgedessen zu meinem Freunde Winkler, -um ihn für die nächste Nacht um die Wohnung seiner Eltern zu ersuchen. -Denn ich wußte, daß die Eltern auf ihrem Laubengrundstück weilten. Ich -sagte dem Winkler, daß ich die Wohnung zu einer Sitzung brauche; er -willigte ein. - -„Geißler war im Laufe des Tages fortgegangen. Gegen Abend gingen Pohl, -Blau und ich nach der Großbeerenstraße, wo uns, wie es zwischen Winkler -und mir verabredet war, ein mir nur mit dem Vornamen Franz bekannter -Mann mit den Schlüsseln zur Wohnung erwartete. Pohl verabschiedete sich, -wir andern drei gingen hinauf.“ - -Vorsitzender: - -„Warum eigentlich hielten Sie den Blau zurück? Nur um ihn dem Strolz -gegenüberzustellen?“ - -Hoppe: - -„Jawohl. Und: falls er ein Spitzel war, um ihn dann zu photographieren.“ - -Rechtsanwalt Dr. S. Weinberg: - -„Es ist bei allen politischen Parteien üblich, sich in den Besitz -solcher Photographien zu setzen; bei der sozialdemokratischen Partei z. -B. war der gewesene Polizeipräsident Eugen _Ernst_ früher einmal -Spezialist für Spitzelphotographien.“ - -Vorsitzender (zu Hoppe): - -„Sie sagten doch, die Mehrzahl der Genossen war schon in der Versammlung -von Blaus Spitzeltum überzeugt?“ - -Hoppe: - -„Jawohl, aber Blau versuchte dauernd alles zu erklären. Er gestand -offen, daß er von der antibolschewistischen Liga den Auftrag hatte, in -München die Kommunisten zu bespitzeln; aber er erzählte, er habe die -Liga betrogen und nur im Interesse der Kommunisten gearbeitet; auch -weiterhin wolle er nur für die Kommunisten arbeiten, von deren Sache er -überzeugt sei; Strolz könne das bestätigen. Ich konnte ihm diese -Erzählungen auch nicht nachprüfen, da ich ja nichts von ihm wußte.“ - -Vorsitzender: - -„Hielten Sie persönlich den Blau für einen Spitzel?“ - -Hoppe: - -„Ich hielt ihn jedenfalls für solcher Tätigkeit fähig; Beweise hatte ich -nicht. Auch sah ich es nicht für meine Aufgabe an, den Blau zu -vernehmen. – Wir drei gingen also in die Winkler’sche Wohnung, wo nach -etwa einer Stunde drei Männer erschienen, die keinen guten Eindruck auf -mich machten.“ - -Staatsanwalt: - -„Wo kamen die Männer her?“ - -Hoppe: - -„Das weiß ich nicht, ich kannte sie auch nicht. Die ganze Angelegenheit -des Blau war nicht so verborgen, daß nicht mancher darum wissen konnte. -– Die drei Leute benahmen sich ziemlich grob und besonders der größte -von ihnen machte mir beinahe Vorwürfe, daß wir den Blau noch nicht -erledigt hätten. Er bot mir einen _Strick_ und dasselbe Fläschchen -_Morphium_ an, das mir der andere Unbekannte schon am Vormittag geben -wollte. Ich nehme also an, daß diese Leute miteinander in Beziehung -standen. Ich lehnte abermals auf das Entschiedenste ab und verlangte die -Gegenüberstellung mit Strolz; aber die Leute machten sich in der Wohnung -breit und schienen mit der Absicht gekommen, die Tat auszuführen. Da ich -keine Möglichkeit sah, mich ihnen zu widersetzen und andererseits mit -ihnen nichts zu tun haben wollte, zog ich es vor, die Wohnung zu -verlassen.“ - -Staatsanwalt: - -„Warum gingen Sie nicht zur Polizei?“ - -Hoppe: - -„In unseren Kreisen denkt man nicht an die Polizei als Hilfe. – Ich ging -also nach Hause um mich schlafen zu legen. Aber die Sache beunruhigte -mich; auch ängstigte es mich, in der mir anvertrauten Winkler’schen -Wohnung Fremde allein gelassen zu haben: nach einer Stunde zog ich mich -wieder an und ging in die Großbeerenstraße zurück. Ich stand einige Zeit -vor dem Hause und überlegte mir, was ich tun solle, als ich den Großen -und einen Begleiter aus dem Tor treten sah. Ich ging auf sie zu und -hörte ‚sie seien oben fertig; gleich kämen die anderen mit der Leiche -herunter‘. Ich erschrak. Aber gleich kamen Franz und der dritte mit dem -in eine Decke gehüllten Körper Blaus, der zuerst in einem Hausflur -niedergelegt wurde. Nun traten noch andere hinzu, die da waren, und von -der Anwesenheit des Blau wußten; unter ihnen Acosta, Pohl und Schröder. -Dem letzteren, der sehr kräftig ist, wurde die Leiche aufgebürdet. Von -der naheliegenden Brücke wurde sie in den Kanal geworfen. - -„Nachher zerstreuten sich alle. Pohl, Franz und ich gingen zusammen und -Franz erzählte den Vorgang: sie hatten Wein geholt und mit Blau Wein -getrunken, ihm aber das Gift hineingetan. Als er davon betäubt war, -hatten sie ihm die Schlinge um den Hals gelegt und ihn erdrosselt.“ - -Vorsitzender: - -„Wurde erzählt, wer den Wein holte, wer die Schlinge zuzog?“ - -Hoppe: - -„Nein.“ - -Vorsitzender: - -„Sie waren demnach nicht bei der Tat zugegen und hatten nichts damit zu -tun?“ - -Hoppe: - -„Ich hatte nichts damit zu tun.“ - - * * * * * - -Der in der Anklageschrift enthaltene Kassiber des Hoppe an Winkler kommt -zur Verlesung. Dazu gibt Hoppe auf Befragen des Vorsitzenden an, er habe -den Kassiber geschrieben, um dem Winkler die Ereignisse ins Gedächtnis -zu rufen; außerdem habe ihn die nervöse Spannung der Haft zu diesem -Mittel getrieben. Jedenfalls habe ihm eine Beeinflussung des Winkler -ferngelegen; eher habe er versucht, den Winkler vor Schaden zu bewahren, -denn: indem er ihm mitteilte, daß er selbst alles gestanden habe, enthob -er den Freund der Rücksicht auf ihn und damit der Gefahr, durch -nutzloses Schweigen sich selbst zu schädigen. - -Der Vorsitzende befragt Hoppe, ob er sich mit Hypnose und ähnlichen -Fragen beschäftigt habe. Hoppe bejaht: er sei mehrere Male von einem -seiner Bekannten in Hypnose versetzt worden und habe sich zu diesen -Versuchen sehr geeignet erwiesen. Einmal habe er in diesem Zustande eine -Rede als Ministerpräsident Scheidemann gehalten, ein anderes Mal eine -Debatte als Reichswehrminister Noske geführt. - -Die Sachverständigen Dr. Kronfeld, Gefängnisarzt Dr. Hirsch und -Sanitätsrat Dr. Lehnsen stellen an den Angeklagten eine Reihe von Fragen -über sein Verhalten und seine Handlungen im hypnotischen Zustand und -erklären dazu (am 7. Verhandlungstag): - -Dr. Kronfeld: er habe den Angeklagten Hoppe mehrfach und eingehend -untersucht und eine gesteigerte Suggestibilität zweifelsfrei -festgestellt. Eine zur Verblödung neigende Geisteskrankheit oder -sonstige die Verantwortlichkeit des Individuum aufhebende Störungen habe -er nicht gefunden; also könne er die Anwendung des § 51 des Str.G.B. -nicht befürworten. Dagegen berechtige ihn seine weitgehende Erfahrung -mit hypnotischen Fragen und deren Grenzgebieten zu dem Ergebnis, daß bei -sehr suggestiblen Personen Situationen eintreten können, in denen Kritik -und Überlegung weitgehend ausgeschaltet sind. Besonders leicht träte -dieser Fall dann ein, wenn die Suggestion in einer Richtung stattfinde, -die dem Interessengebiet des Individuums parallel läuft oder sich mit -ihm deckt. In diesem Fall also in der Richtung der Ziele der -Arbeiterbewegung. Er müsse demnach dem Angeklagten eine verminderte -Zurechnungsfähigkeit zuerkennen und diese darin erblicken, daß dem -Angeklagten infolge seiner Suggestibilität und unter dem Einfluß seiner -Umgebung freie Besinnung sowohl als freie Bestimmung über seine -Handlungen in sehr erheblichem Maße gefehlt habe. – Bezüglich des -Angeklagten Fichtmann kam Dr. Kronfeld zum Ergebnis, daß dieser infolge -nachweisbarer erblicher Belastung in physischer und psychischer Hinsicht -als degeneriert, aber nicht als unzurechnungsfähig anzusehen sei. - -Gefängnisarzt Dr. Hirsch sowie der Gerichtsarzt Dr. Strauch -widersprachen (am 8. Verhandlungstag) diesem Gutachten: die -Suggestibilität des Hoppe sowie die erbliche Belastung des Fichtmann -könnten zwar zugegeben werden; aber sie seien nicht so bedeutend, daß -man eine Störung der Persönlichkeit anzunehmen brauche. Nach dem -Ergebnisse ihrer Untersuchung hielten sie beide Angeklagte für -zurechnungsfähig im Sinne des Gesetzes und könnten bei Bejahung der -Schuldfragen eine zu berücksichtigende Beschränkung der Willensfreiheit -nicht zuerkennen. - -Auch Dr. Lehnsen kann dem Fichtmann den § 51 Str.G.B. nicht zubilligen. -Über Hoppe sagt er aus, nachdem er einen von diesem geschriebenen -Lebenslauf verlesen hat: Hoppes Denkablauf und Darstellungsmöglichkeiten -seien völlig klar und absolut logisch. Er könne aus seiner alten -praktischen Erfahrung aus dieser und seinen sonstigen Beobachtungen auf -einen klaren, überlegten und eher energischen Menschen schließen: und es -sei gar nicht erwiesen, daß ein hypnotisch leicht zu beeinflussender -Mensch auch im täglichen Leben leicht zu beeinflussen sei. Das seien -zweierlei Dinge, und, nachdem im Fall Blau weder eine Affekthandlung -noch eine Massenpsychose vorliege, müsse er nach seinem Augenschein -urteilen: „Ich kann nicht zugeben, daß hier eine Willensbeschränkung -vorliegt!“ - - * * * * * - -Die Eltern des Hoppe sagen übereinstimmend aus (6. Verhandlungstag), ihr -Sohn sei immer gutartig, leicht lenkbar und weichherzig gewesen. In -seiner Kindheit habe er öfter an Ohnmachtsanfällen gelitten und es sei -wohl möglich, daß seine Gesundheit im Grunde weniger kräftig und weniger -widerstandsfähig sei, als es den Anschein erwecke. Irgendwelche Neigung -zu Gewalttätigkeit oder zu Härte hätten sie niemals feststellen können, -eher sei Gutmütigkeit und Freundlichkeit der Grundzug seines Wesens. - -Ähnlich äußern sich die Zeugen Heilmann, Hopfe und Holland, die den -Angeklagten seit langem kennen und seine Freunde sind. Sie halten es für -ausgeschlossen, daß Hoppe irgend jemandem etwas zuleide täte; sie waren -Zeugen der mit ihm vorgenommenen hypnotischen Experimente und bestätigen -seine Aussagen darüber. Sie glauben aber, daß ihr Freund vielleicht -infolge dieser Veranlagung ein unschwer zu beeinflussender Mensch ist. - -Lazarettdirektor Richter hatte den Hoppe mehrere Monate als Kranken in -seinem Lazarett. Da er hörte, daß der junge Mann Kommunist sei, habe er -sich selbst an Hoppe gewandt, ihn beobachtet und sich eingehend mit ihm -unterhalten. Er habe aber sofort feststellen können, daß er einen guten, -weichherzigen Menschen vor sich habe – und auch späterhin dieses Urteil -nur bestätigt gefunden: Hoppe übte auf seine Kameraden den günstigsten -Einfluß und auch die Wärter waren mit ihm sehr zufrieden, äußerten sich -sogar sehr anerkennend. Er persönlich traue dem Hoppe nicht zu, daß er -sich an einer Gewalttat beteiligt habe. Er betone übrigens, daß er -selbst Angehöriger der deutschen Volkspartei sei (7. Verhandlungstag). - -Der Zeuge Ernst Fothenhauer ist der Mann, der den Hoppe hypnotisiert -hat. Er erzählt (4. Verhandlungstag) die schon bekannten Umstände und -kommt zu dem Schluß, daß Hoppe sehr wohl unter dem Einfluß Anderer Dinge -verrichten könne, für die er nicht verantwortlich ist. - - - Die Vernehmung des Winkler. - -Als letzter Angeklagter wird der Schneider Willi Winkler vernommen. Er -sagt am 2. Verhandlungstage aus: - -„Ich habe mich mit vierzehn Jahren der Arbeiterjugend angeschlossen und -dort meinen Freund Hoppe kennen gelernt. - -„Ich bin Gegner der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, weil ich sie -für ungerecht halte; ich bin überzeugt, daß die Zeit des Kapitalismus -abgelöst wird durch ein den Bedürfnissen besser angemessenes System: in -diesem Sinne bin ich Anhänger der kommunistischen Weltanschauung, ohne -indes einer bestimmten Partei anzugehören. Auch bin ich kein Anhänger -der Propaganda der Tat. - -„Zur Sache selbst erkläre ich: ich habe die Wohnung meiner Eltern meinem -Freund Hoppe zu einer Sitzung zur Verfügung gestellt. Ich nahm an, daß -es eine Besprechung sei, an der Führer teilnähmen, die illegal lebten -und gezwungen seien, sich zu verbergen. Infolgedessen drang ich nicht in -meinen Freund um Details, sondern übergab die Schlüssel und ging für die -Nacht zu einem Bekannten; am anderen Morgen fuhr ich nach Treptow zu -meinen Eltern, die dort ein Laubengrundstück besitzen. - -„Erst später hat mir Hoppe erzählt, was sich in der Wohnung zugetragen -hat.“ - - * * * * * - -Damit ist die Vernehmung der Angeklagten beendigt. Es folgen noch eine -Reihe von Fragen, durch die einzelne Kleinigkeiten des bisher -Geschilderten klargestellt werden – ohne wesentlich Interessierendes zu -bringen. - - - Blau. - -In den bisherigen Seiten kamen die Angeklagten zu Wort und ihre -Leumunds- und Entlastungszeugen. Nicht alles ist klargestellt und in -vielem hat es den Eindruck, daß die Angeklagten entweder selbst nichts -wissen oder verschweigen. Aber der Verlauf der Verhandlung, statt zu -erhellen, wird immer dunkler: um einigermaßen Übersicht zu erhalten, ist -es nötig, Einiges über die unklare Persönlichkeit des Blau -vorauszuschicken. - -Kriminalkommissar Dr. Riemann (3. Verhandlungstag): Blau war Agent der -antibolschewistischen Liga und war besonders innerhalb der -kommunistischen Partei tätig. In seinem nachgelassenen Gepäck wurden -noch Berichte an die Liga gefunden. - -Zeuge Blumenfeld, seinerzeit Leiter der Rechtsschutzstelle der -Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei in München (4. -Verhandlungstag): daß Blau sich als politischer Flüchtling an ihn -gewandt und um Unterstützung gebeten habe; auch mehrfach solche erhalten -habe. - -Kriminalkommissar Trettin (3. Verhandlungstag): bei der Münchener -Polizei war bekannt, daß Blau ein Doppelspiel treibt und auch den -Kommunisten Material liefert; er wurde deshalb am 2. Juli 1919 aus -München ausgewiesen und begab sich um Hilfe zur Rechtsschutzstelle der -U. S. P. D. Dort nahm sich Herm seiner an und brachte ihn in ein -Krankenhaus, bezahlte auch seine Rechnung. - -Rechtsanwalt Dr. Siegfried Weinberg stellte aus den Gerichtsakten -folgendes fest (5. Verhandlungstag): - -Blau war während der Januarkämpfe 1919 Kommandant der revolutionären -Besetzung der Büxenstein’schen Druckerei in Berlin und forderte die -Arbeiter, auf „bis zum letzten Blutstropfen gegen die Regierungstruppen -zu kämpfen“. Während der Erstürmung des Gebäudes verschwand Blau unter -Mitnahme von 4000 M. Löhnungsgeldern. – In den Gerichtsakten ist Blau -als Rädelsführer bezeichnet; er war „nicht auffindbar“; Anklage wurde -nicht erhoben; - -Blau beschlagnahmte im Januar 1919 ein Auto des Berliner Magistrats; - -Blau versuchte von einer militärischen Nachrichtenstelle 500 M. zu -erpressen, indem er mit dem Gericht drohte; - -Blau bezog für seine Spitzeltätigkeit von der „Eisernen Schar“ ein -Monatsgehalt von 530 M. - -Der Vorsitzende erklärt, daß dies den Tatsachen entspricht. - -Und endlich Kriminalkommissar Dr. Trettin (5. Verhandlungstag): „_Blau -war ein Lump; das steht wohl fest._“ - - * * * * * - -Die Nachprüfung dieser und die Erbringung weiterer Beiträge zur -Charakteristik und Vergangenheit des Blau wurde vom Gericht abgelehnt, -da sie für die Beurteilung der Schuldfragen nicht in Betracht kämen. In -den Plädoyers findet sich noch einiges hierüber. - - - Die Tat. - – Zeugen und Kriminalbeamte. – - Der Spitzel Schreiber. - -Die ersten Spuren, welche die Polizei im Falle Blau auffand, wiesen nach -München; zu ihrer Aufhellung wurde Kriminalkommissar Trettin dorthin -gesandt. Dessen Aussage lautete (3. Verhandlungstag): - -„Ich suchte in München nach dem Agenten Schreiber, der mir von Berlin -als Gewährsmann genannt war. Ich fand ihn in der Polizeidirektion in -Schutzhaft.“ - -R.-A. Th. Liebknecht: - -„Darf ich fragen in welcher Angelegenheit?“ - -Kr.-K. Trettin: - -„Es handelte sich um einen _Mord_ in einem Walde bei München –“ - -Der Zeuge erzählt, was ihm von dieser Sache in Erinnerung ist. - -R.-A. Th. Liebknecht: - -„Ich bitte zu beachten, daß die Technik dieses Mordes genau der des -Überfalls des Spitzels Toifl auf Orlowsky entspricht!“ - -Kr.-K. Trettin: - -„Dem Schreiber war der Spitzel Blau bekannt; ebenso der Polizeidirektion -München, die auch wußte, daß Blau ein Doppelspiel trieb – indem er -beiden Seiten Material verkaufte. Aus diesem Grunde wurde Blau auch in -Schutzhaft genommen.“ - -R.-A. Dr. Rosenfeld: - -„Geschah dies nicht eher, um politische Gefangene zu bespitzeln?“ - -Kr.-K. Trettin: - -„Blau war ja als unzuverlässig bekannt! Er wurde am 2. Juli 1919 mit -Ausweisungsbefehl aus der Haft entlassen. – In meinen weiteren Angaben -folge ich den Aufklärungen, die mir Schreiber gab, und betone, daß -Schreiber mir einen glaubwürdigen Eindruck machte. - -„Blau begab sich zur Rechtsschutzstelle der U. S. P. D. in München, die -damals von dem Studenten Blumenfeld geleitet wurde. Dieser war selbst -Terrorist und Schreiber erzählte mir den Hergang einer Vereidigung in -der Wohnung des Blumenfeld, an der er selbst teilnahm. - -„Dabei waren acht Genossen in einem dunklen Raume versammelt; auf dem -Tisch stand eine Schale mit rötlicher Flüssigkeit, die, angezündet, das -Zimmer mit magischem Licht schwach erhellte. Nach einleitenden Fragen -und Erklärungen wurde auf diese Formel vereidigt: „Ich schwöre der -kommunistischen Partei Treue und schwöre, in Not und Gefahr nicht vom -Platze zu weichen.“ - -Zeuge Blumenfeld (4. Verhandlungstag): - -„Ohne auf eine Kritik der geschilderten Formalitäten einzugehen, möchte -ich betonen, daß ich Mitglied der Unabhängigen sozialdemokratischen -Partei bin und nicht wüßte, wieso ich jemanden auf die kommunistische -Lehre und Praxis vereidigen sollte!“ - -R.-A. S. Weinberg (zu Trettin): - -„Ist das die Glaubwürdigkeit Ihres Gewährsmannes?“ - -Kr.-K. Trettin: - -„Soweit ich Schreibers Angaben nachprüfen konnte, erwiesen sie sich als -richtig. – In der Rechtsschutzstelle der U. S. P. D. wurde Blau -unterstützt. Von Herm, den er dort kennen lernte, wurde er sogar in -einem Krankenhaus untergebracht; seine dortige Rechnung bezahlte Herm.“ - -Vorsitzender: - -„Das scheint nicht dafür zu sprechen, daß Blau als Spitzel erkannt war?“ - -Kr.-K. Trettin: - -„Anfänglich war er es auch nicht. – Am 29. Juli reisten Blau, Herm, -Schreiber und ein gewisser Schuster nach Leipzig: im Laufe der Fahrt -teilte Herm dem Schreiber mit, daß Blau ermordet werden solle.“ - -Zeuge Blumenfeld (4. Verhandlungstag): - -„Ich kann dazu Näheres sagen: Beide, sowohl Blau wie Schreiber, wandten -sich an die Rechtsschutzstelle um Unterstützung und erhielten auch -Geld.“ - - [Illustration: Der den Geschworenen vorgelegte Lageplan.] - -Vorsitzender: - -„Im Kassenausweis der Rechtsschutzstelle sind mehrere Beträge (30, 40 -und 250 M.) als ‚in Sachen Blau‘ aufgeführt; sind das die -Unterstützungsgelder?“ - -Zeuge Blumenfeld: - -„Ja. – Schreiber ersuchte uns, ihm Arbeit zu verschaffen und Herm wollte -das in seiner Heimat Hötensleben versuchen: das war der Anlaß der Reise! -Blau bot sich dem Herm als Spitzel an; ich habe dann selbst mit Blau -gesprochen, doch ohne Erfolg. Ich konnte nichts von ihm erfahren. Später -klammerte sich Blau an Herm und wollte von ihm nach Berlin mitgenommen -werden; Herm klagte mir, daß er ihn nicht los werden könne. In der Nacht -vor seiner Abreise schlief Blau bei mir: von einem Mordplan gegen ihn -ist mir nichts bekannt.“ - -Staatsanwalt: - -„Warum sollte Blau nach Berlin gewollt haben?“ - -Zeuge Blumenfeld: - -„Ich weiß es nicht. – Heute bin ich geneigt anzunehmen: weil er in -München unmöglich war! Er bekam von seinen Auftraggebern keine -Unterstützungen mehr, ihm fehlten die Mittel, allein zu reisen.“ - -– Der Staatsanwalt beantragt, den Zeugen Blumenfeld wegen Verdacht der -Teilnahme am Mord nicht zu vereidigen. Das Gericht beschließt, die -Vereidigung vorläufig bis zur Gegenüberstellung mit Schreiber -auszusetzen (4. Verhandlungstag). – - -Kr.-K. Trettin: - -„Blau, Herm, Schreiber und Schuster kamen am 30. Juli in Leipzig an.“ - -Vorsitzender: - -„Am 30. Juli wurde in Leipzig ein _Brief an das „Berliner Tageblatt“_ -aufgegeben, in dem die Ermordung des Blau angekündigt wurde. Von wem -stammt dieser Brief?“ - -Kr.-K. Trettin: - -„Das ließ sich nicht mit Bestimmtheit sagen; wahrscheinlich von -Schuster.“ - -R.-A. Dr. Rosenfeld: - -„Nicht von Schreiber?“ - -Kr.-K. Trettin: - -„Schreiber wußte nichts von dem Briefe und leugnete, ihn geschrieben zu -haben. Von Leipzig wurde nach Magdeburg gefahren, wobei Schreiber den -Blau warnte. Diese Warnung scheint Blau nicht ernst genommen zu haben. -In Magdeburg trennten sich die vier: Herm und Schuster fuhren ab und -ließen Blau und Schreiber allein.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Das spricht nicht sehr für einen Mordplan, daß man das Opfer allein -läßt! Außerdem: da Schreiber nach seinen eigenen Angaben von einem -Mordplan wissen wollte: jetzt, wo er allein mit Blau war, hätte er ihn -doch verhindern können?“ - -Vorsitzender: - -„Auch ich finde die Aussage des Schreiber in diesem Punkte psychologisch -recht unwahrscheinlich!“ - -R.-A. Th. Liebknecht: - -„Bestand etwa eine persönliche Feindschaft zwischen Schreiber und Blau.“ - -Kr.-K. Trettin: - -„Mir ist nichts darüber bekannt.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„In den Akten befindet sich ein Brief des Blau an die -antibolschewistische Liga, worin _Blau den Schreiber als Spartakisten -denunziert_. Hat vielleicht Schreiber von dieser Absicht des Blau -gewußt?“ - -Kr.-K. Trettin: - -„Mir ist nichts darüber bekannt.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg (zu Kr.-K. Trettin): - -„Und was sagen Sie zu diesem Brief des Blau?“ - -Kr.-K. Trettin: - -„Es kommt vor, daß die Spitzel gegenseitig versuchen, sich der -Konkurrenz zu entledigen. Man muß immer vorsichtig mit ihren Angaben -sein. – Ich fahre fort mit der Erzählung des Schreiber: - -„Herm und Blau hatten verabredet, sich am 31. Juli am Bahnhof Halle zu -treffen. Schreiber selbst trennte sich von Blau und kam am 31. nach -Hötensleben, wo er sich zu den Eltern des Herm begab. Herm traf am 2. -August allein in Hötensleben ein und erzählte, er käme aus Berlin und -für Blau sei gesorgt. - -„Am 3. August schrieb Herm einen Brief an die Frau Kaltenhauser in -München und gab ihn dem Schreiber zur Beförderung. Indem er ein leeres -Kouvert aufgab und die Einschreibequittung als Beleg vorzeigte, -unterschlug Schreiber den Brief und sandte ihn an die Fahndungsabteilung -München ein.“ - -– Der Wortlaut dieses Briefes ist in der Anklageschrift enthalten; er -wird zur Verlesung gebracht. Rechtsanwalt Dr. S. Weinberg weist darauf -hin, daß der Name der Kaltenhauser, die Herms Quartierwirtin war, falsch -geschrieben sei – was wohl erwägen lasse, ob nicht der ganze Brief eine -Fälschung des Schreiber sei. - -Die beiden Zeugen Vater und Bruder des Herm erklären übereinstimmend, -daß der Verlauf in Hötensleben gerade umgekehrt gewesen sei: - -„Herm traf am 1. August in Hötensleben ein, – was leicht festzustellen -ist, da er sich sofort persönlich beim Gemeindeamt meldete. Aber -Schreiber kam erst drei bis vier Tage später!“ - -Trotzdem beide Zeugen (wegen ihrer Verwandtschaft mit dem beschuldigten -Herm) nicht vereidigt zu werden brauchen, verlangen sie, ihre Aussage -eidlich zu erhärten. - -Kr.-K. Trettin (hierüber befragt): - -„Ich kann hier nur die Aussagen des Schreiber wiederholen und angeben, -daß diese der Polizei die Aufklärung des Mordes ermöglicht haben. – Als -der Tod des Blau in den Zeitungen stand, wurde Herm sehr erregt und -sprach sofort von Mord. Er bat den Schreiber, ihn doch nicht zu verraten -und fuhr mit ihm nach Magdeburg zu dem Parteisekretär der U. S. P. D. -Peters; dort verlangte Herm, daß die Aufzeichnungen über Blau vor seinen -Augen vernichtet würden, was auch geschah.“ - -Der Zeuge Peters erklärt (am 4. Verhandlungstag) diesen Bericht des -Schreiber für erlogen: er habe niemals Aufzeichnungen über Blau oder -einen Mordplan gegen ihn besessen, sie also auch nicht vernichten -können. Herm sei mit Schreiber bei ihm gewesen und habe ihm den -Schreiber als Flüchtling vorgestellt; dieser habe auch 10 M. aus der -Unterstützungskasse erhalten. Andere Beziehung habe er zu der ganzen -Angelegenheit nie gehabt. – Trotz Widerspruchs des Staatsanwalts -beschließt das Gericht nach kurzer Beratung, diesen Zeugen zu -vereidigen. - -Kr.-K. Trettin: - -„Herm war wegen der Blau-Affäre dauernd beunruhigt und reiste nach -einigen Tagen nach München ab. Schreiber blieb noch – und machte mir -über seine eigene Abreise aus Hötensleben Angaben, die allerdings sehr -unglaubwürdig sind. Er erzählte, daß er befürchtete, Herm würde in -München die Briefunterschlagung erfahren; infolgedessen fühlte er sich -nicht mehr sicher; ehe er sich aber entfernen konnte, wurde er von -Freunden des Herm aufgespürt; diese Freunde waren anscheinend von -München (Herm) aus auf ihn gehetzt und nur durch eine überstürzte und -wilde Flucht gelang es ihm, sich vor den ihn verfolgenden und aus -Revolvern auf ihn schießenden Gegnern zu retten.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Phantasie hat dieser Spitzel!“ - -Die Zeugin Frau Baumeister aus München erklärt (4. Verhandlungstag): -Herm habe ihr den Blau als Spitzel bezeichnet; er habe ihr nach seiner -Rückkehr nach München auch von der Ermordung Blaus erzählt; sie habe -aber nicht den Eindruck gehabt, daß Herm der Mörder sei. In der weiteren -Diskussion über von ihr gehörte Redewendungen anderer Münchner Genossen -verwickelt sie sich zu ihren Angaben in der Voruntersuchung in -Widersprüche, die sie mit ihrer Erregung erklärt. - -Der nächste Zeuge ist Kriminalkommissar Maslack (3. und 4. -Verhandlungstag). - -Staatsanwalt: - -„Sie stehen im Dienst der politischen Abteilung der Polizei?“ - -Kr.-K. Maslack: - -„Ja.“ - -R.-A. Dr. Rosenfeld: - -„Nach den bisherigen offiziellen Angaben soll doch eine sogenannte -politische Abteilung nicht mehr bestehen?“ - -Kr.-K. Maslack: - -„Die frühere politische Abteilung ist aufgelöst.“ - -R.-A. Dr. Rosenfeld: - -„Aber Ihre Abteilung bearbeitet doch den politischen Teil?“ - -Kr.-K. Maslack: - -„Es handelt sich hier um die Abteilung I A, die frühere Abteilung VII; -diese Abteilung hat den inoffiziellen Namen ‚politische Abteilung‘.“ - -R.-A. Dr. Rosenfeld: - -„So, so –“ - -Vorsitzender (zu Kr.-K. Maslack): - -„Können Sie auf Grund Ihrer Kenntnis der Dinge die Garantie übernehmen, -daß der Spitzel Schreiber, falls er vor Gericht erscheint, nicht von -kommunistischer Seite gefährdet wird?“ - -Kr.-K. Maslack: - -„Die Kriminalpolizei kann nur das Menschenmögliche tun.“ - -R.-A. Th. Liebknecht: - -„Diese Garantie – was kommunistische Angriffe betrifft – übernehme ich.“ - -Kr.-K. Maslack berichtet dann über die Nachforschungen, die er gemeinsam -mit Schreiber in Magdeburg, Hötensleben und anderen Orten anstellte. - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Das war nach den Aufklärungen, die Schreiber dem Kriminalkommissar -Trettin gegeben hatte?“ - -Kr.-K. Maslack: - -„Ja.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Schreiber war also inzwischen aus der ‚Schutzhaft‘ wegen der vorhin -erwähnten Mordsache entlassen?“ - -Kr.-K. Maslack: - -„Ja.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„So, so –“ - -Der Zeuge Maslack berichtet dann, daß die von ihm erzielten Ergebnisse -im wesentlichen die Angaben des Schreiber bestätigt haben, so wie sie -schon Kr.-K. Trettin schilderte. Wegen einiger Punkte, wie der Ankunft -des Herm und Schreiber in Hötensleben, kommt es zu erneuten -Kontroversen. Wesentlich Neues bringt der Zeuge nicht. - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Wieviel Geld hat Ihre Behörde dem Schreiber für seine Bemühungen -gezahlt?“ - -Kr.-K. Maslack: - -„Die Auslagen für Reise und Aufenthalt.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Darüber hinaus hat er keine Beträge erhalten?“ - -Kr.-K. Maslack: - -„Nein ...“ - -Vorsitzender: - -„Zeuge Maslack, ich mache Sie darauf aufmerksam, daß Sie unter Eid -aussagen!“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Sie können also bestimmt unter Ihrem Eid aussagen, daß der Spitzel -Schreiber von Ihrer Behörde keine weiteren Gelder empfangen hat?“ - -Kr.-K. Maslack: - -„_Wenn die Frage in so bestimmter Form gestellt wird, so verweigere ich -die Aussage._“ - -R.-A. Dr. Rosenfeld: - -„Mit welcher Berechtigung?“ - -Kr.-K. Maslack: - -„Ich habe von meiner Behörde nicht so weitgehende Befugnis erhalten.“ - -Der Vorsitzende verliest die Mitteilung des Polizeipräsidiums, nach -welcher der Kriminalkommissar Maslack aussagen darf, soweit nicht die -Interessen des Deutschen Reiches gefährdet werden. - -R.-A. Dr. Rosenfeld: - -„Hat also der Schreiber noch Geld erhalten?“ - -Kr.-K. Maslack: - -„Ja: er nutzte wohl auch die Konjunktur aus, um Zeugenspesen zu -erhalten.“ - -R.-A. Dr. Rosenfeld: - -„Wie hoch war die Summe, die Schreiber erhalten hat?“ - -Kr.-K. Maslack: - -„Darüber verweigere ich die Aussage.“ - -R.-A. Dr. Rosenfeld: - -„Ich frage den Zeugen, ob er der Ansicht ist, daß die Interessen des -Deutschen Reiches durch die Nennung der an Schreiber gezahlten Summen -gefährdet sind?“ - -Kr.-K. Maslack: - -„Die Entscheidung darüber steht mir nicht zu.“ - -R.-A. Th. Liebknecht: - -„Dann müssen die Beträge recht erheblich gewesen sein.“ - -Staatsanwalt: - -„Ich beantrage, diese ganze Frage als unerheblich zu beanstanden.“ - -R.-A. Dr. Rosenfeld: - -„Die Frage ist insofern erheblich, als von der Höhe der Summe abhängt, -in wieweit man diesem Zeugen Schreiber Glauben schenken darf. Es ist -derselbe Schreiber, der vom Gericht 4000 M. fordert!“ - -Während das Gericht über den Antrag des Staatsanwalts berät, erklärt -Kr.-K. Maslack sich bereit, die Frage zu beantworten. Das Gericht -beschließt trotzdem, die Frage als unerheblich zurückzuweisen: weil ja -allgemein bekannt sei, daß Agenten von der Polizei auch bezahlt würden. - -R.-A. Th. Liebknecht: - -„Ist dem Zeugen ein Leutnant Siebel bekannt, der Abteilungsleiter der -antibolschewistischen Liga ist?“ - -Kr.-K. Maslack: - -„Nein.“ - -R.-A. Th. Liebknecht: - -„Sie können das unter Eid aussagen?“ - -Kr.-K. Maslack: - -„Es ist möglich, daß ich ihn unter anderem Namen kenne.“ - -R.-A. Th. Liebknecht: - -„Ist dem Zeugen der Leiter der Agentenabteilung der -antibolschewistischen Liga bekannt?“ - -Staatsanwalt: - -„Ich beantrage, auch diese Frage als unerheblich zu beanstanden.“ - -R.-A. Th. Liebknecht: - -„Die Frage ist deshalb erheblich, weil Leutnant Siebel mit den hier -genannten Spitzeln zu tun hatte!“ - -Der Gerichtsbeschluß lehnt die Frage mit der Begründung ab: sie sei -nicht gestellt, um zur Aufklärung der Mordtat beizutragen, sondern habe -nur politische Bedeutung. - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Ist dem Zeugen bekannt, daß Blau während der Januarkämpfe 1919 im -_Auftrag der Polizeibehörde_ als Lockspitzel die Büxensteindruckerei -besetzte und ein Magistratsauto beschlagnahmte?“ - -Kr.-K. Maslack: - -„Nein.“ - -R.-A. Th. Liebknecht: - -„Ist dem Zeugen der Spitzel Strolz bekannt?“ - -Kr.-K. Maslack: - -„Nein.“ - -R.-A. Th. Liebknecht: - -„Gar nicht bekannt?“ - -Kr.-K. Maslack: - -„Jedenfalls nicht unter seinem Namen.“ - -R.-A. Th. Liebknecht: - -„Sind denn die Spitzel im allgemeinen auch der Polizei nur unter ihrer -Nummer bekannt?“ - -Der Vorsitzende beanstandet diese Frage und das Gericht lehnt die -Zulassung ab: weil die Frage nur gestellt sei, um aus politischen -Gründen die Hilfsmittel der Polizei kennen zu lernen. - - * * * * * - -Am fünften Verhandlungstage gibt der Vorsitzende zu dieser Sache -bekannt, daß das Gericht seine am Vortage gefaßten Beschlüsse betreffs -Beanstandung der drei Fragen nunmehr aufhebe und deren Beantwortung -nachträglich zulasse. - -R.-A. Dr. Rosenfeld: - -„Ich bitte um Auskunft, auf Grund welcher Anregung das Gericht zu dieser -Änderung seiner Beschlüsse gekommen ist.“ - -Vorsitzender: - -„Auf Grund keiner Anregung, sondern aus eigenem Antrieb.“ - -Kr.-K. Maslack: - -„Der Spitzel Schreiber hat außer Fahrt- und Verpflegungsgeld von meiner -Behörde in der Zeit vom 13. bis 25. August 1919 eine Extravergütung von -700 M. erhalten. Ob er noch von anderen Dienststellen bezogen hat, weiß -ich nicht.“ - -Kr.-K. Trettin: - -„Ich erkläre, daß ich dem Schreiber kein Geld gezahlt habe.“ - -Kr.-K. Maslack: - -„Die leitenden Herren der antibolschewistischen Liga, Leutnant Siebel -und Bachmann, kenne ich nicht. (7. Verhandlungstag.) Die Beantwortung -der dritten Frage, ob die Spitzel uns nur mit Nummern bekannt sind, wird -mir von meiner vorgesetzten Behörde verboten, da es dem Wohle des -Staates widersprechen würde, wenn die Einrichtungen der Polizei -öffentlich bekannt gegeben würden.“ - - - Die Aufklärung der Tat. - Der Spitzel Strolz. - -Der erste Zeuge zur Tat war der Sachverständige Professor Dr. Strauch, -der gemeinsam mit Medizinalrat Dr. Hoffmann die Leiche des Blau -obduziert hatte. Er sagt am 2. Verhandlungstage aus, daß der Körper des -Blau am Halse eine Strangulationsmarke aufwies; weitere Merkmale konnten -bei sorgfältigster Untersuchung nicht gefunden werden. Infolgedessen -hätten sie am Anfang zur Annahme von Selbstmord geneigt, später ihr -Urteil dahin verallgemeinert, daß die Todesursache nicht festzustellen -sei. Nach der näheren Kenntnis der Zusammenhänge sei er zur Überzeugung -gelangt, daß der Tod durch Erdrosseln eingetreten sei. - -Ein Geschworener fragt den Sachverständigen, ob der Befund unzweifelhaft -sei: es sei doch möglich, daß Blau noch lebend ins Wasser geworfen -worden sei und durch seine Bewegungen erst die Schlinge so zugezogen -habe, daß der Tod durch Ersticken eintrat. In diesem Falle sei aber der -als Mörder anzusehen, der den Körper ins Wasser gestoßen habe. - -Ein zweiter Geschworener fragt, ob es ausgeschlossen sei, daß Blau durch -das Morphium nur betäubt war und dann im Wasser ertrunken oder erstickt -ist. - -Der Sachverständige betont nochmals, daß er jetzt mit Bestimmtheit -Erdrosseln als Todesursache annehmen könne. - - * * * * * - -Über die ersten Untersuchungsergebnisse in Berlin sagt Kriminalkommissar -Dr. Riemann aus (3. Verhandlungstag): - -„Ich habe als Mitglied der Mordkommission die ersten Untersuchungen -geleitet. In einer Tasche des Ertrunkenen steckte ein Gepäckschein auf -den Anhalter Bahnhof; im Koffer Blaus, der daraufhin abgehoben wurde, -fanden wir eine Reihe Notizen politischen Inhalts und ebensolche Briefe; -diese waren mit Blau oder mit seinem Pseudonym Dr. Michael unterzeichnet -und an die antibolschewistische Liga sowie ähnliche Stellen gerichtet. -Ich stellte dort Nachforschungen an und traf dabei auf den Agenten -Strolz; dieser erklärte sofort, daß Blau von den Kommunisten als Spitzel -erkannt und ermordet worden sei; er schilderte mir die Vorgänge in der -Versammlung in der Mittenwalder Straße, und nannte mir Leuschner als -Versammlungsleiter. Auf diese Angaben hin begannen die Recherchen nach -Leuschner, der später in Ostpreußen verhaftet wurde. - -„Mitte August kam an uns ein Brief eines Münchner Vertrauensmannes, der -die Abreise Blaus mit Schreiber, Schuster und Herm mitteilte. Daraufhin -fuhr Kriminalkommissar Trettin nach München.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Wie heißt dieser Münchner Vertrauensmann?“ - -Kr.-K. Dr. Riemann: - -„Es war Schreiber.“ - -Der Zeuge Kriminalwachtmeister Helmka war als Kriminalbeamter zur -Garde-Kavallerie-Schützendivision abkommandiert gewesen. (3. -Verhandlungstag): Er lernte dort den Spitzel Toifl kennen, der ihm -mitteilte, daß er den Fichtmann sehr gut kenne und wisse, daß dieser in -die Angelegenheit Blau verwickelt sei. Durch diese Angaben wurde der -Verdacht auf Fichtmann gelenkt. Toifl hat dann dem Kriminalkommissar Dr. -Riemann gegenüber noch weitere Mitteilungen gemacht, die Fichtmann -schwer belasten. - -Angeklagter Fichtmann: - -„Der Spitzel Toifl belastete mich – aber können Sie sich erinnern, daß -er bei einer Gegenüberstellung mit mir sagte, er könne mich nicht mit -Sicherheit als Täter bezeichnen? Ich sei nicht der Täter.“ - -Kr.-K. Dr. Riemann: - -„Jawohl. Doch, als Sie abgetreten waren, nahm er diese Aussage wieder -zurück und erklärte, dies nur wegen Ihrer Anwesenheit gesagt zu haben.“ - -Angeklagter Fichtmann: - -„Wissen Sie, daß während meiner Haft der Spitzel Strolz in meine Zelle -gelegt wurde?“ - -Kr.-K. Dr. Riemann: - -„Es ist ein zur Aufklärung von Kapitalverbrechen übliches Verfahren, den -Verdächtigen durch Zellengenossen aushorchen zu lassen.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Ist dem Zeugen bekannt, daß die berüchtigte _Spitzelin Schröder-Mahnke -in Männerkleidern_ in die Zellen der Angeklagten gesteckt wurde, um von -ihnen Geständnisse zu erreichen?“ - -Kr.-K. Dr. Riemann: - -„Mir ist nichts davon bekannt.“ - -Staatsanwalt: - -„Ich erkläre: falls derartiges geschehen ist, so geschah es nicht auf -meine Veranlassung!“ - -Rechtsanwalt Dr. S. Weinberg wiederholt diese Frage gegenüber dem Leiter -der Voruntersuchung, Landgerichtsrat Marquardt (5. Verhandlungstag). - -L.-G.-R. Marquardt: - -„Davon, daß die Schröder-Mahnke als Polizeispitzelin in den Zellen der -Angeklagten gewesen sein soll, habe ich keine Kenntnis.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Aber Sie müssen sich doch erinnern, wem Sie Sprecherlaubnis gegeben -haben.“ - -L.-G.-R. Marquardt: - -„Es war einmal ein Feldgrauer mit Brille bei mir, dem ich -Sprecherlaubnis erteilt habe. Später erzählte mir Kriminalkommissar -Maslack, daß es sich um eine Frau in Männerkleidung handelte.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„War Ihnen nicht bekannt, daß es die Lockspitzelin Schröder-Mahnke war?“ - -L.-G.-R. Marquardt: - -„Nein.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Im allgemeinen macht es die größten Schwierigkeiten, selbst für die -nächsten Angehörigen der Verhafteten Sprecherlaubnis zu erwirken. Unter -welcher Voraussetzung oder Veranlassung haben Sie dieser Person -Sprecherlaubnis erteilt?“ - -L.-G.-R. Marquardt: - -„Soviel ich mich erinnere, habe ich die Erlaubnis auf Anregung des -Kriminalkommissars Maslack erteilt.“ - -Kr.-K. Maslack: - -„Die Polizei hat zu diesem Mittel gegriffen, um den Fall aufzuklären.“ - -R.-A. Dr. Weinberg: - -„... Eine verkleidete Frau im Männergefängnis – auf Anregung der -Polizei! Übrigens hat diese Frau auch Einsicht in die Akten bekommen!!“ - -L.-G.-R. Marquardt: - -„Mit meinem Wissen nicht!“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Und Sie, Herr Kriminalkommissar?“ - -Kr.-K. Maslack: - -„Ich kann nicht auf meinen Eid nehmen, ob ich der Schröder-Mahnke -Einsicht gab oder nicht.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Außerdem war die Schröder-Mahnke während der Vernehmung der Angeklagten -im Nebenzimmer untergebracht und hörte die Aussagen an.“ - -L.-G.-R. Marquardt: - -„Mir ist nichts davon bekannt. Aber ich gebe die Möglichkeit zu, daß sie -dort war; jedenfalls, um anschließend auch vernommen zu werden.“ - -Angeklagter Hoppe: - -„Die Schröder-Mahnke war in der Maske eines Genossen in meiner Zelle und -forderte mich zur Flucht auf. Sie sagte, draußen sei alles vorbereitet, -ich brauchte nur den Tag und die näheren Umstände anzugeben, für alles -weitere habe die Partei schon gesorgt. Ich habe aber abgelehnt. Die -Schröder-Mahnke verhehlte mir keinen Augenblick, daß sie eine -verkleidete Frau sei; im Gegenteil, als ich mich unzugänglich zeigte, -_betonte sie es besonders_.“ - -Vorsitzender: - -„In den Akten finde ich verschiedentlich den Vermerk, daß der Angeklagte -Hoppe fliehen wolle. Von wem stammt diese Angabe?“ - -Kr.-K. Maslack: - -„Von der Schröder-Mahnke. Ich gebe zu, daß die Frau in diesem Falle _ein -sehr verwerfliches Spiel trieb_.“ – - -Staatsanwalt (3. Verhandlungstag): - -„Im Interesse der Sache wäre es von höchster Wichtigkeit, diese ganzen -Leute, Strolz, Toifl, die Schröder-Mahnke, als Zeugen vor Gericht zu -sehen. Stehen denn der Kriminalpolizei keine Mittel zur Verfügung, der -Leute habhaft zu werden?“ - -Kr.-K. Dr. Riemann: - -„Es ist sehr schwer; doch werde ich alles tun, um die Leute zu eruieren. -Ich nehme aber an, daß die Angst vor den Kommunisten die Leute abhält. -Sie wagen nicht, hier zu erscheinen.“ - -R.-A. Th. Liebknecht: - -„Seit wann sind denn Strolz und Toifl im Dienst der Polizei?“ - -Kr.-K. Dr. Riemann: - -„Ich kann darauf keine ausreichende Antwort geben. Die meisten dieser -Leute arbeiten nicht ständig mit uns; so ist uns auch ihr Aufenthalt oft -nicht bekannt und es ist sehr schwer festzustellen, ob und wie einer -gerade tätig ist.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Vielleicht kann ich Ihre Bemühungen unterstützen, wenn ich Ihnen -mitteile: der Spitzel Toifl hat die Spitzelnummer 1460 und war zuletzt -bei Renz in der Badener Str. 5 gemeldet.“ - -Kr.-K. Dr. Riemann: - -„Ich wiederhole, daß ich nichts unterlassen werde, die Leute -beizubringen.“ - -Angeklagter Hoppe: - -„In diesem Zusammenhang möchte ich berichten: gelegentlich einer -Vorführung vor den Rittmeister Heimburg beim Gruppenkommando I sah ich -dort in Reichswehruniform den Mendelsohn-Acosta.“ - -Staatsanwalt: - -„Dieser Acosta ist der Teilnahme an der Mordtat dringend verdächtig; ich -fordere die Kriminalpolizei auf, nach ihm zu suchen und ihn sofort zu -_verhaften_.“ - -Zur Verlesung gebracht wird ein anonymes Schreiben, das durch -Vermittlung des Kriminalwachtmeisters Helmka der Polizei zuging. Die -Verteidiger hatten vergeblich gegen die Verlesung protestiert. In dem -Schreiben wird Fichtmann schwer belastet. - -Kriminalwachtmeister Helmka macht Mitteilung von einer Reihe -Aufklärungen, die von anderer Seite herstammen. - -R.-A. Dr. Rosenfeld: - -„Kann der Zeuge über seine Quellen nähere Angaben machen?“ - -Kr.-W. Helmka: - -„Es waren Agenten der Garde-Kavallerie-Schützendivision.“ - -R.-A. Dr. Rosenfeld: - -„Wissen Sie die Namen derselben?“ - -Kr.-W. Helmka: - -„Nein; nur die Nummern.“ - -R.-A. Dr. Rosenfeld: - -„Wieviel Spitzel hatte denn die Garde-Kavallerie-Schützendivision?“ - -Der Vorsitzende will diese Frage beanstanden, aber Kriminalwachtmeister -Helmka antwortet: - -„_Einhundertundzehn._“ - -R.-A. Dr. Rosenfeld: - -„Das genügt mir.“ - -Einen weiteren Brief an den Untersuchungsrichter hat der Schneider Max -Eulenburger aus dem Gefängnis geschrieben. In diesem Brief werden der -Angeklagte Hoppe und der Zeuge Kronwetter als Täter bezeichnet; als -Quelle wird der Hilfsarbeiter Peter Schmidt aus München genannt. - -Dieser Schmidt bestreitet ganz entschieden, dem Eulenburger irgendwelche -Angaben gemacht zu haben und erklärt auf Befragen, den Hoppe gar nicht -zu kennen (4. Verhandlungstag). - -Der Zeuge Kronwetter war auf die Angaben des Eulenburger hin verhaftet, -aber bald wieder entlassen worden; auch er erklärt die Mitteilungen des -Briefes für erlogen. - -Der als Zeuge vorgeladene Max Eulenburger erklärt (5. Verhandlungstag), -daß all seine Aussagen völlig erfunden seien; er habe nur den Wunsch -gehabt, frei zu werden und gehofft, durch seine Aussagen die Freiheit zu -erlangen. Der Untersuchungsrichter habe ihm gedroht, ihn selbst in die -Blauangelegenheit mit hereinzunehmen und da habe er eben Aussagen -erdichtet. - -Landgerichtsrat Marquardt (7. Verhandlungstag): - -„Eulenburger hat sich seinerzeit selbst gemeldet, er sei bereit und -fähig, die Angelegenheit Blau in einigen Tagen zu klären; ebenso -versprach er, die Aufhebung der Reichszentrale der Kommunistischen -Partei Deutschlands zu ermöglichen. Ich habe seine Erklärungen -entgegengenommen und auch verfolgt. Aber ich hatte schon damals den -Eindruck, daß Eulenburger nicht bei der Wahrheit bleiben kann.“ - -Staatsanwalt zu Eulenburger: - -„Haben Sie vielleicht Angst, linksradikalen Verfolgungen ausgesetzt zu -sein, wenn Sie bei Ihren in der Voruntersuchung gemachten Angaben -bleiben?“ - -Zeuge Eulenburger: - -„Nein – meine damaligen Aussagen sind Erfindungen, die mir die -Nervosität der Gefangenschaft eingegeben hat.“ - -Vorsitzender: - -„Aber Sie haben damals Ihre Aussagen beschworen; wenn Sie heute -erklären, daß alles erlogen war, geben Sie ja zu, einen Meineid -geleistet zu haben.“ - -Zeuge Eulenburger: - -„_Ja, ich habe einen Meineid geleistet._“ - -Nach längerer Beratung beschließt das Gericht, die Zeugen Schmidt, -Kronwetter und Eulenburger zu vereidigen. Eulenburger weigert sich, den -Eid zu leisten, weil er glaubt, sich damit ein Verfahren wegen Meineids -zuzuziehen. Er bleibt aber dabei, jetzt vor Gericht die Wahrheit gesagt -zu haben. Auf Antrag des Staatsanwalts wird er wegen Eidesverweigerung -in die gesetzlich zulässige Höchststrafe genommen. - -Der Vorsitzende läßt den Prozeßbeteiligten die Photographien der Spitzel -Schreiber und Toifl vorlegen (3. Verhandlungstag). - -Der Angeklagte Hoppe glaubt in Toifl mit Sicherheit den Mann zu -erkennen, der ihm in der Winklerschen Wohnung die Flasche mit Morphium -und den Strick anbot; das Gesicht des Schreiber ähnle dem des einen -Feldgrauen, der bis zuletzt in der Winklerschen Wohnung war. - -Der Angeklagte Fichtmann gibt folgende Erklärung ab: - -„Am 3. oder 4. August 1919, also einige Tage nach dem Mord und vor -Auffindung der Leiche, kam ich auf die Redaktion des „Hammer der -Gleichheit“; dessen Herausgeber war der Genosse Heinrich. Dort lernte -ich einen Mann kennen, der sich Schweizer nannte. Heinrich wollte eben -einen Artikel gegen den Terror schreiben und wir sprachen darüber; der -Schweizer widersprach dieser Tendenz und erzählte dabei, erst vor -einigen Tagen habe er einen Spitzel namens Blau entlarvt. Auf die Frage, -was er denn mit Blau gemacht habe, erklärte er wörtlich: Blau ist -erledigt. – Ich erkenne in der Photographie des Schreiber diesen Mann.“ - -Der Staatsanwalt beantragt hierauf, den Heinrich als Zeugen zu laden. Am -nächsten Tage wird festgestellt, daß Heinrich sich zur Zeit in Moskau -aufhält. - -Zu Beginn des 6. Verhandlungstages teilt R.-A. Dr. S. Weinberg mit, daß -die Angeklagten Hoppe und Fichtmann plötzlich in andere Zellen verlegt -wurden und fragt, was es damit für Bewandtnis habe. Der Vorsitzende -erklärt, daß vom Gericht aus keine Veranlassung oder Anordnung in dieser -Richtung erteilt worden sei. - -In den Verhandlungen über den Hergang der Tat selbst steht in erster -Linie die Vernehmung des Lederarbeiters Max Leuschner (5. -Verhandlungstag): - -„Ende Mai 1919 erschien in einer von mir geleiteten Versammlung Blau und -erklärte, daß ein gewisser Bomin Regierungsspitzel sei. Tatsächlich -wurde Bomin nachher entlarvt. Blau hetzte in außerordentlicher Weise -gegen Bomin, so daß ich all meinen Einfluß aufbieten mußte, um -Unbedachtsamkeiten zu verhüten; denn die Arbeiterschaft war gerade in -diesen Wochen sehr erregt. - -„Nachträglich erschien mir das Benehmen des Blau verdächtig und ich -beschloß, Erkundigungen über ihn einzuziehen. Da kam zu mir der -ebenfalls später als Spitzel entlarvte Strolz; dieser gehörte einer -Untergruppe meines Bezirks an und war von dieser sogar zum -_Gruppenführer_ gewählt worden; ich hatte ihn aber nicht bestätigt, weil -ich ihn kaum kannte. Dieser erzählte mir, daß nicht nur Bomin ein -Spitzel sei, sondern der Blau selbst sei ein noch viel gefährlicherer -Spitzel.“ - -Vorsitzender: - -„Also hätte ein Spitzel den anderen verraten?“ - -Zeuge Leuschner: - -„Das ist bei diesen Leuten gang und gäbe; sie bekämpfen sich in der -rücksichtslosesten Weise.“ - -Auch die Kriminalbeamten bestätigen diese Tatsache (3., 4. -Verhandlungstag). - -R.-A. Dr. S. Weinberg zu Dr. Riemann: - -„Wenn in so erregten Zeiten ein Spitzel den anderen an die Kommunisten -verrät, ist das nicht geradezu eine _Aufforderung zum Mord_?“ - -Kr.-K. Dr. Riemann: - -„_Darauf kann ich keine Antwort geben._ –“ - -Zeuge Leuschner: - -„Ich fragte den Strolz, woher er das wisse. Darauf erzählte er mir, er -habe als Student der Chemie Beziehungen zu militärischen Kreisen und -höre so durch Kollegen und Bekannte auch mancherlei. Diese Erklärung -schien mir nicht zufriedenstellend und ich beschloß, mir auch den Strolz -näher anzusehen. Als mir auffiel, daß er sich bei mehreren Anlässen nach -der Zentrale der Kommunistischen Partei erkundigte, stellte ich ihm eine -Falle; ich erzählte ihm einmal nebenbei, daß ich am anderen Morgen in -die Zentrale müsse, und wirklich war ich an diesem Tag von meiner -Wohnung ab durch drei Spitzel verfolgt. Da wußte ich, daß auch Strolz -ein Spitzel ist.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Unternahmen Sie etwas gegen Strolz?“ - -Zeuge Leuschner: - -„Nein. Ich warnte einige zuverlässige Leute und ließ ihn ruhig neben uns -herlaufen. Er kam auch immer wieder zu mir und erzählte dabei oft von -Blau. So sagte er besonders, daß Blau im Ruhrgebiet furchtbar unter -unseren Leuten gewütet hatte. - -„Eines Tages wurden für mich von unbekannter Seite _zwei Briefe_ -abgegeben, die Material gegen Blau enthielten: Schriftstücke an -rechtsradikale Stellen. Ich zeigte die Sachen dem Strolz, der sehr -überrascht war.“ - -Vorsitzender: - -„Hatten Sie den Eindruck, daß Strolz Ihnen die Blätter zustellen ließ?“ - -Zeuge Leuschner: - -„Nein. Ich hatte eher den Eindruck, daß Strolz ehrlich überrascht war. -Wir sprachen natürlich über die Herkunft der Dokumente, an deren -Echtheit nicht zu zweifeln war. Sie mußten von einer militärischen -Nachrichtenstelle kommen. Der Ansicht war auch Strolz. Ich selbst muß -mich heute fragen: wie kamen die Leute gerade auf meine Adresse – wenn -sie nicht wußten, daß ich so schon über Blau orientiert war. Ich nehme -also an, daß die betreffende Stelle die Absicht hatte, den Blau, der ihr -selbst lästig war, zu verraten und durch die Kommunisten das Weitere -besorgen zu lassen. Ich nehme das auch deswegen an, weil ich glaube, daß -Strolz auf speziellen Auftrag hin mir den Blau denunziert hat. Denn so, -wie ich ihn kenne, traue ich ihm doch nicht zu, aus eigenem Antrieb eine -solche Intrige zu inszenieren. - -„Ich tat in dieser Angelegenheit nichts. Aber, als in der Versammlung in -der Mittenwalder Straße am 31. Juli, die eine geschlossene Versammlung -war, gegen 9 Uhr Blau auftauchte, konnte ich mich nicht halten und sagte -ihm auf den Kopf zu, daß er ein Spitzel sei. Blau bestritt das energisch -und verlangte, dem Strolz gegenübergestellt zu werden, der ihn -bestätigen könne. Er verlangte das immerzu, aber – da doch gerade Strolz -ihn verraten hatte, lag mir an dieser Gegenüberstellung nicht viel und -ich betrieb sie nur, um durch Verzögerung die allgemeine Erregung zu -mildern. Übrigens besaß Blau eine Einlaßmarke in die geschlossene -Versammlung; wo er die herhatte, habe ich nie erfahren, ... vermutlich -von Strolz, den er ja kannte und der zu meiner Sektion gehörte.“ - -Vorsitzender: - -„Wußten Sie, warum Blau den Strolz verlangte?“ - -Zeuge Leuschner: - -„Damals war mir das unklar. Aber später hörte ich, daß Strolz in der -Zwischenzeit bei Blau in München gewesen war, dort gesagt hatte, er käme -von mir, und in meinem Namen Material über die Rechtsleute von Blau -gekauft hatte. Das Geld dazu hatte er übrigens nicht von der -kommunistischen Partei. – Blau, der nicht wußte, daß Strolz selbst ein -Spitzel war und sein Doppelspiel entlarvt hatte, wollte den Strolz zur -Bestätigung, daß er unter der Maske eines Spitzels für die Kommunisten -arbeite. - -„Unten auf der Straße trat ein unbekannter Mann zu mir und sagte, wir -sollten den Blau festhalten, bis er einen Münchner Genossen gebracht -habe, der bestätigen könne: Blau habe den Auftrag, in der Schweiz den -Genossen _Platten für 80000 M. zu ermorden_.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Tatsächlich finden sich in den Briefen des Blau Entwürfe und Kopien -einer Korrespondenz mit schweizerischen Offizieren.“ - -Zeuge Leuschner: - -„Um die Leute nicht noch mehr zu erregen, sagte ich dem Mann, er solle -nur ruhig sein. Der Mann fuhr dann mit Hoppe fort, angeblich, um den -Strolz zu holen. In der Zwischenzeit gelang es mir, die Leute zu -besänftigen und die meisten gingen nach Hause. Als Hoppe dann erfolglos -zurückkam, hielt ich die Angelegenheit eben für erledigt und ging auch -schlafen – denn solche Entlarvungen passierten damals nicht allzu -selten, und, wenn im ersten Moment Unbedachtes vermieden wurde, war die -Gefahr vorüber.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Das Zwischenspiel mit dem Münchner ist mir neu.“ - -Zeuge Leuschner: - -„Ja; ich habe der Versammlung nichts darüber gesagt, sondern die Meinung -aufrechterhalten, daß es sich um Strolz handele. Als dann der Münchner -nicht kam, hatte ich erst recht keinen Anlaß, zu reden. - -„Ich habe dann von Blau erst wieder gehört, als die Nachricht seines -Todes in der Zeitung stand. An diesem Tage, während ich aus war, _kam -Strolz_ zu meiner Frau und sagte ihr, _wir müßten verschwinden_. Er gab -meiner Frau einen Fahrtausweis für sechs Personen. Ich konnte mir dieses -Vorgehen nicht recht erklären; kam dann zu dem Resultat, daß nicht -Strolz auf eigene Faust, sondern irgendwelche Behörden die Hand im -Spiele hatten – und glaubte, daß es auf mich abgesehen war. Da zog ich -es vor, zu fliehen.“ - -Vorsitzender: - -„Von einem Todesurteil der Versammlung gegen Blau ist Ihnen nichts -bekannt?“ - -Zeuge Leuschner: - -„Nein. Derartige Geschichten sind Erfindung.“ - -Vorsitzender: - -„Kennen Sie einen gewissen Samson?“ - -Zeuge Leuschner: - -„In der ersten Nacht, in der ich in Haft war, wurde ich plötzlich in -eine andere Zelle gebracht. In dieser befand sich Samson. Ich hatte -sofort heraus, daß er ein Spitzel war, und ließ mich nicht mit ihm ein. -Auch sein Angebot, mir Nachrichten nach außerhalb zu befördern, lehnte -ich ab. Die Aussagen, die Samson am nächsten Tage dem Kriminalkommissar -machte, sind erlogen.“ - -Der nächste Zeuge Thiessen war Referent in der Mittenwalder Straße. Er -hat von Leuschner einige dem Blau abgenommene Papiere erhalten und -später vernichtet. Auch dieser Zeuge wurde durch den Spitzel Samson der -Mittäterschaft bezichtigt und schwer belastet. Der Zeuge kennt den -Samson daher, daß er ihm als bedürftiger Kommunist vorgestellt wurde; er -hat ihn auch mit Geld unterstützt und verpflegt. Seine Aussagen ergeben -nichts Neues. Samson selbst war nicht erschienen. - -Der Zeuge Dahms wurde ebenfalls von Samson der Mittäterschaft -bezichtigt. Er wurde daraufhin aus Dänemark, wo er sich damals aufhielt, -herbeigeschafft. Er erklärte, von der ganzen Sache gar nichts zu wissen -und völlig unschuldig und unberechtigt hineingezogen zu sein. Seine -Angelegenheit gibt Anlaß zu Auseinandersetzungen zwischen Verteidigung -und Staatsanwaltschaft derart, daß der Vorwurf erhoben wurde, die -Untersuchungsbehörde könne wohl unschuldige Kommunisten aus Dänemark -herbeischaffen, aber es gelänge ihr nicht, die der Mittäterschaft -dringend verdächtigen Polizeispitzel Toifl, Strolz und Schreiber aus -Deutschland resp. der Schweiz vor Gericht zu bringen (3. und 6. -Verhandlungstag). - -Die Vereidigung des Leuschner wird wegen Verdachtes der Mittäterschaft -vom Gericht abgelehnt. - -Bei dem Zeugen Georg Pohl haben Hoppe und Blau die Nacht vor dem Mord -verbracht. Der Zeuge hat in der Voruntersuchung sehr belastende Aussagen -über Hoppe und Winkler gemacht. Bei seiner Vernehmung (4. -Verhandlungstag) berichtet er nochmals die Vorgänge in der Versammlung -und auf der Straße. Blau habe erklärt, er werde sich rechtfertigen – und -er werde nicht eher von den Genossen weggehen, bis er sich -gerechtfertigt habe. Da Blau kein Quartier hatte, habe er seine Wohnung -zur Verfügung gestellt. - -Vorsitzender: - -„Blau wurde also nicht gefangen gehalten?“ - -Zeuge Gg. Pohl: - -„Nein. Er wollte uns nicht verlassen, ehe alles klargestellt sei.“ - -Der Zeuge erzählt weiter die bekannten Vorgänge: wie er am nächsten Tage -Blau und Hoppe bis zur Winklerschen Wohnung in der Großbeerenstraße -begleitet habe; dann nach Hause gegangen sei; dann am späteren Abend -wieder zurückgekommen sei, um zu erfahren, was aus der Sache geworden -sei. Auf der Straße habe er Schröder getroffen, bei dem er plaudernd -stehengeblieben sei; nach einer Weile sei ein Mann gekommen, der sie -aufforderte, zu helfen. Da sei Schröder weggegangen und er habe gesehen, -wie eine Gruppe von Leuten an die Brücke kam und ein Paket ins Wasser -warf. Erst später habe er die Erklärung dieser Vorgänge erfahren. - -Vorsitzender: - -„In der Voruntersuchung haben Sie Fichtmann als einen der Männer -bezeichnet, die aus dem Hause traten.“ - -Zeuge Pohl, nach Gegenüberstellung mit Fichtmann: - -„Ich kann diese Aussage nicht aufrechterhalten, denn es war dunkel und -ich stand auf der anderen Seite der Straße.“ - -Es folgt ein mehrstündiges Kreuzverhör, in dem die Protokolle der -Voruntersuchung einzeln durchgegangen werden. Der Zeuge Pohl kann sich -an manches nicht mehr erinnern, andere Angaben zieht er zurück, andere -bezeichnet er als unwahr. - -Staatsanwalt: - -„Sind Sie von kommunistischer Seite beeinflußt oder bedroht worden?“ - -Zeuge Pohl: - -„Nein.“ - -R.-A. Th. Liebknecht: - -„Fühlten Sie sich in der Voruntersuchung zu Ihren Aussagen gepreßt oder -gedrängt?“ - -Zeuge Pohl: - -„Vielleicht durch die Aussicht freizukommen ... Aber die Hauptsache ist, -ich war völlig zusammengebrochen und wußte nicht mehr, was ich sagte. -Ich dachte nur daran freizukommen und sagte zu allem ‚Ja, ja‘!“ - -Kriminalkommissar Maslack bestätigt (5. Verhandlungstag), daß Pohl in -völlig zusammengebrochenem Zustand ein Geständnis ablegte, in dem Hoppe -und Fichtmann als Täter bezeichnet wurden. Er habe den Eindruck, daß -Pohl damals die Wahrheit gesagt habe. - -Landgerichtsrat Marquardt, der die Voruntersuchung leitete, berichtet -nach dem Gedächtnis die damalige Aussage des Pohl über den Hergang der -Tat und betont, daß auch er den Eindruck der Wahrheit hatte. - -Zeuge Pohl: - -„Ich kann diese Aussagen nicht aufrechterhalten, ich war damals völlig -von Sinnen und nicht mehr Herr meiner Worte. Ich habe ausgesagt und -ausgesagt und nur das eine gedacht: Freikommen!“ - -Der Zeuge betont dann, daß er bereits am 10. Dezember 1919 einen Brief -an Kriminalkommissar Maslack schrieb und darin seine Aussagen widerrief. - -Es erheben sich über diesen Zeugen noch erregte Debatten. Das Gericht -beschließt, die Vereidigung des Pohl noch aufzuschieben. - -Auf die Vernehmung des Zeugen Geißler, der mit Blau und Hoppe bei Pohl -übernachtet hat, sich aber auf nichts mehr besinnen kann, wird allseitig -verzichtet (6. Verhandlungstag). - - * * * * * - -Von neuem wendet sich das Interesse dem Spitzel Toifl zu; und damit der -Orlowsky-Affäre, wegen der Fichtmann verurteilt ist. - -R.-A. Dr. S. Weinberg zu Dr. Riemann (3. Verhandlungstag): - -„Ist Ihnen bekannt, daß Oberleutnant Graf Westarp aus der Bendlerstraße -dem Spitzel Toifl den Auftrag gab, Fichtmann zu vernichten?“ - -Kr.-K. Dr. Riemann: - -„Nein.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Ist Ihnen bekannt, daß der Spitzel Toifl das dem Diamantenhändler -Orlowsky geraubte Geld mit Genehmigung seiner Dienststelle für sich -behalten hat?“ - -Kr.-K. Dr. Riemann: - -„Nein.“ - -Am 6. Verhandlungstag erscheint der auf Antrag der Verteidigung geladene -Friseur Meyer, um über Toifl auszusagen: Meyer war mit Toifl sehr -befreundet und Toifl hatte ihm auch von dem Plan gegen Orlowsky erzählt; -er hatte ihn dringend aufgefordert, selbst mitzumachen. Er, Meyer, habe -aber abgelehnt und auch versucht, den Toifl von solchen Plänen -abzubringen, die doch der Partei gar nichts nützen könnten. - -Vorsitzender: - -„Wurde nicht davon gesprochen, daß die _Terrorkasse zu Propagandazwecken -aufgefüllt_ werden müsse.“ - -Zeuge Meyer: - -„Mag sein, aber ich lehne auch den Terror ab und stritt darüber mit -Toifl, dem ich damals als Freund vertraute.“ - -Der Bruder des Angeklagten Fichtmann: - -„Toifl hat den Überfall auf Orlowsky dann selbst gemacht.“ - -Vorsitzender: - -„Woher wissen Sie das so genau?“ - -Zeuge Fichtmann: - -„Weil gar nicht mein Bruder an dem Überfall teilgenommen hat, _sondern -ich selbst_!“ – - -Allgemeines Erstaunen, Debatten. - -Zeuge Meyer: - -„Toifl sprach dann noch von einer anderen großen Sache, die er vorhatte: -wenn die glücke, dann sei ein großer Spitzel erledigt. Das machte mich -zuerst mißtrauisch gegen ihn, denn so spricht kein Kommunist.“ - -Vorsitzender: - -„Wieso?“ - -Zeuge Meyer: - -„Von ‚große Sache‘ und ‚wenn es glückt‘: das sind die Redensarten der -Lockspitzel; man kennt das.“ - -Vorsitzender: - -„Hat Toifl öfter zu Gewalttaten aufgefordert?“ - -Zeuge Meyer: - -„Stets.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Hat Toifl auch gesagt, daß die K. P. D. zu schlapp sei?“ - -Zeuge Meyer: - -„Ja, er drängte auf terroristische Akte.“ - -–: Da teilt der Staatsanwalt mit, daß an ihn ein Schreiben des Toifl -gekommen sei: dieser wolle sich als Zeuge zur Verfügung stellen, falls -ihm genügender polizeilicher Schutz zugebilligt werde. - - - Der Lockspitzel als Zeuge. - -(Um Längen zu vermeiden, ist der größte Teil des schon Erwähnten nicht -nochmals gebracht. Ferner wurde wegen der Eigenart des Inhalts der -größte Teil des Dialogs im Wortlaut der Zeitungsberichte, besonders der -unabhängig-sozialdemokratischen Freiheit übernommen, Nr. 256 und 258; -2., 3. Juli 1920.) - -Am sechsten Verhandlungstage erscheint unter starker polizeilicher -Bewachung der Spitzel Toifl. Der Vorsitzende macht darauf aufmerksam, -daß er bei der ersten Belästigung des Zeugen sowie bei Mißfallens- oder -Beifallsäußerungen sofort den Zuhörerraum räumen lassen würde. - -Toifl gibt seine Personalien an. - -Vorsitzender: - -„Sind Sie Polizeiagent?“ - -Toifl: - -„Nein.“ - -R.-A. Th. Liebknecht: - -„Welchen Beruf üben Sie jetzt aus?“ - -Toifl: - -„Ich bin Bureauangestellter.“ - -R.-A. Th. Liebknecht: - -„Wo wohnen Sie?“ - -Toifl: - -„Darüber verweigere ich die Auskunft.“ - -Vorsitzender: - -„Kennen Sie die Angeklagten?“ - -Toifl: - -„Nur Fichtmann.“ - -Der Zeuge schildert dann seinen Werdegang: nach dem Kriege habe er mit -kommunistischen Kreisen Fühlung bekommen und dadurch auch die Familie -Fichtmann kennen gelernt. Später sei er dann beim Gruppenkommando I -(Lüttwitz) in die Reichswehr eingetreten. Aber er habe es auch mit den -Fichtmanns ehrlich gemeint. - -Vorsitzender: - -„Warum sind Sie in die Reichswehr eingetreten?“ - -Toifl: - -„Um die Verhältnisse in der Reichswehr für die kommunistische Partei -auszukundschaften.“ - -Vorsitzender: - -„Waren Sie überzeugter Kommunist?“ - -Toifl: - -„Nein.“ - -Vorsitzender: - -„Warum wollten Sie dann für die Kommunisten kundschaften?“ - -Toifl: - -„Vater Fichtmann hatte mir angeraten, zur Reichswehr zu gehen; und ich -hatte ja mein Auskommen dort.“ - -Der Zeuge schildert dann weiter, wie er bei der Reichswehr zum -Unteroffizier befördert wurde, gleichzeitig auch seinen -freundschaftlichen Verkehr mit Fichtmanns fortsetzte. Mit diesen habe er -oft über die Kommunisten gesprochen und dabei auch von der Gründung -einer Kampfgruppe und einer T-(Terroristen)gruppe gehört. - -Vorsitzender: - -„In der Nacht zum 31. Juli 1919 wurde der Überfall auf Orlowsky -ausgeführt. Auf Ihr Zeugnis hin wurde deswegen der Angeklagte Max -Fichtmann zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Nun behauptet der Bruder -des Angeklagten, Hugo Fichtmann, daß gar nicht Max, sondern er selbst an -dem Überfall teilgenommen hat?“ - -Toifl: - -„Das ist gelogen!“ - -Zeuge Hugo Fichtmann: - -„Ich wiederhole, daß Toifl der Anführer bei dem Raubüberfall auf -Orlowsky war. Nicht mein Bruder, sondern ich war bei dem Unternehmen -zugegen. Toifl war es, der den Orlowsky verhaftete, Toifl schlug ihm in -der Nähe von Friedrichshagen den Gewehrkolben über den Kopf und Toifl -feuerte den Schuß hinter ihm her.“ - -Toifl: - -„Das ist alles gelogen. Die Sache verhielt sich so, wie ich sie als -Zeuge vor dem Kriegsgericht darstellte.“ - -Zeuge Friseur Meyer: - -„Ottomar Toifl, Du bringst hier nur Lügen vor. Du kannst nicht -ableugnen, daß Du zu mir und meiner Frau von dem Überfall auf Orlowsky -als Deinem Plan gesprochen hast. Du hast auch mich aufgefordert, daran -teilzunehmen. Du hast dann auch von dem geplanten Mord an einem großen -Spitzel gesprochen!“ - -Toifl: - -„_Das ist alles nicht wahr!_“ - -Der Vater des Fichtmann bekundet, daß Toifl dauernd zu terroristischen -Akten hetzte. - -Vorsitzender: - -„Wir wollen zum Fall Blau kommen.“ - -Toifl: - -„Am Sonnabend, dem 2. August, kam ich in das Lokal von Fichtmann. Max -Fichtmann war abwesend und ich erfuhr auf meine Frage, daß er von einem -Kurier der T-Gruppe abgeholt worden sei.“ - -Der Vorsitzende lehnt einige Unterbrechungsversuche ab und bittet, sich -zu gedulden und den Zeugen referieren zu lassen. - -Vorsitzender: - -„Wo tagte die T-Gruppe?“ - -Toifl: - -„Das weiß ich nicht. – Ich blieb am 2. August bis gegen 2 Uhr nachts im -Lokal von Fichtmann, ohne daß Max Fichtmann zurückkam. Am Sonntag hatte -ich anderweitig zu tun, erst am Montag kam ich wieder zu Fichtmann. -Abends sah ich Max Fichtmann und es fiel mir auf, daß er blaß und sehr -unruhig war. Nun hatte mir bereits nachmittags ein gewisser Herms die B. -Z. gezeigt, worin der Bericht über den Mord an Blau ...“ - -Vorsitzender und Staatsanwalt gleichzeitig: - -„Sollte es am 4. August ...“ - -R.-A. Th. Liebknecht, unterbrechend: - -„Ich bitte doch dringend, den Zeugen sprechen zu lassen!“ - -Toifl wird jetzt stutzig (die Leiche wurde erst am 7. August gefunden!), -überlegt einige Sekunden und sagt dann: - -„Ich irre mich wohl in diesem Punkte, denn die Nachricht stand, glaube -ich, erst am Donnerstag in der B. Z. ..., aber ich habe noch am -Montagabend im Lokal von Obst durch einen gewissen Fascheck nähere -Mitteilung über den Mord erhalten. Ich habe darüber einen Bericht -geschrieben und an die Kriminalpolizei gelangen lassen.“ - -Vorsitzender: - -„An wen haben Sie die Anzeige gemacht?“ - -Toifl: - -„Darüber _verweigere ich die Aussage_.“ - -Vorsitzender: - -„Sie sind verpflichtet, diese Aussage zu machen.“ - -Toifl: - -„Ich habe den Bericht durch einen Mittelsmann an Kriminalwachtmeister -Helmka überbringen lassen.“ - -Vorsitzender: - -„Bei der Garde-Kavallerie-Schützendivision?“ - -Toifl: - -„Ich glaube. Durch Helmka kam das Schreiben an Kriminalkommissar Dr. -Riemann, der mich später auch vernommen hat.“ - -Vorsitzender: - -„Haben Sie sonst noch Angaben über den Fall Blau?“ - -Toifl: - -„Nein.“ - -Vorsitzender: - -„Sie haben hier einiges erzählt, was Sie in der Voruntersuchung -verschwiegen haben; warum taten Sie das?“ - -Toifl: - -„Ich hatte von meiner vorgesetzten Stelle nur den Auftrag, auf den Mord -hinzuweisen, nicht aber den, ihn aufzuklären. Infolgedessen habe ich -damals auch nur einen Hinweis gegeben.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Wer war Ihre vorgesetzte Stelle?“ - -Toifl: - -„Darauf _verweigere ich die Antwort_.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Wir werden davon noch sprechen. Warum wollte Ihre vorgesetzte Stelle -nur Hinweise?“ - -Toifl: - -„Das weiß ich nicht.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Sie hatten also bestimmten Auftrag, nur mitzuteilen, daß Blau von -Kommunisten ermordet wurde?“ - -Toifl: - -„Ja.“ - -Kriminalkommissar Dr. Riemann gibt Auskunft über die Vernehmung des -Toifl und vermutet, daß dieser aus Angst seine genauere Kenntnis -verschwiegen habe. - -Toifl: - -„Das stimmt. Wenn ich mehr ausgesagt hätte, hätte ich befürchten müssen, -mein Leben zu gefährden.“ - -R.-A. Th. Liebknecht: - -„Diese Befürchtung ist doch hinfällig, da Sie Ihre Angaben anonym -gemacht haben.“ - -Toifl: - -„Man hätte trotzdem die Quelle erraten können.“ - -Vorsitzender: - -„Angeklagter Fichtmann, was sagen Sie zu den Bekundungen des Toifl?“ - -Angeklagter Max Fichtmann: - -„Ich erkläre, daß alles, was er gesagt hat, blanker Schwindel ist. -Ferner, daß Toifl am Sonnabend, dem 2. August, überhaupt nicht in meinem -Lokal gewesen ist.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg zu Toifl: - -„Haben Sie vom Oberleutnant Grafen Westarp den Auftrag erhalten, -bestimmte unbequeme Leute zu beseitigen?“ - -Toifl: - -„Nein.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Haben Sie diesen oder einen inhaltähnlichen Auftrag des Grafen Westarp -vielleicht durch Vermittlung des Kaufmanns Grabant bekommen?“ - -Toifl: - -„Darüber _verweigere ich die Aussage_.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Haben Sie irgendwelche Aufträge von einem Hauptmann von Ledebur -bekommen?“ - -Toifl: - -„Nein.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Sie können das beeiden?“ - -Toifl _schweigt_. - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Ich werde Zeugen für die in Frage gestellten Tatsachen erbringen. – -Haben Sie ferner Formeln zu kommunistisch-terroristischen Eiden mit der -Schreibmaschine geschrieben und in 15-20 Exemplaren an Kommunisten -verteilt?“ - -Toifl: - -„Nein.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Haben Sie hierbei auch in keiner Weise mitgewirkt?“ - -Toifl: - -„Wenn ich es habe, dann auf Befehl von Fascheck.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Dieser Ihr Auftraggeber Fascheck ist wohl derselbe, der Ihnen -Mitteilungen über den Fall Blau machte?“ - -Toifl: - -„Ja.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Und der ist heute wohl nicht aufzufinden?“ - -Toifl: - -„Das weiß ich nicht.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Sie haben doch selbst auf solche Eidesformeln schwören lassen?“ - -Toifl: - -„Nein.“ - -Vorsitzender: - -„Diese Frage hat aber doch mit der Ermordung des Blau so gut wie nichts -zu tun!“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Ich stelle diese Fragen, um zu beweisen, daß die auch in der -Anklageschrift genannten T-Gruppen und Mörderzentralen nichts weiter -sind als Ausgeburten einer Spitzelphantasie. – Also, Zeuge, besinnen Sie -sich noch einmal!“ - -Toifl: - -„Ich gebe zu, daß ich gelegentlich die Ablegung eines solchen Eides -gefordert habe.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Haben Sie versucht, den aufgelösten roten Soldatenbund neu zu gründen?“ - -Toifl: - -„Nein.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Aber vielleicht haben Sie dabei mitgewirkt?“ - -Toifl: - -„Das ist möglich.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Es ist seltsam, daß der Zeuge sich immer erst besinnen muß, ehe er sich -erinnert; dazu braucht es eine zweite Frage. Ich glaube, wenn sich der -Zeuge länger besinnen könnte, er möchte uns noch viel mehr erzählen! – -Haben Sie jemals zu Gewaltakten, Mordtaten, Plünderungen aufgefordert?“ - -Toifl: - -„Nein.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Haben Sie dazu aufgefordert, die Polizeiagentin Schröder-Mahnke zu -ermorden?“ - -Staatsanwalt: - -„Ich mache darauf aufmerksam, daß der Zeuge auf diese Frage die Antwort -verweigern kann.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Statt daß der Herr Staatsanwalt beiträgt, derartige Kapitalverbrechen -aufzuklären, verhindert er die Beantwortung darauf hingehender Fragen.“ - -Staatsanwalt: - -„Es ist meine Pflicht, den Zeugen in Schutz zu nehmen, wenn er von der -Verteidigung terrorisiert wird.“ - -Der Vorsitzende greift ein und bittet, die Leitung der Verhandlung ihm -zu überlassen; er habe allerdings nicht feststellen können, daß der -Zeuge terrorisiert werde. R.-A. Dr. S. Weinberg wiederholt seine Frage. - -Toifl _verweigert die Aussage_. - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Haben Sie innerhalb der kommunistischen Partei versucht oder -aufgefordert, eine sogenannte militär-polizeiliche Abteilung zu -gründen?“ - -Toifl gibt dies nach einigen Umschweifen zu. - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Haben Sie dazu aufgefordert: Druckereien zu überfallen und mit -vorgehaltenen Waffen den Druck von Flugblättern zu erzwingen, deren Text -Sie mitbrachten?“ - -Toifl: - -„Ich habe einen solchen Befehl nicht erteilt; aber es ist möglich, daß -ich ihn weitergegeben habe.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Haben Sie einen solchen Auftrag von Ihren Vorgesetzten, etwa von -Hauptmann von Ledebur oder dem Oberleutnant Graf Westarp erhalten?“ - -Toifl _verweigert die Aussage_. - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Haben Sie eine Liste aufgestellt mit Namen von Spitzeln, die ermordet -werden sollten?“ - -Toifl: - -„Nein.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Haben Sie mit anderen Raubzüge unternommen und dazu Uniformen, -Stahlhelme und Waffen der Reichswehr geliefert?“ - -Toifl: - -„Darüber _verweigere ich die Aussage_.“ - -Vorsitzender, gleichzeitig: - -„Fragen, die sich auf den Fall Orlowsky beziehen, bitte ich zu -unterlassen, da dieser Fall hier nicht zur Verhandlung steht und -erledigt ist.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Jawohl, der Fall ist erledigt! Fichtmann ist verurteilt, aber der -Anführer Toifl steht hier und ist frei!“ - -Vorsitzender: - -„Zeuge, beantworten Sie also die Frage; Sie haben ein Recht zur -Verweigerung nur, wenn Sie sich durch Ihre Antwort einer strafbaren -Handlung beschuldigten.“ - -Toifl: - -„_Ich verweigere die Antwort_ auf diese und alle weiteren Fragen, die -sich auf den Fall Orlowsky beziehen.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Haben Sie für die Ausführung oder Übermittlung der Ihnen durch Westarp -und von Ledebur erteilten Aufträge Geld erhalten?“ - -Toifl _verweigert die Aussage_. - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Hat Ihnen Ihre vorgesetzte Behörde gestattet, in Ausführung der -Aufträge geraubtes Geld zu behalten?“ - -Toifl _verweigert die Aussage_. - -Vorsitzender: - -„Fürchten Sie, durch Beantwortung sich einer strafbaren Handlung zu -bezichtigen?“ - -Toifl: - -„Jawohl.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Das genügt mir. – Haben Sie im August vergangenen Jahres unter dem -Vorwand, bolschewistisches Propagandamaterial zu beschlagnahmen, 4000 M. -geraubt und dafür eine Quittung ausgestellt?“ - -Toifl: - -„Nein.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Sie können das beeiden?“ - -Toifl: - -„Wenn ich es getan hätte, hätte ich meine vorgesetzte Behörde davon in -Kenntnis gesetzt.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Ich könnte den Beweis dafür antreten; aber, um die Verhandlung nicht in -die Länge zu ziehen, würde ich mich begnügen, wenn Sie die Aussage -verweigern, weil Sie befürchten, sich einer strafbaren Handlung zu -bezichtigen.“ - -Toifl: - -„_Ich verweigere die Aussage._“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Das genügt mir.“ - -R.-A. Th. Liebknecht zu Toifl: - -„In welchem Bureau sind Sie tätig?“ - -Toifl _verweigert die Aussage_. - -R.-A. Th. Liebknecht führt aus, die Verteidigung müsse auf der Frage -bestehen, da diese Stelle wahrscheinlich auch mit dem Mord an Blau in -Verbindung zu bringen sei. Toifl erwidert, er könne aus Sorge um seine -Sicherheit und Angst vor den Kommunisten seine Arbeitsstätte nicht -nennen; ein Gerichtsbeschluß gibt ihm recht. - -R.-A. Th. Liebknecht: - -„Haben Sie für irgendeine Stelle oder Person eine provokatorische -Tätigkeit in der kommunistischen Partei ausgeübt?“ - -Toifl fragt an, ob er verpflichtet sei, diese Frage zu beantworten. Nach -Belehrung durch den Vorsitzenden _verweigert er die Aussage_. - -R.-A. Th. Liebknecht: - -„Würden Sie sich im Falle der Antwort einer strafbaren Handlung -bezichtigen?“ - -Toifl: - -„Ich glaube.“ - - * * * * * - -Es folgen noch einige Zeugen zum Verhör des Toifl. - -Die Frau des Toifl gibt an, Mutter Fichtmann habe anläßlich der -Verhaftung ihres Sohnes geäußert: sie würde sich aufhängen, wenn ihr -Sohn wegen Blau verhaftet sei. Frau Fichtmann bestreitet diese Aussage. - -R.-A. Dr. S. Weinberg fragt Frau Toifl, was sie über den Fall Orlowsky -wisse. Frau Toifl _verweigert die Aussage_. - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„War Ihr Mann bei der antibolschewistischen Liga beschäftigt?“ - -Vorsitzender: - -„Diese Frage ist unerheblich.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Nein, denn Blau war bei der antibolschewistischen Liga, der Spitzel -Strolz hat ihn verraten: es ist möglich, daß der ganze Mordplan von der -antibolschewistischen Liga ausging.“ - -Frau Toifl: - -„Ich habe mich nicht um die Beschäftigung meines Mannes gekümmert.“ - -R.-A. Dr. S. Weinberg: - -„Bekamen Sie öfter den Besuch eines Kaufmanns Grabant?“ - -Frau Toifl: - -„Darüber _verweigere ich die Aussage_.“ - -Zeugin Frau Simanowski erzählt, daß Toifl in ihrem Bezirk Bezirksleiter -der Kommunistischen Partei war. Er habe sich immer an die jungen Leute -herangemacht und sie zu Gewalttaten aufgefordert. So habe sie ihn selbst -sagen gehört: das Aas, die Schröder-Mahnke, sei Spitzelin und müsse -umgebracht werden. Ein andermal habe er geäußert, Meyer und Faust müßten -beseitigt werden. - -Vorsitzender: - -„Sie haben also gehört, daß Toifl zum Mord aufforderte?“ - -Zeugin Simanowski: - -„Es ist, wie ich gesagt habe.“ - -Zeugin Frau Meyer erinnert sich genau, daß Toifl Ende Juli oder Anfang -August 1919 in Gegenwart ihres Mannes erzählt habe, er und noch einige -andere, die er mit Uniformen und Waffen der Reichswehr ausgerüstet habe, -hätten auf Grund seines Noske-Ausweises am Molkenmarkt einen Mann -verhaftet, nach Friedenshagen verschleppt und dort ausgeraubt. Dabei -habe Toifl auch die große Sache mit dem Spitzel erwähnt, den er -erledigen wollte. - - [Illustration: Spitzelausweis einer Schwarzen Schar.] - -Toifl erklärt, die Aussagen der Zeugen seien lauter Lügen. - -Zeuge Erwin Thun schildert, wie Toifl in seiner Wohnung die -militärpolizeiliche Abteilung gründete. Gleichzeitig wurden auch Leute -auf die „Schwarze Schar“ vereidigt. Ferner habe Toifl auch ihn -aufgefordert, den Faust zu ermorden. - -Zeuge Schmid bekundet Aufforderungen des Toifl zum Diebstahl. „Die -Genossen sollten sich keine moralischen Bedenken machen, sondern nehmen, -wo zu nehmen sei.“ Auch habe Toifl eines Tages eine Liste gebracht, auf -der die Namen von zwanzig Spitzeln standen, „die alle nacheinander um -die Ecke zu bringen seien“. - -Toifl bestreitet all das. - -Zeuge Schmid erinnert sich genau einer Aufforderung Toifls zum Diebstahl -von Linoleum für ein Parteiorgan. Toifl erklärt, die Aufforderung habe -wohl bestanden, sie sei aber nicht von ihm, sondern von Schmid selbst -ausgegangen. - -Zeuge Paul Worm ist derjenige, den Toifl in späteren Aussagen der -Voruntersuchung als den „Franz“ der Anklageschrift bezeichnete und der -Mittäterschaft bezichtigte. Der Zeuge bestreitet ganz entschieden, an -der Ermordung des Blau teilgenommen zu haben. Ebenso bekundet Hugo -Fichtmann, daß die ihm von Toifl unterschobenen Äußerungen über Worm -völlig erlogen seien. Worm wird daraufhin dem Hoppe gegenübergestellt, -der bestätigt, das sei nicht jener Franz, den er am Mordtage kennen -gelernt habe. Ebenso Pohl. Worm bietet Zeugen an, daß er niemals sich -Franz genannt habe, – wie Toifl das ausgesagt habe. - -Toifl bleibt bei seinen alten Angaben. - -Der Zeuge Bischof war Vormund des Toifl und stellt ihm ein gutes Zeugnis -aus; besonders habe er nie gelogen. - -R.-A. Th. Liebknecht teilt mit, daß sich bei ihm eine Menge Leute -gemeldet hätten, vor denen Toifl Aufforderungen zu Gewalttaten äußerte; -aber sowohl Staatsanwalt als Richter, als auch Geschworene erklären, in -dieser Hinsicht genügend aufgeklärt zu sein – so wird von der Vernehmung -dieser Zeugen Abstand genommen. - - - Schluß der Beweisaufnahme. - Plädoyers. - -Die Verhandlung neigt sich ihrem Ende zu. Die Verteidiger betonen, daß -die Spitzel Samson, Strolz und Schreiber noch immer auf der Zeugen- oder -Anklagebank fehlen. - -Bezüglich Samson wird erklärt, daß dessen Aussagen gegen die Angeklagten -nicht so ins Gewicht fallen, daß sie eine Änderung des Urteils bewirken -könnten. - -Zum Fall Strolz berichtet R.-A. Dr. S. Weinberg, er habe inzwischen -erfahren, daß dieser von der antibolschewistischen Liga für seine -Tätigkeit in Sachen Blau 5000 M. erhielt. Aber er glaube, daß die -Beweisaufnahme ein hinlänglich klares Bild dieses Mannes ergeben habe: -man könne wohl erwägen, auf ihn zu verzichten. Diesen Verzicht sprach -R.-A. Th. Liebknecht klar aus: nachdem der Kriminalkommissar Dr. Riemann -selbst ausgesagt habe, Strolz habe den Blau an die Kommunisten verraten, -habe die Verteidigung nicht mehr nötig, diesen Belastungszeugen zu -sehen. - -Dagegen verlangten die Verteidiger den Schreiber. Auf Anregung des -Vorsitzenden ändern sie ihren Beweisantrag dahin, daß Schreiber den Mord -an Blau nicht allein, sondern in Gemeinschaft mit anderen begangen habe. -Der Staatsanwalt erklärt sich nochmals außerstande, den Beschuldigten -beizubringen. Daraufhin lehnt das Gericht den Beweisantrag ab, da durch -die Aussage sowohl wie durch die eventuelle Mitschuld des Schreiber an -der Beurteilung der Beteiligung der Angeklagten nichts geändert wird (d. -h. die eventuelle Untersuchung gegen Schreiber wird von dem Verfahren -gegen Fichtmann und Gen. abgetrennt – es kann aber auch heißen: -Schreiber ist so sehr der Schuld oder Mitschuld verdächtig, daß seine -Aussagen nicht gegen die Mitverdächtigen gewertet werden können). - -Bezüglich Toifl teilt Dr. Weinberg noch mit, daß dieser am 23. Juni 1919 -wegen Erpressung verhaftet wurde und in Polizeigewahrsam in der -Dirksenstraße gekommen war. Am anderen Tage kam Oberleutnant Graf -Westarp mit einer Bescheinigung vom Reichswehrgruppenkommando 20 und -befreite ihn. Der Verteidiger bietet Beweis an, verzichtet aber für die -Verteidigung darauf. Auch das Gericht legt keinen Wert auf -Herbeischaffung der Akten und Vernehmung der Beteiligten. - -So wurde am achten Verhandlungstage die Beweisaufnahme geschlossen und -der Wortlaut der Schuldfragen festgelegt. - -Den neunten Verhandlungstag eröffnete Staatsanwaltschaftsrat Dr. Ortmann -mit seinem Plädoyer. Er stellte das Für und Wider der Beweisaufnahme -gegeneinander und kam in dreistündigen Ausführungen zu folgendem Schluß: - -„Ich will bei der Beurteilung dieses Falles keinerlei politische -Gesichtspunkte anlegen. Sicher, die Tat fand statt in einem Milieu von -Politik, und dort, wo sie nicht gerade am schönsten ist, aber: -Irgendwelche Beweise dafür, daß die politische Partei der Angeklagten, -die kommunistische Partei, hinter der Mordtat steht, hat die Verhandlung -nicht erbracht. Es liegt mir fern, irgendwelche Vorwürfe gegen die -kommunistische Partei oder gegen die Gesamtheit ihrer Mitglieder zu -erheben. Doch, diese Einschränkung hebt nicht auf: die Tatsache eines -begangenen Mordes, den das Gericht zu ahnden hat. Noch ist es nicht -gelungen, die Tat in ihrer Ganzheit aufzudecken, die Untersuchung in -dieser Richtung wird weitergehen – fest steht indes, daß der Tod des -Blau beabsichtigt war; es war Mord. Und es ist erwiesen, daß die -Angeklagten an diesem Morde teilnahmen.“ - -Der Staatsanwalt begründete diesen Satz ausführlich – Argumente, die -hier nicht nochmals erörtert zu werden brauchen, weil sie aus der -Anklageschrift bekannt sind. Am Schluß bat der Anklagevertreter, bei -Hoppe und Fichtmann die Schuldfragen wegen Mord, bei Winkler die wegen -Beihilfe zu bejahen. - -Von den Verteidigern nahm zuerst R.-A. Dr. Siegfried Weinberg das Wort. -Zunächst geißelte er in allgemeinen Überblicken das System der -politischen Rechtspflege in Deutschland und die verschiedenartige -Behandlung der zahlreichen politischen Mörder von rechts und der wenigen -von links. Er gab alsdann in großen Zügen ein Bild des Milieus, das der -Prozeß aufgezeigt habe. An Stelle der ursprünglich auf die Anklagebank -gesetzten Personen sei etwas anderes auf die Anklagebank gekommen: ein -Lockspitzelsystem, wie es scheußlicher noch nie dagewesen sei. Der Kampf -gegen dieses sei nicht Sache einer einzelnen Partei, sondern aller -anständigen Menschen. - -„Der Herr Staatsanwalt hat den Alibibeweis des Angeklagten Fichtmann -unberücksichtigt gelassen; er hat die Aussagen des Hoppe und Winkler -ignoriert und über ihr Verhalten Behauptungen aufgestellt, für die kein -einwandfreies Zeugnis vorhanden ist. Es ist doch so: über die -Beteiligung des Hoppe und Winkler wissen wir effektiv nur, was die -beiden selbst angeben: daß Hoppe den Blau verließ, als er die -Mordabsicht der anderen ihm Unbekannten sah und nicht hindern konnte; -daß Winkler seine Wohnung auslieh und fortging. Alles andere ist Rede -und Widerrede, hier bezeugt und dort widerrufen. - -„Der Herr Staatsanwalt hat sich bei seinen Darlegungen gestützt auf die -Angaben der Spitzel und der Kriminalbeamten, – die ihrerseits wieder -durch Spitzel geleitet und orientiert wurden. Wir wissen, daß zur -Aufklärung von Kapitalverbrechen der Verrat das wichtigste Hilfsmittel -ist. Aber man sehe diese Art Zeugen an, ein Volk, über das -Kriminalkommissar Dr. Riemann vor Gericht hier geurteilt hat. Und wenn -dieser Mann hier sein Entsetzen ausdrückte über das politische -Lockspitzeltum, dieser Mann, der durch den Beruf an manches gewohnt und -sicherlich abgehärtet ist, was sollen dann wir tun?! - -„Meine Herrn – wenn wir Verteidiger uns damit begnügten, den Charakter -dieser Belastungszeugen aufzudecken und den Argumenten der Anklage, die -sich auf diese Zeugen stützt, die Argumente entgegenhielten, die sich -aus den Aussagen der anderen Zeugen ergeben: dann wäre unsere Aufgabe -leicht – aber sie führte nur zu dem Ziel, einer Darstellung eine strikt -widersprechende gegenüberzustellen. Und Sie, meine Herren Geschworenen, -müßten sich sagen, daß über dem Undurchdringlich des Ja und Nein eine -Tat steht, die trotz allem ein Mord ist – eine Tat, die bestraft werden -muß; und Sie würden sich sagen: Ihre Pflicht verlange von Ihnen, daß ein -Abermals dieser Tat verhütet wird. - -„Wir wollen nicht zulassen, daß Schuld oder Unschuld entschieden wird -gleich einem Würfelspiel: – je nach dem, was einer gerade glaubt. Und -nachdem die Beweisaufnahme selbst restlose Aufklärung nicht gebracht -hat, wollen wir eine Frage aufwerfen, die das alte römische Recht an den -Anfang allen Strafgerichts stellte: cui bono? Wem versprach sich ein -Vorteil? - -„Wer hatte den Spitzel Blau zu fürchten? – Wir wollen uns diesen Mann -genauer ansehen. Seine Rolle als Lockspitzel in den Januarkämpfen 1919 -zu Berlin ist vom Gericht zugegeben; dann erscheint er in München, wo er -von der „Eisernen Hand“ ein Monatsgehalt von 530 M. bezieht. Von dieser -Stelle forderte er erpresserisch eine Extragratifikation von 500 M. und -drohte mit Anzeige. Man stelle sich vor, wie unangenehm ein solcher -Prozeß geworden wäre, und man stelle sich weiter vor, wie die Herren der -„Eisernen Hand“ nun Blau gegenüberstanden. Die Antwort ist da: von -Berlin aus, von unbekanntem Auftraggeber, wird der Spitzel Strolz nach -München geschickt, um den Blau zu versuchen. Dem Strolz gelingt es, dem -Blau Material über die Rechtsradikalen abzukaufen: Blau war entlarvt! -Zwei unmittelbare Folgen sind sichtbar: erstens: Blau wird in Berlin -durch Strolz an die Kommunisten verraten; zweitens: Blau ist der -Münchner Polizei als unzuverlässig bekannt, wird in Haft genommen und -ausgewiesen. - -„Ob Blau von München fortgelockt wurde oder ob er dem Herm als Begleiter -sich aufdrängte, ist nicht so wichtig – vielleicht trifft beides zu. -Tatsache bleibt, daß Blau nach seiner Entlassung aus der Münchner Haft -ohne Mittel war und die Unterstützung der dortigen Arbeiter in Anspruch -nahm. Tatsache ist weiter, daß auch die Münchner Arbeiter ihn bald -durchschauten: so konnte er sich in München nicht halten, und: was -sollte der Agent der antibolschewistischen Liga jetzt tun? ... Er mußte -nach Berlin! ... nur nach Aussprache mit seinen Auftraggebern konnte er -hoffen, sich zu rangieren. Und er hoffte auf eine große Sache. - -„Es scheint auch, daß Blau freiwillig nach Berlin fuhr; jedenfalls -unterstand er keinem Zwange, als er die Wohnung seiner Frau besuchte. Er -wird auch andere Leute getroffen haben: abends, als er in der -Mittenwalder Straße auftauchte, war er im Besitz einer gültigen -Einlaßkarte. Von wem er sie erhalten hat? Von den Kommunisten nicht – -aber vielleicht von dem Mann, auf den er sich berief, dessen Anwesenheit -in Berlin er wußte, dem er selbst Dokumente verkauft hatte: dem Spitzel -Strolz, der zu Leuschners Bezirk gehörte! Es ist mehr als -wahrscheinlich, daß dieser Strolz, der den Blau an Leuschner schon -verraten hatte, ihn nun gerade zu diesem Leuschner schickte. Warum? Herr -Kriminalkommissar Riemann mochte die Frage nicht entscheiden, ob der -Verrat des Blau nicht schon Aufforderung zum Mord war. - -„Wer immer noch überlegte, ob Blau von München aus transportiert wurde, -der erinnere sich, daß der Zeuge Thiessen in der Versammlung dem Blau -kompromittierende Papiere abnahm. Hätte der Spitzel sich gefährdet -gefühlt: er hätte die Beweise zu Hause gelassen – doch er fühlte sich -sicher und ging ja auf neue Taten aus. Dagegen läßt sich das -Kesseltreiben gegen das Opfer sehr schön verfolgen: zuerst verrät man -ihn an Leuschner; als daraufhin nichts erfolgt, spielt man dem Leuschner -Beweise in die Hand: nun könnte doch die kommunistische Zentrale sich -rühren. Aber sie rührt sich nicht! Da kommt Blau nach Berlin und man -schickt ihn in die Versammlung zu Leuschner. Doch er wird nicht -totgeschlagen: da kommt ein Mann, auch ein Spitzel, erzählt, Blau habe -den Auftrag, den Schweizer Platten für 80000 M. zu ermorden; ein -Münchner Genosse habe die Nachricht gebracht ... Genügt das nicht? - -„Nun fragen wir: wie kommt ein Münchner Genosse dazu, von einem solchen -Mordauftrag zu wissen? Sollte Blau ihn vorgezeigt haben? Oder davon -erzählt haben – und ausgerechnet zur Mittenwalder Straße in Berlin kommt -zufällig einer gelaufen, der darüber Bescheid weiß? – Wenn dieser -Mordplan des Blau überhaupt bestand, konnten nur die davon wissen, -welche die Tat bezahlen wollten; aber: die ganze Geschichte sieht aus -nach Öl, das man ins Feuer gießt: der Münchner Genosse hütete sich auch -sehr, zu erscheinen. - -„Doch Blau lebte immer noch! Am anderen Tag kommt ein Mann in die -Pohlsche Wohnung, spricht mit Hoppe auf dem Gang; entrüstet sich, daß -Blau noch nicht tot ist, hat Morphium: es soll Schreiber gewesen sein; -wieder ein Spitzel, der sich allerdings hüten mußte, in die Stube zu -gehen, da Blau ihn kannte. Hoppe lehnt ab: und am Abend erscheinen -Fremde, die Besitz von der Wohnung ergreifen und ihre Sache selbst tun. - -„Meine Herren! Die Tatsache eines Mordplanes gegen Blau ist klar: es -wurde von mehreren Seiten gegen den unsicheren Spitzel vorgegangen – und -wenn wir nach den Urhebern fragen, müssen wir die Strolz und Schreiber, -die Acosta und Schröder-Mahnke betrachten und ihre Auftraggeber -erkennen. Toifl, der einzige Spitzel, den das Gericht genoß, scheint der -am wenigsten Beteiligte zu sein; sonst wäre er kaum erschienen.“ - -Der Verteidiger entrollte bei dieser Gelegenheit das Charakterbild der -einzelnen in dieser Affäre tätig gewesenen Spitzel, wie es sich aus der -Beweisaufnahme zeigt. - -„Man inszenierte ein Kesseltreiben; man schob den Kommunisten den -lästigen Blau hin, als Beute; man wollte ihnen die Ausführung eines -Urteils überlassen, das man selbst gefällt hat. Dann hatte man zwei auf -einen Schlag: man war den Blau los und hatte neue kommunistische Greuel! -Die Angeklagten hier sind schuldlos: es sind die Leute, denen man den -Mord zumuten wollte, die Leute, die sich weigerten, ihn auszuführen und -deren Besonnenheit es zu verdanken ist, daß nicht schon in der -Versammlung, nicht schon am Kreuzberg die Tat geschah.“ – - -Dr. Weinberg stützte diese Auffassung ausführlichst durch die Ergebnisse -der Beweisaufnahme und durch Parallelen zu anderen Vorfällen der Zeit. -Er legte das Milieu dieser Spitzel bloß: wie Blau den Bomin entlarvte, -Strolz den Blau und Toifl die Schröder-Mahnke; wie in diesen Handlungen -die persönliche Minderwertigkeit und der Konkurrenzneid der Lockspitzel -sich zeige, der ihre Aussagen und Zeugnisse entwerte; und, wie im Falle -Blau, deutlich das Gemeinsame eines Vorgehens, das Auftragmäßige der -verschiedenen parallelen Schritte erkennbar sei. Blau war der ungetreue -Spitzel, der dem Tode verfallene. - -Im Gegensatz dazu hatte die Kommunistische Partei keine Veranlassung und -keinen Nutzen vom Tode des Blau: - -„Überlegen Sie doch: wenn man den einen Spitzel wegschafft, tritt ein -anderer an seine Stelle; automatisch: ist es da nicht bequemer, den -Entlarvten zu dulden, in Sicherheit zu wiegen und in Schranken zu -halten? Der erkannte Spitzel kann vielleicht noch vorteilhaft sein, in -jedem Fall ist er ungefährlich und häufig sogar ergötzlich. Natürlich: -Deutschland ist groß: man muß den Mann photographieren, die Ortsgruppen -warnen: dann mag er ruhig wo anders auftauchen. Es ist unklug, Spitzel -zu töten.“ - -Hierauf ging Dr. Weinberg nochmals auf das Verhalten der Angeklagten -ein: wie die Ergebnisse der Voruntersuchung es darstellten und die der -Beweisaufnahme es verändert aufzeigten. Dann bat Dr. S. Weinberg darum, -seine Klienten freizusprechen, gegebenenfalls bei Hoppe die Frage wegen -Unterlassung der Anzeige einer strafbaren Handlung zu bejahen und sprach -die Hoffnung aus, der Prozeß möge wenigstens die Folge haben, die -politische Atmosphäre zu säubern und das maßlose Spitzeltum einzudämmen. - -R.-A. Th. Liebknecht nahm hierauf in einstündiger Rede das Wort, -unterstrich die Ausführungen des Vorredners und schloß sich denselben in -jeder Beziehung an. Er wandte sich alsdann der Beteiligung Winklers an -der Tat zu und legte dar, daß diesem Angeklagten irgendeine strafbare -Beteiligung an der Ermordung Blaus durch die Beweisaufnahme nicht -nachgewiesen sei und forderte die Freisprechung desselben. (R.-A. Dr. -Rosenfeld war am Erscheinen verhindert.) - -Nach einer kurzen Replik des Staatsanwalts und einigen Worten der -Verteidiger bittet der Angeklagte Hoppe ums Wort und erklärt, daß ihm -selbst nach zehntägiger Verhandlung das Eigentliche der Tat noch -vollkommen dunkel sei; er habe den dringenden Verdacht, diejenigen, die -am meisten hetzten, seien bezahlte Subjekte gewesen und er komme immer -mehr zu der Überzeugung, daß Kommunisten an der ganzen Geschichte gar -nicht beteiligt gewesen seien. Was ihn anbelange, so betone er nochmals, -daß er all sein Wissen gestanden habe und er betone ferner seine -ablehnende Stellung zum individuellen Terror und zur Propaganda der Tat. -Er bäte, die entsprechenden Stellen des Programms der freien -sozialistischen Jugend anzuhören, – und verliest dieselben. - -Hierauf folgte die Rechtsbelehrung der Geschworenen durch den -Vorsitzenden. Die Schuldfragen lauteten: - - Fragen an die Geschworenen - in der Strafsache - gegen - - 1. den Lederarbeiter (Schankwirt) Max _Fichtmann_ - - 2. den Kaufmann (Broschürenverkäufer) Erwin _Hoppe_ - - 3. den Schneidergesellen Willi _Winkler_, sämtlich hier im - Untersuchungsgefängnis. - - _Fragen._ - - _Antworten._ - - Dabei sind die §§ 307, 308 - der Strafprozeßordnung zu - beachten: - - § 307. Der Spruch ist von dem - Obmanne neben den Fragen - niederzuschreiben und von ihm - zu unterzeichnen. - - Bei jeder dem Angeklagten - nachteiligen Entscheidung ist - anzugeben, daß dieselbe mit - mehr als sieben Stimmen, bei - Verneinung der mildernden - Umstände, daß dieselben mit - mehr als sechs Stimmen gefaßt - worden sind. Im übrigen darf - das Stimmenverhältnis nicht - angegeben werden. - - § 308. Der Spruch ist im - Sitzungszimmer von dem Obmann - kundzugeben. Der Obmann - spricht die Worte: - - „Auf Ehre und Gewissen - bezeuge ich als den Spruch - der Geschworenen“ - - und verliest die gestellten - Fragen mit den darauf - abgegebenen Antworten. - - 1. Ist der Angeklagte - - Max _Fichtmann_ - - schuldig, zu Berlin in der Nacht vom 2. zum 3. - August 1919 in gemeinschaftlicher Ausführung mit - mehreren Anderen, vorsätzlich einen Menschen, den - Inspektor Karl Blau, getötet zu haben, indem er - die Tötung mit Überlegung ausführte? - - nein. - - 2. _Im Falle der Verneinung der Frage zu 1_: - - Ist der Angeklagte Max Fichtmann schuldig, zu - Berlin in der Nacht vom 2. zum 3. August 1919 in - gemeinschaftlicher Ausführung mit mehreren - Anderen vorsätzlich einen Menschen, den Inspektor - Karl Blau, getötet zu haben, indem er die Tötung - _nicht_ mit Überlegung ausführte? - - nein. - - 3. _Im Falle der Verneinung der Frage zu 1 und - Bejahung der Frage zu 2_: - - Sind mildernde Umstände hinsichtlich der Tat zu 2 - vorhanden? - - 4. _Im Falle der Verneinung der Fragen zu 1 und - 2_: - - Ist der Angeklagte Max Fichtmann schuldig, zu - Berlin Anfang August 1919 mehreren Anderen durch - Rat oder Tat wissentlich Hilfe dazu geleistet zu - haben, daß sie zu Berlin in der Nacht vom 2. zum - 3. August 1919 einen Menschen, den Inspektor Karl - Blau, vorsätzlich töteten, indem sie die Tötung - mit Überlegung ausführten? - - nein. - - 5. _Im Falle der Verneinung der Fragen zu 1, 2 - und 4_: - - Ist der Angeklagte Max Fichtmann schuldig, zu - Berlin Anfang August 1919 mehreren Anderen durch - Rat und Tat wissentlich Hilfe dazu geleistet zu - haben, daß sie zu Berlin in der Nacht vom 2. zum - 3. August 1919 einen Menschen, den Inspektor Karl - Blau, vorsätzlich töteten, indem sie die Tötung - _nicht_ mit Überlegung ausführten? - - nein. - - 6. _Im Falle der Verneinung der Fragen zu 1, 2 - und 4 und Bejahung der Frage zu 5_: - - Sind mildernde Umstände hinsichtlich der zu 5 - bezeichneten Tat vorhanden? - - 7. Ist der Angeklagte Erwin Hoppe schuldig, zu - Berlin in der Nacht vom 2. zum 3. August 1919 in - gemeinschaftlicher Ausführung mit mehreren - Anderen vorsätzlich einen Menschen, den Inspektor - Karl Blau, getötet zu haben, indem er die Tötung - mit Überlegung ausführte? - - nein. - - 8. _Im Falle der Verneinung der Frage zu 7_: - - Ist der Angeklagte Erwin Hoppe schuldig, zu - Berlin in der Nacht vom 2. zum 3. August 1919 in - gemeinschaftlicher Ausführung mit mehreren - Anderen vorsätzlich einen Menschen, den Inspektor - Karl Blau, getötet zu haben, indem er die Tötung - _nicht_ mit Überlegung ausführte? - - nein. - - 9. _Im Falle der Verneinung der Frage zu 7 und - Bejahung der Frage zu 8_: - - Sind mildernde Umstände hinsichtlich der Tat zu 8 - vorhanden? - - 10. _Im Falle der Verneinung der Fragen zu 7 und - 8_: - - Ist der Angeklagte Erwin Hoppe schuldig, zu - Berlin Anfang August 1919 mehreren Anderen durch - Rat oder Tat wissentlich Hilfe dazu geleistet zu - haben, daß sie zu Berlin in der Nacht vom 2. zum - 3. August 1919 einen Menschen, den Inspektor Karl - Blau, vorsätzlich töteten, indem sie die Tötung - mit Überlegung ausführten? - - nein. - - 11. _Im Falle der Verneinung der Fragen zu 7, 8 - und 10_: - - Ist der Angeklagte Erwin Hoppe schuldig, zu - Berlin Anfang August 1919 mehreren Anderen durch - Rat oder Tat wissentlich Hilfe dazu geleistet zu - haben, daß sie zu Berlin in der Nacht vom 2. zum - 3. August 1919 einen Menschen, den Inspektor Karl - Blau, vorsätzlich töteten, indem sie die Tötung - _nicht_ mit Überlegung ausführten? - - ja mit mehr als sieben - Stimmen. - - 12. _Im Falle der Verneinung der Fragen zu 7, 8 - und 10 und Bejahung der Frage zu 11_: - - Sind mildernde Umstände hinsichtlich der Tat zu - 11 vorhanden? - - nein mit mehr als 6 Stimmen. - - 13. _Im Falle der Verneinung der Fragen zu 7, 8, - 10 und 11_: - - Ist der Angeklagte Erwin Hoppe schuldig, zu - Berlin Anfang August 1919 von dem Vorhaben eines - Anderen oder Anderer, - - den Inspektor Karl Blau vorsätzlich zu töten und - die Tötung mit Überlegung auszuführen, - - zu einer Zeit, in welcher die Verhütung des - Verbrechens möglich war, glaubhafte Kenntnis - erhalten und es unterlassen zu haben, hiervon der - Behörde oder der durch das Verbrechen bedrohten - Person zur rechten Zeit Anzeige zu machen, und - ist das Verbrechen begangen worden, oder ist der - Entschluß, es zu verüben, durch Handlungen - betätigt worden, welche einen Anfang oder - Ausführung des beabsichtigten, aber nicht zur - Vollendung gekommenen Verbrechens enthalten? - - 14. Ist der Angeklagte Willi _Winkler_ schuldig, - zu Berlin Anfang August 1919 mehreren Anderen - durch Rat oder Tat wissentlich Hilfe dazu - geleistet zu haben, daß sie zu Berlin in der - Nacht vom 2. zum 3. August 1919 einen Menschen, - den Inspektor Karl Blau, vorsätzlich töteten, - indem sie die Tötung mit Überlegung ausführten? - - nein. - - 15. _Im Falle der Verneinung der Frage zu 14_: - - Ist der Angeklagte Willi Winkler schuldig, zu - Berlin Anfang August 1919 mehreren Anderen durch - Rat oder Tat wissentlich Hilfe dazu geleistet zu - haben, daß sie zu Berlin in der Nacht vom 2. zum - 3. August 1919 einen Menschen, den Inspektor Karl - Blau, vorsätzlich töteten, indem sie die Tötung - _nicht_ mit Überlegung ausführten? - - ja mit mehr als sieben - Stimmen. - - 16. _Im Falle der Verneinung der Frage zu 14 und - Bejahung der Frage zu 15_: - - Sind mildernde Umstände hinsichtlich der zu 15 - bezeichneten Tat vorhanden? - - ja. - - 17. _Im Falle der Verneinung der Fragen zu 14 und - 15_: - - Ist der Angeklagte Willi Winkler schuldig, zu - Berlin Anfang August 1919 von dem Vorhaben eines - Anderen oder Anderer, den Inspektor Karl Blau - vorsätzlich zu töten und die Tötung mit - Überlegung auszuführen, zu einer Zeit, in welcher - die Verhütung des Verbrechens möglich war, - glaubhafte Kenntnis erhalten und es unterlassen - zu haben, hiervon der Behörde oder der durch das - Verbrechen bedrohten Person zur rechten Zeit - Anzeige zu machen, und ist das Verbrechen - begangen worden, oder ist der Entschluß, es zu - verüben, durch Handlungen betätigt worden, welche - einen Anfang der Ausführung des beabsichtigten, - aber nicht zur Vollendung gekommenen Verbrechens - enthalten? - - Berlin, den 5. Juli 1920. - - gez. Joel. - - gez. Aschner. - Obmann. - - gez. Schröder. - als Gerichtsschreiber. - - gez. Joel als Vorsitzender. - - * * * * * - -Nach zweieinhalbstündiger Beratung hatten die Geschworenen gesprochen. - -Der Staatsanwalt beantragte: - - für Fichtmann die Freisprechung, - für Hoppe zehn Jahre Zuchthaus, - für Winkler drei Jahre Gefängnis. - -Das Urteil wurde nach einstündiger Beratung gefällt; dasselbe erging wie -folgt: - - 2 c. J. 2691. 19 - - In der Strafsache - gegen - - 1. den Lederarbeiter (Schankwirt) Max _Fichtmann_ aus Berlin, zur - Zeit in der Strafanstalt Brandenburg a. d. H. in Strafhaft, geboren - am 22. November 1898 in Berlin, mosaisch, - - 2. den Kaufmann Erwin _Hoppe_, zur Zeit hier in Untersuchungshaft, - geboren am 1. April 1899 in Berlin, religionslos, - - 3. den Schneidergesellen Willi _Winkler_, zur Zeit hier in - Untersuchungshaft, geboren am 16. September 1899 in Berlin, - evangelisch, - - wegen Mordes - - hat das Schwurgericht beim Landgericht II in Berlin in der Sitzung - vom 24. Juni bis 5. Juli 1920, an welcher teilgenommen haben: - - Landgerichtsrat Dr. _Joel_ - als Vorsitzender, - - Landgerichtsrat Geh. Justizrat _Bienutta_, - - Gerichtsassessor _Siemens_ - als beisitzende Richter, - - Staatsanwaltschaftsrat Dr. _Ortmann_ - als Beamter der Staatsanwaltschaft, - - Landgerichtsassistent _Schröder_ - als Gerichtsschreiber, - - für Recht erkannt: - - Der Angeklagte Kaufmann Erwin _Hoppe_ wird wegen Beihilfe zum - Totschlag zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt, von denen 8 Monate - durch die erlittene Untersuchungshaft verbüßt sind, der Angeklagte - Schneidergeselle Willi _Winkler_ wird wegen Beihilfe zum Totschlag - zu drei Jahren Gefängnis, von denen gleichfalls acht Monate durch - die erlittene Untersuchungshaft verbüßt sind, verurteilt. - - Der Angeklagte Lederarbeiter Max _Fichtmann_ wird freigesprochen. - - Die durch das Verfahren gegen den Angeklagten Fichtmann entstandenen - Kosten werden der Staatskasse auferlegt. Die übrigen Kosten des - Verfahrens haben die Angeklagten Hoppe und Winkler zu tragen. - - - Gründe. - - Nach dem Spruch der Geschworenen sind die Angeklagten Hoppe und - Winkler schuldig, zu Berlin Anfang August 1919 mehreren anderen - Tätern durch Rat oder Tat wissentliche Hilfe dazu geleistet zu - haben, daß sie zu Berlin in der Nacht vom 2. zum 3. August 1919 - einen Menschen, den Inspektor Blau, vorsätzlich töteten, indem sie - die Tötung _nicht_ mit Überlegung ausführten. Dem Angeklagten Hoppe - sind mildernde Umstände versagt, dem Angeklagten Winkler solche - zugebilligt worden. Die beiden Angeklagten waren daher Hoppe, gemäß - §§ 212, 49, Winkler gemäß §§ 212 und 213, 49 St.G.B. zu bestrafen. - - Bei der Strafzumessung hat das Gericht berücksichtigt, daß die aus - politischen Motiven begangene Tötung des Inspektors Blau eine - ungemein brutale Tat und im höchsten Grade gemeingefährlich ist. Es - war daher strenge Ahndung erforderlich, zumal die Angeklagten keine - Reue zeigen. Andererseits war zu erwägen, daß die jugendlichen und - unerfahrenen Angeklagten durch politischen Fanatismus irregeführt - und hierdurch zu ihrer Tat mißleitet worden sind. - - Beim Angeklagten _Hoppe_ kommt jedoch strafschärfend hinzu die große - verbrecherische Energie, die er bei der Durchführung der Tat - bewiesen hat. Beim Angeklagten _Winkler_ ist strafmildernd zu - berücksichtigen, daß er offenbar ganz erheblich unter dem Einfluß - des ihm geistig bedeutend überlegenen Angeklagten Hoppe gestanden - hat. Auch ist er noch völlig unbescholten. Ebenso war dem - Angeklagten Hoppe zugute zu rechnen, daß er bisher verhältnismäßig - unbedeutend vorbestraft ist. - - Unter Berücksichtigung aller dieser Umstände hielt das Gericht die - erkannten Strafen für eine ausreichende und angemessene Sühne. - - Der Angeklagte Fichtmann ist nach dem Spruch der Geschworenen nicht - schuldig und war daher freizusprechen. - - Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 497, 499 St.P.O., die über die - Anrechnung der Untersuchungshaft auf § 60 St.G.B. - - gez. Joel Siemens. - - Der beisitzende Richter L.G.R. Geh. J.R. Bienutta ist beurlaubt und - daher verhindert seine Unterschrift beizufügen. - - Dies wird gemäß § 275 St.P.O. bescheinigt. - - gez. Joel - L.G.R. - - Siegel - - _Ausgefertigt_ - Berlin, den 30. Juli 1920. - - Gerichtsschreiber des Landgerichts II. - - - - - ANHANG. - - - I. - Der Spitzel Toifl. - -Der Hauptzeuge der letzten Prozeßtage, Spitzel, Aufrührer, -Mädchenverführer (nach Aussage einer Zeugin) heißt nicht etwa Beelzebub, -aber Toifl. Ein unorthographischer Teufel. Ein Opfer des Spitzelsystems -heißt Faust und der Vormund Toifls: Bischof. O unergründliche Ironie des -Zufalls! - -Zeuge Toifl ist Spitzel, agent provocateur gewesen. Im Dienst der M. P. -A. Das heißt nicht etwa: Macht praktische Arbeit, sondern -Militärpolitische Abteilung. - -Toifl ist Österreicher, immer noch. Obwohl er M. P. A. war. Ein bißchen -glatt und leichtfertig. Seine Moral dreht sich in fettig geölten Angeln. -Patent „Teufel“. Er fühlt sich unglücklich in seiner namenlosen -Alltäglichkeit. Es gilt Bildungs- und gesellschaftliche Hindernisse -wegzuradieren. Die Revolution ist ein günstiger Zufall. Sie bricht -gerade aus, da Toifl anfängt, sich nach einer Karriere umzusehen. -Spionage, denkt er, ist ein Sprungbrett. Er spielt gesellschaftlich die -Rolle eines ehemaligen österreichischen Fähnrichs. Sein Gesicht ist von -jener blassen, blonden Leere, der man unter Umständen die -Fähnrichscharge glauben darf ... Wie er so auftritt, nett, blond, in -dunkelblauem Anzug, und elastische Schritte posiert, macht er einen -braven Eindruck. Typus aufgeweckter Junge. - -Bei näherem Zusehen aber knetet er in zappeligen Händen ein -schweißdurchtränktes Taschentuch, kämpft er sich mühsam ein bißchen -Haltung ab. Bemüht, gelassene Eleganz vorzutäuschen, zieht er -kleinbürgerlich sorgfältig die gebügelte Hose hinauf, so oft er sich -setzt. Und man sieht: er ist gar nicht elastisch. Seine Seele schreitet -nur sozusagen auf Gummiabsätzen. - - Joseph Roth. - (Neue Berliner Nr. 145, 1920.) - - - II. - Zum Blau-Prozeß. - -Dieser Prozeß wird einst unter den Dokumenten der bürgerlichen Kultur -mit an erster Stelle stehen, – obgleich für das Gericht gerade da das -Interesse aufhörte, wo das Interesse der Allgemeinheit anfing. - -Da war der Zeuge Schreiber. Er war, solange er von fürsorglichen -Behörden beschützt und behütet war, ein Zeuge, wie man sich nur einen -Zeugen wünscht. Aber als er gezwungen werden sollte, Aug’ in Aug’ seine -Aussagen zu wiederholen: da war der Zeuge Schreiber in seine heimischen -eidgenössischen Felder entrückt. Auf dringendste Einladung begnügt er -sich nicht, wie sein unerfahrenerer Kollege Toifl mit „Schutz vor den -Kommunisten“: er stellt Bedingungen. Neben einer ganz ansehnlichen -Entschädigung in Schweizer Valuta fordert er die Auszahlung von 4000 M., -welche ihm nach seiner Angabe die Münchner Polizei schuldet. Und fordert -Vorausbezahlung! - -Da war ein Weibsbild, von Lemurenhäßlichkeit und zudem in -Reichswehruniform maskiert. In jedem anderen Falle hätte man sie sofort -eingesponnen; aber hier war der Polizeikommissar Maslack, der es -befürwortete, – und der Untersuchungsrichter Dr. Marquardt erteilte der -Polizeispitzelin Schröder-Mahnke Sprecherlaubnis ohne Aufsicht durch -Gefängnisbeamte! In einem Falle, da zur Isolierung der Angeklagten -besondere Vorsichtsmaßregeln getroffen wurden: da darf man Spitzeln -Akten zeigen, Spitzel in die Gefängnisse schicken, von Spitzeln die Welt -heimsuchen lassen wie von Heuschrecken das Land Ägypten; da ist jedes -Mittel recht. - -Und dann sind da die „Mittel“: die lange Kette Blau, Toifl, Strolz, -Acosta, Samson – von den unbekannteren ganz zu schweigen ... und hier -ist die große Lücke, die der Prozeß gelassen hat. Wir alle sehen nur die -Spitzel; wo aber ist die Hand, die sie lenkte? Wo ist der große -Unbekannte, dessen Werkzeuge über die kommunistische Partei herfielen? -Wo ist der Mann, der sie bezahlte: Den Schreiber für die Beseitigung von -Blau, den Toifl für den Raubüberfall auf Orlowsky, den Strolz und Acosta -für das stramme Zufassen? - -Hier und gerade hier war das kriminalistische, moralische und politische -Zentrum des ganzen Prozesses, und nur, wenn dieses Dunkel erhellt wurde, -konnte psychologisch die Tat aufgeklärt werden. Und nur dann konnte -festgestellt werden, wer Mörder war und wer den Mord brauchte. Und dann -konnte gezeigt werden, ob der Opfer des großen Unbekannten noch mehr -seien als Hoppe, Winkler und Fichtmann; es galt zu untersuchen, ob nicht -vom Morde an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, über Leo Jogisches, die -30 Matrosen, Dorenbach und all die Hunderte namenlos Gemordete eine -einzige Linie führt. - -Das war aufzuklären! - - J. Steinborn. - (Aus der Roten Fahne, Nr. 123 u. 125, 1920.) - - - III. - Denkschrift des Reichsjustizministers - über die politischen Morde. - Nr. IV 62598 Gr. - - Reichstag 4. 12. 23. - verkündet in der 394. Sitzung. - - 16. Der Polizeiagent Blau. - - In der Strafsache gegen Fichtmann und Genossen wegen Ermordung des - Inspektors Blau sind in der Hauptverhandlung vor dem Schwurgericht - beim Landgericht I in Berlin vom 24. Juni bis 5. Juli 1920 die - Zeugen Schreiber und Toifl, von denen der erstere sich in der - Schweiz aufhält und zur Verhandlung nicht erschien, letzterer - eidlich vernommen wurde, der Teilnahme an der Ermordung verdächtigt - worden. Die Verdächtigungen entbehren aber jeder Grundlage. - - Wegen des Raubüberfalles auf den Diamantenhändler Orlowsky hat vor - dem außerordentlichen Kriegsgericht beim Landgericht II in Berlin - ein Strafverfahren geschwebt, in dem nur Fichtmann und Manske - verurteilt wurden. Toifl wurde in der Hauptverhandlung als Zeuge - vernommen. Wie die Urteilsgründe ergeben, hat Toifl allerdings an - dem Unternehmen als „Regierungsagent“ teilgenommen. Das Gericht - betonte aber ausdrücklich, daß Toifl _notgedrungen_ die Rolle des - Führers übernehmen mußte, um nicht Verdacht zu erregen und als - Regierungsagent entlarvt zu werden. Und, daß es seinen, wenn auch - uneidlichen Angaben, vollen Glauben geschenkt habe. - - Bei dieser Sachlage ist mangels begründeten Verdachtes einer - strafbaren Teilnahme von der Strafverfolgung des Toifl und Schreiber - Abstand genommen worden. - - [Illustration: Unterschriften des Blau.] - - [Illustration: Bericht des Blau an Leutnant Siebel.] - - [Illustration: Brief des Blau mit Mordangebot.] - - - - - In der Sammlung - AUSSENSEITER DER GESELLSCHAFT - – DIE VERBRECHEN DER GEGENWART. – - erscheinen in kürzester Zeit folgende Bände: - - - *Band 1: - - ALFRED DÖBLIN DIE BEIDEN FREUNDINNEN UND IHR GIFTMORD - - *Band 2: - - EGON ERWIN KISCH DER FALL DES GENERALSTABSCHEFS REDL - - *Band 3: - - EDUARD TRAUTNER DER MORD AM POLIZEIAGENTEN BLAU - - *Band 4: - - ERNST WEISS DER FALL VUKOBRANKOVICS - - Band 5: - - PAUL MAYER DER FECHENBACHPROZESS - - Band 6: - - FRIEDRICH STERNTHAL DER FALL DER RATHENAUMÖRDER - - Band 7: - - RENÉ SCHICKELE DIE CAILLAUXPROZESSE - - Band 8: - - IWAN GOLL DER FALL DER GERMAINE BERTON - - Band 9: - - HENRI BARBUSSE DIE MATROSEN DES SCHWARZEN MEERES - - Band 10: - - HERMANN UNGAR DER FALL GRUPEN - - Band 11: - - ARNOLT BRONNEN DIE ERMORDUNG DES BÖRSENMAKLERS F. - - Band 12: - - KARL OTTEN DER FALL DES HAUPTMANN VON KÖPENICK - - Band 13: - - OTTO KAUS DER FALL GROSSMANN - - Band 14: - - EUGEN ORTNER DER FALL DES MASSENMÖRDERS SCHUMANN - - Band 15: - - KARL FEDERN DER FALL MURRI-BONMARTINI - - Band 16: - - KURT KERSTEN DER PROZESS GEGEN DIE MOSKAUER SOZIALREVOLUTIONÄRE - - Band 17: - - MARTIN BERADT DER FALL HASSELBACH - - Band 18: - - F. A. ANGERMAYER DER FALL DER PARISER AUTOMOBILBANDITEN - - Band 19: - - WILLY HAAS DER FALL GROSS - - Band 20: - - ARTHUR HOLITSCHER DER FALL RAVACHOL - - Band 21: - - JOSEPH ROTH DER FALL HOFRICHTER - - Die mit * versehenen Bände sind bereits erschienen. - - Ferner Bände von: - - MAX BROD, OTTO FLAKE, OSKAR MAURUS FONTANA, WALTER - HASENCLEVER, GEORG KAISER, THOMAS MANN, LEO MATTHIAS, RENÉ - SCHICKELE, JAKOB WASSERMANN, ALFRED WOLFENSTEIN und vielen - Anderen. - - - OHLENROTH’SCHE BUCHDRUCKEREI ERFURT. - - - Anmerkungen zur Transkription - -Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DER MORD AM POLIZEIAGENTEN -BLAU *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. 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Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. 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You may copy it, give it away or re-use it under the terms -of the Project Gutenberg License included with this eBook or online -at <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. If you -are not located in the United States, you will have to check the laws of the -country where you are located before using this eBook. -</div> -</div> - -<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Title: <span lang='de' xml:lang='de'>Der Mord am Polizeiagenten Blau</span></p> -<p style='display:block; margin-left:2em; text-indent:0; margin-top:0; margin-bottom:1em;'><span lang='de' xml:lang='de'>Außenseiter der Gesellschaft. Die Verbrechen der Gegenwart. Band 3</span></p> -<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Author: Eduard Trautner</p> -<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Editor: Rudolf Leonhard</p> -<p style='display:block; text-indent:0; margin:1em 0'>Release Date: February 12, 2022 [eBook #67381]</p> -<p style='display:block; text-indent:0; margin:1em 0'>Language: German</p> - <p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em; text-align:left'>Produced by: Jens Sadowski and the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net. This book was produced from images made available by the HathiTrust Digital Library.</p> -<div style='margin-top:2em; margin-bottom:4em'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>DER MORD AM POLIZEIAGENTEN BLAU</span> ***</div> - -<div class="frontmatter chapter"> -<p class="halftitle"> -<span class="line1">AUSSENSEITER DER GESELLSCHAFT</span><br /> -<span class="line2">– DIE VERBRECHEN DER GEGENWART –</span> -</p> - -<div class="centerpic logo1"> -<img src="images/logo1.jpg" alt="" /></div> - -</div> - -<div class="frontmatter chapter"> -<p class="ser"> -<span class="line1">AUSSENSEITER</span><br /> -<span class="line2">DER GESELLSCHAFT</span><br /> -<span class="line3">– DIE VERBRECHEN DER GEGENWART –</span> -</p> - -<p class="ed"> -HERAUSGEGEBEN VON<br /> -RUDOLF LEONHARD -</p> - -<p class="vol"> -BAND 3 -</p> - -<div class="centerpic logo2"> -<img src="images/logo2.jpg" alt="" /></div> - -<p class="pub"> -VERLAG DIE SCHMIEDE<br /> -BERLIN -</p> - -</div> - -<div class="frontmatter chapter"> -<h1 class="title"> -DER MORD<br /> -AM POLIZEIAGENTEN BLAU -</h1> - -<p class="aut"> -VON<br /> -EDUARD TRAUTNER -</p> - -<div class="centerpic logo2"> -<img src="images/logo2.jpg" alt="" /></div> - -<p class="pub"> -VERLAG DIE SCHMIEDE<br /> -BERLIN -</p> - -</div> - -<div class="frontmatter chapter"> -<p class="designer"> -EINBANDENTWURF<br /> -GEORG SALTER<br /> -BERLIN -</p> - -<p class="cop"> -Copyright 1924 by Verlag Die Schmiede Berlin -</p> - -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="part-1"> -<a id="page-7" class="pagenum" title="7"></a> -EINLEITUNG. -</h2> - -</div> - -<p class="first"> -Der Fall des ermordeten Polizeispitzels -Karl Blau interessiert nicht so sehr wegen -der beteiligten Personen; selbst nicht wegen -der des Ermordeten. Dieser scheint nach den -in der Verhandlung vorgebrachten Bekundungen -ein geistig unbedeutender und sittlich -minderwertiger Mensch gewesen zu sein, -den höchstens der Fanatismus seiner Beschränktheit -gefährlich machte; jene treten -als Persönlichkeiten überhaupt nicht hervor: -man zweifelt, ob man Akteure vor sich hat, -ob Statisten; denn man erkennt weniger Individuen, -als Funktionäre unsichtbarer Strömungen -und Bewegungen. Befangen und fast -entselbstet sind sie schemenhaft undurchdringbar -in Zusammenhängen und Herkunft: -so wie die Tat – die zufällig sichtbar wurde -aus einem verborgenen Mechanismus, in dessen -sonst geräuschlosem Ablauf sie eine vielleicht -unwichtige Masche ist; nur eine Masche, die -dem Staatsanwalt Einschreiten gebot. -</p> - -<p> -Ein politischer Prozeß, – wie ein ähnlicher, -gleichartig farblos in den Persönlichkeiten -und gleichartig undurchdringlich, morgen wie -heute bekannt werden mag: – und dies berechtigt -<a id="page-8" class="pagenum" title="8"></a> -den Versuch, den Fall zu erörtern. -Denn der Boden, dem er entspringt, ist zwar -verborgen und übersehen, doch heute wie -damals vorhanden; er arbeitet und gärt, und -tritt morgen vielleicht schon in Erscheinung; -es ist die unterirdische Bewegung, die politisch -unruhige Zeiten trägt; das vulkanische -Rollen, das Revolutionen und Restaurationen -vorausgeht, nachfolgt und sie begleitet. -</p> - -<p> -– Je ferner und entrückter ein Ding ist, -desto einfacher wird es, es klar zu betrachten, -falls Betrachtung überhaupt statt hat; denn: -der Tätige jeden Berufes lebt einen Alltag, -dessen Oberflächen ihm keine Tiefen verbergen. -Wo ihm Verwicklungen klaffen, hilft -ihm ein knapp formuliertes Urteil – das -Schlagwort – jene Sicherheit zu bewahren, -die seiner Wirksamkeit Voraussetzung ist. -Wenn aber Liebe und Haß, Verzweiflung und -Angst die Gemüter erregen, trübt sich der -Blick, und: wo jeder im tiefsten beteiligt, bereit -und gezwungen ist sich und das Letzte -einzusetzen, dort ist man blind!, auch ohne -zu rasen ... muß es sein, um den Schritt ins -Morgen zu wagen! -</p> - -<p> -Nun war des letzten Dezenniums Ablauf -so rasch und hat so brutal mit uns gehandelt, -daß niemals das Heute Zeit ließ, an das Vorher -zu denken. Natürlich wissen wir alle Viel -und Zu-Vieles aus diesen Jahren; so viel, daß -<a id="page-9" class="pagenum" title="9"></a> -dessen Last uns ängstigte und nicht mehr -tragbar war. Da setzten wir an Stelle der -Wahrheit leicht benutzbare Urteile, nach -ihrem Propagandawert ausgewählt! Und -machten die Gegenwart uns dadurch erträglich -... Wir haben eine tote Vergangenheit; -nicht etwa, daß sie leer wäre; nur: sie ward -nie lebendig. Wir deckten unsere Erinnerungen -mit unseren Formulierungen zu ... -und eiferten uns in die Berechtigung unserer -Ziele. -</p> - -<p> -Doch, – die Schufte sind selten; häufiger -sind schon die Hanswurste, und die weitaus -überwiegende Mehrzahl der Menschen erhebt -berechtigten Anspruch darauf, für gute Bürger -und gute Patrioten zu gelten. Und: man -wird auf der ganzen Erde zusammen nicht -so viel Mut finden, um nur ein Drittel eines -Volkes zu den Verbrechern zu machen, die -sie gegenseitig sich schimpfen. Wer also -nicht bereit sein will, in politischen Dingen des -Gegners nur Gemeinheit zu sehen und Niedertracht, -muß das Bild all der Jahre wecken: -ohne Betrachtung der politischen Lage der -breiten Massen und ihrer Gestaltung unter -dem Einfluß des Nachkrieges ist es unmöglich, -dem Fall Blau gerecht zu werden – soweit -überhaupt Möglichkeit ist, durch dieses -Dunkel zu dringen, denn: -</p> - -<p> -In der Aufklärung, wie der Prozeß sie gibt, -<a id="page-10" class="pagenum" title="10"></a> -sind die letzten Enden und Fäden verborgener -Bestrebungen eben erkennbar; man sieht -in der aufgerissenen Wunde zerfetzte Sehnen -und weiß, daß im Lebenden, irgendwo hinter -dem Sichtbaren, Wille sitzt und Gehirn. -Aber es ist unmöglich, diesen Spuren zu -folgen; eine Spanne weit sind sie zu ahnen, -dann kommt das Uferlose. Die Ganzheit entzieht -sich stumm und unfaßbar jeder Betrachtung. -</p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="part-2"> -<a id="page-11" class="pagenum" title="11"></a> -DER BODEN. -</h2> - -</div> - -<h3 class="section" id="chapter-2-1"> -Die Außenseiter. -</h3> - -<p class="noindent"> -Jede bisherige Art der menschlichen Gesellschaft -fand im Urteile der Betrachter das -eine Wort: daß sie schlecht sei und berechtigten -Anforderungen nicht genüge. Der -nächste Satz war, daß sie notdürftig funktioniere. -Darüber hinaus zeigten sich die -Verschiedenheiten, trennten sich die Wege: -die einen betonten das Wort „funktionieren“, -während die anderen das „notdürftig“ rot -unterstrichen. -</p> - -<p> -Ein Lebendiges sollte man nicht an Hand -mechanischer Vorstellungen erörtern, – aber -unsere Sprachen sind nach diesen und Mathematik -geformt und für deren Bedürfnisse -durchgebildet: So vergleicht man die Gesellschaft -mit einer riesigen und sehr komplizierten -Maschine. -</p> - -<p> -Aber man muß sich erinnern, daß die Gesellschaft -aus einer Unzahl Einzelmenschen -mit persönlichem Schicksal besteht; und, daß -sie nicht alle Menschen umfaßt: außerhalb -stehen andere, die in anderen Gesellschaften -organisiert sind, und solche, die kaum irgendwo -<a id="page-12" class="pagenum" title="12"></a> -zugehören. Es gibt mehrere solcher Maschinen, -die sich berühren und in manchem -durchdringen: es braucht schon Gewalt, um -eine allein zu betrachten. Doch auch an der -einzelnen ist nichts, was fest ist. Nicht nur, -daß die Menschen altern, sich ändern, wechseln; -auch die Gruppen von Menschen, die -Teile der Maschine, wandeln sich in ihrer -Struktur, ihrer Leistung und sogar ihrer Notwendigkeit -für das Ganze. So ist auch dieses -einer dauernden Umbildung unterworfen, die -oftmals das Schwergewicht zwischen den einzelnen -Sphären (z. B. Landwirtschaft, Wehrmacht, -Geldwesen, Beamtentum usw.) verlagert -und für immer verschiebt. -</p> - -<p> -Die Mittelpunkte der Konsolidierung und -Kristallisation sind selbständig und suchen -vielfach unabhängig voneinander den Bau zu -durchdringen; ein Ringen um die Hegemonie -findet statt, und neben den Tendenzen, die -auf Befestigung zielen, laufen Prozesse der -Auflösung und der Rückbildung einher: Dies -erfordert eine angemessene Beweglichkeit der -einzelnen Elemente und bedingt besonders -an den Berührungszonen der einzelnen Gebiete -eine beträchtliche Lockerheit des Gefüges. -Nur so kann der Organismus die starke -Reibung dort und hier die lose Verknüpfung -ertragen. -</p> - -<p> -Wo immer man eine Bevölkerungsgruppe -<a id="page-13" class="pagenum" title="13"></a> -abtastet, wird man an ihren Grenzen finden, -daß sie zerfasert und allmählich oder verzackt -in andere Gruppen überfließt. Dort, an -den Grenzschichten, findet man diese elastischen -und beweglichen Elemente. Im Inneren -der Gesellschaft füllen sie als Zwischenhändler, -Kommissionäre usw. vorhandene Lücken -aus und überbrücken sie; an den freien Außenflächen -aber vermögen sie sich zu entfalten -und blühen aus als Künstler, Gelehrte, Propheten, -oder entwickeln sich zu Feinden und -Verbrechern – je nachdem die Verhältnisse -gelagert sind und je nach dem, was die bestehende -Form mit diesen Gliedern anzufangen -weiß, –: bis fortschreitende Entwicklung vielleicht -gerade von diesen Zonen aus neue und -umwälzende Mittelpunkte zur Geltung bringt. -</p> - -<p> -Darum ist auch eine andere Betrachtung -der Gesellschaft möglich: im Gegensatz zu -den starren und durchkonstruierten Teilen -der Maschine stellt jenes schmiegsame Milieu -das Bewegliche, Gärende und so das Lebendige -dar, das zeugt und stirbt. Man kann -also das Geordnete als gegeben und nicht weiter -anregend statistisch aufnehmen: in den -Zwischenschichten aber das fruchtbare und -fortbildende Element untersuchen: den Ausgangspunkt -der Entwicklung – und vielleicht -besteht der wesentliche Teil praktischer -Innenpolitik im Versuch der Erkenntnis -<a id="page-14" class="pagenum" title="14"></a> -und richtigen Voraussicht, im Auffangen -der so bedingten Verschiebungen. – -</p> - -<p> -Der Sprachgebrauch wird diese abseits des -stabilen Kreislaufs wirksamen Existenzen als -Außenseiter bezeichnen. Der Außenseiter ist -demnach kein aus der Bahn geschleudertes -Individuum, sondern ein der Gesellschaft und -jeder noch nicht verknöcherten Gesellschaft -notwendiges Milieu. Zwangsläufig wird der -einzelne in diese Schicht getrieben; zum Teil, -weil er den benachbarten Stabilisierungstendenzen -weniger geneigt und von ihnen -abgedrängt wird, zum anderen Teil, weil die -vorhandene Lücke von irgendwoher ihn ansaugt. -Selbstverständlich wird eine gewisse -Auslese der Charaktere stattfinden, aber -ebenso sehr erwartet das Milieu den Menschen! -Die Idee der Gesellschaft allein -setzt schon als gegeben den Außenseiter; -die Art ihres Aufbaues bedingt die Rolle, -die er zu spielen hat, und so, wie sie der -vorhandenen Lage entspricht, wird jener -fördernd oder auflösend oder erneuernd -wirken. -</p> - -<p> -Aber, was stetig sich ändert, verschiebt -und anpaßt, wird nie der Idee entsprechen; -bestenfalls ist es ein Angleichen, das Reibungen, -Härten und Stöße nicht ausschließt: sondern -aushalten muß. Diese Erschütterungen -möglichst bald abzufedern – im Interesse -<a id="page-15" class="pagenum" title="15"></a> -des Ganzen – ist nötig und die Wirklichkeit -ist nicht wählerisch in den Mitteln. -</p> - -<p> -Der Außenseiter erfüllt eben eine Lücke, -die besteht und Erfüllung fordert; erst sekundär -erweist sich die Wirksamkeit des neuen Gebildes -für die weitere Gestaltung des Ganzen. -</p> - -<p class="tb"> - -</p> - -<p class="noindent"> -Eine der kompliziertesten Arten des Außenseitertums -ist die politische: von den überragenden -Köpfen, die zwischen und über den -Parteien und Völkern stehen, zu den vaterländischen -Märtyrern und den Verbrechern, -die mit Raub und Erpressung arbeiten, von -da wieder zu den Fälschern, Schwindlern und -politischen Hochstaplern sind schwebende -Übergänge vorhanden. Diese Verhältnisse zu -erörtern, wäre eine langwierige Arbeit für -sich, die hier nicht in Betracht kommt. -</p> - -<p> -Der vorliegende Fall spielt im Jahre 1919, -und um diese Zeit (kurz nach dem Zusammenbruch -und vor der Organisation und Politik -der Geheimbünde) herrschten in Deutschland -Zustände, die mit denen vor dem Krieg -und entsprechenden Parallelen wenig Verwandtschaft -haben. Selbst heute hat sich -schon so viel geändert, daß es am geratensten -ist, das damalige Chaos und seine Entstehung -zu schildern – auf die Gefahr hin, -Bekanntes zu wiederholen. -</p> - -<h3 class="section" id="chapter-2-2"> -<a id="page-16" class="pagenum" title="16"></a> -Der Krieg. -</h3> - -<p class="noindent"> -Das kurzsichtige Zusammenspiel etwa eines -Dutzends sich hintereinander versteckender -Männer hatte im Jahre 1914 die Länder Europas -an einen Abgrund gebracht, vor dem -sie nicht mehr zu retten waren. Im August -setzten die Kriegserklärungen ein: da ergriff -alle Kreise der Bevölkerung ein Zustand unpersönlicher -Erregung, ein Gefühl der Befreiung -und ein Drang, sich zu opfern. -</p> - -<p> -Nur wenige vermochten, sich diesem Zwang -zu entziehen: solche, deren persönliche Welt -vom Ganzen des Volkes gelöst und in kosmopolitischer -Seinsart verankert war: sie schwiegen -damals, wie sie heute und immer tun; -und, wenn sie gesprochen hätten, hätte es niemand -vernommen. Solche, die aus überzeugter -Gegnerschaft zum bestehenden System und -seiner Politik protestierten: und diese wurden -eingesperrt. Die anderen alle waren im Strom. -</p> - -<p> -Alle! Und es ist unrecht, den heutigen -Sozialisten, Internationalisten und Pazifisten -vorzuwerfen, daß sie es waren; viel eher wäre -berechtigt, denen, die, ängstlich an Halme -und Balken sich klammernd, in der Heimat -verblieben, ihren Mangel an Gemeinsinn -nachzutragen. Das ganze Volk war einig, -die Atmosphäre war zu drückend gewesen, -als daß sie nicht jeden ergriffen hätte! -</p> - -<p> -<a id="page-17" class="pagenum" title="17"></a> -Dies Bild änderte sich erst mit der Zeit: -Im Herbst bereits konnten Verständige sehen, -daß der Krieg lange dauern würde und durch -Siege allein nicht zu gewinnen war. Doch die -Verständigen schwiegen und dienten: Man -war Soldat (– und der Krieg wurde daran -verloren, daß man zuviel Soldat war!). -</p> - -<p> -Die großen Siege von 1915 und 16 rissen -das Geschehen ins Grandiose; und verwischten -den Blick. Das Ausmaß der Ereignisse -war so übermenschlich, daß die Möglichkeit -einer Niederlage zu grauenvoll war, um ihren -Gedanken zu wagen. Es mußte das Letzte -geopfert werden zu irgendeinem, zum möglichen -Ziel: die Männer, die 1914 gebangt -hatten vor der Schwere der übernommenen -Bürde, sahen, daß nur das Äußerste, das Unmögliche -sie rechtfertigen konnte: Siegfrieden; -es mußte gesiegt sein, sonst war alles -verloren! Schon das Zurück überlegen war -ein Verbrechen und dessen Folgen mußten -furchtbar sein! – -</p> - -<div class="centerpic"> -<img src="images/i018.jpg" alt="" /></div> - -<div class="box hidden flyer"> -<p class="u hdr"> -<span class="line1">Wir</span><br /> -<span class="line2">müssen siegen!</span> -</p> - -<p class="u center"> -Am kommenden Sonnabend, abends 8 Uhr<br /> -große öffentliche Versammlung<br /> -im Harmoniesaale -</p> - -<p class="hang u"> -Wir fordern:<br /> -Krieg bis zur siegreichen Entscheidung! -</p> - -<p class="hang u"> -Wir wollen:<br /> -den Frieden der Sicherheit,<br /> -den Frieden, der unserer Toten wert ist! -</p> - -<p class="hang u"> -Wir verlangen:<br /> -Rückerstattung der Kriegskosten,<br /> -militärische und industrielle Sicherungen, besonders der Westfront,<br /> -koloniale Berichtigungen! -</p> - -<p class="center"> -Wir fordern unsern Platz auf der Welt! -</p> - -<p class="u center"> -Durchhalten!<br /> -Aushalten!<br /> -Maul halten! -</p> - -<p class="center"> -Wir müssen siegen! -</p> - -<p class="sign"> -Deutsche Vaterlandspartei.<br /> -Der Ortsvorstand. -</p> - -</div> - -<p> -Die Mehrheit der Bevölkerung, besonders -die Truppe, trug den Krieg wie einen Beruf: -sie wälzte Verantwortung auf die Höheren -ab, erfüllte stumm ihre Pflicht und schonte -sich nicht. Selbst in den Kreisen hinter der -Front, die man nicht immer lobend erwähnte, -blieb bei aller lokalen Verlottertheit kein -Appell ohne Wirkung; man war nicht mehr -<a id="page-19" class="pagenum" title="19"></a> -begeistert, wie in jenem August; und mußte -nicht unbedingt an der Spitze sein: doch war -man jederzeit bereit, wenn nötig, das Letzte -zu geben. -</p> - -<p> -Es gab keine Außenseiter, es gab keine Beweglichkeit! -Sicher, die Kriegswirtschaft arbeitete -mit ungeheuren Verlusten und Spesen, -aber sie funktionierte und – wenn man tausendmal -manches hätte ändern und bessern -können: ohne die Versteifung und Verstählung -um einen einzigen Kern ging es nicht! -Wenn nicht dieser ganze Staat eisern und -ehern <em>eine</em> Maschine war, ohne Reibung und -ohne Leerlauf nur Härte: dann war heiler -Ausgang unmöglich. -</p> - -<p> -Wenn er überhaupt möglich war! – Es ist -für die Einheitlichkeit der nationalen Bewegung -beweisend, daß Widerspruch gegen -den Krieg erst dann weitere Kreise zog, als -Männer an exponierten und orientierten -Plätzen die Möglichkeit des Sieges verneinten -und jedes weitere Opfern als unnütz -und die Lage verschlimmernd zu erkennen -glaubten; und hier fand der entscheidende -Bruch in der Psyche während des Krieges -statt: die einen sagten: „Wir können nicht -zurück!“ und bissen die Zähne ineinander; -die anderen fühlten: „Wir müssen zurück!“ -und schwiegen; und warteten auf den besseren -Augenblick. <em>Beide fühlten sich schuldig.</em> -</p> - -<h3 class="section" id="chapter-2-3"> -<a id="page-20" class="pagenum" title="20"></a> -1918. -</h3> - -<p class="noindent"> -Die Begeisterung jenes heißen Augusts war -mit den Jahren ernster Gefaßtheit gewichen; -1918 wandelte sie sich in beengenden Druck. -Man wußte, daß man nicht siegen konnte; man -wußte, daß die leichten Möglichkeiten zum -Frieden vorüber waren; man wußte, daß zuviel -unwiederbringlich vorüber war und fühlte -sich angstvoll und unfrei. Jedenfalls, die Verantwortlichen -taten nichts, einen Ausweg zu -finden: wie gelähmt folgten sie der Entwicklung, -und selbst die erkannte Wahrheit vermochte -keinen Entschluß zu reifen. -</p> - -<p> -Und unverantwortlich waren nur die niedrigsten -Gruppen: die einfachen Soldaten und -die in der Kriegsindustrie zusammengepferchten -Arbeiter, das hungernde Volk! Gerade -die Masse dieser Unverantwortlichen – die -gehorchte und litt im Vertrauen auf den Erfolg -– gerade dieses Vertrauen forderte entscheidende -Tat ... Aber man war schon zu -weit! So hofften die einen auf allgemeine Zermürbung, -die anderen bangten vor der erkannten -Gefahr; beide hielten sich dadurch -aufrecht, daß sie ihre individuelle Pflicht erfüllten. -</p> - -<p> -Dabei war das System nur für den Sieg gebaut! -Jede andere Lösung war unerträglich; -das Letzte war auf die einzige Karte gesetzt! -<a id="page-21" class="pagenum" title="21"></a> -Die ganze Maschine des Staates war derart -überkonstruiert und versteift, daß sie die geringste -Abweichung weder ertragen, noch -überstehen konnte; sie mußte springen. – -</p> - -<p> -Man spricht von Unterwühlung der Front -und nennt die paar Streiks, die paar Meutereien, -nennt die wenigen Namen, die während -des ganzen Krieges ungehört widersprochen -hatten: man suche nicht Sündenböcke! Zuerst -wollte, dann mußte man siegen; für den -Fall, daß der Sieg ausbleiben würde, war -nicht gesorgt ... und hätte man dafür gesorgt, -dann war keine <em>Aussicht</em>, zu siegen. -Es war eine Zwickmühle. Der Krieg war eben -verloren und war dadurch verloren, daß er -zu lange Möglichkeit zeigte, gewonnen zu werden. -</p> - -<p> -Dies ist eine Tragik, kein persönliches Verschulden; -und vor der Größe dieser Tragik -wird alles belanglos, was man an Fehlern -nach links und rechts aufdecken kann. Man -erhebt als plausibelsten Vorwurf den: im -Jahre 1918 selbst sei die Beilegung des Krieges -so lange verzögert worden, bis man den -Waffenstillstand in wenigen Stunden haben -<em>mußte</em>. -</p> - -<p> -Aber, während periphere (koloniale) Kriege -im Verlustfalle gleichgültig sind, im Gewinnfalle -höchstens mit der Krönung des siegreichen -Feldherrn enden, enden zentrale (Erschöpfungs-) -<a id="page-22" class="pagenum" title="22"></a> -Kriege im Verlustfall mit dem Sturz -des Systems. Um die bestehende Ordnung -zu erhalten, mußten die verantwortlichen -Leiter, als die Stützen und Träger des herrschenden -Systems, alles versuchen, um den -Krieg nicht offensichtlich zu verlieren. – -Doch er war schon verloren! -</p> - -<h3 class="section" id="chapter-2-4"> -Der November. -</h3> - -<p class="noindent"> -Im August waren die letzten Offensiven gescheitert; -im September-Oktober erlahmte -der Widerstand; Bulgarien, Österreich schieden -aus, und in diesem höchsten Moment zeigt -sich nochmals der ganze Zwiespalt: viele Demokraten -forderten die nationale Verteidigung, -viele Nationalisten das sofortige Ende! -Die Patrioten waren geteilt und, ehe sie sich -einigen konnten, erfolgte um sie herum der -Zusammenbruch, ... in dem der Sturz der -Monarchien kaum mehr vernommen wurde. -Die überbeanspruchte Maschine zersprang an -ihrem Mangel an Elastizität. -</p> - -<p> -Heute nennt man es Revolution und rechnet -es sich als Verdienst oder Schande; doch: -</p> - -<p> -Revolutionen entbrennen in einem müden -und untergrabenen System plötzlich, blutig -und breiten erobernd sich über das Land aus. -In diesem Falle krachte der ganze Mechanismus -<a id="page-23" class="pagenum" title="23"></a> -des Bestehenden in einem Augenblick -völlig und überall zusammen. Über den -Trümmern wehte keine Fahne, die vorwärts -ruft, keine Idee stand vor den Massen; es war -nichts Schöpferisches und Freudiges da, nur -Panik. Es war eben keine Revolution, es war -einfach Zusammenbruch, Entsetzen und -Chaos, débâcle. -</p> - -<p> -So leicht es ist, sich eine solche Erscheinung -mechanisch vorzustellen, so schwer ist -es, sie psychologisch zu durchschauen. Daß -innerhalb weniger Stunden und Tage durch -das ganze Gebiet des Landes bis in den kleinsten -Betrieb hinein die bestellten Leiter verschwanden -und flohen und jegliches Ruder -ohne Führung war! Aber, man muß sich erinnern, -wie die Entwicklung des Krieges sowohl -den Unentwegten wie den Defaitisten -ein gewisses Schuldbewußtsein brachte, ein -schlechtes Gewissen, das sie nicht froh werden -ließ, eine Angst vor dem Morgen – ganz -wenige nur besaßen den Patriotismus oder -die Schamlosigkeit, sich weiterhin zur Verfügung -zu stellen und zur Rettung des Ganzen -zu drängen. Die anderen verstummten und -überließen das Feld der unendlichen Flut: -den Arbeitern und Soldaten. -</p> - -<p> -Diese, die bisher Unverantwortlichen, -sahen plötzlich die Gesamtheit des Vorhandenen -in ihrem Bereich; doch anstatt darüber -<a id="page-24" class="pagenum" title="24"></a> -herzufallen, erkannten sie eine Verpflichtung -und versuchten, ihr Folge zu -leisten. -</p> - -<h3 class="section" id="chapter-2-5"> -Die Patrioten. -</h3> - -<p class="noindent"> -Man darf in unruhigen Zeiten nicht nach -dem urteilen, was geschrien und geschrieben -wird; man muß nach den Tatsachen fragen: -es wurden Arbeiter- und Bauern-, Bürger- -und Soldaten-, sogar geistige Räte gebildet, -die – zu erhalten suchten! -</p> - -<p> -Wenn ein ausgehungertes und entnervtes -Volk zusammenbricht, erwartet man Plünderung -und Zerstörung. Selbstverständlich -wurde geplündert; aber zerstört wurde fast -nichts; vor die Maschinen stellten sich schützend -die Arbeiter, vor die Museen und Wertbesitzer -die Räte: man wollte erhalten. Leicht -ist es heute, über den Wust unnützer Debatten -und wirkungsloser Beschlüsse zu lachen: -die Leute, die damals sich Mühe gaben, waren -sehr gute Bürger, die ihr Vaterland liebten -und versuchten, möglichst vieles zu retten. -Daran ändern Zitate nichts und nichts Geringschätzung, -denn sie haben’s geschafft. Als -alle bis dahin bestehende Ordnung zerbrach, -vermochten sie es, den Bestand zu erhalten. -Aber weiter vermochten sie nichts. -</p> - -<p> -Verblüffend ist die Sorgfalt, mit der die Räte -<a id="page-25" class="pagenum" title="25"></a> -einschneidende Maßnahmen zu umgehen suchten, -Wahlen ausschrieben für eine verfassunggebende -Versammlung, und solcherart selbst -ihre Wirksamkeit als vorübergehende und -rein abwickelnde bezeichneten – dabei waren -sie in diesen Wochen die einzige vollziehende -und verwaltende Macht! Es ist einfach erstaunlich, -mit welcher Sorgfalt dies zu Boden -geschmetterte Volk sich zu bewahren suchte, -– es muß wirklich kein Funken Revolutionsdrang -in diesem Volke vorhanden gewesen -sein – der kleinste Anstoß müßte genügt -haben, das ganze Feld zu entflammen! – -</p> - -<p> -Man kann bestreiten, ob dieses Erhalten -klug war; viele werden behaupten, daß eine -schmerzliche Operation besser ist als eine -lange Krankheit – und, wenn man bedenkt, -daß heute (1924) die Herstellung des Friedens -noch nicht gelungen ist, mag man noch -mehr mit dem Urteil zögern. Trotzdem -bleibt die Art, wie diese Männer die Liquidation -<em>dieses</em> Krieges und die Erhaltung des -toten Bestandes fertiggebracht haben, ein -Phänomen der Geschichte. -</p> - -<p> -Ihr Verdienst wird nicht dadurch geschmälert, -daß ihnen die Errichtung einer -neuen Staatsmaschine mißlang; denn die Auflösung -des alten Systems war derart völlig -und katastrophal, daß weder in Handel noch -in Produktion, weder in Verwaltung noch in -<a id="page-26" class="pagenum" title="26"></a> -den Gebieten der öffentlichen Sicherheit -irgendwelche leistungsfähige Organisation verschont -war. Es mußte alles neu aufgebaut -werden. -</p> - -<h3 class="section" id="chapter-2-6"> -Die Gegner. -</h3> - -<p class="noindent"> -In den Novembertagen gab es eigentlich -nur mehr Einzelne und zufällige Anhäufungen -von Einzelnen: auf den größten dieser zufälligen -Anhäufungen (dem Heer und den Arbeitermassen -in den Betrieben) baute sich die -erste Struktur auf. Es entstanden Richtlinien -und damit die Schwierigkeit des Richtens: -jeder Fortschritt mußte gegen den Widerstand -des desorganisierten Einzelnen überwunden -werden. -</p> - -<p> -Doch darüber hinaus gaben die neuen -Richtlinien zu Widerspruch Anlaß: die einen -versuchten, wenn nicht die alte Regierungsform -zu erhalten, so doch die Macht den -Machtträgern des alten Regimes zuzuschieben. -Die anderen wollten, wenn man schon -aufbaut, einen von Grund aus neuen und -verbesserten Bau – selbst, wenn es nötig -war, vorher noch mehr zu zerstören. Beide -warfen dem sich bildenden Staate die Charakterlosigkeit -des feilschenden Maklers vor, die -Angst um den billigsten Mittelweg. -</p> - -<p> -Nun soll ja Politik die Kunst des Möglichen -<a id="page-27" class="pagenum" title="27"></a> -sein: aber in einem Trümmerfeld darf man -nicht Politik verlangen, selbst wenn ein paar -der Stücke Kristallisationskraft besitzen. Man -muß auch bedenken, daß die rivalisierenden -Kräfte sich gegeneinander organisierten und -Tag um Tag die Möglichkeit sahen, sich durch -Gewalt in den Besitz der wenigen Herrschaft -zu setzen, die da war. Was die Arbeit und -das Erbe der Räte bedeutsam macht, ist, daß -es sich bis heute erhielt und durchsetzte; -nicht: daß damals schon vorhanden war, was -es ausgezeichnet hätte. -</p> - -<p> -Drei feindliche Richtungen bekriegten sich -auf einem Meere von Unordnung. Aber man -darf die Zahl der zuverlässigen Anhänger nicht -überschätzen; die Richtungen selbst haben -sich erst allmählich gefestigt und durchgesetzt. -</p> - -<p> -Der damalige Zustand ist etwa auf die Formel -zu bringen: Jeder sein eigener Patriot; -nach seinen Kräften. Wer einen Mund hatte, -brüllte; wer eine Faust hatte, schlug. Der Besitz -eines Maschinengewehrs war mehr wert -als der einer Überzeugung; und, da die Verständigen -ohnmächtig und ratlos verstummten, -hatten’s die Dummköpfe leicht, laut zu -sein. Sie fühlten sich sogar dazu berufen und -angestellt. -</p> - -<p> -In solchem Zustand wiegen die Köpfe nicht, -da gilt ein Temperament alles, und die Temperamente -kamen: -</p> - -<p> -<a id="page-28" class="pagenum" title="28"></a> -Die Unruhigen: Abenteurer, Wichtigtuer, -Projektemacher, Querulanten; Die Phantasten: -Fanatiker, Propheten, Halbirre, Ekstatiker; -Die Schmarotzer: Intriganten, Hanswurste, -Schmeichler, Faulenzer: eine wogende -Masse, die brodelnd aufgerührt wurde und -haltlos hin- und herschlug. Dazu kam die Unzahl -derer, die aus Trägheit oder Gelegenheit -leichtem Unterhalt nachging und dem -nächsten sich anschloß; und endlich der unzuverlässigste -unter allen Machtfaktoren innerpolitischer -Auseinandersetzung: die, deren -Stellungnahme in einer Stunde wechselt und -unvorhergesehen entscheiden kann; die Legion -derer, die ihrer Art nach Soldaten sind -und gehorchen und siegen wollen, das Heer! -</p> - -<p> -Drei hauptsächliche Richtungen, eine Anzahl -Querköpfe auf eigene Faust, eine Unzahl -von Mitläufern und ein desorganisiertes -Heer: das waren die Figuren des damaligen -politischen Spieles – abgesehen von ein paar -Führern und ihrem organisierten Anhang -unverantwortliche Außenseiter, wucherndes -Fleisch, dessen Aufsaugung der Republik bis -heute nicht gelang. -</p> - -<h3 class="section" id="chapter-2-7"> -Der Bürgerkrieg. -</h3> - -<p class="noindent"> -Seit 1919 lebt Deutschland im Bürgerkrieg. -Daß immer mehrere sich zusammentaten, um -<a id="page-29" class="pagenum" title="29"></a> -den anderen zu schlagen, und, daß die Republik -immer bei den mehreren war und so -anscheinend erstarkte, ändert nichts an der -Sache. Ebensowenig die Feststellung, daß -nicht an jedem Tage an jedem Orte geschossen -wurde. Denn: wer alle Schießereien, Morde, -Prozesse aneinanderreiht, erhält trotzdem -einen ununterbrochenen Kriegsbericht, der es -mit irgendeinem historischen Krieg aufnehmen -kann. -</p> - -<div class="centerpic"> -<img src="images/i029.jpg" alt="" /></div> - -<div class="box hidden flyer"> -<p class="u hdr"> -<span class="line1">Offiziere der</span><br /> -<span class="line2">7. Kavalleriedivision!</span> -</p> - -<p> -center.u Für Recht! -Für Gesetz! -Für Ordnung! -</p> - -<p class="center"> -Setzt euch in Beziehung -mit euren Kameraden -</p> - -<p class="center"> -fürs Vaterland!!! -</p> - -</div> - -<p> -Der Bürgerkrieg wird von mehreren, äußerlich -kaum unterscheidbaren Teilen eines Volkes -geführt; von Leuten, die Mut haben und -von ihrem Recht überzeugt sind. Sie halten -die Anderen für Schufte, Verräter und Verbrecher: -<a id="page-30" class="pagenum" title="30"></a> -weil nur dieses Urteil den Totschlag -von Volksgenossen verantworten kann. Der -Rest der Bevölkerung versucht ängstlich seinen -Besitz zu wahren, und sei es auf Kosten -der Nachbarn oder des Ganzen – um morgen -vielleicht doch arm zu sein. Politische und -wirtschaftliche Zerrüttung: die Ereignisse der -letzten Jahre bestätigen das. -</p> - -<p> -Die Tatsache, daß der Feind äußerlich -nicht erkennbar und räumlich nicht getrennt -ist, schafft eine Atmosphäre des Mißtrauens -und der Unsicherheit, die zugleich mit der Verachtung -des Gegners die Schärfe des Kampfes -und seine Brutalität erklärt. Dazu kommt, -daß die Lage in Deutschland die Folge eines -Zusammenbruchs ist. Die ganze vorher geschilderte -brodelnde Masse schiebt sich hinter -und zwischen die Parteien und derselbe Zusammenbruch, -der jenes unorganisierte Milieu -schuf, zwingt die Parteien, sich seiner zu bedienen; -und es wird Träger der Politik und -ihrer Bestrebungen. Das Verantwortungslose -ruft sich aus zum System. -</p> - -<h3 class="section" id="chapter-2-8"> -Der Spitzel. -</h3> - -<p class="noindent"> -Für den Naiven besteht die Historie aus -Schlachten und Morden: Dingen, die mit -Krawall in die Welt gesetzt werden und -<a id="page-31" class="pagenum" title="31"></a> -durch ihren Krach überzeugen. Die Erinnerung -des großen Krieges zeigt, daß Leisetreten -auch wirksam ist: daß Aufklärung und -Propaganda, Kredite, Fehler des Gegners, -nicht zuletzt Ideen und Lügen das Schicksal -der Völker entscheidend zu beeinflussen vermögen; -das Hinter- und Unter-der-Front ergibt -erst die Strategie. -</p> - -<p> -– Jeder Staat und jede Partei verfügt über -Nachrichten- und Propagandadienst, hat Interesse -für Verrat und Provokation. In normalen -Zeiten verwendet man dazu möglichst -ausgesuchte Leute, die mit aktiver Spionage -arbeiten oder mit bezahltem Verrat; eventuell -über Mittelmänner. Die Zwischenschicht -des Spitzels ist, wie bei jeder stabilisierten -Gesellschaft die Zwischenschichten, -dünn und einflußlos. Von dem seltenen Spion -aus Vaterlandsliebe und Opferwillen abgesehen -gibt es eine kleine Clique von Internationalen, -unter denen echte und falsche -Nachrichten für mehr oder weniger Geld käuflich -sind. -</p> - -<p> -Diese kommt für den Bürgerkrieg kaum in -Betracht: der Boden ist heiß und die Chancen -sind gering. Außerdem sind die Erfordernisse -ganz andere. In der ruhigen Politik -handelt es sich meist darum, Geheimnisse -und Geheimgehaltenes zu erfahren oder zu -verbergen: Arbeiten, die auf lange Sicht -<a id="page-32" class="pagenum" title="32"></a> -unternommen werden. Hier aber schafft -jeder Tag neue Situationen. Zuerst sind -schon die Parteien nicht fest orientiert; -Gruppen und Grüppchen bilden sich, lösen -sich auf; viele handeln auf eigene Faust: -und es ist schwer, orientiert zu sein, was -<a id="page-33" class="pagenum" title="33"></a> -von Belang ist. Zudem stehen hinter den -Leuten Waffen, die nicht in Jahren, sondern -morgen schon losgehen können. Das schafft -eine Erregung, in der jeder geordnete Nachrichtendienst -versagt; da erwacht das Gerücht -in seiner gefährlichen Unkontrollierbarkeit. -</p> - -<div class="centerpic"> -<img src="images/i032.jpg" alt="" /></div> - -<div class="box hidden flyer"> -<p class="u hdr"> -<span class="line1">Genossen! Vorsicht!</span><br /> -<span class="line2">Spitzel!</span> -</p> - -<p class="center"> -1,67 groß, untersetzt, beweglich; -aschblondes Haar, dto. Schnurrbart, -Rundschädel, starke Backenknochen, -eher Stupsnase, unruhige -graubraune Augen, schlechtes Gebiß, -im Oberkiefer einige -Zähne fehlend. -</p> - -<p class="u center"> -Gefälschte Ausweise des Spartakusbundes;<br /> -Namen wechselnd. -</p> - -<p class="u center"> -Spitzel!<br /> -Genossen! Vorsicht! -</p> - -</div> - -<p> -Jedes Ohr neigt jedem Mund sich zum -Horchen. Jeder, der mit Leuten verschiedener -Parteien verkehrt, kann in die Lage -des Zwischenträgers und seine Not kommen. -Es ist eine ununterbrochene Skala von den -Plauderern zu den Bezahlten, von den Gutgläubigen -bis zu den beauftragten Provokateuren. -</p> - -<p> -Wo Spitzel sind, da herrscht Spitzelangst; -da alle Wasser trüb sind, fischt man mit -groben Netzen: Aushorchen, Erpressung, -Verhaftungen und Mißhandlungen, Haussuchung, -Raub und Mord sind die Mittel, und -ein Heer von Zwischenträgern und Achtgroschenjungs -lebt davon; der Feind macht’s -ebenso, und nun werden Verräter entlarvt, -wird über Verbrechen und Provokation gestritten, -Urheberschaft sich in die Schuhe -geschoben und sich beschimpft: bis kein -Mensch mehr weiß, wer was wirklich veranlaßt -hat. Berufsmäßiges Verbrechen mischt -sich ein; Desordre – und jeder schwört auf -seine Meinung wie zuvor. -</p> - -<p> -<a id="page-34" class="pagenum" title="34"></a> -Nach der Psychologie dieses Spitzels zu -fragen ist müßig. Sie ist zu verschieden; -selbst die Bezahlten sind in keiner Weise ein -Typ. Sie kommen durch Zufall zu diesem Erwerb, -und einmal im Zuge, gleiten sie weiter; -sie nehmen das Geld, oft von beiden Seiten, -und haben meist gar nicht vor, dafür Arbeit zu -leisten; es wird gelogen, gedichtet und provoziert: -wahllos und ohne Hemmungen – wie -es eben geglaubt, gewünscht und bestellt wird. -Alles an diesen Leuten ist falsch; sie kennen -nicht Freund noch Feind; nur Betrogene -– und wahrscheinlich ohne darüber klar zu -sein: ein zerstörender Zustand der Demoralisation. -Bei dem vielleicht viele nicht wissen, -wie sehr sie daran Anteil haben. -</p> - -<p> -Denn es ist unrichtig, einzig dem Zusammenbruch -und der dadurch bedingten -Verwirrung die Schuld zu geben. Die Verantwortung -liegt viel mehr bei denen, die -– anstatt mit allen Mitteln gegen das verwahrloste -Außenseitertum einzuschreiten – -sich nicht scheuten gerade die minderwertigsten -Elemente für ihren Zweck zu engagieren; -sie liegt bei denen, die den Lockspitzel -anstellten und ihn bezahlten. -</p> - -<p> -Der vorliegende Fall wird genügend Einblick -in diese Zustände geben! -</p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="part-3"> -<a id="page-35" class="pagenum" title="35"></a> -DIE ANKLAGE. -</h2> - -</div> - -<h3 class="section" id="chapter-3-1"> -Vorgeschichte. -</h3> - -<p class="noindent"> -Am 7. August 1919, vormittags 9 Uhr, wurde -vor dem Hause Königin-Augusta-Straße 31 zu -Berlin eine männliche Leiche aus dem Landwehrkanal -geborgen; der Körper war bis auf -Schuhe und Hut völlig bekleidet; die Beine -waren in eine um die Knie verknotete graue -Decke gewickelt; eine hanfene Waschleine -verband beide Knie und hielt sie an den Hals -gezogen, wo sie in einer Schlinge endete; die -Arme waren frei. – Der Gerichtsarzt nahm -Selbstmord an. -</p> - -<p> -In der Tasche des Toten wurde ein Gepäckschein, -auf den Anhalter Bahnhof lautend, -gefunden; die Koffer wurden abgeholt: -deren Durchsicht ergab Papiere, die auf den -landwirtschaftlichen Inspektor Karl Blau -ausgestellt waren. -</p> - -<p> -Dieser Mann war der Polizei als politischer -Spitzel persönlich bekannt; die Leiche wurde -identifiziert. Aber gerade die Beschäftigung -des Toten mußte die Möglichkeit eines Verbrechens -nahelegen. Nachuntersuchung wurde -angeordnet. -</p> - -<p> -<a id="page-36" class="pagenum" title="36"></a> -Gerichtschemiker Dr. Brüning führte sie -aus; ihm erschien die Halsschlaufe zu weit, -das Fehlen der Schuhe nicht selbstverständlich; -ohne sich zu entscheiden, wollte er gewaltsamen -Tod nicht ausschließen. -</p> - -<p> -– Es dauerte mehrere Wochen, bis ein -Resultat weiterer Nachforschungen bekannt -wurde. Die Nachtzeitung (Nr. 200 der Deutschen -Abendzeitung, 6. Jahrg.) brachte am -27. August 1919 folgende Meldung: -</p> - -<div class="excerpt"> -<p class="hdr"> -<span class="line1">Der Mörder des Inspektors Blau verhaftet.</span> -</p> - -<p> -Wie uns aus <em>Königsberg</em> gemeldet wird, wurde dort der -<em>Landarbeiter Max Leuschner</em> aus Berlin, der als einer der -Hauptbeteiligten an dem politischen Morde des Inspektors Blau -in Betracht kommt, von der Königsberger Kriminalpolizei in der -Wohnung des <em>Kommunisten Lang</em>, wo er sich unter falschem -Namen verborgen hielt, <em>verhaftet</em>. -</p> - -</div> - -<p class="noindent"> -Andere Nachrichten folgten: -</p> - -<p> -B. Z. am Mittag, Nr. 195, am Freitag, -29. August 1919: -</p> - -<div class="excerpt"> -<p class="hdr"> -<span class="line1">Die Mordaffäre Blau.</span> -</p> - -<p> -Der als Haupttäter an der Ermordung des Landwirtschaftsinspektors -Blau verdächtige, in Königsberg festgenommene -Lederarbeiter Leuschner ist von den Berliner Kriminalbeamten, -die die Verhaftung bewirkten, <em>nach Berlin gebracht</em> worden. -Im Polizeipräsidium wurde heute mit dem <em>Verhör</em> Leuschners -begonnen. Die beiden Kriminalkommissare Trettin und Dr. -Riemann sind mit der Ermittelung dieses Falles betraut worden. -Leuschner gibt zu, daß er unter falschem Namen in Königsberg -gewohnt hat. Er sei von Berlin aus nach Königsberg gegangen, -habe dort bei einem Gesinnungsgenossen Unterschlupf gefunden -und auf die Gelegenheit gewartet, nach Russland durchzukommen. -Er gibt auch zu, die Versammlung, die am 1. August in -<a id="page-37" class="pagenum" title="37"></a> -der Mittenwalder Straße in Berlin stattgefunden hat, geleitet -zu haben. Dabei habe er den Blau nach seinen Papieren gefragt -und diese geprüft. Die Vernehmung ist zur Stunde noch -nicht abgeschlossen. -</p> - -</div> - -<p class="noindent"> -Freiheit, Nr. 432, am Montag, 8. September -1919: -</p> - -<div class="excerpt"> -<p class="hdr"> -<span class="line1">Der Tod des Inspektors Blau.</span> -</p> - -<p> -Darüber berichtet eine Lokalkorrespondenz: Der Lederarbeiter -<em>Max Leuschner</em> wurde gestern dem Untersuchungsrichter -vorgeführt. Er wird der Anstiftung zur Ermordung Blaus -beschuldigt. Leuschner erklärte, daß er von der Tat nichts wisse -und auch über die Täter nichts sagen könne, doch hat die Untersuchung -ergeben, <em>daß er als Versammlungsleiter den Befehl -erteilt hat, Blau umzubringen</em>. Er gibt an, daß ihm -an dem Abend in der Versammlung aufgefallen sei, daß Blau -zwei Finger der rechten Hand fehlten. Als er nun in der Zeitung -gelesen habe, daß im Landwehrkanal die zusammengeschnürte -Leiche eines zunächst unbekannten Mannes gelandet worden -sei, dem die beiden Finger fehlten, habe er sich gleich gesagt, -daß es sich um Blau handeln müsse. Nun packte ihn die Angst. -Wie er selbst sagt, sah er sich schon in Untersuchungshaft und traf -sofort Vorbereitungen zur Flucht. Er fuhr nach Königsberg, um -dort auf Papiere zu warten, die ihm die kommunistische Zentrale -zusenden und die ihm ermöglichen sollten, über die Grenze nach -Rußland zu fliehen. Die hiesige Kriminalpolizei hatte jedoch -seine Spur verfolgt, seinen Aufenthalt in Königsberg ermittelt -und die dortige Kriminalpolizei aufmerksam gemacht, die ihn -dann festnahm, bevor er noch seinen Plan verwirklicht hatte. -Der Plan, berichtet weiter die Korrespondenz, Blau umzubringen, -ist, wie die Feststellungen der Kriminalpolizei ergeben -haben, in München gefaßt worden. Zuerst wollten die Spartakisten -den ihnen lästigen Spitzel nach Wien locken und ihn -dort beiseite schaffen. Schließlich entschied man sich aber für -Berlin. Der 27 Jahre alte, aus Hötensleben gebürtige Möbelzeichner -Franz Herm lockte Blau von München nach Berlin und -führte ihn in die Versammlung, in der sein Tod beschlossen -wurde. In dem dringenden Verdacht, das Todesurteil vollstreckt -zu haben, steht der 22 Jahre alte, aus Arnswalde gebürtige -Schlächtergeselle Hermann Dahms, der zuletzt in Berlin wohnhaft -war und ebenso wie Herm flüchtig ist. Auf beide wird jetzt -eifrig gefahndet, doch gelang es bisher noch nicht, ihren Aufenthalt -zu ermitteln. -</p> - -</div> - -<p> -<a id="page-38" class="pagenum" title="38"></a> -Es verlautbarte noch, daß Leuschner in -Ostpreußen sich durch unvorsichtige Äußerungen -auffällig gemacht und dadurch die -Verhaftung ermöglicht hatte. -</p> - -<p> -Das Ergebnis vierwöchiger Ermittlung war -demnach folgendes: -</p> - -<p> -1. die Identifizierung der Leiche und die -Erkennung des Todesfalls als Verbrechen, -</p> - -<p> -2. die Verhaftung eines Mannes, der mit -Blau in Beziehung stand und Anlaß zu haben -schien, diese Tatsache zu verheimlichen. -</p> - -<p class="tb"> - -</p> - -<p class="noindent"> -Die Umgebung, in der die Ereignisse dieses -Prozesses spielen, bringt es mit sich, daß jede -Aussage zweifelhaft wird. Schon ist es fast -unmöglich, Beteiligte und Zuschauer scharf -zu trennen, noch schwerer scheint es, den -Wahrheitsgehalt einer Mitteilung klar zu bekommen; -unvermeidlich wird man in Voreingenommenheit -und Konstruktion verfallen. -</p> - -<p> -Es ist nun leichter, einen Standpunkt als -Standpunkt zu wechseln, als in der Dauer -schwieriger Diskussionen alle Parteilichkeit -zu vermeiden: es ergreife also der Staatsanwalt -das Wort. -</p> - -<p> -Der Ablauf eines Schwurgerichtsverfahrens -bis zur Verhandlung ist etwa folgender: -</p> - -<p> -Zuerst erfolgen Nachforschungen der Kriminalpolizei -und Feststellung verdächtiger -<a id="page-39" class="pagenum" title="39"></a> -Personen. Die Schwere der Beschuldigung -wie der belastenden Anzeichen und die -Wahrscheinlichkeit der Flucht oder Verdunklung -bedingen den vorläufigen Haftbefehl. -</p> - -<p> -Die körperliche Folter ist der modernen -Gerichtsbarkeit nicht gestattet; falls man -nicht die endlos sich dehnende Untersuchungshaft -mit ihrer oft völligen Absperrung, die -Tage und Nächte währenden Befragungen -mit ihren Bluffs und Tricks für solche halten -mag. Denn das Prinzip der Untersuchung -ist sich natürlich gleichgeblieben: hat man -erst einen, der sicher wenigstens etwas weiß, -so läßt man ihn erst, wenn er sichtlich alles -gestand. Bald oder später, einmal wird jeder -mürbe. -</p> - -<p> -So addieren sich zu neuen Tatsachen Geständnisse, -deren Auswertung wieder Tatsachen -fördert; bis ein zweiter Beteiligter -festgestellt ist, ein dritter, und schließlich das -Bild der Geschehnisse sich entschleiern läßt. -</p> - -<p> -Das Resultat dieser Ermittlungen wird in -der Anklageschrift zusammengefaßt und dem -Beschuldigten zugestellt, dessen Anwalt in -einer Schutzschrift dazu Stellung nimmt. -</p> - -<p> -Nach Maßgabe der in beiden Ausführungen -niedergelegten Beweiskraft entscheidet -das Gericht (die Strafkammer des Landgerichts) -in nichtöffentlicher Verhandlung über -die Eröffnung des Hauptverfahrens. Der Beschluß -<a id="page-40" class="pagenum" title="40"></a> -wird abermals allen Beteiligten zugestellt. -Sobald die Untersuchung zu einem vorläufigen -oder endgültigen Abschluß gelangt -ist, wird die Verhandlung über die festgestellten -Reate anberaumt. Erst in der Verhandlung -treten die Geschworenen auf; bis -dahin läuft der Gerichtsweg zwischen Staatsanwalt, -Beschuldigtem, Verteidiger und den -von Amt bestimmten Richtern. -</p> - -<div class="doc"> -<a id="page-41" class="pagenum" title="41"></a> - <div class="box normal fl"> -<p class="noindent small u"> -Bei allen Eingaben ist die<br /> -nachstehende Geschäftsnummer<br /> -anzugeben. -</p> - - </div> -<p class="u cb id"> -Geschäftsnummer:<br /> -2 c J. 2691. 19 155. -</p> - -<p class="hdr"> -<span class="line1">In der Strafsache</span> -</p> - -<p class="noindent"> -gegen Fichtmann und Gen. -</p> - -<p class="noindent"> -wegen Mordes -</p> - -<p class="noindent"> -wird Ihnen die Anklageschrift in der Anlage -mitgeteilt. Für den Fall, daß Sie die Vornahme -einzelner Beweiserhebungen vor der -Hauptverhandlung beantragen oder Einwendungen -gegen die Eröffnung des Hauptverfahrens -vorbringen wollen, werden Sie aufgefordert, -Ihre Anträge oder Einwendungen -innerhalb einer Frist von 5 Tagen entweder -schriftlich einzureichen oder zum Protokolle -des Gerichtsschreibers zu erklären. -</p> - -<p> -Die Rechtsanwälte Liebknecht, N 4, Chausseestr. -121 und Dr. Weinberg, C 2, Klosterstr. -65, sind von Ihnen zu Verteidigern gewählt -worden. -</p> - -<p class="u date"> -Berlin, den 27. Mai 1920.<br /> -NW 52, Turmstr. 93. -</p> - -<p class="sign"> -Das Landgericht II Strafkammer 5.<br /> -Der Vorsitzende<br /> -gez. Scheringer. -</p> - -<p class="sign"> -Beglaubigt<br /> -Nogolin, Rechnungsrat,<br /> -als Gerichtsschreiber. -</p> - -</div> - -<div class="doc"> -<a id="page-42" class="pagenum" title="42"></a> -<p class="u fl noindent"> -Der Erste Staatsanwalt<br /> -beim Landgericht II.<br /> -<span class="underline">2 c. J. 2691/19</span><br /> -151 -</p> - -<p class="u fr noindent"> -Berlin, den 25. Mai 1920.<br /> -NW 52, Rathenower Str. 70. -</p> - -<p class="u hdr"> -<span class="line1">Haft- und Schwurgerichtssache!</span><br /> -<span class="line2">Anklage.</span> -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. VI<br />Bl. 95</span> -1. Der Lederarbeiter (Schankwirt) Max <em>Fichtmann</em> -aus Berlin, Parochialstraße 35, zur -Zeit in der Strafanstalt Brandenburg a. d. H. -in Sachen 67 J. 2899/19 Staatsanwaltschaft I -Berlin in Strafhaft, geboren am 22. November -1899 Berlin, mosaisch, unverheiratet, -vorbestraft (Strafregisterauszug folgt), -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. V<br />Bl. 89, 111</span> -2. der Kaufmann (Verkäufer von Broschüren) -Erwin <em>Hoppe</em> aus Berlin, seit 13. November -1919 hier in Untersuchungshaft, geboren -1. April 1899 Berlin, religionslos, unverheiratet, -bestraft (neuer Strafregisterauszug -folgt), -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. V<br />Bl. 98, 109</span> -3. der Schneidergeselle Willi <em>Winkler</em> aus -Berlin, seit 13. November 1919 hier in Untersuchungshaft, -geboren 16. September 1899 -Berlin, evangelisch, unverheiratet, angeblich -unbestraft (neuer Strafregisterauszug folgt), -</p> - -<p> -werden angeklagt, zu Berlin zu Anfang August -1919 -</p> - -<p> -a) <em>Fichtmann</em> und <em>Hoppe</em> gemeinschaftlich -mit anderen den Inspektor Karl Blau -vorsätzlich getötet und diese Tötung mit -Überlegung ausgeführt zu haben, -</p> - -<p> -b) <em>Winkler</em> den Angeschuldigten Fichtmann -und Hoppe und den anderen Mittätern bei -Begehung des Verbrechens des Mordes zu -a) durch Rat oder Tat wissentlich Hilfe geleistet -zu haben, – Verbrechen gegen -§§ 211, 47, 49 Strafgesetzbuch. -</p> - -<p class="addr u"> -An<br /> -das Landgericht II,<br /> -Schwurgericht, hier -</p> - -<p class="hdr"> -<a id="page-43" class="pagenum" title="43"></a> -<span class="line1">Ermittelungsergebnis.</span> -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. II<br />Bl. 3, 6</span> -Am Dienstag, dem 7. August 1919, vormittags -9 Uhr wurde vor dem Hause Königin-Augusta-Straße -31 die Leiche des landwirtschaftlichen -Inspektors Karl Blau, geboren am 13. November -1891 Erfurt, zuletzt in Charlottenburg, Bayreuther -Straße 10, aus dem Landwehrkanal -gezogen. Der untere Körperteil war mit einer -grauen wollenen Schlafdecke umhüllt, die unter -den Knien zusammengeschlungen war. Die -Leiche war mit einem Hanfstrick (in Waschleinenstärke) -derart zusammengebunden, daß -der Hals in einer Schlinge lag und die Knie -bis zur Brust heraufgezogen waren. Der Tote -war bekleidet; es fehlten nur Schuhe und Kopfbedeckung. -Die Leichenöffnung ergab keine bestimmte -<span class="sidenote">Bd. I<br />Bl. 7</span> -<span class="sidenote">Bd. II<br />Bl. 6, 87</span> -<span class="sidenote">Bd. II<br />Bl. 86, 138</span> -Todesursache. Die Ärzte sprachen sich -dahin aus, daß der Verstorbene seinen Tod -wahrscheinlich durch Zuschnüren des Halses gefunden -hat. Der Sachverständige Dr. Brüning, -der die bei dem Toten gefundenen Sachen (Strick, -Kragen, Krawatte, Jackett, Weste, Hose, Hosenträger, -Hemd, Unterhose, Vorhemd, Taschentuch, -Decke) untersucht hat, konnte ebenfalls -nicht feststellen, ob Mord oder Selbstmord vorlag, -erklärte aber, daß gegen letzteren eine Anzahl -von Momenten spreche, so insbesondere die -Art der Verknotung, die Schlaufen und die -Weite der Halsschlaufe. Die fortgesetzten Ermittelungen -erbrachten die Gewißheit, daß Blau -ermordet und daß diese Tat von kommunistisch-terroristischer -Seite planmäßig ausgeführt worden -war. -</p> - -<p> -Blau hatte in München in Kommunistenkreisen -als Spitzel verkehrt, insbesondere auch -mit dem Möbelzeichner Franz Herm aus Hötensleben. -Als die Kommunisten die Spitzeltätigkeit -des Blau entdeckt hatten, war von ihnen seine -gewaltsame Beseitigung beschlossen worden. -<a id="page-44" class="pagenum" title="44"></a> -Herm war offenbar dazu bestimmt worden, dieserhalb -das Weitere zu veranlassen, insbesondere -Blau nach Berlin zu bringen und ihn dann ermorden -<span class="sidenote">Bd. I<br />Bl. 29 v, 35</span> -zu lassen. Herm hatte sich dem Zeugen -Schreiber und der Frau Baumeister gegenüber -schon vor Antritt der Reise in diesem Sinne geäußert. -Am Abend des 29. Juli 1919 fuhren -<span class="sidenote">Bd. I<br />Bl. 29 v</span> -Herm, Blau, Schreiber und ein angeblicher -Schuster von München ab. Die Reise ging zunächst -nur bis Magdeburg, wo Herm wahrscheinlich -die dortigen Kommunistenkreise in den -Mordplan einweihte. In Magdeburg trennten -sich die vier. Schreiber fuhr am 31. Juli 1919 -<span class="sidenote">Bd. I<br />Bl. 31</span> -mittags über Schöningen nach Hötensleben zu -den Eltern des Herm, wo er dessen Rückkehr aus -Berlin abwarten sollte. Blau, der unterwegs von -Schreiber gehört hatte, daß man ihn als Spitzel -entlarvt und geplant hätte, ihn von Berlin nach -Wien zu bringen und dort zu ermorden, dieser -Nachricht aber keine allzu große Bedeutung beigemessen -zu haben scheint, fuhr am Vormittage -des 31. Juli 1919 von Magdeburg mit dem Zug -nach Halle ab. In Halle wollten sich Herm, der -nachkommen wollte, und Blau noch am selben -Tage im Wartesaal II. Klasse treffen und von -dort aus dann gemeinschaftlich nach Berlin -<span class="sidenote">Bd. V<br />Bl. 38 v f.</span> -fahren. Blau scheint, bevor er nach Halle kam, -noch vorher in Sangerhausen gewesen zu sein. -Wie der Zeuge Mahlig bekundet, hat Blau Ende -Juli oder am 1. August 1919 bei ihm in Sangerhausen -vorgesprochen. Er hat ihm von seinen -politischen Reisen und Taten erzählt und auch -erwähnt, daß man ihm von der gegnerischen -Seite nach dem Leben trachte, und daß es bei -ihm auf Leben und Tod gehe, daß er wieder eine -große Sache vorhätte und er ein gemachter Mann -wäre, wenn diese ihm glückte. Blau und Herm -scheinen sich dann auch in Halle getroffen zu -haben und von dort nach Berlin gefahren zu -sein. Daß Herm in Berlin war, geht aus der -<a id="page-45" class="pagenum" title="45"></a> -Aussage des Zeugen Schreiber und seinem Briefe -<span class="sidenote">Bd. I<br />Bl. 31 v</span> -<span class="sidenote">Bd. III<br />Bl. 19 e</span> -<span class="sidenote">Abschriften<br />Bd. I<br />Bl. 50</span> -<span class="sidenote">Bd. III<br />Bl. 7</span> -an die Kaltenhauser vom 3. August 1919 hervor. -Wie Schreiber bekundet, ist Herm am 2. August -1919 abends sehr aufgeregt und bleich in Hötensleben -erschienen. Er sagte, daß er direkt aus -Berlin käme und entgegnete auf die Frage des -Schreiber, wo Blau sei, daß für Blau bereits gesorgt -sei, er (Schreiber) werde über Blau das -Nähere noch früh genug erfahren. Weiteren -Fragen über Blau wich Herm jedesmal aus, -erwähnte aber doch einmal, daß er von München -<span class="sidenote">Bd. I<br />Bl. 33</span> -aus die Berliner Genossen verständigt hatte, daß -er mit Blau nach Berlin kommen würde. -</p> - -<p> -In dem Briefe vom 3. August 1919 schrieb er -von Hötensleben an die Kaltenhauser in München -folgendes: -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. III<br />Bl. 19 e</span> -„Werte Genossin Kaltenhauser! Hoffentlich -treffen Sie diese Zeilen bei gutem Befinden an. -Ich bin gestern gut angekommen. Den Spitzel -Blau habe ich, da ich nicht anders konnte, von -München mit fortgenommen und <em>unterwegs -besorgt. Er wird so bald nicht wieder in -München auftauchen.</em> Ich hatte noch einen -Ausweis bei ihm gesehen, nach welchem er für -die Fahndungsabteilung in München arbeitet. -Dieser Ausweis war am 23. Juli ausgestellt und -mit einem Polizeistempel versehen. Der Fall B. -hat mir zirka 200 Mark gekostet. Hier in -Magdeburg bei der K. P. D. war ein Meyer, -welcher von der K. P. D. beauftragt sein will, -nach <em>Schuhmann</em> zu suchen. Der Mensch ist -nach der Beschreibung der von mir kaltgestellte -Dr. Frey (Franz?) aus Zürich, ich nehme an, -daß er ein Spitzel ist. Freundlichen Gruß an -Genossen Blumenfeld, ich habe die beiden gut -untergebracht. Papiere treffen in den nächsten -Tagen ein. Grüßen Sie den Genossen Weber bei -Corl, ich habe seinen Bruder getroffen, es geht -ihm gut, er wird mich besuchen. Wenn Blumenfeld -noch einige dort hat, kann er sie in 14 Tagen -<a id="page-46" class="pagenum" title="46"></a> -zu mir senden. Herr Kämpfer soll seine Revolutionen -machen, die sich mit dem Gesetz vereinbaren -lassen (komisch?). Also seien Sie und -Ihre Tochter und Schwester recht herzlich von -mir gegrüßt, Ihr Franz Herm. Freundlichen -Gruß an die Bekannten.“ Diesen Brief gab -<span class="sidenote">Bd. I<br />Bl. 31 v</span> -Herm dem Schreiber mit der Bitte, daß er ihn -sofort als Eilbrief und eingeschrieben zur Post -nach Hötensleben bringen sollte. Als Quittung -über die Abgabe des Briefes auf der Post sollte -Schreiber ihm den Postschein bringen. Da -Schreiber ahnte, daß in dem Briefe etwas Wichtiges -stünde, nahm er ein anderes Kuvert und -schrieb die Adresse der Kaltenhauser darauf. -In das Kuvert legte er einen leeren Briefbogen -und gab es dann zur Post. Den Postschein gab -er dem Herm. Den Brief des Herm an die -Kaltenhauser gab er nicht auf. Als Herm später -in der Zeitung von der Auffindung der Leiche -<span class="sidenote">Bd. I<br />Bl. 38</span> -des Blau las, freute er sich darüber, daß man bei -Blau einen Selbstmord vermutete. Da in der -Zeitung auch stand, daß für die Aufklärung im -Falle einer Ermordung des Blau 5000 Mark -ausgesetzt seien, sagte Herm noch zu Schreiber, -daß er ihn hoffentlich wegen der 5000 Mark -nicht verraten würde. Um Herm vollständig -sicher zu machen, klopfte Schreiber ihm auf die -Schulter und sagte, er sei auch zufrieden, daß so -ein Lump von der Bildfläche verschwinde. Unmittelbar -im Anschluß an das Lesen der Zeitungsnotiz -gab Herm dem Schreiber den Auftrag, -sofort nach Braunschweig zum Büro der -K. P. D. zu fahren und dort darauf zu dringen, -daß die schriftlichen Aufzeichnungen des Herm -vor seinen, Schreibers, Augen vernichtet würden. -Schreiber fuhr auch nach Braunschweig, -hörte dort aber, daß die schriftlichen Angaben -des Herm über Blau dort bereits vernichtet -wären, nachdem man die Ermordung des Blau -in der Zeitung gelesen hatte. Als Schreiber nach -<a id="page-47" class="pagenum" title="47"></a> -Hötensleben zurückkehrte, erfuhr er von dem -Bruder des Herm, daß letzterer nach München -gefahren sei, um seinen an die Kaltenhauser gerichteten -Brief vom 3. August 1919 in die -Hände zu bekommen und zu vernichten. Am -nächsten Tage (12. August 1919) fuhr Schreiber -nach Magdeburg zum Büro der K. P. D., trug -den ihm schon vorher erteilten Auftrag des Herm, -seine Aufzeichnungen über Blau zu vernichten, -vor und sah auch, daß demgemäß die Aufzeichnungen -zerrissen und verbrannt wurden. Vom -Büro der K. P. D. ging Schreiber in das Büro -der U. S. P. D. zu Peters. Von diesem hörte er, -daß er die Aufzeichnung über Blau bereits beim -Lesen der Zeitungsnachrichten über den Fall -<span class="sidenote">Bd. I<br />Bl. 32 v<br />33</span> -Blau vernichtet hätte. Als Schreiber von Magdeburg -nach Hötensleben zurückgekehrt war, konnte -er sich dort nicht mehr länger aufhalten, da er -seines Lebens dort nicht mehr sicher war und -von Genossen, die wahrscheinlich von Herm nach -Entdeckung der Briefunterschlagung gedungen -waren, um ihn als wichtigen Belastungszeugen -zu beseitigen, dieserhalb gesucht wurde. Es gelang -dem Schreiber aber, den ihn verfolgenden -und auf ihn schießenden Genossen zu entkommen. -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. II<br />Bl. 25</span> -Blau wollte am Nachmittage des 1. August -1919 seine in Charlottenburg, Bayreuther -Straße 19, wohnende Ehefrau besuchen, erfuhr -aber von der Portierfrau Nowak, daß diese nicht -zu Hause war. Am Abend desselben Tages -suchte Blau die kommunistische Versammlung, -die in der Aula des Friedrichs-Realgymnasiums -in Berlin, Mittenwalder Straße 34, stattfand und -von Leuschner, dem Vorsteher des 3. Bezirks -der K. P. D., geleitet wurde, auf. Ob er allein -oder mit anderen, insbesondere mit Herm dorthin -gegangen ist, konnte bisher nicht festgestellt -werden. Nach Lage der Sache ist aber anzunehmen, -daß er mit Herm oder jedenfalls auf -<a id="page-48" class="pagenum" title="48"></a> -dessen Veranlassung in die Versammlung gegangen -ist. Schon in der Versammlung wurde -Blau von einem Teil der anwesenden Genossen -zur Rede gestellt. Dies setzte sich nach Schluß -der Versammlung auf der Straße fort. Blau -suchte sich zu verteidigen, fand aber keinen -Glauben bei den Genossen. Diese beschlossen -vielmehr, um Blau vollends zu überführen, noch -den Zeugen Stolz (Strolz) heranzuführen. Zu -diesem Zwecke wurden Hoppe und noch ein Genosse -fortgesandt. Die anderen, unter denen sich -Leuschner, Pohl sen. und jun., Geisler, Schröder, -Klust, Gentz, Schmitz, Hoffmann und -Acosta (Mendelsohn) befanden, gingen mit -Blau durch die Mittenwalder-, Bergmann- und -Kreuzbergstraße nach dem Viktoriapark (Ecke -Großbeerenstraße). Schon unterwegs war davon -die Rede, daß Blau umgebracht werden sollte. -Man sprach insbesondere davon, daß er auf -dem Tempelhofer Felde erschossen werden sollte. -Von diesem Vorhaben wurde aber zunächst mit -Rücksicht auf die große Anzahl der Anwesenden -Abstand genommen. Am Viktoriapark kamen -nach einiger Zeit die beiden nach Stolz entsandten -Genossen in einem Auto zurück. Sie -brachten die Nachricht, daß sie Stolz nicht getroffen -<span class="sidenote">Bd. V<br />Bl. 52 v</span> -hätten. Pohl jun. erklärte sich bereit, -Blau in seiner Wohnung, Gneisenaustraße 7a, -<span class="sidenote">Bd. V<br />Bl. 112 v</span> -aufzunehmen. Hoppe und Geisler kamen mit, -angeblich nur, um aufzupassen, daß Blau nicht -entwische. Hoppe hatte aber offenbar die Absicht, -Blau in der Wohnung des Pohl zu ermorden. -<span class="sidenote">Bd. VI<br />Bl. 47 v</span> -Hoppe äußerte sich jedenfalls am nächsten -Tage zu Pohl in diesem Sinne und bemerkte -dabei, daß er einen Korb besorgen und -die Leiche fortschaffen würde. Pohl und seine -Frau gingen aber darauf nicht ein. Im Laufe -des 3. August 1919 entfernte sich Geisler. Am -<span class="sidenote">Bd. VI<br />Bl. 47 v</span> -Morgen war bereits der Genosse, der mit Hoppe -am Abend vorher den Stolz holen sollte, in der -<a id="page-49" class="pagenum" title="49"></a> -Pohlschen Wohnung erschienen und hatte mit -Hoppe auf dem Korridor verhandelt. Pohl hörte, -daß er zu Hoppe sagte, er hätte niemand gefunden. -Der Betreffende kam vormittags nochmals, -und zwar mit zwei Männern, die feldgraue -Uniform trugen. Der eine Wachmann, -welcher einen Revolver trug, blieb in der Wohnung. -Weitere vier Mann bewachten das Haus. -Ein Mann in braunem Anzug, der gegen Mittag -herauf kam, erklärte, er sei von der „T-Terroristengruppe“, -<span class="sidenote">Bd. V<br />Bl. 113</span> -die unten das Haus bewache, -er gab dem Hoppe auch eine Flasche, die Morphium -enthielt. Ihr Vorhaben, Blau schon in -<span class="sidenote">Bd. V<br />Bl. 113,<br />45 v</span> -der Pohlschen Wohnung umzubringen, scheiterte -an dem Widerstande der Eheleute Pohl, die -offenbar aus Angst nicht dulden wollten, daß -die Tat bei ihnen ausgeführt wurde. Es blieb -dem Hoppe daher nichts anderes übrig, als sich -nach einer anderen Wohnung umzusehen. Er -ging daher zu seinem Jugendfreunde Winkler, -der bei seinen Eltern in der Großbeerenstraße 20 -wohnte. Dieser stellte ihm die Wohnung zur -Verfügung. Die Eltern des Winkler hielten sich -während dieser Zeit außerhalb auf ihrem Laubengrundstück -am Teltowkanal auf. Die -Schlüssel zur Wohnung will Winkler dem Hoppe -<span class="sidenote">Bd. VII<br />Bl. 79 v</span> -gleich mitgegeben haben. Hoppe behauptet aber, -daß Winkler sie zufolge einer zwischen ihnen -beiden vorher getroffenen Verabredung Ecke -<span class="sidenote">Bd. V<br />Bl. 113 v</span> -Hagelsbergerstraße dem zweiten „T“-Mann -(Wachmann der Terroristen-Gruppe) ausgehändigt -habe. Dieser ging als erster in das Haus -Großbeerenstraße 20. Hoppe und Blau folgten. -Einige Zeit später gingen weitere zwei Mann, -<span class="sidenote">Bd. VI<br />Bl. 51 v</span> -darunter Fichtmann, hinein. Pohl, der mit bis -zum Hause gegangen war, blieb zunächst in unmittelbarer -Nähe des Hauses auf der anderen -Straßenseite stehen. Er bemerkte Acosta und -Winkler, die auf der Hausseite auf und ab -<span class="sidenote">Bd. VI<br />Bl. 52</span> -gingen. Nach einiger Zeit kamen beide zu ihm -<a id="page-50" class="pagenum" title="50"></a> -herüber und unterhielten sich mit ihm. Beide -<span class="sidenote">Bd. VII<br />Bl. 90 v</span> -wußten, daß mit Blau etwas vor sich gehen -sollte und fragten Pohl, was in seiner Wohnung -passiert sei. Pohl erzählte ihnen, daß man von -Blau verschiedenes herausbekommen und daß -man bei ihm gegessen hätte. Im Laufe der -Unterhaltung, die sich nur um Blau drehte, erwähnte -Winkler auch, daß er den Auftrag gehabt -hätte, einen Korb zu besorgen; er habe dies -<span class="sidenote">Bd. VII<br />Bl. 91</span> -aber nicht getan, da es schon dunkel sei und er -auch Zahnschmerzen hätte, zudem sei ja sein -<span class="sidenote">Bd. VII<br />Bl. 91</span> -Vater Schneidermeister und habe genug Decken, -in die man nachher Blau einwickeln könne. -Die Hauptsache sei, daß er nachher die Decke -wiederbekäme. Winkler und Acosta gingen -dann zu Schröder, wo sie über Nacht blieben. -<span class="sidenote">Bd. VI<br />Bl. 55</span> -Auf die Mitteilungen des erregten Acosta, daß -der Spitzel Blau in der Großbeerenstraße sei, -daß man verschiedenes schon von ihm herausbekommen -habe, insbesondere, daß er den Abgeordneten -Eichhorn für 50000 Mark ermorden -sollte, Pohl stehe auf der Brücke und wisse -Näheres, ging Schröder zur Großbeerenstraße, -wo er Pohl an der Brücke traf. Nachdem sie -sich längere Zeit unterhalten hatten und währenddessen -auch auf und ab gegangen waren, -kam ein Mann auf sie zu und forderte sie auf, -bei dem Transport der inzwischen aus dem -Hause Großbeerenstraße 20 geschafften, in eine -Decke eingewickelten Leiche des Blau zu helfen. -Schröder ging auf diese Aufforderung sofort hin, -hob die Leiche auf, trug sie zum Kanal und -warf sie ins Wasser. Hoppe, Schröder, Pohl -und der eine Wachmann blieben dann noch zusammen -und gingen zum Lokal von Maaß in der -Bergmannstraße, während die anderen vier Männer -der Terrorgruppe, unter ihnen Fichtmann, -sich zerstreuten. Auf dem Wege zum Maaßschen -Lokale erzählten Hoppe und der Wachmann die -näheren Umstände der Ermordung: „Sie hätten -<a id="page-51" class="pagenum" title="51"></a> -<span class="sidenote">Bd. VI<br />Bl. 51</span> -Blau zunächst Wein mit Morphium zu trinken -gegeben. Blau wäre eingeschlafen: Hoppe und -der Wachmann hätten ihm die Schlinge um den -Hals gelegt. Beim ersten Male sei Blau jedoch -aufgewacht, und es sei ihnen gerade noch gelungen, -die Schlinge von seinem Halse zu -nehmen. Blau hätte sich gewundert, daß der -Tisch abgerückt war, die Tür zu und drei fremde -Leute im Zimmer waren. Sie hätten ihn beruhigt, -er sei dann wieder eingeschlafen. Nunmehr -hätten Hoppe und der Wachmann ihm die -Schlinge um den Hals gelegt und zugezogen, -während die beiden anderen Anwesenden sich -auf die Knie des Blau geworfen hätten. Die -beiden letzteren (darunter Fichtmann) hätten -sich schlapp benommen; der eine Mann (Fichtmann) -habe gezittert.“ -</p> - -<p> -Hoppe, Fichtmann und Winkler bestreiten, -sich strafbar gemacht zu haben. -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. V<br />Bl. 93 v</span> -Hoppe hat zunächst überhaupt zu Abrede gestellt, -in der Versammlung in der Schule, in der -Wohnung des Pohl und Winkler und mit Blau -zusammengewesen zu sein. Erst nach hartnäckigem -<span class="sidenote">Bd. V<br />Bl. 111 v,<br />ff. 151</span> -Leugnen hat er dies schließlich zugegeben. -Er sucht die Sache jetzt so darzustellen, -<span class="sidenote">Bd. VI<br />Bl. 18 ff.</span> -daß er die Wohnung des Winkler verlassen habe, -als er merkte, daß man Blau umbringen wollte. -Seine Angaben verdienen indes keinen Glauben -und werden im übrigen durch die Bekundungen -des Zeugen Pohl widerlegt. Diesen und den -Mitangeschuldigten Winkler hat er auch zu -<span class="sidenote">Bd. V<br />Bl. 9 v</span> -falschen Angaben verleiten wollen. Als er und -Pohl kurz nach ihrer Festnahme im Isoliergewahrsam -zusammentrafen, stieß Hoppe den -Pohl im Vorbeigehen an und sagte: „Wir kennen -uns nicht.“ Später steckte er dem Winkler im -<span class="sidenote">Bd. VI<br />Bl. 17</span> -Gefängnis einen Kassiber zu. Winkler aber -kam nicht zum Lesen desselben, da er ihm vorher -von dem Gefängnisbeamten Bruhnke abgenommen -wurde. Auf die Frage des Bruhnke, -<a id="page-52" class="pagenum" title="52"></a> -<span class="sidenote">Bd. VIII<br />Bl. 90</span> -was er dem Winkler zugesteckt habe, erwiderte -Hoppe: „Streichhölzer.“ Der Kassiber hatte -folgenden Wortlaut: -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. VI<br />Bl. 17</span> -„Lieber Willy! Aus dem Dir zugegangenen -Haftbefehl gegen uns ersiehst Du ohne weiteres -die Situation. Den Ernst derselben, soweit es -sich um mich handelt, zu unterschätzen, wäre -nicht möglich. Ich bitte Dich daher dringend, -um das Schlimmste zu verhindern, mich, soweit -es möglich ist, zu entlasten, wie ich es bei Dir -auch dauernd bestrebt bin. Ich bitte Dich daher -um folgendes: Bei der Verhandlung gestehe ein, -daß Du die Wohnungsschlüssel auf sein Geheiß -einem Menschen in braunem Anzug (Dir unbekannt) -auf ein bestimmtes Parolewort (was Du -aber vergessen hast) an der Hagelsbergerstraße -Ecke Großbeerenstraße ausgehändigt hast. (Zeitpunkt -etwa ½ Stunde nach meinem Besuch in -Deiner Wohnung. Grund: Da ich noch etwas -zu erledigen hatte und Du aber noch nicht angezogen -warst, um mit herunterzugehen, mir also -die Schlüssel nicht gleich mitgeben konntest.) -Alles vorher Geschehene bleibt wie abgemacht -(Sitzung abhalten usw.). Das wäre die 1. Bitte, -die zu erfüllen wohl für Dich keine großen -Schwierigkeiten machen kann. Jetzt jedoch zu -einer anderen, etwas heikleren Frage, die für -Dich aber auch noch kein allzugroßes Opfer bedeutet -im Verhältnis zur Wichtigkeit derselben -im Interesse meiner Person. Denn Du könntest -mich damit retten und für Dich wäre die Sache -dadurch immer noch zu ertragen. Und dann, -l. W., kommt es doch hier nur darauf an, das -Leben zu retten, alles andere wäre doch nur von -kurzer Dauer, denn die Zeit arbeitet doch für -uns. Mit dieser Hoffnung will ich Dir gleich -meine 2. Bitte vortragen. <em>Ich habe alles eingestanden.</em> -Bin auch zu Deiner Wohnung mit -raufgegangen, aber nach einer ½ Stunde <em>wieder -runtergekommen</em>, da ich oben merkte, -<a id="page-53" class="pagenum" title="53"></a> -was die T.-Leute für Absichten hatten und ich -aber damit nicht einverstanden war, sondern -dafür war, Blau nur festzuhalten und dem -Strolz u. a. gegenüberzustellen. Ich äußerte also -meine Bedenken, worauf man mich als Feigling -runterschickte. Ich bin also <em>nach ½ Stunde -runtergekommen</em> und nach Hause gegangen -und in den Straßen umhergeirrt, und bin dann, -erst halb aus Neugierde, halb aus Angst, ½ Stunde -<em>bevor die T.-Leute mit Blau herunterkamen, -wieder vor Deinem Hause angelangt -und habe dort gestanden, bis man -von oben runterkam</em>. Im Protokoll habe ich -nur angegeben, daß ich Acosta unten getroffen -habe. Pohl dagegen hat auch Dich und Schröder -angegeben. Ich brauche jetzt also entweder Dich -oder Schröder als Alibi-Zeugen, der mich gesehen -hat unten auf der Straße, während die -anderen oben waren. Ich rechne da stark auf -Dich, l. W. Nur <em>weiß ich nicht, wann Du -überhaupt unten standest</em>, also ob bei -meinem <em>Runterkommen</em> oder <em>später</em>, etwa -½ Stunde bevor die anderen runterkamen mit -d. L. Äußere Dich, bitte, ausführlich über meine -Bitte und Ausführung. Wenn Du gewillt bist, -dann überlasse alles mir bis zur Verhandlung. -Was oben in der Wohnung vorgeht, hast Du -erst von Acosta erfahren. Mit kom. Gruß -Erwin C. II 48. Wenn Du also willst, dann -rufe ich Dich in der Verhandlung als Alibi-Zeugen -an.“ -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. VI<br />Bl. 9</span> -Fichtmann stellt sogar in Abrede, mit in der -Winklerschen Wohnung gewesen zu sein. Der -Zeuge Pohl hat ihn aber als eine der beiden -Personen erkannt, die hinter Hoppe und Blau -in das Mordhaus hineingegangen sind und die -später Wein aus der Teltower Straße geholt haben. -Fichtmann ist nach den Angaben des Pohl auch -beim Transport der Leiche nach dem Wasser -vorangegangen und fortgelaufen, nachdem sie -<a id="page-54" class="pagenum" title="54"></a> -ins Wasser geworfen war. Er ist auch von -Hoppe als derjenige bezeichnet werden, der bei -<span class="sidenote">Bd. VI<br />Bl. 164</span> -der Ausführung der Mordtat sich schlapp benommen -und auf den Knien des Blau gelegen -hatte. Sein Alibibeweis ist mißglückt. Nach der -<span class="sidenote">Bd. VII<br />Bl. 44</span> -Vorstrafe ist ihm die Mordtat auch zuzutrauen. -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. V<br />Bl. 93 ff.,<br />11 ff.</span> -Winkler erklärte anfangs, daß er von der -ganzen Sache überhaupt nichts wüßte und zur -fraglichen Zeit überhaupt nicht in Berlin, sondern -mit seinen Eltern auf der Laube am Teltowkanal -<span class="sidenote">Bd. VI<br />Bl. 51 ff., 89</span> -gewesen sei. Diese Angabe wurde von -ihm später widerrufen. Er erklärte nunmehr, -<span class="sidenote">Bd. VIII<br />Bl. 79 f.</span> -daß er dem Hoppe seine Wohnung zu einer -„Sitzung“ zur Verfügung gestellt habe. Seine -Angaben, die er dem Pohl gegenüber über das -Besorgen des Korbes und über die Decken gemacht -hat, sein ganzes auffälliges Verhalten -während der Zeit, wo der Mord in seiner Wohnung -ausgeführt wurde, und die Angaben des -Hoppe in dem an ihn gerichteten Kassiber -lassen erkennen, daß er in den Mordplan eingeweiht -gewesen ist. -</p> - -<p> -Beweismittel: -</p> - -<p> -a) Angaben der 3 Angeschuldigten, -</p> - -<p> -b) Skizze Blatt Bd. II Bl. 31, Bild des Blau -Bd. I. 31. 52, Lichtbilder Bd. V Bl. 155, -Brief des Herm Bd. III Bl. 51. 19. (Abschriften: -Bd. I. Bl. 50, Bd. III Bl. 7) -Kassiber des Hoppe Bd. VI Bl. 13, Kasseauszug -Bd. V Bl. 51 ff. Briefe des Leuschner -Bd. V Bl. 73 f., Bd. VI Bl. 162 c, -</p> - -<p> -c) Vorstrafakten des Fichtmann: 67 J. 2099/19 -Staatsanwaltschaft I Berlin. -</p> - -<p> -d) Sachverständige: -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. I<br />Bl. 4 ff.</span> -1. Gerichtsarzt Professor Dr. Strauch in -Berlin, -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. I<br />Bl. 4 ff.</span> -2. Gerichtsarzt Geh. Medizinalrat Dr. -Hoffmann in Berlin, -</p> - -<p> -<a id="page-55" class="pagenum" title="55"></a> -<span class="sidenote">Bd. II<br />Bl. 85, 132</span> -3. Dr. Brüning von der Staatlichen Nahrungsmitteluntersuchungsanstalt -in Berlin, -Alexanderstraße 3/6, -</p> - -<p> -e) Zeugen: -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. III<br />Bl. 3, 37</span> -1. Schiffseigner Friedrich Kullmann in -Züllichau, Oberweinberge, -</p> - -<p> -2. Kriminalkommissar Dr. Biermann in -Berlin, -</p> - -<p> -3. Kriminalkommissar Trettin in Berlin, -</p> - -<p> -4. Kriminalkommissar Maslak in Berlin, -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. I<br />Bl. 36 ff.,<br />60, 68 v f.</span> -5. Mechaniker Walter Schreiber – Adresse -wird noch angegeben –, -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. I<br />Bl. 34 ff.,<br />60 v f.</span> -6. Frau Mathilde Baumeister geb. Seidl -in München, Badstraße, -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. I<br />Bl. 54, 56,<br />75 ff.</span> -7. Frau Gertrud Kaltenhauser in München -– nähere Adresse wird noch angegeben -–, -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. I<br />Bl. 53, 65,<br />68 ff.</span> -8. Student Hans Blumenfeld in München -– nähere Adresse wird noch angegeben -–, -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. I<br />Bl. 59 ff.</span> -9. Landgerichtsrat Dr. Wiesehahn vom -Landgericht I Berlin, -</p> - -<p> -10. Landrichter Marquard, Untersuchungsrichter -beim Landgericht II Berlin, -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. V<br />Bl. 31 ff.,<br />144,<br />151 v,<br />175 a f.</span> -<span class="sidenote">Bd. VI<br />Bl. 47 ff.,<br />50 ff.,<br />61, 97</span> -<span class="sidenote">Bd. VII<br />Bl. 93 v f.</span> -11. Lagerist Georg Pohl in Berlin, Gneisenaustraße -7a, -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. V<br />Bl. 13 ff.,<br />130</span> -<span class="sidenote">Bd. VI<br />Bl. 118</span> -12. Frau Martha Pohl geb. Schubert in -Berlin, Gneisenaustraße 7a, -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. II<br />Bl. 29</span> -13. Frau Maria Sprung geb. Stumpf in -Berlin, Schleiermacherstraße 23, -</p> - -<p> -<a id="page-56" class="pagenum" title="56"></a> -<span class="sidenote">Bd. II<br />Bl. 23 v</span> -14. Krim.-Wachtmeister Hencke in Berlin-Pankow, -Talstraße 11, -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. II Bl. 44</span> -<span class="sidenote">Bd. V<br />Bl. 144</span> -15. Privatiere Gertrud Wollweber in Charlottenburg, -Kantstraße 45, bei Janke, -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. II<br />Bl. 112</span> -<span class="sidenote">Bd. I<br />Bl. 113 f.</span> -<span class="sidenote">Bd. VI<br />Bl. 150</span> -<span class="sidenote">Bd. VII<br />Bl. 6</span> -16. Lederarbeiter Max Leuschner in Berlin, -Dresdener Straße 125, -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. II<br />Bl. 46</span> -17. Frau Martha Leuschner geb. Kallios in -Berlin, Dresdener Straße 125, -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. II<br />Bl. 98 f., 121</span> -18. Edmund David de Samson – Adresse -wird noch angegeben –, -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. II<br />Bl. 120</span> -19. Student Franz Stolz in Berlin, Weidenweg -38, -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. I<br />Bl. 132 f.</span> -<span class="sidenote">Bd. V<br />Bl. 41 v ff.</span> -20. Techniker Fritz Klust in Berlin, Katzbachstraße -23, -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. V<br />Bl. 4 ff.</span> -21. Arbeiter Johann Pohl in Berlin, -Nostitzstraße 49, -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. V<br />Bl. 49 ff.,<br />138 v</span> -22. Schlosser Jakob Schmitz in Berlin, -Gneisenaustraße 28, -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. V<br />Bl. 51 ff., 135</span> -23. Hilfsarbeiter Karl Hoffmann in Berlin, -Nostitzstraße 45, -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. V<br />Bl. 65 ff., 75</span> -<span class="sidenote">Bd. VI<br />Bl. 103</span> -24. Eisendreher Alfred Geisler in Berlin, -Großbeerenstraße 13 a, -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. V<br />Bl. 35, 113</span> -<span class="sidenote">Bd. VI<br />Bl. 54, 41 v f.</span> -25. Kutscher Paul Schröder in Berlin, -Großbeerenstraße 30, -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. V<br />Bl. 63 v</span> -26. Kaufmann Otto Mahlig in Sangerhausen, -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. IV<br />Bl. 1 ff.</span> -27. Parteisekretär Wilhelm Peters in Magdeburg, -Schillerstraße 47, -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. VII<br />Bl. 56 f.,<br />100 f., 102 f.</span> -28. Schneider Max Eulenberger, z. Zt. im -Gefängnis Leipzig in Haft, -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. VI<br />Bl. 154</span> -29. Marta Kuschel in Berlin, Dunkerstraße -87, -</p> - -<p> -<a id="page-57" class="pagenum" title="57"></a> -<span class="sidenote">Bd. VII<br />Bl. 44</span> -30. Paul Born in Berlin, Parochialstraße -1/2, -</p> - -<p> -<span class="sidenote">Bd. VII<br />Bl. 90</span> -31. Gefangenenaufseher Emil Bruhnke in -Berlin, Untersuchungsgefängnis. -</p> - -<p> -Es wird beantragt, -</p> - -<p> -das Hauptverfahren zu eröffnen und die Verhandlung -und Entscheidung der Sache vor dem -Schwurgericht des Landgerichts II in Berlin -stattfinden zu lassen, sowie die Fortdauer der -Untersuchungshaft gegen die Angeschuldigten -Hoppe und Winkler aus den bisherigen Gründen -anzuordnen. -</p> - -<p class="sign"> -gez. Hagemann. -</p> - -</div> - -<h3 class="section" id="chapter-3-2"> -<a id="page-58" class="pagenum" title="58"></a> -Erörterung zur Anklageschrift.<br /> -Dokumente. -</h3> - -<p class="noindent"> -Dem Staatsanwalt liegen nur zwei Dokumente -vor: der Brief des Herm, der besagt, -daß er den Blau „besorgt“ habe. Dies „besorgt“ -kann sehr viel bedeuten; kann aber -auch nur enthalten, daß er eine Absicht ausgeführt -habe; gleichgültig welche; etwa die, -den Mann im Norden Deutschlands zu verankern; -„der kommt so bald nicht wieder nach -München.“ Außerdem war Herm während der -fraglichen Zeit nicht in Berlin; wenigstens ist -Verbindung zwischen ihm und den Berlinern -nicht nachgewiesen; im Gegenteil scheint -festzustehen, daß Blau sich allein nach Berlin -begab und sich freiwillig in der Versammlung -im Friedrichsrealgymnasium einfand. Hätte -man ihn gefangen gehalten, dann hätte man -ihn nicht vor vielen Leuten herumgezogen – -und ihm nicht gestattet, den Mahlig und seine -Frau aufzusuchen. Der Brief des Herm scheint -Blaus Münchener Tätigkeit zu liquidieren, -ohne in direkter Beziehung zu den Berliner -Ereignissen zu stehen. Er erhärtet bestenfalls, -daß man in Bayern Blaus Spitzelrolle erkannt -hatte und Sorge trug, ihn abzuschieben. -</p> - -<p> -Das zweite Schriftstück ist der Kassiber -des Hoppe. In diesem steht, daß der Schreiber -alles gestanden habe; er fragt nun den Winkler, -<a id="page-59" class="pagenum" title="59"></a> -ob er ihn auf der Straße vor dem Mordhause -gesehen habe, und bittet ihn, falls das -der Fall sei, dies zu bezeugen. Die Tatsache des -Kassibers kann man nicht als Schuldbeweis -zählen: die monatelange Einzelhaft wirkt zermürbend -und läßt jedes Mittel ergreifen. Über -die Vorgänge in der Winklerschen Wohnung ist -nichts gesagt; als Quelle ihrer Kenntnis wird -Acosta angegeben, jener Acosta, von dem -öfter gesprochen wird, doch den zu verhaften -nicht gelungen ist. Das Dokument ergibt -nur, daß mehrere Leute, unter ihnen Winkler, -Acosta, Hoppe, sich damals auf der -Straße herumtrieben – was andere Aussagen -bestätigen. Daß der verdächtigte -Hoppe versucht, einen der Mitanwesenden -dazu zu veranlassen, seine und damit auch -Hoppes Anwesenheit zu gestehen, ist verständlich -– ohne die Tat zu erhellen. -</p> - -<p> -Alles andere sind Aussagen, bei denen der -Untersuchende kaum zu entscheiden vermag, -ob die Sprechenden immer subjektiv -bei der Wahrheit bleiben. Man wird infolgedessen -versuchen, das herauszuklauben, was -an objektiv Historischem berichtet wird. Die -Gespräche und gar durch Dritte berichtete -Worte sind schon vorsichtiger zu verwerten, -am zweifelhaftesten sind aber Aussagen, die -Zusammenhänge betreffen: da schiebt sich oft -die eigene Kombination vor die Dinge und, -<a id="page-60" class="pagenum" title="60"></a> -wenn einer lügen will, wird er zuerst eine -andere Ansicht haben, dann Gespräche verändern; -erst zuletzt und im Notfall wird er -Tatsachen leugnen oder erfinden: weil ihm das -am leichtesten nachgewiesen werden kann. -</p> - -<h3 class="section" id="chapter-3-3"> -Das Historische. -</h3> - -<p class="noindent"> -Im Juli 1919 war in München eine aufgeregte -Zeit. Am 1. Mai war die Räterepublik -gefallen. Die Kämpfe und Verhaftungen -hatten durch Wochen gedauert, noch jetzt -war das große Aufräumen in Gang: täglich -Verhaftungen, Verhandlungen, täglich Gefahr. -</p> - -<p> -<span class="sidenote">p. 45</span> -In dieser Zeit verkehrte in Münchener -Kommunistenkreisen ein gewisser Blau. Kommunistenkreise -waren damals illegal und bedroht; -Blau lief in dieser Illegalität und Bedrohung -herum und führte vermutlich das -Leben der Geflüchteten: Übernachten da und -dort bei Genossen, Treffpunkte in entlegenen -Wirtshäusern da und dort, alles geheim -und verborgen. -</p> - -<p> -<span class="sidenote">p. 46</span> -Am 29. Juli fuhr Blau mit drei Begleitern -nach Magdeburg. Deren Namen sind Schreiber, -Herm und ein gewisser Schuster. Vermutlich -war die Partei die Mittlerin ihrer Bekanntschaft; -ob sie persönlich voneinander -<a id="page-61" class="pagenum" title="61"></a> -gewußt haben, ist unbestimmt. Jedenfalls -steht der Name Schuster in Fragezeichen. -</p> - -<p> -<span class="sidenote">p. 46</span> -In Magdeburg scheinen sich die vier getrennt -zu haben: von Schuster ist keine Erwähnung -mehr, Schreiber fuhr nach Hötensleben -zu den Eltern des Herm und blieb dort -bis nach Auffindung der Leiche (7. August). -</p> - -<p> -<span class="sidenote">p. 47</span> -Wo Herm geblieben war, ist nicht nachgewiesen; -doch kam er noch vor der Ermordung -des Blau am 2. August abends bei -seinen Eltern in Hötensleben an; nach Angabe -des Schreiber aus Berlin. -</p> - -<p> -<span class="sidenote">p. 46</span> -Blau war am 31. Juli vormittags allein bei -einem gewissen Mahlig in Sangerhausen, am -<span class="sidenote">p. 49</span> -1. August nachmittags, wieder ohne Begleitung, -in Berlin, Bayreuther Straße 10, beim -Portier Nowak des Hauses, in dem seine -Frau wohnte. -</p> - -<p> -<span class="sidenote">p. 49</span> -Vom 1. August abends an ist Blaus -Aufenthalt lückenlos festgestellt. Er taucht -auf in einer Kommunistenversammlung in -der Mittenwalder Straße zu Berlin. Die Versammlung -wurde von dem Lederarbeiter -<span class="sidenote">p. 50</span> -Leuschner geleitet. Noch während der Versammlung -geriet Blau mit Anwesenden in -lebhafte Besprechung; nachher bewegte er -sich mit einem Trupp in der Richtung zum -Viktoriapark. -</p> - -<p> -Als seine Begleiter wurden festgestellt: -Acosta, Geißler, Gentz, Kluft, Leuschner, -<a id="page-62" class="pagenum" title="62"></a> -Pohl jun. und sen., Schmidt, Schröder. -Später kamen dazu noch Hoppe und noch -ein Mann, der als erster Unbekannter mit (1) -bezeichnet sei. -</p> - -<p> -<span class="sidenote">p. 50</span> -In der Nähe des Viktoriaparkes trennte -sich der Trupp und Blau ging mit Hoppe und -Geißler in die Wohnung der beiden Pohl, wo -anscheinend geschlafen wurde. -</p> - -<p> -Am Morgen des 2. August ging Geißler -weg. Später kam der Mann (1), rief Hoppe -und sprach mit ihm auf dem Flur; ging und -kam mit zwei Feldgrauen (2), (3) zurück; -weitere vier Mann (4), (5), (6), (7) waren auf -der Straße und bewachten das Haus. -</p> - -<p> -Weiter kam ein Mann in braunem Anzug -(8), der eine Flasche hatte, in der nach seinen -Angaben Morphium war; dieser sprach mit -Hoppe und ging dann. -</p> - -<p> -<span class="sidenote">p. 51</span> -Im Laufe des 2. August fand der Umzug -in die zur Zeit leere Wohnung der Eheleute -Winkler statt. Der junge Winkler verließ die -Wohnung, ehe Blau und seine Begleiter ankamen -und händigte auf der Straße den -Schlüssel entweder dem Hoppe oder einem -der Wachleute (1)-(7) aus. -</p> - -<p> -In die Wohnung ging zuerst dieser Wachmann, -später erst kamen Blau und Hoppe; -einige andere, vermutlich welche der Wachleute -(1-7), werden nachgefolgt sein, der -Rest soll als Posten auf der Straße gestanden -<a id="page-63" class="pagenum" title="63"></a> -haben. Auch Fichtmann soll das Haus -betreten haben. -</p> - -<p> -<span class="sidenote">p. 52</span> -Auf der Straße trafen sich Neugierige; -Pohl, Winkler, Acosta sind genannt; sie -standen dort bis in die Nacht. Dann gingen -Winkler und Acosta zu Schröder, um dort zu -schlafen; sie trafen Schröder zu Hause und -sprachen mit ihm. -</p> - -<p> -Schröder ging daraufhin fort und begegnete -Pohl in der Nähe der Winklerschen -Wohnung; zu beiden trat einer der Wachleute -und forderte sie auf, die Leiche mittragen -zu helfen. -</p> - -<p> -Schröder folgte dem Mann; der Körper, in -eine Decke gewickelt, war schon auf der -Straße. Schröder nahm ihn auf und warf ihn -in den Kanal – aus dem er am 7. gezogen -wurde. -</p> - -<p> -Anwesend waren noch Pohl, Schröder, -Hoppe und ein Wachmann (die in das Lokal -von Maß gingen). Vier weitere Leute, darunter -nach Aussage des Pohl auch Fichtmann, -zerstreuten sich. -</p> - -<p class="tb"> - -</p> - -<p class="noindent"> -Die Nachzählung der Personen ergibt, daß -im Laufe des Tages etwa acht Unbekannte -auftauchten, von denen nach der Tat fünf -noch anwesend waren. -</p> - -<h3 class="section" id="chapter-3-4"> -<a id="page-64" class="pagenum" title="64"></a> -Die Gespräche der Beteiligten. -</h3> - -<p class="noindent"> -Die bezeugten Aussagen und Gespräche -lassen einen Zusammenhang zwischen den -Münchener und Berliner Kommunistenkreisen -zweifelhaft erscheinen: -</p> - -<p> -<span class="sidenote">p. 45</span> -In München hielt man Blau für entlarvt; -man hatte ihn erkannt; Herm äußerte sich in -diesem Sinne, und Schreiber sowie Frau Baumeister -geben als Ziel der Reise an, Blau -nach dem Norden vor die Berliner Genossen -<span class="sidenote">p. 47</span> -zu bringen. Blau hatte einen Ausweis der -Fahndungsabteilung München, den Herm -ihm abnahm; an der Spitzeltätigkeit des -Blau war kein Zweifel. -</p> - -<p> -<span class="sidenote">p. 48</span> -(Daß Herm nach Auffindung der Leiche -sofort an Mord dachte und bemüht war, seine -Berührung mit Blau zu verwischen und Aufzeichnung -und Briefe zu vernichten, ist leicht -verständlich, wenn man das Risiko langmonatiger -Untersuchungshaft berücksichtigt -– wie sie in diesem Prozeß der unbeteiligte -Leuschner erlitt –.) -</p> - -<p> -<span class="sidenote">p. 49</span> -In Berlin lagen die Dinge anders: als man -den Mann in der Versammlung erkannt hatte, -ließ man sich in eine Diskussion mit ihm ein -und sandte Hoppe mit einem Begleiter ab, -um einen Genossen Stolz oder Strolz zu -holen, der den Verdächtigten bestätigen -<span class="sidenote">p. 55</span> -sollte. Hoppe gibt an, bis zuletzt die Gegenüberstellung -<a id="page-65" class="pagenum" title="65"></a> -der beiden gefordert zu haben: -unzweifelhafte Klarheit scheint nicht bestanden -zu haben. -</p> - -<p> -Auch Blau selbst hat die gegen ihn erhobenen -Anklagen nicht sehr ernst genommen. -<span class="sidenote">p. 46</span> -Die Warnungen des Schreiber wies -er ab. -</p> - -<p> -<span class="sidenote">p. 46</span> -Er wußte aber, daß ihm nach dem Leben -getrachtet wurde und daß es um Leben und -Tod ging. Dem Mahlig erzählte er, daß er -große Dinge vorhabe: ob es der Mordplan -gegen den Kommunistenführer Eichhorn war, -die 50000 M., von denen Acosta dem Schröder -erzählte? Schwer sind die Reden dieses -Mannes mit seinen Handlungen zu vereinen: -warum geht er mit seinen Feinden, bleibt -dort über Nacht, geht in eine zweite Wohnung? -Er mußte die Gefahr nicht so nahe -geahnt haben – oder er sah seine eigentlichen -Feinde gar nicht in den Kommunisten? -Denn während dieser vierundzwanzig langen -Stunden hätte er sicher entfliehen, unbedingt -aber Lärm schlagen können; doch er blieb. -</p> - -<p> -Auch ein anderes ist auffällig: wenn man -einen Spitzel entlarvt hat, schlägt man ihn -gleich tot oder man stellt seine Persönlichkeit -fest, photographiert ihn usw. und läßt ihn -dann laufen. Aber man zieht ihn nicht von -Wohnung zu Wohnung, um ihn dann zu ermorden. -(Daß man den Mann von München -<a id="page-66" class="pagenum" title="66"></a> -abschob oder weglockte, ist begreiflich: -unter den damaligen Zuständen in München -war der Mann zu gefährlich.) -</p> - -<p> -<span class="sidenote">p. 50</span> -In Berlin soll der Plan zur Ermordung -schon bei den Teilnehmern der Versammlung -aufgetaucht sein. Greifbare Formen hat -dieser Plan erst gefunden, als man die Ausführung -bespricht. Der junge Pohl gibt an, -daß ein Korb für die Leiche besorgt werden -sollte; seine Eltern weigern sich, in ihrer -<span class="sidenote">p. 51</span> -Wohnung die Tat ausführen zu lassen. Vor -dem Winklerschen Hause, auf der Straße -stehen Leute; Wachleute? Neugierige? Es -wird geraunt, daß oben mit Blau etwas vor -<span class="sidenote">p. 52</span> -sich gehe. Man beobachtet, erörtert, berichtet -sich. Man spricht wieder von einem -Korb für die Leiche, sieht Wein holen usw.: -sie reden alle von dem, was vermutlich oben -geschieht. -</p> - -<p> -Über die Vorfälle in der Wohnung selbst -liegen widersprechende Aussagen vor. Die -<span class="sidenote">p. 55</span> -ausführlichsten stammen vom Zeugen Pohl, -der aber weder im Haus, noch in der Wohnung, -sondern auf der relativ dunklen Straße -sich aufhielt. Dieser gibt an, daß Fichtmann -für die Leute Wein geholt habe (in dem Blau -das Morphium verabreicht worden sei) und -daß Fichtmann beim Leichentransport vorausging; -<span class="sidenote">p. 53</span> -ferner, daß nach der Tat Hoppe und -der eine Wachmann erzählt haben, sie beide -<a id="page-67" class="pagenum" title="67"></a> -hätten den Blau erdrosselt, die anderen beiden -Anwesenden, darunter Fichtmann, ihn -<span class="sidenote">p. 53</span> -festgehalten. Hoppe selbst gibt an, die Wohnung -verlassen zu haben, als er sah, daß die -anderen vom Mord nicht zurückzuhalten -<span class="sidenote">p. 54</span> -waren. Auch in seinem Kassiber vertritt er -<span class="sidenote">p. 55</span> -diesen Standpunkt und gibt als Nachrichtenquelle -für die Details der Ermordung Acosta -<span class="sidenote">p. 55</span> -an. Fichtmann leugnet überhaupt seine -<span class="sidenote">p. 56</span> -Anwesenheit, die Anwesenheit des Winkler -ist unwahrscheinlich; auch Schröder, der -nachher dazukam, vermag Näheres nicht anzugeben. – -</p> - -<p class="tb"> - -</p> - -<p class="noindent"> -Zieht man die Bilanz, so findet man das -Vorauszusehende: der äußere Gang der Ereignisse -steht ziemlich fest. Man kennt den -Schauplatz und weiß ungefähr, was passierte; -außer den Festgestellten waren noch unbekannte -Leute beteiligt, Leute, die vermutlich -auch den Zeugen und Angeklagten namentlich -nicht bekannt waren. Wie die Rollen verteilt -waren, ist nicht klar; klar ist nur, was -geschah: der Mord. -</p> - -<p> -Fragt man weiter nach dem Zusammenhang -des Geschehens: der Abtransport aus -München erscheint motiviert und logisch; die -Entlarvung in der Versammlung und Diskussion -<a id="page-68" class="pagenum" title="68"></a> -über das „Was nun?“ ist erwiesen. Dann -kommt eine Lücke, in der man die Initiative -nicht mehr erkennen kann. Diese Dunkelheit -wird durch das Verhalten des Blau noch -mehr getrübt: was geschah in der Wohnung -des Pohl und des Winkler und wer waren die -treibenden Kräfte? Die Angeklagten, oder -die Unbekannten? Man kann nur raten, -man weiß es nicht. Man weiß nur, daß außerhalb -der betreffenden Häuser, auf der Straße -Zufällige, die von den Dingen wußten, herumstanden -und kombinierten – und daß -dann die Leiche kam. -</p> - -<p> -Dies ungefähr sind die Bruchstücke, die der -Kritik standhalten; man kann damit nicht -mehr tun, als die Leute taten, die auf der -Straße standen: kombinieren, – was nicht -allzu schwer erscheint. Aber der Verlauf der -Verhandlung wird zeigen, wie all diese Kombinationen -zusammenfallen, weil ein ganz -neues Element hinzukommt: das Spitzeltum. -</p> - -<p class="tb"> - -</p> - -<p class="noindent"> -Die Gegenschrift des Verteidigers Dr. Weinberg -beschränkte sich, wie meist bei Schwurgerichtssachen, -auf die Betonung und Beantragung -einiger für die Beschuldigten vorteilhaften -Punkte, so daß sie der Eröffnung des -Hauptverfahrens nicht im Wege stand. -</p> - -<div class="doc"> -<a id="page-69" class="pagenum" title="69"></a> -<p class="id"> -2 c J 2691, 10 -</p> - -<p class="hdr"> -<span class="line1">Beschluß.</span> -</p> - -<p> -Auf Antrag der Staatsanwaltschaft wird gegen -</p> - - <div class="hang"> -<p> -1. den Lederarbeiter (Schankwirt) Max Fichtmann -aus Berlin, Parochialstr. 35, zur Zeit in der Strafanstalt -Brandenburg a. H. in Sachen 67 J 2699, -10 Staatsanwaltschaft I Berlin in Strafhaft, geb. -am 22. November 1898 Berlin, mosaisch, -</p> - -<p> -2. den Kaufmann (Verkäufer von Broschüren) Erwin -Hoppe aus Berlin, seit 13. November 1919 hier -in Untersuchungshaft, geb. 1. April 1899 Berlin, -religionslos, unverheiratet, -</p> - -<p> -3. den Schneidergesellen Willi Winkler aus Berlin, seit -13. November 1919 hier in Untersuchungshaft, geb. -16. September 1899 Berlin, evangelisch, unverheiratet, -</p> - - </div> -<p> -welche hinreichend verdächtig erscheinen, in Berlin zu -Anfang August 1919 -</p> - - <div class="hang"> -<p> -a) Fichtmann und Hoppe gemeinschaftlich mit anderen -den Inspektor Blau (Karl) vorsätzlich getötet und -diese Tötung mit Überlegung ausgeführt zu haben, -</p> - -<p> -b) Winkler den Angeschuldigten Fichtmann und Hoppe -und den Mitgliedern bei Begehung des Verbrechens zu a -durch Rat oder Tat wissentlich Hilfe geleistet zu haben, -</p> - - </div> -<p> -Verbrechen gegen §§ 211, 47, 49, StGB. -</p> - -<p> -das Hauptverfahren vor dem Schwurgericht des Landgerichts -II in Berlin eröffnet. -</p> - -<p> -Die Untersuchungshaft gegen die Angeklagten Hoppe -und Winkler dauert aus den bisherigen Gründen fort. -</p> - -<p> -Die Ausführungen des Verteidigers Rechtsanwalt Dr. -Weinberg in der Schutzschrift vom 1. Juni 1920 stehen -der Eröffnung des Hauptverfahrens nicht entgegen. -</p> - -<p> -Berlin, den 7. Juni 1920. -</p> - -<p class="sign"> -Landgericht II, Strafkammer 5<br /> -gez. Scheringer <span class="hspace">David</span> Gerhard. -</p> - -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="part-4"> -<a id="page-70" class="pagenum" title="70"></a> -DIE VERHANDLUNG. -</h2> - -</div> - -<h3 class="section" id="chapter-4-1"> -Eröffnung. -</h3> - -<p class="noindent"> -Die Verhandlung begann am Donnerstag, -dem 24. Juni 1920, vor dem Schwurgericht des -Landgerichts II zu Berlin und dauerte bis -Montag, den 5. Juli. Das Aufsehen, das der -Prozeß in der Öffentlichkeit erregte, war -außerordentlich; besonders die republikanischen -Organe und die Presse der Linken -nahm Anlaß zu heftigen Ausführungen. „Der -Spitzelsumpf“ – „Die Spitzelorganisation -der Garde-Kavallerie-Schützendivision“ – -„Die Mordzentrale“ – „Der Lockspitzel als -Zeuge“ waren etwa die Überschriften, die -den Berichten vorstanden, und es ist sehr -verständlich, daß weder Richter noch Staatsanwalt -von den Enthüllungen der Beweisaufnahme -erbaut waren: ein Schmutz trat zutage, -der in die Berechtigung dieses speziellen -Verfahrens ernsthafte Zweifel setzen läßt -und nach allgemeiner Remedur ruft. -</p> - -<p> -Den Vorsitz der Verhandlung führte Landgerichtsdirektor -Dr. Joel, die Anklage vertrat -Staatsanwaltschaftsrat Dr. Ortmann, die -Verteidigung der Angeklagten lag in den -<a id="page-71" class="pagenum" title="71"></a> -Händen der Rechtsanwälte Theodor Liebknecht, -Dr. Kurt Rosenfeld und Dr. Siegfried -Weinberg. Unter den Geschworenen befanden -sich Vertreter folgender Berufe: Bibliothekar, -Dreher, Bäckermeister, Bankbeamter, -Bürobeamter, Brauereidirektor, Generaldirektor, -Rieselmeister, Maler, Landwirt, -Architekt, Molkereibesitzer, Kassenbeamter, -Vorarbeiter, Chemiker, Obergärtner, -Buchdruckereibesitzer, Ingenieur, Rittergutsbesitzer, -Fabrikbesitzer, Kaufmann. Bei -der Auslosung machte die Verteidigung von -ihrem Ablehnungsrecht Gebrauch. Als beisitzende -Richter waren Landgerichtsrat, Geh. -Justizrat Bienutta und Gerichtsassessor Siemens -tätig, als Gerichtsschreiber Landgerichtsratsassistent -Schröder. -</p> - -<p class="tb"> - -</p> - -<p class="noindent"> -Die Sitzungen des Gerichts füllten neun -volle Tage aus. Bei kurzen Prozessen gestattet -die Anwesenheit aller Beteiligten eine -klare Disposition des Vorsitzenden: er vermag -die Verhandlung so übersichtlich zu -leiten, daß ein genaues Protokoll imstande -ist, ein klares Bild zu geben. Hier, wo während -der Tagung dauernd das Bild sich verschob, -nachträglich neue Zeugen erschienen, -deren Aussagen an in Tagen vorher Niedergelegtes -sich anschließt; hier, wo zeitweise -<a id="page-72" class="pagenum" title="72"></a> -das Thema der Verhandlung sich gar nicht -um die Angeklagten zu drehen schien: ist es -unmöglich, eine getreu den Ereignissen folgende -Schilderung ohne intensives Studium -zu überblicken. Es muß versucht werden, -Zusammengehöriges im Zusammenhang darzustellen, -so gut es geht. Die Gesichtspunkte, -unter denen dies unternommen wurde, sind -geteilt; es ergaben sich Abschnitte, die den -Gang des Prozesses betreffen; und solche, -in denen bestimmte zur Sprache gebrachte -Personen oder Gebiete für sich allein interessieren. -Wenn hier nochmal gesagt ist, daß -diese Ausführungen keinerlei Stellungnahme -beabsichtigen: weder zum Urteil, noch zur Verhandlungsführung -wird die gewählte Darstellung, -die sich übrigens streng an die Berichte -hält, sicher zu Mißverständnissen keinen -Anlaß geben. -</p> - -<h3 class="section" id="chapter-4-2"> -Allgemeines und Einleitendes. -</h3> - -<p class="noindent"> -Bereits erwähnt wurde, daß bei der Auslosung -der Schöffen die Anwälte von ihrem -Ablehnungsrecht Gebrauch machten. Wesentliches -spielte sich dabei nicht ab. -</p> - -<p> -Rechtsanwalt Liebknecht stellt dann einen -</p> - -<h3 class="section" id="chapter-4-3"> -Antrag der Verteidigung -</h3> - -<p class="noindent"> -„es möchte die Vertagung der Verhandlung beschlossen -werden, da es trotz der zehn Monate -<a id="page-73" class="pagenum" title="73"></a> -langen Voruntersuchung der Verteidigung -nicht möglich war, die Gerichtsakten rechtzeitig -einzusehen.“ -</p> - -<p> -Antrag abgelehnt. -</p> - -<p> -Rechtsanwalt Dr. Siegfried Weinberg: -</p> - -<p> -„Ich stelle fest, daß vier der geladenen -Zeugen zur Verhandlung nicht erschienen -sind; es handelt sich um die Zeugen Samson, -Schreiber, Strolz und Toifl.“ -</p> - -<p> -Staatsanwaltschaftsrat Dr. Ortmann: -</p> - -<p> -„Der Aufenthalt dieser Zeugen war nicht -zu ermitteln.“ -</p> - -<p> -Rechtsanwalt Weinberg: -</p> - -<p> -„Diese vier Zeugen standen der Voruntersuchung -zur Verfügung und haben die Angeklagten -schwer belastende Aussagen gemacht; -diese vier Zeugen sind als Lockspitzel -der Polizei tätig gewesen und sollen jetzt -nicht zu erreichen sein?!“ -</p> - -<p> -Staatsanwalt: -</p> - -<p> -„Der Auftrag, diese Zeugen zu laden, erging -ordnungsgemäß; es wurde alles versucht, -ihrer habhaft zu werden.“ -</p> - -<p> -Rechtsanwalt S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Der Herr Staatsanwalt hat sich gewiß -nicht an die richtigen Herren vom Polizeipräsidium -gewandt.“ -</p> - -<p> -Staatsanwalt: -</p> - -<p> -„Ich bitte Sie uns dabei behilflich zu sein!“ -</p> - -<p> -Rechtsanwalt S. Weinberg: -</p> - -<p> -<a id="page-74" class="pagenum" title="74"></a> -„Einen Augenblick! – Ich erkläre: die -nicht erschienenen Zeugen Samson und Strolz -sind in die vorliegende Tat als Lockspitzel -verwickelt gewesen; der Zeuge Toifl steht im -Verdacht, an der Tat beteiligt gewesen zu -sein und gegen den wichtigsten dieser Belastungszeugen, -den Polizeispitzel Schreiber, -besteht begründeter Argwohn, daß er selbst -der Täter sei! Ich verlange, daß alles geschieht, -um diese Leute persönlich vorzuführen! -Der Eindruck ihrer Aussagen kann -nicht ersetzt werden durch Verlesung der -Protokolle!“ -</p> - -<p> -Staatsanwalt: -</p> - -<p> -„Ich wiederhole nochmals, daß alles geschah, -um die Zeugen beizuschaffen. Der -Zeuge Schreiber ist Schweizer Staatsangehöriger -und nach Mitteilung der Münchener -Polizei von München nach der Schweiz abgeschoben -worden.“ -</p> - -<p> -Rechtsanwalt S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Die Öffentlichkeit hat ein Interesse daran, -daß dieser Mord aufgeklärt werde. Es muß -endlich Schluß werden mit der Tätigkeit -privater und militärischer Spitzelzentralen; -es muß Schluß werden mit dem Agentenwesen -der Polizei! Dieser Schreiber hat zur -Tat aufgereizt, sie veranlaßt, vielleicht sie -ausgeführt; er hat ausgesagt in der Voruntersuchung -– und jetzt ist er nicht zu ermitteln? -<a id="page-75" class="pagenum" title="75"></a> -Ich behaupte: die Polizei kann diesen Spitzel -nicht finden, weil sie ihn jetzt nicht finden -will! ... Genau, wie im Ledebourprozeß, -wo die Zeugen Roland und Leutnant Bachmann -bei den behördlichen Spitzelzentralen -ein- und ausgingen, und dem Gericht nicht -erreichbar waren! Wie oft, meine Herren, -wird dieses Spiel sich noch wiederholen? Der -Zeuge Schreiber ist von der Polizei nach der -Schweiz gebracht worden, – gut: Im Namen -der Verteidigung stelle ich folgenden -</p> - -<h3 class="section" id="chapter-4-4"> -Beweisantrag der Verteidigung. -</h3> - -<p class="noindent"> -<em>Walter Schreiber</em> wird als Zeuge bestätigen: -</p> - -<p> -1. daß er als Lockspitzel militärischer und -polizeilicher Stellen tätig war; -</p> - -<p> -2. daß er als solcher und im Einverständnis -mit seinen Auftraggebern die Beseitigung des -unbequem gewordenen Blau übernommen -hatte; -</p> - -<p> -3. daß er als solcher und im Einverständnis -mit seinen Auftraggebern die Beförderung -des Blau nach Magdeburg und Berlin bewerkstelligt -hat; -</p> - -<p> -4. daß er als solcher und im Einverständnis -mit seinen Auftraggebern die Ermordung des -Blau betrieben hat, und, daß er selber, nicht -<a id="page-76" class="pagenum" title="76"></a> -aber die Angeklagten die zur Anklage stehende -Tat begangen hat. -</p> - -<p> -Die genaue Adresse des Schreiber ist bekannt: -der schweizerischen Behörde, sowie -dem deutschen Konsulat in Zürich; ferner -dem Vorsteher der politischen und Fahndungsabteilung -des Polizeipräsidiums zu -München und der politischen Abteilung des -Polizeipräsidiums Berlin: die dies als Zeugen -bestätigen werden.“ -</p> - -<p class="tb"> - -</p> - -<p class="noindent"> -Staatsanwaltschaftsrat Dr. Ortmann: -</p> - -<p> -„Der Untersuchungsrichter hat keinen Anlaß -gesehen, gegen die Zeugen einzuschreiten -oder ihre Glaubwürdigkeit zu bezweifeln -– und ich stelle dem Urteile des -Gerichts anheim, ob nicht viel eher die -Drohungen der Kommunisten und die Angst -vor Terrorakten Ursache sind, daß die Zeugen -ihren Aufenthalt verheimlichen. Aber -die Staatsanwaltschaft will alles tun, diesen -Mord aufzuklären: ich werde die von der Verteidigung -genannten Wege beschreiten und -nochmals alles versuchen, des Zeugen Schreiber -habhaft zu werden.“ -</p> - -<p> -Die Entscheidung über den Beweisantrag -wird infolgedessen vertagt, – doch ist es geraten, -den weiteren Verlauf gleich hier zu berichten: -</p> - -<p> -Am zweiten Verhandlungstag teilt der -<a id="page-77" class="pagenum" title="77"></a> -Staatsanwalt mit, daß seine Recherchen -nach Schreiber erfolglos waren; er habe sich -sofort an die Polizeidirektion München gewandt -und nochmals die Antwort erhalten: -der Zeuge sei seiner Zeit nach Lindau abgeschoben -worden, sein Aufenthalt in der -Schweiz oder sonstwo sei unbekannt. Ebenso -sei die telegraphische Anfrage bei der Polizeidirektion -Zürich und dem deutschen Generalkonsulat -Zürich bisher vergeblich gewesen. -R.-A. Dr. S. Weinberg rät, Herrn von Saldersberg -von der antibolschewistischen Liga in -Berlin um Auskunft anzugehen. -</p> - -<p> -Zu Beginn des vierten Verhandlungstages, -Montag, 28. Juni, verliest der Staatsanwalt -ein neues Telegramm des deutschen Generalkonsuls -in Zürich, an den er sich gewandt -hatte. Das Konsulat teilt mit, daß Walter -Schreiber gefunden sei und sich bereit erklärt -habe, unter bestimmten Voraussetzungen -vor Gericht zu erscheinen; er verlange -4000 M., ferner für jeden Tag Aufenthalt -20 schw. Franken Entschädigung, sowie freie -Fahrt und freie Verpflegung; ferner polizeilichen -Schutz während der Fahrt und vor Gericht, -und außerdem Erlaubnis zum Waffentragen. -Schreiber behauptete, die Münchner -Polizei sei ihm die 4000 M. noch schuldig -und erst, wenn diese Schuld beglichen sei, sei -er zu weiteren Diensten bereit. -</p> - -<p> -<a id="page-78" class="pagenum" title="78"></a> -Rechtsanwalt Th. Liebknecht: -</p> - -<p> -„Ich muß sagen, daß mir eine derartige -Schamlosigkeit noch nicht begegnet ist; ich -finde das Vorgehen dieses Spitzels unerhört; -doch stelle ich es dem Ermessen des Gerichts -anheim, ob es auf eine derartige Erpressung -sich einlassen will. Ich betone nur noch, daß -dies die Leute sind, die nach Ansicht des -Herrn Staatsanwalts nicht erscheinen aus -Angst vor Terrorakten!“ -</p> - -<p> -Staatsanwalt: -</p> - -<p> -„Leider besteht keine gesetzliche Handhabe, -den Zeugen hierher zu schaffen; ich sehe -also keinen anderen Weg als auf diese Bedingungen -einzugehen.“ -</p> - -<p> -Rechtsanwalt S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Ich muß gegen die Zahlung von 4000 M. -protestieren; eine derartige Zahlung wird -nie den Verdacht abschütteln können, Bestechungsgeld -zu sein; ich bitte das Gericht -dieses Moment nicht zu unterschätzen.“ -</p> - -<p> -Staatsanwalt: -</p> - -<p> -„Wenn das Gericht die Zahlung ablehnt, -die Staatsanwaltschaft wird nichts unterlassen, -diesen wichtigen Zeugen zur Vernehmung -zu bringen! Dann wird die Staatsanwaltschaft -diese Summe von sich aus, aus -einem ihr zur Verfügung stehenden Dispositionsfonds -erlegen.“ -</p> - -<p> -– Das Gericht beschließt nach kurzer Beratung, -<a id="page-79" class="pagenum" title="79"></a> -den Staatsanwalt zu ermächtigen, -den Zeugen zu den geforderten Bedingungen -beizubringen; das Gericht lehnt aber die -Zahlung der 4000 M. ab. -</p> - -<p> -Staatsanwalt: -</p> - -<p> -„Dann werde ich diese Summe bereitstellen!“ -</p> - -<p> -Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld: -</p> - -<p> -„Ich möchte den Herrn Staatsanwalt -bitten uns zu verraten, woher er die 4000 M. -für den Schreiber nimmt. Nach meiner -Kenntnis stehen der Justizbehörde keine -Spitzelfonds zur Verfügung.“ -</p> - -<p> -Staatsanwalt: -</p> - -<p> -„Ich verwahre mich gegen den Ausdruck -Spitzelfonds. Ich habe keine Spitzelfonds -unter mir; ich schaffe nicht den Spitzel, sondern -den Zeugen Schreiber bei.“ -</p> - -<p> -Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld: -</p> - -<p> -„Ich wiederhole meine Frage, aus welchem -Fonds die 4000 M. stammen?“ -</p> - -<p> -Vorsitzender Dr. Joel: -</p> - -<p> -„Ich bitte die Unterhaltung über diesen -Punkt zu schließen!“ -</p> - -<p> -Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld: -</p> - -<p> -„Ich behalte mir vor, die Frage nochmal -anzuschneiden.“ -</p> - -<p> -– Drei Tage später, am Donnerstag, dem -1. Juli, liegt ein Telegramm des deutschen -Generalkonsuls Zürich vor: Schreiber werde -der Vorladung als Zeuge nur Folge leisten, -<a id="page-80" class="pagenum" title="80"></a> -wenn er die 4000 M. vor Antritt der Fahrt -ausgehändigt erhalte. -</p> - -<p> -Rechtsanwalt S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Es dürfte sich empfehlen, dem Schreiber -die 4000 M. gleich zu schenken und auf sein -Erscheinen zu verzichten.“ -</p> - -<p> -Staatsanwalt: -</p> - -<p> -„Der Staatsanwaltschaft ist nach den vorhergegangenen -Ausdrücken an dem Erscheinen -des Zeugen sehr viel gelegen. Ich möchte -versuchen, mich nochmal an das deutsche -Konsulat Zürich zu wenden.“ -</p> - -<p> -Die Antwort lautete: Schreiber sei nur -bereit nach Empfang der 4000 M. auf dem -Konsulat in Zürich auszusagen; er käme -nicht nach Deutschland. Weitere Bemühungen -waren erfolglos und der Beweisantrag -der Verteidigung wurde, wie am Schluß berichtet -wird, schließlich abgelehnt. -</p> - -<p> -Noch eine Episode ereignete sich, die zur -übrigen Verhandlung nicht in Beziehung -steht: am fünften Verhandlungstag, Dienstag, -29. Juni, wurde der Vertreter der Roten -Fahne am Saaleingang angehalten und nach -Waffen durchsucht. Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld -bemerkt zur Beschwerde des betreffenden -Herrn, daß nur dieser durchsucht worden -sei. Der Vorsitzende erklärt dazu, daß seine -auf Überwachung und Kontrolle des Zuschauerraumes -zielenden Anordnungen dahin -<a id="page-81" class="pagenum" title="81"></a> -zu ändern seien, daß die Pressevertreter -künftighin unbehelligt blieben; die Kontrolle -selbst sei er der Sicherheit der einzelnen Zeugen -schuldig. -</p> - -<h3 class="section" id="chapter-4-5"> -Die Vernehmung des Fichtmann.<br /> -– Der Fall Orlowsky. – -</h3> - -<p class="noindent"> -Die Nachmittagssitzung des ersten Verhandlungstages -eröffnet die Vernehmung des -Angeklagten Max Fichtmann. Dieser verbüßte -damals im Zuchthause Brandenburg -eine langjährige Zuchthausstrafe, die im Oktober -1919 vom außerordentlichen Kriegsgericht -wegen versuchter räuberischer Erpressung -und versuchten Mordes an dem Edelsteinhändler -Orlowsky verhängt worden war. -</p> - -<p> -Rechtsanwalt Dr. S. Weinberg teilt zu -dieser Sache mit, daß in dem Prozesse das -Wiederaufnahmeverfahren schwebe (da Berufung -gegen das Urteil des außerordentlichen -Kriegsgerichts nicht möglich ist). -</p> - -<p> -Der Angeklagte erklärt: -</p> - -<p> -„Ich bin von Beruf Lederarbeiter und betrieb -im vergangenen Jahre eine Schankwirtschaft -in der Jüdenstraße. Ich bin Anhänger -und Mitglied der KPD. (Kommunistische -Partei Deutschlands); in meinem -Lokale verkehrten viele Genossen, unter -<a id="page-82" class="pagenum" title="82"></a> -ihnen auch der jetzt als Spitzel entlarvte -Toifl. Dieser gebärdete sich stets sehr extrem -und propagierte die direkte Aktion; er hatte -an mehreren Unternehmungen Anteil. So -führte er einen Trupp, der in der Nacht vom -31. Juli zum 1. August 1919 am Molkenmarkt -den Diamantenhändler Orlowsky verhaftete; -Orlowsky wurde in einen Vorort verschleppt -und um etwa 2000 M. beraubt; auch ein -Schuß soll dabei gefallen sein. Nachher behauptete -Toifl, ich hätte den Überfall geleitet -und den Schuß abgegeben; auf sein -Zeugnis hin wurde ich vom Kriegsgericht verurteilt -– aber ich fühle mich völlig schuldlos. -Vor dem Kriegsgericht sagte der Oberleutnant -Graf Westarp aus, daß er dem Toifl -Auftrag gegeben habe, mich zu überwachen -und unschädlich zu machen: indem er mich -in die Sache hineinzog, entledigte Toifl sich -dieses Auftrags. -</p> - -<p> -„Zum Fall Blau habe ich zu sagen: ich war -am Abend des 2. August 1919 im Lokal von -Obst in der Höchster Straße; von da bin ich -zwischen 1 und 2 Uhr direkt nach Hause gegangen -und habe mich schlafen gelegt. Von -dem ganzen Hergang in der Großbeerenstraße -weiß ich nichts; wenn ich damit in -Verbindung gebracht werde, dürfte eine Personenverwechslung -vorliegen. Ich bin unbeteiligt -und bereit mein Alibi zu beweisen.“ – -</p> - -<p> -<a id="page-83" class="pagenum" title="83"></a> -Längere Diskussionen entspannen sich, ob -das Urteil des außerordentlichen Kriegsgerichts -verlesen werden solle. Der Staatsanwalt -wünschte die Verlesung, da der Inhalt -zur Charakterisierung des Angeklagten -beitrage. Die Verteidiger Th. Liebknecht und -Dr. S. Weinberg protestieren mit aller Energie: -Das Urteil eines außerordentlichen Gerichts -könne niemals zur Charakterisierung -des Betroffenen vor einem ordentlichen Gerichte -dienen; weiterhin sei das Wiederaufnahmeverfahren -eingeleitet: wenn also das -Gericht das Urteil zur Verlesung gebracht -haben wolle, müsse mit Billigkeit auch der -Antrag auf Wiederaufnahme diskutiert und -das ganze Verfahren neu aufgerollt werden; -die Geschworenen möchten sich doch ihre -Ansicht nach dem Verlauf dieses Prozesses -und den Ergebnissen der Beweisaufnahme -bilden. -</p> - -<p> -Daraufhin wurde die Frage zurückgestellt; -am darauffolgenden (dritten) Verhandlungstage -wurde das Urteil unter erneutem Protest -der Verteidigung dennoch verlesen. -Rechtsanwalt Dr. S. Weinberg gibt den Geschworenen -eine Erläuterung ab, daß das -ganze Verfahren sich auf die Aussage des -einen Zeugen Toifl stützte, der nachgewiesenermaßen -Lockspitzel sei, und daß Orlowsky -selbst den Fichtmann vor Gericht -<a id="page-84" class="pagenum" title="84"></a> -nicht habe wiedererkennen und als Täter -bezeichnen können. – Die Verteidigung behält -sich vor im Laufe der Verhandlung -nochmals auf die Sache Orlowsky zurückzukommen. -</p> - -<p class="tb"> - -</p> - -<p class="noindent"> -Des Zusammenhangs wegen seien gleich -einige Zeugen in Sache des Fichtmann erwähnt: -</p> - -<p> -Die Mutter des Fichtmann (7. Verhandlungstag): -in der fraglichen Zeit habe ihr -Sohn regelmäßig zu Hause geschlafen und sei -niemals ausgeblieben; sie könne daher bezeugen, -daß er sowohl in der Nacht des 1. als -auch des 2. August zu Hause war. -</p> - -<p> -Die Zeugen Gastwirtseheleute Obst, Hans -Löpert und Marie Schröder sowie die Schwester -des Fichtmann (6. Verhandlungstag) bekunden -übereinstimmend, daß Max Fichtmann -am Mordtage des 2. August bis um -Mitternacht im Lokale von Obst war. Der -Bruder des Fichtmann fügt noch hinzu, daß -er anschließend mit seinem Bruder und -Freunden nach Hause gegangen und später -sich schlafen gelegt habe; eine nachträgliche -Entfernung käme nicht in Betracht, da sie -in einem Bette geschlafen hätten. -</p> - -<p> -Die Zeugin Fräulein Kuschel (6. Verh.-Tag) -war mit Fichtmann näher befreundet und bezeugt, -<a id="page-85" class="pagenum" title="85"></a> -sowohl am Freitag, dem 1., wie am -Sonnabend, dem 2. August 1919, bis spät -nacht mit ihm zusammen gewesen zu sein. -Fichtmann könne weder im Fall Orlowsky, -noch im Fall Blau als Beteiligter in Betracht -kommen. -</p> - -<p> -Der Zeuge Worm (6. Verhandlungstag): -auch er könne bestätigen, daß Max Fichtmann -am Raubzug gegen Orlowsky nicht beteiligt -war; „wir betrachteten damals den -Toifl noch als Genossen und waren häufig mit -ihm zusammen; am fraglichen Tage hat Toifl -mich aufgefordert, ich solle bei dem Unternehmen -gegen Orlowsky mitmachen. Aus -prinzipiellen Gründen lehnte ich mit Entschiedenheit -ab; und ich kann mit Bestimmtheit -versichern, daß Fichtmann ebenfalls -nicht dabei war: er war den ganzen Abend in -seinem Lokal! Der Toifl aber, der Uniformen -der Reichswehr und Stahlhelme besorgt -hatte, ist mit einigen anderen losgezogen! ... -Vor dem außerordentlichen Kriegsgericht, -das später Fichtmann verurteilte, bin ich -nicht vernommen worden.“ -</p> - -<p> -Der Vater des Fichtmann bestätigt noch -(7. Verhandlungstag), daß Toifl fortgesetzt -agitierte und versuchte, die jungen Leute zu -terroristischen Gewaltakten aufzureizen. -</p> - -<p class="tb"> - -</p> - -<p class="noindent"> -<a id="page-86" class="pagenum" title="86"></a> -Rechtsanwalt Dr. Siegfried Weinberg: -</p> - -<p> -„Aus verschiedenen Fragen des Herrn -Staatsanwalts an diese Zeugen entnehme ich, -daß der Herr Staatsanwalt sich auf Angaben -des Toifl stützt. Da dieser selbst als Zeuge -nicht erschienen ist, beantrage ich die Ladung -des Friseurs Julius Meyer, Grüneberger -Straße, als Zeugen über die Glaubwürdigkeit -des Toifl.“ -</p> - -<h3 class="section" id="chapter-4-6"> -Die Vernehmung des Hoppe. -</h3> - -<p class="noindent"> -Auch der Angeklagte Erwin Hoppe macht -seine Angaben in freier Rede: -</p> - -<p> -„Ich bin Handlungsgehilfe; seit meinem -14. Lebensjahr bin ich Mitglied der Arbeiterjugend: -dort habe ich die Lehren des Sozialismus -kennen gelernt. Ich lehne als Mitglied -der K. P. D. jede individuelle Gewalt ab. So -war ich auch Gegner des Kriegs und versuchte -mich dem Militärdienste zu entziehen; ich -wurde deshalb seiner Zeit auch in Flensburg -verurteilt. -</p> - -<p> -„Nach meiner Entlassung schloß ich mich -der freien sozialistischen Jugend an, der ich -bis heute treu blieb und deren Ziele ich vertrete -...“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Ist Ihnen bekannt, daß innerhalb der kommunistischen -<a id="page-87" class="pagenum" title="87"></a> -Partei sogenannte Terroristengruppen -bestehen, die ihre politischen Ziele -auf gewaltsamem Wege erreichen wollen?“ -</p> - -<p> -Hoppe: -</p> - -<p> -„Mir ist nichts darüber bekannt; ich selbst -lehne, wie schon gesagt, jeden individuellen -Terror ab und halte mich von den Propagatoren -desselben fern. -</p> - -<p> -„An jenem Abend des 1. August war ich in -einer Jugendversammlung in der Weinmeisterstraße; -nach deren Schluß ging ich in -die Versammlung in der Mittenwalderstraße, -weil ich dort noch Freunde zu treffen hoffte. -Als ich dahin kam, war die Versammlung -bereits beendet; ich betrat den Saal, in dem -noch etwa 30 Mann zusammenstanden. Ich -trat näher und hörte, daß die Leute sich lebhaft -mit einem der Anwesenden stritten, den -sie der Spitzelei bezichtigten. Es war Blau, -von dem ich vorher noch nie gehört hatte -und den ich damals zum ersten Male sah. -</p> - -<p> -„Die Genossen schienen Beweise in den -Händen zu haben und hielten sie dem Blau -vor; dieser bestritt erregt deren Stichhaltigkeit -und brachte Erklärungen vor, die ich im -Lärm der Redenden nicht völlig verstehen -konnte. Immer wieder kehrte nur die Behauptung, -daß ein Genosse Strolz ihn legitimieren -würde und, daß er verlange, daß dieser -Strolz sofort geholt würde.“ -</p> - -<p> -<a id="page-88" class="pagenum" title="88"></a> -Rechtsanwalt Th. Liebknecht: -</p> - -<p> -„Dieser Strolz wurde später als Spitzel erkannt; -er steht auf der Zeugenliste, ist aber -heute nicht auffindbar!“ -</p> - -<p> -Hoppe: -</p> - -<p> -„Ein mir unbekannter Genosse erbot sich -den Strolz zu holen; da er einen Begleiter -wünschte und sonst niemand Lust zu haben -schien, schloß ich mich ihm an.“ -</p> - -<p> -Rechtsanwalt Th. Liebknecht: -</p> - -<p> -„Auch dieser Genosse wurde später als -Spitzel entlarvt!“ -</p> - -<p> -Hoppe: -</p> - -<p> -„Da der Saal geschlossen wurde, verließen -alle das Haus. Die anderen Genossen mit -Blau bewegten sich in der Richtung zum -Kreuzberg; ich und der dazu bestimmte Genosse, -wir nahmen ein Auto und fuhren -ab. Am Kreuzberg wollten wir uns wieder -treffen. -</p> - -<p> -„Wir beide fuhren nach der Pariser Straße -in Wilmersdorf; dort hielt der Wagen und der -Genosse stieg aus, während ich im Auto warten -sollte.“ -</p> - -<p> -Rechtsanwalt Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Wie lange blieb Ihr Begleiter aus?“ -</p> - -<p> -Hoppe: -</p> - -<p> -„Vielleicht zehn Minuten.“ -</p> - -<p> -Rechtsanwalt Dr. Weinberg: -</p> - -<p> -„Ich bemerke, daß von der Pariser Straße -<a id="page-89" class="pagenum" title="89"></a> -aus das berüchtigte Spitzelbüro in der Lietzenburger -Straße, das damalige Hauptquartier -des Freikorps Lüttwitz, der Garde-Kavallerie-Schützendivision -usw., mit wenigen Schritten -zu erreichen ist. Ich vermute infolgedessen, -daß der Unbekannte dort vorsprach, -Meldung machte, oder sich Weisungen holte ... -Herr Hoppe, wurde Ihnen eine Adresse des -Strolz gesagt?“ -</p> - -<p> -Hoppe: -</p> - -<p> -„Nein. Der Genosse kam zurück und -sagte, daß er den Strolz nicht getroffen hätte. -Wir fuhren dann zum Kreuzberg zurück, wo -ein Teil der anderen mit Blau wartete. -</p> - -<p> -„Für die Mehrheit der Genossen stand fest, -daß Blau ein Spitzel war; andere zweifelten. -Blau selbst verlangte Gelegenheit, sich zu -rechtfertigen. Einer machte den Vorschlag, -den Blau sofort auf dem Tempelhofer Feld zu -erschießen, was aber von den übrigen abgelehnt -wurde. Da es jedoch zu Gegenüberstellungen -usw. zu spät war, beschloß man -zum anderen Tag zu warten; Blau war einverstanden, -in der Wohnung des anwesenden -Genossen Pohl in der Gneisenaustraße zu -übernachten.“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Wurde dabei Gewalt angewandt?“ -</p> - -<p> -Hoppe: -</p> - -<p> -„Im Gegenteil; Blau war sehr damit einverstanden, -<a id="page-90" class="pagenum" title="90"></a> -da er sowieso kein Quartier -hatte. – In der Wohnung blieben die Eheleute -Pohl, Geißler und Blau.“ -</p> - -<p> -Staatsanwalt: -</p> - -<p> -„Sie kamen doch nur zufällig in die Mittenwalder -Straße; wie kamen Sie dazu, den Blau -zu bewachen?“ -</p> - -<p> -Hoppe: -</p> - -<p> -„Es war schon spät und ich dachte mir, -daß durch einen Anwesenden mehr eine unüberlegte -Tat vermieden werden könne.“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Und wo war der Mann, mit dem Sie im -Auto fuhren?“ -</p> - -<p> -Hoppe: -</p> - -<p> -„Darüber weiß ich nichts. – Am anderen -Tag kam ein Mann, der sich als Genosse vorstellte; -dieser sagte, daß man den Strolz noch -nicht erreicht hätte und deshalb noch warten -solle. Als ich mit ihm allein auf dem Flur -stand, sagte er zu mir, indem er mir ein gefülltes -Fläschchen in die Hand drückte: Blau -sei doch ein Spitzel und es habe keinen Sinn, -mit ihm soviel Federlesens zu machen; in -dem Fläschchen sei <em>Morphium</em> und er rate -mir, möglichst gleich Schluß zu machen. Ich -verweigerte die Annahme des Giftes und -lehnte den Gedanken an Mord entschieden ab. -</p> - -<p> -„Wir warteten den ganzen Tag auf Strolz -und die Eheleute Pohl fingen an ungeduldig -<a id="page-91" class="pagenum" title="91"></a> -zu werden. Ich ging infolgedessen zu meinem -Freunde Winkler, um ihn für die nächste -Nacht um die Wohnung seiner Eltern zu ersuchen. -Denn ich wußte, daß die Eltern auf -ihrem Laubengrundstück weilten. Ich sagte -dem Winkler, daß ich die Wohnung zu einer -Sitzung brauche; er willigte ein. -</p> - -<p> -„Geißler war im Laufe des Tages fortgegangen. -Gegen Abend gingen Pohl, Blau -und ich nach der Großbeerenstraße, wo -uns, wie es zwischen Winkler und mir verabredet -war, ein mir nur mit dem Vornamen -Franz bekannter Mann mit den -Schlüsseln zur Wohnung erwartete. Pohl -verabschiedete sich, wir andern drei gingen -hinauf.“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Warum eigentlich hielten Sie den Blau -zurück? Nur um ihn dem Strolz gegenüberzustellen?“ -</p> - -<p> -Hoppe: -</p> - -<p> -„Jawohl. Und: falls er ein Spitzel war, -um ihn dann zu photographieren.“ -</p> - -<p> -Rechtsanwalt Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Es ist bei allen politischen Parteien üblich, -sich in den Besitz solcher Photographien zu -setzen; bei der sozialdemokratischen Partei -z. B. war der gewesene Polizeipräsident -Eugen <em>Ernst</em> früher einmal Spezialist für -Spitzelphotographien.“ -</p> - -<p> -<a id="page-92" class="pagenum" title="92"></a> -Vorsitzender (zu Hoppe): -</p> - -<p> -„Sie sagten doch, die Mehrzahl der Genossen -war schon in der Versammlung von -Blaus Spitzeltum überzeugt?“ -</p> - -<p> -Hoppe: -</p> - -<p> -„Jawohl, aber Blau versuchte dauernd -alles zu erklären. Er gestand offen, daß er von -der antibolschewistischen Liga den Auftrag -hatte, in München die Kommunisten zu bespitzeln; -aber er erzählte, er habe die Liga betrogen -und nur im Interesse der Kommunisten -gearbeitet; auch weiterhin wolle er nur für die -Kommunisten arbeiten, von deren Sache er -überzeugt sei; Strolz könne das bestätigen. -Ich konnte ihm diese Erzählungen auch -nicht nachprüfen, da ich ja nichts von ihm -wußte.“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Hielten Sie persönlich den Blau für einen -Spitzel?“ -</p> - -<p> -Hoppe: -</p> - -<p> -„Ich hielt ihn jedenfalls für solcher Tätigkeit -fähig; Beweise hatte ich nicht. Auch sah -ich es nicht für meine Aufgabe an, den Blau -zu vernehmen. – Wir drei gingen also in die -Winkler’sche Wohnung, wo nach etwa einer -Stunde drei Männer erschienen, die keinen -guten Eindruck auf mich machten.“ -</p> - -<p> -Staatsanwalt: -</p> - -<p> -„Wo kamen die Männer her?“ -</p> - -<p> -<a id="page-93" class="pagenum" title="93"></a> -Hoppe: -</p> - -<p> -„Das weiß ich nicht, ich kannte sie auch -nicht. Die ganze Angelegenheit des Blau war -nicht so verborgen, daß nicht mancher darum -wissen konnte. – Die drei Leute benahmen -sich ziemlich grob und besonders der größte -von ihnen machte mir beinahe Vorwürfe, daß -wir den Blau noch nicht erledigt hätten. Er -bot mir einen <em>Strick</em> und dasselbe Fläschchen -<em>Morphium</em> an, das mir der andere Unbekannte -schon am Vormittag geben wollte. -Ich nehme also an, daß diese Leute miteinander -in Beziehung standen. Ich lehnte abermals -auf das Entschiedenste ab und verlangte -die Gegenüberstellung mit Strolz; aber -die Leute machten sich in der Wohnung breit -und schienen mit der Absicht gekommen, die -Tat auszuführen. Da ich keine Möglichkeit -sah, mich ihnen zu widersetzen und andererseits -mit ihnen nichts zu tun haben wollte, -zog ich es vor, die Wohnung zu verlassen.“ -</p> - -<p> -Staatsanwalt: -</p> - -<p> -„Warum gingen Sie nicht zur Polizei?“ -</p> - -<p> -Hoppe: -</p> - -<p> -„In unseren Kreisen denkt man nicht an -die Polizei als Hilfe. – Ich ging also nach -Hause um mich schlafen zu legen. Aber die -Sache beunruhigte mich; auch ängstigte es -mich, in der mir anvertrauten Winkler’schen -Wohnung Fremde allein gelassen zu haben: -<a id="page-94" class="pagenum" title="94"></a> -nach einer Stunde zog ich mich wieder an -und ging in die Großbeerenstraße zurück. -Ich stand einige Zeit vor dem Hause und -überlegte mir, was ich tun solle, als ich den -Großen und einen Begleiter aus dem Tor -treten sah. Ich ging auf sie zu und hörte ‚sie -seien oben fertig; gleich kämen die anderen -mit der Leiche herunter‘. Ich erschrak. Aber -gleich kamen Franz und der dritte mit dem -in eine Decke gehüllten Körper Blaus, der -zuerst in einem Hausflur niedergelegt wurde. -Nun traten noch andere hinzu, die da waren, -und von der Anwesenheit des Blau wußten; -unter ihnen Acosta, Pohl und Schröder. -Dem letzteren, der sehr kräftig ist, wurde -die Leiche aufgebürdet. Von der naheliegenden -Brücke wurde sie in den Kanal -geworfen. -</p> - -<p> -„Nachher zerstreuten sich alle. Pohl, Franz -und ich gingen zusammen und Franz erzählte -den Vorgang: sie hatten Wein geholt und mit -Blau Wein getrunken, ihm aber das Gift hineingetan. -Als er davon betäubt war, hatten -sie ihm die Schlinge um den Hals gelegt und -ihn erdrosselt.“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Wurde erzählt, wer den Wein holte, wer -die Schlinge zuzog?“ -</p> - -<p> -Hoppe: -</p> - -<p> -„Nein.“ -</p> - -<p> -<a id="page-95" class="pagenum" title="95"></a> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Sie waren demnach nicht bei der Tat zugegen -und hatten nichts damit zu tun?“ -</p> - -<p> -Hoppe: -</p> - -<p> -„Ich hatte nichts damit zu tun.“ -</p> - -<p class="tb"> - -</p> - -<p class="noindent"> -Der in der Anklageschrift enthaltene Kassiber -des Hoppe an Winkler kommt zur Verlesung. -Dazu gibt Hoppe auf Befragen des -Vorsitzenden an, er habe den Kassiber geschrieben, -um dem Winkler die Ereignisse -ins Gedächtnis zu rufen; außerdem habe ihn -die nervöse Spannung der Haft zu diesem -Mittel getrieben. Jedenfalls habe ihm eine -Beeinflussung des Winkler ferngelegen; eher -habe er versucht, den Winkler vor Schaden -zu bewahren, denn: indem er ihm mitteilte, -daß er selbst alles gestanden habe, enthob -er den Freund der Rücksicht auf ihn und -damit der Gefahr, durch nutzloses Schweigen -sich selbst zu schädigen. -</p> - -<p> -Der Vorsitzende befragt Hoppe, ob er sich -mit Hypnose und ähnlichen Fragen beschäftigt -habe. Hoppe bejaht: er sei mehrere Male -von einem seiner Bekannten in Hypnose versetzt -worden und habe sich zu diesen Versuchen -sehr geeignet erwiesen. Einmal habe -er in diesem Zustande eine Rede als Ministerpräsident -<a id="page-96" class="pagenum" title="96"></a> -Scheidemann gehalten, ein anderes -Mal eine Debatte als Reichswehrminister -Noske geführt. -</p> - -<p> -Die Sachverständigen Dr. Kronfeld, Gefängnisarzt -Dr. Hirsch und Sanitätsrat Dr. -Lehnsen stellen an den Angeklagten eine -Reihe von Fragen über sein Verhalten und -seine Handlungen im hypnotischen Zustand -und erklären dazu (am 7. Verhandlungstag): -</p> - -<p> -Dr. Kronfeld: er habe den Angeklagten -Hoppe mehrfach und eingehend untersucht -und eine gesteigerte Suggestibilität zweifelsfrei -festgestellt. Eine zur Verblödung neigende -Geisteskrankheit oder sonstige die Verantwortlichkeit -des Individuum aufhebende -Störungen habe er nicht gefunden; also könne -er die Anwendung des § 51 des Str.G.B. nicht -befürworten. Dagegen berechtige ihn seine -weitgehende Erfahrung mit hypnotischen -Fragen und deren Grenzgebieten zu dem Ergebnis, -daß bei sehr suggestiblen Personen -Situationen eintreten können, in denen Kritik -und Überlegung weitgehend ausgeschaltet -sind. Besonders leicht träte dieser Fall dann -ein, wenn die Suggestion in einer Richtung -stattfinde, die dem Interessengebiet des Individuums -parallel läuft oder sich mit ihm -deckt. In diesem Fall also in der Richtung -der Ziele der Arbeiterbewegung. Er müsse -<a id="page-97" class="pagenum" title="97"></a> -demnach dem Angeklagten eine verminderte -Zurechnungsfähigkeit zuerkennen und diese -darin erblicken, daß dem Angeklagten infolge -seiner Suggestibilität und unter dem Einfluß -seiner Umgebung freie Besinnung sowohl als -freie Bestimmung über seine Handlungen in -sehr erheblichem Maße gefehlt habe. – Bezüglich -des Angeklagten Fichtmann kam Dr. Kronfeld -zum Ergebnis, daß dieser infolge nachweisbarer -erblicher Belastung in physischer -und psychischer Hinsicht als degeneriert, aber -nicht als unzurechnungsfähig anzusehen sei. -</p> - -<p> -Gefängnisarzt Dr. Hirsch sowie der Gerichtsarzt -Dr. Strauch widersprachen (am -8. Verhandlungstag) diesem Gutachten: die -Suggestibilität des Hoppe sowie die erbliche -Belastung des Fichtmann könnten zwar zugegeben -werden; aber sie seien nicht so bedeutend, -daß man eine Störung der Persönlichkeit -anzunehmen brauche. Nach dem Ergebnisse -ihrer Untersuchung hielten sie beide -Angeklagte für zurechnungsfähig im Sinne -des Gesetzes und könnten bei Bejahung der -Schuldfragen eine zu berücksichtigende Beschränkung -der Willensfreiheit nicht zuerkennen. -</p> - -<p> -Auch Dr. Lehnsen kann dem Fichtmann -den § 51 Str.G.B. nicht zubilligen. Über -Hoppe sagt er aus, nachdem er einen von -diesem geschriebenen Lebenslauf verlesen -<a id="page-98" class="pagenum" title="98"></a> -hat: Hoppes Denkablauf und Darstellungsmöglichkeiten -seien völlig klar und absolut -logisch. Er könne aus seiner alten praktischen -Erfahrung aus dieser und seinen sonstigen -Beobachtungen auf einen klaren, überlegten -und eher energischen Menschen schließen: -und es sei gar nicht erwiesen, daß ein -hypnotisch leicht zu beeinflussender Mensch -auch im täglichen Leben leicht zu beeinflussen -sei. Das seien zweierlei Dinge, und, -nachdem im Fall Blau weder eine Affekthandlung -noch eine Massenpsychose vorliege, -müsse er nach seinem Augenschein urteilen: -„Ich kann nicht zugeben, daß hier -eine Willensbeschränkung vorliegt!“ -</p> - -<p class="tb"> - -</p> - -<p class="noindent"> -Die Eltern des Hoppe sagen übereinstimmend -aus (6. Verhandlungstag), ihr Sohn sei -immer gutartig, leicht lenkbar und weichherzig -gewesen. In seiner Kindheit habe er -öfter an Ohnmachtsanfällen gelitten und es -sei wohl möglich, daß seine Gesundheit im -Grunde weniger kräftig und weniger widerstandsfähig -sei, als es den Anschein erwecke. -Irgendwelche Neigung zu Gewalttätigkeit -oder zu Härte hätten sie niemals -feststellen können, eher sei Gutmütigkeit und -Freundlichkeit der Grundzug seines Wesens. -</p> - -<p> -<a id="page-99" class="pagenum" title="99"></a> -Ähnlich äußern sich die Zeugen Heilmann, -Hopfe und Holland, die den Angeklagten seit -langem kennen und seine Freunde sind. Sie -halten es für ausgeschlossen, daß Hoppe -irgend jemandem etwas zuleide täte; sie -waren Zeugen der mit ihm vorgenommenen -hypnotischen Experimente und bestätigen -seine Aussagen darüber. Sie glauben aber, -daß ihr Freund vielleicht infolge dieser Veranlagung -ein unschwer zu beeinflussender -Mensch ist. -</p> - -<p> -Lazarettdirektor Richter hatte den Hoppe -mehrere Monate als Kranken in seinem Lazarett. -Da er hörte, daß der junge Mann -Kommunist sei, habe er sich selbst an -Hoppe gewandt, ihn beobachtet und sich -eingehend mit ihm unterhalten. Er habe -aber sofort feststellen können, daß er einen -guten, weichherzigen Menschen vor sich habe -– und auch späterhin dieses Urteil nur bestätigt -gefunden: Hoppe übte auf seine -Kameraden den günstigsten Einfluß und -auch die Wärter waren mit ihm sehr zufrieden, -äußerten sich sogar sehr anerkennend. -Er persönlich traue dem Hoppe nicht zu, daß -er sich an einer Gewalttat beteiligt habe. Er -betone übrigens, daß er selbst Angehöriger -der deutschen Volkspartei sei (7. Verhandlungstag). -</p> - -<p> -Der Zeuge Ernst Fothenhauer ist der -<a id="page-100" class="pagenum" title="100"></a> -Mann, der den Hoppe hypnotisiert hat. Er -erzählt (4. Verhandlungstag) die schon bekannten -Umstände und kommt zu dem -Schluß, daß Hoppe sehr wohl unter dem -Einfluß Anderer Dinge verrichten könne, für -die er nicht verantwortlich ist. -</p> - -<h3 class="section" id="chapter-4-7"> -Die Vernehmung des Winkler. -</h3> - -<p class="noindent"> -Als letzter Angeklagter wird der Schneider -Willi Winkler vernommen. Er sagt am 2. Verhandlungstage -aus: -</p> - -<p> -„Ich habe mich mit vierzehn Jahren der Arbeiterjugend -angeschlossen und dort meinen -Freund Hoppe kennen gelernt. -</p> - -<p> -„Ich bin Gegner der kapitalistischen Wirtschaftsordnung, -weil ich sie für ungerecht -halte; ich bin überzeugt, daß die Zeit des -Kapitalismus abgelöst wird durch ein den -Bedürfnissen besser angemessenes System: -in diesem Sinne bin ich Anhänger der kommunistischen -Weltanschauung, ohne indes -einer bestimmten Partei anzugehören. Auch -bin ich kein Anhänger der Propaganda der -Tat. -</p> - -<p> -„Zur Sache selbst erkläre ich: ich habe die -Wohnung meiner Eltern meinem Freund -Hoppe zu einer Sitzung zur Verfügung gestellt. -Ich nahm an, daß es eine Besprechung -<a id="page-101" class="pagenum" title="101"></a> -sei, an der Führer teilnähmen, die illegal -lebten und gezwungen seien, sich zu verbergen. -Infolgedessen drang ich nicht in -meinen Freund um Details, sondern übergab -die Schlüssel und ging für die Nacht zu -einem Bekannten; am anderen Morgen fuhr -ich nach Treptow zu meinen Eltern, die dort -ein Laubengrundstück besitzen. -</p> - -<p> -„Erst später hat mir Hoppe erzählt, was -sich in der Wohnung zugetragen hat.“ -</p> - -<p class="tb"> - -</p> - -<p class="noindent"> -Damit ist die Vernehmung der Angeklagten -beendigt. Es folgen noch eine Reihe von -Fragen, durch die einzelne Kleinigkeiten des -bisher Geschilderten klargestellt werden – -ohne wesentlich Interessierendes zu bringen. -</p> - -<h3 class="section" id="chapter-4-8"> -Blau. -</h3> - -<p class="noindent"> -In den bisherigen Seiten kamen die Angeklagten -zu Wort und ihre Leumunds- und -Entlastungszeugen. Nicht alles ist klargestellt -und in vielem hat es den Eindruck, daß -die Angeklagten entweder selbst nichts wissen -oder verschweigen. Aber der Verlauf der Verhandlung, -statt zu erhellen, wird immer -dunkler: um einigermaßen Übersicht zu erhalten, -<a id="page-102" class="pagenum" title="102"></a> -ist es nötig, Einiges über die unklare -Persönlichkeit des Blau vorauszuschicken. -</p> - -<p> -Kriminalkommissar Dr. Riemann (3. Verhandlungstag): -Blau war Agent der antibolschewistischen -Liga und war besonders -innerhalb der kommunistischen Partei tätig. -In seinem nachgelassenen Gepäck wurden -noch Berichte an die Liga gefunden. -</p> - -<p> -Zeuge Blumenfeld, seinerzeit Leiter der -Rechtsschutzstelle der Unabhängigen Sozialdemokratischen -Partei in München (4. Verhandlungstag): -daß Blau sich als politischer -Flüchtling an ihn gewandt und um Unterstützung -gebeten habe; auch mehrfach solche -erhalten habe. -</p> - -<p> -Kriminalkommissar Trettin (3. Verhandlungstag): -bei der Münchener Polizei war bekannt, -daß Blau ein Doppelspiel treibt und -auch den Kommunisten Material liefert; er -wurde deshalb am 2. Juli 1919 aus München -ausgewiesen und begab sich um Hilfe zur -Rechtsschutzstelle der U. S. P. D. Dort -nahm sich Herm seiner an und brachte ihn -in ein Krankenhaus, bezahlte auch seine -Rechnung. -</p> - -<p> -Rechtsanwalt Dr. Siegfried Weinberg stellte -aus den Gerichtsakten folgendes fest (5. Verhandlungstag): -</p> - -<p> -Blau war während der Januarkämpfe 1919 -Kommandant der revolutionären Besetzung -<a id="page-103" class="pagenum" title="103"></a> -der Büxenstein’schen Druckerei in Berlin und -forderte die Arbeiter, auf „bis zum letzten -Blutstropfen gegen die Regierungstruppen zu -kämpfen“. Während der Erstürmung des Gebäudes -verschwand Blau unter Mitnahme -von 4000 M. Löhnungsgeldern. – In den Gerichtsakten -ist Blau als Rädelsführer bezeichnet; -er war „nicht auffindbar“; Anklage -wurde nicht erhoben; -</p> - -<p> -Blau beschlagnahmte im Januar 1919 ein -Auto des Berliner Magistrats; -</p> - -<p> -Blau versuchte von einer militärischen -Nachrichtenstelle 500 M. zu erpressen, indem -er mit dem Gericht drohte; -</p> - -<p> -Blau bezog für seine Spitzeltätigkeit von der -„Eisernen Schar“ ein Monatsgehalt von 530 M. -</p> - -<p> -Der Vorsitzende erklärt, daß dies den Tatsachen -entspricht. -</p> - -<p> -Und endlich Kriminalkommissar Dr. Trettin -(5. Verhandlungstag): „<em>Blau war ein -Lump; das steht wohl fest.</em>“ -</p> - -<p class="tb"> - -</p> - -<p class="noindent"> -Die Nachprüfung dieser und die Erbringung -weiterer Beiträge zur Charakteristik -und Vergangenheit des Blau wurde vom Gericht -abgelehnt, da sie für die Beurteilung der -Schuldfragen nicht in Betracht kämen. In -den Plädoyers findet sich noch einiges hierüber. -</p> - -<h3 class="section" id="chapter-4-9"> -<a id="page-104" class="pagenum" title="104"></a> -Die Tat.<br /> -– Zeugen und Kriminalbeamte. –<br /> -Der Spitzel Schreiber. -</h3> - -<p class="noindent"> -Die ersten Spuren, welche die Polizei im -Falle Blau auffand, wiesen nach München; -zu ihrer Aufhellung wurde Kriminalkommissar -Trettin dorthin gesandt. Dessen Aussage -lautete (3. Verhandlungstag): -</p> - -<p> -„Ich suchte in München nach dem Agenten -Schreiber, der mir von Berlin als Gewährsmann -genannt war. Ich fand ihn in der -Polizeidirektion in Schutzhaft.“ -</p> - -<p> -R.-A. Th. Liebknecht: -</p> - -<p> -„Darf ich fragen in welcher Angelegenheit?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Trettin: -</p> - -<p> -„Es handelte sich um einen <em>Mord</em> in einem -Walde bei München –“ -</p> - -<p> -Der Zeuge erzählt, was ihm von dieser -Sache in Erinnerung ist. -</p> - -<p> -R.-A. Th. Liebknecht: -</p> - -<p> -„Ich bitte zu beachten, daß die Technik -dieses Mordes genau der des Überfalls des -Spitzels Toifl auf Orlowsky entspricht!“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Trettin: -</p> - -<p> -„Dem Schreiber war der Spitzel Blau bekannt; -ebenso der Polizeidirektion München, -die auch wußte, daß Blau ein Doppelspiel -<a id="page-105" class="pagenum" title="105"></a> -trieb – indem er beiden Seiten Material verkaufte. -Aus diesem Grunde wurde Blau auch -in Schutzhaft genommen.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. Rosenfeld: -</p> - -<p> -„Geschah dies nicht eher, um politische Gefangene -zu bespitzeln?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Trettin: -</p> - -<p> -„Blau war ja als unzuverlässig bekannt! -Er wurde am 2. Juli 1919 mit Ausweisungsbefehl -aus der Haft entlassen. – In meinen -weiteren Angaben folge ich den Aufklärungen, -die mir Schreiber gab, und betone, daß -Schreiber mir einen glaubwürdigen Eindruck -machte. -</p> - -<p> -„Blau begab sich zur Rechtsschutzstelle -der U. S. P. D. in München, die damals von -dem Studenten Blumenfeld geleitet wurde. -Dieser war selbst Terrorist und Schreiber erzählte -mir den Hergang einer Vereidigung in -der Wohnung des Blumenfeld, an der er -selbst teilnahm. -</p> - -<p> -„Dabei waren acht Genossen in einem -dunklen Raume versammelt; auf dem Tisch -stand eine Schale mit rötlicher Flüssigkeit, -die, angezündet, das Zimmer mit magischem -Licht schwach erhellte. Nach einleitenden -Fragen und Erklärungen wurde auf diese -Formel vereidigt: „Ich schwöre der kommunistischen -Partei Treue und schwöre, in Not -und Gefahr nicht vom Platze zu weichen.“ -</p> - -<p> -<a id="page-106" class="pagenum" title="106"></a> -Zeuge Blumenfeld (4. Verhandlungstag): -</p> - -<p> -„Ohne auf eine Kritik der geschilderten -Formalitäten einzugehen, möchte ich betonen, -daß ich Mitglied der Unabhängigen -sozialdemokratischen Partei bin und nicht -wüßte, wieso ich jemanden auf die kommunistische -Lehre und Praxis vereidigen sollte!“ -</p> - -<p> -R.-A. S. Weinberg (zu Trettin): -</p> - -<p> -„Ist das die Glaubwürdigkeit Ihres Gewährsmannes?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Trettin: -</p> - -<p> -„Soweit ich Schreibers Angaben nachprüfen -konnte, erwiesen sie sich als richtig. – -In der Rechtsschutzstelle der U. S. P. D. -wurde Blau unterstützt. Von Herm, den er -dort kennen lernte, wurde er sogar in einem -Krankenhaus untergebracht; seine dortige -Rechnung bezahlte Herm.“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Das scheint nicht dafür zu sprechen, daß -Blau als Spitzel erkannt war?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Trettin: -</p> - -<p> -„Anfänglich war er es auch nicht. – Am -29. Juli reisten Blau, Herm, Schreiber und -ein gewisser Schuster nach Leipzig: im Laufe -der Fahrt teilte Herm dem Schreiber mit, -daß Blau ermordet werden solle.“ -</p> - -<p> -Zeuge Blumenfeld (4. Verhandlungstag): -</p> - -<p> -„Ich kann dazu Näheres sagen: Beide, sowohl -Blau wie Schreiber, wandten sich an die -<a id="page-108" class="pagenum" title="108"></a> -Rechtsschutzstelle um Unterstützung und erhielten -auch Geld.“ -</p> - -<div class="centerpic full"> -<img src="images/i107.jpg" alt="" /> -<p class="cap"> -Der den Geschworenen vorgelegte Lageplan. -</p> - -</div> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Im Kassenausweis der Rechtsschutzstelle -sind mehrere Beträge (30, 40 und 250 M.) als -‚in Sachen Blau‘ aufgeführt; sind das die -Unterstützungsgelder?“ -</p> - -<p> -Zeuge Blumenfeld: -</p> - -<p> -„Ja. – Schreiber ersuchte uns, ihm Arbeit -zu verschaffen und Herm wollte das in seiner -Heimat Hötensleben versuchen: das war der -Anlaß der Reise! Blau bot sich dem Herm -als Spitzel an; ich habe dann selbst mit Blau -gesprochen, doch ohne Erfolg. Ich konnte -nichts von ihm erfahren. Später klammerte -sich Blau an Herm und wollte von ihm nach -Berlin mitgenommen werden; Herm klagte -mir, daß er ihn nicht los werden könne. In -der Nacht vor seiner Abreise schlief Blau bei -mir: von einem Mordplan gegen ihn ist mir -nichts bekannt.“ -</p> - -<p> -Staatsanwalt: -</p> - -<p> -„Warum sollte Blau nach Berlin gewollt -haben?“ -</p> - -<p> -Zeuge Blumenfeld: -</p> - -<p> -„Ich weiß es nicht. – Heute bin ich geneigt -anzunehmen: weil er in München unmöglich -war! Er bekam von seinen Auftraggebern -keine Unterstützungen mehr, ihm -fehlten die Mittel, allein zu reisen.“ -</p> - -<p> -<a id="page-109" class="pagenum" title="109"></a> -– Der Staatsanwalt beantragt, den Zeugen -Blumenfeld wegen Verdacht der Teilnahme -am Mord nicht zu vereidigen. Das Gericht -beschließt, die Vereidigung vorläufig bis zur -Gegenüberstellung mit Schreiber auszusetzen -(4. Verhandlungstag). – -</p> - -<p> -Kr.-K. Trettin: -</p> - -<p> -„Blau, Herm, Schreiber und Schuster -kamen am 30. Juli in Leipzig an.“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Am 30. Juli wurde in Leipzig ein <em>Brief -an das „Berliner Tageblatt“</em> aufgegeben, -in dem die Ermordung des Blau angekündigt -wurde. Von wem stammt dieser Brief?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Trettin: -</p> - -<p> -„Das ließ sich nicht mit Bestimmtheit -sagen; wahrscheinlich von Schuster.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. Rosenfeld: -</p> - -<p> -„Nicht von Schreiber?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Trettin: -</p> - -<p> -„Schreiber wußte nichts von dem Briefe -und leugnete, ihn geschrieben zu haben. Von -Leipzig wurde nach Magdeburg gefahren, wobei -Schreiber den Blau warnte. Diese Warnung -scheint Blau nicht ernst genommen zu -haben. In Magdeburg trennten sich die vier: -Herm und Schuster fuhren ab und ließen -Blau und Schreiber allein.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Das spricht nicht sehr für einen Mordplan, -<a id="page-110" class="pagenum" title="110"></a> -daß man das Opfer allein läßt! Außerdem: -da Schreiber nach seinen eigenen Angaben -von einem Mordplan wissen wollte: -jetzt, wo er allein mit Blau war, hätte er ihn -doch verhindern können?“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Auch ich finde die Aussage des Schreiber -in diesem Punkte psychologisch recht unwahrscheinlich!“ -</p> - -<p> -R.-A. Th. Liebknecht: -</p> - -<p> -„Bestand etwa eine persönliche Feindschaft -zwischen Schreiber und Blau.“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Trettin: -</p> - -<p> -„Mir ist nichts darüber bekannt.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„In den Akten befindet sich ein Brief des -Blau an die antibolschewistische Liga, worin -<em>Blau den Schreiber als Spartakisten -denunziert</em>. Hat vielleicht Schreiber von -dieser Absicht des Blau gewußt?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Trettin: -</p> - -<p> -„Mir ist nichts darüber bekannt.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg (zu Kr.-K. Trettin): -</p> - -<p> -„Und was sagen Sie zu diesem Brief des Blau?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Trettin: -</p> - -<p> -„Es kommt vor, daß die Spitzel gegenseitig -versuchen, sich der Konkurrenz zu entledigen. -Man muß immer vorsichtig mit ihren -Angaben sein. – Ich fahre fort mit der Erzählung -des Schreiber: -</p> - -<p> -<a id="page-111" class="pagenum" title="111"></a> -„Herm und Blau hatten verabredet, sich -am 31. Juli am Bahnhof Halle zu treffen. -Schreiber selbst trennte sich von Blau und -kam am 31. nach Hötensleben, wo er sich zu -den Eltern des Herm begab. Herm traf am -2. August allein in Hötensleben ein und erzählte, -er käme aus Berlin und für Blau sei -gesorgt. -</p> - -<p> -„Am 3. August schrieb Herm einen Brief -an die Frau Kaltenhauser in München und -gab ihn dem Schreiber zur Beförderung. Indem -er ein leeres Kouvert aufgab und die -Einschreibequittung als Beleg vorzeigte, unterschlug -Schreiber den Brief und sandte ihn -an die Fahndungsabteilung München ein.“ -</p> - -<p> -– Der Wortlaut dieses Briefes ist in der -Anklageschrift enthalten; er wird zur Verlesung -gebracht. Rechtsanwalt Dr. S. Weinberg -weist darauf hin, daß der Name der -Kaltenhauser, die Herms Quartierwirtin war, -falsch geschrieben sei – was wohl erwägen -lasse, ob nicht der ganze Brief eine Fälschung -des Schreiber sei. -</p> - -<p> -Die beiden Zeugen Vater und Bruder des -Herm erklären übereinstimmend, daß der -Verlauf in Hötensleben gerade umgekehrt gewesen -sei: -</p> - -<p> -„Herm traf am 1. August in Hötensleben -ein, – was leicht festzustellen ist, da er sich -sofort persönlich beim Gemeindeamt meldete. -<a id="page-112" class="pagenum" title="112"></a> -Aber Schreiber kam erst drei bis vier Tage -später!“ -</p> - -<p> -Trotzdem beide Zeugen (wegen ihrer Verwandtschaft -mit dem beschuldigten Herm) -nicht vereidigt zu werden brauchen, verlangen -sie, ihre Aussage eidlich zu erhärten. -</p> - -<p> -Kr.-K. Trettin (hierüber befragt): -</p> - -<p> -„Ich kann hier nur die Aussagen des Schreiber -wiederholen und angeben, daß diese der -Polizei die Aufklärung des Mordes ermöglicht -haben. – Als der Tod des Blau in den -Zeitungen stand, wurde Herm sehr erregt -und sprach sofort von Mord. Er bat den -Schreiber, ihn doch nicht zu verraten und -fuhr mit ihm nach Magdeburg zu dem Parteisekretär -der U. S. P. D. Peters; dort verlangte -Herm, daß die Aufzeichnungen über -Blau vor seinen Augen vernichtet würden, -was auch geschah.“ -</p> - -<p> -Der Zeuge Peters erklärt (am 4. Verhandlungstag) -diesen Bericht des Schreiber für erlogen: -er habe niemals Aufzeichnungen über -Blau oder einen Mordplan gegen ihn besessen, -sie also auch nicht vernichten können. -Herm sei mit Schreiber bei ihm gewesen und -habe ihm den Schreiber als Flüchtling vorgestellt; -dieser habe auch 10 M. aus der -Unterstützungskasse erhalten. Andere Beziehung -habe er zu der ganzen Angelegenheit -nie gehabt. – Trotz Widerspruchs des -<a id="page-113" class="pagenum" title="113"></a> -Staatsanwalts beschließt das Gericht nach -kurzer Beratung, diesen Zeugen zu vereidigen. -</p> - -<p> -Kr.-K. Trettin: -</p> - -<p> -„Herm war wegen der Blau-Affäre dauernd -beunruhigt und reiste nach einigen Tagen -nach München ab. Schreiber blieb noch – -und machte mir über seine eigene Abreise aus -Hötensleben Angaben, die allerdings sehr unglaubwürdig -sind. Er erzählte, daß er befürchtete, -Herm würde in München die Briefunterschlagung -erfahren; infolgedessen fühlte -er sich nicht mehr sicher; ehe er sich aber entfernen -konnte, wurde er von Freunden des -Herm aufgespürt; diese Freunde waren anscheinend -von München (Herm) aus auf ihn -gehetzt und nur durch eine überstürzte und -wilde Flucht gelang es ihm, sich vor den ihn -verfolgenden und aus Revolvern auf ihn -schießenden Gegnern zu retten.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Phantasie hat dieser Spitzel!“ -</p> - -<p> -Die Zeugin Frau Baumeister aus München -erklärt (4. Verhandlungstag): Herm habe ihr -den Blau als Spitzel bezeichnet; er habe ihr -nach seiner Rückkehr nach München auch -von der Ermordung Blaus erzählt; sie habe -aber nicht den Eindruck gehabt, daß Herm -der Mörder sei. In der weiteren Diskussion -über von ihr gehörte Redewendungen anderer -<a id="page-114" class="pagenum" title="114"></a> -Münchner Genossen verwickelt sie sich zu -ihren Angaben in der Voruntersuchung in -Widersprüche, die sie mit ihrer Erregung -erklärt. -</p> - -<p> -Der nächste Zeuge ist Kriminalkommissar -Maslack (3. und 4. Verhandlungstag). -</p> - -<p> -Staatsanwalt: -</p> - -<p> -„Sie stehen im Dienst der politischen Abteilung -der Polizei?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Maslack: -</p> - -<p> -„Ja.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. Rosenfeld: -</p> - -<p> -„Nach den bisherigen offiziellen Angaben -soll doch eine sogenannte politische Abteilung -nicht mehr bestehen?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Maslack: -</p> - -<p> -„Die frühere politische Abteilung ist aufgelöst.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. Rosenfeld: -</p> - -<p> -„Aber Ihre Abteilung bearbeitet doch den -politischen Teil?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Maslack: -</p> - -<p> -„Es handelt sich hier um die Abteilung I A, -die frühere Abteilung VII; diese Abteilung -hat den inoffiziellen Namen ‚politische Abteilung‘.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. Rosenfeld: -</p> - -<p> -„So, so –“ -</p> - -<p> -Vorsitzender (zu Kr.-K. Maslack): -</p> - -<p> -„Können Sie auf Grund Ihrer Kenntnis der -<a id="page-115" class="pagenum" title="115"></a> -Dinge die Garantie übernehmen, daß der -Spitzel Schreiber, falls er vor Gericht erscheint, -nicht von kommunistischer Seite gefährdet -wird?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Maslack: -</p> - -<p> -„Die Kriminalpolizei kann nur das Menschenmögliche -tun.“ -</p> - -<p> -R.-A. Th. Liebknecht: -</p> - -<p> -„Diese Garantie – was kommunistische -Angriffe betrifft – übernehme ich.“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Maslack berichtet dann über die -Nachforschungen, die er gemeinsam mit -Schreiber in Magdeburg, Hötensleben und -anderen Orten anstellte. -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Das war nach den Aufklärungen, die -Schreiber dem Kriminalkommissar Trettin -gegeben hatte?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Maslack: -</p> - -<p> -„Ja.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Schreiber war also inzwischen aus der -‚Schutzhaft‘ wegen der vorhin erwähnten -Mordsache entlassen?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Maslack: -</p> - -<p> -„Ja.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„So, so –“ -</p> - -<p> -Der Zeuge Maslack berichtet dann, daß die -von ihm erzielten Ergebnisse im wesentlichen -<a id="page-116" class="pagenum" title="116"></a> -die Angaben des Schreiber bestätigt haben, -so wie sie schon Kr.-K. Trettin schilderte. -Wegen einiger Punkte, wie der Ankunft des -Herm und Schreiber in Hötensleben, kommt -es zu erneuten Kontroversen. Wesentlich -Neues bringt der Zeuge nicht. -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Wieviel Geld hat Ihre Behörde dem -Schreiber für seine Bemühungen gezahlt?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Maslack: -</p> - -<p> -„Die Auslagen für Reise und Aufenthalt.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Darüber hinaus hat er keine Beträge erhalten?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Maslack: -</p> - -<p> -„Nein ...“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Zeuge Maslack, ich mache Sie darauf -aufmerksam, daß Sie unter Eid aussagen!“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Sie können also bestimmt unter Ihrem -Eid aussagen, daß der Spitzel Schreiber von -Ihrer Behörde keine weiteren Gelder empfangen -hat?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Maslack: -</p> - -<p> -„<em>Wenn die Frage in so bestimmter -Form gestellt wird, so verweigere ich -die Aussage.</em>“ -</p> - -<p> -<a id="page-117" class="pagenum" title="117"></a> -R.-A. Dr. Rosenfeld: -</p> - -<p> -„Mit welcher Berechtigung?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Maslack: -</p> - -<p> -„Ich habe von meiner Behörde nicht so -weitgehende Befugnis erhalten.“ -</p> - -<p> -Der Vorsitzende verliest die Mitteilung -des Polizeipräsidiums, nach welcher der Kriminalkommissar -Maslack aussagen darf, soweit -nicht die Interessen des Deutschen -Reiches gefährdet werden. -</p> - -<p> -R.-A. Dr. Rosenfeld: -</p> - -<p> -„Hat also der Schreiber noch Geld erhalten?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Maslack: -</p> - -<p> -„Ja: er nutzte wohl auch die Konjunktur -aus, um Zeugenspesen zu erhalten.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. Rosenfeld: -</p> - -<p> -„Wie hoch war die Summe, die Schreiber -erhalten hat?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Maslack: -</p> - -<p> -„Darüber verweigere ich die Aussage.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. Rosenfeld: -</p> - -<p> -„Ich frage den Zeugen, ob er der Ansicht -ist, daß die Interessen des Deutschen Reiches -durch die Nennung der an Schreiber gezahlten -Summen gefährdet sind?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Maslack: -</p> - -<p> -„Die Entscheidung darüber steht mir -nicht zu.“ -</p> - -<p> -<a id="page-118" class="pagenum" title="118"></a> -R.-A. Th. Liebknecht: -</p> - -<p> -„Dann müssen die Beträge recht erheblich -gewesen sein.“ -</p> - -<p> -Staatsanwalt: -</p> - -<p> -„Ich beantrage, diese ganze Frage als unerheblich -zu beanstanden.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. Rosenfeld: -</p> - -<p> -„Die Frage ist insofern erheblich, als von -der Höhe der Summe abhängt, in wieweit -man diesem Zeugen Schreiber Glauben schenken -darf. Es ist derselbe Schreiber, der vom -Gericht 4000 M. fordert!“ -</p> - -<p> -Während das Gericht über den Antrag des -Staatsanwalts berät, erklärt Kr.-K. Maslack -sich bereit, die Frage zu beantworten. Das -Gericht beschließt trotzdem, die Frage als -unerheblich zurückzuweisen: weil ja allgemein -bekannt sei, daß Agenten von der -Polizei auch bezahlt würden. -</p> - -<p> -R.-A. Th. Liebknecht: -</p> - -<p> -„Ist dem Zeugen ein Leutnant Siebel bekannt, -der Abteilungsleiter der antibolschewistischen -Liga ist?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Maslack: -</p> - -<p> -„Nein.“ -</p> - -<p> -R.-A. Th. Liebknecht: -</p> - -<p> -„Sie können das unter Eid aussagen?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Maslack: -</p> - -<p> -„Es ist möglich, daß ich ihn unter anderem -Namen kenne.“ -</p> - -<p> -<a id="page-119" class="pagenum" title="119"></a> -R.-A. Th. Liebknecht: -</p> - -<p> -„Ist dem Zeugen der Leiter der Agentenabteilung -der antibolschewistischen Liga bekannt?“ -</p> - -<p> -Staatsanwalt: -</p> - -<p> -„Ich beantrage, auch diese Frage als unerheblich -zu beanstanden.“ -</p> - -<p> -R.-A. Th. Liebknecht: -</p> - -<p> -„Die Frage ist deshalb erheblich, weil -Leutnant Siebel mit den hier genannten -Spitzeln zu tun hatte!“ -</p> - -<p> -Der Gerichtsbeschluß lehnt die Frage mit -der Begründung ab: sie sei nicht gestellt, um -zur Aufklärung der Mordtat beizutragen, -sondern habe nur politische Bedeutung. -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Ist dem Zeugen bekannt, daß Blau während -der Januarkämpfe 1919 im <em>Auftrag -der Polizeibehörde</em> als Lockspitzel die -Büxensteindruckerei besetzte und ein Magistratsauto -beschlagnahmte?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Maslack: -</p> - -<p> -„Nein.“ -</p> - -<p> -R.-A. Th. Liebknecht: -</p> - -<p> -„Ist dem Zeugen der Spitzel Strolz bekannt?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Maslack: -</p> - -<p> -„Nein.“ -</p> - -<p> -R.-A. Th. Liebknecht: -</p> - -<p> -„Gar nicht bekannt?“ -</p> - -<p> -<a id="page-120" class="pagenum" title="120"></a> -Kr.-K. Maslack: -</p> - -<p> -„Jedenfalls nicht unter seinem Namen.“ -</p> - -<p> -R.-A. Th. Liebknecht: -</p> - -<p> -„Sind denn die Spitzel im allgemeinen -auch der Polizei nur unter ihrer Nummer bekannt?“ -</p> - -<p> -Der Vorsitzende beanstandet diese Frage -und das Gericht lehnt die Zulassung ab: weil -die Frage nur gestellt sei, um aus politischen -Gründen die Hilfsmittel der Polizei kennen -zu lernen. -</p> - -<p class="tb"> - -</p> - -<p class="noindent"> -Am fünften Verhandlungstage gibt der -Vorsitzende zu dieser Sache bekannt, daß -das Gericht seine am Vortage gefaßten Beschlüsse -betreffs Beanstandung der drei Fragen -nunmehr aufhebe und deren Beantwortung -nachträglich zulasse. -</p> - -<p> -R.-A. Dr. Rosenfeld: -</p> - -<p> -„Ich bitte um Auskunft, auf Grund welcher -Anregung das Gericht zu dieser Änderung -seiner Beschlüsse gekommen ist.“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Auf Grund keiner Anregung, sondern aus -eigenem Antrieb.“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Maslack: -</p> - -<p> -„Der Spitzel Schreiber hat außer Fahrt- -und Verpflegungsgeld von meiner Behörde in -der Zeit vom 13. bis 25. August 1919 eine -<a id="page-121" class="pagenum" title="121"></a> -Extravergütung von 700 M. erhalten. Ob er -noch von anderen Dienststellen bezogen hat, -weiß ich nicht.“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Trettin: -</p> - -<p> -„Ich erkläre, daß ich dem Schreiber kein -Geld gezahlt habe.“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Maslack: -</p> - -<p> -„Die leitenden Herren der antibolschewistischen -Liga, Leutnant Siebel und Bachmann, -kenne ich nicht. (7. Verhandlungstag.) -Die Beantwortung der dritten Frage, ob die -Spitzel uns nur mit Nummern bekannt sind, -wird mir von meiner vorgesetzten Behörde -verboten, da es dem Wohle des Staates widersprechen -würde, wenn die Einrichtungen der -Polizei öffentlich bekannt gegeben würden.“ -</p> - -<h3 class="section" id="chapter-4-10"> -Die Aufklärung der Tat.<br /> -Der Spitzel Strolz. -</h3> - -<p class="noindent"> -Der erste Zeuge zur Tat war der Sachverständige -Professor Dr. Strauch, der gemeinsam -mit Medizinalrat Dr. Hoffmann die -Leiche des Blau obduziert hatte. Er sagt -am 2. Verhandlungstage aus, daß der Körper -des Blau am Halse eine Strangulationsmarke -aufwies; weitere Merkmale konnten bei sorgfältigster -Untersuchung nicht gefunden werden. -Infolgedessen hätten sie am Anfang zur -<a id="page-122" class="pagenum" title="122"></a> -Annahme von Selbstmord geneigt, später ihr -Urteil dahin verallgemeinert, daß die Todesursache -nicht festzustellen sei. Nach der -näheren Kenntnis der Zusammenhänge sei er -zur Überzeugung gelangt, daß der Tod durch -Erdrosseln eingetreten sei. -</p> - -<p> -Ein Geschworener fragt den Sachverständigen, -ob der Befund unzweifelhaft sei: es sei -doch möglich, daß Blau noch lebend ins -Wasser geworfen worden sei und durch seine -Bewegungen erst die Schlinge so zugezogen -habe, daß der Tod durch Ersticken eintrat. -In diesem Falle sei aber der als Mörder anzusehen, -der den Körper ins Wasser gestoßen -habe. -</p> - -<p> -Ein zweiter Geschworener fragt, ob es ausgeschlossen -sei, daß Blau durch das Morphium -nur betäubt war und dann im Wasser -ertrunken oder erstickt ist. -</p> - -<p> -Der Sachverständige betont nochmals, daß -er jetzt mit Bestimmtheit Erdrosseln als -Todesursache annehmen könne. -</p> - -<p class="tb"> - -</p> - -<p class="noindent"> -Über die ersten Untersuchungsergebnisse -in Berlin sagt Kriminalkommissar Dr. Riemann -aus (3. Verhandlungstag): -</p> - -<p> -„Ich habe als Mitglied der Mordkommission -die ersten Untersuchungen geleitet. In -einer Tasche des Ertrunkenen steckte ein Gepäckschein -<a id="page-123" class="pagenum" title="123"></a> -auf den Anhalter Bahnhof; im -Koffer Blaus, der daraufhin abgehoben wurde, -fanden wir eine Reihe Notizen politischen Inhalts -und ebensolche Briefe; diese waren mit -Blau oder mit seinem Pseudonym Dr. Michael -unterzeichnet und an die antibolschewistische -Liga sowie ähnliche Stellen gerichtet. Ich -stellte dort Nachforschungen an und traf -dabei auf den Agenten Strolz; dieser erklärte -sofort, daß Blau von den Kommunisten als -Spitzel erkannt und ermordet worden sei; er -schilderte mir die Vorgänge in der Versammlung -in der Mittenwalder Straße, und nannte -mir Leuschner als Versammlungsleiter. Auf -diese Angaben hin begannen die Recherchen -nach Leuschner, der später in Ostpreußen -verhaftet wurde. -</p> - -<p> -„Mitte August kam an uns ein Brief eines -Münchner Vertrauensmannes, der die Abreise -Blaus mit Schreiber, Schuster und Herm mitteilte. -Daraufhin fuhr Kriminalkommissar -Trettin nach München.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Wie heißt dieser Münchner Vertrauensmann?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Dr. Riemann: -</p> - -<p> -„Es war Schreiber.“ -</p> - -<p> -Der Zeuge Kriminalwachtmeister Helmka -war als Kriminalbeamter zur Garde-Kavallerie-Schützendivision -abkommandiert gewesen. -<a id="page-124" class="pagenum" title="124"></a> -(3. Verhandlungstag): Er lernte dort -den Spitzel Toifl kennen, der ihm mitteilte, -daß er den Fichtmann sehr gut kenne und -wisse, daß dieser in die Angelegenheit Blau -verwickelt sei. Durch diese Angaben wurde -der Verdacht auf Fichtmann gelenkt. Toifl -hat dann dem Kriminalkommissar Dr. Riemann -gegenüber noch weitere Mitteilungen -gemacht, die Fichtmann schwer belasten. -</p> - -<p> -Angeklagter Fichtmann: -</p> - -<p> -„Der Spitzel Toifl belastete mich – aber -können Sie sich erinnern, daß er bei einer -Gegenüberstellung mit mir sagte, er könne -mich nicht mit Sicherheit als Täter bezeichnen? -Ich sei nicht der Täter.“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Dr. Riemann: -</p> - -<p> -„Jawohl. Doch, als Sie abgetreten waren, -nahm er diese Aussage wieder zurück und erklärte, -dies nur wegen Ihrer Anwesenheit gesagt -zu haben.“ -</p> - -<p> -Angeklagter Fichtmann: -</p> - -<p> -„Wissen Sie, daß während meiner Haft der -Spitzel Strolz in meine Zelle gelegt wurde?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Dr. Riemann: -</p> - -<p> -„Es ist ein zur Aufklärung von Kapitalverbrechen -übliches Verfahren, den Verdächtigen -durch Zellengenossen aushorchen zu lassen.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Ist dem Zeugen bekannt, daß die berüchtigte -<em>Spitzelin Schröder-Mahnke in -<a id="page-125" class="pagenum" title="125"></a> -Männerkleidern</em> in die Zellen der Angeklagten -gesteckt wurde, um von ihnen Geständnisse -zu erreichen?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Dr. Riemann: -</p> - -<p> -„Mir ist nichts davon bekannt.“ -</p> - -<p> -Staatsanwalt: -</p> - -<p> -„Ich erkläre: falls derartiges geschehen ist, -so geschah es nicht auf meine Veranlassung!“ -</p> - -<p> -Rechtsanwalt Dr. S. Weinberg wiederholt -diese Frage gegenüber dem Leiter der Voruntersuchung, -Landgerichtsrat Marquardt -(5. Verhandlungstag). -</p> - -<p> -L.-G.-R. Marquardt: -</p> - -<p> -„Davon, daß die Schröder-Mahnke als -Polizeispitzelin in den Zellen der Angeklagten -gewesen sein soll, habe ich keine Kenntnis.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Aber Sie müssen sich doch erinnern, wem -Sie Sprecherlaubnis gegeben haben.“ -</p> - -<p> -L.-G.-R. Marquardt: -</p> - -<p> -„Es war einmal ein Feldgrauer mit Brille -bei mir, dem ich Sprecherlaubnis erteilt habe. -Später erzählte mir Kriminalkommissar Maslack, -daß es sich um eine Frau in Männerkleidung -handelte.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„War Ihnen nicht bekannt, daß es die -Lockspitzelin Schröder-Mahnke war?“ -</p> - -<p> -L.-G.-R. Marquardt: -</p> - -<p> -„Nein.“ -</p> - -<p> -<a id="page-126" class="pagenum" title="126"></a> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Im allgemeinen macht es die größten -Schwierigkeiten, selbst für die nächsten Angehörigen -der Verhafteten Sprecherlaubnis zu -erwirken. Unter welcher Voraussetzung oder -Veranlassung haben Sie dieser Person Sprecherlaubnis -erteilt?“ -</p> - -<p> -L.-G.-R. Marquardt: -</p> - -<p> -„Soviel ich mich erinnere, habe ich die Erlaubnis -auf Anregung des Kriminalkommissars -Maslack erteilt.“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Maslack: -</p> - -<p> -„Die Polizei hat zu diesem Mittel gegriffen, -um den Fall aufzuklären.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. Weinberg: -</p> - -<p> -„... Eine verkleidete Frau im Männergefängnis -– auf Anregung der Polizei! Übrigens -hat diese Frau auch Einsicht in die -Akten bekommen!!“ -</p> - -<p> -L.-G.-R. Marquardt: -</p> - -<p> -„Mit meinem Wissen nicht!“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Und Sie, Herr Kriminalkommissar?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Maslack: -</p> - -<p> -„Ich kann nicht auf meinen Eid nehmen, -ob ich der Schröder-Mahnke Einsicht gab -oder nicht.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Außerdem war die Schröder-Mahnke während -der Vernehmung der Angeklagten im -<a id="page-127" class="pagenum" title="127"></a> -Nebenzimmer untergebracht und hörte die -Aussagen an.“ -</p> - -<p> -L.-G.-R. Marquardt: -</p> - -<p> -„Mir ist nichts davon bekannt. Aber ich -gebe die Möglichkeit zu, daß sie dort war; -jedenfalls, um anschließend auch vernommen -zu werden.“ -</p> - -<p> -Angeklagter Hoppe: -</p> - -<p> -„Die Schröder-Mahnke war in der Maske -eines Genossen in meiner Zelle und forderte -mich zur Flucht auf. Sie sagte, draußen sei -alles vorbereitet, ich brauchte nur den Tag -und die näheren Umstände anzugeben, für -alles weitere habe die Partei schon gesorgt. -Ich habe aber abgelehnt. Die Schröder-Mahnke -verhehlte mir keinen Augenblick, -daß sie eine verkleidete Frau sei; im Gegenteil, -als ich mich unzugänglich zeigte, <em>betonte -sie es besonders</em>.“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„In den Akten finde ich verschiedentlich -den Vermerk, daß der Angeklagte Hoppe -fliehen wolle. Von wem stammt diese Angabe?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Maslack: -</p> - -<p> -„Von der Schröder-Mahnke. Ich gebe zu, -daß die Frau in diesem Falle <em>ein sehr verwerfliches -Spiel trieb</em>.“ – -</p> - -<p> -Staatsanwalt (3. Verhandlungstag): -</p> - -<p> -„Im Interesse der Sache wäre es von höchster -<a id="page-128" class="pagenum" title="128"></a> -Wichtigkeit, diese ganzen Leute, Strolz, -Toifl, die Schröder-Mahnke, als Zeugen vor -Gericht zu sehen. Stehen denn der Kriminalpolizei -keine Mittel zur Verfügung, der Leute -habhaft zu werden?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Dr. Riemann: -</p> - -<p> -„Es ist sehr schwer; doch werde ich alles -tun, um die Leute zu eruieren. Ich nehme -aber an, daß die Angst vor den Kommunisten -die Leute abhält. Sie wagen nicht, hier zu erscheinen.“ -</p> - -<p> -R.-A. Th. Liebknecht: -</p> - -<p> -„Seit wann sind denn Strolz und Toifl im -Dienst der Polizei?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Dr. Riemann: -</p> - -<p> -„Ich kann darauf keine ausreichende Antwort -geben. Die meisten dieser Leute arbeiten -nicht ständig mit uns; so ist uns auch ihr -Aufenthalt oft nicht bekannt und es ist sehr -schwer festzustellen, ob und wie einer gerade -tätig ist.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Vielleicht kann ich Ihre Bemühungen -unterstützen, wenn ich Ihnen mitteile: der -Spitzel Toifl hat die Spitzelnummer 1460 und -war zuletzt bei Renz in der Badener Str. 5 gemeldet.“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Dr. Riemann: -</p> - -<p> -„Ich wiederhole, daß ich nichts unterlassen -werde, die Leute beizubringen.“ -</p> - -<p> -<a id="page-129" class="pagenum" title="129"></a> -Angeklagter Hoppe: -</p> - -<p> -„In diesem Zusammenhang möchte ich berichten: -gelegentlich einer Vorführung vor -den Rittmeister Heimburg beim Gruppenkommando -I sah ich dort in Reichswehruniform -den Mendelsohn-Acosta.“ -</p> - -<p> -Staatsanwalt: -</p> - -<p> -„Dieser Acosta ist der Teilnahme an der -Mordtat dringend verdächtig; ich fordere die -Kriminalpolizei auf, nach ihm zu suchen und -ihn sofort zu <em>verhaften</em>.“ -</p> - -<p> -Zur Verlesung gebracht wird ein anonymes -Schreiben, das durch Vermittlung des Kriminalwachtmeisters -Helmka der Polizei zuging. -Die Verteidiger hatten vergeblich gegen -die Verlesung protestiert. In dem Schreiben -wird Fichtmann schwer belastet. -</p> - -<p> -Kriminalwachtmeister Helmka macht Mitteilung -von einer Reihe Aufklärungen, die -von anderer Seite herstammen. -</p> - -<p> -R.-A. Dr. Rosenfeld: -</p> - -<p> -„Kann der Zeuge über seine Quellen nähere -Angaben machen?“ -</p> - -<p> -Kr.-W. Helmka: -</p> - -<p> -„Es waren Agenten der Garde-Kavallerie-Schützendivision.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. Rosenfeld: -</p> - -<p> -„Wissen Sie die Namen derselben?“ -</p> - -<p> -Kr.-W. Helmka: -</p> - -<p> -„Nein; nur die Nummern.“ -</p> - -<p> -<a id="page-130" class="pagenum" title="130"></a> -R.-A. Dr. Rosenfeld: -</p> - -<p> -„Wieviel Spitzel hatte denn die Garde-Kavallerie-Schützendivision?“ -</p> - -<p> -Der Vorsitzende will diese Frage beanstanden, -aber Kriminalwachtmeister Helmka antwortet: -</p> - -<p> -„<em>Einhundertundzehn.</em>“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. Rosenfeld: -</p> - -<p> -„Das genügt mir.“ -</p> - -<p> -Einen weiteren Brief an den Untersuchungsrichter -hat der Schneider Max Eulenburger -aus dem Gefängnis geschrieben. In diesem -Brief werden der Angeklagte Hoppe und der -Zeuge Kronwetter als Täter bezeichnet; als -Quelle wird der Hilfsarbeiter Peter Schmidt -aus München genannt. -</p> - -<p> -Dieser Schmidt bestreitet ganz entschieden, -dem Eulenburger irgendwelche Angaben -gemacht zu haben und erklärt auf Befragen, -den Hoppe gar nicht zu kennen (4. Verhandlungstag). -</p> - -<p> -Der Zeuge Kronwetter war auf die Angaben -des Eulenburger hin verhaftet, aber -bald wieder entlassen worden; auch er erklärt -die Mitteilungen des Briefes für erlogen. -</p> - -<p> -Der als Zeuge vorgeladene Max Eulenburger -erklärt (5. Verhandlungstag), daß all -seine Aussagen völlig erfunden seien; er habe -nur den Wunsch gehabt, frei zu werden und -gehofft, durch seine Aussagen die Freiheit zu -<a id="page-131" class="pagenum" title="131"></a> -erlangen. Der Untersuchungsrichter habe -ihm gedroht, ihn selbst in die Blauangelegenheit -mit hereinzunehmen und da habe er eben -Aussagen erdichtet. -</p> - -<p> -Landgerichtsrat Marquardt (7. Verhandlungstag): -</p> - -<p> -„Eulenburger hat sich seinerzeit selbst gemeldet, -er sei bereit und fähig, die Angelegenheit -Blau in einigen Tagen zu klären; ebenso -versprach er, die Aufhebung der Reichszentrale -der Kommunistischen Partei Deutschlands -zu ermöglichen. Ich habe seine Erklärungen -entgegengenommen und auch verfolgt. -Aber ich hatte schon damals den Eindruck, -daß Eulenburger nicht bei der Wahrheit -bleiben kann.“ -</p> - -<p> -Staatsanwalt zu Eulenburger: -</p> - -<p> -„Haben Sie vielleicht Angst, linksradikalen -Verfolgungen ausgesetzt zu sein, wenn Sie bei -Ihren in der Voruntersuchung gemachten Angaben -bleiben?“ -</p> - -<p> -Zeuge Eulenburger: -</p> - -<p> -„Nein – meine damaligen Aussagen sind -Erfindungen, die mir die Nervosität der Gefangenschaft -eingegeben hat.“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Aber Sie haben damals Ihre Aussagen beschworen; -wenn Sie heute erklären, daß -alles erlogen war, geben Sie ja zu, einen Meineid -geleistet zu haben.“ -</p> - -<p> -<a id="page-132" class="pagenum" title="132"></a> -Zeuge Eulenburger: -</p> - -<p> -„<em>Ja, ich habe einen Meineid geleistet.</em>“ -</p> - -<p> -Nach längerer Beratung beschließt das Gericht, -die Zeugen Schmidt, Kronwetter und -Eulenburger zu vereidigen. Eulenburger weigert -sich, den Eid zu leisten, weil er glaubt, -sich damit ein Verfahren wegen Meineids zuzuziehen. -Er bleibt aber dabei, jetzt vor Gericht -die Wahrheit gesagt zu haben. Auf Antrag -des Staatsanwalts wird er wegen Eidesverweigerung -in die gesetzlich zulässige -Höchststrafe genommen. -</p> - -<p> -Der Vorsitzende läßt den Prozeßbeteiligten -die Photographien der Spitzel Schreiber und -Toifl vorlegen (3. Verhandlungstag). -</p> - -<p> -Der Angeklagte Hoppe glaubt in Toifl mit -Sicherheit den Mann zu erkennen, der ihm -in der Winklerschen Wohnung die Flasche -mit Morphium und den Strick anbot; das -Gesicht des Schreiber ähnle dem des einen -Feldgrauen, der bis zuletzt in der Winklerschen -Wohnung war. -</p> - -<p> -Der Angeklagte Fichtmann gibt folgende -Erklärung ab: -</p> - -<p> -„Am 3. oder 4. August 1919, also einige -Tage nach dem Mord und vor Auffindung der -Leiche, kam ich auf die Redaktion des „Hammer -der Gleichheit“; dessen Herausgeber war -der Genosse Heinrich. Dort lernte ich einen -Mann kennen, der sich Schweizer nannte. -<a id="page-133" class="pagenum" title="133"></a> -Heinrich wollte eben einen Artikel gegen den -Terror schreiben und wir sprachen darüber; -der Schweizer widersprach dieser Tendenz -und erzählte dabei, erst vor einigen Tagen -habe er einen Spitzel namens Blau entlarvt. -Auf die Frage, was er denn mit Blau gemacht -habe, erklärte er wörtlich: Blau ist erledigt. -– Ich erkenne in der Photographie des -Schreiber diesen Mann.“ -</p> - -<p> -Der Staatsanwalt beantragt hierauf, den -Heinrich als Zeugen zu laden. Am nächsten -Tage wird festgestellt, daß Heinrich sich zur -Zeit in Moskau aufhält. -</p> - -<p> -Zu Beginn des 6. Verhandlungstages teilt -R.-A. Dr. S. Weinberg mit, daß die Angeklagten -Hoppe und Fichtmann plötzlich in -andere Zellen verlegt wurden und fragt, was -es damit für Bewandtnis habe. Der Vorsitzende -erklärt, daß vom Gericht aus keine -Veranlassung oder Anordnung in dieser Richtung -erteilt worden sei. -</p> - -<p> -In den Verhandlungen über den Hergang -der Tat selbst steht in erster Linie die Vernehmung -des Lederarbeiters Max Leuschner -(5. Verhandlungstag): -</p> - -<p> -„Ende Mai 1919 erschien in einer von mir -geleiteten Versammlung Blau und erklärte, -daß ein gewisser Bomin Regierungsspitzel sei. -Tatsächlich wurde Bomin nachher entlarvt. -Blau hetzte in außerordentlicher Weise gegen -<a id="page-134" class="pagenum" title="134"></a> -Bomin, so daß ich all meinen Einfluß aufbieten -mußte, um Unbedachtsamkeiten zu -verhüten; denn die Arbeiterschaft war gerade -in diesen Wochen sehr erregt. -</p> - -<p> -„Nachträglich erschien mir das Benehmen -des Blau verdächtig und ich beschloß, Erkundigungen -über ihn einzuziehen. Da kam -zu mir der ebenfalls später als Spitzel entlarvte -Strolz; dieser gehörte einer Untergruppe -meines Bezirks an und war von dieser -sogar zum <em>Gruppenführer</em> gewählt worden; -ich hatte ihn aber nicht bestätigt, weil ich -ihn kaum kannte. Dieser erzählte mir, daß -nicht nur Bomin ein Spitzel sei, sondern der -Blau selbst sei ein noch viel gefährlicherer -Spitzel.“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Also hätte ein Spitzel den anderen verraten?“ -</p> - -<p> -Zeuge Leuschner: -</p> - -<p> -„Das ist bei diesen Leuten gang und gäbe; -sie bekämpfen sich in der rücksichtslosesten -Weise.“ -</p> - -<p> -Auch die Kriminalbeamten bestätigen diese -Tatsache (3., 4. Verhandlungstag). -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg zu Dr. Riemann: -</p> - -<p> -„Wenn in so erregten Zeiten ein Spitzel -den anderen an die Kommunisten verrät, ist -das nicht geradezu eine <em>Aufforderung zum -Mord</em>?“ -</p> - -<p> -<a id="page-135" class="pagenum" title="135"></a> -Kr.-K. Dr. Riemann: -</p> - -<p> -„<em>Darauf kann ich keine Antwort -geben.</em> –“ -</p> - -<p> -Zeuge Leuschner: -</p> - -<p> -„Ich fragte den Strolz, woher er das wisse. -Darauf erzählte er mir, er habe als Student -der Chemie Beziehungen zu militärischen -Kreisen und höre so durch Kollegen und Bekannte -auch mancherlei. Diese Erklärung -schien mir nicht zufriedenstellend und ich -beschloß, mir auch den Strolz näher anzusehen. -Als mir auffiel, daß er sich bei mehreren -Anlässen nach der Zentrale der Kommunistischen -Partei erkundigte, stellte ich -ihm eine Falle; ich erzählte ihm einmal nebenbei, -daß ich am anderen Morgen in die Zentrale -müsse, und wirklich war ich an diesem -Tag von meiner Wohnung ab durch drei -Spitzel verfolgt. Da wußte ich, daß auch -Strolz ein Spitzel ist.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Unternahmen Sie etwas gegen Strolz?“ -</p> - -<p> -Zeuge Leuschner: -</p> - -<p> -„Nein. Ich warnte einige zuverlässige -Leute und ließ ihn ruhig neben uns herlaufen. -Er kam auch immer wieder zu mir und erzählte -dabei oft von Blau. So sagte er besonders, -daß Blau im Ruhrgebiet furchtbar -unter unseren Leuten gewütet hatte. -</p> - -<p> -„Eines Tages wurden für mich von unbekannter -<a id="page-136" class="pagenum" title="136"></a> -Seite <em>zwei Briefe</em> abgegeben, die -Material gegen Blau enthielten: Schriftstücke -an rechtsradikale Stellen. Ich zeigte die -Sachen dem Strolz, der sehr überrascht -war.“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Hatten Sie den Eindruck, daß Strolz -Ihnen die Blätter zustellen ließ?“ -</p> - -<p> -Zeuge Leuschner: -</p> - -<p> -„Nein. Ich hatte eher den Eindruck, daß -Strolz ehrlich überrascht war. Wir sprachen -natürlich über die Herkunft der Dokumente, -an deren Echtheit nicht zu zweifeln war. Sie -mußten von einer militärischen Nachrichtenstelle -kommen. Der Ansicht war auch Strolz. -Ich selbst muß mich heute fragen: wie kamen -die Leute gerade auf meine Adresse – wenn -sie nicht wußten, daß ich so schon über Blau -orientiert war. Ich nehme also an, daß die -betreffende Stelle die Absicht hatte, den -Blau, der ihr selbst lästig war, zu verraten -und durch die Kommunisten das Weitere besorgen -zu lassen. Ich nehme das auch deswegen -an, weil ich glaube, daß Strolz auf -speziellen Auftrag hin mir den Blau denunziert -hat. Denn so, wie ich ihn kenne, traue -ich ihm doch nicht zu, aus eigenem Antrieb -eine solche Intrige zu inszenieren. -</p> - -<p> -„Ich tat in dieser Angelegenheit nichts. -Aber, als in der Versammlung in der Mittenwalder -<a id="page-137" class="pagenum" title="137"></a> -Straße am 31. Juli, die eine geschlossene -Versammlung war, gegen 9 Uhr Blau -auftauchte, konnte ich mich nicht halten und -sagte ihm auf den Kopf zu, daß er ein Spitzel -sei. Blau bestritt das energisch und verlangte, -dem Strolz gegenübergestellt zu werden, der -ihn bestätigen könne. Er verlangte das -immerzu, aber – da doch gerade Strolz ihn -verraten hatte, lag mir an dieser Gegenüberstellung -nicht viel und ich betrieb sie nur, -um durch Verzögerung die allgemeine Erregung -zu mildern. Übrigens besaß Blau -eine Einlaßmarke in die geschlossene Versammlung; -wo er die herhatte, habe ich nie -erfahren, ... vermutlich von Strolz, den er -ja kannte und der zu meiner Sektion gehörte.“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Wußten Sie, warum Blau den Strolz verlangte?“ -</p> - -<p> -Zeuge Leuschner: -</p> - -<p> -„Damals war mir das unklar. Aber später -hörte ich, daß Strolz in der Zwischenzeit bei -Blau in München gewesen war, dort gesagt -hatte, er käme von mir, und in meinem Namen -Material über die Rechtsleute von Blau gekauft -hatte. Das Geld dazu hatte er übrigens -nicht von der kommunistischen Partei. -– Blau, der nicht wußte, daß Strolz selbst -ein Spitzel war und sein Doppelspiel entlarvt -<a id="page-138" class="pagenum" title="138"></a> -hatte, wollte den Strolz zur Bestätigung, -daß er unter der Maske eines Spitzels -für die Kommunisten arbeite. -</p> - -<p> -„Unten auf der Straße trat ein unbekannter -Mann zu mir und sagte, wir sollten den -Blau festhalten, bis er einen Münchner Genossen -gebracht habe, der bestätigen könne: -Blau habe den Auftrag, in der Schweiz den -Genossen <em>Platten für 80000 M. zu ermorden</em>.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Tatsächlich finden sich in den Briefen des -Blau Entwürfe und Kopien einer Korrespondenz -mit schweizerischen Offizieren.“ -</p> - -<p> -Zeuge Leuschner: -</p> - -<p> -„Um die Leute nicht noch mehr zu erregen, -sagte ich dem Mann, er solle nur ruhig -sein. Der Mann fuhr dann mit Hoppe fort, -angeblich, um den Strolz zu holen. In der -Zwischenzeit gelang es mir, die Leute zu besänftigen -und die meisten gingen nach Hause. -Als Hoppe dann erfolglos zurückkam, hielt -ich die Angelegenheit eben für erledigt und -ging auch schlafen – denn solche Entlarvungen -passierten damals nicht allzu selten, und, -wenn im ersten Moment Unbedachtes vermieden -wurde, war die Gefahr vorüber.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Das Zwischenspiel mit dem Münchner ist -mir neu.“ -</p> - -<p> -<a id="page-139" class="pagenum" title="139"></a> -Zeuge Leuschner: -</p> - -<p> -„Ja; ich habe der Versammlung nichts -darüber gesagt, sondern die Meinung aufrechterhalten, -daß es sich um Strolz handele. -Als dann der Münchner nicht kam, hatte ich -erst recht keinen Anlaß, zu reden. -</p> - -<p> -„Ich habe dann von Blau erst wieder gehört, -als die Nachricht seines Todes in der -Zeitung stand. An diesem Tage, während ich -aus war, <em>kam Strolz</em> zu meiner Frau und -sagte ihr, <em>wir müßten verschwinden</em>. Er -gab meiner Frau einen Fahrtausweis für sechs -Personen. Ich konnte mir dieses Vorgehen -nicht recht erklären; kam dann zu dem Resultat, -daß nicht Strolz auf eigene Faust, -sondern irgendwelche Behörden die Hand im -Spiele hatten – und glaubte, daß es auf mich -abgesehen war. Da zog ich es vor, zu fliehen.“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Von einem Todesurteil der Versammlung -gegen Blau ist Ihnen nichts bekannt?“ -</p> - -<p> -Zeuge Leuschner: -</p> - -<p> -„Nein. Derartige Geschichten sind Erfindung.“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Kennen Sie einen gewissen Samson?“ -</p> - -<p> -Zeuge Leuschner: -</p> - -<p> -„In der ersten Nacht, in der ich in Haft -war, wurde ich plötzlich in eine andere Zelle -gebracht. In dieser befand sich Samson. Ich -<a id="page-140" class="pagenum" title="140"></a> -hatte sofort heraus, daß er ein Spitzel war, -und ließ mich nicht mit ihm ein. Auch sein -Angebot, mir Nachrichten nach außerhalb zu -befördern, lehnte ich ab. Die Aussagen, die -Samson am nächsten Tage dem Kriminalkommissar -machte, sind erlogen.“ -</p> - -<p> -Der nächste Zeuge Thiessen war Referent in -der Mittenwalder Straße. Er hat von Leuschner -einige dem Blau abgenommene Papiere -erhalten und später vernichtet. Auch dieser -Zeuge wurde durch den Spitzel Samson der -Mittäterschaft bezichtigt und schwer belastet. -Der Zeuge kennt den Samson daher, -daß er ihm als bedürftiger Kommunist vorgestellt -wurde; er hat ihn auch mit Geld -unterstützt und verpflegt. Seine Aussagen -ergeben nichts Neues. Samson selbst war -nicht erschienen. -</p> - -<p> -Der Zeuge Dahms wurde ebenfalls von -Samson der Mittäterschaft bezichtigt. Er -wurde daraufhin aus Dänemark, wo er sich -damals aufhielt, herbeigeschafft. Er erklärte, -von der ganzen Sache gar nichts zu wissen -und völlig unschuldig und unberechtigt hineingezogen -zu sein. Seine Angelegenheit gibt -Anlaß zu Auseinandersetzungen zwischen -Verteidigung und Staatsanwaltschaft derart, -daß der Vorwurf erhoben wurde, die Untersuchungsbehörde -könne wohl unschuldige -Kommunisten aus Dänemark herbeischaffen, -<a id="page-141" class="pagenum" title="141"></a> -aber es gelänge ihr nicht, die der Mittäterschaft -dringend verdächtigen Polizeispitzel -Toifl, Strolz und Schreiber aus Deutschland -resp. der Schweiz vor Gericht zu bringen -(3. und 6. Verhandlungstag). -</p> - -<p> -Die Vereidigung des Leuschner wird wegen -Verdachtes der Mittäterschaft vom Gericht -abgelehnt. -</p> - -<p> -Bei dem Zeugen Georg Pohl haben Hoppe -und Blau die Nacht vor dem Mord verbracht. -Der Zeuge hat in der Voruntersuchung sehr -belastende Aussagen über Hoppe und Winkler -gemacht. Bei seiner Vernehmung (4. Verhandlungstag) -berichtet er nochmals die Vorgänge -in der Versammlung und auf der Straße. -Blau habe erklärt, er werde sich rechtfertigen -– und er werde nicht eher von den Genossen -weggehen, bis er sich gerechtfertigt habe. -Da Blau kein Quartier hatte, habe er seine -Wohnung zur Verfügung gestellt. -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Blau wurde also nicht gefangen gehalten?“ -</p> - -<p> -Zeuge Gg. Pohl: -</p> - -<p> -„Nein. Er wollte uns nicht verlassen, ehe -alles klargestellt sei.“ -</p> - -<p> -Der Zeuge erzählt weiter die bekannten -Vorgänge: wie er am nächsten Tage Blau und -Hoppe bis zur Winklerschen Wohnung in -der Großbeerenstraße begleitet habe; dann -nach Hause gegangen sei; dann am späteren -<a id="page-142" class="pagenum" title="142"></a> -Abend wieder zurückgekommen sei, um zu erfahren, -was aus der Sache geworden sei. Auf -der Straße habe er Schröder getroffen, bei -dem er plaudernd stehengeblieben sei; nach -einer Weile sei ein Mann gekommen, der sie -aufforderte, zu helfen. Da sei Schröder weggegangen -und er habe gesehen, wie eine -Gruppe von Leuten an die Brücke kam und -ein Paket ins Wasser warf. Erst später habe -er die Erklärung dieser Vorgänge erfahren. -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„In der Voruntersuchung haben Sie Fichtmann -als einen der Männer bezeichnet, die -aus dem Hause traten.“ -</p> - -<p> -Zeuge Pohl, nach Gegenüberstellung mit -Fichtmann: -</p> - -<p> -„Ich kann diese Aussage nicht aufrechterhalten, -denn es war dunkel und ich stand -auf der anderen Seite der Straße.“ -</p> - -<p> -Es folgt ein mehrstündiges Kreuzverhör, -in dem die Protokolle der Voruntersuchung -einzeln durchgegangen werden. Der Zeuge -Pohl kann sich an manches nicht mehr erinnern, -andere Angaben zieht er zurück, -andere bezeichnet er als unwahr. -</p> - -<p> -Staatsanwalt: -</p> - -<p> -„Sind Sie von kommunistischer Seite beeinflußt -oder bedroht worden?“ -</p> - -<p> -Zeuge Pohl: -</p> - -<p> -„Nein.“ -</p> - -<p> -<a id="page-143" class="pagenum" title="143"></a> -R.-A. Th. Liebknecht: -</p> - -<p> -„Fühlten Sie sich in der Voruntersuchung -zu Ihren Aussagen gepreßt oder gedrängt?“ -</p> - -<p> -Zeuge Pohl: -</p> - -<p> -„Vielleicht durch die Aussicht freizukommen -... Aber die Hauptsache ist, ich war -völlig zusammengebrochen und wußte nicht -mehr, was ich sagte. Ich dachte nur daran -freizukommen und sagte zu allem ‚Ja, ja‘!“ -</p> - -<p> -Kriminalkommissar Maslack bestätigt (5. -Verhandlungstag), daß Pohl in völlig zusammengebrochenem -Zustand ein Geständnis -ablegte, in dem Hoppe und Fichtmann als Täter -bezeichnet wurden. Er habe den Eindruck, -daß Pohl damals die Wahrheit gesagt habe. -</p> - -<p> -Landgerichtsrat Marquardt, der die Voruntersuchung -leitete, berichtet nach dem Gedächtnis -die damalige Aussage des Pohl über -den Hergang der Tat und betont, daß auch -er den Eindruck der Wahrheit hatte. -</p> - -<p> -Zeuge Pohl: -</p> - -<p> -„Ich kann diese Aussagen nicht aufrechterhalten, -ich war damals völlig von Sinnen -und nicht mehr Herr meiner Worte. Ich -habe ausgesagt und ausgesagt und nur das -eine gedacht: Freikommen!“ -</p> - -<p> -Der Zeuge betont dann, daß er bereits am -10. Dezember 1919 einen Brief an Kriminalkommissar -Maslack schrieb und darin seine -Aussagen widerrief. -</p> - -<p> -<a id="page-144" class="pagenum" title="144"></a> -Es erheben sich über diesen Zeugen noch -erregte Debatten. Das Gericht beschließt, -die Vereidigung des Pohl noch aufzuschieben. -</p> - -<p> -Auf die Vernehmung des Zeugen Geißler, -der mit Blau und Hoppe bei Pohl übernachtet -hat, sich aber auf nichts mehr besinnen -kann, wird allseitig verzichtet (6. Verhandlungstag). -</p> - -<p class="tb"> - -</p> - -<p class="noindent"> -Von neuem wendet sich das Interesse dem -Spitzel Toifl zu; und damit der Orlowsky-Affäre, -wegen der Fichtmann verurteilt ist. -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg zu Dr. Riemann -(3. Verhandlungstag): -</p> - -<p> -„Ist Ihnen bekannt, daß Oberleutnant -Graf Westarp aus der Bendlerstraße dem -Spitzel Toifl den Auftrag gab, Fichtmann zu -vernichten?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Dr. Riemann: -</p> - -<p> -„Nein.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Ist Ihnen bekannt, daß der Spitzel Toifl -das dem Diamantenhändler Orlowsky geraubte -Geld mit Genehmigung seiner Dienststelle -für sich behalten hat?“ -</p> - -<p> -Kr.-K. Dr. Riemann: -</p> - -<p> -„Nein.“ -</p> - -<p> -Am 6. Verhandlungstag erscheint der auf -Antrag der Verteidigung geladene Friseur -<a id="page-145" class="pagenum" title="145"></a> -Meyer, um über Toifl auszusagen: Meyer war -mit Toifl sehr befreundet und Toifl hatte ihm -auch von dem Plan gegen Orlowsky erzählt; -er hatte ihn dringend aufgefordert, selbst mitzumachen. -Er, Meyer, habe aber abgelehnt -und auch versucht, den Toifl von solchen -Plänen abzubringen, die doch der Partei gar -nichts nützen könnten. -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Wurde nicht davon gesprochen, daß die -<em>Terrorkasse zu Propagandazwecken -aufgefüllt</em> werden müsse.“ -</p> - -<p> -Zeuge Meyer: -</p> - -<p> -„Mag sein, aber ich lehne auch den Terror -ab und stritt darüber mit Toifl, dem ich damals -als Freund vertraute.“ -</p> - -<p> -Der Bruder des Angeklagten Fichtmann: -</p> - -<p> -„Toifl hat den Überfall auf Orlowsky dann -selbst gemacht.“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Woher wissen Sie das so genau?“ -</p> - -<p> -Zeuge Fichtmann: -</p> - -<p> -„Weil gar nicht mein Bruder an dem -Überfall teilgenommen hat, <em>sondern ich -selbst</em>!“ – -</p> - -<p> -Allgemeines Erstaunen, Debatten. -</p> - -<p> -Zeuge Meyer: -</p> - -<p> -„Toifl sprach dann noch von einer anderen -großen Sache, die er vorhatte: wenn die -glücke, dann sei ein großer Spitzel erledigt. -<a id="page-146" class="pagenum" title="146"></a> -Das machte mich zuerst mißtrauisch gegen -ihn, denn so spricht kein Kommunist.“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Wieso?“ -</p> - -<p> -Zeuge Meyer: -</p> - -<p> -„Von ‚große Sache‘ und ‚wenn es glückt‘: -das sind die Redensarten der Lockspitzel; -man kennt das.“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Hat Toifl öfter zu Gewalttaten aufgefordert?“ -</p> - -<p> -Zeuge Meyer: -</p> - -<p> -„Stets.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Hat Toifl auch gesagt, daß die K. P. D. -zu schlapp sei?“ -</p> - -<p> -Zeuge Meyer: -</p> - -<p> -„Ja, er drängte auf terroristische Akte.“ -</p> - -<p> -–: Da teilt der Staatsanwalt mit, daß an -ihn ein Schreiben des Toifl gekommen sei: -dieser wolle sich als Zeuge zur Verfügung -stellen, falls ihm genügender polizeilicher -Schutz zugebilligt werde. -</p> - -<h3 class="section" id="chapter-4-11"> -Der Lockspitzel als Zeuge. -</h3> - -<p class="noindent"> -(Um Längen zu vermeiden, ist der größte -Teil des schon Erwähnten nicht nochmals gebracht. -Ferner wurde wegen der Eigenart des -<a id="page-147" class="pagenum" title="147"></a> -Inhalts der größte Teil des Dialogs im Wortlaut -der Zeitungsberichte, besonders der unabhängig-sozialdemokratischen -Freiheit übernommen, Nr. 256 und 258; 2., 3. Juli 1920.) -</p> - -<p> -Am sechsten Verhandlungstage erscheint -unter starker polizeilicher Bewachung der -Spitzel Toifl. Der Vorsitzende macht darauf -aufmerksam, daß er bei der ersten Belästigung -des Zeugen sowie bei Mißfallens- oder -Beifallsäußerungen sofort den Zuhörerraum -räumen lassen würde. -</p> - -<p> -Toifl gibt seine Personalien an. -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Sind Sie Polizeiagent?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Nein.“ -</p> - -<p> -R.-A. Th. Liebknecht: -</p> - -<p> -„Welchen Beruf üben Sie jetzt aus?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Ich bin Bureauangestellter.“ -</p> - -<p> -R.-A. Th. Liebknecht: -</p> - -<p> -„Wo wohnen Sie?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Darüber verweigere ich die Auskunft.“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Kennen Sie die Angeklagten?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Nur Fichtmann.“ -</p> - -<p> -Der Zeuge schildert dann seinen Werdegang: -nach dem Kriege habe er mit kommunistischen -<a id="page-148" class="pagenum" title="148"></a> -Kreisen Fühlung bekommen -und dadurch auch die Familie Fichtmann -kennen gelernt. Später sei er dann beim -Gruppenkommando I (Lüttwitz) in die Reichswehr -eingetreten. Aber er habe es auch mit -den Fichtmanns ehrlich gemeint. -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Warum sind Sie in die Reichswehr eingetreten?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Um die Verhältnisse in der Reichswehr -für die kommunistische Partei auszukundschaften.“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Waren Sie überzeugter Kommunist?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Nein.“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Warum wollten Sie dann für die Kommunisten -kundschaften?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Vater Fichtmann hatte mir angeraten, zur -Reichswehr zu gehen; und ich hatte ja mein -Auskommen dort.“ -</p> - -<p> -Der Zeuge schildert dann weiter, wie er bei -der Reichswehr zum Unteroffizier befördert -wurde, gleichzeitig auch seinen freundschaftlichen -Verkehr mit Fichtmanns fortsetzte. -Mit diesen habe er oft über die Kommunisten -gesprochen und dabei auch von der Gründung -<a id="page-149" class="pagenum" title="149"></a> -einer Kampfgruppe und einer T-(Terroristen)gruppe -gehört. -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„In der Nacht zum 31. Juli 1919 wurde -der Überfall auf Orlowsky ausgeführt. Auf -Ihr Zeugnis hin wurde deswegen der Angeklagte -Max Fichtmann zu zwölf Jahren -Zuchthaus verurteilt. Nun behauptet der -Bruder des Angeklagten, Hugo Fichtmann, -daß gar nicht Max, sondern er selbst an dem -Überfall teilgenommen hat?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Das ist gelogen!“ -</p> - -<p> -Zeuge Hugo Fichtmann: -</p> - -<p> -„Ich wiederhole, daß Toifl der Anführer bei -dem Raubüberfall auf Orlowsky war. Nicht -mein Bruder, sondern ich war bei dem Unternehmen -zugegen. Toifl war es, der den Orlowsky -verhaftete, Toifl schlug ihm in der -Nähe von Friedrichshagen den Gewehrkolben -über den Kopf und Toifl feuerte den -Schuß hinter ihm her.“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Das ist alles gelogen. Die Sache verhielt -sich so, wie ich sie als Zeuge vor dem Kriegsgericht -darstellte.“ -</p> - -<p> -Zeuge Friseur Meyer: -</p> - -<p> -„Ottomar Toifl, Du bringst hier nur Lügen -vor. Du kannst nicht ableugnen, daß Du zu -mir und meiner Frau von dem Überfall auf -<a id="page-150" class="pagenum" title="150"></a> -Orlowsky als Deinem Plan gesprochen hast. Du -hast auch mich aufgefordert, daran teilzunehmen. -Du hast dann auch von dem geplanten -Mord an einem großen Spitzel gesprochen!“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„<em>Das ist alles nicht wahr!</em>“ -</p> - -<p> -Der Vater des Fichtmann bekundet, daß -Toifl dauernd zu terroristischen Akten hetzte. -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Wir wollen zum Fall Blau kommen.“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Am Sonnabend, dem 2. August, kam ich -in das Lokal von Fichtmann. Max Fichtmann -war abwesend und ich erfuhr auf meine -Frage, daß er von einem Kurier der T-Gruppe -abgeholt worden sei.“ -</p> - -<p> -Der Vorsitzende lehnt einige Unterbrechungsversuche -ab und bittet, sich zu gedulden -und den Zeugen referieren zu lassen. -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Wo tagte die T-Gruppe?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Das weiß ich nicht. – Ich blieb am -2. August bis gegen 2 Uhr nachts im Lokal -von Fichtmann, ohne daß Max Fichtmann -zurückkam. Am Sonntag hatte ich anderweitig -zu tun, erst am Montag kam ich wieder -zu Fichtmann. Abends sah ich Max Fichtmann -und es fiel mir auf, daß er blaß und sehr -unruhig war. Nun hatte mir bereits nachmittags -<a id="page-151" class="pagenum" title="151"></a> -ein gewisser Herms die B. Z. gezeigt, -worin der Bericht über den Mord an -Blau ...“ -</p> - -<p> -Vorsitzender und Staatsanwalt gleichzeitig: -</p> - -<p> -„Sollte es am 4. August ...“ -</p> - -<p> -R.-A. Th. Liebknecht, unterbrechend: -</p> - -<p> -„Ich bitte doch dringend, den Zeugen -sprechen zu lassen!“ -</p> - -<p> -Toifl wird jetzt stutzig (die Leiche wurde -erst am 7. August gefunden!), überlegt einige -Sekunden und sagt dann: -</p> - -<p> -„Ich irre mich wohl in diesem Punkte, -denn die Nachricht stand, glaube ich, erst am -Donnerstag in der B. Z. ..., aber ich habe -noch am Montagabend im Lokal von Obst -durch einen gewissen Fascheck nähere Mitteilung -über den Mord erhalten. Ich habe -darüber einen Bericht geschrieben und an die -Kriminalpolizei gelangen lassen.“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„An wen haben Sie die Anzeige gemacht?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Darüber <em>verweigere ich die Aussage</em>.“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Sie sind verpflichtet, diese Aussage zu -machen.“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Ich habe den Bericht durch einen Mittelsmann -an Kriminalwachtmeister Helmka überbringen -lassen.“ -</p> - -<p> -<a id="page-152" class="pagenum" title="152"></a> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Bei der Garde-Kavallerie-Schützendivision?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Ich glaube. Durch Helmka kam das -Schreiben an Kriminalkommissar Dr. Riemann, -der mich später auch vernommen hat.“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Haben Sie sonst noch Angaben über den -Fall Blau?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Nein.“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Sie haben hier einiges erzählt, was Sie in -der Voruntersuchung verschwiegen haben; -warum taten Sie das?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Ich hatte von meiner vorgesetzten Stelle -nur den Auftrag, auf den Mord hinzuweisen, -nicht aber den, ihn aufzuklären. Infolgedessen -habe ich damals auch nur einen Hinweis -gegeben.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Wer war Ihre vorgesetzte Stelle?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Darauf <em>verweigere ich die Antwort</em>.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Wir werden davon noch sprechen. Warum -wollte Ihre vorgesetzte Stelle nur Hinweise?“ -</p> - -<p> -<a id="page-153" class="pagenum" title="153"></a> -Toifl: -</p> - -<p> -„Das weiß ich nicht.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Sie hatten also bestimmten Auftrag, nur -mitzuteilen, daß Blau von Kommunisten ermordet -wurde?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Ja.“ -</p> - -<p> -Kriminalkommissar Dr. Riemann gibt Auskunft -über die Vernehmung des Toifl und vermutet, -daß dieser aus Angst seine genauere -Kenntnis verschwiegen habe. -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Das stimmt. Wenn ich mehr ausgesagt -hätte, hätte ich befürchten müssen, mein -Leben zu gefährden.“ -</p> - -<p> -R.-A. Th. Liebknecht: -</p> - -<p> -„Diese Befürchtung ist doch hinfällig, da -Sie Ihre Angaben anonym gemacht haben.“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Man hätte trotzdem die Quelle erraten -können.“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Angeklagter Fichtmann, was sagen Sie zu -den Bekundungen des Toifl?“ -</p> - -<p> -Angeklagter Max Fichtmann: -</p> - -<p> -„Ich erkläre, daß alles, was er gesagt hat, -blanker Schwindel ist. Ferner, daß Toifl am -Sonnabend, dem 2. August, überhaupt nicht -in meinem Lokal gewesen ist.“ -</p> - -<p> -<a id="page-154" class="pagenum" title="154"></a> -R.-A. Dr. S. Weinberg zu Toifl: -</p> - -<p> -„Haben Sie vom Oberleutnant Grafen -Westarp den Auftrag erhalten, bestimmte -unbequeme Leute zu beseitigen?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Nein.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Haben Sie diesen oder einen inhaltähnlichen -Auftrag des Grafen Westarp vielleicht -durch Vermittlung des Kaufmanns Grabant -bekommen?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Darüber <em>verweigere ich die Aussage</em>.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Haben Sie irgendwelche Aufträge von -einem Hauptmann von Ledebur bekommen?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Nein.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Sie können das beeiden?“ -</p> - -<p> -Toifl <em>schweigt</em>. -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Ich werde Zeugen für die in Frage gestellten -Tatsachen erbringen. – Haben Sie ferner Formeln -zu kommunistisch-terroristischen Eiden -mit der Schreibmaschine geschrieben und in -15-20 Exemplaren an Kommunisten verteilt?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Nein.“ -</p> - -<p> -<a id="page-155" class="pagenum" title="155"></a> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Haben Sie hierbei auch in keiner Weise -mitgewirkt?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Wenn ich es habe, dann auf Befehl von -Fascheck.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Dieser Ihr Auftraggeber Fascheck ist -wohl derselbe, der Ihnen Mitteilungen über -den Fall Blau machte?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Ja.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Und der ist heute wohl nicht aufzufinden?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Das weiß ich nicht.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Sie haben doch selbst auf solche Eidesformeln -schwören lassen?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Nein.“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Diese Frage hat aber doch mit der Ermordung -des Blau so gut wie nichts zu tun!“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Ich stelle diese Fragen, um zu beweisen, -daß die auch in der Anklageschrift genannten -T-Gruppen und Mörderzentralen nichts weiter -sind als Ausgeburten einer Spitzelphantasie. – -Also, Zeuge, besinnen Sie sich noch einmal!“ -</p> - -<p> -<a id="page-156" class="pagenum" title="156"></a> -Toifl: -</p> - -<p> -„Ich gebe zu, daß ich gelegentlich die Ablegung -eines solchen Eides gefordert habe.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Haben Sie versucht, den aufgelösten roten -Soldatenbund neu zu gründen?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Nein.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Aber vielleicht haben Sie dabei mitgewirkt?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Das ist möglich.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Es ist seltsam, daß der Zeuge sich immer -erst besinnen muß, ehe er sich erinnert; dazu -braucht es eine zweite Frage. Ich glaube, -wenn sich der Zeuge länger besinnen könnte, -er möchte uns noch viel mehr erzählen! – -Haben Sie jemals zu Gewaltakten, Mordtaten, -Plünderungen aufgefordert?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Nein.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Haben Sie dazu aufgefordert, die Polizeiagentin -Schröder-Mahnke zu ermorden?“ -</p> - -<p> -Staatsanwalt: -</p> - -<p> -„Ich mache darauf aufmerksam, daß der -Zeuge auf diese Frage die Antwort verweigern -kann.“ -</p> - -<p> -<a id="page-157" class="pagenum" title="157"></a> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Statt daß der Herr Staatsanwalt beiträgt, -derartige Kapitalverbrechen aufzuklären, -verhindert er die Beantwortung darauf -hingehender Fragen.“ -</p> - -<p> -Staatsanwalt: -</p> - -<p> -„Es ist meine Pflicht, den Zeugen in Schutz -zu nehmen, wenn er von der Verteidigung -terrorisiert wird.“ -</p> - -<p> -Der Vorsitzende greift ein und bittet, die -Leitung der Verhandlung ihm zu überlassen; -er habe allerdings nicht feststellen können, -daß der Zeuge terrorisiert werde. R.-A. Dr. -S. Weinberg wiederholt seine Frage. -</p> - -<p> -Toifl <em>verweigert die Aussage</em>. -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Haben Sie innerhalb der kommunistischen -Partei versucht oder aufgefordert, eine -sogenannte militär-polizeiliche Abteilung zu -gründen?“ -</p> - -<p> -Toifl gibt dies nach einigen Umschweifen zu. -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Haben Sie dazu aufgefordert: Druckereien -zu überfallen und mit vorgehaltenen Waffen -den Druck von Flugblättern zu erzwingen, -deren Text Sie mitbrachten?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Ich habe einen solchen Befehl nicht erteilt; -aber es ist möglich, daß ich ihn weitergegeben -habe.“ -</p> - -<p> -<a id="page-158" class="pagenum" title="158"></a> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Haben Sie einen solchen Auftrag von -Ihren Vorgesetzten, etwa von Hauptmann -von Ledebur oder dem Oberleutnant Graf -Westarp erhalten?“ -</p> - -<p> -Toifl <em>verweigert die Aussage</em>. -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Haben Sie eine Liste aufgestellt mit Namen -von Spitzeln, die ermordet werden sollten?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Nein.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Haben Sie mit anderen Raubzüge unternommen -und dazu Uniformen, Stahlhelme -und Waffen der Reichswehr geliefert?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Darüber <em>verweigere ich die Aussage</em>.“ -</p> - -<p> -Vorsitzender, gleichzeitig: -</p> - -<p> -„Fragen, die sich auf den Fall Orlowsky beziehen, -bitte ich zu unterlassen, da dieser Fall -hier nicht zur Verhandlung steht und erledigt -ist.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Jawohl, der Fall ist erledigt! Fichtmann -ist verurteilt, aber der Anführer Toifl steht -hier und ist frei!“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Zeuge, beantworten Sie also die Frage; -Sie haben ein Recht zur Verweigerung nur, -<a id="page-159" class="pagenum" title="159"></a> -wenn Sie sich durch Ihre Antwort einer strafbaren -Handlung beschuldigten.“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„<em>Ich verweigere die Antwort</em> auf diese -und alle weiteren Fragen, die sich auf den -Fall Orlowsky beziehen.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Haben Sie für die Ausführung oder -Übermittlung der Ihnen durch Westarp und -von Ledebur erteilten Aufträge Geld erhalten?“ -</p> - -<p> -Toifl <em>verweigert die Aussage</em>. -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Hat Ihnen Ihre vorgesetzte Behörde gestattet, -in Ausführung der Aufträge geraubtes -Geld zu behalten?“ -</p> - -<p> -Toifl <em>verweigert die Aussage</em>. -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Fürchten Sie, durch Beantwortung sich -einer strafbaren Handlung zu bezichtigen?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Jawohl.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Das genügt mir. – Haben Sie im August -vergangenen Jahres unter dem Vorwand, -bolschewistisches Propagandamaterial zu beschlagnahmen, -4000 M. geraubt und dafür -eine Quittung ausgestellt?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Nein.“ -</p> - -<p> -<a id="page-160" class="pagenum" title="160"></a> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Sie können das beeiden?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Wenn ich es getan hätte, hätte ich meine -vorgesetzte Behörde davon in Kenntnis gesetzt.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Ich könnte den Beweis dafür antreten; -aber, um die Verhandlung nicht in die Länge -zu ziehen, würde ich mich begnügen, wenn -Sie die Aussage verweigern, weil Sie befürchten, -sich einer strafbaren Handlung zu bezichtigen.“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„<em>Ich verweigere die Aussage.</em>“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Das genügt mir.“ -</p> - -<p> -R.-A. Th. Liebknecht zu Toifl: -</p> - -<p> -„In welchem Bureau sind Sie tätig?“ -</p> - -<p> -Toifl <em>verweigert die Aussage</em>. -</p> - -<p> -R.-A. Th. Liebknecht führt aus, die Verteidigung -müsse auf der Frage bestehen, da -diese Stelle wahrscheinlich auch mit dem -Mord an Blau in Verbindung zu bringen sei. -Toifl erwidert, er könne aus Sorge um seine -Sicherheit und Angst vor den Kommunisten -seine Arbeitsstätte nicht nennen; ein Gerichtsbeschluß -gibt ihm recht. -</p> - -<p> -R.-A. Th. Liebknecht: -</p> - -<p> -„Haben Sie für irgendeine Stelle oder Person -<a id="page-161" class="pagenum" title="161"></a> -eine provokatorische Tätigkeit in der -kommunistischen Partei ausgeübt?“ -</p> - -<p> -Toifl fragt an, ob er verpflichtet sei, diese -Frage zu beantworten. Nach Belehrung -durch den Vorsitzenden <em>verweigert er die -Aussage</em>. -</p> - -<p> -R.-A. Th. Liebknecht: -</p> - -<p> -„Würden Sie sich im Falle der Antwort -einer strafbaren Handlung bezichtigen?“ -</p> - -<p> -Toifl: -</p> - -<p> -„Ich glaube.“ -</p> - -<p class="tb"> - -</p> - -<p class="noindent"> -Es folgen noch einige Zeugen zum Verhör -des Toifl. -</p> - -<p> -Die Frau des Toifl gibt an, Mutter Fichtmann -habe anläßlich der Verhaftung ihres -Sohnes geäußert: sie würde sich aufhängen, -wenn ihr Sohn wegen Blau verhaftet sei. -Frau Fichtmann bestreitet diese Aussage. -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg fragt Frau Toifl, -was sie über den Fall Orlowsky wisse. Frau -Toifl <em>verweigert die Aussage</em>. -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„War Ihr Mann bei der antibolschewistischen -Liga beschäftigt?“ -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Diese Frage ist unerheblich.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Nein, denn Blau war bei der antibolschewistischen -<a id="page-162" class="pagenum" title="162"></a> -Liga, der Spitzel Strolz hat ihn -verraten: es ist möglich, daß der ganze Mordplan -von der antibolschewistischen Liga ausging.“ -</p> - -<p> -Frau Toifl: -</p> - -<p> -„Ich habe mich nicht um die Beschäftigung -meines Mannes gekümmert.“ -</p> - -<p> -R.-A. Dr. S. Weinberg: -</p> - -<p> -„Bekamen Sie öfter den Besuch eines Kaufmanns -Grabant?“ -</p> - -<p> -Frau Toifl: -</p> - -<p> -„Darüber <em>verweigere ich die Aussage</em>.“ -</p> - -<p> -Zeugin Frau Simanowski erzählt, daß Toifl -in ihrem Bezirk Bezirksleiter der Kommunistischen -Partei war. Er habe sich immer -an die jungen Leute herangemacht und sie zu -Gewalttaten aufgefordert. So habe sie ihn -selbst sagen gehört: das Aas, die Schröder-Mahnke, -sei Spitzelin und müsse umgebracht -werden. Ein andermal habe er geäußert, -Meyer und Faust müßten beseitigt werden. -</p> - -<p> -Vorsitzender: -</p> - -<p> -„Sie haben also gehört, daß Toifl zum -Mord aufforderte?“ -</p> - -<p> -Zeugin Simanowski: -</p> - -<p> -„Es ist, wie ich gesagt habe.“ -</p> - -<p> -Zeugin Frau Meyer erinnert sich genau, -daß Toifl Ende Juli oder Anfang August 1919 -in Gegenwart ihres Mannes erzählt habe, er -und noch einige andere, die er mit Uniformen -<a id="page-163" class="pagenum" title="163"></a> -und Waffen der Reichswehr ausgerüstet habe, -hätten auf Grund seines Noske-Ausweises am -Molkenmarkt einen Mann verhaftet, nach -Friedenshagen verschleppt und dort ausgeraubt. -Dabei habe Toifl auch die große Sache -mit dem Spitzel erwähnt, den er erledigen -wollte. -</p> - -<div class="centerpic"> -<img src="images/i163.jpg" alt="" /> -<p class="cap"> -Spitzelausweis einer Schwarzen Schar. -</p> - -</div> - -<p> -Toifl erklärt, die Aussagen der Zeugen -seien lauter Lügen. -</p> - -<p> -Zeuge Erwin Thun schildert, wie Toifl in -seiner Wohnung die militärpolizeiliche Abteilung -gründete. Gleichzeitig wurden auch -Leute auf die „Schwarze Schar“ vereidigt. -<a id="page-164" class="pagenum" title="164"></a> -Ferner habe Toifl auch ihn aufgefordert, den -Faust zu ermorden. -</p> - -<p> -Zeuge Schmid bekundet Aufforderungen -des Toifl zum Diebstahl. „Die Genossen -sollten sich keine moralischen Bedenken -machen, sondern nehmen, wo zu nehmen sei.“ -Auch habe Toifl eines Tages eine Liste gebracht, -auf der die Namen von zwanzig -Spitzeln standen, „die alle nacheinander um -die Ecke zu bringen seien“. -</p> - -<p> -Toifl bestreitet all das. -</p> - -<p> -Zeuge Schmid erinnert sich genau einer -Aufforderung Toifls zum Diebstahl von Linoleum -für ein Parteiorgan. Toifl erklärt, -die Aufforderung habe wohl bestanden, sie -sei aber nicht von ihm, sondern von Schmid -selbst ausgegangen. -</p> - -<p> -Zeuge Paul Worm ist derjenige, den Toifl -in späteren Aussagen der Voruntersuchung -als den „Franz“ der Anklageschrift bezeichnete -und der Mittäterschaft bezichtigte. Der -Zeuge bestreitet ganz entschieden, an der -Ermordung des Blau teilgenommen zu haben. -Ebenso bekundet Hugo Fichtmann, daß die -ihm von Toifl unterschobenen Äußerungen -über Worm völlig erlogen seien. Worm wird -daraufhin dem Hoppe gegenübergestellt, der -bestätigt, das sei nicht jener Franz, den er -am Mordtage kennen gelernt habe. Ebenso -Pohl. Worm bietet Zeugen an, daß er niemals -<a id="page-165" class="pagenum" title="165"></a> -sich Franz genannt habe, – wie Toifl -das ausgesagt habe. -</p> - -<p> -Toifl bleibt bei seinen alten Angaben. -</p> - -<p> -Der Zeuge Bischof war Vormund des Toifl -und stellt ihm ein gutes Zeugnis aus; besonders -habe er nie gelogen. -</p> - -<p> -R.-A. Th. Liebknecht teilt mit, daß sich bei -ihm eine Menge Leute gemeldet hätten, vor -denen Toifl Aufforderungen zu Gewalttaten -äußerte; aber sowohl Staatsanwalt als Richter, -als auch Geschworene erklären, in dieser -Hinsicht genügend aufgeklärt zu sein – so -wird von der Vernehmung dieser Zeugen Abstand -genommen. -</p> - -<h3 class="section" id="chapter-4-12"> -Schluß der Beweisaufnahme.<br /> -Plädoyers. -</h3> - -<p class="noindent"> -Die Verhandlung neigt sich ihrem Ende zu. -Die Verteidiger betonen, daß die Spitzel -Samson, Strolz und Schreiber noch immer -auf der Zeugen- oder Anklagebank fehlen. -</p> - -<p> -Bezüglich Samson wird erklärt, daß dessen -Aussagen gegen die Angeklagten nicht so ins -Gewicht fallen, daß sie eine Änderung des -Urteils bewirken könnten. -</p> - -<p> -Zum Fall Strolz berichtet R.-A. Dr. S. -Weinberg, er habe inzwischen erfahren, daß -dieser von der antibolschewistischen Liga für -<a id="page-166" class="pagenum" title="166"></a> -seine Tätigkeit in Sachen Blau 5000 M. erhielt. -Aber er glaube, daß die Beweisaufnahme -ein hinlänglich klares Bild dieses -Mannes ergeben habe: man könne wohl erwägen, -auf ihn zu verzichten. Diesen Verzicht -sprach R.-A. Th. Liebknecht klar aus: nachdem -der Kriminalkommissar Dr. Riemann -selbst ausgesagt habe, Strolz habe den Blau -an die Kommunisten verraten, habe die Verteidigung -nicht mehr nötig, diesen Belastungszeugen -zu sehen. -</p> - -<p> -Dagegen verlangten die Verteidiger den -Schreiber. Auf Anregung des Vorsitzenden -ändern sie ihren Beweisantrag dahin, daß -Schreiber den Mord an Blau nicht allein, -sondern in Gemeinschaft mit anderen begangen -habe. Der Staatsanwalt erklärt sich -nochmals außerstande, den Beschuldigten -beizubringen. Daraufhin lehnt das Gericht -den Beweisantrag ab, da durch die Aussage -sowohl wie durch die eventuelle Mitschuld -des Schreiber an der Beurteilung der Beteiligung -der Angeklagten nichts geändert wird -(d. h. die eventuelle Untersuchung gegen -Schreiber wird von dem Verfahren gegen -Fichtmann und Gen. abgetrennt – es kann -aber auch heißen: Schreiber ist so sehr der -Schuld oder Mitschuld verdächtig, daß seine -Aussagen nicht gegen die Mitverdächtigen gewertet -werden können). -</p> - -<p> -<a id="page-167" class="pagenum" title="167"></a> -Bezüglich Toifl teilt Dr. Weinberg noch mit, -daß dieser am 23. Juni 1919 wegen Erpressung -verhaftet wurde und in Polizeigewahrsam -in der Dirksenstraße gekommen war. -Am anderen Tage kam Oberleutnant Graf -Westarp mit einer Bescheinigung vom Reichswehrgruppenkommando -20 und befreite ihn. -Der Verteidiger bietet Beweis an, verzichtet -aber für die Verteidigung darauf. Auch das -Gericht legt keinen Wert auf Herbeischaffung -der Akten und Vernehmung der Beteiligten. -</p> - -<p> -So wurde am achten Verhandlungstage die -Beweisaufnahme geschlossen und der Wortlaut -der Schuldfragen festgelegt. -</p> - -<p> -Den neunten Verhandlungstag eröffnete -Staatsanwaltschaftsrat Dr. Ortmann mit -seinem Plädoyer. Er stellte das Für und -Wider der Beweisaufnahme gegeneinander -und kam in dreistündigen Ausführungen zu -folgendem Schluß: -</p> - -<p> -„Ich will bei der Beurteilung dieses Falles -keinerlei politische Gesichtspunkte anlegen. -Sicher, die Tat fand statt in einem Milieu von -Politik, und dort, wo sie nicht gerade am -schönsten ist, aber: Irgendwelche Beweise dafür, -daß die politische Partei der Angeklagten, -die kommunistische Partei, hinter der Mordtat -steht, hat die Verhandlung nicht erbracht. -Es liegt mir fern, irgendwelche Vorwürfe -<a id="page-168" class="pagenum" title="168"></a> -gegen die kommunistische Partei oder -gegen die Gesamtheit ihrer Mitglieder zu erheben. -Doch, diese Einschränkung hebt -nicht auf: die Tatsache eines begangenen -Mordes, den das Gericht zu ahnden hat. -Noch ist es nicht gelungen, die Tat in ihrer -Ganzheit aufzudecken, die Untersuchung in -dieser Richtung wird weitergehen – fest -steht indes, daß der Tod des Blau beabsichtigt -war; es war Mord. Und es ist erwiesen, -daß die Angeklagten an diesem Morde teilnahmen.“ -</p> - -<p> -Der Staatsanwalt begründete diesen Satz -ausführlich – Argumente, die hier nicht -nochmals erörtert zu werden brauchen, weil -sie aus der Anklageschrift bekannt sind. Am -Schluß bat der Anklagevertreter, bei Hoppe -und Fichtmann die Schuldfragen wegen -Mord, bei Winkler die wegen Beihilfe zu bejahen. -</p> - -<p> -Von den Verteidigern nahm zuerst R.-A. -Dr. Siegfried Weinberg das Wort. Zunächst -geißelte er in allgemeinen Überblicken das -System der politischen Rechtspflege in -Deutschland und die verschiedenartige Behandlung -der zahlreichen politischen Mörder -von rechts und der wenigen von links. Er gab -alsdann in großen Zügen ein Bild des Milieus, -das der Prozeß aufgezeigt habe. An Stelle -der ursprünglich auf die Anklagebank gesetzten -<a id="page-169" class="pagenum" title="169"></a> -Personen sei etwas anderes auf die -Anklagebank gekommen: ein Lockspitzelsystem, -wie es scheußlicher noch nie dagewesen -sei. Der Kampf gegen dieses sei nicht -Sache einer einzelnen Partei, sondern aller -anständigen Menschen. -</p> - -<p> -„Der Herr Staatsanwalt hat den Alibibeweis -des Angeklagten Fichtmann unberücksichtigt -gelassen; er hat die Aussagen -des Hoppe und Winkler ignoriert und über -ihr Verhalten Behauptungen aufgestellt, für -die kein einwandfreies Zeugnis vorhanden -ist. Es ist doch so: über die Beteiligung des -Hoppe und Winkler wissen wir effektiv nur, -was die beiden selbst angeben: daß Hoppe -den Blau verließ, als er die Mordabsicht der -anderen ihm Unbekannten sah und nicht -hindern konnte; daß Winkler seine Wohnung -auslieh und fortging. Alles andere ist Rede -und Widerrede, hier bezeugt und dort widerrufen. -</p> - -<p> -„Der Herr Staatsanwalt hat sich bei seinen -Darlegungen gestützt auf die Angaben der -Spitzel und der Kriminalbeamten, – die -ihrerseits wieder durch Spitzel geleitet und -orientiert wurden. Wir wissen, daß zur Aufklärung -von Kapitalverbrechen der Verrat -das wichtigste Hilfsmittel ist. Aber man -sehe diese Art Zeugen an, ein Volk, über das -Kriminalkommissar Dr. Riemann vor Gericht -<a id="page-170" class="pagenum" title="170"></a> -hier geurteilt hat. Und wenn dieser -Mann hier sein Entsetzen ausdrückte über -das politische Lockspitzeltum, dieser Mann, -der durch den Beruf an manches gewohnt -und sicherlich abgehärtet ist, was sollen dann -wir tun?! -</p> - -<p> -„Meine Herrn – wenn wir Verteidiger uns -damit begnügten, den Charakter dieser Belastungszeugen -aufzudecken und den Argumenten -der Anklage, die sich auf diese Zeugen -stützt, die Argumente entgegenhielten, -die sich aus den Aussagen der anderen Zeugen -ergeben: dann wäre unsere Aufgabe leicht – -aber sie führte nur zu dem Ziel, einer Darstellung -eine strikt widersprechende gegenüberzustellen. -Und Sie, meine Herren Geschworenen, -müßten sich sagen, daß über -dem Undurchdringlich des Ja und Nein eine -Tat steht, die trotz allem ein Mord ist – -eine Tat, die bestraft werden muß; und Sie -würden sich sagen: Ihre Pflicht verlange von -Ihnen, daß ein Abermals dieser Tat verhütet -wird. -</p> - -<p> -„Wir wollen nicht zulassen, daß Schuld -oder Unschuld entschieden wird gleich einem -Würfelspiel: – je nach dem, was einer gerade -glaubt. Und nachdem die Beweisaufnahme -selbst restlose Aufklärung nicht gebracht -hat, wollen wir eine Frage aufwerfen, -die das alte römische Recht an den Anfang -<a id="page-171" class="pagenum" title="171"></a> -allen Strafgerichts stellte: cui bono? Wem -versprach sich ein Vorteil? -</p> - -<p> -„Wer hatte den Spitzel Blau zu fürchten? -– Wir wollen uns diesen Mann genauer ansehen. -Seine Rolle als Lockspitzel in den -Januarkämpfen 1919 zu Berlin ist vom Gericht -zugegeben; dann erscheint er in München, -wo er von der „Eisernen Hand“ ein -Monatsgehalt von 530 M. bezieht. Von dieser -Stelle forderte er erpresserisch eine Extragratifikation -von 500 M. und drohte mit Anzeige. -Man stelle sich vor, wie unangenehm -ein solcher Prozeß geworden wäre, und man -stelle sich weiter vor, wie die Herren der -„Eisernen Hand“ nun Blau gegenüberstanden. -Die Antwort ist da: von Berlin aus, von -unbekanntem Auftraggeber, wird der Spitzel -Strolz nach München geschickt, um den Blau -zu versuchen. Dem Strolz gelingt es, dem -Blau Material über die Rechtsradikalen abzukaufen: -Blau war entlarvt! Zwei unmittelbare -Folgen sind sichtbar: erstens: Blau wird -in Berlin durch Strolz an die Kommunisten -verraten; zweitens: Blau ist der Münchner -Polizei als unzuverlässig bekannt, wird in -Haft genommen und ausgewiesen. -</p> - -<p> -„Ob Blau von München fortgelockt wurde -oder ob er dem Herm als Begleiter sich aufdrängte, -ist nicht so wichtig – vielleicht trifft -beides zu. Tatsache bleibt, daß Blau nach -<a id="page-172" class="pagenum" title="172"></a> -seiner Entlassung aus der Münchner Haft -ohne Mittel war und die Unterstützung der -dortigen Arbeiter in Anspruch nahm. Tatsache -ist weiter, daß auch die Münchner Arbeiter -ihn bald durchschauten: so konnte er -sich in München nicht halten, und: was sollte -der Agent der antibolschewistischen Liga jetzt -tun? ... Er mußte nach Berlin! ... nur nach -Aussprache mit seinen Auftraggebern konnte -er hoffen, sich zu rangieren. Und er hoffte auf -eine große Sache. -</p> - -<p> -„Es scheint auch, daß Blau freiwillig nach -Berlin fuhr; jedenfalls unterstand er keinem -Zwange, als er die Wohnung seiner Frau besuchte. -Er wird auch andere Leute getroffen -haben: abends, als er in der Mittenwalder -Straße auftauchte, war er im Besitz einer -gültigen Einlaßkarte. Von wem er sie erhalten -hat? Von den Kommunisten nicht – -aber vielleicht von dem Mann, auf den er sich -berief, dessen Anwesenheit in Berlin er wußte, -dem er selbst Dokumente verkauft hatte: -dem Spitzel Strolz, der zu Leuschners Bezirk -gehörte! Es ist mehr als wahrscheinlich, -daß dieser Strolz, der den Blau an Leuschner -schon verraten hatte, ihn nun gerade zu -diesem Leuschner schickte. Warum? Herr -Kriminalkommissar Riemann mochte die -Frage nicht entscheiden, ob der Verrat des -Blau nicht schon Aufforderung zum Mord war. -</p> - -<p> -<a id="page-173" class="pagenum" title="173"></a> -„Wer immer noch überlegte, ob Blau von -München aus transportiert wurde, der erinnere -sich, daß der Zeuge Thiessen in der -Versammlung dem Blau kompromittierende -Papiere abnahm. Hätte der Spitzel sich gefährdet -gefühlt: er hätte die Beweise zu -Hause gelassen – doch er fühlte sich sicher -und ging ja auf neue Taten aus. Dagegen -läßt sich das Kesseltreiben gegen das Opfer -sehr schön verfolgen: zuerst verrät man ihn -an Leuschner; als daraufhin nichts erfolgt, -spielt man dem Leuschner Beweise in die -Hand: nun könnte doch die kommunistische -Zentrale sich rühren. Aber sie rührt sich -nicht! Da kommt Blau nach Berlin und man -schickt ihn in die Versammlung zu Leuschner. -Doch er wird nicht totgeschlagen: da -kommt ein Mann, auch ein Spitzel, erzählt, -Blau habe den Auftrag, den Schweizer Platten -für 80000 M. zu ermorden; ein Münchner -Genosse habe die Nachricht gebracht ... Genügt -das nicht? -</p> - -<p> -„Nun fragen wir: wie kommt ein Münchner -Genosse dazu, von einem solchen Mordauftrag -zu wissen? Sollte Blau ihn vorgezeigt -haben? Oder davon erzählt haben – -und ausgerechnet zur Mittenwalder Straße in -Berlin kommt zufällig einer gelaufen, der -darüber Bescheid weiß? – Wenn dieser -Mordplan des Blau überhaupt bestand, konnten -<a id="page-174" class="pagenum" title="174"></a> -nur die davon wissen, welche die Tat bezahlen -wollten; aber: die ganze Geschichte -sieht aus nach Öl, das man ins Feuer gießt: -der Münchner Genosse hütete sich auch sehr, -zu erscheinen. -</p> - -<p> -„Doch Blau lebte immer noch! Am anderen -Tag kommt ein Mann in die Pohlsche -Wohnung, spricht mit Hoppe auf dem Gang; -entrüstet sich, daß Blau noch nicht tot ist, -hat Morphium: es soll Schreiber gewesen -sein; wieder ein Spitzel, der sich allerdings -hüten mußte, in die Stube zu gehen, da Blau -ihn kannte. Hoppe lehnt ab: und am Abend -erscheinen Fremde, die Besitz von der Wohnung -ergreifen und ihre Sache selbst tun. -</p> - -<p> -„Meine Herren! Die Tatsache eines Mordplanes -gegen Blau ist klar: es wurde von -mehreren Seiten gegen den unsicheren Spitzel -vorgegangen – und wenn wir nach den Urhebern -fragen, müssen wir die Strolz und -Schreiber, die Acosta und Schröder-Mahnke -betrachten und ihre Auftraggeber erkennen. -Toifl, der einzige Spitzel, den das Gericht -genoß, scheint der am wenigsten Beteiligte -zu sein; sonst wäre er kaum erschienen.“ -</p> - -<p> -Der Verteidiger entrollte bei dieser Gelegenheit -das Charakterbild der einzelnen in -dieser Affäre tätig gewesenen Spitzel, wie es -sich aus der Beweisaufnahme zeigt. -</p> - -<p> -„Man inszenierte ein Kesseltreiben; man -<a id="page-175" class="pagenum" title="175"></a> -schob den Kommunisten den lästigen Blau -hin, als Beute; man wollte ihnen die Ausführung -eines Urteils überlassen, das man -selbst gefällt hat. Dann hatte man zwei auf -einen Schlag: man war den Blau los und -hatte neue kommunistische Greuel! Die Angeklagten -hier sind schuldlos: es sind die -Leute, denen man den Mord zumuten wollte, -die Leute, die sich weigerten, ihn auszuführen -und deren Besonnenheit es zu verdanken ist, -daß nicht schon in der Versammlung, nicht -schon am Kreuzberg die Tat geschah.“ – -</p> - -<p> -Dr. Weinberg stützte diese Auffassung ausführlichst -durch die Ergebnisse der Beweisaufnahme -und durch Parallelen zu anderen -Vorfällen der Zeit. Er legte das Milieu dieser -Spitzel bloß: wie Blau den Bomin entlarvte, -Strolz den Blau und Toifl die Schröder-Mahnke; -wie in diesen Handlungen die persönliche -Minderwertigkeit und der Konkurrenzneid -der Lockspitzel sich zeige, der ihre -Aussagen und Zeugnisse entwerte; und, wie -im Falle Blau, deutlich das Gemeinsame eines -Vorgehens, das Auftragmäßige der verschiedenen -parallelen Schritte erkennbar sei. Blau -war der ungetreue Spitzel, der dem Tode -verfallene. -</p> - -<p> -Im Gegensatz dazu hatte die Kommunistische -Partei keine Veranlassung und keinen -Nutzen vom Tode des Blau: -</p> - -<p> -<a id="page-176" class="pagenum" title="176"></a> -„Überlegen Sie doch: wenn man den einen -Spitzel wegschafft, tritt ein anderer an seine -Stelle; automatisch: ist es da nicht bequemer, -den Entlarvten zu dulden, in Sicherheit zu -wiegen und in Schranken zu halten? Der erkannte -Spitzel kann vielleicht noch vorteilhaft -sein, in jedem Fall ist er ungefährlich -und häufig sogar ergötzlich. Natürlich: -Deutschland ist groß: man muß den Mann -photographieren, die Ortsgruppen warnen: -dann mag er ruhig wo anders auftauchen. -Es ist unklug, Spitzel zu töten.“ -</p> - -<p> -Hierauf ging Dr. Weinberg nochmals auf -das Verhalten der Angeklagten ein: wie die -Ergebnisse der Voruntersuchung es darstellten -und die der Beweisaufnahme es verändert -aufzeigten. Dann bat Dr. S. Weinberg -darum, seine Klienten freizusprechen, -gegebenenfalls bei Hoppe die Frage wegen -Unterlassung der Anzeige einer strafbaren -Handlung zu bejahen und sprach die Hoffnung -aus, der Prozeß möge wenigstens die -Folge haben, die politische Atmosphäre zu -säubern und das maßlose Spitzeltum einzudämmen. -</p> - -<p> -R.-A. Th. Liebknecht nahm hierauf in -einstündiger Rede das Wort, unterstrich die -Ausführungen des Vorredners und schloß -sich denselben in jeder Beziehung an. Er -wandte sich alsdann der Beteiligung Winklers -<a id="page-177" class="pagenum" title="177"></a> -an der Tat zu und legte dar, daß diesem -Angeklagten irgendeine strafbare Beteiligung -an der Ermordung Blaus durch die Beweisaufnahme -nicht nachgewiesen sei und -forderte die Freisprechung desselben. (R.-A. -Dr. Rosenfeld war am Erscheinen verhindert.) -</p> - -<p> -Nach einer kurzen Replik des Staatsanwalts -und einigen Worten der Verteidiger -bittet der Angeklagte Hoppe ums Wort und -erklärt, daß ihm selbst nach zehntägiger -Verhandlung das Eigentliche der Tat noch -vollkommen dunkel sei; er habe den dringenden -Verdacht, diejenigen, die am meisten -hetzten, seien bezahlte Subjekte gewesen und -er komme immer mehr zu der Überzeugung, -daß Kommunisten an der ganzen Geschichte -gar nicht beteiligt gewesen seien. Was ihn -anbelange, so betone er nochmals, daß er all -sein Wissen gestanden habe und er betone -ferner seine ablehnende Stellung zum individuellen -Terror und zur Propaganda der Tat. -Er bäte, die entsprechenden Stellen des Programms -der freien sozialistischen Jugend anzuhören, -– und verliest dieselben. -</p> - -<p> -Hierauf folgte die Rechtsbelehrung der Geschworenen -durch den Vorsitzenden. Die -Schuldfragen lauteten: -</p> - -<div class="doc"> -<a id="page-178" class="pagenum" title="178"></a> -<p class="u hdr"> -<span class="line1">Fragen an die Geschworenen</span><br /> -<span class="line2">in der Strafsache</span><br /> -<span class="line3">gegen</span> -</p> - -<p> -1. den Lederarbeiter (Schankwirt) Max <em>Fichtmann</em> -</p> - -<p> -2. den Kaufmann (Broschürenverkäufer) Erwin <em>Hoppe</em> -</p> - -<p> -3. den Schneidergesellen Willi <em>Winkler</em>, -sämtlich hier im Untersuchungsgefängnis. -</p> - - <div class="table"> - <div class="table178"> - <div class="tr"> - <div class="tdl"> -<p> -<em>Fragen.</em> -</p> - - </div> - <div class="tdr"> -<p> -<em>Antworten.</em> -</p> - -<p> -Dabei sind die §§ 307, -308 der Strafprozeßordnung -zu beachten: -</p> - -<p> -§ 307. Der Spruch ist von -dem Obmanne neben den Fragen -niederzuschreiben und -von ihm zu unterzeichnen. -</p> - -<p> -Bei jeder dem Angeklagten -nachteiligen Entscheidung -ist anzugeben, daß -dieselbe mit mehr als sieben -Stimmen, bei Verneinung -der mildernden Umstände, -daß dieselben mit mehr als -sechs Stimmen gefaßt worden -sind. Im übrigen darf -das Stimmenverhältnis nicht -angegeben werden. -</p> - -<p> -§ 308. Der Spruch ist im -Sitzungszimmer von dem -Obmann kundzugeben. Der -Obmann spricht die Worte: -</p> - - <div class="block"> -<p> -„Auf Ehre und Gewissen -bezeuge ich als -den Spruch der Geschworenen“ -</p> - - </div> -<p> -und verliest die gestellten -Fragen mit den darauf abgegebenen -Antworten. -</p> - - </div> - </div> - <div class="tr"> - <div class="tdl"> -<a id="page-179" class="pagenum" title="179"></a> -<p> -1. Ist der Angeklagte -</p> - -<p> -Max <em>Fichtmann</em> -</p> - -<p> -schuldig, zu Berlin in der Nacht vom -2. zum 3. August 1919 in gemeinschaftlicher -Ausführung mit mehreren -Anderen, vorsätzlich einen -Menschen, den Inspektor Karl Blau, -getötet zu haben, indem er die Tötung -mit Überlegung ausführte? -</p> - - </div> - <div class="tdr"> -<p> -nein. -</p> - - </div> - </div> - <div class="tr"> - <div class="tdl"> -<p> -2. <em>Im Falle der Verneinung der -Frage zu 1</em>: -</p> - -<p> -Ist der Angeklagte Max Fichtmann -schuldig, zu Berlin in der -Nacht vom 2. zum 3. August 1919 -in gemeinschaftlicher Ausführung -mit mehreren Anderen vorsätzlich -einen Menschen, den Inspektor Karl -Blau, getötet zu haben, indem er die -Tötung <em>nicht</em> mit Überlegung ausführte? -</p> - - </div> - <div class="tdr"> -<p> -nein. -</p> - - </div> - </div> - <div class="tr"> - <div class="tdl"> -<p> -3. <em>Im Falle der Verneinung der -Frage zu 1 und Bejahung der -Frage zu 2</em>: -</p> - -<p> -Sind mildernde Umstände hinsichtlich -der Tat zu 2 vorhanden? -</p> - - </div> -<p class="empty tdr"> - -</p> - - </div> - <div class="tr"> - <div class="tdl"> -<p> -4. <em>Im Falle der Verneinung der -Fragen zu 1 und 2</em>: -</p> - -<p> -Ist der Angeklagte Max Fichtmann -schuldig, zu Berlin Anfang -August 1919 mehreren Anderen -durch Rat oder Tat wissentlich -Hilfe dazu geleistet zu haben, daß -sie zu Berlin in der Nacht vom -2. zum 3. August 1919 einen Menschen, -den Inspektor Karl Blau, -<a id="page-180" class="pagenum" title="180"></a> -vorsätzlich töteten, indem sie die -Tötung mit Überlegung ausführten? -</p> - - </div> - <div class="tdr"> -<p> -nein. -</p> - - </div> - </div> - <div class="tr"> - <div class="tdl"> -<p> -5. <em>Im Falle der Verneinung der -Fragen zu 1, 2 und 4</em>: -</p> - -<p> -Ist der Angeklagte Max Fichtmann -schuldig, zu Berlin Anfang -August 1919 mehreren Anderen -durch Rat und Tat wissentlich -Hilfe dazu geleistet zu haben, daß -sie zu Berlin in der Nacht vom -2. zum 3. August 1919 einen Menschen, -den Inspektor Karl Blau, -vorsätzlich töteten, indem sie die -Tötung <em>nicht</em> mit Überlegung ausführten? -</p> - - </div> - <div class="tdr"> -<p> -nein. -</p> - - </div> - </div> - <div class="tr"> - <div class="tdl"> -<p> -6. <em>Im Falle der Verneinung der -Fragen zu 1, 2 und 4 und Bejahung -der Frage zu 5</em>: -</p> - -<p> -Sind mildernde Umstände hinsichtlich -der zu 5 bezeichneten Tat -vorhanden? -</p> - - </div> -<p class="empty tdr"> - -</p> - - </div> - <div class="tr"> - <div class="tdl"> -<p> -7. Ist der Angeklagte Erwin Hoppe -schuldig, zu Berlin in der Nacht -vom 2. zum 3. August 1919 in gemeinschaftlicher -Ausführung mit -mehreren Anderen vorsätzlich einen -Menschen, den Inspektor Karl -Blau, getötet zu haben, indem er -die Tötung mit Überlegung ausführte? -</p> - - </div> - <div class="tdr"> -<p> -nein. -</p> - - </div> - </div> - <div class="tr"> - <div class="tdl"> -<p> -8. <em>Im Falle der Verneinung der -Frage zu 7</em>: -</p> - -<p> -Ist der Angeklagte Erwin Hoppe -schuldig, zu Berlin in der Nacht -<a id="page-181" class="pagenum" title="181"></a> -vom 2. zum 3. August 1919 in gemeinschaftlicher -Ausführung mit -mehreren Anderen vorsätzlich einen -Menschen, den Inspektor Karl -Blau, getötet zu haben, indem er -die Tötung <em>nicht</em> mit Überlegung -ausführte? -</p> - - </div> - <div class="tdr"> -<p> -nein. -</p> - - </div> - </div> - <div class="tr"> - <div class="tdl"> -<p> -9. <em>Im Falle der Verneinung der -Frage zu 7 und Bejahung der -Frage zu 8</em>: -</p> - -<p> -Sind mildernde Umstände hinsichtlich -der Tat zu 8 vorhanden? -</p> - - </div> -<p class="empty tdr"> - -</p> - - </div> - <div class="tr"> - <div class="tdl"> -<p> -10. <em>Im Falle der Verneinung der -Fragen zu 7 und 8</em>: -</p> - -<p> -Ist der Angeklagte Erwin Hoppe -schuldig, zu Berlin Anfang August -1919 mehreren Anderen durch Rat -oder Tat wissentlich Hilfe dazu -geleistet zu haben, daß sie zu Berlin -in der Nacht vom 2. zum 3. -August 1919 einen Menschen, den -Inspektor Karl Blau, vorsätzlich -töteten, indem sie die Tötung mit -Überlegung ausführten? -</p> - - </div> - <div class="tdr"> -<p> -nein. -</p> - - </div> - </div> - <div class="tr"> - <div class="tdl"> -<p> -11. <em>Im Falle der Verneinung der -Fragen zu 7, 8 und 10</em>: -</p> - -<p> -Ist der Angeklagte Erwin Hoppe -schuldig, zu Berlin Anfang August -1919 mehreren Anderen durch Rat -oder Tat wissentlich Hilfe dazu -geleistet zu haben, daß sie zu Berlin -in der Nacht vom 2. zum 3. -August 1919 einen Menschen, den -Inspektor Karl Blau, vorsätzlich -töteten, indem sie die Tötung -<em>nicht</em> mit Überlegung ausführten? -</p> - - </div> - <div class="tdr"> -<p> -ja mit mehr als -sieben Stimmen. -</p> - - </div> - </div> - <div class="tr"> - <div class="tdl"> -<a id="page-182" class="pagenum" title="182"></a> -<p> -12. <em>Im Falle der Verneinung der -Fragen zu 7, 8 und 10 und Bejahung -der Frage zu 11</em>: -</p> - -<p> -Sind mildernde Umstände hinsichtlich -der Tat zu 11 vorhanden? -</p> - - </div> - <div class="tdr"> -<p> -nein mit mehr -als 6 Stimmen. -</p> - - </div> - </div> - <div class="tr"> - <div class="tdl"> -<p> -13. <em>Im Falle der Verneinung der -Fragen zu 7, 8, 10 und 11</em>: -</p> - -<p> -Ist der Angeklagte Erwin Hoppe -schuldig, zu Berlin Anfang August -1919 von dem Vorhaben eines -Anderen oder Anderer, -</p> - -<p> -den Inspektor Karl Blau vorsätzlich -zu töten und die Tötung -mit Überlegung auszuführen, -</p> - -<p> -zu einer Zeit, in welcher die Verhütung -des Verbrechens möglich -war, glaubhafte Kenntnis erhalten -und es unterlassen zu haben, hiervon -der Behörde oder der durch -das Verbrechen bedrohten Person -zur rechten Zeit Anzeige zu -machen, und ist das Verbrechen -begangen worden, oder ist der Entschluß, -es zu verüben, durch Handlungen -betätigt worden, welche -einen Anfang oder Ausführung -des beabsichtigten, aber nicht zur -Vollendung gekommenen Verbrechens -enthalten? -</p> - - </div> -<p class="empty tdr"> - -</p> - - </div> - <div class="tr"> - <div class="tdl"> -<p> -14. Ist der Angeklagte Willi <em>Winkler</em> -schuldig, zu Berlin Anfang -August 1919 mehreren Anderen -durch Rat oder Tat wissentlich -Hilfe dazu geleistet zu haben, daß -sie zu Berlin in der Nacht vom -<a id="page-183" class="pagenum" title="183"></a> -2. zum 3. August 1919 einen Menschen, -den Inspektor Karl Blau, -vorsätzlich töteten, indem sie die -Tötung mit Überlegung ausführten? -</p> - - </div> - <div class="tdr"> -<p> -nein. -</p> - - </div> - </div> - <div class="tr"> - <div class="tdl"> -<p> -15. <em>Im Falle der Verneinung der -Frage zu 14</em>: -</p> - -<p> -Ist der Angeklagte Willi Winkler -schuldig, zu Berlin Anfang -August 1919 mehreren Anderen -durch Rat oder Tat wissentlich -Hilfe dazu geleistet zu haben, daß -sie zu Berlin in der Nacht vom -2. zum 3. August 1919 einen Menschen, -den Inspektor Karl Blau, -vorsätzlich töteten, indem sie die -Tötung <em>nicht</em> mit Überlegung -ausführten? -</p> - - </div> - <div class="tdr"> -<p> -ja mit mehr als -sieben Stimmen. -</p> - - </div> - </div> - <div class="tr"> - <div class="tdl"> -<p> -16. <em>Im Falle der Verneinung der -Frage zu 14 und Bejahung -der Frage zu 15</em>: -</p> - -<p> -Sind mildernde Umstände hinsichtlich -der zu 15 bezeichneten -Tat vorhanden? -</p> - - </div> - <div class="tdr"> -<p> -ja. -</p> - - </div> - </div> - <div class="tr"> - <div class="tdl"> -<p> -17. <em>Im Falle der Verneinung der -Fragen zu 14 und 15</em>: -</p> - -<p> -Ist der Angeklagte Willi Winkler -schuldig, zu Berlin Anfang -August 1919 von dem Vorhaben -eines Anderen oder Anderer, den -Inspektor Karl Blau vorsätzlich -zu töten und die Tötung mit Überlegung -auszuführen, -<a id="page-184" class="pagenum" title="184"></a> -zu einer Zeit, in welcher die -Verhütung des Verbrechens möglich -war, glaubhafte Kenntnis erhalten -und es unterlassen zu haben, -hiervon der Behörde oder der durch -das Verbrechen bedrohten Person -zur rechten Zeit Anzeige zu -machen, und ist das Verbrechen -begangen worden, oder ist der Entschluß, -es zu verüben, durch Handlungen -betätigt worden, welche -einen Anfang der Ausführung des -beabsichtigten, aber nicht zur Vollendung -gekommenen Verbrechens -enthalten? -</p> - - </div> -<p class="empty tdr"> - -</p> - - </div> - </div> - </div> -<p class="date"> -Berlin, den 5. Juli 1920. -</p> - -<p class="sign"> -gez. Joel. -</p> - -<p class="sign"> -gez. Aschner.<br /> -Obmann. -</p> - -<p class="sign"> -gez. Schröder.<br /> -als Gerichtsschreiber. -</p> - -<p class="sign"> -gez. Joel als Vorsitzender. -</p> - -</div> - -<p class="tb"> - -</p> - -<p class="noindent"> -Nach zweieinhalbstündiger Beratung hatten -die Geschworenen gesprochen. -</p> - -<p> -Der Staatsanwalt beantragte: -</p> - -<p class="block u"> -für Fichtmann die Freisprechung,<br /> -für Hoppe zehn Jahre Zuchthaus,<br /> -für Winkler drei Jahre Gefängnis. -</p> - -<p> -Das Urteil wurde nach einstündiger Beratung -gefällt; dasselbe erging wie folgt: -</p> - -<div class="doc"> -<a id="page-185" class="pagenum" title="185"></a> -<p class="noindent"> -2 c. J. 2691. 19 -</p> - -<p class="u hdr"> -<span class="line1">In der Strafsache</span><br /> -<span class="line2">gegen</span> -</p> - - <div class="hang"> -<p> -1. den Lederarbeiter (Schankwirt) Max <em>Fichtmann</em> aus -Berlin, zur Zeit in der Strafanstalt Brandenburg a. d. H. -in Strafhaft, geboren am 22. November 1898 in Berlin, -mosaisch, -</p> - -<p> -2. den Kaufmann Erwin <em>Hoppe</em>, zur Zeit hier in Untersuchungshaft, -geboren am 1. April 1899 in Berlin, religionslos, -</p> - -<p> -3. den Schneidergesellen Willi <em>Winkler</em>, zur Zeit hier in -Untersuchungshaft, geboren am 16. September 1899 in -Berlin, evangelisch, -</p> - - </div> -<p class="noindent"> -wegen Mordes -</p> - -<p class="noindent"> -hat das Schwurgericht beim Landgericht II in Berlin in -der Sitzung vom 24. Juni bis 5. Juli 1920, an welcher -teilgenommen haben: -</p> - - <div class="block hang"> -<p class="u"> -Landgerichtsrat Dr. <em>Joel</em><br /> -als Vorsitzender, -</p> - -<p class="u"> -Landgerichtsrat Geh. Justizrat <em>Bienutta</em>, -</p> - -<p class="u"> -Gerichtsassessor <em>Siemens</em><br /> -als beisitzende Richter, -</p> - -<p class="u"> -Staatsanwaltschaftsrat Dr. <em>Ortmann</em><br /> -als Beamter der Staatsanwaltschaft, -</p> - -<p class="u"> -Landgerichtsassistent <em>Schröder</em><br /> -als Gerichtsschreiber, -</p> - - </div> -<p class="noindent"> -für Recht erkannt: -</p> - -<p> -<a id="page-186" class="pagenum" title="186"></a> -Der Angeklagte Kaufmann Erwin <em>Hoppe</em> wird -wegen Beihilfe zum Totschlag zu sechs Jahren Zuchthaus -verurteilt, von denen 8 Monate durch die erlittene -Untersuchungshaft verbüßt sind, der Angeklagte Schneidergeselle -Willi <em>Winkler</em> wird wegen Beihilfe zum -Totschlag zu drei Jahren Gefängnis, von denen gleichfalls -acht Monate durch die erlittene Untersuchungshaft -verbüßt sind, verurteilt. -</p> - -<p> -Der Angeklagte Lederarbeiter Max <em>Fichtmann</em> -wird freigesprochen. -</p> - -<p> -Die durch das Verfahren gegen den Angeklagten -Fichtmann entstandenen Kosten werden der Staatskasse -auferlegt. Die übrigen Kosten des Verfahrens -haben die Angeklagten Hoppe und Winkler zu tragen. -</p> - -<h3 class="section" id="chapter-4-13"> -Gründe. -</h3> - -<p class="noindent"> -Nach dem Spruch der Geschworenen sind die Angeklagten -Hoppe und Winkler schuldig, zu Berlin Anfang -August 1919 mehreren anderen Tätern durch Rat oder Tat -wissentliche Hilfe dazu geleistet zu haben, daß sie zu -Berlin in der Nacht vom 2. zum 3. August 1919 einen -Menschen, den Inspektor Blau, vorsätzlich töteten, indem -sie die Tötung <em>nicht</em> mit Überlegung ausführten. Dem -Angeklagten Hoppe sind mildernde Umstände versagt, -dem Angeklagten Winkler solche zugebilligt worden. Die -beiden Angeklagten waren daher Hoppe, gemäß §§ 212, 49, -Winkler gemäß §§ 212 und 213, 49 St.G.B. zu bestrafen. -</p> - -<p> -Bei der Strafzumessung hat das Gericht berücksichtigt, -daß die aus politischen Motiven begangene Tötung des -Inspektors Blau eine ungemein brutale Tat und im höchsten -Grade gemeingefährlich ist. Es war daher strenge -Ahndung erforderlich, zumal die Angeklagten keine Reue -zeigen. Andererseits war zu erwägen, daß die jugendlichen -<a id="page-187" class="pagenum" title="187"></a> -und unerfahrenen Angeklagten durch politischen -Fanatismus irregeführt und hierdurch zu ihrer Tat mißleitet -worden sind. -</p> - -<p> -Beim Angeklagten <em>Hoppe</em> kommt jedoch strafschärfend -hinzu die große verbrecherische Energie, die er bei der -Durchführung der Tat bewiesen hat. Beim Angeklagten -<em>Winkler</em> ist strafmildernd zu berücksichtigen, daß er -offenbar ganz erheblich unter dem Einfluß des ihm geistig -bedeutend überlegenen Angeklagten Hoppe gestanden hat. -Auch ist er noch völlig unbescholten. Ebenso war dem Angeklagten -Hoppe zugute zu rechnen, daß er bisher verhältnismäßig -unbedeutend vorbestraft ist. -</p> - -<p> -Unter Berücksichtigung aller dieser Umstände hielt das -Gericht die erkannten Strafen für eine ausreichende und -angemessene Sühne. -</p> - -<p> -Der Angeklagte Fichtmann ist nach dem Spruch der -Geschworenen nicht schuldig und war daher freizusprechen. -</p> - -<p> -Die Kostenentscheidung beruht auf §§ 497, 499 St.P.O., -die über die Anrechnung der Untersuchungshaft auf § 60 -St.G.B. -</p> - -<p class="sign"> -gez. Joel Siemens. -</p> - - <div class="narrow"> -<p> -Der beisitzende Richter -L.G.R. Geh. J.R. Bienutta -ist beurlaubt und daher -verhindert seine Unterschrift -beizufügen. -</p> - -<p> -Dies wird gemäß § 275 -St.P.O. bescheinigt. -</p> - - </div> -<p class="sign"> -gez. Joel<br /> -L.G.R. -</p> - -<p class="fl cb normal"> -Siegel -</p> - -<p class="u fr date"> -<em>Ausgefertigt</em><br /> -Berlin, den 30. Juli 1920. -</p> - -<p class="sign"> -Gerichtsschreiber des Landgerichts II. -</p> - -</div> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="chapter" id="part-5"> -<a id="page-188" class="pagenum" title="188"></a> -ANHANG. -</h2> - -</div> - -<h3 class="section" id="chapter-5-1"> -I.<br /> -Der Spitzel Toifl. -</h3> - -<p class="noindent"> -Der Hauptzeuge der letzten Prozeßtage, -Spitzel, Aufrührer, Mädchenverführer (nach -Aussage einer Zeugin) heißt nicht etwa -Beelzebub, aber Toifl. Ein unorthographischer -Teufel. Ein Opfer des Spitzelsystems -heißt Faust und der Vormund Toifls: Bischof. -O unergründliche Ironie des Zufalls! -</p> - -<p> -Zeuge Toifl ist Spitzel, agent provocateur -gewesen. Im Dienst der M. P. A. Das heißt -nicht etwa: Macht praktische Arbeit, sondern -Militärpolitische Abteilung. -</p> - -<p> -Toifl ist Österreicher, immer noch. Obwohl -er M. P. A. war. Ein bißchen glatt und leichtfertig. -Seine Moral dreht sich in fettig geölten -Angeln. Patent „Teufel“. Er fühlt sich unglücklich -in seiner namenlosen Alltäglichkeit. -Es gilt Bildungs- und gesellschaftliche Hindernisse -wegzuradieren. Die Revolution ist -ein günstiger Zufall. Sie bricht gerade aus, -da Toifl anfängt, sich nach einer Karriere -umzusehen. Spionage, denkt er, ist ein -Sprungbrett. Er spielt gesellschaftlich die -<a id="page-189" class="pagenum" title="189"></a> -Rolle eines ehemaligen österreichischen Fähnrichs. -Sein Gesicht ist von jener blassen, -blonden Leere, der man unter Umständen die -Fähnrichscharge glauben darf ... Wie er so -auftritt, nett, blond, in dunkelblauem Anzug, -und elastische Schritte posiert, macht er -einen braven Eindruck. Typus aufgeweckter -Junge. -</p> - -<p> -Bei näherem Zusehen aber knetet er in -zappeligen Händen ein schweißdurchtränktes -Taschentuch, kämpft er sich mühsam ein -bißchen Haltung ab. Bemüht, gelassene -Eleganz vorzutäuschen, zieht er kleinbürgerlich -sorgfältig die gebügelte Hose hinauf, -so oft er sich setzt. Und man sieht: er ist -gar nicht elastisch. Seine Seele schreitet nur -sozusagen auf Gummiabsätzen. -</p> - -<p class="attr"> -Joseph Roth.<br /> -(Neue Berliner Nr. 145, 1920.) -</p> - -<h3 class="section" id="chapter-5-2"> -<a id="page-190" class="pagenum" title="190"></a> -II.<br /> -Zum Blau-Prozeß. -</h3> - -<p class="noindent"> -Dieser Prozeß wird einst unter den Dokumenten -der bürgerlichen Kultur mit an erster -Stelle stehen, – obgleich für das Gericht gerade -da das Interesse aufhörte, wo das Interesse -der Allgemeinheit anfing. -</p> - -<p> -Da war der Zeuge Schreiber. Er war, solange -er von fürsorglichen Behörden beschützt -und behütet war, ein Zeuge, wie man -sich nur einen Zeugen wünscht. Aber als er -gezwungen werden sollte, Aug’ in Aug’ seine -Aussagen zu wiederholen: da war der Zeuge -Schreiber in seine heimischen eidgenössischen -Felder entrückt. Auf dringendste Einladung -begnügt er sich nicht, wie sein unerfahrenerer -Kollege Toifl mit „Schutz vor den -Kommunisten“: er stellt Bedingungen. Neben -einer ganz ansehnlichen Entschädigung -in Schweizer Valuta fordert er die Auszahlung -von 4000 M., welche ihm nach seiner Angabe -die Münchner Polizei schuldet. Und -fordert Vorausbezahlung! -</p> - -<p> -Da war ein Weibsbild, von Lemurenhäßlichkeit -und zudem in Reichswehruniform -maskiert. In jedem anderen Falle hätte man -sie sofort eingesponnen; aber hier war der -Polizeikommissar Maslack, der es befürwortete, -– und der Untersuchungsrichter Dr. -<a id="page-191" class="pagenum" title="191"></a> -Marquardt erteilte der Polizeispitzelin Schröder-Mahnke -Sprecherlaubnis ohne Aufsicht -durch Gefängnisbeamte! In einem Falle, da -zur Isolierung der Angeklagten besondere -Vorsichtsmaßregeln getroffen wurden: da -darf man Spitzeln Akten zeigen, Spitzel in -die Gefängnisse schicken, von Spitzeln die -Welt heimsuchen lassen wie von Heuschrecken -das Land Ägypten; da ist jedes -Mittel recht. -</p> - -<p> -Und dann sind da die „Mittel“: die lange -Kette Blau, Toifl, Strolz, Acosta, Samson – -von den unbekannteren ganz zu schweigen ... -und hier ist die große Lücke, die der Prozeß -gelassen hat. Wir alle sehen nur die Spitzel; -wo aber ist die Hand, die sie lenkte? Wo ist -der große Unbekannte, dessen Werkzeuge -über die kommunistische Partei herfielen? -Wo ist der Mann, der sie bezahlte: Den Schreiber -für die Beseitigung von Blau, den Toifl -für den Raubüberfall auf Orlowsky, den -Strolz und Acosta für das stramme Zufassen? -</p> - -<p> -Hier und gerade hier war das kriminalistische, -moralische und politische Zentrum des -ganzen Prozesses, und nur, wenn dieses Dunkel -erhellt wurde, konnte psychologisch die -Tat aufgeklärt werden. Und nur dann konnte -festgestellt werden, wer Mörder war und wer -den Mord brauchte. Und dann konnte gezeigt -<a id="page-192" class="pagenum" title="192"></a> -werden, ob der Opfer des großen Unbekannten -noch mehr seien als Hoppe, Winkler -und Fichtmann; es galt zu untersuchen, -ob nicht vom Morde an Karl Liebknecht und -Rosa Luxemburg, über Leo Jogisches, die -30 Matrosen, Dorenbach und all die Hunderte -namenlos Gemordete eine einzige Linie führt. -</p> - -<p> -Das war aufzuklären! -</p> - -<p class="attr"> -J. Steinborn.<br /> -(Aus der Roten Fahne, Nr. 123 u. 125, 1920.) -</p> - -<h3 class="section" id="chapter-5-3"> -<a id="page-193" class="pagenum" title="193"></a> -III.<br /> -Denkschrift des Reichsjustizministers<br /> -über die politischen Morde.<br /> -Nr. IV 62598 Gr. -</h3> - -<div class="doc"> -<p class="u date"> -Reichstag 4. 12. 23.<br /> -verkündet in der 394. Sitzung. -</p> - -<p class="hdr"> -<span class="line1">16. Der Polizeiagent Blau.</span> -</p> - -<p> -In der Strafsache gegen Fichtmann und Genossen -wegen Ermordung des Inspektors Blau sind in der Hauptverhandlung -vor dem Schwurgericht beim Landgericht I -in Berlin vom 24. Juni bis 5. Juli 1920 die Zeugen -Schreiber und Toifl, von denen der erstere sich in der -Schweiz aufhält und zur Verhandlung nicht erschien, -letzterer eidlich vernommen wurde, der Teilnahme an der -Ermordung verdächtigt worden. Die Verdächtigungen -entbehren aber jeder Grundlage. -</p> - -<p> -Wegen des Raubüberfalles auf den Diamantenhändler -Orlowsky hat vor dem außerordentlichen Kriegsgericht -beim Landgericht II in Berlin ein Strafverfahren geschwebt, -in dem nur Fichtmann und Manske verurteilt -wurden. Toifl wurde in der Hauptverhandlung als -Zeuge vernommen. Wie die Urteilsgründe ergeben, hat -Toifl allerdings an dem Unternehmen als „Regierungsagent“ -teilgenommen. Das Gericht betonte aber ausdrücklich, -daß Toifl <em>notgedrungen</em> die Rolle des Führers -übernehmen mußte, um nicht Verdacht zu erregen und -als Regierungsagent entlarvt zu werden. Und, daß es -seinen, wenn auch uneidlichen Angaben, vollen Glauben -geschenkt habe. -</p> - -<p> -Bei dieser Sachlage ist mangels begründeten Verdachtes -einer strafbaren Teilnahme von der Strafverfolgung des -Toifl und Schreiber Abstand genommen worden. -</p> - -</div> - -<div class="centerpic full"> -<a id="page-195" class="pagenum" title="195"></a><img src="images/i195.jpg" alt="" /> -<p class="cap"> -Unterschriften des Blau. -</p> - -</div> - -<div class="centerpic full"> -<a id="page-196" class="pagenum" title="196"></a><img src="images/i196.jpg" alt="" /> -<p class="cap"> -Bericht des Blau an Leutnant Siebel. -</p> - -</div> - -<div class="centerpic full"> -<a id="page-197" class="pagenum" title="197"></a><img src="images/i197.jpg" alt="" /> -<p class="cap"> -Brief des Blau mit Mordangebot. -</p> - -</div> - -<div class="centerpic full"> -<a id="page-198" class="pagenum" title="198"></a><img src="images/i198.jpg" alt="" /></div> - -<div class="ads chapter"> -<p class="ser"> -<span class="line1">In der Sammlung</span><br /> -<span class="line2">AUSSENSEITER DER GESELLSCHAFT</span><br /> -<span class="line3">– DIE VERBRECHEN DER GEGENWART. –</span><br /> -<span class="line4">erscheinen in kürzester Zeit folgende Bände:</span> -</p> - - <div class="table"> - <div class="volumes"> - <div class="r"> -<p class="v"> -*Band 1: -</p> - -<p class="t"> -<span class="firstline">ALFRED DÖBLIN</span><br /> -DIE BEIDEN FREUNDINNEN UND IHR GIFTMORD -</p> - - </div> - <div class="r"> -<p class="v"> -*Band 2: -</p> - -<p class="t"> -<span class="firstline">EGON ERWIN KISCH</span><br /> -DER FALL DES GENERALSTABSCHEFS REDL -</p> - - </div> - <div class="r"> -<p class="v"> -*Band 3: -</p> - -<p class="t"> -<span class="firstline">EDUARD TRAUTNER</span><br /> -DER MORD AM POLIZEIAGENTEN BLAU -</p> - - </div> - <div class="r"> -<p class="v"> -*Band 4: -</p> - -<p class="t"> -<span class="firstline">ERNST WEISS</span><br /> -DER FALL VUKOBRANKOVICS -</p> - - </div> - <div class="r"> -<p class="v"> -Band 5: -</p> - -<p class="t"> -<span class="firstline">PAUL MAYER</span><br /> -DER FECHENBACHPROZESS -</p> - - </div> - <div class="r"> -<p class="v"> -Band 6: -</p> - -<p class="t"> -<span class="firstline">FRIEDRICH STERNTHAL</span><br /> -DER FALL DER RATHENAUMÖRDER -</p> - - </div> - <div class="r"> -<p class="v"> -Band 7: -</p> - -<p class="t"> -<span class="firstline">RENÉ SCHICKELE</span><br /> -DIE CAILLAUXPROZESSE -</p> - - </div> - <div class="r"> -<p class="v"> -Band 8: -</p> - -<p class="t"> -<span class="firstline">IWAN GOLL</span><br /> -DER FALL DER GERMAINE BERTON -</p> - - </div> - <div class="r"> -<p class="v"> -Band 9: -</p> - -<p class="t"> -<span class="firstline">HENRI BARBUSSE</span><br /> -DIE MATROSEN DES SCHWARZEN MEERES -</p> - - </div> - <div class="r"> -<p class="v"> -Band 10: -</p> - -<p class="t"> -<span class="firstline">HERMANN UNGAR</span><br /> -DER FALL GRUPEN -</p> - - </div> - <div class="r"> -<p class="v"> -Band 11: -</p> - -<p class="t"> -<span class="firstline">ARNOLT BRONNEN</span><br /> -DIE ERMORDUNG DES BÖRSENMAKLERS F. -</p> - - </div> - <div class="r"> -<p class="v"> -Band 12: -</p> - -<p class="t"> -<span class="firstline">KARL OTTEN</span><br /> -DER FALL DES HAUPTMANN VON KÖPENICK -</p> - - </div> - <div class="r"> -<p class="v"> -Band 13: -</p> - -<p class="t"> -<span class="firstline">OTTO KAUS</span><br /> -DER FALL GROSSMANN -</p> - - </div> - <div class="r"> -<p class="v"> -Band 14: -</p> - -<p class="t"> -<span class="firstline">EUGEN ORTNER</span><br /> -DER FALL DES MASSENMÖRDERS SCHUMANN -</p> - - </div> - <div class="r"> -<p class="v"> -Band 15: -</p> - -<p class="t"> -<span class="firstline">KARL FEDERN</span><br /> -DER FALL MURRI-BONMARTINI -</p> - - </div> - <div class="r"> -<p class="v"> -Band 16: -</p> - -<p class="t"> -<span class="firstline">KURT KERSTEN</span><br /> -DER PROZESS GEGEN DIE MOSKAUER SOZIALREVOLUTIONÄRE -</p> - - </div> - <div class="r"> -<p class="v"> -Band 17: -</p> - -<p class="t"> -<span class="firstline">MARTIN BERADT</span><br /> -DER FALL HASSELBACH -</p> - - </div> - <div class="r"> -<p class="v"> -Band 18: -</p> - -<p class="t"> -<span class="firstline">F. A. ANGERMAYER</span><br /> -DER FALL DER PARISER AUTOMOBILBANDITEN -</p> - - </div> - <div class="r"> -<p class="v"> -Band 19: -</p> - -<p class="t"> -<span class="firstline">WILLY HAAS</span><br /> -DER FALL GROSS -</p> - - </div> - <div class="r"> -<p class="v"> -Band 20: -</p> - -<p class="t"> -<span class="firstline">ARTHUR HOLITSCHER</span><br /> -DER FALL RAVACHOL -</p> - - </div> - <div class="r"> -<p class="v"> -Band 21: -</p> - -<p class="t"> -<span class="firstline">JOSEPH ROTH</span><br /> -DER FALL HOFRICHTER -</p> - - </div> - </div> - </div> -<p class="s c"> -Die mit * versehenen Bände sind bereits erschienen. -</p> - -<p class="s c"> -Ferner Bände von: -</p> - -<p class="c"> -MAX BROD, OTTO FLAKE, OSKAR MAURUS FONTANA, -WALTER HASENCLEVER, GEORG KAISER, -THOMAS MANN, LEO MATTHIAS, RENÉ SCHICKELE, -JAKOB WASSERMANN, ALFRED WOLFENSTEIN -und vielen Anderen. -</p> - -</div> - -<div class="frontmatter chapter"> -<p class="printer"> -OHLENROTH’SCHE BUCHDRUCKEREI ERFURT. -</p> - -</div> - -<div class="trnote chapter"> -<p class="transnote"> -Anmerkungen zur Transkription -</p> - -<p class="skip_in_txt"> -Das Cover wurde vom Bearbeiter den ursprünglichen -Bucheinbänden der Serie nachempfunden und der <span class="underline">public domain</span> zur Verfügung gestellt. -</p> - -<p> -Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. -</p> - -</div> - - -<div lang='en' xml:lang='en'> -<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>DER MORD AM POLIZEIAGENTEN BLAU</span> ***</div> -<div style='text-align:left'> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Updated editions will replace the previous one—the old editions will -be renamed. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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Redistribution is subject to the trademark -license, especially commercial redistribution. -</div> - -<div style='margin:0.83em 0; font-size:1.1em; text-align:center'>START: FULL LICENSE<br /> -<span style='font-size:smaller'>THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE<br /> -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK</span> -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -To protect the Project Gutenberg™ mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase “Project -Gutenberg”), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg™ License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg™ electronic works -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.A. 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Information about the Mission of Project Gutenberg™ -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg™’s -goals and ensuring that the Project Gutenberg™ collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg™ and future -generations. 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Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without widespread -public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. 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Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Most people start at our website which has the main PG search -facility: <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -This website includes information about Project Gutenberg™, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. -</div> - -</div> -</div> -</body> -</html> diff --git a/old/67381-h/images/cover.jpg b/old/67381-h/images/cover.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 9c24a8a..0000000 --- a/old/67381-h/images/cover.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/67381-h/images/i018.jpg b/old/67381-h/images/i018.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 100ec2d..0000000 --- a/old/67381-h/images/i018.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/67381-h/images/i029.jpg b/old/67381-h/images/i029.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 33719d2..0000000 --- a/old/67381-h/images/i029.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/67381-h/images/i032.jpg b/old/67381-h/images/i032.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 7fa1f22..0000000 --- a/old/67381-h/images/i032.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/67381-h/images/i107.jpg b/old/67381-h/images/i107.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index c79a0cc..0000000 --- a/old/67381-h/images/i107.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/67381-h/images/i163.jpg b/old/67381-h/images/i163.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 49a5e9b..0000000 --- a/old/67381-h/images/i163.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/67381-h/images/i195.jpg b/old/67381-h/images/i195.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 7f85ae5..0000000 --- a/old/67381-h/images/i195.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/67381-h/images/i196.jpg b/old/67381-h/images/i196.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 51ecc59..0000000 --- a/old/67381-h/images/i196.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/67381-h/images/i197.jpg b/old/67381-h/images/i197.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index ece1a51..0000000 --- a/old/67381-h/images/i197.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/67381-h/images/i198.jpg b/old/67381-h/images/i198.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 6e3b676..0000000 --- a/old/67381-h/images/i198.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/67381-h/images/logo1.jpg b/old/67381-h/images/logo1.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 5405477..0000000 --- a/old/67381-h/images/logo1.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/67381-h/images/logo2.jpg b/old/67381-h/images/logo2.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index d14286d..0000000 --- a/old/67381-h/images/logo2.jpg +++ /dev/null |
