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If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Ansiedlungen in den Urwäldern von Canada. - Ein Wegweiser für Auswandrer nach Amerika von einer Emigrantin. - -Author: Catharine Parr Traill - -Translator: Friedrich Adolph Wiese - -Release Date: January 25, 2021 [eBook #64383] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -Produced by: Matthias Grammel and the Online Distributed Proofreading Team - at https://www.pgdp.net (This file was produced from images - generously made available by The Internet Archive) - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK ANSIEDLUNGEN IN DEN URWÄLDERN VON -CANADA. *** - - - - - Ansiedlungen - in den - Urwäldern von Canada. - - Schilderung des Bodens, Klimas u. s. w. -- Lebensweise - und Beschäftigungen der Ansiedler. -- Durch Erfahrung und - genaue Beobachtung bewährte Vorschriften, betreffend die Niederlassung - und das Gedeihen der neuen Ankömmlinge; mit - vorzüglicher Berücksichtigung der häuslichen Einrichtungen und - dem weiblichen Theil der Ansiedler-Familien zufallenden - Pflichten. - - Ein Wegweiser - für - Auswandrer nach Amerika - von - einer Emigrantin. - - Aus dem Englischen - von - ^Dr.^ F. A. Wiese. - - Mit vielen Abbildungen. - - [Illustration] - - Leipzig, 1837. - Baumgärtners Buchhandlung. - - - - -Einleitung. - - -Unter den vielen, im Verlauf des letzten Jahrzehents über Canada -erschienenen Werken, welche Auswanderung zum Thema haben, ertheilen -nur wenige oder vielleicht nicht ein einziges über die häusliche -Einrichtung der Ansiedler hinreichend genaue Auskunft, um derjenigen, -welche für alle Bequemlichkeiten und den wohlbehaglichen Zustand einer -Familie verantwortlich ist, -- der Hausfrau, welcher die häusliche -Ordnung obliegt, als treuer und sichrer Führer zu dienen. - -Zwar hat ^Dr.^ _Dunlop_ eine geistreiche Flugschrift, betitelt -»^The Backwoodsman^,« (der Urwald-Siedler) herausgegeben, allein sie -geht nicht in die Routine weiblicher Pflichten und Geschäfte, in dem -bezeichneten neuen Wirkungskreise, ein. In der That kann nur die Feder -einer Frau die andre Hälfte von dem beschreiben, was von der innern -Einrichtung und Leitung eines Hauswesens in den Urwäldern zu sagen ist, -sie allein vermag die neuanlangenden weiblichen Auswandrer über die -schwierigen Pflichten und Prüfungen, welche ihrer warten, gehörig zu -unterrichten. - -»Vorausgewarnt, vorausgewaffnet,« ist ein Sprichwort unsrer Vorväter, -das in seiner markigen Kürze viel Stoff zum Nachdenken enthält; seine -Bedeutung im Auge, ist die Verfasserin vorliegenden Werkes bestrebt -gewesen, den Frauen und Töchtern von Auswandrern aus den höheren -Ständen, welche inmitten unsrer canadischen Wildnisse eine Heimath -suchen, jeden nur möglichen Unterricht zu ertheilen. Wahrheit war ihr -Hauptziel, denn es wäre grausam, Leute, die ihre Familie, ihr Vermögen -und ihre Hoffnungen in ein wildfremdes Land versetzen, mit falschen -Hoffnungen zu täuschen und glauben zu machen, daß in diesem Lande -Milch und Honig fließe, und daß es zur Erlangung von Bequemlichkeit -und Ueberfluß daselbst nur geringer Mühe bedürfe. Sie zieht es vor, -gewissenhaft und treu die Dinge in ihrem wahren Lichte darzustellen, -damit der weibliche Theil der Ankömmlinge im Stande sei, den neuen -Verhältnissen kühn ins Gesicht zu blicken, in dem ihm angebornen -Tact und Scharfsinn ein Mittel in vorkommenden Schwierigkeiten zu -finden, und, gehörig vorbereitet, mit jener muthvollen Freudigkeit, -wovon wohlerzogne Frauenzimmer oft außerordentliche Beweise liefern, -dem Uebrigen zu begegnen. Desgleichen wünscht sie, ihnen zu zeigen, -wie vortheilhaft es ist, Alles wegzulassen, was außschließlich jener -künstlichen Verfeinerung des modischen Lebens in England angehört; und -wie sie durch Verwendung des Geldes, welches der Ankauf von dergleichen -mehr lästigen und überflüssigen Artikeln erheischen würde, auf wahrhaft -nützliche Gegenstände, die in Canada nicht leicht zu erlangen sind, -sich das Vergnügen verschaffen können, einem wohlgeordneten Hauswesen -vorzustehen. Sie wünscht ihnen den Vortheil einer dreijährigen -Erfahrung zu sichern, damit sie jeden Theil ihrer Zeit zweckmäßig -anwenden mögen, und lernen, daß alles, sowohl Geld als Geldeswerth, -das irgend einem Gliede der Emigranten-Familie angehört, gewissenhaft -als _Capital_ zu betrachten sei, welches durch Vermehrung entweder des -Einkommens oder der häuslichen Ordnung und Bequemlichkeit seine Zinsen -tragen werde. - -Diese Aussprüche, welche mehr auf Nutzen und Brauchbarkeit, als -künstliche persönliche Verfeinerung abzwecken, sind nicht so unnöthig, -als das Publikum vielleicht meinen dürfte. Die nach dem brittischen -Amerika auswandernden Familien sind nicht mehr von dem Range im Leben, -wie die, welche früher dort eine neue Heimath suchten. Es sind nicht -blos arme Landleute und Handwerker, die in großen Anzahlen dem Westen -zuziehen, sondern auch unternehmende englische Capitalisten, und die -vormals in Ueberfluß lebenden Landeigenthümer, welche, beunruhigt durch -die Schwierigkeit, in einem Lande, wo alle Gewerbe überfüllt sind, eine -zahlreiche Familie in Unabhängigkeit zu erhalten, sich den Schaaren -anschließen, die jährlich aus England nach jenen Colonien strömen. -Von welcher Bedeutung ist es nicht, daß die weiblichen Glieder dieser -Colonien gehörigen Unterricht hinsichtlich der wichtigen Pflichten -erhalten, denen sie sich unterziehen; daß sie sich auf die Mühen -gefaßt machen und vorbereiten, welche ihrer warten, und so Reue und -Mißvergnügen über grundlose Erwartungen und getäuschte Hoffnungen -vermeiden. - -Es ist eine dem Publikum nicht allgemein bekannte Thatsache, daß -brittische Offiziere und ihre Familien gewöhnlich die Bewohner der -Urwälder sind, und da sehr viele außer Dienst stehende Offiziere jedes -Ranges Land-Bewilligungen in Canada erhalten haben, so kann man sie -als die Begründer der Civilisirung in der Wildniß betrachten; und ihre -Frauen, nur zu oft zärtlich erzogen und von vornehmer Abkunft, sehen -sich auf einmal in alle, mit der rohen Lebensweise eines Waldsiedlers -verbundnen Beschwerden und Entbehrungen versenkt. Die Gesetze, welche -die Bewilligung von Grundeigenthum regulieren, nöthigen den Colonisten, -sich auf eine bestimmte Zeit verbindlich zu machen, so wie zur Ausübung -gewisser Pflichten, und verstatten daher, ist einmal die Absteckung des -Bodens erfolgt, keinen Urlaub. Dieselben Gesetze nöthigen sehr weislich -einen Mann von besserer Erziehung, der sowohl im Besitz von Vermögen -als gebildetem Verstand ist, alle seine Kräfte einem bestimmten -Flächenraum ungelichteten Bodens zu widmen. Es läßt sich wohl denken, -daß nur solche, die eine junge Familie in Wohlstand und Unabhängigkeit -zu erhalten wünschen, sich dergleichen Mühseligkeiten unterziehen -werden. Diese Familie macht die Niederlassung eines solchen Ansiedlers -der Colonie noch werther; und der auf halben Sold gesetzte Offizier, -welcher dergestalt gleichsam die Avantgarde der Civilisirung führt und -in jene rohen Distrikte anständige und wohlerzogne weibliche Wesen -bringt, die durch geistige Verfeinerung alles um sich her sänftigen und -veredeln, dient seinem Vaterlande durch Gründung friedlicher Dörfer -und anmuthiger Wohnstätten eben so nachdrücklich, als je zur Zeit des -Kriegs durch persönlichen Muth oder militairische Klugheit. - -Es wird sich im Verfolg dieses Werkes ergeben, daß die Verfasserin, -Damen, welche der höhern Ansiedler-Klasse angehören, die geistigen -Quellen einer besseren Erziehung eben so sehr im Auge zu behalten -empfiehlt, als sie ihnen die Beibehaltung aller unvernünftiger und -künstlicher Bedürfnisse, so wie jedes nutzlose Thun und Treiben -widerräth. Sie mögen ihre Aufmerksamkeit auf die Naturgeschichte, -die Flora dieser neuen Heimath richten, hierin werden sie eine -unerschöpfliche Quelle für Unterhaltung und Belehrung finden, eine -Beschäftigung, die den Geist erleuchtet und erhebt und für den Mangel -an jenen leichteren weiblichen Zeitvertreiben, welche nothwendiger -Weise den gebieterischen häuslichen Pflichten weichen müssen, Ersatz -leisten dürfte. Dem Weibe, welches fähig ist, die Schönheiten der -Natur zu empfinden und den Schöpfer des Weltalls in seinen Werken zu -verehren, eröffnet sich ein reicher Vorrath reiner ungeschminkter -Freuden, die es inmitten der einsamsten Gegend unsrer westlichen -Wildnisse frei von Langerweile und übler Laune erhalten. - -Schreiberin dieser Seiten spricht aus Erfahrung und würde sich sehr -freuen, wenn sie vernehmen sollte, daß die einfachen Quellen, aus -welchen sie selbst so manche Freude geschöpft hat, die Einsamkeit -zukünftiger Ansiedlerinnen in den Urwäldern von Canada zu erheitern -vermögen. - -Als allgemeine Bemerkung für Ansiedler jechlicher Art und jechlichen -Standes, mag hier noch stehen, daß das Ringen nach Unabhängigkeit oft -sehr mühevoll und ohne eine thätige und heitere Lebensgefährtin fast -unmöglich ist. Kinder sollte man frühzeitig die aufopfernde Liebe -schätzen lehren, welche ihre Aeltern zur Ueberwindung des natürlichen -Widerstrebens, das Land ihrer Vorväter, den Schauplatz ihrer frühesten -und glücklichsten Tage, zu verlassen und in einem fernen Welttheile -als Fremdlinge eine neue Wohnstätte zu suchen, neue Banden, neue -Freundschaften zu knüpfen, und gleichsam des Lebens mühevollen Pfad -von neuem anzutreten bestimmte, und alles dies, um ihre Kinder in eine -Lage zu versetzen, worin sie durch Fleiß und Thätigkeit sich stets die -materiellen Bedürfnisse und Bequemlichkeiten des Lebens zu verschaffen -und ihren Nachkommen ein wohlbestelltes Grundeigenthum zu hinterlassen -vermögen. - -Junge Männer söhnen sich bald mit diesem Lande aus, indem es ihnen -dasjenige gewährt, was den größten Reiz für die Jugend hat -- nämlich -große persönliche Freiheit. Ihre Beschäftigungen sind erheiternd -und der Gesundheit zuträglich; ihre Belustigungen, z. B. Jagen, -Schießen, Fischen und Gondeln sind vorzüglich einladend und für viele -bezaubernd. An allen diesen Zeitvertreiben aber können ihre Schwestern -keinen Antheil nehmen, daher die Mühseligkeiten und Beschwerden des -Ansiedler-Lebens insbesondre dem weiblichen Theil der Familie anheim -fallen. Mit einem Hinblick auf Abhülfe dieser Entbehrungen und um zu -zeigen, wie man einige Schwierigkeiten sich erleichtern andre vermeiden -kann, hat die Verfasserin manche ihr nützlich erscheinende Vorschläge -eingestreut. Einfache Wahrheit, durchaus auf persönliche Kenntniß -gestützt, ist die Grundlage des vorliegenden Werkes; eingeflochtne -Erdichtungen hätten es vielleicht manchen Lesern willkommner gemacht, -würden aber auf der andern Seite seiner Brauchbarkeit Abbruch -gethan haben; indeß werden auch Diejenigen, welche keineswegs -die Absicht haben, die Mühseligkeiten und Gefahren des in Rede -stehenden Ansiedler-Lebens zu theilen, wohl aber von Scenen und -Lebens-Verhältnissen, die von denen eines seit langer Zeit civilisirten -Landes so himmelweit verschieden sind, einige Kenntniß zu erlangen -wünschen, ihre Rechnung finden und sowohl Unterhaltung als auch manche -nützliche Lehre daraus schöpfen. - - - - -Die Urwälder von Canada. - - - - -Erster Brief. - - Abfahrt von Greenock in der Brig _Laurel_. -- Beschaffenheit - der Kajüte. -- Reise-Gefährte. -- Mangel an Beschäftigung - und Unterhaltung. -- Des Capitains Goldfinke. -- - - - Brig _Laurel_, Juli 18, 1832. - -_Theuerste Mutter!_ - -Ich erhielt Ihren letzten lieben Brief nur wenige Stunden vor unsrer -Abfahrt von Greenock. Da Sie den Wunsch äußern, eine ausführliche -Beschreibung unsrer Reise von mir zu erhalten, so will ich meine -Mittheilungen von der Zeit unsrer Einschiffung an beginnen, und so oft -schreiben, als mich meine Neigung dazu treibt. Gewiß sollen Sie keinen -Grund haben, über zu kurze Briefe von mir zu klagen, ich fürchte Sie -werden dieselben nur zu lang finden. - -Nach manchem Aufschub, mancher fehlgeschlagnen Erwartung glückte es uns -endlich, eine Gelegenheit zur Ueberfahrt in einer schnell segelnden -Brig, dem _Laurel_ von Greenock, zu finden; und günstige Winde tragen -uns jetzt in reißendem Fluge über den atlantischen Ocean. - -Der _Laurel_ ist kein regelmäßiges Passagier-Schiff, dies aber -betrachte ich als einen Vortheil, denn was wir auf der einen Seite -an Unterhaltung und Mannigfaltigkeit einbüßen, gewinnen wir auf der -andern an Behaglichkeit. Die Kajüte ist recht hübsch aufgeputzt und -ich erfreue mich des Genusses, (denn ein solcher ist es in der That, -in Vergleich zu den schmalen Sitzen der Staats-Kajüte) eines hübschen -Sophas mit rothem Ueberzug, in der großen Kajüte. Die Staats-Kajüte -steht uns auch offen. Wir zahlten für unsre Ueberfahrt nach Montreal -jedes funfzehn Pfund, allerdings ein ziemlich hoher Preis, der aber -jede andre Ausgabe in sich einschließt; und übrigens hatten wir keine -Wahl. Das einzige nach Canada bestimmte Fahrzeug auf dem Flusse war -mit Auswandrern, vorzüglich Holländern aus der niedrigen Klasse, -buchstäblich überfüllt. - -Die einzigen Passagiere in dem _Laurel_, außer uns, sind der Neffe des -Capitains, ein hübscher blondhaariger Bursche von ungefähr funfzehn -Jahren, der die Unkosten für seine Ueberfahrt abarbeitet; und ein -junger Herr, der nach Quebek reist, wo er in einem Handlungshause eine -Anstellung als Commis erhalten hat. Derselbe scheint zu sehr mit seinen -Angelegenheiten beschäftigt, um sehr mittheilend gegen andre zu sein; -er spaziert viel umher, spricht wenig und liest noch weniger; unterhält -sich aber oft mit Singen, wenn er das Deck auf- und abschreitet, seine -Lieblingslieder sind, »_O Heimath, süße Heimath!_« u. s. w.; und jener -treffliche Gesang, »_Schöne Insel_[1]« u. s. w. gewiß eine süße Weise, -und ich kann mir den Zauber, welchen sie für ein am Heimweh leidendes -Herz hat, leicht vorstellen. - -Die Scenerei des Clyde (Fluß) gefiel mir ausnehmend; der Tag, an -welchem wir die Anker lichteten, war heiter und angenehm, und ich -blieb bis spät Abends auf dem Deck. Das Morgenlicht begrüßte unser -Schiff, als es mit einem günstigen Winde von Lande her stattlich durch -den Nordcanal hinsteuerte; an diesem Tage sahen wir die letzte der -Hebriden, und vor Eintritt der Nacht verloren wir die nördliche Küste -von Irland aus den Augen. Eine weite Wasserfläche und über uns der -Himmel sind jetzt unser einziger Anblick, durch nichts unterbrochen, -als wenn sich in weiter Ferne am Saume des Horizonts die kaum zu -unterscheidenden Umrisse eines Fahrzeugs zeigen, -- ein Fleck in -dem unermeßlichen Raume, -- oder dann und wann einige Seevögel -vorübergleiten. - -Es macht mir Vergnügen, diese Wandrer des Oceans, indem sie mit den -hochgehenden Wogen steigen und fallen, oder um unser Schiff flattern, -zu beobachten; und oft denke ich mit Verwunderung darüber nach, woher -sie kommen, nach welchem fernen Ufer sie ihren Flug nehmen, und ob sie -den langen Tag und die finstre Nacht hindurch die wilde Woge zu ihren -Ruheplatz wählen; und dann fallen mir unwillkührlich die Worte des -amerikanischen Dichters _Bryant_ ein: - - »Er der von Zone zu Zone - Durch den grenzenlosen Luftkreis ihren - bestimmten Flug lenkt, - Wird auf dem langen Wege, den ich - allein durchwandern muß, - Meine Schritte richtig leiten.« - -Wiewohl wir noch nicht viel über eine Woche an Bord gewesen sind, -so fängt mich doch schon die Reise zu langweilen an. Ich kann ihre -Einförmigkeit blos mit der Einkerkerung in ein Dorfwirthshaus während -schlechten Wetters vergleichen. Ich habe mich bereits mit allen Büchern -der Schiffs-Bibliothek, die des Lesens werth sind, bekannt gemacht; -unglücklicher Weise besteht sie größtentheils aus alten Novellen und -faden Romanen. - -Wenn das Wetter schön ist, sitze ich auf einer Bank auf dem Deck, -in meinen Mantel gehüllt, und nähe, oder wandle mit meinem Gatten -Arm in Arm umher und schwatze über Pläne für die Zukunft, die wohl -nie verwirklicht werden dürften. Die Männer, welche nicht thätig -beschäftigt sind, verdienen in der That Mitleiden; Frauenzimmer haben -in ihrer Nadel stets ein Zufluchts-Mittel gegen die tödtende Langeweile -eines müßigen Lebens; aber wo ein Mann auf einen engen Raum, wie das -Deck und die Kajüte eines Handelsschiffs, beschränkt ist und nichts zu -sehen, nichts zu hören, nichts zu thun hat, spielt er wirklich eine -sehr bedauernswürdige Rolle. - -Ein einziger Passagier an Bord scheint sich vollkommen glücklich -zu fühlen, wenn man anders nach der Lebhaftigkeit seines Gesanges -schließen darf, womit er uns begrüßt, so oft wir seinem Käfig nahe -kommen. Dies ist »Harry« der Goldfinke des Capitains -- »des _Capitains -Gehülfe_,« wie ihn die Matrosen nennen. Dieses niedliche Geschöpf -hat nicht weniger als zwölf Reisen auf dem _Laurel_ mitgemacht. -»Es ist ihm ganz einerlei, ob sich sein Käfig auf dem Lande oder -auf der See befindet, er ist stets zu Hause,« sagte der Capitain, -seinen kleinen Liebling mit zärtlichen Blicken betrachtend und durch -die Aufmerksamkeit, die wir seinem Vogel widmeten, sich offenbar -geschmeichelt fühlend. - -Ich habe mich bereits mit dem kleinen Gefangnen befreundet. Er verfehlt -nie, meine Annäherung mit einem seiner lieblichsten Gesänge zu -begrüßen, und nimmt ein Stückchen Bisquit von meinen Fingern, welches -er so lange in seinen Krällchen hält, bis er mir mit einigen seiner -klarsten Töne gedankt hat; dieses Zeichen von Anerkennung nennt der -Proviantmeister _sein Tischgebet_. - -Wenn uns der Wind noch länger begünstigen sollte, werden wir uns in -der nächsten Woche an der Küste von Neufundland befinden. Für jetzt -leben Sie wohl. - -Fußnoten: - -[1] England. - - - - -Zweiter Brief. - - Ankunft an der Küste von Neufundland. -- Der Goldfinke singt kurz - vor Entdeckung des Landes. -- Der Meerbusen St. Laurence. -- - Schwierige Fahrt auf dem Flusse. -- Ein französischer Fischer wird - als Lootse angestellt. -- Die Insel Bic. -- Grün-Eiland. -- - Anstellung eines regelmäßigen Lootsen. -- Scenerei von Grün-Eiland. - -- Gros-Eiland. -- Quarantaine-Gesetze. -- Emigranten auf Gros-Eiland. - -- Ankunft vor Quebek. -- Anblick der Stadt und ihrer Umgebungen. - - - Brig _Laurel_, Fluß St. Laurence, August 6, 1832. - -_Theuerste Mutter!_ - -Ich brach meinen letzten Brief aus der einfachen Ursache ab, weil ich -nichts weiter zu schreiben hatte. Ein Tag war gleichsam das Echo des -vorhergehenden, so daß eine Seite aus dem Tagebuche des Unterschiffers -eben so unterhaltend und eben so belehrend gewesen sein würde, als mein -Tagebuch, wofern ich nämlich ein solches während der letzten vierzehn -Tage geführt hätte. - -So arm an Ereignissen war diese ganze Zeit, daß die Erscheinung einer -Anzahl Flaschennasen, einiger Robben und eines Meerschweins[2], -- -wahrscheinlich auf ihrem Wege zu einer Mittags- oder Thee-Gesellschaft -am Nordpol, -- als eine Begebenheit von großer Wichtigkeit betrachtet -wurde. Jeder griff nach seinem Fernglase, als sie sich zeigten, und man -stierte sie an, als wollte man sie in Verlegenheit setzen. - -Den _fünften August_, also gerade einen Monat, nachdem wir die -brittischen Inseln völlig aus den Augen verloren, bekamen wir die Küste -von Neufundland zu Gesicht, und ob sie gleich braun, rauh und öde -erschien, so begrüßte ich doch ihren Anblick mit Entzücken. Nie ist mir -etwas so erfrischend und köstlich vorgekommen, als die kühle Landluft, -welche uns entgegen wehete und uns, wie mich täuchte, Gesundheit und -Freude auf ihren Schwingen zuführte. - -Nicht ohne einiges Befremden gewahrte ich die rastlose Thätigkeit des -oben erwähnten Goldfinken, einige Stunden bevor der Ausruf »_Land!_« -vom Mastkorbe erscholl. Er sang in einem fort, und seine Töne waren -länger, heller und durchdringender als früher; das kleine Geschöpf, -versicherte mir der Capitain, fühlte die Umänderung in der Luft, als -wir uns dem Lande näherten. »Ich verlasse mich,« sagte er, »fast eben -so sehr auf meinen Vogel als auf mein Fernglas, und bin bis jetzt nie -getäuscht worden.« - -Unsre Fortschritte, nachdem wir in den Golf hineingesteuert, waren -etwas langsam und langweilig. Die Strecke durch denselben bis zum -Eingang in den majestätischen Laurence-Fluß beträgt neunzig englische -Meilen, er scheint an und für sich allein ein Ocean zu sein. Die Hälfte -unsrer Zeit bringen wir über der großen Karte in der Kajüte zu, die -mein Gatte unaufhörlich auf- und zurollt, um sich mit den Namen der -fernen Ufer und Inseln, an denen wir vorbeifahren, bekannt zu machen. - -Wir sind bis jetzt ohne Lootsen, und der Capitain, ein vorsichtiger -Seemann, will das Schiff nicht gern an diese gefährliche Fahrt wagen, -daher unsre Reise nur langsam von statten geht. - -Den _siebenten August_. -- Wir erhielten diesen Morgen Besuch von -einem schönen kleinen Vogel, der nicht viel größer war, als ein -Zaunkönig. Ich pries ihn als einen Vogel guter Vorbedeutung -- einen -kleinen Boten, abgesendet, uns in der neuen Welt willkommen zu heißen; -gewiß ich fühlte eine fast kindische Freude bei Erblickung des kleinen -Fremdlings. Es giebt glückliche Momente in unserm Leben, wo wir aus den -unbedeutendsten Dingen große Freude schöpfen, wie Kinder, denen das -einfachste Spielwerk Vergnügen macht. - -Gleich nachdem wir in den Meerbusen hineingesteuert waren, äußerte sich -bei allen an Bord eine sichtbare Veränderung. Der Capitain, ein ernster -schweigsamer Mann, wurde ganz gesprächig. Mein Gatte zeigte sich mehr -als gewöhnlich lebhaft und aufgeregt, ja selbst der gedankenvolle -junge Schotte thauete auf und wurde im buchstäblichen Sinne des Wortes -unterhaltend. Die Schiffsmannschaft entfaltete den regsten Eifer in -Erfüllung ihrer Pflicht, und der Goldfinke sang lustig von Morgen -bis Abend. Was mich betrifft, so war mein Herz voller Hoffnung, die -jedes Gefühl von Zweifel oder Bedauern, welches die Gegenwart hätte -verdüstern oder die Zukunft bewölken können, verdrängte. - -Ich kann jetzt deutlich die Umrisse der Küste auf der Südseite des -Flusses mit meinen Augen verfolgen. Bisweilen hüllen sich die Hochlande -plötzlich in dichte Nebelwolken, die in beständiger Bewegung sind und -in dunkeln Wogen dahin rollen, bald von rosigem Licht gefärbt, bald -weiß und flockig, oder glänzend wie Silber, wenn die Strahlen der Sonne -darauf fallen. So schnell sind die Veränderungen, welche in diesen -Nebelmassen vor sich gehen, daß man, bei dem nächsten Blick darauf, -die Scene wie durch Zauber umgewandelt findet. Der Nebelschleier wird -wie von unsichtbaren Händen emporgehoben, und die wilden bewaldeten -Berge enthüllen sich nebst den kühnen felsigen Ufern und langgedehnten -Buchten zum Theil dem überraschten Auge. Ein andermal zertheilt sich -die Dunstschicht und schwebt gleich hohen Rauchsäulen in den Thälern -und Schluchten hin oder hängt gleich schneeweißen Vorhängen zwischen -den dunkeln Waldkiefern. - -Ich kann mich an diesen seltsam gestalteten Wolken nicht satt sehen; -sie erinnern mich an die schöne Zeit, die ich in den Hochlanden -(schottische) zwischen nebelgekrönten Hügeln des Nordens verlebte. - -Gegenwärtig ist die Luft kalt, und wir haben häufige Windstöße und -Hagelschauer mit gelegentlichem Donnerwetter, gleich darauf ist alles -wieder hell und heiter, und die Luft füllt sich mit Wohlgerüchen, und -Mücken, Bienen und Vögel schwärmen vom Ufer aus hinter uns her. - -_Den achten August._ Wiewohl ich nur mit Gefühlen von Bewunderung -auf der Majestät und Gewalt dieses mächtigen Flusses weilen kann, so -fängt mich doch seine Endlosigkeit zu langweilen an, und ich sehne -mich nach einem nähern Anblick des Ufers; denn vor der Hand sehen -wir in südlicher Richtung nichts als lange Reihen mit Nadelholz -bedeckter Hügel und hier und da ein weißes Fleckchen, wie man mir sagt, -Ansiedlungen und Dörfer; während hohe Berge, von allem Grün entblößt, -auf der Nordseite des Flusses die Aussicht beschränken. Meine Vorliebe -für bergige Gegenden zieht mein Auge gewaltsam nach letztrer Seite, -und ich beobachte mit wahrem Vergnügen die Cultur-Fortschritte dieser -rauhen und unwirthbaren Gegenden. - -Während der letzten zwei Tage haben wir uns ängstlich nach einem -Lootsen umgesehen, der das Schiff nach Quebek geleiten soll. Es sind -mehre Signal-Schüsse gethan worden, aber bisher ohne Erfolg; kein -Lootse hat uns bis jetzt mit einem Besuche beehrt, und so befinden wir -uns gleichsam auf einer Station, ohne Wagenlenker und blos mit einer -der Führung der Zügel unkundigen Hand. Ich bemerke bereits einige -Zeichen von Ungeduld unter uns, aber Niemand tadelt den Capitain, der -sich sehr besorgt bei der Sache zeigt, da der Fluß mit Felsen und -Untiefen gefüllt ist und demjenigen, der nicht genau mit der Fahrt in -dieser Gegend vertraut ist, große Schwierigkeiten entgegengesetzt. -Ueberdies ist er den Unternehmern für die Sicherheit des Schiffs -verantwortlich, im Fall er einen Lootsen an Bord zu nehmen unterläßt. - -Während ich obige Bemerkungen niederschrieb, wurde ich plötzlich -durch einen Lärm auf dem Deck gestört, und als ich hinaufging, um die -Ursache kennen zu lernen, erfuhr ich, daß ein Boot mit dem so lange -ersehnten Lootsen vom Ufer abgestoßen sei; allein nach allem Lärm und -Durcheinanderlaufen ergab sichs, daß es nur ein französischer Fischer -nebst einem armseligen zerlumpten Jungen, seinem Gehülfen, war. Der -Capitain bewog ohne große Schwierigkeit Monsieur _Paul Breton_, uns -bis Grün-Eiland, eine Strecke von einigen hundert englischen Meilen -den Fluß weiter aufwärts zu geleiten, wo wir, wenn nicht noch früher, -seiner Versicherung nach, einen regelmäßigen Lootsen finden würden. - -Es fällt mir etwas schwer, Monsieur _Paul_ zu verstehen, da er einen -besondern Dialect spricht; aber er scheint ein guter Mensch zu sein und -zeigt sich sehr gefällig. Wie er uns erzählt, ist das Getraide zur Zeit -noch grün und kaum in der Aehre, und die Sommerfrüchte sind noch nicht -reif, indeß meint er, daß wir zu Quebek Aepfel und andre Früchte in -Ueberfluß finden werden. - -Je weiter wir den Fluß hinaufkommen, desto einladender und anmuthiger -wird der Anblick des Landes auf beiden Seiten. Grüne Fleckchen mit -weißen Hütten zeigen sich auf den Ufern und längs den Berg-Abhängen -ausgestreut; während hier und da eine Dorfkirche mit ihrem Thurme -hervorgukt, der mit seiner blitzenden Fahne und hellem Zinndache die -umgebenden Gebäude überragt. Die südlichen Ufer sind besser bevölkert, -aber nicht so malerisch als die nördlichen, indeß bieten beide Seiten -dem Auge viel Erfreuliches dar. - -Diesen Morgen ankerten wir im Angesicht der Insel Bic, einem -niedlichen, niedrigen, mit Bäumen bedeckten und recht einladenden -Eiland. Ich fühlte großes Verlangen, meinen Fuß auf canadischen Boden -zu setzen, und muß gestehen, daß es mich etwas verdroß, als mir der -Capitain rieth, an Bord zu bleiben, und die Gesellschaft, welche -sich vorbereitete, ans Ufer zu gehen, nicht zu begleiten; mein Gatte -unterstützte den Wunsch des Capitains, und ich begnügte mich damit, -vom Schiffe aus meine Augen auf die reichen Laubmassen zu richten, -welche ein leichtes Lüftchen hin und her bewegte. Indeß hatte ich -bald Ursache, dankbar zu sein, daß ich meinem eigensinnigen Wunsch -nicht gewillfahrtet, denn Nachmittags wurde es trübe und neblich, -und bei der Rückkehr des Bootes erfuhr ich, daß der Boden gerade da, -wo die Gesellschaft gelandet, morastig sei, und daß sie bis über die -Fußknöchel ins Wasser eingesunken. Sie hatten die Insel kniehoch mit -üppigem rothen Klee, schlanken Bäumen, niedrigem Strauchwerk und einem -Ueberfluß von wilden Blumen bedeckt gefunden. - -Um mich einigermaßen dafür zu entschädigen, daß ich ihn nicht -hatte begleiten dürfen, überreichte mir mein Gatte bei seiner -Rückkehr ein prächtiges Bouquet, das er für mich gesammelt. Unter -den Blumen befanden sich süß duftende rothe Rosen, derjenigen nicht -unähnlich, welche wir in Schottland die pimpinellenblättrige Rose -(^burnet-leaved^) nennen, mit glatten glänzenden Blättern und wenigen -oder gar keinen Dornen; ferner das Lungenkraut (^Pulmonaria^) welches -ich häufig in den Hochlanden gepflückt habe; eine Zucker-Erbse mit -rothen Blüthen und blaßgrünen Blätter-Ranken; eine weiße Orchis, von -entzückendem Geruch; und außer diesen verschiedne kleine, weiße und -gelbe Blumen, die mir völlig unbekannt waren. Der Proviantmeister -versah mich mit einem Porzelankruge und frischem Wasser, so daß ich -während des Restes unsrer Reise den Genuß eines schönen Blumen-Straußes -haben werde. Die Matrosen hatten nicht vergessen, ein oder zwei -buschige Aeste zur Schmückung des Schiffs mitzubringen, und der -Vogelkäfig war bald in eine kleine Laube umgestaltet. - -Obgleich das Wetter jetzt sehr schön ist, so machen wir doch nur -langsame Fortschritte; der Wind bläst von allen Seiten, nur nicht von -der rechten. Wir schwimmen mit der Fluth vorwärts, werfen, wenn diese -uns verläßt, die Anker aus und warten dann so geduldig als möglich, -bis es wieder Zeit ist, dieselben zu lichten. Zu meiner Unterhaltung -mustre ich bald die Dörfer und Ansiedlungen durch das Fernglas des -Capitains, bald belauere ich das Erscheinen der weißen, zwischen den -Wogen schaukelnden Meerschweine (^porpoises^). Diese Thiere sind -von milchweißer Farbe und haben nichts von dem ekelhaften Aeußern -der schwarzen. Dann und wann steckt eine Robbe ihr drolliges Haupt -dicht neben dem Schiffe aus dem Wasser hervor, ganz so aussehend wie -_Sindbad's_ kleiner Meer-Greis[3]. - -Es ist ein glücklicher Umstand für mich, daß meine Liebe zur -Naturgeschichte mir mancherlei Gegenstände, die vielen der Beachtung -unwerth erscheinen, zu Quellen der Unterhaltung und Belehrung macht. -Das einfachste Kräutchen, das auf meinem Pfade wächst, die unscheinbare -Mücke, welche um mich her summt, gewährt mir Stoff zum Nachsinnen und -zur freudigen Bewunderung. - -Wir befinden uns jetzt im Angesicht von Grün-Eiland. Es ist die größte -und, meines Bedünkens, eine der bevölkertsten Inseln, an denen wir -bisher vorbeigekommen sind. Mit jeder Minute nimmt die Scenerei an -Schönheit zu. - -So weit das Auge reichen kann, sieht man das Ufer dicht mit Dörfern -und Meiereien in einer fast ununterbrochnen Linie bedeckt. Auf -der Südseite glänzt und funkelt Alles von den Zinndächern der -ansehnlicheren Gebäude; die übrigen Häuser sind mit weiß übertünchten -Schindeln gedeckt. Letztere gefallen mir weniger als die einfachen -(nicht angestrichnen) Schindeln; die weiße Farbe der Dächer der -Hütten und Hausstätten blendet das Auge, und vergebens sieht man -sich zur Erleichterung nach Schiefer- oder Stroh-Dächern um; die -Schindeln, in ihrem natürlichen Zustande, erlangen bald das Ansehn -von Schieferplatten, so daß man sie kaum davon unterscheiden kann. -Was würden Sie zu einem rosenroth angestrichnen Hause mit einem Dache -von derselben muntern Farbe, und auf der Vorderseite mit grünen -Fensterladen, grünen Thüren und einer grünen Verandah (Vorhalle) -sagen. Jedenfalls ist das Innere in entsprechendem Geschmack verziert. -In der Regel bemerkt man in einem canadischen Dorfe, ein oder mehre -dergleichen rosenfarbne Häuser, die sich durch ihr prahlendes Aeußere -vor ihren bescheidnern Brüdern auszeichnen. - -_Den elften August._ -- Gleich unter Grün-Eiland nahmen wir einen -wirklichen Lootsen an Bord, den ich indeß, beiläufig gesagt, nicht -halb so gut leiden kann, als Herrn _Paul_. Er ist etwas superklug -und scheint sich offenbar nicht wenig auf seine überlegne Kenntniß -des Flußes einzubilden. Der gutmüthige Fischer verließ seinen Posten -mit recht gefälligem Anstand und scheint mit seinem geschickteren -Nebenbuhler bereits ziemlich befreundet zu sein. Ich meines Theils -gerieth in große Sorge, als der neue Lootse an Bord kam; das erste -was er that, war, daß er uns einen gedruckten Zettel einhändigte, -welcher Verordnungen von Seiten des Gesundheit-Ausschusses zu Quebek -hinsichtlich der Cholera enthielt, die, nach seiner Aussage, sowohl an -diesem Orte als zu Montreal wahrhaft pestartig wüthet. - -Diese Verordnungen verbieten sowohl dem Capitain als dem Lootsen, unter -Androhung schwerer Strafe im Unterlassungsfall, ausdrücklich, irgend -Jemand, sei es von der Schiffsmannschaft oder den Passagieren, ohne -vorherige strenge Untersuchung von Seiten der Quarantaine-Anstalt aus -dem Schiffe zu entlassen. - -Dies war für alle höchst unangenehm und ärgerlich, besonders da der -Capitain an demselben Morgen den Vorschlag gethan hatte, daß er uns -an einem anmuthigen Orte, Namens Kranich-Insel landen wolle, damit -wir den Nachmittag bis zur Rückkehr der Fluthzeit in dem Hause eines -angesehnen Schotten zubringen könnten, der die beste Ansiedelung, -sowohl in Hinsicht der Gebäude als Anlage des Bodens, die mir bis jetzt -zu Gesicht gekommen, daselbst besitzt. - -Die Lage der Insel ist an sich selbst sehr schön. Um sie her fluthet -der gewaltige St. Laurence-Fluß, auf seinen Wogen den Handel -verschiedner Nationen tragend; im Vordergrunde sind die volkreichen -und lebhaften Ansiedelungen der südlichen Ufer, während dahinter und -weit darüber hinaus sich die hohe Bergkette nach Norden zu erhebt, -gegenwärtig dicht mit Dörfern, anmuthigen Meiereien und angebauten -Feldern bedeckt. Die Insel selbst zeigte uns ebne freie Plätze und -smaragdgrüne Wiesen, nebst Obstpflanzungen und Kornfeldern, die sanft -abwärts nach dem Wasser-Rande verliefen. Nach einer Einkerkerung von -ziemlich fünf Wochen an Bord des Schiffs, können Sie sich leicht -vorstellen, mit welcher Freude uns die Aussicht erfüllte, einige -Stunden an diesem einladendem Orte zuzubringen. - -Wir hoffen, diesen Abend den Quarantaine-Platz (Gros-Eiland) zu -erreichen, wo wir, wie uns der Lootse sagt, drei Tage werden verweilen -müssen. Ob wir uns gleich alle einer guten Gesundheit erfreuen, -so müssen wir doch, weil wir aus einem inficirten Hafen kommen, -Quarantaine halten und dürfen nicht landen. - -_Den zwölften August._ Wir erreichten Gros-Eiland gestern Abend, --- eine schöne felsige Insel, mit Buchen-, Birken-, Eschen- und -Tannen-Wäldchen bedeckt. Es liegen hier verschiedne Schiffe dicht -am Ufer vor Anker, eins davon führt das traurige Krankheitssymbol, -die gelbe Flagge; es ist ein Passagier-Schiff und hat Pocken- und -Masern-Kranke unter seiner Mannschaft. Sobald sich an Bord Zeichen von -ansteckenden Krankheiten äußern, wird die gelbe Flagge aufgesteckt, und -die Erkrankten werden in das Cholera-Hospital oder hölzerne Gebäude -geschafft, welches auf einer Anhöhe des Ufers errichtet worden ist. Es -ist mit Palisaden und einer Soldaten-Wache umgeben. - -In einer kleinen Entfernung vom Hospital steht ein temporäres Castell -mit einer Besatzung, zur Aufrechterhaltung und Einschärfung der -Quarantaine-Vorschriften. Diese Vorschriften gelten als sehr mangelhaft -und in mancher Hinsicht als völlig ungereimt; in der That bringen sie -den unglücklichen Emigranten bedeutende Nachtheile[4]. - -Wenn die Passagiere und Mannschaft eines Schiffs eine gewisse Anzahl -nicht übersteigen, so ist es ihnen, unter Verantwortlichkeit sowohl des -Capitains als des Uebertreters, nicht erlaubt, zu landen; überschreiten -sie dagegen die festgesetzte Zahl, -- sie seien nun krank oder gesund, -so müssen beide -- Passagiere und Mannschaft -- ans Land gehen, ihre -Betten und Kleider mitnehmen, die man auf dem Ufer ausbreitet, um -sie zu waschen, zu lüften und zu durchräuchern, wodurch die Gesunden -nothwendiger Weise jeder Gelegenheit zur Ansteckung von Seiten der -Kranken ausgesetzt werden. - -Die Schuppen und Gebäude zur Aufnahme derjenigen, die sich den -Quarantaine-Gesetzen unterziehen müssen, stehen in der unmittelbaren -Nähe des Hospitals. - -Nichts kann größer sein, als mein sehnsüchtiges Verlangen nach der -Erlaubniß zum Landen und zur Durchforschung dieser malerischen Insel; -das Wetter ist so schön, und die unter dem Einfluß kühler Lüftchen -hin und her wogenden grünen Wäldchen, die kleinen felsigen Baien und -Einbuchten der Insel erscheinen so reizend und lockend! -- aber allen -meinen Bitten setzte der besuchende Arzt, welcher an Bord des Schiffs -kam, ein entschiedenes Nein entgegen. - -Wenige Stunden nach seinem Besuche indeß langte ein indianischer Korb, -gefüllt mit Stachelbeeren und Himbeeren, nebst einem Strauße wilder -Blumen und dem Compliment dieses Arztes an Bord unsers Kerkers an. - -Ich unterhalte mich mit Entwerfung kleiner Skitzen des Castells und -der umgebenden Landschaft oder beobachte die am Ufer umherwandelnden -Auswandrer-Gruppen. Wir haben bereits die Passagiere von drei -Emigranten-Schiffen landen sehen. Man glaubt, einen Meßplatz oder mit -Menschen überfüllten Markt vor sich zu haben: Kleider flattern im Winde -oder liegen auf dem Erdboden ausgebreitet; überall stößt das Auge -auf Kisten, Bündel, Körbe; auf Männer, Weiber und Kinder, die theils -schlafen, theils sich in der Sonne weiden; einige sind mit Ordnung -ihrer Güter beschäftigt, die Weiber waschen und kochen unter freiem -Himmel, neben den Holz-Feuern, die auf dem Strande lodern; während -hier und da Gruppen von Kindern in fröhlicher Ausgelassenheit einander -haschen und jagen, ihre neuerlangte Freiheit genießend. Mit diesen -vermischt zeigen sich die stattlichen Gestalten und bunten Uniformen -der Schildwachen, während der dünne blaugraue Rauch der brennenden -Holzstöße sich langsam über die Bäume wegwälzt und die malerische -Wirkung der Scene erhöht. Als mein Gatte die Aufmerksamkeit eines -Offiziers vom Castell, der an Bord des Schiffs gekommen war, auf die -malerische Erscheinung vor uns lenkte, erwiederte dieser mit einem -traurigen Lächeln: »Glauben Sie mir, daß in gegenwärtigem Falle, so -wie in vielen andern, nur die Ferne dem Anblick einen Zauber verleiht; -könnten Sie einige von jenen so heiter erscheinenden Gruppen, die Sie -bewundern, näher betrachten, so würden Sie, denk' ich, ihr Auge mit -siechem Herzen davon abkehren; Sie würden hier die Krankheit in allen -ihren Formen, Sie würden Laster, Armuth, Schmuz und Hungersnoth -- das -menschliche Elend in seinen grellsten Farben und in der abscheulichsten -Gestalt erblicken, Scenen, wie sie nur der Pinsel eines _Hogarth_ zu -malen, oder die Feder eines _Crabbe_ zu schildern vermöchte.« - -_Den vierzehnten August._ -- Wir haben die Anker wieder gelichtet -und schwimmen mit der Fluth stromaufwärts. Gros-Eiland liegt gerade -fünfundzwanzig englische Meilen unterhalb Quebek, ein günstiger Wind -würde uns binnen wenigen Stunden dahin führen; vor der Hand kommen wir -nur kleine Strecken vorwärts und legen, wenn uns die Fluth verlassen, -bald an dem einen, bald an dem andern Ufer an. Indeß macht mir diese -Art zu steuern Vergnügen, indem sie mir Gelegenheit verschafft, beide -Seiten des Flusses, der sich, je mehr wir uns Quebek nähern, immer mehr -und mehr verschmälert, genauer kennen zu lernen. Morgen werden wir, -wofern kein Hinderniß eintritt, im Angesicht eines Ortes ankern, der -sowohl wegen der geschichtlichen Erinnerung, welche er weckt, als auch -wegen seiner natürlichen schönen Lage alle Aufmerksamkeit verdient. Bis -Morgen also Adieu. - -Ich rechnete sehr darauf, die Wasserfälle von Montmorenci zu sehen, die -sich im Angesicht des Flusses befinden; allein die Sonne ging unter, -und die Sterne stiegen glänzend am Himmel empor, ehe wir das Geräusch -des Katarakts vernahmen; und ob ich gleich meine Augen anstrengte, -bis ich es müde wurde, die von den Schatten der Nacht verschleierte -Scenerei anzustarren, so konnte ich doch nichts als die dunkeln, den -Canal bildenden Felsen-Massen erkennen, zwischen welchen hindurch die -Wassermassen des Montmorenci in den St. Laurence-Fluß strömen. - -Am zehnten August, Nachts Um zehn Uhr schimmerten uns die Lichter der -Stadt Quebek aus der Ferne, wies ein Sternen-Kranz über dem Wasser, -entgegen. Um halb elf Uhr ließen wir der Citadelle gegenüber die Anker -fallen, und ich versank in Schlaf, von den mannigfaltigen Scenen -träumend, an denen ich vorbeigekommen war. - -Abermals sollte ich in meiner Erwartung, das Ufer zu betreten, -getäuscht werden. Der besuchende Arzt rieth meinem Gatten und mir, ja -nicht ans Land zu gehen, indem die immer noch in der Stadt herrschende -Sterblichkeit dies sehr gefährlich mache. Er gab uns eine traurige -Schilderung von dem Platze. »_Oede und Wehe und große Trauer_, -- -_Rahel_ beweint ihre Kinder, denn sie sind nicht mehr!« sind Worte, die -man passend auf diesen von der Seuche heimgesuchten Ort anwenden kann. - -Nichts ist wohl imposanter als die Lage von Quebek, welche die Seiten -und den Gipfel eines großartigen Felsen einnimmt, auf dessen höchstem -Punkte (Cap Diamant) das Castell steht, welches den Fluß beherrscht -und eine treffliche Aussicht auf die umgebende Gegend gewährt. Die -Einbuße dieses edeln Anblicks war mir in der That sehr unlieb, und -gewiß dürfte mir nie seines Gleichen vorkommen; er würde noch lange in -meiner Erinnerung fortgelebt und, nachdem ich bereits Jahre lang in -der Einsamkeit der canadischen Wälder begraben gewesen, meinen Augen -vorgeschwebt haben. - -Die Anhöhen gegenüber, die sogenannte Point Levi-Seite, sind höchst -malerisch, jedoch weniger gebietend als der Felsen, vorauf die Stadt -steht. Das Ufer ist steinig, abschüssig und mit Bäumen bekleidet, -die sich bis an den Rand des Wassers erstrecken, ausgenommen da, -wo sie gefällt worden sind, um weißübertünchten Hütten, Gärten und -Obstpflanzungen Platz zu machen. Allein meiner Ansicht nach würde diese -höchst romantische Lage eine noch weit schönere Wirkung hervorbringen, -wenn man auf die Gebäude und Anlage des Bodens mehr Geschmack verwendet -hätte. Wie reizend und anziehend würde ein solcher Platz in England -oder Schottland geworden sein. Die Natur hat hier alles gethan, der -Mensch aber nur wenig, und die hier und da von ihm errichteten plumpen -hölzernen Häuser, welche eben so elend als geschmacklos sind, geben ihm -eben keine Ansprüche auf Lob. Es ist indes möglich, daß weiter aufwärts -hübsche Dörfer und Häuser vorkommen, die jedoch durch die dazwischen -liegenden Wäldchen dem Auge entzogen werden. - -Von Point Levi bis zu den Landungsstufen unterhalb des Zollhauses in -Quebek soll der Fluß gerade eine englische Meile breit sein; es war -sehr unterhaltend für mich, die Fährböte zwischen den beiden Ufern -spielen zu sehen. Wie mir der Capitain sagte, sind hier nicht weniger -als zwölf dergleichen seltsam aussehende Maschinen im Gange. Sie -haben jedes seine bestimmten Stunden, so daß man sie in fortwährender -Aufeinanderfolge kommen und gehen sieht. Die Zusammengruppirung von -allerlei Passagiren macht ihren Anblick ebenfalls eigenthümlich; -schlecht- und gutgekleidete, alte und junge, arme und reiche Leute; -Rinder, Schafe, Pferde, Schweine und Hunde, Geflügel, Marktkörbe, -Gemüse, Früchte, Heu, Korn, kurz Alles, was man sich nur denken kann, -gleiten darauf über den Fluß. - - [Illustration: _Katarakt zu Montmorenci._ St. 25.] - -Die Fährböte sind flach, rings herum mit Gitterwerk als Brustwehr -versehen, und haben an jedem Ende ein Weiden-Flechtwerk zur Aufnahme -der lebendigen und leblosen Ladung; die Mitte des Bootes, wenn man -es so nennen kann, nehmen vier magre, abgetriebne Pferde ein, die im -Kreise gehen, wie bei einer Dreschmaschine, und die Ruderschaufeln zu -beiden Seiten in Bewegung setzen. Für das Vieh ist eine Art Hürde da. - -Wie ich höre, ist man gegenwärtig mit Errichtung eines Denkmals zu -Ehren des General _Wolf_ im Gouverneurs-Garten, welcher an den St. -Laurence stößt und von Point Levi aus gesehen werden kann, beschäftigt. -Ueber die Inschrift ist man noch nicht einig[5]. - -Der Capitain ist so eben von der Stadt zurückgekehrt. Recht gütig -hat er für mich einen Korb mit reifen Aepfeln, frischem Fleisch, -Gemüse, Brod und Butter an Bord gebracht. Auf dem Deck wimmelt es von -Zollbeamten und Leuten, die einen Theil der Schiffs-Fracht, welche -hauptsächlich in Rum, Branntwein, Zucker und Kohlen als Ballast -besteht, ausladen. Gegen fünf Uhr Abends sind wir gesonnen, Quebek -zu verlassen. Das _brittische Amerika_, ein prächtiges Dampfschiff -mit dreifachem Deck, wird uns bis Montreal bugsiren (ins Schlepptau -nehmen). Für jetzt muß ich Ihnen Lebewohl sagen. - -Fußnoten: - -[2] ^Delphinus Phocaena.^ - -[3] Siehe des Seemann's Sindbad Reisen in den arabischen Mährchen -(Tausend und eine Nacht). - -[4] Es ist zu hoffen, daß die Regierung diesen mangelhaften und -nachtheiligen Gesetzen abhelfen werde, da sie in der That zu -wiederholten Malen gerade die Uebel, welche der Gesundheits-Ausschuß -von der Colonie abzuhalten wünscht, für die armen Auswandrer -herbeigeführt haben. - -Manches schätzbare Leben ist durch die zu nahe Zusammengesellung der -Gesunden mit den Angesteckten muthwillig geopfert worden, nicht zu -gedenken der vielen andern Leiden, Ausgaben und Unbequemlichkeiten, die -man dem heimathslosen Wandrer wohl ersparen könnte. - -Müssen nun einmal Quarantaine-Gesetze bestehen, -- und ich halte sie -für ein nothwendiges Uebel, -- so sollte man wenigstens alles thun, um -sie für die Emigranten so wenig drückend und nachtheilig, als möglich -zu machen. - -[5] Seit jener Zeit, zu welcher die Verfasserin Quebek besuchte, -ist _Wolf's_ Denkmal vollendet worden. Lord _Dalhousie_ hat in der -Weihschrift der Säule mit eben so viel Geschmack als Gefühl, die Namen -der beiden mit einander wetteifernden Helden, _Wolf_ und _Montcalm_, -vereinigt, eine Freisinnigkeit, welche den canadischen Franzosen nur -angenehm sein kann, während sie dem brittischen Krieger nichts von -seinem Ruhme entzieht. - -Der Entwurf zu dem Monument ist das Werk Major _Young's_ vom 97. -Regiment. Die Höhe des Untersatzes, vom Fußboden aus, beträgt vierzehn -Fuß; auf dem Untersatz ruht ein sieben Fuß, drei Zoll hoher Sarcophag, -und von diesem erhebt sich eine zweiundvierzig Fuß, acht Zoll hohe -Spitzsäule; die Breite der letztern, an der Grundfläche, beträgt sechs -Fuß, die Dicke vier Fuß, acht Zoll. J. C. _Fisher_, ^L. L. D.^ erhielt -für nachstehende Inschrift auf den Sarg eine Preis-Medaille: -- - - ^Mortem virtus communem - Famam Historia - Monumentum Posteritas - Dedit.^ - -Auf dem Untersatz über der Schwelle ist eine Inschrift von ^Dr.^ -_Mill's_ Feder, welche Lord _Dalhousie_, den Statthalter von -Unter-Canada, als Kostenbestreiter nennt, und die Todestage von _Wolf_ -und _Montcalm_, den 13. und 14. Septbr. 1759 angiebt. _Wolf_ fiel auf -dem Schlachtfelde; und _Montcalm_, durch die einzige Kanone im Besitz -der Engländer verwundet, starb am folgenden Tage nach der Schlacht. - - - - -Dritter Brief. - - Abfahrt von Quebek. -- Wir werden von einem Dampfschiffe bugsirt. -- - Fruchtbarkeit des Landes. -- Verschiedne Gegenstände, die sich uns - beim Hinaufsteuern des Flusses darbieten. -- Ankunft vor Montreal. -- - Die Stromschnellen (Rapids). - - - Brig _Laurel_, St. Laurence, unterhalb Montreal, - August 17, 1832. - -Es war nach Sonnenuntergang und ein schöner Abend, als wir Quebek -verließen, was in Gesellschaft eines schönen Dampfschiffs geschah, -dessen Deck und Gallerie von Passagiren aller Art wimmelten; in der -That ein herrliches Fahrzeug, auf welchem das Auge mit Vergnügen -weilte; es durchpflügte stattlich das Wasser, welches unter seinen -Ruderschaufeln schäumte und rauschte; während unsre Brig mit ihren -weißen Segeln, gleich einem Schmetterling, seiner Spur folgte. Am -Himmel glühte das schönste Rosenroth und Orangengelb, welche sich -unten im Fluße abspiegelten; dann kamen die Sterne zum Vorschein und -leuchteten in dem reinen blauen Aether, glänzender, als ich sie je in -der Heimath gesehen, was sich, meines Bedünkens, wohl der größeren -Reinheit der Atmosphäre zuschreiben lassen dürfte. Mein Gatte sagte, -daß dieser Abend einem italienischen Sonnen-Untergang gleiche. - -Unsre Fahrt war höchst angenehm; das Wetter war mäßig warm, und die -Luft völlig rein und heiter. Wir haben während der letzten wenigen Tage -eine kalte, feuchte Atmosphäre, wie wir sie oft während des Frühlings -in England erfahren, mit einem wonnevollen, durch leichte, vom Flusse -her wehende Lüftchen gekühlten Sommer vertauscht. - -Je weiter wir landeinwärts kommen, desto fruchtbarer erscheint -die Gegend. Die Saaten reifen unter einem milderen Klima, als das -unterhalb Quebek ist. Wir sehen Felder mit indianischem Korn in voller -Blüthe; eine stattliche Getraideart, mit schöner federartiger, reich -purpurfarbiger Aehre, unter welcher sich Büschel von blaßgrünen, -seidenähnlichen Blättern im Winde hin- und herbewegen. Nachdem diese -Pflanze ihre völlige Reife erlangt hat, soll es ein schöner Anblick -sein, die goldnen Körner aus ihrer Silber-Scheide hervorbersten zu -sehen; zugleich ist dieselbe dem Froste sehr ausgesetzt und hat manche -Feinde: als Bäre, Racuns (Waschbäre), Eichhörnchen, Mäuse, Vögel u. s. -w. - -Wir sehen längs den Ufern des Flusses mehre Tabacks-Felder, welche -einen gesunden und gedeihlichen Anblick zeigen. Wie ich glaube, wird -in beiden Provinzen Taback in ziemlicher Ausdehnung erbaut; allein der -canadische Taback wird nicht so hoch geschätzt, als der virginische. - -An der Vereinigungsstelle des Richelieu Flusses mit dem St. Laurence -liegt eine blühende Stadt, vormals Sorel, jetzt aber Fort William Henry -genannt. Ihre Lage ist vortrefflich. Sie hat mehre Kirchen, ein Castell -mit Mühlen und andern öffentlichen Gebäuden, und darunter einige schöne -massive Häuser. Der Boden in der unmittelbaren Nähe der Stadt indeß -scheint leicht und sandig zu sein. - -Ich hatte sehr gewünscht ein Log-Haus oder eine Shanty (Hütte) in der -Nähe zu sehen, und fand mich hinsichtlich der wenigen, längs den Ufern -des Flusses errichteten Gebäude dieser Art etwas in meinen Erwartungen -getäuscht; es war nicht sowohl die Rohheit des Materials als vielmehr -die scheunenartige Form derselben, und die geringe Rücksichtsnahme -auf malerische Wirkung in ihrer Anlage, welche mir mißfielen. In -England besitzt selbst der Bauer so viel Geschmack, einige Rosen- oder -Geisblatt-Sträucher vor Thür und Fenster zu pflanzen, wozu noch ein -kleines eingefriedigtes schmuckes Gärtchen kommt; aber hier gewahrt -man keinen solchen Versuch zur Verschönerung der Hütten. Wir sehen -keinen lachenden Obstgarten oder Strauch, der die nackten Holz-Wände -verdeckte; und was die kleinen Meiereien anlangt, so sind sie noch -häßlicher und ohne allen Geschmack dicht an den Wasserrand gebaut. - -Weiter nach hinten erscheint ein verschiedner Bau- und Cultur-Styl: die -Meiereien und hölzernen Häuser sind recht hübsche, von gutem Geschmack -zeigende Gebäude, mit hier und da ausgestreuten Baumgruppen zur -Unterbrechung der Einförmigkeit. - -Das Land ist eine fast ununterbrochne platte Ebne, und augenfällig -fruchtbar und gut angebaut, aber zu flach, um eine malerische Wirkung -hervorzubringen. Die Gegend zwischen Quebek und Montreal hat ganz -das Ansehen eines seit langer Zeit unter Cultur befindlichen Bodens, -vorzüglich auf dem rechten Flußufer. Indeß ist noch ein großer Theil -Wald übrig, dessen Lichtung noch vieljährige Arbeit erheischen wird. - -Wir kamen an einigen grasreichen Eilanden vorbei, worauf manche -Viehheerde weidete. Ich zerbrach mir den Kopf, wie sie dahin kämen; der -Capitain erklärte mir aber, daß es Brauch der Meierei-Besitzer sei, -ihr Vieh auf diese futterreichen Inseln in Nachen mit flachen Böden zu -transportiren oder, wo es nicht zu tief sei, hinüber schwimmen, und es -so lange, als das Futter gut befunden werde, dort zu lassen. Werden -Kühe auf ein Eiland, innerhalb einer angemeßnen Entfernung von der -Meierei, versetzt, so geht täglich jemand in einem Kahne dahin ab, um -sie zu melken. Als er mir dies erzählte, ruderten eben ein Knabe und -ein stämmiges Mädchen, mit zinnernen Gelten, in einem kleinen Nachen -vom Ufer her quer durch den Fluß, um ihre Heerden zusammen zu rufen. - -Auf unsrer Weiterfahrt bemerkten wir zur Rechten einige höchst -anmuthige Dörfer, aber unser Lootse war etwas einfältig und konnte oder -wollte uns ihre Namen nicht nennen. Es war Sonntags früh; wir konnten -eben das Läuten der Kirchthurm-Glocken vernehmen, und es zeigten sich -lange Reihen von Caleschen, leichten Wagen, Reitern und Fußgängern, -welche durch die zum Kirchhof führende Allee vorübereilten; außer -diesen glitten Boote über den Fluß, welche demselben Friedens-Hafen -zusteuerten. - -In einem Theil des St. Laurence, wo Untiefen und Sandbänke die Fahrt -durch das Flußbett schwierig machen, gewahrt man kleinen Wassermühlen -ähnelnde Leuchtthürme, auf hölzernen Pfählen, die sich über die flachen -Ufer erheben, auf welchen sie errichtet sind. Diese drolligen Thürme -oder Hüttchen waren bewohnt, und von einem derselben herab sahen wir -eine lustige Gesellschaft, in ihrem Feststaate, mit einer andern in -einem unten haltenden Kahne zur Kurzweil plaudern. Ihrem Aeußern nach -waren sie wohl, und in der That recht vergnügt, indeß beneidete ich -ihnen ihre Lage nicht, die, meines Bedünkens, der Gesundheit nicht -anders als nachtheilig sein kann. - -Einige (englische) Meilen unter Montreal gewann die Gegend ein -reicheres und volkreicheres Ansehn; und die in weiter Ferne am Saume -des Horizonts sich hindehnende blaue Bergkette fügte der Landschaft -keinen kleinen Reiz hinzu. Die reiche Gluth der reifen Saaten bildete -einen schönen Contrast mit dem azurnen Himmel und der bläulichen -Wasserfläche des St. Laurence. Die Fluß-Scenerei unweit Montreal -ist von der unterhalb Quebek sehr verschieden; letztere hat einen -wilden rauhen Anblick, und ihre Erzeugnisse sind offenbar die eines -kältern, weniger von der Natur begünstigten Klimas. Was der letztern -an Großartigkeit und malerischer Wirkung abgeht, ersetzt sie reichlich -durch Fruchtbarkeit des Bodens und wärmere Temperatur. In dem untern -Theil der Provinz merkt man nur zu sehr, daß die Betriebsamkeit der -Bewohner einem widerspänstigen Boden das nöthige Brod abzwingt; während -in dem oberen das Land willig scheint, eine mäßige Anstrengung mit -Erfolg zu belohnen. Man vergesse nicht, daß dies blos die flüchtigen -Bemerkungen einer schnell vorüberwandernden Reisenden sind und sich -keineswegs auf persönliche Erfahrung gründen. - -Ein Gefühl von Angst und Furcht, das wir einander nicht gern gestehen -mochten, um nicht als schwach zu erscheinen, lastete auf unsern -Gemüthern, als wir uns der angesteckten Stadt näherten; aber Niemand -sprach nur ein Wort davon. Mit welchem ungemischten Entzücken, mit -welcher Bewunderung würden wir zu jeder andern Zeit die sich vor unsern -Augen erschließende Scene betrachtet haben. - -Der Fluß breitet sich hier in ein weites Becken aus, welches mit Inseln -gefüllt ist, auf deren größter Montreal liegt. - -Der hohe Berg, wovon die Stadt ihren Namen hat, erhebt sich gleich -einer Krone über dieselbe und bildet einen eigenthümlichen und -großartigen Zug in der schönen Landschaft, der mich an einige einzeln -stehende Felsen in der Nachbarschaft von Inverneß erinnerte. - -Quebek gegenüber, gerade vor den Flußschnellen (^Rapids^) ist die -Insel St. _Helens_ gelegen, ein Ort von unbeschreiblicher Anmuth. Die -Mitte derselben nimmt ein Wäldchen von hohen Bäumen ein, während die -sanft nach dem Wasser zu geneigten Ufer mit dem grünsten Rasen bedeckt -sind. Dieses schöne Schauspiel wurde noch durch die Erscheinung der auf -der Insel in Garnison liegenden Truppen erhöht. - -Die Flußufer, dicht mit trefflich angebauten Meiereien besetzt; das -Dorf la Prairie, mit der kleinen Insel St. _Ann's_ in der Ferne; -die blitzenden Thürme und Dächer der Stadt mit ihren Gärten und -Landhäusern, -- gewähren in dem sanften Glanze eines canadischen -Sonnenuntergangs einen über die Maaßen lieblichen Anblick. - -Die zum Abendgebet läutenden Kirchen-Glocken, das murmelnde Getös -menschlicher Stimmen, vom Ufer her, mischten sich harmonisch mit dem -Rauschen der Flußschnellen. Diese Flußschnellen (^Rapids^) werden -durch eine Senkung des Flußbetts gebildet. An einigen Stellen ist -die Neigung allmälig, an andern aber plötzlich und abgebrochen. Wo -der Wasserstrom durch Kalkstein- oder Granit-Massen gehindert ist, -wie bei den Cascaden, den Cedern und dem Long-Sault, erzeugt er -Strudel und Katarakte. Aber die Flußschnellen unterhalb Montreal sind -nicht von diesem großartigen Charakter, man erkennt sie blos an der -ungewöhnlichen Geschwindigkeit des fließenden Wassers, und an der -Trübung der Oberfläche durch Schaum, Wellenschlagen und Wirbel. Um mich -kurz zu fassen, ich fand meine Erwartung, etwas besonders Erhabenes zu -sehen, getäuscht, und war gewissermaßen halb ärgerlich über diese sich -so kleinlich und unbedeutend zeigenden Flußschnellen, durch die uns -unser treuer Gefährte, das mit dem Namen _Brittsch-Amerika_ bezeichnete -Schiff, glücklich und wohlbehalten bugsirte. - -Da der Capitain ungewiß ist, wie lange er sich in Montreal wird -aufhalten müssen, so sende ich diesen Brief ohne weiteren Aufschub ab, -und denke sobald als möglich wieder zu schreiben. - - - - -Vierter Brief. - - Landung zu Montreal. -- Erscheinung der Stadt. -- Verheerungen der - Cholera. -- Wohlthätigkeits-Anstalten zu Montreal. -- Katholische - Cathedrale. -- Unter- und Ober-Stadt, Gesellschaft und Unterhaltung - im Hotel. -- Die Verfasserin wird von der Cholera befallen. -- - Abreise von Montreal im Postwagen. -- Einschiffung zu Lachine an Bord - eines Dampf-Schiffes. -- Abwechselndes Reisen in Dampfschiffen und - Postwagen. -- Erscheinung des Landes. -- Manufacturen. -- Oefen, in - einiger Entfernung von den Hütten. -- Zieh-Brunnen. -- Ankunft zu - Cornwall. -- Bedienung im Gasthause. -- Abreise von Cornwall, und - Ankunft zu Prescott. -- Ankunft zu Brockwille. -- Dasiger - Stapelplatz. -- Reise durch den See Ontario. -- Ankunft zu Cobourg. -- - - - Nelson Hotel, Montreal. August 21. - -Wieder einmal auf festem Grund und Boden, Theuerste Mutter! welches -eigenthümliche Gefühl ist es doch, das feste Land wieder zu betreten, -erlößt von der schwankenden Bewegung des Schiffes auf dem wogenden -Wasser, dem ich jetzt wirklich mit Freuden Lebewohl sagte. - -Mit Tagesanbruch war Jedermann an Bord aus dem Bette und traf -geschäftig alle Vorbereitungen, ans Land zu gehen. Der Capitain selbst -gab uns verbindlichst das Geleite und ging mit uns bis zum Gasthof, wo -wir jetzt logiren. - -Es machte uns einige Schwierigkeit, ans Ufer zu gelangen, wegen -der schlechten Beschaffenheit des Landungsplatzes. Der Fluß war -mit treibenden Baumstämmen gefüllt, zwischen welchen das Boot -hindurchzusteuern, einige Geschicklichkeit erforderte. Es wird jetzt -ein Kai gebaut[6], dessen Nothwendigkeit sich nur zu fühlbar gemacht -hat. - -Zunächst fielen uns die schmuzigen, engen, schlecht oder gar nicht -gepflasterten Straßen der Vorstädte auf, und zugleich betäubte uns -der niedrige, aus einem tiefen, offnen, längs der Straße hinter dem -Kai verlaufenden Graben aufsteigende Dunst. Dieser Graben schien zur -Aufnahme jedes Unflathes bestimmt und an sich allein hinreichend, die -ganze Stadt mit bösartigen Fiebern zu inficiren[7]. - -Bei meiner ersten Bekanntschaft mit dem Innern von Montreal, einem -Orte, wovon Reisende so viel gesagt haben, fand ich mich sehr -getäuscht. Ich verglich es in Gedanken mit den Früchten des todten -Meeres, die schön und lockend anzuschauen sind, aber blos Asche und -Bitterkeit geben, wenn sie der durstige Reisende kostet[8]. - -Ich bemerkte einen besondern Zug an den Gebäuden der sich im Angesicht -des Flusses hinziehenden Vorstadt, -- nämlich daß sie meistentheils von -dem untersten bis zum obersten Stockwerk mit breiten hölzernen Balcons -versehen waren. In einigen Fällen umgeben diese Balcons die Häuser auf -drei Seiten und scheinen eine Art Außengemächer zu bilden; zu einigen -derselben führten breite Treppen von außen hinauf. - -Ich erinnerte mich, als Kind von dergleichen Häusern geträumt und sie -sehr einladend gefunden zu haben, auch könnten sie dies wirklich sein, -wenn sie von rankendem Strauchwerk beschattet und mit Blumen geschmückt -wären, um gleichsam schwebende Gärtchen oder süßduftende Laubengänge -abzugeben. Aber nichts der Art erfreute unsre Augen, als wir mühsam -durch die langen Straßen wanderten. Alle Gasthäuser und Herbergen waren -bis unters Dach hinauf mit Auswandrern jedes Alters, aus England, -Schottland und Irland, überfüllt. Die Laute wilder Ausgelassenheit, -welche aus ihnen hervorbrachen, schienen sich schlecht mit den bleichen -eingefallnen Gesichtern mancher dieser gedankenlosen Lärmer zu -vertragen. - -Der Contrast war für den, der diese Entfaltung äußerer Lustigkeit bei -innerem Elend zu würdigen verstand, nur zu fühlbar und schmerzlich. - -Die Cholera hatte grauenvolle Niederlagen angerichtet, und ihre -heillosen Wirkungen waren an den verschloßnen und verdunkelten -Wohnungen und an den Trauerkleidern aller Klassen zu erkennen. Ein -Ausdruck von Niedergeschlagenheit und Angst zeigte sich in den -Gesichtern der wenigen Menschen, welchen wir auf unserm Wege nach dem -Gasthause begegneten, und verriethen uns deutlich den Zustand ihres -Innern. - -In einigen Stadttheilen waren ganze Straßen fast entvölkert; die, -welche konnten, flohen, von Schrecken ergriffen, auf die Dörfer, -während andre zurück blieben, um im Schooße ihrer Familie zu sterben. - -Keiner Klasse hat sich die Krankheit so verderblich gezeigt, als den -ärmern Emigranten. Viele von diesen, geschwächt durch die Entbehrungen -und Strapazen einer langen Reise, überließen sich, als sie Quebek oder -Montreal erreicht, jeder Ausschweifung, jedem Uebermaß -- vorzüglich -der Völlerei, und gleichsam als hätten sie sich vorsätzlich den Weg zum -gewissen Verderben gebahnt, fielen sie unmittelbare Opfer der Krankheit. - -In einem Hause starben elf Menschen, in einem andern siebzehn; ein -kleines siebenjähriges Kind blieb allein übrig, das traurige Ereigniß -zu verkünden. Diese arme verlassene Waise nahmen die Nonnen in ihre -wohlthätige Anstalt auf und erwiesen ihr jede Aufmerksamkeit, welche -Menschenliebe nur immer fordern kann. - -Die Zahl sowohl aus Katholiken als Protestanten bestehender -Wohlthätigkeits-Vereine ist beträchtlich, und diese entfalten eine -Duldsamkeit und Freisinnigkeit, welche beiden Confessionen zur Ehre -gereicht, indem sie einzig und allein von dem Geiste christlicher Liebe -beseelt erscheinen. - -Ich wüßte keinen Ort, selbst London nicht ausgenommen, wo die -Ausübung wohlwollender Gesinnungen so sehr hervorgefordert würde, als -in diesen beiden Städten, Quebek und Montreal. Hier vereinigen sich -die Unglücklichen, die von den erforderlichen Mitteln Entblößten, die -hülflose Waise, die Bejahrten, der arme aber tugendhafte Mann, den die -strenge Hand der Nothwendigkeit aus seiner Heimath von seinem Herde -getrieben hat, um in einem fernen, fremden Lande von Krankheit oder -Mangel dahin gerafft zu werden. - -Es ist ein trauriger Umstand, daß sehr viele der ärmsten Auswandrer, -die unter dem Einfluß der Cholera ihr Leben verloren, keine Spur -hinterlassen haben, wodurch ihre bekümmerten Freunde im alten -Vaterlande über ihr Schicksal in Kenntniß gesetzt werden könnten. Die -Krankheit ist so plötzlich, so heftig, daß sie dem Befallnen keine Zeit -zu Ordnung weltlicher Angelegenheiten übrig läßt. Die Aufforderung -kommt, nicht wie an _Hesekiah_: »Bringe dein Haus in Ordnung, denn du -sollst sterben, und nicht leben!« - -Das Wetter ist drückend heiß, von häufigen Gewitter-Schauern begleitet, -die aber keineswegs die Wirkung haben, welche man davon erwartet, denn -sie kühlen die erhitzte Atmosphäre keineswegs ab. Ich fühle einen Grad -von Abspannung und Mattigkeit, der mich sehr verstimmt und schlimmer -ist als wirklicher Schmerz. - -Anstatt diesen Ort mit der ersten Gelegenheit nach der oberen Provinz -verlassen zu können, wie wir uns fest vorgenommen, sehen wir uns -genöthigt, zwei Tage länger zu bleiben, woran die Weitläufigkeit und -Umständlichkeit der Zollbeamten in Untersuchung unsers Gepäckes schuld -ist. - -Die Hitze war fortwährend so drückend, daß sie mir nur wenige Ausflüge -aus dem Hause verstattete. Ich habe, ausgenommen die Straßen in der -Nähe des Gasthofs und die katholische Kirche, wenig von der Stadt und -ihren öffentlichen Gebäuden gesehn. Die Kathedrale erhielt meinen -Beifall; sie ist in der That ein schönes Gotteshaus, jedoch immer noch -unvollendet; so sind die Thürme nicht zu der ursprünglich bestimmten -Höhe geführt. Das östliche Fenster, hinter dem Altar, ist siebzig Fuß -hoch und dreiunddreißig Fuß breit. Die Wirkung dieses großartigen -Fensters, dem Eingange gegenüber, der Altar mit seinen Zierrathen und -Gemälden, die verschiednen kleinern Altäre und Kapellen, sämmtlich -mit Gegenständen aus der heiligen Schrift verziert, die leichten -Gallerien, welche den mittlern Theil der Kirche umgeben, die doppelte -Säulen-Reihe, worauf das gewölbte Dach ruht, und die Bogenfenster, -Alles vereinigt sich zur Bildung eines schönen Ganzen. Am meisten -erfreute mich die äußerste Leichtigkeit des Baustyls, dagegen erschien -mir der Anstrich der Säulen in Nachahmung von Marmor zu grob und zu -grell; ich vermißte die ernste ehrwürdige Weihe, welche das Alter -unsern Kirchen und Cathedralen verliehen hat. Die in grauen Stein -gehauenen, grimmig blickenden Köpfe und geflügelten Engel, deren -befremdendes Ansehn selbst von einer Zeit erzählt, wo unsre Vorväter -innerhalb der geweiheten Mauern ihren Schöpfer verehrten, erhöhen den -feierlichen Eindruck und die Ehrwürdigkeit unsrer Gotteshäuser. Allein, -wenn sich auch die neue Kirche zu Montreal nicht mit unsrer Yorker-, -Münster- oder Westmünster-Abtei oder andern unsrer heiligen Gebäude -vergleichen darf, so verdient sie doch jedenfalls die Beachtung des -Reisenden, der in Canada auf nichts Aehnliches stößt. - -Außerdem enthält Montreal verschiedne Collegien und Nonnen-Klöster, -ein Hospital für Kranke, verschiedne katholische und protestantische -Kirchen, Versammlungshäuser, ein Wachhaus und mehre andre öffentliche -Gebäude. - -Der an den Fluß grenzende Stadttheil ist ausschließlich für den -Handel bestimmt. Seine engen, schmuzigen Straßen und dunkeln Häuser, -mit schweren eisernen Fensterladen, machen einen unangenehmen Eindruck -auf den brittischen Reisenden; der andre Theil der Stadt jedoch zeigt -ein verschiedenes und besseres Ansehn, die Häuser sind hier mit Gärten -und angenehmen Spaziergängen untermengt, die sich aus den Fenstern -des Ballsaals im Nelson Hotel dem Auge recht hübsch darstellen. Der -eben erwähnte Ballsaal, welcher von der Decke bis zum Fußboden grob -mit canadischer Scenerei und Waldlandschaften bemalt ist, gewährt eine -prächtige Aussicht auf die Stadt, den Fluß und die ganze Umgegend, -welche die fernen Berge von Chamblay, die Ufer des St. Laurence gegen -la Prairie hin, und die Stromschnellen ober- und unterhalb der Insel -St. Anne's in sich schließt. Der Königliche Berg (Mont Real) mit seinen -bewaldeten Seiten, seiner reichen Scenerei und seiner Stadt mit ihren -Straßen und öffentlichen Gebäuden entfalten sich den Blicken, und das -Auge, welches solchen Gegenständen begegnet, kann der Scenerei von -Montreal seinen Beifall nicht versagen. - -Unser Wirth, ein Italiener von Geburt und Besitzer des Hotels, erweist -uns die größte Aufmerksamkeit. Die Bedienung ist äußerst anständig -und zuvorkommend, und die Gesellschaft, mit welcher wir im Gasthofe -zusammen treffen, hauptsächlich Auswandrer, wie wir, nebst einigen -lebhaften Franzosen, Männern und Weibern, sehr achtbar. Der Tisch ist -gut besetzt, und der Preis für Kost und Logis täglich ein Dollar[9]. - -Die mannigfaltigen Charaktere, aus welchen unsre Tischgesellschaft -besteht, gewähren mir viel Unterhaltung. Einige unter den Auswandrern -scheinen äußerst sanguinische Hoffnungen zu nähren, sie sind, ihren -Aeußerungen nach, eines glücklichen Erfolgs gewiß und glauben auf keine -Schwierigkeiten in Ausführung ihrer Pläne zu stoßen. Einen Contrast mit -diesen bildet einer meiner Landsleute, der so eben aus dem westlichen -Distrikt auf seiner Rückreise nach England hier eingetroffen ist; er -beschwört uns, ja nicht weiter aufwärts in diesem abscheulichen Lande -zu reisen, wie er die obere Provinz mit sichtbaren Nachdruck zu nennen -beliebt, versichernd, daß er um keinen Preis in der Welt darin leben -möchte. - -Die Lesung von _Cattermole's_ Flugschrift _über Auswanderung_ hatte -ihn bestimmt, ein hübsches Pachtgut zu verlassen und sich mit seiner -ganzen Habe nach Canada einzuschiffen. Aufgemuntert durch den Rath -eines Freundes in diesem Lande, kaufte er einen Strich wilden Bodens -im westlichen Distrikt; »aber Sir,« sagte er, indem er seine Worte -mit großer Aufregung an meinen Gatten richtete, »ich fand mich aufs -schändlichste betrogen. Solcher Boden, eine solche Gegend -- nein um -alles in der Welt hätte ich nicht da bleiben mögen. Wahrlich! nicht ein -Tropfen gutes Wasser, keine eßbare Kartoffel ist daselbst zu erlangen. -Ich lebte zwei ganze Monate in einem kleinen Schuppen, den sie Shanty -nennen, und wäre fast bei lebendigem Leibe von Musquitos aufgezehrt -worden. Es gab nichts zu essen als eingesalznes Schweinfleisch, mit -einem Wort, das Elend und die Widerwärtigkeiten waren unerträglich; -meine landwirthschaftlichen Kenntnisse und Erfahrungen, als englischer -Pachter, halfen mir übrigens fast gar nichts, denn man weiß daselbst -nichts von Meiereien und Pachtgütern. Es würde mir das Herz gebrochen -haben, wenn ich zwischen den Baumstummeln hätte arbeiten sollen, ohne -je etwas einem wohlgepflügten Felde Aehnliches zu sehen. Und dann,« -fügte er in sanfterem Tone hinzu, »dachte ich an meine arme Frau und -meine kleine Tochter. Ich selbst würde, um meine Verhältnisse zu -verbessern, mich allenfalls ein Jahr oder noch länger in dieser Wildniß -herumgeplackt haben, aber die Arme! -- nein! ich hätte das Herz nicht -gehabt, sie den Bequemlichkeiten Englands zu entreißen und in eine -Wohnung einzuführen, die nicht so gut ist, als einer unsrer Kuhställe -oder Schuppen, und so will ich denn in meine Heimath zurückkehren; und -wenn ich nicht meinen Nachbarn erzähle, was für ein abscheuliches Land -dieses Canada ist, wohin auszuwandern Alle wie verrückt sind, und wofür -sie ihre Pachte aufgeben, so soll man mir nie wieder ein Wort glauben.« - -Es fruchtete nichts, daß einige Anwesende ihm zeigten, wie ungereimt es -sei, zurückzukehren, ehe er alles gehörig geprüft und versucht habe; er -erwiederte ihnen blos, sie wären Thoren, wenn sie in einem Lande, wie -dieses, blieben; und endete mit Verwünschung derjenigen, welche ihre -Landsleute durch ihre falschen Berichte und Angaben täuschten und auf -einigen Seiten sämmtliche Vortheile zusammen stellten, ohne einen Band -mit den Nachtheilen zu füllen, was doch sehr leicht sein würde. - -»Die Menschen sind nur zu geneigt, sowohl sich als andre zu betrügen,« -sagte mein Gatte, »und haben sie ihre Seele einmal auf einen Gegenstand -gerichtet, so pflegen sie blos das zu lesen und zu glauben, was ihren -Wünschen entspricht.« - -Der junge erbitterte Mann hatte sich offenbar in seinen Erwartungen -getäuscht gesehen, als er nicht alles so schön und angenehm wie -in der Heimath fand. Er hatte wahrscheinlich nie über die Sache -nachgedacht, denn andernfalls würde er nicht so thörigt gewesen sein, -vorauszusetzen, daß er bei seinem ersten Ansiedelungs-Versuch auf -keine Schwierigkeiten stoßen werde. Wir haben uns auf nicht wenige -Hindernisse und Entbehrungen gefaßt gemacht, und doch dürften uns noch -manche unvorhergesehene begegnen, ob wir gleich durch die Briefe unsers -canadischen Freundes so ziemlich von allem in Kenntniß gesetzt sind. - -Unsre Plätze in dem nach Lachine abgehenden Postwagen sind bereits -gemiethet, und wenn alles gut geht, so verlassen wir Montreal Morgen -früh. Unsre Koffer, Schachteln u. s. w. gehen vor uns nach Cobourg ab. --- August =22=. - - _Cobourg_, den 29. August. - -Am Schluß meines letzten Briefes meldete ich Ihnen, Theuerste Mutter, -daß wir Montreal am folgenden Tage früh verlassen würden; allein das -Schicksal hatte anders über uns verfügt, und wir erfuhren die Wahrheit -jener Worte: -- »Rühme dich nicht dessen, was du morgen thun willst, -denn du weißt nicht, was die nächste Stunde mit sich bringen wird.« In -der Frühe besagten Morgens, noch vor Sonnenaufgang, wurde ich von den -Symptomen der verderblichen Krankheit heimgesucht, die so manche Häuser -verödet hat. Ich zwar zu krank, um meine Reise antreten zu können, -und hörte mit schwerem Herzen die knarrenden Räder vom Thorwege des -Gasthofs über das Pflaster rumpeln. - -Ich wurde stündlich schlechter, bis mir die Schwester der Wirthin, -ein treffliches junges Frauenzimmer, die mir schon zuvor große -Aufmerksamkeit erzeigt, nach einem Arzt zu senden rieth; mein Gatte, -der, als er mich so leiden sah, fast in Verzweiflung war, eilte -sogleich fort, um den besten ärztlichen Beistand herbeizuholen. Nach -einigem Verzug war ein Arzt ausfindig gemacht. Ich litt zu dieser -Zeit furchtbare Qualen, fühlte mich aber nach einem Aderlaß und den -nachfolgenden heftigen Krankheits-Anfällen etwas erleichtert. Ich -will mich in keine umständliche Schilderung meiner Leiden einlassen, -genüge es, zu sagen, daß sie fast unerträglich waren; aber Gott in -seiner Gnade, obwohl er mich züchtigte und mit Schmerzen heimsuchte, -wollte mich noch nicht sterben lassen. Von den weiblichen Gliedern des -Hauses erfuhr ich die liebreichste Behandlung. Anstatt aus Furcht das -Krankenzimmer zu fliehen, stritten sich die beiden irischen Mädchen -fast mit einander, welche von beiden bei mir bleiben und meiner warten -und pflegen sollte, während _Jane Taylor_, das zuvor erwähnte achtbare -Frauenzimmer, mich von dem Augenblick an, wo meine Krankheit auf eine -so beunruhigende Weise zunahm, bis zur eintretenden Besserung nicht -eine Minute verließ und mit eigner Lebensgefahr, wenn der innere Kampf -eintrat, in die Arme nahm, an ihre Brust drückte und abwechselnd bald -mir zuredete, bald meinen armen trauernden Gatten zu trösten suchte. - -Die angewendeten Mittel waren Aderlaß, Opium, blaue Pillen und ein -Neutralsalz -- aber nicht das gewöhnliche Epsomer. Die Cur zeigte sich -wirksam, wiewohl ich viele Stunden hindurch an heftigem Kopfweh und -andern Zufällen litt. Die Schwäche und das leichte Fieber, welche an -die Stelle der Cholera traten, fesselten mich einige Tage an das Bett; -während der beiden ersten besuchte mich mein Arzt täglich viermal; -er war sehr theilnehmend, und als er erfahren, daß ich die Gattin -eines brittischen auf seinem Wege nach der oberen Provinz begriffnen -Offiziers sei, schien er sich für meine Wiedergenesung mehr als jemals -zu interessiren, und zeigte eine Theilnahme für uns, die unsern -Gefühlen äußerst wohlthätig war. Nach einem lästigen Krankenlager von -mehren Tagen wurde ich endlich für so weit genesen erklärt, um meine -Reise antreten zu können, indeß war ich noch sehr schwach und konnte -mich kaum aufrecht erhalten. - -Die Sonne war noch nicht aufgegangen, als der Postwagen, der uns nach -Lachine, die ersten neun (englischen) Meilen unsrer Reiseroute, führen -sollte, vor der Thür des Gasthofs erschien, und wir von einem Orte, wo -wir der angstvollen Stunden so viele, der fröhlichen so wenige erlebt, -Abschied nahmen. Indeß war uns von unsern Umgebungen im Gasthofe, -obgleich vollkommnen Fremden, viel Liebes und Gutes wiederfahren, wir -hatten uns jener Gastfreundschaft erfreut, wegen welcher Montreal so -oft gerühmt worden ist. - -Ich habe vergessen, Ihnen in meinem letzten Briefe zu sagen, daß wir -Bekanntschaft mit einem höchst achtbaren Kaufmann an diesem Platze -gemacht, der uns sehr nützliche Belehrung über viele Dinge ertheilt -und bei seiner Gattin, einem äußerst gebildeten und vollendeten jungen -Frauenzimmer eingeführt hat. Während unsrer kurzen Bekanntschaft -brachten wir, sehr zu unsrer Zufriedenheit, einige angenehme Stunden in -ihrem Hause zu. - -Ich genoß des frischen Luftstroms vom Flusse her, längs welchem sich -die Fahrstraße hinzieht. Es war ein herrlicher Anblick, die unbewölkte -Sonne hinter der fernen Bergkette emporsteigen zu sehen; unter uns -lagen die wild brausenden Stromschnellen, dort die Insel _St. Anne's_, -welche uns an _Moore's_ canadisches Bootsmanns-Liedchen »Laßt zu St. -_Anne's_ uns singen den Abschiedsgesang« u. s. w. erinnerte. - -Das Ufer des St. Laurence, längs welchem unser Weg liegt, ist hier -erhabner als bei Montreal, auf seiner Höhe mit Buschholz bekleidet -und gelegentlich durch schmale Abzugs-Gräben zum Ableiten des Wassers -unterbrochen. Der Boden war, so viel als ich davon sehen konnte, sandig -oder leichtlehmig. Ich sah hier zuerst die wilde Weinrebe sich zwischen -den jungen Bäumchen hinranken, deßgleichen Brombeerbüsche und einen -Ueberfluß von jener hohen gelben Blume, die wir Goldruthe (^Solidago -virga aurea^) nennen, ferner das weiße Gnaphalium (Ruhrkraut), -dasselbe, woraus die französischen und schweizer Bauer-Mädchen -Kränze zur Schmückung der Gräber ihrer Freunde flechten und die sie -_Immortelle_ (Unsterblichkeitsblume) nennen[10]; endlich eine hohe, -purpurblumige Baldrian-Art, die auf den Feldern unter dem Korn eben so -häufig steht, als die Ochsenzunge auf unsern leichten Sandfeldern in -England. - -Zu Lachine stiegen wir aus dem Postwagen und gingen an Bord eines -Dampfboots, eines recht hübschen und mit jeder Bequemlichkeit versehnen -Fahrzeugs. Die Fahrt den Fluß hinauf machte mir viel Freude, und -überhaupt würde ich die Reise sehr angenehm gefunden haben, wäre ich -nicht durch meine nur erst überstandne Krankheit so sehr geschwächt -gewesen, daß mir die holperigen Straßen sehr viel zu schaffen machten. -Das Fuhrwerk anlangend, ein canadischer Postwagen, so verdient es weit -größeres Lob, als Reisende ihm gewöhnlich zu ertheilen beliebt haben, -und es ist für die Wege, auf welchen es hin- und hergeht, so wohl -geeignet, daß ich zweifle, ob es mit einem zweckmäßigeren vertauscht -werden könne. Dieser Wagen faßt neun Personen: drei hinten, drei vorn, -und drei in der Mitte; der Mittel-Sitz, welcher in breiten Lederriemen -hängt, ist bei weitem der bequemste, und hat für die Inhaber nur den -Nachtheil daß sie durch das Aus- und Einsteigen der Passagiere gestört -werden. - -Gewiß ist das Reisen mit so weniger Störung für den Passagier als -möglich verbunden, hat man sein Passagier-Geld zu Prescott entrichtet, -so braucht man für weiter nichts zu sorgen. So wie der Reisende das -Dampfboot verläßt, steht auch schon der Postwagen zur Aufnahme seiner -Person und seines Gepäckes, das auf ein gewisses Verhältniß beschränkt -ist, bereit; ist der Postwagen an Ort und Stelle angelangt, so ist -wieder das Dampfboot da, wo man jede Bequemlichkeit findet. - -Außer ihrer eignen Ladung nehmen die Dampfschiffe stromaufwärts in -der Regel verschiedne andre Fahrzeuge ins Schlepptau. Wir bugsirten zu -einer Zeit drei Durham-Böte und überdies mehre kleine Nachen, die dem -Auge jedenfalls Abwechselung und Unterhaltung gewährten. - -Mit Ausnahme von Quebek und Montreal, muß ich der obern Provinz den -Vorzug geben. Die Scenerei, wenn auch nicht so großartig, ist doch mehr -geeignet, dem Auge zu gefallen, indem sich überall Spuren von reger -Betriebsamkeit, Fülle und Fruchtbarkeit zeigt. Wenn ich im Postwagen -auf der Straße dahinrolle, entzücken mich die Nettigkeit, Reinlichkeit -und das bequeme, behagliche Ansehn der Bauerhütten und Meiereien. -Log-Häuser oder Shanty's kommen nur selten vor, an ihre Stelle sind -hübsch gezimmerte, in besserem Styl gebaute und oft mit Bleiweiß oder -blaßerbsgrün angestrichne Wohnungen getreten. Im Umkreise dieser -Hausstätten erblickt man Obstgärten, deren Bäume von der reichen Last, --- Aepfel, Pflaumen, und der amerikanische Holzapfel, jene schöne -scharlachrothe Frucht, die wir im Vaterlande so häufig eingemacht als -Dessert genießen, -- niedergebogen waren. - -Hier gewahrt man kein Zeichen von Armuth oder dem in ihrem Gefolge -einhergehenden Elend; keine zerlumpten, schmuzigen Kinder wälzen sich -im Kothe oder Staube herum; wohl aber stößt man auf manche hübsche, -vor der Hüttenthür spinnende Dirne, mit ihren glänzenden Augen und -wohlgeordneten Flechten, während die jüngeren Mädchen auf dem grünen -Schwaden oder der Hausschwelle sitzen und stricken und lustig wie die -Vöglein bei ihrer Arbeit singen. - -Die großen Spinnräder, welche hier zu Lande zum Spinnen der Wolle -üblich sind, haben etwas sehr Malerisches, und wenn die canadischen -Mädchen auf gefällige Haltung des Körpers und zierliche Bewegungen -bedacht wären, so könnte nichts geeigneter sein, eine schöne Körperform -in vortheilhaftestem Lichte zu zeigen, als das Spinnen mit diesem Rade. -Die Spinnerin sitzt nicht, sondern geht hin und her, zieht das Garn mit -der einen Hand aus und dreht mit der andern das Rad. - -Ich bemerkte oft, wenn wir an den Meier-Hütten vorüber kamen, -Garn von verschiedner Farbe an den Einfriedigungen der Gärten und -Obstpflanzungen zum Trocknen aufgehängt, allerlei Farben: Grün, Blau, -Purpur, Braun, Roth und Weiß wechselten mit einander ab. Eine artige -Wirthin, vor deren Schenke wir hielten, um die Pferde zu wechseln, -sagte mir, daß dieses Garn erst gesponnen und nachmals von den -Hausfrauen, bevor es auf den Webestuhl komme, gefärbt werde. Sie zeigte -mir einige Proben von dergleichen haussponnenen Zeugen, die sich in der -That nicht übel ausnahmen. Die Farbe war ein mattes Dunkelbraun, und -die Wolle rührte von einer schwarzen Schaf-Gattung her. Diese Zeuge -werden auf verschiedne Weise für den Familien-Bedarf verwendet. - -»Jede kleine Hausstätte, die Sie sehen,« belehrte sie mich, »hat ihren -Antheil Land und mithin auch ihre Schaf-Heerde; und da die Kinder sehr -frühzeitig spinnen, stricken und das Garn färben lernen, so sind die -Aeltern auch im Stande, sich und ihre kleine Familie stets gut und -bequem zu bekleiden. - -Viele von eben diesen Meiereien, die jetzt einen so gedeihlichen -Zustand zeigen, waren noch vor dreißig Jahren Wildnisse, indianische -Jagd-Reviere; -- die Betriebsamkeit und der Fleiß der Ansiedler, und -darunter mancher armen Leute, die in ihrer Heimath keine Ruthe eignes -Land besaßen, haben diese Veränderungen bewirkt.« - -Die Gedanken-Folge, welche die Worte dieser guten Frau in mir -veranlaßten, war eine sehr erfreuliche. »Wir sind,« dachte ich, -»ebenfalls im Begriff, uncultivirtes Land zu kaufen, und sollten wir -nicht mit der Zeit unsre zukünftige Meierei diesen fruchtbaren Stätten -gleichen sehen. Gewiß ist es ein gesegnetes glückliches Land, in das -wir ausgewandert sind, sprach ich bei mir, in Verfolgung der angenehmen -Idee, »ein Land, wo jede Hütte Ueberfluß an den Bequemlichkeiten und -nöthigen Erfordernissen des Lebens hat.« - -Ich übersah vielleicht zu dieser Zeit die Mühe, die Beschwerden, die -Entbehrungen, denen diese Ansiedler, als sie zuerst hier angelangt, -ausgesetzt gewesen waren. Ich sah das Land blos im Geiste, wie es nach -einer ziemlichen Reihe von Jahren und unter einem hohen Cultur-Zustande -erscheinen dürfte; vielleicht in den Händen ihrer Kinder oder ihrer -Kindes Kinder, nachdem die von Arbeit und Mühseligkeiten aufgeriebnen -Aeltern schon längst schlafen gegangen waren. - -Unter andern Gegenständen wurde meine Aufmerksamkeit durch offne -Begräbnißplätze an der Straße in Anspruch genommen. Freundliche grüne -Hügel, von Wald- und andern hübschen Bäumen umgeben, enthielten die -Gräber einer Familie und vielleicht einiger theuren Freunde, die ruhig -unter dem Rasen neben ihr schlummerten. Mochte auch der Boden nicht -geweiht sein, so war er doch durch die Thränen und Gebete von Aeltern -und Kindern geheiligt. - -Diese Familien-Gräber wurden mir noch interessanter, als ich erfuhr, -daß, wenn eine Meierei von einem Fremden käuflich in Beschlag genommen -wird, der frühere Besitzer sich in der Regel das Recht ausbedingt, -seine Todten auf dem dazu gehörigen Begräbnißplatze beerdigen zu dürfen. - -Sie müssen Nachsicht mit mir haben, Beste Mutter, wenn ich -gelegentlich bei Kleinigkeiten verweile. Für mich ist nichts ohne -Interesse, was das Gepräge der Neuheit an sich trägt. Selbst die -Lehm-Oefen, welche auf vier Beinen in geringer Entfernung von den -Häusern stehen, blieben im Vorbeifahren nicht unbemerkt von mir. -Fehlt es an einem dergleichen Ofen vor dem Hause, so wird das Brod -in großen eisernen Bottigen oder Töpfen, sogenannten Back-Kesseln -(^Bake-kettles^) gebacken. Ich habe bereits ein Brod, so dick wie ein -Scheffel-Maaß, auf dem Heerde in einem solchen Kessel backen sehen, -und auch davon gekostet; allein ich glaube, der eingesperrte Dampf -giebt dem Brode einen etwas eigenthümlichen Geschmack, den man an den -in Ziegel- oder Lehm-Oefen gebacknen Broden nicht wahrnimmt. Anfangs -konnte ich aus diesen, auf vier Füßen ruhenden, seltsam aussehenden -kleinen runden Gebäuden nicht recht klug werden, ich hielt sie für -Bienen-Stöcke, bis ich eine Bauersfrau einige noch kochendheiße -Brode aus einem solchen Ofen, der ein unbebautes Fleckchen auf der -Straßen-Seite, etwa funfzig Schritt von der Hütte entfernt, einnahm, -herauslangen sah. - -Außer den Oefen hat jedes Haus einen Ziehbrunnen, ganz in der Nähe. -Diese Brunnen wichen in der Einrichtung zum Emporheben des Wassers -von denen ab, die ich in England gesehen. Der Plan ist sehr einfach: --- eine lange Stange, auf einem Pfahle spielend, dient als Hebel zum -Heraufziehen des Eimers, und das Wasser kann so von einem Kinde mit -leichter Mühe emporgehoben werden. Diese Methode ziehen einige sowohl -dem Seil als der Kette vor; sie kann von Jedermann ins Werk gesetzt -werden, es bedarf nur der Befestigung und Verbindung der Stangen. Ich -erwähne dies blos, als Beispiel von dem Erfindungsgeist der Bewohner -des Landes, um nur zu zeigen, wie angemessen ihre Verfahrungsweisen -ihren Mitteln sind[11]. - -Die prächtige Erscheinung der Stromschnellen des St. Laurence, bei -dessen Cascade die Straße auf der Höhe des Ufers eine schöne Aussicht -beherrscht, erfreute uns in hohem Grade. Ein Versuch von mir, Ihnen -diese großen, in wildem Aufruhr begriffnen Wasserschichten, welche -hier vorüberbrausen, zu schildern, würde weit hinter der Wirklichkeit -zurück bleiben. _Harrison_ hat diese Scene in seinem Werke über -Ober-Canada, welches Ihnen, meines Wissens, wohl bekannt ist, sehr -genau geschildert. Ich bedauerte nur, daß wir nicht einige Zeit weilen -konnten, um unsre Augen an einem so großartigen und wildem Schauspiel -zu weiden, wie es der Fluß hier darbietet; aber ein canadischer -Postwagen wartet auf Niemand, und so mußten wir uns mit einem -flüchtigen Anblick dieser berühmten Stromschnellen begnügen. - -Wir schifften uns zu Couteau du Lac ein und erreichten Cornwall spät an -demselben Abend. Einige von den Postwagen gehen des Nachts ab; allein -ich war zu ermüdet, um diesen Abend eine Reise von neunundvierzig -(englischen) Meilen auf canadischen Straßen antreten zu können. Unserm -Beispiel folgte eine verwittwete Dame mit ihrer kleinen Familie. - -Es hielt etwas schwer, eine Herberge für die Nacht zu finden, die -Gasthöfe waren mit Reisenden gefüllt; hier erfuhren wir zum erstenmal -etwas von jenem, dem Amerikaner, jedoch ohne Zweifel zu allgemein, -zur Last gelegten tadelnswürdigen Benehmen. Unser Wirth schien im -Betreff der Bequemlichkeit seiner Gäste vollkommen gleichgültig, sie -mußten entweder sich selbst bedienen, oder ihre Bedürfnisse blieben -unbefriedigt. Der Mangel an weiblicher Bedienung in diesen Anstalten -ist für reisende Damen äußerst fühlbar und verdrießlich. Die Weiber -lassen sich gar nicht sehen, oder behandeln die fremden Gäste mit einer -Kälte und Gleichgültigkeit, daß man mit ihren Diensten eben nicht -zufrieden sein kann. - -Nachdem es mir, nicht ohne Schwierigkeit, geglückt war, der Wirthin -des Gasthauses zu Cornwall ansichtig zu werden, bat ich sie, mir ein -Zimmer anzuweisen, wo wir übernachten könnten, sie that dies, aber -mit einer höchst ungefälligen Miene, indem sie auf eine Thür deutete, -die sich in ein kleines Käfter öffnete, das ein Bett ohne Vorhänge, -einen Stuhl aber keinen Waschtisch enthielt. Da sie meinen Verdruß bei -Erblickung dieses ungastlichen Schlafgemachs wahrnahm, bemerkte sie -ganz lakonisch, daß ich keine Wahl hätte, ich müßte es denn vorziehen, -in einem Zimmer mit vier Betten zu schlafen, wovon bereits drei -- und -zwar von Männern, in Beschlag genommen waren. Diese Alternative lehnte -ich etwas unwillig ab und zog mich in eben nicht besondrer Laune in das -mir angewiesne Schlafgemach zurück, wo unwillkommne Bettbewohner die -ganze Nacht hindurch uns hinderten, unsre müden Augenlider zu schließen. - -Wir nahmen ein zeitiges und hastiges Frühstück ein und traten unsre -Reise wieder an. Diesmal bestand die Reisegesellschaft aus meiner -Wenigkeit, meinem Gatten, einer Dame nebst Gemahl, drei kleinen Kindern -und einem einmonatlichen Säugling, die insgesammt, vom Aeltesten bis -zum Jüngsten, am Keuchhusten litten; zwei großen cumberländischen -Bergleuten und einem französischen Lootsen nebst seinem Begleiter; -- -letztrer war ein großes, amphibienartig aussehendes Ungeheuer, das -in den Wagen sprang und sich in eine Ecke quetschte, indem es dem -Postillion, der damit einverstanden war, und alle Gegenvorstellungen -gegen dieses unerwartete Eindrängen unbeachtet ließ, auf eine comische -Weise angreinte; der Postillion schwang seine Peitsche mit gewaltigem -Knall, womit zwei reisende Amerikaner, die zu beiden Seiten der -Gasthofthür standen, nicht eben zufrieden zu sein schienen; diese -Herren hatten ihre Hüte weder in den Händen, noch zur Zeit auf dem -Kopfe, sondern sie trugen dieselben an einem um einen Westenknopf -geschlungenen Bande, so daß sie ziemlich unter den Arm hingen. Diese -Mode habe ich seitdem öfter beobachtet und glaube, daß, wenn _Johnny -Gilpin_ die nämliche weise Vorsicht angewendet, er sowohl seinen Hut -als seine Perücke gerettet haben würde. - -Die Reise dieses Tages war für mich schrecklich ermüdend, ich wurde -buchstäblich braun und blau gequetscht und gestoßen. Die ausnehmend -große Hitze machte uns sehr viel zu schaffen, und wir hätten die -Gesellschaft von zwei unsrer massiven Reisegefährten mit wahrem -Vergnügen entbehrt. - -Abends um fünf Uhr desselben Nachmittags erreichten wir Prescott, wo -wir im Gasthause eine gute Aufnahme fanden; die weiblichen Dienstboten -waren sämmtlich Engländerinnen und schienen in Aufmerksamkeit gegen uns -mit einander zu wetteifern. - -In der Stadt Prescott sahen wir wenig, was uns hätte interessiren -oder gefallen können. Nach einem trefflichen Frühstück, schifften -wir uns an Bord des _Great Britain_ (Großbritanien) ein, es war das -schönste Dampfboot, welches mir bis jetzt zu Gesicht gekommen, und hier -gesellten sich unsre neuen Freunde zu uns, was uns große Freude machte. - -Zu Brockville trafen wir gerade zu rechter Zeit ein, um ein Schiff -von Stapel laufen zu sehn, -- für mich ein ganz neuer Anblick. Es -war ein äußerst lebhaftes erfreuliches Schauspiel. Die Sonne schien -in vollem Glanze auf die herbeiströmende Menge, die sich in ihrem -Sonntagsstaate nach dem Ufer drängte; die Kirchenglocken tönten lustig -darein und vermischten ihr Geläute mit der Musik vom Deck des bunt -bemalten Fahrzeugs, das mit seinen im Winde flatternden Wimpeln und -ausgespannten Segeln und einer wohlgekleideten Gesellschaft an Bord, -vom Stapel zu laufen im Begriff war. - -Um die Wirkung noch zu erhöhen, wurde von einem einstweiligen, für -diese Gelegenheit auf einem kleinen Felsen-Eiland vor der Stadt -errichteten Castell eine Salve gegeben. Der Schoner (ein zweimastiges -Fahrzeug) glitt stattlich ins Wasser und empfing so zu sagen mit -Freuden die Umarmung des Elements, welches ihm zukünftig unterworfen -sein sollte. Es war ein höchst interessanter Moment. Der neue -stattliche Schwimmer wurde mit drei Hurrahs von der Schiffsgesellschaft -des Great Britain, einer Salve vom kleinen Castell und dem fröhlichen -Geläute der Glocken begrüßt; letztre ertönten zugleich zu Ehren einer -hübschen Braut, die, auf einer Lustreise nach den Fällen des Niagara -begriffen, mit ihrem Bräutigam an Bord kam. - -Brockville liegt gerade an der Mündung des Sees der tausend Inseln und -gewährt, vom Wasser aus gesehen, einen hübschen Anblick. Die Stadt -hat, wie man mir erzählt, im Verlauf der letzten wenigen Jahre reißend -schnell an Größe und Wohlstand zugenommen und scheint ein Platz von -Wichtigkeit werden zu wollen. - -Die Ufer des St. Laurence werden, indem man zwischen den tausend Inseln -vorwärts steuert, felsiger und malerischer, und die Inseln selbst -bieten jede Abwechselung von Waldung und Gestein dar. Das Dampfschiff -landete zur Einnahme von Brennholz in der Nähe eines kleinen Dorfes auf -der amerikanischen Seite des Flusses, wo wir auch fünfundzwanzig schöne -Pferde, die in Cobourg und York zum Verkauf ausgeboten werden sollen, -an Bord nahmen. - -In dem amerikanischen Dorfe selbst war nichts der Beobachtung Werthes -zu sehen, ausgenommen eine Neuheit, die mich in der That belustigte; -nämlich jedes Haus hatte sein eignes Model oder Ebenbild, ein kleines -winziges Häuschen von Holz, -- nicht größer und stärker als ein -Puppenhäuschen[12], (^a baby-house^) vorn am Dache oder Giebel-Ende -befestigt. Wie ich nachmals von einem Herrn auf dem Schiffe erfuhr, -waren diese Puppenhäuschen, wie ich sie zu nennen beliebte, für die -Schwalben zum Hineinnisten bestimmt[13]. - -Es war Mitternacht, als wir vor Kingston vorbeisegelten und so sah -ich natürlicher Weise nichts von diesem »Schlüssel zu den Seen«[14], -wie ich es habe nennen hören. Bei meinem Erwachen am nächsten Morgen -glitt das Dampfschiff stattlich durch die Fluthen des Ontario, und ich -empfand eine leichte Anwandlung von Unpäßlichkeit. - -Wenn das Wasser des Sees in Aufruhr ist, wie dies bisweilen bei -heftigem Winde geschieht, so glaubt man sich auf ein sturmgepeitschtes -Meer versetzt. - -Die Ufer des Ontario sind sehr schön, Hügel und Thäler, mit herrlichen -Waldungen bekleidet oder durch Fleckchen angebauten Bodens und hübsche -Wohnhäuser belebt, wechseln in sanften Wellen-Linien mit einander ab. -Um zehn Uhr erreichten wir Cobourg. - -Cobourg, wo wir uns gegenwärtig befinden, ist ein nett gebautes und -blühendes Städtchen, das manche stattliche Vorraths-Häuser, Mühlen, -eine Wechselbank und eine Druckerei enthält, letztere giebt ein -Wochenblatt heraus. Desgleichen findet man hier eine recht hübsche -Kirche und eine ausgewählte Gesellschaft, da viele achtbare Familien in -oder unweit der Stadt ihre Wohnung gewählt haben. - -Morgen verlassen wir Cobourg und werden unsern Weg nach Peterborough -nehmen, von wo aus ich wieder zu schreiben gedenke, um sie von unserm -zukünftigen Abentheuern zu benachrichtigen, die wir wahrscheinlich an -einem der kleinen Seen des Otanabee erfahren werden. - -Fußnoten: - -[6] Es sind seitdem einige treffliche Kais vollendet worden. - -[7] Dieser Graben ist seitdem überwölbt worden, es befindet -sich jetzt ein Markt darüber. - -[8] Herr _M'Gregor_, in seinem Brittischen Amerika, ^vol. -II. p. 504^, giebt uns von Montreal nachstehende Beschreibung: --- - -»Zwischen dem Königlichen Berge und dem Flusse, auf einer sanft -aufsteigenden Felsen-Firste, steht die Stadt. Mit Einschluß der -Vorstädte ist sie von größrer Ausdehnung als Quebek. Beide Städte -weichen in ihrer Erscheinung sehr von einander ab; die niedrigen Ufer -des St. Laurence zu Montreal entbehren der Grauen erregenden, sich über -sie thürmenden Klippen und all jener romantischen Erhabenheit, wodurch -sich Quebek auszeichnet. - -»Montreal hat keine Kais, und die Schiffe und Dampfböte liegen ruhig -in ziemlich tiefem Wasser hart an dem lehmigen und im Allgemeinen -kothigen Ufer der Stadt. Die ganze Unterstadt nehmen düster aussehende -Häuser, mit dunkeln eisernen Fensterläden; und wenn sie auch im Ganzen -etwas reinlicher ist als Quebek, so ist sie doch immer sehr schmutzig; -die Straßen sind eng und schlecht gepflastert, und die Fußpfade durch -schräg geneigte Kellerthüren und andre Vorsprünge unterbrochen. - -»Es ist unmöglich,« sagt Mr. _Talbot_ in seinen ^Five Years, -Residence^, »an einem Sonn- oder Festtage die Straßen von Montreal -zu durchwandern, ohne daß man die düstersten Eindrücke erhielte; die -ganze Stadt erscheint wie ein großes Gefängniß;« er spielt hier auf -die eisernen Fensterladen und Außenthüren an, von welchen man Gebrauch -macht, um den Wirkungen von Feuersbrünsten zu begegnen. - -[9] Dies ist noch nicht eins der vornehmsten Hotels, in letztern -beträgt der Preis für Kost und Logis täglich anderthalb Dollar. - -[10] Bei den Amerikanern heißt sie ^the life-everlasting^. - -[11] Diese Brunnen sind keineswegs die Erfindung jener Ansiedler, -man sieht dergleichen fast überall in Europa; in Deutschland -kommen sie häufig auf den Dörfern vor. - -[12] ^a doll-house.^ - -[13] Wir finden in _Rennie's_ Baukunst der Vögel, (Leipzig Baumgärtners -Buchhandlung) ähnliche Bemerkungen. So liest man Seite 122: die -Anglo-Amerikaner bedienen sich verschiedner Mittel, um die Vögel zum -Nisten in der Nähe ihrer Wohnungen zu bestimmen, und weil sie die -Scheunen- oder Bodenschwalbe (^_Hirundo rufa, Gmelin_^), vorzüglich -lieben, so stellen sie Schachteln auf, damit sie hinein niste. Diese -Species unterscheidet sich beträchtlich von unsrer Rauchschwalbe -(^_Hirundo rustica_^); am Bauche, wo die unsrige rein weiß ist, ist -ihr Gefieder hell kastanienfarben, im Nisten hat sie mit der unsrigen -Aehnlichkeit, nur daß sie nicht in Schornsteine baut, sondern ihr -Nest an Sparren oder Querbalken von Schuppen, Scheunen und andern -Nebengebäuden befestigt. - -Ferner Seite 364: In Nordamerika, wo man bemüht ist, die ländlichen -Vergnügungen eines kurzen Sommers so sehr als möglich zu vermehren, -sucht man mehr als eine Species durch alle nur mögliche Mittel zum -Nisten in der Nähe der Häuser zu bewegen. Unter den halb zahmen Vögeln -sind der Haus-Zaunkönig, der blaue Vogel und die Purpur-Schwalbe die -bekanntesten. Die zuletzt erwähnte (^_Hirundo purpurea, Latham_^) -ist gleich unsrer Fensterschwalbe ein Zugvogel, und sie wählt ihren -Sommeraufenthalt stets mitten unter den Wohnungen des Menschen, -welcher, da ihm ihre Gesellschaft großen Vortheil und zugleich -Vergnügen schafft, in der Regel ihr Freund und Beschützer ist. Daher -ist sie ziemlich gewiß, bei ihrer Ankunft eine gastliche, zu ihrer -Bequemlichkeit und zur Aufnahme ihrer Familie gehörig eingerichtete -Wohnstätte, entweder in der vorspringenden hölzernen Kranzleiste, -auf dem Dachgiebel oder auf der Grenzsäule, oder, wenn diese fehlen -sollten, auf dem Taubenschlage mitten unter den Tauben zu finden; und -wenn sie einen besondern Winkel auf dem letzteren wählt, so darf es -keine Taube wagen, einen Fuß in ihr Gebieht zu setzen. Einige unter -den Anglo-Amerikanern haben für diese Vögel große Anstalten einrichten -lassen, welche in zahlreichen Gemächern bestehen, die zum größten Theil -jedes Frühjahr in Besitz genommen werden; man hat die Beobachtung -gemacht, daß in solchen Schwalbenansiedlungen einzelne Vögel mehre -Jahre nach einander immer wieder von der nämlichen Schachtel Gebrauch -gemacht haben. - -Das eben erwähnte Verfahren, die Purpurschwalbe zu hegen und zu -beschützen, scheint nicht aus Europa zu stammen, da die Eingebornen von -Amerika seit undenklichen Zeiten eine ähnliche Methode befolgt haben. -Die Chactaw und Chickasaw Indianer z. B. stutzen sämmtliche Gipfeläste -eines jungen Bäumchens in der Nähe ihrer Hütten ab und lassen die -Zinken ein oder zwei Fuß lang, an deren jedem sie einen hohlen Kürbis -oder eine Calabasse aufhängen, die gehörig ausgehöhlt ist, so daß die -Vögel bequem darin nisten können. In gleicher Absicht steckt man an -den Ufern des Mississippi lange Stöcke in den Boden, an deren Spitze -ebenfalls Calabassen befestigt werden, und worin die Purpurschwalben -in der Regel ihre Eier ausbrüten. »Ueberall, wo mich meine Reisen in -diesem Lande hinführten,« sagt _Wilson_, »habe ich mit Vergnügen die -Gastfreundschaft beobachtet, womit die Einwohner diesen Lieblingsvogel -empfangen.« Folgenden kleinen Zug aus der Oekonomie der Purpurschwalbe -hat Mr. _Henry_, Mitglied des obersten Gerichtshofes in Pensylvanien, -erzählt. - -»Im Jahr 1800,« sagt derselbe, »zog ich mich von Lancaster nach einer -Meierei einige englische Meilen über Harrisburgh zurück. Da ich wohl -mit den Vortheilen bekannt war, welche der Pachter oder Landmann von -der Nachbarschaft der Purpurschwalbe zieht, indem sie die Räubereien -des weißköpfigen Adlers, der Habichte und selbst der Krähen verhindert, -so erhielt ein für mich arbeitender Zimmermann den Auftrag, einen -großen Kasten mit mehren Fächern für diese Vögel zu machen. Der -Kasten wurde im Herbste aufgestellt. In der Nähe des Hauses und um -dasselbe standen eine Anzahl schön gewachsener Aepfelbäume und vieles -Strauchwerk, ein sehr bequemer Aufenthalt für Vögel. Gegen die Mitte -des Februar kamen die blauen Vögel an; diese wurden in kurzer Zeit sehr -zutraulich und nahmen Besitz von dem Kasten: es waren zwei bis drei -Pärchen. Mit dem funfzehnten Mai hatten die blauen Vögel Eier, wo nicht -gar Junge. Nun aber trafen die Purpurschwalben in Schaaren ein, begaben -sich in den Kasten, und es erfolgte ein heftiger Kampf. Die blauen -Vögel, wie es scheint, durch ihr Eigenthumsrecht ermuthigt, oder, weil -es der Beschützung ihrer Jungen galt, blieben Sieger. - -Die Schwalben kamen während der acht folgenden Jahre regelmäßig in der -Mitte des Mai an, untersuchten die Gemächer des Kastens in Abwesenheit -der blauen Vögel, wurden aber durch die Rückkehr der letzteren jedesmal -zur Flucht genöthigt. Die Mühe, welche Ihnen die Durchlesung dieser -Bemerkungen verursachen dürfte, müssen sie auf Rechnung der Schwalben -setzen. Ein Kasten, mit diesen schönen Wandrern angefüllt, befindet -sich jetzt zum Haupte meines Bettes. Ihre Töne scheinen unharmonisch -wegen ihrer großen Anzahl; indeß sind sie mir angenehm. Der betriebsame -Pachter und Handwerker würde wohl thun, einen Kasten mit diesen Vögeln -in der Nähe der Schlafgemächer seiner trägen Leute anzubringen. Gleich -mit Anbruch des Tages beginnt die Purpurschwalbe ihr Gezwitscher, -welches eine halbe Minute oder auch etwas länger dauert; worauf es -wieder still wird, bis die Dämmerung völlig vorüber ist. Nunmehr -folgt ein lebhaftes und unaufhörliches Gezwitscher, hinreichend, -selbst die schlaftrunkenste Person aus dem Schlummer zu wecken. -Vielleicht übertrifft sie nicht einmal der Haushahn in dieser guten -Eigenschaft; auch steht er in dem Vermögen, Raubvögel abzuhalten, der -Purpuerschwalbe bei weitem nach.« - -»Gegen die Mitte des April oder ungefähr am zwanzigsten Tage dieses -Monats,« fügt _Wilson_ hinzu, »trifft die Purpurschwalbe die ersten -Vorbereitungen zu ihrem Neste. Das letzte, welches ich untersucht habe, -bestand aus den welken Blättern der Thränenweide, dünnen Strohhalmen, -Heu und Federn in beträchtlicher Menge. Es lagen vier Eier darin, die -im Verhältniß zum Vogel sehr klein, von Farbe rein weiß und ohne die -geringsten Flecke waren. Die erste Brut erscheint im Mai, die zweite -spät im Juni. Während der Periode, in welcher das Weibchen legt, und -vor dem Brüten sind beide Vögel den größten Theil des Tages vom Neste -entfernt. Während des Sitzens wird das Weibchen häufig vom Männchen -besucht, welches letztere sich ebenfalls auf die Eier setzt, wenn -das erstere zur Erholung ausfliegt. Oft bringt das Männchen auf eine -Viertelstunde im Neste neben dem Weibchen zu, und wird während des -Brütens ganz heimisch und zahm. Es sitzt an der Außenseite, putzt -und ordnet sein Gefieder und begiebt sich gelegentlich an die Thür -des Gemachs, gleichsam, als ob es sich nach dem Befinden der Gattin -erkundigen wollte. Seine Töne scheinen in dieser Zeit eine besondere -Sanftheit anzunehmen, und seine Glückwünsche drücken einen hohen -Grad von Zärtlichkeit aus. Eheliche Treue, selbst wenn viele Pärchen -zusammen wohnen, scheint gewissenhaft von diesen Vögeln beobachtet zu -werden. Am 25. Mai nahm ein Purpurschwalben-Pärchen von einem Kasten -in Mr. _Bartram's_ Garten Besitz. Einen oder zwei Tage darauf erschien -ein zweites Weibchen und verweilte mehre Tage; allein, wegen der -kalten Aufnahme, die es fand, indem es häufig vom Männchen vertrieben -wurde, verließ es endlich diesen Ort und machte sich auf den Weg, -wahrscheinlich um einen geselligeren Gefährten aufzusuchen.« - -[14] »^Key to the lakes.^« - - - - -Fünfter Brief. - - - Reise von Cobourg nach Amherst. -- Schwierigkeiten, denen man bei - seiner ersten Ansiedelung in den Urwäldern zu begegnen hat. -- - Erscheinung des Landes. -- Reis-See. -- Indianische Lebensweise - und Gebräuche. -- Fahrt den Otanabee hinauf. -- Log-Haus - (^Log-house^) und seine Inhaber. -- Passagier-Boot. -- Fußreise - nach Peterborough. - - Peterborough; Newcastle Distrikt; - den 9. Septbr. 1832. - -Wir verließen Cobourg, am Nachmittag des ersten Septembers in -einem leichten, recht bequem für die Passagiere mit Büffelfellen -ausgekleideten Wagen. Unsre Reise-Genossen waren drei Herrn und eine -junge Dame, insgesammt recht angenehme Gesellschafter, und bereit, uns -jede Auskunft über die Gegend zu geben, durch welche unser Weg führte; -der Nachmittag war einer von jenen ruhigen und heitern, dergleichen -man in der ersten Hälfte des Septembers häufig zu erfahren pflegt. -Die glühenden Herbst-Farben zeigten sich bereits an den Waldbäumen, -sprachen aber mehr von Reife als Verfall. Die Gegend um Cobourg her -ist gut angebaut, ein großer Theil der Waldung ist gelichtet, und an -seine Stelle sind offne Felder, angenehme Meiereien und schöne, gut -gedeihende Obstpflanzungen mit grünen, von feistem Vieh wimmelnden -Weide-Plätzen getreten. - -Das Gefängniß nebst dem Gerichtshof zu Amherst, etwa anderthalbe -englische Meile von Cobourg, ist ein hübsches steinernes Gebäude, und -auf einer Anhöhe gelegen, welche eine prächtige Aussicht auf den See -Ontario und die umgebende Scenerei beherrscht. In demselben Verhältniß -als man weiter landeinwärts kommt, in der Richtung der Hamilton- oder -Reis-See-Ebnen, erhebt und senkt sich das Land zu kühnen langgedehnten -Hügeln und Thälern. - -Die Umrisse der Gegend erinnerten mich an den bergigen Theil von -Gloucestershire; indeß vermißt man den Reiz, womit die Civilisirung -diese schöne Landschaft in so vorzüglichem Grade geschmückt hat, man -vermißt ihre romantischen Dörfer, blühenden Städte, weit gedehnten, -mit Rinder- und Schafheerden bedeckten Auen. Hier strotzen die Berge -von Eichen-, Buchen- und Ahorn-Wäldern, mit hier und da eingestreuten -dunkeln Fichten-Hainen, nur selten durch eine Ansiedelung mit ihren -Log-Häusern und zickzackartigen, von Holzscheiten gezimmerten -Einfriedigungen unterbrochen und belebt: diese Einfriedigungen sind, -beiläufig gesagt, sehr beleidigend für mein Auge. Ich sehe mich -vergebens nach den reichen Laubhecken meines Vaterlandes um. Selbst -die steinernen Einfriedigungen im Norden und Westen von England, so -kalt und dunkel sie sind, erzeugen keinen so unangenehmen Eindruck auf -den Beschauer. Die Ansiedler machen indeß unabänderlich von demjenigen -Plan Gebrauch, wobei sie am meisten an Zeit, Arbeit und Geld ersparen. -Das wichtige, durch Nothwendigkeit bedingte Gesetz, den kürzesten Weg -zur Erreichung des beabsichtigten Zwecks einzuschlagen, wird streng -befolgt. Geschmackssachen scheinen wenig berücksichtigt zu werden, oder -müssen wenigstens vor der Hand in den Hintergrund treten. - -Ich sah ein Lächeln um den Mund meiner Reisegefährten spielen, als sie -unsre Projecte zur Verschönerung unsrer künftigen Wohnstätte vernahmen. - -»Wenn Sie gesonnen sind, Ihre Wohnung in den Urwäldern aufzuschlagen,« -sagte ein ältlicher Herr, der sich vor mehren Jahren im Lande -angesiedelt, »so muß Ihr Haus nothwendiger Weise ein aus Baumstämmen -roh zusammengezimmertes Haus (^log-house^) sein, denn eine Sägemühle -dürften Sie schwerlich in der Nähe finden und außerdem werden Sie in -den ersten zwei oder drei Jahren so viel zu thun haben, und so vielen -Hindernissen begegnen müssen, daß Sie schwerlich Gelegenheit haben -werden, diese Verschönerungen ins Werk zu setzen.« »Es giebt,« fügte er -mit einer Mischung von Ernst und guter Laune in seinem Gesicht hinzu, -»ein Sprichwort, das ich als Knabe oft gehört habe; es lautet: _erst -kriechen, und dann gehen_«[15]. »Es läßt sich hier zu Lande nicht alles -so leicht bewerkstelligen als zu Hause, wovon Sie eine mehrwöchentliche -Bekanntschaft mit dem _Busch_, wie wir jedes nicht gelichtete Waldland -nennen, bald überzeugen wird. Nach Verlauf von fünf Jahren dürften Sie -schon eher an dergleichen Verschönerungen und Bequemlichkeiten denken -und leichter beurtheilen können, was Sie vor sich haben.« - -»Ich glaubte,« war meine Erwiederung, »daß in diesem Lande alles sehr -schnell und leicht von Statten gehe, ich erinnere mich genau, von -Häusern gehört zu haben, die in einem Tage erbaut worden.« Der alte -Herr lachte. - -»Ja, ja,« sprach er, »Reisende finden es nicht schwer, ein Haus binnen -zwölf oder vierundzwanzig Stunden aufzubauen, und allerdings lassen -sich die Wände in dieser, ja in noch weniger Zeit aufführen; allein das -Haus ist, wenn auch die Außenwände stehen, noch nicht fertig, wie dies -Ihr Gemahl auf seine Kosten erfahren wird.« - -»Aber sämmtliche Werke über Auswanderung, die ich gelesen,« erwiederte -ich, »geben ein so schönes und schmeichelndes Gemälde von dem Leben -eines Ansiedlers; denn, ihren Angaben gemäß, lassen sich alle -Schwierigkeiten leicht beseitigen.« - -»Weg mit den Büchern!« sagte mein Opponent »der eigne Verstand muß -hier entscheiden. Richten Sie Ihren Blick auf jene endlosen Waldungen, -in die das Auge nur einige Schritte tief eindringen kann, und sagen -Sie mir, ob Sie glauben, daß sich diese gewaltigen Baumstämme ohne -Schwierigkeit wegräumen, gänzlich ausrotten, ja, ich möchte sagen, -vom Angesicht der Erde entfernen lassen; daß das Lichten und Reinigen -des Bodens durch Feuer, die Anlage und Einfriedigung von Feldern, -die Erbauung eines Obdachs keine Mühe, Kosten und große Arbeit -verursachen werde? Sprechen Sie nur nicht von dem, was in Büchern -steht, die häufig von Stuben-Reisenden (^tarry at home-travellers^) -geschrieben sind. Ich verlange Thatsachen. Die Erfahrungen eines -einzigen aufrichtigen Emigranten sind mehr werth, als alles, was über -den fraglichen Gegenstand zusammen geschrieben worden ist. Uebrigens -darf man die einem Theil des Landes entsprechende Schilderung nicht -auf alle anwenden. Die von Boden, Klima, Lage und Fortschritten in der -Civilisirung abhängigen Umstände sind in verschiednen Distrikten sehr -verschieden; selbst die Preise der Güter und Producte, die Mieth-Preise -und Arbeits-Löhne u. s. w. weichen, je nachdem man sich den Städten und -Märkten nähert oder davon entfernt, beträchtlich von einander ab.« - -Ich fühlte bald, daß mein Reisegefährte richtig von einer Sache -spreche, womit ihn eine dreizehnjährige Erfahrung vollkommen -vertraut gemacht hatte. Ich fing an, zu fürchten, daß wir ebenfalls -zu schmeichelhafte Ansichten von dem Leben eines Ansiedlers in -den Urwäldern unterhalten. Die Zeit und unsre eigne persönliche -Kenntniß wird der sicherste Prüfstein sein, und diesem müssen wir uns -anvertrauen. Der Mensch ist stets geneigt, das zu glauben, was er -wünscht. - -Ungefähr mittelwegs zwischen Cobourg und dem Reis-See liegt zwischen -zwei steilen Hügeln ein hübsches Thal. Hier findet man einen guten -Theil gelichteten Landes und eine Schenke: der Ort heißt die »_Kalte -Quelle_« (^Cold Springs^). Wer weiß, ob derselbe nicht vielleicht -schon nach einem oder zwei Jahrhunderten in einen Trink- und Bade-Ort -für die feine Welt umgestaltet sein wird. Ein canadisches Bath oder -Cheltenham[16] dürfte mit der Zeit hier entstehen, wo gegenwärtig die -Natur in ihrer Wildniß schwelgt. - -Wir fuhren jetzt die geneigten Ebnen bergan, eine schöne strecke -aufsteigenden Landes, mehre englische Meilen weit spärlich mit Eichen -und hier und da mit buschigen, weitspreizigen Tannen nebst andern -Bäumen und Sträuchern bekleidet. Der Boden ist an einigen Orten sandig, -überdies aber, wie man mir sagte, in verschiednen Theilen von sehr -verschiedner Beschaffenheit und in großen Strecken mit reicher Weide -bedeckt, welche den Viehheerden einen Ueberfluß an trefflichem Futter -darbietet. Eine Menge vorzüglich schöner Blumen und Sträucher schmücken -diese Ebnen, welche sich während der Frühlings- und Sommer-Monate -jedem Garten in der Welt an die Seite stellen können. Manche von jenen -Gewächsen gehören den Ebnen ausschließlich an und kommen selten in -andern Lagen vor. Auch die Bäume, obwohl nicht so groß und gewaltig, -wie die in den Forsten, sind malerisch; sie stehen in Gruppen oder -einzeln, durch große Zwischenräume von einander abgesondert, und geben -dem in Rede stehenden Theil des Landes ein parkartiges Ansehn. Die -vorherrschende Meinung scheint zu sein, daß die Ebnen, zu Schweizereien -und Viehzüchtereien angelegt, den Zwecken der Ansiedler vorzüglich -entsprechen würden, indem es nicht an Land zur Erbauung von Weizen und -Korn fehlt, der Boden mit geringen Kosten veredelt werden kann, und -außerdem Ueberfluß an natürlichen Vieh-Triften herrscht. Ein großer -Vortheil scheint zu sein, daß der Pflug unmittelbar eingeführt werden -kann, und die Vorbereitung des Bodens nothwendiger Weise weit weniger -Arbeit erfordert, als da, wo derselbe über und über mit Wald bedeckt -ist. - - [Illustration: _Reis-Boden._ St. 69.] - -Man trifft auf diesen Ebnen verschiedne Ansiedler, welche beträchtliche -Meiereien besitzen. Die Lage, sollte ich meinen, muß gesund und -angenehm sein, Ersteres wegen der Erhabenheit und Trockenheit des -Bodens; Letzteres wegen der schönen Aussicht, die sie auf das unter -ihnen sich ausbreitende Land, besonders wo der Reis-See mit seinen -mannigfaltigen Inseln und malerischen Ufern sichtbar ist, -- darbieten. -Hügel und Thäler wechseln auf eine angenehme Weise mit einander ab, und -der Boden ist bald sanft geneigt, bald schroff, ja fast abschüssig. - -Ein amerikanischer Pachter, der an unserm Frühstück am folgenden -Morgen Theil nahm, erzählte mir, daß diese Ebnen vormals ein berühmtes -Jagdrevier der Indianer gewesen, die, um das Wachsthum der Waldbäume zu -verhindern, dieselben von Jahr zu Jahr weggebrannt; hierdurch wurden im -Verlauf der Zeit die jungen Bäume vernichtet und konnten sich mithin -nicht wieder in derselben Ausdehnung anhäufen wie früher. Es blieb -nur so viel stehen, als zur Bildung von Dickichten hinreichte; denn -in diesen wählt das Wild heerdenweise seinen Aufenthalt, angelockt -durch eine eigenthümliche hohe Grasart, womit die in Rede stehenden -Ebnen bedeckt sind, es heißt Reh-Gras (^deer-grass^), und die davon -fressenden Thiere werden zu gewissen Jahreszeiten außerordentlich fett -davon. - -Der Abend brach herein, ehe mir unser nächstes Nachtquartier, die -Schenke an den Ufern des Reis-Sees, erreichten, so daß ich etwas von -der schönen Scenerei einbüßte, welche diese artige Wasserfläche dem -Auge darbietet, wenn man die Ebnen nach ihren Ufern zu hinabsteigt. Die -flüchtigen Blicke, die mir dann und wann davon zu Theil wurden, hatte -ich dem schwachen aber häufigen Wetterleuchten zu verdanken, welches -den Horizont gegen Norden erhellte und gerade genug enthüllte, um mich -bedauern zu machen, daß ich wegen der Dunkelheit an diesem Abend nicht -mehr davon sehen konnte. Der Reis-See ist auf eine recht anmuthige -Weise durch kleine bewaldete Inseln unterbrochen; das nördliche -Ufer steigt vom Wasserrande sanft aufwärts. Im Angesicht von Sully, -der Schenke, von wo aus das Dampfboot abgeht, welches den Otanabee -hinaufsteuert, erblickt man verschiedne hübsche Niederlassungen; und -jenseits des Indianer-Dorfes unterhalten die Missionaire eine Schule -zur Erziehung und Unterrichtung der Indianer-Kinder. Manche von diesen -können geläufig lesen und schreiben und haben in ihrer sittlichen und -religiösen Bildung sichtbare Fortschritte gemacht. Sie sind gut und -bequem gekleidet und wohnen in besonders für sie erbauten Häusern. -Allein sie hängen immer noch zu sehr an ihrer wandernden Lebensweise, -um gute und betriebsame Ansiedler abzugeben. Zu gewissen Zeiten im -Jahre verlassen sie das Dorf und lagern sich in den Wäldern längs den -Ufern jener Seen und Flüsse, wo sie auf Ueberfluß an Wild und Fischen -rechnen können[17]. - -Die Reis-See und Schlamm-See-Indianer gehören, wie man mir sagt, zu den -Tschippewas, allein die Züge von Schlauheit und kriegerischem Trotz, -die früher dieses merkwürdige Volk charakterisirten, scheinen unter dem -milderen Einfluß des Christenthums verschwunden zu sein. - -Gewiß ist, daß die Einführung der christlichen Religion der größte -Fortschrit zu Civilisirung und Verbesserung ist; ihr ganzes Streben ist -darauf gerichtet, die Schranken des Vorurtheils und der Unwissenheit -niederzubrechen und die Menschen zu einer allgemeinen Brüderschaft -zu verbinden. Man hat mir gesagt, daß eine Zeitlang das Laster der -Völlerei diesen neu bekehrten Wilden unbekannt gewesen, ja daß sie sich -sogar des mäßigen Gebrauchs geistiger Getränke gewissenhaft enthalten. -Diese Enthaltsamkeit wird von einigen Familien noch jetzt beobachtet; -aber neuerdings hat sich die Trunkenheit wieder unter ihnen -eingeschlichen, die allerdings ihren Glauben in Miscredit bringt. Man -darf sich in der That kaum darüber wundern, daß der Indianer, wenn er -diejenigen seiner Umgebung, welche sich Christen nennen, welche besser -erzogen sind und den Vortheil einer civilisirten Gesellschaft genießen, -dem erwähnten Laster bis zum Uebermaß fröhnen sieht, sich von seinem -natürlichen Hange besiegen läßt und die Pflichten des Christenthums, -das bei einigen wohl eben nicht tiefe Wurzel geschlagen haben mag, -entgegenhandelt. Ich habe mich über die, diese lasterhafte Neigung der -armen Indianer betreffenden Urtheile von Leuten, welche die ersten an -der Tafel und bei Trinkgelagen waren, sowohl gewundert als geärgert; es -schien mir, als halte man Leute von Erziehung und Bildung der Völlerei -für weniger zurechnungsfähig als den halbcultivirten Wilden. - -Man findet einige hübsche Ansiedlungen am Reis-See, indeß sollen -seine Ufer der Gesundheit nicht zuträglich sein, und die Colonisten -vorzüglich da, wo der Boden niedrig und morastig ist, häufig an -Sumpf-Fiebern und Flüssen leiden. Einige schreiben die Ursache der -eben genannten Uebel den umfangsreichen Reisbeeten zu, welche das -Wasser stocken machen. Die Verdünstung von einer Wasserfläche, die -fortwährend auf eine Masse faulender Pflanzen wirkt, muß allerdings die -Constitution derjenigen schwächen, welche ihrem verderblichen Einfluß -unmittelbar ausgesetzt sind. - -Außer zahlreichen kleinen Wasserströmen, die hier zu Lande _Creeks_ -heißen, ergießen sich zwei beträchtliche Flüsse, der Otanabee und der -Trent in den Reis-See. Diese Flüsse sind durch eine Kette kleiner Seen -mit einander verbunden, welche man auf einer guten Charte von der in -Rede stehenden Provinz finden kann. Ich füge meinem Briefe einen Abriß -bei, der zu Cobourg erschienen ist und Sie mit der Geographie dieser -Abtheilung des Landes bekannt machen wird. Auf einem der kleinen Seen -gedenken wir uns anzukaufen; denn sollten diese Gewässer schiffbar -gemacht werden, wie man beabsichtigt, so dürften die Ländereien an -ihren Ufern sehr einträglich für die Colonisten ausfallen; gegenwärtig -sind sie durch große Granit- und Kalkstein-Blöcke, Stromschnellen und -Catarakte unterbrochen, welche kein Fahrzeug außer Nachen und Böten -mit flachem Kiel, zulassen und selbst diese sind wegen der vielen -angedeuteten Hindernisse auf gewisse Strecken beschränkt. Durch -Vertiefung des Fluß-Bettes und des Bodens der Seen, durch Bildung -von Wehren in einigen Theilen, und durch Anlegung von Kanälen, würde -dieser ganze Wasser-Bereich, bis zur Bay von Quinte, der Schifffahrt -geöffnet werden können. Der Kostenbetrag würde natürlicher Weise -bedeutend sein, und bevor nicht die Städte dieses Theils des Distriktes -vollkommen organisirt sein werden, ist an die Ausführung eines solchen -Riesen-Plans nicht zu denken, wie wünschenswerth sie auch sein mag. - -Wir verließen nach einer ungewöhnlichen Verzögerung um neun Uhr das -Wirthshaus am Reis-See. Der Morgen war feucht und neblich, und ein -kalter Wind blies über die Wasserfläche, die sich durch den feinen -Sprühregen nicht eben vortheilhaft ausnahm; ich hüllte mein Gesicht -zum Schutz dagegen gern in den Ueberschlagkragen meines warmen Mantels -ein; denn das kleine Dampfboot hatte außer einer unwirksamen Zelt-Decke -weder eine Kajüte noch einen andern Zufluchtsort. Das armselige -Schifflein stach leider gegen die trefflich eingerichteten Fahrzeuge, -worauf wir erst vor Kurzem den Ontario und St. Laurence durchsegelt, -gewaltig ab. Dennoch nahm uns das Vorhandensein eines Dampfboots auf -dem Otanabee nicht wenig Wunder, und war für die ersten Ansiedler längs -den Ufern dieses Flusses ein Gegenstand großer Freude, da sie sich noch -vor wenigen Jahren zum Transport sowohl ihrer selbst als auch ihrer -Markt-Erzeugnisse mit schlechten Nachen oder Wagen und Schlitten, auf -höchst erbärmlichen Straßen, begnügen mußten. - -Der Otanabee ist ein schöner, breiter, heller Strom, welchen bei -seinem Eintritt in den Reis-See eine schmale, wegen ihrer morastigen -Beschaffenheit des Anbaues unfähige Landzunge in zwei Mündungen -scheidet. Dieser schöne Fluß, (denn als solchen betrachte ich ihn) -schlängelt sich zwischen dick bewaldeten Ufern hin, die sich, in -demselben Verhältniß, als man weiter landeinwärts kommt, mehr und mehr -erheben. - -Gegen Mittag zertheilte sich der Nebel, und die Sonne kam in ihrem -vollen Septemberglanze zum Vorschein. Die Nadelholz-Wälder zu beiden -Seiten des Flusses bildeten eine so dichte Schutz-Mauer, daß wir nicht -die geringste Unannehmlichkeit von dem rauhen Luftzuge fühlten, der -mich am Morgen, als wir durch den See schifften, ganz durchkältet hatte. - -Für den schnell vorübereilenden Reisenden, der sich um die einzelnen -Schönheiten der Scenerei wenig bekümmern kann, haben die langen -ununterbrochnen Wald-Linien nothwendiger Weise etwas Einförmiges, das -ihn allmälig in eine düstere, ja fast traurige Stimmung versetzt. -Dessenungeachtet aber giebt es manchen Gegenstand, der einen genauen -Beobachter der Natur unterhält und erfreut. Sein Auge wird von -den seltsamen Lauben angezogen, welche der canadische Epheu ein -scharlachrothes rankendes Gewächs, und die wilde Rebe bilden, indem sie -ihre dicht verschlungenen, reich gefärbten Blätter-Guirlanden zwischen -den Aesten der Waldbäume hinranken und ihre glühenden Tinten mit den -rothspitzigen Zweigen des weichen Ahorns vermischen, dessen herbstliche -Farben in Schönheit von keinem unsrer heimathlichen Waldbäume -übertroffen werden. - - [Illustration: _Amerikanischer Schlitten._] - -Die purpurnen Trauben der Rebe, in Größe keineswegs so verächtlich, -als ich mir vorgestellt, erschienen meinen sehnsüchtigen Augen, -indem sie, zwischen dem Laube hängend, ihrer Reife entgegen -eilten, äußerst lockend. Wie ich höre, bildet ihr Saft, mit einer -hinreichenden Quantität Zucker zusammen gesoten, ein treffliches, -äußerst wohlschmeckendes Gelee. Die Samen sind zu groß, um eine -andre Zubereitung räthlich oder vortheilhaft zu machen. Ich werde -gelegentlich erfahren, welcher Veredelung sie durch Cultur fähig sein -dürften. Mann kann sich des Schlusses nicht erwehren, daß, wo die Natur -einen so großen Ueberfluß an Früchten hervorbringt, das Klima, unter -Mitwirkung von Cultur und Boden, ihrer Vervollkommnung höchst günstig -sein müsse. - -Das Wasser des Otanabee ist so klar und frei von allem Schmuz, daß -man jeden Kiesel, jede Muschelschale auf seinem Boden deutlich -unterscheiden kann. Hier und da enthüllt eine Oeffnung im Walde ein -Neben-Flüßchen, das sich seinen Weg unter den Laubwölbungen der -darüber ragenden Riesen-Bäume nach dem Hauptstrome bahnt. Die ringsum -herrschende Stille wird durch nichts unterbrochen, als den plötzlichen -Aufflug der von ihrem Zufluchtsorte zwischen den buschigen, hier und da -das linke Ufer bekränzenden Weiden aufgeschreckten wilden Ente, oder -das gellende rauhe Geschrei des Eisvogels, indem er pfeilschnell über -die Wasserfläche schießt. - -Das Dampfboot landete zur Einnahme von Brennmaterial an einer -gelichteten Stelle, ungefähr auf dem halben Wege von Peterborough, -und ich benutzte freudig die Gelegenheit, einige der prächtigen -Cardinal-Blumen zu pflücken, welche zwischen den Steinen am Uferrande -wuchsen; auch fand ich hier eine Rose, so schön und angenehm duftend, -als nur jemals eine unsre englischen Gärten zierte. Ferner bemerkte ich -zwischen dem Grase auf dem Wiesenlande Frauenmünze, und näher am Ufer -Pfeffermünze. Ein Strauch, mit Früchten, so groß wie Kirschen, von -breiartigem Fleisch und angenehm säuerlich, fast wie Tamarindenmark, -schmeckend, glich unserm Schlehendorn. Die Dornen dieses Strauches -waren furchtbar lang, stark und fest, meiner Ansicht nach dürfte er -sich zu Einfriedigungen oder lebendigen Hecken vortrefflich eignen; -auch die Frucht könnte, eingemacht, kein zu verachtendes Desert abgeben. - -Da ich sehr begierig war, das Innere eines Log-Hauses zu sehen, so -trat ich durch den offnen Thorweg in die Schenke, wie man sie nennt, -unter dem Vorwand, einen Trunk Milch zu kaufen. Das Innere dieses -rohen Gebäudes hatte eben kein einladendes Ansehn. Die Wände bestanden -aus rohen unbehauenen Scheiten oder Baumstämmen, und die Lücken und -Ritzen zwischen diesen waren mit Moos und unregelmäßigen Holzkeilen -ausgefüllt, um Wind und Regen abzuhalten; die unberappte Decke zeigte -das mit Moos und Farrenkraut von allerlei Farben, -- Grün, Gelb und -Grau -- bedeckte Sparrwerk; und darüber konnte man die vom Rauche, -der sich durch den weiten, aus Steinen und Lehm erbauten Schornstein -aufzusteigen weigerte und in leichten Windungen unter dem Dache -hinkräuselte, um seinen Ausgang durch die vielen Ritzen und Oeffnungen -in letzterem zu suchen, schön mahagonyroth gefärbten Schindeln -wahrnehmen. - -Der Fußboden war von Erde, die durch Gebrauch eine ziemliche Härte -und Ebenheit erhalten hatte. Die ganze Hütte erinnerte mich an -das armselige Gebäude, welches vier russische Matrosen, die sich -auf Spitzbergen zu überwintern genöthigt sahen, zu ihren Schutz -errichteten. Das Geräthe darin entsprach ihrer rohen Bauart; einige -wenige Stühle, roh und ungehobelt; ein Tisch von Tannenholz, der, -weil letzteres, bei Verfertigung desselben noch frisch gewesen, an -verschiednen Stellen gesprungen war und blos durch seine mißgestalteten -Beine zusammengehalten wurde; zwei oder drei Blöcke von grauem -Granit, die neben dem Heerde standen, dienten als Sitze für die -Kinder; hierzu kamen zwei Betten, die durch niedrige Gestelle von -Cedern-Holz etwas über den Boden erhoben waren. Auf diesen elenden -Schlafstellen lagen zwei arme Teufel ausgestreckt, an den verheerenden -Wirkungen des Sumpffiebers leidend. Ihre gelben, eine Störung in -der Gallen-Absonderung verrathenden Gesichter stachen gegen die -zusammengeflickten Pfühle, womit sie bedeckt waren, seltsam ab. Ich -fühlte das innigste Mitleiden mit den armen Emigranten, die mir -erzählten, daß sie kaum einige Wochen im Lande gewesen, als sie vom -Fieber befallen worden wären. Sie hatten Weiber und kleine Kinder, -welche sehr elend aussahen. Auch die Weiber hatten am Wechselfieber -gelitten und dabei nicht einmal ein eignes Haus oder einen Schuppen -zu ihrer Bequemlichkeit gehabt; die Männer waren durch ihr Erkranken -in völlige Unthätigkeit versetzt worden; und ein großer Theil von -dem wenigen Gelde, das sie mit sich gebracht, war in der elenden -Schenke, wo sie lagen, für Kost und Logis aufgegangen. Ich kann eben -nicht sagen, daß ich mich sehr zu Gunsten der Wirthin, einer barschen -und habsüchtigen Frau eingenommen fühlte. Außer den verschiednen -Emigranten, Männern, Weibern und Kindern, welche diesen Schuppen -bewohnten, zählte derselbe noch andre Inhaber; ein hübsches feistes -Kalb nahm einen Verschluß in einem Winkel ein; einige Ferkel wanderten -grunzend in Gesellschaft mit einem halben Dutzend Vögeln umher. Der -anziehendste Gegenstand waren drei schneeweiße Tauben, welche friedlich -die auf der Erde liegenden Bröckchen aufpickten und das Ansehn hatten, -als wären sie zu rein und unschuldig, um Bewohner eines solchen Platzes -zu sein. - - [Illustration: _Amerikanische Silber-Tanne._] - -Sowohl wegen der Seichtigkeit des Flusses in dieser Jahreszeit als auch -wegen der Stromschnellen kann das Dampfboot nicht den ganzen Weg bis -Peterborough hinauf steuern, daher ein Kahn (^scow^) oder Ruderboot, -wie er bisweilen genannt wird, eine plumpe schwerfällige Maschine mit -flachem Kiel an einer bestimmten Stelle des Flusses im Angesicht einer -eigenthümlich gestalteten Fichte, auf dem rechten Ufer, der Passagiere -wartete. Der eben erwähnte Baum heißt die »Yankie-Mütze« (^Yankee -bonnet^), wegen der vermeintlichen Aehnlichkeit der obersten Aeste mit -einer Art unter den Yankies üblichen, der blauen schottischen nicht -unähnlichen Mütze. - -Unglücklicher Weise landete das Dampfboot etwa vier englische -Meilen unterhalb des gewöhnlichen Rendezvous-Ortes und wir warteten -bis ziemlich vier Uhr darauf. Als es endlich erschien, fanden wir -zu unserm nicht geringen Mißvergnügen die Ruder-Knechte (acht an -Zahl und sämmtlich Irländer) unter dem Einfluß eines tüchtigen -Branntwein-Rausches, den sie sich auf der Herfahrt angetrunken. -Uebrigens waren sie über die Verzögerung von Seiten des Dampfbootes -aufgebracht, die ihnen eine vierstündige schwere Ruderarbeit mehr -auferlegt hatte. Außer einer Anzahl Passagiere fanden wir es mit einer -beträchtlichen Ladung Hausgeräth, Koffern, Kisten, Schachteln, Säcken -mit Weizen, Salz und geräuchertem Schweinefleisch, nebst noch hundert -andern Packeten und Artikeln, großen und kleinen, belastet, die zu -einer solchen Höhe aufgeschichtet waren, daß ich sowohl für die Güter -selbst als für die Passagiere Gefahr fürchtete. - -Mit dem unverstelltesten Unwillen griffen die Leute nach vollendeter -Ladung zu ihren Rudern, erklärten aber, daß sie ans Ufer gehen, Feuer -machen und ihr Mahl zubereiten wollten, da sie noch gar keine Nahrung -zu sich genommen; dafür hatten sie indeß der Branntwein-Flasche tüchtig -zugesprochen. Dieser Maßregel widersezten sich einige der männlichen -Passagiere, und es erfolgte ein heftiger Zank, der damit endete, daß -die Meuterer ihre Ruder niederwarfen und sich ausdrücklich weigerten, -ehe sie ihren Hunger befriedigt, einen einzigen Schlag zu thun. - -Vielleicht hatte ich ein dem ihrigen verwandtes Gefühl; denn ich begann -selbst, äußerst hungrig zu werden, da ich seit früh sechs Uhr gefastet; -in der That war ich so schwach, daß ich meinen Gatten bat, er möchte -sich ein Stückchen von dem groben, eben nicht appetitlichen Brode für -mich geben lassen, das die Irländer aus ihren Schnappsäcken hervorzogen -und mit gewaltigen Schnitten rohen Pöckel-Schweinfleisches verzehrten, -wobei sie, »nicht laute aber tiefe«[18] Flüche und bittre Spottreden -gegen diejenigen ausstießen, welche sie in Kochung ihrer Speisen, »_wie -es Christen gezieme_,« verhindern wollten. - -Während ich begierig mein Stückchen Brod hinteraß, sagte ein alter -Pächter, der mich eine Zeitlang mit einem Gemisch von Neugierde und -Mitleiden betrachtet, »Arme Frau, sie scheinen ja recht hungrig, und -sind, irr' ich nicht, eben erst aus dem alten Vaterlande gekommen und -folglich an dergleichen harte Kost nicht gewöhnt. Hier sind einige -Kuchen, die meine Frau (^my woman^) als ich von zu Hause aufbrach, mir -in die Tasche gesteckt hat; ich mache mir wenig daraus, aber sie sind -doch besser als dieses schlechte Brod; bedienen sie sich derselben, -und mögen sie Ihnen wohl bekommen.« Mit diesen Worten schüttete er mir -einige recht schöne hausbackene Streukuchen in den Schooß, und gewiß -konnte mir nie etwas erwünschter kommen als diese wohlschmeckende -Erfrischung. - -Ein mürrischer düsterer Geist schien unter unsern Bootsleuten zu -herrschen, der keineswegs abnahm, als der Abend einbrach, und -- die -Stromschnellen waren nahe. - -Die Sonne war untergegangen, und Mond und Sterne stiegen glänzend über -die stille Wasserfläche empor, welche das Bild dieser Himmels-Körper -zurückspiegelte. Ein so überaus reizender Anblick schien das -aufgeregteste, wildeste Gemüth zu Frieden und Ruhe stimmen zu müssen; -wenigstens dachte ich so, als ich, in meinen Mantel gehüllt, mich in -den Arm meines Gatten lehnte und mit Entzücken und Bewunderung bald vom -Wasser zum Himmel, bald vom Himmel zum Wasser blickte. Meine angenehme -Träumerei wurde indeß bald beendigt, indem unser Boot plötzlich das -felsige Ufer berührte, und ich die Bootsleute unter manchen Flüchen -und Betheuerungen versichern hörte, daß sie in dieser Nacht nicht -weiter steuern würden. Wir befanden uns ungefähr drei englische Meilen -unterhalb Peterborough; und wie ich, geschwächt durch die eben erst -überstandne Krankheit und die Strapazen unsrer langen Reise, diesen Weg -zurücklegen sollte, wußte ich nicht. Die Nacht in dem offnen Boote, dem -starken vom Flusse aufsteigenden Nebeldunst ausgesetzt, zuzubringen, -wäre gewisser Tod gewesen. Während wir überlegten, was zu thun sei, -hatten die übrigen Passagiere ihren Entschluß gefaßt, sie nahmen ihren -Weg durch den Wald, auf einem Pfade, den sie genau kannten. Auch waren -sie uns bald aus den Augen entschwunden, bis auf einen Herrn, der einen -der Bootsleute durch Geld und gute Worte dahin zu bestimmen suchte, daß -er ihn nebst seinem Hunde an der Stelle, wo die Stromschnellen ihren -Anfang nehmen, in einem Fischernachen über den Strom setzen sollte. - -Denken sie sich unsre Lage, um zehn Uhr in der Nacht, mit keinem -Schritt unsrer Marschroute bekannt, ans Ufer gesetzt, um, so gut wir -könnten, den Weg nach einer fernen Stadt zu finden, oder die Nacht in -dem finstern Walde zuzubringen. - -Fast in Verzweiflung, beschworen wir den eben erwähnten Herrn, so -weit, als sein Weg reiche, unser Führer zu sein. Aber so viele -Hindernisse stellten sich in Gestalt längs den Ufern ausgestreuter, -neuerdings gefällter Baumstämme und großer Stein-Blöcke unserm -Vordringen entgegen, daß wir unsern Pfad nur mit der größten -Schwierigkeit im Gesicht behalten konnten. Endlich langten wir mit -unserm Führer an der Stelle an, wo der Nachen seiner wartete, und mit -einer Hartnäckigkeit, die wir zu einer andern Zeit und unter andern -Umständen, nie gezeigt haben würden, verlangten wir alle, in das -elende Fahrzeug aufgenommen zu werden. Endlich willigt der mürrische -Charon unter Grollen und Brummen ein, und wir stigen hastig in den -zerbrechlichen Nachen, der kaum geeignet schien, uns sicher nach dem -entgegengesetzten Ufer zu führen. Ich konnte mich, als ich die Fluth -von Verwünschungen und Schimpfreden vernahm, die unaufhörlich dem Munde -des Bootsmanns entströmte, eines Gefühls von unbeschreiblicher Furcht -nicht erwehren. Ein- oder zweimal liefen wir Gefahr, durch die Tannen- -und Cedern-Aeste, welche in der Nähe der Ufer ins Wasser gefallen -waren, umgestürzt zu werden. Meine Freude, als wir das andre Ufer -erreichten, können Sie sich denken; allein hier wartete unser eine neue -Beunruhigung; wir hatten nämlich noch eine Strecke pfadlosen Waldes -zu durchwandern, ehe wir den Nachen wieder erreichen konnten, welcher -eine kleine Stromschnelle passiren mußte und am Anfange eines kleinen -Sees, einer Erweiterung des Otanabee, etwas unter Peterborough auf uns -warten sollte. Bis dahin hinderten umgestürzte Bäume, meistentheils -Schierlings-Tannen, Pech-Tannen oder Cedern, deren Aeste und Zweige -so dicht verflochten sind, daß man sie kaum von einander trennen oder -sich Bahn durch ein davon gebildetes Dickicht brechen kann, bei jedem -Schritt unsern Weg. - -Hätten wir nicht den menschenfreundlichen Beistand unsers Führers -gehabt, so weiß ich in der That nicht, wie ich diese Schwierigkeiten -hätte überwinden sollen. Bisweilen war ich nahe daran, vor Müdigkeit -und Ermattung nieder zu sinken. Endlich vernahm ich zu meiner -unaussprechlichen Freude die mürrische Stimme unsers irischen Ruderers, -und nach vielem Zanken und Brummen von seiner Seite, saßen wir abermals -in dem Nachen. - -Wie froh waren wir nicht, als wir nach einiger Zeit neben dem -hellodernden Feuer eines ungeheuern Holzstoßes, das Haus unsers -Freundes erblickten. Hier fanden wir auch einen Führer, der uns den -Weg zur Stadt auf einer durch den Wald gehauenen Straße zu zeigen -versprach. Eine Tasse Thee zur Erfrischung unsrer Lebensgeister von -unserm freundlichen Wirth war uns sehr willkommen, und nachdem mir eine -kurze Zeit ausgeruht und etwas Kraft gesammelt, brachen wir wieder auf, -geführt von einem zerlumpten, aber höflichen irischen Jungen, dessen -freies freundliches Wesen und gute Laune uns ganz für ihn einnahmen. Er -erzählte uns, daß er eine von sieben Waisen sei, die Vater und Mutter -durch die Cholera verloren. »Ach es ist traurig!« sagte er, »vater- und -mutterlos in einem fremden Lande zu sein;« dabei wischte er sich die -Thränen ab, die ihm über die Wangen rollten, indem er uns die traurigen -Umstände seiner frühzeitigen Verwaisung mittheilte, indeß fügte er -fröhlich hinzu, daß er einen gütigen Herrn gefunden, der einige seiner -Brüder und Schwestern so wie ihn selbst in seine Dienste genommen. - -Gerade als wir aus dem Dunkel des Waldes hervortraten, fanden wir unsre -Fortschritte durch einen Wasserstrom gehindert, über welchen wir, -sagte er uns, um die Stadt erreichen zu können, eine kleine Brücke -(^log-bridge^) zu passiren hätten. Nun bestand die Baum-Brücke aus -blos einem Stamme oder vielmehr einem umgefallenen Baume, den man quer -über den Wasserstrom geworfen, und der durch die von dem morastigen -Wasser aufsteigenden schweren Dünste sehr schlüpfrig war. Da er blos -eine Person auf einmal zuließ, so konnte ich keinen Beistand von -meinen Begleitern erhalten; und obgleich unser kleiner Führer, mit -einer natürlichen, aus seinem wohlwollenden Charakter entspringenden -Artigkeit die Laterne dicht an den Baumstamm hielt, um alles Licht -darauf fallen zu lassen, so hatte ich doch das Mißgeschick, in Folge -eines Schwindels, der mich gerade bei den letzten noch übrigen -Schritten anwandelte, bis an die Knie ins Wasser zu fallen, und so war -ich zugleich müde und naß. Zur Vermehrung unsres Unglücks sahen wir die -Lichter im Dorfe, eins nach dem andern verschwinden, bis nur noch hier -und da ein einsames Flämmchen aus den obersten Stuben von einem oder -zwei Häusern flimmerte, die uns als Leuchtthürme dienten. Wir hatten -uns noch nach einer Herberge umzuthun, und es war ziemlich Mitternacht, -als wir die Thür des besten Wirthshauses erreichten, hier endlich -dachte ich, werden unsre Leiden für diese Nacht ein Ende haben; aber -wie groß war unser Verdruß, als man uns sagte, daß kein Bett im Hause -mehr übrig sei, daß Emigranten, die auf ihrem Wege nach einer der neuen -Ansiedlungen begriffen waren, sie sämmtlich in Beschlag genommen. - -Ich vermochte nicht weiter zu gehen, und wir baten um einen Platz -am Küchen-Feuer, um da, wenn auch nicht zu schlafen, doch ein wenig -auszuruhen, und wo ich meine nassen Kleider trocknen könnte. Die -Wirthin, als sie meinen Zustand sah, fühlte Mitleiden mit mir, führte -mich an ein helloderndes Feuer, das ihre Mädchen schnell angefacht; -eine brachte mir ein warmes Fußbad; eine andre versah uns mit warmem -Getränk, das, so fremd und ungewöhnlich es meinem Lippen war, mir gute -Dienste that; kurz es wurde uns alle mögliche Pflege und Aufmerksamkeit -zu Theil, die wir von unsern Wirthsleuten nur immer erwarten konnten; -ja sie traten uns sogar ihre eignen Betten ab, und begnügten sich mit -einem Strohlager vor dem Küchenfeuer. - -Ich kann jetzt über die Unfälle dieses Tages lächeln, aber während wir -dieselben erduldeten, erschienen sie mir, wie Sie sich wohl vorstellen -mögen, als keine Kleinigkeit. - - Leben Sie wohl! meine theuerste Mutter. - -Fußnoten: - -[15] Vom Kinde entlehnt, welches, ehe es die Kraft zu gehen hat, auf -allen Vieren kriecht. - -[16] Die besuchtesten Bade-Orte in England. - -[17] _Humboldt_ bemerkt über die bekehrten Indianerstämme Folgendes: -In den Wäldern von Südamerika giebt es Stämme, welche in Dörfern -wohnen, Pisang, Cassava und Baumwolle erbauen, und kaum mehr Barbaren -sind, als die in den Missionsanstalten lebenden Individuen, welche man -abgerichtet hat, das Zeichen des Kreuzes zu machen. Es ist ein Irrthum, -wenn man alle freie Eingeborne als herumwandernde Jäger betrachtet; -denn schon lange vor der Ankunft der Europäer herrschte auf dem -Continent der Ackerbau und herrscht noch jetzt zwischen dem Orinoco und -Amazonenflusse, in Distrikten, wohin dieselben nie gekommen sind. - -Das System der Missionaire hat einen Hang nach Grundeigenthum, nach -festen Wohnplätzen, und einen Sinn für ein ruhiges Leben erzeugt; -allein der getaufte Indianer ist oft eben so wenig ein Christ, als -sein heidnischer Bruder ein Verehrer von Götzen, beide zeigen eine -auffallende Gleichgültigkeit gegen religiöse Meinungen und eine Neigung -zur Verehrung der Natur. - -Man hat keinen Grund, zu glauben, daß sich die Anzahl der Indianer in -den spanischen Colonien vermindert habe. Noch immer existiren über -sechs Millionen der kupferfarbenen Menschenrace in beiden Theilen -von Amerika; und obgleich in jenen Colonien mehre Sprachen verloren -gegangen oder vermischt worden sind, so haben sich die Eingebornen doch -fortwährend vermehrt. In der gemäßigten Zone wird die Berührung der -Europäer mit den Eingebornen der Bevölkerung der letztern verderblich; -in Süd-Spanien hingegen ist das Resultat verschieden, und hier fürchtet -man die Annäherung der Weißen nicht. Im ersten Fall wird für die -Indianer eine große Strecke Landes erforderlich, weil sie von der Jagd -leben; im zweiten hingegen reicht ein kleines Stück Grund und Boden -hin, um einer Familie ihren Unterhalt zu gewähren. - -In diesen Provinzen machen die Europäer nur langsame Fortschritte, und -die religiösen Orden haben zwischen den von ihnen bewohnten Gegenden -und denjenigen, welche die freien oder unabhängigen Indianer bewohnen, -Niederlassungen begründet. - -Die Missionen haben sich ohne Zweifel Eingriffe in die Freiheit der -Eingebornen erlaubt, allein diese Eingriffe sind im Allgemeinen dem -Wachsthum der Bevölkerung günstig gewesen. In demselben Maßstabe, -als die Prediger in das Innere eindrangen, nahmen die Pflanzer von -dem Gebiete Besitz; Weiße sowohl, als solche Individuen, welche aus -gemischten Ehen stammen, lassen sich unter den Indianern nieder; die -Missionsanstalten verwandeln sich in spanische Dörfer, und mit der Zeit -verlieren die alten Bewohner ihre ursprünglichen Sitten und Sprache. -Auf diese Weise schreitet die Civilisation von den Küsten nach dem -Mittelpunkt des festen Landes zu. - -Neu-Andalusien und Barcellona enthalten mehr als vierzehn Stämme -Indianer. Die der ersten Provinz sind die Chaymas, die Guayquerier, die -Pariagotoer, die Quaquas, die Aruacas, die Cariben, die Guaraounoer; -die der andern, die Cumanagatoer, die Palenkas, die Cariben, die -Piritoer, die Tomoozas, die Topocuarer, die Chacopater und die -Guarivas. Die oben erwähnten Guaraounoer, welche an der Mündung des -Orinoco in Hütten auf Bäumen wohnen, ist nicht bekannt. - -In den Vorstädten von Cumana und auf der Halbinsel Araya leben -zweitausend Guayquerier. Unter den übrigen genannten Stämmen sind die -Chaymas von den Bergen von Caripe, die Cariben von Neu-Barcelona, und -die Cumanagatoer in den Missionsanstalten von Piritoo die zahlreichsten. - -Die Sprache der Guaraounoer, so wie die der Cariben, Cumanagatoer und -Chaymas werden am allgemeinsten gesprochen und scheinen einer und -derselben Wurzel anzugehören. - -Obgleich die zu den Missionen gehörigen Indianer sämmtlich Ackerbau -treiben, die nehmlichen Pflanzen cultiviren, ihre Hütten auf dieselbe -Weise erbauen, und die nehmliche Lebensweise führen, so bleiben doch -die Nüancen, wodurch sich die verschiedenen Stämme von einander -unterscheiden, unverändert. Es giebt nur sehr wenige Dörfer, worin die -Familien nicht verschiedenen Stämmen angehörten und nicht verschiedene -Sprachen sprächen. - -Die Missionäre haben in der That verschiedene Gebräuche und Ceremonien -verboten und manchen Aberglauben verbannt, allein sie sind nicht im -Stande gewesen, den wesentlichen Charakter, welchen alle amerikanische -Racen von der Hudsons Bay an bis zur Magellanschen Straße mit einander -gemein haben, zu verändern. - -Der unterrichtete Indianer, welcher sicherer auf seinen Unterhalt -zählen kann, als der ungezähmte Eingeborne, und weniger der zügellosen -Wuth feindlicher Nachbarn oder dem Ungestüm der Elemente ausgesetzt -ist, führt ein einförmigeres Leben, besitzt die Charaktermilde, -welche aus der Liebe zur Ruhe entspringt, und nimmt eine ruhige und -geheimnißvolle Miene an; allein sein Ideenkreis hat keine große -Erweiterung erfahren, und der Ausdruck von Melancholie, den seine -Gesichtszüge darbieten, ist einzig und allein die Folge der Trägheit -und Unempfindlichkeit. - -Die Chaymas, wovon mehr als funfzehntausend die spanischen Dörfer -bewohnen und die gegen Westen an die Cumanagatoer, gegen Osten an -die Guaraounoer, und gegen Süden an die Cariben stoßen, haben einen -Theil der hohen Berge Cocollar und Guacharo, so wie auch die Ufer des -Guarapiche, Rio Colorado, Areo und den Cano von Caripe inne. - -Der erste Versuch, sie der Cultur zu unterwerfen, wurde in der Mitte -des siebenzehnten Jahrhunderts vom Pater Francisco aus Pamplona, einem -sehr eifrigen und unerschrockenen Mann, gemacht. Die nach und nach -unter diesem Volke errichteten Missionsanstalten erlitten in den Jahren -1681, 1697 und 1720 durch die Einfälle der Cariben bedeutende Verluste; -von 1730 an wurde die Bevölkerung durch die Verheerungen der Bocken -vermindert. - -Sie haben von Natur sehr wenig Haar am Kinn, und das wenige, welches -erscheint, wird sorgfältig ausgerissen. Dieser geringe Bartwuchs ist -der amerikanischen Rasse gemein, wiewohl es Stämme giebt, z. B. die -Chipewas und Patagonier, bei denen der Bart eine bedeutende Größe -erreicht. - -Die Chaymas führen ein sehr regelmäßiges und einförmiges Leben. -Sie gehen um sieben Uhr zu Bett und stehen halb fünf Uhr auf. Das -Innere ihrer Hütten halten sie äußerst rein, und ihre Hängmatten, -Geräthschaften und Waffen befinden sich in der größten Ordnung. Sie -baden sich jeden Tag, und da sie im Allgemeinen nackt gehen, so sind -sie von dem Schmuze frei, welcher hauptsächlich durch die Kleidung -verursacht wird. Außer ihrer Hütte im Dorfe haben sie gewöhnlich an -einem einsamen Orte in den Wäldern eine kleinere, die mit Palmen- oder -Pisangblättern bedeckt ist, und in welche sie sich, so oft als es nur -immer geht, zurückziehen, und so stark ist in ihnen der Wunsch, die -Aehnlichkeiten eines wilden Lebens zu genießen, daß die Kinder oft Tage -lang in den Wäldern umherziehen, und wirklich sind die Städte oder -Dörfer bisweilen ganz verlassen. Wie bei allen barbarischen Nationen -ist das weibliche Geschlecht Entbehrungen und Beschwerden ausgesetzt, -der schwerste Theil der Arbeit fällt ihm zu. - -[18] »^Not loud but deep^,« eine sprüchwörtliche Redens-Art. - - - - -Sechster Brief. - - Peterborough. -- Sitten und Sprache der Amerikaner. -- Schottischer - Maschinenbauer. -- Schilderung Peterboroughs und seiner Umgebungen. -- - Canadische Blumen. -- Shanties. -- Beschwerden und Strapazen, welche - die ersten Ansiedler zu ertragen haben. -- Verfahren bei Anlegung - einer Meierei. -- - - - Peterborough, den 11. Sptbr. 1832. - -Es ist jetzt fest bestimmt, daß wir hier bleiben, bis die Verkäufe von -Seiten der Regierung stattgefunden[19]. - -Wir werden alsdann bei S-- und seiner Familie logiren und gedenken, -während der Zeit einige Acker gelichtetes Landes zu erlangen und ein -Log-Haus auf eignem Grund und Boden zu errichten. Da wir uns einmal -vorgenommen, in den Busch zu gehen, wo wir, als dem Militair-Stande -angehörig, unser Grundeigenthum zu erwarten hatten, das uns glücklicher -Weise in der Nachbarschaft von S-- zu Theil geworden ist, so sind -wir jetzt fest entschlossen, allen mit einer solchen Lage verbundnen -Entbehrungen und Mühseligkeiten fröhlichen Muthes zu begegnen; denn -wir haben keine andere Wahl als entweder jenen großen Vortheil -aufzugeben oder unsre Ansiedler-Pflichten zu thun. Wir werden, denk' -ich, nicht schlechter dabei fahren, als andre, die vor uns in die noch -unangebauten Distrikte gezogen sind, manche derselben, sowohl See- -als Land-Offiziere, nebst ihren Familien, haben mit beträchtlichen -Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt, fangen aber gegenwärtig an, die -Früchte ihrer Anstrengungen zu ernten. - -Außer dem Grund und Boden, wozu er als Offizier in brittischen -Diensten, berechtigt ist, handelt mein Gatte um ein Stück Land in -der Nähe kleiner Seen. Dies wird uns sowohl einen Wasser-Vordergrund -verschaffen als auch der Familie S-- näher bringen, mithin werden wir -nicht so ganz allein und verlassen sein, als wenn wir sogleich nach -dem uns von der Regierung bewilligten Landeigenthum abgegangen wären. - -Wir haben von mehren zu Peterborough angesiedelten Familien -Aufmerksamkeit und Gastfreundschaft erfahren. Man findet hier eine sehr -gute Gesellschaft die hauptsächlich aus Offizieren und ihren Familien -und außerdem aus Professionisten und Vorrathshändlern besteht. Manche -der letzten sind Leute von achtbarer Familie und guter Erziehung; -wiewohl ein hiesiges Vorraths-Magazin in der That um nichts besser ist -als ein _Kramladen_ (^general chop^) in einer englischen Landstadt, -so behaupten doch die Vorrathshändler in Canada einen weit höheren -Rang als die Krämer in den kleinen Städten und Dörfern von England. -Die Vorrathshändler sind die Kaufleute und Banquiers der Orte, wo -sie sich niedergelassen. Fast alle Geldsachen werden von ihnen -abgemacht, und sie sind oft im Besitz von Grundeigenthum und Leute von -Wichtigkeit, verwalten obrigkeitliche Aemter und werden nicht selten -zu Commissairen, ja sogar zu Mitgliedern des Provincial-Parlamentes -erwählt. - -Da sie in der Gesellschaft einen Rang behaupten, der sie der -Aristokratie des Landes gleich stellt, so dürfen Sie sich nicht -wundern, wenn ich Ihnen sage, daß es nichts Ungewöhnliches ist, den -Sohn eines See- oder Land-Offiziers oder Geistlichen hinter dem -Zahltisch stehen, oder mit seines Vaters Holzhauern im Walde die Axt -führen zu sehen; eine Beschäftigung, wodurch sie keineswegs ihren Rang -in der Gesellschaft verlieren. Nur gute Erziehung und feine Sitten -unterscheiden hier den Gentleman von den übrigen Klassen, da der -Arbeiter, wofern er fleißig und betriebsam ist, was weltlichen Besitz -anlangt, gar bald seines Gleichen werden kann. Der unwissende, sei er -auch noch so reich, wird nie dem Mann von Erziehung die Wage halten. Es -ist die moralische und geistige Ausbildung des Menschen, welche einen -Unterschied der Klassen in diesem Lande bildet -- »Kenntniß ist Macht.« - -Wir hatten so viel von den gehässigen Sitten der Yankies in diesem -Lande gehört, daß ich mich durch die wenigen Beispiele von eingebornen -Amerikanern, die mir zu Gesicht kamen, viel mehr angenehm überrascht -fand. Sie waren größtentheils höfliche, anständige Leute. Die einzigen -Eigenheiten, die ich an ihnen bemerken konnte, waren ein Nasen-Ton beim -Sprechen und einige wenige seltsame Phrasen; allein diese sind blos -unter den niedrigeren Klassen gebräuchlich, die etwas mehr _rathen_ und -_calculiren_[20] als wir. Einer ihrer merkwürdigsten Ausdrücke ist das -Zeitwort »^Fix^,« (festsetzen, befestigen, bestimmen). Alles, was zu -thun oder zu verrichten ist, muß _fixirt_ (^fixed^) werden. »^Fix the -room^,« bedeutet: das Zimmer in Ordnung bringen. »^Fix the table^,« -(decke den Tisch), »^Fix the fire^,« (schüre das Feuer an), sagt die -Hausfrau zu ihren Mägden, und alles geschieht dem Befehle gemäß. - -Viel Spaß machte es mir, als ich eines Tages eine Frau zu ihrem Mann -sagen hörte, daß der Schornstein fixirt werden müsse (^wanted fixing^). -Ich hielt ihn für fest und sicher genug und war nicht wenig überrascht, -als der Hausherr einen Strick und einiges Cedern-Reisig herbeiholte, -und damit den in der Esse angehäuften Ruß entfernte, welcher das Feuer -rauchen machte. Der Schornstein war bald _fixirt_ (gereinigt), und -das Rauchen hatte ein Ende. Diese seltsame Art, sich auszudrücken, -herrscht nicht allein unter den niedrigen Klassen, sondern hat, weil -man dergleichen so oft hört, allgemeine Aufnahme gefunden, und wird -sogar von den in letztrer Zeit hier angesiedelten Emigranten aus unserm -Vaterlande gebraucht. - -Mit Ausnahme einiger befremdenden Ausdrücke, und eines Versuchs, feine -Redens-Arten in ihre gewöhnliche Conversation einzuführen, behaupten -die Yankies, was grammatische Richtigkeit anlangt, einen entschiednen -Vorrang vor unsern englischen Bauern. Sie sprechen ein besseres -Englisch, als man von Leuten desselben Standes in irgend einem Theile -von England, Irland oder Schottland hört; obwohl man, meines Bedünkens, -dies zu Hause nicht gern zugeben möchte. - -Wenn mich Jemand fragen sollte, welche Züge mir an den Amerikanern, -auf die ich bis jetzt gestoßen, am meisten auffallen, so dürfte ich -antworten: »Kälte, die sich der Apathie nähert.« Ich will damit -keineswegs behaupten, daß es ihnen an Gefühl und wahrer Gemüthlichkeit -fehle; allein sie lassen ihre Bewegung nicht sehen. Sie sind nicht so -verschwenderisch mit ihren Freundschaftsbezeugungen und Begrüßungen, -wie wir, obwohl vielleicht eben so aufrichtig. Niemand bezweifelt ihre -Gastfreundschaft; allein man verlangt doch bei alle dem nach einem -herzlichen Druck der Hand oder einem freundlichen Wort, wodurch man -sich willkommen fühlt. - -Neue Ankömmlinge in diesem Lande sind sehr geneigt, die alten -brittischen Ansiedler mit den eingebornen Amerikanern zu verwechseln, -und, wenn sie auf rohe ungeschliffne Leute stoßen, die sich in -ihrer Rede gewisser Yankie-Worte bedienen, und mit ihrer, den -aristokratischen Begriffen der vornehmen Engländer zuwiederlaufenden -Unabhängigkeit prunken, sogleich annehmen, daß sie es mit wirklichen -Yankies zu thun haben, während dieselben doch in der That blose -Nachahmer sind; und Sie wissen wohl, Beste Mutter, daß eine schlechte -Nachahmung stets schlechter ist, als das Original. - -Sie würden sich nicht wenig wundern, wenn Sie sähen, wie bald die -neuen Ankömmlinge in diese widrigen Maniren und Affectation von -Gleichheit verfallen; was vorzüglich von den Irländern und Schotten -niedriger Abkunft gilt; die Engländer machen schon eher eine Ausnahme. -Das Benehmen eines jungen Schotten, des Maschinenmeisters auf dem -Dampfboote, als ihn mein Gemahl über die Handhabung der Maschine -befragte, machte uns gewissermaßen Unterhaltung. Seine Maniren waren -grob, ja sogar beleidigend. Er vermied sorgfältig jede Hinneigung zu -Höflichkeit oder äußerem Anstand; ja er ging so weit, daß er sich auf -die Bank dicht neben mich setzte und bemerkte, er halte unter den -vielen Vortheilen, welche dieses Land Ansiedlern, wie er sei, darbiete, -es nicht für den geringsten, daß er nicht verbunden sei, seinen Hut -abzunehmen, wenn er mit Leuten (^people^) (Personen unsers Standes -meinend) spreche, und daß er sie nicht anders als bei ihren Namen -anzureden brauche; dazu könne er seinen Sitz neben jedem Gentleman und -jeder Dame nehmen und sich ihnen völlig gleich achten. - -»Sehr wahr,« erwiederte ich, kaum vermögend, mein Lachen über diesen -Ausfall zu unterdrücken; »allein ich glaube Sie überschätzen den -Vortheil solcher Privilegien um ein Bedeutendes; denn Sie können die -Dame oder den Mann von Stande nicht zwingen, dieselbe Meinung von -Ihrer Persönlichkeit zu hegen oder, wofern sie sich nicht dadurch -geschmeichelt fühlen, neben Ihnen sitzen zu bleiben.« Mit diesen Worten -stand ich auf und verließ den unabhängigen Gentleman, offenbar ein -wenig verwirrt über dieses Manövre, indeß gewann er seinen Selbstbesitz -bald wieder, schwang die Axt, welche er in der Hand hatte, und sagte: -»Es ist, denke ich, kein Verbrechen, von armen Aeltern geboren zu sein.« - -»Nein! wahrlich nicht,« antwortete mein Gatte, »kein Mensch kann sich -seine Geburt selbst wählen, er hat es nicht in seiner Gewalt, arm oder -reich geboren zu werden; und eben so wenig kann es einem Gentleman zur -Last gelegt werden, daß er von Aeltern geboren worden, die einen höhern -Rang in der Gesellschaft einnehmen, als sein Nachbar. Ich hoffe Sie -geben dies zu.« - -Der Schotte sah sich, wiewohl ungern, zur Bejahung dieses Ausspruchs -genöthigt; schloß aber nachmals damit: er sei sehr froh, daß er vor -Gentlemen, wie sie sich zu nennen beliebten, den Hut nicht abzunehmen, -noch in seiner Rede sich demuthsvoll zu zeigen brauche. - -»Niemand, mein Freund, dürfte Sie gezwungen haben, in ihrem Vaterlande -höflicher zu sein, als in Canada. Gewiß hätten Sie, wofern es Ihnen -so beliebte, Ihren Hut ebenfalls aufbehalten können. Kein Gentleman, -glauben Sie mir, würde Ihnen denselben vom Kopfe geschlagen haben. - -»Was den gerühmten Vortheil in Betreff roher Sitten in Canada anlangt, -so würde ich etwas davon halten, wenn er Ihnen nur im geringsten -nützte, oder einen Dollar mehr in die Tasche brächte; allein ich habe -Grund, zu zweifeln, daß er diese wünschenswerthe Wirkung hat.« - -»Es ist aber doch tröstlich, sollte ich meinen, sich einem Gentleman -gleich zu achten.« - -»Besonders wenn Sie den Gentleman zu denselben Gedanken bestimmen -können.« Dies war ein Punkt, der unsern Gleichheits-Candidaten etwas in -Verlegenheit zu setzen schien; denn er begann mit verdoppelter Energie -zu pfeifen und die Füße zu schleudern. - -»Jetzt,« sagte sein Peiniger, »nachdem Sie mir Ihre Begriffe von -canadischer Unabhängigkeit erklärt, haben Sie die Gefälligkeit, mich -mit dem Mechanismus Ihrer Maschine vertraut zu machen, die Sie so genau -zu kennen scheinen.« - -Der Mann sah meinen Gatten eine Minute lang halb trotzig, halb durch -das seiner Geschicklichkeit gezollte Compliment geschmeichelt, an, ging -darauf zur Maschine setzte alles mit großer Geläufigkeit auseinander -und behandelte uns seit dieser Zeit mit vollkommner Achtung. Die -Erwiederung meines Gatten auf seine in einem höchst unhöflichen Tone -gethane Frage: »was macht denn eigentlich einen Gentleman, ich bitte -Sie, beantworten Sie mir das?« »Feine Sitten und gute Erziehung. -- Ein -reicher oder hochgeborner Mann, der sich roh und ungesittet benimmt und -unwissend ist, hat eben so wenig Ansprüche auf den Titel: Gentleman, -als Sie selbst,« hatte auf ihn einen starken Eindruck gemacht. - -Wir standen seitdem auf einem ganz andern Fuße miteinander; der -Maschinen-Meister hatte so viel gesunden Verstand, daß er einsah, rohe -Vertraulichkeit mache den Gentleman noch nicht aus. - -Allein es wird Zeit, daß ich Ihnen einige Nachrichten über Peterborough -mittheile, welches, hinsichtlich der Lage, jedem andern Ort, den ich -bis jetzt in der obern Provinz gesehen habe, überlegen ist. Es nimmt -ziemlich den Mittelpunkt zwischen den Stadt-Bezirken Monaghan, Smith, -Cavan, Otanabee und Douro ein, und dürfte nicht unpassend als die -Hauptstadt des Newcastle-Distrikts gelten. - -Es liegt auf einer hübschen erhabnen Ebne, gerade über einem kleinen -See, wo der Fluß durch zwei niedrige bewaldete Eilande getheilt -ist. Der ursprüngliche oder Gouvernements-Theil der Stadt ist in -Halbacker-Parcellen[21] angebaut; die Straßen, welche sich jetzt -schnell mit Gebäuden füllen, bilden rechte Winkel mit dem Flusse und -erstrecken sich gegen die Ebnen nach Nordosten zu. Diese Ebnen bilden -einen schönen natürlichen Park, in welchem Thäler und Hügel anmuthig -mit einander abwechseln; überall stößt das Auge auf liebliche, grüne, -mit den mannigfaltigsten und schönsten Blumen geschmückte Auen, -gleichsam von der Hand der Natur mit Gruppen von stattlichen Fichten, -Eichen, Balsam-Pappeln, italienischen Pappeln und Silber-Birken -bepflanzt. Die Aussicht von diesen Ebnen aus ist entzückend; wohin man -nur sein Auge wendet, erblickt man mannigfaltige Hügel und Thäler, -Wald und Wasser, während sich die Stadt über einen beträchtlichen -Flächenraum ausbreitet. - - [Illustration: _Canadische Fichte._] - -Die Ebnen verlaufen mit einer starken Neigung nach dem Flusse zu, der -mit großem Ungestüm zwischen seinen Ufern hinbraust. Denken Sie sich -ein langes, enges, den östlichen und westlichen Theil der Stadt in zwei -Hälften scheidendes Thal. - -Das Otanabee-Ufer erhebt sich zu einer größeren Höhe als die -Monaghan-Seite, und beherrscht eine weite Aussicht über das -zwischenliegende Thal; die gegenüber befindliche Stadt und die -bekränzten Waldungen und Hügel im Hintergrunde. Dieser Theil heißt -_Peterborough-East_ und ist das Besitzthum drei reicher Capitalisten, -von welchen man die Stadt-Parcellen kauft. - -Peterborough, auf die angegebne Weise vertheilt, nimmt einen -beträchtlichen, zur Bildung einer großen Hauptstadt mehr als -hinreichenden Flächenraum ein. Seine Einwohner-Zahl wird gegenwärtig -auf siebenhundert Köpfe und darüber geschätzt, und wenn sie in den -nächsten Jahren so schnell zu wachsen fortfährt, wie dies der Fall -bisher gewesen ist, so dürfte Peterborough bald eine sehr volkreiche -Stadt sein[22]. - -Der Ort ist im Besitz großer Wasser-Kraft, sowohl durch den Fluß -als den schönen breiten Bach, der seinen Weg durch die Stadt windet -und sich in den kleinen, weiter unten liegenden See ergießt. -Man findet daselbst verschiedne Säge- und Mahl-Mühlen, eine -Branntweinbrennerei, eine Walk-Mühle, zwei größere Gasthöfe und -verschiedne kleine Wirthshäuser, eine Anzahl gute Vorrathshäuser, -ein Gouvernements-Schulhaus, das auch als Kirche dient, bis ein -großes Gotteshaus erbaut sein wird. Die Ebnen werden zu Park-Anlagen -verkauft, und hier und da erheben sich hübsche kleine Wohnhäuser, -allein ich fürchte sehr, daß die natürlichen Schönheiten dieser -anmuthigen Landschaft bald verloren gehen werden. - -Ich ermüde gar nicht in meinen Ausflügen und erklettre die Hügel und -Berge in jeder Richtung, um eine neue Aussicht zu gewinnen, oder einige -neue Blumen zu sammeln, woran, obgleich schon spät im Sommer, es doch -immer noch einen Ueberfluß giebt. - -Unter den Pflanzen, mit deren Namen ich bekannt bin, sind mancherlei -strauchartige Astern von fast jeder Farbe: Blau, Roth und Perlweiß; -eine Monarde von höchst aromatischem Geruch, den selbst die trocknen -Stiele und Samen-Behälter theilen; das weiße Ruhrkraut (^Gnaphalium^) -oder die Immortelle (wovon bereits die Rede gewesen); verschiedne -Rosen-Arten, wovon ich noch einige Knospen in einem Thale unweit der -Kirche fand. Auch bemerkte ich unter den strauchartigen Gewächsen eine -niedliche kleine, unserm Buchsbaum ähnliche Pflanze; sie schleppt sich -am Boden hin, und sendet Zweige und Schößlinge aufwärts; ihre Blätter -werden mit der Zeit dunkel kupferroth; allein trotz dem anscheinenden -Widerspruch, ist sie ein Immergrün[23]. Ferner fand ich einige schöne -Lichen-Arten mit korallenfarbnen Mützchen auf den grauen hohlen -Stielen, sie stehen in unregelmäßigen Büscheln zwischen dem trocknen -Moose, noch häufiger aber bedecken sie die Wurzeln der Bäume oder halb -verwitterten Baumstämme. Unter den mancherlei Pilzen sammelte ich -einen hohlen Becher, von schönstem Scharlachroth an der innern Fläche -und äußerlich blaß rehfarben; eine andre sehr schöne Pilz-Art bestand -aus kleinen Aestchen, wie weiße Korallen-Bäumchen, aber von so zartem -Gefüge, daß sie bei der leisesten Berührung abbrachen. - -Der Boden war an manchen Orten mit einem dicken Teppich von Erdbeeren -mancherlei Art bedeckt, welche, so lange ihre Zeit ist, denen, die -sich die Mühe nehmen, sie zu pflücken, ein stetes Dessert liefern; -ich meines Theils würde gewiß von diesem Privilegium Gebrauch machen, -wenn ich den Sommer über in ihrer Nähe wäre. Außer den Pflanzen, die -ich selbst in der Blüthe beobachtet habe, sollen Frühling und Sommer -noch manche andre hervorbringen: eine orangenfarbne Lilie, die rothe -Pechnelke[24], die Mocassin-Blume oder gelbe Scharte (Ginster); -Maiblumen in Ueberfluß; und nach den Ufern des Baches oder des Otanabee -zu bewegt die prächtige Cardinal-Blume[25] ihre scharlachrothen -Blüthen-Aehren anmuthig hin und her. - -Ich ärgere mich ordentlich, daß man mir, wenn ich die Schönheit der -canadischen Blumen bewundre, jedesmal wiederholt, sie seien geruchlos, -und daher kaum der Beachtung werth; als wenn sich das Auge nicht an -den schönen Formen und Farben weiden könnte, wenn nicht zugleich dem -Geruchssinn geschmeichelt wird. - -Um dieses Land von dem Vorwurf zu befreien, den ihm ein sehr gescheuter -Mann machte, mit welchem ich einst in London zusammen traf, daß nämlich -die hiesigen Blumen ohne Geruch, und die Vögel ohne Gesang seien, -bemerke ich hier, daß mir bereits verschiedne äußerst wohlriechende -Blumen und Kräuter zu Gesicht gekommen sind. Unter diesen darf ein -schönes, strauchartiges Gewächs (^milk-weed^), mit purpurfarbnen -Blüthen, die sich eben so sehr durch ihre Farben-Pracht als ihren -reichen Geruch auszeichnen, nicht vergessen werden. - -Ich gedenke nächstens ein Herbarium für _Elisa_ zu sammeln und eine -Beschreibung der Pflanzen, ihres Wachsthums und ihrer Eigenschaften -beizufügen. - -Alle merkwürdige Umstände hinsichtlich derselben werde ich sorgfältig -aufzeichnen; und sagen Sie ihr, sie solle versichert sein, daß ich ihr -von jeder vorkommenden Art bei günstiger Gelegenheit ein Exemplar, wo -möglich mit den Samen, übersenden werde. - -Meines Erachtens dürfte dieses Land den Forschungen des Botanikers ein -weites und fruchtbares Feld eröffnen. Ich bedaure jetzt sehr meine -Nichtbeachtung der häufigen Aufforderungen _Elisa's_, ein Studium zu -verfolgen, welches ich einst für trocken hielt, jetzt aber höchst -interessant finde und als eine fruchtbare Quelle geistigen Genusses -besonders für diejenigen betrachte, welche im Busche (Urwälder) leben -und demgemäß nothwendiger Weise von den Freuden und Vergnügungen, -welche ein großer Kreis von Freunden, -- und dem Wechselwelchen eine -Stadt oder auch nur ein Dorf darbieten, ausgeschlossen sind. - -Am Sonntage ging ich in die Kirche; -- die erste Gelegenheit, dem -öffentlichen Gottesdienst beizuwohnen, seitdem ich die schottischen -Hochlande verlassen; und gewiß hatte ich Ursache, vor dem barmherzigen -Gott, der mich wohlbehalten durch die Gefahren der großen Tiefe (des -Meeres) und der verderblichen Krankheit geführt, demuthsvoll und -dankbar meine Knie zu beugen. Noch nie erschien mir unsre schöne -Liturgie so rührend und eindrucksvoll als an diesem Tage -- in unsrer -schlichten, aus rohen Baumstämmen mitten in der Wildniß erbauten Kirche. - -Dieses einfache Gebäude liegt am Fuße eines sanften Abhanges auf der -Ebne, umgeben von Eichen- und Fichten-Gruppen die, obgleich nicht so -groß und stattlich wie die gewaltigen Eichen und Kiefern des Forstes, -mit ihren in mannigfaltige und seltsame Formen vertheilten Aesten dem -Auge doch weit angenehmer sind. Der Rasen ist hier von smaragdnem Grün; -mit einem Wort, es ist ein anmuthiges Plätzchen, entfernt von dem -geräuschvollen Treiben der Stadt, ein geeigneter Ort, Gott in Geist und -Wahrheit zu verehren! - -Nach den Smith-town-Hügeln hin und längs den Ufern, welche den Fluß -überragen, giebt es manche herrliche Spaziergänge. Der Gipfel der Hügel -ist unfruchtbar und dicht mit lockern, rothen und grauen Granitblöcken, -und zwischen diesen, mit großen -- in jeder Richtung ausgestreuten -Kalkstein-Massen bedeckt; letztere sind meistentheils durch die -Einwirkung des Wassers glatt und zugerundet. Da sie losgetrennte Stücke -sind und blos die Oberfläche des Bodens einnehmen, so konnte ich mir -nicht recht erklären, wie sie in diese Höhe gekommen. Ein Geolog würde -ohne Zweifel dieses Räthsel in wenigen Minuten lösen. Die Eichen, -welche auf dem hohen Ufer wachsen, sind eher größer und üppiger, als -die in den Thälern und auf andern fruchtbaren Boden-Stellen. - -Hinter der Stadt, in der Richtung der Cavan- und Emilien- (^Emily^) -Straße, breitet sich ein weiter Raum aus, den ich ^Squatter's ground^ -nenne, weil er ganz mit Shanties bedeckt ist, worin die armen -Auswandrer, ausgelößte Pensionairs[26] und dergleichen Leute sich mit -ihren Familien niedergelassen haben. Einige bleiben hier, um, wie sie -vorgeben, ein einstweiliges Obdach für ihre Weiber und Kinder zu haben, -bis sie mit Errichtung eines Hauses auf dem ihnen bewilligten Grund und -Boden zu deren Aufnahme zu Stande gekommen; aber nicht selten geschieht -es, daß sie aus Trägheit oder wirklichem Unvermögen, das ihnen oft -meilenweit von hier in den Urwäldern und in noch ganz unbebauten -Ortschaften oder Stadtbezirken[27] zugetheilte Land zu bearbeiten, -verkümmern, indem sich ihnen zu große Schwierigkeiten und Hindernisse -entgenstellten, deren Besiegung mehr Energie und Muth erfordert, als -viele derselben besitzen. Andre, zu Müßiggang und Ausschweifungen -geneigt, vergeuden das empfangene Geld und verkaufen das Land, wofür -sie ihre Pensionen aufgaben, und müssen dann nothwendiger Weise in -Armuth und Elend auf dem Shanty-Grunde hocken bleiben. - -Die Shanty ist eine Art Hütte im ursprünglichen canadischen Baustyl, -und nichts weiter als ein aus unbehauenen Baumstämmen oder Scheiten -(^logs^) zusammengezimmerter Schuppen; die Fugen zwischen den runden -Rändern (^round edges^) der Baumstämme sind mit Schlamm oder Lehm, Moos -oder Holzschnitzeln ausgefüllt; das Dach besteht häufig aus gespaltnen -und mit der Art ausgehöhlten Bäumen, die neben einander gelegt sind, -so daß die Kanten auf einander ruhen; die hohlen und convexen Flächen -sehen abwechselnd nach oben, und so bildet ein Scheit (gespaltner -Baumstamm) um das andre eine Rinne zur Ableitung des Regens und -schmelzenden Schnees. Die Traufen eines solchen Gebäudes gleichen den -wellenförmigen Rändern einer Kammmuschel; allein so roh dieses Dach -ist, entspricht es doch dem Zweck, das Innere trocken zu erhalten, weit -wirksamer als die aus Rinde oder Bretern gebildeten Dächer durch welche -der Regen nur zu leicht Eingang findet. Bisweilen hat die Shanty ein -Fenster, bisweilen nur einen offnen Thorweg, welcher das Licht ein- -und den Rauch ausläßt[28]. Eine rohe Esse, oft nichts weiter als -ein in die obersten Dachbäume, über dem Heerde, geschnittne und in -viereckiger Form roh mit Bretern umgebne Oeffnung dient zum Auslassen -des Rauches; die einzige Vorsichtsmaßregel, um zu verhindern, daß die -Scheit-Wände nicht Feuer fangen, besteht in Anbringung einiger großen -Steine in halbkreisartiger Form, oder noch gewöhnlicher, einer Lage -trockner Erde zwischen Heerd und Wand. - - [Illustration: _Log-Haus._] - - [Illustration: _Hölzernes Dorf._ - (_Logdorf und Ankunft eines Postwagens._)] - -Nichts kann unbehaglicher sein als einige dieser mit Rauch und Schmuz -gefüllten Shanties, der gemeinliche Zufluchtsort für Kinder, Schweine -und Geflügel. Allein ich habe Ihnen bis jetzt nur die Schatten-Seite -des Gemäldes gegeben; und es freut mich, Ihnen sagen zu können, daß -nicht alle Shanties auf dem Squatter's-Grunde der geschilderten -gleichen; im Gegentheil die Mehrzahl war von behenden muntern Leuten -bewohnt und hatte sogar zwei Fenster und einen von Lehm regelrecht -durch das Dach geführten Schornstein, ja einige waren sogar roh -gedielt, und fast eben so bequem eingerichtet, wie die kleinen -Log-Häuser. - -Sie dürften es vielleicht befremdend finden, wenn ich Ihnen versichre, -daß manche achtbare Emigranten mit ihren Weibern und Kindern, Personen -von zartem Körperbau und, ehe sie hierher kamen, an jede Bequemlichkeit -gewöhnt, sich begnügt haben, während des ersten oder der zwei ersten -Jahre ihrer Ansiedelung in den Wäldern eine dergleichen Hütte zu -bewohnen. - -Mit einiger Theilnahme habe ich die Erzählungen von den Beschwerden -und Mühseligkeiten angehört, die einige der ersten Ansiedler in der -Nachbarschaft, als Peterborough nur erst zwei Wohnhäuser enthielt, -erduldet haben. Damals gab es hier weder durch die Waldung gehauene -Straßen noch Boote zur Communication mit den entlegnen, bereits -angebauten Theilen des Distriktes; daher denn die Schwierigkeiten, -sich die nöthigen Mund-Vorräthe und andre Bedürfnisse zu verschaffen, -weit größer waren, als sich irgend einer von den spätern Ankömmlingen -vorstellen kann. - -Als ich von einer ganzen Familie hörte, die keinen bessern Mehlvorrath -hatte, als was täglich auf einer kleinen Handmühle gemahlen -werden konnte, und vier Wochen hindurch fast von allen nöthigen -Lebensbedürfnissen, selbst Brod nicht ausgenommen, entblößt war, konnte -ich unmöglich meine Verwunderung verheimlichen, daß ich in den über -Auswanderung erschienenen Büchern von dergleichen Uebeln auch nicht -ein Wort gelesen, das den künftigen Ansiedler darauf hätte vorbereiten -können. - -»Diese besondern Prüfungen,« bemerkte mein verständiger Freund, -»beschränken sich hauptsächlich auf die ersten Ankömmlinge, welche sich -in den noch völlig unangebauten Theilen des Landes niederlassen, wie -dies unser Fall war. Fragen Sie nur genau einige von den Familien der -niedern Klasse, die sich weit von den Städten angesiedelt haben und die -wenige oder keine Mittel zu ihrem Unterhalt während der ersten zwölf -Monate besaßen, bis sie eine Ernte von ihrem Boden erhielten, so werden -sie manche traurige Erzählung von Leiden und Mühseligkeiten vernehmen.« - -Schriftsteller über Auswanderung geben sich nicht die Mühe, nach diesen -Dingen zu forschen, auch entspricht die Mittheillung unangenehmer -Thatsachen ihrem Zweck nicht. Nur wenige haben ausschließlich über den -»_Busch_« geschrieben. Reisende durcheilen in der Regel die seit langer -Zeit angesiedelten in gutem Gedeihen begriffnen Theile des Landes, -sie sehen einen Strich fruchtbaren angebauten Bodens, das Resultat -vieljähriger Arbeit und Thätigkeit; sie sehen bequeme Wohnhäuser, -reichlich ausgestattet mit allen wesentlichen Lebens-Bedürfnissen; die -Frau des Meierei-Besitzers macht ihre Seife, ihre Lichte und ihren -Zucker selbst, die Familie ist in Zeuge gekleidet, die sie mit eigner -Hand gesponnen und gewebt hat, sie trägt Strümpfe von eigner Fabrik. -Brod, Bier, Butter, Käse, Fleisch, Federvieh u. s. w. sind insgesammt -Erzeugnisse des eignen Bodens. Sie schließen daraus, daß Canada ein -zweites Canaan sei, und schreiben ein Buch, worin sie diese Vortheile -auseinandersetzen, mit der Hinzufügung, daß man daselbst Grund und -Boden für einen wahren Spottpreis erhalte; und rathen jedem, der -unabhängig und gegen Mangel gesichert zu sein wünscht, zur Auswanderung. - -»Man vergißt, daß diese Vortheile das Resultat vieljähriger -unablässiger Anstrengungen, daß sie der _Kranz_ nicht _die ersten -Früchte_ der mühevollen Arbeit des Ansiedlers sind; und daß fast jede -Klasse von Auswandrern in der Zwischenzeit sich manchen und großen -Entbehrungen unterwerfen muß. - -»Viele lassen sich bei ihrer ersten Ankunft, vorzüglich in den -noch unangebauten Gemeinde-Bezirken (^townships^), durch den wenig -versprechenden Anblick der Gegenstände um sie her entmuthigen. -Sie finden keine von jenen Vortheilen und Bequemlichkeiten, wovon -sie gehört und gelesen haben; und sie sind auf die gegenwärtigen -Schwierigkeiten unvorbereitet; einige verzagen, andre verlassen den -Ort, in ihren Erwartungen getäuscht und voll Unwillen. - -»Ein wenig Ueberlegung würde ihnen gezeigt haben, daß jede Route Land -von der dichten Waldung, womit sie bedeckt ist, befreit werden muß, ehe -man eine Weizenpflanze erziehen kann; daß, nachdem die gefällten Bäume -zerschnitten, geklaftert (^logged^) und verbrannt worden sind, das Feld -eingefriedigt, die Saat gesäet, geerntet und ausgedroschen werden muß, -ehe an einen Gewinn zu denken ist; daß alles dies viel Zeit und Arbeit, -und wenn man letztere bezahlen muß, eine beträchtliche Auslage an barem -Gelde nöthig ist, und daß, eine Familie mittlerweile essen und trinken -will; daß im Fall einer größeren Entfernung von den Vorrathsplätzen, -jeder Artikel auf schlechten Straßen entweder durch Menschenhände oder -auf der Axe zugeführt werden muß, wobei zu bemerken, daß in Verhältniß -zu der Weg-Länge und den Schwierigkeiten rücksichtlich des Transports -das Fuhr- und Träger-Lohn mehr oder weniger kostspielig ist. Gewiß ist -es besser, alle diese Dinge im Voraus zu kennen, weil man alsdann weiß, -welchen Hindernissen man zu begegnen hat. - -»Selbst ein Arbeiter, wenn er auch sein eignes Land hat, ist oft, ja -ich möchte behaupten, im Allgemeinen genöthigt, sich für das erste Jahr -oder die beiden ersten Jahre als _Tagelöhner zu vermiethen_ (^hire -out^) um den für sich und seine Familie erforderlichen Lebensunterhalt -zu erwerben; und viele der in Rede stehenden Klasse müssen manche -Entbehrungen dulden, ehe sie die Früchte ihrer Unabhängigkeit ernten -können. Hätten sie nicht die Hoffnung, ja die bestimmte Aussicht, ihren -Zustand mit der Zeit zu verbessern, sie würden unter der Last, die sie -zu tragen haben, erliegen; aber diese Hoffnung erhält sie aufrecht. -Sie haben kein von Armuth und Mangel getrübtes Alter zu fürchten; die -gegenwärtigen Uebel müssen der Betriebsamkeit und Ausdauer weichen; sie -denken auch auf ihre Kinder, und die Prüfungen der Gegenwart werden -durch die Ahnung einer glücklichen Zukunft erleichtert.« - -»Jedenfalls,« sagte ich, »kann man Kühe, Schweine und Federvieh halten; -und Sie wissen, daß, wo es an Milch, Butter, Käse und Eiern, an -Schweinfleisch und Geflügel nicht fehlt, man sich eben nicht schlecht -befindet.« - -»Sehr wahr,« erwiederte mein Freund, »allein ich muß Ihnen sagen, es -ist leichter, im Anfange von dergleichen Thieren zu sprechen als sie -zu halten, ausgenommen auf gelichtetem oder theilweise gelichtetem -Boden; hier aber ist die Rede von einer _ersten_ Ansiedelung in den -Urwäldern, Kühe, Schweine und Federvieh wollen fressen, allein wenn -man ihnen nichts geben kann, als was man kauft und vielleicht aus -der Ferne herbeiholen muß, so ist es besser, man belastet sich nicht -damit, da die Beschwerde gewiß, der Vortheil aber zweifelhaft ist. Eine -Kuh findet allenfalls während der warmen Monate im Busch ihr Futter, -allein bisweilen verläuft sie sich, so daß man sie Tage lang vermißt, -und dann keinen Nutzen von ihr hat, und möglicher Weise viel Zeit mit -Suchen verliert; dann aber muß man sie, außer Laub und Zweigsprossen, -die sie den Winter hindurch erhält, auch noch mit anderm Futter -versorgen[29], oder, ich wette zehn gegen eins, sie wird im Frühjahr -sterben; und da Kühe, wofern sie nicht sehr gut gehalten werden, in -der kalten Jahreszeit ihre Milch verlieren, so ist es am besten, sie -im Herbst zu verkaufen, und im Frühjahr andre anzuschaffen, man müßte -denn Ueberfluß an Futter für sie haben, was in dem ersten Winter nicht -oft der Fall ist. Was die Schweine anlangt, so sind sie für eine neu -angelegte Meierei eine große Plage, wofern man sie nicht aus der Hand -mästen kann, allein dies geht nicht, ohne daß man Futter für sie kauft, -und dies würde anfänglich nicht vortheilhaft sein. Läßt man sie frei -umherlaufen, so fügen sie sowohl den eignen Feldern als denen der -Nachbarn, im Bereich einer halben (englischen) Meile, beträchtlichen -Schaden zu; andres Vieh kann man allenfalls durch Umzäunung in der -angegebnen Hinsicht unschädlich machen, aber nicht so Schweine; auch -Federvieh bedarf, wenn es einigen Nutzen bringen soll, etwas mehr, -als was es um das Haus herum aufpickt, wozu noch kommt, daß Adler, -Igel, Füchse und Marder darauf erfolgreiche Jagd machen, bis man es -hinreichend sichern kann.« - -»Wie aber sollen wir unter solchen Umständen unsre eigne Wolle spinnen, -unsre eigne Seife und Lichte bereiten?« fragte ich. »Sobald sie Ihre -eignen Schafe, Schweine und Rinder schlachten, oder Wolle und Talg -werden kaufen können.« -- Als er mich hierüber etwas niedergeschlagen -sah, fügte er tröstend hinzu: -- »Nur nicht verzagt! Sie werden -mit der Zeit alle diese Dinge haben und noch mehr als diese, aber -gedulden müssen Sie sich und die Mittel zu ihrer Erlangung benutzen. -Mittlerweile suchen Sie sich auf Entbehrungen vorzubereiten, denen Sie -jetzt noch fremd sind; und wünschen Sie, Ihren Gatten glücklich und in -seinen Unternehmungen begünstigt zu sehen, so machen Sie sich kluge -Sparsamkeit und heitre Laune zur Regel. Nach einigen Jahren wird Sie -Ihre Meierei mit allen Lebensbedürfnissen versorgen, und nach und nach -werden Sie sich auch mancher Luxus-Artikel erfreuen können. Dann erst -beginnt der Ansiedler, die wirklichen und sichern Vortheile seiner -Auswanderung zu ernten; dann wird er den Segen eines Landes inne, wo -es weder Zölle noch Zehnten noch Armensteuern giebt; dann genießt er -die Wohlthaten der Unabhängigkeit. Diese glückliche Erfüllung seiner -Wünsche im Auge, ebnet er den rauhen Pfad und erleichtert er sich die -auf ihm lastenden Uebel. Er sieht in Gedanken eine zahlreiche Familie -um sich her, ohne jene angstvollen Sorgen, die einen Vater von geringem -Vermögen in der alten Heimath drücken; denn er weiß ja, daß er sie -einst nicht entblößt von rechtlichen Unterhalts-Mitteln verläßt.« - -Trotz allen überstandnen Mühseligkeiten und Prüfungen fand ich diesen -Mann so sehr für das Ansiedlerleben eingenommen, daß er erklärte, er -würde um keinen Preis in sein Vaterland zurückkehren, um dort eine -längere Zeit zu bleiben; auch ist er nicht der Einzige, den ich auf -diese Weise sich habe äußern hören; vielmehr scheint dieselbe Vorliebe -für ihre neue Heimath unter der niedern Emigranten-Klasse allgemein -zu sein. Sie fühlen sich durch das Beispiel Andrer, die sie in Genuß -von Bequemlichkeiten sehen, woran zu Hause selbst bei der größten -Anstrengung und mühevollsten Arbeit nicht zu denken war, ermuthigt; -denn sie bedenken weislich, daß sie, wären sie in ihrer Heimath -geblieben, endloses Elend und harte Entbehrungen (sehr viele nämlich -hat Mangel hierher getrieben) würden haben ertragen müssen, ohne die -entfernteste Aussicht, ihren Zustand zu verbessern oder unumschränkte -Landeigenthümer zu werden. - -»Was sind uns ein, zwei, drei, ja selbst vier mühevolle Jahre im -Vergleich mit einem ganzen Leben von Plack und Armuth,« war die -Bemerkung eines armen Arbeiters, der uns am andern Tage von den -Mühseligkeiten erzählte, womit er in diesem Lande zu kämpfen gehabt. -»Ich wußte,« sagte er, »daß sie nur kurze Zeit dauern und durch Fleiß -und Ausdauer bald zu besiegen sein würden.« - -Ich habe bereits zwei unsrer armen Nachbarn gesehen, die den -Kirchsprengel zwölf Monate vor uns verlassen hatten; sie haben -sich in Canada niedergelassen und bearbeiten gemeinschaftlich die -ihnen zugetheilten Land-Parcellen; sie kommen in der That sichtlich -vorwärts. Einige Morgen Landes haben sie bereits gelichtet, bestellt -und abgeerntet, sind aber zur Zeit noch genöthigt, sich zu vermiethen, -um ihre Familien erhalten zu können; ihr eignes Land bearbeiten sie, -wenn es Zeit und Umstände erlauben. Die Männer sind guten Muthes -und hoffen, nach wenigen Jahren im Besitz von manchen Lebensgenuß, -mancher Bequemlichkeit zu sein, worauf sie in der Heimath, wenn sie -auch vom frühen Morgen bis in die sinkende Nacht gearbeitet, hätten -verzichten müssen; dabei klagen sie aber, daß ihre Weiber beständig -nach dem Vaterlande verlangen und ihre Reise übers Meer verwünschen. -Dies scheint die allgemeine Klage unter allen Klassen zu sein; die -Weiber sind unzufrieden und unglücklich. Nur wenige söhnen sich ganz -mit dem Ansiedlerleben aus. Sie vermissen die kleinen häuslichen -Bequemlichkeiten, deren sie sich zu Hause erfreuten, sie sehnen sich -nach ihren Freunden und Verwandten, die sie haben verlassen müssen; die -Einsamkeit der Urwälder ist ihnen zuwider. - -Diese Aussicht entmuthigt mich nicht; ich weiß, daß ich im Hause zu -thun genug finden werde, und während meiner Ausflüge ins Freie dürfte -es mir nicht an Unterhaltungs-Quellen fehlen, die jede üble Laune -verscheuchen. Habe ich überdies nicht guten Grund, meines Gatten wegen -heiter und zufrieden zu sein? Er hat nicht mehr zu erwarten als ich; -und sollte ich ihn, nachdem ich seinetwegen freiwillig meine Familie, -meine Freunde, mein Vaterland verlassen, durch ewige Klagelieder -verstimmen und traurig machen? Ich fühle mich stets geneigt, den Worten -meines Lieblingdichters _Goldsmith_: -- - - Auf uns allein noch überall beschränkt, - Sind wir allein die Schöpfer unsers Glücks. - -beizustimmen. Nun ich werde ja bald die Prüfung zu bestehen haben, da -wir Morgen um zehn Uhr diese Stadt zu verlassen gedenken; der Kauf der -See-Parcelle ist abgeschlossen, drei Morgen sind von Bäumen befreit, -und eine Hütte (Shanty) ist ebenfalls fertig, indeß kann letztre eben -nicht für ein wohnliches Obdach gelten, die Holzfäller haben sie blos -als einstweiligen Zufluchtsort errichtet; und ein Haus wird bald -erbaut sein. Spät genug sind wir eingetroffen, zu spät, um eine volle -Ernte zu erzielen, da die Bäume blos gefällt sind, der Boden aber -noch nicht gelichtet und völlig rein ist, auch ist es bereits zu spät, -das gefällte Holz zu klaftern und zu verbrennen und den Weizen in den -Boden zu bringen, aber für die Frühlingssaat wird er bereit sein. Wir -haben unser Besitzthum den Acker mit sechstehalb Dollars bezahlt; ein -ziemlich hoher Preis für wildes Land, so weit von jeder Stadt, und in -einem so dürftig angebauten Theile des Bezirks; allein die Lage ist gut -und hat den Vorzug, daß wir Wasser in der Nähe haben, wofür mein Gatte -gern etwas mehr bezahlte, als für eine weiter landeinwärts gelegne -Parcelle. - -Höchst wahrscheinlich werde ich nicht sobald Zeit und Muße haben, -wieder zur Feder zu greifen. Wir logiren einstweilen bei S--, bis unser -Haus in wohnlichem Zustande sein wird, was ungefähr gegen Weihnachten -der Fall sein dürfte. - -Fußnoten: - -[19] »Im Ganzen,« heißt es in der ^History of Upper and lower Canada -by R. Montgomery Martin, Lond. 1836^. »ist Ober-Canada Auswandrern aus -den höheren Ständen sehr zu empfehlen; und Leute von der arbeitenden -Klasse können daselbst reichliche Beschäftigung finden. Für erstere -stehe hier noch die Bemerkung, daß Niemand außer solchen Engländern, -die bei der Trennung der vereinigten Staaten von Groß-Britannien ihrem -Vaterlande treu blieben und nach Canada flohen, also Loyalisten; oder -denen, welche nach bestehenden gesetzlichen Bestimmungen Ansprüche auf -unentgeldliche Landbewilligungen an die Regierung haben, eine Parcelle -von den wild liegenden Kron-Ländereien anders als durch Kauf erhalten -kann. Die Verkäufe finden unter der Leitung eines Commissairs am ersten -und dritten Diensttage jedes Monats in den verschiednen Distrikten -statt. Die käuflichen Ländereien werden zu einem bestimmten Preise -voranschlagt, welcher in der Anzeige des Verkauftermins angegeben wird. -Die Zahlung der Kaufsumme geschieht in Terminen: der vierte Theil -davon muß sogleich, das Uebrige in drei gleichen Fristen nebst sechs -Prct. Zinsen entrichtet werden. Nach Abschluß des Kaufs erhält der -Käufer unentgeldlich ein Patent über den gekauften Boden. Das für die -Geistlichkeit vorbehaltne Land wird unter nachstehenden Bedingungen -verkauft: -- Zehn Procent müssen sogleich angezahlt, und das Uebrige -in neunjährigen Terminen und zwar zu jedem zwei Procent nebst Zinsen -abgetragen werden. Gelegentlich werden auch Gemeinde-Bezirk-Parzellen -verkauft. Das gewöhnliche Areal eines Gemeinde-Bezirks beträgt 69,000 -Morgen, -- ein Flächenraum von zwölf englischen Meilen in Länge, und -neun in Breite. - -[20] »_^Guess and calculate^_,« sie bedienen sich nämlich dieser Worte -sehr häufig oft auch da, wo sie nicht recht passen. - -[21] Theile, wovon jeder einen halben Acker Flächenraum enthält. - -[22] Seit Abfassung dieser Nachrichten über Peterborough hat die Stadt -an Gebäuden und Bevölkerung um ein Drittel zugenommen. - -[23] Wahrscheinlich eine ^Gaultheria^. - -[24] ^The purple lichnidea.^ - -[25] ^Lobelia cardinalis^, Cardinals-Lobelie, _Willdenow_. - -[26] Das ist, Leute, die ihren Gnadengehalt, den sie genossen, gegen -ein Stück Land in den brittischen Colonien vertauscht haben. - -[27] Der an die Auswandrer zu vertheilende Flächengehalt ist vorläufig -in Bezirke abgetheilt, welche ^Townships^ (Stadt- oder Gemeinde-Kreise) -heißen. - -[28] Die Bemerkung eines kleinen irischen Knabens, den wir als -Holzspeller und Wasserträger mietheten, und der ein Bewohner einer -dieser Shanties gewesen, belustigte mich nicht wenig. »Ma' am,« sagte -derselbe, »als das Wetter beißend kalt war, konnten wir uns kaum warm -erhalten; denn während wir, mit dem Gesicht vor dem Feuer, auf der -einen Seite fast brateten, froren wir am Rücken, daher wendeten wir von -Zeit bald die eine bald die andre Seite dem Feuer zu, gerade so, wie -wenn man eine Gans am Spieße bratet. Die Mutter verwendete die Hälfte -von dem Gelde, welches der Vater durch seine Stroharbeit (er war ein -Strohsesselmacher) verdiente, in Branntwein, um uns auszuwärmen; allein -ich glaube, ein reichliches Gericht gute heiße Kartoffeln, würde uns -mehr gewärmt haben, als der Branntwein dies vermochte.« - -[29] Das Vieh wird im Herbst und Winter größtentheils durch die zarten -Zweigsprossen von Ahorn, Birken u. s. w. erhalten, die man auf den -frisch gelichteten, brachliegenden Aeckern findet. Man sollte ihnen -aber auch Stroh und andres Futter geben, weil sie anders bei sehr -strenger Witterung sterben. - - - - -Siebenter Brief. - - Abreise von Peterborough. -- Canadische Wälder. -- Wagen und Gespann. - -- Ankunft bei einem Log-Hause an den Ufern des Sees. -- Niederlassung - und erste Beschäftigungen. - - - October 25, 1832. - -Ich beginne meinen Brief mit einer Schilderung unsrer Reise durch den -Busch (die Wälder) und so fort, und füge dann unser Thun und Treiben -in und außer dem Hause hinzu. Ich weiß, daß die kleinen, das Hauswesen -betreffenden Umstände für Sie nicht uninteressant sein werden; und -gewiß kann das Auge einer Mutter niemals ermüden, schriftliche -Mittheilungen von der Hand eines abwesenden und geliebten Kindes zu -lesen. - -Nach einigen Schwierigkeiten glückte es uns, einen Wagen nebst -Gespann, das ist ein paar starke Pferde, zu miethen, die uns und unser -Gepäcke durch die Wälder an die Ufer eines von den Seen führten, wo -S-- unser wartete. Eine freie Straße war nicht vorhanden sondern blos -ein angedeuteter, mit umgestürzten Bäumen bedeckter und durch einen -großen Moor unterbrochner Pfad auf der einen Seite; in den Moor kann -man knietief einsinken, indeß brauchten wir die Vorsicht, unsern Weg -längs den Stämmen der bemoosten und verwitternden Bäume zu nehmen, -oder auf einem willkommnen Granit- oder Kalkstein-Block zu fußen. Was -in der Busch-Sprache _Blaze_ (angedeuteter Pfad) heißt, ist nichts -weiter als die durch Kerben und Rinden-Abschälung an den Bäumen -vorgezeichnete Straßen-Linie. Die Grenzen der verschiednen Parcellen -sind oft durch einen gekerbten Baum angedeutet, das Nämliche gilt von -den Concessions-Linien[30], allein dergleichen Zeichen sind nicht viel -besser als Wegweiser in einer dunkeln Nacht. - -Die Straße, welche wir einschlagen mußten, führte über die Ebnen -von Peterborough, in der Richtung des Flusses, der mich durch seine -Scenerei ungemein ergötzte, wiewohl diese keineswegs von Fruchtbarkeit -zeigt, mit Ausnahme von zwei oder drei umfangsreichen gelichteten -Stellen. - -Ungefähr drei englische Meilen über Peterborough windet sich die Straße -auf der Höhe einer steilen Firste hin, deren unterer Theil ganz das -Ansehn hat, früher das Bett eines Seitenzweiges des gewaltigen Flusses, -oder vielleicht eines kleinen Sees, der seinen Kanal verlassen und sich -mit dem Otanabee vereinigt hat, gewesen zu sein. - -Auf beiden Seiten dieser Firste ist ein steiler Abhang; zur Rechten -sieht man den Otanabee, der mit großer Gewalt durch sein felsiges -Bett strömt und im Kleinen denen des Laurence ähnliche Stromschnellen -bildet, seine dunkeln Fichten-Wälder verleihen der Scenerei eine höchst -eindrucksvolle Erhabenheit. Zur Linken liegt unten ein anmuthiges -einsammes, mit Epheu, Cedern, Schierlingstannen und Fichten bedecktes -Thal. Durch dieses Thal führt ein Weg zu einer hübschen Meierei, -deren grüne Triften durch das Nichtvorhandensein der abscheulichen -Baumstummel, welche die gelichteten Orte in diesem Theil der Gegend -entstellen, noch angenehmer sind; ein hübscher klarer Bach fließt durch -die niedrige, am Fuße des Berges liegende Wiese, zu welcher herab -ein steiler Pfad dicht neben einer Korn-Mühle führt, die durch das -Wasser des Bachs getrieben wird, gerade an der Stelle, wo er mit den -Flußschnellen zusammen trifft. - -Ich nannte diesen Platz »Glen Morrison,« theils zur Erinnerung an die -liebliche Thalschlucht Morrison in den (schottischen) Hochlanden, -theils weil der Ansiedler, dem er gehört, so heißt. - -Unsre Fortschritte waren nur langsam, wegen der Unebenheit der -Straße, die mit unzähligen Hindernissen in Gestalt loser Granit- -und Kalkstein-Blöcke, die auf den Ufern des Flusses und der Seen -in Ueberfluß ausgestreut sind, bedeckt ist; nicht zu erwähnen der -umgestürzten Bäume, vorspringenden dicken Wurzeln, Lachen und -Knittel-Brücken, über die der Fahrende, hop, hop, hop wegrumpelt, -bis ihm jedes Glied schmerzt, gleichsam als wäre es ausgerenkt. Ein -erfahrner Busch-Reisender vermeidet manchen harten Stoß, indem er sich -bald erhebt, bald gegen die Seiten seines rohen Fuhrwerks drückt. - -Da der Tag vorzüglich schön war, stieg ich oft aus dem Wagen und ging -mit meinem Gatten eine englische Meile und darüber zu Fuße. - -Bald verloren wir den Fluß gänzlich aus dem Gesicht und gelangten -in die tiefe Einsamkeit des Waldes, wo nicht ein Laut die fast -grauenvolle, rings um uns herrschende Stille unterbrach. Kaum ein Blatt -oder Ast regte sich, nur dann und wann vernahm unser Ohr das Rauschen -des Windes, der die hohen Häupter der Kiefern und Tannen in Bewegung -setzte und eine rauhe und traurige Cadence erweckte; dies und das -Hämmern des rothköpfigen und grauen Baumhackers gegen die Stämme -der verwitternden Bäume, oder das gellende pfeifende Geschrei des -kleinen gestreiften Eichhörnchens, von den Eingebornen _Tschitmunk_ -genannt, waren die einzigen Laute, welche in das Schweigen der Wildniß -hineintönten. Nicht minder befremdete mich die Abwesenheit animalischen -Lebens. Mit Ausnahme des vorerwähnten _Tschitmunk_ kreuzte während -unsrer langen Tage-Reise in den Wäldern kein lebendiges Wesen unsern -Pfad. - - [Illustration: _Ein durch die Urwälder gehauener Pfad._] - -In diesen ungeheuern Einöden, sollte man natürlicher Weise meinen, -müsse die Abwesenheit des Menschen einen Ueberfluß an wilden Thieren -erzeugen, insofern diese frei und unbelästigt daselbst hausen, allein -gerade das Gegentheil findet hier statt. Beinahe alle hiesige wilde -Thiere trifft man häufiger in den gelichteten Distrikten als in den -Wäldern. Die Betriebsamkeit des Menschen erleichtert ihre Existenz, sie -können ihre Bedürfnisse in seiner Nähe besser befriedigen als in ihren -dürftigen Wäldern. - -Man hört beständig von Verheerungen, welche Wölfe, Bäre, Waschbäre, -Luchse und Füchse in den seit langer Zeit angebauten Theilen der -Provinz angerichtet haben. In den Urwäldern ist die Erscheinung eines -wilden Thieres ein weit seltnerer Umstand. - -Hinsichtlich der Waldbäume fand ich meine Erwartungen getäuscht, ich -hatte geglaubt, große bemooste Riesen anzutreffen, fast von gleichem -Alter mit dem Lande selbst und in majestätischem Wuchs den Bäumen -meiner heimathlichen Inseln fast eben so sehr überlegen, als die -ungeheuren Seen und gewaltigen Flüsse Canadas den Teichen und Flüssen -Britaniens überlegen sind. - -Es mangelt hier den Wäldern an malerischer Schönheit. Blos die noch -jungen Bäumchen haben einige Ansprüche auf zierliche Formen; indeß -muß ich die Schierlingstanne ausnehmen, deren Wuchs äußerst schön -und schlank ist, und die durch ihr liebliches muntres Grün das Auge -erfreut. Selbst wenn der Winter den Wald seines Laubes entkleidet, -bleibt sie ein schöner grünender Baum. Die jungen Buchen nehmen -sich ebenfalls recht hübsch aus; allein man vermißt jene schattigen -Laub-Gewölbe, die in unsern heimathlichen Parken und Wäldern so -entzückend und romantisch sind. - -Die canadischen Wälder entbehren jenes Ansehn ehrwürdigen Alterthums. -Hier giebt es keine weitspreizigen Eichen, welche man die Patriarchen -des Waldes nennen könnte. Ein frühzeitiges Absterben scheint ihr Loos -zu sein. Sie werden vom Sturme entwurzelt und sinken in ihrer ersten -Reife zu Boden, um einer neuen Generation zu weichen, welche bestimmt -ist, ihre Stelle auszufüllen. - -Die Tannen und Fichten sind unstreitig die schönsten Bäume. Was Größe -anlangt, werden sie von keinem übertroffen. Sie thürmen sich über alle -andere Bäume empor, eine dunkle Linie bildend, die man in meilenweiter -Entfernung unterscheiden kann. Aber gerade ihre Höhe ist schuld daran, -daß sie vor ihren Brüdern dem Ungestüm der Winde nachgeben, da ihre -Gipfel der vollen und ungebrochnen Gewalt des Luftstroms ausgesetzt -sind; daher kommt es, daß der Boden stets mit den verwitternden Stämmen -riesenhafter Tannen und Fichten bestreut ist. Desgleichen scheinen sie -der innern Verderbniß und der Verheerung durch Blitzstrahl und Feuer -mehr ausgesetzt zu sein als andre Bäume. - -Wie viel ich auch von der schlechten Beschaffenheit der Straßen Canadas -gelesen und gehört hatte, so war ich doch auf keine solche vorbereitet, -wie wir an diesem Tage bereisten; für wahr, sie verdient kaum den Namen -einer Straße, sie ist nichts weiter als ein durch den Wald gelichteter -Pfad. Die Bäume sind umgehauen und auf die Seite gelegt, um einen Wagen -passiren zu lassen. - -Die Moräste und kleinen Waldbäche, welche gelegentlich den Weg -unterbrechen, sind durch dicht neben einander gelegte Baumstämme -passirbar gemacht; das furchige und streifige Ansehen dieser Brücken -hat ihnen, nicht unpassend den Namen Corduroy (geripptes Zeug) -verschafft. - -Ueber diese abscheulichen Corduroys (Knüttelbrücken) rumpelt der -Wagen, von Scheit zu Scheit springend, mit Stößen, wozu man gute Miene -machen muß. Können Sie dergleichen Hoppas und Erschütterungen ohne ein -saures Gesicht ertragen, so übertrifft Ihre Geduld und philosophische -Gleichmuth die meinige bei weitem; bisweilen lachte ich, weil ich nicht -weinen mochte. - -Denken Sie sich Ihre Tochter auf Säcken, Koffern und allerlei Packeten -sitzend, und dies in einem Wagen, der nicht viel besser war als ein -grob aus Tannenholz gezimmerter, auf Räder gesetzter Kasten; die -Seiten davon waren blos mit Pflöcken befestigt, so daß ich mich in -eben keiner behaglichen Lage befand, da die nur erwähnten Seitentheile -beständig heraus sprangen. Gerade inmitten einer tiefen Koth-Lache -brach das vordere Schutzbret ab, und mit ihm zugleich purzelte unser -Wagenlenker, in Folge des erhaltnen Stoßes, in den Koth, der arme -Teufel, wußte gar nicht, wie ihm geschehn, als er sich plötzlich in -einen Morast versetzt sah. Was mich anlangt, so blieb ich, weil ich -nichts dabei thun konnte, ruhig auf meinem Sitze und erwartete geduldig -die Wiederkehr der Ordnung. Diese war bald hergestellt, und alles ging -eine Weile wieder gut, bis wir gegen einen gewaltigen Fichten-Stamm -anfuhren, welcher dem schlecht gezimmerten Wagen einen solchen Stoß -versetzte, daß eins von den Bretern, die den Fußboden bildeten, und mit -diesen ein Sack Mehl und ein andrer mit eingesalznem Schweinfleisch, -beide auf ihrer Wanderung nach dem Hause eines Ansiedlers begriffen, an -dessen Niederlassung unser Weg vorbei führte, herabtanzten. Ein guter -Wagenlenker läßt sich indeß selten durch dergleichen Kleinigkeiten -entmuthigen. - -Er ist oder sollte mit einer Axt versehen sein. Jede Karre, jeder -Wagen, mit einem Wort, jede Art Reise-Fuhrwerk sollte ein dergleichen -Werkzeug führen; da Niemand die Hindernisse voraussehen kann, die sich -seinen Fortschritten im Busche wiedersetzen dürften. - -Den Unfällen, welche uns betrafen, ließ sich zum Glück leicht begegnen. -Die Seitentheile erheischten blos einen starken Pflock, und die losen -Breter des Fußbodens waren bald wieder befestigt, worauf es abermals -über Wurzeln, Baumstummel, Steine, Löcher und Knüttelbrücken wegging; -und der Wagen, nach wie vor, bald an einen noch stehenden Stamm stieß -und bald über einen umgestürzten Baum wegrumpelte, und wir dabei -natürlicher Weise einen Stoß auszuhalten hatten, der ein leichteres -Fuhrwerk, als ein canadischer Wagen ist (?), gewiß zertrümmert haben -würde; jedenfalls ist letztrer für Straßen, wie man sie im Busche -findet, auf eine bewundernswürdige Weise geeignet. - -Die Klugheit der Pferde in diesem Lande verdient wirklich Bewunderung. -Ihre Geduld in Ueberwindung der Schwierigkeiten, welchen sie zu -begegnen haben, ihre Geschicklichkeit in Vermeidung von Steinen -und Löchern, und ihr sicheres Fußen auf den runden, schlüpfrigen -Baumstämmen der Scheit-Brücken (^Log-bridges^) macht sie äußerst -schätzbar. Was ihnen an Geist und Schnelligkeit, wodurch sich unsre -(englische) Rasse-Pferde auszeichnen, gebricht, ersetzen sie reichlich -durch ihre Sanftmuth, Stärke und Geduld. Dies sind in der That große -Vorzüge, und zum Reisen auf solchen Wegen, wie der eben geschilderte, -sind sie, die Sicherheit des Kutschers und der Passagire anlangend, -unentbehrlich und würden durch kein brittisches Pferd ersetzt werden -können. Uebrigens mangelt es den canadischen Pferden, bei gutem -Futter und gehöriger Pflege, keineswegs an schöner Farbe, Größe oder -zierlicher Form. Zum Fortschaffen der gefällten Baumstämme braucht man -sie selten, hierzu so wie zu allen rohen und schweren Arbeiten zieht -man den Ochsen vor. - -Eben als uns die zunehmende Dunkelheit des Waldes an die Annäherung des -Abends erinnerte, und ich müde und hungrig zu werden begann, äußerte -unser Wagenlenker, mit einiger Beschämung, er fürchte, daß er den -rechten Weg verfehlt habe, wie aber, wisse er nicht, da er doch nur -einen Pfad vor sich sehe. - -Wir waren ungefähr zwei englische Meilen von der letzten Ansiedlung -entfernt, sollten aber, wie er sagte, wofern wir uns auf dem rechten -Wege befänden, im Angesicht des Sees sein. Wir kamen, als das Beste, -was wir thun konnten, dahin überein, daß, während wir nebst dem -Fuhrwerk zurück blieben, er selbst vorwärts gehen und erforschen -sollte, ob wir in der Nähe des Wassers wären, und daß wir, wenn sich -das Gegentheil ergäbe, nach dem Hause, an welchem wir vorbei gekommen, -zurückkehren und nach dem rechten Wege fragen wollten. - -Nachdem er wohl eine halbe englische Meile weit vorwärts gelaufen, -kehrte er mit niedergeschlagner Miene zurück, erklärend, daß wir -uns jedenfalls verirrt hätten, da er nirgends Wasser gesehen, und -die Straße, auf der wir uns befänden, sich in einen Cedern-Moor zu -endigen scheine. Denn je weiter er gekommen, desto dichter hätten die -Schierlingstannen und Cedern gestanden; da wir nun kein Verlangen -fühlten, unsre Ansiedlung mit einer Nachtherberge in einem Moraste zu -beginnen, wo, wie sich unser Führer ausdrückte, die Cedern so dicht -standen, wie die Haare auf einem Katzenrücken, so beschlossen wir, nach -der bezeichneten Stelle zurückzukehren. - -Nach einigen Schwierigkeiten war der Rumpelwagen umgelenkt, und wir -begannen langsam unsern Rückzug. Kaum hatten wir eine halbe englische -Meile zurück gelegt, als ein Knabe des Weges daher kam und uns sagte, -wir möchten nur immer wieder umkehren, da kein andrer Weg nach dem See -führe; diesem Rathe fügte er etwas spöttisch die Bemerkung hinzu: -»Hättet Ihr den Busch so gut gekannt, wie ich ihn kenne, so würdet -Ihr nicht so einfältig gewesen sein, wieder umzulenken, da Ihr doch -auf dem rechten Wege waret. Es weiß ja jedes Kind, daß die Cedern und -Schierlings-Tannen, je näher dem Wasser, desto dichter wachsen; jetzt -müßt Ihr zu eurer Strafe den nämlichen Weg noch einmal machen.« - -Es war finster, und nur die Sterne funkelten mit mehr als gewöhnlichem -Glanze, als wir plötzlich aus dem tiefen Walddunkel an die Ufer eines -schönen kleinen Sees hervortauchten, der uns zufolge des Contrastes -der dunkeln Laubmassen, die über ihn herabhingen, und der thurmhohen -Fichten, die ihn umgeben, um so heller erschien. - -Hier auf einem großen, mit einem weichen Mooskissen bedeckten -Kalkstein-Block, unter dem Schatten von Cedern, die den See bekränzen, --- umgeben von Koffern, Kisten, Schachteln und Gepäck, die der Fuhrmann -eilig vom Wagen geworfen, saß ich in angstvoller Erwartung einer -antwortenden Stimme auf das lange und wiederholte Hollarufen meines -Gatten. - -Als aber das Echo seiner Stimme verhallt war, hörten wir nichts als -das Brausen der Stromschnellen und das ferne und wilde Rauschen eines -Wasserfalls, ungefähr eine halbe englische Meile unterhalb der letztern. - -Nirgends konnten wir eine Spur von menschlichen Wohnungen, nirgends den -tröstlichen Schimmer eines Lichtes vom Ufer her gewahren. Vergebens -strengten wir unsre Ohren an, das Plätschern des Ruders oder den -willkommnen Klang einer menschlichen Stimme oder das Bellen eines -Haushundes zu vernehmen, und hierdurch Gewißheit zu erlangen, daß wir -die Nacht nicht in dem einsamen Walde zubringen würden. - -Wir fürchteten jetzt, daß wir wirklich den Weg verloren. An einen -Versuch, ohne Führer durch das wachsende Dunkel des Waldes in -Aufsuchung der rechten Straße zurückzukehren, war nicht zu denken, -denn diese war so undeutlich, daß wir uns bald in dem Dickicht verirrt -haben würden. Das letzte Knarren der Wagen-Räder erstarb allmälig in -unsern Ohren, das Fuhrwerk einzuhohlen würde uns unmöglich gewesen -sein. Unter diesen Umständen bat mich mein Gatte, ruhig zu bleiben, wo -ich war, während er sich selbst durch das dicht verschränkte Buschholz -längs dem Ufer arbeitete, in der Hoffnung, eine Spur von dem Hause, -welches wir suchten, und das, seiner Vermuthung nach, in der Nähe sein -mußte, wahrscheinlich aber durch eine dichte Baum-Masse unsern Augen -verborgen war, zu erblicken. - -Als ich so, von den Schatten der Nacht umhüllt, schweigend im Walde -zubrachte, wanderten meine Gedanken allmälig über den atlantischen -Ocean zu meiner theuren Mutter, zu meiner alten Heimath zurück; ich -dachte mir Ihre Gefühle, wenn sie mich in diesem Augenblick hätten -sehen können, wie ich so einsam und in tiefem Schweigen auf dem alten -bemoosten Steine in der waldigen Wildniß saß, viele hundert Meilen von -allen jenen heiligen Banden der Blutsverwandtschaft, von jenen Scenen -und Erinnerungen der Kindheit entfernt, welche die Heimath jedem so -theuer machen. Es war ein Augenblick, der mich ganz die Wichtigkeit -des Schrittes fühlen ließ, den ich gethan, als ich freiwillig das -Loos eines Emigranten theilte -- mein Geburtsland verließ, das ich -aller Wahrscheinlichkeit nach nie wiedersehen dürfte. Allein so groß -das Opfer war, fühlte ich doch selbst in diesem Augenblick, in meiner -seltsamen Lage, keine Reue, keine Entmuthigung. Heiliger Friede zog in -mein Herz ein, beschwichtigte meine aufgeregten Gefühle und versetzte -meinen Geist in eine Ruhe und Stille, die eben so ungetrübt und -ungestört waren, wie die sich zu meinen Füßen ausbreitende Wasserfläche. - -Meine Träumerei wurde durch das leichte Plätschern eines Ruders -unterbrochen, und ein heller Lichtschein ließ mich einen über den See -gleitenden Nachen erblicken. Nach wenigen Minuten grüßte mich eine -wohlbekannte, freundliche Stimme, während die kleine Barke zwischen -den Cedern gerade zu meinen Füßen angelegt wurde. Mein treuer Gefährte -hatte einen vorspringenden Winkel des Ufers gewonnen und von da aus -den willkommnen Schimmer des Holzfeuers in dem Log-Hause gesehn, nach -einigen Schwierigkeiten war es ihm gelungen, die Aufmerksamkeit seiner -Bewohner zu erregen. Man hatte daselbst die Hoffnung, daß wir an diesem -Tage eintreffen würden, längst aufgegeben, und unser erstes Rufen und -Pfeifen war fälschlich für das ferne Geläute von Kuhglocken im Walde -genommen worden; dies war an dem Aufschub schuld, der uns in so große -Verlegenheit gebracht hatte. - -An dem hellen, auf dem Heerde des Log-Hauses, worin S-- mit seiner -Gattin recht bequem wohnte, lodernden Feuer, vergaßen wir bald unsre -ermüdende Wanderung. Ich wurde der Dame vom Hause gebührender Maßen -vorgestellt, und trotz allen Einwürfen von Seiten der zärtlichen und -besorgten Mutter wurden drei schlummernde Kinder, eins nach dem andern, -aus ihren Wiegen genommen und von dem stolzen und entzückten Vater den -Gästen gezeigt. - -Wir wurden mit jener Zuvorkommenheit und Innigkeit willkommen geheißen, -die dem Herzen so wohlthätig ist, die Begrüßung war eben so aufrichtig -als liebreich. Kein Mittel blieb unversucht, unsre einstweilige -Einrichtung so bequem als möglich zu machen, und wenn sie auch der -Eleganz entbehrte, woran wir in England gewöhnt gewesen, so fehlte es -ihr doch nicht an ländlicher Behaglichkeit; jedenfalls war sie von der -Art, wie sie sich Ansiedler ersten Ranges nur immer wünschen können, -und gewiß sind viele derselben zu Anfange nicht halb so gut logirt -gewesen, als wir es gegenwärtig sind. - -In der That können wir uns glücklich schätzen, daß wir nicht sogleich -die rohe Shanty zu beziehen brauchen, welche ich Ihnen als die einzige -Wohnstätte auf unserm Grund und Boden geschildert habe. Diese Prüfung -unsers Muthes hat uns S-- gütig erspart, der durchaus darauf bestand, -daß wir so lange unter seinem gastlichen Dache bleiben sollten, bis -unser eignes Haus fertig und beziehbar sein würde. Hier also sind wir -zur Zeit _fixirt_[31], wie sich die Canadier ausdrücken; und wenn ich -auch manche kleine Bequemlichkeiten und Luxusgegenstände entbehre, so -erfreue ich mich doch einer trefflichen Gesundheit und eines frischen -Lebensmuthes, und fühle mich in der Gesellschaft meiner Umgebung -wahrhaft glücklich. - -Die Kinder sind bereits ganz in mich vernarrt. Sie haben meine -Leidenschaft für Blumen entdeckt und suchen danach zwischen den -Baumstummeln und längs dem Seeufer, um sie mir zu überbringen. Ich -habe eine Sammlung angefangen, und obgleich die Jahreszeit schon weit -vorgeschritten ist, so kann sich mein Herbarium doch mancher schönen -Farnkräuter rühmen; desgleichen enthält es das gelbe canadische -Veilchen, welches zweimal im Jahre, nämlich im Frühling und Herbst[32] -blüht; zwei Herbst-Maßlieben, (^Michaelmas daesies^), wie man hier die -strauchartigen Astern nennt, deren Varietäten sehr zierlich sind; und -eine Ranke der Fichten-Guirlande (^festoon pine^), ein allerliebstes -Immergrün mit kriechenden Stengeln, die drei bis vier Yards auf der -Erde hinlaufen. Es sendet in Entfernungen von fünf bis sechs Zoll -gerade, steife, grüne Stengel nach oben und gleicht hinsichtlich -seiner dunkeln, glänzend grünen, spelzartigen Blätter einigen unsrer -Haide-Arten. Die Amerikaner schmücken ihre Fenster und Spiegel mit -Guirlanden von dieser Pflanze und den getrockneten Blumen der oben -erwähnten Immortelle (^life everlasting^); wir nennen diese hübschen -weißen und gelben Blumen ^Love everlasting^ (ewige Liebe). Auf meinen -Wanderungen im Walde unfern des Hauses habe ich ein kriechendes Gewächs -entdeckt, welches ziemliche Aehnlichkeit mit der Ceder hat und nicht -unpassend mit dem Namen der kriechenden Ceder (^ground or creeping -cedar^) bezeichnet werden könnte. - -Da sehr Viel von der Flora dieser unangebauten Theile des Landes dem -Naturkundigen unbekannt ist, und die Pflanzen ganz namenlos (?) sind, -so nehme ich mir die Freiheit, ihnen nach Neigung oder Laune Namen zu -geben. Allein indem ich von Pflanzen und Blumen schreibe, vergesse ich, -daß Sie lieber von den Schritten hören dürften, die wir auf unserm -Grundeigenthum gethan haben. - -Mein Gatte hat Leute zum Aufschichten (^log^) des Holzes, das ist die -Zusammenlegung der gefällten Bäume in Haufen und deren Verbrennung, -so wie auch zur Lichtung eines Platzes für ein zu erbauendes Haus -gemiethet. Er hat auch einen Vertrag mit einem jungen Ansiedler in -der Nachbarschaft geschlossen, wonach dieser sich anheischig macht, -unsre künftige Wohnung für eine bestimmte Summe, einem bestimmten -Plan gemäß, von außen und innen völlig in Stand zu setzen. Wir -werden indeß »_die Biene_« rufen und für alles sorgen, was zur -Unterhaltung unsers würdigen _Bienenstocks_ erforderlich ist. Nun -müssen Sie wissen daß eine _Biene_ in amerikanischer Sprechweise -oder Phraseologie, jene freundschaftliche Vereinigung von Nachbarn -bedeutet, die nach erhaltener Aufforderung sich versammeln, um die -Wände eines Hauses, einer Shanty, Scheune oder irgend eines andern -Gebäudes aufzurichten: dies ist eine »aufrichtende Biene,« (^raising -bee^). Außerdem giebt es ^logging bees^, welche die gefällten Bäume -zusammenschichten und verbrennen; ^husking bees^, die von den Stämmen -die Rinde abschälen; ^chopping bees^, welche den Boden lichten, u. s. -w. Die Beschaffenheit der zu verrichtenden Arbeit giebt der Biene -den Namen. In den volkreichen, seit langer Zeit angebauten Distrikten -findet dieses Verfahren nur selten statt, allein es ist von großem -Nutzen und für neue Ansiedler in abgelegnen Stadtbezirken, wo die -Arbeitslöhne verhältnißmäßig hoch und Arbeiter schwer zu erlangen sind, -unentbehrlich. - -Denken Sie sich die Lage eines Auswandrers, der mit Weib und Kindern, -welche letztre möglicher Weise noch zu klein sind, um ihm im Fällen -und Wegräumen der Bäume, Errichtung einer Wohnstätte u. s. w. den -geringsten Beistand leisten zu können, auf einer Parzelle wilden Landes -anlangt, wie traurig muß dieselbe sein, wofern er nicht schnelle und -thätige Hülfe von seinen nächsten Umgebungen erhält. - -Dieses lobenswerthe Verfahren ist ein Erzeugniß der Nothwendigkeit, das -jedoch auch seine Nachtheile hat, als z. B. wenn die Zusammenberufung -behufs einer Gegenhülfe zu einer den übrigen Ansiedlern ungelegnen -Zeit geschieht; indeß ist es eine unerläßliche Pflicht, freudig und -willig den Zoll der Dankbarkeit zu entrichten, und es wird in der That -als eine Ehrenschuld betrachtet; man kann nicht gezwungen werden, zur -Vergeltung des erhaltnen Beistandes einer dergleichen Versammlung -(^bee^) beizuwohnen, aber gewiß wird sich keiner, wenn es nur irgend -möglich ist, und wofern ihn nicht dringende Umstände abhalten, -weigern, dieses zu thun; und ist man nicht im Stande, persönlich zu -erscheinen, so kann man einen Dienstboten oder Ersatzmann, oder, wenn -man dergleichen hat, auch Zugvieh senden. - -In keiner Lage und unter keinerlei andern Umständen zeigt sich das -Gleichheits-System Amerikas in einem so vortheilhaften Lichte als bei -dergleichen Zusammenkünften. Alle Unterschiede, die Rang, Erziehung -und Reichthum ertheilen, werden für die Zeit freiwillig auf die -Seite gesetzt. Der wohlerzogne Sohn des Edelmanns, und der des armen -Handwerkers, Offiziere und Gemeine, der unabhängige Ansiedler und -der Tagelöhner vereinigen sich freudig und ohne Widerspruch zu einem -gemeinschaftlichen Werke. Jeder fühlt sich von dem wohlwollenden -Verlangen getrieben, dem Hülflosen zu helfen und seine Kräfte zur -Errichtung einer Wohnstätte für den Obdachlosen zu verwenden. - -Gegenwärtig ist erst ein so kleiner Theil Wald auf unsrer Parcelle -gelichtet, daß ich wenig oder nichts von dem Platze, wo wir uns -häuslich niedergelassen, sagen kann, nur so viel will ich bemerken, daß -er an eine schöne Wasserfläche stößt, welche eins von den Gliedern der -Otanabee-See-Kette bildet. Das nächstemal sollen Sie jedenfalls eine -ausführlichere Schilderung erhalten. - - Vor der Hand sage ich Ihnen Lebewohl! - -Fußnoten: - -[30] Diese Concessions-Linien sind gewisse Abtheilungen der -abgesteckten Stadtbezirke; diese sind wieder in eben so viele Parcellen -von 200 Morgen getheilt. Die Concessions-Linien pflegten durch weite, -durch den Wald gehauene Alleen bezeichnet zu werden, so daß sie eine -Communication zwischen den einzelnen Abtheilungen bildeten, allein -dieser Plan machte zu viel Arbeit; in wenigen Jahren schossen junge -Bäumchen auf und verschlossen den gelichteten Pfad dergestalt, daß -er von geringem Nutzen war. Die Grenzen der neuerdings abgesteckten -Stadt-Bezirke sind blos durch gekerbte Bäume bezeichnet. - -[31] ^Fixed^ (einlogirt). - -[32] ^In the fall^, wie die Canadier den Herbst ausdrucksvoll -zu bezeichnen pflegen. - - - - -Achter Brief. - - Unannehmlichkeiten, die mit einer noch neuen Ansiedlung verbunden - sind. -- Schwierigkeit, Nahrungsmittel und andre nöthige Artikel - zu erlangen. -- Schneesturm und Orkan. -- Indianischer Sommer und - Eintritt des Winters. -- Verfahren bei Lichtung des Bodens. - - - November 20, 1832. - -Unser Log-Haus ist jetzt zwar noch nicht fertig, schreitet aber seiner -Vollendung rasch entgegen. Wir wohnen immer noch unter S-- gastlichem -Hause, da dies die erste Ansiedlung auf ihrem Boden ist, so haben sie, -gleich allen übrigen Ansiedlern in den Urwäldern, im laufenden Jahre -noch mancher Schwierigkeit zu begegnen. Sie besitzen ein schönes, -trefflich gelegnes Stück Land; und S-- lacht zu den gegenwärtigen -Entbehrungen, welchen er einen heitern Muth und eine Entschlossenheit -entgegengesetzt, die ganz geeignet sind, über jede Schwierigkeit zu -siegen. Sie sind jetzt im Begriff, ein größeres und bequemeres Haus zu -beziehen, welches in diesem Herbste (^fall^) erbaut ist, und werden uns -die einstweilige Benutzung des alten bis zur Vollendung unsers eignen -überlassen. - -Wir fangen bereits an, uns mit unserm Robinson-Leben zu versöhnen, und -der Gedanke, daß die gegenwärtigen Uebel blos vorübergehend sind, läßt -uns frohen Muthes jedem Hinderniß trotzen. - -Eine der größten Unannehmlichkeiten, womit wir zu kämpfen haben, beruht -auf der schlechten Beschaffenheit der Straßen, und unsrer großen -Entfernung von jedem Dorfe und jeder Stadt, woher wir unsre Bedürfnisse -beziehen. Bis dahin, wo wir unser eignes Getreide erbauen und unser -eignen Schweine, Schafe und Federvieh werden mästen können, müssen -wir alle Nahrungsmittel von den Vorrathshändlern kaufen, wozu noch -kommt, daß die Herbeischaffung derselben mit beträchtlichen Unkosten -und Zeitverlust verbunden ist, da der Transport auf unsern trefflichen -Buschstraßen geschieht, die, um mich der Worte einer armen Irländerin -zu bedienen, nicht schlechter sein können. »Ach Madam,« sagte sie, »die -sind wahrlich schlecht genug und können nicht schlechter sein, sie sind -wahrlich nicht so ilgant (elegant) als unsre Straßen in Irland.« - -Bestellen wir mehre Gewürze zu gleicher Zeit und lassen dieselben -mit der nächsten Gelegenheit von Ort und Stelle abgehen, so finden -wir, wenn der Wagen anlangt, bei Untersuchung unsrer Vorräthe, Reis, -Zucker, Korinthen, Pfeffer und Senf alles zu einem Chaos durcheinander -gewirrt. Was meinen Sie zu einem Reis-Pudding, das tüchtig mit Pfeffer -und vielleicht auch mit etwas Rappee und dergleichen, um die Sauce -piquanter zu machen, durchwürzt ist. Ich denke das Recept würde in -^Cook's Oracle^ oder ^Mrs. Dalgairn's Practice of Cookery^[33] unter -dem originellen Titel: _Busch-Pudding_, Figur machen. - -Aber Wehe und Verderben den irdnen Waaren, welche zufällig über die -holprichten Straßen wandern. Glücklich kann man sich in der That -preisen, wenn in Folge vorzüglicher Geschicklichkeit und Sorgfalt des -Packers, mehr als die Hälfte unzertrümmert anlangt. Gegen dergleichen -Unfälle haben wir keine Abhülfe. Der Waarenhändler schiebt die Schuld -auf den Fuhrmann, und der Fuhrmann auf die schlechten Straßen, sich -wundernd, wie er selbst während seiner Fahrt durch den Busch mit heiler -Haut und ganzen Gliedmaßen davon gekommen. - -Wir leben jetzt in der schlimmsten Jahres-Zeit, der Eintritt und -Ausgang des Winters machen dem Ansiedler viel zu schaffen. Kein andres -Fuhrwerk als ein mit Ochsen bespannter Wagen, und auch dieser nicht -ohne Schwierigkeit, kann die Straße passiren und braucht zur Vollendung -seines Weges zwei ganze Tage; das Schlimmste dabei ist, daß man die -nöthigsten Artikel bisweilen um keinen Preis erlangen kann. - -Sie sehen aus allem, daß ein Busch-Siedler nicht blos auf alle -Luxus-Gegenstände und Leckereien der Tafel, sondern bisweilen sogar auf -die nöthigsten Lebensbedürfnisse Verzicht leisten muß. - -Zu einer Zeit ist kein Schweinfleisch zu haben; zu einer andern -herrscht Mangel an Mehl, vielleicht in Folge eines Umstandes, der die -Mühle außer Gang gesetzt hat, oder weil es an Weizen zum Mahlen fehlt; -oder Witterung und schlechte Wege hindern die Ankunft des Wagens oder -den Abgang von Leuten zur Herbeischaffung des Nöthigen. In diesem Falle -muß man seine Zuflucht zu einem Nachbar nehmen, vorausgesetzt, daß -man so glücklich ist, einen solchen in der Nähe zu haben, -- und im -schlimmsten Fall muß man sich mit Kartoffeln begnügen. Die Kartoffel -ist hier in der That ein großer Segen, neue Ansiedler würden ohne sie -oft in eine unangenehme Lage gerathen, und der arme Mann und seine -Familie, die ohne andre Hülfsmittel sind, müßten, hätten sie die -Kartoffel nicht, verhungern. - -Einmal war unser Thee-Vorrath ausgegangen, und wir konnten nirgends -dergleichen erhalten. In dieser Verlegenheit würde Milch oder -Kaffee ein treffliches Ersatzmittel gewesen sein, wofern wir im -Besitz davon gewesen wären; allein wir hatten weder das Eine noch -das Andre, und so mußten wir zu Yankie-Thee -- einem Absud von -Schierlings-Tannen-Sprossen, unsre Zuflucht nehmen. Dies war für meinen -Geschmack ein sehr schlechtes Getränk, wiewohl ich ein Kraut in dem -Thee entdeckte, welches in London das Pfund zu fünf Schilling verkauft -wird, und nichts anders sein kann als getrocknete und pulverisirte -Schierlings-Tannen-Blätter. - -S-- lachte über unsre sauren Gesichter und erklärte den Trank für -vortrefflich; auch ging er uns allen mit einem guten Beispiel voran, -indem er sechs Tassen von diesem ächten Wald-Thee hinterschlürfte. Doch -gelang es seiner Beredtsamkeit nicht, einen von uns zu bekehren, wir -mochten seiner Versicherung, daß er blos jungen Hyson-Thee nachstehe, -keinen Glauben beimessen und erwiederten auf seine Bemerkung, daß -derselbe mit seinen andern guten Eigenschaften medicinische Tugenden -verbinde, er sei wie alle Arzneien, dem Gaumen sehr zuwieder. - -»Nach allem,« sagte S-- mit einer gedankenvollen Miene, »verdanken -sowohl die Segnungen als die Uebel dieses Lebens ihre Hauptwirkung -der Stärke des Contrastes und müssen demnach hauptsächlich geschätzt -werden. Wir würden die Genüsse, deren wir uns erfreuen, nicht halb -so hoch schätzen, wenn wir ihrer nicht zuweilen entbehrten. Wie -groß dürften uns die Annehmlichkeiten einer völlig gelichteten und -gut angebauten Meierei erscheinen, wenn uns außer den nöthigen -Lebensbedürfnissen noch manche Luxus-Gegenstände zu Gebote stehen -werden.« - -»Und wie wird uns grüner Thee nach diesem abscheulichen Getränk -behagen,« bemerkte ich. - -»Sehr wahr, und ein bequemes Haus, ein niedlicher Garten, schöne Weiden -nach diesen dunkeln Wäldern, Loghäusern und völligem Mangel an Gärten.« - -»Und das Nichtvorhandensein der abscheulichen Baumstummel,« fügte ich -hinzu. »Gewiß! glauben Sie mir meine Theure, Ihr canadisches Landgut -wird Ihnen mit der Zeit, nach vollendeter Cultur des Bodens, als -ein wahres Paradies erschienen, und Sie werden mit desto größerm -Vergnügen und Stolz darauf blicken, wenn Sie sich erinnern, daß es -einst eine Wüstenei war, die sich durch die Wirkungen von Fleiß und -wohl angewendeten Mitteln in fruchtbare Felder verwandelt hat. Jede -Annehmlichkeit, die Sie um sich her erzeugen, wird Ihr Glück vermehren; -jede Verbesserung in oder außer dem Hause wird ein Gefühl von -Dankbarkeit und Entzücken in Ihrem Herzen erzeugen, wovon diejenigen, -welche stets in Ueberfluß und Wohlleben schwelgen oder auch nur die -gewöhnlichsten Vortheile der Civilisirung genießen, nichts wissen. Mein -Wahlspruch ist, »Hoffnung! Entschlossenheit! und Ausdauer!« - -»Dies,« sagt mein Gatte, »ist wahre Philosophie, und sie wirkt um so -nachdrücklicher, weil Sie ihre Wahrheit durch die That beweisen.« - -Ich hatte sehr auf den indianischen Sommer (Nachsommer) gezählt, wovon -ich so entzückende Schilderungen gelesen, allein ich muß gestehen, daß -derselbe weit hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben ist. Gleich -zu Anfange dieses Monats (November) hatten wir drei oder vier warme, -trübe, mehr drückende und schwüle Tage. Die Sonne schimmerte roth durch -die neblichte Atmosphäre, die seltsam gestalteten Wolken, welche in -rauchartigen wellenförmigen Massen am Himmel hingen, mit saffrangelbem -und blaß carmosinrothem Lichte färbend, gerade so wie ich dergleichen -an einem heißen schwülen Frühlings-Morgen gesehen habe. - -»Nicht ein Lüftchen kräuselte die Wasserfläche, nicht ein Blatt (denn -die Blätter waren noch nicht alle gefallen) regte sich. Diese völlige -Stockung der Luft ward plötzlich durch einen heftigen Sturmwind mit -Schneegestöber unterbrochen, welcher ohne alle Vorzeichen heranbrauste. -Ich stand in der Nähe einer hohen Fichten-Gruppe, die man inmitten -des gelichteten Bodens hatte stehen lassen, und sammelte eben einige -carmosinrothe Flechten (Lichenen); S-- befand sich nur einige Schritt -von mir, mit einem Gespann Ochsen, welche Brennholz zogen. Auf einmal -vernahmen wir ein fernes hohles Rauschen, das mit jedem Augenblick -zunahm, die Luft rings um uns her war vollkommen ruhig. Ich blickte -empor und sah die bisher so regungslosen Wolken mit erstaunlicher -Schnelligkeit in verschiednen Richtungen sich fortbewegen. Ein dichtes -Dunkel verbreitete sich über den Himmel. S--, der ämsig mit den Ochsen -beschäftigt gewesen, hatte nicht gleich bemerkt, daß ich ihm so nahe -war, und rief mir jetzt zu, daß ich so schnell als möglich das Haus -oder eine freie Stelle, fern von den Fichten, zu erreichen suchen -möchte. Unwillkührlich wendete ich mich dem Hause zu, während das -donnernde Getös der in allen Richtungen niederstürzenden Bäume, das -Herabprasseln der Aeste von den Fichten, die ich so eben verlassen, das -Brausen der Windsbraut, welche über den See herabraste, mich die Gefahr -erkennen ließen, die mir gedroht hatte. - -Die brechenden Aeste der Fichten, welche, vom Sturme fortgeführt, über -mir umherwirbelten, verfinsterten die Luft; dann kam das blindmachende -Schneegestöber; allein Gott sei Dank! ich konnte den Fortschritten des -Unwetters in Sicherheit zusehen, da ich die Schwelle unsers Hauses -gewonnen. Der Ochsentreiber hatte sich mit dem Gesicht auf die Erde -geworfen, während die armen Thiere in Demuth ihre Köpfe niederhielten -und geduldig den Ausgang des schonungslos wüthenden Sturmes abwarteten. -S--, mein Gatte und alles, was zum Haushalt gehörte, hatte sich in -eine Gruppe vereint und bewachte mit ängstlicher Spannung das wilde -Toben der in Aufruhr begriffnen Elemente. Nicht ein Blatt blieb an den -Bäumen, als der Orcan ausgewüthet, standen sie nackt und kahl da. So -endete die kurze Herrschaft des indianischen Sommers[34]. - - [Illustration: _Neu gelichtetes Land._] - -Meiner Ansicht nach ist die Meinung, welche einige Reisende hegen, -daß nämlich der indianische Sommer durch das jährliche Abbrennen -von Wäldern seitens derjenigen Indianer erzeugt werde, welche die -undurchforschten Gegenden jenseits der größern Seen bewohnen, -ungegründet. Man denke sich nur, welche ungeheure Waldstrecken jährlich -in Flammen aufgehen müßten, um einen Einfluß auf ziemlich das ganze -Continent von Nordamerika zu üben; übrigens finden die Waldbrände -zu der Zeit im Jahre statt, wo das Feuer, wegen der durch die -Herbst-Regengüsse bewirkten Feuchtigkeit des Bodens nicht leicht stark -um sich greift. - -Ich möchte vielmehr die besondre Wärme und schwüle düstre -Beschaffenheit der Luft der Gährung jener ungeheuren Masse -vegetabilischen Stoffs zuschreiben, welche während der letzten Hälfte -des Octobers in Zersetzung begriffen ist. Einige haben die Vermuthung -aufgestellt, daß eine große Veränderung hinsichtlich dieser Jahreszeit -stattfinden werde, indem die fortschreitende Lichtung des Landes die -Quantität verwitternder Vegetabilien fortwährend vermindere. Ja ich -habe gehört, daß von denjenigen, welche seit langer Zeit mit dem -amerikanischen Festlande bekannt sind, in der fraglichen Beziehung -schon ein ziemlicher Unterschied bemerkt werde. - -Bisher sind meine Erfahrungen, das Klima anlangend, günstig gewesen. -Der Herbst war recht schön, obwohl die Fröste zeitig im September -eintraten, anfangs waren sie gelind und kaum des Morgens fühlbar; aber -gegen den October zeigten sie sich schon strenger und dauernder. Allein -wenn auch die eine Hälfte des Tages kalt ist, so sind doch die Mittags- -und Nachmittags-Stunden warm und angenehm. - -Wir fühlen bereits den strengen Eintritt des Winters. Er begann -entschieden mit dem Ende des indianischen Sommers. Der November -gleicht bei weitem nicht demselben Monat in der Heimath (England). -Die erste Hälfte war mild und warm, die letzte kalt, von scharfen -Frösten und gelegentlichem Schneefall begleitet; allein er scheint -nicht den düstern trüben Charakter unsers brittischen Novembers zu -besitzen. Indeß reicht eine kurze Bekanntschaft mit dem Klima nicht -hin, ein richtiges Urtheil über seinen Charakter zu fällen, es bedarf -hierzu einer genauen, während eines mehrjährigen Aufenthalts im Lande -fortgesetzten Beobachtung seiner Eigenthümlichkeiten und Wechsel. - -Jetzt muß ich Ihnen erzählen, was mein Gatte auf unserm Grundstück -vornimmt. Zehn Morgen hat er einigen irischen Holzfällern (^choppers^) -übergeben, die sich auf die Dauer des Winters in der Shanty -eingerichtet haben. Sie erhalten für Lichtung und Einfriedigung des -Ackers, das Verbrennen der gefällten Bäume mit inbegriffen, zehn -Dollars. Der Boden muß bis auf die Baumstummel völlig rein sein, -letztere bedürfen, um zu verwittern, neun bis zehn Jahr; die Fichte, -Schierlingstanne und die Tanne halten sich viel länger. Die Entfernung -der Stummel ist für neue Anfänger zu kostspielig; die Arbeits-Löhne -sind so hoch, daß man sich mit Ausführung des unumgänglich Nothwendigen -begnügen muß. Die Zeit, während welcher gearbeitet werden kann, ist -sehr kurz, weil der Frost so lange in der Erde bleibt; mit Ausnahme des -Fällens und Verbrennens der Bäume läßt sich nicht viel thun. - -Diejenigen, welche die gehörige Behandlung ungelichteten Landes -verstehen, schneiden zunächst alle kleinere Bäume und alles Unterholz -weg, während diese noch belaubt sind; das gefällte Holz wird in Haufen -gelegt, und die vom Winde umgestürzten Bäume werden der Länge nach -zersägt und im Frühjahr mit dem Winterschnitt (die im Winter gefällten -Bäume) geklaftert. Der Ausgang des Sommers und der Herbst sind die -beste Zeit für besagte Arbeit. Die Blätter werden alsdann völlig -trocken und erleichtern das so wichtige Verbrennen der dicken schweren -Baumstämme um ein Bedeutendes. Ein andrer Grund dazu ist, daß nach -hohem Schneefall das kleine leichte Holz (Unterholz) nicht dicht an -der Erde weggeschnitten, und die todten Aeste und andre Abgänge nicht -gesammelt und in Haufen gelegt werden können. - -Wir werden ungefähr drei Morgen für die Frühlingssaat bereit haben, -voraus gesetzt, daß wir mit dem Verbrennen des in der Nähe unsers -Hauses bereits geklafterten Holzes nach Wunsch zu Stande kommen. -- -Wir gedenken dieselben mit Hafer, Kürbissen, indianischem Korn und -Kartoffeln zu bepflanzen; die andern zehn Acker sollen für die Einsaat -von Weizen ebenfalls fertig werden. Sie sehen daraus, daß wir noch -lange auf eine Ernte zu warten haben. Selbst Frühlings-Weizen, wenn er -im Laufe des Jahres zur Reife kommen soll, können wir nicht mehr zeitig -genug in die Erde bringen. - -Im Frühjahr wollen wir uns wo möglich zwei Kühe zulegen, da diese -Thiere während des Frühlings, Sommers und Herbstes wenig Kosten -verursachen; den Winter über werden wir Kürbisse und Haferstroh für sie -haben. - -Fußnoten: - -[33] Englische Kochbücher. - -[34] Nachsommer. - - - - -Neunter Brief. - - Verlust eines Ochsen-Gespanns. -- Errichtung eines Log-Hauses. - -- Glaser- und Zimmermanns-Arbeit. -- Beschreibung eines neuen - Log-Hauses. -- Spaziergang auf dem Eise. -- Lage des Hauses. -- See - und umgebende Scenerei. - - - See-Haus, April 18, 1833. - -Es wird Zeit, daß ich Ihnen endlich eine Beschreibung unsers Log- -(Block-) Hauses gebe, in welches wir einige Tage vor Weihnachten -eingezogen sind. Da manche unvorhergesehene Umstände seine Vollendung -vor besagter Zeit verhinderten, so glaubte ich schon, daß es nie würde -bewohnbar werden. - -Der erste Unfall, welcher uns traf, war der Verlust eines Gespanns -Ochsen, die wir zum Herbeiziehen der Baumstämme für das zu errichtende -Haus gekauft hatten. Da sie den Busch nicht so angenehm finden -mochten, als die gelichteten Weideplätze ihres vorigen Herrn, oder -weil sie vielleicht harte Arbeit für sich voraus sahen, so kam es -ihnen eines Morgens früh in den Kopf, durch den See, gleich da, wo die -Stromschnellen ihren Anfang nehmen, zu setzen und sich davon zu machen, -keine Spur ihrer Marschroute, außer einigen Fußstapfen am Wasser-Rande, -zurücklassend. Nachdem wir einige Tage vergebens danach gesucht, blieb -die Arbeit liegen, und einen ganzen Monat hindurch waren sie weg, so -daß wir schon alle Hoffnung aufgaben, jemals wieder etwas von ihnen zu -hören. Endlich erfuhren wir, daß sie etwa zwanzig (englische) Meilen -von uns, in einem fernen Stadtbezirk (^township^) angelangt waren und -ihren Weg durch Waldung und Moräste, Bäche und Seen zu ihrem früheren -Besitzer zurückgenommen hatten, von einem Instinkte geleitet, der ihnen -für den Mangel an Straßen und Compaß Ersatz leistete. - -Man erzählt Fälle, wo dergleichen Thiere einen Strich wilden Landes -dreißig oder vierzig (englische) Meilen weit, bis zu ihren alten -Weideplätzen, in gerader Linie und auf unbekannten Pfaden, wo ihnen das -Gedächtniß nicht zu Hülfe kommen konnte, durchwanderten. Beim Hunde -betrachten wir Geruch und Gedächtniß als Führer, die ihn zu seiner -fernen Heimath zurückleiten; wie aber soll man sich die fraglichen -Wanderungen jener Ochsen erklären? Sie kehrten durch dichte endlose -Wälder, wo der Mensch mit all seiner Vernunft und Kenntniß den rechten -Weg gewiß verfehlt haben würde, nach Hause zurück. - -Der October ging bereits zu Ende, und noch standen nicht einmal die -Wände unsers Hauses. Letzteres zu bewirken, riefen wir »eine Biene« -zusammen: sechszehn unsrer Nachbarn folgten mit großer Bereitwilligkeit -unsrer Aufforderung; und obschon der Tag nichts weniger als günstig -war, so führte unsre Biene ihr Werk doch so treulich aus, daß mit -Einbruch des Abends die Außenwände aufgerichtet waren. - -Die Arbeit schritt unter Mithülfe einer reichlichen Quantität -canadischen Nektars (Branntweins), des Honigs, womit unsre Bienen -gestärkt werden, rasch vorwärts. Einige tüchtige eingesalzne -Schweinskeulen, ein Viertel Kartoffeln nebst einem Reispudding und ein -Brod, so dick wie ein gewaltiger Cheshire-Käse, bildeten das Mahl, -womit die fleißigen Leute regalirt wurden. Dies alles wurde in der -Shanty, in einem ziemlich ländlichen Styl, aufgetischt. Kurz, wir -lachten und nannten es einen _Pic-nic in den Urwäldern_; aber wie -roh und einfach auch das Mahl war, so kann ich Ihnen doch versichern, -daß sämmtliche Gäste, hohe und niedre, sehr damit zufrieden waren -und unsre »_Biene_« als eine sehr wohl versorgte priesen. Trotz der -Rangverschiedenheit derer, welche die Biene bildeten, herrschte doch -unter allen die größte Harmonie, und die Gesellschaft ging wohl -zufrieden mit ihrem Tagewerke und der Bewirthung auseinander. - -Am folgenden Tage machte ich einen Ausflug, um das neu errichtete -Gebäude in Augenschein zu nehmen; allein ich fand mich sehr unangenehm -überrascht, da es keineswegs das Ansehn eines Hauses hatte. Es war ein -bloses Rechteck von über einander befestigten Scheiten, mit offnen -Räumen zwischen jeder Scheit-Reihe. Die Oeffnungen für Thüren und -Fenster waren noch nicht geschnitten, und die Dachbalken lagen noch -nicht. Mit einem Wort, es war ein seltsamer Bau, und ich kehrte etwas -niedergeschlagen nach Hause zurück, mich nicht wenig wundernd, daß mein -Gatte mit den gemachten Fortschritten so zufrieden war. Einen oder -zwei Tage darauf stattete ich dem Neubau abermals einen Besuch ab. Die -Tragbalken zur Aufnahme der Fußböden waren gelegt, und die Oeffnungen -für die Thüren und Fenster waren in das feste Holz geschnitten, so daß -derselbe nicht mehr so sehr wie zuvor einem Vogelkäfig glich. - -Nach Beschindelung des Dachs mußten wir wieder pausiren, da Breter -nicht näher als in Peterborough zu haben waren, und mithin bedurfte es -einer langen Tage-Reise über schreckliche Straßen. Zu dieser Zeit war -noch an keine Sägemühle zu denken, jetzt aber ist eine dergleichen, -nicht weit von uns, im Entstehen begriffen. Unsre Dielenbreter mußten -alle mit der Hand gesägt werden, und es währte ziemlich lange, ehe wir -Jemand zur Verrichtung dieses nothwendigen Werkes finden konnten, und -das zu einem hohen Lohne, ein Shilling und Sechspence für den Tag. -Die Breter langten endlich an, aber natürlicher Weise von unabgepaßtem -Holze; dies war unvermeidlich, und da sie nicht gehobelt werden -konnten, mußten wir uns ihr rohes häßliches Ansehn gefallen lassen; -denn es waren keine besseren zu haben. Ich erinnerte mich jetzt an -die Bemerkung des alten Herrn, mit welchem wir von Cobourg nach dem -Reis-See fuhren. Wir trösten uns mit der Aussicht, daß mit dem nächsten -Sommer sämmtliche Breter abgepaßt sein werden, freilich bedarf es -hierzu einer völligen Umkehrung des Hauses; denn die Breter müssen von -neuem gelegt, gehörig an einander gefügt und gehobelt werden. - -Der nächste Unfall, welcher uns betraf, war, daß das Gemisch von Lehm -und Kalk, womit das Haus von innen und außen zwischen den Fugen der -Baum-Scheite berappt werden sollte, in einer einzigen Nacht so hart -wie Stein fror; das Werk war kaum zur Hälfte gediehen, als plötzlich -Frost eintrat und der Arbeit auf einige Zeit ein Ende machte, denn -der gefrorne Mörtel thauete weder im Feuer noch in heißem Wasser auf; -letzteres fror ebenfalls, ehe es noch eine Wirkung auf die Masse -geäußert, und machte die Sache eher schlimmer. Alsdann verwundete sich -der Zimmermann beim Glatthauen der Wände im Innern mit der breiten -Axt und ward hierdurch auf einige Zeit zur Fortsetzung seiner Arbeit -untüchtig. - -Ich führe alles dies blos darum an, um die Schwierigkeiten zu zeigen, -welche uns in Vollführung unsrer Pläne hindern, und dies erklärt -zum großen Theil die schlechten Wohnungen, womit sich Ansiedler der -achtbarsten Klasse bei ihrer ersten Ankunft in diesem Lande begnügen, -und dies keineswegs aus Neigung sondern aus Nothwendigkeit; ich könnte -Ihnen Schilderungen der Art geben, die Sie in Erstaunen setzen würden. -Jedenfalls dient es dazu, uns zufriedner und gleichgültiger zu machen, -wenn wir um uns her nur wenige in bessern, ja viele, die mit uns von -gleichem oder vielleicht noch höherem Range sind, in noch schlimmeren -Verhältnissen erblicken, als dies, verhielte sich die Sache anders, der -Fall sein würde. - -Jedermann in diesem Lande muß selbst den Glaser machen; Sie werden -darüber lachen, allein, will er keine zerbrochnen Fensterscheiben sehen -und die davon herrührenden Unannehmlichkeiten fühlen, so muß er lernen, -sie mit eigner Hand in seine Fensterrahmen einzuziehen. Handwerker -sind, gerade wenn man sie braucht, in den Urwäldern nicht immer leicht -zu haben, und es hieße sehr verkehrt handeln, wenn man zur Ausbesserung -seiner Fenster einen Glaser theuer bezahlen und auf seine Unkosten -eine zweitägige Reise von der nächsten Stadt machen lassen wollte. -Glastafeln von verschiedner Größe kann man bei den Vorrathshändlern -sehr wohlfeil kaufen. Mein Gatte machte sich ein Vergnügen daraus, das -Glas in seine Fenster, ehe diese eingehängt wurden, selbst einzuziehen. - -Eine genaue Bekanntschaft mit dem Gebrauch der Werkzeuge des -Zimmermanns ist hier, glauben Sie mir, viel werth, und ich empfehle -jedem jungen Mann, der nach Canada auswandern will, sich mit diesem -schätzbaren Metier so viel als möglich bekannt zu machen, da er andern -Falls oft in große Verlegenheit gerathen dürfte. - -Höchst lächerlich erschienen mir die Bemerkungen einer superfeinen -Dame, der unwilligen Theilnehmerin an der Auswanderung ihres Gatten, -als sie den Sohn eines See-Offiziers von einigem Range im Dienste -ämsig mit Fertigung einer Axt-Handhabe aus einem Stück Felsen-Ulme -beschäftigt sah. - -»Ich wundre mich, daß Sie _George_ sich so erniedrigen lassen,« -bemerkte sie, sich an dessen Vater wendend. - -Der Capitain blickte sie mit Verwunderung an, »Sich erniedrigen! Auf -welche Weise Madam? Mein Sohn schwört nicht, trinkt keinen Branntwein, -und sagt keine Lügen.« - -»Allein Sie lassen ihn Arbeiten der niedrigsten Art verrichten. Um was -ist er jetzt besser als ein gemeiner Zimmermann; und ich glaube, daß -sie ihn auch Holz fällen lassen?« - -»Allerdings,« war die Antwort, »das Holz dort auf dem Wagen hat er seit -gestern, nach Beendigung seiner Lehrstunden, alles selbst gefällt.« - -»Lieber wollte ich meine Jungen todt sehen, ehe ich ihnen gleich -gemeinen Arbeitern die Axt zu führen verstattete.« - -»Müßiggang ist aller Laster Anfang,« sagte der Capitain, »wie weit -schlechter würde mein Sohn beschäftigt sein, wenn er sich mit böser -Gesellschaft auf der Straße umher triebe.« - -»Sie müssen doch zugeben, daß sich dieses Land nicht zum Aufenthalt für -Gentlemen und Damen eignet,« bemerkte die Lady. - -»Es ist ein Land,« erwiederte der Capitain etwas derb, »worin -Gentlemen, die nicht arbeiten mögen und die doch nicht außer demselben -leben können, verhungern müssen, und aus diesem Grunde gewöhne ich -meine Söhne frühzeitig an eine stete und nützliche Thätigkeit.« - -»Meine Söhne sollen nie wie gemeine Handwerker arbeiten,« erwiederte -die Dame mit Unwillen. - -»In diesem Fall Madam, werden sie als Ansiedler zu nichts taugen; -und es ist nur zu bedauern, daß Sie dieselben über den Ocean hierher -gebracht haben.« - -»Wir waren dazu gezwungen, wir konnten nicht mehr auf dem Fuße leben, -wie wir gewohnt waren, andernfalls würde ich nie in dieses abscheuliche -Land gekommen sein.« - -»Da Sie aber nun einmal hier sind, so werden Sie sehr wohl thun, sich -in die Umstände zu schicken, Canada ist kein Land für müßige Leute, -welche ihre Vermögens-Umstände zu verbessern wünschen. In einigen -Theilen des Landes werden Sie die meisten Nahrungsmittel eben so theuer -finden als in London, die Kleidung noch weit theurer und nicht so gut, -und dabei eben keine sonderliche Auswahl.« - -»Nun dann möchte ich doch wissen, wozu Canada gut ist?« war die -ärgerliche Antwort. - -»Es ist ein gutes Land für den rechtschaffnen fleißigen Handwerker. Es -ist ein schönes Land für den armen Arbeiter, der nach wenigen Jahren -harter Arbeit sich in seinem eignen Log-Hause niederlassen und sein -Auge auf seinen eignen Grund und Boden schweifen lassen kann, und -seine Kinder für die Zukunft wohl versorgt und unabhängig weiß. Es -ist ein großes wichtiges Land für den reichen Speculanten, der eine -beträchtliche Summe in Ankauf trefflichen ergiebigen Bodens anlegen -kann; denn verfährt er nur einigermaßen klug, so kann er für sein -Geld nach Verlauf einiger Jahre hundert Procent Zinsen gewinnen. Aber -es ist ein böses Land für den armen Gentleman, den seine Lebensweise -und Gewohnheiten untüchtig zur Handarbeit gemacht haben. Er bringt -Gesinnungen mit sich, die nicht zu seiner neuen Lage passen; und -selbst wenn ihn die Noth zur Anstrengung seiner Kräfte treibt, ist -seine Arbeit von geringem Werth. Sein Fortkommen fällt ihm äußerst -schwer. Die nicht zu umgehenden Arbeits-Löhne und Ausgaben für den -erforderlichen Lebensunterhalt sind beträchtlich, und er muß, will -er sich aufrecht und schuldenfrei erhalten, manche Entbehrungen -erdulden. Hat er eine zahlreiche Familie und erzieht er sie auf eine -vernünftige, seinen Umständen angemeßne Weise, das heißt, macht er sie -frühzeitig für das Ansiedlerleben geschickt, so erzeigt er ihnen eine -wahre Wohlthat und wird bald der guten Folgen für sein Grundeigenthum -inne; allein ist er selbst müßig und faul, seine Frau verschwenderisch -und unzufrieden, und lehrt er seine Kinder mit Verachtung auf -anstrengende Arbeit herab zu blicken; so eilt er seinem Verderben -mit Riesenschritten entgegen. Mit einem Wort, das Land ist ein gutes -Land für diejenigen, für welche es paßt; wer sich aber nicht der -Nothwendigkeit fügen, wer keine Entbehrung dulden und nicht arbeiten -will, der thäte besser, er bliebe davon entfernt. Es liegt am Tage, daß -Canada nicht jeder Klasse von Leuten zusagen kann.« - -»Nun für mich und meine Familie paßt es durchaus nicht,« erwiederte die -Dame verächtlich. - -»Sehr wahr!« lautete die laconische Antwort, und so endete das -Zwiegespräch. - -Allein indem ich diese Bemerkungen nieder geschrieben, bin ich -ganz von der Hauptsache abgekommen und habe mein armes Log-Haus in -unvollendetem Zustande gelassen. Endlich wurde mir gesagt, daß es -fertig und bewohnbar sei, und ich sah mich bald mitten in die mit dem -Aus- und Einzuge verbundne Unruhe und Arbeit versetzt. Wir erhielten -allen nöthigen Beistand von S--, der stets bereit und willig ist, -uns zu helfen. Er lachte und nannte unsre kleine Versammlung eine -bewegende _Biene_ (^moving bee^); ich sagte es sei eine feststellende -Biene, (^fixing bee^) und mein Gatte gab ihr den Namen ordnende -Biene (^settling bee^); gewiß waren wir, ehe alles zu Stande kam, -uneingerichtet genug. Welch eine wüste Höhle ist ein kleines Haus oder -überhaupt jedes Haus unter solchen Umständen. Der Begriff von Chaos muß -vom Aus- und Einräumen entlehnt worden sein, denn ich glaube, daß die -Alten so gut hiermit zu thun hatten, als die Neuern. - -Von irdnem Geschirr ging mancher werthvolle Artikel auf seiner kurzen -aber holperigen Wanderung durch die Wälder in Stücke. Friede und Ruhe -ihren Manen! Ich hatte eine gute Hülfe an meinem irischen Mädchen, die -bald ein tüchtiges Feuer auf dem neuen Herde anzündete und alles im -Hause ordnete. - -Wir fühlen uns jetzt in unsrer neuen Wohnstätte recht behaglich; ich -will Ihnen eine Schilderung von dem kleinen Häuschen geben. Was fertig -da steht, ist blos ein Theil von dem ursprünglichen Plan, das Uebrige -muß im nächsten Frühjahr oder Herbst, wie es die Umstände erlauben, -hinzugefügt werden. - -Ein niedliches kleines Wohnstübchen mit Vorrathskammer, Küche, Speise- -und Schlafkammer bilden das Erdgeschoß; dazu kommt ein hübsches obres -Stockwerk, welches drei Schlafgemächer abgeben wird. - -»Welche Nußschale,« höre ich Sie im Geiste ausrufen; eine solche ist -es vor der Hand wirklich, allein wir gedenken einen schönen Vorbau -daran zu fügen, und warten hierzu nur auf Breter von der Mühle; dies -wird uns noch eine Stube, einen langen Saal und ein Schlafzimmer -für vorkommende Fälle verschaffen. Die Fenster und Glasthüre unsers -jetzigen Wohnstübchens gewähren eine angenehme Aussicht auf die Seen im -Westen und Süden. Nach Vollendung des Hauses werden wir vorn und nach -der Südseite eine Verandah (Vorhalle) haben, eine angenehme Hinzufügung -für den Sommer, da man sie als eine Art Vorgemach benutzen, darin -speisen und die frische Luft, geschützt gegen die Sonne, genießen kann. -Die Canadier nennen diese Verandahs »_Stoups_,« da sie nur aus Scheiten -oder Bretwerk bestehen, so entbehren nur wenige Häuser derselben. -Die Pfeiler oder Säulen, umwunden von üppigen Hopfen-Ranken, der -Scharlach-Bohne und der Morgen-Glorie[35], nehmen sich sehr hübsch aus. -Gewiß sind diese Stoups eine vorzügliche Zierde, da sie zum großen -Theil die rohen Scheite verbergen und das scheunenartige Aeußre der -Häuser maskiren. - -Unser Wohnstübchen wärmt ein hübscher eiserner Ofen mit messingener -Gallerie und einer Schutzplatte. Das Hausgeräth besteht in einem mit -Messingblechen beschlagnen Sopha, das gelegentlich auch als Bett -gebraucht wird, canadischen angestrichnen Stühlen, einem gefleckten -Tisch von Tannenholz, grünen und weißen Vorhängen und einer schönen -indianischen Matte, welche den Fußboden bedeckt. Eine Seite des Zimmers -nehmen unsre Bücher ein. Einige große Landcharten und verschiedne gute -Kupferstiche verstecken so ziemlich die rohen Wände und bilden die -Decoration unsrer kleinen Wohnung. Unser Schlafzimmer ist auf dieselbe -einfache Weise ausmöblirt. Indeß fühlen wir uns gar nicht unbehaglich -in unserm schlichten Häuschen; und wiewohl es keineswegs so beschaffen -ist, um unsern Wünschen vollkommen zu genügen, entspricht es doch unter -den bestehenden Umständen seinem Zwecke. - -Ich harre sehnsüchtig dem Frühling entgegen, um vor dem Hause ein -Gärtchen anlegen zu können; denn ich beabsichtige, einige der im -Lande einheimischen Früchte und Blumen darin anzupflanzen, die -meiner Ueberzeugung nach durch Cultur einer beträchtlichen Veredlung -fähig sind. Die auf unsern Triften und gelichteten Waldstellen wild -wachsenden Erdbeeren gehören verschiednen Varietäten an und tragen sehr -reichlich, zum Einmachen eignen sie sich trefflich, und ich gedenke -einige Beete in meinem Garten damit zu bepflanzen. Auf unserm See -befindet sich ein allerliebstes waldiges Inselchen, Erdbeer-Eiland und -ein andres ^Raspberry island^ (Brombeer-Eiland) benamt; sie enthalten -einen Ueberfluß an allerlei Früchten -- wilden Trauben, Brombeeren, -schwarzen und rothen Johannis-Beeren; eine wilde Stachelbeere und -eine schöne kleine rankende Pflanze, welche weiße Blumen trägt, wie -die Brombeere, desgleichen eine dunkel purpurfarbne Frucht, bestehend -aus einigen Samen von angenehmem, lebhaft säuerlichem Geschmack, -der Thaubeere nicht unähnlich, aber nicht ganz so süß. Die Blätter -dieser Pflanze sind glänzend hellgrün und ungefähr wie die Blätter -der Brombeere gestaltet, mit der sie (obgleich nicht so buschig und -dornig) in einiger Hinsicht so große Aehnlichkeit hat, daß ich sie die -_kriechende (rankende Brombeere)_ getauft habe. - -Unsre wissenschaftlichen Botaniker dürften mich für sehr keck und -anmaßend halten, daß ich mir die Freiheit nehme, den Blumen und -Sträuchern, auf die ich in diesen Wäldern stoße, Namen beizulegen. Ich -kann blos sagen daß es mich freut, wo möglich die canadischen oder -selbst die indianischen Benennungen zu entdecken, und wo sie fehlen, -betrachte ich mich als ihre Taufmutter und benenne sie nach meinem -Gefallen. - -Unter unsern wilden Früchten haben wir eine Pflaume, die in einigen -Gemeinde-Distrikten sehr gut und reichlich ist, sie eignet sich -trefflich zum Einmachen vorzüglich wenn man sie, wie die amerikanischen -Hausfrauen, in Ahorn-Syrup kocht; wilde Kirschen, desgleichen -eine Sorte Namens ^choke cherries^ (Würgkirschen) wegen ihrer -stark zusammenziehenden Eigenschaften, hoch- und kleinsträuchige -Moosbeeren und Schwarzbeeren, welche von den Squaws in Birken-Körben -herbeigebracht werden. Alle diese kommen auf den Ebnen und -Bieber-Wiesen vor. Die kleinsträuchigen Moosbeeren werden von den -Indiern in großer Menge in die Städte und Dörfer gebracht. Sie bilden -eine stete Delicatesse (eingemacht) auf den Thee-Tischen der meisten -Ansiedler; allein was Trefflichkeit des Geschmacks und schönes Ansehn -betrifft, so ziehe ich die hochbuschige Moosbeere vor; diese ist -weniger begehrt, wegen der großen platten Samen, welche das Einmachen -derselben verhindern; indeß ist das Gelée davon sowohl in Farbe als -Wohlgeschmack vortrefflich. - -Der Strauch auf welchem diese Moosbeere wächst, gleicht der -Guelder-Rose. Die Blüthen sind rein weiß und stehen in loosen -Dolden; sie bilden nach ihrer Entfaltung in Wäldern und Mooren und -am Wasser-Rande der Seen eine schöne Zierde. Die Beeren sind etwas -länglich eirund und glänzend scharlachroth, und wenn sie der Frost -leicht gerührt hat, halb durchsichtig, und sehen wie hängende Büschel -scharlachfarbner Trauben aus. - -An einem schönen Winternachmittage fühlte ich mich versucht, mit meinem -Gatten einen Spaziergang auf dem Eise zu machen, welches, wie man mir -vorher versichert, vollkommen trug und sicher war. Ich muß gestehen, -daß ich während der ersten halben Meile (englisch) mich ziemlich -furchtsam zeigte, vorzüglich an Stellen, wo das Eis so durchsichtig -war, daß man jeden Kiesel, jedes Moos auf dem Boden des Wassers sehen -konnte. Bisweilen war das Eis dick, weiß und vollkommen undurchsichtig. -Während wir uns in geringer Entfernung vom Ufer hielten, überraschte -mich das Erscheinen einiger glänzend rothen Beeren an den laublosen -Büschen, die über den Rand des Sees hingen und die ich bald als die -oben erwähnten Moosbeeren erkannte. Mein Gatte streifte sogleich den -lockenden Schatz von den Zweigen, und ich eilte entzückt mit meiner -Beute nach Hause und kochte die Früchte mit etwas Zucker, um sie -nebst unserm Kuchen zum Thee zu genießen. Gewiß habe ich nie etwas so -köstlich gefunden als diese Beere, und dies vielleicht um so mehr, -weil ich, mit Ausnahme von Eingemachtem während unsrer Reise und zu -Peterborough, so lange keinerlei Art von Früchten genossen hatte. - -Kurz darauf machte ich einen abermaligen Spaziergang auf dem Eise, -wiewohl es nicht ganz so fest mehr war wie früher; dessen ungeachtet -marschirten wir ziemlich dreiviertel Meile (englisch) weit. Bei -unsrer Rückkehr wurden wir von S-- mit einem Handschlitten, eine Art -Schiebkarren, wie die der Lastträger, -- eingeholt. Dieses Fuhrwerk -hat keine Seiten-Wände und ruht nicht auf einem Rade sondern auf -hölzernen Rollen, so daß man es, wenn es auch noch so schwer beladen -ist, mit der größten Leichtigkeit über Schnee und Eis bewegen kann. S-- -bestand darauf, mich auf dem Eise nach Hause zu fahren, gleich einer -lappländischen Dame auf ihrem Schlitten. Ich wählte meinen Sitz, und in -einer Minute fühlte ich mich mit einer Schnelligkeit fortgezogen, die -mir fast den Athem raubte. Als ich am Ufer anlangte, war ich von Kopf -bis zu Füßen eine Gluth. - -Die Lage unsers Hauses würde Ihnen gefallen. Der Platz worauf es steht, -ist der höchste Punkt eines sanft geneigten Ufers oberhalb des Sees, -ungefähr zweihundert Schritt vom Wasserrande entfernt; die Breite des -Sees von einem Ufer zum andern beträgt nicht ganz eine (englische) -Meile. Nach Süden zu haben wir wieder eine ganz verschiedne Aussicht, -die nach völliger Lichtung sehr schön ausfallen wird, -- eine schöne -ebne Wasserfläche, durch anmuthige Inselchen unterbrochen, die sich -aus ihrem Schooße gleich grünenden Hainen empor heben; -- unterhalb -derselben ist ein Fall von einigen Fuß, wo die Wasser der Seen, in -einen engen Kanal zwischen Kalkstein-Schichten gezwängt, mit großem -Ungestüm hinstürzen und Schaum und Nebel-Wolken emporschleudern. - -Während des Sommers ist der Wasserstand weit niedriger, und man -kann eine ziemliche Strecke an den flachen Ufern hinwandern, die -aus verschiednen, mit fossilen Ueberresten von offenbar frischer -Formation gefüllten Kalkstein-Schichten bestehen. Jene Muschelgehäuse -und Fluß-Insekten, welche, durch das Zurückweichen des Wassers -zurückgelassen, über die Oberfläche des Kalksteins ausgestreut liegen, -sind den Muscheln und Insekten ähnlich, die von der Kalkstein-Masse -incrustirt sind. Man hat mir gesagt, daß das Bett eines der Seen, -(ich weiß nicht mehr, welches) oberhalb unsers Wohnorts aus Kalkstein -bestehe; und daß es reich an manigfaltigen schönen Flußmuscheln sei, -welche darin in ungeheurer Menge so wie auch in den längs den Ufern -ausgestreuten Kalkstein-Blöcken schichtenweise abgelagert sind. Diese -Muschelgehäuse werden auch in beträchtlicher Menge in dem Boden der -Bieber-Wiesen gefunden. - -Wenn ich dergleichen Dinge sehe oder davon höre, so thut es mir leid, -daß ich nichts von Geologie oder Conchologie verstehe; weil ich mir -anders manche Umstände würde erklären können, die gegenwärtig blos -meine Neugierde erregen. - -Gerade unter dem oben erwähnten Wasserfall ist ein merkwürdiger -natürlicher Bogen in dem Kalkstein-Felsen, der sich an dieser Stelle -zu einer Höhe von funfzehn Fuß wie eine Mauer erhebt; er besteht aus -großen Platten grauen Kalksteins, die eine auf der andern liegen; der -Bogen erscheint wie eine Spalte in der Felsenwand, aber, möglicher -Weise durch die Gewalt des Wassers während einer beträchtlichen -Ueberschwemmung, ausgewühlt und ausgehöhlt. Auf der Spitze des Felsens -wachsen Bäume. Schierlings-Tannen und Cedern bewegen ihre Laubkronen -hoch über dem wildbrausenden Wasser hin und her und bekleiden die -steinerne Barriere mit einem düstern aber unvergänglichen Grün. Hier -wuchern auch in üppiger Fülle die wilde Rebe, die oben erwähnte rothe -kriechende Pflanze und die Gifteiche und weben phantastische Lauben -über die moosbedeckten Stein-Massen. Eine schnelle Wendung dieses Ufers -brachte uns zu einer breiten, vollkommen flachen und glatten Schichtung -des nämlichen Gesteins, die eine Strecke von ziemlich funfzig Fuß -entlang dem Ufer einnimmt. Zwischen den Rissen und Spalten dieser -Schicht fand ich einige Rosen-Sträucher und mancherlei Blumen, die im -Verlauf des Frühjahrs und Sommers, wo dieselbe vom Wasser entblößt und -mithin seinem Einfluß nicht ausgesetzt ist, daraus hervorgesproßt waren. - -Dieser Platz soll nächstens mit einer Säge- und Korn-Mühle bebaut -werden, die, fürchte ich, seiner natürlichen Schönheit Abbruch thun -wird. Ich glaube wohl, daß ich die einzige Person in der Nachbarschaft -bin, welche die Errichtung eines für diesen Theil des Gemeindebezirks -so nützlichen und schätzbaren Gebäudes mit Bedauern sieht. - -Sobald Sie mir wieder ein Päckchen oder Kistchen senden, vergessen Sie -nicht, einige Blumen-Samen und Pflaumen-, Schlehen- und Aepfel-Kerne -der besten Sorte, wie dergleichen in der Heimath in Gärten und -Obstpflanzungen gezogen werden, beizufügen; denn ich glaube, daß sich -die Aepfel hier aus Samen ziehen lassen, ohne daß man die Bäume zu -pfropfen braucht; indeß ist das Obst von gepfropften Bäumen größer und -wohlschmeckender. Sehr willkommen würden mir auch einige Nüsse von -unsern schönen alten Stamm-Nußbäumen sein. O die guten alten Bäume! was -sind wir nicht auf ihren Aesten herum geklettert, als ich noch leichten -Herzens und so frei von Sorgen war, wie die Eichhörnchen, welche sich -auf den höchsten Wipfeln über uns wiegten. »Recht schön!« werden -Sie sagen, »aber je weniger eine kluge Frau von dergleichen wilden -Streichen, wie das Herumklettern auf Nußbäumen, spricht, desto besser.« -Glücklicher Weise gerathen junge Damen hier nicht in Versuchung, da -sie wohl einsehen, daß nur ein Eichhörnchen oder ein Bär unsre hohen -Waldbäume erklettern kann; selbst ein Matrose würde sich nicht hinauf -wagen. - -Recht sehr wünsche ich, einige Samen von unsrer wilden Schlüsselblume -und unserm Veilchen zu erhalten, um sie auf unsern Wiesen und in unserm -Gärtchen auszustreuen; haben Sie die Güte, die Dorfkinder einige für -mich sammeln zu lassen. - -Mein Gatte bittet Sie um etwas Luzern-Samen, den er mit Vortheil -cultiviren zu können glaubt. - -Fußnoten: - -[35] ^Morning glory^ so nennen die Amerikaner ihre schönen und großen -Winden (^Convolvulus^). - - - - -Zehnter Brief. - - Abwechselung in Temperatur und Wetter. -- Elektrische Erscheinung. -- - Canadischer Winter. -- Mangel an poetischen Anklängen in diesem Lande. - -- Zuckerbereitung. -- Zeit zum Fischfang. -- Art des Fischfangs. -- - Entenschießen. -- Indianer-Familien. -- Papousen und ihre Windeln- und - Wickelbänder. -- Indianische Manufacturen. -- Frösche. -- - - - See-Haus, Mai 9. 1833. - -Wie ganz anders ist doch der Winter ausgefallen, als ich mir dachte. -Der December-Schnee thaute beständig wieder weg. Am ersten Januar war -auf unsern gelichteten Aeckern keine Flocke zu sehen, nur im Walde -lag etwas. Die Wärme der Sonne am ersten und zweiten Tage des neuen -Jahres war so groß, daß man im Freien den Mantel, ja selbst einen Shawl -kaum vertragen konnte; und im Zimmer wurde uns das Ofenfeuer fast -lästig. Das Wetter blieb ziemlich mild bis in die letzte Hälfte des -Monats, dann aber trat strenge Kälte ein und dauerte den ganzen Februar -hindurch. Der erste März war der kälteste Tag, den ich jemals erlebt -habe; das Quecksilber fiel im Hause bis fünfundzwanzig Grad unter Null, -und im Freien noch tiefer. Das Gefühl von Kälte frühmorgens war äußerst -schmerzhaft, und erzeugte ein unwillkührliches Schaudern und eine fast -krampfhafte Empfindung in Brust und Magen. Der Hauch erstarrte an den -Betten zu Reif. Jeder metallne Gegenstand, den man berührte, schien die -Finger erfrieren zu machen. Dieser hohe Kälte-Grad hielt indeß nur -drei Tage an, worauf die Temperatur allmälig gelinder wurde. - -Während dieser äußerst kalten Witterung wurde ich durch die häufige -Wiederkehr eines Phänomens überrascht, welches mir von elektrischer -Natur zu sein schien. Wenn nämlich der Frost sehr heftig war, gab meine -Kleidung, die während der kalten Jahreszeit in einem wollenen oder mit -Flanel gefütterten Rocke bestand, beim Ausziehen eine Reihe knisternder -prasselnder Töne, ungefähr wie ein aufloderndes Feuer, von sich, und -sprühete, wenn das Licht entfernt wurde, blasse weißlich blaue Funken, -denen nicht unähnlich, welche sich erzeugen, wenn man Zucker im Dunkeln -schlägt, oder den Rücken einer schwarzen Katze streichelt; dieselbe -Erscheinung bemerkte ich auch, wenn ich meine Haare kämmte[36]. - -Den Februar hindurch und bis zum neunzehnten März lag der Schnee -sehr hoch; dann aber trat plötzliches Thauwetter ein und hielt ohne -Unterbrechung so lange an, bis der Boden von seiner weißen Decke völlig -befreit war, was im Verlauf von nicht ganz vierzehn Tagen geschah. -Die Luft war während dieser Zeit weit wärmer und milder als in der -Regel in England, wo während des fortschreitenden Thauwetters eine -durchdringende Kälte herrscht. - -Wiewohl der canadische Winter seine Unannehmlichkeiten hat, so hat -er auf der andern Seite auch seine Reize. Nach ein- oder zweitägigem -starken Schneefall klärt sich der Himmel auf, und die Luft wird -außerordentlich hell und rein von Dünsten; der Rauch steigt in hohen -gewundnen Säulen empor, bis er sich verliert; beobachtet man ihn des -Abends oder früh an einem heitern Morgen, wenn der Reif an den Bäumen -flimmert, im Widerschein eines safranfarbigen Himmels, so ist die -Wirkung vorzüglich schön. - -An heitern Wintertagen, wenn kein Wölkchen, nicht der Schatten eines -Wölkchens das azurblaue Himmelsgewölbe über uns trübt, mache ich kleine -Ausflüge in die Wälder, und wäre nicht die weiße Silberdecke der Erde, -so möchte ich, wenn ich mein Auge zu dem reinen Aether empor hebe, -fast ausrufen: es ist Juni, der milde liebliche Juni ist da! Die stets -grünen Kiefern, Cedern, Schierlings-Tannen und Balsam-Fichten krümmen -ihre hängenden Aeste unter der Schneelast, die bei der geringsten -Bewegung in dichten Schauern rings umher niederrauscht, aber so leicht -und trocken ist der Schnee, daß man ihn mit leichter Mühe und ohne im -geringsten naß zu werden, abschütteln kann. - -Die Spitzen der Baumstummel nehmen sich mit ihren Schnee-Mützen -oder Turbanen gar nicht übel aus; ein schwarzer Fichtenstummel mit -seinem weißen Mützchen und Mantel erscheint bisweilen, wegen seiner -seltsamen Bekleidung wie Jemand, der uns plötzlich entgegentritt. Was -Gespenster und Geister betrifft, so scheinen sie gänzlich aus Canada -verbannt zu sein. Hier giebt es keine historischen Erinnerungen, keine -abentheuerlichen Legenden von Ahnen und Vorvordern. Die Phantasie -des Dichters würde in den Urwäldern aus Mangel an Wunder-Speise zur -Aufrechterhaltung ihrer Existenz verhungern. Wir haben weder Feen noch -Elfen, weder Geister noch Kobolde, weder Satyre noch Wald-Nymphen; -unsre Wälder selbst eignen sich nicht zum Schutz für Dryaden und -Hamadryaden. Keine Najade haust an dem Schilfrande unsrer Seen oder -heiligt durch ihre Gegenwart unsre Wald-Firsten. Kein Druide nimmt -unsre Eichen in Anspruch; und anstatt mit geheimnißvoller Ehrfurcht -zwischen unsern, oft seltsam zusammengruppirten Kalkfelsen umher -zu wandern, überlassen wir sie dem Geologen, um seinen Scharfsinn -in Erklärung ihres Erscheinens zu üben; anstatt dieselben mit -den ehrwürdigen Charakteren alter Tempel oder heidnischer Altäre -zu bekleiden, blicken wir blos mit dem wißbegierigen Auge der -Natur-Philosophie darauf. - -Selbst die Irländer und Hochländer der niedrigsten Klasse scheinen, -wenn sie Bewohner der Urwälder von Canada werden, ihren alten -Aberglauben bei Seite zu setzen. Ich hörte einen Freund, als die Rede -von dem Mangel an romantischem Interesse in diesem Lande war, ausrufen: -»Es ist unpoetischer als alle andere Länder, die Einbildungskraft -findet keinen Anhaltepunkt, kein Ziel! -- Hier ist alles neu -- der -Boden selbst scheint neuerdings gebildet zu sein; in diesen Wäldern -herrscht keine große alterthümliche Erhabenheit, hier giebt es keine -mit dem Lande verknüpfte Erinnerungen ehemaliger Thaten. Die einzigen -Wesen, an welchen ich eignes Interesse nehme, sind die Indianer, allein -es fehlt ihnen an dem kriegerischen Charakter, an jener Einsicht, in -deren Besitz ich sie mir gedacht hatte.« - -Dies war die Klage eines Dichters. Nun besteht aber die Volksklasse, -für welche dieses Land in hohem Grade paßt, aus unbelesenen -betriebsamen Arbeitern und Handwerkern. Sie fühlen kein Bedauern, -daß das Land, welches sie bearbeiten, nicht durch die Feder eines -Geschichtsschreibers oder den Gesang eines Dichters gepriesen worden -ist. Die Erde giebt ihnen ihre Erzeugnisse eben so freigebig, als wenn -sie durch das Blut von Heroen gedüngt worden wäre. Sie würden sich -durch kein Gefühl von Ehrfurcht bestimmen lassen, die altersgraue Eiche -zu schonen, und sie aus keiner andern Rücksicht als ihres Holzes wegen -achten. Sie haben keine Zeit, selbst wenn sie Geschmack dazu hätten, -sich nach den Schönheiten der Natur umzusehen, allein ihre Unwissenheit -ist Segen. - -Ueberhaupt sind dies eingebildete Uebel und können schwerlich als ein -Grund zum Mißfallen in dem Lande gelten, und unter Leuten gewöhnlichen -Schlages erregen sie wenig Sympathie, wiewohl sie jedenfalls für -die Gebildeten und nach geistigen Genüssen verlangenden Glieder der -Gesellschaft nicht ohne Gewicht sind; denn diese müssen natürlicher -Weise trauern, wenn Geschmack, Gelehrsamkeit und Genius aus ihrer -Sphäre gerückt werden. - -Was mich anlangt, wiewohl ich leicht in die Gefühle des Dichters und -des enthusiastischen Liebhabers wilder und wundervoller Sagen und -Mährchen eingehen kann, so sehe ich doch schon, daß ich in diesem Lande -recht glücklich und zufrieden sein werde. Bietet auch jetzt der für -seine Geschichte bestimmte Band nur leere Seiten dar, so liegt doch -das Buch der Natur offen da und zeigt beredtsam für das Wirken des -mächtigen Schöpfers, und ich kann, wenn ich an den Ufern der Seen und -Flüsse oder durch die Wälder wandre, aus ihm tausend Freuden und stets -neuen Stoff zur Unterhaltung und Belehrung schöpfen. - -Doch ich muß Ihnen jetzt etwas von unsrer Zucker-Fabrikation sagen, -woran ich thätigen Antheil nehme. Unsre Versuche waren auf einen -geringen Maßstab beschränkt, da wir blos einen Kessel und zwei eiserne -Dreifüße hatten; indeß reichten sie hin, um uns in die Kunst und das -Geheimniß, betreffend die Einsiedung des Ahorn-Saftes zu Molasse, und -die endliche Verwandlung der letztern in Zucker einzuweihen. - -Die erste hierzu erforderliche Arbeit ist das Anzapfen des Ahorns und -die Auffangung des aus der Wunde hervorfließenden Saftes in kleinen -rohen Trögen, die in weiter nichts als mit der Art ausgehöhlten -Fichten-Scheitchen bestehen. Um den Baum anzuzapfen, macht man einen -Einschnitt in die Rinde oder bohrt mit einem Bohrer ein Loch hinein; -ersteres ist das leichtere und üblichere Verfahren. Ein leicht -ausgehöhltes Stück Ceder- oder Hollunder-Holz wird dann mit dem -freien Ende etwas abwärts geneigt, in die Oeffnung gesteckt und in den -Trog gerichtet, so daß der Saft durch dasselbe in letztern fließt. -Bisweilen habe ich einen blosen flachen Span als Leiter des Saftes -dienen sehen. Wie Sie sich wohl denken können, verfuhren wir ganz nach -der Regel. Nach einer frostigen Nacht, worauf ein heller warmer Tag -folgt, fließt der Saft ziemlich frei und reichlich; man muß ihn während -des Tages in einem Fäßchen oder Troge sammeln, und diese Gefäße müssen -hinreichend geräumig sein, um alles zu fassen, was am Abend desselben -Tages gesotten werden kann; man darf den aufgefangnen Saft nicht über -vierundzwanzig Stunden stehen lassen, weil er andernfalls in Gährung -übergeht und dann nicht mehr zur Zuckerbildung taugt. - -Mein Gatte begann mit Beihülfe eines irischen Knaben in der letzten -März-Woche den Saft zu sammeln. Eine Stange wurde über zwei in die Erde -befestigte Holzgabeln gelegt, welche stark genug waren, das Gewicht des -schweren Kessels zu tragen. Die Arbeit während des Tages bestand in -Entleerung der Tröge und Fällung von Brennholz. Des Abends wurde das -Feuer angeschürt, und das Sieden oder Kochen des Saftes nahm seinen -Anfang. - -Es war ein recht erfreulicher und malerischer Anblick, die Zuckersieder -bei ihrem helllodernden Feuer, zwischen den Bäumen, zu sehen, wie sie -bald den brennenden Holzstoß anfachten, bald den Saft in den Kessel -entleerten und mit einem gewaltigen Löffel umrührten. Als das Feuer -recht lustig brannte, fing der Saft im Kessel an zu kochen und zu -schäumen, und es mußte von Zeit zu Zeit frischer Saft nachgegossen -werden, um sein Ueberlaufen zu verhindern. - -Sobald sich der Saft zu Molasse eindickt, wird er zur Vollendung in -den Zuckerkessel gebracht. Der Proceß ist einfach; er fordert blos -aufmerksames Abschäumen und Verhinderung des Ueberlaufens der Masse, -bis sie den zur Zuckerbereitung erforderlichen Grad erreicht hat, -was man erkennt, indem man etwas davon in kaltes Wasser tropfen läßt. -Hat sie ziemlich die erwünschte Consistenz erlangt, so füllt sich -der Kessel oder Topf mit gelbem Schaume, bildet Gruben und vom Boden -aufsteigende Blasen. Letztre platzen mit Entleerung von Dampf, ist die -Molasse so weit gediehen, so kann sie bald in Zucker verwandelt werden. -Diejenigen, welche mit großem Fleiße die Flüssigkeit vom Schaume frei -erhalten und den zur Verwandlung der Molasse in Zucker erforderlichen -Grad genau kennen, liefern einen Artikel, welcher der Muscovade nicht -nachsteht[37]. - -Gewöhnlich sieht man den Ahorn-Zucker in großen Broden oder Kuchen, so -dicht und derb wie Wachsscheiben, und ohne Spur von Krystallisation; -allein am besten nimmt er sich aus, wenn er grobkörnig und glänzend -ist, er bricht dann in rauhen ungleichen Massen, wie Zuckerkant. - -Zum Gebrauch im Thee wird er geraspelt oder mit einem Messer klar -geschabt, weil er sich anders zu langsam auflößt. - -Ich beaufsichtigte den letzten Theil des Vorganges, nämlich das -Einkochen der Molasse zu Zucker; und ich muß sagen, daß mir diese -Arbeit, als ein erster Versuch, ohne einen erfahrnen Rathgeber zur -Seite und ohne alle Anweisung, außer der, welche S-- mir ertheilt -hatte, ziemlich gut gelang; ich erhielt einen Zucker von funkelndem -Korn und guter Farbe. Außer dem Zucker, bereitete ich drei Galonen -Molasse, die uns sehr zu statten kam, und eine angenehme Ingredienz in -Kuchen so wie eine treffliche Sauce an Puddings bildet. - -Die Yankies bedienen sich, wie man mir sagt, der Molasse zum Einmachen -von Früchten; und ihre Fruchtgelées sollen vortrefflich sein. Die aus -Ahorn-Saft bereitete Molasse soll in Farbe, Geschmack und Consistenz -von der westindischen sehr abweichen. - -Außer Zucker und Molasse fabricirten wir ein Fäschen Essig, der -ziemlich gut auszufallen verspricht. Zu diesem Behuf kochten wir fünf -volle Eimer Ahorn-Saft bis auf zwei ein und versetzten den Rückstand, -nachdem er im Fasse war, durch Hefen in Gährung; stellten dann das -Ganze in die Nähe des Feuers und ließen es diesem, in Vorzug vor der -Sonnen-Hitze, ausgesetzt. - -Was die Bereitung des Ahorn-Zuckers im Allgemeinen betrifft, so hängt -es von Umständen ab, ob sie für den Ansiedler (Landmann) vortheilhaft -ist oder nicht. Muß er Hände zu dieser Arbeit miethen, und sind die -Arbeitslöhne hoch, so ist es keines Falls rathsam, ihn selbst zu -fabriciren außer im Großen. Ein Umstand zu Gunsten der Fabrikation im -Hause ist, daß die Zucker-Zeit zu einer Periode ihren Anfang nimmt, wo -sich im Freien, den Holzschlag ausgenommen, nicht viel thun läßt, da -noch zu viel Frost im Boden ist, um die Aufnahme der Saat zu gestatten; -daher ist die Zeit weniger kostbar als im Spät-Frühjahr. - -Bei einer zahlreichen Familie, und wenn es auf dem Grundstück nicht -an Ahornbäumen mangelt, ist die Fabrikation von Zucker und Molasse -entschieden vortheilhaft und gewinnbringend; da man die jüngern Kinder -zur Ausleerung der Tröge und Zutragung von Brennholz brauchen kann, -während die ältern und stärkeren die Kessel besorgen und das Feuer, so -lange der Proceß dauert, unterhalten, und Frau und Töchter das Uebrige -im Hause vollenden können. - -Ahorn-Zucker wird das Pfund mit vier bis sechs Pence, und bisweilen -darüber, bezahlt. Anfangs wollte mir der Beigeschmack, den er dem Thee -giebt, nicht recht zusagen, aber nach Verlauf einiger Zeit mundete er -mir so gut, daß ich ihn bald dem Rohrzucker (Muscovade) vorzog; in -Kuchen, Confituren und dergleichen finde ich ihn köstlich. Ich werde -Ihnen bei nächster Gelegenheit ein Pröbchen davon schicken, damit Sie -selbst über seine Trefflichkeit urtheilen können. - -Das Wetter ist jetzt sehr warm -- drückend warm. Wir können die Hitze -des Kochofens in der Küche kaum aushalten. Im Wohnzimmer brauchen wir -fast gar kein Feuer, da ich gern an der offnen Thür sitze, und das -See-Lüftchen genieße. Die Insekten fangen bereits an lästig zu werden, -vorzüglich die schwarzen Fliegen, -- ein abscheulicher Plaggeist, mit -schwarzem Leibe und weißen Beinen und Flügeln; man fühlt in den ersten -Minuten ihren Stich nicht, jedoch giebt er sich durch das aus der Wunde -fließende Blut kund; nach einigen Stunden schwillt die verletzte Stelle -an und wird äußerst schmerzhaft. - -Diese Fliegen (^beasties^) beißen vorzüglich gern in die Seiten des -Halses, in die Ohren und Wangen; und bei mir hielt die Geschwulst -mehre Tage an. Die Musquitos sind ebenfalls unerträglich, und noch -unangenehmer ist mir das Geräusch, welches sie machen, als ihr Stich. -Um sie vom Eindringen in das Haus abzuhalten, zünden wir kleine -Häufchen feuchter Holzschnitzel an, deren Rauch sie vertreibt; indeß -ist dieses Mittel nicht so recht wirksam und an sich selbst lästig und -unangenehm. - -Jetzt ist die Zeit zum Fischfang. Unsre Seen enthalten den Masquinongé, -Lachs-Forellen, Weiß-Fische und manche andre. In dunkeln Nächten sehen -wir oft von unsrer Thüre aus die erleuchteten Nachen der Fischer auf -ihrem Hin- und Her-Wege vorbeifahren. S-- gilt als ein geschickter -Speermann und nimmt so fleißig Theil an diesen Expeditionen, daß er -selten eine günstige Nacht verfehlt. Je dunkler und stiller die Nacht -ist, desto besser eignet sie sich zum Fischfang. - -Es ist ein recht hübscher Anblick, die niedlichen Barken sich langsam -aus einer kleinen Bucht der mit dunkeln Fichten bekleideten Ufer -hervorstehlen und zwischen den Inseln auf den Seen manövriren zu sehen; -man erkennt sie trotz der Finsterniß sehr leicht an dem hellen Schein, -welchen der Jack -- eine Art eiserner Korb, der an eine lange Stange am -Bug des Schiffleins oder Canoes befestigt ist, über die Wasserfläche -wirft. Dieser Drahtkorb ist mit einer sehr brennbaren Substanz, -Kien-Holz, (^fat-pine^) genannt, welche mit heller und starklodernder -Flamme brennt, oder auch mit zusammengerollter Birken-Rinde, ebenfalls -ein sehr entzündbares Material, gefüllt. - -Das Licht von oben macht die Gegenstände unter der Wasserfläche -deutlich sichtbar. Einer von den Fischern steht in der Mitte der Barke, -mit seiner Harpune -- einer Art eisernem Dreizack -- bereit, den Fisch, -welchen er in dem stillen Wasser unter seinen Augen vorbeigleiten -sieht, zu durchbohren, während ein andrer mit der Ruderschaufel das -Fahrzeug behutsam vorwärts steuert. Diese Jagd erfordert ein scharfes -Auge, eine feste Hand und große Vorsicht von Seiten derer, die ihr -nachhängen. - -Mir macht es großes Vergnügen, diese Fischer-Nachen mit ihrem lodernden -Feuer so still die ruhige Wasserfläche durchschneiden zu sehen, -welche auf mehre Schritte im Umkreise von einem hellen Lichtschimmer -erleuchtet ist, der die Figur des in der Mitte des Bootes stehenden, -bald nach der einen, bald nach der andern Seite blickenden und seine -Waffe zum Stoß bereit haltenden Speermanns deutlich unterscheiden läßt. -Zeigen sich vier oder fünf dieser erleuchteten Fahrzeuge zu gleicher -Zeit auf dem Wasser, so ist die Wirkung überraschend und prächtig. - -Die Indianer sind in dieser Art Fischerei sehr geübt und erfahren; die -Squaws rudern ihre Nachen mit bewundernswürdiger Geschicklichkeit. -Außerdem giebt es noch ein andres Verfahren zu demselben Behuf, worin -diese Leute sich ebenfalls auszeichnen: ich meine das Fischen auf dem -Eise, wenn die Seen zugefroren sind -- ein Geschäft, welches viel -Geduld erheischt. - -Der Indianer, mit einem Tomahawk zur Oeffnung des Eises, einem Speer, -einem Betttuch oder Hemde und einem Lockfisch von Holz versehen, -begiebt sich an den ausersehnen Ort. Hat er ein Loch in das Eis -gehauen, so legt er sich auf Hände und Knie nieder und wirft sein -Betttuch über sich, um sowohl das Wasser zu verdunkeln als sich selbst -zu verbergen; in dieser Lage verharrt er stundenlang, geduldig das -Herannahen seiner Beute abwartend, die er, sobald sie im Bereich seiner -Lanze erscheint, mit bewundernswürdiger Sicherheit durchbohrt. - -Der auf die eben geschilderte Weise gefangene Masquinongé ist in -Geschmack denjenigen überlegen, die später im Jahre gefangen werden, -daher man ihn den Indianern gern abkauft, welche sich mit einer -geringen Belohnung begnügen. Ich gab ein kleines Brod für einen Fisch, -der achtzehn bis zwanzig Pfund wog. Der Masquinongé ist allem Anschein -nach eine große Hecht-Art und besitzt die räuberischen Eigenschaften -dieses Fisches. - -Einer der schmalen Seen des Otanabee heißt der Forellen-See, wegen der -großen Menge von Lax-Forellen, die darin hausen. Der Weiß-Fisch kommt -ebenfalls in diesen Gewässern vor und ist äußerst köstlich. Die großen -Fisch-Arten werden meistentheils mit der Lanze erlegt, nur wenige Leute -in diesem Lande, wo es alle Hände voll zu thun giebt, haben Zeit zum -Fischfang mit der Angel. - -Sobald das Eis aufgeht, werden unsre Seen von zahllosen Flügen -wilder Vögel besucht; einige Enten-Arten zeichnen sich durch ihr -prächtiges Gefieder aus und sind von trefflichem Geschmack. Ich sehe -diesen hübschen Thieren mit Vergnügen zu, wenn sie ruhig auf dem -Wasser hinschwimmen, dann plötzlich auffliegen und längs dem Rande -des mit Fichten gefranzten Ufers hinstreichen und sich dann wieder -niederlassen, wie eine kleine vor Anker gehende Flotte. Bisweilen sieht -man eine alte Ente ihre kleine Brut durch Schilf und Binsen führen; die -unschuldigen weichen kleinen Dingerchen nehmen sich, wenn sie so um -ihre Mutter herum segeln, ganz allerliebst aus, aber beim geringsten -Anschein von Gefahr tauchen sie sogleich unter und verschwinden. Die -Frösche sind große Feinde der jungen Brut; desgleichen wird dieselbe -häufig dem Masquinongé und, wie ich glaube, auch andern großen Fischen, -wovon diese Gewässer wimmeln, zur Beute. - -Die Enten sind während der ersten Hälfte des Sommers äußerst -wohlbeleibt, sie gehen zu dieser Zeit in ungeheuren Schaaren auf die -grünen Reisfelder und werden von den noch grünen Pflanzen, die sie -gierig verschlingen sehr fett. - -Die Indianer sind im Entenschießen sehr glücklich, sie füllen ein Canoe -mit grünen Reisern, so daß es einer Art schwimmender Insel gleicht; -unter dieser Reiser-Decke liegen sie verborgen und können vermöge -dieser List weit näher an die scheuen Vögel herankommen, als dies -andern Falls geschehen würde. Unsre Jäger machen ebenfalls häufig, und -mit großem Erfolg, von diesem Verfahren Gebrauch. - -Eine Indianer-Familie hat ihre Zelte ganz in unsrer Nähe aufgeschlagen. -Auf einer der Inseln in unserm See können wir den dünnen bläulichen -Rauch ihrer Holz-Feuer aus unsern Vorderfenster zwischen den Bäumen -aufsteigen und sich in leichten Windungen über das Wasser kräuseln -sehen. - -Die Squaws haben mich mehre Male besucht, bisweilen aus Neugierde, -bisweilen in der Absicht, ihre Körbe, Matten, Enten oder Wildbret, -gegen Schweinfleisch, Mehl, Kartoffeln oder zur Kleidung gehörige -Artikel zu vertauschen. Bisweilen muß ich ihnen den Kessel zum Kochen -borgen, welchen sie mir jedesmal pünktlich zurück geben. - -Eines Tages kam eine Indianerin, um ein Waschfaß zu borgen, da ich aber -ihre Sprache nicht verstehe, so konnte ich eine Zeitlang den Gegenstand -ihres Begehrens nicht entdecken; indeß hob sie einen Zipfel ihres -Hemdes auf, deutete auf etwas in der Nähe liegende Seife, begann den -Zipfel mit den Händen zu reiben und ahmte den beim Waschen üblichen -Vorgang nach, dann lachte sie und zeigte auf ein Faß; endlich hob sie -zwei Finger auf, um mir begreiflich zu machen, daß sie es zwei Tage -lang zu behalten wünschte. - -Dieses Volk scheint einen sanften und liebenswürdigen Charakter zu -besitzen, und, so weit unsre Erfahrung reicht, ist es ehrlich. Eines -Tages zwar erhielt der alte Jäger _Peter_ etwas Brod von mir, wofür -er ein paar Enten zu bringen versprach; als aber die Zeit der Zahlung -kam, und ich meine Enten verlangte, machte er ein betrübtes Gesicht und -antwortete mit charakteristischer Kürze: »Keine Ente -- Chippewa (damit -meinte er S--, denn diesen Namen haben sie ihm aus Zuneigung gegeben,) -mit dem Canoe hinauf gegangen -- kein Canoe -- Ente mit der Zeit (^by -and by^);« ^by and by^ (mit der Zeit) ist ein Lieblings-Ausdruck der -Indianer, womit sie eine unbestimmte Zeit bezeichnen, sie bedeutet eben -so gut Morgen oder eine Woche, einen Monat, ein Jahr und darüber. Ein -directes Versprechen geben sie selten. - -Da es nicht klug ist, sich betrügen zu lassen, wenn man es vermeiden -kann, wieß ich kalt jede fernere Aufforderung zum Tauschhandel mit den -Indianern ab, bis meine Enten erschienen sein würden. - -Einige Zeit darauf erhielt ich eine Ente durch einen Indianer Namens -_Maquin_, eine Art Galgen-Vogel; dieser Bursche ist ein bucklicher -Zwerg, sehr verschmitzt und ein wahrer kleiner Teufelsjunge; es scheint -ihm großes Vergnügen zu machen die braunen kleinen Kinder in dem -Wigwam zu necken oder die geduldigen Jagdhunde zu quälen. Er spricht -das Englische sehr geläufig und schreibt als ein Indianer-Knabe -ziemlich gut; er begleitet gewöhnlich die Weiber bei ihren Besuchen, -dient ihnen als Dollmetscher, und lächelt mit boshafter Freude zu dem -schlechten Englisch seiner Mutter und meiner Verlegenheit, wenn ich -ihre Zeichen nicht recht verstehe. Trotz seiner äußersten Häßlichkeit -schien er mir einen guten Theil Eitelkeit zu besitzen, indem er sein -Gesicht mit großer Selbstzufriedenheit im Spiegel betrachtete. Als ich -nach seinem Namen fragte, antwortete er: »Indianischer Name _Maquin_, -aber englischer Name _Mister Walker_, sehr guter Mann;« dies war die -Person, nach welcher man ihn getauft hatte. - -Diese Indianer sind in ihrer Beobachtung des Sabaths sehr gewissenhaft -und zeigen ein großes Widerstreben, an diesem Tage sich in irgend einen -Handel einzulassen oder ihren gewöhnlichen Geschäften, der Jagd oder -dem Fischfang nachzugehen. - -Die jungen Indianer sind sehr geschickt im Gebrauch eines langen Bogens -mit hölzernen Pfeilen, die ziemlich schwer und an der Spitze stumpf -sind. _Maquin_ sagte mir, er könne Enten und kleine Vögel mit seinen -Pfeilen schießen; indeß scheinen sie mir wegen ihrer Schwere eben nicht -geeignet, Gegenstände in großer Ferne zu erreichen. - -Es ist angenehm, die Indianer Sonntags Abends ihre Hymnen singen zu -hören; ihre reinen weichen Stimmen tönen eindrucksvoll durch die stille -Nachtluft. Ich habe dem kleinen Chor dieser ihren Schöpfer in der -Einfachheit und Inbrunst ihres Herzens preisenden Naturkinder oft mit -Vergnügen gelauscht, und ich fühlte einen heimlichen Vorwurf, indem ich -die armen halb civilisirten Wandrer allein sich versammeln sah, um das -Lob des Allmächtigen in der Wildniß zu verkünden. - -Die einfache Frömmigkeit der Frau unsers Freundes des Jägers _Peter_, -einer stämmigen, schwarzbraunen Matrone von höchst liebenswürdigem -Ausdruck gefiel mir ausnehmend. Wir tranken eben unsern Thee, als -sie leise die Thür öffnete und hereinschaute; ein ermuthigendes -Lächeln bestimmte sie zum Eintritt, worauf sie eine braune Papouse -(indianischer Name für Säugling oder kleines Kind) auf den Fußboden -niederlegte und mit Neugierde und Entzücken in ihren Augen um sich -blickte. Wir boten ihr etwas Thee und Brod an und winkten ihr, einen -leeren Sitz neben dem Tische einzunehmen. Die Einladung schien ihr -zu gefallen; sie nahm ihr Kleines auf den Schooß, goß etwas Thee -in die Untertasse und gab dem Kinde zu trinken. Sie aß sehr mäßig, -stand, als sie fertig war, auf, hüllte ihr Gesicht in die Falten ihres -Umschlagetuchs, senkte ihr Haupt auf die Brust und betete. Dieser -kleine Act von Frömmigkeit verrieth keine Spur von Scheinheiligkeit -oder Heuchelei sondern sprach ganz für herzliche Einfalt und -Aufrichtigkeit. Hierauf dankte sie uns mit freudestrahlendem Gesicht -und froher Laune, nahm ihre kleine _Rachel_ in die Höhe und warf sie -über die Schultern, mit einem Schwunge, der mich fürchten machte, daß -die Arme des kleinen zarten Dinges dadurch ausgerenkt werden könnten, -allein die Papouse schien mit dieser Behandlungsweise vollkommen -zufrieden zu sein. - -Bei langen Wanderungen werden die kleinen Kinder aufrecht in tiefe -Körbe von eigenthümlicher Form gesteckt, und die Körbe durch Rieme -von Rehleder um den Nacken der Mutter befestigt; aber der Säugling -wird in eine Art flache, und, um das Herausfallen des zarten Inhalts -zu verhindern, mit biegsamen Reifen oder Baststrängen umwundne Wiege -gepackt. In dieser Maschine steckt er so fest, daß er kein Glied rühren -kann. Die äußere Decke oder Umhüllung und die Binden, welche die -Papouse einengen, sind mannigfaltig aufgeputzt. - - [Illustration: Papousen.] - -An diese eigenthümliche Wiege ist eine Schlinge oder ein Henkel -befestigt, der um den Hals der Mutter geht; der Rücken des Kindes kommt -auf den Rücken der Mutter zu ruhen, und das Gesicht ist nach außen -gekehrt. Das erste, was eine Squaw thut, wenn sie in ein Haus eintritt, -ist, daß sie sich von ihrer Bürde befreit und dieselbe an eine Wand, -einen Stuhl, Kasten, oder jeden Gegenstand lehnt, der als Stütze dienen -kann; und hier steht der passive Gefangene, einer Mumie in ihrem -seltsamen Gehäuse nicht unähnlich. Ich habe das Bild der Jungfrau mit -dem Jesuskinde in einigen alten illuminirten Meßbüchern gesehen, wo -letztres gerade wie eine Papouse in ihren Wickeltüchern und Bändern -aussah. - -Die Squaws zeigen sich gegen ihre Kleinen sehr zärtlich. Sanftmuth -und gute Laune scheinen die vorstechenden Züge in dem Charakter der -Indianerinnen zu sein, ob ihnen dieselben angeboren und mit dem -wilden Zustande gepaart oder durch die mildernden und sänftigenden -Wirkungen des Christenthums erzeugt und erworben sind, kann ich -nicht sagen. Gewiß erscheint in keinem Fall die christliche Religion -liebenswürdiger, als wenn sie sich, unbefleckt durch den Zweifel und -Unglauben moderner Sceptiker, in der Handlungsweise der bekehrten -Indianer entfaltet; sie zerbricht die Fesseln des Heidenthums, verbannt -das Böse und verbreitet die Früchte der Heiligkeit und Moralität. Die -rohen Naturmenschen nehmen die Wahrheiten des Evangeliums wie Kinder -mit unverdorbnem Herzen und ungeschwächtem Glauben an. - -Die Squaws zeigen in manchen ihrer Handarbeiten großen Erfindungsgeist. -Ihre Birkenrinden-Körbe entsprechen vielen Zwecken auf das -vollkommenste. Mein Brodkorb, Messer-Behälter, Zuckerkorb bestehen -sämmtlich aus diesem schlichten Material. Verzierte und mit gefärbten -Federspuhlen gemusterte Körbe dieser Art sind, Sie können mir glauben, -keineswegs unelegant. Die Squaws verfertigen allerlei Gefäße aus -Birkenrinde so gut, daß man sie auf mancherlei Weise brauchen kann, -z. B. zur Aufnahme von Wasser, Milch, Fleischbrühe und jeder andern -Flüssigkeit; sie werden mit den zähen Wurzeln des Tamarak- oder -Lärchenbaums, oder auch mit Ceder-Bast-Streifen zusammengenäht oder -vielmehr gestrickt. - -Desgleichen verfertigen sie sehr brauchbare Körbe von der innern Rinde -des Matten-Holzes (^bass-wood^) und der weißen Esche. Einige dieser -Körbe, von gröberer Sorte, werden zur Einsammlung von Kartoffeln, -indianischem Korn oder weißen Rüben gebraucht. Die Ansiedler finden in -denselben einen sehr guten Ersatz für die im alten Vaterlande üblichen -Weiden-Körbe. - -Die Indianer sind im Besitz mancher Färbestoffe, womit sie ihre -zierlichen Körbe und die Stachelschwein-Spuhlen färben. Unser -Wohnstübchen ist mit verschiednen recht hübschen Artikeln ihrer -Erfindung und Fabrik geschmückt, welche wir als Noten-Futterale, -Brief-Kasten, Blumen-Vasen und Arbeits-Körbe benutzen. - -Sie scheinen indeß nützliche Artikel höher zu schätzen als Gegenstände, -die blos zur Zierde dienen. In allen ihren Handels-Geschäften sind sie -sehr schlau und eifrig und entfalten einen überraschenden Grad von -Behutsamkeit in ihrem Thun und Treiben. Mit den Männern läßt sichs weit -besser handeln als mit den Weibern; letztere zeigen sich in einigen -Fällen äußerst hartnäckig. Haben sie ihre Wünsche auf irgend einen -Artikel gerichtet, so kommen sie Tag für Tag und weisen alles andre, -was man ihnen etwa anbietet, zurück. Eine von den Squaws hatte sich -in einen bunten Zitz-Schlafrock meines Gatten verliebt, und ob ich -ihr denselben gleich rund abschlug, so kamen doch viele Squaws, eine -nach der andern, um den »_^Gown^_« (Schlafrock), welches Wort sie mit -einem eigenthümlich kagenden Ton aussprachen, zu bewundern; und als ich -sagte: »Kein Schlafrock zu verkaufen,« (^no Gown to sell^) so stießen -sie einen melancholischen Klagelaut aus und gingen fort. - -Nur selten verstehen sie sich dazu, einen Artikel, den man gerade -nothwendig braucht, zu verfertigen. Wünscht man Körbe von einem -besondern Muster zu kaufen, und haben sie nicht zufälliger Weise -dergleichen fertig, so ertheilen sie die gewöhnliche unbestimmte -Antwort: -- »Mit der Zeit,« (^by and by^). Wenn die Artikel, welche -man ihnen für die ihrigen giebt, ihren Erwartungen nicht entsprechen, -so sagen sie mit einem verdrüßlichen mürrischen Ausdruck in Blick -und Stimme: -- »^Car-car^« (Nein, nein), oder »Carwinni,« was eine -noch stärkere Verneinung ist. Gefällt ihnen dagegen das Geschäft, so -geben sie ihre Zufriedenheit durch verschiedne bestätigende Winke -und Kopfnicken, und einen fast grunzenden Laut zu erkennen; Enten, -Fische, Wildbret oder Körbe stellen sie vor den Käufer hin und nehmen -dagegen die Tausch-Artikel in die weiten Falten ihrer Hemden oder -Umschlagetücher oder legen sie in eine Art von Binsen-Koffer; nicht -unähnlich jenen Strohkörben, worin englische Zimmerleute ihre Werkzeuge -tragen. - -Die Weiber ahmen die Kleidung der Weißen nach. Manche der jungen -Mädchen nähen sehr gut. Ich gebe ihnen oft Fleckchen Seide und Sammet -oder Spitzen, wofür sie sich sehr dankbar zeigen. - -Ich habe gegenwärtig sehr viel mit meinem Garten zu thun. Einige unsrer -Sämereien sind bereits in der Erde, doch sagt man mir, daß ich etwas -zu eilig gewesen; es seien zehn gegen eins zu wetten, daß die jungen -Pflänzchen durch die Spätfröste, welche sich oft den Mai hindurch, ja -selbst noch zu Anfange Junis einstellen, umkommen werden. - -Unser Garten hat vor der Hand noch nichts aufzuweisen, er ist nichts -als ein mit einer rohen Latten-Einfriedigung, zur Abwehr des Viehs von -unsern Anpflanzungen, umgebnes Stück Land. Im nächsten Frühjahr hoffe -ich ein hübsches Geländer darum, und einige Beete mit Blumen bedeckt zu -sehen. In gegenwärtigem Frühjahr giebt es so viel drängende Arbeit, -um das Land zur Aufnahme der Saaten völlig zu lichten und zu reinigen, -daß ich meine Ansprüche auf den Besitz eines Ziergartens gern in den -Hintergrund treten lasse. - -Die Waldbäume sind ziemlich alle belaubt. Nie sah ich den Frühling -schneller eintreten als in diesem Jahre. Das Grün der Blätter ist -äußerst lebhaft. Tausend liebliche Blumen entfalten in den Wäldern -und auf dem gelichteten Boden ihre zarten Blüthen. Auch sind -unsre canadischen Sänger nicht stumm. Das lustige Gezwitscher des -Rothkehlchens, die süßen Laute der Amsel und der Drossel nebst dem -schwachen, aber nicht unangenehmen Schlag eines kleinen Vogels, Namens -_Thitabebec_, und die lieblichen Triller eines Zaunkönigs füllen unsre -Wälder. - -Was mich betrifft, so halte ich es weder für nöthig noch weise, das -Gute, was wir besitzen, zu tadeln, weil es nicht ganz für das Ersatz -leistet, dessen wir uns früher erfreuten. Es ist meines Wissens unter -den Reisenden leider die Mode eingerissen, zu behaupten, daß unsre -gefiederten Schaaren theils stumm seien, theils höchst widrige, das -Ohr zerreißende Töne ausstoßen und mehr unangenehm als willkommen -erscheinen. Es würde eine Unwahrheit sein, wenn ich behaupten wollte, -daß unsre Singvögel zahlreicher und melodienreicher seien als die -europäischen; allein eben so wenig darf ich dulden, daß man mein neues -Vaterland seiner Rechte beraubt, ohne ein Wort zur Vertheidigung unsrer -beflügelten Musiker zu sagen. Ja selbst den Fröschen Canadas hat man, -das Monotone ihrer Stimmen abgerechnet, Unrecht gethan, ihr Concert -erscheint mir in der That nicht ganz unmelodisch. Die grünen Frösche -sind sehr schön, sie zeichnen sich durch braune eirunde Schilde auf -dem lebhaftesten Grün aus; auch übertreffen sie an Größe die dicksten -unsrer englischen Frösche und sind unstreitig weit schöner. Ihre Laute -gleichen denen eines Vogels und haben nichts von jenem Geknarr in sich. - - [Illustration: Grüne Frösche.] - - [Illustration: Ochsen-Frosch.] - -Die Ochsen-Frösche sind von den grünen Fröschen sehr verschieden; -anstatt über ihre seltsamen Töne ungehalten zu sein, kann ich mich -vielmehr kaum des Lachens enthalten, wenn ein tüchtiger Kerl sein -breites braunes Haupt hart am Wasser-Rande aus dem nassen Elemente -hervor stößt, und »_Williroo, williroo, williroo_« ruft, worauf ein -andrer seines Gleichen an einer entfernten Stelle des Sumpfes in -gröberen Accenten erwiedert, »^Get out, get out, get out^, (komm raus, -komm raus, komm raus);« und gleich darauf läßt sich ein Chor von Alt -und Jung vernehmen, gleichsam als suche jede Partei die andre zu -überquäken. - -In meinem nächsten Schreiben werde ich Ihnen einen Bericht von unsrer -Klafter-Biene (^logging-bee^) geben, welche zu Ende dieses Monats -stattfinden wird. Ich bin hinsichtlich der Verbrennung der geklafterten -Holzhaufen auf dem brachliegenden Boden um unser Haus herum etwas -besorgt, da mir die Sache gefährlich erscheint. - -Ich werde Ihnen in Kurzem wieder schreiben. Leben Sie wohl. - -Fußnoten: - -[36]: Diese Erscheinung ist bei trockner Luft überall sehr -gewöhnlich. - -[37] Guter, richtig bereiteter Ahorn-Zucker hat mit jenem -gepulverten Zucker, den alle Gewürzkrämer als einen trefflichen -Artikel zur Versüßung des Kaffees verkaufen, große Aehnlichkeit. - - - - -Elfter Brief. - - Welche Emigranten für Canada passen. -- Eigenschaften, die man - besitzen muß, um eines günstigen Erfolgs gewiß zu sein. -- - Capital-Anlage. -- Welche Artikel man wo möglich mit sich bringen - muß. -- Eigenschaften und Beschäftigungen einer Ansiedler-Familie. - -- Mangel an Geduld und Energie bei einigen Frauen. -- Besorgung der - Milchwirthschaft. -- Käse. -- Indianisches Korn; seine Cultur. -- - Kartoffeln. -- Arbeitslöhne. - - - August, 2, 1833. - -Die mancherlei Fragen, auf die Sie meine Aufmerksamkeit vorzüglich -gerichtet wissen wollen, will ich, so gut es mir möglich ist, zu -beantworten suchen, doch muß ich zu gleicher Zeit erinnern, daß Kürze -im Briefschreiben eben keine meiner Haupttugenden ist. Sollte ich -in Schilderung einfacher Thatsachen zu weitläufig werden, so müssen -sie mit meiner Schwäche Nachsicht haben und es meiner weiblichen -Schwatzlust zu Gute rechnen, und sollte Ihr Auge dabei ermüden, so -bleiben wenigstens Ihre Ohren verschont. - -Ich will Ihre Fragen in derselben Ordnung beantworten, wie Sie -dieselben an mich gerichtet haben. Zunächst wünschen Sie zu wissen, -welche Art von Leuten sich am besten zu Busch-Ansiedlern schickt. - -Hierauf erwiedre ich ohne Anstand: -- Die armen, an harte Arbeit -gewohnten mäßigen Bauern, die sich durch Fleiß und Thätigkeit -auszeichnen und für eine große Familie zu sorgen, und einen -lobenswerthen Abscheu vor Arbeitshäusern und Bettelvoigten haben; -damit überwinden sie alle Mühseligkeiten und Entbehrungen, die mit -einer ersten Ansiedlung in den Urwäldern verbunden sind, und gelangen -in kurzer Zeit zu einer ehrenvollen Unabhängigkeit, frei von Mangel -- -aber nicht von Arbeit und Betriebsamkeit. Handwerker jeder Art werden -in den Dorf-Städten (^Village-towns^) und seit langer Zeit gelichteten -Distrikten besser bezahlt, als blose Buschsiedler. - -»Welche eignen sich zunächst am besten zur Auswandrung?« - -Leute von mäßigem Einkommen oder einem hübschen Capital können in -Canada Geld gewinnen. Besitzen sie ein gesundes Urtheil und können -sie größere Summen verwenden, so werden sie durch gute Einkäufe und -Wiederverkäufe ihr Capital verdoppeln, ja selbst verdreifachen. - -Allein noch besser wäre es, ich bezeichnete diejenigen, welche nicht -zur Auswanderung taugen, als umgekehrt. - -Der arme, an eine feine, zarte Lebensweise gewöhnte Gentleman, der -nicht Arbeiter genug anstellen kann, um eine hinreichende Bodenfläche -in urbaren Stand zu setzen und nicht selbst arbeiten mag, taugt nichts -für Canada, vorzüglich wenn seine Gewohnheiten kostspielig sind. Selbst -der Mann, welcher ein kleines Einkommen hat, wofern er sich nicht dazu -verstehen will, die Axt oder das Hackemesser in die Hand zu nehmen, -wird es, sogar bei einer klugen und sparsamen Lebensweise, nicht leicht -finden, sich in den ersten zwei oder drei Jahren schuldenfrei zu -erhalten. Manche der letztern Art sind indeß vorwärts gekommen, aber -nicht ohne schweres Ringen. - -Noch aber giebt es eine andre Klasse von Leuten, die nicht für die -Wälder paßt; dies sind die Weiber und Familien derjenigen, welche -früher wohlhabende Krämer oder Handwerker und an den täglichen Genuß -jedes Vergnügens, jedes Luxus-Artikels, welchen Geld verschaffen oder -Mode erfinden konnte, gewöhnt waren; deren Begriffe von Glückseligkeit -mit einem Kreise von Lustbarkeiten und Gesellschaften und allen -Neuheiten in Tracht und Unterhaltung, welche die feine Welt darbieten -kann, unzertrennlich verbunden sind. Junge Dämchen, welche in vornehmen -Pensions-Anstalten erzogen worden sind, und eine Verachtung gegen -alles, was auf Nutzen und Ersparniß abzweckt, eingesogen haben, geben -sehr schlechte Ansiedler-Weiber ab. Nichts kann unglücklicher sein, als -die Lage so erzogner Personen in den Wäldern von Canada; mißvergnügt -und mißmuthig über den unangenehmen Wechsel in ihrer Lebens-Weise, -unzufrieden mit allen Gegenständen um sie her, finden sie jede -Anstrengung lästig und jede Beschäftigung unter ihrer Würde. - -Für Leute dieser Art (und leider stößt man nur auf zu viele in den -Colonien), ist Canada das schlechteste Land von der Welt. Und ich -wollte jedem, der weder Neigung noch die erforderlichen Eigenschaften -dazu hat, abrathen, den atlantischen Ocean hierher zu durchsegeln, denn -er würde sicher elend, arm und unglücklich werden. - -Der Emigrant, welcher in diesem Lande fortkommen, ja sein Glück machen -will, muß folgende Eigenschaften besitzen: Beharrlichkeit, Geduld, -Betriebsamkeit, Erfindungsgeist, Mäßigkeit, Selbstverläugnung, und -ist er ein Gentleman, so ist ein kleines Einkommen fast unerläßlich, -und ein reichliches noch wünschenswerther. Die Auslage für Ankauf und -Urbarmachung von Grund und Boden, Anschaffung der nöthigen Utensilien -und Vorräthe zur Unterhaltung einer Familie, Besoldung von Dienstboten, -nebst manchen andern unvermeidlichen Ausgaben, können ohne Geld-Mittel -nicht bestritten werden; und da der Boden-Ertrag in den ersten zwei -oder drei Jahren nur gering ist, so würde es für einen Ansiedler -rathsam sein, einige hundert Pfund mit zu bringen, um sein Besitzthum -urbar zu machen und die eben erwähnten Ausgaben zu bestreiten, indem -er sich andern Falls bald in große Schwierigkeiten verwickelt finden -dürfte. - -Jetzt zu Ihrer dritten Frage, »welches ist der vortheilhafteste Weg, -sein Geld anzulegen, wofern man nämlich als Ansiedler mehr mit sich -hierher bringt, als man für seinen Bedarf braucht?« - -Hierüber kann ich natürlicher Weise kein genügendes Urtheil geben. Mein -Gatte und seine Freunde, die mit dem Zustande und den Angelegenheiten -der Colonisten bekannter sind, sagen, man müsse sein Capital gegen -sichere Hypotheken auf Grund-Eigenthum ausleihen. Der Ankauf von Land -ist oft ebenfalls eine gute Speculation, aber hinsichtlich des Gewinns -nicht so bestimmt, da man keine Zinsen erhält; und wiewohl sie in -Zukunft reichliche Früchte tragen dürfte; so ist es doch nicht immer -leicht über den erkauften Grund und Boden, gerade wenn man dessen -bedarf, vortheilhaft zu verfügen. Der Besitzer von mehren tausend -Morgen Landes in verschiednen Gemeinde-Bezirken kann oft wegen zwanzig -Pfund Sterling in Verlegenheit gerathen, wenn er diese plötzlich und -unvorbereitet schaffen soll, daher es unrathsam ist, sein ganzes -Capital auf die eben erwähnte Weise anzulegen. - -Die Aufzählung der verschiednen Gelegenheiten, sein bares Geld -vortheilhaft anzuwenden, würde mir schwer fallen. Es ist hier so -wenig Geld im Umlauf, daß diejenigen, welche glücklich genug sind, -dergleichen in Bereitschaft zu haben, fast alles, was sie wünschen, -damit ausführen können. - -»Welches sind die nützlichsten und nothwendigsten Artikel, die ein -Ansiedler wo möglich mit bringen muß?« - -Werkzeuge, einen guten Vorrath an Kleidern und Schuhen, gute Betten, -vorzüglich warme Bettdecken, da man dergleichen hier theuer bezahlen -muß, und sich doch in der Heimath zu weit billigeren Preisen, -bei besserer Qualität, damit versorgen kann. Einen Vorrath guter -Garten-Sämereien, da diejenigen, welche man bei den Producten-Händlern -kauft, schlechtes Zeug sind; überdies sind letztere in Packete gepackt, -die man nicht eher öffnen darf, als nachdem man dafür bezahlt hat, und -leider pflegt man, wie es uns gegangen ist, nichts als Spreu, leere -Hülsen und wurmstichige Samen für sein Geld zu erhalten. Dies ist, -es thut mir leid, es sagen zu müssen, eine Betrügerei, die sich die -Yankies erlauben; wiewohl ich nicht zweifle daß John Bull (die gemeinen -Engländer) bei sich darbietender Gelegenheit das Nämliche thun würde, -denn Spitzbuben und Betrüger giebt es überall unter der Sonne. - -Was Hausgeräth und schwere Artikel aller Art anlangt, so thut man wohl, -so wenig als möglich mit zu nehmen. Eisen-Waare ist hier nicht theuer, -oder vielleicht eben so wohlfeil als zu Hause, und oft dem hiesigen -Bedarf angemessener als die, welche man mit sich bringt; übrigens ist -alles Landfuhrwerk theuer. - -Wir verloren ein großes Packet Werkzeuge und waren nie im Stande, -es von den Spediteurs wieder zu erhalten, wiewohl wir die Fracht im -Voraus zu Prescot bezahlen mußten. Das Beste ist daher, seine Güter zu -versichern, in welchem Fall der Spediteur dafür verantwortlich ist. - -Sie fragen mich, »ob Gewürze und andre zur Nahrung gehörige -Haushalt-Artikel theuer oder wohlfeil sind?« - -Dies ist je nach Ortslage und andern Umständen verschieden. In Städten -und Dörfern, welche in längst urbargemachten Distrikten des Landes und -nahe an Seen und schiffbaren Flüssen liegen, sind sie wohlfeiler als in -der Heimath; allein in neu begründeten, von der Wasser-Communication -entfernten Gemeinde-Bezirken, wo die Straßen schlecht sind, und -mithin der Gütertransport theuer ist, muß man fast das Doppelte dafür -bezahlen. Wo die Production dem Bedarf nicht gewachsen ist, zufolge -der Ansiedlung neuer Emigranten in spärlich angebauten Distrikten, -oder andrer Ursachen, werden alle Nahrungsmittel theuer verkauft, und -lassen sich überhaupt nicht so leicht erlangen. Allein dies sind blos -vorübergehende Uebel, die bald ein Ende haben. - -Concurrenz macht die Preise in den canadischen Städten eben so gut -sinken, als in England, und man kauft jetzt Güter aller Art ziemlich -eben so wohlfeil als in der Heimath.« - -Wo Preise von örtlichen Umständen abhängen, kann man keinen festen -Maaßstab geben; da das, was von der einen Stadt gilt, nicht auch auf -eine andre angewendet werden kann, und eine beständige Veränderung in -allen bebauten oder halbbebauten Gemeinde-Bezirken vor sich geht. Auf -gleiche Weise sind die Vieh-Preise sehr verschieden, sie sind niedriger -in alten Ansiedlungen, und dies vorzüglich auf der amerikanischen Seite -des Flusses oder der Seen, im Vergleich zu denen in den beiden Canadas -(Unter- und Ober-Canada)[38]. - -»Welche Eigenschaften muß die Frau eines Ansiedlers besitzen? welches -sind die gewöhnlichen Beschäftigungen des weiblichen Theils der -Familie?« Sind Ihre nächsten Fragen.« - -Auf die erste erwiedre ich: -- Die Frau eines Ansiedlers muß thätig, -fleißig, gewandt, erfinderisch und heitrer Laune sein; sie darf sich -keiner Arbeit in der Hauswirthschaft scheuen, und nicht zu stolz sein, -um den Rath und die Erfahrung älterer Mitglieder der Gemeinde zu -verschmähen, von denen sie manche treffliche Lehre praktischer Weisheit -erhalten können. - -Gleich jenem Muster aller guten Hausweiber, welches die kluge Mutter -König _Lemuel's_ beschreibt, sollte man von der Gattin des Emigranten -sagen können, »Sie legte ihre eine Hand an die Spindel und hielt mit -der andern den Rocken, sie suchte Wolle und Flachs und arbeitete willig -mit ihren Händen, sie besorgte fleißig ihre Wirthschaft und aß ihr Brod -nicht umsonst.« - -Nichts spricht für einen größern Grad von gesundem Verstand und guten -Gesinnungen als heitre und willige Fügung in die Umstände, wie sehr sie -auch im Vergleich zu einem früheren Loose zurückstehen mögen; gewiß -wird Niemand, der so fühlt und denkt, wie er fühlen und denken sollte, -ein Frauenzimmer, wie zärtlich und vornehm es auch immer erzogen sein -mag, deswegen verachten, weil es in den neuen Lebensverhältnissen, zu -welchen es zu berufen, es Gott gefallen hat, redlich seine Pflicht -erfüllt. Seitdem ich in dieses Land gekommen bin, habe ich die -wohlerzognen, höchst gebildeten Töchter und Weiber von Männern, -- -sowohl See- als Land-Offizieren -- keineswegs niedern Ranges, kennen -gelernt, die ihre eignen Kühe melken, ihre eigne Butter bereiten und -Arbeiten im Hauswesen verrichten, wozu sich wenige Pächter-Weiber -verstanden haben würden. Anstatt diese nützlichen Beschäftigungen -zu verachten, suchen manche Emigranten-Frauen vielmehr ihren Stolz -darin, sich einiger Geschicklichkeit in dergleichen Dingen rühmen zu -können. Je weniger dummen Stolz, und je mehr praktische Kenntnisse eine -Emigrantin mit sich bringt, desto eher darf sie und ihre Familie auf -häusliches Glück und Gedeihen rechnen. - -Ich bedaure, bemerken zu müssen, daß in manchen Fällen die weiblichen -Familien-Glieder, welche hierher gekommen sind, sich dem Trübsinn -hingeben und dadurch die Harmonie ihres häuslichen Heerdes stören und -die Energie ihrer Gatten und Brüder durch beständige nutzlose Klagen -herabstimmen. Haben sie sich einmal entschlossen, ihren Gatten oder -Freunden in dieses Land zu folgen, so wird es weiser und besser sein, -sich mit gutem Anstand in die Umstände zu schicken und durch redliche -Erfüllung ihrer Pflicht die Bürde der Auswandrung erträglich zu machen. - -Eine arme Frau, die über das Elend des Landes klagte, mußte doch -anerkennen, daß ihre Aussichten viel besser wären, als sie jemals in -der alten Heimath gewesen. Was war denn aber eigentlich die Ursache -ihrer Klagen und ihrer Unzufriedenheit? Ich konnte mich kaum des -Lächelns enthalten, als sie sagte, daß sie Sonnabend Abends nicht -mehr in den Material-Laden gehen könne, um für das Wochenlohn ihres -Mannes die nöthigen Einkäufe zu machen und ein wenig mit ihren Nachbarn -zu plaudern, während der Krämer seine Kunden bediene, -- denn es -gäbe ja leider im Busche keinen Kramladen, und sie sei so zu sagen -lebendig-todt. Wenn Mrs. N. N. (mit der sie beiläufig gesagt, so lange -sie unter einem Dache lebten, beständig zankte,) um sie gewesen, so -habe sie sich doch nicht so ganz allein gefühlt. - -Also aus Liebe zu einem gelegentlichen Geplauder, wobei sie sich -mit dem Ellenbogen auf dem Verkauftisch eines Dorfkramladens legen -konnte, wollte diese alberne Frau die Vortheile, die wirklichen -sichern Vortheile, aufgeben, Land, Vieh und Geflügel, gute Nahrung, -eignes Obdach und Kleidung zu besitzen, und alles dies als die Frucht -angestrengter einige wenige Jahre hindurch dauernder Arbeit, der -sie sich, wie ihr Mann klüglich bemerkte, in der Heimath ebenfalls -hätte unterziehen müssen, und zwar mit keinem andern Ziel als ein -durch Armuth getrübtes Alter, oder allenfalls eine Zuflucht gegen -Hungerleiden in dem Arbeitshause ihres Kirchsprengels, im Auge. - -Die weiblichen Glieder der mittlern oder bessern Klasse anlangend, -so können sie den geselligen Kreis von Freunden und Verwandten, -von denen sie, vielleicht auf immer, geschieden sind, nicht aus -den Gedanken bringen; sie seufzen nach den kleinen häuslichen, von -Eleganz und Verfeinerung des Lebens zeugenden Bequemlichkeiten, die -sie in der Heimath um sich zu sehen gewohnt waren. Sie haben jetzt -wenig oder keine Zeit für dergleichen Einrichtungen, die ihnen -sowohl Beschäftigung als Unterhaltung gewährten. Die ihnen jetzt -obliegenden Thätigkeiten sind von andrer Art: sie müssen im Zucker- -und Seife-Sieden, im Bereiten und Backen großer Brode im Backkessel, -wofern sie nicht so glücklich sind, einen steinernen oder Lehm-Ofen -zu besitzen, Geschicklichkeit und Erfahrung erwerben. Die Hausfrau -muß sich mit der Hefenbereitung aus Hopfen für ihr Gebäck, mit dem -Einsalzen von Fleisch und Fischen vertraut machen, sie muß Strümpfe, -Handschuhe und dergleichen stricken, Garn mit dem großen Rade (dem -französisch-canadischen Spinn-Rade) spinnen, das Garn färben und zu -Tuch und bunten Flanellen für Gatten und Kinder verweben, die Kleider -für sich selbst, für Gatten und Kinder verfertigen lernen; denn im -Busche giebt es weder Herren- noch Damen-Schneider. - -Die Besorgung des Federviehs und der Milch-Wirthschaft darf nicht -übergangen werden; denn hier zu Lande befolgt man meistens die irische -oder schottische Methode, das ist, die Milch zu buttern, ein Verfahren, -welches in unserm Theil von England unbekannt war. Ich meines Theils -bin geneigt, der Rahm-Butter den Vorzug zu geben, mir scheint Letztres -ökonomischer, man müßte denn irische oder schottische Dienstleute -haben, welche Buttermilch der süßen Milch vorziehen. - -Gewiß hat jede von beiden Methoden ihre besondern Vortheile. Die -Behandlung der Kälber ist hier sehr verschieden. Einige Ansiedler -nehmen das Kalb gleich nach seiner Geburt von der Mutter und lassen es -gar nicht saugen, das arme Thierchen muß die ersten vierundzwanzig -Stunden hindurch fasten und wird hierauf mittels der Finger mit -abgerahmter Milch gefüttert, die es bald mit großer Begierde zu sich -nehmen lernt. Ich habe auf diese Weise Kälber sehr gut gedeihen -sehen und bin Willens, den nämlichen Plan, als den am wenigsten -beschwerlichen, zu verfolgen. - -Die alten Ansiedler machen von einem entgegengesetzten Verfahren -Gebrauch: sie lassen das Kalb nämlich so lange saugen, bis es ein -halbes Jahr alt ist, in der Meinung, daß dann sichrer auf den -Milch-Ertrag der Kuh zu zählen sei; da diese andernfalls bisweilen, -vorzüglich wenn das Gras in der Nähe der Wohnstätte spärlich wächst, -oft tagelang in den Wäldern umherschweift, und man nicht nur die -Benutzung der Milch verliert, sondern auch die Kuh, wegen der starken -Ausdehnung des Euters, sich leicht wesentlich verletzt und dadurch -wenigstens auf die Dauer der Melkezeit unbrauchbar wird. Meiner Meinung -nach würde es zur Vermeidung dieses Unfalls gut sein, wenn man seinem -Vieh in der Nähe des Melk-Ortes regelmäßig etwas Salz und eine kleine -Quantität Futter, wenn auch noch so wenig, gäbe, weil sie dann selten -lange ausbleiben würde. Kartoffel-Abgänge, die Blätter der alltäglichen -Garten-Gemüse, nebst den obersten Schößlingen des indianischen Korns, -welche man abschneidet, um das Bestocken der Pflanze zu befördern, -bilden ein lockendes Futter für die Kühe und sichern ihre Rückkehr. Im -Herbst und Winter, befördern Kürbisse, Korn, Stroh oder irgend eine -andre Futter-Art, die man gerade vorräthig hat, nebst dem Laube, das -man von den gefällten Bäumen und Buschwerk erhält, ihr Gedeihen. - -Den zu entwöhnenden Kälbern muß man abgerahmte Milch oder Buttermilch, -nebst den laubigen Zweigen des Ahorns, wonach sie sehr begierig sind, -geben. Ein warmer Schuppen oder eingefriedigter Hofraum ist dem Vieh -während der strengen Winter-Monate durchaus nöthig; dies läßt man -zu häufig unbeachtet, vorzüglich in neuen Ansiedlungen, und daher -trifft gar manchen Ansiedler der Unfall, daß er sein Vieh entweder -durch Krankheit oder Kälte verliert. Von Natur ist das canadische Vieh -sehr robust und hart, und trotzt, wofern man ihm nur einige Sorgfalt -angedeihen läßt, selbst dem strengsten Winter; allein zufolge der -Schwierigkeiten, welche sich einer ersten Ansiedlung im Busche entgegen -stellen, sind die armen Thiere oft dem Hunger und der heftigen Kälte -ausgesetzt, was ihnen eine, oft verderbliche Krankheit »_Hohl-Horn_« -(^Hollow Horn^) genannt, zuzieht. - -Diese Krankheit geht vom Rückgrat aus und wird dadurch gelindert, daß -man das Horn anbohrt und in die Oeffnung Terpentin, Pfeffer oder andre -erhitzende Substanzen einführt. - -Hat ein neuer Ankömmling kein Winter-Futter für sein Vieh, so thut -er sehr wohl, es mit dem Eintritt des Herbstes zu verkaufen und im -nächsten Frühjahr neues anzuschaffen; und wiewohl dies als ein Verlust -erscheinen dürfte, so ist dieser doch gewiß weit geringer, als wenn man -dasselbe ganz und gar verlöre. Diesen Plan befolgte mein Gatte, und wir -befanden ihn entschieden vortheilhaft und ersparten uns überdies manche -Sorge, Störung und Plackerei. - -Es sind mir einige gute Sorten hiesiger Käse zu Gesicht gekommen, die -in der That alles Lob verdienen, insonderheit unsre Grasweide den -brittischen Triften bei weitem nicht gleich kommt. Ich will hierin -meine Geschicklichkeit nächsten Sommer versuchen; wer weiß, ob ich dann -nicht einen canadischen Barden bestimmen dürfte, das Erzeugniß meiner -Milcherei eben so zu verherrlichen, wie _Blumfield_ den Suffolk-Käse, -_Bang_ zubenamt, verherrlicht hat. Sie erinnern sich doch der Stelle? --- Denn _Blumfield_ ist so gut Ihr Landsmann als der meinige -- sie -beginnt folgender Maaßen: -- - -»Noch unerreicht o Giles ist dein Käse« u. s. w. Ich bin etwas lange bei -der Milchwirthschaft stehen geblieben, da ich weiß, daß Sie alles, was -Sie darüber erfahren können, Ihren Freundinnen mittheilen werden. - -Sie ersuchen mich ferner um einige Nachrichten über die Cultur des -indianischen Korns, (Mais) und wünschen zu wissen, ob es eine nützliche -und einträgliche Getraidefrucht ist. - -Der Anbau des indianischen Korns auf neu gelichtetem Boden ist sehr -leicht und von wenig Arbeit begleitet; auf alten Feldern bedarf es -deren mehr. Die Erde wird mit einer breiten Hacke geöffnet, und drei -oder vier Körner werden, nebst einem Kürbißsamen ungefähr in jedes -dritte oder vierte Loch, und in abwechselnden Reihen, eingestreut; -die Löcher müssen mehre Fuß von einander abstehen. Kürbisse und Korn -wachsen ganz verträglich mit einander auf, die breiten Blätter der -erstern beschatten die jungen Kornpflänzchen und verhindern die zu -große Verdünstung der Feuchtigkeit vom Boden; ihre Wurzeln verbreiten -sich nicht allzuweit, so daß sie dem Korn nur sehr wenig Nahrung -entziehen. Die eine Pflanze rankt sich zu einer erstaunlichen Länge an -der Erde hin, während die andre mehre Fuß hoch darüber emporschießt. -Sobald das Korn anfängt, sich zu verästeln, muß man den Boden nochmals -durchschaufeln, um mehr Erdreich an die Wurzeln zu bringen, und -außerdem das der Saat nachtheilige Unkraut ausjäten. Dies ist die -ganze Arbeit, bis sich die Aehre anfängt zu bilden, wo die tauben und -schwachen Schößlinge abgebrochen und nur vier oder fünf der kräftigsten -und fruchtbarsten übrig gelassen werden. Sobald die seidenartigen Fäden -braun werden und absterben, muß man sie entfernen, damit alle Nahrung -den Körnern zufließe. - -Wir hatten in letztem Sommer ein merkwürdiges Beispiel von Ruß an -unserm Korn, die kranken Kolben hatten große weiße Blasen (Blattern), -so dick wie kleine Bovist oder große Haselnüsse, und diese waren, -als man sie aufbrach, mit einer tintenartigen schwarzen Flüssigkeit -gefüllt. An den nämlichen Pflanzen konnte man eine regelwiedrige -Befruchtung wahrnehmen: dem Kolben fehlten die Körner, welche durch -einen eigenthümlichen Zufall auf die Quaste oder männlichen Blumen -versetzt waren. Botaniker mögen die Ursache dieser seltsamen Abweichung -von der Regel erklären, ich berichte blos die Thatsachen. Ich konnte -nicht erfahren, ob der Ruß eine dem indianischen Korn gewöhnliche -Krankheit ist, aber im letzten Jahre kam derselbe, hier zu Lande und -vorzüglich in unsrer Gegend auch Staub-Kleien (^dust-bran^) genannt, -an der Gerste und dem Weizen ziemlich häufig vor; überhaupt ist zu -bemerken, das Staaten auf neu urbar gemachtem Boden dieser Krankheit am -meisten ausgesetzt sind[39]. - -Die reifen Körner werden entweder von dem Kolben abgeklaubt, wie -die Bohnen oder Erbsen bei uns, oder man reiht und flicht die -Kolben an Stränge wie die Zwiebeln und hängt sie an Stangen oder an -den Dachsparren auf den Getraide-Böden und in den Scheunen auf. -Das Abstreifen der Körner von den Kolben giebt zu einer geselligen -Versammlung Anlaß, welche ^husking bee^ (die enthülsende Biene) heißt -und, wie alle übrige Bienen, von den Yankies herrührt, gegenwärtig aber -unter der unabhängigeren und bessern Ansiedler-Klasse nicht mehr so -häufig wie früher stattfindet. - -Das indianische Korn ist eine zarte und etwas unsichre Saat; jung -leidet es häufig durch Frost, daher man es nie vor dem 20. Mai oder -zu Anfange Junis säet, und selbst dann ist es noch nicht ganz sicher, -auch hat es manche Feinde, als Bäre, Waschbäre, Eichhörnchen, Mäuse -und Vögel und ist eine große Lockung für umherschweifendes Vieh, das, -um dazu zu gelangen, selbst Einfriedigungen von hölzernen Pfählen, -spanische Reiter und andre dergleichen Dinge, die man zum Schutz der -Saat aufgestellt hat, umstürzt. - -Selbst in Canada bedarf diese Getraide-Art einen heißen Sommer, um -zur vollkommnen Reife zu gelangen. Daher glaube ich, daß _Cobbett_ -unrecht hatte, als er den englischen Landmann zum Anbau im Vaterlande -das indianische Korn als eine sehr einträgliche Getraide-Frucht -empfahl. Sehr einträglich und mehlreich ist es bei uns jeden Falls, -indem es für alle Arten körnerfressender Thiere eine sehr reiche und -angenehme Nahrung abgiebt, und zwar selbst so lange es noch grün ist, -und in reifem oder halbreifem Zustande zur Mästung der Hausthiere und -Fütterung der Last-Ochsen sich trefflich eignet. - -Der letzte Sommer war sehr günstig, die Saat gedieh auf das Ueppigste, -leider aber hatten nur wenige Ansiedler, in Folge des Mißrathens in -den beiden vorhergehenden Jahren, diese Getraide-Art angebaut. Unser -kleines Fleckchen lieferte eine reiche Ernte. Das Mehl giebt einen -nahrhaften Brei, von den Amerikanern »_Supporne_« genannt, er wird mit -Wasser bereitet, und mit Milch genossen, oder auch mit Milch vermischt. -Er muß lange kochen. Brod wird nur selten oder niemals ohne einen -reichlichen Zusatz von feinem Weizen- und Brod-Mehl daraus gebacken. - -Was die Cultur andrer Getraide-Sorten anlangt, so kann ich -Ihnen darüber nichts mittheilen, was Sie nicht in jedem Werke -über Auswanderung finden. Die Kartoffel wird nicht in Löcher -gesteckt, sondern in kleine Erdhügel, die man darüber häufelt, die -Kartoffelfelder müssen durchschaufelt und von Unkraut gereinigt werden. - -Was den gewöhnlichen Betrag der Arbeitslöhne anlangt, so richtet sich -derselbe ebenfalls nach der größeren oder geringeren Bevölkerung des -Ortes, wo man sich angesiedelt hat; im Allgemeinen indeß erhält ein -thätiger kräftiger Mann acht bis eilf Dollars monatlich; zehn Dollars -also könnte man als Durchschnitts-Summe annehmen, junge Bursche -(Handlanger) erhalten vier bis sechs, und weibliche Dienstboten -drei bis vier Dollars. Man kann auch junge Mädchen von neun bis -zwölf Jahren blos für Kleidung und Kost in Dienste nehmen, allein -dies ist keineswegs ein Ersparniß, da Kleider und Schuhe sehr bald -zerrissen sind und durch neue ersetzt werden müssen. Ein starkes -Mädchen vermiethet sich für zwei bis drittehalb Dollars monatlich -und arbeitet, wird es verlangt, auch auf dem Felde, wo sie Korn und -Kartoffeln behäufelt und jätet, in der Ernte die Garben binden hilft -u. s. w. Ich habe ein sehr gutes Mädchen, die Tochter eines Emigranten -von Wiltshire; sie ist sauber und verständig, höflich und fleißig, und -erhält dabei nur drei Dollars monatlich; sie gehört zu den glücklichen -Beispielen aus der niedern Klasse englischer Auswandrer, und ihre -Familie kann für den Bezirk, worin sie lebt, als ein wahrer Gewinn -betrachtet werden. - -Ich glaube jetzt alle Ihre Fragen nach meiner besten Ueberzeugung -beantwortet zu haben. Allein ich erinnere dabei, daß meine Erfahrung -sich blos auf einen kleinen Theil der Gemeinde-Bezirke längs den -Otanabee-Seen beschränkt, mithin darf mein Bericht hinsichtlich seiner -Gültigkeit blos als örtlich gelten. Die Sachen können sich in andern -Distrikten der Provinz anders verhalten, wenn sie auch vielleicht nicht -wesentlich verschieden sind. - -Ich muß Ihnen jetzt Lebewohl sagen. Sollten Sie sich jemals veranlaßt -fühlen, Ihr Glück diesseits des atlandischen Oceans zu versuchen, so -versichere ich Sie im Voraus des herzlichsten Empfanges in unserm -canadischen Hause. - - Ihre Ihnen aufrichtig ergebne Freundin. - -Fußnoten: - -[38] Die Einfuhr-Zölle von Gütern in den beiden Canadas sind äußerst -gering, woraus sich der Umstand erklärt, daß man daselbst manche -Verbrauchs-Artikel an Orten, wo sich ihrem Transport keine erheblichen -Schwierigkeiten von Seiten der Straßen entgegenstellen, weit billiger -kaufen kann als in England; in den Urwäldern, wo man kaum angefangen -hat, Straßen anzulegen, ist wegen des theuren Transports der größern -Mäklerzahl, des größern Capital-Werthes und des damit in Verhältniß -stehenden höhern Local-Profites, u. s. w. alles weit theurer ist; was -sich jedoch mit der fortschreitenden Cultur des Bodens ändern wird. - -[39] Die hauptsächlichsten Krankheiten, wovon die Getreide-Pflanzen -heimgesucht werden, sind Mehlthau, Brand (Schimmel), und Ruß. Die -Untersuchung und Behandlung dieser Krankheit ist für Schriftsteller -über Landwirthschaft ein ergiebiges Feld gewesen. Indeß scheint das -Publikum von ihren subtilen Forschungen noch keinen erheblichen -Nutzen geerntet zu haben, und ein Autor von vorzüglichem Ansehn und -Gewicht behauptet sogar, daß im Verhältniß zu der über den fraglichen -Gegenstand verschwendeten Wortmenge die Schwierigkeiten in Betreff -seiner Aufklärung sich vermehrt hätten. - -Brand ist eine Krankheit, welcher bekanntlich die Cerealien seit den -frühesten Zeiten unterworfen gewesen sind. Bei den alten Griechen -galt derselbe als ein Zeichen des Zorns der Götter, und so oft er -vorkam, überließen sie sich der Klage und Trauer, ohne auf ein Mittel -zur Abhülfe bedacht zu sein. Derselbe Aberglaube herrschte unter den -Römern, die der Meinung waren, daß das Uebel, welches sie ^rubigo^ -(Rost) nannten, unter der Controlle einer besondern Gottheit, Namens -_Rubigus_, stehe, daher sie diesem zu Gunsten ihrer Saaten fortwährend -opferten. - -Brand und Mehlthau sind von verschiednen Schriftstellern über -Landwirthschaft häufig mit einander verwechselt worden, so daß es -zweifelhaft ist, welcher Klasse von Erscheinungen jeder von beiden -Namen eigentlich zukommt, oder ob beide überhaupt nicht für eine -und dieselbe zu verschiednen Perioden des Wachsthums der Pflanze -vorkommende Krankheit anwendbar sind. Da wir nicht gern auf streitigen -Boden treten mögen, was nothwendiger Weise der Fall sein würde, -wenn wir uns in Erörterung eines, trotz allen darüber geschriebnen -mühevollen Abhandlungen, verworrenen und dunkeln Gegenstandes einlassen -wollten, so werden wir hier die Formen, welche die Krankheit annehmen, -nebst ihren übeln Folgen kurz und deutlich beschreiben, deren -Klassifikation aber andern geschickteren Federn überlassen. - -Die Ursachen sind, wie die kundigsten Männer behaupten, dreierlei, -nämlich: Kälte und besonders kalte Winde, böse Dünste und die -Verbreitung eines Schimmelpilzes. Die erstere der erwähnten Ursachen -hindert den Umlauf der Säfte in der Pflanze; die der Nahrung beraubten -Blätter welken und sterben ab, die Säfte treiben die Gefäße auf, -worin sie sich befinden, zersprengen sie und werden die Nahrung von -Millionen kleiner Insekten. Diese finden sich so unbegreiflich schnell -ein, daß man sie mehr für die Ursache, als die Folge der Krankheit -angesehen hat. Die zweite Ursache wirkt vorzüglich, wenn das Getraide -bereits völlig ausgewachsen ist, und man hat beobachtet, daß sie sich -besonders nach schweren Regengüssen des Nachmittags zeigte, auf welche -sogleich heller Sonnenschein folgte. Dies ist der Fall gewöhnlich -um die Mitte oder zu Ende Julis. Die Krankheit befällt entweder die -Blätter oder den Stengel der Pflanze, die mit gebrochenen Linien von -schwarzer oder dunkelbrauner Farbe bedeckt zu sein scheint. Viele -Naturforscher schreiben sie allein einer Art Schimmelpilz zu, die in -dem Pflanzenstengel wurzele und die den Getraidekörnern bestimmte -Nahrung entziehe. Die kleinen Samen dieses parasitischen Gewächses, -das die Krankheit des Getraides verursacht, sind so leicht, daß sie -vom Winde in große Entfernung getragen werden. Diese Schimmelpilze -wachsen überdies außerordentlich schnell, indem sie nach den genauen -Beobachtungen des Engländers _Joseph Banks_ in warmem Wetter nicht mehr -als eine Woche brauchen, um einzuwurzeln und bereits wieder Samen zu -treiben. Auf jedem Punkte des Halmes, wo sie sich einnisten, wachsen -zwanzig bis vierundzwanzig solcher Pilze, und man kann sich daraus eine -Vorstellung machen, wie groß die Vermehrung sein mag. Wie alle andre -Pilze und Schwämme, gedeiht auch diese verderbliche Art am besten an -schattigen, feuchten Orten, und deshalb ist eins der besten Mittel, -das Getraide vor ihr zu bewahren, dasselbe nicht zu dicht zu säen, -desgleichen muß man für hinreichenden Luftzug sorgen und daher die -Hecken und Einfriedigungen niedrig halten. - -Mr. _Loudon_ berichtet, daß im Sommer 1809 ein Weizenfeld auf mehr -leichtem und sandigem Boden mit allem Anschein von Gedeihen empor -und auch in die Aehre kam und alle Aussicht zu einer guten Ernte -gab. Ungefähr zu Anfange Julis schien es alles zu übertreffen, was -man von einem dergleichen Boden erwarten konnte. Eine Woche später -war ein Theil der Saat auf der Ostseite des Feldes, im Betrag von -mehren Morgen, völlig verdorben, die Pflanzen waren über die Hälfte -ihrer früheren Größe eingeschrumpft und so welk und versengt, daß sie -nicht zu demselben Felde zu gehören schienen. Der übrige Theil der -Saat gedieh vollkommen gut. Man hat oft behauptet und lange Zeit auch -geglaubt, daß die Nähe von Berberisbeersträuchern der Saat nachtheilig -sei, indem sie schädliche Pilze anziehen, allein jetzt gilt dies -allgemein für ein Mährchen. - -Der Same von Pflanzen, die an Mehlthau litten, eignet sich der -Erfahrung gemäß zur Aussaat vollkommen, und da er kleiner als gesundes -Korn ist, so bedarf es zu diesem Behuf eines kleineren Maaßes. - -Eine andre böse Krankheit, welche das Getraide befällt, ist unter -dem bezeichnenden Namen »_Ruß_« bekannt, dieses Uebel besteht in -Verwandlung des Mehls in ein rußiges Pulver, das mehr oder weniger -schwarz und dem Geruch zuwider ist. Einige Schriftsteller unterscheiden -zwei Modificationen der fraglichen Krankheit und nennen die eine _Ruß_, -die andre _Getraide-Brand_ (Brand, verbranntes Getraide). _Mills_ hat -in seinem System der praktischen Landwirthschaft folgenden Unterschied -zwischen beiden aufgestellt. »_Ruß_, eigentlich so genannt, bewirkt -einen völligen Verlust der davon befallenen (inficirten) Aehren, da -aber das schwarze Pulver, welches er erzeugt, sehr fein ist, und die -Körner desselben nicht zusammenhalten, so werden sie von Wind und -Regen leicht fortgeführt, so daß der Landmann nicht viel mehr als das -blose Stroh unter Dach und Fach bringt, welches aber die gesunden -Körner nicht ansteckt und kaum ihr Mehl beschädigt. Das _brandige_ oder -_cariöse_ Getraide dagegen, das oft zugleich mit dem gesunden Korn -eingefahren und aufgespeichert wird, theilt letzterem seine Krankheit -mit, macht sein Mehl braun und giebt ihm einen schlechten Geruch.« Der -Name, mit welchem diese Krankheit von den Römern bezeichnet wurde, ist -ustilago; die französischen Landleute nennen sie ^charbon^ (Kohle). - -Wenn man einen Theil des schwarzen Pulvers mit Wasser anfeuchtet und -dann unter das Mikroscop bringt, so sieht man, daß es Myriaden kleiner -durchsichtiger und augenscheinlich von einem dünnen Häutchen umgebner -Kügelchen sind. Die Ursache des Uebels suchen einige Forscher in dem -Boden, in welchen das Korn gesäet worden ist; andere schreiben es dem -Wuchern eines kleinen Pilzes innerhalb der Aehre zu; noch andre endlich -behaupten, es beruhe auf einem krankhaften Zustande des Samens, aus -welchem die Pflanze hervorgegangen ist. Das Ergebniß verschiedner -Versuche, wo man verschiedne Samen in denselben Boden säete, und allen -dieselbe Behandlung angedeihen ließ, scheinen der letzten Hypothese das -Wort zu reden. - - - - -Zwölfter Brief. - - Eine »Klafter-Biene.« -- Verbrennung der geklafterten Haufen. -- - Wirthschafts-System. -- Preis des Weizens im Vergleich zu dem - Arbeitslohn. -- Wahl des Bodens und verhältnißmäßige Vortheile. - -- Lichtung des Bodens. -- Orcan in den Wäldern. -- Veränderliche - Witterung. -- Insekten. -- - - - November 2, 1833. - -Vielen, vielen Dank Theuerste Mutter für den Inhalt der Schachtel, die -im August anlangte. Ich war voller Freude über die niedlichen Mützchen -und gewirkten Käppchen, die Sie mir für mein Knäbchen gesendet haben, -der kleine Kerl nimmt sich in seinem Anzuge ganz allerliebst aus, ja -ich möchte behaupten, er sei sich der Vermehrung seiner Garderobe -bewußt, so stolz scheint er auf seine neuen Kleider. Er wird recht -rund und lebhaft, und Sie können sich wohl vorstellen, mit welcher -Zärtlichkeit und welchem Gefühl von Stolz das Herz seiner närrischen -Mutter an ihm hängt. - -Sein Papa, der ihn eben so sehr liebt, als ich, lacht oft über meine -grenzenlose Zärtlichkeit und frägt mich, ob ich ihn nicht für das -neunte Wunder der Welt halte; er hat auf dem Hand-Schlitten für ihn -einen Kasten befestigt, der nicht viel besser ist als eine Theekiste, -und mit einem schwarzen Bärenfell gefüttert; hierin sitzt der kleine -Bursche ganz behaglich und hat sich schon mancher Fahrt über den -gefrornen Boden erfreut. - -Nichts konnte uns erwünschter kommen als das Legat meines Onkels, es -hat uns in den Stand gesetzt, manchen nützlichen Ankauf für unsre -Meierei zu machen, was andernfalls erst nach Verlauf manches Jährchens -würde haben geschehen können. Für einen Theil davon haben wir ein -Stück Land gekauft, welches nicht weit von unserm Hause liegt. Die -Beschaffenheit dieser neuen Parzelle ist vortrefflich und erhöht durch -ihre Lage den Werth des ganzen Besitzthums. - -Mit dem Verbrennen der gefällten und geklafterten, das ist, der Länge -nach gespaltenen und mittels Ochsen in Haufen vereinigten Bäume auf dem -gelichteten Boden kamen wir in diesem Sommer trefflich zu Stande. Um -schneller damit fertig zu werden, ruften wir eine Biene (^logging-bee^) -zusammen. Viele Ansiedler folgten unsrer Aufforderung und eilten uns -mit Ochsen und Leuten zu Hülfe. Nachdem dies vorüber, das ist, das Holz -geklaftert war, setzte mein Gatte mit Hülfe der männlichen Dienstleute -die gewaltigen Haufen in Flammen, und ein prächtiges Schauspiel war -es, rings umher den verheerenden Brand zu sehen. Ich war anfangs etwas -unruhig und besorgt, indem einige Holzstöße sich unserm Hause ziemlich -nahe befanden, indeß braucht man stets die Vorsicht, sie nur, wenn der -Wind in der Richtung vom Hause abwärts bläst, anzuzünden. Es haben -sich bisweilen Unfälle ereignet, allein sie kommen doch weit seltner -vor, als man erwarten sollte, wenn man das leichte Umsichgreifen -und die Wuth des furchtbaren Elements bei dergleichen Gelegenheiten -berücksichtigt. - -Ist das Wetter sehr trocken, und bläst ein scharfer Wind, so -schreitet das Werk der Zerstörung mit erstaunlicher Schnelligkeit -vorwärts; bisweilen theilt sich das Feuer dem Forste mit und läuft -über mehre hundert Morgen weg. Dies gilt als kein günstiger Umstand -für Lichtung und Urbarmachung des Bodens, da die Flammen das Gebüsch -und weiche leichte Holz verzehren, was zur Sicherung eines guten -Brandes beiträgt. Bei alle dem ist es ein prächtiger Anblick, die -flammenden Bäume zu sehen und die grauenvollen Fortschritte des um -sich greifenden, alles verzehrenden und den Waldwuchs auf mehre Jahre -vernichtenden Elementes zu beobachten. - -Ist der Boden sehr trocken, so läuft das Feuer in allen Richtungen -darüber, das dürre Laub, Reisig und die Wurzeln zerstörend. In -der Nacht ist die Wirkung noch sichtbarer; bisweilen weht der -Wind brennende Reiser und dergleichen in die hohlen Fichten und -verwitternden Stummel, diese fangen sehr bald Feuer und bieten dem -Auge ein Schauspiel dar, welches äußerst schön und seltsam ist. -Feuer-Säulen, deren Basis in dichte Rauchwirbel gehüllt ist, zeigen -sich in jeder Richtung und senden dichte Funken-Schauer aufwärts, -welche, durch den Wind umhergewirbelt, wie Schwärmer und Feuer-Räder -erscheinen. Einige von diesen hohen Stummeln nehmen sich, wenn das -Feuer ihre Spitze erreicht hat, wie Gaslaternen-Pfähle aus. Das Feuer -dauert bisweilen tagelang nach einander fort. - -Nachdem es erlöscht ist, werden die Brändte gesammelt, in Haufen gelegt -und nachmals angezündet; und so befremdend es Ihnen vorkommen mag, -- -ich möchte behaupten, es gebe kein interessanteres und aufregenderes -Werk als das Errichten der Holzhaufen, das Aufstören und Einschließen -der sterbenden Flammen und ihre Ernährung durch frisches Brennmaterial. - -Es finden stets zwei dergleichen Verbrennungen statt, zuerst nehmlich -werden die Reisighaufen, welche den Winter über unversehrt gelegen -haben, nachdem sie durch die trocknenden Stürme und die heiße April- -und Mai-Sonne gehörig ausgedörrt sind, in Flammen gesetzt; dies -geschieht jedesmal vor Klafterung der Baumstämme. - -Ist das Wetter trocken und bläst ein lebhafter Wind, so wird viel -von dem leichteren Holze verzehrt, und die größeren Bäume werden zu -gleicher Zeit zerkleinert. Nachdem dies vorüber ist, wird das Uebrige -für das zweite Feuer gefällt, geschnitten und gehäuft; endlich sammelt -man die Brändte und unverzehrten Ueberbleibsel, um sie ebenfalls -dem Feuer zu überliefern, bis der Boden von allen Hindernissen, mit -Ausnahme der Baumstummel, welche selten mit verbrennen und mehre Jahre -hindurch ein wahrer Dorn für das Auge bleiben, befreit ist. Hierauf -wird die Asche umher gestreut und das Feld mit gespaltnen Baumstämmen -eingefriedigt -- der Boden ist jetzt gelichtet und urbar. - -Unsre Aussaat in diesem Jahre besteht in Hafer, indianischem Korn, -Kürbissen, Kartoffeln und etwas weißen Rüben; nächsten Herbst werden -wir Weizen, Roggen, Kartoffeln und indianisches Korn haben, und dadurch -im Stande sein, unsern Viehstand zu vermehren. Gegenwärtig haben -wir blos ein Joch Ochsen: _Buck_ und _Bright_, (die Namen von drei -Viertheilen aller Zug-Ochsen in Canada), zwei Kühe, zwei Kälber und -zwei kleine Schweine, zehn Hühner, drei Enten und einen niedlichen -braunen Klepper, welcher aber leider ein so geschickter Springer ist, -daß er fast über jede Einfriedigung wegsetzt, daher wir uns wohl von -ihm werden trennen müssen. - -Alles Vieh, das sich gern losreißt und umherstreift, ist ein -bedeutender Friedenstörer und lößt manche nachbarliche Freundschaft -auf, weshalb jeder Ansiedler, dem es auf ein gutes Vernehmen mit seinen -Nachbarn ankommt, dergleichen Vieh, und wenn es übrigens noch so -brauchbar wäre, lieber veräußert. - -Ein kleiner Pachter im Mutterlande dürfte eben keine hohe Meinung von -unsern canadischen Besitzungen hegen, besonders wenn ich hinzufüge, daß -unsre ganzen Ackergeräthschaften aus zwei Sensen, verschiednen Aexten, -einem Spaten und einigen Hacken bestehen. Hierzu kommt noch eine -seltsame Art von Egge, in Gestalt eines Dreiecks, um besser zwischen -den Baumstummeln durchkommen zu können. Dies ist im Vergleich mit den -neu angestrichnen Werkzeugen der Art, welche ich in England gesehen -habe, eine grobe Maschine. Ihre einzelnen Theile sind roh zugehauen und -ohne Rücksichtsnahme auf ein gefälliges Aeußere mit einander verbunden; -die möglichste Tauglichkeit ist alles, worauf man hier sieht. Der Pflug -kommt selten vor dem dritten oder vierten Jahre ins Land, auch ist -dies nicht erforderlich; der allgemein übliche Feldwirthschafts-Plan, -den neuerdings urbar gemachten Boden mit Weizen oder Hafer und, außer -dem Getraide, mit Grassämereien zu besäen, (letzteres, um Weide für -das Vieh zu erhalten), macht den Pflug nicht eher nöthig, als bis -die Zeit eintritt, wo das Grasland aufgerissen werden muß. Diese -Methode verfolgen die meisten Ansiedler, so lange sie mit Lichtung -des Wald-Bodens beschäftigt sind; sie lichten stets so viel, als -zur Unterhaltung einer regelmäßigen Aufeinanderfolge von Weizen und -Frühlings-Saaten erforderlich ist, während sie das früher gelichtete -Land mit Gras besäen. - -Der niedrige Preis, wofür jetzt fast jede Getraide-Sorte zu haben ist --- der Scheffel (^Bushel^) Weizen kostet nur zwei Schillinge vier Pence -bis höchstens vier Schillinge -- macht seine Cultur weniger wichtig -als die Aufziehung und Mästung von Vieh. Die Arbeitslöhne stehen mit -dem Preis der Erzeugnisse in keinem Verhältniß; ein Arbeiter erhält -zehn, ja sogar eilf Dollars monatlich, nebst Kost; während der Weizen, -wie bereits gezeigt worden, nur drei Schillinge, drei Schillinge und -Sechspence oder vier Schillinge, ja bisweilen nicht einmal so viel -gilt. Der Ertrag wird wenig oder nicht mit der Auslage verglichen, -welche die Bestellung des Bodens erheischt, übrigens bringt das Land -auch nicht den großen Ueberfluß hervor, den Manche von neu urbar -gemachtem Boden zu erwarten pflegen. Der Ertrag muß indeß, je nach Lage -und Fruchtbarkeit der Felder, die in der Regel in der Nähe der Flüsse -und Seen weniger productiv sind, als etwas weiter davon entfernt, weil -der Boden daselbst entweder morastig oder steinig, mit Fichten oder -mit Kalkstein- und Granit-Blöcken bedeckt, und der Unterboden arm und -sandig ist, verschieden ausfallen. - -Dies ist der Fall an den kleinen Seen und an den Ufern des Otanabee; -die davon entfernt liegenden Parcellen sind gemeiniglich von weit -bessrer Beschaffenheit, sie tragen hartes Holz, z. B. Eichen, Ahorn, -Buchen, Eisenholz u. s. w., welche Bäume stets einen fruchtbarern Boden -verrathen, als die Familie der Nadelhölzer. - -Trotz der geringeren Boden-Beschaffenheit wird beim Ankauf von Land -doch ein Wasser-Vordergrund als eine Sache von großer Wichtigkeit -betrachtet; und Parcellen mit Wasser-Benutzung stehen gewöhnlich -in weit höherem Preise als solche, die weiter davon entfernt sind. -Erstere sind im Allgemeinen im Besitz der Ansiedler höheren Ranges, -die noch etwas extra für eine gute Lage und die Aussicht künftiger -Verschönerungen, wenn das Land sich unter einem höheren Cultur-Grad -befinden und dichter bevölkert sein wird, zahlen können. - -Wir können nicht anders als mit unendlicher Zufriedenheit die wenigen -Morgen Landes betrachten, welche im Umkreise unsers Hauses gelichtet -und mit Saaten bedeckt sind. Ein Platz dieser Art inmitten des dichten -Waldes erfüllt das Herz mit einer Wonne, wovon diejenigen, welche in -einer offnen oder auch nur theilweise bewaldeten Gegend wohnen, keine -Vorstellung haben können. Die hellen Sonnenstrahlen und der blaue -Himmel, die, nicht mehr durch ein dichtes Laubdach zurückgehalten, frei -und ungehindert auf uns hereinbrechen, laben das Auge und erfreuen -das Herz gewiß eben so sehr, als der kühle erquickende Schatten eines -Palmen-Hains den armen abgematteten Wandrer in der afrikanischen Wüste -labt und erquickt. - -Wenn wir dies so merklich fühlen, die wir uns der Aussicht auf einen -offnen See gerade vor unsern Front-Fenstern erfreuen, wie müssen -diejenigen thun, die für ihre Niederlassung nur erst ein kleines -Fleckchen im Herzen des Waldes gelichtet haben, die rings um von einer -dichten Baum-Wand eingehemmt sind, deren endlose Schatten, welche -das Auge, in Aufsuchung andrer Gegenstände und Scenen, vergebens zu -durchdringen strebt; denn so dicht stehen die Bäume, daß alles, außer -der gelichteten Stelle, in dichtes Dunkel gehüllt ist. Ein Ansiedler, -der sich zuerst auf der ihm zu Theil gewordnen Parcelle niederläßt, -weiß nicht mehr von ihren Grenzen und natürlichen Zügen als von der -nordwestlichen Durchfahrt. - -Unter solchen Uebelständen kann es vielleicht unter zehn Fällen nur -einmal treffen, daß der Ankömmling die beste Lage für sein künftiges -Haus wählt. Dies ist ein sehr hinreichender Grund, nicht eher ein -größere Unkosten erforderndes Haus zu bauen, als bis das Land zur -Genüge gelichtet ist, so daß die Vortheile und Nachtheile der dafür -zu erwählenden Stelle besser ins Auge fallen. Manche zu dem in Rede -stehenden Behuf vorzüglich geeignete Stellen bieten sich oft dem Auge -des Ansiedlers, während er in Lichtung seines Bodens fortfährt, dar, -und lassen ihn bedauern, daß er sein Haus an einem Platze erbaut hat, -den er noch nicht kennen gelernt hatte. Allein Umstände verstatten -selten, den Hausbau im Busche aufzuschieben; eine Wohnung muß so -schnell als möglich errichtet werden, und dies gewöhnlich auf dem -ersten gelichteten Acker. Der Emigrant tröstet sich indeß dabei mit -der Zukunft, er hofft auf eine nicht allzuferne Periode, wo er durch -Aufführung einer schönern und bessern Wohnstätte, als sein Block-Haus -(Log-Haus) oder seine Shanty ist, die er blos als einstweiliges Obdach -betrachtet, sowohl seinem Geschmack als seiner Liebe zur Bequemlichkeit -wird genügen können. - -Bei meiner ersten Ankunft in diesem Lande überraschte mich nichts -mehr als der völlige Mangel an Bäumen um die Wohnhäuser und auf dem -gelichteten Boden, die Axt des Holzfällers stürzt unermüdlich alles vor -sich nieder. Der Mensch scheint mit den Bäumen des Waldes zu kämpfen, -gleichsam als wären sie seine schädlichsten Feinde; denn er schont -weder das junge Bäumchen in seinem jugendlichen Grün noch den bejahrten -Stamm in seinem hohen stattlichen Wuchse; er kriegt gegen den Forst mit -Feuer und Stahl. - -Es lassen sich für diesen anscheinenden Mangel an Geschmack verschiedne -Gründe angeben. Die Waldbäume wachsen so dicht neben einander, daß -es ihnen an Raum gebricht, sich auszubreiten und Seiten-Aeste zu -entsenden; im Gegentheil schießen sie zu einer beträchtlichen Höhe -empor, nicht unähnlich jungen Saatpflanzen in einem Treibbeete, die -nicht gehörig gedünnt worden sind. Dergleichen Bäume sind schlank und -schwach und entbehren völlig jener angenehmen Umrisse und jener schönen -Laubkrone, die sie als eine Verzierung der Landschaft wünschenswerth -machen würde; allein dies ist noch nicht der dringendste Grund zu ihrer -Entfernung, vorausgesetzt, daß unter ihnen doch manche von nicht eben -ungefälligen Formen vorkommen mögen. - -Anstatt tiefe Wurzeln zu treiben, haben die Waldbäume, mit Ausnahme der -Fichten, nur einen sehr oberflächlichen Halt in der Erde; die Wurzeln -laufen an der Oberfläche des Bodens hin und haben daher nicht Kraft -genug, den Stürmen zu widerstehen, welche gegen die Wipfel wüthen, und -diese wirken so als mächtige Hebel, um sie aus dem Erdreich heraus zu -reißen. - -Je höher und schlanker der Baum ist, desto leichter wird er von den -Stürmen entwurzelt; und wenn selbst diejenigen fallen, welche im Herzen -des Waldes stehen und von allen Seiten eingehemmt sind, so kann man -über das gewisse Schicksal eines einzeln stehenden, seiner früheren -Beschützer beraubten Baumes, sobald er gegen den Sturm kämpfen soll, -nicht zweifeln. Er muß fallen und kann dann leicht durch seinen Sturz -in der Nähe befindliches Vieh beschädigen; dies ist der wichtigste -Grund, warum man nicht einzelne Bäume auf dem gelichteten Boden stehen -läßt. Uebrigens ist es nicht so leicht, bei Lichtung des Waldes diesen -oder jenen Baum zu schonen, als ich mir dies anfangs dachte; der Fall -eines Baumes zieht oft den von zwei, drei oder mehren kleineren, die in -der Nähe stehen, nach sich. Ein geschickter Holzfäller sucht dies so -sehr als möglich zu befördern, indem er kleine Bäume in der Richtung, -in welcher er einen großen zu fällen beabsichtigt, nur zum Theil -durchschneidet. - -Ich wünschte sehr, einige hübsche Buchenbäumchen, die mir gefielen, -zu erhalten, und bat daher die Holzfäller, dieselben wo möglich zu -verschonen. Allein der einzige, welcher der zerstörenden Axt entging, -mußte bald eine Feuer-Probe bestehen, wodurch seine frischen grünen -Blätter augenblicklich welk und versengt wurden; er steht jetzt als -ein trauriger Beweis der Unmöglichkeit da, dergleichen von der Axt -verschonte Bäume zu erhalten. Das Einzige, was man thun kann, wenn man -Bäume in der Nähe seines Hauses zu haben wünscht, ist, daß man junge -dergleichen in günstigen Lagen anpflanzt, wo sie tief einwurzeln und -ihre Aeste eben so ausbreiten können, wie die Bäume in unsern Parken -und Hecken. - -Ein andrer Plan, den wir auf unserm Boden zu verfolgen Willens sind, -ist, mehre Acker Wald in passender Lage stehen zu lassen, die alten -Bäume als Brennholz von Zeit zu Zeit heraus zu schlagen und den jungen -Wuchs als Zierde zu verschonen. Dieses Verfahren, ein Wäldchen zu -erhalten, unterliegt nicht den früher dagegen gemachten Einwürfen, und -vereinigt das Nützliche mit dem Schönen. - -Man fühlt sich, sieht man eine der gigantischen Eichen oder Fichten -fallen, seltsam erregt. Stolz und unbeweglich scheinen sie zuerst -dem Hagel von Axtschlägen, die von drei oder vier Holzfällern gegen -ihren Stamm geführt werden, zu trotzen. Allein nachdem das Werk der -Zerstörung eine Zeitlang gedauert hat, nimmt man alsbald eine leichte -Bewegung -- ein fast unmerkliches Zittern der Aeste wahr. Ganz langsam -und allmälig beginnt der Waldriese, sich zu neigen, während das laute -Krachen des Stammes endlich anzeigt, daß sein letzter Halt in der Erde -aufgehört hat. Die Axt des Holzfällers hat ihre Pflicht gethan; die -Bewegung des stürzenden Baumes wird mit jedem Augenblick beschleunigt, -bis er unter donnerartigem Geprassel, welches die Erde erschüttert, -während die benachbarten Bäume erbeben und sich vor ihm neigen, zu -Boden sinkt. - -Obschon entschieden weniger windig als unsre brittischen Inseln, wird -Canada doch zu Zeiten von plötzlichen Stürmen, die sich bisweilen fast -dem Orkan und der sogenannten Windsbraut nähern, heimgesucht. Eine -Schilderung eines solchen Sturmes habe ich Ihnen in einem früheren -Briefe gegeben. Im Verlauf des jetzigen Sommers bin ich Zeuge von -einem andern Orkan gewesen, der in seinen Wirkungen noch heftiger und -verheerender war. - -Der Himmel überzog sich plötzlich mit Wolken, die sehr electrisch -waren. Der Sturm brauste von Nordwesten heran, und seine Wuth schien -auf eine Breite von einigen hundert Schritten beschränkt. Ich -beobachtete mit einigem Interesse die schnellen Bewegungen der grauen, -schwarzen und kupferfarbnen Wolken, die über den See hin zogen, als -mich plötzlich das Krachen stürzender Bäume auf dem jenseitigen Ufer -und noch mehr der Anblick der mit den umherwirbelnden Fichten-Reisern -angefüllten Luft, kaum hundert Schritt vom Hause, während auf dem ebnen -Boden, wo ich stand, keine Spur von Wind zu fühlen war, nicht wenig -überraschte. - -In wenigen Secunden hatte sich der Orkan über die Wasserfläche -verbreitet und streckte mit unwiderstehlicher Gewalt nicht weniger als -dreißig oder vierzig Bäume zu Boden, während er andre wie Schilfrohr -niederbog. Es war grauenvoll zu sehen, wie der hohe Forst vor dem -Toben des Sturmes zitterte und schwankte, und wie ein Riesenstamm nach -dem andern stürzte, wie ein Spiel Karten, die ein Hauch zerstreut. -Glücklicher Weise ging der Luftstrom blos über unsre gelichteten -Aecker weg und fügte uns keinen Schaden weiter zu, als daß er auf dem -hohen Ufer über dem See drei starke Fichten entwurzelte. Allein in der -Richtung unsers Nachbars stiftete er großen Schaden an, er zerstörte -einen großen Theil der Einfriedigung, zerschmetterte die Saaten durch -die niederstürzenden Stämme und Aeste und bewirkte für den Besitzer -einen großen Verlust und viel Arbeit, um den Schaden wieder gut zu -machen. - -Die aufwärts gekehrten Wurzeln der vom Winde umgestürzten Bäume sind -eine große Plage auf dem gelichteten Boden, entstellen die Landschaft -und sind weit schwieriger zu entfernen als die mit der Axt gefällten -Bäume. Einige von den Stummeln dieser durch den Sturm umgeworfnen Bäume -richten sich, wenn sie gleich nach ihrem Umsturz von ihren Aesten -befreit worden sind, wieder empor, das Gewicht der Wurzeln und des -damit emporgerißnen Erdreichs zieht sie an ihre alte Stelle zurück; wir -haben diesen Umstand sehr häufig benutzt. - -Diesen Sommer über herrschte die veränderlichste Witterung, welche man -sich denken kann. Der Frühling war warm und angenehm, aber vom Ende des -Mai bis zur Mitte des Herbstes hatten wir schwere Regengüsse, bewölkten -Himmel und feuchte heiße Tage; heftige, furchtbar großartige Gewitter, -aber wie es scheint weniger verheerend als in England, sind hier zu -Hause. Es ist wohl möglich, daß die hohen Waldbäume die Gefahr von -den niedrigen Gebäuden abwenden, die hinreichend gegen die Wirkungen -des Blitzes geschützt sind. Auch der Herbst war feucht aber kalt. -Ich muß hier gestehen, daß ich zur Zeit eben keine günstige Meinung -vom hiesigen Klima hege; indeß ist es Unrecht, nach einer so kurzen -Bekanntschaft damit über dasselbe aburtheilen zu wollen, besonders da -Jedermann sagt, daß dieser Sommer seinen Vorgängern völlig ungleich -gewesen. - -Die Insekten waren eine große Plage für uns, und ich bewillkommnete den -herannahenden Herbst als einen Befreier von ihren Angriffen; denn diese -Plaggeister sind zahlreich und von mancherlei Art, und achten keine -Persönlichkeit, wie ich zu meinem Leiden erfahren habe. - -Ich sehne mich nach Briefen aus der Heimath; lassen Sie mich bald von -Ihnen hören. - - - - -Dreizehnter Brief. - - Gesundheits-Gefühl inmitten der strengsten Winter-Monate. -- - Unannehmlichkeit, welche die glänzende Weiße des Schnees verursacht. - -- Schlittenfahrt. -- Indianische Orthographie. -- Besuch in einem - Indianer-Lager. -- Ein indianischer Krüpel. -- Canadische Ornithologie. - - - See-Haus, März 14, 1834. - -Ich erhielt Ihren letzten liebevollen und höchst interessanten Brief -erst diesen Abend. In Folge eines Fehlers in der Aufschrift hatte er -die Runde in zwei Gemeinde-Bezirken gemacht, ehe er in Peterborough -anlangte; und ob er gleich fast eben so viele Aufschriften hatte als -ein Matrosen-Messer neue Klingen und Hefte, so kam er doch zuletzt -in meine Hände und war mir, trotz seinem etwas beschmutzten und -abgenutzten Reise-Gewande, nicht minder willkommen und schätzbar. - -Ich freute mich, von Ihrer wiederkehrenden Gesundheit und frohen Laune -zu hören; -- mögen sie von langem Bestand sein. Ihre Klagen über mein -Exil, wie Sie meinen Aufenthalt in diesem Lande nennen, gingen mir sehr -zu Herzen. Lassen Sie meine Versicherung, daß ich mich gegenwärtig eben -so glücklich fühle, als zur Zeit, wo ich meine Heimath verließ, sich -zum Trost wegen meiner Entfernung von Ihnen dienen. Ist auch meine Lage -verändert, so ist es doch nicht mein Herz. Mein Geist ist so lebhaft -und heiter wie je zuvor, und zu Zeiten fühle ich eine Aufgewecktheit -und Frische in mir, die jeder Sorge Trotz bietet. - -Sie fürchten, daß mich die Strenge des canadischen Winters aufreiben -werde. Ich erfreute mich nie einer bessern Gesundheit, als seitdem er -seinen Anfang genommen. Das Blut wird von der Frische und Reinheit der -Luft dergestalt durchströmt und gekräftigt, daß man sich ganz heiter -und wohl fühlt. Selbst der Schnee erscheint weißer und schöner als in -unserm feuchten neblichen Klima. An sehr kalten hellen Wintertagen -sieht man hier oft die Luft mit kleinen gefrornen Wasser-Theilchen -gefüllt, die völlig trocken sind, und das Gesicht ganz leicht wie -Nadelspitzen berühren, während der Himmel blau und heiter ist. Es -herrscht zwischen dem ersten Schnee-Fall und dem in der Mitte des -Winters ein merklicher Unterschied. Der erste zeichnet sich durch große -weiche Flocken aus und liegt selten lange, ohne zu thauen, aber die -Flocken des zweiten, nachdem regelmäßig anhaltende Kälte eingetreten -ist, sind kleiner, trockner und von den schönsten Formen, bisweilen -spitzig wie Strahlenbüschel, oder sonst auf die merkwürdigste Weise -gefiedert. - -Meinen Augen ist die blendende Weiße und das Funkeln des Schnees an -heitern sonnigen Tagen sehr zuwider und macht mein Gesicht, wenn es -derselben ausgesetzt gewesen, auf mehre Stunden äußerst schwach, so daß -ich die mich umgebenden Gegenstände nicht deutlich unterscheiden kann. -Ich möchte jedem rathen, der hierher kommt, sich mit grünen oder blauen -Brillen-Gläsern[40] zu versehen, und den Damen, ja grüne Crep-Schleier -mit zu bringen. Große grüne Brillen, wie sie der arme _Moses_ kaufte, -würde in Canada als kein so schlechtes Geschäft gegolten haben[41]. - -Vor einigen Tagen kehrte ich von einem Besuche bei einer kranken -Freundin zurück und weidete mich auf meinem Wege an den Wirkungen des -Frostes. Erdboden, Bäume, jedes Reis, jedes dürre Blatt, jeder Stein, -worauf mein Auge stieß, blitzten gleichsam von Diamanten, als wären sie -von einem Zauberstab berührt worden; Gegenstände, vorher roh und jeder -Schönheit ledig, hatten plötzlich einen unbeschreiblich blendenden -Glanz angenommen. Man glaubte sich fast in _Sindbad's_ Diamanten-Thal -versetzt[42]. Ueberdies war die Luft keineswegs unangenehm oder -unerträglich kalt. - -Ich habe an windigen Tagen in England weit mehr Kälte empfunden als in -Canada, bei einem weit niedrigeren Temperatur-Grade. Es herrscht hier -in kalten Nächten eine fast entzückende Stille in der Luft, welche die -Unannehmlichkeit der Kälte-Empfindung verringert. - -Allerdings treten im Verlauf des Winters einige sehr kalte Tage ein, -allein diese niedrige Temperatur hält selten länger als dreimal -vierundzwanzig Stunden an. Der kälteste Theil des Tages ist von ein -oder zwei Uhr vor Sonnen Aufgang bis ungefähr um neun Uhr Morgens; -bis dahin haben unser prasselndes Holzfeuer (^log-fire^) oder unsre -eisernen Oefen das Haus durchwärmt, so daß man sich um die drausen -herrschende Kälte gar nicht bekümmert. Im Freien fühlt man sich -bei gehöriger Bewegung und hinreichender Bekleidung weit weniger -unbehaglich, als man glauben sollte. Ohren und Nase sind der Kälte am -meisten ausgesetzt. - -Leute, die von einer langen Reise kommen, bilden bisweilen eine -seltsame Erscheinung, die einem, wären sie nicht zu bemitleiden, ein -Lächeln entlocken würde. - -Haare, Schnurrbart, Augenwimpern, Bart, alles ist mit Reif überzogen. -Ich habe junge Damen in Abend-Gesellschaften gehen sehen, mit Locken, -so dunkel wie die Ihrigen, die aber bald durch den kalten Luft-Hauch -in Silberweiß verwandelt wurden, so daß man fast auf die Idee gerieth, -die schönen Mädchen wären in ihre alten Großmütter metamorphosirt -worden, glücklicher Weise für Jugend und Schönheit sind dergleichen -Verwandlungen nur vorübergehend. - -In den Städten und volkreichen Theilen der Provinz begrüßt man die -Annäherung des Winters, anstatt sie zu fürchten, mit wahrer Freude. -Reisen sind dann ungehindert und angenehm; selbst unsre elenden -Buschstraßen gewinnen im eigentlichen Sinne des Wortes an Werth; und -sollte man auch während einer Lustfahrt ein- oder zweimal umgeworfen -werden, so sind doch dergleichen Zufälle von keiner großen Gefahr -begleitet, auch erweckt ein Burzelbaum in den Schnee vielmehr Gelächter -als Mitleiden; daher ist es bei dergleichen Gelegenheiten das Beste, -das bischen Schnee, was man etwa aufgeladen, mit gutem Anstand -abzuschütteln und in die Lust und Späße der Gesellschaft einzugehen. - -Das Reisen auf dem Schlitten ist in der That höchst angenehm; je mehr -Schnee, desto besser die Schlitten-Zeit; und je härter er wird, desto -leichter ist die Bewegung des Fuhrwerks. Die Pferde sind sämmtlich mit -Glocken-Geläute und Schellen sowohl um den Hals als auf dem Rücken -geschmückt, und das lustige Geklingel ist keineswegs unangenehm. - -Sobald eine hinreichende Menge Schnee gefallen ist, wird alles Fuhrwerk -von der Staats-Karosse bis zur Radeberge auf eisenbeschlagne Kufen -- -den Schlittschuh-Eisen nicht unähnlich -- gesetzt. Die gewöhnlichen -Reise-Equipagen sind der Doppel-Schlitten, (^double sligh^) der leichte -Wagen und der Cutter; die beiden ersten werden von zwei Pferden, neben -einander gezogen, der letztre dagegen, bei weitem das eleganteste -Fuhrwerk dieser Art, ist blos für ein Pferd bestimmt und entspricht -mehr dem Gig oder der Chaise. - -In Büffel-Häute gehüllt, fühlt man keine Unannehmlichkeit von der -Kälte, ausgenommen im Gesicht, das man durch einen warmen Biber, einen -Hut oder eine Mütze schützen muß; Mützen werden hier selten oder -niemals getragen, und zwar aus dem lächerlichen Grunde, weil es nicht -Mode ist. - -Das rothe, graue und schwarze Eichhörnchen ist in unsern Wäldern -häufig. Die Moschus-Ratze bewohnt kleine Häuser, die sie in den -binsenreichen Theilen der Seen erbaut. Diese Wohnungen bestehen aus -Riethgras und Binsen-Wurzeln, Stöcken und andern ähnlichen Materialien -und sind mit Schlamm ausgekleidet, ein dichtes, die Wasserfläche einen -Fuß und mehr überragendes Schilfdach schützt das Gebäude von oben; -es ist von runder domartiger Gestalt und vom Ufer aus in einiger -Entfernung sichtbar. Die Indianer stellen Fallen, um die Thierchen in -ihrer Wohnung zu fangen, und verkaufen ihre Felle, welche gegen den -Winter sehr dicht und glänzend sind. Der Biber, der Bär, der schwarze -Luchs und Füchse werden ebenfalls getödtet und von den Jägern an die -Vorratshändler gegen Waaren oder Geld verkauft. - -Die Indianer richten die Rehhäute zur Verfertigung von Mocassins -zu, die von den Ansiedlern in diesen Theilen sehr gesucht werden; -sie sind in Schnee-Wetter sehr behaglich und halten die Füße sehr -warm, indeß umwickelt man den Fuß, ehe man sie anlegt, mit einigen -Tüchern. Ich trug den ganzen letzten Winter hindurch ein schönes Paar -dergleichen Stiefel; sie waren mit Stachelschwein-Spuhlen genäht und -mit scharlachnen Binde-Bändern versehn; eine alte Squaw, die Frau des -Jägers _Peter_, sie kennen ihn bereits aus einem früheren Briefe, -war die Meisterin, welche sie verfertigt. Bei dieser Gelegenheit -erhielt ich ein Pröbchen indianischer Orthographie, das die Mocassins -begleitete und mir nicht wenig Spaß machte; ich will Ihnen die paar -Zeilen, einem Notchen (Rechnung) nicht unähnlich, hier mittheilen. - - [Illustration: _Die Prairie._] - -^Sir^ - -^Pleas if you would give something; you must git in ordir in store is -woyth (worth) them mocsin porcupine quill on et. One dollars foure -yard.^ - -Dieses seltsame Billet war das Machwerk von _Peter's_ ältestem Sohne -und sollte mich dahin bedeuten, daß, wofern ich Lust hätte, die -Mocassins zu kaufen, der Preis dafür ein Dollar oder eine Anweisung an -ein Vorrathshaus auf vier Ellen Cattun sei, denn so verdollmetschte mir -die Squaw seinen Inhalt. Die Anweisung auf vier Ellen gedruckten Cattun -wurde an Mrs. _Peter_ überliefert, die sie sorgfältig mit Nadeln in die -Falten ihres Busentuches befestigte; und wohlzufrieden mit der Zahlung -ging sie von dannen. - -Dies erinnert mich an einen Besuch, den wir letzte Woche den Indianern -abstatteten. Da ich einiges Verlangen in mir fühlte, das seltsame -Völkchen in seinem Winter-Lager zu sehen, so äußerte ich meinen Wunsch -gegen S--, der bei dem alten Jäger und seiner Familie in großer Gunst -steht; als einen Beweis von Auszeichnung haben sie ihm den Titel -Chippewa, den Namen ihres Stammes, gegeben. Die Gelegenheit, im -Indianer-Wigwam die Honeurs zu machen, kam ihm ganz erwünscht, und -es wurde beschlossen, daß er bei uns mit einigen seiner Schwäger und -Schwägerinnen, die zufällig auf Besuch bei ihm waren, Thee trinken -sollte, und daß wir dann in Gesellschaft einen Ausflug nach dem Lager -im Walde machen wollten. - -Eine lustige Gesellschaft brachen wir an besagtem Abende bei dem -prächtigsten Sternenlicht nach dem verabredeten Orte auf; der Schnee -funkelte mit tausend Diamanten auf seiner gefrornen Oberfläche, über -die wir mit dem leichtesten Herzen, so leicht wie es nur in dieser -sorgenvollen Welt sein kann, wegsetzten. Und gewiß hatte ich nie einen -lieblicheren Anblick, als die Wälder darboten; es war am vorhergehenden -Tage viel Schnee gefallen, und in Folge der völligen Windstille war -auch nicht die kleinste Menge von den Bäumen abgeschüttelt worden. Die -stets grünen Nadelhölzer bogen sich unter ihrer glänzenden Last, jeder -Zweig, jedes Blatt, jeder Zapfen war bedeckt, und einige dünne Bäumchen -lagen, vom Schnee niedergedrückt, fast auf der Erde und bildeten -die niedlichsten seltsamsten Lauben und Arkaden über unserm Pfade. -Sah man nach den Wipfeln der Bäume empor, so schien der dunkelblaue -Himmel von einem silbernen Schleier bedeckt zu sein, durch welchen die -hellleuchtenden Sterne mit keuschem Glanze herabblickten. - -Ich war stets eine Liebhaberin von Schnee-Landschaften, aber weder -in diesem Lande noch in der Heimath sah ich je etwas so über alle -Vorstellungen Liebliches, als wie mir der Wald in dieser Nacht erschien. - -Wir verließen die breite Straße und schlugen einen Nebenweg ein, den -die Indianer fest getreten hatten, und bald bemerkten wir den Wigwam -an dem röthlichen Rauche, der aus dem offnen, korbgeflechtartigen -Dache der kleinen Hütte hervor qualmte. Letztere besteht zunächst -aus leichten Stangen, die, in einem Kreise in die Erde befestigt, -einen runden Raum von zehn bis zwölf Fuß Durchmesser einschließen. -Zwischen diese Stangen sind lange Birken-Rinden-Schichten gezogen oder -geflochten, und zwar sowohl innerlich als äußerlich; nach oben, wo die -Stangen gegen einander geneigt sind ist eine Oeffnung gelassen, zum -Entweichen des Rauches; die Außenwände waren auch mit Schnee belegt -oder umdämmt, so daß von unten gar keine Luft eindringen konnte. - -Einige von unsrer Gesellschaft, die jünger und leichtfüßiger waren, als -wir gesetzten verheiratheten Leute, liefen voraus, so daß wir, als das -Tuch, welches als Thüre diente, weggenommen wurde, eine buntscheckige -Gesellschaft von dunkelfarbigen Häuten und blassen (weißen) Gesichtern -aus den weichen Tüchern und Fellen gelagert fanden, die rings an den -Wänden in dem Wigwam ausgebreitet waren. - - [Illustration: _Peter, der Jäger._] - -Die dunkelbraune Hautfarbe, das buschige schwarze Haar und das -eigenthümliche Costüm bildeten einen auffallenden Contrast mit den -weißen Europäern, die unter die Indianer gemischt dasaßen, der seltsame -Anblick wurde noch durch das flackernde, in der Mitte lodernde -Holzfeuer erhöht, welches die Gruppe mit seinem röthlichen Schimmer -bestrahlte. Die Jagdhunde lagen in träger Behaglichkeit dicht neben -dem Holzstoß, während drei oder vier dunkelfarbige kleine Wilde mit -einander spielten oder ihrer Erzürnung über die beständigen Neckereien -und Affenstreiche des bucklichen _Maquin_, mit welchem ich Sie bereits -bekannt gemacht habe, durch lautes Schreien Luft machten; denn dieser -indianische Spiegelberg schien sein größtes Vergnügen im Necken und -Quälen der kleinen Papousen zu finden, wobei er von Zeit zu Zeit voll -schadenfroher Laune nach den Gästen schielte, und gleich darauf wieder, -wenn er die Blicke seines Vaters oder der Squaws auf sich gerichtet -glaubte, die ernsteste Miene von der Welt annahm. - -Ein leichtes Geräusch unter den Anwesenden bezeichnete unsre Ankunft, -als wir eins nach dem andern durch die Thür in die Hütte traten. Unsre -Freunde empfingen uns mit fröhlichem Lachen, welches mehr als einer der -männlichen Indianer nachhallte, während die Squaws ein eigenthümliches -Kichern vernehmen ließen. - -_Chippewa_ (S--,) erhielt einen Ehrenplatz neben dem _Jäger_ Peter; und -Squaw _Peter_ (_Peter's_ Frau) räumte mir mit großer Zuvorkommenheit -und freundlichem Gesicht einen Platz auf ihrem Betttuch ein, zu welchem -Behuf zwei Papousen und ein Jagdhund schreiend und wehkagend in die -Nachbarschaft ihres Quälgeistes _Maquin_ verwiesen wurden. - -Die reizendsten Personen in dem Wigwam waren zwei Indianer-Mädchen, -eine von ungefähr achtzehn Jahren, -- _Johanna_, des Jägers älteste -Tochter, und ihre Cousine _Margaret_. Die Schönheit der erstern -überraschte mich nicht wenig, ihre Züge waren im buchstäblichen Sinne -des Worts fein, und trotz ihrer Zigeuner-Schwärze fand ich doch das -Purpurroth ihrer Wangen und Lippen, wo nicht schön, -- wenigstens -angenehm und sehr anziehend. Ihr Haar war pechschwarz, weich und -glänzend, und dabei sauber über die Stirn gefaltet und nicht in -zottigen Massen unordentlich und wild herabhängend, wie gewöhnlich bei -den Squaws. _Johanna_ war sich ihrer überlegnen Reize augenscheinlich -bewußt, sie konnte als eine indianische Schönheit gelten, auch legte -sie ihre Eitelkeit durch die vorzügliche Sorgfalt an den Tag, womit sie -ihren schwarzen Tuch-Mantel angeordnet hatte, er war oben mit einem -zierlich über die eine Schulter geschlagnen scharlachnen Stück Zeuge -besetzt und auf der linken Seite durch ein vergoldetes Schlößchen -befestigt. _Margaret_ war jünger und kleiner von Statur, und wiewohl -man sie lebhaft und recht hübsch nennen konnte, so fehlte ihr doch die -ruhige Würde ihrer Cousine, sie hatte in Gesicht und Figur mehr von -der Squaw. Die beiden Mädchen nahmen eine Bettdecke für sich ein und -waren mit Verfertigung einiger höchst eleganten Futterale aus Rehleder -beschäftigt, die sie mit gefärbten Perlen und Spuhlen überzogen; Perlen -und Spuhlen lagen in einer kleinen zinnernen Torten-Pfanne auf ihren -Knien; meine alte Squaw dagegen hielt ihre Stachelschwein-Spuhlen im -Munde und die feinen getrockneten Sehnen, ebenfalls von Rehen, deren -sie sich anstatt Zwirns zu dieser Art Arbeit bediente, hatte sie im -Busen. - -Als ich den Wunsch äußerte, einige von den Stachelschwein-Spuhlen zu -besitzen, gab sie mir einige von verschiedner Farbe, womit sie ein paar -Mocassins durchwirkte, bemerkte aber dabei, daß es ihr an _Perlen zu -den Mocassin's_ fehle, und ich verstand recht wohl, daß sie dergleichen -für die Spuhlen von mir zu erhalten wünsche. Indianer verschenken nie -etwas, seitdem sie mit den Weißen zu verkehren gelernt haben. - -Meine Lobsprüche, die ich _Johanna's_ Schönheit zollte, entzückten die -gute Matrone. Sie erzählte mir, daß das hübsche Mädchen bald mit einem -jungen Indianer verheirathet werden würde, der an ihrer Seite saß, in -allem Stolze, welchen ein neuer Mantel, eine rothe Schärpe, gestickte -Pulver-Tasche und ein großes vergoldetes Schloß an dem Kragen seines -Mantels, der so warm und so weiß erschien, wie ein frischgewaschnes -Schaffell, verleihen konnten. Die alte Squaw that sich auf das junge -Pärchen offenbar nicht wenig zu Gute; sie blickte oft danach und -wiederholte fast stets die Worte: »_Johanna's Gatte_ -- _mit der Zeit -heirathen_. --« - -Wir hatten den Indianern oft mit Vergnügen gelauscht, wenn sie Sonntags -Abends ihre frommen Lieder sangen; daher ich sie jetzt bat, uns einige -zum Besten zu geben; der alte Jäger nickte mir seine Einwilligung zu -und erließ mit dem Ernst und Phlegma eines Holländers, ohne seine -Pfeife aus dem Munde zu nehmen, seine Befehle, welchen von den jüngern -Gliedern der Gesellschaft augenblicklich Folge geleistet wurde, und -bald füllte ein Chor reicher wohltönender Stimmen die kleine Hütte mit -einer Melodie, welche uns bis ins Herz drang. - -Das Lied ertönte in der Sprache der Indianer, welche vorzüglich -wohlklingend und weich in ihren Cadencen ist und sehr vocalreich zu -sein scheint. Ich konnte der bescheidnen Miene der Mädchen meinen -Beifall nicht versagen; sie schienen gleichsam ängstlich, Beobachtung -zu vermeiden, die sie, wie sie recht gut empfanden, durch ihre -lieblichen Stimmen auf sich ziehen mußten, sie suchten ihr Gesicht den -Blicken der Fremden zu entziehen, indem sie einander ansahen und den -Kopf auf ihre Arbeit niedersenkten, die sie noch immer in den Händen -hielten. Ihre Haltung, welche die der orientalischen Nationen ist; ihre -Kleidung, ihr schwarzes Haar, ihre dunkeln Augen, ihr olivenfarbner -Teint, das erhöhte Roth ihrer Wangen und der bescheidne Ausdruck -ihres Gesichts würden ein Studium für den Maler gebildet haben. Ich -wünschte, Sie hätten der Scene beiwohnen können; Sie würden dieselbe -nicht leicht vergessen haben. Sehr gefiel mir auch die tiefe Ehrfurcht -in den Gesichtszügen der ältern Glieder der Indianer-Familie, während -sie ihren Kindern lauschten, welche ihre Stimmen zur Verherrlichung -Gottes und des Erlösers, die sie zu fürchten und lieben gelernt hatten, -ertönen ließen. - -Die Indianer scheinen sehr zärtliche Eltern zu sein; es ist erfreulich, -die liebevolle Weise zu sehen, wie sie die kleinen Kinder behandeln, -ihre Blicke strömen, wenn sie dieselben liebkosen, von Zärtlichkeit -und Freude. Während des Gesanges kroch jede Papouse zu den Füßen ihrer -Aeltern, und diejenigen, welche noch zu jung waren, um ihre Stimmen -mit dem kleinen Chor vereinigen zu können, verharrten von Anfang bis -zu Ende in der tiefsten Stille. Ein kleines Mädchen, eine dicke braune -Trutschel von drei Jahren, schlug den Tact auf ihres Vaters Knien, und -mengte von Zeit zu Zeit ihre kindliche Stimme ein; jedenfalls besaß sie -ein gutes Ohr und natürliche Anlage zur Musik. - -Ich konnte nicht begreifen, wo die Indianer ihre Vorräthe, Kleider und -andre bewegliche Artikel aufbewahrten, da der Wigwam so klein war, -daß außer für ihre Person und ihre Hunde, kein Platz vorhanden zu -sein schien. Ihr Erfindungsgeist hatte ihnen indeß für den Mangel an -Raum Ersatz geleistet, und ich entdeckte bald eine Einrichtung, die -dem Zweck von Verschlüssen, Säcken, Schachteln u. s. w. vollkommen -entsprach, nämlich die innern Birkenrinden-Schichten waren so zwischen -die Stangen, (welche das Gerippe der Hütte bedeckten) gezogen, daß -sie rings herum Taschen bildeten; in diesen Taschen staken die -Habe und Nahrungs-Vorräthe der Bewohner: eine Abtheilung enthielt -gedörrtes Rehfleisch, eine andre gedörrte Fische, eine dritte -einige flache Kuchen, welche sie, wie mir gesagt worden ist, auf -eine ihnen eigenthümliche Weise mittelst heißer Asche, darüber und -darunter, backen, die aber eben deshalb meines Bedünkens dem Gaumen -nicht sonderlich zusagen können; ihre Kleider, das Material zu ihren -verschiednerlei Arbeiten, als Perlen, Spuhlen, Tuchfleckchen, Seide und -tausend andre Kleinigkeiten nahmen die übrigen derartigen Behälter ein. - -Trotz der ziemlich weiten Oeffnung nach oben war das Innere des -Wigwams doch so heiß, daß ich kaum athmen konnte, und während meines -Aufenthalts darin alle Tücher ablegen mußte. Ehe wir unsern Heimweg -antraten, bestand der Jäger darauf, uns ein Spiel zu zeigen, welches -einige Aehnlichkeit mit unserm Bilboket (^cup and ball^) hat, aber -complicirter ist, und mehr Behändigkeit erfordert; den Indianern -machte unser Mangel an Geschicklichkeit offenbar nicht wenig Spaß. -Außerdem zeigten sie uns ein andres Spiel, (^nine-pins^) dem Kegelspiel -einigermaßen verwandt, nur daß die Anzahl der in die Erde befestigten -Stöcke größer war. Ich konnte unmöglich länger bleiben, um die kleine -Reihe Stöcke umwerfen zu sehen, da die Hitze des Wigwams mich fast -erstickte, und fühlte mich ordentlich glücklich, als ich wieder frische -Luft einathmen konnte. - -In einem andern Klima würde man sich schwerlich einem so plötzlichen -und auffallenden Temperatur-Wechsel ohne eine starke Erkältung -aussetzen können, allein glücklicher Weise ist jenes fatale Uebel, -^catchée le cold^ (Schnupfen), wie es die Franzosen nennen, in Canada -nicht so vorherrschend als in der Heimath. - -Vor etwa zwanzig Jahren, als sich die brittischen Ansiedler, in -Folge der Erinnerung an die während des Freiheitskrieges ausgeübten -Grausamkeiten, eines Gefühls von Furcht vor den Indianern noch -nicht ganz erwehren konnten, wurde eine arme Frau, die Wittwe eines -Emigranten, welche auf einer Meierei in einem der dünn bevölkerten -Gemeinde-Bezirke, jenseits des Ontario, wohnte, durch das plötzliche -Erscheinen eines Indianers im Innern ihrer Blockhütte erschreckt. Er -hatte sich so still hineingeschlichen, daß er nicht eher bemerkt wurde, -als bis er sich vor das prasselnde Feuer, der überraschten Wittwe und -ihren Kleinen gerade gegenüber, gestellt hatte; natürlicher Weise -zitterten die armen Kinder und zogen sich mit schlecht verheelter -Furcht in den äußersten Winkel der Stube zurück. - -Ohne auf die Störung, welche sein Erscheinen verursachte, Rücksicht zu -nehmen, fing der Indianer an, sich seiner Jagdkleider zu entledigen; -hierauf band er seine nassen Mocassins los, die er zum Trocknen am -Feuer aufhing, und gab deutlich seine Absicht zu verstehen, daß er -unter dem Dache der Wittwe übernachten wolle, indem es schon ziemlich -dunkel sei, und der Schnee in schweren Schauern vom Himmel falle. - -Kaum wagend, einen hörbaren Athemzug zu thun, bewachte die kleine -Gruppe mit ängstlichen Blicken die Bewegungen ihres unwillkommnen -Gastes. Denken Sie sich ihren Schreck, als sie ihn aus seinem Gürtel -ein Jagdmesser hervorziehen und mit bedächtiger Miene dessen Schneide -prüfen sahen. Nach diesem unterwarf er seine lange Flinte und sein -Tomahawk einer ähnlichen Untersuchung. - -Die Verzweiflung der von Furcht und Schrecken betäubten Mutter hatte -jetzt ihre höchste Stufe erreicht. Sie sah schon in Gedanken die -grauenvoll verstümmelten Leichname ihrer ermordeten Kinder an jenem -Heerde, welcher so oft der Tummelplatz bei ihren unschuldigen Spielen -gewesen war. Instinktmäßig faltete sie die zwei jüngsten bei einer -vorwärts gerichteten Bewegung des Indianers an ihre Brust und wollte -sich eben, als er mit den gefürchteten Waffen auf sie zuging, mit -thränenden Augen zu seinen Füßen niederwerfen und um Barmherzigkeit -für sich und ihre kleinen Lieblinge flehen. Wie groß aber war ihr -Erstaunen und ihre Freude, als er mit sanfter friedfertiger Miene -Flinte, Messer und Tomahawk neben ihr niederlegte und durch diese -Handlung zeigte, daß er nichts Arges gegen sie im Schilde führe[43]. - -Die Begnadigung eines zum Tode verurtheilten Verbrechers im Augenblick -vor seiner Hinrichtung konnte nicht willkommner sein, als das -friedfertige Benehmen des Indianers gegen die arme Wittwe. Voll -Eifer, zu gleicher Zeit ihr Zutrauen und ihre Dankbarkeit zu äußern, -beeilte sie sich, dem nicht länger gefürchteten Gaste ein Mahl zu -seiner Erfrischung zu bereiten, und von dem ältesten ihrer Kinder -unterstützt, breitete sie ein frisches Betttuch über ihr eignes Lager, -welches sie freudig dem Fremdlinge abtrat. Ein ausdrucksvolles »_Hugh! -hugh!_« war die Erwiederung auf diesen Beweis von Gastfreundschaft; -als er aber Besitz von diesem, für ihn üppigen Lager nahm, gerieth er -in sichtbare Verlegenheit. Es war offenbar, daß der Indianer niemals -ein europäisches Bett gesehen und noch weniger in einem geschlafen -hatte. Nach genauer Untersuchung der Kissen und Bettdecken, welche -einige Minuten dauerte, sprang er mit freudigem Lachen auf das weiche -Lager, rollte sich wie ein Hund zusammen und war bald in tiefen Schlaf -versunken. - -In der Dämmerung des Morgens brach der Wilde wieder auf und nahm -Abschied von der gastlichen Hütte. So oft er nachmals das Jagdrevier -in der Nachbarschaft der Wittwe betrat, konnte diese mit Gewißheit auf -einen Besuch von ihm rechnen. Die Kinder, welche sich nicht länger -vor seinem geschwärzten Gesicht und seinen kriegerischen Waffen -fürchteten, drängten sich dann um ihn her, setzten sich auf seine Knie, -bewunderten seine mit Federn geschmückte Pulver-Tasche, und betasteten -die schön gestickte Scheide, welche sein Jagdmesser enthielt, oder die -sauber gewirkten Mocassins und Bein-Bekleidung, während er den kleinen -Dingern den Kopf streichelte und seine Liebkosungen zwischen ihnen und -seinen Jagdhunden theilte. - -So lautet die Geschichte, welche mir ein junger Missionär erzählte. -Ich habe dieselbe mitgetheilt, weil sie mir als Charakterschilderung -eines Häuptlings dieses merkwürdigen Völkerstammes nicht uninteressant -schien. _Chiboya_ (so hieß der eben erwähnte Wilde) war einer der -Chippewas vom Reis-See, deren Mehrzahl gegenwärtig zum Christenthum -bekehrt ist und in der Gesittung und Ackerbaukunde beträchtliche -Fortschritte macht. Jagd und Fischerei scheinen indeß ihre -Lieblingsbeschäftigungen zu sein; diesen nachzuhängen, verlassen sie -die bequemen Häuser der Indianer-Dörfer und kehren zu bestimmten Zeiten -im Jahre nach ihren Jagdrevieren im Walde zurück. Irr' ich nicht, so -ist man allgemein der Meinung, daß ihre Zahl abnimmt, und einige Stämme -in Canada sind ziemlich, wo nicht ganz und gar, ausgetilgt[44]. Die -Rasse verschwindet langsam von der Erde oder vermischt sich allmälig -mit den Colonisten, und vielleicht dürften nach Verlauf einiger -Jahrhunderte kaum noch ihre Namen bekannt sein, um von ihrer ehemaligen -Existenz Zeugniß zu geben. - -Wenn Sie das nächste Mal ein Kistchen oder Päckchen senden, so fügen -Sie doch gefälligst einige gute Gesangbücher bei, denn ein solches -Geschenk ist den bekehrten Indianern besonders willkommen. Ich lege -das religiöse Lied bei, welches sie uns an jenem Abend in dem Wigwam -sangen; es ist die indianische Uebersetzung und von dem ältesten Sohn -des Jägers _Peter_ geschrieben; er war sehr erfreut, als ich ihm sagte, -daß ich es von ihm copirt zu erhalten wünschte, weil ich es über Meer -in mein Vaterland zu senden gesonnen sei, um den Engländern zu zeigen, -wie gut die Indianer schreiben können. - -Der Krüpel _Maquin_ hat mir ein Miniatur-Canoe von Birken-Rinde -gemacht, welches ich ebenfalls als eine Merkwürdigkeit und ein kleines -Andenken für Sie beifüge. Die rothen und schwarzen Kaninchen-Felle -sind für _Hannchen_; die Feder-Fächer und Feder-Tapeten für _Sarah_. -Sagen Sie letztrer, daß ich meiner nächsten Sendung einige Exemplare -unsers schönen Roth-Vogels zum Ausstopfen für sie beifügen werde; -es ist jedenfalls die virginische Nachtigall; er langt im Mai oder -April an und verläßt uns spät im Sommer; er gleicht ganz genau einer -ausgestopften virginischen Nachtigall, die ich in einer schönen -Sammlung von amerikanischen Vögeln gesehen habe[45]. - -Der blaue Vogel ist nicht weniger hübsch und lieblich, und wandert -ziemlich zu derselben Zeit; sein Gefieder ist himmelblau; allein -ich habe noch nie einen außer im Fluge gesehn, daher ich ihn nicht -beschreiben kann[46]. - -Die Kreuzschnäbel sind allerliebste Thierchen; Männchen und Weibchen -sind in Farbe ganz verschieden von einander, ersteres zeigt ein -angenehmes Gemisch von Scharlachroth und Orangengelb, welches, auf der -Brust in Olivengrün und Braun verläuft; letzteres gleicht mehr unsrer -Goldammer, nur daß seine Farben nicht so glänzend sind, und überdies -ist es weit sanfter und sieht unschuldiger und harmloser aus; sie -kommen im Winter eben so traulich und furchtlos, wie die Rothkehlchen -in der Heimath, an unsre Fenster und Thüren. - -Bei Annäherung der strengen Jahreszeit ziehen die meisten unsrer -Vögel fort; selbst das hohltönende Gehämmer des rothköpfigen und des -kleinen grau und weißgefleckten Baumhackers wird nicht mehr vernommen. -Das scharfe Geschrei des Eichhörnchens ertönt seltner; und Stille, -unheimliche und ununterbrochne Stille herrschen im Herzen des Winters. - -Beinahe hätte ich meine kleinen Lieblinge vergessen, eine Meisen-Art, -die uns nie ganz verläßt. An hellen warmen sonnigen Tagen sehen wir -ganze Flüge dieser zarten Vögel sich auf den gefiederten Zweigen der -Schierlings-Tannen oder strauchigen Fichten auf den Ebnen oder im -Walde schaukeln; und oft bin ich auf meinem Wege stehen geblieben, um -ihren muntern Scherzen zuzuschauen und ihrem fröhlichen Gezwitscher zu -lauschen. Ich bin nicht ganz gewiß, glaube aber, daß dies der nämliche -kleine Vogel ist, welchen die Eingebornen _Thit-a-be-bee_ nennen; sein -Gesang, obwohl schwach, und ziemlich einförmig, ist nicht unangenehm; -und wir schätzen ihn um so mehr, da er fast der einzige Vogel ist, der -während des Winters singt. - - [Illustration: _Der rothe Sommer-Vogel._] - - [Illustration: _Der blaue Vogel._] - -Ich hatte viel von der Schnee-Ammer gehört, aber niemals eine gesehen, -außer vor Kurzem, und dann nicht nahe genug, um ihre Form und Farbe -genau zu unterscheiden. Es war ein ungewöhnlich heitrer Tag, der Himmel -wolkenlos, und die Luft fast warm, als mich bei einem Blick nach den -See die Erscheinung einer Fichte hart am Ufer überraschte; der Baum -schien gleichsam mit silbernen Sternen bedeckt, die gegen den blauen -Himmel glänzten. Dieses mir neue Schauspiel erfüllte mich mit so großer -Freude, daß ich hinaus lief, um die Sache näher ins Auge zu fassen; -aber wer schildert mein Erstaunen! als meine Sterne sämtlich nach einem -andern Baume flogen, wo sie durch das beständige Flattern und Wedeln -ihrer kleinen weißen Fittige gegen das Sonnenlicht jene schöne Wirkung -hervorbrachten, die zuerst meine Aufmerksamkeit erregt hatte; bald -waren sämmtliche Fichten von diesen lieblichen Geschöpfen gleichsam -erleuchtet. Gegen Mittag zogen sie wieder fort und ich habe sie seitdem -nur ein einziges Mal gesehn. Sie setzen sich nie auf die Erde oder -einen niedrigen Baum oder Ast, daher ich sie nicht näher beobachten -konnte. - -Von unsern Singvögeln sind das Rothkehlchen, die Amsel und ein -kleines niedliches Vögelchen, das unserm gemeinen Zaunkönig gleicht, -diejenigen, womit ich am bekanntesten bin. Das canadische Rothkehlchen -ist um Vieles größer als unser heimathliches Rothkehlchen, es ist -ein zu grober und großer Vogel, um unserm kleinen Liebling, »dem -Hausvogel mit dem rothen Brustlatz,« wie ihn Bischof _Carey_ in einem -an _Elisabeth_, Tochter _Jakob's ^I.^_, bei ihrer Hochzeit mit dem -unglücklichen Pfalzgrafen _Friedrich_, gerichteten Sonnet nennt, zu -gleichen. - -Der Gesang des canadischen Rothkehlchens ist keineswegs zu verachten; -seine Töne sind klar, angenehm und mannigfaltig; er besitzt denselben -muntern lebhaften Charakter, wodurch sich der seines Namensverwandten -auszeichnet; aber in ihren allgemeinen Gewohnheiten weichen beide Vögel -sehr von einander ab. Das canadische Rothkehlchen zeigt sich weniger -zutraulich gegen den Menschen, dagegen ist es mit seines Gleichen -befreundeter; die Thierchen versammeln sich bald nach der Brüte-Zeit -in ganzen Heerden und scheinen sehr gesellig und vertraulich unter -einander; aber sie nähern sich selten oder niemals unsern Wohnungen. -Die Brust des Vogels ist hellroth, der Kopf schwarz; der Rücken, so zu -sagen, stahlblau oder schieferfarben; in Größe gleicht er einer Drossel. - -Die Amsel ist vielleicht unser bester Sänger, wenigstens meinem -Geschmack nach; ihr Gesang giebt dem unsrer englischen Amsel nichts -nach, dabei ist der Vogel selbst weit schöner von Gefieder, welches -glänzend, schillernd und grünlich schwarz ist. Der obere Flügeltheil -der ausgewachsenen männlichen Amsel ist lebhaft orangefarben; bei den -jüngern Vögeln und beim Weibchen, welches leicht gefleckt ist, bemerkt -man nichts davon. - -Gegen die Mitte des Sommers, wenn die Saaten zu reifen anfangen, -versammeln sich diese Vögel in großen Heerden; ihre Plünderungen und -Raubzüge scheinen von den ältesten Gliedern der Familie geleitet -und beaufsichtigt zu werden. Wollen sie sich auf ein Hafer- oder -Weizen-Feld niederlassen, so stellen sie zwei oder drei Schildwachen -aus, die bei Annäherung von Gefahr _Dseck-dseck-dseck_ schreien. Diese -Vorsicht scheint indeß überflüssig und unnöthig zu sein, denn sie sind -so verwegen, daß sie sich nicht leicht verscheuchen lassen, und -fliegen sie ja auf, so geschieht es blos, um in geringer Entfernung -wieder in dasselbe Feld einzufallen, oder sie begeben sich auf die -Bäume, wo ihre Vorposten Wache halten. - - [Illustration: _Schnee-Ammern._] - -Sie lassen zu Zeiten einen eigenthümlichen kläglich tönenden Lockruf -vernehmen, der genau dem plötzlichen Erklingen einer Harfen-Saite -gleicht und eine oder zwei Secunden lang an das Ohr schlägt. -Wahrscheinlich machen sie davon Gebrauch, ihre zerstreuten Kameraden -herbei zu rufen, da ich ihn nie vernommen habe, wenn sie alle beisammen -waren. Bisweilen saßen einige unweit unsrer Wohnung auf einem Baume -am Rande des Sees und ließen mich ihren Lockruf vernehmen; ich habe -sie _Harfner_ (^harpers^) getauft. Ich werde Sie wohl mit meinen -ornithologischen Skitzen ermüden, indeß muß ich noch zwei oder drei -Vögel anführen. - -Der weißköpfige Adler[47] fliegt oft über unsre Ansiedlung, er hat -dunkles Gefieder, der Leib und Kopf ist schneeweiß. Den Hühnerhöfen -fügt er bisweilen Schaden zu; diejenigen, welche uns zu Gesicht kamen, -verschmähten indeß dergleichen geringes Wildbret und schwebten in -majestätischem Fluge über den See weg. - -Der Fisch-Falke streift gelegentlich über die vor unsern Blicken -ausgebreitete Wasserfläche; Leute, welche dem weiter oben geschilderten -Fischfang mit dem Speer nachhängen, betrachten ihn als einen Feind. - -Außerdem haben wir die Nacht- oder Musquito-Eule, welche auf die in den -hohen Regionen schwärmenden Insekten Jagd macht, während sie näher an -der Erde von ganzen Schaaren großer Stechfliegen verfolgt wird; trotz -ihrem Beistande setzt uns doch das abscheuliche Ungeziefer, ich meine -die Musquitos und schwarzen Fliegen, unbarmherzig zu. - -Der rothköpfige Specht[49] zeichnet sich durch sein prächtiges -Gefieder aus, Kopf und Hals sind reich carmesinfarben; Rücken, Flügel -und Brust theilen sich in Schneeweiß und Pechschwarz. Das unaufhörliche -Hämmern der Baumhacker und das gellende unharmonische Geschrei des -blauen Hehers[50] ertönen, sobald völliger Frühling eingetreten ist, -von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. - -Ich fand in letztem Frühjahr eine kleine Baumhacker-Familie recht -behaglich in einer alten Fichte eingenistet, und zwar zwischen der -Rinde und dem Stamme, wo erstere sich losgetrennt und einen hohlen Raum -gelassen hatte, in welchem die alten Vögel ein weiches aber loses und -keine große Sorgfalt verrathendes Nest gebaut hatten; die niedlichen -Geschöpfe schienen recht glücklich, sie steckten gelegentlich ihre -possirlichen kahlen Köpfchen hervor, um die Aeltern zu begrüßen, welche -die alten Bäume in der Nachbarschaft entrindeten und Futter für ihre -kleine Familie sammelten, sie betrieben ihr Werk mit demselben Eifer, -wie eben so viele fleißige Zimmerleute. - -Ein höchst seltsames Nest erhielt ich von einem unsrer Holzfäller; -es war über eine Zweig-Gabel gebaut und schien gleichsam mit grauem -Zwirn oder dünnem Bindfaden an den Ast genäht zu sein. Es war blos auf -den beiden Seiten, welche den Winkel bildeten, gesichert, aber so gut -befestigt, daß es jedem mäßigen Gewicht oder Druck Widerstand geleistet -haben dürfte; es bestand aus den Fasern der Bastbaum-Rinde, die sehr -fadig ist und sich sehr dünn ausziehen läßt; mit einem Wort, es war -ein seltsames Beispiel von dem Mutterwitz der kleinen Baukünstler. -Ich konnte letztere nicht entdecken, allein wahrscheinlich mochte -es ein Werk meines kleinen Lieblings, der oben erwähnten, bei uns -überwinternden Meise (^tit-mouse^) sein. - -_Die nächste Abbildung stellt den Baltimore Feuervogel dar, der sein -Nest gegen die Angriffe der schwarzen Schlange vertheidigt[50]._ - - [Illustration: _Der Baltimore-Feuervogel._] - -Das Nest des canadischen Rothkehlchens, welches ich zufällig -entdeckte, als ich nach einem Hühner-Neste in einem Reisig-Haufen, am -fernsten Ende unsrer Ansiedlung, suchte, ist dem unsers heimathlichen -Rothkehlchens sehr ähnlich, jedoch größer, da der Vogel selbst größer -ist, und auch in den Materialien etwas verschieden; die Eier, fünf an -Zahl, waren dunkelblau. - -Bevor ich meinen ornithologischen Bericht schließe, muß ich nochmals -der kleinen Häuser erwähnen, welche die Amerikaner für die Schwalbe -bauen; ich habe seitdem gefunden, daß sie hierzu einen sehr trifftigen -Grund haben. Es scheint zwischen diesem nützlichen Vogel und dem -Stößer-Geschlecht die eingewurzeltste Antipathie zu bestehen, und kein -Habicht mag in seiner Nachbarschaft bleiben; die Schwalben verfolgen -diesen Räuber meilenweit, und necken und quälen ihn dabei auf jede nur -mögliche Weise, wie einen bösen Genius; es ist höchst merkwürdig, daß -ein kleines Geschöpf, wie die Schwalbe, einen so vielen Vogel-Arten -furchtbaren Feind dergestalt vertreibt. Ich würde nicht recht daran -geglaubt haben, hätte ich mich nicht selbst von der Wahrheit der Sache -überzeugt. - -Ich sah an einem schönen heitern Sommertage aus dem Fenster einen -großen Raubvogel langsamen Fluges längs dem See hinstreichen; der -arme Kerl stieß schreiende Klaglaute aus; etwa zwei Schritt von ihm -bemerkte ich einen kleinen Vogel, -- in der Entfernung erschien er -mir sehr klein, -- der ihn hart verfolgte und ebenfalls schrie. Ich -sah dem seltsamen Paare nach, bis es hinter dem Fichten-Walde meinen -Augen entschwand; so oft ich mich an diese merkwürdige Erscheinung -erinnerte, wurde meine Verwunderung von neuem rege; endlich erfuhr ich -den Grund von einem sehr gebildeten Franzosen, welcher durch Canada -reiste, die Sache erklärte und zugleich bemerkte, daß diese kleinen -Vögel sehr geschätzt seien, und daß man sehr viel dafür bezahle, um sie -in die verschiednen Theile der Provinz zu versenden. Sie verlassen, -sobald sie einmal einheimisch geworden, niemals ihre alten Reviere, und -die nämlichen Pärchen kehren Jahr für Jahr nach ihrer alten Wohnung -zurück. - -Der Umstand, daß diese Schwalben den Stößer aus ihrem Reviere -vertreiben, verdient alle Aufmerksamkeit, da er hinlänglich verbürgt -ist, und als ein neuer Beweis für den von Naturkundigen gerühmten -vorzüglichen Instinkt derselben gelten kann. - -Ich habe indeß so viele Seiten vollgeschrieben, daß ich fürchten muß, -mein langer Brief werde Sie langweilen. Adieu. - -Fußnoten: - -[40] Oculisten verwerfen gefärbte Brillen-Gläser, schwachen Augen -wegen der Hitze, welche sie erzeugen, als nachtheilig. Grün oder blau -gefärbte Gläser sind hier vorzuziehen. - -[41] Anspielung auf ein Abentheuer im ^Vicar of Wakefield^. - -[42] Anspielung auf _Sindbad's_ Reisen in Tausend und einer Nacht. - -[43] Es ist gegenwärtig fast unabänderlich Sitte unter den Indianern, -daß sie bei dem Eintritt in ein Wohnhaus alle ihre Waffen, als Flinte, -Tomahawk u. s. w. vor der Thür niederlegen, selbst wenn das Wetter noch -so naß ist; denn sie halten es für unhöflich, eine befreundete Wohnung -bewaffnet zu betreten. - -[44] Bekanntlich hat die Nord-West Compagnie eine Schätzung sämmtlicher -Stämme vorgenommen, woraus sich ergeben, daß die ganze indianische -Bevölkerung jenes unermeßlichen Continents sich gegenwärtig nicht über -hunderttausend Seelen beläuft. In einer Parlaments-Urkunde von 1834 -ist die Gesammtzahl der Indianer von Unter-Canada auf 3437 und die von -Ober-Canada auf 13,700 Köpfe bestimmt; die letztere soll die Indianer -am Huronen-See und nach Westen zu in sich begreifen. -- - -[45] Der rothe Sommervogel (^_Tanagra aestiva, Wilson_^) baut in den -Wäldern auf die horizontalen Aeste noch nicht ausgewachsener Bäume, -z. B. eines Epheubaums, zehn oder zwölf Fuß von der Erde entfernt, -die Außenseite seines Nestes versieht er mit einem Geflecht von -Pflanzenstengeln und dürrem Flachs und kleidet es inwendig mit feinem -Grase aus. - -[46] Der _blaue Vogel_ (^_Sialia Wilsonii, Swains._^), wovon bereits in -einer früheren Anmerkung die Rede gewesen, erscheint bisweilen schon -im Februar in Scheunen, Obstgärten und Einpfählungen, und erinnert uns -sowohl durch seine Gestalt als durch seine Gewohnheiten und Lebensweise -an unser Rothkehlchen (^_Sylvia rubecula_^). - -»In der That hat der amerikanische Vogel ebenfalls eine rothe Brust, -allein der ganze obre Theil des Körpers ist von schöner blauer Farbe -und verleiht dem Vogel ein prachtvolleres Costüm, als das schlichte -Olivenbraun unserm kleinen Liebling. Bei ihrer ersten Ankunft im -Frühjahr statten die blauen Vögel dem Kasten im Garten oder in der -Höhle eines alten Aepfelbaums, der Wiege einiger Generationen ihrer -Vorgänger, eine frühzeitige Visite ab, und machen damit den Anfang, daß -sie das alte Nest reinigen, und den Unrath und das Gerüll vom vorigen -Jahre ausräumen, worauf sie es zur Aufnahme ihrer künftigen Abkömmlinge -vorbereiten.« - -[47] Der weißköpfige Adler (^_Haliaetus leucocephalus_^) kommt, nach -_Hutchins_, im May, in der Gegend der Hudson's bay an, er baut auf die -höchsten Bäume und bereitet ein ziemlich großes Nest, aus Stücken Gras, -Torf, Schutt und ähnlichem Gerülle, er wählt zu diesem Behuf einen sehr -hohen Baum, in der Regel eine Fichte oder Cypresse, und macht eine -lange Periode hindurch Jahr für Jahr von demselben Neste Gebrauch. Die -Adler, welche _Abbot_ beobachtet hat, bauten ein großes compactes Nest, -bisweilen auf hohe Cypressen-Bäume und andere Male wiederum auf Felsen. -Die beste Beschreibung aber, die uns zu Gesicht gekommen ist, haben -_Wilson_ und _Ord_ in der ^American Ornithology^ geliefert. - -»Im Monat May,« sagt _Wilson_, »als ich auf einer Jagdparthie an der -Seeküste, nicht weit von Great Egg-Harbour, in Begleitung meines -Freundes _Ord_ hinstrich, wurden wir von unserm Wegweiser ungefähr eine -englische Meile tief in die Wälder geführt, um ein Seeadlernest zu -sehen. Als wir uns dem Orte bis auf eine kleine Entfernung genähert, -sahen wir den Vogel, sich langsam vom Neste zurückziehen, welches -mitten auf dem Gipfel einer sehr großen gelben Fichte (^yellow -pine^) erbaut war. Das Holz war mehre Ruthen im Umkreise gefällt -und weggeschafft worden, ein Umstand, der dem stattlichen, geraden -Stamme, so wie den großen, gekrümmten Aesten des Baumes, worauf eine -schwarze Masse von Stöcken und Reisholz ruhte, einen eigenthümlichen -und malerischen Anblick verlieh. Unser Führer hatte eine Axt mit -sich genommen, um den Baum zu fällen; mein Begleiter aber, ängstlich -bemüht, die Eier oder Jungen zu erhalten, bestand darauf, den Baum zu -ersteigen, was er auch furchtlos ausführte, während ich und der Führer -unsern Stand unter dem Baume nahmen, bereit, den kühnen Kletterer, -im Fall eines Angriffs von den alten Adlern, zu vertheidigen. Indeß -wurde kein Widerstand geleistet; leider aber fand _Ord_ das Nest, -als er es erreicht, zu unserm größten Mißvergnügen, leer. Es war aus -großen Stöcken, deren mehre einige Fuß maßen, erbaut; inwendig lagen -Erdschollen, Riethgras, Rasen, dürres Schilf u. s. w., sämmtliche -Materialien waren zu einer Höhe von fünf bis sechs Fuß angehäuft und -nahmen über vier Fuß in der Breite ein; das Ganze war mit frischen -Fichtenwipfeln überkleidet und hatte nur eine geringe oder vielmehr -gar keine Aushöhlung. Unter der Ueberkleidung lagen die frisch -abgestreiften Hüllen (Mauser) der jungen Brut des laufenden Jahres, -nehmlich Schuppen von den Spulen, Federn, Flaum u. s. w. Unser Führer -war spät im Februar an dieser Stelle vorbeigekommen, zu welcher Zeit -sowohl Männchen als Weibchen ein großes Geräusch um das Nest machten; -und aus dem, was wir später erfuhren, ist es höchst wahrscheinlich, daß -es bereits in dieser frühen Jahreszeit Junge enthielt. - -»Im folgenden Jahre, am ersten März,« erzählt _Ord_, »nahm einer meiner -Freunde aus dem nehmlichen Neste drei Eier, wovon die größten drei -und ein viertel Zoll lang waren, im Durchmesser zwei und ein viertel, -und im Umfange gegen sieben Zoll maßen; sie wogen vier Unzen, fünf -Drachmen, (Apothekergewicht); sie waren schmuzig gelblich weiß, und -nur eins hatte eine sehr blaßbläulich weiße Farbe; die Jungen waren -vollkommen ausgebildet. Die ängstliche Sorgfalt des Weibchens, die Eier -zu erhalten, war so groß, daß es das Nest nicht eher verließ, als bis -mehre Axtschläge gegen den Baum geführt worden waren.« - -»Einige englische Meilen von diesem Orte entfernt,« fährt _Wilson_ -fort, »befindet sich ein andres Adlernest, welches ebenfalls auf einer -Fichte erbaut ist, die, nach eingezogner Erkundigung vom Eigenthümer -der Holzung, dieser Adler-Familie seit langer Zeit zur Wohnung gedient -hatte. Den Baum, worauf das Nest ursprünglich erbaut war, hatten diese -Adler seit undenklichen Zeiten, oder wenigstens so lange als er sich -erinnern konnte, inne gehabt. Einige von seinen Söhnen fällten die -Fichte, um die Jungen zu erlangen, deren Zahl sich auf zwei belief, -bald darauf begann der Adler auf den unmittelbar daneben stehenden -Baum ein neues Nest zu bauen, wodurch er eine große Vorliebe für -diesen Ort an den Tag legte. Der nehmliche Mann erzählte uns, daß die -Adler zu jeder Jahreszeit hier ihre Ruhestätte und Wohnung haben. -Ueberdies behauptete er, daß die grauen oder Seeadler, die Jungen der -weißköpfigen Adler wären, und daß sie nicht eher zu brüten anfingen, -als bis sie einige Jahre alt geworden wären. Der weißköpfige Adler -treibt seine Jungen nicht aus dem Neste, wie der Osprei oder Fischaar -(Flußadler, Moosweih), sondern fährt, nachdem sie es verlassen, noch -lange fort, sie zu füttern.« - -Es hat den Anschein, als wenn diese Adler eine besondere Vorliebe -für die Nähe von Wasserfällen hegten, da sie sich in großer Menge am -Niagara-Falle aufhalten; und in _Lewis_ und _Clark's_ Reisebericht -stoßen wir auf folgende Beschreibung eines solchen Adlernestes, welches -die malerischen Effecte der großartigen Scenen an den Fällen des -Missouri nicht wenig erhöht haben mag. - -»Gerade unter der obersten Spitze,« erzählen die Reisenden, »befindet -sich mitten im Flusse ein kleines holzreiches Eiland. Hier hatte ein -Adler auf einem Baume (^Gossypium arboreum^) sein Nest errichtet und -schien der unangefochtene Inhaber des Orts zu sein, dem seinen Besitz -streitig zu machen, weder Menschen noch Thiere über die das Eiland -umgebenden Strudel zu setzen wagten, da dasselbe noch überdies durch -den, von den Fällen emporsteigenden Wasser-Nebel geschützt ist.«? - -[48] Dieser Vogel fürchtet den Menschen so wenig, daß er nicht -selten in die Bäume nistet, welche in den Städten Amerikas auf den -Straßen wachsen. _Wilson_ fand mehre dieser Nester innerhalb der -Grenzen der Stadt Philadelphia: zwei in dem Knopfholzbaum (^_Platanus -occidentalis_^), und ein drittes in dem verwitterten Stamme einer -Ulme. »Die alten Vögel,« sagt dieser Forscher, »machen, wie mich meine -Beobachtung gelehrt hat, ihre Excursionen regelmäßig nach den über -Schuylkill hinaus liegenden Wäldern, ungefähr eine englische Meile von -der Stadt, und beobachten beim Besuchen ihrer Nester große Stille und -Vorsicht; Maßregeln, welche von solchen, die tiefer in den Wäldern -nisten, nicht so streng beobachtet werden, weil das Späherauge des -Menschen daselbst weniger zu fürchten ist. Allein trotz der Sorgfalt, -welche dieser Vogel, so wie die andern Arten der nehmlichen Gattung, -anwendet, um seine Jungen durch die Auswahl einer sicheren Lage gegen -die Nachstellungen von Verfolgern zu sichern, hat er es doch mit einem -Todtfeinde zu thun, gegen dessen Räubereien ihm weder die Höhe des -Baumes noch die Tiefe der Höhle die mindeste Sicherheit gewähren. Dies -ist die schwarze Schlange (^_Coluber constrictor_^), welche sich häufig -am Stamme des Baumes hinauf windet und, wie ein lauernder Wilder, in -die Höhle des armen Spechtes dringt, trotz dem Geschrei und ängstlichen -Flattern der Aeltern die Eier und hülflosen Jungen verschlingt und, -wenn es der Raum gestattet, sich an der Stelle, die sie eben erst -einnahmen, zusammenrollt und daselbst einige Tage hindurch verharrt. -Der wilde Schulknabe, nachdem er seinen Hals gewagt, um die Höhle des -Spechtes zu erreichen, fährt, wenn der Zeitpunkt des Triumphs, wo er -das Nest für sichre Beute hält und seinen entblößten Arm in die Höhle -steckt, beim Anblick der scheußlichen Schlange erschrocken zurück, -und stürzt fast von seiner schwindelnden Höhe herab, indem er mit -ängstlicher Hast am Baume heruntergleitet. Ich habe von verschiedenen -Abentheuern dieser Art gehört; und ein Fall zog ernste Folgen nach -sich: Knabe und Schlange stürzten nehmlich zugleich auf die Erde herab -und ein Schenkelbruch und langes Hüten des Bettes heilten den Waghals -von seinem ehrgeizigen Streben, Spechtnester zu plündern, vollkommen.« - -[49] »Dieser schöne Vogel,« sagt _Wilson_, »welcher, so viel ich -darüber habe erfahren können, Nordamerika angehört, zeichnet sich durch -sein prächtiges Kleid als eine Art von Elegant (^beau^) unter den -befiederten Bewohnern unserer Wälder aus, und macht sich, gleich den -meisten Gecken, sowohl durch seine Geschwätzigkeit als auch durch die -Manier seiner Töne und Gebehrden noch bemerklicher. Der amerikanische -Holzheher ist eilf Zoll lang, seinen Kopf ziert ein Kamm lichtblauer -oder purpurfarbner Federn, welchen er nach Willkühr emporrichten -oder senken kann; eine schmale schwarze Linie zieht sich längs der -Stirnbinde hin, erhebt sich auf beiden Seiten über die Augen, geht -aber nicht über sie hinweg, wie _Catesby_ dies dargestellt hat, oder -wie es _Pennant_ und mehre Andre beschrieben haben; der hintere und -obere Theil des Halses ist schön hell purpurfarben, doch herrscht -das Blau vor; ein schwarzer Kragen reicht vom Hinterhaupte mit einer -zierlichen Krümmung auf jeder Seite über den Hals herab bis an den -oberen Theil der Brust, wo er einen Halbmond bildet; Kinn, Backen, -Kehle und Bauch sind weiß, die drei ersteren lichtblau gefärbt; die -größeren Flügel-Decken sind reich blau, die äußeren Fahnen der ersten -Federn lichtblau, die der zweiten dunkel purpurfarben, mit Ausnahme -der drei dem Körper zunächst befindlichen, welche glänzend lichtblau -sind; alle diese, ausgenommen die ersten, sind prachtvoll mit schwarzen -Halbmonden der Quere nach gestreift und weiß getüpfelt; die inneren -Seiten der Flügelfedern sind dunkelschwarz; der Schwanz ist lang und -keilförmig gestaltet und besteht aus zwölf glänzend lichtblauen, in -halbzolligen Entfernungen mit schwarzen bogenartigen Querstreifen -gezeichneten Federn; jede Feder ist weiß getüpfelt, mit Ausnahme der -zwei mittelsten, welche nach den äußersten Enden zu in eine dunkle -Purpurfarbe verlaufen; Brust und Seiten, unter den Flügeln, sind -schmuzig weiß und mit Purpur gefleckt; die innre Seite des Mundes, -Zunge, Schnabel, Beine und Krallen sind schwarz; die Regenbogenhaut des -Auges ist nußbraun. - -»Ein blauer Holzheher,« fährt _Wilson_ fort, »den ich seit einiger -Zeit gefangen gehalten, und mit dem ich in großer Vertraulichkeit -lebe, ist ein wahres Muster von mildem Charakter und geselligen -Sitten. Ein günstiger Zufall im Walde brachte mich zuerst in Besitz -dieses Vogels, als er noch sein volles Gefieder hatte und noch voller -Gesundheit und Muth war; ich nahm ihn mit mir nach Hause und steckte -ihn in einen Käfig, den bereits ein goldgeflügelter Specht einnahm; -hier wurde er aber so grob empfangen und erhielt von dem Inhaber des -Käfigs dafür, daß er dessen Gebiet betreten, eine so harte Züchtigung, -daß ich mich, um sein Leben zu erhalten, genöthigt sah, ihn wieder -herauszunehmen. Ich setzte ihn hierauf in einen andern Käfig, dessen -einziger Besitzer ein gemeiner weiblicher Bülan (^orchard oriole^) war. -Dieser gebehrdete sich ebenfalls unruhig, als beleidige und gefährde -ihn die Gegenwart des fremden Gastes; der Holzheher unterdeß saß stumm -und bewegungslos auf dem Fußboden des Käfigs, entweder zweifelhaft -über seine eigene Lage, oder in der Absicht, seiner Nachbarin Zeit -zur Beschwichtigung ihrer Furcht zu gönnen. Und nach wenigen Minuten, -nachdem sie verschiedene drohende Gebehrden entfaltet (gleich einigen -Indianern bei ihren ersten Zukammenkünften mit den Weißen), begann -sie, sich demselben zu nähern, jedoch mit großer Vorsicht, und zum -schnellen Rückzug bereit. Da sie jedoch sah, daß der Holzheher anfing, -auf eine friedfertige und demüthige Weise einige zerbröckelte Stückchen -Kastanie aufzupicken, stieg sie ebenfalls herab und that das Nehmliche, -drehete sich aber, bei der leichtesten Bewegung ihres neuen Gastes, -diesem entgegen und setzte sich in Vertheidigungsstand. Jedoch ehe es -Abend geworden, war alle diese ceremoniöse Eifersüchtelei verschwunden, -und sie wohnen, fressen und spielen jetzt zusammen, in vollkommner -Eintracht und guter Laune. - -»Wenn der Holzheher trinken will, springt seine Tischgenossin keck -und dreist in das Wasser, um sich zu baden, und schleudert es in -Schauern über ihren Gefährten, der sich dies ganz geduldig gefallen -läßt, und nur dann und wann wagt, etwas davon zu schlürfen, ohne das -geringste Zeichen von Unwillen oder Empfindlichkeit zu verrathen. Im -Gegentheil scheint er sich über seine kleine Mitgefangene zu freuen, -indem er ihr erlaubt, sich an seinen Backenbart zu hängen, (was sie -sehr sanft macht) und seine Krallen von zufällig daran hängenden -Kastanienbröckchen zu reinigen. Diese Anhänglichkeit von der einen, -und diese freundliche Nachgiebigkeit von der andern Seite, dürften -vielleicht zum Theil die Wirkung des wechselseitigen Mißgeschicks -sein, welches, wie die Erfahrung lehrt, nicht blos Menschen an -einander anschließt, sondern auch manche Thierarten enger mit einander -verbindet. Auch zeigt dieses Beispiel, daß der blaue Holzheher ein -leicht bezähmbares Naturell besitzt und fähig ist, Zuneigung und -zärtliche Gefühle, selbst für solche Vögel zu hegen, die er im -natürlichen Zustande ohne Bedenken zu seiner Speise wählen würde.« - -[50] Das Nest des Feuervogels ist von mehren Ornithologen geschildert -worden. _Latham_, welcher von _Wilson's_ wundervoller Beschreibung -wesentlich abweicht, sagt: »das Nest ist aus einer flaumartigen, zu -Fäden gedrehten Substanz locker gebaut, und hat ziemlich die Gestalt -einer Börse, welche an die äußerste Gabel eines Tulpenbaums, einer -Platane oder eines Hiccory-Baums befestigt ist.« _Montbeillard_ ist -noch kürzer in seinen Bemerkungen über diesen interessanten Bau. Wir -wollen hier _Wilson's_ Beschreibung von Anfang bis zu Ende mittheilen. - -»Fast die ganze Gattung der Pirole (Bülaus),« sagt dieser Beobachter, -»gehört Amerika an, und alle bauen, mit wenigen Ausnahmen, schwebende -Nester. Nur wenige aber kommen in der Bauart dieser Wohnstätten für -die Jungen dem Baltimore-Vogel gleich, welcher seinem Neste vor allen -ihm verwandten Arten Bequemlichkeit, Wärme und Sicherheit zu geben -weiß. Zu diesem Behufe wählt er die hohen, herabhängenden Zweigspitzen -und befestigt starke, feste Fäden von Hanf oder Flachs um zwei der -beabsichtigten Weite des Nestes entsprechende Gabelzweige; aus den -nehmlichen Materialien, die mit lockerem Werge vermengt sind, webt -oder fabricirt er eine starke, feste Art Filz, welcher gewissermaßen -der Substanz eines noch rohen Hutes gleicht und den er zu einem -sechs bis sieben Zoll tiefen Beutel gestaltet; inwendig füttert er -das Nest reichlich mit verschiednen weichen und dem äußeren Netzwerk -gehörig eingewobenen Substanzen, und kleidet es endlich mit einer -Lage von Roßhaaren aus; das Ganze ist gegen Sonne und Regen durch ein -natürliches Wetterdach oder einen Blätter-Baldachin geschützt. Was -die Oeffnung anlangt, welche der Vogel, nach _Pennant_ und andern -Schriftstellern, auf der Seite für die Jungen sowohl zur Fütterung -als Entfernung der Excremente lassen soll, ist auf jeden Fall ein -Irrthum. Ich meines Theils habe nie ein solches Loch in der Nestwand -des Baltimore-Vogels gefunden. Wiewohl Vögel der nehmlichen Art im -Allgemeinen eine gemeinschaftliche Form beim Bauen ihres Nestes -beobachten, so bauen sie doch nicht, wie man gewöhnlich glaubt, auf -dieselbe Weise. Die Baltimore-Vögel unterscheiden sich eben so sehr -durch Styl, Sauberkeit und Ausführung ihrer Nester als durch ihre -Stimme. Einige scheinen vor allen andern geschickte Arbeiter zu sein -und wahrscheinlich nehmen sie an Kunstfertigkeit eben so wie an -Farbenpracht mit den Jahren zu. Ich habe jetzt eine Anzahl ihrer Nester -vor mir, sämmtlich vollendet und mit Eiern angefüllt. Eins derselben, -das sauberste und netteste, hat die Gestalt eines Cylinders, ist fünf -Zoll weit, sieben Zoll tief und am Boden rund. Die oben befindliche -Oeffnung ist durch einen horizontalen, ungefähr drittehalb Zoll breiten -Deckel beschränkt. Die Materialien sind Flachs, Hanf, Werg, Haare und -Wolle, welche sämmtlich zu einer vollkommnen Art Tuch verwebt sind, -das Ganze ist überall sauber mit langen, mitunter zwei Fuß messenden -Roßhaaren durchnäht. Der Boden besteht aus dicken Kuhhaar-Flocken -und ist ebenfalls mit Roßhaaren durchnäht. Das eben beschriebne -Nest hing an der Spitze eines horizontalen Apfelbaumzweiges, nach -Südost gerichtet; es war, obgleich im Schatten, in einer Entfernung -von hundert Schritten sichtbar, und das Werk eines sehr schönen und -vollkommnen Vogels. Es befinden sich fünf weiße, schwach fleischfarbne, -am breiten Ende mit purpurnen Flecken, und an den übrigen Theilen mit -langen Linien gezeichnete Eier darin, die Linien sind haarfein und -durchschneiden sich in mannigfaltigen Richtungen. Ich bin deswegen -in der Angabe dieser einzelnen Umstände so ausführlich, weil es mein -Wunsch ist, den spezifischen Unterschied zwischen dem ächten und -Bastard-Baltimore-Vogel aufzustellen, da ^Dr.^ _Latham_ und einige -Andere der Meinung sind, daß beide Vögel einer und derselben Art -angehören und nur durch ihre verschiednen Farbenschattirungen von -einander abweichen. - -»Der Baltimorevogel ist in der Brütezeit so sehr besorgt, sich die -geeigneten Materialien zu seinem Neste zu verschaffen, daß die im -Lande wohnenden Frauen genöthigt sind, ihr Garn und dergleichen, das -sich zufällig auf der Bleiche befindet, aufmerksam zu bewachen, eben -so muß der Pachter und Landmann seine jungen Pfropfreiser hüten, weil -dieser Vogel sowohl das Garn als auch die Materialien, womit die -letzteren befestigt sind, seinem Endzweck entsprechend findet und oft -wegholt; sollte jedoch das erste zu schwer und die letzteren zu fest -gebunden sein, so zerrt er lange Zeit daran herum, bevor er seinen -Versuch aufgiebt. Man hat nach dem Abfallen der Blätter oft Strähne -Seide und Zwirnfäden um das Nest des Baltimore- Vogels hängen sehen, -die aber so verwebt und verschlungen waren, daß man sie durchaus nicht -wieder herausfitzen konnte. Vor der Ankunft der Europäer konnten -natürlicher Weise keine solche Materialien gewählt werden, allein mit -dem Scharfsinn eines guten Architekten hat das Thierchen diesen Umstand -zu seinem Vortheil benutzt, und man findet die stärksten und besten -Materialien stets in denjenigen Theilen, welche das Ganze tragen.« -^Wilson's, Amer. Ornith. I. 26.^ - - - - -Vierzehnter Brief. - - Nutzen botanischer Kenntnisse. -- Das Feuerkraut (^fireweed^) - Sarsaparilla-Pflanzen. -- Prächtige Wasser-Lilie. -- Reis-Beete. -- - Indianische Erdbeere. -- Scharlachfarbner Akelei (^Columbine^) -- - Farnkräuter. -- Gräser. -- - - - Juli 13, 1834. - -Der Winter scheint uns in diesem Jahre ziemlich zeitig verlassen zu -wollen, zu Ende Februars war der Boden völlig frei von Schnee, und den -ganzen März hindurch hielt milde und freundliche Witterung an, jedoch -nicht so warm und überhaupt veränderlicher als im vorigen Jahre. In der -letzten April-Woche und zu Anfange Mai's waren sämmtliche Waldbäume -belaubt und prangten im schönsten lieblichsten Grün. - -Am 14., 15. und 16. Mai wurde die Luft plötzlich kalt, ein scharfer -Wind blies aus Nordwesten, und heftige Schnee-Stürme knickten die -jungen Knospen und zerstörten manche Frühsaat; glücklicher Weise hatten -wir uns mit unserm Säen nicht sehr beeilt, und dies war unter solchen -Umständen sehr gut. - -Unsre Wälder und Lichtungen sind jetzt mit schönen Blumen gefüllt. Sie -werden sich aus den getrockneten Exemplaren, die ich Ihnen übersende, -eine Vorstellung davon machen können. Sie werden darunter manche -Lieblinge unsrer englischen Gärten und Gewächshäuser erkennen, welche -die verschwenderische Hand der Natur nachlässig in den canadischen -Wäldern und Wildnissen ausgestreut hat. - -Wie oft wünsche ich Sie an meine Seite, wenn ich durch die Wälder und -Lichtungen streife; die Aufsuchung unsrer botanischen Schätze würde -Ihnen große Freude gewähren. - -Ich bedaure jetzt nur zu sehr, daß ich, als ich noch in der Heimath -war, Ihr gütiges Anerbieten, mich im Blumenmalen unterrichten zu -wollen, ausgeschlagen habe; Sie sagten mir damals oft, die Zeit würde -kommen, wo ich Ursache haben dürfte, die Vernachlässigung der sich mir -darbietenden günstigen Gelegenheit zu bereuen. - -Sie haben mir richtig prophezeiht; denn ich beklage jetzt täglich, daß -ich Ihnen keine genauen Schilderungen von den Pflanzen meiner neuen -Heimath geben oder denselben ihren Platz im System anweisen kann, wie -Sie dies thun würden. Mit einigen derselben habe ich mich bekannt -gemacht, jedoch traue ich meinen botanischen Kenntnissen zu wenig, um -eine wissenschaftliche Beschreibung zu wagen; denn ich fühle nur zu -gut, daß ein Verstoß leicht entdeckt werden, und daß ich, wollte ich -mich mit Kenntnissen brüsten, die ich nicht besitze, mich lächerlich -und verächtlich machen würde. Das einzige botanische Werk, das mir -zu Gebote steht, ist _Pursh's_ nordamerikanische Flora, aus welcher -ich einige Belehrung geschöpft habe; allein ich muß gestehen, daß mir -die Entzifferung der lateinischen Beschreibungen, da ich kein Latein -verstehe, außer was mich mein bischen Italienisch errathen läßt, viel -Mühe und Langeweile verursacht. - -Ich habe von den vorzüglichsten, der Aufmerksamkeit würdigsten Pflanzen -in unsrer Nähe, ein Verzeichniß entworfen, es giebt indeß noch viele -andere in dem Gemeinde-Bezirk, die mir fremd sind; von einigen -derselben weiß ich nicht einmal die Namen. Ich füge von denjenigen -Blumen, die mir am meisten gefallen, oder die sich durch irgend eine -erwähnungswerthe Eigenschaft auszeichnen, eine leichte Skitze bei, -aber nicht mit dem Pinsel sondern mit der Feder. - -Auf dem gelichteten Boden wachsen nicht mehr dieselben Pflanzen, welche -früher, als er noch mit Waldbäumen bedeckt war, darauf wucherten. Eine -andre Pflanzen-Welt kommt zum Vorschein, sobald das Feuer den Boden -gereinigt hat. Das Nämliche läßt sich hinsichtlich unsrer Waldbäume -sagen. So wie eine Generation abstirbt und verwittert, tritt eine neue, -aber von ihr verschiedne an ihre Stelle. Ein zur Erläuterung dieses -Umstandes dienendes Beispiel liefert das sogenannte Fichten-Fett, eine -harzige Substanz, die man gewöhnlich an Orten findet, wo die lebende -Fichte weniger häufig wächst, und wo Eichen, Eschen, Ahorn u. s. w. den -Boden einnehmen. - -Das Feuer-Kraut, eine Art schlanke Distel von niedrigem, unangenehmem -Geruch, ist die erste Pflanze, welche erscheint, nachdem der Boden -durch Feuer entwaldet ist; bleibt ein Stück Land den ersten Sommer -nach seiner Lichtung ungepflügt liegen, so schießt im nächsten -Frühjahr dieses Unkraut in dichten Massen hervor. Die nächste Pflanze, -welche sich zeigt, ist der Sumach mit seinem flaumbedeckten Stengeln -und sammetartigen hochrothen Blumen, die einen aufrecht stehenden -stumpfen Büschel an den Zweigspitzen bilden; die Blätter werden im -Spätsommer scharlachfarben. Dieser Strauch, wiewohl er sich sehr schön -ausnimmt und recht wohl als Ziergewächs dienen kann, wird doch in -alten Lichtungen als eine große Plage betrachtet, weil seine Wurzeln -ausschlagen und zahlreiche Schößlinge treiben. Hierauf folgen die -Brombeeren und die wilde Stachelbeere in großer Menge, und zahllose -Erdbeer-Pflanzen von mancherlei Art überziehen den Boden gleich -einem Teppich und vermischen sich mit dem Gras der Weide. Ich sah -mich dieses Frühjahr genöthigt, mit schonungsloser Hand Hunderte von -Sarsaparilla-Pflanzen, so wie auch den berühmten Ginseng, welcher in -unsern Wälder sehr häufig ist, mit der Wurzel auszureißen; der Ginseng -war früherhin ein Ausfuhr-Artikel, den die Vereinigten Staaten nach -China sendeten, weil seine Wurzel von den Chinesen besonders geschätzt -wird. - -Letzte Woche bemerkte ich eine saftige Pflanze, die auf einem trocknen -sandigen Gange in meinem Garten den Boden durchbrochen hatte; sie -scheint eine Art (^Mesembryanthemum^ (?)) zu sein; sie hat sich so -schnell ausgebreitet, daß sie bereits einen ziemlichen Raum einnimmt. -Die Zweige gehen von der Mitte der Pflanze aus und treiben aus jedem -Gelenk Schößlinge hervor. Die Blätter sind mehr klein, dreikantig -und zugespitzt, dick und saftig, wie die gewöhnlichen Sedum-Arten, -wenn man sie quetscht, so fließt eine grünliche Flüssigkeit aus. Die -Stengel sind dick und rund, hellroth und kriechen an der Erde hin; die -Blätter entspringen aus den Gelenken, und mit ihnen in ununterbrochner -Aufeinanderfolge gelbe Stern-Blumen, die sich ungefähr eine Stunde nach -ihrer ersten Entfaltung wieder schließen. Ich werde Ihnen einige Samen -von dieser Pflanze schicken, ich bemerkte nämlich eine Anzahl kleiner -Schoten, die wie Knospen aussahen, aber, bei näherer Untersuchung sich -als die Samenbehälter erwiesen. Die Pflanze bedeckt den Erdboden gleich -einer dicken Matte, und ist, wo ihr dieser zusagt, wie man mir sagt, -ein lästiges Unkraut. - -Ich bedaure nur, daß ich unter meinen getrockneten Pflanzen nicht -einige unsrer prachtvollen Wasser-Lilien und Iris-Arten erhalten -konnte; allein sie waren zu groß und zu saftig, um sich gut trocknen -zu lassen. Da ich Ihnen diese meine Lieblinge nicht mitsenden kann, so -will ich sie Ihnen wenigstens beschreiben. - -Die erste davon ist eine herrliche Wasser-Lilie, (^Nymphaea^) welche -ich der Unterscheidung halber »_Königin der Seen_« genannt habe, denn -sie prangt gleich einer Krone auf den Gewässern; diese prächtige -Blume gleicht in Umfang einer mäßig großen Dahlia, sie erscheint wie -gefüllt, und jede Blumen-Blätter-Reihe nimmt nach der Mitte zu allmälig -an Größe ab und geht in Farbe nach und nach von dem reinsten Weiß in -das lichteste Citronengelb über. Die noch nicht entfalteten Blüthen -nehmen sich sehr hübsch aus, man kann sie unter der Oberfläche des -Wassers auf verschiednen Stufen ihrer Entwickelung wahrnehmen: -- von -der noch völlig geschloßnen und in ihren olivengrünen Kelch gehüllten -Knospe bis zu der halb aufgeplatzten Blume, welche bereit ist, aus -ihrem Wasser-Kerker hervorzutauchen und in all ihrer jugendlichen -Schönheit ihren schönen weißen Busen dem hellen Sonnenstrahl und der -milden Luft zu entfalten. Aber die Schönheit der Blume ist nicht ihr -einziger Liebreiz; sobald sie sich entfaltet hat, verbreitet sie einen -reichen Wohlgeruch, dem von frischen Citronen nicht unähnlich. Nicht -weniger Aufmerksamkeit verdienen die Blätter: anfangs zeigen sie -ein schönes Dunkelgrün, aber mit dem Abwelken der Blume vertauschen -sie diese Farbe nach und nach mit einem lebhaften Carmosin. Wo -viele dergleichen Lilien dicht beisammen wachsen, verleihen sie der -Wasserfläche einen unbeschreiblich schönen Anblick, der schon in -einiger Entfernung das Auge auf sich zieht. - -Die gelbe Species dieser Gattung ist ebenfalls sehr schön, jedoch -fehlt ihr das seidenartige Gewebe und die zarte Farbe der erstern; ich -nenne sie »Wasser-König.« Die Blume bietet einen dunkel goldgelben -Becher dar, dessen ausgebauchte Blätter in der Mitte eine röthlich -braune Schattirung zeigen, welche gegen die hellfarbigen, wie goldne -Franzen über einander herabhängenden Antheren stark absticht, die -sehr zahlreichen Antheren sind in dicht auf einander folgenden Reihen -angeordnet und füllen den hohlen Blumen-Becher völlig aus. - -Die seichten Stellen unsrer Seen strotzen von mannigfaltigen zierlichen -Wasser-Pflanzen; ich kenne keinen lieblichern Anblick als diese -kleinen schwimmenden Gärten. Hier erblickt man unfern des Ufers ein -Beet mit azurnen, ^Fleurs de lis^, vom blassesten Perlfarben bis zum -dunkelsten Violett. Näher am Ufer, wo das Wasser am seichtesten ist, -sendet die rosenfarbne ^Persecaria^ ihre prächtigen Blüthen empor, -deren Stiele sich unter der Wasserfläche hinranken, man sieht die -rothen Stengel und glatten dunkelgrünen, an der untern Fläche rosenroth -geaderten Blätter; es ist eine höchst reizende Varietät dieser schönen -Pflanzen-Gattung. Auf diese folgt eine Schicht weißer Nymphäen, meine -Lieblinge, alle in voller Blüthe, die auf dem Wasser schwimmen und ihre -gefüllten Blumenkronen an der Sonne entfalten; unweit dieser erhebt -sich in stolzer Schöne eine hohe schlanke Pflanze, mit dunkelgrünen -lanzettförmigen Blättern und einer dicken Aehre von hellblauen Blüthen. -Ich kann den Namen dieser prächtigen Blume nicht ausfindig machen und -habe leider ihren botanischen Bau nicht untersucht, daher ich Ihnen -keinen näheren Aufschluß zur Auffindung ihres Namens und ihrer Gattung -geben kann. - -Unsre Reis-Beete verdienen ebenfalls Bewunderung; aus der Ferne -gesehen, erscheinen sie wie grüne Inseln auf den Seen, nimmt man -seinen Weg über ein solches Beet, wenn der Reis in der Blüthe -steht, so gewährt dieser, mit seinen breiten grasigen Blättern und -leichten wogenden Aehren einen lieblichen Anblick; die Aehren sind -mit blaßgelben oder grünen, zart purpurröthlich schattirten Blumen -besetzt, aus welchen drei zierliche strohfarbne Staubfäden hervorragen, -die sich bei jedem Lufthauch, bei der leichtesten Erschütterung des -Wassers hin und her bewegen. Ich sammelte mehre Aehren, die sich eben -erst geöffnet, aber leider zerbröckelten sie bald nach der Trocknung. -Nächsten Sommer werde ich einen abermaligen Versuch machen, einige zu -trocknen, und vielleicht dürfte ich einen bessern Erfolg haben. - -Das niedrige Ufer des Sees ist über und über mit Strauchwerk und -Stauden überzogen. Wir haben ein recht hübsches Johanniskraut, mit -schönen gelben Blumen. Auch schöne Geisblatt-Arten kamen hier vor, -Strauch-Gewächse von ungefähr drei Fuß Höhe; die Blüthen stehen in -Pärchen oder zu vieren und hängen unterhalb der lichtgrünen Blätter; -sie sind zierlich trompetenförmig und zart grünlich weiß, es folgen -ihnen rubinrothe Beeren. Betrachtet man einen Zweig dieser Pflanze, -so fällt besonders die zierliche Anordnung der Blüthen längs dem -untern Theil der Stengel in die Augen, die beiden Blüthen sind an den -Nectarien auf eine eigenthümliche Weise mit einander verbunden. Die -Amerikaner nennen diese Geisblatt-Art ^twinflower^ (Zwillingsblume). -Ich habe unter den Blüthen derselben einige rosenrothe bemerkt, im -Ganzen genommen ist sie einer der schönsten Ziersträucher, welche -wir besitzen. Ich verpflanzte im letzten Frühjahr einige junge -Exemplare in meinen Garten, und sie versprechen ein gutes Gedeihen. -In _Pursh's_ Flora finde ich nirgends eine Beschreibung davon; indeß -weiß ich gewiß, daß das Gewächs zu den Geisblatt-Arten gehört, Klasse -und Ordnung, Gestalt und Farbe der Blätter, die Blüthenstengel, -die trompetenförmigen Blumen, alle gleichen einigermaßen unserm -heimathlichen Geisblatt. - -Ferner ist ein hoher, gerade aufschießender Strauch, mit großen gelben -trompetenartigen Blüthen zu erwähnen, welche an den Zweigspitzen -erscheinen; das Involucrum (Hülle) bildet einen bootförmigen Becher, -welcher die Blüthen, die daraus zu entspringen scheinen, wie bei unserm -scharlachblumigen Jelängerjelieber, kreisförmig umschließt. Blätter und -Blüthen dieser Gewächse sind grob und keineswegs mit denen der zuerst -beschriebnen Art zu vergleichen. - -Wir haben eine große Mannigfaltigkeit von merkwürdigen Orchiden -(Ragwurz): gelbe, braune blaßfleischfarbne und scharlachstreifige; -eine weiße von trefflichem Geruch, und eine zarte rosenrothe, mit -einem runden Blumenköpfchen und zart gefranzten Blumen, wie die -Wasser-Nelken, welche in unsern Sümpfen wachsen; dies ist eine -allerliebste Blume, sie kommt auf den Biber-Wiesen vor. - -Letzten Herbst bemerkte ich in dem Fichten-Wäldchen unfern unsrer -Wohnung ein höchst merkwürdiges Gewächs, es kam mit nackten braunen -Stämmchen, die sich wie die Aeste eines Baumes ^en miniature^ -verbreiteten, aus der Erde hervor; die Stengel und Stiele dieser -Pflanze waren braun, leicht gefleckt und mit kleinen Knötchen besetzt. -Ich beobachtete aufmerksam und mit nicht geringem Interesse das -Fortschreiten ihres Wachsthums und Reifens bis ziemlich Ende Oktobers; -die kleinen Knötchen, die aus zwei eckigen, harten Hüllen bestanden, -und wenn man sie völlig ablößte, Aehnlichkeit mit einem Boote hatten, -bersteten entzwei und ließen eine blaßstrohgelbe, spreuartige Substanz, -die wie feine Sägespähne aussah, wahrnehmen, wahrscheinlich waren -dies die Antheren (Staubwege), jedoch glichen sie mehr Samen; dieses -sonderbare Gewächs hätte mit einem Mikroscop untersucht werden sollen. -Eine Eigenthümlichkeit, die ich bemerkte, war, daß ich beim Ausreißen -eines Exemplars mit der Wurzel, dies Blüthen sich unter der Erde öffnen -sah, sie entsprangen von den untersten Enden der Blumenstiele und -waren in ihrer Reife eben so weit vorgeschritten, als die, welche an -den überirdischen Stengeln saßen; ausgenommen, daß sie etwas bleicher -waren, ein leicht erklärlicher Umstand, da die Luft nicht auf sie -einwirken konnte. Ich kann keine Beschreibung von dieser Pflanze -finden, auch scheint Niemand außer mir Notiz davon genommen zu haben. -Das Exemplar, welches ich für Sie bestimmt hatte, zerbröckelte, als es -trocken war. - -Ich habe versprochen, einige der merkwürdigsten der hier wachsenden -Blumen für einen der Professoren an der Universität Edinburg zu sammeln. - -Wir haben eine sehr schöne Pflanze, die unsrer Kartoffel in ihrem -Blüthen-Bau sehr verwandt zu sein scheint; sie wird in günstigen -Lagen zwei bis drei Fuß hoch und sendet manche Seitenzweige ab; die -Blumen sind groß, rein weiß, nahe am Boden der Corolle (Blumenkrone) -mit bräunlichgelben Flecken gezeichnet, die Blumenkrone ist ganz -(ungetheilt); jedenfalls ist dieses Gewächs von der cultivirten -Kartoffel nicht verschieden (?!), jedoch scheinen sich an seiner Wurzel -keine Knollen zu bilden. Die Frucht ist sehr schön, eiförmig und nach -erlangter Reife schön apricosenfarben und von glänzendem lockendem -Ansehn; der Geruch indeß verräth ihre giftige Natur: öffnet man sie, -so bemerkt man einen weichen Brei, der mit glänzend schwarzen Samen -gehüllt ist. Die Pflanze blüht vom Juni an, bis die ersten Fröste -ihre Blätter welken machen; sie ist bei weitem nicht so grob als die -Kartoffel; die Blüthe gleicht, sobald sie sich völlig entfaltet, einem -halben Kronenstück und ist ganz flach, ich glaube man nennt dies -präsentirtellerförmig. Leichter lehmiger Boden sagt ihr vorzüglich zu, -sie wächst auf den aufwärts gekehrten Wurzeln umgestürzter Bäume, wo -das Erdreich etwas sandig ist; ich habe sie nie anderswo als auf unsrer -eignen Brache gesehn. - -Die Hepatica (^Anemone hepatica^, Leber-Anemone), ist die erste Blume -des canadischen Frühlings; sie erfreut uns mit ihren blauen, rothen und -weißen Blumen schon in den ersten Tagen des Aprils, nachdem der Schnee -kaum von der Erde gewichen ist. Die Canadier nennen sie Schneeblume, -(^snow flower^) weil sie, wie eben gesagt worden, bald nach Entfernung -des Schnees erscheint. Wir sehen ihre lieblichen Bouquets in den -offnen Lichtungen und den Tiefen des Waldes; auch ihre Blätter sind -eine dauernde Zierde in der milden Jahreszeit; man sieht sie auf jedem -kleinen Rasen-Hügel, jeder moosbedeckten Wurzel; die blauen Nuancen -sind äußerst mannigfaltig und zart; die weißen Staubwege stechen -gefällig von den blauen Blumen-Blättern ab. - -Die Wald-Kresse, oder Ingwer-Kresse (^ginger cress^) ist eine hübsche -weiße Kreuzblume, und äußerst aromatisch; sie hat eine weiße, -fleischfarbige Wurzel von stechendem meerrettigartigem Geschmack. -Die Blätter sind mattgrün, scharf eingekerbt und dreilappig. Reiche -feuchte Dammerde sagt dieser Pflanze am besten zu, und man findet sie -hauptsächlich auf niedrigem, etwas morastigem Boden; der Blüthenstengel -ist bisweilen nackt, bisweilen mit Blättern besetzt und endet mit einer -losen Aehre von weißlichen kreuzförmigen Blumen. - -Es giebt hier auch eine Kresse, welche in hübschen grünen Büscheln auf -dem Boden des Wassers in Buchten und Bächen wächst. Sie ist zarter -und von angenehmerem Geschmack als irgend eine Land-Kresse; die -Blätter zeigen ein blasses, zartes Grün, sind geflügelt und schlank; -die Pflanze nimmt sich unter dem Wasser wie ein grünes Kissen aus. -Die Blumen sind gelb, kreuzförmig und unbedeutend. Sie giebt in der -ersten Hälfte des Frühlings und im Herbste einen recht angenehmen -Sallat. Außerdem kommen mehre Arten Land-Kresse vor, desgleichen einige -Gewächse, die einigen unsrer Kohl- und Kraut-Arten gleichen und als -Frühjahrs-Gemüse benutzt werden dürften. Ferner findet man verschiedne -Spinat-Arten: eine davon ist hier, unter dem Namen ^Lamb's quarter^ -(Lamms-Viertel) bekannt; sie wächst in beträchtlicher Menge um unsre -Gärten, und wird in reicherem Boden zwei Fuß hoch; ihr Blätterwuchs -ist äußerst üppig. Die ersten Triebe dieser Pflanze werden an -Schweinfleisch gekocht und sind in Ermangelung zarterer Gemüse-Arten -sehr nützlich. - -Ferner haben wir die indianische Rübe, eine sehr schöne Aron-Wurz -(^Arum^), deren Wurzel, gekocht, der Cassave gleichen soll; die Blätter -derselben nehmen sich recht hübsch aus, sie zeichnen sich durch einen -schwachen Purpur-Schein aus; die Indianer brauchen die Wurzel als -Medicin, und auch als Nahrungs-Mittel; die Ansiedler essen sie oft als -Gemüse; ich selbst habe sie noch nie gekostet. _Pursh_ nennt diese Art -^Arum atropurpureum^. - -Ich darf hier eine unsrer größten Zierden nicht übergehen, nämlich -den Erdbeerspinat[51], oder den indianischen Erdbeerstrauch, wie -er verschiedentlich genannt wird. Dieses Gewächs treibt aus einem -Hauptstamme viele Seiten-Aeste, die mit schönen Blättern besetzt sind -und ihrer äußern Erscheinung nach unserm langblättrigen Garten-Spinat -gleichen, die Frucht dieses Strauches ist hell carmosinroth und -breiartig, wie die Erdbeere, und enthält eine Anzahl purpurfarbner -Samen, die theilweise in der Oberfläche des Fleisches sitzen, gerade -so wie die Samen der Erdbeere. Die Früchte sitzen dicht am Stengel, -umgeben ihn vollkommen und bilden eine reiche Aehre von schönrothen -Beeren. Ich habe fußlange Zweige gepflückt, die dicht mit diesen -schönen Beeren bedeckt waren, und bedauerte nur, daß ich sie wegen -ihres faden Geschmacks nicht essen konnte. An den Ufern der Einbuchten -und auf reicherem Boden wächst dieser Erdbeerstrauch sehr üppig, eine -einzige Wurzel treibt zwanzig bis dreißig Aeste empor, die sich unter -dem Gewicht ihrer schönen Bürde niederbeugen. Wenn die mittlern und -obern Stengel reifen und abwelken, wachsen die Seiten-Aeste in die -Höhe, und so trägt der Strauch vom Juli an ununterbrochen Früchte, bis -im September die Fröste ihn seiner Schöne berauben. - -Die Indianer benutzen den Saft dieser Pflanze zum färben und sollen -auch die Beeren essen; man bedient sich ihres Saftes oft als rother -Tinte, allein er verschießt sehr schnell, wofern er nicht mit Alaun -vermischt ist. Eine meiner Freundinnen erzählte mir, daß sie einen -Brief an einen ihrer Verwandten in England mit dieser Erdbeer-Tinte -durchkreuzt[52], allein da sie nicht die Vorsicht beobachtet, -denselben zu fixiren, so sei die eine Hälfte des sehnlich erwarteten -Sendschreibens, als es endlich an seine Adresse gelangt, weil die rothe -Tinte fast ganz verschossen, durchaus unleserlich gewesen; und so habe -es, anstatt den gehegten Erwartungen zu genügen, dem Leser nur Quälerei -und Verwirrung, und ihr selbst Verdruß und Aerger verursacht. - -Die Blutwurzel, (^Sanguinaria^) oder ^puccoon^, wie sie von einigen der -eingebornen Stämme genannt wird, verdient von der Blüthe bis zur Wurzel -unsre Aufmerksamkeit. Sobald als die April-Sonne den Erdboden erwärmt -und von seinen eisigen Fesseln befreit hat, gewahrt man eine Anzahl -rein weißer Knospen, die auf nackten Stielen stehen und theilweise -in ein schönes, rebenartig gestaltetes Blatt gehüllt sind. Das Blatt -ist blaß bräunlichgrün und an der untern Seite seltsam mit blaß -orangenfarbnen Adern bezeichnet, es entspringt einzeln aus einer dicken -saftreichen fasrigen Wurzel, die, wenn man sie zerbricht, aus ihren -Poren eine Quantität hell orangenrothen Saftes ausschwitzt; dieser Saft -wird von den Indianern zum Färben und zur Heilung von Rheumatismen -und Hautausschlägen benutzt. Die Blüthen der Sanguinaria gleichen -dem weißen Crocus sehr genau; bei ihrem ersten Hervorbrechen wird -die Knospe von dem oben beschriebnen Blatt unterstützt und ist damit -umwickelt; die Blume erhebt sich indeß bald über ihren Beschützer, -während das Blatt, nachdem es seine Pflicht, als Hülle der zarten -Knospe, erfüllt hat, sich zu seiner vollen Ausdehnung entfaltet. Eine -reiche schwarze Dammerde am Saume der Lichtungen scheint diesem Gewächs -besonders zuzusagen. - -Der scharlachfarbige Akelei ist ebenfalls eine Lieblings-Blume -von mir; sie ist hellroth, mit gelben Streifen an den Röhren. Die -Nectarien sind länger als bei dem Garten-Akelei, und bilden eine an -den Spitzen mit kleinen Kugeln besetzte Mauer-Krone. Gewiß verdient -der Akelei, mit seinen glänzenden hängenden Blumen, eine schlanke, -zierliche Pflanze genannt zu werden; er wächst im Sonnenschein eben so -gut als im Schatten, jedoch wohl nicht in tiefen schattigen Wäldern, -sondern da, wo das Unterholz durch das laufende Feuer oder die Axt des -Holzfällers entfernt worden ist; er scheint sogar auf armem steinigen -Boden fortzukommen und ist fast um jede Wohnstätte herum zu finden. -Der gefiederte Akelei liebt nassen, freien Moorboden und die Ufer der -Bäche; er erreicht eine Höhe von drei, ja sogar vier und fünf Fuß, und -ist eine wahre Zierde. - -Veilchen haben wir von jeder Größe und Gestalt, nur das wohlriechende -Veilchen (^Vîola odorata^) unsrer heimathlichen Wälder fehlt uns; -doch wüßte ich nicht, warum wir mit diesen zarten Töchtern des -Frühlings hadern sollten, weil sie nicht mit dem Wohlgeruch ihrer mehr -begünstigten Schwestern begabt sind. Viele Ihrer Waldveilchen, obwohl -äußerst schön, sind ebenfalls geruchlos, hier muß die Mannigfaltigkeit -der Farben für den Mangel an Parfume einigermaßen Ersatz leisten. -Wir haben Veilchen von jedem Blau, einige mit Purpur gestreift, -andre mit dunklerem Blau schattirt. Wir haben das zarte, mit Purpur -gezeichnete, das hell schwefelgelbe schwarzgeaderte, das blaßgelbe -dunkelblaugeaderte Veilchen; die beiden letzten zeichnen sich durch den -üppigen Wuchs ihrer Blätter aus; die Blüthen entspringen büschelweise, -also mehre aus jedem Gelenk, und hinterlassen nach ihrem Abwelken -große, mit einem dicken weißen baumwollenartigen Flaum bedeckte -Samen-Kapseln. - -In den Wäldern kommt ein Veilchen vor, dessen Blätter außerordentlich -groß sind; dasselbe gilt von den Samen-Gefäßen; dagegen ist die Blüthe -so klein und unbedeutend, daß man sie blos bei genauerer Untersuchung -der Pflanze wahrnimmt; dies hat zu dem Glauben Veranlassung gegeben, -daß das fragliche Veilchen (seine Blumen sind blaß grünlichgelb,) -unterirdische Blüthen habe. _Bryant's_ schönes Gedicht »_das gelbe -Veilchen_« enthält eine genaue Schilderung von den zuerst erwähnten -Veilchen. - -Man findet hier ein hübsches Stiefmütterchen (^Viola tricolor^), -welches im Herbste blüht. Seine Farben sind Reinweiß, Blaßpurpurn -und Blaßviolett, die obern Blumen-Blätter sind weiß, die Unter-Lippe -(die untern Blumenblätter,) purpurn, und die Flügel (seitlichen -Blumenblätter) röthlich blaßviolett. Die Schönheit dieser seltnen -Blume fesselte mein Auge, als ich während unsrer Reise nach Cobourg -einen Abstecher nach Peterborough machte; ich war nicht im Stande, die -gesammelten Exemplare zu erhalten, und habe seitdem jene Straße nicht -wieder bereist. Die Blume wuchs unter wildem Klee, auf der offnen Seite -der Straße; die Blätter waren klein, rundlich und matt dunkelgrün. - -Unter den strauchartigen Astern haben wir verschiedne schöne -Varietäten, mit großen, blaß hollunderblauen oder weißen Blumen; noch -andre haben sehr kleine weiße Blumen und carmosinrothe Antheren, -welche wie rothe, mit Goldstaub bepuderte Flaum-Büschel erscheinen. -Diese Staubwege stechen gegen die weißen, sternartig angeordneten -Blumen-Blätter sehr angenehm ab. Eine Varietät der hochstämmigen -Aster kommt auf den Ebnen vor, sie hat Blüthen von der Größe eines -Sexpence-Stückes und von sanft perlblauer Farbe, mit braunen -Staubwegen. Diese Pflanze erreicht eine ansehnliche Höhe, und von den -Hauptstämmen gehen zahlreiche zierliche Blüthenäste ab; die Blätter -dieser Art sind an der untern Seite purpurroth, fast herzförmig -gestaltet und eben so wie die Stengel mit feinen Härchen besetzt. - -Ich fürchte nicht, Ihnen mit meinen botanischen Skitzen beschwerlich -zu werden; ich habe noch mehre Pflanzen zu beschreiben: unter diesen -sind jene zierlichen kleinen Immergrün-Arten, wovon, unter dem Namen -Winter-Immergrün dieses Land Ueberfluß hat; drei oder vier zeichnen -sich durch ihr schönes Laubwerk, ihre schönen Blumen und Früchte -vorzüglich aus. Eins dieser Winter-Grüne, welches sehr häufig in unsern -Fichten-Wäldern wächst, ist außerordentlich schön; es wird selten über -sechs Zoll hoch; die Blätter sind hell glänzendgrün, lang, schmal, -eiförmig und zart gekerbt, wie ein Rosen-Blatt; die Pflanze kommt -in den ersten Monaten des Jahres beim ersten Thauwetter unter dem -Schnee hervor, eben so frisch und grün wie zuvor, als sie unter der -weißen Decke begraben wurde. Es scheint selten zu blühen. Ich habe es -nur zweimal in der Blüthe gesehen; diese blühenden Exemplare hob ich -sorgfältig für Sie auf, aber die getrocknete Pflanze kann Ihnen blos -eine unvollkommne Vorstellung von dem geben, was sie einst in ihrer -Frische und Schönheit war. Ich erinnere mich noch recht gut, daß Sie -Ihre getrockneten Exemplare immer nur Pflanzen-Leichname nannten, und -dabei bemerkten, daß gute Gemälde davon der Wirklichkeit weit näher -kämen. Der Blüthenstengel erhebt sich zwei bis drei Zoll über den -Mittelpunkt der Pflanze und ist mit runden carmosinrothen Knospen -und Blüthen gekrönt. Die Blüthe besteht aus fünf Blumen-Blättern, -deren Farbe sich vom blassesten Rosenroth bis zum dunkelsten Incarnat -vertieft; die Narbe (Stigma) ist smaragdgrün und bildet gleichsam -einen schwach gerippten Turban in der Mitte; um dieselbe stehen -zehn amethystfarbene Staubfäden, kurz dies ist eine von den Juwelen -der Blumen-Welt, und ließe sich mit einem von Amethysten umgebnen -Smaragd-Ringe vergleichen. Der Farben-Contrast bei dieser Blume -ist äußerst angenehm und gefällig, und die schönrothen Knospen und -glänzenden, immer grünen Blätter erregen fast die nämliche Bewunderung, -wie die Blüthe. Sie würden dieses schöne Gewächs gewiß für einen -großen Gewinn für Ihre Sammlung von amerikanischen Sträuchern -halten, allein ich zweifle, daß es, entfernt aus den Schatten der -Fichten-Wälder, zur Blüthe kommen würde. Es scheint die von _Pursh_ -beschriebne ^Chimaphila corymbosa^ zu sein, nur daß dieser Botaniker in -Angabe der Farbe der Blumen-Blätter von den meinigen etwas abweicht. - -Ein andres bei uns heimisches Wintergrün wächst in großer Menge auf den -Reis-Ebnen; diese Pflanze wird nicht über vier Zoll hoch; die Blüthen -stehen in kleinen losen Büscheln, sind blaß grünlich weiß und gleichen -in Gestalt den Blüthen der Sandbeere (^Arbutus^); die Beeren sind hell -scharlachroth und unter dem Namen Winter- und Rebhuhn-Beere bekannt; -jedenfalls ist dies die ^Gualtheria procumbens^. Ein noch schöneres -kleines Immergrün derselben Gattung wächst in unsern Cedern-Mooren, -unter dem Namen Tauben-Beere (^pigeon-berry^), es gleicht der -Sandbeere in Blatt und Blüthe mehr als die zuvor erwähnte Pflanze; die -scharlachrothe Beere sitzt in einem Kelche oder Behälter, der am Rande -in fünf Spitzen ausläuft, fleischig ist, und mit der Frucht selbst von -einerlei Beschaffenheit zu sein scheint. Die Blüthen dieses hübschen -kleinen Strauches erscheinen, wie die des Arbutus, wovon er gleichsam -das Miniatur-Bild ist, in hängenden Büscheln zu der nämlichen Zeit, wo -die Beere des vorigen Jahres ihre vollkommne Reife erlangt hat; dieser -Umstand trägt nicht wenig zu der reizenden Erscheinung der Pflanze bei. -Wenn ich mich nicht irre, so ist es die ^Gualtheria Shallon^, welche -_Pursh_ mit dem ^Arbutus^ vergleicht; sie gehört ebenfalls zu unsern -Immergrünen. - -Wir haben ferner eine niedliche kriechende Pflanze, mit zarten -kleinen trichterförmigen Blumen und einem Ueberfluß an kleinen -dunkelgrünen runden buntfarbigen Knospen und hellrothen Beeren, -die an den Zweig-Enden sitzen. Die Blüthen dieser Pflanze stehen -paarweise und sind am Fruchtknoten so eng mit einander verbunden, daß -die scharlachrothe Frucht, welche der Blüthe folgt, einer doppelten -Beere gleicht, -- jede Beere enthält die Samen beider Blüthen und ein -doppeltes Auge. Die Pflanze wird auch Winter-Grün oder Zwillings-Beere -(^twin-berry^) genannt; sie gleicht keinem der andern Wintergrüne; sie -wächst in moosreichen Wäldern, kriecht an der Erde hin und scheint -gern kleine Hügelchen und Ungleichheiten des Bodens zu überziehen. In -Zierlichkeit des Wuchses, Zartheit der Blume und Farbenglanz der Beere, -steht dieses Wintergrün den zuvor beschriebnen wenig nach. - -In unsern Wäldern kommt eine Pflanze vor, welche unter dem Namen -^Man-drake^ (Mandragore), ^May-apple^ (Mai-Apfel) und ^ducks-foot^ -(Enten-Fuß) bekannt ist. Die Botaniker nennen sie Podophyllum[53], -und sie gehört, was Klasse und Ordnung betrifft, der ^Polyandria -monogynia^ an. Ihre Blüthe ist gelblich weiß, die Blumenkrone -besteht aus sechs Blumen-Blättern; die Frucht ist länglichrund und, -reif, grünlich gelb; in Größe gleicht dieselbe einer Olive, oder -großen Mandel; nach Erlangung ihrer völligen Reife schmeckt sie, wie -eingemachte Tamarinden, angenehm säuerlich; sie scheint wenig zu -tragen, wiewohl sie auf reichem nassem Waldboden schnell überhand -nimmt. Die handförmigen Blätter kommen einzeln hervor, und beschatten, -stehen mehre Pflanzen beisammen, den Boden ziemlich dicht, sind mit -ihrem Mittelpunkt an den Blattstiel befestigt und gleichen, wenn sie -zuerst über der Erde erscheinen, zusammen gefalteten Regen- oder -Sonnen-Schirmen, indem ihre Kanten sämmtlich abwärts stehen, mit der -Zeit entfalten sie sich und bilden eben so viele kleine, schwach -convexe Baldachins. Die Frucht dürfte sich mit Zucker sehr gut zum -Einmachen eignen. - -Das Lilien-Geschlecht bietet eine große Mannigfaltigkeit, von den -kleinsten bis zu den größten Blumen, dar. Die rothe Martagon-Lilie -(Gelbwurz) wächst in großer Menge auf unsern Ebnen. Der gemeine -Hundszahn (^Erythronium dens canis^), mit seinen gefleckten Blättern, -glockenförmigen hängenden, gelben, inwendig mit hochrothen Tüpfeln zart -gefleckten und auswendig mit feinen Purpur-Linien gezeichneten Blumen, -verleiht unsern Wäldern, wo er sich schnell vermehrt, einen großen -Reiz; er bildet ein schönes Blumenbeet, die Blätter kommen einzeln -hervor, von jeder besondern Knolle eins. Es giebt zwei Varietäten -von dieser Pflanze, die blaßgelbe, ohne Tüpfeln und Linien, und die -dunkelgelbe, mit Tüpfeln und Linien; die Staubwege der letztern sind -röthlich orangenfarben und dick mit feinen Blumenstaub bepudert[54]. - -Der Daffodil unsrer Wälder ist eine zarte hängende, blaßgelbe Blume; -die Blätter stehen längs dem Blumenschaft, von einer Entfernung zur -andern; drei oder mehre Blüthen folgen gewöhnlich an der Spitze des -Schaftes, eine nach der andern; dieses Gewächs liebt dunkelschattige, -feuchte Waldstellen. - -Eine sehr schöne Pflanze, dem Lilien-Geschlecht angehörig, wächst in -großer Menge in unsern Wäldern und Lichtungen; in Ermangelung eines -passenderen Namens nenne ich dieselbe _Douri-Lilie_, wiewohl sie weit -über einen großen Theil des Continents verbreitet ist. Die Amerikaner -nennen die weiße und rothe Spielart dieser Species »weißen und rothen -Tod.« Die Blume ist entweder dunkelroth oder glänzend weiß, jedoch -findet man die weiße bisweilen mit einem zarten Rosenroth oder einem -dunkeln Grün betupft; letztere Farbe scheint durch den Uebergang des -Kelches in das Blumen-Blatt bewirkt zu werden. Warum sie einen so -furchtbaren Namen erhalten, ist mir bis jetzt ein Räthsel geblieben. -Die Blumenkrone besteht aus drei Blumen-Blättern, der Kelch ist -dreitheilig; sie gehört der ^Hexandria monogynia^ an, der Griffel ist -dreispaltig; der Samenbehälter dreiklappig; sie liebt drockne Wälder -und gelichteten Boden; die Blätter stehen zu dreien, entspringen von -den Gelenken, sind groß, rund und an den Enden etwas zugespitzt. - -Wir haben Mai-Blumen (^lilies of the valley^) und die mit ihnen -zugleich erscheinende Meisterwurz, einen kleinblumigen Türkenbund von -blaßgelber Farbe, nebst einer endlosen Mannigfaltigkeit von kleinen -Liliaceen, die sich sowohl durch ihre schönen Blätter als ihre zarten -Formen auszeichnen. - -Unsre Farnkräuter sind sehr zierlich gestaltet und zahlreich; ich -habe nicht weniger als acht verschiedne Arten in unsrer unmittelbaren -Nachbarschaft gesammelt; einige davon nehmen sich ganz allerliebst -aus, vorzüglich eine, welche ich wegen ihrer leichten zierlichen -Form »Elfen-Farn« (^fairy-fern^) nenne. Ein elastischer Stamm von -purpurartigem Roth trägt mehre leichte Seiten-Zweige, die sich -mannigfaltig verästeln und mit zahllosen Blättchen besetzt sind; jedes -Blättchen hat einen Stiel, welcher es mit dem Zweige verbindet, und -dieser Stiel ist so leicht und haarartig, daß der leiseste Luftzug die -ganze Pflanze in Bewegung setzt. - -Könnte man sich nur einbilden, daß Canada einst der Schauplatz von -Elfen-Festen gewesen, so würde ich ohne weiteres behaupten, daß dieses -zierliche Gewächs sich wohl geeignet, den Elfen-Hof von _Oberon_ und -_Titania_ zu beschatten. - -Wenn dieses Farnkraut zuerst über der Erde erscheint, so ist es von -dem verwitterten Holze der umgestürzten Fichten kaum zu unterscheiden; -es hat dann eine licht röthlichbraune Farbe und ist seltsam -zusammengerollt. Im Mai und Juni entfalten sich die Blätter und nehmen -bald das zarteste Grün an; sie sind fast durchsichtig; das Vieh frißt -sehr gern davon. - -Die Mocassin-Blume (Ginster) Frauen-Schuh[55], (bemerken Sie die -seltsame Aehnlichkeit zwischen der indianischen und unsrer Benennung -der Pflanze) ist eine unsrer bemerkenswerthesten Blumen, sowohl wegen -ihres eigenthümlichen Baues als auch wegen ihrer Schönheit. Unsre -Ebnen und trocknen sonnigen Weideplätze bringen verschiedne Spielarten -hervor; unter diesen sind der gelbe Frauen-Schuh[56], (^Cypripedium -pubescens^) und ^Cypripedium Arietinum^ die schönsten. - -Die Honiglippe des erstern ist lebhaft canariengelb und mit dunkel -carmosinrothen Flecken betupft. Die obern Blumen-Blätter bestehen -in zwei kurzen und zwei langen; in Gefüge und Farbe gleichen sie -der Scheide von einigen der Narzissen-Gattungen; die kurzen stehen -aufrecht, wie ein paar Ohren, die langen oder seitlichen sind dreimal -so lang als die erstern, sehr schmal und zierlich gewunden, wie die -spiralförmigen Hörner des wallachischen Widders; lüftet man eine dicke -gelbe fleischige Art von Deckel, in der Mitte der Blume, so sieht -man das genaue Gesicht eines indianischen Hundes, vollkommen in -allen seinen Theilen, -- Nase, Augen und Schnauze; darunter hängt ein -offner Sack herab, der rings um die Oeffnung leicht zusammen gezogen -ist, wodurch er ein hohles und bauchiges Ansehn erhält; die innere -Seite dieses Sackes ist zart mit Dunkelcarmosin getupft oder schwarz -gefleckt; der Blumen-Schaft schwillt nach oben zu an und bildet eine -Krümmung; die Blätter sind groß, oval, etwas zugespitzt und gerippt. -Die Pflanze wird nicht viel über sechs Zoll hoch; die schöne Farbe -und das seidenartige Gewebe der Unterlippe oder des Sackes macht, daß -ich für meinen Theil ihrer Blüthe den Vorzug vor der purpurnen und -weißen Varietät gebe, wiewohl letztre wegen der Größe der Blume und der -Blätter, außer dem Contrast zwischen der weißen und rothen oder weißen -und purpurnen Farbe, weit mehr in die Augen fällt. - -In Bildung und Structur gleicht diese Species der andern, nur mit dem -Unterschiede, daß die Hörner nicht gewunden sind, und das Gesicht mehr -dem eines Affen ähnelt; sogar der komische Ausdruck des Thieres ist -mit so bewundernswürdiger Treue nachgeahmt, daß man bei Erblickung der -seltsamen, unruhig erscheinenden Fratze, mit ihren schwarzen, unter -ihrer Capuze hervorschauenden Augen, unwillkührlich lächeln muß. - -Diese Pflanzen gehören der ^Gynandria diandria^ an; _Pursh_ beschreibt -sie mit einigen Abweichungen, und vergleicht z. B. das Gesicht der -letztern mit dem des Schafs; wenn aber ein Schaf zu diesem Gemälde saß, -so muß es das verschmitzteste und boshafteste der ganzen Heerde gewesen -sein. - -Ein seltsames Wasser-Gewächs kommt in seichten, stockenden und langsam -fließenden Gewässern vor; es enthält ein ganzes Weinglas Wasser. Ein -armer Soldat brachte mir ein Exemplar und fügte die Bemerkung hinzu, -es gleiche einer Pflanze, die er oft in Egypten gesehn, und die von den -Soldaten »_Soldaten-Becher_« genannt werde, und daß er selbst manchen -Trunk frischen Wassers daraus geschlürft habe. - -Ein andres Exemplar erhielt ich von einem Herrn, der meine Vorliebe für -fremde Gewächse kannte, er gab ihm sehr passend den Namen Krug-Pflanze -(^Pitcher-Plant^) höchst wahrscheinlich gehört sie zu dem Geschlecht, -welches diesen Namen führt. - -Die geruchreichsten und würzigsten Blumen sind unsre wilden Rosen, -welche die Luft mit den angenehmsten Düften füllen, die purpurne -Monarde, die von der Blüthe bis zur Wurzel Wohlgeruch ist, selbst -nachdem sie Monate lang der kalten Winter-Atmosphäre ausgesetzt -gewesen; ihre getrockneten Blätter der Samen-Behälter sind so -aromatisch, daß sie Händen und Kleidern ihren angenehmen Parfume -mittheilen. Alle unsre Münzen haben einen sehr starken aromatischen -Geruch; das Maiblümchen verbreitet den süßesten Duft; hierher gehören -auch meine Königin der Seen (die weiße Wasser-Lilie) und ihr Gefährte, -der Wasser-König, nebst vielen andern Blumen, die ich jetzt nicht -aufzählen kann. Gewiß ist indeß, daß es unter einem so großen Verein -von Blumen, verhältnißmäßig nur wenige giebt, welche aromatische -Gerüche aushauchen; einige unsrer Waldbäume verbreiten einen angenehmen -Parfume. Ich bin auf meinen Spaziergängen oft stehen geblieben, um an -sonnigen Tagen den wohlriechenden Duft von einem Cedern-Moor, während -die dicht verschränkten Aeste und Zweige noch voll Thautropfen von -einem frischgefallnen Schauer hingen, in vollen Zügen einzuathmen. - -Nicht unerwähnt darf hier die Balsam-Pappel oder Tacamahac bleiben, -welche die Luft um sich her mit Wohlgerüchen schwängert, vorzüglich -wenn die Gummi-Knospen sich eben zu entfalten anfangen; die -Balsam-Pappel bildet sich zu einem schönen zierlichen Baume aus, -versteht sich, wo sie Raum genug zur Ausbreitung ihrer Aeste hat. -Sie wächst vorzüglich an den Ufern der Seen und in offnen Mooren, -bildet aber auch eine Hauptzierde unsrer Ebnen und nimmt sich mit -ihren silberfarbigem runden, wehenden Laube sehr schön aus; die Rinde -schwitzt ein klares Gummi-Harz in durchsichtigen Kügelchen aus, und die -Knospen überziehen sich mit einer in hohem Grade aromatischen gummösen -Flüssigkeit. - -Unsre Gräser verdienen alle Aufmerksamkeit; es giebt hier Varietäten, -die mir ganz neu sind und getrocknet eine elegante Zierde unsrer Kamine -bilden; auf dem Kopfe einer Dame würden sie sich sehr hübsch ausnehmen, -wenn nur nicht die Mode stets künstlichen Putz dem natürlichen vorzöge. - -Eine oder zwei Gras-Arten, die ich gesammelt habe, zeigten, ihre -Kleinheit abgerechnet, große Aehnlichkeit mit dem indianischen Korn; -sie haben eine Troddel oder Quaste, und eine achtseitige Aehre; -die kleinen Körner sind reihenweise um die Spindel angeordnet. Das -^Sisyrinchium^ oder blauäugige Gras hat eine niedliche kleine azurblaue -Blume, mit einem goldfarbigen Fleck an der Basis jedes Blumenblattes; -die Blätter sind steif und fahnenartig; diese niedliche Pflanze wächst -büschelweise auf leichtem sandigen Boden. - -Ich habe Ihnen in Vorliegendem eine Beschreibung der -bemerkenswerthesten Pflanzen gegeben; und wenn auch meine Mittheilungen -zum Theil der ächt botanischen Nomenclatur nicht ganz entsprechen -mögen, so habe ich sie doch mindestens gerade so geschildert, wie sie -mir erschienen sind. - -Mein holdes Knäbchen scheint bereits Geschmack an Blumen zu finden, -und ich will diesen so sehr als möglich befördern. Botanik ist ein -Studium, welches zur Veredlung und Verfeinerung der Seele beiträgt, es -kann auf eine einfache Weise zur Himmelsleiter gemacht werden, wenn man -ein Kind lehrt, mit Liebe und Bewunderung auf jenen allmächtigen und -gütigen Gott zu blicken, der die Blumen so schön schuf und bildete, um -diese Erde zu befruchten und zu schmücken. - - Leben Sie wohl Theuerste Freundin. - -Fußnoten: - -[51] ^Blitum (Strawberry-bearing spinach, Indian Strawberry.)^ - -[52] Die Engländer durchkreuzen häufig in ihren Briefen die der Quere -nach mit schwarzer Tinte geschriebnen Zeilen mit andern der Länge nach -verlaufenden, wozu sie rothe Tinte nehmen. - -[53] Nach _Willdenow_ ist die Wurzel dieser Pflanze arzneikräftig. - -[54] Der gemeine Hundszahn wächst auch im südlichen Europa. Die -knollige weiße Wurzel ist schleimig und nahrhaft, sie kann wie der -Salep als ein Nahrungsmittel für Entkräftete und Abzehrende gebraucht -werden. - -[55] ^Lady's-slipper.^ - -[56] ^The yellow mocassin flower.^ - - - - -Fünfzehnter Brief. - - Nochmalige Betrachtung verschiedner Punkte. -- Fortschritte der - Ansiedlungen. -- Canada, das Land der Hoffnung. -- Besuch bei der - Familie eines See-Offiziers. -- Eichhörnchen. -- Besuch bei einem - ausgewanderten Geistlichen; seine Geschichte. -- Schwierigkeiten, - womit er Anfangs zu kämpfen hatte. -- Temperament, Charakter und - Gewohnheiten der Emigranten sind von großem Einfluß auf das Gedeihen - oder Nichtgedeihen ihrer Ansiedlung. - - - September 26, 1834. - -Ich versprach bei meiner Abreise von England, Ihnen sobald als möglich -eine genügende Auskunft von unsrer Niederlassung in Canada zu geben. - -Ich werde jetzt mein Bestes thun, um meinem Versprechen nachzukommen, -und Ihnen eine kleine Skitze von unsern Unternehmungen, Thun und -Treiben vorzulegen, nebst solchen Bemerkungen über die natürlichen -Züge des Ortes, wo wir unsre Heimath aufgeschlagen, die Ihnen, meines -Bedünkens, Interesse und Unterhaltung gewähren dürften. Machen Sie sich -also, Theuerste Freundin, auf einen langen abschweifenden Brief gefaßt, -worin ich etwas von der Natur des Irrlichts zeigen, und, nachdem ich -Sie, mir in meinen regellosen Wanderungen, -- - - Ueber Berg, über Thal, - Durch Busch und Dorngesträuch, - Ueber Feld und Auen, - Durch Fluthen durch Feuer. - -zu folgen bestimmt, Sie möglicher Weise mitten in einem dichten -Cedern-Moor oder in dem pfadlosen Dickichte unsrer wilden Wälder ohne -Führer oder auch nur ein Zeichen, das Ihnen den Weg andeuten könnte, -verlassen werde. - -Sie werden aus meinen Briefen an meine theure Mutter, von unsrer -glücklichen Ankunft zu Quebec, von meiner Krankheit zu Montreal, -von allen unsern Abentheuern und Widerwärtigkeiten während unsrer -Reise landeinwärts gehört haben, und wie wir nach einer ermüdenden -Wanderung endlich bei einem liebreichen Verwandten, den wir, nach einer -mehrjährigen Trennung wieder in die Arme zu schließen, glücklich genug -waren, endlich einen Ruheplatz gefunden. - -Da meinem Gatten sehr viel daran gelegen war, sich in der Nachbarschaft -eines so nahen Verwandten von mir niederzulassen, indem er wohl denken -mochte, daß der Wald dadurch etwas von jener Einsamkeit verlieren -würde, worüber die meisten Frauen sich so bitter beklagen, so kaufte er -ein Stück Land an den Ufern eines schönen Sees, dem Gliede einer Kette -der kleinen Seen, die dem Otanabee angehören. - -Hier also haben wir uns angebaut, fünfundzwanzig Acker unsers -Besitzthums sind bereits gelichtet und urbar gemacht, und ein nettes -Häuschen ist ebenfalls seit geraumer Zeit fertig und dient uns als -Schutz und Obdach, die Lage unsrer Meierei ist sehr angenehm, und jeder -Tag erhöht ihren Werth. Als wir zuerst im Busche anlangten, hatten wir, -mit Ausnahme von S--, blos zwei oder drei Ansiedler in unsrer Nähe, und -an Communications-Wege war gar nicht zu denken. Die einzige Straße, die -zum Güter-Transport aus dem nächsten Städtchen allenfalls taugte, lag -auf der andern Seite des Wassers, über welches man auf einem Block- -(Log-) Kahn oder einem Kanoe von Birkenrinde setzen muß. Ersteres -ist nichts weiter als ein mit der Axt ausgehöhlter Fichtenstamm, -der ungefähr drei oder vier Personen faßt, einen flachen Kiel hat, -schmal ist, und daher sehr gut in seichtem Wasser gebraucht werden -kann. Das Rinden-Canoe ist aus Birken-Rinden-Schichten gezimmert, -welche die Indianer kunstreich zuzurichten und unter einander zu -verbinden verstehen; Letzteres geschieht durch Zusammennähen, wozu -sie sich der zähen Wurzeln der Ceder, jungen Fichte, oder Lärche -(Tamarack, wie sie von den Eingebornen genannt wird,) bedienen. Diese -Fahrzeuge sind außerordentlich leicht, so daß sie von zwei Personen, -ja von einer, ohne Mühe getragen werden können. Dies also waren unsre -Fahrböte, gewiß sehr zerbrechliche Fahrzeuge, die zu ihrer Führung -große Geschicklichkeit und Vorsicht erfordern; sie werden durch -Ruderschaufeln in Bewegung gesetzt, wobei der Rudernde entweder kniet -oder steht. Die Squaws sind in Steuerung der Canoes sehr geübt und -behaupten ihre Balance mit großer Geschicklichkeit, sie stehen bei -ihrer Ruder-Arbeit und steuern in kleinen leichten Nachen mit großer -Geschwindigkeit durch das Wasser. - -Sehr groß ist die Veränderung, welche wenige Jahre in unsrer Lage -bewirkt haben. Eine Anzahl sehr achtbarer Ansiedler hat sich längs den -Seen angekauft, so daß es uns nicht länger an Gesellschaft fehlt. Die -Straßen oberhalb unsrer Niederlassung sind jetzt meilenweit durch den -Wald gehauen und können, obschon bei weitem nicht tadelfrei, mit Wagen -und Schlitten bereist werden und sind doch gewiß besser als gar keine. - -Da, wo früher ein dichter Fichtenwald den Boden bedeckte, ist ein -Dorf wie aus der Erde hervor gesprungen; wir haben jetzt in geringer -Entfernung von unsrer Meierei eine treffliche Säge-Mühle, eine -Grützmühle und ein Vorraths-Magazin nebst einer Schenke und manchen -hübschen Wohngebäuden. - -Eine hübsche hölzerne Brücke, auf steinernen Pfeilern, ist im vorigen -Winter gebaut worden, um die Gemeinde-Bezirke auf beiden Flußufern mit -einander zu verbinden und den Abstand von Peterborough zu vermindern; -und ob sie gleich unglücklicher Weise in der ersten Hälfte des letzten -Frühjahrs durch das ungewöhnliche Steigen der Otanabee-Seen fort -geführt worden ist, so hat doch ein thätiger und unternehmender junger -Schotte, der Gründer des Dorfes, auf ihren Trümmern eine neue errichtet. - -Allein das große Werk, welches früher oder später diesen Theil des -Distriktes seinem gegenwärtigen Dunkel entreißen wird und muß, ist -die Eröffnung einer Schiffahrts-Linie vom Huronen-See durch den -Simcoe-See, so wie durch unsre Kette kleiner Seen bis zum Reis-See und -endlich durch den Tremt bis zur Bay von Quinte. Dieses großartige Werk -dürfte von unberechenbarem Vortheil sein, indem dadurch eine direkte -Communication zwischen dem Huronen-See und den weiter einwärts im Lande -jenseits des Otanabee gelegnen Gemeinde-Bezirken mit dem St. Laurence -eröffnet werden würde. Dieses Project ist bereits der Regierung zur -Berathung vorgelegt worden und ist gegenwärtig ein Gegenstand des -allgemeinen Gesprächs im Lande; jedenfalls wird es früher oder später -zur Ausführung kommen. Es ist mit einigen Schwierigkeiten und Kosten -verbunden, wird aber nothwendiger Weise nicht wenig zum Gedeihen und -Wohlstande des Landes beitragen, und das Mittel zur Ansiedlung der -jenseits des Otanabee längs diesen Seen gelegnen Gemeinde-Bezirken -werden. - -Ich muß es erfahrnern Leuten, als ich bin, überlassen, die -Ersprießlichkeit und Trefflichkeit des fraglichen Plans zu beurtheilen; -und da Sie, wie ich denke, nicht Willens sind, nach unsern Urwäldern -auszuwandern, so dürfte Ihnen eine flüchtige Andeutung des Unternehmens -genügen, und Sie werden schon aus Freundschaft zu mir, -- dafür -stimmen, daß die Eröffnung eines Marktes für inländische Erzeugnisse -nicht anders als höchst wünschenswerth sein könne. - -Canada ist das Land der Hoffnung, hier ist alles neu, alles schreitet -hier vorwärts, es ist für Künste und Wissenschaften, für Ackerbau -und Manufacturwesen fast unmöglich, Rückschritte zu thun; sie müssen -beständig vorwärts gehen, und wenn auch in einigen Theilen des Landes -diese Fortschritte langsam erscheinen mögen, so sind sie doch in andern -verhältnißmäßig eben so reißend. - -Die Thatkraft, der Unternehmungs-Geist der Auswandrer, besonders in den -nur theilweise besiedelten Gemeinde-Bezirken, wird in fortwährender -Anregung erhalten, ein Umstand, der sie in hohem Grade vor Entmuthigung -und Verzagtheit schützt. - -Die Ankunft eines unternehmenden Mannes wirkt anspornend auf die um -ihn her, eine gewinnversprechende Speculation kommt in Vorschlag, -und siehe, das Land in der Nachbarschaft steigt an Werth um das -Doppelte, ja Dreifache gegen früher; auf diese Weise befreundet und -fördert er ohne gerade die Absicht zu haben, seine Nachbarn; die Pläne -eines Ansiedlers sind, so bald sie in Ausführung treten, für viele -wohlthätig. Wir haben bereits die wohlthätige Wirkung der Ansiedlung -neuer achtbarer Emigranten in unserm Gemeinde-Bezirk gefühlt, indem der -Werth unsers Boden-Eigenthums dadurch um das Dreifache gestiegen ist. - -Alles dies liebe Freundin, werden Sie sagen, ist recht gut, und dürfte -verständigen Männern viel Stoff zu einer lehrreichen Unterhaltung -gewähren, aber uns Frauen wollen dergleiche ernsthafte Erörterungen -nicht recht behagen; daher bitte ich Sie, ein andres Thema zu wählen, -und mir lieber zu erzählen, wie Sie Ihre Zeit unter den Bären und -Wölfen Canadas zubringen. - -An einem schönen Tage im letzten Juni besuchte ich zu Wasser die Braut -eines jungen See-Offiziers, der ein sehr hübsches Stück Land, etwa zwei -(englische) Meilen oberhalb des Sees gekauft hatte; unsre Gesellschaft -bestand aus meinem Gatten, meinem Knäbchen und meiner Wenigkeit; wir -trafen einige angenehme Freunde an, und belustigten uns ganz zu unsrer -Zufriedenheit. Das Mittagsmahl wurde in dem _Stoup_ aufgetischt, das -ist, (denn sie möchten schwerlich wissen, was das Wort bedeutet,) eine -Art weite Vorhalle (Verandah), die auf Pfeilern, häufig unabgerindeten -Baumstämmen ruht; der Fußboden besteht entweder aus hart getretnem -Erdreich oder Dielen (Bretern). Das Dach ist mit Rindenschichten oder -Schindeln gedeckt. Diese Stoups sind holländischen Ursprungs und, wie -man mir gesagt hat, von den ersten holländischen Ansiedlern in den -Staaten eingeführt worden; seitdem haben sie ihren Weg in alle übrige -Colonien gefunden. - -Von der Scharlach-Ranke, einer in unsern Wäldern und Wildnissen -einheimischen Pflanze, der wilden Rebe, und der Hopfen-Pflanze, die -hier sehr üppig und ohne Arbeit oder Aufmerksamkeit auf ihre Cultur -gedeiht, bekränzt, haben die Stoups ein recht ländliches Ansehn; im -Sommer dienen sie als offnes Vorzimmer, wo man sein Mahl einnehmen und -das Anwehen der frischen Luft genießen kann, ohne von der heftigen -Hitze der Mittagssonne belästigt zu werden. - -Diese Lage unsers Hauses ist vorzüglich gut gewählt, gerade auf dem -höchsten Punkte einer kleinen aufsteigenden Ebne, die sich ziemlich -steil nach einem kleinen Thale herabneigt, in dessen Grunde ein klarer -Bach den Garten von den ihm gegenüberliegenden Korn-Feldern, die das -Ufer bekränzen, scheidet. Gerade im Angesicht der Vorhalle (Stoup), wo -wir im Sommer unser Mittags-Mahl einnehmen, ist der Garten angelegt, -mit einem weichen, von Blumen-Rabatten umsäumten Rasen-Plätzchen, und -von einem reifenden Weizenfelde durch ein kleines Geländer, an welchem -sich der üppige Hopfen mit seinen Gäbelchen und zierlichen Blüthen -hinauf rankt, geschieden. Bei dieser Gelegenheit muß ich Ihnen sagen, -daß der Hopfen zur Bereitung von Hefen für das Brod gezogen wird. Da -sie an Gegenständen, die den Haushalt betreffen, großes Wohlgefallen -finden, so will ich ein Recept, die Bereitung von Hopfen-Hefen, wie wir -sie nennen, betreffend, für Sie beilegen[57]. - -Die Yankies bedienen sich eines Sauerteigs aus Salz, warmem Wasser -oder Milch; allein obschon der mit Salz bereitete Sauerteig recht gut -aussehende Brode giebt, indem sie viel weißer und fester erscheinen, -als die mir Hopfen-Hefen bereiteten Brode, so wird doch durch ersteres -Verfahren dem Brodteige ein Beigeschmack mitgetheilt, der nicht -jedermanns Gaumen behagt, wozu noch kommt, daß bei sehr kaltem Wetter -jener Sauerteig fast seine Dienste versagt. - -Nachdem ich Ihnen so mein Recept mitgetheilt habe, will ich in die -Verandah zu meiner Gesellschaft zurück kehren, die, ich kann Ihnen -versichern, sehr angenehm und traulich war, und wo jeder nach Kräften -das Seinige zur Unterhaltung beitrug. - -Wir hatten Bücher und Zeichnungen, und eine Menge indianischer -Tändeleien und Putzgeräthschaften, die Sammlung mancher langen Reise an -ferne Gestade, zu besehen und zu bewundern. Bald nach Sonnenuntergang -brachen wir auf und nahmen unsern Weg durch die Wälder nach dem -Landungsplatze am See-Ufer, wo wir unser Rinden-Canoe bereit fanden, -uns nach Hause zu führen. - -Während unsrer Fahrt, gerade beim Anfange der Stromschnellen zog -ein kleiner Gegenstand im Wasser, der schnell dahin schwamm, unsre -Aufmerksamkeit auf sich; die Meinungen über den kleinen Schwimmer -waren verschieden: Einige glaubten, es wäre eine Wasserschlange, -andre hielten ihn für ein Eichhörnchen oder eine Moschuß-Ratze; -einige schnelle Ruderschläge brachten uns dem räthselhaften Wandrer -näher, so daß wir ihm den Weg versperrten; es war ein hübsches rothes -Eichhörnchen von einer benachbarten Insel, und wahrscheinlich auf einer -Entdeckungsreise begriffen. Das niedliche Thierchen, anstatt sein Heil -in der Flucht nach einer entgegengesetzten Richtung zu suchen, sprang -mit einer Beherztheit und Geschicklichkeit, die seine Verfolger in -Erstaunen setzte, leicht an der aufgehobnen Ruderschaufel in die Höhe, -und von dieser meinem erschrocknen Knaben gerade nach dem Kopfe, und, -nachdem es meine Schulter gewonnen, wieder ins Wasser, und steuerte -geraden Weges dem Ufer zu, ohne auch nur einen einzigen Strich von -der Linie abzuweichen, welche es verfolgte, als es zuerst unsers -Canoes ansichtig wurde. Die Behendigkeit und der Muth dieses harmlosen -Geschöpfs, überraschten und unterhielten mich; ich hätte der Sache kaum -Glauben schenken können, wäre ich nicht selbst Augenzeuge von seinem -Benehmen gewesen, und überdies an den Schultern durch das von seinem -Pelze träufelnde Wasser tüchtig durchnäßt worden. - -Vielleicht erscheint Ihnen meine Eichhörnchen-Anekdote unglaublich; -allein ich kann mit meiner persönlichen Erfahrung für ihre Wahrheit -bürgen, da ich den muntern Springer nicht nur sah, sondern auch -fühlte. Die schwarzen Eichhörnchen sind sehr liebenswürdige und -hübsche Thierchen und beträchtlich größer als die rothen, grauen -und gestreiften; die letztern werden von den Indianern »Tshit-munks -(^Chit-munks^)« genannt. - -Letzten Sommer wurden wir von diesen kleinen Räubern tüchtig -geplündert, die rothen Eichhörnchen stahlen uns große Quantitäten -indianischen Korns, nicht blos vom Stengel, als die Saat in der -Reife begriffen war, sondern sie kamen sogar durch einige Lücken in -den Blockwänden in die Scheunen, und schleppten sehr viel Getraide, -(indianisches Korn) fort, das sie sehr geschickt von der Spindel -abzulösen und nach ihren Vorraths-Magazinen, in hohlen Bäumen oder -unterirdischen Höhlen, zu transportiren verstanden. - -Die kleinen Thierchen sind sehr begierig nach Kürbißkörnern, man sieht -sie häufig unter dem Vieh umher schnellen, und wenn dieses die Kürbisse -zerfleischt, mit den herausfallenden Samen davon eilen. Nicht weniger -gern fressen sie die Samen der Sonnen-Blumen, welche in unsern Gärten -und Lichtungen eine riesenhafte Höhe erreichen. Das Feder-Vieh liebt -die Sonnen-Blumen-Körner ebenfalls sehr, und ich sammelte die reifen -Blumen, in der Absicht, einen guten Vorrath dieser Delicatesse für -meine armen Hühnchen während des Winters zu haben. Eines Tages ging -ich, die reifen Köpfe abzuschneiden, wovon die größten einem großen -Präsentirteller glichen, sah aber zu meinem Aerger zwei diebische rothe -Eichhörnchen ämsig in Sammlung der Samen, wie Sie wohl denken können, -nicht für mich, sondern, für sich selbst beschäftigt. - -Nicht zufrieden mit Ablösung der Samen, durchsägten die kleinen Diebe -mit ihren scharfen Zähnen geschickt die Blumenstengel, und schleppten -ganze Samen-Köpfe auf einmal fort, dabei waren sie so keck, daß sie -sich durch meine Annäherung nicht im geringsten stören ließen, und -wichen nicht eher, als bis sie sich ihrer Beute bemächtigt hatten, -und mit einer Ladung, die wohl zweimal so schwer war, als ihr -leichter Körper, über Geländer, Wurzeln, Baumstummel und Holz-Blöcke -pfeilschnell davon eilten, so daß sie jede Verfolgung von meiner Seite -vergeblich machten. - - [Illustration: Rothe Eichhörnchen.] - -Groß war der Verdruß, den das kleine muntre Pärchen an den Tag legte, -als es behufs einer zweiten Ladung wieder kam und die Pflanzen ihrer -Köpfe beraubt fand. Ich hatte alles, was noch übrig war, abgeschnitten -und in einem Korbe auf einen kleinen Block, gleich neben einer offnen -Glasthüre, an die Sonne gestellt; ich saß eben auf der Thürschwelle -und hülste einige Samen-Bohnen aus, als die Eichhörnchen durch ihre -scharfen scheltenden Töne, wobei sie ihre leichten federartigen -Schweife empor hoben, als wollten sie den lebhaftesten Unwillen über -meine Eingriffe in ihre vermeintlichen Rechte zu erkennen geben, meine -Aufmerksamkeit in Anspruch nahmen; es währte gar nicht lange, so hatten -sie den indianischen Korb mit dem ihnen entrissenen Schatze entdeckt; -einige rasche Bewegungen brachte das kleine Pärchen an das Gitter, nur -wenige Schritte von mir und den Samen-Köpfen; hier machten sie Halt, -setzten sich nieder und blickten mich mit bittender Miene an. Ihre -Verlegenheit machte mir zu viel Vergnügen, als daß ich ihnen hätte -daraus helfen sollen, allein kaum hatte ich meinen Kopf gedreht, um mit -meinem Kinde zu sprechen, so schossen sie vorwärts und in einer andern -Minute hatten sie sich eines der größten Samen-Köpfe bemächtigt, den -sie fortschleppten; zuerst trug ihn das eine einige Schritte weit, dann -packte das andere an, denn er war zu groß und schwer, als daß ihn eins -hätte lange tragen können. Kurz ihre kleinen Manövres machten mir so -viel Spaß, daß ich mich meines ganzen Vorraths berauben ließ. - -Im Frühjahr sah ich eine kleine Eichhörnchen-Familie auf dem Gipfel -eines hohlen Blockes spielen, und ich kann wohl sagen, daß sie mir -unter allen Thieren als die lebhaftesten und niedlichsten Geschöpfe -erscheinen, die man nur immer sehen kann. - -Das fliegende Eichhörnchen ist in unsern Wäldern zu Hause -und übertrifft, meines Bedünkens, in Schönheit alle seine -Gattungs-Verwandten. Seine Farbe ist das weichste zarteste Grau; -das Pelzhaar ist dick und kurz, und so seidenartig wie Sammet; die -Augen sind, wie bei allen Eichhörnchen-Arten groß, voll und sanft, -die Schnurren und das lange Haar um die Nase sind schwarz; die -Membran, welche dem Thierchen zum Fliegen dient, ist zart und von -weichem Gefüge, wie der Pelz des Chinchilla (Ohrmaus), sie bildet -zwischen den Vorder- und Hinter-Beinen eine Bürste; der Schweif -gleicht einer zierlichen breiten grauen Feder. Die Erscheinung dieses -allerliebsten kleinen Geschöpfes überraschte mich sehr angenehm; die -Zeichnungen welche ich davon gesehen, gaben ihm ein höchst plumpes und -_fledermausartiges_, fast ekelhaftes Ansehen. Die Jungen lassen sich -leicht zähmen und sind in der Gefangenschaft sehr zutraulich und zum -Spielen geneigt. - -Wie würde sich meine kleine Freundin _Emilie_, über einen solchen -Spielkameraden freuen. Sagen Sie ihr, daß ich ihr, sollte ich jemals -in mein theures Vaterland zurückkehren, wo möglich ein dergleichen -Thierchen mitbringen werde; vor der Hand aber muß sie sich mit den -ausgestopften Exemplaren der rothen, schwarzen und gestreiften Art -begnügen, die ich meinem Packete einverleibt habe. Ich wünschte, -Ihnen ein werthvolleres Geschenk machen zu können, allein unsre -Kunstsachen und Manufacturen sind durchaus brittisch, mit Ausnahme der -Kleinigkeiten, welche die Indianer verfertigen, und es würde mir daher -schwer fallen, Ihnen etwas der Aufmerksamkeit Werthes zu schicken, -weshalb ich meine Zuflucht zu den natürlichen Erzeugnissen unsrer -Wälder als Zeichen der Erinnerung an meine Freunde und Verwandten in -der _Heimath_ -- denn so nennen wir stets unser theures Geburtsland, -- -nehmen muß. - -Sie wünschen zu wissen, ob ich glücklich und mit meiner Lage zufrieden -bin, oder ob sich mein Herz nach dem alten Vaterlande sehnt. Ich -will Ihnen aufrichtig antworten und spreche daher hier ein für alle -mal aus, daß ich, in Bezug auf Geschmackssachen und frühzeitige -Gedanken-Verbindungen und alle jene heiligen Bande der Verwandtschaft -und alte Freundschaftsbündnisse, welche die Heimath Allen und Jedem, -von welcher Nation er auch sei, so theuer machen, England den Vorzug -gebe. - - [Illustration: Fliegendes Eichhörnchen.] - -Auf der andern Seite mindert der Gedanke an die freiwillig übernommenen -Pflichten, und ein Gefühl von Zufriedenheit mit meiner Lage das -Bedauern, welchem ich nachzuhängen, mich geneigt finden möchte. -Ueberdies giebt es für mich neue und heilige Banden, die mich an -Canada fesseln; ich habe viel häusliches Glück genossen, seitdem ich -hierher gekommen bin; -- und ist Canada nicht das Geburtsland meines -theuren Kindes? Habe ich nicht hier zum ersten Male jenes Entzücken -genossen, welches von mütterlichen Gefühlen entspringt? Wenn mein Auge -auf meinem lächelnden Bübchen ruht, oder wenn ich seinen warmen Athem -an meiner Wange fühle, so füllt meine Brust eine Wonne, die ich gegen -kein Vergnügen auf Erden vertauschen möchte. »Recht gut,« hör' ich -Sie im Geiste erwiedern, »allein diese Empfindungen sind ja nicht auf -eure einsamen canadischen Wälder beschränkt.« Ich weiß dies wohl, aber -hier stört mich nichts in meiner Zärtlichkeit, in den Liebkosungen -meines theuren Kindes. Hier wird man nicht durch rauschende weltliche -Vergnügungen zur Vernachlässigung seiner Mutterpflichten veranlaßt, -hier kann nichts den holden Knaben aus meinem Herzen verdrängen; seine -Gegenwart macht mir jeden Ort theuer und werth, ich lerne die Stelle -lieben, wo er geboren worden ist, und denke mit Wohlgefallen an meine -neue Heimath, weil sie sein Vaterland ist; und blicke ich in die -Zukunft, und fasse ich sein künftiges Wohlergehn ins Auge, so fühle ich -mich mit doppelter Anhänglichkeit an die Erdscholle gefesselt, welche -er eines Tages sein nennen wird. - -Vielleicht würdige ich das Land nur nach meinen eignen Gefühlen; und -wenn ich bei einer unparteiischen Prüfung meines gegenwärtigen Lebens -finde, daß ich eben so glücklich oder noch glücklicher bin, als in der -alten Heimath, so muß ich es schätzen und lieben. - -Wollte ich mich über die Vortheile, die ich besitze, ins Einzelne -einlassen, so würden sie in den Augen von Leuten, die in all dem -Glanze, all der Herrlichkeit und Fülle schwelgen, die Reichthum in -einem durch Natur sowohl als Kunst den rauschenden Vergnügungen der -Welt so günstigen Lande verschaffen kann, in einem sehr negativen -Charakter erscheinen; allein ich habe ja nie dem Wohlleben und -der Modesucht gefröhnt. Große Gesellschaften und die alltäglichen -Vergnügungen der eleganten Welt verursachten mir stets Langeweile, wo -nicht Ekel. Durch all dieses hofartige Treiben wird das Herz nicht -befriedigt, wie sich ein Dichter äußert, und ich pflichte dem Ausspruch -völlig bei. - -Ich war immer nur zu sehr geneigt, mit Ungeduld die Fesseln von mir zu -spornen, welche Etiquette und Mode der Gesellschaft anzulegen pflegen, -bis sie ihren Jüngern alle Freiheit und Unabhängigkeit des Willens -rauben, und dieselben sich bald genöthigt sehen, für eine Welt zu -leben, die sie im Stillen verachten und satt haben, für eine Welt, die -sie noch dazu mit Geringschätzung betrachtet, weil sie nicht mit einer -Unabhängigkeit handeln dürfen, die so wie sie sich äußert, gleich zu -Boden gedrückt werden würde. - -Ja ich muß Ihnen offen bekennen, daß meine gegenwärtige Freiheit in -diesem Lande ein großer Genuß für mich ist. Hier besitzen wir einen -Vortheil vor Ihnen, so wie auch vor denjenigen, welche die Städte und -Dörfer meines neuen Vaterlandes bewohnen, denn leider herrscht in -diesen ein lächerliches Streben, einen Schein zu unterhalten, welcher -der Lage derer, die ihn annehmen, durchaus nicht entspricht. Wenige, -sehr wenige Emigranten kommen in die Colonien, außer mit der Absicht, -für sich und ihre Kinder Unabhängigkeit zu erlangen. Diejenigen, -welchen es nicht an Mitteln zu einem behaglichen Leben in der Heimath -gebricht, würden sich wohl schwerlich jemals den Entbehrungen und -Unannehmlichkeiten eines Ansiedler-Lebens in Canada aussetzen; der -natürliche Schluß aus allem diesem ist, daß der Emigrant mit dem -Wunsche und der Hoffnung hierher gekommen, seinen Zustand zu verbessern -und die Wohlfahrt einer Familie zu sichern, die er in der Heimath -anständig zu versorgen, nicht die Mittel hatte. Es ist mithin wirklich -närrisch und ungereimt, eine Lebensweise anzunehmen, die, wie jeder -weiß, nicht behauptet werden kann; dergleichen Leute sollten doch -viel mehr in dem Bewußtsein, daß sie, wenn es ihnen gefällt, ihren -Umständen gemäß leben können, ohne wegen ihrer Sparsamkeit, Klugheit -und Thätigkeit minder geachtet zu werden, ihre Glückseligkeit suchen. - -Wir _Buschsiedler_ unsers Theils sind weit unabhängiger, wir thun, was -uns beliebt, wir kleiden uns, wie es uns am passendsten und bequemsten -dünkt; wir haben nichts von einem Mr. und einer Mrs. _Grundy_ zu -fürchten; und da wir die Fesseln des _Grundyismus_ abgeschüttelt haben, -so lachen wir über die Thorheit derjenigen, welche von neuem ihre Kette -schmieden und gleichsam umarmen. - -Statten uns unsre Freunde einen unerwarteten Besuch ab, so nehmen wir -sie unter unsern niedrigen Dache gastlich auf, und geben ihnen das -Beste, was wir haben; und ist unsre Kost noch so gering, so tischen wir -sie mit gutem Willen auf, und eine Entschuldigung wird weder gemacht -noch erwartet; da Jedermann mit den mißlichen Verhältnissen einer neuen -Ansiedlung bekannt ist; ja eine Apologie wegen Mangel an Vielfältigkeit -oder Leckereien der Tafel würde in dem Gaste einen Selbstvorwurf -erzeugen, daß er unsre Gastfreundschaft zur ungelegnen Zeit auf die -Probe gestellt. - -Unsre Gesellschaft besteht meist aus See- und Land-Offizieren, so daß -wir in diesem Punkte in unsrer Sphäre sind, und auf feinen Anstand und -gute Sitten zählen können, und an eine Abweichung von jenen Gesetzen, -die guter Geschmack, gesunder Verstand und ein richtiges moralisches -Gefühl unter Leuten unsers Standes begründet haben, nicht zu denken ist. - -Indeß gereicht es hier zu Lande der Frau eines Offiziers oder Gentleman -keineswegs zur Unehre, wenn sie in der Hauswirthschaft selbst Hand -anlegt, oder alle häusliche Pflichten, sobald es die Gelegenheit -erfordert, allein verrichtet. Erfahrenheit in den Geheimnissen der -Seifen-, Lichter- und Zucker-Bereitung, im Brodbacken, Buttern -und Käsemachen, im Melken der Kühe, im Stricken, Spinnen und der -Zubereitung der Wolle für den Webstuhl, ist für sie von unendlichem -Werth und macht sie zu einem ehrenwerthen Mitgliede der Gesellschaft. -In dergleichen Dingen strafen wir _Busch-Damen_, die, welche die Nasen -rümpfen und die vornehmen Bemerkungen, welche ein Mr. oder eine Mrs. N. -N. in der Heimath machen würde, mit gebührender Verachtung. Wir rühmen -uns unsrer Fügung in die Umstände; und da ein brittischer Offizier -nothwendiger Weise ein feiner, gebildeter Mann, und seine Gattin -eine feine Dame sein muß, so trösten wir uns mit dem Besitz dieser -Eigenschaften als dem unwiederleglichen Beweis einer höheren Bildung, -und lassen uns in unsrer nutzvollen Thätigkeit nicht im mindesten -stören, da hierdurch unsre Sittenfeinheit keinen Abbruch erleiden kann. - -Unsre Gatten verfolgen eine ähnliche Lebensweise; der Offizier -vertauscht seinen Degen mit dem Pflugschaar, seine Lanze mit der -Sichel, und wer ihn zwischen den Baumstummeln den Boden aufhacken, oder -auf seinem Grundstück Bäume fällen sieht, denkt deswegen nicht geringer -von ihm und seinem Stande, oder hält ihn darum weniger für einen -Gentleman, wie früher, als er noch in allem Glanze und aller Würde -militairischer Etiquette, mit Feldbinde, Degen und Epauletten auf dem -Paradeplatze erschien. Es ist alles ganz so, wie es in einem Lande sein -muß, wo Unabhängigkeit von Betriebsamkeit und Fleiß unzertrennlich -ist, und gerade dieser Umstand macht es mir so schätzenswerth. - -Unter mehren Vortheilen, deren wir uns in diesem Gemeinde-Bezirk -erfreuen, halte ich den nicht für unbeträchtlich, daß die niedere -arbeitende Ansiedler-Klasse aus ordentlichen, gutwilligen und von den -widrigen Yankie-Sitten, wodurch sich manche der früher angesiedelten -Gemeinde-Bezirke zu ihrem Nachtheil unterscheiden, völlig freien -Leuten besteht. Unsre Dienstboten sind eben so oder fast eben so -ehrerbietig, als die in der Heimath; auch werden sie nicht an unsere -Tische gezogen oder auf gleichen Fuß mit uns gestellt, ausgenommen als -»_Bienen_« und bei ähnlichen öffentlichen Versammlungen; wobei sie sich -in der Regel anständig und geziemend benehmen, so daß sie manchen, -die sich Gentleman nennen, nämlich jungen Leuten, die willkührlich -jene Beschränkungen auf die Seite setzen, welche die Gesellschaft von -solchen, die einen achtbaren Posten ausfüllen, erwartet, als Muster -dienen könnten. - -Unmäßigkeit ist leider ein nur zu vorherrschendes Laster unter allen -Volks-Klassen in diesem Lande; allein ich erröthe, indem ich es sage, -daß sich vorzüglich diejenigen desselben schuldig machen, welche dem -bessern Stande angehören wollen. Solche mögen doch ja nicht über die -Freiheiten klagen, welche sich die arbeitende Klasse gegen sie heraus -nimmt, und daß sie ihnen auf eine Weise begegnet, als wäre sie ihres -Gleichen, denn sie stellen sich ja selbst durch ihr Betragen unter den -anständigen, nüchternen, wenn auch armen Ansiedler. Wenn sich die Söhne -von Gentlemen selbst erniedrigen, so darf es ja gar nicht befremden, -daß die Söhne armer Leute in einem Lande, wo alle einander auf gleichem -Boden begegnen, und nur ein anständiges feines Benehmen Unterschiede -zwischen den verschiednen Klassen bildet, sich über sie zu erheben -suchen. - -Als ich vor einigen Monaten bei einer Freundin in einem entfernten -Theile des Landes zum Besuch war, begleitete ich sie in die -Wohnung eines Geistlichen, des Predigers in einem blühenden Dorfe -in dem Gemeinde-Bezirk, wo sie einige Tage bleiben wollte -- die -patriarchialische Einfachheit des Hauses und seiner Bewohner -überraschte mich. Wir wurden in das kleine Familien-Zimmer geführt, -dessen Fußboden nach der unter den Yankies üblichen Sitte angestrichen -war, die Wände hatten keine Tapeten, sondern bestanden aus Tannenholz -ohne alle Verzierung, das Hausgeräthe entsprach der allgemeinen -Einfachheit. Ein großes Spinnrad schnurrte unter den fleißigen Händen -einer sauber gekleideten Matrone von milden, feine Bildung verrathenden -Zügen; ihre kleinen Töchter saßen mit ihren Strickstrümpfen am -Kaminfeuer, während der Vater mit Unterrichtung von zwei seiner Söhne -beschäftigt war; ein dritter saß behaglich auf einem kleinen Strohstuhl -zwischen seinen Füßen, und ein vierter schwang seine Axt mit nervigen -Armen im Hofe und warf von Zeit zu Zeit durch das Stubenfenster -sehnsuchtsvolle Blicke nach dem traulichen Familienkreise im Innern. - -Die Kleidung der Kinder bestand aus einer groben Art Zeug, einem -Gemisch von Wolle und Flachs (Zwirn), dem Erzeugniß der kleinen Meierei -und des rühmlichen Fleißes ihrer Mutter. Strümpfe, Socken, Müffchen und -warme Umschlagetücher waren sämmtlich Haus-Fabrikate. Mädchen sowohl -als Knaben trugen Mocassins, die sie selbst gefertigt hatten. Gesunder -Verstand, Fleiß und Ordnung herrschten unter den Gliedern dieses -kleinen Haushaltes. - -Mädchen und Knaben handelten, wie es schien, nach dem Grundsatz, daß -nichts entehrend sei, als was unmoralisch und unschicklich ist. - -Gastfreundschaft ohne Uebertreibung, Freundlichkeit ohne geheuchelte -Sprache bezeichneten das Benehmen unsrer würdigen Freunde. Alles -und Jedes im Hauswesen geschah mit Rücksichtsnahme auf Ordnung und -Bequemlichkeit, das Besitzthum (ich sollte wohl lieber sagen, das -Einkommen) der Familie war nur gering; sie besaß einige Acker an das -kleine Häuschen stoßendes Torf-Land, aber durch Thätigkeit und Fleiß -außer und im Hause, so wie durch Sparsamkeit und gute Wirthschaft -sah sie sich im Stande, zwar einfach aber doch auf anständigem -Fuße zu leben; mit einem Wort, wir erfreuten uns während unsres -Aufenthaltes bei diesen guten Menschen mancher von jenen Genüssen, -die eine völlig urbare canadische Meierei darbieten kann; Geflügel -aller Art, hausschlachtenes Rindfleisch, treffliches Schöpsenfleisch -und Geräuchertes waren in Ueberfluß vorhanden; zum Thee hatten wir -mancherlei Delicatessen: Eingemachtes, Honig in Scheiben, treffliche -Butter und guten Käse nebst verschiednen Sorten Kuchen; eine Art -kleine Pfann-Kuchen von Buchweizen-Mehl, in einer kleinen Pfanne mit -Hefen geknetet und nachmals in heißen Speck gestürzt und gebacken; -ein Präparat von indianischem Korn-Mehl, Namens Supporne-Kuchen -(^Supporne-cake^), in Schnitzeln geschmort und gebacken und mit -Ahorn-Syrup gegessen, gehörten ebenfalls unter die Raritäten unsers -Frühstücks. - -Als ich eines Morgens ein Völkchen sehr schönen Geflügels im Hühnerhofe -bewunderte, sagte meine Wirthin lächelnd zu mir, »ich weiß nicht, ob -Sie glauben, daß ich auf rechtlichem Wege dazu gekommen bin.« - -»O ich bin gewiß, Sie erlangten die hübschen Thierchen nicht durch -unerlaubte Mittel,« erwiederte ich lachend, »für Ihre Grundsätze in -dieser Hinsicht will ich bürgen.« - -»Schön,« sagte meine Wirthin, »sie sind mir weder gegeben noch verkauft -worden, und doch habe ich sie auch nicht gestohlen. Ich fand den -ursprünglichen Stamm auf folgende Weise. Eine alte schwarze Henne -erschien eines Morgens ganz unerwartet vor unsrer Thür; wir begrüßten -den Ankömmling mit Staunen und Freude; denn wir konnten zu dieser Zeit -unter unsrer kleinen Colonie keinen einzigen Haus-Vogel aufweisen. -Wir haben nie recht erfahren können, wie die Henne in unsern Besitz -kam, vermuthen aber, daß eine landeinwärts reisende Auswandrer-Familie -dieselbe unterwegs verloren haben muß; diese Henne legte zehn Eier und -brütete sie glücklich aus; die kleine Brut war der Stamm von unsern -Hühnern, und wir konnten bald unsre Nachbarn mit dergleichen Geflügel -versorgen. Wir schätzen diese Vögel nicht blos wegen ihrer vorzüglichen -Größe, sondern auch wegen der eigenthümlichen Weise, auf die wir sie -erhalten haben, und die uns als ein Beweis von Gottes Fürsorge für -unsre Angelegenheiten erschien.« - -Sehr viel Unterhaltung gewährte mir die leichte Skitze, welche uns der -Prediger eines Abends zum besten gab, als wir alle um ein prasselndes -Holzfeuer herum saßen, das in dem, mit seinem steinernen Mauerwerk weit -vorspringenden und zu beiden Seiten ziemlich tiefe Winkel bildenden -Kamin hoch emporloderte. - -Er bezog sich auf seine erste Ansiedlung und bemerkte Nachstehendes: -- - -»Es herrschte eine trostlose Wildniß von finstern dichtstehenden -Waldbäumen, als wir zuerst unser Zelt hier aufschlugen, zu dieser Zeit -war noch keine Axt an die Wurzel auch nur eines einzigen Baumes gelegt -worden, noch kein Feuer, außer von umherstreifenden Indianern, war in -diesen Wäldern angezündet worden. - -»Ich kann immer noch den Ort zeigen, wo mein Weib und meine Kleinen -ihr erstes Mal verzehrten und ihre schwachen Stimmen mit dankerfüllten -Herzen zu jenem allmächtigen und barmherzigen Wesen erhoben, welches -sie glücklich und wohlbehalten mitten durch die Gefahren des Oceans -hierher geführt hatte. - -»Wir glichen einer kleinen, in einer großen Wüste, unter dem besondern -Schutze eines mächtigen Hirten, wandernden Heerde.« - -»Ich habe Sie meine liebe junge Freundin,« (diese Worte galten meiner -Gefährtin,) von den Entbehrungen und Mühseligkeiten im Busche sprechen -hören; aber glauben Sie mir, Sie haben im Vergleich mit denen, die vor -einigen Jahren hierher kamen, nur wenig davon erfahren. - -»Fragen Sie nur meine ältern Kinder und meine Frau, wie beschaffen die -Beschwerden und Mühseligkeiten des Buschsiedler-Lebens noch vor zehn -Jahren waren, sie werden Ihnen sagen, daß sie Hunger und Kälte, und -alle damit verbundne Uebel zu erdulden hatten, daß es zu Zeiten an -jedem nöthigsten Nahrungs-Artikel fehlte. Was die feinen Lebensgenüsse -und Luxus-Artikel anlangt, so wußten wir nichts davon; und wie konnten -wir auch? wir waren weit von jeder Gelegenheit entfernt, dergleichen -Dinge zu erlangen; Kartoffeln, Schweinfleisch und Mehl waren unsre -einzigen Vorräthe, und oft gingen uns die beiden letztern aus, und -es dauerte eine ziemliche Weile, ehe wir neue erlangen konnten. Die -nächsten Mühlen waren dreizehn (englische) Meilen von uns entfernt, und -der Weg dahin führte durch blos angedeutete Wald-Pfade; und überdies -hatten wir keinen einzigen Ansiedler in der Nähe. Jetzt sehen Sie -uns in einer gelichteten, völlig urbar gemachten Gegend, umgeben von -blühenden Meiereien und entstehenden Dörfern; aber zu der Zeit, wovon -ich spreche, war es nicht so; damals gab es weder Gewürzläden, noch -Vorraths-Häuser, wir hatten keine Fleischbänke, keine gelichteten -Meierein, keine Milcherei, keine Obstgärten; auf diese Dinge mußten wir -geduldig warten, bis Fleiß und Betriebsamkeit sie herbeiführen würden. - -»Unsre Kost bestand in nichts anderm, als eingepöckeltem -Schweinfleisch, Kartoffeln und bisweilen in Brod zum Frühstück; -Schweinfleisch und Kartoffeln bildeten unser Mittagsmahl, Kartoffeln -und Schweinfleisch unsern Abendtisch, nebst einem Brei aus indianischem -Korn für die Kinder. Bisweilen mußten wir uns mit Kartoffeln ohne -Schweinfleisch, bisweilen mit Schweinefleisch ohne Kartoffeln -begnügen; dies war unsre tägliche Kost im ersten Jahre. Nach und nach -erhielten wir etwas Korn von unserm eignen Boden, woraus wir uns -mittels einer Handmühle ein grobes Mehl bereiteten; denn wir hatten -weder Wasser- noch Wind-Mühlen in unsrer Colonie, und gutes Brod war in -der That ein Luxus-Artikel für uns, den wir nicht oft hatten. - -»Wir brachten eine Kuh mit, die uns während des Frühlings und Sommers -mit Milch versorgte; aber wegen des wilden Knoblauchs (ein in unsern -Wäldern sehr häufiges Unkraut), welchen sie fraß, war ihre Milch kaum -genießbar, sie starb im folgenden Winter, zu unserm nicht geringen -Kummer; wir lernten, daß Erfahrung in dieser so wie in vielen andern -Angelegenheiten, hoch zu stehen kommt, jetzt aber genießen wir den -Vortheil davon.« - -»Bestimmten sie die Schwierigkeiten, worauf sie damals stießen, nicht -bisweilen zu Mißmuth und zur Reue über die freiwillige Wahl einer von -ihrer frühern so verschiednen Lebensweise?« fragte ich. - -»Sie dürften diese Wirkung wohl herbeigeführt haben, hätte nicht ein -höherer Beweggrund, als bloser weltlicher Vortheil mich veranlaßt, -meiner Heimath Lebwohl zu sagen und hierher zu kommen. Sehen Sie, die -Sache verhielt sich so: ich war mehre Jahre Prediger eines kleinen -Dörfchens in den Gruben-Distrikten von Cumberland gewesen. Ich war den -Herzen meiner Gemeinde theuer, sie war meine Freude und meine Krone. -Eine Anzahl meiner Kirchgänger, durch Armuth und schlechte Zeiten -gedrückt, beschloß, nach Canada auszuwandern. - -»Getrieben von dem natürlichen und nicht ungesetzmäßigen Verlangen, -ihre Lage zu verbessern, erschien ihnen eine Reise über das atlantische -Meer das beste Mittel dazu, und überdies ermuthigte sie das -Versprechen, daß ihnen ein beträchtlicher Flächenraum wilden Bodens -bewilligt werden sollte; denn damals war die Regierung in dergleichen -Schenkungen an Leute, welche Colonisten werden wollten, sehr freigebig. - -»Allein vor Ausführung dieses Unternehmens kamen mehre der achtbarsten -von ihnen zu mir und setzten mich von ihrem Plan und ihren Gründen -zu einem so wichtigen Schritt, den sie im Begriff zu thun waren, in -Kenntniß; und zu gleicher Zeit baten sie mich in den rührendsten -Ausdrücken, im Namen der ganzen Gesellschaft, die sich zur Auswanderung -bestimmt hatte, sie in die Wildnisse des Westens zu begleiten, damit -sie nicht Gefahr liefen, ihren Herrn und Erlöser zu vergessen, wenn sie -sich von ihrem geistigen Führer und Beistand verlassen sähen. - -»Anfangs verursachte mir der Vorschlag keine geringe Bestürzung; es -schien mir ein wildes und abentheuerliches Unternehmen; allein nach -und nach begann ich, mit Vergnügen bei der Sache zu verweilen. Ich -hatte, außer in meinem Geburts-Dorfe, wenige Bekannte, die mich an -das Heimathsland fesselten; das Einkommen von meiner Predigerstelle -war so gering, das es kein großes Hinderniß abgeben konnte; gleich -_Goldsmith_'s Pastor galt ich »_für reich, mit vierzig Pfund das -Jahr_.« Mein Herz hing mit inniger Liebe an meiner kleinen Heerde; zehn -Jahr hindurch war ich ihr Führer und Seelsorger gewesen; ich war der -Freund der Alten und der Lehrer der Jugend. Meine _Marie_ hatte ich aus -ihrer Mitte gewählt; sie hatte keine fremden Banden, um sie in weiter -Ferne mit Reue und Bedauern auf die Bewohner der Heimath blicken zu -machen, ihre Jugend und ihre Reife hatte sie unter ihnen erlebt, so daß -sie mir, als ich ihr den Vorschlag meiner Pfarrkinder mitgetheilt und -zugleich meine Wünsche zu erkennen gegeben hatte, nach Unterdrückung -eines bangen schmerzlichen Gefühls in ihrer Brust, mit _Ruth_'s Worten -erwiederte -- - -»Dein Land soll mein Land, dein Volk das meinige sein; wo du stirbst, -will auch ich sterben und begraben sein; der Herr thue mir so und so, -wenn mich etwas anderes als der Tod trennen sollte.« - -»Eine liebreiche zärtliche Lebensgefährtin bist Du mir immer gewesen, -meine _Marie_,« schaltete der gute Mann hier ein, indem er seine Augen -voll Zärtlichkeit auf das milde Antlitz der würdigen Matrone richtete, -deren ausdrucksvolle Miene besser als Worte die Gefühle ausdrückten, -welche ihre Brust bewegten. Sie erwiederte nicht mit Worten, aber -ich sah die dicken glänzenden Thränen auf die Arbeit in ihrer Hand -fallen. Sie entsprangen von Bewegungen, die zu heilig waren, um durch -neugierige Augen gestört zu werden, und ich wendete eilig meinen Blick -von ihrem Gesicht; während der Prediger in Erzählung der Umstände, -die sein Scheiden von der Heimath, seine Reise und endlich seine -Ankunft in dem Lande begleitet, welches der kleinen Colonie in dem -noch ungelichteten Theile des Gemeinde-Bezirks bewilligt worden war, -fortfuhr. - -»Wir hatten vor unsrer Ankunft in diesem Distrikte viele nützliche -Rathschläge und allen nützlichen Beistand von den Regierungs-Agenten -erhalten, und auch einige Holzspeller gegen hohe Löhne gemiethet, um -uns in der Kunst, Bäume zu fällen, aufzuschichten, zu verbrennen und -den Boden zu reinigen, zu unterrichten; da es unser Hauptziel war, -irgend eine Feldfrucht zu erbauen und einzuernten, so legten wir ohne -weitern Aufschub, als den die Errichtung eines einstweiligen Obdachs -für Weib und Kind erheischte, sogleich Hand ans Werk, und bereiteten -den Boden zur Aufnahme von Frühlings-Saat vor, wobei wir einer dem -andern mit Zugvieh und Arbeit beistanden. Und hier muß ich bemerken, -daß mir jede Aufmerksamkeit und Unterstützung von meinen Freunden zu -Theil ward. Meine Mittel waren gering, und meine Familie war zu jung, -um mir einige Dienste leisten zu können. Indeß fehlte es mir nicht -an Hülfe, und bald hatte ich die Freude, ein kleines Fleckchen zur -Erbauung von Kartoffeln und Korn gelichtet und gereinigt zu sehen, -ein Resultat, das ich durch meine alleinigen Anstrengungen nimmermehr -herbeigeführt haben würde. - -»Mein ältester Sohn _Johann_ war erst neun Jahr alt, _Willie_ sieben -und die andern alle noch hülfloser; die beiden Kleinen, die Sie hier -sehen, sind erst nach meiner Ankunft in diesem Lande geboren worden. -Die blonde Dirne, welche neben Ihnen sitzt und strickt, war noch ein -Säugling, ein hülflos weinendes Kind, so schwach und kränklich, ehe -wir hier eintrafen, daß sie selten aus den Armen ihrer Mutter kam; -allein sie wuchs und gedieh unter der abhärtenden Behandlung einer -Buschsiedler-Familie zusehends. - -»Wir hatten kein Haus, keine Art von Obdach zu unsrer Aufnahme, als -wir an dem Orte unsrer zukünftigen Bestimmung anlangen; und die ersten -beiden Nächte brachten wir auf den Ufern der Einbucht am Fuße des -Berges in einer Hütte von Cedern- und Schierlingstannen-Aesten zu, die -ich mit meiner Axt und mit Hülfe einiger meiner Gefährten zum Schutz -meiner Gattin und der Kleinen errichtete. - -»Obgleich in der Mitte Mai's, waren die Nächte doch noch sehr kalt, und -wir waren froh, als ein tüchtiges Holzfeuer vor dem Eingange der Hütte -loderte, welches uns nicht nur gegen die Kälte, sondern auch vor den -Stichen der Musquitos sicherte, die in Myriaden vom Flusse her über uns -herfielen, und uns das Ufer weiter hinauftrieben. - -»Sobald als möglich, errichteten wir eine Shanty, die jetzt als -Schuppen für das junge Vieh dient; ich wollte sie nicht niederreißen, -wiewohl ich oft gedrängt wurde, dies zu thun, da sie eine angenehme -Aussicht vom Fenster aus verhindert; allein ich blicke gar zu gern -darauf und erinnere mich dabei an die ersten Jahre, die ich unter -ihrem niedrigen Dache verlebt habe. Wir bedürfen solcher Gegenstände, -um uns an unsre ehemalige Lage zu erinnern; denn wir werden nur zu -leicht stolz und hören dann auf, unsre gegenwärtigen Annehmlichkeiten -gebührend zu schätzen. - -»Unser erster Sabath wurde unter freiem Himmel gefeiert; meine Kanzel -war ein aus rohen Baumstämmen aufgeschichteter Pfeiler, meine Kirche -der tiefe Schatten des Waldes, unter welchem wir uns versammelten; -aber von einer aufrichtigeren Frömmigkeit und Inbrunst, als an diesem -Tage, bin ich nie Zeuge gewesen. Ich erinnere mich noch recht gut an -den von mir gewählten Text; ich entlehnte ihn aus dem achten Capitel -des fünften Buches Mosis, Vers 6, 7, und 9, die mir auf unsre damaligen -Umstände anwendbar zu sein schienen. - -»Im folgenden Jahre errichteten wir ein kleines Blockhaus, das uns als -Schule und Kirche diente. Anfangs waren unsre Fortschritte in Lichtung -des Bodens nur langsam; denn wir mußten erst Lehrgeld bezahlen und -Erfahrung kaufen, und mancherlei und groß waren die Täuschungen und -Entbehrungen, denen wir in den ersten fünf Jahren zu begegnen hatten. -Zu einer Zeit litten wir alle am Fieber, und keiner war im Stande, -dem andern beizustehen; dies war eine traurige Zeit; allein bessere -Tage warteten unser. Die Anzahl der Auswandrer nahm fortan zu, und die -kleine Niederlassung, welche wir begründet, stand in gutem Rufe. Ein -neuer Ankömmling erbaute eine Säge-Mühle; ein andrer eine Korn-Mühle; -bald folgte auch ein Magazin, und diesem ein zweites und drittes, bis -wir ein blühendes Dorf um uns her empor steigen sahen. Nun fing das -Land an Werth an zu gewinnen, und manche von den alten Ansiedlern -verkauften die ihnen zugefallnen Parcellen mit Vortheil und zogen -weiter waldeinwärts. - -»In demselben Verhältniß, als das Dorf wuchs, nahmen natürlicher Weise -auch meine amtlichen Pflichten zu, die mir in den ersten Jahren meine -kleine Heerde durch freiwillige Liebesdienste und Geschenke vergalt; -jetzt genieße ich die Zufriedenheit, meinen Lohn zu ernten, ohne daß -ich meinen Pfarrkindern zur Last falle. Mein Grundstück nimmt an Werth -zu, und außer meinem Honorar als Prediger erhalte ich noch für die -Schule eine kleine Zulage, welche die Regierung zahlt. Wir können -uns jetzt glücklich preisen, daß wir hier sind; denn Gott hat unsre -Bemühungen gesegnet.« - -Ich habe manche interessante Umstände vergessen, die mit den Prüfungen -und Entbehrungen, welchen diese Familie ausgesetzt war, in Verbindung -standen; indeß erzählte uns der Prediger genug, um mich mit meiner -Lage auszusöhnen, und ich kehrte nach einem angenehmen mehrtägigen -Aufenthalte bei diesen liebenswürdigen Menschen, mit erhöhter -Zufriedenheit und einigen nützlichen praktischen Lehren, die mich mein -ganzes Leben hindurch begleiten werden, nach Hause zurück. - -Ich interessire mich gegenwärtig nicht wenig für einen jungen Schotten, -der von England hierher gekommen ist, um die canadische Feldwirthschaft -zu lernen; der arme Junge hatte sich höchst romantische Vorstellungen -von dem Leben eines Ansiedlers gebildet, und zwar theils aus den -Berichten, die er gelesen, theils durch eine lebhafte Phantasie -verführt, welche die Täuschung vollendet und in ihm den Glauben -erzeugt hatte, daß er seine Zeit hauptsächlich mit den bezaubernden -Vergnügungen und Abentheuern, welche die Jagd auf Rehe und andres -Wild, das Schießen nach Tauben und Enten, das Erlegen des Fuchses mit -dem Speer, bei Fackellicht, das Umhersteuern auf den Seen in einem -Canoe von Birkenrinde während des Sommers, das Schlittschuhlaufen oder -Schlittenfahren, nach Art der Lappländer, über den gefrornen Schnee, -mit einer Schnelligkeit von zwölf (englischen) Meilen, und unter -dem muntern Geläute von Glöckchen und Schellen u. s. w. darbieten, -zubringen werde. Welch anmuthiges Leben, um einen Knaben von vierzehn -Jahren für sich einzunehmen, der eben erst den lästigen Beschränkungen -einer Pensions-Anstalt entflohen ist. - -Wie wenig mochte ihn von den Plackerein und Mühseligkeiten träumen, -welche von den Pflichten eines Burschen seines Alters in einem Lande, -wo Alt und Jung, Herr und Diener in gleichem Grade, und ohne Rücksicht -auf frühere Lage und Rang, Hand ans Werk legen müssen, unzertrennlich -sind. - -Hier muß der Sohn eines Gentleman selbst Holz spellen und Wasser -hohlen; er lernt hier Bäume fällen, Holzpfeiler errichten, Gitterwerk -zuschneiden, das Feuer während der Brenn-Zeit bewachen, und ist dabei -in einen groben Ueberwurf von hanfnem Zeuge (^logging-shirt^) und -entsprechende Pantalons gekleidet, und mit einem Yankie-Strohhut auf -dem Kopfe und einem Spieß zur Handhabung der lodernden Feuerbrändte -versehen. Beschicken, Anschirren und Führen des Zugviehs, Pflügen, -Säen, das Pflanzen von indianischem Korn und Kürbissen, das Legen von -Kartoffeln gehört unter die Verrichtungen des jungen Emigranten. Seine -Erholungen sind vergleichungsweise nur wenige, allein eben wegen ihrer -Seltenheit haben sie einen um so viel größeren Reiz, und gewähren einen -um so größeren Genuß. - -Sie können sich denken, wie der arme Junge niedergeschlagen sein mußte, -als er seine schönen Träume von Belustigungen aller Art, vor der -ernsten, nüchternen Wirklichkeit und der mühseligen Geschäftigkeit, -welche einem jungen Ansiedler in den Urwäldern obliegt, in Nichts -zerrinnen sah. - -Jugend ist indeß das passendste Alter zur Auswanderung in dieses -Land; der Mensch fügt sich dann bald in seine neue Lage und versöhnt -sich nicht nur im Verlauf der Zeit mit der Veränderung seiner -Lebens-Verhältnisse, sondern gewinnt sie sogar lieb. Einen Trost -gewährt es ihm auch, wenn er sieht, daß er nicht mehr thut, als andre -von gleichen Ansprüchen auf Rang und Erziehung verrichten müssen, wenn -sie fortkommen und gedeihen wollen; und vielleicht wird er in der -Zukunft das Land segnen und preisen, welches ihn von einem Theil jenes -dummen Stolzes befreit hat, welcher ihn mit Verachtung auf diejenigen -herabblicken machte, deren Beschäftigungen von niedrer Art waren. - -Es wäre ein himmelschreiendes Unrecht, wenn man Leute, welche -auszuwandern wünschen, mit falschen und schmeichelnden Gemälden von -den in diesem Lande zu erwartenden Vortheilen vorsätzlich hintergehen -wollte. Man mache sie in seinen Berichten mit dem Für und Wider genau -bekannt; und der Leser brauche seinen besten, von Vorurtheilen oder -Gewinnsucht in einer Sache von solcher Wichtigkeit nicht sowohl für ihn -selbst, sondern auch für diejenigen, zu deren Führer und Beschützer -ihn die Natur bestimmt hat, unbehinderten Verstand. Es ist indeß weit -schwieriger über Auswanderung und die damit verbundnen Umstände zu -schreiben, als viele sich einbilden; der Gegenstand umfaßt ein so -weites Feld, daß, was in Bezug auf einen Theil der Provinz vollkommen -richtig sein mag, dieses hinsichtlich eines andern keineswegs -sein dürfte. Ein Distrikt unterscheidet sich von dem andern, ein -Gemeinde-Bezirk von dem andern, je nach seinen natürlichen Vortheilen; -es frägt sich hier, ob er seit langer Zeit angesiedelt ist oder nicht, -ob er Wasser besitzt oder nicht; der Boden, ja selbst das Klima sind je -nach Lage und andern Umständen verschieden. - -Viel, sehr viel hängt hier von dem Temperament, der Gewohnheit und -dem Charakter der Emigrantin selbst ab. Was dem einen frommt, paßt -nicht auch für den andern; eine Familie wird gedeihen, und alle -Bequemlichkeiten um ihre Wohnstätte her versammeln, während andere -in Armuth und Mißmuth leben. Es würden ganze Bände nöthig sein, um -jedes Argument für und wider zu erörtern, und genau anzugeben, welche -Personen sich zur Auswanderung eignen, und welche nicht. - -Haben Sie ^Dr.^ _Dunlop's_ geistreich und witzig geschriebnen -»^Backwoodsman^« gelesen? Sollte dies nicht der Fall sein, so suchen -Sie ihn so bald als möglich zu bekommen, er wird Sie unterhalten. Ich -denke eine Urwaldsiedlerin (^Backwoodswoman^) könnte in demselben Tone -geschrieben werden; einige Seiten, die Geschichte von dergleichen -Damen enthaltend, würden als Beispiel für unser Geschlecht dienen. -In der That bedürfen wir einiger heilsamen Ermahnungen hinsichtlich -unsrer Pflichten so wie der Thorheit, zu bereuen, daß wir unsern Gatten -gefolgt sind und ihr Loos mit ihnen theilen, daß wir denen gefolgt -sind, welchen wir einst in glücklichern Stunden ewige Liebe und Treue --- in Reichthum und Armuth, in Leiden und Freuden, Gesundheit und -Krankheit -- angelobt haben. Nur zu viele thun dieses Gelübde, ohne -seine Wichtigkeit zu bedenken und ohne die Zufälligkeiten zu berechnen, -welche ihre Treue auf eine harte Probe setzen dürften, wie z. B. wenn -es sich darum handelt, Verwandte, Freunde und Vaterland zu verlassen -und sich dem harten Loose eines Ansiedler-Lebens zu unterziehen; gewiß -kein geringes Opfer; allein die treue liebende Gattin wird es bringen, -ja sie wird sich zu noch größeren Schwierigkeiten verstehen, wenn es -der Mann ihrer Wahl von ihr fordert. - -Allein es ist Zeit, daß ich Ihnen Lebewohl sage; mein Brief ist zu -einem furchtbaren Packet angeschwollen, er wird Sie gewiß langweilen, -und Sie werden ihn auf den Boden des atlantischen Oceans herabwünschen. - -Fußnoten: - -[57] Siehe den Anhang. - - - - -Sechszehnter Brief. - - Indianische Jäger. -- Segel auf einem Canoe. -- Mangel an Bibliotheken - in den Urwäldern. -- Neues Dorf. -- Fortschritte und Verbesserungen. - -- Leuchtende Insekten (Johanniswürmchen.) - - -Ich habe Ihnen in einem früheren Briefe von einem Winter-Besuch bei den -Indianern erzählt; ich will Ihnen jetzt Einiges über ihr Sommer-Lager -mittheilen, das ich an einem schönen Juni-Nachmittage in Begleitung -meines Gatten und einiger Freunde, die zu uns kamen, um den Tag mit uns -zuzubringen, in Augenschein genommen habe. - -Die Indianer hatten ihr Lager auf einer kleinen, zwischen den beiden -Seen hervorspringenden Halbinsel aufgeschlagen; unser nächster Weg -dahin würde durch den Busch geführt haben, allein der Boden war so mit -umgestürzten Bäumen bestreut, daß wir eine Fahrt im Canoe vorzogen. -Der Tag war warm, ohne drückend heiß zu sein, wie dies nur zu oft -während der Sommer-Monate der Fall ist; und o Wunder! die Musquitos -und schwarzen Stechfliegen waren so höflich, daß sie uns gar nicht -beschwerlich fielen. Unsre leichte Barke glitt leicht und ruhig über -die ruhige Wasserfläche im Schatten der überhängenden Aeste von Cedern, -Schierlingstannen und Balsampappeln, welche köstliche Wohlgerüche -verbreiten, wenn die wehenden Lüfte durch ihre Laubkrone streichen. -Ein Beet blauer Schwertlilien (^iris^), untermengt mit schneeweißen -Nymphäen, über die unser Canoe wegsegelte, entzückte mein Auge. Als -wir um einen felsigen Ufervorsprung gesteuert waren, sahen wir den -dünnen bläulichen Rauch aus dem Indianer-Lager sich über die Bäume -kräuseln, und bald war unser Canoe sicher an einem derselben, auf der -Seite des Indianer-Lagers, angelegt, und mit Hülfe der weitspreizigen -Zweige und des Unterholzes gelang es mir, mich einen steilen Pfad -hinan zu arbeiten, und bald stand ich gerade vor dem Zelte. Es war -Sonntag Nachmittags; sämmtliche Männer waren zu Hause; einige der -jüngern Familien-Glieder (drei Familien bewohnten den Wigwam) warfen -zum Zeitvertreib den Tomahawk nach einer Kerbe, die in die Rinde -eines fern stehenden Baums gehauen war, oder schossen mit ihren Bogen -und Pfeilen nach dem Ziele, während die ältern theils auf ihren -Bettdecken im Schatten schliefen, theils lasen, theils rauchten und -die Geschicklichkeit der jungen, mit einander wetteifernden Schützen -ernsten Auges prüften. - -Blos eine von den Squaws war zu Hause, und zwar meine alte Freundin, -die Gattin des Jägers, die auf einer Bettdecke saß; ihr jüngstes -Kind, der kleine _David_, eine Papouse von drei Jahren, die noch -nicht entwöhnt war, ruhte zwischen ihren Füßen; sie beäugelte ihn oft -mit liebevollen zärtlichen Blicken, und klopfte ihn von Zeit zu Zeit -sanft auf das zottige Köpfchen. _Peter_, der eine Art angesehner Mann, -wenn auch gerade kein Häuptling ist, saß neben seiner Frau, in einen -hübschen blauen Schlafrock gekleidet, den eine rothe gewirkte Binde -über der Hüfte zusammen hielt. Er rauchte aus einer kurzen Pfeife und -betrachtete die vor der Thür des Zeltes versammelte Gesellschaft mit -einem Ausdruck ruhiger Theilnahme; bisweilen nahm er seine Pfeife auf -einige Augenblicke aus dem Munde und bezeichnete durch eine Art innern -Ausruf den Erfolg oder das Fehlschlagen der Versuche seiner Söhne, das -Ziel am Baume zu treffen. Die alte Squaw, winkte mir, sobald sie meiner -ansichtig wurde, zu, näher zu treten und gab mir mit wohlmeinendem -Lächeln zu verstehen, indem sie auf eine freie Stelle ihrer Bettdecke -hinwieß, daß ich neben ihr Platz nehmen möchte, was ich auch that. -Die Durchmusterung des Wigwams und seiner Bewohner machten mir viel -Unterhaltung. Das Gebäude war von länglicher Form, und an beiden Enden -offen, jedoch wurden die Oeffnungen, wie man mir sagte, des Nachts -durch Tücher oder Matten verschlossen; der obere Theil des Dachs war -ebenfalls offen; die Seitenwände bestanden aus rohem Pfahlwerk mit -großen Schichten zwischen die Stöcke, welche das Gerippe des Zeltes -bildeten, gezogner Birkenrinde; eine lange dünne Stange von Eisenholz -bildet einen niedern Tragbalken, woran verschiedne eiserne und kupferne -Töpfe und Kessel, desgleichen einige Keulen frisch getödteten Wildbrets -und gedörrte Fische hingen; das Feuer nahm den Mittelpunkt der Hütte -ein, und um die glühende Asche her lagen mehre friedliche Jagdhunde; -sie zeigten etwas von der ruhigen Apathie ihrer Herren, sie öffneten -beim Eintreten der Fremdlinge blos die Augen, und als sie bemerkten, -daß alles in Ordnung war, überließen sie sich wieder ihrem Schlummer -und kümmerten sich nicht weiter um uns. - -Die Jäger-Familie nahm eine ganze Seite des Gebäudes ein, während -_Joseph Muskrat_ mit seiner Familie, und _Joseph Bolans_ und seine -Squaw die entgegengesetzte Wand theilten; die verschiednen Abtheilungen -waren durch Bettdecken, Fischerspeere, lange Flinten, Tomahawks und -andres Eigenthum bezeichnet und geschieden; das Kochgeräthe anlangend, -so schien es mir wegen seiner Spärlichkeit allen gemeinschaftlich -anzugehören; es herrschte vollkommne Freundschaft und Einigkeit -zwischen den drei Familien, und, nach dem äußern Anschein zu urtheilen, -waren alle glücklich und zufrieden. Ein Blick auf die Bücher in den -Händen der jungen Männer überzeugte mich, daß es fromme Lieder und -Abhandlungen waren; die eine Seite enthielt den englischen Text, die -andere die indianische Uebersetzung. Auf unsre Bitten sangen die Männer -eins von den Liedern, welches recht gut klang, allein wir vermißten -die süßen Stimmen der indianischen Mädchen, die ich vor dem Hause -gelassen hatte, wo sie auf einem Fichtenstamme saßen und sich mit -meinem Knäbchen unterhielten, welches ihnen nebst seiner Wärterin sehr -zu gefallen schien. - -An der Außenseite des Zeltes zeigte mir die Squaw ein Canoe von -Birkenrinde, dessen Bau noch nicht vollendet war. Die Gestalt -des kleinen Fahrzeugs war durch eine Anzahl in regelmäßigen -Abständen von einander in die Erde gesteckte Stöcke angedeutet; die -Birkenrinden-Schichten waren angefeuchtet, und jede an dem geeigneten -Platze durch Cedern-Latten befestigt, die so gekrümmt sind, daß sie als -Rippen oder Fachwerk dienen; die Rindenschichten sind mit den zähen -Wurzeln des Tamarack (Lärchenbaum) zusammengestrickt; und die Ränder -des Canoes sind mit demselben Material besäumt oder umflochten; das -Ganze wird, ist es so weit vollendet, mit dickem Gummi überzogen. - -Ich hatte die Ehre, von Mrs. _Peter_ nach Hause gerudert zu werden, und -zwar in einem neuen Canoe, das eben erst von Stapel gelassen worden -war; die Bewegung war in höchstem Grade angenehm, ich saß auf dem Boden -des kleinen Fahrzeugs auf einigen leichten Schierlingstannen-Zweigen -und meine Heimfahrt war sehr ergötzlich und angenehm. Das Canoe, durch -den Arm der schwärzlichen Amazone in Bewegung setzt, flog schnell über -das Wasser, und bald landeten wir in einer kleinen Bucht in geringer -Entfernung von meinem Hause. Zur Vergeltung der mir von der Squaw -erwiesnen Aufmerksamkeit, erfreute ich sie durch das Geschenk einiger -Perlen zum Einwirken in Messerscheiden und Mokassins womit sie sehr -zufrieden zu sein schien; sie verbarg ihren Schatz sorgfältig im -Busentuche, und befestigte ihn noch überdieß mit einem Stückchen Bande. - -Gepaart mit einer eigenthümlichen Zurückgehaltenheit und ernstem -Temperament zeigen die Indianer in einigen Stücken zu gleicher Zeit -einen Grad von kindischem Wesen. Ich gab dem Jäger und seinem Sohne -eines Tages einige colorirte Kupferstiche, die ihnen viel Spaß zu -machen schienen, denn sie lachten gewaltig über die modisch gekleideten -Figuren. Nachdem sie das Haus verlassen, setzten sie sich auf einen -gefallenen Baum, versammelten ihre Hunde um sich und breiteren vor -jedem besonders die Gemälde aus. - -Die armen Thiere, anstatt die bunt gekleideten Herren und Damen -aufmerksam zu betrachten, streckten ihre Köpfe in die Höhe und -leckten ihren Herren Hände und Gesicht; allein der alte _Peter_ -hatte sich einmal vorgenommen, daß die Hunde das Vergnügen der -Gemäldeschau theilen sollten, daher drückte er sie mit der Nase auf die -Kupferstiche, und hielt sie an ihren langen Ohren fest, wenn sie Miene -machten, zu entweichen. Ich hätte den alten ernsten Indianer eines so -kindischen albernen Benehmens kaum für fähig gehalten. - -Diese halbcivilisirten Wilden scheinen gegenwärtig nicht mehr so -eingenommen für bunten glänzenden Putz wie früher, und beobachten -in ihrer Kleidung mehr einen europäischen Styl; es ist nichts -Ungewöhnliches, einen Indianer in einen feinen Tuchoberrock und -Pantalons gekleidet zu sehen, wiewohl ich gestehen muß, daß die -weiten Ueberhemden, womit die Regierung sie versorgt, und die einen -Theil ihrer jährlichen Geschenke bilden, ihnen weit besser stehen -und bequemer sind. Die Squaws ziehen baumwollene oder wollene -Röcke, Schürzen und Tücher, und andre dergleichen nützliche Artikel -vor; wiewohl sie ihre Kleinen gern recht herausputzen, und ihre -Wiegen-Decken mit Seide und Perlen sticken und an ihren Schultern -Flügel von Vögeln befestigen. Wie viel Vergnügen machte mir die -Erscheinung eines dieser indianischen Cupidos, der mit den Fittigen des -amerikanischen Streitvogels, eines sehr schönen Thieres, geschmückt -war. Der erwähnte Vogel ist unserm brittischen Buchfinken nicht -unähnlich, nur daß die Farben seines Gefieders lebhafter sind; Brust -und Unter-Federn der Flügel schmückt das glänzendste Carminroth, das -mit Schwarz und Weiß schattirt ist. Man hat diesen Vogel deshalb -Streit- oder Kriegs-Vogel genannt, weil er zuerst während des letzten -amerikanischen Krieges in Canada erschienen ist, ein Umstand, der, -meines Bedünkens, wohl verbürgt ist oder wenigstens allgemein Glauben -gefunden hat. - -Ueber Ihre Bemerkung, daß wir in den Urwäldern leicht zu einer -Leibibliothek unsre Zuflucht nehmen dürften, konnte ich mich kaum des -Lächelns enthalten. In einer Hinsicht, sind Sie in der That nicht -so weit von der Wahrheit entfernt; denn die Bibliothek eines jeden -Ansiedlers kann eine circulirende genannt werden, insofern die Bücher -von einem Freund zum andern wandern; und glücklicher Weise haben wir -einige recht wohl bestellte und reichhaltige Bibliotheken in unsrer -Nachbarschaft, die uns stets offen stehen. Zu York ist eine öffentliche -Bibliothek, allein von dieser können wir eben so wenig Gebrauch machen, -als wenn sie sich auf der andern Seite des atlantischen Ozeans befände. - -Ich weiß recht gut, wie sich die Sache verhält; in der Heimath hat -man dieselbe Vorstellung von der Leichtigkeit, in diesem Lande zu -reisen, die ich ehemals hatte; jetzt aber weiß ich, was Busch-Straßen -sind, eine Reise von nur wenigen Stunden scheint ein abentheuerliches -verhängnißvolles Unternehmen. Erinnern Sie sich wohl meines Berichtes -von einer Tagereise durch den Wald? Es thut mir leid, sagen zu müssen, -daß sich die Wege seitdem nur wenig verbessert haben. Ich habe nur noch -einmal eine ähnliche Fahrt gewagt, die mir mehre sehr beschwerdevolle -Stunden verursachte, und mehr durch gutes Glück als in Folge eines -andern Umstandes langte ich ganzbeinig an dem Orte meiner Bestimmung -an. Ich mußte dabei über die häufigen Betheuerungen des Wagenlenkers, -eines schlauen Burschen aus Yorkshire, lachen: »-- O! wenn ich nur -seine Excellenz den Gouverneur über diese Straße zu fahren hätte, wie -wollte ich die Pferde über diese Stummel und Steine traben lassen;« -aber bald darauf schrie er wieder: »Ich wette, er würde alles dafür -thun, ehe er wieder darauf führe.« - -Unglücklicher Weise haben wir auf dieser Seite des Flusses keine -von der Regierung angelegte Straße; sie ist blos von den Ansiedlern -zu größrer Bequemlichkeit durch den Wald gehauen worden, daher ich -fürchte, daß nichts zu ihrer Verbesserung gethan werden dürfte, wofern -die Einwohner nicht selbst Hand anlegen. - -Wir hoffen bald einen nähern Markt für unser Getraide zu haben, als -Peterborough ist; eine Kornmühle ist erst kürzlich in dem neuen Dorfe -errichtet worden. Dies wird ein großer Vortheil für uns sein. Die -Herbeischaffung von Mehl auf den schlechten Fahrwegen verursacht großen -Kostenaufwand, und der Zeitverlust, den diejenigen erleiden, welche -ihren Weizen zum Mahlen nach der Stadt senden müssen, ist ein großes -Uebel; allein das wird bald anders werden, zur großen Freude der ganzen -Nachbarschaft. - -Sie können sich gar nicht vorstellen, wie wichtig dergleichen -Verbesserungen sind, und welchen Einfluß sie auf Ermuthigung des -Emigranten haben, wozu noch kommt, daß sie den Werth seines Besitzthums -in keinem geringen Grade vermehren; wir haben uns bereits von den -Vortheilen überzeugt, welche die Nähe der Sägemühle für uns hat, indem -wir nunmehr nicht nur billiger bauen sondern auch rohe Stämme gegen -zugeschnittnes Holz austauschen können. Die großen Fichtenstämme, -welche unter andern Umständen nichts als ein Hinderniß bei Lichtung -des Bodens sein würden, sind, wenn sie in der für die Behandlung auf -der Sägemühle erforderlichen Form gefällt werden, was sich leicht thun -läßt, wo sie in der Nähe des Wassers stehen, sehr gewinnbringend, die -Stämme müssen eine gewisse Länge haben und werden von Ochsen während -des Winters, wenn der Boden fest gefroren ist, hart an den Rand des -Sees geschleift; sobald das Eis aufbricht, schwimmen die Baumstämme mit -der Fluth stromabwärts und gelangen so in den Mühlgraben; ich habe den -See unsern Fenstern gegenüber mit dergleichen schwimmenden, auf seinem -Wege zur Sägemühle begriffnen Holze bedeckt gesehen. - -Wie schätzbar würden die großen Eichen und riesenhaften Fichten in -einem englischen Besitzthum sein; während man sie hier nicht mehr -achtet, als man in der Heimath kleine unbedeutende Bäumchen achtet. -Einige Jahre später dürfte man indeß die gewaltigen Stämme welche -jetzt verbrannt werden, im Bauwesen vermissen. Die Eichen eignen -sich vorzüglich zu Umpfählungen und Gitterwerk, weil ihr Holz sehr -dauerhaft ist; Fichten, Cedern und weiße Aeschen werden vorzüglich -zu Schlagbäumen und dergleichen verwendet; Ahorn und Buchen liefern -das beste Brenn-Holz; weiße Aesche brennt gut. Zur Bereitung von -Seifenlauge nimmt man keine andre, als Asche von hartem Holz: als -Eiche, Aesche, Ahorn und Buche; alle harzhaltige Bäume taugen nicht -zu diesem Behuf, die Lauge von dergleichen Asche verbindet sich beim -Sieden nicht mit dem Fett, zum großen Verdruß des nicht eingeweihten -Seifensieders, der, hätte er den eben erwähnten Umstand gekannt, viel -Zeit und Mühe, und, was das Wichtigste ist, viel von dem seit Monaten -sorgfältig gesammelten Material erspart haben würde. - -Die Frau eines amerikanischen Ansiedlers erzählte mir dies und rieth -mir, bei Bereitung meiner Seifenlauge sorgfältig alle Fichten-Asche -auszuschließen. Und hier muß ich bemerken, daß unter allen -Ansiedlern die Yankies, wie sie genannt werden, die fleißigsten und -erfindungsreichsten sind; sie sind nie wegen eines Auskunftsmittels -in Verlegenheit; wenn ihnen der eine Plan fehl schlägt, so ergreifen -sie mit einer Gedankenschnelligkeit, die mich mit Staunen erfüllt, -während sie bei ihnen ganz natürlich zu sein scheint, einen andern. Sie -scheinen eine Art angeborner Geistesgegenwart zu besitzen, und, anstatt -ihre Energie in Worten darzuthun, _handeln_ sie. - -Die alten Ansiedler, welche lange unter ihnen gewesen, scheinen sich -dieselben Gewohnheiten anzueignen, so daß es schwer hält, sie von den -Yankies zu unterscheiden. Ich habe die Amerikaner ein geschwätziges -Volk nennen hören; allein, so weit meine Bekanntschaft mit ihnen -reicht, möchte ich sie vielmehr für laconisch halten, und wenn ich sie -nicht recht leiden kann, so ist vielmehr ihr kaltes kurzangebundnes -Benehmen daran schuld, welches eine Schranke zwischen uns zu ziehen -scheint. - -Die Bemerkungen eines wandernden Uhrmachers, aus dem Staate Ohio -gebürtig, befremdete mich ein wenig. Nachdem er nämlich die -Vorzüglichkeit des Ohio-Klimas in Vergleich mit dem unsrigen (in -Canada) gerühmt, sagte er, in Beantwortung einiger von meinem Gatten -an ihn gerichteten Fragen; er wundre sich, daß alle Leute von feiner -Bildung Canada, besonders den Busch, wo sie manches liebe Jahr -hindurch alle höheren Annehmlichkeiten und verfeinerten Genüsse des -Lebens entbehren müßten; den reichen, halbcultivirten und fruchtbaren -Ohio-Staat, wo man noch dazu Land, sowohl wildes als gelichtetes, weit -billiger kaufen könne, vorzögen. - -Hierauf antworteten wir, daß erstens brittische Unterthanen lieber -unter brittischer Botmäßigkeit ständen, und daß dieselben überdies den -Sitten seiner Landsleute abgeneigt wären. Er erkannte freimüthig den -ersten Einwurf als richtig, bemerkte aber hinsichtlich des andern -daß man die Amerikaner im Allgemeinen nicht nach den einzelnen, in -den brittischen Colonien vorkommenden Beispielen beurtheilen dürfe. -Da letztere in der Regel Leute von eben nicht sonderlichem Ruf wären, -viele derselben hätten sich Schulden oder andrer schlechter Streiche -wegen, nach Canada geflüchtet; »es wäre hart,« fügte er hinzu, »wenn -man die Engländer nach den nach Botany-Bay transportirten Verbrechern -beurtheilen wollte.« - -Nun war nichts Ungefälliges oder Rohes in dem Benehmen dieses Fremden, -und die Vertheidigung seiner Nation war ruhig und vernünftig, mit einem -Wort von der Art, daß jeder Vorurtheilsfreie ihn deswegen nur achten -mußte. - -So eben unterbricht mich ein Freund und sagt mir, daß er Gelegenheit -habe, eine portofreie Sendung nach London oder Liverpool zu machen, -und daß er in der Kiste, die er für England packe, ein Packet von mir -einschließen wolle. - -Das Anerbieten ist mir sehr willkommen, nur bedaure ich, daß ich nichts -als einige Blumen-Samen, einige indianische Fabrikate und etliche -Schmetterlinge zu senden habe -- die letzten sind für _Jane_ bestimmt. -Ich hoffe, daß nicht alle das Schicksal der letzten theilen werden. -_Sarah_ hat mir geschrieben, daß sie von der grünen Nacht-Eule, die ich -das letzte Mal in der kleinen Schachtel mitgeschickt, nichts weiter -gefunden habe, als etwas Staub und einige rothe Füße. Es ist mir, -jedoch nicht ohne Schwierigkeit geglückt, ein andres und schöneres -Exemplar zu erlangen; aber, aus Furcht, daß ihm ein ähnliches Schicksal -widerfahren könnte, will ich wenigstens durch nachstehende Beschreibung -das Andenken seiner Schönheit zu erhalten suchen. - -Er mißt von einer Flügelspitze zur andern gerade fünf Zoll; der Leib -ist so dick, wie mein kleiner Finger, schneeweiß und mit langem seidnen -Haar bedeckt; die Beine und Fühlhörner sind hellroth, letztere sind -auf den beiden Seiten gezahnt wie ein Kamm; beide Flügel, Ober- und -Unter-Flügel zeichnen sich durch schönes Blaßgrün aus, und haben an den -Rändern goldne Franzen; jeden Flügel schmückt ein kleiner Halbmond von -Blaßblau, Roth und Orangenfarben; das Blau nimmt die Mitte ein, wie -ein halbgeschloßnes Auge; die untern Flügel sind tief ausgeschnitten, -sie bilden dergestalt zwei lange Schwänze, wie bei dem sogenannten -Schwalbenschwanz (Schmetterling) von ungefähr einem vollen Zoll in -Länge, und sind tief gefranzt; mit einem Wort, dieser Schmetterling ist -das reizendste Insekt, welches ich je gesehn habe. - -Wir besitzen eine große Mannigfaltigkeit an Pfauenaugen -(Schmetterlinge), die sich durch Farbenpracht und unzählige Augen auf -den Flügeln auszeichnen. Der gelbe Schwalbenschwanz, der schwarz und -blaue Admiral, und der roth, weiß und schwarze Admiral, nebst manchen -andern prächtigen Varietäten, die ich nicht beschreiben kann, sind -ebenfalls sehr gemein. Der größte Schmetterling, den ich bis jetzt -gesehn, zeichnet sich durch ein muntres Vermilion aus, welches durch -ein über seine großen Schwingen verbreitetes Netz von schwarzen Linien -noch mehr hervorgehoben wird. - -Das Libellen-Geschlecht anlangend, so haben wir dergleichen von jeder -Größe, Gestalt und Farbe. Vorzüglich erfreute mich ein Pärchen prächtig -blauer, die ich häufig auf meinen Spaziergängen sah, wenn ich meine -Schwester besuchte. Sie waren so groß wie Schmetterlinge, mit schwarzen -Flor-Flügeln, auf jedem Flügelpaar prangte ein mit Scharlachroth -schattirter Halbmond vom glänzendsten Azurblau; der Leib dieser schönen -Thierchen war ebenfalls blau. Außerdem bin ich auf scharlachfarbne und -schwarze, gelb und schwarze, kupferfarbne, grüne und braune gestoßen; -letztere sind große Feinde der Musquitos und andrer kleiner Insekten -und schwärmen des Abends in Aufsuchung von Beute in großen Schaaren -überall umher. - -Die Feuerfliegen dürfen nicht vergessen werden, denn unter allen andern -sind sie die merkwürdigsten, ihre Erscheinung kündet gemeiniglich Regen -an; man sieht sie oft, nach Eintritt der Dunkelheit, an milden feuchten -Abenden, zwischen den Cedern am Saume der Wälder, und besonders in der -Nähe von Lachen und Sümpfen umherschwärmen, und sie erleuchten die -Luft mit ihrem glänzenden tanzenden Lichte. Bisweilen sieht man sie in -Gruppen, gleich Sternschnuppen in der mittlern Luftregion schweben, -oder so tief herabsteigen, daß sie in die Zimmer gerathen und um -die Bett- und Fenster-Vorhänge herumgaukeln; das Licht, welches sie -verbreiten ist heller und glänzender als das des Johanniswürmchens, -aber es geht auf dieselbe Weise, wie bei diesem von dem untern Theile -des Leibes aus. Auch das Johanniswürmchen ist keine seltne Erscheinung, -man sieht es sogar noch im September, versteht sich in milden, warmen, -thauigen Nächten. - -Wir haben Ueberfluß an großen und kleinen Käfern, einige sind sehr -prachtvoll grün und golden, rosenfarben, roth und schwarz; einige -völlig schwarz, furchtbar groß, mit weitspreizigen ästigen Hörnern. -Wespen sind nicht so lästig wie in England, allein ich glaube, dies ist -blos darum der Fall, weil wir diesen räuberischen Insekten nicht die -nämlichen Lockungen darbieten können, wie unsre heimathlichen Gärten. - -Einer unsrer Holzfäller brachte mir eines Tages ein Hornissen-Nest, -wie er es nannte, es war jedenfalls ein schönes und zartes Werk für -ein so großes Insekt; und ich vermuthe vielmehr, daß es einem schönen -goldfarbigen Insekt, Wespen-Fliege (^wasp-fly^) genannt, angehört, -indeß weiß ich dies nicht gewiß. Das Nest glich in Größe und Gestalt -einem Truthahn-Ei und bestand aus sechs papiernen Bechern, die einer -in den andern geschoben, und immer einer kleiner als der zunächst -vorhergehende äußere waren, und der innerste erschien nicht viel größer -als ein Tauben-Ei. Ein prüfender Blick durch die Oeffnung des letzten -Bechers, ließ mich im Innern eine kleine Scheibe mit zwölf Zellen von -vorzüglicher Nettigkeit und von weit größrer Regelmäßigkeit, als die -Zellen der gemeinen Hausbiene zu sein pflegen, wahrnehmen; in Größe -glich eine Zelle nur dem dritten Theil von denen der Honig-Biene. Die -Substanz, woraus die Becher bestanden, war ein feines, silbergraues, -seidenartiges Gewebe, so fein als das feinste chinesische Seiden-Papier -und äußerst spröde; wenn man es schwach netzte, so wurde es klebrig -und haftete etwas an dem berührenden Finger; das Ganze war sorgfältig -an einen Stock befestigt, ich habe seitdem ein dergleichen Netz an -eine rohe Gitterstange befestigt gesehen. Ich konnte nicht umhin, die -instinktmäßige Sorgfalt zu bewundern, welche in der Bildung dieses -Meisterstücks von Insekten-Baukunst zur Schützung des Embryos gegen -schädliche Einflüsse, namentlich gegen die Gefräßigkeit von Vögeln, so -wie gegen Regen und Unwetter zu Tage lag; der Regen konnte wohl kaum -einen Eingang in das Innere finden. - -Ich hatte -- wenigstens glaubte ich so -- meinen Schatz sorgfältig in -einem Tischkasten verwahrt, allein ein ruchloser kleiner Spitzbube -von Maus machte ihn ausfindig und zerriß ihn in Stücke, um des -Bischen Honigs willen, das in einer oder zwei Zellen enthalten war. -Ich war sehr ärgerlich darüber, denn ich hatte mir fest vorgenommen, -das hübsche Nest bei günstiger Gelegenheit einem lieben Freunde in -Gloucester Place zu senden, der ein großer Freund von dergleichen -Naturmerkwürdigkeiten ist, und mir einst ein Nest von ähnlicher Form -zeigte, welches in einem Bienenstock gefunden worden war; doch war -bei diesem das Material weit gröber, auch hatte es, erinnere ich mich -recht, nicht sechs, sondern nur zwei Zellen. - -Ich bin stets sehr begierig darauf gewesen, das Nest eines Kolibris zu -sehen, war aber bisher nicht so glücklich, meinen Wunsch befriedigen zu -können. Diesen Sommer hatte ich einige Beete mit Kartäuser-Nelken und -andern Blumen, besonders einigen prächtigen Convolvolus-Arten (^morning -gloves^), wie sie die Amerikaner nennen, bepflanzt; diese lieblichen -Blumen lockten die Kolibris an, meinen Garten zu besuchen, und ich -hatte das Vergnügen, ein Pärchen dieser schönen Vögel zu sehen, allein -ihr Flug ist so eigenthümlich, daß man kaum einen vollkommnen Anblick -ihrer mannigfaltigen Farben erlangen kann; ihre Bewegung, wenn sie auf -dem Flittig schweben, gleicht dem Umkreisen eines Spinnrades, und das -Geräusch, das sie dabei erregen, dem Schnarren oder Sumsen eines im -Gange begriffnen Rades; ich will jetzt recht viel Blumen anpflanzen, um -die niedlichen Thiere zum Nisten in unsrer Nähe zu bestimmen. - -Ich fürchte bisweilen, daß ich Ihnen mit meinem langen uninteressanten -Briefe beschwerlich falle; die einzige Quelle, woraus ich schöpfen -kann, ist das Hauswesen und die Naturgeschichte des Landes, und hiervon -theile ich Ihnen alles dasjenige mit, was durch seine Neuheit Ihre -Aufmerksamkeit fesseln dürfte. Wahrscheinlich mag ich bisweilen Ihre -Erwartung täuschen, indem ich Ihnen Dinge erzähle, welche den Zustand -eines Emigranten in ein ungünstiges Licht setzen; allein ich trage die -Sachen ganz so vor, wie ich sie gesehen oder gehört habe. Ich könnte -Ihnen manche günstig lautende Berichte von den Ansiedlern in diesem -Lande geben; ich könnte das Gemälde auch umkehren, und Sie würden -endlich zu dem Schlusse gelangen, daß es an Gründen für und wider -Auswanderung nicht fehle. Der erste und wichtigste Grund indeß ist und -bleibt _Nothwendigkeit_, und dieser wird stets die Wagschale zu Gunsten -der Auswanderung kehren; und dieselbe befehlshaberische und herrische -Dame _Nothwendigkeit_ sagt mir, daß es _nothwendig_ sei, meinen Brief -zu schließen. - -Leben Sie wohl, ich unterzeichne mich in Liebe und Achtung Ihre - - ergebenste Freundin. - - - - -Siebzehnter Brief. - - Kaltes Fieber. -- Unwohlsein der Familie. -- Wahrscheinliche Ursache. - -- Wurzel-Haus. -- Eintritt des Winters. -- Insekt, der Säger genannt. - -- Einstweilige Kirche. -- - - - November 28, 1834. - -Mein mehrmonatliches Stillschweigen wird Sie gewiß befremdet haben, -allein wenn ich Ihnen erzähle, daß Krankheit daran Schuld war, so -werden Sie sich nicht mehr darüber wundern, daß ich nicht eher als -heute wieder geschrieben habe. - -Mein guter Mann, meine Magd, mein armer Kleiner und ich selbst wurden -alle zu gleicher Zeit vom Fieber befallen und ans Bett gefesselt. Sie -wissen nur zu gut, wie mich das kalte Fieber stets zu Hause gequält -hat, und dürfen sich daher nicht wundern, wenn ich Ihnen sage, daß -meine Leiden, in einem Lande, wo Sumpffieber und alle Arten von -Wechselfiebern zu Hause sind, nicht gering waren. - -Wenige Emigranten kommen durch das erste Jahr, ohne von diesen Uebeln -heimgesucht zu werden; die Behandlungs-Weise besteht in wiederholten -Gaben Calomel (versüßtes Quecksilber) nebst Biber-Oel oder Salzen, -worauf China angewendet wird. Diejenigen, welche dabei von ärztlicher -Behandlung nichts wissen wollen, curiren sich mit Wachholder- oder -starken Aufgüssen von Hyson oder einem andern starken grünen Thee, -Pfeffer und Branntwein, nebst manchen andern Mittelchen, denen -Gewohnheit oder Quacksalberei das Wort redet. - -Ich will nicht länger bei dieser traurigen Zeit stehen bleiben, als -nöthig ist, um Ihnen zu sagen, daß wir die Ursache unsers Erkrankens -in einer übeln Ausdünstung suchen, die wohl von einem Keller unter -der Küche ausgehen mochte. Als der Schnee schmolz, füllte sich dieser -Keller zur Hälfte mit Wasser, entweder in Folge der Nässe, welche -durch den schwammigen Boden eindrang, oder aus einem Quell, der unter -dem Hause entspringen mochte; wie dem auch sei, die Hitze des Koch- -und Brat-Ofens in der Küche bewirkte eine Gährung in der stockenden -Flüssigkeit, ehe sie entfernt werden konnte; die schädlichen Dünste, -welche sich aus dieser Masse fauligen Wassers entwickelten, waren uns -allen nachtheilig; die Hausmagd, welche dem schädlichen Einfluß am -meisten ausgesetzt war, erkrankte zuerst --, und kurz darauf folgten -wir alle nach, so daß bald keiner mehr dem andern Beistand leisten -konnte. Ich glaube, meine Krankheit steigerte sich noch dadurch, daß -ich die Leiden meines guten Gatten und meines theuren Kindes mit -ansehen mußte. - -Das Fieber, Dank sei es dem Calomel und dem Quinin, verließ mich -nach Verlauf von vierzehn Tagen wieder; und eben so mein Kind und -seine Wärterin. Meinem Gatten aber hing es den ganzen Sommer hindurch -an, hemmte ihn in seiner Thätigkeit und stimmte ihn mißmuthig und -verdrießlich; letztres ist eine unausbleibliche Folge des Fiebers, es -macht eben so kleinmüthich und verzagt, und stimmt die Lebens-Geister -eben so sehr herab, wie ein Nervenfieber. Mein Knabe ist, seitdem er am -Wechselfieber gelitten, noch nie wieder recht gesund gewesen, und sieht -sehr blaß und grillig aus. - -Wir würden uns, da weder eine Magd, noch eine Wartefrau, noch sonst ein -dergleichen Dienstbote zu erlangen war, in einer sehr schlimmen Lage -befunden haben, wofern uns nicht _Marie_ und _Susanne_ beigestanden -hätten. Ich wußte wirklich nicht, was unter so mißlichen Umständen, -ohne diese Hülfe, aus uns hätte werden sollen. - -Dieser Sommer ist ausnehmend heiß und trocken gewesen; das Wasser in -den Seen und Flüssen war ausgetrocknet, mehre Wochen hindurch fiel -auch nicht ein Tropfen Regen. Die äußerste Dürre vernichtete die -Kartoffel-Ernte völlig. Unser indianisches Korn dagegen stand sehr -schön, desgleichen geriethen die Kürbisse gut. Wir hatten einige schöne -Gemüse im Garten, vorzüglich Erbsen und Melonen, die letztern waren -sehr groß und zart. Die Cultur der Melone ist sehr einfach; man häuft -zuerst vermittelst einer breiten Hacke die umgebende Erde zusammen; die -Mitte dieses Haufens wird dann leicht ausgehöhlt, so daß sie gleichsam -ein Becken bildet, und die Erde am Rande wird noch etwas gehoben; in -diese Höhlung steckt man mehre Melonen-Samen und überläßt sie dann -der Sonnenhitze, indeß ist es gut, wenn man den Pflanzen von Zeit zu -Zeit etwas Wasser giebt; der Boden muß wo möglich in schöner schwarzer -Damm-Erde bestehen; und wenn die kleinen Hügelchen eine Niedrigung -einnehmen, so daß immer etwas Wasser im Umkreise stehen bleibt, desto -besser gerathen die Melonen. Es ist die Meinung mehrer praktischer -Leute, welche durch mehrjährige Bekanntschaft mit dem Lande, Erfahrung -eingeerntet haben, daß man bei Anlegung und Anpflanzung eines Gartens -die Beete nicht empor heben soll, wie dies gewöhnlich der Fall ist; -sie geben als Grund dafür an, daß die Sonnen-Hitze die Feuchtigkeit, -wenn das Beet hoch ist, leichter vom Erdreich wegziehe, als im -entgegengesetzten Fall, und daß in Folge der Dürre des Bodens die -Pflanzen welken. - -Da einige Wahrheit in dieser Bemerkung zu sein scheint, so bin ich -geneigt, das Verfahren anzunehmen. - -Gemüse sind im Allgemeinen gut und gelangen schnell zur Reife, wenn -man bedenkt, wie spät im Jahre sie gepflanzt werden. Erbsen sind stets -gut, besonders die großen englischen Erbsen (^marrowfats^), welche -bisweilen auf den Feldern in gelichtetem Boden, welcher unter dem -Pfluge ist, gezogen werden. Wir haben eine große Mannigfaltigkeit an -Bohnen, alle der französischen Sorte (Schminkbohne) angehörig; von -einer sehr ergiebigen Laufbohne lege ich einige Samen für sie bei; das -Verfahren beim Legen derselben besteht kürzlich in Folgendem: man macht -einen kleinen Hügel von Damm-Erde indem man die Erde mittels einer -Hacke zusammen häuft; drückt ihn an der Spitze platt oder höhlt ihn -etwas aus, so daß die Vertiefung gerade die Mitte einnimmt, und legt -längs den Rändern vier oder fünf Samen hinein; sobald die Bohne aufgeht -und Ranken treibt, steckt man in die Mitte des kleinen Hügels eine -fünf bis sechs Fuß lange Stange; sämtliche Pflanzen vereinigen sich an -der Stange, winden sich um dieselbe empor, und tragen eine zahllose -Menge Schoten (Bohnen), welche wie die Scharlachbohnen geschnitten -und gekocht oder auch in ihrem trocknen und reifen Zustande benutzt, -nämlich geschmort und mit eingesalznem Fleische genossen werden; -letztres ist, glaube ich, das gewöhnliche Verfahren. Die zeitige -Buschbohne ist eine Zwerg-Art mit glänzendgelben Samen. - -Unser Salat ist gut und leicht zu erbauen, man erhält ihn sehr zeitig, -wenn man die Saatlinge verpflanzt, welche, gleich nachdem der Schnee -gewichen ist, über der Erde erscheinen. Kraut, und alle Wurzel-Arten -werden den Winter über in Kellern oder Wurzel-Häusern aufbewahrt; aber -von der nachtheiligen Gewohnheit, grüne Gemüse in den seichten feuchten -Kellern unter der Küche aufzuheben, mögen manche Krankheiten herrühren, -wovon die Ansiedler, unter der Form von Sumpf-, Wechsel- und andern -nachlassenden Fiebern heimgesucht werden. - -Manche, besonders von der niedern Klasse sind nicht hinreichend sorgsam -in Befreiung dieser Keller von den verwitternden Ueberbleibseln -vegetabilischen Stoffes, die man oft Jahrelang sich anhäufen läßt, und -hierdurch muß natürlicher Weise die Atmosphäre in den Häusern verdorben -werden. Ist das Haus klein und die Familie zahlreich, und mithin den -schädlichen Einflüssen während der Nacht ausgesetzt, so kann man sich -die traurigen Folgen leicht vorstellen. - -»Man spreche nur nicht von Seen und Morästen, als der Ursache von -Fiebern und Rheumatismen; man richte sein Augenmerk hierbei besonders -auf die Keller,« war der Ausspruch eines erfahrnen Yankie-Doctors. Und -wirklich glaube ich, daß der Keller unsers Hauses schuld an unserm -Erkranken war, und daß seine Ausdünstungen das Uebel den ganzen -Frühling und Sommer hindurch unterhielten. - -Ein Wurzel-Haus ist zur Bequemlichkeit einer Ansiedler-Familie durchaus -erforderlich; bei gehöriger Construction, mit doppelten Blockwänden, -und bei gehöriger Verwahrung des Daches gegen das Durchsickern des -Regens oder schmelzenden Schnees, kann man darin Gemüse, Fleisch und -Milch lange und unversehrt aufbewahren. Sie werden fragen, warum, wenn -der Nutzen wirklich so groß und die Bequemlichkeit so wesentlich ist, -nicht jeder Ansiedler ein dergleichen Nebengebäude errichtet? - -Das, liebe Mutter, ist gerade die Bemerkung, welche jeder neue -Ankömmling macht; allein er überzeugt sich nur zu bald von den -Schwierigkeiten, welche einer Einrichtung der Art zu Anfange entgegen -stehen; er müßte denn, was aber leider nicht oft der Fall ist, bares -Geld in Ueberfluß besitzen, um die erforderliche Arbeiter-Zahl -miethen zu können. Arbeits-Löhne sind so kostspielig, und die Zeit -zur Arbeit ist so kurz, das die Aufführung manches nützlichen, zur -Bequemlichkeit dienenden Gebäudes für die Zukunft aufgespart werden -muß; ein Keller, den ein Mann, vorausgesetzt, daß er fleißig arbeitet, -in zwei Tagen graben kann, ist alles, worauf man vor der Hand zählen -darf, bis die Zeit kommt, wo man mehr Muße hat, oder die Nothwendigkeit -ein Wurzel-Haus erheischt. Wir selbst können uns als Beispiel dieses -eben nicht willkommnen Aufschubs anführen; allein nunmehr sind die -Blöcke dazu geschnitten, und wir werden in nächstem Frühjahr eine so -nützliche Anstalt besitzen. Ich würde aber doch jedem rathen, gleich -von vornherein oder doch so bald als möglich ein Wurzel-Haus zu bauen, -so wie auch einen Brunnen zu graben; das nur wenige Fuß unter der Erde -befindliche Quellwasser machen letztre Arbeit weder schwierig noch -sehr kostspielig. Die Bäche und kleinen Wasser-Behälter versiegen bei -sehr trocknem Wetter nicht selten, und das See- und Fluß-Wasser wird -im Frühjahr und Sommer warm und ekelhaft. Das Quell-Wasser ist in der -Regel kalt, -- selbst in der heißesten Jahreszeit, -- und in hohem -Grade erfrischend. - -Der Winter scheint jetzt in seiner ganzen Strenge einzutreten. Schnee -ist seit Mitte Oktobers bereits zweimal gefallen, aber eben so oft -wieder verschwunden, allein jetzt ist der Boden steinhart gefroren; -der kühne Nordwestwind bläst eiskalt über die öde Flur, und Alles -und Jedes um uns her erscheint frostig und winterhaft. Die dunkle -Fichten-Linie, welche die entgegengesetzte Seite des Sees begrenzt, -ist bereits mit Reif und Schnee bedeckt, und der halbgefrorne See -zeigt eine dunkle Bleifarbe, deren Einförmigkeit blos die in langen -Spitzen hervorschießenden Eismassen, welche gleichsam Baien und -Halbinseln bilden, unterbrechen. Die Mitte des Stroms, wo die Gewalt -des Wassers am größten ist, ist noch nicht ganz mit Eis belegt, sondern -fließt in dunkeln Wogen dahin, wie ein Fluß zwischen seinen gefrornen -Ufern. An einigen Stellen, wo die Ufer abschüssig und mit Wurzeln -und Strauch-Werk überwachsen sind, nehmen der gefallne Schnee und das -Wasser die seltsamsten Formen an. - -Ich bin an heitern Winter-Tagen stundenlang stehen geblieben und habe -meine Augen mit namenlosem Entzücken auf den mimischen Wasserfällen -weilen lassen, die längs dem Ufer zu festen Eismassen erstarrt sind, -und als ich von dem Mühlendamm aus diese niedlichen Spielereien Vater -Frosts betrachtete, malte ich mir im Geiste die erhabne Scenerei der -arktischen Welt. - -Trotz seiner sehr langen Dauer und äußersten Strenge habe ich doch den -canadischen Winter gern; er ist entschieden die gesundeste Jahreszeit; -und es ist kein kleiner Genuß, von den Plagen der Insekten-Schwärme -befreit zu sein, die der Annehmlichkeit der schönen Sommer-Monate -keinen geringen Abbruch thun. - -Wir haben so eben Ihr letztes Packet erhalten; -- tausend, tausend Dank -für den Inhalt! Wir alle freuen uns über Ihre nützlichen Geschenke, -vorzüglich über die warmen Shawls und Merinos. Mein kleiner _James_ -(_Jacob_) nimmt sich in seinem neuen Röckchen ganz allerliebst aus, -es wird ihn recht gut gegen die Kälte schützen; er küßte die schönen -mit Pelz gefütterten Pantoffeln, die Sie für mich beigelegt haben, -und sagte »Pussy, Pussy;« bei dieser Gelegenheit will ich erwähnen, -daß wir eine hübsche Katze haben, welche _Nora Crena_ heißt, und die -Abschiedsgabe unsrer Freundin *** ist, die sie meinem Knaben zum -Andenken hinterließ. _James_ ist ganz vernarrt in das Thier; und ich -muß Ihnen sagen, daß ich sie fast als eine zweite _Wittington's_ Katze -betrachte; weder Maus noch Tschitmunk hat sich seit ihrer Gegenwart in -unsre vier Pfähle gewagt; selbst die Heimchen, welche uns mit ihrem -ewigen Gezirp von früh bis in die sinkende Nacht beschwerlich fielen, -haben ihre alte Behausung verlassen. Außer den Heimchen, die oft in -solcher Menge umher schwirren, daß sie eine wahre Plage abgeben, -und tuchene und wollene Kleider verderben, werden wir von großen -schwarzen Ameisen heimgesucht, die überall umher galloppiren, und -Zucker, Eingemachtes, Kuchen, kurz jede Leckerei, wozu sie nur immer -gelangen können, verzehren; diese Insekten sind dreimal so groß als die -schwarzen Ameisen in England, und haben einen entsetzlichen Appetit; -wenn sie keine bessere Beute finden können, so tödtet die eine die -andre, und dies mit dem Ingrimm und der Geschicklichkeit der Spinne. -Sie scheinen in ihrer Lebensweise weniger gesellig zu sein als andre -Ameisen; wiewohl ich mich, bei Berücksichtigung der beträchtlichen -Anzahl, die in unser Zimmer dringt, zu dem Schlusse geneigt fühle, daß -sie eben so, wie die übrigen Arten der Gattung, einen Verein bilden und -in Gemeinschaft mit einander leben. - -Während des ersten Jahres seines Aufenthalts in einem neuen Blockhause -wird man durch ein beständiges knarrendes, den Ohren äußerst -unangenehmes Geräusch belästigt, bis man sich daran gewöhnt hat; dies -wird durch ein Insekt, gewöhnlich der _Säger_ genannt, verursacht. -Es sind die Larven einer Fliege, die ihre Eier in die Rinde der -Fichten-Bäume legt, das Thierchen in seinem unreifen Zustande ist von -weißlicher Farbe, der Körper besteht aus elf Ringen; der Kopf ist mit -einer kurzen harten Zange bewaffnet, die Haut des Sägers ist so rauh, -daß man beim Darüberwegfahren mit dem Finger eine Raspel zu berühren -scheint, und doch erscheint sie dem Auge völlig glatt und eben. Sie -würden sich wundern, wenn Sie den Haufen feiner Sägespäne unter dem -Loche sähen, woran er die ganze Nacht hindurch gearbeitet hat. Diese -Säger sind ein gutes Futter für die Baumhacker, und in Gemeinschaft mit -einander tragen sie zur schnellen Zerstörung der gigantischen Waldbäume -bei, die andernfalls die Erde Jahrhunderte hindurch belasten würden. -Wie unendlich groß ist die Weisheit, welche die physische Welt regelt -und beherrscht! Wie oft sehen wir große, gewaltige Ereignisse, die -durch scheinbar unbedeutende Umstände herbeigeführt werden! aber alle, -so klein sie auch erscheinen mögen, sind Diener, welche den Willen -ihres Herrn und Gebieters vollstrecken. Einem großen Mangel, nämlich -dem Mangel an öffentlichem Gottesdienst an Sonn- und Festtagen wird -nun bald abgeholfen werden. Man geht damit um, eine Subscription unter -den Ansiedlern dieses und eines Theils der benachbarten Gemeinde zur -Aufführung eines kleinen Gebäudes zu eröffnen, welches zugleich den -Zwecken einer Kirche und eines Schul-Hauses entsprechen und überdies -die Besoldung eines Predigers für seine Bemühungen decken soll. -- -Er hat sein Gesellschaftszimmer zur einstweiligen Versammlung der -Andächtigen hergegeben, und ein sehr achtbarer junger schottischer -Geistlicher hat schon verschiedne Male darin Gottesdienst gehalten; ich -kann Ihnen versichern, daß unsre religiösen Versammlungen, trotz dem, -daß die Emigranten theils der katholischen, theils der bischöflichen u. -s. w. Kirche angehören, ziemlich zahlreich ausfallen. - -Die Unterschiede zwischen den verschiednen Glaubensgenossen fallen -in diesem Lande nicht so in die Augen, als in der Heimath; besonders -weil man den Mangel an religiösen Zusammenkünften nur zu merklich -fühlt, und mehr den großen allgemeinen Zweck aufrichtiger und inniger -Gottesverehrung ins Auge faßt. Das Wort »_Gott_« ist ein Wohlklang -für das Ohr. Möge der Segen des Himmels denjenigen zu Theil werden, -welche in Geist und Wahrheit bestrebt sind, die öffentlichen Gebräuche -des Sabaths wieder herzustellen, die, wenn sie unsrer eignen Leitung -überlassen blieben, nur zu leicht in Vergessenheit gerathen dürften. - - Leben Sie wohl! - - - - -Achtzehnter Brief. - - Geschäftreiches Frühjahr. -- Zunahme der Gesellschaft und - Bequemlichkeit. -- Erinnerungen an die Heimath. -- Nordlicht. - - -Dies ist ein geschäftreiches Frühjahr für uns gewesen; zuerst hatten -wir Zucker zu sieden, und diesmal in größerer Menge als früher, als -wir unsern ersten Versuch machten. -- Alsdann hatten wir Werkleute, -indem unser Haus mancher Erweiterung bedurfte; wir haben eine große und -bequeme Küche bauen lassen, die alte dient jetzt als Schlafgemach; das -Wurzel-Haus und die Milcherei sind ziemlich vollendet. -- Wir haben -einen Brunnen mit trefflichem Wasser gleich vor der Thür, und eine -hübsche hölzerne Scheune ist diese Woche fertig geworden, sie enthält -zugleich einen Getraideboden und einen Stall, mit einer Abtheilung für -das Federvieh, welches mir viel Unterhaltung und Freude gewährt. - -Außer einem hübschen Hühner-Völkchen, den Abkömmlingen von zwei Hennen -und einem Hahn oder Rooster, wie die Yankies diesen Vogel nennen, habe -ich einige Enten, wozu diesen Sommer auch Truthühner und Gänse kommen -werden. Ich verlor etliche meiner besten Vögel nicht durch den Stößer, -sondern durch ein sehr schädliches Thier, welches unserm Iltiß genau -verwandt ist und hier Scunck genannt wird; es ist weit räuberischer, -und richtet größere Verheerungen an als Fuchs und Habicht; denn es -kommt wie ein Dieb in der Nacht, dringt in den Hühnerhof ein und -hinterläßt furchtbare Spuren seiner Raubgier und seines Blutdurstes. - -Unser Garten, der bisher weiter nichts als eine viereckige -Einfriedigung für Gemüse war, erhält eine andre, dem Auge gefälligere -Form; zwei halbkreisförmige Flügel laufen vom Eingange nach beiden -Seiten des Hauses; der Zaun ist eine Art rohes Korb- oder Hürden-Werk, -wie Sie dergleichen in England häufig sehen können, und welches die -Bauern geflochtnen Zaun nennen; jedenfalls nimmt sich eine dergleichen -Einfriedigung weit malerischer aus als die von gespaltnen Holzscheiten. - -Entlang dieser kleinen Einfriedigung habe ich angefangen, eine Art -Blumen-Hecke nebst einigen der einheimischen Sträucher anzupflanzen, -wovon unsre Wälder und Seeufer strotzen. - -Unter den bereits eingeführten sind zwei Geißblatt-Arten mit weißen und -rosenfarbnen Blüthen; die amerikanischen Botaniker nennen dieselben -^Quilostium^. - -Dann habe ich die weiße ^Spiraea^, (ein strauchartiges Gewächs), -welches in Ueberfluß auf dem See-Ufer wächst, die canadische wilde -Rose, die rothe blühende Himbeere (^rubus spectabilis^), Leder-Holz -(^dircas^) auch amerikanisches Mezereon- oder Moos-Holz genannt, -dies ist ein sehr hübscher und zu gleicher Zeit nützlicher Strauch; -die Rinde wird von den Landleuten als ein Substitut für Stricke, -zum Zubinden von Säcken u. s. w. gebraucht; die Indianer nähen ihre -Weidenrinden-Körbe gelegentlich damit. - -Milde Stachelbeeren, rothe und schwarze Johannisbeeren, Apfelbäume und -hier und da ein Weißdorn-Strauch, und einige andre dergleichen Gewächse -sind alles, was ich bisher habe einführen können. - -Der Stoup (Verandah) ist errichtet, und ich habe erst kürzlich am Fuße -der hölzernen Säulen Hopfen gepflanzt. Ich habe auch zwei tragende -Ableger einer purpurfarbnen wilden Traube von der Insel in unsrer Nähe -aufgezogen und bin neugierig, ihre Früchte zu sehen. - -Mein Gatte ist gegenwärtig frisch und wohlgemuth; unser geliebtes Kind -befindet sich ebenfalls wohl und läuft überall umher. Wir erfreuen uns -einer angenehmen und freundlichen Gesellschaft, die im Verlauf der -letzten zwei Jahre so zugenommen hat, daß wir uns über unsre Entfernung -von der volkreichern Stadt kaum beklagen können. - -Meine theure Schwester und ihr Gatte fühlen sich in ihrer neuen -Wohnstätte sehr behaglich und haben ein schönes Stück Land gelichtet -und angebaut. Wir besuchen sie häufig und plaudern dann manches liebe -Stündchen von der Heimath, der süßen unvergeßlichen Heimath, und -schmeicheln uns dabei mit dem angenehmen Wahne, daß wir in einer nicht -allzufernen Zeit ihre fruchtbaren Felder und blumigen Thäler einmal -wieder sehen werden. - -Mit welchem Entzücken würden wir unsre jungen Canadier ihren -Großmüttern und Tanten vorführen; mein kleiner Buschmann soll zeitig -die Namen dieser unbekannten aber theuren Freunde aussprechen und das -Land verehren und lieben lernen, wo seine Aeltern das Licht der Welt -erblickten, die herrlichen Hügel des Nordens und mein eignes geliebtes -England. - -Verursachte mir die Entfernung von meinem Geburtslande, und noch dazu -von einem so schönen und gesegneten Lande gar kein Bedauern, gar kein -Weh, so würde dies nur ein fühlloses Herz verrathen; dennoch aber muß -ich gestehen, daß ich Canada trotz all seiner Rauhigkeit liebe und -mich in meinem niedrigen Block-Hause eben so froh und glücklich fühle, -als dies in einem reich geschmückten Palaste nur der Fall sein könnte; -Gewohnheit versöhnt uns mit manchen Dingen, die uns anfangs nicht -recht zusagen wollen. Es ist stets mein Bestreben gewesen, lieber das -Süße als das Bittre in den Becher des Lebens zu träufeln, und gewiß -ist dies das Beste und klügste, was man thun kann. In einem Lande, -wo alles -- Jung und Alt, Vornehm und Gering -- sich zur Thätigkeit -aufgefordert fühlt, würde es höchst ungereimt und thörigt sein, seine -Lebensgeister durch unnützes Trauern und Klagen zu dämpfen und im -Hause durch Niedergeschlagenheit und unaufhörliche Klagelieder über -die Trennung von so vielen theuren Gegenständen in der alten Heimath, -eine düstre Stimmung zu verbreiten. Da wir nun einmal hier sind, müssen -wir uns so gut als möglich in die Umstände schicken und mit heitrem -Muthe das Loos ertragen, welches wir uns selbst gewählt haben. Die -Fähigkeit, das Gute, welches wir besitzen, zu genießen, scheint mir ein -Haupterforderniß zur menschlichen Glückseligkeit zu sein. - -Wiewohl wir von vorn herein manche Widerwärtigkeiten erfuhren, manche -unvorhergesehne Kosten zu bestreiten hatten, uns manchen unangenehmen -Aufschub gefallen lassen mußten und viele Entbehrungen, die uns sehr -drückend erschienen, zu erdulden hatten, so können wir doch, im Ganzen -genommen, von gutem Glück sagen; vorzüglich, was die Lage unsers -Grundstücks betrifft, welches seitdem in Werth bedeutend gestiegen -ist; die Hauptschwierigkeiten haben wir jetzt überwunden, wenigstens -hoffen wir so, und bald werden wir alle Annehmlichkeiten einer wohl -eingerichteten Meierei genießen. - -Mein Gatte söhnt sich von Tage zu Tage mehr mit dem Lande aus, -und auch ich fühle mich täglich fester daran gebunden. Sogar die -Baumstummel, welche mir Anfangs so sehr zuwieder waren, scheinen etwas -von ihrer Häßlichkeit zu verlieren; das Auge gewöhnt sich sogar an -die unangenehmsten Gegenstände, bis sie fast gar nicht mehr beachtet -werden. Wie ganz verschieden von seiner gegenwärtigen Erscheinung -wird sich dieser Fleck nach Verlauf einiger Jahrhunderte ausnehmen! -meine Einbildungskraft malt es mir mit fruchtbaren Feldern und -Fluren, schattigen Hainen und geschmackvoll angepflanzten Bäumen vor; -alles wird anders sein; unsre gegenwärtigen rohen Wohnungen werden -andern bequemern und schönern Platz gemacht haben, und Anmuth und -Behaglichkeit wird die Landschaft umfangen, welche gegenwärtig eine -Waldwildniß ist. - -Sie fragen mich, ob mir das Klima von Ober-Canada gefällt; aufrichtig -zu reden, so glaube ich nicht, daß es alle die Lobsprüche verdient, -welche ihm Reisende gezollt haben. Die Sommerhitze im letzten Jahre -war sehr drückend, die Dürre außerordentlich groß, und erwies -sich in mancher Hinsicht nachtheilig, vorzüglich schadete sie der -Kartoffel-Ernte. Die Fröste traten zeitig ein, und eben so fiel -zeitig Schnee; den gepriesnen indianischen Nachsommer betreffend, so -scheint er vor der Hand Abschied von dem Lande genommen zu haben, denn -seit unserm dreijährigen Aufenthalte daselbst haben wir nur wenig -davon gesehn. Letztverfloßnes Jahr war auch nicht ein Schein davon -wahrzunehmen, und in diesem Jahre wurde ein abscheulich düstrer trüber -Tag, der mich gewaltsam an einen Londoner Nebel erinnerte, und der -ganz eben so niederschlagend und geistlähmend wirkte, von den alten -Bewohnern für den Anfang des indianischen Sommers erklärt; die Sonne -schien düster und roth, und ein gelber graulicher Nebel verdunkelte die -Atmosphäre, so daß es fast nöthig wurde, am Mittage Licht anzuzünden. -Wenn dies der indianische Sommer ist, so könnte man eine Reihe auf -einander folgender londoner Nebeltage den »Londoner-Sommer« nennen, -dachte ich bei mir, als ich den lieben langen Tag in einer Art -bewilderndem düstern Lichtschimmer umhertappte; und, froh war ich, als -nach ein- oder zweitägigem heftigen Regen, Frost und Schnee eintraten. - -So weit unsre Erfahrung reicht, ist dieses Klima in hohem Grade -veränderlich; nicht zwei Jahre sind sich einander nur einigermaßen -gleich gewesen; und wie man glaubt, wird diese Veränderlichkeit in -demselben Verhältniß zunehmen, als die Lichtung des Bodens von Jahr -zu Jahr vorwärts schreitet. In der Nähe der Flüsse und großen Seen ist -das Klima weit milder und gleichförmiger; mehr landeinwärts fällt der -Schnee selten so hoch, um das Schlittenfahren, nachdem es allgemein -geworden, mehre Wochen hindurch zu verstatten; dies ist indeß, wenn wir -den Zustand unsrer Buschstraßen berücksichtigen, mehr ein Umstand zu -unsern Gunsten, insofern das Reisen minder schwierig wird, obgleich die -Wege immer noch ziemlich holperig bleiben. - -Ich habe das Nordlicht mehre Mal, gesehn; desgleichen eine glänzende -meteorische Erscheinung, glänzender und großartiger als alles, -was ich der Art je zuvor beobachtet. Großen Spaß machten mir die -Worte eines jungen Burschen, der einem Herrn die Erscheinung -einer Reihe Sternschnuppen, wie sie schnell über den Himmel -weggeschossen, erklärte, »Sir,« sagte der Bursche, »ich habe nie -zuvor etwas Aehnliches gesehn, und ich kann die Kette von Sternen -mit der Block-Kette (^logging-chain^) vergleichen,« gewiß ein -höchst natürlicher und einziger Vergleich, ganz in Einklang mit der -Beschäftigung des Burschen, der es häufig mit den Ochsen und ihrer -Block-Kette, (der Fortschaffung von gefällten Bäumen) zu thun hatte, --- und am Ende nicht bäurischer, wenn ich so sagen darf, als die -gewöhnlichen Namen, welche mehre unsrer prächtigsten Sternbilder führen --- z. B. Pflug, Sichel u. s. w. - -Als ich letzte Weihnachten eines Abends von einem Besuche bei -einer Freundin nach Hause kehrte, überraschte mich eine glänzende -blaßgrünliche Lichtsäule im Westen; sie erhob sich zu einiger Höhe -über die dunkle Fichten-Linie, womit die jenseitigen Ufer des -Otanabee bekränzt waren, und erleuchtete den Himmel auf beiden Seiten -mit einem keuschen reinen Lichte, dem nicht unähnlich, welches der -Mond bei seinem Auf- und Untergang verbreitet; sie war nicht ganz -pyramidal, jedoch an der Basis um vieles breiter als an der Spitze; -sie erbleichte allmälig, bis nur noch ein weißes flimmerndes Licht -die Stelle bezeichnete, die sie am Himmel eingenommen, und auch dieser -schwache Lichtschimmer verschwand ungefähr nach einer halben Stunde. -Es war eine so schöne und liebliche Erscheinung, daß ich ordentlich -trauerte, als sie in die dünnen Lüfte zerrann; ja bisweilen bestimmte -mich meine Phantasie zu dem Glauben, als sähe ich das Gewand eines -glanzvollen Besuches aus einer andern und bessern Welt; -- aber weg -mit dergleichen Träumereien! -- war es vielleicht eine phosphorische -Ausdünstung von einem unsrer zahlreichen Moräste oder Binnen-Seen, oder -stand sie vielleicht mit dem Nordlicht in Verbindung, welches so häufig -an unserm Himmel gesehn wird? - -Ich muß jetzt diesen Brief schließen; denn ich habe noch an einige -Freunde zu schreiben, denen ich blos bei günstiger Gelegenheit etwas -von meiner Hand zufertigen kann, denn das Porto ist sehr hoch, und man -muß für alles, was man nach New York sendet, oder von daher erhält, -theuer bezahlen. - -Leben Sie wohl Meine Gütigste und Beste Freundin. - - - - -Erster Anhang. - - (Folgende Mittheilungen sind von der Verfasserin dieses Werkes während - dessen Druck eingegangen.) - - -Ahorn-Zucker. - -Dieses Frühjahr habe ich Ahorn-Zucker von weit feinerem Korn und -besserer Farbe bereitet, als er mir jemals zu Gesicht gekommen ist; -und mehre alte Ansiedler haben mir versichert, es sei der beste oder -ziemlich der beste, den man nur immer erhalten könne; diese Lobsprüche -bestimmen mich, das von mir bei seiner Bereitung verfolgte Verfahren -hier mitzutheilen: Sobald der Saft in dem Zucker-Kessel von ungefähr -sechszehn Eimern bis auf zwei eingekocht war, goß ich ihn zunächst -durch einen dünnen Flanell-Beutel, der ungefähr so beschaffen sein muß -wie ein Sack zum Durchseihen von Gelées, und befreite ihn dergestalt -von den ersten Unreinigkeiten, die ziemlich groß sind. Hierauf ließ -ich ihn durch dickeren Flanell in den eisernen Topf laufen, der -zu seiner Eindickung zu Zucker bestimmt war, schlug, als er noch -kalt oder höchstens nur lau war, das Weiße eines Eies zu Schaum -und verbreitete es behutsam über die Oberfläche der Flüssigkeit, -wobei ich den Topf, als er durch das Feuer heiß zu werden anfing, -sorgfältig in den Augen behielt, damit der Schaum nicht in den Zucker -kochen möchte. Einige Minuten bevor der eingedickte, auf die eben -geschilderte Weise behandelte Saft zum Kochen kommt, muß der Schaum, -der sich oben absetzt, mit einem hölzernen Schöpflöffel sorgfältig -abgenommen und entfernt werden. Meines Erachtens hängt die Weiße -und Reinheit des Zuckers zum großen Theil von der sorgfältigen -Entfernung jedes Schaumtheilchens ab. Die beste Vorschrift, welche -ich hierzu (dem Abschäumen des Zuckers[59]), ertheilen kann, ist, -den Saft fortwährend in schnellem Kochen zu erhalten, nur muß man -dabei sorgfältig sein Ueberlaufen verhindern, indem man etwas von der -Flüssigkeit in dem Rührlöffel behält, und wenn die Masse nach dem Rande -aufsteigt oder zu schnell aufwallt, von Zeit zu Zeit etwas hinein -tropfen läßt, um sie nieder zu halten; oder siedet man die Masse in -einem Koch-Ofen, so verhindert die Oeffnung einer oder aller Thüren -das Ueberlaufen. Die, welche ihren Zucker außer dem Hause bereiten, -befestigen einen hölzernen Krahn in einen Baumstummel, das Feuer -wird hierauf angezündet, und der Kessel an dem Krahne aufgehängt; -durch diese einfache Vorrichtung, -- jeder Knabe kann damit zu Stande -kommen, -- kann man, bei nur einiger Aufmerksamkeit auf das Kochen, -jedes Ueberlaufen vermeiden; allein das Auge darf nicht vom Kessel -weggewendet werden, eine Unachtsamkeit, ein eitler Blick kann einen -großen Verlust des kostbaren Saftes bewirken. Ich hatte blos einen -kleinen Koch-Ofen zur Bereitung meines Zuckers; die dazu gehörigen -Töpfe hielt man für zu klein, und ihre Form für ungeeignet, so daß ich -anfangs den Versuch aufgeben zu müssen fürchtete; allein ich beharrte -bei meinem Vorsatz, und meine Erfahrung hat mich gelehrt, daß mein Ofen -ein trefflicher Apparat zu dieser Art von Fabrikation ist, da sich die -Hitze nach Belieben reguliren läßt. - -Eine der ängstlichsten Perioden beim Zuckersieden ist, nach meiner -Erfahrung, wenn der Saft zuerst anfängt, ein gelbliches, schaumiges -Ansehn anzunehmen, und eine so große Dampf-Menge von seiner Oberfläche -aufzuwerfen, daß man den Inhalt des Kessels nicht sieht; in welchem -Fall er, selbst bei der größten Aufmerksamkeit, unvermerkt überlaufen -kann. Sobald sich der Saft zu Syrup (Molasse) verdickt, nimmt er eine -schön gelbe Farbe an und scheint nichts als ein dicker Schaum zu -sein. Wenn er ziemlich tief eingekocht ist, fangen die Tropfen an, -klar und zähe vom Löffel zu fallen; und wenn man kleine glänzende -körnig aussehende Bläschen darin wahrnimmt, so tröpfele man einige -auf eine kalte Platte und fahre fort, ihn umzurühren oder zu reiben, -bis er ganz erkaltet ist; sobald er bereit ist, zu granuliren, findet -man ihn griesig, eine weißliche oder blaßstrohgelbe Farbe annehmend -und steif. Alsdann kann man den Zucker unbesorgt in eine zinnerne -Schüssel, in einen Eimer, ein Becken oder irgend ein andres passendes -Gefäß ausschütten. Ich versuchte zwei verschiedne Methoden, nachdem -ich den Zucker vom Feuer genommen, konnte aber in seinem Aussehn keine -Verschiedenheit wahrnehmen, ausgenommen daß bei der einen der Zucker -mehr zerbrochen erschien, bei der andern dagegen in großen Klumpen -blieb; übrigens aber war weder in Reinheit noch Funkeln ein Unterschied -bemerkbar. Was die erste Methode anlangt, so rührte ich den Zucker -fortwährend um, bis er anfing, zu erkalten, und eine weißlich dicke -Substanz zu bilden, und die Körner gut krystallisirten; bei dem andern -Verfahren, -- das ich für vorzüglicher halte, da es die wenigste Mühe -verursacht, -- wartete ich, bis die Molasse zu Zucker verhärtet war, -hierauf durchlöcherte ich die Cruste an mehren Stellen, und stürzte die -Masse in einen Durchschlag über einem Gefäße, bestimmt, die vom Zucker -abtropfende Molasse aufzunehmen. Im Verlauf des Tages oder zweier Tage, -rührte ich den Zucker häufig um, der so von aller Feuchtigkeit befreit -ward, und ein schönes funkelndes Korn annahm; er schmeckte genau wie -Zuckerkant; vom Geschmack des Ahorn-Saftes konnte man keine Spur daran -bemerken, kurz man konnte ihn zu allem gebrauchen. - -Ich habe die Bemerkung gemacht, daß im Allgemeinen Ahorn-Zucker, wie -er gewöhnlich bereitet wird, hart und derb ist, wenig Korn zeigt, -und im Verhältniß zu seinem Umfange sehr ins Gewicht fällt. Gerade -das Gegentheil aber kann ich von meinem Fabrikat sagen, er ist im -Verhältniß zu seinem Volumen außerordentlich leicht, indem die schwere -Molasse, statt in ihn einzutrocknen, vollkommen davon getrennt ist. -Wäre das gegenwärtige Frühjahr nur günstig genug gewesen, was es nicht -war, so würden wir eine gute Quantität trefflichen Zuckers bereitet -haben. - - -Weinessig. - -Kocht man fünf Gallonen Saft auf eine ein, setzt man, wenn er gerade -die Temperatur frisch gemolkner Milch ein wenig übersteigt, ein -Weinglas Hefen hinzu, und läßt man das Gefäß während des Sommers in der -Küche nahe am Heerde stehen, so erhält man einen guten, wohlfeilen, -angenehm schmeckenden starken und sehr brauchbaren Essig. Diesen Plan -habe ich zwei Jahre hindurch mit Glück verfolgt. Das Faß oder die Butte -muß gehörig ausgepicht und wasserdicht sein, ehe der Essig hinein -gethan werden kann; denn andernfalls würde es durch die Sonnenhitze -einschrumpfen und leck werden. Ist es gut gearbeitet, so überstreicht -man die Fugen und den innern Rand am obern Theil des Fasses mit Theer -oder auch mit gelber Seife, wodurch es gegen etwaige Oeffnungen -gesichert wird. Erfahrne Hausfrauen geben der gleichförmigern -Küchen-Temperatur, was den Standort des Essigs anlangt, den Vorzug -vor der freien Luft; denn die in diesem Lande häufig eintretenden -kalten Nächte sollen dem Vorgange nachtheilig sein, der, wenn er -kein dergleichen Hinderniß erfährt, schneller zur Vollendung kommt. -Diejenigen, welche in der Bereitung einheimischer Weine und Biere gut -bewandert sind, dürften mit geringem Aufwande, von Zeit und Arbeit -einen trefflichen Ahorn-Wein oder Ahorn-Bier bereiten. - -Jeder Ansiedler zieht, als ein Ziergewächs, in seinem Garten (oder -sollte dies thun) Hopfen, welcher einen der Haupt-Bestandtheile des -Ahorn-Bieres bildet, nachdem man ihn dem Safte zugesetzt hat. - - -Hopfen-Hefen. - -Dieser treffliche, und ich möchte sagen, unentbehrliche Artikel -in jedem Ansiedler-Hause, ist ein schätzbares Substitut für Ale- -oder Bier-Hefen, und wird auf folgende einfache Weise bereitet: -- -Man nimmt zwei Hände voll Hopfen, kocht diese Quantität in einer -Gallone weichen Wassers, wenn man dergleichen bekommen kann, bis -der Hopfen zu Boden des Gefäßes sinkt; bereitet einen Teig, indem -man eine Dessert-Schüssel voll Mehl und kaltes Wasser so lange -zusammen rührt, bis sie eine weiche und ziemliche dicke Masse bilden; -filtrirt die Hopfen-Flüssigkeit, während sie noch siedend heiß ist, -in das Gefäß, welches den Teig enthält, und läßt einen Gehülfen die -Hopfen-Flüssigkeit abgießen, während man den Teig umrührt. Sobald sie -bis zu einer gelinden Wärme abgekühlt ist, so daß man den Finger ohne -unangenehme Empfindung hinein halten kann, füge man ein Glas von den -frühern Hefen, oder etwas weniges Sauerteig hinzu, um sie gähren zu -machen; ist auch dies geschehn, so läßt man sie ruhig stehen, bis sie -gehörig gegohren hat, füllt sie dann auf Flaschen und verkorkt sie -sorgfältig. Den Sommer über muß sie im Keller oder an einem kühlen -Ort stehen, und im Winter muß man dafür sorgen, daß sie nicht friert. -Einige fügen zwei oder drei mehlige, wohl gekochte und fein gestoßne -Kartoffeln hinzu, was während der kalten Monate des Jahres sich sehr -vortheilhaft erweist. Ein Zusatz von Kartoffeln zu Brodmehl ist -ebenfalls höchst zweckmäßig und meines Erachtens für neue Ankömmlinge, -die alle ihr Mehl kaufen müssen, jedenfalls ein großes Ersparniß. - -Folgende Methode liefert mir ein schmackhafteres, leichteres Brod als -das auf dem gewöhnlichen Wege gemischte Mehl: -- Angenommen, ich wollte -ungefähr anderthalb Stein Mehl verbacken, so koche ich, (versteht sich, -nachdem sie völlig rein geschält sind,) etwa drei Dutzend ziemlich -große Kartoffeln, in ungefähr drei Quart oder einer Gallone Wasser, -bis die Flüssigkeit das Ansehn einer dünnen Grützsuppe zeigt, und -die Kartoffeln sich mit dem Wasser fast ganz verkörpert haben. Mit -dieser Kartoffel-Grütze wurde das Mehl vermischt, Wasser war nicht -erforderlich, außer wenn ich zufällig nicht genug von der Mischung -hatte, um mein Mehl hinlänglich anzufeuchten. Dieselbe Methode, zu -kneten, die Gährung durch Hefen zu bewirken u. s. w., wird bei anderm -Teige und Brode angewendet. Während des Backens nimmt es eine glänzend -hellbraune Farbe an und ist leichter als das auf gewöhnlichem Wege -bereitete Brod, daher eine Kenntniß des besprochnen Verfahrens den -Emigranten-Familien nützlich sein dürfte. - - -Salz-Sauerteig. - -Dies ist ein Sauerteig wovon die Yankie-Ansiedler häufig Gebrauch -machen; allein obgleich das damit bereitete Brod entschieden weißer, -und von besserem Aussehn ist, als das auf andre Weise gesäuerte. So -macht es doch der eigenthümliche Geschmack, den es dadurch erhält, -manchen Leuten äußerst widrig. Ein andrer Nachtheil ist, daß es -während des Winters äußerst schwer hält, diesen Sauerteig zum Gehen -(Gähren) zu bringen, da er eine Temperatur erfordert, die man an einem -canadischen Wintertage nicht leicht erhalten kann, dazu kommt noch, -daß der fragliche Sauerteig, nachdem er einmal seine Höhe erreicht -hat, wofern man nicht sogleich davon Gebrauch macht, wieder fällt, -und dann nicht wieder steigt; eine sorgsame Hausfrau, welche diesen -Umstand kennt, giebt daher sorgfältig Acht, da sie andernfalls schweres -schliffiges Gebäck erhalten oder gar kein Brod sondern eine Art Gebäcke -wie Haferkuchen im Hause haben würde. - -So viel als ich mich erinnern kann, wird der Salz-Sauer auf folgende -Weise gemacht: -- Zu einem kleinen Gebäcke, also etwa zwei oder drei -Broden oder einem großen Backkessel-Brode (ungefähr so groß wie ein -englisches Metzen-Brod) nimmt man eine Pinte mäßig warmen Wassers, (es -muß der hineingesteckten Hand angenehm sein) und rührt in den Krug oder -Topf, der es enthält, so viel Mehl, als zur Bildung eines guten Teiges -nöthig ist, der aber nicht zu dick sein darf; hierzu füge man einen -halben Theelöffel voll Salz und setze das Gefäß, in einer Schüssel -mäßig warmen Wassers, in eine kleine Entfernung vom Feuer oder an die -Sonne; das den Topf, worin der Sauer enthalten ist, umgebende Wasser -darf sich nie viel über seine ursprüngliche Wärme abkühlen, daher man -von Zeit zu Zeit etwas warmes Wasser zugießen muß, (nicht aber in den -Sauer, sondern in die Schüssel,) bis das Ganze in einen lebhaften -Zustand von Gährung geräth, was in Zeit von sechs bis acht Stunden -geschieht, worauf man den Brodteig damit vermischen und, so viel als -nöthig, warmes Wasser oder warme Milch zugießen muß. Hierauf knete man -die Masse, bis sie hinreichend steif ist und nicht mehr am Troge hängen -bleibt. Man wirke nun seine Brode auf, und decke sie in der Nähe des -Feuers warm zu, bis sie gehen, wenn dieses zweite Anschwellen statt -findet, müssen sie sogleich gebacken werden. - -Diejenigen, welche Shanty-Brode, wie ich sie nenne, in eisernen, auf -glühende Kohlen gestellten Back-Töpfen oder Kesseln backen, setzen den -Teig zum Gehen über sehr wenige Kohlen, oder in die Nähe des heißen -Herdes, und drehen, während das Brod steigt, den Topf oder die Pfanne -von Zeit zu Zeit; sobald alles gleichförmig in die Höhe gegangen ist, -legt man heiße Asche unter und auf den Deckel, wobei man Sorge tragen -muß, daß die Hitze anfangs nicht zu heftig werde. Da diese Methode zu -backen die allgemeinste und erste ist, welche ein Ansiedler ausüben -sieht, so halte ich es für zweckmäßig, ihn im Voraus damit bekannt zu -machen. Anfangs fühlte ich mich geneigt, gegen die Back-Schüsseln oder -Back-Kessel zu eifern; allein da Koch-Oefen, eiserne Oefen, ja auch -nur Ziegel- oder Lehm-Oefen nicht wie Pilze auf unser Geheiß im Busche -aus der Erde aufschießen, so sind diese Substitute sehr schätzbar, und -dienen vielen nützlichen Zwecken. - -Ich habe vorzüglich lockeres Brod genossen, welches auf dem -Emigranten-Herde in einem dergleichen Kessel gebacken war, ich habe -Kartoffeln, gebacknes Fleisch, treffliches Geschmortes und gute Suppen -gegessen, die alle zu verschiedner Zeit in diesem allgemein nützlichen -Geräthe zubereitet waren. Es ist eins von jenen Dingen, die sich für -die Umstände des Ansiedlers im Walde ganz vorzüglich eignen; denn es -ist unmöglich, daß dieser gleich von Vornherein alle Bequemlichkeiten -und Haushaltsartikel in und außer seiner Wohnstätte vereinigen kann, -welche gleichsam der Lohn mehrjähriger und vielfältiger Anstrengung und -Mühe sind. - -Es giebt noch verschiedne Sorten Sauerteig, z. B. »_Milch-Sauer_,« der -mit Milch, warm von der Kuh weg, und ungefähr einem Drittel warmen -Wassers vermischt wird; und Kleien-Sauer, wozu man Kleien anstatt des -Mehles nimmt, und den manche den zuvor erwähnten Arten vorziehen. - - -Weiche Seife. - -Von der Bereitung weicher Seife kann ich nur wenig oder keine genaue -Auskunft geben, da mir niemals eine _gewisse_ Regel mitgetheilt -worden, und meine eigne Erfahrung zu beschränkt ist. Indeß sind mir -von einem sachkundigen Mann einige Winke gegeben worden, worauf ich zu -fußen gedenke. Anstatt die Seife zu sieden, was mit einigen Umständen -verbunden ist, versicherte man mir, der beste Plan sei, die Lauge von -einem Faß Asche ablaufen zu lassen, in diese Lauge vier oder fünf Pfund -Fett zu thun, z. B. abgeschöpften Talg, Speckrinden oder Ueberbleibsel -von Unschlitt; kurz jede Art von dergleichen Abgängen. Das Faß mit -seinem Inhalt soll man hierauf an einen sichern Ort im Garten oder Hofe -stellen, wo es der Einwirkung von Sonne und Luft ausgesetzt ist. Im -Verlauf der Zeit verkörpern sich Lauge und Fett mit einander; herrscht -das Fett vor, so sieht man es an der Oberfläche herumschwimmen; will -sich die Mischung nicht gehörig verdicken, so muß man mehr Fett -hinzufügen. Dies ist der einfachste, verständlichste und beste Bericht, -den ich bisher über Seifen-Bereitung habe erhalten können, ein Prozeß, -der mir bisher als ein Geheimniß erschien, wiewohl eine von meinen -Mägden im letzten Frühjahr eine ansehnliche Quantität Seife, und zwar -mit dem günstigsten Erfolg, fabricirt hat; allein sie konnte den Grund -des Gelingens nicht angeben, indem sie sich des Prinzipes, wovon sie -sich bei ihrer Arbeit leiten ließ, nicht bewußt war. - - -Lichte. - -Jedermann machte hier zu Lande seine Lichte selbst, (das heißt, -sobald er in Besitz der dazu erforderlichen Materialien ist). Die -große Schwierigkeit, und meines Bedünkens die einzige, bei dieser -Fabrikation ist die Herbeischaffung von Talg, den der Buschsiedler, -so lange er nicht seine eignen Rinder, Schafe und Schweine schlachten -kann, nicht leicht aufzutreiben vermag, wofern er ihn nicht kauft; -und ein Ansiedler kauft, wenn er es umgehen kann, nicht so leicht -etwas. Eine Kuh indeß, welche nichts einbringt, alt ist oder aller -Wahrscheinlichkeit nach der Strenge des Winters nicht Trotz bieten -kann, läßt man oft den Sommer über trocken gehen, und ihr Futter -selbst suchen, bis sie im Herbste zum Schlachten geschickt ist. Ein -dergleichen Thier wird oft mit großem Vortheil geschlachtet, vorzüglich -wenn der Ansiedler wenig Futter für sein Vieh hat. Das Fleisch (^beef^) -ist oft trefflich, und das Fett der innern Theile liefert treffliche -Lichte und gute Seife. Lichte, die man aus drei Theilen Rindstalg und -einem Theil Schweinfett bereitet, brennen besser als die, welche man -bei den Vorraths-Händlern kauft, und kosten nicht halb so viel. Der -Talg wird ganz einfach in einem Topfe oder einer Schüssel, die dazu -geeignet ist, zerlassen, und hat man Baumwollen-Dochte in die Formen -gezogen, (zinnerne oder blecherne Formen für sechs Lichte kosten das -Stück bei den Vorraths-Händlern drei Schillinge, und halten viele, -viele Jahre aus,) so steckt man einen Stock oder Spieß durch die -Docht-Schleifen, die über den obersten Theil der Form hinausragen und -dazu dienen, die Lichte aus den Formen zu ziehen. - -Das zerlaßne Fett, nicht zu heiß, aber in flüssigem Zustande, wird dann -in die Formen gegossen, bis sie voll sind; so wie das Fett erkaltet, -schrumpft es zusammen, und läßt oben in der Form eine Höhlung zurück; -diese muß nach seinem völligen Erkalten ausgefüllt werden. Lassen sich -die Lichte nicht gut aus den Formen ziehen, so tauche man letztre auf -einen Augenblick in heißes Wasser, worauf erstere leicht herausgehen. -Manche ziehen es vor, Lichte für den Küchengebrauch durch Eintauchen -der Dochte in zerlaßnen Talg zu bereiten; allein was mich betrifft, so -halte ich die Mühe für fast eben so groß, und gebe daher, in Ansehung -des saubern Aeußeren, den Formen den Vorzug. Es kann wohl sein, daß -mir und meinem Mädchen das erste Verfahren weniger geläufig ist, als -das letzte. - - -Einlegen von Gurken u. s. w. - -Der große Mangel an Frühlings-Gemüsen macht Eingelegtes zu einer -schätzbaren Zugabe für die Tafel, und zwar zu einer Zeit, wo Kartoffeln -nichts mehr taugen und ihren guten Geschmack verloren haben. Ist man -mit dem Ahorn-Essig glücklich gewesen, so kann man in der letzten -Hälfte des Sommers Gurken, Bohnen und Kraut zu Winter-Vorräthen -einlegen; sollte jedoch der Weinessig zu dieser Zeit noch nichts -taugen, so stehen zu dem fraglichen Behuf zwei Wege offen, einmal -nämlich kann man aus gekochtem Salz und Wasser eine gute Brühe zur -Aufnahme der Gurken u. s. w. bereiten, das Kraut, was ich nebenbei -bemerken will, läßt sich im Wurzel-Hause oder Keller ganz gut -aufbewahren, oder man versenkt es in Brunnen, die gehörig bedeckt -werden müssen; will man etwas davon einlegen, so muß man zunächst die -oberste Schicht, die nichts taugt, entfernen, und hat man den Essig -mit Gewürzen gekocht, so setzt man ihn zum Erkalten hin. Die Gurken -müssen vorher gehörig gewaschen, zwei oder dreimal in frischem Wasser -gespült und abgetrocknet werden, alsdann in einen irdnen Topf oder ein -Einmache-Glas gethan und mit dem Essig übergossen werden. Der Vortheil -hiervon liegt am Tage, man kann zu jeder beliebigen Zeit einlegen. Ein -andres Verfahren, welches ich sehr habe preisen hören, besteht darin, -daß man die Gurken in ein Gemisch von Branntwein[59] und Wasser legt, -welches mit der Zeit zu einem guten Essig wird, die Farbe und das -äußere frische Ansehn der Vegetabilien erhält und sie zu gleicher Zeit -zart und weich macht, besonders wenn man es siedend heiß darauf gießt, -welches das gewöhnliche Verfahren ist. - -Fußnoten: - -[58] ^Sugaring-off^, wie die Canadier diese Operation nennen. - -[59] In dem »^Backwoodsman^« wird dieses Whisky-Recept als eine -abscheuliche Mischung erwähnt; vielleicht hat der witzige Verfasser, -von den darin eingelegten Vegetabilien in noch unvollendetem Zustande -gekostet. Er giebt eine klägliche Schilderung von amerikanischer -Kocherei, erklärt aber, daß dieser schlechte Zustand auf Mangel -an guten Vorschriften beruhe. Die von mir beigefügten Recepte zur -Hefen-Bereitung und Säuerung des Brodes dürften in England von großem -Nutzen sein, vorzüglich auf dem Lande, wo es oft an guten frischen -Hefen fehlt. - - - - -Zweiter Anhang. - - - Da es der Wunsch der Herausgeber ist, vorliegendes Werk für - Auswandrer so gemeinnützig als möglich zu machen, so fügen wir, unter - nachstehenden Titeln, einige officielle Nachrichten und Fingerzeige - hinzu: -- - - -Statistische Angaben, die Auswanderung -nach Canada betreffend: -- - -^I.^ _Anzahl der Verkäufe und Bewilligungen von Kronländereien, -Geistlichkeits-Vorbehalt, (das ist Parcellen, die für die Geistlichkeit -vorbehalten werden,) Bedingungen u. s. w._ - -^II.^ _Anweisung für Emigranten; Anzahl der angelangten Emigranten, -nebst Auszügen aus Papieren von Agenten, welche von der Regierung zur -Beaufsichtigung der Emigranten-Angelegenheiten angestellt sind._ - -^III.^ _Auszug aus dem in der Sitzung von 1835 erlaßnen amerikanischen -Passagier-Gesetz._ - -^IV.^ _Uebertragung von Capitalien._ - -^V.^ _Canadisches Courant._ - -^VI.^ _Canadische Compagnie._ - -^VII.^ _Brittisch-Amerikanische Land-Compagnie._ - - -_Kron-Ländereien_, die seit 1828 bis 1833 verkauft worden sind. - -Unter-Canada. - - +-----+-----------+-------------+------------------+----------------------+ - |Jahr.|Betrag des |Durchschnitts| Betrag des |Betrag des Kaufgeldes,| - | |verkauften | Preis für | eingegangenen | welches den Käufern | - | |Bodens nach| den Acker. | Kaufgeldes | vom Militairstande | - | | Aeckern. | | im ersten | erlassen worden | - | | | | Jahre. | ist im ersten | - | | | | | Jahre. | - +-----+-----------+-------------+------------------+----------------------+ - | | | S. D. |Pfd. Sterl. S. D.|Pfd. Sterl. S. D.| - | 1828| 20,011 | 4 11 | 1,255 14 10| -- -- -- --| - | 1829| 31,366 | 5 2-3/4 | 466 2 11| -- -- -- --| - | 1830| 28,077 | 5 8-3/4 | 273 10 5| -- -- -- --| - | 1831| 51,357 | 6 1-3/4 | 816 19 8| -- -- -- --| - | 1832| 24,074 | 6 9-1/4 | 1,013 1 11| 555 10 6 | - | 1833| 42,570 | 4 2 | 1,975 10 11| 1,936 9 3 | - | +-----------+ | | | - |Summa| 197,455 | | | | - +-----+-----------+-------------+------------------+----------------------+ - - +-----+------------------+------------------+ - |Jahr.| Betrag des |Gesammt-Betrag | - | | eingegangenen |des Kaufgeldes. | - | | Erbzinses, | | - | | zu fünf pCt. | | - | | vom Kaufgelde, | | - | | im ersten Jahre.| | - +-----+------------------+------------------+ - | |Pfd. Sterl. S. D.|Pfd. Sterl. S. D.| - | 1828| 39 12 6| 5,044 9 9| - | 1829| 307 11 0| 7,469 17 7| - | 1830| 322 3 6| 7,461 13 5| - | 1831| 484 14 7| 12,442 8 6| - | 1832| 119 2 7| 6,139 6 10| - | 1833| -- -- -- --| 7,549 1 5| - | + +------------------+ - |Summa| | 46,106 11 0| - +-----+------------------+------------------+ - -Die Bedingungen, unter welchen die Ländereien verkauft wurden, waren, -daß bei Käufen mit terminlicher Abzahlung, letztere in drei Jahren -vollendet sein mußte; dagegen bei Käufen mit Entrichtung von Erbzins -zu 5 Procent, das Capital nach Belieben gezahlt werden konnte. ^N. B.^ -Verkäufe mit Erbzins haben im Jahr 1832 aufgehört. - - -Verkauf von Kron-Ländereien seit 1828 bis 1833. - -Ober-Canada. - - +-----+----------+---------------+-----------------+-------------------+ - |Jahr.|Anzahl der|Durchschnitts- | Betrag des | Gesammtbetrag | - | |verkauften|Preis für den |Verkauf-Geldes im|des Verkauf-Geldes.| - | | Aecker. | Acker. | ersten Jahre. | | - +-----+----------+---------------+-----------------+-------------------+ - | | | S. D. |Pfd. Sterl.S. D.|Pfd. Sterl. S. D.| - |1829 | 3,883 | 15 1-3/4 | 760 6 10| 2,940 17 3 | - |1830 | 6,135 | 13 8-1/2 | 1,350 16 6| 4,209 3 6 | - |1831 | 4,357 | 11 3-1/2 | 1,626 15 6| 2,458 1 8 | - |1832 | 10,323 | 9 1-1/2 | 2,503 3 5| 11,578 19 3 | - |1833 | 26,376 | 8 9-1/4 | 5,660 8 3| | - | +----------+ | +-------------------+ - |Summa| 51,074 | | | 25,898 3 11| - +-----+----------+---------------+-----------------+-------------------+ - -Die Zinsen werden jetzt an den Zahlungsterminen entrichtet. Drei -Jahr ist die Frist, nach Ablauf welcher die ganze Kauf-Summe bezahlt -werden muß. Die Verkäufe von Stadt-Parcellen, Wasser-Parcellen -und Park-Parcellen, in Ober-Canada, sind auf dieser Tabelle nicht -mit begriffen, wegen der unverhältnißmäßigen Wirkung, welche die -vergleichungsweise großen, für diese kleinen Parcellen bezahlten Summen -auf den Durchschnitts-Preis per Acker haben würden, sie werden daher -besonders auf der nächsten Tabelle angegeben. -- - -Stadt- und Park-Parcellen, verkauft in Ober-Canada -von 1828 bis 1833. - - +-----+----------+--------------------+-----------------+-----------------+ - |Jahr.|Anzahl der|Durchschnitts-Preis | Betrag des | Gesammtbetrag | - | |verkauften| für den | eingegangenen | des Kaufgeldes. | - | | Aecker. | Acker. | Kaufgeldes | | - | | | | im ersten Jahre.| | - +-----+----------+--------------------+-----------------+-----------------+ - | | |Pfd. Sterl. S. D. |Pfd. Sterl. S. D.|Pfd. Sterl. S. D.| - |1828 | 2 | 126 0 0 | 63 0 0 | 252 0 0 | - |1829 | -- -- | -- -- -- | 63 0 0 | -- -- -- | - |1830 | 19 | 10 10 6-1/4| 55 0 0 | 200 0 0 | - |1831 | 3 | 8 7 6-1/2| [60]95 12 8 | 25 2 8 | - |1832 | 30 | 15 18 6 | 81 18 9 | 327 15 0 | - |1833 | 114 | 14 13 9 | 634 8 6 | 1,674 9 0 | - | +----------+ | +-----------------+ - |Summa| 168 | | | 2,497 6 8 | - +-----+----------+--------------------+-----------------+-----------------+ - -Im Jahr 1829 haben keine Verkäufe stattgefunden; doch gingen in -demselben Gelder für die im vorhergehenden Jahre verkauften Parcellen -ein. - - -Nachstehende Tabelle enthält die Summe der bewilligten Kron-Ländereien -und die Bedingungen, unter welchen die Bewilligungen statt gefunden, -- -von 1823 bis 1832. - -Unter-Canada. - - +-----+--------------+------------+----------+--------------+-----------+ - |Jahr.|Ansiedlern vom| Entlaßnen |Offizieren| Bewilligte |Gesammtzahl| - | |Militairstande|Soldaten und|bewilligte| Ackerzahl, | der | - | | bewilligte | Pensionairs|Ackerzahl.| welche unter |bewilligten| - | | Ackerzahl. | bewilligte | | keine der | Acker. | - | | | Ackerzahl. | |vorhergehenden| | - | | | | | Rubriken | | - | | | | | gehört. | | - +-----+--------------+------------+----------+--------------+-----------+ - |1824 | 51,810 | -- -- | 4,100 | 34,859 | 90,769 | - |1825 | 32,620 | -- -- | 1,000 | 16,274 | 49,894 | - |1826 | 3,525 | 5,500 | -- -- | 48,224 | 57,249 | - |1827 | 7,640 | 6,300 | 800 | 38,378 | 53,118 | - |1828 | 7,300 | -- -- | 4,504 | 9,036 | 20,840 | - |1829 | 3,200 | -- -- | -- -- | 5,282 | 8,482 | - |1830 | 18,425 | -- -- | 2,000 | 10,670 | 94,059 | - |1831 | 9,400 | 8,273 | 3,408 | 9,990 | 30,981 | - |1832 | 10,116 | 19,000 | 4,000 | 4,000 | 37,116 | - |1833 | 5,200 | 22,500 | 1,200 | -- -- | 28,900 | - +-----+--------------+------------+----------+--------------+-----------+ - |Summa| 212,236 | 61,573 | 21,012 | 176,623 | 471,444 | - +-----+--------------+------------+----------+--------------+-----------+ - -_Bedingungen_, die der Ansiedler zu erfüllen hat: -- er muß binnen -neunzig Tagen zwanzig Fuß Straße auf seiner Parcelle lichten. - -_Bedingungen_ für den Ansiedler vom Militairstande: -- er ist -verpflichtet, in einem Zeitraum von drei Jahren vier Acker seiner -Parcelle zu lichten und zu cultiviren und ein Wohnhaus darauf zu -erbauen. - - -Ober-Canada. - - +------+-------------+------------+----------+--------------+ - |Jahr. |An Emigranten| Entlaßnen |Offizieren| Bewilligte | - | | vom |Soldaten und|bewilligte|Acker, welche | - | | Militair- |Pensionairs |Ackerzahl.| in keine der | - | | stande | bewilligte | |vorhergehenden| - | | vertheilte | Ackerzahl. | | Rubriken | - | | Ackerzahl. | | | gehören. | - +------+-------------+------------+----------+--------------+ - |1824 | 11,100 | 5,800 | 5,500 | 134,500 | - |1825 | 20,300 | 5,700 | 8,100 | 149,060 | - |1826 | 16,600 | 3,100 | 4,700 | 19,390 | - |1827 | 10,900 | 4,200 | 7,200 | 33,600 | - |1828 | 10,800 | 900 | 3,000 | 4,304 | - |1829 | 5,300 | 7,500 | 8,400 | 3,230 | - |1830 | 6,400 | 12,500 | 12,600 | 9,336 | - |1831 | 5,500 | 58,400 | 7,200 | 8,000 | - |1832 | 19,300 | 97,800 | 7,600 | 6,100 | - |1833 | 35,200 | 46,000 | -- -- | 9,100 | - +------+-------------+------------+----------+--------------+ - |Summa.| 142,100 | 241,900 | 64,300 | 376,620 | - +------+-------------+------------+----------+--------------+ - - +------+--------------+---------------+ - |Jahr. |Loyalisten[61]| Gesammtzahl | - | | bewilligte |der bewilligten| - | | Ackerzahl. | Acker. | - | | | | - | | | | - | | | | - +------+--------------+---------------+ - |1824 | 30,200 | 187,800 | - |1825 | 45,000 | 228,160 | - |1826 | 24,800 | 69,590 | - |1827 | 20,200 | 76,100 | - |1828 | 30,800 | 49,804 | - |1829 | 22,600 | 47,030 | - |1830 | 27,400 | 68,236 | - |1831 | 34,200 | 113,300 | - |1832 | 62,600 | 193,400 | - |1833 | 135,600 | 225,900 | - +------+--------------+---------------+ - |Summa.| 433,400 | 1,258,320 | - +------+--------------+---------------+ - -_Bedingung_: wirkliche Ansiedlung. - - -^I.^ Verkäufe und Bewilligungen von Kron-Ländereien. - -Folgende Tabellen, aus parlamentarischen Urkunden entlehnt, zeigen: - -1) Die Menge der in Ober- und Unter-Canada seit 1828 bis 1833 -(einschließlich) _verkauften_ Kronländer, nebst dem Durchschnitts-Preis -für den Acker. - -2) Stadt und Park-Parzellen, die während der nämlichen Periode in -Ober-Canada verkauft worden sind. - -3) Die Menge von Kronländereien, die seit 1824 bis 1833, -(einschließlich) ohne Kauf bewilligt worden sind, nebst den -Bedingungen, unter welchen diese Bewilligungen erfolgt sind. - -4) Betrag der für die Geistlichkeit vorbehaltnen Ländereien, welche in -jedem Jahre nach Beginn der Verkäufe unter Act 7 und 8 ^Geo. IV. c.^ -62. veräußert worden sind. - -Die im Jahr 1824, der Zeit, von welcher an die Zahlungen ihren Anfang -nehmen, in Gültigkeit tretenden Bedingungen, wurden in der Versammlung -vom 20. October, 1818 und vom 21. Februar 1820 auf gesetzlichem Wege -festgestellt und auf alle Klassen von Privilegirten ausgedehnt. - -Die Bedingungen waren folgende: -- Jeder Belehnte soll von je hundert -bewilligten Ackern, fünf Acker völlig lichten und einfriedigen; auf dem -gelichteten Boden ein Haus 16 Fuß tief und zwanzig Fuß breit bauen; und -die eine Hälfte der Straße (auf der Seite seines Besitzthums, und so -weit als dieses reicht) lichten, desgleichen einen Weg von seinem Hause -nach der Straße führen. Diese Straßen-Pflichten sollen als ein Theil -_der fünf Acker von hundert_ (s. oben) betrachtet werden. Das Ganze muß -binnen zwei Jahren, vom Tage der Belehnung an gerechnet, vollendet, und -nach dargethaner Erfüllung der verzeichneten Bedingungen ein Patent -ausgefertigt werden. - -»Am 14. Mai 1830 wurde bei Schenkungen an verabschiedete Soldaten -hierzu noch eine Bedingung gefügt, welche den wirklichen persönlichen -Aufenthalt des Betheiligten auf der ihm bewilligten Stelle erforderlich -macht, bevor er sein Patent ausgefertigt erhalten kann. - -»Am 14. November, 1830 wurden die damals hinsichtlich der Ansiedler -Pflichten bestehenden Verordnungen in voller Versammlung aufgehoben, -und dagegen der Befehl erlassen, daß jeder Belehnte die Straßen-Hälfte -vor seiner Parcelle lichten und auf einer Strecke von zehn Fuß, in -der Mitte der Straße, die Baumstummel so tief wegschneiden soll, -daß Wagenräder darüber wegpassiren können. Der Nachweiß sowohl -dieser Pflichterfüllung als eines zweijährigen Aufenthaltes auf dem -bewilligten Grundstück berechtigt zu einem Patent. - -»Blos verabschiedeten Soldaten und Seeleuten, unter diesem Gesetz, ist -es zur unerläßlichen Pflicht gemacht, drei Jahr vor Ausfertigung des -Patentes ihr respectives Grundstück zu bewohnen und zu verbessern. - -»Am 24. Mai 1832 erließ die Versammlung einen Befehl, welcher in -allen Fällen, außer in dem, welcher verabschiedete Soldaten und -Seeleute betrifft, die bestehenden Anordnungen außer Kraft erklärte; -und bestimmte, daß wofern nachgewiesen würde, daß sich ein Ansiedler -auf einer Parcelle thätig niedergelassen, ein Patent ohne weiteres -ausgefertigt werden solle. - -Nachfolgender Auszug ist aus einem officiellen, von Mr. _Buchanan_ und -andern von der Regierung verpflichteten Emigrations-Agenten in Canada -in Umlauf gebrachten Bericht entlehnt: -- - -»Emigranten, welche in den beiden Canadas fruchtbaren Boden in -wildem Zustand käuflich von der Krone zu erlangen wünschen, dürfen -auf jede nur mögliche Erleichterung und jeden Vorschub von Seiten -der öffentlichen Autoritäten zählen. Beträchtliche Boden-Strecken -werden in Ober-Canada monatlich vermessen und zum Verkauf ausgeboten, -desgleichen häufig auch aller zehn oder vierzehn Tage, von den für die -Kron-Ländereien installirten Commissionairs, und zwar zu festgesetzten -Preisen, die, je nach Lage und andern Umständen, sich bald auf zehn, -bald auf funfzehn Schillinge per Acker belaufen, ausgenommen in den -Gemeinde-Bezirken Sunnidale und Nottawasaga, wo der für Kron-Ländereien -festgestellte Preis blos fünf Schillinge beträgt. In Unter-Canada -bietet der Commissair für Kron-Ländereien zu Quebec zu bestimmten -Perioden, in verschiednen Gemeinde-Bezirken, den Acker zu 2 Schil. 6 D. -bis 12 Schil. 6 D. (Halifax-Courant), unter der Bedingung terminlicher -Zahlungen, zum Verkauf aus. Auch von der Ober-Canada-Compagnie kann -man unter sehr annehmlichen Bedingungen wilden Boden kaufen; und -solche, welche sich nach dem Besitz einträglicher Pachte sehnen, können -dergleichen ohne große Schwierigkeiten von Privat-Grundeigenthümern -erlangen. Man gehe in keinem Fall ohne _persönliche Untersuchung_ -einen Kauf oder Pacht ein und sehe dabei ins besondre auf nachstehende -Eigenschaften: -- - -1) _Eine gesunde Lage._ - -2) _Guten Boden._ - -3) _Reines Quell- oder fließendes Wasser._ - -4) _Eine gute moralische und religiöse Nachbarschaft, und die Nähe von -Schulen zur Erziehung der Kinder._ - -5) _Auf die möglichste Nähe von guten Fahrstraßen und Wasser-Transport, -so wie von Säge und Grützmühlen._ - -6) _Einen guten Titel._ - -Für die Geistlichkeit vorbehaltne, in jedem Jahr seit Eröffnung -der Verkäufe unter den Gesetzen 7 und 8 ^Geo. IV. c.^ 62 verkaufte -Ländereien, nach Ackern. - - -Unter-Canada. - - +-----+----------+--------------+---------------+------------------+ - |Jahr.|Anzahl der|Durchschnitts-|Betrag des im | Gesammtbetrag | - | |verkauften|Preis für den |ersten Jahre | der Kaufsumme. | - | | Acker. | Acker. |eingegangenen | | - | | | | Kaufgeldes. | | - +-----+----------+--------------+---------------+------------------+ - | | | Shl. D. |Pfd. St. S. D.|Pfd. St. S. D. | - |1829 | 1,100 | 4 6 | 10 0 0 | 230 0 0 | - |1830 | 9,956 | 4 9-2/3 | 543 17 0 | 1,610 3 0 | - |1831 | 11,332 | 7 2-1/2 | 541 7 6 | 2,665 9 3[62]| - |1832 | 6,878 | 5 8 | 533 2 2 | 1,278 11 8 | - |1833 | 37,278 | 8 2-1/4 | 3,454 11 6 |12,791 17 5 | - | +----------+ | +------------------+ - |Summa| 66,539 | | |18,576 1 4 | - +-----+----------+--------------+---------------+------------------+ - -Drei Jahr sind die Frist, binnen welcher die ganze Kaufsumme bezahlt -werden muß. - - -Ober-Canada. - - +-----+----------+--------------+----------------+----------------+ - |Jahr.|Anzahl der|Durchschnitts-| Betrag des im | Gesammtbetrag | - | |verkauften|Preis für den | ersten Jahre | des Kaufgeldes.| - | | Acker. | Acker. | eingegangenen | | - | | | | Kaufgeldes. | | - +-----+----------+--------------+----------------+----------------+ - | | | Shl. D. |Pfd. St. S. D.|Pfd. St. S. D.| - |1829 | 18,014 | 14 8-1/4 | 2,464 14 0| 13,229 0 0| - |1830 | 34,705 | 13 6 | 6,153 5 9| 23,452 4 0| - |1831 | 25,563 | 12 1-3/4 | 8,010 2 11| 17,362 12 1| - |1832 | 48,484 | 13 3-2/4 | 10,239 9 7| 32,287 19 8| - |1833 | 62,282 | 14 4-1/2 | 14,080 16 8| 44,747 9 9| - | +----------+ | +----------------+ - |Summa| 192,049 | | | 131,079 14 10| - +-----+----------+--------------+----------------+----------------+ - -Das ganze Kaufgeld muß nach Ablauf von neun Jahren bezahlt sein. Außer -der Kaufsumme sind bei jedem Termin auch die Interessen bezahlt worden; -wie sich aus nachstehender Uebersicht ergiebt. - - Eingelaufne Interessen im Jahr 1829 Pfd. St. 1 7 3 Courant. - -- -- -- -- 1830 -- -- 62 16 1 -- - -- -- -- -- 1831 -- -- 259 14 9 -- - -- -- -- -- 1832 -- -- 473 17 2 -- - -- -- -- -- 1833 -- -- 854 4 3 -- - - -II. Nachrichten für Emigranten. - -Im Jahr 1832 erließ der für Auswanderung von Sr. Majestät ernannte -öffentliche Ausschuß eine kleine Schrift[63], die in gedrängter Kürze -einige nützliche Belehrung enthält. Der Ausschuß besteht nicht mehr. -An seine Stelle ist von der Regierung _J. Denham Pinnock_, Esq. als -seiner Majestät Agent zur Beförderung der Auswanderung von England -nach den brittischen Colonien ernannt. An diesen Herrn hat man sich -in Auswanderungs-Angelegenheiten beim Colonial-Bureau brieflich, -unter der Adresse: An den Colonial-Staatssecretair, zu wenden. Ein -Hauptgegenstand seines Postens ist, den Behörden der Kirchsprengel und -Landeigenthümern, welche das Auswandern von Arbeitern, Häuslern und -dergl. aus ihren respectiven Distrikten zu befördern wünschen, die -genügende Auskunft zu ertheilen und die möglichsten Erleichterungen -zu verschaffen, und zwar besonders mit Rücksichtsnahme auf die -Emigrations-Clausel der Armen-Gesetz-Amendements-Acte. Nachverzeichnete -Agenten sind in den namhaft gemachten Häfen von der Regierung ebenfalls -mit Förderung der Auswandrer-Angelegenheiten beauftragt. - - Liverpool -- -- Lieut. _Low_, ^R. N.^ - Bristol -- -- Lieut. _Henry_, ^R. N.^ - Leith -- -- -- Lieut. _Forrest_, ^R. N.^ - Greenock -- -- Lieut. _Hemmans_, ^R. N.^ - Dublin -- -- Lieut. _Hodder_, ^R. N.^ - Cork -- -- -- Lieut. _Friend_, ^R. N.^ - Limerick -- -- Lieut. _Lynch_, ^R. N.^ - Belfast -- -- Lieut. _Millar_, ^R. N.^ - Sligo -- -- -- Lieut. _Shuttleworth_, ^R. N.^ - -Zu Quebec, ist Herr A. C. _Buchanan_, Esq., Hauptagent der Regierung in -Auswanderungs-Angelegenheiten, stets bereit, jedem Emigranten, der um -seinen Rath nachsucht, die genügende Auskunft zu ertheilen. - -Nachstehendes ist ein Auszug aus der im Jahr 1832 veröffentlichten -kleinen Schrift: -- - -»Ueberfahrten nach Quebec oder Neu-Braunschweig können entweder mit -oder ohne Mundvorräthe ausbedungen werden, in letzterem Fall erhält -der Passagier nichts außer Wasser, Brennmaterial und Bettstelle, -aber kein Gebett. Kinder unter 14 Jahren zahlen nur die Hälfte, und -unter 7 Jahren nur das Drittel der vollen Summe; Kinder unter 12 -Monaten werden unentgeldlich mitgenommen. Unter diesen Bedingungen -beträgt das Passagiergeld von London, oder von Plätzen an der Ostküste -Britanniens, mit Mundvorräthen, gewöhnlich 6 Pfund Sterl., und ohne -Mundvorräthe, 3 Pfd. Sterl. Von Liverpool, Greenock und den Haupthäfen -Irlands ist der Preis, in Folge seltner eintretender Verzögerungen -etwas niedriger; in diesem Jahre (1832) wird er wahrscheinlich 2 Pfd. -Sterl. bis 2 Pfd. Sterl. 10 Shl. (ohne Mundvorräthe), und mit diesen -4 Pfd. Sterl. bis 5 Pfd. Sterl. betragen. Möglicher Weise dürften im -März und April von Dublin aus Ueberfahrten zu 1 Pfd. Sterl. 15 Shl. -oder gar zu 1 Pfd. Sterl. 10 Shl. zu erlangen sein; aber mit dem -Vorrücken der Jahreszeit werden die Preise stets höher. In Schiffen, -die von Schottland oder Irland aussegeln ist es meist üblich gewesen, -daß die Passagiere selbst für ihre Mundvorräthe sorgten; allein in -London ist diese Verfahrungsweise nicht so allgemein; und einige -Schiffseigenthümer, wohlbekannt mit den gefährlichen Mißgriffen, welche -in dieser Angelegenheit aus Unkenntniß gethan werden können, stemmen -sich sehr gegen die Aufnahme von Fremden, welche ihre Mundvorräthe -nicht vom Schiffe beziehen wollen. Diejenigen, welche durchaus selbst -dafür sorgen wollen, sollten darauf bedacht sein, nicht zu wenig -mitzunehmen; funfzig Tage sind die kürzeste Periode, auf welche man -sich mit Mundvorräthen versehen muß, und von London aus dauert dieselbe -bisweilen fünfundsiebzig Tage. Die besten Monate, England zu verlassen, -sind jedenfalls März und April; spätere Auswandrer finden selten -Beschäftigung und haben in der Colonie vor Eintritt des Winters weniger -Zeit vor sich.« - -Aus einem gedruckten, von Mr. _Buchanan_ zu Quebec abgefaßten Aufsatz -entlehnen wir folgende Bemerkungen, (der Aufsatz datirt sich vom Juli -1835). - -»Nichts ist für den Emigranten bei seiner Ankunft in Quebec wichtiger, -als genaue Erkundigung über die Hauptpunkte seines fernern Thun's. -Manche haben Mangels an Behutsamkeit halber, und weil sie den Ansichten -und Meinungen selbstsüchtige Nebenabsichten im Schilde führender -Personen, die häufig unaufgefordert ihren Rath ertheilen, und die man -gewöhnlich an den von Fremden besuchten Kaien und Landungsplätzen -findet, Gehör schenkten, schwer büßen müssen. Um sich gegen dergleichen -Fehlschritte zu sichern, sollte jeder Emigrant, gleich nach seiner -Ankunft zu Quebec, sich an das Bureau des Haupt-Agenten für Auswandrer, -in Sault-au-Matelot-Street (Unterstadt) wenden, wo er jede für seine -ferneren Unternehmungen, es mag sich nun um Ansiedlung oder Anstellung -in Ober- oder Unter-Canada handeln, erforderliche Nachweisung _gratis_ -erhält. Auf dem Wege von Quebec nach dem Ort seiner Bestimmung werden -dem Auswandrer manche Entwürfe und Pläne zur Erwägung vorgelegt, allein -er mag sich ja davon abwenden, wofern sich nicht die Reinheit der -Absicht und die Richtigkeit der Angaben nachweisen läßt: in jedem Fall -nehme man, wenn man Rath und Belehrung bedarf, seine Zuflucht zu den -Regierungs-Agenten, welche die genaueste Auskunft _gratis_ ertheilen. - -»Emigranten thun wohl, nach ihrer Ankunft achtundvierzig Stunden -an Bord des Schiffs zu bleiben, auch können sie während dieser -Zeit keiner ihrer gewöhnlichen Bequemlichkeiten, als da sind -Schlafstellen, Koch-Apparate u. s. w. beraubt werden, und der -Schiffsmeister ist gebunden, die Auswandrer und ihr Gepäck _kostenfrei_ -an den gewöhnlichen Landungsplätzen und zu entsprechenden Stunden -auszuschiffen. _Vorzüglich mögen sie sich hüten, Wasser aus dem -Lawrence Fluß zu trinken, denn sein Genuß erzeugt bei Fremden leicht -Leibschneiden und andre Unterleibsbeschwerden._ - -»Will man sein englisches Geld umwechseln, so gehe man zu einem -achtbaren Kaufmann oder Krämer, oder an die Banken: der Dollar Courant -(Halifax Courant), in den beiden Canadas, ist gleich fünf Shilingen -(engl. Geld); gegenwärtig gilt der Gold-Souverain zu Quebec und -Montreal ungefähr 1 Pfd. Sterl. 4 S. 1 D. Courant. In New-York ist der -Dollar gleich 8 Shl., daher sich manche täuschen, wenn sie von den -Arbeitslöhnen u. s. w. hören. -- 5 Shl. in Canada sind gleich 8 Shl. in -New-York; demgemäß sind 8 Shl. New-Yorker Courant gleich 5 Shl. Halifax -Courant. - -»Emigranten, die sich in Unter-Canada anzusiedeln oder Anstellung zu -erhalten wünschen, können auf manche wünschenswerthe Lage zählen. -Wilder Boden kann durch Kauf von dem mit dem Verkauf der Kronländer -bevollmächtigten Commissair in verschiednen Gemeinde-Bezirken der -Provinz erlangt werden, und die Brittisch-amerikanische Land-Compagnie -trifft die ausgedehntesten Vorbereitungen, um in den östlichen -Gemeinde-Bezirken Ländereien an Emigranten zu verkaufen. - -»Ländliche Arbeiter sind in allen Distrikten von Ober-Canada sehr -gesucht und können bei gehörigem Fleiß sehr hohe Löhne erhalten; -Handwerker fast jeder Art, und gute Dienstboten, sowohl männliche als -_weibliche_, finden ebenfalls sogleich Anstellung. - -»Emigranten, welche entweder auf der Ottawa oder St. Lawrence Straße -nach Ober-Canada reisen, thun wohl, sich zu Montreal mit Mundvorräthen, -als da sind Brod, Thee und Butter zu versorgen, indem sie diese -Artikel, daselbst billiger und _besser_ kaufen können als unterwegs, -bis sie Kingston erreichen. Desgleichen mögen sie sich so sehr als -möglich vor dem Genuß _spirituöser Flüssigkeiten und dem Trinken -kalten Fluß-Wassers_ oder dem Lagern auf den Fluß-Ufern, der feuchten -Nachtluft ausgesetzt, hüten; es ist gut, wenn sie sogleich vom -Dampfbote zu Montreal ihren Weg nach dem _Eingang des Cannals_ oder -Lachine nehmen, von wo aus täglich die Dampf- und Durham-Böte nach -Prescott und Bytown abgehen. Die ganzen Unkosten für den Transport -eines erwachsenen Emigranten von Quebec nach Toronto, und dem Ursprung -des Sees Ontario auf Dampf- und Durham-Böten betragen nicht über 1 -Pfd. Sterl. 1 Shl. -- Kingston, Belleville, die Bai von Quinte hinauf, -Cobourgh und Port Hope, im Newcastle Distrikt, Hamilton und Niagara -am Ursprunge des Sees Ontario, sind bequeme Rastplätze für Familien, -welche sich in Ober-Canada ankaufen wollen. - -Unter den zur Förderung der Auswandrer zu Montreal gebildeten -Gesellschaften herrscht große Eifersucht; daher der Emigrant wohl thut, -etwas vorsichtig zu verfahren, ehe er hinsichtlich seines Transports -nach Prescott oder Kingston abschließt, vorzüglich muß er diejenigen -Personen vermeiden, die sich um die Dampfböte bei deren Ankunft -zu Montreal drängen und ihre Dienste zur weiteren Beförderung der -Passagiere u. s. w. anbieten. Eben so ist zu Prescott oder Kingston bei -Auswahl eines regelmäßigen Transports, den See Ontario hinauf, einige -Vorsicht nöthig. Vorzüglich rathe ich den Emigranten, welche sich in -Ober-Canada niederlassen wollen, sich in Montreal nicht aufzuhalten und -Geld für Logis wegzugeben, sondern gleich nach Ankunft des Dampfbootes -nach Bytown oder Prescott aufzubrechen. - -Tagelöhner oder Handwerker, die hinsichtlich ihres Lebensunterhaltes -von sofortiger Anstellung abhängen, dürfen nicht säumen, gleich nach -ihrer Ankunft ihren Weg in das Innere zu nehmen. Der Haupt-Agent -pflegt diejenigen, welche über _vier Tage_ nach ihrem Eintreffen an -den Landungs-Plätzen umherzaudern, als jedes Anspruchs auf den Schutz -der königlichen Agenten zu seiner Beförderung oder Anstellung ledig zu -erachten, es müßte denn Krankheit oder eine andre genügende Ursache -dieses Zögern nöthig machen. - - - Vergleichende Tabelle, die Anzahl von Auswandrern betreffend, welche - seit 1829 bis 1834 (einschließlich) zu Quebec angelangt sind. - - +-----------------+--------+--------+--------+--------+--------+--------+ - | | 1829. | 1830. | 1831. | 1832. | 1833. | 1834. | - | +--------+--------+--------+--------+--------+--------+ - | England und } | | | | | | | - | Wales } | 3,565 | 6,799 | 10,343 | 17,481 | 5,198 | 6,799 | - | Irland | 9,614 | 18,300 | 34,133 | 28,204 | 12,013 | 19,206 | - | Schottland | 2,643 | 2,450 | 5,354 | 5,500 | 4,196 | 4,590 | - | Hamburg und } | | | | | | | - | Gibraltar } | -- | -- | -- | 15 | -- | -- | - | Neuschottland,} | | | | | | | - | Neufundland, } | | | | | | | - | West-Indien } | | | | | | | - | u. s. w. } | 123 | 451 | 424 | 546 | 345 | 339 | - | | ------ | ------ | ------ | ------ | ------ | ------ | - | Summa. | 15,945 | 28,000 | 50,254 | 51,746 | 21,752 | 30,935 | - +-----------------+--------+--------+--------+--------+--------+--------+ - -Die Gesammtzahl der zu Quebec seit 1829 bis 1834 angelangten Emigranten -beläuft sich auf 198,632 Köpfe. Man wird bemerken, das die Anzahl in -den Jahren 1831 und 1832 ihre Höhe erreicht hat, und dann (1833) -wieder sehr tief gefallen ist. - -Vertheilung der 30,935, im Jahr 1834 zu Quebec angelangten Emigranten: --- - - -Unter-Canada. - - Stadt und Distrikt Quebec 1,500 - Distrikt Three Rivers (drei Flüsse) 350 - Distrikt St. Francis und östliche Gemeinde-Bezirke 640 - Stadt und Distrikt Montreal 1,200 - Ottawa Distrikt 400 - ------ - 4,090 - -Ober-Canada. - - Ottawa, Bathurst, Midland und östliche Distrikte } - bis Kingston, einschließlich } 1,000 - - Distrikt Newcastle, und Stadtbezirke in der Nachbarschaft } - der Bai von Quinte } 2,650 - - Toronto und der Home Distrikt, welcher die Niederlassungen } - um den See Simco in sich schließt. } 8,000 - - Hamilton, Guelph und Huronen-Gebiet nebst den } - angrenzenden Ländereien } 2,600 - - Niagara Grenze und Distrikt, welche die Linie } - des Welland Canals und nur den Anfang des } - Sees Ontario bis Hamilton in sich begreift. } 3,300 - - Niederlassungen, welche an den Erie-See grenzen } - und den London Distrikt, die Adelaide-Ansiedlung } - und das Land bis zum See St. Clair in sich } - begreifen } 4,600 - ------ - Summa (für Ober-Canada) 22,210 - - An der Cholera in Ober- und Unter-Canada - gestorben 800 - - Nach dem Vereinigten Königreich zurückgekehrt 350 - - Nach den Vereinigten Staaten gegangen 3,485 - ------ - 4,635 - - Von 30,935 Emigranten, welche im Jahr 1834 - zu Quebec anlangten, waren: - - Freiwillige Emigranten 29,041 - Von ihren Kirchsprengeln unterstützt 1,892 - Männer 13,565 - Weiber 9,685 - Kinder unter vierzehn Jahren 7,681 - -Emigranten, welche es vorziehen, über New-York nach Canada zu gehen, -können sich bei dem brittischen Consul zu New-York (_James Buchanan_, -Esq.) Rath in ihren Angelegenheiten erholen. Vormals konnte dieser -für Emigranten, welche fest entschlossen waren, sich in Canada -niederzulassen, Erlaubniß auswirken, ihre Baggage und Effecten zollfrei -zu landen; aber in einem Briefe vom 16 März 1835 sagt er: -- - -»Zufolge einer Abänderung in dem wirklich lieberalen, bisher in diesem -Hafen üblichen Verfahren, wonach es den hierselbst landenden Emigranten -erlaubt war, ihr Gepäck, bestehend in Haus und Ackergeräth, ohne -Umpacken oder Abgabe durch New-York nach seiner Majestät Provinzen -zu transportiren, vorausgesetzt daß dieses Gepäck nichts außer den -namhaft gemachten Artikeln enthielt, betrachte ich es für meine -Pflicht, bekannt zu machen, daß gegenwärtig alle in diesem Hafen -anlangenden Artikel von Emigranten, auf ihrem Durchwege nach Canada, -der nämlichen Inspection unterworfen werden, als wenn dieselben in den -Vereinigten Staaten zurückbleiben, und die nämlichen Zölle, wie diese, -zu entrichten haben. Ich will bei dieser Gelegenheit noch bemerken, daß -alle Artikel, deren ein neuer Ansiedler bedarf, in Canada zu billigern -Preisen zu haben sind, als sie vom Vaterlande hierher transportirt -werden können, wozu noch kommt, daß sie der neuen Heimath angemessen -sind.« - -Der Unterschied zwischen den beiden Routen, wovon die eine über Quebec, -die andre über New-York nach Ober-Canada führt, besteht hauptsächlich -darin, daß der Hafen von New-York das ganze Jahr hindurch offen -ist, während die Fahrt auf dem St. Lawrence nach Quebec und Montreal -langweilig, und der Fluß blos acht Monate im Jahre offen ist. Indeß ist -letztre die billigere Route. Wer es aber nur einigermaßen daran wenden -kann, zieht den Weg über New-York vor, weil er nicht nur der bequemste -sondern auch der fördersamste nach Ober-Canada ist. - -Die Reise-Route führt nach einer gedruckten, von dem brittischen -Consul zu New-York herausgegebnen Bestimmung und Albanien von New-York -durch den Erie-Canal nach allen Theilen von Ober-Canada, westlich von -Kingston über Oswego und Buffalo: -- - - Von New-York nach Albanien 160 } (engl.) Meilen - Von Albanien nach Utica 110 } mittels Canalfahrt, - Von Utica nach Syrakus 55 } auf - Von Syrakus nach Rochester 99 } Dampfbooten - Von Rochester nach Buffalo 93 } oder Postwagen. - -Gesammt-Unkosten von Albanien nach Buffalo, auf dem Canal, mit -Ausschluß von Lebensmitteln, für einen erwachsnen Passagier (die Fahrt -dauert gewöhnlich sieben oder acht Tage) 3 Dollars, 63 Cents mittels -Packet-Böten; mit Einschluß von Lebensmitteln, bei einer Fahrt von -sechs Tagen 12-1/4 Dollars. - -»Ditto mittels der Postkutsche, binnen 3-1/2 und vier Tagen -- 13 bis -15 Dollars. - -»Ditto von Albanien nach Oswego auf Canälen, bei einer Fahrt von 5 -Tagen -- 2-1/2 Dollars. - -»Ditto mittels der Postkutsche, (zweitägige Fahrt) -- 6-1/2 bis 7 -Dollars. - -»Eine mäßige Menge Gepäck wird unentgeldlich mitgenommen. - -Reise-Route von New-York nach Montreal, Quebec und allen Theilen von -Unter-Canada: -- - -»Von New-York nach Albanien, 160 (engl.) Meilen mittels Dampfboot, 1 -bis 3 Dollars, mit Ausschluß Von Lebensmitteln. - -»Von Albanien nach Whitehall, auf Canälen, 73 engl. Meilen, 1 Dollar; -auf dem Postwagen 3 Dollars. - -»Von Whitehall nach St. John's, mittels Dampfboot, der Lebensunterhalt -eingerechnet, in der Cajüte 5 Dollars; Deck-Passage, ohne -Lebensunterhalt 2 Dollars. - -»Von St. John's nach Laprairie, 16 engl. Meilen, mittels Postwagen, 5 -bis 7 Schl. 6 D. - -»Von Laprairie nach Montreal, auf dem Fähr-Dampfboote, (8 engl. Meilen) -6 D. - -»Von Montreal nach Quebec mittels Dampfboot, 180 (engl.) Meilen, in der -Cajüte (mit Kost) 1 Pfd. St. 5 Schl. Deck-Passage, ohne Kost 7 Schl. 6 -D. - -»Diejenigen, welche nach den östlichen Gemeinde-Bezirken von -Unter-Canada, in der Nachbarschaft von Sherbrooke, Standstead u. s. -w. wandern wollen, müssen ihren Weg nach St. John's nehmen, von woaus -gute Straßen nach sämtlichen östlichen Ansiedlungen führen; nehmen -sie ihren Weg nach dem Fluß Ottawa, so müssen sie von Montreal und -Lachine ausgehen, indem von hier aus Postwagen, Dampfböte und andre -kleine Fahrzeuge (Kähne) nach Granville, Hull und Bytown, so wie auch -nach Chateauguay, Glengary, Cornwall, Prescott und sämmtlichen Theilen -unterhalb Kingston segeln. - -»Die Emigranten können sich des Rathes und Beistandes folgender Herren -bedienen: -- zu Montreal _Carlisle Buchanan's_ Esq.; zu Prescott, _John -Patton's_ Esq.« - - - Emigranten-Zahl, welche im Verlauf von - sechs Jahren, nämlich seit 1829 bis 1834 von - dem Vereinigten Königreich zu New-York - angelangt ist. - - +----------+----------+---------+-------------+-------------+ - | Jahr. | England. | Irland. | Schottland. | Gesammtzahl | - +----------+----------+---------+-------------+-------------+ - | 1829 | 8,110 | 2,443 | 948 | 11,501 | - | 1830 | 16,350 | 3,497 | 1,584 | 21,433 | - | 1831 | 13,808 | 6,721 | 2,078 | 22,607 | - | 1832 | 18,947 | 6,050 | 3,286 | 28,283 | - | 1833 | -- -- | -- -- | -- -- | 16,000 | - | 1834[64]| -- -- | -- -- | -- -- | 26,540 | - | | | | +-------------+ - | | | | Gesammtzahl.| 126,464 | - +----------+----------+---------+-------------+-------------+ - - -III. Amerikanische Passagier-Acte. - -Der 9. ^Geo. IV. c.^ 21, gemeiniglich die amerikanische Passagier-Acte -genannt, wurde während der Session 1835 widerrufen, und an ihrer Stelle -eine neue Verordnung (5 und 6 ^Will. IV., c.^ 53.) erlassen. Diese -neue Acte hat zum Zweck, so sehr als möglich und wirksamer als die -frühere, die Gesundheit und das Gedeihen der Auswandrer an Bord von -Passagier-Schiffen zu sichern. Zufolge einer Clausel müssen Copien -oder Auszüge auf dergleichen Schiffen zur Einsicht der Passagiere -unterhalten werden, damit diese hierdurch Gelegenheit haben, sich von -der Erfüllung des Gesetzes zu überzeugen; allein die Entdeckung irgend -einer Verletzung der gesetzlichen Verordnungen dürfte zu einer Zeit -gemacht werden, wo es in dem besondern, gerade vorliegenden Falle, -zu spät ist, insofern es sich um die Bequemlichkeit oder gar um die -Gesundheit der Passagiere handelt, Abhülfe zu leisten. Es steht daher -zu hoffen, daß die menschenfreundlichen Absichten der Gesetzgebung -durch keine Nachlässigkeit von Seiten derjenigen (vorzüglich der -Zoll-Beamten) vereitelt werden, welchen die Pflicht obliegt, dafür -zu sorgen, daß den Bestimmungen der Acte genügt werde, ehe das -Passagier-Schiff den Hafen verläßt. - -Kein Passagier-Schiff darf mehr als drei Personen auf jede fünf Tonnen -einregistrirte Last am Bord enthalten. Desgleichen dürfen sich, was -auch immer der Tonnengehalt sein mag, nicht mehr Passagiere an Bord -befinden, als die gesetzliche Bestimmung des Raums gestattet, nach -welcher auf je zehn Fuß Flächengehalt des untern Decks, die nicht von -Gütern oder Vorräthen, außer dem Gepäck der Reisenden, eingenommen -sind, eine Person gerechnet wird. - -Schiffe mit mehr als einem Deck müssen mindestens fünf und einen halben -Fuß Zwischendeckraum haben; und hat ein Schiff blos ein Deck, so muß -unter das Deck eine Plattform dergestalt gelegt werden, daß dazwischen -ein Raum von wenigstens fünf und einem halben Fuß Höhe übrig bleibt; -auch darf ein solches Schiff nicht mehr als zwei Reihen Schlafstellen -haben. Schiffe mit einer doppelten Reihe Schlafstellen müssen einen -Zwischenraum von mindestens sechs Zoll zwischen dem Deck oder der -Plattform und dem Boden der untern Reihe in ihrer ganzen Ausdehnung -haben. - -Passagier-Schiffe müssen folgende Vorräthe und in folgendem Verhältniß -führen: -- - -Reines Wasser, für jeden Passagier gegen fünf Gallonen auf jede Woche -der Reise. Das Wasser muß in Tanks oder verkohlten (Frischwasser-) -Fässern aufbewahrt werden. - -Sieben Pfund Brod, Schiffszwieback, Hafermehl oder andre Brodstoffe, -auf jede Woche für jeden Passagier; Kartoffeln können bis zu einem -Drittel des gesammten Mundvorrathes hinzugefügt, aber sieben Pfund -Kartoffeln müssen einem Pfund Brod oder Brodmehl gleich gerechnet -werden. Die Dauer der Reise nach Nord-Amerika wird auf zehn Wochen -geschätzt, demgemäß müssen für jeden Passagier funfzig Gallonen Wasser -und siebzig Pfund Brod oder Brodmehl mitgenommen werden. - -Beläuft sich die Anzahl der Passagiere auf hundert Köpfe, so muß der -Schiffseigner für einen praktischen Arzt sorgen; wenn darunter, so -müssen Arzneimittel in hinreichender Menge und von den erforderlichen -Arten, als ein Theil der nothwendigen Vorräthe, mitgenommen werden. - -Passagier-Schiffen ist nicht erlaubt, an spirituösen Getränken, -als Waare, über ein Zehntel von derjenigen Quantität auszuführen, -welche, ohne diese Beschränkung, die Zollbeamten, den Proviantlisten -eines solchen Schiffs gemäß, blos für den Gebrauch der Passagiere -(und je nach deren Anzahl,) mitzunehmen verstatten würden. Gewiß -eine wichtige Maßregel, welche buchstäblich befolgt werden sollte. -Die starke Versuchung, wovon die an einen engen Raum gefesselten -Passagiere in Folge der Langenweile, welche eine dergleichen Seereise -erzeugt, ergriffen werden, hat häufig den Vermögensumständen, der -Behaglichkeit und Gesundheit manches Emigranten bedeutenden Nachtheil -gebracht, besonders wenn der Schiffsmeister für einen tüchtigen -Branntwein-Vorrath gesorgt hatte. - -Bei Aufzählung der Passagiere werden _zwei_ Kinder über sieben aber -unter vierzehn, oder _drei_ unter sieben Jahren für einen Passagier -gerechnet. Kinder unter _zwölf Monaten_ werden nicht mit gezählt. - -Jeder Passagier ist berechtigt, achtundvierzig Stunden hindurch, -nachdem das Schiff an dem Orte seiner Bestimmung angelangt ist, an Bord -zu bleiben, und muß für diese Zeit mit den erforderlichen Mundvorräthen -versorgt werden. Emigranten mit beschränkten Mitteln können auf diese -Weise viele Unannehmlichkeiten und Kosten vermeiden, indem sie sich -über die Marschroute, welche sie zu nehmen gedenken, berathen, anstatt -zu landen und in den theuern Wirthshäusern und Restaurationen eines -See-Hafens Zeit und Geld zu verschwenden. - -Schiffsmeister müssen Cautionen von 1,000 Pfd. St. zahlen, als Garantie -für die treue Erfüllung der ihnen durch die Acte auferlegten Pflichten. -Die wegen einer Uebertretung des Gesetzes zu zahlende Strafe beläuft -sich nicht unter _fünf_, und nicht über _zwanzig_ Pfd. Sterl. - -Die von der Regierung in den verschiednen Häfen angestellten Agenten, -oder die Zoll-Beamten werden ohne Zweifel Passagieren, welche um -ihren Rath hinsichtlich einer Verletzung der Bestimmungen der Acte -nachsuchen, jeden Verschub leisten, und die zu ergreifenden Maßregeln -anzeigen. - -Herrscht hinsichtlich der Tüchtigkeit eines zum Absegeln bereiten -Schiffes irgend ein Zweifel, so sind die Zoll-Einnehmer und -Zoll-Controlleurs ermächtigt, dasselbe besichtigen zu lassen. -Passagiere, welche über die Zeit hinaus, wo das Schiff der Verabredung -gemäß auslaufen sollte, aufgehalten werden, muß der Schiffsmeister auf -seine Unkosten unterhalten; sorgen sie selbst für ihre Mundvorräthe, so -ist er gehalten, jedem für einen Tag Aufschub, den nicht Unwetter oder -eine andre unvermeidliche Ursache erheischt, einen Schilling zu zahlen. - - -IV. Uebertragung von Capitalien. - -Es ist, wie sich von selbst versteht, für Emigranten von großer -Wichtigkeit, was sie irgend an Capital über die erforderlichen Unkosten -der Reise u. s. w. besitzen, auf dem sichersten und vortheilhaftesten -Wege nach Canada zu senden, sowohl die Brittisch-Amerikanische -Land-Compagnie als die Canada-Compagnie sind hierin den Emigranten -behülflich, indem sie Pfänder und Credit-Briefe auf ihre Agenten in -Canada annehmen. Es ist unsicher und unklug eine größere Summe bares -Geld bei sich zu führen, als gerade zur Bestreitung der nothwendigen -Reisekosten hinreicht, indem man eine doppelte Gefahr läuft, nämlich -sein Geld zu verlieren, oder es zu vergeuden. Emigranten, die sich in -ihren Geldangelegenheiten nicht an eine der beiden zuvor erwähnten -Compagnien wenden wollen, würden daher wohl thun, sich von einem -achtbaren Hause in dem Vereinigten Königreiche einen Credit-Brief auf -die Bank zu Montreal ausstellen zu lassen. - - -V. Canadisches Courant. - -In sämmtlichen Brittisch-Nord-Amerikanischen Colonien werden Rechnungen -und Preise, eben so wie in England, in Pfunden, Schillingen und Pence -ausgedrückt. Man unterscheidet übrigens zwischen Courant oder Halifax -Courant, und Sterling oder Brittisch Sterling. - -Ein Pfund Halifax-Courant oder Courant, wie es schlecht weg genannt -wird, besteht aus vier spanischen Dollars. Der Dollar zerfällt in fünf -Theile -- im Spanischen Pistoreens genannt, wovon jeder ein Schilling -genannt wird. Jeder dieser Schillinge oder Pistoreens ist wiederum in -zwölf Theile, Pence genannt, getheilt, aber uneigentlich, da es keine -Münze giebt, die einer solchen Unterabtheilung entspräche. Um dem -Bedürfniß abzuhelfen, sind eine große Anzahl Kupfermünzen im Umlauf, -wozu der alte englische Halfpenny, der Halfpenny neuern Gepräges, -der Penny, der Farthing und der amerikanische Cent gehören; alle -und jede gelten als der vierundzwanzigste Theil des Pistoreen oder -Colonial-Schillings. Pence sind in der That nicht bekannt, wiewohl fast -jede Art von Kupfermünze als der vierundzwanzigste Theil des Pistoreen -genommen wird[65]. - -Zu einer Zeit, als der spanische Dollar, das Achtelstück, wie es -damals hieß, feiner und schwerer als die jetzt im Umlauf befindliche -Münze war, betrug sein Werth nach dem Münz-Silber-Preise 4 Schl. 6 D. -Sterling, und 90 Pfd. Sterl. waren gleich 100 Pfd. Courant. - - -IV. Die Canada Compagnie. - -Die Canada-Compagnie wurde im Jahr 1826 durch einen königlichen -Freibrief und eine Parlaments-Acte confirmirt. Nachstehendes sind -Auszüge aus dem Prospect der Compagnie: -- - -»Die Canada-Compagnie hat in fast jedem Theil von Ober-Canada -Ländereien zum Verkauf bereit, unter Bedingungen, welche jedenfalls -höchst vortheilhaft für den Emigranten sind, da er beim Abschluß -des Kaufs blos ein Fünftel vom Kaufgelde an die Compagnie baar zu -entrichten braucht, und das Uebrige in fünf einjährigen, auf einander -folgenden Terminen, (also in einem Zeitraum von fünf Jahren) nebst -Interessen entrichten kann, so daß er bei gehöriger Betriebsamkeit den -Saldo von den Erzeugnissen des Bodens abzutragen vermag. - -»Ländereien der Canada-Compagnie sind von dreierlei Art, nämlich: -- - -Hier und da ausgestreute Reserve-Ländereien. - -Länder-Striche (^Blocks or tracts of land^) jeder von 1,000 bis 40,000 -Aecker. - -Der Huronen-Tract, welcher über 1,000,000 Aecker enthält. - -»_Zerstreut liegende Reserve-Ländereien._ Die zerstreuten -Kron-Ländereien sind Parcellen von hundert bis zweihundert Acker eine -jede, durch fast jeden Gemeinde-Bezirk in der Provinz vertheilt, -und an der Boden-, Klima-Beschaffenheit u. s. w. jedes besondern -Gemeinde-Bezirks Theil habend. Dergleichen Ländereien sind vorzüglich -denjenigen zu empfehlen, welche Freunde und Verwandte in ihrer -Nachbarschaft angesiedelt zu sehen wünschen, und kann der Acker zu 8 -Schl. 9 D. bis zu 25 Schl. gekauft werden. - -»_Länder-Blöcke oder Trakte_ (^Blocks of Land^). Die Blöcke oder Trakte -liegen ganz in dem Theil der Provinz, der sich westwärts vom Ursprunge -des Sees Ontario hindehnt, und enthalten Fluren, die, was Boden, Klima, -Ergiebigkeit u. s. w. anlangt, jedem andern Theil des Festlandes von -Amerika gleichen, wo nicht überlegen sind. Diese verdienen mithin die -Aufmerksamkeit von Emigranten-Gemeinden, die als Landsleute, oder durch -Verwandtschaft, Freundschaft, Religion oder andre Banden mit einander -verknüpft, sich zusammen niederzulassen wünschen. - -Der größte Block dieser Art im Besitz der Compagnie ist der -Stadt-Bezirk Guelph, der über 40,000 Acker enthält, wovon die größere -Hälfte bereits verkauft ist; und hier hat sich im Verlauf nur -weniger Jahre eine Stadt erhoben, welche Kirchen, Schulen, Magazine, -Wirthshäuser und Mühlen in sich begreift, und wo man Handwerker und -Gewerbtreibende jeder Art und eine sehr achtbare Gesellschaft finden -kann. - -»_Das Huronen-Gebiet._ Dies ist ein Strich des besten Landes in -Amerika, durch welches die Canada-Compagnie zwei Straßen, so gut als es -nur ein neu urbar gemachtes Land zuläßt, über hundert englische Meilen -weit gehauen hat. - -»Die Bevölkerung daselbst nimmt von Tag zu Tag zu. - -»Die Stadt Goderich, an der Mündung des Flusses Maitland, am -Huronen-See, ist sehr blühend und enthält verschiedne treffliche -Vorraths-Häuser und Kaufläden, worin der Emigrant die ihm nothwendigen -Artikel zu billigen Preisen erhalten kann. Es ist daselbst eine gute -Schule errichtet worden, die stark besucht wird; desgleichen eine -englische Kirche, worin ein presbyterianischer Geistlicher Gottesdienst -hält; und da die Kirchen in Ober-Canada gegenwärtig besonders durch -freiwillige Beiträge ihrer respectiven Versammlungen unterhalten -werden, so kann man sich von dem achtbaren Charakter der Bewohner -dieser Ansiedlung und der Nachbarschaft eine Vorstellung machen. - -»Die Stadt und der Stadt-Bezirk Goderich enthalten ungefähr tausend -Einwohner; und seit dem das von der Compagnie zur Bequemlichkeit ihrer -Ansiedler erbaute Dampfboot seinen Lauf zwischen Goderich und Sandwich -begonnen hat, ist eine bedeutende Zunahme in dem Verkehr und dem -Gedeihen der Niederlassung wahrzunehmen. - -In diesem Distrikt sind vier gute Säge-Mühlen, drei Grütz-Mühlen, -und in der Nachbarschaft einer jeden findet man gut gefüllte -Vorraths-Häuser. Und da das ganze Gebiet vier Millionen Acker enthält, -wovon die größere Hälfte dem Verkehr offen ist, so kann ein Emigrant -oder eine Emigranten-Gesellschaft, wie groß sie auch sein mag, in -Auswahl einer je für ihre Zwecke, wie verschiedenartig diese auch -sein mögen, günstigen Lage auf keine Schwierigkeit stoßen. Der Preis -dieser Ländereien beläuft sich von 11 Schl. 3 D. bis auf 15 Schl. -Provinzial-Courant, oder auf 11 Schl. bis 13 Schl. 6. D. Sterl. ^per^ -Acker.« - -Emigranten, welche sich mit der Compagnie zu besprechen wünschen, -müssen sich an den Secretair, John Perry Esq., St. Helen'splace, -Bishopsgate-Street, London, oder an die Agenten der Compagnie der Häfen -wenden. - - -^VII.^ Brittisch-amerikanische Land-Compagnie. - -Die brittisch-amerikanische Land-Compagnie berichtet in ihrem Prospect, -daß sie von der brittischen Regierung ziemlich eine Million Acker -in den Grafschaften Shefford, Stanstead und Sherbrooke, und zwar in -den sogenannten östlichen Gemeinde-Bezirken von Unter-Canada gekauft -habe. Diese Gemeinde-Bezirke begreifen einen Strich Landes in sich, -der auf der Südseite des St. Lawrence, zwischen 45° und 46-1/2° -nördlicher Breite und 71° und 73° westlicher Länge liegt. Dieser Tract, -welcher zwischen fünf und sechs Millionen Acker enthält, ist in acht -Grafschaften, und diese sind wiederum in ungefähr hundert Stadt- oder -Gemeinde-Bezirke getheilt. Besagte Gemeinde-Bezirke erfreuen sich -eines wichtigen Vortheils in ihrer geographischen Lage. Auf der einen -Seite haben sie einen leichten Zugang von Montreal, Quebec und Three -Rivers, den Schiffer-Hafen und großen Märkten der beiden Canadas; auf -der andern von New-York den Hudson River hinauf und durch den See -Champlain, so wie auch von Boston und andern Theilen der atlantischen -Küste. Zufolge ihrer gedrängten und zusammenhängenden Lage können sie -durchgängig sowohl auf leichten Verkehr und gegenseitige Unterstützung -als auch auf allgemeine Theilnahme an allen örtlichen Verbesserungen -zählen. - -»Die Bedingungen, unter welchen die Compagnie ihre Ländereien -veräußert, sind, je nach Lage, Beschaffenheit und besondre Vortheile, -welche die verschiednen Parcellen besitzen mögen, verschieden; im -Allgemeinen indeß sind sie zu 4 Schl. bis 6 Schl. Courant ^per^ -Acker käuflich, und in allen Fällen muß ein Theil der Kaufsumme als -Unterpfand angezahlt werden, und zwar bei den höher geschätzten -Parcellen der fünfte, und bei den niedriger geschätzten der vierte -Theil. - -»Der Saldo muß alsdann nach und nach in sechs auf einander folgenden -einjährigen Terminen, nebst den in der Provinz gesetzmäßigen Zinsen, -und zwar vom Tage des Kaufabschlusses an gerechnet, abgetragen werden; -sollten indeß Käufer geneigt sein, die Zahlungen früher zu leisten, so -dürfen sie sich die Zeit dazu nur wählen. - -»Der Preis für einen Bauplatz zu Port St. Francis im laufenden Jahre -(1835) ist 12 Pfd. Sterl. 10 Schl., mit Anzahlung von 5 Pfd. Sterl. -in baarem Gelde, und der Saldo ist nebst Interessen in Jahres-Frist -abzutragen. - -»Anzahlungen für Grund und Boden, den der Emigrant bei seiner Ankunft -im Lande wählen kann, nimmt die Compagnie in London an. - -»Nach der zwischen der königlichen Regierung und der Compagnie -geschloßnen Uebereinkunft sind 50,000 Pfd. Sterl. von dem Kaufgelde, -welches letztre bezahlt hat, von derselben auf öffentliche Werke und -Verbesserungen, als z. B. Landstraßen, Brücken, Canäle, Schulhäuser, -Märkte, Häuser, Kirchen und Prediger-Wohnungen zu verwenden. Dies -ist eine höchst wichtige Bestimmung, die sich für den Ansiedler -nothwendiger Weise in hohem Grade wohlthätig erweisen muß, insofern sie -ihm die Verbesserung und das Gedeihen des Distrikts zusichert. Die -Anlegung von Straßen und andern leichten Communicationen ist das größte -Bedürfniß eines neuen Landes; und die Verwendung von Capital auf Werke -dieser Art, welche die Kräfte und Mittel von Privatleuten übersteigen, -ist der beste Weg, auf welchem eine erfolgreiche Niederlassung -befördert und vollendet werden kann. - -»Die Verwendung der oben namhaft gemachten ansehnlichen Summe sichert -zu gleicher Zeit dem redlichen und fleißigen Arbeiter, unmittelbar nach -seiner Ankunft, Anstellung und Erwerb.« - -Das Verwaltungs-Bureau der Brittisch-amerikanischen Land-Compagnie ist -zu London, (Barge-Yard, Bucklersbury); dieselbe hat auch Agenten an den -verschiednen Hafen-Orten. - - [Illustration: Dekoration] - - [Illustration: Charte, worauf die Binnen-Schifffahrt der - Distrikte Newcastle und Ober-Canada verzeichnet ist.] - -Fußnoten: - -[60] Diese Summe ist in dem Parlaments-Rechnungs-Abschluß angegeben, -aber wahrscheinlich soll anstatt 9, 1 stehen. - -[61] V. E. (^U. E.^) Loyalisten bedeutet: vereinigte englische -Loyalisten, das ist solche, die beim Ausbruch des amerikanischen -Freiheits-Krieges aus den Vereinigten Staaten flohen. Die in obigen -Rubriken verzeichneten Schenkungen gehen meistentheils die Kinder -dieser Individuen an. - -[62] Bei Verkäufen auf Erbzins zu 5 pCt., kann das Capital (Kaufsumme) -nach Belieben abgezahlt werden. - -^N. B.^ Verkäufe auf Erbzins haben im Jahr 1832 aufgehört. - -[63] ^Information published by His Majesty's Commissioners for -Emigration, respecting the Brittish Colonies in North America, Lond. C. -Knight, 1832.^ - -[64] Die Angaben für 1834 reichen blos bis zum 20. November selbigen -Jahres. - -[65] Die Amerikaner haben auch ihren 1. ^s.^ (Schilling), welcher -dem achten Theil eines Dollars oder 12-1/2 Cent. gleich ist. Es ist -nichts Ungewöhnliches, den Emigranten sich rühmen zu hören, daß er in -New-York täglich 10 Schillinge verdienen könne. Er weiß nicht, daß ein -Dollar, welcher acht dergleichen Schillingen gleich ist, in England nur -4 Schilling, 2 D. gilt, und daß mithin der amerikanische Schilling, -im Vergleich mit dem englischen nur 6-1/4 D. gilt, und daß daher ein -Arbeitslohn von 10 Schillingen, täglich in der That nicht mehr als -zehn mal 6 und 1/4 D. oder 5 Schillinge 2 und 1/2 D. nach englischer -Werthbestimmung beträgt. Indeß ist ein Tagelohn von 5 Schillingen 2 und -1/2 D. immer noch beträchtlich zu nennen, nur aber kann es der Arbeiter -nicht häufig erlangen; und erhält er es, so ist es für übermäßige -schwere Arbeit unter einer brennenden Sonne in Seehafen-Städten während -der geschäftsreichen Schifffahrt-Zeit. - - - - -Erläuterung der Charte. - - -Da wir den englischen Stock beibehalten haben, so -fügen wir für den Leser folgende Nachweisungen hinzu: -- - - ^L.^ (^lake^) bedeutet _See_. - ^Part^, _Theil_. - ^Bridge^, _Brücke_. - ^Channel^, _Canal_. - ^R.^ (^River^), _Fluß_. - - -Erklärung der auf der Charte vorkommenden Zahlen. - -1) Beabsichtigte Eisenbahn, 6 (engl.) Meilen. - -2) In Vorschlag gebrachte Eisenbahn, 13 (engl.) Meilen. - -3) 36 (engl.) Meilen Dampf-Schifffahrt bis Heel-Falls. - -4) Abriß der Mündungen des Flusses Otanabee und eines Theils des -Reis-Sees. - -5) Abriß des kleinen Sees, eines Theils des Flusses Otanabee und der -Stadt Peterborough. - - - - -Anmerkung. - - -Seite 158. Die Moosbeere (^Cranberry^), wovon es, wie aus dem Text -hervorgeht, in Canada zwei Spiel-Arten giebt, gehört der Gattung -^Vaccinium^ an; diese Beere oder Frucht ist, nach erlangter Reife, -roth und von der Größe einer kleinen Kirsche oder Schlehe und sitzt an -einem dünnen gebognen Stiel. (^V. exycoccus^). Die Pflanze heißt auch -Moorbeere, weil sie auf Moorboden und an sumpfigen Stellen wächst. -Eine verschiedne Art davon ist ^Vaccinium macrocarpon^ (großfrüchtige -Moosbeere). - - - _Leipzig_, gedruckt bei _W. Haack_. - - - - -Inhalts-Verzeichniß. - - - Seite. - - Erster Brief. - - Abfahrt von Greenock in der Brig _Laurel_. -- Beschaffenheit - der Kajüte. -- Reise-Gefährte. -- Mangel an Beschäftigung - und Unterhaltung. -- Des Capitains Goldfinke 9 - - Zweiter Brief. - - Ankunft an der Küste von Neufundland. -- Der Goldfinke - singt kurz vor Entdeckung des Landes. -- Der Meerbusen - St. Lawrence. -- Schwierige Fahrt auf dem - Flusse. -- Ein französischer Fischer wird als Lootse angestellt. - -- Die Insel Bic. -- Grün-Eiland. -- Anstellung - eines regelmäßigen Lootsen. -- Scenerei von - Grün-Eiland. -- Gros-Eiland. -- Quarantaine-Gesetze. - -- Emigranten auf Gros-Eiland. -- Ankunft vor - Quebek. -- Anblick der Stadt und ihrer Umgebungen 13 - - Dritter Brief. - - Abfahrt von Quebek. -- Wir werden von einem Dampfschiffe - bugsirt. -- Fruchtbarkeit des Landes. -- Verschiedne - Gegenstände, die sich uns beim Hinaufsteuern des - Flusses darbieten. -- Ankunft vor Montreal. -- Die - Stromschnellen (Rapids). 31 - - Vierter Brief. - - Landung zu Montreal. -- Erscheinung der Stadt. -- Verheerungen - der Cholera. -- Wohlthätigkeits-Anstalten zu - Montreal. -- Katholische Cathedrale. -- Unter- und - Ober-Stadt, Gesellschaft und Unterhaltung im Hotel. -- - Die Verfasserin wird von der Cholera befallen. -- Abreise - von Montreal im Postwagen. -- Einschiffung zu - Lachine am Bord eines Dampf-Schiffes. -- Abwechselndes - Reisen in Dampfschiffen und Postwagen. -- Erscheinung - des Landes. -- Manufacturen. -- Oefen, in - einiger Entfernung von den Hütten. -- Zieh-Brunnen. - -- Ankunft zu Cornwall. -- Bedienung im Gasthause. - -- Abreise von Cornwall, und Ankunft zu Prescott. - -- Ankunft zu Brookville. -- Dasiger Stapelplatz. - -- Reise durch den See Ontario. -- Ankunft zu - Cobourg. 38 - - Fünfter Brief. - - Reise von Cobourg nach Amherst. -- Schwierigkeiten denen - man bei seiner ersten Ansiedlung in den Urwäldern zu - begegnen hat. -- Erscheinung des Landes. -- Reis-See. - -- Indianische Lebensweise und Gebräuche. -- - Fahrt den Otanabee hinauf. -- Log-Haus (^Log-house^) - und seine Inhaber. -- Passagier Boot. -- Fußreise nach - Peterborough 62 - - Sechster Brief. - - Peterborough. -- Sitten und Sprache der Amerikaner. -- - Schottischer Maschinenbauer. -- Schilderung Peterboroughs - und seiner Umgebungen. -- Canadische Blumen. - -- Shanties. -- Beschwerden und Strapazen, - welche die ersten Ansiedler zu ertragen haben. -- Verfahren - bei Anlegung einer Meierei. 91 - - Siebenter Brief. - - Abreise von Peterborough. -- Canadische Wälder. -- Wagen - und Gespann. -- Ankunft bei einem Log-Hause an - den Ufern des Sees. -- Niederlassung und erste Beschäftigungen. 120 - - Achter Brief. - - Unannehmlichkeiten, die mit einer noch neuen Ansiedelung - verbunden sind. -- Schwierigkeit, Nahrungsmittel und - andre nöthige Artikel zu erlangen. -- Schneesturm und - Orkan. -- Indianischer Sommer und Eintritt des Winters. - -- Verfahren bei Lichtung des Bodens. 137 - - Neunter Brief. - - Verlust eines Ochsen-Gespanns. -- Errichtung eines Log-Hauses. - -- Glaser- und Zimmermanns-Arbeit. -- Beschreibung - eines neuen Log-Hauses. -- Spaziergang auf - dem Eise. -- Lage des Hauses. -- See und umgebende - Scenerei. 148 - - Zehnter Brief. - - Abwechselung in Temperatur und Wetter. -- Electrische - Erscheinung. -- Canadischer Winter. -- Mangel an poetischen - Anklängen in diesem Lande. -- Zuckerbereitung. -- - Zeit zum Fischfang. -- Art des Fischfangs. -- Entenschießen. - -- Indianer-Familien. -- Papousen und ihre - Windeln- und Wickelbänder. -- Indianische Manufacturen. - -- Frösche. 164 - - Elfter Brief. - - Welche Emigranten für Canada passen. -- Eigenschaften, - die man besitzen muß, um eines günstigen Erfolgs gewiß - zu sein. -- Capital-Anlage. -- Welche Artikel man wo - möglich mit sich bringen muß. -- Eigenschaften und Beschäftigungen - einer Ansiedler-Familie. -- Mangel an Geduld - und Energie bei einigen Frauen. -- Besorgung - der Milchwirthschaft. -- Käse. -- Indianisches Korn; - seine Cultur. -- Kartoffeln. -- Arbeitslöhne. 190 - - Zwölfter Brief. - - Eine »Klafter-Biene.« -- Verbrennung der geklafterten - Haufen. -- Wirthschafts-System. -- Preis des Weizens - im Vergleich zu dem Arbeitslohn. -- Wahl des Bodens - und verhältnißmäßige Vortheile. -- Lichtung des Bodens. - -- Orcan in den Wäldern. -- Veränderliche Witterung. - -- Insekten. 208 - - Dreizehnter Brief. - - Gesundheits-Gefühl inmitten der strengsten Winter-Monate. - -- Unannehmlichkeit, welche die glänzende Weiße - des Schnees verursacht. - Schlittenfahrt. -- Indianische - Orthographie. -- Besuch in einem Indianer-Lager. -- - Ein indianischer Krüpel. -- Canadische Ornithologie 220 - - Vierzehnter Brief. - - Nutzen botanischer Kenntnisse. -- Das Feuerkraut (^fireweed^), - Sarsaparilla-Pflanzen. -- Prächtige Wasser-Lilie. - -- Reis-Beete. -- Indianische Erdbeere. -- - Scharlachfarbner Akelei (^Colombine^.) -- Farnkräuter. -- - Gräser. 262 - - Fünfzehnter Brief. - - Nochmalige Betrachtung verschiedner Punkte. -- Fortschritte - der Ansiedlungen. -- Canada, das Land der Hoffnung. -- - Besuch bei der Familie eines See-Offiziers. -- Eichhörnchen. - -- Besuch bei einem ausgewanderten Geistlichen; - seine Geschichte. -- Schwierigkeiten, womit er anfangs - zu kämpfen hatte. -- Temperament, Charakter - und Gewohnheiten der Emigranten sind von großem Einfluß - auf das Gedeihen oder Nichtgedeihen ihrer Ansiedlung 286 - - Sechszehnter Brief. - - Indianische Jäger. -- Segel auf einem Canoe. -- Mangel - an Bibliotheken in den Urwäldern. -- Neues Dorf. -- - Fortschritte und Verbesserungen. -- Leuchtende Insekten - (Johanniswürmchen.) 320 - - Siebzehnter Brief. - - Kaltes Fieber. -- Unwohlsein der Familie. -- Wahrscheinliche - Ursache. -- Wurzel-Haus. -- Eintritt des Winters. - -- Insekt, der Säger genannt. -- Einstweilige - Kirche. 336 - - Achtzehnter Brief. - - Geschäftreiches Frühjahr. -- Zunahme der Gesellschaft und - Bequemlichkeit. -- Erinnerungen an die Heimath. -- - Nordlicht. 344 - - - - -Verzeichniß der Abbildungen. - - - Seite. - - Katarakt zu Montmorenci 27 - - Reis-Boden 67 - - Amerikanischer Schlitten 77 - - Amerikanische Silber-Tanne 81 - - Canadische Fichte 99 - - Log-Haus 107 - - Hölzernes Dorf. (Log-Dorf und Ankunft eines Postwagens.) 109 - - Ein durch die Urwälder gehauener Pfad 123 - - Neu gelichtetes Land 143 - - Papousen 179 - - Grüne Frösche 185 - - Ochsen-Frosch 187 - - Die Prairie 225 - - Peter, der Jäger 229 - - Der rothe Sommer-Vogel 241 - - Der blaue Vogel 243 - - Schnee-Ammer 247 - - Der Baltimore-Feuervogel 257 - - Rothe Eichhörnchen 295 - - Fliegendes Eichhörnchen 299 - - Charte, worauf die Binnen-Schifffahrt der Distrikte Newcastle - und Ober-Canada verzeichnet ist 399 - - - - -Notizen des Bearbeiters - - Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. - - Altertümliche Schreibweisen wurden beibehalten. - - Im Original ist gedruckt: 'Siebenter Brief' (S. 190) an Stelle von: - 'Elfter Brief'. Dies wurde korrigiert. - - Im Original ist gedruckt: 'Zwölfter Brief' (S. 262) an Stelle von: - 'Vierzehnter Brief'. Dies wurde korrigiert. - - Gesperrter Text markiert durch: _..._ - - Antiqua-Text markiert durch: ^...^ - - Fett gedruckter Text markiert durch: =...= - - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK ANSIEDLUNGEN IN DEN URWÄLDERN VON -CANADA. *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. 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INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any -Defect you cause. - -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm - -Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org - -Section 3. 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Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our website which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This website includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. diff --git a/old/64383-0.zip b/old/64383-0.zip Binary files differdeleted file mode 100644 index fd88a17..0000000 --- a/old/64383-0.zip +++ /dev/null diff --git a/old/64383-h.zip b/old/64383-h.zip Binary files differdeleted file mode 100644 index faf7a28..0000000 --- a/old/64383-h.zip +++ /dev/null diff --git a/old/64383-h/64383-h.htm b/old/64383-h/64383-h.htm deleted file mode 100644 index a890492..0000000 --- a/old/64383-h/64383-h.htm +++ /dev/null @@ -1,16483 +0,0 @@ -<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN" - "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd"> -<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml" xml:lang="de" lang="de"> - <head> - <meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=utf-8" /> - <meta http-equiv="Content-Style-Type" content="text/css" /> - <title> - The Project Gutenberg eBook of Ansiedlungen In Den Urwäldern Von Canada, by Dr. F. A. Wiese. - </title> - - <link rel="coverpage" href="images/cover.jpg" /> - - <style type="text/css"> - -body { - margin-left: 10%; - margin-right: 10%; -} - - h1,h2 { - text-align: center; /* all headings centered */ - clear: both; -} - -div.chapter {page-break-before: always;} - - h1,h2,h3 { - text-align: center; /* all headings centered */ - clear: both; -} - -h2.no-break - { - page-break-before: avoid; - padding-top: 2em; - } - -h3.no-break - { - page-break-before: avoid; - padding-top: 2em; - } - -p { - margin-top: .51em; - text-align: justify; - margin-bottom: .49em; -} - -.p1 {margin-top: 1em;} -.p2 {margin-top: 2em;} -.p3 {margin-top: 3em;} -.pmb1 {margin-bottom: 1em;} -.pmb2 {margin-bottom: 2em;} -.pmb3 {margin-bottom: 3em;} - -hr.short {width: 15%; - margin-top: 1em; - margin-bottom: 1em; - margin-left: 42.5%; - margin-right: 42.5%; - clear: both;} - -hr.tb {width: 45%; - margin-top: 2em; - margin-bottom: 2em; - margin-left: auto; - margin-right: auto; - clear: both;} - -hr.chap {width: 65%; 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You may copy it, give it away or re-use it under the terms -of the Project Gutenberg License included with this eBook or online -at <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. If you -are not located in the United States, you will have to check the laws of the -country where you are located before using this eBook. -</div> - -<table style='padding:0; margin-left:0; border-collapse:collapse'> - <tr><td>Title:</td><td>Ansiedlungen in den Urwäldern von Canada.</td></tr> - <tr><td></td><td>Ein Wegweiser für Auswandrer nach Amerika von einer Emigrantin.</td></tr> -</table> - -<div style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Author: Catharine Parr Traill</div> - -<div style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Translator: Friedrich Adolph Wiese</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'>Release Date: January 25, 2021 [eBook #64383]</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'>Language: German</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'>Character set encoding: UTF-8</div> - -<div style='display:block; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Produced by: Matthias Grammel and the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was produced from images generously made available by The Internet Archive)</div> - -<div style='margin-top:2em; margin-bottom:4em'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK ANSIEDLUNGEN IN DEN URWÄLDERN VON CANADA. ***</div> - - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_a001"> </a></span></p> - - -<h1>Ansiedlungen<br /> -in den<br /> -Urwäldern von Canada.</h1> - -<div class="block1"><p class="center">Schilderung des Bodens, Klimas u. s. w. — Lebensweise -und Beschäftigungen der Ansiedler. — Durch Erfahrung und -genaue Beobachtung bewährte Vorschriften, betreffend die Niederlassung -und das Gedeihen der neuen Ankömmlinge; mit -vorzüglicher Berücksichtigung der häuslichen Einrichtungen und -dem weiblichen Theil der Ansiedler-Familien zufallenden -Pflichten.</p> -</div> - -<p class="p3 center font15 pmb1"><em class="gesperrt">Ein Wegweiser</em></p> -<p class="center">für</p> -<p class="center font15 pmb1"><b>Auswandrer nach Amerika</b></p> -<p class="center pmb1">von</p> -<p class="center font15 pmb3">einer Emigrantin.</p> - -<hr class="short" /> - -<p class="center font15 pmb1">Aus dem Englischen</p> -<p class="center">von</p> -<p class="center font15"><b><em class="antiqua">Dr.</em> F. A. Wiese.</b></p> - -<p class="center p3 pmb3">Mit vielen Abbildungen.</p> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/a001-a_300.jpg" alt="decoration" /> - </div> - -<p class="p3 center font12">Leipzig, 1837.</p> -<p class="center font15 pmb3"><b>Baumgärtners Buchhandlung.</b></p> - - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_a002"></a></span></p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p001">[S. 1]</a></span></p> - - -<div class="chapter"> - -<h2 class="no-break" id="Einleitung">Einleitung.</h2> -</div> -<hr class="short" /> - - -<p>Unter den vielen, im Verlauf des letzten Jahrzehents -über Canada erschienenen Werken, welche Auswanderung -zum Thema haben, ertheilen nur wenige -oder vielleicht nicht ein einziges über die häusliche Einrichtung -der Ansiedler hinreichend genaue Auskunft, um -derjenigen, welche für alle Bequemlichkeiten und den -wohlbehaglichen Zustand einer Familie verantwortlich -ist, — der Hausfrau, welcher die häusliche Ordnung -obliegt, als treuer und sichrer Führer zu dienen.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Zwar hat <em class="antiqua"><b>Dr.</b></em> <em class="gesperrt">Dunlop</em> eine geistreiche Flugschrift, -betitelt »<em class="antiqua"><b>The Backwoodsman</b></em>,« (der Urwald-Siedler) -herausgegeben, allein sie geht nicht in -die Routine weiblicher Pflichten und Geschäfte, in dem -bezeichneten neuen Wirkungskreise, ein. In der That -kann nur die Feder einer Frau die andre Hälfte von dem -beschreiben, was von der innern Einrichtung und Leitung -eines Hauswesens in den Urwäldern zu sagen - <span class="pagenum"><a id="Page_p002">[S. 2]</a></span> -ist, sie allein vermag die neuanlangenden weiblichen -Auswandrer über die schwierigen Pflichten und Prüfungen, -welche ihrer warten, gehörig zu unterrichten.</p> - -<p>»Vorausgewarnt, vorausgewaffnet,« ist ein Sprichwort -unsrer Vorväter, das in seiner markigen Kürze -viel Stoff zum Nachdenken enthält; seine Bedeutung -im Auge, ist die Verfasserin vorliegenden Werkes bestrebt -gewesen, den Frauen und Töchtern von Auswandrern -aus den höheren Ständen, welche inmitten unsrer canadischen -Wildnisse eine Heimath suchen, jeden nur -möglichen Unterricht zu ertheilen. Wahrheit war ihr -Hauptziel, denn es wäre grausam, Leute, die -ihre Familie, ihr Vermögen und ihre Hoffnungen in -ein wildfremdes Land versetzen, mit falschen Hoffnungen -zu täuschen und glauben zu machen, daß in -diesem Lande Milch und Honig fließe, und daß es zur -Erlangung von Bequemlichkeit und Ueberfluß daselbst -nur geringer Mühe bedürfe. Sie zieht es vor, gewissenhaft -und treu die Dinge in ihrem wahren Lichte darzustellen, -damit der weibliche Theil der Ankömmlinge -im Stande sei, den neuen Verhältnissen kühn ins Gesicht -zu blicken, in dem ihm angebornen Tact und -Scharfsinn ein Mittel in vorkommenden Schwierigkeiten -zu finden, und, gehörig vorbereitet, mit jener muthvollen -Freudigkeit, wovon wohlerzogne Frauenzimmer -oft außerordentliche Beweise liefern, dem Uebrigen zu -begegnen. Desgleichen wünscht sie, ihnen zu zeigen, - <span class="pagenum"><a id="Page_p003">[S. 3]</a></span> -wie vortheilhaft es ist, Alles wegzulassen, was außschließlich -jener künstlichen Verfeinerung des modischen -Lebens in England angehört; und wie sie durch Verwendung -des Geldes, welches der Ankauf von dergleichen -mehr lästigen und überflüssigen Artikeln erheischen -würde, auf wahrhaft nützliche Gegenstände, die in Canada -nicht leicht zu erlangen sind, sich das Vergnügen -verschaffen können, einem wohlgeordneten Hauswesen -vorzustehen. Sie wünscht ihnen den Vortheil einer dreijährigen -Erfahrung zu sichern, damit sie jeden Theil -ihrer Zeit zweckmäßig anwenden mögen, und lernen, -daß alles, sowohl Geld als Geldeswerth, das irgend -einem Gliede der Emigranten-Familie angehört, gewissenhaft -als <em class="gesperrt">Capital</em> zu betrachten sei, welches -durch Vermehrung entweder des Einkommens oder -der häuslichen Ordnung und Bequemlichkeit seine Zinsen -tragen werde.</p> - -<p>Diese Aussprüche, welche mehr auf Nutzen und -Brauchbarkeit, als künstliche persönliche Verfeinerung -abzwecken, sind nicht so unnöthig, als das Publikum -vielleicht meinen dürfte. Die nach dem brittischen -Amerika auswandernden Familien sind nicht mehr von -dem Range im Leben, wie die, welche früher dort -eine neue Heimath suchten. Es sind nicht blos arme -Landleute und Handwerker, die in großen Anzahlen -dem Westen zuziehen, sondern auch unternehmende -englische Capitalisten, und die vormals in Ueberfluß -lebenden Landeigenthümer, welche, beunruhigt durch die -Schwierigkeit, in einem Lande, wo alle Gewerbe überfüllt - <span class="pagenum"><a id="Page_p004">[S. 4]</a></span> -sind, eine zahlreiche Familie in Unabhängigkeit zu erhalten, -sich den Schaaren anschließen, die jährlich aus -England nach jenen Colonien strömen. Von welcher -Bedeutung ist es nicht, daß die weiblichen Glieder -dieser Colonien gehörigen Unterricht hinsichtlich der wichtigen -Pflichten erhalten, denen sie sich unterziehen; -daß sie sich auf die Mühen gefaßt machen und vorbereiten, -welche ihrer warten, und so Reue und Mißvergnügen -über grundlose Erwartungen und getäuschte -Hoffnungen vermeiden.</p> - -<p>Es ist eine dem Publikum nicht allgemein bekannte -Thatsache, daß brittische Offiziere und ihre Familien -gewöhnlich die Bewohner der Urwälder sind, und -da sehr viele außer Dienst stehende Offiziere jedes -Ranges Land-Bewilligungen in Canada erhalten haben, -so kann man sie als die Begründer der Civilisirung -in der Wildniß betrachten; und ihre Frauen, nur zu -oft zärtlich erzogen und von vornehmer Abkunft, sehen -sich auf einmal in alle, mit der rohen Lebensweise eines -Waldsiedlers verbundnen Beschwerden und Entbehrungen -versenkt. Die Gesetze, welche die Bewilligung von -Grundeigenthum regulieren, nöthigen den Colonisten, -sich auf eine bestimmte Zeit verbindlich zu machen, so wie -zur Ausübung gewisser Pflichten, und verstatten daher, -ist einmal die Absteckung des Bodens erfolgt, keinen -Urlaub. Dieselben Gesetze nöthigen sehr weislich einen -Mann von besserer Erziehung, der sowohl im Besitz -von Vermögen als gebildetem Verstand ist, alle seine - <span class="pagenum"><a id="Page_p005">[S. 5]</a></span> -Kräfte einem bestimmten Flächenraum ungelichteten Bodens -zu widmen. Es läßt sich wohl denken, daß nur -solche, die eine junge Familie in Wohlstand und Unabhängigkeit -zu erhalten wünschen, sich dergleichen -Mühseligkeiten unterziehen werden. Diese Familie macht -die Niederlassung eines solchen Ansiedlers der Colonie -noch werther; und der auf halben Sold gesetzte Offizier, -welcher dergestalt gleichsam die Avantgarde der -Civilisirung führt und in jene rohen Distrikte anständige -und wohlerzogne weibliche Wesen bringt, die durch -geistige Verfeinerung alles um sich her sänftigen und -veredeln, dient seinem Vaterlande durch Gründung friedlicher -Dörfer und anmuthiger Wohnstätten eben so nachdrücklich, -als je zur Zeit des Kriegs durch persönlichen -Muth oder militairische Klugheit.</p> - -<p>Es wird sich im Verfolg dieses Werkes ergeben, -daß die Verfasserin, Damen, welche der höhern Ansiedler-Klasse -angehören, die geistigen Quellen einer -besseren Erziehung eben so sehr im Auge zu behalten -empfiehlt, als sie ihnen die Beibehaltung aller unvernünftiger -und künstlicher Bedürfnisse, so wie jedes nutzlose -Thun und Treiben widerräth. Sie mögen ihre -Aufmerksamkeit auf die Naturgeschichte, die Flora dieser -neuen Heimath richten, hierin werden sie eine unerschöpfliche -Quelle für Unterhaltung und Belehrung -finden, eine Beschäftigung, die den Geist erleuchtet und -erhebt und für den Mangel an jenen leichteren weiblichen - <span class="pagenum"><a id="Page_p006">[S. 6]</a></span> -Zeitvertreiben, welche nothwendiger Weise den -gebieterischen häuslichen Pflichten weichen müssen, Ersatz -leisten dürfte. Dem Weibe, welches fähig ist, die -Schönheiten der Natur zu empfinden und den Schöpfer -des Weltalls in seinen Werken zu verehren, eröffnet -sich ein reicher Vorrath reiner ungeschminkter Freuden, -die es inmitten der einsamsten Gegend unsrer westlichen -Wildnisse frei von Langerweile und übler Laune -erhalten.</p> - -<p>Schreiberin dieser Seiten spricht aus Erfahrung -und würde sich sehr freuen, wenn sie vernehmen sollte, -daß die einfachen Quellen, aus welchen sie selbst so -manche Freude geschöpft hat, die Einsamkeit zukünftiger -Ansiedlerinnen in den Urwäldern von Canada zu -erheitern vermögen.</p> - -<p>Als allgemeine Bemerkung für Ansiedler jechlicher -Art und jechlichen Standes, mag hier noch stehen, daß -das Ringen nach Unabhängigkeit oft sehr mühevoll -und ohne eine thätige und heitere Lebensgefährtin fast -unmöglich ist. Kinder sollte man frühzeitig die aufopfernde -Liebe schätzen lehren, welche ihre Aeltern zur -Ueberwindung des natürlichen Widerstrebens, das Land -ihrer Vorväter, den Schauplatz ihrer frühesten und -glücklichsten Tage, zu verlassen und in einem fernen -Welttheile als Fremdlinge eine neue Wohnstätte zu -suchen, neue Banden, neue Freundschaften zu knüpfen, -und gleichsam des Lebens mühevollen Pfad von neuem - <span class="pagenum"><a id="Page_p007">[S. 7]</a></span> -anzutreten bestimmte, und alles dies, um ihre Kinder -in eine Lage zu versetzen, worin sie durch Fleiß und -Thätigkeit sich stets die materiellen Bedürfnisse und -Bequemlichkeiten des Lebens zu verschaffen und ihren -Nachkommen ein wohlbestelltes Grundeigenthum zu hinterlassen -vermögen.</p> - -<p>Junge Männer söhnen sich bald mit diesem Lande -aus, indem es ihnen dasjenige gewährt, was den größten -Reiz für die Jugend hat — nämlich große persönliche -Freiheit. Ihre Beschäftigungen sind erheiternd -und der Gesundheit zuträglich; ihre Belustigungen, z. -B. Jagen, Schießen, Fischen und Gondeln sind vorzüglich -einladend und für viele bezaubernd. An allen -diesen Zeitvertreiben aber können ihre Schwestern keinen -Antheil nehmen, daher die Mühseligkeiten und Beschwerden -des Ansiedler-Lebens insbesondre dem weiblichen -Theil der Familie anheim fallen. Mit einem -Hinblick auf Abhülfe dieser Entbehrungen und um zu -zeigen, wie man einige Schwierigkeiten sich erleichtern -andre vermeiden kann, hat die Verfasserin manche ihr -nützlich erscheinende Vorschläge eingestreut. Einfache -Wahrheit, durchaus auf persönliche Kenntniß gestützt, ist -die Grundlage des vorliegenden Werkes; eingeflochtne -Erdichtungen hätten es vielleicht manchen Lesern willkommner -gemacht, würden aber auf der andern Seite -seiner Brauchbarkeit Abbruch gethan haben; indeß -werden auch Diejenigen, welche keineswegs die Absicht - <span class="pagenum"><a id="Page_p008">[S. 8]</a></span> -haben, die Mühseligkeiten und Gefahren des in Rede -stehenden Ansiedler-Lebens zu theilen, wohl aber von -Scenen und Lebens-Verhältnissen, die von denen eines -seit langer Zeit civilisirten Landes so himmelweit verschieden -sind, einige Kenntniß zu erlangen wünschen, -ihre Rechnung finden und sowohl Unterhaltung als -auch manche nützliche Lehre daraus schöpfen.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="chapter"> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p009">[S. 9]</a></span></p> - -</div> - -<p class="p2 center font15 pmb2">Die Urwälder von Canada.</p> - -<hr class="short" /> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="no-break" id="Erster_Brief">Erster Brief.</h2> -</div> - -<blockquote> -<p class="p1 font09">Abfahrt von Greenock in der Brig <em class="gesperrt">Laurel</em>. — Beschaffenheit -der Kajüte. — Reise-Gefährte. — Mangel an Beschäftigung -und Unterhaltung. — Des Capitains Goldfinke. —</p> -</blockquote> - - -<p class="rright">Brig <em class="gesperrt">Laurel</em>, Juli 18, 1832.</p> -<p class="center pmb1"><em class="gesperrt">Theuerste Mutter!</em></p> - -<p>Ich erhielt Ihren letzten lieben Brief nur wenige -Stunden vor unsrer Abfahrt von Greenock. Da Sie den -Wunsch äußern, eine ausführliche Beschreibung unsrer -Reise von mir zu erhalten, so will ich meine Mittheilungen -von der Zeit unsrer Einschiffung an beginnen, und -so oft schreiben, als mich meine Neigung dazu treibt. -Gewiß sollen Sie keinen Grund haben, über zu kurze Briefe -von mir zu klagen, ich fürchte Sie werden dieselben nur -zu lang finden.</p> - -<p>Nach manchem Aufschub, mancher fehlgeschlagnen -Erwartung glückte es uns endlich, eine Gelegenheit zur -Ueberfahrt in einer schnell segelnden Brig, dem <em class="gesperrt">Laurel</em> -von Greenock, zu finden; und günstige Winde tragen uns -jetzt in reißendem Fluge über den atlantischen Ocean.</p> - -<p>Der <em class="gesperrt">Laurel</em> ist kein regelmäßiges Passagier-Schiff, -dies aber betrachte ich als einen Vortheil, denn was wir -auf der einen Seite an Unterhaltung und Mannigfaltigkeit - <span class="pagenum"><a id="Page_p010">[S. 10]</a></span> -einbüßen, gewinnen wir auf der andern an Behaglichkeit. -Die Kajüte ist recht hübsch aufgeputzt und ich erfreue -mich des Genusses, (denn ein solcher ist es in der -That, in Vergleich zu den schmalen Sitzen der Staats-Kajüte) -eines hübschen Sophas mit rothem Ueberzug, in -der großen Kajüte. Die Staats-Kajüte steht uns auch -offen. Wir zahlten für unsre Ueberfahrt nach Montreal -jedes funfzehn Pfund, allerdings ein ziemlich hoher Preis, -der aber jede andre Ausgabe in sich einschließt; und übrigens -hatten wir keine Wahl. Das einzige nach Canada -bestimmte Fahrzeug auf dem Flusse war mit Auswandrern, -vorzüglich Holländern aus der niedrigen Klasse, -buchstäblich überfüllt.</p> - -<p>Die einzigen Passagiere in dem <em class="gesperrt">Laurel</em>, außer uns, -sind der Neffe des Capitains, ein hübscher blondhaariger -Bursche von ungefähr funfzehn Jahren, der die Unkosten -für seine Ueberfahrt abarbeitet; und ein junger Herr, der -nach Quebek reist, wo er in einem Handlungshause eine -Anstellung als Commis erhalten hat. Derselbe scheint zu -sehr mit seinen Angelegenheiten beschäftigt, um sehr mittheilend -gegen andre zu sein; er spaziert viel umher, -spricht wenig und liest noch weniger; unterhält sich aber -oft mit Singen, wenn er das Deck auf- und abschreitet, -seine Lieblingslieder sind, »<em class="gesperrt">O Heimath, süße Heimath!</em>« -u. s. w.; und jener treffliche Gesang, »<em class="gesperrt">Schöne -Insel</em><a name="FNanchor_1_1" id="FNanchor_1_1"></a><a href="#Footnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a>« u. s. w. gewiß eine süße Weise, und ich kann -mir den Zauber, welchen sie für ein am Heimweh leidendes -Herz hat, leicht vorstellen.</p> - -<p>Die Scenerei des Clyde (Fluß) gefiel mir ausnehmend; -der Tag, an welchem wir die Anker lichteten, war -heiter und angenehm, und ich blieb bis spät Abends auf -dem Deck. Das Morgenlicht begrüßte unser Schiff, als -es mit einem günstigen Winde von Lande her stattlich -durch den Nordcanal hinsteuerte; an diesem Tage sahen - <span class="pagenum"><a id="Page_p011">[S. 11]</a></span> -wir die letzte der Hebriden, und vor Eintritt der Nacht -verloren wir die nördliche Küste von Irland aus den Augen. -Eine weite Wasserfläche und über uns der Himmel -sind jetzt unser einziger Anblick, durch nichts unterbrochen, -als wenn sich in weiter Ferne am Saume des -Horizonts die kaum zu unterscheidenden Umrisse eines -Fahrzeugs zeigen, — ein Fleck in dem unermeßlichen -Raume, — oder dann und wann einige Seevögel vorübergleiten.</p> - -<p>Es macht mir Vergnügen, diese Wandrer des Oceans, -indem sie mit den hochgehenden Wogen steigen und fallen, -oder um unser Schiff flattern, zu beobachten; und -oft denke ich mit Verwunderung darüber nach, woher -sie kommen, nach welchem fernen Ufer sie ihren Flug nehmen, -und ob sie den langen Tag und die finstre Nacht -hindurch die wilde Woge zu ihren Ruheplatz wählen; -und dann fallen mir unwillkührlich die Worte des amerikanischen -Dichters <em class="gesperrt">Bryant</em> ein:</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i6">»Er der von Zone zu Zone<br /></span> -<span class="i0">Durch den grenzenlosen Luftkreis ihren<br /></span> -<span class="i6">bestimmten Flug lenkt,<br /></span> -<span class="i0">Wird auf dem langen Wege, den ich<br /></span> -<span class="i6">allein durchwandern muß,<br /></span> -<span class="i0">Meine Schritte richtig leiten.«<br /></span> -</div></div> - -<p>Wiewohl wir noch nicht viel über eine Woche an -Bord gewesen sind, so fängt mich doch schon die Reise -zu langweilen an. Ich kann ihre Einförmigkeit blos mit -der Einkerkerung in ein Dorfwirthshaus während schlechten -Wetters vergleichen. Ich habe mich bereits mit allen -Büchern der Schiffs-Bibliothek, die des Lesens werth -sind, bekannt gemacht; unglücklicher Weise besteht sie -größtentheils aus alten Novellen und faden Romanen.</p> - -<p>Wenn das Wetter schön ist, sitze ich auf einer -Bank auf dem Deck, in meinen Mantel gehüllt, und -nähe, oder wandle mit meinem Gatten Arm in Arm - <span class="pagenum"><a id="Page_p012">[S. 12]</a></span> -umher und schwatze über Pläne für die Zukunft, die -wohl nie verwirklicht werden dürften. Die Männer, -welche nicht thätig beschäftigt sind, verdienen in der -That Mitleiden; Frauenzimmer haben in ihrer Nadel -stets ein Zufluchts-Mittel gegen die tödtende Langeweile -eines müßigen Lebens; aber wo ein Mann auf einen -engen Raum, wie das Deck und die Kajüte eines Handelsschiffs, -beschränkt ist und nichts zu sehen, nichts zu -hören, nichts zu thun hat, spielt er wirklich eine sehr -bedauernswürdige Rolle.</p> - -<p>Ein einziger Passagier an Bord scheint sich vollkommen -glücklich zu fühlen, wenn man anders nach der -Lebhaftigkeit seines Gesanges schließen darf, womit er uns -begrüßt, so oft wir seinem Käfig nahe kommen. Dies -ist »Harry« der Goldfinke des Capitains — »des <em class="gesperrt">Capitains -Gehülfe</em>,« wie ihn die Matrosen nennen. -Dieses niedliche Geschöpf hat nicht weniger als zwölf -Reisen auf dem <em class="gesperrt">Laurel</em> mitgemacht. »Es ist ihm ganz -einerlei, ob sich sein Käfig auf dem Lande oder auf der -See befindet, er ist stets zu Hause,« sagte der Capitain, -seinen kleinen Liebling mit zärtlichen Blicken betrachtend -und durch die Aufmerksamkeit, die wir seinem Vogel widmeten, -sich offenbar geschmeichelt fühlend.</p> - -<p>Ich habe mich bereits mit dem kleinen Gefangnen -befreundet. Er verfehlt nie, meine Annäherung mit einem -seiner lieblichsten Gesänge zu begrüßen, und nimmt -ein Stückchen Bisquit von meinen Fingern, welches er so -lange in seinen Krällchen hält, bis er mir mit einigen -seiner klarsten Töne gedankt hat; dieses Zeichen von Anerkennung -nennt der Proviantmeister <em class="gesperrt">sein Tischgebet</em>.</p> - -<p class="pmb3">Wenn uns der Wind noch länger begünstigen sollte, -werden wir uns in der nächsten Woche an der Küste von -Neufundland befinden. Für jetzt leben Sie wohl.</p> - -<div class="block0"> -<div class="footnotes"><b>Fußnoten:</b> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_1_1"></a><a href="#FNanchor_1_1"><span class="label">[1]</span></a> England.</p> -</div> -</div> -</div> - - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p013">[S. 13]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="no-break" id="Zweiter_Brief">Zweiter Brief.</h2> -</div> - -<blockquote> -<p class="p1 font09">Ankunft an der Küste von Neufundland. — Der Goldfinke -singt kurz vor Entdeckung des Landes. — Der Meerbusen St. -Laurence. — Schwierige Fahrt auf dem Flusse. — Ein französischer -Fischer wird als Lootse angestellt. — Die Insel Bic. — -Grün-Eiland. — Anstellung eines regelmäßigen Lootsen. — -Scenerei von Grün-Eiland. — Gros-Eiland. — Quarantaine-Gesetze. -— Emigranten auf Gros-Eiland. — Ankunft vor Quebek. -— Anblick der Stadt und ihrer Umgebungen.</p> -</blockquote> - - -<p class="p2 rright">Brig <em class="gesperrt">Laurel</em>, Fluß St. Laurence, August 6, 1832.</p> -<p class="center pmb1"><em class="gesperrt">Theuerste Mutter!</em></p> - -<p>Ich brach meinen letzten Brief aus der einfachen -Ursache ab, weil ich nichts weiter zu schreiben hatte. Ein -Tag war gleichsam das Echo des vorhergehenden, so daß -eine Seite aus dem Tagebuche des Unterschiffers eben so -unterhaltend und eben so belehrend gewesen sein würde, -als mein Tagebuch, wofern ich nämlich ein solches während -der letzten vierzehn Tage geführt hätte.</p> - -<p>So arm an Ereignissen war diese ganze Zeit, daß -die Erscheinung einer Anzahl Flaschennasen, einiger Robben -und eines Meerschweins<a name="FNanchor_2_2" id="FNanchor_2_2"></a><a href="#Footnote_2_2" class="fnanchor">[2]</a>, — wahrscheinlich auf -ihrem Wege zu einer Mittags- oder Thee-Gesellschaft -am Nordpol, — als eine Begebenheit von großer Wichtigkeit -betrachtet wurde. Jeder griff nach seinem Fernglase, - <span class="pagenum"><a id="Page_p014">[S. 14]</a></span> -als sie sich zeigten, und man stierte sie an, als wollte -man sie in Verlegenheit setzen.</p> - -<p>Den <em class="gesperrt">fünften August</em>, also gerade einen Monat, -nachdem wir die brittischen Inseln völlig aus den Augen -verloren, bekamen wir die Küste von Neufundland zu -Gesicht, und ob sie gleich braun, rauh und öde erschien, -so begrüßte ich doch ihren Anblick mit Entzücken. Nie -ist mir etwas so erfrischend und köstlich vorgekommen, -als die kühle Landluft, welche uns entgegen wehete und -uns, wie mich täuchte, Gesundheit und Freude auf ihren -Schwingen zuführte.</p> - -<p>Nicht ohne einiges Befremden gewahrte ich die rastlose -Thätigkeit des oben erwähnten Goldfinken, einige -Stunden bevor der Ausruf »<em class="gesperrt">Land!</em>« vom Mastkorbe erscholl. -Er sang in einem fort, und seine Töne waren -länger, heller und durchdringender als früher; das kleine -Geschöpf, versicherte mir der Capitain, fühlte die Umänderung -in der Luft, als wir uns dem Lande näherten. -»Ich verlasse mich,« sagte er, »fast eben so sehr auf meinen -Vogel als auf mein Fernglas, und bin bis jetzt nie -getäuscht worden.«</p> - -<p>Unsre Fortschritte, nachdem wir in den Golf -hineingesteuert, waren etwas langsam und langweilig. -Die Strecke durch denselben bis zum Eingang in den -majestätischen Laurence-Fluß beträgt neunzig englische -Meilen, er scheint an und für sich allein ein Ocean zu -sein. Die Hälfte unsrer Zeit bringen wir über der großen -Karte in der Kajüte zu, die mein Gatte unaufhörlich -auf- und zurollt, um sich mit den Namen der fernen -Ufer und Inseln, an denen wir vorbeifahren, bekannt -zu machen.</p> - -<p>Wir sind bis jetzt ohne Lootsen, und der Capitain, -ein vorsichtiger Seemann, will das Schiff nicht gern an -diese gefährliche Fahrt wagen, daher unsre Reise nur -langsam von statten geht.</p> - -<p>Den <em class="gesperrt">siebenten August</em>. — Wir erhielten diesen - <span class="pagenum"><a id="Page_p015">[S. 15]</a></span> -Morgen Besuch von einem schönen kleinen Vogel, der -nicht viel größer war, als ein Zaunkönig. Ich pries ihn -als einen Vogel guter Vorbedeutung — einen kleinen -Boten, abgesendet, uns in der neuen Welt willkommen -zu heißen; gewiß ich fühlte eine fast kindische Freude -bei Erblickung des kleinen Fremdlings. Es giebt glückliche -Momente in unserm Leben, wo wir aus den unbedeutendsten -Dingen große Freude schöpfen, wie Kinder, -denen das einfachste Spielwerk Vergnügen macht.</p> - -<p>Gleich nachdem wir in den Meerbusen hineingesteuert -waren, äußerte sich bei allen an Bord eine sichtbare -Veränderung. Der Capitain, ein ernster schweigsamer -Mann, wurde ganz gesprächig. Mein Gatte zeigte sich -mehr als gewöhnlich lebhaft und aufgeregt, ja selbst der -gedankenvolle junge Schotte thauete auf und wurde im -buchstäblichen Sinne des Wortes unterhaltend. Die -Schiffsmannschaft entfaltete den regsten Eifer in Erfüllung -ihrer Pflicht, und der Goldfinke sang lustig von -Morgen bis Abend. Was mich betrifft, so war mein -Herz voller Hoffnung, die jedes Gefühl von Zweifel oder -Bedauern, welches die Gegenwart hätte verdüstern oder -die Zukunft bewölken können, verdrängte.</p> - -<p>Ich kann jetzt deutlich die Umrisse der Küste auf -der Südseite des Flusses mit meinen Augen verfolgen. -Bisweilen hüllen sich die Hochlande plötzlich in dichte -Nebelwolken, die in beständiger Bewegung sind und in -dunkeln Wogen dahin rollen, bald von rosigem Licht gefärbt, -bald weiß und flockig, oder glänzend wie Silber, -wenn die Strahlen der Sonne darauf fallen. So schnell -sind die Veränderungen, welche in diesen Nebelmassen vor -sich gehen, daß man, bei dem nächsten Blick darauf, die -Scene wie durch Zauber umgewandelt findet. Der Nebelschleier -wird wie von unsichtbaren Händen emporgehoben, -und die wilden bewaldeten Berge enthüllen sich nebst -den kühnen felsigen Ufern und langgedehnten Buchten -zum Theil dem überraschten Auge. Ein andermal zertheilt - <span class="pagenum"><a id="Page_p016">[S. 16]</a></span> -sich die Dunstschicht und schwebt gleich hohen Rauchsäulen -in den Thälern und Schluchten hin oder hängt -gleich schneeweißen Vorhängen zwischen den dunkeln Waldkiefern.</p> - -<p>Ich kann mich an diesen seltsam gestalteten Wolken -nicht satt sehen; sie erinnern mich an die schöne Zeit, die -ich in den Hochlanden (schottische) zwischen nebelgekrönten -Hügeln des Nordens verlebte.</p> - -<p>Gegenwärtig ist die Luft kalt, und wir haben häufige -Windstöße und Hagelschauer mit gelegentlichem Donnerwetter, -gleich darauf ist alles wieder hell und heiter, und -die Luft füllt sich mit Wohlgerüchen, und Mücken, Bienen -und Vögel schwärmen vom Ufer aus hinter uns her.</p> - -<p><em class="gesperrt">Den achten August.</em> Wiewohl ich nur mit Gefühlen -von Bewunderung auf der Majestät und Gewalt -dieses mächtigen Flusses weilen kann, so fängt mich doch -seine Endlosigkeit zu langweilen an, und ich sehne mich -nach einem nähern Anblick des Ufers; denn vor der -Hand sehen wir in südlicher Richtung nichts als lange -Reihen mit Nadelholz bedeckter Hügel und hier und da -ein weißes Fleckchen, wie man mir sagt, Ansiedlungen und -Dörfer; während hohe Berge, von allem Grün entblößt, -auf der Nordseite des Flusses die Aussicht beschränken. -Meine Vorliebe für bergige Gegenden zieht mein Auge -gewaltsam nach letztrer Seite, und ich beobachte mit -wahrem Vergnügen die Cultur-Fortschritte dieser rauhen -und unwirthbaren Gegenden.</p> - -<p>Während der letzten zwei Tage haben wir uns ängstlich -nach einem Lootsen umgesehen, der das Schiff nach -Quebek geleiten soll. Es sind mehre Signal-Schüsse -gethan worden, aber bisher ohne Erfolg; kein Lootse hat -uns bis jetzt mit einem Besuche beehrt, und so befinden wir -uns gleichsam auf einer Station, ohne Wagenlenker und -blos mit einer der Führung der Zügel unkundigen Hand. -Ich bemerke bereits einige Zeichen von Ungeduld unter -uns, aber Niemand tadelt den Capitain, der sich sehr besorgt - <span class="pagenum"><a id="Page_p017">[S. 17]</a></span> -bei der Sache zeigt, da der Fluß mit Felsen und -Untiefen gefüllt ist und demjenigen, der nicht genau mit -der Fahrt in dieser Gegend vertraut ist, große Schwierigkeiten -entgegengesetzt. Ueberdies ist er den Unternehmern für -die Sicherheit des Schiffs verantwortlich, im Fall er einen -Lootsen an Bord zu nehmen unterläßt.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Während ich obige Bemerkungen niederschrieb, wurde -ich plötzlich durch einen Lärm auf dem Deck gestört, -und als ich hinaufging, um die Ursache kennen zu lernen, -erfuhr ich, daß ein Boot mit dem so lange ersehnten -Lootsen vom Ufer abgestoßen sei; allein nach allem Lärm -und Durcheinanderlaufen ergab sichs, daß es nur ein französischer -Fischer nebst einem armseligen zerlumpten Jungen, -seinem Gehülfen, war. Der Capitain bewog ohne -große Schwierigkeit Monsieur <em class="gesperrt">Paul Breton</em>, uns bis -Grün-Eiland, eine Strecke von einigen hundert englischen -Meilen den Fluß weiter aufwärts zu geleiten, wo wir, -wenn nicht noch früher, seiner Versicherung nach, einen -regelmäßigen Lootsen finden würden.</p> - -<p>Es fällt mir etwas schwer, Monsieur <em class="gesperrt">Paul</em> zu -verstehen, da er einen besondern Dialect spricht; aber er -scheint ein guter Mensch zu sein und zeigt sich sehr gefällig. -Wie er uns erzählt, ist das Getraide zur Zeit -noch grün und kaum in der Aehre, und die Sommerfrüchte -sind noch nicht reif, indeß meint er, daß wir zu -Quebek Aepfel und andre Früchte in Ueberfluß finden -werden.</p> - -<p>Je weiter wir den Fluß hinaufkommen, desto einladender -und anmuthiger wird der Anblick des Landes auf -beiden Seiten. Grüne Fleckchen mit weißen Hütten zeigen -sich auf den Ufern und längs den Berg-Abhängen -ausgestreut; während hier und da eine Dorfkirche mit -ihrem Thurme hervorgukt, der mit seiner blitzenden Fahne -und hellem Zinndache die umgebenden Gebäude überragt. - <span class="pagenum"><a id="Page_p018">[S. 18]</a></span> -Die südlichen Ufer sind besser bevölkert, aber nicht so -malerisch als die nördlichen, indeß bieten beide Seiten -dem Auge viel Erfreuliches dar.</p> - -<p>Diesen Morgen ankerten wir im Angesicht der Insel -Bic, einem niedlichen, niedrigen, mit Bäumen bedeckten -und recht einladenden Eiland. Ich fühlte großes Verlangen, -meinen Fuß auf canadischen Boden zu setzen, und muß -gestehen, daß es mich etwas verdroß, als mir der Capitain -rieth, an Bord zu bleiben, und die Gesellschaft, -welche sich vorbereitete, ans Ufer zu gehen, nicht zu begleiten; -mein Gatte unterstützte den Wunsch des Capitains, -und ich begnügte mich damit, vom Schiffe aus meine -Augen auf die reichen Laubmassen zu richten, welche ein -leichtes Lüftchen hin und her bewegte. Indeß hatte ich -bald Ursache, dankbar zu sein, daß ich meinem eigensinnigen -Wunsch nicht gewillfahrtet, denn Nachmittags -wurde es trübe und neblich, und bei der Rückkehr des -Bootes erfuhr ich, daß der Boden gerade da, wo die Gesellschaft -gelandet, morastig sei, und daß sie bis über die -Fußknöchel ins Wasser eingesunken. Sie hatten die Insel -kniehoch mit üppigem rothen Klee, schlanken Bäumen, -niedrigem Strauchwerk und einem Ueberfluß von wilden -Blumen bedeckt gefunden.</p> - -<p>Um mich einigermaßen dafür zu entschädigen, daß -ich ihn nicht hatte begleiten dürfen, überreichte mir mein -Gatte bei seiner Rückkehr ein prächtiges Bouquet, das er -für mich gesammelt. Unter den Blumen befanden sich -süß duftende rothe Rosen, derjenigen nicht unähnlich, -welche wir in Schottland die pimpinellenblättrige Rose -(<em class="antiqua">burnet-leaved</em>) nennen, mit glatten glänzenden Blättern -und wenigen oder gar keinen Dornen; ferner das -Lungenkraut (<em class="antiqua">Pulmonaria</em>) welches ich häufig in den -Hochlanden gepflückt habe; eine Zucker-Erbse mit rothen -Blüthen und blaßgrünen Blätter-Ranken; eine weiße -Orchis, von entzückendem Geruch; und außer diesen verschiedne -kleine, weiße und gelbe Blumen, die mir völlig - <span class="pagenum"><a id="Page_p019">[S. 19]</a></span> -unbekannt waren. Der Proviantmeister versah mich mit -einem Porzelankruge und frischem Wasser, so daß ich -während des Restes unsrer Reise den Genuß eines schönen -Blumen-Straußes haben werde. Die Matrosen hatten -nicht vergessen, ein oder zwei buschige Aeste zur -Schmückung des Schiffs mitzubringen, und der Vogelkäfig -war bald in eine kleine Laube umgestaltet.</p> - -<p>Obgleich das Wetter jetzt sehr schön ist, so machen -wir doch nur langsame Fortschritte; der Wind bläst von -allen Seiten, nur nicht von der rechten. Wir schwimmen -mit der Fluth vorwärts, werfen, wenn diese uns verläßt, -die Anker aus und warten dann so geduldig als -möglich, bis es wieder Zeit ist, dieselben zu lichten. Zu -meiner Unterhaltung mustre ich bald die Dörfer und Ansiedlungen -durch das Fernglas des Capitains, bald belauere -ich das Erscheinen der weißen, zwischen den Wogen -schaukelnden Meerschweine (<em class="antiqua">porpoises</em>). Diese Thiere -sind von milchweißer Farbe und haben nichts von dem -ekelhaften Aeußern der schwarzen. Dann und wann steckt -eine Robbe ihr drolliges Haupt dicht neben dem Schiffe -aus dem Wasser hervor, ganz so aussehend wie <em class="gesperrt">Sindbad's</em> -kleiner Meer-Greis<a id="FNanchor_3_3"></a><a href="#Footnote_3_3" class="fnanchor">[3]</a>.</p> - -<p>Es ist ein glücklicher Umstand für mich, daß meine -Liebe zur Naturgeschichte mir mancherlei Gegenstände, die -vielen der Beachtung unwerth erscheinen, zu Quellen der -Unterhaltung und Belehrung macht. Das einfachste -Kräutchen, das auf meinem Pfade wächst, die unscheinbare -Mücke, welche um mich her summt, gewährt mir -Stoff zum Nachsinnen und zur freudigen Bewunderung.</p> - -<p>Wir befinden uns jetzt im Angesicht von Grün-Eiland. -Es ist die größte und, meines Bedünkens, eine -der bevölkertsten Inseln, an denen wir bisher vorbeigekommen -sind. Mit jeder Minute nimmt die Scenerei an -Schönheit zu.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p020">[S. 20]</a></span></p> - -<p>So weit das Auge reichen kann, sieht -man das Ufer dicht mit Dörfern und Meiereien in einer -fast ununterbrochnen Linie bedeckt. Auf der Südseite -glänzt und funkelt Alles von den Zinndächern der ansehnlicheren -Gebäude; die übrigen Häuser sind mit weiß -übertünchten Schindeln gedeckt. Letztere gefallen mir weniger -als die einfachen (nicht angestrichnen) Schindeln; -die weiße Farbe der Dächer der Hütten und -Hausstätten blendet das Auge, und vergebens sieht man -sich zur Erleichterung nach Schiefer- oder Stroh-Dächern -um; die Schindeln, in ihrem natürlichen Zustande, erlangen -bald das Ansehn von Schieferplatten, so daß man -sie kaum davon unterscheiden kann. Was würden Sie -zu einem rosenroth angestrichnen Hause mit einem Dache -von derselben muntern Farbe, und auf der Vorderseite -mit grünen Fensterladen, grünen Thüren und einer grünen -Verandah (Vorhalle) sagen. Jedenfalls ist das Innere -in entsprechendem Geschmack verziert. In der Regel -bemerkt man in einem canadischen Dorfe, ein oder mehre -dergleichen rosenfarbne Häuser, die sich durch ihr prahlendes -Aeußere vor ihren bescheidnern Brüdern auszeichnen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Den elften August.</em> — Gleich unter Grün-Eiland -nahmen wir einen wirklichen Lootsen an Bord, -den ich indeß, beiläufig gesagt, nicht halb so gut leiden -kann, als Herrn <em class="gesperrt">Paul</em>. Er ist etwas superklug und -scheint sich offenbar nicht wenig auf seine überlegne Kenntniß -des Flußes einzubilden. Der gutmüthige Fischer verließ -seinen Posten mit recht gefälligem Anstand und -scheint mit seinem geschickteren Nebenbuhler bereits ziemlich -befreundet zu sein. Ich meines Theils gerieth in -große Sorge, als der neue Lootse an Bord kam; das erste -was er that, war, daß er uns einen gedruckten Zettel einhändigte, -welcher Verordnungen von Seiten des Gesundheit-Ausschusses -zu Quebek hinsichtlich der Cholera enthielt, -die, nach seiner Aussage, sowohl an diesem Orte als -zu Montreal wahrhaft pestartig wüthet.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p021">[S. 21]</a></span></p> - -<p>Diese Verordnungen verbieten sowohl dem Capitain -als dem Lootsen, unter Androhung schwerer Strafe im -Unterlassungsfall, ausdrücklich, irgend Jemand, sei es von -der Schiffsmannschaft oder den Passagieren, ohne vorherige -strenge Untersuchung von Seiten der Quarantaine-Anstalt -aus dem Schiffe zu entlassen.</p> - -<p>Dies war für alle höchst unangenehm und ärgerlich, -besonders da der Capitain an demselben Morgen den Vorschlag -gethan hatte, daß er uns an einem anmuthigen -Orte, Namens Kranich-Insel landen wolle, damit wir -den Nachmittag bis zur Rückkehr der Fluthzeit in dem -Hause eines angesehnen Schotten zubringen könnten, der -die beste Ansiedelung, sowohl in Hinsicht der Gebäude -als Anlage des Bodens, die mir bis jetzt zu Gesicht gekommen, -daselbst besitzt.</p> - -<p>Die Lage der Insel ist an sich selbst sehr schön. -Um sie her fluthet der gewaltige St. Laurence-Fluß, auf -seinen Wogen den Handel verschiedner Nationen tragend; -im Vordergrunde sind die volkreichen und lebhaften Ansiedelungen -der südlichen Ufer, während dahinter und weit -darüber hinaus sich die hohe Bergkette nach Norden zu -erhebt, gegenwärtig dicht mit Dörfern, anmuthigen Meiereien -und angebauten Feldern bedeckt. Die Insel selbst -zeigte uns ebne freie Plätze und smaragdgrüne Wiesen, -nebst Obstpflanzungen und Kornfeldern, die sanft abwärts -nach dem Wasser-Rande verliefen. Nach einer Einkerkerung -von ziemlich fünf Wochen an Bord des Schiffs, -können Sie sich leicht vorstellen, mit welcher Freude uns -die Aussicht erfüllte, einige Stunden an diesem einladendem -Orte zuzubringen.</p> - -<p>Wir hoffen, diesen Abend den Quarantaine-Platz -(Gros-Eiland) zu erreichen, wo wir, wie uns der Lootse -sagt, drei Tage werden verweilen müssen. Ob wir uns -gleich alle einer guten Gesundheit erfreuen, so müssen -wir doch, weil wir aus einem inficirten Hafen kommen, -Quarantaine halten und dürfen nicht landen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p022">[S. 22]</a></span></p> - -<p><em class="gesperrt">Den zwölften August.</em> Wir erreichten Gros-Eiland -gestern Abend, — eine schöne felsige Insel, mit Buchen-, -Birken-, Eschen- und Tannen-Wäldchen bedeckt. -Es liegen hier verschiedne Schiffe dicht am Ufer vor Anker, -eins davon führt das traurige Krankheitssymbol, die -gelbe Flagge; es ist ein Passagier-Schiff und hat Pocken- -und Masern-Kranke unter seiner Mannschaft. Sobald -sich an Bord Zeichen von ansteckenden Krankheiten äußern, -wird die gelbe Flagge aufgesteckt, und die Erkrankten werden -in das Cholera-Hospital oder hölzerne Gebäude geschafft, -welches auf einer Anhöhe des Ufers errichtet worden -ist. Es ist mit Palisaden und einer Soldaten-Wache -umgeben.</p> - -<p>In einer kleinen Entfernung vom Hospital steht -ein temporäres Castell mit einer Besatzung, zur Aufrechterhaltung -und Einschärfung der Quarantaine-Vorschriften. -Diese Vorschriften gelten als sehr mangelhaft und -in mancher Hinsicht als völlig ungereimt; in der That -bringen sie den unglücklichen Emigranten bedeutende Nachtheile<a id="FNanchor_4_4"></a><a href="#Footnote_4_4" class="fnanchor">[4]</a>.</p> - -<p>Wenn die Passagiere und Mannschaft eines Schiffs -eine gewisse Anzahl nicht übersteigen, so ist es ihnen, unter -Verantwortlichkeit sowohl des Capitains als des Uebertreters, - <span class="pagenum"><a id="Page_p023">[S. 23]</a></span> -nicht erlaubt, zu landen; überschreiten sie dagegen -die festgesetzte Zahl, — sie seien nun krank oder gesund, -so müssen beide — Passagiere und Mannschaft — -ans Land gehen, ihre Betten und Kleider mitnehmen, -die man auf dem Ufer ausbreitet, um sie zu waschen, zu -lüften und zu durchräuchern, wodurch die Gesunden nothwendiger -Weise jeder Gelegenheit zur Ansteckung von -Seiten der Kranken ausgesetzt werden.</p> - -<p>Die Schuppen und Gebäude zur Aufnahme derjenigen, -die sich den Quarantaine-Gesetzen unterziehen müssen, -stehen in der unmittelbaren Nähe des Hospitals.</p> - -<p>Nichts kann größer sein, als mein sehnsüchtiges Verlangen -nach der Erlaubniß zum Landen und zur Durchforschung -dieser malerischen Insel; das Wetter ist so schön, -und die unter dem Einfluß kühler Lüftchen hin und her -wogenden grünen Wäldchen, die kleinen felsigen Baien -und Einbuchten der Insel erscheinen so reizend und -lockend! — aber allen meinen Bitten setzte der besuchende -Arzt, welcher an Bord des Schiffs kam, ein entschiedenes -Nein entgegen.</p> - -<p>Wenige Stunden nach seinem Besuche indeß langte -ein indianischer Korb, gefüllt mit Stachelbeeren und Himbeeren, -nebst einem Strauße wilder Blumen und dem -Compliment dieses Arztes an Bord unsers Kerkers an.</p> - -<p>Ich unterhalte mich mit Entwerfung kleiner Skitzen -des Castells und der umgebenden Landschaft oder beobachte -die am Ufer umherwandelnden Auswandrer-Gruppen. -Wir haben bereits die Passagiere von drei Emigranten-Schiffen -landen sehen. Man glaubt, einen Meßplatz oder -mit Menschen überfüllten Markt vor sich zu haben: Kleider -flattern im Winde oder liegen auf dem Erdboden ausgebreitet; -überall stößt das Auge auf Kisten, Bündel, -Körbe; auf Männer, Weiber und Kinder, die theils -schlafen, theils sich in der Sonne weiden; einige sind -mit Ordnung ihrer Güter beschäftigt, die Weiber waschen -und kochen unter freiem Himmel, neben den Holz-Feuern, - <span class="pagenum"><a id="Page_p024">[S. 24]</a></span> -die auf dem Strande lodern; während hier und da -Gruppen von Kindern in fröhlicher Ausgelassenheit einander -haschen und jagen, ihre neuerlangte Freiheit genießend. -Mit diesen vermischt zeigen sich die stattlichen -Gestalten und bunten Uniformen der Schildwachen, während -der dünne blaugraue Rauch der brennenden Holzstöße -sich langsam über die Bäume wegwälzt und die -malerische Wirkung der Scene erhöht. Als mein Gatte -die Aufmerksamkeit eines Offiziers vom Castell, der an -Bord des Schiffs gekommen war, auf die malerische Erscheinung -vor uns lenkte, erwiederte dieser mit einem traurigen -Lächeln: »Glauben Sie mir, daß in gegenwärtigem -Falle, so wie in vielen andern, nur die Ferne dem -Anblick einen Zauber verleiht; könnten Sie einige von -jenen so heiter erscheinenden Gruppen, die Sie bewundern, -näher betrachten, so würden Sie, denk' ich, ihr Auge mit siechem -Herzen davon abkehren; Sie würden hier die Krankheit in -allen ihren Formen, Sie würden Laster, Armuth, Schmuz -und Hungersnoth — das menschliche Elend in seinen -grellsten Farben und in der abscheulichsten Gestalt erblicken, -Scenen, wie sie nur der Pinsel eines <em class="gesperrt">Hogarth</em> zu malen, -oder die Feder eines <em class="gesperrt">Crabbe</em> zu schildern vermöchte.«</p> - -<p><em class="gesperrt">Den vierzehnten August.</em> — Wir haben die -Anker wieder gelichtet und schwimmen mit der Fluth -stromaufwärts. Gros-Eiland liegt gerade fünfundzwanzig -englische Meilen unterhalb Quebek, ein günstiger -Wind würde uns binnen wenigen Stunden dahin führen; -vor der Hand kommen wir nur kleine Strecken vorwärts -und legen, wenn uns die Fluth verlassen, bald an dem einen, -bald an dem andern Ufer an. Indeß macht mir -diese Art zu steuern Vergnügen, indem sie mir Gelegenheit -verschafft, beide Seiten des Flusses, der sich, je mehr -wir uns Quebek nähern, immer mehr und mehr verschmälert, -genauer kennen zu lernen. Morgen werden -wir, wofern kein Hinderniß eintritt, im Angesicht eines -Ortes ankern, der sowohl wegen der geschichtlichen Erinnerung, - <span class="pagenum"><a id="Page_p025">[S. 25]</a></span> -welche er weckt, als auch wegen seiner natürlichen -schönen Lage alle Aufmerksamkeit verdient. Bis Morgen -also Adieu.</p> - -<p>Ich rechnete sehr darauf, die Wasserfälle von Montmorenci -zu sehen, die sich im Angesicht des Flusses befinden; -allein die Sonne ging unter, und die Sterne -stiegen glänzend am Himmel empor, ehe wir das Geräusch -des Katarakts vernahmen; und ob ich gleich meine -Augen anstrengte, bis ich es müde wurde, die von den -Schatten der Nacht verschleierte Scenerei anzustarren, so -konnte ich doch nichts als die dunkeln, den Canal bildenden -Felsen-Massen erkennen, zwischen welchen hindurch -die Wassermassen des Montmorenci in den St. Laurence-Fluß -strömen.</p> - -<p>Am zehnten August, Nachts Um zehn Uhr schimmerten -uns die Lichter der Stadt Quebek aus der -Ferne, wies ein Sternen-Kranz über dem Wasser, entgegen. -Um halb elf Uhr ließen wir der Citadelle gegenüber -die Anker fallen, und ich versank in Schlaf, von den -mannigfaltigen Scenen träumend, an denen ich vorbeigekommen -war.</p> - -<p>Abermals sollte ich in meiner Erwartung, das Ufer -zu betreten, getäuscht werden. Der besuchende Arzt rieth -meinem Gatten und mir, ja nicht ans Land zu gehen, -indem die immer noch in der Stadt herrschende Sterblichkeit -dies sehr gefährlich mache. Er gab uns eine traurige -Schilderung von dem Platze. »<em class="gesperrt">Oede und Wehe und -große Trauer</em>, — <em class="gesperrt">Rahel</em> beweint ihre Kinder, denn -sie sind nicht mehr!« sind Worte, die man passend auf -diesen von der Seuche heimgesuchten Ort anwenden kann.</p> - -<p>Nichts ist wohl imposanter als die Lage von Quebek, -welche die Seiten und den Gipfel eines großartigen -Felsen einnimmt, auf dessen höchstem Punkte (Cap Diamant) -das Castell steht, welches den Fluß beherrscht und -eine treffliche Aussicht auf die umgebende Gegend gewährt. -Die Einbuße dieses edeln Anblicks war mir in - <span class="pagenum"><a id="Page_p026">[S. 26]</a></span> -der That sehr unlieb, und gewiß dürfte mir nie seines -Gleichen vorkommen; er würde noch lange in meiner Erinnerung -fortgelebt und, nachdem ich bereits Jahre lang -in der Einsamkeit der canadischen Wälder begraben gewesen, -meinen Augen vorgeschwebt haben.</p> - -<p>Die Anhöhen gegenüber, die sogenannte Point Levi-Seite, -sind höchst malerisch, jedoch weniger gebietend als -der Felsen, vorauf die Stadt steht. Das Ufer ist steinig, -abschüssig und mit Bäumen bekleidet, die sich bis an den -Rand des Wassers erstrecken, ausgenommen da, wo sie -gefällt worden sind, um weißübertünchten Hütten, Gärten -und Obstpflanzungen Platz zu machen. Allein meiner -Ansicht nach würde diese höchst romantische Lage -eine noch weit schönere Wirkung hervorbringen, wenn -man auf die Gebäude und Anlage des Bodens mehr -Geschmack verwendet hätte. Wie reizend und anziehend -würde ein solcher Platz in England oder Schottland geworden -sein. Die Natur hat hier alles gethan, der -Mensch aber nur wenig, und die hier und da von ihm -errichteten plumpen hölzernen Häuser, welche eben so -elend als geschmacklos sind, geben ihm eben keine Ansprüche -auf Lob. Es ist indes möglich, daß weiter aufwärts -hübsche Dörfer und Häuser vorkommen, die jedoch -durch die dazwischen liegenden Wäldchen dem Auge entzogen -werden.</p> - -<p>Von Point Levi bis zu den Landungsstufen unterhalb -des Zollhauses in Quebek soll der Fluß gerade eine -englische Meile breit sein; es war sehr unterhaltend für -mich, die Fährböte zwischen den beiden Ufern spielen zu -sehen. Wie mir der Capitain sagte, sind hier nicht weniger -als zwölf dergleichen seltsam aussehende Maschinen -im Gange. Sie haben jedes seine bestimmten Stunden, -so daß man sie in fortwährender Aufeinanderfolge kommen -und gehen sieht. Die Zusammengruppirung von -allerlei Passagiren macht ihren Anblick ebenfalls eigenthümlich; -schlecht- und gutgekleidete, alte und junge, -arme und reiche Leute;</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p027">[S. 27]</a></span></p> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/p027i.jpg" alt="Katarakt zu Montmorenci." /> - </div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p028"></a></span></p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p029">[S. 29]</a></span></p> - -<p>Rinder, Schafe, Pferde, Schweine -und Hunde, Geflügel, Marktkörbe, Gemüse, Früchte, Heu, -Korn, kurz Alles, was man sich nur denken kann, gleiten -darauf über den Fluß.</p> - -<p>Die Fährböte sind flach, rings herum mit Gitterwerk -als Brustwehr versehen, und haben an jedem Ende -ein Weiden-Flechtwerk zur Aufnahme der lebendigen und -leblosen Ladung; die Mitte des Bootes, wenn man es -so nennen kann, nehmen vier magre, abgetriebne Pferde -ein, die im Kreise gehen, wie bei einer Dreschmaschine, -und die Ruderschaufeln zu beiden Seiten in Bewegung -setzen. Für das Vieh ist eine Art Hürde da.</p> - -<p>Wie ich höre, ist man gegenwärtig mit Errichtung -eines Denkmals zu Ehren des General <em class="gesperrt">Wolf</em> im Gouverneurs-Garten, -welcher an den St. Laurence stößt -und von Point Levi aus gesehen werden kann, beschäftigt. -Ueber die Inschrift ist man noch nicht einig<a id="FNanchor_5_5"></a><a href="#Footnote_5_5" class="fnanchor">[5]</a>.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p030">[S. 30]</a></span></p> - -<p>Der Capitain ist so eben von der Stadt zurückgekehrt. -Recht gütig hat er für mich einen Korb mit reifen -Aepfeln, frischem Fleisch, Gemüse, Brod und Butter -an Bord gebracht. Auf dem Deck wimmelt es von -Zollbeamten und Leuten, die einen Theil der Schiffs-Fracht, -welche hauptsächlich in Rum, Branntwein, Zucker -und Kohlen als Ballast besteht, ausladen. Gegen fünf -Uhr Abends sind wir gesonnen, Quebek zu verlassen. -Das <em class="gesperrt">brittische Amerika</em>, ein prächtiges Dampfschiff -mit dreifachem Deck, wird uns bis Montreal bugsiren -(ins Schlepptau nehmen). Für jetzt muß ich Ihnen -Lebewohl sagen.</p> - -<hr class="tb" /> - -<div class="block0"> -<div class="footnotes"><b>Fußnoten:</b> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_2_2"></a><a href="#FNanchor_2_2"><span class="label">[2]</span></a> <em class="antiqua">Delphinus Phocaena.</em></p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_3_3"></a><a href="#FNanchor_3_3"><span class="label">[3]</span></a> Siehe des Seemann's Sindbad Reisen in den arabischen -Mährchen (Tausend und eine Nacht).</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_4_4"></a><a href="#FNanchor_4_4"><span class="label">[4]</span></a> Es ist zu hoffen, daß die Regierung diesen mangelhaften -und nachtheiligen Gesetzen abhelfen werde, da sie in der That -zu wiederholten Malen gerade die Uebel, welche der Gesundheits-Ausschuß -von der Colonie abzuhalten wünscht, für die -armen Auswandrer herbeigeführt haben. -</p> -<p> -Manches schätzbare Leben ist durch die zu nahe Zusammengesellung -der Gesunden mit den Angesteckten muthwillig geopfert -worden, nicht zu gedenken der vielen andern Leiden, Ausgaben -und Unbequemlichkeiten, die man dem heimathslosen Wandrer -wohl ersparen könnte. -</p> -<p> -Müssen nun einmal Quarantaine-Gesetze bestehen, — und -ich halte sie für ein nothwendiges Uebel, — so sollte man wenigstens -alles thun, um sie für die Emigranten so wenig drückend -und nachtheilig, als möglich zu machen.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_5_5"></a><a href="#FNanchor_5_5"><span class="label">[5]</span></a> Seit jener Zeit, zu welcher die Verfasserin Quebek besuchte, -ist <em class="gesperrt">Wolf's</em> Denkmal vollendet worden. Lord <em class="gesperrt">Dalhousie</em> -hat in der Weihschrift der Säule mit eben so viel -Geschmack als Gefühl, die Namen der beiden mit einander -wetteifernden Helden, <em class="gesperrt">Wolf</em> und <em class="gesperrt">Montcalm</em>, vereinigt, eine -Freisinnigkeit, welche den canadischen Franzosen nur angenehm -sein kann, während sie dem brittischen Krieger nichts von seinem -Ruhme entzieht. -</p> -<p> -Der Entwurf zu dem Monument ist das Werk Major -<em class="gesperrt">Young's</em> vom 97. Regiment. Die Höhe des Untersatzes, vom -Fußboden aus, beträgt vierzehn Fuß; auf dem Untersatz ruht -ein sieben Fuß, drei Zoll hoher Sarcophag, und von diesem erhebt -sich eine zweiundvierzig Fuß, acht Zoll hohe Spitzsäule; -die Breite der letztern, an der Grundfläche, beträgt sechs Fuß, -die Dicke vier Fuß, acht Zoll. J. C. <em class="gesperrt">Fisher</em>, <em class="antiqua">L. L. D.</em> erhielt -für nachstehende Inschrift auf den Sarg eine Preis-Medaille: -— -</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0"><em class="antiqua">Mortem virtus communem</em><br /></span> -<span class="i4"><em class="antiqua">Famam Historia</em><br /></span> -<span class="i0"><em class="antiqua">Monumentum Posteritas</em><br /></span> -<span class="i6"><em class="antiqua">Dedit.</em><br /></span> -</div></div> - -<p> -Auf dem Untersatz über der Schwelle ist eine Inschrift von -<em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Mill's</em> Feder, welche Lord <em class="gesperrt">Dalhousie</em>, den Statthalter -von Unter-Canada, als Kostenbestreiter nennt, und die -Todestage von <em class="gesperrt">Wolf</em> und <em class="gesperrt">Montcalm</em>, den 13. und 14. -Septbr. 1759 angiebt. <em class="gesperrt">Wolf</em> fiel auf dem Schlachtfelde; -und <em class="gesperrt">Montcalm</em>, durch die einzige Kanone im Besitz der Engländer -verwundet, starb am folgenden Tage nach der Schlacht.</p> -</div> -</div> -</div> - - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p031">[S. 31]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="no-break" id="Dritter_Brief">Dritter Brief.</h2> -</div> - -<blockquote> -<p class="p1 font09">Abfahrt von Quebek. — Wir werden von einem Dampfschiffe -bugsirt. — Fruchtbarkeit des Landes. — Verschiedne Gegenstände, -die sich uns beim Hinaufsteuern des Flusses darbieten. -— Ankunft vor Montreal. — Die Stromschnellen (Rapids).</p> -</blockquote> - - -<p class="p1 center font09"> -Brig <em class="gesperrt">Laurel</em>, St. Laurence, unterhalb Montreal,<br /> -August 17, 1832.<br /> -</p> - -<p>Es war nach Sonnenuntergang und ein schöner -Abend, als wir Quebek verließen, was in Gesellschaft -eines schönen Dampfschiffs geschah, dessen Deck und -Gallerie von Passagiren aller Art wimmelten; in der -That ein herrliches Fahrzeug, auf welchem das Auge -mit Vergnügen weilte; es durchpflügte stattlich das Wasser, -welches unter seinen Ruderschaufeln schäumte und rauschte; -während unsre Brig mit ihren weißen Segeln, gleich einem -Schmetterling, seiner Spur folgte. Am Himmel glühte -das schönste Rosenroth und Orangengelb, welche sich unten -im Fluße abspiegelten; dann kamen die Sterne zum Vorschein -und leuchteten in dem reinen blauen Aether, glänzender, -als ich sie je in der Heimath gesehen, was sich, -meines Bedünkens, wohl der größeren Reinheit der Atmosphäre -zuschreiben lassen dürfte. Mein Gatte sagte, -daß dieser Abend einem italienischen Sonnen-Untergang -gleiche.</p> - -<p>Unsre Fahrt war höchst angenehm; das Wetter war -mäßig warm, und die Luft völlig rein und heiter. Wir - <span class="pagenum"><a id="Page_p032">S. 32]</a></span> -haben während der letzten wenigen Tage eine kalte, -feuchte Atmosphäre, wie wir sie oft während des Frühlings -in England erfahren, mit einem wonnevollen, -durch leichte, vom Flusse her wehende Lüftchen gekühlten -Sommer vertauscht.</p> - -<p>Je weiter wir landeinwärts kommen, desto fruchtbarer -erscheint die Gegend. Die Saaten reifen unter -einem milderen Klima, als das unterhalb Quebek ist. Wir -sehen Felder mit indianischem Korn in voller Blüthe; eine -stattliche Getraideart, mit schöner federartiger, reich purpurfarbiger -Aehre, unter welcher sich Büschel von blaßgrünen, -seidenähnlichen Blättern im Winde hin- und herbewegen. -Nachdem diese Pflanze ihre völlige Reife erlangt -hat, soll es ein schöner Anblick sein, die goldnen -Körner aus ihrer Silber-Scheide hervorbersten zu sehen; -zugleich ist dieselbe dem Froste sehr ausgesetzt und hat -manche Feinde: als Bäre, Racuns (Waschbäre), Eichhörnchen, -Mäuse, Vögel u. s. w.</p> - -<p>Wir sehen längs den Ufern des Flusses mehre -Tabacks-Felder, welche einen gesunden und gedeihlichen -Anblick zeigen. Wie ich glaube, wird in beiden -Provinzen Taback in ziemlicher Ausdehnung erbaut; -allein der canadische Taback wird nicht so hoch geschätzt, -als der virginische.</p> - -<p>An der Vereinigungsstelle des Richelieu Flusses mit -dem St. Laurence liegt eine blühende Stadt, vormals -Sorel, jetzt aber Fort William Henry genannt. Ihre -Lage ist vortrefflich. Sie hat mehre Kirchen, ein Castell -mit Mühlen und andern öffentlichen Gebäuden, und -darunter einige schöne massive Häuser. Der Boden -in der unmittelbaren Nähe der Stadt indeß scheint leicht -und sandig zu sein.</p> - -<p>Ich hatte sehr gewünscht ein Log-Haus oder eine -Shanty (Hütte) in der Nähe zu sehen, und fand mich hinsichtlich -der wenigen, längs den Ufern des Flusses errichteten -Gebäude dieser Art etwas in meinen Erwartungen getäuscht; - <span class="pagenum"><a id="Page_p033">[S. 33]</a></span> -es war nicht sowohl die Rohheit des Materials als vielmehr -die scheunenartige Form derselben, und die geringe -Rücksichtsnahme auf malerische Wirkung in ihrer Anlage, -welche mir mißfielen. In England besitzt selbst der -Bauer so viel Geschmack, einige Rosen- oder Geisblatt-Sträucher -vor Thür und Fenster zu pflanzen, wozu -noch ein kleines eingefriedigtes schmuckes Gärtchen kommt; -aber hier gewahrt man keinen solchen Versuch zur Verschönerung -der Hütten. Wir sehen keinen lachenden Obstgarten -oder Strauch, der die nackten Holz-Wände verdeckte; -und was die kleinen Meiereien anlangt, so sind -sie noch häßlicher und ohne allen Geschmack dicht an den -Wasserrand gebaut.</p> - -<p>Weiter nach hinten erscheint ein verschiedner Bau- -und Cultur-Styl: die Meiereien und hölzernen Häuser -sind recht hübsche, von gutem Geschmack zeigende Gebäude, -mit hier und da ausgestreuten Baumgruppen zur Unterbrechung -der Einförmigkeit.</p> - -<p>Das Land ist eine fast ununterbrochne platte Ebne, -und augenfällig fruchtbar und gut angebaut, aber zu -flach, um eine malerische Wirkung hervorzubringen. Die -Gegend zwischen Quebek und Montreal hat ganz das -Ansehen eines seit langer Zeit unter Cultur befindlichen -Bodens, vorzüglich auf dem rechten Flußufer. Indeß -ist noch ein großer Theil Wald übrig, dessen Lichtung -noch vieljährige Arbeit erheischen wird.</p> - -<p>Wir kamen an einigen grasreichen Eilanden vorbei, -worauf manche Viehheerde weidete. Ich zerbrach mir den -Kopf, wie sie dahin kämen; der Capitain erklärte mir -aber, daß es Brauch der Meierei-Besitzer sei, ihr Vieh -auf diese futterreichen Inseln in Nachen mit flachen -Böden zu transportiren oder, wo es nicht zu tief sei, -hinüber schwimmen, und es so lange, als das Futter -gut befunden werde, dort zu lassen. Werden Kühe auf -ein Eiland, innerhalb einer angemeßnen Entfernung von -der Meierei, versetzt, so geht täglich jemand in einem - <span class="pagenum"><a id="Page_p034">[S. 34]</a></span> -Kahne dahin ab, um sie zu melken. Als er mir dies erzählte, -ruderten eben ein Knabe und ein stämmiges Mädchen, mit -zinnernen Gelten, in einem kleinen Nachen vom Ufer her quer -durch den Fluß, um ihre Heerden zusammen zu rufen.</p> - -<p>Auf unsrer Weiterfahrt bemerkten wir zur Rechten -einige höchst anmuthige Dörfer, aber unser Lootse war -etwas einfältig und konnte oder wollte uns ihre Namen -nicht nennen. Es war Sonntags früh; wir konnten -eben das Läuten der Kirchthurm-Glocken vernehmen, und -es zeigten sich lange Reihen von Caleschen, leichten Wagen, -Reitern und Fußgängern, welche durch die zum Kirchhof -führende Allee vorübereilten; außer diesen glitten -Boote über den Fluß, welche demselben Friedens-Hafen -zusteuerten.</p> - -<p>In einem Theil des St. Laurence, wo Untiefen -und Sandbänke die Fahrt durch das Flußbett schwierig -machen, gewahrt man kleinen Wassermühlen ähnelnde -Leuchtthürme, auf hölzernen Pfählen, die sich über die flachen -Ufer erheben, auf welchen sie errichtet sind. Diese -drolligen Thürme oder Hüttchen waren bewohnt, und -von einem derselben herab sahen wir eine lustige Gesellschaft, -in ihrem Feststaate, mit einer andern in einem -unten haltenden Kahne zur Kurzweil plaudern. Ihrem -Aeußern nach waren sie wohl, und in der That recht -vergnügt, indeß beneidete ich ihnen ihre Lage nicht, die, -meines Bedünkens, der Gesundheit nicht anders als -nachtheilig sein kann.</p> - -<p>Einige (englische) Meilen unter Montreal gewann -die Gegend ein reicheres und volkreicheres Ansehn; und -die in weiter Ferne am Saume des Horizonts sich hindehnende -blaue Bergkette fügte der Landschaft keinen kleinen -Reiz hinzu. Die reiche Gluth der reifen Saaten -bildete einen schönen Contrast mit dem azurnen Himmel -und der bläulichen Wasserfläche des St. Laurence. Die -Fluß-Scenerei unweit Montreal ist von der unterhalb -Quebek sehr verschieden; letztere hat einen wilden rauhen - <span class="pagenum"><a id="Page_p035">[S. 35]</a></span> -Anblick, und ihre Erzeugnisse sind offenbar die eines kältern, -weniger von der Natur begünstigten Klimas. Was -der letztern an Großartigkeit und malerischer Wirkung -abgeht, ersetzt sie reichlich durch Fruchtbarkeit des Bodens -und wärmere Temperatur. In dem untern Theil der -Provinz merkt man nur zu sehr, daß die Betriebsamkeit -der Bewohner einem widerspänstigen Boden das nöthige Brod -abzwingt; während in dem oberen das Land willig scheint, -eine mäßige Anstrengung mit Erfolg zu belohnen. Man -vergesse nicht, daß dies blos die flüchtigen Bemerkungen -einer schnell vorüberwandernden Reisenden sind und sich -keineswegs auf persönliche Erfahrung gründen.</p> - -<p>Ein Gefühl von Angst und Furcht, das wir einander -nicht gern gestehen mochten, um nicht als schwach zu -erscheinen, lastete auf unsern Gemüthern, als wir uns -der angesteckten Stadt näherten; aber Niemand sprach nur -ein Wort davon. Mit welchem ungemischten Entzücken, -mit welcher Bewunderung würden wir zu jeder andern -Zeit die sich vor unsern Augen erschließende Scene betrachtet -haben.</p> - -<p>Der Fluß breitet sich hier in ein weites Becken aus, -welches mit Inseln gefüllt ist, auf deren größter Montreal -liegt.</p> - -<p>Der hohe Berg, wovon die Stadt ihren Namen -hat, erhebt sich gleich einer Krone über dieselbe und bildet -einen eigenthümlichen und großartigen Zug in der -schönen Landschaft, der mich an einige einzeln stehende -Felsen in der Nachbarschaft von Inverneß erinnerte.</p> - -<p>Quebek gegenüber, gerade vor den Flußschnellen -(<em class="antiqua">Rapids</em>) ist die Insel St. <em class="gesperrt">Helens</em> gelegen, ein Ort -von unbeschreiblicher Anmuth. Die Mitte derselben -nimmt ein Wäldchen von hohen Bäumen ein, während -die sanft nach dem Wasser zu geneigten Ufer mit dem -grünsten Rasen bedeckt sind. Dieses schöne Schauspiel -wurde noch durch die Erscheinung der auf der Insel in -Garnison liegenden Truppen erhöht.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p036">[S. 36]</a></span></p> - -<p>Die Flußufer, dicht mit trefflich angebauten Meiereien -besetzt; das Dorf la Prairie, mit der kleinen Insel -St. <em class="gesperrt">Ann's</em> in der Ferne; die blitzenden Thürme und -Dächer der Stadt mit ihren Gärten und Landhäusern, — -gewähren in dem sanften Glanze eines canadischen Sonnenuntergangs -einen über die Maaßen lieblichen Anblick.</p> - -<p>Die zum Abendgebet läutenden Kirchen-Glocken, das -murmelnde Getös menschlicher Stimmen, vom Ufer her, -mischten sich harmonisch mit dem Rauschen der Flußschnellen. -Diese Flußschnellen (<em class="antiqua">Rapids</em>) werden durch -eine Senkung des Flußbetts gebildet. An einigen Stellen -ist die Neigung allmälig, an andern aber plötzlich -und abgebrochen. Wo der Wasserstrom durch Kalkstein- -oder Granit-Massen gehindert ist, wie bei den Cascaden, -den Cedern und dem Long-Sault, erzeugt er Strudel -und Katarakte. Aber die Flußschnellen unterhalb Montreal -sind nicht von diesem großartigen Charakter, man erkennt -sie blos an der ungewöhnlichen Geschwindigkeit des -fließenden Wassers, und an der Trübung der Oberfläche -durch Schaum, Wellenschlagen und Wirbel. Um mich -kurz zu fassen, ich fand meine Erwartung, etwas besonders -Erhabenes zu sehen, getäuscht, und war gewissermaßen -halb ärgerlich über diese sich so kleinlich und unbedeutend -zeigenden Flußschnellen, durch die uns unser -treuer Gefährte, das mit dem Namen <em class="gesperrt">Brittsch-Amerika</em> -bezeichnete Schiff, glücklich und wohlbehalten bugsirte.</p> - -<p class="pmb3">Da der Capitain ungewiß ist, wie lange er sich in -Montreal wird aufhalten müssen, so sende ich diesen -Brief ohne weiteren Aufschub ab, und denke sobald als -möglich wieder zu schreiben.</p> - - - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p037">[S. 37]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="no-break" id="Vierter_Brief">Vierter Brief.</h2> -</div> - -<blockquote> -<p class="p1 font09">Landung zu Montreal. — Erscheinung der Stadt. — Verheerungen -der Cholera. — Wohlthätigkeits-Anstalten zu Montreal. -— Katholische Cathedrale. — Unter- und Ober-Stadt, -Gesellschaft und Unterhaltung im Hotel. — Die Verfasserin -wird von der Cholera befallen. — Abreise von Montreal im -Postwagen. — Einschiffung zu Lachine an Bord eines Dampf-Schiffes. -— Abwechselndes Reisen in Dampfschiffen und Postwagen. -— Erscheinung des Landes. — Manufacturen. — Oefen, -in einiger Entfernung von den Hütten. — Zieh-Brunnen. — -Ankunft zu Cornwall. — Bedienung im Gasthause. — Abreise -von Cornwall, und Ankunft zu Prescott. — Ankunft zu Brockwille. -— Dasiger Stapelplatz. — Reise durch den See Ontario. -— Ankunft zu Cobourg. —</p> -</blockquote> - - -<p class="p1 rright font09"> -Nelson Hotel, Montreal. August 21.<br /> -</p> - -<p>Wieder einmal auf festem Grund und Boden, -Theuerste Mutter! welches eigenthümliche Gefühl ist es -doch, das feste Land wieder zu betreten, erlößt von der -schwankenden Bewegung des Schiffes auf dem wogenden -Wasser, dem ich jetzt wirklich mit Freuden Lebewohl -sagte.</p> - -<p>Mit Tagesanbruch war Jedermann an Bord aus -dem Bette und traf geschäftig alle Vorbereitungen, ans -Land zu gehen. Der Capitain selbst gab uns verbindlichst -das Geleite und ging mit uns bis zum Gasthof, -wo wir jetzt logiren.</p> - -<p>Es machte uns einige Schwierigkeit, ans Ufer zu -gelangen, wegen der schlechten Beschaffenheit des - <span class="pagenum"><a id="Page_p038">[S. 38]</a></span> -Landungsplatzes. Der Fluß war mit treibenden Baumstämmen -gefüllt, zwischen welchen das Boot hindurchzusteuern, -einige Geschicklichkeit erforderte. Es wird jetzt ein Kai -gebaut<a id="FNanchor_6_6"></a><a href="#Footnote_6_6" class="fnanchor">[6]</a>, dessen Nothwendigkeit sich nur zu fühlbar gemacht -hat.</p> - -<p>Zunächst fielen uns die schmuzigen, engen, schlecht -oder gar nicht gepflasterten Straßen der Vorstädte auf, -und zugleich betäubte uns der niedrige, aus einem tiefen, -offnen, längs der Straße hinter dem Kai verlaufenden -Graben aufsteigende Dunst. Dieser Graben schien zur -Aufnahme jedes Unflathes bestimmt und an sich allein -hinreichend, die ganze Stadt mit bösartigen Fiebern zu -inficiren<a id="FNanchor_7_7"></a><a href="#Footnote_7_7" class="fnanchor">[7]</a>.</p> - -<p>Bei meiner ersten Bekanntschaft mit dem Innern -von Montreal, einem Orte, wovon Reisende so viel gesagt -haben, fand ich mich sehr getäuscht. Ich verglich -es in Gedanken mit den Früchten des todten Meeres, die -schön und lockend anzuschauen sind, aber blos Asche und -Bitterkeit geben, wenn sie der durstige Reisende kostet<a id="FNanchor_8_8"></a><a href="#Footnote_8_8" class="fnanchor">[8]</a>.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p039">[S. 39]</a></span></p> - -<p>Ich bemerkte einen besondern Zug an den Gebäuden -der sich im Angesicht des Flusses hinziehenden Vorstadt, -— nämlich daß sie meistentheils von dem untersten -bis zum obersten Stockwerk mit breiten hölzernen Balcons -versehen waren. In einigen Fällen umgeben diese -Balcons die Häuser auf drei Seiten und scheinen eine -Art Außengemächer zu bilden; zu einigen derselben führten -breite Treppen von außen hinauf.</p> - -<p>Ich erinnerte mich, als Kind von dergleichen Häusern -geträumt und sie sehr einladend gefunden zu haben, -auch könnten sie dies wirklich sein, wenn sie von rankendem -Strauchwerk beschattet und mit Blumen geschmückt -wären, um gleichsam schwebende Gärtchen oder -süßduftende Laubengänge abzugeben. Aber nichts der Art -erfreute unsre Augen, als wir mühsam durch die langen -Straßen wanderten. Alle Gasthäuser und Herbergen waren -bis unters Dach hinauf mit Auswandrern jedes Alters, -aus England, Schottland und Irland, überfüllt. -Die Laute wilder Ausgelassenheit, welche aus ihnen hervorbrachen, -schienen sich schlecht mit den bleichen eingefallnen -Gesichtern mancher dieser gedankenlosen Lärmer -zu vertragen.</p> - -<p>Der Contrast war für den, der diese Entfaltung -äußerer Lustigkeit bei innerem Elend zu würdigen verstand, -nur zu fühlbar und schmerzlich.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p040">[S. 40]</a></span></p> - -<p>Die Cholera hatte grauenvolle Niederlagen angerichtet, -und ihre heillosen Wirkungen waren an den verschloßnen -und verdunkelten Wohnungen und an den Trauerkleidern -aller Klassen zu erkennen. Ein Ausdruck von -Niedergeschlagenheit und Angst zeigte sich in den Gesichtern -der wenigen Menschen, welchen wir auf unserm -Wege nach dem Gasthause begegneten, und verriethen -uns deutlich den Zustand ihres Innern.</p> - -<p>In einigen Stadttheilen waren ganze Straßen fast -entvölkert; die, welche konnten, flohen, von Schrecken ergriffen, -auf die Dörfer, während andre zurück blieben, um -im Schooße ihrer Familie zu sterben.</p> - -<p>Keiner Klasse hat sich die Krankheit so verderblich -gezeigt, als den ärmern Emigranten. Viele von diesen, -geschwächt durch die Entbehrungen und Strapazen einer -langen Reise, überließen sich, als sie Quebek oder Montreal -erreicht, jeder Ausschweifung, jedem Uebermaß — -vorzüglich der Völlerei, und gleichsam als hätten sie sich -vorsätzlich den Weg zum gewissen Verderben gebahnt, -fielen sie unmittelbare Opfer der Krankheit.</p> - -<p>In einem Hause starben elf Menschen, in einem -andern siebzehn; ein kleines siebenjähriges Kind blieb allein -übrig, das traurige Ereigniß zu verkünden. Diese arme -verlassene Waise nahmen die Nonnen in ihre wohlthätige -Anstalt auf und erwiesen ihr jede Aufmerksamkeit, welche -Menschenliebe nur immer fordern kann.</p> - -<p>Die Zahl sowohl aus Katholiken als Protestanten -bestehender Wohlthätigkeits-Vereine ist beträchtlich, -und diese entfalten eine Duldsamkeit und Freisinnigkeit, -welche beiden Confessionen zur Ehre gereicht, indem sie -einzig und allein von dem Geiste christlicher Liebe beseelt -erscheinen.</p> - -<p>Ich wüßte keinen Ort, selbst London nicht ausgenommen, -wo die Ausübung wohlwollender Gesinnungen -so sehr hervorgefordert würde, als in diesen beiden Städten, -Quebek und Montreal. Hier vereinigen sich die - <span class="pagenum"><a id="Page_p041">[S. 41]</a></span> -Unglücklichen, die von den erforderlichen Mitteln Entblößten, -die hülflose Waise, die Bejahrten, der arme aber tugendhafte -Mann, den die strenge Hand der Nothwendigkeit -aus seiner Heimath von seinem Herde getrieben hat, -um in einem fernen, fremden Lande von Krankheit oder -Mangel dahin gerafft zu werden.</p> - -<p>Es ist ein trauriger Umstand, daß sehr viele der -ärmsten Auswandrer, die unter dem Einfluß der Cholera -ihr Leben verloren, keine Spur hinterlassen haben, wodurch -ihre bekümmerten Freunde im alten Vaterlande über -ihr Schicksal in Kenntniß gesetzt werden könnten. Die -Krankheit ist so plötzlich, so heftig, daß sie dem Befallnen -keine Zeit zu Ordnung weltlicher Angelegenheiten übrig -läßt. Die Aufforderung kommt, nicht wie an <em class="gesperrt">Hesekiah</em>: -»Bringe dein Haus in Ordnung, denn du sollst sterben, -und nicht leben!«</p> - -<p>Das Wetter ist drückend heiß, von häufigen Gewitter-Schauern -begleitet, die aber keineswegs die Wirkung -haben, welche man davon erwartet, denn sie kühlen -die erhitzte Atmosphäre keineswegs ab. Ich fühle einen -Grad von Abspannung und Mattigkeit, der mich sehr -verstimmt und schlimmer ist als wirklicher Schmerz.</p> - -<p>Anstatt diesen Ort mit der ersten Gelegenheit nach -der oberen Provinz verlassen zu können, wie wir uns -fest vorgenommen, sehen wir uns genöthigt, zwei Tage -länger zu bleiben, woran die Weitläufigkeit und Umständlichkeit -der Zollbeamten in Untersuchung unsers Gepäckes -schuld ist.</p> - -<p>Die Hitze war fortwährend so drückend, daß sie mir -nur wenige Ausflüge aus dem Hause verstattete. Ich habe, -ausgenommen die Straßen in der Nähe des Gasthofs -und die katholische Kirche, wenig von der Stadt und ihren -öffentlichen Gebäuden gesehn. Die Kathedrale erhielt -meinen Beifall; sie ist in der That ein schönes Gotteshaus, -jedoch immer noch unvollendet; so sind die Thürme -nicht zu der ursprünglich bestimmten Höhe geführt. Das - <span class="pagenum"><a id="Page_p042">[S. 42]</a></span> -östliche Fenster, hinter dem Altar, ist siebzig Fuß hoch -und dreiunddreißig Fuß breit. Die Wirkung dieses großartigen -Fensters, dem Eingange gegenüber, der Altar mit -seinen Zierrathen und Gemälden, die verschiednen kleinern -Altäre und Kapellen, sämmtlich mit Gegenständen aus -der heiligen Schrift verziert, die leichten Gallerien, welche -den mittlern Theil der Kirche umgeben, die doppelte Säulen-Reihe, -worauf das gewölbte Dach ruht, und die Bogenfenster, -Alles vereinigt sich zur Bildung eines schönen -Ganzen. Am meisten erfreute mich die äußerste Leichtigkeit -des Baustyls, dagegen erschien mir der Anstrich der -Säulen in Nachahmung von Marmor zu grob und zu -grell; ich vermißte die ernste ehrwürdige Weihe, welche -das Alter unsern Kirchen und Cathedralen verliehen hat. -Die in grauen Stein gehauenen, grimmig blickenden -Köpfe und geflügelten Engel, deren befremdendes Ansehn -selbst von einer Zeit erzählt, wo unsre Vorväter innerhalb -der geweiheten Mauern ihren Schöpfer verehrten, -erhöhen den feierlichen Eindruck und die Ehrwürdigkeit -unsrer Gotteshäuser. Allein, wenn sich auch die neue -Kirche zu Montreal nicht mit unsrer Yorker-, Münster- oder -Westmünster-Abtei oder andern unsrer heiligen Gebäude -vergleichen darf, so verdient sie doch jedenfalls die -Beachtung des Reisenden, der in Canada auf nichts -Aehnliches stößt.</p> - -<p>Außerdem enthält Montreal verschiedne Collegien -und Nonnen-Klöster, ein Hospital für Kranke, verschiedne -katholische und protestantische Kirchen, Versammlungshäuser, -ein Wachhaus und mehre andre öffentliche Gebäude.</p> - -<p>Der an den Fluß grenzende Stadttheil ist ausschließlich -für den Handel bestimmt. Seine engen, schmuzigen -Straßen und dunkeln Häuser, mit schweren eisernen Fensterladen, -machen einen unangenehmen Eindruck auf den -brittischen Reisenden; der andre Theil der Stadt jedoch zeigt -ein verschiedenes und besseres Ansehn, die Häuser sind - <span class="pagenum"><a id="Page_p043">[S. 43]</a></span> -hier mit Gärten und angenehmen Spaziergängen untermengt, -die sich aus den Fenstern des Ballsaals im Nelson -Hotel dem Auge recht hübsch darstellen. Der eben erwähnte -Ballsaal, welcher von der Decke bis zum Fußboden -grob mit canadischer Scenerei und Waldlandschaften -bemalt ist, gewährt eine prächtige Aussicht auf die -Stadt, den Fluß und die ganze Umgegend, welche die -fernen Berge von Chamblay, die Ufer des St. Laurence -gegen la Prairie hin, und die Stromschnellen ober- und -unterhalb der Insel St. Anne's in sich schließt. Der Königliche -Berg (Mont Real) mit seinen bewaldeten Seiten, -seiner reichen Scenerei und seiner Stadt mit ihren Straßen -und öffentlichen Gebäuden entfalten sich den Blicken, -und das Auge, welches solchen Gegenständen begegnet, -kann der Scenerei von Montreal seinen Beifall nicht -versagen.</p> - -<p>Unser Wirth, ein Italiener von Geburt und Besitzer -des Hotels, erweist uns die größte Aufmerksamkeit. -Die Bedienung ist äußerst anständig und zuvorkommend, -und die Gesellschaft, mit welcher wir im Gasthofe zusammen -treffen, hauptsächlich Auswandrer, wie wir, nebst -einigen lebhaften Franzosen, Männern und Weibern, sehr -achtbar. Der Tisch ist gut besetzt, und der Preis für -Kost und Logis täglich ein Dollar<a id="FNanchor_9_9"></a><a href="#Footnote_9_9" class="fnanchor">[9]</a>.</p> - -<p>Die mannigfaltigen Charaktere, aus welchen unsre -Tischgesellschaft besteht, gewähren mir viel Unterhaltung. -Einige unter den Auswandrern scheinen äußerst sanguinische -Hoffnungen zu nähren, sie sind, ihren Aeußerungen -nach, eines glücklichen Erfolgs gewiß und glauben auf -keine Schwierigkeiten in Ausführung ihrer Pläne zu stoßen. -Einen Contrast mit diesen bildet einer meiner Landsleute, -der so eben aus dem westlichen Distrikt auf seiner - <span class="pagenum"><a id="Page_p044">[S. 44]</a></span> -Rückreise nach England hier eingetroffen ist; er beschwört -uns, ja nicht weiter aufwärts in diesem abscheulichen Lande -zu reisen, wie er die obere Provinz mit sichtbaren Nachdruck -zu nennen beliebt, versichernd, daß er um keinen -Preis in der Welt darin leben möchte.</p> - -<p>Die Lesung von <em class="gesperrt">Cattermole's</em> Flugschrift <em class="gesperrt">über -Auswanderung</em> hatte ihn bestimmt, ein hübsches -Pachtgut zu verlassen und sich mit seiner ganzen Habe -nach Canada einzuschiffen. Aufgemuntert durch den Rath -eines Freundes in diesem Lande, kaufte er einen Strich -wilden Bodens im westlichen Distrikt; »aber Sir,« sagte -er, indem er seine Worte mit großer Aufregung an -meinen Gatten richtete, »ich fand mich aufs schändlichste -betrogen. Solcher Boden, eine solche Gegend — nein -um alles in der Welt hätte ich nicht da bleiben mögen. -Wahrlich! nicht ein Tropfen gutes Wasser, keine eßbare -Kartoffel ist daselbst zu erlangen. Ich lebte zwei ganze -Monate in einem kleinen Schuppen, den sie Shanty nennen, -und wäre fast bei lebendigem Leibe von Musquitos -aufgezehrt worden. Es gab nichts zu essen als eingesalznes -Schweinfleisch, mit einem Wort, das Elend und -die Widerwärtigkeiten waren unerträglich; meine landwirthschaftlichen -Kenntnisse und Erfahrungen, als englischer -Pachter, halfen mir übrigens fast gar nichts, denn -man weiß daselbst nichts von Meiereien und Pachtgütern. -Es würde mir das Herz gebrochen haben, wenn ich zwischen -den Baumstummeln hätte arbeiten sollen, ohne je -etwas einem wohlgepflügten Felde Aehnliches zu sehen. -Und dann,« fügte er in sanfterem Tone hinzu, »dachte -ich an meine arme Frau und meine kleine Tochter. Ich -selbst würde, um meine Verhältnisse zu verbessern, mich -allenfalls ein Jahr oder noch länger in dieser Wildniß -herumgeplackt haben, aber die Arme! — nein! ich hätte -das Herz nicht gehabt, sie den Bequemlichkeiten Englands -zu entreißen und in eine Wohnung einzuführen, die nicht -so gut ist, als einer unsrer Kuhställe oder Schuppen, und - <span class="pagenum"><a id="Page_p045">[S. 45]</a></span> -so will ich denn in meine Heimath zurückkehren; und -wenn ich nicht meinen Nachbarn erzähle, was für ein -abscheuliches Land dieses Canada ist, wohin auszuwandern -Alle wie verrückt sind, und wofür sie ihre Pachte -aufgeben, so soll man mir nie wieder ein Wort glauben.«</p> - -<p>Es fruchtete nichts, daß einige Anwesende ihm zeigten, -wie ungereimt es sei, zurückzukehren, ehe er alles -gehörig geprüft und versucht habe; er erwiederte ihnen -blos, sie wären Thoren, wenn sie in einem Lande, -wie dieses, blieben; und endete mit Verwünschung derjenigen, -welche ihre Landsleute durch ihre falschen Berichte -und Angaben täuschten und auf einigen Seiten -sämmtliche Vortheile zusammen stellten, ohne einen Band -mit den Nachtheilen zu füllen, was doch sehr leicht sein -würde.</p> - -<p>»Die Menschen sind nur zu geneigt, sowohl sich als -andre zu betrügen,« sagte mein Gatte, »und haben sie -ihre Seele einmal auf einen Gegenstand gerichtet, so pflegen -sie blos das zu lesen und zu glauben, was ihren -Wünschen entspricht.«</p> - -<p>Der junge erbitterte Mann hatte sich offenbar in -seinen Erwartungen getäuscht gesehen, als er nicht alles -so schön und angenehm wie in der Heimath fand. Er -hatte wahrscheinlich nie über die Sache nachgedacht, denn -andernfalls würde er nicht so thörigt gewesen sein, vorauszusetzen, -daß er bei seinem ersten Ansiedelungs-Versuch -auf keine Schwierigkeiten stoßen werde. Wir haben uns -auf nicht wenige Hindernisse und Entbehrungen gefaßt -gemacht, und doch dürften uns noch manche unvorhergesehene -begegnen, ob wir gleich durch die Briefe unsers -canadischen Freundes so ziemlich von allem in Kenntniß -gesetzt sind.</p> - -<p>Unsre Plätze in dem nach Lachine abgehenden Postwagen -sind bereits gemiethet, und wenn alles gut geht, - <span class="pagenum"><a id="Page_p046">[S. 46]</a></span> -so verlassen wir Montreal Morgen früh. Unsre Koffer, -Schachteln u. s. w. gehen vor uns nach Cobourg ab. — -August <b>22</b>.</p> - - -<p class="p2 rright font09"> -<em class="gesperrt">Cobourg</em>, den 29. August.<br /> -</p> - -<p>Am Schluß meines letzten Briefes meldete ich Ihnen, -Theuerste Mutter, daß wir Montreal am folgenden -Tage früh verlassen würden; allein das Schicksal hatte -anders über uns verfügt, und wir erfuhren die Wahrheit -jener Worte: — »Rühme dich nicht dessen, was du -morgen thun willst, denn du weißt nicht, was die nächste -Stunde mit sich bringen wird.« In der Frühe besagten -Morgens, noch vor Sonnenaufgang, wurde ich von den -Symptomen der verderblichen Krankheit heimgesucht, die -so manche Häuser verödet hat. Ich zwar zu krank, -um meine Reise antreten zu können, und hörte mit schwerem -Herzen die knarrenden Räder vom Thorwege des -Gasthofs über das Pflaster rumpeln.</p> - -<p>Ich wurde stündlich schlechter, bis mir die Schwester -der Wirthin, ein treffliches junges Frauenzimmer, -die mir schon zuvor große Aufmerksamkeit erzeigt, nach -einem Arzt zu senden rieth; mein Gatte, der, als er mich -so leiden sah, fast in Verzweiflung war, eilte sogleich fort, -um den besten ärztlichen Beistand herbeizuholen. Nach -einigem Verzug war ein Arzt ausfindig gemacht. Ich -litt zu dieser Zeit furchtbare Qualen, fühlte mich aber -nach einem Aderlaß und den nachfolgenden heftigen Krankheits-Anfällen -etwas erleichtert. Ich will mich in keine -umständliche Schilderung meiner Leiden einlassen, genüge -es, zu sagen, daß sie fast unerträglich waren; aber Gott -in seiner Gnade, obwohl er mich züchtigte und mit -Schmerzen heimsuchte, wollte mich noch nicht sterben lassen. -Von den weiblichen Gliedern des Hauses erfuhr -ich die liebreichste Behandlung. Anstatt aus Furcht das -Krankenzimmer zu fliehen, stritten sich die beiden irischen - <span class="pagenum"><a id="Page_p047">[S. 47]</a></span> -Mädchen fast mit einander, welche von beiden bei mir -bleiben und meiner warten und pflegen sollte, während -<em class="gesperrt">Jane Taylor</em>, das zuvor erwähnte achtbare Frauenzimmer, -mich von dem Augenblick an, wo meine Krankheit -auf eine so beunruhigende Weise zunahm, bis zur -eintretenden Besserung nicht eine Minute verließ und -mit eigner Lebensgefahr, wenn der innere Kampf eintrat, -in die Arme nahm, an ihre Brust drückte und abwechselnd -bald mir zuredete, bald meinen armen trauernden -Gatten zu trösten suchte.</p> - -<p>Die angewendeten Mittel waren Aderlaß, Opium, -blaue Pillen und ein Neutralsalz — aber nicht das gewöhnliche -Epsomer. Die Cur zeigte sich wirksam, wiewohl -ich viele Stunden hindurch an heftigem Kopfweh -und andern Zufällen litt. Die Schwäche und das leichte -Fieber, welche an die Stelle der Cholera traten, fesselten -mich einige Tage an das Bett; während der beiden ersten -besuchte mich mein Arzt täglich viermal; er war sehr -theilnehmend, und als er erfahren, daß ich die Gattin -eines brittischen auf seinem Wege nach der oberen Provinz -begriffnen Offiziers sei, schien er sich für meine -Wiedergenesung mehr als jemals zu interessiren, und -zeigte eine Theilnahme für uns, die unsern Gefühlen -äußerst wohlthätig war. Nach einem lästigen Krankenlager -von mehren Tagen wurde ich endlich für so weit -genesen erklärt, um meine Reise antreten zu können, indeß -war ich noch sehr schwach und konnte mich kaum -aufrecht erhalten.</p> - -<p>Die Sonne war noch nicht aufgegangen, als der -Postwagen, der uns nach Lachine, die ersten neun (englischen) -Meilen unsrer Reiseroute, führen sollte, vor der -Thür des Gasthofs erschien, und wir von einem Orte, wo -wir der angstvollen Stunden so viele, der fröhlichen so -wenige erlebt, Abschied nahmen. Indeß war uns von -unsern Umgebungen im Gasthofe, obgleich vollkommnen -Fremden, viel Liebes und Gutes wiederfahren, wir hatten - <span class="pagenum"><a id="Page_p048">[S. 48]</a></span> -uns jener Gastfreundschaft erfreut, wegen welcher Montreal -so oft gerühmt worden ist.</p> - -<p>Ich habe vergessen, Ihnen in meinem letzten Briefe -zu sagen, daß wir Bekanntschaft mit einem höchst achtbaren -Kaufmann an diesem Platze gemacht, der uns sehr -nützliche Belehrung über viele Dinge ertheilt und bei -seiner Gattin, einem äußerst gebildeten und vollendeten -jungen Frauenzimmer eingeführt hat. Während unsrer -kurzen Bekanntschaft brachten wir, sehr zu unsrer Zufriedenheit, -einige angenehme Stunden in ihrem Hause zu.</p> - -<p>Ich genoß des frischen Luftstroms vom Flusse her, -längs welchem sich die Fahrstraße hinzieht. Es war ein -herrlicher Anblick, die unbewölkte Sonne hinter der fernen -Bergkette emporsteigen zu sehen; unter uns lagen die wild -brausenden Stromschnellen, dort die Insel <em class="gesperrt">St. Anne's</em>, -welche uns an <em class="gesperrt">Moore's</em> canadisches Bootsmanns-Liedchen -»Laßt zu St. <em class="gesperrt">Anne's</em> uns singen den Abschiedsgesang« -u. s. w. erinnerte.</p> - -<p>Das Ufer des St. Laurence, längs welchem unser -Weg liegt, ist hier erhabner als bei Montreal, auf seiner -Höhe mit Buschholz bekleidet und gelegentlich durch -schmale Abzugs-Gräben zum Ableiten des Wassers unterbrochen. -Der Boden war, so viel als ich davon sehen -konnte, sandig oder leichtlehmig. Ich sah hier zuerst -die wilde Weinrebe sich zwischen den jungen Bäumchen -hinranken, deßgleichen Brombeerbüsche und einen Ueberfluß -von jener hohen gelben Blume, die wir Goldruthe (<em class="antiqua">Solidago -virga aurea</em>) nennen, ferner das weiße Gnaphalium -(Ruhrkraut), dasselbe, woraus die französischen und -schweizer Bauer-Mädchen Kränze zur Schmückung der -Gräber ihrer Freunde flechten und die sie <em class="gesperrt">Immortelle</em> -(Unsterblichkeitsblume) nennen<a id="FNanchor_10_10"></a><a href="#Footnote_10_10" class="fnanchor">[10]</a>; endlich eine hohe, purpurblumige -Baldrian-Art, die auf den Feldern unter - <span class="pagenum"><a id="Page_p049">[S. 49]</a></span> -dem Korn eben so häufig steht, als die Ochsenzunge auf -unsern leichten Sandfeldern in England.</p> - -<p>Zu Lachine stiegen wir aus dem Postwagen und -gingen an Bord eines Dampfboots, eines recht hübschen -und mit jeder Bequemlichkeit versehnen Fahrzeugs. Die -Fahrt den Fluß hinauf machte mir viel Freude, und -überhaupt würde ich die Reise sehr angenehm gefunden -haben, wäre ich nicht durch meine nur erst überstandne -Krankheit so sehr geschwächt gewesen, daß mir die holperigen -Straßen sehr viel zu schaffen machten. Das Fuhrwerk -anlangend, ein canadischer Postwagen, so verdient -es weit größeres Lob, als Reisende ihm gewöhnlich zu -ertheilen beliebt haben, und es ist für die Wege, auf -welchen es hin- und hergeht, so wohl geeignet, daß ich -zweifle, ob es mit einem zweckmäßigeren vertauscht werden -könne. Dieser Wagen faßt neun Personen: drei -hinten, drei vorn, und drei in der Mitte; der Mittel-Sitz, -welcher in breiten Lederriemen hängt, ist bei weitem -der bequemste, und hat für die Inhaber nur den Nachtheil -daß sie durch das Aus- und Einsteigen der Passagiere -gestört werden.</p> - -<p>Gewiß ist das Reisen mit so weniger Störung für -den Passagier als möglich verbunden, hat man sein Passagier-Geld -zu Prescott entrichtet, so braucht man für -weiter nichts zu sorgen. So wie der Reisende das -Dampfboot verläßt, steht auch schon der Postwagen zur -Aufnahme seiner Person und seines Gepäckes, das auf -ein gewisses Verhältniß beschränkt ist, bereit; ist der Postwagen -an Ort und Stelle angelangt, so ist wieder das -Dampfboot da, wo man jede Bequemlichkeit findet.</p> - -<p>Außer ihrer eignen Ladung nehmen die Dampfschiffe -stromaufwärts in der Regel verschiedne andre Fahrzeuge -ins Schlepptau. Wir bugsirten zu einer Zeit drei -Durham-Böte und überdies mehre kleine Nachen, -die dem Auge jedenfalls Abwechselung und Unterhaltung -gewährten.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p050">[S. 50]</a></span></p> - -<p>Mit Ausnahme von Quebek und Montreal, muß -ich der obern Provinz den Vorzug geben. Die Scenerei, -wenn auch nicht so großartig, ist doch mehr geeignet, dem -Auge zu gefallen, indem sich überall Spuren von reger -Betriebsamkeit, Fülle und Fruchtbarkeit zeigt. Wenn -ich im Postwagen auf der Straße dahinrolle, entzücken -mich die Nettigkeit, Reinlichkeit und das bequeme, behagliche -Ansehn der Bauerhütten und Meiereien. Log-Häuser -oder Shanty's kommen nur selten vor, an ihre -Stelle sind hübsch gezimmerte, in besserem Styl gebaute -und oft mit Bleiweiß oder blaßerbsgrün angestrichne Wohnungen -getreten. Im Umkreise dieser Hausstätten erblickt -man Obstgärten, deren Bäume von der reichen Last, -— Aepfel, Pflaumen, und der amerikanische Holzapfel, -jene schöne scharlachrothe Frucht, die wir im Vaterlande -so häufig eingemacht als Dessert genießen, — niedergebogen -waren.</p> - -<p>Hier gewahrt man kein Zeichen von Armuth oder -dem in ihrem Gefolge einhergehenden Elend; keine zerlumpten, -schmuzigen Kinder wälzen sich im Kothe oder -Staube herum; wohl aber stößt man auf manche hübsche, -vor der Hüttenthür spinnende Dirne, mit ihren glänzenden -Augen und wohlgeordneten Flechten, während die -jüngeren Mädchen auf dem grünen Schwaden oder der -Hausschwelle sitzen und stricken und lustig wie die Vöglein -bei ihrer Arbeit singen.</p> - -<p>Die großen Spinnräder, welche hier zu Lande zum -Spinnen der Wolle üblich sind, haben etwas sehr Malerisches, -und wenn die canadischen Mädchen auf gefällige -Haltung des Körpers und zierliche Bewegungen bedacht -wären, so könnte nichts geeigneter sein, eine schöne Körperform -in vortheilhaftestem Lichte zu zeigen, als das Spinnen -mit diesem Rade. Die Spinnerin sitzt nicht, sondern -geht hin und her, zieht das Garn mit der einen Hand -aus und dreht mit der andern das Rad.</p> - -<p>Ich bemerkte oft, wenn wir an den Meier-Hütten - <span class="pagenum"><a id="Page_p051">[S. 51]</a></span> -vorüber kamen, Garn von verschiedner Farbe an den -Einfriedigungen der Gärten und Obstpflanzungen zum -Trocknen aufgehängt, allerlei Farben: Grün, Blau, Purpur, -Braun, Roth und Weiß wechselten mit einander -ab. Eine artige Wirthin, vor deren Schenke wir hielten, -um die Pferde zu wechseln, sagte mir, daß dieses Garn -erst gesponnen und nachmals von den Hausfrauen, bevor -es auf den Webestuhl komme, gefärbt werde. Sie -zeigte mir einige Proben von dergleichen haussponnenen -Zeugen, die sich in der That nicht übel ausnahmen. -Die Farbe war ein mattes Dunkelbraun, und die Wolle -rührte von einer schwarzen Schaf-Gattung her. Diese -Zeuge werden auf verschiedne Weise für den Familien-Bedarf -verwendet.</p> - -<p>»Jede kleine Hausstätte, die Sie sehen,« belehrte -sie mich, »hat ihren Antheil Land und mithin auch ihre -Schaf-Heerde; und da die Kinder sehr frühzeitig spinnen, -stricken und das Garn färben lernen, so sind die Aeltern -auch im Stande, sich und ihre kleine Familie stets gut -und bequem zu bekleiden.</p> - -<p>Viele von eben diesen Meiereien, die jetzt einen so -gedeihlichen Zustand zeigen, waren noch vor dreißig Jahren -Wildnisse, indianische Jagd-Reviere; — die Betriebsamkeit -und der Fleiß der Ansiedler, und darunter mancher -armen Leute, die in ihrer Heimath keine Ruthe eignes -Land besaßen, haben diese Veränderungen bewirkt.«</p> - -<p>Die Gedanken-Folge, welche die Worte dieser guten -Frau in mir veranlaßten, war eine sehr erfreuliche. »Wir -sind,« dachte ich, »ebenfalls im Begriff, uncultivirtes Land -zu kaufen, und sollten wir nicht mit der Zeit unsre zukünftige -Meierei diesen fruchtbaren Stätten gleichen sehen. -Gewiß ist es ein gesegnetes glückliches Land, in das wir -ausgewandert sind, sprach ich bei mir, in Verfolgung der -angenehmen Idee, »ein Land, wo jede Hütte Ueberfluß -an den Bequemlichkeiten und nöthigen Erfordernissen des -Lebens hat.«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p052">[S. 52]</a></span></p> - -<p>Ich übersah vielleicht zu dieser Zeit die Mühe, die Beschwerden, -die Entbehrungen, denen diese Ansiedler, als sie zuerst -hier angelangt, ausgesetzt gewesen waren. Ich sah das -Land blos im Geiste, wie es nach einer ziemlichen Reihe von -Jahren und unter einem hohen Cultur-Zustande erscheinen -dürfte; vielleicht in den Händen ihrer Kinder oder ihrer Kindes -Kinder, nachdem die von Arbeit und Mühseligkeiten aufgeriebnen -Aeltern schon längst schlafen gegangen waren.</p> - -<p>Unter andern Gegenständen wurde meine Aufmerksamkeit -durch offne Begräbnißplätze an der Straße in -Anspruch genommen. Freundliche grüne Hügel, von Wald- -und andern hübschen Bäumen umgeben, enthielten die -Gräber einer Familie und vielleicht einiger theuren -Freunde, die ruhig unter dem Rasen neben ihr schlummerten. -Mochte auch der Boden nicht geweiht sein, so -war er doch durch die Thränen und Gebete von Aeltern -und Kindern geheiligt.</p> - -<p>Diese Familien-Gräber wurden mir noch interessanter, -als ich erfuhr, daß, wenn eine Meierei von einem -Fremden käuflich in Beschlag genommen wird, der frühere -Besitzer sich in der Regel das Recht ausbedingt, seine -Todten auf dem dazu gehörigen Begräbnißplatze beerdigen -zu dürfen.</p> - -<p>Sie müssen Nachsicht mit mir haben, Beste Mutter, -wenn ich gelegentlich bei Kleinigkeiten verweile. Für mich -ist nichts ohne Interesse, was das Gepräge der Neuheit -an sich trägt. Selbst die Lehm-Oefen, welche auf vier -Beinen in geringer Entfernung von den Häusern stehen, -blieben im Vorbeifahren nicht unbemerkt von mir. Fehlt -es an einem dergleichen Ofen vor dem Hause, so wird -das Brod in großen eisernen Bottigen oder Töpfen, sogenannten -Back-Kesseln (<em class="antiqua">Bake-kettles</em>) gebacken. Ich -habe bereits ein Brod, so dick wie ein Scheffel-Maaß, -auf dem Heerde in einem solchen Kessel backen sehen, und -auch davon gekostet; allein ich glaube, der eingesperrte -Dampf giebt dem Brode einen etwas eigenthümlichen - <span class="pagenum"><a id="Page_p053">[S. 53]</a></span> -Geschmack, den man an den in Ziegel- oder Lehm-Oefen -gebacknen Broden nicht wahrnimmt. Anfangs konnte -ich aus diesen, auf vier Füßen ruhenden, seltsam aussehenden -kleinen runden Gebäuden nicht recht klug werden, -ich hielt sie für Bienen-Stöcke, bis ich eine Bauersfrau -einige noch kochendheiße Brode aus einem solchen Ofen, -der ein unbebautes Fleckchen auf der Straßen-Seite, etwa -funfzig Schritt von der Hütte entfernt, einnahm, herauslangen -sah.</p> - -<p>Außer den Oefen hat jedes Haus einen Ziehbrunnen, -ganz in der Nähe. Diese Brunnen wichen in der -Einrichtung zum Emporheben des Wassers von denen -ab, die ich in England gesehen. Der Plan ist sehr einfach: -— eine lange Stange, auf einem Pfahle spielend, -dient als Hebel zum Heraufziehen des Eimers, und das -Wasser kann so von einem Kinde mit leichter Mühe emporgehoben -werden. Diese Methode ziehen einige sowohl -dem Seil als der Kette vor; sie kann von Jedermann ins -Werk gesetzt werden, es bedarf nur der Befestigung und -Verbindung der Stangen. Ich erwähne dies blos, als -Beispiel von dem Erfindungsgeist der Bewohner des -Landes, um nur zu zeigen, wie angemessen ihre Verfahrungsweisen -ihren Mitteln sind<a id="FNanchor_11_11"></a><a href="#Footnote_11_11" class="fnanchor">[11]</a>.</p> - -<p>Die prächtige Erscheinung der Stromschnellen des -St. Laurence, bei dessen Cascade die Straße auf der Höhe -des Ufers eine schöne Aussicht beherrscht, erfreute uns in -hohem Grade. Ein Versuch von mir, Ihnen diese großen, -in wildem Aufruhr begriffnen Wasserschichten, welche hier -vorüberbrausen, zu schildern, würde weit hinter der Wirklichkeit -zurück bleiben. <em class="gesperrt">Harrison</em> hat diese Scene in -seinem Werke über Ober-Canada, welches Ihnen, meines -Wissens, wohl bekannt ist, sehr genau geschildert. Ich - <span class="pagenum"><a id="Page_p054">[S. 54]</a></span> -bedauerte nur, daß wir nicht einige Zeit weilen konnten, -um unsre Augen an einem so großartigen und wildem Schauspiel -zu weiden, wie es der Fluß hier darbietet; aber ein -canadischer Postwagen wartet auf Niemand, und so mußten -wir uns mit einem flüchtigen Anblick dieser berühmten -Stromschnellen begnügen.</p> - -<p>Wir schifften uns zu Couteau du Lac ein und erreichten -Cornwall spät an demselben Abend. Einige von -den Postwagen gehen des Nachts ab; allein ich war zu -ermüdet, um diesen Abend eine Reise von neunundvierzig -(englischen) Meilen auf canadischen Straßen antreten -zu können. Unserm Beispiel folgte eine verwittwete -Dame mit ihrer kleinen Familie.</p> - -<p>Es hielt etwas schwer, eine Herberge für die Nacht -zu finden, die Gasthöfe waren mit Reisenden gefüllt; hier -erfuhren wir zum erstenmal etwas von jenem, dem Amerikaner, -jedoch ohne Zweifel zu allgemein, zur Last gelegten -tadelnswürdigen Benehmen. Unser Wirth schien im Betreff -der Bequemlichkeit seiner Gäste vollkommen gleichgültig, -sie mußten entweder sich selbst bedienen, oder ihre -Bedürfnisse blieben unbefriedigt. Der Mangel an weiblicher -Bedienung in diesen Anstalten ist für reisende Damen -äußerst fühlbar und verdrießlich. Die Weiber lassen -sich gar nicht sehen, oder behandeln die fremden Gäste -mit einer Kälte und Gleichgültigkeit, daß man mit ihren -Diensten eben nicht zufrieden sein kann.</p> - -<p>Nachdem es mir, nicht ohne Schwierigkeit, geglückt -war, der Wirthin des Gasthauses zu Cornwall ansichtig -zu werden, bat ich sie, mir ein Zimmer anzuweisen, -wo wir übernachten könnten, sie that dies, aber mit -einer höchst ungefälligen Miene, indem sie auf eine Thür -deutete, die sich in ein kleines Käfter öffnete, das ein -Bett ohne Vorhänge, einen Stuhl aber keinen Waschtisch -enthielt. Da sie meinen Verdruß bei Erblickung -dieses ungastlichen Schlafgemachs wahrnahm, bemerkte -sie ganz lakonisch, daß ich keine Wahl hätte, ich müßte - <span class="pagenum"><a id="Page_p055">[S. 55]</a></span> -es denn vorziehen, in einem Zimmer mit vier Betten zu -schlafen, wovon bereits drei — und zwar von Männern, -in Beschlag genommen waren. Diese Alternative lehnte -ich etwas unwillig ab und zog mich in eben nicht besondrer -Laune in das mir angewiesne Schlafgemach zurück, -wo unwillkommne Bettbewohner die ganze Nacht -hindurch uns hinderten, unsre müden Augenlider zu -schließen.</p> - -<p>Wir nahmen ein zeitiges und hastiges Frühstück -ein und traten unsre Reise wieder an. Diesmal bestand -die Reisegesellschaft aus meiner Wenigkeit, meinem Gatten, -einer Dame nebst Gemahl, drei kleinen Kindern -und einem einmonatlichen Säugling, die insgesammt, vom -Aeltesten bis zum Jüngsten, am Keuchhusten litten; -zwei großen cumberländischen Bergleuten und einem französischen -Lootsen nebst seinem Begleiter; — letztrer war ein -großes, amphibienartig aussehendes Ungeheuer, das in den -Wagen sprang und sich in eine Ecke quetschte, indem es -dem Postillion, der damit einverstanden war, und alle Gegenvorstellungen -gegen dieses unerwartete Eindrängen unbeachtet -ließ, auf eine comische Weise angreinte; der Postillion -schwang seine Peitsche mit gewaltigem Knall, womit zwei -reisende Amerikaner, die zu beiden Seiten der Gasthofthür -standen, nicht eben zufrieden zu sein schienen; -diese Herren hatten ihre Hüte weder in den Händen, noch -zur Zeit auf dem Kopfe, sondern sie trugen dieselben an -einem um einen Westenknopf geschlungenen Bande, so -daß sie ziemlich unter den Arm hingen. Diese Mode -habe ich seitdem öfter beobachtet und glaube, daß, wenn -<em class="gesperrt">Johnny Gilpin</em> die nämliche weise Vorsicht angewendet, -er sowohl seinen Hut als seine Perücke gerettet -haben würde.</p> - -<p>Die Reise dieses Tages war für mich schrecklich ermüdend, -ich wurde buchstäblich braun und blau gequetscht -und gestoßen. Die ausnehmend große Hitze machte uns -sehr viel zu schaffen, und wir hätten die Gesellschaft von - <span class="pagenum"><a id="Page_p056">[S. 56]</a></span> -zwei unsrer massiven Reisegefährten mit wahrem Vergnügen -entbehrt.</p> - -<p>Abends um fünf Uhr desselben Nachmittags erreichten -wir Prescott, wo wir im Gasthause eine gute Aufnahme -fanden; die weiblichen Dienstboten waren sämmtlich -Engländerinnen und schienen in Aufmerksamkeit gegen -uns mit einander zu wetteifern.</p> - -<p>In der Stadt Prescott sahen wir wenig, was uns -hätte interessiren oder gefallen können. Nach einem trefflichen -Frühstück, schifften wir uns an Bord des <em class="gesperrt">Great -Britain</em> (Großbritanien) ein, es war das schönste -Dampfboot, welches mir bis jetzt zu Gesicht gekommen, -und hier gesellten sich unsre neuen Freunde zu uns, was -uns große Freude machte.</p> - -<p>Zu Brockville trafen wir gerade zu rechter Zeit ein, -um ein Schiff von Stapel laufen zu sehn, — für mich -ein ganz neuer Anblick. Es war ein äußerst lebhaftes -erfreuliches Schauspiel. Die Sonne schien in vollem -Glanze auf die herbeiströmende Menge, die sich in ihrem -Sonntagsstaate nach dem Ufer drängte; die Kirchenglocken -tönten lustig darein und vermischten ihr Geläute mit -der Musik vom Deck des bunt bemalten Fahrzeugs, das -mit seinen im Winde flatternden Wimpeln und ausgespannten -Segeln und einer wohlgekleideten Gesellschaft -an Bord, vom Stapel zu laufen im Begriff war.</p> - -<p>Um die Wirkung noch zu erhöhen, wurde von einem -einstweiligen, für diese Gelegenheit auf einem kleinen Felsen-Eiland -vor der Stadt errichteten Castell eine Salve -gegeben. Der Schoner (ein zweimastiges Fahrzeug) glitt -stattlich ins Wasser und empfing so zu sagen mit Freuden -die Umarmung des Elements, welches ihm zukünftig -unterworfen sein sollte. Es war ein höchst interessanter -Moment. Der neue stattliche Schwimmer -wurde mit drei Hurrahs von der Schiffsgesellschaft des -Great Britain, einer Salve vom kleinen Castell und dem -fröhlichen Geläute der Glocken begrüßt; letztre ertönten - <span class="pagenum"><a id="Page_p057">[S. 57]</a></span> -zugleich zu Ehren einer hübschen Braut, die, auf einer Lustreise -nach den Fällen des Niagara begriffen, mit ihrem -Bräutigam an Bord kam.</p> - -<p>Brockville liegt gerade an der Mündung des Sees -der tausend Inseln und gewährt, vom Wasser aus gesehen, -einen hübschen Anblick. Die Stadt hat, wie man -mir erzählt, im Verlauf der letzten wenigen Jahre reißend -schnell an Größe und Wohlstand zugenommen und scheint -ein Platz von Wichtigkeit werden zu wollen.</p> - -<p>Die Ufer des St. Laurence werden, indem man zwischen -den tausend Inseln vorwärts steuert, felsiger und malerischer, -und die Inseln selbst bieten jede Abwechselung von -Waldung und Gestein dar. Das Dampfschiff landete -zur Einnahme von Brennholz in der Nähe eines kleinen -Dorfes auf der amerikanischen Seite des Flusses, wo wir -auch fünfundzwanzig schöne Pferde, die in Cobourg und -York zum Verkauf ausgeboten werden sollen, an Bord -nahmen.</p> - -<p>In dem amerikanischen Dorfe selbst war nichts der -Beobachtung Werthes zu sehen, ausgenommen eine Neuheit, -die mich in der That belustigte; nämlich jedes Haus -hatte sein eignes Model oder Ebenbild, ein kleines winziges -Häuschen von Holz, — nicht größer und stärker als -ein Puppenhäuschen<a id="FNanchor_12_12"></a><a href="#Footnote_12_12" class="fnanchor">[12]</a>, (<em class="antiqua">a baby-house</em>) vorn am Dache -oder Giebel-Ende befestigt. Wie ich nachmals von einem -Herrn auf dem Schiffe erfuhr, waren diese Puppenhäuschen, -wie ich sie zu nennen beliebte, für die Schwalben -zum Hineinnisten bestimmt<a id="FNanchor_13_13"></a><a href="#Footnote_13_13" class="fnanchor">[13]</a>.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p058"></a></span></p> - -<p>Es war Mitternacht, als wir vor Kingston - <span class="pagenum"><a id="Page_p059"></a></span> -vorbeisegelten und so sah ich natürlicher Weise nichts von diesem - <span class="pagenum"><a id="Page_p060"></a></span> -»Schlüssel zu den Seen«<a id="FNanchor_14_14"></a><a href="#Footnote_14_14" class="fnanchor">[14]</a>, wie ich es habe nennen -hören. Bei meinem Erwachen am nächsten Morgen glitt -das Dampfschiff stattlich durch die Fluthen des Ontario, - <span class="pagenum"><a id="Page_p061">[S. 61]</a></span> -und ich empfand eine leichte Anwandlung von Unpäßlichkeit.</p> - -<p>Wenn das Wasser des Sees in Aufruhr ist, wie -dies bisweilen bei heftigem Winde geschieht, so glaubt -man sich auf ein sturmgepeitschtes Meer versetzt.</p> - -<p>Die Ufer des Ontario sind sehr schön, Hügel und -Thäler, mit herrlichen Waldungen bekleidet oder durch -Fleckchen angebauten Bodens und hübsche Wohnhäuser -belebt, wechseln in sanften Wellen-Linien mit einander -ab. Um zehn Uhr erreichten wir Cobourg.</p> - -<p>Cobourg, wo wir uns gegenwärtig befinden, ist ein -nett gebautes und blühendes Städtchen, das manche stattliche -Vorraths-Häuser, Mühlen, eine Wechselbank und -eine Druckerei enthält, letztere giebt ein Wochenblatt heraus. -Desgleichen findet man hier eine recht hübsche -Kirche und eine ausgewählte Gesellschaft, da viele achtbare -Familien in oder unweit der Stadt ihre Wohnung -gewählt haben.</p> - -<p>Morgen verlassen wir Cobourg und werden unsern -Weg nach Peterborough nehmen, von wo aus ich wieder -zu schreiben gedenke, um sie von unserm zukünftigen -Abentheuern zu benachrichtigen, die wir wahrscheinlich an -einem der kleinen Seen des Otanabee erfahren werden.</p> - -<hr class="tb" /> - -<div class="block0"> -<div class="footnotes"><b>Fußnoten:</b> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_6_6"></a><a href="#FNanchor_6_6"><span class="label">[6]</span></a> Es sind seitdem einige treffliche Kais vollendet worden.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_7_7"></a><a href="#FNanchor_7_7"><span class="label">[7]</span></a> Dieser Graben ist seitdem überwölbt worden, es befindet -sich jetzt ein Markt darüber.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_8_8"></a><a href="#FNanchor_8_8"><span class="label">[8]</span></a> Herr <em class="gesperrt">M'Gregor</em>, in seinem Brittischen Amerika, <em class="antiqua">vol. -II. p. 504</em>, giebt uns von Montreal nachstehende Beschreibung: -— -</p> -<p>»Zwischen dem Königlichen Berge und dem Flusse, auf einer -sanft aufsteigenden Felsen-Firste, steht die Stadt. Mit Einschluß -der Vorstädte ist sie von größrer Ausdehnung als Quebek. -Beide Städte weichen in ihrer Erscheinung sehr von einander -ab; die niedrigen Ufer des St. Laurence zu Montreal entbehren -der Grauen erregenden, sich über sie thürmenden Klippen und -all jener romantischen Erhabenheit, wodurch sich Quebek auszeichnet. -</p> -<p>»Montreal hat keine Kais, und die Schiffe und Dampfböte -liegen ruhig in ziemlich tiefem Wasser hart an dem lehmigen -und im Allgemeinen kothigen Ufer der Stadt. Die -ganze Unterstadt nehmen düster aussehende Häuser, mit dunkeln -eisernen Fensterläden; und wenn sie auch im Ganzen etwas -reinlicher ist als Quebek, so ist sie doch immer sehr schmutzig; -die Straßen sind eng und schlecht gepflastert, und die Fußpfade -durch schräg geneigte Kellerthüren und andre Vorsprünge -unterbrochen. -</p> -<p>»Es ist unmöglich,« sagt Mr. <em class="gesperrt">Talbot</em> in seinen <em class="antiqua">Five -Years, Residence</em>, »an einem Sonn- oder Festtage die Straßen -von Montreal zu durchwandern, ohne daß man die düstersten -Eindrücke erhielte; die ganze Stadt erscheint wie ein großes -Gefängniß;« er spielt hier auf die eisernen Fensterladen und Außenthüren -an, von welchen man Gebrauch macht, um den Wirkungen -von Feuersbrünsten zu begegnen.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_9_9"></a><a href="#FNanchor_9_9"><span class="label">[9]</span></a> Dies ist noch nicht eins der vornehmsten Hotels, in letztern -beträgt der Preis für Kost und Logis täglich anderthalb -Dollar.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_10_10"></a><a href="#FNanchor_10_10"><span class="label">[10]</span></a> Bei den Amerikanern heißt sie <em class="antiqua">the life-everlasting</em>.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_11_11"></a><a href="#FNanchor_11_11"><span class="label">[11]</span></a> Diese Brunnen sind keineswegs die Erfindung jener Ansiedler, -man sieht dergleichen fast überall in Europa; in Deutschland -kommen sie häufig auf den Dörfern vor.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_12_12"></a><a href="#FNanchor_12_12"><span class="label">[12]</span></a> <em class="antiqua">a doll-house.</em></p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_13_13"></a><a href="#FNanchor_13_13"><span class="label">[13]</span></a> -Wir finden in <em class="gesperrt">Rennie's</em> Baukunst der Vögel, (Leipzig -Baumgärtners Buchhandlung) ähnliche Bemerkungen. So -liest man Seite 122: die Anglo-Amerikaner bedienen sich verschiedner -Mittel, um die Vögel zum Nisten in der Nähe ihrer -Wohnungen zu bestimmen, und weil sie die Scheunen- oder -Bodenschwalbe (<em class="antiqua"><em class="gesperrt">Hirundo rufa, Gmelin</em></em>), vorzüglich lieben, -so stellen sie Schachteln auf, damit sie hinein niste. Diese Species -unterscheidet sich beträchtlich von unsrer Rauchschwalbe -(<em class="antiqua"><em class="gesperrt">Hirundo rustica</em></em>); am Bauche, wo die unsrige rein weiß -ist, ist ihr Gefieder hell kastanienfarben, im Nisten hat sie mit -der unsrigen Aehnlichkeit, nur daß sie nicht in Schornsteine baut, -sondern ihr Nest an Sparren oder Querbalken von Schuppen, -Scheunen und andern Nebengebäuden befestigt.</p> - -<p>Ferner Seite 364: In Nordamerika, wo man bemüht ist, -die ländlichen Vergnügungen eines kurzen Sommers so sehr als -möglich zu vermehren, sucht man mehr als eine Species -durch alle nur mögliche Mittel zum Nisten in der Nähe -der Häuser zu bewegen. Unter den halb zahmen Vögeln sind -der Haus-Zaunkönig, der blaue Vogel und die Purpur-Schwalbe -die bekanntesten. Die zuletzt erwähnte (<em class="antiqua"><em class="gesperrt">Hirundo purpurea, -Latham</em></em>) ist gleich unsrer Fensterschwalbe ein Zugvogel, und -sie wählt ihren Sommeraufenthalt stets mitten unter den Wohnungen -des Menschen, welcher, da ihm ihre Gesellschaft großen -Vortheil und zugleich Vergnügen schafft, in der Regel ihr Freund -und Beschützer ist. Daher ist sie ziemlich gewiß, bei ihrer Ankunft -eine gastliche, zu ihrer Bequemlichkeit und zur Aufnahme -ihrer Familie gehörig eingerichtete Wohnstätte, entweder in der -vorspringenden hölzernen Kranzleiste, auf dem Dachgiebel oder -auf der Grenzsäule, oder, wenn diese fehlen sollten, auf dem -Taubenschlage mitten unter den Tauben zu finden; und wenn -sie einen besondern Winkel auf dem letzteren wählt, so darf es -keine Taube wagen, einen Fuß in ihr Gebieht zu setzen. Einige -unter den Anglo-Amerikanern haben für diese Vögel große Anstalten -einrichten lassen, welche in zahlreichen Gemächern bestehen, -die zum größten Theil jedes Frühjahr in Besitz genommen -werden; man hat die Beobachtung gemacht, daß in solchen -Schwalbenansiedlungen einzelne Vögel mehre Jahre nach einander -immer wieder von der nämlichen Schachtel Gebrauch gemacht -haben.</p> - -<p>Das eben erwähnte Verfahren, die Purpurschwalbe zu hegen -und zu beschützen, scheint nicht aus Europa zu stammen, da -die Eingebornen von Amerika seit undenklichen Zeiten eine ähnliche -Methode befolgt haben. Die Chactaw und Chickasaw Indianer -z. B. stutzen sämmtliche Gipfeläste eines jungen Bäumchens -in der Nähe ihrer Hütten ab und lassen die Zinken ein -oder zwei Fuß lang, an deren jedem sie einen hohlen Kürbis oder -eine Calabasse aufhängen, die gehörig ausgehöhlt ist, so daß -die Vögel bequem darin nisten können. In gleicher Absicht -steckt man an den Ufern des Mississippi lange Stöcke in den -Boden, an deren Spitze ebenfalls Calabassen befestigt werden, -und worin die Purpurschwalben in der Regel ihre Eier ausbrüten. -»Ueberall, wo mich meine Reisen in diesem Lande hinführten,« sagt -<em class="gesperrt">Wilson</em>, »habe ich mit Vergnügen die Gastfreundschaft beobachtet, -womit die Einwohner diesen Lieblingsvogel empfangen.« -Folgenden kleinen Zug aus der Oekonomie der Purpurschwalbe -hat Mr. <em class="gesperrt">Henry</em>, Mitglied des obersten Gerichtshofes in Pensylvanien, -erzählt. -</p> -<p>»Im Jahr 1800,« sagt derselbe, »zog ich mich von Lancaster -nach einer Meierei einige englische Meilen über Harrisburgh -zurück. Da ich wohl mit den Vortheilen bekannt war, -welche der Pachter oder Landmann von der Nachbarschaft der -Purpurschwalbe zieht, indem sie die Räubereien des weißköpfigen -Adlers, der Habichte und selbst der Krähen verhindert, so -erhielt ein für mich arbeitender Zimmermann den Auftrag, einen -großen Kasten mit mehren Fächern für diese Vögel zu -machen. Der Kasten wurde im Herbste aufgestellt. In der -Nähe des Hauses und um dasselbe standen eine Anzahl schön -gewachsener Aepfelbäume und vieles Strauchwerk, ein sehr bequemer -Aufenthalt für Vögel. Gegen die Mitte des Februar -kamen die blauen Vögel an; diese wurden in kurzer Zeit sehr -zutraulich und nahmen Besitz von dem Kasten: es waren zwei -bis drei Pärchen. Mit dem funfzehnten Mai hatten die blauen -Vögel Eier, wo nicht gar Junge. Nun aber trafen die Purpurschwalben -in Schaaren ein, begaben sich in den Kasten, und -es erfolgte ein heftiger Kampf. Die blauen Vögel, wie es -scheint, durch ihr Eigenthumsrecht ermuthigt, oder, weil es -der Beschützung ihrer Jungen galt, blieben Sieger. -</p> -<p>Die Schwalben kamen während der acht folgenden Jahre regelmäßig -in der Mitte des Mai an, untersuchten die Gemächer des -Kastens in Abwesenheit der blauen Vögel, wurden aber durch die -Rückkehr der letzteren jedesmal zur Flucht genöthigt. Die Mühe, -welche Ihnen die Durchlesung dieser Bemerkungen verursachen -dürfte, müssen sie auf Rechnung der Schwalben setzen. Ein -Kasten, mit diesen schönen Wandrern angefüllt, befindet sich -jetzt zum Haupte meines Bettes. Ihre Töne scheinen unharmonisch -wegen ihrer großen Anzahl; indeß sind sie mir angenehm. -Der betriebsame Pachter und Handwerker würde wohl thun, einen -Kasten mit diesen Vögeln in der Nähe der Schlafgemächer -seiner trägen Leute anzubringen. Gleich mit Anbruch des -Tages beginnt die Purpurschwalbe ihr Gezwitscher, welches eine -halbe Minute oder auch etwas länger dauert; worauf es wieder -still wird, bis die Dämmerung völlig vorüber ist. Nunmehr -folgt ein lebhaftes und unaufhörliches Gezwitscher, hinreichend, -selbst die schlaftrunkenste Person aus dem Schlummer zu -wecken. Vielleicht übertrifft sie nicht einmal der Haushahn in -dieser guten Eigenschaft; auch steht er in dem Vermögen, Raubvögel -abzuhalten, der Purpuerschwalbe bei weitem nach.« -</p> -<p>»Gegen die Mitte des April oder ungefähr am zwanzigsten -Tage dieses Monats,« fügt <em class="gesperrt">Wilson</em> hinzu, »trifft die Purpurschwalbe -die ersten Vorbereitungen zu ihrem Neste. Das -letzte, welches ich untersucht habe, bestand aus den welken Blättern -der Thränenweide, dünnen Strohhalmen, Heu und Federn -in beträchtlicher Menge. Es lagen vier Eier darin, die im Verhältniß -zum Vogel sehr klein, von Farbe rein weiß und ohne -die geringsten Flecke waren. Die erste Brut erscheint im Mai, -die zweite spät im Juni. Während der Periode, in welcher das -Weibchen legt, und vor dem Brüten sind beide Vögel den größten -Theil des Tages vom Neste entfernt. Während des Sitzens -wird das Weibchen häufig vom Männchen besucht, welches letztere -sich ebenfalls auf die Eier setzt, wenn das erstere zur Erholung -ausfliegt. Oft bringt das Männchen auf eine Viertelstunde -im Neste neben dem Weibchen zu, und wird während -des Brütens ganz heimisch und zahm. Es sitzt an der Außenseite, -putzt und ordnet sein Gefieder und begiebt sich gelegentlich -an die Thür des Gemachs, gleichsam, als ob es sich -nach dem Befinden der Gattin erkundigen wollte. Seine Töne -scheinen in dieser Zeit eine besondere Sanftheit anzunehmen, und -seine Glückwünsche drücken einen hohen Grad von Zärtlichkeit -aus. Eheliche Treue, selbst wenn viele Pärchen zusammen -wohnen, scheint gewissenhaft von diesen Vögeln beobachtet zu -werden. Am 25. Mai nahm ein Purpurschwalben-Pärchen -von einem Kasten in Mr. <em class="gesperrt">Bartram's</em> Garten Besitz. Einen -oder zwei Tage darauf erschien ein zweites Weibchen und verweilte -mehre Tage; allein, wegen der kalten Aufnahme, die -es fand, indem es häufig vom Männchen vertrieben wurde, verließ -es endlich diesen Ort und machte sich auf den Weg, -wahrscheinlich um einen geselligeren Gefährten aufzusuchen.«</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a name="Footnote_14_14" id="Footnote_14_14"></a><a href="#FNanchor_14_14"><span class="label">[14]</span></a> »<em class="antiqua">Key to the lakes.</em>«</p> -</div> -</div> -</div> <!-- block0 --> - - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p062">[S. 62]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="no-break" id="Funfter_Brief">Fünfter Brief.</h2> -</div> - -<blockquote> -<p class="p1 font09">Reise von Cobourg nach Amherst. — Schwierigkeiten, denen -man bei seiner ersten Ansiedelung in den Urwäldern zu begegnen -hat. — Erscheinung des Landes. — Reis-See. — Indianische -Lebensweise und Gebräuche. — Fahrt den Otanabee -hinauf. — Log-Haus (<em class="antiqua">Log-house</em>) und seine Inhaber. — -Passagier-Boot. — Fußreise nach Peterborough.</p> -</blockquote> - -<p class="p2 rright font09"> -Peterborough; Newcastle Distrikt;<br /> -den 9. Septbr. 1832.<br /> -</p> - -<p>Wir verließen Cobourg, am Nachmittag des ersten -Septembers in einem leichten, recht bequem für die Passagiere -mit Büffelfellen ausgekleideten Wagen. Unsre -Reise-Genossen waren drei Herrn und eine junge Dame, -insgesammt recht angenehme Gesellschafter, und bereit, uns -jede Auskunft über die Gegend zu geben, durch welche -unser Weg führte; der Nachmittag war einer von jenen -ruhigen und heitern, dergleichen man in der ersten Hälfte -des Septembers häufig zu erfahren pflegt. Die glühenden -Herbst-Farben zeigten sich bereits an den Waldbäumen, -sprachen aber mehr von Reife als Verfall. Die Gegend -um Cobourg her ist gut angebaut, ein großer Theil der -Waldung ist gelichtet, und an seine Stelle sind offne Felder, -angenehme Meiereien und schöne, gut gedeihende Obstpflanzungen -mit grünen, von feistem Vieh wimmelnden -Weide-Plätzen getreten.</p> - -<p>Das Gefängniß nebst dem Gerichtshof zu Amherst, -etwa anderthalbe englische Meile von Cobourg, ist ein - <span class="pagenum"><a id="Page_p063">[S. 63]</a></span> -hübsches steinernes Gebäude, und auf einer Anhöhe gelegen, -welche eine prächtige Aussicht auf den See Ontario -und die umgebende Scenerei beherrscht. In demselben -Verhältniß als man weiter landeinwärts kommt, -in der Richtung der Hamilton- oder Reis-See-Ebnen, -erhebt und senkt sich das Land zu kühnen langgedehnten -Hügeln und Thälern.</p> - -<p>Die Umrisse der Gegend erinnerten mich an den bergigen -Theil von Gloucestershire; indeß vermißt man den -Reiz, womit die Civilisirung diese schöne Landschaft in -so vorzüglichem Grade geschmückt hat, man vermißt ihre -romantischen Dörfer, blühenden Städte, weit gedehnten, -mit Rinder- und Schafheerden bedeckten Auen. Hier -strotzen die Berge von Eichen-, Buchen- und Ahorn-Wäldern, -mit hier und da eingestreuten dunkeln Fichten-Hainen, -nur selten durch eine Ansiedelung mit ihren -Log-Häusern und zickzackartigen, von Holzscheiten gezimmerten -Einfriedigungen unterbrochen und belebt: diese -Einfriedigungen sind, beiläufig gesagt, sehr beleidigend für -mein Auge. Ich sehe mich vergebens nach den reichen -Laubhecken meines Vaterlandes um. Selbst die steinernen -Einfriedigungen im Norden und Westen von England, -so kalt und dunkel sie sind, erzeugen keinen so -unangenehmen Eindruck auf den Beschauer. Die Ansiedler -machen indeß unabänderlich von demjenigen Plan -Gebrauch, wobei sie am meisten an Zeit, Arbeit und Geld -ersparen. Das wichtige, durch Nothwendigkeit bedingte -Gesetz, den kürzesten Weg zur Erreichung des beabsichtigten -Zwecks einzuschlagen, wird streng befolgt. Geschmackssachen -scheinen wenig berücksichtigt zu werden, oder müssen -wenigstens vor der Hand in den Hintergrund treten.</p> - -<p>Ich sah ein Lächeln um den Mund meiner Reisegefährten -spielen, als sie unsre Projecte zur Verschönerung -unsrer künftigen Wohnstätte vernahmen.</p> - -<p>»Wenn Sie gesonnen sind, Ihre Wohnung in den -Urwäldern aufzuschlagen,« sagte ein ältlicher Herr, der - <span class="pagenum"><a id="Page_p064">[S. 64]</a></span> -sich vor mehren Jahren im Lande angesiedelt, »so muß -Ihr Haus nothwendiger Weise ein aus Baumstämmen roh -zusammengezimmertes Haus (<em class="antiqua">log-house</em>) sein, denn eine -Sägemühle dürften Sie schwerlich in der Nähe finden -und außerdem werden Sie in den ersten zwei oder drei -Jahren so viel zu thun haben, und so vielen Hindernissen -begegnen müssen, daß Sie schwerlich Gelegenheit -haben werden, diese Verschönerungen ins Werk zu setzen.« -»Es giebt,« fügte er mit einer Mischung von Ernst -und guter Laune in seinem Gesicht hinzu, »ein Sprichwort, -das ich als Knabe oft gehört habe; es lautet: <em class="gesperrt">erst -kriechen, und dann gehen</em>«<a id="FNanchor_15_15"></a><a href="#Footnote_15_15" class="fnanchor">[15]</a>. »Es läßt sich hier -zu Lande nicht alles so leicht bewerkstelligen als zu Hause, -wovon Sie eine mehrwöchentliche Bekanntschaft mit dem -<em class="gesperrt">Busch</em>, wie wir jedes nicht gelichtete Waldland nennen, -bald überzeugen wird. Nach Verlauf von fünf Jahren -dürften Sie schon eher an dergleichen Verschönerungen und -Bequemlichkeiten denken und leichter beurtheilen können, -was Sie vor sich haben.«</p> - -<p>»Ich glaubte,« war meine Erwiederung, »daß in -diesem Lande alles sehr schnell und leicht von Statten -gehe, ich erinnere mich genau, von Häusern gehört zu -haben, die in einem Tage erbaut worden.« Der alte -Herr lachte.</p> - -<p>»Ja, ja,« sprach er, »Reisende finden es nicht schwer, -ein Haus binnen zwölf oder vierundzwanzig Stunden -aufzubauen, und allerdings lassen sich die Wände in dieser, -ja in noch weniger Zeit aufführen; allein das Haus -ist, wenn auch die Außenwände stehen, noch nicht fertig, -wie dies Ihr Gemahl auf seine Kosten erfahren wird.«</p> - -<p>»Aber sämmtliche Werke über Auswanderung, die -ich gelesen,« erwiederte ich, »geben ein so schönes und schmeichelndes -Gemälde von dem Leben eines Ansiedlers; denn, - <span class="pagenum"><a id="Page_p065">[S. 65]</a></span> -ihren Angaben gemäß, lassen sich alle Schwierigkeiten -leicht beseitigen.«</p> - -<p>»Weg mit den Büchern!« sagte mein Opponent -»der eigne Verstand muß hier entscheiden. Richten Sie -Ihren Blick auf jene endlosen Waldungen, in die das -Auge nur einige Schritte tief eindringen kann, und sagen -Sie mir, ob Sie glauben, daß sich diese gewaltigen Baumstämme -ohne Schwierigkeit wegräumen, gänzlich ausrotten, -ja, ich möchte sagen, vom Angesicht der Erde entfernen -lassen; daß das Lichten und Reinigen des Bodens durch -Feuer, die Anlage und Einfriedigung von Feldern, die -Erbauung eines Obdachs keine Mühe, Kosten und große -Arbeit verursachen werde? Sprechen Sie nur nicht von -dem, was in Büchern steht, die häufig von Stuben-Reisenden -(<em class="antiqua">tarry at home-travellers</em>) geschrieben sind. -Ich verlange Thatsachen. Die Erfahrungen eines einzigen -aufrichtigen Emigranten sind mehr werth, als alles, -was über den fraglichen Gegenstand zusammen geschrieben -worden ist. Uebrigens darf man die einem Theil des -Landes entsprechende Schilderung nicht auf alle anwenden. -Die von Boden, Klima, Lage und Fortschritten in -der Civilisirung abhängigen Umstände sind in verschiednen -Distrikten sehr verschieden; selbst die Preise der Güter -und Producte, die Mieth-Preise und Arbeits-Löhne u. s. w. -weichen, je nachdem man sich den Städten und Märkten -nähert oder davon entfernt, beträchtlich von einander ab.«</p> - -<p>Ich fühlte bald, daß mein Reisegefährte richtig -von einer Sache spreche, womit ihn eine dreizehnjährige -Erfahrung vollkommen vertraut gemacht hatte. Ich fing -an, zu fürchten, daß wir ebenfalls zu schmeichelhafte Ansichten -von dem Leben eines Ansiedlers in den Urwäldern -unterhalten. Die Zeit und unsre eigne persönliche Kenntniß -wird der sicherste Prüfstein sein, und diesem müssen -wir uns anvertrauen. Der Mensch ist stets geneigt, das -zu glauben, was er wünscht.</p> - -<p>Ungefähr mittelwegs zwischen Cobourg und dem Reis-See - <span class="pagenum"><a id="Page_p066">[S. 66]</a></span> -liegt zwischen zwei steilen Hügeln ein hübsches Thal. -Hier findet man einen guten Theil gelichteten Landes -und eine Schenke: der Ort heißt die »<em class="gesperrt">Kalte Quelle</em>« -(<em class="antiqua">Cold Springs</em>). Wer weiß, ob derselbe nicht vielleicht schon -nach einem oder zwei Jahrhunderten in einen Trink- und -Bade-Ort für die feine Welt umgestaltet sein wird. -Ein canadisches Bath oder Cheltenham<a id="FNanchor_16_16"></a><a href="#Footnote_16_16" class="fnanchor">[16]</a> dürfte mit der -Zeit hier entstehen, wo gegenwärtig die Natur in ihrer -Wildniß schwelgt.</p> - -<p>Wir fuhren jetzt die geneigten Ebnen bergan, eine -schöne strecke aufsteigenden Landes, mehre englische Meilen -weit spärlich mit Eichen und hier und da mit buschigen, -weitspreizigen Tannen nebst andern Bäumen und -Sträuchern bekleidet. Der Boden ist an einigen Orten -sandig, überdies aber, wie man mir sagte, in verschiednen -Theilen von sehr verschiedner Beschaffenheit und in großen -Strecken mit reicher Weide bedeckt, welche den Viehheerden -einen Ueberfluß an trefflichem Futter darbietet. -Eine Menge vorzüglich schöner Blumen und Sträucher -schmücken diese Ebnen, welche sich während der Frühlings- -und Sommer-Monate jedem Garten in der Welt -an die Seite stellen können. Manche von jenen Gewächsen -gehören den Ebnen ausschließlich an und kommen -selten in andern Lagen vor. Auch die Bäume, obwohl -nicht so groß und gewaltig, wie die in den Forsten, sind -malerisch; sie stehen in Gruppen oder einzeln, durch große -Zwischenräume von einander abgesondert, und geben dem -in Rede stehenden Theil des Landes ein parkartiges Ansehn. -Die vorherrschende Meinung scheint zu sein, daß -die Ebnen, zu Schweizereien und Viehzüchtereien angelegt, -den Zwecken der Ansiedler vorzüglich entsprechen würden, -indem es nicht an Land zur Erbauung von Weizen und -Korn fehlt, der Boden mit geringen Kosten veredelt werden -kann, und außerdem Ueberfluß an natürlichen Vieh-Triften herrscht.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p067">[S. 67]</a></span></p> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/p067i.jpg" alt="Reis-Boden." /> - </div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p068"></a></span></p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p069">[S. 69]</a></span></p> - -<p>Ein großer Vortheil scheint zu sein, -daß der Pflug unmittelbar eingeführt werden kann, und -die Vorbereitung des Bodens nothwendiger Weise weit -weniger Arbeit erfordert, als da, wo derselbe über und -über mit Wald bedeckt ist.</p> - -<p>Man trifft auf diesen Ebnen verschiedne Ansiedler, -welche beträchtliche Meiereien besitzen. Die Lage, sollte -ich meinen, muß gesund und angenehm sein, Ersteres wegen -der Erhabenheit und Trockenheit des Bodens; Letzteres -wegen der schönen Aussicht, die sie auf das unter ihnen -sich ausbreitende Land, besonders wo der Reis-See mit -seinen mannigfaltigen Inseln und malerischen Ufern sichtbar -ist, — darbieten. Hügel und Thäler wechseln auf -eine angenehme Weise mit einander ab, und der Boden -ist bald sanft geneigt, bald schroff, ja fast abschüssig.</p> - -<p>Ein amerikanischer Pachter, der an unserm Frühstück -am folgenden Morgen Theil nahm, erzählte mir, daß -diese Ebnen vormals ein berühmtes Jagdrevier der Indianer -gewesen, die, um das Wachsthum der Waldbäume -zu verhindern, dieselben von Jahr zu Jahr weggebrannt; -hierdurch wurden im Verlauf der Zeit die jungen Bäume -vernichtet und konnten sich mithin nicht wieder in derselben -Ausdehnung anhäufen wie früher. Es blieb nur -so viel stehen, als zur Bildung von Dickichten hinreichte; -denn in diesen wählt das Wild heerdenweise seinen Aufenthalt, -angelockt durch eine eigenthümliche hohe Grasart, -womit die in Rede stehenden Ebnen bedeckt sind, es heißt -Reh-Gras (<em class="antiqua">deer-grass</em>), und die davon fressenden Thiere -werden zu gewissen Jahreszeiten außerordentlich fett davon.</p> - -<p>Der Abend brach herein, ehe mir unser nächstes -Nachtquartier, die Schenke an den Ufern des Reis-Sees, -erreichten, so daß ich etwas von der schönen Scenerei -einbüßte, welche diese artige Wasserfläche dem Auge darbietet, -wenn man die Ebnen nach ihren Ufern zu hinabsteigt. -Die flüchtigen Blicke, die mir dann und wann -davon zu Theil wurden, hatte ich dem schwachen aber - <span class="pagenum"><a id="Page_p070">[S. 70]</a></span> -häufigen Wetterleuchten zu verdanken, welches den Horizont -gegen Norden erhellte und gerade genug enthüllte, um mich -bedauern zu machen, daß ich wegen der Dunkelheit an diesem -Abend nicht mehr davon sehen konnte. Der Reis-See -ist auf eine recht anmuthige Weise durch kleine -bewaldete Inseln unterbrochen; das nördliche Ufer steigt -vom Wasserrande sanft aufwärts. Im Angesicht von -Sully, der Schenke, von wo aus das Dampfboot abgeht, -welches den Otanabee hinaufsteuert, erblickt man verschiedne -hübsche Niederlassungen; und jenseits des Indianer-Dorfes -unterhalten die Missionaire eine Schule -zur Erziehung und Unterrichtung der Indianer-Kinder. -Manche von diesen können geläufig lesen und schreiben -und haben in ihrer sittlichen und religiösen Bildung -sichtbare Fortschritte gemacht. Sie sind gut und bequem -gekleidet und wohnen in besonders für sie erbauten Häusern. -Allein sie hängen immer noch zu sehr an ihrer -wandernden Lebensweise, um gute und betriebsame Ansiedler -abzugeben. Zu gewissen Zeiten im Jahre verlassen -sie das Dorf und lagern sich in den Wäldern längs -den Ufern jener Seen und Flüsse, wo sie auf Ueberfluß -an Wild und Fischen rechnen können<a id="FNanchor_17_17"></a><a href="#Footnote_17_17" class="fnanchor">[17]</a>.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p071">[S. 71]</a></span></p> - -<p>Die Reis-See und Schlamm-See-Indianer gehören, -wie man mir sagt, zu den Tschippewas, allein die Züge -von Schlauheit und kriegerischem Trotz, die früher dieses - <span class="pagenum"><a id="Page_p072">[S. 72]</a></span> -merkwürdige Volk charakterisirten, scheinen unter dem -milderen Einfluß des Christenthums verschwunden zu sein.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p073">[S. 73]</a></span></p> - -<p>Gewiß ist, daß die Einführung der christlichen Religion -der größte Fortschrit zu Civilisirung und Verbesserung -ist; ihr ganzes Streben ist darauf gerichtet, die -Schranken des Vorurtheils und der Unwissenheit niederzubrechen -und die Menschen zu einer allgemeinen Brüderschaft -zu verbinden. Man hat mir gesagt, daß eine -Zeitlang das Laster der Völlerei diesen neu bekehrten -Wilden unbekannt gewesen, ja daß sie sich sogar des -mäßigen Gebrauchs geistiger Getränke gewissenhaft enthalten. -Diese Enthaltsamkeit wird von einigen Familien -noch jetzt beobachtet; aber neuerdings hat sich die - <span class="pagenum"><a id="Page_p074">[S. 74]</a></span> -Trunkenheit wieder unter ihnen eingeschlichen, die allerdings -ihren Glauben in Miscredit bringt. Man darf sich in -der That kaum darüber wundern, daß der Indianer, wenn -er diejenigen seiner Umgebung, welche sich Christen nennen, -welche besser erzogen sind und den Vortheil einer civilisirten -Gesellschaft genießen, dem erwähnten Laster bis zum -Uebermaß fröhnen sieht, sich von seinem natürlichen Hange -besiegen läßt und die Pflichten des Christenthums, das -bei einigen wohl eben nicht tiefe Wurzel geschlagen haben -mag, entgegenhandelt. Ich habe mich über die, diese lasterhafte -Neigung der armen Indianer betreffenden Urtheile -von Leuten, welche die ersten an der Tafel und bei Trinkgelagen -waren, sowohl gewundert als geärgert; es schien -mir, als halte man Leute von Erziehung und Bildung -der Völlerei für weniger zurechnungsfähig als den halbcultivirten -Wilden.</p> - -<p>Man findet einige hübsche Ansiedlungen am Reis-See, -indeß sollen seine Ufer der Gesundheit nicht zuträglich -sein, und die Colonisten vorzüglich da, wo der Boden -niedrig und morastig ist, häufig an Sumpf-Fiebern und -Flüssen leiden. Einige schreiben die Ursache der eben genannten -Uebel den umfangsreichen Reisbeeten zu, welche -das Wasser stocken machen. Die Verdünstung von einer -Wasserfläche, die fortwährend auf eine Masse faulender -Pflanzen wirkt, muß allerdings die Constitution derjenigen -schwächen, welche ihrem verderblichen Einfluß unmittelbar -ausgesetzt sind.</p> - -<p>Außer zahlreichen kleinen Wasserströmen, die hier -zu Lande <em class="gesperrt">Creeks</em> heißen, ergießen sich zwei beträchtliche -Flüsse, der Otanabee und der Trent in den Reis-See. -Diese Flüsse sind durch eine Kette kleiner Seen mit einander -verbunden, welche man auf einer guten Charte von -der in Rede stehenden Provinz finden kann. Ich füge -meinem Briefe einen Abriß bei, der zu Cobourg erschienen -ist und Sie mit der Geographie dieser Abtheilung - <span class="pagenum"><a id="Page_p075">[S. 75]</a></span> -des Landes bekannt machen wird. Auf einem der kleinen -Seen gedenken wir uns anzukaufen; denn sollten diese -Gewässer schiffbar gemacht werden, wie man beabsichtigt, -so dürften die Ländereien an ihren Ufern sehr einträglich -für die Colonisten ausfallen; gegenwärtig sind sie durch -große Granit- und Kalkstein-Blöcke, Stromschnellen und -Catarakte unterbrochen, welche kein Fahrzeug außer Nachen -und Böten mit flachem Kiel, zulassen und selbst diese -sind wegen der vielen angedeuteten Hindernisse auf gewisse -Strecken beschränkt. Durch Vertiefung des Fluß-Bettes -und des Bodens der Seen, durch Bildung von -Wehren in einigen Theilen, und durch Anlegung von -Kanälen, würde dieser ganze Wasser-Bereich, bis zur -Bay von Quinte, der Schifffahrt geöffnet werden können. -Der Kostenbetrag würde natürlicher Weise bedeutend sein, -und bevor nicht die Städte dieses Theils des Distriktes -vollkommen organisirt sein werden, ist an die Ausführung -eines solchen Riesen-Plans nicht zu denken, wie wünschenswerth -sie auch sein mag.</p> - -<p>Wir verließen nach einer ungewöhnlichen Verzögerung -um neun Uhr das Wirthshaus am Reis-See. -Der Morgen war feucht und neblich, und ein kalter -Wind blies über die Wasserfläche, die sich durch den feinen -Sprühregen nicht eben vortheilhaft ausnahm; ich -hüllte mein Gesicht zum Schutz dagegen gern in den -Ueberschlagkragen meines warmen Mantels ein; denn das -kleine Dampfboot hatte außer einer unwirksamen Zelt-Decke -weder eine Kajüte noch einen andern Zufluchtsort. -Das armselige Schifflein stach leider gegen die trefflich eingerichteten -Fahrzeuge, worauf wir erst vor Kurzem den -Ontario und St. Laurence durchsegelt, gewaltig ab. Dennoch -nahm uns das Vorhandensein eines Dampfboots auf -dem Otanabee nicht wenig Wunder, und war für die -ersten Ansiedler längs den Ufern dieses Flusses ein Gegenstand -großer Freude, da sie sich noch vor wenigen Jahren - <span class="pagenum"><a id="Page_p076">[S. 76]</a></span> -zum Transport sowohl ihrer selbst als auch ihrer -Markt-Erzeugnisse mit schlechten Nachen oder Wagen -und Schlitten, auf höchst erbärmlichen Straßen, begnügen -mußten.</p> - -<p>Der Otanabee ist ein schöner, breiter, heller Strom, -welchen bei seinem Eintritt in den Reis-See eine schmale, -wegen ihrer morastigen Beschaffenheit des Anbaues unfähige -Landzunge in zwei Mündungen scheidet. Dieser -schöne Fluß, (denn als solchen betrachte ich ihn) schlängelt -sich zwischen dick bewaldeten Ufern hin, die sich, in -demselben Verhältniß, als man weiter landeinwärts kommt, -mehr und mehr erheben.</p> - -<p>Gegen Mittag zertheilte sich der Nebel, und die -Sonne kam in ihrem vollen Septemberglanze zum Vorschein. -Die Nadelholz-Wälder zu beiden Seiten des -Flusses bildeten eine so dichte Schutz-Mauer, daß wir -nicht die geringste Unannehmlichkeit von dem rauhen -Luftzuge fühlten, der mich am Morgen, als wir durch -den See schifften, ganz durchkältet hatte.</p> - -<p>Für den schnell vorübereilenden Reisenden, der sich -um die einzelnen Schönheiten der Scenerei wenig bekümmern -kann, haben die langen ununterbrochnen Wald-Linien -nothwendiger Weise etwas Einförmiges, das ihn -allmälig in eine düstere, ja fast traurige Stimmung versetzt. -Dessenungeachtet aber giebt es manchen Gegenstand, -der einen genauen Beobachter der Natur unterhält -und erfreut. Sein Auge wird von den seltsamen Lauben -angezogen, welche der canadische Epheu ein scharlachrothes -rankendes Gewächs, und die wilde Rebe bilden, indem sie -ihre dicht verschlungenen, reich gefärbten Blätter-Guirlanden -zwischen den Aesten der Waldbäume hinranken und ihre -glühenden Tinten mit den rothspitzigen Zweigen des weichen -Ahorns vermischen, dessen herbstliche Farben in Schönheit -von keinem unsrer heimathlichen Waldbäume übertroffen -werden.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p077">[S. 77]</a></span></p> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/p077i.jpg" alt="Amerikanischer Schlitten." /> - </div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p078"></a></span></p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p079">[S. 79]</a></span></p> - -<p>Die purpurnen Trauben der Rebe, in Größe keineswegs -so verächtlich, als ich mir vorgestellt, erschienen meinen -sehnsüchtigen Augen, indem sie, zwischen dem Laube -hängend, ihrer Reife entgegen eilten, äußerst lockend. Wie -ich höre, bildet ihr Saft, mit einer hinreichenden Quantität -Zucker zusammen gesoten, ein treffliches, äußerst wohlschmeckendes -Gelee. Die Samen sind zu groß, um eine -andre Zubereitung räthlich oder vortheilhaft zu machen. -Ich werde gelegentlich erfahren, welcher Veredelung sie -durch Cultur fähig sein dürften. Mann kann sich des -Schlusses nicht erwehren, daß, wo die Natur einen so -großen Ueberfluß an Früchten hervorbringt, das Klima, -unter Mitwirkung von Cultur und Boden, ihrer Vervollkommnung -höchst günstig sein müsse.</p> - -<p>Das Wasser des Otanabee ist so klar und frei von -allem Schmuz, daß man jeden Kiesel, jede Muschelschale -auf seinem Boden deutlich unterscheiden kann. Hier und -da enthüllt eine Oeffnung im Walde ein Neben-Flüßchen, -das sich seinen Weg unter den Laubwölbungen der -darüber ragenden Riesen-Bäume nach dem Hauptstrome -bahnt. Die ringsum herrschende Stille wird durch nichts -unterbrochen, als den plötzlichen Aufflug der von ihrem -Zufluchtsorte zwischen den buschigen, hier und da das -linke Ufer bekränzenden Weiden aufgeschreckten wilden Ente, -oder das gellende rauhe Geschrei des Eisvogels, indem -er pfeilschnell über die Wasserfläche schießt.</p> - -<p>Das Dampfboot landete zur Einnahme von Brennmaterial -an einer gelichteten Stelle, ungefähr auf dem -halben Wege von Peterborough, und ich benutzte freudig -die Gelegenheit, einige der prächtigen Cardinal-Blumen -zu pflücken, welche zwischen den Steinen am Uferrande -wuchsen; auch fand ich hier eine Rose, so schön und angenehm -duftend, als nur jemals eine unsre englischen -Gärten zierte. Ferner bemerkte ich zwischen dem Grase -auf dem Wiesenlande Frauenmünze, und näher am Ufer - <span class="pagenum"><a id="Page_p080">[S. 80]</a></span> -Pfeffermünze. Ein Strauch, mit Früchten, so groß wie -Kirschen, von breiartigem Fleisch und angenehm säuerlich, -fast wie Tamarindenmark, schmeckend, glich unserm -Schlehendorn. Die Dornen dieses Strauches waren -furchtbar lang, stark und fest, meiner Ansicht nach dürfte -er sich zu Einfriedigungen oder lebendigen Hecken vortrefflich -eignen; auch die Frucht könnte, eingemacht, kein zu -verachtendes Desert abgeben.</p> - -<p>Da ich sehr begierig war, das Innere eines Log-Hauses -zu sehen, so trat ich durch den offnen Thorweg -in die Schenke, wie man sie nennt, unter dem Vorwand, -einen Trunk Milch zu kaufen. Das Innere dieses rohen -Gebäudes hatte eben kein einladendes Ansehn. Die Wände -bestanden aus rohen unbehauenen Scheiten oder Baumstämmen, -und die Lücken und Ritzen zwischen diesen waren -mit Moos und unregelmäßigen Holzkeilen ausgefüllt, -um Wind und Regen abzuhalten; die unberappte Decke -zeigte das mit Moos und Farrenkraut von allerlei Farben, -— Grün, Gelb und Grau — bedeckte Sparrwerk; und -darüber konnte man die vom Rauche, der sich durch den -weiten, aus Steinen und Lehm erbauten Schornstein aufzusteigen -weigerte und in leichten Windungen unter dem -Dache hinkräuselte, um seinen Ausgang durch die vielen -Ritzen und Oeffnungen in letzterem zu suchen, schön -mahagonyroth gefärbten Schindeln wahrnehmen.</p> - -<p>Der Fußboden war von Erde, die durch Gebrauch -eine ziemliche Härte und Ebenheit erhalten hatte. Die -ganze Hütte erinnerte mich an das armselige Gebäude, -welches vier russische Matrosen, die sich auf Spitzbergen -zu überwintern genöthigt sahen, zu ihren Schutz errichteten. -Das Geräthe darin entsprach ihrer rohen Bauart; -einige wenige Stühle, roh und ungehobelt; ein Tisch -von Tannenholz, der, weil letzteres, bei Verfertigung desselben -noch frisch gewesen, an verschiednen Stellen gesprungen -war und blos durch seine mißgestalteten Beine zusammengehalten wurde;</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p081">[S. 81]</a></span></p> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/p081i.jpg" alt="Amerikanische Silber-Tanne." /> - </div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p082"></a></span></p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p083">[S. 83]</a></span> -zwei oder drei Blöcke von -grauem Granit, die neben dem Heerde standen, dienten -als Sitze für die Kinder; hierzu kamen zwei Betten, die -durch niedrige Gestelle von Cedern-Holz etwas über den -Boden erhoben waren. Auf diesen elenden Schlafstellen -lagen zwei arme Teufel ausgestreckt, an den verheerenden -Wirkungen des Sumpffiebers leidend. Ihre gelben, -eine Störung in der Gallen-Absonderung verrathenden -Gesichter stachen gegen die zusammengeflickten Pfühle, womit -sie bedeckt waren, seltsam ab. Ich fühlte das innigste -Mitleiden mit den armen Emigranten, die mir -erzählten, daß sie kaum einige Wochen im Lande gewesen, -als sie vom Fieber befallen worden wären. Sie hatten -Weiber und kleine Kinder, welche sehr elend aussahen. -Auch die Weiber hatten am Wechselfieber gelitten -und dabei nicht einmal ein eignes Haus oder einen -Schuppen zu ihrer Bequemlichkeit gehabt; die Männer -waren durch ihr Erkranken in völlige Unthätigkeit versetzt -worden; und ein großer Theil von dem wenigen Gelde, -das sie mit sich gebracht, war in der elenden Schenke, -wo sie lagen, für Kost und Logis aufgegangen. Ich kann -eben nicht sagen, daß ich mich sehr zu Gunsten der Wirthin, -einer barschen und habsüchtigen Frau eingenommen -fühlte. Außer den verschiednen Emigranten, Männern, -Weibern und Kindern, welche diesen Schuppen bewohnten, -zählte derselbe noch andre Inhaber; ein hübsches feistes -Kalb nahm einen Verschluß in einem Winkel ein; einige -Ferkel wanderten grunzend in Gesellschaft mit einem halben -Dutzend Vögeln umher. Der anziehendste Gegenstand -waren drei schneeweiße Tauben, welche friedlich die auf -der Erde liegenden Bröckchen aufpickten und das Ansehn -hatten, als wären sie zu rein und unschuldig, um Bewohner -eines solchen Platzes zu sein.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p>Sowohl wegen der Seichtigkeit des Flusses in dieser -Jahreszeit als auch wegen der Stromschnellen kann - <span class="pagenum"><a id="Page_p084">[S. 84]</a></span> -das Dampfboot nicht den ganzen Weg bis Peterborough -hinauf steuern, daher ein Kahn (<em class="antiqua">scow</em>) oder Ruderboot, -wie er bisweilen genannt wird, eine plumpe schwerfällige -Maschine mit flachem Kiel an einer bestimmten Stelle -des Flusses im Angesicht einer eigenthümlich gestalteten -Fichte, auf dem rechten Ufer, der Passagiere wartete. -Der eben erwähnte Baum heißt die »Yankie-Mütze« -(<em class="antiqua">Yankee bonnet</em>), wegen der vermeintlichen Aehnlichkeit -der obersten Aeste mit einer Art unter den Yankies -üblichen, der blauen schottischen nicht unähnlichen -Mütze.</p> - -<p>Unglücklicher Weise landete das Dampfboot etwa -vier englische Meilen unterhalb des gewöhnlichen Rendezvous-Ortes -und wir warteten bis ziemlich vier Uhr -darauf. Als es endlich erschien, fanden wir zu unserm -nicht geringen Mißvergnügen die Ruder-Knechte (acht an -Zahl und sämmtlich Irländer) unter dem Einfluß eines -tüchtigen Branntwein-Rausches, den sie sich auf der Herfahrt -angetrunken. Uebrigens waren sie über die Verzögerung -von Seiten des Dampfbootes aufgebracht, die -ihnen eine vierstündige schwere Ruderarbeit mehr auferlegt -hatte. Außer einer Anzahl Passagiere fanden wir -es mit einer beträchtlichen Ladung Hausgeräth, Koffern, -Kisten, Schachteln, Säcken mit Weizen, Salz und geräuchertem -Schweinefleisch, nebst noch hundert andern Packeten -und Artikeln, großen und kleinen, belastet, die zu -einer solchen Höhe aufgeschichtet waren, daß ich sowohl für -die Güter selbst als für die Passagiere Gefahr fürchtete.</p> - -<p>Mit dem unverstelltesten Unwillen griffen die Leute -nach vollendeter Ladung zu ihren Rudern, erklärten aber, -daß sie ans Ufer gehen, Feuer machen und ihr Mahl -zubereiten wollten, da sie noch gar keine Nahrung zu sich -genommen; dafür hatten sie indeß der Branntwein-Flasche -tüchtig zugesprochen. Dieser Maßregel widersezten sich -einige der männlichen Passagiere, und es erfolgte ein - <span class="pagenum"><a id="Page_p085">[S. 85]</a></span> -heftiger Zank, der damit endete, daß die Meuterer ihre -Ruder niederwarfen und sich ausdrücklich weigerten, ehe -sie ihren Hunger befriedigt, einen einzigen Schlag zu thun.</p> - -<p>Vielleicht hatte ich ein dem ihrigen verwandtes Gefühl; -denn ich begann selbst, äußerst hungrig zu werden, -da ich seit früh sechs Uhr gefastet; in der That war ich -so schwach, daß ich meinen Gatten bat, er möchte sich -ein Stückchen von dem groben, eben nicht appetitlichen -Brode für mich geben lassen, das die Irländer aus ihren -Schnappsäcken hervorzogen und mit gewaltigen Schnitten -rohen Pöckel-Schweinfleisches verzehrten, wobei sie, -»nicht laute aber tiefe«<a id="FNanchor_18_18"></a><a href="#Footnote_18_18" class="fnanchor">[18]</a> Flüche und bittre Spottreden -gegen diejenigen ausstießen, welche sie in Kochung ihrer -Speisen, »<em class="gesperrt">wie es Christen gezieme</em>,« verhindern -wollten.</p> - -<p>Während ich begierig mein Stückchen Brod hinteraß, -sagte ein alter Pächter, der mich eine Zeitlang mit -einem Gemisch von Neugierde und Mitleiden betrachtet, -»Arme Frau, sie scheinen ja recht hungrig, und sind, irr' -ich nicht, eben erst aus dem alten Vaterlande gekommen -und folglich an dergleichen harte Kost nicht gewöhnt. -Hier sind einige Kuchen, die meine Frau (<em class="antiqua">my woman</em>) -als ich von zu Hause aufbrach, mir in die Tasche gesteckt -hat; ich mache mir wenig daraus, aber sie sind -doch besser als dieses schlechte Brod; bedienen sie sich derselben, -und mögen sie Ihnen wohl bekommen.« Mit diesen -Worten schüttete er mir einige recht schöne hausbackene -Streukuchen in den Schooß, und gewiß konnte mir nie etwas -erwünschter kommen als diese wohlschmeckende Erfrischung.</p> - -<p>Ein mürrischer düsterer Geist schien unter unsern -Bootsleuten zu herrschen, der keineswegs abnahm, als der -Abend einbrach, und — die Stromschnellen waren nahe.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p086">[S. 86]</a></span> -Die Sonne war untergegangen, und Mond und Sterne -stiegen glänzend über die stille Wasserfläche empor, welche -das Bild dieser Himmels-Körper zurückspiegelte. Ein -so überaus reizender Anblick schien das aufgeregteste, wildeste -Gemüth zu Frieden und Ruhe stimmen zu müssen; -wenigstens dachte ich so, als ich, in meinen Mantel gehüllt, -mich in den Arm meines Gatten lehnte und mit -Entzücken und Bewunderung bald vom Wasser zum -Himmel, bald vom Himmel zum Wasser blickte. Meine -angenehme Träumerei wurde indeß bald beendigt, indem -unser Boot plötzlich das felsige Ufer berührte, und ich die -Bootsleute unter manchen Flüchen und Betheuerungen -versichern hörte, daß sie in dieser Nacht nicht weiter steuern -würden. Wir befanden uns ungefähr drei englische -Meilen unterhalb Peterborough; und wie ich, geschwächt -durch die eben erst überstandne Krankheit und die Strapazen -unsrer langen Reise, diesen Weg zurücklegen -sollte, wußte ich nicht. Die Nacht in dem offnen -Boote, dem starken vom Flusse aufsteigenden Nebeldunst -ausgesetzt, zuzubringen, wäre gewisser Tod gewesen. -Während wir überlegten, was zu thun sei, hatten die -übrigen Passagiere ihren Entschluß gefaßt, sie nahmen -ihren Weg durch den Wald, auf einem Pfade, den sie -genau kannten. Auch waren sie uns bald aus den Augen -entschwunden, bis auf einen Herrn, der einen der -Bootsleute durch Geld und gute Worte dahin zu bestimmen -suchte, daß er ihn nebst seinem Hunde an der Stelle, -wo die Stromschnellen ihren Anfang nehmen, in einem -Fischernachen über den Strom setzen sollte.</p> - -<p>Denken sie sich unsre Lage, um zehn Uhr in der -Nacht, mit keinem Schritt unsrer Marschroute bekannt, -ans Ufer gesetzt, um, so gut wir könnten, den Weg nach -einer fernen Stadt zu finden, oder die Nacht in dem finstern -Walde zuzubringen.</p> - -<p>Fast in Verzweiflung, beschworen wir den eben erwähnten -Herrn, so weit, als sein Weg reiche, unser Führer - <span class="pagenum"><a id="Page_p087">[S. 87]</a></span> -zu sein. Aber so viele Hindernisse stellten sich in Gestalt -längs den Ufern ausgestreuter, neuerdings gefällter -Baumstämme und großer Stein-Blöcke unserm Vordringen -entgegen, daß wir unsern Pfad nur mit der größten -Schwierigkeit im Gesicht behalten konnten. Endlich langten -wir mit unserm Führer an der Stelle an, wo der -Nachen seiner wartete, und mit einer Hartnäckigkeit, die -wir zu einer andern Zeit und unter andern Umständen, -nie gezeigt haben würden, verlangten wir alle, in das -elende Fahrzeug aufgenommen zu werden. Endlich willigt -der mürrische Charon unter Grollen und Brummen -ein, und wir stigen hastig in den zerbrechlichen Nachen, -der kaum geeignet schien, uns sicher nach dem entgegengesetzten -Ufer zu führen. Ich konnte mich, als ich die -Fluth von Verwünschungen und Schimpfreden vernahm, -die unaufhörlich dem Munde des Bootsmanns entströmte, -eines Gefühls von unbeschreiblicher Furcht nicht erwehren. -Ein- oder zweimal liefen wir Gefahr, durch die Tannen- -und Cedern-Aeste, welche in der Nähe der Ufer ins Wasser -gefallen waren, umgestürzt zu werden. Meine Freude, -als wir das andre Ufer erreichten, können Sie sich denken; -allein hier wartete unser eine neue Beunruhigung; -wir hatten nämlich noch eine Strecke pfadlosen Waldes -zu durchwandern, ehe wir den Nachen wieder erreichen -konnten, welcher eine kleine Stromschnelle passiren mußte -und am Anfange eines kleinen Sees, einer Erweiterung -des Otanabee, etwas unter Peterborough auf uns warten -sollte. Bis dahin hinderten umgestürzte Bäume, -meistentheils Schierlings-Tannen, Pech-Tannen oder Cedern, -deren Aeste und Zweige so dicht verflochten sind, -daß man sie kaum von einander trennen oder sich Bahn -durch ein davon gebildetes Dickicht brechen kann, bei -jedem Schritt unsern Weg.</p> - -<p>Hätten wir nicht den menschenfreundlichen Beistand -unsers Führers gehabt, so weiß ich in der That nicht, - <span class="pagenum"><a id="Page_p088">[S. 88]</a></span> -wie ich diese Schwierigkeiten hätte überwinden sollen. -Bisweilen war ich nahe daran, vor Müdigkeit und Ermattung -nieder zu sinken. Endlich vernahm ich zu meiner -unaussprechlichen Freude die mürrische Stimme unsers -irischen Ruderers, und nach vielem Zanken und -Brummen von seiner Seite, saßen wir abermals in dem -Nachen.</p> - -<p>Wie froh waren wir nicht, als wir nach einiger -Zeit neben dem hellodernden Feuer eines ungeheuern Holzstoßes, -das Haus unsers Freundes erblickten. Hier fanden -wir auch einen Führer, der uns den Weg zur Stadt -auf einer durch den Wald gehauenen Straße zu zeigen -versprach. Eine Tasse Thee zur Erfrischung unsrer Lebensgeister -von unserm freundlichen Wirth war uns sehr -willkommen, und nachdem mir eine kurze Zeit ausgeruht -und etwas Kraft gesammelt, brachen wir wieder auf, geführt -von einem zerlumpten, aber höflichen irischen Jungen, -dessen freies freundliches Wesen und gute Laune uns -ganz für ihn einnahmen. Er erzählte uns, daß er eine von -sieben Waisen sei, die Vater und Mutter durch die Cholera -verloren. »Ach es ist traurig!« sagte er, »vater- und -mutterlos in einem fremden Lande zu sein;« dabei wischte -er sich die Thränen ab, die ihm über die Wangen rollten, -indem er uns die traurigen Umstände seiner frühzeitigen -Verwaisung mittheilte, indeß fügte er fröhlich hinzu, daß -er einen gütigen Herrn gefunden, der einige seiner Brüder -und Schwestern so wie ihn selbst in seine Dienste -genommen.</p> - -<p>Gerade als wir aus dem Dunkel des Waldes hervortraten, -fanden wir unsre Fortschritte durch einen Wasserstrom -gehindert, über welchen wir, sagte er uns, um -die Stadt erreichen zu können, eine kleine Brücke (<em class="antiqua">log-bridge</em>) -zu passiren hätten. Nun bestand die Baum-Brücke -aus blos einem Stamme oder vielmehr einem umgefallenen -Baume, den man quer über den Wasserstrom - <span class="pagenum"><a id="Page_p089">[S. 89]</a></span> -geworfen, und der durch die von dem morastigen Wasser -aufsteigenden schweren Dünste sehr schlüpfrig war. -Da er blos eine Person auf einmal zuließ, so konnte -ich keinen Beistand von meinen Begleitern erhalten; -und obgleich unser kleiner Führer, mit einer natürlichen, -aus seinem wohlwollenden Charakter entspringenden Artigkeit -die Laterne dicht an den Baumstamm hielt, um alles -Licht darauf fallen zu lassen, so hatte ich doch das -Mißgeschick, in Folge eines Schwindels, der mich gerade -bei den letzten noch übrigen Schritten anwandelte, bis -an die Knie ins Wasser zu fallen, und so war ich zugleich -müde und naß. Zur Vermehrung unsres Unglücks -sahen wir die Lichter im Dorfe, eins nach dem -andern verschwinden, bis nur noch hier und da ein einsames -Flämmchen aus den obersten Stuben von einem -oder zwei Häusern flimmerte, die uns als Leuchtthürme -dienten. Wir hatten uns noch nach einer Herberge umzuthun, -und es war ziemlich Mitternacht, als wir die -Thür des besten Wirthshauses erreichten, hier endlich -dachte ich, werden unsre Leiden für diese Nacht ein Ende -haben; aber wie groß war unser Verdruß, als man uns -sagte, daß kein Bett im Hause mehr übrig sei, daß Emigranten, -die auf ihrem Wege nach einer der neuen Ansiedlungen -begriffen waren, sie sämmtlich in Beschlag genommen.</p> - -<p>Ich vermochte nicht weiter zu gehen, und wir baten -um einen Platz am Küchen-Feuer, um da, wenn auch -nicht zu schlafen, doch ein wenig auszuruhen, und wo -ich meine nassen Kleider trocknen könnte. Die Wirthin, -als sie meinen Zustand sah, fühlte Mitleiden mit mir, -führte mich an ein helloderndes Feuer, das ihre Mädchen -schnell angefacht; eine brachte mir ein warmes Fußbad; -eine andre versah uns mit warmem Getränk, das, so -fremd und ungewöhnlich es meinem Lippen war, mir -gute Dienste that; kurz es wurde uns alle mögliche -Pflege und Aufmerksamkeit zu Theil, die wir von unsern - <span class="pagenum"><a id="Page_p090">[S. 90]</a></span> -Wirthsleuten nur immer erwarten konnten; ja sie traten -uns sogar ihre eignen Betten ab, und begnügten sich -mit einem Strohlager vor dem Küchenfeuer.</p> - -<p>Ich kann jetzt über die Unfälle dieses Tages lächeln, -aber während wir dieselben erduldeten, erschienen sie -mir, wie Sie sich wohl vorstellen mögen, als keine Kleinigkeit.</p> - -<p class="rright"> -Leben Sie wohl! meine theuerste Mutter.<br /> -</p> - -<hr class="tb" /> - - -<div class="block0"> -<div class="footnotes"><b>Fußnoten:</b> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_15_15"></a><a href="#FNanchor_15_15"><span class="label">[15]</span></a> Vom Kinde entlehnt, welches, ehe es die Kraft zu -gehen hat, auf allen Vieren kriecht.</p></div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_16_16"></a><a href="#FNanchor_16_16"><span class="label">[16]</span></a> Die besuchtesten Bade-Orte in England.</p></div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_17_17"></a><a href="#FNanchor_17_17"><span class="label">[17]</span></a> <em class="gesperrt">Humboldt</em> bemerkt über die bekehrten Indianerstämme -Folgendes: In den Wäldern von Südamerika giebt es Stämme, -welche in Dörfern wohnen, Pisang, Cassava und Baumwolle erbauen, -und kaum mehr Barbaren sind, als die in den Missionsanstalten -lebenden Individuen, welche man abgerichtet hat, das -Zeichen des Kreuzes zu machen. Es ist ein Irrthum, wenn -man alle freie Eingeborne als herumwandernde Jäger betrachtet; -denn schon lange vor der Ankunft der Europäer herrschte auf -dem Continent der Ackerbau und herrscht noch jetzt zwischen -dem Orinoco und Amazonenflusse, in Distrikten, wohin dieselben -nie gekommen sind.</p> -<p>Das System der Missionaire hat einen Hang nach Grundeigenthum, -nach festen Wohnplätzen, und einen Sinn für ein ruhiges -Leben erzeugt; allein der getaufte Indianer ist oft eben so -wenig ein Christ, als sein heidnischer Bruder ein Verehrer von -Götzen, beide zeigen eine auffallende Gleichgültigkeit gegen religiöse -Meinungen und eine Neigung zur Verehrung der Natur.</p> -<p>Man hat keinen Grund, zu glauben, daß sich die Anzahl -der Indianer in den spanischen Colonien vermindert habe. Noch -immer existiren über sechs Millionen der kupferfarbenen Menschenrace -in beiden Theilen von Amerika; und obgleich in jenen -Colonien mehre Sprachen verloren gegangen oder vermischt -worden sind, so haben sich die Eingebornen doch fortwährend -vermehrt. In der gemäßigten Zone wird die Berührung der -Europäer mit den Eingebornen der Bevölkerung der letztern -verderblich; in Süd-Spanien hingegen ist das Resultat verschieden, -und hier fürchtet man die Annäherung der Weißen nicht. -Im ersten Fall wird für die Indianer eine große Strecke Landes -erforderlich, weil sie von der Jagd leben; im zweiten hingegen -reicht ein kleines Stück Grund und Boden hin, um einer -Familie ihren Unterhalt zu gewähren.</p> -<p>In diesen Provinzen machen die Europäer nur langsame -Fortschritte, und die religiösen Orden haben zwischen den von -ihnen bewohnten Gegenden und denjenigen, welche die freien -oder unabhängigen Indianer bewohnen, Niederlassungen begründet.</p> -<p>Die Missionen haben sich ohne Zweifel Eingriffe in die -Freiheit der Eingebornen erlaubt, allein diese Eingriffe sind im -Allgemeinen dem Wachsthum der Bevölkerung günstig gewesen. -In demselben Maßstabe, als die Prediger in das Innere eindrangen, -nahmen die Pflanzer von dem Gebiete Besitz; Weiße -sowohl, als solche Individuen, welche aus gemischten Ehen stammen, -lassen sich unter den Indianern nieder; die Missionsanstalten -verwandeln sich in spanische Dörfer, und mit der Zeit -verlieren die alten Bewohner ihre ursprünglichen Sitten und -Sprache. Auf diese Weise schreitet die Civilisation von den -Küsten nach dem Mittelpunkt des festen Landes zu.</p> -<p>Neu-Andalusien und Barcellona enthalten mehr als vierzehn -Stämme Indianer. Die der ersten Provinz sind die -Chaymas, die Guayquerier, die Pariagotoer, die Quaquas, die -Aruacas, die Cariben, die Guaraounoer; die der andern, die -Cumanagatoer, die Palenkas, die Cariben, die Piritoer, die -Tomoozas, die Topocuarer, die Chacopater und die Guarivas. -Die oben erwähnten Guaraounoer, welche an der Mündung -des Orinoco in Hütten auf Bäumen wohnen, ist nicht bekannt.</p> -<p>In den Vorstädten von Cumana und auf der Halbinsel Araya -leben zweitausend Guayquerier. Unter den übrigen genannten -Stämmen sind die Chaymas von den Bergen von Caripe, die -Cariben von Neu-Barcelona, und die Cumanagatoer in den -Missionsanstalten von Piritoo die zahlreichsten.</p> -<p>Die Sprache der Guaraounoer, so wie die der Cariben, -Cumanagatoer und Chaymas werden am allgemeinsten gesprochen -und scheinen einer und derselben Wurzel anzugehören.</p> -<p>Obgleich die zu den Missionen gehörigen Indianer sämmtlich -Ackerbau treiben, die nehmlichen Pflanzen cultiviren, ihre -Hütten auf dieselbe Weise erbauen, und die nehmliche Lebensweise -führen, so bleiben doch die Nüancen, wodurch sich die -verschiedenen Stämme von einander unterscheiden, unverändert. -Es giebt nur sehr wenige Dörfer, worin die Familien nicht -verschiedenen Stämmen angehörten und nicht verschiedene Sprachen -sprächen.</p> -<p>Die Missionäre haben in der That verschiedene Gebräuche -und Ceremonien verboten und manchen Aberglauben verbannt, -allein sie sind nicht im Stande gewesen, den wesentlichen Charakter, -welchen alle amerikanische Racen von der Hudsons Bay -an bis zur Magellanschen Straße mit einander gemein haben, -zu verändern.</p> -<p>Der unterrichtete Indianer, welcher sicherer auf seinen Unterhalt -zählen kann, als der ungezähmte Eingeborne, und weniger -der zügellosen Wuth feindlicher Nachbarn oder dem Ungestüm -der Elemente ausgesetzt ist, führt ein einförmigeres Leben, -besitzt die Charaktermilde, welche aus der Liebe zur Ruhe -entspringt, und nimmt eine ruhige und geheimnißvolle Miene an; -allein sein Ideenkreis hat keine große Erweiterung erfahren, -und der Ausdruck von Melancholie, den seine Gesichtszüge darbieten, -ist einzig und allein die Folge der Trägheit und Unempfindlichkeit.</p> -<p>Die Chaymas, wovon mehr als funfzehntausend die spanischen -Dörfer bewohnen und die gegen Westen an die Cumanagatoer, -gegen Osten an die Guaraounoer, und gegen Süden an -die Cariben stoßen, haben einen Theil der hohen Berge Cocollar -und Guacharo, so wie auch die Ufer des Guarapiche, Rio Colorado, -Areo und den Cano von Caripe inne.</p> -<p>Der erste Versuch, sie der Cultur zu unterwerfen, wurde -in der Mitte des siebenzehnten Jahrhunderts vom Pater Francisco -aus Pamplona, einem sehr eifrigen und unerschrockenen -Mann, gemacht. Die nach und nach unter diesem Volke errichteten -Missionsanstalten erlitten in den Jahren 1681, 1697 -und 1720 durch die Einfälle der Cariben bedeutende Verluste; -von 1730 an wurde die Bevölkerung durch die Verheerungen -der Bocken vermindert.</p> -<p>Sie haben von Natur sehr wenig Haar am Kinn, und das -wenige, welches erscheint, wird sorgfältig ausgerissen. Dieser -geringe Bartwuchs ist der amerikanischen Rasse gemein, wiewohl -es Stämme giebt, z. B. die Chipewas und Patagonier, bei -denen der Bart eine bedeutende Größe erreicht.</p> -<p><span style="margin-left: 0.5em;">Die Chaymas führen ein sehr regelmäßiges und einförmiges</span><br /> -Leben. Sie gehen um sieben Uhr zu Bett und stehen halb -fünf Uhr auf. Das Innere ihrer Hütten halten sie äußerst rein, -und ihre Hängmatten, Geräthschaften und Waffen befinden sich -in der größten Ordnung. Sie baden sich jeden Tag, und da sie -im Allgemeinen nackt gehen, so sind sie von dem Schmuze frei, -welcher hauptsächlich durch die Kleidung verursacht wird. Außer -ihrer Hütte im Dorfe haben sie gewöhnlich an einem einsamen -Orte in den Wäldern eine kleinere, die mit Palmen- -oder Pisangblättern bedeckt ist, und in welche sie sich, so oft -als es nur immer geht, zurückziehen, und so stark ist in ihnen -der Wunsch, die Aehnlichkeiten eines wilden Lebens zu genießen, -daß die Kinder oft Tage lang in den Wäldern umherziehen, -und wirklich sind die Städte oder Dörfer bisweilen ganz verlassen. -Wie bei allen barbarischen Nationen ist das weibliche -Geschlecht Entbehrungen und Beschwerden ausgesetzt, der schwerste -Theil der Arbeit fällt ihm zu.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_18_18"></a><a href="#FNanchor_18_18"><span class="label">[18]</span></a> »<em class="antiqua">Not loud but deep</em>,« eine sprüchwörtliche Redens-Art.</p> -</div> -</div> -</div> - - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p091">[S. 91]</a></span></p> - - -<div class="chapter"> - -<h2 class="no-break" id="Sechster_Brief">Sechster Brief.</h2> -</div> - -<blockquote> -<p class="p1 font09">Peterborough. — Sitten und Sprache der Amerikaner. — -Schottischer Maschinenbauer. — Schilderung Peterboroughs und -seiner Umgebungen. — Canadische Blumen. — Shanties. — -Beschwerden und Strapazen, welche die ersten Ansiedler zu ertragen -haben. — Verfahren bei Anlegung einer Meierei. —</p> -</blockquote> - - -<p class="p1 rright font09"> -Peterborough, den 11. Sptbr. 1832.<br /> -</p> - -<p>Es ist jetzt fest bestimmt, daß wir hier bleiben, bis -die Verkäufe von Seiten der Regierung stattgefunden<a id="FNanchor_19_19"></a><a href="#Footnote_19_19" class="fnanchor">[19]</a>.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p092">[S. 92]</a></span> -Wir werden alsdann bei S— und seiner Familie logiren -und gedenken, während der Zeit einige Acker gelichtetes -Landes zu erlangen und ein Log-Haus auf eignem -Grund und Boden zu errichten. Da wir uns einmal -vorgenommen, in den Busch zu gehen, wo wir, als dem -Militair-Stande angehörig, unser Grundeigenthum zu erwarten -hatten, das uns glücklicher Weise in der Nachbarschaft -von S— zu Theil geworden ist, so sind wir -jetzt fest entschlossen, allen mit einer solchen Lage verbundnen -Entbehrungen und Mühseligkeiten fröhlichen Muthes -zu begegnen; denn wir haben keine andere Wahl als entweder -jenen großen Vortheil aufzugeben oder unsre Ansiedler-Pflichten -zu thun. Wir werden, denk' ich, nicht -schlechter dabei fahren, als andre, die vor uns in die noch -unangebauten Distrikte gezogen sind, manche derselben, -sowohl See- als Land-Offiziere, nebst ihren Familien, -haben mit beträchtlichen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt, -fangen aber gegenwärtig an, die Früchte ihrer Anstrengungen -zu ernten.</p> - -<p>Außer dem Grund und Boden, wozu er als Offizier -in brittischen Diensten, berechtigt ist, handelt mein -Gatte um ein Stück Land in der Nähe kleiner Seen. -Dies wird uns sowohl einen Wasser-Vordergrund verschaffen -als auch der Familie S— näher bringen, mithin -werden wir nicht so ganz allein und verlassen sein, - <span class="pagenum"><a id="Page_p093">[S. 93]</a></span> -als wenn wir sogleich nach dem uns von der Regierung -bewilligten Landeigenthum abgegangen wären.</p> - -<p>Wir haben von mehren zu Peterborough angesiedelten -Familien Aufmerksamkeit und Gastfreundschaft erfahren. -Man findet hier eine sehr gute Gesellschaft die -hauptsächlich aus Offizieren und ihren Familien und -außerdem aus Professionisten und Vorrathshändlern besteht. -Manche der letzten sind Leute von achtbarer Familie -und guter Erziehung; wiewohl ein hiesiges Vorraths-Magazin -in der That um nichts besser ist als ein -<em class="gesperrt">Kramladen</em> (<em class="antiqua">general chop</em>) in einer englischen Landstadt, -so behaupten doch die Vorrathshändler in Canada -einen weit höheren Rang als die Krämer in den kleinen -Städten und Dörfern von England. Die Vorrathshändler -sind die Kaufleute und Banquiers der Orte, wo sie -sich niedergelassen. Fast alle Geldsachen werden von ihnen -abgemacht, und sie sind oft im Besitz von Grundeigenthum -und Leute von Wichtigkeit, verwalten obrigkeitliche -Aemter und werden nicht selten zu Commissairen, -ja sogar zu Mitgliedern des Provincial-Parlamentes erwählt.</p> - -<p>Da sie in der Gesellschaft einen Rang behaupten, -der sie der Aristokratie des Landes gleich stellt, so dürfen -Sie sich nicht wundern, wenn ich Ihnen sage, daß es nichts -Ungewöhnliches ist, den Sohn eines See- oder Land-Offiziers -oder Geistlichen hinter dem Zahltisch stehen, oder -mit seines Vaters Holzhauern im Walde die Axt führen -zu sehen; eine Beschäftigung, wodurch sie keineswegs ihren -Rang in der Gesellschaft verlieren. Nur gute Erziehung -und feine Sitten unterscheiden hier den Gentleman von -den übrigen Klassen, da der Arbeiter, wofern er fleißig -und betriebsam ist, was weltlichen Besitz anlangt, gar -bald seines Gleichen werden kann. Der unwissende, -sei er auch noch so reich, wird nie dem Mann von Erziehung -die Wage halten. Es ist die moralische und -geistige Ausbildung des Menschen, welche einen Unterschied - <span class="pagenum"><a id="Page_p094">[S. 94]</a></span> -der Klassen in diesem Lande bildet — »Kenntniß -ist Macht.«</p> - -<p>Wir hatten so viel von den gehässigen Sitten der Yankies -in diesem Lande gehört, daß ich mich durch die wenigen -Beispiele von eingebornen Amerikanern, die mir zu -Gesicht kamen, viel mehr angenehm überrascht fand. Sie -waren größtentheils höfliche, anständige Leute. Die einzigen -Eigenheiten, die ich an ihnen bemerken konnte, waren -ein Nasen-Ton beim Sprechen und einige wenige seltsame -Phrasen; allein diese sind blos unter den niedrigeren -Klassen gebräuchlich, die etwas mehr <em class="gesperrt">rathen</em> und <em class="gesperrt">calculiren</em><a id="FNanchor_20_20"></a><a href="#Footnote_20_20" class="fnanchor">[20]</a> -als wir. Einer ihrer merkwürdigsten Ausdrücke -ist das Zeitwort »<em class="antiqua">Fix</em>,« (festsetzen, befestigen, bestimmen). -Alles, was zu thun oder zu verrichten ist, -muß <em class="gesperrt">fixirt</em> (<em class="antiqua">fixed</em>) werden. »<em class="antiqua">Fix the room</em>,« bedeutet: -das Zimmer in Ordnung bringen. »<em class="antiqua">Fix the table</em>,« -(decke den Tisch), »<em class="antiqua">Fix the fire</em>,« (schüre das Feuer -an), sagt die Hausfrau zu ihren Mägden, und alles geschieht -dem Befehle gemäß.</p> - -<p>Viel Spaß machte es mir, als ich eines Tages eine -Frau zu ihrem Mann sagen hörte, daß der Schornstein -fixirt werden müsse (<em class="antiqua">wanted fixing</em>). Ich hielt ihn für -fest und sicher genug und war nicht wenig überrascht, -als der Hausherr einen Strick und einiges Cedern-Reisig -herbeiholte, und damit den in der Esse angehäuften Ruß -entfernte, welcher das Feuer rauchen machte. Der Schornstein -war bald <em class="gesperrt">fixirt</em> (gereinigt), und das Rauchen hatte -ein Ende. Diese seltsame Art, sich auszudrücken, herrscht -nicht allein unter den niedrigen Klassen, sondern hat, -weil man dergleichen so oft hört, allgemeine Aufnahme -gefunden, und wird sogar von den in letztrer Zeit hier -angesiedelten Emigranten aus unserm Vaterlande gebraucht.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p095">[S. 95]</a></span> -Mit Ausnahme einiger befremdenden Ausdrücke, und -eines Versuchs, feine Redens-Arten in ihre gewöhnliche -Conversation einzuführen, behaupten die Yankies, was -grammatische Richtigkeit anlangt, einen entschiednen Vorrang -vor unsern englischen Bauern. Sie sprechen ein besseres -Englisch, als man von Leuten desselben Standes in -irgend einem Theile von England, Irland oder Schottland -hört; obwohl man, meines Bedünkens, dies zu -Hause nicht gern zugeben möchte.</p> - -<p>Wenn mich Jemand fragen sollte, welche Züge mir -an den Amerikanern, auf die ich bis jetzt gestoßen, am -meisten auffallen, so dürfte ich antworten: »Kälte, die sich -der Apathie nähert.« Ich will damit keineswegs behaupten, -daß es ihnen an Gefühl und wahrer Gemüthlichkeit -fehle; allein sie lassen ihre Bewegung nicht sehen. Sie -sind nicht so verschwenderisch mit ihren Freundschaftsbezeugungen -und Begrüßungen, wie wir, obwohl vielleicht -eben so aufrichtig. Niemand bezweifelt ihre Gastfreundschaft; -allein man verlangt doch bei alle dem nach einem -herzlichen Druck der Hand oder einem freundlichen Wort, -wodurch man sich willkommen fühlt.</p> - -<p>Neue Ankömmlinge in diesem Lande sind sehr geneigt, -die alten brittischen Ansiedler mit den eingebornen -Amerikanern zu verwechseln, und, wenn sie auf rohe ungeschliffne -Leute stoßen, die sich in ihrer Rede gewisser Yankie-Worte -bedienen, und mit ihrer, den aristokratischen -Begriffen der vornehmen Engländer zuwiederlaufenden Unabhängigkeit -prunken, sogleich annehmen, daß sie es mit -wirklichen Yankies zu thun haben, während dieselben doch -in der That blose Nachahmer sind; und Sie wissen wohl, -Beste Mutter, daß eine schlechte Nachahmung stets schlechter -ist, als das Original.</p> - -<p>Sie würden sich nicht wenig wundern, wenn Sie -sähen, wie bald die neuen Ankömmlinge in diese widrigen -Maniren und Affectation von Gleichheit verfallen; -was vorzüglich von den Irländern und Schotten niedriger - <span class="pagenum"><a id="Page_p096">[S. 96]</a></span> -Abkunft gilt; die Engländer machen schon eher eine -Ausnahme. Das Benehmen eines jungen Schotten, des -Maschinenmeisters auf dem Dampfboote, als ihn mein -Gemahl über die Handhabung der Maschine befragte, -machte uns gewissermaßen Unterhaltung. Seine Maniren -waren grob, ja sogar beleidigend. Er vermied sorgfältig -jede Hinneigung zu Höflichkeit oder äußerem Anstand; -ja er ging so weit, daß er sich auf die Bank dicht neben -mich setzte und bemerkte, er halte unter den vielen -Vortheilen, welche dieses Land Ansiedlern, wie er sei, darbiete, -es nicht für den geringsten, daß er nicht verbunden -sei, seinen Hut abzunehmen, wenn er mit Leuten (<em class="antiqua">people</em>) -(Personen unsers Standes meinend) spreche, und daß er -sie nicht anders als bei ihren Namen anzureden brauche; -dazu könne er seinen Sitz neben jedem Gentleman und -jeder Dame nehmen und sich ihnen völlig gleich achten.</p> - -<p>»Sehr wahr,« erwiederte ich, kaum vermögend, -mein Lachen über diesen Ausfall zu unterdrücken; »allein -ich glaube Sie überschätzen den Vortheil solcher Privilegien -um ein Bedeutendes; denn Sie können die Dame oder -den Mann von Stande nicht zwingen, dieselbe Meinung von -Ihrer Persönlichkeit zu hegen oder, wofern sie sich nicht dadurch -geschmeichelt fühlen, neben Ihnen sitzen zu bleiben.« -Mit diesen Worten stand ich auf und verließ den unabhängigen -Gentleman, offenbar ein wenig verwirrt über -dieses Manövre, indeß gewann er seinen Selbstbesitz bald -wieder, schwang die Axt, welche er in der Hand hatte, und -sagte: »Es ist, denke ich, kein Verbrechen, von armen -Aeltern geboren zu sein.«</p> - -<p>»Nein! wahrlich nicht,« antwortete mein Gatte, -»kein Mensch kann sich seine Geburt selbst wählen, er -hat es nicht in seiner Gewalt, arm oder reich geboren -zu werden; und eben so wenig kann es einem Gentleman -zur Last gelegt werden, daß er von Aeltern geboren worden, -die einen höhern Rang in der Gesellschaft einnehmen, -als sein Nachbar. Ich hoffe Sie geben dies zu.«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p097">[S. 97]</a></span></p> - -<p>Der Schotte sah sich, wiewohl ungern, zur Bejahung -dieses Ausspruchs genöthigt; schloß aber nachmals -damit: er sei sehr froh, daß er vor Gentlemen, wie sie -sich zu nennen beliebten, den Hut nicht abzunehmen, noch -in seiner Rede sich demuthsvoll zu zeigen brauche.</p> - -<p>»Niemand, mein Freund, dürfte Sie gezwungen -haben, in ihrem Vaterlande höflicher zu sein, als in Canada. -Gewiß hätten Sie, wofern es Ihnen so beliebte, -Ihren Hut ebenfalls aufbehalten können. Kein Gentleman, -glauben Sie mir, würde Ihnen denselben vom Kopfe -geschlagen haben.</p> - -<p>»Was den gerühmten Vortheil in Betreff roher -Sitten in Canada anlangt, so würde ich etwas davon -halten, wenn er Ihnen nur im geringsten nützte, oder -einen Dollar mehr in die Tasche brächte; allein ich -habe Grund, zu zweifeln, daß er diese wünschenswerthe -Wirkung hat.«</p> - -<p>»Es ist aber doch tröstlich, sollte ich meinen, sich -einem Gentleman gleich zu achten.«</p> - -<p>»Besonders wenn Sie den Gentleman zu denselben -Gedanken bestimmen können.« Dies war ein Punkt, -der unsern Gleichheits-Candidaten etwas in Verlegenheit -zu setzen schien; denn er begann mit verdoppelter Energie -zu pfeifen und die Füße zu schleudern.</p> - -<p>»Jetzt,« sagte sein Peiniger, »nachdem Sie mir -Ihre Begriffe von canadischer Unabhängigkeit erklärt, haben -Sie die Gefälligkeit, mich mit dem Mechanismus -Ihrer Maschine vertraut zu machen, die Sie so genau -zu kennen scheinen.«</p> - -<p>Der Mann sah meinen Gatten eine Minute lang -halb trotzig, halb durch das seiner Geschicklichkeit gezollte -Compliment geschmeichelt, an, ging darauf zur Maschine -setzte alles mit großer Geläufigkeit auseinander und behandelte -uns seit dieser Zeit mit vollkommner Achtung. -Die Erwiederung meines Gatten auf seine in einem -höchst unhöflichen Tone gethane Frage: »was macht denn - <span class="pagenum"><a id="Page_p098">[S. 98]</a></span> -eigentlich einen Gentleman, ich bitte Sie, beantworten -Sie mir das?« »Feine Sitten und gute Erziehung. -— Ein reicher oder hochgeborner Mann, der sich roh und -ungesittet benimmt und unwissend ist, hat eben so wenig -Ansprüche auf den Titel: Gentleman, als Sie selbst,« -hatte auf ihn einen starken Eindruck gemacht.</p> - -<p>Wir standen seitdem auf einem ganz andern Fuße -miteinander; der Maschinen-Meister hatte so viel gesunden -Verstand, daß er einsah, rohe Vertraulichkeit mache -den Gentleman noch nicht aus.</p> - -<p>Allein es wird Zeit, daß ich Ihnen einige Nachrichten -über Peterborough mittheile, welches, hinsichtlich -der Lage, jedem andern Ort, den ich bis jetzt in der obern -Provinz gesehen habe, überlegen ist. Es nimmt ziemlich -den Mittelpunkt zwischen den Stadt-Bezirken Monaghan, -Smith, Cavan, Otanabee und Douro ein, und -dürfte nicht unpassend als die Hauptstadt des Newcastle-Distrikts -gelten.</p> - -<p>Es liegt auf einer hübschen erhabnen Ebne, gerade -über einem kleinen See, wo der Fluß durch zwei niedrige -bewaldete Eilande getheilt ist. Der ursprüngliche oder -Gouvernements-Theil der Stadt ist in Halbacker-Parcellen<a id="FNanchor_21_21"></a><a href="#Footnote_21_21" class="fnanchor">[21]</a> -angebaut; die Straßen, welche sich jetzt schnell -mit Gebäuden füllen, bilden rechte Winkel mit dem Flusse -und erstrecken sich gegen die Ebnen nach Nordosten zu. -Diese Ebnen bilden einen schönen natürlichen Park, in -welchem Thäler und Hügel anmuthig mit einander abwechseln; -überall stößt das Auge auf liebliche, grüne, mit -den mannigfaltigsten und schönsten Blumen geschmückte -Auen, gleichsam von der Hand der Natur mit Gruppen von -stattlichen Fichten, Eichen, Balsam-Pappeln, italienischen -Pappeln und Silber-Birken bepflanzt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p099">[S. 99]</a></span></p> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/p099i.jpg" alt="Canadische Fichte." /> - </div> - - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p100"></a></span></p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p101">[S. 101]</a></span> -Die Aussicht von diesen Ebnen aus ist entzückend; -wohin man nursein Auge wendet, erblickt man mannigfaltige Hügel und -Thäler, Wald und Wasser, während sich die Stadt über -einen beträchtlichen Flächenraum ausbreitet.</p> - -<p>Die Ebnen verlaufen mit einer starken Neigung -nach dem Flusse zu, der mit großem Ungestüm zwischen -seinen Ufern hinbraust. Denken Sie sich ein langes, enges, -den östlichen und westlichen Theil der Stadt in zwei -Hälften scheidendes Thal.</p> - -<p>Das Otanabee-Ufer erhebt sich zu einer größeren -Höhe als die Monaghan-Seite, und beherrscht eine weite -Aussicht über das zwischenliegende Thal; die gegenüber -befindliche Stadt und die bekränzten Waldungen und -Hügel im Hintergrunde. Dieser Theil heißt <em class="gesperrt">Peterborough-East</em> -und ist das Besitzthum drei reicher Capitalisten, -von welchen man die Stadt-Parcellen kauft.</p> - -<p>Peterborough, auf die angegebne Weise vertheilt, -nimmt einen beträchtlichen, zur Bildung einer großen -Hauptstadt mehr als hinreichenden Flächenraum ein. -Seine Einwohner-Zahl wird gegenwärtig auf siebenhundert -Köpfe und darüber geschätzt, und wenn sie in den -nächsten Jahren so schnell zu wachsen fortfährt, wie -dies der Fall bisher gewesen ist, so dürfte Peterborough -bald eine sehr volkreiche Stadt sein<a id="FNanchor_22_22"></a><a href="#Footnote_22_22" class="fnanchor">[22]</a>.</p> - -<p>Der Ort ist im Besitz großer Wasser-Kraft, sowohl -durch den Fluß als den schönen breiten Bach, -der seinen Weg durch die Stadt windet und sich in den -kleinen, weiter unten liegenden See ergießt. Man findet -daselbst verschiedne Säge- und Mahl-Mühlen, eine Branntweinbrennerei, -eine Walk-Mühle, zwei größere Gasthöfe -und verschiedne kleine Wirthshäuser, eine Anzahl gute -Vorrathshäuser, ein Gouvernements-Schulhaus, das auch -als Kirche dient, bis ein großes Gotteshaus erbaut sein - <span class="pagenum"><a id="Page_p102">[S. 102]</a></span> -wird. Die Ebnen werden zu Park-Anlagen verkauft, -und hier und da erheben sich hübsche kleine Wohnhäuser, -allein ich fürchte sehr, daß die natürlichen Schönheiten dieser -anmuthigen Landschaft bald verloren gehen werden.</p> - -<p>Ich ermüde gar nicht in meinen Ausflügen und -erklettre die Hügel und Berge in jeder Richtung, um eine -neue Aussicht zu gewinnen, oder einige neue Blumen zu -sammeln, woran, obgleich schon spät im Sommer, es doch -immer noch einen Ueberfluß giebt.</p> - -<p>Unter den Pflanzen, mit deren Namen ich bekannt -bin, sind mancherlei strauchartige Astern von fast jeder Farbe: -Blau, Roth und Perlweiß; eine Monarde von höchst -aromatischem Geruch, den selbst die trocknen Stiele und -Samen-Behälter theilen; das weiße Ruhrkraut (<em class="antiqua">Gnaphalium</em>) -oder die Immortelle (wovon bereits die Rede -gewesen); verschiedne Rosen-Arten, wovon ich noch einige -Knospen in einem Thale unweit der Kirche fand. Auch -bemerkte ich unter den strauchartigen Gewächsen eine niedliche -kleine, unserm Buchsbaum ähnliche Pflanze; sie -schleppt sich am Boden hin, und sendet Zweige und -Schößlinge aufwärts; ihre Blätter werden mit der Zeit -dunkel kupferroth; allein trotz dem anscheinenden Widerspruch, -ist sie ein Immergrün<a id="FNanchor_23_23"></a><a href="#Footnote_23_23" class="fnanchor">[23]</a>. Ferner fand ich einige -schöne Lichen-Arten mit korallenfarbnen Mützchen auf -den grauen hohlen Stielen, sie stehen in unregelmäßigen -Büscheln zwischen dem trocknen Moose, noch häufiger aber -bedecken sie die Wurzeln der Bäume oder halb verwitterten -Baumstämme. Unter den mancherlei Pilzen sammelte -ich einen hohlen Becher, von schönstem Scharlachroth -an der innern Fläche und äußerlich blaß rehfarben; eine -andre sehr schöne Pilz-Art bestand aus kleinen Aestchen, -wie weiße Korallen-Bäumchen, aber von so zartem Gefüge, -daß sie bei der leisesten Berührung abbrachen.</p> - -<p>Der Boden war an manchen Orten mit einem dicken - <span class="pagenum"><a id="Page_p103">[S. 103]</a></span> -Teppich von Erdbeeren mancherlei Art bedeckt, welche, -so lange ihre Zeit ist, denen, die sich die Mühe nehmen, -sie zu pflücken, ein stetes Dessert liefern; ich meines Theils -würde gewiß von diesem Privilegium Gebrauch machen, -wenn ich den Sommer über in ihrer Nähe wäre. -Außer den Pflanzen, die ich selbst in der Blüthe beobachtet -habe, sollen Frühling und Sommer noch manche andre -hervorbringen: eine orangenfarbne Lilie, die rothe Pechnelke<a id="FNanchor_24_24"></a><a href="#Footnote_24_24" class="fnanchor">[24]</a>, -die Mocassin-Blume oder gelbe Scharte (Ginster); -Maiblumen in Ueberfluß; und nach den Ufern des -Baches oder des Otanabee zu bewegt die prächtige Cardinal-Blume<a id="FNanchor_25_25"></a><a href="#Footnote_25_25" class="fnanchor">[25]</a> -ihre scharlachrothen Blüthen-Aehren -anmuthig hin und her.</p> - -<p>Ich ärgere mich ordentlich, daß man mir, wenn ich -die Schönheit der canadischen Blumen bewundre, jedesmal -wiederholt, sie seien geruchlos, und daher kaum der -Beachtung werth; als wenn sich das Auge nicht an den -schönen Formen und Farben weiden könnte, wenn nicht -zugleich dem Geruchssinn geschmeichelt wird.</p> - -<p>Um dieses Land von dem Vorwurf zu befreien, den -ihm ein sehr gescheuter Mann machte, mit welchem ich -einst in London zusammen traf, daß nämlich die hiesigen -Blumen ohne Geruch, und die Vögel ohne Gesang seien, -bemerke ich hier, daß mir bereits verschiedne äußerst wohlriechende -Blumen und Kräuter zu Gesicht gekommen -sind. Unter diesen darf ein schönes, strauchartiges Gewächs -(<em class="antiqua">milk-weed</em>), mit purpurfarbnen Blüthen, die sich -eben so sehr durch ihre Farben-Pracht als ihren reichen -Geruch auszeichnen, nicht vergessen werden.</p> - -<p>Ich gedenke nächstens ein Herbarium für <em class="gesperrt">Elisa</em> -zu sammeln und eine Beschreibung der Pflanzen, ihres -Wachsthums und ihrer Eigenschaften beizufügen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p104">[S. 104]</a></span></p> - -<p>Alle merkwürdige Umstände hinsichtlich derselben werde ich -sorgfältig aufzeichnen; und sagen Sie ihr, sie solle versichert -sein, daß ich ihr von jeder vorkommenden Art bei -günstiger Gelegenheit ein Exemplar, wo möglich mit den -Samen, übersenden werde.</p> - -<p>Meines Erachtens dürfte dieses Land den Forschungen -des Botanikers ein weites und fruchtbares Feld eröffnen. -Ich bedaure jetzt sehr meine Nichtbeachtung -der häufigen Aufforderungen <em class="gesperrt">Elisa's</em>, ein Studium zu -verfolgen, welches ich einst für trocken hielt, jetzt aber -höchst interessant finde und als eine fruchtbare Quelle -geistigen Genusses besonders für diejenigen betrachte, welche -im Busche (Urwälder) leben und demgemäß nothwendiger -Weise von den Freuden und Vergnügungen, welche -ein großer Kreis von Freunden, — und dem Wechselwelchen -eine Stadt oder auch nur ein Dorf darbieten, -ausgeschlossen sind.</p> - -<p>Am Sonntage ging ich in die Kirche; — die erste -Gelegenheit, dem öffentlichen Gottesdienst beizuwohnen, -seitdem ich die schottischen Hochlande verlassen; und gewiß -hatte ich Ursache, vor dem barmherzigen Gott, der -mich wohlbehalten durch die Gefahren der großen Tiefe -(des Meeres) und der verderblichen Krankheit geführt, -demuthsvoll und dankbar meine Knie zu beugen. Noch -nie erschien mir unsre schöne Liturgie so rührend und -eindrucksvoll als an diesem Tage — in unsrer schlichten, -aus rohen Baumstämmen mitten in der Wildniß erbauten -Kirche.</p> - -<p>Dieses einfache Gebäude liegt am Fuße eines sanften -Abhanges auf der Ebne, umgeben von Eichen- und -Fichten-Gruppen die, obgleich nicht so groß und stattlich -wie die gewaltigen Eichen und Kiefern des Forstes, -mit ihren in mannigfaltige und seltsame Formen vertheilten -Aesten dem Auge doch weit angenehmer sind. -Der Rasen ist hier von smaragdnem Grün; mit einem -Wort, es ist ein anmuthiges Plätzchen, entfernt von dem - <span class="pagenum"><a id="Page_p105">[S. 105]</a></span> -geräuschvollen Treiben der Stadt, ein geeigneter Ort, Gott -in Geist und Wahrheit zu verehren!</p> - -<p>Nach den Smith-town-Hügeln hin und längs den -Ufern, welche den Fluß überragen, giebt es manche herrliche -Spaziergänge. Der Gipfel der Hügel ist unfruchtbar -und dicht mit lockern, rothen und grauen Granitblöcken, -und zwischen diesen, mit großen — in jeder Richtung -ausgestreuten Kalkstein-Massen bedeckt; letztere sind -meistentheils durch die Einwirkung des Wassers glatt und -zugerundet. Da sie losgetrennte Stücke sind und blos -die Oberfläche des Bodens einnehmen, so konnte ich mir -nicht recht erklären, wie sie in diese Höhe gekommen. -Ein Geolog würde ohne Zweifel dieses Räthsel in wenigen -Minuten lösen. Die Eichen, welche auf dem hohen -Ufer wachsen, sind eher größer und üppiger, als die in -den Thälern und auf andern fruchtbaren Boden-Stellen.</p> - -<p>Hinter der Stadt, in der Richtung der Cavan- und -Emilien- (<em class="antiqua">Emily</em>) Straße, breitet sich ein weiter Raum -aus, den ich <em class="antiqua">Squatter's ground</em> nenne, weil er ganz -mit Shanties bedeckt ist, worin die armen Auswandrer, -ausgelößte Pensionairs<a id="FNanchor_26_26"></a><a href="#Footnote_26_26" class="fnanchor">[26]</a> und dergleichen Leute sich mit -ihren Familien niedergelassen haben. Einige bleiben hier, -um, wie sie vorgeben, ein einstweiliges Obdach für ihre -Weiber und Kinder zu haben, bis sie mit Errichtung -eines Hauses auf dem ihnen bewilligten Grund und Boden -zu deren Aufnahme zu Stande gekommen; aber nicht selten -geschieht es, daß sie aus Trägheit oder wirklichem Unvermögen, -das ihnen oft meilenweit von hier in den Urwäldern -und in noch ganz unbebauten Ortschaften oder Stadtbezirken<a id="FNanchor_27_27"></a><a href="#Footnote_27_27" class="fnanchor">[27]</a> -zugetheilte Land zu bearbeiten, verkümmern, indem - <span class="pagenum"><a id="Page_p106">[S. 106]</a></span> -sich ihnen zu große Schwierigkeiten und Hindernisse entgenstellten, -deren Besiegung mehr Energie und Muth erfordert, -als viele derselben besitzen. Andre, zu Müßiggang -und Ausschweifungen geneigt, vergeuden das empfangene -Geld und verkaufen das Land, wofür sie ihre -Pensionen aufgaben, und müssen dann nothwendiger -Weise in Armuth und Elend auf dem Shanty-Grunde -hocken bleiben.</p> - -<p>Die Shanty ist eine Art Hütte im ursprünglichen -canadischen Baustyl, und nichts weiter als ein aus unbehauenen -Baumstämmen oder Scheiten (<em class="antiqua">logs</em>) zusammengezimmerter -Schuppen; die Fugen zwischen den runden -Rändern (<em class="antiqua">round edges</em>) der Baumstämme sind mit -Schlamm oder Lehm, Moos oder Holzschnitzeln ausgefüllt; -das Dach besteht häufig aus gespaltnen und mit -der Art ausgehöhlten Bäumen, die neben einander gelegt -sind, so daß die Kanten auf einander ruhen; die -hohlen und convexen Flächen sehen abwechselnd nach oben, -und so bildet ein Scheit (gespaltner Baumstamm) um -das andre eine Rinne zur Ableitung des Regens und -schmelzenden Schnees. Die Traufen eines solchen Gebäudes -gleichen den wellenförmigen Rändern einer Kammmuschel; -allein so roh dieses Dach ist, entspricht es doch -dem Zweck, das Innere trocken zu erhalten, weit wirksamer -als die aus Rinde oder Bretern gebildeten Dächer -durch welche der Regen nur zu leicht Eingang findet. -Bisweilen hat die Shanty ein Fenster, bisweilen nur -einen offnen Thorweg, welcher das Licht ein- und den -Rauch ausläßt<a id="FNanchor_28_28"></a><a href="#Footnote_28_28" class="fnanchor">[28]</a>.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p107">[S. 107]</a></span></p> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/p107i.jpg" alt="Log-Haus." /> - </div> - - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p108"></a></span></p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p109">[S. 109]</a></span></p> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/p109i.jpg" alt="Hölzernes Dorf." /> - </div> - - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p110"></a></span></p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p111">[S. 111]</a></span> -Eine rohe Esse, oft nichts weiter -als ein in die obersten Dachbäume, über dem Heerde, geschnittne -und in viereckiger Form roh mit Bretern umgebne -Oeffnung dient zum Auslassen des Rauches; die -einzige Vorsichtsmaßregel, um zu verhindern, daß die -Scheit-Wände nicht Feuer fangen, besteht in Anbringung -einiger großen Steine in halbkreisartiger Form, oder -noch gewöhnlicher, einer Lage trockner Erde zwischen Heerd -und Wand.</p> - -<p>Nichts kann unbehaglicher sein als einige dieser mit -Rauch und Schmuz gefüllten Shanties, der gemeinliche -Zufluchtsort für Kinder, Schweine und Geflügel. Allein -ich habe Ihnen bis jetzt nur die Schatten-Seite des Gemäldes -gegeben; und es freut mich, Ihnen sagen zu -können, daß nicht alle Shanties auf dem Squatter's-Grunde -der geschilderten gleichen; im Gegentheil die -Mehrzahl war von behenden muntern Leuten bewohnt -und hatte sogar zwei Fenster und einen von Lehm regelrecht -durch das Dach geführten Schornstein, ja einige -waren sogar roh gedielt, und fast eben so bequem eingerichtet, -wie die kleinen Log-Häuser.</p> - -<p>Sie dürften es vielleicht befremdend finden, wenn ich -Ihnen versichre, daß manche achtbare Emigranten mit -ihren Weibern und Kindern, Personen von zartem -Körperbau und, ehe sie hierher kamen, an jede Bequemlichkeit -gewöhnt, sich begnügt haben, während des ersten -oder der zwei ersten Jahre ihrer Ansiedelung in den Wäldern -eine dergleichen Hütte zu bewohnen.</p> - -<p>Mit einiger Theilnahme habe ich die Erzählungen -von den Beschwerden und Mühseligkeiten angehört, die - <span class="pagenum"><a id="Page_p112">[S. 112]</a></span> -einige der ersten Ansiedler in der Nachbarschaft, als Peterborough -nur erst zwei Wohnhäuser enthielt, erduldet -haben. Damals gab es hier weder durch die Waldung -gehauene Straßen noch Boote zur Communication mit -den entlegnen, bereits angebauten Theilen des Distriktes; -daher denn die Schwierigkeiten, sich die nöthigen Mund-Vorräthe -und andre Bedürfnisse zu verschaffen, weit größer -waren, als sich irgend einer von den spätern Ankömmlingen -vorstellen kann.</p> - -<p>Als ich von einer ganzen Familie hörte, die keinen -bessern Mehlvorrath hatte, als was täglich auf einer kleinen -Handmühle gemahlen werden konnte, und vier Wochen -hindurch fast von allen nöthigen Lebensbedürfnissen, -selbst Brod nicht ausgenommen, entblößt war, konnte -ich unmöglich meine Verwunderung verheimlichen, daß ich -in den über Auswanderung erschienenen Büchern von -dergleichen Uebeln auch nicht ein Wort gelesen, das den -künftigen Ansiedler darauf hätte vorbereiten können.</p> - -<p>»Diese besondern Prüfungen,« bemerkte mein verständiger -Freund, »beschränken sich hauptsächlich auf die -ersten Ankömmlinge, welche sich in den noch völlig unangebauten -Theilen des Landes niederlassen, wie dies unser -Fall war. Fragen Sie nur genau einige von den -Familien der niedern Klasse, die sich weit von den Städten -angesiedelt haben und die wenige oder keine Mittel zu -ihrem Unterhalt während der ersten zwölf Monate besaßen, -bis sie eine Ernte von ihrem Boden erhielten, so werden -sie manche traurige Erzählung von Leiden und Mühseligkeiten -vernehmen.«</p> - -<p>Schriftsteller über Auswanderung geben sich nicht -die Mühe, nach diesen Dingen zu forschen, auch entspricht -die Mittheillung unangenehmer Thatsachen ihrem -Zweck nicht. Nur wenige haben ausschließlich über den -»<em class="gesperrt">Busch</em>« geschrieben. Reisende durcheilen in der Regel -die seit langer Zeit angesiedelten in gutem Gedeihen begriffnen -Theile des Landes, sie sehen einen Strich fruchtbaren - <span class="pagenum"><a id="Page_p113">[S. 113]</a></span> -angebauten Bodens, das Resultat vieljähriger Arbeit und -Thätigkeit; sie sehen bequeme Wohnhäuser, reichlich ausgestattet -mit allen wesentlichen Lebens-Bedürfnissen; die -Frau des Meierei-Besitzers macht ihre Seife, ihre Lichte -und ihren Zucker selbst, die Familie ist in Zeuge gekleidet, -die sie mit eigner Hand gesponnen und gewebt hat, -sie trägt Strümpfe von eigner Fabrik. Brod, Bier, -Butter, Käse, Fleisch, Federvieh u. s. w. sind insgesammt -Erzeugnisse des eignen Bodens. Sie schließen daraus, -daß Canada ein zweites Canaan sei, und schreiben ein -Buch, worin sie diese Vortheile auseinandersetzen, mit -der Hinzufügung, daß man daselbst Grund und Boden -für einen wahren Spottpreis erhalte; und rathen jedem, -der unabhängig und gegen Mangel gesichert zu sein -wünscht, zur Auswanderung.</p> - -<p>»Man vergißt, daß diese Vortheile das Resultat vieljähriger -unablässiger Anstrengungen, daß sie der <em class="gesperrt">Kranz</em> -nicht <em class="gesperrt">die ersten Früchte</em> der mühevollen Arbeit des -Ansiedlers sind; und daß fast jede Klasse von Auswandrern -in der Zwischenzeit sich manchen und großen Entbehrungen -unterwerfen muß.</p> - -<p>»Viele lassen sich bei ihrer ersten Ankunft, vorzüglich -in den noch unangebauten Gemeinde-Bezirken (<em class="antiqua">townships</em>), -durch den wenig versprechenden Anblick der Gegenstände -um sie her entmuthigen. Sie finden keine von jenen -Vortheilen und Bequemlichkeiten, wovon sie gehört und gelesen -haben; und sie sind auf die gegenwärtigen Schwierigkeiten -unvorbereitet; einige verzagen, andre verlassen -den Ort, in ihren Erwartungen getäuscht und voll Unwillen.</p> - -<p>»Ein wenig Ueberlegung würde ihnen gezeigt haben, -daß jede Route Land von der dichten Waldung, womit -sie bedeckt ist, befreit werden muß, ehe man eine Weizenpflanze -erziehen kann; daß, nachdem die gefällten -Bäume zerschnitten, geklaftert (<em class="antiqua">logged</em>) und verbrannt -worden sind, das Feld eingefriedigt, die Saat gesäet, - <span class="pagenum"><a id="Page_p114">[S. 114]</a></span> -geerntet und ausgedroschen werden muß, ehe an einen Gewinn -zu denken ist; daß alles dies viel Zeit und Arbeit, -und wenn man letztere bezahlen muß, eine beträchtliche -Auslage an barem Gelde nöthig ist, und daß, eine Familie -mittlerweile essen und trinken will; daß im Fall -einer größeren Entfernung von den Vorrathsplätzen, -jeder Artikel auf schlechten Straßen entweder durch Menschenhände -oder auf der Axe zugeführt werden muß, wobei -zu bemerken, daß in Verhältniß zu der Weg-Länge -und den Schwierigkeiten rücksichtlich des Transports das -Fuhr- und Träger-Lohn mehr oder weniger kostspielig ist. -Gewiß ist es besser, alle diese Dinge im Voraus zu kennen, -weil man alsdann weiß, welchen Hindernissen man -zu begegnen hat.</p> - -<p>»Selbst ein Arbeiter, wenn er auch sein eignes Land -hat, ist oft, ja ich möchte behaupten, im Allgemeinen genöthigt, -sich für das erste Jahr oder die beiden ersten Jahre -als <em class="gesperrt">Tagelöhner zu vermiethen</em> (<em class="antiqua">hire out</em>) um -den für sich und seine Familie erforderlichen Lebensunterhalt -zu erwerben; und viele der in Rede stehenden Klasse -müssen manche Entbehrungen dulden, ehe sie die Früchte -ihrer Unabhängigkeit ernten können. Hätten sie nicht die -Hoffnung, ja die bestimmte Aussicht, ihren Zustand mit der -Zeit zu verbessern, sie würden unter der Last, die sie zu -tragen haben, erliegen; aber diese Hoffnung erhält sie -aufrecht. Sie haben kein von Armuth und Mangel getrübtes -Alter zu fürchten; die gegenwärtigen Uebel müssen -der Betriebsamkeit und Ausdauer weichen; sie denken auch -auf ihre Kinder, und die Prüfungen der Gegenwart -werden durch die Ahnung einer glücklichen Zukunft erleichtert.«</p> - -<p>»Jedenfalls,« sagte ich, »kann man Kühe, Schweine -und Federvieh halten; und Sie wissen, daß, wo es an -Milch, Butter, Käse und Eiern, an Schweinfleisch und -Geflügel nicht fehlt, man sich eben nicht schlecht befindet.«</p> - -<p>»Sehr wahr,« erwiederte mein Freund, »allein ich - <span class="pagenum"><a id="Page_p115">[S. 115]</a></span> -muß Ihnen sagen, es ist leichter, im Anfange von dergleichen -Thieren zu sprechen als sie zu halten, ausgenommen -auf gelichtetem oder theilweise gelichtetem Boden; -hier aber ist die Rede von einer <em class="gesperrt">ersten</em> Ansiedelung in -den Urwäldern, Kühe, Schweine und Federvieh wollen -fressen, allein wenn man ihnen nichts geben kann, als -was man kauft und vielleicht aus der Ferne herbeiholen -muß, so ist es besser, man belastet sich nicht damit, da -die Beschwerde gewiß, der Vortheil aber zweifelhaft ist. -Eine Kuh findet allenfalls während der warmen Monate -im Busch ihr Futter, allein bisweilen verläuft sie sich, -so daß man sie Tage lang vermißt, und dann keinen -Nutzen von ihr hat, und möglicher Weise viel Zeit mit -Suchen verliert; dann aber muß man sie, außer Laub -und Zweigsprossen, die sie den Winter hindurch erhält, -auch noch mit anderm Futter versorgen<a id="FNanchor_29_29"></a><a href="#Footnote_29_29" class="fnanchor">[29]</a>, oder, ich wette -zehn gegen eins, sie wird im Frühjahr sterben; und da -Kühe, wofern sie nicht sehr gut gehalten werden, in der -kalten Jahreszeit ihre Milch verlieren, so ist es am besten, -sie im Herbst zu verkaufen, und im Frühjahr andre anzuschaffen, -man müßte denn Ueberfluß an Futter für sie -haben, was in dem ersten Winter nicht oft der Fall ist. -Was die Schweine anlangt, so sind sie für eine neu -angelegte Meierei eine große Plage, wofern man sie nicht -aus der Hand mästen kann, allein dies geht nicht, ohne -daß man Futter für sie kauft, und dies würde anfänglich -nicht vortheilhaft sein. Läßt man sie frei umherlaufen, -so fügen sie sowohl den eignen Feldern als denen -der Nachbarn, im Bereich einer halben (englischen) Meile, -beträchtlichen Schaden zu; andres Vieh kann man allenfalls - <span class="pagenum"><a id="Page_p116">[S. 116]</a></span> -durch Umzäunung in der angegebnen Hinsicht unschädlich -machen, aber nicht so Schweine; auch Federvieh -bedarf, wenn es einigen Nutzen bringen soll, etwas mehr, -als was es um das Haus herum aufpickt, wozu noch -kommt, daß Adler, Igel, Füchse und Marder darauf erfolgreiche -Jagd machen, bis man es hinreichend sichern -kann.«</p> - -<p>»Wie aber sollen wir unter solchen Umständen unsre -eigne Wolle spinnen, unsre eigne Seife und Lichte bereiten?« -fragte ich. »Sobald sie Ihre eignen Schafe, -Schweine und Rinder schlachten, oder Wolle und Talg -werden kaufen können.« — Als er mich hierüber etwas -niedergeschlagen sah, fügte er tröstend hinzu: — »Nur -nicht verzagt! Sie werden mit der Zeit alle diese Dinge -haben und noch mehr als diese, aber gedulden müssen Sie -sich und die Mittel zu ihrer Erlangung benutzen. Mittlerweile -suchen Sie sich auf Entbehrungen vorzubereiten, -denen Sie jetzt noch fremd sind; und wünschen Sie, Ihren -Gatten glücklich und in seinen Unternehmungen begünstigt -zu sehen, so machen Sie sich kluge Sparsamkeit -und heitre Laune zur Regel. Nach einigen Jahren wird -Sie Ihre Meierei mit allen Lebensbedürfnissen versorgen, -und nach und nach werden Sie sich auch mancher Luxus-Artikel -erfreuen können. Dann erst beginnt der Ansiedler, -die wirklichen und sichern Vortheile seiner Auswanderung -zu ernten; dann wird er den Segen eines Landes -inne, wo es weder Zölle noch Zehnten noch Armensteuern -giebt; dann genießt er die Wohlthaten der Unabhängigkeit. -Diese glückliche Erfüllung seiner Wünsche -im Auge, ebnet er den rauhen Pfad und erleichtert er -sich die auf ihm lastenden Uebel. Er sieht in Gedanken -eine zahlreiche Familie um sich her, ohne jene angstvollen -Sorgen, die einen Vater von geringem Vermögen in der -alten Heimath drücken; denn er weiß ja, daß er sie einst -nicht entblößt von rechtlichen Unterhalts-Mitteln verläßt.«</p> - -<p>Trotz allen überstandnen Mühseligkeiten und Prüfungen - <span class="pagenum"><a id="Page_p117">[S. 117]</a></span> -fand ich diesen Mann so sehr für das Ansiedlerleben -eingenommen, daß er erklärte, er würde um keinen -Preis in sein Vaterland zurückkehren, um dort eine längere -Zeit zu bleiben; auch ist er nicht der Einzige, den -ich auf diese Weise sich habe äußern hören; vielmehr -scheint dieselbe Vorliebe für ihre neue Heimath unter -der niedern Emigranten-Klasse allgemein zu sein. Sie -fühlen sich durch das Beispiel Andrer, die sie in Genuß -von Bequemlichkeiten sehen, woran zu Hause selbst bei -der größten Anstrengung und mühevollsten Arbeit nicht -zu denken war, ermuthigt; denn sie bedenken weislich, daß -sie, wären sie in ihrer Heimath geblieben, endloses Elend -und harte Entbehrungen (sehr viele nämlich hat Mangel -hierher getrieben) würden haben ertragen müssen, ohne die -entfernteste Aussicht, ihren Zustand zu verbessern oder unumschränkte -Landeigenthümer zu werden.</p> - -<p>»Was sind uns ein, zwei, drei, ja selbst vier mühevolle -Jahre im Vergleich mit einem ganzen Leben von -Plack und Armuth,« war die Bemerkung eines armen -Arbeiters, der uns am andern Tage von den Mühseligkeiten -erzählte, womit er in diesem Lande zu kämpfen gehabt. -»Ich wußte,« sagte er, »daß sie nur kurze Zeit -dauern und durch Fleiß und Ausdauer bald zu besiegen -sein würden.«</p> - -<p>Ich habe bereits zwei unsrer armen Nachbarn gesehen, -die den Kirchsprengel zwölf Monate vor uns verlassen -hatten; sie haben sich in Canada niedergelassen und bearbeiten -gemeinschaftlich die ihnen zugetheilten Land-Parcellen; -sie kommen in der That sichtlich vorwärts. Einige -Morgen Landes haben sie bereits gelichtet, bestellt -und abgeerntet, sind aber zur Zeit noch genöthigt, sich zu -vermiethen, um ihre Familien erhalten zu können; ihr -eignes Land bearbeiten sie, wenn es Zeit und Umstände -erlauben. Die Männer sind guten Muthes und hoffen, nach -wenigen Jahren im Besitz von manchen Lebensgenuß, -mancher Bequemlichkeit zu sein, worauf sie in der Heimath, - <span class="pagenum"><a id="Page_p118">[S. 118]</a></span> -wenn sie auch vom frühen Morgen bis in die -sinkende Nacht gearbeitet, hätten verzichten müssen; -dabei klagen sie aber, daß ihre Weiber beständig nach -dem Vaterlande verlangen und ihre Reise übers Meer -verwünschen. Dies scheint die allgemeine Klage unter -allen Klassen zu sein; die Weiber sind unzufrieden und -unglücklich. Nur wenige söhnen sich ganz mit dem Ansiedlerleben -aus. Sie vermissen die kleinen häuslichen -Bequemlichkeiten, deren sie sich zu Hause erfreuten, sie sehnen -sich nach ihren Freunden und Verwandten, die sie -haben verlassen müssen; die Einsamkeit der Urwälder ist -ihnen zuwider.</p> - -<p>Diese Aussicht entmuthigt mich nicht; ich weiß, daß -ich im Hause zu thun genug finden werde, und während -meiner Ausflüge ins Freie dürfte es mir nicht an Unterhaltungs-Quellen -fehlen, die jede üble Laune verscheuchen. -Habe ich überdies nicht guten Grund, meines Gatten -wegen heiter und zufrieden zu sein? Er hat nicht mehr -zu erwarten als ich; und sollte ich ihn, nachdem ich seinetwegen -freiwillig meine Familie, meine Freunde, mein -Vaterland verlassen, durch ewige Klagelieder verstimmen -und traurig machen? Ich fühle mich stets geneigt, den -Worten meines Lieblingdichters <em class="gesperrt">Goldsmith</em>: —</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Auf uns allein noch überall beschränkt,<br /></span> -<span class="i0">Sind wir allein die Schöpfer unsers Glücks.<br /></span> -</div></div> - -<p>beizustimmen. Nun ich werde ja bald die Prüfung zu -bestehen haben, da wir Morgen um zehn Uhr diese Stadt -zu verlassen gedenken; der Kauf der See-Parcelle ist abgeschlossen, -drei Morgen sind von Bäumen befreit, und -eine Hütte (Shanty) ist ebenfalls fertig, indeß kann -letztre eben nicht für ein wohnliches Obdach gelten, die -Holzfäller haben sie blos als einstweiligen Zufluchtsort -errichtet; und ein Haus wird bald erbaut sein. Spät -genug sind wir eingetroffen, zu spät, um eine volle -Ernte zu erzielen, da die Bäume blos gefällt sind, der - <span class="pagenum"><a id="Page_p119">[S. 119]</a></span> -Boden aber noch nicht gelichtet und völlig rein ist, auch -ist es bereits zu spät, das gefällte Holz zu klaftern und -zu verbrennen und den Weizen in den Boden zu bringen, -aber für die Frühlingssaat wird er bereit sein. Wir -haben unser Besitzthum den Acker mit sechstehalb Dollars -bezahlt; ein ziemlich hoher Preis für wildes Land, so -weit von jeder Stadt, und in einem so dürftig angebauten -Theile des Bezirks; allein die Lage ist gut und hat -den Vorzug, daß wir Wasser in der Nähe haben, wofür -mein Gatte gern etwas mehr bezahlte, als für eine weiter -landeinwärts gelegne Parcelle.</p> - -<p>Höchst wahrscheinlich werde ich nicht sobald Zeit und -Muße haben, wieder zur Feder zu greifen. Wir logiren -einstweilen bei S—, bis unser Haus in wohnlichem Zustande -sein wird, was ungefähr gegen Weihnachten der -Fall sein dürfte.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p120">[S. 120]</a></span></p> - -<div class="block0"> -<div class="footnotes"><b>Fußnoten:</b> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_19_19"></a><a href="#FNanchor_19_19"><span class="label">[19]</span></a> »Im Ganzen,« heißt es in der <em class="antiqua">History of Upper and -lower Canada by R. Montgomery Martin, Lond. 1836</em>. »ist -Ober-Canada Auswandrern aus den höheren Ständen sehr zu -empfehlen; und Leute von der arbeitenden Klasse können daselbst -reichliche Beschäftigung finden. Für erstere stehe hier noch -die Bemerkung, daß Niemand außer solchen Engländern, die bei -der Trennung der vereinigten Staaten von Groß-Britannien -ihrem Vaterlande treu blieben und nach Canada flohen, also Loyalisten; -oder denen, welche nach bestehenden gesetzlichen Bestimmungen -Ansprüche auf unentgeldliche Landbewilligungen an -die Regierung haben, eine Parcelle von den wild liegenden -Kron-Ländereien anders als durch Kauf erhalten kann. Die -Verkäufe finden unter der Leitung eines Commissairs am -ersten und dritten Diensttage jedes Monats in den verschiednen -Distrikten statt. Die käuflichen Ländereien werden zu einem -bestimmten Preise voranschlagt, welcher in der Anzeige des Verkauftermins -angegeben wird. Die Zahlung der Kaufsumme -geschieht in Terminen: der vierte Theil davon muß sogleich, das -Uebrige in drei gleichen Fristen nebst sechs Prct. Zinsen entrichtet -werden. Nach Abschluß des Kaufs erhält der Käufer unentgeldlich -ein Patent über den gekauften Boden. Das für die -Geistlichkeit vorbehaltne Land wird unter nachstehenden Bedingungen -verkauft: — Zehn Procent müssen sogleich angezahlt, -und das Uebrige in neunjährigen Terminen und zwar zu jedem -zwei Procent nebst Zinsen abgetragen werden. Gelegentlich -werden auch Gemeinde-Bezirk-Parzellen verkauft. Das gewöhnliche -Areal eines Gemeinde-Bezirks beträgt 69,000 Morgen, -— ein Flächenraum von zwölf englischen Meilen in Länge, -und neun in Breite.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_20_20"></a><a href="#FNanchor_20_20"><span class="label">[20]</span></a> »<em class="gesperrt"><em class="antiqua">Guess and calculate</em></em>,« sie bedienen sich nämlich -dieser Worte sehr häufig oft auch da, wo sie nicht recht passen.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_21_21"></a><a href="#FNanchor_21_21"><span class="label">[21]</span></a> Theile, wovon jeder einen halben Acker Flächenraum -enthält.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_22_22"></a><a href="#FNanchor_22_22"><span class="label">[22]</span></a> Seit Abfassung dieser Nachrichten über Peterborough hat -die Stadt an Gebäuden und Bevölkerung um ein Drittel zugenommen.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_23_23"></a><a href="#FNanchor_23_23"><span class="label">[23]</span></a> Wahrscheinlich eine <em class="antiqua">Gaultheria</em>.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_24_24"></a><a href="#FNanchor_24_24"><span class="label">[24]</span></a> <em class="antiqua">The purple lichnidea.</em></p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_25_25"></a><a href="#FNanchor_25_25"><span class="label">[25]</span></a> <em class="antiqua">Lobelia cardinalis</em>, Cardinals-Lobelie, <em class="gesperrt">Willdenow</em>.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_26_26"></a><a href="#FNanchor_26_26"><span class="label">[26]</span></a> Das ist, Leute, die ihren Gnadengehalt, den sie genossen, -gegen ein Stück Land in den brittischen Colonien vertauscht -haben.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_27_27"></a><a href="#FNanchor_27_27"><span class="label">[27]</span></a> Der an die Auswandrer zu vertheilende Flächengehalt -ist vorläufig in Bezirke abgetheilt, welche <em class="antiqua">Townships</em> (Stadt- -oder Gemeinde-Kreise) heißen.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_28_28"></a><a href="#FNanchor_28_28"><span class="label">[28]</span></a> Die Bemerkung eines kleinen irischen Knabens, den wir -als Holzspeller und Wasserträger mietheten, und der ein Bewohner -einer dieser Shanties gewesen, belustigte mich nicht wenig. -»Ma' am,« sagte derselbe, »als das Wetter beißend kalt -war, konnten wir uns kaum warm erhalten; denn während wir, -mit dem Gesicht vor dem Feuer, auf der einen Seite fast brateten, -froren wir am Rücken, daher wendeten wir von Zeit bald -die eine bald die andre Seite dem Feuer zu, gerade so, wie -wenn man eine Gans am Spieße bratet. Die Mutter verwendete -die Hälfte von dem Gelde, welches der Vater durch -seine Stroharbeit (er war ein Strohsesselmacher) verdiente, in -Branntwein, um uns auszuwärmen; allein ich glaube, ein reichliches -Gericht gute heiße Kartoffeln, würde uns mehr gewärmt -haben, als der Branntwein dies vermochte.«</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_29_29"></a><a href="#FNanchor_29_29"><span class="label">[29]</span></a> Das Vieh wird im Herbst und Winter größtentheils -durch die zarten Zweigsprossen von Ahorn, Birken u. s. w. erhalten, -die man auf den frisch gelichteten, brachliegenden Aeckern -findet. Man sollte ihnen aber auch Stroh und andres Futter -geben, weil sie anders bei sehr strenger Witterung sterben.</p> -</div> -</div> -</div> - - -<hr class="chap" /> - - -<div class="chapter"> - -<h2 class="no-break" id="Siebenter_Brief">Siebenter Brief.</h2> -</div> - -<blockquote> -<p class="p1 font09">Abreise von Peterborough. — Canadische Wälder. — Wagen -und Gespann. — Ankunft bei einem Log-Hause an den -Ufern des Sees. — Niederlassung und erste Beschäftigungen.</p> -</blockquote> - - -<p class="p1 rright font09"> -October 25, 1832.<br /> -</p> - -<p>Ich beginne meinen Brief mit einer Schilderung -unsrer Reise durch den Busch (die Wälder) und so fort, -und füge dann unser Thun und Treiben in und außer -dem Hause hinzu. Ich weiß, daß die kleinen, das Hauswesen -betreffenden Umstände für Sie nicht uninteressant -sein werden; und gewiß kann das Auge einer Mutter -niemals ermüden, schriftliche Mittheilungen von der Hand -eines abwesenden und geliebten Kindes zu lesen.</p> - -<p>Nach einigen Schwierigkeiten glückte es uns, einen -Wagen nebst Gespann, das ist ein paar starke Pferde, -zu miethen, die uns und unser Gepäcke durch die Wälder -an die Ufer eines von den Seen führten, wo S— -unser wartete. Eine freie Straße war nicht vorhanden -sondern blos ein angedeuteter, mit umgestürzten -Bäumen bedeckter und durch einen großen Moor unterbrochner -Pfad auf der einen Seite; in den Moor kann -man knietief einsinken, indeß brauchten wir die Vorsicht, -unsern Weg längs den Stämmen der bemoosten und -verwitternden Bäume zu nehmen, oder auf einem willkommnen -Granit- oder Kalkstein-Block zu fußen. Was -in der Busch-Sprache <em class="gesperrt">Blaze</em> (angedeuteter Pfad) heißt, - <span class="pagenum"><a id="Page_p121">[S. 121]</a></span> -ist nichts weiter als die durch Kerben und Rinden-Abschälung -an den Bäumen vorgezeichnete Straßen-Linie. Die -Grenzen der verschiednen Parcellen sind oft durch einen -gekerbten Baum angedeutet, das Nämliche gilt von den -Concessions-Linien<a id="FNanchor_30_30"></a><a href="#Footnote_30_30" class="fnanchor">[30]</a>, allein dergleichen Zeichen sind nicht -viel besser als Wegweiser in einer dunkeln Nacht.</p> - -<p>Die Straße, welche wir einschlagen mußten, führte -über die Ebnen von Peterborough, in der Richtung des -Flusses, der mich durch seine Scenerei ungemein ergötzte, -wiewohl diese keineswegs von Fruchtbarkeit zeigt, mit -Ausnahme von zwei oder drei umfangsreichen gelichteten -Stellen.</p> - -<p>Ungefähr drei englische Meilen über Peterborough -windet sich die Straße auf der Höhe einer steilen Firste -hin, deren unterer Theil ganz das Ansehn hat, früher das -Bett eines Seitenzweiges des gewaltigen Flusses, oder -vielleicht eines kleinen Sees, der seinen Kanal verlassen -und sich mit dem Otanabee vereinigt hat, gewesen zu sein.</p> - -<p>Auf beiden Seiten dieser Firste ist ein steiler Abhang; -zur Rechten sieht man den Otanabee, der mit großer -Gewalt durch sein felsiges Bett strömt und im Kleinen -denen des Laurence ähnliche Stromschnellen bildet, -seine dunkeln Fichten-Wälder verleihen der Scenerei eine -höchst eindrucksvolle Erhabenheit. Zur Linken liegt unten -ein anmuthiges einsammes, mit Epheu, Cedern, Schierlingstannen -und Fichten bedecktes Thal. Durch dieses - <span class="pagenum"><a id="Page_p122">[S. 122]</a></span> -Thal führt ein Weg zu einer hübschen Meierei, deren -grüne Triften durch das Nichtvorhandensein der abscheulichen -Baumstummel, welche die gelichteten Orte in diesem -Theil der Gegend entstellen, noch angenehmer sind; -ein hübscher klarer Bach fließt durch die niedrige, am -Fuße des Berges liegende Wiese, zu welcher herab ein -steiler Pfad dicht neben einer Korn-Mühle führt, die durch -das Wasser des Bachs getrieben wird, gerade an der -Stelle, wo er mit den Flußschnellen zusammen trifft.</p> - -<p>Ich nannte diesen Platz »Glen Morrison,« theils zur -Erinnerung an die liebliche Thalschlucht Morrison in den -(schottischen) Hochlanden, theils weil der Ansiedler, dem -er gehört, so heißt.</p> - -<p>Unsre Fortschritte waren nur langsam, wegen der -Unebenheit der Straße, die mit unzähligen Hindernissen -in Gestalt loser Granit- und Kalkstein-Blöcke, die auf -den Ufern des Flusses und der Seen in Ueberfluß ausgestreut -sind, bedeckt ist; nicht zu erwähnen der umgestürzten -Bäume, vorspringenden dicken Wurzeln, Lachen und -Knittel-Brücken, über die der Fahrende, hop, hop, hop -wegrumpelt, bis ihm jedes Glied schmerzt, gleichsam als -wäre es ausgerenkt. Ein erfahrner Busch-Reisender vermeidet -manchen harten Stoß, indem er sich bald erhebt, -bald gegen die Seiten seines rohen Fuhrwerks drückt.</p> - -<p>Da der Tag vorzüglich schön war, stieg ich oft aus -dem Wagen und ging mit meinem Gatten eine englische -Meile und darüber zu Fuße.</p> - -<p>Bald verloren wir den Fluß gänzlich aus dem Gesicht -und gelangten in die tiefe Einsamkeit des Waldes, -wo nicht ein Laut die fast grauenvolle, rings um uns -herrschende Stille unterbrach. Kaum ein Blatt oder -Ast regte sich, nur dann und wann vernahm unser Ohr -das Rauschen des Windes, der die hohen Häupter der -Kiefern und Tannen in Bewegung setzte und eine rauhe -und traurige Cadence erweckte;</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p123">[S. 123]</a></span></p> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/p123i.jpg" alt="Ein durch die Urwälder gehauener Pfad." /> - </div> - - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p124"></a></span></p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_p125" id="Page_p125">[S. 125]</a></span> -dies und das Hämmern des rothköpfigen und grauen Baumhackers -gegen dieStämme der verwitternden Bäume, oder das gellende pfeifende -Geschrei des kleinen gestreiften Eichhörnchens, von -den Eingebornen <em class="gesperrt">Tschitmunk</em> genannt, waren die einzigen -Laute, welche in das Schweigen der Wildniß hineintönten. -Nicht minder befremdete mich die Abwesenheit -animalischen Lebens. Mit Ausnahme des vorerwähnten -<em class="gesperrt">Tschitmunk</em> kreuzte während unsrer langen -Tage-Reise in den Wäldern kein lebendiges Wesen unsern -Pfad.</p> - -<p>In diesen ungeheuern Einöden, sollte man natürlicher -Weise meinen, müsse die Abwesenheit des Menschen -einen Ueberfluß an wilden Thieren erzeugen, insofern -diese frei und unbelästigt daselbst hausen, allein gerade -das Gegentheil findet hier statt. Beinahe alle hiesige wilde -Thiere trifft man häufiger in den gelichteten Distrikten als -in den Wäldern. Die Betriebsamkeit des Menschen erleichtert -ihre Existenz, sie können ihre Bedürfnisse in seiner -Nähe besser befriedigen als in ihren dürftigen Wäldern.</p> - -<p>Man hört beständig von Verheerungen, welche -Wölfe, Bäre, Waschbäre, Luchse und Füchse in den seit -langer Zeit angebauten Theilen der Provinz angerichtet -haben. In den Urwäldern ist die Erscheinung eines wilden -Thieres ein weit seltnerer Umstand.</p> - -<p>Hinsichtlich der Waldbäume fand ich meine Erwartungen -getäuscht, ich hatte geglaubt, große bemooste Riesen -anzutreffen, fast von gleichem Alter mit dem Lande selbst und -in majestätischem Wuchs den Bäumen meiner heimathlichen -Inseln fast eben so sehr überlegen, als die ungeheuren -Seen und gewaltigen Flüsse Canadas den Teichen -und Flüssen Britaniens überlegen sind.</p> - -<p>Es mangelt hier den Wäldern an malerischer Schönheit. -Blos die noch jungen Bäumchen haben einige Ansprüche -auf zierliche Formen; indeß muß ich die Schierlingstanne -ausnehmen, deren Wuchs äußerst schön -und schlank ist, und die durch ihr liebliches muntres -Grün das Auge erfreut. Selbst wenn der Winter den - <span class="pagenum"><a id="Page_p126">[S. 126]</a></span> -Wald seines Laubes entkleidet, bleibt sie ein schöner grünender -Baum. Die jungen Buchen nehmen sich ebenfalls -recht hübsch aus; allein man vermißt jene schattigen -Laub-Gewölbe, die in unsern heimathlichen Parken -und Wäldern so entzückend und romantisch sind.</p> - -<p>Die canadischen Wälder entbehren jenes Ansehn ehrwürdigen -Alterthums. Hier giebt es keine weitspreizigen -Eichen, welche man die Patriarchen des Waldes nennen -könnte. Ein frühzeitiges Absterben scheint ihr Loos zu -sein. Sie werden vom Sturme entwurzelt und sinken -in ihrer ersten Reife zu Boden, um einer neuen Generation -zu weichen, welche bestimmt ist, ihre Stelle auszufüllen.</p> - -<p>Die Tannen und Fichten sind unstreitig die schönsten -Bäume. Was Größe anlangt, werden sie von keinem -übertroffen. Sie thürmen sich über alle andere Bäume -empor, eine dunkle Linie bildend, die man in meilenweiter -Entfernung unterscheiden kann. Aber gerade ihre -Höhe ist schuld daran, daß sie vor ihren Brüdern dem -Ungestüm der Winde nachgeben, da ihre Gipfel der vollen -und ungebrochnen Gewalt des Luftstroms ausgesetzt -sind; daher kommt es, daß der Boden stets mit den verwitternden -Stämmen riesenhafter Tannen und Fichten -bestreut ist. Desgleichen scheinen sie der innern Verderbniß -und der Verheerung durch Blitzstrahl und Feuer mehr -ausgesetzt zu sein als andre Bäume.</p> - -<p>Wie viel ich auch von der schlechten Beschaffenheit -der Straßen Canadas gelesen und gehört hatte, so war -ich doch auf keine solche vorbereitet, wie wir an diesem -Tage bereisten; für wahr, sie verdient kaum den Namen -einer Straße, sie ist nichts weiter als ein durch den Wald -gelichteter Pfad. Die Bäume sind umgehauen und auf -die Seite gelegt, um einen Wagen passiren zu lassen.</p> - -<p>Die Moräste und kleinen Waldbäche, welche gelegentlich -den Weg unterbrechen, sind durch dicht neben einander - <span class="pagenum"><a id="Page_p127">[S. 127]</a></span> -gelegte Baumstämme passirbar gemacht; das furchige -und streifige Ansehen dieser Brücken hat ihnen, nicht -unpassend den Namen Corduroy (geripptes Zeug) verschafft.</p> - -<p>Ueber diese abscheulichen Corduroys (Knüttelbrücken) -rumpelt der Wagen, von Scheit zu Scheit springend, -mit Stößen, wozu man gute Miene machen muß. -Können Sie dergleichen Hoppas und Erschütterungen -ohne ein saures Gesicht ertragen, so übertrifft Ihre Geduld -und philosophische Gleichmuth die meinige bei weitem; -bisweilen lachte ich, weil ich nicht weinen mochte.</p> - -<p>Denken Sie sich Ihre Tochter auf Säcken, Koffern -und allerlei Packeten sitzend, und dies in einem Wagen, -der nicht viel besser war als ein grob aus Tannenholz -gezimmerter, auf Räder gesetzter Kasten; die Seiten -davon waren blos mit Pflöcken befestigt, so daß ich -mich in eben keiner behaglichen Lage befand, da die nur -erwähnten Seitentheile beständig heraus sprangen. Gerade -inmitten einer tiefen Koth-Lache brach das vordere -Schutzbret ab, und mit ihm zugleich purzelte unser Wagenlenker, -in Folge des erhaltnen Stoßes, in den Koth, -der arme Teufel, wußte gar nicht, wie ihm geschehn, -als er sich plötzlich in einen Morast versetzt sah. Was -mich anlangt, so blieb ich, weil ich nichts dabei thun -konnte, ruhig auf meinem Sitze und erwartete geduldig -die Wiederkehr der Ordnung. Diese war bald hergestellt, -und alles ging eine Weile wieder gut, bis wir gegen einen -gewaltigen Fichten-Stamm anfuhren, welcher dem -schlecht gezimmerten Wagen einen solchen Stoß versetzte, -daß eins von den Bretern, die den Fußboden bildeten, -und mit diesen ein Sack Mehl und ein andrer mit eingesalznem -Schweinfleisch, beide auf ihrer Wanderung nach -dem Hause eines Ansiedlers begriffen, an dessen Niederlassung -unser Weg vorbei führte, herabtanzten. Ein guter -Wagenlenker läßt sich indeß selten durch dergleichen -Kleinigkeiten entmuthigen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p128">[S. 128]</a></span></p> - -<p>Er ist oder sollte mit einer Axt versehen sein. Jede -Karre, jeder Wagen, mit einem Wort, jede Art Reise-Fuhrwerk -sollte ein dergleichen Werkzeug führen; da Niemand -die Hindernisse voraussehen kann, die sich seinen -Fortschritten im Busche wiedersetzen dürften.</p> - -<p>Den Unfällen, welche uns betrafen, ließ sich zum -Glück leicht begegnen. Die Seitentheile erheischten blos -einen starken Pflock, und die losen Breter des Fußbodens -waren bald wieder befestigt, worauf es abermals über -Wurzeln, Baumstummel, Steine, Löcher und Knüttelbrücken -wegging; und der Wagen, nach wie vor, bald an einen -noch stehenden Stamm stieß und bald über einen umgestürzten -Baum wegrumpelte, und wir dabei natürlicher Weise -einen Stoß auszuhalten hatten, der ein leichteres Fuhrwerk, -als ein canadischer Wagen ist (?), gewiß zertrümmert -haben würde; jedenfalls ist letztrer für Straßen, wie man -sie im Busche findet, auf eine bewundernswürdige Weise -geeignet.</p> - -<p>Die Klugheit der Pferde in diesem Lande verdient -wirklich Bewunderung. Ihre Geduld in Ueberwindung -der Schwierigkeiten, welchen sie zu begegnen haben, ihre -Geschicklichkeit in Vermeidung von Steinen und Löchern, -und ihr sicheres Fußen auf den runden, schlüpfrigen -Baumstämmen der Scheit-Brücken (<em class="antiqua">Log-bridges</em>) macht -sie äußerst schätzbar. Was ihnen an Geist und Schnelligkeit, -wodurch sich unsre (englische) Rasse-Pferde auszeichnen, -gebricht, ersetzen sie reichlich durch ihre Sanftmuth, -Stärke und Geduld. Dies sind in der That große -Vorzüge, und zum Reisen auf solchen Wegen, wie der -eben geschilderte, sind sie, die Sicherheit des Kutschers und -der Passagire anlangend, unentbehrlich und würden durch -kein brittisches Pferd ersetzt werden können. Uebrigens -mangelt es den canadischen Pferden, bei gutem Futter -und gehöriger Pflege, keineswegs an schöner Farbe, Größe -oder zierlicher Form. Zum Fortschaffen der gefällten -Baumstämme braucht man sie selten, hierzu so wie zu - <span class="pagenum"><a id="Page_p129">[S. 129]</a></span> -allen rohen und schweren Arbeiten zieht man den Ochsen -vor.</p> - -<p>Eben als uns die zunehmende Dunkelheit des Waldes -an die Annäherung des Abends erinnerte, und ich -müde und hungrig zu werden begann, äußerte unser Wagenlenker, -mit einiger Beschämung, er fürchte, daß er -den rechten Weg verfehlt habe, wie aber, wisse er nicht, -da er doch nur einen Pfad vor sich sehe.</p> - -<p>Wir waren ungefähr zwei englische Meilen von der -letzten Ansiedlung entfernt, sollten aber, wie er sagte, -wofern wir uns auf dem rechten Wege befänden, im Angesicht -des Sees sein. Wir kamen, als das Beste, was -wir thun konnten, dahin überein, daß, während wir nebst -dem Fuhrwerk zurück blieben, er selbst vorwärts gehen und -erforschen sollte, ob wir in der Nähe des Wassers wären, -und daß wir, wenn sich das Gegentheil ergäbe, nach dem -Hause, an welchem wir vorbei gekommen, zurückkehren -und nach dem rechten Wege fragen wollten.</p> - -<p>Nachdem er wohl eine halbe englische Meile weit -vorwärts gelaufen, kehrte er mit niedergeschlagner Miene -zurück, erklärend, daß wir uns jedenfalls verirrt hätten, -da er nirgends Wasser gesehen, und die Straße, auf der -wir uns befänden, sich in einen Cedern-Moor zu endigen -scheine. Denn je weiter er gekommen, desto dichter -hätten die Schierlingstannen und Cedern gestanden; da -wir nun kein Verlangen fühlten, unsre Ansiedlung mit -einer Nachtherberge in einem Moraste zu beginnen, wo, -wie sich unser Führer ausdrückte, die Cedern so dicht -standen, wie die Haare auf einem Katzenrücken, so beschlossen -wir, nach der bezeichneten Stelle zurückzukehren.</p> - -<p>Nach einigen Schwierigkeiten war der Rumpelwagen -umgelenkt, und wir begannen langsam unsern Rückzug. -Kaum hatten wir eine halbe englische Meile zurück gelegt, -als ein Knabe des Weges daher kam und uns sagte, -wir möchten nur immer wieder umkehren, da kein andrer -Weg nach dem See führe; diesem Rathe fügte er - <span class="pagenum"><a id="Page_p130">[S. 130]</a></span> -etwas spöttisch die Bemerkung hinzu: »Hättet Ihr den -Busch so gut gekannt, wie ich ihn kenne, so würdet Ihr -nicht so einfältig gewesen sein, wieder umzulenken, da Ihr -doch auf dem rechten Wege waret. Es weiß ja jedes -Kind, daß die Cedern und Schierlings-Tannen, je näher -dem Wasser, desto dichter wachsen; jetzt müßt Ihr zu -eurer Strafe den nämlichen Weg noch einmal machen.«</p> - -<p>Es war finster, und nur die Sterne funkelten mit -mehr als gewöhnlichem Glanze, als wir plötzlich aus dem -tiefen Walddunkel an die Ufer eines schönen kleinen Sees -hervortauchten, der uns zufolge des Contrastes der dunkeln -Laubmassen, die über ihn herabhingen, und der -thurmhohen Fichten, die ihn umgeben, um so heller erschien.</p> - -<p>Hier auf einem großen, mit einem weichen Mooskissen -bedeckten Kalkstein-Block, unter dem Schatten von -Cedern, die den See bekränzen, — umgeben von Koffern, -Kisten, Schachteln und Gepäck, die der Fuhrmann -eilig vom Wagen geworfen, saß ich in angstvoller Erwartung -einer antwortenden Stimme auf das lange und -wiederholte Hollarufen meines Gatten.</p> - -<p>Als aber das Echo seiner Stimme verhallt war, -hörten wir nichts als das Brausen der Stromschnellen -und das ferne und wilde Rauschen eines Wasserfalls, -ungefähr eine halbe englische Meile unterhalb der letztern.</p> - -<p>Nirgends konnten wir eine Spur von menschlichen -Wohnungen, nirgends den tröstlichen Schimmer eines -Lichtes vom Ufer her gewahren. Vergebens strengten -wir unsre Ohren an, das Plätschern des Ruders oder -den willkommnen Klang einer menschlichen Stimme oder -das Bellen eines Haushundes zu vernehmen, und hierdurch -Gewißheit zu erlangen, daß wir die Nacht nicht in -dem einsamen Walde zubringen würden.</p> - -<p>Wir fürchteten jetzt, daß wir wirklich den Weg verloren. -An einen Versuch, ohne Führer durch das wachsende -Dunkel des Waldes in Aufsuchung der rechten - <span class="pagenum"><a id="Page_p131">[S. 131]</a></span> -Straße zurückzukehren, war nicht zu denken, denn diese -war so undeutlich, daß wir uns bald in dem Dickicht -verirrt haben würden. Das letzte Knarren der Wagen-Räder -erstarb allmälig in unsern Ohren, das Fuhrwerk -einzuhohlen würde uns unmöglich gewesen sein. Unter -diesen Umständen bat mich mein Gatte, ruhig zu bleiben, -wo ich war, während er sich selbst durch das dicht verschränkte -Buschholz längs dem Ufer arbeitete, in der -Hoffnung, eine Spur von dem Hause, welches wir suchten, -und das, seiner Vermuthung nach, in der Nähe sein -mußte, wahrscheinlich aber durch eine dichte Baum-Masse -unsern Augen verborgen war, zu erblicken.</p> - -<p>Als ich so, von den Schatten der Nacht umhüllt, -schweigend im Walde zubrachte, wanderten meine Gedanken -allmälig über den atlantischen Ocean zu meiner theuren -Mutter, zu meiner alten Heimath zurück; ich dachte -mir Ihre Gefühle, wenn sie mich in diesem Augenblick -hätten sehen können, wie ich so einsam und in tiefem -Schweigen auf dem alten bemoosten Steine in der waldigen -Wildniß saß, viele hundert Meilen von allen jenen -heiligen Banden der Blutsverwandtschaft, von jenen Scenen -und Erinnerungen der Kindheit entfernt, welche die -Heimath jedem so theuer machen. Es war ein Augenblick, -der mich ganz die Wichtigkeit des Schrittes fühlen ließ, -den ich gethan, als ich freiwillig das Loos eines Emigranten -theilte — mein Geburtsland verließ, das ich aller -Wahrscheinlichkeit nach nie wiedersehen dürfte. Allein so -groß das Opfer war, fühlte ich doch selbst in diesem Augenblick, -in meiner seltsamen Lage, keine Reue, keine Entmuthigung. -Heiliger Friede zog in mein Herz ein, -beschwichtigte meine aufgeregten Gefühle und versetzte -meinen Geist in eine Ruhe und Stille, die eben so ungetrübt -und ungestört waren, wie die sich zu meinen -Füßen ausbreitende Wasserfläche.</p> - -<p>Meine Träumerei wurde durch das leichte Plätschern -eines Ruders unterbrochen, und ein heller Lichtschein ließ - <span class="pagenum"><a id="Page_p132">[S. 132]</a></span> -mich einen über den See gleitenden Nachen erblicken. -Nach wenigen Minuten grüßte mich eine wohlbekannte, -freundliche Stimme, während die kleine Barke zwischen -den Cedern gerade zu meinen Füßen angelegt wurde. -Mein treuer Gefährte hatte einen vorspringenden Winkel -des Ufers gewonnen und von da aus den willkommnen -Schimmer des Holzfeuers in dem Log-Hause gesehn, nach -einigen Schwierigkeiten war es ihm gelungen, die Aufmerksamkeit -seiner Bewohner zu erregen. Man hatte daselbst -die Hoffnung, daß wir an diesem Tage eintreffen würden, -längst aufgegeben, und unser erstes Rufen und Pfeifen -war fälschlich für das ferne Geläute von Kuhglocken im -Walde genommen worden; dies war an dem Aufschub -schuld, der uns in so große Verlegenheit gebracht hatte.</p> - -<p>An dem hellen, auf dem Heerde des Log-Hauses, -worin S— mit seiner Gattin recht bequem wohnte, lodernden -Feuer, vergaßen wir bald unsre ermüdende Wanderung. -Ich wurde der Dame vom Hause gebührender -Maßen vorgestellt, und trotz allen Einwürfen von -Seiten der zärtlichen und besorgten Mutter wurden drei -schlummernde Kinder, eins nach dem andern, aus ihren -Wiegen genommen und von dem stolzen und entzückten -Vater den Gästen gezeigt.</p> - -<p>Wir wurden mit jener Zuvorkommenheit und Innigkeit -willkommen geheißen, die dem Herzen so wohlthätig -ist, die Begrüßung war eben so aufrichtig als liebreich. -Kein Mittel blieb unversucht, unsre einstweilige Einrichtung -so bequem als möglich zu machen, und wenn sie -auch der Eleganz entbehrte, woran wir in England gewöhnt -gewesen, so fehlte es ihr doch nicht an ländlicher -Behaglichkeit; jedenfalls war sie von der Art, wie sie -sich Ansiedler ersten Ranges nur immer wünschen können, -und gewiß sind viele derselben zu Anfange nicht halb so -gut logirt gewesen, als wir es gegenwärtig sind.</p> - -<p>In der That können wir uns glücklich schätzen, daß -wir nicht sogleich die rohe Shanty zu beziehen brauchen, - <span class="pagenum"><a id="Page_p133">[S. 133]</a></span> -welche ich Ihnen als die einzige Wohnstätte auf unserm -Grund und Boden geschildert habe. Diese Prüfung unsers -Muthes hat uns S— gütig erspart, der durchaus -darauf bestand, daß wir so lange unter seinem gastlichen -Dache bleiben sollten, bis unser eignes Haus fertig und -beziehbar sein würde. Hier also sind wir zur Zeit <em class="gesperrt">fixirt</em><a id="FNanchor_31_31"></a><a href="#Footnote_31_31" class="fnanchor">[31]</a>, -wie sich die Canadier ausdrücken; und wenn ich -auch manche kleine Bequemlichkeiten und Luxusgegenstände -entbehre, so erfreue ich mich doch einer trefflichen Gesundheit -und eines frischen Lebensmuthes, und fühle mich in -der Gesellschaft meiner Umgebung wahrhaft glücklich.</p> - -<p>Die Kinder sind bereits ganz in mich vernarrt. Sie -haben meine Leidenschaft für Blumen entdeckt und suchen -danach zwischen den Baumstummeln und längs dem -Seeufer, um sie mir zu überbringen. Ich habe eine -Sammlung angefangen, und obgleich die Jahreszeit schon -weit vorgeschritten ist, so kann sich mein Herbarium doch -mancher schönen Farnkräuter rühmen; desgleichen enthält -es das gelbe canadische Veilchen, welches zweimal -im Jahre, nämlich im Frühling und Herbst<a id="FNanchor_32_32"></a><a href="#Footnote_32_32" class="fnanchor">[32]</a> blüht; -zwei Herbst-Maßlieben, (<em class="antiqua">Michaelmas daesies</em>), wie man -hier die strauchartigen Astern nennt, deren Varietäten -sehr zierlich sind; und eine Ranke der Fichten-Guirlande -(<em class="antiqua">festoon pine</em>), ein allerliebstes Immergrün mit kriechenden -Stengeln, die drei bis vier Yards auf der Erde hinlaufen. -Es sendet in Entfernungen von fünf bis sechs -Zoll gerade, steife, grüne Stengel nach oben und gleicht -hinsichtlich seiner dunkeln, glänzend grünen, spelzartigen -Blätter einigen unsrer Haide-Arten. Die Amerikaner -schmücken ihre Fenster und Spiegel mit Guirlanden -von dieser Pflanze und den getrockneten Blumen der -oben erwähnten Immortelle (<em class="antiqua">life everlasting</em>); wir nennen - <span class="pagenum"><a id="Page_p134">[S. 134]</a></span> -diese hübschen weißen und gelben Blumen <em class="antiqua">Love everlasting</em> -(ewige Liebe). Auf meinen Wanderungen im -Walde unfern des Hauses habe ich ein kriechendes Gewächs -entdeckt, welches ziemliche Aehnlichkeit mit der Ceder -hat und nicht unpassend mit dem Namen der kriechenden -Ceder (<em class="antiqua">ground or creeping cedar</em>) bezeichnet -werden könnte.</p> - -<p>Da sehr Viel von der Flora dieser unangebauten -Theile des Landes dem Naturkundigen unbekannt ist, und -die Pflanzen ganz namenlos (?) sind, so nehme ich mir die -Freiheit, ihnen nach Neigung oder Laune Namen zu -geben. Allein indem ich von Pflanzen und Blumen -schreibe, vergesse ich, daß Sie lieber von den Schritten hören -dürften, die wir auf unserm Grundeigenthum gethan haben.</p> - -<p>Mein Gatte hat Leute zum Aufschichten (<em class="antiqua">log</em>) des -Holzes, das ist die Zusammenlegung der gefällten Bäume -in Haufen und deren Verbrennung, so wie auch zur -Lichtung eines Platzes für ein zu erbauendes Haus gemiethet. -Er hat auch einen Vertrag mit einem jungen -Ansiedler in der Nachbarschaft geschlossen, wonach dieser -sich anheischig macht, unsre künftige Wohnung für eine -bestimmte Summe, einem bestimmten Plan gemäß, von -außen und innen völlig in Stand zu setzen. Wir werden -indeß »<em class="gesperrt">die Biene</em>« rufen und für alles sorgen, was -zur Unterhaltung unsers würdigen <em class="gesperrt">Bienenstocks</em> erforderlich -ist. Nun müssen Sie wissen daß eine <em class="gesperrt">Biene</em> -in amerikanischer Sprechweise oder Phraseologie, jene -freundschaftliche Vereinigung von Nachbarn bedeutet, die -nach erhaltener Aufforderung sich versammeln, um die -Wände eines Hauses, einer Shanty, Scheune oder irgend -eines andern Gebäudes aufzurichten: dies ist eine -»aufrichtende Biene,« (<em class="antiqua">raising bee</em>). Außerdem giebt es -<em class="antiqua">logging bees</em>, welche die gefällten Bäume zusammenschichten -und verbrennen; <em class="antiqua">husking bees</em>, die von den -Stämmen die Rinde abschälen; <em class="antiqua">chopping bees</em>, welche -den Boden lichten, u. s. w. Die Beschaffenheit der - <span class="pagenum"><a id="Page_p135">[S. 135]</a></span> -zu verrichtenden Arbeit giebt der Biene den Namen. In -den volkreichen, seit langer Zeit angebauten Distrikten -findet dieses Verfahren nur selten statt, allein es ist von -großem Nutzen und für neue Ansiedler in abgelegnen -Stadtbezirken, wo die Arbeitslöhne verhältnißmäßig hoch -und Arbeiter schwer zu erlangen sind, unentbehrlich.</p> - -<p>Denken Sie sich die Lage eines Auswandrers, der mit -Weib und Kindern, welche letztre möglicher Weise noch zu -klein sind, um ihm im Fällen und Wegräumen der Bäume, -Errichtung einer Wohnstätte u. s. w. den geringsten Beistand -leisten zu können, auf einer Parzelle wilden Landes -anlangt, wie traurig muß dieselbe sein, wofern er -nicht schnelle und thätige Hülfe von seinen nächsten Umgebungen -erhält.</p> - -<p>Dieses lobenswerthe Verfahren ist ein Erzeugniß der -Nothwendigkeit, das jedoch auch seine Nachtheile hat, -als z. B. wenn die Zusammenberufung behufs einer -Gegenhülfe zu einer den übrigen Ansiedlern ungelegnen -Zeit geschieht; indeß ist es eine unerläßliche Pflicht, -freudig und willig den Zoll der Dankbarkeit zu entrichten, -und es wird in der That als eine Ehrenschuld -betrachtet; man kann nicht gezwungen werden, zur -Vergeltung des erhaltnen Beistandes einer dergleichen -Versammlung (<em class="antiqua">bee</em>) beizuwohnen, aber gewiß wird sich -keiner, wenn es nur irgend möglich ist, und wofern ihn -nicht dringende Umstände abhalten, weigern, dieses zu -thun; und ist man nicht im Stande, persönlich zu erscheinen, -so kann man einen Dienstboten oder Ersatzmann, -oder, wenn man dergleichen hat, auch Zugvieh senden.</p> - -<p>In keiner Lage und unter keinerlei andern Umständen -zeigt sich das Gleichheits-System Amerikas in einem -so vortheilhaften Lichte als bei dergleichen Zusammenkünften. -Alle Unterschiede, die Rang, Erziehung und Reichthum -ertheilen, werden für die Zeit freiwillig auf die -Seite gesetzt. Der wohlerzogne Sohn des Edelmanns, -und der des armen Handwerkers, Offiziere und Gemeine, - <span class="pagenum"><a id="Page_p136">[S. 136]</a></span> -der unabhängige Ansiedler und der Tagelöhner vereinigen -sich freudig und ohne Widerspruch zu einem gemeinschaftlichen -Werke. Jeder fühlt sich von dem wohlwollenden -Verlangen getrieben, dem Hülflosen zu helfen und -seine Kräfte zur Errichtung einer Wohnstätte für den -Obdachlosen zu verwenden.</p> - -<p>Gegenwärtig ist erst ein so kleiner Theil Wald auf -unsrer Parcelle gelichtet, daß ich wenig oder nichts von -dem Platze, wo wir uns häuslich niedergelassen, sagen -kann, nur so viel will ich bemerken, daß er an eine -schöne Wasserfläche stößt, welche eins von den Gliedern -der Otanabee-See-Kette bildet. Das nächstemal sollen -Sie jedenfalls eine ausführlichere Schilderung erhalten.</p> - -<p class="rright pmb2"> -Vor der Hand sage ich Ihnen Lebewohl!<br /> -</p> - -<hr class="tb" /> - - -<div class="block0"> -<div class="footnotes"><b>Fußnoten:</b> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_30_30"></a><a href="#FNanchor_30_30"><span class="label">[30]</span></a> Diese Concessions-Linien sind gewisse Abtheilungen der -abgesteckten Stadtbezirke; diese sind wieder in eben so viele Parcellen -von 200 Morgen getheilt. Die Concessions-Linien pflegten -durch weite, durch den Wald gehauene Alleen bezeichnet zu werden, -so daß sie eine Communication zwischen den einzelnen Abtheilungen -bildeten, allein dieser Plan machte zu viel Arbeit; in -wenigen Jahren schossen junge Bäumchen auf und verschlossen -den gelichteten Pfad dergestalt, daß er von geringem Nutzen war. -Die Grenzen der neuerdings abgesteckten Stadt-Bezirke sind -blos durch gekerbte Bäume bezeichnet.</p></div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_31_31"></a><a href="#FNanchor_31_31"><span class="label">[31]</span></a> <em class="antiqua">Fixed</em> (einlogirt).</p></div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_32_32"></a><a href="#FNanchor_32_32"><span class="label">[32]</span></a> <em class="antiqua">In the fall</em>, wie die Canadier den Herbst ausdrucksvoll -zu bezeichnen pflegen.</p> -</div> -</div> -</div> - - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p137">[S. 137]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="no-break" id="Achter_Brief">Achter Brief.</h2> -</div> - -<blockquote> -<p class="p1 font09">Unannehmlichkeiten, die mit einer noch neuen Ansiedlung -verbunden sind. — Schwierigkeit, Nahrungsmittel und andre -nöthige Artikel zu erlangen. — Schneesturm und Orkan. — -Indianischer Sommer und Eintritt des Winters. — Verfahren -bei Lichtung des Bodens.</p> -</blockquote> - - -<p class="p1 rright font09"> -November 20, 1832.<br /> -</p> - -<p>Unser Log-Haus ist jetzt zwar noch nicht fertig, -schreitet aber seiner Vollendung rasch entgegen. Wir -wohnen immer noch unter S— gastlichem Hause, da -dies die erste Ansiedlung auf ihrem Boden ist, so haben -sie, gleich allen übrigen Ansiedlern in den Urwäldern, im -laufenden Jahre noch mancher Schwierigkeit zu begegnen. -Sie besitzen ein schönes, trefflich gelegnes Stück -Land; und S— lacht zu den gegenwärtigen Entbehrungen, -welchen er einen heitern Muth und eine Entschlossenheit -entgegengesetzt, die ganz geeignet sind, über jede -Schwierigkeit zu siegen. Sie sind jetzt im Begriff, ein -größeres und bequemeres Haus zu beziehen, welches in diesem -Herbste (<em class="antiqua">fall</em>) erbaut ist, und werden uns die einstweilige -Benutzung des alten bis zur Vollendung unsers -eignen überlassen.</p> - -<p>Wir fangen bereits an, uns mit unserm Robinson-Leben -zu versöhnen, und der Gedanke, daß die gegenwärtigen -Uebel blos vorübergehend sind, läßt uns frohen Muthes -jedem Hinderniß trotzen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p138">[S. 138]</a></span></p> - -<p>Eine der größten Unannehmlichkeiten, womit wir -zu kämpfen haben, beruht auf der schlechten Beschaffenheit -der Straßen, und unsrer großen Entfernung von jedem -Dorfe und jeder Stadt, woher wir unsre Bedürfnisse -beziehen. Bis dahin, wo wir unser eignes Getreide erbauen -und unser eignen Schweine, Schafe und Federvieh werden -mästen können, müssen wir alle Nahrungsmittel von den -Vorrathshändlern kaufen, wozu noch kommt, daß die -Herbeischaffung derselben mit beträchtlichen Unkosten und -Zeitverlust verbunden ist, da der Transport auf unsern -trefflichen Buschstraßen geschieht, die, um mich der Worte -einer armen Irländerin zu bedienen, nicht schlechter sein -können. »Ach Madam,« sagte sie, »die sind wahrlich schlecht -genug und können nicht schlechter sein, sie sind wahrlich -nicht so ilgant (elegant) als unsre Straßen in Irland.«</p> - -<p>Bestellen wir mehre Gewürze zu gleicher Zeit und -lassen dieselben mit der nächsten Gelegenheit von Ort und -Stelle abgehen, so finden wir, wenn der Wagen anlangt, -bei Untersuchung unsrer Vorräthe, Reis, Zucker, Korinthen, -Pfeffer und Senf alles zu einem Chaos durcheinander -gewirrt. Was meinen Sie zu einem Reis-Pudding, -das tüchtig mit Pfeffer und vielleicht auch mit etwas -Rappee und dergleichen, um die Sauce piquanter zu -machen, durchwürzt ist. Ich denke das Recept würde in -<em class="antiqua">Cook's Oracle</em> oder <em class="antiqua">Mrs. Dalgairn's Practice of Cookery</em><a id="FNanchor_33_33"></a><a href="#Footnote_33_33" class="fnanchor">[33]</a> -unter dem originellen Titel: <em class="gesperrt">Busch-Pudding</em>, -Figur machen.</p> - -<p>Aber Wehe und Verderben den irdnen Waaren, welche -zufällig über die holprichten Straßen wandern. Glücklich -kann man sich in der That preisen, wenn in Folge vorzüglicher -Geschicklichkeit und Sorgfalt des Packers, mehr -als die Hälfte unzertrümmert anlangt. Gegen dergleichen -Unfälle haben wir keine Abhülfe. Der Waarenhändler -schiebt die Schuld auf den Fuhrmann, und der - <span class="pagenum"><a id="Page_p139">[S. 139]</a></span> -Fuhrmann auf die schlechten Straßen, sich wundernd, wie -er selbst während seiner Fahrt durch den Busch mit heiler -Haut und ganzen Gliedmaßen davon gekommen.</p> - -<p>Wir leben jetzt in der schlimmsten Jahres-Zeit, der -Eintritt und Ausgang des Winters machen dem Ansiedler -viel zu schaffen. Kein andres Fuhrwerk als ein -mit Ochsen bespannter Wagen, und auch dieser nicht -ohne Schwierigkeit, kann die Straße passiren und braucht -zur Vollendung seines Weges zwei ganze Tage; das -Schlimmste dabei ist, daß man die nöthigsten Artikel -bisweilen um keinen Preis erlangen kann.</p> - -<p>Sie sehen aus allem, daß ein Busch-Siedler nicht -blos auf alle Luxus-Gegenstände und Leckereien der Tafel, -sondern bisweilen sogar auf die nöthigsten Lebensbedürfnisse -Verzicht leisten muß.</p> - -<p>Zu einer Zeit ist kein Schweinfleisch zu haben; zu -einer andern herrscht Mangel an Mehl, vielleicht in Folge -eines Umstandes, der die Mühle außer Gang gesetzt hat, -oder weil es an Weizen zum Mahlen fehlt; oder Witterung -und schlechte Wege hindern die Ankunft des Wagens -oder den Abgang von Leuten zur Herbeischaffung -des Nöthigen. In diesem Falle muß man seine Zuflucht -zu einem Nachbar nehmen, vorausgesetzt, daß man -so glücklich ist, einen solchen in der Nähe zu haben, — -und im schlimmsten Fall muß man sich mit Kartoffeln -begnügen. Die Kartoffel ist hier in der That ein großer -Segen, neue Ansiedler würden ohne sie oft in eine -unangenehme Lage gerathen, und der arme Mann und -seine Familie, die ohne andre Hülfsmittel sind, müßten, -hätten sie die Kartoffel nicht, verhungern.</p> - -<p>Einmal war unser Thee-Vorrath ausgegangen, und -wir konnten nirgends dergleichen erhalten. In dieser -Verlegenheit würde Milch oder Kaffee ein treffliches Ersatzmittel -gewesen sein, wofern wir im Besitz davon gewesen -wären; allein wir hatten weder das Eine noch das -Andre, und so mußten wir zu Yankie-Thee — einem - <span class="pagenum"><a id="Page_p140">[S. 140]</a></span> -Absud von Schierlings-Tannen-Sprossen, unsre Zuflucht -nehmen. Dies war für meinen Geschmack ein sehr schlechtes -Getränk, wiewohl ich ein Kraut in dem Thee entdeckte, -welches in London das Pfund zu fünf Schilling -verkauft wird, und nichts anders sein kann als getrocknete -und pulverisirte Schierlings-Tannen-Blätter.</p> - -<p>S— lachte über unsre sauren Gesichter und erklärte -den Trank für vortrefflich; auch ging er uns allen -mit einem guten Beispiel voran, indem er sechs Tassen -von diesem ächten Wald-Thee hinterschlürfte. Doch gelang -es seiner Beredtsamkeit nicht, einen von uns zu bekehren, -wir mochten seiner Versicherung, daß er blos jungen Hyson-Thee -nachstehe, keinen Glauben beimessen und erwiederten -auf seine Bemerkung, daß derselbe mit seinen andern -guten Eigenschaften medicinische Tugenden verbinde, -er sei wie alle Arzneien, dem Gaumen sehr zuwieder.</p> - -<p>»Nach allem,« sagte S— mit einer gedankenvollen -Miene, »verdanken sowohl die Segnungen als die Uebel -dieses Lebens ihre Hauptwirkung der Stärke des Contrastes -und müssen demnach hauptsächlich geschätzt werden. -Wir würden die Genüsse, deren wir uns erfreuen, -nicht halb so hoch schätzen, wenn wir ihrer nicht zuweilen -entbehrten. Wie groß dürften uns die Annehmlichkeiten einer -völlig gelichteten und gut angebauten Meierei erscheinen, -wenn uns außer den nöthigen Lebensbedürfnissen noch -manche Luxus-Gegenstände zu Gebote stehen werden.«</p> - -<p>»Und wie wird uns grüner Thee nach diesem abscheulichen -Getränk behagen,« bemerkte ich.</p> - -<p>»Sehr wahr, und ein bequemes Haus, ein niedlicher -Garten, schöne Weiden nach diesen dunkeln Wäldern, -Loghäusern und völligem Mangel an Gärten.«</p> - -<p>»Und das Nichtvorhandensein der abscheulichen Baumstummel,« -fügte ich hinzu. »Gewiß! glauben Sie mir -meine Theure, Ihr canadisches Landgut wird Ihnen mit -der Zeit, nach vollendeter Cultur des Bodens, als ein -wahres Paradies erschienen, und Sie werden mit desto - <span class="pagenum"><a id="Page_p141">[S. 141]</a></span> -größerm Vergnügen und Stolz darauf blicken, wenn Sie -sich erinnern, daß es einst eine Wüstenei war, die sich -durch die Wirkungen von Fleiß und wohl angewendeten -Mitteln in fruchtbare Felder verwandelt hat. Jede Annehmlichkeit, -die Sie um sich her erzeugen, wird Ihr Glück -vermehren; jede Verbesserung in oder außer dem Hause -wird ein Gefühl von Dankbarkeit und Entzücken in Ihrem -Herzen erzeugen, wovon diejenigen, welche stets in -Ueberfluß und Wohlleben schwelgen oder auch nur die gewöhnlichsten -Vortheile der Civilisirung genießen, nichts -wissen. Mein Wahlspruch ist, »Hoffnung! Entschlossenheit! -und Ausdauer!«</p> - -<p>»Dies,« sagt mein Gatte, »ist wahre Philosophie, -und sie wirkt um so nachdrücklicher, weil Sie ihre -Wahrheit durch die That beweisen.«</p> - -<p>Ich hatte sehr auf den indianischen Sommer (Nachsommer) -gezählt, wovon ich so entzückende Schilderungen -gelesen, allein ich muß gestehen, daß derselbe weit hinter -meinen Erwartungen zurückgeblieben ist. Gleich zu Anfange -dieses Monats (November) hatten wir drei oder -vier warme, trübe, mehr drückende und schwüle Tage. Die -Sonne schimmerte roth durch die neblichte Atmosphäre, -die seltsam gestalteten Wolken, welche in rauchartigen wellenförmigen -Massen am Himmel hingen, mit saffrangelbem -und blaß carmosinrothem Lichte färbend, gerade so wie ich -dergleichen an einem heißen schwülen Frühlings-Morgen -gesehen habe.</p> - -<p>»Nicht ein Lüftchen kräuselte die Wasserfläche, nicht -ein Blatt (denn die Blätter waren noch nicht alle gefallen) -regte sich. Diese völlige Stockung der Luft -ward plötzlich durch einen heftigen Sturmwind mit -Schneegestöber unterbrochen, welcher ohne alle Vorzeichen -heranbrauste. Ich stand in der Nähe einer hohen Fichten-Gruppe, -die man inmitten des gelichteten Bodens -hatte stehen lassen, und sammelte eben einige carmosinrothe -Flechten (Lichenen); S— befand sich nur einige - <span class="pagenum"><a id="Page_p142">[S. 142]</a></span> -Schritt von mir, mit einem Gespann Ochsen, welche Brennholz -zogen. Auf einmal vernahmen wir ein fernes hohles -Rauschen, das mit jedem Augenblick zunahm, die -Luft rings um uns her war vollkommen ruhig. Ich -blickte empor und sah die bisher so regungslosen Wolken -mit erstaunlicher Schnelligkeit in verschiednen Richtungen -sich fortbewegen. Ein dichtes Dunkel verbreitete sich -über den Himmel. S—, der ämsig mit den Ochsen -beschäftigt gewesen, hatte nicht gleich bemerkt, daß ich -ihm so nahe war, und rief mir jetzt zu, daß ich -so schnell als möglich das Haus oder eine freie Stelle, -fern von den Fichten, zu erreichen suchen möchte. Unwillkührlich -wendete ich mich dem Hause zu, während -das donnernde Getös der in allen Richtungen niederstürzenden -Bäume, das Herabprasseln der Aeste von den -Fichten, die ich so eben verlassen, das Brausen der Windsbraut, -welche über den See herabraste, mich die Gefahr -erkennen ließen, die mir gedroht hatte.</p> - -<p>Die brechenden Aeste der Fichten, welche, vom Sturme -fortgeführt, über mir umherwirbelten, verfinsterten die -Luft; dann kam das blindmachende Schneegestöber; allein -Gott sei Dank! ich konnte den Fortschritten des Unwetters -in Sicherheit zusehen, da ich die Schwelle unsers -Hauses gewonnen. Der Ochsentreiber hatte sich mit dem -Gesicht auf die Erde geworfen, während die armen Thiere -in Demuth ihre Köpfe niederhielten und geduldig den -Ausgang des schonungslos wüthenden Sturmes abwarteten. -S—, mein Gatte und alles, was zum Haushalt -gehörte, hatte sich in eine Gruppe vereint und bewachte -mit ängstlicher Spannung das wilde Toben der in Aufruhr -begriffnen Elemente. Nicht ein Blatt blieb an den -Bäumen, als der Orcan ausgewüthet, standen sie nackt -und kahl da. So endete die kurze Herrschaft des indianischen -Sommers<a id="FNanchor_34_34"></a><a href="#Footnote_34_34" class="fnanchor">[34]</a>.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p143">[S. 143]</a></span></p> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/p143i.jpg" alt="Neu gelichtetes Land." /> - </div> - - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p144"></a></span></p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p145">[S. 145]</a></span></p> - -<p>Meiner Ansicht nach ist die Meinung, welche einige -Reisende hegen, daß nämlich der indianische Sommer -durch das jährliche Abbrennen von Wäldern seitens derjenigen -Indianer erzeugt werde, welche die undurchforschten -Gegenden jenseits der größern Seen bewohnen, ungegründet. -Man denke sich nur, welche ungeheure Waldstrecken -jährlich in Flammen aufgehen müßten, um einen -Einfluß auf ziemlich das ganze Continent von Nordamerika -zu üben; übrigens finden die Waldbrände zu der -Zeit im Jahre statt, wo das Feuer, wegen der durch die -Herbst-Regengüsse bewirkten Feuchtigkeit des Bodens nicht -leicht stark um sich greift.</p> - -<p>Ich möchte vielmehr die besondre Wärme und schwüle -düstre Beschaffenheit der Luft der Gährung jener ungeheuren -Masse vegetabilischen Stoffs zuschreiben, welche -während der letzten Hälfte des Octobers in Zersetzung begriffen -ist. Einige haben die Vermuthung aufgestellt, -daß eine große Veränderung hinsichtlich dieser Jahreszeit -stattfinden werde, indem die fortschreitende Lichtung des -Landes die Quantität verwitternder Vegetabilien fortwährend -vermindere. Ja ich habe gehört, daß von denjenigen, -welche seit langer Zeit mit dem amerikanischen Festlande -bekannt sind, in der fraglichen Beziehung schon ein -ziemlicher Unterschied bemerkt werde.</p> - -<p>Bisher sind meine Erfahrungen, das Klima anlangend, -günstig gewesen. Der Herbst war recht schön, obwohl -die Fröste zeitig im September eintraten, anfangs -waren sie gelind und kaum des Morgens fühlbar; aber gegen -den October zeigten sie sich schon strenger und dauernder. -Allein wenn auch die eine Hälfte des Tages kalt ist, -so sind doch die Mittags- und Nachmittags-Stunden -warm und angenehm.</p> - -<p>Wir fühlen bereits den strengen Eintritt des Winters. -Er begann entschieden mit dem Ende des indianischen -Sommers. Der November gleicht bei weitem nicht -demselben Monat in der Heimath (England). Die erste - <span class="pagenum"><a id="Page_p146">[S. 146]</a></span> -Hälfte war mild und warm, die letzte kalt, von scharfen -Frösten und gelegentlichem Schneefall begleitet; allein er -scheint nicht den düstern trüben Charakter unsers brittischen -Novembers zu besitzen. Indeß reicht eine kurze -Bekanntschaft mit dem Klima nicht hin, ein richtiges -Urtheil über seinen Charakter zu fällen, es bedarf hierzu -einer genauen, während eines mehrjährigen Aufenthalts -im Lande fortgesetzten Beobachtung seiner Eigenthümlichkeiten -und Wechsel.</p> - -<p>Jetzt muß ich Ihnen erzählen, was mein Gatte auf -unserm Grundstück vornimmt. Zehn Morgen hat er einigen -irischen Holzfällern (<em class="antiqua">choppers</em>) übergeben, die sich -auf die Dauer des Winters in der Shanty eingerichtet -haben. Sie erhalten für Lichtung und Einfriedigung des -Ackers, das Verbrennen der gefällten Bäume mit inbegriffen, -zehn Dollars. Der Boden muß bis auf die -Baumstummel völlig rein sein, letztere bedürfen, um zu -verwittern, neun bis zehn Jahr; die Fichte, Schierlingstanne -und die Tanne halten sich viel länger. Die Entfernung -der Stummel ist für neue Anfänger zu kostspielig; -die Arbeits-Löhne sind so hoch, daß man sich mit -Ausführung des unumgänglich Nothwendigen begnügen -muß. Die Zeit, während welcher gearbeitet werden kann, -ist sehr kurz, weil der Frost so lange in der Erde bleibt; -mit Ausnahme des Fällens und Verbrennens der Bäume -läßt sich nicht viel thun.</p> - -<p>Diejenigen, welche die gehörige Behandlung ungelichteten -Landes verstehen, schneiden zunächst alle kleinere -Bäume und alles Unterholz weg, während diese -noch belaubt sind; das gefällte Holz wird in Haufen -gelegt, und die vom Winde umgestürzten Bäume werden -der Länge nach zersägt und im Frühjahr mit dem -Winterschnitt (die im Winter gefällten Bäume) geklaftert. -Der Ausgang des Sommers und der Herbst -sind die beste Zeit für besagte Arbeit. Die Blätter werden -alsdann völlig trocken und erleichtern das so wichtige - <span class="pagenum"><a id="Page_p147">[S. 147]</a></span> -Verbrennen der dicken schweren Baumstämme um ein -Bedeutendes. Ein andrer Grund dazu ist, daß nach -hohem Schneefall das kleine leichte Holz (Unterholz) -nicht dicht an der Erde weggeschnitten, und die todten -Aeste und andre Abgänge nicht gesammelt und in Haufen -gelegt werden können.</p> - -<p>Wir werden ungefähr drei Morgen für die Frühlingssaat -bereit haben, voraus gesetzt, daß wir mit dem Verbrennen -des in der Nähe unsers Hauses bereits geklafterten -Holzes nach Wunsch zu Stande kommen. — Wir -gedenken dieselben mit Hafer, Kürbissen, indianischem -Korn und Kartoffeln zu bepflanzen; die andern zehn -Acker sollen für die Einsaat von Weizen ebenfalls fertig -werden. Sie sehen daraus, daß wir noch lange auf -eine Ernte zu warten haben. Selbst Frühlings-Weizen, -wenn er im Laufe des Jahres zur Reife kommen -soll, können wir nicht mehr zeitig genug in die -Erde bringen.</p> - -<p class="pmb3">Im Frühjahr wollen wir uns wo möglich zwei Kühe -zulegen, da diese Thiere während des Frühlings, Sommers -und Herbstes wenig Kosten verursachen; den -Winter über werden wir Kürbisse und Haferstroh für sie -haben.</p> - -<hr class="tb" /> - -<div class="block0"> -<div class="footnotes"><b>Fußnoten:</b> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_33_33"></a><a href="#FNanchor_33_33"><span class="label">[33]</span></a> Englische Kochbücher.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_34_34"></a><a href="#FNanchor_34_34"><span class="label">[34]</span></a> Nachsommer.</p> -</div> -</div> -</div> - - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p148">[S. 148]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="no-break" id="Neunter_Brief">Neunter Brief.</h2> -</div> - -<blockquote> -<p class="p1 font09">Verlust eines Ochsen-Gespanns. — Errichtung eines Log-Hauses. -— Glaser- und Zimmermanns-Arbeit. — Beschreibung -eines neuen Log-Hauses. — Spaziergang auf dem Eise. — -Lage des Hauses. — See und umgebende Scenerei.</p> -</blockquote> - - -<p class="p1 rright font09"> -See-Haus, April 18, 1833.<br /> -</p> - -<p>Es wird Zeit, daß ich Ihnen endlich eine Beschreibung -unsers Log- (Block-) Hauses gebe, in welches wir einige -Tage vor Weihnachten eingezogen sind. Da manche unvorhergesehene -Umstände seine Vollendung vor besagter -Zeit verhinderten, so glaubte ich schon, daß es nie würde -bewohnbar werden.</p> - -<p>Der erste Unfall, welcher uns traf, war der Verlust -eines Gespanns Ochsen, die wir zum Herbeiziehen der -Baumstämme für das zu errichtende Haus gekauft hatten. -Da sie den Busch nicht so angenehm finden mochten, -als die gelichteten Weideplätze ihres vorigen Herrn, -oder weil sie vielleicht harte Arbeit für sich voraus sahen, -so kam es ihnen eines Morgens früh in den Kopf, durch -den See, gleich da, wo die Stromschnellen ihren Anfang -nehmen, zu setzen und sich davon zu machen, keine -Spur ihrer Marschroute, außer einigen Fußstapfen am Wasser-Rande, -zurücklassend. Nachdem wir einige Tage vergebens -danach gesucht, blieb die Arbeit liegen, und einen -ganzen Monat hindurch waren sie weg, so daß wir schon -alle Hoffnung aufgaben, jemals wieder etwas von ihnen - <span class="pagenum"><a id="Page_p149">[S. 149]</a></span> -zu hören. Endlich erfuhren wir, daß sie etwa zwanzig -(englische) Meilen von uns, in einem fernen Stadtbezirk -(<em class="antiqua">township</em>) angelangt waren und ihren Weg durch -Waldung und Moräste, Bäche und Seen zu ihrem früheren -Besitzer zurückgenommen hatten, von einem Instinkte -geleitet, der ihnen für den Mangel an Straßen -und Compaß Ersatz leistete.</p> - -<p>Man erzählt Fälle, wo dergleichen Thiere einen -Strich wilden Landes dreißig oder vierzig (englische) Meilen -weit, bis zu ihren alten Weideplätzen, in gerader Linie -und auf unbekannten Pfaden, wo ihnen das Gedächtniß -nicht zu Hülfe kommen konnte, durchwanderten. -Beim Hunde betrachten wir Geruch und Gedächtniß als -Führer, die ihn zu seiner fernen Heimath zurückleiten; -wie aber soll man sich die fraglichen Wanderungen jener -Ochsen erklären? Sie kehrten durch dichte endlose Wälder, -wo der Mensch mit all seiner Vernunft und Kenntniß -den rechten Weg gewiß verfehlt haben würde, nach -Hause zurück.</p> - -<p>Der October ging bereits zu Ende, und noch standen -nicht einmal die Wände unsers Hauses. Letzteres zu -bewirken, riefen wir »eine Biene« zusammen: sechszehn -unsrer Nachbarn folgten mit großer Bereitwilligkeit unsrer -Aufforderung; und obschon der Tag nichts weniger -als günstig war, so führte unsre Biene ihr Werk doch so -treulich aus, daß mit Einbruch des Abends die Außenwände -aufgerichtet waren.</p> - -<p>Die Arbeit schritt unter Mithülfe einer reichlichen -Quantität canadischen Nektars (Branntweins), des Honigs, -womit unsre Bienen gestärkt werden, rasch vorwärts. -Einige tüchtige eingesalzne Schweinskeulen, ein -Viertel Kartoffeln nebst einem Reispudding und ein -Brod, so dick wie ein gewaltiger Cheshire-Käse, bildeten -das Mahl, womit die fleißigen Leute regalirt wurden. -Dies alles wurde in der Shanty, in einem ziemlich ländlichen -Styl, aufgetischt. Kurz, wir lachten und nannten - <span class="pagenum"><a id="Page_p150">[S. 150]</a></span> -es einen <em class="gesperrt">Pic-nic in den Urwäldern</em>; aber wie roh -und einfach auch das Mahl war, so kann ich Ihnen doch -versichern, daß sämmtliche Gäste, hohe und niedre, sehr -damit zufrieden waren und unsre »<em class="gesperrt">Biene</em>« als eine sehr -wohl versorgte priesen. Trotz der Rangverschiedenheit derer, -welche die Biene bildeten, herrschte doch unter allen -die größte Harmonie, und die Gesellschaft ging wohl -zufrieden mit ihrem Tagewerke und der Bewirthung auseinander.</p> - -<p>Am folgenden Tage machte ich einen Ausflug, um -das neu errichtete Gebäude in Augenschein zu nehmen; -allein ich fand mich sehr unangenehm überrascht, da es -keineswegs das Ansehn eines Hauses hatte. Es war -ein bloses Rechteck von über einander befestigten Scheiten, -mit offnen Räumen zwischen jeder Scheit-Reihe. -Die Oeffnungen für Thüren und Fenster waren noch -nicht geschnitten, und die Dachbalken lagen noch nicht. -Mit einem Wort, es war ein seltsamer Bau, und ich -kehrte etwas niedergeschlagen nach Hause zurück, mich -nicht wenig wundernd, daß mein Gatte mit den gemachten -Fortschritten so zufrieden war. Einen oder zwei Tage -darauf stattete ich dem Neubau abermals einen Besuch -ab. Die Tragbalken zur Aufnahme der Fußböden waren -gelegt, und die Oeffnungen für die Thüren und Fenster -waren in das feste Holz geschnitten, so daß derselbe nicht -mehr so sehr wie zuvor einem Vogelkäfig glich.</p> - -<p>Nach Beschindelung des Dachs mußten wir wieder -pausiren, da Breter nicht näher als in Peterborough zu -haben waren, und mithin bedurfte es einer langen Tage-Reise -über schreckliche Straßen. Zu dieser Zeit war noch -an keine Sägemühle zu denken, jetzt aber ist eine dergleichen, -nicht weit von uns, im Entstehen begriffen. Unsre -Dielenbreter mußten alle mit der Hand gesägt werden, -und es währte ziemlich lange, ehe wir Jemand zur Verrichtung -dieses nothwendigen Werkes finden konnten, -und das zu einem hohen Lohne, ein Shilling und - <span class="pagenum"><a id="Page_p151">[S. 151]</a></span> -Sechspence für den Tag. Die Breter langten endlich -an, aber natürlicher Weise von unabgepaßtem Holze; -dies war unvermeidlich, und da sie nicht gehobelt werden -konnten, mußten wir uns ihr rohes häßliches Ansehn -gefallen lassen; denn es waren keine besseren zu haben. -Ich erinnerte mich jetzt an die Bemerkung des alten -Herrn, mit welchem wir von Cobourg nach dem Reis-See -fuhren. Wir trösten uns mit der Aussicht, daß -mit dem nächsten Sommer sämmtliche Breter abgepaßt -sein werden, freilich bedarf es hierzu einer völligen Umkehrung -des Hauses; denn die Breter müssen von neuem -gelegt, gehörig an einander gefügt und gehobelt werden.</p> - -<p>Der nächste Unfall, welcher uns betraf, war, daß -das Gemisch von Lehm und Kalk, womit das Haus von -innen und außen zwischen den Fugen der Baum-Scheite -berappt werden sollte, in einer einzigen Nacht so hart -wie Stein fror; das Werk war kaum zur Hälfte gediehen, -als plötzlich Frost eintrat und der Arbeit auf einige -Zeit ein Ende machte, denn der gefrorne Mörtel -thauete weder im Feuer noch in heißem Wasser auf; letzteres -fror ebenfalls, ehe es noch eine Wirkung auf die -Masse geäußert, und machte die Sache eher schlimmer. -Alsdann verwundete sich der Zimmermann beim Glatthauen -der Wände im Innern mit der breiten Axt und -ward hierdurch auf einige Zeit zur Fortsetzung seiner Arbeit -untüchtig.</p> - -<p>Ich führe alles dies blos darum an, um die Schwierigkeiten -zu zeigen, welche uns in Vollführung unsrer -Pläne hindern, und dies erklärt zum großen Theil die -schlechten Wohnungen, womit sich Ansiedler der achtbarsten -Klasse bei ihrer ersten Ankunft in diesem Lande begnügen, -und dies keineswegs aus Neigung sondern aus -Nothwendigkeit; ich könnte Ihnen Schilderungen der -Art geben, die Sie in Erstaunen setzen würden. Jedenfalls -dient es dazu, uns zufriedner und gleichgültiger -zu machen, wenn wir um uns her nur wenige in - <span class="pagenum"><a id="Page_p152">[S. 152]</a></span> -bessern, ja viele, die mit uns von gleichem oder vielleicht -noch höherem Range sind, in noch schlimmeren Verhältnissen -erblicken, als dies, verhielte sich die Sache anders, -der Fall sein würde.</p> - -<p>Jedermann in diesem Lande muß selbst den Glaser -machen; Sie werden darüber lachen, allein, will er keine -zerbrochnen Fensterscheiben sehen und die davon herrührenden -Unannehmlichkeiten fühlen, so muß er lernen, -sie mit eigner Hand in seine Fensterrahmen einzuziehen. -Handwerker sind, gerade wenn man sie braucht, in den -Urwäldern nicht immer leicht zu haben, und es hieße sehr -verkehrt handeln, wenn man zur Ausbesserung seiner -Fenster einen Glaser theuer bezahlen und auf seine Unkosten -eine zweitägige Reise von der nächsten Stadt -machen lassen wollte. Glastafeln von verschiedner Größe -kann man bei den Vorrathshändlern sehr wohlfeil kaufen. -Mein Gatte machte sich ein Vergnügen daraus, das Glas -in seine Fenster, ehe diese eingehängt wurden, selbst einzuziehen.</p> - -<p>Eine genaue Bekanntschaft mit dem Gebrauch der -Werkzeuge des Zimmermanns ist hier, glauben Sie mir, -viel werth, und ich empfehle jedem jungen Mann, der -nach Canada auswandern will, sich mit diesem schätzbaren -Metier so viel als möglich bekannt zu machen, da er -andern Falls oft in große Verlegenheit gerathen dürfte.</p> - -<p>Höchst lächerlich erschienen mir die Bemerkungen einer -superfeinen Dame, der unwilligen Theilnehmerin an -der Auswanderung ihres Gatten, als sie den Sohn eines -See-Offiziers von einigem Range im Dienste ämsig mit -Fertigung einer Axt-Handhabe aus einem Stück Felsen-Ulme -beschäftigt sah.</p> - -<p>»Ich wundre mich, daß Sie <em class="gesperrt">George</em> sich so -erniedrigen lassen,« bemerkte sie, sich an dessen Vater -wendend.</p> - -<p>Der Capitain blickte sie mit Verwunderung an, -»Sich erniedrigen! Auf welche Weise Madam? Mein - <span class="pagenum"><a id="Page_p153">[S. 153]</a></span> -Sohn schwört nicht, trinkt keinen Branntwein, und sagt -keine Lügen.«</p> - -<p>»Allein Sie lassen ihn Arbeiten der niedrigsten Art -verrichten. Um was ist er jetzt besser als ein gemeiner -Zimmermann; und ich glaube, daß sie ihn auch Holz fällen -lassen?«</p> - -<p>»Allerdings,« war die Antwort, »das Holz dort auf -dem Wagen hat er seit gestern, nach Beendigung seiner -Lehrstunden, alles selbst gefällt.«</p> - -<p>»Lieber wollte ich meine Jungen todt sehen, ehe -ich ihnen gleich gemeinen Arbeitern die Axt zu führen -verstattete.«</p> - -<p>»Müßiggang ist aller Laster Anfang,« sagte der Capitain, -»wie weit schlechter würde mein Sohn beschäftigt -sein, wenn er sich mit böser Gesellschaft auf der Straße -umher triebe.«</p> - -<p>»Sie müssen doch zugeben, daß sich dieses Land -nicht zum Aufenthalt für Gentlemen und Damen eignet,« -bemerkte die Lady.</p> - -<p>»Es ist ein Land,« erwiederte der Capitain etwas -derb, »worin Gentlemen, die nicht arbeiten mögen und die -doch nicht außer demselben leben können, verhungern müssen, -und aus diesem Grunde gewöhne ich meine Söhne -frühzeitig an eine stete und nützliche Thätigkeit.«</p> - -<p>»Meine Söhne sollen nie wie gemeine Handwerker -arbeiten,« erwiederte die Dame mit Unwillen.</p> - -<p>»In diesem Fall Madam, werden sie als Ansiedler -zu nichts taugen; und es ist nur zu bedauern, daß -Sie dieselben über den Ocean hierher gebracht haben.«</p> - -<p>»Wir waren dazu gezwungen, wir konnten nicht -mehr auf dem Fuße leben, wie wir gewohnt waren, andernfalls -würde ich nie in dieses abscheuliche Land gekommen -sein.«</p> - -<p>»Da Sie aber nun einmal hier sind, so werden Sie -sehr wohl thun, sich in die Umstände zu schicken, Canada -ist kein Land für müßige Leute, welche ihre - <span class="pagenum"><a id="Page_p154">[S. 154]</a></span> -Vermögens-Umstände zu verbessern wünschen. In einigen Theilen -des Landes werden Sie die meisten Nahrungsmittel -eben so theuer finden als in London, die Kleidung noch -weit theurer und nicht so gut, und dabei eben keine sonderliche -Auswahl.«</p> - -<p>»Nun dann möchte ich doch wissen, wozu Canada -gut ist?« war die ärgerliche Antwort.</p> - -<p>»Es ist ein gutes Land für den rechtschaffnen fleißigen -Handwerker. Es ist ein schönes Land für den armen -Arbeiter, der nach wenigen Jahren harter Arbeit -sich in seinem eignen Log-Hause niederlassen und sein -Auge auf seinen eignen Grund und Boden schweifen lassen -kann, und seine Kinder für die Zukunft wohl versorgt -und unabhängig weiß. Es ist ein großes wichtiges -Land für den reichen Speculanten, der eine beträchtliche -Summe in Ankauf trefflichen ergiebigen Bodens anlegen -kann; denn verfährt er nur einigermaßen klug, -so kann er für sein Geld nach Verlauf einiger Jahre -hundert Procent Zinsen gewinnen. Aber es ist ein böses -Land für den armen Gentleman, den seine Lebensweise -und Gewohnheiten untüchtig zur Handarbeit gemacht -haben. Er bringt Gesinnungen mit sich, die -nicht zu seiner neuen Lage passen; und selbst wenn ihn -die Noth zur Anstrengung seiner Kräfte treibt, ist seine -Arbeit von geringem Werth. Sein Fortkommen fällt -ihm äußerst schwer. Die nicht zu umgehenden Arbeits-Löhne -und Ausgaben für den erforderlichen Lebensunterhalt -sind beträchtlich, und er muß, will er sich aufrecht -und schuldenfrei erhalten, manche Entbehrungen erdulden. -Hat er eine zahlreiche Familie und erzieht er sie auf -eine vernünftige, seinen Umständen angemeßne Weise, das -heißt, macht er sie frühzeitig für das Ansiedlerleben geschickt, -so erzeigt er ihnen eine wahre Wohlthat und -wird bald der guten Folgen für sein Grundeigenthum -inne; allein ist er selbst müßig und faul, seine Frau verschwenderisch -und unzufrieden, und lehrt er seine Kinder - <span class="pagenum"><a id="Page_p155">[S. 155]</a></span> -mit Verachtung auf anstrengende Arbeit herab zu blicken; -so eilt er seinem Verderben mit Riesenschritten entgegen. -Mit einem Wort, das Land ist ein gutes Land für diejenigen, -für welche es paßt; wer sich aber nicht der Nothwendigkeit -fügen, wer keine Entbehrung dulden und nicht -arbeiten will, der thäte besser, er bliebe davon entfernt. -Es liegt am Tage, daß Canada nicht jeder Klasse von -Leuten zusagen kann.«</p> - -<p>»Nun für mich und meine Familie paßt es durchaus -nicht,« erwiederte die Dame verächtlich.</p> - -<p>»Sehr wahr!« lautete die laconische Antwort, und -so endete das Zwiegespräch.</p> - -<p>Allein indem ich diese Bemerkungen nieder geschrieben, -bin ich ganz von der Hauptsache abgekommen und -habe mein armes Log-Haus in unvollendetem Zustande -gelassen. Endlich wurde mir gesagt, daß es fertig und -bewohnbar sei, und ich sah mich bald mitten in die mit -dem Aus- und Einzuge verbundne Unruhe und Arbeit -versetzt. Wir erhielten allen nöthigen Beistand von S—, -der stets bereit und willig ist, uns zu helfen. Er lachte -und nannte unsre kleine Versammlung eine bewegende -<em class="gesperrt">Biene</em> (<em class="antiqua">moving bee</em>); ich sagte es sei eine feststellende -Biene, (<em class="antiqua">fixing bee</em>) und mein Gatte gab ihr den Namen -ordnende Biene (<em class="antiqua">settling bee</em>); gewiß waren wir, -ehe alles zu Stande kam, uneingerichtet genug. Welch -eine wüste Höhle ist ein kleines Haus oder überhaupt -jedes Haus unter solchen Umständen. Der Begriff von -Chaos muß vom Aus- und Einräumen entlehnt worden -sein, denn ich glaube, daß die Alten so gut hiermit zu -thun hatten, als die Neuern.</p> - -<p>Von irdnem Geschirr ging mancher werthvolle Artikel -auf seiner kurzen aber holperigen Wanderung durch -die Wälder in Stücke. Friede und Ruhe ihren Manen! -Ich hatte eine gute Hülfe an meinem irischen Mädchen, - <span class="pagenum"><a id="Page_p156">[S. 156]</a></span> -die bald ein tüchtiges Feuer auf dem neuen Herde anzündete -und alles im Hause ordnete.</p> - -<p>Wir fühlen uns jetzt in unsrer neuen Wohnstätte -recht behaglich; ich will Ihnen eine Schilderung von -dem kleinen Häuschen geben. Was fertig da steht, ist -blos ein Theil von dem ursprünglichen Plan, das Uebrige -muß im nächsten Frühjahr oder Herbst, wie es die Umstände -erlauben, hinzugefügt werden.</p> - -<p>Ein niedliches kleines Wohnstübchen mit Vorrathskammer, -Küche, Speise- und Schlafkammer bilden das -Erdgeschoß; dazu kommt ein hübsches obres Stockwerk, -welches drei Schlafgemächer abgeben wird.</p> - -<p>»Welche Nußschale,« höre ich Sie im Geiste ausrufen; -eine solche ist es vor der Hand wirklich, allein -wir gedenken einen schönen Vorbau daran zu fügen, -und warten hierzu nur auf Breter von der Mühle; dies -wird uns noch eine Stube, einen langen Saal und ein -Schlafzimmer für vorkommende Fälle verschaffen. Die -Fenster und Glasthüre unsers jetzigen Wohnstübchens gewähren -eine angenehme Aussicht auf die Seen im -Westen und Süden. Nach Vollendung des Hauses werden -wir vorn und nach der Südseite eine Verandah -(Vorhalle) haben, eine angenehme Hinzufügung für den -Sommer, da man sie als eine Art Vorgemach benutzen, -darin speisen und die frische Luft, geschützt gegen die -Sonne, genießen kann. Die Canadier nennen diese Verandahs -»<em class="gesperrt">Stoups</em>,« da sie nur aus Scheiten oder -Bretwerk bestehen, so entbehren nur wenige Häuser derselben. -Die Pfeiler oder Säulen, umwunden von üppigen -Hopfen-Ranken, der Scharlach-Bohne und der Morgen-Glorie<a id="FNanchor_35_35"></a><a href="#Footnote_35_35" class="fnanchor">[35]</a>, -nehmen sich sehr hübsch aus. Gewiß sind - <span class="pagenum"><a id="Page_p157">[S. 157]</a></span> -diese Stoups eine vorzügliche Zierde, da sie zum großen -Theil die rohen Scheite verbergen und das scheunenartige -Aeußre der Häuser maskiren.</p> - -<p>Unser Wohnstübchen wärmt ein hübscher eiserner -Ofen mit messingener Gallerie und einer Schutzplatte. -Das Hausgeräth besteht in einem mit Messingblechen beschlagnen -Sopha, das gelegentlich auch als Bett gebraucht -wird, canadischen angestrichnen Stühlen, einem -gefleckten Tisch von Tannenholz, grünen und weißen Vorhängen -und einer schönen indianischen Matte, welche den -Fußboden bedeckt. Eine Seite des Zimmers nehmen -unsre Bücher ein. Einige große Landcharten und verschiedne -gute Kupferstiche verstecken so ziemlich die rohen -Wände und bilden die Decoration unsrer kleinen Wohnung. -Unser Schlafzimmer ist auf dieselbe einfache Weise -ausmöblirt. Indeß fühlen wir uns gar nicht unbehaglich -in unserm schlichten Häuschen; und wiewohl es keineswegs -so beschaffen ist, um unsern Wünschen vollkommen -zu genügen, entspricht es doch unter den bestehenden Umständen -seinem Zwecke.</p> - -<p>Ich harre sehnsüchtig dem Frühling entgegen, um -vor dem Hause ein Gärtchen anlegen zu können; denn -ich beabsichtige, einige der im Lande einheimischen Früchte -und Blumen darin anzupflanzen, die meiner Ueberzeugung -nach durch Cultur einer beträchtlichen Veredlung -fähig sind. Die auf unsern Triften und gelichteten -Waldstellen wild wachsenden Erdbeeren gehören verschiednen -Varietäten an und tragen sehr reichlich, zum Einmachen -eignen sie sich trefflich, und ich gedenke einige -Beete in meinem Garten damit zu bepflanzen. Auf unserm -See befindet sich ein allerliebstes waldiges Inselchen, -Erdbeer-Eiland und ein andres <em class="antiqua">Raspberry island</em> (Brombeer-Eiland) -benamt; sie enthalten einen Ueberfluß an -allerlei Früchten — wilden Trauben, Brombeeren, schwarzen -und rothen Johannis-Beeren; eine wilde Stachelbeere - <span class="pagenum"><a id="Page_p158">[S. 158]</a></span> -und eine schöne kleine rankende Pflanze, welche -weiße Blumen trägt, wie die Brombeere, desgleichen eine -dunkel purpurfarbne Frucht, bestehend aus einigen Samen -von angenehmem, lebhaft säuerlichem Geschmack, der -Thaubeere nicht unähnlich, aber nicht ganz so süß. Die -Blätter dieser Pflanze sind glänzend hellgrün und ungefähr -wie die Blätter der Brombeere gestaltet, mit der sie -(obgleich nicht so buschig und dornig) in einiger Hinsicht -so große Aehnlichkeit hat, daß ich sie die <em class="gesperrt">kriechende -(rankende Brombeere)</em> getauft habe.</p> - -<p>Unsre wissenschaftlichen Botaniker dürften mich für -sehr keck und anmaßend halten, daß ich mir die Freiheit -nehme, den Blumen und Sträuchern, auf die ich in diesen -Wäldern stoße, Namen beizulegen. Ich kann blos sagen -daß es mich freut, wo möglich die canadischen oder selbst -die indianischen Benennungen zu entdecken, und wo sie -fehlen, betrachte ich mich als ihre Taufmutter und benenne -sie nach meinem Gefallen.</p> - -<p>Unter unsern wilden Früchten haben wir eine Pflaume, -die in einigen Gemeinde-Distrikten sehr gut und reichlich -ist, sie eignet sich trefflich zum Einmachen vorzüglich -wenn man sie, wie die amerikanischen Hausfrauen, in -Ahorn-Syrup kocht; wilde Kirschen, desgleichen eine -Sorte Namens <em class="antiqua">choke cherries</em> (Würgkirschen) wegen -ihrer stark zusammenziehenden Eigenschaften, hoch- und -kleinsträuchige Moosbeeren und Schwarzbeeren, welche -von den Squaws in Birken-Körben herbeigebracht -werden. Alle diese kommen auf den Ebnen und Bieber-Wiesen -vor. Die kleinsträuchigen Moosbeeren werden -von den Indiern in großer Menge in die Städte -und Dörfer gebracht. Sie bilden eine stete Delicatesse -(eingemacht) auf den Thee-Tischen der meisten -Ansiedler; allein was Trefflichkeit des Geschmacks und -schönes Ansehn betrifft, so ziehe ich die hochbuschige Moosbeere -vor; diese ist weniger begehrt, wegen der großen - <span class="pagenum"><a id="Page_p159">[S. 159]</a></span> -platten Samen, welche das Einmachen derselben verhindern; -indeß ist das Gelée davon sowohl in Farbe als -Wohlgeschmack vortrefflich.</p> - -<p>Der Strauch auf welchem diese Moosbeere wächst, -gleicht der Guelder-Rose. Die Blüthen sind rein weiß -und stehen in loosen Dolden; sie bilden nach ihrer Entfaltung -in Wäldern und Mooren und am Wasser-Rande -der Seen eine schöne Zierde. Die Beeren sind etwas -länglich eirund und glänzend scharlachroth, und wenn -sie der Frost leicht gerührt hat, halb durchsichtig, und sehen -wie hängende Büschel scharlachfarbner Trauben aus.</p> - -<p>An einem schönen Winternachmittage fühlte ich mich -versucht, mit meinem Gatten einen Spaziergang auf dem -Eise zu machen, welches, wie man mir vorher versichert, -vollkommen trug und sicher war. Ich muß gestehen, daß -ich während der ersten halben Meile (englisch) mich ziemlich -furchtsam zeigte, vorzüglich an Stellen, wo das Eis so -durchsichtig war, daß man jeden Kiesel, jedes Moos auf -dem Boden des Wassers sehen konnte. Bisweilen war das -Eis dick, weiß und vollkommen undurchsichtig. Während -wir uns in geringer Entfernung vom Ufer hielten, -überraschte mich das Erscheinen einiger glänzend rothen -Beeren an den laublosen Büschen, die über den Rand des -Sees hingen und die ich bald als die oben erwähnten -Moosbeeren erkannte. Mein Gatte streifte sogleich -den lockenden Schatz von den Zweigen, und ich eilte -entzückt mit meiner Beute nach Hause und kochte die -Früchte mit etwas Zucker, um sie nebst unserm Kuchen -zum Thee zu genießen. Gewiß habe ich nie etwas so -köstlich gefunden als diese Beere, und dies vielleicht um -so mehr, weil ich, mit Ausnahme von Eingemachtem -während unsrer Reise und zu Peterborough, so lange -keinerlei Art von Früchten genossen hatte.</p> - -<p>Kurz darauf machte ich einen abermaligen Spaziergang -auf dem Eise, wiewohl es nicht ganz so fest mehr war - <span class="pagenum"><a id="Page_p160">[S. 160]</a></span> -wie früher; dessen ungeachtet marschirten wir ziemlich -dreiviertel Meile (englisch) weit. Bei unsrer Rückkehr -wurden wir von S— mit einem Handschlitten, eine -Art Schiebkarren, wie die der Lastträger, — eingeholt. -Dieses Fuhrwerk hat keine Seiten-Wände und ruht nicht -auf einem Rade sondern auf hölzernen Rollen, so daß -man es, wenn es auch noch so schwer beladen ist, mit der -größten Leichtigkeit über Schnee und Eis bewegen kann. -S— bestand darauf, mich auf dem Eise nach Hause zu -fahren, gleich einer lappländischen Dame auf ihrem Schlitten. -Ich wählte meinen Sitz, und in einer Minute fühlte -ich mich mit einer Schnelligkeit fortgezogen, die mir fast -den Athem raubte. Als ich am Ufer anlangte, war ich -von Kopf bis zu Füßen eine Gluth.</p> - -<p>Die Lage unsers Hauses würde Ihnen gefallen. -Der Platz worauf es steht, ist der höchste Punkt eines -sanft geneigten Ufers oberhalb des Sees, ungefähr zweihundert -Schritt vom Wasserrande entfernt; die Breite des -Sees von einem Ufer zum andern beträgt nicht ganz eine -(englische) Meile. Nach Süden zu haben wir wieder -eine ganz verschiedne Aussicht, die nach völliger Lichtung -sehr schön ausfallen wird, — eine schöne ebne Wasserfläche, -durch anmuthige Inselchen unterbrochen, die sich -aus ihrem Schooße gleich grünenden Hainen empor heben; -— unterhalb derselben ist ein Fall von einigen Fuß, -wo die Wasser der Seen, in einen engen Kanal zwischen -Kalkstein-Schichten gezwängt, mit großem Ungestüm -hinstürzen und Schaum und Nebel-Wolken emporschleudern.</p> - -<p>Während des Sommers ist der Wasserstand weit -niedriger, und man kann eine ziemliche Strecke an -den flachen Ufern hinwandern, die aus verschiednen, -mit fossilen Ueberresten von offenbar frischer Formation -gefüllten Kalkstein-Schichten bestehen. Jene Muschelgehäuse -und Fluß-Insekten, welche, durch das Zurückweichen - <span class="pagenum"><a id="Page_p161">[S. 161]</a></span> -des Wassers zurückgelassen, über die Oberfläche des Kalksteins -ausgestreut liegen, sind den Muscheln und Insekten -ähnlich, die von der Kalkstein-Masse incrustirt -sind. Man hat mir gesagt, daß das Bett eines der -Seen, (ich weiß nicht mehr, welches) oberhalb unsers -Wohnorts aus Kalkstein bestehe; und daß es reich an -manigfaltigen schönen Flußmuscheln sei, welche darin in -ungeheurer Menge so wie auch in den längs den Ufern -ausgestreuten Kalkstein-Blöcken schichtenweise abgelagert -sind. Diese Muschelgehäuse werden auch in beträchtlicher -Menge in dem Boden der Bieber-Wiesen gefunden.</p> - -<p>Wenn ich dergleichen Dinge sehe oder davon höre, -so thut es mir leid, daß ich nichts von Geologie oder -Conchologie verstehe; weil ich mir anders manche Umstände -würde erklären können, die gegenwärtig blos meine -Neugierde erregen.</p> - -<p>Gerade unter dem oben erwähnten Wasserfall ist -ein merkwürdiger natürlicher Bogen in dem Kalkstein-Felsen, -der sich an dieser Stelle zu einer Höhe von funfzehn -Fuß wie eine Mauer erhebt; er besteht aus großen -Platten grauen Kalksteins, die eine auf der andern liegen; -der Bogen erscheint wie eine Spalte in der Felsenwand, -aber, möglicher Weise durch die Gewalt des Wassers -während einer beträchtlichen Ueberschwemmung, ausgewühlt -und ausgehöhlt. Auf der Spitze des Felsens -wachsen Bäume. Schierlings-Tannen und Cedern bewegen -ihre Laubkronen hoch über dem wildbrausenden -Wasser hin und her und bekleiden die steinerne -Barriere mit einem düstern aber unvergänglichen Grün. -Hier wuchern auch in üppiger Fülle die wilde Rebe, die -oben erwähnte rothe kriechende Pflanze und die Gifteiche -und weben phantastische Lauben über die moosbedeckten -Stein-Massen. Eine schnelle Wendung dieses Ufers -brachte uns zu einer breiten, vollkommen flachen und -glatten Schichtung des nämlichen Gesteins, die eine - <span class="pagenum"><a id="Page_p162">[S. 162]</a></span> -Strecke von ziemlich funfzig Fuß entlang dem Ufer einnimmt. -Zwischen den Rissen und Spalten dieser Schicht -fand ich einige Rosen-Sträucher und mancherlei Blumen, -die im Verlauf des Frühjahrs und Sommers, wo dieselbe -vom Wasser entblößt und mithin seinem Einfluß nicht -ausgesetzt ist, daraus hervorgesproßt waren.</p> - -<p>Dieser Platz soll nächstens mit einer Säge- und -Korn-Mühle bebaut werden, die, fürchte ich, seiner -natürlichen Schönheit Abbruch thun wird. Ich glaube -wohl, daß ich die einzige Person in der Nachbarschaft -bin, welche die Errichtung eines für diesen Theil des Gemeindebezirks -so nützlichen und schätzbaren Gebäudes mit -Bedauern sieht.</p> - -<p>Sobald Sie mir wieder ein Päckchen oder Kistchen -senden, vergessen Sie nicht, einige Blumen-Samen und -Pflaumen-, Schlehen- und Aepfel-Kerne der besten Sorte, -wie dergleichen in der Heimath in Gärten und Obstpflanzungen -gezogen werden, beizufügen; denn ich glaube, -daß sich die Aepfel hier aus Samen ziehen lassen, -ohne daß man die Bäume zu pfropfen braucht; indeß -ist das Obst von gepfropften Bäumen größer und wohlschmeckender. -Sehr willkommen würden mir auch einige -Nüsse von unsern schönen alten Stamm-Nußbäumen sein. -O die guten alten Bäume! was sind wir nicht auf ihren -Aesten herum geklettert, als ich noch leichten Herzens -und so frei von Sorgen war, wie die Eichhörnchen, welche -sich auf den höchsten Wipfeln über uns wiegten. »Recht -schön!« werden Sie sagen, »aber je weniger eine kluge -Frau von dergleichen wilden Streichen, wie das Herumklettern -auf Nußbäumen, spricht, desto besser.« Glücklicher -Weise gerathen junge Damen hier nicht in Versuchung, -da sie wohl einsehen, daß nur ein Eichhörnchen oder -ein Bär unsre hohen Waldbäume erklettern kann; selbst -ein Matrose würde sich nicht hinauf wagen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p163">[S. 163]</a></span></p> - -<p>Recht sehr wünsche ich, einige Samen von unsrer -wilden Schlüsselblume und unserm Veilchen zu erhalten, -um sie auf unsern Wiesen und in unserm Gärtchen auszustreuen; -haben Sie die Güte, die Dorfkinder einige für -mich sammeln zu lassen.</p> - -<p>Mein Gatte bittet Sie um etwas Luzern-Samen, -den er mit Vortheil cultiviren zu können glaubt.</p> - -<hr class="chap" /> - -<div class="block0"> -<div class="footnotes"><b>Fußnoten:</b> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_35_35"></a><a href="#FNanchor_35_35"><span class="label">[35]</span></a> <em class="antiqua">Morning glory</em> so nennen die Amerikaner ihre schönen -und großen Winden (<em class="antiqua">Convolvulus</em>).</p> -</div> -</div> -</div> - - - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p164">[S. 164]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="no-break" id="Zehnter_Brief">Zehnter Brief.</h2> -</div> - -<blockquote> -<p class="p1 font09">Abwechselung in Temperatur und Wetter. — Elektrische -Erscheinung. — Canadischer Winter. — Mangel an poetischen -Anklängen in diesem Lande. — Zuckerbereitung. — Zeit zum -Fischfang. — Art des Fischfangs. — Entenschießen. — Indianer-Familien. -— Papousen und ihre Windeln- und Wickelbänder. -— Indianische Manufacturen. — Frösche. —</p> -</blockquote> - - -<p class="p1 rright font09"> -See-Haus, Mai 9. 1833.<br /> -</p> - -<p>Wie ganz anders ist doch der Winter ausgefallen, -als ich mir dachte. Der December-Schnee thaute beständig -wieder weg. Am ersten Januar war auf unsern -gelichteten Aeckern keine Flocke zu sehen, nur im Walde -lag etwas. Die Wärme der Sonne am ersten und zweiten -Tage des neuen Jahres war so groß, daß man im -Freien den Mantel, ja selbst einen Shawl kaum vertragen -konnte; und im Zimmer wurde uns das Ofenfeuer -fast lästig. Das Wetter blieb ziemlich mild bis in die -letzte Hälfte des Monats, dann aber trat strenge Kälte -ein und dauerte den ganzen Februar hindurch. Der -erste März war der kälteste Tag, den ich jemals erlebt -habe; das Quecksilber fiel im Hause bis fünfundzwanzig -Grad unter Null, und im Freien noch tiefer. Das -Gefühl von Kälte frühmorgens war äußerst schmerzhaft, -und erzeugte ein unwillkührliches Schaudern und eine fast -krampfhafte Empfindung in Brust und Magen. Der -Hauch erstarrte an den Betten zu Reif. Jeder metallne -Gegenstand, den man berührte, schien die Finger erfrieren - <span class="pagenum"><a id="Page_p165">[S. 165]</a></span> -zu machen. Dieser hohe Kälte-Grad hielt indeß nur -drei Tage an, worauf die Temperatur allmälig gelinder -wurde.</p> - -<p>Während dieser äußerst kalten Witterung wurde ich -durch die häufige Wiederkehr eines Phänomens überrascht, -welches mir von elektrischer Natur zu sein schien. Wenn -nämlich der Frost sehr heftig war, gab meine Kleidung, -die während der kalten Jahreszeit in einem wollenen oder -mit Flanel gefütterten Rocke bestand, beim Ausziehen -eine Reihe knisternder prasselnder Töne, ungefähr wie -ein aufloderndes Feuer, von sich, und sprühete, wenn das -Licht entfernt wurde, blasse weißlich blaue Funken, denen -nicht unähnlich, welche sich erzeugen, wenn man Zucker -im Dunkeln schlägt, oder den Rücken einer schwarzen -Katze streichelt; dieselbe Erscheinung bemerkte ich auch, -wenn ich meine Haare kämmte<a id="FNanchor_36_36"></a><a href="#Footnote_36_36" class="fnanchor">[36]</a>.</p> - -<p>Den Februar hindurch und bis zum neunzehnten -März lag der Schnee sehr hoch; dann aber trat plötzliches -Thauwetter ein und hielt ohne Unterbrechung so lange -an, bis der Boden von seiner weißen Decke völlig befreit -war, was im Verlauf von nicht ganz vierzehn Tagen -geschah. Die Luft war während dieser Zeit weit wärmer -und milder als in der Regel in England, wo während -des fortschreitenden Thauwetters eine durchdringende -Kälte herrscht.</p> - -<p>Wiewohl der canadische Winter seine Unannehmlichkeiten -hat, so hat er auf der andern Seite auch seine -Reize. Nach ein- oder zweitägigem starken Schneefall -klärt sich der Himmel auf, und die Luft wird außerordentlich -hell und rein von Dünsten; der Rauch steigt in -hohen gewundnen Säulen empor, bis er sich verliert; -beobachtet man ihn des Abends oder früh an einem heitern - <span class="pagenum"><a id="Page_p166">[S. 166]</a></span> -Morgen, wenn der Reif an den Bäumen flimmert, -im Widerschein eines safranfarbigen Himmels, so ist die -Wirkung vorzüglich schön.</p> - -<p>An heitern Wintertagen, wenn kein Wölkchen, nicht -der Schatten eines Wölkchens das azurblaue Himmelsgewölbe -über uns trübt, mache ich kleine Ausflüge in -die Wälder, und wäre nicht die weiße Silberdecke der -Erde, so möchte ich, wenn ich mein Auge zu dem reinen -Aether empor hebe, fast ausrufen: es ist Juni, der -milde liebliche Juni ist da! Die stets grünen Kiefern, -Cedern, Schierlings-Tannen und Balsam-Fichten krümmen -ihre hängenden Aeste unter der Schneelast, die bei der -geringsten Bewegung in dichten Schauern rings umher -niederrauscht, aber so leicht und trocken ist der Schnee, -daß man ihn mit leichter Mühe und ohne im geringsten -naß zu werden, abschütteln kann.</p> - -<p>Die Spitzen der Baumstummel nehmen sich mit -ihren Schnee-Mützen oder Turbanen gar nicht übel aus; -ein schwarzer Fichtenstummel mit seinem weißen Mützchen -und Mantel erscheint bisweilen, wegen seiner seltsamen -Bekleidung wie Jemand, der uns plötzlich entgegentritt. -Was Gespenster und Geister betrifft, so scheinen -sie gänzlich aus Canada verbannt zu sein. Hier giebt -es keine historischen Erinnerungen, keine abentheuerlichen -Legenden von Ahnen und Vorvordern. Die Phantasie -des Dichters würde in den Urwäldern aus Mangel an -Wunder-Speise zur Aufrechterhaltung ihrer Existenz verhungern. -Wir haben weder Feen noch Elfen, weder -Geister noch Kobolde, weder Satyre noch Wald-Nymphen; -unsre Wälder selbst eignen sich nicht zum Schutz für -Dryaden und Hamadryaden. Keine Najade haust an -dem Schilfrande unsrer Seen oder heiligt durch ihre Gegenwart -unsre Wald-Firsten. Kein Druide nimmt unsre -Eichen in Anspruch; und anstatt mit geheimnißvoller -Ehrfurcht zwischen unsern, oft seltsam zusammengruppirten -Kalkfelsen umher zu wandern, überlassen wir sie dem - <span class="pagenum"><a id="Page_p167">[S. 167]</a></span> -Geologen, um seinen Scharfsinn in Erklärung ihres Erscheinens -zu üben; anstatt dieselben mit den ehrwürdigen -Charakteren alter Tempel oder heidnischer Altäre zu bekleiden, -blicken wir blos mit dem wißbegierigen Auge -der Natur-Philosophie darauf.</p> - -<p>Selbst die Irländer und Hochländer der niedrigsten -Klasse scheinen, wenn sie Bewohner der Urwälder von -Canada werden, ihren alten Aberglauben bei Seite zu -setzen. Ich hörte einen Freund, als die Rede von dem -Mangel an romantischem Interesse in diesem Lande war, -ausrufen: »Es ist unpoetischer als alle andere Länder, die -Einbildungskraft findet keinen Anhaltepunkt, kein Ziel! — -Hier ist alles neu — der Boden selbst scheint neuerdings -gebildet zu sein; in diesen Wäldern herrscht keine große -alterthümliche Erhabenheit, hier giebt es keine mit dem -Lande verknüpfte Erinnerungen ehemaliger Thaten. Die -einzigen Wesen, an welchen ich eignes Interesse nehme, -sind die Indianer, allein es fehlt ihnen an dem kriegerischen -Charakter, an jener Einsicht, in deren Besitz ich sie -mir gedacht hatte.«</p> - -<p>Dies war die Klage eines Dichters. Nun besteht -aber die Volksklasse, für welche dieses Land in hohem -Grade paßt, aus unbelesenen betriebsamen Arbeitern und -Handwerkern. Sie fühlen kein Bedauern, daß das Land, -welches sie bearbeiten, nicht durch die Feder eines Geschichtsschreibers -oder den Gesang eines Dichters gepriesen -worden ist. Die Erde giebt ihnen ihre Erzeugnisse -eben so freigebig, als wenn sie durch das Blut von -Heroen gedüngt worden wäre. Sie würden sich durch -kein Gefühl von Ehrfurcht bestimmen lassen, die altersgraue -Eiche zu schonen, und sie aus keiner andern Rücksicht -als ihres Holzes wegen achten. Sie haben keine -Zeit, selbst wenn sie Geschmack dazu hätten, sich nach -den Schönheiten der Natur umzusehen, allein ihre Unwissenheit -ist Segen.</p> - -<p>Ueberhaupt sind dies eingebildete Uebel und können - <span class="pagenum"><a id="Page_p168">[S. 168]</a></span> -schwerlich als ein Grund zum Mißfallen in dem Lande -gelten, und unter Leuten gewöhnlichen Schlages erregen -sie wenig Sympathie, wiewohl sie jedenfalls für die Gebildeten -und nach geistigen Genüssen verlangenden Glieder -der Gesellschaft nicht ohne Gewicht sind; denn diese -müssen natürlicher Weise trauern, wenn Geschmack, Gelehrsamkeit -und Genius aus ihrer Sphäre gerückt werden.</p> - -<p>Was mich anlangt, wiewohl ich leicht in die Gefühle -des Dichters und des enthusiastischen Liebhabers -wilder und wundervoller Sagen und Mährchen eingehen -kann, so sehe ich doch schon, daß ich in diesem Lande -recht glücklich und zufrieden sein werde. Bietet auch -jetzt der für seine Geschichte bestimmte Band nur leere -Seiten dar, so liegt doch das Buch der Natur offen da -und zeigt beredtsam für das Wirken des mächtigen Schöpfers, -und ich kann, wenn ich an den Ufern der Seen -und Flüsse oder durch die Wälder wandre, aus ihm tausend -Freuden und stets neuen Stoff zur Unterhaltung -und Belehrung schöpfen.</p> - -<p>Doch ich muß Ihnen jetzt etwas von unsrer Zucker-Fabrikation -sagen, woran ich thätigen Antheil nehme. -Unsre Versuche waren auf einen geringen Maßstab beschränkt, -da wir blos einen Kessel und zwei eiserne Dreifüße -hatten; indeß reichten sie hin, um uns in die Kunst -und das Geheimniß, betreffend die Einsiedung des Ahorn-Saftes -zu Molasse, und die endliche Verwandlung der -letztern in Zucker einzuweihen.</p> - -<p>Die erste hierzu erforderliche Arbeit ist das Anzapfen -des Ahorns und die Auffangung des aus der Wunde -hervorfließenden Saftes in kleinen rohen Trögen, die -in weiter nichts als mit der Art ausgehöhlten Fichten-Scheitchen -bestehen. Um den Baum anzuzapfen, -macht man einen Einschnitt in die Rinde oder bohrt -mit einem Bohrer ein Loch hinein; ersteres ist das leichtere -und üblichere Verfahren. Ein leicht ausgehöhltes -Stück Ceder- oder Hollunder-Holz wird dann mit - <span class="pagenum"><a id="Page_p169">[S. 169]</a></span> -dem freien Ende etwas abwärts geneigt, in die Oeffnung -gesteckt und in den Trog gerichtet, so daß der Saft durch -dasselbe in letztern fließt. Bisweilen habe ich einen blosen -flachen Span als Leiter des Saftes dienen sehen. -Wie Sie sich wohl denken können, verfuhren wir -ganz nach der Regel. Nach einer frostigen Nacht, worauf -ein heller warmer Tag folgt, fließt der Saft ziemlich -frei und reichlich; man muß ihn während des Tages in -einem Fäßchen oder Troge sammeln, und diese Gefäße -müssen hinreichend geräumig sein, um alles zu fassen, was -am Abend desselben Tages gesotten werden kann; man -darf den aufgefangnen Saft nicht über vierundzwanzig -Stunden stehen lassen, weil er andernfalls in Gährung -übergeht und dann nicht mehr zur Zuckerbildung taugt.</p> - -<p>Mein Gatte begann mit Beihülfe eines irischen -Knaben in der letzten März-Woche den Saft zu sammeln. -Eine Stange wurde über zwei in die Erde befestigte -Holzgabeln gelegt, welche stark genug waren, das -Gewicht des schweren Kessels zu tragen. Die Arbeit -während des Tages bestand in Entleerung der Tröge und -Fällung von Brennholz. Des Abends wurde das Feuer -angeschürt, und das Sieden oder Kochen des Saftes nahm -seinen Anfang.</p> - -<p>Es war ein recht erfreulicher und malerischer Anblick, -die Zuckersieder bei ihrem helllodernden Feuer, zwischen -den Bäumen, zu sehen, wie sie bald den brennenden Holzstoß -anfachten, bald den Saft in den Kessel entleerten -und mit einem gewaltigen Löffel umrührten. Als das -Feuer recht lustig brannte, fing der Saft im Kessel an -zu kochen und zu schäumen, und es mußte von Zeit zu -Zeit frischer Saft nachgegossen werden, um sein Ueberlaufen -zu verhindern.</p> - -<p>Sobald sich der Saft zu Molasse eindickt, wird er -zur Vollendung in den Zuckerkessel gebracht. Der Proceß -ist einfach; er fordert blos aufmerksames Abschäumen -und Verhinderung des Ueberlaufens der Masse, bis sie - <span class="pagenum"><a id="Page_p170">[S. 170]</a></span> -den zur Zuckerbereitung erforderlichen Grad erreicht hat, -was man erkennt, indem man etwas davon in kaltes -Wasser tropfen läßt. Hat sie ziemlich die erwünschte -Consistenz erlangt, so füllt sich der Kessel oder Topf mit -gelbem Schaume, bildet Gruben und vom Boden aufsteigende -Blasen. Letztre platzen mit Entleerung von -Dampf, ist die Molasse so weit gediehen, so kann sie -bald in Zucker verwandelt werden. Diejenigen, welche -mit großem Fleiße die Flüssigkeit vom Schaume frei -erhalten und den zur Verwandlung der Molasse in Zucker -erforderlichen Grad genau kennen, liefern einen Artikel, -welcher der Muscovade nicht nachsteht<a id="FNanchor_37_37"></a><a href="#Footnote_37_37" class="fnanchor">[37]</a>.</p> - -<p>Gewöhnlich sieht man den Ahorn-Zucker in großen -Broden oder Kuchen, so dicht und derb wie Wachsscheiben, -und ohne Spur von Krystallisation; allein am besten -nimmt er sich aus, wenn er grobkörnig und glänzend ist, -er bricht dann in rauhen ungleichen Massen, wie Zuckerkant.</p> - -<p>Zum Gebrauch im Thee wird er geraspelt oder mit -einem Messer klar geschabt, weil er sich anders zu langsam -auflößt.</p> - -<p>Ich beaufsichtigte den letzten Theil des Vorganges, -nämlich das Einkochen der Molasse zu Zucker; und ich -muß sagen, daß mir diese Arbeit, als ein erster Versuch, -ohne einen erfahrnen Rathgeber zur Seite und ohne alle -Anweisung, außer der, welche S— mir ertheilt hatte, -ziemlich gut gelang; ich erhielt einen Zucker von funkelndem -Korn und guter Farbe. Außer dem Zucker, bereitete -ich drei Galonen Molasse, die uns sehr zu statten kam, -und eine angenehme Ingredienz in Kuchen so wie eine -treffliche Sauce an Puddings bildet.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p171">[S. 171]</a></span></p> - -<p>Die Yankies bedienen sich, wie man mir sagt, der -Molasse zum Einmachen von Früchten; und ihre Fruchtgelées -sollen vortrefflich sein. Die aus Ahorn-Saft bereitete -Molasse soll in Farbe, Geschmack und Consistenz -von der westindischen sehr abweichen.</p> - -<p>Außer Zucker und Molasse fabricirten wir ein Fäschen -Essig, der ziemlich gut auszufallen verspricht. Zu -diesem Behuf kochten wir fünf volle Eimer Ahorn-Saft -bis auf zwei ein und versetzten den Rückstand, nachdem -er im Fasse war, durch Hefen in Gährung; stellten dann -das Ganze in die Nähe des Feuers und ließen es diesem, -in Vorzug vor der Sonnen-Hitze, ausgesetzt.</p> - -<p>Was die Bereitung des Ahorn-Zuckers im Allgemeinen -betrifft, so hängt es von Umständen ab, ob sie -für den Ansiedler (Landmann) vortheilhaft ist oder nicht. -Muß er Hände zu dieser Arbeit miethen, und sind die -Arbeitslöhne hoch, so ist es keines Falls rathsam, ihn -selbst zu fabriciren außer im Großen. Ein Umstand -zu Gunsten der Fabrikation im Hause ist, daß die Zucker-Zeit -zu einer Periode ihren Anfang nimmt, wo sich im -Freien, den Holzschlag ausgenommen, nicht viel thun läßt, -da noch zu viel Frost im Boden ist, um die Aufnahme -der Saat zu gestatten; daher ist die Zeit weniger kostbar -als im Spät-Frühjahr.</p> - -<p>Bei einer zahlreichen Familie, und wenn es auf -dem Grundstück nicht an Ahornbäumen mangelt, ist -die Fabrikation von Zucker und Molasse entschieden vortheilhaft -und gewinnbringend; da man die jüngern Kinder -zur Ausleerung der Tröge und Zutragung von -Brennholz brauchen kann, während die ältern und stärkeren -die Kessel besorgen und das Feuer, so lange der -Proceß dauert, unterhalten, und Frau und Töchter das -Uebrige im Hause vollenden können.</p> - -<p>Ahorn-Zucker wird das Pfund mit vier bis sechs - <span class="pagenum"><a id="Page_p172">[S. 172]</a></span> -Pence, und bisweilen darüber, bezahlt. Anfangs wollte -mir der Beigeschmack, den er dem Thee giebt, nicht recht -zusagen, aber nach Verlauf einiger Zeit mundete er mir -so gut, daß ich ihn bald dem Rohrzucker (Muscovade) -vorzog; in Kuchen, Confituren und dergleichen finde ich -ihn köstlich. Ich werde Ihnen bei nächster Gelegenheit -ein Pröbchen davon schicken, damit Sie selbst über seine -Trefflichkeit urtheilen können.</p> - -<p>Das Wetter ist jetzt sehr warm — drückend warm. -Wir können die Hitze des Kochofens in der Küche kaum -aushalten. Im Wohnzimmer brauchen wir fast gar kein -Feuer, da ich gern an der offnen Thür sitze, und das -See-Lüftchen genieße. Die Insekten fangen bereits an -lästig zu werden, vorzüglich die schwarzen Fliegen, — ein -abscheulicher Plaggeist, mit schwarzem Leibe und weißen -Beinen und Flügeln; man fühlt in den ersten Minuten -ihren Stich nicht, jedoch giebt er sich durch das aus der -Wunde fließende Blut kund; nach einigen Stunden -schwillt die verletzte Stelle an und wird äußerst schmerzhaft.</p> - -<p>Diese Fliegen (<em class="antiqua">beasties</em>) beißen vorzüglich gern in -die Seiten des Halses, in die Ohren und Wangen; und -bei mir hielt die Geschwulst mehre Tage an. Die -Musquitos sind ebenfalls unerträglich, und noch unangenehmer -ist mir das Geräusch, welches sie machen, als ihr -Stich. Um sie vom Eindringen in das Haus abzuhalten, -zünden wir kleine Häufchen feuchter Holzschnitzel an, -deren Rauch sie vertreibt; indeß ist dieses Mittel nicht -so recht wirksam und an sich selbst lästig und unangenehm.</p> - -<p>Jetzt ist die Zeit zum Fischfang. Unsre Seen enthalten -den Masquinongé, Lachs-Forellen, Weiß-Fische -und manche andre. In dunkeln Nächten sehen wir oft -von unsrer Thüre aus die erleuchteten Nachen der Fischer -auf ihrem Hin- und Her-Wege vorbeifahren. S— gilt -als ein geschickter Speermann und nimmt so fleißig Theil -an diesen Expeditionen, daß er selten eine günstige Nacht - <span class="pagenum"><a id="Page_p173">[S. 173]</a></span> -verfehlt. Je dunkler und stiller die Nacht ist, desto besser -eignet sie sich zum Fischfang.</p> - -<p>Es ist ein recht hübscher Anblick, die niedlichen Barken -sich langsam aus einer kleinen Bucht der mit dunkeln -Fichten bekleideten Ufer hervorstehlen und zwischen den -Inseln auf den Seen manövriren zu sehen; man erkennt -sie trotz der Finsterniß sehr leicht an dem hellen -Schein, welchen der Jack — eine Art eiserner Korb, der -an eine lange Stange am Bug des Schiffleins oder -Canoes befestigt ist, über die Wasserfläche wirft. Dieser -Drahtkorb ist mit einer sehr brennbaren Substanz, Kien-Holz, -(<em class="antiqua">fat-pine</em>) genannt, welche mit heller und starklodernder -Flamme brennt, oder auch mit zusammengerollter -Birken-Rinde, ebenfalls ein sehr entzündbares Material, -gefüllt.</p> - -<p>Das Licht von oben macht die Gegenstände unter -der Wasserfläche deutlich sichtbar. Einer von den Fischern -steht in der Mitte der Barke, mit seiner Harpune — -einer Art eisernem Dreizack — bereit, den Fisch, welchen er -in dem stillen Wasser unter seinen Augen vorbeigleiten -sieht, zu durchbohren, während ein andrer mit der -Ruderschaufel das Fahrzeug behutsam vorwärts steuert. -Diese Jagd erfordert ein scharfes Auge, eine feste Hand -und große Vorsicht von Seiten derer, die ihr nachhängen.</p> - -<p>Mir macht es großes Vergnügen, diese Fischer-Nachen -mit ihrem lodernden Feuer so still die ruhige Wasserfläche -durchschneiden zu sehen, welche auf mehre Schritte im -Umkreise von einem hellen Lichtschimmer erleuchtet ist, -der die Figur des in der Mitte des Bootes stehenden, -bald nach der einen, bald nach der andern Seite blickenden -und seine Waffe zum Stoß bereit haltenden Speermanns -deutlich unterscheiden läßt. Zeigen sich vier oder -fünf dieser erleuchteten Fahrzeuge zu gleicher Zeit auf dem -Wasser, so ist die Wirkung überraschend und prächtig.</p> - -<p>Die Indianer sind in dieser Art Fischerei sehr geübt -und erfahren; die Squaws rudern ihre Nachen mit - <span class="pagenum"><a id="Page_p174">[S. 174]</a></span> -bewundernswürdiger Geschicklichkeit. Außerdem giebt es -noch ein andres Verfahren zu demselben Behuf, worin -diese Leute sich ebenfalls auszeichnen: ich meine das Fischen -auf dem Eise, wenn die Seen zugefroren sind — -ein Geschäft, welches viel Geduld erheischt.</p> - -<p>Der Indianer, mit einem Tomahawk zur Oeffnung -des Eises, einem Speer, einem Betttuch oder Hemde und -einem Lockfisch von Holz versehen, begiebt sich an den -ausersehnen Ort. Hat er ein Loch in das Eis gehauen, -so legt er sich auf Hände und Knie nieder und wirft -sein Betttuch über sich, um sowohl das Wasser zu verdunkeln -als sich selbst zu verbergen; in dieser Lage verharrt -er stundenlang, geduldig das Herannahen seiner -Beute abwartend, die er, sobald sie im Bereich seiner Lanze -erscheint, mit bewundernswürdiger Sicherheit durchbohrt.</p> - -<p>Der auf die eben geschilderte Weise gefangene Masquinongé -ist in Geschmack denjenigen überlegen, die später -im Jahre gefangen werden, daher man ihn den Indianern -gern abkauft, welche sich mit einer geringen Belohnung -begnügen. Ich gab ein kleines Brod für einen -Fisch, der achtzehn bis zwanzig Pfund wog. Der Masquinongé -ist allem Anschein nach eine große Hecht-Art -und besitzt die räuberischen Eigenschaften dieses Fisches.</p> - -<p>Einer der schmalen Seen des Otanabee heißt der -Forellen-See, wegen der großen Menge von Lax-Forellen, -die darin hausen. Der Weiß-Fisch kommt ebenfalls in -diesen Gewässern vor und ist äußerst köstlich. Die großen -Fisch-Arten werden meistentheils mit der Lanze erlegt, -nur wenige Leute in diesem Lande, wo es alle Hände -voll zu thun giebt, haben Zeit zum Fischfang mit der Angel.</p> - -<p>Sobald das Eis aufgeht, werden unsre Seen von -zahllosen Flügen wilder Vögel besucht; einige Enten-Arten -zeichnen sich durch ihr prächtiges Gefieder aus und -sind von trefflichem Geschmack. Ich sehe diesen hübschen -Thieren mit Vergnügen zu, wenn sie ruhig auf dem -Wasser hinschwimmen, dann plötzlich auffliegen und längs - <span class="pagenum"><a id="Page_p175">[S. 175]</a></span> -dem Rande des mit Fichten gefranzten Ufers hinstreichen -und sich dann wieder niederlassen, wie eine kleine -vor Anker gehende Flotte. Bisweilen sieht man eine -alte Ente ihre kleine Brut durch Schilf und Binsen führen; -die unschuldigen weichen kleinen Dingerchen nehmen -sich, wenn sie so um ihre Mutter herum segeln, ganz -allerliebst aus, aber beim geringsten Anschein von Gefahr -tauchen sie sogleich unter und verschwinden. Die Frösche -sind große Feinde der jungen Brut; desgleichen wird dieselbe -häufig dem Masquinongé und, wie ich glaube, -auch andern großen Fischen, wovon diese Gewässer wimmeln, -zur Beute.</p> - -<p>Die Enten sind während der ersten Hälfte des -Sommers äußerst wohlbeleibt, sie gehen zu dieser Zeit -in ungeheuren Schaaren auf die grünen Reisfelder und -werden von den noch grünen Pflanzen, die sie gierig verschlingen -sehr fett.</p> - -<p>Die Indianer sind im Entenschießen sehr glücklich, -sie füllen ein Canoe mit grünen Reisern, so daß es einer -Art schwimmender Insel gleicht; unter dieser Reiser-Decke -liegen sie verborgen und können vermöge dieser -List weit näher an die scheuen Vögel herankommen, als -dies andern Falls geschehen würde. Unsre Jäger machen -ebenfalls häufig, und mit großem Erfolg, von diesem Verfahren -Gebrauch.</p> - -<p>Eine Indianer-Familie hat ihre Zelte ganz in unsrer -Nähe aufgeschlagen. Auf einer der Inseln in unserm -See können wir den dünnen bläulichen Rauch ihrer Holz-Feuer -aus unsern Vorderfenster zwischen den Bäumen -aufsteigen und sich in leichten Windungen über das Wasser -kräuseln sehen.</p> - -<p>Die Squaws haben mich mehre Male besucht, bisweilen -aus Neugierde, bisweilen in der Absicht, ihre -Körbe, Matten, Enten oder Wildbret, gegen Schweinfleisch, -Mehl, Kartoffeln oder zur Kleidung gehörige Artikel -zu vertauschen. Bisweilen muß ich ihnen den Kessel - <span class="pagenum"><a id="Page_p176">[S. 176]</a></span> -zum Kochen borgen, welchen sie mir jedesmal pünktlich -zurück geben.</p> - -<p>Eines Tages kam eine Indianerin, um ein Waschfaß -zu borgen, da ich aber ihre Sprache nicht verstehe, -so konnte ich eine Zeitlang den Gegenstand ihres Begehrens -nicht entdecken; indeß hob sie einen Zipfel ihres -Hemdes auf, deutete auf etwas in der Nähe liegende -Seife, begann den Zipfel mit den Händen zu reiben und -ahmte den beim Waschen üblichen Vorgang nach, dann -lachte sie und zeigte auf ein Faß; endlich hob sie zwei -Finger auf, um mir begreiflich zu machen, daß sie es -zwei Tage lang zu behalten wünschte.</p> - -<p>Dieses Volk scheint einen sanften und liebenswürdigen -Charakter zu besitzen, und, so weit unsre Erfahrung -reicht, ist es ehrlich. Eines Tages zwar erhielt der alte -Jäger <em class="gesperrt">Peter</em> etwas Brod von mir, wofür er ein paar -Enten zu bringen versprach; als aber die Zeit der Zahlung -kam, und ich meine Enten verlangte, machte er ein -betrübtes Gesicht und antwortete mit charakteristischer -Kürze: »Keine Ente — Chippewa (damit meinte er S—, -denn diesen Namen haben sie ihm aus Zuneigung gegeben,) -mit dem Canoe hinauf gegangen — kein Canoe — -Ente mit der Zeit (<em class="antiqua">by and by</em>);« <em class="antiqua">by and by</em> (mit der -Zeit) ist ein Lieblings-Ausdruck der Indianer, womit sie -eine unbestimmte Zeit bezeichnen, sie bedeutet eben so gut -Morgen oder eine Woche, einen Monat, ein Jahr und -darüber. Ein directes Versprechen geben sie selten.</p> - -<p>Da es nicht klug ist, sich betrügen zu lassen, wenn -man es vermeiden kann, wieß ich kalt jede fernere Aufforderung -zum Tauschhandel mit den Indianern ab, bis -meine Enten erschienen sein würden.</p> - -<p>Einige Zeit darauf erhielt ich eine Ente durch einen -Indianer Namens <em class="gesperrt">Maquin</em>, eine Art Galgen-Vogel; -dieser Bursche ist ein bucklicher Zwerg, sehr verschmitzt -und ein wahrer kleiner Teufelsjunge; es scheint ihm großes -Vergnügen zu machen die braunen kleinen Kinder in dem - <span class="pagenum"><a id="Page_p177">[S. 177]</a></span> -Wigwam zu necken oder die geduldigen Jagdhunde zu -quälen. Er spricht das Englische sehr geläufig und -schreibt als ein Indianer-Knabe ziemlich gut; er begleitet -gewöhnlich die Weiber bei ihren Besuchen, dient ihnen -als Dollmetscher, und lächelt mit boshafter Freude -zu dem schlechten Englisch seiner Mutter und meiner -Verlegenheit, wenn ich ihre Zeichen nicht recht verstehe. -Trotz seiner äußersten Häßlichkeit schien er mir einen guten -Theil Eitelkeit zu besitzen, indem er sein Gesicht mit -großer Selbstzufriedenheit im Spiegel betrachtete. Als -ich nach seinem Namen fragte, antwortete er: »Indianischer -Name <em class="gesperrt">Maquin</em>, aber englischer Name <em class="gesperrt">Mister -Walker</em>, sehr guter Mann;« dies war die Person, nach -welcher man ihn getauft hatte.</p> - -<p>Diese Indianer sind in ihrer Beobachtung des Sabaths -sehr gewissenhaft und zeigen ein großes Widerstreben, -an diesem Tage sich in irgend einen Handel einzulassen -oder ihren gewöhnlichen Geschäften, der Jagd -oder dem Fischfang nachzugehen.</p> - -<p>Die jungen Indianer sind sehr geschickt im Gebrauch -eines langen Bogens mit hölzernen Pfeilen, die -ziemlich schwer und an der Spitze stumpf sind. <em class="gesperrt">Maquin</em> -sagte mir, er könne Enten und kleine Vögel mit seinen -Pfeilen schießen; indeß scheinen sie mir wegen ihrer -Schwere eben nicht geeignet, Gegenstände in großer Ferne -zu erreichen.</p> - -<p>Es ist angenehm, die Indianer Sonntags Abends -ihre Hymnen singen zu hören; ihre reinen weichen Stimmen -tönen eindrucksvoll durch die stille Nachtluft. Ich -habe dem kleinen Chor dieser ihren Schöpfer in der Einfachheit -und Inbrunst ihres Herzens preisenden Naturkinder -oft mit Vergnügen gelauscht, und ich fühlte einen -heimlichen Vorwurf, indem ich die armen halb civilisirten -Wandrer allein sich versammeln sah, um das Lob des -Allmächtigen in der Wildniß zu verkünden.</p> - -<p>Die einfache Frömmigkeit der Frau unsers Freundes - <span class="pagenum"><a id="Page_p178">[S. 178]</a></span> -des Jägers <em class="gesperrt">Peter</em>, einer stämmigen, schwarzbraunen -Matrone von höchst liebenswürdigem Ausdruck gefiel mir -ausnehmend. Wir tranken eben unsern Thee, als sie -leise die Thür öffnete und hereinschaute; ein ermuthigendes -Lächeln bestimmte sie zum Eintritt, worauf sie eine -braune Papouse (indianischer Name für Säugling oder -kleines Kind) auf den Fußboden niederlegte und mit -Neugierde und Entzücken in ihren Augen um sich -blickte. Wir boten ihr etwas Thee und Brod an und -winkten ihr, einen leeren Sitz neben dem Tische einzunehmen. -Die Einladung schien ihr zu gefallen; sie nahm -ihr Kleines auf den Schooß, goß etwas Thee in die -Untertasse und gab dem Kinde zu trinken. Sie aß sehr -mäßig, stand, als sie fertig war, auf, hüllte ihr Gesicht -in die Falten ihres Umschlagetuchs, senkte ihr Haupt auf -die Brust und betete. Dieser kleine Act von Frömmigkeit -verrieth keine Spur von Scheinheiligkeit oder Heuchelei -sondern sprach ganz für herzliche Einfalt und -Aufrichtigkeit. Hierauf dankte sie uns mit freudestrahlendem -Gesicht und froher Laune, nahm ihre kleine <em class="gesperrt">Rachel</em> -in die Höhe und warf sie über die Schultern, mit -einem Schwunge, der mich fürchten machte, daß die Arme -des kleinen zarten Dinges dadurch ausgerenkt werden -könnten, allein die Papouse schien mit dieser Behandlungsweise -vollkommen zufrieden zu sein.</p> - -<p>Bei langen Wanderungen werden die kleinen Kinder -aufrecht in tiefe Körbe von eigenthümlicher Form -gesteckt, und die Körbe durch Rieme von Rehleder um den -Nacken der Mutter befestigt; aber der Säugling wird in -eine Art flache, und, um das Herausfallen des zarten -Inhalts zu verhindern, mit biegsamen Reifen oder Baststrängen -umwundne Wiege gepackt. In dieser Maschine -steckt er so fest, daß er kein Glied rühren kann. Die -äußere Decke oder Umhüllung und die Binden, welche die -Papouse einengen, sind mannigfaltig aufgeputzt.</p> - -<p>An diese eigenthümliche Wiege ist eine Schlinge</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p179">[S. 179]</a></span></p> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/p179i.jpg" alt="Papousen." /> - </div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p180"></a></span></p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p181">[S. 181]</a></span> -oder ein Henkel befestigt, der um den Hals der Mutter -geht; der Rücken des Kindes kommt auf den Rücken der -Mutter zu ruhen, und das Gesicht ist nach außen gekehrt. -Das erste, was eine Squaw thut, wenn sie in ein Haus -eintritt, ist, daß sie sich von ihrer Bürde befreit und dieselbe -an eine Wand, einen Stuhl, Kasten, oder jeden -Gegenstand lehnt, der als Stütze dienen kann; und hier -steht der passive Gefangene, einer Mumie in ihrem seltsamen -Gehäuse nicht unähnlich. Ich habe das Bild der -Jungfrau mit dem Jesuskinde in einigen alten illuminirten -Meßbüchern gesehen, wo letztres gerade wie eine -Papouse in ihren Wickeltüchern und Bändern aussah.</p> - -<p>Die Squaws zeigen sich gegen ihre Kleinen sehr -zärtlich. Sanftmuth und gute Laune scheinen die vorstechenden -Züge in dem Charakter der Indianerinnen zu -sein, ob ihnen dieselben angeboren und mit dem wilden -Zustande gepaart oder durch die mildernden und sänftigenden -Wirkungen des Christenthums erzeugt und erworben -sind, kann ich nicht sagen. Gewiß erscheint in -keinem Fall die christliche Religion liebenswürdiger, als -wenn sie sich, unbefleckt durch den Zweifel und Unglauben -moderner Sceptiker, in der Handlungsweise der -bekehrten Indianer entfaltet; sie zerbricht die Fesseln -des Heidenthums, verbannt das Böse und verbreitet -die Früchte der Heiligkeit und Moralität. Die rohen -Naturmenschen nehmen die Wahrheiten des Evangeliums -wie Kinder mit unverdorbnem Herzen und ungeschwächtem -Glauben an.</p> - -<p>Die Squaws zeigen in manchen ihrer Handarbeiten -großen Erfindungsgeist. Ihre Birkenrinden-Körbe -entsprechen vielen Zwecken auf das vollkommenste. Mein -Brodkorb, Messer-Behälter, Zuckerkorb bestehen sämmtlich -aus diesem schlichten Material. Verzierte und mit gefärbten -Federspuhlen gemusterte Körbe dieser Art sind, Sie -können mir glauben, keineswegs unelegant. Die Squaws -verfertigen allerlei Gefäße aus Birkenrinde so gut, daß - <span class="pagenum"><a id="Page_p182">[S. 182]</a></span> -man sie auf mancherlei Weise brauchen kann, z. B. zur -Aufnahme von Wasser, Milch, Fleischbrühe und jeder -andern Flüssigkeit; sie werden mit den zähen Wurzeln -des Tamarak- oder Lärchenbaums, oder auch mit Ceder-Bast-Streifen -zusammengenäht oder vielmehr gestrickt.</p> - -<p>Desgleichen verfertigen sie sehr brauchbare Körbe von -der innern Rinde des Matten-Holzes (<em class="antiqua">bass-wood</em>) und -der weißen Esche. Einige dieser Körbe, von gröberer -Sorte, werden zur Einsammlung von Kartoffeln, indianischem -Korn oder weißen Rüben gebraucht. Die Ansiedler -finden in denselben einen sehr guten Ersatz für die -im alten Vaterlande üblichen Weiden-Körbe.</p> - -<p>Die Indianer sind im Besitz mancher Färbestoffe, womit -sie ihre zierlichen Körbe und die Stachelschwein-Spuhlen -färben. Unser Wohnstübchen ist mit verschiednen -recht hübschen Artikeln ihrer Erfindung und Fabrik geschmückt, -welche wir als Noten-Futterale, Brief-Kasten, -Blumen-Vasen und Arbeits-Körbe benutzen.</p> - -<p>Sie scheinen indeß nützliche Artikel höher zu schätzen -als Gegenstände, die blos zur Zierde dienen. In allen -ihren Handels-Geschäften sind sie sehr schlau und eifrig -und entfalten einen überraschenden Grad von Behutsamkeit -in ihrem Thun und Treiben. Mit den Männern -läßt sichs weit besser handeln als mit den Weibern; letztere -zeigen sich in einigen Fällen äußerst hartnäckig. Haben -sie ihre Wünsche auf irgend einen Artikel gerichtet, -so kommen sie Tag für Tag und weisen alles andre, -was man ihnen etwa anbietet, zurück. Eine von den -Squaws hatte sich in einen bunten Zitz-Schlafrock meines -Gatten verliebt, und ob ich ihr denselben gleich rund -abschlug, so kamen doch viele Squaws, eine nach der andern, -um den »<em class="gesperrt"><em class="antiqua">Gown</em></em>« (Schlafrock), welches Wort sie -mit einem eigenthümlich kagenden Ton aussprachen, zu -bewundern; und als ich sagte: »Kein Schlafrock zu verkaufen,« -(<em class="antiqua">no Gown to sell</em>) so stießen sie einen melancholischen -Klagelaut aus und gingen fort.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p183">[S. 183]</a></span></p> - -<p>Nur selten verstehen sie sich dazu, einen Artikel, den -man gerade nothwendig braucht, zu verfertigen. Wünscht -man Körbe von einem besondern Muster zu kaufen, und -haben sie nicht zufälliger Weise dergleichen fertig, so ertheilen -sie die gewöhnliche unbestimmte Antwort: — »Mit -der Zeit,« (<em class="antiqua">by and by</em>). Wenn die Artikel, welche man -ihnen für die ihrigen giebt, ihren Erwartungen nicht -entsprechen, so sagen sie mit einem verdrüßlichen mürrischen -Ausdruck in Blick und Stimme: — »<em class="antiqua">Car-car</em>« -(Nein, nein), oder »Carwinni,« was eine noch stärkere -Verneinung ist. Gefällt ihnen dagegen das Geschäft, -so geben sie ihre Zufriedenheit durch verschiedne bestätigende -Winke und Kopfnicken, und einen fast grunzenden -Laut zu erkennen; Enten, Fische, Wildbret oder -Körbe stellen sie vor den Käufer hin und nehmen dagegen -die Tausch-Artikel in die weiten Falten ihrer Hemden -oder Umschlagetücher oder legen sie in eine Art von Binsen-Koffer; -nicht unähnlich jenen Strohkörben, worin -englische Zimmerleute ihre Werkzeuge tragen.</p> - -<p>Die Weiber ahmen die Kleidung der Weißen nach. -Manche der jungen Mädchen nähen sehr gut. Ich gebe -ihnen oft Fleckchen Seide und Sammet oder Spitzen, -wofür sie sich sehr dankbar zeigen.</p> - -<p>Ich habe gegenwärtig sehr viel mit meinem Garten -zu thun. Einige unsrer Sämereien sind bereits in der -Erde, doch sagt man mir, daß ich etwas zu eilig gewesen; -es seien zehn gegen eins zu wetten, daß die jungen -Pflänzchen durch die Spätfröste, welche sich oft den Mai -hindurch, ja selbst noch zu Anfange Junis einstellen, umkommen -werden.</p> - -<p>Unser Garten hat vor der Hand noch nichts aufzuweisen, -er ist nichts als ein mit einer rohen Latten-Einfriedigung, -zur Abwehr des Viehs von unsern Anpflanzungen, -umgebnes Stück Land. Im nächsten Frühjahr -hoffe ich ein hübsches Geländer darum, und einige Beete -mit Blumen bedeckt zu sehen. In gegenwärtigem Frühjahr - <span class="pagenum"><a id="Page_p184">[S. 184]</a></span> -giebt es so viel drängende Arbeit, um das Land zur -Aufnahme der Saaten völlig zu lichten und zu reinigen, -daß ich meine Ansprüche auf den Besitz eines Ziergartens -gern in den Hintergrund treten lasse.</p> - -<p>Die Waldbäume sind ziemlich alle belaubt. Nie sah -ich den Frühling schneller eintreten als in diesem Jahre. -Das Grün der Blätter ist äußerst lebhaft. Tausend -liebliche Blumen entfalten in den Wäldern und auf dem -gelichteten Boden ihre zarten Blüthen. Auch sind unsre -canadischen Sänger nicht stumm. Das lustige Gezwitscher -des Rothkehlchens, die süßen Laute der Amsel und -der Drossel nebst dem schwachen, aber nicht unangenehmen -Schlag eines kleinen Vogels, Namens <em class="gesperrt">Thitabebec</em>, -und die lieblichen Triller eines Zaunkönigs füllen unsre -Wälder.</p> - -<p>Was mich betrifft, so halte ich es weder für nöthig -noch weise, das Gute, was wir besitzen, zu tadeln, weil -es nicht ganz für das Ersatz leistet, dessen wir uns früher -erfreuten. Es ist meines Wissens unter den Reisenden -leider die Mode eingerissen, zu behaupten, daß -unsre gefiederten Schaaren theils stumm seien, theils -höchst widrige, das Ohr zerreißende Töne ausstoßen und -mehr unangenehm als willkommen erscheinen. Es würde -eine Unwahrheit sein, wenn ich behaupten wollte, daß -unsre Singvögel zahlreicher und melodienreicher seien als -die europäischen; allein eben so wenig darf ich dulden, -daß man mein neues Vaterland seiner Rechte beraubt, -ohne ein Wort zur Vertheidigung unsrer beflügelten -Musiker zu sagen. Ja selbst den Fröschen Canadas hat -man, das Monotone ihrer Stimmen abgerechnet, Unrecht -gethan, ihr Concert erscheint mir in der That nicht ganz -unmelodisch. Die grünen Frösche sind sehr schön, sie zeichnen -sich durch braune eirunde Schilde auf dem lebhaftesten -Grün aus; auch übertreffen sie an Größe die dicksten -unsrer englischen Frösche und sind unstreitig weit schöner</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p185">[S. 185]</a></span></p> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/p185i.jpg" alt="Grüne Frösche." /> - </div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p186"></a></span></p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p187">[S. 187]</a></span></p> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/p187i.jpg" alt="Ochsen-Frosch." /> - </div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p188"></a></span></p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p189">[S. 189]</a></span> -Ihre Laute gleichen denen eines Vogels und haben nichts -von jenem Geknarr in sich.</p> - -<p>Die Ochsen-Frösche sind von den grünen Fröschen -sehr verschieden; anstatt über ihre seltsamen Töne ungehalten -zu sein, kann ich mich vielmehr kaum des Lachens -enthalten, wenn ein tüchtiger Kerl sein breites braunes -Haupt hart am Wasser-Rande aus dem nassen Elemente -hervor stößt, und »<em class="gesperrt">Williroo, williroo, williroo</em>« -ruft, worauf ein andrer seines Gleichen an einer entfernten -Stelle des Sumpfes in gröberen Accenten erwiedert, -»<em class="antiqua">Get out, get out, get out</em>, (komm raus, komm -raus, komm raus);« und gleich darauf läßt sich ein -Chor von Alt und Jung vernehmen, gleichsam als suche -jede Partei die andre zu überquäken.</p> - -<p>In meinem nächsten Schreiben werde ich Ihnen einen -Bericht von unsrer Klafter-Biene (<em class="antiqua">logging-bee</em>) geben, -welche zu Ende dieses Monats stattfinden wird. -Ich bin hinsichtlich der Verbrennung der geklafterten Holzhaufen -auf dem brachliegenden Boden um unser Haus -herum etwas besorgt, da mir die Sache gefährlich erscheint.</p> - -<p>Ich werde Ihnen in Kurzem wieder schreiben. Leben -Sie wohl.</p> - -<hr class="tb" /> - - -<div class="block0"> -<div class="footnotes"><b>Fußnoten:</b> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_36_36"></a><a href="#FNanchor_36_36"><span class="label">[36]</span></a> Diese Erscheinung ist bei trockner Luft überall sehr -gewöhnlich.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_37_37"></a><a href="#FNanchor_37_37"><span class="label">[37]</span></a> Guter, richtig bereiteter Ahorn-Zucker hat mit jenem -gepulverten Zucker, den alle Gewürzkrämer als einen trefflichen -Artikel zur Versüßung des Kaffees verkaufen, große Aehnlichkeit.</p> -</div> -</div> -</div> - - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p190">[S. 190]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="no-break" id="Elfter_Brief">Elfter Brief.</h2> -</div> - -<blockquote> -<p class="p1 font09">Welche Emigranten für Canada passen. — Eigenschaften, -die man besitzen muß, um eines günstigen Erfolgs gewiß zu -sein. — Capital-Anlage. — Welche Artikel man wo möglich -mit sich bringen muß. — Eigenschaften und Beschäftigungen einer -Ansiedler-Familie. — Mangel an Geduld und Energie bei -einigen Frauen. — Besorgung der Milchwirthschaft. — Käse. — -Indianisches Korn; seine Cultur. — Kartoffeln. — Arbeitslöhne.</p> -</blockquote> - - -<p class="p1 rright font09"> -August, 2, 1833.<br /> -</p> - -<p>Die mancherlei Fragen, auf die Sie meine -Aufmerksamkeit vorzüglich gerichtet wissen wollen, will -ich, so gut es mir möglich ist, zu beantworten suchen, -doch muß ich zu gleicher Zeit erinnern, daß Kürze im -Briefschreiben eben keine meiner Haupttugenden ist. Sollte -ich in Schilderung einfacher Thatsachen zu weitläufig werden, -so müssen sie mit meiner Schwäche Nachsicht haben -und es meiner weiblichen Schwatzlust zu Gute rechnen, -und sollte Ihr Auge dabei ermüden, so bleiben wenigstens -Ihre Ohren verschont.</p> - -<p>Ich will Ihre Fragen in derselben Ordnung beantworten, -wie Sie dieselben an mich gerichtet haben. Zunächst -wünschen Sie zu wissen, welche Art von Leuten -sich am besten zu Busch-Ansiedlern schickt.</p> - -<p>Hierauf erwiedre ich ohne Anstand: — Die armen, -an harte Arbeit gewohnten mäßigen Bauern, die sich -durch Fleiß und Thätigkeit auszeichnen und für eine große -Familie zu sorgen, und einen lobenswerthen Abscheu vor - <span class="pagenum"><a id="Page_p191">[S. 191]</a></span> -Arbeitshäusern und Bettelvoigten haben; damit überwinden -sie alle Mühseligkeiten und Entbehrungen, die mit -einer ersten Ansiedlung in den Urwäldern verbunden sind, -und gelangen in kurzer Zeit zu einer ehrenvollen Unabhängigkeit, -frei von Mangel — aber nicht von Arbeit -und Betriebsamkeit. Handwerker jeder Art werden in den -Dorf-Städten (<em class="antiqua">Village-towns</em>) und seit langer Zeit -gelichteten Distrikten besser bezahlt, als blose Buschsiedler.</p> - -<p>»Welche eignen sich zunächst am besten zur Auswandrung?«</p> - -<p>Leute von mäßigem Einkommen oder einem hübschen -Capital können in Canada Geld gewinnen. Besitzen sie -ein gesundes Urtheil und können sie größere Summen -verwenden, so werden sie durch gute Einkäufe und Wiederverkäufe -ihr Capital verdoppeln, ja selbst verdreifachen.</p> - -<p>Allein noch besser wäre es, ich bezeichnete diejenigen, -welche nicht zur Auswanderung taugen, als umgekehrt.</p> - -<p>Der arme, an eine feine, zarte Lebensweise gewöhnte -Gentleman, der nicht Arbeiter genug anstellen kann, um -eine hinreichende Bodenfläche in urbaren Stand zu setzen -und nicht selbst arbeiten mag, taugt nichts für Canada, -vorzüglich wenn seine Gewohnheiten kostspielig sind. Selbst -der Mann, welcher ein kleines Einkommen hat, wofern er -sich nicht dazu verstehen will, die Axt oder das Hackemesser -in die Hand zu nehmen, wird es, sogar bei einer klugen -und sparsamen Lebensweise, nicht leicht finden, sich in den -ersten zwei oder drei Jahren schuldenfrei zu erhalten. -Manche der letztern Art sind indeß vorwärts gekommen, -aber nicht ohne schweres Ringen.</p> - -<p>Noch aber giebt es eine andre Klasse von Leuten, -die nicht für die Wälder paßt; dies sind die Weiber und -Familien derjenigen, welche früher wohlhabende Krämer -oder Handwerker und an den täglichen Genuß jedes Vergnügens, -jedes Luxus-Artikels, welchen Geld verschaffen -oder Mode erfinden konnte, gewöhnt waren; deren Begriffe - <span class="pagenum"><a id="Page_p192">[S. 192]</a></span> -von Glückseligkeit mit einem Kreise von Lustbarkeiten und -Gesellschaften und allen Neuheiten in Tracht und Unterhaltung, -welche die feine Welt darbieten kann, unzertrennlich -verbunden sind. Junge Dämchen, welche in vornehmen -Pensions-Anstalten erzogen worden sind, und eine -Verachtung gegen alles, was auf Nutzen und Ersparniß -abzweckt, eingesogen haben, geben sehr schlechte Ansiedler-Weiber -ab. Nichts kann unglücklicher sein, als die Lage -so erzogner Personen in den Wäldern von Canada; mißvergnügt -und mißmuthig über den unangenehmen Wechsel -in ihrer Lebens-Weise, unzufrieden mit allen Gegenständen -um sie her, finden sie jede Anstrengung lästig -und jede Beschäftigung unter ihrer Würde.</p> - -<p>Für Leute dieser Art (und leider stößt man nur auf zu -viele in den Colonien), ist Canada das schlechteste Land -von der Welt. Und ich wollte jedem, der weder Neigung -noch die erforderlichen Eigenschaften dazu hat, abrathen, -den atlantischen Ocean hierher zu durchsegeln, denn er würde -sicher elend, arm und unglücklich werden.</p> - -<p>Der Emigrant, welcher in diesem Lande fortkommen, -ja sein Glück machen will, muß folgende Eigenschaften -besitzen: Beharrlichkeit, Geduld, Betriebsamkeit, Erfindungsgeist, -Mäßigkeit, Selbstverläugnung, und ist er ein -Gentleman, so ist ein kleines Einkommen fast unerläßlich, -und ein reichliches noch wünschenswerther. Die Auslage -für Ankauf und Urbarmachung von Grund und Boden, Anschaffung -der nöthigen Utensilien und Vorräthe zur Unterhaltung -einer Familie, Besoldung von Dienstboten, -nebst manchen andern unvermeidlichen Ausgaben, können -ohne Geld-Mittel nicht bestritten werden; und da der -Boden-Ertrag in den ersten zwei oder drei Jahren nur -gering ist, so würde es für einen Ansiedler rathsam sein, -einige hundert Pfund mit zu bringen, um sein Besitzthum -urbar zu machen und die eben erwähnten Ausgaben -zu bestreiten, indem er sich andern Falls bald in -große Schwierigkeiten verwickelt finden dürfte.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p193">[S. 193]</a></span></p> - -<p>Jetzt zu Ihrer dritten Frage, »welches ist der vortheilhafteste -Weg, sein Geld anzulegen, wofern man nämlich -als Ansiedler mehr mit sich hierher bringt, als man -für seinen Bedarf braucht?«</p> - -<p>Hierüber kann ich natürlicher Weise kein genügendes -Urtheil geben. Mein Gatte und seine Freunde, die -mit dem Zustande und den Angelegenheiten der Colonisten -bekannter sind, sagen, man müsse sein Capital gegen -sichere Hypotheken auf Grund-Eigenthum ausleihen. Der -Ankauf von Land ist oft ebenfalls eine gute Speculation, -aber hinsichtlich des Gewinns nicht so bestimmt, da man -keine Zinsen erhält; und wiewohl sie in Zukunft reichliche -Früchte tragen dürfte; so ist es doch nicht immer -leicht über den erkauften Grund und Boden, gerade wenn -man dessen bedarf, vortheilhaft zu verfügen. Der Besitzer -von mehren tausend Morgen Landes in verschiednen -Gemeinde-Bezirken kann oft wegen zwanzig Pfund Sterling -in Verlegenheit gerathen, wenn er diese plötzlich und -unvorbereitet schaffen soll, daher es unrathsam ist, sein -ganzes Capital auf die eben erwähnte Weise anzulegen.</p> - -<p>Die Aufzählung der verschiednen Gelegenheiten, sein -bares Geld vortheilhaft anzuwenden, würde mir schwer -fallen. Es ist hier so wenig Geld im Umlauf, daß diejenigen, -welche glücklich genug sind, dergleichen in Bereitschaft -zu haben, fast alles, was sie wünschen, damit -ausführen können.</p> - -<p>»Welches sind die nützlichsten und nothwendigsten -Artikel, die ein Ansiedler wo möglich mit bringen muß?«</p> - -<p>Werkzeuge, einen guten Vorrath an Kleidern und -Schuhen, gute Betten, vorzüglich warme Bettdecken, -da man dergleichen hier theuer bezahlen muß, und sich -doch in der Heimath zu weit billigeren Preisen, bei besserer -Qualität, damit versorgen kann. Einen Vorrath guter -Garten-Sämereien, da diejenigen, welche man bei den -Producten-Händlern kauft, schlechtes Zeug sind; überdies -sind letztere in Packete gepackt, die man nicht eher öffnen - <span class="pagenum"><a id="Page_p194">[S. 194]</a></span> -darf, als nachdem man dafür bezahlt hat, und leider -pflegt man, wie es uns gegangen ist, nichts als Spreu, -leere Hülsen und wurmstichige Samen für sein Geld zu -erhalten. Dies ist, es thut mir leid, es sagen zu müssen, -eine Betrügerei, die sich die Yankies erlauben; wiewohl -ich nicht zweifle daß John Bull (die gemeinen -Engländer) bei sich darbietender Gelegenheit das Nämliche -thun würde, denn Spitzbuben und Betrüger giebt es -überall unter der Sonne.</p> - -<p>Was Hausgeräth und schwere Artikel aller Art -anlangt, so thut man wohl, so wenig als möglich mit -zu nehmen. Eisen-Waare ist hier nicht theuer, oder -vielleicht eben so wohlfeil als zu Hause, und oft dem hiesigen -Bedarf angemessener als die, welche man mit sich -bringt; übrigens ist alles Landfuhrwerk theuer.</p> - -<p>Wir verloren ein großes Packet Werkzeuge und -waren nie im Stande, es von den Spediteurs wieder zu -erhalten, wiewohl wir die Fracht im Voraus zu Prescot -bezahlen mußten. Das Beste ist daher, seine Güter zu -versichern, in welchem Fall der Spediteur dafür verantwortlich -ist.</p> - -<p>Sie fragen mich, »ob Gewürze und andre zur Nahrung -gehörige Haushalt-Artikel theuer oder wohlfeil sind?«</p> - -<p>Dies ist je nach Ortslage und andern Umständen -verschieden. In Städten und Dörfern, welche in längst -urbargemachten Distrikten des Landes und nahe an Seen -und schiffbaren Flüssen liegen, sind sie wohlfeiler als in -der Heimath; allein in neu begründeten, von der Wasser-Communication -entfernten Gemeinde-Bezirken, wo die -Straßen schlecht sind, und mithin der Gütertransport -theuer ist, muß man fast das Doppelte dafür bezahlen. -Wo die Production dem Bedarf nicht gewachsen ist, zufolge -der Ansiedlung neuer Emigranten in spärlich angebauten -Distrikten, oder andrer Ursachen, werden alle Nahrungsmittel -theuer verkauft, und lassen sich überhaupt - <span class="pagenum"><a id="Page_p195">[S. 195]</a></span> -nicht so leicht erlangen. Allein dies sind blos vorübergehende -Uebel, die bald ein Ende haben.</p> - -<p>Concurrenz macht die Preise in den canadischen Städten -eben so gut sinken, als in England, und man kauft -jetzt Güter aller Art ziemlich eben so wohlfeil als in der -Heimath.«</p> - -<p>Wo Preise von örtlichen Umständen abhängen, kann -man keinen festen Maaßstab geben; da das, was von der -einen Stadt gilt, nicht auch auf eine andre angewendet -werden kann, und eine beständige Veränderung in allen -bebauten oder halbbebauten Gemeinde-Bezirken vor sich -geht. Auf gleiche Weise sind die Vieh-Preise sehr verschieden, -sie sind niedriger in alten Ansiedlungen, und dies -vorzüglich auf der amerikanischen Seite des Flusses oder -der Seen, im Vergleich zu denen in den beiden Canadas -(Unter- und Ober-Canada)<a id="FNanchor_38_38"></a><a href="#Footnote_38_38" class="fnanchor">[38]</a>.</p> - -<p>»Welche Eigenschaften muß die Frau eines Ansiedlers -besitzen? welches sind die gewöhnlichen Beschäftigungen -des weiblichen Theils der Familie?« Sind Ihre -nächsten Fragen.«</p> - -<p>Auf die erste erwiedre ich: — Die Frau eines Ansiedlers -muß thätig, fleißig, gewandt, erfinderisch und heitrer -Laune sein; sie darf sich keiner Arbeit in der Hauswirthschaft -scheuen, und nicht zu stolz sein, um den Rath -und die Erfahrung älterer Mitglieder der Gemeinde zu - <span class="pagenum"><a id="Page_p196">[S. 196]</a></span> -verschmähen, von denen sie manche treffliche Lehre praktischer -Weisheit erhalten können.</p> - -<p>Gleich jenem Muster aller guten Hausweiber, welches -die kluge Mutter König <em class="gesperrt">Lemuel's</em> beschreibt, sollte -man von der Gattin des Emigranten sagen können, »Sie -legte ihre eine Hand an die Spindel und hielt mit der -andern den Rocken, sie suchte Wolle und Flachs und -arbeitete willig mit ihren Händen, sie besorgte fleißig -ihre Wirthschaft und aß ihr Brod nicht umsonst.«</p> - -<p>Nichts spricht für einen größern Grad von gesundem -Verstand und guten Gesinnungen als heitre und -willige Fügung in die Umstände, wie sehr sie auch im -Vergleich zu einem früheren Loose zurückstehen mögen; -gewiß wird Niemand, der so fühlt und denkt, wie er -fühlen und denken sollte, ein Frauenzimmer, wie zärtlich -und vornehm es auch immer erzogen sein mag, deswegen -verachten, weil es in den neuen Lebensverhältnissen, -zu welchen es zu berufen, es Gott gefallen hat, redlich seine -Pflicht erfüllt. Seitdem ich in dieses Land gekommen -bin, habe ich die wohlerzognen, höchst gebildeten Töchter -und Weiber von Männern, — sowohl See- als -Land-Offizieren — keineswegs niedern Ranges, kennen -gelernt, die ihre eignen Kühe melken, ihre eigne Butter -bereiten und Arbeiten im Hauswesen verrichten, -wozu sich wenige Pächter-Weiber verstanden haben würden. -Anstatt diese nützlichen Beschäftigungen zu verachten, -suchen manche Emigranten-Frauen vielmehr ihren -Stolz darin, sich einiger Geschicklichkeit in dergleichen -Dingen rühmen zu können. Je weniger dummen -Stolz, und je mehr praktische Kenntnisse eine Emigrantin -mit sich bringt, desto eher darf sie und ihre Familie auf -häusliches Glück und Gedeihen rechnen.</p> - -<p>Ich bedaure, bemerken zu müssen, daß in manchen -Fällen die weiblichen Familien-Glieder, welche hierher gekommen -sind, sich dem Trübsinn hingeben und dadurch -die Harmonie ihres häuslichen Heerdes stören und die - <span class="pagenum"><a id="Page_p197">[S. 197]</a></span> -Energie ihrer Gatten und Brüder durch beständige nutzlose -Klagen herabstimmen. Haben sie sich einmal entschlossen, -ihren Gatten oder Freunden in dieses Land zu -folgen, so wird es weiser und besser sein, sich mit gutem -Anstand in die Umstände zu schicken und durch redliche -Erfüllung ihrer Pflicht die Bürde der Auswandrung erträglich -zu machen.</p> - -<p>Eine arme Frau, die über das Elend des Landes -klagte, mußte doch anerkennen, daß ihre Aussichten viel -besser wären, als sie jemals in der alten Heimath gewesen. -Was war denn aber eigentlich die Ursache ihrer -Klagen und ihrer Unzufriedenheit? Ich konnte mich kaum -des Lächelns enthalten, als sie sagte, daß sie Sonnabend -Abends nicht mehr in den Material-Laden gehen -könne, um für das Wochenlohn ihres Mannes die nöthigen -Einkäufe zu machen und ein wenig mit ihren Nachbarn -zu plaudern, während der Krämer seine Kunden bediene, -— denn es gäbe ja leider im Busche keinen Kramladen, -und sie sei so zu sagen lebendig-todt. Wenn -Mrs. N. N. (mit der sie beiläufig gesagt, so lange sie -unter einem Dache lebten, beständig zankte,) um sie gewesen, -so habe sie sich doch nicht so ganz allein gefühlt.</p> - -<p>Also aus Liebe zu einem gelegentlichen Geplauder, -wobei sie sich mit dem Ellenbogen auf dem Verkauftisch -eines Dorfkramladens legen konnte, wollte diese alberne -Frau die Vortheile, die wirklichen sichern Vortheile, aufgeben, -Land, Vieh und Geflügel, gute Nahrung, eignes -Obdach und Kleidung zu besitzen, und alles dies als die -Frucht angestrengter einige wenige Jahre hindurch dauernder -Arbeit, der sie sich, wie ihr Mann klüglich bemerkte, -in der Heimath ebenfalls hätte unterziehen müssen, -und zwar mit keinem andern Ziel als ein durch Armuth -getrübtes Alter, oder allenfalls eine Zuflucht gegen Hungerleiden -in dem Arbeitshause ihres Kirchsprengels, im Auge.</p> - -<p>Die weiblichen Glieder der mittlern oder bessern Klasse -anlangend, so können sie den geselligen Kreis von Freunden - <span class="pagenum"><a id="Page_p198">[S. 198]</a></span> -und Verwandten, von denen sie, vielleicht auf immer, -geschieden sind, nicht aus den Gedanken bringen; sie seufzen -nach den kleinen häuslichen, von Eleganz und Verfeinerung -des Lebens zeugenden Bequemlichkeiten, die sie -in der Heimath um sich zu sehen gewohnt waren. Sie -haben jetzt wenig oder keine Zeit für dergleichen Einrichtungen, -die ihnen sowohl Beschäftigung als Unterhaltung -gewährten. Die ihnen jetzt obliegenden Thätigkeiten sind -von andrer Art: sie müssen im Zucker- und Seife-Sieden, -im Bereiten und Backen großer Brode im Backkessel, wofern -sie nicht so glücklich sind, einen steinernen oder Lehm-Ofen -zu besitzen, Geschicklichkeit und Erfahrung erwerben. -Die Hausfrau muß sich mit der Hefenbereitung aus -Hopfen für ihr Gebäck, mit dem Einsalzen von Fleisch und -Fischen vertraut machen, sie muß Strümpfe, Handschuhe -und dergleichen stricken, Garn mit dem großen Rade -(dem französisch-canadischen Spinn-Rade) spinnen, das -Garn färben und zu Tuch und bunten Flanellen für -Gatten und Kinder verweben, die Kleider für sich selbst, -für Gatten und Kinder verfertigen lernen; denn im Busche -giebt es weder Herren- noch Damen-Schneider.</p> - -<p>Die Besorgung des Federviehs und der Milch-Wirthschaft -darf nicht übergangen werden; denn hier zu -Lande befolgt man meistens die irische oder schottische -Methode, das ist, die Milch zu buttern, ein Verfahren, -welches in unserm Theil von England unbekannt war. -Ich meines Theils bin geneigt, der Rahm-Butter den -Vorzug zu geben, mir scheint Letztres ökonomischer, man -müßte denn irische oder schottische Dienstleute haben, -welche Buttermilch der süßen Milch vorziehen.</p> - -<p>Gewiß hat jede von beiden Methoden ihre besondern -Vortheile. Die Behandlung der Kälber ist hier sehr verschieden. -Einige Ansiedler nehmen das Kalb gleich nach -seiner Geburt von der Mutter und lassen es gar nicht -saugen, das arme Thierchen muß die ersten vierundzwanzig - <span class="pagenum"><a id="Page_p199">[S. 199]</a></span> -Stunden hindurch fasten und wird hierauf mittels -der Finger mit abgerahmter Milch gefüttert, die es bald -mit großer Begierde zu sich nehmen lernt. Ich habe -auf diese Weise Kälber sehr gut gedeihen sehen und bin -Willens, den nämlichen Plan, als den am wenigsten beschwerlichen, -zu verfolgen.</p> - -<p>Die alten Ansiedler machen von einem entgegengesetzten -Verfahren Gebrauch: sie lassen das Kalb nämlich -so lange saugen, bis es ein halbes Jahr alt ist, in der -Meinung, daß dann sichrer auf den Milch-Ertrag der -Kuh zu zählen sei; da diese andernfalls bisweilen, vorzüglich -wenn das Gras in der Nähe der Wohnstätte -spärlich wächst, oft tagelang in den Wäldern umherschweift, -und man nicht nur die Benutzung der Milch -verliert, sondern auch die Kuh, wegen der starken Ausdehnung -des Euters, sich leicht wesentlich verletzt und dadurch -wenigstens auf die Dauer der Melkezeit unbrauchbar -wird. Meiner Meinung nach würde es zur Vermeidung -dieses Unfalls gut sein, wenn man seinem Vieh -in der Nähe des Melk-Ortes regelmäßig etwas Salz und -eine kleine Quantität Futter, wenn auch noch so wenig, -gäbe, weil sie dann selten lange ausbleiben würde. Kartoffel-Abgänge, -die Blätter der alltäglichen Garten-Gemüse, -nebst den obersten Schößlingen des indianischen Korns, -welche man abschneidet, um das Bestocken der Pflanze zu -befördern, bilden ein lockendes Futter für die Kühe und -sichern ihre Rückkehr. Im Herbst und Winter, befördern -Kürbisse, Korn, Stroh oder irgend eine andre Futter-Art, -die man gerade vorräthig hat, nebst dem Laube, das man -von den gefällten Bäumen und Buschwerk erhält, ihr -Gedeihen.</p> - -<p>Den zu entwöhnenden Kälbern muß man abgerahmte -Milch oder Buttermilch, nebst den laubigen Zweigen -des Ahorns, wonach sie sehr begierig sind, geben. -Ein warmer Schuppen oder eingefriedigter Hofraum ist -dem Vieh während der strengen Winter-Monate durchaus - <span class="pagenum"><a id="Page_p200">[S. 200]</a></span> -nöthig; dies läßt man zu häufig unbeachtet, vorzüglich -in neuen Ansiedlungen, und daher trifft gar manchen -Ansiedler der Unfall, daß er sein Vieh entweder durch -Krankheit oder Kälte verliert. Von Natur ist das canadische -Vieh sehr robust und hart, und trotzt, wofern man -ihm nur einige Sorgfalt angedeihen läßt, selbst dem -strengsten Winter; allein zufolge der Schwierigkeiten, -welche sich einer ersten Ansiedlung im Busche entgegen -stellen, sind die armen Thiere oft dem Hunger und der -heftigen Kälte ausgesetzt, was ihnen eine, oft verderbliche -Krankheit »<em class="gesperrt">Hohl-Horn</em>« (<em class="antiqua">Hollow Horn</em>) genannt, -zuzieht.</p> - -<p>Diese Krankheit geht vom Rückgrat aus und wird -dadurch gelindert, daß man das Horn anbohrt und in die -Oeffnung Terpentin, Pfeffer oder andre erhitzende Substanzen -einführt.</p> - -<p>Hat ein neuer Ankömmling kein Winter-Futter für -sein Vieh, so thut er sehr wohl, es mit dem Eintritt -des Herbstes zu verkaufen und im nächsten Frühjahr -neues anzuschaffen; und wiewohl dies als ein Verlust -erscheinen dürfte, so ist dieser doch gewiß weit geringer, -als wenn man dasselbe ganz und gar verlöre. -Diesen Plan befolgte mein Gatte, und wir befanden ihn -entschieden vortheilhaft und ersparten uns überdies manche -Sorge, Störung und Plackerei.</p> - -<p>Es sind mir einige gute Sorten hiesiger Käse zu -Gesicht gekommen, die in der That alles Lob verdienen, -insonderheit unsre Grasweide den brittischen Triften bei -weitem nicht gleich kommt. Ich will hierin meine Geschicklichkeit -nächsten Sommer versuchen; wer weiß, ob ich -dann nicht einen canadischen Barden bestimmen dürfte, das -Erzeugniß meiner Milcherei eben so zu verherrlichen, wie -<em class="gesperrt">Blumfield</em> den Suffolk-Käse, <em class="gesperrt">Bang</em> zubenamt, verherrlicht -hat. Sie erinnern sich doch der Stelle? — -Denn <em class="gesperrt">Blumfield</em> ist so gut Ihr Landsmann als der -meinige — sie beginnt folgender Maaßen: —</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p201">[S. 201]</a></span></p> - -<p>»Noch unerreicht o Giles ist dein Käse« u. s. w. -Ich bin etwas lange bei der Milchwirthschaft stehen geblieben, -da ich weiß, daß Sie alles, was Sie darüber erfahren -können, Ihren Freundinnen mittheilen werden.</p> - -<p>Sie ersuchen mich ferner um einige Nachrichten -über die Cultur des indianischen Korns, (Mais) und -wünschen zu wissen, ob es eine nützliche und einträgliche -Getraidefrucht ist.</p> - -<p>Der Anbau des indianischen Korns auf neu gelichtetem -Boden ist sehr leicht und von wenig Arbeit begleitet; -auf alten Feldern bedarf es deren mehr. Die Erde wird -mit einer breiten Hacke geöffnet, und drei oder vier Körner -werden, nebst einem Kürbißsamen ungefähr in jedes -dritte oder vierte Loch, und in abwechselnden Reihen, eingestreut; -die Löcher müssen mehre Fuß von einander -abstehen. Kürbisse und Korn wachsen ganz verträglich -mit einander auf, die breiten Blätter der erstern beschatten -die jungen Kornpflänzchen und verhindern die zu -große Verdünstung der Feuchtigkeit vom Boden; ihre -Wurzeln verbreiten sich nicht allzuweit, so daß sie dem -Korn nur sehr wenig Nahrung entziehen. Die eine -Pflanze rankt sich zu einer erstaunlichen Länge an der -Erde hin, während die andre mehre Fuß hoch darüber -emporschießt. Sobald das Korn anfängt, sich zu verästeln, -muß man den Boden nochmals durchschaufeln, um -mehr Erdreich an die Wurzeln zu bringen, und außerdem -das der Saat nachtheilige Unkraut ausjäten. Dies ist -die ganze Arbeit, bis sich die Aehre anfängt zu bilden, -wo die tauben und schwachen Schößlinge abgebrochen -und nur vier oder fünf der kräftigsten und fruchtbarsten -übrig gelassen werden. Sobald die seidenartigen Fäden -braun werden und absterben, muß man sie entfernen, -damit alle Nahrung den Körnern zufließe.</p> - -<p>Wir hatten in letztem Sommer ein merkwürdiges -Beispiel von Ruß an unserm Korn, die kranken Kolben -hatten große weiße Blasen (Blattern), so dick wie kleine - <span class="pagenum"><a id="Page_p202">[S. 202]</a></span> -Bovist oder große Haselnüsse, und diese waren, als man -sie aufbrach, mit einer tintenartigen schwarzen Flüssigkeit -gefüllt. An den nämlichen Pflanzen konnte man eine -regelwiedrige Befruchtung wahrnehmen: dem Kolben fehlten -die Körner, welche durch einen eigenthümlichen Zufall -auf die Quaste oder männlichen Blumen versetzt waren. -Botaniker mögen die Ursache dieser seltsamen Abweichung -von der Regel erklären, ich berichte blos die Thatsachen. -Ich konnte nicht erfahren, ob der Ruß eine dem indianischen -Korn gewöhnliche Krankheit ist, aber im letzten -Jahre kam derselbe, hier zu Lande und vorzüglich in -unsrer Gegend auch Staub-Kleien (<em class="antiqua">dust-bran</em>) genannt, -an der Gerste und dem Weizen ziemlich häufig vor; überhaupt -ist zu bemerken, das Staaten auf neu urbar gemachtem -Boden dieser Krankheit am meisten ausgesetzt -sind<a id="FNanchor_39_39"></a><a href="#Footnote_39_39" class="fnanchor">[39]</a>.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p203">[S. 203]</a></span></p> - -<p>Die reifen Körner werden entweder von dem Kolben -abgeklaubt, wie die Bohnen oder Erbsen bei uns, - <span class="pagenum"><a id="Page_p204">[S. 204]</a></span> -oder man reiht und flicht die Kolben an Stränge wie -die Zwiebeln und hängt sie an Stangen oder an den - <span class="pagenum"><a id="Page_p205">[S. 205]</a></span> -Dachsparren auf den Getraide-Böden und in den Scheunen -auf. Das Abstreifen der Körner von den Kolben -giebt zu einer geselligen Versammlung Anlaß, welche -<em class="antiqua">husking bee</em> (die enthülsende Biene) heißt und, wie alle -übrige Bienen, von den Yankies herrührt, gegenwärtig -aber unter der unabhängigeren und bessern Ansiedler-Klasse -nicht mehr so häufig wie früher stattfindet.</p> - -<p>Das indianische Korn ist eine zarte und etwas unsichre -Saat; jung leidet es häufig durch Frost, daher man -es nie vor dem 20. Mai oder zu Anfange Junis säet, -und selbst dann ist es noch nicht ganz sicher, auch hat es -manche Feinde, als Bäre, Waschbäre, Eichhörnchen, Mäuse -und Vögel und ist eine große Lockung für umherschweifendes -Vieh, das, um dazu zu gelangen, selbst Einfriedigungen -von hölzernen Pfählen, spanische Reiter und andre -dergleichen Dinge, die man zum Schutz der Saat aufgestellt -hat, umstürzt.</p> - -<p>Selbst in Canada bedarf diese Getraide-Art einen -heißen Sommer, um zur vollkommnen Reife zu gelangen. - <span class="pagenum"><a id="Page_p206">[S. 206]</a></span> -Daher glaube ich, daß <em class="gesperrt">Cobbett</em> unrecht hatte, als er den -englischen Landmann zum Anbau im Vaterlande das indianische -Korn als eine sehr einträgliche Getraide-Frucht -empfahl. Sehr einträglich und mehlreich ist es bei uns -jeden Falls, indem es für alle Arten körnerfressender -Thiere eine sehr reiche und angenehme Nahrung abgiebt, -und zwar selbst so lange es noch grün ist, und in reifem -oder halbreifem Zustande zur Mästung der Hausthiere -und Fütterung der Last-Ochsen sich trefflich eignet.</p> - -<p>Der letzte Sommer war sehr günstig, die Saat gedieh -auf das Ueppigste, leider aber hatten nur wenige -Ansiedler, in Folge des Mißrathens in den beiden vorhergehenden -Jahren, diese Getraide-Art angebaut. Unser -kleines Fleckchen lieferte eine reiche Ernte. Das Mehl -giebt einen nahrhaften Brei, von den Amerikanern -»<em class="gesperrt">Supporne</em>« genannt, er wird mit Wasser bereitet, -und mit Milch genossen, oder auch mit Milch vermischt. -Er muß lange kochen. Brod wird nur selten oder niemals -ohne einen reichlichen Zusatz von feinem Weizen- -und Brod-Mehl daraus gebacken.</p> - -<p>Was die Cultur andrer Getraide-Sorten anlangt, -so kann ich Ihnen darüber nichts mittheilen, was Sie -nicht in jedem Werke über Auswanderung finden. Die -Kartoffel wird nicht in Löcher gesteckt, sondern in kleine -Erdhügel, die man darüber häufelt, die Kartoffelfelder -müssen durchschaufelt und von Unkraut gereinigt werden.</p> - -<p>Was den gewöhnlichen Betrag der Arbeitslöhne anlangt, -so richtet sich derselbe ebenfalls nach der größeren -oder geringeren Bevölkerung des Ortes, wo man sich angesiedelt -hat; im Allgemeinen indeß erhält ein thätiger -kräftiger Mann acht bis eilf Dollars monatlich; zehn -Dollars also könnte man als Durchschnitts-Summe annehmen, -junge Bursche (Handlanger) erhalten vier bis -sechs, und weibliche Dienstboten drei bis vier Dollars. -Man kann auch junge Mädchen von neun bis zwölf -Jahren blos für Kleidung und Kost in Dienste nehmen, - <span class="pagenum"><a id="Page_p207">[S. 207]</a></span> -allein dies ist keineswegs ein Ersparniß, da Kleider -und Schuhe sehr bald zerrissen sind und durch neue -ersetzt werden müssen. Ein starkes Mädchen vermiethet -sich für zwei bis drittehalb Dollars monatlich und arbeitet, -wird es verlangt, auch auf dem Felde, wo sie Korn -und Kartoffeln behäufelt und jätet, in der Ernte die -Garben binden hilft u. s. w. Ich habe ein sehr gutes -Mädchen, die Tochter eines Emigranten von Wiltshire; -sie ist sauber und verständig, höflich und fleißig, und erhält -dabei nur drei Dollars monatlich; sie gehört zu den -glücklichen Beispielen aus der niedern Klasse englischer -Auswandrer, und ihre Familie kann für den Bezirk, worin -sie lebt, als ein wahrer Gewinn betrachtet werden.</p> - -<p>Ich glaube jetzt alle Ihre Fragen nach meiner besten -Ueberzeugung beantwortet zu haben. Allein ich erinnere -dabei, daß meine Erfahrung sich blos auf einen kleinen -Theil der Gemeinde-Bezirke längs den Otanabee-Seen -beschränkt, mithin darf mein Bericht hinsichtlich seiner -Gültigkeit blos als örtlich gelten. Die Sachen können -sich in andern Distrikten der Provinz anders verhalten, -wenn sie auch vielleicht nicht wesentlich verschieden sind.</p> - -<p>Ich muß Ihnen jetzt Lebewohl sagen. Sollten Sie -sich jemals veranlaßt fühlen, Ihr Glück diesseits des atlandischen -Oceans zu versuchen, so versichere ich Sie im Voraus -des herzlichsten Empfanges in unserm canadischen Hause.</p> - -<p> -Ihre Ihnen aufrichtig ergebne Freundin.<br /> -</p> - -<hr class="tb" /> - -<div class="block0"> -<div class="footnotes"><b>Fußnoten:</b> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_38_38"></a><a href="#FNanchor_38_38"><span class="label">[38]</span></a> Die Einfuhr-Zölle von Gütern in den beiden Canadas -sind äußerst gering, woraus sich der Umstand erklärt, daß man -daselbst manche Verbrauchs-Artikel an Orten, wo sich ihrem -Transport keine erheblichen Schwierigkeiten von Seiten der -Straßen entgegenstellen, weit billiger kaufen kann als in England; -in den Urwäldern, wo man kaum angefangen hat, Straßen -anzulegen, ist wegen des theuren Transports der größern -Mäklerzahl, des größern Capital-Werthes und des damit in -Verhältniß stehenden höhern Local-Profites, u. s. w. alles weit -theurer ist; was sich jedoch mit der fortschreitenden Cultur des -Bodens ändern wird.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_39_39"></a><a href="#FNanchor_39_39"><span class="label">[39]</span></a> Die hauptsächlichsten Krankheiten, wovon die Getreide-Pflanzen -heimgesucht werden, sind Mehlthau, Brand (Schimmel), -und Ruß. Die Untersuchung und Behandlung dieser Krankheit -ist für Schriftsteller über Landwirthschaft ein ergiebiges -Feld gewesen. Indeß scheint das Publikum von ihren subtilen -Forschungen noch keinen erheblichen Nutzen geerntet zu haben, -und ein Autor von vorzüglichem Ansehn und Gewicht behauptet -sogar, daß im Verhältniß zu der über den fraglichen Gegenstand -verschwendeten Wortmenge die Schwierigkeiten in Betreff -seiner Aufklärung sich vermehrt hätten.</p> -<p>Brand ist eine Krankheit, welcher bekanntlich die Cerealien -seit den frühesten Zeiten unterworfen gewesen sind. Bei den -alten Griechen galt derselbe als ein Zeichen des Zorns der -Götter, und so oft er vorkam, überließen sie sich der Klage -und Trauer, ohne auf ein Mittel zur Abhülfe bedacht zu -sein. Derselbe Aberglaube herrschte unter den Römern, die der -Meinung waren, daß das Uebel, welches sie <em class="antiqua">rubigo</em> (Rost) nannten, -unter der Controlle einer besondern Gottheit, Namens <em class="gesperrt">Rubigus</em>, -stehe, daher sie diesem zu Gunsten ihrer Saaten fortwährend -opferten.</p> -<p>Brand und Mehlthau sind von verschiednen Schriftstellern -über Landwirthschaft häufig mit einander verwechselt worden, so -daß es zweifelhaft ist, welcher Klasse von Erscheinungen jeder -von beiden Namen eigentlich zukommt, oder ob beide überhaupt -nicht für eine und dieselbe zu verschiednen Perioden des Wachsthums -der Pflanze vorkommende Krankheit anwendbar sind. -Da wir nicht gern auf streitigen Boden treten mögen, was -nothwendiger Weise der Fall sein würde, wenn wir uns in -Erörterung eines, trotz allen darüber geschriebnen mühevollen -Abhandlungen, verworrenen und dunkeln Gegenstandes einlassen -wollten, so werden wir hier die Formen, welche die Krankheit -annehmen, nebst ihren übeln Folgen kurz und deutlich beschreiben, -deren Klassifikation aber andern geschickteren Federn überlassen.</p> -<p>Die Ursachen sind, wie die kundigsten Männer behaupten, -dreierlei, nämlich: Kälte und besonders kalte Winde, böse Dünste -und die Verbreitung eines Schimmelpilzes. Die erstere der erwähnten -Ursachen hindert den Umlauf der Säfte in der Pflanze; -die der Nahrung beraubten Blätter welken und sterben ab, die -Säfte treiben die Gefäße auf, worin sie sich befinden, zersprengen -sie und werden die Nahrung von Millionen kleiner Insekten. -Diese finden sich so unbegreiflich schnell ein, daß man sie -mehr für die Ursache, als die Folge der Krankheit angesehen -hat. Die zweite Ursache wirkt vorzüglich, wenn das Getraide -bereits völlig ausgewachsen ist, und man hat beobachtet, daß -sie sich besonders nach schweren Regengüssen des Nachmittags -zeigte, auf welche sogleich heller Sonnenschein folgte. Dies ist -der Fall gewöhnlich um die Mitte oder zu Ende Julis. Die -Krankheit befällt entweder die Blätter oder den Stengel der -Pflanze, die mit gebrochenen Linien von schwarzer oder dunkelbrauner -Farbe bedeckt zu sein scheint. Viele Naturforscher schreiben -sie allein einer Art Schimmelpilz zu, die in dem Pflanzenstengel -wurzele und die den Getraidekörnern bestimmte Nahrung -entziehe. Die kleinen Samen dieses parasitischen Gewächses, -das die Krankheit des Getraides verursacht, sind so leicht, daß -sie vom Winde in große Entfernung getragen werden. Diese -Schimmelpilze wachsen überdies außerordentlich schnell, indem -sie nach den genauen Beobachtungen des Engländers <em class="gesperrt">Joseph -Banks</em> in warmem Wetter nicht mehr als eine Woche brauchen, -um einzuwurzeln und bereits wieder Samen zu treiben. -Auf jedem Punkte des Halmes, wo sie sich einnisten, wachsen -zwanzig bis vierundzwanzig solcher Pilze, und man kann sich -daraus eine Vorstellung machen, wie groß die Vermehrung sein -mag. Wie alle andre Pilze und Schwämme, gedeiht auch diese -verderbliche Art am besten an schattigen, feuchten Orten, und -deshalb ist eins der besten Mittel, das Getraide vor ihr zu bewahren, -dasselbe nicht zu dicht zu säen, desgleichen muß man -für hinreichenden Luftzug sorgen und daher die Hecken und Einfriedigungen -niedrig halten.</p> -<p>Mr. <em class="gesperrt">Loudon</em> berichtet, daß im Sommer 1809 ein Weizenfeld -auf mehr leichtem und sandigem Boden mit allem Anschein -von Gedeihen empor und auch in die Aehre kam und alle -Aussicht zu einer guten Ernte gab. Ungefähr zu Anfange Julis -schien es alles zu übertreffen, was man von einem dergleichen -Boden erwarten konnte. Eine Woche später war ein -Theil der Saat auf der Ostseite des Feldes, im Betrag von -mehren Morgen, völlig verdorben, die Pflanzen waren über die -Hälfte ihrer früheren Größe eingeschrumpft und so welk und -versengt, daß sie nicht zu demselben Felde zu gehören schienen. -Der übrige Theil der Saat gedieh vollkommen gut. Man hat -oft behauptet und lange Zeit auch geglaubt, daß die Nähe von -Berberisbeersträuchern der Saat nachtheilig sei, indem sie schädliche -Pilze anziehen, allein jetzt gilt dies allgemein für ein -Mährchen.</p> -<p>Der Same von Pflanzen, die an Mehlthau litten, eignet -sich der Erfahrung gemäß zur Aussaat vollkommen, und da er -kleiner als gesundes Korn ist, so bedarf es zu diesem Behuf eines -kleineren Maaßes.</p> -<p>Eine andre böse Krankheit, welche das Getraide befällt, -ist unter dem bezeichnenden Namen »<em class="gesperrt">Ruß</em>« bekannt, dieses Uebel -besteht in Verwandlung des Mehls in ein rußiges Pulver, -das mehr oder weniger schwarz und dem Geruch zuwider ist. -Einige Schriftsteller unterscheiden zwei Modificationen der fraglichen -Krankheit und nennen die eine <em class="gesperrt">Ruß</em>, die andre <em class="gesperrt">Getraide-Brand</em> -(Brand, verbranntes Getraide). <em class="gesperrt">Mills</em> -hat in seinem System der praktischen Landwirthschaft folgenden -Unterschied zwischen beiden aufgestellt. »<em class="gesperrt">Ruß</em>, eigentlich so genannt, -bewirkt einen völligen Verlust der davon befallenen (inficirten) -Aehren, da aber das schwarze Pulver, welches er erzeugt, -sehr fein ist, und die Körner desselben nicht zusammenhalten, -so werden sie von Wind und Regen leicht fortgeführt, -so daß der Landmann nicht viel mehr als das blose Stroh unter -Dach und Fach bringt, welches aber die gesunden Körner -nicht ansteckt und kaum ihr Mehl beschädigt. Das <em class="gesperrt">brandige</em> -oder <em class="gesperrt">cariöse</em> Getraide dagegen, das oft zugleich mit dem gesunden -Korn eingefahren und aufgespeichert wird, theilt letzterem -seine Krankheit mit, macht sein Mehl braun und giebt ihm einen -schlechten Geruch.« Der Name, mit welchem diese Krankheit -von den Römern bezeichnet wurde, ist ustilago; die französischen -Landleute nennen sie <em class="antiqua">charbon</em> (Kohle).</p> -<p>Wenn man einen Theil des schwarzen Pulvers mit Wasser -anfeuchtet und dann unter das Mikroscop bringt, so sieht man, -daß es Myriaden kleiner durchsichtiger und augenscheinlich von -einem dünnen Häutchen umgebner Kügelchen sind. Die Ursache -des Uebels suchen einige Forscher in dem Boden, in welchen das -Korn gesäet worden ist; andere schreiben es dem Wuchern eines -kleinen Pilzes innerhalb der Aehre zu; noch andre endlich behaupten, -es beruhe auf einem krankhaften Zustande des Samens, -aus welchem die Pflanze hervorgegangen ist. Das Ergebniß -verschiedner Versuche, wo man verschiedne Samen in denselben -Boden säete, und allen dieselbe Behandlung angedeihen ließ, -scheinen der letzten Hypothese das Wort zu reden.</p> -</div> -</div> -</div> - - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p208">[S. 208]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="no-break" id="Zwolfter_Brief">Zwölfter Brief.</h2> -</div> - -<blockquote> -<p class="p1 font09">Eine »Klafter-Biene.« — Verbrennung der geklafterten -Haufen. — Wirthschafts-System. — Preis des Weizens im -Vergleich zu dem Arbeitslohn. — Wahl des Bodens und verhältnißmäßige -Vortheile. — Lichtung des Bodens. — Orcan in -den Wäldern. — Veränderliche Witterung. — Insekten. —</p> -</blockquote> - -<p class="p1 rright font09"> -November 2, 1833.<br /> -</p> - -<p>Vielen, vielen Dank Theuerste Mutter für den Inhalt -der Schachtel, die im August anlangte. Ich war -voller Freude über die niedlichen Mützchen und gewirkten -Käppchen, die Sie mir für mein Knäbchen gesendet haben, -der kleine Kerl nimmt sich in seinem Anzuge ganz -allerliebst aus, ja ich möchte behaupten, er sei sich der -Vermehrung seiner Garderobe bewußt, so stolz scheint er -auf seine neuen Kleider. Er wird recht rund und lebhaft, -und Sie können sich wohl vorstellen, mit welcher -Zärtlichkeit und welchem Gefühl von Stolz das Herz -seiner närrischen Mutter an ihm hängt.</p> - -<p>Sein Papa, der ihn eben so sehr liebt, als ich, lacht -oft über meine grenzenlose Zärtlichkeit und frägt mich, -ob ich ihn nicht für das neunte Wunder der Welt halte; -er hat auf dem Hand-Schlitten für ihn einen Kasten -befestigt, der nicht viel besser ist als eine Theekiste, und -mit einem schwarzen Bärenfell gefüttert; hierin sitzt der -kleine Bursche ganz behaglich und hat sich schon mancher -Fahrt über den gefrornen Boden erfreut.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p209">[S. 209]</a></span></p> - -<p>Nichts konnte uns erwünschter kommen als das -Legat meines Onkels, es hat uns in den Stand gesetzt, -manchen nützlichen Ankauf für unsre Meierei zu machen, -was andernfalls erst nach Verlauf manches Jährchens -würde haben geschehen können. Für einen Theil davon haben -wir ein Stück Land gekauft, welches nicht weit von unserm -Hause liegt. Die Beschaffenheit dieser neuen Parzelle -ist vortrefflich und erhöht durch ihre Lage den Werth -des ganzen Besitzthums.</p> - -<p>Mit dem Verbrennen der gefällten und geklafterten, -das ist, der Länge nach gespaltenen und mittels Ochsen in -Haufen vereinigten Bäume auf dem gelichteten Boden -kamen wir in diesem Sommer trefflich zu Stande. -Um schneller damit fertig zu werden, ruften wir eine -Biene (<em class="antiqua">logging-bee</em>) zusammen. Viele Ansiedler folgten -unsrer Aufforderung und eilten uns mit Ochsen und -Leuten zu Hülfe. Nachdem dies vorüber, das ist, das -Holz geklaftert war, setzte mein Gatte mit Hülfe der -männlichen Dienstleute die gewaltigen Haufen in Flammen, -und ein prächtiges Schauspiel war es, rings umher -den verheerenden Brand zu sehen. Ich war anfangs etwas -unruhig und besorgt, indem einige Holzstöße sich -unserm Hause ziemlich nahe befanden, indeß braucht man -stets die Vorsicht, sie nur, wenn der Wind in der Richtung -vom Hause abwärts bläst, anzuzünden. Es haben -sich bisweilen Unfälle ereignet, allein sie kommen doch weit -seltner vor, als man erwarten sollte, wenn man das -leichte Umsichgreifen und die Wuth des furchtbaren Elements -bei dergleichen Gelegenheiten berücksichtigt.</p> - -<p>Ist das Wetter sehr trocken, und bläst ein scharfer -Wind, so schreitet das Werk der Zerstörung mit erstaunlicher -Schnelligkeit vorwärts; bisweilen theilt sich das -Feuer dem Forste mit und läuft über mehre hundert -Morgen weg. Dies gilt als kein günstiger Umstand für -Lichtung und Urbarmachung des Bodens, da die Flammen -das Gebüsch und weiche leichte Holz verzehren, was - <span class="pagenum"><a id="Page_p210">[S. 210]</a></span> -zur Sicherung eines guten Brandes beiträgt. Bei alle dem -ist es ein prächtiger Anblick, die flammenden Bäume zu -sehen und die grauenvollen Fortschritte des um sich greifenden, -alles verzehrenden und den Waldwuchs auf mehre -Jahre vernichtenden Elementes zu beobachten.</p> - -<p>Ist der Boden sehr trocken, so läuft das Feuer in -allen Richtungen darüber, das dürre Laub, Reisig und die -Wurzeln zerstörend. In der Nacht ist die Wirkung noch -sichtbarer; bisweilen weht der Wind brennende Reiser und -dergleichen in die hohlen Fichten und verwitternden Stummel, -diese fangen sehr bald Feuer und bieten dem Auge -ein Schauspiel dar, welches äußerst schön und seltsam ist. -Feuer-Säulen, deren Basis in dichte Rauchwirbel gehüllt -ist, zeigen sich in jeder Richtung und senden dichte -Funken-Schauer aufwärts, welche, durch den Wind umhergewirbelt, -wie Schwärmer und Feuer-Räder erscheinen. -Einige von diesen hohen Stummeln nehmen sich, wenn -das Feuer ihre Spitze erreicht hat, wie Gaslaternen-Pfähle -aus. Das Feuer dauert bisweilen tagelang nach -einander fort.</p> - -<p>Nachdem es erlöscht ist, werden die Brändte gesammelt, -in Haufen gelegt und nachmals angezündet; -und so befremdend es Ihnen vorkommen mag, — ich -möchte behaupten, es gebe kein interessanteres und aufregenderes -Werk als das Errichten der Holzhaufen, das -Aufstören und Einschließen der sterbenden Flammen und -ihre Ernährung durch frisches Brennmaterial.</p> - -<p>Es finden stets zwei dergleichen Verbrennungen statt, -zuerst nehmlich werden die Reisighaufen, welche den Winter -über unversehrt gelegen haben, nachdem sie durch die -trocknenden Stürme und die heiße April- und Mai-Sonne -gehörig ausgedörrt sind, in Flammen gesetzt; dies geschieht -jedesmal vor Klafterung der Baumstämme.</p> - -<p>Ist das Wetter trocken und bläst ein lebhafter Wind, -so wird viel von dem leichteren Holze verzehrt, und die -größeren Bäume werden zu gleicher Zeit zerkleinert. Nachdem - <span class="pagenum"><a id="Page_p211">[S. 211]</a></span> -dies vorüber ist, wird das Uebrige für das zweite -Feuer gefällt, geschnitten und gehäuft; endlich sammelt man -die Brändte und unverzehrten Ueberbleibsel, um sie ebenfalls -dem Feuer zu überliefern, bis der Boden von allen -Hindernissen, mit Ausnahme der Baumstummel, welche -selten mit verbrennen und mehre Jahre hindurch ein -wahrer Dorn für das Auge bleiben, befreit ist. Hierauf -wird die Asche umher gestreut und das Feld mit gespaltnen -Baumstämmen eingefriedigt — der Boden ist -jetzt gelichtet und urbar.</p> - -<p>Unsre Aussaat in diesem Jahre besteht in Hafer, -indianischem Korn, Kürbissen, Kartoffeln und etwas weißen -Rüben; nächsten Herbst werden wir Weizen, Roggen, -Kartoffeln und indianisches Korn haben, und dadurch -im Stande sein, unsern Viehstand zu vermehren. -Gegenwärtig haben wir blos ein Joch Ochsen: <em class="gesperrt">Buck</em> -und <em class="gesperrt">Bright</em>, (die Namen von drei Viertheilen aller -Zug-Ochsen in Canada), zwei Kühe, zwei Kälber und -zwei kleine Schweine, zehn Hühner, drei Enten und einen -niedlichen braunen Klepper, welcher aber leider ein so geschickter -Springer ist, daß er fast über jede Einfriedigung -wegsetzt, daher wir uns wohl von ihm werden trennen -müssen.</p> - -<p>Alles Vieh, das sich gern losreißt und umherstreift, -ist ein bedeutender Friedenstörer und lößt manche nachbarliche -Freundschaft auf, weshalb jeder Ansiedler, dem es -auf ein gutes Vernehmen mit seinen Nachbarn ankommt, -dergleichen Vieh, und wenn es übrigens noch so brauchbar -wäre, lieber veräußert.</p> - -<p>Ein kleiner Pachter im Mutterlande dürfte eben -keine hohe Meinung von unsern canadischen Besitzungen -hegen, besonders wenn ich hinzufüge, daß unsre ganzen -Ackergeräthschaften aus zwei Sensen, verschiednen Aexten, -einem Spaten und einigen Hacken bestehen. Hierzu -kommt noch eine seltsame Art von Egge, in Gestalt eines -Dreiecks, um besser zwischen den Baumstummeln durchkommen - <span class="pagenum"><a id="Page_p212">[S. 212]</a></span> -zu können. Dies ist im Vergleich mit den neu -angestrichnen Werkzeugen der Art, welche ich in England -gesehen habe, eine grobe Maschine. Ihre einzelnen Theile -sind roh zugehauen und ohne Rücksichtsnahme auf ein -gefälliges Aeußere mit einander verbunden; die möglichste -Tauglichkeit ist alles, worauf man hier sieht. Der Pflug -kommt selten vor dem dritten oder vierten Jahre ins -Land, auch ist dies nicht erforderlich; der allgemein übliche -Feldwirthschafts-Plan, den neuerdings urbar gemachten -Boden mit Weizen oder Hafer und, außer dem Getraide, -mit Grassämereien zu besäen, (letzteres, um Weide -für das Vieh zu erhalten), macht den Pflug nicht eher -nöthig, als bis die Zeit eintritt, wo das Grasland aufgerissen -werden muß. Diese Methode verfolgen die meisten -Ansiedler, so lange sie mit Lichtung des Wald-Bodens beschäftigt -sind; sie lichten stets so viel, als zur Unterhaltung -einer regelmäßigen Aufeinanderfolge von Weizen -und Frühlings-Saaten erforderlich ist, während sie das -früher gelichtete Land mit Gras besäen.</p> - -<p>Der niedrige Preis, wofür jetzt fast jede Getraide-Sorte -zu haben ist — der Scheffel (<em class="antiqua">Bushel</em>) Weizen -kostet nur zwei Schillinge vier Pence bis höchstens vier -Schillinge — macht seine Cultur weniger wichtig als -die Aufziehung und Mästung von Vieh. Die Arbeitslöhne -stehen mit dem Preis der Erzeugnisse in keinem -Verhältniß; ein Arbeiter erhält zehn, ja sogar eilf Dollars -monatlich, nebst Kost; während der Weizen, wie bereits -gezeigt worden, nur drei Schillinge, drei Schillinge und -Sechspence oder vier Schillinge, ja bisweilen nicht einmal -so viel gilt. Der Ertrag wird wenig oder nicht mit -der Auslage verglichen, welche die Bestellung des Bodens -erheischt, übrigens bringt das Land auch nicht den großen -Ueberfluß hervor, den Manche von neu urbar gemachtem -Boden zu erwarten pflegen. Der Ertrag muß indeß, je -nach Lage und Fruchtbarkeit der Felder, die in der Regel -in der Nähe der Flüsse und Seen weniger productiv sind, - <span class="pagenum"><a id="Page_p213">[S. 213]</a></span> -als etwas weiter davon entfernt, weil der Boden daselbst -entweder morastig oder steinig, mit Fichten oder mit Kalkstein- -und Granit-Blöcken bedeckt, und der Unterboden -arm und sandig ist, verschieden ausfallen.</p> - -<p>Dies ist der Fall an den kleinen Seen und an den -Ufern des Otanabee; die davon entfernt liegenden Parcellen -sind gemeiniglich von weit bessrer Beschaffenheit, -sie tragen hartes Holz, z. B. Eichen, Ahorn, Buchen, -Eisenholz u. s. w., welche Bäume stets einen fruchtbarern -Boden verrathen, als die Familie der Nadelhölzer.</p> - -<p>Trotz der geringeren Boden-Beschaffenheit wird beim -Ankauf von Land doch ein Wasser-Vordergrund als eine -Sache von großer Wichtigkeit betrachtet; und Parcellen mit -Wasser-Benutzung stehen gewöhnlich in weit höherem -Preise als solche, die weiter davon entfernt sind. Erstere -sind im Allgemeinen im Besitz der Ansiedler höheren Ranges, -die noch etwas extra für eine gute Lage und die -Aussicht künftiger Verschönerungen, wenn das Land sich -unter einem höheren Cultur-Grad befinden und dichter -bevölkert sein wird, zahlen können.</p> - -<p>Wir können nicht anders als mit unendlicher Zufriedenheit -die wenigen Morgen Landes betrachten, welche -im Umkreise unsers Hauses gelichtet und mit Saaten bedeckt -sind. Ein Platz dieser Art inmitten des dichten -Waldes erfüllt das Herz mit einer Wonne, wovon diejenigen, -welche in einer offnen oder auch nur theilweise -bewaldeten Gegend wohnen, keine Vorstellung haben können. -Die hellen Sonnenstrahlen und der blaue Himmel, -die, nicht mehr durch ein dichtes Laubdach zurückgehalten, -frei und ungehindert auf uns hereinbrechen, laben das -Auge und erfreuen das Herz gewiß eben so sehr, als der -kühle erquickende Schatten eines Palmen-Hains den armen -abgematteten Wandrer in der afrikanischen Wüste -labt und erquickt.</p> - -<p>Wenn wir dies so merklich fühlen, die wir uns der -Aussicht auf einen offnen See gerade vor unsern Front-Fenstern - <span class="pagenum"><a id="Page_p214">[S. 214]</a></span> -erfreuen, wie müssen diejenigen thun, die für ihre -Niederlassung nur erst ein kleines Fleckchen im Herzen -des Waldes gelichtet haben, die rings um von einer dichten -Baum-Wand eingehemmt sind, deren endlose Schatten, -welche das Auge, in Aufsuchung andrer Gegenstände -und Scenen, vergebens zu durchdringen strebt; -denn so dicht stehen die Bäume, daß alles, außer der -gelichteten Stelle, in dichtes Dunkel gehüllt ist. Ein Ansiedler, -der sich zuerst auf der ihm zu Theil gewordnen -Parcelle niederläßt, weiß nicht mehr von ihren Grenzen -und natürlichen Zügen als von der nordwestlichen Durchfahrt.</p> - -<p>Unter solchen Uebelständen kann es vielleicht unter -zehn Fällen nur einmal treffen, daß der Ankömmling die -beste Lage für sein künftiges Haus wählt. Dies ist ein -sehr hinreichender Grund, nicht eher ein größere Unkosten -erforderndes Haus zu bauen, als bis das Land zur Genüge -gelichtet ist, so daß die Vortheile und Nachtheile -der dafür zu erwählenden Stelle besser ins Auge fallen. -Manche zu dem in Rede stehenden Behuf vorzüglich geeignete -Stellen bieten sich oft dem Auge des Ansiedlers, -während er in Lichtung seines Bodens fortfährt, dar, -und lassen ihn bedauern, daß er sein Haus an einem Platze -erbaut hat, den er noch nicht kennen gelernt hatte. Allein -Umstände verstatten selten, den Hausbau im Busche aufzuschieben; -eine Wohnung muß so schnell als möglich -errichtet werden, und dies gewöhnlich auf dem ersten gelichteten -Acker. Der Emigrant tröstet sich indeß dabei -mit der Zukunft, er hofft auf eine nicht allzuferne -Periode, wo er durch Aufführung einer schönern und bessern -Wohnstätte, als sein Block-Haus (Log-Haus) oder -seine Shanty ist, die er blos als einstweiliges Obdach betrachtet, -sowohl seinem Geschmack als seiner Liebe zur -Bequemlichkeit wird genügen können.</p> - -<p>Bei meiner ersten Ankunft in diesem Lande überraschte -mich nichts mehr als der völlige Mangel an Bäumen - <span class="pagenum"><a id="Page_p215">[S. 215]</a></span> -um die Wohnhäuser und auf dem gelichteten Boden, -die Axt des Holzfällers stürzt unermüdlich alles vor -sich nieder. Der Mensch scheint mit den Bäumen des -Waldes zu kämpfen, gleichsam als wären sie seine schädlichsten -Feinde; denn er schont weder das junge Bäumchen -in seinem jugendlichen Grün noch den bejahrten -Stamm in seinem hohen stattlichen Wuchse; er kriegt -gegen den Forst mit Feuer und Stahl.</p> - -<p>Es lassen sich für diesen anscheinenden Mangel an -Geschmack verschiedne Gründe angeben. Die Waldbäume -wachsen so dicht neben einander, daß es ihnen an Raum -gebricht, sich auszubreiten und Seiten-Aeste zu entsenden; -im Gegentheil schießen sie zu einer beträchtlichen Höhe -empor, nicht unähnlich jungen Saatpflanzen in einem -Treibbeete, die nicht gehörig gedünnt worden sind. Dergleichen -Bäume sind schlank und schwach und entbehren -völlig jener angenehmen Umrisse und jener schönen Laubkrone, -die sie als eine Verzierung der Landschaft wünschenswerth -machen würde; allein dies ist noch nicht der -dringendste Grund zu ihrer Entfernung, vorausgesetzt, daß -unter ihnen doch manche von nicht eben ungefälligen Formen -vorkommen mögen.</p> - -<p>Anstatt tiefe Wurzeln zu treiben, haben die Waldbäume, -mit Ausnahme der Fichten, nur einen sehr oberflächlichen -Halt in der Erde; die Wurzeln laufen an der -Oberfläche des Bodens hin und haben daher nicht Kraft -genug, den Stürmen zu widerstehen, welche gegen die -Wipfel wüthen, und diese wirken so als mächtige Hebel, -um sie aus dem Erdreich heraus zu reißen.</p> - -<p>Je höher und schlanker der Baum ist, desto leichter -wird er von den Stürmen entwurzelt; und wenn selbst -diejenigen fallen, welche im Herzen des Waldes stehen -und von allen Seiten eingehemmt sind, so kann man -über das gewisse Schicksal eines einzeln stehenden, seiner -früheren Beschützer beraubten Baumes, sobald er gegen den -Sturm kämpfen soll, nicht zweifeln. Er muß fallen und - <span class="pagenum"><a id="Page_p216">[S. 216]</a></span> -kann dann leicht durch seinen Sturz in der Nähe befindliches -Vieh beschädigen; dies ist der wichtigste Grund, -warum man nicht einzelne Bäume auf dem gelichteten -Boden stehen läßt. Uebrigens ist es nicht so leicht, bei -Lichtung des Waldes diesen oder jenen Baum zu schonen, -als ich mir dies anfangs dachte; der Fall eines Baumes -zieht oft den von zwei, drei oder mehren kleineren, die -in der Nähe stehen, nach sich. Ein geschickter Holzfäller -sucht dies so sehr als möglich zu befördern, indem er -kleine Bäume in der Richtung, in welcher er einen großen -zu fällen beabsichtigt, nur zum Theil durchschneidet.</p> - -<p>Ich wünschte sehr, einige hübsche Buchenbäumchen, -die mir gefielen, zu erhalten, und bat daher die Holzfäller, -dieselben wo möglich zu verschonen. Allein der einzige, -welcher der zerstörenden Axt entging, mußte bald eine -Feuer-Probe bestehen, wodurch seine frischen grünen Blätter -augenblicklich welk und versengt wurden; er steht jetzt -als ein trauriger Beweis der Unmöglichkeit da, dergleichen -von der Axt verschonte Bäume zu erhalten. Das -Einzige, was man thun kann, wenn man Bäume in der -Nähe seines Hauses zu haben wünscht, ist, daß man -junge dergleichen in günstigen Lagen anpflanzt, wo sie -tief einwurzeln und ihre Aeste eben so ausbreiten können, -wie die Bäume in unsern Parken und Hecken.</p> - -<p>Ein andrer Plan, den wir auf unserm Boden zu -verfolgen Willens sind, ist, mehre Acker Wald in passender -Lage stehen zu lassen, die alten Bäume als Brennholz -von Zeit zu Zeit heraus zu schlagen und den jungen -Wuchs als Zierde zu verschonen. Dieses Verfahren, -ein Wäldchen zu erhalten, unterliegt nicht den früher dagegen -gemachten Einwürfen, und vereinigt das Nützliche -mit dem Schönen.</p> - -<p>Man fühlt sich, sieht man eine der gigantischen -Eichen oder Fichten fallen, seltsam erregt. Stolz und -unbeweglich scheinen sie zuerst dem Hagel von Axtschlägen, -die von drei oder vier Holzfällern gegen ihren Stamm - <span class="pagenum"><a id="Page_p217">[S. 217]</a></span> -geführt werden, zu trotzen. Allein nachdem das Werk -der Zerstörung eine Zeitlang gedauert hat, nimmt man -alsbald eine leichte Bewegung — ein fast unmerkliches -Zittern der Aeste wahr. Ganz langsam und allmälig -beginnt der Waldriese, sich zu neigen, während das laute -Krachen des Stammes endlich anzeigt, daß sein letzter -Halt in der Erde aufgehört hat. Die Axt des Holzfällers -hat ihre Pflicht gethan; die Bewegung des stürzenden -Baumes wird mit jedem Augenblick beschleunigt, bis -er unter donnerartigem Geprassel, welches die Erde erschüttert, -während die benachbarten Bäume erbeben und -sich vor ihm neigen, zu Boden sinkt.</p> - -<p>Obschon entschieden weniger windig als unsre brittischen -Inseln, wird Canada doch zu Zeiten von plötzlichen -Stürmen, die sich bisweilen fast dem Orkan und der -sogenannten Windsbraut nähern, heimgesucht. Eine Schilderung -eines solchen Sturmes habe ich Ihnen in einem -früheren Briefe gegeben. Im Verlauf des jetzigen Sommers -bin ich Zeuge von einem andern Orkan gewesen, -der in seinen Wirkungen noch heftiger und verheerender war.</p> - -<p>Der Himmel überzog sich plötzlich mit Wolken, die -sehr electrisch waren. Der Sturm brauste von Nordwesten -heran, und seine Wuth schien auf eine Breite von -einigen hundert Schritten beschränkt. Ich beobachtete mit -einigem Interesse die schnellen Bewegungen der grauen, -schwarzen und kupferfarbnen Wolken, die über den See -hin zogen, als mich plötzlich das Krachen stürzender Bäume -auf dem jenseitigen Ufer und noch mehr der Anblick der -mit den umherwirbelnden Fichten-Reisern angefüllten -Luft, kaum hundert Schritt vom Hause, während auf dem -ebnen Boden, wo ich stand, keine Spur von Wind zu -fühlen war, nicht wenig überraschte.</p> - -<p>In wenigen Secunden hatte sich der Orkan über -die Wasserfläche verbreitet und streckte mit unwiderstehlicher -Gewalt nicht weniger als dreißig oder vierzig Bäume -zu Boden, während er andre wie Schilfrohr niederbog. - <span class="pagenum"><a id="Page_p218">[S. 218]</a></span> -Es war grauenvoll zu sehen, wie der hohe Forst vor dem -Toben des Sturmes zitterte und schwankte, und wie ein -Riesenstamm nach dem andern stürzte, wie ein Spiel -Karten, die ein Hauch zerstreut. Glücklicher Weise ging der -Luftstrom blos über unsre gelichteten Aecker weg und -fügte uns keinen Schaden weiter zu, als daß er auf dem -hohen Ufer über dem See drei starke Fichten entwurzelte. -Allein in der Richtung unsers Nachbars stiftete er großen -Schaden an, er zerstörte einen großen Theil der Einfriedigung, -zerschmetterte die Saaten durch die niederstürzenden -Stämme und Aeste und bewirkte für den Besitzer -einen großen Verlust und viel Arbeit, um den Schaden -wieder gut zu machen.</p> - -<p>Die aufwärts gekehrten Wurzeln der vom Winde umgestürzten -Bäume sind eine große Plage auf dem gelichteten -Boden, entstellen die Landschaft und sind weit schwieriger -zu entfernen als die mit der Axt gefällten Bäume. Einige -von den Stummeln dieser durch den Sturm umgeworfnen -Bäume richten sich, wenn sie gleich nach ihrem -Umsturz von ihren Aesten befreit worden sind, wieder empor, -das Gewicht der Wurzeln und des damit emporgerißnen -Erdreichs zieht sie an ihre alte Stelle zurück; wir -haben diesen Umstand sehr häufig benutzt.</p> - -<p>Diesen Sommer über herrschte die veränderlichste Witterung, -welche man sich denken kann. Der Frühling war -warm und angenehm, aber vom Ende des Mai bis zur -Mitte des Herbstes hatten wir schwere Regengüsse, bewölkten -Himmel und feuchte heiße Tage; heftige, furchtbar großartige -Gewitter, aber wie es scheint weniger verheerend als -in England, sind hier zu Hause. Es ist wohl möglich, -daß die hohen Waldbäume die Gefahr von den niedrigen -Gebäuden abwenden, die hinreichend gegen die Wirkungen -des Blitzes geschützt sind. Auch der Herbst war feucht -aber kalt. Ich muß hier gestehen, daß ich zur Zeit eben -keine günstige Meinung vom hiesigen Klima hege; indeß -ist es Unrecht, nach einer so kurzen Bekanntschaft damit - <span class="pagenum"><a id="Page_p219">[S. 219]</a></span> -über dasselbe aburtheilen zu wollen, besonders da Jedermann -sagt, daß dieser Sommer seinen Vorgängern völlig -ungleich gewesen.</p> - -<p>Die Insekten waren eine große Plage für uns, -und ich bewillkommnete den herannahenden Herbst als -einen Befreier von ihren Angriffen; denn diese Plaggeister -sind zahlreich und von mancherlei Art, und achten -keine Persönlichkeit, wie ich zu meinem Leiden erfahren -habe.</p> - -<p class="pmb3">Ich sehne mich nach Briefen aus der Heimath; -lassen Sie mich bald von Ihnen hören.</p> - - - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p220">[S. 220]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="no-break" id="Dreizehnter_Brief">Dreizehnter Brief.</h2> -</div> - -<blockquote> -<p class="p1 font09">Gesundheits-Gefühl inmitten der strengsten Winter-Monate. -— Unannehmlichkeit, welche die glänzende Weiße des -Schnees verursacht. — Schlittenfahrt. — Indianische Orthographie. -— Besuch in einem Indianer-Lager. — Ein indianischer -Krüpel. — Canadische Ornithologie.</p> -</blockquote> - -<p class="p1 rright font09"> -See-Haus, März 14, 1834.<br /> -</p> - -<p>Ich erhielt Ihren letzten liebevollen und höchst interessanten -Brief erst diesen Abend. In Folge eines Fehlers -in der Aufschrift hatte er die Runde in zwei Gemeinde-Bezirken -gemacht, ehe er in Peterborough anlangte; -und ob er gleich fast eben so viele Aufschriften hatte als -ein Matrosen-Messer neue Klingen und Hefte, so kam -er doch zuletzt in meine Hände und war mir, trotz seinem -etwas beschmutzten und abgenutzten Reise-Gewande, nicht -minder willkommen und schätzbar.</p> - -<p>Ich freute mich, von Ihrer wiederkehrenden Gesundheit -und frohen Laune zu hören; — mögen sie von langem -Bestand sein. Ihre Klagen über mein Exil, wie Sie meinen -Aufenthalt in diesem Lande nennen, gingen mir sehr -zu Herzen. Lassen Sie meine Versicherung, daß ich mich -gegenwärtig eben so glücklich fühle, als zur Zeit, wo ich -meine Heimath verließ, sich zum Trost wegen meiner Entfernung -von Ihnen dienen. Ist auch meine Lage verändert, -so ist es doch nicht mein Herz. Mein Geist ist so -lebhaft und heiter wie je zuvor, und zu Zeiten fühle ich eine -Aufgewecktheit und Frische in mir, die jeder Sorge Trotz bietet.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p221">[S. 221]</a></span></p> - -<p>Sie fürchten, daß mich die Strenge des canadischen -Winters aufreiben werde. Ich erfreute mich nie einer -bessern Gesundheit, als seitdem er seinen Anfang genommen. -Das Blut wird von der Frische und Reinheit der -Luft dergestalt durchströmt und gekräftigt, daß man sich -ganz heiter und wohl fühlt. Selbst der Schnee erscheint -weißer und schöner als in unserm feuchten neblichen -Klima. An sehr kalten hellen Wintertagen sieht man -hier oft die Luft mit kleinen gefrornen Wasser-Theilchen -gefüllt, die völlig trocken sind, und das Gesicht ganz leicht -wie Nadelspitzen berühren, während der Himmel blau -und heiter ist. Es herrscht zwischen dem ersten Schnee-Fall -und dem in der Mitte des Winters ein merklicher -Unterschied. Der erste zeichnet sich durch große weiche -Flocken aus und liegt selten lange, ohne zu thauen, aber -die Flocken des zweiten, nachdem regelmäßig anhaltende -Kälte eingetreten ist, sind kleiner, trockner und von den -schönsten Formen, bisweilen spitzig wie Strahlenbüschel, -oder sonst auf die merkwürdigste Weise gefiedert.</p> - -<p>Meinen Augen ist die blendende Weiße und das -Funkeln des Schnees an heitern sonnigen Tagen sehr -zuwider und macht mein Gesicht, wenn es derselben ausgesetzt -gewesen, auf mehre Stunden äußerst schwach, so daß -ich die mich umgebenden Gegenstände nicht deutlich unterscheiden -kann. Ich möchte jedem rathen, der hierher -kommt, sich mit grünen oder blauen Brillen-Gläsern<a id="FNanchor_40_40"></a><a href="#Footnote_40_40" class="fnanchor">[40]</a> -zu versehen, und den Damen, ja grüne Crep-Schleier mit -zu bringen. Große grüne Brillen, wie sie der arme -<em class="gesperrt">Moses</em> kaufte, würde in Canada als kein so schlechtes -Geschäft gegolten haben<a id="FNanchor_41_41"></a><a href="#Footnote_41_41" class="fnanchor">[41]</a>.</p> - -<p>Vor einigen Tagen kehrte ich von einem Besuche</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p222">[S. 222]</a></span></p> - -<p>bei einer kranken Freundin zurück und weidete mich auf -meinem Wege an den Wirkungen des Frostes. Erdboden, -Bäume, jedes Reis, jedes dürre Blatt, jeder Stein, -worauf mein Auge stieß, blitzten gleichsam von Diamanten, -als wären sie von einem Zauberstab berührt worden; -Gegenstände, vorher roh und jeder Schönheit ledig, -hatten plötzlich einen unbeschreiblich blendenden Glanz angenommen. -Man glaubte sich fast in <em class="gesperrt">Sindbad's</em> Diamanten-Thal -versetzt<a id="FNanchor_42_42"></a><a href="#Footnote_42_42" class="fnanchor">[42]</a>. Ueberdies war die Luft keineswegs -unangenehm oder unerträglich kalt.</p> - -<p>Ich habe an windigen Tagen in England weit -mehr Kälte empfunden als in Canada, bei einem weit -niedrigeren Temperatur-Grade. Es herrscht hier in kalten -Nächten eine fast entzückende Stille in der Luft, welche -die Unannehmlichkeit der Kälte-Empfindung verringert.</p> - -<p>Allerdings treten im Verlauf des Winters einige -sehr kalte Tage ein, allein diese niedrige Temperatur hält -selten länger als dreimal vierundzwanzig Stunden an. -Der kälteste Theil des Tages ist von ein oder zwei Uhr -vor Sonnen Aufgang bis ungefähr um neun Uhr Morgens; -bis dahin haben unser prasselndes Holzfeuer (<em class="antiqua">log-fire</em>) -oder unsre eisernen Oefen das Haus durchwärmt, -so daß man sich um die drausen herrschende Kälte gar -nicht bekümmert. Im Freien fühlt man sich bei gehöriger -Bewegung und hinreichender Bekleidung weit weniger -unbehaglich, als man glauben sollte. Ohren und Nase -sind der Kälte am meisten ausgesetzt.</p> - -<p>Leute, die von einer langen Reise kommen, bilden -bisweilen eine seltsame Erscheinung, die einem, wären -sie nicht zu bemitleiden, ein Lächeln entlocken würde.</p> - -<p>Haare, Schnurrbart, Augenwimpern, Bart, alles ist -mit Reif überzogen. Ich habe junge Damen in Abend-Gesellschaften -gehen sehen, mit Locken, so dunkel wie die - <span class="pagenum"><a id="Page_p223">[S. 223]</a></span> -Ihrigen, die aber bald durch den kalten Luft-Hauch in -Silberweiß verwandelt wurden, so daß man fast auf die -Idee gerieth, die schönen Mädchen wären in ihre alten -Großmütter metamorphosirt worden, glücklicher Weise für -Jugend und Schönheit sind dergleichen Verwandlungen -nur vorübergehend.</p> - -<p>In den Städten und volkreichen Theilen der Provinz -begrüßt man die Annäherung des Winters, anstatt -sie zu fürchten, mit wahrer Freude. Reisen sind dann -ungehindert und angenehm; selbst unsre elenden Buschstraßen -gewinnen im eigentlichen Sinne des Wortes an -Werth; und sollte man auch während einer Lustfahrt ein- -oder zweimal umgeworfen werden, so sind doch dergleichen -Zufälle von keiner großen Gefahr begleitet, auch erweckt -ein Burzelbaum in den Schnee vielmehr Gelächter -als Mitleiden; daher ist es bei dergleichen Gelegenheiten -das Beste, das bischen Schnee, was man etwa aufgeladen, -mit gutem Anstand abzuschütteln und in die Lust und -Späße der Gesellschaft einzugehen.</p> - -<p>Das Reisen auf dem Schlitten ist in der That -höchst angenehm; je mehr Schnee, desto besser die Schlitten-Zeit; -und je härter er wird, desto leichter ist die Bewegung -des Fuhrwerks. Die Pferde sind sämmtlich mit -Glocken-Geläute und Schellen sowohl um den Hals als -auf dem Rücken geschmückt, und das lustige Geklingel -ist keineswegs unangenehm.</p> - -<p>Sobald eine hinreichende Menge Schnee gefallen ist, -wird alles Fuhrwerk von der Staats-Karosse bis zur Radeberge -auf eisenbeschlagne Kufen — den Schlittschuh-Eisen -nicht unähnlich — gesetzt. Die gewöhnlichen Reise-Equipagen -sind der Doppel-Schlitten, (<em class="antiqua">double sligh</em>) -der leichte Wagen und der Cutter; die beiden ersten werden -von zwei Pferden, neben einander gezogen, der letztre -dagegen, bei weitem das eleganteste Fuhrwerk dieser Art, ist -blos für ein Pferd bestimmt und entspricht mehr dem -Gig oder der Chaise.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p224">[S. 224]</a></span></p> - -<p>In Büffel-Häute gehüllt, fühlt man keine Unannehmlichkeit -von der Kälte, ausgenommen im Gesicht, -das man durch einen warmen Biber, einen Hut oder eine -Mütze schützen muß; Mützen werden hier selten oder niemals -getragen, und zwar aus dem lächerlichen Grunde, -weil es nicht Mode ist.</p> - -<p>Das rothe, graue und schwarze Eichhörnchen ist in -unsern Wäldern häufig. Die Moschus-Ratze bewohnt -kleine Häuser, die sie in den binsenreichen Theilen der -Seen erbaut. Diese Wohnungen bestehen aus Riethgras -und Binsen-Wurzeln, Stöcken und andern ähnlichen -Materialien und sind mit Schlamm ausgekleidet, ein -dichtes, die Wasserfläche einen Fuß und mehr überragendes -Schilfdach schützt das Gebäude von oben; es ist von -runder domartiger Gestalt und vom Ufer aus in einiger -Entfernung sichtbar. Die Indianer stellen Fallen, um die -Thierchen in ihrer Wohnung zu fangen, und verkaufen -ihre Felle, welche gegen den Winter sehr dicht und glänzend -sind. Der Biber, der Bär, der schwarze Luchs und -Füchse werden ebenfalls getödtet und von den Jägern -an die Vorratshändler gegen Waaren oder Geld verkauft.</p> - -<p>Die Indianer richten die Rehhäute zur Verfertigung -von Mocassins zu, die von den Ansiedlern in diesen Theilen -sehr gesucht werden; sie sind in Schnee-Wetter sehr -behaglich und halten die Füße sehr warm, indeß umwickelt -man den Fuß, ehe man sie anlegt, mit einigen Tüchern. -Ich trug den ganzen letzten Winter hindurch ein schönes -Paar dergleichen Stiefel; sie waren mit Stachelschwein-Spuhlen -genäht und mit scharlachnen Binde-Bändern -versehn; eine alte Squaw, die Frau des Jägers <em class="gesperrt">Peter</em>, -sie kennen ihn bereits aus einem früheren Briefe, war -die Meisterin, welche sie verfertigt. Bei dieser Gelegenheit -erhielt ich ein Pröbchen indianischer Orthographie, -das die Mocassins begleitete und mir nicht wenig Spaß -machte; ich will Ihnen die paar Zeilen, einem Notchen -(Rechnung) nicht unähnlich, hier mittheilen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p225">[S. 225]</a></span></p> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/p225i.jpg" alt="Die Prairie." /> - </div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p226"></a></span></p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p227">[S. 227]</a></span></p> - -<p><em class="antiqua">Sir</em></p> - -<p><em class="antiqua">Pleas if you would give something; you must -git in ordir in store is woyth (worth) them mocsin -porcupine quill on et. One dollars foure yard.</em></p> - -<p>Dieses seltsame Billet war das Machwerk von -<em class="gesperrt">Peter's</em> ältestem Sohne und sollte mich dahin bedeuten, -daß, wofern ich Lust hätte, die Mocassins zu kaufen, der -Preis dafür ein Dollar oder eine Anweisung an ein Vorrathshaus -auf vier Ellen Cattun sei, denn so verdollmetschte -mir die Squaw seinen Inhalt. Die Anweisung -auf vier Ellen gedruckten Cattun wurde an Mrs. -<em class="gesperrt">Peter</em> überliefert, die sie sorgfältig mit Nadeln in die -Falten ihres Busentuches befestigte; und wohlzufrieden mit -der Zahlung ging sie von dannen.</p> - -<p>Dies erinnert mich an einen Besuch, den wir letzte -Woche den Indianern abstatteten. Da ich einiges Verlangen -in mir fühlte, das seltsame Völkchen in seinem -Winter-Lager zu sehen, so äußerte ich meinen Wunsch gegen -S—, der bei dem alten Jäger und seiner Familie -in großer Gunst steht; als einen Beweis von Auszeichnung -haben sie ihm den Titel Chippewa, den Namen -ihres Stammes, gegeben. Die Gelegenheit, im Indianer-Wigwam -die Honeurs zu machen, kam ihm ganz erwünscht, -und es wurde beschlossen, daß er bei uns mit -einigen seiner Schwäger und Schwägerinnen, die zufällig -auf Besuch bei ihm waren, Thee trinken sollte, und daß -wir dann in Gesellschaft einen Ausflug nach dem Lager -im Walde machen wollten.</p> - -<p>Eine lustige Gesellschaft brachen wir an besagtem -Abende bei dem prächtigsten Sternenlicht nach dem verabredeten -Orte auf; der Schnee funkelte mit tausend Diamanten -auf seiner gefrornen Oberfläche, über die wir mit -dem leichtesten Herzen, so leicht wie es nur in dieser sorgenvollen -Welt sein kann, wegsetzten. Und gewiß hatte -ich nie einen lieblicheren Anblick, als die Wälder darboten; -es war am vorhergehenden Tage viel Schnee gefallen, - <span class="pagenum"><a id="Page_p228">[S. 228]</a></span> -und in Folge der völligen Windstille war auch nicht -die kleinste Menge von den Bäumen abgeschüttelt worden. -Die stets grünen Nadelhölzer bogen sich unter ihrer glänzenden -Last, jeder Zweig, jedes Blatt, jeder Zapfen -war bedeckt, und einige dünne Bäumchen lagen, vom -Schnee niedergedrückt, fast auf der Erde und bildeten die -niedlichsten seltsamsten Lauben und Arkaden über unserm -Pfade. Sah man nach den Wipfeln der Bäume empor, -so schien der dunkelblaue Himmel von einem silbernen -Schleier bedeckt zu sein, durch welchen die hellleuchtenden -Sterne mit keuschem Glanze herabblickten.</p> - -<p>Ich war stets eine Liebhaberin von Schnee-Landschaften, -aber weder in diesem Lande noch in der Heimath -sah ich je etwas so über alle Vorstellungen Liebliches, -als wie mir der Wald in dieser Nacht erschien.</p> - -<p>Wir verließen die breite Straße und schlugen einen -Nebenweg ein, den die Indianer fest getreten hatten, -und bald bemerkten wir den Wigwam an dem röthlichen -Rauche, der aus dem offnen, korbgeflechtartigen Dache der -kleinen Hütte hervor qualmte. Letztere besteht zunächst -aus leichten Stangen, die, in einem Kreise in die Erde -befestigt, einen runden Raum von zehn bis zwölf Fuß -Durchmesser einschließen. Zwischen diese Stangen sind -lange Birken-Rinden-Schichten gezogen oder geflochten, -und zwar sowohl innerlich als äußerlich; nach oben, wo -die Stangen gegen einander geneigt sind ist eine Oeffnung -gelassen, zum Entweichen des Rauches; die Außenwände -waren auch mit Schnee belegt oder umdämmt, -so daß von unten gar keine Luft eindringen konnte.</p> - -<p>Einige von unsrer Gesellschaft, die jünger und leichtfüßiger -waren, als wir gesetzten verheiratheten Leute, liefen -voraus, so daß wir, als das Tuch, welches als Thüre -diente, weggenommen wurde, eine buntscheckige Gesellschaft -von dunkelfarbigen Häuten und blassen (weißen) Gesichtern -aus den weichen Tüchern und Fellen gelagert fanden, die rings -an den Wänden in dem Wigwam ausgebreitet waren.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p229">[S. 229]</a></span></p> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/p229i.jpg" alt="Peter, der Jäger." /> - </div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p230"></a></span></p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p231">[S. 231]</a></span></p> - -<p>Die dunkelbraune Hautfarbe, das buschige schwarze -Haar und das eigenthümliche Costüm bildeten einen auffallenden -Contrast mit den weißen Europäern, die unter -die Indianer gemischt dasaßen, der seltsame Anblick wurde -noch durch das flackernde, in der Mitte lodernde Holzfeuer -erhöht, welches die Gruppe mit seinem röthlichen Schimmer -bestrahlte. Die Jagdhunde lagen in träger Behaglichkeit -dicht neben dem Holzstoß, während drei oder vier -dunkelfarbige kleine Wilde mit einander spielten oder ihrer -Erzürnung über die beständigen Neckereien und Affenstreiche -des bucklichen <em class="gesperrt">Maquin</em>, mit welchem ich Sie bereits -bekannt gemacht habe, durch lautes Schreien Luft -machten; denn dieser indianische Spiegelberg schien sein -größtes Vergnügen im Necken und Quälen der kleinen -Papousen zu finden, wobei er von Zeit zu Zeit voll -schadenfroher Laune nach den Gästen schielte, und gleich -darauf wieder, wenn er die Blicke seines Vaters oder -der Squaws auf sich gerichtet glaubte, die ernsteste Miene -von der Welt annahm.</p> - -<p>Ein leichtes Geräusch unter den Anwesenden bezeichnete -unsre Ankunft, als wir eins nach dem andern durch -die Thür in die Hütte traten. Unsre Freunde empfingen -uns mit fröhlichem Lachen, welches mehr als einer -der männlichen Indianer nachhallte, während die Squaws -ein eigenthümliches Kichern vernehmen ließen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Chippewa</em> (S—,) erhielt einen Ehrenplatz neben -dem <em class="gesperrt">Jäger</em> Peter; und Squaw <em class="gesperrt">Peter</em> (<em class="gesperrt">Peter's</em> Frau) -räumte mir mit großer Zuvorkommenheit und freundlichem -Gesicht einen Platz auf ihrem Betttuch ein, zu -welchem Behuf zwei Papousen und ein Jagdhund schreiend -und wehkagend in die Nachbarschaft ihres Quälgeistes -<em class="gesperrt">Maquin</em> verwiesen wurden.</p> - -<p>Die reizendsten Personen in dem Wigwam waren -zwei Indianer-Mädchen, eine von ungefähr achtzehn Jahren, -— <em class="gesperrt">Johanna</em>, des Jägers älteste Tochter, und ihre - <span class="pagenum"><a id="Page_p232">[S. 232]</a></span> -Cousine <em class="gesperrt">Margaret</em>. Die Schönheit der erstern überraschte -mich nicht wenig, ihre Züge waren im buchstäblichen -Sinne des Worts fein, und trotz ihrer Zigeuner-Schwärze -fand ich doch das Purpurroth ihrer Wangen -und Lippen, wo nicht schön, — wenigstens angenehm -und sehr anziehend. Ihr Haar war pechschwarz, weich -und glänzend, und dabei sauber über die Stirn gefaltet -und nicht in zottigen Massen unordentlich und -wild herabhängend, wie gewöhnlich bei den Squaws. -<em class="gesperrt">Johanna</em> war sich ihrer überlegnen Reize augenscheinlich -bewußt, sie konnte als eine indianische Schönheit -gelten, auch legte sie ihre Eitelkeit durch die vorzügliche -Sorgfalt an den Tag, womit sie ihren schwarzen Tuch-Mantel -angeordnet hatte, er war oben mit einem zierlich -über die eine Schulter geschlagnen scharlachnen Stück -Zeuge besetzt und auf der linken Seite durch ein vergoldetes -Schlößchen befestigt. <em class="gesperrt">Margaret</em> war jünger und -kleiner von Statur, und wiewohl man sie lebhaft und -recht hübsch nennen konnte, so fehlte ihr doch die ruhige -Würde ihrer Cousine, sie hatte in Gesicht und Figur -mehr von der Squaw. Die beiden Mädchen nahmen -eine Bettdecke für sich ein und waren mit Verfertigung -einiger höchst eleganten Futterale aus Rehleder beschäftigt, -die sie mit gefärbten Perlen und Spuhlen überzogen; -Perlen und Spuhlen lagen in einer kleinen zinnernen -Torten-Pfanne auf ihren Knien; meine alte Squaw dagegen -hielt ihre Stachelschwein-Spuhlen im Munde und -die feinen getrockneten Sehnen, ebenfalls von Rehen, deren -sie sich anstatt Zwirns zu dieser Art Arbeit bediente, -hatte sie im Busen.</p> - -<p>Als ich den Wunsch äußerte, einige von den Stachelschwein-Spuhlen -zu besitzen, gab sie mir einige von verschiedner -Farbe, womit sie ein paar Mocassins durchwirkte, -bemerkte aber dabei, daß es ihr an <em class="gesperrt">Perlen zu den -Mocassin's</em> fehle, und ich verstand recht wohl, daß sie -dergleichen für die Spuhlen von mir zu erhalten wünsche. - <span class="pagenum"><a id="Page_p233">[S. 233]</a></span> -Indianer verschenken nie etwas, seitdem sie mit -den Weißen zu verkehren gelernt haben.</p> - -<p>Meine Lobsprüche, die ich <em class="gesperrt">Johanna's</em> Schönheit -zollte, entzückten die gute Matrone. Sie erzählte mir, -daß das hübsche Mädchen bald mit einem jungen Indianer -verheirathet werden würde, der an ihrer Seite saß, -in allem Stolze, welchen ein neuer Mantel, eine rothe -Schärpe, gestickte Pulver-Tasche und ein großes vergoldetes -Schloß an dem Kragen seines Mantels, der so warm -und so weiß erschien, wie ein frischgewaschnes Schaffell, -verleihen konnten. Die alte Squaw that sich auf das -junge Pärchen offenbar nicht wenig zu Gute; sie blickte -oft danach und wiederholte fast stets die Worte: »<em class="gesperrt">Johanna's -Gatte</em> — <em class="gesperrt">mit der Zeit heirathen</em>. —«</p> - -<p>Wir hatten den Indianern oft mit Vergnügen gelauscht, -wenn sie Sonntags Abends ihre frommen Lieder -sangen; daher ich sie jetzt bat, uns einige zum Besten -zu geben; der alte Jäger nickte mir seine Einwilligung -zu und erließ mit dem Ernst und Phlegma eines Holländers, -ohne seine Pfeife aus dem Munde zu nehmen, -seine Befehle, welchen von den jüngern Gliedern der Gesellschaft -augenblicklich Folge geleistet wurde, und bald -füllte ein Chor reicher wohltönender Stimmen die kleine -Hütte mit einer Melodie, welche uns bis ins Herz drang.</p> - -<p>Das Lied ertönte in der Sprache der Indianer, -welche vorzüglich wohlklingend und weich in ihren Cadencen -ist und sehr vocalreich zu sein scheint. Ich konnte -der bescheidnen Miene der Mädchen meinen Beifall nicht -versagen; sie schienen gleichsam ängstlich, Beobachtung zu -vermeiden, die sie, wie sie recht gut empfanden, durch -ihre lieblichen Stimmen auf sich ziehen mußten, sie suchten -ihr Gesicht den Blicken der Fremden zu entziehen, indem -sie einander ansahen und den Kopf auf ihre Arbeit -niedersenkten, die sie noch immer in den Händen hielten. -Ihre Haltung, welche die der orientalischen Nationen ist; -ihre Kleidung, ihr schwarzes Haar, ihre dunkeln Augen, - <span class="pagenum"><a id="Page_p234">[S. 234]</a></span> -ihr olivenfarbner Teint, das erhöhte Roth ihrer Wangen -und der bescheidne Ausdruck ihres Gesichts würden ein -Studium für den Maler gebildet haben. Ich wünschte, -Sie hätten der Scene beiwohnen können; Sie würden dieselbe -nicht leicht vergessen haben. Sehr gefiel mir auch -die tiefe Ehrfurcht in den Gesichtszügen der ältern Glieder -der Indianer-Familie, während sie ihren Kindern -lauschten, welche ihre Stimmen zur Verherrlichung Gottes -und des Erlösers, die sie zu fürchten und lieben gelernt -hatten, ertönen ließen.</p> - -<p>Die Indianer scheinen sehr zärtliche Eltern zu sein; -es ist erfreulich, die liebevolle Weise zu sehen, wie sie die -kleinen Kinder behandeln, ihre Blicke strömen, wenn sie -dieselben liebkosen, von Zärtlichkeit und Freude. Während -des Gesanges kroch jede Papouse zu den Füßen -ihrer Aeltern, und diejenigen, welche noch zu jung waren, -um ihre Stimmen mit dem kleinen Chor vereinigen zu -können, verharrten von Anfang bis zu Ende in der tiefsten -Stille. Ein kleines Mädchen, eine dicke braune -Trutschel von drei Jahren, schlug den Tact auf ihres -Vaters Knien, und mengte von Zeit zu Zeit ihre kindliche -Stimme ein; jedenfalls besaß sie ein gutes Ohr und -natürliche Anlage zur Musik.</p> - -<p>Ich konnte nicht begreifen, wo die Indianer ihre -Vorräthe, Kleider und andre bewegliche Artikel aufbewahrten, -da der Wigwam so klein war, daß außer für -ihre Person und ihre Hunde, kein Platz vorhanden zu -sein schien. Ihr Erfindungsgeist hatte ihnen indeß für -den Mangel an Raum Ersatz geleistet, und ich entdeckte -bald eine Einrichtung, die dem Zweck von Verschlüssen, -Säcken, Schachteln u. s. w. vollkommen entsprach, nämlich -die innern Birkenrinden-Schichten waren so zwischen -die Stangen, (welche das Gerippe der Hütte bedeckten) -gezogen, daß sie rings herum Taschen bildeten; in diesen -Taschen staken die Habe und Nahrungs-Vorräthe der -Bewohner: eine Abtheilung enthielt gedörrtes Rehfleisch, - <span class="pagenum"><a id="Page_p235">[S. 235]</a></span> -eine andre gedörrte Fische, eine dritte einige flache Kuchen, -welche sie, wie mir gesagt worden ist, auf eine ihnen eigenthümliche -Weise mittelst heißer Asche, darüber und darunter, -backen, die aber eben deshalb meines Bedünkens dem -Gaumen nicht sonderlich zusagen können; ihre Kleider, -das Material zu ihren verschiednerlei Arbeiten, als Perlen, -Spuhlen, Tuchfleckchen, Seide und tausend andre -Kleinigkeiten nahmen die übrigen derartigen Behälter ein.</p> - -<p>Trotz der ziemlich weiten Oeffnung nach oben war -das Innere des Wigwams doch so heiß, daß ich kaum -athmen konnte, und während meines Aufenthalts darin -alle Tücher ablegen mußte. Ehe wir unsern Heimweg -antraten, bestand der Jäger darauf, uns ein Spiel zu -zeigen, welches einige Aehnlichkeit mit unserm Bilboket -(<em class="antiqua">cup and ball</em>) hat, aber complicirter ist, und mehr Behändigkeit -erfordert; den Indianern machte unser Mangel -an Geschicklichkeit offenbar nicht wenig Spaß. Außerdem -zeigten sie uns ein andres Spiel, (<em class="antiqua">nine-pins</em>) dem -Kegelspiel einigermaßen verwandt, nur daß die Anzahl der -in die Erde befestigten Stöcke größer war. Ich konnte -unmöglich länger bleiben, um die kleine Reihe Stöcke -umwerfen zu sehen, da die Hitze des Wigwams mich fast -erstickte, und fühlte mich ordentlich glücklich, als ich wieder -frische Luft einathmen konnte.</p> - -<p>In einem andern Klima würde man sich schwerlich -einem so plötzlichen und auffallenden Temperatur-Wechsel -ohne eine starke Erkältung aussetzen können, allein glücklicher -Weise ist jenes fatale Uebel, <em class="antiqua">catchée le cold</em> -(Schnupfen), wie es die Franzosen nennen, in Canada -nicht so vorherrschend als in der Heimath.</p> - -<p>Vor etwa zwanzig Jahren, als sich die brittischen -Ansiedler, in Folge der Erinnerung an die während des -Freiheitskrieges ausgeübten Grausamkeiten, eines Gefühls -von Furcht vor den Indianern noch nicht ganz erwehren -konnten, wurde eine arme Frau, die Wittwe eines Emigranten, -welche auf einer Meierei in einem der dünn - <span class="pagenum"><a id="Page_p236">[S. 236]</a></span> -bevölkerten Gemeinde-Bezirke, jenseits des Ontario, wohnte, -durch das plötzliche Erscheinen eines Indianers im Innern -ihrer Blockhütte erschreckt. Er hatte sich so still -hineingeschlichen, daß er nicht eher bemerkt wurde, als -bis er sich vor das prasselnde Feuer, der überraschten -Wittwe und ihren Kleinen gerade gegenüber, gestellt hatte; -natürlicher Weise zitterten die armen Kinder und zogen -sich mit schlecht verheelter Furcht in den äußersten Winkel -der Stube zurück.</p> - -<p>Ohne auf die Störung, welche sein Erscheinen verursachte, -Rücksicht zu nehmen, fing der Indianer an, sich -seiner Jagdkleider zu entledigen; hierauf band er seine -nassen Mocassins los, die er zum Trocknen am Feuer -aufhing, und gab deutlich seine Absicht zu verstehen, daß -er unter dem Dache der Wittwe übernachten wolle, indem -es schon ziemlich dunkel sei, und der Schnee in -schweren Schauern vom Himmel falle.</p> - -<p>Kaum wagend, einen hörbaren Athemzug zu thun, -bewachte die kleine Gruppe mit ängstlichen Blicken die -Bewegungen ihres unwillkommnen Gastes. Denken Sie -sich ihren Schreck, als sie ihn aus seinem Gürtel ein -Jagdmesser hervorziehen und mit bedächtiger Miene dessen -Schneide prüfen sahen. Nach diesem unterwarf er seine -lange Flinte und sein Tomahawk einer ähnlichen Untersuchung.</p> - -<p>Die Verzweiflung der von Furcht und Schrecken betäubten -Mutter hatte jetzt ihre höchste Stufe erreicht. -Sie sah schon in Gedanken die grauenvoll verstümmelten -Leichname ihrer ermordeten Kinder an jenem Heerde, -welcher so oft der Tummelplatz bei ihren unschuldigen -Spielen gewesen war. Instinktmäßig faltete sie die zwei -jüngsten bei einer vorwärts gerichteten Bewegung des -Indianers an ihre Brust und wollte sich eben, als er -mit den gefürchteten Waffen auf sie zuging, mit thränenden -Augen zu seinen Füßen niederwerfen und um -Barmherzigkeit für sich und ihre kleinen Lieblinge flehen. - <span class="pagenum"><a id="Page_p237">[S. 237]</a></span> -Wie groß aber war ihr Erstaunen und ihre Freude, -als er mit sanfter friedfertiger Miene Flinte, Messer und -Tomahawk neben ihr niederlegte und durch diese Handlung -zeigte, daß er nichts Arges gegen sie im Schilde -führe<a id="FNanchor_43_43"></a><a href="#Footnote_43_43" class="fnanchor">[43]</a>.</p> - -<p>Die Begnadigung eines zum Tode verurtheilten Verbrechers -im Augenblick vor seiner Hinrichtung konnte -nicht willkommner sein, als das friedfertige Benehmen des -Indianers gegen die arme Wittwe. Voll Eifer, zu gleicher -Zeit ihr Zutrauen und ihre Dankbarkeit zu äußern, -beeilte sie sich, dem nicht länger gefürchteten Gaste ein -Mahl zu seiner Erfrischung zu bereiten, und von dem ältesten -ihrer Kinder unterstützt, breitete sie ein frisches -Betttuch über ihr eignes Lager, welches sie freudig dem -Fremdlinge abtrat. Ein ausdrucksvolles »<em class="gesperrt">Hugh! hugh!</em>« -war die Erwiederung auf diesen Beweis von Gastfreundschaft; -als er aber Besitz von diesem, für ihn üppigen -Lager nahm, gerieth er in sichtbare Verlegenheit. Es -war offenbar, daß der Indianer niemals ein europäisches -Bett gesehen und noch weniger in einem geschlafen hatte. -Nach genauer Untersuchung der Kissen und Bettdecken, -welche einige Minuten dauerte, sprang er mit freudigem -Lachen auf das weiche Lager, rollte sich wie ein Hund -zusammen und war bald in tiefen Schlaf versunken.</p> - -<p>In der Dämmerung des Morgens brach der Wilde -wieder auf und nahm Abschied von der gastlichen Hütte. -So oft er nachmals das Jagdrevier in der Nachbarschaft -der Wittwe betrat, konnte diese mit Gewißheit auf -einen Besuch von ihm rechnen. Die Kinder, welche sich -nicht länger vor seinem geschwärzten Gesicht und seinen - <span class="pagenum"><a id="Page_p238">[S. 238]</a></span> -kriegerischen Waffen fürchteten, drängten sich dann um -ihn her, setzten sich auf seine Knie, bewunderten seine -mit Federn geschmückte Pulver-Tasche, und betasteten -die schön gestickte Scheide, welche sein Jagdmesser enthielt, -oder die sauber gewirkten Mocassins und Bein-Bekleidung, -während er den kleinen Dingern den Kopf streichelte -und seine Liebkosungen zwischen ihnen und seinen -Jagdhunden theilte.</p> - -<p>So lautet die Geschichte, welche mir ein junger Missionär -erzählte. Ich habe dieselbe mitgetheilt, weil sie mir als -Charakterschilderung eines Häuptlings dieses merkwürdigen -Völkerstammes nicht uninteressant schien. <em class="gesperrt">Chiboya</em> (so -hieß der eben erwähnte Wilde) war einer der Chippewas -vom Reis-See, deren Mehrzahl gegenwärtig zum Christenthum -bekehrt ist und in der Gesittung und Ackerbaukunde -beträchtliche Fortschritte macht. Jagd und Fischerei -scheinen indeß ihre Lieblingsbeschäftigungen zu sein; diesen -nachzuhängen, verlassen sie die bequemen Häuser der Indianer-Dörfer -und kehren zu bestimmten Zeiten im Jahre -nach ihren Jagdrevieren im Walde zurück. Irr' ich nicht, -so ist man allgemein der Meinung, daß ihre Zahl abnimmt, -und einige Stämme in Canada sind ziemlich, wo -nicht ganz und gar, ausgetilgt<a id="FNanchor_44_44"></a><a href="#Footnote_44_44" class="fnanchor">[44]</a>. Die Rasse verschwindet -langsam von der Erde oder vermischt sich allmälig -mit den Colonisten, und vielleicht dürften nach Verlauf -einiger Jahrhunderte kaum noch ihre Namen bekannt sein, -um von ihrer ehemaligen Existenz Zeugniß zu geben.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p239">[S. 239]</a></span></p> - -<p>Wenn Sie das nächste Mal ein Kistchen oder Päckchen -senden, so fügen Sie doch gefälligst einige gute Gesangbücher -bei, denn ein solches Geschenk ist den bekehrten -Indianern besonders willkommen. Ich lege das -religiöse Lied bei, welches sie uns an jenem Abend in dem -Wigwam sangen; es ist die indianische Uebersetzung und -von dem ältesten Sohn des Jägers <em class="gesperrt">Peter</em> geschrieben; -er war sehr erfreut, als ich ihm sagte, daß ich es von -ihm copirt zu erhalten wünschte, weil ich es über Meer -in mein Vaterland zu senden gesonnen sei, um den Engländern -zu zeigen, wie gut die Indianer schreiben können.</p> - -<p>Der Krüpel <em class="gesperrt">Maquin</em> hat mir ein Miniatur-Canoe -von Birken-Rinde gemacht, welches ich ebenfalls -als eine Merkwürdigkeit und ein kleines Andenken für -Sie beifüge. Die rothen und schwarzen Kaninchen-Felle -sind für <em class="gesperrt">Hannchen</em>; die Feder-Fächer und Feder-Tapeten -für <em class="gesperrt">Sarah</em>. Sagen Sie letztrer, daß ich meiner -nächsten Sendung einige Exemplare unsers schönen Roth-Vogels -zum Ausstopfen für sie beifügen werde; es ist jedenfalls -die virginische Nachtigall; er langt im Mai oder -April an und verläßt uns spät im Sommer; er gleicht -ganz genau einer ausgestopften virginischen Nachtigall, -die ich in einer schönen Sammlung von amerikanischen -Vögeln gesehen habe<a id="FNanchor_45_45"></a><a href="#Footnote_45_45" class="fnanchor">[45]</a>.</p> - -<p>Der blaue Vogel ist nicht weniger hübsch und lieblich, -und wandert ziemlich zu derselben Zeit; sein Gefieder -ist himmelblau; allein ich habe noch nie einen außer -im Fluge gesehn, daher ich ihn nicht beschreiben kann<a id="FNanchor_46_46"></a><a href="#Footnote_46_46" class="fnanchor">[46]</a>.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p240">[S. 240]</a></span></p> - -<p>Die Kreuzschnäbel sind allerliebste Thierchen; Männchen -und Weibchen sind in Farbe ganz verschieden von einander, -ersteres zeigt ein angenehmes Gemisch von Scharlachroth -und Orangengelb, welches, auf der Brust in Olivengrün -und Braun verläuft; letzteres gleicht mehr unsrer -Goldammer, nur daß seine Farben nicht so glänzend sind, -und überdies ist es weit sanfter und sieht unschuldiger und -harmloser aus; sie kommen im Winter eben so traulich -und furchtlos, wie die Rothkehlchen in der Heimath, an -unsre Fenster und Thüren.</p> - -<p>Bei Annäherung der strengen Jahreszeit ziehen die -meisten unsrer Vögel fort; selbst das hohltönende Gehämmer -des rothköpfigen und des kleinen grau und weißgefleckten -Baumhackers wird nicht mehr vernommen. Das -scharfe Geschrei des Eichhörnchens ertönt seltner; und -Stille, unheimliche und ununterbrochne Stille herrschen -im Herzen des Winters.</p> - -<p>Beinahe hätte ich meine kleinen Lieblinge vergessen, -eine Meisen-Art, die uns nie ganz verläßt. An -hellen warmen sonnigen Tagen sehen wir ganze Flüge -dieser zarten Vögel sich auf den gefiederten Zweigen -der Schierlings-Tannen oder strauchigen Fichten auf</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p241">[S. 241]</a></span></p> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/p241i.jpg" alt="Der rothe Sommer-Vogel." /> - </div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p242"></a></span></p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p243">[S. 243]</a></span></p> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/p243i.jpg" alt="Der blaue Vogel." /> - </div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p244"></a></span></p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p245">[S. 245]</a></span> -den Ebnen oder im Walde schaukeln; und oft bin ich -auf meinem Wege stehen geblieben, um ihren muntern -Scherzen zuzuschauen und ihrem fröhlichen Gezwitscher zu -lauschen. Ich bin nicht ganz gewiß, glaube aber, daß -dies der nämliche kleine Vogel ist, welchen die Eingebornen -<em class="gesperrt">Thit-a-be-bee</em> nennen; sein Gesang, obwohl -schwach, und ziemlich einförmig, ist nicht unangenehm; -und wir schätzen ihn um so mehr, da er fast der einzige -Vogel ist, der während des Winters singt.</p> - -<p>Ich hatte viel von der Schnee-Ammer gehört, aber -niemals eine gesehen, außer vor Kurzem, und dann nicht -nahe genug, um ihre Form und Farbe genau zu unterscheiden. -Es war ein ungewöhnlich heitrer Tag, der -Himmel wolkenlos, und die Luft fast warm, als mich bei -einem Blick nach den See die Erscheinung einer Fichte -hart am Ufer überraschte; der Baum schien gleichsam -mit silbernen Sternen bedeckt, die gegen den blauen Himmel -glänzten. Dieses mir neue Schauspiel erfüllte -mich mit so großer Freude, daß ich hinaus lief, um die -Sache näher ins Auge zu fassen; aber wer schildert mein -Erstaunen! als meine Sterne sämtlich nach einem andern -Baume flogen, wo sie durch das beständige Flattern und -Wedeln ihrer kleinen weißen Fittige gegen das Sonnenlicht -jene schöne Wirkung hervorbrachten, die zuerst meine -Aufmerksamkeit erregt hatte; bald waren sämmtliche Fichten -von diesen lieblichen Geschöpfen gleichsam erleuchtet. -Gegen Mittag zogen sie wieder fort und ich habe sie seitdem -nur ein einziges Mal gesehn. Sie setzen sich nie -auf die Erde oder einen niedrigen Baum oder Ast, daher -ich sie nicht näher beobachten konnte.</p> - -<p>Von unsern Singvögeln sind das Rothkehlchen, die -Amsel und ein kleines niedliches Vögelchen, das unserm -gemeinen Zaunkönig gleicht, diejenigen, womit ich am bekanntesten -bin. Das canadische Rothkehlchen ist um Vieles -größer als unser heimathliches Rothkehlchen, es ist ein -zu grober und großer Vogel, um unserm kleinen Liebling, - <span class="pagenum"><a id="Page_p246">[S. 246]</a></span> -»dem Hausvogel mit dem rothen Brustlatz,« wie ihn Bischof -<em class="gesperrt">Carey</em> in einem an <em class="gesperrt">Elisabeth</em>, Tochter <em class="gesperrt">Jakob's -<em class="antiqua">I.</em></em>, bei ihrer Hochzeit mit dem unglücklichen Pfalzgrafen -<em class="gesperrt">Friedrich</em>, gerichteten Sonnet nennt, zu gleichen.</p> - -<p>Der Gesang des canadischen Rothkehlchens ist keineswegs -zu verachten; seine Töne sind klar, angenehm -und mannigfaltig; er besitzt denselben muntern lebhaften -Charakter, wodurch sich der seines Namensverwandten auszeichnet; -aber in ihren allgemeinen Gewohnheiten weichen -beide Vögel sehr von einander ab. Das canadische Rothkehlchen -zeigt sich weniger zutraulich gegen den Menschen, -dagegen ist es mit seines Gleichen befreundeter; die -Thierchen versammeln sich bald nach der Brüte-Zeit in -ganzen Heerden und scheinen sehr gesellig und vertraulich -unter einander; aber sie nähern sich selten oder niemals -unsern Wohnungen. Die Brust des Vogels ist -hellroth, der Kopf schwarz; der Rücken, so zu sagen, -stahlblau oder schieferfarben; in Größe gleicht er einer -Drossel.</p> - -<p>Die Amsel ist vielleicht unser bester Sänger, wenigstens -meinem Geschmack nach; ihr Gesang giebt dem -unsrer englischen Amsel nichts nach, dabei ist der Vogel -selbst weit schöner von Gefieder, welches glänzend, schillernd -und grünlich schwarz ist. Der obere Flügeltheil der ausgewachsenen -männlichen Amsel ist lebhaft orangefarben; -bei den jüngern Vögeln und beim Weibchen, welches -leicht gefleckt ist, bemerkt man nichts davon.</p> - -<p class="pmb3">Gegen die Mitte des Sommers, wenn die Saaten -zu reifen anfangen, versammeln sich diese Vögel in großen -Heerden; ihre Plünderungen und Raubzüge scheinen von -den ältesten Gliedern der Familie geleitet und beaufsichtigt -zu werden. Wollen sie sich auf ein Hafer- oder -Weizen-Feld niederlassen, so stellen sie zwei oder drei -Schildwachen aus, die bei Annäherung von Gefahr -<em class="gesperrt">Dseck-dseck-dseck</em> schreien.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p247">[S. 247]</a></span></p> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/p247i.jpg" alt="Schnee-Ammern." /> - </div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p248">[S. 248]</a></span></p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p249">[S. 249]</a></span> -Diese Vorsicht scheint indeß -überflüssig und unnöthig zu sein, denn sie sind so -verwegen, daß sie sich nicht leicht verscheuchen lassen, und -fliegen sie ja auf, so geschieht es blos, um in geringer -Entfernung wieder in dasselbe Feld einzufallen, oder sie -begeben sich auf die Bäume, wo ihre Vorposten Wache -halten.</p> - -<p>Sie lassen zu Zeiten einen eigenthümlichen kläglich -tönenden Lockruf vernehmen, der genau dem plötzlichen -Erklingen einer Harfen-Saite gleicht und eine oder zwei -Secunden lang an das Ohr schlägt. Wahrscheinlich -machen sie davon Gebrauch, ihre zerstreuten Kameraden -herbei zu rufen, da ich ihn nie vernommen habe, wenn -sie alle beisammen waren. Bisweilen saßen einige unweit -unsrer Wohnung auf einem Baume am Rande des -Sees und ließen mich ihren Lockruf vernehmen; ich habe -sie <em class="gesperrt">Harfner</em> (<em class="antiqua">harpers</em>) getauft. Ich werde Sie wohl -mit meinen ornithologischen Skitzen ermüden, indeß muß -ich noch zwei oder drei Vögel anführen.</p> - -<p>Der weißköpfige Adler<a id="FNanchor_47_47"></a><a href="#Footnote_47_47" class="fnanchor">[47]</a> fliegt oft über unsre - <span class="pagenum"><a id="Page_p250">[S. 250]</a></span> -Ansiedlung, er hat dunkles Gefieder, der Leib und Kopf ist -schneeweiß. Den Hühnerhöfen fügt er bisweilen Schaden - <span class="pagenum"><a id="Page_p251">[S. 251]</a></span> -zu; diejenigen, welche uns zu Gesicht kamen, verschmähten -indeß dergleichen geringes Wildbret und schwebten -in majestätischem Fluge über den See weg.</p> - -<p>Der Fisch-Falke streift gelegentlich über die vor unsern -Blicken ausgebreitete Wasserfläche; Leute, welche dem -weiter oben geschilderten Fischfang mit dem Speer nachhängen, -betrachten ihn als einen Feind.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p252">[S. 252]</a></span></p> - -<p>Außerdem haben wir die Nacht- oder Musquito-Eule, -welche auf die in den hohen Regionen schwärmenden -Insekten Jagd macht, während sie näher an der Erde -von ganzen Schaaren großer Stechfliegen verfolgt wird; -trotz ihrem Beistande setzt uns doch das abscheuliche Ungeziefer, -ich meine die Musquitos und schwarzen Fliegen, -unbarmherzig zu.</p> - -<p>Der rothköpfige Specht<a id="FNanchor_48_48"></a><a href="#Footnote_48_48" class="fnanchor">[48]</a> zeichnet sich durch sein - <span class="pagenum"><a id="Page_p253">[S. 253]</a></span> -prächtiges Gefieder aus, Kopf und Hals sind reich carmesinfarben; -Rücken, Flügel und Brust theilen sich in -Schneeweiß und Pechschwarz. Das unaufhörliche Hämmern -der Baumhacker und das gellende unharmonische -Geschrei des blauen Hehers<a id="FNanchor_49_49"></a><a href="#Footnote_49_49" class="fnanchor">[49]</a> ertönen, sobald völliger - <span class="pagenum"><a id="Page_p254">[S. 254]</a></span> -Frühling eingetreten ist, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p255">[S. 255]</a></span></p> - -<p>Ich fand in letztem Frühjahr eine kleine Baumhacker-Familie -recht behaglich in einer alten Fichte eingenistet, -und zwar zwischen der Rinde und dem Stamme, -wo erstere sich losgetrennt und einen hohlen Raum gelassen -hatte, in welchem die alten Vögel ein weiches aber -loses und keine große Sorgfalt verrathendes Nest gebaut -hatten; die niedlichen Geschöpfe schienen recht glücklich, sie -steckten gelegentlich ihre possirlichen kahlen Köpfchen hervor, -um die Aeltern zu begrüßen, welche die alten Bäume -in der Nachbarschaft entrindeten und Futter für ihre kleine -Familie sammelten, sie betrieben ihr Werk mit demselben -Eifer, wie eben so viele fleißige Zimmerleute.</p> - -<p>Ein höchst seltsames Nest erhielt ich von einem unsrer -Holzfäller; es war über eine Zweig-Gabel gebaut -und schien gleichsam mit grauem Zwirn oder dünnem -Bindfaden an den Ast genäht zu sein. Es war blos -auf den beiden Seiten, welche den Winkel bildeten, gesichert, -aber so gut befestigt, daß es jedem mäßigen Gewicht oder -Druck Widerstand geleistet haben dürfte; es bestand aus -den Fasern der Bastbaum-Rinde, die sehr fadig ist und -sich sehr dünn ausziehen läßt; mit einem Wort, es -war ein seltsames Beispiel von dem Mutterwitz der kleinen -Baukünstler. Ich konnte letztere nicht entdecken, -allein wahrscheinlich mochte es ein Werk meines kleinen - <span class="pagenum"><a id="Page_p256">[S. 256]</a></span> -Lieblings, der oben erwähnten, bei uns überwinternden -Meise (<em class="antiqua">tit-mouse</em>) sein.</p> - -<p><em class="gesperrt">Die nächste Abbildung stellt den Baltimore -Feuervogel dar, der sein Nest gegen die -Angriffe der schwarzen Schlange vertheidigt<a id="FNanchor_50_50"></a><a href="#Footnote_50_50" class="fnanchor">[50]</a>.</em></p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p257">[S. 257]</a></span></p> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/p257i.jpg" alt="Der Baltimore-Feuervogel." /> - </div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p258"></a></span></p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p259">[S. 259]</a></span></p> - -<p>Das Nest des canadischen Rothkehlchens, welches -ich zufällig entdeckte, als ich nach einem Hühner-Neste - <span class="pagenum"><a id="Page_p260">[S. 260]</a></span> -in einem Reisig-Haufen, am fernsten Ende unsrer Ansiedlung, -suchte, ist dem unsers heimathlichen Rothkehlchens -sehr ähnlich, jedoch größer, da der Vogel selbst größer ist, -und auch in den Materialien etwas verschieden; die Eier, -fünf an Zahl, waren dunkelblau.</p> - -<p>Bevor ich meinen ornithologischen Bericht schließe, -muß ich nochmals der kleinen Häuser erwähnen, welche -die Amerikaner für die Schwalbe bauen; ich habe seitdem -gefunden, daß sie hierzu einen sehr trifftigen Grund -haben. Es scheint zwischen diesem nützlichen Vogel und -dem Stößer-Geschlecht die eingewurzeltste Antipathie zu -bestehen, und kein Habicht mag in seiner Nachbarschaft -bleiben; die Schwalben verfolgen diesen Räuber meilenweit, -und necken und quälen ihn dabei auf jede nur -mögliche Weise, wie einen bösen Genius; es ist höchst -merkwürdig, daß ein kleines Geschöpf, wie die Schwalbe, -einen so vielen Vogel-Arten furchtbaren Feind dergestalt -vertreibt. Ich würde nicht recht daran geglaubt haben, -hätte ich mich nicht selbst von der Wahrheit der Sache -überzeugt.</p> - -<p>Ich sah an einem schönen heitern Sommertage -aus dem Fenster einen großen Raubvogel langsamen -Fluges längs dem See hinstreichen; der arme Kerl -stieß schreiende Klaglaute aus; etwa zwei Schritt von -ihm bemerkte ich einen kleinen Vogel, — in der Entfernung -erschien er mir sehr klein, — der ihn hart verfolgte -und ebenfalls schrie. Ich sah dem seltsamen Paare -nach, bis es hinter dem Fichten-Walde meinen Augen entschwand; - <span class="pagenum"><a id="Page_p261">[S. 261]</a></span> -so oft ich mich an diese merkwürdige Erscheinung -erinnerte, wurde meine Verwunderung von neuem rege; endlich -erfuhr ich den Grund von einem sehr gebildeten Franzosen, -welcher durch Canada reiste, die Sache erklärte und -zugleich bemerkte, daß diese kleinen Vögel sehr geschätzt -seien, und daß man sehr viel dafür bezahle, um sie in die -verschiednen Theile der Provinz zu versenden. Sie verlassen, -sobald sie einmal einheimisch geworden, niemals -ihre alten Reviere, und die nämlichen Pärchen kehren -Jahr für Jahr nach ihrer alten Wohnung zurück.</p> - -<p>Der Umstand, daß diese Schwalben den Stößer aus -ihrem Reviere vertreiben, verdient alle Aufmerksamkeit, -da er hinlänglich verbürgt ist, und als ein neuer Beweis -für den von Naturkundigen gerühmten vorzüglichen Instinkt -derselben gelten kann.</p> - -<p class="pmb3">Ich habe indeß so viele Seiten vollgeschrieben, daß -ich fürchten muß, mein langer Brief werde Sie langweilen. -Adieu.</p> - -<hr class="tb" /> - - -<div class="block0"> -<div class="footnotes"><b>Fußnoten:</b> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_40_40"></a><a href="#FNanchor_40_40"><span class="label">[40]</span></a> Oculisten verwerfen gefärbte Brillen-Gläser, schwachen -Augen wegen der Hitze, welche sie erzeugen, als nachtheilig. -Grün oder blau gefärbte Gläser sind hier vorzuziehen.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_41_41"></a><a href="#FNanchor_41_41"><span class="label">[41]</span></a> Anspielung auf ein Abentheuer im <em class="antiqua">Vicar of Wakefield</em>.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_42_42"></a><a href="#FNanchor_42_42"><span class="label">[42]</span></a> Anspielung auf <em class="gesperrt">Sindbad's</em> Reisen in Tausend und -einer Nacht.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_43_43"></a><a href="#FNanchor_43_43"><span class="label">[43]</span></a> Es ist gegenwärtig fast unabänderlich Sitte unter den -Indianern, daß sie bei dem Eintritt in ein Wohnhaus alle ihre -Waffen, als Flinte, Tomahawk u. s. w. vor der Thür niederlegen, -selbst wenn das Wetter noch so naß ist; denn sie halten -es für unhöflich, eine befreundete Wohnung bewaffnet zu betreten.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_44_44"></a><a href="#FNanchor_44_44"><span class="label">[44]</span></a> Bekanntlich hat die Nord-West Compagnie eine Schätzung -sämmtlicher Stämme vorgenommen, woraus sich ergeben, -daß die ganze indianische Bevölkerung jenes unermeßlichen Continents -sich gegenwärtig nicht über hunderttausend Seelen beläuft. -In einer Parlaments-Urkunde von 1834 ist die Gesammtzahl -der Indianer von Unter-Canada auf 3437 und die -von Ober-Canada auf 13,700 Köpfe bestimmt; die letztere soll -die Indianer am Huronen-See und nach Westen zu in sich begreifen. —</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_45_45"></a><a href="#FNanchor_45_45"><span class="label">[45]</span></a> Der rothe Sommervogel (<em class="antiqua"><em class="gesperrt">Tanagra aestiva, Wilson</em></em>) -baut in den Wäldern auf die horizontalen Aeste noch nicht -ausgewachsener Bäume, z. B. eines Epheubaums, zehn oder -zwölf Fuß von der Erde entfernt, die Außenseite seines Nestes -versieht er mit einem Geflecht von Pflanzenstengeln und dürrem -Flachs und kleidet es inwendig mit feinem Grase aus.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_46_46"></a><a href="#FNanchor_46_46"><span class="label">[46]</span></a> Der <em class="gesperrt">blaue Vogel</em> (<em class="antiqua"><em class="gesperrt">Sialia Wilsonii, Swains.</em></em>), -wovon bereits in einer früheren Anmerkung die Rede gewesen, -erscheint bisweilen schon im Februar in Scheunen, Obstgärten -und Einpfählungen, und erinnert uns sowohl durch seine Gestalt -als durch seine Gewohnheiten und Lebensweise an unser Rothkehlchen -(<em class="antiqua"><em class="gesperrt">Sylvia rubecula</em></em>).</p> - -<p>»In der That hat der amerikanische Vogel ebenfalls eine -rothe Brust, allein der ganze obre Theil des Körpers ist von -schöner blauer Farbe und verleiht dem Vogel ein prachtvolleres -Costüm, als das schlichte Olivenbraun unserm kleinen Liebling. -Bei ihrer ersten Ankunft im Frühjahr statten die blauen Vögel -dem Kasten im Garten oder in der Höhle eines alten Aepfelbaums, -der Wiege einiger Generationen ihrer Vorgänger, eine -frühzeitige Visite ab, und machen damit den Anfang, daß sie -das alte Nest reinigen, und den Unrath und das Gerüll vom -vorigen Jahre ausräumen, worauf sie es zur Aufnahme ihrer -künftigen Abkömmlinge vorbereiten.«</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_47_47"></a><a href="#FNanchor_47_47"><span class="label">[47]</span></a> Der weißköpfige Adler (<em class="antiqua"><em class="gesperrt">Haliaetus leucocephalus</em></em>) -kommt, nach <em class="gesperrt">Hutchins</em>, im May, in der Gegend der -Hudson's bay an, er baut auf die höchsten Bäume und bereitet -ein ziemlich großes Nest, aus Stücken Gras, Torf, Schutt und -ähnlichem Gerülle, er wählt zu diesem Behuf einen sehr hohen -Baum, in der Regel eine Fichte oder Cypresse, und macht eine -lange Periode hindurch Jahr für Jahr von demselben Neste -Gebrauch. Die Adler, welche <em class="gesperrt">Abbot</em> beobachtet hat, bauten -ein großes compactes Nest, bisweilen auf hohe Cypressen-Bäume -und andere Male wiederum auf Felsen. Die beste Beschreibung -aber, die uns zu Gesicht gekommen ist, haben <em class="gesperrt">Wilson</em> und -<em class="gesperrt">Ord</em> in der <em class="antiqua">American Ornithology</em> geliefert.</p> -<p>»Im Monat May,« sagt <em class="gesperrt">Wilson</em>, »als ich auf einer -Jagdparthie an der Seeküste, nicht weit von Great Egg-Harbour, -in Begleitung meines Freundes <em class="gesperrt">Ord</em> hinstrich, wurden -wir von unserm Wegweiser ungefähr eine englische Meile tief -in die Wälder geführt, um ein Seeadlernest zu sehen. Als wir -uns dem Orte bis auf eine kleine Entfernung genähert, sahen -wir den Vogel, sich langsam vom Neste zurückziehen, welches -mitten auf dem Gipfel einer sehr großen gelben Fichte (<em class="antiqua">yellow -pine</em>) erbaut war. Das Holz war mehre Ruthen im Umkreise -gefällt und weggeschafft worden, ein Umstand, der dem -stattlichen, geraden Stamme, so wie den großen, gekrümmten -Aesten des Baumes, worauf eine schwarze Masse von Stöcken -und Reisholz ruhte, einen eigenthümlichen und malerischen Anblick -verlieh. Unser Führer hatte eine Axt mit sich genommen, -um den Baum zu fällen; mein Begleiter aber, ängstlich bemüht, -die Eier oder Jungen zu erhalten, bestand darauf, den Baum -zu ersteigen, was er auch furchtlos ausführte, während ich und -der Führer unsern Stand unter dem Baume nahmen, bereit, -den kühnen Kletterer, im Fall eines Angriffs von den alten -Adlern, zu vertheidigen. Indeß wurde kein Widerstand geleistet; -leider aber fand <em class="gesperrt">Ord</em> das Nest, als er es erreicht, zu unserm -größten Mißvergnügen, leer. Es war aus großen Stöcken, deren -mehre einige Fuß maßen, erbaut; inwendig lagen Erdschollen, -Riethgras, Rasen, dürres Schilf u. s. w., sämmtliche -Materialien waren zu einer Höhe von fünf bis sechs Fuß angehäuft -und nahmen über vier Fuß in der Breite ein; das Ganze -war mit frischen Fichtenwipfeln überkleidet und hatte nur eine -geringe oder vielmehr gar keine Aushöhlung. Unter der Ueberkleidung -lagen die frisch abgestreiften Hüllen (Mauser) der jungen -Brut des laufenden Jahres, nehmlich Schuppen von den -Spulen, Federn, Flaum u. s. w. Unser Führer war spät im -Februar an dieser Stelle vorbeigekommen, zu welcher Zeit sowohl -Männchen als Weibchen ein großes Geräusch um das -Nest machten; und aus dem, was wir später erfuhren, ist es -höchst wahrscheinlich, daß es bereits in dieser frühen Jahreszeit -Junge enthielt.</p> -<p>»Im folgenden Jahre, am ersten März,« erzählt <em class="gesperrt">Ord</em>, -»nahm einer meiner Freunde aus dem nehmlichen Neste drei -Eier, wovon die größten drei und ein viertel Zoll lang waren, -im Durchmesser zwei und ein viertel, und im Umfange gegen -sieben Zoll maßen; sie wogen vier Unzen, fünf Drachmen, (Apothekergewicht); -sie waren schmuzig gelblich weiß, und nur eins -hatte eine sehr blaßbläulich weiße Farbe; die Jungen waren -vollkommen ausgebildet. Die ängstliche Sorgfalt des Weibchens, -die Eier zu erhalten, war so groß, daß es das Nest nicht eher -verließ, als bis mehre Axtschläge gegen den Baum geführt -worden waren.«</p> -<p>»Einige englische Meilen von diesem Orte entfernt,« fährt -<em class="gesperrt">Wilson</em> fort, »befindet sich ein andres Adlernest, welches ebenfalls -auf einer Fichte erbaut ist, die, nach eingezogner Erkundigung -vom Eigenthümer der Holzung, dieser Adler-Familie seit -langer Zeit zur Wohnung gedient hatte. Den Baum, worauf -das Nest ursprünglich erbaut war, hatten diese Adler seit undenklichen -Zeiten, oder wenigstens so lange als er sich erinnern -konnte, inne gehabt. Einige von seinen Söhnen fällten die -Fichte, um die Jungen zu erlangen, deren Zahl sich auf zwei -belief, bald darauf begann der Adler auf den unmittelbar daneben -stehenden Baum ein neues Nest zu bauen, wodurch er eine -große Vorliebe für diesen Ort an den Tag legte. Der nehmliche -Mann erzählte uns, daß die Adler zu jeder Jahreszeit hier -ihre Ruhestätte und Wohnung haben. Ueberdies behauptete er, -daß die grauen oder Seeadler, die Jungen der weißköpfigen -Adler wären, und daß sie nicht eher zu brüten anfingen, als bis -sie einige Jahre alt geworden wären. Der weißköpfige Adler -treibt seine Jungen nicht aus dem Neste, wie der Osprei oder -Fischaar (Flußadler, Moosweih), sondern fährt, nachdem sie es -verlassen, noch lange fort, sie zu füttern.«</p> -<p> -Es hat den Anschein, als wenn diese Adler eine besondere -Vorliebe für die Nähe von Wasserfällen hegten, da sie sich in -großer Menge am Niagara-Falle aufhalten; und in <em class="gesperrt">Lewis</em> -und <em class="gesperrt">Clark's</em> Reisebericht stoßen wir auf folgende Beschreibung -eines solchen Adlernestes, welches die malerischen Effecte der -großartigen Scenen an den Fällen des Missouri nicht wenig erhöht -haben mag.</p> -<p>»Gerade unter der obersten Spitze,« erzählen die Reisenden, -»befindet sich mitten im Flusse ein kleines holzreiches Eiland. -Hier hatte ein Adler auf einem Baume (<em class="antiqua">Gossypium arboreum</em>) -sein Nest errichtet und schien der unangefochtene Inhaber des -Orts zu sein, dem seinen Besitz streitig zu machen, weder Menschen -noch Thiere über die das Eiland umgebenden Strudel zu -setzen wagten, da dasselbe noch überdies durch den, von den Fällen -emporsteigenden Wasser-Nebel geschützt ist.«?</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_48_48"></a><a href="#FNanchor_48_48"><span class="label">[48]</span></a> Dieser Vogel fürchtet den Menschen so wenig, daß er -nicht selten in die Bäume nistet, welche in den Städten Amerikas -auf den Straßen wachsen. <em class="gesperrt">Wilson</em> fand mehre dieser -Nester innerhalb der Grenzen der Stadt Philadelphia: zwei in -dem Knopfholzbaum (<em class="antiqua"><em class="gesperrt">Platanus occidentalis</em></em>), und ein -drittes in dem verwitterten Stamme einer Ulme. »Die alten -Vögel,« sagt dieser Forscher, »machen, wie mich meine Beobachtung -gelehrt hat, ihre Excursionen regelmäßig nach den über -Schuylkill hinaus liegenden Wäldern, ungefähr eine englische -Meile von der Stadt, und beobachten beim Besuchen ihrer Nester -große Stille und Vorsicht; Maßregeln, welche von solchen, die -tiefer in den Wäldern nisten, nicht so streng beobachtet werden, -weil das Späherauge des Menschen daselbst weniger zu fürchten -ist. Allein trotz der Sorgfalt, welche dieser Vogel, so wie die -andern Arten der nehmlichen Gattung, anwendet, um seine Jungen -durch die Auswahl einer sicheren Lage gegen die Nachstellungen -von Verfolgern zu sichern, hat er es doch mit einem Todtfeinde -zu thun, gegen dessen Räubereien ihm weder die Höhe -des Baumes noch die Tiefe der Höhle die mindeste Sicherheit -gewähren. Dies ist die schwarze Schlange (<em class="antiqua"><em class="gesperrt">Coluber constrictor</em></em>), -welche sich häufig am Stamme des Baumes hinauf -windet und, wie ein lauernder Wilder, in die Höhle des -armen Spechtes dringt, trotz dem Geschrei und ängstlichen Flattern -der Aeltern die Eier und hülflosen Jungen verschlingt und, -wenn es der Raum gestattet, sich an der Stelle, die sie eben -erst einnahmen, zusammenrollt und daselbst einige Tage hindurch -verharrt. Der wilde Schulknabe, nachdem er seinen Hals gewagt, -um die Höhle des Spechtes zu erreichen, fährt, wenn der -Zeitpunkt des Triumphs, wo er das Nest für sichre Beute hält -und seinen entblößten Arm in die Höhle steckt, beim Anblick der -scheußlichen Schlange erschrocken zurück, und stürzt fast von seiner -schwindelnden Höhe herab, indem er mit ängstlicher Hast -am Baume heruntergleitet. Ich habe von verschiedenen Abentheuern -dieser Art gehört; und ein Fall zog ernste Folgen nach -sich: Knabe und Schlange stürzten nehmlich zugleich auf die -Erde herab und ein Schenkelbruch und langes Hüten des Bettes -heilten den Waghals von seinem ehrgeizigen Streben, Spechtnester -zu plündern, vollkommen.«</p></div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_49_49"></a><a href="#FNanchor_49_49"><span class="label">[49]</span></a> »Dieser schöne Vogel,« sagt <em class="gesperrt">Wilson</em>, »welcher, so viel ich -darüber habe erfahren können, Nordamerika angehört, zeichnet -sich durch sein prächtiges Kleid als eine Art von Elegant (<em class="antiqua">beau</em>) -unter den befiederten Bewohnern unserer Wälder aus, und macht -sich, gleich den meisten Gecken, sowohl durch seine Geschwätzigkeit -als auch durch die Manier seiner Töne und Gebehrden noch -bemerklicher. Der amerikanische Holzheher ist eilf Zoll lang, -seinen Kopf ziert ein Kamm lichtblauer oder purpurfarbner Federn, -welchen er nach Willkühr emporrichten oder senken kann; -eine schmale schwarze Linie zieht sich längs der Stirnbinde hin, -erhebt sich auf beiden Seiten über die Augen, geht aber nicht -über sie hinweg, wie <em class="gesperrt">Catesby</em> dies dargestellt hat, oder wie -es <em class="gesperrt">Pennant</em> und mehre Andre beschrieben haben; der hintere -und obere Theil des Halses ist schön hell purpurfarben, doch -herrscht das Blau vor; ein schwarzer Kragen reicht vom Hinterhaupte -mit einer zierlichen Krümmung auf jeder Seite über -den Hals herab bis an den oberen Theil der Brust, wo er einen -Halbmond bildet; Kinn, Backen, Kehle und Bauch sind weiß, -die drei ersteren lichtblau gefärbt; die größeren Flügel-Decken -sind reich blau, die äußeren Fahnen der ersten Federn lichtblau, -die der zweiten dunkel purpurfarben, mit Ausnahme der drei -dem Körper zunächst befindlichen, welche glänzend lichtblau sind; -alle diese, ausgenommen die ersten, sind prachtvoll mit schwarzen -Halbmonden der Quere nach gestreift und weiß getüpfelt; -die inneren Seiten der Flügelfedern sind dunkelschwarz; der -Schwanz ist lang und keilförmig gestaltet und besteht aus zwölf -glänzend lichtblauen, in halbzolligen Entfernungen mit schwarzen -bogenartigen Querstreifen gezeichneten Federn; jede Feder -ist weiß getüpfelt, mit Ausnahme der zwei mittelsten, welche -nach den äußersten Enden zu in eine dunkle Purpurfarbe verlaufen; -Brust und Seiten, unter den Flügeln, sind schmuzig -weiß und mit Purpur gefleckt; die innre Seite des Mundes, -Zunge, Schnabel, Beine und Krallen sind schwarz; die Regenbogenhaut -des Auges ist nußbraun.</p> -<p>»Ein blauer Holzheher,« fährt <em class="gesperrt">Wilson</em> fort, »den ich -seit einiger Zeit gefangen gehalten, und mit dem ich in großer -Vertraulichkeit lebe, ist ein wahres Muster von mildem Charakter -und geselligen Sitten. Ein günstiger Zufall im Walde -brachte mich zuerst in Besitz dieses Vogels, als er noch sein volles -Gefieder hatte und noch voller Gesundheit und Muth war; -ich nahm ihn mit mir nach Hause und steckte ihn in einen Käfig, -den bereits ein goldgeflügelter Specht einnahm; hier wurde -er aber so grob empfangen und erhielt von dem Inhaber des -Käfigs dafür, daß er dessen Gebiet betreten, eine so harte Züchtigung, -daß ich mich, um sein Leben zu erhalten, genöthigt sah, -ihn wieder herauszunehmen. Ich setzte ihn hierauf in einen andern -Käfig, dessen einziger Besitzer ein gemeiner weiblicher Bülan -(<em class="antiqua">orchard oriole</em>) war. Dieser gebehrdete sich ebenfalls unruhig, -als beleidige und gefährde ihn die Gegenwart des fremden -Gastes; der Holzheher unterdeß saß stumm und bewegungslos -auf dem Fußboden des Käfigs, entweder zweifelhaft über -seine eigene Lage, oder in der Absicht, seiner Nachbarin Zeit zur -Beschwichtigung ihrer Furcht zu gönnen. Und nach wenigen -Minuten, nachdem sie verschiedene drohende Gebehrden entfaltet -(gleich einigen Indianern bei ihren ersten Zukammenkünften mit -den Weißen), begann sie, sich demselben zu nähern, jedoch mit -großer Vorsicht, und zum schnellen Rückzug bereit. Da sie jedoch -sah, daß der Holzheher anfing, auf eine friedfertige und -demüthige Weise einige zerbröckelte Stückchen Kastanie aufzupicken, -stieg sie ebenfalls herab und that das Nehmliche, drehete -sich aber, bei der leichtesten Bewegung ihres neuen Gastes, diesem -entgegen und setzte sich in Vertheidigungsstand. Jedoch ehe -es Abend geworden, war alle diese ceremoniöse Eifersüchtelei -verschwunden, und sie wohnen, fressen und spielen jetzt zusammen, -in vollkommner Eintracht und guter Laune.</p> -<p>»Wenn der Holzheher trinken will, springt seine Tischgenossin -keck und dreist in das Wasser, um sich zu baden, und -schleudert es in Schauern über ihren Gefährten, der sich dies -ganz geduldig gefallen läßt, und nur dann und wann wagt, etwas -davon zu schlürfen, ohne das geringste Zeichen von Unwillen -oder Empfindlichkeit zu verrathen. Im Gegentheil scheint er -sich über seine kleine Mitgefangene zu freuen, indem er ihr erlaubt, -sich an seinen Backenbart zu hängen, (was sie sehr sanft -macht) und seine Krallen von zufällig daran hängenden Kastanienbröckchen -zu reinigen. Diese Anhänglichkeit von der einen, -und diese freundliche Nachgiebigkeit von der andern Seite, dürften -vielleicht zum Theil die Wirkung des wechselseitigen Mißgeschicks -sein, welches, wie die Erfahrung lehrt, nicht blos Menschen -an einander anschließt, sondern auch manche Thierarten -enger mit einander verbindet. Auch zeigt dieses Beispiel, daß -der blaue Holzheher ein leicht bezähmbares Naturell besitzt und -fähig ist, Zuneigung und zärtliche Gefühle, selbst für solche Vögel -zu hegen, die er im natürlichen Zustande ohne Bedenken zu -seiner Speise wählen würde.«</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_50_50"></a><a href="#FNanchor_50_50"><span class="label">[50]</span></a> Das Nest des Feuervogels ist von mehren Ornithologen -geschildert worden. <em class="gesperrt">Latham</em>, welcher von <em class="gesperrt">Wilson's</em> wundervoller -Beschreibung wesentlich abweicht, sagt: »das Nest ist aus -einer flaumartigen, zu Fäden gedrehten Substanz locker gebaut, -und hat ziemlich die Gestalt einer Börse, welche an die äußerste -Gabel eines Tulpenbaums, einer Platane oder eines Hiccory-Baums -befestigt ist.« <em class="gesperrt">Montbeillard</em> ist noch kürzer in seinen -Bemerkungen über diesen interessanten Bau. Wir wollen -hier <em class="gesperrt">Wilson's</em> Beschreibung von Anfang bis zu Ende mittheilen.</p> -<p>»Fast die ganze Gattung der Pirole (Bülaus),« sagt dieser -Beobachter, »gehört Amerika an, und alle bauen, mit wenigen -Ausnahmen, schwebende Nester. Nur wenige aber kommen in -der Bauart dieser Wohnstätten für die Jungen dem Baltimore-Vogel -gleich, welcher seinem Neste vor allen ihm verwandten -Arten Bequemlichkeit, Wärme und Sicherheit zu geben weiß. -Zu diesem Behufe wählt er die hohen, herabhängenden Zweigspitzen -und befestigt starke, feste Fäden von Hanf oder Flachs -um zwei der beabsichtigten Weite des Nestes entsprechende Gabelzweige; -aus den nehmlichen Materialien, die mit lockerem -Werge vermengt sind, webt oder fabricirt er eine starke, feste -Art Filz, welcher gewissermaßen der Substanz eines noch rohen -Hutes gleicht und den er zu einem sechs bis sieben Zoll tiefen -Beutel gestaltet; inwendig füttert er das Nest reichlich mit verschiednen -weichen und dem äußeren Netzwerk gehörig eingewobenen -Substanzen, und kleidet es endlich mit einer Lage von Roßhaaren -aus; das Ganze ist gegen Sonne und Regen durch ein natürliches -Wetterdach oder einen Blätter-Baldachin geschützt. -Was die Oeffnung anlangt, welche der Vogel, nach <em class="gesperrt">Pennant</em> -und andern Schriftstellern, auf der Seite für die Jungen sowohl -zur Fütterung als Entfernung der Excremente lassen soll, ist auf -jeden Fall ein Irrthum. Ich meines Theils habe nie ein solches -Loch in der Nestwand des Baltimore-Vogels gefunden. -Wiewohl Vögel der nehmlichen Art im Allgemeinen eine gemeinschaftliche -Form beim Bauen ihres Nestes beobachten, so bauen -sie doch nicht, wie man gewöhnlich glaubt, auf dieselbe Weise. -Die Baltimore-Vögel unterscheiden sich eben so sehr durch Styl, -Sauberkeit und Ausführung ihrer Nester als durch ihre Stimme. -Einige scheinen vor allen andern geschickte Arbeiter zu sein und -wahrscheinlich nehmen sie an Kunstfertigkeit eben so wie an -Farbenpracht mit den Jahren zu. Ich habe jetzt eine Anzahl -ihrer Nester vor mir, sämmtlich vollendet und mit Eiern angefüllt. -Eins derselben, das sauberste und netteste, hat die Gestalt -eines Cylinders, ist fünf Zoll weit, sieben Zoll tief und am -Boden rund. Die oben befindliche Oeffnung ist durch einen -horizontalen, ungefähr drittehalb Zoll breiten Deckel beschränkt. -Die Materialien sind Flachs, Hanf, Werg, Haare und Wolle, -welche sämmtlich zu einer vollkommnen Art Tuch verwebt sind, -das Ganze ist überall sauber mit langen, mitunter zwei Fuß -messenden Roßhaaren durchnäht. Der Boden besteht aus dicken -Kuhhaar-Flocken und ist ebenfalls mit Roßhaaren durchnäht. -Das eben beschriebne Nest hing an der Spitze eines horizontalen -Apfelbaumzweiges, nach Südost gerichtet; es war, obgleich -im Schatten, in einer Entfernung von hundert Schritten sichtbar, -und das Werk eines sehr schönen und vollkommnen Vogels. -Es befinden sich fünf weiße, schwach fleischfarbne, am breiten -Ende mit purpurnen Flecken, und an den übrigen Theilen mit -langen Linien gezeichnete Eier darin, die Linien sind haarfein -und durchschneiden sich in mannigfaltigen Richtungen. Ich bin -deswegen in der Angabe dieser einzelnen Umstände so ausführlich, -weil es mein Wunsch ist, den spezifischen Unterschied zwischen -dem ächten und Bastard-Baltimore-Vogel aufzustellen, da -<em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Latham</em> und einige Andere der Meinung sind, daß beide -Vögel einer und derselben Art angehören und nur durch ihre -verschiednen Farbenschattirungen von einander abweichen.</p> -<p>»Der Baltimorevogel ist in der Brütezeit so sehr besorgt, -sich die geeigneten Materialien zu seinem Neste zu verschaffen, -daß die im Lande wohnenden Frauen genöthigt sind, ihr Garn -und dergleichen, das sich zufällig auf der Bleiche befindet, aufmerksam -zu bewachen, eben so muß der Pachter und Landmann -seine jungen Pfropfreiser hüten, weil dieser Vogel sowohl das -Garn als auch die Materialien, womit die letzteren befestigt -sind, seinem Endzweck entsprechend findet und oft wegholt; sollte -jedoch das erste zu schwer und die letzteren zu fest gebunden -sein, so zerrt er lange Zeit daran herum, bevor er seinen Versuch -aufgiebt. Man hat nach dem Abfallen der Blätter oft -Strähne Seide und Zwirnfäden um das Nest des Baltimore- -Vogels hängen sehen, die aber so verwebt und verschlungen waren, -daß man sie durchaus nicht wieder herausfitzen konnte. -Vor der Ankunft der Europäer konnten natürlicher Weise keine -solche Materialien gewählt werden, allein mit dem Scharfsinn -eines guten Architekten hat das Thierchen diesen Umstand zu -seinem Vortheil benutzt, und man findet die stärksten und besten -Materialien stets in denjenigen Theilen, welche das Ganze -tragen.« <em class="antiqua">Wilson's, Amer. Ornith. I. 26.</em></p> -</div> -</div> -</div> - - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p262">[S. 262]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="no-break" id="Vierzehnter_Brief">Vierzehnter Brief.</h2> -</div> - -<blockquote> -<p class="p1 font09">Nutzen botanischer Kenntnisse. — Das Feuerkraut (<em class="antiqua">fireweed</em>) -Sarsaparilla-Pflanzen. — Prächtige Wasser-Lilie. — -Reis-Beete. — Indianische Erdbeere. — Scharlachfarbner Akelei -(<em class="antiqua">Columbine</em>) — Farnkräuter. — Gräser. —</p> -</blockquote> - -<p class="p1 rright font09"> -Juli 13, 1834.<br /> -</p> - -<p>Der Winter scheint uns in diesem Jahre ziemlich -zeitig verlassen zu wollen, zu Ende Februars war der -Boden völlig frei von Schnee, und den ganzen März hindurch -hielt milde und freundliche Witterung an, jedoch -nicht so warm und überhaupt veränderlicher als im -vorigen Jahre. In der letzten April-Woche und zu Anfange -Mai's waren sämmtliche Waldbäume belaubt und -prangten im schönsten lieblichsten Grün.</p> - -<p>Am 14., 15. und 16. Mai wurde die Luft plötzlich -kalt, ein scharfer Wind blies aus Nordwesten, und heftige -Schnee-Stürme knickten die jungen Knospen und -zerstörten manche Frühsaat; glücklicher Weise hatten wir -uns mit unserm Säen nicht sehr beeilt, und dies war -unter solchen Umständen sehr gut.</p> - -<p>Unsre Wälder und Lichtungen sind jetzt mit schönen -Blumen gefüllt. Sie werden sich aus den getrockneten -Exemplaren, die ich Ihnen übersende, eine Vorstellung davon -machen können. Sie werden darunter manche Lieblinge -unsrer englischen Gärten und Gewächshäuser erkennen, -welche die verschwenderische Hand der Natur nachlässig - <span class="pagenum"><a id="Page_p263">[S. 263]</a></span> -in den canadischen Wäldern und Wildnissen ausgestreut -hat.</p> - -<p>Wie oft wünsche ich Sie an meine Seite, wenn ich -durch die Wälder und Lichtungen streife; die Aufsuchung -unsrer botanischen Schätze würde Ihnen große Freude gewähren.</p> - -<p>Ich bedaure jetzt nur zu sehr, daß ich, als ich noch -in der Heimath war, Ihr gütiges Anerbieten, mich im -Blumenmalen unterrichten zu wollen, ausgeschlagen habe; -Sie sagten mir damals oft, die Zeit würde kommen, wo -ich Ursache haben dürfte, die Vernachlässigung der sich mir -darbietenden günstigen Gelegenheit zu bereuen.</p> - -<p>Sie haben mir richtig prophezeiht; denn ich beklage -jetzt täglich, daß ich Ihnen keine genauen Schilderungen -von den Pflanzen meiner neuen Heimath geben oder -denselben ihren Platz im System anweisen kann, wie Sie -dies thun würden. Mit einigen derselben habe ich mich bekannt -gemacht, jedoch traue ich meinen botanischen Kenntnissen -zu wenig, um eine wissenschaftliche Beschreibung zu -wagen; denn ich fühle nur zu gut, daß ein Verstoß leicht entdeckt -werden, und daß ich, wollte ich mich mit Kenntnissen -brüsten, die ich nicht besitze, mich lächerlich und verächtlich -machen würde. Das einzige botanische Werk, das -mir zu Gebote steht, ist <em class="gesperrt">Pursh's</em> nordamerikanische -Flora, aus welcher ich einige Belehrung geschöpft habe; -allein ich muß gestehen, daß mir die Entzifferung der lateinischen -Beschreibungen, da ich kein Latein verstehe, außer -was mich mein bischen Italienisch errathen läßt, viel -Mühe und Langeweile verursacht.</p> - -<p>Ich habe von den vorzüglichsten, der Aufmerksamkeit -würdigsten Pflanzen in unsrer Nähe, ein Verzeichniß -entworfen, es giebt indeß noch viele andere in dem Gemeinde-Bezirk, -die mir fremd sind; von einigen derselben -weiß ich nicht einmal die Namen. Ich füge von denjenigen -Blumen, die mir am meisten gefallen, oder die -sich durch irgend eine erwähnungswerthe Eigenschaft - <span class="pagenum"><a id="Page_p264">[S. 264]</a></span> -auszeichnen, eine leichte Skitze bei, aber nicht mit dem Pinsel -sondern mit der Feder.</p> - -<p>Auf dem gelichteten Boden wachsen nicht mehr dieselben -Pflanzen, welche früher, als er noch mit Waldbäumen -bedeckt war, darauf wucherten. Eine andre Pflanzen-Welt -kommt zum Vorschein, sobald das Feuer den -Boden gereinigt hat. Das Nämliche läßt sich hinsichtlich -unsrer Waldbäume sagen. So wie eine Generation abstirbt -und verwittert, tritt eine neue, aber von ihr verschiedne -an ihre Stelle. Ein zur Erläuterung dieses Umstandes -dienendes Beispiel liefert das sogenannte Fichten-Fett, -eine harzige Substanz, die man gewöhnlich an Orten -findet, wo die lebende Fichte weniger häufig wächst, und -wo Eichen, Eschen, Ahorn u. s. w. den Boden einnehmen.</p> - -<p>Das Feuer-Kraut, eine Art schlanke Distel von -niedrigem, unangenehmem Geruch, ist die erste Pflanze, -welche erscheint, nachdem der Boden durch Feuer entwaldet -ist; bleibt ein Stück Land den ersten Sommer nach -seiner Lichtung ungepflügt liegen, so schießt im nächsten -Frühjahr dieses Unkraut in dichten Massen hervor. Die -nächste Pflanze, welche sich zeigt, ist der Sumach mit seinem -flaumbedeckten Stengeln und sammetartigen hochrothen -Blumen, die einen aufrecht stehenden stumpfen Büschel -an den Zweigspitzen bilden; die Blätter werden im Spätsommer -scharlachfarben. Dieser Strauch, wiewohl er sich -sehr schön ausnimmt und recht wohl als Ziergewächs dienen -kann, wird doch in alten Lichtungen als eine große -Plage betrachtet, weil seine Wurzeln ausschlagen und -zahlreiche Schößlinge treiben. Hierauf folgen die Brombeeren -und die wilde Stachelbeere in großer Menge, und -zahllose Erdbeer-Pflanzen von mancherlei Art überziehen -den Boden gleich einem Teppich und vermischen sich mit -dem Gras der Weide. Ich sah mich dieses Frühjahr genöthigt, -mit schonungsloser Hand Hunderte von Sarsaparilla-Pflanzen, -so wie auch den berühmten Ginseng, welcher -in unsern Wälder sehr häufig ist, mit der Wurzel - <span class="pagenum"><a id="Page_p265">[S. 265]</a></span> -auszureißen; der Ginseng war früherhin ein Ausfuhr-Artikel, -den die Vereinigten Staaten nach China sendeten, -weil seine Wurzel von den Chinesen besonders geschätzt -wird.</p> - -<p>Letzte Woche bemerkte ich eine saftige Pflanze, die -auf einem trocknen sandigen Gange in meinem Garten -den Boden durchbrochen hatte; sie scheint eine Art (<em class="antiqua">Mesembryanthemum</em> (?)) -zu sein; sie hat sich so schnell ausgebreitet, -daß sie bereits einen ziemlichen Raum einnimmt. -Die Zweige gehen von der Mitte der Pflanze aus und -treiben aus jedem Gelenk Schößlinge hervor. Die Blätter -sind mehr klein, dreikantig und zugespitzt, dick und -saftig, wie die gewöhnlichen Sedum-Arten, wenn man sie -quetscht, so fließt eine grünliche Flüssigkeit aus. Die -Stengel sind dick und rund, hellroth und kriechen an der -Erde hin; die Blätter entspringen aus den Gelenken, und -mit ihnen in ununterbrochner Aufeinanderfolge gelbe Stern-Blumen, -die sich ungefähr eine Stunde nach ihrer ersten -Entfaltung wieder schließen. Ich werde Ihnen einige Samen -von dieser Pflanze schicken, ich bemerkte nämlich eine -Anzahl kleiner Schoten, die wie Knospen aussahen, aber, -bei näherer Untersuchung sich als die Samenbehälter erwiesen. -Die Pflanze bedeckt den Erdboden gleich einer -dicken Matte, und ist, wo ihr dieser zusagt, wie man mir -sagt, ein lästiges Unkraut.</p> - -<p>Ich bedaure nur, daß ich unter meinen getrockneten -Pflanzen nicht einige unsrer prachtvollen Wasser-Lilien -und Iris-Arten erhalten konnte; allein sie waren zu groß -und zu saftig, um sich gut trocknen zu lassen. Da ich -Ihnen diese meine Lieblinge nicht mitsenden kann, so will -ich sie Ihnen wenigstens beschreiben.</p> - -<p>Die erste davon ist eine herrliche Wasser-Lilie, (<em class="antiqua">Nymphaea</em>) -welche ich der Unterscheidung halber »<em class="gesperrt">Königin -der Seen</em>« genannt habe, denn sie prangt gleich einer -Krone auf den Gewässern; diese prächtige Blume gleicht -in Umfang einer mäßig großen Dahlia, sie erscheint wie - <span class="pagenum"><a id="Page_p266">[S. 266]</a></span> -gefüllt, und jede Blumen-Blätter-Reihe nimmt nach der -Mitte zu allmälig an Größe ab und geht in Farbe nach -und nach von dem reinsten Weiß in das lichteste Citronengelb -über. Die noch nicht entfalteten Blüthen nehmen -sich sehr hübsch aus, man kann sie unter der Oberfläche -des Wassers auf verschiednen Stufen ihrer Entwickelung -wahrnehmen: — von der noch völlig geschloßnen -und in ihren olivengrünen Kelch gehüllten Knospe bis zu -der halb aufgeplatzten Blume, welche bereit ist, aus ihrem -Wasser-Kerker hervorzutauchen und in all ihrer jugendlichen -Schönheit ihren schönen weißen Busen dem -hellen Sonnenstrahl und der milden Luft zu entfalten. -Aber die Schönheit der Blume ist nicht ihr einziger Liebreiz; -sobald sie sich entfaltet hat, verbreitet sie einen reichen -Wohlgeruch, dem von frischen Citronen nicht unähnlich. -Nicht weniger Aufmerksamkeit verdienen die Blätter: anfangs -zeigen sie ein schönes Dunkelgrün, aber mit dem -Abwelken der Blume vertauschen sie diese Farbe nach und -nach mit einem lebhaften Carmosin. Wo viele dergleichen -Lilien dicht beisammen wachsen, verleihen sie der -Wasserfläche einen unbeschreiblich schönen Anblick, der -schon in einiger Entfernung das Auge auf sich zieht.</p> - -<p>Die gelbe Species dieser Gattung ist ebenfalls sehr -schön, jedoch fehlt ihr das seidenartige Gewebe und die -zarte Farbe der erstern; ich nenne sie »Wasser-König.« -Die Blume bietet einen dunkel goldgelben Becher dar, -dessen ausgebauchte Blätter in der Mitte eine röthlich -braune Schattirung zeigen, welche gegen die hellfarbigen, -wie goldne Franzen über einander herabhängenden Antheren -stark absticht, die sehr zahlreichen Antheren sind in dicht -auf einander folgenden Reihen angeordnet und füllen den -hohlen Blumen-Becher völlig aus.</p> - -<p>Die seichten Stellen unsrer Seen strotzen von mannigfaltigen -zierlichen Wasser-Pflanzen; ich kenne keinen -lieblichern Anblick als diese kleinen schwimmenden Gärten. -Hier erblickt man unfern des Ufers ein Beet mit azurnen, - <span class="pagenum"><a id="Page_p267">[S. 267]</a></span> -<em class="antiqua">Fleurs de lis</em>, vom blassesten Perlfarben bis zum dunkelsten -Violett. Näher am Ufer, wo das Wasser am -seichtesten ist, sendet die rosenfarbne <em class="antiqua">Persecaria</em> ihre prächtigen -Blüthen empor, deren Stiele sich unter der Wasserfläche -hinranken, man sieht die rothen Stengel und glatten -dunkelgrünen, an der untern Fläche rosenroth geaderten -Blätter; es ist eine höchst reizende Varietät dieser -schönen Pflanzen-Gattung. Auf diese folgt eine Schicht -weißer Nymphäen, meine Lieblinge, alle in voller Blüthe, -die auf dem Wasser schwimmen und ihre gefüllten Blumenkronen -an der Sonne entfalten; unweit dieser erhebt -sich in stolzer Schöne eine hohe schlanke Pflanze, mit -dunkelgrünen lanzettförmigen Blättern und einer dicken -Aehre von hellblauen Blüthen. Ich kann den Namen dieser -prächtigen Blume nicht ausfindig machen und habe leider -ihren botanischen Bau nicht untersucht, daher ich Ihnen -keinen näheren Aufschluß zur Auffindung ihres Namens -und ihrer Gattung geben kann.</p> - -<p>Unsre Reis-Beete verdienen ebenfalls Bewunderung; -aus der Ferne gesehen, erscheinen sie wie grüne Inseln -auf den Seen, nimmt man seinen Weg über ein solches -Beet, wenn der Reis in der Blüthe steht, so gewährt dieser, -mit seinen breiten grasigen Blättern und leichten wogenden -Aehren einen lieblichen Anblick; die Aehren sind mit -blaßgelben oder grünen, zart purpurröthlich schattirten Blumen -besetzt, aus welchen drei zierliche strohfarbne Staubfäden -hervorragen, die sich bei jedem Lufthauch, bei der -leichtesten Erschütterung des Wassers hin und her bewegen. -Ich sammelte mehre Aehren, die sich eben erst geöffnet, aber -leider zerbröckelten sie bald nach der Trocknung. Nächsten -Sommer werde ich einen abermaligen Versuch machen, -einige zu trocknen, und vielleicht dürfte ich einen bessern -Erfolg haben.</p> - -<p>Das niedrige Ufer des Sees ist über und über mit -Strauchwerk und Stauden überzogen. Wir haben ein -recht hübsches Johanniskraut, mit schönen gelben Blumen. - <span class="pagenum"><a id="Page_p268">[S. 268]</a></span> -Auch schöne Geisblatt-Arten kamen hier vor, Strauch-Gewächse -von ungefähr drei Fuß Höhe; die Blüthen -stehen in Pärchen oder zu vieren und hängen unterhalb -der lichtgrünen Blätter; sie sind zierlich trompetenförmig -und zart grünlich weiß, es folgen ihnen rubinrothe -Beeren. Betrachtet man einen Zweig dieser Pflanze, so -fällt besonders die zierliche Anordnung der Blüthen längs -dem untern Theil der Stengel in die Augen, die beiden -Blüthen sind an den Nectarien auf eine eigenthümliche -Weise mit einander verbunden. Die Amerikaner nennen -diese Geisblatt-Art <em class="antiqua">twinflower</em> (Zwillingsblume). Ich -habe unter den Blüthen derselben einige rosenrothe bemerkt, -im Ganzen genommen ist sie einer der schönsten -Ziersträucher, welche wir besitzen. Ich verpflanzte im -letzten Frühjahr einige junge Exemplare in meinen Garten, -und sie versprechen ein gutes Gedeihen. In <em class="gesperrt">Pursh's</em> -Flora finde ich nirgends eine Beschreibung davon; indeß weiß -ich gewiß, daß das Gewächs zu den Geisblatt-Arten gehört, -Klasse und Ordnung, Gestalt und Farbe der Blätter, -die Blüthenstengel, die trompetenförmigen Blumen, alle -gleichen einigermaßen unserm heimathlichen Geisblatt.</p> - -<p>Ferner ist ein hoher, gerade aufschießender Strauch, -mit großen gelben trompetenartigen Blüthen zu erwähnen, -welche an den Zweigspitzen erscheinen; das Involucrum -(Hülle) bildet einen bootförmigen Becher, welcher -die Blüthen, die daraus zu entspringen scheinen, wie bei -unserm scharlachblumigen Jelängerjelieber, kreisförmig umschließt. -Blätter und Blüthen dieser Gewächse sind grob -und keineswegs mit denen der zuerst beschriebnen Art zu -vergleichen.</p> - -<p>Wir haben eine große Mannigfaltigkeit von merkwürdigen -Orchiden (Ragwurz): gelbe, braune blaßfleischfarbne -und scharlachstreifige; eine weiße von trefflichem -Geruch, und eine zarte rosenrothe, mit einem runden Blumenköpfchen -und zart gefranzten Blumen, wie die Wasser-Nelken, -welche in unsern Sümpfen wachsen; dies ist - <span class="pagenum"><a id="Page_p269">[S. 269]</a></span> -eine allerliebste Blume, sie kommt auf den Biber-Wiesen -vor.</p> - -<p>Letzten Herbst bemerkte ich in dem Fichten-Wäldchen -unfern unsrer Wohnung ein höchst merkwürdiges Gewächs, -es kam mit nackten braunen Stämmchen, die -sich wie die Aeste eines Baumes <em class="antiqua">en miniature</em> verbreiteten, -aus der Erde hervor; die Stengel und Stiele dieser -Pflanze waren braun, leicht gefleckt und mit kleinen -Knötchen besetzt. Ich beobachtete aufmerksam und mit -nicht geringem Interesse das Fortschreiten ihres Wachsthums -und Reifens bis ziemlich Ende Oktobers; die kleinen -Knötchen, die aus zwei eckigen, harten Hüllen bestanden, -und wenn man sie völlig ablößte, Aehnlichkeit mit -einem Boote hatten, bersteten entzwei und ließen eine -blaßstrohgelbe, spreuartige Substanz, die wie feine Sägespähne -aussah, wahrnehmen, wahrscheinlich waren dies -die Antheren (Staubwege), jedoch glichen sie mehr Samen; -dieses sonderbare Gewächs hätte mit einem Mikroscop -untersucht werden sollen. Eine Eigenthümlichkeit, -die ich bemerkte, war, daß ich beim Ausreißen eines Exemplars -mit der Wurzel, dies Blüthen sich unter der Erde -öffnen sah, sie entsprangen von den untersten Enden der -Blumenstiele und waren in ihrer Reife eben so weit vorgeschritten, -als die, welche an den überirdischen Stengeln -saßen; ausgenommen, daß sie etwas bleicher waren, ein -leicht erklärlicher Umstand, da die Luft nicht auf sie einwirken -konnte. Ich kann keine Beschreibung von dieser -Pflanze finden, auch scheint Niemand außer mir Notiz -davon genommen zu haben. Das Exemplar, welches ich -für Sie bestimmt hatte, zerbröckelte, als es trocken war.</p> - -<p>Ich habe versprochen, einige der merkwürdigsten der -hier wachsenden Blumen für einen der Professoren an -der Universität Edinburg zu sammeln.</p> - -<p>Wir haben eine sehr schöne Pflanze, die unsrer -Kartoffel in ihrem Blüthen-Bau sehr verwandt zu sein -scheint; sie wird in günstigen Lagen zwei bis drei Fuß - <span class="pagenum"><a id="Page_p270">[S. 270]</a></span> -hoch und sendet manche Seitenzweige ab; die Blumen -sind groß, rein weiß, nahe am Boden der Corolle (Blumenkrone) -mit bräunlichgelben Flecken gezeichnet, die Blumenkrone -ist ganz (ungetheilt); jedenfalls ist dieses Gewächs -von der cultivirten Kartoffel nicht verschieden (?!), jedoch -scheinen sich an seiner Wurzel keine Knollen zu bilden. -Die Frucht ist sehr schön, eiförmig und nach erlangter -Reife schön apricosenfarben und von glänzendem lockendem -Ansehn; der Geruch indeß verräth ihre giftige Natur: -öffnet man sie, so bemerkt man einen weichen Brei, der -mit glänzend schwarzen Samen gehüllt ist. Die Pflanze -blüht vom Juni an, bis die ersten Fröste ihre Blätter -welken machen; sie ist bei weitem nicht so grob als die -Kartoffel; die Blüthe gleicht, sobald sie sich völlig entfaltet, -einem halben Kronenstück und ist ganz flach, -ich glaube man nennt dies präsentirtellerförmig. Leichter -lehmiger Boden sagt ihr vorzüglich zu, sie wächst auf den -aufwärts gekehrten Wurzeln umgestürzter Bäume, wo das -Erdreich etwas sandig ist; ich habe sie nie anderswo als -auf unsrer eignen Brache gesehn.</p> - -<p>Die Hepatica (<em class="antiqua">Anemone hepatica</em>, Leber-Anemone), -ist die erste Blume des canadischen Frühlings; sie erfreut -uns mit ihren blauen, rothen und weißen Blumen schon -in den ersten Tagen des Aprils, nachdem der Schnee kaum -von der Erde gewichen ist. Die Canadier nennen sie Schneeblume, -(<em class="antiqua">snow flower</em>) weil sie, wie eben gesagt worden, -bald nach Entfernung des Schnees erscheint. Wir sehen -ihre lieblichen Bouquets in den offnen Lichtungen und -den Tiefen des Waldes; auch ihre Blätter sind eine dauernde -Zierde in der milden Jahreszeit; man sieht sie auf -jedem kleinen Rasen-Hügel, jeder moosbedeckten Wurzel; die -blauen Nuancen sind äußerst mannigfaltig und zart; die -weißen Staubwege stechen gefällig von den blauen Blumen-Blättern -ab.</p> - -<p>Die Wald-Kresse, oder Ingwer-Kresse (<em class="antiqua">ginger cress</em>) -ist eine hübsche weiße Kreuzblume, und äußerst - <span class="pagenum"><a id="Page_p271">[S. 271]</a></span> -aromatisch; sie hat eine weiße, fleischfarbige Wurzel von -stechendem meerrettigartigem Geschmack. Die Blätter sind -mattgrün, scharf eingekerbt und dreilappig. Reiche feuchte -Dammerde sagt dieser Pflanze am besten zu, und man -findet sie hauptsächlich auf niedrigem, etwas morastigem -Boden; der Blüthenstengel ist bisweilen nackt, bisweilen -mit Blättern besetzt und endet mit einer losen Aehre von -weißlichen kreuzförmigen Blumen.</p> - -<p>Es giebt hier auch eine Kresse, welche in hübschen -grünen Büscheln auf dem Boden des Wassers in Buchten -und Bächen wächst. Sie ist zarter und von angenehmerem -Geschmack als irgend eine Land-Kresse; die Blätter -zeigen ein blasses, zartes Grün, sind geflügelt und schlank; -die Pflanze nimmt sich unter dem Wasser wie ein grünes -Kissen aus. Die Blumen sind gelb, kreuzförmig und -unbedeutend. Sie giebt in der ersten Hälfte des Frühlings -und im Herbste einen recht angenehmen Sallat. -Außerdem kommen mehre Arten Land-Kresse vor, desgleichen -einige Gewächse, die einigen unsrer Kohl- und Kraut-Arten -gleichen und als Frühjahrs-Gemüse benutzt werden -dürften. Ferner findet man verschiedne Spinat-Arten: -eine davon ist hier, unter dem Namen <em class="antiqua">Lamb's quarter</em> -(Lamms-Viertel) bekannt; sie wächst in beträchtlicher -Menge um unsre Gärten, und wird in reicherem Boden -zwei Fuß hoch; ihr Blätterwuchs ist äußerst üppig. Die -ersten Triebe dieser Pflanze werden an Schweinfleisch gekocht -und sind in Ermangelung zarterer Gemüse-Arten -sehr nützlich.</p> - -<p>Ferner haben wir die indianische Rübe, eine sehr -schöne Aron-Wurz (<em class="antiqua">Arum</em>), deren Wurzel, gekocht, der -Cassave gleichen soll; die Blätter derselben nehmen sich -recht hübsch aus, sie zeichnen sich durch einen schwachen -Purpur-Schein aus; die Indianer brauchen die -Wurzel als Medicin, und auch als Nahrungs-Mittel; -die Ansiedler essen sie oft als Gemüse; ich selbst habe sie - <span class="pagenum"><a id="Page_p272">[S. 272]</a></span> -noch nie gekostet. <em class="gesperrt">Pursh</em> nennt diese Art <em class="antiqua">Arum atropurpureum</em>.</p> - -<p>Ich darf hier eine unsrer größten Zierden nicht übergehen, -nämlich den Erdbeerspinat<a id="FNanchor_51_51"></a><a href="#Footnote_51_51" class="fnanchor">[51]</a>, oder den indianischen -Erdbeerstrauch, wie er verschiedentlich genannt wird. -Dieses Gewächs treibt aus einem Hauptstamme viele -Seiten-Aeste, die mit schönen Blättern besetzt sind und -ihrer äußern Erscheinung nach unserm langblättrigen Garten-Spinat -gleichen, die Frucht dieses Strauches ist hell carmosinroth -und breiartig, wie die Erdbeere, und enthält eine -Anzahl purpurfarbner Samen, die theilweise in der Oberfläche -des Fleisches sitzen, gerade so wie die Samen der -Erdbeere. Die Früchte sitzen dicht am Stengel, umgeben -ihn vollkommen und bilden eine reiche Aehre von -schönrothen Beeren. Ich habe fußlange Zweige gepflückt, -die dicht mit diesen schönen Beeren bedeckt waren, und -bedauerte nur, daß ich sie wegen ihres faden Geschmacks -nicht essen konnte. An den Ufern der Einbuchten und -auf reicherem Boden wächst dieser Erdbeerstrauch sehr üppig, -eine einzige Wurzel treibt zwanzig bis dreißig Aeste empor, -die sich unter dem Gewicht ihrer schönen Bürde niederbeugen. -Wenn die mittlern und obern Stengel reifen -und abwelken, wachsen die Seiten-Aeste in die Höhe, und -so trägt der Strauch vom Juli an ununterbrochen Früchte, -bis im September die Fröste ihn seiner Schöne berauben.</p> - -<p>Die Indianer benutzen den Saft dieser Pflanze zum -färben und sollen auch die Beeren essen; man bedient -sich ihres Saftes oft als rother Tinte, allein er verschießt -sehr schnell, wofern er nicht mit Alaun vermischt ist. Eine -meiner Freundinnen erzählte mir, daß sie einen Brief an -einen ihrer Verwandten in England mit dieser Erdbeer-Tinte -durchkreuzt<a id="FNanchor_52_52"></a><a href="#Footnote_52_52" class="fnanchor">[52]</a>, allein da sie nicht die Vorsicht beobachtet, - <span class="pagenum"><a id="Page_p273">[S. 273]</a></span> -denselben zu fixiren, so sei die eine Hälfte des -sehnlich erwarteten Sendschreibens, als es endlich an seine -Adresse gelangt, weil die rothe Tinte fast ganz verschossen, -durchaus unleserlich gewesen; und so habe es, anstatt -den gehegten Erwartungen zu genügen, dem Leser nur -Quälerei und Verwirrung, und ihr selbst Verdruß und -Aerger verursacht.</p> - -<p>Die Blutwurzel, (<em class="antiqua">Sanguinaria</em>) oder <em class="antiqua">puccoon</em>, wie -sie von einigen der eingebornen Stämme genannt wird, -verdient von der Blüthe bis zur Wurzel unsre Aufmerksamkeit. -Sobald als die April-Sonne den Erdboden -erwärmt und von seinen eisigen Fesseln befreit hat, gewahrt -man eine Anzahl rein weißer Knospen, die auf -nackten Stielen stehen und theilweise in ein schönes, rebenartig -gestaltetes Blatt gehüllt sind. Das Blatt ist -blaß bräunlichgrün und an der untern Seite seltsam mit -blaß orangenfarbnen Adern bezeichnet, es entspringt einzeln -aus einer dicken saftreichen fasrigen Wurzel, die, -wenn man sie zerbricht, aus ihren Poren eine Quantität -hell orangenrothen Saftes ausschwitzt; dieser Saft wird -von den Indianern zum Färben und zur Heilung von -Rheumatismen und Hautausschlägen benutzt. Die Blüthen -der Sanguinaria gleichen dem weißen Crocus sehr -genau; bei ihrem ersten Hervorbrechen wird die Knospe -von dem oben beschriebnen Blatt unterstützt und ist damit -umwickelt; die Blume erhebt sich indeß bald über -ihren Beschützer, während das Blatt, nachdem es seine -Pflicht, als Hülle der zarten Knospe, erfüllt hat, sich zu -seiner vollen Ausdehnung entfaltet. Eine reiche schwarze -Dammerde am Saume der Lichtungen scheint diesem Gewächs -besonders zuzusagen.</p> - -<p>Der scharlachfarbige Akelei ist ebenfalls eine - <span class="pagenum"><a id="Page_p274">[S. 274]</a></span> -Lieblings-Blume von mir; sie ist hellroth, mit gelben Streifen -an den Röhren. Die Nectarien sind länger als bei -dem Garten-Akelei, und bilden eine an den Spitzen mit -kleinen Kugeln besetzte Mauer-Krone. Gewiß verdient -der Akelei, mit seinen glänzenden hängenden Blumen, eine -schlanke, zierliche Pflanze genannt zu werden; er wächst -im Sonnenschein eben so gut als im Schatten, jedoch -wohl nicht in tiefen schattigen Wäldern, sondern da, wo -das Unterholz durch das laufende Feuer oder die Axt des -Holzfällers entfernt worden ist; er scheint sogar auf armem -steinigen Boden fortzukommen und ist fast um jede -Wohnstätte herum zu finden. Der gefiederte Akelei liebt -nassen, freien Moorboden und die Ufer der Bäche; er erreicht -eine Höhe von drei, ja sogar vier und fünf Fuß, -und ist eine wahre Zierde.</p> - -<p>Veilchen haben wir von jeder Größe und Gestalt, -nur das wohlriechende Veilchen (<em class="antiqua">Vîola odorata</em>) unsrer -heimathlichen Wälder fehlt uns; doch wüßte ich nicht, -warum wir mit diesen zarten Töchtern des Frühlings -hadern sollten, weil sie nicht mit dem Wohlgeruch ihrer -mehr begünstigten Schwestern begabt sind. Viele Ihrer -Waldveilchen, obwohl äußerst schön, sind ebenfalls geruchlos, -hier muß die Mannigfaltigkeit der Farben für den -Mangel an Parfume einigermaßen Ersatz leisten. Wir -haben Veilchen von jedem Blau, einige mit Purpur gestreift, -andre mit dunklerem Blau schattirt. Wir haben -das zarte, mit Purpur gezeichnete, das hell schwefelgelbe -schwarzgeaderte, das blaßgelbe dunkelblaugeaderte Veilchen; -die beiden letzten zeichnen sich durch den üppigen Wuchs -ihrer Blätter aus; die Blüthen entspringen büschelweise, -also mehre aus jedem Gelenk, und hinterlassen nach ihrem -Abwelken große, mit einem dicken weißen baumwollenartigen -Flaum bedeckte Samen-Kapseln.</p> - -<p>In den Wäldern kommt ein Veilchen vor, dessen -Blätter außerordentlich groß sind; dasselbe gilt von den -Samen-Gefäßen; dagegen ist die Blüthe so klein und - <span class="pagenum"><a id="Page_p275">[S. 275]</a></span> -unbedeutend, daß man sie blos bei genauerer Untersuchung -der Pflanze wahrnimmt; dies hat zu dem Glauben Veranlassung -gegeben, daß das fragliche Veilchen (seine Blumen -sind blaß grünlichgelb,) unterirdische Blüthen habe. -<em class="gesperrt">Bryant's</em> schönes Gedicht »<em class="gesperrt">das gelbe Veilchen</em>« -enthält eine genaue Schilderung von den zuerst erwähnten -Veilchen.</p> - -<p>Man findet hier ein hübsches Stiefmütterchen (<em class="antiqua">Viola -tricolor</em>), welches im Herbste blüht. Seine Farben sind -Reinweiß, Blaßpurpurn und Blaßviolett, die obern Blumen-Blätter -sind weiß, die Unter-Lippe (die untern -Blumenblätter,) purpurn, und die Flügel (seitlichen Blumenblätter) -röthlich blaßviolett. Die Schönheit dieser -seltnen Blume fesselte mein Auge, als ich während -unsrer Reise nach Cobourg einen Abstecher nach Peterborough -machte; ich war nicht im Stande, die gesammelten -Exemplare zu erhalten, und habe seitdem jene -Straße nicht wieder bereist. Die Blume wuchs unter -wildem Klee, auf der offnen Seite der Straße; die Blätter -waren klein, rundlich und matt dunkelgrün.</p> - -<p>Unter den strauchartigen Astern haben wir verschiedne -schöne Varietäten, mit großen, blaß hollunderblauen oder -weißen Blumen; noch andre haben sehr kleine weiße -Blumen und carmosinrothe Antheren, welche wie rothe, -mit Goldstaub bepuderte Flaum-Büschel erscheinen. Diese -Staubwege stechen gegen die weißen, sternartig angeordneten -Blumen-Blätter sehr angenehm ab. Eine Varietät -der hochstämmigen Aster kommt auf den Ebnen -vor, sie hat Blüthen von der Größe eines Sexpence-Stückes -und von sanft perlblauer Farbe, mit braunen -Staubwegen. Diese Pflanze erreicht eine ansehnliche -Höhe, und von den Hauptstämmen gehen zahlreiche zierliche -Blüthenäste ab; die Blätter dieser Art sind an der -untern Seite purpurroth, fast herzförmig gestaltet und -eben so wie die Stengel mit feinen Härchen besetzt.</p> - -<p>Ich fürchte nicht, Ihnen mit meinen botanischen - <span class="pagenum"><a id="Page_p276">[S. 276]</a></span> -Skitzen beschwerlich zu werden; ich habe noch mehre -Pflanzen zu beschreiben: unter diesen sind jene zierlichen -kleinen Immergrün-Arten, wovon, unter dem Namen -Winter-Immergrün dieses Land Ueberfluß hat; drei oder -vier zeichnen sich durch ihr schönes Laubwerk, ihre schönen -Blumen und Früchte vorzüglich aus. Eins dieser Winter-Grüne, -welches sehr häufig in unsern Fichten-Wäldern -wächst, ist außerordentlich schön; es wird selten über -sechs Zoll hoch; die Blätter sind hell glänzendgrün, lang, -schmal, eiförmig und zart gekerbt, wie ein Rosen-Blatt; -die Pflanze kommt in den ersten Monaten des -Jahres beim ersten Thauwetter unter dem Schnee hervor, -eben so frisch und grün wie zuvor, als sie unter der -weißen Decke begraben wurde. Es scheint selten zu blühen. -Ich habe es nur zweimal in der Blüthe gesehen; diese -blühenden Exemplare hob ich sorgfältig für Sie auf, aber -die getrocknete Pflanze kann Ihnen blos eine unvollkommne -Vorstellung von dem geben, was sie einst in ihrer -Frische und Schönheit war. Ich erinnere mich noch -recht gut, daß Sie Ihre getrockneten Exemplare immer -nur Pflanzen-Leichname nannten, und dabei bemerkten, -daß gute Gemälde davon der Wirklichkeit weit näher -kämen. Der Blüthenstengel erhebt sich zwei bis drei -Zoll über den Mittelpunkt der Pflanze und ist mit runden -carmosinrothen Knospen und Blüthen gekrönt. Die -Blüthe besteht aus fünf Blumen-Blättern, deren Farbe -sich vom blassesten Rosenroth bis zum dunkelsten Incarnat -vertieft; die Narbe (Stigma) ist smaragdgrün und -bildet gleichsam einen schwach gerippten Turban in der -Mitte; um dieselbe stehen zehn amethystfarbene Staubfäden, -kurz dies ist eine von den Juwelen der Blumen-Welt, -und ließe sich mit einem von Amethysten umgebnen -Smaragd-Ringe vergleichen. Der Farben-Contrast -bei dieser Blume ist äußerst angenehm und gefällig, und -die schönrothen Knospen und glänzenden, immer grünen -Blätter erregen fast die nämliche Bewunderung, wie die - <span class="pagenum"><a id="Page_p277">[S. 277]</a></span> -Blüthe. Sie würden dieses schöne Gewächs gewiß für -einen großen Gewinn für Ihre Sammlung von amerikanischen -Sträuchern halten, allein ich zweifle, daß es, entfernt -aus den Schatten der Fichten-Wälder, zur Blüthe -kommen würde. Es scheint die von <em class="gesperrt">Pursh</em> beschriebne -<em class="antiqua">Chimaphila corymbosa</em> zu sein, nur daß dieser Botaniker -in Angabe der Farbe der Blumen-Blätter von den -meinigen etwas abweicht.</p> - -<p>Ein andres bei uns heimisches Wintergrün wächst -in großer Menge auf den Reis-Ebnen; diese Pflanze -wird nicht über vier Zoll hoch; die Blüthen stehen in -kleinen losen Büscheln, sind blaß grünlich weiß und gleichen -in Gestalt den Blüthen der Sandbeere (<em class="antiqua">Arbutus</em>); -die Beeren sind hell scharlachroth und unter dem Namen -Winter- und Rebhuhn-Beere bekannt; jedenfalls ist dies -die <em class="antiqua">Gualtheria procumbens</em>. Ein noch schöneres kleines -Immergrün derselben Gattung wächst in unsern -Cedern-Mooren, unter dem Namen Tauben-Beere (<em class="antiqua">pigeon-berry</em>), -es gleicht der Sandbeere in Blatt und -Blüthe mehr als die zuvor erwähnte Pflanze; die scharlachrothe -Beere sitzt in einem Kelche oder Behälter, der -am Rande in fünf Spitzen ausläuft, fleischig ist, und -mit der Frucht selbst von einerlei Beschaffenheit zu sein -scheint. Die Blüthen dieses hübschen kleinen Strauches -erscheinen, wie die des Arbutus, wovon er gleichsam das -Miniatur-Bild ist, in hängenden Büscheln zu der nämlichen -Zeit, wo die Beere des vorigen Jahres ihre vollkommne -Reife erlangt hat; dieser Umstand trägt nicht -wenig zu der reizenden Erscheinung der Pflanze bei. -Wenn ich mich nicht irre, so ist es die <em class="antiqua">Gualtheria Shallon</em>, -welche <em class="gesperrt">Pursh</em> mit dem <em class="antiqua">Arbutus</em> vergleicht; sie gehört -ebenfalls zu unsern Immergrünen.</p> - -<p>Wir haben ferner eine niedliche kriechende Pflanze, -mit zarten kleinen trichterförmigen Blumen und einem -Ueberfluß an kleinen dunkelgrünen runden buntfarbigen -Knospen und hellrothen Beeren, die an den Zweig-Enden - <span class="pagenum"><a id="Page_p278">[S. 278]</a></span> -sitzen. Die Blüthen dieser Pflanze stehen paarweise -und sind am Fruchtknoten so eng mit einander verbunden, -daß die scharlachrothe Frucht, welche der Blüthe folgt, -einer doppelten Beere gleicht, — jede Beere enthält die -Samen beider Blüthen und ein doppeltes Auge. Die -Pflanze wird auch Winter-Grün oder Zwillings-Beere -(<em class="antiqua">twin-berry</em>) genannt; sie gleicht keinem der andern -Wintergrüne; sie wächst in moosreichen Wäldern, kriecht -an der Erde hin und scheint gern kleine Hügelchen und -Ungleichheiten des Bodens zu überziehen. In Zierlichkeit -des Wuchses, Zartheit der Blume und Farbenglanz -der Beere, steht dieses Wintergrün den zuvor beschriebnen -wenig nach.</p> - -<p>In unsern Wäldern kommt eine Pflanze vor, welche -unter dem Namen <em class="antiqua">Man-drake</em> (Mandragore), <em class="antiqua">May-apple</em> -(Mai-Apfel) und <em class="antiqua">ducks-foot</em> (Enten-Fuß) bekannt ist. -Die Botaniker nennen sie Podophyllum<a id="FNanchor_53_53"></a><a href="#Footnote_53_53" class="fnanchor">[53]</a>, und sie gehört, -was Klasse und Ordnung betrifft, der <em class="antiqua">Polyandria -monogynia</em> an. Ihre Blüthe ist gelblich weiß, die Blumenkrone -besteht aus sechs Blumen-Blättern; die Frucht -ist länglichrund und, reif, grünlich gelb; in Größe gleicht -dieselbe einer Olive, oder großen Mandel; nach Erlangung -ihrer völligen Reife schmeckt sie, wie eingemachte -Tamarinden, angenehm säuerlich; sie scheint wenig zu -tragen, wiewohl sie auf reichem nassem Waldboden schnell -überhand nimmt. Die handförmigen Blätter kommen einzeln -hervor, und beschatten, stehen mehre Pflanzen beisammen, -den Boden ziemlich dicht, sind mit ihrem Mittelpunkt -an den Blattstiel befestigt und gleichen, wenn -sie zuerst über der Erde erscheinen, zusammen gefalteten -Regen- oder Sonnen-Schirmen, indem ihre Kanten -sämmtlich abwärts stehen, mit der Zeit entfalten sie sich - <span class="pagenum"><a id="Page_p279">[S. 279]</a></span> -und bilden eben so viele kleine, schwach convexe Baldachins. -Die Frucht dürfte sich mit Zucker sehr gut zum -Einmachen eignen.</p> - -<p>Das Lilien-Geschlecht bietet eine große Mannigfaltigkeit, -von den kleinsten bis zu den größten Blumen, dar. -Die rothe Martagon-Lilie (Gelbwurz) wächst in großer -Menge auf unsern Ebnen. Der gemeine Hundszahn -(<em class="antiqua">Erythronium dens canis</em>), mit seinen gefleckten Blättern, -glockenförmigen hängenden, gelben, inwendig mit -hochrothen Tüpfeln zart gefleckten und auswendig mit -feinen Purpur-Linien gezeichneten Blumen, verleiht -unsern Wäldern, wo er sich schnell vermehrt, einen -großen Reiz; er bildet ein schönes Blumenbeet, die -Blätter kommen einzeln hervor, von jeder besondern -Knolle eins. Es giebt zwei Varietäten von dieser Pflanze, -die blaßgelbe, ohne Tüpfeln und Linien, und die dunkelgelbe, -mit Tüpfeln und Linien; die Staubwege der letztern -sind röthlich orangenfarben und dick mit feinen -Blumenstaub bepudert<a id="FNanchor_54_54"></a><a href="#Footnote_54_54" class="fnanchor">[54]</a>.</p> - -<p>Der Daffodil unsrer Wälder ist eine zarte hängende, -blaßgelbe Blume; die Blätter stehen längs dem Blumenschaft, -von einer Entfernung zur andern; drei oder mehre -Blüthen folgen gewöhnlich an der Spitze des Schaftes, -eine nach der andern; dieses Gewächs liebt dunkelschattige, -feuchte Waldstellen.</p> - -<p>Eine sehr schöne Pflanze, dem Lilien-Geschlecht angehörig, -wächst in großer Menge in unsern Wäldern und -Lichtungen; in Ermangelung eines passenderen Namens -nenne ich dieselbe <em class="gesperrt">Douri-Lilie</em>, wiewohl sie weit über - <span class="pagenum"><a id="Page_p280">[S. 280]</a></span> -einen großen Theil des Continents verbreitet ist. Die -Amerikaner nennen die weiße und rothe Spielart dieser -Species »weißen und rothen Tod.« Die Blume ist -entweder dunkelroth oder glänzend weiß, jedoch findet -man die weiße bisweilen mit einem zarten Rosenroth oder -einem dunkeln Grün betupft; letztere Farbe scheint durch -den Uebergang des Kelches in das Blumen-Blatt bewirkt -zu werden. Warum sie einen so furchtbaren Namen erhalten, -ist mir bis jetzt ein Räthsel geblieben. Die -Blumenkrone besteht aus drei Blumen-Blättern, der -Kelch ist dreitheilig; sie gehört der <em class="antiqua">Hexandria monogynia</em> -an, der Griffel ist dreispaltig; der Samenbehälter -dreiklappig; sie liebt drockne Wälder und gelichteten Boden; -die Blätter stehen zu dreien, entspringen von den -Gelenken, sind groß, rund und an den Enden etwas zugespitzt.</p> - -<p>Wir haben Mai-Blumen (<em class="antiqua">lilies of the valley</em>) -und die mit ihnen zugleich erscheinende Meisterwurz, einen -kleinblumigen Türkenbund von blaßgelber Farbe, nebst -einer endlosen Mannigfaltigkeit von kleinen Liliaceen, die -sich sowohl durch ihre schönen Blätter als ihre zarten -Formen auszeichnen.</p> - -<p>Unsre Farnkräuter sind sehr zierlich gestaltet und -zahlreich; ich habe nicht weniger als acht verschiedne Arten -in unsrer unmittelbaren Nachbarschaft gesammelt; -einige davon nehmen sich ganz allerliebst aus, vorzüglich -eine, welche ich wegen ihrer leichten zierlichen Form »Elfen-Farn« -(<em class="antiqua">fairy-fern</em>) nenne. Ein elastischer Stamm -von purpurartigem Roth trägt mehre leichte Seiten-Zweige, -die sich mannigfaltig verästeln und mit zahllosen -Blättchen besetzt sind; jedes Blättchen hat einen Stiel, -welcher es mit dem Zweige verbindet, und dieser Stiel ist -so leicht und haarartig, daß der leiseste Luftzug die ganze -Pflanze in Bewegung setzt.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p281">[S. 281]</a></span></p> - -<p>Könnte man sich nur einbilden, daß Canada einst der -Schauplatz von Elfen-Festen gewesen, so würde ich ohne -weiteres behaupten, daß dieses zierliche Gewächs sich wohl -geeignet, den Elfen-Hof von <em class="gesperrt">Oberon</em> und <em class="gesperrt">Titania</em> -zu beschatten.</p> - -<p>Wenn dieses Farnkraut zuerst über der Erde erscheint, -so ist es von dem verwitterten Holze der umgestürzten -Fichten kaum zu unterscheiden; es hat dann eine -licht röthlichbraune Farbe und ist seltsam zusammengerollt. -Im Mai und Juni entfalten sich die Blätter -und nehmen bald das zarteste Grün an; sie sind fast -durchsichtig; das Vieh frißt sehr gern davon.</p> - -<p>Die Mocassin-Blume (Ginster) Frauen-Schuh<a id="FNanchor_55_55"></a><a href="#Footnote_55_55" class="fnanchor">[55]</a>, -(bemerken Sie die seltsame Aehnlichkeit zwischen der indianischen -und unsrer Benennung der Pflanze) ist eine unsrer -bemerkenswerthesten Blumen, sowohl wegen ihres eigenthümlichen -Baues als auch wegen ihrer Schönheit. -Unsre Ebnen und trocknen sonnigen Weideplätze bringen -verschiedne Spielarten hervor; unter diesen sind der gelbe -Frauen-Schuh<a id="FNanchor_56_56"></a><a href="#Footnote_56_56" class="fnanchor">[56]</a>, (<em class="antiqua">Cypripedium pubescens</em>) und <em class="antiqua">Cypripedium -Arietinum</em> die schönsten.</p> - -<p>Die Honiglippe des erstern ist lebhaft canariengelb -und mit dunkel carmosinrothen Flecken betupft. Die -obern Blumen-Blätter bestehen in zwei kurzen und zwei -langen; in Gefüge und Farbe gleichen sie der Scheide -von einigen der Narzissen-Gattungen; die kurzen stehen -aufrecht, wie ein paar Ohren, die langen oder seitlichen -sind dreimal so lang als die erstern, sehr schmal und zierlich -gewunden, wie die spiralförmigen Hörner des wallachischen -Widders; lüftet man eine dicke gelbe fleischige -Art von Deckel, in der Mitte der Blume, so sieht man</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p282">[S. 282]</a></span></p> - -<p>das genaue Gesicht eines indianischen Hundes, vollkommen -in allen seinen Theilen, — Nase, Augen und -Schnauze; darunter hängt ein offner Sack herab, der -rings um die Oeffnung leicht zusammen gezogen ist, wodurch -er ein hohles und bauchiges Ansehn erhält; die innere -Seite dieses Sackes ist zart mit Dunkelcarmosin -getupft oder schwarz gefleckt; der Blumen-Schaft schwillt -nach oben zu an und bildet eine Krümmung; die Blätter -sind groß, oval, etwas zugespitzt und gerippt. Die -Pflanze wird nicht viel über sechs Zoll hoch; die schöne -Farbe und das seidenartige Gewebe der Unterlippe oder -des Sackes macht, daß ich für meinen Theil ihrer Blüthe -den Vorzug vor der purpurnen und weißen Varietät -gebe, wiewohl letztre wegen der Größe der Blume und -der Blätter, außer dem Contrast zwischen der weißen und -rothen oder weißen und purpurnen Farbe, weit mehr in -die Augen fällt.</p> - -<p>In Bildung und Structur gleicht diese Species -der andern, nur mit dem Unterschiede, daß die Hörner -nicht gewunden sind, und das Gesicht mehr dem eines -Affen ähnelt; sogar der komische Ausdruck des Thieres ist -mit so bewundernswürdiger Treue nachgeahmt, daß man -bei Erblickung der seltsamen, unruhig erscheinenden Fratze, -mit ihren schwarzen, unter ihrer Capuze hervorschauenden -Augen, unwillkührlich lächeln muß.</p> - -<p>Diese Pflanzen gehören der <em class="antiqua">Gynandria diandria</em> an; -<em class="gesperrt">Pursh</em> beschreibt sie mit einigen Abweichungen, und -vergleicht z. B. das Gesicht der letztern mit dem des -Schafs; wenn aber ein Schaf zu diesem Gemälde saß, -so muß es das verschmitzteste und boshafteste der ganzen -Heerde gewesen sein.</p> - -<p>Ein seltsames Wasser-Gewächs kommt in seichten, -stockenden und langsam fließenden Gewässern vor; es -enthält ein ganzes Weinglas Wasser. Ein armer -Soldat brachte mir ein Exemplar und fügte die Bemerkung - <span class="pagenum"><a id="Page_p283">[S. 283]</a></span> -hinzu, es gleiche einer Pflanze, die er oft in Egypten -gesehn, und die von den Soldaten »<em class="gesperrt">Soldaten-Becher</em>« -genannt werde, und daß er selbst manchen -Trunk frischen Wassers daraus geschlürft habe.</p> - -<p>Ein andres Exemplar erhielt ich von einem Herrn, -der meine Vorliebe für fremde Gewächse kannte, er gab -ihm sehr passend den Namen Krug-Pflanze (<em class="antiqua">Pitcher-Plant</em>) -höchst wahrscheinlich gehört sie zu dem Geschlecht, -welches diesen Namen führt.</p> - -<p>Die geruchreichsten und würzigsten Blumen sind -unsre wilden Rosen, welche die Luft mit den angenehmsten -Düften füllen, die purpurne Monarde, die von der -Blüthe bis zur Wurzel Wohlgeruch ist, selbst nachdem -sie Monate lang der kalten Winter-Atmosphäre ausgesetzt -gewesen; ihre getrockneten Blätter der Samen-Behälter -sind so aromatisch, daß sie Händen und Kleidern -ihren angenehmen Parfume mittheilen. Alle unsre -Münzen haben einen sehr starken aromatischen Geruch; das -Maiblümchen verbreitet den süßesten Duft; hierher gehören -auch meine Königin der Seen (die weiße Wasser-Lilie) -und ihr Gefährte, der Wasser-König, nebst vielen -andern Blumen, die ich jetzt nicht aufzählen kann. Gewiß -ist indeß, daß es unter einem so großen Verein von -Blumen, verhältnißmäßig nur wenige giebt, welche aromatische -Gerüche aushauchen; einige unsrer Waldbäume -verbreiten einen angenehmen Parfume. Ich bin auf meinen -Spaziergängen oft stehen geblieben, um an sonnigen Tagen -den wohlriechenden Duft von einem Cedern-Moor, -während die dicht verschränkten Aeste und Zweige noch -voll Thautropfen von einem frischgefallnen Schauer hingen, -in vollen Zügen einzuathmen.</p> - -<p>Nicht unerwähnt darf hier die Balsam-Pappel oder -Tacamahac bleiben, welche die Luft um sich her mit -Wohlgerüchen schwängert, vorzüglich wenn die Gummi-Knospen -sich eben zu entfalten anfangen; die - <span class="pagenum"><a id="Page_p284">[S. 284]</a></span> -Balsam-Pappel bildet sich zu einem schönen zierlichen Baume -aus, versteht sich, wo sie Raum genug zur Ausbreitung -ihrer Aeste hat. Sie wächst vorzüglich an den Ufern der -Seen und in offnen Mooren, bildet aber auch eine -Hauptzierde unsrer Ebnen und nimmt sich mit ihren silberfarbigem -runden, wehenden Laube sehr schön aus; -die Rinde schwitzt ein klares Gummi-Harz in durchsichtigen -Kügelchen aus, und die Knospen überziehen sich -mit einer in hohem Grade aromatischen gummösen Flüssigkeit.</p> - -<p>Unsre Gräser verdienen alle Aufmerksamkeit; es giebt -hier Varietäten, die mir ganz neu sind und getrocknet -eine elegante Zierde unsrer Kamine bilden; auf dem Kopfe -einer Dame würden sie sich sehr hübsch ausnehmen, wenn -nur nicht die Mode stets künstlichen Putz dem natürlichen -vorzöge.</p> - -<p>Eine oder zwei Gras-Arten, die ich gesammelt habe, -zeigten, ihre Kleinheit abgerechnet, große Aehnlichkeit mit -dem indianischen Korn; sie haben eine Troddel oder -Quaste, und eine achtseitige Aehre; die kleinen Körner -sind reihenweise um die Spindel angeordnet. Das <em class="antiqua">Sisyrinchium</em> -oder blauäugige Gras hat eine niedliche kleine -azurblaue Blume, mit einem goldfarbigen Fleck an der -Basis jedes Blumenblattes; die Blätter sind steif und -fahnenartig; diese niedliche Pflanze wächst büschelweise -auf leichtem sandigen Boden.</p> - -<p>Ich habe Ihnen in Vorliegendem eine Beschreibung -der bemerkenswerthesten Pflanzen gegeben; und wenn -auch meine Mittheilungen zum Theil der ächt botanischen -Nomenclatur nicht ganz entsprechen mögen, so habe ich sie -doch mindestens gerade so geschildert, wie sie mir erschienen -sind.</p> - -<p>Mein holdes Knäbchen scheint bereits Geschmack an -Blumen zu finden, und ich will diesen so sehr als möglich - <span class="pagenum"><a id="Page_p285">[S. 285]</a></span> -befördern. Botanik ist ein Studium, welches zur -Veredlung und Verfeinerung der Seele beiträgt, es -kann auf eine einfache Weise zur Himmelsleiter gemacht -werden, wenn man ein Kind lehrt, mit Liebe und Bewunderung -auf jenen allmächtigen und gütigen Gott zu -blicken, der die Blumen so schön schuf und bildete, um -diese Erde zu befruchten und zu schmücken.</p> - -<p> -Leben Sie wohl Theuerste Freundin.<br /> -</p> - -<hr class="tb" /> - - -<div class="block0"> -<div class="footnotes"><b>Fußnoten:</b> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_51_51"></a><a href="#FNanchor_51_51"><span class="label">[51]</span></a> <em class="antiqua">Blitum (Strawberry-bearing spinach, Indian Strawberry.)</em></p></div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_52_52"></a><a href="#FNanchor_52_52"><span class="label">[52]</span></a> Die Engländer durchkreuzen häufig in ihren Briefen die -der Quere nach mit schwarzer Tinte geschriebnen Zeilen mit -andern der Länge nach verlaufenden, wozu sie rothe Tinte -nehmen.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_53_53"></a><a href="#FNanchor_53_53"><span class="label">[53]</span></a> Nach <em class="gesperrt">Willdenow</em> ist die Wurzel dieser Pflanze -arzneikräftig.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_54_54"></a><a href="#FNanchor_54_54"><span class="label">[54]</span></a> Der gemeine Hundszahn wächst auch im südlichen Europa. -Die knollige weiße Wurzel ist schleimig und nahrhaft, -sie kann wie der Salep als ein Nahrungsmittel für Entkräftete -und Abzehrende gebraucht werden.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_55_55"></a><a href="#FNanchor_55_55"><span class="label">[55]</span></a> <em class="antiqua">Lady's-slipper.</em></p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_56_56"></a><a href="#FNanchor_56_56"><span class="label">[56]</span></a> <em class="antiqua">The yellow mocassin flower.</em></p> -</div> -</div> -</div> - - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p286">[S. 286]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="no-break" id="Funfzehnter_Brief">Fünfzehnter Brief.</h2> -</div> - -<blockquote> -<p class="p1 font09">Nochmalige Betrachtung verschiedner Punkte. — Fortschritte -der Ansiedlungen. — Canada, das Land der Hoffnung. — Besuch -bei der Familie eines See-Offiziers. — Eichhörnchen. — -Besuch bei einem ausgewanderten Geistlichen; seine Geschichte. — -Schwierigkeiten, womit er Anfangs zu kämpfen hatte. — Temperament, -Charakter und Gewohnheiten der Emigranten sind -von großem Einfluß auf das Gedeihen oder Nichtgedeihen ihrer -Ansiedlung.</p> -</blockquote> - -<p class="p1 rright font09"> -September 26, 1834.<br /> -</p> - -<p>Ich versprach bei meiner Abreise von England, Ihnen -sobald als möglich eine genügende Auskunft von -unsrer Niederlassung in Canada zu geben.</p> - -<p>Ich werde jetzt mein Bestes thun, um meinem Versprechen -nachzukommen, und Ihnen eine kleine Skitze -von unsern Unternehmungen, Thun und Treiben vorzulegen, -nebst solchen Bemerkungen über die natürlichen Züge -des Ortes, wo wir unsre Heimath aufgeschlagen, die -Ihnen, meines Bedünkens, Interesse und Unterhaltung -gewähren dürften. Machen Sie sich also, Theuerste -Freundin, auf einen langen abschweifenden Brief gefaßt, -worin ich etwas von der Natur des Irrlichts zeigen, -und, nachdem ich Sie, mir in meinen regellosen Wanderungen, -—</p> - -<div class="poem"><div class="stanza"> -<span class="i0">Ueber Berg, über Thal,<br /></span> -<span class="i0">Durch Busch und Dorngesträuch,<br /></span> -<span class="i0">Ueber Feld und Auen,<br /></span> -<span class="i0">Durch Fluthen durch Feuer.<br /></span> -</div></div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p287">[S. 287]</a></span></p> -<p>zu folgen bestimmt, Sie möglicher Weise mitten in einem -dichten Cedern-Moor oder in dem pfadlosen Dickichte -unsrer wilden Wälder ohne Führer oder auch nur ein -Zeichen, das Ihnen den Weg andeuten könnte, verlassen -werde.</p> - -<p>Sie werden aus meinen Briefen an meine theure -Mutter, von unsrer glücklichen Ankunft zu Quebec, von -meiner Krankheit zu Montreal, von allen unsern Abentheuern -und Widerwärtigkeiten während unsrer Reise -landeinwärts gehört haben, und wie wir nach einer ermüdenden -Wanderung endlich bei einem liebreichen Verwandten, -den wir, nach einer mehrjährigen Trennung wieder -in die Arme zu schließen, glücklich genug waren, endlich -einen Ruheplatz gefunden.</p> - -<p>Da meinem Gatten sehr viel daran gelegen war, -sich in der Nachbarschaft eines so nahen Verwandten von -mir niederzulassen, indem er wohl denken mochte, daß der -Wald dadurch etwas von jener Einsamkeit verlieren würde, -worüber die meisten Frauen sich so bitter beklagen, so -kaufte er ein Stück Land an den Ufern eines schönen -Sees, dem Gliede einer Kette der kleinen Seen, die dem -Otanabee angehören.</p> - -<p>Hier also haben wir uns angebaut, fünfundzwanzig -Acker unsers Besitzthums sind bereits gelichtet und urbar -gemacht, und ein nettes Häuschen ist ebenfalls seit geraumer -Zeit fertig und dient uns als Schutz und Obdach, -die Lage unsrer Meierei ist sehr angenehm, und jeder Tag -erhöht ihren Werth. Als wir zuerst im Busche anlangten, -hatten wir, mit Ausnahme von S—, blos zwei oder -drei Ansiedler in unsrer Nähe, und an Communications-Wege -war gar nicht zu denken. Die einzige Straße, die -zum Güter-Transport aus dem nächsten Städtchen allenfalls -taugte, lag auf der andern Seite des Wassers, über -welches man auf einem Block- (Log-) Kahn oder einem -Kanoe von Birkenrinde setzen muß. Ersteres ist nichts -weiter als ein mit der Axt ausgehöhlter Fichtenstamm, - <span class="pagenum"><a id="Page_p288">[S. 288]</a></span> -der ungefähr drei oder vier Personen faßt, einen flachen -Kiel hat, schmal ist, und daher sehr gut in seichtem Wasser -gebraucht werden kann. Das Rinden-Canoe ist aus -Birken-Rinden-Schichten gezimmert, welche die Indianer -kunstreich zuzurichten und unter einander zu verbinden -verstehen; Letzteres geschieht durch Zusammennähen, wozu -sie sich der zähen Wurzeln der Ceder, jungen Fichte, oder -Lärche (Tamarack, wie sie von den Eingebornen genannt -wird,) bedienen. Diese Fahrzeuge sind außerordentlich -leicht, so daß sie von zwei Personen, ja von einer, -ohne Mühe getragen werden können. Dies also waren -unsre Fahrböte, gewiß sehr zerbrechliche Fahrzeuge, die zu -ihrer Führung große Geschicklichkeit und Vorsicht erfordern; -sie werden durch Ruderschaufeln in Bewegung gesetzt, -wobei der Rudernde entweder kniet oder steht. Die -Squaws sind in Steuerung der Canoes sehr geübt und -behaupten ihre Balance mit großer Geschicklichkeit, sie -stehen bei ihrer Ruder-Arbeit und steuern in kleinen -leichten Nachen mit großer Geschwindigkeit durch das -Wasser.</p> - -<p>Sehr groß ist die Veränderung, welche wenige Jahre -in unsrer Lage bewirkt haben. Eine Anzahl sehr achtbarer -Ansiedler hat sich längs den Seen angekauft, -so daß es uns nicht länger an Gesellschaft fehlt. Die -Straßen oberhalb unsrer Niederlassung sind jetzt meilenweit -durch den Wald gehauen und können, obschon bei -weitem nicht tadelfrei, mit Wagen und Schlitten bereist -werden und sind doch gewiß besser als gar keine.</p> - -<p>Da, wo früher ein dichter Fichtenwald den Boden -bedeckte, ist ein Dorf wie aus der Erde hervor gesprungen; -wir haben jetzt in geringer Entfernung von unsrer -Meierei eine treffliche Säge-Mühle, eine Grützmühle und -ein Vorraths-Magazin nebst einer Schenke und manchen -hübschen Wohngebäuden.</p> - -<p>Eine hübsche hölzerne Brücke, auf steinernen Pfeilern, -ist im vorigen Winter gebaut worden, um die - <span class="pagenum"><a id="Page_p289">[S. 289]</a></span> -Gemeinde-Bezirke auf beiden Flußufern mit einander -zu verbinden und den Abstand von Peterborough zu vermindern; -und ob sie gleich unglücklicher Weise in der ersten -Hälfte des letzten Frühjahrs durch das ungewöhnliche -Steigen der Otanabee-Seen fort geführt worden ist, -so hat doch ein thätiger und unternehmender junger -Schotte, der Gründer des Dorfes, auf ihren Trümmern -eine neue errichtet.</p> - -<p>Allein das große Werk, welches früher oder später -diesen Theil des Distriktes seinem gegenwärtigen Dunkel -entreißen wird und muß, ist die Eröffnung einer Schiffahrts-Linie -vom Huronen-See durch den Simcoe-See, so -wie durch unsre Kette kleiner Seen bis zum Reis-See und -endlich durch den Tremt bis zur Bay von Quinte. Dieses -großartige Werk dürfte von unberechenbarem Vortheil sein, -indem dadurch eine direkte Communication zwischen dem -Huronen-See und den weiter einwärts im Lande jenseits des -Otanabee gelegnen Gemeinde-Bezirken mit dem St. Laurence -eröffnet werden würde. Dieses Project ist bereits -der Regierung zur Berathung vorgelegt worden und ist -gegenwärtig ein Gegenstand des allgemeinen Gesprächs -im Lande; jedenfalls wird es früher oder später zur Ausführung -kommen. Es ist mit einigen Schwierigkeiten -und Kosten verbunden, wird aber nothwendiger Weise -nicht wenig zum Gedeihen und Wohlstande des Landes -beitragen, und das Mittel zur Ansiedlung der jenseits des -Otanabee längs diesen Seen gelegnen Gemeinde-Bezirken -werden.</p> - -<p>Ich muß es erfahrnern Leuten, als ich bin, überlassen, -die Ersprießlichkeit und Trefflichkeit des fraglichen -Plans zu beurtheilen; und da Sie, wie ich denke, nicht -Willens sind, nach unsern Urwäldern auszuwandern, -so dürfte Ihnen eine flüchtige Andeutung des Unternehmens -genügen, und Sie werden schon aus Freundschaft -zu mir, — dafür stimmen, daß die Eröffnung - <span class="pagenum"><a id="Page_p290">[S. 290]</a></span> -eines Marktes für inländische Erzeugnisse nicht anders als -höchst wünschenswerth sein könne.</p> - -<p>Canada ist das Land der Hoffnung, hier ist alles -neu, alles schreitet hier vorwärts, es ist für Künste und -Wissenschaften, für Ackerbau und Manufacturwesen fast -unmöglich, Rückschritte zu thun; sie müssen beständig -vorwärts gehen, und wenn auch in einigen Theilen -des Landes diese Fortschritte langsam erscheinen mögen, -so sind sie doch in andern verhältnißmäßig eben so reißend.</p> - -<p>Die Thatkraft, der Unternehmungs-Geist der Auswandrer, -besonders in den nur theilweise besiedelten Gemeinde-Bezirken, -wird in fortwährender Anregung erhalten, -ein Umstand, der sie in hohem Grade vor Entmuthigung -und Verzagtheit schützt.</p> - -<p>Die Ankunft eines unternehmenden Mannes wirkt -anspornend auf die um ihn her, eine gewinnversprechende -Speculation kommt in Vorschlag, und siehe, das Land -in der Nachbarschaft steigt an Werth um das Doppelte, -ja Dreifache gegen früher; auf diese Weise befreundet -und fördert er ohne gerade die Absicht zu haben, seine -Nachbarn; die Pläne eines Ansiedlers sind, so bald sie -in Ausführung treten, für viele wohlthätig. Wir haben -bereits die wohlthätige Wirkung der Ansiedlung neuer -achtbarer Emigranten in unserm Gemeinde-Bezirk gefühlt, -indem der Werth unsers Boden-Eigenthums dadurch -um das Dreifache gestiegen ist.</p> - -<p>Alles dies liebe Freundin, werden Sie sagen, ist -recht gut, und dürfte verständigen Männern viel Stoff -zu einer lehrreichen Unterhaltung gewähren, aber uns -Frauen wollen dergleiche ernsthafte Erörterungen nicht -recht behagen; daher bitte ich Sie, ein andres Thema zu -wählen, und mir lieber zu erzählen, wie Sie Ihre Zeit -unter den Bären und Wölfen Canadas zubringen.</p> - -<p>An einem schönen Tage im letzten Juni besuchte -ich zu Wasser die Braut eines jungen See-Offiziers, der -ein sehr hübsches Stück Land, etwa zwei (englische) Meilen - <span class="pagenum"><a id="Page_p291">[S. 291]</a></span> -oberhalb des Sees gekauft hatte; unsre Gesellschaft -bestand aus meinem Gatten, meinem Knäbchen und meiner -Wenigkeit; wir trafen einige angenehme Freunde an, -und belustigten uns ganz zu unsrer Zufriedenheit. Das -Mittagsmahl wurde in dem <em class="gesperrt">Stoup</em> aufgetischt, das ist, -(denn sie möchten schwerlich wissen, was das Wort bedeutet,) -eine Art weite Vorhalle (Verandah), die auf -Pfeilern, häufig unabgerindeten Baumstämmen ruht; -der Fußboden besteht entweder aus hart getretnem Erdreich -oder Dielen (Bretern). Das Dach ist mit Rindenschichten -oder Schindeln gedeckt. Diese Stoups sind holländischen -Ursprungs und, wie man mir gesagt hat, -von den ersten holländischen Ansiedlern in den Staaten -eingeführt worden; seitdem haben sie ihren Weg in alle -übrige Colonien gefunden.</p> - -<p>Von der Scharlach-Ranke, einer in unsern Wäldern -und Wildnissen einheimischen Pflanze, der wilden Rebe, -und der Hopfen-Pflanze, die hier sehr üppig und ohne -Arbeit oder Aufmerksamkeit auf ihre Cultur gedeiht, bekränzt, -haben die Stoups ein recht ländliches Ansehn; -im Sommer dienen sie als offnes Vorzimmer, wo man -sein Mahl einnehmen und das Anwehen der frischen Luft -genießen kann, ohne von der heftigen Hitze der Mittagssonne -belästigt zu werden.</p> - -<p>Diese Lage unsers Hauses ist vorzüglich gut gewählt, -gerade auf dem höchsten Punkte einer kleinen aufsteigenden -Ebne, die sich ziemlich steil nach einem kleinen Thale herabneigt, -in dessen Grunde ein klarer Bach den Garten von den -ihm gegenüberliegenden Korn-Feldern, die das Ufer bekränzen, -scheidet. Gerade im Angesicht der Vorhalle (Stoup), -wo wir im Sommer unser Mittags-Mahl einnehmen, -ist der Garten angelegt, mit einem weichen, von Blumen-Rabatten -umsäumten Rasen-Plätzchen, und von einem -reifenden Weizenfelde durch ein kleines Geländer, an -welchem sich der üppige Hopfen mit seinen Gäbelchen -und zierlichen Blüthen hinauf rankt, geschieden. Bei - <span class="pagenum"><a id="Page_p292">[S. 292]</a></span> -dieser Gelegenheit muß ich Ihnen sagen, daß der Hopfen -zur Bereitung von Hefen für das Brod gezogen wird. -Da sie an Gegenständen, die den Haushalt betreffen, -großes Wohlgefallen finden, so will ich ein Recept, die -Bereitung von Hopfen-Hefen, wie wir sie nennen, betreffend, -für Sie beilegen<a id="FNanchor_57_57"></a><a href="#Footnote_57_57" class="fnanchor">[57]</a>.</p> - -<p>Die Yankies bedienen sich eines Sauerteigs aus -Salz, warmem Wasser oder Milch; allein obschon der -mit Salz bereitete Sauerteig recht gut aussehende Brode -giebt, indem sie viel weißer und fester erscheinen, als die -mir Hopfen-Hefen bereiteten Brode, so wird doch durch -ersteres Verfahren dem Brodteige ein Beigeschmack mitgetheilt, -der nicht jedermanns Gaumen behagt, wozu noch -kommt, daß bei sehr kaltem Wetter jener Sauerteig fast -seine Dienste versagt.</p> - -<p>Nachdem ich Ihnen so mein Recept mitgetheilt -habe, will ich in die Verandah zu meiner Gesellschaft -zurück kehren, die, ich kann Ihnen versichern, sehr angenehm -und traulich war, und wo jeder nach Kräften das -Seinige zur Unterhaltung beitrug.</p> - -<p>Wir hatten Bücher und Zeichnungen, und eine -Menge indianischer Tändeleien und Putzgeräthschaften, -die Sammlung mancher langen Reise an ferne Gestade, -zu besehen und zu bewundern. Bald nach Sonnenuntergang -brachen wir auf und nahmen unsern Weg durch -die Wälder nach dem Landungsplatze am See-Ufer, wo -wir unser Rinden-Canoe bereit fanden, uns nach Hause -zu führen.</p> - -<p>Während unsrer Fahrt, gerade beim Anfange der -Stromschnellen zog ein kleiner Gegenstand im Wasser, der -schnell dahin schwamm, unsre Aufmerksamkeit auf sich; -die Meinungen über den kleinen Schwimmer waren verschieden: -Einige glaubten, es wäre eine Wasserschlange, -andre hielten ihn für ein Eichhörnchen oder eine Moschuß-Ratze; - <span class="pagenum"><a id="Page_p293">[S. 293]</a></span> -einige schnelle Ruderschläge brachten uns dem -räthselhaften Wandrer näher, so daß wir ihm den Weg -versperrten; es war ein hübsches rothes Eichhörnchen von -einer benachbarten Insel, und wahrscheinlich auf einer -Entdeckungsreise begriffen. Das niedliche Thierchen, anstatt -sein Heil in der Flucht nach einer entgegengesetzten -Richtung zu suchen, sprang mit einer Beherztheit und -Geschicklichkeit, die seine Verfolger in Erstaunen setzte, -leicht an der aufgehobnen Ruderschaufel in die Höhe, -und von dieser meinem erschrocknen Knaben gerade nach -dem Kopfe, und, nachdem es meine Schulter gewonnen, -wieder ins Wasser, und steuerte geraden Weges dem Ufer -zu, ohne auch nur einen einzigen Strich von der Linie -abzuweichen, welche es verfolgte, als es zuerst unsers Canoes -ansichtig wurde. Die Behendigkeit und der Muth -dieses harmlosen Geschöpfs, überraschten und unterhielten -mich; ich hätte der Sache kaum Glauben schenken -können, wäre ich nicht selbst Augenzeuge von seinem -Benehmen gewesen, und überdies an den Schultern durch -das von seinem Pelze träufelnde Wasser tüchtig durchnäßt -worden.</p> - -<p>Vielleicht erscheint Ihnen meine Eichhörnchen-Anekdote -unglaublich; allein ich kann mit meiner persönlichen -Erfahrung für ihre Wahrheit bürgen, da ich den muntern -Springer nicht nur sah, sondern auch fühlte. Die -schwarzen Eichhörnchen sind sehr liebenswürdige und hübsche -Thierchen und beträchtlich größer als die rothen, -grauen und gestreiften; die letztern werden von den Indianern -»Tshit-munks (<em class="antiqua">Chit-munks</em>)« genannt.</p> - -<p>Letzten Sommer wurden wir von diesen kleinen -Räubern tüchtig geplündert, die rothen Eichhörnchen stahlen -uns große Quantitäten indianischen Korns, nicht blos -vom Stengel, als die Saat in der Reife begriffen war, -sondern sie kamen sogar durch einige Lücken in den Blockwänden -in die Scheunen, und schleppten sehr viel Getraide, -(indianisches Korn) fort, das sie sehr geschickt von der - <span class="pagenum"><a id="Page_p294">[S. 294]</a></span> -Spindel abzulösen und nach ihren Vorraths-Magazinen, -in hohlen Bäumen oder unterirdischen Höhlen, zu transportiren -verstanden.</p> - -<p>Die kleinen Thierchen sind sehr begierig nach Kürbißkörnern, -man sieht sie häufig unter dem Vieh umher -schnellen, und wenn dieses die Kürbisse zerfleischt, mit den -herausfallenden Samen davon eilen. Nicht weniger -gern fressen sie die Samen der Sonnen-Blumen, welche -in unsern Gärten und Lichtungen eine riesenhafte Höhe -erreichen. Das Feder-Vieh liebt die Sonnen-Blumen-Körner -ebenfalls sehr, und ich sammelte die reifen -Blumen, in der Absicht, einen guten Vorrath dieser Delicatesse -für meine armen Hühnchen während des Winters -zu haben. Eines Tages ging ich, die reifen Köpfe -abzuschneiden, wovon die größten einem großen Präsentirteller -glichen, sah aber zu meinem Aerger zwei diebische -rothe Eichhörnchen ämsig in Sammlung der Samen, wie -Sie wohl denken können, nicht für mich, sondern, für -sich selbst beschäftigt.</p> - -<p>Nicht zufrieden mit Ablösung der Samen, durchsägten -die kleinen Diebe mit ihren scharfen Zähnen geschickt -die Blumenstengel, und schleppten ganze Samen-Köpfe -auf einmal fort, dabei waren sie so keck, daß sie -sich durch meine Annäherung nicht im geringsten stören -ließen, und wichen nicht eher, als bis sie sich ihrer Beute -bemächtigt hatten, und mit einer Ladung, die wohl zweimal -so schwer war, als ihr leichter Körper, über Geländer, -Wurzeln, Baumstummel und Holz-Blöcke pfeilschnell -davon eilten, so daß sie jede Verfolgung von meiner Seite -vergeblich machten.</p> - -<p>Groß war der Verdruß, den das kleine muntre -Pärchen an den Tag legte, als es behufs einer zweiten -Ladung wieder kam und die Pflanzen ihrer Köpfe beraubt -fand. Ich hatte alles, was noch übrig war, abgeschnitten -und in einem Korbe auf einen kleinen Block, -gleich neben einer offnen Glasthüre, an die Sonne gestellt;</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p295">[S. 295]</a></span></p> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/p295i.jpg" alt="Rothe Eichhörnchen." /> - </div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p296"></a></span></p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p297">[S. 297]</a></span> -ich saß eben auf der Thürschwelle und hülste einige -Samen-Bohnen aus, als die Eichhörnchen durch ihre -scharfen scheltenden Töne, wobei sie ihre leichten federartigen -Schweife empor hoben, als wollten sie den lebhaftesten -Unwillen über meine Eingriffe in ihre vermeintlichen -Rechte zu erkennen geben, meine Aufmerksamkeit -in Anspruch nahmen; es währte gar nicht lange, so hatten -sie den indianischen Korb mit dem ihnen entrissenen -Schatze entdeckt; einige rasche Bewegungen brachte das -kleine Pärchen an das Gitter, nur wenige Schritte von -mir und den Samen-Köpfen; hier machten sie Halt, -setzten sich nieder und blickten mich mit bittender Miene -an. Ihre Verlegenheit machte mir zu viel Vergnügen, -als daß ich ihnen hätte daraus helfen sollen, allein kaum -hatte ich meinen Kopf gedreht, um mit meinem Kinde zu -sprechen, so schossen sie vorwärts und in einer andern -Minute hatten sie sich eines der größten Samen-Köpfe -bemächtigt, den sie fortschleppten; zuerst trug ihn das -eine einige Schritte weit, dann packte das andere an, -denn er war zu groß und schwer, als daß ihn eins hätte -lange tragen können. Kurz ihre kleinen Manövres machten -mir so viel Spaß, daß ich mich meines ganzen Vorraths -berauben ließ.</p> - -<p>Im Frühjahr sah ich eine kleine Eichhörnchen-Familie -auf dem Gipfel eines hohlen Blockes spielen, und -ich kann wohl sagen, daß sie mir unter allen Thieren -als die lebhaftesten und niedlichsten Geschöpfe erscheinen, -die man nur immer sehen kann.</p> - -<p>Das fliegende Eichhörnchen ist in unsern Wäldern -zu Hause und übertrifft, meines Bedünkens, in Schönheit -alle seine Gattungs-Verwandten. Seine Farbe ist das -weichste zarteste Grau; das Pelzhaar ist dick und kurz, -und so seidenartig wie Sammet; die Augen sind, wie bei -allen Eichhörnchen-Arten groß, voll und sanft, die Schnurren -und das lange Haar um die Nase sind schwarz; die Membran, -welche dem Thierchen zum Fliegen dient, ist zart - <span class="pagenum"><a id="Page_p298">[S. 298]</a></span> -und von weichem Gefüge, wie der Pelz des Chinchilla -(Ohrmaus), sie bildet zwischen den Vorder- und Hinter-Beinen -eine Bürste; der Schweif gleicht einer zierlichen -breiten grauen Feder. Die Erscheinung dieses allerliebsten -kleinen Geschöpfes überraschte mich sehr angenehm; die -Zeichnungen welche ich davon gesehen, gaben ihm ein -höchst plumpes und <em class="gesperrt">fledermausartiges</em>, fast ekelhaftes -Ansehen. Die Jungen lassen sich leicht zähmen und -sind in der Gefangenschaft sehr zutraulich und zum -Spielen geneigt.</p> - -<p>Wie würde sich meine kleine Freundin <em class="gesperrt">Emilie</em>, -über einen solchen Spielkameraden freuen. Sagen Sie -ihr, daß ich ihr, sollte ich jemals in mein theures Vaterland -zurückkehren, wo möglich ein dergleichen Thierchen -mitbringen werde; vor der Hand aber muß sie sich mit -den ausgestopften Exemplaren der rothen, schwarzen und -gestreiften Art begnügen, die ich meinem Packete einverleibt -habe. Ich wünschte, Ihnen ein werthvolleres Geschenk -machen zu können, allein unsre Kunstsachen und -Manufacturen sind durchaus brittisch, mit Ausnahme der -Kleinigkeiten, welche die Indianer verfertigen, und es -würde mir daher schwer fallen, Ihnen etwas der Aufmerksamkeit -Werthes zu schicken, weshalb ich meine Zuflucht -zu den natürlichen Erzeugnissen unsrer Wälder als -Zeichen der Erinnerung an meine Freunde und Verwandten -in der <em class="gesperrt">Heimath</em> — denn so nennen wir stets unser -theures Geburtsland, — nehmen muß.</p> - -<p class="pmb3">Sie wünschen zu wissen, ob ich glücklich und mit -meiner Lage zufrieden bin, oder ob sich mein Herz nach -dem alten Vaterlande sehnt. Ich will Ihnen aufrichtig -antworten und spreche daher hier ein für alle mal aus, -daß ich, in Bezug auf Geschmackssachen und frühzeitige -Gedanken-Verbindungen und alle jene heiligen -Bande der Verwandtschaft und alte Freundschaftsbündnisse, -welche die Heimath Allen und Jedem, von welcher -Nation er auch sei, so theuer machen, England den -Vorzug gebe.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p299">[S. 299]</a></span></p> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/p299i.jpg" alt="Fliegendes Eichhörnchen." /> - </div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p300"></a></span></p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p301">[S. 301]</a></span></p> - -<p>Auf der andern Seite mindert der Gedanke an die -freiwillig übernommenen Pflichten, und ein Gefühl von -Zufriedenheit mit meiner Lage das Bedauern, welchem ich -nachzuhängen, mich geneigt finden möchte. Ueberdies giebt -es für mich neue und heilige Banden, die mich an Canada -fesseln; ich habe viel häusliches Glück genossen, -seitdem ich hierher gekommen bin; — und ist Canada -nicht das Geburtsland meines theuren Kindes? Habe ich -nicht hier zum ersten Male jenes Entzücken genossen, -welches von mütterlichen Gefühlen entspringt? Wenn mein -Auge auf meinem lächelnden Bübchen ruht, oder wenn ich -seinen warmen Athem an meiner Wange fühle, so füllt -meine Brust eine Wonne, die ich gegen kein Vergnügen -auf Erden vertauschen möchte. »Recht gut,« hör' ich -Sie im Geiste erwiedern, »allein diese Empfindungen sind -ja nicht auf eure einsamen canadischen Wälder beschränkt.« -Ich weiß dies wohl, aber hier stört mich -nichts in meiner Zärtlichkeit, in den Liebkosungen meines -theuren Kindes. Hier wird man nicht durch rauschende -weltliche Vergnügungen zur Vernachlässigung seiner Mutterpflichten -veranlaßt, hier kann nichts den holden Knaben -aus meinem Herzen verdrängen; seine Gegenwart -macht mir jeden Ort theuer und werth, ich lerne die -Stelle lieben, wo er geboren worden ist, und denke mit -Wohlgefallen an meine neue Heimath, weil sie sein Vaterland -ist; und blicke ich in die Zukunft, und fasse ich -sein künftiges Wohlergehn ins Auge, so fühle ich mich -mit doppelter Anhänglichkeit an die Erdscholle gefesselt, -welche er eines Tages sein nennen wird.</p> - -<p>Vielleicht würdige ich das Land nur nach meinen -eignen Gefühlen; und wenn ich bei einer unparteiischen -Prüfung meines gegenwärtigen Lebens finde, daß ich eben -so glücklich oder noch glücklicher bin, als in der alten -Heimath, so muß ich es schätzen und lieben.</p> - -<p><span class="pagenum"><a name="Page_p302" id="Page_p302">[S. 302]</a></span></p> - -<p>Wollte ich mich über die Vortheile, die ich besitze, -ins Einzelne einlassen, so würden sie in den Augen von -Leuten, die in all dem Glanze, all der Herrlichkeit und -Fülle schwelgen, die Reichthum in einem durch Natur sowohl -als Kunst den rauschenden Vergnügungen der Welt -so günstigen Lande verschaffen kann, in einem sehr negativen -Charakter erscheinen; allein ich habe ja nie dem -Wohlleben und der Modesucht gefröhnt. Große Gesellschaften -und die alltäglichen Vergnügungen der eleganten -Welt verursachten mir stets Langeweile, wo nicht Ekel. -Durch all dieses hofartige Treiben wird das Herz nicht -befriedigt, wie sich ein Dichter äußert, und ich pflichte -dem Ausspruch völlig bei.</p> - -<p>Ich war immer nur zu sehr geneigt, mit Ungeduld -die Fesseln von mir zu spornen, welche Etiquette und -Mode der Gesellschaft anzulegen pflegen, bis sie ihren -Jüngern alle Freiheit und Unabhängigkeit des Willens -rauben, und dieselben sich bald genöthigt sehen, für eine -Welt zu leben, die sie im Stillen verachten und satt haben, -für eine Welt, die sie noch dazu mit Geringschätzung -betrachtet, weil sie nicht mit einer Unabhängigkeit handeln -dürfen, die so wie sie sich äußert, gleich zu Boden gedrückt -werden würde.</p> - -<p>Ja ich muß Ihnen offen bekennen, daß meine gegenwärtige -Freiheit in diesem Lande ein großer Genuß für -mich ist. Hier besitzen wir einen Vortheil vor Ihnen, -so wie auch vor denjenigen, welche die Städte und Dörfer -meines neuen Vaterlandes bewohnen, denn leider -herrscht in diesen ein lächerliches Streben, einen Schein -zu unterhalten, welcher der Lage derer, die ihn annehmen, -durchaus nicht entspricht. Wenige, sehr wenige Emigranten -kommen in die Colonien, außer mit der Absicht, -für sich und ihre Kinder Unabhängigkeit zu erlangen. -Diejenigen, welchen es nicht an Mitteln zu einem behaglichen -Leben in der Heimath gebricht, würden sich -wohl schwerlich jemals den Entbehrungen und Unannehmlichkeiten - <span class="pagenum"><a id="Page_p303">[S. 303]</a></span> -eines Ansiedler-Lebens in Canada aussetzen; der -natürliche Schluß aus allem diesem ist, daß der Emigrant -mit dem Wunsche und der Hoffnung hierher gekommen, -seinen Zustand zu verbessern und die Wohlfahrt -einer Familie zu sichern, die er in der Heimath anständig -zu versorgen, nicht die Mittel hatte. Es ist mithin -wirklich närrisch und ungereimt, eine Lebensweise anzunehmen, -die, wie jeder weiß, nicht behauptet werden kann; -dergleichen Leute sollten doch viel mehr in dem Bewußtsein, -daß sie, wenn es ihnen gefällt, ihren Umständen gemäß -leben können, ohne wegen ihrer Sparsamkeit, Klugheit -und Thätigkeit minder geachtet zu werden, ihre Glückseligkeit -suchen.</p> - -<p>Wir <em class="gesperrt">Buschsiedler</em> unsers Theils sind weit unabhängiger, -wir thun, was uns beliebt, wir kleiden uns, wie -es uns am passendsten und bequemsten dünkt; wir haben -nichts von einem Mr. und einer Mrs. <em class="gesperrt">Grundy</em> -zu fürchten; und da wir die Fesseln des <em class="gesperrt">Grundyismus</em> -abgeschüttelt haben, so lachen wir über die Thorheit derjenigen, -welche von neuem ihre Kette schmieden und -gleichsam umarmen.</p> - -<p>Statten uns unsre Freunde einen unerwarteten Besuch -ab, so nehmen wir sie unter unsern niedrigen Dache -gastlich auf, und geben ihnen das Beste, was wir haben; -und ist unsre Kost noch so gering, so tischen wir sie mit -gutem Willen auf, und eine Entschuldigung wird weder -gemacht noch erwartet; da Jedermann mit den mißlichen -Verhältnissen einer neuen Ansiedlung bekannt ist; ja eine -Apologie wegen Mangel an Vielfältigkeit oder Leckereien -der Tafel würde in dem Gaste einen Selbstvorwurf erzeugen, -daß er unsre Gastfreundschaft zur ungelegnen -Zeit auf die Probe gestellt.</p> - -<p>Unsre Gesellschaft besteht meist aus See- und Land-Offizieren, -so daß wir in diesem Punkte in unsrer Sphäre -sind, und auf feinen Anstand und gute Sitten zählen -können, und an eine Abweichung von jenen Gesetzen, - <span class="pagenum"><a id="Page_p304">[S. 304]</a></span> -die guter Geschmack, gesunder Verstand und ein richtiges -moralisches Gefühl unter Leuten unsers Standes begründet -haben, nicht zu denken ist.</p> - -<p>Indeß gereicht es hier zu Lande der Frau eines -Offiziers oder Gentleman keineswegs zur Unehre, wenn -sie in der Hauswirthschaft selbst Hand anlegt, oder alle -häusliche Pflichten, sobald es die Gelegenheit erfordert, allein -verrichtet. Erfahrenheit in den Geheimnissen der -Seifen-, Lichter- und Zucker-Bereitung, im Brodbacken, -Buttern und Käsemachen, im Melken der Kühe, im -Stricken, Spinnen und der Zubereitung der Wolle für -den Webstuhl, ist für sie von unendlichem Werth und -macht sie zu einem ehrenwerthen Mitgliede der Gesellschaft. -In dergleichen Dingen strafen wir <em class="gesperrt">Busch-Damen</em>, die, -welche die Nasen rümpfen und die vornehmen Bemerkungen, -welche ein Mr. oder eine Mrs. N. N. in der Heimath -machen würde, mit gebührender Verachtung. Wir -rühmen uns unsrer Fügung in die Umstände; und da -ein brittischer Offizier nothwendiger Weise ein feiner, gebildeter -Mann, und seine Gattin eine feine Dame sein -muß, so trösten wir uns mit dem Besitz dieser Eigenschaften -als dem unwiederleglichen Beweis einer höheren Bildung, -und lassen uns in unsrer nutzvollen Thätigkeit -nicht im mindesten stören, da hierdurch unsre Sittenfeinheit -keinen Abbruch erleiden kann.</p> - -<p>Unsre Gatten verfolgen eine ähnliche Lebensweise; -der Offizier vertauscht seinen Degen mit dem Pflugschaar, -seine Lanze mit der Sichel, und wer ihn zwischen den -Baumstummeln den Boden aufhacken, oder auf seinem -Grundstück Bäume fällen sieht, denkt deswegen nicht geringer -von ihm und seinem Stande, oder hält ihn darum -weniger für einen Gentleman, wie früher, als er -noch in allem Glanze und aller Würde militairischer -Etiquette, mit Feldbinde, Degen und Epauletten auf dem -Paradeplatze erschien. Es ist alles ganz so, wie es in -einem Lande sein muß, wo Unabhängigkeit von Betriebsamkeit - <span class="pagenum"><a id="Page_p305">[S. 305]</a></span> -und Fleiß unzertrennlich ist, und gerade dieser -Umstand macht es mir so schätzenswerth.</p> - -<p>Unter mehren Vortheilen, deren wir uns in diesem -Gemeinde-Bezirk erfreuen, halte ich den nicht für unbeträchtlich, -daß die niedere arbeitende Ansiedler-Klasse aus -ordentlichen, gutwilligen und von den widrigen Yankie-Sitten, -wodurch sich manche der früher angesiedelten Gemeinde-Bezirke -zu ihrem Nachtheil unterscheiden, völlig -freien Leuten besteht. Unsre Dienstboten sind eben so -oder fast eben so ehrerbietig, als die in der Heimath; -auch werden sie nicht an unsere Tische gezogen oder auf -gleichen Fuß mit uns gestellt, ausgenommen als »<em class="gesperrt">Bienen</em>« -und bei ähnlichen öffentlichen Versammlungen; -wobei sie sich in der Regel anständig und geziemend benehmen, -so daß sie manchen, die sich Gentleman nennen, -nämlich jungen Leuten, die willkührlich jene Beschränkungen -auf die Seite setzen, welche die Gesellschaft von solchen, -die einen achtbaren Posten ausfüllen, erwartet, als -Muster dienen könnten.</p> - -<p>Unmäßigkeit ist leider ein nur zu vorherrschendes -Laster unter allen Volks-Klassen in diesem Lande; allein -ich erröthe, indem ich es sage, daß sich vorzüglich diejenigen -desselben schuldig machen, welche dem bessern Stande -angehören wollen. Solche mögen doch ja nicht über die -Freiheiten klagen, welche sich die arbeitende Klasse gegen -sie heraus nimmt, und daß sie ihnen auf eine Weise -begegnet, als wäre sie ihres Gleichen, denn sie stellen sich -ja selbst durch ihr Betragen unter den anständigen, nüchternen, -wenn auch armen Ansiedler. Wenn sich die -Söhne von Gentlemen selbst erniedrigen, so darf es ja -gar nicht befremden, daß die Söhne armer Leute in einem -Lande, wo alle einander auf gleichem Boden begegnen, -und nur ein anständiges feines Benehmen Unterschiede -zwischen den verschiednen Klassen bildet, sich über -sie zu erheben suchen.</p> - -<p>Als ich vor einigen Monaten bei einer Freundin - <span class="pagenum"><a id="Page_p306">[S. 306]</a></span> -in einem entfernten Theile des Landes zum Besuch war, begleitete -ich sie in die Wohnung eines Geistlichen, des Predigers -in einem blühenden Dorfe in dem Gemeinde-Bezirk, -wo sie einige Tage bleiben wollte — die patriarchialische -Einfachheit des Hauses und seiner Bewohner überraschte -mich. Wir wurden in das kleine Familien-Zimmer -geführt, dessen Fußboden nach der unter den Yankies üblichen -Sitte angestrichen war, die Wände hatten keine -Tapeten, sondern bestanden aus Tannenholz ohne alle -Verzierung, das Hausgeräthe entsprach der allgemeinen -Einfachheit. Ein großes Spinnrad schnurrte unter den -fleißigen Händen einer sauber gekleideten Matrone von -milden, feine Bildung verrathenden Zügen; ihre kleinen -Töchter saßen mit ihren Strickstrümpfen am Kaminfeuer, -während der Vater mit Unterrichtung von zwei seiner -Söhne beschäftigt war; ein dritter saß behaglich auf einem -kleinen Strohstuhl zwischen seinen Füßen, und ein vierter -schwang seine Axt mit nervigen Armen im Hofe und -warf von Zeit zu Zeit durch das Stubenfenster sehnsuchtsvolle -Blicke nach dem traulichen Familienkreise im Innern.</p> - -<p>Die Kleidung der Kinder bestand aus einer groben -Art Zeug, einem Gemisch von Wolle und Flachs -(Zwirn), dem Erzeugniß der kleinen Meierei und des -rühmlichen Fleißes ihrer Mutter. Strümpfe, Socken, -Müffchen und warme Umschlagetücher waren sämmtlich -Haus-Fabrikate. Mädchen sowohl als Knaben trugen -Mocassins, die sie selbst gefertigt hatten. Gesunder Verstand, -Fleiß und Ordnung herrschten unter den Gliedern -dieses kleinen Haushaltes.</p> - -<p>Mädchen und Knaben handelten, wie es schien, nach -dem Grundsatz, daß nichts entehrend sei, als was unmoralisch -und unschicklich ist.</p> - -<p>Gastfreundschaft ohne Uebertreibung, Freundlichkeit -ohne geheuchelte Sprache bezeichneten das Benehmen unsrer -würdigen Freunde. Alles und Jedes im Hauswesen -geschah mit Rücksichtsnahme auf Ordnung und - <span class="pagenum"><a id="Page_p307">[S. 307]</a></span> -Bequemlichkeit, das Besitzthum (ich sollte wohl lieber sagen, -das Einkommen) der Familie war nur gering; sie besaß -einige Acker an das kleine Häuschen stoßendes -Torf-Land, aber durch Thätigkeit und Fleiß außer und -im Hause, so wie durch Sparsamkeit und gute Wirthschaft -sah sie sich im Stande, zwar einfach aber doch auf -anständigem Fuße zu leben; mit einem Wort, wir erfreuten -uns während unsres Aufenthaltes bei diesen guten -Menschen mancher von jenen Genüssen, die eine -völlig urbare canadische Meierei darbieten kann; Geflügel -aller Art, hausschlachtenes Rindfleisch, treffliches Schöpsenfleisch -und Geräuchertes waren in Ueberfluß vorhanden; -zum Thee hatten wir mancherlei Delicatessen: Eingemachtes, -Honig in Scheiben, treffliche Butter und guten Käse -nebst verschiednen Sorten Kuchen; eine Art kleine Pfann-Kuchen -von Buchweizen-Mehl, in einer kleinen Pfanne -mit Hefen geknetet und nachmals in heißen Speck gestürzt -und gebacken; ein Präparat von indianischem Korn-Mehl, -Namens Supporne-Kuchen (<em class="antiqua">Supporne-cake</em>), in -Schnitzeln geschmort und gebacken und mit Ahorn-Syrup -gegessen, gehörten ebenfalls unter die Raritäten unsers -Frühstücks.</p> - -<p>Als ich eines Morgens ein Völkchen sehr schönen -Geflügels im Hühnerhofe bewunderte, sagte meine Wirthin -lächelnd zu mir, »ich weiß nicht, ob Sie glauben, -daß ich auf rechtlichem Wege dazu gekommen bin.«</p> - -<p>»O ich bin gewiß, Sie erlangten die hübschen Thierchen -nicht durch unerlaubte Mittel,« erwiederte ich -lachend, »für Ihre Grundsätze in dieser Hinsicht will ich -bürgen.«</p> - -<p>»Schön,« sagte meine Wirthin, »sie sind mir weder -gegeben noch verkauft worden, und doch habe ich sie -auch nicht gestohlen. Ich fand den ursprünglichen Stamm -auf folgende Weise. Eine alte schwarze Henne erschien -eines Morgens ganz unerwartet vor unsrer Thür; wir -begrüßten den Ankömmling mit Staunen und Freude; - <span class="pagenum"><a id="Page_p308">[S. 308]</a></span> -denn wir konnten zu dieser Zeit unter unsrer kleinen -Colonie keinen einzigen Haus-Vogel aufweisen. Wir haben -nie recht erfahren können, wie die Henne in unsern -Besitz kam, vermuthen aber, daß eine landeinwärts reisende -Auswandrer-Familie dieselbe unterwegs verloren haben -muß; diese Henne legte zehn Eier und brütete sie -glücklich aus; die kleine Brut war der Stamm von -unsern Hühnern, und wir konnten bald unsre Nachbarn -mit dergleichen Geflügel versorgen. Wir schätzen diese -Vögel nicht blos wegen ihrer vorzüglichen Größe, sondern -auch wegen der eigenthümlichen Weise, auf die wir sie -erhalten haben, und die uns als ein Beweis von Gottes -Fürsorge für unsre Angelegenheiten erschien.«</p> - -<p>Sehr viel Unterhaltung gewährte mir die leichte -Skitze, welche uns der Prediger eines Abends zum besten -gab, als wir alle um ein prasselndes Holzfeuer herum -saßen, das in dem, mit seinem steinernen Mauerwerk -weit vorspringenden und zu beiden Seiten ziemlich -tiefe Winkel bildenden Kamin hoch emporloderte.</p> - -<p>Er bezog sich auf seine erste Ansiedlung und bemerkte -Nachstehendes: —</p> - -<p>»Es herrschte eine trostlose Wildniß von finstern -dichtstehenden Waldbäumen, als wir zuerst unser Zelt hier -aufschlugen, zu dieser Zeit war noch keine Axt an die -Wurzel auch nur eines einzigen Baumes gelegt worden, -noch kein Feuer, außer von umherstreifenden Indianern, -war in diesen Wäldern angezündet worden.</p> - -<p>»Ich kann immer noch den Ort zeigen, wo mein -Weib und meine Kleinen ihr erstes Mal verzehrten und -ihre schwachen Stimmen mit dankerfüllten Herzen zu -jenem allmächtigen und barmherzigen Wesen erhoben, welches -sie glücklich und wohlbehalten mitten durch die Gefahren -des Oceans hierher geführt hatte.</p> - -<p>»Wir glichen einer kleinen, in einer großen Wüste, -unter dem besondern Schutze eines mächtigen Hirten, -wandernden Heerde.«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p309">[S. 309]</a></span></p> - -<p>»Ich habe Sie meine liebe junge Freundin,« (diese -Worte galten meiner Gefährtin,) von den Entbehrungen -und Mühseligkeiten im Busche sprechen hören; aber glauben -Sie mir, Sie haben im Vergleich mit denen, die vor -einigen Jahren hierher kamen, nur wenig davon erfahren.</p> - -<p>»Fragen Sie nur meine ältern Kinder und meine Frau, -wie beschaffen die Beschwerden und Mühseligkeiten des Buschsiedler-Lebens -noch vor zehn Jahren waren, sie werden Ihnen -sagen, daß sie Hunger und Kälte, und alle damit verbundne -Uebel zu erdulden hatten, daß es zu Zeiten an jedem -nöthigsten Nahrungs-Artikel fehlte. Was die feinen Lebensgenüsse -und Luxus-Artikel anlangt, so wußten wir -nichts davon; und wie konnten wir auch? wir waren -weit von jeder Gelegenheit entfernt, dergleichen Dinge -zu erlangen; Kartoffeln, Schweinfleisch und Mehl waren -unsre einzigen Vorräthe, und oft gingen uns die beiden -letztern aus, und es dauerte eine ziemliche Weile, ehe -wir neue erlangen konnten. Die nächsten Mühlen waren -dreizehn (englische) Meilen von uns entfernt, und -der Weg dahin führte durch blos angedeutete Wald-Pfade; -und überdies hatten wir keinen einzigen Ansiedler in der -Nähe. Jetzt sehen Sie uns in einer gelichteten, völlig urbar -gemachten Gegend, umgeben von blühenden Meiereien -und entstehenden Dörfern; aber zu der Zeit, wovon ich -spreche, war es nicht so; damals gab es weder Gewürzläden, -noch Vorraths-Häuser, wir hatten keine Fleischbänke, -keine gelichteten Meierein, keine Milcherei, keine Obstgärten; -auf diese Dinge mußten wir geduldig warten, -bis Fleiß und Betriebsamkeit sie herbeiführen würden.</p> - -<p>»Unsre Kost bestand in nichts anderm, als eingepöckeltem -Schweinfleisch, Kartoffeln und bisweilen in -Brod zum Frühstück; Schweinfleisch und Kartoffeln bildeten -unser Mittagsmahl, Kartoffeln und Schweinfleisch -unsern Abendtisch, nebst einem Brei aus indianischem -Korn für die Kinder. Bisweilen mußten wir uns mit -Kartoffeln ohne Schweinfleisch, bisweilen mit Schweinefleisch - <span class="pagenum"><a id="Page_p310">[S. 310]</a></span> -ohne Kartoffeln begnügen; dies war unsre tägliche -Kost im ersten Jahre. Nach und nach erhielten wir etwas -Korn von unserm eignen Boden, woraus wir uns -mittels einer Handmühle ein grobes Mehl bereiteten; -denn wir hatten weder Wasser- noch Wind-Mühlen in -unsrer Colonie, und gutes Brod war in der That ein -Luxus-Artikel für uns, den wir nicht oft hatten.</p> - -<p>»Wir brachten eine Kuh mit, die uns während -des Frühlings und Sommers mit Milch versorgte; aber -wegen des wilden Knoblauchs (ein in unsern Wäldern -sehr häufiges Unkraut), welchen sie fraß, war ihre Milch -kaum genießbar, sie starb im folgenden Winter, zu unserm -nicht geringen Kummer; wir lernten, daß Erfahrung in -dieser so wie in vielen andern Angelegenheiten, hoch zu -stehen kommt, jetzt aber genießen wir den Vortheil davon.«</p> - -<p>»Bestimmten sie die Schwierigkeiten, worauf sie -damals stießen, nicht bisweilen zu Mißmuth und zur -Reue über die freiwillige Wahl einer von ihrer frühern -so verschiednen Lebensweise?« fragte ich.</p> - -<p>»Sie dürften diese Wirkung wohl herbeigeführt haben, -hätte nicht ein höherer Beweggrund, als bloser weltlicher -Vortheil mich veranlaßt, meiner Heimath Lebwohl zu -sagen und hierher zu kommen. Sehen Sie, die Sache -verhielt sich so: ich war mehre Jahre Prediger eines kleinen -Dörfchens in den Gruben-Distrikten von Cumberland -gewesen. Ich war den Herzen meiner Gemeinde -theuer, sie war meine Freude und meine Krone. Eine -Anzahl meiner Kirchgänger, durch Armuth und schlechte -Zeiten gedrückt, beschloß, nach Canada auszuwandern.</p> - -<p>»Getrieben von dem natürlichen und nicht ungesetzmäßigen -Verlangen, ihre Lage zu verbessern, erschien -ihnen eine Reise über das atlantische Meer das beste -Mittel dazu, und überdies ermuthigte sie das Versprechen, -daß ihnen ein beträchtlicher Flächenraum wilden -Bodens bewilligt werden sollte; denn damals war die - <span class="pagenum"><a id="Page_p311">[S. 311]</a></span> -Regierung in dergleichen Schenkungen an Leute, welche -Colonisten werden wollten, sehr freigebig.</p> - -<p>»Allein vor Ausführung dieses Unternehmens kamen -mehre der achtbarsten von ihnen zu mir und setzten mich -von ihrem Plan und ihren Gründen zu einem so wichtigen -Schritt, den sie im Begriff zu thun waren, in -Kenntniß; und zu gleicher Zeit baten sie mich in den -rührendsten Ausdrücken, im Namen der ganzen Gesellschaft, -die sich zur Auswanderung bestimmt hatte, sie -in die Wildnisse des Westens zu begleiten, damit sie -nicht Gefahr liefen, ihren Herrn und Erlöser zu vergessen, -wenn sie sich von ihrem geistigen Führer und Beistand -verlassen sähen.</p> - -<p>»Anfangs verursachte mir der Vorschlag keine geringe -Bestürzung; es schien mir ein wildes und abentheuerliches -Unternehmen; allein nach und nach begann ich, mit Vergnügen -bei der Sache zu verweilen. Ich hatte, außer -in meinem Geburts-Dorfe, wenige Bekannte, die mich an -das Heimathsland fesselten; das Einkommen von meiner -Predigerstelle war so gering, das es kein großes Hinderniß -abgeben konnte; gleich <em class="gesperrt">Goldsmith</em>'s Pastor galt ich -»<em class="gesperrt">für reich, mit vierzig Pfund das Jahr</em>.« -Mein Herz hing mit inniger Liebe an meiner kleinen -Heerde; zehn Jahr hindurch war ich ihr Führer und -Seelsorger gewesen; ich war der Freund der Alten und -der Lehrer der Jugend. Meine <em class="gesperrt">Marie</em> hatte ich aus -ihrer Mitte gewählt; sie hatte keine fremden Banden, -um sie in weiter Ferne mit Reue und Bedauern auf -die Bewohner der Heimath blicken zu machen, ihre Jugend -und ihre Reife hatte sie unter ihnen erlebt, so daß -sie mir, als ich ihr den Vorschlag meiner Pfarrkinder -mitgetheilt und zugleich meine Wünsche zu erkennen gegeben -hatte, nach Unterdrückung eines bangen schmerzlichen -Gefühls in ihrer Brust, mit <em class="gesperrt">Ruth</em>'s Worten erwiederte -—</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p312">[S. 312]</a></span></p> - -<p>»Dein Land soll mein Land, dein Volk das meinige -sein; wo du stirbst, will auch ich sterben und begraben -sein; der Herr thue mir so und so, wenn mich etwas -anderes als der Tod trennen sollte.«</p> - -<p>»Eine liebreiche zärtliche Lebensgefährtin bist Du -mir immer gewesen, meine <em class="gesperrt">Marie</em>,« schaltete der gute -Mann hier ein, indem er seine Augen voll Zärtlichkeit -auf das milde Antlitz der würdigen Matrone richtete, -deren ausdrucksvolle Miene besser als Worte die Gefühle -ausdrückten, welche ihre Brust bewegten. Sie erwiederte -nicht mit Worten, aber ich sah die dicken glänzenden Thränen -auf die Arbeit in ihrer Hand fallen. Sie entsprangen -von Bewegungen, die zu heilig waren, um durch neugierige -Augen gestört zu werden, und ich wendete eilig -meinen Blick von ihrem Gesicht; während der Prediger -in Erzählung der Umstände, die sein Scheiden von der -Heimath, seine Reise und endlich seine Ankunft in dem -Lande begleitet, welches der kleinen Colonie in dem noch -ungelichteten Theile des Gemeinde-Bezirks bewilligt worden -war, fortfuhr.</p> - -<p>»Wir hatten vor unsrer Ankunft in diesem Distrikte -viele nützliche Rathschläge und allen nützlichen Beistand -von den Regierungs-Agenten erhalten, und auch einige -Holzspeller gegen hohe Löhne gemiethet, um uns in der -Kunst, Bäume zu fällen, aufzuschichten, zu verbrennen -und den Boden zu reinigen, zu unterrichten; da es unser -Hauptziel war, irgend eine Feldfrucht zu erbauen und -einzuernten, so legten wir ohne weitern Aufschub, als -den die Errichtung eines einstweiligen Obdachs für Weib -und Kind erheischte, sogleich Hand ans Werk, und bereiteten -den Boden zur Aufnahme von Frühlings-Saat vor, -wobei wir einer dem andern mit Zugvieh und Arbeit beistanden. -Und hier muß ich bemerken, daß mir jede Aufmerksamkeit -und Unterstützung von meinen Freunden zu -Theil ward. Meine Mittel waren gering, und meine Familie - <span class="pagenum"><a id="Page_p313">[S. 313]</a></span> -war zu jung, um mir einige Dienste leisten zu können. -Indeß fehlte es mir nicht an Hülfe, und bald hatte ich -die Freude, ein kleines Fleckchen zur Erbauung von Kartoffeln -und Korn gelichtet und gereinigt zu sehen, ein -Resultat, das ich durch meine alleinigen Anstrengungen -nimmermehr herbeigeführt haben würde.</p> - -<p>»Mein ältester Sohn <em class="gesperrt">Johann</em> war erst neun Jahr -alt, <em class="gesperrt">Willie</em> sieben und die andern alle noch hülfloser; -die beiden Kleinen, die Sie hier sehen, sind erst nach meiner -Ankunft in diesem Lande geboren worden. Die blonde -Dirne, welche neben Ihnen sitzt und strickt, war noch ein -Säugling, ein hülflos weinendes Kind, so schwach und -kränklich, ehe wir hier eintrafen, daß sie selten aus den -Armen ihrer Mutter kam; allein sie wuchs und gedieh -unter der abhärtenden Behandlung einer Buschsiedler-Familie -zusehends.</p> - -<p>»Wir hatten kein Haus, keine Art von Obdach zu -unsrer Aufnahme, als wir an dem Orte unsrer zukünftigen -Bestimmung anlangen; und die ersten beiden Nächte -brachten wir auf den Ufern der Einbucht am Fuße des -Berges in einer Hütte von Cedern- und Schierlingstannen-Aesten -zu, die ich mit meiner Axt und mit Hülfe -einiger meiner Gefährten zum Schutz meiner Gattin und -der Kleinen errichtete.</p> - -<p>»Obgleich in der Mitte Mai's, waren die Nächte -doch noch sehr kalt, und wir waren froh, als ein tüchtiges -Holzfeuer vor dem Eingange der Hütte loderte, welches -uns nicht nur gegen die Kälte, sondern auch vor -den Stichen der Musquitos sicherte, die in Myriaden -vom Flusse her über uns herfielen, und uns das Ufer -weiter hinauftrieben.</p> - -<p>»Sobald als möglich, errichteten wir eine Shanty, -die jetzt als Schuppen für das junge Vieh dient; ich - <span class="pagenum"><a id="Page_p314">[S. 314]</a></span> -wollte sie nicht niederreißen, wiewohl ich oft gedrängt -wurde, dies zu thun, da sie eine angenehme Aussicht -vom Fenster aus verhindert; allein ich blicke gar zu gern -darauf und erinnere mich dabei an die ersten Jahre, -die ich unter ihrem niedrigen Dache verlebt habe. Wir -bedürfen solcher Gegenstände, um uns an unsre ehemalige -Lage zu erinnern; denn wir werden nur zu leicht stolz -und hören dann auf, unsre gegenwärtigen Annehmlichkeiten -gebührend zu schätzen.</p> - -<p>»Unser erster Sabath wurde unter freiem Himmel -gefeiert; meine Kanzel war ein aus rohen Baumstämmen -aufgeschichteter Pfeiler, meine Kirche der tiefe Schatten -des Waldes, unter welchem wir uns versammelten; -aber von einer aufrichtigeren Frömmigkeit und Inbrunst, -als an diesem Tage, bin ich nie Zeuge gewesen. Ich -erinnere mich noch recht gut an den von mir gewählten -Text; ich entlehnte ihn aus dem achten Capitel des fünften -Buches Mosis, Vers 6, 7, und 9, die mir auf -unsre damaligen Umstände anwendbar zu sein schienen.</p> - -<p>»Im folgenden Jahre errichteten wir ein kleines -Blockhaus, das uns als Schule und Kirche diente. Anfangs -waren unsre Fortschritte in Lichtung des Bodens -nur langsam; denn wir mußten erst Lehrgeld bezahlen -und Erfahrung kaufen, und mancherlei und groß waren -die Täuschungen und Entbehrungen, denen wir in den -ersten fünf Jahren zu begegnen hatten. Zu einer Zeit -litten wir alle am Fieber, und keiner war im Stande, -dem andern beizustehen; dies war eine traurige Zeit; allein -bessere Tage warteten unser. Die Anzahl der Auswandrer -nahm fortan zu, und die kleine Niederlassung, welche -wir begründet, stand in gutem Rufe. Ein neuer Ankömmling -erbaute eine Säge-Mühle; ein andrer eine -Korn-Mühle; bald folgte auch ein Magazin, und diesem -ein zweites und drittes, bis wir ein blühendes Dorf - <span class="pagenum"><a id="Page_p315">[S. 315]</a></span> -um uns her empor steigen sahen. Nun fing das Land -an Werth an zu gewinnen, und manche von den alten -Ansiedlern verkauften die ihnen zugefallnen Parcellen mit -Vortheil und zogen weiter waldeinwärts.</p> - -<p>»In demselben Verhältniß, als das Dorf wuchs, -nahmen natürlicher Weise auch meine amtlichen Pflichten -zu, die mir in den ersten Jahren meine kleine Heerde -durch freiwillige Liebesdienste und Geschenke vergalt; -jetzt genieße ich die Zufriedenheit, meinen Lohn zu ernten, -ohne daß ich meinen Pfarrkindern zur Last falle. -Mein Grundstück nimmt an Werth zu, und außer meinem -Honorar als Prediger erhalte ich noch für die Schule -eine kleine Zulage, welche die Regierung zahlt. Wir -können uns jetzt glücklich preisen, daß wir hier sind; denn -Gott hat unsre Bemühungen gesegnet.«</p> - -<p>Ich habe manche interessante Umstände vergessen, -die mit den Prüfungen und Entbehrungen, welchen diese -Familie ausgesetzt war, in Verbindung standen; indeß -erzählte uns der Prediger genug, um mich mit meiner -Lage auszusöhnen, und ich kehrte nach einem angenehmen -mehrtägigen Aufenthalte bei diesen liebenswürdigen Menschen, -mit erhöhter Zufriedenheit und einigen nützlichen -praktischen Lehren, die mich mein ganzes Leben hindurch -begleiten werden, nach Hause zurück.</p> - -<p>Ich interessire mich gegenwärtig nicht wenig für -einen jungen Schotten, der von England hierher gekommen -ist, um die canadische Feldwirthschaft zu lernen; -der arme Junge hatte sich höchst romantische Vorstellungen -von dem Leben eines Ansiedlers gebildet, und zwar -theils aus den Berichten, die er gelesen, theils durch eine -lebhafte Phantasie verführt, welche die Täuschung vollendet -und in ihm den Glauben erzeugt hatte, daß er seine -Zeit hauptsächlich mit den bezaubernden Vergnügungen -und Abentheuern, welche die Jagd auf Rehe und andres - <span class="pagenum"><a id="Page_p316">[S. 316]</a></span> -Wild, das Schießen nach Tauben und Enten, das Erlegen -des Fuchses mit dem Speer, bei Fackellicht, das -Umhersteuern auf den Seen in einem Canoe von Birkenrinde -während des Sommers, das Schlittschuhlaufen oder -Schlittenfahren, nach Art der Lappländer, über den gefrornen -Schnee, mit einer Schnelligkeit von zwölf (englischen) -Meilen, und unter dem muntern Geläute von -Glöckchen und Schellen u. s. w. darbieten, zubringen -werde. Welch anmuthiges Leben, um einen Knaben von -vierzehn Jahren für sich einzunehmen, der eben erst den -lästigen Beschränkungen einer Pensions-Anstalt entflohen -ist.</p> - -<p>Wie wenig mochte ihn von den Plackerein und -Mühseligkeiten träumen, welche von den Pflichten eines -Burschen seines Alters in einem Lande, wo Alt und -Jung, Herr und Diener in gleichem Grade, und ohne -Rücksicht auf frühere Lage und Rang, Hand ans Werk -legen müssen, unzertrennlich sind.</p> - -<p>Hier muß der Sohn eines Gentleman selbst Holz -spellen und Wasser hohlen; er lernt hier Bäume fällen, -Holzpfeiler errichten, Gitterwerk zuschneiden, das Feuer -während der Brenn-Zeit bewachen, und ist dabei in einen -groben Ueberwurf von hanfnem Zeuge (<em class="antiqua">logging-shirt</em>) und -entsprechende Pantalons gekleidet, und mit einem Yankie-Strohhut -auf dem Kopfe und einem Spieß zur Handhabung -der lodernden Feuerbrändte versehen. Beschicken, Anschirren -und Führen des Zugviehs, Pflügen, Säen, das Pflanzen -von indianischem Korn und Kürbissen, das Legen von -Kartoffeln gehört unter die Verrichtungen des jungen -Emigranten. Seine Erholungen sind vergleichungsweise -nur wenige, allein eben wegen ihrer Seltenheit haben sie -einen um so viel größeren Reiz, und gewähren einen um -so größeren Genuß.</p> - -<p>Sie können sich denken, wie der arme Junge niedergeschlagen -sein mußte, als er seine schönen Träume - <span class="pagenum"><a id="Page_p317">[S. 317]</a></span> -von Belustigungen aller Art, vor der ernsten, nüchternen -Wirklichkeit und der mühseligen Geschäftigkeit, welche einem -jungen Ansiedler in den Urwäldern obliegt, in Nichts -zerrinnen sah.</p> - -<p>Jugend ist indeß das passendste Alter zur Auswanderung -in dieses Land; der Mensch fügt sich dann bald -in seine neue Lage und versöhnt sich nicht nur im Verlauf -der Zeit mit der Veränderung seiner Lebens-Verhältnisse, -sondern gewinnt sie sogar lieb. Einen Trost -gewährt es ihm auch, wenn er sieht, daß er nicht mehr -thut, als andre von gleichen Ansprüchen auf Rang und -Erziehung verrichten müssen, wenn sie fortkommen und -gedeihen wollen; und vielleicht wird er in der Zukunft -das Land segnen und preisen, welches ihn von einem -Theil jenes dummen Stolzes befreit hat, welcher ihn mit -Verachtung auf diejenigen herabblicken machte, deren -Beschäftigungen von niedrer Art waren.</p> - -<p>Es wäre ein himmelschreiendes Unrecht, wenn man -Leute, welche auszuwandern wünschen, mit falschen und -schmeichelnden Gemälden von den in diesem Lande zu -erwartenden Vortheilen vorsätzlich hintergehen wollte. -Man mache sie in seinen Berichten mit dem Für und -Wider genau bekannt; und der Leser brauche seinen besten, -von Vorurtheilen oder Gewinnsucht in einer Sache -von solcher Wichtigkeit nicht sowohl für ihn selbst, sondern -auch für diejenigen, zu deren Führer und Beschützer -ihn die Natur bestimmt hat, unbehinderten Verstand. -Es ist indeß weit schwieriger über Auswanderung und -die damit verbundnen Umstände zu schreiben, als viele -sich einbilden; der Gegenstand umfaßt ein so weites Feld, -daß, was in Bezug auf einen Theil der Provinz vollkommen -richtig sein mag, dieses hinsichtlich eines andern -keineswegs sein dürfte. Ein Distrikt unterscheidet sich -von dem andern, ein Gemeinde-Bezirk von dem andern, - <span class="pagenum"><a id="Page_p318">[S. 318]</a></span> -je nach seinen natürlichen Vortheilen; es frägt sich hier, -ob er seit langer Zeit angesiedelt ist oder nicht, ob er -Wasser besitzt oder nicht; der Boden, ja selbst das Klima -sind je nach Lage und andern Umständen verschieden.</p> - -<p>Viel, sehr viel hängt hier von dem Temperament, -der Gewohnheit und dem Charakter der Emigrantin selbst -ab. Was dem einen frommt, paßt nicht auch für den -andern; eine Familie wird gedeihen, und alle Bequemlichkeiten -um ihre Wohnstätte her versammeln, während -andere in Armuth und Mißmuth leben. Es würden -ganze Bände nöthig sein, um jedes Argument für und -wider zu erörtern, und genau anzugeben, welche Personen -sich zur Auswanderung eignen, und welche nicht.</p> - -<p>Haben Sie <em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Dunlop's</em> geistreich und witzig -geschriebnen »<em class="antiqua">Backwoodsman</em>« gelesen? Sollte dies -nicht der Fall sein, so suchen Sie ihn so bald als möglich -zu bekommen, er wird Sie unterhalten. Ich denke eine -Urwaldsiedlerin (<em class="antiqua">Backwoodswoman</em>) könnte in demselben -Tone geschrieben werden; einige Seiten, die Geschichte von -dergleichen Damen enthaltend, würden als Beispiel für -unser Geschlecht dienen. In der That bedürfen wir einiger -heilsamen Ermahnungen hinsichtlich unsrer Pflichten -so wie der Thorheit, zu bereuen, daß wir unsern Gatten -gefolgt sind und ihr Loos mit ihnen theilen, daß wir -denen gefolgt sind, welchen wir einst in glücklichern Stunden -ewige Liebe und Treue — in Reichthum und Armuth, -in Leiden und Freuden, Gesundheit und Krankheit -— angelobt haben. Nur zu viele thun dieses Gelübde, -ohne seine Wichtigkeit zu bedenken und ohne die Zufälligkeiten -zu berechnen, welche ihre Treue auf eine harte -Probe setzen dürften, wie z. B. wenn es sich darum -handelt, Verwandte, Freunde und Vaterland zu verlassen -und sich dem harten Loose eines Ansiedler-Lebens zu unterziehen; -gewiß kein geringes Opfer; allein die treue - <span class="pagenum"><a id="Page_p319">[S. 319]</a></span> -liebende Gattin wird es bringen, ja sie wird sich zu noch -größeren Schwierigkeiten verstehen, wenn es der Mann -ihrer Wahl von ihr fordert.</p> - -<p class="pmb3">Allein es ist Zeit, daß ich Ihnen Lebewohl sage; -mein Brief ist zu einem furchtbaren Packet angeschwollen, -er wird Sie gewiß langweilen, und Sie werden ihn auf -den Boden des atlantischen Oceans herabwünschen.</p> - -<hr class="tb" /> - -<div class="block0"> -<div class="footnotes"><b>Fußnoten:</b> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_57_57"></a><a href="#FNanchor_57_57"><span class="label">[57]</span></a> Siehe den Anhang.</p> -</div> -</div> -</div> - - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p320">[S. 320]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="no-break" id="Sechszehnter_Brief">Sechszehnter Brief.</h2> -</div> - -<blockquote> -<p class="p1 font09">Indianische Jäger. — Segel auf einem Canoe. — Mangel -an Bibliotheken in den Urwäldern. — Neues Dorf. — -Fortschritte und Verbesserungen. — Leuchtende Insekten (Johanniswürmchen.)</p> -</blockquote> - - -<p>Ich habe Ihnen in einem früheren Briefe von einem -Winter-Besuch bei den Indianern erzählt; ich will -Ihnen jetzt Einiges über ihr Sommer-Lager mittheilen, -das ich an einem schönen Juni-Nachmittage in Begleitung -meines Gatten und einiger Freunde, die zu uns -kamen, um den Tag mit uns zuzubringen, in Augenschein -genommen habe.</p> - -<p>Die Indianer hatten ihr Lager auf einer kleinen, -zwischen den beiden Seen hervorspringenden Halbinsel -aufgeschlagen; unser nächster Weg dahin würde durch -den Busch geführt haben, allein der Boden war so mit -umgestürzten Bäumen bestreut, daß wir eine Fahrt im -Canoe vorzogen. Der Tag war warm, ohne drückend -heiß zu sein, wie dies nur zu oft während der Sommer-Monate -der Fall ist; und o Wunder! die Musquitos -und schwarzen Stechfliegen waren so höflich, daß sie uns -gar nicht beschwerlich fielen. Unsre leichte Barke glitt -leicht und ruhig über die ruhige Wasserfläche im Schatten -der überhängenden Aeste von Cedern, Schierlingstannen -und Balsampappeln, welche köstliche Wohlgerüche -verbreiten, wenn die wehenden Lüfte durch ihre Laubkrone - <span class="pagenum"><a id="Page_p321">[S. 321]</a></span> -streichen. Ein Beet blauer Schwertlilien (<em class="antiqua">iris</em>), -untermengt mit schneeweißen Nymphäen, über die unser -Canoe wegsegelte, entzückte mein Auge. Als wir um -einen felsigen Ufervorsprung gesteuert waren, sahen wir -den dünnen bläulichen Rauch aus dem Indianer-Lager -sich über die Bäume kräuseln, und bald war unser Canoe -sicher an einem derselben, auf der Seite des Indianer-Lagers, -angelegt, und mit Hülfe der weitspreizigen Zweige -und des Unterholzes gelang es mir, mich einen steilen -Pfad hinan zu arbeiten, und bald stand ich gerade vor -dem Zelte. Es war Sonntag Nachmittags; sämmtliche -Männer waren zu Hause; einige der jüngern Familien-Glieder -(drei Familien bewohnten den Wigwam) warfen -zum Zeitvertreib den Tomahawk nach einer Kerbe, die -in die Rinde eines fern stehenden Baums gehauen war, -oder schossen mit ihren Bogen und Pfeilen nach dem -Ziele, während die ältern theils auf ihren Bettdecken im -Schatten schliefen, theils lasen, theils rauchten und die -Geschicklichkeit der jungen, mit einander wetteifernden -Schützen ernsten Auges prüften.</p> - -<p>Blos eine von den Squaws war zu Hause, und -zwar meine alte Freundin, die Gattin des Jägers, die -auf einer Bettdecke saß; ihr jüngstes Kind, der kleine -<em class="gesperrt">David</em>, eine Papouse von drei Jahren, die noch nicht -entwöhnt war, ruhte zwischen ihren Füßen; sie beäugelte -ihn oft mit liebevollen zärtlichen Blicken, und klopfte ihn -von Zeit zu Zeit sanft auf das zottige Köpfchen. <em class="gesperrt">Peter</em>, -der eine Art angesehner Mann, wenn auch gerade -kein Häuptling ist, saß neben seiner Frau, in einen hübschen -blauen Schlafrock gekleidet, den eine rothe gewirkte -Binde über der Hüfte zusammen hielt. Er rauchte aus -einer kurzen Pfeife und betrachtete die vor der Thür des -Zeltes versammelte Gesellschaft mit einem Ausdruck ruhiger -Theilnahme; bisweilen nahm er seine Pfeife auf einige -Augenblicke aus dem Munde und bezeichnete durch -eine Art innern Ausruf den Erfolg oder das Fehlschlagen - <span class="pagenum"><a id="Page_p322">[S. 322]</a></span> -der Versuche seiner Söhne, das Ziel am Baume zu treffen. -Die alte Squaw, winkte mir, sobald sie meiner ansichtig -wurde, zu, näher zu treten und gab mir mit wohlmeinendem -Lächeln zu verstehen, indem sie auf eine freie -Stelle ihrer Bettdecke hinwieß, daß ich neben ihr Platz -nehmen möchte, was ich auch that. Die Durchmusterung -des Wigwams und seiner Bewohner machten mir viel Unterhaltung. -Das Gebäude war von länglicher Form, und -an beiden Enden offen, jedoch wurden die Oeffnungen, -wie man mir sagte, des Nachts durch Tücher oder Matten -verschlossen; der obere Theil des Dachs war ebenfalls -offen; die Seitenwände bestanden aus rohem Pfahlwerk -mit großen Schichten zwischen die Stöcke, welche das -Gerippe des Zeltes bildeten, gezogner Birkenrinde; eine -lange dünne Stange von Eisenholz bildet einen niedern -Tragbalken, woran verschiedne eiserne und kupferne Töpfe -und Kessel, desgleichen einige Keulen frisch getödteten -Wildbrets und gedörrte Fische hingen; das Feuer nahm -den Mittelpunkt der Hütte ein, und um die glühende -Asche her lagen mehre friedliche Jagdhunde; sie zeigten -etwas von der ruhigen Apathie ihrer Herren, sie öffneten -beim Eintreten der Fremdlinge blos die Augen, und -als sie bemerkten, daß alles in Ordnung war, überließen -sie sich wieder ihrem Schlummer und kümmerten sich -nicht weiter um uns.</p> - -<p>Die Jäger-Familie nahm eine ganze Seite des Gebäudes -ein, während <em class="gesperrt">Joseph Muskrat</em> mit seiner -Familie, und <em class="gesperrt">Joseph Bolans</em> und seine Squaw die -entgegengesetzte Wand theilten; die verschiednen Abtheilungen -waren durch Bettdecken, Fischerspeere, lange Flinten, -Tomahawks und andres Eigenthum bezeichnet und -geschieden; das Kochgeräthe anlangend, so schien es mir -wegen seiner Spärlichkeit allen gemeinschaftlich anzugehören; -es herrschte vollkommne Freundschaft und Einigkeit -zwischen den drei Familien, und, nach dem äußern Anschein -zu urtheilen, waren alle glücklich und zufrieden. - <span class="pagenum"><a id="Page_p323">[S. 323]</a></span> -Ein Blick auf die Bücher in den Händen der jungen -Männer überzeugte mich, daß es fromme Lieder und Abhandlungen -waren; die eine Seite enthielt den englischen -Text, die andere die indianische Uebersetzung. Auf unsre -Bitten sangen die Männer eins von den Liedern, welches -recht gut klang, allein wir vermißten die süßen Stimmen -der indianischen Mädchen, die ich vor dem Hause gelassen -hatte, wo sie auf einem Fichtenstamme saßen und -sich mit meinem Knäbchen unterhielten, welches ihnen -nebst seiner Wärterin sehr zu gefallen schien.</p> - -<p>An der Außenseite des Zeltes zeigte mir die Squaw -ein Canoe von Birkenrinde, dessen Bau noch nicht vollendet -war. Die Gestalt des kleinen Fahrzeugs war -durch eine Anzahl in regelmäßigen Abständen von einander -in die Erde gesteckte Stöcke angedeutet; die Birkenrinden-Schichten -waren angefeuchtet, und jede an dem geeigneten -Platze durch Cedern-Latten befestigt, die so gekrümmt -sind, daß sie als Rippen oder Fachwerk dienen; -die Rindenschichten sind mit den zähen Wurzeln des Tamarack -(Lärchenbaum) zusammengestrickt; und die Ränder -des Canoes sind mit demselben Material besäumt -oder umflochten; das Ganze wird, ist es so weit vollendet, -mit dickem Gummi überzogen.</p> - -<p>Ich hatte die Ehre, von Mrs. <em class="gesperrt">Peter</em> nach Hause -gerudert zu werden, und zwar in einem neuen Canoe, -das eben erst von Stapel gelassen worden war; die Bewegung -war in höchstem Grade angenehm, ich saß auf -dem Boden des kleinen Fahrzeugs auf einigen leichten -Schierlingstannen-Zweigen und meine Heimfahrt war -sehr ergötzlich und angenehm. Das Canoe, durch den -Arm der schwärzlichen Amazone in Bewegung setzt, flog -schnell über das Wasser, und bald landeten wir in einer -kleinen Bucht in geringer Entfernung von meinem Hause. -Zur Vergeltung der mir von der Squaw erwiesnen Aufmerksamkeit, -erfreute ich sie durch das Geschenk einiger -Perlen zum Einwirken in Messerscheiden und Mokassins - <span class="pagenum"><a id="Page_p324">[S. 324]</a></span> -womit sie sehr zufrieden zu sein schien; sie verbarg ihren -Schatz sorgfältig im Busentuche, und befestigte ihn noch -überdieß mit einem Stückchen Bande.</p> - -<p>Gepaart mit einer eigenthümlichen Zurückgehaltenheit -und ernstem Temperament zeigen die Indianer in -einigen Stücken zu gleicher Zeit einen Grad von kindischem -Wesen. Ich gab dem Jäger und seinem Sohne -eines Tages einige colorirte Kupferstiche, die ihnen viel -Spaß zu machen schienen, denn sie lachten gewaltig über -die modisch gekleideten Figuren. Nachdem sie das Haus -verlassen, setzten sie sich auf einen gefallenen Baum, versammelten -ihre Hunde um sich und breiteren vor jedem -besonders die Gemälde aus.</p> - -<p>Die armen Thiere, anstatt die bunt gekleideten -Herren und Damen aufmerksam zu betrachten, streckten -ihre Köpfe in die Höhe und leckten ihren Herren Hände -und Gesicht; allein der alte <em class="gesperrt">Peter</em> hatte sich einmal vorgenommen, -daß die Hunde das Vergnügen der Gemäldeschau -theilen sollten, daher drückte er sie mit der Nase -auf die Kupferstiche, und hielt sie an ihren langen Ohren -fest, wenn sie Miene machten, zu entweichen. Ich hätte -den alten ernsten Indianer eines so kindischen albernen -Benehmens kaum für fähig gehalten.</p> - -<p>Diese halbcivilisirten Wilden scheinen gegenwärtig -nicht mehr so eingenommen für bunten glänzenden Putz -wie früher, und beobachten in ihrer Kleidung mehr einen -europäischen Styl; es ist nichts Ungewöhnliches, einen -Indianer in einen feinen Tuchoberrock und Pantalons -gekleidet zu sehen, wiewohl ich gestehen muß, daß die -weiten Ueberhemden, womit die Regierung sie versorgt, -und die einen Theil ihrer jährlichen Geschenke bilden, -ihnen weit besser stehen und bequemer sind. Die Squaws -ziehen baumwollene oder wollene Röcke, Schürzen und -Tücher, und andre dergleichen nützliche Artikel vor; wiewohl -sie ihre Kleinen gern recht herausputzen, und ihre -Wiegen-Decken mit Seide und Perlen sticken und an - <span class="pagenum"><a id="Page_p325">[S. 325]</a></span> -ihren Schultern Flügel von Vögeln befestigen. Wie -viel Vergnügen machte mir die Erscheinung eines dieser -indianischen Cupidos, der mit den Fittigen des amerikanischen -Streitvogels, eines sehr schönen Thieres, geschmückt -war. Der erwähnte Vogel ist unserm brittischen Buchfinken -nicht unähnlich, nur daß die Farben seines Gefieders -lebhafter sind; Brust und Unter-Federn der Flügel -schmückt das glänzendste Carminroth, das mit Schwarz -und Weiß schattirt ist. Man hat diesen Vogel deshalb -Streit- oder Kriegs-Vogel genannt, weil er zuerst während -des letzten amerikanischen Krieges in Canada erschienen -ist, ein Umstand, der, meines Bedünkens, wohl -verbürgt ist oder wenigstens allgemein Glauben gefunden -hat.</p> - -<p>Ueber Ihre Bemerkung, daß wir in den Urwäldern -leicht zu einer Leibibliothek unsre Zuflucht nehmen dürften, -konnte ich mich kaum des Lächelns enthalten. In -einer Hinsicht, sind Sie in der That nicht so weit von -der Wahrheit entfernt; denn die Bibliothek eines jeden -Ansiedlers kann eine circulirende genannt werden, insofern -die Bücher von einem Freund zum andern wandern; -und glücklicher Weise haben wir einige recht wohl bestellte -und reichhaltige Bibliotheken in unsrer Nachbarschaft, -die uns stets offen stehen. Zu York ist eine öffentliche -Bibliothek, allein von dieser können wir eben so -wenig Gebrauch machen, als wenn sie sich auf der andern -Seite des atlantischen Ozeans befände.</p> - -<p>Ich weiß recht gut, wie sich die Sache verhält; in -der Heimath hat man dieselbe Vorstellung von der Leichtigkeit, -in diesem Lande zu reisen, die ich ehemals hatte; -jetzt aber weiß ich, was Busch-Straßen sind, eine Reise -von nur wenigen Stunden scheint ein abentheuerliches -verhängnißvolles Unternehmen. Erinnern Sie sich wohl -meines Berichtes von einer Tagereise durch den Wald? -Es thut mir leid, sagen zu müssen, daß sich die Wege seitdem -nur wenig verbessert haben. Ich habe nur noch einmal - <span class="pagenum"><a id="Page_p326">[S. 326]</a></span> -eine ähnliche Fahrt gewagt, die mir mehre sehr beschwerdevolle -Stunden verursachte, und mehr durch gutes Glück -als in Folge eines andern Umstandes langte ich ganzbeinig -an dem Orte meiner Bestimmung an. Ich mußte -dabei über die häufigen Betheuerungen des Wagenlenkers, -eines schlauen Burschen aus Yorkshire, lachen: »— O! -wenn ich nur seine Excellenz den Gouverneur über diese -Straße zu fahren hätte, wie wollte ich die Pferde über -diese Stummel und Steine traben lassen;« aber bald darauf -schrie er wieder: »Ich wette, er würde alles dafür -thun, ehe er wieder darauf führe.«</p> - -<p>Unglücklicher Weise haben wir auf dieser Seite des -Flusses keine von der Regierung angelegte Straße; sie ist -blos von den Ansiedlern zu größrer Bequemlichkeit durch -den Wald gehauen worden, daher ich fürchte, daß nichts -zu ihrer Verbesserung gethan werden dürfte, wofern die -Einwohner nicht selbst Hand anlegen.</p> - -<p>Wir hoffen bald einen nähern Markt für unser -Getraide zu haben, als Peterborough ist; eine Kornmühle -ist erst kürzlich in dem neuen Dorfe errichtet worden. -Dies wird ein großer Vortheil für uns sein. Die Herbeischaffung -von Mehl auf den schlechten Fahrwegen verursacht -großen Kostenaufwand, und der Zeitverlust, den -diejenigen erleiden, welche ihren Weizen zum Mahlen -nach der Stadt senden müssen, ist ein großes Uebel; -allein das wird bald anders werden, zur großen Freude -der ganzen Nachbarschaft.</p> - -<p>Sie können sich gar nicht vorstellen, wie wichtig -dergleichen Verbesserungen sind, und welchen Einfluß sie -auf Ermuthigung des Emigranten haben, wozu noch -kommt, daß sie den Werth seines Besitzthums in keinem -geringen Grade vermehren; wir haben uns bereits von -den Vortheilen überzeugt, welche die Nähe der Sägemühle -für uns hat, indem wir nunmehr nicht nur billiger -bauen sondern auch rohe Stämme gegen zugeschnittnes -Holz austauschen können. Die großen Fichtenstämme, - <span class="pagenum"><a id="Page_p327">[S. 327]</a></span> -welche unter andern Umständen nichts als ein Hinderniß -bei Lichtung des Bodens sein würden, sind, wenn sie in -der für die Behandlung auf der Sägemühle erforderlichen -Form gefällt werden, was sich leicht thun läßt, wo sie -in der Nähe des Wassers stehen, sehr gewinnbringend, -die Stämme müssen eine gewisse Länge haben und werden -von Ochsen während des Winters, wenn der Boden -fest gefroren ist, hart an den Rand des Sees geschleift; -sobald das Eis aufbricht, schwimmen die Baumstämme -mit der Fluth stromabwärts und gelangen so in den -Mühlgraben; ich habe den See unsern Fenstern gegenüber -mit dergleichen schwimmenden, auf seinem Wege -zur Sägemühle begriffnen Holze bedeckt gesehen.</p> - -<p>Wie schätzbar würden die großen Eichen und riesenhaften -Fichten in einem englischen Besitzthum sein; während -man sie hier nicht mehr achtet, als man in der -Heimath kleine unbedeutende Bäumchen achtet. Einige -Jahre später dürfte man indeß die gewaltigen Stämme -welche jetzt verbrannt werden, im Bauwesen vermissen. -Die Eichen eignen sich vorzüglich zu Umpfählungen -und Gitterwerk, weil ihr Holz sehr dauerhaft ist; Fichten, -Cedern und weiße Aeschen werden vorzüglich zu -Schlagbäumen und dergleichen verwendet; Ahorn und -Buchen liefern das beste Brenn-Holz; weiße Aesche brennt -gut. Zur Bereitung von Seifenlauge nimmt man keine -andre, als Asche von hartem Holz: als Eiche, Aesche, -Ahorn und Buche; alle harzhaltige Bäume taugen nicht -zu diesem Behuf, die Lauge von dergleichen Asche verbindet -sich beim Sieden nicht mit dem Fett, zum großen -Verdruß des nicht eingeweihten Seifensieders, der, hätte -er den eben erwähnten Umstand gekannt, viel Zeit und -Mühe, und, was das Wichtigste ist, viel von dem seit -Monaten sorgfältig gesammelten Material erspart haben -würde.</p> - -<p>Die Frau eines amerikanischen Ansiedlers erzählte -mir dies und rieth mir, bei Bereitung meiner Seifenlauge - <span class="pagenum"><a id="Page_p328">[S. 328]</a></span> -sorgfältig alle Fichten-Asche auszuschließen. Und -hier muß ich bemerken, daß unter allen Ansiedlern die -Yankies, wie sie genannt werden, die fleißigsten und erfindungsreichsten -sind; sie sind nie wegen eines Auskunftsmittels -in Verlegenheit; wenn ihnen der eine Plan -fehl schlägt, so ergreifen sie mit einer Gedankenschnelligkeit, -die mich mit Staunen erfüllt, während sie bei ihnen -ganz natürlich zu sein scheint, einen andern. Sie scheinen -eine Art angeborner Geistesgegenwart zu besitzen, und, -anstatt ihre Energie in Worten darzuthun, <em class="gesperrt">handeln</em> sie.</p> - -<p>Die alten Ansiedler, welche lange unter ihnen gewesen, -scheinen sich dieselben Gewohnheiten anzueignen, -so daß es schwer hält, sie von den Yankies zu unterscheiden. -Ich habe die Amerikaner ein geschwätziges Volk -nennen hören; allein, so weit meine Bekanntschaft mit -ihnen reicht, möchte ich sie vielmehr für laconisch halten, -und wenn ich sie nicht recht leiden kann, so ist vielmehr -ihr kaltes kurzangebundnes Benehmen daran schuld, welches -eine Schranke zwischen uns zu ziehen scheint.</p> - -<p>Die Bemerkungen eines wandernden Uhrmachers, -aus dem Staate Ohio gebürtig, befremdete mich ein wenig. -Nachdem er nämlich die Vorzüglichkeit des Ohio-Klimas -in Vergleich mit dem unsrigen (in Canada) gerühmt, -sagte er, in Beantwortung einiger von meinem -Gatten an ihn gerichteten Fragen; er wundre sich, daß -alle Leute von feiner Bildung Canada, besonders den -Busch, wo sie manches liebe Jahr hindurch alle höheren -Annehmlichkeiten und verfeinerten Genüsse des Lebens -entbehren müßten; den reichen, halbcultivirten und fruchtbaren -Ohio-Staat, wo man noch dazu Land, sowohl wildes -als gelichtetes, weit billiger kaufen könne, vorzögen.</p> - -<p>Hierauf antworteten wir, daß erstens brittische Unterthanen -lieber unter brittischer Botmäßigkeit ständen, -und daß dieselben überdies den Sitten seiner Landsleute -abgeneigt wären. Er erkannte freimüthig den ersten Einwurf -als richtig, bemerkte aber hinsichtlich des andern - <span class="pagenum"><a id="Page_p329">[S. 329]</a></span> -daß man die Amerikaner im Allgemeinen nicht nach den -einzelnen, in den brittischen Colonien vorkommenden Beispielen -beurtheilen dürfe. Da letztere in der Regel Leute -von eben nicht sonderlichem Ruf wären, viele derselben -hätten sich Schulden oder andrer schlechter Streiche wegen, -nach Canada geflüchtet; »es wäre hart,« fügte er -hinzu, »wenn man die Engländer nach den nach Botany-Bay -transportirten Verbrechern beurtheilen wollte.«</p> - -<p>Nun war nichts Ungefälliges oder Rohes in dem -Benehmen dieses Fremden, und die Vertheidigung seiner -Nation war ruhig und vernünftig, mit einem Wort von -der Art, daß jeder Vorurtheilsfreie ihn deswegen nur achten -mußte.</p> - -<p>So eben unterbricht mich ein Freund und sagt mir, -daß er Gelegenheit habe, eine portofreie Sendung nach -London oder Liverpool zu machen, und daß er in der -Kiste, die er für England packe, ein Packet von mir einschließen -wolle.</p> - -<p>Das Anerbieten ist mir sehr willkommen, nur bedaure -ich, daß ich nichts als einige Blumen-Samen, einige -indianische Fabrikate und etliche Schmetterlinge zu -senden habe — die letzten sind für <em class="gesperrt">Jane</em> bestimmt. -Ich hoffe, daß nicht alle das Schicksal der letzten theilen -werden. <em class="gesperrt">Sarah</em> hat mir geschrieben, daß sie von -der grünen Nacht-Eule, die ich das letzte Mal in der -kleinen Schachtel mitgeschickt, nichts weiter gefunden -habe, als etwas Staub und einige rothe Füße. Es ist -mir, jedoch nicht ohne Schwierigkeit geglückt, ein andres -und schöneres Exemplar zu erlangen; aber, aus Furcht, -daß ihm ein ähnliches Schicksal widerfahren könnte, will -ich wenigstens durch nachstehende Beschreibung das Andenken -seiner Schönheit zu erhalten suchen.</p> - -<p>Er mißt von einer Flügelspitze zur andern gerade -fünf Zoll; der Leib ist so dick, wie mein kleiner Finger, -schneeweiß und mit langem seidnen Haar bedeckt; die -Beine und Fühlhörner sind hellroth, letztere sind auf den - <span class="pagenum"><a id="Page_p330">[S. 330]</a></span> -beiden Seiten gezahnt wie ein Kamm; beide Flügel, Ober- -und Unter-Flügel zeichnen sich durch schönes Blaßgrün -aus, und haben an den Rändern goldne Franzen; jeden -Flügel schmückt ein kleiner Halbmond von Blaßblau, Roth -und Orangenfarben; das Blau nimmt die Mitte ein, -wie ein halbgeschloßnes Auge; die untern Flügel sind tief -ausgeschnitten, sie bilden dergestalt zwei lange Schwänze, -wie bei dem sogenannten Schwalbenschwanz (Schmetterling) -von ungefähr einem vollen Zoll in Länge, und sind -tief gefranzt; mit einem Wort, dieser Schmetterling ist -das reizendste Insekt, welches ich je gesehn habe.</p> - -<p>Wir besitzen eine große Mannigfaltigkeit an Pfauenaugen -(Schmetterlinge), die sich durch Farbenpracht und -unzählige Augen auf den Flügeln auszeichnen. Der gelbe -Schwalbenschwanz, der schwarz und blaue Admiral, und -der roth, weiß und schwarze Admiral, nebst manchen -andern prächtigen Varietäten, die ich nicht beschreiben -kann, sind ebenfalls sehr gemein. Der größte Schmetterling, -den ich bis jetzt gesehn, zeichnet sich durch ein muntres -Vermilion aus, welches durch ein über seine großen -Schwingen verbreitetes Netz von schwarzen Linien noch -mehr hervorgehoben wird.</p> - -<p>Das Libellen-Geschlecht anlangend, so haben wir -dergleichen von jeder Größe, Gestalt und Farbe. Vorzüglich -erfreute mich ein Pärchen prächtig blauer, die ich -häufig auf meinen Spaziergängen sah, wenn ich meine -Schwester besuchte. Sie waren so groß wie Schmetterlinge, -mit schwarzen Flor-Flügeln, auf jedem Flügelpaar -prangte ein mit Scharlachroth schattirter Halbmond vom -glänzendsten Azurblau; der Leib dieser schönen Thierchen -war ebenfalls blau. Außerdem bin ich auf scharlachfarbne -und schwarze, gelb und schwarze, kupferfarbne, -grüne und braune gestoßen; letztere sind große Feinde der -Musquitos und andrer kleiner Insekten und schwärmen - <span class="pagenum"><a id="Page_p331">[S. 331]</a></span> -des Abends in Aufsuchung von Beute in großen Schaaren -überall umher.</p> - -<p>Die Feuerfliegen dürfen nicht vergessen werden, denn -unter allen andern sind sie die merkwürdigsten, ihre Erscheinung -kündet gemeiniglich Regen an; man sieht sie oft, -nach Eintritt der Dunkelheit, an milden feuchten Abenden, -zwischen den Cedern am Saume der Wälder, und besonders -in der Nähe von Lachen und Sümpfen umherschwärmen, -und sie erleuchten die Luft mit ihrem glänzenden -tanzenden Lichte. Bisweilen sieht man sie in -Gruppen, gleich Sternschnuppen in der mittlern Luftregion -schweben, oder so tief herabsteigen, daß sie in die -Zimmer gerathen und um die Bett- und Fenster-Vorhänge -herumgaukeln; das Licht, welches sie verbreiten -ist heller und glänzender als das des Johanniswürmchens, -aber es geht auf dieselbe Weise, wie bei diesem von -dem untern Theile des Leibes aus. Auch das Johanniswürmchen -ist keine seltne Erscheinung, man sieht es sogar -noch im September, versteht sich in milden, warmen, -thauigen Nächten.</p> - -<p>Wir haben Ueberfluß an großen und kleinen Käfern, -einige sind sehr prachtvoll grün und golden, rosenfarben, -roth und schwarz; einige völlig schwarz, furchtbar groß, -mit weitspreizigen ästigen Hörnern. Wespen sind nicht -so lästig wie in England, allein ich glaube, dies ist blos -darum der Fall, weil wir diesen räuberischen Insekten -nicht die nämlichen Lockungen darbieten können, wie unsre -heimathlichen Gärten.</p> - -<p>Einer unsrer Holzfäller brachte mir eines Tages ein -Hornissen-Nest, wie er es nannte, es war jedenfalls ein -schönes und zartes Werk für ein so großes Insekt; und -ich vermuthe vielmehr, daß es einem schönen goldfarbigen -Insekt, Wespen-Fliege (<em class="antiqua">wasp-fly</em>) genannt, angehört, indeß -weiß ich dies nicht gewiß. Das Nest glich in Größe - <span class="pagenum"><a id="Page_p332">[S. 332]</a></span> -und Gestalt einem Truthahn-Ei und bestand aus sechs papiernen -Bechern, die einer in den andern geschoben, und -immer einer kleiner als der zunächst vorhergehende äußere -waren, und der innerste erschien nicht viel größer als ein -Tauben-Ei. Ein prüfender Blick durch die Oeffnung -des letzten Bechers, ließ mich im Innern eine kleine -Scheibe mit zwölf Zellen von vorzüglicher Nettigkeit und -von weit größrer Regelmäßigkeit, als die Zellen der gemeinen -Hausbiene zu sein pflegen, wahrnehmen; in Größe -glich eine Zelle nur dem dritten Theil von denen der -Honig-Biene. Die Substanz, woraus die Becher bestanden, -war ein feines, silbergraues, seidenartiges Gewebe, -so fein als das feinste chinesische Seiden-Papier -und äußerst spröde; wenn man es schwach netzte, so -wurde es klebrig und haftete etwas an dem berührenden -Finger; das Ganze war sorgfältig an einen Stock befestigt, -ich habe seitdem ein dergleichen Netz an eine rohe -Gitterstange befestigt gesehen. Ich konnte nicht umhin, -die instinktmäßige Sorgfalt zu bewundern, welche in der -Bildung dieses Meisterstücks von Insekten-Baukunst zur -Schützung des Embryos gegen schädliche Einflüsse, namentlich -gegen die Gefräßigkeit von Vögeln, so wie gegen -Regen und Unwetter zu Tage lag; der Regen konnte -wohl kaum einen Eingang in das Innere finden.</p> - -<p>Ich hatte — wenigstens glaubte ich so — meinen -Schatz sorgfältig in einem Tischkasten verwahrt, allein -ein ruchloser kleiner Spitzbube von Maus machte ihn -ausfindig und zerriß ihn in Stücke, um des Bischen -Honigs willen, das in einer oder zwei Zellen enthalten -war. Ich war sehr ärgerlich darüber, denn ich hatte mir -fest vorgenommen, das hübsche Nest bei günstiger Gelegenheit -einem lieben Freunde in Gloucester Place zu senden, -der ein großer Freund von dergleichen Naturmerkwürdigkeiten -ist, und mir einst ein Nest von ähnlicher -Form zeigte, welches in einem Bienenstock gefunden worden - <span class="pagenum"><a id="Page_p333">[S. 333]</a></span> -war; doch war bei diesem das Material weit gröber, -auch hatte es, erinnere ich mich recht, nicht sechs, sondern -nur zwei Zellen.</p> - -<p>Ich bin stets sehr begierig darauf gewesen, das Nest -eines Kolibris zu sehen, war aber bisher nicht so glücklich, -meinen Wunsch befriedigen zu können. Diesen Sommer -hatte ich einige Beete mit Kartäuser-Nelken und andern -Blumen, besonders einigen prächtigen Convolvolus-Arten -(<em class="antiqua">morning gloves</em>), wie sie die Amerikaner nennen, bepflanzt; -diese lieblichen Blumen lockten die Kolibris an, -meinen Garten zu besuchen, und ich hatte das Vergnügen, -ein Pärchen dieser schönen Vögel zu sehen, allein -ihr Flug ist so eigenthümlich, daß man kaum einen vollkommnen -Anblick ihrer mannigfaltigen Farben erlangen -kann; ihre Bewegung, wenn sie auf dem Flittig schweben, -gleicht dem Umkreisen eines Spinnrades, und das -Geräusch, das sie dabei erregen, dem Schnarren oder -Sumsen eines im Gange begriffnen Rades; ich will jetzt -recht viel Blumen anpflanzen, um die niedlichen Thiere -zum Nisten in unsrer Nähe zu bestimmen.</p> - -<p>Ich fürchte bisweilen, daß ich Ihnen mit meinem -langen uninteressanten Briefe beschwerlich falle; die einzige -Quelle, woraus ich schöpfen kann, ist das Hauswesen -und die Naturgeschichte des Landes, und hiervon -theile ich Ihnen alles dasjenige mit, was durch seine -Neuheit Ihre Aufmerksamkeit fesseln dürfte. Wahrscheinlich -mag ich bisweilen Ihre Erwartung täuschen, indem -ich Ihnen Dinge erzähle, welche den Zustand eines -Emigranten in ein ungünstiges Licht setzen; allein ich -trage die Sachen ganz so vor, wie ich sie gesehen oder -gehört habe. Ich könnte Ihnen manche günstig lautende -Berichte von den Ansiedlern in diesem Lande geben; ich -könnte das Gemälde auch umkehren, und Sie würden -endlich zu dem Schlusse gelangen, daß es an Gründen - <span class="pagenum"><a id="Page_p334">[S. 334]</a></span> -für und wider Auswanderung nicht fehle. Der erste -und wichtigste Grund indeß ist und bleibt <em class="gesperrt">Nothwendigkeit</em>, -und dieser wird stets die Wagschale zu Gunsten -der Auswanderung kehren; und dieselbe befehlshaberische -und herrische Dame <em class="gesperrt">Nothwendigkeit</em> sagt mir, -daß es <em class="gesperrt">nothwendig</em> sei, meinen Brief zu schließen.</p> - -<p>Leben Sie wohl, ich unterzeichne mich in Liebe -und Achtung Ihre</p> - -<p class="p1 rright"> -ergebenste Freundin.</p> -<p class="pmb3" /> - - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p335">[S. 335]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="no-break" id="Siebzehnter_Brief">Siebzehnter Brief.</h2> -</div> - -<blockquote> -<p class="p1 font09">Kaltes Fieber. — Unwohlsein der Familie. — Wahrscheinliche -Ursache. — Wurzel-Haus. — Eintritt des Winters. — -Insekt, der Säger genannt. — Einstweilige Kirche. —</p> -</blockquote> - - -<p class="p1 rright font09"> -November 28, 1834.<br /> -</p> - -<p>Mein mehrmonatliches Stillschweigen wird Sie gewiß -befremdet haben, allein wenn ich Ihnen erzähle, -daß Krankheit daran Schuld war, so werden Sie sich -nicht mehr darüber wundern, daß ich nicht eher als -heute wieder geschrieben habe.</p> - -<p>Mein guter Mann, meine Magd, mein armer Kleiner -und ich selbst wurden alle zu gleicher Zeit vom Fieber -befallen und ans Bett gefesselt. Sie wissen nur zu -gut, wie mich das kalte Fieber stets zu Hause gequält -hat, und dürfen sich daher nicht wundern, wenn ich Ihnen -sage, daß meine Leiden, in einem Lande, wo Sumpffieber -und alle Arten von Wechselfiebern zu Hause sind, -nicht gering waren.</p> - -<p>Wenige Emigranten kommen durch das erste Jahr, -ohne von diesen Uebeln heimgesucht zu werden; die -Behandlungs-Weise besteht in wiederholten Gaben Calomel -(versüßtes Quecksilber) nebst Biber-Oel oder Salzen, -worauf China angewendet wird. Diejenigen, welche dabei -von ärztlicher Behandlung nichts wissen wollen, curiren -sich mit Wachholder- oder starken Aufgüssen von - <span class="pagenum"><a id="Page_p336">[S. 336]</a></span> -Hyson oder einem andern starken grünen Thee, Pfeffer -und Branntwein, nebst manchen andern Mittelchen, denen -Gewohnheit oder Quacksalberei das Wort redet.</p> - -<p>Ich will nicht länger bei dieser traurigen Zeit stehen -bleiben, als nöthig ist, um Ihnen zu sagen, daß wir die -Ursache unsers Erkrankens in einer übeln Ausdünstung -suchen, die wohl von einem Keller unter der Küche ausgehen -mochte. Als der Schnee schmolz, füllte sich dieser -Keller zur Hälfte mit Wasser, entweder in Folge der -Nässe, welche durch den schwammigen Boden eindrang, -oder aus einem Quell, der unter dem Hause entspringen -mochte; wie dem auch sei, die Hitze des Koch- und -Brat-Ofens in der Küche bewirkte eine Gährung in der -stockenden Flüssigkeit, ehe sie entfernt werden konnte; die -schädlichen Dünste, welche sich aus dieser Masse fauligen -Wassers entwickelten, waren uns allen nachtheilig; die -Hausmagd, welche dem schädlichen Einfluß am meisten -ausgesetzt war, erkrankte zuerst —, und kurz darauf -folgten wir alle nach, so daß bald keiner mehr dem andern -Beistand leisten konnte. Ich glaube, meine Krankheit -steigerte sich noch dadurch, daß ich die Leiden meines -guten Gatten und meines theuren Kindes mit ansehen -mußte.</p> - -<p>Das Fieber, Dank sei es dem Calomel und dem -Quinin, verließ mich nach Verlauf von vierzehn Tagen -wieder; und eben so mein Kind und seine Wärterin. -Meinem Gatten aber hing es den ganzen Sommer hindurch -an, hemmte ihn in seiner Thätigkeit und stimmte -ihn mißmuthig und verdrießlich; letztres ist eine unausbleibliche -Folge des Fiebers, es macht eben so kleinmüthich -und verzagt, und stimmt die Lebens-Geister eben so -sehr herab, wie ein Nervenfieber. Mein Knabe ist, seitdem -er am Wechselfieber gelitten, noch nie wieder recht -gesund gewesen, und sieht sehr blaß und grillig aus.</p> - -<p>Wir würden uns, da weder eine Magd, noch eine -Wartefrau, noch sonst ein dergleichen Dienstbote zu erlangen - <span class="pagenum"><a id="Page_p337">[S. 337]</a></span> -war, in einer sehr schlimmen Lage befunden haben, -wofern uns nicht <em class="gesperrt">Marie</em> und <em class="gesperrt">Susanne</em> beigestanden -hätten. Ich wußte wirklich nicht, was unter so -mißlichen Umständen, ohne diese Hülfe, aus uns hätte -werden sollen.</p> - -<p>Dieser Sommer ist ausnehmend heiß und trocken -gewesen; das Wasser in den Seen und Flüssen war ausgetrocknet, -mehre Wochen hindurch fiel auch nicht ein -Tropfen Regen. Die äußerste Dürre vernichtete die Kartoffel-Ernte -völlig. Unser indianisches Korn dagegen -stand sehr schön, desgleichen geriethen die Kürbisse gut. -Wir hatten einige schöne Gemüse im Garten, vorzüglich -Erbsen und Melonen, die letztern waren sehr groß und -zart. Die Cultur der Melone ist sehr einfach; man -häuft zuerst vermittelst einer breiten Hacke die umgebende -Erde zusammen; die Mitte dieses Haufens wird dann -leicht ausgehöhlt, so daß sie gleichsam ein Becken bildet, -und die Erde am Rande wird noch etwas gehoben; in -diese Höhlung steckt man mehre Melonen-Samen und -überläßt sie dann der Sonnenhitze, indeß ist es gut, wenn -man den Pflanzen von Zeit zu Zeit etwas Wasser giebt; -der Boden muß wo möglich in schöner schwarzer Damm-Erde -bestehen; und wenn die kleinen Hügelchen eine Niedrigung -einnehmen, so daß immer etwas Wasser im Umkreise -stehen bleibt, desto besser gerathen die Melonen. Es ist -die Meinung mehrer praktischer Leute, welche durch mehrjährige -Bekanntschaft mit dem Lande, Erfahrung eingeerntet -haben, daß man bei Anlegung und Anpflanzung -eines Gartens die Beete nicht empor heben soll, wie dies -gewöhnlich der Fall ist; sie geben als Grund dafür an, -daß die Sonnen-Hitze die Feuchtigkeit, wenn das Beet -hoch ist, leichter vom Erdreich wegziehe, als im entgegengesetzten -Fall, und daß in Folge der Dürre des Bodens -die Pflanzen welken.</p> - -<p>Da einige Wahrheit in dieser Bemerkung zu sein -scheint, so bin ich geneigt, das Verfahren anzunehmen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p338">[S. 338]</a></span></p> - -<p>Gemüse sind im Allgemeinen gut und gelangen -schnell zur Reife, wenn man bedenkt, wie spät im Jahre -sie gepflanzt werden. Erbsen sind stets gut, besonders die -großen englischen Erbsen (<em class="antiqua">marrowfats</em>), welche bisweilen -auf den Feldern in gelichtetem Boden, welcher unter -dem Pfluge ist, gezogen werden. Wir haben eine große -Mannigfaltigkeit an Bohnen, alle der französischen Sorte -(Schminkbohne) angehörig; von einer sehr ergiebigen -Laufbohne lege ich einige Samen für sie bei; das Verfahren -beim Legen derselben besteht kürzlich in Folgendem: -man macht einen kleinen Hügel von Damm-Erde -indem man die Erde mittels einer Hacke zusammen häuft; -drückt ihn an der Spitze platt oder höhlt ihn etwas aus, -so daß die Vertiefung gerade die Mitte einnimmt, und -legt längs den Rändern vier oder fünf Samen hinein; -sobald die Bohne aufgeht und Ranken treibt, steckt man -in die Mitte des kleinen Hügels eine fünf bis sechs Fuß -lange Stange; sämtliche Pflanzen vereinigen sich an der -Stange, winden sich um dieselbe empor, und tragen -eine zahllose Menge Schoten (Bohnen), welche wie die -Scharlachbohnen geschnitten und gekocht oder auch in ihrem -trocknen und reifen Zustande benutzt, nämlich geschmort -und mit eingesalznem Fleische genossen werden; -letztres ist, glaube ich, das gewöhnliche Verfahren. Die -zeitige Buschbohne ist eine Zwerg-Art mit glänzendgelben -Samen.</p> - -<p>Unser Salat ist gut und leicht zu erbauen, man -erhält ihn sehr zeitig, wenn man die Saatlinge verpflanzt, -welche, gleich nachdem der Schnee gewichen ist, über -der Erde erscheinen. Kraut, und alle Wurzel-Arten werden -den Winter über in Kellern oder Wurzel-Häusern -aufbewahrt; aber von der nachtheiligen Gewohnheit, -grüne Gemüse in den seichten feuchten Kellern unter der -Küche aufzuheben, mögen manche Krankheiten herrühren, -wovon die Ansiedler, unter der Form von Sumpf-, - <span class="pagenum"><a id="Page_p339">[S. 339]</a></span> -Wechsel- und andern nachlassenden Fiebern heimgesucht -werden.</p> - -<p>Manche, besonders von der niedern Klasse sind nicht -hinreichend sorgsam in Befreiung dieser Keller von den -verwitternden Ueberbleibseln vegetabilischen Stoffes, die -man oft Jahrelang sich anhäufen läßt, und hierdurch -muß natürlicher Weise die Atmosphäre in den Häusern -verdorben werden. Ist das Haus klein und die Familie -zahlreich, und mithin den schädlichen Einflüssen während -der Nacht ausgesetzt, so kann man sich die traurigen -Folgen leicht vorstellen.</p> - -<p>»Man spreche nur nicht von Seen und Morästen, -als der Ursache von Fiebern und Rheumatismen; man -richte sein Augenmerk hierbei besonders auf die Keller,« -war der Ausspruch eines erfahrnen Yankie-Doctors. Und -wirklich glaube ich, daß der Keller unsers Hauses schuld -an unserm Erkranken war, und daß seine Ausdünstungen -das Uebel den ganzen Frühling und Sommer hindurch -unterhielten.</p> - -<p>Ein Wurzel-Haus ist zur Bequemlichkeit einer Ansiedler-Familie -durchaus erforderlich; bei gehöriger Construction, -mit doppelten Blockwänden, und bei gehöriger -Verwahrung des Daches gegen das Durchsickern des Regens -oder schmelzenden Schnees, kann man darin Gemüse, -Fleisch und Milch lange und unversehrt aufbewahren. -Sie werden fragen, warum, wenn der Nutzen wirklich -so groß und die Bequemlichkeit so wesentlich ist, -nicht jeder Ansiedler ein dergleichen Nebengebäude errichtet?</p> - -<p>Das, liebe Mutter, ist gerade die Bemerkung, welche -jeder neue Ankömmling macht; allein er überzeugt sich -nur zu bald von den Schwierigkeiten, welche einer Einrichtung -der Art zu Anfange entgegen stehen; er müßte -denn, was aber leider nicht oft der Fall ist, bares Geld -in Ueberfluß besitzen, um die erforderliche Arbeiter-Zahl -miethen zu können. Arbeits-Löhne sind so kostspielig, -und die Zeit zur Arbeit ist so kurz, das die Aufführung - <span class="pagenum"><a id="Page_p340">[S. 340]</a></span> -manches nützlichen, zur Bequemlichkeit dienenden Gebäudes -für die Zukunft aufgespart werden muß; ein Keller, -den ein Mann, vorausgesetzt, daß er fleißig arbeitet, in -zwei Tagen graben kann, ist alles, worauf man vor der -Hand zählen darf, bis die Zeit kommt, wo man mehr -Muße hat, oder die Nothwendigkeit ein Wurzel-Haus -erheischt. Wir selbst können uns als Beispiel dieses eben -nicht willkommnen Aufschubs anführen; allein nunmehr -sind die Blöcke dazu geschnitten, und wir werden in nächstem -Frühjahr eine so nützliche Anstalt besitzen. Ich -würde aber doch jedem rathen, gleich von vornherein oder -doch so bald als möglich ein Wurzel-Haus zu bauen, -so wie auch einen Brunnen zu graben; das nur wenige -Fuß unter der Erde befindliche Quellwasser machen letztre -Arbeit weder schwierig noch sehr kostspielig. Die Bäche -und kleinen Wasser-Behälter versiegen bei sehr trocknem -Wetter nicht selten, und das See- und Fluß-Wasser -wird im Frühjahr und Sommer warm und ekelhaft. -Das Quell-Wasser ist in der Regel kalt, — selbst in der -heißesten Jahreszeit, — und in hohem Grade erfrischend.</p> - -<p>Der Winter scheint jetzt in seiner ganzen Strenge -einzutreten. Schnee ist seit Mitte Oktobers bereits zweimal -gefallen, aber eben so oft wieder verschwunden, allein -jetzt ist der Boden steinhart gefroren; der kühne -Nordwestwind bläst eiskalt über die öde Flur, und Alles -und Jedes um uns her erscheint frostig und winterhaft. -Die dunkle Fichten-Linie, welche die entgegengesetzte Seite -des Sees begrenzt, ist bereits mit Reif und Schnee bedeckt, -und der halbgefrorne See zeigt eine dunkle Bleifarbe, -deren Einförmigkeit blos die in langen Spitzen -hervorschießenden Eismassen, welche gleichsam Baien und -Halbinseln bilden, unterbrechen. Die Mitte des Stroms, -wo die Gewalt des Wassers am größten ist, ist noch nicht -ganz mit Eis belegt, sondern fließt in dunkeln Wogen -dahin, wie ein Fluß zwischen seinen gefrornen Ufern. -An einigen Stellen, wo die Ufer abschüssig und mit - <span class="pagenum"><a id="Page_p341">[S. 341]</a></span> -Wurzeln und Strauch-Werk überwachsen sind, nehmen -der gefallne Schnee und das Wasser die seltsamsten Formen -an.</p> - -<p>Ich bin an heitern Winter-Tagen stundenlang stehen -geblieben und habe meine Augen mit namenlosem -Entzücken auf den mimischen Wasserfällen weilen lassen, -die längs dem Ufer zu festen Eismassen erstarrt sind, -und als ich von dem Mühlendamm aus diese niedlichen -Spielereien Vater Frosts betrachtete, malte ich mir im -Geiste die erhabne Scenerei der arktischen Welt.</p> - -<p>Trotz seiner sehr langen Dauer und äußersten Strenge -habe ich doch den canadischen Winter gern; er ist entschieden -die gesundeste Jahreszeit; und es ist kein kleiner -Genuß, von den Plagen der Insekten-Schwärme befreit -zu sein, die der Annehmlichkeit der schönen Sommer-Monate -keinen geringen Abbruch thun.</p> - -<p>Wir haben so eben Ihr letztes Packet erhalten; — -tausend, tausend Dank für den Inhalt! Wir alle freuen -uns über Ihre nützlichen Geschenke, vorzüglich über die -warmen Shawls und Merinos. Mein kleiner <em class="gesperrt">James</em> -(<em class="gesperrt">Jacob</em>) nimmt sich in seinem neuen Röckchen ganz -allerliebst aus, es wird ihn recht gut gegen die Kälte -schützen; er küßte die schönen mit Pelz gefütterten Pantoffeln, -die Sie für mich beigelegt haben, und sagte -»Pussy, Pussy;« bei dieser Gelegenheit will ich erwähnen, -daß wir eine hübsche Katze haben, welche <em class="gesperrt">Nora Crena</em> -heißt, und die Abschiedsgabe unsrer Freundin *** ist, die -sie meinem Knaben zum Andenken hinterließ. <em class="gesperrt">James</em> ist -ganz vernarrt in das Thier; und ich muß Ihnen sagen, -daß ich sie fast als eine zweite <em class="gesperrt">Wittington's</em> Katze -betrachte; weder Maus noch Tschitmunk hat sich seit -ihrer Gegenwart in unsre vier Pfähle gewagt; selbst die -Heimchen, welche uns mit ihrem ewigen Gezirp von -früh bis in die sinkende Nacht beschwerlich fielen, haben -ihre alte Behausung verlassen. Außer den Heimchen, -die oft in solcher Menge umher schwirren, daß sie - <span class="pagenum"><a id="Page_p342">[S. 342]</a></span> -eine wahre Plage abgeben, und tuchene und wollene -Kleider verderben, werden wir von großen schwarzen -Ameisen heimgesucht, die überall umher galloppiren, und -Zucker, Eingemachtes, Kuchen, kurz jede Leckerei, wozu -sie nur immer gelangen können, verzehren; diese Insekten -sind dreimal so groß als die schwarzen Ameisen in England, -und haben einen entsetzlichen Appetit; wenn sie -keine bessere Beute finden können, so tödtet die eine die -andre, und dies mit dem Ingrimm und der Geschicklichkeit -der Spinne. Sie scheinen in ihrer Lebensweise weniger -gesellig zu sein als andre Ameisen; wiewohl ich -mich, bei Berücksichtigung der beträchtlichen Anzahl, die in -unser Zimmer dringt, zu dem Schlusse geneigt fühle, daß -sie eben so, wie die übrigen Arten der Gattung, einen -Verein bilden und in Gemeinschaft mit einander leben.</p> - -<p>Während des ersten Jahres seines Aufenthalts in -einem neuen Blockhause wird man durch ein beständiges -knarrendes, den Ohren äußerst unangenehmes Geräusch -belästigt, bis man sich daran gewöhnt hat; dies wird -durch ein Insekt, gewöhnlich der <em class="gesperrt">Säger</em> genannt, verursacht. -Es sind die Larven einer Fliege, die ihre Eier -in die Rinde der Fichten-Bäume legt, das Thierchen in -seinem unreifen Zustande ist von weißlicher Farbe, der -Körper besteht aus elf Ringen; der Kopf ist mit einer -kurzen harten Zange bewaffnet, die Haut des Sägers -ist so rauh, daß man beim Darüberwegfahren mit dem -Finger eine Raspel zu berühren scheint, und doch erscheint -sie dem Auge völlig glatt und eben. Sie würden sich -wundern, wenn Sie den Haufen feiner Sägespäne unter -dem Loche sähen, woran er die ganze Nacht hindurch gearbeitet -hat. Diese Säger sind ein gutes Futter für die -Baumhacker, und in Gemeinschaft mit einander tragen -sie zur schnellen Zerstörung der gigantischen Waldbäume -bei, die andernfalls die Erde Jahrhunderte hindurch belasten -würden. Wie unendlich groß ist die Weisheit, -welche die physische Welt regelt und beherrscht! Wie oft - <span class="pagenum"><a id="Page_p343">[S. 343]</a></span> -sehen wir große, gewaltige Ereignisse, die durch scheinbar -unbedeutende Umstände herbeigeführt werden! aber alle, -so klein sie auch erscheinen mögen, sind Diener, welche -den Willen ihres Herrn und Gebieters vollstrecken. Einem -großen Mangel, nämlich dem Mangel an öffentlichem -Gottesdienst an Sonn- und Festtagen wird nun -bald abgeholfen werden. Man geht damit um, eine -Subscription unter den Ansiedlern dieses und eines Theils -der benachbarten Gemeinde zur Aufführung eines kleinen -Gebäudes zu eröffnen, welches zugleich den Zwecken einer -Kirche und eines Schul-Hauses entsprechen und überdies -die Besoldung eines Predigers für seine Bemühungen -decken soll. — Er hat sein Gesellschaftszimmer zur -einstweiligen Versammlung der Andächtigen hergegeben, -und ein sehr achtbarer junger schottischer Geistlicher hat -schon verschiedne Male darin Gottesdienst gehalten; ich -kann Ihnen versichern, daß unsre religiösen Versammlungen, -trotz dem, daß die Emigranten theils der katholischen, -theils der bischöflichen u. s. w. Kirche angehören, -ziemlich zahlreich ausfallen.</p> - -<p>Die Unterschiede zwischen den verschiednen Glaubensgenossen -fallen in diesem Lande nicht so in die Augen, -als in der Heimath; besonders weil man den Mangel -an religiösen Zusammenkünften nur zu merklich fühlt, -und mehr den großen allgemeinen Zweck aufrichtiger und -inniger Gottesverehrung ins Auge faßt. Das Wort -»<em class="gesperrt">Gott</em>« ist ein Wohlklang für das Ohr. Möge der -Segen des Himmels denjenigen zu Theil werden, welche -in Geist und Wahrheit bestrebt sind, die öffentlichen Gebräuche -des Sabaths wieder herzustellen, die, wenn sie -unsrer eignen Leitung überlassen blieben, nur zu leicht in -Vergessenheit gerathen dürften.</p> - -<p> -Leben Sie wohl!<br /> -</p> -<p class="pmb3" /> - - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p344">[S. 344]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="no-break" id="Achtzehnter_Brief">Achtzehnter Brief.</h2> -</div> - -<blockquote> -<p class="p1 font09">Geschäftreiches Frühjahr. — Zunahme der Gesellschaft und -Bequemlichkeit. — Erinnerungen an die Heimath. — Nordlicht.</p> -</blockquote> - - -<p>Dies ist ein geschäftreiches Frühjahr für uns gewesen; -zuerst hatten wir Zucker zu sieden, und diesmal in -größerer Menge als früher, als wir unsern ersten Versuch -machten. — Alsdann hatten wir Werkleute, indem unser -Haus mancher Erweiterung bedurfte; wir haben eine -große und bequeme Küche bauen lassen, die alte dient jetzt -als Schlafgemach; das Wurzel-Haus und die Milcherei -sind ziemlich vollendet. — Wir haben einen Brunnen -mit trefflichem Wasser gleich vor der Thür, und eine -hübsche hölzerne Scheune ist diese Woche fertig geworden, -sie enthält zugleich einen Getraideboden und einen Stall, -mit einer Abtheilung für das Federvieh, welches mir viel -Unterhaltung und Freude gewährt.</p> - -<p>Außer einem hübschen Hühner-Völkchen, den Abkömmlingen -von zwei Hennen und einem Hahn oder -Rooster, wie die Yankies diesen Vogel nennen, habe ich -einige Enten, wozu diesen Sommer auch Truthühner -und Gänse kommen werden. Ich verlor etliche meiner -besten Vögel nicht durch den Stößer, sondern durch ein -sehr schädliches Thier, welches unserm Iltiß genau verwandt -ist und hier Scunck genannt wird; es ist weit -räuberischer, und richtet größere Verheerungen an als -Fuchs und Habicht; denn es kommt wie ein Dieb in - <span class="pagenum"><a id="Page_p345">[S. 345]</a></span> -der Nacht, dringt in den Hühnerhof ein und hinterläßt -furchtbare Spuren seiner Raubgier und seines Blutdurstes.</p> - -<p>Unser Garten, der bisher weiter nichts als eine viereckige -Einfriedigung für Gemüse war, erhält eine andre, -dem Auge gefälligere Form; zwei halbkreisförmige Flügel -laufen vom Eingange nach beiden Seiten des Hauses; -der Zaun ist eine Art rohes Korb- oder Hürden-Werk, -wie Sie dergleichen in England häufig sehen können, -und welches die Bauern geflochtnen Zaun nennen; -jedenfalls nimmt sich eine dergleichen Einfriedigung weit -malerischer aus als die von gespaltnen Holzscheiten.</p> - -<p>Entlang dieser kleinen Einfriedigung habe ich angefangen, -eine Art Blumen-Hecke nebst einigen der einheimischen -Sträucher anzupflanzen, wovon unsre Wälder -und Seeufer strotzen.</p> - -<p>Unter den bereits eingeführten sind zwei Geißblatt-Arten -mit weißen und rosenfarbnen Blüthen; die amerikanischen -Botaniker nennen dieselben <em class="antiqua">Quilostium</em>.</p> - -<p>Dann habe ich die weiße <em class="antiqua">Spiraea</em>, (ein strauchartiges -Gewächs), welches in Ueberfluß auf dem See-Ufer -wächst, die canadische wilde Rose, die rothe blühende -Himbeere (<em class="antiqua">rubus spectabilis</em>), Leder-Holz (<em class="antiqua">dircas</em>) auch -amerikanisches Mezereon- oder Moos-Holz genannt, dies -ist ein sehr hübscher und zu gleicher Zeit nützlicher Strauch; -die Rinde wird von den Landleuten als ein Substitut -für Stricke, zum Zubinden von Säcken u. s. w. gebraucht; -die Indianer nähen ihre Weidenrinden-Körbe -gelegentlich damit.</p> - -<p>Milde Stachelbeeren, rothe und schwarze Johannisbeeren, -Apfelbäume und hier und da ein Weißdorn-Strauch, -und einige andre dergleichen Gewächse sind alles, -was ich bisher habe einführen können.</p> - -<p>Der Stoup (Verandah) ist errichtet, und ich habe -erst kürzlich am Fuße der hölzernen Säulen Hopfen gepflanzt. -Ich habe auch zwei tragende Ableger einer - <span class="pagenum"><a id="Page_p346">[S. 346]</a></span> -purpurfarbnen wilden Traube von der Insel in unsrer Nähe -aufgezogen und bin neugierig, ihre Früchte zu sehen.</p> - -<p>Mein Gatte ist gegenwärtig frisch und wohlgemuth; -unser geliebtes Kind befindet sich ebenfalls wohl und läuft -überall umher. Wir erfreuen uns einer angenehmen und -freundlichen Gesellschaft, die im Verlauf der letzten zwei -Jahre so zugenommen hat, daß wir uns über unsre Entfernung -von der volkreichern Stadt kaum beklagen können.</p> - -<p>Meine theure Schwester und ihr Gatte fühlen sich -in ihrer neuen Wohnstätte sehr behaglich und haben ein -schönes Stück Land gelichtet und angebaut. Wir besuchen -sie häufig und plaudern dann manches liebe Stündchen -von der Heimath, der süßen unvergeßlichen Heimath, -und schmeicheln uns dabei mit dem angenehmen Wahne, -daß wir in einer nicht allzufernen Zeit ihre fruchtbaren -Felder und blumigen Thäler einmal wieder sehen werden.</p> - -<p>Mit welchem Entzücken würden wir unsre jungen -Canadier ihren Großmüttern und Tanten vorführen; mein -kleiner Buschmann soll zeitig die Namen dieser unbekannten -aber theuren Freunde aussprechen und das Land verehren -und lieben lernen, wo seine Aeltern das Licht der -Welt erblickten, die herrlichen Hügel des Nordens und -mein eignes geliebtes England.</p> - -<p>Verursachte mir die Entfernung von meinem Geburtslande, -und noch dazu von einem so schönen und gesegneten -Lande gar kein Bedauern, gar kein Weh, so -würde dies nur ein fühlloses Herz verrathen; dennoch -aber muß ich gestehen, daß ich Canada trotz all seiner -Rauhigkeit liebe und mich in meinem niedrigen Block-Hause -eben so froh und glücklich fühle, als dies in einem -reich geschmückten Palaste nur der Fall sein könnte; Gewohnheit -versöhnt uns mit manchen Dingen, die uns -anfangs nicht recht zusagen wollen. Es ist stets mein -Bestreben gewesen, lieber das Süße als das Bittre in -den Becher des Lebens zu träufeln, und gewiß ist dies -das Beste und klügste, was man thun kann. In einem - <span class="pagenum"><a id="Page_p347">[S. 347]</a></span> -Lande, wo alles — Jung und Alt, Vornehm und Gering -— sich zur Thätigkeit aufgefordert fühlt, würde es -höchst ungereimt und thörigt sein, seine Lebensgeister durch -unnützes Trauern und Klagen zu dämpfen und im Hause -durch Niedergeschlagenheit und unaufhörliche Klagelieder -über die Trennung von so vielen theuren Gegenständen -in der alten Heimath, eine düstre Stimmung zu verbreiten. -Da wir nun einmal hier sind, müssen wir uns -so gut als möglich in die Umstände schicken und mit -heitrem Muthe das Loos ertragen, welches wir uns selbst -gewählt haben. Die Fähigkeit, das Gute, welches wir -besitzen, zu genießen, scheint mir ein Haupterforderniß zur -menschlichen Glückseligkeit zu sein.</p> - -<p>Wiewohl wir von vorn herein manche Widerwärtigkeiten -erfuhren, manche unvorhergesehne Kosten zu bestreiten -hatten, uns manchen unangenehmen Aufschub gefallen -lassen mußten und viele Entbehrungen, die uns -sehr drückend erschienen, zu erdulden hatten, so können -wir doch, im Ganzen genommen, von gutem Glück -sagen; vorzüglich, was die Lage unsers Grundstücks betrifft, -welches seitdem in Werth bedeutend gestiegen ist; -die Hauptschwierigkeiten haben wir jetzt überwunden, wenigstens -hoffen wir so, und bald werden wir alle Annehmlichkeiten -einer wohl eingerichteten Meierei genießen.</p> - -<p>Mein Gatte söhnt sich von Tage zu Tage mehr -mit dem Lande aus, und auch ich fühle mich täglich fester -daran gebunden. Sogar die Baumstummel, welche -mir Anfangs so sehr zuwieder waren, scheinen etwas von -ihrer Häßlichkeit zu verlieren; das Auge gewöhnt sich sogar -an die unangenehmsten Gegenstände, bis sie fast gar -nicht mehr beachtet werden. Wie ganz verschieden von -seiner gegenwärtigen Erscheinung wird sich dieser Fleck -nach Verlauf einiger Jahrhunderte ausnehmen! meine -Einbildungskraft malt es mir mit fruchtbaren Feldern und -Fluren, schattigen Hainen und geschmackvoll angepflanzten -Bäumen vor; alles wird anders sein; unsre gegenwärtigen - <span class="pagenum"><a id="Page_p348">[S. 348]</a></span> -rohen Wohnungen werden andern bequemern -und schönern Platz gemacht haben, und Anmuth und -Behaglichkeit wird die Landschaft umfangen, welche gegenwärtig -eine Waldwildniß ist.</p> - -<p>Sie fragen mich, ob mir das Klima von Ober-Canada -gefällt; aufrichtig zu reden, so glaube ich nicht, -daß es alle die Lobsprüche verdient, welche ihm Reisende -gezollt haben. Die Sommerhitze im letzten Jahre war -sehr drückend, die Dürre außerordentlich groß, und erwies -sich in mancher Hinsicht nachtheilig, vorzüglich schadete -sie der Kartoffel-Ernte. Die Fröste traten zeitig ein, und -eben so fiel zeitig Schnee; den gepriesnen indianischen -Nachsommer betreffend, so scheint er vor der Hand Abschied -von dem Lande genommen zu haben, denn seit -unserm dreijährigen Aufenthalte daselbst haben wir nur -wenig davon gesehn. Letztverfloßnes Jahr war auch nicht -ein Schein davon wahrzunehmen, und in diesem Jahre -wurde ein abscheulich düstrer trüber Tag, der mich gewaltsam -an einen Londoner Nebel erinnerte, und der ganz -eben so niederschlagend und geistlähmend wirkte, von -den alten Bewohnern für den Anfang des indianischen -Sommers erklärt; die Sonne schien düster und roth, -und ein gelber graulicher Nebel verdunkelte die Atmosphäre, -so daß es fast nöthig wurde, am Mittage -Licht anzuzünden. Wenn dies der indianische Sommer -ist, so könnte man eine Reihe auf einander folgender -londoner Nebeltage den »Londoner-Sommer« nennen, -dachte ich bei mir, als ich den lieben langen Tag in einer -Art bewilderndem düstern Lichtschimmer umhertappte; -und, froh war ich, als nach ein- oder zweitägigem heftigen -Regen, Frost und Schnee eintraten.</p> - -<p>So weit unsre Erfahrung reicht, ist dieses Klima in -hohem Grade veränderlich; nicht zwei Jahre sind sich -einander nur einigermaßen gleich gewesen; und wie man -glaubt, wird diese Veränderlichkeit in demselben Verhältniß -zunehmen, als die Lichtung des Bodens von Jahr - <span class="pagenum"><a id="Page_p349">[S. 349]</a></span> -zu Jahr vorwärts schreitet. In der Nähe der Flüsse und -großen Seen ist das Klima weit milder und gleichförmiger; -mehr landeinwärts fällt der Schnee selten so hoch, -um das Schlittenfahren, nachdem es allgemein geworden, -mehre Wochen hindurch zu verstatten; dies ist indeß, -wenn wir den Zustand unsrer Buschstraßen berücksichtigen, -mehr ein Umstand zu unsern Gunsten, insofern das Reisen -minder schwierig wird, obgleich die Wege immer -noch ziemlich holperig bleiben.</p> - -<p>Ich habe das Nordlicht mehre Mal, gesehn; desgleichen -eine glänzende meteorische Erscheinung, glänzender -und großartiger als alles, was ich der Art je zuvor beobachtet. -Großen Spaß machten mir die Worte eines jungen -Burschen, der einem Herrn die Erscheinung einer -Reihe Sternschnuppen, wie sie schnell über den Himmel -weggeschossen, erklärte, »Sir,« sagte der Bursche, »ich habe -nie zuvor etwas Aehnliches gesehn, und ich kann die Kette -von Sternen mit der Block-Kette (<em class="antiqua">logging-chain</em>) vergleichen,« -gewiß ein höchst natürlicher und einziger Vergleich, -ganz in Einklang mit der Beschäftigung des Burschen, -der es häufig mit den Ochsen und ihrer Block-Kette, -(der Fortschaffung von gefällten Bäumen) zu thun -hatte, — und am Ende nicht bäurischer, wenn ich so sagen -darf, als die gewöhnlichen Namen, welche mehre unsrer -prächtigsten Sternbilder führen — z. B. Pflug, Sichel -u. s. w.</p> - -<p>Als ich letzte Weihnachten eines Abends von einem -Besuche bei einer Freundin nach Hause kehrte, überraschte -mich eine glänzende blaßgrünliche Lichtsäule im Westen; -sie erhob sich zu einiger Höhe über die dunkle Fichten-Linie, -womit die jenseitigen Ufer des Otanabee bekränzt -waren, und erleuchtete den Himmel auf beiden Seiten -mit einem keuschen reinen Lichte, dem nicht unähnlich, -welches der Mond bei seinem Auf- und Untergang verbreitet; -sie war nicht ganz pyramidal, jedoch an der -Basis um vieles breiter als an der Spitze; sie erbleichte - <span class="pagenum"><a id="Page_p350">[S. 350]</a></span> -allmälig, bis nur noch ein weißes flimmerndes Licht die -Stelle bezeichnete, die sie am Himmel eingenommen, und -auch dieser schwache Lichtschimmer verschwand ungefähr -nach einer halben Stunde. Es war eine so schöne und -liebliche Erscheinung, daß ich ordentlich trauerte, als sie -in die dünnen Lüfte zerrann; ja bisweilen bestimmte mich -meine Phantasie zu dem Glauben, als sähe ich das Gewand -eines glanzvollen Besuches aus einer andern und -bessern Welt; — aber weg mit dergleichen Träumereien! -— war es vielleicht eine phosphorische Ausdünstung von -einem unsrer zahlreichen Moräste oder Binnen-Seen, -oder stand sie vielleicht mit dem Nordlicht in Verbindung, -welches so häufig an unserm Himmel gesehn wird?</p> - -<p>Ich muß jetzt diesen Brief schließen; denn ich habe -noch an einige Freunde zu schreiben, denen ich blos bei -günstiger Gelegenheit etwas von meiner Hand zufertigen -kann, denn das Porto ist sehr hoch, und man muß für -alles, was man nach New York sendet, oder von daher -erhält, theuer bezahlen.</p> - -<p class="pmb3">Leben Sie wohl Meine Gütigste und Beste Freundin.</p> - - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p351">[S. 351]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<p class="p3 center"><b><span class="font24">Erster Anhang.</span></b></p> -</div> - - - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p352"></a></span></p> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p353">[S. 353]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="no-break" id="Erster_Anhang">Erster Anhang.</h2> -</div> - -<blockquote> -<p class="pmb2">(Folgende Mittheilungen sind von der Verfasserin -dieses Werkes während dessen Druck eingegangen.)</p> -</blockquote> - - -<div class="chapter"> - -<h3 class="no-break" id="Ahorn_Zucker"><em class="gesperrt">Ahorn-Zucker.</em></h3> -</div> - -<p>Dieses Frühjahr habe ich Ahorn-Zucker von weit -feinerem Korn und besserer Farbe bereitet, als er mir jemals -zu Gesicht gekommen ist; und mehre alte Ansiedler -haben mir versichert, es sei der beste oder ziemlich der -beste, den man nur immer erhalten könne; diese Lobsprüche -bestimmen mich, das von mir bei seiner Bereitung verfolgte -Verfahren hier mitzutheilen: Sobald der Saft in -dem Zucker-Kessel von ungefähr sechszehn Eimern bis auf -zwei eingekocht war, goß ich ihn zunächst durch einen -dünnen Flanell-Beutel, der ungefähr so beschaffen sein -muß wie ein Sack zum Durchseihen von Gelées, und befreite -ihn dergestalt von den ersten Unreinigkeiten, die -ziemlich groß sind. Hierauf ließ ich ihn durch dickeren -Flanell in den eisernen Topf laufen, der zu seiner Eindickung -zu Zucker bestimmt war, schlug, als er noch kalt -oder höchstens nur lau war, das Weiße eines Eies zu -Schaum und verbreitete es behutsam über die Oberfläche -der Flüssigkeit, wobei ich den Topf, als er durch das -Feuer heiß zu werden anfing, sorgfältig in den Augen -behielt, damit der Schaum nicht in den Zucker kochen -möchte. Einige Minuten bevor der eingedickte, auf die -eben geschilderte Weise behandelte Saft zum Kochen -kommt, muß der Schaum, der sich oben absetzt, - <span class="pagenum"><a id="Page_p354">[S. 354]</a></span> -mit einem hölzernen Schöpflöffel sorgfältig abgenommen -und entfernt werden. Meines Erachtens hängt die Weiße -und Reinheit des Zuckers zum großen Theil von der -sorgfältigen Entfernung jedes Schaumtheilchens ab. Die -beste Vorschrift, welche ich hierzu (dem Abschäumen des -Zuckers<a id="FNanchor_58_58"></a><a href="#Footnote_58_58" class="fnanchor">[58]</a>), ertheilen kann, ist, den Saft fortwährend in -schnellem Kochen zu erhalten, nur muß man dabei sorgfältig -sein Ueberlaufen verhindern, indem man etwas von -der Flüssigkeit in dem Rührlöffel behält, und wenn die -Masse nach dem Rande aufsteigt oder zu schnell aufwallt, -von Zeit zu Zeit etwas hinein tropfen läßt, um -sie nieder zu halten; oder siedet man die Masse in einem -Koch-Ofen, so verhindert die Oeffnung einer oder aller -Thüren das Ueberlaufen. Die, welche ihren Zucker außer -dem Hause bereiten, befestigen einen hölzernen Krahn in -einen Baumstummel, das Feuer wird hierauf angezündet, -und der Kessel an dem Krahne aufgehängt; durch -diese einfache Vorrichtung, — jeder Knabe kann damit zu -Stande kommen, — kann man, bei nur einiger Aufmerksamkeit -auf das Kochen, jedes Ueberlaufen vermeiden; allein -das Auge darf nicht vom Kessel weggewendet werden, -eine Unachtsamkeit, ein eitler Blick kann einen großen -Verlust des kostbaren Saftes bewirken. Ich hatte blos -einen kleinen Koch-Ofen zur Bereitung meines Zuckers; -die dazu gehörigen Töpfe hielt man für zu klein, und -ihre Form für ungeeignet, so daß ich anfangs den Versuch -aufgeben zu müssen fürchtete; allein ich beharrte -bei meinem Vorsatz, und meine Erfahrung hat mich gelehrt, -daß mein Ofen ein trefflicher Apparat zu dieser -Art von Fabrikation ist, da sich die Hitze nach Belieben -reguliren läßt.</p> - -<p>Eine der ängstlichsten Perioden beim Zuckersieden -ist, nach meiner Erfahrung, wenn der Saft zuerst anfängt, -ein gelbliches, schaumiges Ansehn anzunehmen, - <span class="pagenum"><a id="Page_p355">[S. 355]</a></span> -und eine so große Dampf-Menge von seiner Oberfläche -aufzuwerfen, daß man den Inhalt des Kessels nicht sieht; -in welchem Fall er, selbst bei der größten Aufmerksamkeit, -unvermerkt überlaufen kann. Sobald sich der -Saft zu Syrup (Molasse) verdickt, nimmt er eine schön -gelbe Farbe an und scheint nichts als ein dicker Schaum -zu sein. Wenn er ziemlich tief eingekocht ist, fangen -die Tropfen an, klar und zähe vom Löffel zu fallen; und -wenn man kleine glänzende körnig aussehende Bläschen -darin wahrnimmt, so tröpfele man einige auf eine kalte -Platte und fahre fort, ihn umzurühren oder zu reiben, -bis er ganz erkaltet ist; sobald er bereit ist, zu granuliren, -findet man ihn griesig, eine weißliche oder blaßstrohgelbe -Farbe annehmend und steif. Alsdann kann man -den Zucker unbesorgt in eine zinnerne Schüssel, in einen -Eimer, ein Becken oder irgend ein andres passendes Gefäß -ausschütten. Ich versuchte zwei verschiedne Methoden, -nachdem ich den Zucker vom Feuer genommen, konnte -aber in seinem Aussehn keine Verschiedenheit wahrnehmen, -ausgenommen daß bei der einen der Zucker mehr -zerbrochen erschien, bei der andern dagegen in großen -Klumpen blieb; übrigens aber war weder in Reinheit noch -Funkeln ein Unterschied bemerkbar. Was die erste Methode -anlangt, so rührte ich den Zucker fortwährend um, -bis er anfing, zu erkalten, und eine weißlich dicke Substanz -zu bilden, und die Körner gut krystallisirten; bei -dem andern Verfahren, — das ich für vorzüglicher halte, -da es die wenigste Mühe verursacht, — wartete ich, bis -die Molasse zu Zucker verhärtet war, hierauf durchlöcherte -ich die Cruste an mehren Stellen, und stürzte die Masse -in einen Durchschlag über einem Gefäße, bestimmt, die -vom Zucker abtropfende Molasse aufzunehmen. Im Verlauf -des Tages oder zweier Tage, rührte ich den Zucker -häufig um, der so von aller Feuchtigkeit befreit ward, -und ein schönes funkelndes Korn annahm; er schmeckte -genau wie Zuckerkant; vom Geschmack des Ahorn-Saftes - <span class="pagenum"><a id="Page_p356">[S. 356]</a></span> -konnte man keine Spur daran bemerken, kurz man konnte -ihn zu allem gebrauchen.</p> - -<p class="pmb2">Ich habe die Bemerkung gemacht, daß im Allgemeinen -Ahorn-Zucker, wie er gewöhnlich bereitet wird, hart -und derb ist, wenig Korn zeigt, und im Verhältniß zu seinem -Umfange sehr ins Gewicht fällt. Gerade das Gegentheil aber -kann ich von meinem Fabrikat sagen, er ist im Verhältniß -zu seinem Volumen außerordentlich leicht, indem die -schwere Molasse, statt in ihn einzutrocknen, vollkommen -davon getrennt ist. Wäre das gegenwärtige Frühjahr -nur günstig genug gewesen, was es nicht war, so würden -wir eine gute Quantität trefflichen Zuckers bereitet haben.</p> - - -<div class="chapter"> - -<h3 class="no-break" id="Weinessig"><em class="gesperrt">Weinessig.</em></h3> -</div> - -<p>Kocht man fünf Gallonen Saft auf eine ein, setzt -man, wenn er gerade die Temperatur frisch gemolkner -Milch ein wenig übersteigt, ein Weinglas Hefen hinzu, -und läßt man das Gefäß während des Sommers in der -Küche nahe am Heerde stehen, so erhält man einen guten, -wohlfeilen, angenehm schmeckenden starken und sehr -brauchbaren Essig. Diesen Plan habe ich zwei Jahre -hindurch mit Glück verfolgt. Das Faß oder die Butte -muß gehörig ausgepicht und wasserdicht sein, ehe der Essig -hinein gethan werden kann; denn andernfalls würde -es durch die Sonnenhitze einschrumpfen und leck werden. -Ist es gut gearbeitet, so überstreicht man die Fugen und -den innern Rand am obern Theil des Fasses mit Theer -oder auch mit gelber Seife, wodurch es gegen etwaige -Oeffnungen gesichert wird. Erfahrne Hausfrauen geben -der gleichförmigern Küchen-Temperatur, was den Standort -des Essigs anlangt, den Vorzug vor der freien Luft; -denn die in diesem Lande häufig eintretenden kalten Nächte -sollen dem Vorgange nachtheilig sein, der, wenn er kein -dergleichen Hinderniß erfährt, schneller zur Vollendung -kommt. Diejenigen, welche in der Bereitung einheimischer - <span class="pagenum"><a id="Page_p357">[S. 357]</a></span> -Weine und Biere gut bewandert sind, dürften mit -geringem Aufwande, von Zeit und Arbeit einen trefflichen -Ahorn-Wein oder Ahorn-Bier bereiten.</p> - -<p class="pmb2">Jeder Ansiedler zieht, als ein Ziergewächs, in seinem -Garten (oder sollte dies thun) Hopfen, welcher einen -der Haupt-Bestandtheile des Ahorn-Bieres bildet, nachdem -man ihn dem Safte zugesetzt hat.</p> - - -<div class="chapter"> - -<h3 class="no-break" id="Hopfen_Hefen"><em class="gesperrt">Hopfen-Hefen.</em></h3> -</div> - -<p>Dieser treffliche, und ich möchte sagen, unentbehrliche -Artikel in jedem Ansiedler-Hause, ist ein schätzbares -Substitut für Ale- oder Bier-Hefen, und wird auf folgende -einfache Weise bereitet: — Man nimmt zwei -Hände voll Hopfen, kocht diese Quantität in einer Gallone -weichen Wassers, wenn man dergleichen bekommen -kann, bis der Hopfen zu Boden des Gefäßes sinkt; bereitet -einen Teig, indem man eine Dessert-Schüssel voll -Mehl und kaltes Wasser so lange zusammen rührt, bis -sie eine weiche und ziemliche dicke Masse bilden; filtrirt -die Hopfen-Flüssigkeit, während sie noch siedend heiß ist, -in das Gefäß, welches den Teig enthält, und läßt einen -Gehülfen die Hopfen-Flüssigkeit abgießen, während man -den Teig umrührt. Sobald sie bis zu einer gelinden -Wärme abgekühlt ist, so daß man den Finger ohne unangenehme -Empfindung hinein halten kann, füge man -ein Glas von den frühern Hefen, oder etwas weniges -Sauerteig hinzu, um sie gähren zu machen; ist auch dies -geschehn, so läßt man sie ruhig stehen, bis sie gehörig -gegohren hat, füllt sie dann auf Flaschen und verkorkt sie -sorgfältig. Den Sommer über muß sie im Keller oder an -einem kühlen Ort stehen, und im Winter muß man dafür -sorgen, daß sie nicht friert. Einige fügen zwei oder -drei mehlige, wohl gekochte und fein gestoßne Kartoffeln -hinzu, was während der kalten Monate des Jahres sich -sehr vortheilhaft erweist. Ein Zusatz von Kartoffeln zu - <span class="pagenum"><a id="Page_p358">[S. 358]</a></span> -Brodmehl ist ebenfalls höchst zweckmäßig und meines -Erachtens für neue Ankömmlinge, die alle ihr Mehl kaufen -müssen, jedenfalls ein großes Ersparniß.</p> - -<p class="pmb2">Folgende Methode liefert mir ein schmackhafteres, -leichteres Brod als das auf dem gewöhnlichen Wege gemischte -Mehl: — Angenommen, ich wollte ungefähr -anderthalb Stein Mehl verbacken, so koche ich, (versteht -sich, nachdem sie völlig rein geschält sind,) etwa drei -Dutzend ziemlich große Kartoffeln, in ungefähr drei Quart -oder einer Gallone Wasser, bis die Flüssigkeit das Ansehn -einer dünnen Grützsuppe zeigt, und die Kartoffeln sich -mit dem Wasser fast ganz verkörpert haben. Mit dieser -Kartoffel-Grütze wurde das Mehl vermischt, Wasser -war nicht erforderlich, außer wenn ich zufällig nicht genug -von der Mischung hatte, um mein Mehl hinlänglich -anzufeuchten. Dieselbe Methode, zu kneten, die Gährung -durch Hefen zu bewirken u. s. w., wird bei anderm Teige -und Brode angewendet. Während des Backens nimmt -es eine glänzend hellbraune Farbe an und ist leichter als -das auf gewöhnlichem Wege bereitete Brod, daher eine -Kenntniß des besprochnen Verfahrens den Emigranten-Familien -nützlich sein dürfte.</p> - - -<div class="chapter"> - -<h3 class="no-break" id="Salz_Sauerteig"><em class="gesperrt">Salz-Sauerteig.</em></h3> -</div> - -<p>Dies ist ein Sauerteig wovon die Yankie-Ansiedler -häufig Gebrauch machen; allein obgleich das damit bereitete -Brod entschieden weißer, und von besserem Aussehn -ist, als das auf andre Weise gesäuerte. So macht es -doch der eigenthümliche Geschmack, den es dadurch erhält, -manchen Leuten äußerst widrig. Ein andrer Nachtheil -ist, daß es während des Winters äußerst schwer hält, diesen -Sauerteig zum Gehen (Gähren) zu bringen, da er eine -Temperatur erfordert, die man an einem canadischen -Wintertage nicht leicht erhalten kann, dazu kommt noch, -daß der fragliche Sauerteig, nachdem er einmal seine - <span class="pagenum"><a id="Page_p359">[S. 359]</a></span> -Höhe erreicht hat, wofern man nicht sogleich davon Gebrauch -macht, wieder fällt, und dann nicht wieder steigt; -eine sorgsame Hausfrau, welche diesen Umstand kennt, -giebt daher sorgfältig Acht, da sie andernfalls schweres -schliffiges Gebäck erhalten oder gar kein Brod sondern eine -Art Gebäcke wie Haferkuchen im Hause haben würde.</p> - -<p>So viel als ich mich erinnern kann, wird der -Salz-Sauer auf folgende Weise gemacht: — Zu einem -kleinen Gebäcke, also etwa zwei oder drei Broden oder -einem großen Backkessel-Brode (ungefähr so groß wie ein -englisches Metzen-Brod) nimmt man eine Pinte mäßig -warmen Wassers, (es muß der hineingesteckten Hand angenehm -sein) und rührt in den Krug oder Topf, der es -enthält, so viel Mehl, als zur Bildung eines guten Teiges -nöthig ist, der aber nicht zu dick sein darf; hierzu -füge man einen halben Theelöffel voll Salz und setze -das Gefäß, in einer Schüssel mäßig warmen Wassers, -in eine kleine Entfernung vom Feuer oder an die Sonne; -das den Topf, worin der Sauer enthalten ist, umgebende -Wasser darf sich nie viel über seine ursprüngliche -Wärme abkühlen, daher man von Zeit zu Zeit etwas -warmes Wasser zugießen muß, (nicht aber in den Sauer, -sondern in die Schüssel,) bis das Ganze in einen lebhaften -Zustand von Gährung geräth, was in Zeit von -sechs bis acht Stunden geschieht, worauf man den Brodteig -damit vermischen und, so viel als nöthig, warmes -Wasser oder warme Milch zugießen muß. Hierauf knete -man die Masse, bis sie hinreichend steif ist und nicht -mehr am Troge hängen bleibt. Man wirke nun seine -Brode auf, und decke sie in der Nähe des Feuers warm -zu, bis sie gehen, wenn dieses zweite Anschwellen statt -findet, müssen sie sogleich gebacken werden.</p> - -<p>Diejenigen, welche Shanty-Brode, wie ich sie nenne, -in eisernen, auf glühende Kohlen gestellten Back-Töpfen -oder Kesseln backen, setzen den Teig zum Gehen über sehr -wenige Kohlen, oder in die Nähe des heißen Herdes, - <span class="pagenum"><a id="Page_p360">[S. 360]</a></span> -und drehen, während das Brod steigt, den Topf oder die -Pfanne von Zeit zu Zeit; sobald alles gleichförmig in die -Höhe gegangen ist, legt man heiße Asche unter und -auf den Deckel, wobei man Sorge tragen muß, daß die -Hitze anfangs nicht zu heftig werde. Da diese Methode -zu backen die allgemeinste und erste ist, welche ein Ansiedler -ausüben sieht, so halte ich es für zweckmäßig, ihn -im Voraus damit bekannt zu machen. Anfangs fühlte -ich mich geneigt, gegen die Back-Schüsseln oder Back-Kessel -zu eifern; allein da Koch-Oefen, eiserne Oefen, ja auch -nur Ziegel- oder Lehm-Oefen nicht wie Pilze auf unser Geheiß -im Busche aus der Erde aufschießen, so sind diese Substitute -sehr schätzbar, und dienen vielen nützlichen Zwecken.</p> - -<p>Ich habe vorzüglich lockeres Brod genossen, welches -auf dem Emigranten-Herde in einem dergleichen Kessel -gebacken war, ich habe Kartoffeln, gebacknes Fleisch, treffliches -Geschmortes und gute Suppen gegessen, die alle -zu verschiedner Zeit in diesem allgemein nützlichen Geräthe -zubereitet waren. Es ist eins von jenen Dingen, die sich -für die Umstände des Ansiedlers im Walde ganz vorzüglich -eignen; denn es ist unmöglich, daß dieser gleich von -Vornherein alle Bequemlichkeiten und Haushaltsartikel in -und außer seiner Wohnstätte vereinigen kann, welche gleichsam -der Lohn mehrjähriger und vielfältiger Anstrengung -und Mühe sind.</p> - -<p class="pmb2">Es giebt noch verschiedne Sorten Sauerteig, z. B. -»<em class="gesperrt">Milch-Sauer</em>,« der mit Milch, warm von der -Kuh weg, und ungefähr einem Drittel warmen Wassers -vermischt wird; und Kleien-Sauer, wozu man Kleien -anstatt des Mehles nimmt, und den manche den zuvor -erwähnten Arten vorziehen.</p> - - -<div class="chapter"> - -<h3 class="no-break" id="Weiche_Seife"><em class="gesperrt">Weiche Seife.</em></h3> -</div> - -<p class="pmb2">Von der Bereitung weicher Seife kann ich nur -wenig oder keine genaue Auskunft geben, da mir niemals - <span class="pagenum"><a id="Page_p361">[S. 361]</a></span> -eine <em class="gesperrt">gewisse</em> Regel mitgetheilt worden, und -meine eigne Erfahrung zu beschränkt ist. Indeß sind mir -von einem sachkundigen Mann einige Winke gegeben -worden, worauf ich zu fußen gedenke. Anstatt die Seife -zu sieden, was mit einigen Umständen verbunden ist, -versicherte man mir, der beste Plan sei, die Lauge von -einem Faß Asche ablaufen zu lassen, in diese Lauge vier -oder fünf Pfund Fett zu thun, z. B. abgeschöpften Talg, -Speckrinden oder Ueberbleibsel von Unschlitt; kurz jede -Art von dergleichen Abgängen. Das Faß mit seinem -Inhalt soll man hierauf an einen sichern Ort im Garten -oder Hofe stellen, wo es der Einwirkung von Sonne -und Luft ausgesetzt ist. Im Verlauf der Zeit verkörpern -sich Lauge und Fett mit einander; herrscht das -Fett vor, so sieht man es an der Oberfläche herumschwimmen; -will sich die Mischung nicht gehörig verdicken, -so muß man mehr Fett hinzufügen. Dies ist der einfachste, -verständlichste und beste Bericht, den ich bisher -über Seifen-Bereitung habe erhalten können, ein Prozeß, -der mir bisher als ein Geheimniß erschien, wiewohl eine -von meinen Mägden im letzten Frühjahr eine ansehnliche -Quantität Seife, und zwar mit dem günstigsten -Erfolg, fabricirt hat; allein sie konnte den Grund des -Gelingens nicht angeben, indem sie sich des Prinzipes, -wovon sie sich bei ihrer Arbeit leiten ließ, nicht bewußt war.</p> - - -<div class="chapter"> - -<h3 class="no-break" id="Lichte"><em class="gesperrt">Lichte.</em></h3> -</div> - -<p>Jedermann machte hier zu Lande seine Lichte selbst, -(das heißt, sobald er in Besitz der dazu erforderlichen -Materialien ist). Die große Schwierigkeit, und meines -Bedünkens die einzige, bei dieser Fabrikation ist die Herbeischaffung -von Talg, den der Buschsiedler, so lange er -nicht seine eignen Rinder, Schafe und Schweine schlachten -kann, nicht leicht aufzutreiben vermag, wofern er -ihn nicht kauft; und ein Ansiedler kauft, wenn er es - <span class="pagenum"><a id="Page_p362">[S. 362]</a></span> -umgehen kann, nicht so leicht etwas. Eine Kuh indeß, -welche nichts einbringt, alt ist oder aller Wahrscheinlichkeit -nach der Strenge des Winters nicht Trotz bieten kann, -läßt man oft den Sommer über trocken gehen, und ihr -Futter selbst suchen, bis sie im Herbste zum Schlachten -geschickt ist. Ein dergleichen Thier wird oft mit großem -Vortheil geschlachtet, vorzüglich wenn der Ansiedler wenig -Futter für sein Vieh hat. Das Fleisch (<em class="antiqua">beef</em>) ist oft -trefflich, und das Fett der innern Theile liefert treffliche -Lichte und gute Seife. Lichte, die man aus drei -Theilen Rindstalg und einem Theil Schweinfett bereitet, -brennen besser als die, welche man bei den Vorraths-Händlern -kauft, und kosten nicht halb so viel. Der Talg -wird ganz einfach in einem Topfe oder einer Schüssel, -die dazu geeignet ist, zerlassen, und hat man Baumwollen-Dochte -in die Formen gezogen, (zinnerne oder blecherne -Formen für sechs Lichte kosten das Stück bei den -Vorraths-Händlern drei Schillinge, und halten viele, viele -Jahre aus,) so steckt man einen Stock oder Spieß durch -die Docht-Schleifen, die über den obersten Theil der -Form hinausragen und dazu dienen, die Lichte aus den -Formen zu ziehen.</p> - -<p class="pmb2">Das zerlaßne Fett, nicht zu heiß, aber in flüssigem -Zustande, wird dann in die Formen gegossen, bis sie voll -sind; so wie das Fett erkaltet, schrumpft es zusammen, -und läßt oben in der Form eine Höhlung zurück; -diese muß nach seinem völligen Erkalten ausgefüllt werden. -Lassen sich die Lichte nicht gut aus den Formen -ziehen, so tauche man letztre auf einen Augenblick in heißes -Wasser, worauf erstere leicht herausgehen. Manche -ziehen es vor, Lichte für den Küchengebrauch durch Eintauchen -der Dochte in zerlaßnen Talg zu bereiten; allein -was mich betrifft, so halte ich die Mühe für fast eben -so groß, und gebe daher, in Ansehung des saubern Aeußeren, -den Formen den Vorzug. Es kann wohl sein, daß - <span class="pagenum"><a id="Page_p363">[S. 363]</a></span> -mir und meinem Mädchen das erste Verfahren weniger geläufig -ist, als das letzte.</p> - - -<div class="chapter"> - -<h3 class="no-break" id="Einlegen_von_Gurken"><em class="gesperrt">Einlegen von Gurken u. s. w.</em></h3> -</div> - -<p class="pmb3">Der große Mangel an Frühlings-Gemüsen macht -Eingelegtes zu einer schätzbaren Zugabe für die Tafel, -und zwar zu einer Zeit, wo Kartoffeln nichts mehr taugen -und ihren guten Geschmack verloren haben. Ist -man mit dem Ahorn-Essig glücklich gewesen, so kann -man in der letzten Hälfte des Sommers Gurken, Bohnen -und Kraut zu Winter-Vorräthen einlegen; sollte jedoch -der Weinessig zu dieser Zeit noch nichts taugen, so -stehen zu dem fraglichen Behuf zwei Wege offen, einmal -nämlich kann man aus gekochtem Salz und Wasser -eine gute Brühe zur Aufnahme der Gurken u. s. w. -bereiten, das Kraut, was ich nebenbei bemerken will, -läßt sich im Wurzel-Hause oder Keller ganz gut aufbewahren, -33333oder man versenkt es in Brunnen, die gehörig -bedeckt werden müssen; will man etwas davon einlegen, -so muß man zunächst die oberste Schicht, die -nichts taugt, entfernen, und hat man den Essig mit Gewürzen -gekocht, so setzt man ihn zum Erkalten hin. Die -Gurken müssen vorher gehörig gewaschen, zwei oder dreimal -in frischem Wasser gespült und abgetrocknet werden, -alsdann in einen irdnen Topf oder ein Einmache-Glas -gethan und mit dem Essig übergossen werden. Der -Vortheil hiervon liegt am Tage, man kann zu jeder beliebigen -Zeit einlegen. Ein andres Verfahren, welches -ich sehr habe preisen hören, besteht darin, daß man die -Gurken in ein Gemisch von Branntwein<a id="FNanchor_59_59"></a><a href="#Footnote_59_59" class="fnanchor">[59]</a> und Wasser - <span class="pagenum"><a id="Page_p364">[S. 364]</a></span> -legt, welches mit der Zeit zu einem guten Essig wird, -die Farbe und das äußere frische Ansehn der Vegetabilien -erhält und sie zu gleicher Zeit zart und weich macht, besonders -wenn man es siedend heiß darauf gießt, welches -das gewöhnliche Verfahren ist.</p> - -<hr class="tb" /> - - -<div class="block0"> -<div class="footnotes"><b>Fußnoten:</b> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_58_58"></a><a href="#FNanchor_58_58"><span class="label">[58]</span></a> <em class="antiqua">Sugaring-off</em>, wie die Canadier diese Operation nennen.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_59_59"></a><a href="#FNanchor_59_59"><span class="label">[59]</span></a> In dem »<em class="antiqua">Backwoodsman</em>« wird dieses Whisky-Recept -als eine abscheuliche Mischung erwähnt; vielleicht hat der witzige -Verfasser, von den darin eingelegten Vegetabilien in noch unvollendetem -Zustande gekostet. Er giebt eine klägliche Schilderung -von amerikanischer Kocherei, erklärt aber, daß dieser schlechte -Zustand auf Mangel an guten Vorschriften beruhe. Die von -mir beigefügten Recepte zur Hefen-Bereitung und Säuerung -des Brodes dürften in England von großem Nutzen sein, vorzüglich -auf dem Lande, wo es oft an guten frischen Hefen fehlt.</p> -</div> -</div> -</div> - -<p class="pmb3" /> - - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p365">[S. 365]</a></span></p> - - -<div class="chapter"> -<p class="p3 center"><b><span class="font24">Zweiter Anhang.</span></b></p> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p366"></a></span></p> - - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p367">[S. 367]</a></span></p> - -<div class="chapter"> -<h2 class="no-break" id="Zweiter_Anhang">Zweiter Anhang.</h2> -</div> - -<div class="block1"> -<p class="pmb3 font09">Da es der Wunsch der Herausgeber ist, vorliegendes -Werk für Auswandrer so gemeinnützig als möglich zu machen, -so fügen wir, unter nachstehenden Titeln, einige officielle Nachrichten -und Fingerzeige hinzu: —</p> -</div> - - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p368">[S. 368]</a></span></p> - -<p>Statistische Angaben, die Auswanderung -nach Canada betreffend: —</p> - -<p class="ind3"><em class="antiqua">I.</em> <em class="gesperrt">Anzahl der Verkäufe und Bewilligungen -von Kronländereien, Geistlichkeits-Vorbehalt, -(das ist Parcellen, die für die Geistlichkeit -vorbehalten werden,) Bedingungen -u. s. w.</em></p> - -<p class="ind3"><em class="antiqua">II.</em> <em class="gesperrt">Anweisung für Emigranten; Anzahl -der angelangten Emigranten, nebst Auszügen -aus Papieren von Agenten, welche von der -Regierung zur Beaufsichtigung der Emigranten-Angelegenheiten -angestellt sind.</em></p> - -<p class="ind3"><em class="antiqua">III.</em> <em class="gesperrt">Auszug aus dem in der Sitzung von 1835 -erlaßnen amerikanischen Passagier-Gesetz.</em></p> - -<p class="ind3"><em class="antiqua">IV.</em> <em class="gesperrt">Uebertragung von Capitalien.</em></p> - -<p class="ind3"><em class="antiqua">V.</em> <em class="gesperrt">Canadisches Courant.</em></p> - -<p class="ind3"><em class="antiqua">VI.</em> <em class="gesperrt">Canadische Compagnie.</em></p> - -<p class="ind3 pmb3"><em class="antiqua">VII.</em> <em class="gesperrt">Brittisch-Amerikanische Land-Compagnie.</em></p> - - - -<hr class="chap" /> - - -<p class="center"><em class="gesperrt">Kron-Ländereien</em>, die seit 1828 bis 1833 verkauft worden sind.</p> - -<p class="center font14 pmb1"><em class="gesperrt">Unter-Canada.</em></p> - -<p class="pmb2" /> -<table border="0" cellspacing="4" cellpadding="2" class="tdc" summary="Verkauf Kronlaendereien, Unter-Canada"> - <tr> - <td valign="top"> - <span class="font08">Jahr.</span> - </td> - <td valign="top"> - <span class="font08">Betrag des<br />verkauften<br />Bodens nach<br />Aeckern.</span> - </td> - <td colspan="2" valign="top"> - <span class="font08">Durchschnitts<br />Preis für<br />den Acker</span> - </td> - <td colspan="3" valign="top"> - <span class="font08">Betrag des<br />eingegangenen<br />Kaufgeldes<br />im ersten<br />Jahre.</span> - </td> - <td colspan="4" valign="top"> - <span class="font08">Betrag des Kaufgeldes,<br />welches den Käufern<br />vom Militairstande<br />erlassen worden<br />ist im ersten<br />Jahre</span> - </td> - <td colspan="4" valign="top"> - <span class="font08">Betrag des<br />eingegangenen<br />Erbzinses,<br />zu fünf pCt.<br />vom Kaufgelde,<br />im ersten Jahre.</span> - </td> - <td colspan="3" valign="top"> - <span class="font08">Gesammt-Betrag<br />des Kaufgeldes.</span> - </td> - </tr> - - <tr> - <td colspan="2"><span class="font08"> </span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">S.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">D.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">Pfd. Sterl.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">S.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">D.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">Pfd.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">Sterl.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">S.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">D.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">Pfd.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">Sterl.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">S.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">D.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">Pfd. Sterl.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">S.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">D.</span></td> - </tr> - - <tr> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">1828</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">20,011</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">4</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">11</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1,255</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">14</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">10</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08"> </span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">39</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">12</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">5,044</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">9</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">9</span></td> - </tr> - - <tr> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">1829</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">31,366</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">4</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">2<sup>3</sup>/<sub>4</sub></span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">466</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">2</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">11</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08"> </span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">307</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">11</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">7,469</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">17</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">7</span></td> - </tr> - - <tr> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">1830</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">28,077</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">5</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">8<sup>3</sup>/<sub>4</sub></span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">273</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">10</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">5</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08"> </span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">322</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">3</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">7,461</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">13</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">5</span></td> - </tr> - - <tr> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">1831</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">51,357</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1<sup>3</sup>/<sub>4</sub></span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">816</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">19</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">8</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08"> </span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">484</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">14</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">7</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">12,442</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">8</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td> - </tr> - - <tr> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">1832</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">24,074</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">9<sup>1</sup>/<sub>4</sub></span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1,013</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">11</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08"> </span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">555</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">10</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08"> </span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">119</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">2</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">7</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">6,139</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">10</span></td> - </tr> - - <tr> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">1833</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">42,570</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">4</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">2</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1,975</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">10</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">11</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08"> </span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1,936</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">9</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">3</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">7,549</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">5</span></td> - </tr> - -</table> - -<div class="block1"> -<p class="ind3 pmb3"><span class="font08">Die Bedingungen, unter welchen die Ländereien verkauft wurden, waren, daß bei Käufen mit terminlicher -Abzahlung, letztere in drei Jahren vollendet sein mußte; dagegen bei Käufen mit Entrichtung von -Erbzins zu 5 Procent, das Capital nach Belieben gezahlt werden konnte. <em class="antiqua">N. B.</em> Verkäufe mit Erbzins haben im -Jahr 1832 aufgehört.</span></p> -</div> - - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p369">[S. 369]</a></span></p> - - -<p class="center">Verkauf von Kron-Ländereien seit 1828 bis 1833.</p> - -<p class="center font14"><em class="gesperrt">Ober-Canada.</em></p> - -<p class="pmb2" /> -<table border="0" cellspacing="4" cellpadding="2" class="tdc" summary="Verkauf Kronlaendereien, Ober-Canada"> - <tr> - <td valign="top"><span class="font08">Jahr.</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">Anzahl der<br />verkauften<br />Aecker.</span></td> - <td colspan="2" valign="top"><span class="font08">Durchschnitts-<br />Preis für den<br />Acker.</span></td> - <td colspan="3" valign="top"><span class="font08">Betrag des<br />Verkaufsgeldes<br />im ersten Jahre.</span></td> - <td colspan="3" valign="top"><span class="font08">Gesammtbetrag<br />des Verkaufsgeldes.</span></td> - </tr> - <tr> - <td colspan="2"><span class="font08"> </span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">S.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">D.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">Pfd. Sterl.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">S.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">D.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">Pfd. Sterl.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">S.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">D.</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">1829</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">3,883</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">15</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1<sup>3</sup>/<sub>4</sub></span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">760</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">10</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">2,940</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">17</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">3</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">1830</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">6,135</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">13</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">8<sup>1</sup>/<sub>2</sub></span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1,350</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">16</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">4,209</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">3</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">1831</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">4,357</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">11</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">3<sup>1</sup>/<sub>2</sub></span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1,626</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">15</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">2,458</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">8</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">1832</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">10,323</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">9</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1<sup>1</sup>/<sub>2</sub></span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">2,503</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">3</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">5</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">11,578</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">19</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">3</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">1833</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">26,376</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">8</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">9<sup>1</sup>/<sub>4</sub></span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">5,660</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">8</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">3</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08"> </span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08"> </span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08"> </span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="center"><span class="font08"> </span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">———</span></td> - <td colspan="2"><span class="font08"> </span></td> - <td colspan="3"><span class="font08"> </span></td> - <td colspan="3" align="right"><span class="font08">——————</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">Summa</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">51,074</span></td> - <td colspan="2"><span class="font08"> </span></td> - <td colspan="3"><span class="font08"> </span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">25,898</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">3</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">11</span></td> - </tr> -</table> - -<div class="block1"> -<p class="ind3 pmb3"><span class="font08">Die Zinsen werden jetzt an den Zahlungsterminen entrichtet. Drei -Jahr ist die Frist, nach Ablauf welcher die ganze Kauf-Summe bezahlt -werden muß. Die Verkäufe von Stadt-Parcellen, Wasser-Parcellen und -Park-Parcellen, in Ober-Canada, sind auf dieser Tabelle nicht mit begriffen, -wegen der unverhältnißmäßigen Wirkung, welche die vergleichungsweise -großen, für diese kleinen Parcellen bezahlten Summen auf den Durchschnitts-Preis -per Acker haben würden, sie werden daher besonders auf der nächsten -Tabelle angegeben. —</span></p> -</div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p370">[S. 370]</a></span></p> - -<p class="center"><em class="gesperrt">Stadt- und Park-Parcellen, verkauft in</em><br /> -<em class="gesperrt">Ober-Canada von 1828 bis 1833.</em></p> - - -<table border="0" cellspacing="4" cellpadding="2" class="tdc" summary="Verkauf Stadt- und Park-Parcellen"> - <tr> - <td valign="top"><span class="font08">Jahr.</span></td> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">Anzahl der<br />verkauften<br />Aecker.</span></td> - <td colspan="3" valign="top" align="center"><span class="font08">Durchschnitts-<br />Preis für den<br />Acker.</span></td> - <td colspan="3" valign="top" align="center"><span class="font08">Betrag des<br />eingegangnen<br />Kaufgeldes<br />im ersten Jahre.</span></td> - <td colspan="3" valign="top" align="center"><span class="font08">Gesammtbetrag<br />des Verkaufsgeldes.</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08"> </span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08"> </span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">Pfd. Sterl.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">S.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">D.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">Pfd. Sterl.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">S.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">D.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">Pfd. Sterl.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">S.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">D.</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1828</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">2</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">126</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">63</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">252</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1829</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">— —</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">63</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">—</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1830</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">19</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">10</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">10</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">6<sup>1</sup>/<sub>4</sub></span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">55</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">200</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1831</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">3</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">8</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">7</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">6<sup>1</sup>/<sub>2</sub></span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08"><a id="FNanchor_60_60"></a><a href="#Footnote_60_60" class="fnanchor">[60]</a> 95</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">12</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">8</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">25</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">2</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">8</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1832</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">30</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">15</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">18</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">6<sup>1</sup>/<sub>4</sub></span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">81</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">18</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">9</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">327</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">15</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1833</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">114</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">14</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">13</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">9<sup>1</sup>/<sub>4</sub></span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">634</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">8</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1,674</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">9</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td> - </tr> - <tr> - <td align="right"><span class="font08"> </span></td> - <td align="right"><span class="font08">———</span></td> - <td colspan="3"><span class="font08"> </span></td> - <td colspan="3"><span class="font08"> </span></td> - <td colspan="3" align="right"><span class="font08">——————</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">Summa</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">168</span></td> - <td colspan="3"><span class="font08"> </span></td> - <td colspan="3"><span class="font08"> </span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">2,497</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">8</span></td> - </tr> -</table> -<p class="pmb2" /> - - -<div class="block1"> -<p class="ind3 pmb3"><span class="font08">Im Jahr 1829 haben keine Verkäufe stattgefunden; doch gingen -in demselben Gelder für die im vorhergehenden Jahre verkauften Parcellen ein.</span></p> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p371">[S. 371]</a></span></p> - -<p class="center">Nachstehende Tabelle enthält die Summe der bewilligten Kron-Ländereien und die<br /> -Bedingungen, unter welchen die Bewilligungen statt gefunden, — von 1823 bis 1832.<br /> -<span class="font14"><em class="gesperrt">Unter-Canada.</em></span></p> - -<table border="0" cellspacing="4" cellpadding="2" class="tdc" summary="Bewilligte Kronlandereien, Unter-Canada"> - <tr> - <td valign="top"><span class="font08">Jahr.</span></td> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">Ansiedlern vom<br />Militairstande<br />bewilligte<br />Ackerzahl.</span></td> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">Entlaßnen Soldaten<br />und Pensionairs<br />bewilligte<br />Ackerzahl.</span></td> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">Offizieren bewilligte<br />Ackerzahl.</span></td> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">Bewilligte Ackerzahl,<br />welche unter keine<br />der vorhergehenden<br />Rubriken gehört.</span></td> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">Gesammtzahl der<br />bewilligten Aecker.</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1824</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">51,810</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">— —</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">4,100</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">34,859</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">90,769</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1825</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">32,620</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">— —</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1,000</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">16,274</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">49,894</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1826</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">3,525</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">5,500</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">— —</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">48,224</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">57,249</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1827</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">7,640</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">6,300</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">800</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">38,378</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">53,118</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1828</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">7,300</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">— —</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">4,504</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">9,036</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">20,840</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1829</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">3,200</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">— —</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">— —</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">5,282</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">8,482</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1830</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">18,425</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">— —</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">2,000</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">10,670</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">94,059</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1831</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">9,400</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">8,273</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">3,408</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">9,990</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">30,981</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1832</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">10,116</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">19,000</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">4,000</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">4,000</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">37,116</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1833</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">5,200</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">22,500</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1,200</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">— —</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">28,900</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">——</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">———</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">———</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">———</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">———</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">———</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">Summa</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">212,236</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">61,573</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">21,012</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">176,623</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">471,444</span></td> - </tr> -</table> -<p class="pmb3" /> - - -<div class="block1"> -<p class="ind3"><span class="font08"><em class="gesperrt">Bedingungen</em>, die der Ansiedler zu erfüllen hat: — er muß binnen neunzig Tagen zwanzig -Fuß Straße auf seiner Parcelle lichten.</span></p> -</div> - -<div class="block1"> -<p class="ind3 pmb3"><span class="font08"><em class="gesperrt">Bedingungen</em> für den Ansiedler vom Militairstande: — er ist verpflichtet, in einem Zeitraum -von drei Jahren vier Acker seiner Parcelle zu lichten und zu cultiviren und ein Wohnhaus darauf zu erbauen.</span></p> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p372">[S. 372]</a></span></p> - - -<p class="center font14"><em class="gesperrt">Ober-Canada.</em></p> - -<table border="0" cellspacing="4" cellpadding="2" class="tdc" summary="Bewilligte Kronlandereien, Ober-Canada"> - <tr> - <td valign="top"><span class="font08">Jahr.</span></td> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">An Emigranten vom<br />Militairstande<br />vertheilte<br />Ackerzahl.</span></td> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">Entlaßnen Soldaten<br />und Pensionairs<br />bewilligte<br />Ackerzahl.</span></td> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">Offizieren bewilligte<br />Ackerzahl.</span></td> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">Bewilligte Acker,<br />welche in keine der<br />vorhergehenden<br />Rubriken gehören.</span></td> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">Loyalisten<a id="FNanchor_61_61"></a><a href="#Footnote_61_61" class="fnanchor">[61]</a><br />bewilligte<br />Ackerzahl.</span></td> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">Gesammtzahl der<br />bewilligten Aecker.</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1824</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">11,100</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">5,800</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">5,500</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">134,500</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">30,200</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">187,800</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1825</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">20,300</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">5,700</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">8,100</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">149,060</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">45,000</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">228,160</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1826</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">16,600</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">3,100</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">4,700</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">19,390,500</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">24,800</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">69,590</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1827</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">10,900</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">4,200</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">7,200</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">33,600,500</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">20,200</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">76,100</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1828</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">10,800</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">900</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">3,000</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">4,304</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">30,800</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">49,804</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1829</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">5,300</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">7,500</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">8,400</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">3,230</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">22,600</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">47,030</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1830</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">6,400</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">12,500</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">12,600</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">9,336</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">27,400</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">68,236</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1831</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">5,500</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">58,400</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">7,200</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">8,000</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">34,200</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">113,300</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1832</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">19,300</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">97,800</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">7,600</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">6,100</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">62,600</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">193,400</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1833</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">35,200</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">46,000</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">— —</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">9,100</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">135,600</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">225,900</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">Summa.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">142,100</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">241,900</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">64,300</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">376,620</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">433,400</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1,258,320</span></td> - </tr> -</table> -<p class="pmb3" /> - - -<div class="block1"> -<p class="ind3 pmb3"><span class="font08"><em class="gesperrt">Bedingung</em>: wirkliche Ansiedlung.</span></p> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p373">[S. 373]</a></span></p> - -<p><em class="gesperrt">I. Verkäufe und Bewilligungen von Kron-Ländereien.</em></p> - -<p>Folgende Tabellen, aus parlamentarischen Urkunden -entlehnt, zeigen:</p> - -<p>1) Die Menge der in Ober- und Unter-Canada seit -1828 bis 1833 (einschließlich) <em class="gesperrt">verkauften</em> Kronländer, -nebst dem Durchschnitts-Preis für den Acker.</p> - -<p>2) Stadt und Park-Parzellen, die während der -nämlichen Periode in Ober-Canada verkauft worden sind.</p> - -<p>3) Die Menge von Kronländereien, die seit 1824 -bis 1833, (einschließlich) ohne Kauf bewilligt worden -sind, nebst den Bedingungen, unter welchen diese Bewilligungen -erfolgt sind.</p> - -<p>4) Betrag der für die Geistlichkeit vorbehaltnen -Ländereien, welche in jedem Jahre nach Beginn der Verkäufe -unter Act 7 und 8 <em class="antiqua">Geo. IV. c.</em> 62. veräußert -worden sind.</p> - -<p>Die im Jahr 1824, der Zeit, von welcher an die -Zahlungen ihren Anfang nehmen, in Gültigkeit tretenden -Bedingungen, wurden in der Versammlung vom 20. -October, 1818 und vom 21. Februar 1820 auf gesetzlichem -Wege festgestellt und auf alle Klassen von Privilegirten -ausgedehnt.</p> - -<p>Die Bedingungen waren folgende: — Jeder Belehnte -soll von je hundert bewilligten Ackern, fünf Acker -völlig lichten und einfriedigen; auf dem gelichteten Boden -ein Haus 16 Fuß tief und zwanzig Fuß breit bauen; -und die eine Hälfte der Straße (auf der Seite seines -Besitzthums, und so weit als dieses reicht) lichten, desgleichen -einen Weg von seinem Hause nach der Straße -führen. Diese Straßen-Pflichten sollen als ein Theil -<em class="gesperrt">der fünf Acker von hundert</em> (s. oben) betrachtet -werden. Das Ganze muß binnen zwei Jahren, vom -Tage der Belehnung an gerechnet, vollendet, und nach - <span class="pagenum"><a id="Page_p374">[S. 374]</a></span> -dargethaner Erfüllung der verzeichneten Bedingungen ein -Patent ausgefertigt werden.</p> - -<p>»Am 14. Mai 1830 wurde bei Schenkungen an -verabschiedete Soldaten hierzu noch eine Bedingung gefügt, -welche den wirklichen persönlichen Aufenthalt des -Betheiligten auf der ihm bewilligten Stelle erforderlich -macht, bevor er sein Patent ausgefertigt erhalten kann.</p> - -<p>»Am 14. November, 1830 wurden die damals hinsichtlich -der Ansiedler Pflichten bestehenden Verordnungen -in voller Versammlung aufgehoben, und dagegen der Befehl -erlassen, daß jeder Belehnte die Straßen-Hälfte vor seiner -Parcelle lichten und auf einer Strecke von zehn Fuß, -in der Mitte der Straße, die Baumstummel so tief wegschneiden -soll, daß Wagenräder darüber wegpassiren können. -Der Nachweiß sowohl dieser Pflichterfüllung als -eines zweijährigen Aufenthaltes auf dem bewilligten Grundstück -berechtigt zu einem Patent.</p> - -<p>»Blos verabschiedeten Soldaten und Seeleuten, unter -diesem Gesetz, ist es zur unerläßlichen Pflicht gemacht, -drei Jahr vor Ausfertigung des Patentes ihr respectives -Grundstück zu bewohnen und zu verbessern.</p> - -<p>»Am 24. Mai 1832 erließ die Versammlung einen -Befehl, welcher in allen Fällen, außer in dem, welcher -verabschiedete Soldaten und Seeleute betrifft, die bestehenden -Anordnungen außer Kraft erklärte; und bestimmte, daß wofern -nachgewiesen würde, daß sich ein Ansiedler auf einer -Parcelle thätig niedergelassen, ein Patent ohne weiteres -ausgefertigt werden solle.</p> - -<p>Nachfolgender Auszug ist aus einem officiellen, von -Mr. <em class="gesperrt">Buchanan</em> und andern von der Regierung verpflichteten -Emigrations-Agenten in Canada in Umlauf -gebrachten Bericht entlehnt: —</p> - -<p>»Emigranten, welche in den beiden Canadas fruchtbaren -Boden in wildem Zustand käuflich von der Krone - <span class="pagenum"><a id="Page_p375">[S. 375]</a></span> -zu erlangen wünschen, dürfen auf jede nur mögliche Erleichterung -und jeden Vorschub von Seiten der öffentlichen -Autoritäten zählen. Beträchtliche Boden-Strecken -werden in Ober-Canada monatlich vermessen und zum -Verkauf ausgeboten, desgleichen häufig auch aller zehn -oder vierzehn Tage, von den für die Kron-Ländereien installirten -Commissionairs, und zwar zu festgesetzten Preisen, -die, je nach Lage und andern Umständen, sich bald -auf zehn, bald auf funfzehn Schillinge per Acker belaufen, -ausgenommen in den Gemeinde-Bezirken Sunnidale -und Nottawasaga, wo der für Kron-Ländereien festgestellte -Preis blos fünf Schillinge beträgt. In Unter-Canada -bietet der Commissair für Kron-Ländereien zu Quebec zu -bestimmten Perioden, in verschiednen Gemeinde-Bezirken, -den Acker zu 2 Schil. 6 D. bis 12 Schil. 6 D. (Halifax-Courant), -unter der Bedingung terminlicher Zahlungen, -zum Verkauf aus. Auch von der Ober-Canada-Compagnie -kann man unter sehr annehmlichen Bedingungen -wilden Boden kaufen; und solche, welche sich nach -dem Besitz einträglicher Pachte sehnen, können dergleichen -ohne große Schwierigkeiten von Privat-Grundeigenthümern -erlangen. Man gehe in keinem Fall ohne <em class="gesperrt">persönliche -Untersuchung</em> einen Kauf oder Pacht ein -und sehe dabei ins besondre auf nachstehende Eigenschaften: -—</p> - -<p>1) <em class="gesperrt">Eine gesunde Lage.</em></p> - -<p>2) <em class="gesperrt">Guten Boden.</em></p> - -<p>3) <em class="gesperrt">Reines Quell- oder fließendes Wasser.</em></p> - -<p>4) <em class="gesperrt">Eine gute moralische und religiöse -Nachbarschaft, und die Nähe von Schulen -zur Erziehung der Kinder.</em></p> - -<p>5) <em class="gesperrt">Auf die möglichste Nähe von guten -Fahrstraßen und Wasser-Transport, so wie -von Säge und Grützmühlen.</em></p> - -<p class="pmb3">6) <em class="gesperrt">Einen guten Titel.</em></p> - - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p376">[S. 376]</a></span></p> - -<p class="center">Für die Geistlichkeit vorbehaltne, in jedem Jahr seit Eröffnung der Verkäufe<br /> -unter den Gesetzen 7 und 8 <em class="antiqua">Geo. IV. c.</em> 62 verkaufte Ländereien, nach Ackern.</p> - -<p class="center font14"><em class="gesperrt">Unter-Canada.</em></p> - - -<table border="0" cellspacing="4" cellpadding="2" class="tdc" summary="Landereien für die Geistlichkeit, Unter-Canada"> - <tr> - <td valign="top"><span class="font08">Jahr.</span></td> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">Anzahl der<br />verkauften Acker.</span></td> - <td colspan="2" valign="top" align="center"><span class="font08">Durchschnitts-Preis<br />für den Acker.</span></td> - <td colspan="3" valign="top" align="center"><span class="font08">Betrag des im<br />ersten Jahr<br />eingegangenen<br />Kaufgeldes.</span></td> - <td colspan="3" valign="top" align="center"><span class="font08">Gesammtbetrag der<br />Kaufsumme.</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08"> </span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08"> </span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">Shl.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">D.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">Pfd.St.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">S.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">D.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">Pfd.St.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">S.</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">D.</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1829</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1,100</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">4</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">10</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">230</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1830</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">9,956</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">4</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">9<sup>3</sup>/<sub>4</sub></span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">543</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">17</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1,610</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">3</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1831</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">11,332</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">7</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">2<sup>1</sup>/<sub>2</sub></span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">541</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">7</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">2,665</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">9</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">3</span><a id="FNanchor_62_62"></a><a href="#Footnote_62_62" class="fnanchor">[62]</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1832</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">6,878</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">5</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">8</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">533</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">2</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">2</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1,278</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">11</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">8</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1833</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">37,278</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">8</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">2<sup>1</sup>/<sub>4</sub></span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">3,454</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">11</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">12,791</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">17</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">5</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"> </td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">—————</span></td> - <td valign="top" align="right"> </td> - <td valign="top" align="right"> </td> - <td valign="top" align="right"> </td> - <td valign="top" align="right"> </td> - <td valign="top" align="right"> </td> - <td colspan="3" valign="top" align="right"><span class="font08"> </span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">Summa</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">66,539</span></td> - <td valign="top" colspan="2" align="right"> </td> - <td valign="top" colspan="3" align="right"> </td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">18,576</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">1</span></td> - <td valign="top" align="right"><span class="font08">4</span></td> - </tr> -</table> -<p class="pmb3" /> - -<div class="block1"> -<p class="ind3 pmb3"><span class="font08">Drei Jahr sind die Frist, binnen welcher die ganze Kaufsumme bezahlt werden muß.</span></p> -</div> - - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p377">[S. 377]</a></span></p> - - -<p class="center"><span class="font14"><em class="gesperrt">Ober-Canada.</em></span></p> - -<table border="0" cellspacing="4" cellpadding="2" class="tdr" summary="Landereien für die Geistlichkeit, Ober-Canada"> - <tr> - <td valign="top"><span class="font08">Jahr.</span></td> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">Anzahl der<br />verkauften Acker.</span></td> - <td colspan="2" valign="top" align="center"><span class="font08">Durchschnitts-Preis<br />für den Acker.</span></td> - <td colspan="3" valign="top" align="center"><span class="font08">Betrag des im<br />ersten Jahr<br />eingegangenen<br />Kaufgeldes.</span></td> - <td colspan="3" valign="top" align="center"><span class="font08">Gesammtbetrag der<br />Kaufsumme.</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top"><span class="font08"> </span></td> - <td valign="top"><span class="font08"> </span></td> - <td valign="top"><span class="font08">Shl.</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">D.</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">Pfd.St.</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">S.</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">D.</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">Pfd.St.</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">S.</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">D.</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top"><span class="font08">1829</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">18,014</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">14</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">8<sup>1</sup>/<sub>4</sub></span></td> - <td valign="top"><span class="font08">2,464</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">14</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">0</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">13,229</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">0</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">0</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top"><span class="font08">1830</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">34,705</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">13</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">6</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">6,153</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">5</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">9</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">23,452</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">4</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">0</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top"><span class="font08">1831</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">25,563</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">12</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">1<sup>3</sup>/<sub>4</sub></span></td> - <td valign="top"><span class="font08">8,010</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">2</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">11</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">17,362</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">12</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">1</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top"><span class="font08">1832</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">48,484</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">13</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">3<sup>2</sup>/<sub>4</sub></span></td> - <td valign="top"><span class="font08">10,239</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">9</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">7</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">32,287</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">19</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">8</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top"><span class="font08">1833</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">62,282</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">14</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">4<sup>1</sup>/<sub>2</sub></span></td> - <td valign="top"><span class="font08">14,080</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">16</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">8</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">44,747</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">9</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">9</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top"><span class="font08"> </span></td> - <td valign="top"><span class="font08">—————</span></td> - <td colspan="2" valign="top"><span class="font08"> </span></td> - <td colspan="3" valign="top"><span class="font08"> </span></td> - <td colspan="3" valign="top"><span class="font08">—————</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top"><span class="font08">Summa</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">192,049</span></td> - <td colspan="2" valign="top"><span class="font08"> </span></td> - <td colspan="3" valign="top"><span class="font08"> </span></td> - <td valign="top"><span class="font08">131,079</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">14</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">10</span></td> - </tr> -</table> - -<p class="pmb2" /> - -<div class="block1"> -<p class="ind3 pmb3"><span class="font08">Das ganze Kaufgeld muß nach Ablauf von neun Jahren bezahlt sein. Außer der -Kaufsumme sind bei jedem Termin auch die Interessen bezahlt worden; wie sich aus nachstehender Uebersicht -ergiebt.</span></p> -</div> - -<table border="0" cellspacing="4" cellpadding="2" class="tdr" summary="Kaufpreise, Ober-Canada"> - <tr> - <td valign="top"><span class="font08">Eingelaufne Interessen im Jahr</span></td> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">1829</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">Pfd. St.</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">1</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">7</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">3</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">Courant.</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top"><span class="font08">— — — —</span></td> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">1830</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">— —</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">62</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">16</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">1</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">—</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top"><span class="font08">— — — —</span></td> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">1831</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">— —</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">259</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">14</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">9</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">—</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top"><span class="font08">— — — —</span></td> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">1832</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">— —</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">473</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">17</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">2</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">—</span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top"><span class="font08">— — — —</span></td> - <td valign="top" align="center"><span class="font08">1833</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">— —</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">854</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">4</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">3</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">—</span></td> - </tr> -</table> -<p class="pmb3" /> - - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p378">[S. 378]</a></span></p> - - -<p><span class="font12"><em class="gesperrt">II. Nachrichten für Emigranten.</em></span></p> - -<p>Im Jahr 1832 erließ der für Auswanderung von -Sr. Majestät ernannte öffentliche Ausschuß eine kleine -Schrift<a id="FNanchor_63_63"></a><a href="#Footnote_63_63" class="fnanchor">[63]</a>, die in gedrängter Kürze einige nützliche Belehrung -enthält. Der Ausschuß besteht nicht mehr. An -seine Stelle ist von der Regierung <em class="gesperrt">J. Denham Pinnock</em>, -Esq. als seiner Majestät Agent zur Beförderung der -Auswanderung von England nach den brittischen Colonien -ernannt. An diesen Herrn hat man sich in Auswanderungs-Angelegenheiten -beim Colonial-Bureau brieflich, -unter der Adresse: An den Colonial-Staatssecretair, -zu wenden. Ein Hauptgegenstand seines Postens ist, den -Behörden der Kirchsprengel und Landeigenthümern, welche -das Auswandern von Arbeitern, Häuslern und dergl. aus -ihren respectiven Distrikten zu befördern wünschen, die -genügende Auskunft zu ertheilen und die möglichsten Erleichterungen -zu verschaffen, und zwar besonders mit Rücksichtsnahme -auf die Emigrations-Clausel der Armen-Gesetz-Amendements-Acte. -Nachverzeichnete Agenten sind -in den namhaft gemachten Häfen von der Regierung -ebenfalls mit Förderung der Auswandrer-Angelegenheiten -beauftragt.</p> - -<table border="0" cellspacing="4" cellpadding="2" class="tdr" summary="Agenten f. Auswandrer"> - <tr> - <td valign="top"><span class="font08">Liverpool</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">Lieut.</span></td> - <td valign="top"><span class="font08"><em class="gesperrt">Low</em>,</span></td> - <td valign="top"><span class="font08"><em class="antiqua">R. N.</em></span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top"><span class="font08">Bristol</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">Lieut.</span></td> - <td valign="top"><span class="font08"><em class="gesperrt">Henry</em>,</span></td> - <td valign="top"><span class="font08"><em class="antiqua">R. N.</em></span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top"><span class="font08">Leith</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">Lieut.</span></td> - <td valign="top"><span class="font08"><em class="gesperrt">Forrest</em>,</span></td> - <td valign="top"><span class="font08"><em class="antiqua">R. N.</em></span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top"><span class="font08">Greenock</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">Lieut.</span></td> - <td valign="top"><span class="font08"><em class="gesperrt">Hemmans</em>,</span></td> - <td valign="top"><span class="font08"><em class="antiqua">R. N.</em></span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top"><span class="font08">Dublin</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">Lieut.</span></td> - <td valign="top"><span class="font08"><em class="gesperrt">Hodder</em>,</span></td> - <td valign="top"><span class="font08"><em class="antiqua">R. N.</em></span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top"><span class="font08">Cork</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">Lieut.</span></td> - <td valign="top"><span class="font08"><em class="gesperrt">Friend</em>,</span></td> - <td valign="top"><span class="font08"><em class="antiqua">R. N.</em></span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top"><span class="font08">Limerick</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">Lieut.</span></td> - <td valign="top"><span class="font08"><em class="gesperrt">Lynch</em>,</span></td> - <td valign="top"><span class="font08"><em class="antiqua">R. N.</em></span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top"><span class="font08">Belfast</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">Lieut.</span></td> - <td valign="top"><span class="font08"><em class="gesperrt">Millar</em>,</span></td> - <td valign="top"><span class="font08"><em class="antiqua">R. N.</em></span></td> - </tr> - <tr> - <td valign="top"><span class="font08">Sligo</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">—</span></td> - <td valign="top"><span class="font08">Lieut.</span></td> - <td valign="top"><span class="font08"><em class="gesperrt">Shuttleworth</em>,</span></td> - <td valign="top"><span class="font08"><em class="antiqua">R. N.</em></span></td> - </tr> -</table> -<p class="pmb3" /> - - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p379">[S. 379]</a></span></p> - -<p>Zu Quebec, ist Herr A. C. <em class="gesperrt">Buchanan</em>, Esq., -Hauptagent der Regierung in Auswanderungs-Angelegenheiten, -stets bereit, jedem Emigranten, der um seinen Rath -nachsucht, die genügende Auskunft zu ertheilen.</p> - -<p>Nachstehendes ist ein Auszug aus der im Jahr -1832 veröffentlichten kleinen Schrift: —</p> - -<p>»Ueberfahrten nach Quebec oder Neu-Braunschweig -können entweder mit oder ohne Mundvorräthe ausbedungen -werden, in letzterem Fall erhält der Passagier nichts außer -Wasser, Brennmaterial und Bettstelle, aber kein Gebett. -Kinder unter 14 Jahren zahlen nur die Hälfte, und unter -7 Jahren nur das Drittel der vollen Summe; Kinder -unter 12 Monaten werden unentgeldlich mitgenommen. -Unter diesen Bedingungen beträgt das Passagiergeld -von London, oder von Plätzen an der Ostküste -Britanniens, mit Mundvorräthen, gewöhnlich 6 Pfund -Sterl., und ohne Mundvorräthe, 3 Pfd. Sterl. Von -Liverpool, Greenock und den Haupthäfen Irlands ist der -Preis, in Folge seltner eintretender Verzögerungen etwas -niedriger; in diesem Jahre (1832) wird er wahrscheinlich -2 Pfd. Sterl. bis 2 Pfd. Sterl. 10 Shl. (ohne -Mundvorräthe), und mit diesen 4 Pfd. Sterl. bis 5 -Pfd. Sterl. betragen. Möglicher Weise dürften im März -und April von Dublin aus Ueberfahrten zu 1 Pfd. Sterl. -15 Shl. oder gar zu 1 Pfd. Sterl. 10 Shl. zu erlangen -sein; aber mit dem Vorrücken der Jahreszeit werden -die Preise stets höher. In Schiffen, die von Schottland -oder Irland aussegeln ist es meist üblich gewesen, daß -die Passagiere selbst für ihre Mundvorräthe sorgten; allein -in London ist diese Verfahrungsweise nicht so allgemein; -und einige Schiffseigenthümer, wohlbekannt mit den gefährlichen -Mißgriffen, welche in dieser Angelegenheit -aus Unkenntniß gethan werden können, stemmen sich sehr -gegen die Aufnahme von Fremden, welche ihre Mundvorräthe -nicht vom Schiffe beziehen wollen. Diejenigen, -welche durchaus selbst dafür sorgen wollen, sollten darauf - <span class="pagenum"><a id="Page_p380">[S. 380]</a></span> -bedacht sein, nicht zu wenig mitzunehmen; funfzig Tage -sind die kürzeste Periode, auf welche man sich mit Mundvorräthen -versehen muß, und von London aus dauert dieselbe -bisweilen fünfundsiebzig Tage. Die besten Monate, -England zu verlassen, sind jedenfalls März und April; -spätere Auswandrer finden selten Beschäftigung und haben -in der Colonie vor Eintritt des Winters weniger Zeit -vor sich.«</p> - -<p>Aus einem gedruckten, von Mr. <em class="gesperrt">Buchanan</em> zu -Quebec abgefaßten Aufsatz entlehnen wir folgende Bemerkungen, -(der Aufsatz datirt sich vom Juli 1835).</p> - -<p>»Nichts ist für den Emigranten bei seiner Ankunft -in Quebec wichtiger, als genaue Erkundigung über die -Hauptpunkte seines fernern Thun's. Manche haben Mangels -an Behutsamkeit halber, und weil sie den Ansichten -und Meinungen selbstsüchtige Nebenabsichten im Schilde -führender Personen, die häufig unaufgefordert ihren Rath -ertheilen, und die man gewöhnlich an den von Fremden -besuchten Kaien und Landungsplätzen findet, Gehör schenkten, -schwer büßen müssen. Um sich gegen dergleichen -Fehlschritte zu sichern, sollte jeder Emigrant, gleich nach -seiner Ankunft zu Quebec, sich an das Bureau des -Haupt-Agenten für Auswandrer, in Sault-au-Matelot-Street -(Unterstadt) wenden, wo er jede für seine ferneren -Unternehmungen, es mag sich nun um Ansiedlung oder -Anstellung in Ober- oder Unter-Canada handeln, erforderliche -Nachweisung <em class="gesperrt">gratis</em> erhält. Auf dem Wege -von Quebec nach dem Ort seiner Bestimmung werden -dem Auswandrer manche Entwürfe und Pläne zur -Erwägung vorgelegt, allein er mag sich ja davon abwenden, -wofern sich nicht die Reinheit der Absicht und -die Richtigkeit der Angaben nachweisen läßt: in jedem -Fall nehme man, wenn man Rath und Belehrung bedarf, -seine Zuflucht zu den Regierungs-Agenten, welche -die genaueste Auskunft <em class="gesperrt">gratis</em> ertheilen.</p> - -<p>»Emigranten thun wohl, nach ihrer Ankunft - <span class="pagenum"><a id="Page_p381">[S. 381]</a></span> -achtundvierzig Stunden an Bord des Schiffs zu bleiben, -auch können sie während dieser Zeit keiner ihrer gewöhnlichen -Bequemlichkeiten, als da sind Schlafstellen, Koch-Apparate -u. s. w. beraubt werden, und der Schiffsmeister -ist gebunden, die Auswandrer und ihr Gepäck <em class="gesperrt">kostenfrei</em> -an den gewöhnlichen Landungsplätzen und zu -entsprechenden Stunden auszuschiffen. <em class="gesperrt">Vorzüglich mögen -sie sich hüten, Wasser aus dem Lawrence -Fluß zu trinken, denn sein Genuß erzeugt -bei Fremden leicht Leibschneiden und andre -Unterleibsbeschwerden.</em></p> - -<p>»Will man sein englisches Geld umwechseln, so gehe -man zu einem achtbaren Kaufmann oder Krämer, oder -an die Banken: der Dollar Courant (Halifax Courant), -in den beiden Canadas, ist gleich fünf Shilingen -(engl. Geld); gegenwärtig gilt der Gold-Souverain zu -Quebec und Montreal ungefähr 1 Pfd. Sterl. 4 S. 1 -D. Courant. In New-York ist der Dollar gleich 8 -Shl., daher sich manche täuschen, wenn sie von den Arbeitslöhnen -u. s. w. hören. — 5 Shl. in Canada sind -gleich 8 Shl. in New-York; demgemäß sind 8 Shl. -New-Yorker Courant gleich 5 Shl. Halifax Courant.</p> - -<p>»Emigranten, die sich in Unter-Canada anzusiedeln -oder Anstellung zu erhalten wünschen, können auf manche -wünschenswerthe Lage zählen. Wilder Boden kann durch -Kauf von dem mit dem Verkauf der Kronländer bevollmächtigten -Commissair in verschiednen Gemeinde-Bezirken -der Provinz erlangt werden, und die Brittisch-amerikanische -Land-Compagnie trifft die ausgedehntesten Vorbereitungen, -um in den östlichen Gemeinde-Bezirken -Ländereien an Emigranten zu verkaufen.</p> - -<p>»Ländliche Arbeiter sind in allen Distrikten von -Ober-Canada sehr gesucht und können bei gehörigem -Fleiß sehr hohe Löhne erhalten; Handwerker fast jeder -Art, und gute Dienstboten, sowohl männliche als <em class="gesperrt">weibliche</em>, -finden ebenfalls sogleich Anstellung.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p382">[S. 382]</a></span></p> - -<p>»Emigranten, welche entweder auf der Ottawa oder -St. Lawrence Straße nach Ober-Canada reisen, thun -wohl, sich zu Montreal mit Mundvorräthen, als da sind -Brod, Thee und Butter zu versorgen, indem sie diese -Artikel, daselbst billiger und <em class="gesperrt">besser</em> kaufen können als -unterwegs, bis sie Kingston erreichen. Desgleichen mögen -sie sich so sehr als möglich vor dem Genuß <em class="gesperrt">spirituöser -Flüssigkeiten und dem Trinken kalten -Fluß-Wassers</em> oder dem Lagern auf den Fluß-Ufern, -der feuchten Nachtluft ausgesetzt, hüten; es ist gut, wenn -sie sogleich vom Dampfbote zu Montreal ihren Weg nach -dem <em class="gesperrt">Eingang des Cannals</em> oder Lachine nehmen, von -wo aus täglich die Dampf- und Durham-Böte nach Prescott -und Bytown abgehen. Die ganzen Unkosten für den -Transport eines erwachsenen Emigranten von Quebec -nach Toronto, und dem Ursprung des Sees Ontario auf -Dampf- und Durham-Böten betragen nicht über 1 Pfd. -Sterl. 1 Shl. — Kingston, Belleville, die Bai von Quinte -hinauf, Cobourgh und Port Hope, im Newcastle Distrikt, -Hamilton und Niagara am Ursprunge des Sees -Ontario, sind bequeme Rastplätze für Familien, welche -sich in Ober-Canada ankaufen wollen.</p> - -<p>Unter den zur Förderung der Auswandrer zu Montreal -gebildeten Gesellschaften herrscht große Eifersucht; -daher der Emigrant wohl thut, etwas vorsichtig zu verfahren, -ehe er hinsichtlich seines Transports nach Prescott -oder Kingston abschließt, vorzüglich muß er diejenigen -Personen vermeiden, die sich um die Dampfböte -bei deren Ankunft zu Montreal drängen und ihre Dienste -zur weiteren Beförderung der Passagiere u. s. w. anbieten. -Eben so ist zu Prescott oder Kingston bei Auswahl -eines regelmäßigen Transports, den See Ontario -hinauf, einige Vorsicht nöthig. Vorzüglich rathe ich den -Emigranten, welche sich in Ober-Canada niederlassen wollen, -sich in Montreal nicht aufzuhalten und Geld für - <span class="pagenum"><a id="Page_p383">[S. 383]</a></span> -Logis wegzugeben, sondern gleich nach Ankunft des -Dampfbootes nach Bytown oder Prescott aufzubrechen.</p> - -<p>Tagelöhner oder Handwerker, die hinsichtlich ihres -Lebensunterhaltes von sofortiger Anstellung abhängen, -dürfen nicht säumen, gleich nach ihrer Ankunft ihren -Weg in das Innere zu nehmen. Der Haupt-Agent -pflegt diejenigen, welche über <em class="gesperrt">vier Tage</em> nach ihrem -Eintreffen an den Landungs-Plätzen umherzaudern, als -jedes Anspruchs auf den Schutz der königlichen Agenten -zu seiner Beförderung oder Anstellung ledig zu erachten, -es müßte denn Krankheit oder eine andre genügende Ursache -dieses Zögern nöthig machen.</p> - - -<p class="center pmb1"><span class="font11"><em class="gesperrt">Vergleichende Tabelle, die Anzahl von Auswandrern<br /> -betreffend, welche seit 1829<br /> -bis 1834 (einschließlich) zu Quebec<br /> -angelangt sind.</em></span></p> - -<table border="1" cellspacing="0" cellpadding="0" class="tdr" summary="Auswandrer, Quebec 1829-1834"> - <tr> - <td valign="top"> </td> - <td valign="top" align="center">1829</td> - <td valign="top" align="center">1830</td> - <td valign="top" align="center">1831</td> - <td valign="top" align="center">1832</td> - <td valign="top" align="center">1833</td> - <td valign="top" align="center">1834</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top">England und<br />Wales</td> - <td valign="top">3,565</td> - <td valign="top">6,799</td> - <td valign="top">10,343</td> - <td valign="top">17,481</td> - <td valign="top">5,198</td> - <td valign="top">6,799</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top">Irland</td> - <td valign="top">9,614</td> - <td valign="top">18,300</td> - <td valign="top">34,133</td> - <td valign="top">28,204</td> - <td valign="top">12,013</td> - <td valign="top">19,206</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top">Schottland</td> - <td valign="top">2,643</td> - <td valign="top">2,450</td> - <td valign="top">5,354</td> - <td valign="top">5,500</td> - <td valign="top">4,196</td> - <td valign="top">4,590</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top">Hamburg und<br />Gibraltar</td> - <td valign="top">—</td> - <td valign="top">—</td> - <td valign="top">—</td> - <td valign="top">15</td> - <td valign="top">—</td> - <td valign="top">—</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top">Neuschottland,<br />Neufundland,<br />West-Indien<br />u. s. w.</td> - <td valign="top">123</td> - <td valign="top">451</td> - <td valign="top">424</td> - <td valign="top">546</td> - <td valign="top">345</td> - <td valign="top">339</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top">Summa.</td> - <td valign="top">15,945</td> - <td valign="top">28,000</td> - <td valign="top">50,254</td> - <td valign="top">51,746</td> - <td valign="top">21,752</td> - <td valign="top">30,935</td> - </tr> -</table> -<p class="pmb3" /> - -<p>Die Gesammtzahl der zu Quebec seit 1829 bis -1834 angelangten Emigranten beläuft sich auf 198,632 -Köpfe. Man wird bemerken, das die Anzahl in den - <span class="pagenum"><a id="Page_p384">[S. 384]</a></span> -Jahren 1831 und 1832 ihre Höhe erreicht hat, und dann -(1833) wieder sehr tief gefallen ist.</p> - -<p>Vertheilung der 30,935, im Jahr 1834 zu Quebec -angelangten Emigranten: —</p> - - -<p class="center pmb1"><span class="font11"><em class="gesperrt">Unter-Canada.</em></span></p> - -<table border="0" cellspacing="2" cellpadding="2" class="tdr" summary="Emigranten Unter-Canada, Quebec 1834"> - <tr> - <td valign="top" align="left">Stadt und Distrikt Quebec</td> - <td valign="top" align="right">1,500</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="left">Distrikt Three Rivers (drei Flüsse)</td> - <td valign="top" align="right">350</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="left">Distrikt St. Francis und östliche Gemeinde-Bezirke</td> - <td valign="top" align="right">640</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="left">Stadt und Distrikt Montreal</td> - <td valign="top" align="right">1,200</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="left">Ottawa Distrikt</td> - <td valign="top" align="right">400</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="left"> </td> - <td valign="top" align="right">--------</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="left"> </td> - <td valign="top" align="right">4,090</td> - </tr> -</table> -<p class="pmb3" /> - -<p class="p1 center pmb1"><span class="font11"><em class="gesperrt">Ober-Canada.</em></span></p> - -<table border="0" cellspacing="2" cellpadding="2" class="tdr" summary="Emigranten Ober-Canada, Quebec 1834"> - <tr> - <td valign="top" align="left">Ottawa, Bathurst, Midland und östliche Distrikte<br /> - bis Kingston, einschließlich</td> - <td valign="top" align="right">1,000</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="left">Distrikt Newcastle, und Stadtbezirke in der Nachbarschaft<br /> - der Bai von Quinte</td> - <td valign="top" align="right">2,650</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="left">Toronto und der Home Distrikt, welcher die Niederlassungen<br /> - um den See Simco in sich schließt.</td> - <td valign="top" align="right">8,000</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="left">Hamilton, Guelph und Huronen-Gebiet nebst den<br /> - angrenzenden Ländereien</td> - <td valign="top" align="right">2,600</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="left">Niagara Grenze und Distrikt, welche die Linie<br /> - des Welland Canals und nur den Anfang des<br /> - Sees Ontario bis Hamilton in sich begreift.</td> - <td valign="top" align="right">3,300</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="left">Niederlassungen, welche an den Erie-See grenzen<br /> - und den London Distrikt, die Adelaide-Ansiedlung<br /> - und das Land bis zum See St. Clair in sich<br /> - begreifen</td> - <td valign="top" align="right">4,600</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="left"> </td> - <td valign="top" align="right">--------</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="left">Summa (für Ober-Canada)</td> - <td valign="top" align="right">22,210<br /><br /></td> - </tr> - - <tr> - <td valign="top" align="left">An der Cholera in Ober- und Unter-Canada<br /> - gestorben</td> - <td valign="top" align="right">800</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="left">Nach dem Vereinigten Königreich zurückgekehrt</td> - <td valign="top" align="right">350</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="left">Nach den Vereinigten Staaten gegangen</td> - <td valign="top" align="right">3,485</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="left"> </td> - <td valign="top" align="right">--------</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="left"> </td> - <td valign="top" align="right">4,635</td> - </tr> -</table> -<p class="pmb3" /> - - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p385">[S. 385]</a></span></p> - -<p>Von 30,935 Emigranten, welche im Jahr 1834 -zu Quebec anlangten, waren:</p> - -<table border="0" cellspacing="2" cellpadding="2" class="tdr" summary="Emigranten, Quebec 1834"> - <tr> - <td valign="top" align="left">Freiwillige Emigranten</td> - <td valign="top" align="right">29,041</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="left">Von ihren Kirchsprengeln unterstützt</td> - <td valign="top" align="right">1,892</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="left">Männer</td> - <td valign="top" align="right">13,565</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="left">Weiber</td> - <td valign="top" align="right">9,685</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="left">Kinder unter vierzehn Jahren</td> - <td valign="top" align="right">7,681</td> - </tr> -</table> -<p class="pmb3" /> - -<p>Emigranten, welche es vorziehen, über New-York -nach Canada zu gehen, können sich bei dem brittischen -Consul zu New-York (<em class="gesperrt">James Buchanan</em>, Esq.) -Rath in ihren Angelegenheiten erholen. Vormals konnte -dieser für Emigranten, welche fest entschlossen waren, -sich in Canada niederzulassen, Erlaubniß auswirken, ihre -Baggage und Effecten zollfrei zu landen; aber in einem -Briefe vom 16 März 1835 sagt er: —</p> - -<p>»Zufolge einer Abänderung in dem wirklich lieberalen, -bisher in diesem Hafen üblichen Verfahren, wonach es -den hierselbst landenden Emigranten erlaubt war, ihr -Gepäck, bestehend in Haus und Ackergeräth, ohne Umpacken -oder Abgabe durch New-York nach seiner Majestät -Provinzen zu transportiren, vorausgesetzt daß dieses Gepäck -nichts außer den namhaft gemachten Artikeln enthielt, -betrachte ich es für meine Pflicht, bekannt zu machen, -daß gegenwärtig alle in diesem Hafen anlangenden Artikel -von Emigranten, auf ihrem Durchwege nach Canada, der -nämlichen Inspection unterworfen werden, als wenn dieselben -in den Vereinigten Staaten zurückbleiben, und die -nämlichen Zölle, wie diese, zu entrichten haben. Ich will -bei dieser Gelegenheit noch bemerken, daß alle Artikel, -deren ein neuer Ansiedler bedarf, in Canada zu billigern -Preisen zu haben sind, als sie vom Vaterlande hierher -transportirt werden können, wozu noch kommt, daß sie -der neuen Heimath angemessen sind.«</p> - -<p>Der Unterschied zwischen den beiden Routen, wovon -die eine über Quebec, die andre über New-York nach -Ober-Canada führt, besteht hauptsächlich darin, daß der - <span class="pagenum"><a id="Page_p386">[S. 386]</a></span> -Hafen von New-York das ganze Jahr hindurch offen -ist, während die Fahrt auf dem St. Lawrence nach Quebec -und Montreal langweilig, und der Fluß blos acht -Monate im Jahre offen ist. Indeß ist letztre die billigere -Route. Wer es aber nur einigermaßen daran wenden -kann, zieht den Weg über New-York vor, weil er -nicht nur der bequemste sondern auch der fördersamste nach -Ober-Canada ist.</p> - -<p>Die Reise-Route führt nach einer gedruckten, von dem -brittischen Consul zu New-York herausgegebnen Bestimmung -und Albanien von New-York durch den -Erie-Canal nach allen Theilen von Ober-Canada, westlich -von Kingston über Oswego und Buffalo: —</p> - -<table border="0" cellspacing="2" cellpadding="2" class="tdr" summary="Reise-Route n. Buffalo"> - <tr> - <td valign="top" align="left">Von New-York nach Albanien</td> - <td valign="top" align="right">160</td> - <td rowspan="5" valign="middle" align="center">(engl.) Meilen<br /> - mittels Canalfahrt,<br /> - auf<br /> - Dampfbooten<br /> - oder Postwagen.</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="left">Von Albanien nach Utica</td> - <td valign="top" align="right">110</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="left">Von Utica nach Syrakus</td> - <td valign="top" align="right">55</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="left">Von Syrakus nach Rochester</td> - <td valign="top" align="right">99</td> - </tr> - <tr> - <td valign="top" align="left">Von Rochester nach Buffalo</td> - <td valign="top" align="right">93</td> - </tr> -</table> -<p class="pmb3" /> - - -<p>Gesammt-Unkosten von Albanien nach Buffalo, auf -dem Canal, mit Ausschluß von Lebensmitteln, für einen -erwachsnen Passagier (die Fahrt dauert gewöhnlich sieben -oder acht Tage) 3 Dollars, 63 Cents mittels Packet-Böten; -mit Einschluß von Lebensmitteln, bei einer Fahrt -von sechs Tagen 12-1/4 Dollars.</p> - -<p>»Ditto mittels der Postkutsche, binnen 3-1/2 und vier -Tagen — 13 bis 15 Dollars.</p> - -<p>»Ditto von Albanien nach Oswego auf Canälen, -bei einer Fahrt von 5 Tagen — 2-1/2 Dollars.</p> - -<p>»Ditto mittels der Postkutsche, (zweitägige Fahrt) — -6-1/2 bis 7 Dollars.</p> - -<p>»Eine mäßige Menge Gepäck wird unentgeldlich -mitgenommen.</p> - -<p>Reise-Route von New-York nach Montreal, Quebec -und allen Theilen von Unter-Canada: —</p> - -<p>»Von New-York nach Albanien, 160 (engl.) Meilen - <span class="pagenum"><a id="Page_p387">[S. 387]</a></span> -mittels Dampfboot, 1 bis 3 Dollars, mit Ausschluß -Von Lebensmitteln.</p> - -<p>»Von Albanien nach Whitehall, auf Canälen, 73 -engl. Meilen, 1 Dollar; auf dem Postwagen 3 Dollars.</p> - -<p>»Von Whitehall nach St. John's, mittels Dampfboot, -der Lebensunterhalt eingerechnet, in der Cajüte 5 -Dollars; Deck-Passage, ohne Lebensunterhalt 2 Dollars.</p> - -<p>»Von St. John's nach Laprairie, 16 engl. Meilen, -mittels Postwagen, 5 bis 7 Schl. 6 D.</p> - -<p>»Von Laprairie nach Montreal, auf dem Fähr-Dampfboote, -(8 engl. Meilen) 6 D.</p> - -<p>»Von Montreal nach Quebec mittels Dampfboot, -180 (engl.) Meilen, in der Cajüte (mit Kost) 1 Pfd. -St. 5 Schl. Deck-Passage, ohne Kost 7 Schl. 6 D.</p> - -<p>»Diejenigen, welche nach den östlichen Gemeinde-Bezirken -von Unter-Canada, in der Nachbarschaft von -Sherbrooke, Standstead u. s. w. wandern wollen, müssen -ihren Weg nach St. John's nehmen, von woaus gute -Straßen nach sämtlichen östlichen Ansiedlungen führen; -nehmen sie ihren Weg nach dem Fluß Ottawa, so müssen -sie von Montreal und Lachine ausgehen, indem von -hier aus Postwagen, Dampfböte und andre kleine Fahrzeuge -(Kähne) nach Granville, Hull und Bytown, so -wie auch nach Chateauguay, Glengary, Cornwall, Prescott -und sämmtlichen Theilen unterhalb Kingston segeln.</p> - -<p class="pmb3">»Die Emigranten können sich des Rathes und Beistandes -folgender Herren bedienen: — zu Montreal <em class="gesperrt">Carlisle -Buchanan's</em> Esq.; zu Prescott, <em class="gesperrt">John Patton's</em> -Esq.«</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p388">[S. 388]</a></span></p> - - -<p>Emigranten-Zahl, welche im Verlauf von -sechs Jahren, nämlich seit 1829 bis 1834 von -dem Vereinigten Königreich zu New-York -angelangt ist.</p> - -<table border="0" cellspacing="2" cellpadding="2" class="tdr" summary="Emigranten, UK-New York 1829-1834"> - <tr> - <td valign="middle" align="left">Jahr.</td> - <td valign="middle" align="right">England.</td> - <td valign="middle" align="right">Irland.</td> - <td valign="middle" align="right">Schottland.</td> - <td valign="middle" align="right">Gesammtzahl</td> - </tr> - <tr> - <td valign="middle" align="left">1829</td> - <td valign="middle" align="right">8,110</td> - <td valign="middle" align="right">2,443</td> - <td valign="middle" align="right">948</td> - <td valign="middle" align="right">11,501</td> - </tr> - <tr> - <td valign="middle" align="left">1830</td> - <td valign="middle" align="right">16,350</td> - <td valign="middle" align="right">3,497</td> - <td valign="middle" align="right">1,584</td> - <td valign="middle" align="right">21,433</td> - </tr> - <tr> - <td valign="middle" align="left">1831</td> - <td valign="middle" align="right">13,808</td> - <td valign="middle" align="right">6,721</td> - <td valign="middle" align="right">2,078</td> - <td valign="middle" align="right">22,607</td> - </tr> - <tr> - <td valign="middle" align="left">1832</td> - <td valign="middle" align="right">18,947</td> - <td valign="middle" align="right">6,050</td> - <td valign="middle" align="right">3,286</td> - <td valign="middle" align="right">28,283</td> - </tr> - <tr> - <td valign="middle" align="left">1833</td> - <td valign="middle" align="right">— —</td> - <td valign="middle" align="right">— —</td> - <td valign="middle" align="right">— —</td> - <td valign="middle" align="right">16,000</td> - </tr> - <tr> - <td valign="middle" align="left">1834<a name="FNanchor_64_64" id="FNanchor_64_64"></a><a href="#Footnote_64_64" class="fnanchor">[64]</a></td> - <td valign="middle" align="right">— —</td> - <td valign="middle" align="right">— —</td> - <td valign="middle" align="right">— —</td> - <td valign="middle" align="right">26,540</td> - </tr> - <tr> - <td valign="middle" align="left"> </td> - <td valign="middle" align="right"> </td> - <td valign="middle" align="right" colspan="2">Gesammtzahl.</td> - <td valign="middle" align="right">126,464</td> - </tr> -</table> -<p class="pmb3" /> - - -<p><span class="font12"><em class="gesperrt">III. Amerikanische Passagier-Acte.</em></span></p> - -<p>Der 9. <em class="antiqua">Geo. IV. c.</em> 21, gemeiniglich die amerikanische -Passagier-Acte genannt, wurde während der Session -1835 widerrufen, und an ihrer Stelle eine neue Verordnung -(5 und 6 <em class="antiqua">Will. IV., c.</em> 53.) erlassen. Diese -neue Acte hat zum Zweck, so sehr als möglich und wirksamer -als die frühere, die Gesundheit und das Gedeihen -der Auswandrer an Bord von Passagier-Schiffen zu sichern. -Zufolge einer Clausel müssen Copien oder Auszüge -auf dergleichen Schiffen zur Einsicht der Passagiere unterhalten -werden, damit diese hierdurch Gelegenheit haben, -sich von der Erfüllung des Gesetzes zu überzeugen; - <span class="pagenum"><a id="Page_p389">[S. 389]</a></span> -allein die Entdeckung irgend einer Verletzung der gesetzlichen -Verordnungen dürfte zu einer Zeit gemacht werden, -wo es in dem besondern, gerade vorliegenden Falle, zu -spät ist, insofern es sich um die Bequemlichkeit oder gar um -die Gesundheit der Passagiere handelt, Abhülfe zu leisten. -Es steht daher zu hoffen, daß die menschenfreundlichen -Absichten der Gesetzgebung durch keine Nachlässigkeit von -Seiten derjenigen (vorzüglich der Zoll-Beamten) vereitelt -werden, welchen die Pflicht obliegt, dafür zu sorgen, daß -den Bestimmungen der Acte genügt werde, ehe das Passagier-Schiff -den Hafen verläßt.</p> - -<p>Kein Passagier-Schiff darf mehr als drei Personen -auf jede fünf Tonnen einregistrirte Last am Bord enthalten. -Desgleichen dürfen sich, was auch immer der Tonnengehalt -sein mag, nicht mehr Passagiere an Bord befinden, -als die gesetzliche Bestimmung des Raums gestattet, -nach welcher auf je zehn Fuß Flächengehalt des -untern Decks, die nicht von Gütern oder Vorräthen, -außer dem Gepäck der Reisenden, eingenommen sind, eine -Person gerechnet wird.</p> - -<p>Schiffe mit mehr als einem Deck müssen mindestens -fünf und einen halben Fuß Zwischendeckraum haben; -und hat ein Schiff blos ein Deck, so muß unter -das Deck eine Plattform dergestalt gelegt werden, daß -dazwischen ein Raum von wenigstens fünf und einem -halben Fuß Höhe übrig bleibt; auch darf ein solches -Schiff nicht mehr als zwei Reihen Schlafstellen haben. -Schiffe mit einer doppelten Reihe Schlafstellen müssen -einen Zwischenraum von mindestens sechs Zoll zwischen -dem Deck oder der Plattform und dem Boden der untern -Reihe in ihrer ganzen Ausdehnung haben.</p> - -<p>Passagier-Schiffe müssen folgende Vorräthe und in -folgendem Verhältniß führen: —</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p390">[S. 390]</a></span></p> - -<p>Reines Wasser, für jeden Passagier gegen fünf Gallonen -auf jede Woche der Reise. Das Wasser muß in -Tanks oder verkohlten (Frischwasser-) Fässern aufbewahrt -werden.</p> - -<p>Sieben Pfund Brod, Schiffszwieback, Hafermehl -oder andre Brodstoffe, auf jede Woche für jeden Passagier; -Kartoffeln können bis zu einem Drittel des gesammten -Mundvorrathes hinzugefügt, aber sieben Pfund Kartoffeln -müssen einem Pfund Brod oder Brodmehl gleich -gerechnet werden. Die Dauer der Reise nach Nord-Amerika -wird auf zehn Wochen geschätzt, demgemäß müssen -für jeden Passagier funfzig Gallonen Wasser und -siebzig Pfund Brod oder Brodmehl mitgenommen werden.</p> - -<p>Beläuft sich die Anzahl der Passagiere auf hundert -Köpfe, so muß der Schiffseigner für einen praktischen -Arzt sorgen; wenn darunter, so müssen Arzneimittel -in hinreichender Menge und von den erforderlichen -Arten, als ein Theil der nothwendigen Vorräthe, mitgenommen -werden.</p> - -<p>Passagier-Schiffen ist nicht erlaubt, an spirituösen -Getränken, als Waare, über ein Zehntel von derjenigen -Quantität auszuführen, welche, ohne diese Beschränkung, -die Zollbeamten, den Proviantlisten eines solchen -Schiffs gemäß, blos für den Gebrauch der Passagiere -(und je nach deren Anzahl,) mitzunehmen verstatten würden. -Gewiß eine wichtige Maßregel, welche buchstäblich befolgt -werden sollte. Die starke Versuchung, wovon die an einen -engen Raum gefesselten Passagiere in Folge der -Langenweile, welche eine dergleichen Seereise erzeugt, ergriffen -werden, hat häufig den Vermögensumständen, der -Behaglichkeit und Gesundheit manches Emigranten bedeutenden -Nachtheil gebracht, besonders wenn der Schiffsmeister -für einen tüchtigen Branntwein-Vorrath gesorgt -hatte.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p391">[S. 391]</a></span></p> - -<p>Bei Aufzählung der Passagiere werden <em class="gesperrt">zwei</em> Kinder -über sieben aber unter vierzehn, oder <em class="gesperrt">drei</em> unter sieben -Jahren für einen Passagier gerechnet. Kinder unter -<em class="gesperrt">zwölf Monaten</em> werden nicht mit gezählt.</p> - -<p>Jeder Passagier ist berechtigt, achtundvierzig Stunden -hindurch, nachdem das Schiff an dem Orte seiner -Bestimmung angelangt ist, an Bord zu bleiben, und -muß für diese Zeit mit den erforderlichen Mundvorräthen -versorgt werden. Emigranten mit beschränkten Mitteln -können auf diese Weise viele Unannehmlichkeiten und -Kosten vermeiden, indem sie sich über die Marschroute, -welche sie zu nehmen gedenken, berathen, anstatt zu landen -und in den theuern Wirthshäusern und Restaurationen -eines See-Hafens Zeit und Geld zu verschwenden.</p> - -<p>Schiffsmeister müssen Cautionen von 1,000 Pfd. -St. zahlen, als Garantie für die treue Erfüllung der -ihnen durch die Acte auferlegten Pflichten. Die wegen -einer Uebertretung des Gesetzes zu zahlende Strafe beläuft -sich nicht unter <em class="gesperrt">fünf</em>, und nicht über <em class="gesperrt">zwanzig</em> -Pfd. Sterl.</p> - -<p>Die von der Regierung in den verschiednen Häfen -angestellten Agenten, oder die Zoll-Beamten werden ohne -Zweifel Passagieren, welche um ihren Rath hinsichtlich -einer Verletzung der Bestimmungen der Acte nachsuchen, -jeden Verschub leisten, und die zu ergreifenden Maßregeln -anzeigen.</p> - -<p class="pmb3">Herrscht hinsichtlich der Tüchtigkeit eines zum Absegeln -bereiten Schiffes irgend ein Zweifel, so sind die -Zoll-Einnehmer und Zoll-Controlleurs ermächtigt, dasselbe -besichtigen zu lassen. Passagiere, welche über die Zeit -hinaus, wo das Schiff der Verabredung gemäß auslaufen -sollte, aufgehalten werden, muß der Schiffsmeister auf -seine Unkosten unterhalten; sorgen sie selbst für ihre Mundvorräthe, -so ist er gehalten, jedem für einen Tag Aufschub, -den nicht Unwetter oder eine andre unvermeidliche -Ursache erheischt, einen Schilling zu zahlen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p392">[S. 392]</a></span></p> - - -<p><span class="font12"><em class="gesperrt">IV. Uebertragung von Capitalien.</em></span></p> - -<p class="pmb3">Es ist, wie sich von selbst versteht, für Emigranten -von großer Wichtigkeit, was sie irgend an Capital -über die erforderlichen Unkosten der Reise u. s. w. besitzen, -auf dem sichersten und vortheilhaftesten Wege nach -Canada zu senden, sowohl die Brittisch-Amerikanische -Land-Compagnie als die Canada-Compagnie sind hierin -den Emigranten behülflich, indem sie Pfänder und Credit-Briefe -auf ihre Agenten in Canada annehmen. Es -ist unsicher und unklug eine größere Summe bares Geld -bei sich zu führen, als gerade zur Bestreitung der nothwendigen -Reisekosten hinreicht, indem man eine doppelte -Gefahr läuft, nämlich sein Geld zu verlieren, oder es zu -vergeuden. Emigranten, die sich in ihren Geldangelegenheiten -nicht an eine der beiden zuvor erwähnten Compagnien -wenden wollen, würden daher wohl thun, sich -von einem achtbaren Hause in dem Vereinigten Königreiche -einen Credit-Brief auf die Bank zu Montreal -ausstellen zu lassen.</p> - - -<p><span class="font12"><em class="gesperrt">V. Canadisches Courant.</em></span></p> - -<p>In sämmtlichen Brittisch-Nord-Amerikanischen Colonien -werden Rechnungen und Preise, eben so wie in -England, in Pfunden, Schillingen und Pence ausgedrückt. -Man unterscheidet übrigens zwischen Courant oder Halifax -Courant, und Sterling oder Brittisch Sterling.</p> - -<p>Ein Pfund Halifax-Courant oder Courant, wie es -schlecht weg genannt wird, besteht aus vier spanischen -Dollars. Der Dollar zerfällt in fünf Theile — im -Spanischen Pistoreens genannt, wovon jeder ein Schilling -genannt wird. Jeder dieser Schillinge oder Pistoreens -ist wiederum in zwölf Theile, Pence genannt, getheilt, -aber uneigentlich, da es keine Münze giebt, die -einer solchen Unterabtheilung entspräche. Um dem - <span class="pagenum"><a id="Page_p393">[S. 393]</a></span> -Bedürfniß abzuhelfen, sind eine große Anzahl Kupfermünzen -im Umlauf, wozu der alte englische Halfpenny, der Halfpenny -neuern Gepräges, der Penny, der Farthing und -der amerikanische Cent gehören; alle und jede gelten als -der vierundzwanzigste Theil des Pistoreen oder Colonial-Schillings. -Pence sind in der That nicht bekannt, wiewohl -fast jede Art von Kupfermünze als der vierundzwanzigste -Theil des Pistoreen genommen wird<a id="FNanchor_65_65"></a><a href="#Footnote_65_65" class="fnanchor">[65]</a>.</p> - -<p class="pmb3">Zu einer Zeit, als der spanische Dollar, das Achtelstück, -wie es damals hieß, feiner und schwerer als die -jetzt im Umlauf befindliche Münze war, betrug sein Werth -nach dem Münz-Silber-Preise 4 Schl. 6 D. Sterling, -und 90 Pfd. Sterl. waren gleich 100 Pfd. Courant.</p> - - -<p><span class="font12"><em class="gesperrt">VI. Die Canada Compagnie.</em></span></p> - -<p>Die Canada-Compagnie wurde im Jahr 1826 durch -einen königlichen Freibrief und eine Parlaments-Acte confirmirt. -Nachstehendes sind Auszüge aus dem Prospect -der Compagnie: —</p> - -<p>»Die Canada-Compagnie hat in fast jedem Theil -von Ober-Canada Ländereien zum Verkauf bereit, unter - <span class="pagenum"><a id="Page_p394">[S. 394]</a></span> -Bedingungen, welche jedenfalls höchst vortheilhaft für den -Emigranten sind, da er beim Abschluß des Kaufs blos -ein Fünftel vom Kaufgelde an die Compagnie baar zu -entrichten braucht, und das Uebrige in fünf einjährigen, -auf einander folgenden Terminen, (also in einem Zeitraum -von fünf Jahren) nebst Interessen entrichten kann, so -daß er bei gehöriger Betriebsamkeit den Saldo von den -Erzeugnissen des Bodens abzutragen vermag.</p> - -<p>»Ländereien der Canada-Compagnie sind von dreierlei -Art, nämlich: —</p> - -<p>Hier und da ausgestreute Reserve-Ländereien.</p> - -<p>Länder-Striche (<em class="antiqua">Blocks or tracts of land</em>) jeder -von 1,000 bis 40,000 Aecker.</p> - -<p>Der Huronen-Tract, welcher über 1,000,000 Aecker -enthält.</p> - -<p>»<em class="gesperrt">Zerstreut liegende Reserve-Ländereien.</em> -Die zerstreuten Kron-Ländereien sind Parcellen von hundert -bis zweihundert Acker eine jede, durch fast jeden Gemeinde-Bezirk -in der Provinz vertheilt, und an der Boden-, -Klima-Beschaffenheit u. s. w. jedes besondern Gemeinde-Bezirks -Theil habend. Dergleichen Ländereien sind -vorzüglich denjenigen zu empfehlen, welche Freunde und -Verwandte in ihrer Nachbarschaft angesiedelt zu sehen -wünschen, und kann der Acker zu 8 Schl. 9 D. bis zu -25 Schl. gekauft werden.</p> - -<p>»<em class="gesperrt">Länder-Blöcke oder Trakte</em> (<em class="antiqua">Blocks of Land</em>). -Die Blöcke oder Trakte liegen ganz in dem Theil der -Provinz, der sich westwärts vom Ursprunge des Sees -Ontario hindehnt, und enthalten Fluren, die, was Boden, -Klima, Ergiebigkeit u. s. w. anlangt, jedem andern -Theil des Festlandes von Amerika gleichen, wo -nicht überlegen sind. Diese verdienen mithin die Aufmerksamkeit -von Emigranten-Gemeinden, die als Landsleute, -oder durch Verwandtschaft, Freundschaft, Religion -oder andre Banden mit einander verknüpft, sich zusammen -niederzulassen wünschen.</p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p395">[S. 395]</a></span></p> - -<p>Der größte Block dieser Art im Besitz der Compagnie -ist der Stadt-Bezirk Guelph, der über 40,000 -Acker enthält, wovon die größere Hälfte bereits verkauft -ist; und hier hat sich im Verlauf nur weniger Jahre -eine Stadt erhoben, welche Kirchen, Schulen, Magazine, -Wirthshäuser und Mühlen in sich begreift, und wo man -Handwerker und Gewerbtreibende jeder Art und eine sehr -achtbare Gesellschaft finden kann.</p> - -<p>»<em class="gesperrt">Das Huronen-Gebiet.</em> Dies ist ein Strich -des besten Landes in Amerika, durch welches die Canada-Compagnie -zwei Straßen, so gut als es nur ein neu -urbar gemachtes Land zuläßt, über hundert englische Meilen -weit gehauen hat.</p> - -<p>»Die Bevölkerung daselbst nimmt von Tag zu -Tag zu.</p> - -<p>»Die Stadt Goderich, an der Mündung des Flusses -Maitland, am Huronen-See, ist sehr blühend und -enthält verschiedne treffliche Vorraths-Häuser und Kaufläden, -worin der Emigrant die ihm nothwendigen Artikel zu -billigen Preisen erhalten kann. Es ist daselbst eine gute -Schule errichtet worden, die stark besucht wird; desgleichen -eine englische Kirche, worin ein presbyterianischer Geistlicher -Gottesdienst hält; und da die Kirchen in Ober-Canada -gegenwärtig besonders durch freiwillige Beiträge ihrer respectiven -Versammlungen unterhalten werden, so kann -man sich von dem achtbaren Charakter der Bewohner dieser -Ansiedlung und der Nachbarschaft eine Vorstellung -machen.</p> - -<p>»Die Stadt und der Stadt-Bezirk Goderich enthalten -ungefähr tausend Einwohner; und seit dem das von -der Compagnie zur Bequemlichkeit ihrer Ansiedler erbaute -Dampfboot seinen Lauf zwischen Goderich und Sandwich -begonnen hat, ist eine bedeutende Zunahme in dem Verkehr -und dem Gedeihen der Niederlassung wahrzunehmen.</p> - -<p>In diesem Distrikt sind vier gute Säge-Mühlen, -drei Grütz-Mühlen, und in der Nachbarschaft einer jeden - <span class="pagenum"><a id="Page_p396">[S. 396]</a></span> -findet man gut gefüllte Vorraths-Häuser. Und da das -ganze Gebiet vier Millionen Acker enthält, wovon die -größere Hälfte dem Verkehr offen ist, so kann ein Emigrant -oder eine Emigranten-Gesellschaft, wie groß sie auch -sein mag, in Auswahl einer je für ihre Zwecke, wie verschiedenartig -diese auch sein mögen, günstigen Lage auf -keine Schwierigkeit stoßen. Der Preis dieser Ländereien -beläuft sich von 11 Schl. 3 D. bis auf 15 Schl. Provinzial-Courant, -oder auf 11 Schl. bis 13 Schl. 6. -D. Sterl. <em class="antiqua">per</em> Acker.«</p> - -<p class="pmb3">Emigranten, welche sich mit der Compagnie zu besprechen -wünschen, müssen sich an den Secretair, John -Perry Esq., St. Helen'splace, Bishopsgate-Street, London, -oder an die Agenten der Compagnie der Häfen -wenden.</p> - - -<p><span class="font12"><em class="gesperrt">VII. Brittisch-amerikanische Land-Compagnie.</em></span></p> - -<p>Die brittisch-amerikanische Land-Compagnie berichtet -in ihrem Prospect, daß sie von der brittischen Regierung -ziemlich eine Million Acker in den Grafschaften Shefford, -Stanstead und Sherbrooke, und zwar in den sogenannten -östlichen Gemeinde-Bezirken von Unter-Canada gekauft -habe. Diese Gemeinde-Bezirke begreifen einen Strich -Landes in sich, der auf der Südseite des St. Lawrence, -zwischen 45° und 46-1/2° nördlicher Breite und 71° und -73° westlicher Länge liegt. Dieser Tract, welcher zwischen -fünf und sechs Millionen Acker enthält, ist in acht -Grafschaften, und diese sind wiederum in ungefähr hundert -Stadt- oder Gemeinde-Bezirke getheilt. Besagte -Gemeinde-Bezirke erfreuen sich eines wichtigen Vortheils -in ihrer geographischen Lage. Auf der einen Seite haben -sie einen leichten Zugang von Montreal, Quebec und -Three Rivers, den Schiffer-Hafen und großen Märkten -der beiden Canadas; auf der andern von New-York den -Hudson River hinauf und durch den See Champlain, so -wie auch von Boston und andern Theilen der atlantischen -Küste. Zufolge ihrer gedrängten und zusammenhängenden - <span class="pagenum"><a id="Page_p397">[S. 397]</a></span> -Lage können sie durchgängig sowohl auf leichten Verkehr -und gegenseitige Unterstützung als auch auf allgemeine -Theilnahme an allen örtlichen Verbesserungen zählen.</p> - -<p>»Die Bedingungen, unter welchen die Compagnie -ihre Ländereien veräußert, sind, je nach Lage, Beschaffenheit -und besondre Vortheile, welche die verschiednen Parcellen -besitzen mögen, verschieden; im Allgemeinen indeß -sind sie zu 4 Schl. bis 6 Schl. Courant <em class="antiqua">per</em> Acker -käuflich, und in allen Fällen muß ein Theil der Kaufsumme -als Unterpfand angezahlt werden, und zwar bei -den höher geschätzten Parcellen der fünfte, und bei den -niedriger geschätzten der vierte Theil.</p> - -<p>»Der Saldo muß alsdann nach und nach in sechs -auf einander folgenden einjährigen Terminen, nebst den -in der Provinz gesetzmäßigen Zinsen, und zwar vom Tage -des Kaufabschlusses an gerechnet, abgetragen werden; sollten -indeß Käufer geneigt sein, die Zahlungen früher zu -leisten, so dürfen sie sich die Zeit dazu nur wählen.</p> - -<p>»Der Preis für einen Bauplatz zu Port St. Francis -im laufenden Jahre (1835) ist 12 Pfd. Sterl. 10 -Schl., mit Anzahlung von 5 Pfd. Sterl. in baarem Gelde, -und der Saldo ist nebst Interessen in Jahres-Frist abzutragen.</p> - -<p>»Anzahlungen für Grund und Boden, den der Emigrant -bei seiner Ankunft im Lande wählen kann, nimmt -die Compagnie in London an.</p> - -<p>»Nach der zwischen der königlichen Regierung und -der Compagnie geschloßnen Uebereinkunft sind 50,000 -Pfd. Sterl. von dem Kaufgelde, welches letztre bezahlt -hat, von derselben auf öffentliche Werke und Verbesserungen, -als z. B. Landstraßen, Brücken, Canäle, Schulhäuser, -Märkte, Häuser, Kirchen und Prediger-Wohnungen -zu verwenden. Dies ist eine höchst wichtige Bestimmung, -die sich für den Ansiedler nothwendiger Weise in hohem -Grade wohlthätig erweisen muß, insofern sie ihm die -Verbesserung und das Gedeihen des Distrikts zusichert. - <span class="pagenum"><a id="Page_p398">[S. 398]</a></span> -Die Anlegung von Straßen und andern leichten Communicationen -ist das größte Bedürfniß eines neuen Landes; -und die Verwendung von Capital auf Werke dieser -Art, welche die Kräfte und Mittel von Privatleuten übersteigen, -ist der beste Weg, auf welchem eine erfolgreiche -Niederlassung befördert und vollendet werden kann.</p> - -<p>»Die Verwendung der oben namhaft gemachten ansehnlichen -Summe sichert zu gleicher Zeit dem redlichen -und fleißigen Arbeiter, unmittelbar nach seiner Ankunft, -Anstellung und Erwerb.«</p> - -<p class="pmb2">Das Verwaltungs-Bureau der Brittisch-amerikanischen -Land-Compagnie ist zu London, (Barge-Yard, -Bucklersbury); dieselbe hat auch Agenten an den verschiednen -Hafen-Orten.</p> - - <div class="figcenter"> - <img src="images/a001-a_100.jpg" alt="Dekoration" /> - </div> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p399">[S. 399]</a></span></p> - - <div class="figcenter" id="p399i"> - <img src="images/p399i.jpg" alt="Charte, worauf die Binnen-Schifffahrt der -Distrikte Newcastle und Ober-Canada verzeichnet ist." /> - </div> - - -<hr class="tb" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p400"></a></span></p> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_i">[S. I]</a></span></p> - - -<p><a id="Erlauterung_der_Charte">Erläuterung der Charte.</a></p> - - -<p>Da wir den englischen Stock beibehalten haben, so -fügen wir für den Leser folgende Nachweisungen hinzu: —</p> - -<p class="i3"> -<em class="antiqua">L.</em> (<em class="antiqua">lake</em>) bedeutet <em class="gesperrt">See</em>.<br /> -<em class="antiqua">Part</em>, <em class="gesperrt">Theil</em>.<br /> -<em class="antiqua">Bridge</em>, <em class="gesperrt">Brücke</em>.<br /> -<em class="antiqua">Channel</em>, <em class="gesperrt">Canal</em>.<br /> -<em class="antiqua">R.</em> (<em class="antiqua">River</em>), <em class="gesperrt">Fluß</em>.<br /> -</p> - - -<p>Erklärung der auf der Charte vorkommenden -Zahlen.</p> - -<p class="i2">1) Beabsichtigte Eisenbahn, 6 (engl.) Meilen.</p> - -<p class="i2">2) In Vorschlag gebrachte Eisenbahn, 13 (engl.) -Meilen.</p> - -<p class="i2">3) 36 (engl.) Meilen Dampf-Schifffahrt bis Heel-Falls.</p> - -<p class="i2">4) Abriß der Mündungen des Flusses Otanabee -und eines Theils des Reis-Sees.</p> - -<p class="i2">5) Abriß des kleinen Sees, eines Theils des Flusses -Otanabee und der Stadt Peterborough.</p> - - -<hr class="tb" /> - - -<div class="block0"> -<div class="footnotes"><b>Fußnoten:</b> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_60_60"></a><a href="#FNanchor_60_60"><span class="label">[60]</span></a> Diese Summe ist in dem Parlaments-Rechnungs-Abschluß angegeben, -aber wahrscheinlich soll anstatt 9, 1 stehen.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_61_61"></a><a href="#FNanchor_61_61"><span class="label">[61]</span></a> V. E. (<em class="antiqua">U. E.</em>) Loyalisten bedeutet: vereinigte englische Loyalisten, das ist solche, die beim Ausbruch des -amerikanischen Freiheits-Krieges aus den Vereinigten Staaten flohen. Die in obigen Rubriken verzeichneten -Schenkungen gehen meistentheils die Kinder dieser Individuen an.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_62_62"></a><a href="#FNanchor_62_62"><span class="label">[62]</span></a> Bei Verkäufen auf Erbzins zu 5 pCt., kann das Capital (Kaufsumme) nach Belieben abgezahlt -werden. -</p> -<p> -<em class="antiqua">N. B.</em> Verkäufe auf Erbzins haben im Jahr 1832 aufgehört.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_63_63"></a><a href="#FNanchor_63_63"><span class="label">[63]</span></a> <em class="antiqua">Information published by His Majesty's Commissioners -for Emigration, respecting the Brittish Colonies in North America, -Lond. C. Knight, 1832.</em></p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p><a id="Footnote_64_64"></a><a href="#FNanchor_64_64"><span class="label">[64]</span></a> Die Angaben für 1834 reichen blos bis zum 20. November -selbigen Jahres.</p> -</div> - -<div class="footnote"> -<p class="pmb3"><a id="Footnote_65_65"></a><a href="#FNanchor_65_65"><span class="label">[65]</span></a> Die Amerikaner haben auch ihren 1. <em class="antiqua">s.</em> (Schilling), -welcher dem achten Theil eines Dollars oder 12-1/2 Cent. gleich -ist. Es ist nichts Ungewöhnliches, den Emigranten sich rühmen -zu hören, daß er in New-York täglich 10 Schillinge verdienen -könne. Er weiß nicht, daß ein Dollar, welcher acht dergleichen -Schillingen gleich ist, in England nur 4 Schilling, 2 D. -gilt, und daß mithin der amerikanische Schilling, im Vergleich -mit dem englischen nur 6-1/4 D. gilt, und daß daher ein Arbeitslohn -von 10 Schillingen, täglich in der That nicht mehr als -zehn mal 6 und 1/4 D. oder 5 Schillinge 2 und 1/2 D. nach -englischer Werthbestimmung beträgt. Indeß ist ein Tagelohn -von 5 Schillingen 2 und 1/2 D. immer noch beträchtlich zu nennen, -nur aber kann es der Arbeiter nicht häufig erlangen; -und erhält er es, so ist es für übermäßige schwere Arbeit unter -einer brennenden Sonne in Seehafen-Städten während der geschäftsreichen -Schifffahrt-Zeit.</p> -</div> -</div> -</div> - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p402">[S. 402]</a></span></p> - - - -<div class="chapter"> - -<h2 class="no-break" id="Anmerkung">Anmerkung.</h2> -</div> - - -<p class="pmb3">Seite 158. Die Moosbeere (<em class="antiqua">Cranberry</em>), wovon -es, wie aus dem Text hervorgeht, in Canada zwei Spiel-Arten -giebt, gehört der Gattung <em class="antiqua">Vaccinium</em> an; diese -Beere oder Frucht ist, nach erlangter Reife, roth und -von der Größe einer kleinen Kirsche oder Schlehe und sitzt -an einem dünnen gebognen Stiel. (<em class="antiqua">V. exycoccus</em>). Die -Pflanze heißt auch Moorbeere, weil sie auf Moorboden -und an sumpfigen Stellen wächst. Eine verschiedne Art -davon ist <em class="antiqua">Vaccinium macrocarpon</em> (großfrüchtige Moosbeere).</p> - -<hr class="tb" /> - -<p class="p3 center pmb3"><em class="gesperrt">Leipzig</em>, gedruckt bei <em class="gesperrt">W. Haack</em>.</p> - - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p403">[S. 403]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="no-break" id="Inhalts-Verzeichniss">Inhalts-Verzeichniß.</h2> -</div> - -<table border="0" cellspacing="2" cellpadding="2" class="tdr" summary="Inhalts-Verzeichniß"> - <tr> - <td valign="bottom" align="right"> </td> - <td valign="bottom" align="right">Seite.</td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Erster Brief.</em></td> - <td valign="bottom" align="right"> </td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Abfahrt von Greenock in der Brig <em class="gesperrt">Laurel</em>. — Beschaffenheit<br /> - der Kajüte. — Reise-Gefährte. — Mangel an Beschäftigung<br /> - und Unterhaltung. — Des Capitains Goldfinke</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p009">9</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Zweiter Brief.</em></td> - <td valign="bottom" align="right"> </td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Ankunft an der Küste von Neufundland. — Der Goldfinke<br /> - singt kurz vor Entdeckung des Landes. — Der Meerbusen<br /> - St. Lawrence. — Schwierige Fahrt auf dem<br /> - Flusse. — Ein französischer Fischer wird als Lootse angestellt.<br /> - — Die Insel Bic. — Grün-Eiland. — Anstellung<br /> - eines regelmäßigen Lootsen. — Scenerei von<br /> - Grün-Eiland. — Gros-Eiland. — Quarantaine-Gesetze.<br /> - — Emigranten auf Gros-Eiland. — Ankunft vor<br /> - Quebek. — Anblick der Stadt und ihrer Umgebungen</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p013">13</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Dritter Brief.</em></td> - <td valign="bottom" align="right"> </td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Abfahrt von Quebek. — Wir werden von einem Dampfschiffe<br /> - <span class="pagenum"><a name="Page_p404" id="Page_p404">[S. 404]</a></span>bugsirt. — Fruchtbarkeit des Landes. — Verschiedne<br /> - Gegenstände, die sich uns beim Hinaufsteuern des<br /> - Flusses darbieten. — Ankunft vor Montreal. — Die<br /> - Stromschnellen (Rapids).</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p031">31</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Vierter Brief.</em></td> - <td valign="bottom" align="right"> </td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Landung zu Montreal. — Erscheinung der Stadt. — Verheerungen<br /> - der Cholera. — Wohlthätigkeits-Anstalten zu<br /> - Montreal. — Katholische Cathedrale. — Unter- und<br /> - Ober-Stadt, Gesellschaft und Unterhaltung im Hotel. —<br /> - Die Verfasserin wird von der Cholera befallen. — Abreise<br /> - von Montreal im Postwagen. — Einschiffung zu<br /> - Lachine am Bord eines Dampf-Schiffes. — Abwechselndes<br /> - Reisen in Dampfschiffen und Postwagen. — Erscheinung<br /> - des Landes. — Manufacturen. — Oefen, in<br /> - einiger Entfernung von den Hütten. — Zieh-Brunnen.<br /> - — Ankunft zu Cornwall. — Bedienung im Gasthause.<br /> - — Abreise von Cornwall, und Ankunft zu Prescott.<br /> - — Ankunft zu Brookville. — Dasiger Stapelplatz.<br /> - — Reise durch den See Ontario. — Ankunft zu<br /> - Cobourg.</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p037">38</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Fünfter Brief.</em></td> - <td valign="bottom" align="right"> </td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Reise von Cobourg nach Amherst. — Schwierigkeiten denen<br /> - man bei seiner ersten Ansiedlung in den Urwäldern zu<br /> - begegnen hat. — Erscheinung des Landes. — Reis-See.<br /> - — Indianische Lebensweise und Gebräuche. —<br /> - Fahrt den Otanabee hinauf. — Log-Haus (<em class="antiqua">Log-house</em>)<br /> - und seine Inhaber. — Passagier Boot. — Fußreise nach<br /> - <span class="pagenum"><a id="Page_p405">[S. 405]</a></span>Peterborough.</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p062">62</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Sechster Brief.</em></td> - <td valign="bottom" align="right"> </td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Peterborough. — Sitten und Sprache der Amerikaner. —<br /> - Schottischer Maschinenbauer. — Schilderung Peterboroughs<br /> - und seiner Umgebungen. — Canadische Blumen.<br /> - — Shanties. — Beschwerden und Strapazen,<br /> - welche die ersten Ansiedler zu ertragen haben. — Verfahren<br /> - bei Anlegung einer Meierei.</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p091">91</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Siebenter Brief.</em></td> - <td valign="bottom" align="right"> </td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Abreise von Peterborough. — Canadische Wälder. — Wagen<br /> - und Gespann. — Ankunft bei einem Log-Hause an<br /> - den Ufern des Sees. — Niederlassung und erste Beschäftigungen.</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Siebenter_Brief">120</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Achter Brief.</em></td> - <td valign="bottom" align="right"> </td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Unannehmlichkeiten, die mit einer noch neuen Ansiedelung<br /> - verbunden sind. — Schwierigkeit, Nahrungsmittel und<br /> - andre nöthige Artikel zu erlangen. — Schneesturm und<br /> - Orkan. — Indianischer Sommer und Eintritt des Winters.<br /> - — Verfahren bei Lichtung des Bodens.</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p137">137</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Neunter Brief.</em></td> - <td valign="bottom" align="right"> </td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Verlust eines Ochsen-Gespanns. — Errichtung eines Log-Hauses.<br /> - — Glaser- und Zimmermanns-Arbeit. — Beschreibung<br /> - eines neuen Log-Hauses. — Spaziergang auf<br /> - dem Eise. — Lage des Hauses. — See und umgebende<br /> - <span class="pagenum"><a id="Page_p406">[S. 406]</a></span>Scenerei.</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p148">148</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Zehnter Brief.</em></td> - <td valign="bottom" align="right"> </td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Abwechselung in Temperatur und Wetter. — Electrische<br /> - Erscheinung. — Canadischer Winter. — Mangel an poetischen<br /> - Anklängen in diesem Lande. — Zuckerbereitung. —<br /> - Zeit zum Fischfang. — Art des Fischfangs. — Entenschießen.<br /> - — Indianer-Familien. — Papousen und ihre<br /> - Windeln- und Wickelbänder. — Indianische Manufacturen.<br /> - — Frösche.</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p164">164</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Elfter Brief.</em></td> - <td valign="bottom" align="right"> </td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Welche Emigranten für Canada passen. — Eigenschaften,<br /> - die man besitzen muß, um eines günstigen Erfolgs gewiß<br /> - zu sein. — Capital-Anlage. — Welche Artikel man wo<br /> - möglich mit sich bringen muß. — Eigenschaften und Beschäftigungen<br /> - einer Ansiedler-Familie. — Mangel an Geduld<br /> - und Energie bei einigen Frauen. — Besorgung<br /> - der Milchwirthschaft. — Käse. — Indianisches Korn;<br /> - seine Cultur. — Kartoffeln. — Arbeitslöhne.</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p190">190</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Zwölfter Brief.</em></td> - <td valign="bottom" align="right"> </td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Eine »Klafter-Biene.« — Verbrennung der geklafterten<br /> - Haufen. — Wirthschafts-System. — Preis des Weizens<br /> - im Vergleich zu dem Arbeitslohn. — Wahl des Bodens<br /> - und verhältnißmäßige Vortheile. — Lichtung des Bodens.<br /> - — Orcan in den Wäldern. — Veränderliche Witterung.<br /> - <span class="pagenum"><a id="Page_p407">[S. 407]</a></span>— Insekten.</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p208">208</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Dreizehnter Brief.</em></td> - <td valign="bottom" align="right"> </td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Gesundheits-Gefühl inmitten der strengsten Winter-Monate.<br /> - — Unannehmlichkeit, welche die glänzende Weiße<br /> - des Schnees verursacht. - Schlittenfahrt. — Indianische<br /> - Orthographie. — Besuch in einem Indianer-Lager. —<br /> - Ein indianischer Krüpel. — Canadische Ornithologie.</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p220">220</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Vierzehnter Brief.</em></td> - <td valign="bottom" align="right"> </td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Nutzen botanischer Kenntnisse. — Das Feuerkraut (<em class="antiqua">fireweed</em>),<br /> - Sarsaparilla-Pflanzen. — Prächtige Wasser-Lilie.<br /> - — Reis-Beete. — Indianische Erdbeere. —<br /> - Scharlachfarbner Akelei (<em class="antiqua">Colombine</em>.) — Farnkräuter. —<br /> - Gräser.</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p262">262</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Fünfzehnter Brief.</em></td> - <td valign="bottom" align="right"> </td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Nochmalige Betrachtung verschiedner Punkte. — Fortschritte<br /> - der Ansiedlungen. — Canada, das Land der Hoffnung. —<br /> - Besuch bei der Familie eines See-Offiziers. — Eichhörnchen.<br /> - — Besuch bei einem ausgewanderten Geistlichen;<br /> - seine Geschichte. — Schwierigkeiten, womit er anfangs<br /> - zu kämpfen hatte. — Temperament, Charakter<br /> - und Gewohnheiten der Emigranten sind von großem Einfluß<br /> - auf das Gedeihen oder Nichtgedeihen ihrer Ansiedlung.</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p286">286</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Sechszehnter Brief.</em></td> - <td valign="bottom" align="right"> </td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Indianische Jäger. — Segel auf einem Canoe. — Mangel<br /> - <span class="pagenum"><a id="Page_p408">[S. 408]</a></span> - an Bibliotheken in den Urwäldern. — Neues Dorf. —<br /> - Fortschritte und Verbesserungen. — Leuchtende Insekten<br /> - (Johanniswürmchen.)</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p320">320</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Siebzehnter Brief.</em></td> - <td valign="bottom" align="right"> </td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Kaltes Fieber. — Unwohlsein der Familie. — Wahrscheinliche<br /> - Ursache. — Wurzel-Haus. — Eintritt des Winters.<br /> - — Insekt, der Säger genannt. — Einstweilige<br /> - Kirche.</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p335">336</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Achtzehnter Brief.</em></td> - <td valign="bottom" align="right"> </td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Geschäftreiches Frühjahr. — Zunahme der Gesellschaft und<br /> - Bequemlichkeit. — Erinnerungen an die Heimath. —<br /> - Nordlicht.</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p344">344</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="center"><br /><em class="gesperrt">Erster Anhang.</em></td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p353">353</a></td> - <td valign="bottom" align="right"> </td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Ahorn-Zucker.</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Ahorn_Zucker">353</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Weinessig.</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Weinessig">356</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Hopfen-Hefen.</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Hopfen_Hefen">357</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Salz-Sauerteig.</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Salz_Sauerteig">358</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Weiche Seife.</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Weiche_Seife">360</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Lichte.</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Lichte">361</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Einlegen von Gurken u. s. w.</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Einlegen_von_Gurken">363</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="center"><br /><em class="gesperrt">Zweiter Anhang.</em></td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p367">367</a></td> - <td valign="bottom" align="right"> </td> - </tr> -</table> -<p class="pmb3" /> - - - -<hr class="chap" /> - -<p><span class="pagenum"><a id="Page_p409">[S. 409]</a></span></p> - -<div class="chapter"> - -<h2 class="no-break" id="Verzeichniss_der_Abbildungen">Verzeichniß der Abbildungen.</h2> -</div> - - -<table border="0" cellspacing="2" cellpadding="2" class="tdr" summary="Verzeichniß der Abbildungen"> - <tr> - <td valign="bottom" align="right"> </td> - <td valign="bottom" align="right">Seite.</td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Katarakt zu Montmorenci</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p027">27</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Reis-Boden</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p067">67</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Amerikanischer Schlitten</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p077">77</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Amerikanische Silber-Tanne</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p081">81</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Canadische Fichte</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p099">99</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Log-Haus</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p107">107</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Hölzernes Dorf. (Log-Dorf und Ankunft eines Postwagens.)</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p109">109</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Ein durch die Urwälder gehauener Pfad</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p123">123</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Neu gelichtetes Land</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p143">143</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Papousen</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p179">179</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Grüne Frösche</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p185">185</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Ochsen-Frosch</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p187">187</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Die Prairie</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p225">225</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Peter, der Jäger</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p229">229</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Der rothe Sommer-Vogel</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p241">241</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Der blaue Vogel</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p243">243</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Schnee-Ammer</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p247">247</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Der Baltimore-Feuervogel</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p257">257</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Rothe Eichhörnchen</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p295">295</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Fliegendes Eichhörnchen</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p299">299</a></td> - </tr> - <tr> - <td valign="bottom" align="left">Charte, worauf die Binnen-Schifffahrt der Distrikte Newcastle<br /> - und Ober-Canada verzeichnet ist</td> - <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p399">399</a></td> - </tr> -</table> - -<p class="pmb3" /> - -<p class="break" /> -<hr class="chap" /> - -<p class="pmb3" /> - -<div class="transnote"> - -<p><b>Notizen des Bearbeiters:</b><br /></p> - -<p>— Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.</p> - -<p>— Altertümliche Schreibweisen wurden beibehalten.</p> - -<p>— Im Original ist gedruckt: 'Siebenter Brief' (S. 190) an Stelle von: 'Elfter Brief'. Dies wurde -korrigiert.</p> -<p>— Im Original ist gedruckt: 'Zwölfter Brief' (S. 262) an Stelle von: 'Vierzehnter Brief'. Dies wurde -korrigiert.</p> - -</div> - - - - -<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK ANSIEDLUNGEN IN DEN URWÄLDERN VON CANADA. ***</div> -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Updated editions will replace the previous one—the old editions will -be renamed. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg™ electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG™ -concept and trademark. 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Redistribution is subject to the trademark -license, especially commercial redistribution. -</div> - -<div style='margin:0.83em 0; font-size:1.1em; text-align:center'>START: FULL LICENSE<br /> -<span style='font-size:smaller'>THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE<br /> -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK</span> -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -To protect the Project Gutenberg™ mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase “Project -Gutenberg”), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg™ License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg™ electronic works -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg™ -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg™ electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg™ electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the person -or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.B. “Project Gutenberg” is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. 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Information about the Mission of Project Gutenberg™ -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg™’s -goals and ensuring that the Project Gutenberg™ collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg™ and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation’s EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state’s laws. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation’s business office is located at 809 North 1500 West, -Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up -to date contact information can be found at the Foundation’s website -and official page at www.gutenberg.org/contact -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without widespread -public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. 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Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Most people start at our website which has the main PG search -facility: <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -This website includes information about Project Gutenberg™, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. -</div> - -</body> -</html> diff --git a/old/64383-h/images/a001-a_100.jpg b/old/64383-h/images/a001-a_100.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 80e6f0c..0000000 --- a/old/64383-h/images/a001-a_100.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/64383-h/images/a001-a_300.jpg b/old/64383-h/images/a001-a_300.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 26942d4..0000000 --- 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