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-The Project Gutenberg eBook of Ansiedlungen in den Urwäldern von Canada.,
-by Catharine Parr Traill
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
-of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you
-will have to check the laws of the country where you are located before
-using this eBook.
-
-Title: Ansiedlungen in den Urwäldern von Canada.
- Ein Wegweiser für Auswandrer nach Amerika von einer Emigrantin.
-
-Author: Catharine Parr Traill
-
-Translator: Friedrich Adolph Wiese
-
-Release Date: January 25, 2021 [eBook #64383]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-Produced by: Matthias Grammel and the Online Distributed Proofreading Team
- at https://www.pgdp.net (This file was produced from images
- generously made available by The Internet Archive)
-
-*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK ANSIEDLUNGEN IN DEN URWÄLDERN VON
-CANADA. ***
-
-
-
-
- Ansiedlungen
- in den
- Urwäldern von Canada.
-
- Schilderung des Bodens, Klimas u. s. w. -- Lebensweise
- und Beschäftigungen der Ansiedler. -- Durch Erfahrung und
- genaue Beobachtung bewährte Vorschriften, betreffend die Niederlassung
- und das Gedeihen der neuen Ankömmlinge; mit
- vorzüglicher Berücksichtigung der häuslichen Einrichtungen und
- dem weiblichen Theil der Ansiedler-Familien zufallenden
- Pflichten.
-
- Ein Wegweiser
- für
- Auswandrer nach Amerika
- von
- einer Emigrantin.
-
- Aus dem Englischen
- von
- ^Dr.^ F. A. Wiese.
-
- Mit vielen Abbildungen.
-
- [Illustration]
-
- Leipzig, 1837.
- Baumgärtners Buchhandlung.
-
-
-
-
-Einleitung.
-
-
-Unter den vielen, im Verlauf des letzten Jahrzehents über Canada
-erschienenen Werken, welche Auswanderung zum Thema haben, ertheilen
-nur wenige oder vielleicht nicht ein einziges über die häusliche
-Einrichtung der Ansiedler hinreichend genaue Auskunft, um derjenigen,
-welche für alle Bequemlichkeiten und den wohlbehaglichen Zustand einer
-Familie verantwortlich ist, -- der Hausfrau, welcher die häusliche
-Ordnung obliegt, als treuer und sichrer Führer zu dienen.
-
-Zwar hat ^Dr.^ _Dunlop_ eine geistreiche Flugschrift, betitelt
-»^The Backwoodsman^,« (der Urwald-Siedler) herausgegeben, allein sie
-geht nicht in die Routine weiblicher Pflichten und Geschäfte, in dem
-bezeichneten neuen Wirkungskreise, ein. In der That kann nur die Feder
-einer Frau die andre Hälfte von dem beschreiben, was von der innern
-Einrichtung und Leitung eines Hauswesens in den Urwäldern zu sagen ist,
-sie allein vermag die neuanlangenden weiblichen Auswandrer über die
-schwierigen Pflichten und Prüfungen, welche ihrer warten, gehörig zu
-unterrichten.
-
-»Vorausgewarnt, vorausgewaffnet,« ist ein Sprichwort unsrer Vorväter,
-das in seiner markigen Kürze viel Stoff zum Nachdenken enthält; seine
-Bedeutung im Auge, ist die Verfasserin vorliegenden Werkes bestrebt
-gewesen, den Frauen und Töchtern von Auswandrern aus den höheren
-Ständen, welche inmitten unsrer canadischen Wildnisse eine Heimath
-suchen, jeden nur möglichen Unterricht zu ertheilen. Wahrheit war ihr
-Hauptziel, denn es wäre grausam, Leute, die ihre Familie, ihr Vermögen
-und ihre Hoffnungen in ein wildfremdes Land versetzen, mit falschen
-Hoffnungen zu täuschen und glauben zu machen, daß in diesem Lande
-Milch und Honig fließe, und daß es zur Erlangung von Bequemlichkeit
-und Ueberfluß daselbst nur geringer Mühe bedürfe. Sie zieht es vor,
-gewissenhaft und treu die Dinge in ihrem wahren Lichte darzustellen,
-damit der weibliche Theil der Ankömmlinge im Stande sei, den neuen
-Verhältnissen kühn ins Gesicht zu blicken, in dem ihm angebornen
-Tact und Scharfsinn ein Mittel in vorkommenden Schwierigkeiten zu
-finden, und, gehörig vorbereitet, mit jener muthvollen Freudigkeit,
-wovon wohlerzogne Frauenzimmer oft außerordentliche Beweise liefern,
-dem Uebrigen zu begegnen. Desgleichen wünscht sie, ihnen zu zeigen,
-wie vortheilhaft es ist, Alles wegzulassen, was außschließlich jener
-künstlichen Verfeinerung des modischen Lebens in England angehört; und
-wie sie durch Verwendung des Geldes, welches der Ankauf von dergleichen
-mehr lästigen und überflüssigen Artikeln erheischen würde, auf wahrhaft
-nützliche Gegenstände, die in Canada nicht leicht zu erlangen sind,
-sich das Vergnügen verschaffen können, einem wohlgeordneten Hauswesen
-vorzustehen. Sie wünscht ihnen den Vortheil einer dreijährigen
-Erfahrung zu sichern, damit sie jeden Theil ihrer Zeit zweckmäßig
-anwenden mögen, und lernen, daß alles, sowohl Geld als Geldeswerth,
-das irgend einem Gliede der Emigranten-Familie angehört, gewissenhaft
-als _Capital_ zu betrachten sei, welches durch Vermehrung entweder des
-Einkommens oder der häuslichen Ordnung und Bequemlichkeit seine Zinsen
-tragen werde.
-
-Diese Aussprüche, welche mehr auf Nutzen und Brauchbarkeit, als
-künstliche persönliche Verfeinerung abzwecken, sind nicht so unnöthig,
-als das Publikum vielleicht meinen dürfte. Die nach dem brittischen
-Amerika auswandernden Familien sind nicht mehr von dem Range im Leben,
-wie die, welche früher dort eine neue Heimath suchten. Es sind nicht
-blos arme Landleute und Handwerker, die in großen Anzahlen dem Westen
-zuziehen, sondern auch unternehmende englische Capitalisten, und die
-vormals in Ueberfluß lebenden Landeigenthümer, welche, beunruhigt durch
-die Schwierigkeit, in einem Lande, wo alle Gewerbe überfüllt sind, eine
-zahlreiche Familie in Unabhängigkeit zu erhalten, sich den Schaaren
-anschließen, die jährlich aus England nach jenen Colonien strömen.
-Von welcher Bedeutung ist es nicht, daß die weiblichen Glieder dieser
-Colonien gehörigen Unterricht hinsichtlich der wichtigen Pflichten
-erhalten, denen sie sich unterziehen; daß sie sich auf die Mühen
-gefaßt machen und vorbereiten, welche ihrer warten, und so Reue und
-Mißvergnügen über grundlose Erwartungen und getäuschte Hoffnungen
-vermeiden.
-
-Es ist eine dem Publikum nicht allgemein bekannte Thatsache, daß
-brittische Offiziere und ihre Familien gewöhnlich die Bewohner der
-Urwälder sind, und da sehr viele außer Dienst stehende Offiziere jedes
-Ranges Land-Bewilligungen in Canada erhalten haben, so kann man sie
-als die Begründer der Civilisirung in der Wildniß betrachten; und ihre
-Frauen, nur zu oft zärtlich erzogen und von vornehmer Abkunft, sehen
-sich auf einmal in alle, mit der rohen Lebensweise eines Waldsiedlers
-verbundnen Beschwerden und Entbehrungen versenkt. Die Gesetze, welche
-die Bewilligung von Grundeigenthum regulieren, nöthigen den Colonisten,
-sich auf eine bestimmte Zeit verbindlich zu machen, so wie zur Ausübung
-gewisser Pflichten, und verstatten daher, ist einmal die Absteckung des
-Bodens erfolgt, keinen Urlaub. Dieselben Gesetze nöthigen sehr weislich
-einen Mann von besserer Erziehung, der sowohl im Besitz von Vermögen
-als gebildetem Verstand ist, alle seine Kräfte einem bestimmten
-Flächenraum ungelichteten Bodens zu widmen. Es läßt sich wohl denken,
-daß nur solche, die eine junge Familie in Wohlstand und Unabhängigkeit
-zu erhalten wünschen, sich dergleichen Mühseligkeiten unterziehen
-werden. Diese Familie macht die Niederlassung eines solchen Ansiedlers
-der Colonie noch werther; und der auf halben Sold gesetzte Offizier,
-welcher dergestalt gleichsam die Avantgarde der Civilisirung führt und
-in jene rohen Distrikte anständige und wohlerzogne weibliche Wesen
-bringt, die durch geistige Verfeinerung alles um sich her sänftigen und
-veredeln, dient seinem Vaterlande durch Gründung friedlicher Dörfer
-und anmuthiger Wohnstätten eben so nachdrücklich, als je zur Zeit des
-Kriegs durch persönlichen Muth oder militairische Klugheit.
-
-Es wird sich im Verfolg dieses Werkes ergeben, daß die Verfasserin,
-Damen, welche der höhern Ansiedler-Klasse angehören, die geistigen
-Quellen einer besseren Erziehung eben so sehr im Auge zu behalten
-empfiehlt, als sie ihnen die Beibehaltung aller unvernünftiger und
-künstlicher Bedürfnisse, so wie jedes nutzlose Thun und Treiben
-widerräth. Sie mögen ihre Aufmerksamkeit auf die Naturgeschichte,
-die Flora dieser neuen Heimath richten, hierin werden sie eine
-unerschöpfliche Quelle für Unterhaltung und Belehrung finden, eine
-Beschäftigung, die den Geist erleuchtet und erhebt und für den Mangel
-an jenen leichteren weiblichen Zeitvertreiben, welche nothwendiger
-Weise den gebieterischen häuslichen Pflichten weichen müssen, Ersatz
-leisten dürfte. Dem Weibe, welches fähig ist, die Schönheiten der
-Natur zu empfinden und den Schöpfer des Weltalls in seinen Werken zu
-verehren, eröffnet sich ein reicher Vorrath reiner ungeschminkter
-Freuden, die es inmitten der einsamsten Gegend unsrer westlichen
-Wildnisse frei von Langerweile und übler Laune erhalten.
-
-Schreiberin dieser Seiten spricht aus Erfahrung und würde sich sehr
-freuen, wenn sie vernehmen sollte, daß die einfachen Quellen, aus
-welchen sie selbst so manche Freude geschöpft hat, die Einsamkeit
-zukünftiger Ansiedlerinnen in den Urwäldern von Canada zu erheitern
-vermögen.
-
-Als allgemeine Bemerkung für Ansiedler jechlicher Art und jechlichen
-Standes, mag hier noch stehen, daß das Ringen nach Unabhängigkeit oft
-sehr mühevoll und ohne eine thätige und heitere Lebensgefährtin fast
-unmöglich ist. Kinder sollte man frühzeitig die aufopfernde Liebe
-schätzen lehren, welche ihre Aeltern zur Ueberwindung des natürlichen
-Widerstrebens, das Land ihrer Vorväter, den Schauplatz ihrer frühesten
-und glücklichsten Tage, zu verlassen und in einem fernen Welttheile
-als Fremdlinge eine neue Wohnstätte zu suchen, neue Banden, neue
-Freundschaften zu knüpfen, und gleichsam des Lebens mühevollen Pfad
-von neuem anzutreten bestimmte, und alles dies, um ihre Kinder in eine
-Lage zu versetzen, worin sie durch Fleiß und Thätigkeit sich stets die
-materiellen Bedürfnisse und Bequemlichkeiten des Lebens zu verschaffen
-und ihren Nachkommen ein wohlbestelltes Grundeigenthum zu hinterlassen
-vermögen.
-
-Junge Männer söhnen sich bald mit diesem Lande aus, indem es ihnen
-dasjenige gewährt, was den größten Reiz für die Jugend hat -- nämlich
-große persönliche Freiheit. Ihre Beschäftigungen sind erheiternd
-und der Gesundheit zuträglich; ihre Belustigungen, z. B. Jagen,
-Schießen, Fischen und Gondeln sind vorzüglich einladend und für viele
-bezaubernd. An allen diesen Zeitvertreiben aber können ihre Schwestern
-keinen Antheil nehmen, daher die Mühseligkeiten und Beschwerden des
-Ansiedler-Lebens insbesondre dem weiblichen Theil der Familie anheim
-fallen. Mit einem Hinblick auf Abhülfe dieser Entbehrungen und um zu
-zeigen, wie man einige Schwierigkeiten sich erleichtern andre vermeiden
-kann, hat die Verfasserin manche ihr nützlich erscheinende Vorschläge
-eingestreut. Einfache Wahrheit, durchaus auf persönliche Kenntniß
-gestützt, ist die Grundlage des vorliegenden Werkes; eingeflochtne
-Erdichtungen hätten es vielleicht manchen Lesern willkommner gemacht,
-würden aber auf der andern Seite seiner Brauchbarkeit Abbruch
-gethan haben; indeß werden auch Diejenigen, welche keineswegs
-die Absicht haben, die Mühseligkeiten und Gefahren des in Rede
-stehenden Ansiedler-Lebens zu theilen, wohl aber von Scenen und
-Lebens-Verhältnissen, die von denen eines seit langer Zeit civilisirten
-Landes so himmelweit verschieden sind, einige Kenntniß zu erlangen
-wünschen, ihre Rechnung finden und sowohl Unterhaltung als auch manche
-nützliche Lehre daraus schöpfen.
-
-
-
-
-Die Urwälder von Canada.
-
-
-
-
-Erster Brief.
-
- Abfahrt von Greenock in der Brig _Laurel_. -- Beschaffenheit
- der Kajüte. -- Reise-Gefährte. -- Mangel an Beschäftigung
- und Unterhaltung. -- Des Capitains Goldfinke. --
-
-
- Brig _Laurel_, Juli 18, 1832.
-
-_Theuerste Mutter!_
-
-Ich erhielt Ihren letzten lieben Brief nur wenige Stunden vor unsrer
-Abfahrt von Greenock. Da Sie den Wunsch äußern, eine ausführliche
-Beschreibung unsrer Reise von mir zu erhalten, so will ich meine
-Mittheilungen von der Zeit unsrer Einschiffung an beginnen, und so oft
-schreiben, als mich meine Neigung dazu treibt. Gewiß sollen Sie keinen
-Grund haben, über zu kurze Briefe von mir zu klagen, ich fürchte Sie
-werden dieselben nur zu lang finden.
-
-Nach manchem Aufschub, mancher fehlgeschlagnen Erwartung glückte es uns
-endlich, eine Gelegenheit zur Ueberfahrt in einer schnell segelnden
-Brig, dem _Laurel_ von Greenock, zu finden; und günstige Winde tragen
-uns jetzt in reißendem Fluge über den atlantischen Ocean.
-
-Der _Laurel_ ist kein regelmäßiges Passagier-Schiff, dies aber
-betrachte ich als einen Vortheil, denn was wir auf der einen Seite
-an Unterhaltung und Mannigfaltigkeit einbüßen, gewinnen wir auf der
-andern an Behaglichkeit. Die Kajüte ist recht hübsch aufgeputzt und
-ich erfreue mich des Genusses, (denn ein solcher ist es in der That,
-in Vergleich zu den schmalen Sitzen der Staats-Kajüte) eines hübschen
-Sophas mit rothem Ueberzug, in der großen Kajüte. Die Staats-Kajüte
-steht uns auch offen. Wir zahlten für unsre Ueberfahrt nach Montreal
-jedes funfzehn Pfund, allerdings ein ziemlich hoher Preis, der aber
-jede andre Ausgabe in sich einschließt; und übrigens hatten wir keine
-Wahl. Das einzige nach Canada bestimmte Fahrzeug auf dem Flusse war
-mit Auswandrern, vorzüglich Holländern aus der niedrigen Klasse,
-buchstäblich überfüllt.
-
-Die einzigen Passagiere in dem _Laurel_, außer uns, sind der Neffe des
-Capitains, ein hübscher blondhaariger Bursche von ungefähr funfzehn
-Jahren, der die Unkosten für seine Ueberfahrt abarbeitet; und ein
-junger Herr, der nach Quebek reist, wo er in einem Handlungshause eine
-Anstellung als Commis erhalten hat. Derselbe scheint zu sehr mit seinen
-Angelegenheiten beschäftigt, um sehr mittheilend gegen andre zu sein;
-er spaziert viel umher, spricht wenig und liest noch weniger; unterhält
-sich aber oft mit Singen, wenn er das Deck auf- und abschreitet, seine
-Lieblingslieder sind, »_O Heimath, süße Heimath!_« u. s. w.; und jener
-treffliche Gesang, »_Schöne Insel_[1]« u. s. w. gewiß eine süße Weise,
-und ich kann mir den Zauber, welchen sie für ein am Heimweh leidendes
-Herz hat, leicht vorstellen.
-
-Die Scenerei des Clyde (Fluß) gefiel mir ausnehmend; der Tag, an
-welchem wir die Anker lichteten, war heiter und angenehm, und ich
-blieb bis spät Abends auf dem Deck. Das Morgenlicht begrüßte unser
-Schiff, als es mit einem günstigen Winde von Lande her stattlich durch
-den Nordcanal hinsteuerte; an diesem Tage sahen wir die letzte der
-Hebriden, und vor Eintritt der Nacht verloren wir die nördliche Küste
-von Irland aus den Augen. Eine weite Wasserfläche und über uns der
-Himmel sind jetzt unser einziger Anblick, durch nichts unterbrochen,
-als wenn sich in weiter Ferne am Saume des Horizonts die kaum zu
-unterscheidenden Umrisse eines Fahrzeugs zeigen, -- ein Fleck in
-dem unermeßlichen Raume, -- oder dann und wann einige Seevögel
-vorübergleiten.
-
-Es macht mir Vergnügen, diese Wandrer des Oceans, indem sie mit den
-hochgehenden Wogen steigen und fallen, oder um unser Schiff flattern,
-zu beobachten; und oft denke ich mit Verwunderung darüber nach, woher
-sie kommen, nach welchem fernen Ufer sie ihren Flug nehmen, und ob sie
-den langen Tag und die finstre Nacht hindurch die wilde Woge zu ihren
-Ruheplatz wählen; und dann fallen mir unwillkührlich die Worte des
-amerikanischen Dichters _Bryant_ ein:
-
- »Er der von Zone zu Zone
- Durch den grenzenlosen Luftkreis ihren
- bestimmten Flug lenkt,
- Wird auf dem langen Wege, den ich
- allein durchwandern muß,
- Meine Schritte richtig leiten.«
-
-Wiewohl wir noch nicht viel über eine Woche an Bord gewesen sind,
-so fängt mich doch schon die Reise zu langweilen an. Ich kann ihre
-Einförmigkeit blos mit der Einkerkerung in ein Dorfwirthshaus während
-schlechten Wetters vergleichen. Ich habe mich bereits mit allen Büchern
-der Schiffs-Bibliothek, die des Lesens werth sind, bekannt gemacht;
-unglücklicher Weise besteht sie größtentheils aus alten Novellen und
-faden Romanen.
-
-Wenn das Wetter schön ist, sitze ich auf einer Bank auf dem Deck,
-in meinen Mantel gehüllt, und nähe, oder wandle mit meinem Gatten
-Arm in Arm umher und schwatze über Pläne für die Zukunft, die wohl
-nie verwirklicht werden dürften. Die Männer, welche nicht thätig
-beschäftigt sind, verdienen in der That Mitleiden; Frauenzimmer haben
-in ihrer Nadel stets ein Zufluchts-Mittel gegen die tödtende Langeweile
-eines müßigen Lebens; aber wo ein Mann auf einen engen Raum, wie das
-Deck und die Kajüte eines Handelsschiffs, beschränkt ist und nichts zu
-sehen, nichts zu hören, nichts zu thun hat, spielt er wirklich eine
-sehr bedauernswürdige Rolle.
-
-Ein einziger Passagier an Bord scheint sich vollkommen glücklich
-zu fühlen, wenn man anders nach der Lebhaftigkeit seines Gesanges
-schließen darf, womit er uns begrüßt, so oft wir seinem Käfig nahe
-kommen. Dies ist »Harry« der Goldfinke des Capitains -- »des _Capitains
-Gehülfe_,« wie ihn die Matrosen nennen. Dieses niedliche Geschöpf
-hat nicht weniger als zwölf Reisen auf dem _Laurel_ mitgemacht.
-»Es ist ihm ganz einerlei, ob sich sein Käfig auf dem Lande oder
-auf der See befindet, er ist stets zu Hause,« sagte der Capitain,
-seinen kleinen Liebling mit zärtlichen Blicken betrachtend und durch
-die Aufmerksamkeit, die wir seinem Vogel widmeten, sich offenbar
-geschmeichelt fühlend.
-
-Ich habe mich bereits mit dem kleinen Gefangnen befreundet. Er verfehlt
-nie, meine Annäherung mit einem seiner lieblichsten Gesänge zu
-begrüßen, und nimmt ein Stückchen Bisquit von meinen Fingern, welches
-er so lange in seinen Krällchen hält, bis er mir mit einigen seiner
-klarsten Töne gedankt hat; dieses Zeichen von Anerkennung nennt der
-Proviantmeister _sein Tischgebet_.
-
-Wenn uns der Wind noch länger begünstigen sollte, werden wir uns in
-der nächsten Woche an der Küste von Neufundland befinden. Für jetzt
-leben Sie wohl.
-
-Fußnoten:
-
-[1] England.
-
-
-
-
-Zweiter Brief.
-
- Ankunft an der Küste von Neufundland. -- Der Goldfinke singt kurz
- vor Entdeckung des Landes. -- Der Meerbusen St. Laurence. --
- Schwierige Fahrt auf dem Flusse. -- Ein französischer Fischer wird
- als Lootse angestellt. -- Die Insel Bic. -- Grün-Eiland. --
- Anstellung eines regelmäßigen Lootsen. -- Scenerei von Grün-Eiland.
- -- Gros-Eiland. -- Quarantaine-Gesetze. -- Emigranten auf Gros-Eiland.
- -- Ankunft vor Quebek. -- Anblick der Stadt und ihrer Umgebungen.
-
-
- Brig _Laurel_, Fluß St. Laurence, August 6, 1832.
-
-_Theuerste Mutter!_
-
-Ich brach meinen letzten Brief aus der einfachen Ursache ab, weil ich
-nichts weiter zu schreiben hatte. Ein Tag war gleichsam das Echo des
-vorhergehenden, so daß eine Seite aus dem Tagebuche des Unterschiffers
-eben so unterhaltend und eben so belehrend gewesen sein würde, als mein
-Tagebuch, wofern ich nämlich ein solches während der letzten vierzehn
-Tage geführt hätte.
-
-So arm an Ereignissen war diese ganze Zeit, daß die Erscheinung einer
-Anzahl Flaschennasen, einiger Robben und eines Meerschweins[2], --
-wahrscheinlich auf ihrem Wege zu einer Mittags- oder Thee-Gesellschaft
-am Nordpol, -- als eine Begebenheit von großer Wichtigkeit betrachtet
-wurde. Jeder griff nach seinem Fernglase, als sie sich zeigten, und man
-stierte sie an, als wollte man sie in Verlegenheit setzen.
-
-Den _fünften August_, also gerade einen Monat, nachdem wir die
-brittischen Inseln völlig aus den Augen verloren, bekamen wir die Küste
-von Neufundland zu Gesicht, und ob sie gleich braun, rauh und öde
-erschien, so begrüßte ich doch ihren Anblick mit Entzücken. Nie ist mir
-etwas so erfrischend und köstlich vorgekommen, als die kühle Landluft,
-welche uns entgegen wehete und uns, wie mich täuchte, Gesundheit und
-Freude auf ihren Schwingen zuführte.
-
-Nicht ohne einiges Befremden gewahrte ich die rastlose Thätigkeit des
-oben erwähnten Goldfinken, einige Stunden bevor der Ausruf »_Land!_«
-vom Mastkorbe erscholl. Er sang in einem fort, und seine Töne waren
-länger, heller und durchdringender als früher; das kleine Geschöpf,
-versicherte mir der Capitain, fühlte die Umänderung in der Luft, als
-wir uns dem Lande näherten. »Ich verlasse mich,« sagte er, »fast eben
-so sehr auf meinen Vogel als auf mein Fernglas, und bin bis jetzt nie
-getäuscht worden.«
-
-Unsre Fortschritte, nachdem wir in den Golf hineingesteuert, waren
-etwas langsam und langweilig. Die Strecke durch denselben bis zum
-Eingang in den majestätischen Laurence-Fluß beträgt neunzig englische
-Meilen, er scheint an und für sich allein ein Ocean zu sein. Die Hälfte
-unsrer Zeit bringen wir über der großen Karte in der Kajüte zu, die
-mein Gatte unaufhörlich auf- und zurollt, um sich mit den Namen der
-fernen Ufer und Inseln, an denen wir vorbeifahren, bekannt zu machen.
-
-Wir sind bis jetzt ohne Lootsen, und der Capitain, ein vorsichtiger
-Seemann, will das Schiff nicht gern an diese gefährliche Fahrt wagen,
-daher unsre Reise nur langsam von statten geht.
-
-Den _siebenten August_. -- Wir erhielten diesen Morgen Besuch von
-einem schönen kleinen Vogel, der nicht viel größer war, als ein
-Zaunkönig. Ich pries ihn als einen Vogel guter Vorbedeutung -- einen
-kleinen Boten, abgesendet, uns in der neuen Welt willkommen zu heißen;
-gewiß ich fühlte eine fast kindische Freude bei Erblickung des kleinen
-Fremdlings. Es giebt glückliche Momente in unserm Leben, wo wir aus den
-unbedeutendsten Dingen große Freude schöpfen, wie Kinder, denen das
-einfachste Spielwerk Vergnügen macht.
-
-Gleich nachdem wir in den Meerbusen hineingesteuert waren, äußerte sich
-bei allen an Bord eine sichtbare Veränderung. Der Capitain, ein ernster
-schweigsamer Mann, wurde ganz gesprächig. Mein Gatte zeigte sich mehr
-als gewöhnlich lebhaft und aufgeregt, ja selbst der gedankenvolle
-junge Schotte thauete auf und wurde im buchstäblichen Sinne des Wortes
-unterhaltend. Die Schiffsmannschaft entfaltete den regsten Eifer in
-Erfüllung ihrer Pflicht, und der Goldfinke sang lustig von Morgen
-bis Abend. Was mich betrifft, so war mein Herz voller Hoffnung, die
-jedes Gefühl von Zweifel oder Bedauern, welches die Gegenwart hätte
-verdüstern oder die Zukunft bewölken können, verdrängte.
-
-Ich kann jetzt deutlich die Umrisse der Küste auf der Südseite des
-Flusses mit meinen Augen verfolgen. Bisweilen hüllen sich die Hochlande
-plötzlich in dichte Nebelwolken, die in beständiger Bewegung sind und
-in dunkeln Wogen dahin rollen, bald von rosigem Licht gefärbt, bald
-weiß und flockig, oder glänzend wie Silber, wenn die Strahlen der Sonne
-darauf fallen. So schnell sind die Veränderungen, welche in diesen
-Nebelmassen vor sich gehen, daß man, bei dem nächsten Blick darauf,
-die Scene wie durch Zauber umgewandelt findet. Der Nebelschleier wird
-wie von unsichtbaren Händen emporgehoben, und die wilden bewaldeten
-Berge enthüllen sich nebst den kühnen felsigen Ufern und langgedehnten
-Buchten zum Theil dem überraschten Auge. Ein andermal zertheilt sich
-die Dunstschicht und schwebt gleich hohen Rauchsäulen in den Thälern
-und Schluchten hin oder hängt gleich schneeweißen Vorhängen zwischen
-den dunkeln Waldkiefern.
-
-Ich kann mich an diesen seltsam gestalteten Wolken nicht satt sehen;
-sie erinnern mich an die schöne Zeit, die ich in den Hochlanden
-(schottische) zwischen nebelgekrönten Hügeln des Nordens verlebte.
-
-Gegenwärtig ist die Luft kalt, und wir haben häufige Windstöße und
-Hagelschauer mit gelegentlichem Donnerwetter, gleich darauf ist alles
-wieder hell und heiter, und die Luft füllt sich mit Wohlgerüchen, und
-Mücken, Bienen und Vögel schwärmen vom Ufer aus hinter uns her.
-
-_Den achten August._ Wiewohl ich nur mit Gefühlen von Bewunderung
-auf der Majestät und Gewalt dieses mächtigen Flusses weilen kann, so
-fängt mich doch seine Endlosigkeit zu langweilen an, und ich sehne
-mich nach einem nähern Anblick des Ufers; denn vor der Hand sehen
-wir in südlicher Richtung nichts als lange Reihen mit Nadelholz
-bedeckter Hügel und hier und da ein weißes Fleckchen, wie man mir sagt,
-Ansiedlungen und Dörfer; während hohe Berge, von allem Grün entblößt,
-auf der Nordseite des Flusses die Aussicht beschränken. Meine Vorliebe
-für bergige Gegenden zieht mein Auge gewaltsam nach letztrer Seite,
-und ich beobachte mit wahrem Vergnügen die Cultur-Fortschritte dieser
-rauhen und unwirthbaren Gegenden.
-
-Während der letzten zwei Tage haben wir uns ängstlich nach einem
-Lootsen umgesehen, der das Schiff nach Quebek geleiten soll. Es sind
-mehre Signal-Schüsse gethan worden, aber bisher ohne Erfolg; kein
-Lootse hat uns bis jetzt mit einem Besuche beehrt, und so befinden wir
-uns gleichsam auf einer Station, ohne Wagenlenker und blos mit einer
-der Führung der Zügel unkundigen Hand. Ich bemerke bereits einige
-Zeichen von Ungeduld unter uns, aber Niemand tadelt den Capitain, der
-sich sehr besorgt bei der Sache zeigt, da der Fluß mit Felsen und
-Untiefen gefüllt ist und demjenigen, der nicht genau mit der Fahrt in
-dieser Gegend vertraut ist, große Schwierigkeiten entgegengesetzt.
-Ueberdies ist er den Unternehmern für die Sicherheit des Schiffs
-verantwortlich, im Fall er einen Lootsen an Bord zu nehmen unterläßt.
-
-Während ich obige Bemerkungen niederschrieb, wurde ich plötzlich
-durch einen Lärm auf dem Deck gestört, und als ich hinaufging, um die
-Ursache kennen zu lernen, erfuhr ich, daß ein Boot mit dem so lange
-ersehnten Lootsen vom Ufer abgestoßen sei; allein nach allem Lärm und
-Durcheinanderlaufen ergab sichs, daß es nur ein französischer Fischer
-nebst einem armseligen zerlumpten Jungen, seinem Gehülfen, war. Der
-Capitain bewog ohne große Schwierigkeit Monsieur _Paul Breton_, uns
-bis Grün-Eiland, eine Strecke von einigen hundert englischen Meilen
-den Fluß weiter aufwärts zu geleiten, wo wir, wenn nicht noch früher,
-seiner Versicherung nach, einen regelmäßigen Lootsen finden würden.
-
-Es fällt mir etwas schwer, Monsieur _Paul_ zu verstehen, da er einen
-besondern Dialect spricht; aber er scheint ein guter Mensch zu sein und
-zeigt sich sehr gefällig. Wie er uns erzählt, ist das Getraide zur Zeit
-noch grün und kaum in der Aehre, und die Sommerfrüchte sind noch nicht
-reif, indeß meint er, daß wir zu Quebek Aepfel und andre Früchte in
-Ueberfluß finden werden.
-
-Je weiter wir den Fluß hinaufkommen, desto einladender und anmuthiger
-wird der Anblick des Landes auf beiden Seiten. Grüne Fleckchen mit
-weißen Hütten zeigen sich auf den Ufern und längs den Berg-Abhängen
-ausgestreut; während hier und da eine Dorfkirche mit ihrem Thurme
-hervorgukt, der mit seiner blitzenden Fahne und hellem Zinndache die
-umgebenden Gebäude überragt. Die südlichen Ufer sind besser bevölkert,
-aber nicht so malerisch als die nördlichen, indeß bieten beide Seiten
-dem Auge viel Erfreuliches dar.
-
-Diesen Morgen ankerten wir im Angesicht der Insel Bic, einem
-niedlichen, niedrigen, mit Bäumen bedeckten und recht einladenden
-Eiland. Ich fühlte großes Verlangen, meinen Fuß auf canadischen Boden
-zu setzen, und muß gestehen, daß es mich etwas verdroß, als mir der
-Capitain rieth, an Bord zu bleiben, und die Gesellschaft, welche
-sich vorbereitete, ans Ufer zu gehen, nicht zu begleiten; mein Gatte
-unterstützte den Wunsch des Capitains, und ich begnügte mich damit,
-vom Schiffe aus meine Augen auf die reichen Laubmassen zu richten,
-welche ein leichtes Lüftchen hin und her bewegte. Indeß hatte ich
-bald Ursache, dankbar zu sein, daß ich meinem eigensinnigen Wunsch
-nicht gewillfahrtet, denn Nachmittags wurde es trübe und neblich,
-und bei der Rückkehr des Bootes erfuhr ich, daß der Boden gerade da,
-wo die Gesellschaft gelandet, morastig sei, und daß sie bis über die
-Fußknöchel ins Wasser eingesunken. Sie hatten die Insel kniehoch mit
-üppigem rothen Klee, schlanken Bäumen, niedrigem Strauchwerk und einem
-Ueberfluß von wilden Blumen bedeckt gefunden.
-
-Um mich einigermaßen dafür zu entschädigen, daß ich ihn nicht
-hatte begleiten dürfen, überreichte mir mein Gatte bei seiner
-Rückkehr ein prächtiges Bouquet, das er für mich gesammelt. Unter
-den Blumen befanden sich süß duftende rothe Rosen, derjenigen nicht
-unähnlich, welche wir in Schottland die pimpinellenblättrige Rose
-(^burnet-leaved^) nennen, mit glatten glänzenden Blättern und wenigen
-oder gar keinen Dornen; ferner das Lungenkraut (^Pulmonaria^) welches
-ich häufig in den Hochlanden gepflückt habe; eine Zucker-Erbse mit
-rothen Blüthen und blaßgrünen Blätter-Ranken; eine weiße Orchis, von
-entzückendem Geruch; und außer diesen verschiedne kleine, weiße und
-gelbe Blumen, die mir völlig unbekannt waren. Der Proviantmeister
-versah mich mit einem Porzelankruge und frischem Wasser, so daß ich
-während des Restes unsrer Reise den Genuß eines schönen Blumen-Straußes
-haben werde. Die Matrosen hatten nicht vergessen, ein oder zwei
-buschige Aeste zur Schmückung des Schiffs mitzubringen, und der
-Vogelkäfig war bald in eine kleine Laube umgestaltet.
-
-Obgleich das Wetter jetzt sehr schön ist, so machen wir doch nur
-langsame Fortschritte; der Wind bläst von allen Seiten, nur nicht von
-der rechten. Wir schwimmen mit der Fluth vorwärts, werfen, wenn diese
-uns verläßt, die Anker aus und warten dann so geduldig als möglich,
-bis es wieder Zeit ist, dieselben zu lichten. Zu meiner Unterhaltung
-mustre ich bald die Dörfer und Ansiedlungen durch das Fernglas des
-Capitains, bald belauere ich das Erscheinen der weißen, zwischen den
-Wogen schaukelnden Meerschweine (^porpoises^). Diese Thiere sind
-von milchweißer Farbe und haben nichts von dem ekelhaften Aeußern
-der schwarzen. Dann und wann steckt eine Robbe ihr drolliges Haupt
-dicht neben dem Schiffe aus dem Wasser hervor, ganz so aussehend wie
-_Sindbad's_ kleiner Meer-Greis[3].
-
-Es ist ein glücklicher Umstand für mich, daß meine Liebe zur
-Naturgeschichte mir mancherlei Gegenstände, die vielen der Beachtung
-unwerth erscheinen, zu Quellen der Unterhaltung und Belehrung macht.
-Das einfachste Kräutchen, das auf meinem Pfade wächst, die unscheinbare
-Mücke, welche um mich her summt, gewährt mir Stoff zum Nachsinnen und
-zur freudigen Bewunderung.
-
-Wir befinden uns jetzt im Angesicht von Grün-Eiland. Es ist die größte
-und, meines Bedünkens, eine der bevölkertsten Inseln, an denen wir
-bisher vorbeigekommen sind. Mit jeder Minute nimmt die Scenerei an
-Schönheit zu.
-
-So weit das Auge reichen kann, sieht man das Ufer dicht mit Dörfern
-und Meiereien in einer fast ununterbrochnen Linie bedeckt. Auf
-der Südseite glänzt und funkelt Alles von den Zinndächern der
-ansehnlicheren Gebäude; die übrigen Häuser sind mit weiß übertünchten
-Schindeln gedeckt. Letztere gefallen mir weniger als die einfachen
-(nicht angestrichnen) Schindeln; die weiße Farbe der Dächer der
-Hütten und Hausstätten blendet das Auge, und vergebens sieht man
-sich zur Erleichterung nach Schiefer- oder Stroh-Dächern um; die
-Schindeln, in ihrem natürlichen Zustande, erlangen bald das Ansehn
-von Schieferplatten, so daß man sie kaum davon unterscheiden kann.
-Was würden Sie zu einem rosenroth angestrichnen Hause mit einem Dache
-von derselben muntern Farbe, und auf der Vorderseite mit grünen
-Fensterladen, grünen Thüren und einer grünen Verandah (Vorhalle)
-sagen. Jedenfalls ist das Innere in entsprechendem Geschmack verziert.
-In der Regel bemerkt man in einem canadischen Dorfe, ein oder mehre
-dergleichen rosenfarbne Häuser, die sich durch ihr prahlendes Aeußere
-vor ihren bescheidnern Brüdern auszeichnen.
-
-_Den elften August._ -- Gleich unter Grün-Eiland nahmen wir einen
-wirklichen Lootsen an Bord, den ich indeß, beiläufig gesagt, nicht
-halb so gut leiden kann, als Herrn _Paul_. Er ist etwas superklug
-und scheint sich offenbar nicht wenig auf seine überlegne Kenntniß
-des Flußes einzubilden. Der gutmüthige Fischer verließ seinen Posten
-mit recht gefälligem Anstand und scheint mit seinem geschickteren
-Nebenbuhler bereits ziemlich befreundet zu sein. Ich meines Theils
-gerieth in große Sorge, als der neue Lootse an Bord kam; das erste
-was er that, war, daß er uns einen gedruckten Zettel einhändigte,
-welcher Verordnungen von Seiten des Gesundheit-Ausschusses zu Quebek
-hinsichtlich der Cholera enthielt, die, nach seiner Aussage, sowohl an
-diesem Orte als zu Montreal wahrhaft pestartig wüthet.
-
-Diese Verordnungen verbieten sowohl dem Capitain als dem Lootsen, unter
-Androhung schwerer Strafe im Unterlassungsfall, ausdrücklich, irgend
-Jemand, sei es von der Schiffsmannschaft oder den Passagieren, ohne
-vorherige strenge Untersuchung von Seiten der Quarantaine-Anstalt aus
-dem Schiffe zu entlassen.
-
-Dies war für alle höchst unangenehm und ärgerlich, besonders da der
-Capitain an demselben Morgen den Vorschlag gethan hatte, daß er uns
-an einem anmuthigen Orte, Namens Kranich-Insel landen wolle, damit
-wir den Nachmittag bis zur Rückkehr der Fluthzeit in dem Hause eines
-angesehnen Schotten zubringen könnten, der die beste Ansiedelung,
-sowohl in Hinsicht der Gebäude als Anlage des Bodens, die mir bis jetzt
-zu Gesicht gekommen, daselbst besitzt.
-
-Die Lage der Insel ist an sich selbst sehr schön. Um sie her fluthet
-der gewaltige St. Laurence-Fluß, auf seinen Wogen den Handel
-verschiedner Nationen tragend; im Vordergrunde sind die volkreichen
-und lebhaften Ansiedelungen der südlichen Ufer, während dahinter und
-weit darüber hinaus sich die hohe Bergkette nach Norden zu erhebt,
-gegenwärtig dicht mit Dörfern, anmuthigen Meiereien und angebauten
-Feldern bedeckt. Die Insel selbst zeigte uns ebne freie Plätze und
-smaragdgrüne Wiesen, nebst Obstpflanzungen und Kornfeldern, die sanft
-abwärts nach dem Wasser-Rande verliefen. Nach einer Einkerkerung von
-ziemlich fünf Wochen an Bord des Schiffs, können Sie sich leicht
-vorstellen, mit welcher Freude uns die Aussicht erfüllte, einige
-Stunden an diesem einladendem Orte zuzubringen.
-
-Wir hoffen, diesen Abend den Quarantaine-Platz (Gros-Eiland) zu
-erreichen, wo wir, wie uns der Lootse sagt, drei Tage werden verweilen
-müssen. Ob wir uns gleich alle einer guten Gesundheit erfreuen,
-so müssen wir doch, weil wir aus einem inficirten Hafen kommen,
-Quarantaine halten und dürfen nicht landen.
-
-_Den zwölften August._ Wir erreichten Gros-Eiland gestern Abend,
--- eine schöne felsige Insel, mit Buchen-, Birken-, Eschen- und
-Tannen-Wäldchen bedeckt. Es liegen hier verschiedne Schiffe dicht
-am Ufer vor Anker, eins davon führt das traurige Krankheitssymbol,
-die gelbe Flagge; es ist ein Passagier-Schiff und hat Pocken- und
-Masern-Kranke unter seiner Mannschaft. Sobald sich an Bord Zeichen von
-ansteckenden Krankheiten äußern, wird die gelbe Flagge aufgesteckt, und
-die Erkrankten werden in das Cholera-Hospital oder hölzerne Gebäude
-geschafft, welches auf einer Anhöhe des Ufers errichtet worden ist. Es
-ist mit Palisaden und einer Soldaten-Wache umgeben.
-
-In einer kleinen Entfernung vom Hospital steht ein temporäres Castell
-mit einer Besatzung, zur Aufrechterhaltung und Einschärfung der
-Quarantaine-Vorschriften. Diese Vorschriften gelten als sehr mangelhaft
-und in mancher Hinsicht als völlig ungereimt; in der That bringen sie
-den unglücklichen Emigranten bedeutende Nachtheile[4].
-
-Wenn die Passagiere und Mannschaft eines Schiffs eine gewisse Anzahl
-nicht übersteigen, so ist es ihnen, unter Verantwortlichkeit sowohl des
-Capitains als des Uebertreters, nicht erlaubt, zu landen; überschreiten
-sie dagegen die festgesetzte Zahl, -- sie seien nun krank oder gesund,
-so müssen beide -- Passagiere und Mannschaft -- ans Land gehen, ihre
-Betten und Kleider mitnehmen, die man auf dem Ufer ausbreitet, um
-sie zu waschen, zu lüften und zu durchräuchern, wodurch die Gesunden
-nothwendiger Weise jeder Gelegenheit zur Ansteckung von Seiten der
-Kranken ausgesetzt werden.
-
-Die Schuppen und Gebäude zur Aufnahme derjenigen, die sich den
-Quarantaine-Gesetzen unterziehen müssen, stehen in der unmittelbaren
-Nähe des Hospitals.
-
-Nichts kann größer sein, als mein sehnsüchtiges Verlangen nach der
-Erlaubniß zum Landen und zur Durchforschung dieser malerischen Insel;
-das Wetter ist so schön, und die unter dem Einfluß kühler Lüftchen
-hin und her wogenden grünen Wäldchen, die kleinen felsigen Baien und
-Einbuchten der Insel erscheinen so reizend und lockend! -- aber allen
-meinen Bitten setzte der besuchende Arzt, welcher an Bord des Schiffs
-kam, ein entschiedenes Nein entgegen.
-
-Wenige Stunden nach seinem Besuche indeß langte ein indianischer Korb,
-gefüllt mit Stachelbeeren und Himbeeren, nebst einem Strauße wilder
-Blumen und dem Compliment dieses Arztes an Bord unsers Kerkers an.
-
-Ich unterhalte mich mit Entwerfung kleiner Skitzen des Castells und
-der umgebenden Landschaft oder beobachte die am Ufer umherwandelnden
-Auswandrer-Gruppen. Wir haben bereits die Passagiere von drei
-Emigranten-Schiffen landen sehen. Man glaubt, einen Meßplatz oder mit
-Menschen überfüllten Markt vor sich zu haben: Kleider flattern im Winde
-oder liegen auf dem Erdboden ausgebreitet; überall stößt das Auge
-auf Kisten, Bündel, Körbe; auf Männer, Weiber und Kinder, die theils
-schlafen, theils sich in der Sonne weiden; einige sind mit Ordnung
-ihrer Güter beschäftigt, die Weiber waschen und kochen unter freiem
-Himmel, neben den Holz-Feuern, die auf dem Strande lodern; während
-hier und da Gruppen von Kindern in fröhlicher Ausgelassenheit einander
-haschen und jagen, ihre neuerlangte Freiheit genießend. Mit diesen
-vermischt zeigen sich die stattlichen Gestalten und bunten Uniformen
-der Schildwachen, während der dünne blaugraue Rauch der brennenden
-Holzstöße sich langsam über die Bäume wegwälzt und die malerische
-Wirkung der Scene erhöht. Als mein Gatte die Aufmerksamkeit eines
-Offiziers vom Castell, der an Bord des Schiffs gekommen war, auf die
-malerische Erscheinung vor uns lenkte, erwiederte dieser mit einem
-traurigen Lächeln: »Glauben Sie mir, daß in gegenwärtigem Falle, so
-wie in vielen andern, nur die Ferne dem Anblick einen Zauber verleiht;
-könnten Sie einige von jenen so heiter erscheinenden Gruppen, die Sie
-bewundern, näher betrachten, so würden Sie, denk' ich, ihr Auge mit
-siechem Herzen davon abkehren; Sie würden hier die Krankheit in allen
-ihren Formen, Sie würden Laster, Armuth, Schmuz und Hungersnoth -- das
-menschliche Elend in seinen grellsten Farben und in der abscheulichsten
-Gestalt erblicken, Scenen, wie sie nur der Pinsel eines _Hogarth_ zu
-malen, oder die Feder eines _Crabbe_ zu schildern vermöchte.«
-
-_Den vierzehnten August._ -- Wir haben die Anker wieder gelichtet
-und schwimmen mit der Fluth stromaufwärts. Gros-Eiland liegt gerade
-fünfundzwanzig englische Meilen unterhalb Quebek, ein günstiger Wind
-würde uns binnen wenigen Stunden dahin führen; vor der Hand kommen wir
-nur kleine Strecken vorwärts und legen, wenn uns die Fluth verlassen,
-bald an dem einen, bald an dem andern Ufer an. Indeß macht mir diese
-Art zu steuern Vergnügen, indem sie mir Gelegenheit verschafft, beide
-Seiten des Flusses, der sich, je mehr wir uns Quebek nähern, immer mehr
-und mehr verschmälert, genauer kennen zu lernen. Morgen werden wir,
-wofern kein Hinderniß eintritt, im Angesicht eines Ortes ankern, der
-sowohl wegen der geschichtlichen Erinnerung, welche er weckt, als auch
-wegen seiner natürlichen schönen Lage alle Aufmerksamkeit verdient. Bis
-Morgen also Adieu.
-
-Ich rechnete sehr darauf, die Wasserfälle von Montmorenci zu sehen, die
-sich im Angesicht des Flusses befinden; allein die Sonne ging unter,
-und die Sterne stiegen glänzend am Himmel empor, ehe wir das Geräusch
-des Katarakts vernahmen; und ob ich gleich meine Augen anstrengte,
-bis ich es müde wurde, die von den Schatten der Nacht verschleierte
-Scenerei anzustarren, so konnte ich doch nichts als die dunkeln, den
-Canal bildenden Felsen-Massen erkennen, zwischen welchen hindurch die
-Wassermassen des Montmorenci in den St. Laurence-Fluß strömen.
-
-Am zehnten August, Nachts Um zehn Uhr schimmerten uns die Lichter der
-Stadt Quebek aus der Ferne, wies ein Sternen-Kranz über dem Wasser,
-entgegen. Um halb elf Uhr ließen wir der Citadelle gegenüber die Anker
-fallen, und ich versank in Schlaf, von den mannigfaltigen Scenen
-träumend, an denen ich vorbeigekommen war.
-
-Abermals sollte ich in meiner Erwartung, das Ufer zu betreten,
-getäuscht werden. Der besuchende Arzt rieth meinem Gatten und mir, ja
-nicht ans Land zu gehen, indem die immer noch in der Stadt herrschende
-Sterblichkeit dies sehr gefährlich mache. Er gab uns eine traurige
-Schilderung von dem Platze. »_Oede und Wehe und große Trauer_, --
-_Rahel_ beweint ihre Kinder, denn sie sind nicht mehr!« sind Worte, die
-man passend auf diesen von der Seuche heimgesuchten Ort anwenden kann.
-
-Nichts ist wohl imposanter als die Lage von Quebek, welche die Seiten
-und den Gipfel eines großartigen Felsen einnimmt, auf dessen höchstem
-Punkte (Cap Diamant) das Castell steht, welches den Fluß beherrscht
-und eine treffliche Aussicht auf die umgebende Gegend gewährt. Die
-Einbuße dieses edeln Anblicks war mir in der That sehr unlieb, und
-gewiß dürfte mir nie seines Gleichen vorkommen; er würde noch lange in
-meiner Erinnerung fortgelebt und, nachdem ich bereits Jahre lang in
-der Einsamkeit der canadischen Wälder begraben gewesen, meinen Augen
-vorgeschwebt haben.
-
-Die Anhöhen gegenüber, die sogenannte Point Levi-Seite, sind höchst
-malerisch, jedoch weniger gebietend als der Felsen, vorauf die Stadt
-steht. Das Ufer ist steinig, abschüssig und mit Bäumen bekleidet,
-die sich bis an den Rand des Wassers erstrecken, ausgenommen da,
-wo sie gefällt worden sind, um weißübertünchten Hütten, Gärten und
-Obstpflanzungen Platz zu machen. Allein meiner Ansicht nach würde diese
-höchst romantische Lage eine noch weit schönere Wirkung hervorbringen,
-wenn man auf die Gebäude und Anlage des Bodens mehr Geschmack verwendet
-hätte. Wie reizend und anziehend würde ein solcher Platz in England
-oder Schottland geworden sein. Die Natur hat hier alles gethan, der
-Mensch aber nur wenig, und die hier und da von ihm errichteten plumpen
-hölzernen Häuser, welche eben so elend als geschmacklos sind, geben ihm
-eben keine Ansprüche auf Lob. Es ist indes möglich, daß weiter aufwärts
-hübsche Dörfer und Häuser vorkommen, die jedoch durch die dazwischen
-liegenden Wäldchen dem Auge entzogen werden.
-
-Von Point Levi bis zu den Landungsstufen unterhalb des Zollhauses in
-Quebek soll der Fluß gerade eine englische Meile breit sein; es war
-sehr unterhaltend für mich, die Fährböte zwischen den beiden Ufern
-spielen zu sehen. Wie mir der Capitain sagte, sind hier nicht weniger
-als zwölf dergleichen seltsam aussehende Maschinen im Gange. Sie
-haben jedes seine bestimmten Stunden, so daß man sie in fortwährender
-Aufeinanderfolge kommen und gehen sieht. Die Zusammengruppirung von
-allerlei Passagiren macht ihren Anblick ebenfalls eigenthümlich;
-schlecht- und gutgekleidete, alte und junge, arme und reiche Leute;
-Rinder, Schafe, Pferde, Schweine und Hunde, Geflügel, Marktkörbe,
-Gemüse, Früchte, Heu, Korn, kurz Alles, was man sich nur denken kann,
-gleiten darauf über den Fluß.
-
- [Illustration: _Katarakt zu Montmorenci._ St. 25.]
-
-Die Fährböte sind flach, rings herum mit Gitterwerk als Brustwehr
-versehen, und haben an jedem Ende ein Weiden-Flechtwerk zur Aufnahme
-der lebendigen und leblosen Ladung; die Mitte des Bootes, wenn man
-es so nennen kann, nehmen vier magre, abgetriebne Pferde ein, die im
-Kreise gehen, wie bei einer Dreschmaschine, und die Ruderschaufeln zu
-beiden Seiten in Bewegung setzen. Für das Vieh ist eine Art Hürde da.
-
-Wie ich höre, ist man gegenwärtig mit Errichtung eines Denkmals zu
-Ehren des General _Wolf_ im Gouverneurs-Garten, welcher an den St.
-Laurence stößt und von Point Levi aus gesehen werden kann, beschäftigt.
-Ueber die Inschrift ist man noch nicht einig[5].
-
-Der Capitain ist so eben von der Stadt zurückgekehrt. Recht gütig
-hat er für mich einen Korb mit reifen Aepfeln, frischem Fleisch,
-Gemüse, Brod und Butter an Bord gebracht. Auf dem Deck wimmelt es von
-Zollbeamten und Leuten, die einen Theil der Schiffs-Fracht, welche
-hauptsächlich in Rum, Branntwein, Zucker und Kohlen als Ballast
-besteht, ausladen. Gegen fünf Uhr Abends sind wir gesonnen, Quebek
-zu verlassen. Das _brittische Amerika_, ein prächtiges Dampfschiff
-mit dreifachem Deck, wird uns bis Montreal bugsiren (ins Schlepptau
-nehmen). Für jetzt muß ich Ihnen Lebewohl sagen.
-
-Fußnoten:
-
-[2] ^Delphinus Phocaena.^
-
-[3] Siehe des Seemann's Sindbad Reisen in den arabischen Mährchen
-(Tausend und eine Nacht).
-
-[4] Es ist zu hoffen, daß die Regierung diesen mangelhaften und
-nachtheiligen Gesetzen abhelfen werde, da sie in der That zu
-wiederholten Malen gerade die Uebel, welche der Gesundheits-Ausschuß
-von der Colonie abzuhalten wünscht, für die armen Auswandrer
-herbeigeführt haben.
-
-Manches schätzbare Leben ist durch die zu nahe Zusammengesellung der
-Gesunden mit den Angesteckten muthwillig geopfert worden, nicht zu
-gedenken der vielen andern Leiden, Ausgaben und Unbequemlichkeiten, die
-man dem heimathslosen Wandrer wohl ersparen könnte.
-
-Müssen nun einmal Quarantaine-Gesetze bestehen, -- und ich halte sie
-für ein nothwendiges Uebel, -- so sollte man wenigstens alles thun, um
-sie für die Emigranten so wenig drückend und nachtheilig, als möglich
-zu machen.
-
-[5] Seit jener Zeit, zu welcher die Verfasserin Quebek besuchte,
-ist _Wolf's_ Denkmal vollendet worden. Lord _Dalhousie_ hat in der
-Weihschrift der Säule mit eben so viel Geschmack als Gefühl, die Namen
-der beiden mit einander wetteifernden Helden, _Wolf_ und _Montcalm_,
-vereinigt, eine Freisinnigkeit, welche den canadischen Franzosen nur
-angenehm sein kann, während sie dem brittischen Krieger nichts von
-seinem Ruhme entzieht.
-
-Der Entwurf zu dem Monument ist das Werk Major _Young's_ vom 97.
-Regiment. Die Höhe des Untersatzes, vom Fußboden aus, beträgt vierzehn
-Fuß; auf dem Untersatz ruht ein sieben Fuß, drei Zoll hoher Sarcophag,
-und von diesem erhebt sich eine zweiundvierzig Fuß, acht Zoll hohe
-Spitzsäule; die Breite der letztern, an der Grundfläche, beträgt sechs
-Fuß, die Dicke vier Fuß, acht Zoll. J. C. _Fisher_, ^L. L. D.^ erhielt
-für nachstehende Inschrift auf den Sarg eine Preis-Medaille: --
-
- ^Mortem virtus communem
- Famam Historia
- Monumentum Posteritas
- Dedit.^
-
-Auf dem Untersatz über der Schwelle ist eine Inschrift von ^Dr.^
-_Mill's_ Feder, welche Lord _Dalhousie_, den Statthalter von
-Unter-Canada, als Kostenbestreiter nennt, und die Todestage von _Wolf_
-und _Montcalm_, den 13. und 14. Septbr. 1759 angiebt. _Wolf_ fiel auf
-dem Schlachtfelde; und _Montcalm_, durch die einzige Kanone im Besitz
-der Engländer verwundet, starb am folgenden Tage nach der Schlacht.
-
-
-
-
-Dritter Brief.
-
- Abfahrt von Quebek. -- Wir werden von einem Dampfschiffe bugsirt. --
- Fruchtbarkeit des Landes. -- Verschiedne Gegenstände, die sich uns
- beim Hinaufsteuern des Flusses darbieten. -- Ankunft vor Montreal. --
- Die Stromschnellen (Rapids).
-
-
- Brig _Laurel_, St. Laurence, unterhalb Montreal,
- August 17, 1832.
-
-Es war nach Sonnenuntergang und ein schöner Abend, als wir Quebek
-verließen, was in Gesellschaft eines schönen Dampfschiffs geschah,
-dessen Deck und Gallerie von Passagiren aller Art wimmelten; in der
-That ein herrliches Fahrzeug, auf welchem das Auge mit Vergnügen
-weilte; es durchpflügte stattlich das Wasser, welches unter seinen
-Ruderschaufeln schäumte und rauschte; während unsre Brig mit ihren
-weißen Segeln, gleich einem Schmetterling, seiner Spur folgte. Am
-Himmel glühte das schönste Rosenroth und Orangengelb, welche sich
-unten im Fluße abspiegelten; dann kamen die Sterne zum Vorschein und
-leuchteten in dem reinen blauen Aether, glänzender, als ich sie je in
-der Heimath gesehen, was sich, meines Bedünkens, wohl der größeren
-Reinheit der Atmosphäre zuschreiben lassen dürfte. Mein Gatte sagte,
-daß dieser Abend einem italienischen Sonnen-Untergang gleiche.
-
-Unsre Fahrt war höchst angenehm; das Wetter war mäßig warm, und die
-Luft völlig rein und heiter. Wir haben während der letzten wenigen Tage
-eine kalte, feuchte Atmosphäre, wie wir sie oft während des Frühlings
-in England erfahren, mit einem wonnevollen, durch leichte, vom Flusse
-her wehende Lüftchen gekühlten Sommer vertauscht.
-
-Je weiter wir landeinwärts kommen, desto fruchtbarer erscheint
-die Gegend. Die Saaten reifen unter einem milderen Klima, als das
-unterhalb Quebek ist. Wir sehen Felder mit indianischem Korn in voller
-Blüthe; eine stattliche Getraideart, mit schöner federartiger, reich
-purpurfarbiger Aehre, unter welcher sich Büschel von blaßgrünen,
-seidenähnlichen Blättern im Winde hin- und herbewegen. Nachdem diese
-Pflanze ihre völlige Reife erlangt hat, soll es ein schöner Anblick
-sein, die goldnen Körner aus ihrer Silber-Scheide hervorbersten zu
-sehen; zugleich ist dieselbe dem Froste sehr ausgesetzt und hat manche
-Feinde: als Bäre, Racuns (Waschbäre), Eichhörnchen, Mäuse, Vögel u. s.
-w.
-
-Wir sehen längs den Ufern des Flusses mehre Tabacks-Felder, welche
-einen gesunden und gedeihlichen Anblick zeigen. Wie ich glaube, wird
-in beiden Provinzen Taback in ziemlicher Ausdehnung erbaut; allein der
-canadische Taback wird nicht so hoch geschätzt, als der virginische.
-
-An der Vereinigungsstelle des Richelieu Flusses mit dem St. Laurence
-liegt eine blühende Stadt, vormals Sorel, jetzt aber Fort William Henry
-genannt. Ihre Lage ist vortrefflich. Sie hat mehre Kirchen, ein Castell
-mit Mühlen und andern öffentlichen Gebäuden, und darunter einige schöne
-massive Häuser. Der Boden in der unmittelbaren Nähe der Stadt indeß
-scheint leicht und sandig zu sein.
-
-Ich hatte sehr gewünscht ein Log-Haus oder eine Shanty (Hütte) in der
-Nähe zu sehen, und fand mich hinsichtlich der wenigen, längs den Ufern
-des Flusses errichteten Gebäude dieser Art etwas in meinen Erwartungen
-getäuscht; es war nicht sowohl die Rohheit des Materials als vielmehr
-die scheunenartige Form derselben, und die geringe Rücksichtsnahme
-auf malerische Wirkung in ihrer Anlage, welche mir mißfielen. In
-England besitzt selbst der Bauer so viel Geschmack, einige Rosen- oder
-Geisblatt-Sträucher vor Thür und Fenster zu pflanzen, wozu noch ein
-kleines eingefriedigtes schmuckes Gärtchen kommt; aber hier gewahrt
-man keinen solchen Versuch zur Verschönerung der Hütten. Wir sehen
-keinen lachenden Obstgarten oder Strauch, der die nackten Holz-Wände
-verdeckte; und was die kleinen Meiereien anlangt, so sind sie noch
-häßlicher und ohne allen Geschmack dicht an den Wasserrand gebaut.
-
-Weiter nach hinten erscheint ein verschiedner Bau- und Cultur-Styl: die
-Meiereien und hölzernen Häuser sind recht hübsche, von gutem Geschmack
-zeigende Gebäude, mit hier und da ausgestreuten Baumgruppen zur
-Unterbrechung der Einförmigkeit.
-
-Das Land ist eine fast ununterbrochne platte Ebne, und augenfällig
-fruchtbar und gut angebaut, aber zu flach, um eine malerische Wirkung
-hervorzubringen. Die Gegend zwischen Quebek und Montreal hat ganz
-das Ansehen eines seit langer Zeit unter Cultur befindlichen Bodens,
-vorzüglich auf dem rechten Flußufer. Indeß ist noch ein großer Theil
-Wald übrig, dessen Lichtung noch vieljährige Arbeit erheischen wird.
-
-Wir kamen an einigen grasreichen Eilanden vorbei, worauf manche
-Viehheerde weidete. Ich zerbrach mir den Kopf, wie sie dahin kämen; der
-Capitain erklärte mir aber, daß es Brauch der Meierei-Besitzer sei,
-ihr Vieh auf diese futterreichen Inseln in Nachen mit flachen Böden zu
-transportiren oder, wo es nicht zu tief sei, hinüber schwimmen, und es
-so lange, als das Futter gut befunden werde, dort zu lassen. Werden
-Kühe auf ein Eiland, innerhalb einer angemeßnen Entfernung von der
-Meierei, versetzt, so geht täglich jemand in einem Kahne dahin ab, um
-sie zu melken. Als er mir dies erzählte, ruderten eben ein Knabe und
-ein stämmiges Mädchen, mit zinnernen Gelten, in einem kleinen Nachen
-vom Ufer her quer durch den Fluß, um ihre Heerden zusammen zu rufen.
-
-Auf unsrer Weiterfahrt bemerkten wir zur Rechten einige höchst
-anmuthige Dörfer, aber unser Lootse war etwas einfältig und konnte oder
-wollte uns ihre Namen nicht nennen. Es war Sonntags früh; wir konnten
-eben das Läuten der Kirchthurm-Glocken vernehmen, und es zeigten sich
-lange Reihen von Caleschen, leichten Wagen, Reitern und Fußgängern,
-welche durch die zum Kirchhof führende Allee vorübereilten; außer
-diesen glitten Boote über den Fluß, welche demselben Friedens-Hafen
-zusteuerten.
-
-In einem Theil des St. Laurence, wo Untiefen und Sandbänke die Fahrt
-durch das Flußbett schwierig machen, gewahrt man kleinen Wassermühlen
-ähnelnde Leuchtthürme, auf hölzernen Pfählen, die sich über die flachen
-Ufer erheben, auf welchen sie errichtet sind. Diese drolligen Thürme
-oder Hüttchen waren bewohnt, und von einem derselben herab sahen wir
-eine lustige Gesellschaft, in ihrem Feststaate, mit einer andern in
-einem unten haltenden Kahne zur Kurzweil plaudern. Ihrem Aeußern nach
-waren sie wohl, und in der That recht vergnügt, indeß beneidete ich
-ihnen ihre Lage nicht, die, meines Bedünkens, der Gesundheit nicht
-anders als nachtheilig sein kann.
-
-Einige (englische) Meilen unter Montreal gewann die Gegend ein
-reicheres und volkreicheres Ansehn; und die in weiter Ferne am Saume
-des Horizonts sich hindehnende blaue Bergkette fügte der Landschaft
-keinen kleinen Reiz hinzu. Die reiche Gluth der reifen Saaten bildete
-einen schönen Contrast mit dem azurnen Himmel und der bläulichen
-Wasserfläche des St. Laurence. Die Fluß-Scenerei unweit Montreal
-ist von der unterhalb Quebek sehr verschieden; letztere hat einen
-wilden rauhen Anblick, und ihre Erzeugnisse sind offenbar die eines
-kältern, weniger von der Natur begünstigten Klimas. Was der letztern
-an Großartigkeit und malerischer Wirkung abgeht, ersetzt sie reichlich
-durch Fruchtbarkeit des Bodens und wärmere Temperatur. In dem untern
-Theil der Provinz merkt man nur zu sehr, daß die Betriebsamkeit der
-Bewohner einem widerspänstigen Boden das nöthige Brod abzwingt; während
-in dem oberen das Land willig scheint, eine mäßige Anstrengung mit
-Erfolg zu belohnen. Man vergesse nicht, daß dies blos die flüchtigen
-Bemerkungen einer schnell vorüberwandernden Reisenden sind und sich
-keineswegs auf persönliche Erfahrung gründen.
-
-Ein Gefühl von Angst und Furcht, das wir einander nicht gern gestehen
-mochten, um nicht als schwach zu erscheinen, lastete auf unsern
-Gemüthern, als wir uns der angesteckten Stadt näherten; aber Niemand
-sprach nur ein Wort davon. Mit welchem ungemischten Entzücken, mit
-welcher Bewunderung würden wir zu jeder andern Zeit die sich vor unsern
-Augen erschließende Scene betrachtet haben.
-
-Der Fluß breitet sich hier in ein weites Becken aus, welches mit Inseln
-gefüllt ist, auf deren größter Montreal liegt.
-
-Der hohe Berg, wovon die Stadt ihren Namen hat, erhebt sich gleich
-einer Krone über dieselbe und bildet einen eigenthümlichen und
-großartigen Zug in der schönen Landschaft, der mich an einige einzeln
-stehende Felsen in der Nachbarschaft von Inverneß erinnerte.
-
-Quebek gegenüber, gerade vor den Flußschnellen (^Rapids^) ist die
-Insel St. _Helens_ gelegen, ein Ort von unbeschreiblicher Anmuth. Die
-Mitte derselben nimmt ein Wäldchen von hohen Bäumen ein, während die
-sanft nach dem Wasser zu geneigten Ufer mit dem grünsten Rasen bedeckt
-sind. Dieses schöne Schauspiel wurde noch durch die Erscheinung der auf
-der Insel in Garnison liegenden Truppen erhöht.
-
-Die Flußufer, dicht mit trefflich angebauten Meiereien besetzt; das
-Dorf la Prairie, mit der kleinen Insel St. _Ann's_ in der Ferne;
-die blitzenden Thürme und Dächer der Stadt mit ihren Gärten und
-Landhäusern, -- gewähren in dem sanften Glanze eines canadischen
-Sonnenuntergangs einen über die Maaßen lieblichen Anblick.
-
-Die zum Abendgebet läutenden Kirchen-Glocken, das murmelnde Getös
-menschlicher Stimmen, vom Ufer her, mischten sich harmonisch mit dem
-Rauschen der Flußschnellen. Diese Flußschnellen (^Rapids^) werden
-durch eine Senkung des Flußbetts gebildet. An einigen Stellen ist
-die Neigung allmälig, an andern aber plötzlich und abgebrochen. Wo
-der Wasserstrom durch Kalkstein- oder Granit-Massen gehindert ist,
-wie bei den Cascaden, den Cedern und dem Long-Sault, erzeugt er
-Strudel und Katarakte. Aber die Flußschnellen unterhalb Montreal sind
-nicht von diesem großartigen Charakter, man erkennt sie blos an der
-ungewöhnlichen Geschwindigkeit des fließenden Wassers, und an der
-Trübung der Oberfläche durch Schaum, Wellenschlagen und Wirbel. Um mich
-kurz zu fassen, ich fand meine Erwartung, etwas besonders Erhabenes zu
-sehen, getäuscht, und war gewissermaßen halb ärgerlich über diese sich
-so kleinlich und unbedeutend zeigenden Flußschnellen, durch die uns
-unser treuer Gefährte, das mit dem Namen _Brittsch-Amerika_ bezeichnete
-Schiff, glücklich und wohlbehalten bugsirte.
-
-Da der Capitain ungewiß ist, wie lange er sich in Montreal wird
-aufhalten müssen, so sende ich diesen Brief ohne weiteren Aufschub ab,
-und denke sobald als möglich wieder zu schreiben.
-
-
-
-
-Vierter Brief.
-
- Landung zu Montreal. -- Erscheinung der Stadt. -- Verheerungen der
- Cholera. -- Wohlthätigkeits-Anstalten zu Montreal. -- Katholische
- Cathedrale. -- Unter- und Ober-Stadt, Gesellschaft und Unterhaltung
- im Hotel. -- Die Verfasserin wird von der Cholera befallen. --
- Abreise von Montreal im Postwagen. -- Einschiffung zu Lachine an Bord
- eines Dampf-Schiffes. -- Abwechselndes Reisen in Dampfschiffen und
- Postwagen. -- Erscheinung des Landes. -- Manufacturen. -- Oefen, in
- einiger Entfernung von den Hütten. -- Zieh-Brunnen. -- Ankunft zu
- Cornwall. -- Bedienung im Gasthause. -- Abreise von Cornwall, und
- Ankunft zu Prescott. -- Ankunft zu Brockwille. -- Dasiger
- Stapelplatz. -- Reise durch den See Ontario. -- Ankunft zu Cobourg. --
-
-
- Nelson Hotel, Montreal. August 21.
-
-Wieder einmal auf festem Grund und Boden, Theuerste Mutter! welches
-eigenthümliche Gefühl ist es doch, das feste Land wieder zu betreten,
-erlößt von der schwankenden Bewegung des Schiffes auf dem wogenden
-Wasser, dem ich jetzt wirklich mit Freuden Lebewohl sagte.
-
-Mit Tagesanbruch war Jedermann an Bord aus dem Bette und traf
-geschäftig alle Vorbereitungen, ans Land zu gehen. Der Capitain selbst
-gab uns verbindlichst das Geleite und ging mit uns bis zum Gasthof, wo
-wir jetzt logiren.
-
-Es machte uns einige Schwierigkeit, ans Ufer zu gelangen, wegen
-der schlechten Beschaffenheit des Landungsplatzes. Der Fluß war
-mit treibenden Baumstämmen gefüllt, zwischen welchen das Boot
-hindurchzusteuern, einige Geschicklichkeit erforderte. Es wird jetzt
-ein Kai gebaut[6], dessen Nothwendigkeit sich nur zu fühlbar gemacht
-hat.
-
-Zunächst fielen uns die schmuzigen, engen, schlecht oder gar nicht
-gepflasterten Straßen der Vorstädte auf, und zugleich betäubte uns
-der niedrige, aus einem tiefen, offnen, längs der Straße hinter dem
-Kai verlaufenden Graben aufsteigende Dunst. Dieser Graben schien zur
-Aufnahme jedes Unflathes bestimmt und an sich allein hinreichend, die
-ganze Stadt mit bösartigen Fiebern zu inficiren[7].
-
-Bei meiner ersten Bekanntschaft mit dem Innern von Montreal, einem
-Orte, wovon Reisende so viel gesagt haben, fand ich mich sehr
-getäuscht. Ich verglich es in Gedanken mit den Früchten des todten
-Meeres, die schön und lockend anzuschauen sind, aber blos Asche und
-Bitterkeit geben, wenn sie der durstige Reisende kostet[8].
-
-Ich bemerkte einen besondern Zug an den Gebäuden der sich im Angesicht
-des Flusses hinziehenden Vorstadt, -- nämlich daß sie meistentheils von
-dem untersten bis zum obersten Stockwerk mit breiten hölzernen Balcons
-versehen waren. In einigen Fällen umgeben diese Balcons die Häuser auf
-drei Seiten und scheinen eine Art Außengemächer zu bilden; zu einigen
-derselben führten breite Treppen von außen hinauf.
-
-Ich erinnerte mich, als Kind von dergleichen Häusern geträumt und sie
-sehr einladend gefunden zu haben, auch könnten sie dies wirklich sein,
-wenn sie von rankendem Strauchwerk beschattet und mit Blumen geschmückt
-wären, um gleichsam schwebende Gärtchen oder süßduftende Laubengänge
-abzugeben. Aber nichts der Art erfreute unsre Augen, als wir mühsam
-durch die langen Straßen wanderten. Alle Gasthäuser und Herbergen waren
-bis unters Dach hinauf mit Auswandrern jedes Alters, aus England,
-Schottland und Irland, überfüllt. Die Laute wilder Ausgelassenheit,
-welche aus ihnen hervorbrachen, schienen sich schlecht mit den bleichen
-eingefallnen Gesichtern mancher dieser gedankenlosen Lärmer zu
-vertragen.
-
-Der Contrast war für den, der diese Entfaltung äußerer Lustigkeit bei
-innerem Elend zu würdigen verstand, nur zu fühlbar und schmerzlich.
-
-Die Cholera hatte grauenvolle Niederlagen angerichtet, und ihre
-heillosen Wirkungen waren an den verschloßnen und verdunkelten
-Wohnungen und an den Trauerkleidern aller Klassen zu erkennen. Ein
-Ausdruck von Niedergeschlagenheit und Angst zeigte sich in den
-Gesichtern der wenigen Menschen, welchen wir auf unserm Wege nach dem
-Gasthause begegneten, und verriethen uns deutlich den Zustand ihres
-Innern.
-
-In einigen Stadttheilen waren ganze Straßen fast entvölkert; die,
-welche konnten, flohen, von Schrecken ergriffen, auf die Dörfer,
-während andre zurück blieben, um im Schooße ihrer Familie zu sterben.
-
-Keiner Klasse hat sich die Krankheit so verderblich gezeigt, als den
-ärmern Emigranten. Viele von diesen, geschwächt durch die Entbehrungen
-und Strapazen einer langen Reise, überließen sich, als sie Quebek oder
-Montreal erreicht, jeder Ausschweifung, jedem Uebermaß -- vorzüglich
-der Völlerei, und gleichsam als hätten sie sich vorsätzlich den Weg zum
-gewissen Verderben gebahnt, fielen sie unmittelbare Opfer der Krankheit.
-
-In einem Hause starben elf Menschen, in einem andern siebzehn; ein
-kleines siebenjähriges Kind blieb allein übrig, das traurige Ereigniß
-zu verkünden. Diese arme verlassene Waise nahmen die Nonnen in ihre
-wohlthätige Anstalt auf und erwiesen ihr jede Aufmerksamkeit, welche
-Menschenliebe nur immer fordern kann.
-
-Die Zahl sowohl aus Katholiken als Protestanten bestehender
-Wohlthätigkeits-Vereine ist beträchtlich, und diese entfalten eine
-Duldsamkeit und Freisinnigkeit, welche beiden Confessionen zur Ehre
-gereicht, indem sie einzig und allein von dem Geiste christlicher Liebe
-beseelt erscheinen.
-
-Ich wüßte keinen Ort, selbst London nicht ausgenommen, wo die
-Ausübung wohlwollender Gesinnungen so sehr hervorgefordert würde, als
-in diesen beiden Städten, Quebek und Montreal. Hier vereinigen sich
-die Unglücklichen, die von den erforderlichen Mitteln Entblößten, die
-hülflose Waise, die Bejahrten, der arme aber tugendhafte Mann, den die
-strenge Hand der Nothwendigkeit aus seiner Heimath von seinem Herde
-getrieben hat, um in einem fernen, fremden Lande von Krankheit oder
-Mangel dahin gerafft zu werden.
-
-Es ist ein trauriger Umstand, daß sehr viele der ärmsten Auswandrer,
-die unter dem Einfluß der Cholera ihr Leben verloren, keine Spur
-hinterlassen haben, wodurch ihre bekümmerten Freunde im alten
-Vaterlande über ihr Schicksal in Kenntniß gesetzt werden könnten. Die
-Krankheit ist so plötzlich, so heftig, daß sie dem Befallnen keine Zeit
-zu Ordnung weltlicher Angelegenheiten übrig läßt. Die Aufforderung
-kommt, nicht wie an _Hesekiah_: »Bringe dein Haus in Ordnung, denn du
-sollst sterben, und nicht leben!«
-
-Das Wetter ist drückend heiß, von häufigen Gewitter-Schauern begleitet,
-die aber keineswegs die Wirkung haben, welche man davon erwartet, denn
-sie kühlen die erhitzte Atmosphäre keineswegs ab. Ich fühle einen Grad
-von Abspannung und Mattigkeit, der mich sehr verstimmt und schlimmer
-ist als wirklicher Schmerz.
-
-Anstatt diesen Ort mit der ersten Gelegenheit nach der oberen Provinz
-verlassen zu können, wie wir uns fest vorgenommen, sehen wir uns
-genöthigt, zwei Tage länger zu bleiben, woran die Weitläufigkeit und
-Umständlichkeit der Zollbeamten in Untersuchung unsers Gepäckes schuld
-ist.
-
-Die Hitze war fortwährend so drückend, daß sie mir nur wenige Ausflüge
-aus dem Hause verstattete. Ich habe, ausgenommen die Straßen in der
-Nähe des Gasthofs und die katholische Kirche, wenig von der Stadt und
-ihren öffentlichen Gebäuden gesehn. Die Kathedrale erhielt meinen
-Beifall; sie ist in der That ein schönes Gotteshaus, jedoch immer noch
-unvollendet; so sind die Thürme nicht zu der ursprünglich bestimmten
-Höhe geführt. Das östliche Fenster, hinter dem Altar, ist siebzig Fuß
-hoch und dreiunddreißig Fuß breit. Die Wirkung dieses großartigen
-Fensters, dem Eingange gegenüber, der Altar mit seinen Zierrathen und
-Gemälden, die verschiednen kleinern Altäre und Kapellen, sämmtlich
-mit Gegenständen aus der heiligen Schrift verziert, die leichten
-Gallerien, welche den mittlern Theil der Kirche umgeben, die doppelte
-Säulen-Reihe, worauf das gewölbte Dach ruht, und die Bogenfenster,
-Alles vereinigt sich zur Bildung eines schönen Ganzen. Am meisten
-erfreute mich die äußerste Leichtigkeit des Baustyls, dagegen erschien
-mir der Anstrich der Säulen in Nachahmung von Marmor zu grob und zu
-grell; ich vermißte die ernste ehrwürdige Weihe, welche das Alter
-unsern Kirchen und Cathedralen verliehen hat. Die in grauen Stein
-gehauenen, grimmig blickenden Köpfe und geflügelten Engel, deren
-befremdendes Ansehn selbst von einer Zeit erzählt, wo unsre Vorväter
-innerhalb der geweiheten Mauern ihren Schöpfer verehrten, erhöhen den
-feierlichen Eindruck und die Ehrwürdigkeit unsrer Gotteshäuser. Allein,
-wenn sich auch die neue Kirche zu Montreal nicht mit unsrer Yorker-,
-Münster- oder Westmünster-Abtei oder andern unsrer heiligen Gebäude
-vergleichen darf, so verdient sie doch jedenfalls die Beachtung des
-Reisenden, der in Canada auf nichts Aehnliches stößt.
-
-Außerdem enthält Montreal verschiedne Collegien und Nonnen-Klöster,
-ein Hospital für Kranke, verschiedne katholische und protestantische
-Kirchen, Versammlungshäuser, ein Wachhaus und mehre andre öffentliche
-Gebäude.
-
-Der an den Fluß grenzende Stadttheil ist ausschließlich für den
-Handel bestimmt. Seine engen, schmuzigen Straßen und dunkeln Häuser,
-mit schweren eisernen Fensterladen, machen einen unangenehmen Eindruck
-auf den brittischen Reisenden; der andre Theil der Stadt jedoch zeigt
-ein verschiedenes und besseres Ansehn, die Häuser sind hier mit Gärten
-und angenehmen Spaziergängen untermengt, die sich aus den Fenstern
-des Ballsaals im Nelson Hotel dem Auge recht hübsch darstellen. Der
-eben erwähnte Ballsaal, welcher von der Decke bis zum Fußboden grob
-mit canadischer Scenerei und Waldlandschaften bemalt ist, gewährt eine
-prächtige Aussicht auf die Stadt, den Fluß und die ganze Umgegend,
-welche die fernen Berge von Chamblay, die Ufer des St. Laurence gegen
-la Prairie hin, und die Stromschnellen ober- und unterhalb der Insel
-St. Anne's in sich schließt. Der Königliche Berg (Mont Real) mit seinen
-bewaldeten Seiten, seiner reichen Scenerei und seiner Stadt mit ihren
-Straßen und öffentlichen Gebäuden entfalten sich den Blicken, und das
-Auge, welches solchen Gegenständen begegnet, kann der Scenerei von
-Montreal seinen Beifall nicht versagen.
-
-Unser Wirth, ein Italiener von Geburt und Besitzer des Hotels, erweist
-uns die größte Aufmerksamkeit. Die Bedienung ist äußerst anständig
-und zuvorkommend, und die Gesellschaft, mit welcher wir im Gasthofe
-zusammen treffen, hauptsächlich Auswandrer, wie wir, nebst einigen
-lebhaften Franzosen, Männern und Weibern, sehr achtbar. Der Tisch ist
-gut besetzt, und der Preis für Kost und Logis täglich ein Dollar[9].
-
-Die mannigfaltigen Charaktere, aus welchen unsre Tischgesellschaft
-besteht, gewähren mir viel Unterhaltung. Einige unter den Auswandrern
-scheinen äußerst sanguinische Hoffnungen zu nähren, sie sind, ihren
-Aeußerungen nach, eines glücklichen Erfolgs gewiß und glauben auf keine
-Schwierigkeiten in Ausführung ihrer Pläne zu stoßen. Einen Contrast mit
-diesen bildet einer meiner Landsleute, der so eben aus dem westlichen
-Distrikt auf seiner Rückreise nach England hier eingetroffen ist; er
-beschwört uns, ja nicht weiter aufwärts in diesem abscheulichen Lande
-zu reisen, wie er die obere Provinz mit sichtbaren Nachdruck zu nennen
-beliebt, versichernd, daß er um keinen Preis in der Welt darin leben
-möchte.
-
-Die Lesung von _Cattermole's_ Flugschrift _über Auswanderung_ hatte
-ihn bestimmt, ein hübsches Pachtgut zu verlassen und sich mit seiner
-ganzen Habe nach Canada einzuschiffen. Aufgemuntert durch den Rath
-eines Freundes in diesem Lande, kaufte er einen Strich wilden Bodens
-im westlichen Distrikt; »aber Sir,« sagte er, indem er seine Worte
-mit großer Aufregung an meinen Gatten richtete, »ich fand mich aufs
-schändlichste betrogen. Solcher Boden, eine solche Gegend -- nein um
-alles in der Welt hätte ich nicht da bleiben mögen. Wahrlich! nicht ein
-Tropfen gutes Wasser, keine eßbare Kartoffel ist daselbst zu erlangen.
-Ich lebte zwei ganze Monate in einem kleinen Schuppen, den sie Shanty
-nennen, und wäre fast bei lebendigem Leibe von Musquitos aufgezehrt
-worden. Es gab nichts zu essen als eingesalznes Schweinfleisch, mit
-einem Wort, das Elend und die Widerwärtigkeiten waren unerträglich;
-meine landwirthschaftlichen Kenntnisse und Erfahrungen, als englischer
-Pachter, halfen mir übrigens fast gar nichts, denn man weiß daselbst
-nichts von Meiereien und Pachtgütern. Es würde mir das Herz gebrochen
-haben, wenn ich zwischen den Baumstummeln hätte arbeiten sollen, ohne
-je etwas einem wohlgepflügten Felde Aehnliches zu sehen. Und dann,«
-fügte er in sanfterem Tone hinzu, »dachte ich an meine arme Frau und
-meine kleine Tochter. Ich selbst würde, um meine Verhältnisse zu
-verbessern, mich allenfalls ein Jahr oder noch länger in dieser Wildniß
-herumgeplackt haben, aber die Arme! -- nein! ich hätte das Herz nicht
-gehabt, sie den Bequemlichkeiten Englands zu entreißen und in eine
-Wohnung einzuführen, die nicht so gut ist, als einer unsrer Kuhställe
-oder Schuppen, und so will ich denn in meine Heimath zurückkehren; und
-wenn ich nicht meinen Nachbarn erzähle, was für ein abscheuliches Land
-dieses Canada ist, wohin auszuwandern Alle wie verrückt sind, und wofür
-sie ihre Pachte aufgeben, so soll man mir nie wieder ein Wort glauben.«
-
-Es fruchtete nichts, daß einige Anwesende ihm zeigten, wie ungereimt es
-sei, zurückzukehren, ehe er alles gehörig geprüft und versucht habe; er
-erwiederte ihnen blos, sie wären Thoren, wenn sie in einem Lande, wie
-dieses, blieben; und endete mit Verwünschung derjenigen, welche ihre
-Landsleute durch ihre falschen Berichte und Angaben täuschten und auf
-einigen Seiten sämmtliche Vortheile zusammen stellten, ohne einen Band
-mit den Nachtheilen zu füllen, was doch sehr leicht sein würde.
-
-»Die Menschen sind nur zu geneigt, sowohl sich als andre zu betrügen,«
-sagte mein Gatte, »und haben sie ihre Seele einmal auf einen Gegenstand
-gerichtet, so pflegen sie blos das zu lesen und zu glauben, was ihren
-Wünschen entspricht.«
-
-Der junge erbitterte Mann hatte sich offenbar in seinen Erwartungen
-getäuscht gesehen, als er nicht alles so schön und angenehm wie
-in der Heimath fand. Er hatte wahrscheinlich nie über die Sache
-nachgedacht, denn andernfalls würde er nicht so thörigt gewesen sein,
-vorauszusetzen, daß er bei seinem ersten Ansiedelungs-Versuch auf
-keine Schwierigkeiten stoßen werde. Wir haben uns auf nicht wenige
-Hindernisse und Entbehrungen gefaßt gemacht, und doch dürften uns noch
-manche unvorhergesehene begegnen, ob wir gleich durch die Briefe unsers
-canadischen Freundes so ziemlich von allem in Kenntniß gesetzt sind.
-
-Unsre Plätze in dem nach Lachine abgehenden Postwagen sind bereits
-gemiethet, und wenn alles gut geht, so verlassen wir Montreal Morgen
-früh. Unsre Koffer, Schachteln u. s. w. gehen vor uns nach Cobourg ab.
--- August =22=.
-
- _Cobourg_, den 29. August.
-
-Am Schluß meines letzten Briefes meldete ich Ihnen, Theuerste Mutter,
-daß wir Montreal am folgenden Tage früh verlassen würden; allein das
-Schicksal hatte anders über uns verfügt, und wir erfuhren die Wahrheit
-jener Worte: -- »Rühme dich nicht dessen, was du morgen thun willst,
-denn du weißt nicht, was die nächste Stunde mit sich bringen wird.« In
-der Frühe besagten Morgens, noch vor Sonnenaufgang, wurde ich von den
-Symptomen der verderblichen Krankheit heimgesucht, die so manche Häuser
-verödet hat. Ich zwar zu krank, um meine Reise antreten zu können,
-und hörte mit schwerem Herzen die knarrenden Räder vom Thorwege des
-Gasthofs über das Pflaster rumpeln.
-
-Ich wurde stündlich schlechter, bis mir die Schwester der Wirthin,
-ein treffliches junges Frauenzimmer, die mir schon zuvor große
-Aufmerksamkeit erzeigt, nach einem Arzt zu senden rieth; mein Gatte,
-der, als er mich so leiden sah, fast in Verzweiflung war, eilte
-sogleich fort, um den besten ärztlichen Beistand herbeizuholen. Nach
-einigem Verzug war ein Arzt ausfindig gemacht. Ich litt zu dieser
-Zeit furchtbare Qualen, fühlte mich aber nach einem Aderlaß und den
-nachfolgenden heftigen Krankheits-Anfällen etwas erleichtert. Ich
-will mich in keine umständliche Schilderung meiner Leiden einlassen,
-genüge es, zu sagen, daß sie fast unerträglich waren; aber Gott in
-seiner Gnade, obwohl er mich züchtigte und mit Schmerzen heimsuchte,
-wollte mich noch nicht sterben lassen. Von den weiblichen Gliedern des
-Hauses erfuhr ich die liebreichste Behandlung. Anstatt aus Furcht das
-Krankenzimmer zu fliehen, stritten sich die beiden irischen Mädchen
-fast mit einander, welche von beiden bei mir bleiben und meiner warten
-und pflegen sollte, während _Jane Taylor_, das zuvor erwähnte achtbare
-Frauenzimmer, mich von dem Augenblick an, wo meine Krankheit auf eine
-so beunruhigende Weise zunahm, bis zur eintretenden Besserung nicht
-eine Minute verließ und mit eigner Lebensgefahr, wenn der innere Kampf
-eintrat, in die Arme nahm, an ihre Brust drückte und abwechselnd bald
-mir zuredete, bald meinen armen trauernden Gatten zu trösten suchte.
-
-Die angewendeten Mittel waren Aderlaß, Opium, blaue Pillen und ein
-Neutralsalz -- aber nicht das gewöhnliche Epsomer. Die Cur zeigte sich
-wirksam, wiewohl ich viele Stunden hindurch an heftigem Kopfweh und
-andern Zufällen litt. Die Schwäche und das leichte Fieber, welche an
-die Stelle der Cholera traten, fesselten mich einige Tage an das Bett;
-während der beiden ersten besuchte mich mein Arzt täglich viermal;
-er war sehr theilnehmend, und als er erfahren, daß ich die Gattin
-eines brittischen auf seinem Wege nach der oberen Provinz begriffnen
-Offiziers sei, schien er sich für meine Wiedergenesung mehr als jemals
-zu interessiren, und zeigte eine Theilnahme für uns, die unsern
-Gefühlen äußerst wohlthätig war. Nach einem lästigen Krankenlager von
-mehren Tagen wurde ich endlich für so weit genesen erklärt, um meine
-Reise antreten zu können, indeß war ich noch sehr schwach und konnte
-mich kaum aufrecht erhalten.
-
-Die Sonne war noch nicht aufgegangen, als der Postwagen, der uns nach
-Lachine, die ersten neun (englischen) Meilen unsrer Reiseroute, führen
-sollte, vor der Thür des Gasthofs erschien, und wir von einem Orte, wo
-wir der angstvollen Stunden so viele, der fröhlichen so wenige erlebt,
-Abschied nahmen. Indeß war uns von unsern Umgebungen im Gasthofe,
-obgleich vollkommnen Fremden, viel Liebes und Gutes wiederfahren, wir
-hatten uns jener Gastfreundschaft erfreut, wegen welcher Montreal so
-oft gerühmt worden ist.
-
-Ich habe vergessen, Ihnen in meinem letzten Briefe zu sagen, daß wir
-Bekanntschaft mit einem höchst achtbaren Kaufmann an diesem Platze
-gemacht, der uns sehr nützliche Belehrung über viele Dinge ertheilt
-und bei seiner Gattin, einem äußerst gebildeten und vollendeten jungen
-Frauenzimmer eingeführt hat. Während unsrer kurzen Bekanntschaft
-brachten wir, sehr zu unsrer Zufriedenheit, einige angenehme Stunden in
-ihrem Hause zu.
-
-Ich genoß des frischen Luftstroms vom Flusse her, längs welchem sich
-die Fahrstraße hinzieht. Es war ein herrlicher Anblick, die unbewölkte
-Sonne hinter der fernen Bergkette emporsteigen zu sehen; unter uns
-lagen die wild brausenden Stromschnellen, dort die Insel _St. Anne's_,
-welche uns an _Moore's_ canadisches Bootsmanns-Liedchen »Laßt zu St.
-_Anne's_ uns singen den Abschiedsgesang« u. s. w. erinnerte.
-
-Das Ufer des St. Laurence, längs welchem unser Weg liegt, ist hier
-erhabner als bei Montreal, auf seiner Höhe mit Buschholz bekleidet
-und gelegentlich durch schmale Abzugs-Gräben zum Ableiten des Wassers
-unterbrochen. Der Boden war, so viel als ich davon sehen konnte, sandig
-oder leichtlehmig. Ich sah hier zuerst die wilde Weinrebe sich zwischen
-den jungen Bäumchen hinranken, deßgleichen Brombeerbüsche und einen
-Ueberfluß von jener hohen gelben Blume, die wir Goldruthe (^Solidago
-virga aurea^) nennen, ferner das weiße Gnaphalium (Ruhrkraut),
-dasselbe, woraus die französischen und schweizer Bauer-Mädchen
-Kränze zur Schmückung der Gräber ihrer Freunde flechten und die sie
-_Immortelle_ (Unsterblichkeitsblume) nennen[10]; endlich eine hohe,
-purpurblumige Baldrian-Art, die auf den Feldern unter dem Korn eben so
-häufig steht, als die Ochsenzunge auf unsern leichten Sandfeldern in
-England.
-
-Zu Lachine stiegen wir aus dem Postwagen und gingen an Bord eines
-Dampfboots, eines recht hübschen und mit jeder Bequemlichkeit versehnen
-Fahrzeugs. Die Fahrt den Fluß hinauf machte mir viel Freude, und
-überhaupt würde ich die Reise sehr angenehm gefunden haben, wäre ich
-nicht durch meine nur erst überstandne Krankheit so sehr geschwächt
-gewesen, daß mir die holperigen Straßen sehr viel zu schaffen machten.
-Das Fuhrwerk anlangend, ein canadischer Postwagen, so verdient es weit
-größeres Lob, als Reisende ihm gewöhnlich zu ertheilen beliebt haben,
-und es ist für die Wege, auf welchen es hin- und hergeht, so wohl
-geeignet, daß ich zweifle, ob es mit einem zweckmäßigeren vertauscht
-werden könne. Dieser Wagen faßt neun Personen: drei hinten, drei vorn,
-und drei in der Mitte; der Mittel-Sitz, welcher in breiten Lederriemen
-hängt, ist bei weitem der bequemste, und hat für die Inhaber nur den
-Nachtheil daß sie durch das Aus- und Einsteigen der Passagiere gestört
-werden.
-
-Gewiß ist das Reisen mit so weniger Störung für den Passagier als
-möglich verbunden, hat man sein Passagier-Geld zu Prescott entrichtet,
-so braucht man für weiter nichts zu sorgen. So wie der Reisende das
-Dampfboot verläßt, steht auch schon der Postwagen zur Aufnahme seiner
-Person und seines Gepäckes, das auf ein gewisses Verhältniß beschränkt
-ist, bereit; ist der Postwagen an Ort und Stelle angelangt, so ist
-wieder das Dampfboot da, wo man jede Bequemlichkeit findet.
-
-Außer ihrer eignen Ladung nehmen die Dampfschiffe stromaufwärts in
-der Regel verschiedne andre Fahrzeuge ins Schlepptau. Wir bugsirten zu
-einer Zeit drei Durham-Böte und überdies mehre kleine Nachen, die dem
-Auge jedenfalls Abwechselung und Unterhaltung gewährten.
-
-Mit Ausnahme von Quebek und Montreal, muß ich der obern Provinz den
-Vorzug geben. Die Scenerei, wenn auch nicht so großartig, ist doch mehr
-geeignet, dem Auge zu gefallen, indem sich überall Spuren von reger
-Betriebsamkeit, Fülle und Fruchtbarkeit zeigt. Wenn ich im Postwagen
-auf der Straße dahinrolle, entzücken mich die Nettigkeit, Reinlichkeit
-und das bequeme, behagliche Ansehn der Bauerhütten und Meiereien.
-Log-Häuser oder Shanty's kommen nur selten vor, an ihre Stelle sind
-hübsch gezimmerte, in besserem Styl gebaute und oft mit Bleiweiß oder
-blaßerbsgrün angestrichne Wohnungen getreten. Im Umkreise dieser
-Hausstätten erblickt man Obstgärten, deren Bäume von der reichen Last,
--- Aepfel, Pflaumen, und der amerikanische Holzapfel, jene schöne
-scharlachrothe Frucht, die wir im Vaterlande so häufig eingemacht als
-Dessert genießen, -- niedergebogen waren.
-
-Hier gewahrt man kein Zeichen von Armuth oder dem in ihrem Gefolge
-einhergehenden Elend; keine zerlumpten, schmuzigen Kinder wälzen sich
-im Kothe oder Staube herum; wohl aber stößt man auf manche hübsche,
-vor der Hüttenthür spinnende Dirne, mit ihren glänzenden Augen und
-wohlgeordneten Flechten, während die jüngeren Mädchen auf dem grünen
-Schwaden oder der Hausschwelle sitzen und stricken und lustig wie die
-Vöglein bei ihrer Arbeit singen.
-
-Die großen Spinnräder, welche hier zu Lande zum Spinnen der Wolle
-üblich sind, haben etwas sehr Malerisches, und wenn die canadischen
-Mädchen auf gefällige Haltung des Körpers und zierliche Bewegungen
-bedacht wären, so könnte nichts geeigneter sein, eine schöne Körperform
-in vortheilhaftestem Lichte zu zeigen, als das Spinnen mit diesem Rade.
-Die Spinnerin sitzt nicht, sondern geht hin und her, zieht das Garn mit
-der einen Hand aus und dreht mit der andern das Rad.
-
-Ich bemerkte oft, wenn wir an den Meier-Hütten vorüber kamen,
-Garn von verschiedner Farbe an den Einfriedigungen der Gärten und
-Obstpflanzungen zum Trocknen aufgehängt, allerlei Farben: Grün, Blau,
-Purpur, Braun, Roth und Weiß wechselten mit einander ab. Eine artige
-Wirthin, vor deren Schenke wir hielten, um die Pferde zu wechseln,
-sagte mir, daß dieses Garn erst gesponnen und nachmals von den
-Hausfrauen, bevor es auf den Webestuhl komme, gefärbt werde. Sie zeigte
-mir einige Proben von dergleichen haussponnenen Zeugen, die sich in der
-That nicht übel ausnahmen. Die Farbe war ein mattes Dunkelbraun, und
-die Wolle rührte von einer schwarzen Schaf-Gattung her. Diese Zeuge
-werden auf verschiedne Weise für den Familien-Bedarf verwendet.
-
-»Jede kleine Hausstätte, die Sie sehen,« belehrte sie mich, »hat ihren
-Antheil Land und mithin auch ihre Schaf-Heerde; und da die Kinder sehr
-frühzeitig spinnen, stricken und das Garn färben lernen, so sind die
-Aeltern auch im Stande, sich und ihre kleine Familie stets gut und
-bequem zu bekleiden.
-
-Viele von eben diesen Meiereien, die jetzt einen so gedeihlichen
-Zustand zeigen, waren noch vor dreißig Jahren Wildnisse, indianische
-Jagd-Reviere; -- die Betriebsamkeit und der Fleiß der Ansiedler, und
-darunter mancher armen Leute, die in ihrer Heimath keine Ruthe eignes
-Land besaßen, haben diese Veränderungen bewirkt.«
-
-Die Gedanken-Folge, welche die Worte dieser guten Frau in mir
-veranlaßten, war eine sehr erfreuliche. »Wir sind,« dachte ich,
-»ebenfalls im Begriff, uncultivirtes Land zu kaufen, und sollten wir
-nicht mit der Zeit unsre zukünftige Meierei diesen fruchtbaren Stätten
-gleichen sehen. Gewiß ist es ein gesegnetes glückliches Land, in das
-wir ausgewandert sind, sprach ich bei mir, in Verfolgung der angenehmen
-Idee, »ein Land, wo jede Hütte Ueberfluß an den Bequemlichkeiten und
-nöthigen Erfordernissen des Lebens hat.«
-
-Ich übersah vielleicht zu dieser Zeit die Mühe, die Beschwerden, die
-Entbehrungen, denen diese Ansiedler, als sie zuerst hier angelangt,
-ausgesetzt gewesen waren. Ich sah das Land blos im Geiste, wie es nach
-einer ziemlichen Reihe von Jahren und unter einem hohen Cultur-Zustande
-erscheinen dürfte; vielleicht in den Händen ihrer Kinder oder ihrer
-Kindes Kinder, nachdem die von Arbeit und Mühseligkeiten aufgeriebnen
-Aeltern schon längst schlafen gegangen waren.
-
-Unter andern Gegenständen wurde meine Aufmerksamkeit durch offne
-Begräbnißplätze an der Straße in Anspruch genommen. Freundliche grüne
-Hügel, von Wald- und andern hübschen Bäumen umgeben, enthielten die
-Gräber einer Familie und vielleicht einiger theuren Freunde, die ruhig
-unter dem Rasen neben ihr schlummerten. Mochte auch der Boden nicht
-geweiht sein, so war er doch durch die Thränen und Gebete von Aeltern
-und Kindern geheiligt.
-
-Diese Familien-Gräber wurden mir noch interessanter, als ich erfuhr,
-daß, wenn eine Meierei von einem Fremden käuflich in Beschlag genommen
-wird, der frühere Besitzer sich in der Regel das Recht ausbedingt,
-seine Todten auf dem dazu gehörigen Begräbnißplatze beerdigen zu dürfen.
-
-Sie müssen Nachsicht mit mir haben, Beste Mutter, wenn ich
-gelegentlich bei Kleinigkeiten verweile. Für mich ist nichts ohne
-Interesse, was das Gepräge der Neuheit an sich trägt. Selbst die
-Lehm-Oefen, welche auf vier Beinen in geringer Entfernung von den
-Häusern stehen, blieben im Vorbeifahren nicht unbemerkt von mir.
-Fehlt es an einem dergleichen Ofen vor dem Hause, so wird das Brod
-in großen eisernen Bottigen oder Töpfen, sogenannten Back-Kesseln
-(^Bake-kettles^) gebacken. Ich habe bereits ein Brod, so dick wie ein
-Scheffel-Maaß, auf dem Heerde in einem solchen Kessel backen sehen,
-und auch davon gekostet; allein ich glaube, der eingesperrte Dampf
-giebt dem Brode einen etwas eigenthümlichen Geschmack, den man an den
-in Ziegel- oder Lehm-Oefen gebacknen Broden nicht wahrnimmt. Anfangs
-konnte ich aus diesen, auf vier Füßen ruhenden, seltsam aussehenden
-kleinen runden Gebäuden nicht recht klug werden, ich hielt sie für
-Bienen-Stöcke, bis ich eine Bauersfrau einige noch kochendheiße
-Brode aus einem solchen Ofen, der ein unbebautes Fleckchen auf der
-Straßen-Seite, etwa funfzig Schritt von der Hütte entfernt, einnahm,
-herauslangen sah.
-
-Außer den Oefen hat jedes Haus einen Ziehbrunnen, ganz in der Nähe.
-Diese Brunnen wichen in der Einrichtung zum Emporheben des Wassers
-von denen ab, die ich in England gesehen. Der Plan ist sehr einfach:
--- eine lange Stange, auf einem Pfahle spielend, dient als Hebel zum
-Heraufziehen des Eimers, und das Wasser kann so von einem Kinde mit
-leichter Mühe emporgehoben werden. Diese Methode ziehen einige sowohl
-dem Seil als der Kette vor; sie kann von Jedermann ins Werk gesetzt
-werden, es bedarf nur der Befestigung und Verbindung der Stangen. Ich
-erwähne dies blos, als Beispiel von dem Erfindungsgeist der Bewohner
-des Landes, um nur zu zeigen, wie angemessen ihre Verfahrungsweisen
-ihren Mitteln sind[11].
-
-Die prächtige Erscheinung der Stromschnellen des St. Laurence, bei
-dessen Cascade die Straße auf der Höhe des Ufers eine schöne Aussicht
-beherrscht, erfreute uns in hohem Grade. Ein Versuch von mir, Ihnen
-diese großen, in wildem Aufruhr begriffnen Wasserschichten, welche
-hier vorüberbrausen, zu schildern, würde weit hinter der Wirklichkeit
-zurück bleiben. _Harrison_ hat diese Scene in seinem Werke über
-Ober-Canada, welches Ihnen, meines Wissens, wohl bekannt ist, sehr
-genau geschildert. Ich bedauerte nur, daß wir nicht einige Zeit weilen
-konnten, um unsre Augen an einem so großartigen und wildem Schauspiel
-zu weiden, wie es der Fluß hier darbietet; aber ein canadischer
-Postwagen wartet auf Niemand, und so mußten wir uns mit einem
-flüchtigen Anblick dieser berühmten Stromschnellen begnügen.
-
-Wir schifften uns zu Couteau du Lac ein und erreichten Cornwall spät an
-demselben Abend. Einige von den Postwagen gehen des Nachts ab; allein
-ich war zu ermüdet, um diesen Abend eine Reise von neunundvierzig
-(englischen) Meilen auf canadischen Straßen antreten zu können. Unserm
-Beispiel folgte eine verwittwete Dame mit ihrer kleinen Familie.
-
-Es hielt etwas schwer, eine Herberge für die Nacht zu finden, die
-Gasthöfe waren mit Reisenden gefüllt; hier erfuhren wir zum erstenmal
-etwas von jenem, dem Amerikaner, jedoch ohne Zweifel zu allgemein,
-zur Last gelegten tadelnswürdigen Benehmen. Unser Wirth schien im
-Betreff der Bequemlichkeit seiner Gäste vollkommen gleichgültig, sie
-mußten entweder sich selbst bedienen, oder ihre Bedürfnisse blieben
-unbefriedigt. Der Mangel an weiblicher Bedienung in diesen Anstalten
-ist für reisende Damen äußerst fühlbar und verdrießlich. Die Weiber
-lassen sich gar nicht sehen, oder behandeln die fremden Gäste mit einer
-Kälte und Gleichgültigkeit, daß man mit ihren Diensten eben nicht
-zufrieden sein kann.
-
-Nachdem es mir, nicht ohne Schwierigkeit, geglückt war, der Wirthin
-des Gasthauses zu Cornwall ansichtig zu werden, bat ich sie, mir ein
-Zimmer anzuweisen, wo wir übernachten könnten, sie that dies, aber
-mit einer höchst ungefälligen Miene, indem sie auf eine Thür deutete,
-die sich in ein kleines Käfter öffnete, das ein Bett ohne Vorhänge,
-einen Stuhl aber keinen Waschtisch enthielt. Da sie meinen Verdruß bei
-Erblickung dieses ungastlichen Schlafgemachs wahrnahm, bemerkte sie
-ganz lakonisch, daß ich keine Wahl hätte, ich müßte es denn vorziehen,
-in einem Zimmer mit vier Betten zu schlafen, wovon bereits drei -- und
-zwar von Männern, in Beschlag genommen waren. Diese Alternative lehnte
-ich etwas unwillig ab und zog mich in eben nicht besondrer Laune in das
-mir angewiesne Schlafgemach zurück, wo unwillkommne Bettbewohner die
-ganze Nacht hindurch uns hinderten, unsre müden Augenlider zu schließen.
-
-Wir nahmen ein zeitiges und hastiges Frühstück ein und traten unsre
-Reise wieder an. Diesmal bestand die Reisegesellschaft aus meiner
-Wenigkeit, meinem Gatten, einer Dame nebst Gemahl, drei kleinen Kindern
-und einem einmonatlichen Säugling, die insgesammt, vom Aeltesten bis
-zum Jüngsten, am Keuchhusten litten; zwei großen cumberländischen
-Bergleuten und einem französischen Lootsen nebst seinem Begleiter; --
-letztrer war ein großes, amphibienartig aussehendes Ungeheuer, das
-in den Wagen sprang und sich in eine Ecke quetschte, indem es dem
-Postillion, der damit einverstanden war, und alle Gegenvorstellungen
-gegen dieses unerwartete Eindrängen unbeachtet ließ, auf eine comische
-Weise angreinte; der Postillion schwang seine Peitsche mit gewaltigem
-Knall, womit zwei reisende Amerikaner, die zu beiden Seiten der
-Gasthofthür standen, nicht eben zufrieden zu sein schienen; diese
-Herren hatten ihre Hüte weder in den Händen, noch zur Zeit auf dem
-Kopfe, sondern sie trugen dieselben an einem um einen Westenknopf
-geschlungenen Bande, so daß sie ziemlich unter den Arm hingen. Diese
-Mode habe ich seitdem öfter beobachtet und glaube, daß, wenn _Johnny
-Gilpin_ die nämliche weise Vorsicht angewendet, er sowohl seinen Hut
-als seine Perücke gerettet haben würde.
-
-Die Reise dieses Tages war für mich schrecklich ermüdend, ich wurde
-buchstäblich braun und blau gequetscht und gestoßen. Die ausnehmend
-große Hitze machte uns sehr viel zu schaffen, und wir hätten die
-Gesellschaft von zwei unsrer massiven Reisegefährten mit wahrem
-Vergnügen entbehrt.
-
-Abends um fünf Uhr desselben Nachmittags erreichten wir Prescott, wo
-wir im Gasthause eine gute Aufnahme fanden; die weiblichen Dienstboten
-waren sämmtlich Engländerinnen und schienen in Aufmerksamkeit gegen uns
-mit einander zu wetteifern.
-
-In der Stadt Prescott sahen wir wenig, was uns hätte interessiren
-oder gefallen können. Nach einem trefflichen Frühstück, schifften
-wir uns an Bord des _Great Britain_ (Großbritanien) ein, es war das
-schönste Dampfboot, welches mir bis jetzt zu Gesicht gekommen, und hier
-gesellten sich unsre neuen Freunde zu uns, was uns große Freude machte.
-
-Zu Brockville trafen wir gerade zu rechter Zeit ein, um ein Schiff
-von Stapel laufen zu sehn, -- für mich ein ganz neuer Anblick. Es
-war ein äußerst lebhaftes erfreuliches Schauspiel. Die Sonne schien
-in vollem Glanze auf die herbeiströmende Menge, die sich in ihrem
-Sonntagsstaate nach dem Ufer drängte; die Kirchenglocken tönten lustig
-darein und vermischten ihr Geläute mit der Musik vom Deck des bunt
-bemalten Fahrzeugs, das mit seinen im Winde flatternden Wimpeln und
-ausgespannten Segeln und einer wohlgekleideten Gesellschaft an Bord,
-vom Stapel zu laufen im Begriff war.
-
-Um die Wirkung noch zu erhöhen, wurde von einem einstweiligen, für
-diese Gelegenheit auf einem kleinen Felsen-Eiland vor der Stadt
-errichteten Castell eine Salve gegeben. Der Schoner (ein zweimastiges
-Fahrzeug) glitt stattlich ins Wasser und empfing so zu sagen mit
-Freuden die Umarmung des Elements, welches ihm zukünftig unterworfen
-sein sollte. Es war ein höchst interessanter Moment. Der neue
-stattliche Schwimmer wurde mit drei Hurrahs von der Schiffsgesellschaft
-des Great Britain, einer Salve vom kleinen Castell und dem fröhlichen
-Geläute der Glocken begrüßt; letztre ertönten zugleich zu Ehren einer
-hübschen Braut, die, auf einer Lustreise nach den Fällen des Niagara
-begriffen, mit ihrem Bräutigam an Bord kam.
-
-Brockville liegt gerade an der Mündung des Sees der tausend Inseln und
-gewährt, vom Wasser aus gesehen, einen hübschen Anblick. Die Stadt
-hat, wie man mir erzählt, im Verlauf der letzten wenigen Jahre reißend
-schnell an Größe und Wohlstand zugenommen und scheint ein Platz von
-Wichtigkeit werden zu wollen.
-
-Die Ufer des St. Laurence werden, indem man zwischen den tausend Inseln
-vorwärts steuert, felsiger und malerischer, und die Inseln selbst
-bieten jede Abwechselung von Waldung und Gestein dar. Das Dampfschiff
-landete zur Einnahme von Brennholz in der Nähe eines kleinen Dorfes auf
-der amerikanischen Seite des Flusses, wo wir auch fünfundzwanzig schöne
-Pferde, die in Cobourg und York zum Verkauf ausgeboten werden sollen,
-an Bord nahmen.
-
-In dem amerikanischen Dorfe selbst war nichts der Beobachtung Werthes
-zu sehen, ausgenommen eine Neuheit, die mich in der That belustigte;
-nämlich jedes Haus hatte sein eignes Model oder Ebenbild, ein kleines
-winziges Häuschen von Holz, -- nicht größer und stärker als ein
-Puppenhäuschen[12], (^a baby-house^) vorn am Dache oder Giebel-Ende
-befestigt. Wie ich nachmals von einem Herrn auf dem Schiffe erfuhr,
-waren diese Puppenhäuschen, wie ich sie zu nennen beliebte, für die
-Schwalben zum Hineinnisten bestimmt[13].
-
-Es war Mitternacht, als wir vor Kingston vorbeisegelten und so sah
-ich natürlicher Weise nichts von diesem »Schlüssel zu den Seen«[14],
-wie ich es habe nennen hören. Bei meinem Erwachen am nächsten Morgen
-glitt das Dampfschiff stattlich durch die Fluthen des Ontario, und ich
-empfand eine leichte Anwandlung von Unpäßlichkeit.
-
-Wenn das Wasser des Sees in Aufruhr ist, wie dies bisweilen bei
-heftigem Winde geschieht, so glaubt man sich auf ein sturmgepeitschtes
-Meer versetzt.
-
-Die Ufer des Ontario sind sehr schön, Hügel und Thäler, mit herrlichen
-Waldungen bekleidet oder durch Fleckchen angebauten Bodens und hübsche
-Wohnhäuser belebt, wechseln in sanften Wellen-Linien mit einander ab.
-Um zehn Uhr erreichten wir Cobourg.
-
-Cobourg, wo wir uns gegenwärtig befinden, ist ein nett gebautes und
-blühendes Städtchen, das manche stattliche Vorraths-Häuser, Mühlen,
-eine Wechselbank und eine Druckerei enthält, letztere giebt ein
-Wochenblatt heraus. Desgleichen findet man hier eine recht hübsche
-Kirche und eine ausgewählte Gesellschaft, da viele achtbare Familien in
-oder unweit der Stadt ihre Wohnung gewählt haben.
-
-Morgen verlassen wir Cobourg und werden unsern Weg nach Peterborough
-nehmen, von wo aus ich wieder zu schreiben gedenke, um sie von unserm
-zukünftigen Abentheuern zu benachrichtigen, die wir wahrscheinlich an
-einem der kleinen Seen des Otanabee erfahren werden.
-
-Fußnoten:
-
-[6] Es sind seitdem einige treffliche Kais vollendet worden.
-
-[7] Dieser Graben ist seitdem überwölbt worden, es befindet
-sich jetzt ein Markt darüber.
-
-[8] Herr _M'Gregor_, in seinem Brittischen Amerika, ^vol.
-II. p. 504^, giebt uns von Montreal nachstehende Beschreibung:
---
-
-»Zwischen dem Königlichen Berge und dem Flusse, auf einer sanft
-aufsteigenden Felsen-Firste, steht die Stadt. Mit Einschluß der
-Vorstädte ist sie von größrer Ausdehnung als Quebek. Beide Städte
-weichen in ihrer Erscheinung sehr von einander ab; die niedrigen Ufer
-des St. Laurence zu Montreal entbehren der Grauen erregenden, sich über
-sie thürmenden Klippen und all jener romantischen Erhabenheit, wodurch
-sich Quebek auszeichnet.
-
-»Montreal hat keine Kais, und die Schiffe und Dampfböte liegen ruhig
-in ziemlich tiefem Wasser hart an dem lehmigen und im Allgemeinen
-kothigen Ufer der Stadt. Die ganze Unterstadt nehmen düster aussehende
-Häuser, mit dunkeln eisernen Fensterläden; und wenn sie auch im Ganzen
-etwas reinlicher ist als Quebek, so ist sie doch immer sehr schmutzig;
-die Straßen sind eng und schlecht gepflastert, und die Fußpfade durch
-schräg geneigte Kellerthüren und andre Vorsprünge unterbrochen.
-
-»Es ist unmöglich,« sagt Mr. _Talbot_ in seinen ^Five Years,
-Residence^, »an einem Sonn- oder Festtage die Straßen von Montreal
-zu durchwandern, ohne daß man die düstersten Eindrücke erhielte; die
-ganze Stadt erscheint wie ein großes Gefängniß;« er spielt hier auf
-die eisernen Fensterladen und Außenthüren an, von welchen man Gebrauch
-macht, um den Wirkungen von Feuersbrünsten zu begegnen.
-
-[9] Dies ist noch nicht eins der vornehmsten Hotels, in letztern
-beträgt der Preis für Kost und Logis täglich anderthalb Dollar.
-
-[10] Bei den Amerikanern heißt sie ^the life-everlasting^.
-
-[11] Diese Brunnen sind keineswegs die Erfindung jener Ansiedler,
-man sieht dergleichen fast überall in Europa; in Deutschland
-kommen sie häufig auf den Dörfern vor.
-
-[12] ^a doll-house.^
-
-[13] Wir finden in _Rennie's_ Baukunst der Vögel, (Leipzig Baumgärtners
-Buchhandlung) ähnliche Bemerkungen. So liest man Seite 122: die
-Anglo-Amerikaner bedienen sich verschiedner Mittel, um die Vögel zum
-Nisten in der Nähe ihrer Wohnungen zu bestimmen, und weil sie die
-Scheunen- oder Bodenschwalbe (^_Hirundo rufa, Gmelin_^), vorzüglich
-lieben, so stellen sie Schachteln auf, damit sie hinein niste. Diese
-Species unterscheidet sich beträchtlich von unsrer Rauchschwalbe
-(^_Hirundo rustica_^); am Bauche, wo die unsrige rein weiß ist, ist
-ihr Gefieder hell kastanienfarben, im Nisten hat sie mit der unsrigen
-Aehnlichkeit, nur daß sie nicht in Schornsteine baut, sondern ihr
-Nest an Sparren oder Querbalken von Schuppen, Scheunen und andern
-Nebengebäuden befestigt.
-
-Ferner Seite 364: In Nordamerika, wo man bemüht ist, die ländlichen
-Vergnügungen eines kurzen Sommers so sehr als möglich zu vermehren,
-sucht man mehr als eine Species durch alle nur mögliche Mittel zum
-Nisten in der Nähe der Häuser zu bewegen. Unter den halb zahmen Vögeln
-sind der Haus-Zaunkönig, der blaue Vogel und die Purpur-Schwalbe die
-bekanntesten. Die zuletzt erwähnte (^_Hirundo purpurea, Latham_^)
-ist gleich unsrer Fensterschwalbe ein Zugvogel, und sie wählt ihren
-Sommeraufenthalt stets mitten unter den Wohnungen des Menschen,
-welcher, da ihm ihre Gesellschaft großen Vortheil und zugleich
-Vergnügen schafft, in der Regel ihr Freund und Beschützer ist. Daher
-ist sie ziemlich gewiß, bei ihrer Ankunft eine gastliche, zu ihrer
-Bequemlichkeit und zur Aufnahme ihrer Familie gehörig eingerichtete
-Wohnstätte, entweder in der vorspringenden hölzernen Kranzleiste,
-auf dem Dachgiebel oder auf der Grenzsäule, oder, wenn diese fehlen
-sollten, auf dem Taubenschlage mitten unter den Tauben zu finden; und
-wenn sie einen besondern Winkel auf dem letzteren wählt, so darf es
-keine Taube wagen, einen Fuß in ihr Gebieht zu setzen. Einige unter
-den Anglo-Amerikanern haben für diese Vögel große Anstalten einrichten
-lassen, welche in zahlreichen Gemächern bestehen, die zum größten Theil
-jedes Frühjahr in Besitz genommen werden; man hat die Beobachtung
-gemacht, daß in solchen Schwalbenansiedlungen einzelne Vögel mehre
-Jahre nach einander immer wieder von der nämlichen Schachtel Gebrauch
-gemacht haben.
-
-Das eben erwähnte Verfahren, die Purpurschwalbe zu hegen und zu
-beschützen, scheint nicht aus Europa zu stammen, da die Eingebornen von
-Amerika seit undenklichen Zeiten eine ähnliche Methode befolgt haben.
-Die Chactaw und Chickasaw Indianer z. B. stutzen sämmtliche Gipfeläste
-eines jungen Bäumchens in der Nähe ihrer Hütten ab und lassen die
-Zinken ein oder zwei Fuß lang, an deren jedem sie einen hohlen Kürbis
-oder eine Calabasse aufhängen, die gehörig ausgehöhlt ist, so daß die
-Vögel bequem darin nisten können. In gleicher Absicht steckt man an
-den Ufern des Mississippi lange Stöcke in den Boden, an deren Spitze
-ebenfalls Calabassen befestigt werden, und worin die Purpurschwalben
-in der Regel ihre Eier ausbrüten. »Ueberall, wo mich meine Reisen in
-diesem Lande hinführten,« sagt _Wilson_, »habe ich mit Vergnügen die
-Gastfreundschaft beobachtet, womit die Einwohner diesen Lieblingsvogel
-empfangen.« Folgenden kleinen Zug aus der Oekonomie der Purpurschwalbe
-hat Mr. _Henry_, Mitglied des obersten Gerichtshofes in Pensylvanien,
-erzählt.
-
-»Im Jahr 1800,« sagt derselbe, »zog ich mich von Lancaster nach einer
-Meierei einige englische Meilen über Harrisburgh zurück. Da ich wohl
-mit den Vortheilen bekannt war, welche der Pachter oder Landmann von
-der Nachbarschaft der Purpurschwalbe zieht, indem sie die Räubereien
-des weißköpfigen Adlers, der Habichte und selbst der Krähen verhindert,
-so erhielt ein für mich arbeitender Zimmermann den Auftrag, einen
-großen Kasten mit mehren Fächern für diese Vögel zu machen. Der
-Kasten wurde im Herbste aufgestellt. In der Nähe des Hauses und um
-dasselbe standen eine Anzahl schön gewachsener Aepfelbäume und vieles
-Strauchwerk, ein sehr bequemer Aufenthalt für Vögel. Gegen die Mitte
-des Februar kamen die blauen Vögel an; diese wurden in kurzer Zeit sehr
-zutraulich und nahmen Besitz von dem Kasten: es waren zwei bis drei
-Pärchen. Mit dem funfzehnten Mai hatten die blauen Vögel Eier, wo nicht
-gar Junge. Nun aber trafen die Purpurschwalben in Schaaren ein, begaben
-sich in den Kasten, und es erfolgte ein heftiger Kampf. Die blauen
-Vögel, wie es scheint, durch ihr Eigenthumsrecht ermuthigt, oder, weil
-es der Beschützung ihrer Jungen galt, blieben Sieger.
-
-Die Schwalben kamen während der acht folgenden Jahre regelmäßig in der
-Mitte des Mai an, untersuchten die Gemächer des Kastens in Abwesenheit
-der blauen Vögel, wurden aber durch die Rückkehr der letzteren jedesmal
-zur Flucht genöthigt. Die Mühe, welche Ihnen die Durchlesung dieser
-Bemerkungen verursachen dürfte, müssen sie auf Rechnung der Schwalben
-setzen. Ein Kasten, mit diesen schönen Wandrern angefüllt, befindet
-sich jetzt zum Haupte meines Bettes. Ihre Töne scheinen unharmonisch
-wegen ihrer großen Anzahl; indeß sind sie mir angenehm. Der betriebsame
-Pachter und Handwerker würde wohl thun, einen Kasten mit diesen Vögeln
-in der Nähe der Schlafgemächer seiner trägen Leute anzubringen. Gleich
-mit Anbruch des Tages beginnt die Purpurschwalbe ihr Gezwitscher,
-welches eine halbe Minute oder auch etwas länger dauert; worauf es
-wieder still wird, bis die Dämmerung völlig vorüber ist. Nunmehr
-folgt ein lebhaftes und unaufhörliches Gezwitscher, hinreichend,
-selbst die schlaftrunkenste Person aus dem Schlummer zu wecken.
-Vielleicht übertrifft sie nicht einmal der Haushahn in dieser guten
-Eigenschaft; auch steht er in dem Vermögen, Raubvögel abzuhalten, der
-Purpuerschwalbe bei weitem nach.«
-
-»Gegen die Mitte des April oder ungefähr am zwanzigsten Tage dieses
-Monats,« fügt _Wilson_ hinzu, »trifft die Purpurschwalbe die ersten
-Vorbereitungen zu ihrem Neste. Das letzte, welches ich untersucht habe,
-bestand aus den welken Blättern der Thränenweide, dünnen Strohhalmen,
-Heu und Federn in beträchtlicher Menge. Es lagen vier Eier darin, die
-im Verhältniß zum Vogel sehr klein, von Farbe rein weiß und ohne die
-geringsten Flecke waren. Die erste Brut erscheint im Mai, die zweite
-spät im Juni. Während der Periode, in welcher das Weibchen legt, und
-vor dem Brüten sind beide Vögel den größten Theil des Tages vom Neste
-entfernt. Während des Sitzens wird das Weibchen häufig vom Männchen
-besucht, welches letztere sich ebenfalls auf die Eier setzt, wenn
-das erstere zur Erholung ausfliegt. Oft bringt das Männchen auf eine
-Viertelstunde im Neste neben dem Weibchen zu, und wird während des
-Brütens ganz heimisch und zahm. Es sitzt an der Außenseite, putzt
-und ordnet sein Gefieder und begiebt sich gelegentlich an die Thür
-des Gemachs, gleichsam, als ob es sich nach dem Befinden der Gattin
-erkundigen wollte. Seine Töne scheinen in dieser Zeit eine besondere
-Sanftheit anzunehmen, und seine Glückwünsche drücken einen hohen
-Grad von Zärtlichkeit aus. Eheliche Treue, selbst wenn viele Pärchen
-zusammen wohnen, scheint gewissenhaft von diesen Vögeln beobachtet zu
-werden. Am 25. Mai nahm ein Purpurschwalben-Pärchen von einem Kasten
-in Mr. _Bartram's_ Garten Besitz. Einen oder zwei Tage darauf erschien
-ein zweites Weibchen und verweilte mehre Tage; allein, wegen der
-kalten Aufnahme, die es fand, indem es häufig vom Männchen vertrieben
-wurde, verließ es endlich diesen Ort und machte sich auf den Weg,
-wahrscheinlich um einen geselligeren Gefährten aufzusuchen.«
-
-[14] »^Key to the lakes.^«
-
-
-
-
-Fünfter Brief.
-
-
- Reise von Cobourg nach Amherst. -- Schwierigkeiten, denen man bei
- seiner ersten Ansiedelung in den Urwäldern zu begegnen hat. --
- Erscheinung des Landes. -- Reis-See. -- Indianische Lebensweise
- und Gebräuche. -- Fahrt den Otanabee hinauf. -- Log-Haus
- (^Log-house^) und seine Inhaber. -- Passagier-Boot. -- Fußreise
- nach Peterborough.
-
- Peterborough; Newcastle Distrikt;
- den 9. Septbr. 1832.
-
-Wir verließen Cobourg, am Nachmittag des ersten Septembers in
-einem leichten, recht bequem für die Passagiere mit Büffelfellen
-ausgekleideten Wagen. Unsre Reise-Genossen waren drei Herrn und eine
-junge Dame, insgesammt recht angenehme Gesellschafter, und bereit, uns
-jede Auskunft über die Gegend zu geben, durch welche unser Weg führte;
-der Nachmittag war einer von jenen ruhigen und heitern, dergleichen
-man in der ersten Hälfte des Septembers häufig zu erfahren pflegt.
-Die glühenden Herbst-Farben zeigten sich bereits an den Waldbäumen,
-sprachen aber mehr von Reife als Verfall. Die Gegend um Cobourg her
-ist gut angebaut, ein großer Theil der Waldung ist gelichtet, und an
-seine Stelle sind offne Felder, angenehme Meiereien und schöne, gut
-gedeihende Obstpflanzungen mit grünen, von feistem Vieh wimmelnden
-Weide-Plätzen getreten.
-
-Das Gefängniß nebst dem Gerichtshof zu Amherst, etwa anderthalbe
-englische Meile von Cobourg, ist ein hübsches steinernes Gebäude, und
-auf einer Anhöhe gelegen, welche eine prächtige Aussicht auf den See
-Ontario und die umgebende Scenerei beherrscht. In demselben Verhältniß
-als man weiter landeinwärts kommt, in der Richtung der Hamilton- oder
-Reis-See-Ebnen, erhebt und senkt sich das Land zu kühnen langgedehnten
-Hügeln und Thälern.
-
-Die Umrisse der Gegend erinnerten mich an den bergigen Theil von
-Gloucestershire; indeß vermißt man den Reiz, womit die Civilisirung
-diese schöne Landschaft in so vorzüglichem Grade geschmückt hat, man
-vermißt ihre romantischen Dörfer, blühenden Städte, weit gedehnten,
-mit Rinder- und Schafheerden bedeckten Auen. Hier strotzen die Berge
-von Eichen-, Buchen- und Ahorn-Wäldern, mit hier und da eingestreuten
-dunkeln Fichten-Hainen, nur selten durch eine Ansiedelung mit ihren
-Log-Häusern und zickzackartigen, von Holzscheiten gezimmerten
-Einfriedigungen unterbrochen und belebt: diese Einfriedigungen sind,
-beiläufig gesagt, sehr beleidigend für mein Auge. Ich sehe mich
-vergebens nach den reichen Laubhecken meines Vaterlandes um. Selbst
-die steinernen Einfriedigungen im Norden und Westen von England, so
-kalt und dunkel sie sind, erzeugen keinen so unangenehmen Eindruck auf
-den Beschauer. Die Ansiedler machen indeß unabänderlich von demjenigen
-Plan Gebrauch, wobei sie am meisten an Zeit, Arbeit und Geld ersparen.
-Das wichtige, durch Nothwendigkeit bedingte Gesetz, den kürzesten Weg
-zur Erreichung des beabsichtigten Zwecks einzuschlagen, wird streng
-befolgt. Geschmackssachen scheinen wenig berücksichtigt zu werden, oder
-müssen wenigstens vor der Hand in den Hintergrund treten.
-
-Ich sah ein Lächeln um den Mund meiner Reisegefährten spielen, als sie
-unsre Projecte zur Verschönerung unsrer künftigen Wohnstätte vernahmen.
-
-»Wenn Sie gesonnen sind, Ihre Wohnung in den Urwäldern aufzuschlagen,«
-sagte ein ältlicher Herr, der sich vor mehren Jahren im Lande
-angesiedelt, »so muß Ihr Haus nothwendiger Weise ein aus Baumstämmen
-roh zusammengezimmertes Haus (^log-house^) sein, denn eine Sägemühle
-dürften Sie schwerlich in der Nähe finden und außerdem werden Sie in
-den ersten zwei oder drei Jahren so viel zu thun haben, und so vielen
-Hindernissen begegnen müssen, daß Sie schwerlich Gelegenheit haben
-werden, diese Verschönerungen ins Werk zu setzen.« »Es giebt,« fügte er
-mit einer Mischung von Ernst und guter Laune in seinem Gesicht hinzu,
-»ein Sprichwort, das ich als Knabe oft gehört habe; es lautet: _erst
-kriechen, und dann gehen_«[15]. »Es läßt sich hier zu Lande nicht alles
-so leicht bewerkstelligen als zu Hause, wovon Sie eine mehrwöchentliche
-Bekanntschaft mit dem _Busch_, wie wir jedes nicht gelichtete Waldland
-nennen, bald überzeugen wird. Nach Verlauf von fünf Jahren dürften Sie
-schon eher an dergleichen Verschönerungen und Bequemlichkeiten denken
-und leichter beurtheilen können, was Sie vor sich haben.«
-
-»Ich glaubte,« war meine Erwiederung, »daß in diesem Lande alles sehr
-schnell und leicht von Statten gehe, ich erinnere mich genau, von
-Häusern gehört zu haben, die in einem Tage erbaut worden.« Der alte
-Herr lachte.
-
-»Ja, ja,« sprach er, »Reisende finden es nicht schwer, ein Haus binnen
-zwölf oder vierundzwanzig Stunden aufzubauen, und allerdings lassen
-sich die Wände in dieser, ja in noch weniger Zeit aufführen; allein das
-Haus ist, wenn auch die Außenwände stehen, noch nicht fertig, wie dies
-Ihr Gemahl auf seine Kosten erfahren wird.«
-
-»Aber sämmtliche Werke über Auswanderung, die ich gelesen,« erwiederte
-ich, »geben ein so schönes und schmeichelndes Gemälde von dem Leben
-eines Ansiedlers; denn, ihren Angaben gemäß, lassen sich alle
-Schwierigkeiten leicht beseitigen.«
-
-»Weg mit den Büchern!« sagte mein Opponent »der eigne Verstand muß
-hier entscheiden. Richten Sie Ihren Blick auf jene endlosen Waldungen,
-in die das Auge nur einige Schritte tief eindringen kann, und sagen
-Sie mir, ob Sie glauben, daß sich diese gewaltigen Baumstämme ohne
-Schwierigkeit wegräumen, gänzlich ausrotten, ja, ich möchte sagen,
-vom Angesicht der Erde entfernen lassen; daß das Lichten und Reinigen
-des Bodens durch Feuer, die Anlage und Einfriedigung von Feldern,
-die Erbauung eines Obdachs keine Mühe, Kosten und große Arbeit
-verursachen werde? Sprechen Sie nur nicht von dem, was in Büchern
-steht, die häufig von Stuben-Reisenden (^tarry at home-travellers^)
-geschrieben sind. Ich verlange Thatsachen. Die Erfahrungen eines
-einzigen aufrichtigen Emigranten sind mehr werth, als alles, was über
-den fraglichen Gegenstand zusammen geschrieben worden ist. Uebrigens
-darf man die einem Theil des Landes entsprechende Schilderung nicht
-auf alle anwenden. Die von Boden, Klima, Lage und Fortschritten in der
-Civilisirung abhängigen Umstände sind in verschiednen Distrikten sehr
-verschieden; selbst die Preise der Güter und Producte, die Mieth-Preise
-und Arbeits-Löhne u. s. w. weichen, je nachdem man sich den Städten und
-Märkten nähert oder davon entfernt, beträchtlich von einander ab.«
-
-Ich fühlte bald, daß mein Reisegefährte richtig von einer Sache
-spreche, womit ihn eine dreizehnjährige Erfahrung vollkommen
-vertraut gemacht hatte. Ich fing an, zu fürchten, daß wir ebenfalls
-zu schmeichelhafte Ansichten von dem Leben eines Ansiedlers in
-den Urwäldern unterhalten. Die Zeit und unsre eigne persönliche
-Kenntniß wird der sicherste Prüfstein sein, und diesem müssen wir uns
-anvertrauen. Der Mensch ist stets geneigt, das zu glauben, was er
-wünscht.
-
-Ungefähr mittelwegs zwischen Cobourg und dem Reis-See liegt zwischen
-zwei steilen Hügeln ein hübsches Thal. Hier findet man einen guten
-Theil gelichteten Landes und eine Schenke: der Ort heißt die »_Kalte
-Quelle_« (^Cold Springs^). Wer weiß, ob derselbe nicht vielleicht
-schon nach einem oder zwei Jahrhunderten in einen Trink- und Bade-Ort
-für die feine Welt umgestaltet sein wird. Ein canadisches Bath oder
-Cheltenham[16] dürfte mit der Zeit hier entstehen, wo gegenwärtig die
-Natur in ihrer Wildniß schwelgt.
-
-Wir fuhren jetzt die geneigten Ebnen bergan, eine schöne strecke
-aufsteigenden Landes, mehre englische Meilen weit spärlich mit Eichen
-und hier und da mit buschigen, weitspreizigen Tannen nebst andern
-Bäumen und Sträuchern bekleidet. Der Boden ist an einigen Orten sandig,
-überdies aber, wie man mir sagte, in verschiednen Theilen von sehr
-verschiedner Beschaffenheit und in großen Strecken mit reicher Weide
-bedeckt, welche den Viehheerden einen Ueberfluß an trefflichem Futter
-darbietet. Eine Menge vorzüglich schöner Blumen und Sträucher schmücken
-diese Ebnen, welche sich während der Frühlings- und Sommer-Monate
-jedem Garten in der Welt an die Seite stellen können. Manche von jenen
-Gewächsen gehören den Ebnen ausschließlich an und kommen selten in
-andern Lagen vor. Auch die Bäume, obwohl nicht so groß und gewaltig,
-wie die in den Forsten, sind malerisch; sie stehen in Gruppen oder
-einzeln, durch große Zwischenräume von einander abgesondert, und geben
-dem in Rede stehenden Theil des Landes ein parkartiges Ansehn. Die
-vorherrschende Meinung scheint zu sein, daß die Ebnen, zu Schweizereien
-und Viehzüchtereien angelegt, den Zwecken der Ansiedler vorzüglich
-entsprechen würden, indem es nicht an Land zur Erbauung von Weizen und
-Korn fehlt, der Boden mit geringen Kosten veredelt werden kann, und
-außerdem Ueberfluß an natürlichen Vieh-Triften herrscht. Ein großer
-Vortheil scheint zu sein, daß der Pflug unmittelbar eingeführt werden
-kann, und die Vorbereitung des Bodens nothwendiger Weise weit weniger
-Arbeit erfordert, als da, wo derselbe über und über mit Wald bedeckt
-ist.
-
- [Illustration: _Reis-Boden._ St. 69.]
-
-Man trifft auf diesen Ebnen verschiedne Ansiedler, welche beträchtliche
-Meiereien besitzen. Die Lage, sollte ich meinen, muß gesund und
-angenehm sein, Ersteres wegen der Erhabenheit und Trockenheit des
-Bodens; Letzteres wegen der schönen Aussicht, die sie auf das unter
-ihnen sich ausbreitende Land, besonders wo der Reis-See mit seinen
-mannigfaltigen Inseln und malerischen Ufern sichtbar ist, -- darbieten.
-Hügel und Thäler wechseln auf eine angenehme Weise mit einander ab, und
-der Boden ist bald sanft geneigt, bald schroff, ja fast abschüssig.
-
-Ein amerikanischer Pachter, der an unserm Frühstück am folgenden
-Morgen Theil nahm, erzählte mir, daß diese Ebnen vormals ein berühmtes
-Jagdrevier der Indianer gewesen, die, um das Wachsthum der Waldbäume zu
-verhindern, dieselben von Jahr zu Jahr weggebrannt; hierdurch wurden im
-Verlauf der Zeit die jungen Bäume vernichtet und konnten sich mithin
-nicht wieder in derselben Ausdehnung anhäufen wie früher. Es blieb
-nur so viel stehen, als zur Bildung von Dickichten hinreichte; denn
-in diesen wählt das Wild heerdenweise seinen Aufenthalt, angelockt
-durch eine eigenthümliche hohe Grasart, womit die in Rede stehenden
-Ebnen bedeckt sind, es heißt Reh-Gras (^deer-grass^), und die davon
-fressenden Thiere werden zu gewissen Jahreszeiten außerordentlich fett
-davon.
-
-Der Abend brach herein, ehe mir unser nächstes Nachtquartier, die
-Schenke an den Ufern des Reis-Sees, erreichten, so daß ich etwas von
-der schönen Scenerei einbüßte, welche diese artige Wasserfläche dem
-Auge darbietet, wenn man die Ebnen nach ihren Ufern zu hinabsteigt. Die
-flüchtigen Blicke, die mir dann und wann davon zu Theil wurden, hatte
-ich dem schwachen aber häufigen Wetterleuchten zu verdanken, welches
-den Horizont gegen Norden erhellte und gerade genug enthüllte, um mich
-bedauern zu machen, daß ich wegen der Dunkelheit an diesem Abend nicht
-mehr davon sehen konnte. Der Reis-See ist auf eine recht anmuthige
-Weise durch kleine bewaldete Inseln unterbrochen; das nördliche
-Ufer steigt vom Wasserrande sanft aufwärts. Im Angesicht von Sully,
-der Schenke, von wo aus das Dampfboot abgeht, welches den Otanabee
-hinaufsteuert, erblickt man verschiedne hübsche Niederlassungen; und
-jenseits des Indianer-Dorfes unterhalten die Missionaire eine Schule
-zur Erziehung und Unterrichtung der Indianer-Kinder. Manche von diesen
-können geläufig lesen und schreiben und haben in ihrer sittlichen und
-religiösen Bildung sichtbare Fortschritte gemacht. Sie sind gut und
-bequem gekleidet und wohnen in besonders für sie erbauten Häusern.
-Allein sie hängen immer noch zu sehr an ihrer wandernden Lebensweise,
-um gute und betriebsame Ansiedler abzugeben. Zu gewissen Zeiten im
-Jahre verlassen sie das Dorf und lagern sich in den Wäldern längs den
-Ufern jener Seen und Flüsse, wo sie auf Ueberfluß an Wild und Fischen
-rechnen können[17].
-
-Die Reis-See und Schlamm-See-Indianer gehören, wie man mir sagt, zu den
-Tschippewas, allein die Züge von Schlauheit und kriegerischem Trotz,
-die früher dieses merkwürdige Volk charakterisirten, scheinen unter dem
-milderen Einfluß des Christenthums verschwunden zu sein.
-
-Gewiß ist, daß die Einführung der christlichen Religion der größte
-Fortschrit zu Civilisirung und Verbesserung ist; ihr ganzes Streben ist
-darauf gerichtet, die Schranken des Vorurtheils und der Unwissenheit
-niederzubrechen und die Menschen zu einer allgemeinen Brüderschaft
-zu verbinden. Man hat mir gesagt, daß eine Zeitlang das Laster der
-Völlerei diesen neu bekehrten Wilden unbekannt gewesen, ja daß sie sich
-sogar des mäßigen Gebrauchs geistiger Getränke gewissenhaft enthalten.
-Diese Enthaltsamkeit wird von einigen Familien noch jetzt beobachtet;
-aber neuerdings hat sich die Trunkenheit wieder unter ihnen
-eingeschlichen, die allerdings ihren Glauben in Miscredit bringt. Man
-darf sich in der That kaum darüber wundern, daß der Indianer, wenn er
-diejenigen seiner Umgebung, welche sich Christen nennen, welche besser
-erzogen sind und den Vortheil einer civilisirten Gesellschaft genießen,
-dem erwähnten Laster bis zum Uebermaß fröhnen sieht, sich von seinem
-natürlichen Hange besiegen läßt und die Pflichten des Christenthums,
-das bei einigen wohl eben nicht tiefe Wurzel geschlagen haben mag,
-entgegenhandelt. Ich habe mich über die, diese lasterhafte Neigung der
-armen Indianer betreffenden Urtheile von Leuten, welche die ersten an
-der Tafel und bei Trinkgelagen waren, sowohl gewundert als geärgert; es
-schien mir, als halte man Leute von Erziehung und Bildung der Völlerei
-für weniger zurechnungsfähig als den halbcultivirten Wilden.
-
-Man findet einige hübsche Ansiedlungen am Reis-See, indeß sollen
-seine Ufer der Gesundheit nicht zuträglich sein, und die Colonisten
-vorzüglich da, wo der Boden niedrig und morastig ist, häufig an
-Sumpf-Fiebern und Flüssen leiden. Einige schreiben die Ursache der
-eben genannten Uebel den umfangsreichen Reisbeeten zu, welche das
-Wasser stocken machen. Die Verdünstung von einer Wasserfläche, die
-fortwährend auf eine Masse faulender Pflanzen wirkt, muß allerdings die
-Constitution derjenigen schwächen, welche ihrem verderblichen Einfluß
-unmittelbar ausgesetzt sind.
-
-Außer zahlreichen kleinen Wasserströmen, die hier zu Lande _Creeks_
-heißen, ergießen sich zwei beträchtliche Flüsse, der Otanabee und der
-Trent in den Reis-See. Diese Flüsse sind durch eine Kette kleiner Seen
-mit einander verbunden, welche man auf einer guten Charte von der in
-Rede stehenden Provinz finden kann. Ich füge meinem Briefe einen Abriß
-bei, der zu Cobourg erschienen ist und Sie mit der Geographie dieser
-Abtheilung des Landes bekannt machen wird. Auf einem der kleinen Seen
-gedenken wir uns anzukaufen; denn sollten diese Gewässer schiffbar
-gemacht werden, wie man beabsichtigt, so dürften die Ländereien an
-ihren Ufern sehr einträglich für die Colonisten ausfallen; gegenwärtig
-sind sie durch große Granit- und Kalkstein-Blöcke, Stromschnellen und
-Catarakte unterbrochen, welche kein Fahrzeug außer Nachen und Böten
-mit flachem Kiel, zulassen und selbst diese sind wegen der vielen
-angedeuteten Hindernisse auf gewisse Strecken beschränkt. Durch
-Vertiefung des Fluß-Bettes und des Bodens der Seen, durch Bildung
-von Wehren in einigen Theilen, und durch Anlegung von Kanälen, würde
-dieser ganze Wasser-Bereich, bis zur Bay von Quinte, der Schifffahrt
-geöffnet werden können. Der Kostenbetrag würde natürlicher Weise
-bedeutend sein, und bevor nicht die Städte dieses Theils des Distriktes
-vollkommen organisirt sein werden, ist an die Ausführung eines solchen
-Riesen-Plans nicht zu denken, wie wünschenswerth sie auch sein mag.
-
-Wir verließen nach einer ungewöhnlichen Verzögerung um neun Uhr das
-Wirthshaus am Reis-See. Der Morgen war feucht und neblich, und ein
-kalter Wind blies über die Wasserfläche, die sich durch den feinen
-Sprühregen nicht eben vortheilhaft ausnahm; ich hüllte mein Gesicht
-zum Schutz dagegen gern in den Ueberschlagkragen meines warmen Mantels
-ein; denn das kleine Dampfboot hatte außer einer unwirksamen Zelt-Decke
-weder eine Kajüte noch einen andern Zufluchtsort. Das armselige
-Schifflein stach leider gegen die trefflich eingerichteten Fahrzeuge,
-worauf wir erst vor Kurzem den Ontario und St. Laurence durchsegelt,
-gewaltig ab. Dennoch nahm uns das Vorhandensein eines Dampfboots auf
-dem Otanabee nicht wenig Wunder, und war für die ersten Ansiedler längs
-den Ufern dieses Flusses ein Gegenstand großer Freude, da sie sich noch
-vor wenigen Jahren zum Transport sowohl ihrer selbst als auch ihrer
-Markt-Erzeugnisse mit schlechten Nachen oder Wagen und Schlitten, auf
-höchst erbärmlichen Straßen, begnügen mußten.
-
-Der Otanabee ist ein schöner, breiter, heller Strom, welchen bei
-seinem Eintritt in den Reis-See eine schmale, wegen ihrer morastigen
-Beschaffenheit des Anbaues unfähige Landzunge in zwei Mündungen
-scheidet. Dieser schöne Fluß, (denn als solchen betrachte ich ihn)
-schlängelt sich zwischen dick bewaldeten Ufern hin, die sich, in
-demselben Verhältniß, als man weiter landeinwärts kommt, mehr und mehr
-erheben.
-
-Gegen Mittag zertheilte sich der Nebel, und die Sonne kam in ihrem
-vollen Septemberglanze zum Vorschein. Die Nadelholz-Wälder zu beiden
-Seiten des Flusses bildeten eine so dichte Schutz-Mauer, daß wir nicht
-die geringste Unannehmlichkeit von dem rauhen Luftzuge fühlten, der
-mich am Morgen, als wir durch den See schifften, ganz durchkältet hatte.
-
-Für den schnell vorübereilenden Reisenden, der sich um die einzelnen
-Schönheiten der Scenerei wenig bekümmern kann, haben die langen
-ununterbrochnen Wald-Linien nothwendiger Weise etwas Einförmiges, das
-ihn allmälig in eine düstere, ja fast traurige Stimmung versetzt.
-Dessenungeachtet aber giebt es manchen Gegenstand, der einen genauen
-Beobachter der Natur unterhält und erfreut. Sein Auge wird von
-den seltsamen Lauben angezogen, welche der canadische Epheu ein
-scharlachrothes rankendes Gewächs, und die wilde Rebe bilden, indem sie
-ihre dicht verschlungenen, reich gefärbten Blätter-Guirlanden zwischen
-den Aesten der Waldbäume hinranken und ihre glühenden Tinten mit den
-rothspitzigen Zweigen des weichen Ahorns vermischen, dessen herbstliche
-Farben in Schönheit von keinem unsrer heimathlichen Waldbäume
-übertroffen werden.
-
- [Illustration: _Amerikanischer Schlitten._]
-
-Die purpurnen Trauben der Rebe, in Größe keineswegs so verächtlich,
-als ich mir vorgestellt, erschienen meinen sehnsüchtigen Augen,
-indem sie, zwischen dem Laube hängend, ihrer Reife entgegen
-eilten, äußerst lockend. Wie ich höre, bildet ihr Saft, mit einer
-hinreichenden Quantität Zucker zusammen gesoten, ein treffliches,
-äußerst wohlschmeckendes Gelee. Die Samen sind zu groß, um eine
-andre Zubereitung räthlich oder vortheilhaft zu machen. Ich werde
-gelegentlich erfahren, welcher Veredelung sie durch Cultur fähig sein
-dürften. Mann kann sich des Schlusses nicht erwehren, daß, wo die Natur
-einen so großen Ueberfluß an Früchten hervorbringt, das Klima, unter
-Mitwirkung von Cultur und Boden, ihrer Vervollkommnung höchst günstig
-sein müsse.
-
-Das Wasser des Otanabee ist so klar und frei von allem Schmuz, daß
-man jeden Kiesel, jede Muschelschale auf seinem Boden deutlich
-unterscheiden kann. Hier und da enthüllt eine Oeffnung im Walde ein
-Neben-Flüßchen, das sich seinen Weg unter den Laubwölbungen der
-darüber ragenden Riesen-Bäume nach dem Hauptstrome bahnt. Die ringsum
-herrschende Stille wird durch nichts unterbrochen, als den plötzlichen
-Aufflug der von ihrem Zufluchtsorte zwischen den buschigen, hier und da
-das linke Ufer bekränzenden Weiden aufgeschreckten wilden Ente, oder
-das gellende rauhe Geschrei des Eisvogels, indem er pfeilschnell über
-die Wasserfläche schießt.
-
-Das Dampfboot landete zur Einnahme von Brennmaterial an einer
-gelichteten Stelle, ungefähr auf dem halben Wege von Peterborough,
-und ich benutzte freudig die Gelegenheit, einige der prächtigen
-Cardinal-Blumen zu pflücken, welche zwischen den Steinen am Uferrande
-wuchsen; auch fand ich hier eine Rose, so schön und angenehm duftend,
-als nur jemals eine unsre englischen Gärten zierte. Ferner bemerkte ich
-zwischen dem Grase auf dem Wiesenlande Frauenmünze, und näher am Ufer
-Pfeffermünze. Ein Strauch, mit Früchten, so groß wie Kirschen, von
-breiartigem Fleisch und angenehm säuerlich, fast wie Tamarindenmark,
-schmeckend, glich unserm Schlehendorn. Die Dornen dieses Strauches
-waren furchtbar lang, stark und fest, meiner Ansicht nach dürfte er
-sich zu Einfriedigungen oder lebendigen Hecken vortrefflich eignen;
-auch die Frucht könnte, eingemacht, kein zu verachtendes Desert abgeben.
-
-Da ich sehr begierig war, das Innere eines Log-Hauses zu sehen, so
-trat ich durch den offnen Thorweg in die Schenke, wie man sie nennt,
-unter dem Vorwand, einen Trunk Milch zu kaufen. Das Innere dieses
-rohen Gebäudes hatte eben kein einladendes Ansehn. Die Wände bestanden
-aus rohen unbehauenen Scheiten oder Baumstämmen, und die Lücken und
-Ritzen zwischen diesen waren mit Moos und unregelmäßigen Holzkeilen
-ausgefüllt, um Wind und Regen abzuhalten; die unberappte Decke zeigte
-das mit Moos und Farrenkraut von allerlei Farben, -- Grün, Gelb und
-Grau -- bedeckte Sparrwerk; und darüber konnte man die vom Rauche,
-der sich durch den weiten, aus Steinen und Lehm erbauten Schornstein
-aufzusteigen weigerte und in leichten Windungen unter dem Dache
-hinkräuselte, um seinen Ausgang durch die vielen Ritzen und Oeffnungen
-in letzterem zu suchen, schön mahagonyroth gefärbten Schindeln
-wahrnehmen.
-
-Der Fußboden war von Erde, die durch Gebrauch eine ziemliche Härte
-und Ebenheit erhalten hatte. Die ganze Hütte erinnerte mich an
-das armselige Gebäude, welches vier russische Matrosen, die sich
-auf Spitzbergen zu überwintern genöthigt sahen, zu ihren Schutz
-errichteten. Das Geräthe darin entsprach ihrer rohen Bauart; einige
-wenige Stühle, roh und ungehobelt; ein Tisch von Tannenholz, der,
-weil letzteres, bei Verfertigung desselben noch frisch gewesen, an
-verschiednen Stellen gesprungen war und blos durch seine mißgestalteten
-Beine zusammengehalten wurde; zwei oder drei Blöcke von grauem
-Granit, die neben dem Heerde standen, dienten als Sitze für die
-Kinder; hierzu kamen zwei Betten, die durch niedrige Gestelle von
-Cedern-Holz etwas über den Boden erhoben waren. Auf diesen elenden
-Schlafstellen lagen zwei arme Teufel ausgestreckt, an den verheerenden
-Wirkungen des Sumpffiebers leidend. Ihre gelben, eine Störung in
-der Gallen-Absonderung verrathenden Gesichter stachen gegen die
-zusammengeflickten Pfühle, womit sie bedeckt waren, seltsam ab. Ich
-fühlte das innigste Mitleiden mit den armen Emigranten, die mir
-erzählten, daß sie kaum einige Wochen im Lande gewesen, als sie vom
-Fieber befallen worden wären. Sie hatten Weiber und kleine Kinder,
-welche sehr elend aussahen. Auch die Weiber hatten am Wechselfieber
-gelitten und dabei nicht einmal ein eignes Haus oder einen Schuppen
-zu ihrer Bequemlichkeit gehabt; die Männer waren durch ihr Erkranken
-in völlige Unthätigkeit versetzt worden; und ein großer Theil von
-dem wenigen Gelde, das sie mit sich gebracht, war in der elenden
-Schenke, wo sie lagen, für Kost und Logis aufgegangen. Ich kann eben
-nicht sagen, daß ich mich sehr zu Gunsten der Wirthin, einer barschen
-und habsüchtigen Frau eingenommen fühlte. Außer den verschiednen
-Emigranten, Männern, Weibern und Kindern, welche diesen Schuppen
-bewohnten, zählte derselbe noch andre Inhaber; ein hübsches feistes
-Kalb nahm einen Verschluß in einem Winkel ein; einige Ferkel wanderten
-grunzend in Gesellschaft mit einem halben Dutzend Vögeln umher. Der
-anziehendste Gegenstand waren drei schneeweiße Tauben, welche friedlich
-die auf der Erde liegenden Bröckchen aufpickten und das Ansehn hatten,
-als wären sie zu rein und unschuldig, um Bewohner eines solchen Platzes
-zu sein.
-
- [Illustration: _Amerikanische Silber-Tanne._]
-
-Sowohl wegen der Seichtigkeit des Flusses in dieser Jahreszeit als auch
-wegen der Stromschnellen kann das Dampfboot nicht den ganzen Weg bis
-Peterborough hinauf steuern, daher ein Kahn (^scow^) oder Ruderboot,
-wie er bisweilen genannt wird, eine plumpe schwerfällige Maschine mit
-flachem Kiel an einer bestimmten Stelle des Flusses im Angesicht einer
-eigenthümlich gestalteten Fichte, auf dem rechten Ufer, der Passagiere
-wartete. Der eben erwähnte Baum heißt die »Yankie-Mütze« (^Yankee
-bonnet^), wegen der vermeintlichen Aehnlichkeit der obersten Aeste mit
-einer Art unter den Yankies üblichen, der blauen schottischen nicht
-unähnlichen Mütze.
-
-Unglücklicher Weise landete das Dampfboot etwa vier englische
-Meilen unterhalb des gewöhnlichen Rendezvous-Ortes und wir warteten
-bis ziemlich vier Uhr darauf. Als es endlich erschien, fanden wir
-zu unserm nicht geringen Mißvergnügen die Ruder-Knechte (acht an
-Zahl und sämmtlich Irländer) unter dem Einfluß eines tüchtigen
-Branntwein-Rausches, den sie sich auf der Herfahrt angetrunken.
-Uebrigens waren sie über die Verzögerung von Seiten des Dampfbootes
-aufgebracht, die ihnen eine vierstündige schwere Ruderarbeit mehr
-auferlegt hatte. Außer einer Anzahl Passagiere fanden wir es mit einer
-beträchtlichen Ladung Hausgeräth, Koffern, Kisten, Schachteln, Säcken
-mit Weizen, Salz und geräuchertem Schweinefleisch, nebst noch hundert
-andern Packeten und Artikeln, großen und kleinen, belastet, die zu
-einer solchen Höhe aufgeschichtet waren, daß ich sowohl für die Güter
-selbst als für die Passagiere Gefahr fürchtete.
-
-Mit dem unverstelltesten Unwillen griffen die Leute nach vollendeter
-Ladung zu ihren Rudern, erklärten aber, daß sie ans Ufer gehen, Feuer
-machen und ihr Mahl zubereiten wollten, da sie noch gar keine Nahrung
-zu sich genommen; dafür hatten sie indeß der Branntwein-Flasche tüchtig
-zugesprochen. Dieser Maßregel widersezten sich einige der männlichen
-Passagiere, und es erfolgte ein heftiger Zank, der damit endete, daß
-die Meuterer ihre Ruder niederwarfen und sich ausdrücklich weigerten,
-ehe sie ihren Hunger befriedigt, einen einzigen Schlag zu thun.
-
-Vielleicht hatte ich ein dem ihrigen verwandtes Gefühl; denn ich begann
-selbst, äußerst hungrig zu werden, da ich seit früh sechs Uhr gefastet;
-in der That war ich so schwach, daß ich meinen Gatten bat, er möchte
-sich ein Stückchen von dem groben, eben nicht appetitlichen Brode für
-mich geben lassen, das die Irländer aus ihren Schnappsäcken hervorzogen
-und mit gewaltigen Schnitten rohen Pöckel-Schweinfleisches verzehrten,
-wobei sie, »nicht laute aber tiefe«[18] Flüche und bittre Spottreden
-gegen diejenigen ausstießen, welche sie in Kochung ihrer Speisen, »_wie
-es Christen gezieme_,« verhindern wollten.
-
-Während ich begierig mein Stückchen Brod hinteraß, sagte ein alter
-Pächter, der mich eine Zeitlang mit einem Gemisch von Neugierde und
-Mitleiden betrachtet, »Arme Frau, sie scheinen ja recht hungrig, und
-sind, irr' ich nicht, eben erst aus dem alten Vaterlande gekommen und
-folglich an dergleichen harte Kost nicht gewöhnt. Hier sind einige
-Kuchen, die meine Frau (^my woman^) als ich von zu Hause aufbrach, mir
-in die Tasche gesteckt hat; ich mache mir wenig daraus, aber sie sind
-doch besser als dieses schlechte Brod; bedienen sie sich derselben,
-und mögen sie Ihnen wohl bekommen.« Mit diesen Worten schüttete er mir
-einige recht schöne hausbackene Streukuchen in den Schooß, und gewiß
-konnte mir nie etwas erwünschter kommen als diese wohlschmeckende
-Erfrischung.
-
-Ein mürrischer düsterer Geist schien unter unsern Bootsleuten zu
-herrschen, der keineswegs abnahm, als der Abend einbrach, und -- die
-Stromschnellen waren nahe.
-
-Die Sonne war untergegangen, und Mond und Sterne stiegen glänzend über
-die stille Wasserfläche empor, welche das Bild dieser Himmels-Körper
-zurückspiegelte. Ein so überaus reizender Anblick schien das
-aufgeregteste, wildeste Gemüth zu Frieden und Ruhe stimmen zu müssen;
-wenigstens dachte ich so, als ich, in meinen Mantel gehüllt, mich in
-den Arm meines Gatten lehnte und mit Entzücken und Bewunderung bald vom
-Wasser zum Himmel, bald vom Himmel zum Wasser blickte. Meine angenehme
-Träumerei wurde indeß bald beendigt, indem unser Boot plötzlich das
-felsige Ufer berührte, und ich die Bootsleute unter manchen Flüchen
-und Betheuerungen versichern hörte, daß sie in dieser Nacht nicht
-weiter steuern würden. Wir befanden uns ungefähr drei englische Meilen
-unterhalb Peterborough; und wie ich, geschwächt durch die eben erst
-überstandne Krankheit und die Strapazen unsrer langen Reise, diesen Weg
-zurücklegen sollte, wußte ich nicht. Die Nacht in dem offnen Boote, dem
-starken vom Flusse aufsteigenden Nebeldunst ausgesetzt, zuzubringen,
-wäre gewisser Tod gewesen. Während wir überlegten, was zu thun sei,
-hatten die übrigen Passagiere ihren Entschluß gefaßt, sie nahmen ihren
-Weg durch den Wald, auf einem Pfade, den sie genau kannten. Auch waren
-sie uns bald aus den Augen entschwunden, bis auf einen Herrn, der einen
-der Bootsleute durch Geld und gute Worte dahin zu bestimmen suchte, daß
-er ihn nebst seinem Hunde an der Stelle, wo die Stromschnellen ihren
-Anfang nehmen, in einem Fischernachen über den Strom setzen sollte.
-
-Denken sie sich unsre Lage, um zehn Uhr in der Nacht, mit keinem
-Schritt unsrer Marschroute bekannt, ans Ufer gesetzt, um, so gut wir
-könnten, den Weg nach einer fernen Stadt zu finden, oder die Nacht in
-dem finstern Walde zuzubringen.
-
-Fast in Verzweiflung, beschworen wir den eben erwähnten Herrn, so
-weit, als sein Weg reiche, unser Führer zu sein. Aber so viele
-Hindernisse stellten sich in Gestalt längs den Ufern ausgestreuter,
-neuerdings gefällter Baumstämme und großer Stein-Blöcke unserm
-Vordringen entgegen, daß wir unsern Pfad nur mit der größten
-Schwierigkeit im Gesicht behalten konnten. Endlich langten wir mit
-unserm Führer an der Stelle an, wo der Nachen seiner wartete, und mit
-einer Hartnäckigkeit, die wir zu einer andern Zeit und unter andern
-Umständen, nie gezeigt haben würden, verlangten wir alle, in das
-elende Fahrzeug aufgenommen zu werden. Endlich willigt der mürrische
-Charon unter Grollen und Brummen ein, und wir stigen hastig in den
-zerbrechlichen Nachen, der kaum geeignet schien, uns sicher nach dem
-entgegengesetzten Ufer zu führen. Ich konnte mich, als ich die Fluth
-von Verwünschungen und Schimpfreden vernahm, die unaufhörlich dem Munde
-des Bootsmanns entströmte, eines Gefühls von unbeschreiblicher Furcht
-nicht erwehren. Ein- oder zweimal liefen wir Gefahr, durch die Tannen-
-und Cedern-Aeste, welche in der Nähe der Ufer ins Wasser gefallen
-waren, umgestürzt zu werden. Meine Freude, als wir das andre Ufer
-erreichten, können Sie sich denken; allein hier wartete unser eine neue
-Beunruhigung; wir hatten nämlich noch eine Strecke pfadlosen Waldes
-zu durchwandern, ehe wir den Nachen wieder erreichen konnten, welcher
-eine kleine Stromschnelle passiren mußte und am Anfange eines kleinen
-Sees, einer Erweiterung des Otanabee, etwas unter Peterborough auf uns
-warten sollte. Bis dahin hinderten umgestürzte Bäume, meistentheils
-Schierlings-Tannen, Pech-Tannen oder Cedern, deren Aeste und Zweige
-so dicht verflochten sind, daß man sie kaum von einander trennen oder
-sich Bahn durch ein davon gebildetes Dickicht brechen kann, bei jedem
-Schritt unsern Weg.
-
-Hätten wir nicht den menschenfreundlichen Beistand unsers Führers
-gehabt, so weiß ich in der That nicht, wie ich diese Schwierigkeiten
-hätte überwinden sollen. Bisweilen war ich nahe daran, vor Müdigkeit
-und Ermattung nieder zu sinken. Endlich vernahm ich zu meiner
-unaussprechlichen Freude die mürrische Stimme unsers irischen Ruderers,
-und nach vielem Zanken und Brummen von seiner Seite, saßen wir abermals
-in dem Nachen.
-
-Wie froh waren wir nicht, als wir nach einiger Zeit neben dem
-hellodernden Feuer eines ungeheuern Holzstoßes, das Haus unsers
-Freundes erblickten. Hier fanden wir auch einen Führer, der uns den
-Weg zur Stadt auf einer durch den Wald gehauenen Straße zu zeigen
-versprach. Eine Tasse Thee zur Erfrischung unsrer Lebensgeister von
-unserm freundlichen Wirth war uns sehr willkommen, und nachdem mir eine
-kurze Zeit ausgeruht und etwas Kraft gesammelt, brachen wir wieder auf,
-geführt von einem zerlumpten, aber höflichen irischen Jungen, dessen
-freies freundliches Wesen und gute Laune uns ganz für ihn einnahmen. Er
-erzählte uns, daß er eine von sieben Waisen sei, die Vater und Mutter
-durch die Cholera verloren. »Ach es ist traurig!« sagte er, »vater- und
-mutterlos in einem fremden Lande zu sein;« dabei wischte er sich die
-Thränen ab, die ihm über die Wangen rollten, indem er uns die traurigen
-Umstände seiner frühzeitigen Verwaisung mittheilte, indeß fügte er
-fröhlich hinzu, daß er einen gütigen Herrn gefunden, der einige seiner
-Brüder und Schwestern so wie ihn selbst in seine Dienste genommen.
-
-Gerade als wir aus dem Dunkel des Waldes hervortraten, fanden wir unsre
-Fortschritte durch einen Wasserstrom gehindert, über welchen wir,
-sagte er uns, um die Stadt erreichen zu können, eine kleine Brücke
-(^log-bridge^) zu passiren hätten. Nun bestand die Baum-Brücke aus
-blos einem Stamme oder vielmehr einem umgefallenen Baume, den man quer
-über den Wasserstrom geworfen, und der durch die von dem morastigen
-Wasser aufsteigenden schweren Dünste sehr schlüpfrig war. Da er blos
-eine Person auf einmal zuließ, so konnte ich keinen Beistand von
-meinen Begleitern erhalten; und obgleich unser kleiner Führer, mit
-einer natürlichen, aus seinem wohlwollenden Charakter entspringenden
-Artigkeit die Laterne dicht an den Baumstamm hielt, um alles Licht
-darauf fallen zu lassen, so hatte ich doch das Mißgeschick, in Folge
-eines Schwindels, der mich gerade bei den letzten noch übrigen
-Schritten anwandelte, bis an die Knie ins Wasser zu fallen, und so war
-ich zugleich müde und naß. Zur Vermehrung unsres Unglücks sahen wir die
-Lichter im Dorfe, eins nach dem andern verschwinden, bis nur noch hier
-und da ein einsames Flämmchen aus den obersten Stuben von einem oder
-zwei Häusern flimmerte, die uns als Leuchtthürme dienten. Wir hatten
-uns noch nach einer Herberge umzuthun, und es war ziemlich Mitternacht,
-als wir die Thür des besten Wirthshauses erreichten, hier endlich
-dachte ich, werden unsre Leiden für diese Nacht ein Ende haben; aber
-wie groß war unser Verdruß, als man uns sagte, daß kein Bett im Hause
-mehr übrig sei, daß Emigranten, die auf ihrem Wege nach einer der neuen
-Ansiedlungen begriffen waren, sie sämmtlich in Beschlag genommen.
-
-Ich vermochte nicht weiter zu gehen, und wir baten um einen Platz
-am Küchen-Feuer, um da, wenn auch nicht zu schlafen, doch ein wenig
-auszuruhen, und wo ich meine nassen Kleider trocknen könnte. Die
-Wirthin, als sie meinen Zustand sah, fühlte Mitleiden mit mir, führte
-mich an ein helloderndes Feuer, das ihre Mädchen schnell angefacht;
-eine brachte mir ein warmes Fußbad; eine andre versah uns mit warmem
-Getränk, das, so fremd und ungewöhnlich es meinem Lippen war, mir gute
-Dienste that; kurz es wurde uns alle mögliche Pflege und Aufmerksamkeit
-zu Theil, die wir von unsern Wirthsleuten nur immer erwarten konnten;
-ja sie traten uns sogar ihre eignen Betten ab, und begnügten sich mit
-einem Strohlager vor dem Küchenfeuer.
-
-Ich kann jetzt über die Unfälle dieses Tages lächeln, aber während wir
-dieselben erduldeten, erschienen sie mir, wie Sie sich wohl vorstellen
-mögen, als keine Kleinigkeit.
-
- Leben Sie wohl! meine theuerste Mutter.
-
-Fußnoten:
-
-[15] Vom Kinde entlehnt, welches, ehe es die Kraft zu gehen hat, auf
-allen Vieren kriecht.
-
-[16] Die besuchtesten Bade-Orte in England.
-
-[17] _Humboldt_ bemerkt über die bekehrten Indianerstämme Folgendes:
-In den Wäldern von Südamerika giebt es Stämme, welche in Dörfern
-wohnen, Pisang, Cassava und Baumwolle erbauen, und kaum mehr Barbaren
-sind, als die in den Missionsanstalten lebenden Individuen, welche man
-abgerichtet hat, das Zeichen des Kreuzes zu machen. Es ist ein Irrthum,
-wenn man alle freie Eingeborne als herumwandernde Jäger betrachtet;
-denn schon lange vor der Ankunft der Europäer herrschte auf dem
-Continent der Ackerbau und herrscht noch jetzt zwischen dem Orinoco und
-Amazonenflusse, in Distrikten, wohin dieselben nie gekommen sind.
-
-Das System der Missionaire hat einen Hang nach Grundeigenthum, nach
-festen Wohnplätzen, und einen Sinn für ein ruhiges Leben erzeugt;
-allein der getaufte Indianer ist oft eben so wenig ein Christ, als
-sein heidnischer Bruder ein Verehrer von Götzen, beide zeigen eine
-auffallende Gleichgültigkeit gegen religiöse Meinungen und eine Neigung
-zur Verehrung der Natur.
-
-Man hat keinen Grund, zu glauben, daß sich die Anzahl der Indianer in
-den spanischen Colonien vermindert habe. Noch immer existiren über
-sechs Millionen der kupferfarbenen Menschenrace in beiden Theilen
-von Amerika; und obgleich in jenen Colonien mehre Sprachen verloren
-gegangen oder vermischt worden sind, so haben sich die Eingebornen doch
-fortwährend vermehrt. In der gemäßigten Zone wird die Berührung der
-Europäer mit den Eingebornen der Bevölkerung der letztern verderblich;
-in Süd-Spanien hingegen ist das Resultat verschieden, und hier fürchtet
-man die Annäherung der Weißen nicht. Im ersten Fall wird für die
-Indianer eine große Strecke Landes erforderlich, weil sie von der Jagd
-leben; im zweiten hingegen reicht ein kleines Stück Grund und Boden
-hin, um einer Familie ihren Unterhalt zu gewähren.
-
-In diesen Provinzen machen die Europäer nur langsame Fortschritte, und
-die religiösen Orden haben zwischen den von ihnen bewohnten Gegenden
-und denjenigen, welche die freien oder unabhängigen Indianer bewohnen,
-Niederlassungen begründet.
-
-Die Missionen haben sich ohne Zweifel Eingriffe in die Freiheit der
-Eingebornen erlaubt, allein diese Eingriffe sind im Allgemeinen dem
-Wachsthum der Bevölkerung günstig gewesen. In demselben Maßstabe,
-als die Prediger in das Innere eindrangen, nahmen die Pflanzer von
-dem Gebiete Besitz; Weiße sowohl, als solche Individuen, welche aus
-gemischten Ehen stammen, lassen sich unter den Indianern nieder; die
-Missionsanstalten verwandeln sich in spanische Dörfer, und mit der Zeit
-verlieren die alten Bewohner ihre ursprünglichen Sitten und Sprache.
-Auf diese Weise schreitet die Civilisation von den Küsten nach dem
-Mittelpunkt des festen Landes zu.
-
-Neu-Andalusien und Barcellona enthalten mehr als vierzehn Stämme
-Indianer. Die der ersten Provinz sind die Chaymas, die Guayquerier, die
-Pariagotoer, die Quaquas, die Aruacas, die Cariben, die Guaraounoer;
-die der andern, die Cumanagatoer, die Palenkas, die Cariben, die
-Piritoer, die Tomoozas, die Topocuarer, die Chacopater und die
-Guarivas. Die oben erwähnten Guaraounoer, welche an der Mündung des
-Orinoco in Hütten auf Bäumen wohnen, ist nicht bekannt.
-
-In den Vorstädten von Cumana und auf der Halbinsel Araya leben
-zweitausend Guayquerier. Unter den übrigen genannten Stämmen sind die
-Chaymas von den Bergen von Caripe, die Cariben von Neu-Barcelona, und
-die Cumanagatoer in den Missionsanstalten von Piritoo die zahlreichsten.
-
-Die Sprache der Guaraounoer, so wie die der Cariben, Cumanagatoer und
-Chaymas werden am allgemeinsten gesprochen und scheinen einer und
-derselben Wurzel anzugehören.
-
-Obgleich die zu den Missionen gehörigen Indianer sämmtlich Ackerbau
-treiben, die nehmlichen Pflanzen cultiviren, ihre Hütten auf dieselbe
-Weise erbauen, und die nehmliche Lebensweise führen, so bleiben doch
-die Nüancen, wodurch sich die verschiedenen Stämme von einander
-unterscheiden, unverändert. Es giebt nur sehr wenige Dörfer, worin die
-Familien nicht verschiedenen Stämmen angehörten und nicht verschiedene
-Sprachen sprächen.
-
-Die Missionäre haben in der That verschiedene Gebräuche und Ceremonien
-verboten und manchen Aberglauben verbannt, allein sie sind nicht im
-Stande gewesen, den wesentlichen Charakter, welchen alle amerikanische
-Racen von der Hudsons Bay an bis zur Magellanschen Straße mit einander
-gemein haben, zu verändern.
-
-Der unterrichtete Indianer, welcher sicherer auf seinen Unterhalt
-zählen kann, als der ungezähmte Eingeborne, und weniger der zügellosen
-Wuth feindlicher Nachbarn oder dem Ungestüm der Elemente ausgesetzt
-ist, führt ein einförmigeres Leben, besitzt die Charaktermilde,
-welche aus der Liebe zur Ruhe entspringt, und nimmt eine ruhige und
-geheimnißvolle Miene an; allein sein Ideenkreis hat keine große
-Erweiterung erfahren, und der Ausdruck von Melancholie, den seine
-Gesichtszüge darbieten, ist einzig und allein die Folge der Trägheit
-und Unempfindlichkeit.
-
-Die Chaymas, wovon mehr als funfzehntausend die spanischen Dörfer
-bewohnen und die gegen Westen an die Cumanagatoer, gegen Osten an
-die Guaraounoer, und gegen Süden an die Cariben stoßen, haben einen
-Theil der hohen Berge Cocollar und Guacharo, so wie auch die Ufer des
-Guarapiche, Rio Colorado, Areo und den Cano von Caripe inne.
-
-Der erste Versuch, sie der Cultur zu unterwerfen, wurde in der Mitte
-des siebenzehnten Jahrhunderts vom Pater Francisco aus Pamplona, einem
-sehr eifrigen und unerschrockenen Mann, gemacht. Die nach und nach
-unter diesem Volke errichteten Missionsanstalten erlitten in den Jahren
-1681, 1697 und 1720 durch die Einfälle der Cariben bedeutende Verluste;
-von 1730 an wurde die Bevölkerung durch die Verheerungen der Bocken
-vermindert.
-
-Sie haben von Natur sehr wenig Haar am Kinn, und das wenige, welches
-erscheint, wird sorgfältig ausgerissen. Dieser geringe Bartwuchs ist
-der amerikanischen Rasse gemein, wiewohl es Stämme giebt, z. B. die
-Chipewas und Patagonier, bei denen der Bart eine bedeutende Größe
-erreicht.
-
-Die Chaymas führen ein sehr regelmäßiges und einförmiges Leben.
-Sie gehen um sieben Uhr zu Bett und stehen halb fünf Uhr auf. Das
-Innere ihrer Hütten halten sie äußerst rein, und ihre Hängmatten,
-Geräthschaften und Waffen befinden sich in der größten Ordnung. Sie
-baden sich jeden Tag, und da sie im Allgemeinen nackt gehen, so sind
-sie von dem Schmuze frei, welcher hauptsächlich durch die Kleidung
-verursacht wird. Außer ihrer Hütte im Dorfe haben sie gewöhnlich an
-einem einsamen Orte in den Wäldern eine kleinere, die mit Palmen- oder
-Pisangblättern bedeckt ist, und in welche sie sich, so oft als es nur
-immer geht, zurückziehen, und so stark ist in ihnen der Wunsch, die
-Aehnlichkeiten eines wilden Lebens zu genießen, daß die Kinder oft Tage
-lang in den Wäldern umherziehen, und wirklich sind die Städte oder
-Dörfer bisweilen ganz verlassen. Wie bei allen barbarischen Nationen
-ist das weibliche Geschlecht Entbehrungen und Beschwerden ausgesetzt,
-der schwerste Theil der Arbeit fällt ihm zu.
-
-[18] »^Not loud but deep^,« eine sprüchwörtliche Redens-Art.
-
-
-
-
-Sechster Brief.
-
- Peterborough. -- Sitten und Sprache der Amerikaner. -- Schottischer
- Maschinenbauer. -- Schilderung Peterboroughs und seiner Umgebungen. --
- Canadische Blumen. -- Shanties. -- Beschwerden und Strapazen, welche
- die ersten Ansiedler zu ertragen haben. -- Verfahren bei Anlegung
- einer Meierei. --
-
-
- Peterborough, den 11. Sptbr. 1832.
-
-Es ist jetzt fest bestimmt, daß wir hier bleiben, bis die Verkäufe von
-Seiten der Regierung stattgefunden[19].
-
-Wir werden alsdann bei S-- und seiner Familie logiren und gedenken,
-während der Zeit einige Acker gelichtetes Landes zu erlangen und ein
-Log-Haus auf eignem Grund und Boden zu errichten. Da wir uns einmal
-vorgenommen, in den Busch zu gehen, wo wir, als dem Militair-Stande
-angehörig, unser Grundeigenthum zu erwarten hatten, das uns glücklicher
-Weise in der Nachbarschaft von S-- zu Theil geworden ist, so sind
-wir jetzt fest entschlossen, allen mit einer solchen Lage verbundnen
-Entbehrungen und Mühseligkeiten fröhlichen Muthes zu begegnen; denn
-wir haben keine andere Wahl als entweder jenen großen Vortheil
-aufzugeben oder unsre Ansiedler-Pflichten zu thun. Wir werden, denk'
-ich, nicht schlechter dabei fahren, als andre, die vor uns in die noch
-unangebauten Distrikte gezogen sind, manche derselben, sowohl See-
-als Land-Offiziere, nebst ihren Familien, haben mit beträchtlichen
-Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt, fangen aber gegenwärtig an, die
-Früchte ihrer Anstrengungen zu ernten.
-
-Außer dem Grund und Boden, wozu er als Offizier in brittischen
-Diensten, berechtigt ist, handelt mein Gatte um ein Stück Land in
-der Nähe kleiner Seen. Dies wird uns sowohl einen Wasser-Vordergrund
-verschaffen als auch der Familie S-- näher bringen, mithin werden wir
-nicht so ganz allein und verlassen sein, als wenn wir sogleich nach
-dem uns von der Regierung bewilligten Landeigenthum abgegangen wären.
-
-Wir haben von mehren zu Peterborough angesiedelten Familien
-Aufmerksamkeit und Gastfreundschaft erfahren. Man findet hier eine sehr
-gute Gesellschaft die hauptsächlich aus Offizieren und ihren Familien
-und außerdem aus Professionisten und Vorrathshändlern besteht. Manche
-der letzten sind Leute von achtbarer Familie und guter Erziehung;
-wiewohl ein hiesiges Vorraths-Magazin in der That um nichts besser ist
-als ein _Kramladen_ (^general chop^) in einer englischen Landstadt,
-so behaupten doch die Vorrathshändler in Canada einen weit höheren
-Rang als die Krämer in den kleinen Städten und Dörfern von England.
-Die Vorrathshändler sind die Kaufleute und Banquiers der Orte, wo
-sie sich niedergelassen. Fast alle Geldsachen werden von ihnen
-abgemacht, und sie sind oft im Besitz von Grundeigenthum und Leute von
-Wichtigkeit, verwalten obrigkeitliche Aemter und werden nicht selten
-zu Commissairen, ja sogar zu Mitgliedern des Provincial-Parlamentes
-erwählt.
-
-Da sie in der Gesellschaft einen Rang behaupten, der sie der
-Aristokratie des Landes gleich stellt, so dürfen Sie sich nicht
-wundern, wenn ich Ihnen sage, daß es nichts Ungewöhnliches ist, den
-Sohn eines See- oder Land-Offiziers oder Geistlichen hinter dem
-Zahltisch stehen, oder mit seines Vaters Holzhauern im Walde die Axt
-führen zu sehen; eine Beschäftigung, wodurch sie keineswegs ihren Rang
-in der Gesellschaft verlieren. Nur gute Erziehung und feine Sitten
-unterscheiden hier den Gentleman von den übrigen Klassen, da der
-Arbeiter, wofern er fleißig und betriebsam ist, was weltlichen Besitz
-anlangt, gar bald seines Gleichen werden kann. Der unwissende, sei er
-auch noch so reich, wird nie dem Mann von Erziehung die Wage halten. Es
-ist die moralische und geistige Ausbildung des Menschen, welche einen
-Unterschied der Klassen in diesem Lande bildet -- »Kenntniß ist Macht.«
-
-Wir hatten so viel von den gehässigen Sitten der Yankies in diesem
-Lande gehört, daß ich mich durch die wenigen Beispiele von eingebornen
-Amerikanern, die mir zu Gesicht kamen, viel mehr angenehm überrascht
-fand. Sie waren größtentheils höfliche, anständige Leute. Die einzigen
-Eigenheiten, die ich an ihnen bemerken konnte, waren ein Nasen-Ton beim
-Sprechen und einige wenige seltsame Phrasen; allein diese sind blos
-unter den niedrigeren Klassen gebräuchlich, die etwas mehr _rathen_ und
-_calculiren_[20] als wir. Einer ihrer merkwürdigsten Ausdrücke ist das
-Zeitwort »^Fix^,« (festsetzen, befestigen, bestimmen). Alles, was zu
-thun oder zu verrichten ist, muß _fixirt_ (^fixed^) werden. »^Fix the
-room^,« bedeutet: das Zimmer in Ordnung bringen. »^Fix the table^,«
-(decke den Tisch), »^Fix the fire^,« (schüre das Feuer an), sagt die
-Hausfrau zu ihren Mägden, und alles geschieht dem Befehle gemäß.
-
-Viel Spaß machte es mir, als ich eines Tages eine Frau zu ihrem Mann
-sagen hörte, daß der Schornstein fixirt werden müsse (^wanted fixing^).
-Ich hielt ihn für fest und sicher genug und war nicht wenig überrascht,
-als der Hausherr einen Strick und einiges Cedern-Reisig herbeiholte,
-und damit den in der Esse angehäuften Ruß entfernte, welcher das Feuer
-rauchen machte. Der Schornstein war bald _fixirt_ (gereinigt), und
-das Rauchen hatte ein Ende. Diese seltsame Art, sich auszudrücken,
-herrscht nicht allein unter den niedrigen Klassen, sondern hat, weil
-man dergleichen so oft hört, allgemeine Aufnahme gefunden, und wird
-sogar von den in letztrer Zeit hier angesiedelten Emigranten aus unserm
-Vaterlande gebraucht.
-
-Mit Ausnahme einiger befremdenden Ausdrücke, und eines Versuchs, feine
-Redens-Arten in ihre gewöhnliche Conversation einzuführen, behaupten
-die Yankies, was grammatische Richtigkeit anlangt, einen entschiednen
-Vorrang vor unsern englischen Bauern. Sie sprechen ein besseres
-Englisch, als man von Leuten desselben Standes in irgend einem Theile
-von England, Irland oder Schottland hört; obwohl man, meines Bedünkens,
-dies zu Hause nicht gern zugeben möchte.
-
-Wenn mich Jemand fragen sollte, welche Züge mir an den Amerikanern,
-auf die ich bis jetzt gestoßen, am meisten auffallen, so dürfte ich
-antworten: »Kälte, die sich der Apathie nähert.« Ich will damit
-keineswegs behaupten, daß es ihnen an Gefühl und wahrer Gemüthlichkeit
-fehle; allein sie lassen ihre Bewegung nicht sehen. Sie sind nicht so
-verschwenderisch mit ihren Freundschaftsbezeugungen und Begrüßungen,
-wie wir, obwohl vielleicht eben so aufrichtig. Niemand bezweifelt ihre
-Gastfreundschaft; allein man verlangt doch bei alle dem nach einem
-herzlichen Druck der Hand oder einem freundlichen Wort, wodurch man
-sich willkommen fühlt.
-
-Neue Ankömmlinge in diesem Lande sind sehr geneigt, die alten
-brittischen Ansiedler mit den eingebornen Amerikanern zu verwechseln,
-und, wenn sie auf rohe ungeschliffne Leute stoßen, die sich in
-ihrer Rede gewisser Yankie-Worte bedienen, und mit ihrer, den
-aristokratischen Begriffen der vornehmen Engländer zuwiederlaufenden
-Unabhängigkeit prunken, sogleich annehmen, daß sie es mit wirklichen
-Yankies zu thun haben, während dieselben doch in der That blose
-Nachahmer sind; und Sie wissen wohl, Beste Mutter, daß eine schlechte
-Nachahmung stets schlechter ist, als das Original.
-
-Sie würden sich nicht wenig wundern, wenn Sie sähen, wie bald die
-neuen Ankömmlinge in diese widrigen Maniren und Affectation von
-Gleichheit verfallen; was vorzüglich von den Irländern und Schotten
-niedriger Abkunft gilt; die Engländer machen schon eher eine Ausnahme.
-Das Benehmen eines jungen Schotten, des Maschinenmeisters auf dem
-Dampfboote, als ihn mein Gemahl über die Handhabung der Maschine
-befragte, machte uns gewissermaßen Unterhaltung. Seine Maniren waren
-grob, ja sogar beleidigend. Er vermied sorgfältig jede Hinneigung zu
-Höflichkeit oder äußerem Anstand; ja er ging so weit, daß er sich auf
-die Bank dicht neben mich setzte und bemerkte, er halte unter den
-vielen Vortheilen, welche dieses Land Ansiedlern, wie er sei, darbiete,
-es nicht für den geringsten, daß er nicht verbunden sei, seinen Hut
-abzunehmen, wenn er mit Leuten (^people^) (Personen unsers Standes
-meinend) spreche, und daß er sie nicht anders als bei ihren Namen
-anzureden brauche; dazu könne er seinen Sitz neben jedem Gentleman und
-jeder Dame nehmen und sich ihnen völlig gleich achten.
-
-»Sehr wahr,« erwiederte ich, kaum vermögend, mein Lachen über diesen
-Ausfall zu unterdrücken; »allein ich glaube Sie überschätzen den
-Vortheil solcher Privilegien um ein Bedeutendes; denn Sie können die
-Dame oder den Mann von Stande nicht zwingen, dieselbe Meinung von
-Ihrer Persönlichkeit zu hegen oder, wofern sie sich nicht dadurch
-geschmeichelt fühlen, neben Ihnen sitzen zu bleiben.« Mit diesen Worten
-stand ich auf und verließ den unabhängigen Gentleman, offenbar ein
-wenig verwirrt über dieses Manövre, indeß gewann er seinen Selbstbesitz
-bald wieder, schwang die Axt, welche er in der Hand hatte, und sagte:
-»Es ist, denke ich, kein Verbrechen, von armen Aeltern geboren zu sein.«
-
-»Nein! wahrlich nicht,« antwortete mein Gatte, »kein Mensch kann sich
-seine Geburt selbst wählen, er hat es nicht in seiner Gewalt, arm oder
-reich geboren zu werden; und eben so wenig kann es einem Gentleman zur
-Last gelegt werden, daß er von Aeltern geboren worden, die einen höhern
-Rang in der Gesellschaft einnehmen, als sein Nachbar. Ich hoffe Sie
-geben dies zu.«
-
-Der Schotte sah sich, wiewohl ungern, zur Bejahung dieses Ausspruchs
-genöthigt; schloß aber nachmals damit: er sei sehr froh, daß er vor
-Gentlemen, wie sie sich zu nennen beliebten, den Hut nicht abzunehmen,
-noch in seiner Rede sich demuthsvoll zu zeigen brauche.
-
-»Niemand, mein Freund, dürfte Sie gezwungen haben, in ihrem Vaterlande
-höflicher zu sein, als in Canada. Gewiß hätten Sie, wofern es Ihnen
-so beliebte, Ihren Hut ebenfalls aufbehalten können. Kein Gentleman,
-glauben Sie mir, würde Ihnen denselben vom Kopfe geschlagen haben.
-
-»Was den gerühmten Vortheil in Betreff roher Sitten in Canada anlangt,
-so würde ich etwas davon halten, wenn er Ihnen nur im geringsten
-nützte, oder einen Dollar mehr in die Tasche brächte; allein ich habe
-Grund, zu zweifeln, daß er diese wünschenswerthe Wirkung hat.«
-
-»Es ist aber doch tröstlich, sollte ich meinen, sich einem Gentleman
-gleich zu achten.«
-
-»Besonders wenn Sie den Gentleman zu denselben Gedanken bestimmen
-können.« Dies war ein Punkt, der unsern Gleichheits-Candidaten etwas in
-Verlegenheit zu setzen schien; denn er begann mit verdoppelter Energie
-zu pfeifen und die Füße zu schleudern.
-
-»Jetzt,« sagte sein Peiniger, »nachdem Sie mir Ihre Begriffe von
-canadischer Unabhängigkeit erklärt, haben Sie die Gefälligkeit, mich
-mit dem Mechanismus Ihrer Maschine vertraut zu machen, die Sie so genau
-zu kennen scheinen.«
-
-Der Mann sah meinen Gatten eine Minute lang halb trotzig, halb durch
-das seiner Geschicklichkeit gezollte Compliment geschmeichelt, an, ging
-darauf zur Maschine setzte alles mit großer Geläufigkeit auseinander
-und behandelte uns seit dieser Zeit mit vollkommner Achtung. Die
-Erwiederung meines Gatten auf seine in einem höchst unhöflichen Tone
-gethane Frage: »was macht denn eigentlich einen Gentleman, ich bitte
-Sie, beantworten Sie mir das?« »Feine Sitten und gute Erziehung. -- Ein
-reicher oder hochgeborner Mann, der sich roh und ungesittet benimmt und
-unwissend ist, hat eben so wenig Ansprüche auf den Titel: Gentleman,
-als Sie selbst,« hatte auf ihn einen starken Eindruck gemacht.
-
-Wir standen seitdem auf einem ganz andern Fuße miteinander; der
-Maschinen-Meister hatte so viel gesunden Verstand, daß er einsah, rohe
-Vertraulichkeit mache den Gentleman noch nicht aus.
-
-Allein es wird Zeit, daß ich Ihnen einige Nachrichten über Peterborough
-mittheile, welches, hinsichtlich der Lage, jedem andern Ort, den ich
-bis jetzt in der obern Provinz gesehen habe, überlegen ist. Es nimmt
-ziemlich den Mittelpunkt zwischen den Stadt-Bezirken Monaghan, Smith,
-Cavan, Otanabee und Douro ein, und dürfte nicht unpassend als die
-Hauptstadt des Newcastle-Distrikts gelten.
-
-Es liegt auf einer hübschen erhabnen Ebne, gerade über einem kleinen
-See, wo der Fluß durch zwei niedrige bewaldete Eilande getheilt
-ist. Der ursprüngliche oder Gouvernements-Theil der Stadt ist in
-Halbacker-Parcellen[21] angebaut; die Straßen, welche sich jetzt
-schnell mit Gebäuden füllen, bilden rechte Winkel mit dem Flusse und
-erstrecken sich gegen die Ebnen nach Nordosten zu. Diese Ebnen bilden
-einen schönen natürlichen Park, in welchem Thäler und Hügel anmuthig
-mit einander abwechseln; überall stößt das Auge auf liebliche, grüne,
-mit den mannigfaltigsten und schönsten Blumen geschmückte Auen,
-gleichsam von der Hand der Natur mit Gruppen von stattlichen Fichten,
-Eichen, Balsam-Pappeln, italienischen Pappeln und Silber-Birken
-bepflanzt. Die Aussicht von diesen Ebnen aus ist entzückend; wohin man
-nur sein Auge wendet, erblickt man mannigfaltige Hügel und Thäler,
-Wald und Wasser, während sich die Stadt über einen beträchtlichen
-Flächenraum ausbreitet.
-
- [Illustration: _Canadische Fichte._]
-
-Die Ebnen verlaufen mit einer starken Neigung nach dem Flusse zu, der
-mit großem Ungestüm zwischen seinen Ufern hinbraust. Denken Sie sich
-ein langes, enges, den östlichen und westlichen Theil der Stadt in zwei
-Hälften scheidendes Thal.
-
-Das Otanabee-Ufer erhebt sich zu einer größeren Höhe als die
-Monaghan-Seite, und beherrscht eine weite Aussicht über das
-zwischenliegende Thal; die gegenüber befindliche Stadt und die
-bekränzten Waldungen und Hügel im Hintergrunde. Dieser Theil heißt
-_Peterborough-East_ und ist das Besitzthum drei reicher Capitalisten,
-von welchen man die Stadt-Parcellen kauft.
-
-Peterborough, auf die angegebne Weise vertheilt, nimmt einen
-beträchtlichen, zur Bildung einer großen Hauptstadt mehr als
-hinreichenden Flächenraum ein. Seine Einwohner-Zahl wird gegenwärtig
-auf siebenhundert Köpfe und darüber geschätzt, und wenn sie in den
-nächsten Jahren so schnell zu wachsen fortfährt, wie dies der Fall
-bisher gewesen ist, so dürfte Peterborough bald eine sehr volkreiche
-Stadt sein[22].
-
-Der Ort ist im Besitz großer Wasser-Kraft, sowohl durch den Fluß
-als den schönen breiten Bach, der seinen Weg durch die Stadt windet
-und sich in den kleinen, weiter unten liegenden See ergießt.
-Man findet daselbst verschiedne Säge- und Mahl-Mühlen, eine
-Branntweinbrennerei, eine Walk-Mühle, zwei größere Gasthöfe und
-verschiedne kleine Wirthshäuser, eine Anzahl gute Vorrathshäuser,
-ein Gouvernements-Schulhaus, das auch als Kirche dient, bis ein
-großes Gotteshaus erbaut sein wird. Die Ebnen werden zu Park-Anlagen
-verkauft, und hier und da erheben sich hübsche kleine Wohnhäuser,
-allein ich fürchte sehr, daß die natürlichen Schönheiten dieser
-anmuthigen Landschaft bald verloren gehen werden.
-
-Ich ermüde gar nicht in meinen Ausflügen und erklettre die Hügel und
-Berge in jeder Richtung, um eine neue Aussicht zu gewinnen, oder einige
-neue Blumen zu sammeln, woran, obgleich schon spät im Sommer, es doch
-immer noch einen Ueberfluß giebt.
-
-Unter den Pflanzen, mit deren Namen ich bekannt bin, sind mancherlei
-strauchartige Astern von fast jeder Farbe: Blau, Roth und Perlweiß;
-eine Monarde von höchst aromatischem Geruch, den selbst die trocknen
-Stiele und Samen-Behälter theilen; das weiße Ruhrkraut (^Gnaphalium^)
-oder die Immortelle (wovon bereits die Rede gewesen); verschiedne
-Rosen-Arten, wovon ich noch einige Knospen in einem Thale unweit der
-Kirche fand. Auch bemerkte ich unter den strauchartigen Gewächsen eine
-niedliche kleine, unserm Buchsbaum ähnliche Pflanze; sie schleppt sich
-am Boden hin, und sendet Zweige und Schößlinge aufwärts; ihre Blätter
-werden mit der Zeit dunkel kupferroth; allein trotz dem anscheinenden
-Widerspruch, ist sie ein Immergrün[23]. Ferner fand ich einige schöne
-Lichen-Arten mit korallenfarbnen Mützchen auf den grauen hohlen
-Stielen, sie stehen in unregelmäßigen Büscheln zwischen dem trocknen
-Moose, noch häufiger aber bedecken sie die Wurzeln der Bäume oder halb
-verwitterten Baumstämme. Unter den mancherlei Pilzen sammelte ich
-einen hohlen Becher, von schönstem Scharlachroth an der innern Fläche
-und äußerlich blaß rehfarben; eine andre sehr schöne Pilz-Art bestand
-aus kleinen Aestchen, wie weiße Korallen-Bäumchen, aber von so zartem
-Gefüge, daß sie bei der leisesten Berührung abbrachen.
-
-Der Boden war an manchen Orten mit einem dicken Teppich von Erdbeeren
-mancherlei Art bedeckt, welche, so lange ihre Zeit ist, denen, die
-sich die Mühe nehmen, sie zu pflücken, ein stetes Dessert liefern;
-ich meines Theils würde gewiß von diesem Privilegium Gebrauch machen,
-wenn ich den Sommer über in ihrer Nähe wäre. Außer den Pflanzen, die
-ich selbst in der Blüthe beobachtet habe, sollen Frühling und Sommer
-noch manche andre hervorbringen: eine orangenfarbne Lilie, die rothe
-Pechnelke[24], die Mocassin-Blume oder gelbe Scharte (Ginster);
-Maiblumen in Ueberfluß; und nach den Ufern des Baches oder des Otanabee
-zu bewegt die prächtige Cardinal-Blume[25] ihre scharlachrothen
-Blüthen-Aehren anmuthig hin und her.
-
-Ich ärgere mich ordentlich, daß man mir, wenn ich die Schönheit der
-canadischen Blumen bewundre, jedesmal wiederholt, sie seien geruchlos,
-und daher kaum der Beachtung werth; als wenn sich das Auge nicht an
-den schönen Formen und Farben weiden könnte, wenn nicht zugleich dem
-Geruchssinn geschmeichelt wird.
-
-Um dieses Land von dem Vorwurf zu befreien, den ihm ein sehr gescheuter
-Mann machte, mit welchem ich einst in London zusammen traf, daß nämlich
-die hiesigen Blumen ohne Geruch, und die Vögel ohne Gesang seien,
-bemerke ich hier, daß mir bereits verschiedne äußerst wohlriechende
-Blumen und Kräuter zu Gesicht gekommen sind. Unter diesen darf ein
-schönes, strauchartiges Gewächs (^milk-weed^), mit purpurfarbnen
-Blüthen, die sich eben so sehr durch ihre Farben-Pracht als ihren
-reichen Geruch auszeichnen, nicht vergessen werden.
-
-Ich gedenke nächstens ein Herbarium für _Elisa_ zu sammeln und eine
-Beschreibung der Pflanzen, ihres Wachsthums und ihrer Eigenschaften
-beizufügen.
-
-Alle merkwürdige Umstände hinsichtlich derselben werde ich sorgfältig
-aufzeichnen; und sagen Sie ihr, sie solle versichert sein, daß ich ihr
-von jeder vorkommenden Art bei günstiger Gelegenheit ein Exemplar, wo
-möglich mit den Samen, übersenden werde.
-
-Meines Erachtens dürfte dieses Land den Forschungen des Botanikers ein
-weites und fruchtbares Feld eröffnen. Ich bedaure jetzt sehr meine
-Nichtbeachtung der häufigen Aufforderungen _Elisa's_, ein Studium zu
-verfolgen, welches ich einst für trocken hielt, jetzt aber höchst
-interessant finde und als eine fruchtbare Quelle geistigen Genusses
-besonders für diejenigen betrachte, welche im Busche (Urwälder) leben
-und demgemäß nothwendiger Weise von den Freuden und Vergnügungen,
-welche ein großer Kreis von Freunden, -- und dem Wechselwelchen eine
-Stadt oder auch nur ein Dorf darbieten, ausgeschlossen sind.
-
-Am Sonntage ging ich in die Kirche; -- die erste Gelegenheit, dem
-öffentlichen Gottesdienst beizuwohnen, seitdem ich die schottischen
-Hochlande verlassen; und gewiß hatte ich Ursache, vor dem barmherzigen
-Gott, der mich wohlbehalten durch die Gefahren der großen Tiefe (des
-Meeres) und der verderblichen Krankheit geführt, demuthsvoll und
-dankbar meine Knie zu beugen. Noch nie erschien mir unsre schöne
-Liturgie so rührend und eindrucksvoll als an diesem Tage -- in unsrer
-schlichten, aus rohen Baumstämmen mitten in der Wildniß erbauten Kirche.
-
-Dieses einfache Gebäude liegt am Fuße eines sanften Abhanges auf der
-Ebne, umgeben von Eichen- und Fichten-Gruppen die, obgleich nicht so
-groß und stattlich wie die gewaltigen Eichen und Kiefern des Forstes,
-mit ihren in mannigfaltige und seltsame Formen vertheilten Aesten dem
-Auge doch weit angenehmer sind. Der Rasen ist hier von smaragdnem Grün;
-mit einem Wort, es ist ein anmuthiges Plätzchen, entfernt von dem
-geräuschvollen Treiben der Stadt, ein geeigneter Ort, Gott in Geist und
-Wahrheit zu verehren!
-
-Nach den Smith-town-Hügeln hin und längs den Ufern, welche den Fluß
-überragen, giebt es manche herrliche Spaziergänge. Der Gipfel der Hügel
-ist unfruchtbar und dicht mit lockern, rothen und grauen Granitblöcken,
-und zwischen diesen, mit großen -- in jeder Richtung ausgestreuten
-Kalkstein-Massen bedeckt; letztere sind meistentheils durch die
-Einwirkung des Wassers glatt und zugerundet. Da sie losgetrennte Stücke
-sind und blos die Oberfläche des Bodens einnehmen, so konnte ich mir
-nicht recht erklären, wie sie in diese Höhe gekommen. Ein Geolog würde
-ohne Zweifel dieses Räthsel in wenigen Minuten lösen. Die Eichen,
-welche auf dem hohen Ufer wachsen, sind eher größer und üppiger, als
-die in den Thälern und auf andern fruchtbaren Boden-Stellen.
-
-Hinter der Stadt, in der Richtung der Cavan- und Emilien- (^Emily^)
-Straße, breitet sich ein weiter Raum aus, den ich ^Squatter's ground^
-nenne, weil er ganz mit Shanties bedeckt ist, worin die armen
-Auswandrer, ausgelößte Pensionairs[26] und dergleichen Leute sich mit
-ihren Familien niedergelassen haben. Einige bleiben hier, um, wie sie
-vorgeben, ein einstweiliges Obdach für ihre Weiber und Kinder zu haben,
-bis sie mit Errichtung eines Hauses auf dem ihnen bewilligten Grund und
-Boden zu deren Aufnahme zu Stande gekommen; aber nicht selten geschieht
-es, daß sie aus Trägheit oder wirklichem Unvermögen, das ihnen oft
-meilenweit von hier in den Urwäldern und in noch ganz unbebauten
-Ortschaften oder Stadtbezirken[27] zugetheilte Land zu bearbeiten,
-verkümmern, indem sich ihnen zu große Schwierigkeiten und Hindernisse
-entgenstellten, deren Besiegung mehr Energie und Muth erfordert, als
-viele derselben besitzen. Andre, zu Müßiggang und Ausschweifungen
-geneigt, vergeuden das empfangene Geld und verkaufen das Land, wofür
-sie ihre Pensionen aufgaben, und müssen dann nothwendiger Weise in
-Armuth und Elend auf dem Shanty-Grunde hocken bleiben.
-
-Die Shanty ist eine Art Hütte im ursprünglichen canadischen Baustyl,
-und nichts weiter als ein aus unbehauenen Baumstämmen oder Scheiten
-(^logs^) zusammengezimmerter Schuppen; die Fugen zwischen den runden
-Rändern (^round edges^) der Baumstämme sind mit Schlamm oder Lehm, Moos
-oder Holzschnitzeln ausgefüllt; das Dach besteht häufig aus gespaltnen
-und mit der Art ausgehöhlten Bäumen, die neben einander gelegt sind,
-so daß die Kanten auf einander ruhen; die hohlen und convexen Flächen
-sehen abwechselnd nach oben, und so bildet ein Scheit (gespaltner
-Baumstamm) um das andre eine Rinne zur Ableitung des Regens und
-schmelzenden Schnees. Die Traufen eines solchen Gebäudes gleichen den
-wellenförmigen Rändern einer Kammmuschel; allein so roh dieses Dach
-ist, entspricht es doch dem Zweck, das Innere trocken zu erhalten, weit
-wirksamer als die aus Rinde oder Bretern gebildeten Dächer durch welche
-der Regen nur zu leicht Eingang findet. Bisweilen hat die Shanty ein
-Fenster, bisweilen nur einen offnen Thorweg, welcher das Licht ein-
-und den Rauch ausläßt[28]. Eine rohe Esse, oft nichts weiter als
-ein in die obersten Dachbäume, über dem Heerde, geschnittne und in
-viereckiger Form roh mit Bretern umgebne Oeffnung dient zum Auslassen
-des Rauches; die einzige Vorsichtsmaßregel, um zu verhindern, daß die
-Scheit-Wände nicht Feuer fangen, besteht in Anbringung einiger großen
-Steine in halbkreisartiger Form, oder noch gewöhnlicher, einer Lage
-trockner Erde zwischen Heerd und Wand.
-
- [Illustration: _Log-Haus._]
-
- [Illustration: _Hölzernes Dorf._
- (_Logdorf und Ankunft eines Postwagens._)]
-
-Nichts kann unbehaglicher sein als einige dieser mit Rauch und Schmuz
-gefüllten Shanties, der gemeinliche Zufluchtsort für Kinder, Schweine
-und Geflügel. Allein ich habe Ihnen bis jetzt nur die Schatten-Seite
-des Gemäldes gegeben; und es freut mich, Ihnen sagen zu können, daß
-nicht alle Shanties auf dem Squatter's-Grunde der geschilderten
-gleichen; im Gegentheil die Mehrzahl war von behenden muntern Leuten
-bewohnt und hatte sogar zwei Fenster und einen von Lehm regelrecht
-durch das Dach geführten Schornstein, ja einige waren sogar roh
-gedielt, und fast eben so bequem eingerichtet, wie die kleinen
-Log-Häuser.
-
-Sie dürften es vielleicht befremdend finden, wenn ich Ihnen versichre,
-daß manche achtbare Emigranten mit ihren Weibern und Kindern, Personen
-von zartem Körperbau und, ehe sie hierher kamen, an jede Bequemlichkeit
-gewöhnt, sich begnügt haben, während des ersten oder der zwei ersten
-Jahre ihrer Ansiedelung in den Wäldern eine dergleichen Hütte zu
-bewohnen.
-
-Mit einiger Theilnahme habe ich die Erzählungen von den Beschwerden
-und Mühseligkeiten angehört, die einige der ersten Ansiedler in der
-Nachbarschaft, als Peterborough nur erst zwei Wohnhäuser enthielt,
-erduldet haben. Damals gab es hier weder durch die Waldung gehauene
-Straßen noch Boote zur Communication mit den entlegnen, bereits
-angebauten Theilen des Distriktes; daher denn die Schwierigkeiten,
-sich die nöthigen Mund-Vorräthe und andre Bedürfnisse zu verschaffen,
-weit größer waren, als sich irgend einer von den spätern Ankömmlingen
-vorstellen kann.
-
-Als ich von einer ganzen Familie hörte, die keinen bessern Mehlvorrath
-hatte, als was täglich auf einer kleinen Handmühle gemahlen
-werden konnte, und vier Wochen hindurch fast von allen nöthigen
-Lebensbedürfnissen, selbst Brod nicht ausgenommen, entblößt war, konnte
-ich unmöglich meine Verwunderung verheimlichen, daß ich in den über
-Auswanderung erschienenen Büchern von dergleichen Uebeln auch nicht
-ein Wort gelesen, das den künftigen Ansiedler darauf hätte vorbereiten
-können.
-
-»Diese besondern Prüfungen,« bemerkte mein verständiger Freund,
-»beschränken sich hauptsächlich auf die ersten Ankömmlinge, welche sich
-in den noch völlig unangebauten Theilen des Landes niederlassen, wie
-dies unser Fall war. Fragen Sie nur genau einige von den Familien der
-niedern Klasse, die sich weit von den Städten angesiedelt haben und die
-wenige oder keine Mittel zu ihrem Unterhalt während der ersten zwölf
-Monate besaßen, bis sie eine Ernte von ihrem Boden erhielten, so werden
-sie manche traurige Erzählung von Leiden und Mühseligkeiten vernehmen.«
-
-Schriftsteller über Auswanderung geben sich nicht die Mühe, nach diesen
-Dingen zu forschen, auch entspricht die Mittheillung unangenehmer
-Thatsachen ihrem Zweck nicht. Nur wenige haben ausschließlich über den
-»_Busch_« geschrieben. Reisende durcheilen in der Regel die seit langer
-Zeit angesiedelten in gutem Gedeihen begriffnen Theile des Landes,
-sie sehen einen Strich fruchtbaren angebauten Bodens, das Resultat
-vieljähriger Arbeit und Thätigkeit; sie sehen bequeme Wohnhäuser,
-reichlich ausgestattet mit allen wesentlichen Lebens-Bedürfnissen; die
-Frau des Meierei-Besitzers macht ihre Seife, ihre Lichte und ihren
-Zucker selbst, die Familie ist in Zeuge gekleidet, die sie mit eigner
-Hand gesponnen und gewebt hat, sie trägt Strümpfe von eigner Fabrik.
-Brod, Bier, Butter, Käse, Fleisch, Federvieh u. s. w. sind insgesammt
-Erzeugnisse des eignen Bodens. Sie schließen daraus, daß Canada ein
-zweites Canaan sei, und schreiben ein Buch, worin sie diese Vortheile
-auseinandersetzen, mit der Hinzufügung, daß man daselbst Grund und
-Boden für einen wahren Spottpreis erhalte; und rathen jedem, der
-unabhängig und gegen Mangel gesichert zu sein wünscht, zur Auswanderung.
-
-»Man vergißt, daß diese Vortheile das Resultat vieljähriger
-unablässiger Anstrengungen, daß sie der _Kranz_ nicht _die ersten
-Früchte_ der mühevollen Arbeit des Ansiedlers sind; und daß fast jede
-Klasse von Auswandrern in der Zwischenzeit sich manchen und großen
-Entbehrungen unterwerfen muß.
-
-»Viele lassen sich bei ihrer ersten Ankunft, vorzüglich in den
-noch unangebauten Gemeinde-Bezirken (^townships^), durch den wenig
-versprechenden Anblick der Gegenstände um sie her entmuthigen.
-Sie finden keine von jenen Vortheilen und Bequemlichkeiten, wovon
-sie gehört und gelesen haben; und sie sind auf die gegenwärtigen
-Schwierigkeiten unvorbereitet; einige verzagen, andre verlassen den
-Ort, in ihren Erwartungen getäuscht und voll Unwillen.
-
-»Ein wenig Ueberlegung würde ihnen gezeigt haben, daß jede Route Land
-von der dichten Waldung, womit sie bedeckt ist, befreit werden muß, ehe
-man eine Weizenpflanze erziehen kann; daß, nachdem die gefällten Bäume
-zerschnitten, geklaftert (^logged^) und verbrannt worden sind, das Feld
-eingefriedigt, die Saat gesäet, geerntet und ausgedroschen werden muß,
-ehe an einen Gewinn zu denken ist; daß alles dies viel Zeit und Arbeit,
-und wenn man letztere bezahlen muß, eine beträchtliche Auslage an barem
-Gelde nöthig ist, und daß, eine Familie mittlerweile essen und trinken
-will; daß im Fall einer größeren Entfernung von den Vorrathsplätzen,
-jeder Artikel auf schlechten Straßen entweder durch Menschenhände oder
-auf der Axe zugeführt werden muß, wobei zu bemerken, daß in Verhältniß
-zu der Weg-Länge und den Schwierigkeiten rücksichtlich des Transports
-das Fuhr- und Träger-Lohn mehr oder weniger kostspielig ist. Gewiß ist
-es besser, alle diese Dinge im Voraus zu kennen, weil man alsdann weiß,
-welchen Hindernissen man zu begegnen hat.
-
-»Selbst ein Arbeiter, wenn er auch sein eignes Land hat, ist oft, ja
-ich möchte behaupten, im Allgemeinen genöthigt, sich für das erste Jahr
-oder die beiden ersten Jahre als _Tagelöhner zu vermiethen_ (^hire
-out^) um den für sich und seine Familie erforderlichen Lebensunterhalt
-zu erwerben; und viele der in Rede stehenden Klasse müssen manche
-Entbehrungen dulden, ehe sie die Früchte ihrer Unabhängigkeit ernten
-können. Hätten sie nicht die Hoffnung, ja die bestimmte Aussicht, ihren
-Zustand mit der Zeit zu verbessern, sie würden unter der Last, die sie
-zu tragen haben, erliegen; aber diese Hoffnung erhält sie aufrecht.
-Sie haben kein von Armuth und Mangel getrübtes Alter zu fürchten; die
-gegenwärtigen Uebel müssen der Betriebsamkeit und Ausdauer weichen; sie
-denken auch auf ihre Kinder, und die Prüfungen der Gegenwart werden
-durch die Ahnung einer glücklichen Zukunft erleichtert.«
-
-»Jedenfalls,« sagte ich, »kann man Kühe, Schweine und Federvieh halten;
-und Sie wissen, daß, wo es an Milch, Butter, Käse und Eiern, an
-Schweinfleisch und Geflügel nicht fehlt, man sich eben nicht schlecht
-befindet.«
-
-»Sehr wahr,« erwiederte mein Freund, »allein ich muß Ihnen sagen, es
-ist leichter, im Anfange von dergleichen Thieren zu sprechen als sie
-zu halten, ausgenommen auf gelichtetem oder theilweise gelichtetem
-Boden; hier aber ist die Rede von einer _ersten_ Ansiedelung in den
-Urwäldern, Kühe, Schweine und Federvieh wollen fressen, allein wenn
-man ihnen nichts geben kann, als was man kauft und vielleicht aus
-der Ferne herbeiholen muß, so ist es besser, man belastet sich nicht
-damit, da die Beschwerde gewiß, der Vortheil aber zweifelhaft ist. Eine
-Kuh findet allenfalls während der warmen Monate im Busch ihr Futter,
-allein bisweilen verläuft sie sich, so daß man sie Tage lang vermißt,
-und dann keinen Nutzen von ihr hat, und möglicher Weise viel Zeit mit
-Suchen verliert; dann aber muß man sie, außer Laub und Zweigsprossen,
-die sie den Winter hindurch erhält, auch noch mit anderm Futter
-versorgen[29], oder, ich wette zehn gegen eins, sie wird im Frühjahr
-sterben; und da Kühe, wofern sie nicht sehr gut gehalten werden, in
-der kalten Jahreszeit ihre Milch verlieren, so ist es am besten, sie
-im Herbst zu verkaufen, und im Frühjahr andre anzuschaffen, man müßte
-denn Ueberfluß an Futter für sie haben, was in dem ersten Winter nicht
-oft der Fall ist. Was die Schweine anlangt, so sind sie für eine neu
-angelegte Meierei eine große Plage, wofern man sie nicht aus der Hand
-mästen kann, allein dies geht nicht, ohne daß man Futter für sie kauft,
-und dies würde anfänglich nicht vortheilhaft sein. Läßt man sie frei
-umherlaufen, so fügen sie sowohl den eignen Feldern als denen der
-Nachbarn, im Bereich einer halben (englischen) Meile, beträchtlichen
-Schaden zu; andres Vieh kann man allenfalls durch Umzäunung in der
-angegebnen Hinsicht unschädlich machen, aber nicht so Schweine; auch
-Federvieh bedarf, wenn es einigen Nutzen bringen soll, etwas mehr,
-als was es um das Haus herum aufpickt, wozu noch kommt, daß Adler,
-Igel, Füchse und Marder darauf erfolgreiche Jagd machen, bis man es
-hinreichend sichern kann.«
-
-»Wie aber sollen wir unter solchen Umständen unsre eigne Wolle spinnen,
-unsre eigne Seife und Lichte bereiten?« fragte ich. »Sobald sie Ihre
-eignen Schafe, Schweine und Rinder schlachten, oder Wolle und Talg
-werden kaufen können.« -- Als er mich hierüber etwas niedergeschlagen
-sah, fügte er tröstend hinzu: -- »Nur nicht verzagt! Sie werden
-mit der Zeit alle diese Dinge haben und noch mehr als diese, aber
-gedulden müssen Sie sich und die Mittel zu ihrer Erlangung benutzen.
-Mittlerweile suchen Sie sich auf Entbehrungen vorzubereiten, denen Sie
-jetzt noch fremd sind; und wünschen Sie, Ihren Gatten glücklich und in
-seinen Unternehmungen begünstigt zu sehen, so machen Sie sich kluge
-Sparsamkeit und heitre Laune zur Regel. Nach einigen Jahren wird Sie
-Ihre Meierei mit allen Lebensbedürfnissen versorgen, und nach und nach
-werden Sie sich auch mancher Luxus-Artikel erfreuen können. Dann erst
-beginnt der Ansiedler, die wirklichen und sichern Vortheile seiner
-Auswanderung zu ernten; dann wird er den Segen eines Landes inne, wo
-es weder Zölle noch Zehnten noch Armensteuern giebt; dann genießt er
-die Wohlthaten der Unabhängigkeit. Diese glückliche Erfüllung seiner
-Wünsche im Auge, ebnet er den rauhen Pfad und erleichtert er sich die
-auf ihm lastenden Uebel. Er sieht in Gedanken eine zahlreiche Familie
-um sich her, ohne jene angstvollen Sorgen, die einen Vater von geringem
-Vermögen in der alten Heimath drücken; denn er weiß ja, daß er sie
-einst nicht entblößt von rechtlichen Unterhalts-Mitteln verläßt.«
-
-Trotz allen überstandnen Mühseligkeiten und Prüfungen fand ich diesen
-Mann so sehr für das Ansiedlerleben eingenommen, daß er erklärte, er
-würde um keinen Preis in sein Vaterland zurückkehren, um dort eine
-längere Zeit zu bleiben; auch ist er nicht der Einzige, den ich auf
-diese Weise sich habe äußern hören; vielmehr scheint dieselbe Vorliebe
-für ihre neue Heimath unter der niedern Emigranten-Klasse allgemein
-zu sein. Sie fühlen sich durch das Beispiel Andrer, die sie in Genuß
-von Bequemlichkeiten sehen, woran zu Hause selbst bei der größten
-Anstrengung und mühevollsten Arbeit nicht zu denken war, ermuthigt;
-denn sie bedenken weislich, daß sie, wären sie in ihrer Heimath
-geblieben, endloses Elend und harte Entbehrungen (sehr viele nämlich
-hat Mangel hierher getrieben) würden haben ertragen müssen, ohne die
-entfernteste Aussicht, ihren Zustand zu verbessern oder unumschränkte
-Landeigenthümer zu werden.
-
-»Was sind uns ein, zwei, drei, ja selbst vier mühevolle Jahre im
-Vergleich mit einem ganzen Leben von Plack und Armuth,« war die
-Bemerkung eines armen Arbeiters, der uns am andern Tage von den
-Mühseligkeiten erzählte, womit er in diesem Lande zu kämpfen gehabt.
-»Ich wußte,« sagte er, »daß sie nur kurze Zeit dauern und durch Fleiß
-und Ausdauer bald zu besiegen sein würden.«
-
-Ich habe bereits zwei unsrer armen Nachbarn gesehen, die den
-Kirchsprengel zwölf Monate vor uns verlassen hatten; sie haben
-sich in Canada niedergelassen und bearbeiten gemeinschaftlich die
-ihnen zugetheilten Land-Parcellen; sie kommen in der That sichtlich
-vorwärts. Einige Morgen Landes haben sie bereits gelichtet, bestellt
-und abgeerntet, sind aber zur Zeit noch genöthigt, sich zu vermiethen,
-um ihre Familien erhalten zu können; ihr eignes Land bearbeiten sie,
-wenn es Zeit und Umstände erlauben. Die Männer sind guten Muthes
-und hoffen, nach wenigen Jahren im Besitz von manchen Lebensgenuß,
-mancher Bequemlichkeit zu sein, worauf sie in der Heimath, wenn sie
-auch vom frühen Morgen bis in die sinkende Nacht gearbeitet, hätten
-verzichten müssen; dabei klagen sie aber, daß ihre Weiber beständig
-nach dem Vaterlande verlangen und ihre Reise übers Meer verwünschen.
-Dies scheint die allgemeine Klage unter allen Klassen zu sein; die
-Weiber sind unzufrieden und unglücklich. Nur wenige söhnen sich ganz
-mit dem Ansiedlerleben aus. Sie vermissen die kleinen häuslichen
-Bequemlichkeiten, deren sie sich zu Hause erfreuten, sie sehnen sich
-nach ihren Freunden und Verwandten, die sie haben verlassen müssen; die
-Einsamkeit der Urwälder ist ihnen zuwider.
-
-Diese Aussicht entmuthigt mich nicht; ich weiß, daß ich im Hause zu
-thun genug finden werde, und während meiner Ausflüge ins Freie dürfte
-es mir nicht an Unterhaltungs-Quellen fehlen, die jede üble Laune
-verscheuchen. Habe ich überdies nicht guten Grund, meines Gatten wegen
-heiter und zufrieden zu sein? Er hat nicht mehr zu erwarten als ich;
-und sollte ich ihn, nachdem ich seinetwegen freiwillig meine Familie,
-meine Freunde, mein Vaterland verlassen, durch ewige Klagelieder
-verstimmen und traurig machen? Ich fühle mich stets geneigt, den Worten
-meines Lieblingdichters _Goldsmith_: --
-
- Auf uns allein noch überall beschränkt,
- Sind wir allein die Schöpfer unsers Glücks.
-
-beizustimmen. Nun ich werde ja bald die Prüfung zu bestehen haben, da
-wir Morgen um zehn Uhr diese Stadt zu verlassen gedenken; der Kauf der
-See-Parcelle ist abgeschlossen, drei Morgen sind von Bäumen befreit,
-und eine Hütte (Shanty) ist ebenfalls fertig, indeß kann letztre eben
-nicht für ein wohnliches Obdach gelten, die Holzfäller haben sie blos
-als einstweiligen Zufluchtsort errichtet; und ein Haus wird bald
-erbaut sein. Spät genug sind wir eingetroffen, zu spät, um eine volle
-Ernte zu erzielen, da die Bäume blos gefällt sind, der Boden aber
-noch nicht gelichtet und völlig rein ist, auch ist es bereits zu spät,
-das gefällte Holz zu klaftern und zu verbrennen und den Weizen in den
-Boden zu bringen, aber für die Frühlingssaat wird er bereit sein. Wir
-haben unser Besitzthum den Acker mit sechstehalb Dollars bezahlt; ein
-ziemlich hoher Preis für wildes Land, so weit von jeder Stadt, und in
-einem so dürftig angebauten Theile des Bezirks; allein die Lage ist gut
-und hat den Vorzug, daß wir Wasser in der Nähe haben, wofür mein Gatte
-gern etwas mehr bezahlte, als für eine weiter landeinwärts gelegne
-Parcelle.
-
-Höchst wahrscheinlich werde ich nicht sobald Zeit und Muße haben,
-wieder zur Feder zu greifen. Wir logiren einstweilen bei S--, bis unser
-Haus in wohnlichem Zustande sein wird, was ungefähr gegen Weihnachten
-der Fall sein dürfte.
-
-Fußnoten:
-
-[19] »Im Ganzen,« heißt es in der ^History of Upper and lower Canada
-by R. Montgomery Martin, Lond. 1836^. »ist Ober-Canada Auswandrern aus
-den höheren Ständen sehr zu empfehlen; und Leute von der arbeitenden
-Klasse können daselbst reichliche Beschäftigung finden. Für erstere
-stehe hier noch die Bemerkung, daß Niemand außer solchen Engländern,
-die bei der Trennung der vereinigten Staaten von Groß-Britannien ihrem
-Vaterlande treu blieben und nach Canada flohen, also Loyalisten; oder
-denen, welche nach bestehenden gesetzlichen Bestimmungen Ansprüche auf
-unentgeldliche Landbewilligungen an die Regierung haben, eine Parcelle
-von den wild liegenden Kron-Ländereien anders als durch Kauf erhalten
-kann. Die Verkäufe finden unter der Leitung eines Commissairs am ersten
-und dritten Diensttage jedes Monats in den verschiednen Distrikten
-statt. Die käuflichen Ländereien werden zu einem bestimmten Preise
-voranschlagt, welcher in der Anzeige des Verkauftermins angegeben wird.
-Die Zahlung der Kaufsumme geschieht in Terminen: der vierte Theil
-davon muß sogleich, das Uebrige in drei gleichen Fristen nebst sechs
-Prct. Zinsen entrichtet werden. Nach Abschluß des Kaufs erhält der
-Käufer unentgeldlich ein Patent über den gekauften Boden. Das für die
-Geistlichkeit vorbehaltne Land wird unter nachstehenden Bedingungen
-verkauft: -- Zehn Procent müssen sogleich angezahlt, und das Uebrige
-in neunjährigen Terminen und zwar zu jedem zwei Procent nebst Zinsen
-abgetragen werden. Gelegentlich werden auch Gemeinde-Bezirk-Parzellen
-verkauft. Das gewöhnliche Areal eines Gemeinde-Bezirks beträgt 69,000
-Morgen, -- ein Flächenraum von zwölf englischen Meilen in Länge, und
-neun in Breite.
-
-[20] »_^Guess and calculate^_,« sie bedienen sich nämlich dieser Worte
-sehr häufig oft auch da, wo sie nicht recht passen.
-
-[21] Theile, wovon jeder einen halben Acker Flächenraum enthält.
-
-[22] Seit Abfassung dieser Nachrichten über Peterborough hat die Stadt
-an Gebäuden und Bevölkerung um ein Drittel zugenommen.
-
-[23] Wahrscheinlich eine ^Gaultheria^.
-
-[24] ^The purple lichnidea.^
-
-[25] ^Lobelia cardinalis^, Cardinals-Lobelie, _Willdenow_.
-
-[26] Das ist, Leute, die ihren Gnadengehalt, den sie genossen, gegen
-ein Stück Land in den brittischen Colonien vertauscht haben.
-
-[27] Der an die Auswandrer zu vertheilende Flächengehalt ist vorläufig
-in Bezirke abgetheilt, welche ^Townships^ (Stadt- oder Gemeinde-Kreise)
-heißen.
-
-[28] Die Bemerkung eines kleinen irischen Knabens, den wir als
-Holzspeller und Wasserträger mietheten, und der ein Bewohner einer
-dieser Shanties gewesen, belustigte mich nicht wenig. »Ma' am,« sagte
-derselbe, »als das Wetter beißend kalt war, konnten wir uns kaum warm
-erhalten; denn während wir, mit dem Gesicht vor dem Feuer, auf der
-einen Seite fast brateten, froren wir am Rücken, daher wendeten wir von
-Zeit bald die eine bald die andre Seite dem Feuer zu, gerade so, wie
-wenn man eine Gans am Spieße bratet. Die Mutter verwendete die Hälfte
-von dem Gelde, welches der Vater durch seine Stroharbeit (er war ein
-Strohsesselmacher) verdiente, in Branntwein, um uns auszuwärmen; allein
-ich glaube, ein reichliches Gericht gute heiße Kartoffeln, würde uns
-mehr gewärmt haben, als der Branntwein dies vermochte.«
-
-[29] Das Vieh wird im Herbst und Winter größtentheils durch die zarten
-Zweigsprossen von Ahorn, Birken u. s. w. erhalten, die man auf den
-frisch gelichteten, brachliegenden Aeckern findet. Man sollte ihnen
-aber auch Stroh und andres Futter geben, weil sie anders bei sehr
-strenger Witterung sterben.
-
-
-
-
-Siebenter Brief.
-
- Abreise von Peterborough. -- Canadische Wälder. -- Wagen und Gespann.
- -- Ankunft bei einem Log-Hause an den Ufern des Sees. -- Niederlassung
- und erste Beschäftigungen.
-
-
- October 25, 1832.
-
-Ich beginne meinen Brief mit einer Schilderung unsrer Reise durch den
-Busch (die Wälder) und so fort, und füge dann unser Thun und Treiben
-in und außer dem Hause hinzu. Ich weiß, daß die kleinen, das Hauswesen
-betreffenden Umstände für Sie nicht uninteressant sein werden; und
-gewiß kann das Auge einer Mutter niemals ermüden, schriftliche
-Mittheilungen von der Hand eines abwesenden und geliebten Kindes zu
-lesen.
-
-Nach einigen Schwierigkeiten glückte es uns, einen Wagen nebst
-Gespann, das ist ein paar starke Pferde, zu miethen, die uns und unser
-Gepäcke durch die Wälder an die Ufer eines von den Seen führten, wo
-S-- unser wartete. Eine freie Straße war nicht vorhanden sondern blos
-ein angedeuteter, mit umgestürzten Bäumen bedeckter und durch einen
-großen Moor unterbrochner Pfad auf der einen Seite; in den Moor kann
-man knietief einsinken, indeß brauchten wir die Vorsicht, unsern Weg
-längs den Stämmen der bemoosten und verwitternden Bäume zu nehmen,
-oder auf einem willkommnen Granit- oder Kalkstein-Block zu fußen. Was
-in der Busch-Sprache _Blaze_ (angedeuteter Pfad) heißt, ist nichts
-weiter als die durch Kerben und Rinden-Abschälung an den Bäumen
-vorgezeichnete Straßen-Linie. Die Grenzen der verschiednen Parcellen
-sind oft durch einen gekerbten Baum angedeutet, das Nämliche gilt von
-den Concessions-Linien[30], allein dergleichen Zeichen sind nicht viel
-besser als Wegweiser in einer dunkeln Nacht.
-
-Die Straße, welche wir einschlagen mußten, führte über die Ebnen
-von Peterborough, in der Richtung des Flusses, der mich durch seine
-Scenerei ungemein ergötzte, wiewohl diese keineswegs von Fruchtbarkeit
-zeigt, mit Ausnahme von zwei oder drei umfangsreichen gelichteten
-Stellen.
-
-Ungefähr drei englische Meilen über Peterborough windet sich die Straße
-auf der Höhe einer steilen Firste hin, deren unterer Theil ganz das
-Ansehn hat, früher das Bett eines Seitenzweiges des gewaltigen Flusses,
-oder vielleicht eines kleinen Sees, der seinen Kanal verlassen und sich
-mit dem Otanabee vereinigt hat, gewesen zu sein.
-
-Auf beiden Seiten dieser Firste ist ein steiler Abhang; zur Rechten
-sieht man den Otanabee, der mit großer Gewalt durch sein felsiges
-Bett strömt und im Kleinen denen des Laurence ähnliche Stromschnellen
-bildet, seine dunkeln Fichten-Wälder verleihen der Scenerei eine höchst
-eindrucksvolle Erhabenheit. Zur Linken liegt unten ein anmuthiges
-einsammes, mit Epheu, Cedern, Schierlingstannen und Fichten bedecktes
-Thal. Durch dieses Thal führt ein Weg zu einer hübschen Meierei,
-deren grüne Triften durch das Nichtvorhandensein der abscheulichen
-Baumstummel, welche die gelichteten Orte in diesem Theil der Gegend
-entstellen, noch angenehmer sind; ein hübscher klarer Bach fließt durch
-die niedrige, am Fuße des Berges liegende Wiese, zu welcher herab
-ein steiler Pfad dicht neben einer Korn-Mühle führt, die durch das
-Wasser des Bachs getrieben wird, gerade an der Stelle, wo er mit den
-Flußschnellen zusammen trifft.
-
-Ich nannte diesen Platz »Glen Morrison,« theils zur Erinnerung an die
-liebliche Thalschlucht Morrison in den (schottischen) Hochlanden,
-theils weil der Ansiedler, dem er gehört, so heißt.
-
-Unsre Fortschritte waren nur langsam, wegen der Unebenheit der
-Straße, die mit unzähligen Hindernissen in Gestalt loser Granit-
-und Kalkstein-Blöcke, die auf den Ufern des Flusses und der Seen
-in Ueberfluß ausgestreut sind, bedeckt ist; nicht zu erwähnen der
-umgestürzten Bäume, vorspringenden dicken Wurzeln, Lachen und
-Knittel-Brücken, über die der Fahrende, hop, hop, hop wegrumpelt,
-bis ihm jedes Glied schmerzt, gleichsam als wäre es ausgerenkt. Ein
-erfahrner Busch-Reisender vermeidet manchen harten Stoß, indem er sich
-bald erhebt, bald gegen die Seiten seines rohen Fuhrwerks drückt.
-
-Da der Tag vorzüglich schön war, stieg ich oft aus dem Wagen und ging
-mit meinem Gatten eine englische Meile und darüber zu Fuße.
-
-Bald verloren wir den Fluß gänzlich aus dem Gesicht und gelangten
-in die tiefe Einsamkeit des Waldes, wo nicht ein Laut die fast
-grauenvolle, rings um uns herrschende Stille unterbrach. Kaum ein Blatt
-oder Ast regte sich, nur dann und wann vernahm unser Ohr das Rauschen
-des Windes, der die hohen Häupter der Kiefern und Tannen in Bewegung
-setzte und eine rauhe und traurige Cadence erweckte; dies und das
-Hämmern des rothköpfigen und grauen Baumhackers gegen die Stämme
-der verwitternden Bäume, oder das gellende pfeifende Geschrei des
-kleinen gestreiften Eichhörnchens, von den Eingebornen _Tschitmunk_
-genannt, waren die einzigen Laute, welche in das Schweigen der Wildniß
-hineintönten. Nicht minder befremdete mich die Abwesenheit animalischen
-Lebens. Mit Ausnahme des vorerwähnten _Tschitmunk_ kreuzte während
-unsrer langen Tage-Reise in den Wäldern kein lebendiges Wesen unsern
-Pfad.
-
- [Illustration: _Ein durch die Urwälder gehauener Pfad._]
-
-In diesen ungeheuern Einöden, sollte man natürlicher Weise meinen,
-müsse die Abwesenheit des Menschen einen Ueberfluß an wilden Thieren
-erzeugen, insofern diese frei und unbelästigt daselbst hausen, allein
-gerade das Gegentheil findet hier statt. Beinahe alle hiesige wilde
-Thiere trifft man häufiger in den gelichteten Distrikten als in den
-Wäldern. Die Betriebsamkeit des Menschen erleichtert ihre Existenz, sie
-können ihre Bedürfnisse in seiner Nähe besser befriedigen als in ihren
-dürftigen Wäldern.
-
-Man hört beständig von Verheerungen, welche Wölfe, Bäre, Waschbäre,
-Luchse und Füchse in den seit langer Zeit angebauten Theilen der
-Provinz angerichtet haben. In den Urwäldern ist die Erscheinung eines
-wilden Thieres ein weit seltnerer Umstand.
-
-Hinsichtlich der Waldbäume fand ich meine Erwartungen getäuscht, ich
-hatte geglaubt, große bemooste Riesen anzutreffen, fast von gleichem
-Alter mit dem Lande selbst und in majestätischem Wuchs den Bäumen
-meiner heimathlichen Inseln fast eben so sehr überlegen, als die
-ungeheuren Seen und gewaltigen Flüsse Canadas den Teichen und Flüssen
-Britaniens überlegen sind.
-
-Es mangelt hier den Wäldern an malerischer Schönheit. Blos die noch
-jungen Bäumchen haben einige Ansprüche auf zierliche Formen; indeß
-muß ich die Schierlingstanne ausnehmen, deren Wuchs äußerst schön
-und schlank ist, und die durch ihr liebliches muntres Grün das Auge
-erfreut. Selbst wenn der Winter den Wald seines Laubes entkleidet,
-bleibt sie ein schöner grünender Baum. Die jungen Buchen nehmen
-sich ebenfalls recht hübsch aus; allein man vermißt jene schattigen
-Laub-Gewölbe, die in unsern heimathlichen Parken und Wäldern so
-entzückend und romantisch sind.
-
-Die canadischen Wälder entbehren jenes Ansehn ehrwürdigen Alterthums.
-Hier giebt es keine weitspreizigen Eichen, welche man die Patriarchen
-des Waldes nennen könnte. Ein frühzeitiges Absterben scheint ihr Loos
-zu sein. Sie werden vom Sturme entwurzelt und sinken in ihrer ersten
-Reife zu Boden, um einer neuen Generation zu weichen, welche bestimmt
-ist, ihre Stelle auszufüllen.
-
-Die Tannen und Fichten sind unstreitig die schönsten Bäume. Was Größe
-anlangt, werden sie von keinem übertroffen. Sie thürmen sich über alle
-andere Bäume empor, eine dunkle Linie bildend, die man in meilenweiter
-Entfernung unterscheiden kann. Aber gerade ihre Höhe ist schuld daran,
-daß sie vor ihren Brüdern dem Ungestüm der Winde nachgeben, da ihre
-Gipfel der vollen und ungebrochnen Gewalt des Luftstroms ausgesetzt
-sind; daher kommt es, daß der Boden stets mit den verwitternden Stämmen
-riesenhafter Tannen und Fichten bestreut ist. Desgleichen scheinen sie
-der innern Verderbniß und der Verheerung durch Blitzstrahl und Feuer
-mehr ausgesetzt zu sein als andre Bäume.
-
-Wie viel ich auch von der schlechten Beschaffenheit der Straßen Canadas
-gelesen und gehört hatte, so war ich doch auf keine solche vorbereitet,
-wie wir an diesem Tage bereisten; für wahr, sie verdient kaum den Namen
-einer Straße, sie ist nichts weiter als ein durch den Wald gelichteter
-Pfad. Die Bäume sind umgehauen und auf die Seite gelegt, um einen Wagen
-passiren zu lassen.
-
-Die Moräste und kleinen Waldbäche, welche gelegentlich den Weg
-unterbrechen, sind durch dicht neben einander gelegte Baumstämme
-passirbar gemacht; das furchige und streifige Ansehen dieser Brücken
-hat ihnen, nicht unpassend den Namen Corduroy (geripptes Zeug)
-verschafft.
-
-Ueber diese abscheulichen Corduroys (Knüttelbrücken) rumpelt der
-Wagen, von Scheit zu Scheit springend, mit Stößen, wozu man gute Miene
-machen muß. Können Sie dergleichen Hoppas und Erschütterungen ohne ein
-saures Gesicht ertragen, so übertrifft Ihre Geduld und philosophische
-Gleichmuth die meinige bei weitem; bisweilen lachte ich, weil ich nicht
-weinen mochte.
-
-Denken Sie sich Ihre Tochter auf Säcken, Koffern und allerlei Packeten
-sitzend, und dies in einem Wagen, der nicht viel besser war als ein
-grob aus Tannenholz gezimmerter, auf Räder gesetzter Kasten; die
-Seiten davon waren blos mit Pflöcken befestigt, so daß ich mich in
-eben keiner behaglichen Lage befand, da die nur erwähnten Seitentheile
-beständig heraus sprangen. Gerade inmitten einer tiefen Koth-Lache
-brach das vordere Schutzbret ab, und mit ihm zugleich purzelte unser
-Wagenlenker, in Folge des erhaltnen Stoßes, in den Koth, der arme
-Teufel, wußte gar nicht, wie ihm geschehn, als er sich plötzlich in
-einen Morast versetzt sah. Was mich anlangt, so blieb ich, weil ich
-nichts dabei thun konnte, ruhig auf meinem Sitze und erwartete geduldig
-die Wiederkehr der Ordnung. Diese war bald hergestellt, und alles ging
-eine Weile wieder gut, bis wir gegen einen gewaltigen Fichten-Stamm
-anfuhren, welcher dem schlecht gezimmerten Wagen einen solchen Stoß
-versetzte, daß eins von den Bretern, die den Fußboden bildeten, und mit
-diesen ein Sack Mehl und ein andrer mit eingesalznem Schweinfleisch,
-beide auf ihrer Wanderung nach dem Hause eines Ansiedlers begriffen, an
-dessen Niederlassung unser Weg vorbei führte, herabtanzten. Ein guter
-Wagenlenker läßt sich indeß selten durch dergleichen Kleinigkeiten
-entmuthigen.
-
-Er ist oder sollte mit einer Axt versehen sein. Jede Karre, jeder
-Wagen, mit einem Wort, jede Art Reise-Fuhrwerk sollte ein dergleichen
-Werkzeug führen; da Niemand die Hindernisse voraussehen kann, die sich
-seinen Fortschritten im Busche wiedersetzen dürften.
-
-Den Unfällen, welche uns betrafen, ließ sich zum Glück leicht begegnen.
-Die Seitentheile erheischten blos einen starken Pflock, und die losen
-Breter des Fußbodens waren bald wieder befestigt, worauf es abermals
-über Wurzeln, Baumstummel, Steine, Löcher und Knüttelbrücken wegging;
-und der Wagen, nach wie vor, bald an einen noch stehenden Stamm stieß
-und bald über einen umgestürzten Baum wegrumpelte, und wir dabei
-natürlicher Weise einen Stoß auszuhalten hatten, der ein leichteres
-Fuhrwerk, als ein canadischer Wagen ist (?), gewiß zertrümmert haben
-würde; jedenfalls ist letztrer für Straßen, wie man sie im Busche
-findet, auf eine bewundernswürdige Weise geeignet.
-
-Die Klugheit der Pferde in diesem Lande verdient wirklich Bewunderung.
-Ihre Geduld in Ueberwindung der Schwierigkeiten, welchen sie zu
-begegnen haben, ihre Geschicklichkeit in Vermeidung von Steinen
-und Löchern, und ihr sicheres Fußen auf den runden, schlüpfrigen
-Baumstämmen der Scheit-Brücken (^Log-bridges^) macht sie äußerst
-schätzbar. Was ihnen an Geist und Schnelligkeit, wodurch sich unsre
-(englische) Rasse-Pferde auszeichnen, gebricht, ersetzen sie reichlich
-durch ihre Sanftmuth, Stärke und Geduld. Dies sind in der That große
-Vorzüge, und zum Reisen auf solchen Wegen, wie der eben geschilderte,
-sind sie, die Sicherheit des Kutschers und der Passagire anlangend,
-unentbehrlich und würden durch kein brittisches Pferd ersetzt werden
-können. Uebrigens mangelt es den canadischen Pferden, bei gutem
-Futter und gehöriger Pflege, keineswegs an schöner Farbe, Größe oder
-zierlicher Form. Zum Fortschaffen der gefällten Baumstämme braucht man
-sie selten, hierzu so wie zu allen rohen und schweren Arbeiten zieht
-man den Ochsen vor.
-
-Eben als uns die zunehmende Dunkelheit des Waldes an die Annäherung des
-Abends erinnerte, und ich müde und hungrig zu werden begann, äußerte
-unser Wagenlenker, mit einiger Beschämung, er fürchte, daß er den
-rechten Weg verfehlt habe, wie aber, wisse er nicht, da er doch nur
-einen Pfad vor sich sehe.
-
-Wir waren ungefähr zwei englische Meilen von der letzten Ansiedlung
-entfernt, sollten aber, wie er sagte, wofern wir uns auf dem rechten
-Wege befänden, im Angesicht des Sees sein. Wir kamen, als das Beste,
-was wir thun konnten, dahin überein, daß, während wir nebst dem
-Fuhrwerk zurück blieben, er selbst vorwärts gehen und erforschen
-sollte, ob wir in der Nähe des Wassers wären, und daß wir, wenn sich
-das Gegentheil ergäbe, nach dem Hause, an welchem wir vorbei gekommen,
-zurückkehren und nach dem rechten Wege fragen wollten.
-
-Nachdem er wohl eine halbe englische Meile weit vorwärts gelaufen,
-kehrte er mit niedergeschlagner Miene zurück, erklärend, daß wir
-uns jedenfalls verirrt hätten, da er nirgends Wasser gesehen, und
-die Straße, auf der wir uns befänden, sich in einen Cedern-Moor zu
-endigen scheine. Denn je weiter er gekommen, desto dichter hätten die
-Schierlingstannen und Cedern gestanden; da wir nun kein Verlangen
-fühlten, unsre Ansiedlung mit einer Nachtherberge in einem Moraste zu
-beginnen, wo, wie sich unser Führer ausdrückte, die Cedern so dicht
-standen, wie die Haare auf einem Katzenrücken, so beschlossen wir, nach
-der bezeichneten Stelle zurückzukehren.
-
-Nach einigen Schwierigkeiten war der Rumpelwagen umgelenkt, und wir
-begannen langsam unsern Rückzug. Kaum hatten wir eine halbe englische
-Meile zurück gelegt, als ein Knabe des Weges daher kam und uns sagte,
-wir möchten nur immer wieder umkehren, da kein andrer Weg nach dem See
-führe; diesem Rathe fügte er etwas spöttisch die Bemerkung hinzu:
-»Hättet Ihr den Busch so gut gekannt, wie ich ihn kenne, so würdet
-Ihr nicht so einfältig gewesen sein, wieder umzulenken, da Ihr doch
-auf dem rechten Wege waret. Es weiß ja jedes Kind, daß die Cedern und
-Schierlings-Tannen, je näher dem Wasser, desto dichter wachsen; jetzt
-müßt Ihr zu eurer Strafe den nämlichen Weg noch einmal machen.«
-
-Es war finster, und nur die Sterne funkelten mit mehr als gewöhnlichem
-Glanze, als wir plötzlich aus dem tiefen Walddunkel an die Ufer eines
-schönen kleinen Sees hervortauchten, der uns zufolge des Contrastes
-der dunkeln Laubmassen, die über ihn herabhingen, und der thurmhohen
-Fichten, die ihn umgeben, um so heller erschien.
-
-Hier auf einem großen, mit einem weichen Mooskissen bedeckten
-Kalkstein-Block, unter dem Schatten von Cedern, die den See bekränzen,
--- umgeben von Koffern, Kisten, Schachteln und Gepäck, die der Fuhrmann
-eilig vom Wagen geworfen, saß ich in angstvoller Erwartung einer
-antwortenden Stimme auf das lange und wiederholte Hollarufen meines
-Gatten.
-
-Als aber das Echo seiner Stimme verhallt war, hörten wir nichts als
-das Brausen der Stromschnellen und das ferne und wilde Rauschen eines
-Wasserfalls, ungefähr eine halbe englische Meile unterhalb der letztern.
-
-Nirgends konnten wir eine Spur von menschlichen Wohnungen, nirgends den
-tröstlichen Schimmer eines Lichtes vom Ufer her gewahren. Vergebens
-strengten wir unsre Ohren an, das Plätschern des Ruders oder den
-willkommnen Klang einer menschlichen Stimme oder das Bellen eines
-Haushundes zu vernehmen, und hierdurch Gewißheit zu erlangen, daß wir
-die Nacht nicht in dem einsamen Walde zubringen würden.
-
-Wir fürchteten jetzt, daß wir wirklich den Weg verloren. An einen
-Versuch, ohne Führer durch das wachsende Dunkel des Waldes in
-Aufsuchung der rechten Straße zurückzukehren, war nicht zu denken,
-denn diese war so undeutlich, daß wir uns bald in dem Dickicht verirrt
-haben würden. Das letzte Knarren der Wagen-Räder erstarb allmälig in
-unsern Ohren, das Fuhrwerk einzuhohlen würde uns unmöglich gewesen
-sein. Unter diesen Umständen bat mich mein Gatte, ruhig zu bleiben, wo
-ich war, während er sich selbst durch das dicht verschränkte Buschholz
-längs dem Ufer arbeitete, in der Hoffnung, eine Spur von dem Hause,
-welches wir suchten, und das, seiner Vermuthung nach, in der Nähe sein
-mußte, wahrscheinlich aber durch eine dichte Baum-Masse unsern Augen
-verborgen war, zu erblicken.
-
-Als ich so, von den Schatten der Nacht umhüllt, schweigend im Walde
-zubrachte, wanderten meine Gedanken allmälig über den atlantischen
-Ocean zu meiner theuren Mutter, zu meiner alten Heimath zurück; ich
-dachte mir Ihre Gefühle, wenn sie mich in diesem Augenblick hätten
-sehen können, wie ich so einsam und in tiefem Schweigen auf dem alten
-bemoosten Steine in der waldigen Wildniß saß, viele hundert Meilen von
-allen jenen heiligen Banden der Blutsverwandtschaft, von jenen Scenen
-und Erinnerungen der Kindheit entfernt, welche die Heimath jedem so
-theuer machen. Es war ein Augenblick, der mich ganz die Wichtigkeit
-des Schrittes fühlen ließ, den ich gethan, als ich freiwillig das
-Loos eines Emigranten theilte -- mein Geburtsland verließ, das ich
-aller Wahrscheinlichkeit nach nie wiedersehen dürfte. Allein so groß
-das Opfer war, fühlte ich doch selbst in diesem Augenblick, in meiner
-seltsamen Lage, keine Reue, keine Entmuthigung. Heiliger Friede zog in
-mein Herz ein, beschwichtigte meine aufgeregten Gefühle und versetzte
-meinen Geist in eine Ruhe und Stille, die eben so ungetrübt und
-ungestört waren, wie die sich zu meinen Füßen ausbreitende Wasserfläche.
-
-Meine Träumerei wurde durch das leichte Plätschern eines Ruders
-unterbrochen, und ein heller Lichtschein ließ mich einen über den See
-gleitenden Nachen erblicken. Nach wenigen Minuten grüßte mich eine
-wohlbekannte, freundliche Stimme, während die kleine Barke zwischen
-den Cedern gerade zu meinen Füßen angelegt wurde. Mein treuer Gefährte
-hatte einen vorspringenden Winkel des Ufers gewonnen und von da aus
-den willkommnen Schimmer des Holzfeuers in dem Log-Hause gesehn, nach
-einigen Schwierigkeiten war es ihm gelungen, die Aufmerksamkeit seiner
-Bewohner zu erregen. Man hatte daselbst die Hoffnung, daß wir an diesem
-Tage eintreffen würden, längst aufgegeben, und unser erstes Rufen und
-Pfeifen war fälschlich für das ferne Geläute von Kuhglocken im Walde
-genommen worden; dies war an dem Aufschub schuld, der uns in so große
-Verlegenheit gebracht hatte.
-
-An dem hellen, auf dem Heerde des Log-Hauses, worin S-- mit seiner
-Gattin recht bequem wohnte, lodernden Feuer, vergaßen wir bald unsre
-ermüdende Wanderung. Ich wurde der Dame vom Hause gebührender Maßen
-vorgestellt, und trotz allen Einwürfen von Seiten der zärtlichen und
-besorgten Mutter wurden drei schlummernde Kinder, eins nach dem andern,
-aus ihren Wiegen genommen und von dem stolzen und entzückten Vater den
-Gästen gezeigt.
-
-Wir wurden mit jener Zuvorkommenheit und Innigkeit willkommen geheißen,
-die dem Herzen so wohlthätig ist, die Begrüßung war eben so aufrichtig
-als liebreich. Kein Mittel blieb unversucht, unsre einstweilige
-Einrichtung so bequem als möglich zu machen, und wenn sie auch der
-Eleganz entbehrte, woran wir in England gewöhnt gewesen, so fehlte es
-ihr doch nicht an ländlicher Behaglichkeit; jedenfalls war sie von der
-Art, wie sie sich Ansiedler ersten Ranges nur immer wünschen können,
-und gewiß sind viele derselben zu Anfange nicht halb so gut logirt
-gewesen, als wir es gegenwärtig sind.
-
-In der That können wir uns glücklich schätzen, daß wir nicht sogleich
-die rohe Shanty zu beziehen brauchen, welche ich Ihnen als die einzige
-Wohnstätte auf unserm Grund und Boden geschildert habe. Diese Prüfung
-unsers Muthes hat uns S-- gütig erspart, der durchaus darauf bestand,
-daß wir so lange unter seinem gastlichen Dache bleiben sollten, bis
-unser eignes Haus fertig und beziehbar sein würde. Hier also sind wir
-zur Zeit _fixirt_[31], wie sich die Canadier ausdrücken; und wenn ich
-auch manche kleine Bequemlichkeiten und Luxusgegenstände entbehre, so
-erfreue ich mich doch einer trefflichen Gesundheit und eines frischen
-Lebensmuthes, und fühle mich in der Gesellschaft meiner Umgebung
-wahrhaft glücklich.
-
-Die Kinder sind bereits ganz in mich vernarrt. Sie haben meine
-Leidenschaft für Blumen entdeckt und suchen danach zwischen den
-Baumstummeln und längs dem Seeufer, um sie mir zu überbringen. Ich
-habe eine Sammlung angefangen, und obgleich die Jahreszeit schon weit
-vorgeschritten ist, so kann sich mein Herbarium doch mancher schönen
-Farnkräuter rühmen; desgleichen enthält es das gelbe canadische
-Veilchen, welches zweimal im Jahre, nämlich im Frühling und Herbst[32]
-blüht; zwei Herbst-Maßlieben, (^Michaelmas daesies^), wie man hier die
-strauchartigen Astern nennt, deren Varietäten sehr zierlich sind; und
-eine Ranke der Fichten-Guirlande (^festoon pine^), ein allerliebstes
-Immergrün mit kriechenden Stengeln, die drei bis vier Yards auf der
-Erde hinlaufen. Es sendet in Entfernungen von fünf bis sechs Zoll
-gerade, steife, grüne Stengel nach oben und gleicht hinsichtlich
-seiner dunkeln, glänzend grünen, spelzartigen Blätter einigen unsrer
-Haide-Arten. Die Amerikaner schmücken ihre Fenster und Spiegel mit
-Guirlanden von dieser Pflanze und den getrockneten Blumen der oben
-erwähnten Immortelle (^life everlasting^); wir nennen diese hübschen
-weißen und gelben Blumen ^Love everlasting^ (ewige Liebe). Auf meinen
-Wanderungen im Walde unfern des Hauses habe ich ein kriechendes Gewächs
-entdeckt, welches ziemliche Aehnlichkeit mit der Ceder hat und nicht
-unpassend mit dem Namen der kriechenden Ceder (^ground or creeping
-cedar^) bezeichnet werden könnte.
-
-Da sehr Viel von der Flora dieser unangebauten Theile des Landes dem
-Naturkundigen unbekannt ist, und die Pflanzen ganz namenlos (?) sind,
-so nehme ich mir die Freiheit, ihnen nach Neigung oder Laune Namen zu
-geben. Allein indem ich von Pflanzen und Blumen schreibe, vergesse ich,
-daß Sie lieber von den Schritten hören dürften, die wir auf unserm
-Grundeigenthum gethan haben.
-
-Mein Gatte hat Leute zum Aufschichten (^log^) des Holzes, das ist die
-Zusammenlegung der gefällten Bäume in Haufen und deren Verbrennung,
-so wie auch zur Lichtung eines Platzes für ein zu erbauendes Haus
-gemiethet. Er hat auch einen Vertrag mit einem jungen Ansiedler in
-der Nachbarschaft geschlossen, wonach dieser sich anheischig macht,
-unsre künftige Wohnung für eine bestimmte Summe, einem bestimmten
-Plan gemäß, von außen und innen völlig in Stand zu setzen. Wir
-werden indeß »_die Biene_« rufen und für alles sorgen, was zur
-Unterhaltung unsers würdigen _Bienenstocks_ erforderlich ist. Nun
-müssen Sie wissen daß eine _Biene_ in amerikanischer Sprechweise
-oder Phraseologie, jene freundschaftliche Vereinigung von Nachbarn
-bedeutet, die nach erhaltener Aufforderung sich versammeln, um die
-Wände eines Hauses, einer Shanty, Scheune oder irgend eines andern
-Gebäudes aufzurichten: dies ist eine »aufrichtende Biene,« (^raising
-bee^). Außerdem giebt es ^logging bees^, welche die gefällten Bäume
-zusammenschichten und verbrennen; ^husking bees^, die von den Stämmen
-die Rinde abschälen; ^chopping bees^, welche den Boden lichten, u. s.
-w. Die Beschaffenheit der zu verrichtenden Arbeit giebt der Biene
-den Namen. In den volkreichen, seit langer Zeit angebauten Distrikten
-findet dieses Verfahren nur selten statt, allein es ist von großem
-Nutzen und für neue Ansiedler in abgelegnen Stadtbezirken, wo die
-Arbeitslöhne verhältnißmäßig hoch und Arbeiter schwer zu erlangen sind,
-unentbehrlich.
-
-Denken Sie sich die Lage eines Auswandrers, der mit Weib und Kindern,
-welche letztre möglicher Weise noch zu klein sind, um ihm im Fällen
-und Wegräumen der Bäume, Errichtung einer Wohnstätte u. s. w. den
-geringsten Beistand leisten zu können, auf einer Parzelle wilden Landes
-anlangt, wie traurig muß dieselbe sein, wofern er nicht schnelle und
-thätige Hülfe von seinen nächsten Umgebungen erhält.
-
-Dieses lobenswerthe Verfahren ist ein Erzeugniß der Nothwendigkeit, das
-jedoch auch seine Nachtheile hat, als z. B. wenn die Zusammenberufung
-behufs einer Gegenhülfe zu einer den übrigen Ansiedlern ungelegnen
-Zeit geschieht; indeß ist es eine unerläßliche Pflicht, freudig und
-willig den Zoll der Dankbarkeit zu entrichten, und es wird in der That
-als eine Ehrenschuld betrachtet; man kann nicht gezwungen werden, zur
-Vergeltung des erhaltnen Beistandes einer dergleichen Versammlung
-(^bee^) beizuwohnen, aber gewiß wird sich keiner, wenn es nur irgend
-möglich ist, und wofern ihn nicht dringende Umstände abhalten,
-weigern, dieses zu thun; und ist man nicht im Stande, persönlich zu
-erscheinen, so kann man einen Dienstboten oder Ersatzmann, oder, wenn
-man dergleichen hat, auch Zugvieh senden.
-
-In keiner Lage und unter keinerlei andern Umständen zeigt sich das
-Gleichheits-System Amerikas in einem so vortheilhaften Lichte als bei
-dergleichen Zusammenkünften. Alle Unterschiede, die Rang, Erziehung
-und Reichthum ertheilen, werden für die Zeit freiwillig auf die
-Seite gesetzt. Der wohlerzogne Sohn des Edelmanns, und der des armen
-Handwerkers, Offiziere und Gemeine, der unabhängige Ansiedler und
-der Tagelöhner vereinigen sich freudig und ohne Widerspruch zu einem
-gemeinschaftlichen Werke. Jeder fühlt sich von dem wohlwollenden
-Verlangen getrieben, dem Hülflosen zu helfen und seine Kräfte zur
-Errichtung einer Wohnstätte für den Obdachlosen zu verwenden.
-
-Gegenwärtig ist erst ein so kleiner Theil Wald auf unsrer Parcelle
-gelichtet, daß ich wenig oder nichts von dem Platze, wo wir uns
-häuslich niedergelassen, sagen kann, nur so viel will ich bemerken, daß
-er an eine schöne Wasserfläche stößt, welche eins von den Gliedern der
-Otanabee-See-Kette bildet. Das nächstemal sollen Sie jedenfalls eine
-ausführlichere Schilderung erhalten.
-
- Vor der Hand sage ich Ihnen Lebewohl!
-
-Fußnoten:
-
-[30] Diese Concessions-Linien sind gewisse Abtheilungen der
-abgesteckten Stadtbezirke; diese sind wieder in eben so viele Parcellen
-von 200 Morgen getheilt. Die Concessions-Linien pflegten durch weite,
-durch den Wald gehauene Alleen bezeichnet zu werden, so daß sie eine
-Communication zwischen den einzelnen Abtheilungen bildeten, allein
-dieser Plan machte zu viel Arbeit; in wenigen Jahren schossen junge
-Bäumchen auf und verschlossen den gelichteten Pfad dergestalt, daß
-er von geringem Nutzen war. Die Grenzen der neuerdings abgesteckten
-Stadt-Bezirke sind blos durch gekerbte Bäume bezeichnet.
-
-[31] ^Fixed^ (einlogirt).
-
-[32] ^In the fall^, wie die Canadier den Herbst ausdrucksvoll
-zu bezeichnen pflegen.
-
-
-
-
-Achter Brief.
-
- Unannehmlichkeiten, die mit einer noch neuen Ansiedlung verbunden
- sind. -- Schwierigkeit, Nahrungsmittel und andre nöthige Artikel
- zu erlangen. -- Schneesturm und Orkan. -- Indianischer Sommer und
- Eintritt des Winters. -- Verfahren bei Lichtung des Bodens.
-
-
- November 20, 1832.
-
-Unser Log-Haus ist jetzt zwar noch nicht fertig, schreitet aber seiner
-Vollendung rasch entgegen. Wir wohnen immer noch unter S-- gastlichem
-Hause, da dies die erste Ansiedlung auf ihrem Boden ist, so haben sie,
-gleich allen übrigen Ansiedlern in den Urwäldern, im laufenden Jahre
-noch mancher Schwierigkeit zu begegnen. Sie besitzen ein schönes,
-trefflich gelegnes Stück Land; und S-- lacht zu den gegenwärtigen
-Entbehrungen, welchen er einen heitern Muth und eine Entschlossenheit
-entgegengesetzt, die ganz geeignet sind, über jede Schwierigkeit zu
-siegen. Sie sind jetzt im Begriff, ein größeres und bequemeres Haus zu
-beziehen, welches in diesem Herbste (^fall^) erbaut ist, und werden uns
-die einstweilige Benutzung des alten bis zur Vollendung unsers eignen
-überlassen.
-
-Wir fangen bereits an, uns mit unserm Robinson-Leben zu versöhnen, und
-der Gedanke, daß die gegenwärtigen Uebel blos vorübergehend sind, läßt
-uns frohen Muthes jedem Hinderniß trotzen.
-
-Eine der größten Unannehmlichkeiten, womit wir zu kämpfen haben, beruht
-auf der schlechten Beschaffenheit der Straßen, und unsrer großen
-Entfernung von jedem Dorfe und jeder Stadt, woher wir unsre Bedürfnisse
-beziehen. Bis dahin, wo wir unser eignes Getreide erbauen und unser
-eignen Schweine, Schafe und Federvieh werden mästen können, müssen
-wir alle Nahrungsmittel von den Vorrathshändlern kaufen, wozu noch
-kommt, daß die Herbeischaffung derselben mit beträchtlichen Unkosten
-und Zeitverlust verbunden ist, da der Transport auf unsern trefflichen
-Buschstraßen geschieht, die, um mich der Worte einer armen Irländerin
-zu bedienen, nicht schlechter sein können. »Ach Madam,« sagte sie, »die
-sind wahrlich schlecht genug und können nicht schlechter sein, sie sind
-wahrlich nicht so ilgant (elegant) als unsre Straßen in Irland.«
-
-Bestellen wir mehre Gewürze zu gleicher Zeit und lassen dieselben
-mit der nächsten Gelegenheit von Ort und Stelle abgehen, so finden
-wir, wenn der Wagen anlangt, bei Untersuchung unsrer Vorräthe, Reis,
-Zucker, Korinthen, Pfeffer und Senf alles zu einem Chaos durcheinander
-gewirrt. Was meinen Sie zu einem Reis-Pudding, das tüchtig mit Pfeffer
-und vielleicht auch mit etwas Rappee und dergleichen, um die Sauce
-piquanter zu machen, durchwürzt ist. Ich denke das Recept würde in
-^Cook's Oracle^ oder ^Mrs. Dalgairn's Practice of Cookery^[33] unter
-dem originellen Titel: _Busch-Pudding_, Figur machen.
-
-Aber Wehe und Verderben den irdnen Waaren, welche zufällig über die
-holprichten Straßen wandern. Glücklich kann man sich in der That
-preisen, wenn in Folge vorzüglicher Geschicklichkeit und Sorgfalt des
-Packers, mehr als die Hälfte unzertrümmert anlangt. Gegen dergleichen
-Unfälle haben wir keine Abhülfe. Der Waarenhändler schiebt die Schuld
-auf den Fuhrmann, und der Fuhrmann auf die schlechten Straßen, sich
-wundernd, wie er selbst während seiner Fahrt durch den Busch mit heiler
-Haut und ganzen Gliedmaßen davon gekommen.
-
-Wir leben jetzt in der schlimmsten Jahres-Zeit, der Eintritt und
-Ausgang des Winters machen dem Ansiedler viel zu schaffen. Kein andres
-Fuhrwerk als ein mit Ochsen bespannter Wagen, und auch dieser nicht
-ohne Schwierigkeit, kann die Straße passiren und braucht zur Vollendung
-seines Weges zwei ganze Tage; das Schlimmste dabei ist, daß man die
-nöthigsten Artikel bisweilen um keinen Preis erlangen kann.
-
-Sie sehen aus allem, daß ein Busch-Siedler nicht blos auf alle
-Luxus-Gegenstände und Leckereien der Tafel, sondern bisweilen sogar auf
-die nöthigsten Lebensbedürfnisse Verzicht leisten muß.
-
-Zu einer Zeit ist kein Schweinfleisch zu haben; zu einer andern
-herrscht Mangel an Mehl, vielleicht in Folge eines Umstandes, der die
-Mühle außer Gang gesetzt hat, oder weil es an Weizen zum Mahlen fehlt;
-oder Witterung und schlechte Wege hindern die Ankunft des Wagens oder
-den Abgang von Leuten zur Herbeischaffung des Nöthigen. In diesem Falle
-muß man seine Zuflucht zu einem Nachbar nehmen, vorausgesetzt, daß
-man so glücklich ist, einen solchen in der Nähe zu haben, -- und im
-schlimmsten Fall muß man sich mit Kartoffeln begnügen. Die Kartoffel
-ist hier in der That ein großer Segen, neue Ansiedler würden ohne sie
-oft in eine unangenehme Lage gerathen, und der arme Mann und seine
-Familie, die ohne andre Hülfsmittel sind, müßten, hätten sie die
-Kartoffel nicht, verhungern.
-
-Einmal war unser Thee-Vorrath ausgegangen, und wir konnten nirgends
-dergleichen erhalten. In dieser Verlegenheit würde Milch oder
-Kaffee ein treffliches Ersatzmittel gewesen sein, wofern wir im
-Besitz davon gewesen wären; allein wir hatten weder das Eine noch
-das Andre, und so mußten wir zu Yankie-Thee -- einem Absud von
-Schierlings-Tannen-Sprossen, unsre Zuflucht nehmen. Dies war für meinen
-Geschmack ein sehr schlechtes Getränk, wiewohl ich ein Kraut in dem
-Thee entdeckte, welches in London das Pfund zu fünf Schilling verkauft
-wird, und nichts anders sein kann als getrocknete und pulverisirte
-Schierlings-Tannen-Blätter.
-
-S-- lachte über unsre sauren Gesichter und erklärte den Trank für
-vortrefflich; auch ging er uns allen mit einem guten Beispiel voran,
-indem er sechs Tassen von diesem ächten Wald-Thee hinterschlürfte. Doch
-gelang es seiner Beredtsamkeit nicht, einen von uns zu bekehren, wir
-mochten seiner Versicherung, daß er blos jungen Hyson-Thee nachstehe,
-keinen Glauben beimessen und erwiederten auf seine Bemerkung, daß
-derselbe mit seinen andern guten Eigenschaften medicinische Tugenden
-verbinde, er sei wie alle Arzneien, dem Gaumen sehr zuwieder.
-
-»Nach allem,« sagte S-- mit einer gedankenvollen Miene, »verdanken
-sowohl die Segnungen als die Uebel dieses Lebens ihre Hauptwirkung
-der Stärke des Contrastes und müssen demnach hauptsächlich geschätzt
-werden. Wir würden die Genüsse, deren wir uns erfreuen, nicht halb
-so hoch schätzen, wenn wir ihrer nicht zuweilen entbehrten. Wie
-groß dürften uns die Annehmlichkeiten einer völlig gelichteten und
-gut angebauten Meierei erscheinen, wenn uns außer den nöthigen
-Lebensbedürfnissen noch manche Luxus-Gegenstände zu Gebote stehen
-werden.«
-
-»Und wie wird uns grüner Thee nach diesem abscheulichen Getränk
-behagen,« bemerkte ich.
-
-»Sehr wahr, und ein bequemes Haus, ein niedlicher Garten, schöne Weiden
-nach diesen dunkeln Wäldern, Loghäusern und völligem Mangel an Gärten.«
-
-»Und das Nichtvorhandensein der abscheulichen Baumstummel,« fügte ich
-hinzu. »Gewiß! glauben Sie mir meine Theure, Ihr canadisches Landgut
-wird Ihnen mit der Zeit, nach vollendeter Cultur des Bodens, als
-ein wahres Paradies erschienen, und Sie werden mit desto größerm
-Vergnügen und Stolz darauf blicken, wenn Sie sich erinnern, daß es
-einst eine Wüstenei war, die sich durch die Wirkungen von Fleiß und
-wohl angewendeten Mitteln in fruchtbare Felder verwandelt hat. Jede
-Annehmlichkeit, die Sie um sich her erzeugen, wird Ihr Glück vermehren;
-jede Verbesserung in oder außer dem Hause wird ein Gefühl von
-Dankbarkeit und Entzücken in Ihrem Herzen erzeugen, wovon diejenigen,
-welche stets in Ueberfluß und Wohlleben schwelgen oder auch nur die
-gewöhnlichsten Vortheile der Civilisirung genießen, nichts wissen. Mein
-Wahlspruch ist, »Hoffnung! Entschlossenheit! und Ausdauer!«
-
-»Dies,« sagt mein Gatte, »ist wahre Philosophie, und sie wirkt um so
-nachdrücklicher, weil Sie ihre Wahrheit durch die That beweisen.«
-
-Ich hatte sehr auf den indianischen Sommer (Nachsommer) gezählt, wovon
-ich so entzückende Schilderungen gelesen, allein ich muß gestehen, daß
-derselbe weit hinter meinen Erwartungen zurückgeblieben ist. Gleich
-zu Anfange dieses Monats (November) hatten wir drei oder vier warme,
-trübe, mehr drückende und schwüle Tage. Die Sonne schimmerte roth durch
-die neblichte Atmosphäre, die seltsam gestalteten Wolken, welche in
-rauchartigen wellenförmigen Massen am Himmel hingen, mit saffrangelbem
-und blaß carmosinrothem Lichte färbend, gerade so wie ich dergleichen
-an einem heißen schwülen Frühlings-Morgen gesehen habe.
-
-»Nicht ein Lüftchen kräuselte die Wasserfläche, nicht ein Blatt (denn
-die Blätter waren noch nicht alle gefallen) regte sich. Diese völlige
-Stockung der Luft ward plötzlich durch einen heftigen Sturmwind mit
-Schneegestöber unterbrochen, welcher ohne alle Vorzeichen heranbrauste.
-Ich stand in der Nähe einer hohen Fichten-Gruppe, die man inmitten
-des gelichteten Bodens hatte stehen lassen, und sammelte eben einige
-carmosinrothe Flechten (Lichenen); S-- befand sich nur einige Schritt
-von mir, mit einem Gespann Ochsen, welche Brennholz zogen. Auf einmal
-vernahmen wir ein fernes hohles Rauschen, das mit jedem Augenblick
-zunahm, die Luft rings um uns her war vollkommen ruhig. Ich blickte
-empor und sah die bisher so regungslosen Wolken mit erstaunlicher
-Schnelligkeit in verschiednen Richtungen sich fortbewegen. Ein dichtes
-Dunkel verbreitete sich über den Himmel. S--, der ämsig mit den Ochsen
-beschäftigt gewesen, hatte nicht gleich bemerkt, daß ich ihm so nahe
-war, und rief mir jetzt zu, daß ich so schnell als möglich das Haus
-oder eine freie Stelle, fern von den Fichten, zu erreichen suchen
-möchte. Unwillkührlich wendete ich mich dem Hause zu, während das
-donnernde Getös der in allen Richtungen niederstürzenden Bäume, das
-Herabprasseln der Aeste von den Fichten, die ich so eben verlassen, das
-Brausen der Windsbraut, welche über den See herabraste, mich die Gefahr
-erkennen ließen, die mir gedroht hatte.
-
-Die brechenden Aeste der Fichten, welche, vom Sturme fortgeführt, über
-mir umherwirbelten, verfinsterten die Luft; dann kam das blindmachende
-Schneegestöber; allein Gott sei Dank! ich konnte den Fortschritten des
-Unwetters in Sicherheit zusehen, da ich die Schwelle unsers Hauses
-gewonnen. Der Ochsentreiber hatte sich mit dem Gesicht auf die Erde
-geworfen, während die armen Thiere in Demuth ihre Köpfe niederhielten
-und geduldig den Ausgang des schonungslos wüthenden Sturmes abwarteten.
-S--, mein Gatte und alles, was zum Haushalt gehörte, hatte sich in
-eine Gruppe vereint und bewachte mit ängstlicher Spannung das wilde
-Toben der in Aufruhr begriffnen Elemente. Nicht ein Blatt blieb an den
-Bäumen, als der Orcan ausgewüthet, standen sie nackt und kahl da. So
-endete die kurze Herrschaft des indianischen Sommers[34].
-
- [Illustration: _Neu gelichtetes Land._]
-
-Meiner Ansicht nach ist die Meinung, welche einige Reisende hegen,
-daß nämlich der indianische Sommer durch das jährliche Abbrennen
-von Wäldern seitens derjenigen Indianer erzeugt werde, welche die
-undurchforschten Gegenden jenseits der größern Seen bewohnen,
-ungegründet. Man denke sich nur, welche ungeheure Waldstrecken jährlich
-in Flammen aufgehen müßten, um einen Einfluß auf ziemlich das ganze
-Continent von Nordamerika zu üben; übrigens finden die Waldbrände
-zu der Zeit im Jahre statt, wo das Feuer, wegen der durch die
-Herbst-Regengüsse bewirkten Feuchtigkeit des Bodens nicht leicht stark
-um sich greift.
-
-Ich möchte vielmehr die besondre Wärme und schwüle düstre
-Beschaffenheit der Luft der Gährung jener ungeheuren Masse
-vegetabilischen Stoffs zuschreiben, welche während der letzten Hälfte
-des Octobers in Zersetzung begriffen ist. Einige haben die Vermuthung
-aufgestellt, daß eine große Veränderung hinsichtlich dieser Jahreszeit
-stattfinden werde, indem die fortschreitende Lichtung des Landes die
-Quantität verwitternder Vegetabilien fortwährend vermindere. Ja ich
-habe gehört, daß von denjenigen, welche seit langer Zeit mit dem
-amerikanischen Festlande bekannt sind, in der fraglichen Beziehung
-schon ein ziemlicher Unterschied bemerkt werde.
-
-Bisher sind meine Erfahrungen, das Klima anlangend, günstig gewesen.
-Der Herbst war recht schön, obwohl die Fröste zeitig im September
-eintraten, anfangs waren sie gelind und kaum des Morgens fühlbar; aber
-gegen den October zeigten sie sich schon strenger und dauernder. Allein
-wenn auch die eine Hälfte des Tages kalt ist, so sind doch die Mittags-
-und Nachmittags-Stunden warm und angenehm.
-
-Wir fühlen bereits den strengen Eintritt des Winters. Er begann
-entschieden mit dem Ende des indianischen Sommers. Der November
-gleicht bei weitem nicht demselben Monat in der Heimath (England).
-Die erste Hälfte war mild und warm, die letzte kalt, von scharfen
-Frösten und gelegentlichem Schneefall begleitet; allein er scheint
-nicht den düstern trüben Charakter unsers brittischen Novembers zu
-besitzen. Indeß reicht eine kurze Bekanntschaft mit dem Klima nicht
-hin, ein richtiges Urtheil über seinen Charakter zu fällen, es bedarf
-hierzu einer genauen, während eines mehrjährigen Aufenthalts im Lande
-fortgesetzten Beobachtung seiner Eigenthümlichkeiten und Wechsel.
-
-Jetzt muß ich Ihnen erzählen, was mein Gatte auf unserm Grundstück
-vornimmt. Zehn Morgen hat er einigen irischen Holzfällern (^choppers^)
-übergeben, die sich auf die Dauer des Winters in der Shanty
-eingerichtet haben. Sie erhalten für Lichtung und Einfriedigung des
-Ackers, das Verbrennen der gefällten Bäume mit inbegriffen, zehn
-Dollars. Der Boden muß bis auf die Baumstummel völlig rein sein,
-letztere bedürfen, um zu verwittern, neun bis zehn Jahr; die Fichte,
-Schierlingstanne und die Tanne halten sich viel länger. Die Entfernung
-der Stummel ist für neue Anfänger zu kostspielig; die Arbeits-Löhne
-sind so hoch, daß man sich mit Ausführung des unumgänglich Nothwendigen
-begnügen muß. Die Zeit, während welcher gearbeitet werden kann, ist
-sehr kurz, weil der Frost so lange in der Erde bleibt; mit Ausnahme des
-Fällens und Verbrennens der Bäume läßt sich nicht viel thun.
-
-Diejenigen, welche die gehörige Behandlung ungelichteten Landes
-verstehen, schneiden zunächst alle kleinere Bäume und alles Unterholz
-weg, während diese noch belaubt sind; das gefällte Holz wird in Haufen
-gelegt, und die vom Winde umgestürzten Bäume werden der Länge nach
-zersägt und im Frühjahr mit dem Winterschnitt (die im Winter gefällten
-Bäume) geklaftert. Der Ausgang des Sommers und der Herbst sind die
-beste Zeit für besagte Arbeit. Die Blätter werden alsdann völlig
-trocken und erleichtern das so wichtige Verbrennen der dicken schweren
-Baumstämme um ein Bedeutendes. Ein andrer Grund dazu ist, daß nach
-hohem Schneefall das kleine leichte Holz (Unterholz) nicht dicht an
-der Erde weggeschnitten, und die todten Aeste und andre Abgänge nicht
-gesammelt und in Haufen gelegt werden können.
-
-Wir werden ungefähr drei Morgen für die Frühlingssaat bereit haben,
-voraus gesetzt, daß wir mit dem Verbrennen des in der Nähe unsers
-Hauses bereits geklafterten Holzes nach Wunsch zu Stande kommen. --
-Wir gedenken dieselben mit Hafer, Kürbissen, indianischem Korn und
-Kartoffeln zu bepflanzen; die andern zehn Acker sollen für die Einsaat
-von Weizen ebenfalls fertig werden. Sie sehen daraus, daß wir noch
-lange auf eine Ernte zu warten haben. Selbst Frühlings-Weizen, wenn er
-im Laufe des Jahres zur Reife kommen soll, können wir nicht mehr zeitig
-genug in die Erde bringen.
-
-Im Frühjahr wollen wir uns wo möglich zwei Kühe zulegen, da diese
-Thiere während des Frühlings, Sommers und Herbstes wenig Kosten
-verursachen; den Winter über werden wir Kürbisse und Haferstroh für sie
-haben.
-
-Fußnoten:
-
-[33] Englische Kochbücher.
-
-[34] Nachsommer.
-
-
-
-
-Neunter Brief.
-
- Verlust eines Ochsen-Gespanns. -- Errichtung eines Log-Hauses.
- -- Glaser- und Zimmermanns-Arbeit. -- Beschreibung eines neuen
- Log-Hauses. -- Spaziergang auf dem Eise. -- Lage des Hauses. -- See
- und umgebende Scenerei.
-
-
- See-Haus, April 18, 1833.
-
-Es wird Zeit, daß ich Ihnen endlich eine Beschreibung unsers Log-
-(Block-) Hauses gebe, in welches wir einige Tage vor Weihnachten
-eingezogen sind. Da manche unvorhergesehene Umstände seine Vollendung
-vor besagter Zeit verhinderten, so glaubte ich schon, daß es nie würde
-bewohnbar werden.
-
-Der erste Unfall, welcher uns traf, war der Verlust eines Gespanns
-Ochsen, die wir zum Herbeiziehen der Baumstämme für das zu errichtende
-Haus gekauft hatten. Da sie den Busch nicht so angenehm finden
-mochten, als die gelichteten Weideplätze ihres vorigen Herrn, oder
-weil sie vielleicht harte Arbeit für sich voraus sahen, so kam es
-ihnen eines Morgens früh in den Kopf, durch den See, gleich da, wo die
-Stromschnellen ihren Anfang nehmen, zu setzen und sich davon zu machen,
-keine Spur ihrer Marschroute, außer einigen Fußstapfen am Wasser-Rande,
-zurücklassend. Nachdem wir einige Tage vergebens danach gesucht, blieb
-die Arbeit liegen, und einen ganzen Monat hindurch waren sie weg, so
-daß wir schon alle Hoffnung aufgaben, jemals wieder etwas von ihnen zu
-hören. Endlich erfuhren wir, daß sie etwa zwanzig (englische) Meilen
-von uns, in einem fernen Stadtbezirk (^township^) angelangt waren und
-ihren Weg durch Waldung und Moräste, Bäche und Seen zu ihrem früheren
-Besitzer zurückgenommen hatten, von einem Instinkte geleitet, der ihnen
-für den Mangel an Straßen und Compaß Ersatz leistete.
-
-Man erzählt Fälle, wo dergleichen Thiere einen Strich wilden Landes
-dreißig oder vierzig (englische) Meilen weit, bis zu ihren alten
-Weideplätzen, in gerader Linie und auf unbekannten Pfaden, wo ihnen das
-Gedächtniß nicht zu Hülfe kommen konnte, durchwanderten. Beim Hunde
-betrachten wir Geruch und Gedächtniß als Führer, die ihn zu seiner
-fernen Heimath zurückleiten; wie aber soll man sich die fraglichen
-Wanderungen jener Ochsen erklären? Sie kehrten durch dichte endlose
-Wälder, wo der Mensch mit all seiner Vernunft und Kenntniß den rechten
-Weg gewiß verfehlt haben würde, nach Hause zurück.
-
-Der October ging bereits zu Ende, und noch standen nicht einmal die
-Wände unsers Hauses. Letzteres zu bewirken, riefen wir »eine Biene«
-zusammen: sechszehn unsrer Nachbarn folgten mit großer Bereitwilligkeit
-unsrer Aufforderung; und obschon der Tag nichts weniger als günstig
-war, so führte unsre Biene ihr Werk doch so treulich aus, daß mit
-Einbruch des Abends die Außenwände aufgerichtet waren.
-
-Die Arbeit schritt unter Mithülfe einer reichlichen Quantität
-canadischen Nektars (Branntweins), des Honigs, womit unsre Bienen
-gestärkt werden, rasch vorwärts. Einige tüchtige eingesalzne
-Schweinskeulen, ein Viertel Kartoffeln nebst einem Reispudding und ein
-Brod, so dick wie ein gewaltiger Cheshire-Käse, bildeten das Mahl,
-womit die fleißigen Leute regalirt wurden. Dies alles wurde in der
-Shanty, in einem ziemlich ländlichen Styl, aufgetischt. Kurz, wir
-lachten und nannten es einen _Pic-nic in den Urwäldern_; aber wie
-roh und einfach auch das Mahl war, so kann ich Ihnen doch versichern,
-daß sämmtliche Gäste, hohe und niedre, sehr damit zufrieden waren
-und unsre »_Biene_« als eine sehr wohl versorgte priesen. Trotz der
-Rangverschiedenheit derer, welche die Biene bildeten, herrschte doch
-unter allen die größte Harmonie, und die Gesellschaft ging wohl
-zufrieden mit ihrem Tagewerke und der Bewirthung auseinander.
-
-Am folgenden Tage machte ich einen Ausflug, um das neu errichtete
-Gebäude in Augenschein zu nehmen; allein ich fand mich sehr unangenehm
-überrascht, da es keineswegs das Ansehn eines Hauses hatte. Es war ein
-bloses Rechteck von über einander befestigten Scheiten, mit offnen
-Räumen zwischen jeder Scheit-Reihe. Die Oeffnungen für Thüren und
-Fenster waren noch nicht geschnitten, und die Dachbalken lagen noch
-nicht. Mit einem Wort, es war ein seltsamer Bau, und ich kehrte etwas
-niedergeschlagen nach Hause zurück, mich nicht wenig wundernd, daß mein
-Gatte mit den gemachten Fortschritten so zufrieden war. Einen oder
-zwei Tage darauf stattete ich dem Neubau abermals einen Besuch ab. Die
-Tragbalken zur Aufnahme der Fußböden waren gelegt, und die Oeffnungen
-für die Thüren und Fenster waren in das feste Holz geschnitten, so daß
-derselbe nicht mehr so sehr wie zuvor einem Vogelkäfig glich.
-
-Nach Beschindelung des Dachs mußten wir wieder pausiren, da Breter
-nicht näher als in Peterborough zu haben waren, und mithin bedurfte es
-einer langen Tage-Reise über schreckliche Straßen. Zu dieser Zeit war
-noch an keine Sägemühle zu denken, jetzt aber ist eine dergleichen,
-nicht weit von uns, im Entstehen begriffen. Unsre Dielenbreter mußten
-alle mit der Hand gesägt werden, und es währte ziemlich lange, ehe wir
-Jemand zur Verrichtung dieses nothwendigen Werkes finden konnten, und
-das zu einem hohen Lohne, ein Shilling und Sechspence für den Tag.
-Die Breter langten endlich an, aber natürlicher Weise von unabgepaßtem
-Holze; dies war unvermeidlich, und da sie nicht gehobelt werden
-konnten, mußten wir uns ihr rohes häßliches Ansehn gefallen lassen;
-denn es waren keine besseren zu haben. Ich erinnerte mich jetzt an
-die Bemerkung des alten Herrn, mit welchem wir von Cobourg nach dem
-Reis-See fuhren. Wir trösten uns mit der Aussicht, daß mit dem nächsten
-Sommer sämmtliche Breter abgepaßt sein werden, freilich bedarf es
-hierzu einer völligen Umkehrung des Hauses; denn die Breter müssen von
-neuem gelegt, gehörig an einander gefügt und gehobelt werden.
-
-Der nächste Unfall, welcher uns betraf, war, daß das Gemisch von Lehm
-und Kalk, womit das Haus von innen und außen zwischen den Fugen der
-Baum-Scheite berappt werden sollte, in einer einzigen Nacht so hart
-wie Stein fror; das Werk war kaum zur Hälfte gediehen, als plötzlich
-Frost eintrat und der Arbeit auf einige Zeit ein Ende machte, denn
-der gefrorne Mörtel thauete weder im Feuer noch in heißem Wasser auf;
-letzteres fror ebenfalls, ehe es noch eine Wirkung auf die Masse
-geäußert, und machte die Sache eher schlimmer. Alsdann verwundete sich
-der Zimmermann beim Glatthauen der Wände im Innern mit der breiten
-Axt und ward hierdurch auf einige Zeit zur Fortsetzung seiner Arbeit
-untüchtig.
-
-Ich führe alles dies blos darum an, um die Schwierigkeiten zu zeigen,
-welche uns in Vollführung unsrer Pläne hindern, und dies erklärt
-zum großen Theil die schlechten Wohnungen, womit sich Ansiedler der
-achtbarsten Klasse bei ihrer ersten Ankunft in diesem Lande begnügen,
-und dies keineswegs aus Neigung sondern aus Nothwendigkeit; ich könnte
-Ihnen Schilderungen der Art geben, die Sie in Erstaunen setzen würden.
-Jedenfalls dient es dazu, uns zufriedner und gleichgültiger zu machen,
-wenn wir um uns her nur wenige in bessern, ja viele, die mit uns von
-gleichem oder vielleicht noch höherem Range sind, in noch schlimmeren
-Verhältnissen erblicken, als dies, verhielte sich die Sache anders, der
-Fall sein würde.
-
-Jedermann in diesem Lande muß selbst den Glaser machen; Sie werden
-darüber lachen, allein, will er keine zerbrochnen Fensterscheiben sehen
-und die davon herrührenden Unannehmlichkeiten fühlen, so muß er lernen,
-sie mit eigner Hand in seine Fensterrahmen einzuziehen. Handwerker
-sind, gerade wenn man sie braucht, in den Urwäldern nicht immer leicht
-zu haben, und es hieße sehr verkehrt handeln, wenn man zur Ausbesserung
-seiner Fenster einen Glaser theuer bezahlen und auf seine Unkosten
-eine zweitägige Reise von der nächsten Stadt machen lassen wollte.
-Glastafeln von verschiedner Größe kann man bei den Vorrathshändlern
-sehr wohlfeil kaufen. Mein Gatte machte sich ein Vergnügen daraus, das
-Glas in seine Fenster, ehe diese eingehängt wurden, selbst einzuziehen.
-
-Eine genaue Bekanntschaft mit dem Gebrauch der Werkzeuge des
-Zimmermanns ist hier, glauben Sie mir, viel werth, und ich empfehle
-jedem jungen Mann, der nach Canada auswandern will, sich mit diesem
-schätzbaren Metier so viel als möglich bekannt zu machen, da er andern
-Falls oft in große Verlegenheit gerathen dürfte.
-
-Höchst lächerlich erschienen mir die Bemerkungen einer superfeinen
-Dame, der unwilligen Theilnehmerin an der Auswanderung ihres Gatten,
-als sie den Sohn eines See-Offiziers von einigem Range im Dienste
-ämsig mit Fertigung einer Axt-Handhabe aus einem Stück Felsen-Ulme
-beschäftigt sah.
-
-»Ich wundre mich, daß Sie _George_ sich so erniedrigen lassen,«
-bemerkte sie, sich an dessen Vater wendend.
-
-Der Capitain blickte sie mit Verwunderung an, »Sich erniedrigen! Auf
-welche Weise Madam? Mein Sohn schwört nicht, trinkt keinen Branntwein,
-und sagt keine Lügen.«
-
-»Allein Sie lassen ihn Arbeiten der niedrigsten Art verrichten. Um was
-ist er jetzt besser als ein gemeiner Zimmermann; und ich glaube, daß
-sie ihn auch Holz fällen lassen?«
-
-»Allerdings,« war die Antwort, »das Holz dort auf dem Wagen hat er seit
-gestern, nach Beendigung seiner Lehrstunden, alles selbst gefällt.«
-
-»Lieber wollte ich meine Jungen todt sehen, ehe ich ihnen gleich
-gemeinen Arbeitern die Axt zu führen verstattete.«
-
-»Müßiggang ist aller Laster Anfang,« sagte der Capitain, »wie weit
-schlechter würde mein Sohn beschäftigt sein, wenn er sich mit böser
-Gesellschaft auf der Straße umher triebe.«
-
-»Sie müssen doch zugeben, daß sich dieses Land nicht zum Aufenthalt für
-Gentlemen und Damen eignet,« bemerkte die Lady.
-
-»Es ist ein Land,« erwiederte der Capitain etwas derb, »worin
-Gentlemen, die nicht arbeiten mögen und die doch nicht außer demselben
-leben können, verhungern müssen, und aus diesem Grunde gewöhne ich
-meine Söhne frühzeitig an eine stete und nützliche Thätigkeit.«
-
-»Meine Söhne sollen nie wie gemeine Handwerker arbeiten,« erwiederte
-die Dame mit Unwillen.
-
-»In diesem Fall Madam, werden sie als Ansiedler zu nichts taugen;
-und es ist nur zu bedauern, daß Sie dieselben über den Ocean hierher
-gebracht haben.«
-
-»Wir waren dazu gezwungen, wir konnten nicht mehr auf dem Fuße leben,
-wie wir gewohnt waren, andernfalls würde ich nie in dieses abscheuliche
-Land gekommen sein.«
-
-»Da Sie aber nun einmal hier sind, so werden Sie sehr wohl thun, sich
-in die Umstände zu schicken, Canada ist kein Land für müßige Leute,
-welche ihre Vermögens-Umstände zu verbessern wünschen. In einigen
-Theilen des Landes werden Sie die meisten Nahrungsmittel eben so theuer
-finden als in London, die Kleidung noch weit theurer und nicht so gut,
-und dabei eben keine sonderliche Auswahl.«
-
-»Nun dann möchte ich doch wissen, wozu Canada gut ist?« war die
-ärgerliche Antwort.
-
-»Es ist ein gutes Land für den rechtschaffnen fleißigen Handwerker. Es
-ist ein schönes Land für den armen Arbeiter, der nach wenigen Jahren
-harter Arbeit sich in seinem eignen Log-Hause niederlassen und sein
-Auge auf seinen eignen Grund und Boden schweifen lassen kann, und
-seine Kinder für die Zukunft wohl versorgt und unabhängig weiß. Es
-ist ein großes wichtiges Land für den reichen Speculanten, der eine
-beträchtliche Summe in Ankauf trefflichen ergiebigen Bodens anlegen
-kann; denn verfährt er nur einigermaßen klug, so kann er für sein
-Geld nach Verlauf einiger Jahre hundert Procent Zinsen gewinnen. Aber
-es ist ein böses Land für den armen Gentleman, den seine Lebensweise
-und Gewohnheiten untüchtig zur Handarbeit gemacht haben. Er bringt
-Gesinnungen mit sich, die nicht zu seiner neuen Lage passen; und
-selbst wenn ihn die Noth zur Anstrengung seiner Kräfte treibt, ist
-seine Arbeit von geringem Werth. Sein Fortkommen fällt ihm äußerst
-schwer. Die nicht zu umgehenden Arbeits-Löhne und Ausgaben für den
-erforderlichen Lebensunterhalt sind beträchtlich, und er muß, will
-er sich aufrecht und schuldenfrei erhalten, manche Entbehrungen
-erdulden. Hat er eine zahlreiche Familie und erzieht er sie auf eine
-vernünftige, seinen Umständen angemeßne Weise, das heißt, macht er sie
-frühzeitig für das Ansiedlerleben geschickt, so erzeigt er ihnen eine
-wahre Wohlthat und wird bald der guten Folgen für sein Grundeigenthum
-inne; allein ist er selbst müßig und faul, seine Frau verschwenderisch
-und unzufrieden, und lehrt er seine Kinder mit Verachtung auf
-anstrengende Arbeit herab zu blicken; so eilt er seinem Verderben
-mit Riesenschritten entgegen. Mit einem Wort, das Land ist ein gutes
-Land für diejenigen, für welche es paßt; wer sich aber nicht der
-Nothwendigkeit fügen, wer keine Entbehrung dulden und nicht arbeiten
-will, der thäte besser, er bliebe davon entfernt. Es liegt am Tage, daß
-Canada nicht jeder Klasse von Leuten zusagen kann.«
-
-»Nun für mich und meine Familie paßt es durchaus nicht,« erwiederte die
-Dame verächtlich.
-
-»Sehr wahr!« lautete die laconische Antwort, und so endete das
-Zwiegespräch.
-
-Allein indem ich diese Bemerkungen nieder geschrieben, bin ich
-ganz von der Hauptsache abgekommen und habe mein armes Log-Haus in
-unvollendetem Zustande gelassen. Endlich wurde mir gesagt, daß es
-fertig und bewohnbar sei, und ich sah mich bald mitten in die mit dem
-Aus- und Einzuge verbundne Unruhe und Arbeit versetzt. Wir erhielten
-allen nöthigen Beistand von S--, der stets bereit und willig ist,
-uns zu helfen. Er lachte und nannte unsre kleine Versammlung eine
-bewegende _Biene_ (^moving bee^); ich sagte es sei eine feststellende
-Biene, (^fixing bee^) und mein Gatte gab ihr den Namen ordnende
-Biene (^settling bee^); gewiß waren wir, ehe alles zu Stande kam,
-uneingerichtet genug. Welch eine wüste Höhle ist ein kleines Haus oder
-überhaupt jedes Haus unter solchen Umständen. Der Begriff von Chaos muß
-vom Aus- und Einräumen entlehnt worden sein, denn ich glaube, daß die
-Alten so gut hiermit zu thun hatten, als die Neuern.
-
-Von irdnem Geschirr ging mancher werthvolle Artikel auf seiner kurzen
-aber holperigen Wanderung durch die Wälder in Stücke. Friede und Ruhe
-ihren Manen! Ich hatte eine gute Hülfe an meinem irischen Mädchen, die
-bald ein tüchtiges Feuer auf dem neuen Herde anzündete und alles im
-Hause ordnete.
-
-Wir fühlen uns jetzt in unsrer neuen Wohnstätte recht behaglich; ich
-will Ihnen eine Schilderung von dem kleinen Häuschen geben. Was fertig
-da steht, ist blos ein Theil von dem ursprünglichen Plan, das Uebrige
-muß im nächsten Frühjahr oder Herbst, wie es die Umstände erlauben,
-hinzugefügt werden.
-
-Ein niedliches kleines Wohnstübchen mit Vorrathskammer, Küche, Speise-
-und Schlafkammer bilden das Erdgeschoß; dazu kommt ein hübsches obres
-Stockwerk, welches drei Schlafgemächer abgeben wird.
-
-»Welche Nußschale,« höre ich Sie im Geiste ausrufen; eine solche ist
-es vor der Hand wirklich, allein wir gedenken einen schönen Vorbau
-daran zu fügen, und warten hierzu nur auf Breter von der Mühle; dies
-wird uns noch eine Stube, einen langen Saal und ein Schlafzimmer
-für vorkommende Fälle verschaffen. Die Fenster und Glasthüre unsers
-jetzigen Wohnstübchens gewähren eine angenehme Aussicht auf die Seen im
-Westen und Süden. Nach Vollendung des Hauses werden wir vorn und nach
-der Südseite eine Verandah (Vorhalle) haben, eine angenehme Hinzufügung
-für den Sommer, da man sie als eine Art Vorgemach benutzen, darin
-speisen und die frische Luft, geschützt gegen die Sonne, genießen kann.
-Die Canadier nennen diese Verandahs »_Stoups_,« da sie nur aus Scheiten
-oder Bretwerk bestehen, so entbehren nur wenige Häuser derselben.
-Die Pfeiler oder Säulen, umwunden von üppigen Hopfen-Ranken, der
-Scharlach-Bohne und der Morgen-Glorie[35], nehmen sich sehr hübsch aus.
-Gewiß sind diese Stoups eine vorzügliche Zierde, da sie zum großen
-Theil die rohen Scheite verbergen und das scheunenartige Aeußre der
-Häuser maskiren.
-
-Unser Wohnstübchen wärmt ein hübscher eiserner Ofen mit messingener
-Gallerie und einer Schutzplatte. Das Hausgeräth besteht in einem mit
-Messingblechen beschlagnen Sopha, das gelegentlich auch als Bett
-gebraucht wird, canadischen angestrichnen Stühlen, einem gefleckten
-Tisch von Tannenholz, grünen und weißen Vorhängen und einer schönen
-indianischen Matte, welche den Fußboden bedeckt. Eine Seite des Zimmers
-nehmen unsre Bücher ein. Einige große Landcharten und verschiedne gute
-Kupferstiche verstecken so ziemlich die rohen Wände und bilden die
-Decoration unsrer kleinen Wohnung. Unser Schlafzimmer ist auf dieselbe
-einfache Weise ausmöblirt. Indeß fühlen wir uns gar nicht unbehaglich
-in unserm schlichten Häuschen; und wiewohl es keineswegs so beschaffen
-ist, um unsern Wünschen vollkommen zu genügen, entspricht es doch unter
-den bestehenden Umständen seinem Zwecke.
-
-Ich harre sehnsüchtig dem Frühling entgegen, um vor dem Hause ein
-Gärtchen anlegen zu können; denn ich beabsichtige, einige der im
-Lande einheimischen Früchte und Blumen darin anzupflanzen, die
-meiner Ueberzeugung nach durch Cultur einer beträchtlichen Veredlung
-fähig sind. Die auf unsern Triften und gelichteten Waldstellen wild
-wachsenden Erdbeeren gehören verschiednen Varietäten an und tragen sehr
-reichlich, zum Einmachen eignen sie sich trefflich, und ich gedenke
-einige Beete in meinem Garten damit zu bepflanzen. Auf unserm See
-befindet sich ein allerliebstes waldiges Inselchen, Erdbeer-Eiland und
-ein andres ^Raspberry island^ (Brombeer-Eiland) benamt; sie enthalten
-einen Ueberfluß an allerlei Früchten -- wilden Trauben, Brombeeren,
-schwarzen und rothen Johannis-Beeren; eine wilde Stachelbeere und
-eine schöne kleine rankende Pflanze, welche weiße Blumen trägt, wie
-die Brombeere, desgleichen eine dunkel purpurfarbne Frucht, bestehend
-aus einigen Samen von angenehmem, lebhaft säuerlichem Geschmack,
-der Thaubeere nicht unähnlich, aber nicht ganz so süß. Die Blätter
-dieser Pflanze sind glänzend hellgrün und ungefähr wie die Blätter
-der Brombeere gestaltet, mit der sie (obgleich nicht so buschig und
-dornig) in einiger Hinsicht so große Aehnlichkeit hat, daß ich sie die
-_kriechende (rankende Brombeere)_ getauft habe.
-
-Unsre wissenschaftlichen Botaniker dürften mich für sehr keck und
-anmaßend halten, daß ich mir die Freiheit nehme, den Blumen und
-Sträuchern, auf die ich in diesen Wäldern stoße, Namen beizulegen. Ich
-kann blos sagen daß es mich freut, wo möglich die canadischen oder
-selbst die indianischen Benennungen zu entdecken, und wo sie fehlen,
-betrachte ich mich als ihre Taufmutter und benenne sie nach meinem
-Gefallen.
-
-Unter unsern wilden Früchten haben wir eine Pflaume, die in einigen
-Gemeinde-Distrikten sehr gut und reichlich ist, sie eignet sich
-trefflich zum Einmachen vorzüglich wenn man sie, wie die amerikanischen
-Hausfrauen, in Ahorn-Syrup kocht; wilde Kirschen, desgleichen
-eine Sorte Namens ^choke cherries^ (Würgkirschen) wegen ihrer
-stark zusammenziehenden Eigenschaften, hoch- und kleinsträuchige
-Moosbeeren und Schwarzbeeren, welche von den Squaws in Birken-Körben
-herbeigebracht werden. Alle diese kommen auf den Ebnen und
-Bieber-Wiesen vor. Die kleinsträuchigen Moosbeeren werden von den
-Indiern in großer Menge in die Städte und Dörfer gebracht. Sie bilden
-eine stete Delicatesse (eingemacht) auf den Thee-Tischen der meisten
-Ansiedler; allein was Trefflichkeit des Geschmacks und schönes Ansehn
-betrifft, so ziehe ich die hochbuschige Moosbeere vor; diese ist
-weniger begehrt, wegen der großen platten Samen, welche das Einmachen
-derselben verhindern; indeß ist das Gelée davon sowohl in Farbe als
-Wohlgeschmack vortrefflich.
-
-Der Strauch auf welchem diese Moosbeere wächst, gleicht der
-Guelder-Rose. Die Blüthen sind rein weiß und stehen in loosen
-Dolden; sie bilden nach ihrer Entfaltung in Wäldern und Mooren und
-am Wasser-Rande der Seen eine schöne Zierde. Die Beeren sind etwas
-länglich eirund und glänzend scharlachroth, und wenn sie der Frost
-leicht gerührt hat, halb durchsichtig, und sehen wie hängende Büschel
-scharlachfarbner Trauben aus.
-
-An einem schönen Winternachmittage fühlte ich mich versucht, mit meinem
-Gatten einen Spaziergang auf dem Eise zu machen, welches, wie man mir
-vorher versichert, vollkommen trug und sicher war. Ich muß gestehen,
-daß ich während der ersten halben Meile (englisch) mich ziemlich
-furchtsam zeigte, vorzüglich an Stellen, wo das Eis so durchsichtig
-war, daß man jeden Kiesel, jedes Moos auf dem Boden des Wassers sehen
-konnte. Bisweilen war das Eis dick, weiß und vollkommen undurchsichtig.
-Während wir uns in geringer Entfernung vom Ufer hielten, überraschte
-mich das Erscheinen einiger glänzend rothen Beeren an den laublosen
-Büschen, die über den Rand des Sees hingen und die ich bald als die
-oben erwähnten Moosbeeren erkannte. Mein Gatte streifte sogleich den
-lockenden Schatz von den Zweigen, und ich eilte entzückt mit meiner
-Beute nach Hause und kochte die Früchte mit etwas Zucker, um sie
-nebst unserm Kuchen zum Thee zu genießen. Gewiß habe ich nie etwas so
-köstlich gefunden als diese Beere, und dies vielleicht um so mehr,
-weil ich, mit Ausnahme von Eingemachtem während unsrer Reise und zu
-Peterborough, so lange keinerlei Art von Früchten genossen hatte.
-
-Kurz darauf machte ich einen abermaligen Spaziergang auf dem Eise,
-wiewohl es nicht ganz so fest mehr war wie früher; dessen ungeachtet
-marschirten wir ziemlich dreiviertel Meile (englisch) weit. Bei
-unsrer Rückkehr wurden wir von S-- mit einem Handschlitten, eine Art
-Schiebkarren, wie die der Lastträger, -- eingeholt. Dieses Fuhrwerk
-hat keine Seiten-Wände und ruht nicht auf einem Rade sondern auf
-hölzernen Rollen, so daß man es, wenn es auch noch so schwer beladen
-ist, mit der größten Leichtigkeit über Schnee und Eis bewegen kann. S--
-bestand darauf, mich auf dem Eise nach Hause zu fahren, gleich einer
-lappländischen Dame auf ihrem Schlitten. Ich wählte meinen Sitz, und in
-einer Minute fühlte ich mich mit einer Schnelligkeit fortgezogen, die
-mir fast den Athem raubte. Als ich am Ufer anlangte, war ich von Kopf
-bis zu Füßen eine Gluth.
-
-Die Lage unsers Hauses würde Ihnen gefallen. Der Platz worauf es steht,
-ist der höchste Punkt eines sanft geneigten Ufers oberhalb des Sees,
-ungefähr zweihundert Schritt vom Wasserrande entfernt; die Breite des
-Sees von einem Ufer zum andern beträgt nicht ganz eine (englische)
-Meile. Nach Süden zu haben wir wieder eine ganz verschiedne Aussicht,
-die nach völliger Lichtung sehr schön ausfallen wird, -- eine schöne
-ebne Wasserfläche, durch anmuthige Inselchen unterbrochen, die sich
-aus ihrem Schooße gleich grünenden Hainen empor heben; -- unterhalb
-derselben ist ein Fall von einigen Fuß, wo die Wasser der Seen, in
-einen engen Kanal zwischen Kalkstein-Schichten gezwängt, mit großem
-Ungestüm hinstürzen und Schaum und Nebel-Wolken emporschleudern.
-
-Während des Sommers ist der Wasserstand weit niedriger, und man
-kann eine ziemliche Strecke an den flachen Ufern hinwandern, die
-aus verschiednen, mit fossilen Ueberresten von offenbar frischer
-Formation gefüllten Kalkstein-Schichten bestehen. Jene Muschelgehäuse
-und Fluß-Insekten, welche, durch das Zurückweichen des Wassers
-zurückgelassen, über die Oberfläche des Kalksteins ausgestreut liegen,
-sind den Muscheln und Insekten ähnlich, die von der Kalkstein-Masse
-incrustirt sind. Man hat mir gesagt, daß das Bett eines der Seen,
-(ich weiß nicht mehr, welches) oberhalb unsers Wohnorts aus Kalkstein
-bestehe; und daß es reich an manigfaltigen schönen Flußmuscheln sei,
-welche darin in ungeheurer Menge so wie auch in den längs den Ufern
-ausgestreuten Kalkstein-Blöcken schichtenweise abgelagert sind. Diese
-Muschelgehäuse werden auch in beträchtlicher Menge in dem Boden der
-Bieber-Wiesen gefunden.
-
-Wenn ich dergleichen Dinge sehe oder davon höre, so thut es mir leid,
-daß ich nichts von Geologie oder Conchologie verstehe; weil ich mir
-anders manche Umstände würde erklären können, die gegenwärtig blos
-meine Neugierde erregen.
-
-Gerade unter dem oben erwähnten Wasserfall ist ein merkwürdiger
-natürlicher Bogen in dem Kalkstein-Felsen, der sich an dieser Stelle
-zu einer Höhe von funfzehn Fuß wie eine Mauer erhebt; er besteht aus
-großen Platten grauen Kalksteins, die eine auf der andern liegen; der
-Bogen erscheint wie eine Spalte in der Felsenwand, aber, möglicher
-Weise durch die Gewalt des Wassers während einer beträchtlichen
-Ueberschwemmung, ausgewühlt und ausgehöhlt. Auf der Spitze des Felsens
-wachsen Bäume. Schierlings-Tannen und Cedern bewegen ihre Laubkronen
-hoch über dem wildbrausenden Wasser hin und her und bekleiden die
-steinerne Barriere mit einem düstern aber unvergänglichen Grün. Hier
-wuchern auch in üppiger Fülle die wilde Rebe, die oben erwähnte rothe
-kriechende Pflanze und die Gifteiche und weben phantastische Lauben
-über die moosbedeckten Stein-Massen. Eine schnelle Wendung dieses Ufers
-brachte uns zu einer breiten, vollkommen flachen und glatten Schichtung
-des nämlichen Gesteins, die eine Strecke von ziemlich funfzig Fuß
-entlang dem Ufer einnimmt. Zwischen den Rissen und Spalten dieser
-Schicht fand ich einige Rosen-Sträucher und mancherlei Blumen, die im
-Verlauf des Frühjahrs und Sommers, wo dieselbe vom Wasser entblößt und
-mithin seinem Einfluß nicht ausgesetzt ist, daraus hervorgesproßt waren.
-
-Dieser Platz soll nächstens mit einer Säge- und Korn-Mühle bebaut
-werden, die, fürchte ich, seiner natürlichen Schönheit Abbruch thun
-wird. Ich glaube wohl, daß ich die einzige Person in der Nachbarschaft
-bin, welche die Errichtung eines für diesen Theil des Gemeindebezirks
-so nützlichen und schätzbaren Gebäudes mit Bedauern sieht.
-
-Sobald Sie mir wieder ein Päckchen oder Kistchen senden, vergessen Sie
-nicht, einige Blumen-Samen und Pflaumen-, Schlehen- und Aepfel-Kerne
-der besten Sorte, wie dergleichen in der Heimath in Gärten und
-Obstpflanzungen gezogen werden, beizufügen; denn ich glaube, daß sich
-die Aepfel hier aus Samen ziehen lassen, ohne daß man die Bäume zu
-pfropfen braucht; indeß ist das Obst von gepfropften Bäumen größer und
-wohlschmeckender. Sehr willkommen würden mir auch einige Nüsse von
-unsern schönen alten Stamm-Nußbäumen sein. O die guten alten Bäume! was
-sind wir nicht auf ihren Aesten herum geklettert, als ich noch leichten
-Herzens und so frei von Sorgen war, wie die Eichhörnchen, welche sich
-auf den höchsten Wipfeln über uns wiegten. »Recht schön!« werden
-Sie sagen, »aber je weniger eine kluge Frau von dergleichen wilden
-Streichen, wie das Herumklettern auf Nußbäumen, spricht, desto besser.«
-Glücklicher Weise gerathen junge Damen hier nicht in Versuchung, da
-sie wohl einsehen, daß nur ein Eichhörnchen oder ein Bär unsre hohen
-Waldbäume erklettern kann; selbst ein Matrose würde sich nicht hinauf
-wagen.
-
-Recht sehr wünsche ich, einige Samen von unsrer wilden Schlüsselblume
-und unserm Veilchen zu erhalten, um sie auf unsern Wiesen und in unserm
-Gärtchen auszustreuen; haben Sie die Güte, die Dorfkinder einige für
-mich sammeln zu lassen.
-
-Mein Gatte bittet Sie um etwas Luzern-Samen, den er mit Vortheil
-cultiviren zu können glaubt.
-
-Fußnoten:
-
-[35] ^Morning glory^ so nennen die Amerikaner ihre schönen und großen
-Winden (^Convolvulus^).
-
-
-
-
-Zehnter Brief.
-
- Abwechselung in Temperatur und Wetter. -- Elektrische Erscheinung. --
- Canadischer Winter. -- Mangel an poetischen Anklängen in diesem Lande.
- -- Zuckerbereitung. -- Zeit zum Fischfang. -- Art des Fischfangs. --
- Entenschießen. -- Indianer-Familien. -- Papousen und ihre Windeln- und
- Wickelbänder. -- Indianische Manufacturen. -- Frösche. --
-
-
- See-Haus, Mai 9. 1833.
-
-Wie ganz anders ist doch der Winter ausgefallen, als ich mir dachte.
-Der December-Schnee thaute beständig wieder weg. Am ersten Januar war
-auf unsern gelichteten Aeckern keine Flocke zu sehen, nur im Walde
-lag etwas. Die Wärme der Sonne am ersten und zweiten Tage des neuen
-Jahres war so groß, daß man im Freien den Mantel, ja selbst einen Shawl
-kaum vertragen konnte; und im Zimmer wurde uns das Ofenfeuer fast
-lästig. Das Wetter blieb ziemlich mild bis in die letzte Hälfte des
-Monats, dann aber trat strenge Kälte ein und dauerte den ganzen Februar
-hindurch. Der erste März war der kälteste Tag, den ich jemals erlebt
-habe; das Quecksilber fiel im Hause bis fünfundzwanzig Grad unter Null,
-und im Freien noch tiefer. Das Gefühl von Kälte frühmorgens war äußerst
-schmerzhaft, und erzeugte ein unwillkührliches Schaudern und eine fast
-krampfhafte Empfindung in Brust und Magen. Der Hauch erstarrte an den
-Betten zu Reif. Jeder metallne Gegenstand, den man berührte, schien die
-Finger erfrieren zu machen. Dieser hohe Kälte-Grad hielt indeß nur
-drei Tage an, worauf die Temperatur allmälig gelinder wurde.
-
-Während dieser äußerst kalten Witterung wurde ich durch die häufige
-Wiederkehr eines Phänomens überrascht, welches mir von elektrischer
-Natur zu sein schien. Wenn nämlich der Frost sehr heftig war, gab meine
-Kleidung, die während der kalten Jahreszeit in einem wollenen oder mit
-Flanel gefütterten Rocke bestand, beim Ausziehen eine Reihe knisternder
-prasselnder Töne, ungefähr wie ein aufloderndes Feuer, von sich, und
-sprühete, wenn das Licht entfernt wurde, blasse weißlich blaue Funken,
-denen nicht unähnlich, welche sich erzeugen, wenn man Zucker im Dunkeln
-schlägt, oder den Rücken einer schwarzen Katze streichelt; dieselbe
-Erscheinung bemerkte ich auch, wenn ich meine Haare kämmte[36].
-
-Den Februar hindurch und bis zum neunzehnten März lag der Schnee
-sehr hoch; dann aber trat plötzliches Thauwetter ein und hielt ohne
-Unterbrechung so lange an, bis der Boden von seiner weißen Decke völlig
-befreit war, was im Verlauf von nicht ganz vierzehn Tagen geschah.
-Die Luft war während dieser Zeit weit wärmer und milder als in der
-Regel in England, wo während des fortschreitenden Thauwetters eine
-durchdringende Kälte herrscht.
-
-Wiewohl der canadische Winter seine Unannehmlichkeiten hat, so hat
-er auf der andern Seite auch seine Reize. Nach ein- oder zweitägigem
-starken Schneefall klärt sich der Himmel auf, und die Luft wird
-außerordentlich hell und rein von Dünsten; der Rauch steigt in hohen
-gewundnen Säulen empor, bis er sich verliert; beobachtet man ihn des
-Abends oder früh an einem heitern Morgen, wenn der Reif an den Bäumen
-flimmert, im Widerschein eines safranfarbigen Himmels, so ist die
-Wirkung vorzüglich schön.
-
-An heitern Wintertagen, wenn kein Wölkchen, nicht der Schatten eines
-Wölkchens das azurblaue Himmelsgewölbe über uns trübt, mache ich kleine
-Ausflüge in die Wälder, und wäre nicht die weiße Silberdecke der Erde,
-so möchte ich, wenn ich mein Auge zu dem reinen Aether empor hebe,
-fast ausrufen: es ist Juni, der milde liebliche Juni ist da! Die stets
-grünen Kiefern, Cedern, Schierlings-Tannen und Balsam-Fichten krümmen
-ihre hängenden Aeste unter der Schneelast, die bei der geringsten
-Bewegung in dichten Schauern rings umher niederrauscht, aber so leicht
-und trocken ist der Schnee, daß man ihn mit leichter Mühe und ohne im
-geringsten naß zu werden, abschütteln kann.
-
-Die Spitzen der Baumstummel nehmen sich mit ihren Schnee-Mützen
-oder Turbanen gar nicht übel aus; ein schwarzer Fichtenstummel mit
-seinem weißen Mützchen und Mantel erscheint bisweilen, wegen seiner
-seltsamen Bekleidung wie Jemand, der uns plötzlich entgegentritt. Was
-Gespenster und Geister betrifft, so scheinen sie gänzlich aus Canada
-verbannt zu sein. Hier giebt es keine historischen Erinnerungen, keine
-abentheuerlichen Legenden von Ahnen und Vorvordern. Die Phantasie
-des Dichters würde in den Urwäldern aus Mangel an Wunder-Speise zur
-Aufrechterhaltung ihrer Existenz verhungern. Wir haben weder Feen noch
-Elfen, weder Geister noch Kobolde, weder Satyre noch Wald-Nymphen;
-unsre Wälder selbst eignen sich nicht zum Schutz für Dryaden und
-Hamadryaden. Keine Najade haust an dem Schilfrande unsrer Seen oder
-heiligt durch ihre Gegenwart unsre Wald-Firsten. Kein Druide nimmt
-unsre Eichen in Anspruch; und anstatt mit geheimnißvoller Ehrfurcht
-zwischen unsern, oft seltsam zusammengruppirten Kalkfelsen umher
-zu wandern, überlassen wir sie dem Geologen, um seinen Scharfsinn
-in Erklärung ihres Erscheinens zu üben; anstatt dieselben mit
-den ehrwürdigen Charakteren alter Tempel oder heidnischer Altäre
-zu bekleiden, blicken wir blos mit dem wißbegierigen Auge der
-Natur-Philosophie darauf.
-
-Selbst die Irländer und Hochländer der niedrigsten Klasse scheinen,
-wenn sie Bewohner der Urwälder von Canada werden, ihren alten
-Aberglauben bei Seite zu setzen. Ich hörte einen Freund, als die Rede
-von dem Mangel an romantischem Interesse in diesem Lande war, ausrufen:
-»Es ist unpoetischer als alle andere Länder, die Einbildungskraft
-findet keinen Anhaltepunkt, kein Ziel! -- Hier ist alles neu -- der
-Boden selbst scheint neuerdings gebildet zu sein; in diesen Wäldern
-herrscht keine große alterthümliche Erhabenheit, hier giebt es keine
-mit dem Lande verknüpfte Erinnerungen ehemaliger Thaten. Die einzigen
-Wesen, an welchen ich eignes Interesse nehme, sind die Indianer, allein
-es fehlt ihnen an dem kriegerischen Charakter, an jener Einsicht, in
-deren Besitz ich sie mir gedacht hatte.«
-
-Dies war die Klage eines Dichters. Nun besteht aber die Volksklasse,
-für welche dieses Land in hohem Grade paßt, aus unbelesenen
-betriebsamen Arbeitern und Handwerkern. Sie fühlen kein Bedauern,
-daß das Land, welches sie bearbeiten, nicht durch die Feder eines
-Geschichtsschreibers oder den Gesang eines Dichters gepriesen worden
-ist. Die Erde giebt ihnen ihre Erzeugnisse eben so freigebig, als wenn
-sie durch das Blut von Heroen gedüngt worden wäre. Sie würden sich
-durch kein Gefühl von Ehrfurcht bestimmen lassen, die altersgraue Eiche
-zu schonen, und sie aus keiner andern Rücksicht als ihres Holzes wegen
-achten. Sie haben keine Zeit, selbst wenn sie Geschmack dazu hätten,
-sich nach den Schönheiten der Natur umzusehen, allein ihre Unwissenheit
-ist Segen.
-
-Ueberhaupt sind dies eingebildete Uebel und können schwerlich als ein
-Grund zum Mißfallen in dem Lande gelten, und unter Leuten gewöhnlichen
-Schlages erregen sie wenig Sympathie, wiewohl sie jedenfalls für
-die Gebildeten und nach geistigen Genüssen verlangenden Glieder der
-Gesellschaft nicht ohne Gewicht sind; denn diese müssen natürlicher
-Weise trauern, wenn Geschmack, Gelehrsamkeit und Genius aus ihrer
-Sphäre gerückt werden.
-
-Was mich anlangt, wiewohl ich leicht in die Gefühle des Dichters und
-des enthusiastischen Liebhabers wilder und wundervoller Sagen und
-Mährchen eingehen kann, so sehe ich doch schon, daß ich in diesem Lande
-recht glücklich und zufrieden sein werde. Bietet auch jetzt der für
-seine Geschichte bestimmte Band nur leere Seiten dar, so liegt doch
-das Buch der Natur offen da und zeigt beredtsam für das Wirken des
-mächtigen Schöpfers, und ich kann, wenn ich an den Ufern der Seen und
-Flüsse oder durch die Wälder wandre, aus ihm tausend Freuden und stets
-neuen Stoff zur Unterhaltung und Belehrung schöpfen.
-
-Doch ich muß Ihnen jetzt etwas von unsrer Zucker-Fabrikation sagen,
-woran ich thätigen Antheil nehme. Unsre Versuche waren auf einen
-geringen Maßstab beschränkt, da wir blos einen Kessel und zwei eiserne
-Dreifüße hatten; indeß reichten sie hin, um uns in die Kunst und das
-Geheimniß, betreffend die Einsiedung des Ahorn-Saftes zu Molasse, und
-die endliche Verwandlung der letztern in Zucker einzuweihen.
-
-Die erste hierzu erforderliche Arbeit ist das Anzapfen des Ahorns und
-die Auffangung des aus der Wunde hervorfließenden Saftes in kleinen
-rohen Trögen, die in weiter nichts als mit der Art ausgehöhlten
-Fichten-Scheitchen bestehen. Um den Baum anzuzapfen, macht man einen
-Einschnitt in die Rinde oder bohrt mit einem Bohrer ein Loch hinein;
-ersteres ist das leichtere und üblichere Verfahren. Ein leicht
-ausgehöhltes Stück Ceder- oder Hollunder-Holz wird dann mit dem
-freien Ende etwas abwärts geneigt, in die Oeffnung gesteckt und in den
-Trog gerichtet, so daß der Saft durch dasselbe in letztern fließt.
-Bisweilen habe ich einen blosen flachen Span als Leiter des Saftes
-dienen sehen. Wie Sie sich wohl denken können, verfuhren wir ganz nach
-der Regel. Nach einer frostigen Nacht, worauf ein heller warmer Tag
-folgt, fließt der Saft ziemlich frei und reichlich; man muß ihn während
-des Tages in einem Fäßchen oder Troge sammeln, und diese Gefäße müssen
-hinreichend geräumig sein, um alles zu fassen, was am Abend desselben
-Tages gesotten werden kann; man darf den aufgefangnen Saft nicht über
-vierundzwanzig Stunden stehen lassen, weil er andernfalls in Gährung
-übergeht und dann nicht mehr zur Zuckerbildung taugt.
-
-Mein Gatte begann mit Beihülfe eines irischen Knaben in der letzten
-März-Woche den Saft zu sammeln. Eine Stange wurde über zwei in die Erde
-befestigte Holzgabeln gelegt, welche stark genug waren, das Gewicht des
-schweren Kessels zu tragen. Die Arbeit während des Tages bestand in
-Entleerung der Tröge und Fällung von Brennholz. Des Abends wurde das
-Feuer angeschürt, und das Sieden oder Kochen des Saftes nahm seinen
-Anfang.
-
-Es war ein recht erfreulicher und malerischer Anblick, die Zuckersieder
-bei ihrem helllodernden Feuer, zwischen den Bäumen, zu sehen, wie sie
-bald den brennenden Holzstoß anfachten, bald den Saft in den Kessel
-entleerten und mit einem gewaltigen Löffel umrührten. Als das Feuer
-recht lustig brannte, fing der Saft im Kessel an zu kochen und zu
-schäumen, und es mußte von Zeit zu Zeit frischer Saft nachgegossen
-werden, um sein Ueberlaufen zu verhindern.
-
-Sobald sich der Saft zu Molasse eindickt, wird er zur Vollendung in
-den Zuckerkessel gebracht. Der Proceß ist einfach; er fordert blos
-aufmerksames Abschäumen und Verhinderung des Ueberlaufens der Masse,
-bis sie den zur Zuckerbereitung erforderlichen Grad erreicht hat,
-was man erkennt, indem man etwas davon in kaltes Wasser tropfen läßt.
-Hat sie ziemlich die erwünschte Consistenz erlangt, so füllt sich
-der Kessel oder Topf mit gelbem Schaume, bildet Gruben und vom Boden
-aufsteigende Blasen. Letztre platzen mit Entleerung von Dampf, ist die
-Molasse so weit gediehen, so kann sie bald in Zucker verwandelt werden.
-Diejenigen, welche mit großem Fleiße die Flüssigkeit vom Schaume frei
-erhalten und den zur Verwandlung der Molasse in Zucker erforderlichen
-Grad genau kennen, liefern einen Artikel, welcher der Muscovade nicht
-nachsteht[37].
-
-Gewöhnlich sieht man den Ahorn-Zucker in großen Broden oder Kuchen, so
-dicht und derb wie Wachsscheiben, und ohne Spur von Krystallisation;
-allein am besten nimmt er sich aus, wenn er grobkörnig und glänzend
-ist, er bricht dann in rauhen ungleichen Massen, wie Zuckerkant.
-
-Zum Gebrauch im Thee wird er geraspelt oder mit einem Messer klar
-geschabt, weil er sich anders zu langsam auflößt.
-
-Ich beaufsichtigte den letzten Theil des Vorganges, nämlich das
-Einkochen der Molasse zu Zucker; und ich muß sagen, daß mir diese
-Arbeit, als ein erster Versuch, ohne einen erfahrnen Rathgeber zur
-Seite und ohne alle Anweisung, außer der, welche S-- mir ertheilt
-hatte, ziemlich gut gelang; ich erhielt einen Zucker von funkelndem
-Korn und guter Farbe. Außer dem Zucker, bereitete ich drei Galonen
-Molasse, die uns sehr zu statten kam, und eine angenehme Ingredienz in
-Kuchen so wie eine treffliche Sauce an Puddings bildet.
-
-Die Yankies bedienen sich, wie man mir sagt, der Molasse zum Einmachen
-von Früchten; und ihre Fruchtgelées sollen vortrefflich sein. Die aus
-Ahorn-Saft bereitete Molasse soll in Farbe, Geschmack und Consistenz
-von der westindischen sehr abweichen.
-
-Außer Zucker und Molasse fabricirten wir ein Fäschen Essig, der
-ziemlich gut auszufallen verspricht. Zu diesem Behuf kochten wir fünf
-volle Eimer Ahorn-Saft bis auf zwei ein und versetzten den Rückstand,
-nachdem er im Fasse war, durch Hefen in Gährung; stellten dann das
-Ganze in die Nähe des Feuers und ließen es diesem, in Vorzug vor der
-Sonnen-Hitze, ausgesetzt.
-
-Was die Bereitung des Ahorn-Zuckers im Allgemeinen betrifft, so hängt
-es von Umständen ab, ob sie für den Ansiedler (Landmann) vortheilhaft
-ist oder nicht. Muß er Hände zu dieser Arbeit miethen, und sind die
-Arbeitslöhne hoch, so ist es keines Falls rathsam, ihn selbst zu
-fabriciren außer im Großen. Ein Umstand zu Gunsten der Fabrikation im
-Hause ist, daß die Zucker-Zeit zu einer Periode ihren Anfang nimmt, wo
-sich im Freien, den Holzschlag ausgenommen, nicht viel thun läßt, da
-noch zu viel Frost im Boden ist, um die Aufnahme der Saat zu gestatten;
-daher ist die Zeit weniger kostbar als im Spät-Frühjahr.
-
-Bei einer zahlreichen Familie, und wenn es auf dem Grundstück nicht
-an Ahornbäumen mangelt, ist die Fabrikation von Zucker und Molasse
-entschieden vortheilhaft und gewinnbringend; da man die jüngern Kinder
-zur Ausleerung der Tröge und Zutragung von Brennholz brauchen kann,
-während die ältern und stärkeren die Kessel besorgen und das Feuer, so
-lange der Proceß dauert, unterhalten, und Frau und Töchter das Uebrige
-im Hause vollenden können.
-
-Ahorn-Zucker wird das Pfund mit vier bis sechs Pence, und bisweilen
-darüber, bezahlt. Anfangs wollte mir der Beigeschmack, den er dem Thee
-giebt, nicht recht zusagen, aber nach Verlauf einiger Zeit mundete er
-mir so gut, daß ich ihn bald dem Rohrzucker (Muscovade) vorzog; in
-Kuchen, Confituren und dergleichen finde ich ihn köstlich. Ich werde
-Ihnen bei nächster Gelegenheit ein Pröbchen davon schicken, damit Sie
-selbst über seine Trefflichkeit urtheilen können.
-
-Das Wetter ist jetzt sehr warm -- drückend warm. Wir können die Hitze
-des Kochofens in der Küche kaum aushalten. Im Wohnzimmer brauchen wir
-fast gar kein Feuer, da ich gern an der offnen Thür sitze, und das
-See-Lüftchen genieße. Die Insekten fangen bereits an lästig zu werden,
-vorzüglich die schwarzen Fliegen, -- ein abscheulicher Plaggeist, mit
-schwarzem Leibe und weißen Beinen und Flügeln; man fühlt in den ersten
-Minuten ihren Stich nicht, jedoch giebt er sich durch das aus der Wunde
-fließende Blut kund; nach einigen Stunden schwillt die verletzte Stelle
-an und wird äußerst schmerzhaft.
-
-Diese Fliegen (^beasties^) beißen vorzüglich gern in die Seiten des
-Halses, in die Ohren und Wangen; und bei mir hielt die Geschwulst
-mehre Tage an. Die Musquitos sind ebenfalls unerträglich, und noch
-unangenehmer ist mir das Geräusch, welches sie machen, als ihr Stich.
-Um sie vom Eindringen in das Haus abzuhalten, zünden wir kleine
-Häufchen feuchter Holzschnitzel an, deren Rauch sie vertreibt; indeß
-ist dieses Mittel nicht so recht wirksam und an sich selbst lästig und
-unangenehm.
-
-Jetzt ist die Zeit zum Fischfang. Unsre Seen enthalten den Masquinongé,
-Lachs-Forellen, Weiß-Fische und manche andre. In dunkeln Nächten sehen
-wir oft von unsrer Thüre aus die erleuchteten Nachen der Fischer auf
-ihrem Hin- und Her-Wege vorbeifahren. S-- gilt als ein geschickter
-Speermann und nimmt so fleißig Theil an diesen Expeditionen, daß er
-selten eine günstige Nacht verfehlt. Je dunkler und stiller die Nacht
-ist, desto besser eignet sie sich zum Fischfang.
-
-Es ist ein recht hübscher Anblick, die niedlichen Barken sich langsam
-aus einer kleinen Bucht der mit dunkeln Fichten bekleideten Ufer
-hervorstehlen und zwischen den Inseln auf den Seen manövriren zu sehen;
-man erkennt sie trotz der Finsterniß sehr leicht an dem hellen Schein,
-welchen der Jack -- eine Art eiserner Korb, der an eine lange Stange am
-Bug des Schiffleins oder Canoes befestigt ist, über die Wasserfläche
-wirft. Dieser Drahtkorb ist mit einer sehr brennbaren Substanz,
-Kien-Holz, (^fat-pine^) genannt, welche mit heller und starklodernder
-Flamme brennt, oder auch mit zusammengerollter Birken-Rinde, ebenfalls
-ein sehr entzündbares Material, gefüllt.
-
-Das Licht von oben macht die Gegenstände unter der Wasserfläche
-deutlich sichtbar. Einer von den Fischern steht in der Mitte der Barke,
-mit seiner Harpune -- einer Art eisernem Dreizack -- bereit, den Fisch,
-welchen er in dem stillen Wasser unter seinen Augen vorbeigleiten
-sieht, zu durchbohren, während ein andrer mit der Ruderschaufel das
-Fahrzeug behutsam vorwärts steuert. Diese Jagd erfordert ein scharfes
-Auge, eine feste Hand und große Vorsicht von Seiten derer, die ihr
-nachhängen.
-
-Mir macht es großes Vergnügen, diese Fischer-Nachen mit ihrem lodernden
-Feuer so still die ruhige Wasserfläche durchschneiden zu sehen,
-welche auf mehre Schritte im Umkreise von einem hellen Lichtschimmer
-erleuchtet ist, der die Figur des in der Mitte des Bootes stehenden,
-bald nach der einen, bald nach der andern Seite blickenden und seine
-Waffe zum Stoß bereit haltenden Speermanns deutlich unterscheiden läßt.
-Zeigen sich vier oder fünf dieser erleuchteten Fahrzeuge zu gleicher
-Zeit auf dem Wasser, so ist die Wirkung überraschend und prächtig.
-
-Die Indianer sind in dieser Art Fischerei sehr geübt und erfahren; die
-Squaws rudern ihre Nachen mit bewundernswürdiger Geschicklichkeit.
-Außerdem giebt es noch ein andres Verfahren zu demselben Behuf, worin
-diese Leute sich ebenfalls auszeichnen: ich meine das Fischen auf dem
-Eise, wenn die Seen zugefroren sind -- ein Geschäft, welches viel
-Geduld erheischt.
-
-Der Indianer, mit einem Tomahawk zur Oeffnung des Eises, einem Speer,
-einem Betttuch oder Hemde und einem Lockfisch von Holz versehen,
-begiebt sich an den ausersehnen Ort. Hat er ein Loch in das Eis
-gehauen, so legt er sich auf Hände und Knie nieder und wirft sein
-Betttuch über sich, um sowohl das Wasser zu verdunkeln als sich selbst
-zu verbergen; in dieser Lage verharrt er stundenlang, geduldig das
-Herannahen seiner Beute abwartend, die er, sobald sie im Bereich seiner
-Lanze erscheint, mit bewundernswürdiger Sicherheit durchbohrt.
-
-Der auf die eben geschilderte Weise gefangene Masquinongé ist in
-Geschmack denjenigen überlegen, die später im Jahre gefangen werden,
-daher man ihn den Indianern gern abkauft, welche sich mit einer
-geringen Belohnung begnügen. Ich gab ein kleines Brod für einen Fisch,
-der achtzehn bis zwanzig Pfund wog. Der Masquinongé ist allem Anschein
-nach eine große Hecht-Art und besitzt die räuberischen Eigenschaften
-dieses Fisches.
-
-Einer der schmalen Seen des Otanabee heißt der Forellen-See, wegen der
-großen Menge von Lax-Forellen, die darin hausen. Der Weiß-Fisch kommt
-ebenfalls in diesen Gewässern vor und ist äußerst köstlich. Die großen
-Fisch-Arten werden meistentheils mit der Lanze erlegt, nur wenige Leute
-in diesem Lande, wo es alle Hände voll zu thun giebt, haben Zeit zum
-Fischfang mit der Angel.
-
-Sobald das Eis aufgeht, werden unsre Seen von zahllosen Flügen
-wilder Vögel besucht; einige Enten-Arten zeichnen sich durch ihr
-prächtiges Gefieder aus und sind von trefflichem Geschmack. Ich sehe
-diesen hübschen Thieren mit Vergnügen zu, wenn sie ruhig auf dem
-Wasser hinschwimmen, dann plötzlich auffliegen und längs dem Rande
-des mit Fichten gefranzten Ufers hinstreichen und sich dann wieder
-niederlassen, wie eine kleine vor Anker gehende Flotte. Bisweilen sieht
-man eine alte Ente ihre kleine Brut durch Schilf und Binsen führen; die
-unschuldigen weichen kleinen Dingerchen nehmen sich, wenn sie so um
-ihre Mutter herum segeln, ganz allerliebst aus, aber beim geringsten
-Anschein von Gefahr tauchen sie sogleich unter und verschwinden. Die
-Frösche sind große Feinde der jungen Brut; desgleichen wird dieselbe
-häufig dem Masquinongé und, wie ich glaube, auch andern großen Fischen,
-wovon diese Gewässer wimmeln, zur Beute.
-
-Die Enten sind während der ersten Hälfte des Sommers äußerst
-wohlbeleibt, sie gehen zu dieser Zeit in ungeheuren Schaaren auf die
-grünen Reisfelder und werden von den noch grünen Pflanzen, die sie
-gierig verschlingen sehr fett.
-
-Die Indianer sind im Entenschießen sehr glücklich, sie füllen ein Canoe
-mit grünen Reisern, so daß es einer Art schwimmender Insel gleicht;
-unter dieser Reiser-Decke liegen sie verborgen und können vermöge
-dieser List weit näher an die scheuen Vögel herankommen, als dies
-andern Falls geschehen würde. Unsre Jäger machen ebenfalls häufig, und
-mit großem Erfolg, von diesem Verfahren Gebrauch.
-
-Eine Indianer-Familie hat ihre Zelte ganz in unsrer Nähe aufgeschlagen.
-Auf einer der Inseln in unserm See können wir den dünnen bläulichen
-Rauch ihrer Holz-Feuer aus unsern Vorderfenster zwischen den Bäumen
-aufsteigen und sich in leichten Windungen über das Wasser kräuseln
-sehen.
-
-Die Squaws haben mich mehre Male besucht, bisweilen aus Neugierde,
-bisweilen in der Absicht, ihre Körbe, Matten, Enten oder Wildbret,
-gegen Schweinfleisch, Mehl, Kartoffeln oder zur Kleidung gehörige
-Artikel zu vertauschen. Bisweilen muß ich ihnen den Kessel zum Kochen
-borgen, welchen sie mir jedesmal pünktlich zurück geben.
-
-Eines Tages kam eine Indianerin, um ein Waschfaß zu borgen, da ich aber
-ihre Sprache nicht verstehe, so konnte ich eine Zeitlang den Gegenstand
-ihres Begehrens nicht entdecken; indeß hob sie einen Zipfel ihres
-Hemdes auf, deutete auf etwas in der Nähe liegende Seife, begann den
-Zipfel mit den Händen zu reiben und ahmte den beim Waschen üblichen
-Vorgang nach, dann lachte sie und zeigte auf ein Faß; endlich hob sie
-zwei Finger auf, um mir begreiflich zu machen, daß sie es zwei Tage
-lang zu behalten wünschte.
-
-Dieses Volk scheint einen sanften und liebenswürdigen Charakter zu
-besitzen, und, so weit unsre Erfahrung reicht, ist es ehrlich. Eines
-Tages zwar erhielt der alte Jäger _Peter_ etwas Brod von mir, wofür
-er ein paar Enten zu bringen versprach; als aber die Zeit der Zahlung
-kam, und ich meine Enten verlangte, machte er ein betrübtes Gesicht und
-antwortete mit charakteristischer Kürze: »Keine Ente -- Chippewa (damit
-meinte er S--, denn diesen Namen haben sie ihm aus Zuneigung gegeben,)
-mit dem Canoe hinauf gegangen -- kein Canoe -- Ente mit der Zeit (^by
-and by^);« ^by and by^ (mit der Zeit) ist ein Lieblings-Ausdruck der
-Indianer, womit sie eine unbestimmte Zeit bezeichnen, sie bedeutet eben
-so gut Morgen oder eine Woche, einen Monat, ein Jahr und darüber. Ein
-directes Versprechen geben sie selten.
-
-Da es nicht klug ist, sich betrügen zu lassen, wenn man es vermeiden
-kann, wieß ich kalt jede fernere Aufforderung zum Tauschhandel mit den
-Indianern ab, bis meine Enten erschienen sein würden.
-
-Einige Zeit darauf erhielt ich eine Ente durch einen Indianer Namens
-_Maquin_, eine Art Galgen-Vogel; dieser Bursche ist ein bucklicher
-Zwerg, sehr verschmitzt und ein wahrer kleiner Teufelsjunge; es scheint
-ihm großes Vergnügen zu machen die braunen kleinen Kinder in dem
-Wigwam zu necken oder die geduldigen Jagdhunde zu quälen. Er spricht
-das Englische sehr geläufig und schreibt als ein Indianer-Knabe
-ziemlich gut; er begleitet gewöhnlich die Weiber bei ihren Besuchen,
-dient ihnen als Dollmetscher, und lächelt mit boshafter Freude zu dem
-schlechten Englisch seiner Mutter und meiner Verlegenheit, wenn ich
-ihre Zeichen nicht recht verstehe. Trotz seiner äußersten Häßlichkeit
-schien er mir einen guten Theil Eitelkeit zu besitzen, indem er sein
-Gesicht mit großer Selbstzufriedenheit im Spiegel betrachtete. Als ich
-nach seinem Namen fragte, antwortete er: »Indianischer Name _Maquin_,
-aber englischer Name _Mister Walker_, sehr guter Mann;« dies war die
-Person, nach welcher man ihn getauft hatte.
-
-Diese Indianer sind in ihrer Beobachtung des Sabaths sehr gewissenhaft
-und zeigen ein großes Widerstreben, an diesem Tage sich in irgend einen
-Handel einzulassen oder ihren gewöhnlichen Geschäften, der Jagd oder
-dem Fischfang nachzugehen.
-
-Die jungen Indianer sind sehr geschickt im Gebrauch eines langen Bogens
-mit hölzernen Pfeilen, die ziemlich schwer und an der Spitze stumpf
-sind. _Maquin_ sagte mir, er könne Enten und kleine Vögel mit seinen
-Pfeilen schießen; indeß scheinen sie mir wegen ihrer Schwere eben nicht
-geeignet, Gegenstände in großer Ferne zu erreichen.
-
-Es ist angenehm, die Indianer Sonntags Abends ihre Hymnen singen zu
-hören; ihre reinen weichen Stimmen tönen eindrucksvoll durch die stille
-Nachtluft. Ich habe dem kleinen Chor dieser ihren Schöpfer in der
-Einfachheit und Inbrunst ihres Herzens preisenden Naturkinder oft mit
-Vergnügen gelauscht, und ich fühlte einen heimlichen Vorwurf, indem ich
-die armen halb civilisirten Wandrer allein sich versammeln sah, um das
-Lob des Allmächtigen in der Wildniß zu verkünden.
-
-Die einfache Frömmigkeit der Frau unsers Freundes des Jägers _Peter_,
-einer stämmigen, schwarzbraunen Matrone von höchst liebenswürdigem
-Ausdruck gefiel mir ausnehmend. Wir tranken eben unsern Thee, als
-sie leise die Thür öffnete und hereinschaute; ein ermuthigendes
-Lächeln bestimmte sie zum Eintritt, worauf sie eine braune Papouse
-(indianischer Name für Säugling oder kleines Kind) auf den Fußboden
-niederlegte und mit Neugierde und Entzücken in ihren Augen um sich
-blickte. Wir boten ihr etwas Thee und Brod an und winkten ihr, einen
-leeren Sitz neben dem Tische einzunehmen. Die Einladung schien ihr
-zu gefallen; sie nahm ihr Kleines auf den Schooß, goß etwas Thee
-in die Untertasse und gab dem Kinde zu trinken. Sie aß sehr mäßig,
-stand, als sie fertig war, auf, hüllte ihr Gesicht in die Falten ihres
-Umschlagetuchs, senkte ihr Haupt auf die Brust und betete. Dieser
-kleine Act von Frömmigkeit verrieth keine Spur von Scheinheiligkeit
-oder Heuchelei sondern sprach ganz für herzliche Einfalt und
-Aufrichtigkeit. Hierauf dankte sie uns mit freudestrahlendem Gesicht
-und froher Laune, nahm ihre kleine _Rachel_ in die Höhe und warf sie
-über die Schultern, mit einem Schwunge, der mich fürchten machte, daß
-die Arme des kleinen zarten Dinges dadurch ausgerenkt werden könnten,
-allein die Papouse schien mit dieser Behandlungsweise vollkommen
-zufrieden zu sein.
-
-Bei langen Wanderungen werden die kleinen Kinder aufrecht in tiefe
-Körbe von eigenthümlicher Form gesteckt, und die Körbe durch Rieme
-von Rehleder um den Nacken der Mutter befestigt; aber der Säugling
-wird in eine Art flache, und, um das Herausfallen des zarten Inhalts
-zu verhindern, mit biegsamen Reifen oder Baststrängen umwundne Wiege
-gepackt. In dieser Maschine steckt er so fest, daß er kein Glied rühren
-kann. Die äußere Decke oder Umhüllung und die Binden, welche die
-Papouse einengen, sind mannigfaltig aufgeputzt.
-
- [Illustration: Papousen.]
-
-An diese eigenthümliche Wiege ist eine Schlinge oder ein Henkel
-befestigt, der um den Hals der Mutter geht; der Rücken des Kindes kommt
-auf den Rücken der Mutter zu ruhen, und das Gesicht ist nach außen
-gekehrt. Das erste, was eine Squaw thut, wenn sie in ein Haus eintritt,
-ist, daß sie sich von ihrer Bürde befreit und dieselbe an eine Wand,
-einen Stuhl, Kasten, oder jeden Gegenstand lehnt, der als Stütze dienen
-kann; und hier steht der passive Gefangene, einer Mumie in ihrem
-seltsamen Gehäuse nicht unähnlich. Ich habe das Bild der Jungfrau mit
-dem Jesuskinde in einigen alten illuminirten Meßbüchern gesehen, wo
-letztres gerade wie eine Papouse in ihren Wickeltüchern und Bändern
-aussah.
-
-Die Squaws zeigen sich gegen ihre Kleinen sehr zärtlich. Sanftmuth
-und gute Laune scheinen die vorstechenden Züge in dem Charakter der
-Indianerinnen zu sein, ob ihnen dieselben angeboren und mit dem
-wilden Zustande gepaart oder durch die mildernden und sänftigenden
-Wirkungen des Christenthums erzeugt und erworben sind, kann ich
-nicht sagen. Gewiß erscheint in keinem Fall die christliche Religion
-liebenswürdiger, als wenn sie sich, unbefleckt durch den Zweifel und
-Unglauben moderner Sceptiker, in der Handlungsweise der bekehrten
-Indianer entfaltet; sie zerbricht die Fesseln des Heidenthums, verbannt
-das Böse und verbreitet die Früchte der Heiligkeit und Moralität. Die
-rohen Naturmenschen nehmen die Wahrheiten des Evangeliums wie Kinder
-mit unverdorbnem Herzen und ungeschwächtem Glauben an.
-
-Die Squaws zeigen in manchen ihrer Handarbeiten großen Erfindungsgeist.
-Ihre Birkenrinden-Körbe entsprechen vielen Zwecken auf das
-vollkommenste. Mein Brodkorb, Messer-Behälter, Zuckerkorb bestehen
-sämmtlich aus diesem schlichten Material. Verzierte und mit gefärbten
-Federspuhlen gemusterte Körbe dieser Art sind, Sie können mir glauben,
-keineswegs unelegant. Die Squaws verfertigen allerlei Gefäße aus
-Birkenrinde so gut, daß man sie auf mancherlei Weise brauchen kann,
-z. B. zur Aufnahme von Wasser, Milch, Fleischbrühe und jeder andern
-Flüssigkeit; sie werden mit den zähen Wurzeln des Tamarak- oder
-Lärchenbaums, oder auch mit Ceder-Bast-Streifen zusammengenäht oder
-vielmehr gestrickt.
-
-Desgleichen verfertigen sie sehr brauchbare Körbe von der innern Rinde
-des Matten-Holzes (^bass-wood^) und der weißen Esche. Einige dieser
-Körbe, von gröberer Sorte, werden zur Einsammlung von Kartoffeln,
-indianischem Korn oder weißen Rüben gebraucht. Die Ansiedler finden in
-denselben einen sehr guten Ersatz für die im alten Vaterlande üblichen
-Weiden-Körbe.
-
-Die Indianer sind im Besitz mancher Färbestoffe, womit sie ihre
-zierlichen Körbe und die Stachelschwein-Spuhlen färben. Unser
-Wohnstübchen ist mit verschiednen recht hübschen Artikeln ihrer
-Erfindung und Fabrik geschmückt, welche wir als Noten-Futterale,
-Brief-Kasten, Blumen-Vasen und Arbeits-Körbe benutzen.
-
-Sie scheinen indeß nützliche Artikel höher zu schätzen als Gegenstände,
-die blos zur Zierde dienen. In allen ihren Handels-Geschäften sind sie
-sehr schlau und eifrig und entfalten einen überraschenden Grad von
-Behutsamkeit in ihrem Thun und Treiben. Mit den Männern läßt sichs weit
-besser handeln als mit den Weibern; letztere zeigen sich in einigen
-Fällen äußerst hartnäckig. Haben sie ihre Wünsche auf irgend einen
-Artikel gerichtet, so kommen sie Tag für Tag und weisen alles andre,
-was man ihnen etwa anbietet, zurück. Eine von den Squaws hatte sich
-in einen bunten Zitz-Schlafrock meines Gatten verliebt, und ob ich
-ihr denselben gleich rund abschlug, so kamen doch viele Squaws, eine
-nach der andern, um den »_^Gown^_« (Schlafrock), welches Wort sie mit
-einem eigenthümlich kagenden Ton aussprachen, zu bewundern; und als ich
-sagte: »Kein Schlafrock zu verkaufen,« (^no Gown to sell^) so stießen
-sie einen melancholischen Klagelaut aus und gingen fort.
-
-Nur selten verstehen sie sich dazu, einen Artikel, den man gerade
-nothwendig braucht, zu verfertigen. Wünscht man Körbe von einem
-besondern Muster zu kaufen, und haben sie nicht zufälliger Weise
-dergleichen fertig, so ertheilen sie die gewöhnliche unbestimmte
-Antwort: -- »Mit der Zeit,« (^by and by^). Wenn die Artikel, welche
-man ihnen für die ihrigen giebt, ihren Erwartungen nicht entsprechen,
-so sagen sie mit einem verdrüßlichen mürrischen Ausdruck in Blick
-und Stimme: -- »^Car-car^« (Nein, nein), oder »Carwinni,« was eine
-noch stärkere Verneinung ist. Gefällt ihnen dagegen das Geschäft, so
-geben sie ihre Zufriedenheit durch verschiedne bestätigende Winke
-und Kopfnicken, und einen fast grunzenden Laut zu erkennen; Enten,
-Fische, Wildbret oder Körbe stellen sie vor den Käufer hin und nehmen
-dagegen die Tausch-Artikel in die weiten Falten ihrer Hemden oder
-Umschlagetücher oder legen sie in eine Art von Binsen-Koffer; nicht
-unähnlich jenen Strohkörben, worin englische Zimmerleute ihre Werkzeuge
-tragen.
-
-Die Weiber ahmen die Kleidung der Weißen nach. Manche der jungen
-Mädchen nähen sehr gut. Ich gebe ihnen oft Fleckchen Seide und Sammet
-oder Spitzen, wofür sie sich sehr dankbar zeigen.
-
-Ich habe gegenwärtig sehr viel mit meinem Garten zu thun. Einige unsrer
-Sämereien sind bereits in der Erde, doch sagt man mir, daß ich etwas
-zu eilig gewesen; es seien zehn gegen eins zu wetten, daß die jungen
-Pflänzchen durch die Spätfröste, welche sich oft den Mai hindurch, ja
-selbst noch zu Anfange Junis einstellen, umkommen werden.
-
-Unser Garten hat vor der Hand noch nichts aufzuweisen, er ist nichts
-als ein mit einer rohen Latten-Einfriedigung, zur Abwehr des Viehs von
-unsern Anpflanzungen, umgebnes Stück Land. Im nächsten Frühjahr hoffe
-ich ein hübsches Geländer darum, und einige Beete mit Blumen bedeckt zu
-sehen. In gegenwärtigem Frühjahr giebt es so viel drängende Arbeit,
-um das Land zur Aufnahme der Saaten völlig zu lichten und zu reinigen,
-daß ich meine Ansprüche auf den Besitz eines Ziergartens gern in den
-Hintergrund treten lasse.
-
-Die Waldbäume sind ziemlich alle belaubt. Nie sah ich den Frühling
-schneller eintreten als in diesem Jahre. Das Grün der Blätter ist
-äußerst lebhaft. Tausend liebliche Blumen entfalten in den Wäldern
-und auf dem gelichteten Boden ihre zarten Blüthen. Auch sind
-unsre canadischen Sänger nicht stumm. Das lustige Gezwitscher des
-Rothkehlchens, die süßen Laute der Amsel und der Drossel nebst dem
-schwachen, aber nicht unangenehmen Schlag eines kleinen Vogels, Namens
-_Thitabebec_, und die lieblichen Triller eines Zaunkönigs füllen unsre
-Wälder.
-
-Was mich betrifft, so halte ich es weder für nöthig noch weise, das
-Gute, was wir besitzen, zu tadeln, weil es nicht ganz für das Ersatz
-leistet, dessen wir uns früher erfreuten. Es ist meines Wissens unter
-den Reisenden leider die Mode eingerissen, zu behaupten, daß unsre
-gefiederten Schaaren theils stumm seien, theils höchst widrige, das
-Ohr zerreißende Töne ausstoßen und mehr unangenehm als willkommen
-erscheinen. Es würde eine Unwahrheit sein, wenn ich behaupten wollte,
-daß unsre Singvögel zahlreicher und melodienreicher seien als die
-europäischen; allein eben so wenig darf ich dulden, daß man mein neues
-Vaterland seiner Rechte beraubt, ohne ein Wort zur Vertheidigung unsrer
-beflügelten Musiker zu sagen. Ja selbst den Fröschen Canadas hat man,
-das Monotone ihrer Stimmen abgerechnet, Unrecht gethan, ihr Concert
-erscheint mir in der That nicht ganz unmelodisch. Die grünen Frösche
-sind sehr schön, sie zeichnen sich durch braune eirunde Schilde auf
-dem lebhaftesten Grün aus; auch übertreffen sie an Größe die dicksten
-unsrer englischen Frösche und sind unstreitig weit schöner. Ihre Laute
-gleichen denen eines Vogels und haben nichts von jenem Geknarr in sich.
-
- [Illustration: Grüne Frösche.]
-
- [Illustration: Ochsen-Frosch.]
-
-Die Ochsen-Frösche sind von den grünen Fröschen sehr verschieden;
-anstatt über ihre seltsamen Töne ungehalten zu sein, kann ich mich
-vielmehr kaum des Lachens enthalten, wenn ein tüchtiger Kerl sein
-breites braunes Haupt hart am Wasser-Rande aus dem nassen Elemente
-hervor stößt, und »_Williroo, williroo, williroo_« ruft, worauf ein
-andrer seines Gleichen an einer entfernten Stelle des Sumpfes in
-gröberen Accenten erwiedert, »^Get out, get out, get out^, (komm raus,
-komm raus, komm raus);« und gleich darauf läßt sich ein Chor von Alt
-und Jung vernehmen, gleichsam als suche jede Partei die andre zu
-überquäken.
-
-In meinem nächsten Schreiben werde ich Ihnen einen Bericht von unsrer
-Klafter-Biene (^logging-bee^) geben, welche zu Ende dieses Monats
-stattfinden wird. Ich bin hinsichtlich der Verbrennung der geklafterten
-Holzhaufen auf dem brachliegenden Boden um unser Haus herum etwas
-besorgt, da mir die Sache gefährlich erscheint.
-
-Ich werde Ihnen in Kurzem wieder schreiben. Leben Sie wohl.
-
-Fußnoten:
-
-[36]: Diese Erscheinung ist bei trockner Luft überall sehr
-gewöhnlich.
-
-[37] Guter, richtig bereiteter Ahorn-Zucker hat mit jenem
-gepulverten Zucker, den alle Gewürzkrämer als einen trefflichen
-Artikel zur Versüßung des Kaffees verkaufen, große Aehnlichkeit.
-
-
-
-
-Elfter Brief.
-
- Welche Emigranten für Canada passen. -- Eigenschaften, die man
- besitzen muß, um eines günstigen Erfolgs gewiß zu sein. --
- Capital-Anlage. -- Welche Artikel man wo möglich mit sich bringen
- muß. -- Eigenschaften und Beschäftigungen einer Ansiedler-Familie.
- -- Mangel an Geduld und Energie bei einigen Frauen. -- Besorgung der
- Milchwirthschaft. -- Käse. -- Indianisches Korn; seine Cultur. --
- Kartoffeln. -- Arbeitslöhne.
-
-
- August, 2, 1833.
-
-Die mancherlei Fragen, auf die Sie meine Aufmerksamkeit vorzüglich
-gerichtet wissen wollen, will ich, so gut es mir möglich ist, zu
-beantworten suchen, doch muß ich zu gleicher Zeit erinnern, daß Kürze
-im Briefschreiben eben keine meiner Haupttugenden ist. Sollte ich
-in Schilderung einfacher Thatsachen zu weitläufig werden, so müssen
-sie mit meiner Schwäche Nachsicht haben und es meiner weiblichen
-Schwatzlust zu Gute rechnen, und sollte Ihr Auge dabei ermüden, so
-bleiben wenigstens Ihre Ohren verschont.
-
-Ich will Ihre Fragen in derselben Ordnung beantworten, wie Sie
-dieselben an mich gerichtet haben. Zunächst wünschen Sie zu wissen,
-welche Art von Leuten sich am besten zu Busch-Ansiedlern schickt.
-
-Hierauf erwiedre ich ohne Anstand: -- Die armen, an harte Arbeit
-gewohnten mäßigen Bauern, die sich durch Fleiß und Thätigkeit
-auszeichnen und für eine große Familie zu sorgen, und einen
-lobenswerthen Abscheu vor Arbeitshäusern und Bettelvoigten haben;
-damit überwinden sie alle Mühseligkeiten und Entbehrungen, die mit
-einer ersten Ansiedlung in den Urwäldern verbunden sind, und gelangen
-in kurzer Zeit zu einer ehrenvollen Unabhängigkeit, frei von Mangel --
-aber nicht von Arbeit und Betriebsamkeit. Handwerker jeder Art werden
-in den Dorf-Städten (^Village-towns^) und seit langer Zeit gelichteten
-Distrikten besser bezahlt, als blose Buschsiedler.
-
-»Welche eignen sich zunächst am besten zur Auswandrung?«
-
-Leute von mäßigem Einkommen oder einem hübschen Capital können in
-Canada Geld gewinnen. Besitzen sie ein gesundes Urtheil und können
-sie größere Summen verwenden, so werden sie durch gute Einkäufe und
-Wiederverkäufe ihr Capital verdoppeln, ja selbst verdreifachen.
-
-Allein noch besser wäre es, ich bezeichnete diejenigen, welche nicht
-zur Auswanderung taugen, als umgekehrt.
-
-Der arme, an eine feine, zarte Lebensweise gewöhnte Gentleman, der
-nicht Arbeiter genug anstellen kann, um eine hinreichende Bodenfläche
-in urbaren Stand zu setzen und nicht selbst arbeiten mag, taugt nichts
-für Canada, vorzüglich wenn seine Gewohnheiten kostspielig sind. Selbst
-der Mann, welcher ein kleines Einkommen hat, wofern er sich nicht dazu
-verstehen will, die Axt oder das Hackemesser in die Hand zu nehmen,
-wird es, sogar bei einer klugen und sparsamen Lebensweise, nicht leicht
-finden, sich in den ersten zwei oder drei Jahren schuldenfrei zu
-erhalten. Manche der letztern Art sind indeß vorwärts gekommen, aber
-nicht ohne schweres Ringen.
-
-Noch aber giebt es eine andre Klasse von Leuten, die nicht für die
-Wälder paßt; dies sind die Weiber und Familien derjenigen, welche
-früher wohlhabende Krämer oder Handwerker und an den täglichen Genuß
-jedes Vergnügens, jedes Luxus-Artikels, welchen Geld verschaffen oder
-Mode erfinden konnte, gewöhnt waren; deren Begriffe von Glückseligkeit
-mit einem Kreise von Lustbarkeiten und Gesellschaften und allen
-Neuheiten in Tracht und Unterhaltung, welche die feine Welt darbieten
-kann, unzertrennlich verbunden sind. Junge Dämchen, welche in vornehmen
-Pensions-Anstalten erzogen worden sind, und eine Verachtung gegen
-alles, was auf Nutzen und Ersparniß abzweckt, eingesogen haben, geben
-sehr schlechte Ansiedler-Weiber ab. Nichts kann unglücklicher sein, als
-die Lage so erzogner Personen in den Wäldern von Canada; mißvergnügt
-und mißmuthig über den unangenehmen Wechsel in ihrer Lebens-Weise,
-unzufrieden mit allen Gegenständen um sie her, finden sie jede
-Anstrengung lästig und jede Beschäftigung unter ihrer Würde.
-
-Für Leute dieser Art (und leider stößt man nur auf zu viele in den
-Colonien), ist Canada das schlechteste Land von der Welt. Und ich
-wollte jedem, der weder Neigung noch die erforderlichen Eigenschaften
-dazu hat, abrathen, den atlantischen Ocean hierher zu durchsegeln, denn
-er würde sicher elend, arm und unglücklich werden.
-
-Der Emigrant, welcher in diesem Lande fortkommen, ja sein Glück machen
-will, muß folgende Eigenschaften besitzen: Beharrlichkeit, Geduld,
-Betriebsamkeit, Erfindungsgeist, Mäßigkeit, Selbstverläugnung, und
-ist er ein Gentleman, so ist ein kleines Einkommen fast unerläßlich,
-und ein reichliches noch wünschenswerther. Die Auslage für Ankauf und
-Urbarmachung von Grund und Boden, Anschaffung der nöthigen Utensilien
-und Vorräthe zur Unterhaltung einer Familie, Besoldung von Dienstboten,
-nebst manchen andern unvermeidlichen Ausgaben, können ohne Geld-Mittel
-nicht bestritten werden; und da der Boden-Ertrag in den ersten zwei
-oder drei Jahren nur gering ist, so würde es für einen Ansiedler
-rathsam sein, einige hundert Pfund mit zu bringen, um sein Besitzthum
-urbar zu machen und die eben erwähnten Ausgaben zu bestreiten, indem
-er sich andern Falls bald in große Schwierigkeiten verwickelt finden
-dürfte.
-
-Jetzt zu Ihrer dritten Frage, »welches ist der vortheilhafteste Weg,
-sein Geld anzulegen, wofern man nämlich als Ansiedler mehr mit sich
-hierher bringt, als man für seinen Bedarf braucht?«
-
-Hierüber kann ich natürlicher Weise kein genügendes Urtheil geben. Mein
-Gatte und seine Freunde, die mit dem Zustande und den Angelegenheiten
-der Colonisten bekannter sind, sagen, man müsse sein Capital gegen
-sichere Hypotheken auf Grund-Eigenthum ausleihen. Der Ankauf von Land
-ist oft ebenfalls eine gute Speculation, aber hinsichtlich des Gewinns
-nicht so bestimmt, da man keine Zinsen erhält; und wiewohl sie in
-Zukunft reichliche Früchte tragen dürfte; so ist es doch nicht immer
-leicht über den erkauften Grund und Boden, gerade wenn man dessen
-bedarf, vortheilhaft zu verfügen. Der Besitzer von mehren tausend
-Morgen Landes in verschiednen Gemeinde-Bezirken kann oft wegen zwanzig
-Pfund Sterling in Verlegenheit gerathen, wenn er diese plötzlich und
-unvorbereitet schaffen soll, daher es unrathsam ist, sein ganzes
-Capital auf die eben erwähnte Weise anzulegen.
-
-Die Aufzählung der verschiednen Gelegenheiten, sein bares Geld
-vortheilhaft anzuwenden, würde mir schwer fallen. Es ist hier so
-wenig Geld im Umlauf, daß diejenigen, welche glücklich genug sind,
-dergleichen in Bereitschaft zu haben, fast alles, was sie wünschen,
-damit ausführen können.
-
-»Welches sind die nützlichsten und nothwendigsten Artikel, die ein
-Ansiedler wo möglich mit bringen muß?«
-
-Werkzeuge, einen guten Vorrath an Kleidern und Schuhen, gute Betten,
-vorzüglich warme Bettdecken, da man dergleichen hier theuer bezahlen
-muß, und sich doch in der Heimath zu weit billigeren Preisen,
-bei besserer Qualität, damit versorgen kann. Einen Vorrath guter
-Garten-Sämereien, da diejenigen, welche man bei den Producten-Händlern
-kauft, schlechtes Zeug sind; überdies sind letztere in Packete gepackt,
-die man nicht eher öffnen darf, als nachdem man dafür bezahlt hat, und
-leider pflegt man, wie es uns gegangen ist, nichts als Spreu, leere
-Hülsen und wurmstichige Samen für sein Geld zu erhalten. Dies ist,
-es thut mir leid, es sagen zu müssen, eine Betrügerei, die sich die
-Yankies erlauben; wiewohl ich nicht zweifle daß John Bull (die gemeinen
-Engländer) bei sich darbietender Gelegenheit das Nämliche thun würde,
-denn Spitzbuben und Betrüger giebt es überall unter der Sonne.
-
-Was Hausgeräth und schwere Artikel aller Art anlangt, so thut man wohl,
-so wenig als möglich mit zu nehmen. Eisen-Waare ist hier nicht theuer,
-oder vielleicht eben so wohlfeil als zu Hause, und oft dem hiesigen
-Bedarf angemessener als die, welche man mit sich bringt; übrigens ist
-alles Landfuhrwerk theuer.
-
-Wir verloren ein großes Packet Werkzeuge und waren nie im Stande,
-es von den Spediteurs wieder zu erhalten, wiewohl wir die Fracht im
-Voraus zu Prescot bezahlen mußten. Das Beste ist daher, seine Güter zu
-versichern, in welchem Fall der Spediteur dafür verantwortlich ist.
-
-Sie fragen mich, »ob Gewürze und andre zur Nahrung gehörige
-Haushalt-Artikel theuer oder wohlfeil sind?«
-
-Dies ist je nach Ortslage und andern Umständen verschieden. In Städten
-und Dörfern, welche in längst urbargemachten Distrikten des Landes und
-nahe an Seen und schiffbaren Flüssen liegen, sind sie wohlfeiler als in
-der Heimath; allein in neu begründeten, von der Wasser-Communication
-entfernten Gemeinde-Bezirken, wo die Straßen schlecht sind, und
-mithin der Gütertransport theuer ist, muß man fast das Doppelte dafür
-bezahlen. Wo die Production dem Bedarf nicht gewachsen ist, zufolge
-der Ansiedlung neuer Emigranten in spärlich angebauten Distrikten,
-oder andrer Ursachen, werden alle Nahrungsmittel theuer verkauft, und
-lassen sich überhaupt nicht so leicht erlangen. Allein dies sind blos
-vorübergehende Uebel, die bald ein Ende haben.
-
-Concurrenz macht die Preise in den canadischen Städten eben so gut
-sinken, als in England, und man kauft jetzt Güter aller Art ziemlich
-eben so wohlfeil als in der Heimath.«
-
-Wo Preise von örtlichen Umständen abhängen, kann man keinen festen
-Maaßstab geben; da das, was von der einen Stadt gilt, nicht auch auf
-eine andre angewendet werden kann, und eine beständige Veränderung in
-allen bebauten oder halbbebauten Gemeinde-Bezirken vor sich geht. Auf
-gleiche Weise sind die Vieh-Preise sehr verschieden, sie sind niedriger
-in alten Ansiedlungen, und dies vorzüglich auf der amerikanischen Seite
-des Flusses oder der Seen, im Vergleich zu denen in den beiden Canadas
-(Unter- und Ober-Canada)[38].
-
-»Welche Eigenschaften muß die Frau eines Ansiedlers besitzen? welches
-sind die gewöhnlichen Beschäftigungen des weiblichen Theils der
-Familie?« Sind Ihre nächsten Fragen.«
-
-Auf die erste erwiedre ich: -- Die Frau eines Ansiedlers muß thätig,
-fleißig, gewandt, erfinderisch und heitrer Laune sein; sie darf sich
-keiner Arbeit in der Hauswirthschaft scheuen, und nicht zu stolz sein,
-um den Rath und die Erfahrung älterer Mitglieder der Gemeinde zu
-verschmähen, von denen sie manche treffliche Lehre praktischer Weisheit
-erhalten können.
-
-Gleich jenem Muster aller guten Hausweiber, welches die kluge Mutter
-König _Lemuel's_ beschreibt, sollte man von der Gattin des Emigranten
-sagen können, »Sie legte ihre eine Hand an die Spindel und hielt mit
-der andern den Rocken, sie suchte Wolle und Flachs und arbeitete willig
-mit ihren Händen, sie besorgte fleißig ihre Wirthschaft und aß ihr Brod
-nicht umsonst.«
-
-Nichts spricht für einen größern Grad von gesundem Verstand und guten
-Gesinnungen als heitre und willige Fügung in die Umstände, wie sehr sie
-auch im Vergleich zu einem früheren Loose zurückstehen mögen; gewiß
-wird Niemand, der so fühlt und denkt, wie er fühlen und denken sollte,
-ein Frauenzimmer, wie zärtlich und vornehm es auch immer erzogen sein
-mag, deswegen verachten, weil es in den neuen Lebensverhältnissen, zu
-welchen es zu berufen, es Gott gefallen hat, redlich seine Pflicht
-erfüllt. Seitdem ich in dieses Land gekommen bin, habe ich die
-wohlerzognen, höchst gebildeten Töchter und Weiber von Männern, --
-sowohl See- als Land-Offizieren -- keineswegs niedern Ranges, kennen
-gelernt, die ihre eignen Kühe melken, ihre eigne Butter bereiten und
-Arbeiten im Hauswesen verrichten, wozu sich wenige Pächter-Weiber
-verstanden haben würden. Anstatt diese nützlichen Beschäftigungen
-zu verachten, suchen manche Emigranten-Frauen vielmehr ihren Stolz
-darin, sich einiger Geschicklichkeit in dergleichen Dingen rühmen zu
-können. Je weniger dummen Stolz, und je mehr praktische Kenntnisse eine
-Emigrantin mit sich bringt, desto eher darf sie und ihre Familie auf
-häusliches Glück und Gedeihen rechnen.
-
-Ich bedaure, bemerken zu müssen, daß in manchen Fällen die weiblichen
-Familien-Glieder, welche hierher gekommen sind, sich dem Trübsinn
-hingeben und dadurch die Harmonie ihres häuslichen Heerdes stören und
-die Energie ihrer Gatten und Brüder durch beständige nutzlose Klagen
-herabstimmen. Haben sie sich einmal entschlossen, ihren Gatten oder
-Freunden in dieses Land zu folgen, so wird es weiser und besser sein,
-sich mit gutem Anstand in die Umstände zu schicken und durch redliche
-Erfüllung ihrer Pflicht die Bürde der Auswandrung erträglich zu machen.
-
-Eine arme Frau, die über das Elend des Landes klagte, mußte doch
-anerkennen, daß ihre Aussichten viel besser wären, als sie jemals in
-der alten Heimath gewesen. Was war denn aber eigentlich die Ursache
-ihrer Klagen und ihrer Unzufriedenheit? Ich konnte mich kaum des
-Lächelns enthalten, als sie sagte, daß sie Sonnabend Abends nicht
-mehr in den Material-Laden gehen könne, um für das Wochenlohn ihres
-Mannes die nöthigen Einkäufe zu machen und ein wenig mit ihren Nachbarn
-zu plaudern, während der Krämer seine Kunden bediene, -- denn es
-gäbe ja leider im Busche keinen Kramladen, und sie sei so zu sagen
-lebendig-todt. Wenn Mrs. N. N. (mit der sie beiläufig gesagt, so lange
-sie unter einem Dache lebten, beständig zankte,) um sie gewesen, so
-habe sie sich doch nicht so ganz allein gefühlt.
-
-Also aus Liebe zu einem gelegentlichen Geplauder, wobei sie sich
-mit dem Ellenbogen auf dem Verkauftisch eines Dorfkramladens legen
-konnte, wollte diese alberne Frau die Vortheile, die wirklichen
-sichern Vortheile, aufgeben, Land, Vieh und Geflügel, gute Nahrung,
-eignes Obdach und Kleidung zu besitzen, und alles dies als die Frucht
-angestrengter einige wenige Jahre hindurch dauernder Arbeit, der
-sie sich, wie ihr Mann klüglich bemerkte, in der Heimath ebenfalls
-hätte unterziehen müssen, und zwar mit keinem andern Ziel als ein
-durch Armuth getrübtes Alter, oder allenfalls eine Zuflucht gegen
-Hungerleiden in dem Arbeitshause ihres Kirchsprengels, im Auge.
-
-Die weiblichen Glieder der mittlern oder bessern Klasse anlangend,
-so können sie den geselligen Kreis von Freunden und Verwandten,
-von denen sie, vielleicht auf immer, geschieden sind, nicht aus
-den Gedanken bringen; sie seufzen nach den kleinen häuslichen, von
-Eleganz und Verfeinerung des Lebens zeugenden Bequemlichkeiten, die
-sie in der Heimath um sich zu sehen gewohnt waren. Sie haben jetzt
-wenig oder keine Zeit für dergleichen Einrichtungen, die ihnen
-sowohl Beschäftigung als Unterhaltung gewährten. Die ihnen jetzt
-obliegenden Thätigkeiten sind von andrer Art: sie müssen im Zucker-
-und Seife-Sieden, im Bereiten und Backen großer Brode im Backkessel,
-wofern sie nicht so glücklich sind, einen steinernen oder Lehm-Ofen
-zu besitzen, Geschicklichkeit und Erfahrung erwerben. Die Hausfrau
-muß sich mit der Hefenbereitung aus Hopfen für ihr Gebäck, mit dem
-Einsalzen von Fleisch und Fischen vertraut machen, sie muß Strümpfe,
-Handschuhe und dergleichen stricken, Garn mit dem großen Rade (dem
-französisch-canadischen Spinn-Rade) spinnen, das Garn färben und zu
-Tuch und bunten Flanellen für Gatten und Kinder verweben, die Kleider
-für sich selbst, für Gatten und Kinder verfertigen lernen; denn im
-Busche giebt es weder Herren- noch Damen-Schneider.
-
-Die Besorgung des Federviehs und der Milch-Wirthschaft darf nicht
-übergangen werden; denn hier zu Lande befolgt man meistens die irische
-oder schottische Methode, das ist, die Milch zu buttern, ein Verfahren,
-welches in unserm Theil von England unbekannt war. Ich meines Theils
-bin geneigt, der Rahm-Butter den Vorzug zu geben, mir scheint Letztres
-ökonomischer, man müßte denn irische oder schottische Dienstleute
-haben, welche Buttermilch der süßen Milch vorziehen.
-
-Gewiß hat jede von beiden Methoden ihre besondern Vortheile. Die
-Behandlung der Kälber ist hier sehr verschieden. Einige Ansiedler
-nehmen das Kalb gleich nach seiner Geburt von der Mutter und lassen es
-gar nicht saugen, das arme Thierchen muß die ersten vierundzwanzig
-Stunden hindurch fasten und wird hierauf mittels der Finger mit
-abgerahmter Milch gefüttert, die es bald mit großer Begierde zu sich
-nehmen lernt. Ich habe auf diese Weise Kälber sehr gut gedeihen
-sehen und bin Willens, den nämlichen Plan, als den am wenigsten
-beschwerlichen, zu verfolgen.
-
-Die alten Ansiedler machen von einem entgegengesetzten Verfahren
-Gebrauch: sie lassen das Kalb nämlich so lange saugen, bis es ein
-halbes Jahr alt ist, in der Meinung, daß dann sichrer auf den
-Milch-Ertrag der Kuh zu zählen sei; da diese andernfalls bisweilen,
-vorzüglich wenn das Gras in der Nähe der Wohnstätte spärlich wächst,
-oft tagelang in den Wäldern umherschweift, und man nicht nur die
-Benutzung der Milch verliert, sondern auch die Kuh, wegen der starken
-Ausdehnung des Euters, sich leicht wesentlich verletzt und dadurch
-wenigstens auf die Dauer der Melkezeit unbrauchbar wird. Meiner Meinung
-nach würde es zur Vermeidung dieses Unfalls gut sein, wenn man seinem
-Vieh in der Nähe des Melk-Ortes regelmäßig etwas Salz und eine kleine
-Quantität Futter, wenn auch noch so wenig, gäbe, weil sie dann selten
-lange ausbleiben würde. Kartoffel-Abgänge, die Blätter der alltäglichen
-Garten-Gemüse, nebst den obersten Schößlingen des indianischen Korns,
-welche man abschneidet, um das Bestocken der Pflanze zu befördern,
-bilden ein lockendes Futter für die Kühe und sichern ihre Rückkehr. Im
-Herbst und Winter, befördern Kürbisse, Korn, Stroh oder irgend eine
-andre Futter-Art, die man gerade vorräthig hat, nebst dem Laube, das
-man von den gefällten Bäumen und Buschwerk erhält, ihr Gedeihen.
-
-Den zu entwöhnenden Kälbern muß man abgerahmte Milch oder Buttermilch,
-nebst den laubigen Zweigen des Ahorns, wonach sie sehr begierig sind,
-geben. Ein warmer Schuppen oder eingefriedigter Hofraum ist dem Vieh
-während der strengen Winter-Monate durchaus nöthig; dies läßt man
-zu häufig unbeachtet, vorzüglich in neuen Ansiedlungen, und daher
-trifft gar manchen Ansiedler der Unfall, daß er sein Vieh entweder
-durch Krankheit oder Kälte verliert. Von Natur ist das canadische Vieh
-sehr robust und hart, und trotzt, wofern man ihm nur einige Sorgfalt
-angedeihen läßt, selbst dem strengsten Winter; allein zufolge der
-Schwierigkeiten, welche sich einer ersten Ansiedlung im Busche entgegen
-stellen, sind die armen Thiere oft dem Hunger und der heftigen Kälte
-ausgesetzt, was ihnen eine, oft verderbliche Krankheit »_Hohl-Horn_«
-(^Hollow Horn^) genannt, zuzieht.
-
-Diese Krankheit geht vom Rückgrat aus und wird dadurch gelindert, daß
-man das Horn anbohrt und in die Oeffnung Terpentin, Pfeffer oder andre
-erhitzende Substanzen einführt.
-
-Hat ein neuer Ankömmling kein Winter-Futter für sein Vieh, so thut
-er sehr wohl, es mit dem Eintritt des Herbstes zu verkaufen und im
-nächsten Frühjahr neues anzuschaffen; und wiewohl dies als ein Verlust
-erscheinen dürfte, so ist dieser doch gewiß weit geringer, als wenn man
-dasselbe ganz und gar verlöre. Diesen Plan befolgte mein Gatte, und wir
-befanden ihn entschieden vortheilhaft und ersparten uns überdies manche
-Sorge, Störung und Plackerei.
-
-Es sind mir einige gute Sorten hiesiger Käse zu Gesicht gekommen, die
-in der That alles Lob verdienen, insonderheit unsre Grasweide den
-brittischen Triften bei weitem nicht gleich kommt. Ich will hierin
-meine Geschicklichkeit nächsten Sommer versuchen; wer weiß, ob ich dann
-nicht einen canadischen Barden bestimmen dürfte, das Erzeugniß meiner
-Milcherei eben so zu verherrlichen, wie _Blumfield_ den Suffolk-Käse,
-_Bang_ zubenamt, verherrlicht hat. Sie erinnern sich doch der Stelle?
--- Denn _Blumfield_ ist so gut Ihr Landsmann als der meinige -- sie
-beginnt folgender Maaßen: --
-
-»Noch unerreicht o Giles ist dein Käse« u. s. w. Ich bin etwas lange bei
-der Milchwirthschaft stehen geblieben, da ich weiß, daß Sie alles, was
-Sie darüber erfahren können, Ihren Freundinnen mittheilen werden.
-
-Sie ersuchen mich ferner um einige Nachrichten über die Cultur des
-indianischen Korns, (Mais) und wünschen zu wissen, ob es eine nützliche
-und einträgliche Getraidefrucht ist.
-
-Der Anbau des indianischen Korns auf neu gelichtetem Boden ist sehr
-leicht und von wenig Arbeit begleitet; auf alten Feldern bedarf es
-deren mehr. Die Erde wird mit einer breiten Hacke geöffnet, und drei
-oder vier Körner werden, nebst einem Kürbißsamen ungefähr in jedes
-dritte oder vierte Loch, und in abwechselnden Reihen, eingestreut;
-die Löcher müssen mehre Fuß von einander abstehen. Kürbisse und Korn
-wachsen ganz verträglich mit einander auf, die breiten Blätter der
-erstern beschatten die jungen Kornpflänzchen und verhindern die zu
-große Verdünstung der Feuchtigkeit vom Boden; ihre Wurzeln verbreiten
-sich nicht allzuweit, so daß sie dem Korn nur sehr wenig Nahrung
-entziehen. Die eine Pflanze rankt sich zu einer erstaunlichen Länge an
-der Erde hin, während die andre mehre Fuß hoch darüber emporschießt.
-Sobald das Korn anfängt, sich zu verästeln, muß man den Boden nochmals
-durchschaufeln, um mehr Erdreich an die Wurzeln zu bringen, und
-außerdem das der Saat nachtheilige Unkraut ausjäten. Dies ist die
-ganze Arbeit, bis sich die Aehre anfängt zu bilden, wo die tauben und
-schwachen Schößlinge abgebrochen und nur vier oder fünf der kräftigsten
-und fruchtbarsten übrig gelassen werden. Sobald die seidenartigen Fäden
-braun werden und absterben, muß man sie entfernen, damit alle Nahrung
-den Körnern zufließe.
-
-Wir hatten in letztem Sommer ein merkwürdiges Beispiel von Ruß an
-unserm Korn, die kranken Kolben hatten große weiße Blasen (Blattern),
-so dick wie kleine Bovist oder große Haselnüsse, und diese waren,
-als man sie aufbrach, mit einer tintenartigen schwarzen Flüssigkeit
-gefüllt. An den nämlichen Pflanzen konnte man eine regelwiedrige
-Befruchtung wahrnehmen: dem Kolben fehlten die Körner, welche durch
-einen eigenthümlichen Zufall auf die Quaste oder männlichen Blumen
-versetzt waren. Botaniker mögen die Ursache dieser seltsamen Abweichung
-von der Regel erklären, ich berichte blos die Thatsachen. Ich konnte
-nicht erfahren, ob der Ruß eine dem indianischen Korn gewöhnliche
-Krankheit ist, aber im letzten Jahre kam derselbe, hier zu Lande und
-vorzüglich in unsrer Gegend auch Staub-Kleien (^dust-bran^) genannt,
-an der Gerste und dem Weizen ziemlich häufig vor; überhaupt ist zu
-bemerken, das Staaten auf neu urbar gemachtem Boden dieser Krankheit am
-meisten ausgesetzt sind[39].
-
-Die reifen Körner werden entweder von dem Kolben abgeklaubt, wie
-die Bohnen oder Erbsen bei uns, oder man reiht und flicht die
-Kolben an Stränge wie die Zwiebeln und hängt sie an Stangen oder an
-den Dachsparren auf den Getraide-Böden und in den Scheunen auf.
-Das Abstreifen der Körner von den Kolben giebt zu einer geselligen
-Versammlung Anlaß, welche ^husking bee^ (die enthülsende Biene) heißt
-und, wie alle übrige Bienen, von den Yankies herrührt, gegenwärtig aber
-unter der unabhängigeren und bessern Ansiedler-Klasse nicht mehr so
-häufig wie früher stattfindet.
-
-Das indianische Korn ist eine zarte und etwas unsichre Saat; jung
-leidet es häufig durch Frost, daher man es nie vor dem 20. Mai oder
-zu Anfange Junis säet, und selbst dann ist es noch nicht ganz sicher,
-auch hat es manche Feinde, als Bäre, Waschbäre, Eichhörnchen, Mäuse
-und Vögel und ist eine große Lockung für umherschweifendes Vieh, das,
-um dazu zu gelangen, selbst Einfriedigungen von hölzernen Pfählen,
-spanische Reiter und andre dergleichen Dinge, die man zum Schutz der
-Saat aufgestellt hat, umstürzt.
-
-Selbst in Canada bedarf diese Getraide-Art einen heißen Sommer, um
-zur vollkommnen Reife zu gelangen. Daher glaube ich, daß _Cobbett_
-unrecht hatte, als er den englischen Landmann zum Anbau im Vaterlande
-das indianische Korn als eine sehr einträgliche Getraide-Frucht
-empfahl. Sehr einträglich und mehlreich ist es bei uns jeden Falls,
-indem es für alle Arten körnerfressender Thiere eine sehr reiche und
-angenehme Nahrung abgiebt, und zwar selbst so lange es noch grün ist,
-und in reifem oder halbreifem Zustande zur Mästung der Hausthiere und
-Fütterung der Last-Ochsen sich trefflich eignet.
-
-Der letzte Sommer war sehr günstig, die Saat gedieh auf das Ueppigste,
-leider aber hatten nur wenige Ansiedler, in Folge des Mißrathens in
-den beiden vorhergehenden Jahren, diese Getraide-Art angebaut. Unser
-kleines Fleckchen lieferte eine reiche Ernte. Das Mehl giebt einen
-nahrhaften Brei, von den Amerikanern »_Supporne_« genannt, er wird mit
-Wasser bereitet, und mit Milch genossen, oder auch mit Milch vermischt.
-Er muß lange kochen. Brod wird nur selten oder niemals ohne einen
-reichlichen Zusatz von feinem Weizen- und Brod-Mehl daraus gebacken.
-
-Was die Cultur andrer Getraide-Sorten anlangt, so kann ich
-Ihnen darüber nichts mittheilen, was Sie nicht in jedem Werke
-über Auswanderung finden. Die Kartoffel wird nicht in Löcher
-gesteckt, sondern in kleine Erdhügel, die man darüber häufelt, die
-Kartoffelfelder müssen durchschaufelt und von Unkraut gereinigt werden.
-
-Was den gewöhnlichen Betrag der Arbeitslöhne anlangt, so richtet sich
-derselbe ebenfalls nach der größeren oder geringeren Bevölkerung des
-Ortes, wo man sich angesiedelt hat; im Allgemeinen indeß erhält ein
-thätiger kräftiger Mann acht bis eilf Dollars monatlich; zehn Dollars
-also könnte man als Durchschnitts-Summe annehmen, junge Bursche
-(Handlanger) erhalten vier bis sechs, und weibliche Dienstboten
-drei bis vier Dollars. Man kann auch junge Mädchen von neun bis
-zwölf Jahren blos für Kleidung und Kost in Dienste nehmen, allein
-dies ist keineswegs ein Ersparniß, da Kleider und Schuhe sehr bald
-zerrissen sind und durch neue ersetzt werden müssen. Ein starkes
-Mädchen vermiethet sich für zwei bis drittehalb Dollars monatlich
-und arbeitet, wird es verlangt, auch auf dem Felde, wo sie Korn und
-Kartoffeln behäufelt und jätet, in der Ernte die Garben binden hilft
-u. s. w. Ich habe ein sehr gutes Mädchen, die Tochter eines Emigranten
-von Wiltshire; sie ist sauber und verständig, höflich und fleißig, und
-erhält dabei nur drei Dollars monatlich; sie gehört zu den glücklichen
-Beispielen aus der niedern Klasse englischer Auswandrer, und ihre
-Familie kann für den Bezirk, worin sie lebt, als ein wahrer Gewinn
-betrachtet werden.
-
-Ich glaube jetzt alle Ihre Fragen nach meiner besten Ueberzeugung
-beantwortet zu haben. Allein ich erinnere dabei, daß meine Erfahrung
-sich blos auf einen kleinen Theil der Gemeinde-Bezirke längs den
-Otanabee-Seen beschränkt, mithin darf mein Bericht hinsichtlich seiner
-Gültigkeit blos als örtlich gelten. Die Sachen können sich in andern
-Distrikten der Provinz anders verhalten, wenn sie auch vielleicht nicht
-wesentlich verschieden sind.
-
-Ich muß Ihnen jetzt Lebewohl sagen. Sollten Sie sich jemals veranlaßt
-fühlen, Ihr Glück diesseits des atlandischen Oceans zu versuchen, so
-versichere ich Sie im Voraus des herzlichsten Empfanges in unserm
-canadischen Hause.
-
- Ihre Ihnen aufrichtig ergebne Freundin.
-
-Fußnoten:
-
-[38] Die Einfuhr-Zölle von Gütern in den beiden Canadas sind äußerst
-gering, woraus sich der Umstand erklärt, daß man daselbst manche
-Verbrauchs-Artikel an Orten, wo sich ihrem Transport keine erheblichen
-Schwierigkeiten von Seiten der Straßen entgegenstellen, weit billiger
-kaufen kann als in England; in den Urwäldern, wo man kaum angefangen
-hat, Straßen anzulegen, ist wegen des theuren Transports der größern
-Mäklerzahl, des größern Capital-Werthes und des damit in Verhältniß
-stehenden höhern Local-Profites, u. s. w. alles weit theurer ist; was
-sich jedoch mit der fortschreitenden Cultur des Bodens ändern wird.
-
-[39] Die hauptsächlichsten Krankheiten, wovon die Getreide-Pflanzen
-heimgesucht werden, sind Mehlthau, Brand (Schimmel), und Ruß. Die
-Untersuchung und Behandlung dieser Krankheit ist für Schriftsteller
-über Landwirthschaft ein ergiebiges Feld gewesen. Indeß scheint das
-Publikum von ihren subtilen Forschungen noch keinen erheblichen
-Nutzen geerntet zu haben, und ein Autor von vorzüglichem Ansehn und
-Gewicht behauptet sogar, daß im Verhältniß zu der über den fraglichen
-Gegenstand verschwendeten Wortmenge die Schwierigkeiten in Betreff
-seiner Aufklärung sich vermehrt hätten.
-
-Brand ist eine Krankheit, welcher bekanntlich die Cerealien seit den
-frühesten Zeiten unterworfen gewesen sind. Bei den alten Griechen
-galt derselbe als ein Zeichen des Zorns der Götter, und so oft er
-vorkam, überließen sie sich der Klage und Trauer, ohne auf ein Mittel
-zur Abhülfe bedacht zu sein. Derselbe Aberglaube herrschte unter den
-Römern, die der Meinung waren, daß das Uebel, welches sie ^rubigo^
-(Rost) nannten, unter der Controlle einer besondern Gottheit, Namens
-_Rubigus_, stehe, daher sie diesem zu Gunsten ihrer Saaten fortwährend
-opferten.
-
-Brand und Mehlthau sind von verschiednen Schriftstellern über
-Landwirthschaft häufig mit einander verwechselt worden, so daß es
-zweifelhaft ist, welcher Klasse von Erscheinungen jeder von beiden
-Namen eigentlich zukommt, oder ob beide überhaupt nicht für eine
-und dieselbe zu verschiednen Perioden des Wachsthums der Pflanze
-vorkommende Krankheit anwendbar sind. Da wir nicht gern auf streitigen
-Boden treten mögen, was nothwendiger Weise der Fall sein würde,
-wenn wir uns in Erörterung eines, trotz allen darüber geschriebnen
-mühevollen Abhandlungen, verworrenen und dunkeln Gegenstandes einlassen
-wollten, so werden wir hier die Formen, welche die Krankheit annehmen,
-nebst ihren übeln Folgen kurz und deutlich beschreiben, deren
-Klassifikation aber andern geschickteren Federn überlassen.
-
-Die Ursachen sind, wie die kundigsten Männer behaupten, dreierlei,
-nämlich: Kälte und besonders kalte Winde, böse Dünste und die
-Verbreitung eines Schimmelpilzes. Die erstere der erwähnten Ursachen
-hindert den Umlauf der Säfte in der Pflanze; die der Nahrung beraubten
-Blätter welken und sterben ab, die Säfte treiben die Gefäße auf,
-worin sie sich befinden, zersprengen sie und werden die Nahrung von
-Millionen kleiner Insekten. Diese finden sich so unbegreiflich schnell
-ein, daß man sie mehr für die Ursache, als die Folge der Krankheit
-angesehen hat. Die zweite Ursache wirkt vorzüglich, wenn das Getraide
-bereits völlig ausgewachsen ist, und man hat beobachtet, daß sie sich
-besonders nach schweren Regengüssen des Nachmittags zeigte, auf welche
-sogleich heller Sonnenschein folgte. Dies ist der Fall gewöhnlich
-um die Mitte oder zu Ende Julis. Die Krankheit befällt entweder die
-Blätter oder den Stengel der Pflanze, die mit gebrochenen Linien von
-schwarzer oder dunkelbrauner Farbe bedeckt zu sein scheint. Viele
-Naturforscher schreiben sie allein einer Art Schimmelpilz zu, die in
-dem Pflanzenstengel wurzele und die den Getraidekörnern bestimmte
-Nahrung entziehe. Die kleinen Samen dieses parasitischen Gewächses,
-das die Krankheit des Getraides verursacht, sind so leicht, daß sie
-vom Winde in große Entfernung getragen werden. Diese Schimmelpilze
-wachsen überdies außerordentlich schnell, indem sie nach den genauen
-Beobachtungen des Engländers _Joseph Banks_ in warmem Wetter nicht mehr
-als eine Woche brauchen, um einzuwurzeln und bereits wieder Samen zu
-treiben. Auf jedem Punkte des Halmes, wo sie sich einnisten, wachsen
-zwanzig bis vierundzwanzig solcher Pilze, und man kann sich daraus eine
-Vorstellung machen, wie groß die Vermehrung sein mag. Wie alle andre
-Pilze und Schwämme, gedeiht auch diese verderbliche Art am besten an
-schattigen, feuchten Orten, und deshalb ist eins der besten Mittel,
-das Getraide vor ihr zu bewahren, dasselbe nicht zu dicht zu säen,
-desgleichen muß man für hinreichenden Luftzug sorgen und daher die
-Hecken und Einfriedigungen niedrig halten.
-
-Mr. _Loudon_ berichtet, daß im Sommer 1809 ein Weizenfeld auf mehr
-leichtem und sandigem Boden mit allem Anschein von Gedeihen empor
-und auch in die Aehre kam und alle Aussicht zu einer guten Ernte
-gab. Ungefähr zu Anfange Julis schien es alles zu übertreffen, was
-man von einem dergleichen Boden erwarten konnte. Eine Woche später
-war ein Theil der Saat auf der Ostseite des Feldes, im Betrag von
-mehren Morgen, völlig verdorben, die Pflanzen waren über die Hälfte
-ihrer früheren Größe eingeschrumpft und so welk und versengt, daß sie
-nicht zu demselben Felde zu gehören schienen. Der übrige Theil der
-Saat gedieh vollkommen gut. Man hat oft behauptet und lange Zeit auch
-geglaubt, daß die Nähe von Berberisbeersträuchern der Saat nachtheilig
-sei, indem sie schädliche Pilze anziehen, allein jetzt gilt dies
-allgemein für ein Mährchen.
-
-Der Same von Pflanzen, die an Mehlthau litten, eignet sich der
-Erfahrung gemäß zur Aussaat vollkommen, und da er kleiner als gesundes
-Korn ist, so bedarf es zu diesem Behuf eines kleineren Maaßes.
-
-Eine andre böse Krankheit, welche das Getraide befällt, ist unter
-dem bezeichnenden Namen »_Ruß_« bekannt, dieses Uebel besteht in
-Verwandlung des Mehls in ein rußiges Pulver, das mehr oder weniger
-schwarz und dem Geruch zuwider ist. Einige Schriftsteller unterscheiden
-zwei Modificationen der fraglichen Krankheit und nennen die eine _Ruß_,
-die andre _Getraide-Brand_ (Brand, verbranntes Getraide). _Mills_ hat
-in seinem System der praktischen Landwirthschaft folgenden Unterschied
-zwischen beiden aufgestellt. »_Ruß_, eigentlich so genannt, bewirkt
-einen völligen Verlust der davon befallenen (inficirten) Aehren, da
-aber das schwarze Pulver, welches er erzeugt, sehr fein ist, und die
-Körner desselben nicht zusammenhalten, so werden sie von Wind und
-Regen leicht fortgeführt, so daß der Landmann nicht viel mehr als das
-blose Stroh unter Dach und Fach bringt, welches aber die gesunden
-Körner nicht ansteckt und kaum ihr Mehl beschädigt. Das _brandige_ oder
-_cariöse_ Getraide dagegen, das oft zugleich mit dem gesunden Korn
-eingefahren und aufgespeichert wird, theilt letzterem seine Krankheit
-mit, macht sein Mehl braun und giebt ihm einen schlechten Geruch.« Der
-Name, mit welchem diese Krankheit von den Römern bezeichnet wurde, ist
-ustilago; die französischen Landleute nennen sie ^charbon^ (Kohle).
-
-Wenn man einen Theil des schwarzen Pulvers mit Wasser anfeuchtet und
-dann unter das Mikroscop bringt, so sieht man, daß es Myriaden kleiner
-durchsichtiger und augenscheinlich von einem dünnen Häutchen umgebner
-Kügelchen sind. Die Ursache des Uebels suchen einige Forscher in dem
-Boden, in welchen das Korn gesäet worden ist; andere schreiben es dem
-Wuchern eines kleinen Pilzes innerhalb der Aehre zu; noch andre endlich
-behaupten, es beruhe auf einem krankhaften Zustande des Samens, aus
-welchem die Pflanze hervorgegangen ist. Das Ergebniß verschiedner
-Versuche, wo man verschiedne Samen in denselben Boden säete, und allen
-dieselbe Behandlung angedeihen ließ, scheinen der letzten Hypothese das
-Wort zu reden.
-
-
-
-
-Zwölfter Brief.
-
- Eine »Klafter-Biene.« -- Verbrennung der geklafterten Haufen. --
- Wirthschafts-System. -- Preis des Weizens im Vergleich zu dem
- Arbeitslohn. -- Wahl des Bodens und verhältnißmäßige Vortheile.
- -- Lichtung des Bodens. -- Orcan in den Wäldern. -- Veränderliche
- Witterung. -- Insekten. --
-
-
- November 2, 1833.
-
-Vielen, vielen Dank Theuerste Mutter für den Inhalt der Schachtel, die
-im August anlangte. Ich war voller Freude über die niedlichen Mützchen
-und gewirkten Käppchen, die Sie mir für mein Knäbchen gesendet haben,
-der kleine Kerl nimmt sich in seinem Anzuge ganz allerliebst aus, ja
-ich möchte behaupten, er sei sich der Vermehrung seiner Garderobe
-bewußt, so stolz scheint er auf seine neuen Kleider. Er wird recht
-rund und lebhaft, und Sie können sich wohl vorstellen, mit welcher
-Zärtlichkeit und welchem Gefühl von Stolz das Herz seiner närrischen
-Mutter an ihm hängt.
-
-Sein Papa, der ihn eben so sehr liebt, als ich, lacht oft über meine
-grenzenlose Zärtlichkeit und frägt mich, ob ich ihn nicht für das
-neunte Wunder der Welt halte; er hat auf dem Hand-Schlitten für ihn
-einen Kasten befestigt, der nicht viel besser ist als eine Theekiste,
-und mit einem schwarzen Bärenfell gefüttert; hierin sitzt der kleine
-Bursche ganz behaglich und hat sich schon mancher Fahrt über den
-gefrornen Boden erfreut.
-
-Nichts konnte uns erwünschter kommen als das Legat meines Onkels, es
-hat uns in den Stand gesetzt, manchen nützlichen Ankauf für unsre
-Meierei zu machen, was andernfalls erst nach Verlauf manches Jährchens
-würde haben geschehen können. Für einen Theil davon haben wir ein
-Stück Land gekauft, welches nicht weit von unserm Hause liegt. Die
-Beschaffenheit dieser neuen Parzelle ist vortrefflich und erhöht durch
-ihre Lage den Werth des ganzen Besitzthums.
-
-Mit dem Verbrennen der gefällten und geklafterten, das ist, der Länge
-nach gespaltenen und mittels Ochsen in Haufen vereinigten Bäume auf dem
-gelichteten Boden kamen wir in diesem Sommer trefflich zu Stande. Um
-schneller damit fertig zu werden, ruften wir eine Biene (^logging-bee^)
-zusammen. Viele Ansiedler folgten unsrer Aufforderung und eilten uns
-mit Ochsen und Leuten zu Hülfe. Nachdem dies vorüber, das ist, das Holz
-geklaftert war, setzte mein Gatte mit Hülfe der männlichen Dienstleute
-die gewaltigen Haufen in Flammen, und ein prächtiges Schauspiel war
-es, rings umher den verheerenden Brand zu sehen. Ich war anfangs etwas
-unruhig und besorgt, indem einige Holzstöße sich unserm Hause ziemlich
-nahe befanden, indeß braucht man stets die Vorsicht, sie nur, wenn der
-Wind in der Richtung vom Hause abwärts bläst, anzuzünden. Es haben
-sich bisweilen Unfälle ereignet, allein sie kommen doch weit seltner
-vor, als man erwarten sollte, wenn man das leichte Umsichgreifen
-und die Wuth des furchtbaren Elements bei dergleichen Gelegenheiten
-berücksichtigt.
-
-Ist das Wetter sehr trocken, und bläst ein scharfer Wind, so
-schreitet das Werk der Zerstörung mit erstaunlicher Schnelligkeit
-vorwärts; bisweilen theilt sich das Feuer dem Forste mit und läuft
-über mehre hundert Morgen weg. Dies gilt als kein günstiger Umstand
-für Lichtung und Urbarmachung des Bodens, da die Flammen das Gebüsch
-und weiche leichte Holz verzehren, was zur Sicherung eines guten
-Brandes beiträgt. Bei alle dem ist es ein prächtiger Anblick, die
-flammenden Bäume zu sehen und die grauenvollen Fortschritte des um
-sich greifenden, alles verzehrenden und den Waldwuchs auf mehre Jahre
-vernichtenden Elementes zu beobachten.
-
-Ist der Boden sehr trocken, so läuft das Feuer in allen Richtungen
-darüber, das dürre Laub, Reisig und die Wurzeln zerstörend. In
-der Nacht ist die Wirkung noch sichtbarer; bisweilen weht der
-Wind brennende Reiser und dergleichen in die hohlen Fichten und
-verwitternden Stummel, diese fangen sehr bald Feuer und bieten dem
-Auge ein Schauspiel dar, welches äußerst schön und seltsam ist.
-Feuer-Säulen, deren Basis in dichte Rauchwirbel gehüllt ist, zeigen
-sich in jeder Richtung und senden dichte Funken-Schauer aufwärts,
-welche, durch den Wind umhergewirbelt, wie Schwärmer und Feuer-Räder
-erscheinen. Einige von diesen hohen Stummeln nehmen sich, wenn das
-Feuer ihre Spitze erreicht hat, wie Gaslaternen-Pfähle aus. Das Feuer
-dauert bisweilen tagelang nach einander fort.
-
-Nachdem es erlöscht ist, werden die Brändte gesammelt, in Haufen gelegt
-und nachmals angezündet; und so befremdend es Ihnen vorkommen mag, --
-ich möchte behaupten, es gebe kein interessanteres und aufregenderes
-Werk als das Errichten der Holzhaufen, das Aufstören und Einschließen
-der sterbenden Flammen und ihre Ernährung durch frisches Brennmaterial.
-
-Es finden stets zwei dergleichen Verbrennungen statt, zuerst nehmlich
-werden die Reisighaufen, welche den Winter über unversehrt gelegen
-haben, nachdem sie durch die trocknenden Stürme und die heiße April-
-und Mai-Sonne gehörig ausgedörrt sind, in Flammen gesetzt; dies
-geschieht jedesmal vor Klafterung der Baumstämme.
-
-Ist das Wetter trocken und bläst ein lebhafter Wind, so wird viel
-von dem leichteren Holze verzehrt, und die größeren Bäume werden zu
-gleicher Zeit zerkleinert. Nachdem dies vorüber ist, wird das Uebrige
-für das zweite Feuer gefällt, geschnitten und gehäuft; endlich sammelt
-man die Brändte und unverzehrten Ueberbleibsel, um sie ebenfalls
-dem Feuer zu überliefern, bis der Boden von allen Hindernissen, mit
-Ausnahme der Baumstummel, welche selten mit verbrennen und mehre Jahre
-hindurch ein wahrer Dorn für das Auge bleiben, befreit ist. Hierauf
-wird die Asche umher gestreut und das Feld mit gespaltnen Baumstämmen
-eingefriedigt -- der Boden ist jetzt gelichtet und urbar.
-
-Unsre Aussaat in diesem Jahre besteht in Hafer, indianischem Korn,
-Kürbissen, Kartoffeln und etwas weißen Rüben; nächsten Herbst werden
-wir Weizen, Roggen, Kartoffeln und indianisches Korn haben, und dadurch
-im Stande sein, unsern Viehstand zu vermehren. Gegenwärtig haben
-wir blos ein Joch Ochsen: _Buck_ und _Bright_, (die Namen von drei
-Viertheilen aller Zug-Ochsen in Canada), zwei Kühe, zwei Kälber und
-zwei kleine Schweine, zehn Hühner, drei Enten und einen niedlichen
-braunen Klepper, welcher aber leider ein so geschickter Springer ist,
-daß er fast über jede Einfriedigung wegsetzt, daher wir uns wohl von
-ihm werden trennen müssen.
-
-Alles Vieh, das sich gern losreißt und umherstreift, ist ein
-bedeutender Friedenstörer und lößt manche nachbarliche Freundschaft
-auf, weshalb jeder Ansiedler, dem es auf ein gutes Vernehmen mit seinen
-Nachbarn ankommt, dergleichen Vieh, und wenn es übrigens noch so
-brauchbar wäre, lieber veräußert.
-
-Ein kleiner Pachter im Mutterlande dürfte eben keine hohe Meinung von
-unsern canadischen Besitzungen hegen, besonders wenn ich hinzufüge, daß
-unsre ganzen Ackergeräthschaften aus zwei Sensen, verschiednen Aexten,
-einem Spaten und einigen Hacken bestehen. Hierzu kommt noch eine
-seltsame Art von Egge, in Gestalt eines Dreiecks, um besser zwischen
-den Baumstummeln durchkommen zu können. Dies ist im Vergleich mit den
-neu angestrichnen Werkzeugen der Art, welche ich in England gesehen
-habe, eine grobe Maschine. Ihre einzelnen Theile sind roh zugehauen und
-ohne Rücksichtsnahme auf ein gefälliges Aeußere mit einander verbunden;
-die möglichste Tauglichkeit ist alles, worauf man hier sieht. Der Pflug
-kommt selten vor dem dritten oder vierten Jahre ins Land, auch ist
-dies nicht erforderlich; der allgemein übliche Feldwirthschafts-Plan,
-den neuerdings urbar gemachten Boden mit Weizen oder Hafer und, außer
-dem Getraide, mit Grassämereien zu besäen, (letzteres, um Weide für
-das Vieh zu erhalten), macht den Pflug nicht eher nöthig, als bis
-die Zeit eintritt, wo das Grasland aufgerissen werden muß. Diese
-Methode verfolgen die meisten Ansiedler, so lange sie mit Lichtung
-des Wald-Bodens beschäftigt sind; sie lichten stets so viel, als
-zur Unterhaltung einer regelmäßigen Aufeinanderfolge von Weizen und
-Frühlings-Saaten erforderlich ist, während sie das früher gelichtete
-Land mit Gras besäen.
-
-Der niedrige Preis, wofür jetzt fast jede Getraide-Sorte zu haben ist
--- der Scheffel (^Bushel^) Weizen kostet nur zwei Schillinge vier Pence
-bis höchstens vier Schillinge -- macht seine Cultur weniger wichtig
-als die Aufziehung und Mästung von Vieh. Die Arbeitslöhne stehen mit
-dem Preis der Erzeugnisse in keinem Verhältniß; ein Arbeiter erhält
-zehn, ja sogar eilf Dollars monatlich, nebst Kost; während der Weizen,
-wie bereits gezeigt worden, nur drei Schillinge, drei Schillinge und
-Sechspence oder vier Schillinge, ja bisweilen nicht einmal so viel
-gilt. Der Ertrag wird wenig oder nicht mit der Auslage verglichen,
-welche die Bestellung des Bodens erheischt, übrigens bringt das Land
-auch nicht den großen Ueberfluß hervor, den Manche von neu urbar
-gemachtem Boden zu erwarten pflegen. Der Ertrag muß indeß, je nach Lage
-und Fruchtbarkeit der Felder, die in der Regel in der Nähe der Flüsse
-und Seen weniger productiv sind, als etwas weiter davon entfernt, weil
-der Boden daselbst entweder morastig oder steinig, mit Fichten oder
-mit Kalkstein- und Granit-Blöcken bedeckt, und der Unterboden arm und
-sandig ist, verschieden ausfallen.
-
-Dies ist der Fall an den kleinen Seen und an den Ufern des Otanabee;
-die davon entfernt liegenden Parcellen sind gemeiniglich von weit
-bessrer Beschaffenheit, sie tragen hartes Holz, z. B. Eichen, Ahorn,
-Buchen, Eisenholz u. s. w., welche Bäume stets einen fruchtbarern Boden
-verrathen, als die Familie der Nadelhölzer.
-
-Trotz der geringeren Boden-Beschaffenheit wird beim Ankauf von Land
-doch ein Wasser-Vordergrund als eine Sache von großer Wichtigkeit
-betrachtet; und Parcellen mit Wasser-Benutzung stehen gewöhnlich
-in weit höherem Preise als solche, die weiter davon entfernt sind.
-Erstere sind im Allgemeinen im Besitz der Ansiedler höheren Ranges,
-die noch etwas extra für eine gute Lage und die Aussicht künftiger
-Verschönerungen, wenn das Land sich unter einem höheren Cultur-Grad
-befinden und dichter bevölkert sein wird, zahlen können.
-
-Wir können nicht anders als mit unendlicher Zufriedenheit die wenigen
-Morgen Landes betrachten, welche im Umkreise unsers Hauses gelichtet
-und mit Saaten bedeckt sind. Ein Platz dieser Art inmitten des dichten
-Waldes erfüllt das Herz mit einer Wonne, wovon diejenigen, welche in
-einer offnen oder auch nur theilweise bewaldeten Gegend wohnen, keine
-Vorstellung haben können. Die hellen Sonnenstrahlen und der blaue
-Himmel, die, nicht mehr durch ein dichtes Laubdach zurückgehalten, frei
-und ungehindert auf uns hereinbrechen, laben das Auge und erfreuen
-das Herz gewiß eben so sehr, als der kühle erquickende Schatten eines
-Palmen-Hains den armen abgematteten Wandrer in der afrikanischen Wüste
-labt und erquickt.
-
-Wenn wir dies so merklich fühlen, die wir uns der Aussicht auf einen
-offnen See gerade vor unsern Front-Fenstern erfreuen, wie müssen
-diejenigen thun, die für ihre Niederlassung nur erst ein kleines
-Fleckchen im Herzen des Waldes gelichtet haben, die rings um von einer
-dichten Baum-Wand eingehemmt sind, deren endlose Schatten, welche
-das Auge, in Aufsuchung andrer Gegenstände und Scenen, vergebens zu
-durchdringen strebt; denn so dicht stehen die Bäume, daß alles, außer
-der gelichteten Stelle, in dichtes Dunkel gehüllt ist. Ein Ansiedler,
-der sich zuerst auf der ihm zu Theil gewordnen Parcelle niederläßt,
-weiß nicht mehr von ihren Grenzen und natürlichen Zügen als von der
-nordwestlichen Durchfahrt.
-
-Unter solchen Uebelständen kann es vielleicht unter zehn Fällen nur
-einmal treffen, daß der Ankömmling die beste Lage für sein künftiges
-Haus wählt. Dies ist ein sehr hinreichender Grund, nicht eher ein
-größere Unkosten erforderndes Haus zu bauen, als bis das Land zur
-Genüge gelichtet ist, so daß die Vortheile und Nachtheile der dafür
-zu erwählenden Stelle besser ins Auge fallen. Manche zu dem in Rede
-stehenden Behuf vorzüglich geeignete Stellen bieten sich oft dem Auge
-des Ansiedlers, während er in Lichtung seines Bodens fortfährt, dar,
-und lassen ihn bedauern, daß er sein Haus an einem Platze erbaut hat,
-den er noch nicht kennen gelernt hatte. Allein Umstände verstatten
-selten, den Hausbau im Busche aufzuschieben; eine Wohnung muß so
-schnell als möglich errichtet werden, und dies gewöhnlich auf dem
-ersten gelichteten Acker. Der Emigrant tröstet sich indeß dabei mit
-der Zukunft, er hofft auf eine nicht allzuferne Periode, wo er durch
-Aufführung einer schönern und bessern Wohnstätte, als sein Block-Haus
-(Log-Haus) oder seine Shanty ist, die er blos als einstweiliges Obdach
-betrachtet, sowohl seinem Geschmack als seiner Liebe zur Bequemlichkeit
-wird genügen können.
-
-Bei meiner ersten Ankunft in diesem Lande überraschte mich nichts
-mehr als der völlige Mangel an Bäumen um die Wohnhäuser und auf dem
-gelichteten Boden, die Axt des Holzfällers stürzt unermüdlich alles vor
-sich nieder. Der Mensch scheint mit den Bäumen des Waldes zu kämpfen,
-gleichsam als wären sie seine schädlichsten Feinde; denn er schont
-weder das junge Bäumchen in seinem jugendlichen Grün noch den bejahrten
-Stamm in seinem hohen stattlichen Wuchse; er kriegt gegen den Forst mit
-Feuer und Stahl.
-
-Es lassen sich für diesen anscheinenden Mangel an Geschmack verschiedne
-Gründe angeben. Die Waldbäume wachsen so dicht neben einander, daß
-es ihnen an Raum gebricht, sich auszubreiten und Seiten-Aeste zu
-entsenden; im Gegentheil schießen sie zu einer beträchtlichen Höhe
-empor, nicht unähnlich jungen Saatpflanzen in einem Treibbeete, die
-nicht gehörig gedünnt worden sind. Dergleichen Bäume sind schlank und
-schwach und entbehren völlig jener angenehmen Umrisse und jener schönen
-Laubkrone, die sie als eine Verzierung der Landschaft wünschenswerth
-machen würde; allein dies ist noch nicht der dringendste Grund zu ihrer
-Entfernung, vorausgesetzt, daß unter ihnen doch manche von nicht eben
-ungefälligen Formen vorkommen mögen.
-
-Anstatt tiefe Wurzeln zu treiben, haben die Waldbäume, mit Ausnahme der
-Fichten, nur einen sehr oberflächlichen Halt in der Erde; die Wurzeln
-laufen an der Oberfläche des Bodens hin und haben daher nicht Kraft
-genug, den Stürmen zu widerstehen, welche gegen die Wipfel wüthen, und
-diese wirken so als mächtige Hebel, um sie aus dem Erdreich heraus zu
-reißen.
-
-Je höher und schlanker der Baum ist, desto leichter wird er von den
-Stürmen entwurzelt; und wenn selbst diejenigen fallen, welche im Herzen
-des Waldes stehen und von allen Seiten eingehemmt sind, so kann man
-über das gewisse Schicksal eines einzeln stehenden, seiner früheren
-Beschützer beraubten Baumes, sobald er gegen den Sturm kämpfen soll,
-nicht zweifeln. Er muß fallen und kann dann leicht durch seinen Sturz
-in der Nähe befindliches Vieh beschädigen; dies ist der wichtigste
-Grund, warum man nicht einzelne Bäume auf dem gelichteten Boden stehen
-läßt. Uebrigens ist es nicht so leicht, bei Lichtung des Waldes diesen
-oder jenen Baum zu schonen, als ich mir dies anfangs dachte; der Fall
-eines Baumes zieht oft den von zwei, drei oder mehren kleineren, die in
-der Nähe stehen, nach sich. Ein geschickter Holzfäller sucht dies so
-sehr als möglich zu befördern, indem er kleine Bäume in der Richtung,
-in welcher er einen großen zu fällen beabsichtigt, nur zum Theil
-durchschneidet.
-
-Ich wünschte sehr, einige hübsche Buchenbäumchen, die mir gefielen,
-zu erhalten, und bat daher die Holzfäller, dieselben wo möglich zu
-verschonen. Allein der einzige, welcher der zerstörenden Axt entging,
-mußte bald eine Feuer-Probe bestehen, wodurch seine frischen grünen
-Blätter augenblicklich welk und versengt wurden; er steht jetzt als
-ein trauriger Beweis der Unmöglichkeit da, dergleichen von der Axt
-verschonte Bäume zu erhalten. Das Einzige, was man thun kann, wenn man
-Bäume in der Nähe seines Hauses zu haben wünscht, ist, daß man junge
-dergleichen in günstigen Lagen anpflanzt, wo sie tief einwurzeln und
-ihre Aeste eben so ausbreiten können, wie die Bäume in unsern Parken
-und Hecken.
-
-Ein andrer Plan, den wir auf unserm Boden zu verfolgen Willens sind,
-ist, mehre Acker Wald in passender Lage stehen zu lassen, die alten
-Bäume als Brennholz von Zeit zu Zeit heraus zu schlagen und den jungen
-Wuchs als Zierde zu verschonen. Dieses Verfahren, ein Wäldchen zu
-erhalten, unterliegt nicht den früher dagegen gemachten Einwürfen, und
-vereinigt das Nützliche mit dem Schönen.
-
-Man fühlt sich, sieht man eine der gigantischen Eichen oder Fichten
-fallen, seltsam erregt. Stolz und unbeweglich scheinen sie zuerst
-dem Hagel von Axtschlägen, die von drei oder vier Holzfällern gegen
-ihren Stamm geführt werden, zu trotzen. Allein nachdem das Werk der
-Zerstörung eine Zeitlang gedauert hat, nimmt man alsbald eine leichte
-Bewegung -- ein fast unmerkliches Zittern der Aeste wahr. Ganz langsam
-und allmälig beginnt der Waldriese, sich zu neigen, während das laute
-Krachen des Stammes endlich anzeigt, daß sein letzter Halt in der Erde
-aufgehört hat. Die Axt des Holzfällers hat ihre Pflicht gethan; die
-Bewegung des stürzenden Baumes wird mit jedem Augenblick beschleunigt,
-bis er unter donnerartigem Geprassel, welches die Erde erschüttert,
-während die benachbarten Bäume erbeben und sich vor ihm neigen, zu
-Boden sinkt.
-
-Obschon entschieden weniger windig als unsre brittischen Inseln, wird
-Canada doch zu Zeiten von plötzlichen Stürmen, die sich bisweilen fast
-dem Orkan und der sogenannten Windsbraut nähern, heimgesucht. Eine
-Schilderung eines solchen Sturmes habe ich Ihnen in einem früheren
-Briefe gegeben. Im Verlauf des jetzigen Sommers bin ich Zeuge von
-einem andern Orkan gewesen, der in seinen Wirkungen noch heftiger und
-verheerender war.
-
-Der Himmel überzog sich plötzlich mit Wolken, die sehr electrisch
-waren. Der Sturm brauste von Nordwesten heran, und seine Wuth schien
-auf eine Breite von einigen hundert Schritten beschränkt. Ich
-beobachtete mit einigem Interesse die schnellen Bewegungen der grauen,
-schwarzen und kupferfarbnen Wolken, die über den See hin zogen, als
-mich plötzlich das Krachen stürzender Bäume auf dem jenseitigen Ufer
-und noch mehr der Anblick der mit den umherwirbelnden Fichten-Reisern
-angefüllten Luft, kaum hundert Schritt vom Hause, während auf dem ebnen
-Boden, wo ich stand, keine Spur von Wind zu fühlen war, nicht wenig
-überraschte.
-
-In wenigen Secunden hatte sich der Orkan über die Wasserfläche
-verbreitet und streckte mit unwiderstehlicher Gewalt nicht weniger als
-dreißig oder vierzig Bäume zu Boden, während er andre wie Schilfrohr
-niederbog. Es war grauenvoll zu sehen, wie der hohe Forst vor dem
-Toben des Sturmes zitterte und schwankte, und wie ein Riesenstamm nach
-dem andern stürzte, wie ein Spiel Karten, die ein Hauch zerstreut.
-Glücklicher Weise ging der Luftstrom blos über unsre gelichteten
-Aecker weg und fügte uns keinen Schaden weiter zu, als daß er auf dem
-hohen Ufer über dem See drei starke Fichten entwurzelte. Allein in der
-Richtung unsers Nachbars stiftete er großen Schaden an, er zerstörte
-einen großen Theil der Einfriedigung, zerschmetterte die Saaten durch
-die niederstürzenden Stämme und Aeste und bewirkte für den Besitzer
-einen großen Verlust und viel Arbeit, um den Schaden wieder gut zu
-machen.
-
-Die aufwärts gekehrten Wurzeln der vom Winde umgestürzten Bäume sind
-eine große Plage auf dem gelichteten Boden, entstellen die Landschaft
-und sind weit schwieriger zu entfernen als die mit der Axt gefällten
-Bäume. Einige von den Stummeln dieser durch den Sturm umgeworfnen Bäume
-richten sich, wenn sie gleich nach ihrem Umsturz von ihren Aesten
-befreit worden sind, wieder empor, das Gewicht der Wurzeln und des
-damit emporgerißnen Erdreichs zieht sie an ihre alte Stelle zurück; wir
-haben diesen Umstand sehr häufig benutzt.
-
-Diesen Sommer über herrschte die veränderlichste Witterung, welche man
-sich denken kann. Der Frühling war warm und angenehm, aber vom Ende des
-Mai bis zur Mitte des Herbstes hatten wir schwere Regengüsse, bewölkten
-Himmel und feuchte heiße Tage; heftige, furchtbar großartige Gewitter,
-aber wie es scheint weniger verheerend als in England, sind hier zu
-Hause. Es ist wohl möglich, daß die hohen Waldbäume die Gefahr von
-den niedrigen Gebäuden abwenden, die hinreichend gegen die Wirkungen
-des Blitzes geschützt sind. Auch der Herbst war feucht aber kalt.
-Ich muß hier gestehen, daß ich zur Zeit eben keine günstige Meinung
-vom hiesigen Klima hege; indeß ist es Unrecht, nach einer so kurzen
-Bekanntschaft damit über dasselbe aburtheilen zu wollen, besonders da
-Jedermann sagt, daß dieser Sommer seinen Vorgängern völlig ungleich
-gewesen.
-
-Die Insekten waren eine große Plage für uns, und ich bewillkommnete den
-herannahenden Herbst als einen Befreier von ihren Angriffen; denn diese
-Plaggeister sind zahlreich und von mancherlei Art, und achten keine
-Persönlichkeit, wie ich zu meinem Leiden erfahren habe.
-
-Ich sehne mich nach Briefen aus der Heimath; lassen Sie mich bald von
-Ihnen hören.
-
-
-
-
-Dreizehnter Brief.
-
- Gesundheits-Gefühl inmitten der strengsten Winter-Monate. --
- Unannehmlichkeit, welche die glänzende Weiße des Schnees verursacht.
- -- Schlittenfahrt. -- Indianische Orthographie. -- Besuch in einem
- Indianer-Lager. -- Ein indianischer Krüpel. -- Canadische Ornithologie.
-
-
- See-Haus, März 14, 1834.
-
-Ich erhielt Ihren letzten liebevollen und höchst interessanten Brief
-erst diesen Abend. In Folge eines Fehlers in der Aufschrift hatte er
-die Runde in zwei Gemeinde-Bezirken gemacht, ehe er in Peterborough
-anlangte; und ob er gleich fast eben so viele Aufschriften hatte als
-ein Matrosen-Messer neue Klingen und Hefte, so kam er doch zuletzt
-in meine Hände und war mir, trotz seinem etwas beschmutzten und
-abgenutzten Reise-Gewande, nicht minder willkommen und schätzbar.
-
-Ich freute mich, von Ihrer wiederkehrenden Gesundheit und frohen Laune
-zu hören; -- mögen sie von langem Bestand sein. Ihre Klagen über mein
-Exil, wie Sie meinen Aufenthalt in diesem Lande nennen, gingen mir sehr
-zu Herzen. Lassen Sie meine Versicherung, daß ich mich gegenwärtig eben
-so glücklich fühle, als zur Zeit, wo ich meine Heimath verließ, sich
-zum Trost wegen meiner Entfernung von Ihnen dienen. Ist auch meine Lage
-verändert, so ist es doch nicht mein Herz. Mein Geist ist so lebhaft
-und heiter wie je zuvor, und zu Zeiten fühle ich eine Aufgewecktheit
-und Frische in mir, die jeder Sorge Trotz bietet.
-
-Sie fürchten, daß mich die Strenge des canadischen Winters aufreiben
-werde. Ich erfreute mich nie einer bessern Gesundheit, als seitdem er
-seinen Anfang genommen. Das Blut wird von der Frische und Reinheit der
-Luft dergestalt durchströmt und gekräftigt, daß man sich ganz heiter
-und wohl fühlt. Selbst der Schnee erscheint weißer und schöner als in
-unserm feuchten neblichen Klima. An sehr kalten hellen Wintertagen
-sieht man hier oft die Luft mit kleinen gefrornen Wasser-Theilchen
-gefüllt, die völlig trocken sind, und das Gesicht ganz leicht wie
-Nadelspitzen berühren, während der Himmel blau und heiter ist. Es
-herrscht zwischen dem ersten Schnee-Fall und dem in der Mitte des
-Winters ein merklicher Unterschied. Der erste zeichnet sich durch große
-weiche Flocken aus und liegt selten lange, ohne zu thauen, aber die
-Flocken des zweiten, nachdem regelmäßig anhaltende Kälte eingetreten
-ist, sind kleiner, trockner und von den schönsten Formen, bisweilen
-spitzig wie Strahlenbüschel, oder sonst auf die merkwürdigste Weise
-gefiedert.
-
-Meinen Augen ist die blendende Weiße und das Funkeln des Schnees an
-heitern sonnigen Tagen sehr zuwider und macht mein Gesicht, wenn es
-derselben ausgesetzt gewesen, auf mehre Stunden äußerst schwach, so daß
-ich die mich umgebenden Gegenstände nicht deutlich unterscheiden kann.
-Ich möchte jedem rathen, der hierher kommt, sich mit grünen oder blauen
-Brillen-Gläsern[40] zu versehen, und den Damen, ja grüne Crep-Schleier
-mit zu bringen. Große grüne Brillen, wie sie der arme _Moses_ kaufte,
-würde in Canada als kein so schlechtes Geschäft gegolten haben[41].
-
-Vor einigen Tagen kehrte ich von einem Besuche bei einer kranken
-Freundin zurück und weidete mich auf meinem Wege an den Wirkungen des
-Frostes. Erdboden, Bäume, jedes Reis, jedes dürre Blatt, jeder Stein,
-worauf mein Auge stieß, blitzten gleichsam von Diamanten, als wären sie
-von einem Zauberstab berührt worden; Gegenstände, vorher roh und jeder
-Schönheit ledig, hatten plötzlich einen unbeschreiblich blendenden
-Glanz angenommen. Man glaubte sich fast in _Sindbad's_ Diamanten-Thal
-versetzt[42]. Ueberdies war die Luft keineswegs unangenehm oder
-unerträglich kalt.
-
-Ich habe an windigen Tagen in England weit mehr Kälte empfunden als in
-Canada, bei einem weit niedrigeren Temperatur-Grade. Es herrscht hier
-in kalten Nächten eine fast entzückende Stille in der Luft, welche die
-Unannehmlichkeit der Kälte-Empfindung verringert.
-
-Allerdings treten im Verlauf des Winters einige sehr kalte Tage ein,
-allein diese niedrige Temperatur hält selten länger als dreimal
-vierundzwanzig Stunden an. Der kälteste Theil des Tages ist von ein
-oder zwei Uhr vor Sonnen Aufgang bis ungefähr um neun Uhr Morgens;
-bis dahin haben unser prasselndes Holzfeuer (^log-fire^) oder unsre
-eisernen Oefen das Haus durchwärmt, so daß man sich um die drausen
-herrschende Kälte gar nicht bekümmert. Im Freien fühlt man sich
-bei gehöriger Bewegung und hinreichender Bekleidung weit weniger
-unbehaglich, als man glauben sollte. Ohren und Nase sind der Kälte am
-meisten ausgesetzt.
-
-Leute, die von einer langen Reise kommen, bilden bisweilen eine
-seltsame Erscheinung, die einem, wären sie nicht zu bemitleiden, ein
-Lächeln entlocken würde.
-
-Haare, Schnurrbart, Augenwimpern, Bart, alles ist mit Reif überzogen.
-Ich habe junge Damen in Abend-Gesellschaften gehen sehen, mit Locken,
-so dunkel wie die Ihrigen, die aber bald durch den kalten Luft-Hauch
-in Silberweiß verwandelt wurden, so daß man fast auf die Idee gerieth,
-die schönen Mädchen wären in ihre alten Großmütter metamorphosirt
-worden, glücklicher Weise für Jugend und Schönheit sind dergleichen
-Verwandlungen nur vorübergehend.
-
-In den Städten und volkreichen Theilen der Provinz begrüßt man die
-Annäherung des Winters, anstatt sie zu fürchten, mit wahrer Freude.
-Reisen sind dann ungehindert und angenehm; selbst unsre elenden
-Buschstraßen gewinnen im eigentlichen Sinne des Wortes an Werth; und
-sollte man auch während einer Lustfahrt ein- oder zweimal umgeworfen
-werden, so sind doch dergleichen Zufälle von keiner großen Gefahr
-begleitet, auch erweckt ein Burzelbaum in den Schnee vielmehr Gelächter
-als Mitleiden; daher ist es bei dergleichen Gelegenheiten das Beste,
-das bischen Schnee, was man etwa aufgeladen, mit gutem Anstand
-abzuschütteln und in die Lust und Späße der Gesellschaft einzugehen.
-
-Das Reisen auf dem Schlitten ist in der That höchst angenehm; je mehr
-Schnee, desto besser die Schlitten-Zeit; und je härter er wird, desto
-leichter ist die Bewegung des Fuhrwerks. Die Pferde sind sämmtlich mit
-Glocken-Geläute und Schellen sowohl um den Hals als auf dem Rücken
-geschmückt, und das lustige Geklingel ist keineswegs unangenehm.
-
-Sobald eine hinreichende Menge Schnee gefallen ist, wird alles Fuhrwerk
-von der Staats-Karosse bis zur Radeberge auf eisenbeschlagne Kufen --
-den Schlittschuh-Eisen nicht unähnlich -- gesetzt. Die gewöhnlichen
-Reise-Equipagen sind der Doppel-Schlitten, (^double sligh^) der leichte
-Wagen und der Cutter; die beiden ersten werden von zwei Pferden, neben
-einander gezogen, der letztre dagegen, bei weitem das eleganteste
-Fuhrwerk dieser Art, ist blos für ein Pferd bestimmt und entspricht
-mehr dem Gig oder der Chaise.
-
-In Büffel-Häute gehüllt, fühlt man keine Unannehmlichkeit von der
-Kälte, ausgenommen im Gesicht, das man durch einen warmen Biber, einen
-Hut oder eine Mütze schützen muß; Mützen werden hier selten oder
-niemals getragen, und zwar aus dem lächerlichen Grunde, weil es nicht
-Mode ist.
-
-Das rothe, graue und schwarze Eichhörnchen ist in unsern Wäldern
-häufig. Die Moschus-Ratze bewohnt kleine Häuser, die sie in den
-binsenreichen Theilen der Seen erbaut. Diese Wohnungen bestehen aus
-Riethgras und Binsen-Wurzeln, Stöcken und andern ähnlichen Materialien
-und sind mit Schlamm ausgekleidet, ein dichtes, die Wasserfläche einen
-Fuß und mehr überragendes Schilfdach schützt das Gebäude von oben;
-es ist von runder domartiger Gestalt und vom Ufer aus in einiger
-Entfernung sichtbar. Die Indianer stellen Fallen, um die Thierchen in
-ihrer Wohnung zu fangen, und verkaufen ihre Felle, welche gegen den
-Winter sehr dicht und glänzend sind. Der Biber, der Bär, der schwarze
-Luchs und Füchse werden ebenfalls getödtet und von den Jägern an die
-Vorratshändler gegen Waaren oder Geld verkauft.
-
-Die Indianer richten die Rehhäute zur Verfertigung von Mocassins
-zu, die von den Ansiedlern in diesen Theilen sehr gesucht werden;
-sie sind in Schnee-Wetter sehr behaglich und halten die Füße sehr
-warm, indeß umwickelt man den Fuß, ehe man sie anlegt, mit einigen
-Tüchern. Ich trug den ganzen letzten Winter hindurch ein schönes Paar
-dergleichen Stiefel; sie waren mit Stachelschwein-Spuhlen genäht und
-mit scharlachnen Binde-Bändern versehn; eine alte Squaw, die Frau des
-Jägers _Peter_, sie kennen ihn bereits aus einem früheren Briefe,
-war die Meisterin, welche sie verfertigt. Bei dieser Gelegenheit
-erhielt ich ein Pröbchen indianischer Orthographie, das die Mocassins
-begleitete und mir nicht wenig Spaß machte; ich will Ihnen die paar
-Zeilen, einem Notchen (Rechnung) nicht unähnlich, hier mittheilen.
-
- [Illustration: _Die Prairie._]
-
-^Sir^
-
-^Pleas if you would give something; you must git in ordir in store is
-woyth (worth) them mocsin porcupine quill on et. One dollars foure
-yard.^
-
-Dieses seltsame Billet war das Machwerk von _Peter's_ ältestem Sohne
-und sollte mich dahin bedeuten, daß, wofern ich Lust hätte, die
-Mocassins zu kaufen, der Preis dafür ein Dollar oder eine Anweisung an
-ein Vorrathshaus auf vier Ellen Cattun sei, denn so verdollmetschte mir
-die Squaw seinen Inhalt. Die Anweisung auf vier Ellen gedruckten Cattun
-wurde an Mrs. _Peter_ überliefert, die sie sorgfältig mit Nadeln in die
-Falten ihres Busentuches befestigte; und wohlzufrieden mit der Zahlung
-ging sie von dannen.
-
-Dies erinnert mich an einen Besuch, den wir letzte Woche den Indianern
-abstatteten. Da ich einiges Verlangen in mir fühlte, das seltsame
-Völkchen in seinem Winter-Lager zu sehen, so äußerte ich meinen Wunsch
-gegen S--, der bei dem alten Jäger und seiner Familie in großer Gunst
-steht; als einen Beweis von Auszeichnung haben sie ihm den Titel
-Chippewa, den Namen ihres Stammes, gegeben. Die Gelegenheit, im
-Indianer-Wigwam die Honeurs zu machen, kam ihm ganz erwünscht, und
-es wurde beschlossen, daß er bei uns mit einigen seiner Schwäger und
-Schwägerinnen, die zufällig auf Besuch bei ihm waren, Thee trinken
-sollte, und daß wir dann in Gesellschaft einen Ausflug nach dem Lager
-im Walde machen wollten.
-
-Eine lustige Gesellschaft brachen wir an besagtem Abende bei dem
-prächtigsten Sternenlicht nach dem verabredeten Orte auf; der Schnee
-funkelte mit tausend Diamanten auf seiner gefrornen Oberfläche, über
-die wir mit dem leichtesten Herzen, so leicht wie es nur in dieser
-sorgenvollen Welt sein kann, wegsetzten. Und gewiß hatte ich nie einen
-lieblicheren Anblick, als die Wälder darboten; es war am vorhergehenden
-Tage viel Schnee gefallen, und in Folge der völligen Windstille war
-auch nicht die kleinste Menge von den Bäumen abgeschüttelt worden. Die
-stets grünen Nadelhölzer bogen sich unter ihrer glänzenden Last, jeder
-Zweig, jedes Blatt, jeder Zapfen war bedeckt, und einige dünne Bäumchen
-lagen, vom Schnee niedergedrückt, fast auf der Erde und bildeten
-die niedlichsten seltsamsten Lauben und Arkaden über unserm Pfade.
-Sah man nach den Wipfeln der Bäume empor, so schien der dunkelblaue
-Himmel von einem silbernen Schleier bedeckt zu sein, durch welchen die
-hellleuchtenden Sterne mit keuschem Glanze herabblickten.
-
-Ich war stets eine Liebhaberin von Schnee-Landschaften, aber weder
-in diesem Lande noch in der Heimath sah ich je etwas so über alle
-Vorstellungen Liebliches, als wie mir der Wald in dieser Nacht erschien.
-
-Wir verließen die breite Straße und schlugen einen Nebenweg ein, den
-die Indianer fest getreten hatten, und bald bemerkten wir den Wigwam
-an dem röthlichen Rauche, der aus dem offnen, korbgeflechtartigen
-Dache der kleinen Hütte hervor qualmte. Letztere besteht zunächst
-aus leichten Stangen, die, in einem Kreise in die Erde befestigt,
-einen runden Raum von zehn bis zwölf Fuß Durchmesser einschließen.
-Zwischen diese Stangen sind lange Birken-Rinden-Schichten gezogen oder
-geflochten, und zwar sowohl innerlich als äußerlich; nach oben, wo die
-Stangen gegen einander geneigt sind ist eine Oeffnung gelassen, zum
-Entweichen des Rauches; die Außenwände waren auch mit Schnee belegt
-oder umdämmt, so daß von unten gar keine Luft eindringen konnte.
-
-Einige von unsrer Gesellschaft, die jünger und leichtfüßiger waren, als
-wir gesetzten verheiratheten Leute, liefen voraus, so daß wir, als das
-Tuch, welches als Thüre diente, weggenommen wurde, eine buntscheckige
-Gesellschaft von dunkelfarbigen Häuten und blassen (weißen) Gesichtern
-aus den weichen Tüchern und Fellen gelagert fanden, die rings an den
-Wänden in dem Wigwam ausgebreitet waren.
-
- [Illustration: _Peter, der Jäger._]
-
-Die dunkelbraune Hautfarbe, das buschige schwarze Haar und das
-eigenthümliche Costüm bildeten einen auffallenden Contrast mit den
-weißen Europäern, die unter die Indianer gemischt dasaßen, der seltsame
-Anblick wurde noch durch das flackernde, in der Mitte lodernde
-Holzfeuer erhöht, welches die Gruppe mit seinem röthlichen Schimmer
-bestrahlte. Die Jagdhunde lagen in träger Behaglichkeit dicht neben
-dem Holzstoß, während drei oder vier dunkelfarbige kleine Wilde mit
-einander spielten oder ihrer Erzürnung über die beständigen Neckereien
-und Affenstreiche des bucklichen _Maquin_, mit welchem ich Sie bereits
-bekannt gemacht habe, durch lautes Schreien Luft machten; denn dieser
-indianische Spiegelberg schien sein größtes Vergnügen im Necken und
-Quälen der kleinen Papousen zu finden, wobei er von Zeit zu Zeit voll
-schadenfroher Laune nach den Gästen schielte, und gleich darauf wieder,
-wenn er die Blicke seines Vaters oder der Squaws auf sich gerichtet
-glaubte, die ernsteste Miene von der Welt annahm.
-
-Ein leichtes Geräusch unter den Anwesenden bezeichnete unsre Ankunft,
-als wir eins nach dem andern durch die Thür in die Hütte traten. Unsre
-Freunde empfingen uns mit fröhlichem Lachen, welches mehr als einer der
-männlichen Indianer nachhallte, während die Squaws ein eigenthümliches
-Kichern vernehmen ließen.
-
-_Chippewa_ (S--,) erhielt einen Ehrenplatz neben dem _Jäger_ Peter; und
-Squaw _Peter_ (_Peter's_ Frau) räumte mir mit großer Zuvorkommenheit
-und freundlichem Gesicht einen Platz auf ihrem Betttuch ein, zu welchem
-Behuf zwei Papousen und ein Jagdhund schreiend und wehkagend in die
-Nachbarschaft ihres Quälgeistes _Maquin_ verwiesen wurden.
-
-Die reizendsten Personen in dem Wigwam waren zwei Indianer-Mädchen,
-eine von ungefähr achtzehn Jahren, -- _Johanna_, des Jägers älteste
-Tochter, und ihre Cousine _Margaret_. Die Schönheit der erstern
-überraschte mich nicht wenig, ihre Züge waren im buchstäblichen Sinne
-des Worts fein, und trotz ihrer Zigeuner-Schwärze fand ich doch das
-Purpurroth ihrer Wangen und Lippen, wo nicht schön, -- wenigstens
-angenehm und sehr anziehend. Ihr Haar war pechschwarz, weich und
-glänzend, und dabei sauber über die Stirn gefaltet und nicht in
-zottigen Massen unordentlich und wild herabhängend, wie gewöhnlich bei
-den Squaws. _Johanna_ war sich ihrer überlegnen Reize augenscheinlich
-bewußt, sie konnte als eine indianische Schönheit gelten, auch legte
-sie ihre Eitelkeit durch die vorzügliche Sorgfalt an den Tag, womit sie
-ihren schwarzen Tuch-Mantel angeordnet hatte, er war oben mit einem
-zierlich über die eine Schulter geschlagnen scharlachnen Stück Zeuge
-besetzt und auf der linken Seite durch ein vergoldetes Schlößchen
-befestigt. _Margaret_ war jünger und kleiner von Statur, und wiewohl
-man sie lebhaft und recht hübsch nennen konnte, so fehlte ihr doch die
-ruhige Würde ihrer Cousine, sie hatte in Gesicht und Figur mehr von
-der Squaw. Die beiden Mädchen nahmen eine Bettdecke für sich ein und
-waren mit Verfertigung einiger höchst eleganten Futterale aus Rehleder
-beschäftigt, die sie mit gefärbten Perlen und Spuhlen überzogen; Perlen
-und Spuhlen lagen in einer kleinen zinnernen Torten-Pfanne auf ihren
-Knien; meine alte Squaw dagegen hielt ihre Stachelschwein-Spuhlen im
-Munde und die feinen getrockneten Sehnen, ebenfalls von Rehen, deren
-sie sich anstatt Zwirns zu dieser Art Arbeit bediente, hatte sie im
-Busen.
-
-Als ich den Wunsch äußerte, einige von den Stachelschwein-Spuhlen zu
-besitzen, gab sie mir einige von verschiedner Farbe, womit sie ein paar
-Mocassins durchwirkte, bemerkte aber dabei, daß es ihr an _Perlen zu
-den Mocassin's_ fehle, und ich verstand recht wohl, daß sie dergleichen
-für die Spuhlen von mir zu erhalten wünsche. Indianer verschenken nie
-etwas, seitdem sie mit den Weißen zu verkehren gelernt haben.
-
-Meine Lobsprüche, die ich _Johanna's_ Schönheit zollte, entzückten die
-gute Matrone. Sie erzählte mir, daß das hübsche Mädchen bald mit einem
-jungen Indianer verheirathet werden würde, der an ihrer Seite saß, in
-allem Stolze, welchen ein neuer Mantel, eine rothe Schärpe, gestickte
-Pulver-Tasche und ein großes vergoldetes Schloß an dem Kragen seines
-Mantels, der so warm und so weiß erschien, wie ein frischgewaschnes
-Schaffell, verleihen konnten. Die alte Squaw that sich auf das junge
-Pärchen offenbar nicht wenig zu Gute; sie blickte oft danach und
-wiederholte fast stets die Worte: »_Johanna's Gatte_ -- _mit der Zeit
-heirathen_. --«
-
-Wir hatten den Indianern oft mit Vergnügen gelauscht, wenn sie Sonntags
-Abends ihre frommen Lieder sangen; daher ich sie jetzt bat, uns einige
-zum Besten zu geben; der alte Jäger nickte mir seine Einwilligung zu
-und erließ mit dem Ernst und Phlegma eines Holländers, ohne seine
-Pfeife aus dem Munde zu nehmen, seine Befehle, welchen von den jüngern
-Gliedern der Gesellschaft augenblicklich Folge geleistet wurde, und
-bald füllte ein Chor reicher wohltönender Stimmen die kleine Hütte mit
-einer Melodie, welche uns bis ins Herz drang.
-
-Das Lied ertönte in der Sprache der Indianer, welche vorzüglich
-wohlklingend und weich in ihren Cadencen ist und sehr vocalreich zu
-sein scheint. Ich konnte der bescheidnen Miene der Mädchen meinen
-Beifall nicht versagen; sie schienen gleichsam ängstlich, Beobachtung
-zu vermeiden, die sie, wie sie recht gut empfanden, durch ihre
-lieblichen Stimmen auf sich ziehen mußten, sie suchten ihr Gesicht den
-Blicken der Fremden zu entziehen, indem sie einander ansahen und den
-Kopf auf ihre Arbeit niedersenkten, die sie noch immer in den Händen
-hielten. Ihre Haltung, welche die der orientalischen Nationen ist; ihre
-Kleidung, ihr schwarzes Haar, ihre dunkeln Augen, ihr olivenfarbner
-Teint, das erhöhte Roth ihrer Wangen und der bescheidne Ausdruck
-ihres Gesichts würden ein Studium für den Maler gebildet haben. Ich
-wünschte, Sie hätten der Scene beiwohnen können; Sie würden dieselbe
-nicht leicht vergessen haben. Sehr gefiel mir auch die tiefe Ehrfurcht
-in den Gesichtszügen der ältern Glieder der Indianer-Familie, während
-sie ihren Kindern lauschten, welche ihre Stimmen zur Verherrlichung
-Gottes und des Erlösers, die sie zu fürchten und lieben gelernt hatten,
-ertönen ließen.
-
-Die Indianer scheinen sehr zärtliche Eltern zu sein; es ist erfreulich,
-die liebevolle Weise zu sehen, wie sie die kleinen Kinder behandeln,
-ihre Blicke strömen, wenn sie dieselben liebkosen, von Zärtlichkeit
-und Freude. Während des Gesanges kroch jede Papouse zu den Füßen ihrer
-Aeltern, und diejenigen, welche noch zu jung waren, um ihre Stimmen
-mit dem kleinen Chor vereinigen zu können, verharrten von Anfang bis
-zu Ende in der tiefsten Stille. Ein kleines Mädchen, eine dicke braune
-Trutschel von drei Jahren, schlug den Tact auf ihres Vaters Knien, und
-mengte von Zeit zu Zeit ihre kindliche Stimme ein; jedenfalls besaß sie
-ein gutes Ohr und natürliche Anlage zur Musik.
-
-Ich konnte nicht begreifen, wo die Indianer ihre Vorräthe, Kleider und
-andre bewegliche Artikel aufbewahrten, da der Wigwam so klein war,
-daß außer für ihre Person und ihre Hunde, kein Platz vorhanden zu
-sein schien. Ihr Erfindungsgeist hatte ihnen indeß für den Mangel an
-Raum Ersatz geleistet, und ich entdeckte bald eine Einrichtung, die
-dem Zweck von Verschlüssen, Säcken, Schachteln u. s. w. vollkommen
-entsprach, nämlich die innern Birkenrinden-Schichten waren so zwischen
-die Stangen, (welche das Gerippe der Hütte bedeckten) gezogen, daß
-sie rings herum Taschen bildeten; in diesen Taschen staken die
-Habe und Nahrungs-Vorräthe der Bewohner: eine Abtheilung enthielt
-gedörrtes Rehfleisch, eine andre gedörrte Fische, eine dritte
-einige flache Kuchen, welche sie, wie mir gesagt worden ist, auf
-eine ihnen eigenthümliche Weise mittelst heißer Asche, darüber und
-darunter, backen, die aber eben deshalb meines Bedünkens dem Gaumen
-nicht sonderlich zusagen können; ihre Kleider, das Material zu ihren
-verschiednerlei Arbeiten, als Perlen, Spuhlen, Tuchfleckchen, Seide und
-tausend andre Kleinigkeiten nahmen die übrigen derartigen Behälter ein.
-
-Trotz der ziemlich weiten Oeffnung nach oben war das Innere des
-Wigwams doch so heiß, daß ich kaum athmen konnte, und während meines
-Aufenthalts darin alle Tücher ablegen mußte. Ehe wir unsern Heimweg
-antraten, bestand der Jäger darauf, uns ein Spiel zu zeigen, welches
-einige Aehnlichkeit mit unserm Bilboket (^cup and ball^) hat, aber
-complicirter ist, und mehr Behändigkeit erfordert; den Indianern
-machte unser Mangel an Geschicklichkeit offenbar nicht wenig Spaß.
-Außerdem zeigten sie uns ein andres Spiel, (^nine-pins^) dem Kegelspiel
-einigermaßen verwandt, nur daß die Anzahl der in die Erde befestigten
-Stöcke größer war. Ich konnte unmöglich länger bleiben, um die kleine
-Reihe Stöcke umwerfen zu sehen, da die Hitze des Wigwams mich fast
-erstickte, und fühlte mich ordentlich glücklich, als ich wieder frische
-Luft einathmen konnte.
-
-In einem andern Klima würde man sich schwerlich einem so plötzlichen
-und auffallenden Temperatur-Wechsel ohne eine starke Erkältung
-aussetzen können, allein glücklicher Weise ist jenes fatale Uebel,
-^catchée le cold^ (Schnupfen), wie es die Franzosen nennen, in Canada
-nicht so vorherrschend als in der Heimath.
-
-Vor etwa zwanzig Jahren, als sich die brittischen Ansiedler, in
-Folge der Erinnerung an die während des Freiheitskrieges ausgeübten
-Grausamkeiten, eines Gefühls von Furcht vor den Indianern noch
-nicht ganz erwehren konnten, wurde eine arme Frau, die Wittwe eines
-Emigranten, welche auf einer Meierei in einem der dünn bevölkerten
-Gemeinde-Bezirke, jenseits des Ontario, wohnte, durch das plötzliche
-Erscheinen eines Indianers im Innern ihrer Blockhütte erschreckt. Er
-hatte sich so still hineingeschlichen, daß er nicht eher bemerkt wurde,
-als bis er sich vor das prasselnde Feuer, der überraschten Wittwe und
-ihren Kleinen gerade gegenüber, gestellt hatte; natürlicher Weise
-zitterten die armen Kinder und zogen sich mit schlecht verheelter
-Furcht in den äußersten Winkel der Stube zurück.
-
-Ohne auf die Störung, welche sein Erscheinen verursachte, Rücksicht zu
-nehmen, fing der Indianer an, sich seiner Jagdkleider zu entledigen;
-hierauf band er seine nassen Mocassins los, die er zum Trocknen am
-Feuer aufhing, und gab deutlich seine Absicht zu verstehen, daß er
-unter dem Dache der Wittwe übernachten wolle, indem es schon ziemlich
-dunkel sei, und der Schnee in schweren Schauern vom Himmel falle.
-
-Kaum wagend, einen hörbaren Athemzug zu thun, bewachte die kleine
-Gruppe mit ängstlichen Blicken die Bewegungen ihres unwillkommnen
-Gastes. Denken Sie sich ihren Schreck, als sie ihn aus seinem Gürtel
-ein Jagdmesser hervorziehen und mit bedächtiger Miene dessen Schneide
-prüfen sahen. Nach diesem unterwarf er seine lange Flinte und sein
-Tomahawk einer ähnlichen Untersuchung.
-
-Die Verzweiflung der von Furcht und Schrecken betäubten Mutter hatte
-jetzt ihre höchste Stufe erreicht. Sie sah schon in Gedanken die
-grauenvoll verstümmelten Leichname ihrer ermordeten Kinder an jenem
-Heerde, welcher so oft der Tummelplatz bei ihren unschuldigen Spielen
-gewesen war. Instinktmäßig faltete sie die zwei jüngsten bei einer
-vorwärts gerichteten Bewegung des Indianers an ihre Brust und wollte
-sich eben, als er mit den gefürchteten Waffen auf sie zuging, mit
-thränenden Augen zu seinen Füßen niederwerfen und um Barmherzigkeit
-für sich und ihre kleinen Lieblinge flehen. Wie groß aber war ihr
-Erstaunen und ihre Freude, als er mit sanfter friedfertiger Miene
-Flinte, Messer und Tomahawk neben ihr niederlegte und durch diese
-Handlung zeigte, daß er nichts Arges gegen sie im Schilde führe[43].
-
-Die Begnadigung eines zum Tode verurtheilten Verbrechers im Augenblick
-vor seiner Hinrichtung konnte nicht willkommner sein, als das
-friedfertige Benehmen des Indianers gegen die arme Wittwe. Voll
-Eifer, zu gleicher Zeit ihr Zutrauen und ihre Dankbarkeit zu äußern,
-beeilte sie sich, dem nicht länger gefürchteten Gaste ein Mahl zu
-seiner Erfrischung zu bereiten, und von dem ältesten ihrer Kinder
-unterstützt, breitete sie ein frisches Betttuch über ihr eignes Lager,
-welches sie freudig dem Fremdlinge abtrat. Ein ausdrucksvolles »_Hugh!
-hugh!_« war die Erwiederung auf diesen Beweis von Gastfreundschaft;
-als er aber Besitz von diesem, für ihn üppigen Lager nahm, gerieth er
-in sichtbare Verlegenheit. Es war offenbar, daß der Indianer niemals
-ein europäisches Bett gesehen und noch weniger in einem geschlafen
-hatte. Nach genauer Untersuchung der Kissen und Bettdecken, welche
-einige Minuten dauerte, sprang er mit freudigem Lachen auf das weiche
-Lager, rollte sich wie ein Hund zusammen und war bald in tiefen Schlaf
-versunken.
-
-In der Dämmerung des Morgens brach der Wilde wieder auf und nahm
-Abschied von der gastlichen Hütte. So oft er nachmals das Jagdrevier
-in der Nachbarschaft der Wittwe betrat, konnte diese mit Gewißheit auf
-einen Besuch von ihm rechnen. Die Kinder, welche sich nicht länger
-vor seinem geschwärzten Gesicht und seinen kriegerischen Waffen
-fürchteten, drängten sich dann um ihn her, setzten sich auf seine Knie,
-bewunderten seine mit Federn geschmückte Pulver-Tasche, und betasteten
-die schön gestickte Scheide, welche sein Jagdmesser enthielt, oder die
-sauber gewirkten Mocassins und Bein-Bekleidung, während er den kleinen
-Dingern den Kopf streichelte und seine Liebkosungen zwischen ihnen und
-seinen Jagdhunden theilte.
-
-So lautet die Geschichte, welche mir ein junger Missionär erzählte.
-Ich habe dieselbe mitgetheilt, weil sie mir als Charakterschilderung
-eines Häuptlings dieses merkwürdigen Völkerstammes nicht uninteressant
-schien. _Chiboya_ (so hieß der eben erwähnte Wilde) war einer der
-Chippewas vom Reis-See, deren Mehrzahl gegenwärtig zum Christenthum
-bekehrt ist und in der Gesittung und Ackerbaukunde beträchtliche
-Fortschritte macht. Jagd und Fischerei scheinen indeß ihre
-Lieblingsbeschäftigungen zu sein; diesen nachzuhängen, verlassen sie
-die bequemen Häuser der Indianer-Dörfer und kehren zu bestimmten Zeiten
-im Jahre nach ihren Jagdrevieren im Walde zurück. Irr' ich nicht, so
-ist man allgemein der Meinung, daß ihre Zahl abnimmt, und einige Stämme
-in Canada sind ziemlich, wo nicht ganz und gar, ausgetilgt[44]. Die
-Rasse verschwindet langsam von der Erde oder vermischt sich allmälig
-mit den Colonisten, und vielleicht dürften nach Verlauf einiger
-Jahrhunderte kaum noch ihre Namen bekannt sein, um von ihrer ehemaligen
-Existenz Zeugniß zu geben.
-
-Wenn Sie das nächste Mal ein Kistchen oder Päckchen senden, so fügen
-Sie doch gefälligst einige gute Gesangbücher bei, denn ein solches
-Geschenk ist den bekehrten Indianern besonders willkommen. Ich lege
-das religiöse Lied bei, welches sie uns an jenem Abend in dem Wigwam
-sangen; es ist die indianische Uebersetzung und von dem ältesten Sohn
-des Jägers _Peter_ geschrieben; er war sehr erfreut, als ich ihm sagte,
-daß ich es von ihm copirt zu erhalten wünschte, weil ich es über Meer
-in mein Vaterland zu senden gesonnen sei, um den Engländern zu zeigen,
-wie gut die Indianer schreiben können.
-
-Der Krüpel _Maquin_ hat mir ein Miniatur-Canoe von Birken-Rinde
-gemacht, welches ich ebenfalls als eine Merkwürdigkeit und ein kleines
-Andenken für Sie beifüge. Die rothen und schwarzen Kaninchen-Felle
-sind für _Hannchen_; die Feder-Fächer und Feder-Tapeten für _Sarah_.
-Sagen Sie letztrer, daß ich meiner nächsten Sendung einige Exemplare
-unsers schönen Roth-Vogels zum Ausstopfen für sie beifügen werde;
-es ist jedenfalls die virginische Nachtigall; er langt im Mai oder
-April an und verläßt uns spät im Sommer; er gleicht ganz genau einer
-ausgestopften virginischen Nachtigall, die ich in einer schönen
-Sammlung von amerikanischen Vögeln gesehen habe[45].
-
-Der blaue Vogel ist nicht weniger hübsch und lieblich, und wandert
-ziemlich zu derselben Zeit; sein Gefieder ist himmelblau; allein
-ich habe noch nie einen außer im Fluge gesehn, daher ich ihn nicht
-beschreiben kann[46].
-
-Die Kreuzschnäbel sind allerliebste Thierchen; Männchen und Weibchen
-sind in Farbe ganz verschieden von einander, ersteres zeigt ein
-angenehmes Gemisch von Scharlachroth und Orangengelb, welches, auf der
-Brust in Olivengrün und Braun verläuft; letzteres gleicht mehr unsrer
-Goldammer, nur daß seine Farben nicht so glänzend sind, und überdies
-ist es weit sanfter und sieht unschuldiger und harmloser aus; sie
-kommen im Winter eben so traulich und furchtlos, wie die Rothkehlchen
-in der Heimath, an unsre Fenster und Thüren.
-
-Bei Annäherung der strengen Jahreszeit ziehen die meisten unsrer
-Vögel fort; selbst das hohltönende Gehämmer des rothköpfigen und des
-kleinen grau und weißgefleckten Baumhackers wird nicht mehr vernommen.
-Das scharfe Geschrei des Eichhörnchens ertönt seltner; und Stille,
-unheimliche und ununterbrochne Stille herrschen im Herzen des Winters.
-
-Beinahe hätte ich meine kleinen Lieblinge vergessen, eine Meisen-Art,
-die uns nie ganz verläßt. An hellen warmen sonnigen Tagen sehen wir
-ganze Flüge dieser zarten Vögel sich auf den gefiederten Zweigen der
-Schierlings-Tannen oder strauchigen Fichten auf den Ebnen oder im
-Walde schaukeln; und oft bin ich auf meinem Wege stehen geblieben, um
-ihren muntern Scherzen zuzuschauen und ihrem fröhlichen Gezwitscher zu
-lauschen. Ich bin nicht ganz gewiß, glaube aber, daß dies der nämliche
-kleine Vogel ist, welchen die Eingebornen _Thit-a-be-bee_ nennen; sein
-Gesang, obwohl schwach, und ziemlich einförmig, ist nicht unangenehm;
-und wir schätzen ihn um so mehr, da er fast der einzige Vogel ist, der
-während des Winters singt.
-
- [Illustration: _Der rothe Sommer-Vogel._]
-
- [Illustration: _Der blaue Vogel._]
-
-Ich hatte viel von der Schnee-Ammer gehört, aber niemals eine gesehen,
-außer vor Kurzem, und dann nicht nahe genug, um ihre Form und Farbe
-genau zu unterscheiden. Es war ein ungewöhnlich heitrer Tag, der Himmel
-wolkenlos, und die Luft fast warm, als mich bei einem Blick nach den
-See die Erscheinung einer Fichte hart am Ufer überraschte; der Baum
-schien gleichsam mit silbernen Sternen bedeckt, die gegen den blauen
-Himmel glänzten. Dieses mir neue Schauspiel erfüllte mich mit so großer
-Freude, daß ich hinaus lief, um die Sache näher ins Auge zu fassen;
-aber wer schildert mein Erstaunen! als meine Sterne sämtlich nach einem
-andern Baume flogen, wo sie durch das beständige Flattern und Wedeln
-ihrer kleinen weißen Fittige gegen das Sonnenlicht jene schöne Wirkung
-hervorbrachten, die zuerst meine Aufmerksamkeit erregt hatte; bald
-waren sämmtliche Fichten von diesen lieblichen Geschöpfen gleichsam
-erleuchtet. Gegen Mittag zogen sie wieder fort und ich habe sie seitdem
-nur ein einziges Mal gesehn. Sie setzen sich nie auf die Erde oder
-einen niedrigen Baum oder Ast, daher ich sie nicht näher beobachten
-konnte.
-
-Von unsern Singvögeln sind das Rothkehlchen, die Amsel und ein
-kleines niedliches Vögelchen, das unserm gemeinen Zaunkönig gleicht,
-diejenigen, womit ich am bekanntesten bin. Das canadische Rothkehlchen
-ist um Vieles größer als unser heimathliches Rothkehlchen, es ist
-ein zu grober und großer Vogel, um unserm kleinen Liebling, »dem
-Hausvogel mit dem rothen Brustlatz,« wie ihn Bischof _Carey_ in einem
-an _Elisabeth_, Tochter _Jakob's ^I.^_, bei ihrer Hochzeit mit dem
-unglücklichen Pfalzgrafen _Friedrich_, gerichteten Sonnet nennt, zu
-gleichen.
-
-Der Gesang des canadischen Rothkehlchens ist keineswegs zu verachten;
-seine Töne sind klar, angenehm und mannigfaltig; er besitzt denselben
-muntern lebhaften Charakter, wodurch sich der seines Namensverwandten
-auszeichnet; aber in ihren allgemeinen Gewohnheiten weichen beide Vögel
-sehr von einander ab. Das canadische Rothkehlchen zeigt sich weniger
-zutraulich gegen den Menschen, dagegen ist es mit seines Gleichen
-befreundeter; die Thierchen versammeln sich bald nach der Brüte-Zeit
-in ganzen Heerden und scheinen sehr gesellig und vertraulich unter
-einander; aber sie nähern sich selten oder niemals unsern Wohnungen.
-Die Brust des Vogels ist hellroth, der Kopf schwarz; der Rücken, so zu
-sagen, stahlblau oder schieferfarben; in Größe gleicht er einer Drossel.
-
-Die Amsel ist vielleicht unser bester Sänger, wenigstens meinem
-Geschmack nach; ihr Gesang giebt dem unsrer englischen Amsel nichts
-nach, dabei ist der Vogel selbst weit schöner von Gefieder, welches
-glänzend, schillernd und grünlich schwarz ist. Der obere Flügeltheil
-der ausgewachsenen männlichen Amsel ist lebhaft orangefarben; bei den
-jüngern Vögeln und beim Weibchen, welches leicht gefleckt ist, bemerkt
-man nichts davon.
-
-Gegen die Mitte des Sommers, wenn die Saaten zu reifen anfangen,
-versammeln sich diese Vögel in großen Heerden; ihre Plünderungen und
-Raubzüge scheinen von den ältesten Gliedern der Familie geleitet
-und beaufsichtigt zu werden. Wollen sie sich auf ein Hafer- oder
-Weizen-Feld niederlassen, so stellen sie zwei oder drei Schildwachen
-aus, die bei Annäherung von Gefahr _Dseck-dseck-dseck_ schreien. Diese
-Vorsicht scheint indeß überflüssig und unnöthig zu sein, denn sie sind
-so verwegen, daß sie sich nicht leicht verscheuchen lassen, und
-fliegen sie ja auf, so geschieht es blos, um in geringer Entfernung
-wieder in dasselbe Feld einzufallen, oder sie begeben sich auf die
-Bäume, wo ihre Vorposten Wache halten.
-
- [Illustration: _Schnee-Ammern._]
-
-Sie lassen zu Zeiten einen eigenthümlichen kläglich tönenden Lockruf
-vernehmen, der genau dem plötzlichen Erklingen einer Harfen-Saite
-gleicht und eine oder zwei Secunden lang an das Ohr schlägt.
-Wahrscheinlich machen sie davon Gebrauch, ihre zerstreuten Kameraden
-herbei zu rufen, da ich ihn nie vernommen habe, wenn sie alle beisammen
-waren. Bisweilen saßen einige unweit unsrer Wohnung auf einem Baume
-am Rande des Sees und ließen mich ihren Lockruf vernehmen; ich habe
-sie _Harfner_ (^harpers^) getauft. Ich werde Sie wohl mit meinen
-ornithologischen Skitzen ermüden, indeß muß ich noch zwei oder drei
-Vögel anführen.
-
-Der weißköpfige Adler[47] fliegt oft über unsre Ansiedlung, er hat
-dunkles Gefieder, der Leib und Kopf ist schneeweiß. Den Hühnerhöfen
-fügt er bisweilen Schaden zu; diejenigen, welche uns zu Gesicht kamen,
-verschmähten indeß dergleichen geringes Wildbret und schwebten in
-majestätischem Fluge über den See weg.
-
-Der Fisch-Falke streift gelegentlich über die vor unsern Blicken
-ausgebreitete Wasserfläche; Leute, welche dem weiter oben geschilderten
-Fischfang mit dem Speer nachhängen, betrachten ihn als einen Feind.
-
-Außerdem haben wir die Nacht- oder Musquito-Eule, welche auf die in den
-hohen Regionen schwärmenden Insekten Jagd macht, während sie näher an
-der Erde von ganzen Schaaren großer Stechfliegen verfolgt wird; trotz
-ihrem Beistande setzt uns doch das abscheuliche Ungeziefer, ich meine
-die Musquitos und schwarzen Fliegen, unbarmherzig zu.
-
-Der rothköpfige Specht[49] zeichnet sich durch sein prächtiges
-Gefieder aus, Kopf und Hals sind reich carmesinfarben; Rücken, Flügel
-und Brust theilen sich in Schneeweiß und Pechschwarz. Das unaufhörliche
-Hämmern der Baumhacker und das gellende unharmonische Geschrei des
-blauen Hehers[50] ertönen, sobald völliger Frühling eingetreten ist,
-von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.
-
-Ich fand in letztem Frühjahr eine kleine Baumhacker-Familie recht
-behaglich in einer alten Fichte eingenistet, und zwar zwischen der
-Rinde und dem Stamme, wo erstere sich losgetrennt und einen hohlen Raum
-gelassen hatte, in welchem die alten Vögel ein weiches aber loses und
-keine große Sorgfalt verrathendes Nest gebaut hatten; die niedlichen
-Geschöpfe schienen recht glücklich, sie steckten gelegentlich ihre
-possirlichen kahlen Köpfchen hervor, um die Aeltern zu begrüßen, welche
-die alten Bäume in der Nachbarschaft entrindeten und Futter für ihre
-kleine Familie sammelten, sie betrieben ihr Werk mit demselben Eifer,
-wie eben so viele fleißige Zimmerleute.
-
-Ein höchst seltsames Nest erhielt ich von einem unsrer Holzfäller;
-es war über eine Zweig-Gabel gebaut und schien gleichsam mit grauem
-Zwirn oder dünnem Bindfaden an den Ast genäht zu sein. Es war blos auf
-den beiden Seiten, welche den Winkel bildeten, gesichert, aber so gut
-befestigt, daß es jedem mäßigen Gewicht oder Druck Widerstand geleistet
-haben dürfte; es bestand aus den Fasern der Bastbaum-Rinde, die sehr
-fadig ist und sich sehr dünn ausziehen läßt; mit einem Wort, es war
-ein seltsames Beispiel von dem Mutterwitz der kleinen Baukünstler.
-Ich konnte letztere nicht entdecken, allein wahrscheinlich mochte
-es ein Werk meines kleinen Lieblings, der oben erwähnten, bei uns
-überwinternden Meise (^tit-mouse^) sein.
-
-_Die nächste Abbildung stellt den Baltimore Feuervogel dar, der sein
-Nest gegen die Angriffe der schwarzen Schlange vertheidigt[50]._
-
- [Illustration: _Der Baltimore-Feuervogel._]
-
-Das Nest des canadischen Rothkehlchens, welches ich zufällig
-entdeckte, als ich nach einem Hühner-Neste in einem Reisig-Haufen, am
-fernsten Ende unsrer Ansiedlung, suchte, ist dem unsers heimathlichen
-Rothkehlchens sehr ähnlich, jedoch größer, da der Vogel selbst größer
-ist, und auch in den Materialien etwas verschieden; die Eier, fünf an
-Zahl, waren dunkelblau.
-
-Bevor ich meinen ornithologischen Bericht schließe, muß ich nochmals
-der kleinen Häuser erwähnen, welche die Amerikaner für die Schwalbe
-bauen; ich habe seitdem gefunden, daß sie hierzu einen sehr trifftigen
-Grund haben. Es scheint zwischen diesem nützlichen Vogel und dem
-Stößer-Geschlecht die eingewurzeltste Antipathie zu bestehen, und kein
-Habicht mag in seiner Nachbarschaft bleiben; die Schwalben verfolgen
-diesen Räuber meilenweit, und necken und quälen ihn dabei auf jede nur
-mögliche Weise, wie einen bösen Genius; es ist höchst merkwürdig, daß
-ein kleines Geschöpf, wie die Schwalbe, einen so vielen Vogel-Arten
-furchtbaren Feind dergestalt vertreibt. Ich würde nicht recht daran
-geglaubt haben, hätte ich mich nicht selbst von der Wahrheit der Sache
-überzeugt.
-
-Ich sah an einem schönen heitern Sommertage aus dem Fenster einen
-großen Raubvogel langsamen Fluges längs dem See hinstreichen; der
-arme Kerl stieß schreiende Klaglaute aus; etwa zwei Schritt von ihm
-bemerkte ich einen kleinen Vogel, -- in der Entfernung erschien er
-mir sehr klein, -- der ihn hart verfolgte und ebenfalls schrie. Ich
-sah dem seltsamen Paare nach, bis es hinter dem Fichten-Walde meinen
-Augen entschwand; so oft ich mich an diese merkwürdige Erscheinung
-erinnerte, wurde meine Verwunderung von neuem rege; endlich erfuhr ich
-den Grund von einem sehr gebildeten Franzosen, welcher durch Canada
-reiste, die Sache erklärte und zugleich bemerkte, daß diese kleinen
-Vögel sehr geschätzt seien, und daß man sehr viel dafür bezahle, um sie
-in die verschiednen Theile der Provinz zu versenden. Sie verlassen,
-sobald sie einmal einheimisch geworden, niemals ihre alten Reviere, und
-die nämlichen Pärchen kehren Jahr für Jahr nach ihrer alten Wohnung
-zurück.
-
-Der Umstand, daß diese Schwalben den Stößer aus ihrem Reviere
-vertreiben, verdient alle Aufmerksamkeit, da er hinlänglich verbürgt
-ist, und als ein neuer Beweis für den von Naturkundigen gerühmten
-vorzüglichen Instinkt derselben gelten kann.
-
-Ich habe indeß so viele Seiten vollgeschrieben, daß ich fürchten muß,
-mein langer Brief werde Sie langweilen. Adieu.
-
-Fußnoten:
-
-[40] Oculisten verwerfen gefärbte Brillen-Gläser, schwachen Augen
-wegen der Hitze, welche sie erzeugen, als nachtheilig. Grün oder blau
-gefärbte Gläser sind hier vorzuziehen.
-
-[41] Anspielung auf ein Abentheuer im ^Vicar of Wakefield^.
-
-[42] Anspielung auf _Sindbad's_ Reisen in Tausend und einer Nacht.
-
-[43] Es ist gegenwärtig fast unabänderlich Sitte unter den Indianern,
-daß sie bei dem Eintritt in ein Wohnhaus alle ihre Waffen, als Flinte,
-Tomahawk u. s. w. vor der Thür niederlegen, selbst wenn das Wetter noch
-so naß ist; denn sie halten es für unhöflich, eine befreundete Wohnung
-bewaffnet zu betreten.
-
-[44] Bekanntlich hat die Nord-West Compagnie eine Schätzung sämmtlicher
-Stämme vorgenommen, woraus sich ergeben, daß die ganze indianische
-Bevölkerung jenes unermeßlichen Continents sich gegenwärtig nicht über
-hunderttausend Seelen beläuft. In einer Parlaments-Urkunde von 1834
-ist die Gesammtzahl der Indianer von Unter-Canada auf 3437 und die von
-Ober-Canada auf 13,700 Köpfe bestimmt; die letztere soll die Indianer
-am Huronen-See und nach Westen zu in sich begreifen. --
-
-[45] Der rothe Sommervogel (^_Tanagra aestiva, Wilson_^) baut in den
-Wäldern auf die horizontalen Aeste noch nicht ausgewachsener Bäume,
-z. B. eines Epheubaums, zehn oder zwölf Fuß von der Erde entfernt,
-die Außenseite seines Nestes versieht er mit einem Geflecht von
-Pflanzenstengeln und dürrem Flachs und kleidet es inwendig mit feinem
-Grase aus.
-
-[46] Der _blaue Vogel_ (^_Sialia Wilsonii, Swains._^), wovon bereits in
-einer früheren Anmerkung die Rede gewesen, erscheint bisweilen schon
-im Februar in Scheunen, Obstgärten und Einpfählungen, und erinnert uns
-sowohl durch seine Gestalt als durch seine Gewohnheiten und Lebensweise
-an unser Rothkehlchen (^_Sylvia rubecula_^).
-
-»In der That hat der amerikanische Vogel ebenfalls eine rothe Brust,
-allein der ganze obre Theil des Körpers ist von schöner blauer Farbe
-und verleiht dem Vogel ein prachtvolleres Costüm, als das schlichte
-Olivenbraun unserm kleinen Liebling. Bei ihrer ersten Ankunft im
-Frühjahr statten die blauen Vögel dem Kasten im Garten oder in der
-Höhle eines alten Aepfelbaums, der Wiege einiger Generationen ihrer
-Vorgänger, eine frühzeitige Visite ab, und machen damit den Anfang, daß
-sie das alte Nest reinigen, und den Unrath und das Gerüll vom vorigen
-Jahre ausräumen, worauf sie es zur Aufnahme ihrer künftigen Abkömmlinge
-vorbereiten.«
-
-[47] Der weißköpfige Adler (^_Haliaetus leucocephalus_^) kommt, nach
-_Hutchins_, im May, in der Gegend der Hudson's bay an, er baut auf die
-höchsten Bäume und bereitet ein ziemlich großes Nest, aus Stücken Gras,
-Torf, Schutt und ähnlichem Gerülle, er wählt zu diesem Behuf einen sehr
-hohen Baum, in der Regel eine Fichte oder Cypresse, und macht eine
-lange Periode hindurch Jahr für Jahr von demselben Neste Gebrauch. Die
-Adler, welche _Abbot_ beobachtet hat, bauten ein großes compactes Nest,
-bisweilen auf hohe Cypressen-Bäume und andere Male wiederum auf Felsen.
-Die beste Beschreibung aber, die uns zu Gesicht gekommen ist, haben
-_Wilson_ und _Ord_ in der ^American Ornithology^ geliefert.
-
-»Im Monat May,« sagt _Wilson_, »als ich auf einer Jagdparthie an der
-Seeküste, nicht weit von Great Egg-Harbour, in Begleitung meines
-Freundes _Ord_ hinstrich, wurden wir von unserm Wegweiser ungefähr eine
-englische Meile tief in die Wälder geführt, um ein Seeadlernest zu
-sehen. Als wir uns dem Orte bis auf eine kleine Entfernung genähert,
-sahen wir den Vogel, sich langsam vom Neste zurückziehen, welches
-mitten auf dem Gipfel einer sehr großen gelben Fichte (^yellow
-pine^) erbaut war. Das Holz war mehre Ruthen im Umkreise gefällt
-und weggeschafft worden, ein Umstand, der dem stattlichen, geraden
-Stamme, so wie den großen, gekrümmten Aesten des Baumes, worauf eine
-schwarze Masse von Stöcken und Reisholz ruhte, einen eigenthümlichen
-und malerischen Anblick verlieh. Unser Führer hatte eine Axt mit
-sich genommen, um den Baum zu fällen; mein Begleiter aber, ängstlich
-bemüht, die Eier oder Jungen zu erhalten, bestand darauf, den Baum zu
-ersteigen, was er auch furchtlos ausführte, während ich und der Führer
-unsern Stand unter dem Baume nahmen, bereit, den kühnen Kletterer,
-im Fall eines Angriffs von den alten Adlern, zu vertheidigen. Indeß
-wurde kein Widerstand geleistet; leider aber fand _Ord_ das Nest,
-als er es erreicht, zu unserm größten Mißvergnügen, leer. Es war aus
-großen Stöcken, deren mehre einige Fuß maßen, erbaut; inwendig lagen
-Erdschollen, Riethgras, Rasen, dürres Schilf u. s. w., sämmtliche
-Materialien waren zu einer Höhe von fünf bis sechs Fuß angehäuft und
-nahmen über vier Fuß in der Breite ein; das Ganze war mit frischen
-Fichtenwipfeln überkleidet und hatte nur eine geringe oder vielmehr
-gar keine Aushöhlung. Unter der Ueberkleidung lagen die frisch
-abgestreiften Hüllen (Mauser) der jungen Brut des laufenden Jahres,
-nehmlich Schuppen von den Spulen, Federn, Flaum u. s. w. Unser Führer
-war spät im Februar an dieser Stelle vorbeigekommen, zu welcher Zeit
-sowohl Männchen als Weibchen ein großes Geräusch um das Nest machten;
-und aus dem, was wir später erfuhren, ist es höchst wahrscheinlich, daß
-es bereits in dieser frühen Jahreszeit Junge enthielt.
-
-»Im folgenden Jahre, am ersten März,« erzählt _Ord_, »nahm einer meiner
-Freunde aus dem nehmlichen Neste drei Eier, wovon die größten drei
-und ein viertel Zoll lang waren, im Durchmesser zwei und ein viertel,
-und im Umfange gegen sieben Zoll maßen; sie wogen vier Unzen, fünf
-Drachmen, (Apothekergewicht); sie waren schmuzig gelblich weiß, und
-nur eins hatte eine sehr blaßbläulich weiße Farbe; die Jungen waren
-vollkommen ausgebildet. Die ängstliche Sorgfalt des Weibchens, die Eier
-zu erhalten, war so groß, daß es das Nest nicht eher verließ, als bis
-mehre Axtschläge gegen den Baum geführt worden waren.«
-
-»Einige englische Meilen von diesem Orte entfernt,« fährt _Wilson_
-fort, »befindet sich ein andres Adlernest, welches ebenfalls auf einer
-Fichte erbaut ist, die, nach eingezogner Erkundigung vom Eigenthümer
-der Holzung, dieser Adler-Familie seit langer Zeit zur Wohnung gedient
-hatte. Den Baum, worauf das Nest ursprünglich erbaut war, hatten diese
-Adler seit undenklichen Zeiten, oder wenigstens so lange als er sich
-erinnern konnte, inne gehabt. Einige von seinen Söhnen fällten die
-Fichte, um die Jungen zu erlangen, deren Zahl sich auf zwei belief,
-bald darauf begann der Adler auf den unmittelbar daneben stehenden
-Baum ein neues Nest zu bauen, wodurch er eine große Vorliebe für
-diesen Ort an den Tag legte. Der nehmliche Mann erzählte uns, daß die
-Adler zu jeder Jahreszeit hier ihre Ruhestätte und Wohnung haben.
-Ueberdies behauptete er, daß die grauen oder Seeadler, die Jungen der
-weißköpfigen Adler wären, und daß sie nicht eher zu brüten anfingen,
-als bis sie einige Jahre alt geworden wären. Der weißköpfige Adler
-treibt seine Jungen nicht aus dem Neste, wie der Osprei oder Fischaar
-(Flußadler, Moosweih), sondern fährt, nachdem sie es verlassen, noch
-lange fort, sie zu füttern.«
-
-Es hat den Anschein, als wenn diese Adler eine besondere Vorliebe
-für die Nähe von Wasserfällen hegten, da sie sich in großer Menge am
-Niagara-Falle aufhalten; und in _Lewis_ und _Clark's_ Reisebericht
-stoßen wir auf folgende Beschreibung eines solchen Adlernestes, welches
-die malerischen Effecte der großartigen Scenen an den Fällen des
-Missouri nicht wenig erhöht haben mag.
-
-»Gerade unter der obersten Spitze,« erzählen die Reisenden, »befindet
-sich mitten im Flusse ein kleines holzreiches Eiland. Hier hatte ein
-Adler auf einem Baume (^Gossypium arboreum^) sein Nest errichtet und
-schien der unangefochtene Inhaber des Orts zu sein, dem seinen Besitz
-streitig zu machen, weder Menschen noch Thiere über die das Eiland
-umgebenden Strudel zu setzen wagten, da dasselbe noch überdies durch
-den, von den Fällen emporsteigenden Wasser-Nebel geschützt ist.«?
-
-[48] Dieser Vogel fürchtet den Menschen so wenig, daß er nicht
-selten in die Bäume nistet, welche in den Städten Amerikas auf den
-Straßen wachsen. _Wilson_ fand mehre dieser Nester innerhalb der
-Grenzen der Stadt Philadelphia: zwei in dem Knopfholzbaum (^_Platanus
-occidentalis_^), und ein drittes in dem verwitterten Stamme einer
-Ulme. »Die alten Vögel,« sagt dieser Forscher, »machen, wie mich meine
-Beobachtung gelehrt hat, ihre Excursionen regelmäßig nach den über
-Schuylkill hinaus liegenden Wäldern, ungefähr eine englische Meile von
-der Stadt, und beobachten beim Besuchen ihrer Nester große Stille und
-Vorsicht; Maßregeln, welche von solchen, die tiefer in den Wäldern
-nisten, nicht so streng beobachtet werden, weil das Späherauge des
-Menschen daselbst weniger zu fürchten ist. Allein trotz der Sorgfalt,
-welche dieser Vogel, so wie die andern Arten der nehmlichen Gattung,
-anwendet, um seine Jungen durch die Auswahl einer sicheren Lage gegen
-die Nachstellungen von Verfolgern zu sichern, hat er es doch mit einem
-Todtfeinde zu thun, gegen dessen Räubereien ihm weder die Höhe des
-Baumes noch die Tiefe der Höhle die mindeste Sicherheit gewähren. Dies
-ist die schwarze Schlange (^_Coluber constrictor_^), welche sich häufig
-am Stamme des Baumes hinauf windet und, wie ein lauernder Wilder, in
-die Höhle des armen Spechtes dringt, trotz dem Geschrei und ängstlichen
-Flattern der Aeltern die Eier und hülflosen Jungen verschlingt und,
-wenn es der Raum gestattet, sich an der Stelle, die sie eben erst
-einnahmen, zusammenrollt und daselbst einige Tage hindurch verharrt.
-Der wilde Schulknabe, nachdem er seinen Hals gewagt, um die Höhle des
-Spechtes zu erreichen, fährt, wenn der Zeitpunkt des Triumphs, wo er
-das Nest für sichre Beute hält und seinen entblößten Arm in die Höhle
-steckt, beim Anblick der scheußlichen Schlange erschrocken zurück,
-und stürzt fast von seiner schwindelnden Höhe herab, indem er mit
-ängstlicher Hast am Baume heruntergleitet. Ich habe von verschiedenen
-Abentheuern dieser Art gehört; und ein Fall zog ernste Folgen nach
-sich: Knabe und Schlange stürzten nehmlich zugleich auf die Erde herab
-und ein Schenkelbruch und langes Hüten des Bettes heilten den Waghals
-von seinem ehrgeizigen Streben, Spechtnester zu plündern, vollkommen.«
-
-[49] »Dieser schöne Vogel,« sagt _Wilson_, »welcher, so viel ich
-darüber habe erfahren können, Nordamerika angehört, zeichnet sich durch
-sein prächtiges Kleid als eine Art von Elegant (^beau^) unter den
-befiederten Bewohnern unserer Wälder aus, und macht sich, gleich den
-meisten Gecken, sowohl durch seine Geschwätzigkeit als auch durch die
-Manier seiner Töne und Gebehrden noch bemerklicher. Der amerikanische
-Holzheher ist eilf Zoll lang, seinen Kopf ziert ein Kamm lichtblauer
-oder purpurfarbner Federn, welchen er nach Willkühr emporrichten
-oder senken kann; eine schmale schwarze Linie zieht sich längs der
-Stirnbinde hin, erhebt sich auf beiden Seiten über die Augen, geht
-aber nicht über sie hinweg, wie _Catesby_ dies dargestellt hat, oder
-wie es _Pennant_ und mehre Andre beschrieben haben; der hintere und
-obere Theil des Halses ist schön hell purpurfarben, doch herrscht
-das Blau vor; ein schwarzer Kragen reicht vom Hinterhaupte mit einer
-zierlichen Krümmung auf jeder Seite über den Hals herab bis an den
-oberen Theil der Brust, wo er einen Halbmond bildet; Kinn, Backen,
-Kehle und Bauch sind weiß, die drei ersteren lichtblau gefärbt; die
-größeren Flügel-Decken sind reich blau, die äußeren Fahnen der ersten
-Federn lichtblau, die der zweiten dunkel purpurfarben, mit Ausnahme
-der drei dem Körper zunächst befindlichen, welche glänzend lichtblau
-sind; alle diese, ausgenommen die ersten, sind prachtvoll mit schwarzen
-Halbmonden der Quere nach gestreift und weiß getüpfelt; die inneren
-Seiten der Flügelfedern sind dunkelschwarz; der Schwanz ist lang und
-keilförmig gestaltet und besteht aus zwölf glänzend lichtblauen, in
-halbzolligen Entfernungen mit schwarzen bogenartigen Querstreifen
-gezeichneten Federn; jede Feder ist weiß getüpfelt, mit Ausnahme der
-zwei mittelsten, welche nach den äußersten Enden zu in eine dunkle
-Purpurfarbe verlaufen; Brust und Seiten, unter den Flügeln, sind
-schmuzig weiß und mit Purpur gefleckt; die innre Seite des Mundes,
-Zunge, Schnabel, Beine und Krallen sind schwarz; die Regenbogenhaut des
-Auges ist nußbraun.
-
-»Ein blauer Holzheher,« fährt _Wilson_ fort, »den ich seit einiger
-Zeit gefangen gehalten, und mit dem ich in großer Vertraulichkeit
-lebe, ist ein wahres Muster von mildem Charakter und geselligen
-Sitten. Ein günstiger Zufall im Walde brachte mich zuerst in Besitz
-dieses Vogels, als er noch sein volles Gefieder hatte und noch voller
-Gesundheit und Muth war; ich nahm ihn mit mir nach Hause und steckte
-ihn in einen Käfig, den bereits ein goldgeflügelter Specht einnahm;
-hier wurde er aber so grob empfangen und erhielt von dem Inhaber des
-Käfigs dafür, daß er dessen Gebiet betreten, eine so harte Züchtigung,
-daß ich mich, um sein Leben zu erhalten, genöthigt sah, ihn wieder
-herauszunehmen. Ich setzte ihn hierauf in einen andern Käfig, dessen
-einziger Besitzer ein gemeiner weiblicher Bülan (^orchard oriole^) war.
-Dieser gebehrdete sich ebenfalls unruhig, als beleidige und gefährde
-ihn die Gegenwart des fremden Gastes; der Holzheher unterdeß saß stumm
-und bewegungslos auf dem Fußboden des Käfigs, entweder zweifelhaft
-über seine eigene Lage, oder in der Absicht, seiner Nachbarin Zeit
-zur Beschwichtigung ihrer Furcht zu gönnen. Und nach wenigen Minuten,
-nachdem sie verschiedene drohende Gebehrden entfaltet (gleich einigen
-Indianern bei ihren ersten Zukammenkünften mit den Weißen), begann
-sie, sich demselben zu nähern, jedoch mit großer Vorsicht, und zum
-schnellen Rückzug bereit. Da sie jedoch sah, daß der Holzheher anfing,
-auf eine friedfertige und demüthige Weise einige zerbröckelte Stückchen
-Kastanie aufzupicken, stieg sie ebenfalls herab und that das Nehmliche,
-drehete sich aber, bei der leichtesten Bewegung ihres neuen Gastes,
-diesem entgegen und setzte sich in Vertheidigungsstand. Jedoch ehe es
-Abend geworden, war alle diese ceremoniöse Eifersüchtelei verschwunden,
-und sie wohnen, fressen und spielen jetzt zusammen, in vollkommner
-Eintracht und guter Laune.
-
-»Wenn der Holzheher trinken will, springt seine Tischgenossin keck
-und dreist in das Wasser, um sich zu baden, und schleudert es in
-Schauern über ihren Gefährten, der sich dies ganz geduldig gefallen
-läßt, und nur dann und wann wagt, etwas davon zu schlürfen, ohne das
-geringste Zeichen von Unwillen oder Empfindlichkeit zu verrathen. Im
-Gegentheil scheint er sich über seine kleine Mitgefangene zu freuen,
-indem er ihr erlaubt, sich an seinen Backenbart zu hängen, (was sie
-sehr sanft macht) und seine Krallen von zufällig daran hängenden
-Kastanienbröckchen zu reinigen. Diese Anhänglichkeit von der einen,
-und diese freundliche Nachgiebigkeit von der andern Seite, dürften
-vielleicht zum Theil die Wirkung des wechselseitigen Mißgeschicks
-sein, welches, wie die Erfahrung lehrt, nicht blos Menschen an
-einander anschließt, sondern auch manche Thierarten enger mit einander
-verbindet. Auch zeigt dieses Beispiel, daß der blaue Holzheher ein
-leicht bezähmbares Naturell besitzt und fähig ist, Zuneigung und
-zärtliche Gefühle, selbst für solche Vögel zu hegen, die er im
-natürlichen Zustande ohne Bedenken zu seiner Speise wählen würde.«
-
-[50] Das Nest des Feuervogels ist von mehren Ornithologen geschildert
-worden. _Latham_, welcher von _Wilson's_ wundervoller Beschreibung
-wesentlich abweicht, sagt: »das Nest ist aus einer flaumartigen, zu
-Fäden gedrehten Substanz locker gebaut, und hat ziemlich die Gestalt
-einer Börse, welche an die äußerste Gabel eines Tulpenbaums, einer
-Platane oder eines Hiccory-Baums befestigt ist.« _Montbeillard_ ist
-noch kürzer in seinen Bemerkungen über diesen interessanten Bau. Wir
-wollen hier _Wilson's_ Beschreibung von Anfang bis zu Ende mittheilen.
-
-»Fast die ganze Gattung der Pirole (Bülaus),« sagt dieser Beobachter,
-»gehört Amerika an, und alle bauen, mit wenigen Ausnahmen, schwebende
-Nester. Nur wenige aber kommen in der Bauart dieser Wohnstätten für
-die Jungen dem Baltimore-Vogel gleich, welcher seinem Neste vor allen
-ihm verwandten Arten Bequemlichkeit, Wärme und Sicherheit zu geben
-weiß. Zu diesem Behufe wählt er die hohen, herabhängenden Zweigspitzen
-und befestigt starke, feste Fäden von Hanf oder Flachs um zwei der
-beabsichtigten Weite des Nestes entsprechende Gabelzweige; aus den
-nehmlichen Materialien, die mit lockerem Werge vermengt sind, webt
-oder fabricirt er eine starke, feste Art Filz, welcher gewissermaßen
-der Substanz eines noch rohen Hutes gleicht und den er zu einem
-sechs bis sieben Zoll tiefen Beutel gestaltet; inwendig füttert er
-das Nest reichlich mit verschiednen weichen und dem äußeren Netzwerk
-gehörig eingewobenen Substanzen, und kleidet es endlich mit einer
-Lage von Roßhaaren aus; das Ganze ist gegen Sonne und Regen durch ein
-natürliches Wetterdach oder einen Blätter-Baldachin geschützt. Was
-die Oeffnung anlangt, welche der Vogel, nach _Pennant_ und andern
-Schriftstellern, auf der Seite für die Jungen sowohl zur Fütterung
-als Entfernung der Excremente lassen soll, ist auf jeden Fall ein
-Irrthum. Ich meines Theils habe nie ein solches Loch in der Nestwand
-des Baltimore-Vogels gefunden. Wiewohl Vögel der nehmlichen Art im
-Allgemeinen eine gemeinschaftliche Form beim Bauen ihres Nestes
-beobachten, so bauen sie doch nicht, wie man gewöhnlich glaubt, auf
-dieselbe Weise. Die Baltimore-Vögel unterscheiden sich eben so sehr
-durch Styl, Sauberkeit und Ausführung ihrer Nester als durch ihre
-Stimme. Einige scheinen vor allen andern geschickte Arbeiter zu sein
-und wahrscheinlich nehmen sie an Kunstfertigkeit eben so wie an
-Farbenpracht mit den Jahren zu. Ich habe jetzt eine Anzahl ihrer Nester
-vor mir, sämmtlich vollendet und mit Eiern angefüllt. Eins derselben,
-das sauberste und netteste, hat die Gestalt eines Cylinders, ist fünf
-Zoll weit, sieben Zoll tief und am Boden rund. Die oben befindliche
-Oeffnung ist durch einen horizontalen, ungefähr drittehalb Zoll breiten
-Deckel beschränkt. Die Materialien sind Flachs, Hanf, Werg, Haare und
-Wolle, welche sämmtlich zu einer vollkommnen Art Tuch verwebt sind,
-das Ganze ist überall sauber mit langen, mitunter zwei Fuß messenden
-Roßhaaren durchnäht. Der Boden besteht aus dicken Kuhhaar-Flocken
-und ist ebenfalls mit Roßhaaren durchnäht. Das eben beschriebne
-Nest hing an der Spitze eines horizontalen Apfelbaumzweiges, nach
-Südost gerichtet; es war, obgleich im Schatten, in einer Entfernung
-von hundert Schritten sichtbar, und das Werk eines sehr schönen und
-vollkommnen Vogels. Es befinden sich fünf weiße, schwach fleischfarbne,
-am breiten Ende mit purpurnen Flecken, und an den übrigen Theilen mit
-langen Linien gezeichnete Eier darin, die Linien sind haarfein und
-durchschneiden sich in mannigfaltigen Richtungen. Ich bin deswegen
-in der Angabe dieser einzelnen Umstände so ausführlich, weil es mein
-Wunsch ist, den spezifischen Unterschied zwischen dem ächten und
-Bastard-Baltimore-Vogel aufzustellen, da ^Dr.^ _Latham_ und einige
-Andere der Meinung sind, daß beide Vögel einer und derselben Art
-angehören und nur durch ihre verschiednen Farbenschattirungen von
-einander abweichen.
-
-»Der Baltimorevogel ist in der Brütezeit so sehr besorgt, sich die
-geeigneten Materialien zu seinem Neste zu verschaffen, daß die im
-Lande wohnenden Frauen genöthigt sind, ihr Garn und dergleichen, das
-sich zufällig auf der Bleiche befindet, aufmerksam zu bewachen, eben
-so muß der Pachter und Landmann seine jungen Pfropfreiser hüten, weil
-dieser Vogel sowohl das Garn als auch die Materialien, womit die
-letzteren befestigt sind, seinem Endzweck entsprechend findet und oft
-wegholt; sollte jedoch das erste zu schwer und die letzteren zu fest
-gebunden sein, so zerrt er lange Zeit daran herum, bevor er seinen
-Versuch aufgiebt. Man hat nach dem Abfallen der Blätter oft Strähne
-Seide und Zwirnfäden um das Nest des Baltimore- Vogels hängen sehen,
-die aber so verwebt und verschlungen waren, daß man sie durchaus nicht
-wieder herausfitzen konnte. Vor der Ankunft der Europäer konnten
-natürlicher Weise keine solche Materialien gewählt werden, allein mit
-dem Scharfsinn eines guten Architekten hat das Thierchen diesen Umstand
-zu seinem Vortheil benutzt, und man findet die stärksten und besten
-Materialien stets in denjenigen Theilen, welche das Ganze tragen.«
-^Wilson's, Amer. Ornith. I. 26.^
-
-
-
-
-Vierzehnter Brief.
-
- Nutzen botanischer Kenntnisse. -- Das Feuerkraut (^fireweed^)
- Sarsaparilla-Pflanzen. -- Prächtige Wasser-Lilie. -- Reis-Beete. --
- Indianische Erdbeere. -- Scharlachfarbner Akelei (^Columbine^) --
- Farnkräuter. -- Gräser. --
-
-
- Juli 13, 1834.
-
-Der Winter scheint uns in diesem Jahre ziemlich zeitig verlassen zu
-wollen, zu Ende Februars war der Boden völlig frei von Schnee, und den
-ganzen März hindurch hielt milde und freundliche Witterung an, jedoch
-nicht so warm und überhaupt veränderlicher als im vorigen Jahre. In der
-letzten April-Woche und zu Anfange Mai's waren sämmtliche Waldbäume
-belaubt und prangten im schönsten lieblichsten Grün.
-
-Am 14., 15. und 16. Mai wurde die Luft plötzlich kalt, ein scharfer
-Wind blies aus Nordwesten, und heftige Schnee-Stürme knickten die
-jungen Knospen und zerstörten manche Frühsaat; glücklicher Weise hatten
-wir uns mit unserm Säen nicht sehr beeilt, und dies war unter solchen
-Umständen sehr gut.
-
-Unsre Wälder und Lichtungen sind jetzt mit schönen Blumen gefüllt. Sie
-werden sich aus den getrockneten Exemplaren, die ich Ihnen übersende,
-eine Vorstellung davon machen können. Sie werden darunter manche
-Lieblinge unsrer englischen Gärten und Gewächshäuser erkennen, welche
-die verschwenderische Hand der Natur nachlässig in den canadischen
-Wäldern und Wildnissen ausgestreut hat.
-
-Wie oft wünsche ich Sie an meine Seite, wenn ich durch die Wälder und
-Lichtungen streife; die Aufsuchung unsrer botanischen Schätze würde
-Ihnen große Freude gewähren.
-
-Ich bedaure jetzt nur zu sehr, daß ich, als ich noch in der Heimath
-war, Ihr gütiges Anerbieten, mich im Blumenmalen unterrichten zu
-wollen, ausgeschlagen habe; Sie sagten mir damals oft, die Zeit würde
-kommen, wo ich Ursache haben dürfte, die Vernachlässigung der sich mir
-darbietenden günstigen Gelegenheit zu bereuen.
-
-Sie haben mir richtig prophezeiht; denn ich beklage jetzt täglich, daß
-ich Ihnen keine genauen Schilderungen von den Pflanzen meiner neuen
-Heimath geben oder denselben ihren Platz im System anweisen kann, wie
-Sie dies thun würden. Mit einigen derselben habe ich mich bekannt
-gemacht, jedoch traue ich meinen botanischen Kenntnissen zu wenig, um
-eine wissenschaftliche Beschreibung zu wagen; denn ich fühle nur zu
-gut, daß ein Verstoß leicht entdeckt werden, und daß ich, wollte ich
-mich mit Kenntnissen brüsten, die ich nicht besitze, mich lächerlich
-und verächtlich machen würde. Das einzige botanische Werk, das mir
-zu Gebote steht, ist _Pursh's_ nordamerikanische Flora, aus welcher
-ich einige Belehrung geschöpft habe; allein ich muß gestehen, daß mir
-die Entzifferung der lateinischen Beschreibungen, da ich kein Latein
-verstehe, außer was mich mein bischen Italienisch errathen läßt, viel
-Mühe und Langeweile verursacht.
-
-Ich habe von den vorzüglichsten, der Aufmerksamkeit würdigsten Pflanzen
-in unsrer Nähe, ein Verzeichniß entworfen, es giebt indeß noch viele
-andere in dem Gemeinde-Bezirk, die mir fremd sind; von einigen
-derselben weiß ich nicht einmal die Namen. Ich füge von denjenigen
-Blumen, die mir am meisten gefallen, oder die sich durch irgend eine
-erwähnungswerthe Eigenschaft auszeichnen, eine leichte Skitze bei,
-aber nicht mit dem Pinsel sondern mit der Feder.
-
-Auf dem gelichteten Boden wachsen nicht mehr dieselben Pflanzen, welche
-früher, als er noch mit Waldbäumen bedeckt war, darauf wucherten. Eine
-andre Pflanzen-Welt kommt zum Vorschein, sobald das Feuer den Boden
-gereinigt hat. Das Nämliche läßt sich hinsichtlich unsrer Waldbäume
-sagen. So wie eine Generation abstirbt und verwittert, tritt eine neue,
-aber von ihr verschiedne an ihre Stelle. Ein zur Erläuterung dieses
-Umstandes dienendes Beispiel liefert das sogenannte Fichten-Fett, eine
-harzige Substanz, die man gewöhnlich an Orten findet, wo die lebende
-Fichte weniger häufig wächst, und wo Eichen, Eschen, Ahorn u. s. w. den
-Boden einnehmen.
-
-Das Feuer-Kraut, eine Art schlanke Distel von niedrigem, unangenehmem
-Geruch, ist die erste Pflanze, welche erscheint, nachdem der Boden
-durch Feuer entwaldet ist; bleibt ein Stück Land den ersten Sommer
-nach seiner Lichtung ungepflügt liegen, so schießt im nächsten
-Frühjahr dieses Unkraut in dichten Massen hervor. Die nächste Pflanze,
-welche sich zeigt, ist der Sumach mit seinem flaumbedeckten Stengeln
-und sammetartigen hochrothen Blumen, die einen aufrecht stehenden
-stumpfen Büschel an den Zweigspitzen bilden; die Blätter werden im
-Spätsommer scharlachfarben. Dieser Strauch, wiewohl er sich sehr schön
-ausnimmt und recht wohl als Ziergewächs dienen kann, wird doch in
-alten Lichtungen als eine große Plage betrachtet, weil seine Wurzeln
-ausschlagen und zahlreiche Schößlinge treiben. Hierauf folgen die
-Brombeeren und die wilde Stachelbeere in großer Menge, und zahllose
-Erdbeer-Pflanzen von mancherlei Art überziehen den Boden gleich
-einem Teppich und vermischen sich mit dem Gras der Weide. Ich sah
-mich dieses Frühjahr genöthigt, mit schonungsloser Hand Hunderte von
-Sarsaparilla-Pflanzen, so wie auch den berühmten Ginseng, welcher in
-unsern Wälder sehr häufig ist, mit der Wurzel auszureißen; der Ginseng
-war früherhin ein Ausfuhr-Artikel, den die Vereinigten Staaten nach
-China sendeten, weil seine Wurzel von den Chinesen besonders geschätzt
-wird.
-
-Letzte Woche bemerkte ich eine saftige Pflanze, die auf einem trocknen
-sandigen Gange in meinem Garten den Boden durchbrochen hatte; sie
-scheint eine Art (^Mesembryanthemum^ (?)) zu sein; sie hat sich so
-schnell ausgebreitet, daß sie bereits einen ziemlichen Raum einnimmt.
-Die Zweige gehen von der Mitte der Pflanze aus und treiben aus jedem
-Gelenk Schößlinge hervor. Die Blätter sind mehr klein, dreikantig
-und zugespitzt, dick und saftig, wie die gewöhnlichen Sedum-Arten,
-wenn man sie quetscht, so fließt eine grünliche Flüssigkeit aus. Die
-Stengel sind dick und rund, hellroth und kriechen an der Erde hin; die
-Blätter entspringen aus den Gelenken, und mit ihnen in ununterbrochner
-Aufeinanderfolge gelbe Stern-Blumen, die sich ungefähr eine Stunde nach
-ihrer ersten Entfaltung wieder schließen. Ich werde Ihnen einige Samen
-von dieser Pflanze schicken, ich bemerkte nämlich eine Anzahl kleiner
-Schoten, die wie Knospen aussahen, aber, bei näherer Untersuchung sich
-als die Samenbehälter erwiesen. Die Pflanze bedeckt den Erdboden gleich
-einer dicken Matte, und ist, wo ihr dieser zusagt, wie man mir sagt,
-ein lästiges Unkraut.
-
-Ich bedaure nur, daß ich unter meinen getrockneten Pflanzen nicht
-einige unsrer prachtvollen Wasser-Lilien und Iris-Arten erhalten
-konnte; allein sie waren zu groß und zu saftig, um sich gut trocknen
-zu lassen. Da ich Ihnen diese meine Lieblinge nicht mitsenden kann, so
-will ich sie Ihnen wenigstens beschreiben.
-
-Die erste davon ist eine herrliche Wasser-Lilie, (^Nymphaea^) welche
-ich der Unterscheidung halber »_Königin der Seen_« genannt habe, denn
-sie prangt gleich einer Krone auf den Gewässern; diese prächtige
-Blume gleicht in Umfang einer mäßig großen Dahlia, sie erscheint wie
-gefüllt, und jede Blumen-Blätter-Reihe nimmt nach der Mitte zu allmälig
-an Größe ab und geht in Farbe nach und nach von dem reinsten Weiß in
-das lichteste Citronengelb über. Die noch nicht entfalteten Blüthen
-nehmen sich sehr hübsch aus, man kann sie unter der Oberfläche des
-Wassers auf verschiednen Stufen ihrer Entwickelung wahrnehmen: -- von
-der noch völlig geschloßnen und in ihren olivengrünen Kelch gehüllten
-Knospe bis zu der halb aufgeplatzten Blume, welche bereit ist, aus
-ihrem Wasser-Kerker hervorzutauchen und in all ihrer jugendlichen
-Schönheit ihren schönen weißen Busen dem hellen Sonnenstrahl und der
-milden Luft zu entfalten. Aber die Schönheit der Blume ist nicht ihr
-einziger Liebreiz; sobald sie sich entfaltet hat, verbreitet sie einen
-reichen Wohlgeruch, dem von frischen Citronen nicht unähnlich. Nicht
-weniger Aufmerksamkeit verdienen die Blätter: anfangs zeigen sie
-ein schönes Dunkelgrün, aber mit dem Abwelken der Blume vertauschen
-sie diese Farbe nach und nach mit einem lebhaften Carmosin. Wo
-viele dergleichen Lilien dicht beisammen wachsen, verleihen sie der
-Wasserfläche einen unbeschreiblich schönen Anblick, der schon in
-einiger Entfernung das Auge auf sich zieht.
-
-Die gelbe Species dieser Gattung ist ebenfalls sehr schön, jedoch
-fehlt ihr das seidenartige Gewebe und die zarte Farbe der erstern; ich
-nenne sie »Wasser-König.« Die Blume bietet einen dunkel goldgelben
-Becher dar, dessen ausgebauchte Blätter in der Mitte eine röthlich
-braune Schattirung zeigen, welche gegen die hellfarbigen, wie goldne
-Franzen über einander herabhängenden Antheren stark absticht, die
-sehr zahlreichen Antheren sind in dicht auf einander folgenden Reihen
-angeordnet und füllen den hohlen Blumen-Becher völlig aus.
-
-Die seichten Stellen unsrer Seen strotzen von mannigfaltigen zierlichen
-Wasser-Pflanzen; ich kenne keinen lieblichern Anblick als diese
-kleinen schwimmenden Gärten. Hier erblickt man unfern des Ufers ein
-Beet mit azurnen, ^Fleurs de lis^, vom blassesten Perlfarben bis zum
-dunkelsten Violett. Näher am Ufer, wo das Wasser am seichtesten ist,
-sendet die rosenfarbne ^Persecaria^ ihre prächtigen Blüthen empor,
-deren Stiele sich unter der Wasserfläche hinranken, man sieht die
-rothen Stengel und glatten dunkelgrünen, an der untern Fläche rosenroth
-geaderten Blätter; es ist eine höchst reizende Varietät dieser schönen
-Pflanzen-Gattung. Auf diese folgt eine Schicht weißer Nymphäen, meine
-Lieblinge, alle in voller Blüthe, die auf dem Wasser schwimmen und ihre
-gefüllten Blumenkronen an der Sonne entfalten; unweit dieser erhebt
-sich in stolzer Schöne eine hohe schlanke Pflanze, mit dunkelgrünen
-lanzettförmigen Blättern und einer dicken Aehre von hellblauen Blüthen.
-Ich kann den Namen dieser prächtigen Blume nicht ausfindig machen und
-habe leider ihren botanischen Bau nicht untersucht, daher ich Ihnen
-keinen näheren Aufschluß zur Auffindung ihres Namens und ihrer Gattung
-geben kann.
-
-Unsre Reis-Beete verdienen ebenfalls Bewunderung; aus der Ferne
-gesehen, erscheinen sie wie grüne Inseln auf den Seen, nimmt man
-seinen Weg über ein solches Beet, wenn der Reis in der Blüthe
-steht, so gewährt dieser, mit seinen breiten grasigen Blättern und
-leichten wogenden Aehren einen lieblichen Anblick; die Aehren sind
-mit blaßgelben oder grünen, zart purpurröthlich schattirten Blumen
-besetzt, aus welchen drei zierliche strohfarbne Staubfäden hervorragen,
-die sich bei jedem Lufthauch, bei der leichtesten Erschütterung des
-Wassers hin und her bewegen. Ich sammelte mehre Aehren, die sich eben
-erst geöffnet, aber leider zerbröckelten sie bald nach der Trocknung.
-Nächsten Sommer werde ich einen abermaligen Versuch machen, einige zu
-trocknen, und vielleicht dürfte ich einen bessern Erfolg haben.
-
-Das niedrige Ufer des Sees ist über und über mit Strauchwerk und
-Stauden überzogen. Wir haben ein recht hübsches Johanniskraut, mit
-schönen gelben Blumen. Auch schöne Geisblatt-Arten kamen hier vor,
-Strauch-Gewächse von ungefähr drei Fuß Höhe; die Blüthen stehen in
-Pärchen oder zu vieren und hängen unterhalb der lichtgrünen Blätter;
-sie sind zierlich trompetenförmig und zart grünlich weiß, es folgen
-ihnen rubinrothe Beeren. Betrachtet man einen Zweig dieser Pflanze,
-so fällt besonders die zierliche Anordnung der Blüthen längs dem
-untern Theil der Stengel in die Augen, die beiden Blüthen sind an den
-Nectarien auf eine eigenthümliche Weise mit einander verbunden. Die
-Amerikaner nennen diese Geisblatt-Art ^twinflower^ (Zwillingsblume).
-Ich habe unter den Blüthen derselben einige rosenrothe bemerkt, im
-Ganzen genommen ist sie einer der schönsten Ziersträucher, welche
-wir besitzen. Ich verpflanzte im letzten Frühjahr einige junge
-Exemplare in meinen Garten, und sie versprechen ein gutes Gedeihen.
-In _Pursh's_ Flora finde ich nirgends eine Beschreibung davon; indeß
-weiß ich gewiß, daß das Gewächs zu den Geisblatt-Arten gehört, Klasse
-und Ordnung, Gestalt und Farbe der Blätter, die Blüthenstengel,
-die trompetenförmigen Blumen, alle gleichen einigermaßen unserm
-heimathlichen Geisblatt.
-
-Ferner ist ein hoher, gerade aufschießender Strauch, mit großen gelben
-trompetenartigen Blüthen zu erwähnen, welche an den Zweigspitzen
-erscheinen; das Involucrum (Hülle) bildet einen bootförmigen Becher,
-welcher die Blüthen, die daraus zu entspringen scheinen, wie bei unserm
-scharlachblumigen Jelängerjelieber, kreisförmig umschließt. Blätter und
-Blüthen dieser Gewächse sind grob und keineswegs mit denen der zuerst
-beschriebnen Art zu vergleichen.
-
-Wir haben eine große Mannigfaltigkeit von merkwürdigen Orchiden
-(Ragwurz): gelbe, braune blaßfleischfarbne und scharlachstreifige;
-eine weiße von trefflichem Geruch, und eine zarte rosenrothe, mit
-einem runden Blumenköpfchen und zart gefranzten Blumen, wie die
-Wasser-Nelken, welche in unsern Sümpfen wachsen; dies ist eine
-allerliebste Blume, sie kommt auf den Biber-Wiesen vor.
-
-Letzten Herbst bemerkte ich in dem Fichten-Wäldchen unfern unsrer
-Wohnung ein höchst merkwürdiges Gewächs, es kam mit nackten braunen
-Stämmchen, die sich wie die Aeste eines Baumes ^en miniature^
-verbreiteten, aus der Erde hervor; die Stengel und Stiele dieser
-Pflanze waren braun, leicht gefleckt und mit kleinen Knötchen besetzt.
-Ich beobachtete aufmerksam und mit nicht geringem Interesse das
-Fortschreiten ihres Wachsthums und Reifens bis ziemlich Ende Oktobers;
-die kleinen Knötchen, die aus zwei eckigen, harten Hüllen bestanden,
-und wenn man sie völlig ablößte, Aehnlichkeit mit einem Boote hatten,
-bersteten entzwei und ließen eine blaßstrohgelbe, spreuartige Substanz,
-die wie feine Sägespähne aussah, wahrnehmen, wahrscheinlich waren
-dies die Antheren (Staubwege), jedoch glichen sie mehr Samen; dieses
-sonderbare Gewächs hätte mit einem Mikroscop untersucht werden sollen.
-Eine Eigenthümlichkeit, die ich bemerkte, war, daß ich beim Ausreißen
-eines Exemplars mit der Wurzel, dies Blüthen sich unter der Erde öffnen
-sah, sie entsprangen von den untersten Enden der Blumenstiele und
-waren in ihrer Reife eben so weit vorgeschritten, als die, welche an
-den überirdischen Stengeln saßen; ausgenommen, daß sie etwas bleicher
-waren, ein leicht erklärlicher Umstand, da die Luft nicht auf sie
-einwirken konnte. Ich kann keine Beschreibung von dieser Pflanze
-finden, auch scheint Niemand außer mir Notiz davon genommen zu haben.
-Das Exemplar, welches ich für Sie bestimmt hatte, zerbröckelte, als es
-trocken war.
-
-Ich habe versprochen, einige der merkwürdigsten der hier wachsenden
-Blumen für einen der Professoren an der Universität Edinburg zu sammeln.
-
-Wir haben eine sehr schöne Pflanze, die unsrer Kartoffel in ihrem
-Blüthen-Bau sehr verwandt zu sein scheint; sie wird in günstigen
-Lagen zwei bis drei Fuß hoch und sendet manche Seitenzweige ab; die
-Blumen sind groß, rein weiß, nahe am Boden der Corolle (Blumenkrone)
-mit bräunlichgelben Flecken gezeichnet, die Blumenkrone ist ganz
-(ungetheilt); jedenfalls ist dieses Gewächs von der cultivirten
-Kartoffel nicht verschieden (?!), jedoch scheinen sich an seiner Wurzel
-keine Knollen zu bilden. Die Frucht ist sehr schön, eiförmig und nach
-erlangter Reife schön apricosenfarben und von glänzendem lockendem
-Ansehn; der Geruch indeß verräth ihre giftige Natur: öffnet man sie,
-so bemerkt man einen weichen Brei, der mit glänzend schwarzen Samen
-gehüllt ist. Die Pflanze blüht vom Juni an, bis die ersten Fröste
-ihre Blätter welken machen; sie ist bei weitem nicht so grob als die
-Kartoffel; die Blüthe gleicht, sobald sie sich völlig entfaltet, einem
-halben Kronenstück und ist ganz flach, ich glaube man nennt dies
-präsentirtellerförmig. Leichter lehmiger Boden sagt ihr vorzüglich zu,
-sie wächst auf den aufwärts gekehrten Wurzeln umgestürzter Bäume, wo
-das Erdreich etwas sandig ist; ich habe sie nie anderswo als auf unsrer
-eignen Brache gesehn.
-
-Die Hepatica (^Anemone hepatica^, Leber-Anemone), ist die erste Blume
-des canadischen Frühlings; sie erfreut uns mit ihren blauen, rothen und
-weißen Blumen schon in den ersten Tagen des Aprils, nachdem der Schnee
-kaum von der Erde gewichen ist. Die Canadier nennen sie Schneeblume,
-(^snow flower^) weil sie, wie eben gesagt worden, bald nach Entfernung
-des Schnees erscheint. Wir sehen ihre lieblichen Bouquets in den
-offnen Lichtungen und den Tiefen des Waldes; auch ihre Blätter sind
-eine dauernde Zierde in der milden Jahreszeit; man sieht sie auf jedem
-kleinen Rasen-Hügel, jeder moosbedeckten Wurzel; die blauen Nuancen
-sind äußerst mannigfaltig und zart; die weißen Staubwege stechen
-gefällig von den blauen Blumen-Blättern ab.
-
-Die Wald-Kresse, oder Ingwer-Kresse (^ginger cress^) ist eine hübsche
-weiße Kreuzblume, und äußerst aromatisch; sie hat eine weiße,
-fleischfarbige Wurzel von stechendem meerrettigartigem Geschmack.
-Die Blätter sind mattgrün, scharf eingekerbt und dreilappig. Reiche
-feuchte Dammerde sagt dieser Pflanze am besten zu, und man findet sie
-hauptsächlich auf niedrigem, etwas morastigem Boden; der Blüthenstengel
-ist bisweilen nackt, bisweilen mit Blättern besetzt und endet mit einer
-losen Aehre von weißlichen kreuzförmigen Blumen.
-
-Es giebt hier auch eine Kresse, welche in hübschen grünen Büscheln auf
-dem Boden des Wassers in Buchten und Bächen wächst. Sie ist zarter
-und von angenehmerem Geschmack als irgend eine Land-Kresse; die
-Blätter zeigen ein blasses, zartes Grün, sind geflügelt und schlank;
-die Pflanze nimmt sich unter dem Wasser wie ein grünes Kissen aus.
-Die Blumen sind gelb, kreuzförmig und unbedeutend. Sie giebt in der
-ersten Hälfte des Frühlings und im Herbste einen recht angenehmen
-Sallat. Außerdem kommen mehre Arten Land-Kresse vor, desgleichen einige
-Gewächse, die einigen unsrer Kohl- und Kraut-Arten gleichen und als
-Frühjahrs-Gemüse benutzt werden dürften. Ferner findet man verschiedne
-Spinat-Arten: eine davon ist hier, unter dem Namen ^Lamb's quarter^
-(Lamms-Viertel) bekannt; sie wächst in beträchtlicher Menge um unsre
-Gärten, und wird in reicherem Boden zwei Fuß hoch; ihr Blätterwuchs
-ist äußerst üppig. Die ersten Triebe dieser Pflanze werden an
-Schweinfleisch gekocht und sind in Ermangelung zarterer Gemüse-Arten
-sehr nützlich.
-
-Ferner haben wir die indianische Rübe, eine sehr schöne Aron-Wurz
-(^Arum^), deren Wurzel, gekocht, der Cassave gleichen soll; die Blätter
-derselben nehmen sich recht hübsch aus, sie zeichnen sich durch einen
-schwachen Purpur-Schein aus; die Indianer brauchen die Wurzel als
-Medicin, und auch als Nahrungs-Mittel; die Ansiedler essen sie oft als
-Gemüse; ich selbst habe sie noch nie gekostet. _Pursh_ nennt diese Art
-^Arum atropurpureum^.
-
-Ich darf hier eine unsrer größten Zierden nicht übergehen, nämlich
-den Erdbeerspinat[51], oder den indianischen Erdbeerstrauch, wie
-er verschiedentlich genannt wird. Dieses Gewächs treibt aus einem
-Hauptstamme viele Seiten-Aeste, die mit schönen Blättern besetzt sind
-und ihrer äußern Erscheinung nach unserm langblättrigen Garten-Spinat
-gleichen, die Frucht dieses Strauches ist hell carmosinroth und
-breiartig, wie die Erdbeere, und enthält eine Anzahl purpurfarbner
-Samen, die theilweise in der Oberfläche des Fleisches sitzen, gerade
-so wie die Samen der Erdbeere. Die Früchte sitzen dicht am Stengel,
-umgeben ihn vollkommen und bilden eine reiche Aehre von schönrothen
-Beeren. Ich habe fußlange Zweige gepflückt, die dicht mit diesen
-schönen Beeren bedeckt waren, und bedauerte nur, daß ich sie wegen
-ihres faden Geschmacks nicht essen konnte. An den Ufern der Einbuchten
-und auf reicherem Boden wächst dieser Erdbeerstrauch sehr üppig, eine
-einzige Wurzel treibt zwanzig bis dreißig Aeste empor, die sich unter
-dem Gewicht ihrer schönen Bürde niederbeugen. Wenn die mittlern und
-obern Stengel reifen und abwelken, wachsen die Seiten-Aeste in die
-Höhe, und so trägt der Strauch vom Juli an ununterbrochen Früchte, bis
-im September die Fröste ihn seiner Schöne berauben.
-
-Die Indianer benutzen den Saft dieser Pflanze zum färben und sollen
-auch die Beeren essen; man bedient sich ihres Saftes oft als rother
-Tinte, allein er verschießt sehr schnell, wofern er nicht mit Alaun
-vermischt ist. Eine meiner Freundinnen erzählte mir, daß sie einen
-Brief an einen ihrer Verwandten in England mit dieser Erdbeer-Tinte
-durchkreuzt[52], allein da sie nicht die Vorsicht beobachtet,
-denselben zu fixiren, so sei die eine Hälfte des sehnlich erwarteten
-Sendschreibens, als es endlich an seine Adresse gelangt, weil die rothe
-Tinte fast ganz verschossen, durchaus unleserlich gewesen; und so habe
-es, anstatt den gehegten Erwartungen zu genügen, dem Leser nur Quälerei
-und Verwirrung, und ihr selbst Verdruß und Aerger verursacht.
-
-Die Blutwurzel, (^Sanguinaria^) oder ^puccoon^, wie sie von einigen der
-eingebornen Stämme genannt wird, verdient von der Blüthe bis zur Wurzel
-unsre Aufmerksamkeit. Sobald als die April-Sonne den Erdboden erwärmt
-und von seinen eisigen Fesseln befreit hat, gewahrt man eine Anzahl
-rein weißer Knospen, die auf nackten Stielen stehen und theilweise
-in ein schönes, rebenartig gestaltetes Blatt gehüllt sind. Das Blatt
-ist blaß bräunlichgrün und an der untern Seite seltsam mit blaß
-orangenfarbnen Adern bezeichnet, es entspringt einzeln aus einer dicken
-saftreichen fasrigen Wurzel, die, wenn man sie zerbricht, aus ihren
-Poren eine Quantität hell orangenrothen Saftes ausschwitzt; dieser Saft
-wird von den Indianern zum Färben und zur Heilung von Rheumatismen
-und Hautausschlägen benutzt. Die Blüthen der Sanguinaria gleichen
-dem weißen Crocus sehr genau; bei ihrem ersten Hervorbrechen wird
-die Knospe von dem oben beschriebnen Blatt unterstützt und ist damit
-umwickelt; die Blume erhebt sich indeß bald über ihren Beschützer,
-während das Blatt, nachdem es seine Pflicht, als Hülle der zarten
-Knospe, erfüllt hat, sich zu seiner vollen Ausdehnung entfaltet. Eine
-reiche schwarze Dammerde am Saume der Lichtungen scheint diesem Gewächs
-besonders zuzusagen.
-
-Der scharlachfarbige Akelei ist ebenfalls eine Lieblings-Blume
-von mir; sie ist hellroth, mit gelben Streifen an den Röhren. Die
-Nectarien sind länger als bei dem Garten-Akelei, und bilden eine an
-den Spitzen mit kleinen Kugeln besetzte Mauer-Krone. Gewiß verdient
-der Akelei, mit seinen glänzenden hängenden Blumen, eine schlanke,
-zierliche Pflanze genannt zu werden; er wächst im Sonnenschein eben so
-gut als im Schatten, jedoch wohl nicht in tiefen schattigen Wäldern,
-sondern da, wo das Unterholz durch das laufende Feuer oder die Axt des
-Holzfällers entfernt worden ist; er scheint sogar auf armem steinigen
-Boden fortzukommen und ist fast um jede Wohnstätte herum zu finden.
-Der gefiederte Akelei liebt nassen, freien Moorboden und die Ufer der
-Bäche; er erreicht eine Höhe von drei, ja sogar vier und fünf Fuß, und
-ist eine wahre Zierde.
-
-Veilchen haben wir von jeder Größe und Gestalt, nur das wohlriechende
-Veilchen (^Vîola odorata^) unsrer heimathlichen Wälder fehlt uns;
-doch wüßte ich nicht, warum wir mit diesen zarten Töchtern des
-Frühlings hadern sollten, weil sie nicht mit dem Wohlgeruch ihrer mehr
-begünstigten Schwestern begabt sind. Viele Ihrer Waldveilchen, obwohl
-äußerst schön, sind ebenfalls geruchlos, hier muß die Mannigfaltigkeit
-der Farben für den Mangel an Parfume einigermaßen Ersatz leisten.
-Wir haben Veilchen von jedem Blau, einige mit Purpur gestreift,
-andre mit dunklerem Blau schattirt. Wir haben das zarte, mit Purpur
-gezeichnete, das hell schwefelgelbe schwarzgeaderte, das blaßgelbe
-dunkelblaugeaderte Veilchen; die beiden letzten zeichnen sich durch den
-üppigen Wuchs ihrer Blätter aus; die Blüthen entspringen büschelweise,
-also mehre aus jedem Gelenk, und hinterlassen nach ihrem Abwelken
-große, mit einem dicken weißen baumwollenartigen Flaum bedeckte
-Samen-Kapseln.
-
-In den Wäldern kommt ein Veilchen vor, dessen Blätter außerordentlich
-groß sind; dasselbe gilt von den Samen-Gefäßen; dagegen ist die Blüthe
-so klein und unbedeutend, daß man sie blos bei genauerer Untersuchung
-der Pflanze wahrnimmt; dies hat zu dem Glauben Veranlassung gegeben,
-daß das fragliche Veilchen (seine Blumen sind blaß grünlichgelb,)
-unterirdische Blüthen habe. _Bryant's_ schönes Gedicht »_das gelbe
-Veilchen_« enthält eine genaue Schilderung von den zuerst erwähnten
-Veilchen.
-
-Man findet hier ein hübsches Stiefmütterchen (^Viola tricolor^),
-welches im Herbste blüht. Seine Farben sind Reinweiß, Blaßpurpurn
-und Blaßviolett, die obern Blumen-Blätter sind weiß, die Unter-Lippe
-(die untern Blumenblätter,) purpurn, und die Flügel (seitlichen
-Blumenblätter) röthlich blaßviolett. Die Schönheit dieser seltnen
-Blume fesselte mein Auge, als ich während unsrer Reise nach Cobourg
-einen Abstecher nach Peterborough machte; ich war nicht im Stande, die
-gesammelten Exemplare zu erhalten, und habe seitdem jene Straße nicht
-wieder bereist. Die Blume wuchs unter wildem Klee, auf der offnen Seite
-der Straße; die Blätter waren klein, rundlich und matt dunkelgrün.
-
-Unter den strauchartigen Astern haben wir verschiedne schöne
-Varietäten, mit großen, blaß hollunderblauen oder weißen Blumen; noch
-andre haben sehr kleine weiße Blumen und carmosinrothe Antheren,
-welche wie rothe, mit Goldstaub bepuderte Flaum-Büschel erscheinen.
-Diese Staubwege stechen gegen die weißen, sternartig angeordneten
-Blumen-Blätter sehr angenehm ab. Eine Varietät der hochstämmigen
-Aster kommt auf den Ebnen vor, sie hat Blüthen von der Größe eines
-Sexpence-Stückes und von sanft perlblauer Farbe, mit braunen
-Staubwegen. Diese Pflanze erreicht eine ansehnliche Höhe, und von den
-Hauptstämmen gehen zahlreiche zierliche Blüthenäste ab; die Blätter
-dieser Art sind an der untern Seite purpurroth, fast herzförmig
-gestaltet und eben so wie die Stengel mit feinen Härchen besetzt.
-
-Ich fürchte nicht, Ihnen mit meinen botanischen Skitzen beschwerlich
-zu werden; ich habe noch mehre Pflanzen zu beschreiben: unter diesen
-sind jene zierlichen kleinen Immergrün-Arten, wovon, unter dem Namen
-Winter-Immergrün dieses Land Ueberfluß hat; drei oder vier zeichnen
-sich durch ihr schönes Laubwerk, ihre schönen Blumen und Früchte
-vorzüglich aus. Eins dieser Winter-Grüne, welches sehr häufig in unsern
-Fichten-Wäldern wächst, ist außerordentlich schön; es wird selten über
-sechs Zoll hoch; die Blätter sind hell glänzendgrün, lang, schmal,
-eiförmig und zart gekerbt, wie ein Rosen-Blatt; die Pflanze kommt
-in den ersten Monaten des Jahres beim ersten Thauwetter unter dem
-Schnee hervor, eben so frisch und grün wie zuvor, als sie unter der
-weißen Decke begraben wurde. Es scheint selten zu blühen. Ich habe es
-nur zweimal in der Blüthe gesehen; diese blühenden Exemplare hob ich
-sorgfältig für Sie auf, aber die getrocknete Pflanze kann Ihnen blos
-eine unvollkommne Vorstellung von dem geben, was sie einst in ihrer
-Frische und Schönheit war. Ich erinnere mich noch recht gut, daß Sie
-Ihre getrockneten Exemplare immer nur Pflanzen-Leichname nannten, und
-dabei bemerkten, daß gute Gemälde davon der Wirklichkeit weit näher
-kämen. Der Blüthenstengel erhebt sich zwei bis drei Zoll über den
-Mittelpunkt der Pflanze und ist mit runden carmosinrothen Knospen
-und Blüthen gekrönt. Die Blüthe besteht aus fünf Blumen-Blättern,
-deren Farbe sich vom blassesten Rosenroth bis zum dunkelsten Incarnat
-vertieft; die Narbe (Stigma) ist smaragdgrün und bildet gleichsam
-einen schwach gerippten Turban in der Mitte; um dieselbe stehen
-zehn amethystfarbene Staubfäden, kurz dies ist eine von den Juwelen
-der Blumen-Welt, und ließe sich mit einem von Amethysten umgebnen
-Smaragd-Ringe vergleichen. Der Farben-Contrast bei dieser Blume
-ist äußerst angenehm und gefällig, und die schönrothen Knospen und
-glänzenden, immer grünen Blätter erregen fast die nämliche Bewunderung,
-wie die Blüthe. Sie würden dieses schöne Gewächs gewiß für einen
-großen Gewinn für Ihre Sammlung von amerikanischen Sträuchern
-halten, allein ich zweifle, daß es, entfernt aus den Schatten der
-Fichten-Wälder, zur Blüthe kommen würde. Es scheint die von _Pursh_
-beschriebne ^Chimaphila corymbosa^ zu sein, nur daß dieser Botaniker in
-Angabe der Farbe der Blumen-Blätter von den meinigen etwas abweicht.
-
-Ein andres bei uns heimisches Wintergrün wächst in großer Menge auf den
-Reis-Ebnen; diese Pflanze wird nicht über vier Zoll hoch; die Blüthen
-stehen in kleinen losen Büscheln, sind blaß grünlich weiß und gleichen
-in Gestalt den Blüthen der Sandbeere (^Arbutus^); die Beeren sind hell
-scharlachroth und unter dem Namen Winter- und Rebhuhn-Beere bekannt;
-jedenfalls ist dies die ^Gualtheria procumbens^. Ein noch schöneres
-kleines Immergrün derselben Gattung wächst in unsern Cedern-Mooren,
-unter dem Namen Tauben-Beere (^pigeon-berry^), es gleicht der
-Sandbeere in Blatt und Blüthe mehr als die zuvor erwähnte Pflanze; die
-scharlachrothe Beere sitzt in einem Kelche oder Behälter, der am Rande
-in fünf Spitzen ausläuft, fleischig ist, und mit der Frucht selbst von
-einerlei Beschaffenheit zu sein scheint. Die Blüthen dieses hübschen
-kleinen Strauches erscheinen, wie die des Arbutus, wovon er gleichsam
-das Miniatur-Bild ist, in hängenden Büscheln zu der nämlichen Zeit, wo
-die Beere des vorigen Jahres ihre vollkommne Reife erlangt hat; dieser
-Umstand trägt nicht wenig zu der reizenden Erscheinung der Pflanze bei.
-Wenn ich mich nicht irre, so ist es die ^Gualtheria Shallon^, welche
-_Pursh_ mit dem ^Arbutus^ vergleicht; sie gehört ebenfalls zu unsern
-Immergrünen.
-
-Wir haben ferner eine niedliche kriechende Pflanze, mit zarten
-kleinen trichterförmigen Blumen und einem Ueberfluß an kleinen
-dunkelgrünen runden buntfarbigen Knospen und hellrothen Beeren,
-die an den Zweig-Enden sitzen. Die Blüthen dieser Pflanze stehen
-paarweise und sind am Fruchtknoten so eng mit einander verbunden, daß
-die scharlachrothe Frucht, welche der Blüthe folgt, einer doppelten
-Beere gleicht, -- jede Beere enthält die Samen beider Blüthen und ein
-doppeltes Auge. Die Pflanze wird auch Winter-Grün oder Zwillings-Beere
-(^twin-berry^) genannt; sie gleicht keinem der andern Wintergrüne; sie
-wächst in moosreichen Wäldern, kriecht an der Erde hin und scheint
-gern kleine Hügelchen und Ungleichheiten des Bodens zu überziehen. In
-Zierlichkeit des Wuchses, Zartheit der Blume und Farbenglanz der Beere,
-steht dieses Wintergrün den zuvor beschriebnen wenig nach.
-
-In unsern Wäldern kommt eine Pflanze vor, welche unter dem Namen
-^Man-drake^ (Mandragore), ^May-apple^ (Mai-Apfel) und ^ducks-foot^
-(Enten-Fuß) bekannt ist. Die Botaniker nennen sie Podophyllum[53],
-und sie gehört, was Klasse und Ordnung betrifft, der ^Polyandria
-monogynia^ an. Ihre Blüthe ist gelblich weiß, die Blumenkrone
-besteht aus sechs Blumen-Blättern; die Frucht ist länglichrund und,
-reif, grünlich gelb; in Größe gleicht dieselbe einer Olive, oder
-großen Mandel; nach Erlangung ihrer völligen Reife schmeckt sie, wie
-eingemachte Tamarinden, angenehm säuerlich; sie scheint wenig zu
-tragen, wiewohl sie auf reichem nassem Waldboden schnell überhand
-nimmt. Die handförmigen Blätter kommen einzeln hervor, und beschatten,
-stehen mehre Pflanzen beisammen, den Boden ziemlich dicht, sind mit
-ihrem Mittelpunkt an den Blattstiel befestigt und gleichen, wenn sie
-zuerst über der Erde erscheinen, zusammen gefalteten Regen- oder
-Sonnen-Schirmen, indem ihre Kanten sämmtlich abwärts stehen, mit der
-Zeit entfalten sie sich und bilden eben so viele kleine, schwach
-convexe Baldachins. Die Frucht dürfte sich mit Zucker sehr gut zum
-Einmachen eignen.
-
-Das Lilien-Geschlecht bietet eine große Mannigfaltigkeit, von den
-kleinsten bis zu den größten Blumen, dar. Die rothe Martagon-Lilie
-(Gelbwurz) wächst in großer Menge auf unsern Ebnen. Der gemeine
-Hundszahn (^Erythronium dens canis^), mit seinen gefleckten Blättern,
-glockenförmigen hängenden, gelben, inwendig mit hochrothen Tüpfeln zart
-gefleckten und auswendig mit feinen Purpur-Linien gezeichneten Blumen,
-verleiht unsern Wäldern, wo er sich schnell vermehrt, einen großen
-Reiz; er bildet ein schönes Blumenbeet, die Blätter kommen einzeln
-hervor, von jeder besondern Knolle eins. Es giebt zwei Varietäten
-von dieser Pflanze, die blaßgelbe, ohne Tüpfeln und Linien, und die
-dunkelgelbe, mit Tüpfeln und Linien; die Staubwege der letztern sind
-röthlich orangenfarben und dick mit feinen Blumenstaub bepudert[54].
-
-Der Daffodil unsrer Wälder ist eine zarte hängende, blaßgelbe Blume;
-die Blätter stehen längs dem Blumenschaft, von einer Entfernung zur
-andern; drei oder mehre Blüthen folgen gewöhnlich an der Spitze des
-Schaftes, eine nach der andern; dieses Gewächs liebt dunkelschattige,
-feuchte Waldstellen.
-
-Eine sehr schöne Pflanze, dem Lilien-Geschlecht angehörig, wächst in
-großer Menge in unsern Wäldern und Lichtungen; in Ermangelung eines
-passenderen Namens nenne ich dieselbe _Douri-Lilie_, wiewohl sie weit
-über einen großen Theil des Continents verbreitet ist. Die Amerikaner
-nennen die weiße und rothe Spielart dieser Species »weißen und rothen
-Tod.« Die Blume ist entweder dunkelroth oder glänzend weiß, jedoch
-findet man die weiße bisweilen mit einem zarten Rosenroth oder einem
-dunkeln Grün betupft; letztere Farbe scheint durch den Uebergang des
-Kelches in das Blumen-Blatt bewirkt zu werden. Warum sie einen so
-furchtbaren Namen erhalten, ist mir bis jetzt ein Räthsel geblieben.
-Die Blumenkrone besteht aus drei Blumen-Blättern, der Kelch ist
-dreitheilig; sie gehört der ^Hexandria monogynia^ an, der Griffel ist
-dreispaltig; der Samenbehälter dreiklappig; sie liebt drockne Wälder
-und gelichteten Boden; die Blätter stehen zu dreien, entspringen von
-den Gelenken, sind groß, rund und an den Enden etwas zugespitzt.
-
-Wir haben Mai-Blumen (^lilies of the valley^) und die mit ihnen
-zugleich erscheinende Meisterwurz, einen kleinblumigen Türkenbund von
-blaßgelber Farbe, nebst einer endlosen Mannigfaltigkeit von kleinen
-Liliaceen, die sich sowohl durch ihre schönen Blätter als ihre zarten
-Formen auszeichnen.
-
-Unsre Farnkräuter sind sehr zierlich gestaltet und zahlreich; ich
-habe nicht weniger als acht verschiedne Arten in unsrer unmittelbaren
-Nachbarschaft gesammelt; einige davon nehmen sich ganz allerliebst
-aus, vorzüglich eine, welche ich wegen ihrer leichten zierlichen
-Form »Elfen-Farn« (^fairy-fern^) nenne. Ein elastischer Stamm von
-purpurartigem Roth trägt mehre leichte Seiten-Zweige, die sich
-mannigfaltig verästeln und mit zahllosen Blättchen besetzt sind; jedes
-Blättchen hat einen Stiel, welcher es mit dem Zweige verbindet, und
-dieser Stiel ist so leicht und haarartig, daß der leiseste Luftzug die
-ganze Pflanze in Bewegung setzt.
-
-Könnte man sich nur einbilden, daß Canada einst der Schauplatz von
-Elfen-Festen gewesen, so würde ich ohne weiteres behaupten, daß dieses
-zierliche Gewächs sich wohl geeignet, den Elfen-Hof von _Oberon_ und
-_Titania_ zu beschatten.
-
-Wenn dieses Farnkraut zuerst über der Erde erscheint, so ist es von
-dem verwitterten Holze der umgestürzten Fichten kaum zu unterscheiden;
-es hat dann eine licht röthlichbraune Farbe und ist seltsam
-zusammengerollt. Im Mai und Juni entfalten sich die Blätter und nehmen
-bald das zarteste Grün an; sie sind fast durchsichtig; das Vieh frißt
-sehr gern davon.
-
-Die Mocassin-Blume (Ginster) Frauen-Schuh[55], (bemerken Sie die
-seltsame Aehnlichkeit zwischen der indianischen und unsrer Benennung
-der Pflanze) ist eine unsrer bemerkenswerthesten Blumen, sowohl wegen
-ihres eigenthümlichen Baues als auch wegen ihrer Schönheit. Unsre
-Ebnen und trocknen sonnigen Weideplätze bringen verschiedne Spielarten
-hervor; unter diesen sind der gelbe Frauen-Schuh[56], (^Cypripedium
-pubescens^) und ^Cypripedium Arietinum^ die schönsten.
-
-Die Honiglippe des erstern ist lebhaft canariengelb und mit dunkel
-carmosinrothen Flecken betupft. Die obern Blumen-Blätter bestehen
-in zwei kurzen und zwei langen; in Gefüge und Farbe gleichen sie
-der Scheide von einigen der Narzissen-Gattungen; die kurzen stehen
-aufrecht, wie ein paar Ohren, die langen oder seitlichen sind dreimal
-so lang als die erstern, sehr schmal und zierlich gewunden, wie die
-spiralförmigen Hörner des wallachischen Widders; lüftet man eine dicke
-gelbe fleischige Art von Deckel, in der Mitte der Blume, so sieht
-man das genaue Gesicht eines indianischen Hundes, vollkommen in
-allen seinen Theilen, -- Nase, Augen und Schnauze; darunter hängt ein
-offner Sack herab, der rings um die Oeffnung leicht zusammen gezogen
-ist, wodurch er ein hohles und bauchiges Ansehn erhält; die innere
-Seite dieses Sackes ist zart mit Dunkelcarmosin getupft oder schwarz
-gefleckt; der Blumen-Schaft schwillt nach oben zu an und bildet eine
-Krümmung; die Blätter sind groß, oval, etwas zugespitzt und gerippt.
-Die Pflanze wird nicht viel über sechs Zoll hoch; die schöne Farbe
-und das seidenartige Gewebe der Unterlippe oder des Sackes macht, daß
-ich für meinen Theil ihrer Blüthe den Vorzug vor der purpurnen und
-weißen Varietät gebe, wiewohl letztre wegen der Größe der Blume und der
-Blätter, außer dem Contrast zwischen der weißen und rothen oder weißen
-und purpurnen Farbe, weit mehr in die Augen fällt.
-
-In Bildung und Structur gleicht diese Species der andern, nur mit dem
-Unterschiede, daß die Hörner nicht gewunden sind, und das Gesicht mehr
-dem eines Affen ähnelt; sogar der komische Ausdruck des Thieres ist
-mit so bewundernswürdiger Treue nachgeahmt, daß man bei Erblickung der
-seltsamen, unruhig erscheinenden Fratze, mit ihren schwarzen, unter
-ihrer Capuze hervorschauenden Augen, unwillkührlich lächeln muß.
-
-Diese Pflanzen gehören der ^Gynandria diandria^ an; _Pursh_ beschreibt
-sie mit einigen Abweichungen, und vergleicht z. B. das Gesicht der
-letztern mit dem des Schafs; wenn aber ein Schaf zu diesem Gemälde saß,
-so muß es das verschmitzteste und boshafteste der ganzen Heerde gewesen
-sein.
-
-Ein seltsames Wasser-Gewächs kommt in seichten, stockenden und langsam
-fließenden Gewässern vor; es enthält ein ganzes Weinglas Wasser. Ein
-armer Soldat brachte mir ein Exemplar und fügte die Bemerkung hinzu,
-es gleiche einer Pflanze, die er oft in Egypten gesehn, und die von den
-Soldaten »_Soldaten-Becher_« genannt werde, und daß er selbst manchen
-Trunk frischen Wassers daraus geschlürft habe.
-
-Ein andres Exemplar erhielt ich von einem Herrn, der meine Vorliebe für
-fremde Gewächse kannte, er gab ihm sehr passend den Namen Krug-Pflanze
-(^Pitcher-Plant^) höchst wahrscheinlich gehört sie zu dem Geschlecht,
-welches diesen Namen führt.
-
-Die geruchreichsten und würzigsten Blumen sind unsre wilden Rosen,
-welche die Luft mit den angenehmsten Düften füllen, die purpurne
-Monarde, die von der Blüthe bis zur Wurzel Wohlgeruch ist, selbst
-nachdem sie Monate lang der kalten Winter-Atmosphäre ausgesetzt
-gewesen; ihre getrockneten Blätter der Samen-Behälter sind so
-aromatisch, daß sie Händen und Kleidern ihren angenehmen Parfume
-mittheilen. Alle unsre Münzen haben einen sehr starken aromatischen
-Geruch; das Maiblümchen verbreitet den süßesten Duft; hierher gehören
-auch meine Königin der Seen (die weiße Wasser-Lilie) und ihr Gefährte,
-der Wasser-König, nebst vielen andern Blumen, die ich jetzt nicht
-aufzählen kann. Gewiß ist indeß, daß es unter einem so großen Verein
-von Blumen, verhältnißmäßig nur wenige giebt, welche aromatische
-Gerüche aushauchen; einige unsrer Waldbäume verbreiten einen angenehmen
-Parfume. Ich bin auf meinen Spaziergängen oft stehen geblieben, um an
-sonnigen Tagen den wohlriechenden Duft von einem Cedern-Moor, während
-die dicht verschränkten Aeste und Zweige noch voll Thautropfen von
-einem frischgefallnen Schauer hingen, in vollen Zügen einzuathmen.
-
-Nicht unerwähnt darf hier die Balsam-Pappel oder Tacamahac bleiben,
-welche die Luft um sich her mit Wohlgerüchen schwängert, vorzüglich
-wenn die Gummi-Knospen sich eben zu entfalten anfangen; die
-Balsam-Pappel bildet sich zu einem schönen zierlichen Baume aus,
-versteht sich, wo sie Raum genug zur Ausbreitung ihrer Aeste hat.
-Sie wächst vorzüglich an den Ufern der Seen und in offnen Mooren,
-bildet aber auch eine Hauptzierde unsrer Ebnen und nimmt sich mit
-ihren silberfarbigem runden, wehenden Laube sehr schön aus; die Rinde
-schwitzt ein klares Gummi-Harz in durchsichtigen Kügelchen aus, und die
-Knospen überziehen sich mit einer in hohem Grade aromatischen gummösen
-Flüssigkeit.
-
-Unsre Gräser verdienen alle Aufmerksamkeit; es giebt hier Varietäten,
-die mir ganz neu sind und getrocknet eine elegante Zierde unsrer Kamine
-bilden; auf dem Kopfe einer Dame würden sie sich sehr hübsch ausnehmen,
-wenn nur nicht die Mode stets künstlichen Putz dem natürlichen vorzöge.
-
-Eine oder zwei Gras-Arten, die ich gesammelt habe, zeigten, ihre
-Kleinheit abgerechnet, große Aehnlichkeit mit dem indianischen Korn;
-sie haben eine Troddel oder Quaste, und eine achtseitige Aehre;
-die kleinen Körner sind reihenweise um die Spindel angeordnet. Das
-^Sisyrinchium^ oder blauäugige Gras hat eine niedliche kleine azurblaue
-Blume, mit einem goldfarbigen Fleck an der Basis jedes Blumenblattes;
-die Blätter sind steif und fahnenartig; diese niedliche Pflanze wächst
-büschelweise auf leichtem sandigen Boden.
-
-Ich habe Ihnen in Vorliegendem eine Beschreibung der
-bemerkenswerthesten Pflanzen gegeben; und wenn auch meine Mittheilungen
-zum Theil der ächt botanischen Nomenclatur nicht ganz entsprechen
-mögen, so habe ich sie doch mindestens gerade so geschildert, wie sie
-mir erschienen sind.
-
-Mein holdes Knäbchen scheint bereits Geschmack an Blumen zu finden,
-und ich will diesen so sehr als möglich befördern. Botanik ist ein
-Studium, welches zur Veredlung und Verfeinerung der Seele beiträgt, es
-kann auf eine einfache Weise zur Himmelsleiter gemacht werden, wenn man
-ein Kind lehrt, mit Liebe und Bewunderung auf jenen allmächtigen und
-gütigen Gott zu blicken, der die Blumen so schön schuf und bildete, um
-diese Erde zu befruchten und zu schmücken.
-
- Leben Sie wohl Theuerste Freundin.
-
-Fußnoten:
-
-[51] ^Blitum (Strawberry-bearing spinach, Indian Strawberry.)^
-
-[52] Die Engländer durchkreuzen häufig in ihren Briefen die der Quere
-nach mit schwarzer Tinte geschriebnen Zeilen mit andern der Länge nach
-verlaufenden, wozu sie rothe Tinte nehmen.
-
-[53] Nach _Willdenow_ ist die Wurzel dieser Pflanze arzneikräftig.
-
-[54] Der gemeine Hundszahn wächst auch im südlichen Europa. Die
-knollige weiße Wurzel ist schleimig und nahrhaft, sie kann wie der
-Salep als ein Nahrungsmittel für Entkräftete und Abzehrende gebraucht
-werden.
-
-[55] ^Lady's-slipper.^
-
-[56] ^The yellow mocassin flower.^
-
-
-
-
-Fünfzehnter Brief.
-
- Nochmalige Betrachtung verschiedner Punkte. -- Fortschritte der
- Ansiedlungen. -- Canada, das Land der Hoffnung. -- Besuch bei der
- Familie eines See-Offiziers. -- Eichhörnchen. -- Besuch bei einem
- ausgewanderten Geistlichen; seine Geschichte. -- Schwierigkeiten,
- womit er Anfangs zu kämpfen hatte. -- Temperament, Charakter und
- Gewohnheiten der Emigranten sind von großem Einfluß auf das Gedeihen
- oder Nichtgedeihen ihrer Ansiedlung.
-
-
- September 26, 1834.
-
-Ich versprach bei meiner Abreise von England, Ihnen sobald als möglich
-eine genügende Auskunft von unsrer Niederlassung in Canada zu geben.
-
-Ich werde jetzt mein Bestes thun, um meinem Versprechen nachzukommen,
-und Ihnen eine kleine Skitze von unsern Unternehmungen, Thun und
-Treiben vorzulegen, nebst solchen Bemerkungen über die natürlichen
-Züge des Ortes, wo wir unsre Heimath aufgeschlagen, die Ihnen, meines
-Bedünkens, Interesse und Unterhaltung gewähren dürften. Machen Sie sich
-also, Theuerste Freundin, auf einen langen abschweifenden Brief gefaßt,
-worin ich etwas von der Natur des Irrlichts zeigen, und, nachdem ich
-Sie, mir in meinen regellosen Wanderungen, --
-
- Ueber Berg, über Thal,
- Durch Busch und Dorngesträuch,
- Ueber Feld und Auen,
- Durch Fluthen durch Feuer.
-
-zu folgen bestimmt, Sie möglicher Weise mitten in einem dichten
-Cedern-Moor oder in dem pfadlosen Dickichte unsrer wilden Wälder ohne
-Führer oder auch nur ein Zeichen, das Ihnen den Weg andeuten könnte,
-verlassen werde.
-
-Sie werden aus meinen Briefen an meine theure Mutter, von unsrer
-glücklichen Ankunft zu Quebec, von meiner Krankheit zu Montreal,
-von allen unsern Abentheuern und Widerwärtigkeiten während unsrer
-Reise landeinwärts gehört haben, und wie wir nach einer ermüdenden
-Wanderung endlich bei einem liebreichen Verwandten, den wir, nach einer
-mehrjährigen Trennung wieder in die Arme zu schließen, glücklich genug
-waren, endlich einen Ruheplatz gefunden.
-
-Da meinem Gatten sehr viel daran gelegen war, sich in der Nachbarschaft
-eines so nahen Verwandten von mir niederzulassen, indem er wohl denken
-mochte, daß der Wald dadurch etwas von jener Einsamkeit verlieren
-würde, worüber die meisten Frauen sich so bitter beklagen, so kaufte er
-ein Stück Land an den Ufern eines schönen Sees, dem Gliede einer Kette
-der kleinen Seen, die dem Otanabee angehören.
-
-Hier also haben wir uns angebaut, fünfundzwanzig Acker unsers
-Besitzthums sind bereits gelichtet und urbar gemacht, und ein nettes
-Häuschen ist ebenfalls seit geraumer Zeit fertig und dient uns als
-Schutz und Obdach, die Lage unsrer Meierei ist sehr angenehm, und jeder
-Tag erhöht ihren Werth. Als wir zuerst im Busche anlangten, hatten wir,
-mit Ausnahme von S--, blos zwei oder drei Ansiedler in unsrer Nähe, und
-an Communications-Wege war gar nicht zu denken. Die einzige Straße, die
-zum Güter-Transport aus dem nächsten Städtchen allenfalls taugte, lag
-auf der andern Seite des Wassers, über welches man auf einem Block-
-(Log-) Kahn oder einem Kanoe von Birkenrinde setzen muß. Ersteres
-ist nichts weiter als ein mit der Axt ausgehöhlter Fichtenstamm,
-der ungefähr drei oder vier Personen faßt, einen flachen Kiel hat,
-schmal ist, und daher sehr gut in seichtem Wasser gebraucht werden
-kann. Das Rinden-Canoe ist aus Birken-Rinden-Schichten gezimmert,
-welche die Indianer kunstreich zuzurichten und unter einander zu
-verbinden verstehen; Letzteres geschieht durch Zusammennähen, wozu
-sie sich der zähen Wurzeln der Ceder, jungen Fichte, oder Lärche
-(Tamarack, wie sie von den Eingebornen genannt wird,) bedienen. Diese
-Fahrzeuge sind außerordentlich leicht, so daß sie von zwei Personen,
-ja von einer, ohne Mühe getragen werden können. Dies also waren unsre
-Fahrböte, gewiß sehr zerbrechliche Fahrzeuge, die zu ihrer Führung
-große Geschicklichkeit und Vorsicht erfordern; sie werden durch
-Ruderschaufeln in Bewegung gesetzt, wobei der Rudernde entweder kniet
-oder steht. Die Squaws sind in Steuerung der Canoes sehr geübt und
-behaupten ihre Balance mit großer Geschicklichkeit, sie stehen bei
-ihrer Ruder-Arbeit und steuern in kleinen leichten Nachen mit großer
-Geschwindigkeit durch das Wasser.
-
-Sehr groß ist die Veränderung, welche wenige Jahre in unsrer Lage
-bewirkt haben. Eine Anzahl sehr achtbarer Ansiedler hat sich längs den
-Seen angekauft, so daß es uns nicht länger an Gesellschaft fehlt. Die
-Straßen oberhalb unsrer Niederlassung sind jetzt meilenweit durch den
-Wald gehauen und können, obschon bei weitem nicht tadelfrei, mit Wagen
-und Schlitten bereist werden und sind doch gewiß besser als gar keine.
-
-Da, wo früher ein dichter Fichtenwald den Boden bedeckte, ist ein
-Dorf wie aus der Erde hervor gesprungen; wir haben jetzt in geringer
-Entfernung von unsrer Meierei eine treffliche Säge-Mühle, eine
-Grützmühle und ein Vorraths-Magazin nebst einer Schenke und manchen
-hübschen Wohngebäuden.
-
-Eine hübsche hölzerne Brücke, auf steinernen Pfeilern, ist im vorigen
-Winter gebaut worden, um die Gemeinde-Bezirke auf beiden Flußufern mit
-einander zu verbinden und den Abstand von Peterborough zu vermindern;
-und ob sie gleich unglücklicher Weise in der ersten Hälfte des letzten
-Frühjahrs durch das ungewöhnliche Steigen der Otanabee-Seen fort
-geführt worden ist, so hat doch ein thätiger und unternehmender junger
-Schotte, der Gründer des Dorfes, auf ihren Trümmern eine neue errichtet.
-
-Allein das große Werk, welches früher oder später diesen Theil des
-Distriktes seinem gegenwärtigen Dunkel entreißen wird und muß, ist
-die Eröffnung einer Schiffahrts-Linie vom Huronen-See durch den
-Simcoe-See, so wie durch unsre Kette kleiner Seen bis zum Reis-See und
-endlich durch den Tremt bis zur Bay von Quinte. Dieses großartige Werk
-dürfte von unberechenbarem Vortheil sein, indem dadurch eine direkte
-Communication zwischen dem Huronen-See und den weiter einwärts im Lande
-jenseits des Otanabee gelegnen Gemeinde-Bezirken mit dem St. Laurence
-eröffnet werden würde. Dieses Project ist bereits der Regierung zur
-Berathung vorgelegt worden und ist gegenwärtig ein Gegenstand des
-allgemeinen Gesprächs im Lande; jedenfalls wird es früher oder später
-zur Ausführung kommen. Es ist mit einigen Schwierigkeiten und Kosten
-verbunden, wird aber nothwendiger Weise nicht wenig zum Gedeihen und
-Wohlstande des Landes beitragen, und das Mittel zur Ansiedlung der
-jenseits des Otanabee längs diesen Seen gelegnen Gemeinde-Bezirken
-werden.
-
-Ich muß es erfahrnern Leuten, als ich bin, überlassen, die
-Ersprießlichkeit und Trefflichkeit des fraglichen Plans zu beurtheilen;
-und da Sie, wie ich denke, nicht Willens sind, nach unsern Urwäldern
-auszuwandern, so dürfte Ihnen eine flüchtige Andeutung des Unternehmens
-genügen, und Sie werden schon aus Freundschaft zu mir, -- dafür
-stimmen, daß die Eröffnung eines Marktes für inländische Erzeugnisse
-nicht anders als höchst wünschenswerth sein könne.
-
-Canada ist das Land der Hoffnung, hier ist alles neu, alles schreitet
-hier vorwärts, es ist für Künste und Wissenschaften, für Ackerbau
-und Manufacturwesen fast unmöglich, Rückschritte zu thun; sie müssen
-beständig vorwärts gehen, und wenn auch in einigen Theilen des Landes
-diese Fortschritte langsam erscheinen mögen, so sind sie doch in andern
-verhältnißmäßig eben so reißend.
-
-Die Thatkraft, der Unternehmungs-Geist der Auswandrer, besonders in den
-nur theilweise besiedelten Gemeinde-Bezirken, wird in fortwährender
-Anregung erhalten, ein Umstand, der sie in hohem Grade vor Entmuthigung
-und Verzagtheit schützt.
-
-Die Ankunft eines unternehmenden Mannes wirkt anspornend auf die um
-ihn her, eine gewinnversprechende Speculation kommt in Vorschlag,
-und siehe, das Land in der Nachbarschaft steigt an Werth um das
-Doppelte, ja Dreifache gegen früher; auf diese Weise befreundet und
-fördert er ohne gerade die Absicht zu haben, seine Nachbarn; die Pläne
-eines Ansiedlers sind, so bald sie in Ausführung treten, für viele
-wohlthätig. Wir haben bereits die wohlthätige Wirkung der Ansiedlung
-neuer achtbarer Emigranten in unserm Gemeinde-Bezirk gefühlt, indem der
-Werth unsers Boden-Eigenthums dadurch um das Dreifache gestiegen ist.
-
-Alles dies liebe Freundin, werden Sie sagen, ist recht gut, und dürfte
-verständigen Männern viel Stoff zu einer lehrreichen Unterhaltung
-gewähren, aber uns Frauen wollen dergleiche ernsthafte Erörterungen
-nicht recht behagen; daher bitte ich Sie, ein andres Thema zu wählen,
-und mir lieber zu erzählen, wie Sie Ihre Zeit unter den Bären und
-Wölfen Canadas zubringen.
-
-An einem schönen Tage im letzten Juni besuchte ich zu Wasser die Braut
-eines jungen See-Offiziers, der ein sehr hübsches Stück Land, etwa zwei
-(englische) Meilen oberhalb des Sees gekauft hatte; unsre Gesellschaft
-bestand aus meinem Gatten, meinem Knäbchen und meiner Wenigkeit; wir
-trafen einige angenehme Freunde an, und belustigten uns ganz zu unsrer
-Zufriedenheit. Das Mittagsmahl wurde in dem _Stoup_ aufgetischt, das
-ist, (denn sie möchten schwerlich wissen, was das Wort bedeutet,) eine
-Art weite Vorhalle (Verandah), die auf Pfeilern, häufig unabgerindeten
-Baumstämmen ruht; der Fußboden besteht entweder aus hart getretnem
-Erdreich oder Dielen (Bretern). Das Dach ist mit Rindenschichten oder
-Schindeln gedeckt. Diese Stoups sind holländischen Ursprungs und, wie
-man mir gesagt hat, von den ersten holländischen Ansiedlern in den
-Staaten eingeführt worden; seitdem haben sie ihren Weg in alle übrige
-Colonien gefunden.
-
-Von der Scharlach-Ranke, einer in unsern Wäldern und Wildnissen
-einheimischen Pflanze, der wilden Rebe, und der Hopfen-Pflanze, die
-hier sehr üppig und ohne Arbeit oder Aufmerksamkeit auf ihre Cultur
-gedeiht, bekränzt, haben die Stoups ein recht ländliches Ansehn; im
-Sommer dienen sie als offnes Vorzimmer, wo man sein Mahl einnehmen und
-das Anwehen der frischen Luft genießen kann, ohne von der heftigen
-Hitze der Mittagssonne belästigt zu werden.
-
-Diese Lage unsers Hauses ist vorzüglich gut gewählt, gerade auf dem
-höchsten Punkte einer kleinen aufsteigenden Ebne, die sich ziemlich
-steil nach einem kleinen Thale herabneigt, in dessen Grunde ein klarer
-Bach den Garten von den ihm gegenüberliegenden Korn-Feldern, die das
-Ufer bekränzen, scheidet. Gerade im Angesicht der Vorhalle (Stoup), wo
-wir im Sommer unser Mittags-Mahl einnehmen, ist der Garten angelegt,
-mit einem weichen, von Blumen-Rabatten umsäumten Rasen-Plätzchen, und
-von einem reifenden Weizenfelde durch ein kleines Geländer, an welchem
-sich der üppige Hopfen mit seinen Gäbelchen und zierlichen Blüthen
-hinauf rankt, geschieden. Bei dieser Gelegenheit muß ich Ihnen sagen,
-daß der Hopfen zur Bereitung von Hefen für das Brod gezogen wird. Da
-sie an Gegenständen, die den Haushalt betreffen, großes Wohlgefallen
-finden, so will ich ein Recept, die Bereitung von Hopfen-Hefen, wie wir
-sie nennen, betreffend, für Sie beilegen[57].
-
-Die Yankies bedienen sich eines Sauerteigs aus Salz, warmem Wasser
-oder Milch; allein obschon der mit Salz bereitete Sauerteig recht gut
-aussehende Brode giebt, indem sie viel weißer und fester erscheinen,
-als die mir Hopfen-Hefen bereiteten Brode, so wird doch durch ersteres
-Verfahren dem Brodteige ein Beigeschmack mitgetheilt, der nicht
-jedermanns Gaumen behagt, wozu noch kommt, daß bei sehr kaltem Wetter
-jener Sauerteig fast seine Dienste versagt.
-
-Nachdem ich Ihnen so mein Recept mitgetheilt habe, will ich in die
-Verandah zu meiner Gesellschaft zurück kehren, die, ich kann Ihnen
-versichern, sehr angenehm und traulich war, und wo jeder nach Kräften
-das Seinige zur Unterhaltung beitrug.
-
-Wir hatten Bücher und Zeichnungen, und eine Menge indianischer
-Tändeleien und Putzgeräthschaften, die Sammlung mancher langen Reise an
-ferne Gestade, zu besehen und zu bewundern. Bald nach Sonnenuntergang
-brachen wir auf und nahmen unsern Weg durch die Wälder nach dem
-Landungsplatze am See-Ufer, wo wir unser Rinden-Canoe bereit fanden,
-uns nach Hause zu führen.
-
-Während unsrer Fahrt, gerade beim Anfange der Stromschnellen zog
-ein kleiner Gegenstand im Wasser, der schnell dahin schwamm, unsre
-Aufmerksamkeit auf sich; die Meinungen über den kleinen Schwimmer
-waren verschieden: Einige glaubten, es wäre eine Wasserschlange,
-andre hielten ihn für ein Eichhörnchen oder eine Moschuß-Ratze;
-einige schnelle Ruderschläge brachten uns dem räthselhaften Wandrer
-näher, so daß wir ihm den Weg versperrten; es war ein hübsches rothes
-Eichhörnchen von einer benachbarten Insel, und wahrscheinlich auf einer
-Entdeckungsreise begriffen. Das niedliche Thierchen, anstatt sein Heil
-in der Flucht nach einer entgegengesetzten Richtung zu suchen, sprang
-mit einer Beherztheit und Geschicklichkeit, die seine Verfolger in
-Erstaunen setzte, leicht an der aufgehobnen Ruderschaufel in die Höhe,
-und von dieser meinem erschrocknen Knaben gerade nach dem Kopfe, und,
-nachdem es meine Schulter gewonnen, wieder ins Wasser, und steuerte
-geraden Weges dem Ufer zu, ohne auch nur einen einzigen Strich von
-der Linie abzuweichen, welche es verfolgte, als es zuerst unsers
-Canoes ansichtig wurde. Die Behendigkeit und der Muth dieses harmlosen
-Geschöpfs, überraschten und unterhielten mich; ich hätte der Sache kaum
-Glauben schenken können, wäre ich nicht selbst Augenzeuge von seinem
-Benehmen gewesen, und überdies an den Schultern durch das von seinem
-Pelze träufelnde Wasser tüchtig durchnäßt worden.
-
-Vielleicht erscheint Ihnen meine Eichhörnchen-Anekdote unglaublich;
-allein ich kann mit meiner persönlichen Erfahrung für ihre Wahrheit
-bürgen, da ich den muntern Springer nicht nur sah, sondern auch
-fühlte. Die schwarzen Eichhörnchen sind sehr liebenswürdige und
-hübsche Thierchen und beträchtlich größer als die rothen, grauen
-und gestreiften; die letztern werden von den Indianern »Tshit-munks
-(^Chit-munks^)« genannt.
-
-Letzten Sommer wurden wir von diesen kleinen Räubern tüchtig
-geplündert, die rothen Eichhörnchen stahlen uns große Quantitäten
-indianischen Korns, nicht blos vom Stengel, als die Saat in der
-Reife begriffen war, sondern sie kamen sogar durch einige Lücken in
-den Blockwänden in die Scheunen, und schleppten sehr viel Getraide,
-(indianisches Korn) fort, das sie sehr geschickt von der Spindel
-abzulösen und nach ihren Vorraths-Magazinen, in hohlen Bäumen oder
-unterirdischen Höhlen, zu transportiren verstanden.
-
-Die kleinen Thierchen sind sehr begierig nach Kürbißkörnern, man sieht
-sie häufig unter dem Vieh umher schnellen, und wenn dieses die Kürbisse
-zerfleischt, mit den herausfallenden Samen davon eilen. Nicht weniger
-gern fressen sie die Samen der Sonnen-Blumen, welche in unsern Gärten
-und Lichtungen eine riesenhafte Höhe erreichen. Das Feder-Vieh liebt
-die Sonnen-Blumen-Körner ebenfalls sehr, und ich sammelte die reifen
-Blumen, in der Absicht, einen guten Vorrath dieser Delicatesse für
-meine armen Hühnchen während des Winters zu haben. Eines Tages ging
-ich, die reifen Köpfe abzuschneiden, wovon die größten einem großen
-Präsentirteller glichen, sah aber zu meinem Aerger zwei diebische rothe
-Eichhörnchen ämsig in Sammlung der Samen, wie Sie wohl denken können,
-nicht für mich, sondern, für sich selbst beschäftigt.
-
-Nicht zufrieden mit Ablösung der Samen, durchsägten die kleinen Diebe
-mit ihren scharfen Zähnen geschickt die Blumenstengel, und schleppten
-ganze Samen-Köpfe auf einmal fort, dabei waren sie so keck, daß sie
-sich durch meine Annäherung nicht im geringsten stören ließen, und
-wichen nicht eher, als bis sie sich ihrer Beute bemächtigt hatten,
-und mit einer Ladung, die wohl zweimal so schwer war, als ihr
-leichter Körper, über Geländer, Wurzeln, Baumstummel und Holz-Blöcke
-pfeilschnell davon eilten, so daß sie jede Verfolgung von meiner Seite
-vergeblich machten.
-
- [Illustration: Rothe Eichhörnchen.]
-
-Groß war der Verdruß, den das kleine muntre Pärchen an den Tag legte,
-als es behufs einer zweiten Ladung wieder kam und die Pflanzen ihrer
-Köpfe beraubt fand. Ich hatte alles, was noch übrig war, abgeschnitten
-und in einem Korbe auf einen kleinen Block, gleich neben einer offnen
-Glasthüre, an die Sonne gestellt; ich saß eben auf der Thürschwelle
-und hülste einige Samen-Bohnen aus, als die Eichhörnchen durch ihre
-scharfen scheltenden Töne, wobei sie ihre leichten federartigen
-Schweife empor hoben, als wollten sie den lebhaftesten Unwillen über
-meine Eingriffe in ihre vermeintlichen Rechte zu erkennen geben, meine
-Aufmerksamkeit in Anspruch nahmen; es währte gar nicht lange, so hatten
-sie den indianischen Korb mit dem ihnen entrissenen Schatze entdeckt;
-einige rasche Bewegungen brachte das kleine Pärchen an das Gitter, nur
-wenige Schritte von mir und den Samen-Köpfen; hier machten sie Halt,
-setzten sich nieder und blickten mich mit bittender Miene an. Ihre
-Verlegenheit machte mir zu viel Vergnügen, als daß ich ihnen hätte
-daraus helfen sollen, allein kaum hatte ich meinen Kopf gedreht, um mit
-meinem Kinde zu sprechen, so schossen sie vorwärts und in einer andern
-Minute hatten sie sich eines der größten Samen-Köpfe bemächtigt, den
-sie fortschleppten; zuerst trug ihn das eine einige Schritte weit, dann
-packte das andere an, denn er war zu groß und schwer, als daß ihn eins
-hätte lange tragen können. Kurz ihre kleinen Manövres machten mir so
-viel Spaß, daß ich mich meines ganzen Vorraths berauben ließ.
-
-Im Frühjahr sah ich eine kleine Eichhörnchen-Familie auf dem Gipfel
-eines hohlen Blockes spielen, und ich kann wohl sagen, daß sie mir
-unter allen Thieren als die lebhaftesten und niedlichsten Geschöpfe
-erscheinen, die man nur immer sehen kann.
-
-Das fliegende Eichhörnchen ist in unsern Wäldern zu Hause
-und übertrifft, meines Bedünkens, in Schönheit alle seine
-Gattungs-Verwandten. Seine Farbe ist das weichste zarteste Grau;
-das Pelzhaar ist dick und kurz, und so seidenartig wie Sammet; die
-Augen sind, wie bei allen Eichhörnchen-Arten groß, voll und sanft,
-die Schnurren und das lange Haar um die Nase sind schwarz; die
-Membran, welche dem Thierchen zum Fliegen dient, ist zart und von
-weichem Gefüge, wie der Pelz des Chinchilla (Ohrmaus), sie bildet
-zwischen den Vorder- und Hinter-Beinen eine Bürste; der Schweif
-gleicht einer zierlichen breiten grauen Feder. Die Erscheinung dieses
-allerliebsten kleinen Geschöpfes überraschte mich sehr angenehm; die
-Zeichnungen welche ich davon gesehen, gaben ihm ein höchst plumpes und
-_fledermausartiges_, fast ekelhaftes Ansehen. Die Jungen lassen sich
-leicht zähmen und sind in der Gefangenschaft sehr zutraulich und zum
-Spielen geneigt.
-
-Wie würde sich meine kleine Freundin _Emilie_, über einen solchen
-Spielkameraden freuen. Sagen Sie ihr, daß ich ihr, sollte ich jemals
-in mein theures Vaterland zurückkehren, wo möglich ein dergleichen
-Thierchen mitbringen werde; vor der Hand aber muß sie sich mit den
-ausgestopften Exemplaren der rothen, schwarzen und gestreiften Art
-begnügen, die ich meinem Packete einverleibt habe. Ich wünschte,
-Ihnen ein werthvolleres Geschenk machen zu können, allein unsre
-Kunstsachen und Manufacturen sind durchaus brittisch, mit Ausnahme der
-Kleinigkeiten, welche die Indianer verfertigen, und es würde mir daher
-schwer fallen, Ihnen etwas der Aufmerksamkeit Werthes zu schicken,
-weshalb ich meine Zuflucht zu den natürlichen Erzeugnissen unsrer
-Wälder als Zeichen der Erinnerung an meine Freunde und Verwandten in
-der _Heimath_ -- denn so nennen wir stets unser theures Geburtsland, --
-nehmen muß.
-
-Sie wünschen zu wissen, ob ich glücklich und mit meiner Lage zufrieden
-bin, oder ob sich mein Herz nach dem alten Vaterlande sehnt. Ich
-will Ihnen aufrichtig antworten und spreche daher hier ein für alle
-mal aus, daß ich, in Bezug auf Geschmackssachen und frühzeitige
-Gedanken-Verbindungen und alle jene heiligen Bande der Verwandtschaft
-und alte Freundschaftsbündnisse, welche die Heimath Allen und Jedem,
-von welcher Nation er auch sei, so theuer machen, England den Vorzug
-gebe.
-
- [Illustration: Fliegendes Eichhörnchen.]
-
-Auf der andern Seite mindert der Gedanke an die freiwillig übernommenen
-Pflichten, und ein Gefühl von Zufriedenheit mit meiner Lage das
-Bedauern, welchem ich nachzuhängen, mich geneigt finden möchte.
-Ueberdies giebt es für mich neue und heilige Banden, die mich an
-Canada fesseln; ich habe viel häusliches Glück genossen, seitdem ich
-hierher gekommen bin; -- und ist Canada nicht das Geburtsland meines
-theuren Kindes? Habe ich nicht hier zum ersten Male jenes Entzücken
-genossen, welches von mütterlichen Gefühlen entspringt? Wenn mein Auge
-auf meinem lächelnden Bübchen ruht, oder wenn ich seinen warmen Athem
-an meiner Wange fühle, so füllt meine Brust eine Wonne, die ich gegen
-kein Vergnügen auf Erden vertauschen möchte. »Recht gut,« hör' ich
-Sie im Geiste erwiedern, »allein diese Empfindungen sind ja nicht auf
-eure einsamen canadischen Wälder beschränkt.« Ich weiß dies wohl, aber
-hier stört mich nichts in meiner Zärtlichkeit, in den Liebkosungen
-meines theuren Kindes. Hier wird man nicht durch rauschende weltliche
-Vergnügungen zur Vernachlässigung seiner Mutterpflichten veranlaßt,
-hier kann nichts den holden Knaben aus meinem Herzen verdrängen; seine
-Gegenwart macht mir jeden Ort theuer und werth, ich lerne die Stelle
-lieben, wo er geboren worden ist, und denke mit Wohlgefallen an meine
-neue Heimath, weil sie sein Vaterland ist; und blicke ich in die
-Zukunft, und fasse ich sein künftiges Wohlergehn ins Auge, so fühle ich
-mich mit doppelter Anhänglichkeit an die Erdscholle gefesselt, welche
-er eines Tages sein nennen wird.
-
-Vielleicht würdige ich das Land nur nach meinen eignen Gefühlen; und
-wenn ich bei einer unparteiischen Prüfung meines gegenwärtigen Lebens
-finde, daß ich eben so glücklich oder noch glücklicher bin, als in der
-alten Heimath, so muß ich es schätzen und lieben.
-
-Wollte ich mich über die Vortheile, die ich besitze, ins Einzelne
-einlassen, so würden sie in den Augen von Leuten, die in all dem
-Glanze, all der Herrlichkeit und Fülle schwelgen, die Reichthum in
-einem durch Natur sowohl als Kunst den rauschenden Vergnügungen der
-Welt so günstigen Lande verschaffen kann, in einem sehr negativen
-Charakter erscheinen; allein ich habe ja nie dem Wohlleben und
-der Modesucht gefröhnt. Große Gesellschaften und die alltäglichen
-Vergnügungen der eleganten Welt verursachten mir stets Langeweile, wo
-nicht Ekel. Durch all dieses hofartige Treiben wird das Herz nicht
-befriedigt, wie sich ein Dichter äußert, und ich pflichte dem Ausspruch
-völlig bei.
-
-Ich war immer nur zu sehr geneigt, mit Ungeduld die Fesseln von mir zu
-spornen, welche Etiquette und Mode der Gesellschaft anzulegen pflegen,
-bis sie ihren Jüngern alle Freiheit und Unabhängigkeit des Willens
-rauben, und dieselben sich bald genöthigt sehen, für eine Welt zu
-leben, die sie im Stillen verachten und satt haben, für eine Welt, die
-sie noch dazu mit Geringschätzung betrachtet, weil sie nicht mit einer
-Unabhängigkeit handeln dürfen, die so wie sie sich äußert, gleich zu
-Boden gedrückt werden würde.
-
-Ja ich muß Ihnen offen bekennen, daß meine gegenwärtige Freiheit in
-diesem Lande ein großer Genuß für mich ist. Hier besitzen wir einen
-Vortheil vor Ihnen, so wie auch vor denjenigen, welche die Städte und
-Dörfer meines neuen Vaterlandes bewohnen, denn leider herrscht in
-diesen ein lächerliches Streben, einen Schein zu unterhalten, welcher
-der Lage derer, die ihn annehmen, durchaus nicht entspricht. Wenige,
-sehr wenige Emigranten kommen in die Colonien, außer mit der Absicht,
-für sich und ihre Kinder Unabhängigkeit zu erlangen. Diejenigen,
-welchen es nicht an Mitteln zu einem behaglichen Leben in der Heimath
-gebricht, würden sich wohl schwerlich jemals den Entbehrungen und
-Unannehmlichkeiten eines Ansiedler-Lebens in Canada aussetzen; der
-natürliche Schluß aus allem diesem ist, daß der Emigrant mit dem
-Wunsche und der Hoffnung hierher gekommen, seinen Zustand zu verbessern
-und die Wohlfahrt einer Familie zu sichern, die er in der Heimath
-anständig zu versorgen, nicht die Mittel hatte. Es ist mithin wirklich
-närrisch und ungereimt, eine Lebensweise anzunehmen, die, wie jeder
-weiß, nicht behauptet werden kann; dergleichen Leute sollten doch
-viel mehr in dem Bewußtsein, daß sie, wenn es ihnen gefällt, ihren
-Umständen gemäß leben können, ohne wegen ihrer Sparsamkeit, Klugheit
-und Thätigkeit minder geachtet zu werden, ihre Glückseligkeit suchen.
-
-Wir _Buschsiedler_ unsers Theils sind weit unabhängiger, wir thun, was
-uns beliebt, wir kleiden uns, wie es uns am passendsten und bequemsten
-dünkt; wir haben nichts von einem Mr. und einer Mrs. _Grundy_ zu
-fürchten; und da wir die Fesseln des _Grundyismus_ abgeschüttelt haben,
-so lachen wir über die Thorheit derjenigen, welche von neuem ihre Kette
-schmieden und gleichsam umarmen.
-
-Statten uns unsre Freunde einen unerwarteten Besuch ab, so nehmen wir
-sie unter unsern niedrigen Dache gastlich auf, und geben ihnen das
-Beste, was wir haben; und ist unsre Kost noch so gering, so tischen wir
-sie mit gutem Willen auf, und eine Entschuldigung wird weder gemacht
-noch erwartet; da Jedermann mit den mißlichen Verhältnissen einer neuen
-Ansiedlung bekannt ist; ja eine Apologie wegen Mangel an Vielfältigkeit
-oder Leckereien der Tafel würde in dem Gaste einen Selbstvorwurf
-erzeugen, daß er unsre Gastfreundschaft zur ungelegnen Zeit auf die
-Probe gestellt.
-
-Unsre Gesellschaft besteht meist aus See- und Land-Offizieren, so daß
-wir in diesem Punkte in unsrer Sphäre sind, und auf feinen Anstand und
-gute Sitten zählen können, und an eine Abweichung von jenen Gesetzen,
-die guter Geschmack, gesunder Verstand und ein richtiges moralisches
-Gefühl unter Leuten unsers Standes begründet haben, nicht zu denken ist.
-
-Indeß gereicht es hier zu Lande der Frau eines Offiziers oder Gentleman
-keineswegs zur Unehre, wenn sie in der Hauswirthschaft selbst Hand
-anlegt, oder alle häusliche Pflichten, sobald es die Gelegenheit
-erfordert, allein verrichtet. Erfahrenheit in den Geheimnissen der
-Seifen-, Lichter- und Zucker-Bereitung, im Brodbacken, Buttern
-und Käsemachen, im Melken der Kühe, im Stricken, Spinnen und der
-Zubereitung der Wolle für den Webstuhl, ist für sie von unendlichem
-Werth und macht sie zu einem ehrenwerthen Mitgliede der Gesellschaft.
-In dergleichen Dingen strafen wir _Busch-Damen_, die, welche die Nasen
-rümpfen und die vornehmen Bemerkungen, welche ein Mr. oder eine Mrs. N.
-N. in der Heimath machen würde, mit gebührender Verachtung. Wir rühmen
-uns unsrer Fügung in die Umstände; und da ein brittischer Offizier
-nothwendiger Weise ein feiner, gebildeter Mann, und seine Gattin
-eine feine Dame sein muß, so trösten wir uns mit dem Besitz dieser
-Eigenschaften als dem unwiederleglichen Beweis einer höheren Bildung,
-und lassen uns in unsrer nutzvollen Thätigkeit nicht im mindesten
-stören, da hierdurch unsre Sittenfeinheit keinen Abbruch erleiden kann.
-
-Unsre Gatten verfolgen eine ähnliche Lebensweise; der Offizier
-vertauscht seinen Degen mit dem Pflugschaar, seine Lanze mit der
-Sichel, und wer ihn zwischen den Baumstummeln den Boden aufhacken, oder
-auf seinem Grundstück Bäume fällen sieht, denkt deswegen nicht geringer
-von ihm und seinem Stande, oder hält ihn darum weniger für einen
-Gentleman, wie früher, als er noch in allem Glanze und aller Würde
-militairischer Etiquette, mit Feldbinde, Degen und Epauletten auf dem
-Paradeplatze erschien. Es ist alles ganz so, wie es in einem Lande sein
-muß, wo Unabhängigkeit von Betriebsamkeit und Fleiß unzertrennlich
-ist, und gerade dieser Umstand macht es mir so schätzenswerth.
-
-Unter mehren Vortheilen, deren wir uns in diesem Gemeinde-Bezirk
-erfreuen, halte ich den nicht für unbeträchtlich, daß die niedere
-arbeitende Ansiedler-Klasse aus ordentlichen, gutwilligen und von den
-widrigen Yankie-Sitten, wodurch sich manche der früher angesiedelten
-Gemeinde-Bezirke zu ihrem Nachtheil unterscheiden, völlig freien
-Leuten besteht. Unsre Dienstboten sind eben so oder fast eben so
-ehrerbietig, als die in der Heimath; auch werden sie nicht an unsere
-Tische gezogen oder auf gleichen Fuß mit uns gestellt, ausgenommen als
-»_Bienen_« und bei ähnlichen öffentlichen Versammlungen; wobei sie sich
-in der Regel anständig und geziemend benehmen, so daß sie manchen,
-die sich Gentleman nennen, nämlich jungen Leuten, die willkührlich
-jene Beschränkungen auf die Seite setzen, welche die Gesellschaft von
-solchen, die einen achtbaren Posten ausfüllen, erwartet, als Muster
-dienen könnten.
-
-Unmäßigkeit ist leider ein nur zu vorherrschendes Laster unter allen
-Volks-Klassen in diesem Lande; allein ich erröthe, indem ich es sage,
-daß sich vorzüglich diejenigen desselben schuldig machen, welche dem
-bessern Stande angehören wollen. Solche mögen doch ja nicht über die
-Freiheiten klagen, welche sich die arbeitende Klasse gegen sie heraus
-nimmt, und daß sie ihnen auf eine Weise begegnet, als wäre sie ihres
-Gleichen, denn sie stellen sich ja selbst durch ihr Betragen unter den
-anständigen, nüchternen, wenn auch armen Ansiedler. Wenn sich die Söhne
-von Gentlemen selbst erniedrigen, so darf es ja gar nicht befremden,
-daß die Söhne armer Leute in einem Lande, wo alle einander auf gleichem
-Boden begegnen, und nur ein anständiges feines Benehmen Unterschiede
-zwischen den verschiednen Klassen bildet, sich über sie zu erheben
-suchen.
-
-Als ich vor einigen Monaten bei einer Freundin in einem entfernten
-Theile des Landes zum Besuch war, begleitete ich sie in die
-Wohnung eines Geistlichen, des Predigers in einem blühenden Dorfe
-in dem Gemeinde-Bezirk, wo sie einige Tage bleiben wollte -- die
-patriarchialische Einfachheit des Hauses und seiner Bewohner
-überraschte mich. Wir wurden in das kleine Familien-Zimmer geführt,
-dessen Fußboden nach der unter den Yankies üblichen Sitte angestrichen
-war, die Wände hatten keine Tapeten, sondern bestanden aus Tannenholz
-ohne alle Verzierung, das Hausgeräthe entsprach der allgemeinen
-Einfachheit. Ein großes Spinnrad schnurrte unter den fleißigen Händen
-einer sauber gekleideten Matrone von milden, feine Bildung verrathenden
-Zügen; ihre kleinen Töchter saßen mit ihren Strickstrümpfen am
-Kaminfeuer, während der Vater mit Unterrichtung von zwei seiner Söhne
-beschäftigt war; ein dritter saß behaglich auf einem kleinen Strohstuhl
-zwischen seinen Füßen, und ein vierter schwang seine Axt mit nervigen
-Armen im Hofe und warf von Zeit zu Zeit durch das Stubenfenster
-sehnsuchtsvolle Blicke nach dem traulichen Familienkreise im Innern.
-
-Die Kleidung der Kinder bestand aus einer groben Art Zeug, einem
-Gemisch von Wolle und Flachs (Zwirn), dem Erzeugniß der kleinen Meierei
-und des rühmlichen Fleißes ihrer Mutter. Strümpfe, Socken, Müffchen und
-warme Umschlagetücher waren sämmtlich Haus-Fabrikate. Mädchen sowohl
-als Knaben trugen Mocassins, die sie selbst gefertigt hatten. Gesunder
-Verstand, Fleiß und Ordnung herrschten unter den Gliedern dieses
-kleinen Haushaltes.
-
-Mädchen und Knaben handelten, wie es schien, nach dem Grundsatz, daß
-nichts entehrend sei, als was unmoralisch und unschicklich ist.
-
-Gastfreundschaft ohne Uebertreibung, Freundlichkeit ohne geheuchelte
-Sprache bezeichneten das Benehmen unsrer würdigen Freunde. Alles
-und Jedes im Hauswesen geschah mit Rücksichtsnahme auf Ordnung und
-Bequemlichkeit, das Besitzthum (ich sollte wohl lieber sagen, das
-Einkommen) der Familie war nur gering; sie besaß einige Acker an das
-kleine Häuschen stoßendes Torf-Land, aber durch Thätigkeit und Fleiß
-außer und im Hause, so wie durch Sparsamkeit und gute Wirthschaft
-sah sie sich im Stande, zwar einfach aber doch auf anständigem
-Fuße zu leben; mit einem Wort, wir erfreuten uns während unsres
-Aufenthaltes bei diesen guten Menschen mancher von jenen Genüssen,
-die eine völlig urbare canadische Meierei darbieten kann; Geflügel
-aller Art, hausschlachtenes Rindfleisch, treffliches Schöpsenfleisch
-und Geräuchertes waren in Ueberfluß vorhanden; zum Thee hatten wir
-mancherlei Delicatessen: Eingemachtes, Honig in Scheiben, treffliche
-Butter und guten Käse nebst verschiednen Sorten Kuchen; eine Art
-kleine Pfann-Kuchen von Buchweizen-Mehl, in einer kleinen Pfanne mit
-Hefen geknetet und nachmals in heißen Speck gestürzt und gebacken;
-ein Präparat von indianischem Korn-Mehl, Namens Supporne-Kuchen
-(^Supporne-cake^), in Schnitzeln geschmort und gebacken und mit
-Ahorn-Syrup gegessen, gehörten ebenfalls unter die Raritäten unsers
-Frühstücks.
-
-Als ich eines Morgens ein Völkchen sehr schönen Geflügels im Hühnerhofe
-bewunderte, sagte meine Wirthin lächelnd zu mir, »ich weiß nicht, ob
-Sie glauben, daß ich auf rechtlichem Wege dazu gekommen bin.«
-
-»O ich bin gewiß, Sie erlangten die hübschen Thierchen nicht durch
-unerlaubte Mittel,« erwiederte ich lachend, »für Ihre Grundsätze in
-dieser Hinsicht will ich bürgen.«
-
-»Schön,« sagte meine Wirthin, »sie sind mir weder gegeben noch verkauft
-worden, und doch habe ich sie auch nicht gestohlen. Ich fand den
-ursprünglichen Stamm auf folgende Weise. Eine alte schwarze Henne
-erschien eines Morgens ganz unerwartet vor unsrer Thür; wir begrüßten
-den Ankömmling mit Staunen und Freude; denn wir konnten zu dieser Zeit
-unter unsrer kleinen Colonie keinen einzigen Haus-Vogel aufweisen.
-Wir haben nie recht erfahren können, wie die Henne in unsern Besitz
-kam, vermuthen aber, daß eine landeinwärts reisende Auswandrer-Familie
-dieselbe unterwegs verloren haben muß; diese Henne legte zehn Eier und
-brütete sie glücklich aus; die kleine Brut war der Stamm von unsern
-Hühnern, und wir konnten bald unsre Nachbarn mit dergleichen Geflügel
-versorgen. Wir schätzen diese Vögel nicht blos wegen ihrer vorzüglichen
-Größe, sondern auch wegen der eigenthümlichen Weise, auf die wir sie
-erhalten haben, und die uns als ein Beweis von Gottes Fürsorge für
-unsre Angelegenheiten erschien.«
-
-Sehr viel Unterhaltung gewährte mir die leichte Skitze, welche uns der
-Prediger eines Abends zum besten gab, als wir alle um ein prasselndes
-Holzfeuer herum saßen, das in dem, mit seinem steinernen Mauerwerk weit
-vorspringenden und zu beiden Seiten ziemlich tiefe Winkel bildenden
-Kamin hoch emporloderte.
-
-Er bezog sich auf seine erste Ansiedlung und bemerkte Nachstehendes: --
-
-»Es herrschte eine trostlose Wildniß von finstern dichtstehenden
-Waldbäumen, als wir zuerst unser Zelt hier aufschlugen, zu dieser Zeit
-war noch keine Axt an die Wurzel auch nur eines einzigen Baumes gelegt
-worden, noch kein Feuer, außer von umherstreifenden Indianern, war in
-diesen Wäldern angezündet worden.
-
-»Ich kann immer noch den Ort zeigen, wo mein Weib und meine Kleinen
-ihr erstes Mal verzehrten und ihre schwachen Stimmen mit dankerfüllten
-Herzen zu jenem allmächtigen und barmherzigen Wesen erhoben, welches
-sie glücklich und wohlbehalten mitten durch die Gefahren des Oceans
-hierher geführt hatte.
-
-»Wir glichen einer kleinen, in einer großen Wüste, unter dem besondern
-Schutze eines mächtigen Hirten, wandernden Heerde.«
-
-»Ich habe Sie meine liebe junge Freundin,« (diese Worte galten meiner
-Gefährtin,) von den Entbehrungen und Mühseligkeiten im Busche sprechen
-hören; aber glauben Sie mir, Sie haben im Vergleich mit denen, die vor
-einigen Jahren hierher kamen, nur wenig davon erfahren.
-
-»Fragen Sie nur meine ältern Kinder und meine Frau, wie beschaffen die
-Beschwerden und Mühseligkeiten des Buschsiedler-Lebens noch vor zehn
-Jahren waren, sie werden Ihnen sagen, daß sie Hunger und Kälte, und
-alle damit verbundne Uebel zu erdulden hatten, daß es zu Zeiten an
-jedem nöthigsten Nahrungs-Artikel fehlte. Was die feinen Lebensgenüsse
-und Luxus-Artikel anlangt, so wußten wir nichts davon; und wie konnten
-wir auch? wir waren weit von jeder Gelegenheit entfernt, dergleichen
-Dinge zu erlangen; Kartoffeln, Schweinfleisch und Mehl waren unsre
-einzigen Vorräthe, und oft gingen uns die beiden letztern aus, und
-es dauerte eine ziemliche Weile, ehe wir neue erlangen konnten. Die
-nächsten Mühlen waren dreizehn (englische) Meilen von uns entfernt, und
-der Weg dahin führte durch blos angedeutete Wald-Pfade; und überdies
-hatten wir keinen einzigen Ansiedler in der Nähe. Jetzt sehen Sie
-uns in einer gelichteten, völlig urbar gemachten Gegend, umgeben von
-blühenden Meiereien und entstehenden Dörfern; aber zu der Zeit, wovon
-ich spreche, war es nicht so; damals gab es weder Gewürzläden, noch
-Vorraths-Häuser, wir hatten keine Fleischbänke, keine gelichteten
-Meierein, keine Milcherei, keine Obstgärten; auf diese Dinge mußten wir
-geduldig warten, bis Fleiß und Betriebsamkeit sie herbeiführen würden.
-
-»Unsre Kost bestand in nichts anderm, als eingepöckeltem
-Schweinfleisch, Kartoffeln und bisweilen in Brod zum Frühstück;
-Schweinfleisch und Kartoffeln bildeten unser Mittagsmahl, Kartoffeln
-und Schweinfleisch unsern Abendtisch, nebst einem Brei aus indianischem
-Korn für die Kinder. Bisweilen mußten wir uns mit Kartoffeln ohne
-Schweinfleisch, bisweilen mit Schweinefleisch ohne Kartoffeln
-begnügen; dies war unsre tägliche Kost im ersten Jahre. Nach und nach
-erhielten wir etwas Korn von unserm eignen Boden, woraus wir uns
-mittels einer Handmühle ein grobes Mehl bereiteten; denn wir hatten
-weder Wasser- noch Wind-Mühlen in unsrer Colonie, und gutes Brod war in
-der That ein Luxus-Artikel für uns, den wir nicht oft hatten.
-
-»Wir brachten eine Kuh mit, die uns während des Frühlings und Sommers
-mit Milch versorgte; aber wegen des wilden Knoblauchs (ein in unsern
-Wäldern sehr häufiges Unkraut), welchen sie fraß, war ihre Milch kaum
-genießbar, sie starb im folgenden Winter, zu unserm nicht geringen
-Kummer; wir lernten, daß Erfahrung in dieser so wie in vielen andern
-Angelegenheiten, hoch zu stehen kommt, jetzt aber genießen wir den
-Vortheil davon.«
-
-»Bestimmten sie die Schwierigkeiten, worauf sie damals stießen, nicht
-bisweilen zu Mißmuth und zur Reue über die freiwillige Wahl einer von
-ihrer frühern so verschiednen Lebensweise?« fragte ich.
-
-»Sie dürften diese Wirkung wohl herbeigeführt haben, hätte nicht ein
-höherer Beweggrund, als bloser weltlicher Vortheil mich veranlaßt,
-meiner Heimath Lebwohl zu sagen und hierher zu kommen. Sehen Sie, die
-Sache verhielt sich so: ich war mehre Jahre Prediger eines kleinen
-Dörfchens in den Gruben-Distrikten von Cumberland gewesen. Ich war den
-Herzen meiner Gemeinde theuer, sie war meine Freude und meine Krone.
-Eine Anzahl meiner Kirchgänger, durch Armuth und schlechte Zeiten
-gedrückt, beschloß, nach Canada auszuwandern.
-
-»Getrieben von dem natürlichen und nicht ungesetzmäßigen Verlangen,
-ihre Lage zu verbessern, erschien ihnen eine Reise über das atlantische
-Meer das beste Mittel dazu, und überdies ermuthigte sie das
-Versprechen, daß ihnen ein beträchtlicher Flächenraum wilden Bodens
-bewilligt werden sollte; denn damals war die Regierung in dergleichen
-Schenkungen an Leute, welche Colonisten werden wollten, sehr freigebig.
-
-»Allein vor Ausführung dieses Unternehmens kamen mehre der achtbarsten
-von ihnen zu mir und setzten mich von ihrem Plan und ihren Gründen
-zu einem so wichtigen Schritt, den sie im Begriff zu thun waren, in
-Kenntniß; und zu gleicher Zeit baten sie mich in den rührendsten
-Ausdrücken, im Namen der ganzen Gesellschaft, die sich zur Auswanderung
-bestimmt hatte, sie in die Wildnisse des Westens zu begleiten, damit
-sie nicht Gefahr liefen, ihren Herrn und Erlöser zu vergessen, wenn sie
-sich von ihrem geistigen Führer und Beistand verlassen sähen.
-
-»Anfangs verursachte mir der Vorschlag keine geringe Bestürzung; es
-schien mir ein wildes und abentheuerliches Unternehmen; allein nach
-und nach begann ich, mit Vergnügen bei der Sache zu verweilen. Ich
-hatte, außer in meinem Geburts-Dorfe, wenige Bekannte, die mich an
-das Heimathsland fesselten; das Einkommen von meiner Predigerstelle
-war so gering, das es kein großes Hinderniß abgeben konnte; gleich
-_Goldsmith_'s Pastor galt ich »_für reich, mit vierzig Pfund das
-Jahr_.« Mein Herz hing mit inniger Liebe an meiner kleinen Heerde; zehn
-Jahr hindurch war ich ihr Führer und Seelsorger gewesen; ich war der
-Freund der Alten und der Lehrer der Jugend. Meine _Marie_ hatte ich aus
-ihrer Mitte gewählt; sie hatte keine fremden Banden, um sie in weiter
-Ferne mit Reue und Bedauern auf die Bewohner der Heimath blicken zu
-machen, ihre Jugend und ihre Reife hatte sie unter ihnen erlebt, so daß
-sie mir, als ich ihr den Vorschlag meiner Pfarrkinder mitgetheilt und
-zugleich meine Wünsche zu erkennen gegeben hatte, nach Unterdrückung
-eines bangen schmerzlichen Gefühls in ihrer Brust, mit _Ruth_'s Worten
-erwiederte --
-
-»Dein Land soll mein Land, dein Volk das meinige sein; wo du stirbst,
-will auch ich sterben und begraben sein; der Herr thue mir so und so,
-wenn mich etwas anderes als der Tod trennen sollte.«
-
-»Eine liebreiche zärtliche Lebensgefährtin bist Du mir immer gewesen,
-meine _Marie_,« schaltete der gute Mann hier ein, indem er seine Augen
-voll Zärtlichkeit auf das milde Antlitz der würdigen Matrone richtete,
-deren ausdrucksvolle Miene besser als Worte die Gefühle ausdrückten,
-welche ihre Brust bewegten. Sie erwiederte nicht mit Worten, aber
-ich sah die dicken glänzenden Thränen auf die Arbeit in ihrer Hand
-fallen. Sie entsprangen von Bewegungen, die zu heilig waren, um durch
-neugierige Augen gestört zu werden, und ich wendete eilig meinen Blick
-von ihrem Gesicht; während der Prediger in Erzählung der Umstände,
-die sein Scheiden von der Heimath, seine Reise und endlich seine
-Ankunft in dem Lande begleitet, welches der kleinen Colonie in dem
-noch ungelichteten Theile des Gemeinde-Bezirks bewilligt worden war,
-fortfuhr.
-
-»Wir hatten vor unsrer Ankunft in diesem Distrikte viele nützliche
-Rathschläge und allen nützlichen Beistand von den Regierungs-Agenten
-erhalten, und auch einige Holzspeller gegen hohe Löhne gemiethet, um
-uns in der Kunst, Bäume zu fällen, aufzuschichten, zu verbrennen und
-den Boden zu reinigen, zu unterrichten; da es unser Hauptziel war,
-irgend eine Feldfrucht zu erbauen und einzuernten, so legten wir ohne
-weitern Aufschub, als den die Errichtung eines einstweiligen Obdachs
-für Weib und Kind erheischte, sogleich Hand ans Werk, und bereiteten
-den Boden zur Aufnahme von Frühlings-Saat vor, wobei wir einer dem
-andern mit Zugvieh und Arbeit beistanden. Und hier muß ich bemerken,
-daß mir jede Aufmerksamkeit und Unterstützung von meinen Freunden zu
-Theil ward. Meine Mittel waren gering, und meine Familie war zu jung,
-um mir einige Dienste leisten zu können. Indeß fehlte es mir nicht
-an Hülfe, und bald hatte ich die Freude, ein kleines Fleckchen zur
-Erbauung von Kartoffeln und Korn gelichtet und gereinigt zu sehen,
-ein Resultat, das ich durch meine alleinigen Anstrengungen nimmermehr
-herbeigeführt haben würde.
-
-»Mein ältester Sohn _Johann_ war erst neun Jahr alt, _Willie_ sieben
-und die andern alle noch hülfloser; die beiden Kleinen, die Sie hier
-sehen, sind erst nach meiner Ankunft in diesem Lande geboren worden.
-Die blonde Dirne, welche neben Ihnen sitzt und strickt, war noch ein
-Säugling, ein hülflos weinendes Kind, so schwach und kränklich, ehe
-wir hier eintrafen, daß sie selten aus den Armen ihrer Mutter kam;
-allein sie wuchs und gedieh unter der abhärtenden Behandlung einer
-Buschsiedler-Familie zusehends.
-
-»Wir hatten kein Haus, keine Art von Obdach zu unsrer Aufnahme, als
-wir an dem Orte unsrer zukünftigen Bestimmung anlangen; und die ersten
-beiden Nächte brachten wir auf den Ufern der Einbucht am Fuße des
-Berges in einer Hütte von Cedern- und Schierlingstannen-Aesten zu, die
-ich mit meiner Axt und mit Hülfe einiger meiner Gefährten zum Schutz
-meiner Gattin und der Kleinen errichtete.
-
-»Obgleich in der Mitte Mai's, waren die Nächte doch noch sehr kalt, und
-wir waren froh, als ein tüchtiges Holzfeuer vor dem Eingange der Hütte
-loderte, welches uns nicht nur gegen die Kälte, sondern auch vor den
-Stichen der Musquitos sicherte, die in Myriaden vom Flusse her über uns
-herfielen, und uns das Ufer weiter hinauftrieben.
-
-»Sobald als möglich, errichteten wir eine Shanty, die jetzt als
-Schuppen für das junge Vieh dient; ich wollte sie nicht niederreißen,
-wiewohl ich oft gedrängt wurde, dies zu thun, da sie eine angenehme
-Aussicht vom Fenster aus verhindert; allein ich blicke gar zu gern
-darauf und erinnere mich dabei an die ersten Jahre, die ich unter
-ihrem niedrigen Dache verlebt habe. Wir bedürfen solcher Gegenstände,
-um uns an unsre ehemalige Lage zu erinnern; denn wir werden nur zu
-leicht stolz und hören dann auf, unsre gegenwärtigen Annehmlichkeiten
-gebührend zu schätzen.
-
-»Unser erster Sabath wurde unter freiem Himmel gefeiert; meine Kanzel
-war ein aus rohen Baumstämmen aufgeschichteter Pfeiler, meine Kirche
-der tiefe Schatten des Waldes, unter welchem wir uns versammelten;
-aber von einer aufrichtigeren Frömmigkeit und Inbrunst, als an diesem
-Tage, bin ich nie Zeuge gewesen. Ich erinnere mich noch recht gut an
-den von mir gewählten Text; ich entlehnte ihn aus dem achten Capitel
-des fünften Buches Mosis, Vers 6, 7, und 9, die mir auf unsre damaligen
-Umstände anwendbar zu sein schienen.
-
-»Im folgenden Jahre errichteten wir ein kleines Blockhaus, das uns als
-Schule und Kirche diente. Anfangs waren unsre Fortschritte in Lichtung
-des Bodens nur langsam; denn wir mußten erst Lehrgeld bezahlen und
-Erfahrung kaufen, und mancherlei und groß waren die Täuschungen und
-Entbehrungen, denen wir in den ersten fünf Jahren zu begegnen hatten.
-Zu einer Zeit litten wir alle am Fieber, und keiner war im Stande,
-dem andern beizustehen; dies war eine traurige Zeit; allein bessere
-Tage warteten unser. Die Anzahl der Auswandrer nahm fortan zu, und die
-kleine Niederlassung, welche wir begründet, stand in gutem Rufe. Ein
-neuer Ankömmling erbaute eine Säge-Mühle; ein andrer eine Korn-Mühle;
-bald folgte auch ein Magazin, und diesem ein zweites und drittes, bis
-wir ein blühendes Dorf um uns her empor steigen sahen. Nun fing das
-Land an Werth an zu gewinnen, und manche von den alten Ansiedlern
-verkauften die ihnen zugefallnen Parcellen mit Vortheil und zogen
-weiter waldeinwärts.
-
-»In demselben Verhältniß, als das Dorf wuchs, nahmen natürlicher Weise
-auch meine amtlichen Pflichten zu, die mir in den ersten Jahren meine
-kleine Heerde durch freiwillige Liebesdienste und Geschenke vergalt;
-jetzt genieße ich die Zufriedenheit, meinen Lohn zu ernten, ohne daß
-ich meinen Pfarrkindern zur Last falle. Mein Grundstück nimmt an Werth
-zu, und außer meinem Honorar als Prediger erhalte ich noch für die
-Schule eine kleine Zulage, welche die Regierung zahlt. Wir können
-uns jetzt glücklich preisen, daß wir hier sind; denn Gott hat unsre
-Bemühungen gesegnet.«
-
-Ich habe manche interessante Umstände vergessen, die mit den Prüfungen
-und Entbehrungen, welchen diese Familie ausgesetzt war, in Verbindung
-standen; indeß erzählte uns der Prediger genug, um mich mit meiner
-Lage auszusöhnen, und ich kehrte nach einem angenehmen mehrtägigen
-Aufenthalte bei diesen liebenswürdigen Menschen, mit erhöhter
-Zufriedenheit und einigen nützlichen praktischen Lehren, die mich mein
-ganzes Leben hindurch begleiten werden, nach Hause zurück.
-
-Ich interessire mich gegenwärtig nicht wenig für einen jungen Schotten,
-der von England hierher gekommen ist, um die canadische Feldwirthschaft
-zu lernen; der arme Junge hatte sich höchst romantische Vorstellungen
-von dem Leben eines Ansiedlers gebildet, und zwar theils aus den
-Berichten, die er gelesen, theils durch eine lebhafte Phantasie
-verführt, welche die Täuschung vollendet und in ihm den Glauben
-erzeugt hatte, daß er seine Zeit hauptsächlich mit den bezaubernden
-Vergnügungen und Abentheuern, welche die Jagd auf Rehe und andres
-Wild, das Schießen nach Tauben und Enten, das Erlegen des Fuchses mit
-dem Speer, bei Fackellicht, das Umhersteuern auf den Seen in einem
-Canoe von Birkenrinde während des Sommers, das Schlittschuhlaufen oder
-Schlittenfahren, nach Art der Lappländer, über den gefrornen Schnee,
-mit einer Schnelligkeit von zwölf (englischen) Meilen, und unter
-dem muntern Geläute von Glöckchen und Schellen u. s. w. darbieten,
-zubringen werde. Welch anmuthiges Leben, um einen Knaben von vierzehn
-Jahren für sich einzunehmen, der eben erst den lästigen Beschränkungen
-einer Pensions-Anstalt entflohen ist.
-
-Wie wenig mochte ihn von den Plackerein und Mühseligkeiten träumen,
-welche von den Pflichten eines Burschen seines Alters in einem Lande,
-wo Alt und Jung, Herr und Diener in gleichem Grade, und ohne Rücksicht
-auf frühere Lage und Rang, Hand ans Werk legen müssen, unzertrennlich
-sind.
-
-Hier muß der Sohn eines Gentleman selbst Holz spellen und Wasser
-hohlen; er lernt hier Bäume fällen, Holzpfeiler errichten, Gitterwerk
-zuschneiden, das Feuer während der Brenn-Zeit bewachen, und ist dabei
-in einen groben Ueberwurf von hanfnem Zeuge (^logging-shirt^) und
-entsprechende Pantalons gekleidet, und mit einem Yankie-Strohhut auf
-dem Kopfe und einem Spieß zur Handhabung der lodernden Feuerbrändte
-versehen. Beschicken, Anschirren und Führen des Zugviehs, Pflügen,
-Säen, das Pflanzen von indianischem Korn und Kürbissen, das Legen von
-Kartoffeln gehört unter die Verrichtungen des jungen Emigranten. Seine
-Erholungen sind vergleichungsweise nur wenige, allein eben wegen ihrer
-Seltenheit haben sie einen um so viel größeren Reiz, und gewähren einen
-um so größeren Genuß.
-
-Sie können sich denken, wie der arme Junge niedergeschlagen sein mußte,
-als er seine schönen Träume von Belustigungen aller Art, vor der
-ernsten, nüchternen Wirklichkeit und der mühseligen Geschäftigkeit,
-welche einem jungen Ansiedler in den Urwäldern obliegt, in Nichts
-zerrinnen sah.
-
-Jugend ist indeß das passendste Alter zur Auswanderung in dieses
-Land; der Mensch fügt sich dann bald in seine neue Lage und versöhnt
-sich nicht nur im Verlauf der Zeit mit der Veränderung seiner
-Lebens-Verhältnisse, sondern gewinnt sie sogar lieb. Einen Trost
-gewährt es ihm auch, wenn er sieht, daß er nicht mehr thut, als andre
-von gleichen Ansprüchen auf Rang und Erziehung verrichten müssen, wenn
-sie fortkommen und gedeihen wollen; und vielleicht wird er in der
-Zukunft das Land segnen und preisen, welches ihn von einem Theil jenes
-dummen Stolzes befreit hat, welcher ihn mit Verachtung auf diejenigen
-herabblicken machte, deren Beschäftigungen von niedrer Art waren.
-
-Es wäre ein himmelschreiendes Unrecht, wenn man Leute, welche
-auszuwandern wünschen, mit falschen und schmeichelnden Gemälden von
-den in diesem Lande zu erwartenden Vortheilen vorsätzlich hintergehen
-wollte. Man mache sie in seinen Berichten mit dem Für und Wider genau
-bekannt; und der Leser brauche seinen besten, von Vorurtheilen oder
-Gewinnsucht in einer Sache von solcher Wichtigkeit nicht sowohl für ihn
-selbst, sondern auch für diejenigen, zu deren Führer und Beschützer
-ihn die Natur bestimmt hat, unbehinderten Verstand. Es ist indeß weit
-schwieriger über Auswanderung und die damit verbundnen Umstände zu
-schreiben, als viele sich einbilden; der Gegenstand umfaßt ein so
-weites Feld, daß, was in Bezug auf einen Theil der Provinz vollkommen
-richtig sein mag, dieses hinsichtlich eines andern keineswegs
-sein dürfte. Ein Distrikt unterscheidet sich von dem andern, ein
-Gemeinde-Bezirk von dem andern, je nach seinen natürlichen Vortheilen;
-es frägt sich hier, ob er seit langer Zeit angesiedelt ist oder nicht,
-ob er Wasser besitzt oder nicht; der Boden, ja selbst das Klima sind je
-nach Lage und andern Umständen verschieden.
-
-Viel, sehr viel hängt hier von dem Temperament, der Gewohnheit und
-dem Charakter der Emigrantin selbst ab. Was dem einen frommt, paßt
-nicht auch für den andern; eine Familie wird gedeihen, und alle
-Bequemlichkeiten um ihre Wohnstätte her versammeln, während andere
-in Armuth und Mißmuth leben. Es würden ganze Bände nöthig sein, um
-jedes Argument für und wider zu erörtern, und genau anzugeben, welche
-Personen sich zur Auswanderung eignen, und welche nicht.
-
-Haben Sie ^Dr.^ _Dunlop's_ geistreich und witzig geschriebnen
-»^Backwoodsman^« gelesen? Sollte dies nicht der Fall sein, so suchen
-Sie ihn so bald als möglich zu bekommen, er wird Sie unterhalten. Ich
-denke eine Urwaldsiedlerin (^Backwoodswoman^) könnte in demselben Tone
-geschrieben werden; einige Seiten, die Geschichte von dergleichen
-Damen enthaltend, würden als Beispiel für unser Geschlecht dienen.
-In der That bedürfen wir einiger heilsamen Ermahnungen hinsichtlich
-unsrer Pflichten so wie der Thorheit, zu bereuen, daß wir unsern Gatten
-gefolgt sind und ihr Loos mit ihnen theilen, daß wir denen gefolgt
-sind, welchen wir einst in glücklichern Stunden ewige Liebe und Treue
--- in Reichthum und Armuth, in Leiden und Freuden, Gesundheit und
-Krankheit -- angelobt haben. Nur zu viele thun dieses Gelübde, ohne
-seine Wichtigkeit zu bedenken und ohne die Zufälligkeiten zu berechnen,
-welche ihre Treue auf eine harte Probe setzen dürften, wie z. B. wenn
-es sich darum handelt, Verwandte, Freunde und Vaterland zu verlassen
-und sich dem harten Loose eines Ansiedler-Lebens zu unterziehen; gewiß
-kein geringes Opfer; allein die treue liebende Gattin wird es bringen,
-ja sie wird sich zu noch größeren Schwierigkeiten verstehen, wenn es
-der Mann ihrer Wahl von ihr fordert.
-
-Allein es ist Zeit, daß ich Ihnen Lebewohl sage; mein Brief ist zu
-einem furchtbaren Packet angeschwollen, er wird Sie gewiß langweilen,
-und Sie werden ihn auf den Boden des atlantischen Oceans herabwünschen.
-
-Fußnoten:
-
-[57] Siehe den Anhang.
-
-
-
-
-Sechszehnter Brief.
-
- Indianische Jäger. -- Segel auf einem Canoe. -- Mangel an Bibliotheken
- in den Urwäldern. -- Neues Dorf. -- Fortschritte und Verbesserungen.
- -- Leuchtende Insekten (Johanniswürmchen.)
-
-
-Ich habe Ihnen in einem früheren Briefe von einem Winter-Besuch bei den
-Indianern erzählt; ich will Ihnen jetzt Einiges über ihr Sommer-Lager
-mittheilen, das ich an einem schönen Juni-Nachmittage in Begleitung
-meines Gatten und einiger Freunde, die zu uns kamen, um den Tag mit uns
-zuzubringen, in Augenschein genommen habe.
-
-Die Indianer hatten ihr Lager auf einer kleinen, zwischen den beiden
-Seen hervorspringenden Halbinsel aufgeschlagen; unser nächster Weg
-dahin würde durch den Busch geführt haben, allein der Boden war so mit
-umgestürzten Bäumen bestreut, daß wir eine Fahrt im Canoe vorzogen.
-Der Tag war warm, ohne drückend heiß zu sein, wie dies nur zu oft
-während der Sommer-Monate der Fall ist; und o Wunder! die Musquitos
-und schwarzen Stechfliegen waren so höflich, daß sie uns gar nicht
-beschwerlich fielen. Unsre leichte Barke glitt leicht und ruhig über
-die ruhige Wasserfläche im Schatten der überhängenden Aeste von Cedern,
-Schierlingstannen und Balsampappeln, welche köstliche Wohlgerüche
-verbreiten, wenn die wehenden Lüfte durch ihre Laubkrone streichen.
-Ein Beet blauer Schwertlilien (^iris^), untermengt mit schneeweißen
-Nymphäen, über die unser Canoe wegsegelte, entzückte mein Auge. Als
-wir um einen felsigen Ufervorsprung gesteuert waren, sahen wir den
-dünnen bläulichen Rauch aus dem Indianer-Lager sich über die Bäume
-kräuseln, und bald war unser Canoe sicher an einem derselben, auf der
-Seite des Indianer-Lagers, angelegt, und mit Hülfe der weitspreizigen
-Zweige und des Unterholzes gelang es mir, mich einen steilen Pfad
-hinan zu arbeiten, und bald stand ich gerade vor dem Zelte. Es war
-Sonntag Nachmittags; sämmtliche Männer waren zu Hause; einige der
-jüngern Familien-Glieder (drei Familien bewohnten den Wigwam) warfen
-zum Zeitvertreib den Tomahawk nach einer Kerbe, die in die Rinde
-eines fern stehenden Baums gehauen war, oder schossen mit ihren Bogen
-und Pfeilen nach dem Ziele, während die ältern theils auf ihren
-Bettdecken im Schatten schliefen, theils lasen, theils rauchten und
-die Geschicklichkeit der jungen, mit einander wetteifernden Schützen
-ernsten Auges prüften.
-
-Blos eine von den Squaws war zu Hause, und zwar meine alte Freundin,
-die Gattin des Jägers, die auf einer Bettdecke saß; ihr jüngstes
-Kind, der kleine _David_, eine Papouse von drei Jahren, die noch
-nicht entwöhnt war, ruhte zwischen ihren Füßen; sie beäugelte ihn oft
-mit liebevollen zärtlichen Blicken, und klopfte ihn von Zeit zu Zeit
-sanft auf das zottige Köpfchen. _Peter_, der eine Art angesehner Mann,
-wenn auch gerade kein Häuptling ist, saß neben seiner Frau, in einen
-hübschen blauen Schlafrock gekleidet, den eine rothe gewirkte Binde
-über der Hüfte zusammen hielt. Er rauchte aus einer kurzen Pfeife und
-betrachtete die vor der Thür des Zeltes versammelte Gesellschaft mit
-einem Ausdruck ruhiger Theilnahme; bisweilen nahm er seine Pfeife auf
-einige Augenblicke aus dem Munde und bezeichnete durch eine Art innern
-Ausruf den Erfolg oder das Fehlschlagen der Versuche seiner Söhne, das
-Ziel am Baume zu treffen. Die alte Squaw, winkte mir, sobald sie meiner
-ansichtig wurde, zu, näher zu treten und gab mir mit wohlmeinendem
-Lächeln zu verstehen, indem sie auf eine freie Stelle ihrer Bettdecke
-hinwieß, daß ich neben ihr Platz nehmen möchte, was ich auch that.
-Die Durchmusterung des Wigwams und seiner Bewohner machten mir viel
-Unterhaltung. Das Gebäude war von länglicher Form, und an beiden Enden
-offen, jedoch wurden die Oeffnungen, wie man mir sagte, des Nachts
-durch Tücher oder Matten verschlossen; der obere Theil des Dachs war
-ebenfalls offen; die Seitenwände bestanden aus rohem Pfahlwerk mit
-großen Schichten zwischen die Stöcke, welche das Gerippe des Zeltes
-bildeten, gezogner Birkenrinde; eine lange dünne Stange von Eisenholz
-bildet einen niedern Tragbalken, woran verschiedne eiserne und kupferne
-Töpfe und Kessel, desgleichen einige Keulen frisch getödteten Wildbrets
-und gedörrte Fische hingen; das Feuer nahm den Mittelpunkt der Hütte
-ein, und um die glühende Asche her lagen mehre friedliche Jagdhunde;
-sie zeigten etwas von der ruhigen Apathie ihrer Herren, sie öffneten
-beim Eintreten der Fremdlinge blos die Augen, und als sie bemerkten,
-daß alles in Ordnung war, überließen sie sich wieder ihrem Schlummer
-und kümmerten sich nicht weiter um uns.
-
-Die Jäger-Familie nahm eine ganze Seite des Gebäudes ein, während
-_Joseph Muskrat_ mit seiner Familie, und _Joseph Bolans_ und seine
-Squaw die entgegengesetzte Wand theilten; die verschiednen Abtheilungen
-waren durch Bettdecken, Fischerspeere, lange Flinten, Tomahawks und
-andres Eigenthum bezeichnet und geschieden; das Kochgeräthe anlangend,
-so schien es mir wegen seiner Spärlichkeit allen gemeinschaftlich
-anzugehören; es herrschte vollkommne Freundschaft und Einigkeit
-zwischen den drei Familien, und, nach dem äußern Anschein zu urtheilen,
-waren alle glücklich und zufrieden. Ein Blick auf die Bücher in den
-Händen der jungen Männer überzeugte mich, daß es fromme Lieder und
-Abhandlungen waren; die eine Seite enthielt den englischen Text, die
-andere die indianische Uebersetzung. Auf unsre Bitten sangen die Männer
-eins von den Liedern, welches recht gut klang, allein wir vermißten
-die süßen Stimmen der indianischen Mädchen, die ich vor dem Hause
-gelassen hatte, wo sie auf einem Fichtenstamme saßen und sich mit
-meinem Knäbchen unterhielten, welches ihnen nebst seiner Wärterin sehr
-zu gefallen schien.
-
-An der Außenseite des Zeltes zeigte mir die Squaw ein Canoe von
-Birkenrinde, dessen Bau noch nicht vollendet war. Die Gestalt
-des kleinen Fahrzeugs war durch eine Anzahl in regelmäßigen
-Abständen von einander in die Erde gesteckte Stöcke angedeutet; die
-Birkenrinden-Schichten waren angefeuchtet, und jede an dem geeigneten
-Platze durch Cedern-Latten befestigt, die so gekrümmt sind, daß sie als
-Rippen oder Fachwerk dienen; die Rindenschichten sind mit den zähen
-Wurzeln des Tamarack (Lärchenbaum) zusammengestrickt; und die Ränder
-des Canoes sind mit demselben Material besäumt oder umflochten; das
-Ganze wird, ist es so weit vollendet, mit dickem Gummi überzogen.
-
-Ich hatte die Ehre, von Mrs. _Peter_ nach Hause gerudert zu werden, und
-zwar in einem neuen Canoe, das eben erst von Stapel gelassen worden
-war; die Bewegung war in höchstem Grade angenehm, ich saß auf dem Boden
-des kleinen Fahrzeugs auf einigen leichten Schierlingstannen-Zweigen
-und meine Heimfahrt war sehr ergötzlich und angenehm. Das Canoe, durch
-den Arm der schwärzlichen Amazone in Bewegung setzt, flog schnell über
-das Wasser, und bald landeten wir in einer kleinen Bucht in geringer
-Entfernung von meinem Hause. Zur Vergeltung der mir von der Squaw
-erwiesnen Aufmerksamkeit, erfreute ich sie durch das Geschenk einiger
-Perlen zum Einwirken in Messerscheiden und Mokassins womit sie sehr
-zufrieden zu sein schien; sie verbarg ihren Schatz sorgfältig im
-Busentuche, und befestigte ihn noch überdieß mit einem Stückchen Bande.
-
-Gepaart mit einer eigenthümlichen Zurückgehaltenheit und ernstem
-Temperament zeigen die Indianer in einigen Stücken zu gleicher Zeit
-einen Grad von kindischem Wesen. Ich gab dem Jäger und seinem Sohne
-eines Tages einige colorirte Kupferstiche, die ihnen viel Spaß zu
-machen schienen, denn sie lachten gewaltig über die modisch gekleideten
-Figuren. Nachdem sie das Haus verlassen, setzten sie sich auf einen
-gefallenen Baum, versammelten ihre Hunde um sich und breiteren vor
-jedem besonders die Gemälde aus.
-
-Die armen Thiere, anstatt die bunt gekleideten Herren und Damen
-aufmerksam zu betrachten, streckten ihre Köpfe in die Höhe und
-leckten ihren Herren Hände und Gesicht; allein der alte _Peter_
-hatte sich einmal vorgenommen, daß die Hunde das Vergnügen der
-Gemäldeschau theilen sollten, daher drückte er sie mit der Nase auf die
-Kupferstiche, und hielt sie an ihren langen Ohren fest, wenn sie Miene
-machten, zu entweichen. Ich hätte den alten ernsten Indianer eines so
-kindischen albernen Benehmens kaum für fähig gehalten.
-
-Diese halbcivilisirten Wilden scheinen gegenwärtig nicht mehr so
-eingenommen für bunten glänzenden Putz wie früher, und beobachten
-in ihrer Kleidung mehr einen europäischen Styl; es ist nichts
-Ungewöhnliches, einen Indianer in einen feinen Tuchoberrock und
-Pantalons gekleidet zu sehen, wiewohl ich gestehen muß, daß die
-weiten Ueberhemden, womit die Regierung sie versorgt, und die einen
-Theil ihrer jährlichen Geschenke bilden, ihnen weit besser stehen
-und bequemer sind. Die Squaws ziehen baumwollene oder wollene
-Röcke, Schürzen und Tücher, und andre dergleichen nützliche Artikel
-vor; wiewohl sie ihre Kleinen gern recht herausputzen, und ihre
-Wiegen-Decken mit Seide und Perlen sticken und an ihren Schultern
-Flügel von Vögeln befestigen. Wie viel Vergnügen machte mir die
-Erscheinung eines dieser indianischen Cupidos, der mit den Fittigen des
-amerikanischen Streitvogels, eines sehr schönen Thieres, geschmückt
-war. Der erwähnte Vogel ist unserm brittischen Buchfinken nicht
-unähnlich, nur daß die Farben seines Gefieders lebhafter sind; Brust
-und Unter-Federn der Flügel schmückt das glänzendste Carminroth, das
-mit Schwarz und Weiß schattirt ist. Man hat diesen Vogel deshalb
-Streit- oder Kriegs-Vogel genannt, weil er zuerst während des letzten
-amerikanischen Krieges in Canada erschienen ist, ein Umstand, der,
-meines Bedünkens, wohl verbürgt ist oder wenigstens allgemein Glauben
-gefunden hat.
-
-Ueber Ihre Bemerkung, daß wir in den Urwäldern leicht zu einer
-Leibibliothek unsre Zuflucht nehmen dürften, konnte ich mich kaum des
-Lächelns enthalten. In einer Hinsicht, sind Sie in der That nicht
-so weit von der Wahrheit entfernt; denn die Bibliothek eines jeden
-Ansiedlers kann eine circulirende genannt werden, insofern die Bücher
-von einem Freund zum andern wandern; und glücklicher Weise haben wir
-einige recht wohl bestellte und reichhaltige Bibliotheken in unsrer
-Nachbarschaft, die uns stets offen stehen. Zu York ist eine öffentliche
-Bibliothek, allein von dieser können wir eben so wenig Gebrauch machen,
-als wenn sie sich auf der andern Seite des atlantischen Ozeans befände.
-
-Ich weiß recht gut, wie sich die Sache verhält; in der Heimath hat
-man dieselbe Vorstellung von der Leichtigkeit, in diesem Lande zu
-reisen, die ich ehemals hatte; jetzt aber weiß ich, was Busch-Straßen
-sind, eine Reise von nur wenigen Stunden scheint ein abentheuerliches
-verhängnißvolles Unternehmen. Erinnern Sie sich wohl meines Berichtes
-von einer Tagereise durch den Wald? Es thut mir leid, sagen zu müssen,
-daß sich die Wege seitdem nur wenig verbessert haben. Ich habe nur noch
-einmal eine ähnliche Fahrt gewagt, die mir mehre sehr beschwerdevolle
-Stunden verursachte, und mehr durch gutes Glück als in Folge eines
-andern Umstandes langte ich ganzbeinig an dem Orte meiner Bestimmung
-an. Ich mußte dabei über die häufigen Betheuerungen des Wagenlenkers,
-eines schlauen Burschen aus Yorkshire, lachen: »-- O! wenn ich nur
-seine Excellenz den Gouverneur über diese Straße zu fahren hätte, wie
-wollte ich die Pferde über diese Stummel und Steine traben lassen;«
-aber bald darauf schrie er wieder: »Ich wette, er würde alles dafür
-thun, ehe er wieder darauf führe.«
-
-Unglücklicher Weise haben wir auf dieser Seite des Flusses keine
-von der Regierung angelegte Straße; sie ist blos von den Ansiedlern
-zu größrer Bequemlichkeit durch den Wald gehauen worden, daher ich
-fürchte, daß nichts zu ihrer Verbesserung gethan werden dürfte, wofern
-die Einwohner nicht selbst Hand anlegen.
-
-Wir hoffen bald einen nähern Markt für unser Getraide zu haben, als
-Peterborough ist; eine Kornmühle ist erst kürzlich in dem neuen Dorfe
-errichtet worden. Dies wird ein großer Vortheil für uns sein. Die
-Herbeischaffung von Mehl auf den schlechten Fahrwegen verursacht großen
-Kostenaufwand, und der Zeitverlust, den diejenigen erleiden, welche
-ihren Weizen zum Mahlen nach der Stadt senden müssen, ist ein großes
-Uebel; allein das wird bald anders werden, zur großen Freude der ganzen
-Nachbarschaft.
-
-Sie können sich gar nicht vorstellen, wie wichtig dergleichen
-Verbesserungen sind, und welchen Einfluß sie auf Ermuthigung des
-Emigranten haben, wozu noch kommt, daß sie den Werth seines Besitzthums
-in keinem geringen Grade vermehren; wir haben uns bereits von den
-Vortheilen überzeugt, welche die Nähe der Sägemühle für uns hat, indem
-wir nunmehr nicht nur billiger bauen sondern auch rohe Stämme gegen
-zugeschnittnes Holz austauschen können. Die großen Fichtenstämme,
-welche unter andern Umständen nichts als ein Hinderniß bei Lichtung
-des Bodens sein würden, sind, wenn sie in der für die Behandlung auf
-der Sägemühle erforderlichen Form gefällt werden, was sich leicht thun
-läßt, wo sie in der Nähe des Wassers stehen, sehr gewinnbringend, die
-Stämme müssen eine gewisse Länge haben und werden von Ochsen während
-des Winters, wenn der Boden fest gefroren ist, hart an den Rand des
-Sees geschleift; sobald das Eis aufbricht, schwimmen die Baumstämme mit
-der Fluth stromabwärts und gelangen so in den Mühlgraben; ich habe den
-See unsern Fenstern gegenüber mit dergleichen schwimmenden, auf seinem
-Wege zur Sägemühle begriffnen Holze bedeckt gesehen.
-
-Wie schätzbar würden die großen Eichen und riesenhaften Fichten in
-einem englischen Besitzthum sein; während man sie hier nicht mehr
-achtet, als man in der Heimath kleine unbedeutende Bäumchen achtet.
-Einige Jahre später dürfte man indeß die gewaltigen Stämme welche
-jetzt verbrannt werden, im Bauwesen vermissen. Die Eichen eignen
-sich vorzüglich zu Umpfählungen und Gitterwerk, weil ihr Holz sehr
-dauerhaft ist; Fichten, Cedern und weiße Aeschen werden vorzüglich
-zu Schlagbäumen und dergleichen verwendet; Ahorn und Buchen liefern
-das beste Brenn-Holz; weiße Aesche brennt gut. Zur Bereitung von
-Seifenlauge nimmt man keine andre, als Asche von hartem Holz: als
-Eiche, Aesche, Ahorn und Buche; alle harzhaltige Bäume taugen nicht
-zu diesem Behuf, die Lauge von dergleichen Asche verbindet sich beim
-Sieden nicht mit dem Fett, zum großen Verdruß des nicht eingeweihten
-Seifensieders, der, hätte er den eben erwähnten Umstand gekannt, viel
-Zeit und Mühe, und, was das Wichtigste ist, viel von dem seit Monaten
-sorgfältig gesammelten Material erspart haben würde.
-
-Die Frau eines amerikanischen Ansiedlers erzählte mir dies und rieth
-mir, bei Bereitung meiner Seifenlauge sorgfältig alle Fichten-Asche
-auszuschließen. Und hier muß ich bemerken, daß unter allen
-Ansiedlern die Yankies, wie sie genannt werden, die fleißigsten und
-erfindungsreichsten sind; sie sind nie wegen eines Auskunftsmittels
-in Verlegenheit; wenn ihnen der eine Plan fehl schlägt, so ergreifen
-sie mit einer Gedankenschnelligkeit, die mich mit Staunen erfüllt,
-während sie bei ihnen ganz natürlich zu sein scheint, einen andern. Sie
-scheinen eine Art angeborner Geistesgegenwart zu besitzen, und, anstatt
-ihre Energie in Worten darzuthun, _handeln_ sie.
-
-Die alten Ansiedler, welche lange unter ihnen gewesen, scheinen sich
-dieselben Gewohnheiten anzueignen, so daß es schwer hält, sie von den
-Yankies zu unterscheiden. Ich habe die Amerikaner ein geschwätziges
-Volk nennen hören; allein, so weit meine Bekanntschaft mit ihnen
-reicht, möchte ich sie vielmehr für laconisch halten, und wenn ich sie
-nicht recht leiden kann, so ist vielmehr ihr kaltes kurzangebundnes
-Benehmen daran schuld, welches eine Schranke zwischen uns zu ziehen
-scheint.
-
-Die Bemerkungen eines wandernden Uhrmachers, aus dem Staate Ohio
-gebürtig, befremdete mich ein wenig. Nachdem er nämlich die
-Vorzüglichkeit des Ohio-Klimas in Vergleich mit dem unsrigen (in
-Canada) gerühmt, sagte er, in Beantwortung einiger von meinem Gatten
-an ihn gerichteten Fragen; er wundre sich, daß alle Leute von feiner
-Bildung Canada, besonders den Busch, wo sie manches liebe Jahr
-hindurch alle höheren Annehmlichkeiten und verfeinerten Genüsse des
-Lebens entbehren müßten; den reichen, halbcultivirten und fruchtbaren
-Ohio-Staat, wo man noch dazu Land, sowohl wildes als gelichtetes, weit
-billiger kaufen könne, vorzögen.
-
-Hierauf antworteten wir, daß erstens brittische Unterthanen lieber
-unter brittischer Botmäßigkeit ständen, und daß dieselben überdies den
-Sitten seiner Landsleute abgeneigt wären. Er erkannte freimüthig den
-ersten Einwurf als richtig, bemerkte aber hinsichtlich des andern
-daß man die Amerikaner im Allgemeinen nicht nach den einzelnen, in
-den brittischen Colonien vorkommenden Beispielen beurtheilen dürfe.
-Da letztere in der Regel Leute von eben nicht sonderlichem Ruf wären,
-viele derselben hätten sich Schulden oder andrer schlechter Streiche
-wegen, nach Canada geflüchtet; »es wäre hart,« fügte er hinzu, »wenn
-man die Engländer nach den nach Botany-Bay transportirten Verbrechern
-beurtheilen wollte.«
-
-Nun war nichts Ungefälliges oder Rohes in dem Benehmen dieses Fremden,
-und die Vertheidigung seiner Nation war ruhig und vernünftig, mit einem
-Wort von der Art, daß jeder Vorurtheilsfreie ihn deswegen nur achten
-mußte.
-
-So eben unterbricht mich ein Freund und sagt mir, daß er Gelegenheit
-habe, eine portofreie Sendung nach London oder Liverpool zu machen,
-und daß er in der Kiste, die er für England packe, ein Packet von mir
-einschließen wolle.
-
-Das Anerbieten ist mir sehr willkommen, nur bedaure ich, daß ich nichts
-als einige Blumen-Samen, einige indianische Fabrikate und etliche
-Schmetterlinge zu senden habe -- die letzten sind für _Jane_ bestimmt.
-Ich hoffe, daß nicht alle das Schicksal der letzten theilen werden.
-_Sarah_ hat mir geschrieben, daß sie von der grünen Nacht-Eule, die ich
-das letzte Mal in der kleinen Schachtel mitgeschickt, nichts weiter
-gefunden habe, als etwas Staub und einige rothe Füße. Es ist mir,
-jedoch nicht ohne Schwierigkeit geglückt, ein andres und schöneres
-Exemplar zu erlangen; aber, aus Furcht, daß ihm ein ähnliches Schicksal
-widerfahren könnte, will ich wenigstens durch nachstehende Beschreibung
-das Andenken seiner Schönheit zu erhalten suchen.
-
-Er mißt von einer Flügelspitze zur andern gerade fünf Zoll; der Leib
-ist so dick, wie mein kleiner Finger, schneeweiß und mit langem seidnen
-Haar bedeckt; die Beine und Fühlhörner sind hellroth, letztere sind
-auf den beiden Seiten gezahnt wie ein Kamm; beide Flügel, Ober- und
-Unter-Flügel zeichnen sich durch schönes Blaßgrün aus, und haben an den
-Rändern goldne Franzen; jeden Flügel schmückt ein kleiner Halbmond von
-Blaßblau, Roth und Orangenfarben; das Blau nimmt die Mitte ein, wie
-ein halbgeschloßnes Auge; die untern Flügel sind tief ausgeschnitten,
-sie bilden dergestalt zwei lange Schwänze, wie bei dem sogenannten
-Schwalbenschwanz (Schmetterling) von ungefähr einem vollen Zoll in
-Länge, und sind tief gefranzt; mit einem Wort, dieser Schmetterling ist
-das reizendste Insekt, welches ich je gesehn habe.
-
-Wir besitzen eine große Mannigfaltigkeit an Pfauenaugen
-(Schmetterlinge), die sich durch Farbenpracht und unzählige Augen auf
-den Flügeln auszeichnen. Der gelbe Schwalbenschwanz, der schwarz und
-blaue Admiral, und der roth, weiß und schwarze Admiral, nebst manchen
-andern prächtigen Varietäten, die ich nicht beschreiben kann, sind
-ebenfalls sehr gemein. Der größte Schmetterling, den ich bis jetzt
-gesehn, zeichnet sich durch ein muntres Vermilion aus, welches durch
-ein über seine großen Schwingen verbreitetes Netz von schwarzen Linien
-noch mehr hervorgehoben wird.
-
-Das Libellen-Geschlecht anlangend, so haben wir dergleichen von jeder
-Größe, Gestalt und Farbe. Vorzüglich erfreute mich ein Pärchen prächtig
-blauer, die ich häufig auf meinen Spaziergängen sah, wenn ich meine
-Schwester besuchte. Sie waren so groß wie Schmetterlinge, mit schwarzen
-Flor-Flügeln, auf jedem Flügelpaar prangte ein mit Scharlachroth
-schattirter Halbmond vom glänzendsten Azurblau; der Leib dieser schönen
-Thierchen war ebenfalls blau. Außerdem bin ich auf scharlachfarbne und
-schwarze, gelb und schwarze, kupferfarbne, grüne und braune gestoßen;
-letztere sind große Feinde der Musquitos und andrer kleiner Insekten
-und schwärmen des Abends in Aufsuchung von Beute in großen Schaaren
-überall umher.
-
-Die Feuerfliegen dürfen nicht vergessen werden, denn unter allen andern
-sind sie die merkwürdigsten, ihre Erscheinung kündet gemeiniglich Regen
-an; man sieht sie oft, nach Eintritt der Dunkelheit, an milden feuchten
-Abenden, zwischen den Cedern am Saume der Wälder, und besonders in der
-Nähe von Lachen und Sümpfen umherschwärmen, und sie erleuchten die
-Luft mit ihrem glänzenden tanzenden Lichte. Bisweilen sieht man sie in
-Gruppen, gleich Sternschnuppen in der mittlern Luftregion schweben,
-oder so tief herabsteigen, daß sie in die Zimmer gerathen und um
-die Bett- und Fenster-Vorhänge herumgaukeln; das Licht, welches sie
-verbreiten ist heller und glänzender als das des Johanniswürmchens,
-aber es geht auf dieselbe Weise, wie bei diesem von dem untern Theile
-des Leibes aus. Auch das Johanniswürmchen ist keine seltne Erscheinung,
-man sieht es sogar noch im September, versteht sich in milden, warmen,
-thauigen Nächten.
-
-Wir haben Ueberfluß an großen und kleinen Käfern, einige sind sehr
-prachtvoll grün und golden, rosenfarben, roth und schwarz; einige
-völlig schwarz, furchtbar groß, mit weitspreizigen ästigen Hörnern.
-Wespen sind nicht so lästig wie in England, allein ich glaube, dies ist
-blos darum der Fall, weil wir diesen räuberischen Insekten nicht die
-nämlichen Lockungen darbieten können, wie unsre heimathlichen Gärten.
-
-Einer unsrer Holzfäller brachte mir eines Tages ein Hornissen-Nest,
-wie er es nannte, es war jedenfalls ein schönes und zartes Werk für
-ein so großes Insekt; und ich vermuthe vielmehr, daß es einem schönen
-goldfarbigen Insekt, Wespen-Fliege (^wasp-fly^) genannt, angehört,
-indeß weiß ich dies nicht gewiß. Das Nest glich in Größe und Gestalt
-einem Truthahn-Ei und bestand aus sechs papiernen Bechern, die einer
-in den andern geschoben, und immer einer kleiner als der zunächst
-vorhergehende äußere waren, und der innerste erschien nicht viel größer
-als ein Tauben-Ei. Ein prüfender Blick durch die Oeffnung des letzten
-Bechers, ließ mich im Innern eine kleine Scheibe mit zwölf Zellen von
-vorzüglicher Nettigkeit und von weit größrer Regelmäßigkeit, als die
-Zellen der gemeinen Hausbiene zu sein pflegen, wahrnehmen; in Größe
-glich eine Zelle nur dem dritten Theil von denen der Honig-Biene. Die
-Substanz, woraus die Becher bestanden, war ein feines, silbergraues,
-seidenartiges Gewebe, so fein als das feinste chinesische Seiden-Papier
-und äußerst spröde; wenn man es schwach netzte, so wurde es klebrig
-und haftete etwas an dem berührenden Finger; das Ganze war sorgfältig
-an einen Stock befestigt, ich habe seitdem ein dergleichen Netz an
-eine rohe Gitterstange befestigt gesehen. Ich konnte nicht umhin, die
-instinktmäßige Sorgfalt zu bewundern, welche in der Bildung dieses
-Meisterstücks von Insekten-Baukunst zur Schützung des Embryos gegen
-schädliche Einflüsse, namentlich gegen die Gefräßigkeit von Vögeln, so
-wie gegen Regen und Unwetter zu Tage lag; der Regen konnte wohl kaum
-einen Eingang in das Innere finden.
-
-Ich hatte -- wenigstens glaubte ich so -- meinen Schatz sorgfältig in
-einem Tischkasten verwahrt, allein ein ruchloser kleiner Spitzbube
-von Maus machte ihn ausfindig und zerriß ihn in Stücke, um des
-Bischen Honigs willen, das in einer oder zwei Zellen enthalten war.
-Ich war sehr ärgerlich darüber, denn ich hatte mir fest vorgenommen,
-das hübsche Nest bei günstiger Gelegenheit einem lieben Freunde in
-Gloucester Place zu senden, der ein großer Freund von dergleichen
-Naturmerkwürdigkeiten ist, und mir einst ein Nest von ähnlicher Form
-zeigte, welches in einem Bienenstock gefunden worden war; doch war
-bei diesem das Material weit gröber, auch hatte es, erinnere ich mich
-recht, nicht sechs, sondern nur zwei Zellen.
-
-Ich bin stets sehr begierig darauf gewesen, das Nest eines Kolibris zu
-sehen, war aber bisher nicht so glücklich, meinen Wunsch befriedigen zu
-können. Diesen Sommer hatte ich einige Beete mit Kartäuser-Nelken und
-andern Blumen, besonders einigen prächtigen Convolvolus-Arten (^morning
-gloves^), wie sie die Amerikaner nennen, bepflanzt; diese lieblichen
-Blumen lockten die Kolibris an, meinen Garten zu besuchen, und ich
-hatte das Vergnügen, ein Pärchen dieser schönen Vögel zu sehen, allein
-ihr Flug ist so eigenthümlich, daß man kaum einen vollkommnen Anblick
-ihrer mannigfaltigen Farben erlangen kann; ihre Bewegung, wenn sie auf
-dem Flittig schweben, gleicht dem Umkreisen eines Spinnrades, und das
-Geräusch, das sie dabei erregen, dem Schnarren oder Sumsen eines im
-Gange begriffnen Rades; ich will jetzt recht viel Blumen anpflanzen, um
-die niedlichen Thiere zum Nisten in unsrer Nähe zu bestimmen.
-
-Ich fürchte bisweilen, daß ich Ihnen mit meinem langen uninteressanten
-Briefe beschwerlich falle; die einzige Quelle, woraus ich schöpfen
-kann, ist das Hauswesen und die Naturgeschichte des Landes, und hiervon
-theile ich Ihnen alles dasjenige mit, was durch seine Neuheit Ihre
-Aufmerksamkeit fesseln dürfte. Wahrscheinlich mag ich bisweilen Ihre
-Erwartung täuschen, indem ich Ihnen Dinge erzähle, welche den Zustand
-eines Emigranten in ein ungünstiges Licht setzen; allein ich trage die
-Sachen ganz so vor, wie ich sie gesehen oder gehört habe. Ich könnte
-Ihnen manche günstig lautende Berichte von den Ansiedlern in diesem
-Lande geben; ich könnte das Gemälde auch umkehren, und Sie würden
-endlich zu dem Schlusse gelangen, daß es an Gründen für und wider
-Auswanderung nicht fehle. Der erste und wichtigste Grund indeß ist und
-bleibt _Nothwendigkeit_, und dieser wird stets die Wagschale zu Gunsten
-der Auswanderung kehren; und dieselbe befehlshaberische und herrische
-Dame _Nothwendigkeit_ sagt mir, daß es _nothwendig_ sei, meinen Brief
-zu schließen.
-
-Leben Sie wohl, ich unterzeichne mich in Liebe und Achtung Ihre
-
- ergebenste Freundin.
-
-
-
-
-Siebzehnter Brief.
-
- Kaltes Fieber. -- Unwohlsein der Familie. -- Wahrscheinliche Ursache.
- -- Wurzel-Haus. -- Eintritt des Winters. -- Insekt, der Säger genannt.
- -- Einstweilige Kirche. --
-
-
- November 28, 1834.
-
-Mein mehrmonatliches Stillschweigen wird Sie gewiß befremdet haben,
-allein wenn ich Ihnen erzähle, daß Krankheit daran Schuld war, so
-werden Sie sich nicht mehr darüber wundern, daß ich nicht eher als
-heute wieder geschrieben habe.
-
-Mein guter Mann, meine Magd, mein armer Kleiner und ich selbst wurden
-alle zu gleicher Zeit vom Fieber befallen und ans Bett gefesselt. Sie
-wissen nur zu gut, wie mich das kalte Fieber stets zu Hause gequält
-hat, und dürfen sich daher nicht wundern, wenn ich Ihnen sage, daß
-meine Leiden, in einem Lande, wo Sumpffieber und alle Arten von
-Wechselfiebern zu Hause sind, nicht gering waren.
-
-Wenige Emigranten kommen durch das erste Jahr, ohne von diesen Uebeln
-heimgesucht zu werden; die Behandlungs-Weise besteht in wiederholten
-Gaben Calomel (versüßtes Quecksilber) nebst Biber-Oel oder Salzen,
-worauf China angewendet wird. Diejenigen, welche dabei von ärztlicher
-Behandlung nichts wissen wollen, curiren sich mit Wachholder- oder
-starken Aufgüssen von Hyson oder einem andern starken grünen Thee,
-Pfeffer und Branntwein, nebst manchen andern Mittelchen, denen
-Gewohnheit oder Quacksalberei das Wort redet.
-
-Ich will nicht länger bei dieser traurigen Zeit stehen bleiben, als
-nöthig ist, um Ihnen zu sagen, daß wir die Ursache unsers Erkrankens
-in einer übeln Ausdünstung suchen, die wohl von einem Keller unter
-der Küche ausgehen mochte. Als der Schnee schmolz, füllte sich dieser
-Keller zur Hälfte mit Wasser, entweder in Folge der Nässe, welche
-durch den schwammigen Boden eindrang, oder aus einem Quell, der unter
-dem Hause entspringen mochte; wie dem auch sei, die Hitze des Koch-
-und Brat-Ofens in der Küche bewirkte eine Gährung in der stockenden
-Flüssigkeit, ehe sie entfernt werden konnte; die schädlichen Dünste,
-welche sich aus dieser Masse fauligen Wassers entwickelten, waren uns
-allen nachtheilig; die Hausmagd, welche dem schädlichen Einfluß am
-meisten ausgesetzt war, erkrankte zuerst --, und kurz darauf folgten
-wir alle nach, so daß bald keiner mehr dem andern Beistand leisten
-konnte. Ich glaube, meine Krankheit steigerte sich noch dadurch, daß
-ich die Leiden meines guten Gatten und meines theuren Kindes mit
-ansehen mußte.
-
-Das Fieber, Dank sei es dem Calomel und dem Quinin, verließ mich
-nach Verlauf von vierzehn Tagen wieder; und eben so mein Kind und
-seine Wärterin. Meinem Gatten aber hing es den ganzen Sommer hindurch
-an, hemmte ihn in seiner Thätigkeit und stimmte ihn mißmuthig und
-verdrießlich; letztres ist eine unausbleibliche Folge des Fiebers, es
-macht eben so kleinmüthich und verzagt, und stimmt die Lebens-Geister
-eben so sehr herab, wie ein Nervenfieber. Mein Knabe ist, seitdem er am
-Wechselfieber gelitten, noch nie wieder recht gesund gewesen, und sieht
-sehr blaß und grillig aus.
-
-Wir würden uns, da weder eine Magd, noch eine Wartefrau, noch sonst ein
-dergleichen Dienstbote zu erlangen war, in einer sehr schlimmen Lage
-befunden haben, wofern uns nicht _Marie_ und _Susanne_ beigestanden
-hätten. Ich wußte wirklich nicht, was unter so mißlichen Umständen,
-ohne diese Hülfe, aus uns hätte werden sollen.
-
-Dieser Sommer ist ausnehmend heiß und trocken gewesen; das Wasser in
-den Seen und Flüssen war ausgetrocknet, mehre Wochen hindurch fiel
-auch nicht ein Tropfen Regen. Die äußerste Dürre vernichtete die
-Kartoffel-Ernte völlig. Unser indianisches Korn dagegen stand sehr
-schön, desgleichen geriethen die Kürbisse gut. Wir hatten einige schöne
-Gemüse im Garten, vorzüglich Erbsen und Melonen, die letztern waren
-sehr groß und zart. Die Cultur der Melone ist sehr einfach; man häuft
-zuerst vermittelst einer breiten Hacke die umgebende Erde zusammen; die
-Mitte dieses Haufens wird dann leicht ausgehöhlt, so daß sie gleichsam
-ein Becken bildet, und die Erde am Rande wird noch etwas gehoben; in
-diese Höhlung steckt man mehre Melonen-Samen und überläßt sie dann
-der Sonnenhitze, indeß ist es gut, wenn man den Pflanzen von Zeit zu
-Zeit etwas Wasser giebt; der Boden muß wo möglich in schöner schwarzer
-Damm-Erde bestehen; und wenn die kleinen Hügelchen eine Niedrigung
-einnehmen, so daß immer etwas Wasser im Umkreise stehen bleibt, desto
-besser gerathen die Melonen. Es ist die Meinung mehrer praktischer
-Leute, welche durch mehrjährige Bekanntschaft mit dem Lande, Erfahrung
-eingeerntet haben, daß man bei Anlegung und Anpflanzung eines Gartens
-die Beete nicht empor heben soll, wie dies gewöhnlich der Fall ist;
-sie geben als Grund dafür an, daß die Sonnen-Hitze die Feuchtigkeit,
-wenn das Beet hoch ist, leichter vom Erdreich wegziehe, als im
-entgegengesetzten Fall, und daß in Folge der Dürre des Bodens die
-Pflanzen welken.
-
-Da einige Wahrheit in dieser Bemerkung zu sein scheint, so bin ich
-geneigt, das Verfahren anzunehmen.
-
-Gemüse sind im Allgemeinen gut und gelangen schnell zur Reife, wenn
-man bedenkt, wie spät im Jahre sie gepflanzt werden. Erbsen sind stets
-gut, besonders die großen englischen Erbsen (^marrowfats^), welche
-bisweilen auf den Feldern in gelichtetem Boden, welcher unter dem
-Pfluge ist, gezogen werden. Wir haben eine große Mannigfaltigkeit an
-Bohnen, alle der französischen Sorte (Schminkbohne) angehörig; von
-einer sehr ergiebigen Laufbohne lege ich einige Samen für sie bei; das
-Verfahren beim Legen derselben besteht kürzlich in Folgendem: man macht
-einen kleinen Hügel von Damm-Erde indem man die Erde mittels einer
-Hacke zusammen häuft; drückt ihn an der Spitze platt oder höhlt ihn
-etwas aus, so daß die Vertiefung gerade die Mitte einnimmt, und legt
-längs den Rändern vier oder fünf Samen hinein; sobald die Bohne aufgeht
-und Ranken treibt, steckt man in die Mitte des kleinen Hügels eine
-fünf bis sechs Fuß lange Stange; sämtliche Pflanzen vereinigen sich an
-der Stange, winden sich um dieselbe empor, und tragen eine zahllose
-Menge Schoten (Bohnen), welche wie die Scharlachbohnen geschnitten
-und gekocht oder auch in ihrem trocknen und reifen Zustande benutzt,
-nämlich geschmort und mit eingesalznem Fleische genossen werden;
-letztres ist, glaube ich, das gewöhnliche Verfahren. Die zeitige
-Buschbohne ist eine Zwerg-Art mit glänzendgelben Samen.
-
-Unser Salat ist gut und leicht zu erbauen, man erhält ihn sehr zeitig,
-wenn man die Saatlinge verpflanzt, welche, gleich nachdem der Schnee
-gewichen ist, über der Erde erscheinen. Kraut, und alle Wurzel-Arten
-werden den Winter über in Kellern oder Wurzel-Häusern aufbewahrt; aber
-von der nachtheiligen Gewohnheit, grüne Gemüse in den seichten feuchten
-Kellern unter der Küche aufzuheben, mögen manche Krankheiten herrühren,
-wovon die Ansiedler, unter der Form von Sumpf-, Wechsel- und andern
-nachlassenden Fiebern heimgesucht werden.
-
-Manche, besonders von der niedern Klasse sind nicht hinreichend sorgsam
-in Befreiung dieser Keller von den verwitternden Ueberbleibseln
-vegetabilischen Stoffes, die man oft Jahrelang sich anhäufen läßt, und
-hierdurch muß natürlicher Weise die Atmosphäre in den Häusern verdorben
-werden. Ist das Haus klein und die Familie zahlreich, und mithin den
-schädlichen Einflüssen während der Nacht ausgesetzt, so kann man sich
-die traurigen Folgen leicht vorstellen.
-
-»Man spreche nur nicht von Seen und Morästen, als der Ursache von
-Fiebern und Rheumatismen; man richte sein Augenmerk hierbei besonders
-auf die Keller,« war der Ausspruch eines erfahrnen Yankie-Doctors. Und
-wirklich glaube ich, daß der Keller unsers Hauses schuld an unserm
-Erkranken war, und daß seine Ausdünstungen das Uebel den ganzen
-Frühling und Sommer hindurch unterhielten.
-
-Ein Wurzel-Haus ist zur Bequemlichkeit einer Ansiedler-Familie durchaus
-erforderlich; bei gehöriger Construction, mit doppelten Blockwänden,
-und bei gehöriger Verwahrung des Daches gegen das Durchsickern des
-Regens oder schmelzenden Schnees, kann man darin Gemüse, Fleisch und
-Milch lange und unversehrt aufbewahren. Sie werden fragen, warum, wenn
-der Nutzen wirklich so groß und die Bequemlichkeit so wesentlich ist,
-nicht jeder Ansiedler ein dergleichen Nebengebäude errichtet?
-
-Das, liebe Mutter, ist gerade die Bemerkung, welche jeder neue
-Ankömmling macht; allein er überzeugt sich nur zu bald von den
-Schwierigkeiten, welche einer Einrichtung der Art zu Anfange entgegen
-stehen; er müßte denn, was aber leider nicht oft der Fall ist, bares
-Geld in Ueberfluß besitzen, um die erforderliche Arbeiter-Zahl
-miethen zu können. Arbeits-Löhne sind so kostspielig, und die Zeit
-zur Arbeit ist so kurz, das die Aufführung manches nützlichen, zur
-Bequemlichkeit dienenden Gebäudes für die Zukunft aufgespart werden
-muß; ein Keller, den ein Mann, vorausgesetzt, daß er fleißig arbeitet,
-in zwei Tagen graben kann, ist alles, worauf man vor der Hand zählen
-darf, bis die Zeit kommt, wo man mehr Muße hat, oder die Nothwendigkeit
-ein Wurzel-Haus erheischt. Wir selbst können uns als Beispiel dieses
-eben nicht willkommnen Aufschubs anführen; allein nunmehr sind die
-Blöcke dazu geschnitten, und wir werden in nächstem Frühjahr eine so
-nützliche Anstalt besitzen. Ich würde aber doch jedem rathen, gleich
-von vornherein oder doch so bald als möglich ein Wurzel-Haus zu bauen,
-so wie auch einen Brunnen zu graben; das nur wenige Fuß unter der Erde
-befindliche Quellwasser machen letztre Arbeit weder schwierig noch
-sehr kostspielig. Die Bäche und kleinen Wasser-Behälter versiegen bei
-sehr trocknem Wetter nicht selten, und das See- und Fluß-Wasser wird
-im Frühjahr und Sommer warm und ekelhaft. Das Quell-Wasser ist in der
-Regel kalt, -- selbst in der heißesten Jahreszeit, -- und in hohem
-Grade erfrischend.
-
-Der Winter scheint jetzt in seiner ganzen Strenge einzutreten. Schnee
-ist seit Mitte Oktobers bereits zweimal gefallen, aber eben so oft
-wieder verschwunden, allein jetzt ist der Boden steinhart gefroren;
-der kühne Nordwestwind bläst eiskalt über die öde Flur, und Alles
-und Jedes um uns her erscheint frostig und winterhaft. Die dunkle
-Fichten-Linie, welche die entgegengesetzte Seite des Sees begrenzt,
-ist bereits mit Reif und Schnee bedeckt, und der halbgefrorne See
-zeigt eine dunkle Bleifarbe, deren Einförmigkeit blos die in langen
-Spitzen hervorschießenden Eismassen, welche gleichsam Baien und
-Halbinseln bilden, unterbrechen. Die Mitte des Stroms, wo die Gewalt
-des Wassers am größten ist, ist noch nicht ganz mit Eis belegt, sondern
-fließt in dunkeln Wogen dahin, wie ein Fluß zwischen seinen gefrornen
-Ufern. An einigen Stellen, wo die Ufer abschüssig und mit Wurzeln
-und Strauch-Werk überwachsen sind, nehmen der gefallne Schnee und das
-Wasser die seltsamsten Formen an.
-
-Ich bin an heitern Winter-Tagen stundenlang stehen geblieben und habe
-meine Augen mit namenlosem Entzücken auf den mimischen Wasserfällen
-weilen lassen, die längs dem Ufer zu festen Eismassen erstarrt sind,
-und als ich von dem Mühlendamm aus diese niedlichen Spielereien Vater
-Frosts betrachtete, malte ich mir im Geiste die erhabne Scenerei der
-arktischen Welt.
-
-Trotz seiner sehr langen Dauer und äußersten Strenge habe ich doch den
-canadischen Winter gern; er ist entschieden die gesundeste Jahreszeit;
-und es ist kein kleiner Genuß, von den Plagen der Insekten-Schwärme
-befreit zu sein, die der Annehmlichkeit der schönen Sommer-Monate
-keinen geringen Abbruch thun.
-
-Wir haben so eben Ihr letztes Packet erhalten; -- tausend, tausend Dank
-für den Inhalt! Wir alle freuen uns über Ihre nützlichen Geschenke,
-vorzüglich über die warmen Shawls und Merinos. Mein kleiner _James_
-(_Jacob_) nimmt sich in seinem neuen Röckchen ganz allerliebst aus,
-es wird ihn recht gut gegen die Kälte schützen; er küßte die schönen
-mit Pelz gefütterten Pantoffeln, die Sie für mich beigelegt haben,
-und sagte »Pussy, Pussy;« bei dieser Gelegenheit will ich erwähnen,
-daß wir eine hübsche Katze haben, welche _Nora Crena_ heißt, und die
-Abschiedsgabe unsrer Freundin *** ist, die sie meinem Knaben zum
-Andenken hinterließ. _James_ ist ganz vernarrt in das Thier; und ich
-muß Ihnen sagen, daß ich sie fast als eine zweite _Wittington's_ Katze
-betrachte; weder Maus noch Tschitmunk hat sich seit ihrer Gegenwart in
-unsre vier Pfähle gewagt; selbst die Heimchen, welche uns mit ihrem
-ewigen Gezirp von früh bis in die sinkende Nacht beschwerlich fielen,
-haben ihre alte Behausung verlassen. Außer den Heimchen, die oft in
-solcher Menge umher schwirren, daß sie eine wahre Plage abgeben,
-und tuchene und wollene Kleider verderben, werden wir von großen
-schwarzen Ameisen heimgesucht, die überall umher galloppiren, und
-Zucker, Eingemachtes, Kuchen, kurz jede Leckerei, wozu sie nur immer
-gelangen können, verzehren; diese Insekten sind dreimal so groß als die
-schwarzen Ameisen in England, und haben einen entsetzlichen Appetit;
-wenn sie keine bessere Beute finden können, so tödtet die eine die
-andre, und dies mit dem Ingrimm und der Geschicklichkeit der Spinne.
-Sie scheinen in ihrer Lebensweise weniger gesellig zu sein als andre
-Ameisen; wiewohl ich mich, bei Berücksichtigung der beträchtlichen
-Anzahl, die in unser Zimmer dringt, zu dem Schlusse geneigt fühle, daß
-sie eben so, wie die übrigen Arten der Gattung, einen Verein bilden und
-in Gemeinschaft mit einander leben.
-
-Während des ersten Jahres seines Aufenthalts in einem neuen Blockhause
-wird man durch ein beständiges knarrendes, den Ohren äußerst
-unangenehmes Geräusch belästigt, bis man sich daran gewöhnt hat; dies
-wird durch ein Insekt, gewöhnlich der _Säger_ genannt, verursacht.
-Es sind die Larven einer Fliege, die ihre Eier in die Rinde der
-Fichten-Bäume legt, das Thierchen in seinem unreifen Zustande ist von
-weißlicher Farbe, der Körper besteht aus elf Ringen; der Kopf ist mit
-einer kurzen harten Zange bewaffnet, die Haut des Sägers ist so rauh,
-daß man beim Darüberwegfahren mit dem Finger eine Raspel zu berühren
-scheint, und doch erscheint sie dem Auge völlig glatt und eben. Sie
-würden sich wundern, wenn Sie den Haufen feiner Sägespäne unter dem
-Loche sähen, woran er die ganze Nacht hindurch gearbeitet hat. Diese
-Säger sind ein gutes Futter für die Baumhacker, und in Gemeinschaft mit
-einander tragen sie zur schnellen Zerstörung der gigantischen Waldbäume
-bei, die andernfalls die Erde Jahrhunderte hindurch belasten würden.
-Wie unendlich groß ist die Weisheit, welche die physische Welt regelt
-und beherrscht! Wie oft sehen wir große, gewaltige Ereignisse, die
-durch scheinbar unbedeutende Umstände herbeigeführt werden! aber alle,
-so klein sie auch erscheinen mögen, sind Diener, welche den Willen
-ihres Herrn und Gebieters vollstrecken. Einem großen Mangel, nämlich
-dem Mangel an öffentlichem Gottesdienst an Sonn- und Festtagen wird
-nun bald abgeholfen werden. Man geht damit um, eine Subscription unter
-den Ansiedlern dieses und eines Theils der benachbarten Gemeinde zur
-Aufführung eines kleinen Gebäudes zu eröffnen, welches zugleich den
-Zwecken einer Kirche und eines Schul-Hauses entsprechen und überdies
-die Besoldung eines Predigers für seine Bemühungen decken soll. --
-Er hat sein Gesellschaftszimmer zur einstweiligen Versammlung der
-Andächtigen hergegeben, und ein sehr achtbarer junger schottischer
-Geistlicher hat schon verschiedne Male darin Gottesdienst gehalten; ich
-kann Ihnen versichern, daß unsre religiösen Versammlungen, trotz dem,
-daß die Emigranten theils der katholischen, theils der bischöflichen u.
-s. w. Kirche angehören, ziemlich zahlreich ausfallen.
-
-Die Unterschiede zwischen den verschiednen Glaubensgenossen fallen
-in diesem Lande nicht so in die Augen, als in der Heimath; besonders
-weil man den Mangel an religiösen Zusammenkünften nur zu merklich
-fühlt, und mehr den großen allgemeinen Zweck aufrichtiger und inniger
-Gottesverehrung ins Auge faßt. Das Wort »_Gott_« ist ein Wohlklang
-für das Ohr. Möge der Segen des Himmels denjenigen zu Theil werden,
-welche in Geist und Wahrheit bestrebt sind, die öffentlichen Gebräuche
-des Sabaths wieder herzustellen, die, wenn sie unsrer eignen Leitung
-überlassen blieben, nur zu leicht in Vergessenheit gerathen dürften.
-
- Leben Sie wohl!
-
-
-
-
-Achtzehnter Brief.
-
- Geschäftreiches Frühjahr. -- Zunahme der Gesellschaft und
- Bequemlichkeit. -- Erinnerungen an die Heimath. -- Nordlicht.
-
-
-Dies ist ein geschäftreiches Frühjahr für uns gewesen; zuerst hatten
-wir Zucker zu sieden, und diesmal in größerer Menge als früher, als
-wir unsern ersten Versuch machten. -- Alsdann hatten wir Werkleute,
-indem unser Haus mancher Erweiterung bedurfte; wir haben eine große und
-bequeme Küche bauen lassen, die alte dient jetzt als Schlafgemach; das
-Wurzel-Haus und die Milcherei sind ziemlich vollendet. -- Wir haben
-einen Brunnen mit trefflichem Wasser gleich vor der Thür, und eine
-hübsche hölzerne Scheune ist diese Woche fertig geworden, sie enthält
-zugleich einen Getraideboden und einen Stall, mit einer Abtheilung für
-das Federvieh, welches mir viel Unterhaltung und Freude gewährt.
-
-Außer einem hübschen Hühner-Völkchen, den Abkömmlingen von zwei Hennen
-und einem Hahn oder Rooster, wie die Yankies diesen Vogel nennen, habe
-ich einige Enten, wozu diesen Sommer auch Truthühner und Gänse kommen
-werden. Ich verlor etliche meiner besten Vögel nicht durch den Stößer,
-sondern durch ein sehr schädliches Thier, welches unserm Iltiß genau
-verwandt ist und hier Scunck genannt wird; es ist weit räuberischer,
-und richtet größere Verheerungen an als Fuchs und Habicht; denn es
-kommt wie ein Dieb in der Nacht, dringt in den Hühnerhof ein und
-hinterläßt furchtbare Spuren seiner Raubgier und seines Blutdurstes.
-
-Unser Garten, der bisher weiter nichts als eine viereckige
-Einfriedigung für Gemüse war, erhält eine andre, dem Auge gefälligere
-Form; zwei halbkreisförmige Flügel laufen vom Eingange nach beiden
-Seiten des Hauses; der Zaun ist eine Art rohes Korb- oder Hürden-Werk,
-wie Sie dergleichen in England häufig sehen können, und welches die
-Bauern geflochtnen Zaun nennen; jedenfalls nimmt sich eine dergleichen
-Einfriedigung weit malerischer aus als die von gespaltnen Holzscheiten.
-
-Entlang dieser kleinen Einfriedigung habe ich angefangen, eine Art
-Blumen-Hecke nebst einigen der einheimischen Sträucher anzupflanzen,
-wovon unsre Wälder und Seeufer strotzen.
-
-Unter den bereits eingeführten sind zwei Geißblatt-Arten mit weißen und
-rosenfarbnen Blüthen; die amerikanischen Botaniker nennen dieselben
-^Quilostium^.
-
-Dann habe ich die weiße ^Spiraea^, (ein strauchartiges Gewächs),
-welches in Ueberfluß auf dem See-Ufer wächst, die canadische wilde
-Rose, die rothe blühende Himbeere (^rubus spectabilis^), Leder-Holz
-(^dircas^) auch amerikanisches Mezereon- oder Moos-Holz genannt,
-dies ist ein sehr hübscher und zu gleicher Zeit nützlicher Strauch;
-die Rinde wird von den Landleuten als ein Substitut für Stricke,
-zum Zubinden von Säcken u. s. w. gebraucht; die Indianer nähen ihre
-Weidenrinden-Körbe gelegentlich damit.
-
-Milde Stachelbeeren, rothe und schwarze Johannisbeeren, Apfelbäume und
-hier und da ein Weißdorn-Strauch, und einige andre dergleichen Gewächse
-sind alles, was ich bisher habe einführen können.
-
-Der Stoup (Verandah) ist errichtet, und ich habe erst kürzlich am Fuße
-der hölzernen Säulen Hopfen gepflanzt. Ich habe auch zwei tragende
-Ableger einer purpurfarbnen wilden Traube von der Insel in unsrer Nähe
-aufgezogen und bin neugierig, ihre Früchte zu sehen.
-
-Mein Gatte ist gegenwärtig frisch und wohlgemuth; unser geliebtes Kind
-befindet sich ebenfalls wohl und läuft überall umher. Wir erfreuen uns
-einer angenehmen und freundlichen Gesellschaft, die im Verlauf der
-letzten zwei Jahre so zugenommen hat, daß wir uns über unsre Entfernung
-von der volkreichern Stadt kaum beklagen können.
-
-Meine theure Schwester und ihr Gatte fühlen sich in ihrer neuen
-Wohnstätte sehr behaglich und haben ein schönes Stück Land gelichtet
-und angebaut. Wir besuchen sie häufig und plaudern dann manches liebe
-Stündchen von der Heimath, der süßen unvergeßlichen Heimath, und
-schmeicheln uns dabei mit dem angenehmen Wahne, daß wir in einer nicht
-allzufernen Zeit ihre fruchtbaren Felder und blumigen Thäler einmal
-wieder sehen werden.
-
-Mit welchem Entzücken würden wir unsre jungen Canadier ihren
-Großmüttern und Tanten vorführen; mein kleiner Buschmann soll zeitig
-die Namen dieser unbekannten aber theuren Freunde aussprechen und das
-Land verehren und lieben lernen, wo seine Aeltern das Licht der Welt
-erblickten, die herrlichen Hügel des Nordens und mein eignes geliebtes
-England.
-
-Verursachte mir die Entfernung von meinem Geburtslande, und noch dazu
-von einem so schönen und gesegneten Lande gar kein Bedauern, gar kein
-Weh, so würde dies nur ein fühlloses Herz verrathen; dennoch aber muß
-ich gestehen, daß ich Canada trotz all seiner Rauhigkeit liebe und
-mich in meinem niedrigen Block-Hause eben so froh und glücklich fühle,
-als dies in einem reich geschmückten Palaste nur der Fall sein könnte;
-Gewohnheit versöhnt uns mit manchen Dingen, die uns anfangs nicht
-recht zusagen wollen. Es ist stets mein Bestreben gewesen, lieber das
-Süße als das Bittre in den Becher des Lebens zu träufeln, und gewiß
-ist dies das Beste und klügste, was man thun kann. In einem Lande,
-wo alles -- Jung und Alt, Vornehm und Gering -- sich zur Thätigkeit
-aufgefordert fühlt, würde es höchst ungereimt und thörigt sein, seine
-Lebensgeister durch unnützes Trauern und Klagen zu dämpfen und im
-Hause durch Niedergeschlagenheit und unaufhörliche Klagelieder über
-die Trennung von so vielen theuren Gegenständen in der alten Heimath,
-eine düstre Stimmung zu verbreiten. Da wir nun einmal hier sind, müssen
-wir uns so gut als möglich in die Umstände schicken und mit heitrem
-Muthe das Loos ertragen, welches wir uns selbst gewählt haben. Die
-Fähigkeit, das Gute, welches wir besitzen, zu genießen, scheint mir ein
-Haupterforderniß zur menschlichen Glückseligkeit zu sein.
-
-Wiewohl wir von vorn herein manche Widerwärtigkeiten erfuhren, manche
-unvorhergesehne Kosten zu bestreiten hatten, uns manchen unangenehmen
-Aufschub gefallen lassen mußten und viele Entbehrungen, die uns sehr
-drückend erschienen, zu erdulden hatten, so können wir doch, im Ganzen
-genommen, von gutem Glück sagen; vorzüglich, was die Lage unsers
-Grundstücks betrifft, welches seitdem in Werth bedeutend gestiegen
-ist; die Hauptschwierigkeiten haben wir jetzt überwunden, wenigstens
-hoffen wir so, und bald werden wir alle Annehmlichkeiten einer wohl
-eingerichteten Meierei genießen.
-
-Mein Gatte söhnt sich von Tage zu Tage mehr mit dem Lande aus,
-und auch ich fühle mich täglich fester daran gebunden. Sogar die
-Baumstummel, welche mir Anfangs so sehr zuwieder waren, scheinen etwas
-von ihrer Häßlichkeit zu verlieren; das Auge gewöhnt sich sogar an
-die unangenehmsten Gegenstände, bis sie fast gar nicht mehr beachtet
-werden. Wie ganz verschieden von seiner gegenwärtigen Erscheinung
-wird sich dieser Fleck nach Verlauf einiger Jahrhunderte ausnehmen!
-meine Einbildungskraft malt es mir mit fruchtbaren Feldern und
-Fluren, schattigen Hainen und geschmackvoll angepflanzten Bäumen vor;
-alles wird anders sein; unsre gegenwärtigen rohen Wohnungen werden
-andern bequemern und schönern Platz gemacht haben, und Anmuth und
-Behaglichkeit wird die Landschaft umfangen, welche gegenwärtig eine
-Waldwildniß ist.
-
-Sie fragen mich, ob mir das Klima von Ober-Canada gefällt; aufrichtig
-zu reden, so glaube ich nicht, daß es alle die Lobsprüche verdient,
-welche ihm Reisende gezollt haben. Die Sommerhitze im letzten Jahre
-war sehr drückend, die Dürre außerordentlich groß, und erwies
-sich in mancher Hinsicht nachtheilig, vorzüglich schadete sie der
-Kartoffel-Ernte. Die Fröste traten zeitig ein, und eben so fiel
-zeitig Schnee; den gepriesnen indianischen Nachsommer betreffend, so
-scheint er vor der Hand Abschied von dem Lande genommen zu haben, denn
-seit unserm dreijährigen Aufenthalte daselbst haben wir nur wenig
-davon gesehn. Letztverfloßnes Jahr war auch nicht ein Schein davon
-wahrzunehmen, und in diesem Jahre wurde ein abscheulich düstrer trüber
-Tag, der mich gewaltsam an einen Londoner Nebel erinnerte, und der
-ganz eben so niederschlagend und geistlähmend wirkte, von den alten
-Bewohnern für den Anfang des indianischen Sommers erklärt; die Sonne
-schien düster und roth, und ein gelber graulicher Nebel verdunkelte die
-Atmosphäre, so daß es fast nöthig wurde, am Mittage Licht anzuzünden.
-Wenn dies der indianische Sommer ist, so könnte man eine Reihe auf
-einander folgender londoner Nebeltage den »Londoner-Sommer« nennen,
-dachte ich bei mir, als ich den lieben langen Tag in einer Art
-bewilderndem düstern Lichtschimmer umhertappte; und, froh war ich, als
-nach ein- oder zweitägigem heftigen Regen, Frost und Schnee eintraten.
-
-So weit unsre Erfahrung reicht, ist dieses Klima in hohem Grade
-veränderlich; nicht zwei Jahre sind sich einander nur einigermaßen
-gleich gewesen; und wie man glaubt, wird diese Veränderlichkeit in
-demselben Verhältniß zunehmen, als die Lichtung des Bodens von Jahr
-zu Jahr vorwärts schreitet. In der Nähe der Flüsse und großen Seen ist
-das Klima weit milder und gleichförmiger; mehr landeinwärts fällt der
-Schnee selten so hoch, um das Schlittenfahren, nachdem es allgemein
-geworden, mehre Wochen hindurch zu verstatten; dies ist indeß, wenn wir
-den Zustand unsrer Buschstraßen berücksichtigen, mehr ein Umstand zu
-unsern Gunsten, insofern das Reisen minder schwierig wird, obgleich die
-Wege immer noch ziemlich holperig bleiben.
-
-Ich habe das Nordlicht mehre Mal, gesehn; desgleichen eine glänzende
-meteorische Erscheinung, glänzender und großartiger als alles,
-was ich der Art je zuvor beobachtet. Großen Spaß machten mir die
-Worte eines jungen Burschen, der einem Herrn die Erscheinung
-einer Reihe Sternschnuppen, wie sie schnell über den Himmel
-weggeschossen, erklärte, »Sir,« sagte der Bursche, »ich habe nie
-zuvor etwas Aehnliches gesehn, und ich kann die Kette von Sternen
-mit der Block-Kette (^logging-chain^) vergleichen,« gewiß ein
-höchst natürlicher und einziger Vergleich, ganz in Einklang mit der
-Beschäftigung des Burschen, der es häufig mit den Ochsen und ihrer
-Block-Kette, (der Fortschaffung von gefällten Bäumen) zu thun hatte,
--- und am Ende nicht bäurischer, wenn ich so sagen darf, als die
-gewöhnlichen Namen, welche mehre unsrer prächtigsten Sternbilder führen
--- z. B. Pflug, Sichel u. s. w.
-
-Als ich letzte Weihnachten eines Abends von einem Besuche bei
-einer Freundin nach Hause kehrte, überraschte mich eine glänzende
-blaßgrünliche Lichtsäule im Westen; sie erhob sich zu einiger Höhe
-über die dunkle Fichten-Linie, womit die jenseitigen Ufer des
-Otanabee bekränzt waren, und erleuchtete den Himmel auf beiden Seiten
-mit einem keuschen reinen Lichte, dem nicht unähnlich, welches der
-Mond bei seinem Auf- und Untergang verbreitet; sie war nicht ganz
-pyramidal, jedoch an der Basis um vieles breiter als an der Spitze;
-sie erbleichte allmälig, bis nur noch ein weißes flimmerndes Licht
-die Stelle bezeichnete, die sie am Himmel eingenommen, und auch dieser
-schwache Lichtschimmer verschwand ungefähr nach einer halben Stunde.
-Es war eine so schöne und liebliche Erscheinung, daß ich ordentlich
-trauerte, als sie in die dünnen Lüfte zerrann; ja bisweilen bestimmte
-mich meine Phantasie zu dem Glauben, als sähe ich das Gewand eines
-glanzvollen Besuches aus einer andern und bessern Welt; -- aber weg
-mit dergleichen Träumereien! -- war es vielleicht eine phosphorische
-Ausdünstung von einem unsrer zahlreichen Moräste oder Binnen-Seen, oder
-stand sie vielleicht mit dem Nordlicht in Verbindung, welches so häufig
-an unserm Himmel gesehn wird?
-
-Ich muß jetzt diesen Brief schließen; denn ich habe noch an einige
-Freunde zu schreiben, denen ich blos bei günstiger Gelegenheit etwas
-von meiner Hand zufertigen kann, denn das Porto ist sehr hoch, und man
-muß für alles, was man nach New York sendet, oder von daher erhält,
-theuer bezahlen.
-
-Leben Sie wohl Meine Gütigste und Beste Freundin.
-
-
-
-
-Erster Anhang.
-
- (Folgende Mittheilungen sind von der Verfasserin dieses Werkes während
- dessen Druck eingegangen.)
-
-
-Ahorn-Zucker.
-
-Dieses Frühjahr habe ich Ahorn-Zucker von weit feinerem Korn und
-besserer Farbe bereitet, als er mir jemals zu Gesicht gekommen ist;
-und mehre alte Ansiedler haben mir versichert, es sei der beste oder
-ziemlich der beste, den man nur immer erhalten könne; diese Lobsprüche
-bestimmen mich, das von mir bei seiner Bereitung verfolgte Verfahren
-hier mitzutheilen: Sobald der Saft in dem Zucker-Kessel von ungefähr
-sechszehn Eimern bis auf zwei eingekocht war, goß ich ihn zunächst
-durch einen dünnen Flanell-Beutel, der ungefähr so beschaffen sein muß
-wie ein Sack zum Durchseihen von Gelées, und befreite ihn dergestalt
-von den ersten Unreinigkeiten, die ziemlich groß sind. Hierauf ließ
-ich ihn durch dickeren Flanell in den eisernen Topf laufen, der
-zu seiner Eindickung zu Zucker bestimmt war, schlug, als er noch
-kalt oder höchstens nur lau war, das Weiße eines Eies zu Schaum
-und verbreitete es behutsam über die Oberfläche der Flüssigkeit,
-wobei ich den Topf, als er durch das Feuer heiß zu werden anfing,
-sorgfältig in den Augen behielt, damit der Schaum nicht in den Zucker
-kochen möchte. Einige Minuten bevor der eingedickte, auf die eben
-geschilderte Weise behandelte Saft zum Kochen kommt, muß der Schaum,
-der sich oben absetzt, mit einem hölzernen Schöpflöffel sorgfältig
-abgenommen und entfernt werden. Meines Erachtens hängt die Weiße
-und Reinheit des Zuckers zum großen Theil von der sorgfältigen
-Entfernung jedes Schaumtheilchens ab. Die beste Vorschrift, welche
-ich hierzu (dem Abschäumen des Zuckers[59]), ertheilen kann, ist,
-den Saft fortwährend in schnellem Kochen zu erhalten, nur muß man
-dabei sorgfältig sein Ueberlaufen verhindern, indem man etwas von der
-Flüssigkeit in dem Rührlöffel behält, und wenn die Masse nach dem Rande
-aufsteigt oder zu schnell aufwallt, von Zeit zu Zeit etwas hinein
-tropfen läßt, um sie nieder zu halten; oder siedet man die Masse in
-einem Koch-Ofen, so verhindert die Oeffnung einer oder aller Thüren
-das Ueberlaufen. Die, welche ihren Zucker außer dem Hause bereiten,
-befestigen einen hölzernen Krahn in einen Baumstummel, das Feuer
-wird hierauf angezündet, und der Kessel an dem Krahne aufgehängt;
-durch diese einfache Vorrichtung, -- jeder Knabe kann damit zu Stande
-kommen, -- kann man, bei nur einiger Aufmerksamkeit auf das Kochen,
-jedes Ueberlaufen vermeiden; allein das Auge darf nicht vom Kessel
-weggewendet werden, eine Unachtsamkeit, ein eitler Blick kann einen
-großen Verlust des kostbaren Saftes bewirken. Ich hatte blos einen
-kleinen Koch-Ofen zur Bereitung meines Zuckers; die dazu gehörigen
-Töpfe hielt man für zu klein, und ihre Form für ungeeignet, so daß ich
-anfangs den Versuch aufgeben zu müssen fürchtete; allein ich beharrte
-bei meinem Vorsatz, und meine Erfahrung hat mich gelehrt, daß mein Ofen
-ein trefflicher Apparat zu dieser Art von Fabrikation ist, da sich die
-Hitze nach Belieben reguliren läßt.
-
-Eine der ängstlichsten Perioden beim Zuckersieden ist, nach meiner
-Erfahrung, wenn der Saft zuerst anfängt, ein gelbliches, schaumiges
-Ansehn anzunehmen, und eine so große Dampf-Menge von seiner Oberfläche
-aufzuwerfen, daß man den Inhalt des Kessels nicht sieht; in welchem
-Fall er, selbst bei der größten Aufmerksamkeit, unvermerkt überlaufen
-kann. Sobald sich der Saft zu Syrup (Molasse) verdickt, nimmt er eine
-schön gelbe Farbe an und scheint nichts als ein dicker Schaum zu
-sein. Wenn er ziemlich tief eingekocht ist, fangen die Tropfen an,
-klar und zähe vom Löffel zu fallen; und wenn man kleine glänzende
-körnig aussehende Bläschen darin wahrnimmt, so tröpfele man einige
-auf eine kalte Platte und fahre fort, ihn umzurühren oder zu reiben,
-bis er ganz erkaltet ist; sobald er bereit ist, zu granuliren, findet
-man ihn griesig, eine weißliche oder blaßstrohgelbe Farbe annehmend
-und steif. Alsdann kann man den Zucker unbesorgt in eine zinnerne
-Schüssel, in einen Eimer, ein Becken oder irgend ein andres passendes
-Gefäß ausschütten. Ich versuchte zwei verschiedne Methoden, nachdem
-ich den Zucker vom Feuer genommen, konnte aber in seinem Aussehn keine
-Verschiedenheit wahrnehmen, ausgenommen daß bei der einen der Zucker
-mehr zerbrochen erschien, bei der andern dagegen in großen Klumpen
-blieb; übrigens aber war weder in Reinheit noch Funkeln ein Unterschied
-bemerkbar. Was die erste Methode anlangt, so rührte ich den Zucker
-fortwährend um, bis er anfing, zu erkalten, und eine weißlich dicke
-Substanz zu bilden, und die Körner gut krystallisirten; bei dem andern
-Verfahren, -- das ich für vorzüglicher halte, da es die wenigste Mühe
-verursacht, -- wartete ich, bis die Molasse zu Zucker verhärtet war,
-hierauf durchlöcherte ich die Cruste an mehren Stellen, und stürzte die
-Masse in einen Durchschlag über einem Gefäße, bestimmt, die vom Zucker
-abtropfende Molasse aufzunehmen. Im Verlauf des Tages oder zweier Tage,
-rührte ich den Zucker häufig um, der so von aller Feuchtigkeit befreit
-ward, und ein schönes funkelndes Korn annahm; er schmeckte genau wie
-Zuckerkant; vom Geschmack des Ahorn-Saftes konnte man keine Spur daran
-bemerken, kurz man konnte ihn zu allem gebrauchen.
-
-Ich habe die Bemerkung gemacht, daß im Allgemeinen Ahorn-Zucker, wie
-er gewöhnlich bereitet wird, hart und derb ist, wenig Korn zeigt,
-und im Verhältniß zu seinem Umfange sehr ins Gewicht fällt. Gerade
-das Gegentheil aber kann ich von meinem Fabrikat sagen, er ist im
-Verhältniß zu seinem Volumen außerordentlich leicht, indem die schwere
-Molasse, statt in ihn einzutrocknen, vollkommen davon getrennt ist.
-Wäre das gegenwärtige Frühjahr nur günstig genug gewesen, was es nicht
-war, so würden wir eine gute Quantität trefflichen Zuckers bereitet
-haben.
-
-
-Weinessig.
-
-Kocht man fünf Gallonen Saft auf eine ein, setzt man, wenn er gerade
-die Temperatur frisch gemolkner Milch ein wenig übersteigt, ein
-Weinglas Hefen hinzu, und läßt man das Gefäß während des Sommers in der
-Küche nahe am Heerde stehen, so erhält man einen guten, wohlfeilen,
-angenehm schmeckenden starken und sehr brauchbaren Essig. Diesen Plan
-habe ich zwei Jahre hindurch mit Glück verfolgt. Das Faß oder die Butte
-muß gehörig ausgepicht und wasserdicht sein, ehe der Essig hinein
-gethan werden kann; denn andernfalls würde es durch die Sonnenhitze
-einschrumpfen und leck werden. Ist es gut gearbeitet, so überstreicht
-man die Fugen und den innern Rand am obern Theil des Fasses mit Theer
-oder auch mit gelber Seife, wodurch es gegen etwaige Oeffnungen
-gesichert wird. Erfahrne Hausfrauen geben der gleichförmigern
-Küchen-Temperatur, was den Standort des Essigs anlangt, den Vorzug
-vor der freien Luft; denn die in diesem Lande häufig eintretenden
-kalten Nächte sollen dem Vorgange nachtheilig sein, der, wenn er
-kein dergleichen Hinderniß erfährt, schneller zur Vollendung kommt.
-Diejenigen, welche in der Bereitung einheimischer Weine und Biere gut
-bewandert sind, dürften mit geringem Aufwande, von Zeit und Arbeit
-einen trefflichen Ahorn-Wein oder Ahorn-Bier bereiten.
-
-Jeder Ansiedler zieht, als ein Ziergewächs, in seinem Garten (oder
-sollte dies thun) Hopfen, welcher einen der Haupt-Bestandtheile des
-Ahorn-Bieres bildet, nachdem man ihn dem Safte zugesetzt hat.
-
-
-Hopfen-Hefen.
-
-Dieser treffliche, und ich möchte sagen, unentbehrliche Artikel
-in jedem Ansiedler-Hause, ist ein schätzbares Substitut für Ale-
-oder Bier-Hefen, und wird auf folgende einfache Weise bereitet: --
-Man nimmt zwei Hände voll Hopfen, kocht diese Quantität in einer
-Gallone weichen Wassers, wenn man dergleichen bekommen kann, bis
-der Hopfen zu Boden des Gefäßes sinkt; bereitet einen Teig, indem
-man eine Dessert-Schüssel voll Mehl und kaltes Wasser so lange
-zusammen rührt, bis sie eine weiche und ziemliche dicke Masse bilden;
-filtrirt die Hopfen-Flüssigkeit, während sie noch siedend heiß ist,
-in das Gefäß, welches den Teig enthält, und läßt einen Gehülfen die
-Hopfen-Flüssigkeit abgießen, während man den Teig umrührt. Sobald sie
-bis zu einer gelinden Wärme abgekühlt ist, so daß man den Finger ohne
-unangenehme Empfindung hinein halten kann, füge man ein Glas von den
-frühern Hefen, oder etwas weniges Sauerteig hinzu, um sie gähren zu
-machen; ist auch dies geschehn, so läßt man sie ruhig stehen, bis sie
-gehörig gegohren hat, füllt sie dann auf Flaschen und verkorkt sie
-sorgfältig. Den Sommer über muß sie im Keller oder an einem kühlen
-Ort stehen, und im Winter muß man dafür sorgen, daß sie nicht friert.
-Einige fügen zwei oder drei mehlige, wohl gekochte und fein gestoßne
-Kartoffeln hinzu, was während der kalten Monate des Jahres sich sehr
-vortheilhaft erweist. Ein Zusatz von Kartoffeln zu Brodmehl ist
-ebenfalls höchst zweckmäßig und meines Erachtens für neue Ankömmlinge,
-die alle ihr Mehl kaufen müssen, jedenfalls ein großes Ersparniß.
-
-Folgende Methode liefert mir ein schmackhafteres, leichteres Brod als
-das auf dem gewöhnlichen Wege gemischte Mehl: -- Angenommen, ich wollte
-ungefähr anderthalb Stein Mehl verbacken, so koche ich, (versteht sich,
-nachdem sie völlig rein geschält sind,) etwa drei Dutzend ziemlich
-große Kartoffeln, in ungefähr drei Quart oder einer Gallone Wasser,
-bis die Flüssigkeit das Ansehn einer dünnen Grützsuppe zeigt, und
-die Kartoffeln sich mit dem Wasser fast ganz verkörpert haben. Mit
-dieser Kartoffel-Grütze wurde das Mehl vermischt, Wasser war nicht
-erforderlich, außer wenn ich zufällig nicht genug von der Mischung
-hatte, um mein Mehl hinlänglich anzufeuchten. Dieselbe Methode, zu
-kneten, die Gährung durch Hefen zu bewirken u. s. w., wird bei anderm
-Teige und Brode angewendet. Während des Backens nimmt es eine glänzend
-hellbraune Farbe an und ist leichter als das auf gewöhnlichem Wege
-bereitete Brod, daher eine Kenntniß des besprochnen Verfahrens den
-Emigranten-Familien nützlich sein dürfte.
-
-
-Salz-Sauerteig.
-
-Dies ist ein Sauerteig wovon die Yankie-Ansiedler häufig Gebrauch
-machen; allein obgleich das damit bereitete Brod entschieden weißer,
-und von besserem Aussehn ist, als das auf andre Weise gesäuerte. So
-macht es doch der eigenthümliche Geschmack, den es dadurch erhält,
-manchen Leuten äußerst widrig. Ein andrer Nachtheil ist, daß es
-während des Winters äußerst schwer hält, diesen Sauerteig zum Gehen
-(Gähren) zu bringen, da er eine Temperatur erfordert, die man an einem
-canadischen Wintertage nicht leicht erhalten kann, dazu kommt noch,
-daß der fragliche Sauerteig, nachdem er einmal seine Höhe erreicht
-hat, wofern man nicht sogleich davon Gebrauch macht, wieder fällt,
-und dann nicht wieder steigt; eine sorgsame Hausfrau, welche diesen
-Umstand kennt, giebt daher sorgfältig Acht, da sie andernfalls schweres
-schliffiges Gebäck erhalten oder gar kein Brod sondern eine Art Gebäcke
-wie Haferkuchen im Hause haben würde.
-
-So viel als ich mich erinnern kann, wird der Salz-Sauer auf folgende
-Weise gemacht: -- Zu einem kleinen Gebäcke, also etwa zwei oder drei
-Broden oder einem großen Backkessel-Brode (ungefähr so groß wie ein
-englisches Metzen-Brod) nimmt man eine Pinte mäßig warmen Wassers, (es
-muß der hineingesteckten Hand angenehm sein) und rührt in den Krug oder
-Topf, der es enthält, so viel Mehl, als zur Bildung eines guten Teiges
-nöthig ist, der aber nicht zu dick sein darf; hierzu füge man einen
-halben Theelöffel voll Salz und setze das Gefäß, in einer Schüssel
-mäßig warmen Wassers, in eine kleine Entfernung vom Feuer oder an die
-Sonne; das den Topf, worin der Sauer enthalten ist, umgebende Wasser
-darf sich nie viel über seine ursprüngliche Wärme abkühlen, daher man
-von Zeit zu Zeit etwas warmes Wasser zugießen muß, (nicht aber in den
-Sauer, sondern in die Schüssel,) bis das Ganze in einen lebhaften
-Zustand von Gährung geräth, was in Zeit von sechs bis acht Stunden
-geschieht, worauf man den Brodteig damit vermischen und, so viel als
-nöthig, warmes Wasser oder warme Milch zugießen muß. Hierauf knete man
-die Masse, bis sie hinreichend steif ist und nicht mehr am Troge hängen
-bleibt. Man wirke nun seine Brode auf, und decke sie in der Nähe des
-Feuers warm zu, bis sie gehen, wenn dieses zweite Anschwellen statt
-findet, müssen sie sogleich gebacken werden.
-
-Diejenigen, welche Shanty-Brode, wie ich sie nenne, in eisernen, auf
-glühende Kohlen gestellten Back-Töpfen oder Kesseln backen, setzen den
-Teig zum Gehen über sehr wenige Kohlen, oder in die Nähe des heißen
-Herdes, und drehen, während das Brod steigt, den Topf oder die Pfanne
-von Zeit zu Zeit; sobald alles gleichförmig in die Höhe gegangen ist,
-legt man heiße Asche unter und auf den Deckel, wobei man Sorge tragen
-muß, daß die Hitze anfangs nicht zu heftig werde. Da diese Methode zu
-backen die allgemeinste und erste ist, welche ein Ansiedler ausüben
-sieht, so halte ich es für zweckmäßig, ihn im Voraus damit bekannt zu
-machen. Anfangs fühlte ich mich geneigt, gegen die Back-Schüsseln oder
-Back-Kessel zu eifern; allein da Koch-Oefen, eiserne Oefen, ja auch
-nur Ziegel- oder Lehm-Oefen nicht wie Pilze auf unser Geheiß im Busche
-aus der Erde aufschießen, so sind diese Substitute sehr schätzbar, und
-dienen vielen nützlichen Zwecken.
-
-Ich habe vorzüglich lockeres Brod genossen, welches auf dem
-Emigranten-Herde in einem dergleichen Kessel gebacken war, ich habe
-Kartoffeln, gebacknes Fleisch, treffliches Geschmortes und gute Suppen
-gegessen, die alle zu verschiedner Zeit in diesem allgemein nützlichen
-Geräthe zubereitet waren. Es ist eins von jenen Dingen, die sich für
-die Umstände des Ansiedlers im Walde ganz vorzüglich eignen; denn es
-ist unmöglich, daß dieser gleich von Vornherein alle Bequemlichkeiten
-und Haushaltsartikel in und außer seiner Wohnstätte vereinigen kann,
-welche gleichsam der Lohn mehrjähriger und vielfältiger Anstrengung und
-Mühe sind.
-
-Es giebt noch verschiedne Sorten Sauerteig, z. B. »_Milch-Sauer_,« der
-mit Milch, warm von der Kuh weg, und ungefähr einem Drittel warmen
-Wassers vermischt wird; und Kleien-Sauer, wozu man Kleien anstatt des
-Mehles nimmt, und den manche den zuvor erwähnten Arten vorziehen.
-
-
-Weiche Seife.
-
-Von der Bereitung weicher Seife kann ich nur wenig oder keine genaue
-Auskunft geben, da mir niemals eine _gewisse_ Regel mitgetheilt
-worden, und meine eigne Erfahrung zu beschränkt ist. Indeß sind mir
-von einem sachkundigen Mann einige Winke gegeben worden, worauf ich zu
-fußen gedenke. Anstatt die Seife zu sieden, was mit einigen Umständen
-verbunden ist, versicherte man mir, der beste Plan sei, die Lauge von
-einem Faß Asche ablaufen zu lassen, in diese Lauge vier oder fünf Pfund
-Fett zu thun, z. B. abgeschöpften Talg, Speckrinden oder Ueberbleibsel
-von Unschlitt; kurz jede Art von dergleichen Abgängen. Das Faß mit
-seinem Inhalt soll man hierauf an einen sichern Ort im Garten oder Hofe
-stellen, wo es der Einwirkung von Sonne und Luft ausgesetzt ist. Im
-Verlauf der Zeit verkörpern sich Lauge und Fett mit einander; herrscht
-das Fett vor, so sieht man es an der Oberfläche herumschwimmen; will
-sich die Mischung nicht gehörig verdicken, so muß man mehr Fett
-hinzufügen. Dies ist der einfachste, verständlichste und beste Bericht,
-den ich bisher über Seifen-Bereitung habe erhalten können, ein Prozeß,
-der mir bisher als ein Geheimniß erschien, wiewohl eine von meinen
-Mägden im letzten Frühjahr eine ansehnliche Quantität Seife, und zwar
-mit dem günstigsten Erfolg, fabricirt hat; allein sie konnte den Grund
-des Gelingens nicht angeben, indem sie sich des Prinzipes, wovon sie
-sich bei ihrer Arbeit leiten ließ, nicht bewußt war.
-
-
-Lichte.
-
-Jedermann machte hier zu Lande seine Lichte selbst, (das heißt,
-sobald er in Besitz der dazu erforderlichen Materialien ist). Die
-große Schwierigkeit, und meines Bedünkens die einzige, bei dieser
-Fabrikation ist die Herbeischaffung von Talg, den der Buschsiedler,
-so lange er nicht seine eignen Rinder, Schafe und Schweine schlachten
-kann, nicht leicht aufzutreiben vermag, wofern er ihn nicht kauft;
-und ein Ansiedler kauft, wenn er es umgehen kann, nicht so leicht
-etwas. Eine Kuh indeß, welche nichts einbringt, alt ist oder aller
-Wahrscheinlichkeit nach der Strenge des Winters nicht Trotz bieten
-kann, läßt man oft den Sommer über trocken gehen, und ihr Futter
-selbst suchen, bis sie im Herbste zum Schlachten geschickt ist. Ein
-dergleichen Thier wird oft mit großem Vortheil geschlachtet, vorzüglich
-wenn der Ansiedler wenig Futter für sein Vieh hat. Das Fleisch (^beef^)
-ist oft trefflich, und das Fett der innern Theile liefert treffliche
-Lichte und gute Seife. Lichte, die man aus drei Theilen Rindstalg und
-einem Theil Schweinfett bereitet, brennen besser als die, welche man
-bei den Vorraths-Händlern kauft, und kosten nicht halb so viel. Der
-Talg wird ganz einfach in einem Topfe oder einer Schüssel, die dazu
-geeignet ist, zerlassen, und hat man Baumwollen-Dochte in die Formen
-gezogen, (zinnerne oder blecherne Formen für sechs Lichte kosten das
-Stück bei den Vorraths-Händlern drei Schillinge, und halten viele,
-viele Jahre aus,) so steckt man einen Stock oder Spieß durch die
-Docht-Schleifen, die über den obersten Theil der Form hinausragen und
-dazu dienen, die Lichte aus den Formen zu ziehen.
-
-Das zerlaßne Fett, nicht zu heiß, aber in flüssigem Zustande, wird dann
-in die Formen gegossen, bis sie voll sind; so wie das Fett erkaltet,
-schrumpft es zusammen, und läßt oben in der Form eine Höhlung zurück;
-diese muß nach seinem völligen Erkalten ausgefüllt werden. Lassen sich
-die Lichte nicht gut aus den Formen ziehen, so tauche man letztre auf
-einen Augenblick in heißes Wasser, worauf erstere leicht herausgehen.
-Manche ziehen es vor, Lichte für den Küchengebrauch durch Eintauchen
-der Dochte in zerlaßnen Talg zu bereiten; allein was mich betrifft, so
-halte ich die Mühe für fast eben so groß, und gebe daher, in Ansehung
-des saubern Aeußeren, den Formen den Vorzug. Es kann wohl sein, daß
-mir und meinem Mädchen das erste Verfahren weniger geläufig ist, als
-das letzte.
-
-
-Einlegen von Gurken u. s. w.
-
-Der große Mangel an Frühlings-Gemüsen macht Eingelegtes zu einer
-schätzbaren Zugabe für die Tafel, und zwar zu einer Zeit, wo Kartoffeln
-nichts mehr taugen und ihren guten Geschmack verloren haben. Ist man
-mit dem Ahorn-Essig glücklich gewesen, so kann man in der letzten
-Hälfte des Sommers Gurken, Bohnen und Kraut zu Winter-Vorräthen
-einlegen; sollte jedoch der Weinessig zu dieser Zeit noch nichts
-taugen, so stehen zu dem fraglichen Behuf zwei Wege offen, einmal
-nämlich kann man aus gekochtem Salz und Wasser eine gute Brühe zur
-Aufnahme der Gurken u. s. w. bereiten, das Kraut, was ich nebenbei
-bemerken will, läßt sich im Wurzel-Hause oder Keller ganz gut
-aufbewahren, oder man versenkt es in Brunnen, die gehörig bedeckt
-werden müssen; will man etwas davon einlegen, so muß man zunächst die
-oberste Schicht, die nichts taugt, entfernen, und hat man den Essig
-mit Gewürzen gekocht, so setzt man ihn zum Erkalten hin. Die Gurken
-müssen vorher gehörig gewaschen, zwei oder dreimal in frischem Wasser
-gespült und abgetrocknet werden, alsdann in einen irdnen Topf oder ein
-Einmache-Glas gethan und mit dem Essig übergossen werden. Der Vortheil
-hiervon liegt am Tage, man kann zu jeder beliebigen Zeit einlegen. Ein
-andres Verfahren, welches ich sehr habe preisen hören, besteht darin,
-daß man die Gurken in ein Gemisch von Branntwein[59] und Wasser legt,
-welches mit der Zeit zu einem guten Essig wird, die Farbe und das
-äußere frische Ansehn der Vegetabilien erhält und sie zu gleicher Zeit
-zart und weich macht, besonders wenn man es siedend heiß darauf gießt,
-welches das gewöhnliche Verfahren ist.
-
-Fußnoten:
-
-[58] ^Sugaring-off^, wie die Canadier diese Operation nennen.
-
-[59] In dem »^Backwoodsman^« wird dieses Whisky-Recept als eine
-abscheuliche Mischung erwähnt; vielleicht hat der witzige Verfasser,
-von den darin eingelegten Vegetabilien in noch unvollendetem Zustande
-gekostet. Er giebt eine klägliche Schilderung von amerikanischer
-Kocherei, erklärt aber, daß dieser schlechte Zustand auf Mangel
-an guten Vorschriften beruhe. Die von mir beigefügten Recepte zur
-Hefen-Bereitung und Säuerung des Brodes dürften in England von großem
-Nutzen sein, vorzüglich auf dem Lande, wo es oft an guten frischen
-Hefen fehlt.
-
-
-
-
-Zweiter Anhang.
-
-
- Da es der Wunsch der Herausgeber ist, vorliegendes Werk für
- Auswandrer so gemeinnützig als möglich zu machen, so fügen wir, unter
- nachstehenden Titeln, einige officielle Nachrichten und Fingerzeige
- hinzu: --
-
-
-Statistische Angaben, die Auswanderung
-nach Canada betreffend: --
-
-^I.^ _Anzahl der Verkäufe und Bewilligungen von Kronländereien,
-Geistlichkeits-Vorbehalt, (das ist Parcellen, die für die Geistlichkeit
-vorbehalten werden,) Bedingungen u. s. w._
-
-^II.^ _Anweisung für Emigranten; Anzahl der angelangten Emigranten,
-nebst Auszügen aus Papieren von Agenten, welche von der Regierung zur
-Beaufsichtigung der Emigranten-Angelegenheiten angestellt sind._
-
-^III.^ _Auszug aus dem in der Sitzung von 1835 erlaßnen amerikanischen
-Passagier-Gesetz._
-
-^IV.^ _Uebertragung von Capitalien._
-
-^V.^ _Canadisches Courant._
-
-^VI.^ _Canadische Compagnie._
-
-^VII.^ _Brittisch-Amerikanische Land-Compagnie._
-
-
-_Kron-Ländereien_, die seit 1828 bis 1833 verkauft worden sind.
-
-Unter-Canada.
-
- +-----+-----------+-------------+------------------+----------------------+
- |Jahr.|Betrag des |Durchschnitts| Betrag des |Betrag des Kaufgeldes,|
- | |verkauften | Preis für | eingegangenen | welches den Käufern |
- | |Bodens nach| den Acker. | Kaufgeldes | vom Militairstande |
- | | Aeckern. | | im ersten | erlassen worden |
- | | | | Jahre. | ist im ersten |
- | | | | | Jahre. |
- +-----+-----------+-------------+------------------+----------------------+
- | | | S. D. |Pfd. Sterl. S. D.|Pfd. Sterl. S. D.|
- | 1828| 20,011 | 4 11 | 1,255 14 10| -- -- -- --|
- | 1829| 31,366 | 5 2-3/4 | 466 2 11| -- -- -- --|
- | 1830| 28,077 | 5 8-3/4 | 273 10 5| -- -- -- --|
- | 1831| 51,357 | 6 1-3/4 | 816 19 8| -- -- -- --|
- | 1832| 24,074 | 6 9-1/4 | 1,013 1 11| 555 10 6 |
- | 1833| 42,570 | 4 2 | 1,975 10 11| 1,936 9 3 |
- | +-----------+ | | |
- |Summa| 197,455 | | | |
- +-----+-----------+-------------+------------------+----------------------+
-
- +-----+------------------+------------------+
- |Jahr.| Betrag des |Gesammt-Betrag |
- | | eingegangenen |des Kaufgeldes. |
- | | Erbzinses, | |
- | | zu fünf pCt. | |
- | | vom Kaufgelde, | |
- | | im ersten Jahre.| |
- +-----+------------------+------------------+
- | |Pfd. Sterl. S. D.|Pfd. Sterl. S. D.|
- | 1828| 39 12 6| 5,044 9 9|
- | 1829| 307 11 0| 7,469 17 7|
- | 1830| 322 3 6| 7,461 13 5|
- | 1831| 484 14 7| 12,442 8 6|
- | 1832| 119 2 7| 6,139 6 10|
- | 1833| -- -- -- --| 7,549 1 5|
- | + +------------------+
- |Summa| | 46,106 11 0|
- +-----+------------------+------------------+
-
-Die Bedingungen, unter welchen die Ländereien verkauft wurden, waren,
-daß bei Käufen mit terminlicher Abzahlung, letztere in drei Jahren
-vollendet sein mußte; dagegen bei Käufen mit Entrichtung von Erbzins
-zu 5 Procent, das Capital nach Belieben gezahlt werden konnte. ^N. B.^
-Verkäufe mit Erbzins haben im Jahr 1832 aufgehört.
-
-
-Verkauf von Kron-Ländereien seit 1828 bis 1833.
-
-Ober-Canada.
-
- +-----+----------+---------------+-----------------+-------------------+
- |Jahr.|Anzahl der|Durchschnitts- | Betrag des | Gesammtbetrag |
- | |verkauften|Preis für den |Verkauf-Geldes im|des Verkauf-Geldes.|
- | | Aecker. | Acker. | ersten Jahre. | |
- +-----+----------+---------------+-----------------+-------------------+
- | | | S. D. |Pfd. Sterl.S. D.|Pfd. Sterl. S. D.|
- |1829 | 3,883 | 15 1-3/4 | 760 6 10| 2,940 17 3 |
- |1830 | 6,135 | 13 8-1/2 | 1,350 16 6| 4,209 3 6 |
- |1831 | 4,357 | 11 3-1/2 | 1,626 15 6| 2,458 1 8 |
- |1832 | 10,323 | 9 1-1/2 | 2,503 3 5| 11,578 19 3 |
- |1833 | 26,376 | 8 9-1/4 | 5,660 8 3| |
- | +----------+ | +-------------------+
- |Summa| 51,074 | | | 25,898 3 11|
- +-----+----------+---------------+-----------------+-------------------+
-
-Die Zinsen werden jetzt an den Zahlungsterminen entrichtet. Drei
-Jahr ist die Frist, nach Ablauf welcher die ganze Kauf-Summe bezahlt
-werden muß. Die Verkäufe von Stadt-Parcellen, Wasser-Parcellen
-und Park-Parcellen, in Ober-Canada, sind auf dieser Tabelle nicht
-mit begriffen, wegen der unverhältnißmäßigen Wirkung, welche die
-vergleichungsweise großen, für diese kleinen Parcellen bezahlten Summen
-auf den Durchschnitts-Preis per Acker haben würden, sie werden daher
-besonders auf der nächsten Tabelle angegeben. --
-
-Stadt- und Park-Parcellen, verkauft in Ober-Canada
-von 1828 bis 1833.
-
- +-----+----------+--------------------+-----------------+-----------------+
- |Jahr.|Anzahl der|Durchschnitts-Preis | Betrag des | Gesammtbetrag |
- | |verkauften| für den | eingegangenen | des Kaufgeldes. |
- | | Aecker. | Acker. | Kaufgeldes | |
- | | | | im ersten Jahre.| |
- +-----+----------+--------------------+-----------------+-----------------+
- | | |Pfd. Sterl. S. D. |Pfd. Sterl. S. D.|Pfd. Sterl. S. D.|
- |1828 | 2 | 126 0 0 | 63 0 0 | 252 0 0 |
- |1829 | -- -- | -- -- -- | 63 0 0 | -- -- -- |
- |1830 | 19 | 10 10 6-1/4| 55 0 0 | 200 0 0 |
- |1831 | 3 | 8 7 6-1/2| [60]95 12 8 | 25 2 8 |
- |1832 | 30 | 15 18 6 | 81 18 9 | 327 15 0 |
- |1833 | 114 | 14 13 9 | 634 8 6 | 1,674 9 0 |
- | +----------+ | +-----------------+
- |Summa| 168 | | | 2,497 6 8 |
- +-----+----------+--------------------+-----------------+-----------------+
-
-Im Jahr 1829 haben keine Verkäufe stattgefunden; doch gingen in
-demselben Gelder für die im vorhergehenden Jahre verkauften Parcellen
-ein.
-
-
-Nachstehende Tabelle enthält die Summe der bewilligten Kron-Ländereien
-und die Bedingungen, unter welchen die Bewilligungen statt gefunden, --
-von 1823 bis 1832.
-
-Unter-Canada.
-
- +-----+--------------+------------+----------+--------------+-----------+
- |Jahr.|Ansiedlern vom| Entlaßnen |Offizieren| Bewilligte |Gesammtzahl|
- | |Militairstande|Soldaten und|bewilligte| Ackerzahl, | der |
- | | bewilligte | Pensionairs|Ackerzahl.| welche unter |bewilligten|
- | | Ackerzahl. | bewilligte | | keine der | Acker. |
- | | | Ackerzahl. | |vorhergehenden| |
- | | | | | Rubriken | |
- | | | | | gehört. | |
- +-----+--------------+------------+----------+--------------+-----------+
- |1824 | 51,810 | -- -- | 4,100 | 34,859 | 90,769 |
- |1825 | 32,620 | -- -- | 1,000 | 16,274 | 49,894 |
- |1826 | 3,525 | 5,500 | -- -- | 48,224 | 57,249 |
- |1827 | 7,640 | 6,300 | 800 | 38,378 | 53,118 |
- |1828 | 7,300 | -- -- | 4,504 | 9,036 | 20,840 |
- |1829 | 3,200 | -- -- | -- -- | 5,282 | 8,482 |
- |1830 | 18,425 | -- -- | 2,000 | 10,670 | 94,059 |
- |1831 | 9,400 | 8,273 | 3,408 | 9,990 | 30,981 |
- |1832 | 10,116 | 19,000 | 4,000 | 4,000 | 37,116 |
- |1833 | 5,200 | 22,500 | 1,200 | -- -- | 28,900 |
- +-----+--------------+------------+----------+--------------+-----------+
- |Summa| 212,236 | 61,573 | 21,012 | 176,623 | 471,444 |
- +-----+--------------+------------+----------+--------------+-----------+
-
-_Bedingungen_, die der Ansiedler zu erfüllen hat: -- er muß binnen
-neunzig Tagen zwanzig Fuß Straße auf seiner Parcelle lichten.
-
-_Bedingungen_ für den Ansiedler vom Militairstande: -- er ist
-verpflichtet, in einem Zeitraum von drei Jahren vier Acker seiner
-Parcelle zu lichten und zu cultiviren und ein Wohnhaus darauf zu
-erbauen.
-
-
-Ober-Canada.
-
- +------+-------------+------------+----------+--------------+
- |Jahr. |An Emigranten| Entlaßnen |Offizieren| Bewilligte |
- | | vom |Soldaten und|bewilligte|Acker, welche |
- | | Militair- |Pensionairs |Ackerzahl.| in keine der |
- | | stande | bewilligte | |vorhergehenden|
- | | vertheilte | Ackerzahl. | | Rubriken |
- | | Ackerzahl. | | | gehören. |
- +------+-------------+------------+----------+--------------+
- |1824 | 11,100 | 5,800 | 5,500 | 134,500 |
- |1825 | 20,300 | 5,700 | 8,100 | 149,060 |
- |1826 | 16,600 | 3,100 | 4,700 | 19,390 |
- |1827 | 10,900 | 4,200 | 7,200 | 33,600 |
- |1828 | 10,800 | 900 | 3,000 | 4,304 |
- |1829 | 5,300 | 7,500 | 8,400 | 3,230 |
- |1830 | 6,400 | 12,500 | 12,600 | 9,336 |
- |1831 | 5,500 | 58,400 | 7,200 | 8,000 |
- |1832 | 19,300 | 97,800 | 7,600 | 6,100 |
- |1833 | 35,200 | 46,000 | -- -- | 9,100 |
- +------+-------------+------------+----------+--------------+
- |Summa.| 142,100 | 241,900 | 64,300 | 376,620 |
- +------+-------------+------------+----------+--------------+
-
- +------+--------------+---------------+
- |Jahr. |Loyalisten[61]| Gesammtzahl |
- | | bewilligte |der bewilligten|
- | | Ackerzahl. | Acker. |
- | | | |
- | | | |
- | | | |
- +------+--------------+---------------+
- |1824 | 30,200 | 187,800 |
- |1825 | 45,000 | 228,160 |
- |1826 | 24,800 | 69,590 |
- |1827 | 20,200 | 76,100 |
- |1828 | 30,800 | 49,804 |
- |1829 | 22,600 | 47,030 |
- |1830 | 27,400 | 68,236 |
- |1831 | 34,200 | 113,300 |
- |1832 | 62,600 | 193,400 |
- |1833 | 135,600 | 225,900 |
- +------+--------------+---------------+
- |Summa.| 433,400 | 1,258,320 |
- +------+--------------+---------------+
-
-_Bedingung_: wirkliche Ansiedlung.
-
-
-^I.^ Verkäufe und Bewilligungen von Kron-Ländereien.
-
-Folgende Tabellen, aus parlamentarischen Urkunden entlehnt, zeigen:
-
-1) Die Menge der in Ober- und Unter-Canada seit 1828 bis 1833
-(einschließlich) _verkauften_ Kronländer, nebst dem Durchschnitts-Preis
-für den Acker.
-
-2) Stadt und Park-Parzellen, die während der nämlichen Periode in
-Ober-Canada verkauft worden sind.
-
-3) Die Menge von Kronländereien, die seit 1824 bis 1833,
-(einschließlich) ohne Kauf bewilligt worden sind, nebst den
-Bedingungen, unter welchen diese Bewilligungen erfolgt sind.
-
-4) Betrag der für die Geistlichkeit vorbehaltnen Ländereien, welche in
-jedem Jahre nach Beginn der Verkäufe unter Act 7 und 8 ^Geo. IV. c.^
-62. veräußert worden sind.
-
-Die im Jahr 1824, der Zeit, von welcher an die Zahlungen ihren Anfang
-nehmen, in Gültigkeit tretenden Bedingungen, wurden in der Versammlung
-vom 20. October, 1818 und vom 21. Februar 1820 auf gesetzlichem Wege
-festgestellt und auf alle Klassen von Privilegirten ausgedehnt.
-
-Die Bedingungen waren folgende: -- Jeder Belehnte soll von je hundert
-bewilligten Ackern, fünf Acker völlig lichten und einfriedigen; auf dem
-gelichteten Boden ein Haus 16 Fuß tief und zwanzig Fuß breit bauen; und
-die eine Hälfte der Straße (auf der Seite seines Besitzthums, und so
-weit als dieses reicht) lichten, desgleichen einen Weg von seinem Hause
-nach der Straße führen. Diese Straßen-Pflichten sollen als ein Theil
-_der fünf Acker von hundert_ (s. oben) betrachtet werden. Das Ganze muß
-binnen zwei Jahren, vom Tage der Belehnung an gerechnet, vollendet, und
-nach dargethaner Erfüllung der verzeichneten Bedingungen ein Patent
-ausgefertigt werden.
-
-»Am 14. Mai 1830 wurde bei Schenkungen an verabschiedete Soldaten
-hierzu noch eine Bedingung gefügt, welche den wirklichen persönlichen
-Aufenthalt des Betheiligten auf der ihm bewilligten Stelle erforderlich
-macht, bevor er sein Patent ausgefertigt erhalten kann.
-
-»Am 14. November, 1830 wurden die damals hinsichtlich der Ansiedler
-Pflichten bestehenden Verordnungen in voller Versammlung aufgehoben,
-und dagegen der Befehl erlassen, daß jeder Belehnte die Straßen-Hälfte
-vor seiner Parcelle lichten und auf einer Strecke von zehn Fuß, in
-der Mitte der Straße, die Baumstummel so tief wegschneiden soll,
-daß Wagenräder darüber wegpassiren können. Der Nachweiß sowohl
-dieser Pflichterfüllung als eines zweijährigen Aufenthaltes auf dem
-bewilligten Grundstück berechtigt zu einem Patent.
-
-»Blos verabschiedeten Soldaten und Seeleuten, unter diesem Gesetz, ist
-es zur unerläßlichen Pflicht gemacht, drei Jahr vor Ausfertigung des
-Patentes ihr respectives Grundstück zu bewohnen und zu verbessern.
-
-»Am 24. Mai 1832 erließ die Versammlung einen Befehl, welcher in
-allen Fällen, außer in dem, welcher verabschiedete Soldaten und
-Seeleute betrifft, die bestehenden Anordnungen außer Kraft erklärte;
-und bestimmte, daß wofern nachgewiesen würde, daß sich ein Ansiedler
-auf einer Parcelle thätig niedergelassen, ein Patent ohne weiteres
-ausgefertigt werden solle.
-
-Nachfolgender Auszug ist aus einem officiellen, von Mr. _Buchanan_ und
-andern von der Regierung verpflichteten Emigrations-Agenten in Canada
-in Umlauf gebrachten Bericht entlehnt: --
-
-»Emigranten, welche in den beiden Canadas fruchtbaren Boden in
-wildem Zustand käuflich von der Krone zu erlangen wünschen, dürfen
-auf jede nur mögliche Erleichterung und jeden Vorschub von Seiten
-der öffentlichen Autoritäten zählen. Beträchtliche Boden-Strecken
-werden in Ober-Canada monatlich vermessen und zum Verkauf ausgeboten,
-desgleichen häufig auch aller zehn oder vierzehn Tage, von den für die
-Kron-Ländereien installirten Commissionairs, und zwar zu festgesetzten
-Preisen, die, je nach Lage und andern Umständen, sich bald auf zehn,
-bald auf funfzehn Schillinge per Acker belaufen, ausgenommen in den
-Gemeinde-Bezirken Sunnidale und Nottawasaga, wo der für Kron-Ländereien
-festgestellte Preis blos fünf Schillinge beträgt. In Unter-Canada
-bietet der Commissair für Kron-Ländereien zu Quebec zu bestimmten
-Perioden, in verschiednen Gemeinde-Bezirken, den Acker zu 2 Schil. 6 D.
-bis 12 Schil. 6 D. (Halifax-Courant), unter der Bedingung terminlicher
-Zahlungen, zum Verkauf aus. Auch von der Ober-Canada-Compagnie kann
-man unter sehr annehmlichen Bedingungen wilden Boden kaufen; und
-solche, welche sich nach dem Besitz einträglicher Pachte sehnen, können
-dergleichen ohne große Schwierigkeiten von Privat-Grundeigenthümern
-erlangen. Man gehe in keinem Fall ohne _persönliche Untersuchung_
-einen Kauf oder Pacht ein und sehe dabei ins besondre auf nachstehende
-Eigenschaften: --
-
-1) _Eine gesunde Lage._
-
-2) _Guten Boden._
-
-3) _Reines Quell- oder fließendes Wasser._
-
-4) _Eine gute moralische und religiöse Nachbarschaft, und die Nähe von
-Schulen zur Erziehung der Kinder._
-
-5) _Auf die möglichste Nähe von guten Fahrstraßen und Wasser-Transport,
-so wie von Säge und Grützmühlen._
-
-6) _Einen guten Titel._
-
-Für die Geistlichkeit vorbehaltne, in jedem Jahr seit Eröffnung
-der Verkäufe unter den Gesetzen 7 und 8 ^Geo. IV. c.^ 62 verkaufte
-Ländereien, nach Ackern.
-
-
-Unter-Canada.
-
- +-----+----------+--------------+---------------+------------------+
- |Jahr.|Anzahl der|Durchschnitts-|Betrag des im | Gesammtbetrag |
- | |verkauften|Preis für den |ersten Jahre | der Kaufsumme. |
- | | Acker. | Acker. |eingegangenen | |
- | | | | Kaufgeldes. | |
- +-----+----------+--------------+---------------+------------------+
- | | | Shl. D. |Pfd. St. S. D.|Pfd. St. S. D. |
- |1829 | 1,100 | 4 6 | 10 0 0 | 230 0 0 |
- |1830 | 9,956 | 4 9-2/3 | 543 17 0 | 1,610 3 0 |
- |1831 | 11,332 | 7 2-1/2 | 541 7 6 | 2,665 9 3[62]|
- |1832 | 6,878 | 5 8 | 533 2 2 | 1,278 11 8 |
- |1833 | 37,278 | 8 2-1/4 | 3,454 11 6 |12,791 17 5 |
- | +----------+ | +------------------+
- |Summa| 66,539 | | |18,576 1 4 |
- +-----+----------+--------------+---------------+------------------+
-
-Drei Jahr sind die Frist, binnen welcher die ganze Kaufsumme bezahlt
-werden muß.
-
-
-Ober-Canada.
-
- +-----+----------+--------------+----------------+----------------+
- |Jahr.|Anzahl der|Durchschnitts-| Betrag des im | Gesammtbetrag |
- | |verkauften|Preis für den | ersten Jahre | des Kaufgeldes.|
- | | Acker. | Acker. | eingegangenen | |
- | | | | Kaufgeldes. | |
- +-----+----------+--------------+----------------+----------------+
- | | | Shl. D. |Pfd. St. S. D.|Pfd. St. S. D.|
- |1829 | 18,014 | 14 8-1/4 | 2,464 14 0| 13,229 0 0|
- |1830 | 34,705 | 13 6 | 6,153 5 9| 23,452 4 0|
- |1831 | 25,563 | 12 1-3/4 | 8,010 2 11| 17,362 12 1|
- |1832 | 48,484 | 13 3-2/4 | 10,239 9 7| 32,287 19 8|
- |1833 | 62,282 | 14 4-1/2 | 14,080 16 8| 44,747 9 9|
- | +----------+ | +----------------+
- |Summa| 192,049 | | | 131,079 14 10|
- +-----+----------+--------------+----------------+----------------+
-
-Das ganze Kaufgeld muß nach Ablauf von neun Jahren bezahlt sein. Außer
-der Kaufsumme sind bei jedem Termin auch die Interessen bezahlt worden;
-wie sich aus nachstehender Uebersicht ergiebt.
-
- Eingelaufne Interessen im Jahr 1829 Pfd. St. 1 7 3 Courant.
- -- -- -- -- 1830 -- -- 62 16 1 --
- -- -- -- -- 1831 -- -- 259 14 9 --
- -- -- -- -- 1832 -- -- 473 17 2 --
- -- -- -- -- 1833 -- -- 854 4 3 --
-
-
-II. Nachrichten für Emigranten.
-
-Im Jahr 1832 erließ der für Auswanderung von Sr. Majestät ernannte
-öffentliche Ausschuß eine kleine Schrift[63], die in gedrängter Kürze
-einige nützliche Belehrung enthält. Der Ausschuß besteht nicht mehr.
-An seine Stelle ist von der Regierung _J. Denham Pinnock_, Esq. als
-seiner Majestät Agent zur Beförderung der Auswanderung von England
-nach den brittischen Colonien ernannt. An diesen Herrn hat man sich
-in Auswanderungs-Angelegenheiten beim Colonial-Bureau brieflich,
-unter der Adresse: An den Colonial-Staatssecretair, zu wenden. Ein
-Hauptgegenstand seines Postens ist, den Behörden der Kirchsprengel und
-Landeigenthümern, welche das Auswandern von Arbeitern, Häuslern und
-dergl. aus ihren respectiven Distrikten zu befördern wünschen, die
-genügende Auskunft zu ertheilen und die möglichsten Erleichterungen
-zu verschaffen, und zwar besonders mit Rücksichtsnahme auf die
-Emigrations-Clausel der Armen-Gesetz-Amendements-Acte. Nachverzeichnete
-Agenten sind in den namhaft gemachten Häfen von der Regierung ebenfalls
-mit Förderung der Auswandrer-Angelegenheiten beauftragt.
-
- Liverpool -- -- Lieut. _Low_, ^R. N.^
- Bristol -- -- Lieut. _Henry_, ^R. N.^
- Leith -- -- -- Lieut. _Forrest_, ^R. N.^
- Greenock -- -- Lieut. _Hemmans_, ^R. N.^
- Dublin -- -- Lieut. _Hodder_, ^R. N.^
- Cork -- -- -- Lieut. _Friend_, ^R. N.^
- Limerick -- -- Lieut. _Lynch_, ^R. N.^
- Belfast -- -- Lieut. _Millar_, ^R. N.^
- Sligo -- -- -- Lieut. _Shuttleworth_, ^R. N.^
-
-Zu Quebec, ist Herr A. C. _Buchanan_, Esq., Hauptagent der Regierung in
-Auswanderungs-Angelegenheiten, stets bereit, jedem Emigranten, der um
-seinen Rath nachsucht, die genügende Auskunft zu ertheilen.
-
-Nachstehendes ist ein Auszug aus der im Jahr 1832 veröffentlichten
-kleinen Schrift: --
-
-»Ueberfahrten nach Quebec oder Neu-Braunschweig können entweder mit
-oder ohne Mundvorräthe ausbedungen werden, in letzterem Fall erhält
-der Passagier nichts außer Wasser, Brennmaterial und Bettstelle,
-aber kein Gebett. Kinder unter 14 Jahren zahlen nur die Hälfte, und
-unter 7 Jahren nur das Drittel der vollen Summe; Kinder unter 12
-Monaten werden unentgeldlich mitgenommen. Unter diesen Bedingungen
-beträgt das Passagiergeld von London, oder von Plätzen an der Ostküste
-Britanniens, mit Mundvorräthen, gewöhnlich 6 Pfund Sterl., und ohne
-Mundvorräthe, 3 Pfd. Sterl. Von Liverpool, Greenock und den Haupthäfen
-Irlands ist der Preis, in Folge seltner eintretender Verzögerungen
-etwas niedriger; in diesem Jahre (1832) wird er wahrscheinlich 2 Pfd.
-Sterl. bis 2 Pfd. Sterl. 10 Shl. (ohne Mundvorräthe), und mit diesen
-4 Pfd. Sterl. bis 5 Pfd. Sterl. betragen. Möglicher Weise dürften im
-März und April von Dublin aus Ueberfahrten zu 1 Pfd. Sterl. 15 Shl.
-oder gar zu 1 Pfd. Sterl. 10 Shl. zu erlangen sein; aber mit dem
-Vorrücken der Jahreszeit werden die Preise stets höher. In Schiffen,
-die von Schottland oder Irland aussegeln ist es meist üblich gewesen,
-daß die Passagiere selbst für ihre Mundvorräthe sorgten; allein in
-London ist diese Verfahrungsweise nicht so allgemein; und einige
-Schiffseigenthümer, wohlbekannt mit den gefährlichen Mißgriffen, welche
-in dieser Angelegenheit aus Unkenntniß gethan werden können, stemmen
-sich sehr gegen die Aufnahme von Fremden, welche ihre Mundvorräthe
-nicht vom Schiffe beziehen wollen. Diejenigen, welche durchaus selbst
-dafür sorgen wollen, sollten darauf bedacht sein, nicht zu wenig
-mitzunehmen; funfzig Tage sind die kürzeste Periode, auf welche man
-sich mit Mundvorräthen versehen muß, und von London aus dauert dieselbe
-bisweilen fünfundsiebzig Tage. Die besten Monate, England zu verlassen,
-sind jedenfalls März und April; spätere Auswandrer finden selten
-Beschäftigung und haben in der Colonie vor Eintritt des Winters weniger
-Zeit vor sich.«
-
-Aus einem gedruckten, von Mr. _Buchanan_ zu Quebec abgefaßten Aufsatz
-entlehnen wir folgende Bemerkungen, (der Aufsatz datirt sich vom Juli
-1835).
-
-»Nichts ist für den Emigranten bei seiner Ankunft in Quebec wichtiger,
-als genaue Erkundigung über die Hauptpunkte seines fernern Thun's.
-Manche haben Mangels an Behutsamkeit halber, und weil sie den Ansichten
-und Meinungen selbstsüchtige Nebenabsichten im Schilde führender
-Personen, die häufig unaufgefordert ihren Rath ertheilen, und die man
-gewöhnlich an den von Fremden besuchten Kaien und Landungsplätzen
-findet, Gehör schenkten, schwer büßen müssen. Um sich gegen dergleichen
-Fehlschritte zu sichern, sollte jeder Emigrant, gleich nach seiner
-Ankunft zu Quebec, sich an das Bureau des Haupt-Agenten für Auswandrer,
-in Sault-au-Matelot-Street (Unterstadt) wenden, wo er jede für seine
-ferneren Unternehmungen, es mag sich nun um Ansiedlung oder Anstellung
-in Ober- oder Unter-Canada handeln, erforderliche Nachweisung _gratis_
-erhält. Auf dem Wege von Quebec nach dem Ort seiner Bestimmung werden
-dem Auswandrer manche Entwürfe und Pläne zur Erwägung vorgelegt, allein
-er mag sich ja davon abwenden, wofern sich nicht die Reinheit der
-Absicht und die Richtigkeit der Angaben nachweisen läßt: in jedem Fall
-nehme man, wenn man Rath und Belehrung bedarf, seine Zuflucht zu den
-Regierungs-Agenten, welche die genaueste Auskunft _gratis_ ertheilen.
-
-»Emigranten thun wohl, nach ihrer Ankunft achtundvierzig Stunden
-an Bord des Schiffs zu bleiben, auch können sie während dieser
-Zeit keiner ihrer gewöhnlichen Bequemlichkeiten, als da sind
-Schlafstellen, Koch-Apparate u. s. w. beraubt werden, und der
-Schiffsmeister ist gebunden, die Auswandrer und ihr Gepäck _kostenfrei_
-an den gewöhnlichen Landungsplätzen und zu entsprechenden Stunden
-auszuschiffen. _Vorzüglich mögen sie sich hüten, Wasser aus dem
-Lawrence Fluß zu trinken, denn sein Genuß erzeugt bei Fremden leicht
-Leibschneiden und andre Unterleibsbeschwerden._
-
-»Will man sein englisches Geld umwechseln, so gehe man zu einem
-achtbaren Kaufmann oder Krämer, oder an die Banken: der Dollar Courant
-(Halifax Courant), in den beiden Canadas, ist gleich fünf Shilingen
-(engl. Geld); gegenwärtig gilt der Gold-Souverain zu Quebec und
-Montreal ungefähr 1 Pfd. Sterl. 4 S. 1 D. Courant. In New-York ist der
-Dollar gleich 8 Shl., daher sich manche täuschen, wenn sie von den
-Arbeitslöhnen u. s. w. hören. -- 5 Shl. in Canada sind gleich 8 Shl. in
-New-York; demgemäß sind 8 Shl. New-Yorker Courant gleich 5 Shl. Halifax
-Courant.
-
-»Emigranten, die sich in Unter-Canada anzusiedeln oder Anstellung zu
-erhalten wünschen, können auf manche wünschenswerthe Lage zählen.
-Wilder Boden kann durch Kauf von dem mit dem Verkauf der Kronländer
-bevollmächtigten Commissair in verschiednen Gemeinde-Bezirken der
-Provinz erlangt werden, und die Brittisch-amerikanische Land-Compagnie
-trifft die ausgedehntesten Vorbereitungen, um in den östlichen
-Gemeinde-Bezirken Ländereien an Emigranten zu verkaufen.
-
-»Ländliche Arbeiter sind in allen Distrikten von Ober-Canada sehr
-gesucht und können bei gehörigem Fleiß sehr hohe Löhne erhalten;
-Handwerker fast jeder Art, und gute Dienstboten, sowohl männliche als
-_weibliche_, finden ebenfalls sogleich Anstellung.
-
-»Emigranten, welche entweder auf der Ottawa oder St. Lawrence Straße
-nach Ober-Canada reisen, thun wohl, sich zu Montreal mit Mundvorräthen,
-als da sind Brod, Thee und Butter zu versorgen, indem sie diese
-Artikel, daselbst billiger und _besser_ kaufen können als unterwegs,
-bis sie Kingston erreichen. Desgleichen mögen sie sich so sehr als
-möglich vor dem Genuß _spirituöser Flüssigkeiten und dem Trinken
-kalten Fluß-Wassers_ oder dem Lagern auf den Fluß-Ufern, der feuchten
-Nachtluft ausgesetzt, hüten; es ist gut, wenn sie sogleich vom
-Dampfbote zu Montreal ihren Weg nach dem _Eingang des Cannals_ oder
-Lachine nehmen, von wo aus täglich die Dampf- und Durham-Böte nach
-Prescott und Bytown abgehen. Die ganzen Unkosten für den Transport
-eines erwachsenen Emigranten von Quebec nach Toronto, und dem Ursprung
-des Sees Ontario auf Dampf- und Durham-Böten betragen nicht über 1
-Pfd. Sterl. 1 Shl. -- Kingston, Belleville, die Bai von Quinte hinauf,
-Cobourgh und Port Hope, im Newcastle Distrikt, Hamilton und Niagara
-am Ursprunge des Sees Ontario, sind bequeme Rastplätze für Familien,
-welche sich in Ober-Canada ankaufen wollen.
-
-Unter den zur Förderung der Auswandrer zu Montreal gebildeten
-Gesellschaften herrscht große Eifersucht; daher der Emigrant wohl thut,
-etwas vorsichtig zu verfahren, ehe er hinsichtlich seines Transports
-nach Prescott oder Kingston abschließt, vorzüglich muß er diejenigen
-Personen vermeiden, die sich um die Dampfböte bei deren Ankunft
-zu Montreal drängen und ihre Dienste zur weiteren Beförderung der
-Passagiere u. s. w. anbieten. Eben so ist zu Prescott oder Kingston bei
-Auswahl eines regelmäßigen Transports, den See Ontario hinauf, einige
-Vorsicht nöthig. Vorzüglich rathe ich den Emigranten, welche sich in
-Ober-Canada niederlassen wollen, sich in Montreal nicht aufzuhalten und
-Geld für Logis wegzugeben, sondern gleich nach Ankunft des Dampfbootes
-nach Bytown oder Prescott aufzubrechen.
-
-Tagelöhner oder Handwerker, die hinsichtlich ihres Lebensunterhaltes
-von sofortiger Anstellung abhängen, dürfen nicht säumen, gleich nach
-ihrer Ankunft ihren Weg in das Innere zu nehmen. Der Haupt-Agent
-pflegt diejenigen, welche über _vier Tage_ nach ihrem Eintreffen an
-den Landungs-Plätzen umherzaudern, als jedes Anspruchs auf den Schutz
-der königlichen Agenten zu seiner Beförderung oder Anstellung ledig zu
-erachten, es müßte denn Krankheit oder eine andre genügende Ursache
-dieses Zögern nöthig machen.
-
-
- Vergleichende Tabelle, die Anzahl von Auswandrern betreffend, welche
- seit 1829 bis 1834 (einschließlich) zu Quebec angelangt sind.
-
- +-----------------+--------+--------+--------+--------+--------+--------+
- | | 1829. | 1830. | 1831. | 1832. | 1833. | 1834. |
- | +--------+--------+--------+--------+--------+--------+
- | England und } | | | | | | |
- | Wales } | 3,565 | 6,799 | 10,343 | 17,481 | 5,198 | 6,799 |
- | Irland | 9,614 | 18,300 | 34,133 | 28,204 | 12,013 | 19,206 |
- | Schottland | 2,643 | 2,450 | 5,354 | 5,500 | 4,196 | 4,590 |
- | Hamburg und } | | | | | | |
- | Gibraltar } | -- | -- | -- | 15 | -- | -- |
- | Neuschottland,} | | | | | | |
- | Neufundland, } | | | | | | |
- | West-Indien } | | | | | | |
- | u. s. w. } | 123 | 451 | 424 | 546 | 345 | 339 |
- | | ------ | ------ | ------ | ------ | ------ | ------ |
- | Summa. | 15,945 | 28,000 | 50,254 | 51,746 | 21,752 | 30,935 |
- +-----------------+--------+--------+--------+--------+--------+--------+
-
-Die Gesammtzahl der zu Quebec seit 1829 bis 1834 angelangten Emigranten
-beläuft sich auf 198,632 Köpfe. Man wird bemerken, das die Anzahl in
-den Jahren 1831 und 1832 ihre Höhe erreicht hat, und dann (1833)
-wieder sehr tief gefallen ist.
-
-Vertheilung der 30,935, im Jahr 1834 zu Quebec angelangten Emigranten:
---
-
-
-Unter-Canada.
-
- Stadt und Distrikt Quebec 1,500
- Distrikt Three Rivers (drei Flüsse) 350
- Distrikt St. Francis und östliche Gemeinde-Bezirke 640
- Stadt und Distrikt Montreal 1,200
- Ottawa Distrikt 400
- ------
- 4,090
-
-Ober-Canada.
-
- Ottawa, Bathurst, Midland und östliche Distrikte }
- bis Kingston, einschließlich } 1,000
-
- Distrikt Newcastle, und Stadtbezirke in der Nachbarschaft }
- der Bai von Quinte } 2,650
-
- Toronto und der Home Distrikt, welcher die Niederlassungen }
- um den See Simco in sich schließt. } 8,000
-
- Hamilton, Guelph und Huronen-Gebiet nebst den }
- angrenzenden Ländereien } 2,600
-
- Niagara Grenze und Distrikt, welche die Linie }
- des Welland Canals und nur den Anfang des }
- Sees Ontario bis Hamilton in sich begreift. } 3,300
-
- Niederlassungen, welche an den Erie-See grenzen }
- und den London Distrikt, die Adelaide-Ansiedlung }
- und das Land bis zum See St. Clair in sich }
- begreifen } 4,600
- ------
- Summa (für Ober-Canada) 22,210
-
- An der Cholera in Ober- und Unter-Canada
- gestorben 800
-
- Nach dem Vereinigten Königreich zurückgekehrt 350
-
- Nach den Vereinigten Staaten gegangen 3,485
- ------
- 4,635
-
- Von 30,935 Emigranten, welche im Jahr 1834
- zu Quebec anlangten, waren:
-
- Freiwillige Emigranten 29,041
- Von ihren Kirchsprengeln unterstützt 1,892
- Männer 13,565
- Weiber 9,685
- Kinder unter vierzehn Jahren 7,681
-
-Emigranten, welche es vorziehen, über New-York nach Canada zu gehen,
-können sich bei dem brittischen Consul zu New-York (_James Buchanan_,
-Esq.) Rath in ihren Angelegenheiten erholen. Vormals konnte dieser
-für Emigranten, welche fest entschlossen waren, sich in Canada
-niederzulassen, Erlaubniß auswirken, ihre Baggage und Effecten zollfrei
-zu landen; aber in einem Briefe vom 16 März 1835 sagt er: --
-
-»Zufolge einer Abänderung in dem wirklich lieberalen, bisher in diesem
-Hafen üblichen Verfahren, wonach es den hierselbst landenden Emigranten
-erlaubt war, ihr Gepäck, bestehend in Haus und Ackergeräth, ohne
-Umpacken oder Abgabe durch New-York nach seiner Majestät Provinzen
-zu transportiren, vorausgesetzt daß dieses Gepäck nichts außer den
-namhaft gemachten Artikeln enthielt, betrachte ich es für meine
-Pflicht, bekannt zu machen, daß gegenwärtig alle in diesem Hafen
-anlangenden Artikel von Emigranten, auf ihrem Durchwege nach Canada,
-der nämlichen Inspection unterworfen werden, als wenn dieselben in den
-Vereinigten Staaten zurückbleiben, und die nämlichen Zölle, wie diese,
-zu entrichten haben. Ich will bei dieser Gelegenheit noch bemerken, daß
-alle Artikel, deren ein neuer Ansiedler bedarf, in Canada zu billigern
-Preisen zu haben sind, als sie vom Vaterlande hierher transportirt
-werden können, wozu noch kommt, daß sie der neuen Heimath angemessen
-sind.«
-
-Der Unterschied zwischen den beiden Routen, wovon die eine über Quebec,
-die andre über New-York nach Ober-Canada führt, besteht hauptsächlich
-darin, daß der Hafen von New-York das ganze Jahr hindurch offen
-ist, während die Fahrt auf dem St. Lawrence nach Quebec und Montreal
-langweilig, und der Fluß blos acht Monate im Jahre offen ist. Indeß ist
-letztre die billigere Route. Wer es aber nur einigermaßen daran wenden
-kann, zieht den Weg über New-York vor, weil er nicht nur der bequemste
-sondern auch der fördersamste nach Ober-Canada ist.
-
-Die Reise-Route führt nach einer gedruckten, von dem brittischen
-Consul zu New-York herausgegebnen Bestimmung und Albanien von New-York
-durch den Erie-Canal nach allen Theilen von Ober-Canada, westlich von
-Kingston über Oswego und Buffalo: --
-
- Von New-York nach Albanien 160 } (engl.) Meilen
- Von Albanien nach Utica 110 } mittels Canalfahrt,
- Von Utica nach Syrakus 55 } auf
- Von Syrakus nach Rochester 99 } Dampfbooten
- Von Rochester nach Buffalo 93 } oder Postwagen.
-
-Gesammt-Unkosten von Albanien nach Buffalo, auf dem Canal, mit
-Ausschluß von Lebensmitteln, für einen erwachsnen Passagier (die Fahrt
-dauert gewöhnlich sieben oder acht Tage) 3 Dollars, 63 Cents mittels
-Packet-Böten; mit Einschluß von Lebensmitteln, bei einer Fahrt von
-sechs Tagen 12-1/4 Dollars.
-
-»Ditto mittels der Postkutsche, binnen 3-1/2 und vier Tagen -- 13 bis
-15 Dollars.
-
-»Ditto von Albanien nach Oswego auf Canälen, bei einer Fahrt von 5
-Tagen -- 2-1/2 Dollars.
-
-»Ditto mittels der Postkutsche, (zweitägige Fahrt) -- 6-1/2 bis 7
-Dollars.
-
-»Eine mäßige Menge Gepäck wird unentgeldlich mitgenommen.
-
-Reise-Route von New-York nach Montreal, Quebec und allen Theilen von
-Unter-Canada: --
-
-»Von New-York nach Albanien, 160 (engl.) Meilen mittels Dampfboot, 1
-bis 3 Dollars, mit Ausschluß Von Lebensmitteln.
-
-»Von Albanien nach Whitehall, auf Canälen, 73 engl. Meilen, 1 Dollar;
-auf dem Postwagen 3 Dollars.
-
-»Von Whitehall nach St. John's, mittels Dampfboot, der Lebensunterhalt
-eingerechnet, in der Cajüte 5 Dollars; Deck-Passage, ohne
-Lebensunterhalt 2 Dollars.
-
-»Von St. John's nach Laprairie, 16 engl. Meilen, mittels Postwagen, 5
-bis 7 Schl. 6 D.
-
-»Von Laprairie nach Montreal, auf dem Fähr-Dampfboote, (8 engl. Meilen)
-6 D.
-
-»Von Montreal nach Quebec mittels Dampfboot, 180 (engl.) Meilen, in der
-Cajüte (mit Kost) 1 Pfd. St. 5 Schl. Deck-Passage, ohne Kost 7 Schl. 6
-D.
-
-»Diejenigen, welche nach den östlichen Gemeinde-Bezirken von
-Unter-Canada, in der Nachbarschaft von Sherbrooke, Standstead u. s.
-w. wandern wollen, müssen ihren Weg nach St. John's nehmen, von woaus
-gute Straßen nach sämtlichen östlichen Ansiedlungen führen; nehmen
-sie ihren Weg nach dem Fluß Ottawa, so müssen sie von Montreal und
-Lachine ausgehen, indem von hier aus Postwagen, Dampfböte und andre
-kleine Fahrzeuge (Kähne) nach Granville, Hull und Bytown, so wie auch
-nach Chateauguay, Glengary, Cornwall, Prescott und sämmtlichen Theilen
-unterhalb Kingston segeln.
-
-»Die Emigranten können sich des Rathes und Beistandes folgender Herren
-bedienen: -- zu Montreal _Carlisle Buchanan's_ Esq.; zu Prescott, _John
-Patton's_ Esq.«
-
-
- Emigranten-Zahl, welche im Verlauf von
- sechs Jahren, nämlich seit 1829 bis 1834 von
- dem Vereinigten Königreich zu New-York
- angelangt ist.
-
- +----------+----------+---------+-------------+-------------+
- | Jahr. | England. | Irland. | Schottland. | Gesammtzahl |
- +----------+----------+---------+-------------+-------------+
- | 1829 | 8,110 | 2,443 | 948 | 11,501 |
- | 1830 | 16,350 | 3,497 | 1,584 | 21,433 |
- | 1831 | 13,808 | 6,721 | 2,078 | 22,607 |
- | 1832 | 18,947 | 6,050 | 3,286 | 28,283 |
- | 1833 | -- -- | -- -- | -- -- | 16,000 |
- | 1834[64]| -- -- | -- -- | -- -- | 26,540 |
- | | | | +-------------+
- | | | | Gesammtzahl.| 126,464 |
- +----------+----------+---------+-------------+-------------+
-
-
-III. Amerikanische Passagier-Acte.
-
-Der 9. ^Geo. IV. c.^ 21, gemeiniglich die amerikanische Passagier-Acte
-genannt, wurde während der Session 1835 widerrufen, und an ihrer Stelle
-eine neue Verordnung (5 und 6 ^Will. IV., c.^ 53.) erlassen. Diese
-neue Acte hat zum Zweck, so sehr als möglich und wirksamer als die
-frühere, die Gesundheit und das Gedeihen der Auswandrer an Bord von
-Passagier-Schiffen zu sichern. Zufolge einer Clausel müssen Copien
-oder Auszüge auf dergleichen Schiffen zur Einsicht der Passagiere
-unterhalten werden, damit diese hierdurch Gelegenheit haben, sich von
-der Erfüllung des Gesetzes zu überzeugen; allein die Entdeckung irgend
-einer Verletzung der gesetzlichen Verordnungen dürfte zu einer Zeit
-gemacht werden, wo es in dem besondern, gerade vorliegenden Falle,
-zu spät ist, insofern es sich um die Bequemlichkeit oder gar um die
-Gesundheit der Passagiere handelt, Abhülfe zu leisten. Es steht daher
-zu hoffen, daß die menschenfreundlichen Absichten der Gesetzgebung
-durch keine Nachlässigkeit von Seiten derjenigen (vorzüglich der
-Zoll-Beamten) vereitelt werden, welchen die Pflicht obliegt, dafür
-zu sorgen, daß den Bestimmungen der Acte genügt werde, ehe das
-Passagier-Schiff den Hafen verläßt.
-
-Kein Passagier-Schiff darf mehr als drei Personen auf jede fünf Tonnen
-einregistrirte Last am Bord enthalten. Desgleichen dürfen sich, was
-auch immer der Tonnengehalt sein mag, nicht mehr Passagiere an Bord
-befinden, als die gesetzliche Bestimmung des Raums gestattet, nach
-welcher auf je zehn Fuß Flächengehalt des untern Decks, die nicht von
-Gütern oder Vorräthen, außer dem Gepäck der Reisenden, eingenommen
-sind, eine Person gerechnet wird.
-
-Schiffe mit mehr als einem Deck müssen mindestens fünf und einen halben
-Fuß Zwischendeckraum haben; und hat ein Schiff blos ein Deck, so muß
-unter das Deck eine Plattform dergestalt gelegt werden, daß dazwischen
-ein Raum von wenigstens fünf und einem halben Fuß Höhe übrig bleibt;
-auch darf ein solches Schiff nicht mehr als zwei Reihen Schlafstellen
-haben. Schiffe mit einer doppelten Reihe Schlafstellen müssen einen
-Zwischenraum von mindestens sechs Zoll zwischen dem Deck oder der
-Plattform und dem Boden der untern Reihe in ihrer ganzen Ausdehnung
-haben.
-
-Passagier-Schiffe müssen folgende Vorräthe und in folgendem Verhältniß
-führen: --
-
-Reines Wasser, für jeden Passagier gegen fünf Gallonen auf jede Woche
-der Reise. Das Wasser muß in Tanks oder verkohlten (Frischwasser-)
-Fässern aufbewahrt werden.
-
-Sieben Pfund Brod, Schiffszwieback, Hafermehl oder andre Brodstoffe,
-auf jede Woche für jeden Passagier; Kartoffeln können bis zu einem
-Drittel des gesammten Mundvorrathes hinzugefügt, aber sieben Pfund
-Kartoffeln müssen einem Pfund Brod oder Brodmehl gleich gerechnet
-werden. Die Dauer der Reise nach Nord-Amerika wird auf zehn Wochen
-geschätzt, demgemäß müssen für jeden Passagier funfzig Gallonen Wasser
-und siebzig Pfund Brod oder Brodmehl mitgenommen werden.
-
-Beläuft sich die Anzahl der Passagiere auf hundert Köpfe, so muß der
-Schiffseigner für einen praktischen Arzt sorgen; wenn darunter, so
-müssen Arzneimittel in hinreichender Menge und von den erforderlichen
-Arten, als ein Theil der nothwendigen Vorräthe, mitgenommen werden.
-
-Passagier-Schiffen ist nicht erlaubt, an spirituösen Getränken,
-als Waare, über ein Zehntel von derjenigen Quantität auszuführen,
-welche, ohne diese Beschränkung, die Zollbeamten, den Proviantlisten
-eines solchen Schiffs gemäß, blos für den Gebrauch der Passagiere
-(und je nach deren Anzahl,) mitzunehmen verstatten würden. Gewiß
-eine wichtige Maßregel, welche buchstäblich befolgt werden sollte.
-Die starke Versuchung, wovon die an einen engen Raum gefesselten
-Passagiere in Folge der Langenweile, welche eine dergleichen Seereise
-erzeugt, ergriffen werden, hat häufig den Vermögensumständen, der
-Behaglichkeit und Gesundheit manches Emigranten bedeutenden Nachtheil
-gebracht, besonders wenn der Schiffsmeister für einen tüchtigen
-Branntwein-Vorrath gesorgt hatte.
-
-Bei Aufzählung der Passagiere werden _zwei_ Kinder über sieben aber
-unter vierzehn, oder _drei_ unter sieben Jahren für einen Passagier
-gerechnet. Kinder unter _zwölf Monaten_ werden nicht mit gezählt.
-
-Jeder Passagier ist berechtigt, achtundvierzig Stunden hindurch,
-nachdem das Schiff an dem Orte seiner Bestimmung angelangt ist, an Bord
-zu bleiben, und muß für diese Zeit mit den erforderlichen Mundvorräthen
-versorgt werden. Emigranten mit beschränkten Mitteln können auf diese
-Weise viele Unannehmlichkeiten und Kosten vermeiden, indem sie sich
-über die Marschroute, welche sie zu nehmen gedenken, berathen, anstatt
-zu landen und in den theuern Wirthshäusern und Restaurationen eines
-See-Hafens Zeit und Geld zu verschwenden.
-
-Schiffsmeister müssen Cautionen von 1,000 Pfd. St. zahlen, als Garantie
-für die treue Erfüllung der ihnen durch die Acte auferlegten Pflichten.
-Die wegen einer Uebertretung des Gesetzes zu zahlende Strafe beläuft
-sich nicht unter _fünf_, und nicht über _zwanzig_ Pfd. Sterl.
-
-Die von der Regierung in den verschiednen Häfen angestellten Agenten,
-oder die Zoll-Beamten werden ohne Zweifel Passagieren, welche um
-ihren Rath hinsichtlich einer Verletzung der Bestimmungen der Acte
-nachsuchen, jeden Verschub leisten, und die zu ergreifenden Maßregeln
-anzeigen.
-
-Herrscht hinsichtlich der Tüchtigkeit eines zum Absegeln bereiten
-Schiffes irgend ein Zweifel, so sind die Zoll-Einnehmer und
-Zoll-Controlleurs ermächtigt, dasselbe besichtigen zu lassen.
-Passagiere, welche über die Zeit hinaus, wo das Schiff der Verabredung
-gemäß auslaufen sollte, aufgehalten werden, muß der Schiffsmeister auf
-seine Unkosten unterhalten; sorgen sie selbst für ihre Mundvorräthe, so
-ist er gehalten, jedem für einen Tag Aufschub, den nicht Unwetter oder
-eine andre unvermeidliche Ursache erheischt, einen Schilling zu zahlen.
-
-
-IV. Uebertragung von Capitalien.
-
-Es ist, wie sich von selbst versteht, für Emigranten von großer
-Wichtigkeit, was sie irgend an Capital über die erforderlichen Unkosten
-der Reise u. s. w. besitzen, auf dem sichersten und vortheilhaftesten
-Wege nach Canada zu senden, sowohl die Brittisch-Amerikanische
-Land-Compagnie als die Canada-Compagnie sind hierin den Emigranten
-behülflich, indem sie Pfänder und Credit-Briefe auf ihre Agenten in
-Canada annehmen. Es ist unsicher und unklug eine größere Summe bares
-Geld bei sich zu führen, als gerade zur Bestreitung der nothwendigen
-Reisekosten hinreicht, indem man eine doppelte Gefahr läuft, nämlich
-sein Geld zu verlieren, oder es zu vergeuden. Emigranten, die sich in
-ihren Geldangelegenheiten nicht an eine der beiden zuvor erwähnten
-Compagnien wenden wollen, würden daher wohl thun, sich von einem
-achtbaren Hause in dem Vereinigten Königreiche einen Credit-Brief auf
-die Bank zu Montreal ausstellen zu lassen.
-
-
-V. Canadisches Courant.
-
-In sämmtlichen Brittisch-Nord-Amerikanischen Colonien werden Rechnungen
-und Preise, eben so wie in England, in Pfunden, Schillingen und Pence
-ausgedrückt. Man unterscheidet übrigens zwischen Courant oder Halifax
-Courant, und Sterling oder Brittisch Sterling.
-
-Ein Pfund Halifax-Courant oder Courant, wie es schlecht weg genannt
-wird, besteht aus vier spanischen Dollars. Der Dollar zerfällt in fünf
-Theile -- im Spanischen Pistoreens genannt, wovon jeder ein Schilling
-genannt wird. Jeder dieser Schillinge oder Pistoreens ist wiederum in
-zwölf Theile, Pence genannt, getheilt, aber uneigentlich, da es keine
-Münze giebt, die einer solchen Unterabtheilung entspräche. Um dem
-Bedürfniß abzuhelfen, sind eine große Anzahl Kupfermünzen im Umlauf,
-wozu der alte englische Halfpenny, der Halfpenny neuern Gepräges,
-der Penny, der Farthing und der amerikanische Cent gehören; alle
-und jede gelten als der vierundzwanzigste Theil des Pistoreen oder
-Colonial-Schillings. Pence sind in der That nicht bekannt, wiewohl fast
-jede Art von Kupfermünze als der vierundzwanzigste Theil des Pistoreen
-genommen wird[65].
-
-Zu einer Zeit, als der spanische Dollar, das Achtelstück, wie es
-damals hieß, feiner und schwerer als die jetzt im Umlauf befindliche
-Münze war, betrug sein Werth nach dem Münz-Silber-Preise 4 Schl. 6 D.
-Sterling, und 90 Pfd. Sterl. waren gleich 100 Pfd. Courant.
-
-
-IV. Die Canada Compagnie.
-
-Die Canada-Compagnie wurde im Jahr 1826 durch einen königlichen
-Freibrief und eine Parlaments-Acte confirmirt. Nachstehendes sind
-Auszüge aus dem Prospect der Compagnie: --
-
-»Die Canada-Compagnie hat in fast jedem Theil von Ober-Canada
-Ländereien zum Verkauf bereit, unter Bedingungen, welche jedenfalls
-höchst vortheilhaft für den Emigranten sind, da er beim Abschluß
-des Kaufs blos ein Fünftel vom Kaufgelde an die Compagnie baar zu
-entrichten braucht, und das Uebrige in fünf einjährigen, auf einander
-folgenden Terminen, (also in einem Zeitraum von fünf Jahren) nebst
-Interessen entrichten kann, so daß er bei gehöriger Betriebsamkeit den
-Saldo von den Erzeugnissen des Bodens abzutragen vermag.
-
-»Ländereien der Canada-Compagnie sind von dreierlei Art, nämlich: --
-
-Hier und da ausgestreute Reserve-Ländereien.
-
-Länder-Striche (^Blocks or tracts of land^) jeder von 1,000 bis 40,000
-Aecker.
-
-Der Huronen-Tract, welcher über 1,000,000 Aecker enthält.
-
-»_Zerstreut liegende Reserve-Ländereien._ Die zerstreuten
-Kron-Ländereien sind Parcellen von hundert bis zweihundert Acker eine
-jede, durch fast jeden Gemeinde-Bezirk in der Provinz vertheilt,
-und an der Boden-, Klima-Beschaffenheit u. s. w. jedes besondern
-Gemeinde-Bezirks Theil habend. Dergleichen Ländereien sind vorzüglich
-denjenigen zu empfehlen, welche Freunde und Verwandte in ihrer
-Nachbarschaft angesiedelt zu sehen wünschen, und kann der Acker zu 8
-Schl. 9 D. bis zu 25 Schl. gekauft werden.
-
-»_Länder-Blöcke oder Trakte_ (^Blocks of Land^). Die Blöcke oder Trakte
-liegen ganz in dem Theil der Provinz, der sich westwärts vom Ursprunge
-des Sees Ontario hindehnt, und enthalten Fluren, die, was Boden, Klima,
-Ergiebigkeit u. s. w. anlangt, jedem andern Theil des Festlandes von
-Amerika gleichen, wo nicht überlegen sind. Diese verdienen mithin die
-Aufmerksamkeit von Emigranten-Gemeinden, die als Landsleute, oder durch
-Verwandtschaft, Freundschaft, Religion oder andre Banden mit einander
-verknüpft, sich zusammen niederzulassen wünschen.
-
-Der größte Block dieser Art im Besitz der Compagnie ist der
-Stadt-Bezirk Guelph, der über 40,000 Acker enthält, wovon die größere
-Hälfte bereits verkauft ist; und hier hat sich im Verlauf nur
-weniger Jahre eine Stadt erhoben, welche Kirchen, Schulen, Magazine,
-Wirthshäuser und Mühlen in sich begreift, und wo man Handwerker und
-Gewerbtreibende jeder Art und eine sehr achtbare Gesellschaft finden
-kann.
-
-»_Das Huronen-Gebiet._ Dies ist ein Strich des besten Landes in
-Amerika, durch welches die Canada-Compagnie zwei Straßen, so gut als es
-nur ein neu urbar gemachtes Land zuläßt, über hundert englische Meilen
-weit gehauen hat.
-
-»Die Bevölkerung daselbst nimmt von Tag zu Tag zu.
-
-»Die Stadt Goderich, an der Mündung des Flusses Maitland, am
-Huronen-See, ist sehr blühend und enthält verschiedne treffliche
-Vorraths-Häuser und Kaufläden, worin der Emigrant die ihm nothwendigen
-Artikel zu billigen Preisen erhalten kann. Es ist daselbst eine gute
-Schule errichtet worden, die stark besucht wird; desgleichen eine
-englische Kirche, worin ein presbyterianischer Geistlicher Gottesdienst
-hält; und da die Kirchen in Ober-Canada gegenwärtig besonders durch
-freiwillige Beiträge ihrer respectiven Versammlungen unterhalten
-werden, so kann man sich von dem achtbaren Charakter der Bewohner
-dieser Ansiedlung und der Nachbarschaft eine Vorstellung machen.
-
-»Die Stadt und der Stadt-Bezirk Goderich enthalten ungefähr tausend
-Einwohner; und seit dem das von der Compagnie zur Bequemlichkeit ihrer
-Ansiedler erbaute Dampfboot seinen Lauf zwischen Goderich und Sandwich
-begonnen hat, ist eine bedeutende Zunahme in dem Verkehr und dem
-Gedeihen der Niederlassung wahrzunehmen.
-
-In diesem Distrikt sind vier gute Säge-Mühlen, drei Grütz-Mühlen,
-und in der Nachbarschaft einer jeden findet man gut gefüllte
-Vorraths-Häuser. Und da das ganze Gebiet vier Millionen Acker enthält,
-wovon die größere Hälfte dem Verkehr offen ist, so kann ein Emigrant
-oder eine Emigranten-Gesellschaft, wie groß sie auch sein mag, in
-Auswahl einer je für ihre Zwecke, wie verschiedenartig diese auch
-sein mögen, günstigen Lage auf keine Schwierigkeit stoßen. Der Preis
-dieser Ländereien beläuft sich von 11 Schl. 3 D. bis auf 15 Schl.
-Provinzial-Courant, oder auf 11 Schl. bis 13 Schl. 6. D. Sterl. ^per^
-Acker.«
-
-Emigranten, welche sich mit der Compagnie zu besprechen wünschen,
-müssen sich an den Secretair, John Perry Esq., St. Helen'splace,
-Bishopsgate-Street, London, oder an die Agenten der Compagnie der Häfen
-wenden.
-
-
-^VII.^ Brittisch-amerikanische Land-Compagnie.
-
-Die brittisch-amerikanische Land-Compagnie berichtet in ihrem Prospect,
-daß sie von der brittischen Regierung ziemlich eine Million Acker
-in den Grafschaften Shefford, Stanstead und Sherbrooke, und zwar in
-den sogenannten östlichen Gemeinde-Bezirken von Unter-Canada gekauft
-habe. Diese Gemeinde-Bezirke begreifen einen Strich Landes in sich,
-der auf der Südseite des St. Lawrence, zwischen 45° und 46-1/2°
-nördlicher Breite und 71° und 73° westlicher Länge liegt. Dieser Tract,
-welcher zwischen fünf und sechs Millionen Acker enthält, ist in acht
-Grafschaften, und diese sind wiederum in ungefähr hundert Stadt- oder
-Gemeinde-Bezirke getheilt. Besagte Gemeinde-Bezirke erfreuen sich
-eines wichtigen Vortheils in ihrer geographischen Lage. Auf der einen
-Seite haben sie einen leichten Zugang von Montreal, Quebec und Three
-Rivers, den Schiffer-Hafen und großen Märkten der beiden Canadas; auf
-der andern von New-York den Hudson River hinauf und durch den See
-Champlain, so wie auch von Boston und andern Theilen der atlantischen
-Küste. Zufolge ihrer gedrängten und zusammenhängenden Lage können sie
-durchgängig sowohl auf leichten Verkehr und gegenseitige Unterstützung
-als auch auf allgemeine Theilnahme an allen örtlichen Verbesserungen
-zählen.
-
-»Die Bedingungen, unter welchen die Compagnie ihre Ländereien
-veräußert, sind, je nach Lage, Beschaffenheit und besondre Vortheile,
-welche die verschiednen Parcellen besitzen mögen, verschieden; im
-Allgemeinen indeß sind sie zu 4 Schl. bis 6 Schl. Courant ^per^
-Acker käuflich, und in allen Fällen muß ein Theil der Kaufsumme als
-Unterpfand angezahlt werden, und zwar bei den höher geschätzten
-Parcellen der fünfte, und bei den niedriger geschätzten der vierte
-Theil.
-
-»Der Saldo muß alsdann nach und nach in sechs auf einander folgenden
-einjährigen Terminen, nebst den in der Provinz gesetzmäßigen Zinsen,
-und zwar vom Tage des Kaufabschlusses an gerechnet, abgetragen werden;
-sollten indeß Käufer geneigt sein, die Zahlungen früher zu leisten, so
-dürfen sie sich die Zeit dazu nur wählen.
-
-»Der Preis für einen Bauplatz zu Port St. Francis im laufenden Jahre
-(1835) ist 12 Pfd. Sterl. 10 Schl., mit Anzahlung von 5 Pfd. Sterl.
-in baarem Gelde, und der Saldo ist nebst Interessen in Jahres-Frist
-abzutragen.
-
-»Anzahlungen für Grund und Boden, den der Emigrant bei seiner Ankunft
-im Lande wählen kann, nimmt die Compagnie in London an.
-
-»Nach der zwischen der königlichen Regierung und der Compagnie
-geschloßnen Uebereinkunft sind 50,000 Pfd. Sterl. von dem Kaufgelde,
-welches letztre bezahlt hat, von derselben auf öffentliche Werke und
-Verbesserungen, als z. B. Landstraßen, Brücken, Canäle, Schulhäuser,
-Märkte, Häuser, Kirchen und Prediger-Wohnungen zu verwenden. Dies
-ist eine höchst wichtige Bestimmung, die sich für den Ansiedler
-nothwendiger Weise in hohem Grade wohlthätig erweisen muß, insofern sie
-ihm die Verbesserung und das Gedeihen des Distrikts zusichert. Die
-Anlegung von Straßen und andern leichten Communicationen ist das größte
-Bedürfniß eines neuen Landes; und die Verwendung von Capital auf Werke
-dieser Art, welche die Kräfte und Mittel von Privatleuten übersteigen,
-ist der beste Weg, auf welchem eine erfolgreiche Niederlassung
-befördert und vollendet werden kann.
-
-»Die Verwendung der oben namhaft gemachten ansehnlichen Summe sichert
-zu gleicher Zeit dem redlichen und fleißigen Arbeiter, unmittelbar nach
-seiner Ankunft, Anstellung und Erwerb.«
-
-Das Verwaltungs-Bureau der Brittisch-amerikanischen Land-Compagnie ist
-zu London, (Barge-Yard, Bucklersbury); dieselbe hat auch Agenten an den
-verschiednen Hafen-Orten.
-
- [Illustration: Dekoration]
-
- [Illustration: Charte, worauf die Binnen-Schifffahrt der
- Distrikte Newcastle und Ober-Canada verzeichnet ist.]
-
-Fußnoten:
-
-[60] Diese Summe ist in dem Parlaments-Rechnungs-Abschluß angegeben,
-aber wahrscheinlich soll anstatt 9, 1 stehen.
-
-[61] V. E. (^U. E.^) Loyalisten bedeutet: vereinigte englische
-Loyalisten, das ist solche, die beim Ausbruch des amerikanischen
-Freiheits-Krieges aus den Vereinigten Staaten flohen. Die in obigen
-Rubriken verzeichneten Schenkungen gehen meistentheils die Kinder
-dieser Individuen an.
-
-[62] Bei Verkäufen auf Erbzins zu 5 pCt., kann das Capital (Kaufsumme)
-nach Belieben abgezahlt werden.
-
-^N. B.^ Verkäufe auf Erbzins haben im Jahr 1832 aufgehört.
-
-[63] ^Information published by His Majesty's Commissioners for
-Emigration, respecting the Brittish Colonies in North America, Lond. C.
-Knight, 1832.^
-
-[64] Die Angaben für 1834 reichen blos bis zum 20. November selbigen
-Jahres.
-
-[65] Die Amerikaner haben auch ihren 1. ^s.^ (Schilling), welcher
-dem achten Theil eines Dollars oder 12-1/2 Cent. gleich ist. Es ist
-nichts Ungewöhnliches, den Emigranten sich rühmen zu hören, daß er in
-New-York täglich 10 Schillinge verdienen könne. Er weiß nicht, daß ein
-Dollar, welcher acht dergleichen Schillingen gleich ist, in England nur
-4 Schilling, 2 D. gilt, und daß mithin der amerikanische Schilling,
-im Vergleich mit dem englischen nur 6-1/4 D. gilt, und daß daher ein
-Arbeitslohn von 10 Schillingen, täglich in der That nicht mehr als
-zehn mal 6 und 1/4 D. oder 5 Schillinge 2 und 1/2 D. nach englischer
-Werthbestimmung beträgt. Indeß ist ein Tagelohn von 5 Schillingen 2 und
-1/2 D. immer noch beträchtlich zu nennen, nur aber kann es der Arbeiter
-nicht häufig erlangen; und erhält er es, so ist es für übermäßige
-schwere Arbeit unter einer brennenden Sonne in Seehafen-Städten während
-der geschäftsreichen Schifffahrt-Zeit.
-
-
-
-
-Erläuterung der Charte.
-
-
-Da wir den englischen Stock beibehalten haben, so
-fügen wir für den Leser folgende Nachweisungen hinzu: --
-
- ^L.^ (^lake^) bedeutet _See_.
- ^Part^, _Theil_.
- ^Bridge^, _Brücke_.
- ^Channel^, _Canal_.
- ^R.^ (^River^), _Fluß_.
-
-
-Erklärung der auf der Charte vorkommenden Zahlen.
-
-1) Beabsichtigte Eisenbahn, 6 (engl.) Meilen.
-
-2) In Vorschlag gebrachte Eisenbahn, 13 (engl.) Meilen.
-
-3) 36 (engl.) Meilen Dampf-Schifffahrt bis Heel-Falls.
-
-4) Abriß der Mündungen des Flusses Otanabee und eines Theils des
-Reis-Sees.
-
-5) Abriß des kleinen Sees, eines Theils des Flusses Otanabee und der
-Stadt Peterborough.
-
-
-
-
-Anmerkung.
-
-
-Seite 158. Die Moosbeere (^Cranberry^), wovon es, wie aus dem Text
-hervorgeht, in Canada zwei Spiel-Arten giebt, gehört der Gattung
-^Vaccinium^ an; diese Beere oder Frucht ist, nach erlangter Reife,
-roth und von der Größe einer kleinen Kirsche oder Schlehe und sitzt an
-einem dünnen gebognen Stiel. (^V. exycoccus^). Die Pflanze heißt auch
-Moorbeere, weil sie auf Moorboden und an sumpfigen Stellen wächst.
-Eine verschiedne Art davon ist ^Vaccinium macrocarpon^ (großfrüchtige
-Moosbeere).
-
-
- _Leipzig_, gedruckt bei _W. Haack_.
-
-
-
-
-Inhalts-Verzeichniß.
-
-
- Seite.
-
- Erster Brief.
-
- Abfahrt von Greenock in der Brig _Laurel_. -- Beschaffenheit
- der Kajüte. -- Reise-Gefährte. -- Mangel an Beschäftigung
- und Unterhaltung. -- Des Capitains Goldfinke 9
-
- Zweiter Brief.
-
- Ankunft an der Küste von Neufundland. -- Der Goldfinke
- singt kurz vor Entdeckung des Landes. -- Der Meerbusen
- St. Lawrence. -- Schwierige Fahrt auf dem
- Flusse. -- Ein französischer Fischer wird als Lootse angestellt.
- -- Die Insel Bic. -- Grün-Eiland. -- Anstellung
- eines regelmäßigen Lootsen. -- Scenerei von
- Grün-Eiland. -- Gros-Eiland. -- Quarantaine-Gesetze.
- -- Emigranten auf Gros-Eiland. -- Ankunft vor
- Quebek. -- Anblick der Stadt und ihrer Umgebungen 13
-
- Dritter Brief.
-
- Abfahrt von Quebek. -- Wir werden von einem Dampfschiffe
- bugsirt. -- Fruchtbarkeit des Landes. -- Verschiedne
- Gegenstände, die sich uns beim Hinaufsteuern des
- Flusses darbieten. -- Ankunft vor Montreal. -- Die
- Stromschnellen (Rapids). 31
-
- Vierter Brief.
-
- Landung zu Montreal. -- Erscheinung der Stadt. -- Verheerungen
- der Cholera. -- Wohlthätigkeits-Anstalten zu
- Montreal. -- Katholische Cathedrale. -- Unter- und
- Ober-Stadt, Gesellschaft und Unterhaltung im Hotel. --
- Die Verfasserin wird von der Cholera befallen. -- Abreise
- von Montreal im Postwagen. -- Einschiffung zu
- Lachine am Bord eines Dampf-Schiffes. -- Abwechselndes
- Reisen in Dampfschiffen und Postwagen. -- Erscheinung
- des Landes. -- Manufacturen. -- Oefen, in
- einiger Entfernung von den Hütten. -- Zieh-Brunnen.
- -- Ankunft zu Cornwall. -- Bedienung im Gasthause.
- -- Abreise von Cornwall, und Ankunft zu Prescott.
- -- Ankunft zu Brookville. -- Dasiger Stapelplatz.
- -- Reise durch den See Ontario. -- Ankunft zu
- Cobourg. 38
-
- Fünfter Brief.
-
- Reise von Cobourg nach Amherst. -- Schwierigkeiten denen
- man bei seiner ersten Ansiedlung in den Urwäldern zu
- begegnen hat. -- Erscheinung des Landes. -- Reis-See.
- -- Indianische Lebensweise und Gebräuche. --
- Fahrt den Otanabee hinauf. -- Log-Haus (^Log-house^)
- und seine Inhaber. -- Passagier Boot. -- Fußreise nach
- Peterborough 62
-
- Sechster Brief.
-
- Peterborough. -- Sitten und Sprache der Amerikaner. --
- Schottischer Maschinenbauer. -- Schilderung Peterboroughs
- und seiner Umgebungen. -- Canadische Blumen.
- -- Shanties. -- Beschwerden und Strapazen,
- welche die ersten Ansiedler zu ertragen haben. -- Verfahren
- bei Anlegung einer Meierei. 91
-
- Siebenter Brief.
-
- Abreise von Peterborough. -- Canadische Wälder. -- Wagen
- und Gespann. -- Ankunft bei einem Log-Hause an
- den Ufern des Sees. -- Niederlassung und erste Beschäftigungen. 120
-
- Achter Brief.
-
- Unannehmlichkeiten, die mit einer noch neuen Ansiedelung
- verbunden sind. -- Schwierigkeit, Nahrungsmittel und
- andre nöthige Artikel zu erlangen. -- Schneesturm und
- Orkan. -- Indianischer Sommer und Eintritt des Winters.
- -- Verfahren bei Lichtung des Bodens. 137
-
- Neunter Brief.
-
- Verlust eines Ochsen-Gespanns. -- Errichtung eines Log-Hauses.
- -- Glaser- und Zimmermanns-Arbeit. -- Beschreibung
- eines neuen Log-Hauses. -- Spaziergang auf
- dem Eise. -- Lage des Hauses. -- See und umgebende
- Scenerei. 148
-
- Zehnter Brief.
-
- Abwechselung in Temperatur und Wetter. -- Electrische
- Erscheinung. -- Canadischer Winter. -- Mangel an poetischen
- Anklängen in diesem Lande. -- Zuckerbereitung. --
- Zeit zum Fischfang. -- Art des Fischfangs. -- Entenschießen.
- -- Indianer-Familien. -- Papousen und ihre
- Windeln- und Wickelbänder. -- Indianische Manufacturen.
- -- Frösche. 164
-
- Elfter Brief.
-
- Welche Emigranten für Canada passen. -- Eigenschaften,
- die man besitzen muß, um eines günstigen Erfolgs gewiß
- zu sein. -- Capital-Anlage. -- Welche Artikel man wo
- möglich mit sich bringen muß. -- Eigenschaften und Beschäftigungen
- einer Ansiedler-Familie. -- Mangel an Geduld
- und Energie bei einigen Frauen. -- Besorgung
- der Milchwirthschaft. -- Käse. -- Indianisches Korn;
- seine Cultur. -- Kartoffeln. -- Arbeitslöhne. 190
-
- Zwölfter Brief.
-
- Eine »Klafter-Biene.« -- Verbrennung der geklafterten
- Haufen. -- Wirthschafts-System. -- Preis des Weizens
- im Vergleich zu dem Arbeitslohn. -- Wahl des Bodens
- und verhältnißmäßige Vortheile. -- Lichtung des Bodens.
- -- Orcan in den Wäldern. -- Veränderliche Witterung.
- -- Insekten. 208
-
- Dreizehnter Brief.
-
- Gesundheits-Gefühl inmitten der strengsten Winter-Monate.
- -- Unannehmlichkeit, welche die glänzende Weiße
- des Schnees verursacht. - Schlittenfahrt. -- Indianische
- Orthographie. -- Besuch in einem Indianer-Lager. --
- Ein indianischer Krüpel. -- Canadische Ornithologie 220
-
- Vierzehnter Brief.
-
- Nutzen botanischer Kenntnisse. -- Das Feuerkraut (^fireweed^),
- Sarsaparilla-Pflanzen. -- Prächtige Wasser-Lilie.
- -- Reis-Beete. -- Indianische Erdbeere. --
- Scharlachfarbner Akelei (^Colombine^.) -- Farnkräuter. --
- Gräser. 262
-
- Fünfzehnter Brief.
-
- Nochmalige Betrachtung verschiedner Punkte. -- Fortschritte
- der Ansiedlungen. -- Canada, das Land der Hoffnung. --
- Besuch bei der Familie eines See-Offiziers. -- Eichhörnchen.
- -- Besuch bei einem ausgewanderten Geistlichen;
- seine Geschichte. -- Schwierigkeiten, womit er anfangs
- zu kämpfen hatte. -- Temperament, Charakter
- und Gewohnheiten der Emigranten sind von großem Einfluß
- auf das Gedeihen oder Nichtgedeihen ihrer Ansiedlung 286
-
- Sechszehnter Brief.
-
- Indianische Jäger. -- Segel auf einem Canoe. -- Mangel
- an Bibliotheken in den Urwäldern. -- Neues Dorf. --
- Fortschritte und Verbesserungen. -- Leuchtende Insekten
- (Johanniswürmchen.) 320
-
- Siebzehnter Brief.
-
- Kaltes Fieber. -- Unwohlsein der Familie. -- Wahrscheinliche
- Ursache. -- Wurzel-Haus. -- Eintritt des Winters.
- -- Insekt, der Säger genannt. -- Einstweilige
- Kirche. 336
-
- Achtzehnter Brief.
-
- Geschäftreiches Frühjahr. -- Zunahme der Gesellschaft und
- Bequemlichkeit. -- Erinnerungen an die Heimath. --
- Nordlicht. 344
-
-
-
-
-Verzeichniß der Abbildungen.
-
-
- Seite.
-
- Katarakt zu Montmorenci 27
-
- Reis-Boden 67
-
- Amerikanischer Schlitten 77
-
- Amerikanische Silber-Tanne 81
-
- Canadische Fichte 99
-
- Log-Haus 107
-
- Hölzernes Dorf. (Log-Dorf und Ankunft eines Postwagens.) 109
-
- Ein durch die Urwälder gehauener Pfad 123
-
- Neu gelichtetes Land 143
-
- Papousen 179
-
- Grüne Frösche 185
-
- Ochsen-Frosch 187
-
- Die Prairie 225
-
- Peter, der Jäger 229
-
- Der rothe Sommer-Vogel 241
-
- Der blaue Vogel 243
-
- Schnee-Ammer 247
-
- Der Baltimore-Feuervogel 257
-
- Rothe Eichhörnchen 295
-
- Fliegendes Eichhörnchen 299
-
- Charte, worauf die Binnen-Schifffahrt der Distrikte Newcastle
- und Ober-Canada verzeichnet ist 399
-
-
-
-
-Notizen des Bearbeiters
-
- Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
-
- Altertümliche Schreibweisen wurden beibehalten.
-
- Im Original ist gedruckt: 'Siebenter Brief' (S. 190) an Stelle von:
- 'Elfter Brief'. Dies wurde korrigiert.
-
- Im Original ist gedruckt: 'Zwölfter Brief' (S. 262) an Stelle von:
- 'Vierzehnter Brief'. Dies wurde korrigiert.
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-*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK ANSIEDLUNGEN IN DEN URWÄLDERN VON
-CANADA. ***
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-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
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-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary
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-</head>
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-
-<div style='text-align:center; font-size:1.2em; font-weight:bold'>The Project Gutenberg eBook of Ansiedlungen in den Urwäldern von Canada., by Catharine Parr Traill</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
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-country where you are located before using this eBook.
-</div>
-
-<table style='padding:0; margin-left:0; border-collapse:collapse'>
- <tr><td>Title:</td><td>Ansiedlungen in den Urwäldern von Canada.</td></tr>
- <tr><td></td><td>Ein Wegweiser für Auswandrer nach Amerika von einer Emigrantin.</td></tr>
-</table>
-
-<div style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Author: Catharine Parr Traill</div>
-
-<div style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:1em; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Translator: Friedrich Adolph Wiese</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>Release Date: January 25, 2021 [eBook #64383]</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>Language: German</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>Character set encoding: UTF-8</div>
-
-<div style='display:block; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Produced by: Matthias Grammel and the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was produced from images generously made available by The Internet Archive)</div>
-
-<div style='margin-top:2em; margin-bottom:4em'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK ANSIEDLUNGEN IN DEN URWÄLDERN VON CANADA. ***</div>
-
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_a001"> </a></span></p>
-
-
-<h1>Ansiedlungen<br />
-in den<br />
-Urw&auml;ldern von Canada.</h1>
-
-<div class="block1"><p class="center">Schilderung des Bodens, Klimas u. s. w. &mdash; Lebensweise
-und Besch&auml;ftigungen der Ansiedler. &mdash; Durch Erfahrung und
-genaue Beobachtung bew&auml;hrte Vorschriften, betreffend die Niederlassung
-und das Gedeihen der neuen Ank&ouml;mmlinge; mit
-vorz&uuml;glicher Ber&uuml;cksichtigung der h&auml;uslichen Einrichtungen und
-dem weiblichen Theil der Ansiedler-Familien zufallenden
-Pflichten.</p>
-</div>
-
-<p class="p3 center font15 pmb1"><em class="gesperrt">Ein Wegweiser</em></p>
-<p class="center">f&uuml;r</p>
-<p class="center font15 pmb1"><b>Auswandrer nach Amerika</b></p>
-<p class="center pmb1">von</p>
-<p class="center font15 pmb3">einer Emigrantin.</p>
-
-<hr class="short" />
-
-<p class="center font15 pmb1">Aus dem Englischen</p>
-<p class="center">von</p>
-<p class="center font15"><b><em class="antiqua">Dr.</em> F. A. Wiese.</b></p>
-
-<p class="center p3 pmb3">Mit vielen Abbildungen.</p>
-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/a001-a_300.jpg" alt="decoration" />
- </div>
-
-<p class="p3 center font12">Leipzig, 1837.</p>
-<p class="center font15 pmb3"><b>Baumg&auml;rtners Buchhandlung.</b></p>
-
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_a002"></a></span></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p001">[S. 1]</a></span></p>
-
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="no-break" id="Einleitung">Einleitung.</h2>
-</div>
-<hr class="short" />
-
-
-<p>Unter den vielen, im Verlauf des letzten Jahrzehents
-&uuml;ber Canada erschienenen Werken, welche Auswanderung
-zum Thema haben, ertheilen nur wenige
-oder vielleicht nicht ein einziges &uuml;ber die h&auml;usliche Einrichtung
-der Ansiedler hinreichend genaue Auskunft, um
-derjenigen, welche f&uuml;r alle Bequemlichkeiten und den
-wohlbehaglichen Zustand einer Familie verantwortlich
-ist, &mdash; der Hausfrau, welcher die h&auml;usliche Ordnung
-obliegt, als treuer und sichrer F&uuml;hrer zu dienen.</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<p>Zwar hat <em class="antiqua"><b>Dr.</b></em> <em class="gesperrt">Dunlop</em> eine geistreiche Flugschrift,
-betitelt &raquo;<em class="antiqua"><b>The Backwoodsman</b></em>,&laquo; (der Urwald-Siedler)
-herausgegeben, allein sie geht nicht in
-die Routine weiblicher Pflichten und Gesch&auml;fte, in dem
-bezeichneten neuen Wirkungskreise, ein. In der That
-kann nur die Feder einer Frau die andre H&auml;lfte von dem
-beschreiben, was von der innern Einrichtung und Leitung
-eines Hauswesens in den Urw&auml;ldern zu sagen
- <span class="pagenum"><a id="Page_p002">[S. 2]</a></span>
-ist, sie allein vermag die neuanlangenden weiblichen
-Auswandrer &uuml;ber die schwierigen Pflichten und Pr&uuml;fungen,
-welche ihrer warten, geh&ouml;rig zu unterrichten.</p>
-
-<p>&raquo;Vorausgewarnt, vorausgewaffnet,&laquo; ist ein Sprichwort
-unsrer Vorv&auml;ter, das in seiner markigen K&uuml;rze
-viel Stoff zum Nachdenken enth&auml;lt; seine Bedeutung
-im Auge, ist die Verfasserin vorliegenden Werkes bestrebt
-gewesen, den Frauen und T&ouml;chtern von Auswandrern
-aus den h&ouml;heren St&auml;nden, welche inmitten unsrer canadischen
-Wildnisse eine Heimath suchen, jeden nur
-m&ouml;glichen Unterricht zu ertheilen. Wahrheit war ihr
-Hauptziel, denn es w&auml;re grausam, Leute, die
-ihre Familie, ihr Verm&ouml;gen und ihre Hoffnungen in
-ein wildfremdes Land versetzen, mit falschen Hoffnungen
-zu t&auml;uschen und glauben zu machen, da&szlig; in
-diesem Lande Milch und Honig flie&szlig;e, und da&szlig; es zur
-Erlangung von Bequemlichkeit und Ueberflu&szlig; daselbst
-nur geringer M&uuml;he bed&uuml;rfe. Sie zieht es vor, gewissenhaft
-und treu die Dinge in ihrem wahren Lichte darzustellen,
-damit der weibliche Theil der Ank&ouml;mmlinge
-im Stande sei, den neuen Verh&auml;ltnissen k&uuml;hn ins Gesicht
-zu blicken, in dem ihm angebornen Tact und
-Scharfsinn ein Mittel in vorkommenden Schwierigkeiten
-zu finden, und, geh&ouml;rig vorbereitet, mit jener muthvollen
-Freudigkeit, wovon wohlerzogne Frauenzimmer
-oft au&szlig;erordentliche Beweise liefern, dem Uebrigen zu
-begegnen. Desgleichen w&uuml;nscht sie, ihnen zu zeigen,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p003">[S. 3]</a></span>
-wie vortheilhaft es ist, Alles wegzulassen, was au&szlig;schlie&szlig;lich
-jener k&uuml;nstlichen Verfeinerung des modischen
-Lebens in England angeh&ouml;rt; und wie sie durch Verwendung
-des Geldes, welches der Ankauf von dergleichen
-mehr l&auml;stigen und &uuml;berfl&uuml;ssigen Artikeln erheischen
-w&uuml;rde, auf wahrhaft n&uuml;tzliche Gegenst&auml;nde, die in Canada
-nicht leicht zu erlangen sind, sich das Vergn&uuml;gen
-verschaffen k&ouml;nnen, einem wohlgeordneten Hauswesen
-vorzustehen. Sie w&uuml;nscht ihnen den Vortheil einer dreij&auml;hrigen
-Erfahrung zu sichern, damit sie jeden Theil
-ihrer Zeit zweckm&auml;&szlig;ig anwenden m&ouml;gen, und lernen,
-da&szlig; alles, sowohl Geld als Geldeswerth, das irgend
-einem Gliede der Emigranten-Familie angeh&ouml;rt, gewissenhaft
-als <em class="gesperrt">Capital</em> zu betrachten sei, welches
-durch Vermehrung entweder des Einkommens oder
-der h&auml;uslichen Ordnung und Bequemlichkeit seine Zinsen
-tragen werde.</p>
-
-<p>Diese Ausspr&uuml;che, welche mehr auf Nutzen und
-Brauchbarkeit, als k&uuml;nstliche pers&ouml;nliche Verfeinerung
-abzwecken, sind nicht so unn&ouml;thig, als das Publikum
-vielleicht meinen d&uuml;rfte. Die nach dem brittischen
-Amerika auswandernden Familien sind nicht mehr von
-dem Range im Leben, wie die, welche fr&uuml;her dort
-eine neue Heimath suchten. Es sind nicht blos arme
-Landleute und Handwerker, die in gro&szlig;en Anzahlen
-dem Westen zuziehen, sondern auch unternehmende
-englische Capitalisten, und die vormals in Ueberflu&szlig;
-lebenden Landeigenth&uuml;mer, welche, beunruhigt durch die
-Schwierigkeit, in einem Lande, wo alle Gewerbe &uuml;berf&uuml;llt
- <span class="pagenum"><a id="Page_p004">[S. 4]</a></span>
-sind, eine zahlreiche Familie in Unabh&auml;ngigkeit zu erhalten,
-sich den Schaaren anschlie&szlig;en, die j&auml;hrlich aus
-England nach jenen Colonien str&ouml;men. Von welcher
-Bedeutung ist es nicht, da&szlig; die weiblichen Glieder
-dieser Colonien geh&ouml;rigen Unterricht hinsichtlich der wichtigen
-Pflichten erhalten, denen sie sich unterziehen;
-da&szlig; sie sich auf die M&uuml;hen gefa&szlig;t machen und vorbereiten,
-welche ihrer warten, und so Reue und Mi&szlig;vergn&uuml;gen
-&uuml;ber grundlose Erwartungen und get&auml;uschte
-Hoffnungen vermeiden.</p>
-
-<p>Es ist eine dem Publikum nicht allgemein bekannte
-Thatsache, da&szlig; brittische Offiziere und ihre Familien
-gew&ouml;hnlich die Bewohner der Urw&auml;lder sind, und
-da sehr viele au&szlig;er Dienst stehende Offiziere jedes
-Ranges Land-Bewilligungen in Canada erhalten haben,
-so kann man sie als die Begr&uuml;nder der Civilisirung
-in der Wildni&szlig; betrachten; und ihre Frauen, nur zu
-oft z&auml;rtlich erzogen und von vornehmer Abkunft, sehen
-sich auf einmal in alle, mit der rohen Lebensweise eines
-Waldsiedlers verbundnen Beschwerden und Entbehrungen
-versenkt. Die Gesetze, welche die Bewilligung von
-Grundeigenthum regulieren, n&ouml;thigen den Colonisten,
-sich auf eine bestimmte Zeit verbindlich zu machen, so wie
-zur Aus&uuml;bung gewisser Pflichten, und verstatten daher,
-ist einmal die Absteckung des Bodens erfolgt, keinen
-Urlaub. Dieselben Gesetze n&ouml;thigen sehr weislich einen
-Mann von besserer Erziehung, der sowohl im Besitz
-von Verm&ouml;gen als gebildetem Verstand ist, alle seine
- <span class="pagenum"><a id="Page_p005">[S. 5]</a></span>
-Kr&auml;fte einem bestimmten Fl&auml;chenraum ungelichteten Bodens
-zu widmen. Es l&auml;&szlig;t sich wohl denken, da&szlig; nur
-solche, die eine junge Familie in Wohlstand und Unabh&auml;ngigkeit
-zu erhalten w&uuml;nschen, sich dergleichen
-M&uuml;hseligkeiten unterziehen werden. Diese Familie macht
-die Niederlassung eines solchen Ansiedlers der Colonie
-noch werther; und der auf halben Sold gesetzte Offizier,
-welcher dergestalt gleichsam die Avantgarde der
-Civilisirung f&uuml;hrt und in jene rohen Distrikte anst&auml;ndige
-und wohlerzogne weibliche Wesen bringt, die durch
-geistige Verfeinerung alles um sich her s&auml;nftigen und
-veredeln, dient seinem Vaterlande durch Gr&uuml;ndung friedlicher
-D&ouml;rfer und anmuthiger Wohnst&auml;tten eben so nachdr&uuml;cklich,
-als je zur Zeit des Kriegs durch pers&ouml;nlichen
-Muth oder militairische Klugheit.</p>
-
-<p>Es wird sich im Verfolg dieses Werkes ergeben,
-da&szlig; die Verfasserin, Damen, welche der h&ouml;hern Ansiedler-Klasse
-angeh&ouml;ren, die geistigen Quellen einer
-besseren Erziehung eben so sehr im Auge zu behalten
-empfiehlt, als sie ihnen die Beibehaltung aller unvern&uuml;nftiger
-und k&uuml;nstlicher Bed&uuml;rfnisse, so wie jedes nutzlose
-Thun und Treiben widerr&auml;th. Sie m&ouml;gen ihre
-Aufmerksamkeit auf die Naturgeschichte, die Flora dieser
-neuen Heimath richten, hierin werden sie eine unersch&ouml;pfliche
-Quelle f&uuml;r Unterhaltung und Belehrung
-finden, eine Besch&auml;ftigung, die den Geist erleuchtet und
-erhebt und f&uuml;r den Mangel an jenen leichteren weiblichen
- <span class="pagenum"><a id="Page_p006">[S. 6]</a></span>
-Zeitvertreiben, welche nothwendiger Weise den
-gebieterischen h&auml;uslichen Pflichten weichen m&uuml;ssen, Ersatz
-leisten d&uuml;rfte. Dem Weibe, welches f&auml;hig ist, die
-Sch&ouml;nheiten der Natur zu empfinden und den Sch&ouml;pfer
-des Weltalls in seinen Werken zu verehren, er&ouml;ffnet
-sich ein reicher Vorrath reiner ungeschminkter Freuden,
-die es inmitten der einsamsten Gegend unsrer westlichen
-Wildnisse frei von Langerweile und &uuml;bler Laune
-erhalten.</p>
-
-<p>Schreiberin dieser Seiten spricht aus Erfahrung
-und w&uuml;rde sich sehr freuen, wenn sie vernehmen sollte,
-da&szlig; die einfachen Quellen, aus welchen sie selbst so
-manche Freude gesch&ouml;pft hat, die Einsamkeit zuk&uuml;nftiger
-Ansiedlerinnen in den Urw&auml;ldern von Canada zu
-erheitern verm&ouml;gen.</p>
-
-<p>Als allgemeine Bemerkung f&uuml;r Ansiedler jechlicher
-Art und jechlichen Standes, mag hier noch stehen, da&szlig;
-das Ringen nach Unabh&auml;ngigkeit oft sehr m&uuml;hevoll
-und ohne eine th&auml;tige und heitere Lebensgef&auml;hrtin fast
-unm&ouml;glich ist. Kinder sollte man fr&uuml;hzeitig die aufopfernde
-Liebe sch&auml;tzen lehren, welche ihre Aeltern zur
-Ueberwindung des nat&uuml;rlichen Widerstrebens, das Land
-ihrer Vorv&auml;ter, den Schauplatz ihrer fr&uuml;hesten und
-gl&uuml;cklichsten Tage, zu verlassen und in einem fernen
-Welttheile als Fremdlinge eine neue Wohnst&auml;tte zu
-suchen, neue Banden, neue Freundschaften zu kn&uuml;pfen,
-und gleichsam des Lebens m&uuml;hevollen Pfad von neuem
- <span class="pagenum"><a id="Page_p007">[S. 7]</a></span>
-anzutreten bestimmte, und alles dies, um ihre Kinder
-in eine Lage zu versetzen, worin sie durch Flei&szlig; und
-Th&auml;tigkeit sich stets die materiellen Bed&uuml;rfnisse und
-Bequemlichkeiten des Lebens zu verschaffen und ihren
-Nachkommen ein wohlbestelltes Grundeigenthum zu hinterlassen
-verm&ouml;gen.</p>
-
-<p>Junge M&auml;nner s&ouml;hnen sich bald mit diesem Lande
-aus, indem es ihnen dasjenige gew&auml;hrt, was den gr&ouml;&szlig;ten
-Reiz f&uuml;r die Jugend hat &mdash; n&auml;mlich gro&szlig;e pers&ouml;nliche
-Freiheit. Ihre Besch&auml;ftigungen sind erheiternd
-und der Gesundheit zutr&auml;glich; ihre Belustigungen, z.
-B. Jagen, Schie&szlig;en, Fischen und Gondeln sind vorz&uuml;glich
-einladend und f&uuml;r viele bezaubernd. An allen
-diesen Zeitvertreiben aber k&ouml;nnen ihre Schwestern keinen
-Antheil nehmen, daher die M&uuml;hseligkeiten und Beschwerden
-des Ansiedler-Lebens insbesondre dem weiblichen
-Theil der Familie anheim fallen. Mit einem
-Hinblick auf Abh&uuml;lfe dieser Entbehrungen und um zu
-zeigen, wie man einige Schwierigkeiten sich erleichtern
-andre vermeiden kann, hat die Verfasserin manche ihr
-n&uuml;tzlich erscheinende Vorschl&auml;ge eingestreut. Einfache
-Wahrheit, durchaus auf pers&ouml;nliche Kenntni&szlig; gest&uuml;tzt, ist
-die Grundlage des vorliegenden Werkes; eingeflochtne
-Erdichtungen h&auml;tten es vielleicht manchen Lesern willkommner
-gemacht, w&uuml;rden aber auf der andern Seite
-seiner Brauchbarkeit Abbruch gethan haben; inde&szlig;
-werden auch Diejenigen, welche keineswegs die Absicht
- <span class="pagenum"><a id="Page_p008">[S. 8]</a></span>
-haben, die M&uuml;hseligkeiten und Gefahren des in Rede
-stehenden Ansiedler-Lebens zu theilen, wohl aber von
-Scenen und Lebens-Verh&auml;ltnissen, die von denen eines
-seit langer Zeit civilisirten Landes so himmelweit verschieden
-sind, einige Kenntni&szlig; zu erlangen w&uuml;nschen,
-ihre Rechnung finden und sowohl Unterhaltung als
-auch manche n&uuml;tzliche Lehre daraus sch&ouml;pfen.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="chapter">
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p009">[S. 9]</a></span></p>
-
-</div>
-
-<p class="p2 center font15 pmb2">Die Urw&auml;lder von Canada.</p>
-
-<hr class="short" />
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="no-break" id="Erster_Brief">Erster Brief.</h2>
-</div>
-
-<blockquote>
-<p class="p1 font09">Abfahrt von Greenock in der Brig <em class="gesperrt">Laurel</em>. &mdash; Beschaffenheit
-der Kaj&uuml;te. &mdash; Reise-Gef&auml;hrte. &mdash; Mangel an Besch&auml;ftigung
-und Unterhaltung. &mdash; Des Capitains Goldfinke. &mdash;</p>
-</blockquote>
-
-
-<p class="rright">Brig <em class="gesperrt">Laurel</em>, Juli 18, 1832.</p>
-<p class="center pmb1"><em class="gesperrt">Theuerste Mutter!</em></p>
-
-<p>Ich erhielt Ihren letzten lieben Brief nur wenige
-Stunden vor unsrer Abfahrt von Greenock. Da Sie den
-Wunsch &auml;u&szlig;ern, eine ausf&uuml;hrliche Beschreibung unsrer
-Reise von mir zu erhalten, so will ich meine Mittheilungen
-von der Zeit unsrer Einschiffung an beginnen, und
-so oft schreiben, als mich meine Neigung dazu treibt.
-Gewi&szlig; sollen Sie keinen Grund haben, &uuml;ber zu kurze Briefe
-von mir zu klagen, ich f&uuml;rchte Sie werden dieselben nur
-zu lang finden.</p>
-
-<p>Nach manchem Aufschub, mancher fehlgeschlagnen
-Erwartung gl&uuml;ckte es uns endlich, eine Gelegenheit zur
-Ueberfahrt in einer schnell segelnden Brig, dem <em class="gesperrt">Laurel</em>
-von Greenock, zu finden; und g&uuml;nstige Winde tragen uns
-jetzt in rei&szlig;endem Fluge &uuml;ber den atlantischen Ocean.</p>
-
-<p>Der <em class="gesperrt">Laurel</em> ist kein regelm&auml;&szlig;iges Passagier-Schiff,
-dies aber betrachte ich als einen Vortheil, denn was wir
-auf der einen Seite an Unterhaltung und Mannigfaltigkeit
- <span class="pagenum"><a id="Page_p010">[S. 10]</a></span>
-einb&uuml;&szlig;en, gewinnen wir auf der andern an Behaglichkeit.
-Die Kaj&uuml;te ist recht h&uuml;bsch aufgeputzt und ich erfreue
-mich des Genusses, (denn ein solcher ist es in der
-That, in Vergleich zu den schmalen Sitzen der Staats-Kaj&uuml;te)
-eines h&uuml;bschen Sophas mit rothem Ueberzug, in
-der gro&szlig;en Kaj&uuml;te. Die Staats-Kaj&uuml;te steht uns auch
-offen. Wir zahlten f&uuml;r unsre Ueberfahrt nach Montreal
-jedes funfzehn Pfund, allerdings ein ziemlich hoher Preis,
-der aber jede andre Ausgabe in sich einschlie&szlig;t; und &uuml;brigens
-hatten wir keine Wahl. Das einzige nach Canada
-bestimmte Fahrzeug auf dem Flusse war mit Auswandrern,
-vorz&uuml;glich Holl&auml;ndern aus der niedrigen Klasse,
-buchst&auml;blich &uuml;berf&uuml;llt.</p>
-
-<p>Die einzigen Passagiere in dem <em class="gesperrt">Laurel</em>, au&szlig;er uns,
-sind der Neffe des Capitains, ein h&uuml;bscher blondhaariger
-Bursche von ungef&auml;hr funfzehn Jahren, der die Unkosten
-f&uuml;r seine Ueberfahrt abarbeitet; und ein junger Herr, der
-nach Quebek reist, wo er in einem Handlungshause eine
-Anstellung als Commis erhalten hat. Derselbe scheint zu
-sehr mit seinen Angelegenheiten besch&auml;ftigt, um sehr mittheilend
-gegen andre zu sein; er spaziert viel umher,
-spricht wenig und liest noch weniger; unterh&auml;lt sich aber
-oft mit Singen, wenn er das Deck auf- und abschreitet,
-seine Lieblingslieder sind, &raquo;<em class="gesperrt">O Heimath, s&uuml;&szlig;e Heimath!</em>&laquo;
-u. s. w.; und jener treffliche Gesang, &raquo;<em class="gesperrt">Sch&ouml;ne
-Insel</em><a name="FNanchor_1_1" id="FNanchor_1_1"></a><a href="#Footnote_1_1" class="fnanchor">[1]</a>&laquo; u. s. w. gewi&szlig; eine s&uuml;&szlig;e Weise, und ich kann
-mir den Zauber, welchen sie f&uuml;r ein am Heimweh leidendes
-Herz hat, leicht vorstellen.</p>
-
-<p>Die Scenerei des Clyde (Flu&szlig;) gefiel mir ausnehmend;
-der Tag, an welchem wir die Anker lichteten, war
-heiter und angenehm, und ich blieb bis sp&auml;t Abends auf
-dem Deck. Das Morgenlicht begr&uuml;&szlig;te unser Schiff, als
-es mit einem g&uuml;nstigen Winde von Lande her stattlich
-durch den Nordcanal hinsteuerte; an diesem Tage sahen
- <span class="pagenum"><a id="Page_p011">[S. 11]</a></span>
-wir die letzte der Hebriden, und vor Eintritt der Nacht
-verloren wir die n&ouml;rdliche K&uuml;ste von Irland aus den Augen.
-Eine weite Wasserfl&auml;che und &uuml;ber uns der Himmel
-sind jetzt unser einziger Anblick, durch nichts unterbrochen,
-als wenn sich in weiter Ferne am Saume des
-Horizonts die kaum zu unterscheidenden Umrisse eines
-Fahrzeugs zeigen, &mdash; ein Fleck in dem unerme&szlig;lichen
-Raume, &mdash; oder dann und wann einige Seev&ouml;gel vor&uuml;bergleiten.</p>
-
-<p>Es macht mir Vergn&uuml;gen, diese Wandrer des Oceans,
-indem sie mit den hochgehenden Wogen steigen und fallen,
-oder um unser Schiff flattern, zu beobachten; und
-oft denke ich mit Verwunderung dar&uuml;ber nach, woher
-sie kommen, nach welchem fernen Ufer sie ihren Flug nehmen,
-und ob sie den langen Tag und die finstre Nacht
-hindurch die wilde Woge zu ihren Ruheplatz w&auml;hlen;
-und dann fallen mir unwillk&uuml;hrlich die Worte des amerikanischen
-Dichters <em class="gesperrt">Bryant</em> ein:</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i6">&raquo;Er der von Zone zu Zone<br /></span>
-<span class="i0">Durch den grenzenlosen Luftkreis ihren<br /></span>
-<span class="i6">bestimmten Flug lenkt,<br /></span>
-<span class="i0">Wird auf dem langen Wege, den ich<br /></span>
-<span class="i6">allein durchwandern mu&szlig;,<br /></span>
-<span class="i0">Meine Schritte richtig leiten.&laquo;<br /></span>
-</div></div>
-
-<p>Wiewohl wir noch nicht viel &uuml;ber eine Woche an
-Bord gewesen sind, so f&auml;ngt mich doch schon die Reise
-zu langweilen an. Ich kann ihre Einf&ouml;rmigkeit blos mit
-der Einkerkerung in ein Dorfwirthshaus w&auml;hrend schlechten
-Wetters vergleichen. Ich habe mich bereits mit allen
-B&uuml;chern der Schiffs-Bibliothek, die des Lesens werth
-sind, bekannt gemacht; ungl&uuml;cklicher Weise besteht sie
-gr&ouml;&szlig;tentheils aus alten Novellen und faden Romanen.</p>
-
-<p>Wenn das Wetter sch&ouml;n ist, sitze ich auf einer
-Bank auf dem Deck, in meinen Mantel geh&uuml;llt, und
-n&auml;he, oder wandle mit meinem Gatten Arm in Arm
- <span class="pagenum"><a id="Page_p012">[S. 12]</a></span>
-umher und schwatze &uuml;ber Pl&auml;ne f&uuml;r die Zukunft, die
-wohl nie verwirklicht werden d&uuml;rften. Die M&auml;nner,
-welche nicht th&auml;tig besch&auml;ftigt sind, verdienen in der
-That Mitleiden; Frauenzimmer haben in ihrer Nadel
-stets ein Zufluchts-Mittel gegen die t&ouml;dtende Langeweile
-eines m&uuml;&szlig;igen Lebens; aber wo ein Mann auf einen
-engen Raum, wie das Deck und die Kaj&uuml;te eines Handelsschiffs,
-beschr&auml;nkt ist und nichts zu sehen, nichts zu
-h&ouml;ren, nichts zu thun hat, spielt er wirklich eine sehr
-bedauernsw&uuml;rdige Rolle.</p>
-
-<p>Ein einziger Passagier an Bord scheint sich vollkommen
-gl&uuml;cklich zu f&uuml;hlen, wenn man anders nach der
-Lebhaftigkeit seines Gesanges schlie&szlig;en darf, womit er uns
-begr&uuml;&szlig;t, so oft wir seinem K&auml;fig nahe kommen. Dies
-ist &raquo;Harry&laquo; der Goldfinke des Capitains &mdash; &raquo;des <em class="gesperrt">Capitains
-Geh&uuml;lfe</em>,&laquo; wie ihn die Matrosen nennen.
-Dieses niedliche Gesch&ouml;pf hat nicht weniger als zw&ouml;lf
-Reisen auf dem <em class="gesperrt">Laurel</em> mitgemacht. &raquo;Es ist ihm ganz
-einerlei, ob sich sein K&auml;fig auf dem Lande oder auf der
-See befindet, er ist stets zu Hause,&laquo; sagte der Capitain,
-seinen kleinen Liebling mit z&auml;rtlichen Blicken betrachtend
-und durch die Aufmerksamkeit, die wir seinem Vogel widmeten,
-sich offenbar geschmeichelt f&uuml;hlend.</p>
-
-<p>Ich habe mich bereits mit dem kleinen Gefangnen
-befreundet. Er verfehlt nie, meine Ann&auml;herung mit einem
-seiner lieblichsten Ges&auml;nge zu begr&uuml;&szlig;en, und nimmt
-ein St&uuml;ckchen Bisquit von meinen Fingern, welches er so
-lange in seinen Kr&auml;llchen h&auml;lt, bis er mir mit einigen
-seiner klarsten T&ouml;ne gedankt hat; dieses Zeichen von Anerkennung
-nennt der Proviantmeister <em class="gesperrt">sein Tischgebet</em>.</p>
-
-<p class="pmb3">Wenn uns der Wind noch l&auml;nger beg&uuml;nstigen sollte,
-werden wir uns in der n&auml;chsten Woche an der K&uuml;ste von
-Neufundland befinden. F&uuml;r jetzt leben Sie wohl.</p>
-
-<div class="block0">
-<div class="footnotes"><b>Fu&szlig;noten:</b>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_1_1"></a><a href="#FNanchor_1_1"><span class="label">[1]</span></a> England.</p>
-</div>
-</div>
-</div>
-
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p013">[S. 13]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="no-break" id="Zweiter_Brief">Zweiter Brief.</h2>
-</div>
-
-<blockquote>
-<p class="p1 font09">Ankunft an der K&uuml;ste von Neufundland. &mdash; Der Goldfinke
-singt kurz vor Entdeckung des Landes. &mdash; Der Meerbusen St.
-Laurence. &mdash; Schwierige Fahrt auf dem Flusse. &mdash; Ein franz&ouml;sischer
-Fischer wird als Lootse angestellt. &mdash; Die Insel Bic. &mdash;
-Gr&uuml;n-Eiland. &mdash; Anstellung eines regelm&auml;&szlig;igen Lootsen. &mdash;
-Scenerei von Gr&uuml;n-Eiland. &mdash; Gros-Eiland. &mdash; Quarantaine-Gesetze.
-&mdash; Emigranten auf Gros-Eiland. &mdash; Ankunft vor Quebek.
-&mdash; Anblick der Stadt und ihrer Umgebungen.</p>
-</blockquote>
-
-
-<p class="p2 rright">Brig <em class="gesperrt">Laurel</em>, Flu&szlig; St. Laurence, August 6, 1832.</p>
-<p class="center pmb1"><em class="gesperrt">Theuerste Mutter!</em></p>
-
-<p>Ich brach meinen letzten Brief aus der einfachen
-Ursache ab, weil ich nichts weiter zu schreiben hatte. Ein
-Tag war gleichsam das Echo des vorhergehenden, so da&szlig;
-eine Seite aus dem Tagebuche des Unterschiffers eben so
-unterhaltend und eben so belehrend gewesen sein w&uuml;rde,
-als mein Tagebuch, wofern ich n&auml;mlich ein solches w&auml;hrend
-der letzten vierzehn Tage gef&uuml;hrt h&auml;tte.</p>
-
-<p>So arm an Ereignissen war diese ganze Zeit, da&szlig;
-die Erscheinung einer Anzahl Flaschennasen, einiger Robben
-und eines Meerschweins<a name="FNanchor_2_2" id="FNanchor_2_2"></a><a href="#Footnote_2_2" class="fnanchor">[2]</a>, &mdash; wahrscheinlich auf
-ihrem Wege zu einer Mittags- oder Thee-Gesellschaft
-am Nordpol, &mdash; als eine Begebenheit von gro&szlig;er Wichtigkeit
-betrachtet wurde. Jeder griff nach seinem Fernglase,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p014">[S. 14]</a></span>
-als sie sich zeigten, und man stierte sie an, als wollte
-man sie in Verlegenheit setzen.</p>
-
-<p>Den <em class="gesperrt">f&uuml;nften August</em>, also gerade einen Monat,
-nachdem wir die brittischen Inseln v&ouml;llig aus den Augen
-verloren, bekamen wir die K&uuml;ste von Neufundland zu
-Gesicht, und ob sie gleich braun, rauh und &ouml;de erschien,
-so begr&uuml;&szlig;te ich doch ihren Anblick mit Entz&uuml;cken. Nie
-ist mir etwas so erfrischend und k&ouml;stlich vorgekommen,
-als die k&uuml;hle Landluft, welche uns entgegen wehete und
-uns, wie mich t&auml;uchte, Gesundheit und Freude auf ihren
-Schwingen zuf&uuml;hrte.</p>
-
-<p>Nicht ohne einiges Befremden gewahrte ich die rastlose
-Th&auml;tigkeit des oben erw&auml;hnten Goldfinken, einige
-Stunden bevor der Ausruf &raquo;<em class="gesperrt">Land!</em>&laquo; vom Mastkorbe erscholl.
-Er sang in einem fort, und seine T&ouml;ne waren
-l&auml;nger, heller und durchdringender als fr&uuml;her; das kleine
-Gesch&ouml;pf, versicherte mir der Capitain, f&uuml;hlte die Um&auml;nderung
-in der Luft, als wir uns dem Lande n&auml;herten.
-&raquo;Ich verlasse mich,&laquo; sagte er, &raquo;fast eben so sehr auf meinen
-Vogel als auf mein Fernglas, und bin bis jetzt nie
-get&auml;uscht worden.&laquo;</p>
-
-<p>Unsre Fortschritte, nachdem wir in den Golf
-hineingesteuert, waren etwas langsam und langweilig.
-Die Strecke durch denselben bis zum Eingang in den
-majest&auml;tischen Laurence-Flu&szlig; betr&auml;gt neunzig englische
-Meilen, er scheint an und f&uuml;r sich allein ein Ocean zu
-sein. Die H&auml;lfte unsrer Zeit bringen wir &uuml;ber der gro&szlig;en
-Karte in der Kaj&uuml;te zu, die mein Gatte unaufh&ouml;rlich
-auf- und zurollt, um sich mit den Namen der fernen
-Ufer und Inseln, an denen wir vorbeifahren, bekannt
-zu machen.</p>
-
-<p>Wir sind bis jetzt ohne Lootsen, und der Capitain,
-ein vorsichtiger Seemann, will das Schiff nicht gern an
-diese gef&auml;hrliche Fahrt wagen, daher unsre Reise nur
-langsam von statten geht.</p>
-
-<p>Den <em class="gesperrt">siebenten August</em>. &mdash; Wir erhielten diesen
- <span class="pagenum"><a id="Page_p015">[S. 15]</a></span>
-Morgen Besuch von einem sch&ouml;nen kleinen Vogel, der
-nicht viel gr&ouml;&szlig;er war, als ein Zaunk&ouml;nig. Ich pries ihn
-als einen Vogel guter Vorbedeutung &mdash; einen kleinen
-Boten, abgesendet, uns in der neuen Welt willkommen
-zu hei&szlig;en; gewi&szlig; ich f&uuml;hlte eine fast kindische Freude
-bei Erblickung des kleinen Fremdlings. Es giebt gl&uuml;ckliche
-Momente in unserm Leben, wo wir aus den unbedeutendsten
-Dingen gro&szlig;e Freude sch&ouml;pfen, wie Kinder,
-denen das einfachste Spielwerk Vergn&uuml;gen macht.</p>
-
-<p>Gleich nachdem wir in den Meerbusen hineingesteuert
-waren, &auml;u&szlig;erte sich bei allen an Bord eine sichtbare
-Ver&auml;nderung. Der Capitain, ein ernster schweigsamer
-Mann, wurde ganz gespr&auml;chig. Mein Gatte zeigte sich
-mehr als gew&ouml;hnlich lebhaft und aufgeregt, ja selbst der
-gedankenvolle junge Schotte thauete auf und wurde im
-buchst&auml;blichen Sinne des Wortes unterhaltend. Die
-Schiffsmannschaft entfaltete den regsten Eifer in Erf&uuml;llung
-ihrer Pflicht, und der Goldfinke sang lustig von
-Morgen bis Abend. Was mich betrifft, so war mein
-Herz voller Hoffnung, die jedes Gef&uuml;hl von Zweifel oder
-Bedauern, welches die Gegenwart h&auml;tte verd&uuml;stern oder
-die Zukunft bew&ouml;lken k&ouml;nnen, verdr&auml;ngte.</p>
-
-<p>Ich kann jetzt deutlich die Umrisse der K&uuml;ste auf
-der S&uuml;dseite des Flusses mit meinen Augen verfolgen.
-Bisweilen h&uuml;llen sich die Hochlande pl&ouml;tzlich in dichte
-Nebelwolken, die in best&auml;ndiger Bewegung sind und in
-dunkeln Wogen dahin rollen, bald von rosigem Licht gef&auml;rbt,
-bald wei&szlig; und flockig, oder gl&auml;nzend wie Silber,
-wenn die Strahlen der Sonne darauf fallen. So schnell
-sind die Ver&auml;nderungen, welche in diesen Nebelmassen vor
-sich gehen, da&szlig; man, bei dem n&auml;chsten Blick darauf, die
-Scene wie durch Zauber umgewandelt findet. Der Nebelschleier
-wird wie von unsichtbaren H&auml;nden emporgehoben,
-und die wilden bewaldeten Berge enth&uuml;llen sich nebst
-den k&uuml;hnen felsigen Ufern und langgedehnten Buchten
-zum Theil dem &uuml;berraschten Auge. Ein andermal zertheilt
- <span class="pagenum"><a id="Page_p016">[S. 16]</a></span>
-sich die Dunstschicht und schwebt gleich hohen Rauchs&auml;ulen
-in den Th&auml;lern und Schluchten hin oder h&auml;ngt
-gleich schneewei&szlig;en Vorh&auml;ngen zwischen den dunkeln Waldkiefern.</p>
-
-<p>Ich kann mich an diesen seltsam gestalteten Wolken
-nicht satt sehen; sie erinnern mich an die sch&ouml;ne Zeit, die
-ich in den Hochlanden (schottische) zwischen nebelgekr&ouml;nten
-H&uuml;geln des Nordens verlebte.</p>
-
-<p>Gegenw&auml;rtig ist die Luft kalt, und wir haben h&auml;ufige
-Windst&ouml;&szlig;e und Hagelschauer mit gelegentlichem Donnerwetter,
-gleich darauf ist alles wieder hell und heiter, und
-die Luft f&uuml;llt sich mit Wohlger&uuml;chen, und M&uuml;cken, Bienen
-und V&ouml;gel schw&auml;rmen vom Ufer aus hinter uns her.</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Den achten August.</em> Wiewohl ich nur mit Gef&uuml;hlen
-von Bewunderung auf der Majest&auml;t und Gewalt
-dieses m&auml;chtigen Flusses weilen kann, so f&auml;ngt mich doch
-seine Endlosigkeit zu langweilen an, und ich sehne mich
-nach einem n&auml;hern Anblick des Ufers; denn vor der
-Hand sehen wir in s&uuml;dlicher Richtung nichts als lange
-Reihen mit Nadelholz bedeckter H&uuml;gel und hier und da
-ein wei&szlig;es Fleckchen, wie man mir sagt, Ansiedlungen und
-D&ouml;rfer; w&auml;hrend hohe Berge, von allem Gr&uuml;n entbl&ouml;&szlig;t,
-auf der Nordseite des Flusses die Aussicht beschr&auml;nken.
-Meine Vorliebe f&uuml;r bergige Gegenden zieht mein Auge
-gewaltsam nach letztrer Seite, und ich beobachte mit
-wahrem Vergn&uuml;gen die Cultur-Fortschritte dieser rauhen
-und unwirthbaren Gegenden.</p>
-
-<p>W&auml;hrend der letzten zwei Tage haben wir uns &auml;ngstlich
-nach einem Lootsen umgesehen, der das Schiff nach
-Quebek geleiten soll. Es sind mehre Signal-Sch&uuml;sse
-gethan worden, aber bisher ohne Erfolg; kein Lootse hat
-uns bis jetzt mit einem Besuche beehrt, und so befinden wir
-uns gleichsam auf einer Station, ohne Wagenlenker und
-blos mit einer der F&uuml;hrung der Z&uuml;gel unkundigen Hand.
-Ich bemerke bereits einige Zeichen von Ungeduld unter
-uns, aber Niemand tadelt den Capitain, der sich sehr besorgt
- <span class="pagenum"><a id="Page_p017">[S. 17]</a></span>
-bei der Sache zeigt, da der Flu&szlig; mit Felsen und
-Untiefen gef&uuml;llt ist und demjenigen, der nicht genau mit
-der Fahrt in dieser Gegend vertraut ist, gro&szlig;e Schwierigkeiten
-entgegengesetzt. Ueberdies ist er den Unternehmern f&uuml;r
-die Sicherheit des Schiffs verantwortlich, im Fall er einen
-Lootsen an Bord zu nehmen unterl&auml;&szlig;t.</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<p>W&auml;hrend ich obige Bemerkungen niederschrieb, wurde
-ich pl&ouml;tzlich durch einen L&auml;rm auf dem Deck gest&ouml;rt,
-und als ich hinaufging, um die Ursache kennen zu lernen,
-erfuhr ich, da&szlig; ein Boot mit dem so lange ersehnten
-Lootsen vom Ufer abgesto&szlig;en sei; allein nach allem L&auml;rm
-und Durcheinanderlaufen ergab sichs, da&szlig; es nur ein franz&ouml;sischer
-Fischer nebst einem armseligen zerlumpten Jungen,
-seinem Geh&uuml;lfen, war. Der Capitain bewog ohne
-gro&szlig;e Schwierigkeit Monsieur <em class="gesperrt">Paul Breton</em>, uns bis
-Gr&uuml;n-Eiland, eine Strecke von einigen hundert englischen
-Meilen den Flu&szlig; weiter aufw&auml;rts zu geleiten, wo wir,
-wenn nicht noch fr&uuml;her, seiner Versicherung nach, einen
-regelm&auml;&szlig;igen Lootsen finden w&uuml;rden.</p>
-
-<p>Es f&auml;llt mir etwas schwer, Monsieur <em class="gesperrt">Paul</em> zu
-verstehen, da er einen besondern Dialect spricht; aber er
-scheint ein guter Mensch zu sein und zeigt sich sehr gef&auml;llig.
-Wie er uns erz&auml;hlt, ist das Getraide zur Zeit
-noch gr&uuml;n und kaum in der Aehre, und die Sommerfr&uuml;chte
-sind noch nicht reif, inde&szlig; meint er, da&szlig; wir zu
-Quebek Aepfel und andre Fr&uuml;chte in Ueberflu&szlig; finden
-werden.</p>
-
-<p>Je weiter wir den Flu&szlig; hinaufkommen, desto einladender
-und anmuthiger wird der Anblick des Landes auf
-beiden Seiten. Gr&uuml;ne Fleckchen mit wei&szlig;en H&uuml;tten zeigen
-sich auf den Ufern und l&auml;ngs den Berg-Abh&auml;ngen
-ausgestreut; w&auml;hrend hier und da eine Dorfkirche mit
-ihrem Thurme hervorgukt, der mit seiner blitzenden Fahne
-und hellem Zinndache die umgebenden Geb&auml;ude &uuml;berragt.
- <span class="pagenum"><a id="Page_p018">[S. 18]</a></span>
-Die s&uuml;dlichen Ufer sind besser bev&ouml;lkert, aber nicht so
-malerisch als die n&ouml;rdlichen, inde&szlig; bieten beide Seiten
-dem Auge viel Erfreuliches dar.</p>
-
-<p>Diesen Morgen ankerten wir im Angesicht der Insel
-Bic, einem niedlichen, niedrigen, mit B&auml;umen bedeckten
-und recht einladenden Eiland. Ich f&uuml;hlte gro&szlig;es Verlangen,
-meinen Fu&szlig; auf canadischen Boden zu setzen, und mu&szlig;
-gestehen, da&szlig; es mich etwas verdro&szlig;, als mir der Capitain
-rieth, an Bord zu bleiben, und die Gesellschaft,
-welche sich vorbereitete, ans Ufer zu gehen, nicht zu begleiten;
-mein Gatte unterst&uuml;tzte den Wunsch des Capitains,
-und ich begn&uuml;gte mich damit, vom Schiffe aus meine
-Augen auf die reichen Laubmassen zu richten, welche ein
-leichtes L&uuml;ftchen hin und her bewegte. Inde&szlig; hatte ich
-bald Ursache, dankbar zu sein, da&szlig; ich meinem eigensinnigen
-Wunsch nicht gewillfahrtet, denn Nachmittags
-wurde es tr&uuml;be und neblich, und bei der R&uuml;ckkehr des
-Bootes erfuhr ich, da&szlig; der Boden gerade da, wo die Gesellschaft
-gelandet, morastig sei, und da&szlig; sie bis &uuml;ber die
-Fu&szlig;kn&ouml;chel ins Wasser eingesunken. Sie hatten die Insel
-kniehoch mit &uuml;ppigem rothen Klee, schlanken B&auml;umen,
-niedrigem Strauchwerk und einem Ueberflu&szlig; von wilden
-Blumen bedeckt gefunden.</p>
-
-<p>Um mich einigerma&szlig;en daf&uuml;r zu entsch&auml;digen, da&szlig;
-ich ihn nicht hatte begleiten d&uuml;rfen, &uuml;berreichte mir mein
-Gatte bei seiner R&uuml;ckkehr ein pr&auml;chtiges Bouquet, das er
-f&uuml;r mich gesammelt. Unter den Blumen befanden sich
-s&uuml;&szlig; duftende rothe Rosen, derjenigen nicht un&auml;hnlich,
-welche wir in Schottland die pimpinellenbl&auml;ttrige Rose
-(<em class="antiqua">burnet-leaved</em>) nennen, mit glatten gl&auml;nzenden Bl&auml;ttern
-und wenigen oder gar keinen Dornen; ferner das
-Lungenkraut (<em class="antiqua">Pulmonaria</em>) welches ich h&auml;ufig in den
-Hochlanden gepfl&uuml;ckt habe; eine Zucker-Erbse mit rothen
-Bl&uuml;then und bla&szlig;gr&uuml;nen Bl&auml;tter-Ranken; eine wei&szlig;e
-Orchis, von entz&uuml;ckendem Geruch; und au&szlig;er diesen verschiedne
-kleine, wei&szlig;e und gelbe Blumen, die mir v&ouml;llig
- <span class="pagenum"><a id="Page_p019">[S. 19]</a></span>
-unbekannt waren. Der Proviantmeister versah mich mit
-einem Porzelankruge und frischem Wasser, so da&szlig; ich
-w&auml;hrend des Restes unsrer Reise den Genu&szlig; eines sch&ouml;nen
-Blumen-Strau&szlig;es haben werde. Die Matrosen hatten
-nicht vergessen, ein oder zwei buschige Aeste zur
-Schm&uuml;ckung des Schiffs mitzubringen, und der Vogelk&auml;fig
-war bald in eine kleine Laube umgestaltet.</p>
-
-<p>Obgleich das Wetter jetzt sehr sch&ouml;n ist, so machen
-wir doch nur langsame Fortschritte; der Wind bl&auml;st von
-allen Seiten, nur nicht von der rechten. Wir schwimmen
-mit der Fluth vorw&auml;rts, werfen, wenn diese uns verl&auml;&szlig;t,
-die Anker aus und warten dann so geduldig als
-m&ouml;glich, bis es wieder Zeit ist, dieselben zu lichten. Zu
-meiner Unterhaltung mustre ich bald die D&ouml;rfer und Ansiedlungen
-durch das Fernglas des Capitains, bald belauere
-ich das Erscheinen der wei&szlig;en, zwischen den Wogen
-schaukelnden Meerschweine (<em class="antiqua">porpoises</em>). Diese Thiere
-sind von milchwei&szlig;er Farbe und haben nichts von dem
-ekelhaften Aeu&szlig;ern der schwarzen. Dann und wann steckt
-eine Robbe ihr drolliges Haupt dicht neben dem Schiffe
-aus dem Wasser hervor, ganz so aussehend wie <em class="gesperrt">Sindbad's</em>
-kleiner Meer-Greis<a id="FNanchor_3_3"></a><a href="#Footnote_3_3" class="fnanchor">[3]</a>.</p>
-
-<p>Es ist ein gl&uuml;cklicher Umstand f&uuml;r mich, da&szlig; meine
-Liebe zur Naturgeschichte mir mancherlei Gegenst&auml;nde, die
-vielen der Beachtung unwerth erscheinen, zu Quellen der
-Unterhaltung und Belehrung macht. Das einfachste
-Kr&auml;utchen, das auf meinem Pfade w&auml;chst, die unscheinbare
-M&uuml;cke, welche um mich her summt, gew&auml;hrt mir
-Stoff zum Nachsinnen und zur freudigen Bewunderung.</p>
-
-<p>Wir befinden uns jetzt im Angesicht von Gr&uuml;n-Eiland.
-Es ist die gr&ouml;&szlig;te und, meines Bed&uuml;nkens, eine
-der bev&ouml;lkertsten Inseln, an denen wir bisher vorbeigekommen
-sind. Mit jeder Minute nimmt die Scenerei an
-Sch&ouml;nheit zu.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p020">[S. 20]</a></span></p>
-
-<p>So weit das Auge reichen kann, sieht
-man das Ufer dicht mit D&ouml;rfern und Meiereien in einer
-fast ununterbrochnen Linie bedeckt. Auf der S&uuml;dseite
-gl&auml;nzt und funkelt Alles von den Zinnd&auml;chern der ansehnlicheren
-Geb&auml;ude; die &uuml;brigen H&auml;user sind mit wei&szlig;
-&uuml;bert&uuml;nchten Schindeln gedeckt. Letztere gefallen mir weniger
-als die einfachen (nicht angestrichnen) Schindeln;
-die wei&szlig;e Farbe der D&auml;cher der H&uuml;tten und
-Hausst&auml;tten blendet das Auge, und vergebens sieht man
-sich zur Erleichterung nach Schiefer- oder Stroh-D&auml;chern
-um; die Schindeln, in ihrem nat&uuml;rlichen Zustande, erlangen
-bald das Ansehn von Schieferplatten, so da&szlig; man
-sie kaum davon unterscheiden kann. Was w&uuml;rden Sie
-zu einem rosenroth angestrichnen Hause mit einem Dache
-von derselben muntern Farbe, und auf der Vorderseite
-mit gr&uuml;nen Fensterladen, gr&uuml;nen Th&uuml;ren und einer gr&uuml;nen
-Verandah (Vorhalle) sagen. Jedenfalls ist das Innere
-in entsprechendem Geschmack verziert. In der Regel
-bemerkt man in einem canadischen Dorfe, ein oder mehre
-dergleichen rosenfarbne H&auml;user, die sich durch ihr prahlendes
-Aeu&szlig;ere vor ihren bescheidnern Br&uuml;dern auszeichnen.</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Den elften August.</em> &mdash; Gleich unter Gr&uuml;n-Eiland
-nahmen wir einen wirklichen Lootsen an Bord,
-den ich inde&szlig;, beil&auml;ufig gesagt, nicht halb so gut leiden
-kann, als Herrn <em class="gesperrt">Paul</em>. Er ist etwas superklug und
-scheint sich offenbar nicht wenig auf seine &uuml;berlegne Kenntni&szlig;
-des Flu&szlig;es einzubilden. Der gutm&uuml;thige Fischer verlie&szlig;
-seinen Posten mit recht gef&auml;lligem Anstand und
-scheint mit seinem geschickteren Nebenbuhler bereits ziemlich
-befreundet zu sein. Ich meines Theils gerieth in
-gro&szlig;e Sorge, als der neue Lootse an Bord kam; das erste
-was er that, war, da&szlig; er uns einen gedruckten Zettel einh&auml;ndigte,
-welcher Verordnungen von Seiten des Gesundheit-Ausschusses
-zu Quebek hinsichtlich der Cholera enthielt,
-die, nach seiner Aussage, sowohl an diesem Orte als
-zu Montreal wahrhaft pestartig w&uuml;thet.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p021">[S. 21]</a></span></p>
-
-<p>Diese Verordnungen verbieten sowohl dem Capitain
-als dem Lootsen, unter Androhung schwerer Strafe im
-Unterlassungsfall, ausdr&uuml;cklich, irgend Jemand, sei es von
-der Schiffsmannschaft oder den Passagieren, ohne vorherige
-strenge Untersuchung von Seiten der Quarantaine-Anstalt
-aus dem Schiffe zu entlassen.</p>
-
-<p>Dies war f&uuml;r alle h&ouml;chst unangenehm und &auml;rgerlich,
-besonders da der Capitain an demselben Morgen den Vorschlag
-gethan hatte, da&szlig; er uns an einem anmuthigen
-Orte, Namens Kranich-Insel landen wolle, damit wir
-den Nachmittag bis zur R&uuml;ckkehr der Fluthzeit in dem
-Hause eines angesehnen Schotten zubringen k&ouml;nnten, der
-die beste Ansiedelung, sowohl in Hinsicht der Geb&auml;ude
-als Anlage des Bodens, die mir bis jetzt zu Gesicht gekommen,
-daselbst besitzt.</p>
-
-<p>Die Lage der Insel ist an sich selbst sehr sch&ouml;n.
-Um sie her fluthet der gewaltige St. Laurence-Flu&szlig;, auf
-seinen Wogen den Handel verschiedner Nationen tragend;
-im Vordergrunde sind die volkreichen und lebhaften Ansiedelungen
-der s&uuml;dlichen Ufer, w&auml;hrend dahinter und weit
-dar&uuml;ber hinaus sich die hohe Bergkette nach Norden zu
-erhebt, gegenw&auml;rtig dicht mit D&ouml;rfern, anmuthigen Meiereien
-und angebauten Feldern bedeckt. Die Insel selbst
-zeigte uns ebne freie Pl&auml;tze und smaragdgr&uuml;ne Wiesen,
-nebst Obstpflanzungen und Kornfeldern, die sanft abw&auml;rts
-nach dem Wasser-Rande verliefen. Nach einer Einkerkerung
-von ziemlich f&uuml;nf Wochen an Bord des Schiffs,
-k&ouml;nnen Sie sich leicht vorstellen, mit welcher Freude uns
-die Aussicht erf&uuml;llte, einige Stunden an diesem einladendem
-Orte zuzubringen.</p>
-
-<p>Wir hoffen, diesen Abend den Quarantaine-Platz
-(Gros-Eiland) zu erreichen, wo wir, wie uns der Lootse
-sagt, drei Tage werden verweilen m&uuml;ssen. Ob wir uns
-gleich alle einer guten Gesundheit erfreuen, so m&uuml;ssen
-wir doch, weil wir aus einem inficirten Hafen kommen,
-Quarantaine halten und d&uuml;rfen nicht landen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p022">[S. 22]</a></span></p>
-
-<p><em class="gesperrt">Den zw&ouml;lften August.</em> Wir erreichten Gros-Eiland
-gestern Abend, &mdash; eine sch&ouml;ne felsige Insel, mit Buchen-,
-Birken-, Eschen- und Tannen-W&auml;ldchen bedeckt.
-Es liegen hier verschiedne Schiffe dicht am Ufer vor Anker,
-eins davon f&uuml;hrt das traurige Krankheitssymbol, die
-gelbe Flagge; es ist ein Passagier-Schiff und hat Pocken-
-und Masern-Kranke unter seiner Mannschaft. Sobald
-sich an Bord Zeichen von ansteckenden Krankheiten &auml;u&szlig;ern,
-wird die gelbe Flagge aufgesteckt, und die Erkrankten werden
-in das Cholera-Hospital oder h&ouml;lzerne Geb&auml;ude geschafft,
-welches auf einer Anh&ouml;he des Ufers errichtet worden
-ist. Es ist mit Palisaden und einer Soldaten-Wache
-umgeben.</p>
-
-<p>In einer kleinen Entfernung vom Hospital steht
-ein tempor&auml;res Castell mit einer Besatzung, zur Aufrechterhaltung
-und Einsch&auml;rfung der Quarantaine-Vorschriften.
-Diese Vorschriften gelten als sehr mangelhaft und
-in mancher Hinsicht als v&ouml;llig ungereimt; in der That
-bringen sie den ungl&uuml;cklichen Emigranten bedeutende Nachtheile<a id="FNanchor_4_4"></a><a href="#Footnote_4_4" class="fnanchor">[4]</a>.</p>
-
-<p>Wenn die Passagiere und Mannschaft eines Schiffs
-eine gewisse Anzahl nicht &uuml;bersteigen, so ist es ihnen, unter
-Verantwortlichkeit sowohl des Capitains als des Uebertreters,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p023">[S. 23]</a></span>
-nicht erlaubt, zu landen; &uuml;berschreiten sie dagegen
-die festgesetzte Zahl, &mdash; sie seien nun krank oder gesund,
-so m&uuml;ssen beide &mdash; Passagiere und Mannschaft &mdash;
-ans Land gehen, ihre Betten und Kleider mitnehmen,
-die man auf dem Ufer ausbreitet, um sie zu waschen, zu
-l&uuml;ften und zu durchr&auml;uchern, wodurch die Gesunden nothwendiger
-Weise jeder Gelegenheit zur Ansteckung von
-Seiten der Kranken ausgesetzt werden.</p>
-
-<p>Die Schuppen und Geb&auml;ude zur Aufnahme derjenigen,
-die sich den Quarantaine-Gesetzen unterziehen m&uuml;ssen,
-stehen in der unmittelbaren N&auml;he des Hospitals.</p>
-
-<p>Nichts kann gr&ouml;&szlig;er sein, als mein sehns&uuml;chtiges Verlangen
-nach der Erlaubni&szlig; zum Landen und zur Durchforschung
-dieser malerischen Insel; das Wetter ist so sch&ouml;n,
-und die unter dem Einflu&szlig; k&uuml;hler L&uuml;ftchen hin und her
-wogenden gr&uuml;nen W&auml;ldchen, die kleinen felsigen Baien
-und Einbuchten der Insel erscheinen so reizend und
-lockend! &mdash; aber allen meinen Bitten setzte der besuchende
-Arzt, welcher an Bord des Schiffs kam, ein entschiedenes
-Nein entgegen.</p>
-
-<p>Wenige Stunden nach seinem Besuche inde&szlig; langte
-ein indianischer Korb, gef&uuml;llt mit Stachelbeeren und Himbeeren,
-nebst einem Strau&szlig;e wilder Blumen und dem
-Compliment dieses Arztes an Bord unsers Kerkers an.</p>
-
-<p>Ich unterhalte mich mit Entwerfung kleiner Skitzen
-des Castells und der umgebenden Landschaft oder beobachte
-die am Ufer umherwandelnden Auswandrer-Gruppen.
-Wir haben bereits die Passagiere von drei Emigranten-Schiffen
-landen sehen. Man glaubt, einen Me&szlig;platz oder
-mit Menschen &uuml;berf&uuml;llten Markt vor sich zu haben: Kleider
-flattern im Winde oder liegen auf dem Erdboden ausgebreitet;
-&uuml;berall st&ouml;&szlig;t das Auge auf Kisten, B&uuml;ndel,
-K&ouml;rbe; auf M&auml;nner, Weiber und Kinder, die theils
-schlafen, theils sich in der Sonne weiden; einige sind
-mit Ordnung ihrer G&uuml;ter besch&auml;ftigt, die Weiber waschen
-und kochen unter freiem Himmel, neben den Holz-Feuern,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p024">[S. 24]</a></span>
-die auf dem Strande lodern; w&auml;hrend hier und da
-Gruppen von Kindern in fr&ouml;hlicher Ausgelassenheit einander
-haschen und jagen, ihre neuerlangte Freiheit genie&szlig;end.
-Mit diesen vermischt zeigen sich die stattlichen
-Gestalten und bunten Uniformen der Schildwachen, w&auml;hrend
-der d&uuml;nne blaugraue Rauch der brennenden Holzst&ouml;&szlig;e
-sich langsam &uuml;ber die B&auml;ume wegw&auml;lzt und die
-malerische Wirkung der Scene erh&ouml;ht. Als mein Gatte
-die Aufmerksamkeit eines Offiziers vom Castell, der an
-Bord des Schiffs gekommen war, auf die malerische Erscheinung
-vor uns lenkte, erwiederte dieser mit einem traurigen
-L&auml;cheln: &raquo;Glauben Sie mir, da&szlig; in gegenw&auml;rtigem
-Falle, so wie in vielen andern, nur die Ferne dem
-Anblick einen Zauber verleiht; k&ouml;nnten Sie einige von
-jenen so heiter erscheinenden Gruppen, die Sie bewundern,
-n&auml;her betrachten, so w&uuml;rden Sie, denk' ich, ihr Auge mit siechem
-Herzen davon abkehren; Sie w&uuml;rden hier die Krankheit in
-allen ihren Formen, Sie w&uuml;rden Laster, Armuth, Schmuz
-und Hungersnoth &mdash; das menschliche Elend in seinen
-grellsten Farben und in der abscheulichsten Gestalt erblicken,
-Scenen, wie sie nur der Pinsel eines <em class="gesperrt">Hogarth</em> zu malen,
-oder die Feder eines <em class="gesperrt">Crabbe</em> zu schildern verm&ouml;chte.&laquo;</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Den vierzehnten August.</em> &mdash; Wir haben die
-Anker wieder gelichtet und schwimmen mit der Fluth
-stromaufw&auml;rts. Gros-Eiland liegt gerade f&uuml;nfundzwanzig
-englische Meilen unterhalb Quebek, ein g&uuml;nstiger
-Wind w&uuml;rde uns binnen wenigen Stunden dahin f&uuml;hren;
-vor der Hand kommen wir nur kleine Strecken vorw&auml;rts
-und legen, wenn uns die Fluth verlassen, bald an dem einen,
-bald an dem andern Ufer an. Inde&szlig; macht mir
-diese Art zu steuern Vergn&uuml;gen, indem sie mir Gelegenheit
-verschafft, beide Seiten des Flusses, der sich, je mehr
-wir uns Quebek n&auml;hern, immer mehr und mehr verschm&auml;lert,
-genauer kennen zu lernen. Morgen werden
-wir, wofern kein Hinderni&szlig; eintritt, im Angesicht eines
-Ortes ankern, der sowohl wegen der geschichtlichen Erinnerung,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p025">[S. 25]</a></span>
-welche er weckt, als auch wegen seiner nat&uuml;rlichen
-sch&ouml;nen Lage alle Aufmerksamkeit verdient. Bis Morgen
-also Adieu.</p>
-
-<p>Ich rechnete sehr darauf, die Wasserf&auml;lle von Montmorenci
-zu sehen, die sich im Angesicht des Flusses befinden;
-allein die Sonne ging unter, und die Sterne
-stiegen gl&auml;nzend am Himmel empor, ehe wir das Ger&auml;usch
-des Katarakts vernahmen; und ob ich gleich meine
-Augen anstrengte, bis ich es m&uuml;de wurde, die von den
-Schatten der Nacht verschleierte Scenerei anzustarren, so
-konnte ich doch nichts als die dunkeln, den Canal bildenden
-Felsen-Massen erkennen, zwischen welchen hindurch
-die Wassermassen des Montmorenci in den St. Laurence-Flu&szlig;
-str&ouml;men.</p>
-
-<p>Am zehnten August, Nachts Um zehn Uhr schimmerten
-uns die Lichter der Stadt Quebek aus der
-Ferne, wies ein Sternen-Kranz &uuml;ber dem Wasser, entgegen.
-Um halb elf Uhr lie&szlig;en wir der Citadelle gegen&uuml;ber
-die Anker fallen, und ich versank in Schlaf, von den
-mannigfaltigen Scenen tr&auml;umend, an denen ich vorbeigekommen
-war.</p>
-
-<p>Abermals sollte ich in meiner Erwartung, das Ufer
-zu betreten, get&auml;uscht werden. Der besuchende Arzt rieth
-meinem Gatten und mir, ja nicht ans Land zu gehen,
-indem die immer noch in der Stadt herrschende Sterblichkeit
-dies sehr gef&auml;hrlich mache. Er gab uns eine traurige
-Schilderung von dem Platze. &raquo;<em class="gesperrt">Oede und Wehe und
-gro&szlig;e Trauer</em>, &mdash; <em class="gesperrt">Rahel</em> beweint ihre Kinder, denn
-sie sind nicht mehr!&laquo; sind Worte, die man passend auf
-diesen von der Seuche heimgesuchten Ort anwenden kann.</p>
-
-<p>Nichts ist wohl imposanter als die Lage von Quebek,
-welche die Seiten und den Gipfel eines gro&szlig;artigen
-Felsen einnimmt, auf dessen h&ouml;chstem Punkte (Cap Diamant)
-das Castell steht, welches den Flu&szlig; beherrscht und
-eine treffliche Aussicht auf die umgebende Gegend gew&auml;hrt.
-Die Einbu&szlig;e dieses edeln Anblicks war mir in
- <span class="pagenum"><a id="Page_p026">[S. 26]</a></span>
-der That sehr unlieb, und gewi&szlig; d&uuml;rfte mir nie seines
-Gleichen vorkommen; er w&uuml;rde noch lange in meiner Erinnerung
-fortgelebt und, nachdem ich bereits Jahre lang
-in der Einsamkeit der canadischen W&auml;lder begraben gewesen,
-meinen Augen vorgeschwebt haben.</p>
-
-<p>Die Anh&ouml;hen gegen&uuml;ber, die sogenannte Point Levi-Seite,
-sind h&ouml;chst malerisch, jedoch weniger gebietend als
-der Felsen, vorauf die Stadt steht. Das Ufer ist steinig,
-absch&uuml;ssig und mit B&auml;umen bekleidet, die sich bis an den
-Rand des Wassers erstrecken, ausgenommen da, wo sie
-gef&auml;llt worden sind, um wei&szlig;&uuml;bert&uuml;nchten H&uuml;tten, G&auml;rten
-und Obstpflanzungen Platz zu machen. Allein meiner
-Ansicht nach w&uuml;rde diese h&ouml;chst romantische Lage
-eine noch weit sch&ouml;nere Wirkung hervorbringen, wenn
-man auf die Geb&auml;ude und Anlage des Bodens mehr
-Geschmack verwendet h&auml;tte. Wie reizend und anziehend
-w&uuml;rde ein solcher Platz in England oder Schottland geworden
-sein. Die Natur hat hier alles gethan, der
-Mensch aber nur wenig, und die hier und da von ihm
-errichteten plumpen h&ouml;lzernen H&auml;user, welche eben so
-elend als geschmacklos sind, geben ihm eben keine Anspr&uuml;che
-auf Lob. Es ist indes m&ouml;glich, da&szlig; weiter aufw&auml;rts
-h&uuml;bsche D&ouml;rfer und H&auml;user vorkommen, die jedoch
-durch die dazwischen liegenden W&auml;ldchen dem Auge entzogen
-werden.</p>
-
-<p>Von Point Levi bis zu den Landungsstufen unterhalb
-des Zollhauses in Quebek soll der Flu&szlig; gerade eine
-englische Meile breit sein; es war sehr unterhaltend f&uuml;r
-mich, die F&auml;hrb&ouml;te zwischen den beiden Ufern spielen zu
-sehen. Wie mir der Capitain sagte, sind hier nicht weniger
-als zw&ouml;lf dergleichen seltsam aussehende Maschinen
-im Gange. Sie haben jedes seine bestimmten Stunden,
-so da&szlig; man sie in fortw&auml;hrender Aufeinanderfolge kommen
-und gehen sieht. Die Zusammengruppirung von
-allerlei Passagiren macht ihren Anblick ebenfalls eigenth&uuml;mlich;
-schlecht- und gutgekleidete, alte und junge,
-arme und reiche Leute;</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p027">[S. 27]</a></span></p>
-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/p027i.jpg" alt="Katarakt zu Montmorenci." />
- </div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p028"></a></span></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p029">[S. 29]</a></span></p>
-
-<p>Rinder, Schafe, Pferde, Schweine
-und Hunde, Gefl&uuml;gel, Marktk&ouml;rbe, Gem&uuml;se, Fr&uuml;chte, Heu,
-Korn, kurz Alles, was man sich nur denken kann, gleiten
-darauf &uuml;ber den Flu&szlig;.</p>
-
-<p>Die F&auml;hrb&ouml;te sind flach, rings herum mit Gitterwerk
-als Brustwehr versehen, und haben an jedem Ende
-ein Weiden-Flechtwerk zur Aufnahme der lebendigen und
-leblosen Ladung; die Mitte des Bootes, wenn man es
-so nennen kann, nehmen vier magre, abgetriebne Pferde
-ein, die im Kreise gehen, wie bei einer Dreschmaschine,
-und die Ruderschaufeln zu beiden Seiten in Bewegung
-setzen. F&uuml;r das Vieh ist eine Art H&uuml;rde da.</p>
-
-<p>Wie ich h&ouml;re, ist man gegenw&auml;rtig mit Errichtung
-eines Denkmals zu Ehren des General <em class="gesperrt">Wolf</em> im Gouverneurs-Garten,
-welcher an den St. Laurence st&ouml;&szlig;t
-und von Point Levi aus gesehen werden kann, besch&auml;ftigt.
-Ueber die Inschrift ist man noch nicht einig<a id="FNanchor_5_5"></a><a href="#Footnote_5_5" class="fnanchor">[5]</a>.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p030">[S. 30]</a></span></p>
-
-<p>Der Capitain ist so eben von der Stadt zur&uuml;ckgekehrt.
-Recht g&uuml;tig hat er f&uuml;r mich einen Korb mit reifen
-Aepfeln, frischem Fleisch, Gem&uuml;se, Brod und Butter
-an Bord gebracht. Auf dem Deck wimmelt es von
-Zollbeamten und Leuten, die einen Theil der Schiffs-Fracht,
-welche haupts&auml;chlich in Rum, Branntwein, Zucker
-und Kohlen als Ballast besteht, ausladen. Gegen f&uuml;nf
-Uhr Abends sind wir gesonnen, Quebek zu verlassen.
-Das <em class="gesperrt">brittische Amerika</em>, ein pr&auml;chtiges Dampfschiff
-mit dreifachem Deck, wird uns bis Montreal bugsiren
-(ins Schlepptau nehmen). F&uuml;r jetzt mu&szlig; ich Ihnen
-Lebewohl sagen.</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<div class="block0">
-<div class="footnotes"><b>Fu&szlig;noten:</b>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_2_2"></a><a href="#FNanchor_2_2"><span class="label">[2]</span></a> <em class="antiqua">Delphinus Phocaena.</em></p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_3_3"></a><a href="#FNanchor_3_3"><span class="label">[3]</span></a> Siehe des Seemann's Sindbad Reisen in den arabischen
-M&auml;hrchen (Tausend und eine Nacht).</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_4_4"></a><a href="#FNanchor_4_4"><span class="label">[4]</span></a> Es ist zu hoffen, da&szlig; die Regierung diesen mangelhaften
-und nachtheiligen Gesetzen abhelfen werde, da sie in der That
-zu wiederholten Malen gerade die Uebel, welche der Gesundheits-Ausschu&szlig;
-von der Colonie abzuhalten w&uuml;nscht, f&uuml;r die
-armen Auswandrer herbeigef&uuml;hrt haben.
-</p>
-<p>
-Manches sch&auml;tzbare Leben ist durch die zu nahe Zusammengesellung
-der Gesunden mit den Angesteckten muthwillig geopfert
-worden, nicht zu gedenken der vielen andern Leiden, Ausgaben
-und Unbequemlichkeiten, die man dem heimathslosen Wandrer
-wohl ersparen k&ouml;nnte.
-</p>
-<p>
-M&uuml;ssen nun einmal Quarantaine-Gesetze bestehen, &mdash; und
-ich halte sie f&uuml;r ein nothwendiges Uebel, &mdash; so sollte man wenigstens
-alles thun, um sie f&uuml;r die Emigranten so wenig dr&uuml;ckend
-und nachtheilig, als m&ouml;glich zu machen.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_5_5"></a><a href="#FNanchor_5_5"><span class="label">[5]</span></a> Seit jener Zeit, zu welcher die Verfasserin Quebek besuchte,
-ist <em class="gesperrt">Wolf's</em> Denkmal vollendet worden. Lord <em class="gesperrt">Dalhousie</em>
-hat in der Weihschrift der S&auml;ule mit eben so viel
-Geschmack als Gef&uuml;hl, die Namen der beiden mit einander
-wetteifernden Helden, <em class="gesperrt">Wolf</em> und <em class="gesperrt">Montcalm</em>, vereinigt, eine
-Freisinnigkeit, welche den canadischen Franzosen nur angenehm
-sein kann, w&auml;hrend sie dem brittischen Krieger nichts von seinem
-Ruhme entzieht.
-</p>
-<p>
-Der Entwurf zu dem Monument ist das Werk Major
-<em class="gesperrt">Young's</em> vom 97. Regiment. Die H&ouml;he des Untersatzes, vom
-Fu&szlig;boden aus, betr&auml;gt vierzehn Fu&szlig;; auf dem Untersatz ruht
-ein sieben Fu&szlig;, drei Zoll hoher Sarcophag, und von diesem erhebt
-sich eine zweiundvierzig Fu&szlig;, acht Zoll hohe Spitzs&auml;ule;
-die Breite der letztern, an der Grundfl&auml;che, betr&auml;gt sechs Fu&szlig;,
-die Dicke vier Fu&szlig;, acht Zoll. J. C. <em class="gesperrt">Fisher</em>, <em class="antiqua">L. L. D.</em> erhielt
-f&uuml;r nachstehende Inschrift auf den Sarg eine Preis-Medaille:
-&mdash;
-</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0"><em class="antiqua">Mortem virtus communem</em><br /></span>
-<span class="i4"><em class="antiqua">Famam Historia</em><br /></span>
-<span class="i0"><em class="antiqua">Monumentum Posteritas</em><br /></span>
-<span class="i6"><em class="antiqua">Dedit.</em><br /></span>
-</div></div>
-
-<p>
-Auf dem Untersatz &uuml;ber der Schwelle ist eine Inschrift von
-<em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Mill's</em> Feder, welche Lord <em class="gesperrt">Dalhousie</em>, den Statthalter
-von Unter-Canada, als Kostenbestreiter nennt, und die
-Todestage von <em class="gesperrt">Wolf</em> und <em class="gesperrt">Montcalm</em>, den 13. und 14.
-Septbr. 1759 angiebt. <em class="gesperrt">Wolf</em> fiel auf dem Schlachtfelde;
-und <em class="gesperrt">Montcalm</em>, durch die einzige Kanone im Besitz der Engl&auml;nder
-verwundet, starb am folgenden Tage nach der Schlacht.</p>
-</div>
-</div>
-</div>
-
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p031">[S. 31]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="no-break" id="Dritter_Brief">Dritter Brief.</h2>
-</div>
-
-<blockquote>
-<p class="p1 font09">Abfahrt von Quebek. &mdash; Wir werden von einem Dampfschiffe
-bugsirt. &mdash; Fruchtbarkeit des Landes. &mdash; Verschiedne Gegenst&auml;nde,
-die sich uns beim Hinaufsteuern des Flusses darbieten.
-&mdash; Ankunft vor Montreal. &mdash; Die Stromschnellen (Rapids).</p>
-</blockquote>
-
-
-<p class="p1 center font09">
-Brig <em class="gesperrt">Laurel</em>, St. Laurence, unterhalb Montreal,<br />
-August 17, 1832.<br />
-</p>
-
-<p>Es war nach Sonnenuntergang und ein sch&ouml;ner
-Abend, als wir Quebek verlie&szlig;en, was in Gesellschaft
-eines sch&ouml;nen Dampfschiffs geschah, dessen Deck und
-Gallerie von Passagiren aller Art wimmelten; in der
-That ein herrliches Fahrzeug, auf welchem das Auge
-mit Vergn&uuml;gen weilte; es durchpfl&uuml;gte stattlich das Wasser,
-welches unter seinen Ruderschaufeln sch&auml;umte und rauschte;
-w&auml;hrend unsre Brig mit ihren wei&szlig;en Segeln, gleich einem
-Schmetterling, seiner Spur folgte. Am Himmel gl&uuml;hte
-das sch&ouml;nste Rosenroth und Orangengelb, welche sich unten
-im Flu&szlig;e abspiegelten; dann kamen die Sterne zum Vorschein
-und leuchteten in dem reinen blauen Aether, gl&auml;nzender,
-als ich sie je in der Heimath gesehen, was sich,
-meines Bed&uuml;nkens, wohl der gr&ouml;&szlig;eren Reinheit der Atmosph&auml;re
-zuschreiben lassen d&uuml;rfte. Mein Gatte sagte,
-da&szlig; dieser Abend einem italienischen Sonnen-Untergang
-gleiche.</p>
-
-<p>Unsre Fahrt war h&ouml;chst angenehm; das Wetter war
-m&auml;&szlig;ig warm, und die Luft v&ouml;llig rein und heiter. Wir
- <span class="pagenum"><a id="Page_p032">S. 32]</a></span>
-haben w&auml;hrend der letzten wenigen Tage eine kalte,
-feuchte Atmosph&auml;re, wie wir sie oft w&auml;hrend des Fr&uuml;hlings
-in England erfahren, mit einem wonnevollen,
-durch leichte, vom Flusse her wehende L&uuml;ftchen gek&uuml;hlten
-Sommer vertauscht.</p>
-
-<p>Je weiter wir landeinw&auml;rts kommen, desto fruchtbarer
-erscheint die Gegend. Die Saaten reifen unter
-einem milderen Klima, als das unterhalb Quebek ist. Wir
-sehen Felder mit indianischem Korn in voller Bl&uuml;the; eine
-stattliche Getraideart, mit sch&ouml;ner federartiger, reich purpurfarbiger
-Aehre, unter welcher sich B&uuml;schel von bla&szlig;gr&uuml;nen,
-seiden&auml;hnlichen Bl&auml;ttern im Winde hin- und herbewegen.
-Nachdem diese Pflanze ihre v&ouml;llige Reife erlangt
-hat, soll es ein sch&ouml;ner Anblick sein, die goldnen
-K&ouml;rner aus ihrer Silber-Scheide hervorbersten zu sehen;
-zugleich ist dieselbe dem Froste sehr ausgesetzt und hat
-manche Feinde: als B&auml;re, Racuns (Waschb&auml;re), Eichh&ouml;rnchen,
-M&auml;use, V&ouml;gel u. s. w.</p>
-
-<p>Wir sehen l&auml;ngs den Ufern des Flusses mehre
-Tabacks-Felder, welche einen gesunden und gedeihlichen
-Anblick zeigen. Wie ich glaube, wird in beiden
-Provinzen Taback in ziemlicher Ausdehnung erbaut;
-allein der canadische Taback wird nicht so hoch gesch&auml;tzt,
-als der virginische.</p>
-
-<p>An der Vereinigungsstelle des Richelieu Flusses mit
-dem St. Laurence liegt eine bl&uuml;hende Stadt, vormals
-Sorel, jetzt aber Fort William Henry genannt. Ihre
-Lage ist vortrefflich. Sie hat mehre Kirchen, ein Castell
-mit M&uuml;hlen und andern &ouml;ffentlichen Geb&auml;uden, und
-darunter einige sch&ouml;ne massive H&auml;user. Der Boden
-in der unmittelbaren N&auml;he der Stadt inde&szlig; scheint leicht
-und sandig zu sein.</p>
-
-<p>Ich hatte sehr gew&uuml;nscht ein Log-Haus oder eine
-Shanty (H&uuml;tte) in der N&auml;he zu sehen, und fand mich hinsichtlich
-der wenigen, l&auml;ngs den Ufern des Flusses errichteten
-Geb&auml;ude dieser Art etwas in meinen Erwartungen get&auml;uscht;
- <span class="pagenum"><a id="Page_p033">[S. 33]</a></span>
-es war nicht sowohl die Rohheit des Materials als vielmehr
-die scheunenartige Form derselben, und die geringe
-R&uuml;cksichtsnahme auf malerische Wirkung in ihrer Anlage,
-welche mir mi&szlig;fielen. In England besitzt selbst der
-Bauer so viel Geschmack, einige Rosen- oder Geisblatt-Str&auml;ucher
-vor Th&uuml;r und Fenster zu pflanzen, wozu
-noch ein kleines eingefriedigtes schmuckes G&auml;rtchen kommt;
-aber hier gewahrt man keinen solchen Versuch zur Versch&ouml;nerung
-der H&uuml;tten. Wir sehen keinen lachenden Obstgarten
-oder Strauch, der die nackten Holz-W&auml;nde verdeckte;
-und was die kleinen Meiereien anlangt, so sind
-sie noch h&auml;&szlig;licher und ohne allen Geschmack dicht an den
-Wasserrand gebaut.</p>
-
-<p>Weiter nach hinten erscheint ein verschiedner Bau-
-und Cultur-Styl: die Meiereien und h&ouml;lzernen H&auml;user
-sind recht h&uuml;bsche, von gutem Geschmack zeigende Geb&auml;ude,
-mit hier und da ausgestreuten Baumgruppen zur Unterbrechung
-der Einf&ouml;rmigkeit.</p>
-
-<p>Das Land ist eine fast ununterbrochne platte Ebne,
-und augenf&auml;llig fruchtbar und gut angebaut, aber zu
-flach, um eine malerische Wirkung hervorzubringen. Die
-Gegend zwischen Quebek und Montreal hat ganz das
-Ansehen eines seit langer Zeit unter Cultur befindlichen
-Bodens, vorz&uuml;glich auf dem rechten Flu&szlig;ufer. Inde&szlig;
-ist noch ein gro&szlig;er Theil Wald &uuml;brig, dessen Lichtung
-noch vielj&auml;hrige Arbeit erheischen wird.</p>
-
-<p>Wir kamen an einigen grasreichen Eilanden vorbei,
-worauf manche Viehheerde weidete. Ich zerbrach mir den
-Kopf, wie sie dahin k&auml;men; der Capitain erkl&auml;rte mir
-aber, da&szlig; es Brauch der Meierei-Besitzer sei, ihr Vieh
-auf diese futterreichen Inseln in Nachen mit flachen
-B&ouml;den zu transportiren oder, wo es nicht zu tief sei,
-hin&uuml;ber schwimmen, und es so lange, als das Futter
-gut befunden werde, dort zu lassen. Werden K&uuml;he auf
-ein Eiland, innerhalb einer angeme&szlig;nen Entfernung von
-der Meierei, versetzt, so geht t&auml;glich jemand in einem
- <span class="pagenum"><a id="Page_p034">[S. 34]</a></span>
-Kahne dahin ab, um sie zu melken. Als er mir dies erz&auml;hlte,
-ruderten eben ein Knabe und ein st&auml;mmiges M&auml;dchen, mit
-zinnernen Gelten, in einem kleinen Nachen vom Ufer her quer
-durch den Flu&szlig;, um ihre Heerden zusammen zu rufen.</p>
-
-<p>Auf unsrer Weiterfahrt bemerkten wir zur Rechten
-einige h&ouml;chst anmuthige D&ouml;rfer, aber unser Lootse war
-etwas einf&auml;ltig und konnte oder wollte uns ihre Namen
-nicht nennen. Es war Sonntags fr&uuml;h; wir konnten
-eben das L&auml;uten der Kirchthurm-Glocken vernehmen, und
-es zeigten sich lange Reihen von Caleschen, leichten Wagen,
-Reitern und Fu&szlig;g&auml;ngern, welche durch die zum Kirchhof
-f&uuml;hrende Allee vor&uuml;bereilten; au&szlig;er diesen glitten
-Boote &uuml;ber den Flu&szlig;, welche demselben Friedens-Hafen
-zusteuerten.</p>
-
-<p>In einem Theil des St. Laurence, wo Untiefen
-und Sandb&auml;nke die Fahrt durch das Flu&szlig;bett schwierig
-machen, gewahrt man kleinen Wasserm&uuml;hlen &auml;hnelnde
-Leuchtth&uuml;rme, auf h&ouml;lzernen Pf&auml;hlen, die sich &uuml;ber die flachen
-Ufer erheben, auf welchen sie errichtet sind. Diese
-drolligen Th&uuml;rme oder H&uuml;ttchen waren bewohnt, und
-von einem derselben herab sahen wir eine lustige Gesellschaft,
-in ihrem Feststaate, mit einer andern in einem
-unten haltenden Kahne zur Kurzweil plaudern. Ihrem
-Aeu&szlig;ern nach waren sie wohl, und in der That recht
-vergn&uuml;gt, inde&szlig; beneidete ich ihnen ihre Lage nicht, die,
-meines Bed&uuml;nkens, der Gesundheit nicht anders als
-nachtheilig sein kann.</p>
-
-<p>Einige (englische) Meilen unter Montreal gewann
-die Gegend ein reicheres und volkreicheres Ansehn; und
-die in weiter Ferne am Saume des Horizonts sich hindehnende
-blaue Bergkette f&uuml;gte der Landschaft keinen kleinen
-Reiz hinzu. Die reiche Gluth der reifen Saaten
-bildete einen sch&ouml;nen Contrast mit dem azurnen Himmel
-und der bl&auml;ulichen Wasserfl&auml;che des St. Laurence. Die
-Flu&szlig;-Scenerei unweit Montreal ist von der unterhalb
-Quebek sehr verschieden; letztere hat einen wilden rauhen
- <span class="pagenum"><a id="Page_p035">[S. 35]</a></span>
-Anblick, und ihre Erzeugnisse sind offenbar die eines k&auml;ltern,
-weniger von der Natur beg&uuml;nstigten Klimas. Was
-der letztern an Gro&szlig;artigkeit und malerischer Wirkung
-abgeht, ersetzt sie reichlich durch Fruchtbarkeit des Bodens
-und w&auml;rmere Temperatur. In dem untern Theil der
-Provinz merkt man nur zu sehr, da&szlig; die Betriebsamkeit
-der Bewohner einem widersp&auml;nstigen Boden das n&ouml;thige Brod
-abzwingt; w&auml;hrend in dem oberen das Land willig scheint,
-eine m&auml;&szlig;ige Anstrengung mit Erfolg zu belohnen. Man
-vergesse nicht, da&szlig; dies blos die fl&uuml;chtigen Bemerkungen
-einer schnell vor&uuml;berwandernden Reisenden sind und sich
-keineswegs auf pers&ouml;nliche Erfahrung gr&uuml;nden.</p>
-
-<p>Ein Gef&uuml;hl von Angst und Furcht, das wir einander
-nicht gern gestehen mochten, um nicht als schwach zu
-erscheinen, lastete auf unsern Gem&uuml;thern, als wir uns
-der angesteckten Stadt n&auml;herten; aber Niemand sprach nur
-ein Wort davon. Mit welchem ungemischten Entz&uuml;cken,
-mit welcher Bewunderung w&uuml;rden wir zu jeder andern
-Zeit die sich vor unsern Augen erschlie&szlig;ende Scene betrachtet
-haben.</p>
-
-<p>Der Flu&szlig; breitet sich hier in ein weites Becken aus,
-welches mit Inseln gef&uuml;llt ist, auf deren gr&ouml;&szlig;ter Montreal
-liegt.</p>
-
-<p>Der hohe Berg, wovon die Stadt ihren Namen
-hat, erhebt sich gleich einer Krone &uuml;ber dieselbe und bildet
-einen eigenth&uuml;mlichen und gro&szlig;artigen Zug in der
-sch&ouml;nen Landschaft, der mich an einige einzeln stehende
-Felsen in der Nachbarschaft von Inverne&szlig; erinnerte.</p>
-
-<p>Quebek gegen&uuml;ber, gerade vor den Flu&szlig;schnellen
-(<em class="antiqua">Rapids</em>) ist die Insel St. <em class="gesperrt">Helens</em> gelegen, ein Ort
-von unbeschreiblicher Anmuth. Die Mitte derselben
-nimmt ein W&auml;ldchen von hohen B&auml;umen ein, w&auml;hrend
-die sanft nach dem Wasser zu geneigten Ufer mit dem
-gr&uuml;nsten Rasen bedeckt sind. Dieses sch&ouml;ne Schauspiel
-wurde noch durch die Erscheinung der auf der Insel in
-Garnison liegenden Truppen erh&ouml;ht.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p036">[S. 36]</a></span></p>
-
-<p>Die Flu&szlig;ufer, dicht mit trefflich angebauten Meiereien
-besetzt; das Dorf la Prairie, mit der kleinen Insel
-St. <em class="gesperrt">Ann's</em> in der Ferne; die blitzenden Th&uuml;rme und
-D&auml;cher der Stadt mit ihren G&auml;rten und Landh&auml;usern, &mdash;
-gew&auml;hren in dem sanften Glanze eines canadischen Sonnenuntergangs
-einen &uuml;ber die Maa&szlig;en lieblichen Anblick.</p>
-
-<p>Die zum Abendgebet l&auml;utenden Kirchen-Glocken, das
-murmelnde Get&ouml;s menschlicher Stimmen, vom Ufer her,
-mischten sich harmonisch mit dem Rauschen der Flu&szlig;schnellen.
-Diese Flu&szlig;schnellen (<em class="antiqua">Rapids</em>) werden durch
-eine Senkung des Flu&szlig;betts gebildet. An einigen Stellen
-ist die Neigung allm&auml;lig, an andern aber pl&ouml;tzlich
-und abgebrochen. Wo der Wasserstrom durch Kalkstein-
-oder Granit-Massen gehindert ist, wie bei den Cascaden,
-den Cedern und dem Long-Sault, erzeugt er Strudel
-und Katarakte. Aber die Flu&szlig;schnellen unterhalb Montreal
-sind nicht von diesem gro&szlig;artigen Charakter, man erkennt
-sie blos an der ungew&ouml;hnlichen Geschwindigkeit des
-flie&szlig;enden Wassers, und an der Tr&uuml;bung der Oberfl&auml;che
-durch Schaum, Wellenschlagen und Wirbel. Um mich
-kurz zu fassen, ich fand meine Erwartung, etwas besonders
-Erhabenes zu sehen, get&auml;uscht, und war gewisserma&szlig;en
-halb &auml;rgerlich &uuml;ber diese sich so kleinlich und unbedeutend
-zeigenden Flu&szlig;schnellen, durch die uns unser
-treuer Gef&auml;hrte, das mit dem Namen <em class="gesperrt">Brittsch-Amerika</em>
-bezeichnete Schiff, gl&uuml;cklich und wohlbehalten bugsirte.</p>
-
-<p class="pmb3">Da der Capitain ungewi&szlig; ist, wie lange er sich in
-Montreal wird aufhalten m&uuml;ssen, so sende ich diesen
-Brief ohne weiteren Aufschub ab, und denke sobald als
-m&ouml;glich wieder zu schreiben.</p>
-
-
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p037">[S. 37]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="no-break" id="Vierter_Brief">Vierter Brief.</h2>
-</div>
-
-<blockquote>
-<p class="p1 font09">Landung zu Montreal. &mdash; Erscheinung der Stadt. &mdash; Verheerungen
-der Cholera. &mdash; Wohlth&auml;tigkeits-Anstalten zu Montreal.
-&mdash; Katholische Cathedrale. &mdash; Unter- und Ober-Stadt,
-Gesellschaft und Unterhaltung im Hotel. &mdash; Die Verfasserin
-wird von der Cholera befallen. &mdash; Abreise von Montreal im
-Postwagen. &mdash; Einschiffung zu Lachine an Bord eines Dampf-Schiffes.
-&mdash; Abwechselndes Reisen in Dampfschiffen und Postwagen.
-&mdash; Erscheinung des Landes. &mdash; Manufacturen. &mdash; Oefen,
-in einiger Entfernung von den H&uuml;tten. &mdash; Zieh-Brunnen. &mdash;
-Ankunft zu Cornwall. &mdash; Bedienung im Gasthause. &mdash; Abreise
-von Cornwall, und Ankunft zu Prescott. &mdash; Ankunft zu Brockwille.
-&mdash; Dasiger Stapelplatz. &mdash; Reise durch den See Ontario.
-&mdash; Ankunft zu Cobourg. &mdash;</p>
-</blockquote>
-
-
-<p class="p1 rright font09">
-Nelson Hotel, Montreal. August 21.<br />
-</p>
-
-<p>Wieder einmal auf festem Grund und Boden,
-Theuerste Mutter! welches eigenth&uuml;mliche Gef&uuml;hl ist es
-doch, das feste Land wieder zu betreten, erl&ouml;&szlig;t von der
-schwankenden Bewegung des Schiffes auf dem wogenden
-Wasser, dem ich jetzt wirklich mit Freuden Lebewohl
-sagte.</p>
-
-<p>Mit Tagesanbruch war Jedermann an Bord aus
-dem Bette und traf gesch&auml;ftig alle Vorbereitungen, ans
-Land zu gehen. Der Capitain selbst gab uns verbindlichst
-das Geleite und ging mit uns bis zum Gasthof,
-wo wir jetzt logiren.</p>
-
-<p>Es machte uns einige Schwierigkeit, ans Ufer zu
-gelangen, wegen der schlechten Beschaffenheit des
- <span class="pagenum"><a id="Page_p038">[S. 38]</a></span>
-Landungsplatzes. Der Flu&szlig; war mit treibenden Baumst&auml;mmen
-gef&uuml;llt, zwischen welchen das Boot hindurchzusteuern,
-einige Geschicklichkeit erforderte. Es wird jetzt ein Kai
-gebaut<a id="FNanchor_6_6"></a><a href="#Footnote_6_6" class="fnanchor">[6]</a>, dessen Nothwendigkeit sich nur zu f&uuml;hlbar gemacht
-hat.</p>
-
-<p>Zun&auml;chst fielen uns die schmuzigen, engen, schlecht
-oder gar nicht gepflasterten Stra&szlig;en der Vorst&auml;dte auf,
-und zugleich bet&auml;ubte uns der niedrige, aus einem tiefen,
-offnen, l&auml;ngs der Stra&szlig;e hinter dem Kai verlaufenden
-Graben aufsteigende Dunst. Dieser Graben schien zur
-Aufnahme jedes Unflathes bestimmt und an sich allein
-hinreichend, die ganze Stadt mit b&ouml;sartigen Fiebern zu
-inficiren<a id="FNanchor_7_7"></a><a href="#Footnote_7_7" class="fnanchor">[7]</a>.</p>
-
-<p>Bei meiner ersten Bekanntschaft mit dem Innern
-von Montreal, einem Orte, wovon Reisende so viel gesagt
-haben, fand ich mich sehr get&auml;uscht. Ich verglich
-es in Gedanken mit den Fr&uuml;chten des todten Meeres, die
-sch&ouml;n und lockend anzuschauen sind, aber blos Asche und
-Bitterkeit geben, wenn sie der durstige Reisende kostet<a id="FNanchor_8_8"></a><a href="#Footnote_8_8" class="fnanchor">[8]</a>.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p039">[S. 39]</a></span></p>
-
-<p>Ich bemerkte einen besondern Zug an den Geb&auml;uden
-der sich im Angesicht des Flusses hinziehenden Vorstadt,
-&mdash; n&auml;mlich da&szlig; sie meistentheils von dem untersten
-bis zum obersten Stockwerk mit breiten h&ouml;lzernen Balcons
-versehen waren. In einigen F&auml;llen umgeben diese
-Balcons die H&auml;user auf drei Seiten und scheinen eine
-Art Au&szlig;engem&auml;cher zu bilden; zu einigen derselben f&uuml;hrten
-breite Treppen von au&szlig;en hinauf.</p>
-
-<p>Ich erinnerte mich, als Kind von dergleichen H&auml;usern
-getr&auml;umt und sie sehr einladend gefunden zu haben,
-auch k&ouml;nnten sie dies wirklich sein, wenn sie von rankendem
-Strauchwerk beschattet und mit Blumen geschm&uuml;ckt
-w&auml;ren, um gleichsam schwebende G&auml;rtchen oder
-s&uuml;&szlig;duftende Laubeng&auml;nge abzugeben. Aber nichts der Art
-erfreute unsre Augen, als wir m&uuml;hsam durch die langen
-Stra&szlig;en wanderten. Alle Gasth&auml;user und Herbergen waren
-bis unters Dach hinauf mit Auswandrern jedes Alters,
-aus England, Schottland und Irland, &uuml;berf&uuml;llt.
-Die Laute wilder Ausgelassenheit, welche aus ihnen hervorbrachen,
-schienen sich schlecht mit den bleichen eingefallnen
-Gesichtern mancher dieser gedankenlosen L&auml;rmer
-zu vertragen.</p>
-
-<p>Der Contrast war f&uuml;r den, der diese Entfaltung
-&auml;u&szlig;erer Lustigkeit bei innerem Elend zu w&uuml;rdigen verstand,
-nur zu f&uuml;hlbar und schmerzlich.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p040">[S. 40]</a></span></p>
-
-<p>Die Cholera hatte grauenvolle Niederlagen angerichtet,
-und ihre heillosen Wirkungen waren an den verschlo&szlig;nen
-und verdunkelten Wohnungen und an den Trauerkleidern
-aller Klassen zu erkennen. Ein Ausdruck von
-Niedergeschlagenheit und Angst zeigte sich in den Gesichtern
-der wenigen Menschen, welchen wir auf unserm
-Wege nach dem Gasthause begegneten, und verriethen
-uns deutlich den Zustand ihres Innern.</p>
-
-<p>In einigen Stadttheilen waren ganze Stra&szlig;en fast
-entv&ouml;lkert; die, welche konnten, flohen, von Schrecken ergriffen,
-auf die D&ouml;rfer, w&auml;hrend andre zur&uuml;ck blieben, um
-im Schoo&szlig;e ihrer Familie zu sterben.</p>
-
-<p>Keiner Klasse hat sich die Krankheit so verderblich
-gezeigt, als den &auml;rmern Emigranten. Viele von diesen,
-geschw&auml;cht durch die Entbehrungen und Strapazen einer
-langen Reise, &uuml;berlie&szlig;en sich, als sie Quebek oder Montreal
-erreicht, jeder Ausschweifung, jedem Ueberma&szlig; &mdash;
-vorz&uuml;glich der V&ouml;llerei, und gleichsam als h&auml;tten sie sich
-vors&auml;tzlich den Weg zum gewissen Verderben gebahnt,
-fielen sie unmittelbare Opfer der Krankheit.</p>
-
-<p>In einem Hause starben elf Menschen, in einem
-andern siebzehn; ein kleines siebenj&auml;hriges Kind blieb allein
-&uuml;brig, das traurige Ereigni&szlig; zu verk&uuml;nden. Diese arme
-verlassene Waise nahmen die Nonnen in ihre wohlth&auml;tige
-Anstalt auf und erwiesen ihr jede Aufmerksamkeit, welche
-Menschenliebe nur immer fordern kann.</p>
-
-<p>Die Zahl sowohl aus Katholiken als Protestanten
-bestehender Wohlth&auml;tigkeits-Vereine ist betr&auml;chtlich,
-und diese entfalten eine Duldsamkeit und Freisinnigkeit,
-welche beiden Confessionen zur Ehre gereicht, indem sie
-einzig und allein von dem Geiste christlicher Liebe beseelt
-erscheinen.</p>
-
-<p>Ich w&uuml;&szlig;te keinen Ort, selbst London nicht ausgenommen,
-wo die Aus&uuml;bung wohlwollender Gesinnungen
-so sehr hervorgefordert w&uuml;rde, als in diesen beiden St&auml;dten,
-Quebek und Montreal. Hier vereinigen sich die
- <span class="pagenum"><a id="Page_p041">[S. 41]</a></span>
-Ungl&uuml;cklichen, die von den erforderlichen Mitteln Entbl&ouml;&szlig;ten,
-die h&uuml;lflose Waise, die Bejahrten, der arme aber tugendhafte
-Mann, den die strenge Hand der Nothwendigkeit
-aus seiner Heimath von seinem Herde getrieben hat,
-um in einem fernen, fremden Lande von Krankheit oder
-Mangel dahin gerafft zu werden.</p>
-
-<p>Es ist ein trauriger Umstand, da&szlig; sehr viele der
-&auml;rmsten Auswandrer, die unter dem Einflu&szlig; der Cholera
-ihr Leben verloren, keine Spur hinterlassen haben, wodurch
-ihre bek&uuml;mmerten Freunde im alten Vaterlande &uuml;ber
-ihr Schicksal in Kenntni&szlig; gesetzt werden k&ouml;nnten. Die
-Krankheit ist so pl&ouml;tzlich, so heftig, da&szlig; sie dem Befallnen
-keine Zeit zu Ordnung weltlicher Angelegenheiten &uuml;brig
-l&auml;&szlig;t. Die Aufforderung kommt, nicht wie an <em class="gesperrt">Hesekiah</em>:
-&raquo;Bringe dein Haus in Ordnung, denn du sollst sterben,
-und nicht leben!&laquo;</p>
-
-<p>Das Wetter ist dr&uuml;ckend hei&szlig;, von h&auml;ufigen Gewitter-Schauern
-begleitet, die aber keineswegs die Wirkung
-haben, welche man davon erwartet, denn sie k&uuml;hlen
-die erhitzte Atmosph&auml;re keineswegs ab. Ich f&uuml;hle einen
-Grad von Abspannung und Mattigkeit, der mich sehr
-verstimmt und schlimmer ist als wirklicher Schmerz.</p>
-
-<p>Anstatt diesen Ort mit der ersten Gelegenheit nach
-der oberen Provinz verlassen zu k&ouml;nnen, wie wir uns
-fest vorgenommen, sehen wir uns gen&ouml;thigt, zwei Tage
-l&auml;nger zu bleiben, woran die Weitl&auml;ufigkeit und Umst&auml;ndlichkeit
-der Zollbeamten in Untersuchung unsers Gep&auml;ckes
-schuld ist.</p>
-
-<p>Die Hitze war fortw&auml;hrend so dr&uuml;ckend, da&szlig; sie mir
-nur wenige Ausfl&uuml;ge aus dem Hause verstattete. Ich habe,
-ausgenommen die Stra&szlig;en in der N&auml;he des Gasthofs
-und die katholische Kirche, wenig von der Stadt und ihren
-&ouml;ffentlichen Geb&auml;uden gesehn. Die Kathedrale erhielt
-meinen Beifall; sie ist in der That ein sch&ouml;nes Gotteshaus,
-jedoch immer noch unvollendet; so sind die Th&uuml;rme
-nicht zu der urspr&uuml;nglich bestimmten H&ouml;he gef&uuml;hrt. Das
- <span class="pagenum"><a id="Page_p042">[S. 42]</a></span>
-&ouml;stliche Fenster, hinter dem Altar, ist siebzig Fu&szlig; hoch
-und dreiunddrei&szlig;ig Fu&szlig; breit. Die Wirkung dieses gro&szlig;artigen
-Fensters, dem Eingange gegen&uuml;ber, der Altar mit
-seinen Zierrathen und Gem&auml;lden, die verschiednen kleinern
-Alt&auml;re und Kapellen, s&auml;mmtlich mit Gegenst&auml;nden aus
-der heiligen Schrift verziert, die leichten Gallerien, welche
-den mittlern Theil der Kirche umgeben, die doppelte S&auml;ulen-Reihe,
-worauf das gew&ouml;lbte Dach ruht, und die Bogenfenster,
-Alles vereinigt sich zur Bildung eines sch&ouml;nen
-Ganzen. Am meisten erfreute mich die &auml;u&szlig;erste Leichtigkeit
-des Baustyls, dagegen erschien mir der Anstrich der
-S&auml;ulen in Nachahmung von Marmor zu grob und zu
-grell; ich vermi&szlig;te die ernste ehrw&uuml;rdige Weihe, welche
-das Alter unsern Kirchen und Cathedralen verliehen hat.
-Die in grauen Stein gehauenen, grimmig blickenden
-K&ouml;pfe und gefl&uuml;gelten Engel, deren befremdendes Ansehn
-selbst von einer Zeit erz&auml;hlt, wo unsre Vorv&auml;ter innerhalb
-der geweiheten Mauern ihren Sch&ouml;pfer verehrten,
-erh&ouml;hen den feierlichen Eindruck und die Ehrw&uuml;rdigkeit
-unsrer Gottesh&auml;user. Allein, wenn sich auch die neue
-Kirche zu Montreal nicht mit unsrer Yorker-, M&uuml;nster- oder
-Westm&uuml;nster-Abtei oder andern unsrer heiligen Geb&auml;ude
-vergleichen darf, so verdient sie doch jedenfalls die
-Beachtung des Reisenden, der in Canada auf nichts
-Aehnliches st&ouml;&szlig;t.</p>
-
-<p>Au&szlig;erdem enth&auml;lt Montreal verschiedne Collegien
-und Nonnen-Kl&ouml;ster, ein Hospital f&uuml;r Kranke, verschiedne
-katholische und protestantische Kirchen, Versammlungsh&auml;user,
-ein Wachhaus und mehre andre &ouml;ffentliche Geb&auml;ude.</p>
-
-<p>Der an den Flu&szlig; grenzende Stadttheil ist ausschlie&szlig;lich
-f&uuml;r den Handel bestimmt. Seine engen, schmuzigen
-Stra&szlig;en und dunkeln H&auml;user, mit schweren eisernen Fensterladen,
-machen einen unangenehmen Eindruck auf den
-brittischen Reisenden; der andre Theil der Stadt jedoch zeigt
-ein verschiedenes und besseres Ansehn, die H&auml;user sind
- <span class="pagenum"><a id="Page_p043">[S. 43]</a></span>
-hier mit G&auml;rten und angenehmen Spazierg&auml;ngen untermengt,
-die sich aus den Fenstern des Ballsaals im Nelson
-Hotel dem Auge recht h&uuml;bsch darstellen. Der eben erw&auml;hnte
-Ballsaal, welcher von der Decke bis zum Fu&szlig;boden
-grob mit canadischer Scenerei und Waldlandschaften
-bemalt ist, gew&auml;hrt eine pr&auml;chtige Aussicht auf die
-Stadt, den Flu&szlig; und die ganze Umgegend, welche die
-fernen Berge von Chamblay, die Ufer des St. Laurence
-gegen la Prairie hin, und die Stromschnellen ober- und
-unterhalb der Insel St. Anne's in sich schlie&szlig;t. Der K&ouml;nigliche
-Berg (Mont Real) mit seinen bewaldeten Seiten,
-seiner reichen Scenerei und seiner Stadt mit ihren Stra&szlig;en
-und &ouml;ffentlichen Geb&auml;uden entfalten sich den Blicken,
-und das Auge, welches solchen Gegenst&auml;nden begegnet,
-kann der Scenerei von Montreal seinen Beifall nicht
-versagen.</p>
-
-<p>Unser Wirth, ein Italiener von Geburt und Besitzer
-des Hotels, erweist uns die gr&ouml;&szlig;te Aufmerksamkeit.
-Die Bedienung ist &auml;u&szlig;erst anst&auml;ndig und zuvorkommend,
-und die Gesellschaft, mit welcher wir im Gasthofe zusammen
-treffen, haupts&auml;chlich Auswandrer, wie wir, nebst
-einigen lebhaften Franzosen, M&auml;nnern und Weibern, sehr
-achtbar. Der Tisch ist gut besetzt, und der Preis f&uuml;r
-Kost und Logis t&auml;glich ein Dollar<a id="FNanchor_9_9"></a><a href="#Footnote_9_9" class="fnanchor">[9]</a>.</p>
-
-<p>Die mannigfaltigen Charaktere, aus welchen unsre
-Tischgesellschaft besteht, gew&auml;hren mir viel Unterhaltung.
-Einige unter den Auswandrern scheinen &auml;u&szlig;erst sanguinische
-Hoffnungen zu n&auml;hren, sie sind, ihren Aeu&szlig;erungen
-nach, eines gl&uuml;cklichen Erfolgs gewi&szlig; und glauben auf
-keine Schwierigkeiten in Ausf&uuml;hrung ihrer Pl&auml;ne zu sto&szlig;en.
-Einen Contrast mit diesen bildet einer meiner Landsleute,
-der so eben aus dem westlichen Distrikt auf seiner
- <span class="pagenum"><a id="Page_p044">[S. 44]</a></span>
-R&uuml;ckreise nach England hier eingetroffen ist; er beschw&ouml;rt
-uns, ja nicht weiter aufw&auml;rts in diesem abscheulichen Lande
-zu reisen, wie er die obere Provinz mit sichtbaren Nachdruck
-zu nennen beliebt, versichernd, da&szlig; er um keinen
-Preis in der Welt darin leben m&ouml;chte.</p>
-
-<p>Die Lesung von <em class="gesperrt">Cattermole's</em> Flugschrift <em class="gesperrt">&uuml;ber
-Auswanderung</em> hatte ihn bestimmt, ein h&uuml;bsches
-Pachtgut zu verlassen und sich mit seiner ganzen Habe
-nach Canada einzuschiffen. Aufgemuntert durch den Rath
-eines Freundes in diesem Lande, kaufte er einen Strich
-wilden Bodens im westlichen Distrikt; &raquo;aber Sir,&laquo; sagte
-er, indem er seine Worte mit gro&szlig;er Aufregung an
-meinen Gatten richtete, &raquo;ich fand mich aufs sch&auml;ndlichste
-betrogen. Solcher Boden, eine solche Gegend &mdash; nein
-um alles in der Welt h&auml;tte ich nicht da bleiben m&ouml;gen.
-Wahrlich! nicht ein Tropfen gutes Wasser, keine e&szlig;bare
-Kartoffel ist daselbst zu erlangen. Ich lebte zwei ganze
-Monate in einem kleinen Schuppen, den sie Shanty nennen,
-und w&auml;re fast bei lebendigem Leibe von Musquitos
-aufgezehrt worden. Es gab nichts zu essen als eingesalznes
-Schweinfleisch, mit einem Wort, das Elend und
-die Widerw&auml;rtigkeiten waren unertr&auml;glich; meine landwirthschaftlichen
-Kenntnisse und Erfahrungen, als englischer
-Pachter, halfen mir &uuml;brigens fast gar nichts, denn
-man wei&szlig; daselbst nichts von Meiereien und Pachtg&uuml;tern.
-Es w&uuml;rde mir das Herz gebrochen haben, wenn ich zwischen
-den Baumstummeln h&auml;tte arbeiten sollen, ohne je
-etwas einem wohlgepfl&uuml;gten Felde Aehnliches zu sehen.
-Und dann,&laquo; f&uuml;gte er in sanfterem Tone hinzu, &raquo;dachte
-ich an meine arme Frau und meine kleine Tochter. Ich
-selbst w&uuml;rde, um meine Verh&auml;ltnisse zu verbessern, mich
-allenfalls ein Jahr oder noch l&auml;nger in dieser Wildni&szlig;
-herumgeplackt haben, aber die Arme! &mdash; nein! ich h&auml;tte
-das Herz nicht gehabt, sie den Bequemlichkeiten Englands
-zu entrei&szlig;en und in eine Wohnung einzuf&uuml;hren, die nicht
-so gut ist, als einer unsrer Kuhst&auml;lle oder Schuppen, und
- <span class="pagenum"><a id="Page_p045">[S. 45]</a></span>
-so will ich denn in meine Heimath zur&uuml;ckkehren; und
-wenn ich nicht meinen Nachbarn erz&auml;hle, was f&uuml;r ein
-abscheuliches Land dieses Canada ist, wohin auszuwandern
-Alle wie verr&uuml;ckt sind, und wof&uuml;r sie ihre Pachte
-aufgeben, so soll man mir nie wieder ein Wort glauben.&laquo;</p>
-
-<p>Es fruchtete nichts, da&szlig; einige Anwesende ihm zeigten,
-wie ungereimt es sei, zur&uuml;ckzukehren, ehe er alles
-geh&ouml;rig gepr&uuml;ft und versucht habe; er erwiederte ihnen
-blos, sie w&auml;ren Thoren, wenn sie in einem Lande,
-wie dieses, blieben; und endete mit Verw&uuml;nschung derjenigen,
-welche ihre Landsleute durch ihre falschen Berichte
-und Angaben t&auml;uschten und auf einigen Seiten
-s&auml;mmtliche Vortheile zusammen stellten, ohne einen Band
-mit den Nachtheilen zu f&uuml;llen, was doch sehr leicht sein
-w&uuml;rde.</p>
-
-<p>&raquo;Die Menschen sind nur zu geneigt, sowohl sich als
-andre zu betr&uuml;gen,&laquo; sagte mein Gatte, &raquo;und haben sie
-ihre Seele einmal auf einen Gegenstand gerichtet, so pflegen
-sie blos das zu lesen und zu glauben, was ihren
-W&uuml;nschen entspricht.&laquo;</p>
-
-<p>Der junge erbitterte Mann hatte sich offenbar in
-seinen Erwartungen get&auml;uscht gesehen, als er nicht alles
-so sch&ouml;n und angenehm wie in der Heimath fand. Er
-hatte wahrscheinlich nie &uuml;ber die Sache nachgedacht, denn
-andernfalls w&uuml;rde er nicht so th&ouml;rigt gewesen sein, vorauszusetzen,
-da&szlig; er bei seinem ersten Ansiedelungs-Versuch
-auf keine Schwierigkeiten sto&szlig;en werde. Wir haben uns
-auf nicht wenige Hindernisse und Entbehrungen gefa&szlig;t
-gemacht, und doch d&uuml;rften uns noch manche unvorhergesehene
-begegnen, ob wir gleich durch die Briefe unsers
-canadischen Freundes so ziemlich von allem in Kenntni&szlig;
-gesetzt sind.</p>
-
-<p>Unsre Pl&auml;tze in dem nach Lachine abgehenden Postwagen
-sind bereits gemiethet, und wenn alles gut geht,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p046">[S. 46]</a></span>
-so verlassen wir Montreal Morgen fr&uuml;h. Unsre Koffer,
-Schachteln u. s. w. gehen vor uns nach Cobourg ab. &mdash;
-August <b>22</b>.</p>
-
-
-<p class="p2 rright font09">
-<em class="gesperrt">Cobourg</em>, den 29. August.<br />
-</p>
-
-<p>Am Schlu&szlig; meines letzten Briefes meldete ich Ihnen,
-Theuerste Mutter, da&szlig; wir Montreal am folgenden
-Tage fr&uuml;h verlassen w&uuml;rden; allein das Schicksal hatte
-anders &uuml;ber uns verf&uuml;gt, und wir erfuhren die Wahrheit
-jener Worte: &mdash; &raquo;R&uuml;hme dich nicht dessen, was du
-morgen thun willst, denn du wei&szlig;t nicht, was die n&auml;chste
-Stunde mit sich bringen wird.&laquo; In der Fr&uuml;he besagten
-Morgens, noch vor Sonnenaufgang, wurde ich von den
-Symptomen der verderblichen Krankheit heimgesucht, die
-so manche H&auml;user ver&ouml;det hat. Ich zwar zu krank,
-um meine Reise antreten zu k&ouml;nnen, und h&ouml;rte mit schwerem
-Herzen die knarrenden R&auml;der vom Thorwege des
-Gasthofs &uuml;ber das Pflaster rumpeln.</p>
-
-<p>Ich wurde st&uuml;ndlich schlechter, bis mir die Schwester
-der Wirthin, ein treffliches junges Frauenzimmer,
-die mir schon zuvor gro&szlig;e Aufmerksamkeit erzeigt, nach
-einem Arzt zu senden rieth; mein Gatte, der, als er mich
-so leiden sah, fast in Verzweiflung war, eilte sogleich fort,
-um den besten &auml;rztlichen Beistand herbeizuholen. Nach
-einigem Verzug war ein Arzt ausfindig gemacht. Ich
-litt zu dieser Zeit furchtbare Qualen, f&uuml;hlte mich aber
-nach einem Aderla&szlig; und den nachfolgenden heftigen Krankheits-Anf&auml;llen
-etwas erleichtert. Ich will mich in keine
-umst&auml;ndliche Schilderung meiner Leiden einlassen, gen&uuml;ge
-es, zu sagen, da&szlig; sie fast unertr&auml;glich waren; aber Gott
-in seiner Gnade, obwohl er mich z&uuml;chtigte und mit
-Schmerzen heimsuchte, wollte mich noch nicht sterben lassen.
-Von den weiblichen Gliedern des Hauses erfuhr
-ich die liebreichste Behandlung. Anstatt aus Furcht das
-Krankenzimmer zu fliehen, stritten sich die beiden irischen
- <span class="pagenum"><a id="Page_p047">[S. 47]</a></span>
-M&auml;dchen fast mit einander, welche von beiden bei mir
-bleiben und meiner warten und pflegen sollte, w&auml;hrend
-<em class="gesperrt">Jane Taylor</em>, das zuvor erw&auml;hnte achtbare Frauenzimmer,
-mich von dem Augenblick an, wo meine Krankheit
-auf eine so beunruhigende Weise zunahm, bis zur
-eintretenden Besserung nicht eine Minute verlie&szlig; und
-mit eigner Lebensgefahr, wenn der innere Kampf eintrat,
-in die Arme nahm, an ihre Brust dr&uuml;ckte und abwechselnd
-bald mir zuredete, bald meinen armen trauernden
-Gatten zu tr&ouml;sten suchte.</p>
-
-<p>Die angewendeten Mittel waren Aderla&szlig;, Opium,
-blaue Pillen und ein Neutralsalz &mdash; aber nicht das gew&ouml;hnliche
-Epsomer. Die Cur zeigte sich wirksam, wiewohl
-ich viele Stunden hindurch an heftigem Kopfweh
-und andern Zuf&auml;llen litt. Die Schw&auml;che und das leichte
-Fieber, welche an die Stelle der Cholera traten, fesselten
-mich einige Tage an das Bett; w&auml;hrend der beiden ersten
-besuchte mich mein Arzt t&auml;glich viermal; er war sehr
-theilnehmend, und als er erfahren, da&szlig; ich die Gattin
-eines brittischen auf seinem Wege nach der oberen Provinz
-begriffnen Offiziers sei, schien er sich f&uuml;r meine
-Wiedergenesung mehr als jemals zu interessiren, und
-zeigte eine Theilnahme f&uuml;r uns, die unsern Gef&uuml;hlen
-&auml;u&szlig;erst wohlth&auml;tig war. Nach einem l&auml;stigen Krankenlager
-von mehren Tagen wurde ich endlich f&uuml;r so weit
-genesen erkl&auml;rt, um meine Reise antreten zu k&ouml;nnen, inde&szlig;
-war ich noch sehr schwach und konnte mich kaum
-aufrecht erhalten.</p>
-
-<p>Die Sonne war noch nicht aufgegangen, als der
-Postwagen, der uns nach Lachine, die ersten neun (englischen)
-Meilen unsrer Reiseroute, f&uuml;hren sollte, vor der
-Th&uuml;r des Gasthofs erschien, und wir von einem Orte, wo
-wir der angstvollen Stunden so viele, der fr&ouml;hlichen so
-wenige erlebt, Abschied nahmen. Inde&szlig; war uns von
-unsern Umgebungen im Gasthofe, obgleich vollkommnen
-Fremden, viel Liebes und Gutes wiederfahren, wir hatten
- <span class="pagenum"><a id="Page_p048">[S. 48]</a></span>
-uns jener Gastfreundschaft erfreut, wegen welcher Montreal
-so oft ger&uuml;hmt worden ist.</p>
-
-<p>Ich habe vergessen, Ihnen in meinem letzten Briefe
-zu sagen, da&szlig; wir Bekanntschaft mit einem h&ouml;chst achtbaren
-Kaufmann an diesem Platze gemacht, der uns sehr
-n&uuml;tzliche Belehrung &uuml;ber viele Dinge ertheilt und bei
-seiner Gattin, einem &auml;u&szlig;erst gebildeten und vollendeten
-jungen Frauenzimmer eingef&uuml;hrt hat. W&auml;hrend unsrer
-kurzen Bekanntschaft brachten wir, sehr zu unsrer Zufriedenheit,
-einige angenehme Stunden in ihrem Hause zu.</p>
-
-<p>Ich geno&szlig; des frischen Luftstroms vom Flusse her,
-l&auml;ngs welchem sich die Fahrstra&szlig;e hinzieht. Es war ein
-herrlicher Anblick, die unbew&ouml;lkte Sonne hinter der fernen
-Bergkette emporsteigen zu sehen; unter uns lagen die wild
-brausenden Stromschnellen, dort die Insel <em class="gesperrt">St. Anne's</em>,
-welche uns an <em class="gesperrt">Moore's</em> canadisches Bootsmanns-Liedchen
-&raquo;La&szlig;t zu St. <em class="gesperrt">Anne's</em> uns singen den Abschiedsgesang&laquo;
-u. s. w. erinnerte.</p>
-
-<p>Das Ufer des St. Laurence, l&auml;ngs welchem unser
-Weg liegt, ist hier erhabner als bei Montreal, auf seiner
-H&ouml;he mit Buschholz bekleidet und gelegentlich durch
-schmale Abzugs-Gr&auml;ben zum Ableiten des Wassers unterbrochen.
-Der Boden war, so viel als ich davon sehen
-konnte, sandig oder leichtlehmig. Ich sah hier zuerst
-die wilde Weinrebe sich zwischen den jungen B&auml;umchen
-hinranken, de&szlig;gleichen Brombeerb&uuml;sche und einen Ueberflu&szlig;
-von jener hohen gelben Blume, die wir Goldruthe (<em class="antiqua">Solidago
-virga aurea</em>) nennen, ferner das wei&szlig;e Gnaphalium
-(Ruhrkraut), dasselbe, woraus die franz&ouml;sischen und
-schweizer Bauer-M&auml;dchen Kr&auml;nze zur Schm&uuml;ckung der
-Gr&auml;ber ihrer Freunde flechten und die sie <em class="gesperrt">Immortelle</em>
-(Unsterblichkeitsblume) nennen<a id="FNanchor_10_10"></a><a href="#Footnote_10_10" class="fnanchor">[10]</a>; endlich eine hohe, purpurblumige
-Baldrian-Art, die auf den Feldern unter
- <span class="pagenum"><a id="Page_p049">[S. 49]</a></span>
-dem Korn eben so h&auml;ufig steht, als die Ochsenzunge auf
-unsern leichten Sandfeldern in England.</p>
-
-<p>Zu Lachine stiegen wir aus dem Postwagen und
-gingen an Bord eines Dampfboots, eines recht h&uuml;bschen
-und mit jeder Bequemlichkeit versehnen Fahrzeugs. Die
-Fahrt den Flu&szlig; hinauf machte mir viel Freude, und
-&uuml;berhaupt w&uuml;rde ich die Reise sehr angenehm gefunden
-haben, w&auml;re ich nicht durch meine nur erst &uuml;berstandne
-Krankheit so sehr geschw&auml;cht gewesen, da&szlig; mir die holperigen
-Stra&szlig;en sehr viel zu schaffen machten. Das Fuhrwerk
-anlangend, ein canadischer Postwagen, so verdient
-es weit gr&ouml;&szlig;eres Lob, als Reisende ihm gew&ouml;hnlich zu
-ertheilen beliebt haben, und es ist f&uuml;r die Wege, auf
-welchen es hin- und hergeht, so wohl geeignet, da&szlig; ich
-zweifle, ob es mit einem zweckm&auml;&szlig;igeren vertauscht werden
-k&ouml;nne. Dieser Wagen fa&szlig;t neun Personen: drei
-hinten, drei vorn, und drei in der Mitte; der Mittel-Sitz,
-welcher in breiten Lederriemen h&auml;ngt, ist bei weitem
-der bequemste, und hat f&uuml;r die Inhaber nur den Nachtheil
-da&szlig; sie durch das Aus- und Einsteigen der Passagiere
-gest&ouml;rt werden.</p>
-
-<p>Gewi&szlig; ist das Reisen mit so weniger St&ouml;rung f&uuml;r
-den Passagier als m&ouml;glich verbunden, hat man sein Passagier-Geld
-zu Prescott entrichtet, so braucht man f&uuml;r
-weiter nichts zu sorgen. So wie der Reisende das
-Dampfboot verl&auml;&szlig;t, steht auch schon der Postwagen zur
-Aufnahme seiner Person und seines Gep&auml;ckes, das auf
-ein gewisses Verh&auml;ltni&szlig; beschr&auml;nkt ist, bereit; ist der Postwagen
-an Ort und Stelle angelangt, so ist wieder das
-Dampfboot da, wo man jede Bequemlichkeit findet.</p>
-
-<p>Au&szlig;er ihrer eignen Ladung nehmen die Dampfschiffe
-stromaufw&auml;rts in der Regel verschiedne andre Fahrzeuge
-ins Schlepptau. Wir bugsirten zu einer Zeit drei
-Durham-B&ouml;te und &uuml;berdies mehre kleine Nachen,
-die dem Auge jedenfalls Abwechselung und Unterhaltung
-gew&auml;hrten.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p050">[S. 50]</a></span></p>
-
-<p>Mit Ausnahme von Quebek und Montreal, mu&szlig;
-ich der obern Provinz den Vorzug geben. Die Scenerei,
-wenn auch nicht so gro&szlig;artig, ist doch mehr geeignet, dem
-Auge zu gefallen, indem sich &uuml;berall Spuren von reger
-Betriebsamkeit, F&uuml;lle und Fruchtbarkeit zeigt. Wenn
-ich im Postwagen auf der Stra&szlig;e dahinrolle, entz&uuml;cken
-mich die Nettigkeit, Reinlichkeit und das bequeme, behagliche
-Ansehn der Bauerh&uuml;tten und Meiereien. Log-H&auml;user
-oder Shanty's kommen nur selten vor, an ihre
-Stelle sind h&uuml;bsch gezimmerte, in besserem Styl gebaute
-und oft mit Bleiwei&szlig; oder bla&szlig;erbsgr&uuml;n angestrichne Wohnungen
-getreten. Im Umkreise dieser Hausst&auml;tten erblickt
-man Obstg&auml;rten, deren B&auml;ume von der reichen Last,
-&mdash; Aepfel, Pflaumen, und der amerikanische Holzapfel,
-jene sch&ouml;ne scharlachrothe Frucht, die wir im Vaterlande
-so h&auml;ufig eingemacht als Dessert genie&szlig;en, &mdash; niedergebogen
-waren.</p>
-
-<p>Hier gewahrt man kein Zeichen von Armuth oder
-dem in ihrem Gefolge einhergehenden Elend; keine zerlumpten,
-schmuzigen Kinder w&auml;lzen sich im Kothe oder
-Staube herum; wohl aber st&ouml;&szlig;t man auf manche h&uuml;bsche,
-vor der H&uuml;ttenth&uuml;r spinnende Dirne, mit ihren gl&auml;nzenden
-Augen und wohlgeordneten Flechten, w&auml;hrend die
-j&uuml;ngeren M&auml;dchen auf dem gr&uuml;nen Schwaden oder der
-Hausschwelle sitzen und stricken und lustig wie die V&ouml;glein
-bei ihrer Arbeit singen.</p>
-
-<p>Die gro&szlig;en Spinnr&auml;der, welche hier zu Lande zum
-Spinnen der Wolle &uuml;blich sind, haben etwas sehr Malerisches,
-und wenn die canadischen M&auml;dchen auf gef&auml;llige
-Haltung des K&ouml;rpers und zierliche Bewegungen bedacht
-w&auml;ren, so k&ouml;nnte nichts geeigneter sein, eine sch&ouml;ne K&ouml;rperform
-in vortheilhaftestem Lichte zu zeigen, als das Spinnen
-mit diesem Rade. Die Spinnerin sitzt nicht, sondern
-geht hin und her, zieht das Garn mit der einen Hand
-aus und dreht mit der andern das Rad.</p>
-
-<p>Ich bemerkte oft, wenn wir an den Meier-H&uuml;tten
- <span class="pagenum"><a id="Page_p051">[S. 51]</a></span>
-vor&uuml;ber kamen, Garn von verschiedner Farbe an den
-Einfriedigungen der G&auml;rten und Obstpflanzungen zum
-Trocknen aufgeh&auml;ngt, allerlei Farben: Gr&uuml;n, Blau, Purpur,
-Braun, Roth und Wei&szlig; wechselten mit einander
-ab. Eine artige Wirthin, vor deren Schenke wir hielten,
-um die Pferde zu wechseln, sagte mir, da&szlig; dieses Garn
-erst gesponnen und nachmals von den Hausfrauen, bevor
-es auf den Webestuhl komme, gef&auml;rbt werde. Sie
-zeigte mir einige Proben von dergleichen haussponnenen
-Zeugen, die sich in der That nicht &uuml;bel ausnahmen.
-Die Farbe war ein mattes Dunkelbraun, und die Wolle
-r&uuml;hrte von einer schwarzen Schaf-Gattung her. Diese
-Zeuge werden auf verschiedne Weise f&uuml;r den Familien-Bedarf
-verwendet.</p>
-
-<p>&raquo;Jede kleine Hausst&auml;tte, die Sie sehen,&laquo; belehrte
-sie mich, &raquo;hat ihren Antheil Land und mithin auch ihre
-Schaf-Heerde; und da die Kinder sehr fr&uuml;hzeitig spinnen,
-stricken und das Garn f&auml;rben lernen, so sind die Aeltern
-auch im Stande, sich und ihre kleine Familie stets gut
-und bequem zu bekleiden.</p>
-
-<p>Viele von eben diesen Meiereien, die jetzt einen so
-gedeihlichen Zustand zeigen, waren noch vor drei&szlig;ig Jahren
-Wildnisse, indianische Jagd-Reviere; &mdash; die Betriebsamkeit
-und der Flei&szlig; der Ansiedler, und darunter mancher
-armen Leute, die in ihrer Heimath keine Ruthe eignes
-Land besa&szlig;en, haben diese Ver&auml;nderungen bewirkt.&laquo;</p>
-
-<p>Die Gedanken-Folge, welche die Worte dieser guten
-Frau in mir veranla&szlig;ten, war eine sehr erfreuliche. &raquo;Wir
-sind,&laquo; dachte ich, &raquo;ebenfalls im Begriff, uncultivirtes Land
-zu kaufen, und sollten wir nicht mit der Zeit unsre zuk&uuml;nftige
-Meierei diesen fruchtbaren St&auml;tten gleichen sehen.
-Gewi&szlig; ist es ein gesegnetes gl&uuml;ckliches Land, in das wir
-ausgewandert sind, sprach ich bei mir, in Verfolgung der
-angenehmen Idee, &raquo;ein Land, wo jede H&uuml;tte Ueberflu&szlig;
-an den Bequemlichkeiten und n&ouml;thigen Erfordernissen des
-Lebens hat.&laquo;</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p052">[S. 52]</a></span></p>
-
-<p>Ich &uuml;bersah vielleicht zu dieser Zeit die M&uuml;he, die Beschwerden,
-die Entbehrungen, denen diese Ansiedler, als sie zuerst
-hier angelangt, ausgesetzt gewesen waren. Ich sah das
-Land blos im Geiste, wie es nach einer ziemlichen Reihe von
-Jahren und unter einem hohen Cultur-Zustande erscheinen
-d&uuml;rfte; vielleicht in den H&auml;nden ihrer Kinder oder ihrer Kindes
-Kinder, nachdem die von Arbeit und M&uuml;hseligkeiten aufgeriebnen
-Aeltern schon l&auml;ngst schlafen gegangen waren.</p>
-
-<p>Unter andern Gegenst&auml;nden wurde meine Aufmerksamkeit
-durch offne Begr&auml;bni&szlig;pl&auml;tze an der Stra&szlig;e in
-Anspruch genommen. Freundliche gr&uuml;ne H&uuml;gel, von Wald-
-und andern h&uuml;bschen B&auml;umen umgeben, enthielten die
-Gr&auml;ber einer Familie und vielleicht einiger theuren
-Freunde, die ruhig unter dem Rasen neben ihr schlummerten.
-Mochte auch der Boden nicht geweiht sein, so
-war er doch durch die Thr&auml;nen und Gebete von Aeltern
-und Kindern geheiligt.</p>
-
-<p>Diese Familien-Gr&auml;ber wurden mir noch interessanter,
-als ich erfuhr, da&szlig;, wenn eine Meierei von einem
-Fremden k&auml;uflich in Beschlag genommen wird, der fr&uuml;here
-Besitzer sich in der Regel das Recht ausbedingt, seine
-Todten auf dem dazu geh&ouml;rigen Begr&auml;bni&szlig;platze beerdigen
-zu d&uuml;rfen.</p>
-
-<p>Sie m&uuml;ssen Nachsicht mit mir haben, Beste Mutter,
-wenn ich gelegentlich bei Kleinigkeiten verweile. F&uuml;r mich
-ist nichts ohne Interesse, was das Gepr&auml;ge der Neuheit
-an sich tr&auml;gt. Selbst die Lehm-Oefen, welche auf vier
-Beinen in geringer Entfernung von den H&auml;usern stehen,
-blieben im Vorbeifahren nicht unbemerkt von mir. Fehlt
-es an einem dergleichen Ofen vor dem Hause, so wird
-das Brod in gro&szlig;en eisernen Bottigen oder T&ouml;pfen, sogenannten
-Back-Kesseln (<em class="antiqua">Bake-kettles</em>) gebacken. Ich
-habe bereits ein Brod, so dick wie ein Scheffel-Maa&szlig;,
-auf dem Heerde in einem solchen Kessel backen sehen, und
-auch davon gekostet; allein ich glaube, der eingesperrte
-Dampf giebt dem Brode einen etwas eigenth&uuml;mlichen
- <span class="pagenum"><a id="Page_p053">[S. 53]</a></span>
-Geschmack, den man an den in Ziegel- oder Lehm-Oefen
-gebacknen Broden nicht wahrnimmt. Anfangs konnte
-ich aus diesen, auf vier F&uuml;&szlig;en ruhenden, seltsam aussehenden
-kleinen runden Geb&auml;uden nicht recht klug werden,
-ich hielt sie f&uuml;r Bienen-St&ouml;cke, bis ich eine Bauersfrau
-einige noch kochendhei&szlig;e Brode aus einem solchen Ofen,
-der ein unbebautes Fleckchen auf der Stra&szlig;en-Seite, etwa
-funfzig Schritt von der H&uuml;tte entfernt, einnahm, herauslangen
-sah.</p>
-
-<p>Au&szlig;er den Oefen hat jedes Haus einen Ziehbrunnen,
-ganz in der N&auml;he. Diese Brunnen wichen in der
-Einrichtung zum Emporheben des Wassers von denen
-ab, die ich in England gesehen. Der Plan ist sehr einfach:
-&mdash; eine lange Stange, auf einem Pfahle spielend,
-dient als Hebel zum Heraufziehen des Eimers, und das
-Wasser kann so von einem Kinde mit leichter M&uuml;he emporgehoben
-werden. Diese Methode ziehen einige sowohl
-dem Seil als der Kette vor; sie kann von Jedermann ins
-Werk gesetzt werden, es bedarf nur der Befestigung und
-Verbindung der Stangen. Ich erw&auml;hne dies blos, als
-Beispiel von dem Erfindungsgeist der Bewohner des
-Landes, um nur zu zeigen, wie angemessen ihre Verfahrungsweisen
-ihren Mitteln sind<a id="FNanchor_11_11"></a><a href="#Footnote_11_11" class="fnanchor">[11]</a>.</p>
-
-<p>Die pr&auml;chtige Erscheinung der Stromschnellen des
-St. Laurence, bei dessen Cascade die Stra&szlig;e auf der H&ouml;he
-des Ufers eine sch&ouml;ne Aussicht beherrscht, erfreute uns in
-hohem Grade. Ein Versuch von mir, Ihnen diese gro&szlig;en,
-in wildem Aufruhr begriffnen Wasserschichten, welche hier
-vor&uuml;berbrausen, zu schildern, w&uuml;rde weit hinter der Wirklichkeit
-zur&uuml;ck bleiben. <em class="gesperrt">Harrison</em> hat diese Scene in
-seinem Werke &uuml;ber Ober-Canada, welches Ihnen, meines
-Wissens, wohl bekannt ist, sehr genau geschildert. Ich
- <span class="pagenum"><a id="Page_p054">[S. 54]</a></span>
-bedauerte nur, da&szlig; wir nicht einige Zeit weilen konnten,
-um unsre Augen an einem so gro&szlig;artigen und wildem Schauspiel
-zu weiden, wie es der Flu&szlig; hier darbietet; aber ein
-canadischer Postwagen wartet auf Niemand, und so mu&szlig;ten
-wir uns mit einem fl&uuml;chtigen Anblick dieser ber&uuml;hmten
-Stromschnellen begn&uuml;gen.</p>
-
-<p>Wir schifften uns zu Couteau du Lac ein und erreichten
-Cornwall sp&auml;t an demselben Abend. Einige von
-den Postwagen gehen des Nachts ab; allein ich war zu
-erm&uuml;det, um diesen Abend eine Reise von neunundvierzig
-(englischen) Meilen auf canadischen Stra&szlig;en antreten
-zu k&ouml;nnen. Unserm Beispiel folgte eine verwittwete
-Dame mit ihrer kleinen Familie.</p>
-
-<p>Es hielt etwas schwer, eine Herberge f&uuml;r die Nacht
-zu finden, die Gasth&ouml;fe waren mit Reisenden gef&uuml;llt; hier
-erfuhren wir zum erstenmal etwas von jenem, dem Amerikaner,
-jedoch ohne Zweifel zu allgemein, zur Last gelegten
-tadelnsw&uuml;rdigen Benehmen. Unser Wirth schien im Betreff
-der Bequemlichkeit seiner G&auml;ste vollkommen gleichg&uuml;ltig,
-sie mu&szlig;ten entweder sich selbst bedienen, oder ihre
-Bed&uuml;rfnisse blieben unbefriedigt. Der Mangel an weiblicher
-Bedienung in diesen Anstalten ist f&uuml;r reisende Damen
-&auml;u&szlig;erst f&uuml;hlbar und verdrie&szlig;lich. Die Weiber lassen
-sich gar nicht sehen, oder behandeln die fremden G&auml;ste
-mit einer K&auml;lte und Gleichg&uuml;ltigkeit, da&szlig; man mit ihren
-Diensten eben nicht zufrieden sein kann.</p>
-
-<p>Nachdem es mir, nicht ohne Schwierigkeit, gegl&uuml;ckt
-war, der Wirthin des Gasthauses zu Cornwall ansichtig
-zu werden, bat ich sie, mir ein Zimmer anzuweisen,
-wo wir &uuml;bernachten k&ouml;nnten, sie that dies, aber mit
-einer h&ouml;chst ungef&auml;lligen Miene, indem sie auf eine Th&uuml;r
-deutete, die sich in ein kleines K&auml;fter &ouml;ffnete, das ein
-Bett ohne Vorh&auml;nge, einen Stuhl aber keinen Waschtisch
-enthielt. Da sie meinen Verdru&szlig; bei Erblickung
-dieses ungastlichen Schlafgemachs wahrnahm, bemerkte
-sie ganz lakonisch, da&szlig; ich keine Wahl h&auml;tte, ich m&uuml;&szlig;te
- <span class="pagenum"><a id="Page_p055">[S. 55]</a></span>
-es denn vorziehen, in einem Zimmer mit vier Betten zu
-schlafen, wovon bereits drei &mdash; und zwar von M&auml;nnern,
-in Beschlag genommen waren. Diese Alternative lehnte
-ich etwas unwillig ab und zog mich in eben nicht besondrer
-Laune in das mir angewiesne Schlafgemach zur&uuml;ck,
-wo unwillkommne Bettbewohner die ganze Nacht
-hindurch uns hinderten, unsre m&uuml;den Augenlider zu
-schlie&szlig;en.</p>
-
-<p>Wir nahmen ein zeitiges und hastiges Fr&uuml;hst&uuml;ck
-ein und traten unsre Reise wieder an. Diesmal bestand
-die Reisegesellschaft aus meiner Wenigkeit, meinem Gatten,
-einer Dame nebst Gemahl, drei kleinen Kindern
-und einem einmonatlichen S&auml;ugling, die insgesammt, vom
-Aeltesten bis zum J&uuml;ngsten, am Keuchhusten litten;
-zwei gro&szlig;en cumberl&auml;ndischen Bergleuten und einem franz&ouml;sischen
-Lootsen nebst seinem Begleiter; &mdash; letztrer war ein
-gro&szlig;es, amphibienartig aussehendes Ungeheuer, das in den
-Wagen sprang und sich in eine Ecke quetschte, indem es
-dem Postillion, der damit einverstanden war, und alle Gegenvorstellungen
-gegen dieses unerwartete Eindr&auml;ngen unbeachtet
-lie&szlig;, auf eine comische Weise angreinte; der Postillion
-schwang seine Peitsche mit gewaltigem Knall, womit zwei
-reisende Amerikaner, die zu beiden Seiten der Gasthofth&uuml;r
-standen, nicht eben zufrieden zu sein schienen;
-diese Herren hatten ihre H&uuml;te weder in den H&auml;nden, noch
-zur Zeit auf dem Kopfe, sondern sie trugen dieselben an
-einem um einen Westenknopf geschlungenen Bande, so
-da&szlig; sie ziemlich unter den Arm hingen. Diese Mode
-habe ich seitdem &ouml;fter beobachtet und glaube, da&szlig;, wenn
-<em class="gesperrt">Johnny Gilpin</em> die n&auml;mliche weise Vorsicht angewendet,
-er sowohl seinen Hut als seine Per&uuml;cke gerettet
-haben w&uuml;rde.</p>
-
-<p>Die Reise dieses Tages war f&uuml;r mich schrecklich erm&uuml;dend,
-ich wurde buchst&auml;blich braun und blau gequetscht
-und gesto&szlig;en. Die ausnehmend gro&szlig;e Hitze machte uns
-sehr viel zu schaffen, und wir h&auml;tten die Gesellschaft von
- <span class="pagenum"><a id="Page_p056">[S. 56]</a></span>
-zwei unsrer massiven Reisegef&auml;hrten mit wahrem Vergn&uuml;gen
-entbehrt.</p>
-
-<p>Abends um f&uuml;nf Uhr desselben Nachmittags erreichten
-wir Prescott, wo wir im Gasthause eine gute Aufnahme
-fanden; die weiblichen Dienstboten waren s&auml;mmtlich
-Engl&auml;nderinnen und schienen in Aufmerksamkeit gegen
-uns mit einander zu wetteifern.</p>
-
-<p>In der Stadt Prescott sahen wir wenig, was uns
-h&auml;tte interessiren oder gefallen k&ouml;nnen. Nach einem trefflichen
-Fr&uuml;hst&uuml;ck, schifften wir uns an Bord des <em class="gesperrt">Great
-Britain</em> (Gro&szlig;britanien) ein, es war das sch&ouml;nste
-Dampfboot, welches mir bis jetzt zu Gesicht gekommen,
-und hier gesellten sich unsre neuen Freunde zu uns, was
-uns gro&szlig;e Freude machte.</p>
-
-<p>Zu Brockville trafen wir gerade zu rechter Zeit ein,
-um ein Schiff von Stapel laufen zu sehn, &mdash; f&uuml;r mich
-ein ganz neuer Anblick. Es war ein &auml;u&szlig;erst lebhaftes
-erfreuliches Schauspiel. Die Sonne schien in vollem
-Glanze auf die herbeistr&ouml;mende Menge, die sich in ihrem
-Sonntagsstaate nach dem Ufer dr&auml;ngte; die Kirchenglocken
-t&ouml;nten lustig darein und vermischten ihr Gel&auml;ute mit
-der Musik vom Deck des bunt bemalten Fahrzeugs, das
-mit seinen im Winde flatternden Wimpeln und ausgespannten
-Segeln und einer wohlgekleideten Gesellschaft
-an Bord, vom Stapel zu laufen im Begriff war.</p>
-
-<p>Um die Wirkung noch zu erh&ouml;hen, wurde von einem
-einstweiligen, f&uuml;r diese Gelegenheit auf einem kleinen Felsen-Eiland
-vor der Stadt errichteten Castell eine Salve
-gegeben. Der Schoner (ein zweimastiges Fahrzeug) glitt
-stattlich ins Wasser und empfing so zu sagen mit Freuden
-die Umarmung des Elements, welches ihm zuk&uuml;nftig
-unterworfen sein sollte. Es war ein h&ouml;chst interessanter
-Moment. Der neue stattliche Schwimmer
-wurde mit drei Hurrahs von der Schiffsgesellschaft des
-Great Britain, einer Salve vom kleinen Castell und dem
-fr&ouml;hlichen Gel&auml;ute der Glocken begr&uuml;&szlig;t; letztre ert&ouml;nten
- <span class="pagenum"><a id="Page_p057">[S. 57]</a></span>
-zugleich zu Ehren einer h&uuml;bschen Braut, die, auf einer Lustreise
-nach den F&auml;llen des Niagara begriffen, mit ihrem
-Br&auml;utigam an Bord kam.</p>
-
-<p>Brockville liegt gerade an der M&uuml;ndung des Sees
-der tausend Inseln und gew&auml;hrt, vom Wasser aus gesehen,
-einen h&uuml;bschen Anblick. Die Stadt hat, wie man
-mir erz&auml;hlt, im Verlauf der letzten wenigen Jahre rei&szlig;end
-schnell an Gr&ouml;&szlig;e und Wohlstand zugenommen und scheint
-ein Platz von Wichtigkeit werden zu wollen.</p>
-
-<p>Die Ufer des St. Laurence werden, indem man zwischen
-den tausend Inseln vorw&auml;rts steuert, felsiger und malerischer,
-und die Inseln selbst bieten jede Abwechselung von
-Waldung und Gestein dar. Das Dampfschiff landete
-zur Einnahme von Brennholz in der N&auml;he eines kleinen
-Dorfes auf der amerikanischen Seite des Flusses, wo wir
-auch f&uuml;nfundzwanzig sch&ouml;ne Pferde, die in Cobourg und
-York zum Verkauf ausgeboten werden sollen, an Bord
-nahmen.</p>
-
-<p>In dem amerikanischen Dorfe selbst war nichts der
-Beobachtung Werthes zu sehen, ausgenommen eine Neuheit,
-die mich in der That belustigte; n&auml;mlich jedes Haus
-hatte sein eignes Model oder Ebenbild, ein kleines winziges
-H&auml;uschen von Holz, &mdash; nicht gr&ouml;&szlig;er und st&auml;rker als
-ein Puppenh&auml;uschen<a id="FNanchor_12_12"></a><a href="#Footnote_12_12" class="fnanchor">[12]</a>, (<em class="antiqua">a baby-house</em>) vorn am Dache
-oder Giebel-Ende befestigt. Wie ich nachmals von einem
-Herrn auf dem Schiffe erfuhr, waren diese Puppenh&auml;uschen,
-wie ich sie zu nennen beliebte, f&uuml;r die Schwalben
-zum Hineinnisten bestimmt<a id="FNanchor_13_13"></a><a href="#Footnote_13_13" class="fnanchor">[13]</a>.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p058"></a></span></p>
-
-<p>Es war Mitternacht, als wir vor Kingston
- <span class="pagenum"><a id="Page_p059"></a></span>
-vorbeisegelten und so sah ich nat&uuml;rlicher Weise nichts von diesem
- <span class="pagenum"><a id="Page_p060"></a></span>
-&raquo;Schl&uuml;ssel zu den Seen&laquo;<a id="FNanchor_14_14"></a><a href="#Footnote_14_14" class="fnanchor">[14]</a>, wie ich es habe nennen
-h&ouml;ren. Bei meinem Erwachen am n&auml;chsten Morgen glitt
-das Dampfschiff stattlich durch die Fluthen des Ontario,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p061">[S. 61]</a></span>
-und ich empfand eine leichte Anwandlung von Unp&auml;&szlig;lichkeit.</p>
-
-<p>Wenn das Wasser des Sees in Aufruhr ist, wie
-dies bisweilen bei heftigem Winde geschieht, so glaubt
-man sich auf ein sturmgepeitschtes Meer versetzt.</p>
-
-<p>Die Ufer des Ontario sind sehr sch&ouml;n, H&uuml;gel und
-Th&auml;ler, mit herrlichen Waldungen bekleidet oder durch
-Fleckchen angebauten Bodens und h&uuml;bsche Wohnh&auml;user
-belebt, wechseln in sanften Wellen-Linien mit einander
-ab. Um zehn Uhr erreichten wir Cobourg.</p>
-
-<p>Cobourg, wo wir uns gegenw&auml;rtig befinden, ist ein
-nett gebautes und bl&uuml;hendes St&auml;dtchen, das manche stattliche
-Vorraths-H&auml;user, M&uuml;hlen, eine Wechselbank und
-eine Druckerei enth&auml;lt, letztere giebt ein Wochenblatt heraus.
-Desgleichen findet man hier eine recht h&uuml;bsche
-Kirche und eine ausgew&auml;hlte Gesellschaft, da viele achtbare
-Familien in oder unweit der Stadt ihre Wohnung
-gew&auml;hlt haben.</p>
-
-<p>Morgen verlassen wir Cobourg und werden unsern
-Weg nach Peterborough nehmen, von wo aus ich wieder
-zu schreiben gedenke, um sie von unserm zuk&uuml;nftigen
-Abentheuern zu benachrichtigen, die wir wahrscheinlich an
-einem der kleinen Seen des Otanabee erfahren werden.</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<div class="block0">
-<div class="footnotes"><b>Fu&szlig;noten:</b>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_6_6"></a><a href="#FNanchor_6_6"><span class="label">[6]</span></a> Es sind seitdem einige treffliche Kais vollendet worden.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_7_7"></a><a href="#FNanchor_7_7"><span class="label">[7]</span></a> Dieser Graben ist seitdem &uuml;berw&ouml;lbt worden, es befindet
-sich jetzt ein Markt dar&uuml;ber.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_8_8"></a><a href="#FNanchor_8_8"><span class="label">[8]</span></a> Herr <em class="gesperrt">M'Gregor</em>, in seinem Brittischen Amerika, <em class="antiqua">vol.
-II. p. 504</em>, giebt uns von Montreal nachstehende Beschreibung:
-&mdash;
-</p>
-<p>&raquo;Zwischen dem K&ouml;niglichen Berge und dem Flusse, auf einer
-sanft aufsteigenden Felsen-Firste, steht die Stadt. Mit Einschlu&szlig;
-der Vorst&auml;dte ist sie von gr&ouml;&szlig;rer Ausdehnung als Quebek.
-Beide St&auml;dte weichen in ihrer Erscheinung sehr von einander
-ab; die niedrigen Ufer des St. Laurence zu Montreal entbehren
-der Grauen erregenden, sich &uuml;ber sie th&uuml;rmenden Klippen und
-all jener romantischen Erhabenheit, wodurch sich Quebek auszeichnet.
-</p>
-<p>&raquo;Montreal hat keine Kais, und die Schiffe und Dampfb&ouml;te
-liegen ruhig in ziemlich tiefem Wasser hart an dem lehmigen
-und im Allgemeinen kothigen Ufer der Stadt. Die
-ganze Unterstadt nehmen d&uuml;ster aussehende H&auml;user, mit dunkeln
-eisernen Fensterl&auml;den; und wenn sie auch im Ganzen etwas
-reinlicher ist als Quebek, so ist sie doch immer sehr schmutzig;
-die Stra&szlig;en sind eng und schlecht gepflastert, und die Fu&szlig;pfade
-durch schr&auml;g geneigte Kellerth&uuml;ren und andre Vorspr&uuml;nge
-unterbrochen.
-</p>
-<p>&raquo;Es ist unm&ouml;glich,&laquo; sagt Mr. <em class="gesperrt">Talbot</em> in seinen <em class="antiqua">Five
-Years, Residence</em>, &raquo;an einem Sonn- oder Festtage die Stra&szlig;en
-von Montreal zu durchwandern, ohne da&szlig; man die d&uuml;stersten
-Eindr&uuml;cke erhielte; die ganze Stadt erscheint wie ein gro&szlig;es
-Gef&auml;ngni&szlig;;&laquo; er spielt hier auf die eisernen Fensterladen und Au&szlig;enth&uuml;ren
-an, von welchen man Gebrauch macht, um den Wirkungen
-von Feuersbr&uuml;nsten zu begegnen.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_9_9"></a><a href="#FNanchor_9_9"><span class="label">[9]</span></a> Dies ist noch nicht eins der vornehmsten Hotels, in letztern
-betr&auml;gt der Preis f&uuml;r Kost und Logis t&auml;glich anderthalb
-Dollar.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_10_10"></a><a href="#FNanchor_10_10"><span class="label">[10]</span></a> Bei den Amerikanern hei&szlig;t sie <em class="antiqua">the life-everlasting</em>.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_11_11"></a><a href="#FNanchor_11_11"><span class="label">[11]</span></a> Diese Brunnen sind keineswegs die Erfindung jener Ansiedler,
-man sieht dergleichen fast &uuml;berall in Europa; in Deutschland
-kommen sie h&auml;ufig auf den D&ouml;rfern vor.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_12_12"></a><a href="#FNanchor_12_12"><span class="label">[12]</span></a> <em class="antiqua">a doll-house.</em></p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_13_13"></a><a href="#FNanchor_13_13"><span class="label">[13]</span></a>
-Wir finden in <em class="gesperrt">Rennie's</em> Baukunst der V&ouml;gel, (Leipzig
-Baumg&auml;rtners Buchhandlung) &auml;hnliche Bemerkungen. So
-liest man Seite 122: die Anglo-Amerikaner bedienen sich verschiedner
-Mittel, um die V&ouml;gel zum Nisten in der N&auml;he ihrer
-Wohnungen zu bestimmen, und weil sie die Scheunen- oder
-Bodenschwalbe (<em class="antiqua"><em class="gesperrt">Hirundo rufa, Gmelin</em></em>), vorz&uuml;glich lieben,
-so stellen sie Schachteln auf, damit sie hinein niste. Diese Species
-unterscheidet sich betr&auml;chtlich von unsrer Rauchschwalbe
-(<em class="antiqua"><em class="gesperrt">Hirundo rustica</em></em>); am Bauche, wo die unsrige rein wei&szlig;
-ist, ist ihr Gefieder hell kastanienfarben, im Nisten hat sie mit
-der unsrigen Aehnlichkeit, nur da&szlig; sie nicht in Schornsteine baut,
-sondern ihr Nest an Sparren oder Querbalken von Schuppen,
-Scheunen und andern Nebengeb&auml;uden befestigt.</p>
-
-<p>Ferner Seite 364: In Nordamerika, wo man bem&uuml;ht ist,
-die l&auml;ndlichen Vergn&uuml;gungen eines kurzen Sommers so sehr als
-m&ouml;glich zu vermehren, sucht man mehr als eine Species
-durch alle nur m&ouml;gliche Mittel zum Nisten in der N&auml;he
-der H&auml;user zu bewegen. Unter den halb zahmen V&ouml;geln sind
-der Haus-Zaunk&ouml;nig, der blaue Vogel und die Purpur-Schwalbe
-die bekanntesten. Die zuletzt erw&auml;hnte (<em class="antiqua"><em class="gesperrt">Hirundo purpurea,
-Latham</em></em>) ist gleich unsrer Fensterschwalbe ein Zugvogel, und
-sie w&auml;hlt ihren Sommeraufenthalt stets mitten unter den Wohnungen
-des Menschen, welcher, da ihm ihre Gesellschaft gro&szlig;en
-Vortheil und zugleich Vergn&uuml;gen schafft, in der Regel ihr Freund
-und Besch&uuml;tzer ist. Daher ist sie ziemlich gewi&szlig;, bei ihrer Ankunft
-eine gastliche, zu ihrer Bequemlichkeit und zur Aufnahme
-ihrer Familie geh&ouml;rig eingerichtete Wohnst&auml;tte, entweder in der
-vorspringenden h&ouml;lzernen Kranzleiste, auf dem Dachgiebel oder
-auf der Grenzs&auml;ule, oder, wenn diese fehlen sollten, auf dem
-Taubenschlage mitten unter den Tauben zu finden; und wenn
-sie einen besondern Winkel auf dem letzteren w&auml;hlt, so darf es
-keine Taube wagen, einen Fu&szlig; in ihr Gebieht zu setzen. Einige
-unter den Anglo-Amerikanern haben f&uuml;r diese V&ouml;gel gro&szlig;e Anstalten
-einrichten lassen, welche in zahlreichen Gem&auml;chern bestehen,
-die zum gr&ouml;&szlig;ten Theil jedes Fr&uuml;hjahr in Besitz genommen
-werden; man hat die Beobachtung gemacht, da&szlig; in solchen
-Schwalbenansiedlungen einzelne V&ouml;gel mehre Jahre nach einander
-immer wieder von der n&auml;mlichen Schachtel Gebrauch gemacht
-haben.</p>
-
-<p>Das eben erw&auml;hnte Verfahren, die Purpurschwalbe zu hegen
-und zu besch&uuml;tzen, scheint nicht aus Europa zu stammen, da
-die Eingebornen von Amerika seit undenklichen Zeiten eine &auml;hnliche
-Methode befolgt haben. Die Chactaw und Chickasaw Indianer
-z. B. stutzen s&auml;mmtliche Gipfel&auml;ste eines jungen B&auml;umchens
-in der N&auml;he ihrer H&uuml;tten ab und lassen die Zinken ein
-oder zwei Fu&szlig; lang, an deren jedem sie einen hohlen K&uuml;rbis oder
-eine Calabasse aufh&auml;ngen, die geh&ouml;rig ausgeh&ouml;hlt ist, so da&szlig;
-die V&ouml;gel bequem darin nisten k&ouml;nnen. In gleicher Absicht
-steckt man an den Ufern des Mississippi lange St&ouml;cke in den
-Boden, an deren Spitze ebenfalls Calabassen befestigt werden,
-und worin die Purpurschwalben in der Regel ihre Eier ausbr&uuml;ten.
-&raquo;Ueberall, wo mich meine Reisen in diesem Lande hinf&uuml;hrten,&laquo; sagt
-<em class="gesperrt">Wilson</em>, &raquo;habe ich mit Vergn&uuml;gen die Gastfreundschaft beobachtet,
-womit die Einwohner diesen Lieblingsvogel empfangen.&laquo;
-Folgenden kleinen Zug aus der Oekonomie der Purpurschwalbe
-hat Mr. <em class="gesperrt">Henry</em>, Mitglied des obersten Gerichtshofes in Pensylvanien,
-erz&auml;hlt.
-</p>
-<p>&raquo;Im Jahr 1800,&laquo; sagt derselbe, &raquo;zog ich mich von Lancaster
-nach einer Meierei einige englische Meilen &uuml;ber Harrisburgh
-zur&uuml;ck. Da ich wohl mit den Vortheilen bekannt war,
-welche der Pachter oder Landmann von der Nachbarschaft der
-Purpurschwalbe zieht, indem sie die R&auml;ubereien des wei&szlig;k&ouml;pfigen
-Adlers, der Habichte und selbst der Kr&auml;hen verhindert, so
-erhielt ein f&uuml;r mich arbeitender Zimmermann den Auftrag, einen
-gro&szlig;en Kasten mit mehren F&auml;chern f&uuml;r diese V&ouml;gel zu
-machen. Der Kasten wurde im Herbste aufgestellt. In der
-N&auml;he des Hauses und um dasselbe standen eine Anzahl sch&ouml;n
-gewachsener Aepfelb&auml;ume und vieles Strauchwerk, ein sehr bequemer
-Aufenthalt f&uuml;r V&ouml;gel. Gegen die Mitte des Februar
-kamen die blauen V&ouml;gel an; diese wurden in kurzer Zeit sehr
-zutraulich und nahmen Besitz von dem Kasten: es waren zwei
-bis drei P&auml;rchen. Mit dem funfzehnten Mai hatten die blauen
-V&ouml;gel Eier, wo nicht gar Junge. Nun aber trafen die Purpurschwalben
-in Schaaren ein, begaben sich in den Kasten, und
-es erfolgte ein heftiger Kampf. Die blauen V&ouml;gel, wie es
-scheint, durch ihr Eigenthumsrecht ermuthigt, oder, weil es
-der Besch&uuml;tzung ihrer Jungen galt, blieben Sieger.
-</p>
-<p>Die Schwalben kamen w&auml;hrend der acht folgenden Jahre regelm&auml;&szlig;ig
-in der Mitte des Mai an, untersuchten die Gem&auml;cher des
-Kastens in Abwesenheit der blauen V&ouml;gel, wurden aber durch die
-R&uuml;ckkehr der letzteren jedesmal zur Flucht gen&ouml;thigt. Die M&uuml;he,
-welche Ihnen die Durchlesung dieser Bemerkungen verursachen
-d&uuml;rfte, m&uuml;ssen sie auf Rechnung der Schwalben setzen. Ein
-Kasten, mit diesen sch&ouml;nen Wandrern angef&uuml;llt, befindet sich
-jetzt zum Haupte meines Bettes. Ihre T&ouml;ne scheinen unharmonisch
-wegen ihrer gro&szlig;en Anzahl; inde&szlig; sind sie mir angenehm.
-Der betriebsame Pachter und Handwerker w&uuml;rde wohl thun, einen
-Kasten mit diesen V&ouml;geln in der N&auml;he der Schlafgem&auml;cher
-seiner tr&auml;gen Leute anzubringen. Gleich mit Anbruch des
-Tages beginnt die Purpurschwalbe ihr Gezwitscher, welches eine
-halbe Minute oder auch etwas l&auml;nger dauert; worauf es wieder
-still wird, bis die D&auml;mmerung v&ouml;llig vor&uuml;ber ist. Nunmehr
-folgt ein lebhaftes und unaufh&ouml;rliches Gezwitscher, hinreichend,
-selbst die schlaftrunkenste Person aus dem Schlummer zu
-wecken. Vielleicht &uuml;bertrifft sie nicht einmal der Haushahn in
-dieser guten Eigenschaft; auch steht er in dem Verm&ouml;gen, Raubv&ouml;gel
-abzuhalten, der Purpuerschwalbe bei weitem nach.&laquo;
-</p>
-<p>&raquo;Gegen die Mitte des April oder ungef&auml;hr am zwanzigsten
-Tage dieses Monats,&laquo; f&uuml;gt <em class="gesperrt">Wilson</em> hinzu, &raquo;trifft die Purpurschwalbe
-die ersten Vorbereitungen zu ihrem Neste. Das
-letzte, welches ich untersucht habe, bestand aus den welken Bl&auml;ttern
-der Thr&auml;nenweide, d&uuml;nnen Strohhalmen, Heu und Federn
-in betr&auml;chtlicher Menge. Es lagen vier Eier darin, die im Verh&auml;ltni&szlig;
-zum Vogel sehr klein, von Farbe rein wei&szlig; und ohne
-die geringsten Flecke waren. Die erste Brut erscheint im Mai,
-die zweite sp&auml;t im Juni. W&auml;hrend der Periode, in welcher das
-Weibchen legt, und vor dem Br&uuml;ten sind beide V&ouml;gel den gr&ouml;&szlig;ten
-Theil des Tages vom Neste entfernt. W&auml;hrend des Sitzens
-wird das Weibchen h&auml;ufig vom M&auml;nnchen besucht, welches letztere
-sich ebenfalls auf die Eier setzt, wenn das erstere zur Erholung
-ausfliegt. Oft bringt das M&auml;nnchen auf eine Viertelstunde
-im Neste neben dem Weibchen zu, und wird w&auml;hrend
-des Br&uuml;tens ganz heimisch und zahm. Es sitzt an der Au&szlig;enseite,
-putzt und ordnet sein Gefieder und begiebt sich gelegentlich
-an die Th&uuml;r des Gemachs, gleichsam, als ob es sich
-nach dem Befinden der Gattin erkundigen wollte. Seine T&ouml;ne
-scheinen in dieser Zeit eine besondere Sanftheit anzunehmen, und
-seine Gl&uuml;ckw&uuml;nsche dr&uuml;cken einen hohen Grad von Z&auml;rtlichkeit
-aus. Eheliche Treue, selbst wenn viele P&auml;rchen zusammen
-wohnen, scheint gewissenhaft von diesen V&ouml;geln beobachtet zu
-werden. Am 25. Mai nahm ein Purpurschwalben-P&auml;rchen
-von einem Kasten in Mr. <em class="gesperrt">Bartram's</em> Garten Besitz. Einen
-oder zwei Tage darauf erschien ein zweites Weibchen und verweilte
-mehre Tage; allein, wegen der kalten Aufnahme, die
-es fand, indem es h&auml;ufig vom M&auml;nnchen vertrieben wurde, verlie&szlig;
-es endlich diesen Ort und machte sich auf den Weg,
-wahrscheinlich um einen geselligeren Gef&auml;hrten aufzusuchen.&laquo;</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a name="Footnote_14_14" id="Footnote_14_14"></a><a href="#FNanchor_14_14"><span class="label">[14]</span></a> &raquo;<em class="antiqua">Key to the lakes.</em>&laquo;</p>
-</div>
-</div>
-</div> <!-- block0 -->
-
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p062">[S. 62]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="no-break" id="Funfter_Brief">F&uuml;nfter Brief.</h2>
-</div>
-
-<blockquote>
-<p class="p1 font09">Reise von Cobourg nach Amherst. &mdash; Schwierigkeiten, denen
-man bei seiner ersten Ansiedelung in den Urw&auml;ldern zu begegnen
-hat. &mdash; Erscheinung des Landes. &mdash; Reis-See. &mdash; Indianische
-Lebensweise und Gebr&auml;uche. &mdash; Fahrt den Otanabee
-hinauf. &mdash; Log-Haus (<em class="antiqua">Log-house</em>) und seine Inhaber. &mdash;
-Passagier-Boot. &mdash; Fu&szlig;reise nach Peterborough.</p>
-</blockquote>
-
-<p class="p2 rright font09">
-Peterborough; Newcastle Distrikt;<br />
-den 9. Septbr. 1832.<br />
-</p>
-
-<p>Wir verlie&szlig;en Cobourg, am Nachmittag des ersten
-Septembers in einem leichten, recht bequem f&uuml;r die Passagiere
-mit B&uuml;ffelfellen ausgekleideten Wagen. Unsre
-Reise-Genossen waren drei Herrn und eine junge Dame,
-insgesammt recht angenehme Gesellschafter, und bereit, uns
-jede Auskunft &uuml;ber die Gegend zu geben, durch welche
-unser Weg f&uuml;hrte; der Nachmittag war einer von jenen
-ruhigen und heitern, dergleichen man in der ersten H&auml;lfte
-des Septembers h&auml;ufig zu erfahren pflegt. Die gl&uuml;henden
-Herbst-Farben zeigten sich bereits an den Waldb&auml;umen,
-sprachen aber mehr von Reife als Verfall. Die Gegend
-um Cobourg her ist gut angebaut, ein gro&szlig;er Theil der
-Waldung ist gelichtet, und an seine Stelle sind offne Felder,
-angenehme Meiereien und sch&ouml;ne, gut gedeihende Obstpflanzungen
-mit gr&uuml;nen, von feistem Vieh wimmelnden
-Weide-Pl&auml;tzen getreten.</p>
-
-<p>Das Gef&auml;ngni&szlig; nebst dem Gerichtshof zu Amherst,
-etwa anderthalbe englische Meile von Cobourg, ist ein
- <span class="pagenum"><a id="Page_p063">[S. 63]</a></span>
-h&uuml;bsches steinernes Geb&auml;ude, und auf einer Anh&ouml;he gelegen,
-welche eine pr&auml;chtige Aussicht auf den See Ontario
-und die umgebende Scenerei beherrscht. In demselben
-Verh&auml;ltni&szlig; als man weiter landeinw&auml;rts kommt,
-in der Richtung der Hamilton- oder Reis-See-Ebnen,
-erhebt und senkt sich das Land zu k&uuml;hnen langgedehnten
-H&uuml;geln und Th&auml;lern.</p>
-
-<p>Die Umrisse der Gegend erinnerten mich an den bergigen
-Theil von Gloucestershire; inde&szlig; vermi&szlig;t man den
-Reiz, womit die Civilisirung diese sch&ouml;ne Landschaft in
-so vorz&uuml;glichem Grade geschm&uuml;ckt hat, man vermi&szlig;t ihre
-romantischen D&ouml;rfer, bl&uuml;henden St&auml;dte, weit gedehnten,
-mit Rinder- und Schafheerden bedeckten Auen. Hier
-strotzen die Berge von Eichen-, Buchen- und Ahorn-W&auml;ldern,
-mit hier und da eingestreuten dunkeln Fichten-Hainen,
-nur selten durch eine Ansiedelung mit ihren
-Log-H&auml;usern und zickzackartigen, von Holzscheiten gezimmerten
-Einfriedigungen unterbrochen und belebt: diese
-Einfriedigungen sind, beil&auml;ufig gesagt, sehr beleidigend f&uuml;r
-mein Auge. Ich sehe mich vergebens nach den reichen
-Laubhecken meines Vaterlandes um. Selbst die steinernen
-Einfriedigungen im Norden und Westen von England,
-so kalt und dunkel sie sind, erzeugen keinen so
-unangenehmen Eindruck auf den Beschauer. Die Ansiedler
-machen inde&szlig; unab&auml;nderlich von demjenigen Plan
-Gebrauch, wobei sie am meisten an Zeit, Arbeit und Geld
-ersparen. Das wichtige, durch Nothwendigkeit bedingte
-Gesetz, den k&uuml;rzesten Weg zur Erreichung des beabsichtigten
-Zwecks einzuschlagen, wird streng befolgt. Geschmackssachen
-scheinen wenig ber&uuml;cksichtigt zu werden, oder m&uuml;ssen
-wenigstens vor der Hand in den Hintergrund treten.</p>
-
-<p>Ich sah ein L&auml;cheln um den Mund meiner Reisegef&auml;hrten
-spielen, als sie unsre Projecte zur Versch&ouml;nerung
-unsrer k&uuml;nftigen Wohnst&auml;tte vernahmen.</p>
-
-<p>&raquo;Wenn Sie gesonnen sind, Ihre Wohnung in den
-Urw&auml;ldern aufzuschlagen,&laquo; sagte ein &auml;ltlicher Herr, der
- <span class="pagenum"><a id="Page_p064">[S. 64]</a></span>
-sich vor mehren Jahren im Lande angesiedelt, &raquo;so mu&szlig;
-Ihr Haus nothwendiger Weise ein aus Baumst&auml;mmen roh
-zusammengezimmertes Haus (<em class="antiqua">log-house</em>) sein, denn eine
-S&auml;gem&uuml;hle d&uuml;rften Sie schwerlich in der N&auml;he finden
-und au&szlig;erdem werden Sie in den ersten zwei oder drei
-Jahren so viel zu thun haben, und so vielen Hindernissen
-begegnen m&uuml;ssen, da&szlig; Sie schwerlich Gelegenheit
-haben werden, diese Versch&ouml;nerungen ins Werk zu setzen.&laquo;
-&raquo;Es giebt,&laquo; f&uuml;gte er mit einer Mischung von Ernst
-und guter Laune in seinem Gesicht hinzu, &raquo;ein Sprichwort,
-das ich als Knabe oft geh&ouml;rt habe; es lautet: <em class="gesperrt">erst
-kriechen, und dann gehen</em>&laquo;<a id="FNanchor_15_15"></a><a href="#Footnote_15_15" class="fnanchor">[15]</a>. &raquo;Es l&auml;&szlig;t sich hier
-zu Lande nicht alles so leicht bewerkstelligen als zu Hause,
-wovon Sie eine mehrw&ouml;chentliche Bekanntschaft mit dem
-<em class="gesperrt">Busch</em>, wie wir jedes nicht gelichtete Waldland nennen,
-bald &uuml;berzeugen wird. Nach Verlauf von f&uuml;nf Jahren
-d&uuml;rften Sie schon eher an dergleichen Versch&ouml;nerungen und
-Bequemlichkeiten denken und leichter beurtheilen k&ouml;nnen,
-was Sie vor sich haben.&laquo;</p>
-
-<p>&raquo;Ich glaubte,&laquo; war meine Erwiederung, &raquo;da&szlig; in
-diesem Lande alles sehr schnell und leicht von Statten
-gehe, ich erinnere mich genau, von H&auml;usern geh&ouml;rt zu
-haben, die in einem Tage erbaut worden.&laquo; Der alte
-Herr lachte.</p>
-
-<p>&raquo;Ja, ja,&laquo; sprach er, &raquo;Reisende finden es nicht schwer,
-ein Haus binnen zw&ouml;lf oder vierundzwanzig Stunden
-aufzubauen, und allerdings lassen sich die W&auml;nde in dieser,
-ja in noch weniger Zeit auff&uuml;hren; allein das Haus
-ist, wenn auch die Au&szlig;enw&auml;nde stehen, noch nicht fertig,
-wie dies Ihr Gemahl auf seine Kosten erfahren wird.&laquo;</p>
-
-<p>&raquo;Aber s&auml;mmtliche Werke &uuml;ber Auswanderung, die
-ich gelesen,&laquo; erwiederte ich, &raquo;geben ein so sch&ouml;nes und schmeichelndes
-Gem&auml;lde von dem Leben eines Ansiedlers; denn,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p065">[S. 65]</a></span>
-ihren Angaben gem&auml;&szlig;, lassen sich alle Schwierigkeiten
-leicht beseitigen.&laquo;</p>
-
-<p>&raquo;Weg mit den B&uuml;chern!&laquo; sagte mein Opponent
-&raquo;der eigne Verstand mu&szlig; hier entscheiden. Richten Sie
-Ihren Blick auf jene endlosen Waldungen, in die das
-Auge nur einige Schritte tief eindringen kann, und sagen
-Sie mir, ob Sie glauben, da&szlig; sich diese gewaltigen Baumst&auml;mme
-ohne Schwierigkeit wegr&auml;umen, g&auml;nzlich ausrotten,
-ja, ich m&ouml;chte sagen, vom Angesicht der Erde entfernen
-lassen; da&szlig; das Lichten und Reinigen des Bodens durch
-Feuer, die Anlage und Einfriedigung von Feldern, die
-Erbauung eines Obdachs keine M&uuml;he, Kosten und gro&szlig;e
-Arbeit verursachen werde? Sprechen Sie nur nicht von
-dem, was in B&uuml;chern steht, die h&auml;ufig von Stuben-Reisenden
-(<em class="antiqua">tarry at home-travellers</em>) geschrieben sind.
-Ich verlange Thatsachen. Die Erfahrungen eines einzigen
-aufrichtigen Emigranten sind mehr werth, als alles,
-was &uuml;ber den fraglichen Gegenstand zusammen geschrieben
-worden ist. Uebrigens darf man die einem Theil des
-Landes entsprechende Schilderung nicht auf alle anwenden.
-Die von Boden, Klima, Lage und Fortschritten in
-der Civilisirung abh&auml;ngigen Umst&auml;nde sind in verschiednen
-Distrikten sehr verschieden; selbst die Preise der G&uuml;ter
-und Producte, die Mieth-Preise und Arbeits-L&ouml;hne u. s. w.
-weichen, je nachdem man sich den St&auml;dten und M&auml;rkten
-n&auml;hert oder davon entfernt, betr&auml;chtlich von einander ab.&laquo;</p>
-
-<p>Ich f&uuml;hlte bald, da&szlig; mein Reisegef&auml;hrte richtig
-von einer Sache spreche, womit ihn eine dreizehnj&auml;hrige
-Erfahrung vollkommen vertraut gemacht hatte. Ich fing
-an, zu f&uuml;rchten, da&szlig; wir ebenfalls zu schmeichelhafte Ansichten
-von dem Leben eines Ansiedlers in den Urw&auml;ldern
-unterhalten. Die Zeit und unsre eigne pers&ouml;nliche Kenntni&szlig;
-wird der sicherste Pr&uuml;fstein sein, und diesem m&uuml;ssen
-wir uns anvertrauen. Der Mensch ist stets geneigt, das
-zu glauben, was er w&uuml;nscht.</p>
-
-<p>Ungef&auml;hr mittelwegs zwischen Cobourg und dem Reis-See
- <span class="pagenum"><a id="Page_p066">[S. 66]</a></span>
-liegt zwischen zwei steilen H&uuml;geln ein h&uuml;bsches Thal.
-Hier findet man einen guten Theil gelichteten Landes
-und eine Schenke: der Ort hei&szlig;t die &raquo;<em class="gesperrt">Kalte Quelle</em>&laquo;
-(<em class="antiqua">Cold Springs</em>). Wer wei&szlig;, ob derselbe nicht vielleicht schon
-nach einem oder zwei Jahrhunderten in einen Trink- und
-Bade-Ort f&uuml;r die feine Welt umgestaltet sein wird.
-Ein canadisches Bath oder Cheltenham<a id="FNanchor_16_16"></a><a href="#Footnote_16_16" class="fnanchor">[16]</a> d&uuml;rfte mit der
-Zeit hier entstehen, wo gegenw&auml;rtig die Natur in ihrer
-Wildni&szlig; schwelgt.</p>
-
-<p>Wir fuhren jetzt die geneigten Ebnen bergan, eine
-sch&ouml;ne strecke aufsteigenden Landes, mehre englische Meilen
-weit sp&auml;rlich mit Eichen und hier und da mit buschigen,
-weitspreizigen Tannen nebst andern B&auml;umen und
-Str&auml;uchern bekleidet. Der Boden ist an einigen Orten
-sandig, &uuml;berdies aber, wie man mir sagte, in verschiednen
-Theilen von sehr verschiedner Beschaffenheit und in gro&szlig;en
-Strecken mit reicher Weide bedeckt, welche den Viehheerden
-einen Ueberflu&szlig; an trefflichem Futter darbietet.
-Eine Menge vorz&uuml;glich sch&ouml;ner Blumen und Str&auml;ucher
-schm&uuml;cken diese Ebnen, welche sich w&auml;hrend der Fr&uuml;hlings-
-und Sommer-Monate jedem Garten in der Welt
-an die Seite stellen k&ouml;nnen. Manche von jenen Gew&auml;chsen
-geh&ouml;ren den Ebnen ausschlie&szlig;lich an und kommen
-selten in andern Lagen vor. Auch die B&auml;ume, obwohl
-nicht so gro&szlig; und gewaltig, wie die in den Forsten, sind
-malerisch; sie stehen in Gruppen oder einzeln, durch gro&szlig;e
-Zwischenr&auml;ume von einander abgesondert, und geben dem
-in Rede stehenden Theil des Landes ein parkartiges Ansehn.
-Die vorherrschende Meinung scheint zu sein, da&szlig;
-die Ebnen, zu Schweizereien und Viehz&uuml;chtereien angelegt,
-den Zwecken der Ansiedler vorz&uuml;glich entsprechen w&uuml;rden,
-indem es nicht an Land zur Erbauung von Weizen und
-Korn fehlt, der Boden mit geringen Kosten veredelt werden
-kann, und au&szlig;erdem Ueberflu&szlig; an nat&uuml;rlichen Vieh-Triften herrscht.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p067">[S. 67]</a></span></p>
-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/p067i.jpg" alt="Reis-Boden." />
- </div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p068"></a></span></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p069">[S. 69]</a></span></p>
-
-<p>Ein gro&szlig;er Vortheil scheint zu sein,
-da&szlig; der Pflug unmittelbar eingef&uuml;hrt werden kann, und
-die Vorbereitung des Bodens nothwendiger Weise weit
-weniger Arbeit erfordert, als da, wo derselbe &uuml;ber und
-&uuml;ber mit Wald bedeckt ist.</p>
-
-<p>Man trifft auf diesen Ebnen verschiedne Ansiedler,
-welche betr&auml;chtliche Meiereien besitzen. Die Lage, sollte
-ich meinen, mu&szlig; gesund und angenehm sein, Ersteres wegen
-der Erhabenheit und Trockenheit des Bodens; Letzteres
-wegen der sch&ouml;nen Aussicht, die sie auf das unter ihnen
-sich ausbreitende Land, besonders wo der Reis-See mit
-seinen mannigfaltigen Inseln und malerischen Ufern sichtbar
-ist, &mdash; darbieten. H&uuml;gel und Th&auml;ler wechseln auf
-eine angenehme Weise mit einander ab, und der Boden
-ist bald sanft geneigt, bald schroff, ja fast absch&uuml;ssig.</p>
-
-<p>Ein amerikanischer Pachter, der an unserm Fr&uuml;hst&uuml;ck
-am folgenden Morgen Theil nahm, erz&auml;hlte mir, da&szlig;
-diese Ebnen vormals ein ber&uuml;hmtes Jagdrevier der Indianer
-gewesen, die, um das Wachsthum der Waldb&auml;ume
-zu verhindern, dieselben von Jahr zu Jahr weggebrannt;
-hierdurch wurden im Verlauf der Zeit die jungen B&auml;ume
-vernichtet und konnten sich mithin nicht wieder in derselben
-Ausdehnung anh&auml;ufen wie fr&uuml;her. Es blieb nur
-so viel stehen, als zur Bildung von Dickichten hinreichte;
-denn in diesen w&auml;hlt das Wild heerdenweise seinen Aufenthalt,
-angelockt durch eine eigenth&uuml;mliche hohe Grasart,
-womit die in Rede stehenden Ebnen bedeckt sind, es hei&szlig;t
-Reh-Gras (<em class="antiqua">deer-grass</em>), und die davon fressenden Thiere
-werden zu gewissen Jahreszeiten au&szlig;erordentlich fett davon.</p>
-
-<p>Der Abend brach herein, ehe mir unser n&auml;chstes
-Nachtquartier, die Schenke an den Ufern des Reis-Sees,
-erreichten, so da&szlig; ich etwas von der sch&ouml;nen Scenerei
-einb&uuml;&szlig;te, welche diese artige Wasserfl&auml;che dem Auge darbietet,
-wenn man die Ebnen nach ihren Ufern zu hinabsteigt.
-Die fl&uuml;chtigen Blicke, die mir dann und wann
-davon zu Theil wurden, hatte ich dem schwachen aber
- <span class="pagenum"><a id="Page_p070">[S. 70]</a></span>
-h&auml;ufigen Wetterleuchten zu verdanken, welches den Horizont
-gegen Norden erhellte und gerade genug enth&uuml;llte, um mich
-bedauern zu machen, da&szlig; ich wegen der Dunkelheit an diesem
-Abend nicht mehr davon sehen konnte. Der Reis-See
-ist auf eine recht anmuthige Weise durch kleine
-bewaldete Inseln unterbrochen; das n&ouml;rdliche Ufer steigt
-vom Wasserrande sanft aufw&auml;rts. Im Angesicht von
-Sully, der Schenke, von wo aus das Dampfboot abgeht,
-welches den Otanabee hinaufsteuert, erblickt man verschiedne
-h&uuml;bsche Niederlassungen; und jenseits des Indianer-Dorfes
-unterhalten die Missionaire eine Schule
-zur Erziehung und Unterrichtung der Indianer-Kinder.
-Manche von diesen k&ouml;nnen gel&auml;ufig lesen und schreiben
-und haben in ihrer sittlichen und religi&ouml;sen Bildung
-sichtbare Fortschritte gemacht. Sie sind gut und bequem
-gekleidet und wohnen in besonders f&uuml;r sie erbauten H&auml;usern.
-Allein sie h&auml;ngen immer noch zu sehr an ihrer
-wandernden Lebensweise, um gute und betriebsame Ansiedler
-abzugeben. Zu gewissen Zeiten im Jahre verlassen
-sie das Dorf und lagern sich in den W&auml;ldern l&auml;ngs
-den Ufern jener Seen und Fl&uuml;sse, wo sie auf Ueberflu&szlig;
-an Wild und Fischen rechnen k&ouml;nnen<a id="FNanchor_17_17"></a><a href="#Footnote_17_17" class="fnanchor">[17]</a>.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p071">[S. 71]</a></span></p>
-
-<p>Die Reis-See und Schlamm-See-Indianer geh&ouml;ren,
-wie man mir sagt, zu den Tschippewas, allein die Z&uuml;ge
-von Schlauheit und kriegerischem Trotz, die fr&uuml;her dieses
- <span class="pagenum"><a id="Page_p072">[S. 72]</a></span>
-merkw&uuml;rdige Volk charakterisirten, scheinen unter dem
-milderen Einflu&szlig; des Christenthums verschwunden zu sein.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p073">[S. 73]</a></span></p>
-
-<p>Gewi&szlig; ist, da&szlig; die Einf&uuml;hrung der christlichen Religion
-der gr&ouml;&szlig;te Fortschrit zu Civilisirung und Verbesserung
-ist; ihr ganzes Streben ist darauf gerichtet, die
-Schranken des Vorurtheils und der Unwissenheit niederzubrechen
-und die Menschen zu einer allgemeinen Br&uuml;derschaft
-zu verbinden. Man hat mir gesagt, da&szlig; eine
-Zeitlang das Laster der V&ouml;llerei diesen neu bekehrten
-Wilden unbekannt gewesen, ja da&szlig; sie sich sogar des
-m&auml;&szlig;igen Gebrauchs geistiger Getr&auml;nke gewissenhaft enthalten.
-Diese Enthaltsamkeit wird von einigen Familien
-noch jetzt beobachtet; aber neuerdings hat sich die
- <span class="pagenum"><a id="Page_p074">[S. 74]</a></span>
-Trunkenheit wieder unter ihnen eingeschlichen, die allerdings
-ihren Glauben in Miscredit bringt. Man darf sich in
-der That kaum dar&uuml;ber wundern, da&szlig; der Indianer, wenn
-er diejenigen seiner Umgebung, welche sich Christen nennen,
-welche besser erzogen sind und den Vortheil einer civilisirten
-Gesellschaft genie&szlig;en, dem erw&auml;hnten Laster bis zum
-Ueberma&szlig; fr&ouml;hnen sieht, sich von seinem nat&uuml;rlichen Hange
-besiegen l&auml;&szlig;t und die Pflichten des Christenthums, das
-bei einigen wohl eben nicht tiefe Wurzel geschlagen haben
-mag, entgegenhandelt. Ich habe mich &uuml;ber die, diese lasterhafte
-Neigung der armen Indianer betreffenden Urtheile
-von Leuten, welche die ersten an der Tafel und bei Trinkgelagen
-waren, sowohl gewundert als ge&auml;rgert; es schien
-mir, als halte man Leute von Erziehung und Bildung
-der V&ouml;llerei f&uuml;r weniger zurechnungsf&auml;hig als den halbcultivirten
-Wilden.</p>
-
-<p>Man findet einige h&uuml;bsche Ansiedlungen am Reis-See,
-inde&szlig; sollen seine Ufer der Gesundheit nicht zutr&auml;glich
-sein, und die Colonisten vorz&uuml;glich da, wo der Boden
-niedrig und morastig ist, h&auml;ufig an Sumpf-Fiebern und
-Fl&uuml;ssen leiden. Einige schreiben die Ursache der eben genannten
-Uebel den umfangsreichen Reisbeeten zu, welche
-das Wasser stocken machen. Die Verd&uuml;nstung von einer
-Wasserfl&auml;che, die fortw&auml;hrend auf eine Masse faulender
-Pflanzen wirkt, mu&szlig; allerdings die Constitution derjenigen
-schw&auml;chen, welche ihrem verderblichen Einflu&szlig; unmittelbar
-ausgesetzt sind.</p>
-
-<p>Au&szlig;er zahlreichen kleinen Wasserstr&ouml;men, die hier
-zu Lande <em class="gesperrt">Creeks</em> hei&szlig;en, ergie&szlig;en sich zwei betr&auml;chtliche
-Fl&uuml;sse, der Otanabee und der Trent in den Reis-See.
-Diese Fl&uuml;sse sind durch eine Kette kleiner Seen mit einander
-verbunden, welche man auf einer guten Charte von
-der in Rede stehenden Provinz finden kann. Ich f&uuml;ge
-meinem Briefe einen Abri&szlig; bei, der zu Cobourg erschienen
-ist und Sie mit der Geographie dieser Abtheilung
- <span class="pagenum"><a id="Page_p075">[S. 75]</a></span>
-des Landes bekannt machen wird. Auf einem der kleinen
-Seen gedenken wir uns anzukaufen; denn sollten diese
-Gew&auml;sser schiffbar gemacht werden, wie man beabsichtigt,
-so d&uuml;rften die L&auml;ndereien an ihren Ufern sehr eintr&auml;glich
-f&uuml;r die Colonisten ausfallen; gegenw&auml;rtig sind sie durch
-gro&szlig;e Granit- und Kalkstein-Bl&ouml;cke, Stromschnellen und
-Catarakte unterbrochen, welche kein Fahrzeug au&szlig;er Nachen
-und B&ouml;ten mit flachem Kiel, zulassen und selbst diese
-sind wegen der vielen angedeuteten Hindernisse auf gewisse
-Strecken beschr&auml;nkt. Durch Vertiefung des Flu&szlig;-Bettes
-und des Bodens der Seen, durch Bildung von
-Wehren in einigen Theilen, und durch Anlegung von
-Kan&auml;len, w&uuml;rde dieser ganze Wasser-Bereich, bis zur
-Bay von Quinte, der Schifffahrt ge&ouml;ffnet werden k&ouml;nnen.
-Der Kostenbetrag w&uuml;rde nat&uuml;rlicher Weise bedeutend sein,
-und bevor nicht die St&auml;dte dieses Theils des Distriktes
-vollkommen organisirt sein werden, ist an die Ausf&uuml;hrung
-eines solchen Riesen-Plans nicht zu denken, wie w&uuml;nschenswerth
-sie auch sein mag.</p>
-
-<p>Wir verlie&szlig;en nach einer ungew&ouml;hnlichen Verz&ouml;gerung
-um neun Uhr das Wirthshaus am Reis-See.
-Der Morgen war feucht und neblich, und ein kalter
-Wind blies &uuml;ber die Wasserfl&auml;che, die sich durch den feinen
-Spr&uuml;hregen nicht eben vortheilhaft ausnahm; ich
-h&uuml;llte mein Gesicht zum Schutz dagegen gern in den
-Ueberschlagkragen meines warmen Mantels ein; denn das
-kleine Dampfboot hatte au&szlig;er einer unwirksamen Zelt-Decke
-weder eine Kaj&uuml;te noch einen andern Zufluchtsort.
-Das armselige Schifflein stach leider gegen die trefflich eingerichteten
-Fahrzeuge, worauf wir erst vor Kurzem den
-Ontario und St. Laurence durchsegelt, gewaltig ab. Dennoch
-nahm uns das Vorhandensein eines Dampfboots auf
-dem Otanabee nicht wenig Wunder, und war f&uuml;r die
-ersten Ansiedler l&auml;ngs den Ufern dieses Flusses ein Gegenstand
-gro&szlig;er Freude, da sie sich noch vor wenigen Jahren
- <span class="pagenum"><a id="Page_p076">[S. 76]</a></span>
-zum Transport sowohl ihrer selbst als auch ihrer
-Markt-Erzeugnisse mit schlechten Nachen oder Wagen
-und Schlitten, auf h&ouml;chst erb&auml;rmlichen Stra&szlig;en, begn&uuml;gen
-mu&szlig;ten.</p>
-
-<p>Der Otanabee ist ein sch&ouml;ner, breiter, heller Strom,
-welchen bei seinem Eintritt in den Reis-See eine schmale,
-wegen ihrer morastigen Beschaffenheit des Anbaues unf&auml;hige
-Landzunge in zwei M&uuml;ndungen scheidet. Dieser
-sch&ouml;ne Flu&szlig;, (denn als solchen betrachte ich ihn) schl&auml;ngelt
-sich zwischen dick bewaldeten Ufern hin, die sich, in
-demselben Verh&auml;ltni&szlig;, als man weiter landeinw&auml;rts kommt,
-mehr und mehr erheben.</p>
-
-<p>Gegen Mittag zertheilte sich der Nebel, und die
-Sonne kam in ihrem vollen Septemberglanze zum Vorschein.
-Die Nadelholz-W&auml;lder zu beiden Seiten des
-Flusses bildeten eine so dichte Schutz-Mauer, da&szlig; wir
-nicht die geringste Unannehmlichkeit von dem rauhen
-Luftzuge f&uuml;hlten, der mich am Morgen, als wir durch
-den See schifften, ganz durchk&auml;ltet hatte.</p>
-
-<p>F&uuml;r den schnell vor&uuml;bereilenden Reisenden, der sich
-um die einzelnen Sch&ouml;nheiten der Scenerei wenig bek&uuml;mmern
-kann, haben die langen ununterbrochnen Wald-Linien
-nothwendiger Weise etwas Einf&ouml;rmiges, das ihn
-allm&auml;lig in eine d&uuml;stere, ja fast traurige Stimmung versetzt.
-Dessenungeachtet aber giebt es manchen Gegenstand,
-der einen genauen Beobachter der Natur unterh&auml;lt
-und erfreut. Sein Auge wird von den seltsamen Lauben
-angezogen, welche der canadische Epheu ein scharlachrothes
-rankendes Gew&auml;chs, und die wilde Rebe bilden, indem sie
-ihre dicht verschlungenen, reich gef&auml;rbten Bl&auml;tter-Guirlanden
-zwischen den Aesten der Waldb&auml;ume hinranken und ihre
-gl&uuml;henden Tinten mit den rothspitzigen Zweigen des weichen
-Ahorns vermischen, dessen herbstliche Farben in Sch&ouml;nheit
-von keinem unsrer heimathlichen Waldb&auml;ume &uuml;bertroffen
-werden.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p077">[S. 77]</a></span></p>
-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/p077i.jpg" alt="Amerikanischer Schlitten." />
- </div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p078"></a></span></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p079">[S. 79]</a></span></p>
-
-<p>Die purpurnen Trauben der Rebe, in Gr&ouml;&szlig;e keineswegs
-so ver&auml;chtlich, als ich mir vorgestellt, erschienen meinen
-sehns&uuml;chtigen Augen, indem sie, zwischen dem Laube
-h&auml;ngend, ihrer Reife entgegen eilten, &auml;u&szlig;erst lockend. Wie
-ich h&ouml;re, bildet ihr Saft, mit einer hinreichenden Quantit&auml;t
-Zucker zusammen gesoten, ein treffliches, &auml;u&szlig;erst wohlschmeckendes
-Gelee. Die Samen sind zu gro&szlig;, um eine
-andre Zubereitung r&auml;thlich oder vortheilhaft zu machen.
-Ich werde gelegentlich erfahren, welcher Veredelung sie
-durch Cultur f&auml;hig sein d&uuml;rften. Mann kann sich des
-Schlusses nicht erwehren, da&szlig;, wo die Natur einen so
-gro&szlig;en Ueberflu&szlig; an Fr&uuml;chten hervorbringt, das Klima,
-unter Mitwirkung von Cultur und Boden, ihrer Vervollkommnung
-h&ouml;chst g&uuml;nstig sein m&uuml;sse.</p>
-
-<p>Das Wasser des Otanabee ist so klar und frei von
-allem Schmuz, da&szlig; man jeden Kiesel, jede Muschelschale
-auf seinem Boden deutlich unterscheiden kann. Hier und
-da enth&uuml;llt eine Oeffnung im Walde ein Neben-Fl&uuml;&szlig;chen,
-das sich seinen Weg unter den Laubw&ouml;lbungen der
-dar&uuml;ber ragenden Riesen-B&auml;ume nach dem Hauptstrome
-bahnt. Die ringsum herrschende Stille wird durch nichts
-unterbrochen, als den pl&ouml;tzlichen Aufflug der von ihrem
-Zufluchtsorte zwischen den buschigen, hier und da das
-linke Ufer bekr&auml;nzenden Weiden aufgeschreckten wilden Ente,
-oder das gellende rauhe Geschrei des Eisvogels, indem
-er pfeilschnell &uuml;ber die Wasserfl&auml;che schie&szlig;t.</p>
-
-<p>Das Dampfboot landete zur Einnahme von Brennmaterial
-an einer gelichteten Stelle, ungef&auml;hr auf dem
-halben Wege von Peterborough, und ich benutzte freudig
-die Gelegenheit, einige der pr&auml;chtigen Cardinal-Blumen
-zu pfl&uuml;cken, welche zwischen den Steinen am Uferrande
-wuchsen; auch fand ich hier eine Rose, so sch&ouml;n und angenehm
-duftend, als nur jemals eine unsre englischen
-G&auml;rten zierte. Ferner bemerkte ich zwischen dem Grase
-auf dem Wiesenlande Frauenm&uuml;nze, und n&auml;her am Ufer
- <span class="pagenum"><a id="Page_p080">[S. 80]</a></span>
-Pfefferm&uuml;nze. Ein Strauch, mit Fr&uuml;chten, so gro&szlig; wie
-Kirschen, von breiartigem Fleisch und angenehm s&auml;uerlich,
-fast wie Tamarindenmark, schmeckend, glich unserm
-Schlehendorn. Die Dornen dieses Strauches waren
-furchtbar lang, stark und fest, meiner Ansicht nach d&uuml;rfte
-er sich zu Einfriedigungen oder lebendigen Hecken vortrefflich
-eignen; auch die Frucht k&ouml;nnte, eingemacht, kein zu
-verachtendes Desert abgeben.</p>
-
-<p>Da ich sehr begierig war, das Innere eines Log-Hauses
-zu sehen, so trat ich durch den offnen Thorweg
-in die Schenke, wie man sie nennt, unter dem Vorwand,
-einen Trunk Milch zu kaufen. Das Innere dieses rohen
-Geb&auml;udes hatte eben kein einladendes Ansehn. Die W&auml;nde
-bestanden aus rohen unbehauenen Scheiten oder Baumst&auml;mmen,
-und die L&uuml;cken und Ritzen zwischen diesen waren
-mit Moos und unregelm&auml;&szlig;igen Holzkeilen ausgef&uuml;llt,
-um Wind und Regen abzuhalten; die unberappte Decke
-zeigte das mit Moos und Farrenkraut von allerlei Farben,
-&mdash; Gr&uuml;n, Gelb und Grau &mdash; bedeckte Sparrwerk; und
-dar&uuml;ber konnte man die vom Rauche, der sich durch den
-weiten, aus Steinen und Lehm erbauten Schornstein aufzusteigen
-weigerte und in leichten Windungen unter dem
-Dache hinkr&auml;uselte, um seinen Ausgang durch die vielen
-Ritzen und Oeffnungen in letzterem zu suchen, sch&ouml;n
-mahagonyroth gef&auml;rbten Schindeln wahrnehmen.</p>
-
-<p>Der Fu&szlig;boden war von Erde, die durch Gebrauch
-eine ziemliche H&auml;rte und Ebenheit erhalten hatte. Die
-ganze H&uuml;tte erinnerte mich an das armselige Geb&auml;ude,
-welches vier russische Matrosen, die sich auf Spitzbergen
-zu &uuml;berwintern gen&ouml;thigt sahen, zu ihren Schutz errichteten.
-Das Ger&auml;the darin entsprach ihrer rohen Bauart;
-einige wenige St&uuml;hle, roh und ungehobelt; ein Tisch
-von Tannenholz, der, weil letzteres, bei Verfertigung desselben
-noch frisch gewesen, an verschiednen Stellen gesprungen
-war und blos durch seine mi&szlig;gestalteten Beine zusammengehalten wurde;</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p081">[S. 81]</a></span></p>
-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/p081i.jpg" alt="Amerikanische Silber-Tanne." />
- </div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p082"></a></span></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p083">[S. 83]</a></span>
-zwei oder drei Bl&ouml;cke von
-grauem Granit, die neben dem Heerde standen, dienten
-als Sitze f&uuml;r die Kinder; hierzu kamen zwei Betten, die
-durch niedrige Gestelle von Cedern-Holz etwas &uuml;ber den
-Boden erhoben waren. Auf diesen elenden Schlafstellen
-lagen zwei arme Teufel ausgestreckt, an den verheerenden
-Wirkungen des Sumpffiebers leidend. Ihre gelben,
-eine St&ouml;rung in der Gallen-Absonderung verrathenden
-Gesichter stachen gegen die zusammengeflickten Pf&uuml;hle, womit
-sie bedeckt waren, seltsam ab. Ich f&uuml;hlte das innigste
-Mitleiden mit den armen Emigranten, die mir
-erz&auml;hlten, da&szlig; sie kaum einige Wochen im Lande gewesen,
-als sie vom Fieber befallen worden w&auml;ren. Sie hatten
-Weiber und kleine Kinder, welche sehr elend aussahen.
-Auch die Weiber hatten am Wechselfieber gelitten
-und dabei nicht einmal ein eignes Haus oder einen
-Schuppen zu ihrer Bequemlichkeit gehabt; die M&auml;nner
-waren durch ihr Erkranken in v&ouml;llige Unth&auml;tigkeit versetzt
-worden; und ein gro&szlig;er Theil von dem wenigen Gelde,
-das sie mit sich gebracht, war in der elenden Schenke,
-wo sie lagen, f&uuml;r Kost und Logis aufgegangen. Ich kann
-eben nicht sagen, da&szlig; ich mich sehr zu Gunsten der Wirthin,
-einer barschen und habs&uuml;chtigen Frau eingenommen
-f&uuml;hlte. Au&szlig;er den verschiednen Emigranten, M&auml;nnern,
-Weibern und Kindern, welche diesen Schuppen bewohnten,
-z&auml;hlte derselbe noch andre Inhaber; ein h&uuml;bsches feistes
-Kalb nahm einen Verschlu&szlig; in einem Winkel ein; einige
-Ferkel wanderten grunzend in Gesellschaft mit einem halben
-Dutzend V&ouml;geln umher. Der anziehendste Gegenstand
-waren drei schneewei&szlig;e Tauben, welche friedlich die auf
-der Erde liegenden Br&ouml;ckchen aufpickten und das Ansehn
-hatten, als w&auml;ren sie zu rein und unschuldig, um Bewohner
-eines solchen Platzes zu sein.</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<p>Sowohl wegen der Seichtigkeit des Flusses in dieser
-Jahreszeit als auch wegen der Stromschnellen kann
- <span class="pagenum"><a id="Page_p084">[S. 84]</a></span>
-das Dampfboot nicht den ganzen Weg bis Peterborough
-hinauf steuern, daher ein Kahn (<em class="antiqua">scow</em>) oder Ruderboot,
-wie er bisweilen genannt wird, eine plumpe schwerf&auml;llige
-Maschine mit flachem Kiel an einer bestimmten Stelle
-des Flusses im Angesicht einer eigenth&uuml;mlich gestalteten
-Fichte, auf dem rechten Ufer, der Passagiere wartete.
-Der eben erw&auml;hnte Baum hei&szlig;t die &raquo;Yankie-M&uuml;tze&laquo;
-(<em class="antiqua">Yankee bonnet</em>), wegen der vermeintlichen Aehnlichkeit
-der obersten Aeste mit einer Art unter den Yankies
-&uuml;blichen, der blauen schottischen nicht un&auml;hnlichen
-M&uuml;tze.</p>
-
-<p>Ungl&uuml;cklicher Weise landete das Dampfboot etwa
-vier englische Meilen unterhalb des gew&ouml;hnlichen Rendezvous-Ortes
-und wir warteten bis ziemlich vier Uhr
-darauf. Als es endlich erschien, fanden wir zu unserm
-nicht geringen Mi&szlig;vergn&uuml;gen die Ruder-Knechte (acht an
-Zahl und s&auml;mmtlich Irl&auml;nder) unter dem Einflu&szlig; eines
-t&uuml;chtigen Branntwein-Rausches, den sie sich auf der Herfahrt
-angetrunken. Uebrigens waren sie &uuml;ber die Verz&ouml;gerung
-von Seiten des Dampfbootes aufgebracht, die
-ihnen eine vierst&uuml;ndige schwere Ruderarbeit mehr auferlegt
-hatte. Au&szlig;er einer Anzahl Passagiere fanden wir
-es mit einer betr&auml;chtlichen Ladung Hausger&auml;th, Koffern,
-Kisten, Schachteln, S&auml;cken mit Weizen, Salz und ger&auml;uchertem
-Schweinefleisch, nebst noch hundert andern Packeten
-und Artikeln, gro&szlig;en und kleinen, belastet, die zu
-einer solchen H&ouml;he aufgeschichtet waren, da&szlig; ich sowohl f&uuml;r
-die G&uuml;ter selbst als f&uuml;r die Passagiere Gefahr f&uuml;rchtete.</p>
-
-<p>Mit dem unverstelltesten Unwillen griffen die Leute
-nach vollendeter Ladung zu ihren Rudern, erkl&auml;rten aber,
-da&szlig; sie ans Ufer gehen, Feuer machen und ihr Mahl
-zubereiten wollten, da sie noch gar keine Nahrung zu sich
-genommen; daf&uuml;r hatten sie inde&szlig; der Branntwein-Flasche
-t&uuml;chtig zugesprochen. Dieser Ma&szlig;regel widersezten sich
-einige der m&auml;nnlichen Passagiere, und es erfolgte ein
- <span class="pagenum"><a id="Page_p085">[S. 85]</a></span>
-heftiger Zank, der damit endete, da&szlig; die Meuterer ihre
-Ruder niederwarfen und sich ausdr&uuml;cklich weigerten, ehe
-sie ihren Hunger befriedigt, einen einzigen Schlag zu thun.</p>
-
-<p>Vielleicht hatte ich ein dem ihrigen verwandtes Gef&uuml;hl;
-denn ich begann selbst, &auml;u&szlig;erst hungrig zu werden,
-da ich seit fr&uuml;h sechs Uhr gefastet; in der That war ich
-so schwach, da&szlig; ich meinen Gatten bat, er m&ouml;chte sich
-ein St&uuml;ckchen von dem groben, eben nicht appetitlichen
-Brode f&uuml;r mich geben lassen, das die Irl&auml;nder aus ihren
-Schnapps&auml;cken hervorzogen und mit gewaltigen Schnitten
-rohen P&ouml;ckel-Schweinfleisches verzehrten, wobei sie,
-&raquo;nicht laute aber tiefe&laquo;<a id="FNanchor_18_18"></a><a href="#Footnote_18_18" class="fnanchor">[18]</a> Fl&uuml;che und bittre Spottreden
-gegen diejenigen ausstie&szlig;en, welche sie in Kochung ihrer
-Speisen, &raquo;<em class="gesperrt">wie es Christen gezieme</em>,&laquo; verhindern
-wollten.</p>
-
-<p>W&auml;hrend ich begierig mein St&uuml;ckchen Brod hintera&szlig;,
-sagte ein alter P&auml;chter, der mich eine Zeitlang mit
-einem Gemisch von Neugierde und Mitleiden betrachtet,
-&raquo;Arme Frau, sie scheinen ja recht hungrig, und sind, irr'
-ich nicht, eben erst aus dem alten Vaterlande gekommen
-und folglich an dergleichen harte Kost nicht gew&ouml;hnt.
-Hier sind einige Kuchen, die meine Frau (<em class="antiqua">my woman</em>)
-als ich von zu Hause aufbrach, mir in die Tasche gesteckt
-hat; ich mache mir wenig daraus, aber sie sind
-doch besser als dieses schlechte Brod; bedienen sie sich derselben,
-und m&ouml;gen sie Ihnen wohl bekommen.&laquo; Mit diesen
-Worten sch&uuml;ttete er mir einige recht sch&ouml;ne hausbackene
-Streukuchen in den Schoo&szlig;, und gewi&szlig; konnte mir nie etwas
-erw&uuml;nschter kommen als diese wohlschmeckende Erfrischung.</p>
-
-<p>Ein m&uuml;rrischer d&uuml;sterer Geist schien unter unsern
-Bootsleuten zu herrschen, der keineswegs abnahm, als der
-Abend einbrach, und &mdash; die Stromschnellen waren nahe.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p086">[S. 86]</a></span>
-Die Sonne war untergegangen, und Mond und Sterne
-stiegen gl&auml;nzend &uuml;ber die stille Wasserfl&auml;che empor, welche
-das Bild dieser Himmels-K&ouml;rper zur&uuml;ckspiegelte. Ein
-so &uuml;beraus reizender Anblick schien das aufgeregteste, wildeste
-Gem&uuml;th zu Frieden und Ruhe stimmen zu m&uuml;ssen;
-wenigstens dachte ich so, als ich, in meinen Mantel geh&uuml;llt,
-mich in den Arm meines Gatten lehnte und mit
-Entz&uuml;cken und Bewunderung bald vom Wasser zum
-Himmel, bald vom Himmel zum Wasser blickte. Meine
-angenehme Tr&auml;umerei wurde inde&szlig; bald beendigt, indem
-unser Boot pl&ouml;tzlich das felsige Ufer ber&uuml;hrte, und ich die
-Bootsleute unter manchen Fl&uuml;chen und Betheuerungen
-versichern h&ouml;rte, da&szlig; sie in dieser Nacht nicht weiter steuern
-w&uuml;rden. Wir befanden uns ungef&auml;hr drei englische
-Meilen unterhalb Peterborough; und wie ich, geschw&auml;cht
-durch die eben erst &uuml;berstandne Krankheit und die Strapazen
-unsrer langen Reise, diesen Weg zur&uuml;cklegen
-sollte, wu&szlig;te ich nicht. Die Nacht in dem offnen
-Boote, dem starken vom Flusse aufsteigenden Nebeldunst
-ausgesetzt, zuzubringen, w&auml;re gewisser Tod gewesen.
-W&auml;hrend wir &uuml;berlegten, was zu thun sei, hatten die
-&uuml;brigen Passagiere ihren Entschlu&szlig; gefa&szlig;t, sie nahmen
-ihren Weg durch den Wald, auf einem Pfade, den sie
-genau kannten. Auch waren sie uns bald aus den Augen
-entschwunden, bis auf einen Herrn, der einen der
-Bootsleute durch Geld und gute Worte dahin zu bestimmen
-suchte, da&szlig; er ihn nebst seinem Hunde an der Stelle,
-wo die Stromschnellen ihren Anfang nehmen, in einem
-Fischernachen &uuml;ber den Strom setzen sollte.</p>
-
-<p>Denken sie sich unsre Lage, um zehn Uhr in der
-Nacht, mit keinem Schritt unsrer Marschroute bekannt,
-ans Ufer gesetzt, um, so gut wir k&ouml;nnten, den Weg nach
-einer fernen Stadt zu finden, oder die Nacht in dem finstern
-Walde zuzubringen.</p>
-
-<p>Fast in Verzweiflung, beschworen wir den eben erw&auml;hnten
-Herrn, so weit, als sein Weg reiche, unser F&uuml;hrer
- <span class="pagenum"><a id="Page_p087">[S. 87]</a></span>
-zu sein. Aber so viele Hindernisse stellten sich in Gestalt
-l&auml;ngs den Ufern ausgestreuter, neuerdings gef&auml;llter
-Baumst&auml;mme und gro&szlig;er Stein-Bl&ouml;cke unserm Vordringen
-entgegen, da&szlig; wir unsern Pfad nur mit der gr&ouml;&szlig;ten
-Schwierigkeit im Gesicht behalten konnten. Endlich langten
-wir mit unserm F&uuml;hrer an der Stelle an, wo der
-Nachen seiner wartete, und mit einer Hartn&auml;ckigkeit, die
-wir zu einer andern Zeit und unter andern Umst&auml;nden,
-nie gezeigt haben w&uuml;rden, verlangten wir alle, in das
-elende Fahrzeug aufgenommen zu werden. Endlich willigt
-der m&uuml;rrische Charon unter Grollen und Brummen
-ein, und wir stigen hastig in den zerbrechlichen Nachen,
-der kaum geeignet schien, uns sicher nach dem entgegengesetzten
-Ufer zu f&uuml;hren. Ich konnte mich, als ich die
-Fluth von Verw&uuml;nschungen und Schimpfreden vernahm,
-die unaufh&ouml;rlich dem Munde des Bootsmanns entstr&ouml;mte,
-eines Gef&uuml;hls von unbeschreiblicher Furcht nicht erwehren.
-Ein- oder zweimal liefen wir Gefahr, durch die Tannen-
-und Cedern-Aeste, welche in der N&auml;he der Ufer ins Wasser
-gefallen waren, umgest&uuml;rzt zu werden. Meine Freude,
-als wir das andre Ufer erreichten, k&ouml;nnen Sie sich denken;
-allein hier wartete unser eine neue Beunruhigung;
-wir hatten n&auml;mlich noch eine Strecke pfadlosen Waldes
-zu durchwandern, ehe wir den Nachen wieder erreichen
-konnten, welcher eine kleine Stromschnelle passiren mu&szlig;te
-und am Anfange eines kleinen Sees, einer Erweiterung
-des Otanabee, etwas unter Peterborough auf uns warten
-sollte. Bis dahin hinderten umgest&uuml;rzte B&auml;ume,
-meistentheils Schierlings-Tannen, Pech-Tannen oder Cedern,
-deren Aeste und Zweige so dicht verflochten sind,
-da&szlig; man sie kaum von einander trennen oder sich Bahn
-durch ein davon gebildetes Dickicht brechen kann, bei
-jedem Schritt unsern Weg.</p>
-
-<p>H&auml;tten wir nicht den menschenfreundlichen Beistand
-unsers F&uuml;hrers gehabt, so wei&szlig; ich in der That nicht,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p088">[S. 88]</a></span>
-wie ich diese Schwierigkeiten h&auml;tte &uuml;berwinden sollen.
-Bisweilen war ich nahe daran, vor M&uuml;digkeit und Ermattung
-nieder zu sinken. Endlich vernahm ich zu meiner
-unaussprechlichen Freude die m&uuml;rrische Stimme unsers
-irischen Ruderers, und nach vielem Zanken und
-Brummen von seiner Seite, sa&szlig;en wir abermals in dem
-Nachen.</p>
-
-<p>Wie froh waren wir nicht, als wir nach einiger
-Zeit neben dem hellodernden Feuer eines ungeheuern Holzsto&szlig;es,
-das Haus unsers Freundes erblickten. Hier fanden
-wir auch einen F&uuml;hrer, der uns den Weg zur Stadt
-auf einer durch den Wald gehauenen Stra&szlig;e zu zeigen
-versprach. Eine Tasse Thee zur Erfrischung unsrer Lebensgeister
-von unserm freundlichen Wirth war uns sehr
-willkommen, und nachdem mir eine kurze Zeit ausgeruht
-und etwas Kraft gesammelt, brachen wir wieder auf, gef&uuml;hrt
-von einem zerlumpten, aber h&ouml;flichen irischen Jungen,
-dessen freies freundliches Wesen und gute Laune uns
-ganz f&uuml;r ihn einnahmen. Er erz&auml;hlte uns, da&szlig; er eine von
-sieben Waisen sei, die Vater und Mutter durch die Cholera
-verloren. &raquo;Ach es ist traurig!&laquo; sagte er, &raquo;vater- und
-mutterlos in einem fremden Lande zu sein;&laquo; dabei wischte
-er sich die Thr&auml;nen ab, die ihm &uuml;ber die Wangen rollten,
-indem er uns die traurigen Umst&auml;nde seiner fr&uuml;hzeitigen
-Verwaisung mittheilte, inde&szlig; f&uuml;gte er fr&ouml;hlich hinzu, da&szlig;
-er einen g&uuml;tigen Herrn gefunden, der einige seiner Br&uuml;der
-und Schwestern so wie ihn selbst in seine Dienste
-genommen.</p>
-
-<p>Gerade als wir aus dem Dunkel des Waldes hervortraten,
-fanden wir unsre Fortschritte durch einen Wasserstrom
-gehindert, &uuml;ber welchen wir, sagte er uns, um
-die Stadt erreichen zu k&ouml;nnen, eine kleine Br&uuml;cke (<em class="antiqua">log-bridge</em>)
-zu passiren h&auml;tten. Nun bestand die Baum-Br&uuml;cke
-aus blos einem Stamme oder vielmehr einem umgefallenen
-Baume, den man quer &uuml;ber den Wasserstrom
- <span class="pagenum"><a id="Page_p089">[S. 89]</a></span>
-geworfen, und der durch die von dem morastigen Wasser
-aufsteigenden schweren D&uuml;nste sehr schl&uuml;pfrig war.
-Da er blos eine Person auf einmal zulie&szlig;, so konnte
-ich keinen Beistand von meinen Begleitern erhalten;
-und obgleich unser kleiner F&uuml;hrer, mit einer nat&uuml;rlichen,
-aus seinem wohlwollenden Charakter entspringenden Artigkeit
-die Laterne dicht an den Baumstamm hielt, um alles
-Licht darauf fallen zu lassen, so hatte ich doch das
-Mi&szlig;geschick, in Folge eines Schwindels, der mich gerade
-bei den letzten noch &uuml;brigen Schritten anwandelte, bis
-an die Knie ins Wasser zu fallen, und so war ich zugleich
-m&uuml;de und na&szlig;. Zur Vermehrung unsres Ungl&uuml;cks
-sahen wir die Lichter im Dorfe, eins nach dem
-andern verschwinden, bis nur noch hier und da ein einsames
-Fl&auml;mmchen aus den obersten Stuben von einem
-oder zwei H&auml;usern flimmerte, die uns als Leuchtth&uuml;rme
-dienten. Wir hatten uns noch nach einer Herberge umzuthun,
-und es war ziemlich Mitternacht, als wir die
-Th&uuml;r des besten Wirthshauses erreichten, hier endlich
-dachte ich, werden unsre Leiden f&uuml;r diese Nacht ein Ende
-haben; aber wie gro&szlig; war unser Verdru&szlig;, als man uns
-sagte, da&szlig; kein Bett im Hause mehr &uuml;brig sei, da&szlig; Emigranten,
-die auf ihrem Wege nach einer der neuen Ansiedlungen
-begriffen waren, sie s&auml;mmtlich in Beschlag genommen.</p>
-
-<p>Ich vermochte nicht weiter zu gehen, und wir baten
-um einen Platz am K&uuml;chen-Feuer, um da, wenn auch
-nicht zu schlafen, doch ein wenig auszuruhen, und wo
-ich meine nassen Kleider trocknen k&ouml;nnte. Die Wirthin,
-als sie meinen Zustand sah, f&uuml;hlte Mitleiden mit mir,
-f&uuml;hrte mich an ein helloderndes Feuer, das ihre M&auml;dchen
-schnell angefacht; eine brachte mir ein warmes Fu&szlig;bad;
-eine andre versah uns mit warmem Getr&auml;nk, das, so
-fremd und ungew&ouml;hnlich es meinem Lippen war, mir
-gute Dienste that; kurz es wurde uns alle m&ouml;gliche
-Pflege und Aufmerksamkeit zu Theil, die wir von unsern
- <span class="pagenum"><a id="Page_p090">[S. 90]</a></span>
-Wirthsleuten nur immer erwarten konnten; ja sie traten
-uns sogar ihre eignen Betten ab, und begn&uuml;gten sich
-mit einem Strohlager vor dem K&uuml;chenfeuer.</p>
-
-<p>Ich kann jetzt &uuml;ber die Unf&auml;lle dieses Tages l&auml;cheln,
-aber w&auml;hrend wir dieselben erduldeten, erschienen sie
-mir, wie Sie sich wohl vorstellen m&ouml;gen, als keine Kleinigkeit.</p>
-
-<p class="rright">
-Leben Sie wohl! meine theuerste Mutter.<br />
-</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-
-<div class="block0">
-<div class="footnotes"><b>Fu&szlig;noten:</b>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_15_15"></a><a href="#FNanchor_15_15"><span class="label">[15]</span></a> Vom Kinde entlehnt, welches, ehe es die Kraft zu
-gehen hat, auf allen Vieren kriecht.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_16_16"></a><a href="#FNanchor_16_16"><span class="label">[16]</span></a> Die besuchtesten Bade-Orte in England.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_17_17"></a><a href="#FNanchor_17_17"><span class="label">[17]</span></a> <em class="gesperrt">Humboldt</em> bemerkt &uuml;ber die bekehrten Indianerst&auml;mme
-Folgendes: In den W&auml;ldern von S&uuml;damerika giebt es St&auml;mme,
-welche in D&ouml;rfern wohnen, Pisang, Cassava und Baumwolle erbauen,
-und kaum mehr Barbaren sind, als die in den Missionsanstalten
-lebenden Individuen, welche man abgerichtet hat, das
-Zeichen des Kreuzes zu machen. Es ist ein Irrthum, wenn
-man alle freie Eingeborne als herumwandernde J&auml;ger betrachtet;
-denn schon lange vor der Ankunft der Europ&auml;er herrschte auf
-dem Continent der Ackerbau und herrscht noch jetzt zwischen
-dem Orinoco und Amazonenflusse, in Distrikten, wohin dieselben
-nie gekommen sind.</p>
-<p>Das System der Missionaire hat einen Hang nach Grundeigenthum,
-nach festen Wohnpl&auml;tzen, und einen Sinn f&uuml;r ein ruhiges
-Leben erzeugt; allein der getaufte Indianer ist oft eben so
-wenig ein Christ, als sein heidnischer Bruder ein Verehrer von
-G&ouml;tzen, beide zeigen eine auffallende Gleichg&uuml;ltigkeit gegen religi&ouml;se
-Meinungen und eine Neigung zur Verehrung der Natur.</p>
-<p>Man hat keinen Grund, zu glauben, da&szlig; sich die Anzahl
-der Indianer in den spanischen Colonien vermindert habe. Noch
-immer existiren &uuml;ber sechs Millionen der kupferfarbenen Menschenrace
-in beiden Theilen von Amerika; und obgleich in jenen
-Colonien mehre Sprachen verloren gegangen oder vermischt
-worden sind, so haben sich die Eingebornen doch fortw&auml;hrend
-vermehrt. In der gem&auml;&szlig;igten Zone wird die Ber&uuml;hrung der
-Europ&auml;er mit den Eingebornen der Bev&ouml;lkerung der letztern
-verderblich; in S&uuml;d-Spanien hingegen ist das Resultat verschieden,
-und hier f&uuml;rchtet man die Ann&auml;herung der Wei&szlig;en nicht.
-Im ersten Fall wird f&uuml;r die Indianer eine gro&szlig;e Strecke Landes
-erforderlich, weil sie von der Jagd leben; im zweiten hingegen
-reicht ein kleines St&uuml;ck Grund und Boden hin, um einer
-Familie ihren Unterhalt zu gew&auml;hren.</p>
-<p>In diesen Provinzen machen die Europ&auml;er nur langsame
-Fortschritte, und die religi&ouml;sen Orden haben zwischen den von
-ihnen bewohnten Gegenden und denjenigen, welche die freien
-oder unabh&auml;ngigen Indianer bewohnen, Niederlassungen begr&uuml;ndet.</p>
-<p>Die Missionen haben sich ohne Zweifel Eingriffe in die
-Freiheit der Eingebornen erlaubt, allein diese Eingriffe sind im
-Allgemeinen dem Wachsthum der Bev&ouml;lkerung g&uuml;nstig gewesen.
-In demselben Ma&szlig;stabe, als die Prediger in das Innere eindrangen,
-nahmen die Pflanzer von dem Gebiete Besitz; Wei&szlig;e
-sowohl, als solche Individuen, welche aus gemischten Ehen stammen,
-lassen sich unter den Indianern nieder; die Missionsanstalten
-verwandeln sich in spanische D&ouml;rfer, und mit der Zeit
-verlieren die alten Bewohner ihre urspr&uuml;nglichen Sitten und
-Sprache. Auf diese Weise schreitet die Civilisation von den
-K&uuml;sten nach dem Mittelpunkt des festen Landes zu.</p>
-<p>Neu-Andalusien und Barcellona enthalten mehr als vierzehn
-St&auml;mme Indianer. Die der ersten Provinz sind die
-Chaymas, die Guayquerier, die Pariagotoer, die Quaquas, die
-Aruacas, die Cariben, die Guaraounoer; die der andern, die
-Cumanagatoer, die Palenkas, die Cariben, die Piritoer, die
-Tomoozas, die Topocuarer, die Chacopater und die Guarivas.
-Die oben erw&auml;hnten Guaraounoer, welche an der M&uuml;ndung
-des Orinoco in H&uuml;tten auf B&auml;umen wohnen, ist nicht bekannt.</p>
-<p>In den Vorst&auml;dten von Cumana und auf der Halbinsel Araya
-leben zweitausend Guayquerier. Unter den &uuml;brigen genannten
-St&auml;mmen sind die Chaymas von den Bergen von Caripe, die
-Cariben von Neu-Barcelona, und die Cumanagatoer in den
-Missionsanstalten von Piritoo die zahlreichsten.</p>
-<p>Die Sprache der Guaraounoer, so wie die der Cariben,
-Cumanagatoer und Chaymas werden am allgemeinsten gesprochen
-und scheinen einer und derselben Wurzel anzugeh&ouml;ren.</p>
-<p>Obgleich die zu den Missionen geh&ouml;rigen Indianer s&auml;mmtlich
-Ackerbau treiben, die nehmlichen Pflanzen cultiviren, ihre
-H&uuml;tten auf dieselbe Weise erbauen, und die nehmliche Lebensweise
-f&uuml;hren, so bleiben doch die N&uuml;ancen, wodurch sich die
-verschiedenen St&auml;mme von einander unterscheiden, unver&auml;ndert.
-Es giebt nur sehr wenige D&ouml;rfer, worin die Familien nicht
-verschiedenen St&auml;mmen angeh&ouml;rten und nicht verschiedene Sprachen
-spr&auml;chen.</p>
-<p>Die Mission&auml;re haben in der That verschiedene Gebr&auml;uche
-und Ceremonien verboten und manchen Aberglauben verbannt,
-allein sie sind nicht im Stande gewesen, den wesentlichen Charakter,
-welchen alle amerikanische Racen von der Hudsons Bay
-an bis zur Magellanschen Stra&szlig;e mit einander gemein haben,
-zu ver&auml;ndern.</p>
-<p>Der unterrichtete Indianer, welcher sicherer auf seinen Unterhalt
-z&auml;hlen kann, als der ungez&auml;hmte Eingeborne, und weniger
-der z&uuml;gellosen Wuth feindlicher Nachbarn oder dem Ungest&uuml;m
-der Elemente ausgesetzt ist, f&uuml;hrt ein einf&ouml;rmigeres Leben,
-besitzt die Charaktermilde, welche aus der Liebe zur Ruhe
-entspringt, und nimmt eine ruhige und geheimni&szlig;volle Miene an;
-allein sein Ideenkreis hat keine gro&szlig;e Erweiterung erfahren,
-und der Ausdruck von Melancholie, den seine Gesichtsz&uuml;ge darbieten,
-ist einzig und allein die Folge der Tr&auml;gheit und Unempfindlichkeit.</p>
-<p>Die Chaymas, wovon mehr als funfzehntausend die spanischen
-D&ouml;rfer bewohnen und die gegen Westen an die Cumanagatoer,
-gegen Osten an die Guaraounoer, und gegen S&uuml;den an
-die Cariben sto&szlig;en, haben einen Theil der hohen Berge Cocollar
-und Guacharo, so wie auch die Ufer des Guarapiche, Rio Colorado,
-Areo und den Cano von Caripe inne.</p>
-<p>Der erste Versuch, sie der Cultur zu unterwerfen, wurde
-in der Mitte des siebenzehnten Jahrhunderts vom Pater Francisco
-aus Pamplona, einem sehr eifrigen und unerschrockenen
-Mann, gemacht. Die nach und nach unter diesem Volke errichteten
-Missionsanstalten erlitten in den Jahren 1681, 1697
-und 1720 durch die Einf&auml;lle der Cariben bedeutende Verluste;
-von 1730 an wurde die Bev&ouml;lkerung durch die Verheerungen
-der Bocken vermindert.</p>
-<p>Sie haben von Natur sehr wenig Haar am Kinn, und das
-wenige, welches erscheint, wird sorgf&auml;ltig ausgerissen. Dieser
-geringe Bartwuchs ist der amerikanischen Rasse gemein, wiewohl
-es St&auml;mme giebt, z. B. die Chipewas und Patagonier, bei
-denen der Bart eine bedeutende Gr&ouml;&szlig;e erreicht.</p>
-<p><span style="margin-left: 0.5em;">Die Chaymas f&uuml;hren ein sehr regelm&auml;&szlig;iges und einf&ouml;rmiges</span><br />
-Leben. Sie gehen um sieben Uhr zu Bett und stehen halb
-f&uuml;nf Uhr auf. Das Innere ihrer H&uuml;tten halten sie &auml;u&szlig;erst rein,
-und ihre H&auml;ngmatten, Ger&auml;thschaften und Waffen befinden sich
-in der gr&ouml;&szlig;ten Ordnung. Sie baden sich jeden Tag, und da sie
-im Allgemeinen nackt gehen, so sind sie von dem Schmuze frei,
-welcher haupts&auml;chlich durch die Kleidung verursacht wird. Au&szlig;er
-ihrer H&uuml;tte im Dorfe haben sie gew&ouml;hnlich an einem einsamen
-Orte in den W&auml;ldern eine kleinere, die mit Palmen-
-oder Pisangbl&auml;ttern bedeckt ist, und in welche sie sich, so oft
-als es nur immer geht, zur&uuml;ckziehen, und so stark ist in ihnen
-der Wunsch, die Aehnlichkeiten eines wilden Lebens zu genie&szlig;en,
-da&szlig; die Kinder oft Tage lang in den W&auml;ldern umherziehen,
-und wirklich sind die St&auml;dte oder D&ouml;rfer bisweilen ganz verlassen.
-Wie bei allen barbarischen Nationen ist das weibliche
-Geschlecht Entbehrungen und Beschwerden ausgesetzt, der schwerste
-Theil der Arbeit f&auml;llt ihm zu.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_18_18"></a><a href="#FNanchor_18_18"><span class="label">[18]</span></a> &raquo;<em class="antiqua">Not loud but deep</em>,&laquo; eine spr&uuml;chw&ouml;rtliche Redens-Art.</p>
-</div>
-</div>
-</div>
-
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p091">[S. 91]</a></span></p>
-
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="no-break" id="Sechster_Brief">Sechster Brief.</h2>
-</div>
-
-<blockquote>
-<p class="p1 font09">Peterborough. &mdash; Sitten und Sprache der Amerikaner. &mdash;
-Schottischer Maschinenbauer. &mdash; Schilderung Peterboroughs und
-seiner Umgebungen. &mdash; Canadische Blumen. &mdash; Shanties. &mdash;
-Beschwerden und Strapazen, welche die ersten Ansiedler zu ertragen
-haben. &mdash; Verfahren bei Anlegung einer Meierei. &mdash;</p>
-</blockquote>
-
-
-<p class="p1 rright font09">
-Peterborough, den 11. Sptbr. 1832.<br />
-</p>
-
-<p>Es ist jetzt fest bestimmt, da&szlig; wir hier bleiben, bis
-die Verk&auml;ufe von Seiten der Regierung stattgefunden<a id="FNanchor_19_19"></a><a href="#Footnote_19_19" class="fnanchor">[19]</a>.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p092">[S. 92]</a></span>
-Wir werden alsdann bei S&mdash; und seiner Familie logiren
-und gedenken, w&auml;hrend der Zeit einige Acker gelichtetes
-Landes zu erlangen und ein Log-Haus auf eignem
-Grund und Boden zu errichten. Da wir uns einmal
-vorgenommen, in den Busch zu gehen, wo wir, als dem
-Militair-Stande angeh&ouml;rig, unser Grundeigenthum zu erwarten
-hatten, das uns gl&uuml;cklicher Weise in der Nachbarschaft
-von S&mdash; zu Theil geworden ist, so sind wir
-jetzt fest entschlossen, allen mit einer solchen Lage verbundnen
-Entbehrungen und M&uuml;hseligkeiten fr&ouml;hlichen Muthes
-zu begegnen; denn wir haben keine andere Wahl als entweder
-jenen gro&szlig;en Vortheil aufzugeben oder unsre Ansiedler-Pflichten
-zu thun. Wir werden, denk' ich, nicht
-schlechter dabei fahren, als andre, die vor uns in die noch
-unangebauten Distrikte gezogen sind, manche derselben,
-sowohl See- als Land-Offiziere, nebst ihren Familien,
-haben mit betr&auml;chtlichen Schwierigkeiten zu k&auml;mpfen gehabt,
-fangen aber gegenw&auml;rtig an, die Fr&uuml;chte ihrer Anstrengungen
-zu ernten.</p>
-
-<p>Au&szlig;er dem Grund und Boden, wozu er als Offizier
-in brittischen Diensten, berechtigt ist, handelt mein
-Gatte um ein St&uuml;ck Land in der N&auml;he kleiner Seen.
-Dies wird uns sowohl einen Wasser-Vordergrund verschaffen
-als auch der Familie S&mdash; n&auml;her bringen, mithin
-werden wir nicht so ganz allein und verlassen sein,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p093">[S. 93]</a></span>
-als wenn wir sogleich nach dem uns von der Regierung
-bewilligten Landeigenthum abgegangen w&auml;ren.</p>
-
-<p>Wir haben von mehren zu Peterborough angesiedelten
-Familien Aufmerksamkeit und Gastfreundschaft erfahren.
-Man findet hier eine sehr gute Gesellschaft die
-haupts&auml;chlich aus Offizieren und ihren Familien und
-au&szlig;erdem aus Professionisten und Vorrathsh&auml;ndlern besteht.
-Manche der letzten sind Leute von achtbarer Familie
-und guter Erziehung; wiewohl ein hiesiges Vorraths-Magazin
-in der That um nichts besser ist als ein
-<em class="gesperrt">Kramladen</em> (<em class="antiqua">general chop</em>) in einer englischen Landstadt,
-so behaupten doch die Vorrathsh&auml;ndler in Canada
-einen weit h&ouml;heren Rang als die Kr&auml;mer in den kleinen
-St&auml;dten und D&ouml;rfern von England. Die Vorrathsh&auml;ndler
-sind die Kaufleute und Banquiers der Orte, wo sie
-sich niedergelassen. Fast alle Geldsachen werden von ihnen
-abgemacht, und sie sind oft im Besitz von Grundeigenthum
-und Leute von Wichtigkeit, verwalten obrigkeitliche
-Aemter und werden nicht selten zu Commissairen,
-ja sogar zu Mitgliedern des Provincial-Parlamentes erw&auml;hlt.</p>
-
-<p>Da sie in der Gesellschaft einen Rang behaupten,
-der sie der Aristokratie des Landes gleich stellt, so d&uuml;rfen
-Sie sich nicht wundern, wenn ich Ihnen sage, da&szlig; es nichts
-Ungew&ouml;hnliches ist, den Sohn eines See- oder Land-Offiziers
-oder Geistlichen hinter dem Zahltisch stehen, oder
-mit seines Vaters Holzhauern im Walde die Axt f&uuml;hren
-zu sehen; eine Besch&auml;ftigung, wodurch sie keineswegs ihren
-Rang in der Gesellschaft verlieren. Nur gute Erziehung
-und feine Sitten unterscheiden hier den Gentleman von
-den &uuml;brigen Klassen, da der Arbeiter, wofern er flei&szlig;ig
-und betriebsam ist, was weltlichen Besitz anlangt, gar
-bald seines Gleichen werden kann. Der unwissende,
-sei er auch noch so reich, wird nie dem Mann von Erziehung
-die Wage halten. Es ist die moralische und
-geistige Ausbildung des Menschen, welche einen Unterschied
- <span class="pagenum"><a id="Page_p094">[S. 94]</a></span>
-der Klassen in diesem Lande bildet &mdash; &raquo;Kenntni&szlig;
-ist Macht.&laquo;</p>
-
-<p>Wir hatten so viel von den geh&auml;ssigen Sitten der Yankies
-in diesem Lande geh&ouml;rt, da&szlig; ich mich durch die wenigen
-Beispiele von eingebornen Amerikanern, die mir zu
-Gesicht kamen, viel mehr angenehm &uuml;berrascht fand. Sie
-waren gr&ouml;&szlig;tentheils h&ouml;fliche, anst&auml;ndige Leute. Die einzigen
-Eigenheiten, die ich an ihnen bemerken konnte, waren
-ein Nasen-Ton beim Sprechen und einige wenige seltsame
-Phrasen; allein diese sind blos unter den niedrigeren
-Klassen gebr&auml;uchlich, die etwas mehr <em class="gesperrt">rathen</em> und <em class="gesperrt">calculiren</em><a id="FNanchor_20_20"></a><a href="#Footnote_20_20" class="fnanchor">[20]</a>
-als wir. Einer ihrer merkw&uuml;rdigsten Ausdr&uuml;cke
-ist das Zeitwort &raquo;<em class="antiqua">Fix</em>,&laquo; (festsetzen, befestigen, bestimmen).
-Alles, was zu thun oder zu verrichten ist,
-mu&szlig; <em class="gesperrt">fixirt</em> (<em class="antiqua">fixed</em>) werden. &raquo;<em class="antiqua">Fix the room</em>,&laquo; bedeutet:
-das Zimmer in Ordnung bringen. &raquo;<em class="antiqua">Fix the table</em>,&laquo;
-(decke den Tisch), &raquo;<em class="antiqua">Fix the fire</em>,&laquo; (sch&uuml;re das Feuer
-an), sagt die Hausfrau zu ihren M&auml;gden, und alles geschieht
-dem Befehle gem&auml;&szlig;.</p>
-
-<p>Viel Spa&szlig; machte es mir, als ich eines Tages eine
-Frau zu ihrem Mann sagen h&ouml;rte, da&szlig; der Schornstein
-fixirt werden m&uuml;sse (<em class="antiqua">wanted fixing</em>). Ich hielt ihn f&uuml;r
-fest und sicher genug und war nicht wenig &uuml;berrascht,
-als der Hausherr einen Strick und einiges Cedern-Reisig
-herbeiholte, und damit den in der Esse angeh&auml;uften Ru&szlig;
-entfernte, welcher das Feuer rauchen machte. Der Schornstein
-war bald <em class="gesperrt">fixirt</em> (gereinigt), und das Rauchen hatte
-ein Ende. Diese seltsame Art, sich auszudr&uuml;cken, herrscht
-nicht allein unter den niedrigen Klassen, sondern hat,
-weil man dergleichen so oft h&ouml;rt, allgemeine Aufnahme
-gefunden, und wird sogar von den in letztrer Zeit hier
-angesiedelten Emigranten aus unserm Vaterlande gebraucht.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p095">[S. 95]</a></span>
-Mit Ausnahme einiger befremdenden Ausdr&uuml;cke, und
-eines Versuchs, feine Redens-Arten in ihre gew&ouml;hnliche
-Conversation einzuf&uuml;hren, behaupten die Yankies, was
-grammatische Richtigkeit anlangt, einen entschiednen Vorrang
-vor unsern englischen Bauern. Sie sprechen ein besseres
-Englisch, als man von Leuten desselben Standes in
-irgend einem Theile von England, Irland oder Schottland
-h&ouml;rt; obwohl man, meines Bed&uuml;nkens, dies zu
-Hause nicht gern zugeben m&ouml;chte.</p>
-
-<p>Wenn mich Jemand fragen sollte, welche Z&uuml;ge mir
-an den Amerikanern, auf die ich bis jetzt gesto&szlig;en, am
-meisten auffallen, so d&uuml;rfte ich antworten: &raquo;K&auml;lte, die sich
-der Apathie n&auml;hert.&laquo; Ich will damit keineswegs behaupten,
-da&szlig; es ihnen an Gef&uuml;hl und wahrer Gem&uuml;thlichkeit
-fehle; allein sie lassen ihre Bewegung nicht sehen. Sie
-sind nicht so verschwenderisch mit ihren Freundschaftsbezeugungen
-und Begr&uuml;&szlig;ungen, wie wir, obwohl vielleicht
-eben so aufrichtig. Niemand bezweifelt ihre Gastfreundschaft;
-allein man verlangt doch bei alle dem nach einem
-herzlichen Druck der Hand oder einem freundlichen Wort,
-wodurch man sich willkommen f&uuml;hlt.</p>
-
-<p>Neue Ank&ouml;mmlinge in diesem Lande sind sehr geneigt,
-die alten brittischen Ansiedler mit den eingebornen
-Amerikanern zu verwechseln, und, wenn sie auf rohe ungeschliffne
-Leute sto&szlig;en, die sich in ihrer Rede gewisser Yankie-Worte
-bedienen, und mit ihrer, den aristokratischen
-Begriffen der vornehmen Engl&auml;nder zuwiederlaufenden Unabh&auml;ngigkeit
-prunken, sogleich annehmen, da&szlig; sie es mit
-wirklichen Yankies zu thun haben, w&auml;hrend dieselben doch
-in der That blose Nachahmer sind; und Sie wissen wohl,
-Beste Mutter, da&szlig; eine schlechte Nachahmung stets schlechter
-ist, als das Original.</p>
-
-<p>Sie w&uuml;rden sich nicht wenig wundern, wenn Sie
-s&auml;hen, wie bald die neuen Ank&ouml;mmlinge in diese widrigen
-Maniren und Affectation von Gleichheit verfallen;
-was vorz&uuml;glich von den Irl&auml;ndern und Schotten niedriger
- <span class="pagenum"><a id="Page_p096">[S. 96]</a></span>
-Abkunft gilt; die Engl&auml;nder machen schon eher eine
-Ausnahme. Das Benehmen eines jungen Schotten, des
-Maschinenmeisters auf dem Dampfboote, als ihn mein
-Gemahl &uuml;ber die Handhabung der Maschine befragte,
-machte uns gewisserma&szlig;en Unterhaltung. Seine Maniren
-waren grob, ja sogar beleidigend. Er vermied sorgf&auml;ltig
-jede Hinneigung zu H&ouml;flichkeit oder &auml;u&szlig;erem Anstand;
-ja er ging so weit, da&szlig; er sich auf die Bank dicht neben
-mich setzte und bemerkte, er halte unter den vielen
-Vortheilen, welche dieses Land Ansiedlern, wie er sei, darbiete,
-es nicht f&uuml;r den geringsten, da&szlig; er nicht verbunden
-sei, seinen Hut abzunehmen, wenn er mit Leuten (<em class="antiqua">people</em>)
-(Personen unsers Standes meinend) spreche, und da&szlig; er
-sie nicht anders als bei ihren Namen anzureden brauche;
-dazu k&ouml;nne er seinen Sitz neben jedem Gentleman und
-jeder Dame nehmen und sich ihnen v&ouml;llig gleich achten.</p>
-
-<p>&raquo;Sehr wahr,&laquo; erwiederte ich, kaum verm&ouml;gend,
-mein Lachen &uuml;ber diesen Ausfall zu unterdr&uuml;cken; &raquo;allein
-ich glaube Sie &uuml;bersch&auml;tzen den Vortheil solcher Privilegien
-um ein Bedeutendes; denn Sie k&ouml;nnen die Dame oder
-den Mann von Stande nicht zwingen, dieselbe Meinung von
-Ihrer Pers&ouml;nlichkeit zu hegen oder, wofern sie sich nicht dadurch
-geschmeichelt f&uuml;hlen, neben Ihnen sitzen zu bleiben.&laquo;
-Mit diesen Worten stand ich auf und verlie&szlig; den unabh&auml;ngigen
-Gentleman, offenbar ein wenig verwirrt &uuml;ber
-dieses Man&ouml;vre, inde&szlig; gewann er seinen Selbstbesitz bald
-wieder, schwang die Axt, welche er in der Hand hatte, und
-sagte: &raquo;Es ist, denke ich, kein Verbrechen, von armen
-Aeltern geboren zu sein.&laquo;</p>
-
-<p>&raquo;Nein! wahrlich nicht,&laquo; antwortete mein Gatte,
-&raquo;kein Mensch kann sich seine Geburt selbst w&auml;hlen, er
-hat es nicht in seiner Gewalt, arm oder reich geboren
-zu werden; und eben so wenig kann es einem Gentleman
-zur Last gelegt werden, da&szlig; er von Aeltern geboren worden,
-die einen h&ouml;hern Rang in der Gesellschaft einnehmen,
-als sein Nachbar. Ich hoffe Sie geben dies zu.&laquo;</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p097">[S. 97]</a></span></p>
-
-<p>Der Schotte sah sich, wiewohl ungern, zur Bejahung
-dieses Ausspruchs gen&ouml;thigt; schlo&szlig; aber nachmals
-damit: er sei sehr froh, da&szlig; er vor Gentlemen, wie sie
-sich zu nennen beliebten, den Hut nicht abzunehmen, noch
-in seiner Rede sich demuthsvoll zu zeigen brauche.</p>
-
-<p>&raquo;Niemand, mein Freund, d&uuml;rfte Sie gezwungen
-haben, in ihrem Vaterlande h&ouml;flicher zu sein, als in Canada.
-Gewi&szlig; h&auml;tten Sie, wofern es Ihnen so beliebte,
-Ihren Hut ebenfalls aufbehalten k&ouml;nnen. Kein Gentleman,
-glauben Sie mir, w&uuml;rde Ihnen denselben vom Kopfe
-geschlagen haben.</p>
-
-<p>&raquo;Was den ger&uuml;hmten Vortheil in Betreff roher
-Sitten in Canada anlangt, so w&uuml;rde ich etwas davon
-halten, wenn er Ihnen nur im geringsten n&uuml;tzte, oder
-einen Dollar mehr in die Tasche br&auml;chte; allein ich
-habe Grund, zu zweifeln, da&szlig; er diese w&uuml;nschenswerthe
-Wirkung hat.&laquo;</p>
-
-<p>&raquo;Es ist aber doch tr&ouml;stlich, sollte ich meinen, sich
-einem Gentleman gleich zu achten.&laquo;</p>
-
-<p>&raquo;Besonders wenn Sie den Gentleman zu denselben
-Gedanken bestimmen k&ouml;nnen.&laquo; Dies war ein Punkt,
-der unsern Gleichheits-Candidaten etwas in Verlegenheit
-zu setzen schien; denn er begann mit verdoppelter Energie
-zu pfeifen und die F&uuml;&szlig;e zu schleudern.</p>
-
-<p>&raquo;Jetzt,&laquo; sagte sein Peiniger, &raquo;nachdem Sie mir
-Ihre Begriffe von canadischer Unabh&auml;ngigkeit erkl&auml;rt, haben
-Sie die Gef&auml;lligkeit, mich mit dem Mechanismus
-Ihrer Maschine vertraut zu machen, die Sie so genau
-zu kennen scheinen.&laquo;</p>
-
-<p>Der Mann sah meinen Gatten eine Minute lang
-halb trotzig, halb durch das seiner Geschicklichkeit gezollte
-Compliment geschmeichelt, an, ging darauf zur Maschine
-setzte alles mit gro&szlig;er Gel&auml;ufigkeit auseinander und behandelte
-uns seit dieser Zeit mit vollkommner Achtung.
-Die Erwiederung meines Gatten auf seine in einem
-h&ouml;chst unh&ouml;flichen Tone gethane Frage: &raquo;was macht denn
- <span class="pagenum"><a id="Page_p098">[S. 98]</a></span>
-eigentlich einen Gentleman, ich bitte Sie, beantworten
-Sie mir das?&laquo; &raquo;Feine Sitten und gute Erziehung.
-&mdash; Ein reicher oder hochgeborner Mann, der sich roh und
-ungesittet benimmt und unwissend ist, hat eben so wenig
-Anspr&uuml;che auf den Titel: Gentleman, als Sie selbst,&laquo;
-hatte auf ihn einen starken Eindruck gemacht.</p>
-
-<p>Wir standen seitdem auf einem ganz andern Fu&szlig;e
-miteinander; der Maschinen-Meister hatte so viel gesunden
-Verstand, da&szlig; er einsah, rohe Vertraulichkeit mache
-den Gentleman noch nicht aus.</p>
-
-<p>Allein es wird Zeit, da&szlig; ich Ihnen einige Nachrichten
-&uuml;ber Peterborough mittheile, welches, hinsichtlich
-der Lage, jedem andern Ort, den ich bis jetzt in der obern
-Provinz gesehen habe, &uuml;berlegen ist. Es nimmt ziemlich
-den Mittelpunkt zwischen den Stadt-Bezirken Monaghan,
-Smith, Cavan, Otanabee und Douro ein, und
-d&uuml;rfte nicht unpassend als die Hauptstadt des Newcastle-Distrikts
-gelten.</p>
-
-<p>Es liegt auf einer h&uuml;bschen erhabnen Ebne, gerade
-&uuml;ber einem kleinen See, wo der Flu&szlig; durch zwei niedrige
-bewaldete Eilande getheilt ist. Der urspr&uuml;ngliche oder
-Gouvernements-Theil der Stadt ist in Halbacker-Parcellen<a id="FNanchor_21_21"></a><a href="#Footnote_21_21" class="fnanchor">[21]</a>
-angebaut; die Stra&szlig;en, welche sich jetzt schnell
-mit Geb&auml;uden f&uuml;llen, bilden rechte Winkel mit dem Flusse
-und erstrecken sich gegen die Ebnen nach Nordosten zu.
-Diese Ebnen bilden einen sch&ouml;nen nat&uuml;rlichen Park, in
-welchem Th&auml;ler und H&uuml;gel anmuthig mit einander abwechseln;
-&uuml;berall st&ouml;&szlig;t das Auge auf liebliche, gr&uuml;ne, mit
-den mannigfaltigsten und sch&ouml;nsten Blumen geschm&uuml;ckte
-Auen, gleichsam von der Hand der Natur mit Gruppen von
-stattlichen Fichten, Eichen, Balsam-Pappeln, italienischen
-Pappeln und Silber-Birken bepflanzt.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p099">[S. 99]</a></span></p>
-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/p099i.jpg" alt="Canadische Fichte." />
- </div>
-
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p100"></a></span></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p101">[S. 101]</a></span>
-Die Aussicht von diesen Ebnen aus ist entz&uuml;ckend;
-wohin man nursein Auge wendet, erblickt man mannigfaltige H&uuml;gel und
-Th&auml;ler, Wald und Wasser, w&auml;hrend sich die Stadt &uuml;ber
-einen betr&auml;chtlichen Fl&auml;chenraum ausbreitet.</p>
-
-<p>Die Ebnen verlaufen mit einer starken Neigung
-nach dem Flusse zu, der mit gro&szlig;em Ungest&uuml;m zwischen
-seinen Ufern hinbraust. Denken Sie sich ein langes, enges,
-den &ouml;stlichen und westlichen Theil der Stadt in zwei
-H&auml;lften scheidendes Thal.</p>
-
-<p>Das Otanabee-Ufer erhebt sich zu einer gr&ouml;&szlig;eren
-H&ouml;he als die Monaghan-Seite, und beherrscht eine weite
-Aussicht &uuml;ber das zwischenliegende Thal; die gegen&uuml;ber
-befindliche Stadt und die bekr&auml;nzten Waldungen und
-H&uuml;gel im Hintergrunde. Dieser Theil hei&szlig;t <em class="gesperrt">Peterborough-East</em>
-und ist das Besitzthum drei reicher Capitalisten,
-von welchen man die Stadt-Parcellen kauft.</p>
-
-<p>Peterborough, auf die angegebne Weise vertheilt,
-nimmt einen betr&auml;chtlichen, zur Bildung einer gro&szlig;en
-Hauptstadt mehr als hinreichenden Fl&auml;chenraum ein.
-Seine Einwohner-Zahl wird gegenw&auml;rtig auf siebenhundert
-K&ouml;pfe und dar&uuml;ber gesch&auml;tzt, und wenn sie in den
-n&auml;chsten Jahren so schnell zu wachsen fortf&auml;hrt, wie
-dies der Fall bisher gewesen ist, so d&uuml;rfte Peterborough
-bald eine sehr volkreiche Stadt sein<a id="FNanchor_22_22"></a><a href="#Footnote_22_22" class="fnanchor">[22]</a>.</p>
-
-<p>Der Ort ist im Besitz gro&szlig;er Wasser-Kraft, sowohl
-durch den Flu&szlig; als den sch&ouml;nen breiten Bach,
-der seinen Weg durch die Stadt windet und sich in den
-kleinen, weiter unten liegenden See ergie&szlig;t. Man findet
-daselbst verschiedne S&auml;ge- und Mahl-M&uuml;hlen, eine Branntweinbrennerei,
-eine Walk-M&uuml;hle, zwei gr&ouml;&szlig;ere Gasth&ouml;fe
-und verschiedne kleine Wirthsh&auml;user, eine Anzahl gute
-Vorrathsh&auml;user, ein Gouvernements-Schulhaus, das auch
-als Kirche dient, bis ein gro&szlig;es Gotteshaus erbaut sein
- <span class="pagenum"><a id="Page_p102">[S. 102]</a></span>
-wird. Die Ebnen werden zu Park-Anlagen verkauft,
-und hier und da erheben sich h&uuml;bsche kleine Wohnh&auml;user,
-allein ich f&uuml;rchte sehr, da&szlig; die nat&uuml;rlichen Sch&ouml;nheiten dieser
-anmuthigen Landschaft bald verloren gehen werden.</p>
-
-<p>Ich erm&uuml;de gar nicht in meinen Ausfl&uuml;gen und
-erklettre die H&uuml;gel und Berge in jeder Richtung, um eine
-neue Aussicht zu gewinnen, oder einige neue Blumen zu
-sammeln, woran, obgleich schon sp&auml;t im Sommer, es doch
-immer noch einen Ueberflu&szlig; giebt.</p>
-
-<p>Unter den Pflanzen, mit deren Namen ich bekannt
-bin, sind mancherlei strauchartige Astern von fast jeder Farbe:
-Blau, Roth und Perlwei&szlig;; eine Monarde von h&ouml;chst
-aromatischem Geruch, den selbst die trocknen Stiele und
-Samen-Beh&auml;lter theilen; das wei&szlig;e Ruhrkraut (<em class="antiqua">Gnaphalium</em>)
-oder die Immortelle (wovon bereits die Rede
-gewesen); verschiedne Rosen-Arten, wovon ich noch einige
-Knospen in einem Thale unweit der Kirche fand. Auch
-bemerkte ich unter den strauchartigen Gew&auml;chsen eine niedliche
-kleine, unserm Buchsbaum &auml;hnliche Pflanze; sie
-schleppt sich am Boden hin, und sendet Zweige und
-Sch&ouml;&szlig;linge aufw&auml;rts; ihre Bl&auml;tter werden mit der Zeit
-dunkel kupferroth; allein trotz dem anscheinenden Widerspruch,
-ist sie ein Immergr&uuml;n<a id="FNanchor_23_23"></a><a href="#Footnote_23_23" class="fnanchor">[23]</a>. Ferner fand ich einige
-sch&ouml;ne Lichen-Arten mit korallenfarbnen M&uuml;tzchen auf
-den grauen hohlen Stielen, sie stehen in unregelm&auml;&szlig;igen
-B&uuml;scheln zwischen dem trocknen Moose, noch h&auml;ufiger aber
-bedecken sie die Wurzeln der B&auml;ume oder halb verwitterten
-Baumst&auml;mme. Unter den mancherlei Pilzen sammelte
-ich einen hohlen Becher, von sch&ouml;nstem Scharlachroth
-an der innern Fl&auml;che und &auml;u&szlig;erlich bla&szlig; rehfarben; eine
-andre sehr sch&ouml;ne Pilz-Art bestand aus kleinen Aestchen,
-wie wei&szlig;e Korallen-B&auml;umchen, aber von so zartem Gef&uuml;ge,
-da&szlig; sie bei der leisesten Ber&uuml;hrung abbrachen.</p>
-
-<p>Der Boden war an manchen Orten mit einem dicken
- <span class="pagenum"><a id="Page_p103">[S. 103]</a></span>
-Teppich von Erdbeeren mancherlei Art bedeckt, welche,
-so lange ihre Zeit ist, denen, die sich die M&uuml;he nehmen,
-sie zu pfl&uuml;cken, ein stetes Dessert liefern; ich meines Theils
-w&uuml;rde gewi&szlig; von diesem Privilegium Gebrauch machen,
-wenn ich den Sommer &uuml;ber in ihrer N&auml;he w&auml;re.
-Au&szlig;er den Pflanzen, die ich selbst in der Bl&uuml;the beobachtet
-habe, sollen Fr&uuml;hling und Sommer noch manche andre
-hervorbringen: eine orangenfarbne Lilie, die rothe Pechnelke<a id="FNanchor_24_24"></a><a href="#Footnote_24_24" class="fnanchor">[24]</a>,
-die Mocassin-Blume oder gelbe Scharte (Ginster);
-Maiblumen in Ueberflu&szlig;; und nach den Ufern des
-Baches oder des Otanabee zu bewegt die pr&auml;chtige Cardinal-Blume<a id="FNanchor_25_25"></a><a href="#Footnote_25_25" class="fnanchor">[25]</a>
-ihre scharlachrothen Bl&uuml;then-Aehren
-anmuthig hin und her.</p>
-
-<p>Ich &auml;rgere mich ordentlich, da&szlig; man mir, wenn ich
-die Sch&ouml;nheit der canadischen Blumen bewundre, jedesmal
-wiederholt, sie seien geruchlos, und daher kaum der
-Beachtung werth; als wenn sich das Auge nicht an den
-sch&ouml;nen Formen und Farben weiden k&ouml;nnte, wenn nicht
-zugleich dem Geruchssinn geschmeichelt wird.</p>
-
-<p>Um dieses Land von dem Vorwurf zu befreien, den
-ihm ein sehr gescheuter Mann machte, mit welchem ich
-einst in London zusammen traf, da&szlig; n&auml;mlich die hiesigen
-Blumen ohne Geruch, und die V&ouml;gel ohne Gesang seien,
-bemerke ich hier, da&szlig; mir bereits verschiedne &auml;u&szlig;erst wohlriechende
-Blumen und Kr&auml;uter zu Gesicht gekommen
-sind. Unter diesen darf ein sch&ouml;nes, strauchartiges Gew&auml;chs
-(<em class="antiqua">milk-weed</em>), mit purpurfarbnen Bl&uuml;then, die sich
-eben so sehr durch ihre Farben-Pracht als ihren reichen
-Geruch auszeichnen, nicht vergessen werden.</p>
-
-<p>Ich gedenke n&auml;chstens ein Herbarium f&uuml;r <em class="gesperrt">Elisa</em>
-zu sammeln und eine Beschreibung der Pflanzen, ihres
-Wachsthums und ihrer Eigenschaften beizuf&uuml;gen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p104">[S. 104]</a></span></p>
-
-<p>Alle merkw&uuml;rdige Umst&auml;nde hinsichtlich derselben werde ich
-sorgf&auml;ltig aufzeichnen; und sagen Sie ihr, sie solle versichert
-sein, da&szlig; ich ihr von jeder vorkommenden Art bei
-g&uuml;nstiger Gelegenheit ein Exemplar, wo m&ouml;glich mit den
-Samen, &uuml;bersenden werde.</p>
-
-<p>Meines Erachtens d&uuml;rfte dieses Land den Forschungen
-des Botanikers ein weites und fruchtbares Feld er&ouml;ffnen.
-Ich bedaure jetzt sehr meine Nichtbeachtung
-der h&auml;ufigen Aufforderungen <em class="gesperrt">Elisa's</em>, ein Studium zu
-verfolgen, welches ich einst f&uuml;r trocken hielt, jetzt aber
-h&ouml;chst interessant finde und als eine fruchtbare Quelle
-geistigen Genusses besonders f&uuml;r diejenigen betrachte, welche
-im Busche (Urw&auml;lder) leben und demgem&auml;&szlig; nothwendiger
-Weise von den Freuden und Vergn&uuml;gungen, welche
-ein gro&szlig;er Kreis von Freunden, &mdash; und dem Wechselwelchen
-eine Stadt oder auch nur ein Dorf darbieten,
-ausgeschlossen sind.</p>
-
-<p>Am Sonntage ging ich in die Kirche; &mdash; die erste
-Gelegenheit, dem &ouml;ffentlichen Gottesdienst beizuwohnen,
-seitdem ich die schottischen Hochlande verlassen; und gewi&szlig;
-hatte ich Ursache, vor dem barmherzigen Gott, der
-mich wohlbehalten durch die Gefahren der gro&szlig;en Tiefe
-(des Meeres) und der verderblichen Krankheit gef&uuml;hrt,
-demuthsvoll und dankbar meine Knie zu beugen. Noch
-nie erschien mir unsre sch&ouml;ne Liturgie so r&uuml;hrend und
-eindrucksvoll als an diesem Tage &mdash; in unsrer schlichten,
-aus rohen Baumst&auml;mmen mitten in der Wildni&szlig; erbauten
-Kirche.</p>
-
-<p>Dieses einfache Geb&auml;ude liegt am Fu&szlig;e eines sanften
-Abhanges auf der Ebne, umgeben von Eichen- und
-Fichten-Gruppen die, obgleich nicht so gro&szlig; und stattlich
-wie die gewaltigen Eichen und Kiefern des Forstes,
-mit ihren in mannigfaltige und seltsame Formen vertheilten
-Aesten dem Auge doch weit angenehmer sind.
-Der Rasen ist hier von smaragdnem Gr&uuml;n; mit einem
-Wort, es ist ein anmuthiges Pl&auml;tzchen, entfernt von dem
- <span class="pagenum"><a id="Page_p105">[S. 105]</a></span>
-ger&auml;uschvollen Treiben der Stadt, ein geeigneter Ort, Gott
-in Geist und Wahrheit zu verehren!</p>
-
-<p>Nach den Smith-town-H&uuml;geln hin und l&auml;ngs den
-Ufern, welche den Flu&szlig; &uuml;berragen, giebt es manche herrliche
-Spazierg&auml;nge. Der Gipfel der H&uuml;gel ist unfruchtbar
-und dicht mit lockern, rothen und grauen Granitbl&ouml;cken,
-und zwischen diesen, mit gro&szlig;en &mdash; in jeder Richtung
-ausgestreuten Kalkstein-Massen bedeckt; letztere sind
-meistentheils durch die Einwirkung des Wassers glatt und
-zugerundet. Da sie losgetrennte St&uuml;cke sind und blos
-die Oberfl&auml;che des Bodens einnehmen, so konnte ich mir
-nicht recht erkl&auml;ren, wie sie in diese H&ouml;he gekommen.
-Ein Geolog w&uuml;rde ohne Zweifel dieses R&auml;thsel in wenigen
-Minuten l&ouml;sen. Die Eichen, welche auf dem hohen
-Ufer wachsen, sind eher gr&ouml;&szlig;er und &uuml;ppiger, als die in
-den Th&auml;lern und auf andern fruchtbaren Boden-Stellen.</p>
-
-<p>Hinter der Stadt, in der Richtung der Cavan- und
-Emilien- (<em class="antiqua">Emily</em>) Stra&szlig;e, breitet sich ein weiter Raum
-aus, den ich <em class="antiqua">Squatter's ground</em> nenne, weil er ganz
-mit Shanties bedeckt ist, worin die armen Auswandrer,
-ausgel&ouml;&szlig;te Pensionairs<a id="FNanchor_26_26"></a><a href="#Footnote_26_26" class="fnanchor">[26]</a> und dergleichen Leute sich mit
-ihren Familien niedergelassen haben. Einige bleiben hier,
-um, wie sie vorgeben, ein einstweiliges Obdach f&uuml;r ihre
-Weiber und Kinder zu haben, bis sie mit Errichtung
-eines Hauses auf dem ihnen bewilligten Grund und Boden
-zu deren Aufnahme zu Stande gekommen; aber nicht selten
-geschieht es, da&szlig; sie aus Tr&auml;gheit oder wirklichem Unverm&ouml;gen,
-das ihnen oft meilenweit von hier in den Urw&auml;ldern
-und in noch ganz unbebauten Ortschaften oder Stadtbezirken<a id="FNanchor_27_27"></a><a href="#Footnote_27_27" class="fnanchor">[27]</a>
-zugetheilte Land zu bearbeiten, verk&uuml;mmern, indem
- <span class="pagenum"><a id="Page_p106">[S. 106]</a></span>
-sich ihnen zu gro&szlig;e Schwierigkeiten und Hindernisse entgenstellten,
-deren Besiegung mehr Energie und Muth erfordert,
-als viele derselben besitzen. Andre, zu M&uuml;&szlig;iggang
-und Ausschweifungen geneigt, vergeuden das empfangene
-Geld und verkaufen das Land, wof&uuml;r sie ihre
-Pensionen aufgaben, und m&uuml;ssen dann nothwendiger
-Weise in Armuth und Elend auf dem Shanty-Grunde
-hocken bleiben.</p>
-
-<p>Die Shanty ist eine Art H&uuml;tte im urspr&uuml;nglichen
-canadischen Baustyl, und nichts weiter als ein aus unbehauenen
-Baumst&auml;mmen oder Scheiten (<em class="antiqua">logs</em>) zusammengezimmerter
-Schuppen; die Fugen zwischen den runden
-R&auml;ndern (<em class="antiqua">round edges</em>) der Baumst&auml;mme sind mit
-Schlamm oder Lehm, Moos oder Holzschnitzeln ausgef&uuml;llt;
-das Dach besteht h&auml;ufig aus gespaltnen und mit
-der Art ausgeh&ouml;hlten B&auml;umen, die neben einander gelegt
-sind, so da&szlig; die Kanten auf einander ruhen; die
-hohlen und convexen Fl&auml;chen sehen abwechselnd nach oben,
-und so bildet ein Scheit (gespaltner Baumstamm) um
-das andre eine Rinne zur Ableitung des Regens und
-schmelzenden Schnees. Die Traufen eines solchen Geb&auml;udes
-gleichen den wellenf&ouml;rmigen R&auml;ndern einer Kammmuschel;
-allein so roh dieses Dach ist, entspricht es doch
-dem Zweck, das Innere trocken zu erhalten, weit wirksamer
-als die aus Rinde oder Bretern gebildeten D&auml;cher
-durch welche der Regen nur zu leicht Eingang findet.
-Bisweilen hat die Shanty ein Fenster, bisweilen nur
-einen offnen Thorweg, welcher das Licht ein- und den
-Rauch ausl&auml;&szlig;t<a id="FNanchor_28_28"></a><a href="#Footnote_28_28" class="fnanchor">[28]</a>.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p107">[S. 107]</a></span></p>
-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/p107i.jpg" alt="Log-Haus." />
- </div>
-
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p108"></a></span></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p109">[S. 109]</a></span></p>
-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/p109i.jpg" alt="H&ouml;lzernes Dorf." />
- </div>
-
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p110"></a></span></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p111">[S. 111]</a></span>
-Eine rohe Esse, oft nichts weiter
-als ein in die obersten Dachb&auml;ume, &uuml;ber dem Heerde, geschnittne
-und in viereckiger Form roh mit Bretern umgebne
-Oeffnung dient zum Auslassen des Rauches; die
-einzige Vorsichtsma&szlig;regel, um zu verhindern, da&szlig; die
-Scheit-W&auml;nde nicht Feuer fangen, besteht in Anbringung
-einiger gro&szlig;en Steine in halbkreisartiger Form, oder
-noch gew&ouml;hnlicher, einer Lage trockner Erde zwischen Heerd
-und Wand.</p>
-
-<p>Nichts kann unbehaglicher sein als einige dieser mit
-Rauch und Schmuz gef&uuml;llten Shanties, der gemeinliche
-Zufluchtsort f&uuml;r Kinder, Schweine und Gefl&uuml;gel. Allein
-ich habe Ihnen bis jetzt nur die Schatten-Seite des Gem&auml;ldes
-gegeben; und es freut mich, Ihnen sagen zu
-k&ouml;nnen, da&szlig; nicht alle Shanties auf dem Squatter's-Grunde
-der geschilderten gleichen; im Gegentheil die
-Mehrzahl war von behenden muntern Leuten bewohnt
-und hatte sogar zwei Fenster und einen von Lehm regelrecht
-durch das Dach gef&uuml;hrten Schornstein, ja einige
-waren sogar roh gedielt, und fast eben so bequem eingerichtet,
-wie die kleinen Log-H&auml;user.</p>
-
-<p>Sie d&uuml;rften es vielleicht befremdend finden, wenn ich
-Ihnen versichre, da&szlig; manche achtbare Emigranten mit
-ihren Weibern und Kindern, Personen von zartem
-K&ouml;rperbau und, ehe sie hierher kamen, an jede Bequemlichkeit
-gew&ouml;hnt, sich begn&uuml;gt haben, w&auml;hrend des ersten
-oder der zwei ersten Jahre ihrer Ansiedelung in den W&auml;ldern
-eine dergleichen H&uuml;tte zu bewohnen.</p>
-
-<p>Mit einiger Theilnahme habe ich die Erz&auml;hlungen
-von den Beschwerden und M&uuml;hseligkeiten angeh&ouml;rt, die
- <span class="pagenum"><a id="Page_p112">[S. 112]</a></span>
-einige der ersten Ansiedler in der Nachbarschaft, als Peterborough
-nur erst zwei Wohnh&auml;user enthielt, erduldet
-haben. Damals gab es hier weder durch die Waldung
-gehauene Stra&szlig;en noch Boote zur Communication mit
-den entlegnen, bereits angebauten Theilen des Distriktes;
-daher denn die Schwierigkeiten, sich die n&ouml;thigen Mund-Vorr&auml;the
-und andre Bed&uuml;rfnisse zu verschaffen, weit gr&ouml;&szlig;er
-waren, als sich irgend einer von den sp&auml;tern Ank&ouml;mmlingen
-vorstellen kann.</p>
-
-<p>Als ich von einer ganzen Familie h&ouml;rte, die keinen
-bessern Mehlvorrath hatte, als was t&auml;glich auf einer kleinen
-Handm&uuml;hle gemahlen werden konnte, und vier Wochen
-hindurch fast von allen n&ouml;thigen Lebensbed&uuml;rfnissen,
-selbst Brod nicht ausgenommen, entbl&ouml;&szlig;t war, konnte
-ich unm&ouml;glich meine Verwunderung verheimlichen, da&szlig; ich
-in den &uuml;ber Auswanderung erschienenen B&uuml;chern von
-dergleichen Uebeln auch nicht ein Wort gelesen, das den
-k&uuml;nftigen Ansiedler darauf h&auml;tte vorbereiten k&ouml;nnen.</p>
-
-<p>&raquo;Diese besondern Pr&uuml;fungen,&laquo; bemerkte mein verst&auml;ndiger
-Freund, &raquo;beschr&auml;nken sich haupts&auml;chlich auf die
-ersten Ank&ouml;mmlinge, welche sich in den noch v&ouml;llig unangebauten
-Theilen des Landes niederlassen, wie dies unser
-Fall war. Fragen Sie nur genau einige von den
-Familien der niedern Klasse, die sich weit von den St&auml;dten
-angesiedelt haben und die wenige oder keine Mittel zu
-ihrem Unterhalt w&auml;hrend der ersten zw&ouml;lf Monate besa&szlig;en,
-bis sie eine Ernte von ihrem Boden erhielten, so werden
-sie manche traurige Erz&auml;hlung von Leiden und M&uuml;hseligkeiten
-vernehmen.&laquo;</p>
-
-<p>Schriftsteller &uuml;ber Auswanderung geben sich nicht
-die M&uuml;he, nach diesen Dingen zu forschen, auch entspricht
-die Mittheillung unangenehmer Thatsachen ihrem
-Zweck nicht. Nur wenige haben ausschlie&szlig;lich &uuml;ber den
-&raquo;<em class="gesperrt">Busch</em>&laquo; geschrieben. Reisende durcheilen in der Regel
-die seit langer Zeit angesiedelten in gutem Gedeihen begriffnen
-Theile des Landes, sie sehen einen Strich fruchtbaren
- <span class="pagenum"><a id="Page_p113">[S. 113]</a></span>
-angebauten Bodens, das Resultat vielj&auml;hriger Arbeit und
-Th&auml;tigkeit; sie sehen bequeme Wohnh&auml;user, reichlich ausgestattet
-mit allen wesentlichen Lebens-Bed&uuml;rfnissen; die
-Frau des Meierei-Besitzers macht ihre Seife, ihre Lichte
-und ihren Zucker selbst, die Familie ist in Zeuge gekleidet,
-die sie mit eigner Hand gesponnen und gewebt hat,
-sie tr&auml;gt Str&uuml;mpfe von eigner Fabrik. Brod, Bier,
-Butter, K&auml;se, Fleisch, Federvieh u. s. w. sind insgesammt
-Erzeugnisse des eignen Bodens. Sie schlie&szlig;en daraus,
-da&szlig; Canada ein zweites Canaan sei, und schreiben ein
-Buch, worin sie diese Vortheile auseinandersetzen, mit
-der Hinzuf&uuml;gung, da&szlig; man daselbst Grund und Boden
-f&uuml;r einen wahren Spottpreis erhalte; und rathen jedem,
-der unabh&auml;ngig und gegen Mangel gesichert zu sein
-w&uuml;nscht, zur Auswanderung.</p>
-
-<p>&raquo;Man vergi&szlig;t, da&szlig; diese Vortheile das Resultat vielj&auml;hriger
-unabl&auml;ssiger Anstrengungen, da&szlig; sie der <em class="gesperrt">Kranz</em>
-nicht <em class="gesperrt">die ersten Fr&uuml;chte</em> der m&uuml;hevollen Arbeit des
-Ansiedlers sind; und da&szlig; fast jede Klasse von Auswandrern
-in der Zwischenzeit sich manchen und gro&szlig;en Entbehrungen
-unterwerfen mu&szlig;.</p>
-
-<p>&raquo;Viele lassen sich bei ihrer ersten Ankunft, vorz&uuml;glich
-in den noch unangebauten Gemeinde-Bezirken (<em class="antiqua">townships</em>),
-durch den wenig versprechenden Anblick der Gegenst&auml;nde
-um sie her entmuthigen. Sie finden keine von jenen
-Vortheilen und Bequemlichkeiten, wovon sie geh&ouml;rt und gelesen
-haben; und sie sind auf die gegenw&auml;rtigen Schwierigkeiten
-unvorbereitet; einige verzagen, andre verlassen
-den Ort, in ihren Erwartungen get&auml;uscht und voll Unwillen.</p>
-
-<p>&raquo;Ein wenig Ueberlegung w&uuml;rde ihnen gezeigt haben,
-da&szlig; jede Route Land von der dichten Waldung, womit
-sie bedeckt ist, befreit werden mu&szlig;, ehe man eine Weizenpflanze
-erziehen kann; da&szlig;, nachdem die gef&auml;llten
-B&auml;ume zerschnitten, geklaftert (<em class="antiqua">logged</em>) und verbrannt
-worden sind, das Feld eingefriedigt, die Saat ges&auml;et,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p114">[S. 114]</a></span>
-geerntet und ausgedroschen werden mu&szlig;, ehe an einen Gewinn
-zu denken ist; da&szlig; alles dies viel Zeit und Arbeit,
-und wenn man letztere bezahlen mu&szlig;, eine betr&auml;chtliche
-Auslage an barem Gelde n&ouml;thig ist, und da&szlig;, eine Familie
-mittlerweile essen und trinken will; da&szlig; im Fall
-einer gr&ouml;&szlig;eren Entfernung von den Vorrathspl&auml;tzen,
-jeder Artikel auf schlechten Stra&szlig;en entweder durch Menschenh&auml;nde
-oder auf der Axe zugef&uuml;hrt werden mu&szlig;, wobei
-zu bemerken, da&szlig; in Verh&auml;ltni&szlig; zu der Weg-L&auml;nge
-und den Schwierigkeiten r&uuml;cksichtlich des Transports das
-Fuhr- und Tr&auml;ger-Lohn mehr oder weniger kostspielig ist.
-Gewi&szlig; ist es besser, alle diese Dinge im Voraus zu kennen,
-weil man alsdann wei&szlig;, welchen Hindernissen man
-zu begegnen hat.</p>
-
-<p>&raquo;Selbst ein Arbeiter, wenn er auch sein eignes Land
-hat, ist oft, ja ich m&ouml;chte behaupten, im Allgemeinen gen&ouml;thigt,
-sich f&uuml;r das erste Jahr oder die beiden ersten Jahre
-als <em class="gesperrt">Tagel&ouml;hner zu vermiethen</em> (<em class="antiqua">hire out</em>) um
-den f&uuml;r sich und seine Familie erforderlichen Lebensunterhalt
-zu erwerben; und viele der in Rede stehenden Klasse
-m&uuml;ssen manche Entbehrungen dulden, ehe sie die Fr&uuml;chte
-ihrer Unabh&auml;ngigkeit ernten k&ouml;nnen. H&auml;tten sie nicht die
-Hoffnung, ja die bestimmte Aussicht, ihren Zustand mit der
-Zeit zu verbessern, sie w&uuml;rden unter der Last, die sie zu
-tragen haben, erliegen; aber diese Hoffnung erh&auml;lt sie
-aufrecht. Sie haben kein von Armuth und Mangel getr&uuml;btes
-Alter zu f&uuml;rchten; die gegenw&auml;rtigen Uebel m&uuml;ssen
-der Betriebsamkeit und Ausdauer weichen; sie denken auch
-auf ihre Kinder, und die Pr&uuml;fungen der Gegenwart
-werden durch die Ahnung einer gl&uuml;cklichen Zukunft erleichtert.&laquo;</p>
-
-<p>&raquo;Jedenfalls,&laquo; sagte ich, &raquo;kann man K&uuml;he, Schweine
-und Federvieh halten; und Sie wissen, da&szlig;, wo es an
-Milch, Butter, K&auml;se und Eiern, an Schweinfleisch und
-Gefl&uuml;gel nicht fehlt, man sich eben nicht schlecht befindet.&laquo;</p>
-
-<p>&raquo;Sehr wahr,&laquo; erwiederte mein Freund, &raquo;allein ich
- <span class="pagenum"><a id="Page_p115">[S. 115]</a></span>
-mu&szlig; Ihnen sagen, es ist leichter, im Anfange von dergleichen
-Thieren zu sprechen als sie zu halten, ausgenommen
-auf gelichtetem oder theilweise gelichtetem Boden;
-hier aber ist die Rede von einer <em class="gesperrt">ersten</em> Ansiedelung in
-den Urw&auml;ldern, K&uuml;he, Schweine und Federvieh wollen
-fressen, allein wenn man ihnen nichts geben kann, als
-was man kauft und vielleicht aus der Ferne herbeiholen
-mu&szlig;, so ist es besser, man belastet sich nicht damit, da
-die Beschwerde gewi&szlig;, der Vortheil aber zweifelhaft ist.
-Eine Kuh findet allenfalls w&auml;hrend der warmen Monate
-im Busch ihr Futter, allein bisweilen verl&auml;uft sie sich,
-so da&szlig; man sie Tage lang vermi&szlig;t, und dann keinen
-Nutzen von ihr hat, und m&ouml;glicher Weise viel Zeit mit
-Suchen verliert; dann aber mu&szlig; man sie, au&szlig;er Laub
-und Zweigsprossen, die sie den Winter hindurch erh&auml;lt,
-auch noch mit anderm Futter versorgen<a id="FNanchor_29_29"></a><a href="#Footnote_29_29" class="fnanchor">[29]</a>, oder, ich wette
-zehn gegen eins, sie wird im Fr&uuml;hjahr sterben; und da
-K&uuml;he, wofern sie nicht sehr gut gehalten werden, in der
-kalten Jahreszeit ihre Milch verlieren, so ist es am besten,
-sie im Herbst zu verkaufen, und im Fr&uuml;hjahr andre anzuschaffen,
-man m&uuml;&szlig;te denn Ueberflu&szlig; an Futter f&uuml;r sie
-haben, was in dem ersten Winter nicht oft der Fall ist.
-Was die Schweine anlangt, so sind sie f&uuml;r eine neu
-angelegte Meierei eine gro&szlig;e Plage, wofern man sie nicht
-aus der Hand m&auml;sten kann, allein dies geht nicht, ohne
-da&szlig; man Futter f&uuml;r sie kauft, und dies w&uuml;rde anf&auml;nglich
-nicht vortheilhaft sein. L&auml;&szlig;t man sie frei umherlaufen,
-so f&uuml;gen sie sowohl den eignen Feldern als denen
-der Nachbarn, im Bereich einer halben (englischen) Meile,
-betr&auml;chtlichen Schaden zu; andres Vieh kann man allenfalls
- <span class="pagenum"><a id="Page_p116">[S. 116]</a></span>
-durch Umz&auml;unung in der angegebnen Hinsicht unsch&auml;dlich
-machen, aber nicht so Schweine; auch Federvieh
-bedarf, wenn es einigen Nutzen bringen soll, etwas mehr,
-als was es um das Haus herum aufpickt, wozu noch
-kommt, da&szlig; Adler, Igel, F&uuml;chse und Marder darauf erfolgreiche
-Jagd machen, bis man es hinreichend sichern
-kann.&laquo;</p>
-
-<p>&raquo;Wie aber sollen wir unter solchen Umst&auml;nden unsre
-eigne Wolle spinnen, unsre eigne Seife und Lichte bereiten?&laquo;
-fragte ich. &raquo;Sobald sie Ihre eignen Schafe,
-Schweine und Rinder schlachten, oder Wolle und Talg
-werden kaufen k&ouml;nnen.&laquo; &mdash; Als er mich hier&uuml;ber etwas
-niedergeschlagen sah, f&uuml;gte er tr&ouml;stend hinzu: &mdash; &raquo;Nur
-nicht verzagt! Sie werden mit der Zeit alle diese Dinge
-haben und noch mehr als diese, aber gedulden m&uuml;ssen Sie
-sich und die Mittel zu ihrer Erlangung benutzen. Mittlerweile
-suchen Sie sich auf Entbehrungen vorzubereiten,
-denen Sie jetzt noch fremd sind; und w&uuml;nschen Sie, Ihren
-Gatten gl&uuml;cklich und in seinen Unternehmungen beg&uuml;nstigt
-zu sehen, so machen Sie sich kluge Sparsamkeit
-und heitre Laune zur Regel. Nach einigen Jahren wird
-Sie Ihre Meierei mit allen Lebensbed&uuml;rfnissen versorgen,
-und nach und nach werden Sie sich auch mancher Luxus-Artikel
-erfreuen k&ouml;nnen. Dann erst beginnt der Ansiedler,
-die wirklichen und sichern Vortheile seiner Auswanderung
-zu ernten; dann wird er den Segen eines Landes
-inne, wo es weder Z&ouml;lle noch Zehnten noch Armensteuern
-giebt; dann genie&szlig;t er die Wohlthaten der Unabh&auml;ngigkeit.
-Diese gl&uuml;ckliche Erf&uuml;llung seiner W&uuml;nsche
-im Auge, ebnet er den rauhen Pfad und erleichtert er
-sich die auf ihm lastenden Uebel. Er sieht in Gedanken
-eine zahlreiche Familie um sich her, ohne jene angstvollen
-Sorgen, die einen Vater von geringem Verm&ouml;gen in der
-alten Heimath dr&uuml;cken; denn er wei&szlig; ja, da&szlig; er sie einst
-nicht entbl&ouml;&szlig;t von rechtlichen Unterhalts-Mitteln verl&auml;&szlig;t.&laquo;</p>
-
-<p>Trotz allen &uuml;berstandnen M&uuml;hseligkeiten und Pr&uuml;fungen
- <span class="pagenum"><a id="Page_p117">[S. 117]</a></span>
-fand ich diesen Mann so sehr f&uuml;r das Ansiedlerleben
-eingenommen, da&szlig; er erkl&auml;rte, er w&uuml;rde um keinen
-Preis in sein Vaterland zur&uuml;ckkehren, um dort eine l&auml;ngere
-Zeit zu bleiben; auch ist er nicht der Einzige, den
-ich auf diese Weise sich habe &auml;u&szlig;ern h&ouml;ren; vielmehr
-scheint dieselbe Vorliebe f&uuml;r ihre neue Heimath unter
-der niedern Emigranten-Klasse allgemein zu sein. Sie
-f&uuml;hlen sich durch das Beispiel Andrer, die sie in Genu&szlig;
-von Bequemlichkeiten sehen, woran zu Hause selbst bei
-der gr&ouml;&szlig;ten Anstrengung und m&uuml;hevollsten Arbeit nicht
-zu denken war, ermuthigt; denn sie bedenken weislich, da&szlig;
-sie, w&auml;ren sie in ihrer Heimath geblieben, endloses Elend
-und harte Entbehrungen (sehr viele n&auml;mlich hat Mangel
-hierher getrieben) w&uuml;rden haben ertragen m&uuml;ssen, ohne die
-entfernteste Aussicht, ihren Zustand zu verbessern oder unumschr&auml;nkte
-Landeigenth&uuml;mer zu werden.</p>
-
-<p>&raquo;Was sind uns ein, zwei, drei, ja selbst vier m&uuml;hevolle
-Jahre im Vergleich mit einem ganzen Leben von
-Plack und Armuth,&laquo; war die Bemerkung eines armen
-Arbeiters, der uns am andern Tage von den M&uuml;hseligkeiten
-erz&auml;hlte, womit er in diesem Lande zu k&auml;mpfen gehabt.
-&raquo;Ich wu&szlig;te,&laquo; sagte er, &raquo;da&szlig; sie nur kurze Zeit
-dauern und durch Flei&szlig; und Ausdauer bald zu besiegen
-sein w&uuml;rden.&laquo;</p>
-
-<p>Ich habe bereits zwei unsrer armen Nachbarn gesehen,
-die den Kirchsprengel zw&ouml;lf Monate vor uns verlassen
-hatten; sie haben sich in Canada niedergelassen und bearbeiten
-gemeinschaftlich die ihnen zugetheilten Land-Parcellen;
-sie kommen in der That sichtlich vorw&auml;rts. Einige
-Morgen Landes haben sie bereits gelichtet, bestellt
-und abgeerntet, sind aber zur Zeit noch gen&ouml;thigt, sich zu
-vermiethen, um ihre Familien erhalten zu k&ouml;nnen; ihr
-eignes Land bearbeiten sie, wenn es Zeit und Umst&auml;nde
-erlauben. Die M&auml;nner sind guten Muthes und hoffen, nach
-wenigen Jahren im Besitz von manchen Lebensgenu&szlig;,
-mancher Bequemlichkeit zu sein, worauf sie in der Heimath,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p118">[S. 118]</a></span>
-wenn sie auch vom fr&uuml;hen Morgen bis in die
-sinkende Nacht gearbeitet, h&auml;tten verzichten m&uuml;ssen;
-dabei klagen sie aber, da&szlig; ihre Weiber best&auml;ndig nach
-dem Vaterlande verlangen und ihre Reise &uuml;bers Meer
-verw&uuml;nschen. Dies scheint die allgemeine Klage unter
-allen Klassen zu sein; die Weiber sind unzufrieden und
-ungl&uuml;cklich. Nur wenige s&ouml;hnen sich ganz mit dem Ansiedlerleben
-aus. Sie vermissen die kleinen h&auml;uslichen
-Bequemlichkeiten, deren sie sich zu Hause erfreuten, sie sehnen
-sich nach ihren Freunden und Verwandten, die sie
-haben verlassen m&uuml;ssen; die Einsamkeit der Urw&auml;lder ist
-ihnen zuwider.</p>
-
-<p>Diese Aussicht entmuthigt mich nicht; ich wei&szlig;, da&szlig;
-ich im Hause zu thun genug finden werde, und w&auml;hrend
-meiner Ausfl&uuml;ge ins Freie d&uuml;rfte es mir nicht an Unterhaltungs-Quellen
-fehlen, die jede &uuml;ble Laune verscheuchen.
-Habe ich &uuml;berdies nicht guten Grund, meines Gatten
-wegen heiter und zufrieden zu sein? Er hat nicht mehr
-zu erwarten als ich; und sollte ich ihn, nachdem ich seinetwegen
-freiwillig meine Familie, meine Freunde, mein
-Vaterland verlassen, durch ewige Klagelieder verstimmen
-und traurig machen? Ich f&uuml;hle mich stets geneigt, den
-Worten meines Lieblingdichters <em class="gesperrt">Goldsmith</em>: &mdash;</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Auf uns allein noch &uuml;berall beschr&auml;nkt,<br /></span>
-<span class="i0">Sind wir allein die Sch&ouml;pfer unsers Gl&uuml;cks.<br /></span>
-</div></div>
-
-<p>beizustimmen. Nun ich werde ja bald die Pr&uuml;fung zu
-bestehen haben, da wir Morgen um zehn Uhr diese Stadt
-zu verlassen gedenken; der Kauf der See-Parcelle ist abgeschlossen,
-drei Morgen sind von B&auml;umen befreit, und
-eine H&uuml;tte (Shanty) ist ebenfalls fertig, inde&szlig; kann
-letztre eben nicht f&uuml;r ein wohnliches Obdach gelten, die
-Holzf&auml;ller haben sie blos als einstweiligen Zufluchtsort
-errichtet; und ein Haus wird bald erbaut sein. Sp&auml;t
-genug sind wir eingetroffen, zu sp&auml;t, um eine volle
-Ernte zu erzielen, da die B&auml;ume blos gef&auml;llt sind, der
- <span class="pagenum"><a id="Page_p119">[S. 119]</a></span>
-Boden aber noch nicht gelichtet und v&ouml;llig rein ist, auch
-ist es bereits zu sp&auml;t, das gef&auml;llte Holz zu klaftern und
-zu verbrennen und den Weizen in den Boden zu bringen,
-aber f&uuml;r die Fr&uuml;hlingssaat wird er bereit sein. Wir
-haben unser Besitzthum den Acker mit sechstehalb Dollars
-bezahlt; ein ziemlich hoher Preis f&uuml;r wildes Land, so
-weit von jeder Stadt, und in einem so d&uuml;rftig angebauten
-Theile des Bezirks; allein die Lage ist gut und hat
-den Vorzug, da&szlig; wir Wasser in der N&auml;he haben, wof&uuml;r
-mein Gatte gern etwas mehr bezahlte, als f&uuml;r eine weiter
-landeinw&auml;rts gelegne Parcelle.</p>
-
-<p>H&ouml;chst wahrscheinlich werde ich nicht sobald Zeit und
-Mu&szlig;e haben, wieder zur Feder zu greifen. Wir logiren
-einstweilen bei S&mdash;, bis unser Haus in wohnlichem Zustande
-sein wird, was ungef&auml;hr gegen Weihnachten der
-Fall sein d&uuml;rfte.</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p120">[S. 120]</a></span></p>
-
-<div class="block0">
-<div class="footnotes"><b>Fu&szlig;noten:</b>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_19_19"></a><a href="#FNanchor_19_19"><span class="label">[19]</span></a> &raquo;Im Ganzen,&laquo; hei&szlig;t es in der <em class="antiqua">History of Upper and
-lower Canada by R. Montgomery Martin, Lond. 1836</em>. &raquo;ist
-Ober-Canada Auswandrern aus den h&ouml;heren St&auml;nden sehr zu
-empfehlen; und Leute von der arbeitenden Klasse k&ouml;nnen daselbst
-reichliche Besch&auml;ftigung finden. F&uuml;r erstere stehe hier noch
-die Bemerkung, da&szlig; Niemand au&szlig;er solchen Engl&auml;ndern, die bei
-der Trennung der vereinigten Staaten von Gro&szlig;-Britannien
-ihrem Vaterlande treu blieben und nach Canada flohen, also Loyalisten;
-oder denen, welche nach bestehenden gesetzlichen Bestimmungen
-Anspr&uuml;che auf unentgeldliche Landbewilligungen an
-die Regierung haben, eine Parcelle von den wild liegenden
-Kron-L&auml;ndereien anders als durch Kauf erhalten kann. Die
-Verk&auml;ufe finden unter der Leitung eines Commissairs am
-ersten und dritten Diensttage jedes Monats in den verschiednen
-Distrikten statt. Die k&auml;uflichen L&auml;ndereien werden zu einem
-bestimmten Preise voranschlagt, welcher in der Anzeige des Verkauftermins
-angegeben wird. Die Zahlung der Kaufsumme
-geschieht in Terminen: der vierte Theil davon mu&szlig; sogleich, das
-Uebrige in drei gleichen Fristen nebst sechs Prct. Zinsen entrichtet
-werden. Nach Abschlu&szlig; des Kaufs erh&auml;lt der K&auml;ufer unentgeldlich
-ein Patent &uuml;ber den gekauften Boden. Das f&uuml;r die
-Geistlichkeit vorbehaltne Land wird unter nachstehenden Bedingungen
-verkauft: &mdash; Zehn Procent m&uuml;ssen sogleich angezahlt,
-und das Uebrige in neunj&auml;hrigen Terminen und zwar zu jedem
-zwei Procent nebst Zinsen abgetragen werden. Gelegentlich
-werden auch Gemeinde-Bezirk-Parzellen verkauft. Das gew&ouml;hnliche
-Areal eines Gemeinde-Bezirks betr&auml;gt 69,000 Morgen,
-&mdash; ein Fl&auml;chenraum von zw&ouml;lf englischen Meilen in L&auml;nge,
-und neun in Breite.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_20_20"></a><a href="#FNanchor_20_20"><span class="label">[20]</span></a> &raquo;<em class="gesperrt"><em class="antiqua">Guess and calculate</em></em>,&laquo; sie bedienen sich n&auml;mlich
-dieser Worte sehr h&auml;ufig oft auch da, wo sie nicht recht passen.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_21_21"></a><a href="#FNanchor_21_21"><span class="label">[21]</span></a> Theile, wovon jeder einen halben Acker Fl&auml;chenraum
-enth&auml;lt.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_22_22"></a><a href="#FNanchor_22_22"><span class="label">[22]</span></a> Seit Abfassung dieser Nachrichten &uuml;ber Peterborough hat
-die Stadt an Geb&auml;uden und Bev&ouml;lkerung um ein Drittel zugenommen.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_23_23"></a><a href="#FNanchor_23_23"><span class="label">[23]</span></a> Wahrscheinlich eine <em class="antiqua">Gaultheria</em>.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_24_24"></a><a href="#FNanchor_24_24"><span class="label">[24]</span></a> <em class="antiqua">The purple lichnidea.</em></p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_25_25"></a><a href="#FNanchor_25_25"><span class="label">[25]</span></a> <em class="antiqua">Lobelia cardinalis</em>, Cardinals-Lobelie, <em class="gesperrt">Willdenow</em>.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_26_26"></a><a href="#FNanchor_26_26"><span class="label">[26]</span></a> Das ist, Leute, die ihren Gnadengehalt, den sie genossen,
-gegen ein St&uuml;ck Land in den brittischen Colonien vertauscht
-haben.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_27_27"></a><a href="#FNanchor_27_27"><span class="label">[27]</span></a> Der an die Auswandrer zu vertheilende Fl&auml;chengehalt
-ist vorl&auml;ufig in Bezirke abgetheilt, welche <em class="antiqua">Townships</em> (Stadt-
-oder Gemeinde-Kreise) hei&szlig;en.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_28_28"></a><a href="#FNanchor_28_28"><span class="label">[28]</span></a> Die Bemerkung eines kleinen irischen Knabens, den wir
-als Holzspeller und Wassertr&auml;ger mietheten, und der ein Bewohner
-einer dieser Shanties gewesen, belustigte mich nicht wenig.
-&raquo;Ma' am,&laquo; sagte derselbe, &raquo;als das Wetter bei&szlig;end kalt
-war, konnten wir uns kaum warm erhalten; denn w&auml;hrend wir,
-mit dem Gesicht vor dem Feuer, auf der einen Seite fast brateten,
-froren wir am R&uuml;cken, daher wendeten wir von Zeit bald
-die eine bald die andre Seite dem Feuer zu, gerade so, wie
-wenn man eine Gans am Spie&szlig;e bratet. Die Mutter verwendete
-die H&auml;lfte von dem Gelde, welches der Vater durch
-seine Stroharbeit (er war ein Strohsesselmacher) verdiente, in
-Branntwein, um uns auszuw&auml;rmen; allein ich glaube, ein reichliches
-Gericht gute hei&szlig;e Kartoffeln, w&uuml;rde uns mehr gew&auml;rmt
-haben, als der Branntwein dies vermochte.&laquo;</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_29_29"></a><a href="#FNanchor_29_29"><span class="label">[29]</span></a> Das Vieh wird im Herbst und Winter gr&ouml;&szlig;tentheils
-durch die zarten Zweigsprossen von Ahorn, Birken u. s. w. erhalten,
-die man auf den frisch gelichteten, brachliegenden Aeckern
-findet. Man sollte ihnen aber auch Stroh und andres Futter
-geben, weil sie anders bei sehr strenger Witterung sterben.</p>
-</div>
-</div>
-</div>
-
-
-<hr class="chap" />
-
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="no-break" id="Siebenter_Brief">Siebenter Brief.</h2>
-</div>
-
-<blockquote>
-<p class="p1 font09">Abreise von Peterborough. &mdash; Canadische W&auml;lder. &mdash; Wagen
-und Gespann. &mdash; Ankunft bei einem Log-Hause an den
-Ufern des Sees. &mdash; Niederlassung und erste Besch&auml;ftigungen.</p>
-</blockquote>
-
-
-<p class="p1 rright font09">
-October 25, 1832.<br />
-</p>
-
-<p>Ich beginne meinen Brief mit einer Schilderung
-unsrer Reise durch den Busch (die W&auml;lder) und so fort,
-und f&uuml;ge dann unser Thun und Treiben in und au&szlig;er
-dem Hause hinzu. Ich wei&szlig;, da&szlig; die kleinen, das Hauswesen
-betreffenden Umst&auml;nde f&uuml;r Sie nicht uninteressant
-sein werden; und gewi&szlig; kann das Auge einer Mutter
-niemals erm&uuml;den, schriftliche Mittheilungen von der Hand
-eines abwesenden und geliebten Kindes zu lesen.</p>
-
-<p>Nach einigen Schwierigkeiten gl&uuml;ckte es uns, einen
-Wagen nebst Gespann, das ist ein paar starke Pferde,
-zu miethen, die uns und unser Gep&auml;cke durch die W&auml;lder
-an die Ufer eines von den Seen f&uuml;hrten, wo S&mdash;
-unser wartete. Eine freie Stra&szlig;e war nicht vorhanden
-sondern blos ein angedeuteter, mit umgest&uuml;rzten
-B&auml;umen bedeckter und durch einen gro&szlig;en Moor unterbrochner
-Pfad auf der einen Seite; in den Moor kann
-man knietief einsinken, inde&szlig; brauchten wir die Vorsicht,
-unsern Weg l&auml;ngs den St&auml;mmen der bemoosten und
-verwitternden B&auml;ume zu nehmen, oder auf einem willkommnen
-Granit- oder Kalkstein-Block zu fu&szlig;en. Was
-in der Busch-Sprache <em class="gesperrt">Blaze</em> (angedeuteter Pfad) hei&szlig;t,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p121">[S. 121]</a></span>
-ist nichts weiter als die durch Kerben und Rinden-Absch&auml;lung
-an den B&auml;umen vorgezeichnete Stra&szlig;en-Linie. Die
-Grenzen der verschiednen Parcellen sind oft durch einen
-gekerbten Baum angedeutet, das N&auml;mliche gilt von den
-Concessions-Linien<a id="FNanchor_30_30"></a><a href="#Footnote_30_30" class="fnanchor">[30]</a>, allein dergleichen Zeichen sind nicht
-viel besser als Wegweiser in einer dunkeln Nacht.</p>
-
-<p>Die Stra&szlig;e, welche wir einschlagen mu&szlig;ten, f&uuml;hrte
-&uuml;ber die Ebnen von Peterborough, in der Richtung des
-Flusses, der mich durch seine Scenerei ungemein erg&ouml;tzte,
-wiewohl diese keineswegs von Fruchtbarkeit zeigt, mit
-Ausnahme von zwei oder drei umfangsreichen gelichteten
-Stellen.</p>
-
-<p>Ungef&auml;hr drei englische Meilen &uuml;ber Peterborough
-windet sich die Stra&szlig;e auf der H&ouml;he einer steilen Firste
-hin, deren unterer Theil ganz das Ansehn hat, fr&uuml;her das
-Bett eines Seitenzweiges des gewaltigen Flusses, oder
-vielleicht eines kleinen Sees, der seinen Kanal verlassen
-und sich mit dem Otanabee vereinigt hat, gewesen zu sein.</p>
-
-<p>Auf beiden Seiten dieser Firste ist ein steiler Abhang;
-zur Rechten sieht man den Otanabee, der mit gro&szlig;er
-Gewalt durch sein felsiges Bett str&ouml;mt und im Kleinen
-denen des Laurence &auml;hnliche Stromschnellen bildet,
-seine dunkeln Fichten-W&auml;lder verleihen der Scenerei eine
-h&ouml;chst eindrucksvolle Erhabenheit. Zur Linken liegt unten
-ein anmuthiges einsammes, mit Epheu, Cedern, Schierlingstannen
-und Fichten bedecktes Thal. Durch dieses
- <span class="pagenum"><a id="Page_p122">[S. 122]</a></span>
-Thal f&uuml;hrt ein Weg zu einer h&uuml;bschen Meierei, deren
-gr&uuml;ne Triften durch das Nichtvorhandensein der abscheulichen
-Baumstummel, welche die gelichteten Orte in diesem
-Theil der Gegend entstellen, noch angenehmer sind;
-ein h&uuml;bscher klarer Bach flie&szlig;t durch die niedrige, am
-Fu&szlig;e des Berges liegende Wiese, zu welcher herab ein
-steiler Pfad dicht neben einer Korn-M&uuml;hle f&uuml;hrt, die durch
-das Wasser des Bachs getrieben wird, gerade an der
-Stelle, wo er mit den Flu&szlig;schnellen zusammen trifft.</p>
-
-<p>Ich nannte diesen Platz &raquo;Glen Morrison,&laquo; theils zur
-Erinnerung an die liebliche Thalschlucht Morrison in den
-(schottischen) Hochlanden, theils weil der Ansiedler, dem
-er geh&ouml;rt, so hei&szlig;t.</p>
-
-<p>Unsre Fortschritte waren nur langsam, wegen der
-Unebenheit der Stra&szlig;e, die mit unz&auml;hligen Hindernissen
-in Gestalt loser Granit- und Kalkstein-Bl&ouml;cke, die auf
-den Ufern des Flusses und der Seen in Ueberflu&szlig; ausgestreut
-sind, bedeckt ist; nicht zu erw&auml;hnen der umgest&uuml;rzten
-B&auml;ume, vorspringenden dicken Wurzeln, Lachen und
-Knittel-Br&uuml;cken, &uuml;ber die der Fahrende, hop, hop, hop
-wegrumpelt, bis ihm jedes Glied schmerzt, gleichsam als
-w&auml;re es ausgerenkt. Ein erfahrner Busch-Reisender vermeidet
-manchen harten Sto&szlig;, indem er sich bald erhebt,
-bald gegen die Seiten seines rohen Fuhrwerks dr&uuml;ckt.</p>
-
-<p>Da der Tag vorz&uuml;glich sch&ouml;n war, stieg ich oft aus
-dem Wagen und ging mit meinem Gatten eine englische
-Meile und dar&uuml;ber zu Fu&szlig;e.</p>
-
-<p>Bald verloren wir den Flu&szlig; g&auml;nzlich aus dem Gesicht
-und gelangten in die tiefe Einsamkeit des Waldes,
-wo nicht ein Laut die fast grauenvolle, rings um uns
-herrschende Stille unterbrach. Kaum ein Blatt oder
-Ast regte sich, nur dann und wann vernahm unser Ohr
-das Rauschen des Windes, der die hohen H&auml;upter der
-Kiefern und Tannen in Bewegung setzte und eine rauhe
-und traurige Cadence erweckte;</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p123">[S. 123]</a></span></p>
-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/p123i.jpg" alt="Ein durch die Urw&auml;lder gehauener Pfad." />
- </div>
-
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p124"></a></span></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Page_p125" id="Page_p125">[S. 125]</a></span>
-dies und das H&auml;mmern des rothk&ouml;pfigen und grauen Baumhackers
-gegen dieSt&auml;mme der verwitternden B&auml;ume, oder das gellende pfeifende
-Geschrei des kleinen gestreiften Eichh&ouml;rnchens, von
-den Eingebornen <em class="gesperrt">Tschitmunk</em> genannt, waren die einzigen
-Laute, welche in das Schweigen der Wildni&szlig; hineint&ouml;nten.
-Nicht minder befremdete mich die Abwesenheit
-animalischen Lebens. Mit Ausnahme des vorerw&auml;hnten
-<em class="gesperrt">Tschitmunk</em> kreuzte w&auml;hrend unsrer langen
-Tage-Reise in den W&auml;ldern kein lebendiges Wesen unsern
-Pfad.</p>
-
-<p>In diesen ungeheuern Ein&ouml;den, sollte man nat&uuml;rlicher
-Weise meinen, m&uuml;sse die Abwesenheit des Menschen
-einen Ueberflu&szlig; an wilden Thieren erzeugen, insofern
-diese frei und unbel&auml;stigt daselbst hausen, allein gerade
-das Gegentheil findet hier statt. Beinahe alle hiesige wilde
-Thiere trifft man h&auml;ufiger in den gelichteten Distrikten als
-in den W&auml;ldern. Die Betriebsamkeit des Menschen erleichtert
-ihre Existenz, sie k&ouml;nnen ihre Bed&uuml;rfnisse in seiner
-N&auml;he besser befriedigen als in ihren d&uuml;rftigen W&auml;ldern.</p>
-
-<p>Man h&ouml;rt best&auml;ndig von Verheerungen, welche
-W&ouml;lfe, B&auml;re, Waschb&auml;re, Luchse und F&uuml;chse in den seit
-langer Zeit angebauten Theilen der Provinz angerichtet
-haben. In den Urw&auml;ldern ist die Erscheinung eines wilden
-Thieres ein weit seltnerer Umstand.</p>
-
-<p>Hinsichtlich der Waldb&auml;ume fand ich meine Erwartungen
-get&auml;uscht, ich hatte geglaubt, gro&szlig;e bemooste Riesen
-anzutreffen, fast von gleichem Alter mit dem Lande selbst und
-in majest&auml;tischem Wuchs den B&auml;umen meiner heimathlichen
-Inseln fast eben so sehr &uuml;berlegen, als die ungeheuren
-Seen und gewaltigen Fl&uuml;sse Canadas den Teichen
-und Fl&uuml;ssen Britaniens &uuml;berlegen sind.</p>
-
-<p>Es mangelt hier den W&auml;ldern an malerischer Sch&ouml;nheit.
-Blos die noch jungen B&auml;umchen haben einige Anspr&uuml;che
-auf zierliche Formen; inde&szlig; mu&szlig; ich die Schierlingstanne
-ausnehmen, deren Wuchs &auml;u&szlig;erst sch&ouml;n
-und schlank ist, und die durch ihr liebliches muntres
-Gr&uuml;n das Auge erfreut. Selbst wenn der Winter den
- <span class="pagenum"><a id="Page_p126">[S. 126]</a></span>
-Wald seines Laubes entkleidet, bleibt sie ein sch&ouml;ner gr&uuml;nender
-Baum. Die jungen Buchen nehmen sich ebenfalls
-recht h&uuml;bsch aus; allein man vermi&szlig;t jene schattigen
-Laub-Gew&ouml;lbe, die in unsern heimathlichen Parken
-und W&auml;ldern so entz&uuml;ckend und romantisch sind.</p>
-
-<p>Die canadischen W&auml;lder entbehren jenes Ansehn ehrw&uuml;rdigen
-Alterthums. Hier giebt es keine weitspreizigen
-Eichen, welche man die Patriarchen des Waldes nennen
-k&ouml;nnte. Ein fr&uuml;hzeitiges Absterben scheint ihr Loos zu
-sein. Sie werden vom Sturme entwurzelt und sinken
-in ihrer ersten Reife zu Boden, um einer neuen Generation
-zu weichen, welche bestimmt ist, ihre Stelle auszuf&uuml;llen.</p>
-
-<p>Die Tannen und Fichten sind unstreitig die sch&ouml;nsten
-B&auml;ume. Was Gr&ouml;&szlig;e anlangt, werden sie von keinem
-&uuml;bertroffen. Sie th&uuml;rmen sich &uuml;ber alle andere B&auml;ume
-empor, eine dunkle Linie bildend, die man in meilenweiter
-Entfernung unterscheiden kann. Aber gerade ihre
-H&ouml;he ist schuld daran, da&szlig; sie vor ihren Br&uuml;dern dem
-Ungest&uuml;m der Winde nachgeben, da ihre Gipfel der vollen
-und ungebrochnen Gewalt des Luftstroms ausgesetzt
-sind; daher kommt es, da&szlig; der Boden stets mit den verwitternden
-St&auml;mmen riesenhafter Tannen und Fichten
-bestreut ist. Desgleichen scheinen sie der innern Verderbni&szlig;
-und der Verheerung durch Blitzstrahl und Feuer mehr
-ausgesetzt zu sein als andre B&auml;ume.</p>
-
-<p>Wie viel ich auch von der schlechten Beschaffenheit
-der Stra&szlig;en Canadas gelesen und geh&ouml;rt hatte, so war
-ich doch auf keine solche vorbereitet, wie wir an diesem
-Tage bereisten; f&uuml;r wahr, sie verdient kaum den Namen
-einer Stra&szlig;e, sie ist nichts weiter als ein durch den Wald
-gelichteter Pfad. Die B&auml;ume sind umgehauen und auf
-die Seite gelegt, um einen Wagen passiren zu lassen.</p>
-
-<p>Die Mor&auml;ste und kleinen Waldb&auml;che, welche gelegentlich
-den Weg unterbrechen, sind durch dicht neben einander
- <span class="pagenum"><a id="Page_p127">[S. 127]</a></span>
-gelegte Baumst&auml;mme passirbar gemacht; das furchige
-und streifige Ansehen dieser Br&uuml;cken hat ihnen, nicht
-unpassend den Namen Corduroy (geripptes Zeug) verschafft.</p>
-
-<p>Ueber diese abscheulichen Corduroys (Kn&uuml;ttelbr&uuml;cken)
-rumpelt der Wagen, von Scheit zu Scheit springend,
-mit St&ouml;&szlig;en, wozu man gute Miene machen mu&szlig;.
-K&ouml;nnen Sie dergleichen Hoppas und Ersch&uuml;tterungen
-ohne ein saures Gesicht ertragen, so &uuml;bertrifft Ihre Geduld
-und philosophische Gleichmuth die meinige bei weitem;
-bisweilen lachte ich, weil ich nicht weinen mochte.</p>
-
-<p>Denken Sie sich Ihre Tochter auf S&auml;cken, Koffern
-und allerlei Packeten sitzend, und dies in einem Wagen,
-der nicht viel besser war als ein grob aus Tannenholz
-gezimmerter, auf R&auml;der gesetzter Kasten; die Seiten
-davon waren blos mit Pfl&ouml;cken befestigt, so da&szlig; ich
-mich in eben keiner behaglichen Lage befand, da die nur
-erw&auml;hnten Seitentheile best&auml;ndig heraus sprangen. Gerade
-inmitten einer tiefen Koth-Lache brach das vordere
-Schutzbret ab, und mit ihm zugleich purzelte unser Wagenlenker,
-in Folge des erhaltnen Sto&szlig;es, in den Koth,
-der arme Teufel, wu&szlig;te gar nicht, wie ihm geschehn,
-als er sich pl&ouml;tzlich in einen Morast versetzt sah. Was
-mich anlangt, so blieb ich, weil ich nichts dabei thun
-konnte, ruhig auf meinem Sitze und erwartete geduldig
-die Wiederkehr der Ordnung. Diese war bald hergestellt,
-und alles ging eine Weile wieder gut, bis wir gegen einen
-gewaltigen Fichten-Stamm anfuhren, welcher dem
-schlecht gezimmerten Wagen einen solchen Sto&szlig; versetzte,
-da&szlig; eins von den Bretern, die den Fu&szlig;boden bildeten,
-und mit diesen ein Sack Mehl und ein andrer mit eingesalznem
-Schweinfleisch, beide auf ihrer Wanderung nach
-dem Hause eines Ansiedlers begriffen, an dessen Niederlassung
-unser Weg vorbei f&uuml;hrte, herabtanzten. Ein guter
-Wagenlenker l&auml;&szlig;t sich inde&szlig; selten durch dergleichen
-Kleinigkeiten entmuthigen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p128">[S. 128]</a></span></p>
-
-<p>Er ist oder sollte mit einer Axt versehen sein. Jede
-Karre, jeder Wagen, mit einem Wort, jede Art Reise-Fuhrwerk
-sollte ein dergleichen Werkzeug f&uuml;hren; da Niemand
-die Hindernisse voraussehen kann, die sich seinen
-Fortschritten im Busche wiedersetzen d&uuml;rften.</p>
-
-<p>Den Unf&auml;llen, welche uns betrafen, lie&szlig; sich zum
-Gl&uuml;ck leicht begegnen. Die Seitentheile erheischten blos
-einen starken Pflock, und die losen Breter des Fu&szlig;bodens
-waren bald wieder befestigt, worauf es abermals &uuml;ber
-Wurzeln, Baumstummel, Steine, L&ouml;cher und Kn&uuml;ttelbr&uuml;cken
-wegging; und der Wagen, nach wie vor, bald an einen
-noch stehenden Stamm stie&szlig; und bald &uuml;ber einen umgest&uuml;rzten
-Baum wegrumpelte, und wir dabei nat&uuml;rlicher Weise
-einen Sto&szlig; auszuhalten hatten, der ein leichteres Fuhrwerk,
-als ein canadischer Wagen ist (?), gewi&szlig; zertr&uuml;mmert
-haben w&uuml;rde; jedenfalls ist letztrer f&uuml;r Stra&szlig;en, wie man
-sie im Busche findet, auf eine bewundernsw&uuml;rdige Weise
-geeignet.</p>
-
-<p>Die Klugheit der Pferde in diesem Lande verdient
-wirklich Bewunderung. Ihre Geduld in Ueberwindung
-der Schwierigkeiten, welchen sie zu begegnen haben, ihre
-Geschicklichkeit in Vermeidung von Steinen und L&ouml;chern,
-und ihr sicheres Fu&szlig;en auf den runden, schl&uuml;pfrigen
-Baumst&auml;mmen der Scheit-Br&uuml;cken (<em class="antiqua">Log-bridges</em>) macht
-sie &auml;u&szlig;erst sch&auml;tzbar. Was ihnen an Geist und Schnelligkeit,
-wodurch sich unsre (englische) Rasse-Pferde auszeichnen,
-gebricht, ersetzen sie reichlich durch ihre Sanftmuth,
-St&auml;rke und Geduld. Dies sind in der That gro&szlig;e
-Vorz&uuml;ge, und zum Reisen auf solchen Wegen, wie der
-eben geschilderte, sind sie, die Sicherheit des Kutschers und
-der Passagire anlangend, unentbehrlich und w&uuml;rden durch
-kein brittisches Pferd ersetzt werden k&ouml;nnen. Uebrigens
-mangelt es den canadischen Pferden, bei gutem Futter
-und geh&ouml;riger Pflege, keineswegs an sch&ouml;ner Farbe, Gr&ouml;&szlig;e
-oder zierlicher Form. Zum Fortschaffen der gef&auml;llten
-Baumst&auml;mme braucht man sie selten, hierzu so wie zu
- <span class="pagenum"><a id="Page_p129">[S. 129]</a></span>
-allen rohen und schweren Arbeiten zieht man den Ochsen
-vor.</p>
-
-<p>Eben als uns die zunehmende Dunkelheit des Waldes
-an die Ann&auml;herung des Abends erinnerte, und ich
-m&uuml;de und hungrig zu werden begann, &auml;u&szlig;erte unser Wagenlenker,
-mit einiger Besch&auml;mung, er f&uuml;rchte, da&szlig; er
-den rechten Weg verfehlt habe, wie aber, wisse er nicht,
-da er doch nur einen Pfad vor sich sehe.</p>
-
-<p>Wir waren ungef&auml;hr zwei englische Meilen von der
-letzten Ansiedlung entfernt, sollten aber, wie er sagte,
-wofern wir uns auf dem rechten Wege bef&auml;nden, im Angesicht
-des Sees sein. Wir kamen, als das Beste, was
-wir thun konnten, dahin &uuml;berein, da&szlig;, w&auml;hrend wir nebst
-dem Fuhrwerk zur&uuml;ck blieben, er selbst vorw&auml;rts gehen und
-erforschen sollte, ob wir in der N&auml;he des Wassers w&auml;ren,
-und da&szlig; wir, wenn sich das Gegentheil erg&auml;be, nach dem
-Hause, an welchem wir vorbei gekommen, zur&uuml;ckkehren
-und nach dem rechten Wege fragen wollten.</p>
-
-<p>Nachdem er wohl eine halbe englische Meile weit
-vorw&auml;rts gelaufen, kehrte er mit niedergeschlagner Miene
-zur&uuml;ck, erkl&auml;rend, da&szlig; wir uns jedenfalls verirrt h&auml;tten,
-da er nirgends Wasser gesehen, und die Stra&szlig;e, auf der
-wir uns bef&auml;nden, sich in einen Cedern-Moor zu endigen
-scheine. Denn je weiter er gekommen, desto dichter
-h&auml;tten die Schierlingstannen und Cedern gestanden; da
-wir nun kein Verlangen f&uuml;hlten, unsre Ansiedlung mit
-einer Nachtherberge in einem Moraste zu beginnen, wo,
-wie sich unser F&uuml;hrer ausdr&uuml;ckte, die Cedern so dicht
-standen, wie die Haare auf einem Katzenr&uuml;cken, so beschlossen
-wir, nach der bezeichneten Stelle zur&uuml;ckzukehren.</p>
-
-<p>Nach einigen Schwierigkeiten war der Rumpelwagen
-umgelenkt, und wir begannen langsam unsern R&uuml;ckzug.
-Kaum hatten wir eine halbe englische Meile zur&uuml;ck gelegt,
-als ein Knabe des Weges daher kam und uns sagte,
-wir m&ouml;chten nur immer wieder umkehren, da kein andrer
-Weg nach dem See f&uuml;hre; diesem Rathe f&uuml;gte er
- <span class="pagenum"><a id="Page_p130">[S. 130]</a></span>
-etwas sp&ouml;ttisch die Bemerkung hinzu: &raquo;H&auml;ttet Ihr den
-Busch so gut gekannt, wie ich ihn kenne, so w&uuml;rdet Ihr
-nicht so einf&auml;ltig gewesen sein, wieder umzulenken, da Ihr
-doch auf dem rechten Wege waret. Es wei&szlig; ja jedes
-Kind, da&szlig; die Cedern und Schierlings-Tannen, je n&auml;her
-dem Wasser, desto dichter wachsen; jetzt m&uuml;&szlig;t Ihr zu
-eurer Strafe den n&auml;mlichen Weg noch einmal machen.&laquo;</p>
-
-<p>Es war finster, und nur die Sterne funkelten mit
-mehr als gew&ouml;hnlichem Glanze, als wir pl&ouml;tzlich aus dem
-tiefen Walddunkel an die Ufer eines sch&ouml;nen kleinen Sees
-hervortauchten, der uns zufolge des Contrastes der dunkeln
-Laubmassen, die &uuml;ber ihn herabhingen, und der
-thurmhohen Fichten, die ihn umgeben, um so heller erschien.</p>
-
-<p>Hier auf einem gro&szlig;en, mit einem weichen Mooskissen
-bedeckten Kalkstein-Block, unter dem Schatten von
-Cedern, die den See bekr&auml;nzen, &mdash; umgeben von Koffern,
-Kisten, Schachteln und Gep&auml;ck, die der Fuhrmann
-eilig vom Wagen geworfen, sa&szlig; ich in angstvoller Erwartung
-einer antwortenden Stimme auf das lange und
-wiederholte Hollarufen meines Gatten.</p>
-
-<p>Als aber das Echo seiner Stimme verhallt war,
-h&ouml;rten wir nichts als das Brausen der Stromschnellen
-und das ferne und wilde Rauschen eines Wasserfalls,
-ungef&auml;hr eine halbe englische Meile unterhalb der letztern.</p>
-
-<p>Nirgends konnten wir eine Spur von menschlichen
-Wohnungen, nirgends den tr&ouml;stlichen Schimmer eines
-Lichtes vom Ufer her gewahren. Vergebens strengten
-wir unsre Ohren an, das Pl&auml;tschern des Ruders oder
-den willkommnen Klang einer menschlichen Stimme oder
-das Bellen eines Haushundes zu vernehmen, und hierdurch
-Gewi&szlig;heit zu erlangen, da&szlig; wir die Nacht nicht in
-dem einsamen Walde zubringen w&uuml;rden.</p>
-
-<p>Wir f&uuml;rchteten jetzt, da&szlig; wir wirklich den Weg verloren.
-An einen Versuch, ohne F&uuml;hrer durch das wachsende
-Dunkel des Waldes in Aufsuchung der rechten
- <span class="pagenum"><a id="Page_p131">[S. 131]</a></span>
-Stra&szlig;e zur&uuml;ckzukehren, war nicht zu denken, denn diese
-war so undeutlich, da&szlig; wir uns bald in dem Dickicht
-verirrt haben w&uuml;rden. Das letzte Knarren der Wagen-R&auml;der
-erstarb allm&auml;lig in unsern Ohren, das Fuhrwerk
-einzuhohlen w&uuml;rde uns unm&ouml;glich gewesen sein. Unter
-diesen Umst&auml;nden bat mich mein Gatte, ruhig zu bleiben,
-wo ich war, w&auml;hrend er sich selbst durch das dicht verschr&auml;nkte
-Buschholz l&auml;ngs dem Ufer arbeitete, in der
-Hoffnung, eine Spur von dem Hause, welches wir suchten,
-und das, seiner Vermuthung nach, in der N&auml;he sein
-mu&szlig;te, wahrscheinlich aber durch eine dichte Baum-Masse
-unsern Augen verborgen war, zu erblicken.</p>
-
-<p>Als ich so, von den Schatten der Nacht umh&uuml;llt,
-schweigend im Walde zubrachte, wanderten meine Gedanken
-allm&auml;lig &uuml;ber den atlantischen Ocean zu meiner theuren
-Mutter, zu meiner alten Heimath zur&uuml;ck; ich dachte
-mir Ihre Gef&uuml;hle, wenn sie mich in diesem Augenblick
-h&auml;tten sehen k&ouml;nnen, wie ich so einsam und in tiefem
-Schweigen auf dem alten bemoosten Steine in der waldigen
-Wildni&szlig; sa&szlig;, viele hundert Meilen von allen jenen
-heiligen Banden der Blutsverwandtschaft, von jenen Scenen
-und Erinnerungen der Kindheit entfernt, welche die
-Heimath jedem so theuer machen. Es war ein Augenblick,
-der mich ganz die Wichtigkeit des Schrittes f&uuml;hlen lie&szlig;,
-den ich gethan, als ich freiwillig das Loos eines Emigranten
-theilte &mdash; mein Geburtsland verlie&szlig;, das ich aller
-Wahrscheinlichkeit nach nie wiedersehen d&uuml;rfte. Allein so
-gro&szlig; das Opfer war, f&uuml;hlte ich doch selbst in diesem Augenblick,
-in meiner seltsamen Lage, keine Reue, keine Entmuthigung.
-Heiliger Friede zog in mein Herz ein,
-beschwichtigte meine aufgeregten Gef&uuml;hle und versetzte
-meinen Geist in eine Ruhe und Stille, die eben so ungetr&uuml;bt
-und ungest&ouml;rt waren, wie die sich zu meinen
-F&uuml;&szlig;en ausbreitende Wasserfl&auml;che.</p>
-
-<p>Meine Tr&auml;umerei wurde durch das leichte Pl&auml;tschern
-eines Ruders unterbrochen, und ein heller Lichtschein lie&szlig;
- <span class="pagenum"><a id="Page_p132">[S. 132]</a></span>
-mich einen &uuml;ber den See gleitenden Nachen erblicken.
-Nach wenigen Minuten gr&uuml;&szlig;te mich eine wohlbekannte,
-freundliche Stimme, w&auml;hrend die kleine Barke zwischen
-den Cedern gerade zu meinen F&uuml;&szlig;en angelegt wurde.
-Mein treuer Gef&auml;hrte hatte einen vorspringenden Winkel
-des Ufers gewonnen und von da aus den willkommnen
-Schimmer des Holzfeuers in dem Log-Hause gesehn, nach
-einigen Schwierigkeiten war es ihm gelungen, die Aufmerksamkeit
-seiner Bewohner zu erregen. Man hatte daselbst
-die Hoffnung, da&szlig; wir an diesem Tage eintreffen w&uuml;rden,
-l&auml;ngst aufgegeben, und unser erstes Rufen und Pfeifen
-war f&auml;lschlich f&uuml;r das ferne Gel&auml;ute von Kuhglocken im
-Walde genommen worden; dies war an dem Aufschub
-schuld, der uns in so gro&szlig;e Verlegenheit gebracht hatte.</p>
-
-<p>An dem hellen, auf dem Heerde des Log-Hauses,
-worin S&mdash; mit seiner Gattin recht bequem wohnte, lodernden
-Feuer, verga&szlig;en wir bald unsre erm&uuml;dende Wanderung.
-Ich wurde der Dame vom Hause geb&uuml;hrender
-Ma&szlig;en vorgestellt, und trotz allen Einw&uuml;rfen von
-Seiten der z&auml;rtlichen und besorgten Mutter wurden drei
-schlummernde Kinder, eins nach dem andern, aus ihren
-Wiegen genommen und von dem stolzen und entz&uuml;ckten
-Vater den G&auml;sten gezeigt.</p>
-
-<p>Wir wurden mit jener Zuvorkommenheit und Innigkeit
-willkommen gehei&szlig;en, die dem Herzen so wohlth&auml;tig
-ist, die Begr&uuml;&szlig;ung war eben so aufrichtig als liebreich.
-Kein Mittel blieb unversucht, unsre einstweilige Einrichtung
-so bequem als m&ouml;glich zu machen, und wenn sie
-auch der Eleganz entbehrte, woran wir in England gew&ouml;hnt
-gewesen, so fehlte es ihr doch nicht an l&auml;ndlicher
-Behaglichkeit; jedenfalls war sie von der Art, wie sie
-sich Ansiedler ersten Ranges nur immer w&uuml;nschen k&ouml;nnen,
-und gewi&szlig; sind viele derselben zu Anfange nicht halb so
-gut logirt gewesen, als wir es gegenw&auml;rtig sind.</p>
-
-<p>In der That k&ouml;nnen wir uns gl&uuml;cklich sch&auml;tzen, da&szlig;
-wir nicht sogleich die rohe Shanty zu beziehen brauchen,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p133">[S. 133]</a></span>
-welche ich Ihnen als die einzige Wohnst&auml;tte auf unserm
-Grund und Boden geschildert habe. Diese Pr&uuml;fung unsers
-Muthes hat uns S&mdash; g&uuml;tig erspart, der durchaus
-darauf bestand, da&szlig; wir so lange unter seinem gastlichen
-Dache bleiben sollten, bis unser eignes Haus fertig und
-beziehbar sein w&uuml;rde. Hier also sind wir zur Zeit <em class="gesperrt">fixirt</em><a id="FNanchor_31_31"></a><a href="#Footnote_31_31" class="fnanchor">[31]</a>,
-wie sich die Canadier ausdr&uuml;cken; und wenn ich
-auch manche kleine Bequemlichkeiten und Luxusgegenst&auml;nde
-entbehre, so erfreue ich mich doch einer trefflichen Gesundheit
-und eines frischen Lebensmuthes, und f&uuml;hle mich in
-der Gesellschaft meiner Umgebung wahrhaft gl&uuml;cklich.</p>
-
-<p>Die Kinder sind bereits ganz in mich vernarrt. Sie
-haben meine Leidenschaft f&uuml;r Blumen entdeckt und suchen
-danach zwischen den Baumstummeln und l&auml;ngs dem
-Seeufer, um sie mir zu &uuml;berbringen. Ich habe eine
-Sammlung angefangen, und obgleich die Jahreszeit schon
-weit vorgeschritten ist, so kann sich mein Herbarium doch
-mancher sch&ouml;nen Farnkr&auml;uter r&uuml;hmen; desgleichen enth&auml;lt
-es das gelbe canadische Veilchen, welches zweimal
-im Jahre, n&auml;mlich im Fr&uuml;hling und Herbst<a id="FNanchor_32_32"></a><a href="#Footnote_32_32" class="fnanchor">[32]</a> bl&uuml;ht;
-zwei Herbst-Ma&szlig;lieben, (<em class="antiqua">Michaelmas daesies</em>), wie man
-hier die strauchartigen Astern nennt, deren Variet&auml;ten
-sehr zierlich sind; und eine Ranke der Fichten-Guirlande
-(<em class="antiqua">festoon pine</em>), ein allerliebstes Immergr&uuml;n mit kriechenden
-Stengeln, die drei bis vier Yards auf der Erde hinlaufen.
-Es sendet in Entfernungen von f&uuml;nf bis sechs
-Zoll gerade, steife, gr&uuml;ne Stengel nach oben und gleicht
-hinsichtlich seiner dunkeln, gl&auml;nzend gr&uuml;nen, spelzartigen
-Bl&auml;tter einigen unsrer Haide-Arten. Die Amerikaner
-schm&uuml;cken ihre Fenster und Spiegel mit Guirlanden
-von dieser Pflanze und den getrockneten Blumen der
-oben erw&auml;hnten Immortelle (<em class="antiqua">life everlasting</em>); wir nennen
- <span class="pagenum"><a id="Page_p134">[S. 134]</a></span>
-diese h&uuml;bschen wei&szlig;en und gelben Blumen <em class="antiqua">Love everlasting</em>
-(ewige Liebe). Auf meinen Wanderungen im
-Walde unfern des Hauses habe ich ein kriechendes Gew&auml;chs
-entdeckt, welches ziemliche Aehnlichkeit mit der Ceder
-hat und nicht unpassend mit dem Namen der kriechenden
-Ceder (<em class="antiqua">ground or creeping cedar</em>) bezeichnet
-werden k&ouml;nnte.</p>
-
-<p>Da sehr Viel von der Flora dieser unangebauten
-Theile des Landes dem Naturkundigen unbekannt ist, und
-die Pflanzen ganz namenlos (?) sind, so nehme ich mir die
-Freiheit, ihnen nach Neigung oder Laune Namen zu
-geben. Allein indem ich von Pflanzen und Blumen
-schreibe, vergesse ich, da&szlig; Sie lieber von den Schritten h&ouml;ren
-d&uuml;rften, die wir auf unserm Grundeigenthum gethan haben.</p>
-
-<p>Mein Gatte hat Leute zum Aufschichten (<em class="antiqua">log</em>) des
-Holzes, das ist die Zusammenlegung der gef&auml;llten B&auml;ume
-in Haufen und deren Verbrennung, so wie auch zur
-Lichtung eines Platzes f&uuml;r ein zu erbauendes Haus gemiethet.
-Er hat auch einen Vertrag mit einem jungen
-Ansiedler in der Nachbarschaft geschlossen, wonach dieser
-sich anheischig macht, unsre k&uuml;nftige Wohnung f&uuml;r eine
-bestimmte Summe, einem bestimmten Plan gem&auml;&szlig;, von
-au&szlig;en und innen v&ouml;llig in Stand zu setzen. Wir werden
-inde&szlig; &raquo;<em class="gesperrt">die Biene</em>&laquo; rufen und f&uuml;r alles sorgen, was
-zur Unterhaltung unsers w&uuml;rdigen <em class="gesperrt">Bienenstocks</em> erforderlich
-ist. Nun m&uuml;ssen Sie wissen da&szlig; eine <em class="gesperrt">Biene</em>
-in amerikanischer Sprechweise oder Phraseologie, jene
-freundschaftliche Vereinigung von Nachbarn bedeutet, die
-nach erhaltener Aufforderung sich versammeln, um die
-W&auml;nde eines Hauses, einer Shanty, Scheune oder irgend
-eines andern Geb&auml;udes aufzurichten: dies ist eine
-&raquo;aufrichtende Biene,&laquo; (<em class="antiqua">raising bee</em>). Au&szlig;erdem giebt es
-<em class="antiqua">logging bees</em>, welche die gef&auml;llten B&auml;ume zusammenschichten
-und verbrennen; <em class="antiqua">husking bees</em>, die von den
-St&auml;mmen die Rinde absch&auml;len; <em class="antiqua">chopping bees</em>, welche
-den Boden lichten, u. s. w. Die Beschaffenheit der
- <span class="pagenum"><a id="Page_p135">[S. 135]</a></span>
-zu verrichtenden Arbeit giebt der Biene den Namen. In
-den volkreichen, seit langer Zeit angebauten Distrikten
-findet dieses Verfahren nur selten statt, allein es ist von
-gro&szlig;em Nutzen und f&uuml;r neue Ansiedler in abgelegnen
-Stadtbezirken, wo die Arbeitsl&ouml;hne verh&auml;ltni&szlig;m&auml;&szlig;ig hoch
-und Arbeiter schwer zu erlangen sind, unentbehrlich.</p>
-
-<p>Denken Sie sich die Lage eines Auswandrers, der mit
-Weib und Kindern, welche letztre m&ouml;glicher Weise noch zu
-klein sind, um ihm im F&auml;llen und Wegr&auml;umen der B&auml;ume,
-Errichtung einer Wohnst&auml;tte u. s. w. den geringsten Beistand
-leisten zu k&ouml;nnen, auf einer Parzelle wilden Landes
-anlangt, wie traurig mu&szlig; dieselbe sein, wofern er
-nicht schnelle und th&auml;tige H&uuml;lfe von seinen n&auml;chsten Umgebungen
-erh&auml;lt.</p>
-
-<p>Dieses lobenswerthe Verfahren ist ein Erzeugni&szlig; der
-Nothwendigkeit, das jedoch auch seine Nachtheile hat,
-als z. B. wenn die Zusammenberufung behufs einer
-Gegenh&uuml;lfe zu einer den &uuml;brigen Ansiedlern ungelegnen
-Zeit geschieht; inde&szlig; ist es eine unerl&auml;&szlig;liche Pflicht,
-freudig und willig den Zoll der Dankbarkeit zu entrichten,
-und es wird in der That als eine Ehrenschuld
-betrachtet; man kann nicht gezwungen werden, zur
-Vergeltung des erhaltnen Beistandes einer dergleichen
-Versammlung (<em class="antiqua">bee</em>) beizuwohnen, aber gewi&szlig; wird sich
-keiner, wenn es nur irgend m&ouml;glich ist, und wofern ihn
-nicht dringende Umst&auml;nde abhalten, weigern, dieses zu
-thun; und ist man nicht im Stande, pers&ouml;nlich zu erscheinen,
-so kann man einen Dienstboten oder Ersatzmann,
-oder, wenn man dergleichen hat, auch Zugvieh senden.</p>
-
-<p>In keiner Lage und unter keinerlei andern Umst&auml;nden
-zeigt sich das Gleichheits-System Amerikas in einem
-so vortheilhaften Lichte als bei dergleichen Zusammenk&uuml;nften.
-Alle Unterschiede, die Rang, Erziehung und Reichthum
-ertheilen, werden f&uuml;r die Zeit freiwillig auf die
-Seite gesetzt. Der wohlerzogne Sohn des Edelmanns,
-und der des armen Handwerkers, Offiziere und Gemeine,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p136">[S. 136]</a></span>
-der unabh&auml;ngige Ansiedler und der Tagel&ouml;hner vereinigen
-sich freudig und ohne Widerspruch zu einem gemeinschaftlichen
-Werke. Jeder f&uuml;hlt sich von dem wohlwollenden
-Verlangen getrieben, dem H&uuml;lflosen zu helfen und
-seine Kr&auml;fte zur Errichtung einer Wohnst&auml;tte f&uuml;r den
-Obdachlosen zu verwenden.</p>
-
-<p>Gegenw&auml;rtig ist erst ein so kleiner Theil Wald auf
-unsrer Parcelle gelichtet, da&szlig; ich wenig oder nichts von
-dem Platze, wo wir uns h&auml;uslich niedergelassen, sagen
-kann, nur so viel will ich bemerken, da&szlig; er an eine
-sch&ouml;ne Wasserfl&auml;che st&ouml;&szlig;t, welche eins von den Gliedern
-der Otanabee-See-Kette bildet. Das n&auml;chstemal sollen
-Sie jedenfalls eine ausf&uuml;hrlichere Schilderung erhalten.</p>
-
-<p class="rright pmb2">
-Vor der Hand sage ich Ihnen Lebewohl!<br />
-</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-
-<div class="block0">
-<div class="footnotes"><b>Fu&szlig;noten:</b>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_30_30"></a><a href="#FNanchor_30_30"><span class="label">[30]</span></a> Diese Concessions-Linien sind gewisse Abtheilungen der
-abgesteckten Stadtbezirke; diese sind wieder in eben so viele Parcellen
-von 200 Morgen getheilt. Die Concessions-Linien pflegten
-durch weite, durch den Wald gehauene Alleen bezeichnet zu werden,
-so da&szlig; sie eine Communication zwischen den einzelnen Abtheilungen
-bildeten, allein dieser Plan machte zu viel Arbeit; in
-wenigen Jahren schossen junge B&auml;umchen auf und verschlossen
-den gelichteten Pfad dergestalt, da&szlig; er von geringem Nutzen war.
-Die Grenzen der neuerdings abgesteckten Stadt-Bezirke sind
-blos durch gekerbte B&auml;ume bezeichnet.</p></div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_31_31"></a><a href="#FNanchor_31_31"><span class="label">[31]</span></a> <em class="antiqua">Fixed</em> (einlogirt).</p></div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_32_32"></a><a href="#FNanchor_32_32"><span class="label">[32]</span></a> <em class="antiqua">In the fall</em>, wie die Canadier den Herbst ausdrucksvoll
-zu bezeichnen pflegen.</p>
-</div>
-</div>
-</div>
-
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p137">[S. 137]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="no-break" id="Achter_Brief">Achter Brief.</h2>
-</div>
-
-<blockquote>
-<p class="p1 font09">Unannehmlichkeiten, die mit einer noch neuen Ansiedlung
-verbunden sind. &mdash; Schwierigkeit, Nahrungsmittel und andre
-n&ouml;thige Artikel zu erlangen. &mdash; Schneesturm und Orkan. &mdash;
-Indianischer Sommer und Eintritt des Winters. &mdash; Verfahren
-bei Lichtung des Bodens.</p>
-</blockquote>
-
-
-<p class="p1 rright font09">
-November 20, 1832.<br />
-</p>
-
-<p>Unser Log-Haus ist jetzt zwar noch nicht fertig,
-schreitet aber seiner Vollendung rasch entgegen. Wir
-wohnen immer noch unter S&mdash; gastlichem Hause, da
-dies die erste Ansiedlung auf ihrem Boden ist, so haben
-sie, gleich allen &uuml;brigen Ansiedlern in den Urw&auml;ldern, im
-laufenden Jahre noch mancher Schwierigkeit zu begegnen.
-Sie besitzen ein sch&ouml;nes, trefflich gelegnes St&uuml;ck
-Land; und S&mdash; lacht zu den gegenw&auml;rtigen Entbehrungen,
-welchen er einen heitern Muth und eine Entschlossenheit
-entgegengesetzt, die ganz geeignet sind, &uuml;ber jede
-Schwierigkeit zu siegen. Sie sind jetzt im Begriff, ein
-gr&ouml;&szlig;eres und bequemeres Haus zu beziehen, welches in diesem
-Herbste (<em class="antiqua">fall</em>) erbaut ist, und werden uns die einstweilige
-Benutzung des alten bis zur Vollendung unsers
-eignen &uuml;berlassen.</p>
-
-<p>Wir fangen bereits an, uns mit unserm Robinson-Leben
-zu vers&ouml;hnen, und der Gedanke, da&szlig; die gegenw&auml;rtigen
-Uebel blos vor&uuml;bergehend sind, l&auml;&szlig;t uns frohen Muthes
-jedem Hinderni&szlig; trotzen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p138">[S. 138]</a></span></p>
-
-<p>Eine der gr&ouml;&szlig;ten Unannehmlichkeiten, womit wir
-zu k&auml;mpfen haben, beruht auf der schlechten Beschaffenheit
-der Stra&szlig;en, und unsrer gro&szlig;en Entfernung von jedem
-Dorfe und jeder Stadt, woher wir unsre Bed&uuml;rfnisse
-beziehen. Bis dahin, wo wir unser eignes Getreide erbauen
-und unser eignen Schweine, Schafe und Federvieh werden
-m&auml;sten k&ouml;nnen, m&uuml;ssen wir alle Nahrungsmittel von den
-Vorrathsh&auml;ndlern kaufen, wozu noch kommt, da&szlig; die
-Herbeischaffung derselben mit betr&auml;chtlichen Unkosten und
-Zeitverlust verbunden ist, da der Transport auf unsern
-trefflichen Buschstra&szlig;en geschieht, die, um mich der Worte
-einer armen Irl&auml;nderin zu bedienen, nicht schlechter sein
-k&ouml;nnen. &raquo;Ach Madam,&laquo; sagte sie, &raquo;die sind wahrlich schlecht
-genug und k&ouml;nnen nicht schlechter sein, sie sind wahrlich
-nicht so ilgant (elegant) als unsre Stra&szlig;en in Irland.&laquo;</p>
-
-<p>Bestellen wir mehre Gew&uuml;rze zu gleicher Zeit und
-lassen dieselben mit der n&auml;chsten Gelegenheit von Ort und
-Stelle abgehen, so finden wir, wenn der Wagen anlangt,
-bei Untersuchung unsrer Vorr&auml;the, Reis, Zucker, Korinthen,
-Pfeffer und Senf alles zu einem Chaos durcheinander
-gewirrt. Was meinen Sie zu einem Reis-Pudding,
-das t&uuml;chtig mit Pfeffer und vielleicht auch mit etwas
-Rappee und dergleichen, um die Sauce piquanter zu
-machen, durchw&uuml;rzt ist. Ich denke das Recept w&uuml;rde in
-<em class="antiqua">Cook's Oracle</em> oder <em class="antiqua">Mrs. Dalgairn's Practice of Cookery</em><a id="FNanchor_33_33"></a><a href="#Footnote_33_33" class="fnanchor">[33]</a>
-unter dem originellen Titel: <em class="gesperrt">Busch-Pudding</em>,
-Figur machen.</p>
-
-<p>Aber Wehe und Verderben den irdnen Waaren, welche
-zuf&auml;llig &uuml;ber die holprichten Stra&szlig;en wandern. Gl&uuml;cklich
-kann man sich in der That preisen, wenn in Folge vorz&uuml;glicher
-Geschicklichkeit und Sorgfalt des Packers, mehr
-als die H&auml;lfte unzertr&uuml;mmert anlangt. Gegen dergleichen
-Unf&auml;lle haben wir keine Abh&uuml;lfe. Der Waarenh&auml;ndler
-schiebt die Schuld auf den Fuhrmann, und der
- <span class="pagenum"><a id="Page_p139">[S. 139]</a></span>
-Fuhrmann auf die schlechten Stra&szlig;en, sich wundernd, wie
-er selbst w&auml;hrend seiner Fahrt durch den Busch mit heiler
-Haut und ganzen Gliedma&szlig;en davon gekommen.</p>
-
-<p>Wir leben jetzt in der schlimmsten Jahres-Zeit, der
-Eintritt und Ausgang des Winters machen dem Ansiedler
-viel zu schaffen. Kein andres Fuhrwerk als ein
-mit Ochsen bespannter Wagen, und auch dieser nicht
-ohne Schwierigkeit, kann die Stra&szlig;e passiren und braucht
-zur Vollendung seines Weges zwei ganze Tage; das
-Schlimmste dabei ist, da&szlig; man die n&ouml;thigsten Artikel
-bisweilen um keinen Preis erlangen kann.</p>
-
-<p>Sie sehen aus allem, da&szlig; ein Busch-Siedler nicht
-blos auf alle Luxus-Gegenst&auml;nde und Leckereien der Tafel,
-sondern bisweilen sogar auf die n&ouml;thigsten Lebensbed&uuml;rfnisse
-Verzicht leisten mu&szlig;.</p>
-
-<p>Zu einer Zeit ist kein Schweinfleisch zu haben; zu
-einer andern herrscht Mangel an Mehl, vielleicht in Folge
-eines Umstandes, der die M&uuml;hle au&szlig;er Gang gesetzt hat,
-oder weil es an Weizen zum Mahlen fehlt; oder Witterung
-und schlechte Wege hindern die Ankunft des Wagens
-oder den Abgang von Leuten zur Herbeischaffung
-des N&ouml;thigen. In diesem Falle mu&szlig; man seine Zuflucht
-zu einem Nachbar nehmen, vorausgesetzt, da&szlig; man
-so gl&uuml;cklich ist, einen solchen in der N&auml;he zu haben, &mdash;
-und im schlimmsten Fall mu&szlig; man sich mit Kartoffeln
-begn&uuml;gen. Die Kartoffel ist hier in der That ein gro&szlig;er
-Segen, neue Ansiedler w&uuml;rden ohne sie oft in eine
-unangenehme Lage gerathen, und der arme Mann und
-seine Familie, die ohne andre H&uuml;lfsmittel sind, m&uuml;&szlig;ten,
-h&auml;tten sie die Kartoffel nicht, verhungern.</p>
-
-<p>Einmal war unser Thee-Vorrath ausgegangen, und
-wir konnten nirgends dergleichen erhalten. In dieser
-Verlegenheit w&uuml;rde Milch oder Kaffee ein treffliches Ersatzmittel
-gewesen sein, wofern wir im Besitz davon gewesen
-w&auml;ren; allein wir hatten weder das Eine noch das
-Andre, und so mu&szlig;ten wir zu Yankie-Thee &mdash; einem
- <span class="pagenum"><a id="Page_p140">[S. 140]</a></span>
-Absud von Schierlings-Tannen-Sprossen, unsre Zuflucht
-nehmen. Dies war f&uuml;r meinen Geschmack ein sehr schlechtes
-Getr&auml;nk, wiewohl ich ein Kraut in dem Thee entdeckte,
-welches in London das Pfund zu f&uuml;nf Schilling
-verkauft wird, und nichts anders sein kann als getrocknete
-und pulverisirte Schierlings-Tannen-Bl&auml;tter.</p>
-
-<p>S&mdash; lachte &uuml;ber unsre sauren Gesichter und erkl&auml;rte
-den Trank f&uuml;r vortrefflich; auch ging er uns allen
-mit einem guten Beispiel voran, indem er sechs Tassen
-von diesem &auml;chten Wald-Thee hinterschl&uuml;rfte. Doch gelang
-es seiner Beredtsamkeit nicht, einen von uns zu bekehren,
-wir mochten seiner Versicherung, da&szlig; er blos jungen Hyson-Thee
-nachstehe, keinen Glauben beimessen und erwiederten
-auf seine Bemerkung, da&szlig; derselbe mit seinen andern
-guten Eigenschaften medicinische Tugenden verbinde,
-er sei wie alle Arzneien, dem Gaumen sehr zuwieder.</p>
-
-<p>&raquo;Nach allem,&laquo; sagte S&mdash; mit einer gedankenvollen
-Miene, &raquo;verdanken sowohl die Segnungen als die Uebel
-dieses Lebens ihre Hauptwirkung der St&auml;rke des Contrastes
-und m&uuml;ssen demnach haupts&auml;chlich gesch&auml;tzt werden.
-Wir w&uuml;rden die Gen&uuml;sse, deren wir uns erfreuen,
-nicht halb so hoch sch&auml;tzen, wenn wir ihrer nicht zuweilen
-entbehrten. Wie gro&szlig; d&uuml;rften uns die Annehmlichkeiten einer
-v&ouml;llig gelichteten und gut angebauten Meierei erscheinen,
-wenn uns au&szlig;er den n&ouml;thigen Lebensbed&uuml;rfnissen noch
-manche Luxus-Gegenst&auml;nde zu Gebote stehen werden.&laquo;</p>
-
-<p>&raquo;Und wie wird uns gr&uuml;ner Thee nach diesem abscheulichen
-Getr&auml;nk behagen,&laquo; bemerkte ich.</p>
-
-<p>&raquo;Sehr wahr, und ein bequemes Haus, ein niedlicher
-Garten, sch&ouml;ne Weiden nach diesen dunkeln W&auml;ldern,
-Logh&auml;usern und v&ouml;lligem Mangel an G&auml;rten.&laquo;</p>
-
-<p>&raquo;Und das Nichtvorhandensein der abscheulichen Baumstummel,&laquo;
-f&uuml;gte ich hinzu. &raquo;Gewi&szlig;! glauben Sie mir
-meine Theure, Ihr canadisches Landgut wird Ihnen mit
-der Zeit, nach vollendeter Cultur des Bodens, als ein
-wahres Paradies erschienen, und Sie werden mit desto
- <span class="pagenum"><a id="Page_p141">[S. 141]</a></span>
-gr&ouml;&szlig;erm Vergn&uuml;gen und Stolz darauf blicken, wenn Sie
-sich erinnern, da&szlig; es einst eine W&uuml;stenei war, die sich
-durch die Wirkungen von Flei&szlig; und wohl angewendeten
-Mitteln in fruchtbare Felder verwandelt hat. Jede Annehmlichkeit,
-die Sie um sich her erzeugen, wird Ihr Gl&uuml;ck
-vermehren; jede Verbesserung in oder au&szlig;er dem Hause
-wird ein Gef&uuml;hl von Dankbarkeit und Entz&uuml;cken in Ihrem
-Herzen erzeugen, wovon diejenigen, welche stets in
-Ueberflu&szlig; und Wohlleben schwelgen oder auch nur die gew&ouml;hnlichsten
-Vortheile der Civilisirung genie&szlig;en, nichts
-wissen. Mein Wahlspruch ist, &raquo;Hoffnung! Entschlossenheit!
-und Ausdauer!&laquo;</p>
-
-<p>&raquo;Dies,&laquo; sagt mein Gatte, &raquo;ist wahre Philosophie,
-und sie wirkt um so nachdr&uuml;cklicher, weil Sie ihre
-Wahrheit durch die That beweisen.&laquo;</p>
-
-<p>Ich hatte sehr auf den indianischen Sommer (Nachsommer)
-gez&auml;hlt, wovon ich so entz&uuml;ckende Schilderungen
-gelesen, allein ich mu&szlig; gestehen, da&szlig; derselbe weit hinter
-meinen Erwartungen zur&uuml;ckgeblieben ist. Gleich zu Anfange
-dieses Monats (November) hatten wir drei oder
-vier warme, tr&uuml;be, mehr dr&uuml;ckende und schw&uuml;le Tage. Die
-Sonne schimmerte roth durch die neblichte Atmosph&auml;re,
-die seltsam gestalteten Wolken, welche in rauchartigen wellenf&ouml;rmigen
-Massen am Himmel hingen, mit saffrangelbem
-und bla&szlig; carmosinrothem Lichte f&auml;rbend, gerade so wie ich
-dergleichen an einem hei&szlig;en schw&uuml;len Fr&uuml;hlings-Morgen
-gesehen habe.</p>
-
-<p>&raquo;Nicht ein L&uuml;ftchen kr&auml;uselte die Wasserfl&auml;che, nicht
-ein Blatt (denn die Bl&auml;tter waren noch nicht alle gefallen)
-regte sich. Diese v&ouml;llige Stockung der Luft
-ward pl&ouml;tzlich durch einen heftigen Sturmwind mit
-Schneegest&ouml;ber unterbrochen, welcher ohne alle Vorzeichen
-heranbrauste. Ich stand in der N&auml;he einer hohen Fichten-Gruppe,
-die man inmitten des gelichteten Bodens
-hatte stehen lassen, und sammelte eben einige carmosinrothe
-Flechten (Lichenen); S&mdash; befand sich nur einige
- <span class="pagenum"><a id="Page_p142">[S. 142]</a></span>
-Schritt von mir, mit einem Gespann Ochsen, welche Brennholz
-zogen. Auf einmal vernahmen wir ein fernes hohles
-Rauschen, das mit jedem Augenblick zunahm, die
-Luft rings um uns her war vollkommen ruhig. Ich
-blickte empor und sah die bisher so regungslosen Wolken
-mit erstaunlicher Schnelligkeit in verschiednen Richtungen
-sich fortbewegen. Ein dichtes Dunkel verbreitete sich
-&uuml;ber den Himmel. S&mdash;, der &auml;msig mit den Ochsen
-besch&auml;ftigt gewesen, hatte nicht gleich bemerkt, da&szlig; ich
-ihm so nahe war, und rief mir jetzt zu, da&szlig; ich
-so schnell als m&ouml;glich das Haus oder eine freie Stelle,
-fern von den Fichten, zu erreichen suchen m&ouml;chte. Unwillk&uuml;hrlich
-wendete ich mich dem Hause zu, w&auml;hrend
-das donnernde Get&ouml;s der in allen Richtungen niederst&uuml;rzenden
-B&auml;ume, das Herabprasseln der Aeste von den
-Fichten, die ich so eben verlassen, das Brausen der Windsbraut,
-welche &uuml;ber den See herabraste, mich die Gefahr
-erkennen lie&szlig;en, die mir gedroht hatte.</p>
-
-<p>Die brechenden Aeste der Fichten, welche, vom Sturme
-fortgef&uuml;hrt, &uuml;ber mir umherwirbelten, verfinsterten die
-Luft; dann kam das blindmachende Schneegest&ouml;ber; allein
-Gott sei Dank! ich konnte den Fortschritten des Unwetters
-in Sicherheit zusehen, da ich die Schwelle unsers
-Hauses gewonnen. Der Ochsentreiber hatte sich mit dem
-Gesicht auf die Erde geworfen, w&auml;hrend die armen Thiere
-in Demuth ihre K&ouml;pfe niederhielten und geduldig den
-Ausgang des schonungslos w&uuml;thenden Sturmes abwarteten.
-S&mdash;, mein Gatte und alles, was zum Haushalt
-geh&ouml;rte, hatte sich in eine Gruppe vereint und bewachte
-mit &auml;ngstlicher Spannung das wilde Toben der in Aufruhr
-begriffnen Elemente. Nicht ein Blatt blieb an den
-B&auml;umen, als der Orcan ausgew&uuml;thet, standen sie nackt
-und kahl da. So endete die kurze Herrschaft des indianischen
-Sommers<a id="FNanchor_34_34"></a><a href="#Footnote_34_34" class="fnanchor">[34]</a>.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p143">[S. 143]</a></span></p>
-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/p143i.jpg" alt="Neu gelichtetes Land." />
- </div>
-
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p144"></a></span></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p145">[S. 145]</a></span></p>
-
-<p>Meiner Ansicht nach ist die Meinung, welche einige
-Reisende hegen, da&szlig; n&auml;mlich der indianische Sommer
-durch das j&auml;hrliche Abbrennen von W&auml;ldern seitens derjenigen
-Indianer erzeugt werde, welche die undurchforschten
-Gegenden jenseits der gr&ouml;&szlig;ern Seen bewohnen, ungegr&uuml;ndet.
-Man denke sich nur, welche ungeheure Waldstrecken
-j&auml;hrlich in Flammen aufgehen m&uuml;&szlig;ten, um einen
-Einflu&szlig; auf ziemlich das ganze Continent von Nordamerika
-zu &uuml;ben; &uuml;brigens finden die Waldbr&auml;nde zu der
-Zeit im Jahre statt, wo das Feuer, wegen der durch die
-Herbst-Regeng&uuml;sse bewirkten Feuchtigkeit des Bodens nicht
-leicht stark um sich greift.</p>
-
-<p>Ich m&ouml;chte vielmehr die besondre W&auml;rme und schw&uuml;le
-d&uuml;stre Beschaffenheit der Luft der G&auml;hrung jener ungeheuren
-Masse vegetabilischen Stoffs zuschreiben, welche
-w&auml;hrend der letzten H&auml;lfte des Octobers in Zersetzung begriffen
-ist. Einige haben die Vermuthung aufgestellt,
-da&szlig; eine gro&szlig;e Ver&auml;nderung hinsichtlich dieser Jahreszeit
-stattfinden werde, indem die fortschreitende Lichtung des
-Landes die Quantit&auml;t verwitternder Vegetabilien fortw&auml;hrend
-vermindere. Ja ich habe geh&ouml;rt, da&szlig; von denjenigen,
-welche seit langer Zeit mit dem amerikanischen Festlande
-bekannt sind, in der fraglichen Beziehung schon ein
-ziemlicher Unterschied bemerkt werde.</p>
-
-<p>Bisher sind meine Erfahrungen, das Klima anlangend,
-g&uuml;nstig gewesen. Der Herbst war recht sch&ouml;n, obwohl
-die Fr&ouml;ste zeitig im September eintraten, anfangs
-waren sie gelind und kaum des Morgens f&uuml;hlbar; aber gegen
-den October zeigten sie sich schon strenger und dauernder.
-Allein wenn auch die eine H&auml;lfte des Tages kalt ist,
-so sind doch die Mittags- und Nachmittags-Stunden
-warm und angenehm.</p>
-
-<p>Wir f&uuml;hlen bereits den strengen Eintritt des Winters.
-Er begann entschieden mit dem Ende des indianischen
-Sommers. Der November gleicht bei weitem nicht
-demselben Monat in der Heimath (England). Die erste
- <span class="pagenum"><a id="Page_p146">[S. 146]</a></span>
-H&auml;lfte war mild und warm, die letzte kalt, von scharfen
-Fr&ouml;sten und gelegentlichem Schneefall begleitet; allein er
-scheint nicht den d&uuml;stern tr&uuml;ben Charakter unsers brittischen
-Novembers zu besitzen. Inde&szlig; reicht eine kurze
-Bekanntschaft mit dem Klima nicht hin, ein richtiges
-Urtheil &uuml;ber seinen Charakter zu f&auml;llen, es bedarf hierzu
-einer genauen, w&auml;hrend eines mehrj&auml;hrigen Aufenthalts
-im Lande fortgesetzten Beobachtung seiner Eigenth&uuml;mlichkeiten
-und Wechsel.</p>
-
-<p>Jetzt mu&szlig; ich Ihnen erz&auml;hlen, was mein Gatte auf
-unserm Grundst&uuml;ck vornimmt. Zehn Morgen hat er einigen
-irischen Holzf&auml;llern (<em class="antiqua">choppers</em>) &uuml;bergeben, die sich
-auf die Dauer des Winters in der Shanty eingerichtet
-haben. Sie erhalten f&uuml;r Lichtung und Einfriedigung des
-Ackers, das Verbrennen der gef&auml;llten B&auml;ume mit inbegriffen,
-zehn Dollars. Der Boden mu&szlig; bis auf die
-Baumstummel v&ouml;llig rein sein, letztere bed&uuml;rfen, um zu
-verwittern, neun bis zehn Jahr; die Fichte, Schierlingstanne
-und die Tanne halten sich viel l&auml;nger. Die Entfernung
-der Stummel ist f&uuml;r neue Anf&auml;nger zu kostspielig;
-die Arbeits-L&ouml;hne sind so hoch, da&szlig; man sich mit
-Ausf&uuml;hrung des unumg&auml;nglich Nothwendigen begn&uuml;gen
-mu&szlig;. Die Zeit, w&auml;hrend welcher gearbeitet werden kann,
-ist sehr kurz, weil der Frost so lange in der Erde bleibt;
-mit Ausnahme des F&auml;llens und Verbrennens der B&auml;ume
-l&auml;&szlig;t sich nicht viel thun.</p>
-
-<p>Diejenigen, welche die geh&ouml;rige Behandlung ungelichteten
-Landes verstehen, schneiden zun&auml;chst alle kleinere
-B&auml;ume und alles Unterholz weg, w&auml;hrend diese
-noch belaubt sind; das gef&auml;llte Holz wird in Haufen
-gelegt, und die vom Winde umgest&uuml;rzten B&auml;ume werden
-der L&auml;nge nach zers&auml;gt und im Fr&uuml;hjahr mit dem
-Winterschnitt (die im Winter gef&auml;llten B&auml;ume) geklaftert.
-Der Ausgang des Sommers und der Herbst
-sind die beste Zeit f&uuml;r besagte Arbeit. Die Bl&auml;tter werden
-alsdann v&ouml;llig trocken und erleichtern das so wichtige
- <span class="pagenum"><a id="Page_p147">[S. 147]</a></span>
-Verbrennen der dicken schweren Baumst&auml;mme um ein
-Bedeutendes. Ein andrer Grund dazu ist, da&szlig; nach
-hohem Schneefall das kleine leichte Holz (Unterholz)
-nicht dicht an der Erde weggeschnitten, und die todten
-Aeste und andre Abg&auml;nge nicht gesammelt und in Haufen
-gelegt werden k&ouml;nnen.</p>
-
-<p>Wir werden ungef&auml;hr drei Morgen f&uuml;r die Fr&uuml;hlingssaat
-bereit haben, voraus gesetzt, da&szlig; wir mit dem Verbrennen
-des in der N&auml;he unsers Hauses bereits geklafterten
-Holzes nach Wunsch zu Stande kommen. &mdash; Wir
-gedenken dieselben mit Hafer, K&uuml;rbissen, indianischem
-Korn und Kartoffeln zu bepflanzen; die andern zehn
-Acker sollen f&uuml;r die Einsaat von Weizen ebenfalls fertig
-werden. Sie sehen daraus, da&szlig; wir noch lange auf
-eine Ernte zu warten haben. Selbst Fr&uuml;hlings-Weizen,
-wenn er im Laufe des Jahres zur Reife kommen
-soll, k&ouml;nnen wir nicht mehr zeitig genug in die
-Erde bringen.</p>
-
-<p class="pmb3">Im Fr&uuml;hjahr wollen wir uns wo m&ouml;glich zwei K&uuml;he
-zulegen, da diese Thiere w&auml;hrend des Fr&uuml;hlings, Sommers
-und Herbstes wenig Kosten verursachen; den
-Winter &uuml;ber werden wir K&uuml;rbisse und Haferstroh f&uuml;r sie
-haben.</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<div class="block0">
-<div class="footnotes"><b>Fu&szlig;noten:</b>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_33_33"></a><a href="#FNanchor_33_33"><span class="label">[33]</span></a> Englische Kochb&uuml;cher.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_34_34"></a><a href="#FNanchor_34_34"><span class="label">[34]</span></a> Nachsommer.</p>
-</div>
-</div>
-</div>
-
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p148">[S. 148]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="no-break" id="Neunter_Brief">Neunter Brief.</h2>
-</div>
-
-<blockquote>
-<p class="p1 font09">Verlust eines Ochsen-Gespanns. &mdash; Errichtung eines Log-Hauses.
-&mdash; Glaser- und Zimmermanns-Arbeit. &mdash; Beschreibung
-eines neuen Log-Hauses. &mdash; Spaziergang auf dem Eise. &mdash;
-Lage des Hauses. &mdash; See und umgebende Scenerei.</p>
-</blockquote>
-
-
-<p class="p1 rright font09">
-See-Haus, April 18, 1833.<br />
-</p>
-
-<p>Es wird Zeit, da&szlig; ich Ihnen endlich eine Beschreibung
-unsers Log- (Block-) Hauses gebe, in welches wir einige
-Tage vor Weihnachten eingezogen sind. Da manche unvorhergesehene
-Umst&auml;nde seine Vollendung vor besagter
-Zeit verhinderten, so glaubte ich schon, da&szlig; es nie w&uuml;rde
-bewohnbar werden.</p>
-
-<p>Der erste Unfall, welcher uns traf, war der Verlust
-eines Gespanns Ochsen, die wir zum Herbeiziehen der
-Baumst&auml;mme f&uuml;r das zu errichtende Haus gekauft hatten.
-Da sie den Busch nicht so angenehm finden mochten,
-als die gelichteten Weidepl&auml;tze ihres vorigen Herrn,
-oder weil sie vielleicht harte Arbeit f&uuml;r sich voraus sahen,
-so kam es ihnen eines Morgens fr&uuml;h in den Kopf, durch
-den See, gleich da, wo die Stromschnellen ihren Anfang
-nehmen, zu setzen und sich davon zu machen, keine
-Spur ihrer Marschroute, au&szlig;er einigen Fu&szlig;stapfen am Wasser-Rande,
-zur&uuml;cklassend. Nachdem wir einige Tage vergebens
-danach gesucht, blieb die Arbeit liegen, und einen
-ganzen Monat hindurch waren sie weg, so da&szlig; wir schon
-alle Hoffnung aufgaben, jemals wieder etwas von ihnen
- <span class="pagenum"><a id="Page_p149">[S. 149]</a></span>
-zu h&ouml;ren. Endlich erfuhren wir, da&szlig; sie etwa zwanzig
-(englische) Meilen von uns, in einem fernen Stadtbezirk
-(<em class="antiqua">township</em>) angelangt waren und ihren Weg durch
-Waldung und Mor&auml;ste, B&auml;che und Seen zu ihrem fr&uuml;heren
-Besitzer zur&uuml;ckgenommen hatten, von einem Instinkte
-geleitet, der ihnen f&uuml;r den Mangel an Stra&szlig;en
-und Compa&szlig; Ersatz leistete.</p>
-
-<p>Man erz&auml;hlt F&auml;lle, wo dergleichen Thiere einen
-Strich wilden Landes drei&szlig;ig oder vierzig (englische) Meilen
-weit, bis zu ihren alten Weidepl&auml;tzen, in gerader Linie
-und auf unbekannten Pfaden, wo ihnen das Ged&auml;chtni&szlig;
-nicht zu H&uuml;lfe kommen konnte, durchwanderten.
-Beim Hunde betrachten wir Geruch und Ged&auml;chtni&szlig; als
-F&uuml;hrer, die ihn zu seiner fernen Heimath zur&uuml;ckleiten;
-wie aber soll man sich die fraglichen Wanderungen jener
-Ochsen erkl&auml;ren? Sie kehrten durch dichte endlose W&auml;lder,
-wo der Mensch mit all seiner Vernunft und Kenntni&szlig;
-den rechten Weg gewi&szlig; verfehlt haben w&uuml;rde, nach
-Hause zur&uuml;ck.</p>
-
-<p>Der October ging bereits zu Ende, und noch standen
-nicht einmal die W&auml;nde unsers Hauses. Letzteres zu
-bewirken, riefen wir &raquo;eine Biene&laquo; zusammen: sechszehn
-unsrer Nachbarn folgten mit gro&szlig;er Bereitwilligkeit unsrer
-Aufforderung; und obschon der Tag nichts weniger
-als g&uuml;nstig war, so f&uuml;hrte unsre Biene ihr Werk doch so
-treulich aus, da&szlig; mit Einbruch des Abends die Au&szlig;enw&auml;nde
-aufgerichtet waren.</p>
-
-<p>Die Arbeit schritt unter Mith&uuml;lfe einer reichlichen
-Quantit&auml;t canadischen Nektars (Branntweins), des Honigs,
-womit unsre Bienen gest&auml;rkt werden, rasch vorw&auml;rts.
-Einige t&uuml;chtige eingesalzne Schweinskeulen, ein
-Viertel Kartoffeln nebst einem Reispudding und ein
-Brod, so dick wie ein gewaltiger Cheshire-K&auml;se, bildeten
-das Mahl, womit die flei&szlig;igen Leute regalirt wurden.
-Dies alles wurde in der Shanty, in einem ziemlich l&auml;ndlichen
-Styl, aufgetischt. Kurz, wir lachten und nannten
- <span class="pagenum"><a id="Page_p150">[S. 150]</a></span>
-es einen <em class="gesperrt">Pic-nic in den Urw&auml;ldern</em>; aber wie roh
-und einfach auch das Mahl war, so kann ich Ihnen doch
-versichern, da&szlig; s&auml;mmtliche G&auml;ste, hohe und niedre, sehr
-damit zufrieden waren und unsre &raquo;<em class="gesperrt">Biene</em>&laquo; als eine sehr
-wohl versorgte priesen. Trotz der Rangverschiedenheit derer,
-welche die Biene bildeten, herrschte doch unter allen
-die gr&ouml;&szlig;te Harmonie, und die Gesellschaft ging wohl
-zufrieden mit ihrem Tagewerke und der Bewirthung auseinander.</p>
-
-<p>Am folgenden Tage machte ich einen Ausflug, um
-das neu errichtete Geb&auml;ude in Augenschein zu nehmen;
-allein ich fand mich sehr unangenehm &uuml;berrascht, da es
-keineswegs das Ansehn eines Hauses hatte. Es war
-ein bloses Rechteck von &uuml;ber einander befestigten Scheiten,
-mit offnen R&auml;umen zwischen jeder Scheit-Reihe.
-Die Oeffnungen f&uuml;r Th&uuml;ren und Fenster waren noch
-nicht geschnitten, und die Dachbalken lagen noch nicht.
-Mit einem Wort, es war ein seltsamer Bau, und ich
-kehrte etwas niedergeschlagen nach Hause zur&uuml;ck, mich
-nicht wenig wundernd, da&szlig; mein Gatte mit den gemachten
-Fortschritten so zufrieden war. Einen oder zwei Tage
-darauf stattete ich dem Neubau abermals einen Besuch
-ab. Die Tragbalken zur Aufnahme der Fu&szlig;b&ouml;den waren
-gelegt, und die Oeffnungen f&uuml;r die Th&uuml;ren und Fenster
-waren in das feste Holz geschnitten, so da&szlig; derselbe nicht
-mehr so sehr wie zuvor einem Vogelk&auml;fig glich.</p>
-
-<p>Nach Beschindelung des Dachs mu&szlig;ten wir wieder
-pausiren, da Breter nicht n&auml;her als in Peterborough zu
-haben waren, und mithin bedurfte es einer langen Tage-Reise
-&uuml;ber schreckliche Stra&szlig;en. Zu dieser Zeit war noch
-an keine S&auml;gem&uuml;hle zu denken, jetzt aber ist eine dergleichen,
-nicht weit von uns, im Entstehen begriffen. Unsre
-Dielenbreter mu&szlig;ten alle mit der Hand ges&auml;gt werden,
-und es w&auml;hrte ziemlich lange, ehe wir Jemand zur Verrichtung
-dieses nothwendigen Werkes finden konnten,
-und das zu einem hohen Lohne, ein Shilling und
- <span class="pagenum"><a id="Page_p151">[S. 151]</a></span>
-Sechspence f&uuml;r den Tag. Die Breter langten endlich
-an, aber nat&uuml;rlicher Weise von unabgepa&szlig;tem Holze;
-dies war unvermeidlich, und da sie nicht gehobelt werden
-konnten, mu&szlig;ten wir uns ihr rohes h&auml;&szlig;liches Ansehn
-gefallen lassen; denn es waren keine besseren zu haben.
-Ich erinnerte mich jetzt an die Bemerkung des alten
-Herrn, mit welchem wir von Cobourg nach dem Reis-See
-fuhren. Wir tr&ouml;sten uns mit der Aussicht, da&szlig;
-mit dem n&auml;chsten Sommer s&auml;mmtliche Breter abgepa&szlig;t
-sein werden, freilich bedarf es hierzu einer v&ouml;lligen Umkehrung
-des Hauses; denn die Breter m&uuml;ssen von neuem
-gelegt, geh&ouml;rig an einander gef&uuml;gt und gehobelt werden.</p>
-
-<p>Der n&auml;chste Unfall, welcher uns betraf, war, da&szlig;
-das Gemisch von Lehm und Kalk, womit das Haus von
-innen und au&szlig;en zwischen den Fugen der Baum-Scheite
-berappt werden sollte, in einer einzigen Nacht so hart
-wie Stein fror; das Werk war kaum zur H&auml;lfte gediehen,
-als pl&ouml;tzlich Frost eintrat und der Arbeit auf einige
-Zeit ein Ende machte, denn der gefrorne M&ouml;rtel
-thauete weder im Feuer noch in hei&szlig;em Wasser auf; letzteres
-fror ebenfalls, ehe es noch eine Wirkung auf die
-Masse ge&auml;u&szlig;ert, und machte die Sache eher schlimmer.
-Alsdann verwundete sich der Zimmermann beim Glatthauen
-der W&auml;nde im Innern mit der breiten Axt und
-ward hierdurch auf einige Zeit zur Fortsetzung seiner Arbeit
-unt&uuml;chtig.</p>
-
-<p>Ich f&uuml;hre alles dies blos darum an, um die Schwierigkeiten
-zu zeigen, welche uns in Vollf&uuml;hrung unsrer
-Pl&auml;ne hindern, und dies erkl&auml;rt zum gro&szlig;en Theil die
-schlechten Wohnungen, womit sich Ansiedler der achtbarsten
-Klasse bei ihrer ersten Ankunft in diesem Lande begn&uuml;gen,
-und dies keineswegs aus Neigung sondern aus
-Nothwendigkeit; ich k&ouml;nnte Ihnen Schilderungen der
-Art geben, die Sie in Erstaunen setzen w&uuml;rden. Jedenfalls
-dient es dazu, uns zufriedner und gleichg&uuml;ltiger
-zu machen, wenn wir um uns her nur wenige in
- <span class="pagenum"><a id="Page_p152">[S. 152]</a></span>
-bessern, ja viele, die mit uns von gleichem oder vielleicht
-noch h&ouml;herem Range sind, in noch schlimmeren Verh&auml;ltnissen
-erblicken, als dies, verhielte sich die Sache anders,
-der Fall sein w&uuml;rde.</p>
-
-<p>Jedermann in diesem Lande mu&szlig; selbst den Glaser
-machen; Sie werden dar&uuml;ber lachen, allein, will er keine
-zerbrochnen Fensterscheiben sehen und die davon herr&uuml;hrenden
-Unannehmlichkeiten f&uuml;hlen, so mu&szlig; er lernen,
-sie mit eigner Hand in seine Fensterrahmen einzuziehen.
-Handwerker sind, gerade wenn man sie braucht, in den
-Urw&auml;ldern nicht immer leicht zu haben, und es hie&szlig;e sehr
-verkehrt handeln, wenn man zur Ausbesserung seiner
-Fenster einen Glaser theuer bezahlen und auf seine Unkosten
-eine zweit&auml;gige Reise von der n&auml;chsten Stadt
-machen lassen wollte. Glastafeln von verschiedner Gr&ouml;&szlig;e
-kann man bei den Vorrathsh&auml;ndlern sehr wohlfeil kaufen.
-Mein Gatte machte sich ein Vergn&uuml;gen daraus, das Glas
-in seine Fenster, ehe diese eingeh&auml;ngt wurden, selbst einzuziehen.</p>
-
-<p>Eine genaue Bekanntschaft mit dem Gebrauch der
-Werkzeuge des Zimmermanns ist hier, glauben Sie mir,
-viel werth, und ich empfehle jedem jungen Mann, der
-nach Canada auswandern will, sich mit diesem sch&auml;tzbaren
-Metier so viel als m&ouml;glich bekannt zu machen, da er
-andern Falls oft in gro&szlig;e Verlegenheit gerathen d&uuml;rfte.</p>
-
-<p>H&ouml;chst l&auml;cherlich erschienen mir die Bemerkungen einer
-superfeinen Dame, der unwilligen Theilnehmerin an
-der Auswanderung ihres Gatten, als sie den Sohn eines
-See-Offiziers von einigem Range im Dienste &auml;msig mit
-Fertigung einer Axt-Handhabe aus einem St&uuml;ck Felsen-Ulme
-besch&auml;ftigt sah.</p>
-
-<p>&raquo;Ich wundre mich, da&szlig; Sie <em class="gesperrt">George</em> sich so
-erniedrigen lassen,&laquo; bemerkte sie, sich an dessen Vater
-wendend.</p>
-
-<p>Der Capitain blickte sie mit Verwunderung an,
-&raquo;Sich erniedrigen! Auf welche Weise Madam? Mein
- <span class="pagenum"><a id="Page_p153">[S. 153]</a></span>
-Sohn schw&ouml;rt nicht, trinkt keinen Branntwein, und sagt
-keine L&uuml;gen.&laquo;</p>
-
-<p>&raquo;Allein Sie lassen ihn Arbeiten der niedrigsten Art
-verrichten. Um was ist er jetzt besser als ein gemeiner
-Zimmermann; und ich glaube, da&szlig; sie ihn auch Holz f&auml;llen
-lassen?&laquo;</p>
-
-<p>&raquo;Allerdings,&laquo; war die Antwort, &raquo;das Holz dort auf
-dem Wagen hat er seit gestern, nach Beendigung seiner
-Lehrstunden, alles selbst gef&auml;llt.&laquo;</p>
-
-<p>&raquo;Lieber wollte ich meine Jungen todt sehen, ehe
-ich ihnen gleich gemeinen Arbeitern die Axt zu f&uuml;hren
-verstattete.&laquo;</p>
-
-<p>&raquo;M&uuml;&szlig;iggang ist aller Laster Anfang,&laquo; sagte der Capitain,
-&raquo;wie weit schlechter w&uuml;rde mein Sohn besch&auml;ftigt
-sein, wenn er sich mit b&ouml;ser Gesellschaft auf der Stra&szlig;e
-umher triebe.&laquo;</p>
-
-<p>&raquo;Sie m&uuml;ssen doch zugeben, da&szlig; sich dieses Land
-nicht zum Aufenthalt f&uuml;r Gentlemen und Damen eignet,&laquo;
-bemerkte die Lady.</p>
-
-<p>&raquo;Es ist ein Land,&laquo; erwiederte der Capitain etwas
-derb, &raquo;worin Gentlemen, die nicht arbeiten m&ouml;gen und die
-doch nicht au&szlig;er demselben leben k&ouml;nnen, verhungern m&uuml;ssen,
-und aus diesem Grunde gew&ouml;hne ich meine S&ouml;hne
-fr&uuml;hzeitig an eine stete und n&uuml;tzliche Th&auml;tigkeit.&laquo;</p>
-
-<p>&raquo;Meine S&ouml;hne sollen nie wie gemeine Handwerker
-arbeiten,&laquo; erwiederte die Dame mit Unwillen.</p>
-
-<p>&raquo;In diesem Fall Madam, werden sie als Ansiedler
-zu nichts taugen; und es ist nur zu bedauern, da&szlig;
-Sie dieselben &uuml;ber den Ocean hierher gebracht haben.&laquo;</p>
-
-<p>&raquo;Wir waren dazu gezwungen, wir konnten nicht
-mehr auf dem Fu&szlig;e leben, wie wir gewohnt waren, andernfalls
-w&uuml;rde ich nie in dieses abscheuliche Land gekommen
-sein.&laquo;</p>
-
-<p>&raquo;Da Sie aber nun einmal hier sind, so werden Sie
-sehr wohl thun, sich in die Umst&auml;nde zu schicken, Canada
-ist kein Land f&uuml;r m&uuml;&szlig;ige Leute, welche ihre
- <span class="pagenum"><a id="Page_p154">[S. 154]</a></span>
-Verm&ouml;gens-Umst&auml;nde zu verbessern w&uuml;nschen. In einigen Theilen
-des Landes werden Sie die meisten Nahrungsmittel
-eben so theuer finden als in London, die Kleidung noch
-weit theurer und nicht so gut, und dabei eben keine sonderliche
-Auswahl.&laquo;</p>
-
-<p>&raquo;Nun dann m&ouml;chte ich doch wissen, wozu Canada
-gut ist?&laquo; war die &auml;rgerliche Antwort.</p>
-
-<p>&raquo;Es ist ein gutes Land f&uuml;r den rechtschaffnen flei&szlig;igen
-Handwerker. Es ist ein sch&ouml;nes Land f&uuml;r den armen
-Arbeiter, der nach wenigen Jahren harter Arbeit
-sich in seinem eignen Log-Hause niederlassen und sein
-Auge auf seinen eignen Grund und Boden schweifen lassen
-kann, und seine Kinder f&uuml;r die Zukunft wohl versorgt
-und unabh&auml;ngig wei&szlig;. Es ist ein gro&szlig;es wichtiges
-Land f&uuml;r den reichen Speculanten, der eine betr&auml;chtliche
-Summe in Ankauf trefflichen ergiebigen Bodens anlegen
-kann; denn verf&auml;hrt er nur einigerma&szlig;en klug,
-so kann er f&uuml;r sein Geld nach Verlauf einiger Jahre
-hundert Procent Zinsen gewinnen. Aber es ist ein b&ouml;ses
-Land f&uuml;r den armen Gentleman, den seine Lebensweise
-und Gewohnheiten unt&uuml;chtig zur Handarbeit gemacht
-haben. Er bringt Gesinnungen mit sich, die
-nicht zu seiner neuen Lage passen; und selbst wenn ihn
-die Noth zur Anstrengung seiner Kr&auml;fte treibt, ist seine
-Arbeit von geringem Werth. Sein Fortkommen f&auml;llt
-ihm &auml;u&szlig;erst schwer. Die nicht zu umgehenden Arbeits-L&ouml;hne
-und Ausgaben f&uuml;r den erforderlichen Lebensunterhalt
-sind betr&auml;chtlich, und er mu&szlig;, will er sich aufrecht
-und schuldenfrei erhalten, manche Entbehrungen erdulden.
-Hat er eine zahlreiche Familie und erzieht er sie auf
-eine vern&uuml;nftige, seinen Umst&auml;nden angeme&szlig;ne Weise, das
-hei&szlig;t, macht er sie fr&uuml;hzeitig f&uuml;r das Ansiedlerleben geschickt,
-so erzeigt er ihnen eine wahre Wohlthat und
-wird bald der guten Folgen f&uuml;r sein Grundeigenthum
-inne; allein ist er selbst m&uuml;&szlig;ig und faul, seine Frau verschwenderisch
-und unzufrieden, und lehrt er seine Kinder
- <span class="pagenum"><a id="Page_p155">[S. 155]</a></span>
-mit Verachtung auf anstrengende Arbeit herab zu blicken;
-so eilt er seinem Verderben mit Riesenschritten entgegen.
-Mit einem Wort, das Land ist ein gutes Land f&uuml;r diejenigen,
-f&uuml;r welche es pa&szlig;t; wer sich aber nicht der Nothwendigkeit
-f&uuml;gen, wer keine Entbehrung dulden und nicht
-arbeiten will, der th&auml;te besser, er bliebe davon entfernt.
-Es liegt am Tage, da&szlig; Canada nicht jeder Klasse von
-Leuten zusagen kann.&laquo;</p>
-
-<p>&raquo;Nun f&uuml;r mich und meine Familie pa&szlig;t es durchaus
-nicht,&laquo; erwiederte die Dame ver&auml;chtlich.</p>
-
-<p>&raquo;Sehr wahr!&laquo; lautete die laconische Antwort, und
-so endete das Zwiegespr&auml;ch.</p>
-
-<p>Allein indem ich diese Bemerkungen nieder geschrieben,
-bin ich ganz von der Hauptsache abgekommen und
-habe mein armes Log-Haus in unvollendetem Zustande
-gelassen. Endlich wurde mir gesagt, da&szlig; es fertig und
-bewohnbar sei, und ich sah mich bald mitten in die mit
-dem Aus- und Einzuge verbundne Unruhe und Arbeit
-versetzt. Wir erhielten allen n&ouml;thigen Beistand von S&mdash;,
-der stets bereit und willig ist, uns zu helfen. Er lachte
-und nannte unsre kleine Versammlung eine bewegende
-<em class="gesperrt">Biene</em> (<em class="antiqua">moving bee</em>); ich sagte es sei eine feststellende
-Biene, (<em class="antiqua">fixing bee</em>) und mein Gatte gab ihr den Namen
-ordnende Biene (<em class="antiqua">settling bee</em>); gewi&szlig; waren wir,
-ehe alles zu Stande kam, uneingerichtet genug. Welch
-eine w&uuml;ste H&ouml;hle ist ein kleines Haus oder &uuml;berhaupt
-jedes Haus unter solchen Umst&auml;nden. Der Begriff von
-Chaos mu&szlig; vom Aus- und Einr&auml;umen entlehnt worden
-sein, denn ich glaube, da&szlig; die Alten so gut hiermit zu
-thun hatten, als die Neuern.</p>
-
-<p>Von irdnem Geschirr ging mancher werthvolle Artikel
-auf seiner kurzen aber holperigen Wanderung durch
-die W&auml;lder in St&uuml;cke. Friede und Ruhe ihren Manen!
-Ich hatte eine gute H&uuml;lfe an meinem irischen M&auml;dchen,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p156">[S. 156]</a></span>
-die bald ein t&uuml;chtiges Feuer auf dem neuen Herde anz&uuml;ndete
-und alles im Hause ordnete.</p>
-
-<p>Wir f&uuml;hlen uns jetzt in unsrer neuen Wohnst&auml;tte
-recht behaglich; ich will Ihnen eine Schilderung von
-dem kleinen H&auml;uschen geben. Was fertig da steht, ist
-blos ein Theil von dem urspr&uuml;nglichen Plan, das Uebrige
-mu&szlig; im n&auml;chsten Fr&uuml;hjahr oder Herbst, wie es die Umst&auml;nde
-erlauben, hinzugef&uuml;gt werden.</p>
-
-<p>Ein niedliches kleines Wohnst&uuml;bchen mit Vorrathskammer,
-K&uuml;che, Speise- und Schlafkammer bilden das
-Erdgescho&szlig;; dazu kommt ein h&uuml;bsches obres Stockwerk,
-welches drei Schlafgem&auml;cher abgeben wird.</p>
-
-<p>&raquo;Welche Nu&szlig;schale,&laquo; h&ouml;re ich Sie im Geiste ausrufen;
-eine solche ist es vor der Hand wirklich, allein
-wir gedenken einen sch&ouml;nen Vorbau daran zu f&uuml;gen,
-und warten hierzu nur auf Breter von der M&uuml;hle; dies
-wird uns noch eine Stube, einen langen Saal und ein
-Schlafzimmer f&uuml;r vorkommende F&auml;lle verschaffen. Die
-Fenster und Glasth&uuml;re unsers jetzigen Wohnst&uuml;bchens gew&auml;hren
-eine angenehme Aussicht auf die Seen im
-Westen und S&uuml;den. Nach Vollendung des Hauses werden
-wir vorn und nach der S&uuml;dseite eine Verandah
-(Vorhalle) haben, eine angenehme Hinzuf&uuml;gung f&uuml;r den
-Sommer, da man sie als eine Art Vorgemach benutzen,
-darin speisen und die frische Luft, gesch&uuml;tzt gegen die
-Sonne, genie&szlig;en kann. Die Canadier nennen diese Verandahs
-&raquo;<em class="gesperrt">Stoups</em>,&laquo; da sie nur aus Scheiten oder
-Bretwerk bestehen, so entbehren nur wenige H&auml;user derselben.
-Die Pfeiler oder S&auml;ulen, umwunden von &uuml;ppigen
-Hopfen-Ranken, der Scharlach-Bohne und der Morgen-Glorie<a id="FNanchor_35_35"></a><a href="#Footnote_35_35" class="fnanchor">[35]</a>,
-nehmen sich sehr h&uuml;bsch aus. Gewi&szlig; sind
- <span class="pagenum"><a id="Page_p157">[S. 157]</a></span>
-diese Stoups eine vorz&uuml;gliche Zierde, da sie zum gro&szlig;en
-Theil die rohen Scheite verbergen und das scheunenartige
-Aeu&szlig;re der H&auml;user maskiren.</p>
-
-<p>Unser Wohnst&uuml;bchen w&auml;rmt ein h&uuml;bscher eiserner
-Ofen mit messingener Gallerie und einer Schutzplatte.
-Das Hausger&auml;th besteht in einem mit Messingblechen beschlagnen
-Sopha, das gelegentlich auch als Bett gebraucht
-wird, canadischen angestrichnen St&uuml;hlen, einem
-gefleckten Tisch von Tannenholz, gr&uuml;nen und wei&szlig;en Vorh&auml;ngen
-und einer sch&ouml;nen indianischen Matte, welche den
-Fu&szlig;boden bedeckt. Eine Seite des Zimmers nehmen
-unsre B&uuml;cher ein. Einige gro&szlig;e Landcharten und verschiedne
-gute Kupferstiche verstecken so ziemlich die rohen
-W&auml;nde und bilden die Decoration unsrer kleinen Wohnung.
-Unser Schlafzimmer ist auf dieselbe einfache Weise
-ausm&ouml;blirt. Inde&szlig; f&uuml;hlen wir uns gar nicht unbehaglich
-in unserm schlichten H&auml;uschen; und wiewohl es keineswegs
-so beschaffen ist, um unsern W&uuml;nschen vollkommen
-zu gen&uuml;gen, entspricht es doch unter den bestehenden Umst&auml;nden
-seinem Zwecke.</p>
-
-<p>Ich harre sehns&uuml;chtig dem Fr&uuml;hling entgegen, um
-vor dem Hause ein G&auml;rtchen anlegen zu k&ouml;nnen; denn
-ich beabsichtige, einige der im Lande einheimischen Fr&uuml;chte
-und Blumen darin anzupflanzen, die meiner Ueberzeugung
-nach durch Cultur einer betr&auml;chtlichen Veredlung
-f&auml;hig sind. Die auf unsern Triften und gelichteten
-Waldstellen wild wachsenden Erdbeeren geh&ouml;ren verschiednen
-Variet&auml;ten an und tragen sehr reichlich, zum Einmachen
-eignen sie sich trefflich, und ich gedenke einige
-Beete in meinem Garten damit zu bepflanzen. Auf unserm
-See befindet sich ein allerliebstes waldiges Inselchen,
-Erdbeer-Eiland und ein andres <em class="antiqua">Raspberry island</em> (Brombeer-Eiland)
-benamt; sie enthalten einen Ueberflu&szlig; an
-allerlei Fr&uuml;chten &mdash; wilden Trauben, Brombeeren, schwarzen
-und rothen Johannis-Beeren; eine wilde Stachelbeere
- <span class="pagenum"><a id="Page_p158">[S. 158]</a></span>
-und eine sch&ouml;ne kleine rankende Pflanze, welche
-wei&szlig;e Blumen tr&auml;gt, wie die Brombeere, desgleichen eine
-dunkel purpurfarbne Frucht, bestehend aus einigen Samen
-von angenehmem, lebhaft s&auml;uerlichem Geschmack, der
-Thaubeere nicht un&auml;hnlich, aber nicht ganz so s&uuml;&szlig;. Die
-Bl&auml;tter dieser Pflanze sind gl&auml;nzend hellgr&uuml;n und ungef&auml;hr
-wie die Bl&auml;tter der Brombeere gestaltet, mit der sie
-(obgleich nicht so buschig und dornig) in einiger Hinsicht
-so gro&szlig;e Aehnlichkeit hat, da&szlig; ich sie die <em class="gesperrt">kriechende
-(rankende Brombeere)</em> getauft habe.</p>
-
-<p>Unsre wissenschaftlichen Botaniker d&uuml;rften mich f&uuml;r
-sehr keck und anma&szlig;end halten, da&szlig; ich mir die Freiheit
-nehme, den Blumen und Str&auml;uchern, auf die ich in diesen
-W&auml;ldern sto&szlig;e, Namen beizulegen. Ich kann blos sagen
-da&szlig; es mich freut, wo m&ouml;glich die canadischen oder selbst
-die indianischen Benennungen zu entdecken, und wo sie
-fehlen, betrachte ich mich als ihre Taufmutter und benenne
-sie nach meinem Gefallen.</p>
-
-<p>Unter unsern wilden Fr&uuml;chten haben wir eine Pflaume,
-die in einigen Gemeinde-Distrikten sehr gut und reichlich
-ist, sie eignet sich trefflich zum Einmachen vorz&uuml;glich
-wenn man sie, wie die amerikanischen Hausfrauen, in
-Ahorn-Syrup kocht; wilde Kirschen, desgleichen eine
-Sorte Namens <em class="antiqua">choke cherries</em> (W&uuml;rgkirschen) wegen
-ihrer stark zusammenziehenden Eigenschaften, hoch- und
-kleinstr&auml;uchige Moosbeeren und Schwarzbeeren, welche
-von den Squaws in Birken-K&ouml;rben herbeigebracht
-werden. Alle diese kommen auf den Ebnen und Bieber-Wiesen
-vor. Die kleinstr&auml;uchigen Moosbeeren werden
-von den Indiern in gro&szlig;er Menge in die St&auml;dte
-und D&ouml;rfer gebracht. Sie bilden eine stete Delicatesse
-(eingemacht) auf den Thee-Tischen der meisten
-Ansiedler; allein was Trefflichkeit des Geschmacks und
-sch&ouml;nes Ansehn betrifft, so ziehe ich die hochbuschige Moosbeere
-vor; diese ist weniger begehrt, wegen der gro&szlig;en
- <span class="pagenum"><a id="Page_p159">[S. 159]</a></span>
-platten Samen, welche das Einmachen derselben verhindern;
-inde&szlig; ist das Gel&eacute;e davon sowohl in Farbe als
-Wohlgeschmack vortrefflich.</p>
-
-<p>Der Strauch auf welchem diese Moosbeere w&auml;chst,
-gleicht der Guelder-Rose. Die Bl&uuml;then sind rein wei&szlig;
-und stehen in loosen Dolden; sie bilden nach ihrer Entfaltung
-in W&auml;ldern und Mooren und am Wasser-Rande
-der Seen eine sch&ouml;ne Zierde. Die Beeren sind etwas
-l&auml;nglich eirund und gl&auml;nzend scharlachroth, und wenn
-sie der Frost leicht ger&uuml;hrt hat, halb durchsichtig, und sehen
-wie h&auml;ngende B&uuml;schel scharlachfarbner Trauben aus.</p>
-
-<p>An einem sch&ouml;nen Winternachmittage f&uuml;hlte ich mich
-versucht, mit meinem Gatten einen Spaziergang auf dem
-Eise zu machen, welches, wie man mir vorher versichert,
-vollkommen trug und sicher war. Ich mu&szlig; gestehen, da&szlig;
-ich w&auml;hrend der ersten halben Meile (englisch) mich ziemlich
-furchtsam zeigte, vorz&uuml;glich an Stellen, wo das Eis so
-durchsichtig war, da&szlig; man jeden Kiesel, jedes Moos auf
-dem Boden des Wassers sehen konnte. Bisweilen war das
-Eis dick, wei&szlig; und vollkommen undurchsichtig. W&auml;hrend
-wir uns in geringer Entfernung vom Ufer hielten,
-&uuml;berraschte mich das Erscheinen einiger gl&auml;nzend rothen
-Beeren an den laublosen B&uuml;schen, die &uuml;ber den Rand des
-Sees hingen und die ich bald als die oben erw&auml;hnten
-Moosbeeren erkannte. Mein Gatte streifte sogleich
-den lockenden Schatz von den Zweigen, und ich eilte
-entz&uuml;ckt mit meiner Beute nach Hause und kochte die
-Fr&uuml;chte mit etwas Zucker, um sie nebst unserm Kuchen
-zum Thee zu genie&szlig;en. Gewi&szlig; habe ich nie etwas so
-k&ouml;stlich gefunden als diese Beere, und dies vielleicht um
-so mehr, weil ich, mit Ausnahme von Eingemachtem
-w&auml;hrend unsrer Reise und zu Peterborough, so lange
-keinerlei Art von Fr&uuml;chten genossen hatte.</p>
-
-<p>Kurz darauf machte ich einen abermaligen Spaziergang
-auf dem Eise, wiewohl es nicht ganz so fest mehr war
- <span class="pagenum"><a id="Page_p160">[S. 160]</a></span>
-wie fr&uuml;her; dessen ungeachtet marschirten wir ziemlich
-dreiviertel Meile (englisch) weit. Bei unsrer R&uuml;ckkehr
-wurden wir von S&mdash; mit einem Handschlitten, eine
-Art Schiebkarren, wie die der Lasttr&auml;ger, &mdash; eingeholt.
-Dieses Fuhrwerk hat keine Seiten-W&auml;nde und ruht nicht
-auf einem Rade sondern auf h&ouml;lzernen Rollen, so da&szlig;
-man es, wenn es auch noch so schwer beladen ist, mit der
-gr&ouml;&szlig;ten Leichtigkeit &uuml;ber Schnee und Eis bewegen kann.
-S&mdash; bestand darauf, mich auf dem Eise nach Hause zu
-fahren, gleich einer lappl&auml;ndischen Dame auf ihrem Schlitten.
-Ich w&auml;hlte meinen Sitz, und in einer Minute f&uuml;hlte
-ich mich mit einer Schnelligkeit fortgezogen, die mir fast
-den Athem raubte. Als ich am Ufer anlangte, war ich
-von Kopf bis zu F&uuml;&szlig;en eine Gluth.</p>
-
-<p>Die Lage unsers Hauses w&uuml;rde Ihnen gefallen.
-Der Platz worauf es steht, ist der h&ouml;chste Punkt eines
-sanft geneigten Ufers oberhalb des Sees, ungef&auml;hr zweihundert
-Schritt vom Wasserrande entfernt; die Breite des
-Sees von einem Ufer zum andern betr&auml;gt nicht ganz eine
-(englische) Meile. Nach S&uuml;den zu haben wir wieder
-eine ganz verschiedne Aussicht, die nach v&ouml;lliger Lichtung
-sehr sch&ouml;n ausfallen wird, &mdash; eine sch&ouml;ne ebne Wasserfl&auml;che,
-durch anmuthige Inselchen unterbrochen, die sich
-aus ihrem Schoo&szlig;e gleich gr&uuml;nenden Hainen empor heben;
-&mdash; unterhalb derselben ist ein Fall von einigen Fu&szlig;,
-wo die Wasser der Seen, in einen engen Kanal zwischen
-Kalkstein-Schichten gezw&auml;ngt, mit gro&szlig;em Ungest&uuml;m
-hinst&uuml;rzen und Schaum und Nebel-Wolken emporschleudern.</p>
-
-<p>W&auml;hrend des Sommers ist der Wasserstand weit
-niedriger, und man kann eine ziemliche Strecke an
-den flachen Ufern hinwandern, die aus verschiednen,
-mit fossilen Ueberresten von offenbar frischer Formation
-gef&uuml;llten Kalkstein-Schichten bestehen. Jene Muschelgeh&auml;use
-und Flu&szlig;-Insekten, welche, durch das Zur&uuml;ckweichen
- <span class="pagenum"><a id="Page_p161">[S. 161]</a></span>
-des Wassers zur&uuml;ckgelassen, &uuml;ber die Oberfl&auml;che des Kalksteins
-ausgestreut liegen, sind den Muscheln und Insekten
-&auml;hnlich, die von der Kalkstein-Masse incrustirt
-sind. Man hat mir gesagt, da&szlig; das Bett eines der
-Seen, (ich wei&szlig; nicht mehr, welches) oberhalb unsers
-Wohnorts aus Kalkstein bestehe; und da&szlig; es reich an
-manigfaltigen sch&ouml;nen Flu&szlig;muscheln sei, welche darin in
-ungeheurer Menge so wie auch in den l&auml;ngs den Ufern
-ausgestreuten Kalkstein-Bl&ouml;cken schichtenweise abgelagert
-sind. Diese Muschelgeh&auml;use werden auch in betr&auml;chtlicher
-Menge in dem Boden der Bieber-Wiesen gefunden.</p>
-
-<p>Wenn ich dergleichen Dinge sehe oder davon h&ouml;re,
-so thut es mir leid, da&szlig; ich nichts von Geologie oder
-Conchologie verstehe; weil ich mir anders manche Umst&auml;nde
-w&uuml;rde erkl&auml;ren k&ouml;nnen, die gegenw&auml;rtig blos meine
-Neugierde erregen.</p>
-
-<p>Gerade unter dem oben erw&auml;hnten Wasserfall ist
-ein merkw&uuml;rdiger nat&uuml;rlicher Bogen in dem Kalkstein-Felsen,
-der sich an dieser Stelle zu einer H&ouml;he von funfzehn
-Fu&szlig; wie eine Mauer erhebt; er besteht aus gro&szlig;en
-Platten grauen Kalksteins, die eine auf der andern liegen;
-der Bogen erscheint wie eine Spalte in der Felsenwand,
-aber, m&ouml;glicher Weise durch die Gewalt des Wassers
-w&auml;hrend einer betr&auml;chtlichen Ueberschwemmung, ausgew&uuml;hlt
-und ausgeh&ouml;hlt. Auf der Spitze des Felsens
-wachsen B&auml;ume. Schierlings-Tannen und Cedern bewegen
-ihre Laubkronen hoch &uuml;ber dem wildbrausenden
-Wasser hin und her und bekleiden die steinerne
-Barriere mit einem d&uuml;stern aber unverg&auml;nglichen Gr&uuml;n.
-Hier wuchern auch in &uuml;ppiger F&uuml;lle die wilde Rebe, die
-oben erw&auml;hnte rothe kriechende Pflanze und die Gifteiche
-und weben phantastische Lauben &uuml;ber die moosbedeckten
-Stein-Massen. Eine schnelle Wendung dieses Ufers
-brachte uns zu einer breiten, vollkommen flachen und
-glatten Schichtung des n&auml;mlichen Gesteins, die eine
- <span class="pagenum"><a id="Page_p162">[S. 162]</a></span>
-Strecke von ziemlich funfzig Fu&szlig; entlang dem Ufer einnimmt.
-Zwischen den Rissen und Spalten dieser Schicht
-fand ich einige Rosen-Str&auml;ucher und mancherlei Blumen,
-die im Verlauf des Fr&uuml;hjahrs und Sommers, wo dieselbe
-vom Wasser entbl&ouml;&szlig;t und mithin seinem Einflu&szlig; nicht
-ausgesetzt ist, daraus hervorgespro&szlig;t waren.</p>
-
-<p>Dieser Platz soll n&auml;chstens mit einer S&auml;ge- und
-Korn-M&uuml;hle bebaut werden, die, f&uuml;rchte ich, seiner
-nat&uuml;rlichen Sch&ouml;nheit Abbruch thun wird. Ich glaube
-wohl, da&szlig; ich die einzige Person in der Nachbarschaft
-bin, welche die Errichtung eines f&uuml;r diesen Theil des Gemeindebezirks
-so n&uuml;tzlichen und sch&auml;tzbaren Geb&auml;udes mit
-Bedauern sieht.</p>
-
-<p>Sobald Sie mir wieder ein P&auml;ckchen oder Kistchen
-senden, vergessen Sie nicht, einige Blumen-Samen und
-Pflaumen-, Schlehen- und Aepfel-Kerne der besten Sorte,
-wie dergleichen in der Heimath in G&auml;rten und Obstpflanzungen
-gezogen werden, beizuf&uuml;gen; denn ich glaube,
-da&szlig; sich die Aepfel hier aus Samen ziehen lassen,
-ohne da&szlig; man die B&auml;ume zu pfropfen braucht; inde&szlig;
-ist das Obst von gepfropften B&auml;umen gr&ouml;&szlig;er und wohlschmeckender.
-Sehr willkommen w&uuml;rden mir auch einige
-N&uuml;sse von unsern sch&ouml;nen alten Stamm-Nu&szlig;b&auml;umen sein.
-O die guten alten B&auml;ume! was sind wir nicht auf ihren
-Aesten herum geklettert, als ich noch leichten Herzens
-und so frei von Sorgen war, wie die Eichh&ouml;rnchen, welche
-sich auf den h&ouml;chsten Wipfeln &uuml;ber uns wiegten. &raquo;Recht
-sch&ouml;n!&laquo; werden Sie sagen, &raquo;aber je weniger eine kluge
-Frau von dergleichen wilden Streichen, wie das Herumklettern
-auf Nu&szlig;b&auml;umen, spricht, desto besser.&laquo; Gl&uuml;cklicher
-Weise gerathen junge Damen hier nicht in Versuchung,
-da sie wohl einsehen, da&szlig; nur ein Eichh&ouml;rnchen oder
-ein B&auml;r unsre hohen Waldb&auml;ume erklettern kann; selbst
-ein Matrose w&uuml;rde sich nicht hinauf wagen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p163">[S. 163]</a></span></p>
-
-<p>Recht sehr w&uuml;nsche ich, einige Samen von unsrer
-wilden Schl&uuml;sselblume und unserm Veilchen zu erhalten,
-um sie auf unsern Wiesen und in unserm G&auml;rtchen auszustreuen;
-haben Sie die G&uuml;te, die Dorfkinder einige f&uuml;r
-mich sammeln zu lassen.</p>
-
-<p>Mein Gatte bittet Sie um etwas Luzern-Samen,
-den er mit Vortheil cultiviren zu k&ouml;nnen glaubt.</p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<div class="block0">
-<div class="footnotes"><b>Fu&szlig;noten:</b>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_35_35"></a><a href="#FNanchor_35_35"><span class="label">[35]</span></a> <em class="antiqua">Morning glory</em> so nennen die Amerikaner ihre sch&ouml;nen
-und gro&szlig;en Winden (<em class="antiqua">Convolvulus</em>).</p>
-</div>
-</div>
-</div>
-
-
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p164">[S. 164]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="no-break" id="Zehnter_Brief">Zehnter Brief.</h2>
-</div>
-
-<blockquote>
-<p class="p1 font09">Abwechselung in Temperatur und Wetter. &mdash; Elektrische
-Erscheinung. &mdash; Canadischer Winter. &mdash; Mangel an poetischen
-Ankl&auml;ngen in diesem Lande. &mdash; Zuckerbereitung. &mdash; Zeit zum
-Fischfang. &mdash; Art des Fischfangs. &mdash; Entenschie&szlig;en. &mdash; Indianer-Familien.
-&mdash; Papousen und ihre Windeln- und Wickelb&auml;nder.
-&mdash; Indianische Manufacturen. &mdash; Fr&ouml;sche. &mdash;</p>
-</blockquote>
-
-
-<p class="p1 rright font09">
-See-Haus, Mai 9. 1833.<br />
-</p>
-
-<p>Wie ganz anders ist doch der Winter ausgefallen,
-als ich mir dachte. Der December-Schnee thaute best&auml;ndig
-wieder weg. Am ersten Januar war auf unsern
-gelichteten Aeckern keine Flocke zu sehen, nur im Walde
-lag etwas. Die W&auml;rme der Sonne am ersten und zweiten
-Tage des neuen Jahres war so gro&szlig;, da&szlig; man im
-Freien den Mantel, ja selbst einen Shawl kaum vertragen
-konnte; und im Zimmer wurde uns das Ofenfeuer
-fast l&auml;stig. Das Wetter blieb ziemlich mild bis in die
-letzte H&auml;lfte des Monats, dann aber trat strenge K&auml;lte
-ein und dauerte den ganzen Februar hindurch. Der
-erste M&auml;rz war der k&auml;lteste Tag, den ich jemals erlebt
-habe; das Quecksilber fiel im Hause bis f&uuml;nfundzwanzig
-Grad unter Null, und im Freien noch tiefer. Das
-Gef&uuml;hl von K&auml;lte fr&uuml;hmorgens war &auml;u&szlig;erst schmerzhaft,
-und erzeugte ein unwillk&uuml;hrliches Schaudern und eine fast
-krampfhafte Empfindung in Brust und Magen. Der
-Hauch erstarrte an den Betten zu Reif. Jeder metallne
-Gegenstand, den man ber&uuml;hrte, schien die Finger erfrieren
- <span class="pagenum"><a id="Page_p165">[S. 165]</a></span>
-zu machen. Dieser hohe K&auml;lte-Grad hielt inde&szlig; nur
-drei Tage an, worauf die Temperatur allm&auml;lig gelinder
-wurde.</p>
-
-<p>W&auml;hrend dieser &auml;u&szlig;erst kalten Witterung wurde ich
-durch die h&auml;ufige Wiederkehr eines Ph&auml;nomens &uuml;berrascht,
-welches mir von elektrischer Natur zu sein schien. Wenn
-n&auml;mlich der Frost sehr heftig war, gab meine Kleidung,
-die w&auml;hrend der kalten Jahreszeit in einem wollenen oder
-mit Flanel gef&uuml;tterten Rocke bestand, beim Ausziehen
-eine Reihe knisternder prasselnder T&ouml;ne, ungef&auml;hr wie
-ein aufloderndes Feuer, von sich, und spr&uuml;hete, wenn das
-Licht entfernt wurde, blasse wei&szlig;lich blaue Funken, denen
-nicht un&auml;hnlich, welche sich erzeugen, wenn man Zucker
-im Dunkeln schl&auml;gt, oder den R&uuml;cken einer schwarzen
-Katze streichelt; dieselbe Erscheinung bemerkte ich auch,
-wenn ich meine Haare k&auml;mmte<a id="FNanchor_36_36"></a><a href="#Footnote_36_36" class="fnanchor">[36]</a>.</p>
-
-<p>Den Februar hindurch und bis zum neunzehnten
-M&auml;rz lag der Schnee sehr hoch; dann aber trat pl&ouml;tzliches
-Thauwetter ein und hielt ohne Unterbrechung so lange
-an, bis der Boden von seiner wei&szlig;en Decke v&ouml;llig befreit
-war, was im Verlauf von nicht ganz vierzehn Tagen
-geschah. Die Luft war w&auml;hrend dieser Zeit weit w&auml;rmer
-und milder als in der Regel in England, wo w&auml;hrend
-des fortschreitenden Thauwetters eine durchdringende
-K&auml;lte herrscht.</p>
-
-<p>Wiewohl der canadische Winter seine Unannehmlichkeiten
-hat, so hat er auf der andern Seite auch seine
-Reize. Nach ein- oder zweit&auml;gigem starken Schneefall
-kl&auml;rt sich der Himmel auf, und die Luft wird au&szlig;erordentlich
-hell und rein von D&uuml;nsten; der Rauch steigt in
-hohen gewundnen S&auml;ulen empor, bis er sich verliert;
-beobachtet man ihn des Abends oder fr&uuml;h an einem heitern
- <span class="pagenum"><a id="Page_p166">[S. 166]</a></span>
-Morgen, wenn der Reif an den B&auml;umen flimmert,
-im Widerschein eines safranfarbigen Himmels, so ist die
-Wirkung vorz&uuml;glich sch&ouml;n.</p>
-
-<p>An heitern Wintertagen, wenn kein W&ouml;lkchen, nicht
-der Schatten eines W&ouml;lkchens das azurblaue Himmelsgew&ouml;lbe
-&uuml;ber uns tr&uuml;bt, mache ich kleine Ausfl&uuml;ge in
-die W&auml;lder, und w&auml;re nicht die wei&szlig;e Silberdecke der
-Erde, so m&ouml;chte ich, wenn ich mein Auge zu dem reinen
-Aether empor hebe, fast ausrufen: es ist Juni, der
-milde liebliche Juni ist da! Die stets gr&uuml;nen Kiefern,
-Cedern, Schierlings-Tannen und Balsam-Fichten kr&uuml;mmen
-ihre h&auml;ngenden Aeste unter der Schneelast, die bei der
-geringsten Bewegung in dichten Schauern rings umher
-niederrauscht, aber so leicht und trocken ist der Schnee,
-da&szlig; man ihn mit leichter M&uuml;he und ohne im geringsten
-na&szlig; zu werden, absch&uuml;tteln kann.</p>
-
-<p>Die Spitzen der Baumstummel nehmen sich mit
-ihren Schnee-M&uuml;tzen oder Turbanen gar nicht &uuml;bel aus;
-ein schwarzer Fichtenstummel mit seinem wei&szlig;en M&uuml;tzchen
-und Mantel erscheint bisweilen, wegen seiner seltsamen
-Bekleidung wie Jemand, der uns pl&ouml;tzlich entgegentritt.
-Was Gespenster und Geister betrifft, so scheinen
-sie g&auml;nzlich aus Canada verbannt zu sein. Hier giebt
-es keine historischen Erinnerungen, keine abentheuerlichen
-Legenden von Ahnen und Vorvordern. Die Phantasie
-des Dichters w&uuml;rde in den Urw&auml;ldern aus Mangel an
-Wunder-Speise zur Aufrechterhaltung ihrer Existenz verhungern.
-Wir haben weder Feen noch Elfen, weder
-Geister noch Kobolde, weder Satyre noch Wald-Nymphen;
-unsre W&auml;lder selbst eignen sich nicht zum Schutz f&uuml;r
-Dryaden und Hamadryaden. Keine Najade haust an
-dem Schilfrande unsrer Seen oder heiligt durch ihre Gegenwart
-unsre Wald-Firsten. Kein Druide nimmt unsre
-Eichen in Anspruch; und anstatt mit geheimni&szlig;voller
-Ehrfurcht zwischen unsern, oft seltsam zusammengruppirten
-Kalkfelsen umher zu wandern, &uuml;berlassen wir sie dem
- <span class="pagenum"><a id="Page_p167">[S. 167]</a></span>
-Geologen, um seinen Scharfsinn in Erkl&auml;rung ihres Erscheinens
-zu &uuml;ben; anstatt dieselben mit den ehrw&uuml;rdigen
-Charakteren alter Tempel oder heidnischer Alt&auml;re zu bekleiden,
-blicken wir blos mit dem wi&szlig;begierigen Auge
-der Natur-Philosophie darauf.</p>
-
-<p>Selbst die Irl&auml;nder und Hochl&auml;nder der niedrigsten
-Klasse scheinen, wenn sie Bewohner der Urw&auml;lder von
-Canada werden, ihren alten Aberglauben bei Seite zu
-setzen. Ich h&ouml;rte einen Freund, als die Rede von dem
-Mangel an romantischem Interesse in diesem Lande war,
-ausrufen: &raquo;Es ist unpoetischer als alle andere L&auml;nder, die
-Einbildungskraft findet keinen Anhaltepunkt, kein Ziel! &mdash;
-Hier ist alles neu &mdash; der Boden selbst scheint neuerdings
-gebildet zu sein; in diesen W&auml;ldern herrscht keine gro&szlig;e
-alterth&uuml;mliche Erhabenheit, hier giebt es keine mit dem
-Lande verkn&uuml;pfte Erinnerungen ehemaliger Thaten. Die
-einzigen Wesen, an welchen ich eignes Interesse nehme,
-sind die Indianer, allein es fehlt ihnen an dem kriegerischen
-Charakter, an jener Einsicht, in deren Besitz ich sie
-mir gedacht hatte.&laquo;</p>
-
-<p>Dies war die Klage eines Dichters. Nun besteht
-aber die Volksklasse, f&uuml;r welche dieses Land in hohem
-Grade pa&szlig;t, aus unbelesenen betriebsamen Arbeitern und
-Handwerkern. Sie f&uuml;hlen kein Bedauern, da&szlig; das Land,
-welches sie bearbeiten, nicht durch die Feder eines Geschichtsschreibers
-oder den Gesang eines Dichters gepriesen
-worden ist. Die Erde giebt ihnen ihre Erzeugnisse
-eben so freigebig, als wenn sie durch das Blut von
-Heroen ged&uuml;ngt worden w&auml;re. Sie w&uuml;rden sich durch
-kein Gef&uuml;hl von Ehrfurcht bestimmen lassen, die altersgraue
-Eiche zu schonen, und sie aus keiner andern R&uuml;cksicht
-als ihres Holzes wegen achten. Sie haben keine
-Zeit, selbst wenn sie Geschmack dazu h&auml;tten, sich nach
-den Sch&ouml;nheiten der Natur umzusehen, allein ihre Unwissenheit
-ist Segen.</p>
-
-<p>Ueberhaupt sind dies eingebildete Uebel und k&ouml;nnen
- <span class="pagenum"><a id="Page_p168">[S. 168]</a></span>
-schwerlich als ein Grund zum Mi&szlig;fallen in dem Lande
-gelten, und unter Leuten gew&ouml;hnlichen Schlages erregen
-sie wenig Sympathie, wiewohl sie jedenfalls f&uuml;r die Gebildeten
-und nach geistigen Gen&uuml;ssen verlangenden Glieder
-der Gesellschaft nicht ohne Gewicht sind; denn diese
-m&uuml;ssen nat&uuml;rlicher Weise trauern, wenn Geschmack, Gelehrsamkeit
-und Genius aus ihrer Sph&auml;re ger&uuml;ckt werden.</p>
-
-<p>Was mich anlangt, wiewohl ich leicht in die Gef&uuml;hle
-des Dichters und des enthusiastischen Liebhabers
-wilder und wundervoller Sagen und M&auml;hrchen eingehen
-kann, so sehe ich doch schon, da&szlig; ich in diesem Lande
-recht gl&uuml;cklich und zufrieden sein werde. Bietet auch
-jetzt der f&uuml;r seine Geschichte bestimmte Band nur leere
-Seiten dar, so liegt doch das Buch der Natur offen da
-und zeigt beredtsam f&uuml;r das Wirken des m&auml;chtigen Sch&ouml;pfers,
-und ich kann, wenn ich an den Ufern der Seen
-und Fl&uuml;sse oder durch die W&auml;lder wandre, aus ihm tausend
-Freuden und stets neuen Stoff zur Unterhaltung
-und Belehrung sch&ouml;pfen.</p>
-
-<p>Doch ich mu&szlig; Ihnen jetzt etwas von unsrer Zucker-Fabrikation
-sagen, woran ich th&auml;tigen Antheil nehme.
-Unsre Versuche waren auf einen geringen Ma&szlig;stab beschr&auml;nkt,
-da wir blos einen Kessel und zwei eiserne Dreif&uuml;&szlig;e
-hatten; inde&szlig; reichten sie hin, um uns in die Kunst
-und das Geheimni&szlig;, betreffend die Einsiedung des Ahorn-Saftes
-zu Molasse, und die endliche Verwandlung der
-letztern in Zucker einzuweihen.</p>
-
-<p>Die erste hierzu erforderliche Arbeit ist das Anzapfen
-des Ahorns und die Auffangung des aus der Wunde
-hervorflie&szlig;enden Saftes in kleinen rohen Tr&ouml;gen, die
-in weiter nichts als mit der Art ausgeh&ouml;hlten Fichten-Scheitchen
-bestehen. Um den Baum anzuzapfen,
-macht man einen Einschnitt in die Rinde oder bohrt
-mit einem Bohrer ein Loch hinein; ersteres ist das leichtere
-und &uuml;blichere Verfahren. Ein leicht ausgeh&ouml;hltes
-St&uuml;ck Ceder- oder Hollunder-Holz wird dann mit
- <span class="pagenum"><a id="Page_p169">[S. 169]</a></span>
-dem freien Ende etwas abw&auml;rts geneigt, in die Oeffnung
-gesteckt und in den Trog gerichtet, so da&szlig; der Saft durch
-dasselbe in letztern flie&szlig;t. Bisweilen habe ich einen blosen
-flachen Span als Leiter des Saftes dienen sehen.
-Wie Sie sich wohl denken k&ouml;nnen, verfuhren wir
-ganz nach der Regel. Nach einer frostigen Nacht, worauf
-ein heller warmer Tag folgt, flie&szlig;t der Saft ziemlich
-frei und reichlich; man mu&szlig; ihn w&auml;hrend des Tages in
-einem F&auml;&szlig;chen oder Troge sammeln, und diese Gef&auml;&szlig;e
-m&uuml;ssen hinreichend ger&auml;umig sein, um alles zu fassen, was
-am Abend desselben Tages gesotten werden kann; man
-darf den aufgefangnen Saft nicht &uuml;ber vierundzwanzig
-Stunden stehen lassen, weil er andernfalls in G&auml;hrung
-&uuml;bergeht und dann nicht mehr zur Zuckerbildung taugt.</p>
-
-<p>Mein Gatte begann mit Beih&uuml;lfe eines irischen
-Knaben in der letzten M&auml;rz-Woche den Saft zu sammeln.
-Eine Stange wurde &uuml;ber zwei in die Erde befestigte
-Holzgabeln gelegt, welche stark genug waren, das
-Gewicht des schweren Kessels zu tragen. Die Arbeit
-w&auml;hrend des Tages bestand in Entleerung der Tr&ouml;ge und
-F&auml;llung von Brennholz. Des Abends wurde das Feuer
-angesch&uuml;rt, und das Sieden oder Kochen des Saftes nahm
-seinen Anfang.</p>
-
-<p>Es war ein recht erfreulicher und malerischer Anblick,
-die Zuckersieder bei ihrem helllodernden Feuer, zwischen
-den B&auml;umen, zu sehen, wie sie bald den brennenden Holzsto&szlig;
-anfachten, bald den Saft in den Kessel entleerten
-und mit einem gewaltigen L&ouml;ffel umr&uuml;hrten. Als das
-Feuer recht lustig brannte, fing der Saft im Kessel an
-zu kochen und zu sch&auml;umen, und es mu&szlig;te von Zeit zu
-Zeit frischer Saft nachgegossen werden, um sein Ueberlaufen
-zu verhindern.</p>
-
-<p>Sobald sich der Saft zu Molasse eindickt, wird er
-zur Vollendung in den Zuckerkessel gebracht. Der Proce&szlig;
-ist einfach; er fordert blos aufmerksames Absch&auml;umen
-und Verhinderung des Ueberlaufens der Masse, bis sie
- <span class="pagenum"><a id="Page_p170">[S. 170]</a></span>
-den zur Zuckerbereitung erforderlichen Grad erreicht hat,
-was man erkennt, indem man etwas davon in kaltes
-Wasser tropfen l&auml;&szlig;t. Hat sie ziemlich die erw&uuml;nschte
-Consistenz erlangt, so f&uuml;llt sich der Kessel oder Topf mit
-gelbem Schaume, bildet Gruben und vom Boden aufsteigende
-Blasen. Letztre platzen mit Entleerung von
-Dampf, ist die Molasse so weit gediehen, so kann sie
-bald in Zucker verwandelt werden. Diejenigen, welche
-mit gro&szlig;em Flei&szlig;e die Fl&uuml;ssigkeit vom Schaume frei
-erhalten und den zur Verwandlung der Molasse in Zucker
-erforderlichen Grad genau kennen, liefern einen Artikel,
-welcher der Muscovade nicht nachsteht<a id="FNanchor_37_37"></a><a href="#Footnote_37_37" class="fnanchor">[37]</a>.</p>
-
-<p>Gew&ouml;hnlich sieht man den Ahorn-Zucker in gro&szlig;en
-Broden oder Kuchen, so dicht und derb wie Wachsscheiben,
-und ohne Spur von Krystallisation; allein am besten
-nimmt er sich aus, wenn er grobk&ouml;rnig und gl&auml;nzend ist,
-er bricht dann in rauhen ungleichen Massen, wie Zuckerkant.</p>
-
-<p>Zum Gebrauch im Thee wird er geraspelt oder mit
-einem Messer klar geschabt, weil er sich anders zu langsam
-aufl&ouml;&szlig;t.</p>
-
-<p>Ich beaufsichtigte den letzten Theil des Vorganges,
-n&auml;mlich das Einkochen der Molasse zu Zucker; und ich
-mu&szlig; sagen, da&szlig; mir diese Arbeit, als ein erster Versuch,
-ohne einen erfahrnen Rathgeber zur Seite und ohne alle
-Anweisung, au&szlig;er der, welche S&mdash; mir ertheilt hatte,
-ziemlich gut gelang; ich erhielt einen Zucker von funkelndem
-Korn und guter Farbe. Au&szlig;er dem Zucker, bereitete
-ich drei Galonen Molasse, die uns sehr zu statten kam,
-und eine angenehme Ingredienz in Kuchen so wie eine
-treffliche Sauce an Puddings bildet.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p171">[S. 171]</a></span></p>
-
-<p>Die Yankies bedienen sich, wie man mir sagt, der
-Molasse zum Einmachen von Fr&uuml;chten; und ihre Fruchtgel&eacute;es
-sollen vortrefflich sein. Die aus Ahorn-Saft bereitete
-Molasse soll in Farbe, Geschmack und Consistenz
-von der westindischen sehr abweichen.</p>
-
-<p>Au&szlig;er Zucker und Molasse fabricirten wir ein F&auml;schen
-Essig, der ziemlich gut auszufallen verspricht. Zu
-diesem Behuf kochten wir f&uuml;nf volle Eimer Ahorn-Saft
-bis auf zwei ein und versetzten den R&uuml;ckstand, nachdem
-er im Fasse war, durch Hefen in G&auml;hrung; stellten dann
-das Ganze in die N&auml;he des Feuers und lie&szlig;en es diesem,
-in Vorzug vor der Sonnen-Hitze, ausgesetzt.</p>
-
-<p>Was die Bereitung des Ahorn-Zuckers im Allgemeinen
-betrifft, so h&auml;ngt es von Umst&auml;nden ab, ob sie
-f&uuml;r den Ansiedler (Landmann) vortheilhaft ist oder nicht.
-Mu&szlig; er H&auml;nde zu dieser Arbeit miethen, und sind die
-Arbeitsl&ouml;hne hoch, so ist es keines Falls rathsam, ihn
-selbst zu fabriciren au&szlig;er im Gro&szlig;en. Ein Umstand
-zu Gunsten der Fabrikation im Hause ist, da&szlig; die Zucker-Zeit
-zu einer Periode ihren Anfang nimmt, wo sich im
-Freien, den Holzschlag ausgenommen, nicht viel thun l&auml;&szlig;t,
-da noch zu viel Frost im Boden ist, um die Aufnahme
-der Saat zu gestatten; daher ist die Zeit weniger kostbar
-als im Sp&auml;t-Fr&uuml;hjahr.</p>
-
-<p>Bei einer zahlreichen Familie, und wenn es auf
-dem Grundst&uuml;ck nicht an Ahornb&auml;umen mangelt, ist
-die Fabrikation von Zucker und Molasse entschieden vortheilhaft
-und gewinnbringend; da man die j&uuml;ngern Kinder
-zur Ausleerung der Tr&ouml;ge und Zutragung von
-Brennholz brauchen kann, w&auml;hrend die &auml;ltern und st&auml;rkeren
-die Kessel besorgen und das Feuer, so lange der
-Proce&szlig; dauert, unterhalten, und Frau und T&ouml;chter das
-Uebrige im Hause vollenden k&ouml;nnen.</p>
-
-<p>Ahorn-Zucker wird das Pfund mit vier bis sechs
- <span class="pagenum"><a id="Page_p172">[S. 172]</a></span>
-Pence, und bisweilen dar&uuml;ber, bezahlt. Anfangs wollte
-mir der Beigeschmack, den er dem Thee giebt, nicht recht
-zusagen, aber nach Verlauf einiger Zeit mundete er mir
-so gut, da&szlig; ich ihn bald dem Rohrzucker (Muscovade)
-vorzog; in Kuchen, Confituren und dergleichen finde ich
-ihn k&ouml;stlich. Ich werde Ihnen bei n&auml;chster Gelegenheit
-ein Pr&ouml;bchen davon schicken, damit Sie selbst &uuml;ber seine
-Trefflichkeit urtheilen k&ouml;nnen.</p>
-
-<p>Das Wetter ist jetzt sehr warm &mdash; dr&uuml;ckend warm.
-Wir k&ouml;nnen die Hitze des Kochofens in der K&uuml;che kaum
-aushalten. Im Wohnzimmer brauchen wir fast gar kein
-Feuer, da ich gern an der offnen Th&uuml;r sitze, und das
-See-L&uuml;ftchen genie&szlig;e. Die Insekten fangen bereits an
-l&auml;stig zu werden, vorz&uuml;glich die schwarzen Fliegen, &mdash; ein
-abscheulicher Plaggeist, mit schwarzem Leibe und wei&szlig;en
-Beinen und Fl&uuml;geln; man f&uuml;hlt in den ersten Minuten
-ihren Stich nicht, jedoch giebt er sich durch das aus der
-Wunde flie&szlig;ende Blut kund; nach einigen Stunden
-schwillt die verletzte Stelle an und wird &auml;u&szlig;erst schmerzhaft.</p>
-
-<p>Diese Fliegen (<em class="antiqua">beasties</em>) bei&szlig;en vorz&uuml;glich gern in
-die Seiten des Halses, in die Ohren und Wangen; und
-bei mir hielt die Geschwulst mehre Tage an. Die
-Musquitos sind ebenfalls unertr&auml;glich, und noch unangenehmer
-ist mir das Ger&auml;usch, welches sie machen, als ihr
-Stich. Um sie vom Eindringen in das Haus abzuhalten,
-z&uuml;nden wir kleine H&auml;ufchen feuchter Holzschnitzel an,
-deren Rauch sie vertreibt; inde&szlig; ist dieses Mittel nicht
-so recht wirksam und an sich selbst l&auml;stig und unangenehm.</p>
-
-<p>Jetzt ist die Zeit zum Fischfang. Unsre Seen enthalten
-den Masquinong&eacute;, Lachs-Forellen, Wei&szlig;-Fische
-und manche andre. In dunkeln N&auml;chten sehen wir oft
-von unsrer Th&uuml;re aus die erleuchteten Nachen der Fischer
-auf ihrem Hin- und Her-Wege vorbeifahren. S&mdash; gilt
-als ein geschickter Speermann und nimmt so flei&szlig;ig Theil
-an diesen Expeditionen, da&szlig; er selten eine g&uuml;nstige Nacht
- <span class="pagenum"><a id="Page_p173">[S. 173]</a></span>
-verfehlt. Je dunkler und stiller die Nacht ist, desto besser
-eignet sie sich zum Fischfang.</p>
-
-<p>Es ist ein recht h&uuml;bscher Anblick, die niedlichen Barken
-sich langsam aus einer kleinen Bucht der mit dunkeln
-Fichten bekleideten Ufer hervorstehlen und zwischen den
-Inseln auf den Seen man&ouml;vriren zu sehen; man erkennt
-sie trotz der Finsterni&szlig; sehr leicht an dem hellen
-Schein, welchen der Jack &mdash; eine Art eiserner Korb, der
-an eine lange Stange am Bug des Schiffleins oder
-Canoes befestigt ist, &uuml;ber die Wasserfl&auml;che wirft. Dieser
-Drahtkorb ist mit einer sehr brennbaren Substanz, Kien-Holz,
-(<em class="antiqua">fat-pine</em>) genannt, welche mit heller und starklodernder
-Flamme brennt, oder auch mit zusammengerollter
-Birken-Rinde, ebenfalls ein sehr entz&uuml;ndbares Material,
-gef&uuml;llt.</p>
-
-<p>Das Licht von oben macht die Gegenst&auml;nde unter
-der Wasserfl&auml;che deutlich sichtbar. Einer von den Fischern
-steht in der Mitte der Barke, mit seiner Harpune &mdash;
-einer Art eisernem Dreizack &mdash; bereit, den Fisch, welchen er
-in dem stillen Wasser unter seinen Augen vorbeigleiten
-sieht, zu durchbohren, w&auml;hrend ein andrer mit der
-Ruderschaufel das Fahrzeug behutsam vorw&auml;rts steuert.
-Diese Jagd erfordert ein scharfes Auge, eine feste Hand
-und gro&szlig;e Vorsicht von Seiten derer, die ihr nachh&auml;ngen.</p>
-
-<p>Mir macht es gro&szlig;es Vergn&uuml;gen, diese Fischer-Nachen
-mit ihrem lodernden Feuer so still die ruhige Wasserfl&auml;che
-durchschneiden zu sehen, welche auf mehre Schritte im
-Umkreise von einem hellen Lichtschimmer erleuchtet ist,
-der die Figur des in der Mitte des Bootes stehenden,
-bald nach der einen, bald nach der andern Seite blickenden
-und seine Waffe zum Sto&szlig; bereit haltenden Speermanns
-deutlich unterscheiden l&auml;&szlig;t. Zeigen sich vier oder
-f&uuml;nf dieser erleuchteten Fahrzeuge zu gleicher Zeit auf dem
-Wasser, so ist die Wirkung &uuml;berraschend und pr&auml;chtig.</p>
-
-<p>Die Indianer sind in dieser Art Fischerei sehr ge&uuml;bt
-und erfahren; die Squaws rudern ihre Nachen mit
- <span class="pagenum"><a id="Page_p174">[S. 174]</a></span>
-bewundernsw&uuml;rdiger Geschicklichkeit. Au&szlig;erdem giebt es
-noch ein andres Verfahren zu demselben Behuf, worin
-diese Leute sich ebenfalls auszeichnen: ich meine das Fischen
-auf dem Eise, wenn die Seen zugefroren sind &mdash;
-ein Gesch&auml;ft, welches viel Geduld erheischt.</p>
-
-<p>Der Indianer, mit einem Tomahawk zur Oeffnung
-des Eises, einem Speer, einem Betttuch oder Hemde und
-einem Lockfisch von Holz versehen, begiebt sich an den
-ausersehnen Ort. Hat er ein Loch in das Eis gehauen,
-so legt er sich auf H&auml;nde und Knie nieder und wirft
-sein Betttuch &uuml;ber sich, um sowohl das Wasser zu verdunkeln
-als sich selbst zu verbergen; in dieser Lage verharrt
-er stundenlang, geduldig das Herannahen seiner
-Beute abwartend, die er, sobald sie im Bereich seiner Lanze
-erscheint, mit bewundernsw&uuml;rdiger Sicherheit durchbohrt.</p>
-
-<p>Der auf die eben geschilderte Weise gefangene Masquinong&eacute;
-ist in Geschmack denjenigen &uuml;berlegen, die sp&auml;ter
-im Jahre gefangen werden, daher man ihn den Indianern
-gern abkauft, welche sich mit einer geringen Belohnung
-begn&uuml;gen. Ich gab ein kleines Brod f&uuml;r einen
-Fisch, der achtzehn bis zwanzig Pfund wog. Der Masquinong&eacute;
-ist allem Anschein nach eine gro&szlig;e Hecht-Art
-und besitzt die r&auml;uberischen Eigenschaften dieses Fisches.</p>
-
-<p>Einer der schmalen Seen des Otanabee hei&szlig;t der
-Forellen-See, wegen der gro&szlig;en Menge von Lax-Forellen,
-die darin hausen. Der Wei&szlig;-Fisch kommt ebenfalls in
-diesen Gew&auml;ssern vor und ist &auml;u&szlig;erst k&ouml;stlich. Die gro&szlig;en
-Fisch-Arten werden meistentheils mit der Lanze erlegt,
-nur wenige Leute in diesem Lande, wo es alle H&auml;nde
-voll zu thun giebt, haben Zeit zum Fischfang mit der Angel.</p>
-
-<p>Sobald das Eis aufgeht, werden unsre Seen von
-zahllosen Fl&uuml;gen wilder V&ouml;gel besucht; einige Enten-Arten
-zeichnen sich durch ihr pr&auml;chtiges Gefieder aus und
-sind von trefflichem Geschmack. Ich sehe diesen h&uuml;bschen
-Thieren mit Vergn&uuml;gen zu, wenn sie ruhig auf dem
-Wasser hinschwimmen, dann pl&ouml;tzlich auffliegen und l&auml;ngs
- <span class="pagenum"><a id="Page_p175">[S. 175]</a></span>
-dem Rande des mit Fichten gefranzten Ufers hinstreichen
-und sich dann wieder niederlassen, wie eine kleine
-vor Anker gehende Flotte. Bisweilen sieht man eine
-alte Ente ihre kleine Brut durch Schilf und Binsen f&uuml;hren;
-die unschuldigen weichen kleinen Dingerchen nehmen
-sich, wenn sie so um ihre Mutter herum segeln, ganz
-allerliebst aus, aber beim geringsten Anschein von Gefahr
-tauchen sie sogleich unter und verschwinden. Die Fr&ouml;sche
-sind gro&szlig;e Feinde der jungen Brut; desgleichen wird dieselbe
-h&auml;ufig dem Masquinong&eacute; und, wie ich glaube,
-auch andern gro&szlig;en Fischen, wovon diese Gew&auml;sser wimmeln,
-zur Beute.</p>
-
-<p>Die Enten sind w&auml;hrend der ersten H&auml;lfte des
-Sommers &auml;u&szlig;erst wohlbeleibt, sie gehen zu dieser Zeit
-in ungeheuren Schaaren auf die gr&uuml;nen Reisfelder und
-werden von den noch gr&uuml;nen Pflanzen, die sie gierig verschlingen
-sehr fett.</p>
-
-<p>Die Indianer sind im Entenschie&szlig;en sehr gl&uuml;cklich,
-sie f&uuml;llen ein Canoe mit gr&uuml;nen Reisern, so da&szlig; es einer
-Art schwimmender Insel gleicht; unter dieser Reiser-Decke
-liegen sie verborgen und k&ouml;nnen verm&ouml;ge dieser
-List weit n&auml;her an die scheuen V&ouml;gel herankommen, als
-dies andern Falls geschehen w&uuml;rde. Unsre J&auml;ger machen
-ebenfalls h&auml;ufig, und mit gro&szlig;em Erfolg, von diesem Verfahren
-Gebrauch.</p>
-
-<p>Eine Indianer-Familie hat ihre Zelte ganz in unsrer
-N&auml;he aufgeschlagen. Auf einer der Inseln in unserm
-See k&ouml;nnen wir den d&uuml;nnen bl&auml;ulichen Rauch ihrer Holz-Feuer
-aus unsern Vorderfenster zwischen den B&auml;umen
-aufsteigen und sich in leichten Windungen &uuml;ber das Wasser
-kr&auml;useln sehen.</p>
-
-<p>Die Squaws haben mich mehre Male besucht, bisweilen
-aus Neugierde, bisweilen in der Absicht, ihre
-K&ouml;rbe, Matten, Enten oder Wildbret, gegen Schweinfleisch,
-Mehl, Kartoffeln oder zur Kleidung geh&ouml;rige Artikel
-zu vertauschen. Bisweilen mu&szlig; ich ihnen den Kessel
- <span class="pagenum"><a id="Page_p176">[S. 176]</a></span>
-zum Kochen borgen, welchen sie mir jedesmal p&uuml;nktlich
-zur&uuml;ck geben.</p>
-
-<p>Eines Tages kam eine Indianerin, um ein Waschfa&szlig;
-zu borgen, da ich aber ihre Sprache nicht verstehe,
-so konnte ich eine Zeitlang den Gegenstand ihres Begehrens
-nicht entdecken; inde&szlig; hob sie einen Zipfel ihres
-Hemdes auf, deutete auf etwas in der N&auml;he liegende
-Seife, begann den Zipfel mit den H&auml;nden zu reiben und
-ahmte den beim Waschen &uuml;blichen Vorgang nach, dann
-lachte sie und zeigte auf ein Fa&szlig;; endlich hob sie zwei
-Finger auf, um mir begreiflich zu machen, da&szlig; sie es
-zwei Tage lang zu behalten w&uuml;nschte.</p>
-
-<p>Dieses Volk scheint einen sanften und liebensw&uuml;rdigen
-Charakter zu besitzen, und, so weit unsre Erfahrung
-reicht, ist es ehrlich. Eines Tages zwar erhielt der alte
-J&auml;ger <em class="gesperrt">Peter</em> etwas Brod von mir, wof&uuml;r er ein paar
-Enten zu bringen versprach; als aber die Zeit der Zahlung
-kam, und ich meine Enten verlangte, machte er ein
-betr&uuml;btes Gesicht und antwortete mit charakteristischer
-K&uuml;rze: &raquo;Keine Ente &mdash; Chippewa (damit meinte er S&mdash;,
-denn diesen Namen haben sie ihm aus Zuneigung gegeben,)
-mit dem Canoe hinauf gegangen &mdash; kein Canoe &mdash;
-Ente mit der Zeit (<em class="antiqua">by and by</em>);&laquo; <em class="antiqua">by and by</em> (mit der
-Zeit) ist ein Lieblings-Ausdruck der Indianer, womit sie
-eine unbestimmte Zeit bezeichnen, sie bedeutet eben so gut
-Morgen oder eine Woche, einen Monat, ein Jahr und
-dar&uuml;ber. Ein directes Versprechen geben sie selten.</p>
-
-<p>Da es nicht klug ist, sich betr&uuml;gen zu lassen, wenn
-man es vermeiden kann, wie&szlig; ich kalt jede fernere Aufforderung
-zum Tauschhandel mit den Indianern ab, bis
-meine Enten erschienen sein w&uuml;rden.</p>
-
-<p>Einige Zeit darauf erhielt ich eine Ente durch einen
-Indianer Namens <em class="gesperrt">Maquin</em>, eine Art Galgen-Vogel;
-dieser Bursche ist ein bucklicher Zwerg, sehr verschmitzt
-und ein wahrer kleiner Teufelsjunge; es scheint ihm gro&szlig;es
-Vergn&uuml;gen zu machen die braunen kleinen Kinder in dem
- <span class="pagenum"><a id="Page_p177">[S. 177]</a></span>
-Wigwam zu necken oder die geduldigen Jagdhunde zu
-qu&auml;len. Er spricht das Englische sehr gel&auml;ufig und
-schreibt als ein Indianer-Knabe ziemlich gut; er begleitet
-gew&ouml;hnlich die Weiber bei ihren Besuchen, dient ihnen
-als Dollmetscher, und l&auml;chelt mit boshafter Freude
-zu dem schlechten Englisch seiner Mutter und meiner
-Verlegenheit, wenn ich ihre Zeichen nicht recht verstehe.
-Trotz seiner &auml;u&szlig;ersten H&auml;&szlig;lichkeit schien er mir einen guten
-Theil Eitelkeit zu besitzen, indem er sein Gesicht mit
-gro&szlig;er Selbstzufriedenheit im Spiegel betrachtete. Als
-ich nach seinem Namen fragte, antwortete er: &raquo;Indianischer
-Name <em class="gesperrt">Maquin</em>, aber englischer Name <em class="gesperrt">Mister
-Walker</em>, sehr guter Mann;&laquo; dies war die Person, nach
-welcher man ihn getauft hatte.</p>
-
-<p>Diese Indianer sind in ihrer Beobachtung des Sabaths
-sehr gewissenhaft und zeigen ein gro&szlig;es Widerstreben,
-an diesem Tage sich in irgend einen Handel einzulassen
-oder ihren gew&ouml;hnlichen Gesch&auml;ften, der Jagd
-oder dem Fischfang nachzugehen.</p>
-
-<p>Die jungen Indianer sind sehr geschickt im Gebrauch
-eines langen Bogens mit h&ouml;lzernen Pfeilen, die
-ziemlich schwer und an der Spitze stumpf sind. <em class="gesperrt">Maquin</em>
-sagte mir, er k&ouml;nne Enten und kleine V&ouml;gel mit seinen
-Pfeilen schie&szlig;en; inde&szlig; scheinen sie mir wegen ihrer
-Schwere eben nicht geeignet, Gegenst&auml;nde in gro&szlig;er Ferne
-zu erreichen.</p>
-
-<p>Es ist angenehm, die Indianer Sonntags Abends
-ihre Hymnen singen zu h&ouml;ren; ihre reinen weichen Stimmen
-t&ouml;nen eindrucksvoll durch die stille Nachtluft. Ich
-habe dem kleinen Chor dieser ihren Sch&ouml;pfer in der Einfachheit
-und Inbrunst ihres Herzens preisenden Naturkinder
-oft mit Vergn&uuml;gen gelauscht, und ich f&uuml;hlte einen
-heimlichen Vorwurf, indem ich die armen halb civilisirten
-Wandrer allein sich versammeln sah, um das Lob des
-Allm&auml;chtigen in der Wildni&szlig; zu verk&uuml;nden.</p>
-
-<p>Die einfache Fr&ouml;mmigkeit der Frau unsers Freundes
- <span class="pagenum"><a id="Page_p178">[S. 178]</a></span>
-des J&auml;gers <em class="gesperrt">Peter</em>, einer st&auml;mmigen, schwarzbraunen
-Matrone von h&ouml;chst liebensw&uuml;rdigem Ausdruck gefiel mir
-ausnehmend. Wir tranken eben unsern Thee, als sie
-leise die Th&uuml;r &ouml;ffnete und hereinschaute; ein ermuthigendes
-L&auml;cheln bestimmte sie zum Eintritt, worauf sie eine
-braune Papouse (indianischer Name f&uuml;r S&auml;ugling oder
-kleines Kind) auf den Fu&szlig;boden niederlegte und mit
-Neugierde und Entz&uuml;cken in ihren Augen um sich
-blickte. Wir boten ihr etwas Thee und Brod an und
-winkten ihr, einen leeren Sitz neben dem Tische einzunehmen.
-Die Einladung schien ihr zu gefallen; sie nahm
-ihr Kleines auf den Schoo&szlig;, go&szlig; etwas Thee in die
-Untertasse und gab dem Kinde zu trinken. Sie a&szlig; sehr
-m&auml;&szlig;ig, stand, als sie fertig war, auf, h&uuml;llte ihr Gesicht
-in die Falten ihres Umschlagetuchs, senkte ihr Haupt auf
-die Brust und betete. Dieser kleine Act von Fr&ouml;mmigkeit
-verrieth keine Spur von Scheinheiligkeit oder Heuchelei
-sondern sprach ganz f&uuml;r herzliche Einfalt und
-Aufrichtigkeit. Hierauf dankte sie uns mit freudestrahlendem
-Gesicht und froher Laune, nahm ihre kleine <em class="gesperrt">Rachel</em>
-in die H&ouml;he und warf sie &uuml;ber die Schultern, mit
-einem Schwunge, der mich f&uuml;rchten machte, da&szlig; die Arme
-des kleinen zarten Dinges dadurch ausgerenkt werden
-k&ouml;nnten, allein die Papouse schien mit dieser Behandlungsweise
-vollkommen zufrieden zu sein.</p>
-
-<p>Bei langen Wanderungen werden die kleinen Kinder
-aufrecht in tiefe K&ouml;rbe von eigenth&uuml;mlicher Form
-gesteckt, und die K&ouml;rbe durch Rieme von Rehleder um den
-Nacken der Mutter befestigt; aber der S&auml;ugling wird in
-eine Art flache, und, um das Herausfallen des zarten
-Inhalts zu verhindern, mit biegsamen Reifen oder Baststr&auml;ngen
-umwundne Wiege gepackt. In dieser Maschine
-steckt er so fest, da&szlig; er kein Glied r&uuml;hren kann. Die
-&auml;u&szlig;ere Decke oder Umh&uuml;llung und die Binden, welche die
-Papouse einengen, sind mannigfaltig aufgeputzt.</p>
-
-<p>An diese eigenth&uuml;mliche Wiege ist eine Schlinge</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p179">[S. 179]</a></span></p>
-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/p179i.jpg" alt="Papousen." />
- </div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p180"></a></span></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p181">[S. 181]</a></span>
-oder ein Henkel befestigt, der um den Hals der Mutter
-geht; der R&uuml;cken des Kindes kommt auf den R&uuml;cken der
-Mutter zu ruhen, und das Gesicht ist nach au&szlig;en gekehrt.
-Das erste, was eine Squaw thut, wenn sie in ein Haus
-eintritt, ist, da&szlig; sie sich von ihrer B&uuml;rde befreit und dieselbe
-an eine Wand, einen Stuhl, Kasten, oder jeden
-Gegenstand lehnt, der als St&uuml;tze dienen kann; und hier
-steht der passive Gefangene, einer Mumie in ihrem seltsamen
-Geh&auml;use nicht un&auml;hnlich. Ich habe das Bild der
-Jungfrau mit dem Jesuskinde in einigen alten illuminirten
-Me&szlig;b&uuml;chern gesehen, wo letztres gerade wie eine
-Papouse in ihren Wickelt&uuml;chern und B&auml;ndern aussah.</p>
-
-<p>Die Squaws zeigen sich gegen ihre Kleinen sehr
-z&auml;rtlich. Sanftmuth und gute Laune scheinen die vorstechenden
-Z&uuml;ge in dem Charakter der Indianerinnen zu
-sein, ob ihnen dieselben angeboren und mit dem wilden
-Zustande gepaart oder durch die mildernden und s&auml;nftigenden
-Wirkungen des Christenthums erzeugt und erworben
-sind, kann ich nicht sagen. Gewi&szlig; erscheint in
-keinem Fall die christliche Religion liebensw&uuml;rdiger, als
-wenn sie sich, unbefleckt durch den Zweifel und Unglauben
-moderner Sceptiker, in der Handlungsweise der
-bekehrten Indianer entfaltet; sie zerbricht die Fesseln
-des Heidenthums, verbannt das B&ouml;se und verbreitet
-die Fr&uuml;chte der Heiligkeit und Moralit&auml;t. Die rohen
-Naturmenschen nehmen die Wahrheiten des Evangeliums
-wie Kinder mit unverdorbnem Herzen und ungeschw&auml;chtem
-Glauben an.</p>
-
-<p>Die Squaws zeigen in manchen ihrer Handarbeiten
-gro&szlig;en Erfindungsgeist. Ihre Birkenrinden-K&ouml;rbe
-entsprechen vielen Zwecken auf das vollkommenste. Mein
-Brodkorb, Messer-Beh&auml;lter, Zuckerkorb bestehen s&auml;mmtlich
-aus diesem schlichten Material. Verzierte und mit gef&auml;rbten
-Federspuhlen gemusterte K&ouml;rbe dieser Art sind, Sie
-k&ouml;nnen mir glauben, keineswegs unelegant. Die Squaws
-verfertigen allerlei Gef&auml;&szlig;e aus Birkenrinde so gut, da&szlig;
- <span class="pagenum"><a id="Page_p182">[S. 182]</a></span>
-man sie auf mancherlei Weise brauchen kann, z. B. zur
-Aufnahme von Wasser, Milch, Fleischbr&uuml;he und jeder
-andern Fl&uuml;ssigkeit; sie werden mit den z&auml;hen Wurzeln
-des Tamarak- oder L&auml;rchenbaums, oder auch mit Ceder-Bast-Streifen
-zusammengen&auml;ht oder vielmehr gestrickt.</p>
-
-<p>Desgleichen verfertigen sie sehr brauchbare K&ouml;rbe von
-der innern Rinde des Matten-Holzes (<em class="antiqua">bass-wood</em>) und
-der wei&szlig;en Esche. Einige dieser K&ouml;rbe, von gr&ouml;berer
-Sorte, werden zur Einsammlung von Kartoffeln, indianischem
-Korn oder wei&szlig;en R&uuml;ben gebraucht. Die Ansiedler
-finden in denselben einen sehr guten Ersatz f&uuml;r die
-im alten Vaterlande &uuml;blichen Weiden-K&ouml;rbe.</p>
-
-<p>Die Indianer sind im Besitz mancher F&auml;rbestoffe, womit
-sie ihre zierlichen K&ouml;rbe und die Stachelschwein-Spuhlen
-f&auml;rben. Unser Wohnst&uuml;bchen ist mit verschiednen
-recht h&uuml;bschen Artikeln ihrer Erfindung und Fabrik geschm&uuml;ckt,
-welche wir als Noten-Futterale, Brief-Kasten,
-Blumen-Vasen und Arbeits-K&ouml;rbe benutzen.</p>
-
-<p>Sie scheinen inde&szlig; n&uuml;tzliche Artikel h&ouml;her zu sch&auml;tzen
-als Gegenst&auml;nde, die blos zur Zierde dienen. In allen
-ihren Handels-Gesch&auml;ften sind sie sehr schlau und eifrig
-und entfalten einen &uuml;berraschenden Grad von Behutsamkeit
-in ihrem Thun und Treiben. Mit den M&auml;nnern
-l&auml;&szlig;t sichs weit besser handeln als mit den Weibern; letztere
-zeigen sich in einigen F&auml;llen &auml;u&szlig;erst hartn&auml;ckig. Haben
-sie ihre W&uuml;nsche auf irgend einen Artikel gerichtet,
-so kommen sie Tag f&uuml;r Tag und weisen alles andre,
-was man ihnen etwa anbietet, zur&uuml;ck. Eine von den
-Squaws hatte sich in einen bunten Zitz-Schlafrock meines
-Gatten verliebt, und ob ich ihr denselben gleich rund
-abschlug, so kamen doch viele Squaws, eine nach der andern,
-um den &raquo;<em class="gesperrt"><em class="antiqua">Gown</em></em>&laquo; (Schlafrock), welches Wort sie
-mit einem eigenth&uuml;mlich kagenden Ton aussprachen, zu
-bewundern; und als ich sagte: &raquo;Kein Schlafrock zu verkaufen,&laquo;
-(<em class="antiqua">no Gown to sell</em>) so stie&szlig;en sie einen melancholischen
-Klagelaut aus und gingen fort.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p183">[S. 183]</a></span></p>
-
-<p>Nur selten verstehen sie sich dazu, einen Artikel, den
-man gerade nothwendig braucht, zu verfertigen. W&uuml;nscht
-man K&ouml;rbe von einem besondern Muster zu kaufen, und
-haben sie nicht zuf&auml;lliger Weise dergleichen fertig, so ertheilen
-sie die gew&ouml;hnliche unbestimmte Antwort: &mdash; &raquo;Mit
-der Zeit,&laquo; (<em class="antiqua">by and by</em>). Wenn die Artikel, welche man
-ihnen f&uuml;r die ihrigen giebt, ihren Erwartungen nicht
-entsprechen, so sagen sie mit einem verdr&uuml;&szlig;lichen m&uuml;rrischen
-Ausdruck in Blick und Stimme: &mdash; &raquo;<em class="antiqua">Car-car</em>&laquo;
-(Nein, nein), oder &raquo;Carwinni,&laquo; was eine noch st&auml;rkere
-Verneinung ist. Gef&auml;llt ihnen dagegen das Gesch&auml;ft,
-so geben sie ihre Zufriedenheit durch verschiedne best&auml;tigende
-Winke und Kopfnicken, und einen fast grunzenden
-Laut zu erkennen; Enten, Fische, Wildbret oder
-K&ouml;rbe stellen sie vor den K&auml;ufer hin und nehmen dagegen
-die Tausch-Artikel in die weiten Falten ihrer Hemden
-oder Umschlaget&uuml;cher oder legen sie in eine Art von Binsen-Koffer;
-nicht un&auml;hnlich jenen Strohk&ouml;rben, worin
-englische Zimmerleute ihre Werkzeuge tragen.</p>
-
-<p>Die Weiber ahmen die Kleidung der Wei&szlig;en nach.
-Manche der jungen M&auml;dchen n&auml;hen sehr gut. Ich gebe
-ihnen oft Fleckchen Seide und Sammet oder Spitzen,
-wof&uuml;r sie sich sehr dankbar zeigen.</p>
-
-<p>Ich habe gegenw&auml;rtig sehr viel mit meinem Garten
-zu thun. Einige unsrer S&auml;mereien sind bereits in der
-Erde, doch sagt man mir, da&szlig; ich etwas zu eilig gewesen;
-es seien zehn gegen eins zu wetten, da&szlig; die jungen
-Pfl&auml;nzchen durch die Sp&auml;tfr&ouml;ste, welche sich oft den Mai
-hindurch, ja selbst noch zu Anfange Junis einstellen, umkommen
-werden.</p>
-
-<p>Unser Garten hat vor der Hand noch nichts aufzuweisen,
-er ist nichts als ein mit einer rohen Latten-Einfriedigung,
-zur Abwehr des Viehs von unsern Anpflanzungen,
-umgebnes St&uuml;ck Land. Im n&auml;chsten Fr&uuml;hjahr
-hoffe ich ein h&uuml;bsches Gel&auml;nder darum, und einige Beete
-mit Blumen bedeckt zu sehen. In gegenw&auml;rtigem Fr&uuml;hjahr
- <span class="pagenum"><a id="Page_p184">[S. 184]</a></span>
-giebt es so viel dr&auml;ngende Arbeit, um das Land zur
-Aufnahme der Saaten v&ouml;llig zu lichten und zu reinigen,
-da&szlig; ich meine Anspr&uuml;che auf den Besitz eines Ziergartens
-gern in den Hintergrund treten lasse.</p>
-
-<p>Die Waldb&auml;ume sind ziemlich alle belaubt. Nie sah
-ich den Fr&uuml;hling schneller eintreten als in diesem Jahre.
-Das Gr&uuml;n der Bl&auml;tter ist &auml;u&szlig;erst lebhaft. Tausend
-liebliche Blumen entfalten in den W&auml;ldern und auf dem
-gelichteten Boden ihre zarten Bl&uuml;then. Auch sind unsre
-canadischen S&auml;nger nicht stumm. Das lustige Gezwitscher
-des Rothkehlchens, die s&uuml;&szlig;en Laute der Amsel und
-der Drossel nebst dem schwachen, aber nicht unangenehmen
-Schlag eines kleinen Vogels, Namens <em class="gesperrt">Thitabebec</em>,
-und die lieblichen Triller eines Zaunk&ouml;nigs f&uuml;llen unsre
-W&auml;lder.</p>
-
-<p>Was mich betrifft, so halte ich es weder f&uuml;r n&ouml;thig
-noch weise, das Gute, was wir besitzen, zu tadeln, weil
-es nicht ganz f&uuml;r das Ersatz leistet, dessen wir uns fr&uuml;her
-erfreuten. Es ist meines Wissens unter den Reisenden
-leider die Mode eingerissen, zu behaupten, da&szlig;
-unsre gefiederten Schaaren theils stumm seien, theils
-h&ouml;chst widrige, das Ohr zerrei&szlig;ende T&ouml;ne aussto&szlig;en und
-mehr unangenehm als willkommen erscheinen. Es w&uuml;rde
-eine Unwahrheit sein, wenn ich behaupten wollte, da&szlig;
-unsre Singv&ouml;gel zahlreicher und melodienreicher seien als
-die europ&auml;ischen; allein eben so wenig darf ich dulden,
-da&szlig; man mein neues Vaterland seiner Rechte beraubt,
-ohne ein Wort zur Vertheidigung unsrer befl&uuml;gelten
-Musiker zu sagen. Ja selbst den Fr&ouml;schen Canadas hat
-man, das Monotone ihrer Stimmen abgerechnet, Unrecht
-gethan, ihr Concert erscheint mir in der That nicht ganz
-unmelodisch. Die gr&uuml;nen Fr&ouml;sche sind sehr sch&ouml;n, sie zeichnen
-sich durch braune eirunde Schilde auf dem lebhaftesten
-Gr&uuml;n aus; auch &uuml;bertreffen sie an Gr&ouml;&szlig;e die dicksten
-unsrer englischen Fr&ouml;sche und sind unstreitig weit sch&ouml;ner</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p185">[S. 185]</a></span></p>
-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/p185i.jpg" alt="Gr&uuml;ne Fr&ouml;sche." />
- </div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p186"></a></span></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p187">[S. 187]</a></span></p>
-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/p187i.jpg" alt="Ochsen-Frosch." />
- </div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p188"></a></span></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p189">[S. 189]</a></span>
-Ihre Laute gleichen denen eines Vogels und haben nichts
-von jenem Geknarr in sich.</p>
-
-<p>Die Ochsen-Fr&ouml;sche sind von den gr&uuml;nen Fr&ouml;schen
-sehr verschieden; anstatt &uuml;ber ihre seltsamen T&ouml;ne ungehalten
-zu sein, kann ich mich vielmehr kaum des Lachens
-enthalten, wenn ein t&uuml;chtiger Kerl sein breites braunes
-Haupt hart am Wasser-Rande aus dem nassen Elemente
-hervor st&ouml;&szlig;t, und &raquo;<em class="gesperrt">Williroo, williroo, williroo</em>&laquo;
-ruft, worauf ein andrer seines Gleichen an einer entfernten
-Stelle des Sumpfes in gr&ouml;beren Accenten erwiedert,
-&raquo;<em class="antiqua">Get out, get out, get out</em>, (komm raus, komm
-raus, komm raus);&laquo; und gleich darauf l&auml;&szlig;t sich ein
-Chor von Alt und Jung vernehmen, gleichsam als suche
-jede Partei die andre zu &uuml;berqu&auml;ken.</p>
-
-<p>In meinem n&auml;chsten Schreiben werde ich Ihnen einen
-Bericht von unsrer Klafter-Biene (<em class="antiqua">logging-bee</em>) geben,
-welche zu Ende dieses Monats stattfinden wird.
-Ich bin hinsichtlich der Verbrennung der geklafterten Holzhaufen
-auf dem brachliegenden Boden um unser Haus
-herum etwas besorgt, da mir die Sache gef&auml;hrlich erscheint.</p>
-
-<p>Ich werde Ihnen in Kurzem wieder schreiben. Leben
-Sie wohl.</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-
-<div class="block0">
-<div class="footnotes"><b>Fu&szlig;noten:</b>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_36_36"></a><a href="#FNanchor_36_36"><span class="label">[36]</span></a> Diese Erscheinung ist bei trockner Luft &uuml;berall sehr
-gew&ouml;hnlich.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_37_37"></a><a href="#FNanchor_37_37"><span class="label">[37]</span></a> Guter, richtig bereiteter Ahorn-Zucker hat mit jenem
-gepulverten Zucker, den alle Gew&uuml;rzkr&auml;mer als einen trefflichen
-Artikel zur Vers&uuml;&szlig;ung des Kaffees verkaufen, gro&szlig;e Aehnlichkeit.</p>
-</div>
-</div>
-</div>
-
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p190">[S. 190]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="no-break" id="Elfter_Brief">Elfter Brief.</h2>
-</div>
-
-<blockquote>
-<p class="p1 font09">Welche Emigranten f&uuml;r Canada passen. &mdash; Eigenschaften,
-die man besitzen mu&szlig;, um eines g&uuml;nstigen Erfolgs gewi&szlig; zu
-sein. &mdash; Capital-Anlage. &mdash; Welche Artikel man wo m&ouml;glich
-mit sich bringen mu&szlig;. &mdash; Eigenschaften und Besch&auml;ftigungen einer
-Ansiedler-Familie. &mdash; Mangel an Geduld und Energie bei
-einigen Frauen. &mdash; Besorgung der Milchwirthschaft. &mdash; K&auml;se. &mdash;
-Indianisches Korn; seine Cultur. &mdash; Kartoffeln. &mdash; Arbeitsl&ouml;hne.</p>
-</blockquote>
-
-
-<p class="p1 rright font09">
-August, 2, 1833.<br />
-</p>
-
-<p>Die mancherlei Fragen, auf die Sie meine
-Aufmerksamkeit vorz&uuml;glich gerichtet wissen wollen, will
-ich, so gut es mir m&ouml;glich ist, zu beantworten suchen,
-doch mu&szlig; ich zu gleicher Zeit erinnern, da&szlig; K&uuml;rze im
-Briefschreiben eben keine meiner Haupttugenden ist. Sollte
-ich in Schilderung einfacher Thatsachen zu weitl&auml;ufig werden,
-so m&uuml;ssen sie mit meiner Schw&auml;che Nachsicht haben
-und es meiner weiblichen Schwatzlust zu Gute rechnen,
-und sollte Ihr Auge dabei erm&uuml;den, so bleiben wenigstens
-Ihre Ohren verschont.</p>
-
-<p>Ich will Ihre Fragen in derselben Ordnung beantworten,
-wie Sie dieselben an mich gerichtet haben. Zun&auml;chst
-w&uuml;nschen Sie zu wissen, welche Art von Leuten
-sich am besten zu Busch-Ansiedlern schickt.</p>
-
-<p>Hierauf erwiedre ich ohne Anstand: &mdash; Die armen,
-an harte Arbeit gewohnten m&auml;&szlig;igen Bauern, die sich
-durch Flei&szlig; und Th&auml;tigkeit auszeichnen und f&uuml;r eine gro&szlig;e
-Familie zu sorgen, und einen lobenswerthen Abscheu vor
- <span class="pagenum"><a id="Page_p191">[S. 191]</a></span>
-Arbeitsh&auml;usern und Bettelvoigten haben; damit &uuml;berwinden
-sie alle M&uuml;hseligkeiten und Entbehrungen, die mit
-einer ersten Ansiedlung in den Urw&auml;ldern verbunden sind,
-und gelangen in kurzer Zeit zu einer ehrenvollen Unabh&auml;ngigkeit,
-frei von Mangel &mdash; aber nicht von Arbeit
-und Betriebsamkeit. Handwerker jeder Art werden in den
-Dorf-St&auml;dten (<em class="antiqua">Village-towns</em>) und seit langer Zeit
-gelichteten Distrikten besser bezahlt, als blose Buschsiedler.</p>
-
-<p>&raquo;Welche eignen sich zun&auml;chst am besten zur Auswandrung?&laquo;</p>
-
-<p>Leute von m&auml;&szlig;igem Einkommen oder einem h&uuml;bschen
-Capital k&ouml;nnen in Canada Geld gewinnen. Besitzen sie
-ein gesundes Urtheil und k&ouml;nnen sie gr&ouml;&szlig;ere Summen
-verwenden, so werden sie durch gute Eink&auml;ufe und Wiederverk&auml;ufe
-ihr Capital verdoppeln, ja selbst verdreifachen.</p>
-
-<p>Allein noch besser w&auml;re es, ich bezeichnete diejenigen,
-welche nicht zur Auswanderung taugen, als umgekehrt.</p>
-
-<p>Der arme, an eine feine, zarte Lebensweise gew&ouml;hnte
-Gentleman, der nicht Arbeiter genug anstellen kann, um
-eine hinreichende Bodenfl&auml;che in urbaren Stand zu setzen
-und nicht selbst arbeiten mag, taugt nichts f&uuml;r Canada,
-vorz&uuml;glich wenn seine Gewohnheiten kostspielig sind. Selbst
-der Mann, welcher ein kleines Einkommen hat, wofern er
-sich nicht dazu verstehen will, die Axt oder das Hackemesser
-in die Hand zu nehmen, wird es, sogar bei einer klugen
-und sparsamen Lebensweise, nicht leicht finden, sich in den
-ersten zwei oder drei Jahren schuldenfrei zu erhalten.
-Manche der letztern Art sind inde&szlig; vorw&auml;rts gekommen,
-aber nicht ohne schweres Ringen.</p>
-
-<p>Noch aber giebt es eine andre Klasse von Leuten,
-die nicht f&uuml;r die W&auml;lder pa&szlig;t; dies sind die Weiber und
-Familien derjenigen, welche fr&uuml;her wohlhabende Kr&auml;mer
-oder Handwerker und an den t&auml;glichen Genu&szlig; jedes Vergn&uuml;gens,
-jedes Luxus-Artikels, welchen Geld verschaffen
-oder Mode erfinden konnte, gew&ouml;hnt waren; deren Begriffe
- <span class="pagenum"><a id="Page_p192">[S. 192]</a></span>
-von Gl&uuml;ckseligkeit mit einem Kreise von Lustbarkeiten und
-Gesellschaften und allen Neuheiten in Tracht und Unterhaltung,
-welche die feine Welt darbieten kann, unzertrennlich
-verbunden sind. Junge D&auml;mchen, welche in vornehmen
-Pensions-Anstalten erzogen worden sind, und eine
-Verachtung gegen alles, was auf Nutzen und Ersparni&szlig;
-abzweckt, eingesogen haben, geben sehr schlechte Ansiedler-Weiber
-ab. Nichts kann ungl&uuml;cklicher sein, als die Lage
-so erzogner Personen in den W&auml;ldern von Canada; mi&szlig;vergn&uuml;gt
-und mi&szlig;muthig &uuml;ber den unangenehmen Wechsel
-in ihrer Lebens-Weise, unzufrieden mit allen Gegenst&auml;nden
-um sie her, finden sie jede Anstrengung l&auml;stig
-und jede Besch&auml;ftigung unter ihrer W&uuml;rde.</p>
-
-<p>F&uuml;r Leute dieser Art (und leider st&ouml;&szlig;t man nur auf zu
-viele in den Colonien), ist Canada das schlechteste Land
-von der Welt. Und ich wollte jedem, der weder Neigung
-noch die erforderlichen Eigenschaften dazu hat, abrathen,
-den atlantischen Ocean hierher zu durchsegeln, denn er w&uuml;rde
-sicher elend, arm und ungl&uuml;cklich werden.</p>
-
-<p>Der Emigrant, welcher in diesem Lande fortkommen,
-ja sein Gl&uuml;ck machen will, mu&szlig; folgende Eigenschaften
-besitzen: Beharrlichkeit, Geduld, Betriebsamkeit, Erfindungsgeist,
-M&auml;&szlig;igkeit, Selbstverl&auml;ugnung, und ist er ein
-Gentleman, so ist ein kleines Einkommen fast unerl&auml;&szlig;lich,
-und ein reichliches noch w&uuml;nschenswerther. Die Auslage
-f&uuml;r Ankauf und Urbarmachung von Grund und Boden, Anschaffung
-der n&ouml;thigen Utensilien und Vorr&auml;the zur Unterhaltung
-einer Familie, Besoldung von Dienstboten,
-nebst manchen andern unvermeidlichen Ausgaben, k&ouml;nnen
-ohne Geld-Mittel nicht bestritten werden; und da der
-Boden-Ertrag in den ersten zwei oder drei Jahren nur
-gering ist, so w&uuml;rde es f&uuml;r einen Ansiedler rathsam sein,
-einige hundert Pfund mit zu bringen, um sein Besitzthum
-urbar zu machen und die eben erw&auml;hnten Ausgaben
-zu bestreiten, indem er sich andern Falls bald in
-gro&szlig;e Schwierigkeiten verwickelt finden d&uuml;rfte.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p193">[S. 193]</a></span></p>
-
-<p>Jetzt zu Ihrer dritten Frage, &raquo;welches ist der vortheilhafteste
-Weg, sein Geld anzulegen, wofern man n&auml;mlich
-als Ansiedler mehr mit sich hierher bringt, als man
-f&uuml;r seinen Bedarf braucht?&laquo;</p>
-
-<p>Hier&uuml;ber kann ich nat&uuml;rlicher Weise kein gen&uuml;gendes
-Urtheil geben. Mein Gatte und seine Freunde, die
-mit dem Zustande und den Angelegenheiten der Colonisten
-bekannter sind, sagen, man m&uuml;sse sein Capital gegen
-sichere Hypotheken auf Grund-Eigenthum ausleihen. Der
-Ankauf von Land ist oft ebenfalls eine gute Speculation,
-aber hinsichtlich des Gewinns nicht so bestimmt, da man
-keine Zinsen erh&auml;lt; und wiewohl sie in Zukunft reichliche
-Fr&uuml;chte tragen d&uuml;rfte; so ist es doch nicht immer
-leicht &uuml;ber den erkauften Grund und Boden, gerade wenn
-man dessen bedarf, vortheilhaft zu verf&uuml;gen. Der Besitzer
-von mehren tausend Morgen Landes in verschiednen
-Gemeinde-Bezirken kann oft wegen zwanzig Pfund Sterling
-in Verlegenheit gerathen, wenn er diese pl&ouml;tzlich und
-unvorbereitet schaffen soll, daher es unrathsam ist, sein
-ganzes Capital auf die eben erw&auml;hnte Weise anzulegen.</p>
-
-<p>Die Aufz&auml;hlung der verschiednen Gelegenheiten, sein
-bares Geld vortheilhaft anzuwenden, w&uuml;rde mir schwer
-fallen. Es ist hier so wenig Geld im Umlauf, da&szlig; diejenigen,
-welche gl&uuml;cklich genug sind, dergleichen in Bereitschaft
-zu haben, fast alles, was sie w&uuml;nschen, damit
-ausf&uuml;hren k&ouml;nnen.</p>
-
-<p>&raquo;Welches sind die n&uuml;tzlichsten und nothwendigsten
-Artikel, die ein Ansiedler wo m&ouml;glich mit bringen mu&szlig;?&laquo;</p>
-
-<p>Werkzeuge, einen guten Vorrath an Kleidern und
-Schuhen, gute Betten, vorz&uuml;glich warme Bettdecken,
-da man dergleichen hier theuer bezahlen mu&szlig;, und sich
-doch in der Heimath zu weit billigeren Preisen, bei besserer
-Qualit&auml;t, damit versorgen kann. Einen Vorrath guter
-Garten-S&auml;mereien, da diejenigen, welche man bei den
-Producten-H&auml;ndlern kauft, schlechtes Zeug sind; &uuml;berdies
-sind letztere in Packete gepackt, die man nicht eher &ouml;ffnen
- <span class="pagenum"><a id="Page_p194">[S. 194]</a></span>
-darf, als nachdem man daf&uuml;r bezahlt hat, und leider
-pflegt man, wie es uns gegangen ist, nichts als Spreu,
-leere H&uuml;lsen und wurmstichige Samen f&uuml;r sein Geld zu
-erhalten. Dies ist, es thut mir leid, es sagen zu m&uuml;ssen,
-eine Betr&uuml;gerei, die sich die Yankies erlauben; wiewohl
-ich nicht zweifle da&szlig; John Bull (die gemeinen
-Engl&auml;nder) bei sich darbietender Gelegenheit das N&auml;mliche
-thun w&uuml;rde, denn Spitzbuben und Betr&uuml;ger giebt es
-&uuml;berall unter der Sonne.</p>
-
-<p>Was Hausger&auml;th und schwere Artikel aller Art
-anlangt, so thut man wohl, so wenig als m&ouml;glich mit
-zu nehmen. Eisen-Waare ist hier nicht theuer, oder
-vielleicht eben so wohlfeil als zu Hause, und oft dem hiesigen
-Bedarf angemessener als die, welche man mit sich
-bringt; &uuml;brigens ist alles Landfuhrwerk theuer.</p>
-
-<p>Wir verloren ein gro&szlig;es Packet Werkzeuge und
-waren nie im Stande, es von den Spediteurs wieder zu
-erhalten, wiewohl wir die Fracht im Voraus zu Prescot
-bezahlen mu&szlig;ten. Das Beste ist daher, seine G&uuml;ter zu
-versichern, in welchem Fall der Spediteur daf&uuml;r verantwortlich
-ist.</p>
-
-<p>Sie fragen mich, &raquo;ob Gew&uuml;rze und andre zur Nahrung
-geh&ouml;rige Haushalt-Artikel theuer oder wohlfeil sind?&laquo;</p>
-
-<p>Dies ist je nach Ortslage und andern Umst&auml;nden
-verschieden. In St&auml;dten und D&ouml;rfern, welche in l&auml;ngst
-urbargemachten Distrikten des Landes und nahe an Seen
-und schiffbaren Fl&uuml;ssen liegen, sind sie wohlfeiler als in
-der Heimath; allein in neu begr&uuml;ndeten, von der Wasser-Communication
-entfernten Gemeinde-Bezirken, wo die
-Stra&szlig;en schlecht sind, und mithin der G&uuml;tertransport
-theuer ist, mu&szlig; man fast das Doppelte daf&uuml;r bezahlen.
-Wo die Production dem Bedarf nicht gewachsen ist, zufolge
-der Ansiedlung neuer Emigranten in sp&auml;rlich angebauten
-Distrikten, oder andrer Ursachen, werden alle Nahrungsmittel
-theuer verkauft, und lassen sich &uuml;berhaupt
- <span class="pagenum"><a id="Page_p195">[S. 195]</a></span>
-nicht so leicht erlangen. Allein dies sind blos vor&uuml;bergehende
-Uebel, die bald ein Ende haben.</p>
-
-<p>Concurrenz macht die Preise in den canadischen St&auml;dten
-eben so gut sinken, als in England, und man kauft
-jetzt G&uuml;ter aller Art ziemlich eben so wohlfeil als in der
-Heimath.&laquo;</p>
-
-<p>Wo Preise von &ouml;rtlichen Umst&auml;nden abh&auml;ngen, kann
-man keinen festen Maa&szlig;stab geben; da das, was von der
-einen Stadt gilt, nicht auch auf eine andre angewendet
-werden kann, und eine best&auml;ndige Ver&auml;nderung in allen
-bebauten oder halbbebauten Gemeinde-Bezirken vor sich
-geht. Auf gleiche Weise sind die Vieh-Preise sehr verschieden,
-sie sind niedriger in alten Ansiedlungen, und dies
-vorz&uuml;glich auf der amerikanischen Seite des Flusses oder
-der Seen, im Vergleich zu denen in den beiden Canadas
-(Unter- und Ober-Canada)<a id="FNanchor_38_38"></a><a href="#Footnote_38_38" class="fnanchor">[38]</a>.</p>
-
-<p>&raquo;Welche Eigenschaften mu&szlig; die Frau eines Ansiedlers
-besitzen? welches sind die gew&ouml;hnlichen Besch&auml;ftigungen
-des weiblichen Theils der Familie?&laquo; Sind Ihre
-n&auml;chsten Fragen.&laquo;</p>
-
-<p>Auf die erste erwiedre ich: &mdash; Die Frau eines Ansiedlers
-mu&szlig; th&auml;tig, flei&szlig;ig, gewandt, erfinderisch und heitrer
-Laune sein; sie darf sich keiner Arbeit in der Hauswirthschaft
-scheuen, und nicht zu stolz sein, um den Rath
-und die Erfahrung &auml;lterer Mitglieder der Gemeinde zu
- <span class="pagenum"><a id="Page_p196">[S. 196]</a></span>
-verschm&auml;hen, von denen sie manche treffliche Lehre praktischer
-Weisheit erhalten k&ouml;nnen.</p>
-
-<p>Gleich jenem Muster aller guten Hausweiber, welches
-die kluge Mutter K&ouml;nig <em class="gesperrt">Lemuel's</em> beschreibt, sollte
-man von der Gattin des Emigranten sagen k&ouml;nnen, &raquo;Sie
-legte ihre eine Hand an die Spindel und hielt mit der
-andern den Rocken, sie suchte Wolle und Flachs und
-arbeitete willig mit ihren H&auml;nden, sie besorgte flei&szlig;ig
-ihre Wirthschaft und a&szlig; ihr Brod nicht umsonst.&laquo;</p>
-
-<p>Nichts spricht f&uuml;r einen gr&ouml;&szlig;ern Grad von gesundem
-Verstand und guten Gesinnungen als heitre und
-willige F&uuml;gung in die Umst&auml;nde, wie sehr sie auch im
-Vergleich zu einem fr&uuml;heren Loose zur&uuml;ckstehen m&ouml;gen;
-gewi&szlig; wird Niemand, der so f&uuml;hlt und denkt, wie er
-f&uuml;hlen und denken sollte, ein Frauenzimmer, wie z&auml;rtlich
-und vornehm es auch immer erzogen sein mag, deswegen
-verachten, weil es in den neuen Lebensverh&auml;ltnissen,
-zu welchen es zu berufen, es Gott gefallen hat, redlich seine
-Pflicht erf&uuml;llt. Seitdem ich in dieses Land gekommen
-bin, habe ich die wohlerzognen, h&ouml;chst gebildeten T&ouml;chter
-und Weiber von M&auml;nnern, &mdash; sowohl See- als
-Land-Offizieren &mdash; keineswegs niedern Ranges, kennen
-gelernt, die ihre eignen K&uuml;he melken, ihre eigne Butter
-bereiten und Arbeiten im Hauswesen verrichten,
-wozu sich wenige P&auml;chter-Weiber verstanden haben w&uuml;rden.
-Anstatt diese n&uuml;tzlichen Besch&auml;ftigungen zu verachten,
-suchen manche Emigranten-Frauen vielmehr ihren
-Stolz darin, sich einiger Geschicklichkeit in dergleichen
-Dingen r&uuml;hmen zu k&ouml;nnen. Je weniger dummen
-Stolz, und je mehr praktische Kenntnisse eine Emigrantin
-mit sich bringt, desto eher darf sie und ihre Familie auf
-h&auml;usliches Gl&uuml;ck und Gedeihen rechnen.</p>
-
-<p>Ich bedaure, bemerken zu m&uuml;ssen, da&szlig; in manchen
-F&auml;llen die weiblichen Familien-Glieder, welche hierher gekommen
-sind, sich dem Tr&uuml;bsinn hingeben und dadurch
-die Harmonie ihres h&auml;uslichen Heerdes st&ouml;ren und die
- <span class="pagenum"><a id="Page_p197">[S. 197]</a></span>
-Energie ihrer Gatten und Br&uuml;der durch best&auml;ndige nutzlose
-Klagen herabstimmen. Haben sie sich einmal entschlossen,
-ihren Gatten oder Freunden in dieses Land zu
-folgen, so wird es weiser und besser sein, sich mit gutem
-Anstand in die Umst&auml;nde zu schicken und durch redliche
-Erf&uuml;llung ihrer Pflicht die B&uuml;rde der Auswandrung ertr&auml;glich
-zu machen.</p>
-
-<p>Eine arme Frau, die &uuml;ber das Elend des Landes
-klagte, mu&szlig;te doch anerkennen, da&szlig; ihre Aussichten viel
-besser w&auml;ren, als sie jemals in der alten Heimath gewesen.
-Was war denn aber eigentlich die Ursache ihrer
-Klagen und ihrer Unzufriedenheit? Ich konnte mich kaum
-des L&auml;chelns enthalten, als sie sagte, da&szlig; sie Sonnabend
-Abends nicht mehr in den Material-Laden gehen
-k&ouml;nne, um f&uuml;r das Wochenlohn ihres Mannes die n&ouml;thigen
-Eink&auml;ufe zu machen und ein wenig mit ihren Nachbarn
-zu plaudern, w&auml;hrend der Kr&auml;mer seine Kunden bediene,
-&mdash; denn es g&auml;be ja leider im Busche keinen Kramladen,
-und sie sei so zu sagen lebendig-todt. Wenn
-Mrs. N. N. (mit der sie beil&auml;ufig gesagt, so lange sie
-unter einem Dache lebten, best&auml;ndig zankte,) um sie gewesen,
-so habe sie sich doch nicht so ganz allein gef&uuml;hlt.</p>
-
-<p>Also aus Liebe zu einem gelegentlichen Geplauder,
-wobei sie sich mit dem Ellenbogen auf dem Verkauftisch
-eines Dorfkramladens legen konnte, wollte diese alberne
-Frau die Vortheile, die wirklichen sichern Vortheile, aufgeben,
-Land, Vieh und Gefl&uuml;gel, gute Nahrung, eignes
-Obdach und Kleidung zu besitzen, und alles dies als die
-Frucht angestrengter einige wenige Jahre hindurch dauernder
-Arbeit, der sie sich, wie ihr Mann kl&uuml;glich bemerkte,
-in der Heimath ebenfalls h&auml;tte unterziehen m&uuml;ssen,
-und zwar mit keinem andern Ziel als ein durch Armuth
-getr&uuml;btes Alter, oder allenfalls eine Zuflucht gegen Hungerleiden
-in dem Arbeitshause ihres Kirchsprengels, im Auge.</p>
-
-<p>Die weiblichen Glieder der mittlern oder bessern Klasse
-anlangend, so k&ouml;nnen sie den geselligen Kreis von Freunden
- <span class="pagenum"><a id="Page_p198">[S. 198]</a></span>
-und Verwandten, von denen sie, vielleicht auf immer,
-geschieden sind, nicht aus den Gedanken bringen; sie seufzen
-nach den kleinen h&auml;uslichen, von Eleganz und Verfeinerung
-des Lebens zeugenden Bequemlichkeiten, die sie
-in der Heimath um sich zu sehen gewohnt waren. Sie
-haben jetzt wenig oder keine Zeit f&uuml;r dergleichen Einrichtungen,
-die ihnen sowohl Besch&auml;ftigung als Unterhaltung
-gew&auml;hrten. Die ihnen jetzt obliegenden Th&auml;tigkeiten sind
-von andrer Art: sie m&uuml;ssen im Zucker- und Seife-Sieden,
-im Bereiten und Backen gro&szlig;er Brode im Backkessel, wofern
-sie nicht so gl&uuml;cklich sind, einen steinernen oder Lehm-Ofen
-zu besitzen, Geschicklichkeit und Erfahrung erwerben.
-Die Hausfrau mu&szlig; sich mit der Hefenbereitung aus
-Hopfen f&uuml;r ihr Geb&auml;ck, mit dem Einsalzen von Fleisch und
-Fischen vertraut machen, sie mu&szlig; Str&uuml;mpfe, Handschuhe
-und dergleichen stricken, Garn mit dem gro&szlig;en Rade
-(dem franz&ouml;sisch-canadischen Spinn-Rade) spinnen, das
-Garn f&auml;rben und zu Tuch und bunten Flanellen f&uuml;r
-Gatten und Kinder verweben, die Kleider f&uuml;r sich selbst,
-f&uuml;r Gatten und Kinder verfertigen lernen; denn im Busche
-giebt es weder Herren- noch Damen-Schneider.</p>
-
-<p>Die Besorgung des Federviehs und der Milch-Wirthschaft
-darf nicht &uuml;bergangen werden; denn hier zu
-Lande befolgt man meistens die irische oder schottische
-Methode, das ist, die Milch zu buttern, ein Verfahren,
-welches in unserm Theil von England unbekannt war.
-Ich meines Theils bin geneigt, der Rahm-Butter den
-Vorzug zu geben, mir scheint Letztres &ouml;konomischer, man
-m&uuml;&szlig;te denn irische oder schottische Dienstleute haben,
-welche Buttermilch der s&uuml;&szlig;en Milch vorziehen.</p>
-
-<p>Gewi&szlig; hat jede von beiden Methoden ihre besondern
-Vortheile. Die Behandlung der K&auml;lber ist hier sehr verschieden.
-Einige Ansiedler nehmen das Kalb gleich nach
-seiner Geburt von der Mutter und lassen es gar nicht
-saugen, das arme Thierchen mu&szlig; die ersten vierundzwanzig
- <span class="pagenum"><a id="Page_p199">[S. 199]</a></span>
-Stunden hindurch fasten und wird hierauf mittels
-der Finger mit abgerahmter Milch gef&uuml;ttert, die es bald
-mit gro&szlig;er Begierde zu sich nehmen lernt. Ich habe
-auf diese Weise K&auml;lber sehr gut gedeihen sehen und bin
-Willens, den n&auml;mlichen Plan, als den am wenigsten beschwerlichen,
-zu verfolgen.</p>
-
-<p>Die alten Ansiedler machen von einem entgegengesetzten
-Verfahren Gebrauch: sie lassen das Kalb n&auml;mlich
-so lange saugen, bis es ein halbes Jahr alt ist, in der
-Meinung, da&szlig; dann sichrer auf den Milch-Ertrag der
-Kuh zu z&auml;hlen sei; da diese andernfalls bisweilen, vorz&uuml;glich
-wenn das Gras in der N&auml;he der Wohnst&auml;tte
-sp&auml;rlich w&auml;chst, oft tagelang in den W&auml;ldern umherschweift,
-und man nicht nur die Benutzung der Milch
-verliert, sondern auch die Kuh, wegen der starken Ausdehnung
-des Euters, sich leicht wesentlich verletzt und dadurch
-wenigstens auf die Dauer der Melkezeit unbrauchbar
-wird. Meiner Meinung nach w&uuml;rde es zur Vermeidung
-dieses Unfalls gut sein, wenn man seinem Vieh
-in der N&auml;he des Melk-Ortes regelm&auml;&szlig;ig etwas Salz und
-eine kleine Quantit&auml;t Futter, wenn auch noch so wenig,
-g&auml;be, weil sie dann selten lange ausbleiben w&uuml;rde. Kartoffel-Abg&auml;nge,
-die Bl&auml;tter der allt&auml;glichen Garten-Gem&uuml;se,
-nebst den obersten Sch&ouml;&szlig;lingen des indianischen Korns,
-welche man abschneidet, um das Bestocken der Pflanze zu
-bef&ouml;rdern, bilden ein lockendes Futter f&uuml;r die K&uuml;he und
-sichern ihre R&uuml;ckkehr. Im Herbst und Winter, bef&ouml;rdern
-K&uuml;rbisse, Korn, Stroh oder irgend eine andre Futter-Art,
-die man gerade vorr&auml;thig hat, nebst dem Laube, das man
-von den gef&auml;llten B&auml;umen und Buschwerk erh&auml;lt, ihr
-Gedeihen.</p>
-
-<p>Den zu entw&ouml;hnenden K&auml;lbern mu&szlig; man abgerahmte
-Milch oder Buttermilch, nebst den laubigen Zweigen
-des Ahorns, wonach sie sehr begierig sind, geben.
-Ein warmer Schuppen oder eingefriedigter Hofraum ist
-dem Vieh w&auml;hrend der strengen Winter-Monate durchaus
- <span class="pagenum"><a id="Page_p200">[S. 200]</a></span>
-n&ouml;thig; dies l&auml;&szlig;t man zu h&auml;ufig unbeachtet, vorz&uuml;glich
-in neuen Ansiedlungen, und daher trifft gar manchen
-Ansiedler der Unfall, da&szlig; er sein Vieh entweder durch
-Krankheit oder K&auml;lte verliert. Von Natur ist das canadische
-Vieh sehr robust und hart, und trotzt, wofern man
-ihm nur einige Sorgfalt angedeihen l&auml;&szlig;t, selbst dem
-strengsten Winter; allein zufolge der Schwierigkeiten,
-welche sich einer ersten Ansiedlung im Busche entgegen
-stellen, sind die armen Thiere oft dem Hunger und der
-heftigen K&auml;lte ausgesetzt, was ihnen eine, oft verderbliche
-Krankheit &raquo;<em class="gesperrt">Hohl-Horn</em>&laquo; (<em class="antiqua">Hollow Horn</em>) genannt,
-zuzieht.</p>
-
-<p>Diese Krankheit geht vom R&uuml;ckgrat aus und wird
-dadurch gelindert, da&szlig; man das Horn anbohrt und in die
-Oeffnung Terpentin, Pfeffer oder andre erhitzende Substanzen
-einf&uuml;hrt.</p>
-
-<p>Hat ein neuer Ank&ouml;mmling kein Winter-Futter f&uuml;r
-sein Vieh, so thut er sehr wohl, es mit dem Eintritt
-des Herbstes zu verkaufen und im n&auml;chsten Fr&uuml;hjahr
-neues anzuschaffen; und wiewohl dies als ein Verlust
-erscheinen d&uuml;rfte, so ist dieser doch gewi&szlig; weit geringer,
-als wenn man dasselbe ganz und gar verl&ouml;re.
-Diesen Plan befolgte mein Gatte, und wir befanden ihn
-entschieden vortheilhaft und ersparten uns &uuml;berdies manche
-Sorge, St&ouml;rung und Plackerei.</p>
-
-<p>Es sind mir einige gute Sorten hiesiger K&auml;se zu
-Gesicht gekommen, die in der That alles Lob verdienen,
-insonderheit unsre Grasweide den brittischen Triften bei
-weitem nicht gleich kommt. Ich will hierin meine Geschicklichkeit
-n&auml;chsten Sommer versuchen; wer wei&szlig;, ob ich
-dann nicht einen canadischen Barden bestimmen d&uuml;rfte, das
-Erzeugni&szlig; meiner Milcherei eben so zu verherrlichen, wie
-<em class="gesperrt">Blumfield</em> den Suffolk-K&auml;se, <em class="gesperrt">Bang</em> zubenamt, verherrlicht
-hat. Sie erinnern sich doch der Stelle? &mdash;
-Denn <em class="gesperrt">Blumfield</em> ist so gut Ihr Landsmann als der
-meinige &mdash; sie beginnt folgender Maa&szlig;en: &mdash;</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p201">[S. 201]</a></span></p>
-
-<p>&raquo;Noch unerreicht o Giles ist dein K&auml;se&laquo; u. s. w.
-Ich bin etwas lange bei der Milchwirthschaft stehen geblieben,
-da ich wei&szlig;, da&szlig; Sie alles, was Sie dar&uuml;ber erfahren
-k&ouml;nnen, Ihren Freundinnen mittheilen werden.</p>
-
-<p>Sie ersuchen mich ferner um einige Nachrichten
-&uuml;ber die Cultur des indianischen Korns, (Mais) und
-w&uuml;nschen zu wissen, ob es eine n&uuml;tzliche und eintr&auml;gliche
-Getraidefrucht ist.</p>
-
-<p>Der Anbau des indianischen Korns auf neu gelichtetem
-Boden ist sehr leicht und von wenig Arbeit begleitet;
-auf alten Feldern bedarf es deren mehr. Die Erde wird
-mit einer breiten Hacke ge&ouml;ffnet, und drei oder vier K&ouml;rner
-werden, nebst einem K&uuml;rbi&szlig;samen ungef&auml;hr in jedes
-dritte oder vierte Loch, und in abwechselnden Reihen, eingestreut;
-die L&ouml;cher m&uuml;ssen mehre Fu&szlig; von einander
-abstehen. K&uuml;rbisse und Korn wachsen ganz vertr&auml;glich
-mit einander auf, die breiten Bl&auml;tter der erstern beschatten
-die jungen Kornpfl&auml;nzchen und verhindern die zu
-gro&szlig;e Verd&uuml;nstung der Feuchtigkeit vom Boden; ihre
-Wurzeln verbreiten sich nicht allzuweit, so da&szlig; sie dem
-Korn nur sehr wenig Nahrung entziehen. Die eine
-Pflanze rankt sich zu einer erstaunlichen L&auml;nge an der
-Erde hin, w&auml;hrend die andre mehre Fu&szlig; hoch dar&uuml;ber
-emporschie&szlig;t. Sobald das Korn anf&auml;ngt, sich zu ver&auml;steln,
-mu&szlig; man den Boden nochmals durchschaufeln, um
-mehr Erdreich an die Wurzeln zu bringen, und au&szlig;erdem
-das der Saat nachtheilige Unkraut ausj&auml;ten. Dies ist
-die ganze Arbeit, bis sich die Aehre anf&auml;ngt zu bilden,
-wo die tauben und schwachen Sch&ouml;&szlig;linge abgebrochen
-und nur vier oder f&uuml;nf der kr&auml;ftigsten und fruchtbarsten
-&uuml;brig gelassen werden. Sobald die seidenartigen F&auml;den
-braun werden und absterben, mu&szlig; man sie entfernen,
-damit alle Nahrung den K&ouml;rnern zuflie&szlig;e.</p>
-
-<p>Wir hatten in letztem Sommer ein merkw&uuml;rdiges
-Beispiel von Ru&szlig; an unserm Korn, die kranken Kolben
-hatten gro&szlig;e wei&szlig;e Blasen (Blattern), so dick wie kleine
- <span class="pagenum"><a id="Page_p202">[S. 202]</a></span>
-Bovist oder gro&szlig;e Haseln&uuml;sse, und diese waren, als man
-sie aufbrach, mit einer tintenartigen schwarzen Fl&uuml;ssigkeit
-gef&uuml;llt. An den n&auml;mlichen Pflanzen konnte man eine
-regelwiedrige Befruchtung wahrnehmen: dem Kolben fehlten
-die K&ouml;rner, welche durch einen eigenth&uuml;mlichen Zufall
-auf die Quaste oder m&auml;nnlichen Blumen versetzt waren.
-Botaniker m&ouml;gen die Ursache dieser seltsamen Abweichung
-von der Regel erkl&auml;ren, ich berichte blos die Thatsachen.
-Ich konnte nicht erfahren, ob der Ru&szlig; eine dem indianischen
-Korn gew&ouml;hnliche Krankheit ist, aber im letzten
-Jahre kam derselbe, hier zu Lande und vorz&uuml;glich in
-unsrer Gegend auch Staub-Kleien (<em class="antiqua">dust-bran</em>) genannt,
-an der Gerste und dem Weizen ziemlich h&auml;ufig vor; &uuml;berhaupt
-ist zu bemerken, das Staaten auf neu urbar gemachtem
-Boden dieser Krankheit am meisten ausgesetzt
-sind<a id="FNanchor_39_39"></a><a href="#Footnote_39_39" class="fnanchor">[39]</a>.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p203">[S. 203]</a></span></p>
-
-<p>Die reifen K&ouml;rner werden entweder von dem Kolben
-abgeklaubt, wie die Bohnen oder Erbsen bei uns,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p204">[S. 204]</a></span>
-oder man reiht und flicht die Kolben an Str&auml;nge wie
-die Zwiebeln und h&auml;ngt sie an Stangen oder an den
- <span class="pagenum"><a id="Page_p205">[S. 205]</a></span>
-Dachsparren auf den Getraide-B&ouml;den und in den Scheunen
-auf. Das Abstreifen der K&ouml;rner von den Kolben
-giebt zu einer geselligen Versammlung Anla&szlig;, welche
-<em class="antiqua">husking bee</em> (die enth&uuml;lsende Biene) hei&szlig;t und, wie alle
-&uuml;brige Bienen, von den Yankies herr&uuml;hrt, gegenw&auml;rtig
-aber unter der unabh&auml;ngigeren und bessern Ansiedler-Klasse
-nicht mehr so h&auml;ufig wie fr&uuml;her stattfindet.</p>
-
-<p>Das indianische Korn ist eine zarte und etwas unsichre
-Saat; jung leidet es h&auml;ufig durch Frost, daher man
-es nie vor dem 20. Mai oder zu Anfange Junis s&auml;et,
-und selbst dann ist es noch nicht ganz sicher, auch hat es
-manche Feinde, als B&auml;re, Waschb&auml;re, Eichh&ouml;rnchen, M&auml;use
-und V&ouml;gel und ist eine gro&szlig;e Lockung f&uuml;r umherschweifendes
-Vieh, das, um dazu zu gelangen, selbst Einfriedigungen
-von h&ouml;lzernen Pf&auml;hlen, spanische Reiter und andre
-dergleichen Dinge, die man zum Schutz der Saat aufgestellt
-hat, umst&uuml;rzt.</p>
-
-<p>Selbst in Canada bedarf diese Getraide-Art einen
-hei&szlig;en Sommer, um zur vollkommnen Reife zu gelangen.
- <span class="pagenum"><a id="Page_p206">[S. 206]</a></span>
-Daher glaube ich, da&szlig; <em class="gesperrt">Cobbett</em> unrecht hatte, als er den
-englischen Landmann zum Anbau im Vaterlande das indianische
-Korn als eine sehr eintr&auml;gliche Getraide-Frucht
-empfahl. Sehr eintr&auml;glich und mehlreich ist es bei uns
-jeden Falls, indem es f&uuml;r alle Arten k&ouml;rnerfressender
-Thiere eine sehr reiche und angenehme Nahrung abgiebt,
-und zwar selbst so lange es noch gr&uuml;n ist, und in reifem
-oder halbreifem Zustande zur M&auml;stung der Hausthiere
-und F&uuml;tterung der Last-Ochsen sich trefflich eignet.</p>
-
-<p>Der letzte Sommer war sehr g&uuml;nstig, die Saat gedieh
-auf das Ueppigste, leider aber hatten nur wenige
-Ansiedler, in Folge des Mi&szlig;rathens in den beiden vorhergehenden
-Jahren, diese Getraide-Art angebaut. Unser
-kleines Fleckchen lieferte eine reiche Ernte. Das Mehl
-giebt einen nahrhaften Brei, von den Amerikanern
-&raquo;<em class="gesperrt">Supporne</em>&laquo; genannt, er wird mit Wasser bereitet,
-und mit Milch genossen, oder auch mit Milch vermischt.
-Er mu&szlig; lange kochen. Brod wird nur selten oder niemals
-ohne einen reichlichen Zusatz von feinem Weizen-
-und Brod-Mehl daraus gebacken.</p>
-
-<p>Was die Cultur andrer Getraide-Sorten anlangt,
-so kann ich Ihnen dar&uuml;ber nichts mittheilen, was Sie
-nicht in jedem Werke &uuml;ber Auswanderung finden. Die
-Kartoffel wird nicht in L&ouml;cher gesteckt, sondern in kleine
-Erdh&uuml;gel, die man dar&uuml;ber h&auml;ufelt, die Kartoffelfelder
-m&uuml;ssen durchschaufelt und von Unkraut gereinigt werden.</p>
-
-<p>Was den gew&ouml;hnlichen Betrag der Arbeitsl&ouml;hne anlangt,
-so richtet sich derselbe ebenfalls nach der gr&ouml;&szlig;eren
-oder geringeren Bev&ouml;lkerung des Ortes, wo man sich angesiedelt
-hat; im Allgemeinen inde&szlig; erh&auml;lt ein th&auml;tiger
-kr&auml;ftiger Mann acht bis eilf Dollars monatlich; zehn
-Dollars also k&ouml;nnte man als Durchschnitts-Summe annehmen,
-junge Bursche (Handlanger) erhalten vier bis
-sechs, und weibliche Dienstboten drei bis vier Dollars.
-Man kann auch junge M&auml;dchen von neun bis zw&ouml;lf
-Jahren blos f&uuml;r Kleidung und Kost in Dienste nehmen,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p207">[S. 207]</a></span>
-allein dies ist keineswegs ein Ersparni&szlig;, da Kleider
-und Schuhe sehr bald zerrissen sind und durch neue
-ersetzt werden m&uuml;ssen. Ein starkes M&auml;dchen vermiethet
-sich f&uuml;r zwei bis drittehalb Dollars monatlich und arbeitet,
-wird es verlangt, auch auf dem Felde, wo sie Korn
-und Kartoffeln beh&auml;ufelt und j&auml;tet, in der Ernte die
-Garben binden hilft u. s. w. Ich habe ein sehr gutes
-M&auml;dchen, die Tochter eines Emigranten von Wiltshire;
-sie ist sauber und verst&auml;ndig, h&ouml;flich und flei&szlig;ig, und erh&auml;lt
-dabei nur drei Dollars monatlich; sie geh&ouml;rt zu den
-gl&uuml;cklichen Beispielen aus der niedern Klasse englischer
-Auswandrer, und ihre Familie kann f&uuml;r den Bezirk, worin
-sie lebt, als ein wahrer Gewinn betrachtet werden.</p>
-
-<p>Ich glaube jetzt alle Ihre Fragen nach meiner besten
-Ueberzeugung beantwortet zu haben. Allein ich erinnere
-dabei, da&szlig; meine Erfahrung sich blos auf einen kleinen
-Theil der Gemeinde-Bezirke l&auml;ngs den Otanabee-Seen
-beschr&auml;nkt, mithin darf mein Bericht hinsichtlich seiner
-G&uuml;ltigkeit blos als &ouml;rtlich gelten. Die Sachen k&ouml;nnen
-sich in andern Distrikten der Provinz anders verhalten,
-wenn sie auch vielleicht nicht wesentlich verschieden sind.</p>
-
-<p>Ich mu&szlig; Ihnen jetzt Lebewohl sagen. Sollten Sie
-sich jemals veranla&szlig;t f&uuml;hlen, Ihr Gl&uuml;ck diesseits des atlandischen
-Oceans zu versuchen, so versichere ich Sie im Voraus
-des herzlichsten Empfanges in unserm canadischen Hause.</p>
-
-<p>
-Ihre Ihnen aufrichtig ergebne Freundin.<br />
-</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<div class="block0">
-<div class="footnotes"><b>Fu&szlig;noten:</b>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_38_38"></a><a href="#FNanchor_38_38"><span class="label">[38]</span></a> Die Einfuhr-Z&ouml;lle von G&uuml;tern in den beiden Canadas
-sind &auml;u&szlig;erst gering, woraus sich der Umstand erkl&auml;rt, da&szlig; man
-daselbst manche Verbrauchs-Artikel an Orten, wo sich ihrem
-Transport keine erheblichen Schwierigkeiten von Seiten der
-Stra&szlig;en entgegenstellen, weit billiger kaufen kann als in England;
-in den Urw&auml;ldern, wo man kaum angefangen hat, Stra&szlig;en
-anzulegen, ist wegen des theuren Transports der gr&ouml;&szlig;ern
-M&auml;klerzahl, des gr&ouml;&szlig;ern Capital-Werthes und des damit in
-Verh&auml;ltni&szlig; stehenden h&ouml;hern Local-Profites, u. s. w. alles weit
-theurer ist; was sich jedoch mit der fortschreitenden Cultur des
-Bodens &auml;ndern wird.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_39_39"></a><a href="#FNanchor_39_39"><span class="label">[39]</span></a> Die haupts&auml;chlichsten Krankheiten, wovon die Getreide-Pflanzen
-heimgesucht werden, sind Mehlthau, Brand (Schimmel),
-und Ru&szlig;. Die Untersuchung und Behandlung dieser Krankheit
-ist f&uuml;r Schriftsteller &uuml;ber Landwirthschaft ein ergiebiges
-Feld gewesen. Inde&szlig; scheint das Publikum von ihren subtilen
-Forschungen noch keinen erheblichen Nutzen geerntet zu haben,
-und ein Autor von vorz&uuml;glichem Ansehn und Gewicht behauptet
-sogar, da&szlig; im Verh&auml;ltni&szlig; zu der &uuml;ber den fraglichen Gegenstand
-verschwendeten Wortmenge die Schwierigkeiten in Betreff
-seiner Aufkl&auml;rung sich vermehrt h&auml;tten.</p>
-<p>Brand ist eine Krankheit, welcher bekanntlich die Cerealien
-seit den fr&uuml;hesten Zeiten unterworfen gewesen sind. Bei den
-alten Griechen galt derselbe als ein Zeichen des Zorns der
-G&ouml;tter, und so oft er vorkam, &uuml;berlie&szlig;en sie sich der Klage
-und Trauer, ohne auf ein Mittel zur Abh&uuml;lfe bedacht zu
-sein. Derselbe Aberglaube herrschte unter den R&ouml;mern, die der
-Meinung waren, da&szlig; das Uebel, welches sie <em class="antiqua">rubigo</em> (Rost) nannten,
-unter der Controlle einer besondern Gottheit, Namens <em class="gesperrt">Rubigus</em>,
-stehe, daher sie diesem zu Gunsten ihrer Saaten fortw&auml;hrend
-opferten.</p>
-<p>Brand und Mehlthau sind von verschiednen Schriftstellern
-&uuml;ber Landwirthschaft h&auml;ufig mit einander verwechselt worden, so
-da&szlig; es zweifelhaft ist, welcher Klasse von Erscheinungen jeder
-von beiden Namen eigentlich zukommt, oder ob beide &uuml;berhaupt
-nicht f&uuml;r eine und dieselbe zu verschiednen Perioden des Wachsthums
-der Pflanze vorkommende Krankheit anwendbar sind.
-Da wir nicht gern auf streitigen Boden treten m&ouml;gen, was
-nothwendiger Weise der Fall sein w&uuml;rde, wenn wir uns in
-Er&ouml;rterung eines, trotz allen dar&uuml;ber geschriebnen m&uuml;hevollen
-Abhandlungen, verworrenen und dunkeln Gegenstandes einlassen
-wollten, so werden wir hier die Formen, welche die Krankheit
-annehmen, nebst ihren &uuml;beln Folgen kurz und deutlich beschreiben,
-deren Klassifikation aber andern geschickteren Federn &uuml;berlassen.</p>
-<p>Die Ursachen sind, wie die kundigsten M&auml;nner behaupten,
-dreierlei, n&auml;mlich: K&auml;lte und besonders kalte Winde, b&ouml;se D&uuml;nste
-und die Verbreitung eines Schimmelpilzes. Die erstere der erw&auml;hnten
-Ursachen hindert den Umlauf der S&auml;fte in der Pflanze;
-die der Nahrung beraubten Bl&auml;tter welken und sterben ab, die
-S&auml;fte treiben die Gef&auml;&szlig;e auf, worin sie sich befinden, zersprengen
-sie und werden die Nahrung von Millionen kleiner Insekten.
-Diese finden sich so unbegreiflich schnell ein, da&szlig; man sie
-mehr f&uuml;r die Ursache, als die Folge der Krankheit angesehen
-hat. Die zweite Ursache wirkt vorz&uuml;glich, wenn das Getraide
-bereits v&ouml;llig ausgewachsen ist, und man hat beobachtet, da&szlig;
-sie sich besonders nach schweren Regeng&uuml;ssen des Nachmittags
-zeigte, auf welche sogleich heller Sonnenschein folgte. Dies ist
-der Fall gew&ouml;hnlich um die Mitte oder zu Ende Julis. Die
-Krankheit bef&auml;llt entweder die Bl&auml;tter oder den Stengel der
-Pflanze, die mit gebrochenen Linien von schwarzer oder dunkelbrauner
-Farbe bedeckt zu sein scheint. Viele Naturforscher schreiben
-sie allein einer Art Schimmelpilz zu, die in dem Pflanzenstengel
-wurzele und die den Getraidek&ouml;rnern bestimmte Nahrung
-entziehe. Die kleinen Samen dieses parasitischen Gew&auml;chses,
-das die Krankheit des Getraides verursacht, sind so leicht, da&szlig;
-sie vom Winde in gro&szlig;e Entfernung getragen werden. Diese
-Schimmelpilze wachsen &uuml;berdies au&szlig;erordentlich schnell, indem
-sie nach den genauen Beobachtungen des Engl&auml;nders <em class="gesperrt">Joseph
-Banks</em> in warmem Wetter nicht mehr als eine Woche brauchen,
-um einzuwurzeln und bereits wieder Samen zu treiben.
-Auf jedem Punkte des Halmes, wo sie sich einnisten, wachsen
-zwanzig bis vierundzwanzig solcher Pilze, und man kann sich
-daraus eine Vorstellung machen, wie gro&szlig; die Vermehrung sein
-mag. Wie alle andre Pilze und Schw&auml;mme, gedeiht auch diese
-verderbliche Art am besten an schattigen, feuchten Orten, und
-deshalb ist eins der besten Mittel, das Getraide vor ihr zu bewahren,
-dasselbe nicht zu dicht zu s&auml;en, desgleichen mu&szlig; man
-f&uuml;r hinreichenden Luftzug sorgen und daher die Hecken und Einfriedigungen
-niedrig halten.</p>
-<p>Mr. <em class="gesperrt">Loudon</em> berichtet, da&szlig; im Sommer 1809 ein Weizenfeld
-auf mehr leichtem und sandigem Boden mit allem Anschein
-von Gedeihen empor und auch in die Aehre kam und alle
-Aussicht zu einer guten Ernte gab. Ungef&auml;hr zu Anfange Julis
-schien es alles zu &uuml;bertreffen, was man von einem dergleichen
-Boden erwarten konnte. Eine Woche sp&auml;ter war ein
-Theil der Saat auf der Ostseite des Feldes, im Betrag von
-mehren Morgen, v&ouml;llig verdorben, die Pflanzen waren &uuml;ber die
-H&auml;lfte ihrer fr&uuml;heren Gr&ouml;&szlig;e eingeschrumpft und so welk und
-versengt, da&szlig; sie nicht zu demselben Felde zu geh&ouml;ren schienen.
-Der &uuml;brige Theil der Saat gedieh vollkommen gut. Man hat
-oft behauptet und lange Zeit auch geglaubt, da&szlig; die N&auml;he von
-Berberisbeerstr&auml;uchern der Saat nachtheilig sei, indem sie sch&auml;dliche
-Pilze anziehen, allein jetzt gilt dies allgemein f&uuml;r ein
-M&auml;hrchen.</p>
-<p>Der Same von Pflanzen, die an Mehlthau litten, eignet
-sich der Erfahrung gem&auml;&szlig; zur Aussaat vollkommen, und da er
-kleiner als gesundes Korn ist, so bedarf es zu diesem Behuf eines
-kleineren Maa&szlig;es.</p>
-<p>Eine andre b&ouml;se Krankheit, welche das Getraide bef&auml;llt,
-ist unter dem bezeichnenden Namen &raquo;<em class="gesperrt">Ru&szlig;</em>&laquo; bekannt, dieses Uebel
-besteht in Verwandlung des Mehls in ein ru&szlig;iges Pulver,
-das mehr oder weniger schwarz und dem Geruch zuwider ist.
-Einige Schriftsteller unterscheiden zwei Modificationen der fraglichen
-Krankheit und nennen die eine <em class="gesperrt">Ru&szlig;</em>, die andre <em class="gesperrt">Getraide-Brand</em>
-(Brand, verbranntes Getraide). <em class="gesperrt">Mills</em>
-hat in seinem System der praktischen Landwirthschaft folgenden
-Unterschied zwischen beiden aufgestellt. &raquo;<em class="gesperrt">Ru&szlig;</em>, eigentlich so genannt,
-bewirkt einen v&ouml;lligen Verlust der davon befallenen (inficirten)
-Aehren, da aber das schwarze Pulver, welches er erzeugt,
-sehr fein ist, und die K&ouml;rner desselben nicht zusammenhalten,
-so werden sie von Wind und Regen leicht fortgef&uuml;hrt,
-so da&szlig; der Landmann nicht viel mehr als das blose Stroh unter
-Dach und Fach bringt, welches aber die gesunden K&ouml;rner
-nicht ansteckt und kaum ihr Mehl besch&auml;digt. Das <em class="gesperrt">brandige</em>
-oder <em class="gesperrt">cari&ouml;se</em> Getraide dagegen, das oft zugleich mit dem gesunden
-Korn eingefahren und aufgespeichert wird, theilt letzterem
-seine Krankheit mit, macht sein Mehl braun und giebt ihm einen
-schlechten Geruch.&laquo; Der Name, mit welchem diese Krankheit
-von den R&ouml;mern bezeichnet wurde, ist ustilago; die franz&ouml;sischen
-Landleute nennen sie <em class="antiqua">charbon</em> (Kohle).</p>
-<p>Wenn man einen Theil des schwarzen Pulvers mit Wasser
-anfeuchtet und dann unter das Mikroscop bringt, so sieht man,
-da&szlig; es Myriaden kleiner durchsichtiger und augenscheinlich von
-einem d&uuml;nnen H&auml;utchen umgebner K&uuml;gelchen sind. Die Ursache
-des Uebels suchen einige Forscher in dem Boden, in welchen das
-Korn ges&auml;et worden ist; andere schreiben es dem Wuchern eines
-kleinen Pilzes innerhalb der Aehre zu; noch andre endlich behaupten,
-es beruhe auf einem krankhaften Zustande des Samens,
-aus welchem die Pflanze hervorgegangen ist. Das Ergebni&szlig;
-verschiedner Versuche, wo man verschiedne Samen in denselben
-Boden s&auml;ete, und allen dieselbe Behandlung angedeihen lie&szlig;,
-scheinen der letzten Hypothese das Wort zu reden.</p>
-</div>
-</div>
-</div>
-
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p208">[S. 208]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="no-break" id="Zwolfter_Brief">Zw&ouml;lfter Brief.</h2>
-</div>
-
-<blockquote>
-<p class="p1 font09">Eine &raquo;Klafter-Biene.&laquo; &mdash; Verbrennung der geklafterten
-Haufen. &mdash; Wirthschafts-System. &mdash; Preis des Weizens im
-Vergleich zu dem Arbeitslohn. &mdash; Wahl des Bodens und verh&auml;ltni&szlig;m&auml;&szlig;ige
-Vortheile. &mdash; Lichtung des Bodens. &mdash; Orcan in
-den W&auml;ldern. &mdash; Ver&auml;nderliche Witterung. &mdash; Insekten. &mdash;</p>
-</blockquote>
-
-<p class="p1 rright font09">
-November 2, 1833.<br />
-</p>
-
-<p>Vielen, vielen Dank Theuerste Mutter f&uuml;r den Inhalt
-der Schachtel, die im August anlangte. Ich war
-voller Freude &uuml;ber die niedlichen M&uuml;tzchen und gewirkten
-K&auml;ppchen, die Sie mir f&uuml;r mein Kn&auml;bchen gesendet haben,
-der kleine Kerl nimmt sich in seinem Anzuge ganz
-allerliebst aus, ja ich m&ouml;chte behaupten, er sei sich der
-Vermehrung seiner Garderobe bewu&szlig;t, so stolz scheint er
-auf seine neuen Kleider. Er wird recht rund und lebhaft,
-und Sie k&ouml;nnen sich wohl vorstellen, mit welcher
-Z&auml;rtlichkeit und welchem Gef&uuml;hl von Stolz das Herz
-seiner n&auml;rrischen Mutter an ihm h&auml;ngt.</p>
-
-<p>Sein Papa, der ihn eben so sehr liebt, als ich, lacht
-oft &uuml;ber meine grenzenlose Z&auml;rtlichkeit und fr&auml;gt mich,
-ob ich ihn nicht f&uuml;r das neunte Wunder der Welt halte;
-er hat auf dem Hand-Schlitten f&uuml;r ihn einen Kasten
-befestigt, der nicht viel besser ist als eine Theekiste, und
-mit einem schwarzen B&auml;renfell gef&uuml;ttert; hierin sitzt der
-kleine Bursche ganz behaglich und hat sich schon mancher
-Fahrt &uuml;ber den gefrornen Boden erfreut.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p209">[S. 209]</a></span></p>
-
-<p>Nichts konnte uns erw&uuml;nschter kommen als das
-Legat meines Onkels, es hat uns in den Stand gesetzt,
-manchen n&uuml;tzlichen Ankauf f&uuml;r unsre Meierei zu machen,
-was andernfalls erst nach Verlauf manches J&auml;hrchens
-w&uuml;rde haben geschehen k&ouml;nnen. F&uuml;r einen Theil davon haben
-wir ein St&uuml;ck Land gekauft, welches nicht weit von unserm
-Hause liegt. Die Beschaffenheit dieser neuen Parzelle
-ist vortrefflich und erh&ouml;ht durch ihre Lage den Werth
-des ganzen Besitzthums.</p>
-
-<p>Mit dem Verbrennen der gef&auml;llten und geklafterten,
-das ist, der L&auml;nge nach gespaltenen und mittels Ochsen in
-Haufen vereinigten B&auml;ume auf dem gelichteten Boden
-kamen wir in diesem Sommer trefflich zu Stande.
-Um schneller damit fertig zu werden, ruften wir eine
-Biene (<em class="antiqua">logging-bee</em>) zusammen. Viele Ansiedler folgten
-unsrer Aufforderung und eilten uns mit Ochsen und
-Leuten zu H&uuml;lfe. Nachdem dies vor&uuml;ber, das ist, das
-Holz geklaftert war, setzte mein Gatte mit H&uuml;lfe der
-m&auml;nnlichen Dienstleute die gewaltigen Haufen in Flammen,
-und ein pr&auml;chtiges Schauspiel war es, rings umher
-den verheerenden Brand zu sehen. Ich war anfangs etwas
-unruhig und besorgt, indem einige Holzst&ouml;&szlig;e sich
-unserm Hause ziemlich nahe befanden, inde&szlig; braucht man
-stets die Vorsicht, sie nur, wenn der Wind in der Richtung
-vom Hause abw&auml;rts bl&auml;st, anzuz&uuml;nden. Es haben
-sich bisweilen Unf&auml;lle ereignet, allein sie kommen doch weit
-seltner vor, als man erwarten sollte, wenn man das
-leichte Umsichgreifen und die Wuth des furchtbaren Elements
-bei dergleichen Gelegenheiten ber&uuml;cksichtigt.</p>
-
-<p>Ist das Wetter sehr trocken, und bl&auml;st ein scharfer
-Wind, so schreitet das Werk der Zerst&ouml;rung mit erstaunlicher
-Schnelligkeit vorw&auml;rts; bisweilen theilt sich das
-Feuer dem Forste mit und l&auml;uft &uuml;ber mehre hundert
-Morgen weg. Dies gilt als kein g&uuml;nstiger Umstand f&uuml;r
-Lichtung und Urbarmachung des Bodens, da die Flammen
-das Geb&uuml;sch und weiche leichte Holz verzehren, was
- <span class="pagenum"><a id="Page_p210">[S. 210]</a></span>
-zur Sicherung eines guten Brandes beitr&auml;gt. Bei alle dem
-ist es ein pr&auml;chtiger Anblick, die flammenden B&auml;ume zu
-sehen und die grauenvollen Fortschritte des um sich greifenden,
-alles verzehrenden und den Waldwuchs auf mehre
-Jahre vernichtenden Elementes zu beobachten.</p>
-
-<p>Ist der Boden sehr trocken, so l&auml;uft das Feuer in
-allen Richtungen dar&uuml;ber, das d&uuml;rre Laub, Reisig und die
-Wurzeln zerst&ouml;rend. In der Nacht ist die Wirkung noch
-sichtbarer; bisweilen weht der Wind brennende Reiser und
-dergleichen in die hohlen Fichten und verwitternden Stummel,
-diese fangen sehr bald Feuer und bieten dem Auge
-ein Schauspiel dar, welches &auml;u&szlig;erst sch&ouml;n und seltsam ist.
-Feuer-S&auml;ulen, deren Basis in dichte Rauchwirbel geh&uuml;llt
-ist, zeigen sich in jeder Richtung und senden dichte
-Funken-Schauer aufw&auml;rts, welche, durch den Wind umhergewirbelt,
-wie Schw&auml;rmer und Feuer-R&auml;der erscheinen.
-Einige von diesen hohen Stummeln nehmen sich, wenn
-das Feuer ihre Spitze erreicht hat, wie Gaslaternen-Pf&auml;hle
-aus. Das Feuer dauert bisweilen tagelang nach
-einander fort.</p>
-
-<p>Nachdem es erl&ouml;scht ist, werden die Br&auml;ndte gesammelt,
-in Haufen gelegt und nachmals angez&uuml;ndet;
-und so befremdend es Ihnen vorkommen mag, &mdash; ich
-m&ouml;chte behaupten, es gebe kein interessanteres und aufregenderes
-Werk als das Errichten der Holzhaufen, das
-Aufst&ouml;ren und Einschlie&szlig;en der sterbenden Flammen und
-ihre Ern&auml;hrung durch frisches Brennmaterial.</p>
-
-<p>Es finden stets zwei dergleichen Verbrennungen statt,
-zuerst nehmlich werden die Reisighaufen, welche den Winter
-&uuml;ber unversehrt gelegen haben, nachdem sie durch die
-trocknenden St&uuml;rme und die hei&szlig;e April- und Mai-Sonne
-geh&ouml;rig ausged&ouml;rrt sind, in Flammen gesetzt; dies geschieht
-jedesmal vor Klafterung der Baumst&auml;mme.</p>
-
-<p>Ist das Wetter trocken und bl&auml;st ein lebhafter Wind,
-so wird viel von dem leichteren Holze verzehrt, und die
-gr&ouml;&szlig;eren B&auml;ume werden zu gleicher Zeit zerkleinert. Nachdem
- <span class="pagenum"><a id="Page_p211">[S. 211]</a></span>
-dies vor&uuml;ber ist, wird das Uebrige f&uuml;r das zweite
-Feuer gef&auml;llt, geschnitten und geh&auml;uft; endlich sammelt man
-die Br&auml;ndte und unverzehrten Ueberbleibsel, um sie ebenfalls
-dem Feuer zu &uuml;berliefern, bis der Boden von allen
-Hindernissen, mit Ausnahme der Baumstummel, welche
-selten mit verbrennen und mehre Jahre hindurch ein
-wahrer Dorn f&uuml;r das Auge bleiben, befreit ist. Hierauf
-wird die Asche umher gestreut und das Feld mit gespaltnen
-Baumst&auml;mmen eingefriedigt &mdash; der Boden ist
-jetzt gelichtet und urbar.</p>
-
-<p>Unsre Aussaat in diesem Jahre besteht in Hafer,
-indianischem Korn, K&uuml;rbissen, Kartoffeln und etwas wei&szlig;en
-R&uuml;ben; n&auml;chsten Herbst werden wir Weizen, Roggen,
-Kartoffeln und indianisches Korn haben, und dadurch
-im Stande sein, unsern Viehstand zu vermehren.
-Gegenw&auml;rtig haben wir blos ein Joch Ochsen: <em class="gesperrt">Buck</em>
-und <em class="gesperrt">Bright</em>, (die Namen von drei Viertheilen aller
-Zug-Ochsen in Canada), zwei K&uuml;he, zwei K&auml;lber und
-zwei kleine Schweine, zehn H&uuml;hner, drei Enten und einen
-niedlichen braunen Klepper, welcher aber leider ein so geschickter
-Springer ist, da&szlig; er fast &uuml;ber jede Einfriedigung
-wegsetzt, daher wir uns wohl von ihm werden trennen
-m&uuml;ssen.</p>
-
-<p>Alles Vieh, das sich gern losrei&szlig;t und umherstreift,
-ist ein bedeutender Friedenst&ouml;rer und l&ouml;&szlig;t manche nachbarliche
-Freundschaft auf, weshalb jeder Ansiedler, dem es
-auf ein gutes Vernehmen mit seinen Nachbarn ankommt,
-dergleichen Vieh, und wenn es &uuml;brigens noch so brauchbar
-w&auml;re, lieber ver&auml;u&szlig;ert.</p>
-
-<p>Ein kleiner Pachter im Mutterlande d&uuml;rfte eben
-keine hohe Meinung von unsern canadischen Besitzungen
-hegen, besonders wenn ich hinzuf&uuml;ge, da&szlig; unsre ganzen
-Ackerger&auml;thschaften aus zwei Sensen, verschiednen Aexten,
-einem Spaten und einigen Hacken bestehen. Hierzu
-kommt noch eine seltsame Art von Egge, in Gestalt eines
-Dreiecks, um besser zwischen den Baumstummeln durchkommen
- <span class="pagenum"><a id="Page_p212">[S. 212]</a></span>
-zu k&ouml;nnen. Dies ist im Vergleich mit den neu
-angestrichnen Werkzeugen der Art, welche ich in England
-gesehen habe, eine grobe Maschine. Ihre einzelnen Theile
-sind roh zugehauen und ohne R&uuml;cksichtsnahme auf ein
-gef&auml;lliges Aeu&szlig;ere mit einander verbunden; die m&ouml;glichste
-Tauglichkeit ist alles, worauf man hier sieht. Der Pflug
-kommt selten vor dem dritten oder vierten Jahre ins
-Land, auch ist dies nicht erforderlich; der allgemein &uuml;bliche
-Feldwirthschafts-Plan, den neuerdings urbar gemachten
-Boden mit Weizen oder Hafer und, au&szlig;er dem Getraide,
-mit Grass&auml;mereien zu bes&auml;en, (letzteres, um Weide
-f&uuml;r das Vieh zu erhalten), macht den Pflug nicht eher
-n&ouml;thig, als bis die Zeit eintritt, wo das Grasland aufgerissen
-werden mu&szlig;. Diese Methode verfolgen die meisten
-Ansiedler, so lange sie mit Lichtung des Wald-Bodens besch&auml;ftigt
-sind; sie lichten stets so viel, als zur Unterhaltung
-einer regelm&auml;&szlig;igen Aufeinanderfolge von Weizen
-und Fr&uuml;hlings-Saaten erforderlich ist, w&auml;hrend sie das
-fr&uuml;her gelichtete Land mit Gras bes&auml;en.</p>
-
-<p>Der niedrige Preis, wof&uuml;r jetzt fast jede Getraide-Sorte
-zu haben ist &mdash; der Scheffel (<em class="antiqua">Bushel</em>) Weizen
-kostet nur zwei Schillinge vier Pence bis h&ouml;chstens vier
-Schillinge &mdash; macht seine Cultur weniger wichtig als
-die Aufziehung und M&auml;stung von Vieh. Die Arbeitsl&ouml;hne
-stehen mit dem Preis der Erzeugnisse in keinem
-Verh&auml;ltni&szlig;; ein Arbeiter erh&auml;lt zehn, ja sogar eilf Dollars
-monatlich, nebst Kost; w&auml;hrend der Weizen, wie bereits
-gezeigt worden, nur drei Schillinge, drei Schillinge und
-Sechspence oder vier Schillinge, ja bisweilen nicht einmal
-so viel gilt. Der Ertrag wird wenig oder nicht mit
-der Auslage verglichen, welche die Bestellung des Bodens
-erheischt, &uuml;brigens bringt das Land auch nicht den gro&szlig;en
-Ueberflu&szlig; hervor, den Manche von neu urbar gemachtem
-Boden zu erwarten pflegen. Der Ertrag mu&szlig; inde&szlig;, je
-nach Lage und Fruchtbarkeit der Felder, die in der Regel
-in der N&auml;he der Fl&uuml;sse und Seen weniger productiv sind,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p213">[S. 213]</a></span>
-als etwas weiter davon entfernt, weil der Boden daselbst
-entweder morastig oder steinig, mit Fichten oder mit Kalkstein-
-und Granit-Bl&ouml;cken bedeckt, und der Unterboden
-arm und sandig ist, verschieden ausfallen.</p>
-
-<p>Dies ist der Fall an den kleinen Seen und an den
-Ufern des Otanabee; die davon entfernt liegenden Parcellen
-sind gemeiniglich von weit bessrer Beschaffenheit,
-sie tragen hartes Holz, z. B. Eichen, Ahorn, Buchen,
-Eisenholz u. s. w., welche B&auml;ume stets einen fruchtbarern
-Boden verrathen, als die Familie der Nadelh&ouml;lzer.</p>
-
-<p>Trotz der geringeren Boden-Beschaffenheit wird beim
-Ankauf von Land doch ein Wasser-Vordergrund als eine
-Sache von gro&szlig;er Wichtigkeit betrachtet; und Parcellen mit
-Wasser-Benutzung stehen gew&ouml;hnlich in weit h&ouml;herem
-Preise als solche, die weiter davon entfernt sind. Erstere
-sind im Allgemeinen im Besitz der Ansiedler h&ouml;heren Ranges,
-die noch etwas extra f&uuml;r eine gute Lage und die
-Aussicht k&uuml;nftiger Versch&ouml;nerungen, wenn das Land sich
-unter einem h&ouml;heren Cultur-Grad befinden und dichter
-bev&ouml;lkert sein wird, zahlen k&ouml;nnen.</p>
-
-<p>Wir k&ouml;nnen nicht anders als mit unendlicher Zufriedenheit
-die wenigen Morgen Landes betrachten, welche
-im Umkreise unsers Hauses gelichtet und mit Saaten bedeckt
-sind. Ein Platz dieser Art inmitten des dichten
-Waldes erf&uuml;llt das Herz mit einer Wonne, wovon diejenigen,
-welche in einer offnen oder auch nur theilweise
-bewaldeten Gegend wohnen, keine Vorstellung haben k&ouml;nnen.
-Die hellen Sonnenstrahlen und der blaue Himmel,
-die, nicht mehr durch ein dichtes Laubdach zur&uuml;ckgehalten,
-frei und ungehindert auf uns hereinbrechen, laben das
-Auge und erfreuen das Herz gewi&szlig; eben so sehr, als der
-k&uuml;hle erquickende Schatten eines Palmen-Hains den armen
-abgematteten Wandrer in der afrikanischen W&uuml;ste
-labt und erquickt.</p>
-
-<p>Wenn wir dies so merklich f&uuml;hlen, die wir uns der
-Aussicht auf einen offnen See gerade vor unsern Front-Fenstern
- <span class="pagenum"><a id="Page_p214">[S. 214]</a></span>
-erfreuen, wie m&uuml;ssen diejenigen thun, die f&uuml;r ihre
-Niederlassung nur erst ein kleines Fleckchen im Herzen
-des Waldes gelichtet haben, die rings um von einer dichten
-Baum-Wand eingehemmt sind, deren endlose Schatten,
-welche das Auge, in Aufsuchung andrer Gegenst&auml;nde
-und Scenen, vergebens zu durchdringen strebt;
-denn so dicht stehen die B&auml;ume, da&szlig; alles, au&szlig;er der
-gelichteten Stelle, in dichtes Dunkel geh&uuml;llt ist. Ein Ansiedler,
-der sich zuerst auf der ihm zu Theil gewordnen
-Parcelle niederl&auml;&szlig;t, wei&szlig; nicht mehr von ihren Grenzen
-und nat&uuml;rlichen Z&uuml;gen als von der nordwestlichen Durchfahrt.</p>
-
-<p>Unter solchen Uebelst&auml;nden kann es vielleicht unter
-zehn F&auml;llen nur einmal treffen, da&szlig; der Ank&ouml;mmling die
-beste Lage f&uuml;r sein k&uuml;nftiges Haus w&auml;hlt. Dies ist ein
-sehr hinreichender Grund, nicht eher ein gr&ouml;&szlig;ere Unkosten
-erforderndes Haus zu bauen, als bis das Land zur Gen&uuml;ge
-gelichtet ist, so da&szlig; die Vortheile und Nachtheile
-der daf&uuml;r zu erw&auml;hlenden Stelle besser ins Auge fallen.
-Manche zu dem in Rede stehenden Behuf vorz&uuml;glich geeignete
-Stellen bieten sich oft dem Auge des Ansiedlers,
-w&auml;hrend er in Lichtung seines Bodens fortf&auml;hrt, dar,
-und lassen ihn bedauern, da&szlig; er sein Haus an einem Platze
-erbaut hat, den er noch nicht kennen gelernt hatte. Allein
-Umst&auml;nde verstatten selten, den Hausbau im Busche aufzuschieben;
-eine Wohnung mu&szlig; so schnell als m&ouml;glich
-errichtet werden, und dies gew&ouml;hnlich auf dem ersten gelichteten
-Acker. Der Emigrant tr&ouml;stet sich inde&szlig; dabei
-mit der Zukunft, er hofft auf eine nicht allzuferne
-Periode, wo er durch Auff&uuml;hrung einer sch&ouml;nern und bessern
-Wohnst&auml;tte, als sein Block-Haus (Log-Haus) oder
-seine Shanty ist, die er blos als einstweiliges Obdach betrachtet,
-sowohl seinem Geschmack als seiner Liebe zur
-Bequemlichkeit wird gen&uuml;gen k&ouml;nnen.</p>
-
-<p>Bei meiner ersten Ankunft in diesem Lande &uuml;berraschte
-mich nichts mehr als der v&ouml;llige Mangel an B&auml;umen
- <span class="pagenum"><a id="Page_p215">[S. 215]</a></span>
-um die Wohnh&auml;user und auf dem gelichteten Boden,
-die Axt des Holzf&auml;llers st&uuml;rzt unerm&uuml;dlich alles vor
-sich nieder. Der Mensch scheint mit den B&auml;umen des
-Waldes zu k&auml;mpfen, gleichsam als w&auml;ren sie seine sch&auml;dlichsten
-Feinde; denn er schont weder das junge B&auml;umchen
-in seinem jugendlichen Gr&uuml;n noch den bejahrten
-Stamm in seinem hohen stattlichen Wuchse; er kriegt
-gegen den Forst mit Feuer und Stahl.</p>
-
-<p>Es lassen sich f&uuml;r diesen anscheinenden Mangel an
-Geschmack verschiedne Gr&uuml;nde angeben. Die Waldb&auml;ume
-wachsen so dicht neben einander, da&szlig; es ihnen an Raum
-gebricht, sich auszubreiten und Seiten-Aeste zu entsenden;
-im Gegentheil schie&szlig;en sie zu einer betr&auml;chtlichen H&ouml;he
-empor, nicht un&auml;hnlich jungen Saatpflanzen in einem
-Treibbeete, die nicht geh&ouml;rig ged&uuml;nnt worden sind. Dergleichen
-B&auml;ume sind schlank und schwach und entbehren
-v&ouml;llig jener angenehmen Umrisse und jener sch&ouml;nen Laubkrone,
-die sie als eine Verzierung der Landschaft w&uuml;nschenswerth
-machen w&uuml;rde; allein dies ist noch nicht der
-dringendste Grund zu ihrer Entfernung, vorausgesetzt, da&szlig;
-unter ihnen doch manche von nicht eben ungef&auml;lligen Formen
-vorkommen m&ouml;gen.</p>
-
-<p>Anstatt tiefe Wurzeln zu treiben, haben die Waldb&auml;ume,
-mit Ausnahme der Fichten, nur einen sehr oberfl&auml;chlichen
-Halt in der Erde; die Wurzeln laufen an der
-Oberfl&auml;che des Bodens hin und haben daher nicht Kraft
-genug, den St&uuml;rmen zu widerstehen, welche gegen die
-Wipfel w&uuml;then, und diese wirken so als m&auml;chtige Hebel,
-um sie aus dem Erdreich heraus zu rei&szlig;en.</p>
-
-<p>Je h&ouml;her und schlanker der Baum ist, desto leichter
-wird er von den St&uuml;rmen entwurzelt; und wenn selbst
-diejenigen fallen, welche im Herzen des Waldes stehen
-und von allen Seiten eingehemmt sind, so kann man
-&uuml;ber das gewisse Schicksal eines einzeln stehenden, seiner
-fr&uuml;heren Besch&uuml;tzer beraubten Baumes, sobald er gegen den
-Sturm k&auml;mpfen soll, nicht zweifeln. Er mu&szlig; fallen und
- <span class="pagenum"><a id="Page_p216">[S. 216]</a></span>
-kann dann leicht durch seinen Sturz in der N&auml;he befindliches
-Vieh besch&auml;digen; dies ist der wichtigste Grund,
-warum man nicht einzelne B&auml;ume auf dem gelichteten
-Boden stehen l&auml;&szlig;t. Uebrigens ist es nicht so leicht, bei
-Lichtung des Waldes diesen oder jenen Baum zu schonen,
-als ich mir dies anfangs dachte; der Fall eines Baumes
-zieht oft den von zwei, drei oder mehren kleineren, die
-in der N&auml;he stehen, nach sich. Ein geschickter Holzf&auml;ller
-sucht dies so sehr als m&ouml;glich zu bef&ouml;rdern, indem er
-kleine B&auml;ume in der Richtung, in welcher er einen gro&szlig;en
-zu f&auml;llen beabsichtigt, nur zum Theil durchschneidet.</p>
-
-<p>Ich w&uuml;nschte sehr, einige h&uuml;bsche Buchenb&auml;umchen,
-die mir gefielen, zu erhalten, und bat daher die Holzf&auml;ller,
-dieselben wo m&ouml;glich zu verschonen. Allein der einzige,
-welcher der zerst&ouml;renden Axt entging, mu&szlig;te bald eine
-Feuer-Probe bestehen, wodurch seine frischen gr&uuml;nen Bl&auml;tter
-augenblicklich welk und versengt wurden; er steht jetzt
-als ein trauriger Beweis der Unm&ouml;glichkeit da, dergleichen
-von der Axt verschonte B&auml;ume zu erhalten. Das
-Einzige, was man thun kann, wenn man B&auml;ume in der
-N&auml;he seines Hauses zu haben w&uuml;nscht, ist, da&szlig; man
-junge dergleichen in g&uuml;nstigen Lagen anpflanzt, wo sie
-tief einwurzeln und ihre Aeste eben so ausbreiten k&ouml;nnen,
-wie die B&auml;ume in unsern Parken und Hecken.</p>
-
-<p>Ein andrer Plan, den wir auf unserm Boden zu
-verfolgen Willens sind, ist, mehre Acker Wald in passender
-Lage stehen zu lassen, die alten B&auml;ume als Brennholz
-von Zeit zu Zeit heraus zu schlagen und den jungen
-Wuchs als Zierde zu verschonen. Dieses Verfahren,
-ein W&auml;ldchen zu erhalten, unterliegt nicht den fr&uuml;her dagegen
-gemachten Einw&uuml;rfen, und vereinigt das N&uuml;tzliche
-mit dem Sch&ouml;nen.</p>
-
-<p>Man f&uuml;hlt sich, sieht man eine der gigantischen
-Eichen oder Fichten fallen, seltsam erregt. Stolz und
-unbeweglich scheinen sie zuerst dem Hagel von Axtschl&auml;gen,
-die von drei oder vier Holzf&auml;llern gegen ihren Stamm
- <span class="pagenum"><a id="Page_p217">[S. 217]</a></span>
-gef&uuml;hrt werden, zu trotzen. Allein nachdem das Werk
-der Zerst&ouml;rung eine Zeitlang gedauert hat, nimmt man
-alsbald eine leichte Bewegung &mdash; ein fast unmerkliches
-Zittern der Aeste wahr. Ganz langsam und allm&auml;lig
-beginnt der Waldriese, sich zu neigen, w&auml;hrend das laute
-Krachen des Stammes endlich anzeigt, da&szlig; sein letzter
-Halt in der Erde aufgeh&ouml;rt hat. Die Axt des Holzf&auml;llers
-hat ihre Pflicht gethan; die Bewegung des st&uuml;rzenden
-Baumes wird mit jedem Augenblick beschleunigt, bis
-er unter donnerartigem Geprassel, welches die Erde ersch&uuml;ttert,
-w&auml;hrend die benachbarten B&auml;ume erbeben und
-sich vor ihm neigen, zu Boden sinkt.</p>
-
-<p>Obschon entschieden weniger windig als unsre brittischen
-Inseln, wird Canada doch zu Zeiten von pl&ouml;tzlichen
-St&uuml;rmen, die sich bisweilen fast dem Orkan und der
-sogenannten Windsbraut n&auml;hern, heimgesucht. Eine Schilderung
-eines solchen Sturmes habe ich Ihnen in einem
-fr&uuml;heren Briefe gegeben. Im Verlauf des jetzigen Sommers
-bin ich Zeuge von einem andern Orkan gewesen,
-der in seinen Wirkungen noch heftiger und verheerender war.</p>
-
-<p>Der Himmel &uuml;berzog sich pl&ouml;tzlich mit Wolken, die
-sehr electrisch waren. Der Sturm brauste von Nordwesten
-heran, und seine Wuth schien auf eine Breite von
-einigen hundert Schritten beschr&auml;nkt. Ich beobachtete mit
-einigem Interesse die schnellen Bewegungen der grauen,
-schwarzen und kupferfarbnen Wolken, die &uuml;ber den See
-hin zogen, als mich pl&ouml;tzlich das Krachen st&uuml;rzender B&auml;ume
-auf dem jenseitigen Ufer und noch mehr der Anblick der
-mit den umherwirbelnden Fichten-Reisern angef&uuml;llten
-Luft, kaum hundert Schritt vom Hause, w&auml;hrend auf dem
-ebnen Boden, wo ich stand, keine Spur von Wind zu
-f&uuml;hlen war, nicht wenig &uuml;berraschte.</p>
-
-<p>In wenigen Secunden hatte sich der Orkan &uuml;ber
-die Wasserfl&auml;che verbreitet und streckte mit unwiderstehlicher
-Gewalt nicht weniger als drei&szlig;ig oder vierzig B&auml;ume
-zu Boden, w&auml;hrend er andre wie Schilfrohr niederbog.
- <span class="pagenum"><a id="Page_p218">[S. 218]</a></span>
-Es war grauenvoll zu sehen, wie der hohe Forst vor dem
-Toben des Sturmes zitterte und schwankte, und wie ein
-Riesenstamm nach dem andern st&uuml;rzte, wie ein Spiel
-Karten, die ein Hauch zerstreut. Gl&uuml;cklicher Weise ging der
-Luftstrom blos &uuml;ber unsre gelichteten Aecker weg und
-f&uuml;gte uns keinen Schaden weiter zu, als da&szlig; er auf dem
-hohen Ufer &uuml;ber dem See drei starke Fichten entwurzelte.
-Allein in der Richtung unsers Nachbars stiftete er gro&szlig;en
-Schaden an, er zerst&ouml;rte einen gro&szlig;en Theil der Einfriedigung,
-zerschmetterte die Saaten durch die niederst&uuml;rzenden
-St&auml;mme und Aeste und bewirkte f&uuml;r den Besitzer
-einen gro&szlig;en Verlust und viel Arbeit, um den Schaden
-wieder gut zu machen.</p>
-
-<p>Die aufw&auml;rts gekehrten Wurzeln der vom Winde umgest&uuml;rzten
-B&auml;ume sind eine gro&szlig;e Plage auf dem gelichteten
-Boden, entstellen die Landschaft und sind weit schwieriger
-zu entfernen als die mit der Axt gef&auml;llten B&auml;ume. Einige
-von den Stummeln dieser durch den Sturm umgeworfnen
-B&auml;ume richten sich, wenn sie gleich nach ihrem
-Umsturz von ihren Aesten befreit worden sind, wieder empor,
-das Gewicht der Wurzeln und des damit emporgeri&szlig;nen
-Erdreichs zieht sie an ihre alte Stelle zur&uuml;ck; wir
-haben diesen Umstand sehr h&auml;ufig benutzt.</p>
-
-<p>Diesen Sommer &uuml;ber herrschte die ver&auml;nderlichste Witterung,
-welche man sich denken kann. Der Fr&uuml;hling war
-warm und angenehm, aber vom Ende des Mai bis zur
-Mitte des Herbstes hatten wir schwere Regeng&uuml;sse, bew&ouml;lkten
-Himmel und feuchte hei&szlig;e Tage; heftige, furchtbar gro&szlig;artige
-Gewitter, aber wie es scheint weniger verheerend als
-in England, sind hier zu Hause. Es ist wohl m&ouml;glich,
-da&szlig; die hohen Waldb&auml;ume die Gefahr von den niedrigen
-Geb&auml;uden abwenden, die hinreichend gegen die Wirkungen
-des Blitzes gesch&uuml;tzt sind. Auch der Herbst war feucht
-aber kalt. Ich mu&szlig; hier gestehen, da&szlig; ich zur Zeit eben
-keine g&uuml;nstige Meinung vom hiesigen Klima hege; inde&szlig;
-ist es Unrecht, nach einer so kurzen Bekanntschaft damit
- <span class="pagenum"><a id="Page_p219">[S. 219]</a></span>
-&uuml;ber dasselbe aburtheilen zu wollen, besonders da Jedermann
-sagt, da&szlig; dieser Sommer seinen Vorg&auml;ngern v&ouml;llig
-ungleich gewesen.</p>
-
-<p>Die Insekten waren eine gro&szlig;e Plage f&uuml;r uns,
-und ich bewillkommnete den herannahenden Herbst als
-einen Befreier von ihren Angriffen; denn diese Plaggeister
-sind zahlreich und von mancherlei Art, und achten
-keine Pers&ouml;nlichkeit, wie ich zu meinem Leiden erfahren
-habe.</p>
-
-<p class="pmb3">Ich sehne mich nach Briefen aus der Heimath;
-lassen Sie mich bald von Ihnen h&ouml;ren.</p>
-
-
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p220">[S. 220]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="no-break" id="Dreizehnter_Brief">Dreizehnter Brief.</h2>
-</div>
-
-<blockquote>
-<p class="p1 font09">Gesundheits-Gef&uuml;hl inmitten der strengsten Winter-Monate.
-&mdash; Unannehmlichkeit, welche die gl&auml;nzende Wei&szlig;e des
-Schnees verursacht. &mdash; Schlittenfahrt. &mdash; Indianische Orthographie.
-&mdash; Besuch in einem Indianer-Lager. &mdash; Ein indianischer
-Kr&uuml;pel. &mdash; Canadische Ornithologie.</p>
-</blockquote>
-
-<p class="p1 rright font09">
-See-Haus, M&auml;rz 14, 1834.<br />
-</p>
-
-<p>Ich erhielt Ihren letzten liebevollen und h&ouml;chst interessanten
-Brief erst diesen Abend. In Folge eines Fehlers
-in der Aufschrift hatte er die Runde in zwei Gemeinde-Bezirken
-gemacht, ehe er in Peterborough anlangte;
-und ob er gleich fast eben so viele Aufschriften hatte als
-ein Matrosen-Messer neue Klingen und Hefte, so kam
-er doch zuletzt in meine H&auml;nde und war mir, trotz seinem
-etwas beschmutzten und abgenutzten Reise-Gewande, nicht
-minder willkommen und sch&auml;tzbar.</p>
-
-<p>Ich freute mich, von Ihrer wiederkehrenden Gesundheit
-und frohen Laune zu h&ouml;ren; &mdash; m&ouml;gen sie von langem
-Bestand sein. Ihre Klagen &uuml;ber mein Exil, wie Sie meinen
-Aufenthalt in diesem Lande nennen, gingen mir sehr
-zu Herzen. Lassen Sie meine Versicherung, da&szlig; ich mich
-gegenw&auml;rtig eben so gl&uuml;cklich f&uuml;hle, als zur Zeit, wo ich
-meine Heimath verlie&szlig;, sich zum Trost wegen meiner Entfernung
-von Ihnen dienen. Ist auch meine Lage ver&auml;ndert,
-so ist es doch nicht mein Herz. Mein Geist ist so
-lebhaft und heiter wie je zuvor, und zu Zeiten f&uuml;hle ich eine
-Aufgewecktheit und Frische in mir, die jeder Sorge Trotz bietet.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p221">[S. 221]</a></span></p>
-
-<p>Sie f&uuml;rchten, da&szlig; mich die Strenge des canadischen
-Winters aufreiben werde. Ich erfreute mich nie einer
-bessern Gesundheit, als seitdem er seinen Anfang genommen.
-Das Blut wird von der Frische und Reinheit der
-Luft dergestalt durchstr&ouml;mt und gekr&auml;ftigt, da&szlig; man sich
-ganz heiter und wohl f&uuml;hlt. Selbst der Schnee erscheint
-wei&szlig;er und sch&ouml;ner als in unserm feuchten neblichen
-Klima. An sehr kalten hellen Wintertagen sieht man
-hier oft die Luft mit kleinen gefrornen Wasser-Theilchen
-gef&uuml;llt, die v&ouml;llig trocken sind, und das Gesicht ganz leicht
-wie Nadelspitzen ber&uuml;hren, w&auml;hrend der Himmel blau
-und heiter ist. Es herrscht zwischen dem ersten Schnee-Fall
-und dem in der Mitte des Winters ein merklicher
-Unterschied. Der erste zeichnet sich durch gro&szlig;e weiche
-Flocken aus und liegt selten lange, ohne zu thauen, aber
-die Flocken des zweiten, nachdem regelm&auml;&szlig;ig anhaltende
-K&auml;lte eingetreten ist, sind kleiner, trockner und von den
-sch&ouml;nsten Formen, bisweilen spitzig wie Strahlenb&uuml;schel,
-oder sonst auf die merkw&uuml;rdigste Weise gefiedert.</p>
-
-<p>Meinen Augen ist die blendende Wei&szlig;e und das
-Funkeln des Schnees an heitern sonnigen Tagen sehr
-zuwider und macht mein Gesicht, wenn es derselben ausgesetzt
-gewesen, auf mehre Stunden &auml;u&szlig;erst schwach, so da&szlig;
-ich die mich umgebenden Gegenst&auml;nde nicht deutlich unterscheiden
-kann. Ich m&ouml;chte jedem rathen, der hierher
-kommt, sich mit gr&uuml;nen oder blauen Brillen-Gl&auml;sern<a id="FNanchor_40_40"></a><a href="#Footnote_40_40" class="fnanchor">[40]</a>
-zu versehen, und den Damen, ja gr&uuml;ne Crep-Schleier mit
-zu bringen. Gro&szlig;e gr&uuml;ne Brillen, wie sie der arme
-<em class="gesperrt">Moses</em> kaufte, w&uuml;rde in Canada als kein so schlechtes
-Gesch&auml;ft gegolten haben<a id="FNanchor_41_41"></a><a href="#Footnote_41_41" class="fnanchor">[41]</a>.</p>
-
-<p>Vor einigen Tagen kehrte ich von einem Besuche</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p222">[S. 222]</a></span></p>
-
-<p>bei einer kranken Freundin zur&uuml;ck und weidete mich auf
-meinem Wege an den Wirkungen des Frostes. Erdboden,
-B&auml;ume, jedes Reis, jedes d&uuml;rre Blatt, jeder Stein,
-worauf mein Auge stie&szlig;, blitzten gleichsam von Diamanten,
-als w&auml;ren sie von einem Zauberstab ber&uuml;hrt worden;
-Gegenst&auml;nde, vorher roh und jeder Sch&ouml;nheit ledig,
-hatten pl&ouml;tzlich einen unbeschreiblich blendenden Glanz angenommen.
-Man glaubte sich fast in <em class="gesperrt">Sindbad's</em> Diamanten-Thal
-versetzt<a id="FNanchor_42_42"></a><a href="#Footnote_42_42" class="fnanchor">[42]</a>. Ueberdies war die Luft keineswegs
-unangenehm oder unertr&auml;glich kalt.</p>
-
-<p>Ich habe an windigen Tagen in England weit
-mehr K&auml;lte empfunden als in Canada, bei einem weit
-niedrigeren Temperatur-Grade. Es herrscht hier in kalten
-N&auml;chten eine fast entz&uuml;ckende Stille in der Luft, welche
-die Unannehmlichkeit der K&auml;lte-Empfindung verringert.</p>
-
-<p>Allerdings treten im Verlauf des Winters einige
-sehr kalte Tage ein, allein diese niedrige Temperatur h&auml;lt
-selten l&auml;nger als dreimal vierundzwanzig Stunden an.
-Der k&auml;lteste Theil des Tages ist von ein oder zwei Uhr
-vor Sonnen Aufgang bis ungef&auml;hr um neun Uhr Morgens;
-bis dahin haben unser prasselndes Holzfeuer (<em class="antiqua">log-fire</em>)
-oder unsre eisernen Oefen das Haus durchw&auml;rmt,
-so da&szlig; man sich um die drausen herrschende K&auml;lte gar
-nicht bek&uuml;mmert. Im Freien f&uuml;hlt man sich bei geh&ouml;riger
-Bewegung und hinreichender Bekleidung weit weniger
-unbehaglich, als man glauben sollte. Ohren und Nase
-sind der K&auml;lte am meisten ausgesetzt.</p>
-
-<p>Leute, die von einer langen Reise kommen, bilden
-bisweilen eine seltsame Erscheinung, die einem, w&auml;ren
-sie nicht zu bemitleiden, ein L&auml;cheln entlocken w&uuml;rde.</p>
-
-<p>Haare, Schnurrbart, Augenwimpern, Bart, alles ist
-mit Reif &uuml;berzogen. Ich habe junge Damen in Abend-Gesellschaften
-gehen sehen, mit Locken, so dunkel wie die
- <span class="pagenum"><a id="Page_p223">[S. 223]</a></span>
-Ihrigen, die aber bald durch den kalten Luft-Hauch in
-Silberwei&szlig; verwandelt wurden, so da&szlig; man fast auf die
-Idee gerieth, die sch&ouml;nen M&auml;dchen w&auml;ren in ihre alten
-Gro&szlig;m&uuml;tter metamorphosirt worden, gl&uuml;cklicher Weise f&uuml;r
-Jugend und Sch&ouml;nheit sind dergleichen Verwandlungen
-nur vor&uuml;bergehend.</p>
-
-<p>In den St&auml;dten und volkreichen Theilen der Provinz
-begr&uuml;&szlig;t man die Ann&auml;herung des Winters, anstatt
-sie zu f&uuml;rchten, mit wahrer Freude. Reisen sind dann
-ungehindert und angenehm; selbst unsre elenden Buschstra&szlig;en
-gewinnen im eigentlichen Sinne des Wortes an
-Werth; und sollte man auch w&auml;hrend einer Lustfahrt ein-
-oder zweimal umgeworfen werden, so sind doch dergleichen
-Zuf&auml;lle von keiner gro&szlig;en Gefahr begleitet, auch erweckt
-ein Burzelbaum in den Schnee vielmehr Gel&auml;chter
-als Mitleiden; daher ist es bei dergleichen Gelegenheiten
-das Beste, das bischen Schnee, was man etwa aufgeladen,
-mit gutem Anstand abzusch&uuml;tteln und in die Lust und
-Sp&auml;&szlig;e der Gesellschaft einzugehen.</p>
-
-<p>Das Reisen auf dem Schlitten ist in der That
-h&ouml;chst angenehm; je mehr Schnee, desto besser die Schlitten-Zeit;
-und je h&auml;rter er wird, desto leichter ist die Bewegung
-des Fuhrwerks. Die Pferde sind s&auml;mmtlich mit
-Glocken-Gel&auml;ute und Schellen sowohl um den Hals als
-auf dem R&uuml;cken geschm&uuml;ckt, und das lustige Geklingel
-ist keineswegs unangenehm.</p>
-
-<p>Sobald eine hinreichende Menge Schnee gefallen ist,
-wird alles Fuhrwerk von der Staats-Karosse bis zur Radeberge
-auf eisenbeschlagne Kufen &mdash; den Schlittschuh-Eisen
-nicht un&auml;hnlich &mdash; gesetzt. Die gew&ouml;hnlichen Reise-Equipagen
-sind der Doppel-Schlitten, (<em class="antiqua">double sligh</em>)
-der leichte Wagen und der Cutter; die beiden ersten werden
-von zwei Pferden, neben einander gezogen, der letztre
-dagegen, bei weitem das eleganteste Fuhrwerk dieser Art, ist
-blos f&uuml;r ein Pferd bestimmt und entspricht mehr dem
-Gig oder der Chaise.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p224">[S. 224]</a></span></p>
-
-<p>In B&uuml;ffel-H&auml;ute geh&uuml;llt, f&uuml;hlt man keine Unannehmlichkeit
-von der K&auml;lte, ausgenommen im Gesicht,
-das man durch einen warmen Biber, einen Hut oder eine
-M&uuml;tze sch&uuml;tzen mu&szlig;; M&uuml;tzen werden hier selten oder niemals
-getragen, und zwar aus dem l&auml;cherlichen Grunde,
-weil es nicht Mode ist.</p>
-
-<p>Das rothe, graue und schwarze Eichh&ouml;rnchen ist in
-unsern W&auml;ldern h&auml;ufig. Die Moschus-Ratze bewohnt
-kleine H&auml;user, die sie in den binsenreichen Theilen der
-Seen erbaut. Diese Wohnungen bestehen aus Riethgras
-und Binsen-Wurzeln, St&ouml;cken und andern &auml;hnlichen
-Materialien und sind mit Schlamm ausgekleidet, ein
-dichtes, die Wasserfl&auml;che einen Fu&szlig; und mehr &uuml;berragendes
-Schilfdach sch&uuml;tzt das Geb&auml;ude von oben; es ist von
-runder domartiger Gestalt und vom Ufer aus in einiger
-Entfernung sichtbar. Die Indianer stellen Fallen, um die
-Thierchen in ihrer Wohnung zu fangen, und verkaufen
-ihre Felle, welche gegen den Winter sehr dicht und gl&auml;nzend
-sind. Der Biber, der B&auml;r, der schwarze Luchs und
-F&uuml;chse werden ebenfalls get&ouml;dtet und von den J&auml;gern
-an die Vorratsh&auml;ndler gegen Waaren oder Geld verkauft.</p>
-
-<p>Die Indianer richten die Rehh&auml;ute zur Verfertigung
-von Mocassins zu, die von den Ansiedlern in diesen Theilen
-sehr gesucht werden; sie sind in Schnee-Wetter sehr
-behaglich und halten die F&uuml;&szlig;e sehr warm, inde&szlig; umwickelt
-man den Fu&szlig;, ehe man sie anlegt, mit einigen T&uuml;chern.
-Ich trug den ganzen letzten Winter hindurch ein sch&ouml;nes
-Paar dergleichen Stiefel; sie waren mit Stachelschwein-Spuhlen
-gen&auml;ht und mit scharlachnen Binde-B&auml;ndern
-versehn; eine alte Squaw, die Frau des J&auml;gers <em class="gesperrt">Peter</em>,
-sie kennen ihn bereits aus einem fr&uuml;heren Briefe, war
-die Meisterin, welche sie verfertigt. Bei dieser Gelegenheit
-erhielt ich ein Pr&ouml;bchen indianischer Orthographie,
-das die Mocassins begleitete und mir nicht wenig Spa&szlig;
-machte; ich will Ihnen die paar Zeilen, einem Notchen
-(Rechnung) nicht un&auml;hnlich, hier mittheilen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p225">[S. 225]</a></span></p>
-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/p225i.jpg" alt="Die Prairie." />
- </div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p226"></a></span></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p227">[S. 227]</a></span></p>
-
-<p><em class="antiqua">Sir</em></p>
-
-<p><em class="antiqua">Pleas if you would give something; you must
-git in ordir in store is woyth (worth) them mocsin
-porcupine quill on et. One dollars foure yard.</em></p>
-
-<p>Dieses seltsame Billet war das Machwerk von
-<em class="gesperrt">Peter's</em> &auml;ltestem Sohne und sollte mich dahin bedeuten,
-da&szlig;, wofern ich Lust h&auml;tte, die Mocassins zu kaufen, der
-Preis daf&uuml;r ein Dollar oder eine Anweisung an ein Vorrathshaus
-auf vier Ellen Cattun sei, denn so verdollmetschte
-mir die Squaw seinen Inhalt. Die Anweisung
-auf vier Ellen gedruckten Cattun wurde an Mrs.
-<em class="gesperrt">Peter</em> &uuml;berliefert, die sie sorgf&auml;ltig mit Nadeln in die
-Falten ihres Busentuches befestigte; und wohlzufrieden mit
-der Zahlung ging sie von dannen.</p>
-
-<p>Dies erinnert mich an einen Besuch, den wir letzte
-Woche den Indianern abstatteten. Da ich einiges Verlangen
-in mir f&uuml;hlte, das seltsame V&ouml;lkchen in seinem
-Winter-Lager zu sehen, so &auml;u&szlig;erte ich meinen Wunsch gegen
-S&mdash;, der bei dem alten J&auml;ger und seiner Familie
-in gro&szlig;er Gunst steht; als einen Beweis von Auszeichnung
-haben sie ihm den Titel Chippewa, den Namen
-ihres Stammes, gegeben. Die Gelegenheit, im Indianer-Wigwam
-die Honeurs zu machen, kam ihm ganz erw&uuml;nscht,
-und es wurde beschlossen, da&szlig; er bei uns mit
-einigen seiner Schw&auml;ger und Schw&auml;gerinnen, die zuf&auml;llig
-auf Besuch bei ihm waren, Thee trinken sollte, und da&szlig;
-wir dann in Gesellschaft einen Ausflug nach dem Lager
-im Walde machen wollten.</p>
-
-<p>Eine lustige Gesellschaft brachen wir an besagtem
-Abende bei dem pr&auml;chtigsten Sternenlicht nach dem verabredeten
-Orte auf; der Schnee funkelte mit tausend Diamanten
-auf seiner gefrornen Oberfl&auml;che, &uuml;ber die wir mit
-dem leichtesten Herzen, so leicht wie es nur in dieser sorgenvollen
-Welt sein kann, wegsetzten. Und gewi&szlig; hatte
-ich nie einen lieblicheren Anblick, als die W&auml;lder darboten;
-es war am vorhergehenden Tage viel Schnee gefallen,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p228">[S. 228]</a></span>
-und in Folge der v&ouml;lligen Windstille war auch nicht
-die kleinste Menge von den B&auml;umen abgesch&uuml;ttelt worden.
-Die stets gr&uuml;nen Nadelh&ouml;lzer bogen sich unter ihrer gl&auml;nzenden
-Last, jeder Zweig, jedes Blatt, jeder Zapfen
-war bedeckt, und einige d&uuml;nne B&auml;umchen lagen, vom
-Schnee niedergedr&uuml;ckt, fast auf der Erde und bildeten die
-niedlichsten seltsamsten Lauben und Arkaden &uuml;ber unserm
-Pfade. Sah man nach den Wipfeln der B&auml;ume empor,
-so schien der dunkelblaue Himmel von einem silbernen
-Schleier bedeckt zu sein, durch welchen die hellleuchtenden
-Sterne mit keuschem Glanze herabblickten.</p>
-
-<p>Ich war stets eine Liebhaberin von Schnee-Landschaften,
-aber weder in diesem Lande noch in der Heimath
-sah ich je etwas so &uuml;ber alle Vorstellungen Liebliches,
-als wie mir der Wald in dieser Nacht erschien.</p>
-
-<p>Wir verlie&szlig;en die breite Stra&szlig;e und schlugen einen
-Nebenweg ein, den die Indianer fest getreten hatten,
-und bald bemerkten wir den Wigwam an dem r&ouml;thlichen
-Rauche, der aus dem offnen, korbgeflechtartigen Dache der
-kleinen H&uuml;tte hervor qualmte. Letztere besteht zun&auml;chst
-aus leichten Stangen, die, in einem Kreise in die Erde
-befestigt, einen runden Raum von zehn bis zw&ouml;lf Fu&szlig;
-Durchmesser einschlie&szlig;en. Zwischen diese Stangen sind
-lange Birken-Rinden-Schichten gezogen oder geflochten,
-und zwar sowohl innerlich als &auml;u&szlig;erlich; nach oben, wo
-die Stangen gegen einander geneigt sind ist eine Oeffnung
-gelassen, zum Entweichen des Rauches; die Au&szlig;enw&auml;nde
-waren auch mit Schnee belegt oder umd&auml;mmt,
-so da&szlig; von unten gar keine Luft eindringen konnte.</p>
-
-<p>Einige von unsrer Gesellschaft, die j&uuml;nger und leichtf&uuml;&szlig;iger
-waren, als wir gesetzten verheiratheten Leute, liefen
-voraus, so da&szlig; wir, als das Tuch, welches als Th&uuml;re
-diente, weggenommen wurde, eine buntscheckige Gesellschaft
-von dunkelfarbigen H&auml;uten und blassen (wei&szlig;en) Gesichtern
-aus den weichen T&uuml;chern und Fellen gelagert fanden, die rings
-an den W&auml;nden in dem Wigwam ausgebreitet waren.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p229">[S. 229]</a></span></p>
-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/p229i.jpg" alt="Peter, der J&auml;ger." />
- </div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p230"></a></span></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p231">[S. 231]</a></span></p>
-
-<p>Die dunkelbraune Hautfarbe, das buschige schwarze
-Haar und das eigenth&uuml;mliche Cost&uuml;m bildeten einen auffallenden
-Contrast mit den wei&szlig;en Europ&auml;ern, die unter
-die Indianer gemischt dasa&szlig;en, der seltsame Anblick wurde
-noch durch das flackernde, in der Mitte lodernde Holzfeuer
-erh&ouml;ht, welches die Gruppe mit seinem r&ouml;thlichen Schimmer
-bestrahlte. Die Jagdhunde lagen in tr&auml;ger Behaglichkeit
-dicht neben dem Holzsto&szlig;, w&auml;hrend drei oder vier
-dunkelfarbige kleine Wilde mit einander spielten oder ihrer
-Erz&uuml;rnung &uuml;ber die best&auml;ndigen Neckereien und Affenstreiche
-des bucklichen <em class="gesperrt">Maquin</em>, mit welchem ich Sie bereits
-bekannt gemacht habe, durch lautes Schreien Luft
-machten; denn dieser indianische Spiegelberg schien sein
-gr&ouml;&szlig;tes Vergn&uuml;gen im Necken und Qu&auml;len der kleinen
-Papousen zu finden, wobei er von Zeit zu Zeit voll
-schadenfroher Laune nach den G&auml;sten schielte, und gleich
-darauf wieder, wenn er die Blicke seines Vaters oder
-der Squaws auf sich gerichtet glaubte, die ernsteste Miene
-von der Welt annahm.</p>
-
-<p>Ein leichtes Ger&auml;usch unter den Anwesenden bezeichnete
-unsre Ankunft, als wir eins nach dem andern durch
-die Th&uuml;r in die H&uuml;tte traten. Unsre Freunde empfingen
-uns mit fr&ouml;hlichem Lachen, welches mehr als einer
-der m&auml;nnlichen Indianer nachhallte, w&auml;hrend die Squaws
-ein eigenth&uuml;mliches Kichern vernehmen lie&szlig;en.</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Chippewa</em> (S&mdash;,) erhielt einen Ehrenplatz neben
-dem <em class="gesperrt">J&auml;ger</em> Peter; und Squaw <em class="gesperrt">Peter</em> (<em class="gesperrt">Peter's</em> Frau)
-r&auml;umte mir mit gro&szlig;er Zuvorkommenheit und freundlichem
-Gesicht einen Platz auf ihrem Betttuch ein, zu
-welchem Behuf zwei Papousen und ein Jagdhund schreiend
-und wehkagend in die Nachbarschaft ihres Qu&auml;lgeistes
-<em class="gesperrt">Maquin</em> verwiesen wurden.</p>
-
-<p>Die reizendsten Personen in dem Wigwam waren
-zwei Indianer-M&auml;dchen, eine von ungef&auml;hr achtzehn Jahren,
-&mdash; <em class="gesperrt">Johanna</em>, des J&auml;gers &auml;lteste Tochter, und ihre
- <span class="pagenum"><a id="Page_p232">[S. 232]</a></span>
-Cousine <em class="gesperrt">Margaret</em>. Die Sch&ouml;nheit der erstern &uuml;berraschte
-mich nicht wenig, ihre Z&uuml;ge waren im buchst&auml;blichen
-Sinne des Worts fein, und trotz ihrer Zigeuner-Schw&auml;rze
-fand ich doch das Purpurroth ihrer Wangen
-und Lippen, wo nicht sch&ouml;n, &mdash; wenigstens angenehm
-und sehr anziehend. Ihr Haar war pechschwarz, weich
-und gl&auml;nzend, und dabei sauber &uuml;ber die Stirn gefaltet
-und nicht in zottigen Massen unordentlich und
-wild herabh&auml;ngend, wie gew&ouml;hnlich bei den Squaws.
-<em class="gesperrt">Johanna</em> war sich ihrer &uuml;berlegnen Reize augenscheinlich
-bewu&szlig;t, sie konnte als eine indianische Sch&ouml;nheit
-gelten, auch legte sie ihre Eitelkeit durch die vorz&uuml;gliche
-Sorgfalt an den Tag, womit sie ihren schwarzen Tuch-Mantel
-angeordnet hatte, er war oben mit einem zierlich
-&uuml;ber die eine Schulter geschlagnen scharlachnen St&uuml;ck
-Zeuge besetzt und auf der linken Seite durch ein vergoldetes
-Schl&ouml;&szlig;chen befestigt. <em class="gesperrt">Margaret</em> war j&uuml;nger und
-kleiner von Statur, und wiewohl man sie lebhaft und
-recht h&uuml;bsch nennen konnte, so fehlte ihr doch die ruhige
-W&uuml;rde ihrer Cousine, sie hatte in Gesicht und Figur
-mehr von der Squaw. Die beiden M&auml;dchen nahmen
-eine Bettdecke f&uuml;r sich ein und waren mit Verfertigung
-einiger h&ouml;chst eleganten Futterale aus Rehleder besch&auml;ftigt,
-die sie mit gef&auml;rbten Perlen und Spuhlen &uuml;berzogen;
-Perlen und Spuhlen lagen in einer kleinen zinnernen
-Torten-Pfanne auf ihren Knien; meine alte Squaw dagegen
-hielt ihre Stachelschwein-Spuhlen im Munde und
-die feinen getrockneten Sehnen, ebenfalls von Rehen, deren
-sie sich anstatt Zwirns zu dieser Art Arbeit bediente,
-hatte sie im Busen.</p>
-
-<p>Als ich den Wunsch &auml;u&szlig;erte, einige von den Stachelschwein-Spuhlen
-zu besitzen, gab sie mir einige von verschiedner
-Farbe, womit sie ein paar Mocassins durchwirkte,
-bemerkte aber dabei, da&szlig; es ihr an <em class="gesperrt">Perlen zu den
-Mocassin's</em> fehle, und ich verstand recht wohl, da&szlig; sie
-dergleichen f&uuml;r die Spuhlen von mir zu erhalten w&uuml;nsche.
- <span class="pagenum"><a id="Page_p233">[S. 233]</a></span>
-Indianer verschenken nie etwas, seitdem sie mit
-den Wei&szlig;en zu verkehren gelernt haben.</p>
-
-<p>Meine Lobspr&uuml;che, die ich <em class="gesperrt">Johanna's</em> Sch&ouml;nheit
-zollte, entz&uuml;ckten die gute Matrone. Sie erz&auml;hlte mir,
-da&szlig; das h&uuml;bsche M&auml;dchen bald mit einem jungen Indianer
-verheirathet werden w&uuml;rde, der an ihrer Seite sa&szlig;,
-in allem Stolze, welchen ein neuer Mantel, eine rothe
-Sch&auml;rpe, gestickte Pulver-Tasche und ein gro&szlig;es vergoldetes
-Schlo&szlig; an dem Kragen seines Mantels, der so warm
-und so wei&szlig; erschien, wie ein frischgewaschnes Schaffell,
-verleihen konnten. Die alte Squaw that sich auf das
-junge P&auml;rchen offenbar nicht wenig zu Gute; sie blickte
-oft danach und wiederholte fast stets die Worte: &raquo;<em class="gesperrt">Johanna's
-Gatte</em> &mdash; <em class="gesperrt">mit der Zeit heirathen</em>. &mdash;&laquo;</p>
-
-<p>Wir hatten den Indianern oft mit Vergn&uuml;gen gelauscht,
-wenn sie Sonntags Abends ihre frommen Lieder
-sangen; daher ich sie jetzt bat, uns einige zum Besten
-zu geben; der alte J&auml;ger nickte mir seine Einwilligung
-zu und erlie&szlig; mit dem Ernst und Phlegma eines Holl&auml;nders,
-ohne seine Pfeife aus dem Munde zu nehmen,
-seine Befehle, welchen von den j&uuml;ngern Gliedern der Gesellschaft
-augenblicklich Folge geleistet wurde, und bald
-f&uuml;llte ein Chor reicher wohlt&ouml;nender Stimmen die kleine
-H&uuml;tte mit einer Melodie, welche uns bis ins Herz drang.</p>
-
-<p>Das Lied ert&ouml;nte in der Sprache der Indianer,
-welche vorz&uuml;glich wohlklingend und weich in ihren Cadencen
-ist und sehr vocalreich zu sein scheint. Ich konnte
-der bescheidnen Miene der M&auml;dchen meinen Beifall nicht
-versagen; sie schienen gleichsam &auml;ngstlich, Beobachtung zu
-vermeiden, die sie, wie sie recht gut empfanden, durch
-ihre lieblichen Stimmen auf sich ziehen mu&szlig;ten, sie suchten
-ihr Gesicht den Blicken der Fremden zu entziehen, indem
-sie einander ansahen und den Kopf auf ihre Arbeit
-niedersenkten, die sie noch immer in den H&auml;nden hielten.
-Ihre Haltung, welche die der orientalischen Nationen ist;
-ihre Kleidung, ihr schwarzes Haar, ihre dunkeln Augen,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p234">[S. 234]</a></span>
-ihr olivenfarbner Teint, das erh&ouml;hte Roth ihrer Wangen
-und der bescheidne Ausdruck ihres Gesichts w&uuml;rden ein
-Studium f&uuml;r den Maler gebildet haben. Ich w&uuml;nschte,
-Sie h&auml;tten der Scene beiwohnen k&ouml;nnen; Sie w&uuml;rden dieselbe
-nicht leicht vergessen haben. Sehr gefiel mir auch
-die tiefe Ehrfurcht in den Gesichtsz&uuml;gen der &auml;ltern Glieder
-der Indianer-Familie, w&auml;hrend sie ihren Kindern
-lauschten, welche ihre Stimmen zur Verherrlichung Gottes
-und des Erl&ouml;sers, die sie zu f&uuml;rchten und lieben gelernt
-hatten, ert&ouml;nen lie&szlig;en.</p>
-
-<p>Die Indianer scheinen sehr z&auml;rtliche Eltern zu sein;
-es ist erfreulich, die liebevolle Weise zu sehen, wie sie die
-kleinen Kinder behandeln, ihre Blicke str&ouml;men, wenn sie
-dieselben liebkosen, von Z&auml;rtlichkeit und Freude. W&auml;hrend
-des Gesanges kroch jede Papouse zu den F&uuml;&szlig;en
-ihrer Aeltern, und diejenigen, welche noch zu jung waren,
-um ihre Stimmen mit dem kleinen Chor vereinigen zu
-k&ouml;nnen, verharrten von Anfang bis zu Ende in der tiefsten
-Stille. Ein kleines M&auml;dchen, eine dicke braune
-Trutschel von drei Jahren, schlug den Tact auf ihres
-Vaters Knien, und mengte von Zeit zu Zeit ihre kindliche
-Stimme ein; jedenfalls besa&szlig; sie ein gutes Ohr und
-nat&uuml;rliche Anlage zur Musik.</p>
-
-<p>Ich konnte nicht begreifen, wo die Indianer ihre
-Vorr&auml;the, Kleider und andre bewegliche Artikel aufbewahrten,
-da der Wigwam so klein war, da&szlig; au&szlig;er f&uuml;r
-ihre Person und ihre Hunde, kein Platz vorhanden zu
-sein schien. Ihr Erfindungsgeist hatte ihnen inde&szlig; f&uuml;r
-den Mangel an Raum Ersatz geleistet, und ich entdeckte
-bald eine Einrichtung, die dem Zweck von Verschl&uuml;ssen,
-S&auml;cken, Schachteln u. s. w. vollkommen entsprach, n&auml;mlich
-die innern Birkenrinden-Schichten waren so zwischen
-die Stangen, (welche das Gerippe der H&uuml;tte bedeckten)
-gezogen, da&szlig; sie rings herum Taschen bildeten; in diesen
-Taschen staken die Habe und Nahrungs-Vorr&auml;the der
-Bewohner: eine Abtheilung enthielt ged&ouml;rrtes Rehfleisch,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p235">[S. 235]</a></span>
-eine andre ged&ouml;rrte Fische, eine dritte einige flache Kuchen,
-welche sie, wie mir gesagt worden ist, auf eine ihnen eigenth&uuml;mliche
-Weise mittelst hei&szlig;er Asche, dar&uuml;ber und darunter,
-backen, die aber eben deshalb meines Bed&uuml;nkens dem
-Gaumen nicht sonderlich zusagen k&ouml;nnen; ihre Kleider,
-das Material zu ihren verschiednerlei Arbeiten, als Perlen,
-Spuhlen, Tuchfleckchen, Seide und tausend andre
-Kleinigkeiten nahmen die &uuml;brigen derartigen Beh&auml;lter ein.</p>
-
-<p>Trotz der ziemlich weiten Oeffnung nach oben war
-das Innere des Wigwams doch so hei&szlig;, da&szlig; ich kaum
-athmen konnte, und w&auml;hrend meines Aufenthalts darin
-alle T&uuml;cher ablegen mu&szlig;te. Ehe wir unsern Heimweg
-antraten, bestand der J&auml;ger darauf, uns ein Spiel zu
-zeigen, welches einige Aehnlichkeit mit unserm Bilboket
-(<em class="antiqua">cup and ball</em>) hat, aber complicirter ist, und mehr Beh&auml;ndigkeit
-erfordert; den Indianern machte unser Mangel
-an Geschicklichkeit offenbar nicht wenig Spa&szlig;. Au&szlig;erdem
-zeigten sie uns ein andres Spiel, (<em class="antiqua">nine-pins</em>) dem
-Kegelspiel einigerma&szlig;en verwandt, nur da&szlig; die Anzahl der
-in die Erde befestigten St&ouml;cke gr&ouml;&szlig;er war. Ich konnte
-unm&ouml;glich l&auml;nger bleiben, um die kleine Reihe St&ouml;cke
-umwerfen zu sehen, da die Hitze des Wigwams mich fast
-erstickte, und f&uuml;hlte mich ordentlich gl&uuml;cklich, als ich wieder
-frische Luft einathmen konnte.</p>
-
-<p>In einem andern Klima w&uuml;rde man sich schwerlich
-einem so pl&ouml;tzlichen und auffallenden Temperatur-Wechsel
-ohne eine starke Erk&auml;ltung aussetzen k&ouml;nnen, allein gl&uuml;cklicher
-Weise ist jenes fatale Uebel, <em class="antiqua">catch&eacute;e le cold</em>
-(Schnupfen), wie es die Franzosen nennen, in Canada
-nicht so vorherrschend als in der Heimath.</p>
-
-<p>Vor etwa zwanzig Jahren, als sich die brittischen
-Ansiedler, in Folge der Erinnerung an die w&auml;hrend des
-Freiheitskrieges ausge&uuml;bten Grausamkeiten, eines Gef&uuml;hls
-von Furcht vor den Indianern noch nicht ganz erwehren
-konnten, wurde eine arme Frau, die Wittwe eines Emigranten,
-welche auf einer Meierei in einem der d&uuml;nn
- <span class="pagenum"><a id="Page_p236">[S. 236]</a></span>
-bev&ouml;lkerten Gemeinde-Bezirke, jenseits des Ontario, wohnte,
-durch das pl&ouml;tzliche Erscheinen eines Indianers im Innern
-ihrer Blockh&uuml;tte erschreckt. Er hatte sich so still
-hineingeschlichen, da&szlig; er nicht eher bemerkt wurde, als
-bis er sich vor das prasselnde Feuer, der &uuml;berraschten
-Wittwe und ihren Kleinen gerade gegen&uuml;ber, gestellt hatte;
-nat&uuml;rlicher Weise zitterten die armen Kinder und zogen
-sich mit schlecht verheelter Furcht in den &auml;u&szlig;ersten Winkel
-der Stube zur&uuml;ck.</p>
-
-<p>Ohne auf die St&ouml;rung, welche sein Erscheinen verursachte,
-R&uuml;cksicht zu nehmen, fing der Indianer an, sich
-seiner Jagdkleider zu entledigen; hierauf band er seine
-nassen Mocassins los, die er zum Trocknen am Feuer
-aufhing, und gab deutlich seine Absicht zu verstehen, da&szlig;
-er unter dem Dache der Wittwe &uuml;bernachten wolle, indem
-es schon ziemlich dunkel sei, und der Schnee in
-schweren Schauern vom Himmel falle.</p>
-
-<p>Kaum wagend, einen h&ouml;rbaren Athemzug zu thun,
-bewachte die kleine Gruppe mit &auml;ngstlichen Blicken die
-Bewegungen ihres unwillkommnen Gastes. Denken Sie
-sich ihren Schreck, als sie ihn aus seinem G&uuml;rtel ein
-Jagdmesser hervorziehen und mit bed&auml;chtiger Miene dessen
-Schneide pr&uuml;fen sahen. Nach diesem unterwarf er seine
-lange Flinte und sein Tomahawk einer &auml;hnlichen Untersuchung.</p>
-
-<p>Die Verzweiflung der von Furcht und Schrecken bet&auml;ubten
-Mutter hatte jetzt ihre h&ouml;chste Stufe erreicht.
-Sie sah schon in Gedanken die grauenvoll verst&uuml;mmelten
-Leichname ihrer ermordeten Kinder an jenem Heerde,
-welcher so oft der Tummelplatz bei ihren unschuldigen
-Spielen gewesen war. Instinktm&auml;&szlig;ig faltete sie die zwei
-j&uuml;ngsten bei einer vorw&auml;rts gerichteten Bewegung des
-Indianers an ihre Brust und wollte sich eben, als er
-mit den gef&uuml;rchteten Waffen auf sie zuging, mit thr&auml;nenden
-Augen zu seinen F&uuml;&szlig;en niederwerfen und um
-Barmherzigkeit f&uuml;r sich und ihre kleinen Lieblinge flehen.
- <span class="pagenum"><a id="Page_p237">[S. 237]</a></span>
-Wie gro&szlig; aber war ihr Erstaunen und ihre Freude,
-als er mit sanfter friedfertiger Miene Flinte, Messer und
-Tomahawk neben ihr niederlegte und durch diese Handlung
-zeigte, da&szlig; er nichts Arges gegen sie im Schilde
-f&uuml;hre<a id="FNanchor_43_43"></a><a href="#Footnote_43_43" class="fnanchor">[43]</a>.</p>
-
-<p>Die Begnadigung eines zum Tode verurtheilten Verbrechers
-im Augenblick vor seiner Hinrichtung konnte
-nicht willkommner sein, als das friedfertige Benehmen des
-Indianers gegen die arme Wittwe. Voll Eifer, zu gleicher
-Zeit ihr Zutrauen und ihre Dankbarkeit zu &auml;u&szlig;ern,
-beeilte sie sich, dem nicht l&auml;nger gef&uuml;rchteten Gaste ein
-Mahl zu seiner Erfrischung zu bereiten, und von dem &auml;ltesten
-ihrer Kinder unterst&uuml;tzt, breitete sie ein frisches
-Betttuch &uuml;ber ihr eignes Lager, welches sie freudig dem
-Fremdlinge abtrat. Ein ausdrucksvolles &raquo;<em class="gesperrt">Hugh! hugh!</em>&laquo;
-war die Erwiederung auf diesen Beweis von Gastfreundschaft;
-als er aber Besitz von diesem, f&uuml;r ihn &uuml;ppigen
-Lager nahm, gerieth er in sichtbare Verlegenheit. Es
-war offenbar, da&szlig; der Indianer niemals ein europ&auml;isches
-Bett gesehen und noch weniger in einem geschlafen hatte.
-Nach genauer Untersuchung der Kissen und Bettdecken,
-welche einige Minuten dauerte, sprang er mit freudigem
-Lachen auf das weiche Lager, rollte sich wie ein Hund
-zusammen und war bald in tiefen Schlaf versunken.</p>
-
-<p>In der D&auml;mmerung des Morgens brach der Wilde
-wieder auf und nahm Abschied von der gastlichen H&uuml;tte.
-So oft er nachmals das Jagdrevier in der Nachbarschaft
-der Wittwe betrat, konnte diese mit Gewi&szlig;heit auf
-einen Besuch von ihm rechnen. Die Kinder, welche sich
-nicht l&auml;nger vor seinem geschw&auml;rzten Gesicht und seinen
- <span class="pagenum"><a id="Page_p238">[S. 238]</a></span>
-kriegerischen Waffen f&uuml;rchteten, dr&auml;ngten sich dann um
-ihn her, setzten sich auf seine Knie, bewunderten seine
-mit Federn geschm&uuml;ckte Pulver-Tasche, und betasteten
-die sch&ouml;n gestickte Scheide, welche sein Jagdmesser enthielt,
-oder die sauber gewirkten Mocassins und Bein-Bekleidung,
-w&auml;hrend er den kleinen Dingern den Kopf streichelte
-und seine Liebkosungen zwischen ihnen und seinen
-Jagdhunden theilte.</p>
-
-<p>So lautet die Geschichte, welche mir ein junger Mission&auml;r
-erz&auml;hlte. Ich habe dieselbe mitgetheilt, weil sie mir als
-Charakterschilderung eines H&auml;uptlings dieses merkw&uuml;rdigen
-V&ouml;lkerstammes nicht uninteressant schien. <em class="gesperrt">Chiboya</em> (so
-hie&szlig; der eben erw&auml;hnte Wilde) war einer der Chippewas
-vom Reis-See, deren Mehrzahl gegenw&auml;rtig zum Christenthum
-bekehrt ist und in der Gesittung und Ackerbaukunde
-betr&auml;chtliche Fortschritte macht. Jagd und Fischerei
-scheinen inde&szlig; ihre Lieblingsbesch&auml;ftigungen zu sein; diesen
-nachzuh&auml;ngen, verlassen sie die bequemen H&auml;user der Indianer-D&ouml;rfer
-und kehren zu bestimmten Zeiten im Jahre
-nach ihren Jagdrevieren im Walde zur&uuml;ck. Irr' ich nicht,
-so ist man allgemein der Meinung, da&szlig; ihre Zahl abnimmt,
-und einige St&auml;mme in Canada sind ziemlich, wo
-nicht ganz und gar, ausgetilgt<a id="FNanchor_44_44"></a><a href="#Footnote_44_44" class="fnanchor">[44]</a>. Die Rasse verschwindet
-langsam von der Erde oder vermischt sich allm&auml;lig
-mit den Colonisten, und vielleicht d&uuml;rften nach Verlauf
-einiger Jahrhunderte kaum noch ihre Namen bekannt sein,
-um von ihrer ehemaligen Existenz Zeugni&szlig; zu geben.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p239">[S. 239]</a></span></p>
-
-<p>Wenn Sie das n&auml;chste Mal ein Kistchen oder P&auml;ckchen
-senden, so f&uuml;gen Sie doch gef&auml;lligst einige gute Gesangb&uuml;cher
-bei, denn ein solches Geschenk ist den bekehrten
-Indianern besonders willkommen. Ich lege das
-religi&ouml;se Lied bei, welches sie uns an jenem Abend in dem
-Wigwam sangen; es ist die indianische Uebersetzung und
-von dem &auml;ltesten Sohn des J&auml;gers <em class="gesperrt">Peter</em> geschrieben;
-er war sehr erfreut, als ich ihm sagte, da&szlig; ich es von
-ihm copirt zu erhalten w&uuml;nschte, weil ich es &uuml;ber Meer
-in mein Vaterland zu senden gesonnen sei, um den Engl&auml;ndern
-zu zeigen, wie gut die Indianer schreiben k&ouml;nnen.</p>
-
-<p>Der Kr&uuml;pel <em class="gesperrt">Maquin</em> hat mir ein Miniatur-Canoe
-von Birken-Rinde gemacht, welches ich ebenfalls
-als eine Merkw&uuml;rdigkeit und ein kleines Andenken f&uuml;r
-Sie beif&uuml;ge. Die rothen und schwarzen Kaninchen-Felle
-sind f&uuml;r <em class="gesperrt">Hannchen</em>; die Feder-F&auml;cher und Feder-Tapeten
-f&uuml;r <em class="gesperrt">Sarah</em>. Sagen Sie letztrer, da&szlig; ich meiner
-n&auml;chsten Sendung einige Exemplare unsers sch&ouml;nen Roth-Vogels
-zum Ausstopfen f&uuml;r sie beif&uuml;gen werde; es ist jedenfalls
-die virginische Nachtigall; er langt im Mai oder
-April an und verl&auml;&szlig;t uns sp&auml;t im Sommer; er gleicht
-ganz genau einer ausgestopften virginischen Nachtigall,
-die ich in einer sch&ouml;nen Sammlung von amerikanischen
-V&ouml;geln gesehen habe<a id="FNanchor_45_45"></a><a href="#Footnote_45_45" class="fnanchor">[45]</a>.</p>
-
-<p>Der blaue Vogel ist nicht weniger h&uuml;bsch und lieblich,
-und wandert ziemlich zu derselben Zeit; sein Gefieder
-ist himmelblau; allein ich habe noch nie einen au&szlig;er
-im Fluge gesehn, daher ich ihn nicht beschreiben kann<a id="FNanchor_46_46"></a><a href="#Footnote_46_46" class="fnanchor">[46]</a>.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p240">[S. 240]</a></span></p>
-
-<p>Die Kreuzschn&auml;bel sind allerliebste Thierchen; M&auml;nnchen
-und Weibchen sind in Farbe ganz verschieden von einander,
-ersteres zeigt ein angenehmes Gemisch von Scharlachroth
-und Orangengelb, welches, auf der Brust in Olivengr&uuml;n
-und Braun verl&auml;uft; letzteres gleicht mehr unsrer
-Goldammer, nur da&szlig; seine Farben nicht so gl&auml;nzend sind,
-und &uuml;berdies ist es weit sanfter und sieht unschuldiger und
-harmloser aus; sie kommen im Winter eben so traulich
-und furchtlos, wie die Rothkehlchen in der Heimath, an
-unsre Fenster und Th&uuml;ren.</p>
-
-<p>Bei Ann&auml;herung der strengen Jahreszeit ziehen die
-meisten unsrer V&ouml;gel fort; selbst das hohlt&ouml;nende Geh&auml;mmer
-des rothk&ouml;pfigen und des kleinen grau und wei&szlig;gefleckten
-Baumhackers wird nicht mehr vernommen. Das
-scharfe Geschrei des Eichh&ouml;rnchens ert&ouml;nt seltner; und
-Stille, unheimliche und ununterbrochne Stille herrschen
-im Herzen des Winters.</p>
-
-<p>Beinahe h&auml;tte ich meine kleinen Lieblinge vergessen,
-eine Meisen-Art, die uns nie ganz verl&auml;&szlig;t. An
-hellen warmen sonnigen Tagen sehen wir ganze Fl&uuml;ge
-dieser zarten V&ouml;gel sich auf den gefiederten Zweigen
-der Schierlings-Tannen oder strauchigen Fichten auf</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p241">[S. 241]</a></span></p>
-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/p241i.jpg" alt="Der rothe Sommer-Vogel." />
- </div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p242"></a></span></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p243">[S. 243]</a></span></p>
-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/p243i.jpg" alt="Der blaue Vogel." />
- </div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p244"></a></span></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p245">[S. 245]</a></span>
-den Ebnen oder im Walde schaukeln; und oft bin ich
-auf meinem Wege stehen geblieben, um ihren muntern
-Scherzen zuzuschauen und ihrem fr&ouml;hlichen Gezwitscher zu
-lauschen. Ich bin nicht ganz gewi&szlig;, glaube aber, da&szlig;
-dies der n&auml;mliche kleine Vogel ist, welchen die Eingebornen
-<em class="gesperrt">Thit-a-be-bee</em> nennen; sein Gesang, obwohl
-schwach, und ziemlich einf&ouml;rmig, ist nicht unangenehm;
-und wir sch&auml;tzen ihn um so mehr, da er fast der einzige
-Vogel ist, der w&auml;hrend des Winters singt.</p>
-
-<p>Ich hatte viel von der Schnee-Ammer geh&ouml;rt, aber
-niemals eine gesehen, au&szlig;er vor Kurzem, und dann nicht
-nahe genug, um ihre Form und Farbe genau zu unterscheiden.
-Es war ein ungew&ouml;hnlich heitrer Tag, der
-Himmel wolkenlos, und die Luft fast warm, als mich bei
-einem Blick nach den See die Erscheinung einer Fichte
-hart am Ufer &uuml;berraschte; der Baum schien gleichsam
-mit silbernen Sternen bedeckt, die gegen den blauen Himmel
-gl&auml;nzten. Dieses mir neue Schauspiel erf&uuml;llte
-mich mit so gro&szlig;er Freude, da&szlig; ich hinaus lief, um die
-Sache n&auml;her ins Auge zu fassen; aber wer schildert mein
-Erstaunen! als meine Sterne s&auml;mtlich nach einem andern
-Baume flogen, wo sie durch das best&auml;ndige Flattern und
-Wedeln ihrer kleinen wei&szlig;en Fittige gegen das Sonnenlicht
-jene sch&ouml;ne Wirkung hervorbrachten, die zuerst meine
-Aufmerksamkeit erregt hatte; bald waren s&auml;mmtliche Fichten
-von diesen lieblichen Gesch&ouml;pfen gleichsam erleuchtet.
-Gegen Mittag zogen sie wieder fort und ich habe sie seitdem
-nur ein einziges Mal gesehn. Sie setzen sich nie
-auf die Erde oder einen niedrigen Baum oder Ast, daher
-ich sie nicht n&auml;her beobachten konnte.</p>
-
-<p>Von unsern Singv&ouml;geln sind das Rothkehlchen, die
-Amsel und ein kleines niedliches V&ouml;gelchen, das unserm
-gemeinen Zaunk&ouml;nig gleicht, diejenigen, womit ich am bekanntesten
-bin. Das canadische Rothkehlchen ist um Vieles
-gr&ouml;&szlig;er als unser heimathliches Rothkehlchen, es ist ein
-zu grober und gro&szlig;er Vogel, um unserm kleinen Liebling,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p246">[S. 246]</a></span>
-&raquo;dem Hausvogel mit dem rothen Brustlatz,&laquo; wie ihn Bischof
-<em class="gesperrt">Carey</em> in einem an <em class="gesperrt">Elisabeth</em>, Tochter <em class="gesperrt">Jakob's
-<em class="antiqua">I.</em></em>, bei ihrer Hochzeit mit dem ungl&uuml;cklichen Pfalzgrafen
-<em class="gesperrt">Friedrich</em>, gerichteten Sonnet nennt, zu gleichen.</p>
-
-<p>Der Gesang des canadischen Rothkehlchens ist keineswegs
-zu verachten; seine T&ouml;ne sind klar, angenehm
-und mannigfaltig; er besitzt denselben muntern lebhaften
-Charakter, wodurch sich der seines Namensverwandten auszeichnet;
-aber in ihren allgemeinen Gewohnheiten weichen
-beide V&ouml;gel sehr von einander ab. Das canadische Rothkehlchen
-zeigt sich weniger zutraulich gegen den Menschen,
-dagegen ist es mit seines Gleichen befreundeter; die
-Thierchen versammeln sich bald nach der Br&uuml;te-Zeit in
-ganzen Heerden und scheinen sehr gesellig und vertraulich
-unter einander; aber sie n&auml;hern sich selten oder niemals
-unsern Wohnungen. Die Brust des Vogels ist
-hellroth, der Kopf schwarz; der R&uuml;cken, so zu sagen,
-stahlblau oder schieferfarben; in Gr&ouml;&szlig;e gleicht er einer
-Drossel.</p>
-
-<p>Die Amsel ist vielleicht unser bester S&auml;nger, wenigstens
-meinem Geschmack nach; ihr Gesang giebt dem
-unsrer englischen Amsel nichts nach, dabei ist der Vogel
-selbst weit sch&ouml;ner von Gefieder, welches gl&auml;nzend, schillernd
-und gr&uuml;nlich schwarz ist. Der obere Fl&uuml;geltheil der ausgewachsenen
-m&auml;nnlichen Amsel ist lebhaft orangefarben;
-bei den j&uuml;ngern V&ouml;geln und beim Weibchen, welches
-leicht gefleckt ist, bemerkt man nichts davon.</p>
-
-<p class="pmb3">Gegen die Mitte des Sommers, wenn die Saaten
-zu reifen anfangen, versammeln sich diese V&ouml;gel in gro&szlig;en
-Heerden; ihre Pl&uuml;nderungen und Raubz&uuml;ge scheinen von
-den &auml;ltesten Gliedern der Familie geleitet und beaufsichtigt
-zu werden. Wollen sie sich auf ein Hafer- oder
-Weizen-Feld niederlassen, so stellen sie zwei oder drei
-Schildwachen aus, die bei Ann&auml;herung von Gefahr
-<em class="gesperrt">Dseck-dseck-dseck</em> schreien.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p247">[S. 247]</a></span></p>
-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/p247i.jpg" alt="Schnee-Ammern." />
- </div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p248">[S. 248]</a></span></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p249">[S. 249]</a></span>
-Diese Vorsicht scheint inde&szlig;
-&uuml;berfl&uuml;ssig und unn&ouml;thig zu sein, denn sie sind so
-verwegen, da&szlig; sie sich nicht leicht verscheuchen lassen, und
-fliegen sie ja auf, so geschieht es blos, um in geringer
-Entfernung wieder in dasselbe Feld einzufallen, oder sie
-begeben sich auf die B&auml;ume, wo ihre Vorposten Wache
-halten.</p>
-
-<p>Sie lassen zu Zeiten einen eigenth&uuml;mlichen kl&auml;glich
-t&ouml;nenden Lockruf vernehmen, der genau dem pl&ouml;tzlichen
-Erklingen einer Harfen-Saite gleicht und eine oder zwei
-Secunden lang an das Ohr schl&auml;gt. Wahrscheinlich
-machen sie davon Gebrauch, ihre zerstreuten Kameraden
-herbei zu rufen, da ich ihn nie vernommen habe, wenn
-sie alle beisammen waren. Bisweilen sa&szlig;en einige unweit
-unsrer Wohnung auf einem Baume am Rande des
-Sees und lie&szlig;en mich ihren Lockruf vernehmen; ich habe
-sie <em class="gesperrt">Harfner</em> (<em class="antiqua">harpers</em>) getauft. Ich werde Sie wohl
-mit meinen ornithologischen Skitzen erm&uuml;den, inde&szlig; mu&szlig;
-ich noch zwei oder drei V&ouml;gel anf&uuml;hren.</p>
-
-<p>Der wei&szlig;k&ouml;pfige Adler<a id="FNanchor_47_47"></a><a href="#Footnote_47_47" class="fnanchor">[47]</a> fliegt oft &uuml;ber unsre
- <span class="pagenum"><a id="Page_p250">[S. 250]</a></span>
-Ansiedlung, er hat dunkles Gefieder, der Leib und Kopf ist
-schneewei&szlig;. Den H&uuml;hnerh&ouml;fen f&uuml;gt er bisweilen Schaden
- <span class="pagenum"><a id="Page_p251">[S. 251]</a></span>
-zu; diejenigen, welche uns zu Gesicht kamen, verschm&auml;hten
-inde&szlig; dergleichen geringes Wildbret und schwebten
-in majest&auml;tischem Fluge &uuml;ber den See weg.</p>
-
-<p>Der Fisch-Falke streift gelegentlich &uuml;ber die vor unsern
-Blicken ausgebreitete Wasserfl&auml;che; Leute, welche dem
-weiter oben geschilderten Fischfang mit dem Speer nachh&auml;ngen,
-betrachten ihn als einen Feind.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p252">[S. 252]</a></span></p>
-
-<p>Au&szlig;erdem haben wir die Nacht- oder Musquito-Eule,
-welche auf die in den hohen Regionen schw&auml;rmenden
-Insekten Jagd macht, w&auml;hrend sie n&auml;her an der Erde
-von ganzen Schaaren gro&szlig;er Stechfliegen verfolgt wird;
-trotz ihrem Beistande setzt uns doch das abscheuliche Ungeziefer,
-ich meine die Musquitos und schwarzen Fliegen,
-unbarmherzig zu.</p>
-
-<p>Der rothk&ouml;pfige Specht<a id="FNanchor_48_48"></a><a href="#Footnote_48_48" class="fnanchor">[48]</a> zeichnet sich durch sein
- <span class="pagenum"><a id="Page_p253">[S. 253]</a></span>
-pr&auml;chtiges Gefieder aus, Kopf und Hals sind reich carmesinfarben;
-R&uuml;cken, Fl&uuml;gel und Brust theilen sich in
-Schneewei&szlig; und Pechschwarz. Das unaufh&ouml;rliche H&auml;mmern
-der Baumhacker und das gellende unharmonische
-Geschrei des blauen Hehers<a id="FNanchor_49_49"></a><a href="#Footnote_49_49" class="fnanchor">[49]</a> ert&ouml;nen, sobald v&ouml;lliger
- <span class="pagenum"><a id="Page_p254">[S. 254]</a></span>
-Fr&uuml;hling eingetreten ist, von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p255">[S. 255]</a></span></p>
-
-<p>Ich fand in letztem Fr&uuml;hjahr eine kleine Baumhacker-Familie
-recht behaglich in einer alten Fichte eingenistet,
-und zwar zwischen der Rinde und dem Stamme,
-wo erstere sich losgetrennt und einen hohlen Raum gelassen
-hatte, in welchem die alten V&ouml;gel ein weiches aber
-loses und keine gro&szlig;e Sorgfalt verrathendes Nest gebaut
-hatten; die niedlichen Gesch&ouml;pfe schienen recht gl&uuml;cklich, sie
-steckten gelegentlich ihre possirlichen kahlen K&ouml;pfchen hervor,
-um die Aeltern zu begr&uuml;&szlig;en, welche die alten B&auml;ume
-in der Nachbarschaft entrindeten und Futter f&uuml;r ihre kleine
-Familie sammelten, sie betrieben ihr Werk mit demselben
-Eifer, wie eben so viele flei&szlig;ige Zimmerleute.</p>
-
-<p>Ein h&ouml;chst seltsames Nest erhielt ich von einem unsrer
-Holzf&auml;ller; es war &uuml;ber eine Zweig-Gabel gebaut
-und schien gleichsam mit grauem Zwirn oder d&uuml;nnem
-Bindfaden an den Ast gen&auml;ht zu sein. Es war blos
-auf den beiden Seiten, welche den Winkel bildeten, gesichert,
-aber so gut befestigt, da&szlig; es jedem m&auml;&szlig;igen Gewicht oder
-Druck Widerstand geleistet haben d&uuml;rfte; es bestand aus
-den Fasern der Bastbaum-Rinde, die sehr fadig ist und
-sich sehr d&uuml;nn ausziehen l&auml;&szlig;t; mit einem Wort, es
-war ein seltsames Beispiel von dem Mutterwitz der kleinen
-Bauk&uuml;nstler. Ich konnte letztere nicht entdecken,
-allein wahrscheinlich mochte es ein Werk meines kleinen
- <span class="pagenum"><a id="Page_p256">[S. 256]</a></span>
-Lieblings, der oben erw&auml;hnten, bei uns &uuml;berwinternden
-Meise (<em class="antiqua">tit-mouse</em>) sein.</p>
-
-<p><em class="gesperrt">Die n&auml;chste Abbildung stellt den Baltimore
-Feuervogel dar, der sein Nest gegen die
-Angriffe der schwarzen Schlange vertheidigt<a id="FNanchor_50_50"></a><a href="#Footnote_50_50" class="fnanchor">[50]</a>.</em></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p257">[S. 257]</a></span></p>
-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/p257i.jpg" alt="Der Baltimore-Feuervogel." />
- </div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p258"></a></span></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p259">[S. 259]</a></span></p>
-
-<p>Das Nest des canadischen Rothkehlchens, welches
-ich zuf&auml;llig entdeckte, als ich nach einem H&uuml;hner-Neste
- <span class="pagenum"><a id="Page_p260">[S. 260]</a></span>
-in einem Reisig-Haufen, am fernsten Ende unsrer Ansiedlung,
-suchte, ist dem unsers heimathlichen Rothkehlchens
-sehr &auml;hnlich, jedoch gr&ouml;&szlig;er, da der Vogel selbst gr&ouml;&szlig;er ist,
-und auch in den Materialien etwas verschieden; die Eier,
-f&uuml;nf an Zahl, waren dunkelblau.</p>
-
-<p>Bevor ich meinen ornithologischen Bericht schlie&szlig;e,
-mu&szlig; ich nochmals der kleinen H&auml;user erw&auml;hnen, welche
-die Amerikaner f&uuml;r die Schwalbe bauen; ich habe seitdem
-gefunden, da&szlig; sie hierzu einen sehr trifftigen Grund
-haben. Es scheint zwischen diesem n&uuml;tzlichen Vogel und
-dem St&ouml;&szlig;er-Geschlecht die eingewurzeltste Antipathie zu
-bestehen, und kein Habicht mag in seiner Nachbarschaft
-bleiben; die Schwalben verfolgen diesen R&auml;uber meilenweit,
-und necken und qu&auml;len ihn dabei auf jede nur
-m&ouml;gliche Weise, wie einen b&ouml;sen Genius; es ist h&ouml;chst
-merkw&uuml;rdig, da&szlig; ein kleines Gesch&ouml;pf, wie die Schwalbe,
-einen so vielen Vogel-Arten furchtbaren Feind dergestalt
-vertreibt. Ich w&uuml;rde nicht recht daran geglaubt haben,
-h&auml;tte ich mich nicht selbst von der Wahrheit der Sache
-&uuml;berzeugt.</p>
-
-<p>Ich sah an einem sch&ouml;nen heitern Sommertage
-aus dem Fenster einen gro&szlig;en Raubvogel langsamen
-Fluges l&auml;ngs dem See hinstreichen; der arme Kerl
-stie&szlig; schreiende Klaglaute aus; etwa zwei Schritt von
-ihm bemerkte ich einen kleinen Vogel, &mdash; in der Entfernung
-erschien er mir sehr klein, &mdash; der ihn hart verfolgte
-und ebenfalls schrie. Ich sah dem seltsamen Paare
-nach, bis es hinter dem Fichten-Walde meinen Augen entschwand;
- <span class="pagenum"><a id="Page_p261">[S. 261]</a></span>
-so oft ich mich an diese merkw&uuml;rdige Erscheinung
-erinnerte, wurde meine Verwunderung von neuem rege; endlich
-erfuhr ich den Grund von einem sehr gebildeten Franzosen,
-welcher durch Canada reiste, die Sache erkl&auml;rte und
-zugleich bemerkte, da&szlig; diese kleinen V&ouml;gel sehr gesch&auml;tzt
-seien, und da&szlig; man sehr viel daf&uuml;r bezahle, um sie in die
-verschiednen Theile der Provinz zu versenden. Sie verlassen,
-sobald sie einmal einheimisch geworden, niemals
-ihre alten Reviere, und die n&auml;mlichen P&auml;rchen kehren
-Jahr f&uuml;r Jahr nach ihrer alten Wohnung zur&uuml;ck.</p>
-
-<p>Der Umstand, da&szlig; diese Schwalben den St&ouml;&szlig;er aus
-ihrem Reviere vertreiben, verdient alle Aufmerksamkeit,
-da er hinl&auml;nglich verb&uuml;rgt ist, und als ein neuer Beweis
-f&uuml;r den von Naturkundigen ger&uuml;hmten vorz&uuml;glichen Instinkt
-derselben gelten kann.</p>
-
-<p class="pmb3">Ich habe inde&szlig; so viele Seiten vollgeschrieben, da&szlig;
-ich f&uuml;rchten mu&szlig;, mein langer Brief werde Sie langweilen.
-Adieu.</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-
-<div class="block0">
-<div class="footnotes"><b>Fu&szlig;noten:</b>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_40_40"></a><a href="#FNanchor_40_40"><span class="label">[40]</span></a> Oculisten verwerfen gef&auml;rbte Brillen-Gl&auml;ser, schwachen
-Augen wegen der Hitze, welche sie erzeugen, als nachtheilig.
-Gr&uuml;n oder blau gef&auml;rbte Gl&auml;ser sind hier vorzuziehen.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_41_41"></a><a href="#FNanchor_41_41"><span class="label">[41]</span></a> Anspielung auf ein Abentheuer im <em class="antiqua">Vicar of Wakefield</em>.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_42_42"></a><a href="#FNanchor_42_42"><span class="label">[42]</span></a> Anspielung auf <em class="gesperrt">Sindbad's</em> Reisen in Tausend und
-einer Nacht.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_43_43"></a><a href="#FNanchor_43_43"><span class="label">[43]</span></a> Es ist gegenw&auml;rtig fast unab&auml;nderlich Sitte unter den
-Indianern, da&szlig; sie bei dem Eintritt in ein Wohnhaus alle ihre
-Waffen, als Flinte, Tomahawk u. s. w. vor der Th&uuml;r niederlegen,
-selbst wenn das Wetter noch so na&szlig; ist; denn sie halten
-es f&uuml;r unh&ouml;flich, eine befreundete Wohnung bewaffnet zu betreten.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_44_44"></a><a href="#FNanchor_44_44"><span class="label">[44]</span></a> Bekanntlich hat die Nord-West Compagnie eine Sch&auml;tzung
-s&auml;mmtlicher St&auml;mme vorgenommen, woraus sich ergeben,
-da&szlig; die ganze indianische Bev&ouml;lkerung jenes unerme&szlig;lichen Continents
-sich gegenw&auml;rtig nicht &uuml;ber hunderttausend Seelen bel&auml;uft.
-In einer Parlaments-Urkunde von 1834 ist die Gesammtzahl
-der Indianer von Unter-Canada auf 3437 und die
-von Ober-Canada auf 13,700 K&ouml;pfe bestimmt; die letztere soll
-die Indianer am Huronen-See und nach Westen zu in sich begreifen. &mdash;</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_45_45"></a><a href="#FNanchor_45_45"><span class="label">[45]</span></a> Der rothe Sommervogel (<em class="antiqua"><em class="gesperrt">Tanagra aestiva, Wilson</em></em>)
-baut in den W&auml;ldern auf die horizontalen Aeste noch nicht
-ausgewachsener B&auml;ume, z. B. eines Epheubaums, zehn oder
-zw&ouml;lf Fu&szlig; von der Erde entfernt, die Au&szlig;enseite seines Nestes
-versieht er mit einem Geflecht von Pflanzenstengeln und d&uuml;rrem
-Flachs und kleidet es inwendig mit feinem Grase aus.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_46_46"></a><a href="#FNanchor_46_46"><span class="label">[46]</span></a> Der <em class="gesperrt">blaue Vogel</em> (<em class="antiqua"><em class="gesperrt">Sialia Wilsonii, Swains.</em></em>),
-wovon bereits in einer fr&uuml;heren Anmerkung die Rede gewesen,
-erscheint bisweilen schon im Februar in Scheunen, Obstg&auml;rten
-und Einpf&auml;hlungen, und erinnert uns sowohl durch seine Gestalt
-als durch seine Gewohnheiten und Lebensweise an unser Rothkehlchen
-(<em class="antiqua"><em class="gesperrt">Sylvia rubecula</em></em>).</p>
-
-<p>&raquo;In der That hat der amerikanische Vogel ebenfalls eine
-rothe Brust, allein der ganze obre Theil des K&ouml;rpers ist von
-sch&ouml;ner blauer Farbe und verleiht dem Vogel ein prachtvolleres
-Cost&uuml;m, als das schlichte Olivenbraun unserm kleinen Liebling.
-Bei ihrer ersten Ankunft im Fr&uuml;hjahr statten die blauen V&ouml;gel
-dem Kasten im Garten oder in der H&ouml;hle eines alten Aepfelbaums,
-der Wiege einiger Generationen ihrer Vorg&auml;nger, eine
-fr&uuml;hzeitige Visite ab, und machen damit den Anfang, da&szlig; sie
-das alte Nest reinigen, und den Unrath und das Ger&uuml;ll vom
-vorigen Jahre ausr&auml;umen, worauf sie es zur Aufnahme ihrer
-k&uuml;nftigen Abk&ouml;mmlinge vorbereiten.&laquo;</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_47_47"></a><a href="#FNanchor_47_47"><span class="label">[47]</span></a> Der wei&szlig;k&ouml;pfige Adler (<em class="antiqua"><em class="gesperrt">Haliaetus leucocephalus</em></em>)
-kommt, nach <em class="gesperrt">Hutchins</em>, im May, in der Gegend der
-Hudson's bay an, er baut auf die h&ouml;chsten B&auml;ume und bereitet
-ein ziemlich gro&szlig;es Nest, aus St&uuml;cken Gras, Torf, Schutt und
-&auml;hnlichem Ger&uuml;lle, er w&auml;hlt zu diesem Behuf einen sehr hohen
-Baum, in der Regel eine Fichte oder Cypresse, und macht eine
-lange Periode hindurch Jahr f&uuml;r Jahr von demselben Neste
-Gebrauch. Die Adler, welche <em class="gesperrt">Abbot</em> beobachtet hat, bauten
-ein gro&szlig;es compactes Nest, bisweilen auf hohe Cypressen-B&auml;ume
-und andere Male wiederum auf Felsen. Die beste Beschreibung
-aber, die uns zu Gesicht gekommen ist, haben <em class="gesperrt">Wilson</em> und
-<em class="gesperrt">Ord</em> in der <em class="antiqua">American Ornithology</em> geliefert.</p>
-<p>&raquo;Im Monat May,&laquo; sagt <em class="gesperrt">Wilson</em>, &raquo;als ich auf einer
-Jagdparthie an der Seek&uuml;ste, nicht weit von Great Egg-Harbour,
-in Begleitung meines Freundes <em class="gesperrt">Ord</em> hinstrich, wurden
-wir von unserm Wegweiser ungef&auml;hr eine englische Meile tief
-in die W&auml;lder gef&uuml;hrt, um ein Seeadlernest zu sehen. Als wir
-uns dem Orte bis auf eine kleine Entfernung gen&auml;hert, sahen
-wir den Vogel, sich langsam vom Neste zur&uuml;ckziehen, welches
-mitten auf dem Gipfel einer sehr gro&szlig;en gelben Fichte (<em class="antiqua">yellow
-pine</em>) erbaut war. Das Holz war mehre Ruthen im Umkreise
-gef&auml;llt und weggeschafft worden, ein Umstand, der dem
-stattlichen, geraden Stamme, so wie den gro&szlig;en, gekr&uuml;mmten
-Aesten des Baumes, worauf eine schwarze Masse von St&ouml;cken
-und Reisholz ruhte, einen eigenth&uuml;mlichen und malerischen Anblick
-verlieh. Unser F&uuml;hrer hatte eine Axt mit sich genommen,
-um den Baum zu f&auml;llen; mein Begleiter aber, &auml;ngstlich bem&uuml;ht,
-die Eier oder Jungen zu erhalten, bestand darauf, den Baum
-zu ersteigen, was er auch furchtlos ausf&uuml;hrte, w&auml;hrend ich und
-der F&uuml;hrer unsern Stand unter dem Baume nahmen, bereit,
-den k&uuml;hnen Kletterer, im Fall eines Angriffs von den alten
-Adlern, zu vertheidigen. Inde&szlig; wurde kein Widerstand geleistet;
-leider aber fand <em class="gesperrt">Ord</em> das Nest, als er es erreicht, zu unserm
-gr&ouml;&szlig;ten Mi&szlig;vergn&uuml;gen, leer. Es war aus gro&szlig;en St&ouml;cken, deren
-mehre einige Fu&szlig; ma&szlig;en, erbaut; inwendig lagen Erdschollen,
-Riethgras, Rasen, d&uuml;rres Schilf u. s. w., s&auml;mmtliche
-Materialien waren zu einer H&ouml;he von f&uuml;nf bis sechs Fu&szlig; angeh&auml;uft
-und nahmen &uuml;ber vier Fu&szlig; in der Breite ein; das Ganze
-war mit frischen Fichtenwipfeln &uuml;berkleidet und hatte nur eine
-geringe oder vielmehr gar keine Aush&ouml;hlung. Unter der Ueberkleidung
-lagen die frisch abgestreiften H&uuml;llen (Mauser) der jungen
-Brut des laufenden Jahres, nehmlich Schuppen von den
-Spulen, Federn, Flaum u. s. w. Unser F&uuml;hrer war sp&auml;t im
-Februar an dieser Stelle vorbeigekommen, zu welcher Zeit sowohl
-M&auml;nnchen als Weibchen ein gro&szlig;es Ger&auml;usch um das
-Nest machten; und aus dem, was wir sp&auml;ter erfuhren, ist es
-h&ouml;chst wahrscheinlich, da&szlig; es bereits in dieser fr&uuml;hen Jahreszeit
-Junge enthielt.</p>
-<p>&raquo;Im folgenden Jahre, am ersten M&auml;rz,&laquo; erz&auml;hlt <em class="gesperrt">Ord</em>,
-&raquo;nahm einer meiner Freunde aus dem nehmlichen Neste drei
-Eier, wovon die gr&ouml;&szlig;ten drei und ein viertel Zoll lang waren,
-im Durchmesser zwei und ein viertel, und im Umfange gegen
-sieben Zoll ma&szlig;en; sie wogen vier Unzen, f&uuml;nf Drachmen, (Apothekergewicht);
-sie waren schmuzig gelblich wei&szlig;, und nur eins
-hatte eine sehr bla&szlig;bl&auml;ulich wei&szlig;e Farbe; die Jungen waren
-vollkommen ausgebildet. Die &auml;ngstliche Sorgfalt des Weibchens,
-die Eier zu erhalten, war so gro&szlig;, da&szlig; es das Nest nicht eher
-verlie&szlig;, als bis mehre Axtschl&auml;ge gegen den Baum gef&uuml;hrt
-worden waren.&laquo;</p>
-<p>&raquo;Einige englische Meilen von diesem Orte entfernt,&laquo; f&auml;hrt
-<em class="gesperrt">Wilson</em> fort, &raquo;befindet sich ein andres Adlernest, welches ebenfalls
-auf einer Fichte erbaut ist, die, nach eingezogner Erkundigung
-vom Eigenth&uuml;mer der Holzung, dieser Adler-Familie seit
-langer Zeit zur Wohnung gedient hatte. Den Baum, worauf
-das Nest urspr&uuml;nglich erbaut war, hatten diese Adler seit undenklichen
-Zeiten, oder wenigstens so lange als er sich erinnern
-konnte, inne gehabt. Einige von seinen S&ouml;hnen f&auml;llten die
-Fichte, um die Jungen zu erlangen, deren Zahl sich auf zwei
-belief, bald darauf begann der Adler auf den unmittelbar daneben
-stehenden Baum ein neues Nest zu bauen, wodurch er eine
-gro&szlig;e Vorliebe f&uuml;r diesen Ort an den Tag legte. Der nehmliche
-Mann erz&auml;hlte uns, da&szlig; die Adler zu jeder Jahreszeit hier
-ihre Ruhest&auml;tte und Wohnung haben. Ueberdies behauptete er,
-da&szlig; die grauen oder Seeadler, die Jungen der wei&szlig;k&ouml;pfigen
-Adler w&auml;ren, und da&szlig; sie nicht eher zu br&uuml;ten anfingen, als bis
-sie einige Jahre alt geworden w&auml;ren. Der wei&szlig;k&ouml;pfige Adler
-treibt seine Jungen nicht aus dem Neste, wie der Osprei oder
-Fischaar (Flu&szlig;adler, Moosweih), sondern f&auml;hrt, nachdem sie es
-verlassen, noch lange fort, sie zu f&uuml;ttern.&laquo;</p>
-<p>
-Es hat den Anschein, als wenn diese Adler eine besondere
-Vorliebe f&uuml;r die N&auml;he von Wasserf&auml;llen hegten, da sie sich in
-gro&szlig;er Menge am Niagara-Falle aufhalten; und in <em class="gesperrt">Lewis</em>
-und <em class="gesperrt">Clark's</em> Reisebericht sto&szlig;en wir auf folgende Beschreibung
-eines solchen Adlernestes, welches die malerischen Effecte der
-gro&szlig;artigen Scenen an den F&auml;llen des Missouri nicht wenig erh&ouml;ht
-haben mag.</p>
-<p>&raquo;Gerade unter der obersten Spitze,&laquo; erz&auml;hlen die Reisenden,
-&raquo;befindet sich mitten im Flusse ein kleines holzreiches Eiland.
-Hier hatte ein Adler auf einem Baume (<em class="antiqua">Gossypium arboreum</em>)
-sein Nest errichtet und schien der unangefochtene Inhaber des
-Orts zu sein, dem seinen Besitz streitig zu machen, weder Menschen
-noch Thiere &uuml;ber die das Eiland umgebenden Strudel zu
-setzen wagten, da dasselbe noch &uuml;berdies durch den, von den F&auml;llen
-emporsteigenden Wasser-Nebel gesch&uuml;tzt ist.&laquo;?</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_48_48"></a><a href="#FNanchor_48_48"><span class="label">[48]</span></a> Dieser Vogel f&uuml;rchtet den Menschen so wenig, da&szlig; er
-nicht selten in die B&auml;ume nistet, welche in den St&auml;dten Amerikas
-auf den Stra&szlig;en wachsen. <em class="gesperrt">Wilson</em> fand mehre dieser
-Nester innerhalb der Grenzen der Stadt Philadelphia: zwei in
-dem Knopfholzbaum (<em class="antiqua"><em class="gesperrt">Platanus occidentalis</em></em>), und ein
-drittes in dem verwitterten Stamme einer Ulme. &raquo;Die alten
-V&ouml;gel,&laquo; sagt dieser Forscher, &raquo;machen, wie mich meine Beobachtung
-gelehrt hat, ihre Excursionen regelm&auml;&szlig;ig nach den &uuml;ber
-Schuylkill hinaus liegenden W&auml;ldern, ungef&auml;hr eine englische
-Meile von der Stadt, und beobachten beim Besuchen ihrer Nester
-gro&szlig;e Stille und Vorsicht; Ma&szlig;regeln, welche von solchen, die
-tiefer in den W&auml;ldern nisten, nicht so streng beobachtet werden,
-weil das Sp&auml;herauge des Menschen daselbst weniger zu f&uuml;rchten
-ist. Allein trotz der Sorgfalt, welche dieser Vogel, so wie die
-andern Arten der nehmlichen Gattung, anwendet, um seine Jungen
-durch die Auswahl einer sicheren Lage gegen die Nachstellungen
-von Verfolgern zu sichern, hat er es doch mit einem Todtfeinde
-zu thun, gegen dessen R&auml;ubereien ihm weder die H&ouml;he
-des Baumes noch die Tiefe der H&ouml;hle die mindeste Sicherheit
-gew&auml;hren. Dies ist die schwarze Schlange (<em class="antiqua"><em class="gesperrt">Coluber constrictor</em></em>),
-welche sich h&auml;ufig am Stamme des Baumes hinauf
-windet und, wie ein lauernder Wilder, in die H&ouml;hle des
-armen Spechtes dringt, trotz dem Geschrei und &auml;ngstlichen Flattern
-der Aeltern die Eier und h&uuml;lflosen Jungen verschlingt und,
-wenn es der Raum gestattet, sich an der Stelle, die sie eben
-erst einnahmen, zusammenrollt und daselbst einige Tage hindurch
-verharrt. Der wilde Schulknabe, nachdem er seinen Hals gewagt,
-um die H&ouml;hle des Spechtes zu erreichen, f&auml;hrt, wenn der
-Zeitpunkt des Triumphs, wo er das Nest f&uuml;r sichre Beute h&auml;lt
-und seinen entbl&ouml;&szlig;ten Arm in die H&ouml;hle steckt, beim Anblick der
-scheu&szlig;lichen Schlange erschrocken zur&uuml;ck, und st&uuml;rzt fast von seiner
-schwindelnden H&ouml;he herab, indem er mit &auml;ngstlicher Hast
-am Baume heruntergleitet. Ich habe von verschiedenen Abentheuern
-dieser Art geh&ouml;rt; und ein Fall zog ernste Folgen nach
-sich: Knabe und Schlange st&uuml;rzten nehmlich zugleich auf die
-Erde herab und ein Schenkelbruch und langes H&uuml;ten des Bettes
-heilten den Waghals von seinem ehrgeizigen Streben, Spechtnester
-zu pl&uuml;ndern, vollkommen.&laquo;</p></div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_49_49"></a><a href="#FNanchor_49_49"><span class="label">[49]</span></a> &raquo;Dieser sch&ouml;ne Vogel,&laquo; sagt <em class="gesperrt">Wilson</em>, &raquo;welcher, so viel ich
-dar&uuml;ber habe erfahren k&ouml;nnen, Nordamerika angeh&ouml;rt, zeichnet
-sich durch sein pr&auml;chtiges Kleid als eine Art von Elegant (<em class="antiqua">beau</em>)
-unter den befiederten Bewohnern unserer W&auml;lder aus, und macht
-sich, gleich den meisten Gecken, sowohl durch seine Geschw&auml;tzigkeit
-als auch durch die Manier seiner T&ouml;ne und Gebehrden noch
-bemerklicher. Der amerikanische Holzheher ist eilf Zoll lang,
-seinen Kopf ziert ein Kamm lichtblauer oder purpurfarbner Federn,
-welchen er nach Willk&uuml;hr emporrichten oder senken kann;
-eine schmale schwarze Linie zieht sich l&auml;ngs der Stirnbinde hin,
-erhebt sich auf beiden Seiten &uuml;ber die Augen, geht aber nicht
-&uuml;ber sie hinweg, wie <em class="gesperrt">Catesby</em> dies dargestellt hat, oder wie
-es <em class="gesperrt">Pennant</em> und mehre Andre beschrieben haben; der hintere
-und obere Theil des Halses ist sch&ouml;n hell purpurfarben, doch
-herrscht das Blau vor; ein schwarzer Kragen reicht vom Hinterhaupte
-mit einer zierlichen Kr&uuml;mmung auf jeder Seite &uuml;ber
-den Hals herab bis an den oberen Theil der Brust, wo er einen
-Halbmond bildet; Kinn, Backen, Kehle und Bauch sind wei&szlig;,
-die drei ersteren lichtblau gef&auml;rbt; die gr&ouml;&szlig;eren Fl&uuml;gel-Decken
-sind reich blau, die &auml;u&szlig;eren Fahnen der ersten Federn lichtblau,
-die der zweiten dunkel purpurfarben, mit Ausnahme der drei
-dem K&ouml;rper zun&auml;chst befindlichen, welche gl&auml;nzend lichtblau sind;
-alle diese, ausgenommen die ersten, sind prachtvoll mit schwarzen
-Halbmonden der Quere nach gestreift und wei&szlig; get&uuml;pfelt;
-die inneren Seiten der Fl&uuml;gelfedern sind dunkelschwarz; der
-Schwanz ist lang und keilf&ouml;rmig gestaltet und besteht aus zw&ouml;lf
-gl&auml;nzend lichtblauen, in halbzolligen Entfernungen mit schwarzen
-bogenartigen Querstreifen gezeichneten Federn; jede Feder
-ist wei&szlig; get&uuml;pfelt, mit Ausnahme der zwei mittelsten, welche
-nach den &auml;u&szlig;ersten Enden zu in eine dunkle Purpurfarbe verlaufen;
-Brust und Seiten, unter den Fl&uuml;geln, sind schmuzig
-wei&szlig; und mit Purpur gefleckt; die innre Seite des Mundes,
-Zunge, Schnabel, Beine und Krallen sind schwarz; die Regenbogenhaut
-des Auges ist nu&szlig;braun.</p>
-<p>&raquo;Ein blauer Holzheher,&laquo; f&auml;hrt <em class="gesperrt">Wilson</em> fort, &raquo;den ich
-seit einiger Zeit gefangen gehalten, und mit dem ich in gro&szlig;er
-Vertraulichkeit lebe, ist ein wahres Muster von mildem Charakter
-und geselligen Sitten. Ein g&uuml;nstiger Zufall im Walde
-brachte mich zuerst in Besitz dieses Vogels, als er noch sein volles
-Gefieder hatte und noch voller Gesundheit und Muth war;
-ich nahm ihn mit mir nach Hause und steckte ihn in einen K&auml;fig,
-den bereits ein goldgefl&uuml;gelter Specht einnahm; hier wurde
-er aber so grob empfangen und erhielt von dem Inhaber des
-K&auml;figs daf&uuml;r, da&szlig; er dessen Gebiet betreten, eine so harte Z&uuml;chtigung,
-da&szlig; ich mich, um sein Leben zu erhalten, gen&ouml;thigt sah,
-ihn wieder herauszunehmen. Ich setzte ihn hierauf in einen andern
-K&auml;fig, dessen einziger Besitzer ein gemeiner weiblicher B&uuml;lan
-(<em class="antiqua">orchard oriole</em>) war. Dieser gebehrdete sich ebenfalls unruhig,
-als beleidige und gef&auml;hrde ihn die Gegenwart des fremden
-Gastes; der Holzheher unterde&szlig; sa&szlig; stumm und bewegungslos
-auf dem Fu&szlig;boden des K&auml;figs, entweder zweifelhaft &uuml;ber
-seine eigene Lage, oder in der Absicht, seiner Nachbarin Zeit zur
-Beschwichtigung ihrer Furcht zu g&ouml;nnen. Und nach wenigen
-Minuten, nachdem sie verschiedene drohende Gebehrden entfaltet
-(gleich einigen Indianern bei ihren ersten Zukammenk&uuml;nften mit
-den Wei&szlig;en), begann sie, sich demselben zu n&auml;hern, jedoch mit
-gro&szlig;er Vorsicht, und zum schnellen R&uuml;ckzug bereit. Da sie jedoch
-sah, da&szlig; der Holzheher anfing, auf eine friedfertige und
-dem&uuml;thige Weise einige zerbr&ouml;ckelte St&uuml;ckchen Kastanie aufzupicken,
-stieg sie ebenfalls herab und that das Nehmliche, drehete
-sich aber, bei der leichtesten Bewegung ihres neuen Gastes, diesem
-entgegen und setzte sich in Vertheidigungsstand. Jedoch ehe
-es Abend geworden, war alle diese ceremoni&ouml;se Eifers&uuml;chtelei
-verschwunden, und sie wohnen, fressen und spielen jetzt zusammen,
-in vollkommner Eintracht und guter Laune.</p>
-<p>&raquo;Wenn der Holzheher trinken will, springt seine Tischgenossin
-keck und dreist in das Wasser, um sich zu baden, und
-schleudert es in Schauern &uuml;ber ihren Gef&auml;hrten, der sich dies
-ganz geduldig gefallen l&auml;&szlig;t, und nur dann und wann wagt, etwas
-davon zu schl&uuml;rfen, ohne das geringste Zeichen von Unwillen
-oder Empfindlichkeit zu verrathen. Im Gegentheil scheint er
-sich &uuml;ber seine kleine Mitgefangene zu freuen, indem er ihr erlaubt,
-sich an seinen Backenbart zu h&auml;ngen, (was sie sehr sanft
-macht) und seine Krallen von zuf&auml;llig daran h&auml;ngenden Kastanienbr&ouml;ckchen
-zu reinigen. Diese Anh&auml;nglichkeit von der einen,
-und diese freundliche Nachgiebigkeit von der andern Seite, d&uuml;rften
-vielleicht zum Theil die Wirkung des wechselseitigen Mi&szlig;geschicks
-sein, welches, wie die Erfahrung lehrt, nicht blos Menschen
-an einander anschlie&szlig;t, sondern auch manche Thierarten
-enger mit einander verbindet. Auch zeigt dieses Beispiel, da&szlig;
-der blaue Holzheher ein leicht bez&auml;hmbares Naturell besitzt und
-f&auml;hig ist, Zuneigung und z&auml;rtliche Gef&uuml;hle, selbst f&uuml;r solche V&ouml;gel
-zu hegen, die er im nat&uuml;rlichen Zustande ohne Bedenken zu
-seiner Speise w&auml;hlen w&uuml;rde.&laquo;</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_50_50"></a><a href="#FNanchor_50_50"><span class="label">[50]</span></a> Das Nest des Feuervogels ist von mehren Ornithologen
-geschildert worden. <em class="gesperrt">Latham</em>, welcher von <em class="gesperrt">Wilson's</em> wundervoller
-Beschreibung wesentlich abweicht, sagt: &raquo;das Nest ist aus
-einer flaumartigen, zu F&auml;den gedrehten Substanz locker gebaut,
-und hat ziemlich die Gestalt einer B&ouml;rse, welche an die &auml;u&szlig;erste
-Gabel eines Tulpenbaums, einer Platane oder eines Hiccory-Baums
-befestigt ist.&laquo; <em class="gesperrt">Montbeillard</em> ist noch k&uuml;rzer in seinen
-Bemerkungen &uuml;ber diesen interessanten Bau. Wir wollen
-hier <em class="gesperrt">Wilson's</em> Beschreibung von Anfang bis zu Ende mittheilen.</p>
-<p>&raquo;Fast die ganze Gattung der Pirole (B&uuml;laus),&laquo; sagt dieser
-Beobachter, &raquo;geh&ouml;rt Amerika an, und alle bauen, mit wenigen
-Ausnahmen, schwebende Nester. Nur wenige aber kommen in
-der Bauart dieser Wohnst&auml;tten f&uuml;r die Jungen dem Baltimore-Vogel
-gleich, welcher seinem Neste vor allen ihm verwandten
-Arten Bequemlichkeit, W&auml;rme und Sicherheit zu geben wei&szlig;.
-Zu diesem Behufe w&auml;hlt er die hohen, herabh&auml;ngenden Zweigspitzen
-und befestigt starke, feste F&auml;den von Hanf oder Flachs
-um zwei der beabsichtigten Weite des Nestes entsprechende Gabelzweige;
-aus den nehmlichen Materialien, die mit lockerem
-Werge vermengt sind, webt oder fabricirt er eine starke, feste
-Art Filz, welcher gewisserma&szlig;en der Substanz eines noch rohen
-Hutes gleicht und den er zu einem sechs bis sieben Zoll tiefen
-Beutel gestaltet; inwendig f&uuml;ttert er das Nest reichlich mit verschiednen
-weichen und dem &auml;u&szlig;eren Netzwerk geh&ouml;rig eingewobenen
-Substanzen, und kleidet es endlich mit einer Lage von Ro&szlig;haaren
-aus; das Ganze ist gegen Sonne und Regen durch ein nat&uuml;rliches
-Wetterdach oder einen Bl&auml;tter-Baldachin gesch&uuml;tzt.
-Was die Oeffnung anlangt, welche der Vogel, nach <em class="gesperrt">Pennant</em>
-und andern Schriftstellern, auf der Seite f&uuml;r die Jungen sowohl
-zur F&uuml;tterung als Entfernung der Excremente lassen soll, ist auf
-jeden Fall ein Irrthum. Ich meines Theils habe nie ein solches
-Loch in der Nestwand des Baltimore-Vogels gefunden.
-Wiewohl V&ouml;gel der nehmlichen Art im Allgemeinen eine gemeinschaftliche
-Form beim Bauen ihres Nestes beobachten, so bauen
-sie doch nicht, wie man gew&ouml;hnlich glaubt, auf dieselbe Weise.
-Die Baltimore-V&ouml;gel unterscheiden sich eben so sehr durch Styl,
-Sauberkeit und Ausf&uuml;hrung ihrer Nester als durch ihre Stimme.
-Einige scheinen vor allen andern geschickte Arbeiter zu sein und
-wahrscheinlich nehmen sie an Kunstfertigkeit eben so wie an
-Farbenpracht mit den Jahren zu. Ich habe jetzt eine Anzahl
-ihrer Nester vor mir, s&auml;mmtlich vollendet und mit Eiern angef&uuml;llt.
-Eins derselben, das sauberste und netteste, hat die Gestalt
-eines Cylinders, ist f&uuml;nf Zoll weit, sieben Zoll tief und am
-Boden rund. Die oben befindliche Oeffnung ist durch einen
-horizontalen, ungef&auml;hr drittehalb Zoll breiten Deckel beschr&auml;nkt.
-Die Materialien sind Flachs, Hanf, Werg, Haare und Wolle,
-welche s&auml;mmtlich zu einer vollkommnen Art Tuch verwebt sind,
-das Ganze ist &uuml;berall sauber mit langen, mitunter zwei Fu&szlig;
-messenden Ro&szlig;haaren durchn&auml;ht. Der Boden besteht aus dicken
-Kuhhaar-Flocken und ist ebenfalls mit Ro&szlig;haaren durchn&auml;ht.
-Das eben beschriebne Nest hing an der Spitze eines horizontalen
-Apfelbaumzweiges, nach S&uuml;dost gerichtet; es war, obgleich
-im Schatten, in einer Entfernung von hundert Schritten sichtbar,
-und das Werk eines sehr sch&ouml;nen und vollkommnen Vogels.
-Es befinden sich f&uuml;nf wei&szlig;e, schwach fleischfarbne, am breiten
-Ende mit purpurnen Flecken, und an den &uuml;brigen Theilen mit
-langen Linien gezeichnete Eier darin, die Linien sind haarfein
-und durchschneiden sich in mannigfaltigen Richtungen. Ich bin
-deswegen in der Angabe dieser einzelnen Umst&auml;nde so ausf&uuml;hrlich,
-weil es mein Wunsch ist, den spezifischen Unterschied zwischen
-dem &auml;chten und Bastard-Baltimore-Vogel aufzustellen, da
-<em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Latham</em> und einige Andere der Meinung sind, da&szlig; beide
-V&ouml;gel einer und derselben Art angeh&ouml;ren und nur durch ihre
-verschiednen Farbenschattirungen von einander abweichen.</p>
-<p>&raquo;Der Baltimorevogel ist in der Br&uuml;tezeit so sehr besorgt,
-sich die geeigneten Materialien zu seinem Neste zu verschaffen,
-da&szlig; die im Lande wohnenden Frauen gen&ouml;thigt sind, ihr Garn
-und dergleichen, das sich zuf&auml;llig auf der Bleiche befindet, aufmerksam
-zu bewachen, eben so mu&szlig; der Pachter und Landmann
-seine jungen Pfropfreiser h&uuml;ten, weil dieser Vogel sowohl das
-Garn als auch die Materialien, womit die letzteren befestigt
-sind, seinem Endzweck entsprechend findet und oft wegholt; sollte
-jedoch das erste zu schwer und die letzteren zu fest gebunden
-sein, so zerrt er lange Zeit daran herum, bevor er seinen Versuch
-aufgiebt. Man hat nach dem Abfallen der Bl&auml;tter oft
-Str&auml;hne Seide und Zwirnf&auml;den um das Nest des Baltimore-
-Vogels h&auml;ngen sehen, die aber so verwebt und verschlungen waren,
-da&szlig; man sie durchaus nicht wieder herausfitzen konnte.
-Vor der Ankunft der Europ&auml;er konnten nat&uuml;rlicher Weise keine
-solche Materialien gew&auml;hlt werden, allein mit dem Scharfsinn
-eines guten Architekten hat das Thierchen diesen Umstand zu
-seinem Vortheil benutzt, und man findet die st&auml;rksten und besten
-Materialien stets in denjenigen Theilen, welche das Ganze
-tragen.&laquo; <em class="antiqua">Wilson's, Amer. Ornith. I. 26.</em></p>
-</div>
-</div>
-</div>
-
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p262">[S. 262]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="no-break" id="Vierzehnter_Brief">Vierzehnter Brief.</h2>
-</div>
-
-<blockquote>
-<p class="p1 font09">Nutzen botanischer Kenntnisse. &mdash; Das Feuerkraut (<em class="antiqua">fireweed</em>)
-Sarsaparilla-Pflanzen. &mdash; Pr&auml;chtige Wasser-Lilie. &mdash;
-Reis-Beete. &mdash; Indianische Erdbeere. &mdash; Scharlachfarbner Akelei
-(<em class="antiqua">Columbine</em>) &mdash; Farnkr&auml;uter. &mdash; Gr&auml;ser. &mdash;</p>
-</blockquote>
-
-<p class="p1 rright font09">
-Juli 13, 1834.<br />
-</p>
-
-<p>Der Winter scheint uns in diesem Jahre ziemlich
-zeitig verlassen zu wollen, zu Ende Februars war der
-Boden v&ouml;llig frei von Schnee, und den ganzen M&auml;rz hindurch
-hielt milde und freundliche Witterung an, jedoch
-nicht so warm und &uuml;berhaupt ver&auml;nderlicher als im
-vorigen Jahre. In der letzten April-Woche und zu Anfange
-Mai's waren s&auml;mmtliche Waldb&auml;ume belaubt und
-prangten im sch&ouml;nsten lieblichsten Gr&uuml;n.</p>
-
-<p>Am 14., 15. und 16. Mai wurde die Luft pl&ouml;tzlich
-kalt, ein scharfer Wind blies aus Nordwesten, und heftige
-Schnee-St&uuml;rme knickten die jungen Knospen und
-zerst&ouml;rten manche Fr&uuml;hsaat; gl&uuml;cklicher Weise hatten wir
-uns mit unserm S&auml;en nicht sehr beeilt, und dies war
-unter solchen Umst&auml;nden sehr gut.</p>
-
-<p>Unsre W&auml;lder und Lichtungen sind jetzt mit sch&ouml;nen
-Blumen gef&uuml;llt. Sie werden sich aus den getrockneten
-Exemplaren, die ich Ihnen &uuml;bersende, eine Vorstellung davon
-machen k&ouml;nnen. Sie werden darunter manche Lieblinge
-unsrer englischen G&auml;rten und Gew&auml;chsh&auml;user erkennen,
-welche die verschwenderische Hand der Natur nachl&auml;ssig
- <span class="pagenum"><a id="Page_p263">[S. 263]</a></span>
-in den canadischen W&auml;ldern und Wildnissen ausgestreut
-hat.</p>
-
-<p>Wie oft w&uuml;nsche ich Sie an meine Seite, wenn ich
-durch die W&auml;lder und Lichtungen streife; die Aufsuchung
-unsrer botanischen Sch&auml;tze w&uuml;rde Ihnen gro&szlig;e Freude gew&auml;hren.</p>
-
-<p>Ich bedaure jetzt nur zu sehr, da&szlig; ich, als ich noch
-in der Heimath war, Ihr g&uuml;tiges Anerbieten, mich im
-Blumenmalen unterrichten zu wollen, ausgeschlagen habe;
-Sie sagten mir damals oft, die Zeit w&uuml;rde kommen, wo
-ich Ursache haben d&uuml;rfte, die Vernachl&auml;ssigung der sich mir
-darbietenden g&uuml;nstigen Gelegenheit zu bereuen.</p>
-
-<p>Sie haben mir richtig prophezeiht; denn ich beklage
-jetzt t&auml;glich, da&szlig; ich Ihnen keine genauen Schilderungen
-von den Pflanzen meiner neuen Heimath geben oder
-denselben ihren Platz im System anweisen kann, wie Sie
-dies thun w&uuml;rden. Mit einigen derselben habe ich mich bekannt
-gemacht, jedoch traue ich meinen botanischen Kenntnissen
-zu wenig, um eine wissenschaftliche Beschreibung zu
-wagen; denn ich f&uuml;hle nur zu gut, da&szlig; ein Versto&szlig; leicht entdeckt
-werden, und da&szlig; ich, wollte ich mich mit Kenntnissen
-br&uuml;sten, die ich nicht besitze, mich l&auml;cherlich und ver&auml;chtlich
-machen w&uuml;rde. Das einzige botanische Werk, das
-mir zu Gebote steht, ist <em class="gesperrt">Pursh's</em> nordamerikanische
-Flora, aus welcher ich einige Belehrung gesch&ouml;pft habe;
-allein ich mu&szlig; gestehen, da&szlig; mir die Entzifferung der lateinischen
-Beschreibungen, da ich kein Latein verstehe, au&szlig;er
-was mich mein bischen Italienisch errathen l&auml;&szlig;t, viel
-M&uuml;he und Langeweile verursacht.</p>
-
-<p>Ich habe von den vorz&uuml;glichsten, der Aufmerksamkeit
-w&uuml;rdigsten Pflanzen in unsrer N&auml;he, ein Verzeichni&szlig;
-entworfen, es giebt inde&szlig; noch viele andere in dem Gemeinde-Bezirk,
-die mir fremd sind; von einigen derselben
-wei&szlig; ich nicht einmal die Namen. Ich f&uuml;ge von denjenigen
-Blumen, die mir am meisten gefallen, oder die
-sich durch irgend eine erw&auml;hnungswerthe Eigenschaft
- <span class="pagenum"><a id="Page_p264">[S. 264]</a></span>
-auszeichnen, eine leichte Skitze bei, aber nicht mit dem Pinsel
-sondern mit der Feder.</p>
-
-<p>Auf dem gelichteten Boden wachsen nicht mehr dieselben
-Pflanzen, welche fr&uuml;her, als er noch mit Waldb&auml;umen
-bedeckt war, darauf wucherten. Eine andre Pflanzen-Welt
-kommt zum Vorschein, sobald das Feuer den
-Boden gereinigt hat. Das N&auml;mliche l&auml;&szlig;t sich hinsichtlich
-unsrer Waldb&auml;ume sagen. So wie eine Generation abstirbt
-und verwittert, tritt eine neue, aber von ihr verschiedne
-an ihre Stelle. Ein zur Erl&auml;uterung dieses Umstandes
-dienendes Beispiel liefert das sogenannte Fichten-Fett,
-eine harzige Substanz, die man gew&ouml;hnlich an Orten
-findet, wo die lebende Fichte weniger h&auml;ufig w&auml;chst, und
-wo Eichen, Eschen, Ahorn u. s. w. den Boden einnehmen.</p>
-
-<p>Das Feuer-Kraut, eine Art schlanke Distel von
-niedrigem, unangenehmem Geruch, ist die erste Pflanze,
-welche erscheint, nachdem der Boden durch Feuer entwaldet
-ist; bleibt ein St&uuml;ck Land den ersten Sommer nach
-seiner Lichtung ungepfl&uuml;gt liegen, so schie&szlig;t im n&auml;chsten
-Fr&uuml;hjahr dieses Unkraut in dichten Massen hervor. Die
-n&auml;chste Pflanze, welche sich zeigt, ist der Sumach mit seinem
-flaumbedeckten Stengeln und sammetartigen hochrothen
-Blumen, die einen aufrecht stehenden stumpfen B&uuml;schel
-an den Zweigspitzen bilden; die Bl&auml;tter werden im Sp&auml;tsommer
-scharlachfarben. Dieser Strauch, wiewohl er sich
-sehr sch&ouml;n ausnimmt und recht wohl als Ziergew&auml;chs dienen
-kann, wird doch in alten Lichtungen als eine gro&szlig;e
-Plage betrachtet, weil seine Wurzeln ausschlagen und
-zahlreiche Sch&ouml;&szlig;linge treiben. Hierauf folgen die Brombeeren
-und die wilde Stachelbeere in gro&szlig;er Menge, und
-zahllose Erdbeer-Pflanzen von mancherlei Art &uuml;berziehen
-den Boden gleich einem Teppich und vermischen sich mit
-dem Gras der Weide. Ich sah mich dieses Fr&uuml;hjahr gen&ouml;thigt,
-mit schonungsloser Hand Hunderte von Sarsaparilla-Pflanzen,
-so wie auch den ber&uuml;hmten Ginseng, welcher
-in unsern W&auml;lder sehr h&auml;ufig ist, mit der Wurzel
- <span class="pagenum"><a id="Page_p265">[S. 265]</a></span>
-auszurei&szlig;en; der Ginseng war fr&uuml;herhin ein Ausfuhr-Artikel,
-den die Vereinigten Staaten nach China sendeten,
-weil seine Wurzel von den Chinesen besonders gesch&auml;tzt
-wird.</p>
-
-<p>Letzte Woche bemerkte ich eine saftige Pflanze, die
-auf einem trocknen sandigen Gange in meinem Garten
-den Boden durchbrochen hatte; sie scheint eine Art (<em class="antiqua">Mesembryanthemum</em> (?))
-zu sein; sie hat sich so schnell ausgebreitet,
-da&szlig; sie bereits einen ziemlichen Raum einnimmt.
-Die Zweige gehen von der Mitte der Pflanze aus und
-treiben aus jedem Gelenk Sch&ouml;&szlig;linge hervor. Die Bl&auml;tter
-sind mehr klein, dreikantig und zugespitzt, dick und
-saftig, wie die gew&ouml;hnlichen Sedum-Arten, wenn man sie
-quetscht, so flie&szlig;t eine gr&uuml;nliche Fl&uuml;ssigkeit aus. Die
-Stengel sind dick und rund, hellroth und kriechen an der
-Erde hin; die Bl&auml;tter entspringen aus den Gelenken, und
-mit ihnen in ununterbrochner Aufeinanderfolge gelbe Stern-Blumen,
-die sich ungef&auml;hr eine Stunde nach ihrer ersten
-Entfaltung wieder schlie&szlig;en. Ich werde Ihnen einige Samen
-von dieser Pflanze schicken, ich bemerkte n&auml;mlich eine
-Anzahl kleiner Schoten, die wie Knospen aussahen, aber,
-bei n&auml;herer Untersuchung sich als die Samenbeh&auml;lter erwiesen.
-Die Pflanze bedeckt den Erdboden gleich einer
-dicken Matte, und ist, wo ihr dieser zusagt, wie man mir
-sagt, ein l&auml;stiges Unkraut.</p>
-
-<p>Ich bedaure nur, da&szlig; ich unter meinen getrockneten
-Pflanzen nicht einige unsrer prachtvollen Wasser-Lilien
-und Iris-Arten erhalten konnte; allein sie waren zu gro&szlig;
-und zu saftig, um sich gut trocknen zu lassen. Da ich
-Ihnen diese meine Lieblinge nicht mitsenden kann, so will
-ich sie Ihnen wenigstens beschreiben.</p>
-
-<p>Die erste davon ist eine herrliche Wasser-Lilie, (<em class="antiqua">Nymphaea</em>)
-welche ich der Unterscheidung halber &raquo;<em class="gesperrt">K&ouml;nigin
-der Seen</em>&laquo; genannt habe, denn sie prangt gleich einer
-Krone auf den Gew&auml;ssern; diese pr&auml;chtige Blume gleicht
-in Umfang einer m&auml;&szlig;ig gro&szlig;en Dahlia, sie erscheint wie
- <span class="pagenum"><a id="Page_p266">[S. 266]</a></span>
-gef&uuml;llt, und jede Blumen-Bl&auml;tter-Reihe nimmt nach der
-Mitte zu allm&auml;lig an Gr&ouml;&szlig;e ab und geht in Farbe nach
-und nach von dem reinsten Wei&szlig; in das lichteste Citronengelb
-&uuml;ber. Die noch nicht entfalteten Bl&uuml;then nehmen
-sich sehr h&uuml;bsch aus, man kann sie unter der Oberfl&auml;che
-des Wassers auf verschiednen Stufen ihrer Entwickelung
-wahrnehmen: &mdash; von der noch v&ouml;llig geschlo&szlig;nen
-und in ihren olivengr&uuml;nen Kelch geh&uuml;llten Knospe bis zu
-der halb aufgeplatzten Blume, welche bereit ist, aus ihrem
-Wasser-Kerker hervorzutauchen und in all ihrer jugendlichen
-Sch&ouml;nheit ihren sch&ouml;nen wei&szlig;en Busen dem
-hellen Sonnenstrahl und der milden Luft zu entfalten.
-Aber die Sch&ouml;nheit der Blume ist nicht ihr einziger Liebreiz;
-sobald sie sich entfaltet hat, verbreitet sie einen reichen
-Wohlgeruch, dem von frischen Citronen nicht un&auml;hnlich.
-Nicht weniger Aufmerksamkeit verdienen die Bl&auml;tter: anfangs
-zeigen sie ein sch&ouml;nes Dunkelgr&uuml;n, aber mit dem
-Abwelken der Blume vertauschen sie diese Farbe nach und
-nach mit einem lebhaften Carmosin. Wo viele dergleichen
-Lilien dicht beisammen wachsen, verleihen sie der
-Wasserfl&auml;che einen unbeschreiblich sch&ouml;nen Anblick, der
-schon in einiger Entfernung das Auge auf sich zieht.</p>
-
-<p>Die gelbe Species dieser Gattung ist ebenfalls sehr
-sch&ouml;n, jedoch fehlt ihr das seidenartige Gewebe und die
-zarte Farbe der erstern; ich nenne sie &raquo;Wasser-K&ouml;nig.&laquo;
-Die Blume bietet einen dunkel goldgelben Becher dar,
-dessen ausgebauchte Bl&auml;tter in der Mitte eine r&ouml;thlich
-braune Schattirung zeigen, welche gegen die hellfarbigen,
-wie goldne Franzen &uuml;ber einander herabh&auml;ngenden Antheren
-stark absticht, die sehr zahlreichen Antheren sind in dicht
-auf einander folgenden Reihen angeordnet und f&uuml;llen den
-hohlen Blumen-Becher v&ouml;llig aus.</p>
-
-<p>Die seichten Stellen unsrer Seen strotzen von mannigfaltigen
-zierlichen Wasser-Pflanzen; ich kenne keinen
-lieblichern Anblick als diese kleinen schwimmenden G&auml;rten.
-Hier erblickt man unfern des Ufers ein Beet mit azurnen,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p267">[S. 267]</a></span>
-<em class="antiqua">Fleurs de lis</em>, vom blassesten Perlfarben bis zum dunkelsten
-Violett. N&auml;her am Ufer, wo das Wasser am
-seichtesten ist, sendet die rosenfarbne <em class="antiqua">Persecaria</em> ihre pr&auml;chtigen
-Bl&uuml;then empor, deren Stiele sich unter der Wasserfl&auml;che
-hinranken, man sieht die rothen Stengel und glatten
-dunkelgr&uuml;nen, an der untern Fl&auml;che rosenroth geaderten
-Bl&auml;tter; es ist eine h&ouml;chst reizende Variet&auml;t dieser
-sch&ouml;nen Pflanzen-Gattung. Auf diese folgt eine Schicht
-wei&szlig;er Nymph&auml;en, meine Lieblinge, alle in voller Bl&uuml;the,
-die auf dem Wasser schwimmen und ihre gef&uuml;llten Blumenkronen
-an der Sonne entfalten; unweit dieser erhebt
-sich in stolzer Sch&ouml;ne eine hohe schlanke Pflanze, mit
-dunkelgr&uuml;nen lanzettf&ouml;rmigen Bl&auml;ttern und einer dicken
-Aehre von hellblauen Bl&uuml;then. Ich kann den Namen dieser
-pr&auml;chtigen Blume nicht ausfindig machen und habe leider
-ihren botanischen Bau nicht untersucht, daher ich Ihnen
-keinen n&auml;heren Aufschlu&szlig; zur Auffindung ihres Namens
-und ihrer Gattung geben kann.</p>
-
-<p>Unsre Reis-Beete verdienen ebenfalls Bewunderung;
-aus der Ferne gesehen, erscheinen sie wie gr&uuml;ne Inseln
-auf den Seen, nimmt man seinen Weg &uuml;ber ein solches
-Beet, wenn der Reis in der Bl&uuml;the steht, so gew&auml;hrt dieser,
-mit seinen breiten grasigen Bl&auml;ttern und leichten wogenden
-Aehren einen lieblichen Anblick; die Aehren sind mit
-bla&szlig;gelben oder gr&uuml;nen, zart purpurr&ouml;thlich schattirten Blumen
-besetzt, aus welchen drei zierliche strohfarbne Staubf&auml;den
-hervorragen, die sich bei jedem Lufthauch, bei der
-leichtesten Ersch&uuml;tterung des Wassers hin und her bewegen.
-Ich sammelte mehre Aehren, die sich eben erst ge&ouml;ffnet, aber
-leider zerbr&ouml;ckelten sie bald nach der Trocknung. N&auml;chsten
-Sommer werde ich einen abermaligen Versuch machen,
-einige zu trocknen, und vielleicht d&uuml;rfte ich einen bessern
-Erfolg haben.</p>
-
-<p>Das niedrige Ufer des Sees ist &uuml;ber und &uuml;ber mit
-Strauchwerk und Stauden &uuml;berzogen. Wir haben ein
-recht h&uuml;bsches Johanniskraut, mit sch&ouml;nen gelben Blumen.
- <span class="pagenum"><a id="Page_p268">[S. 268]</a></span>
-Auch sch&ouml;ne Geisblatt-Arten kamen hier vor, Strauch-Gew&auml;chse
-von ungef&auml;hr drei Fu&szlig; H&ouml;he; die Bl&uuml;then
-stehen in P&auml;rchen oder zu vieren und h&auml;ngen unterhalb
-der lichtgr&uuml;nen Bl&auml;tter; sie sind zierlich trompetenf&ouml;rmig
-und zart gr&uuml;nlich wei&szlig;, es folgen ihnen rubinrothe
-Beeren. Betrachtet man einen Zweig dieser Pflanze, so
-f&auml;llt besonders die zierliche Anordnung der Bl&uuml;then l&auml;ngs
-dem untern Theil der Stengel in die Augen, die beiden
-Bl&uuml;then sind an den Nectarien auf eine eigenth&uuml;mliche
-Weise mit einander verbunden. Die Amerikaner nennen
-diese Geisblatt-Art <em class="antiqua">twinflower</em> (Zwillingsblume). Ich
-habe unter den Bl&uuml;then derselben einige rosenrothe bemerkt,
-im Ganzen genommen ist sie einer der sch&ouml;nsten
-Zierstr&auml;ucher, welche wir besitzen. Ich verpflanzte im
-letzten Fr&uuml;hjahr einige junge Exemplare in meinen Garten,
-und sie versprechen ein gutes Gedeihen. In <em class="gesperrt">Pursh's</em>
-Flora finde ich nirgends eine Beschreibung davon; inde&szlig; wei&szlig;
-ich gewi&szlig;, da&szlig; das Gew&auml;chs zu den Geisblatt-Arten geh&ouml;rt,
-Klasse und Ordnung, Gestalt und Farbe der Bl&auml;tter,
-die Bl&uuml;thenstengel, die trompetenf&ouml;rmigen Blumen, alle
-gleichen einigerma&szlig;en unserm heimathlichen Geisblatt.</p>
-
-<p>Ferner ist ein hoher, gerade aufschie&szlig;ender Strauch,
-mit gro&szlig;en gelben trompetenartigen Bl&uuml;then zu erw&auml;hnen,
-welche an den Zweigspitzen erscheinen; das Involucrum
-(H&uuml;lle) bildet einen bootf&ouml;rmigen Becher, welcher
-die Bl&uuml;then, die daraus zu entspringen scheinen, wie bei
-unserm scharlachblumigen Jel&auml;ngerjelieber, kreisf&ouml;rmig umschlie&szlig;t.
-Bl&auml;tter und Bl&uuml;then dieser Gew&auml;chse sind grob
-und keineswegs mit denen der zuerst beschriebnen Art zu
-vergleichen.</p>
-
-<p>Wir haben eine gro&szlig;e Mannigfaltigkeit von merkw&uuml;rdigen
-Orchiden (Ragwurz): gelbe, braune bla&szlig;fleischfarbne
-und scharlachstreifige; eine wei&szlig;e von trefflichem
-Geruch, und eine zarte rosenrothe, mit einem runden Blumenk&ouml;pfchen
-und zart gefranzten Blumen, wie die Wasser-Nelken,
-welche in unsern S&uuml;mpfen wachsen; dies ist
- <span class="pagenum"><a id="Page_p269">[S. 269]</a></span>
-eine allerliebste Blume, sie kommt auf den Biber-Wiesen
-vor.</p>
-
-<p>Letzten Herbst bemerkte ich in dem Fichten-W&auml;ldchen
-unfern unsrer Wohnung ein h&ouml;chst merkw&uuml;rdiges Gew&auml;chs,
-es kam mit nackten braunen St&auml;mmchen, die
-sich wie die Aeste eines Baumes <em class="antiqua">en miniature</em> verbreiteten,
-aus der Erde hervor; die Stengel und Stiele dieser
-Pflanze waren braun, leicht gefleckt und mit kleinen
-Kn&ouml;tchen besetzt. Ich beobachtete aufmerksam und mit
-nicht geringem Interesse das Fortschreiten ihres Wachsthums
-und Reifens bis ziemlich Ende Oktobers; die kleinen
-Kn&ouml;tchen, die aus zwei eckigen, harten H&uuml;llen bestanden,
-und wenn man sie v&ouml;llig abl&ouml;&szlig;te, Aehnlichkeit mit
-einem Boote hatten, bersteten entzwei und lie&szlig;en eine
-bla&szlig;strohgelbe, spreuartige Substanz, die wie feine S&auml;gesp&auml;hne
-aussah, wahrnehmen, wahrscheinlich waren dies
-die Antheren (Staubwege), jedoch glichen sie mehr Samen;
-dieses sonderbare Gew&auml;chs h&auml;tte mit einem Mikroscop
-untersucht werden sollen. Eine Eigenth&uuml;mlichkeit,
-die ich bemerkte, war, da&szlig; ich beim Ausrei&szlig;en eines Exemplars
-mit der Wurzel, dies Bl&uuml;then sich unter der Erde
-&ouml;ffnen sah, sie entsprangen von den untersten Enden der
-Blumenstiele und waren in ihrer Reife eben so weit vorgeschritten,
-als die, welche an den &uuml;berirdischen Stengeln
-sa&szlig;en; ausgenommen, da&szlig; sie etwas bleicher waren, ein
-leicht erkl&auml;rlicher Umstand, da die Luft nicht auf sie einwirken
-konnte. Ich kann keine Beschreibung von dieser
-Pflanze finden, auch scheint Niemand au&szlig;er mir Notiz
-davon genommen zu haben. Das Exemplar, welches ich
-f&uuml;r Sie bestimmt hatte, zerbr&ouml;ckelte, als es trocken war.</p>
-
-<p>Ich habe versprochen, einige der merkw&uuml;rdigsten der
-hier wachsenden Blumen f&uuml;r einen der Professoren an
-der Universit&auml;t Edinburg zu sammeln.</p>
-
-<p>Wir haben eine sehr sch&ouml;ne Pflanze, die unsrer
-Kartoffel in ihrem Bl&uuml;then-Bau sehr verwandt zu sein
-scheint; sie wird in g&uuml;nstigen Lagen zwei bis drei Fu&szlig;
- <span class="pagenum"><a id="Page_p270">[S. 270]</a></span>
-hoch und sendet manche Seitenzweige ab; die Blumen
-sind gro&szlig;, rein wei&szlig;, nahe am Boden der Corolle (Blumenkrone)
-mit br&auml;unlichgelben Flecken gezeichnet, die Blumenkrone
-ist ganz (ungetheilt); jedenfalls ist dieses Gew&auml;chs
-von der cultivirten Kartoffel nicht verschieden (?!), jedoch
-scheinen sich an seiner Wurzel keine Knollen zu bilden.
-Die Frucht ist sehr sch&ouml;n, eif&ouml;rmig und nach erlangter
-Reife sch&ouml;n apricosenfarben und von gl&auml;nzendem lockendem
-Ansehn; der Geruch inde&szlig; verr&auml;th ihre giftige Natur:
-&ouml;ffnet man sie, so bemerkt man einen weichen Brei, der
-mit gl&auml;nzend schwarzen Samen geh&uuml;llt ist. Die Pflanze
-bl&uuml;ht vom Juni an, bis die ersten Fr&ouml;ste ihre Bl&auml;tter
-welken machen; sie ist bei weitem nicht so grob als die
-Kartoffel; die Bl&uuml;the gleicht, sobald sie sich v&ouml;llig entfaltet,
-einem halben Kronenst&uuml;ck und ist ganz flach,
-ich glaube man nennt dies pr&auml;sentirtellerf&ouml;rmig. Leichter
-lehmiger Boden sagt ihr vorz&uuml;glich zu, sie w&auml;chst auf den
-aufw&auml;rts gekehrten Wurzeln umgest&uuml;rzter B&auml;ume, wo das
-Erdreich etwas sandig ist; ich habe sie nie anderswo als
-auf unsrer eignen Brache gesehn.</p>
-
-<p>Die Hepatica (<em class="antiqua">Anemone hepatica</em>, Leber-Anemone),
-ist die erste Blume des canadischen Fr&uuml;hlings; sie erfreut
-uns mit ihren blauen, rothen und wei&szlig;en Blumen schon
-in den ersten Tagen des Aprils, nachdem der Schnee kaum
-von der Erde gewichen ist. Die Canadier nennen sie Schneeblume,
-(<em class="antiqua">snow flower</em>) weil sie, wie eben gesagt worden,
-bald nach Entfernung des Schnees erscheint. Wir sehen
-ihre lieblichen Bouquets in den offnen Lichtungen und
-den Tiefen des Waldes; auch ihre Bl&auml;tter sind eine dauernde
-Zierde in der milden Jahreszeit; man sieht sie auf
-jedem kleinen Rasen-H&uuml;gel, jeder moosbedeckten Wurzel; die
-blauen Nuancen sind &auml;u&szlig;erst mannigfaltig und zart; die
-wei&szlig;en Staubwege stechen gef&auml;llig von den blauen Blumen-Bl&auml;ttern
-ab.</p>
-
-<p>Die Wald-Kresse, oder Ingwer-Kresse (<em class="antiqua">ginger cress</em>)
-ist eine h&uuml;bsche wei&szlig;e Kreuzblume, und &auml;u&szlig;erst
- <span class="pagenum"><a id="Page_p271">[S. 271]</a></span>
-aromatisch; sie hat eine wei&szlig;e, fleischfarbige Wurzel von
-stechendem meerrettigartigem Geschmack. Die Bl&auml;tter sind
-mattgr&uuml;n, scharf eingekerbt und dreilappig. Reiche feuchte
-Dammerde sagt dieser Pflanze am besten zu, und man
-findet sie haupts&auml;chlich auf niedrigem, etwas morastigem
-Boden; der Bl&uuml;thenstengel ist bisweilen nackt, bisweilen
-mit Bl&auml;ttern besetzt und endet mit einer losen Aehre von
-wei&szlig;lichen kreuzf&ouml;rmigen Blumen.</p>
-
-<p>Es giebt hier auch eine Kresse, welche in h&uuml;bschen
-gr&uuml;nen B&uuml;scheln auf dem Boden des Wassers in Buchten
-und B&auml;chen w&auml;chst. Sie ist zarter und von angenehmerem
-Geschmack als irgend eine Land-Kresse; die Bl&auml;tter
-zeigen ein blasses, zartes Gr&uuml;n, sind gefl&uuml;gelt und schlank;
-die Pflanze nimmt sich unter dem Wasser wie ein gr&uuml;nes
-Kissen aus. Die Blumen sind gelb, kreuzf&ouml;rmig und
-unbedeutend. Sie giebt in der ersten H&auml;lfte des Fr&uuml;hlings
-und im Herbste einen recht angenehmen Sallat.
-Au&szlig;erdem kommen mehre Arten Land-Kresse vor, desgleichen
-einige Gew&auml;chse, die einigen unsrer Kohl- und Kraut-Arten
-gleichen und als Fr&uuml;hjahrs-Gem&uuml;se benutzt werden
-d&uuml;rften. Ferner findet man verschiedne Spinat-Arten:
-eine davon ist hier, unter dem Namen <em class="antiqua">Lamb's quarter</em>
-(Lamms-Viertel) bekannt; sie w&auml;chst in betr&auml;chtlicher
-Menge um unsre G&auml;rten, und wird in reicherem Boden
-zwei Fu&szlig; hoch; ihr Bl&auml;tterwuchs ist &auml;u&szlig;erst &uuml;ppig. Die
-ersten Triebe dieser Pflanze werden an Schweinfleisch gekocht
-und sind in Ermangelung zarterer Gem&uuml;se-Arten
-sehr n&uuml;tzlich.</p>
-
-<p>Ferner haben wir die indianische R&uuml;be, eine sehr
-sch&ouml;ne Aron-Wurz (<em class="antiqua">Arum</em>), deren Wurzel, gekocht, der
-Cassave gleichen soll; die Bl&auml;tter derselben nehmen sich
-recht h&uuml;bsch aus, sie zeichnen sich durch einen schwachen
-Purpur-Schein aus; die Indianer brauchen die
-Wurzel als Medicin, und auch als Nahrungs-Mittel;
-die Ansiedler essen sie oft als Gem&uuml;se; ich selbst habe sie
- <span class="pagenum"><a id="Page_p272">[S. 272]</a></span>
-noch nie gekostet. <em class="gesperrt">Pursh</em> nennt diese Art <em class="antiqua">Arum atropurpureum</em>.</p>
-
-<p>Ich darf hier eine unsrer gr&ouml;&szlig;ten Zierden nicht &uuml;bergehen,
-n&auml;mlich den Erdbeerspinat<a id="FNanchor_51_51"></a><a href="#Footnote_51_51" class="fnanchor">[51]</a>, oder den indianischen
-Erdbeerstrauch, wie er verschiedentlich genannt wird.
-Dieses Gew&auml;chs treibt aus einem Hauptstamme viele
-Seiten-Aeste, die mit sch&ouml;nen Bl&auml;ttern besetzt sind und
-ihrer &auml;u&szlig;ern Erscheinung nach unserm langbl&auml;ttrigen Garten-Spinat
-gleichen, die Frucht dieses Strauches ist hell carmosinroth
-und breiartig, wie die Erdbeere, und enth&auml;lt eine
-Anzahl purpurfarbner Samen, die theilweise in der Oberfl&auml;che
-des Fleisches sitzen, gerade so wie die Samen der
-Erdbeere. Die Fr&uuml;chte sitzen dicht am Stengel, umgeben
-ihn vollkommen und bilden eine reiche Aehre von
-sch&ouml;nrothen Beeren. Ich habe fu&szlig;lange Zweige gepfl&uuml;ckt,
-die dicht mit diesen sch&ouml;nen Beeren bedeckt waren, und
-bedauerte nur, da&szlig; ich sie wegen ihres faden Geschmacks
-nicht essen konnte. An den Ufern der Einbuchten und
-auf reicherem Boden w&auml;chst dieser Erdbeerstrauch sehr &uuml;ppig,
-eine einzige Wurzel treibt zwanzig bis drei&szlig;ig Aeste empor,
-die sich unter dem Gewicht ihrer sch&ouml;nen B&uuml;rde niederbeugen.
-Wenn die mittlern und obern Stengel reifen
-und abwelken, wachsen die Seiten-Aeste in die H&ouml;he, und
-so tr&auml;gt der Strauch vom Juli an ununterbrochen Fr&uuml;chte,
-bis im September die Fr&ouml;ste ihn seiner Sch&ouml;ne berauben.</p>
-
-<p>Die Indianer benutzen den Saft dieser Pflanze zum
-f&auml;rben und sollen auch die Beeren essen; man bedient
-sich ihres Saftes oft als rother Tinte, allein er verschie&szlig;t
-sehr schnell, wofern er nicht mit Alaun vermischt ist. Eine
-meiner Freundinnen erz&auml;hlte mir, da&szlig; sie einen Brief an
-einen ihrer Verwandten in England mit dieser Erdbeer-Tinte
-durchkreuzt<a id="FNanchor_52_52"></a><a href="#Footnote_52_52" class="fnanchor">[52]</a>, allein da sie nicht die Vorsicht beobachtet,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p273">[S. 273]</a></span>
-denselben zu fixiren, so sei die eine H&auml;lfte des
-sehnlich erwarteten Sendschreibens, als es endlich an seine
-Adresse gelangt, weil die rothe Tinte fast ganz verschossen,
-durchaus unleserlich gewesen; und so habe es, anstatt
-den gehegten Erwartungen zu gen&uuml;gen, dem Leser nur
-Qu&auml;lerei und Verwirrung, und ihr selbst Verdru&szlig; und
-Aerger verursacht.</p>
-
-<p>Die Blutwurzel, (<em class="antiqua">Sanguinaria</em>) oder <em class="antiqua">puccoon</em>, wie
-sie von einigen der eingebornen St&auml;mme genannt wird,
-verdient von der Bl&uuml;the bis zur Wurzel unsre Aufmerksamkeit.
-Sobald als die April-Sonne den Erdboden
-erw&auml;rmt und von seinen eisigen Fesseln befreit hat, gewahrt
-man eine Anzahl rein wei&szlig;er Knospen, die auf
-nackten Stielen stehen und theilweise in ein sch&ouml;nes, rebenartig
-gestaltetes Blatt geh&uuml;llt sind. Das Blatt ist
-bla&szlig; br&auml;unlichgr&uuml;n und an der untern Seite seltsam mit
-bla&szlig; orangenfarbnen Adern bezeichnet, es entspringt einzeln
-aus einer dicken saftreichen fasrigen Wurzel, die,
-wenn man sie zerbricht, aus ihren Poren eine Quantit&auml;t
-hell orangenrothen Saftes ausschwitzt; dieser Saft wird
-von den Indianern zum F&auml;rben und zur Heilung von
-Rheumatismen und Hautausschl&auml;gen benutzt. Die Bl&uuml;then
-der Sanguinaria gleichen dem wei&szlig;en Crocus sehr
-genau; bei ihrem ersten Hervorbrechen wird die Knospe
-von dem oben beschriebnen Blatt unterst&uuml;tzt und ist damit
-umwickelt; die Blume erhebt sich inde&szlig; bald &uuml;ber
-ihren Besch&uuml;tzer, w&auml;hrend das Blatt, nachdem es seine
-Pflicht, als H&uuml;lle der zarten Knospe, erf&uuml;llt hat, sich zu
-seiner vollen Ausdehnung entfaltet. Eine reiche schwarze
-Dammerde am Saume der Lichtungen scheint diesem Gew&auml;chs
-besonders zuzusagen.</p>
-
-<p>Der scharlachfarbige Akelei ist ebenfalls eine
- <span class="pagenum"><a id="Page_p274">[S. 274]</a></span>
-Lieblings-Blume von mir; sie ist hellroth, mit gelben Streifen
-an den R&ouml;hren. Die Nectarien sind l&auml;nger als bei
-dem Garten-Akelei, und bilden eine an den Spitzen mit
-kleinen Kugeln besetzte Mauer-Krone. Gewi&szlig; verdient
-der Akelei, mit seinen gl&auml;nzenden h&auml;ngenden Blumen, eine
-schlanke, zierliche Pflanze genannt zu werden; er w&auml;chst
-im Sonnenschein eben so gut als im Schatten, jedoch
-wohl nicht in tiefen schattigen W&auml;ldern, sondern da, wo
-das Unterholz durch das laufende Feuer oder die Axt des
-Holzf&auml;llers entfernt worden ist; er scheint sogar auf armem
-steinigen Boden fortzukommen und ist fast um jede
-Wohnst&auml;tte herum zu finden. Der gefiederte Akelei liebt
-nassen, freien Moorboden und die Ufer der B&auml;che; er erreicht
-eine H&ouml;he von drei, ja sogar vier und f&uuml;nf Fu&szlig;,
-und ist eine wahre Zierde.</p>
-
-<p>Veilchen haben wir von jeder Gr&ouml;&szlig;e und Gestalt,
-nur das wohlriechende Veilchen (<em class="antiqua">V&icirc;ola odorata</em>) unsrer
-heimathlichen W&auml;lder fehlt uns; doch w&uuml;&szlig;te ich nicht,
-warum wir mit diesen zarten T&ouml;chtern des Fr&uuml;hlings
-hadern sollten, weil sie nicht mit dem Wohlgeruch ihrer
-mehr beg&uuml;nstigten Schwestern begabt sind. Viele Ihrer
-Waldveilchen, obwohl &auml;u&szlig;erst sch&ouml;n, sind ebenfalls geruchlos,
-hier mu&szlig; die Mannigfaltigkeit der Farben f&uuml;r den
-Mangel an Parfume einigerma&szlig;en Ersatz leisten. Wir
-haben Veilchen von jedem Blau, einige mit Purpur gestreift,
-andre mit dunklerem Blau schattirt. Wir haben
-das zarte, mit Purpur gezeichnete, das hell schwefelgelbe
-schwarzgeaderte, das bla&szlig;gelbe dunkelblaugeaderte Veilchen;
-die beiden letzten zeichnen sich durch den &uuml;ppigen Wuchs
-ihrer Bl&auml;tter aus; die Bl&uuml;then entspringen b&uuml;schelweise,
-also mehre aus jedem Gelenk, und hinterlassen nach ihrem
-Abwelken gro&szlig;e, mit einem dicken wei&szlig;en baumwollenartigen
-Flaum bedeckte Samen-Kapseln.</p>
-
-<p>In den W&auml;ldern kommt ein Veilchen vor, dessen
-Bl&auml;tter au&szlig;erordentlich gro&szlig; sind; dasselbe gilt von den
-Samen-Gef&auml;&szlig;en; dagegen ist die Bl&uuml;the so klein und
- <span class="pagenum"><a id="Page_p275">[S. 275]</a></span>
-unbedeutend, da&szlig; man sie blos bei genauerer Untersuchung
-der Pflanze wahrnimmt; dies hat zu dem Glauben Veranlassung
-gegeben, da&szlig; das fragliche Veilchen (seine Blumen
-sind bla&szlig; gr&uuml;nlichgelb,) unterirdische Bl&uuml;then habe.
-<em class="gesperrt">Bryant's</em> sch&ouml;nes Gedicht &raquo;<em class="gesperrt">das gelbe Veilchen</em>&laquo;
-enth&auml;lt eine genaue Schilderung von den zuerst erw&auml;hnten
-Veilchen.</p>
-
-<p>Man findet hier ein h&uuml;bsches Stiefm&uuml;tterchen (<em class="antiqua">Viola
-tricolor</em>), welches im Herbste bl&uuml;ht. Seine Farben sind
-Reinwei&szlig;, Bla&szlig;purpurn und Bla&szlig;violett, die obern Blumen-Bl&auml;tter
-sind wei&szlig;, die Unter-Lippe (die untern
-Blumenbl&auml;tter,) purpurn, und die Fl&uuml;gel (seitlichen Blumenbl&auml;tter)
-r&ouml;thlich bla&szlig;violett. Die Sch&ouml;nheit dieser
-seltnen Blume fesselte mein Auge, als ich w&auml;hrend
-unsrer Reise nach Cobourg einen Abstecher nach Peterborough
-machte; ich war nicht im Stande, die gesammelten
-Exemplare zu erhalten, und habe seitdem jene
-Stra&szlig;e nicht wieder bereist. Die Blume wuchs unter
-wildem Klee, auf der offnen Seite der Stra&szlig;e; die Bl&auml;tter
-waren klein, rundlich und matt dunkelgr&uuml;n.</p>
-
-<p>Unter den strauchartigen Astern haben wir verschiedne
-sch&ouml;ne Variet&auml;ten, mit gro&szlig;en, bla&szlig; hollunderblauen oder
-wei&szlig;en Blumen; noch andre haben sehr kleine wei&szlig;e
-Blumen und carmosinrothe Antheren, welche wie rothe,
-mit Goldstaub bepuderte Flaum-B&uuml;schel erscheinen. Diese
-Staubwege stechen gegen die wei&szlig;en, sternartig angeordneten
-Blumen-Bl&auml;tter sehr angenehm ab. Eine Variet&auml;t
-der hochst&auml;mmigen Aster kommt auf den Ebnen
-vor, sie hat Bl&uuml;then von der Gr&ouml;&szlig;e eines Sexpence-St&uuml;ckes
-und von sanft perlblauer Farbe, mit braunen
-Staubwegen. Diese Pflanze erreicht eine ansehnliche
-H&ouml;he, und von den Hauptst&auml;mmen gehen zahlreiche zierliche
-Bl&uuml;then&auml;ste ab; die Bl&auml;tter dieser Art sind an der
-untern Seite purpurroth, fast herzf&ouml;rmig gestaltet und
-eben so wie die Stengel mit feinen H&auml;rchen besetzt.</p>
-
-<p>Ich f&uuml;rchte nicht, Ihnen mit meinen botanischen
- <span class="pagenum"><a id="Page_p276">[S. 276]</a></span>
-Skitzen beschwerlich zu werden; ich habe noch mehre
-Pflanzen zu beschreiben: unter diesen sind jene zierlichen
-kleinen Immergr&uuml;n-Arten, wovon, unter dem Namen
-Winter-Immergr&uuml;n dieses Land Ueberflu&szlig; hat; drei oder
-vier zeichnen sich durch ihr sch&ouml;nes Laubwerk, ihre sch&ouml;nen
-Blumen und Fr&uuml;chte vorz&uuml;glich aus. Eins dieser Winter-Gr&uuml;ne,
-welches sehr h&auml;ufig in unsern Fichten-W&auml;ldern
-w&auml;chst, ist au&szlig;erordentlich sch&ouml;n; es wird selten &uuml;ber
-sechs Zoll hoch; die Bl&auml;tter sind hell gl&auml;nzendgr&uuml;n, lang,
-schmal, eif&ouml;rmig und zart gekerbt, wie ein Rosen-Blatt;
-die Pflanze kommt in den ersten Monaten des
-Jahres beim ersten Thauwetter unter dem Schnee hervor,
-eben so frisch und gr&uuml;n wie zuvor, als sie unter der
-wei&szlig;en Decke begraben wurde. Es scheint selten zu bl&uuml;hen.
-Ich habe es nur zweimal in der Bl&uuml;the gesehen; diese
-bl&uuml;henden Exemplare hob ich sorgf&auml;ltig f&uuml;r Sie auf, aber
-die getrocknete Pflanze kann Ihnen blos eine unvollkommne
-Vorstellung von dem geben, was sie einst in ihrer
-Frische und Sch&ouml;nheit war. Ich erinnere mich noch
-recht gut, da&szlig; Sie Ihre getrockneten Exemplare immer
-nur Pflanzen-Leichname nannten, und dabei bemerkten,
-da&szlig; gute Gem&auml;lde davon der Wirklichkeit weit n&auml;her
-k&auml;men. Der Bl&uuml;thenstengel erhebt sich zwei bis drei
-Zoll &uuml;ber den Mittelpunkt der Pflanze und ist mit runden
-carmosinrothen Knospen und Bl&uuml;then gekr&ouml;nt. Die
-Bl&uuml;the besteht aus f&uuml;nf Blumen-Bl&auml;ttern, deren Farbe
-sich vom blassesten Rosenroth bis zum dunkelsten Incarnat
-vertieft; die Narbe (Stigma) ist smaragdgr&uuml;n und
-bildet gleichsam einen schwach gerippten Turban in der
-Mitte; um dieselbe stehen zehn amethystfarbene Staubf&auml;den,
-kurz dies ist eine von den Juwelen der Blumen-Welt,
-und lie&szlig;e sich mit einem von Amethysten umgebnen
-Smaragd-Ringe vergleichen. Der Farben-Contrast
-bei dieser Blume ist &auml;u&szlig;erst angenehm und gef&auml;llig, und
-die sch&ouml;nrothen Knospen und gl&auml;nzenden, immer gr&uuml;nen
-Bl&auml;tter erregen fast die n&auml;mliche Bewunderung, wie die
- <span class="pagenum"><a id="Page_p277">[S. 277]</a></span>
-Bl&uuml;the. Sie w&uuml;rden dieses sch&ouml;ne Gew&auml;chs gewi&szlig; f&uuml;r
-einen gro&szlig;en Gewinn f&uuml;r Ihre Sammlung von amerikanischen
-Str&auml;uchern halten, allein ich zweifle, da&szlig; es, entfernt
-aus den Schatten der Fichten-W&auml;lder, zur Bl&uuml;the
-kommen w&uuml;rde. Es scheint die von <em class="gesperrt">Pursh</em> beschriebne
-<em class="antiqua">Chimaphila corymbosa</em> zu sein, nur da&szlig; dieser Botaniker
-in Angabe der Farbe der Blumen-Bl&auml;tter von den
-meinigen etwas abweicht.</p>
-
-<p>Ein andres bei uns heimisches Wintergr&uuml;n w&auml;chst
-in gro&szlig;er Menge auf den Reis-Ebnen; diese Pflanze
-wird nicht &uuml;ber vier Zoll hoch; die Bl&uuml;then stehen in
-kleinen losen B&uuml;scheln, sind bla&szlig; gr&uuml;nlich wei&szlig; und gleichen
-in Gestalt den Bl&uuml;then der Sandbeere (<em class="antiqua">Arbutus</em>);
-die Beeren sind hell scharlachroth und unter dem Namen
-Winter- und Rebhuhn-Beere bekannt; jedenfalls ist dies
-die <em class="antiqua">Gualtheria procumbens</em>. Ein noch sch&ouml;neres kleines
-Immergr&uuml;n derselben Gattung w&auml;chst in unsern
-Cedern-Mooren, unter dem Namen Tauben-Beere (<em class="antiqua">pigeon-berry</em>),
-es gleicht der Sandbeere in Blatt und
-Bl&uuml;the mehr als die zuvor erw&auml;hnte Pflanze; die scharlachrothe
-Beere sitzt in einem Kelche oder Beh&auml;lter, der
-am Rande in f&uuml;nf Spitzen ausl&auml;uft, fleischig ist, und
-mit der Frucht selbst von einerlei Beschaffenheit zu sein
-scheint. Die Bl&uuml;then dieses h&uuml;bschen kleinen Strauches
-erscheinen, wie die des Arbutus, wovon er gleichsam das
-Miniatur-Bild ist, in h&auml;ngenden B&uuml;scheln zu der n&auml;mlichen
-Zeit, wo die Beere des vorigen Jahres ihre vollkommne
-Reife erlangt hat; dieser Umstand tr&auml;gt nicht
-wenig zu der reizenden Erscheinung der Pflanze bei.
-Wenn ich mich nicht irre, so ist es die <em class="antiqua">Gualtheria Shallon</em>,
-welche <em class="gesperrt">Pursh</em> mit dem <em class="antiqua">Arbutus</em> vergleicht; sie geh&ouml;rt
-ebenfalls zu unsern Immergr&uuml;nen.</p>
-
-<p>Wir haben ferner eine niedliche kriechende Pflanze,
-mit zarten kleinen trichterf&ouml;rmigen Blumen und einem
-Ueberflu&szlig; an kleinen dunkelgr&uuml;nen runden buntfarbigen
-Knospen und hellrothen Beeren, die an den Zweig-Enden
- <span class="pagenum"><a id="Page_p278">[S. 278]</a></span>
-sitzen. Die Bl&uuml;then dieser Pflanze stehen paarweise
-und sind am Fruchtknoten so eng mit einander verbunden,
-da&szlig; die scharlachrothe Frucht, welche der Bl&uuml;the folgt,
-einer doppelten Beere gleicht, &mdash; jede Beere enth&auml;lt die
-Samen beider Bl&uuml;then und ein doppeltes Auge. Die
-Pflanze wird auch Winter-Gr&uuml;n oder Zwillings-Beere
-(<em class="antiqua">twin-berry</em>) genannt; sie gleicht keinem der andern
-Wintergr&uuml;ne; sie w&auml;chst in moosreichen W&auml;ldern, kriecht
-an der Erde hin und scheint gern kleine H&uuml;gelchen und
-Ungleichheiten des Bodens zu &uuml;berziehen. In Zierlichkeit
-des Wuchses, Zartheit der Blume und Farbenglanz
-der Beere, steht dieses Wintergr&uuml;n den zuvor beschriebnen
-wenig nach.</p>
-
-<p>In unsern W&auml;ldern kommt eine Pflanze vor, welche
-unter dem Namen <em class="antiqua">Man-drake</em> (Mandragore), <em class="antiqua">May-apple</em>
-(Mai-Apfel) und <em class="antiqua">ducks-foot</em> (Enten-Fu&szlig;) bekannt ist.
-Die Botaniker nennen sie Podophyllum<a id="FNanchor_53_53"></a><a href="#Footnote_53_53" class="fnanchor">[53]</a>, und sie geh&ouml;rt,
-was Klasse und Ordnung betrifft, der <em class="antiqua">Polyandria
-monogynia</em> an. Ihre Bl&uuml;the ist gelblich wei&szlig;, die Blumenkrone
-besteht aus sechs Blumen-Bl&auml;ttern; die Frucht
-ist l&auml;nglichrund und, reif, gr&uuml;nlich gelb; in Gr&ouml;&szlig;e gleicht
-dieselbe einer Olive, oder gro&szlig;en Mandel; nach Erlangung
-ihrer v&ouml;lligen Reife schmeckt sie, wie eingemachte
-Tamarinden, angenehm s&auml;uerlich; sie scheint wenig zu
-tragen, wiewohl sie auf reichem nassem Waldboden schnell
-&uuml;berhand nimmt. Die handf&ouml;rmigen Bl&auml;tter kommen einzeln
-hervor, und beschatten, stehen mehre Pflanzen beisammen,
-den Boden ziemlich dicht, sind mit ihrem Mittelpunkt
-an den Blattstiel befestigt und gleichen, wenn
-sie zuerst &uuml;ber der Erde erscheinen, zusammen gefalteten
-Regen- oder Sonnen-Schirmen, indem ihre Kanten
-s&auml;mmtlich abw&auml;rts stehen, mit der Zeit entfalten sie sich
- <span class="pagenum"><a id="Page_p279">[S. 279]</a></span>
-und bilden eben so viele kleine, schwach convexe Baldachins.
-Die Frucht d&uuml;rfte sich mit Zucker sehr gut zum
-Einmachen eignen.</p>
-
-<p>Das Lilien-Geschlecht bietet eine gro&szlig;e Mannigfaltigkeit,
-von den kleinsten bis zu den gr&ouml;&szlig;ten Blumen, dar.
-Die rothe Martagon-Lilie (Gelbwurz) w&auml;chst in gro&szlig;er
-Menge auf unsern Ebnen. Der gemeine Hundszahn
-(<em class="antiqua">Erythronium dens canis</em>), mit seinen gefleckten Bl&auml;ttern,
-glockenf&ouml;rmigen h&auml;ngenden, gelben, inwendig mit
-hochrothen T&uuml;pfeln zart gefleckten und auswendig mit
-feinen Purpur-Linien gezeichneten Blumen, verleiht
-unsern W&auml;ldern, wo er sich schnell vermehrt, einen
-gro&szlig;en Reiz; er bildet ein sch&ouml;nes Blumenbeet, die
-Bl&auml;tter kommen einzeln hervor, von jeder besondern
-Knolle eins. Es giebt zwei Variet&auml;ten von dieser Pflanze,
-die bla&szlig;gelbe, ohne T&uuml;pfeln und Linien, und die dunkelgelbe,
-mit T&uuml;pfeln und Linien; die Staubwege der letztern
-sind r&ouml;thlich orangenfarben und dick mit feinen
-Blumenstaub bepudert<a id="FNanchor_54_54"></a><a href="#Footnote_54_54" class="fnanchor">[54]</a>.</p>
-
-<p>Der Daffodil unsrer W&auml;lder ist eine zarte h&auml;ngende,
-bla&szlig;gelbe Blume; die Bl&auml;tter stehen l&auml;ngs dem Blumenschaft,
-von einer Entfernung zur andern; drei oder mehre
-Bl&uuml;then folgen gew&ouml;hnlich an der Spitze des Schaftes,
-eine nach der andern; dieses Gew&auml;chs liebt dunkelschattige,
-feuchte Waldstellen.</p>
-
-<p>Eine sehr sch&ouml;ne Pflanze, dem Lilien-Geschlecht angeh&ouml;rig,
-w&auml;chst in gro&szlig;er Menge in unsern W&auml;ldern und
-Lichtungen; in Ermangelung eines passenderen Namens
-nenne ich dieselbe <em class="gesperrt">Douri-Lilie</em>, wiewohl sie weit &uuml;ber
- <span class="pagenum"><a id="Page_p280">[S. 280]</a></span>
-einen gro&szlig;en Theil des Continents verbreitet ist. Die
-Amerikaner nennen die wei&szlig;e und rothe Spielart dieser
-Species &raquo;wei&szlig;en und rothen Tod.&laquo; Die Blume ist
-entweder dunkelroth oder gl&auml;nzend wei&szlig;, jedoch findet
-man die wei&szlig;e bisweilen mit einem zarten Rosenroth oder
-einem dunkeln Gr&uuml;n betupft; letztere Farbe scheint durch
-den Uebergang des Kelches in das Blumen-Blatt bewirkt
-zu werden. Warum sie einen so furchtbaren Namen erhalten,
-ist mir bis jetzt ein R&auml;thsel geblieben. Die
-Blumenkrone besteht aus drei Blumen-Bl&auml;ttern, der
-Kelch ist dreitheilig; sie geh&ouml;rt der <em class="antiqua">Hexandria monogynia</em>
-an, der Griffel ist dreispaltig; der Samenbeh&auml;lter
-dreiklappig; sie liebt drockne W&auml;lder und gelichteten Boden;
-die Bl&auml;tter stehen zu dreien, entspringen von den
-Gelenken, sind gro&szlig;, rund und an den Enden etwas zugespitzt.</p>
-
-<p>Wir haben Mai-Blumen (<em class="antiqua">lilies of the valley</em>)
-und die mit ihnen zugleich erscheinende Meisterwurz, einen
-kleinblumigen T&uuml;rkenbund von bla&szlig;gelber Farbe, nebst
-einer endlosen Mannigfaltigkeit von kleinen Liliaceen, die
-sich sowohl durch ihre sch&ouml;nen Bl&auml;tter als ihre zarten
-Formen auszeichnen.</p>
-
-<p>Unsre Farnkr&auml;uter sind sehr zierlich gestaltet und
-zahlreich; ich habe nicht weniger als acht verschiedne Arten
-in unsrer unmittelbaren Nachbarschaft gesammelt;
-einige davon nehmen sich ganz allerliebst aus, vorz&uuml;glich
-eine, welche ich wegen ihrer leichten zierlichen Form &raquo;Elfen-Farn&laquo;
-(<em class="antiqua">fairy-fern</em>) nenne. Ein elastischer Stamm
-von purpurartigem Roth tr&auml;gt mehre leichte Seiten-Zweige,
-die sich mannigfaltig ver&auml;steln und mit zahllosen
-Bl&auml;ttchen besetzt sind; jedes Bl&auml;ttchen hat einen Stiel,
-welcher es mit dem Zweige verbindet, und dieser Stiel ist
-so leicht und haarartig, da&szlig; der leiseste Luftzug die ganze
-Pflanze in Bewegung setzt.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p281">[S. 281]</a></span></p>
-
-<p>K&ouml;nnte man sich nur einbilden, da&szlig; Canada einst der
-Schauplatz von Elfen-Festen gewesen, so w&uuml;rde ich ohne
-weiteres behaupten, da&szlig; dieses zierliche Gew&auml;chs sich wohl
-geeignet, den Elfen-Hof von <em class="gesperrt">Oberon</em> und <em class="gesperrt">Titania</em>
-zu beschatten.</p>
-
-<p>Wenn dieses Farnkraut zuerst &uuml;ber der Erde erscheint,
-so ist es von dem verwitterten Holze der umgest&uuml;rzten
-Fichten kaum zu unterscheiden; es hat dann eine
-licht r&ouml;thlichbraune Farbe und ist seltsam zusammengerollt.
-Im Mai und Juni entfalten sich die Bl&auml;tter
-und nehmen bald das zarteste Gr&uuml;n an; sie sind fast
-durchsichtig; das Vieh fri&szlig;t sehr gern davon.</p>
-
-<p>Die Mocassin-Blume (Ginster) Frauen-Schuh<a id="FNanchor_55_55"></a><a href="#Footnote_55_55" class="fnanchor">[55]</a>,
-(bemerken Sie die seltsame Aehnlichkeit zwischen der indianischen
-und unsrer Benennung der Pflanze) ist eine unsrer
-bemerkenswerthesten Blumen, sowohl wegen ihres eigenth&uuml;mlichen
-Baues als auch wegen ihrer Sch&ouml;nheit.
-Unsre Ebnen und trocknen sonnigen Weidepl&auml;tze bringen
-verschiedne Spielarten hervor; unter diesen sind der gelbe
-Frauen-Schuh<a id="FNanchor_56_56"></a><a href="#Footnote_56_56" class="fnanchor">[56]</a>, (<em class="antiqua">Cypripedium pubescens</em>) und <em class="antiqua">Cypripedium
-Arietinum</em> die sch&ouml;nsten.</p>
-
-<p>Die Honiglippe des erstern ist lebhaft canariengelb
-und mit dunkel carmosinrothen Flecken betupft. Die
-obern Blumen-Bl&auml;tter bestehen in zwei kurzen und zwei
-langen; in Gef&uuml;ge und Farbe gleichen sie der Scheide
-von einigen der Narzissen-Gattungen; die kurzen stehen
-aufrecht, wie ein paar Ohren, die langen oder seitlichen
-sind dreimal so lang als die erstern, sehr schmal und zierlich
-gewunden, wie die spiralf&ouml;rmigen H&ouml;rner des wallachischen
-Widders; l&uuml;ftet man eine dicke gelbe fleischige
-Art von Deckel, in der Mitte der Blume, so sieht man</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p282">[S. 282]</a></span></p>
-
-<p>das genaue Gesicht eines indianischen Hundes, vollkommen
-in allen seinen Theilen, &mdash; Nase, Augen und
-Schnauze; darunter h&auml;ngt ein offner Sack herab, der
-rings um die Oeffnung leicht zusammen gezogen ist, wodurch
-er ein hohles und bauchiges Ansehn erh&auml;lt; die innere
-Seite dieses Sackes ist zart mit Dunkelcarmosin
-getupft oder schwarz gefleckt; der Blumen-Schaft schwillt
-nach oben zu an und bildet eine Kr&uuml;mmung; die Bl&auml;tter
-sind gro&szlig;, oval, etwas zugespitzt und gerippt. Die
-Pflanze wird nicht viel &uuml;ber sechs Zoll hoch; die sch&ouml;ne
-Farbe und das seidenartige Gewebe der Unterlippe oder
-des Sackes macht, da&szlig; ich f&uuml;r meinen Theil ihrer Bl&uuml;the
-den Vorzug vor der purpurnen und wei&szlig;en Variet&auml;t
-gebe, wiewohl letztre wegen der Gr&ouml;&szlig;e der Blume und
-der Bl&auml;tter, au&szlig;er dem Contrast zwischen der wei&szlig;en und
-rothen oder wei&szlig;en und purpurnen Farbe, weit mehr in
-die Augen f&auml;llt.</p>
-
-<p>In Bildung und Structur gleicht diese Species
-der andern, nur mit dem Unterschiede, da&szlig; die H&ouml;rner
-nicht gewunden sind, und das Gesicht mehr dem eines
-Affen &auml;hnelt; sogar der komische Ausdruck des Thieres ist
-mit so bewundernsw&uuml;rdiger Treue nachgeahmt, da&szlig; man
-bei Erblickung der seltsamen, unruhig erscheinenden Fratze,
-mit ihren schwarzen, unter ihrer Capuze hervorschauenden
-Augen, unwillk&uuml;hrlich l&auml;cheln mu&szlig;.</p>
-
-<p>Diese Pflanzen geh&ouml;ren der <em class="antiqua">Gynandria diandria</em> an;
-<em class="gesperrt">Pursh</em> beschreibt sie mit einigen Abweichungen, und
-vergleicht z. B. das Gesicht der letztern mit dem des
-Schafs; wenn aber ein Schaf zu diesem Gem&auml;lde sa&szlig;,
-so mu&szlig; es das verschmitzteste und boshafteste der ganzen
-Heerde gewesen sein.</p>
-
-<p>Ein seltsames Wasser-Gew&auml;chs kommt in seichten,
-stockenden und langsam flie&szlig;enden Gew&auml;ssern vor; es
-enth&auml;lt ein ganzes Weinglas Wasser. Ein armer
-Soldat brachte mir ein Exemplar und f&uuml;gte die Bemerkung
- <span class="pagenum"><a id="Page_p283">[S. 283]</a></span>
-hinzu, es gleiche einer Pflanze, die er oft in Egypten
-gesehn, und die von den Soldaten &raquo;<em class="gesperrt">Soldaten-Becher</em>&laquo;
-genannt werde, und da&szlig; er selbst manchen
-Trunk frischen Wassers daraus geschl&uuml;rft habe.</p>
-
-<p>Ein andres Exemplar erhielt ich von einem Herrn,
-der meine Vorliebe f&uuml;r fremde Gew&auml;chse kannte, er gab
-ihm sehr passend den Namen Krug-Pflanze (<em class="antiqua">Pitcher-Plant</em>)
-h&ouml;chst wahrscheinlich geh&ouml;rt sie zu dem Geschlecht,
-welches diesen Namen f&uuml;hrt.</p>
-
-<p>Die geruchreichsten und w&uuml;rzigsten Blumen sind
-unsre wilden Rosen, welche die Luft mit den angenehmsten
-D&uuml;ften f&uuml;llen, die purpurne Monarde, die von der
-Bl&uuml;the bis zur Wurzel Wohlgeruch ist, selbst nachdem
-sie Monate lang der kalten Winter-Atmosph&auml;re ausgesetzt
-gewesen; ihre getrockneten Bl&auml;tter der Samen-Beh&auml;lter
-sind so aromatisch, da&szlig; sie H&auml;nden und Kleidern
-ihren angenehmen Parfume mittheilen. Alle unsre
-M&uuml;nzen haben einen sehr starken aromatischen Geruch; das
-Maibl&uuml;mchen verbreitet den s&uuml;&szlig;esten Duft; hierher geh&ouml;ren
-auch meine K&ouml;nigin der Seen (die wei&szlig;e Wasser-Lilie)
-und ihr Gef&auml;hrte, der Wasser-K&ouml;nig, nebst vielen
-andern Blumen, die ich jetzt nicht aufz&auml;hlen kann. Gewi&szlig;
-ist inde&szlig;, da&szlig; es unter einem so gro&szlig;en Verein von
-Blumen, verh&auml;ltni&szlig;m&auml;&szlig;ig nur wenige giebt, welche aromatische
-Ger&uuml;che aushauchen; einige unsrer Waldb&auml;ume
-verbreiten einen angenehmen Parfume. Ich bin auf meinen
-Spazierg&auml;ngen oft stehen geblieben, um an sonnigen Tagen
-den wohlriechenden Duft von einem Cedern-Moor,
-w&auml;hrend die dicht verschr&auml;nkten Aeste und Zweige noch
-voll Thautropfen von einem frischgefallnen Schauer hingen,
-in vollen Z&uuml;gen einzuathmen.</p>
-
-<p>Nicht unerw&auml;hnt darf hier die Balsam-Pappel oder
-Tacamahac bleiben, welche die Luft um sich her mit
-Wohlger&uuml;chen schw&auml;ngert, vorz&uuml;glich wenn die Gummi-Knospen
-sich eben zu entfalten anfangen; die
- <span class="pagenum"><a id="Page_p284">[S. 284]</a></span>
-Balsam-Pappel bildet sich zu einem sch&ouml;nen zierlichen Baume
-aus, versteht sich, wo sie Raum genug zur Ausbreitung
-ihrer Aeste hat. Sie w&auml;chst vorz&uuml;glich an den Ufern der
-Seen und in offnen Mooren, bildet aber auch eine
-Hauptzierde unsrer Ebnen und nimmt sich mit ihren silberfarbigem
-runden, wehenden Laube sehr sch&ouml;n aus;
-die Rinde schwitzt ein klares Gummi-Harz in durchsichtigen
-K&uuml;gelchen aus, und die Knospen &uuml;berziehen sich
-mit einer in hohem Grade aromatischen gumm&ouml;sen Fl&uuml;ssigkeit.</p>
-
-<p>Unsre Gr&auml;ser verdienen alle Aufmerksamkeit; es giebt
-hier Variet&auml;ten, die mir ganz neu sind und getrocknet
-eine elegante Zierde unsrer Kamine bilden; auf dem Kopfe
-einer Dame w&uuml;rden sie sich sehr h&uuml;bsch ausnehmen, wenn
-nur nicht die Mode stets k&uuml;nstlichen Putz dem nat&uuml;rlichen
-vorz&ouml;ge.</p>
-
-<p>Eine oder zwei Gras-Arten, die ich gesammelt habe,
-zeigten, ihre Kleinheit abgerechnet, gro&szlig;e Aehnlichkeit mit
-dem indianischen Korn; sie haben eine Troddel oder
-Quaste, und eine achtseitige Aehre; die kleinen K&ouml;rner
-sind reihenweise um die Spindel angeordnet. Das <em class="antiqua">Sisyrinchium</em>
-oder blau&auml;ugige Gras hat eine niedliche kleine
-azurblaue Blume, mit einem goldfarbigen Fleck an der
-Basis jedes Blumenblattes; die Bl&auml;tter sind steif und
-fahnenartig; diese niedliche Pflanze w&auml;chst b&uuml;schelweise
-auf leichtem sandigen Boden.</p>
-
-<p>Ich habe Ihnen in Vorliegendem eine Beschreibung
-der bemerkenswerthesten Pflanzen gegeben; und wenn
-auch meine Mittheilungen zum Theil der &auml;cht botanischen
-Nomenclatur nicht ganz entsprechen m&ouml;gen, so habe ich sie
-doch mindestens gerade so geschildert, wie sie mir erschienen
-sind.</p>
-
-<p>Mein holdes Kn&auml;bchen scheint bereits Geschmack an
-Blumen zu finden, und ich will diesen so sehr als m&ouml;glich
- <span class="pagenum"><a id="Page_p285">[S. 285]</a></span>
-bef&ouml;rdern. Botanik ist ein Studium, welches zur
-Veredlung und Verfeinerung der Seele beitr&auml;gt, es
-kann auf eine einfache Weise zur Himmelsleiter gemacht
-werden, wenn man ein Kind lehrt, mit Liebe und Bewunderung
-auf jenen allm&auml;chtigen und g&uuml;tigen Gott zu
-blicken, der die Blumen so sch&ouml;n schuf und bildete, um
-diese Erde zu befruchten und zu schm&uuml;cken.</p>
-
-<p>
-Leben Sie wohl Theuerste Freundin.<br />
-</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-
-<div class="block0">
-<div class="footnotes"><b>Fu&szlig;noten:</b>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_51_51"></a><a href="#FNanchor_51_51"><span class="label">[51]</span></a> <em class="antiqua">Blitum (Strawberry-bearing spinach, Indian Strawberry.)</em></p></div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_52_52"></a><a href="#FNanchor_52_52"><span class="label">[52]</span></a> Die Engl&auml;nder durchkreuzen h&auml;ufig in ihren Briefen die
-der Quere nach mit schwarzer Tinte geschriebnen Zeilen mit
-andern der L&auml;nge nach verlaufenden, wozu sie rothe Tinte
-nehmen.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_53_53"></a><a href="#FNanchor_53_53"><span class="label">[53]</span></a> Nach <em class="gesperrt">Willdenow</em> ist die Wurzel dieser Pflanze
-arzneikr&auml;ftig.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_54_54"></a><a href="#FNanchor_54_54"><span class="label">[54]</span></a> Der gemeine Hundszahn w&auml;chst auch im s&uuml;dlichen Europa.
-Die knollige wei&szlig;e Wurzel ist schleimig und nahrhaft,
-sie kann wie der Salep als ein Nahrungsmittel f&uuml;r Entkr&auml;ftete
-und Abzehrende gebraucht werden.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_55_55"></a><a href="#FNanchor_55_55"><span class="label">[55]</span></a> <em class="antiqua">Lady's-slipper.</em></p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_56_56"></a><a href="#FNanchor_56_56"><span class="label">[56]</span></a> <em class="antiqua">The yellow mocassin flower.</em></p>
-</div>
-</div>
-</div>
-
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p286">[S. 286]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="no-break" id="Funfzehnter_Brief">F&uuml;nfzehnter Brief.</h2>
-</div>
-
-<blockquote>
-<p class="p1 font09">Nochmalige Betrachtung verschiedner Punkte. &mdash; Fortschritte
-der Ansiedlungen. &mdash; Canada, das Land der Hoffnung. &mdash; Besuch
-bei der Familie eines See-Offiziers. &mdash; Eichh&ouml;rnchen. &mdash;
-Besuch bei einem ausgewanderten Geistlichen; seine Geschichte. &mdash;
-Schwierigkeiten, womit er Anfangs zu k&auml;mpfen hatte. &mdash; Temperament,
-Charakter und Gewohnheiten der Emigranten sind
-von gro&szlig;em Einflu&szlig; auf das Gedeihen oder Nichtgedeihen ihrer
-Ansiedlung.</p>
-</blockquote>
-
-<p class="p1 rright font09">
-September 26, 1834.<br />
-</p>
-
-<p>Ich versprach bei meiner Abreise von England, Ihnen
-sobald als m&ouml;glich eine gen&uuml;gende Auskunft von
-unsrer Niederlassung in Canada zu geben.</p>
-
-<p>Ich werde jetzt mein Bestes thun, um meinem Versprechen
-nachzukommen, und Ihnen eine kleine Skitze
-von unsern Unternehmungen, Thun und Treiben vorzulegen,
-nebst solchen Bemerkungen &uuml;ber die nat&uuml;rlichen Z&uuml;ge
-des Ortes, wo wir unsre Heimath aufgeschlagen, die
-Ihnen, meines Bed&uuml;nkens, Interesse und Unterhaltung
-gew&auml;hren d&uuml;rften. Machen Sie sich also, Theuerste
-Freundin, auf einen langen abschweifenden Brief gefa&szlig;t,
-worin ich etwas von der Natur des Irrlichts zeigen,
-und, nachdem ich Sie, mir in meinen regellosen Wanderungen,
-&mdash;</p>
-
-<div class="poem"><div class="stanza">
-<span class="i0">Ueber Berg, &uuml;ber Thal,<br /></span>
-<span class="i0">Durch Busch und Dorngestr&auml;uch,<br /></span>
-<span class="i0">Ueber Feld und Auen,<br /></span>
-<span class="i0">Durch Fluthen durch Feuer.<br /></span>
-</div></div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p287">[S. 287]</a></span></p>
-<p>zu folgen bestimmt, Sie m&ouml;glicher Weise mitten in einem
-dichten Cedern-Moor oder in dem pfadlosen Dickichte
-unsrer wilden W&auml;lder ohne F&uuml;hrer oder auch nur ein
-Zeichen, das Ihnen den Weg andeuten k&ouml;nnte, verlassen
-werde.</p>
-
-<p>Sie werden aus meinen Briefen an meine theure
-Mutter, von unsrer gl&uuml;cklichen Ankunft zu Quebec, von
-meiner Krankheit zu Montreal, von allen unsern Abentheuern
-und Widerw&auml;rtigkeiten w&auml;hrend unsrer Reise
-landeinw&auml;rts geh&ouml;rt haben, und wie wir nach einer erm&uuml;denden
-Wanderung endlich bei einem liebreichen Verwandten,
-den wir, nach einer mehrj&auml;hrigen Trennung wieder
-in die Arme zu schlie&szlig;en, gl&uuml;cklich genug waren, endlich
-einen Ruheplatz gefunden.</p>
-
-<p>Da meinem Gatten sehr viel daran gelegen war,
-sich in der Nachbarschaft eines so nahen Verwandten von
-mir niederzulassen, indem er wohl denken mochte, da&szlig; der
-Wald dadurch etwas von jener Einsamkeit verlieren w&uuml;rde,
-wor&uuml;ber die meisten Frauen sich so bitter beklagen, so
-kaufte er ein St&uuml;ck Land an den Ufern eines sch&ouml;nen
-Sees, dem Gliede einer Kette der kleinen Seen, die dem
-Otanabee angeh&ouml;ren.</p>
-
-<p>Hier also haben wir uns angebaut, f&uuml;nfundzwanzig
-Acker unsers Besitzthums sind bereits gelichtet und urbar
-gemacht, und ein nettes H&auml;uschen ist ebenfalls seit geraumer
-Zeit fertig und dient uns als Schutz und Obdach,
-die Lage unsrer Meierei ist sehr angenehm, und jeder Tag
-erh&ouml;ht ihren Werth. Als wir zuerst im Busche anlangten,
-hatten wir, mit Ausnahme von S&mdash;, blos zwei oder
-drei Ansiedler in unsrer N&auml;he, und an Communications-Wege
-war gar nicht zu denken. Die einzige Stra&szlig;e, die
-zum G&uuml;ter-Transport aus dem n&auml;chsten St&auml;dtchen allenfalls
-taugte, lag auf der andern Seite des Wassers, &uuml;ber
-welches man auf einem Block- (Log-) Kahn oder einem
-Kanoe von Birkenrinde setzen mu&szlig;. Ersteres ist nichts
-weiter als ein mit der Axt ausgeh&ouml;hlter Fichtenstamm,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p288">[S. 288]</a></span>
-der ungef&auml;hr drei oder vier Personen fa&szlig;t, einen flachen
-Kiel hat, schmal ist, und daher sehr gut in seichtem Wasser
-gebraucht werden kann. Das Rinden-Canoe ist aus
-Birken-Rinden-Schichten gezimmert, welche die Indianer
-kunstreich zuzurichten und unter einander zu verbinden
-verstehen; Letzteres geschieht durch Zusammenn&auml;hen, wozu
-sie sich der z&auml;hen Wurzeln der Ceder, jungen Fichte, oder
-L&auml;rche (Tamarack, wie sie von den Eingebornen genannt
-wird,) bedienen. Diese Fahrzeuge sind au&szlig;erordentlich
-leicht, so da&szlig; sie von zwei Personen, ja von einer,
-ohne M&uuml;he getragen werden k&ouml;nnen. Dies also waren
-unsre Fahrb&ouml;te, gewi&szlig; sehr zerbrechliche Fahrzeuge, die zu
-ihrer F&uuml;hrung gro&szlig;e Geschicklichkeit und Vorsicht erfordern;
-sie werden durch Ruderschaufeln in Bewegung gesetzt,
-wobei der Rudernde entweder kniet oder steht. Die
-Squaws sind in Steuerung der Canoes sehr ge&uuml;bt und
-behaupten ihre Balance mit gro&szlig;er Geschicklichkeit, sie
-stehen bei ihrer Ruder-Arbeit und steuern in kleinen
-leichten Nachen mit gro&szlig;er Geschwindigkeit durch das
-Wasser.</p>
-
-<p>Sehr gro&szlig; ist die Ver&auml;nderung, welche wenige Jahre
-in unsrer Lage bewirkt haben. Eine Anzahl sehr achtbarer
-Ansiedler hat sich l&auml;ngs den Seen angekauft,
-so da&szlig; es uns nicht l&auml;nger an Gesellschaft fehlt. Die
-Stra&szlig;en oberhalb unsrer Niederlassung sind jetzt meilenweit
-durch den Wald gehauen und k&ouml;nnen, obschon bei
-weitem nicht tadelfrei, mit Wagen und Schlitten bereist
-werden und sind doch gewi&szlig; besser als gar keine.</p>
-
-<p>Da, wo fr&uuml;her ein dichter Fichtenwald den Boden
-bedeckte, ist ein Dorf wie aus der Erde hervor gesprungen;
-wir haben jetzt in geringer Entfernung von unsrer
-Meierei eine treffliche S&auml;ge-M&uuml;hle, eine Gr&uuml;tzm&uuml;hle und
-ein Vorraths-Magazin nebst einer Schenke und manchen
-h&uuml;bschen Wohngeb&auml;uden.</p>
-
-<p>Eine h&uuml;bsche h&ouml;lzerne Br&uuml;cke, auf steinernen Pfeilern,
-ist im vorigen Winter gebaut worden, um die
- <span class="pagenum"><a id="Page_p289">[S. 289]</a></span>
-Gemeinde-Bezirke auf beiden Flu&szlig;ufern mit einander
-zu verbinden und den Abstand von Peterborough zu vermindern;
-und ob sie gleich ungl&uuml;cklicher Weise in der ersten
-H&auml;lfte des letzten Fr&uuml;hjahrs durch das ungew&ouml;hnliche
-Steigen der Otanabee-Seen fort gef&uuml;hrt worden ist,
-so hat doch ein th&auml;tiger und unternehmender junger
-Schotte, der Gr&uuml;nder des Dorfes, auf ihren Tr&uuml;mmern
-eine neue errichtet.</p>
-
-<p>Allein das gro&szlig;e Werk, welches fr&uuml;her oder sp&auml;ter
-diesen Theil des Distriktes seinem gegenw&auml;rtigen Dunkel
-entrei&szlig;en wird und mu&szlig;, ist die Er&ouml;ffnung einer Schiffahrts-Linie
-vom Huronen-See durch den Simcoe-See, so
-wie durch unsre Kette kleiner Seen bis zum Reis-See und
-endlich durch den Tremt bis zur Bay von Quinte. Dieses
-gro&szlig;artige Werk d&uuml;rfte von unberechenbarem Vortheil sein,
-indem dadurch eine direkte Communication zwischen dem
-Huronen-See und den weiter einw&auml;rts im Lande jenseits des
-Otanabee gelegnen Gemeinde-Bezirken mit dem St. Laurence
-er&ouml;ffnet werden w&uuml;rde. Dieses Project ist bereits
-der Regierung zur Berathung vorgelegt worden und ist
-gegenw&auml;rtig ein Gegenstand des allgemeinen Gespr&auml;chs
-im Lande; jedenfalls wird es fr&uuml;her oder sp&auml;ter zur Ausf&uuml;hrung
-kommen. Es ist mit einigen Schwierigkeiten
-und Kosten verbunden, wird aber nothwendiger Weise
-nicht wenig zum Gedeihen und Wohlstande des Landes
-beitragen, und das Mittel zur Ansiedlung der jenseits des
-Otanabee l&auml;ngs diesen Seen gelegnen Gemeinde-Bezirken
-werden.</p>
-
-<p>Ich mu&szlig; es erfahrnern Leuten, als ich bin, &uuml;berlassen,
-die Ersprie&szlig;lichkeit und Trefflichkeit des fraglichen
-Plans zu beurtheilen; und da Sie, wie ich denke, nicht
-Willens sind, nach unsern Urw&auml;ldern auszuwandern,
-so d&uuml;rfte Ihnen eine fl&uuml;chtige Andeutung des Unternehmens
-gen&uuml;gen, und Sie werden schon aus Freundschaft
-zu mir, &mdash; daf&uuml;r stimmen, da&szlig; die Er&ouml;ffnung
- <span class="pagenum"><a id="Page_p290">[S. 290]</a></span>
-eines Marktes f&uuml;r inl&auml;ndische Erzeugnisse nicht anders als
-h&ouml;chst w&uuml;nschenswerth sein k&ouml;nne.</p>
-
-<p>Canada ist das Land der Hoffnung, hier ist alles
-neu, alles schreitet hier vorw&auml;rts, es ist f&uuml;r K&uuml;nste und
-Wissenschaften, f&uuml;r Ackerbau und Manufacturwesen fast
-unm&ouml;glich, R&uuml;ckschritte zu thun; sie m&uuml;ssen best&auml;ndig
-vorw&auml;rts gehen, und wenn auch in einigen Theilen
-des Landes diese Fortschritte langsam erscheinen m&ouml;gen,
-so sind sie doch in andern verh&auml;ltni&szlig;m&auml;&szlig;ig eben so rei&szlig;end.</p>
-
-<p>Die Thatkraft, der Unternehmungs-Geist der Auswandrer,
-besonders in den nur theilweise besiedelten Gemeinde-Bezirken,
-wird in fortw&auml;hrender Anregung erhalten,
-ein Umstand, der sie in hohem Grade vor Entmuthigung
-und Verzagtheit sch&uuml;tzt.</p>
-
-<p>Die Ankunft eines unternehmenden Mannes wirkt
-anspornend auf die um ihn her, eine gewinnversprechende
-Speculation kommt in Vorschlag, und siehe, das Land
-in der Nachbarschaft steigt an Werth um das Doppelte,
-ja Dreifache gegen fr&uuml;her; auf diese Weise befreundet
-und f&ouml;rdert er ohne gerade die Absicht zu haben, seine
-Nachbarn; die Pl&auml;ne eines Ansiedlers sind, so bald sie
-in Ausf&uuml;hrung treten, f&uuml;r viele wohlth&auml;tig. Wir haben
-bereits die wohlth&auml;tige Wirkung der Ansiedlung neuer
-achtbarer Emigranten in unserm Gemeinde-Bezirk gef&uuml;hlt,
-indem der Werth unsers Boden-Eigenthums dadurch
-um das Dreifache gestiegen ist.</p>
-
-<p>Alles dies liebe Freundin, werden Sie sagen, ist
-recht gut, und d&uuml;rfte verst&auml;ndigen M&auml;nnern viel Stoff
-zu einer lehrreichen Unterhaltung gew&auml;hren, aber uns
-Frauen wollen dergleiche ernsthafte Er&ouml;rterungen nicht
-recht behagen; daher bitte ich Sie, ein andres Thema zu
-w&auml;hlen, und mir lieber zu erz&auml;hlen, wie Sie Ihre Zeit
-unter den B&auml;ren und W&ouml;lfen Canadas zubringen.</p>
-
-<p>An einem sch&ouml;nen Tage im letzten Juni besuchte
-ich zu Wasser die Braut eines jungen See-Offiziers, der
-ein sehr h&uuml;bsches St&uuml;ck Land, etwa zwei (englische) Meilen
- <span class="pagenum"><a id="Page_p291">[S. 291]</a></span>
-oberhalb des Sees gekauft hatte; unsre Gesellschaft
-bestand aus meinem Gatten, meinem Kn&auml;bchen und meiner
-Wenigkeit; wir trafen einige angenehme Freunde an,
-und belustigten uns ganz zu unsrer Zufriedenheit. Das
-Mittagsmahl wurde in dem <em class="gesperrt">Stoup</em> aufgetischt, das ist,
-(denn sie m&ouml;chten schwerlich wissen, was das Wort bedeutet,)
-eine Art weite Vorhalle (Verandah), die auf
-Pfeilern, h&auml;ufig unabgerindeten Baumst&auml;mmen ruht;
-der Fu&szlig;boden besteht entweder aus hart getretnem Erdreich
-oder Dielen (Bretern). Das Dach ist mit Rindenschichten
-oder Schindeln gedeckt. Diese Stoups sind holl&auml;ndischen
-Ursprungs und, wie man mir gesagt hat,
-von den ersten holl&auml;ndischen Ansiedlern in den Staaten
-eingef&uuml;hrt worden; seitdem haben sie ihren Weg in alle
-&uuml;brige Colonien gefunden.</p>
-
-<p>Von der Scharlach-Ranke, einer in unsern W&auml;ldern
-und Wildnissen einheimischen Pflanze, der wilden Rebe,
-und der Hopfen-Pflanze, die hier sehr &uuml;ppig und ohne
-Arbeit oder Aufmerksamkeit auf ihre Cultur gedeiht, bekr&auml;nzt,
-haben die Stoups ein recht l&auml;ndliches Ansehn;
-im Sommer dienen sie als offnes Vorzimmer, wo man
-sein Mahl einnehmen und das Anwehen der frischen Luft
-genie&szlig;en kann, ohne von der heftigen Hitze der Mittagssonne
-bel&auml;stigt zu werden.</p>
-
-<p>Diese Lage unsers Hauses ist vorz&uuml;glich gut gew&auml;hlt,
-gerade auf dem h&ouml;chsten Punkte einer kleinen aufsteigenden
-Ebne, die sich ziemlich steil nach einem kleinen Thale herabneigt,
-in dessen Grunde ein klarer Bach den Garten von den
-ihm gegen&uuml;berliegenden Korn-Feldern, die das Ufer bekr&auml;nzen,
-scheidet. Gerade im Angesicht der Vorhalle (Stoup),
-wo wir im Sommer unser Mittags-Mahl einnehmen,
-ist der Garten angelegt, mit einem weichen, von Blumen-Rabatten
-ums&auml;umten Rasen-Pl&auml;tzchen, und von einem
-reifenden Weizenfelde durch ein kleines Gel&auml;nder, an
-welchem sich der &uuml;ppige Hopfen mit seinen G&auml;belchen
-und zierlichen Bl&uuml;then hinauf rankt, geschieden. Bei
- <span class="pagenum"><a id="Page_p292">[S. 292]</a></span>
-dieser Gelegenheit mu&szlig; ich Ihnen sagen, da&szlig; der Hopfen
-zur Bereitung von Hefen f&uuml;r das Brod gezogen wird.
-Da sie an Gegenst&auml;nden, die den Haushalt betreffen,
-gro&szlig;es Wohlgefallen finden, so will ich ein Recept, die
-Bereitung von Hopfen-Hefen, wie wir sie nennen, betreffend,
-f&uuml;r Sie beilegen<a id="FNanchor_57_57"></a><a href="#Footnote_57_57" class="fnanchor">[57]</a>.</p>
-
-<p>Die Yankies bedienen sich eines Sauerteigs aus
-Salz, warmem Wasser oder Milch; allein obschon der
-mit Salz bereitete Sauerteig recht gut aussehende Brode
-giebt, indem sie viel wei&szlig;er und fester erscheinen, als die
-mir Hopfen-Hefen bereiteten Brode, so wird doch durch
-ersteres Verfahren dem Brodteige ein Beigeschmack mitgetheilt,
-der nicht jedermanns Gaumen behagt, wozu noch
-kommt, da&szlig; bei sehr kaltem Wetter jener Sauerteig fast
-seine Dienste versagt.</p>
-
-<p>Nachdem ich Ihnen so mein Recept mitgetheilt
-habe, will ich in die Verandah zu meiner Gesellschaft
-zur&uuml;ck kehren, die, ich kann Ihnen versichern, sehr angenehm
-und traulich war, und wo jeder nach Kr&auml;ften das
-Seinige zur Unterhaltung beitrug.</p>
-
-<p>Wir hatten B&uuml;cher und Zeichnungen, und eine
-Menge indianischer T&auml;ndeleien und Putzger&auml;thschaften,
-die Sammlung mancher langen Reise an ferne Gestade,
-zu besehen und zu bewundern. Bald nach Sonnenuntergang
-brachen wir auf und nahmen unsern Weg durch
-die W&auml;lder nach dem Landungsplatze am See-Ufer, wo
-wir unser Rinden-Canoe bereit fanden, uns nach Hause
-zu f&uuml;hren.</p>
-
-<p>W&auml;hrend unsrer Fahrt, gerade beim Anfange der
-Stromschnellen zog ein kleiner Gegenstand im Wasser, der
-schnell dahin schwamm, unsre Aufmerksamkeit auf sich;
-die Meinungen &uuml;ber den kleinen Schwimmer waren verschieden:
-Einige glaubten, es w&auml;re eine Wasserschlange,
-andre hielten ihn f&uuml;r ein Eichh&ouml;rnchen oder eine Moschu&szlig;-Ratze;
- <span class="pagenum"><a id="Page_p293">[S. 293]</a></span>
-einige schnelle Ruderschl&auml;ge brachten uns dem
-r&auml;thselhaften Wandrer n&auml;her, so da&szlig; wir ihm den Weg
-versperrten; es war ein h&uuml;bsches rothes Eichh&ouml;rnchen von
-einer benachbarten Insel, und wahrscheinlich auf einer
-Entdeckungsreise begriffen. Das niedliche Thierchen, anstatt
-sein Heil in der Flucht nach einer entgegengesetzten
-Richtung zu suchen, sprang mit einer Beherztheit und
-Geschicklichkeit, die seine Verfolger in Erstaunen setzte,
-leicht an der aufgehobnen Ruderschaufel in die H&ouml;he,
-und von dieser meinem erschrocknen Knaben gerade nach
-dem Kopfe, und, nachdem es meine Schulter gewonnen,
-wieder ins Wasser, und steuerte geraden Weges dem Ufer
-zu, ohne auch nur einen einzigen Strich von der Linie
-abzuweichen, welche es verfolgte, als es zuerst unsers Canoes
-ansichtig wurde. Die Behendigkeit und der Muth
-dieses harmlosen Gesch&ouml;pfs, &uuml;berraschten und unterhielten
-mich; ich h&auml;tte der Sache kaum Glauben schenken
-k&ouml;nnen, w&auml;re ich nicht selbst Augenzeuge von seinem
-Benehmen gewesen, und &uuml;berdies an den Schultern durch
-das von seinem Pelze tr&auml;ufelnde Wasser t&uuml;chtig durchn&auml;&szlig;t
-worden.</p>
-
-<p>Vielleicht erscheint Ihnen meine Eichh&ouml;rnchen-Anekdote
-unglaublich; allein ich kann mit meiner pers&ouml;nlichen
-Erfahrung f&uuml;r ihre Wahrheit b&uuml;rgen, da ich den muntern
-Springer nicht nur sah, sondern auch f&uuml;hlte. Die
-schwarzen Eichh&ouml;rnchen sind sehr liebensw&uuml;rdige und h&uuml;bsche
-Thierchen und betr&auml;chtlich gr&ouml;&szlig;er als die rothen,
-grauen und gestreiften; die letztern werden von den Indianern
-&raquo;Tshit-munks (<em class="antiqua">Chit-munks</em>)&laquo; genannt.</p>
-
-<p>Letzten Sommer wurden wir von diesen kleinen
-R&auml;ubern t&uuml;chtig gepl&uuml;ndert, die rothen Eichh&ouml;rnchen stahlen
-uns gro&szlig;e Quantit&auml;ten indianischen Korns, nicht blos
-vom Stengel, als die Saat in der Reife begriffen war,
-sondern sie kamen sogar durch einige L&uuml;cken in den Blockw&auml;nden
-in die Scheunen, und schleppten sehr viel Getraide,
-(indianisches Korn) fort, das sie sehr geschickt von der
- <span class="pagenum"><a id="Page_p294">[S. 294]</a></span>
-Spindel abzul&ouml;sen und nach ihren Vorraths-Magazinen,
-in hohlen B&auml;umen oder unterirdischen H&ouml;hlen, zu transportiren
-verstanden.</p>
-
-<p>Die kleinen Thierchen sind sehr begierig nach K&uuml;rbi&szlig;k&ouml;rnern,
-man sieht sie h&auml;ufig unter dem Vieh umher
-schnellen, und wenn dieses die K&uuml;rbisse zerfleischt, mit den
-herausfallenden Samen davon eilen. Nicht weniger
-gern fressen sie die Samen der Sonnen-Blumen, welche
-in unsern G&auml;rten und Lichtungen eine riesenhafte H&ouml;he
-erreichen. Das Feder-Vieh liebt die Sonnen-Blumen-K&ouml;rner
-ebenfalls sehr, und ich sammelte die reifen
-Blumen, in der Absicht, einen guten Vorrath dieser Delicatesse
-f&uuml;r meine armen H&uuml;hnchen w&auml;hrend des Winters
-zu haben. Eines Tages ging ich, die reifen K&ouml;pfe
-abzuschneiden, wovon die gr&ouml;&szlig;ten einem gro&szlig;en Pr&auml;sentirteller
-glichen, sah aber zu meinem Aerger zwei diebische
-rothe Eichh&ouml;rnchen &auml;msig in Sammlung der Samen, wie
-Sie wohl denken k&ouml;nnen, nicht f&uuml;r mich, sondern, f&uuml;r
-sich selbst besch&auml;ftigt.</p>
-
-<p>Nicht zufrieden mit Abl&ouml;sung der Samen, durchs&auml;gten
-die kleinen Diebe mit ihren scharfen Z&auml;hnen geschickt
-die Blumenstengel, und schleppten ganze Samen-K&ouml;pfe
-auf einmal fort, dabei waren sie so keck, da&szlig; sie
-sich durch meine Ann&auml;herung nicht im geringsten st&ouml;ren
-lie&szlig;en, und wichen nicht eher, als bis sie sich ihrer Beute
-bem&auml;chtigt hatten, und mit einer Ladung, die wohl zweimal
-so schwer war, als ihr leichter K&ouml;rper, &uuml;ber Gel&auml;nder,
-Wurzeln, Baumstummel und Holz-Bl&ouml;cke pfeilschnell
-davon eilten, so da&szlig; sie jede Verfolgung von meiner Seite
-vergeblich machten.</p>
-
-<p>Gro&szlig; war der Verdru&szlig;, den das kleine muntre
-P&auml;rchen an den Tag legte, als es behufs einer zweiten
-Ladung wieder kam und die Pflanzen ihrer K&ouml;pfe beraubt
-fand. Ich hatte alles, was noch &uuml;brig war, abgeschnitten
-und in einem Korbe auf einen kleinen Block,
-gleich neben einer offnen Glasth&uuml;re, an die Sonne gestellt;</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p295">[S. 295]</a></span></p>
-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/p295i.jpg" alt="Rothe Eichh&ouml;rnchen." />
- </div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p296"></a></span></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p297">[S. 297]</a></span>
-ich sa&szlig; eben auf der Th&uuml;rschwelle und h&uuml;lste einige
-Samen-Bohnen aus, als die Eichh&ouml;rnchen durch ihre
-scharfen scheltenden T&ouml;ne, wobei sie ihre leichten federartigen
-Schweife empor hoben, als wollten sie den lebhaftesten
-Unwillen &uuml;ber meine Eingriffe in ihre vermeintlichen
-Rechte zu erkennen geben, meine Aufmerksamkeit
-in Anspruch nahmen; es w&auml;hrte gar nicht lange, so hatten
-sie den indianischen Korb mit dem ihnen entrissenen
-Schatze entdeckt; einige rasche Bewegungen brachte das
-kleine P&auml;rchen an das Gitter, nur wenige Schritte von
-mir und den Samen-K&ouml;pfen; hier machten sie Halt,
-setzten sich nieder und blickten mich mit bittender Miene
-an. Ihre Verlegenheit machte mir zu viel Vergn&uuml;gen,
-als da&szlig; ich ihnen h&auml;tte daraus helfen sollen, allein kaum
-hatte ich meinen Kopf gedreht, um mit meinem Kinde zu
-sprechen, so schossen sie vorw&auml;rts und in einer andern
-Minute hatten sie sich eines der gr&ouml;&szlig;ten Samen-K&ouml;pfe
-bem&auml;chtigt, den sie fortschleppten; zuerst trug ihn das
-eine einige Schritte weit, dann packte das andere an,
-denn er war zu gro&szlig; und schwer, als da&szlig; ihn eins h&auml;tte
-lange tragen k&ouml;nnen. Kurz ihre kleinen Man&ouml;vres machten
-mir so viel Spa&szlig;, da&szlig; ich mich meines ganzen Vorraths
-berauben lie&szlig;.</p>
-
-<p>Im Fr&uuml;hjahr sah ich eine kleine Eichh&ouml;rnchen-Familie
-auf dem Gipfel eines hohlen Blockes spielen, und
-ich kann wohl sagen, da&szlig; sie mir unter allen Thieren
-als die lebhaftesten und niedlichsten Gesch&ouml;pfe erscheinen,
-die man nur immer sehen kann.</p>
-
-<p>Das fliegende Eichh&ouml;rnchen ist in unsern W&auml;ldern
-zu Hause und &uuml;bertrifft, meines Bed&uuml;nkens, in Sch&ouml;nheit
-alle seine Gattungs-Verwandten. Seine Farbe ist das
-weichste zarteste Grau; das Pelzhaar ist dick und kurz,
-und so seidenartig wie Sammet; die Augen sind, wie bei
-allen Eichh&ouml;rnchen-Arten gro&szlig;, voll und sanft, die Schnurren
-und das lange Haar um die Nase sind schwarz; die Membran,
-welche dem Thierchen zum Fliegen dient, ist zart
- <span class="pagenum"><a id="Page_p298">[S. 298]</a></span>
-und von weichem Gef&uuml;ge, wie der Pelz des Chinchilla
-(Ohrmaus), sie bildet zwischen den Vorder- und Hinter-Beinen
-eine B&uuml;rste; der Schweif gleicht einer zierlichen
-breiten grauen Feder. Die Erscheinung dieses allerliebsten
-kleinen Gesch&ouml;pfes &uuml;berraschte mich sehr angenehm; die
-Zeichnungen welche ich davon gesehen, gaben ihm ein
-h&ouml;chst plumpes und <em class="gesperrt">fledermausartiges</em>, fast ekelhaftes
-Ansehen. Die Jungen lassen sich leicht z&auml;hmen und
-sind in der Gefangenschaft sehr zutraulich und zum
-Spielen geneigt.</p>
-
-<p>Wie w&uuml;rde sich meine kleine Freundin <em class="gesperrt">Emilie</em>,
-&uuml;ber einen solchen Spielkameraden freuen. Sagen Sie
-ihr, da&szlig; ich ihr, sollte ich jemals in mein theures Vaterland
-zur&uuml;ckkehren, wo m&ouml;glich ein dergleichen Thierchen
-mitbringen werde; vor der Hand aber mu&szlig; sie sich mit
-den ausgestopften Exemplaren der rothen, schwarzen und
-gestreiften Art begn&uuml;gen, die ich meinem Packete einverleibt
-habe. Ich w&uuml;nschte, Ihnen ein werthvolleres Geschenk
-machen zu k&ouml;nnen, allein unsre Kunstsachen und
-Manufacturen sind durchaus brittisch, mit Ausnahme der
-Kleinigkeiten, welche die Indianer verfertigen, und es
-w&uuml;rde mir daher schwer fallen, Ihnen etwas der Aufmerksamkeit
-Werthes zu schicken, weshalb ich meine Zuflucht
-zu den nat&uuml;rlichen Erzeugnissen unsrer W&auml;lder als
-Zeichen der Erinnerung an meine Freunde und Verwandten
-in der <em class="gesperrt">Heimath</em> &mdash; denn so nennen wir stets unser
-theures Geburtsland, &mdash; nehmen mu&szlig;.</p>
-
-<p class="pmb3">Sie w&uuml;nschen zu wissen, ob ich gl&uuml;cklich und mit
-meiner Lage zufrieden bin, oder ob sich mein Herz nach
-dem alten Vaterlande sehnt. Ich will Ihnen aufrichtig
-antworten und spreche daher hier ein f&uuml;r alle mal aus,
-da&szlig; ich, in Bezug auf Geschmackssachen und fr&uuml;hzeitige
-Gedanken-Verbindungen und alle jene heiligen
-Bande der Verwandtschaft und alte Freundschaftsb&uuml;ndnisse,
-welche die Heimath Allen und Jedem, von welcher
-Nation er auch sei, so theuer machen, England den
-Vorzug gebe.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p299">[S. 299]</a></span></p>
-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/p299i.jpg" alt="Fliegendes Eichh&ouml;rnchen." />
- </div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p300"></a></span></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p301">[S. 301]</a></span></p>
-
-<p>Auf der andern Seite mindert der Gedanke an die
-freiwillig &uuml;bernommenen Pflichten, und ein Gef&uuml;hl von
-Zufriedenheit mit meiner Lage das Bedauern, welchem ich
-nachzuh&auml;ngen, mich geneigt finden m&ouml;chte. Ueberdies giebt
-es f&uuml;r mich neue und heilige Banden, die mich an Canada
-fesseln; ich habe viel h&auml;usliches Gl&uuml;ck genossen,
-seitdem ich hierher gekommen bin; &mdash; und ist Canada
-nicht das Geburtsland meines theuren Kindes? Habe ich
-nicht hier zum ersten Male jenes Entz&uuml;cken genossen,
-welches von m&uuml;tterlichen Gef&uuml;hlen entspringt? Wenn mein
-Auge auf meinem l&auml;chelnden B&uuml;bchen ruht, oder wenn ich
-seinen warmen Athem an meiner Wange f&uuml;hle, so f&uuml;llt
-meine Brust eine Wonne, die ich gegen kein Vergn&uuml;gen
-auf Erden vertauschen m&ouml;chte. &raquo;Recht gut,&laquo; h&ouml;r' ich
-Sie im Geiste erwiedern, &raquo;allein diese Empfindungen sind
-ja nicht auf eure einsamen canadischen W&auml;lder beschr&auml;nkt.&laquo;
-Ich wei&szlig; dies wohl, aber hier st&ouml;rt mich
-nichts in meiner Z&auml;rtlichkeit, in den Liebkosungen meines
-theuren Kindes. Hier wird man nicht durch rauschende
-weltliche Vergn&uuml;gungen zur Vernachl&auml;ssigung seiner Mutterpflichten
-veranla&szlig;t, hier kann nichts den holden Knaben
-aus meinem Herzen verdr&auml;ngen; seine Gegenwart
-macht mir jeden Ort theuer und werth, ich lerne die
-Stelle lieben, wo er geboren worden ist, und denke mit
-Wohlgefallen an meine neue Heimath, weil sie sein Vaterland
-ist; und blicke ich in die Zukunft, und fasse ich
-sein k&uuml;nftiges Wohlergehn ins Auge, so f&uuml;hle ich mich
-mit doppelter Anh&auml;nglichkeit an die Erdscholle gefesselt,
-welche er eines Tages sein nennen wird.</p>
-
-<p>Vielleicht w&uuml;rdige ich das Land nur nach meinen
-eignen Gef&uuml;hlen; und wenn ich bei einer unparteiischen
-Pr&uuml;fung meines gegenw&auml;rtigen Lebens finde, da&szlig; ich eben
-so gl&uuml;cklich oder noch gl&uuml;cklicher bin, als in der alten
-Heimath, so mu&szlig; ich es sch&auml;tzen und lieben.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a name="Page_p302" id="Page_p302">[S. 302]</a></span></p>
-
-<p>Wollte ich mich &uuml;ber die Vortheile, die ich besitze,
-ins Einzelne einlassen, so w&uuml;rden sie in den Augen von
-Leuten, die in all dem Glanze, all der Herrlichkeit und
-F&uuml;lle schwelgen, die Reichthum in einem durch Natur sowohl
-als Kunst den rauschenden Vergn&uuml;gungen der Welt
-so g&uuml;nstigen Lande verschaffen kann, in einem sehr negativen
-Charakter erscheinen; allein ich habe ja nie dem
-Wohlleben und der Modesucht gefr&ouml;hnt. Gro&szlig;e Gesellschaften
-und die allt&auml;glichen Vergn&uuml;gungen der eleganten
-Welt verursachten mir stets Langeweile, wo nicht Ekel.
-Durch all dieses hofartige Treiben wird das Herz nicht
-befriedigt, wie sich ein Dichter &auml;u&szlig;ert, und ich pflichte
-dem Ausspruch v&ouml;llig bei.</p>
-
-<p>Ich war immer nur zu sehr geneigt, mit Ungeduld
-die Fesseln von mir zu spornen, welche Etiquette und
-Mode der Gesellschaft anzulegen pflegen, bis sie ihren
-J&uuml;ngern alle Freiheit und Unabh&auml;ngigkeit des Willens
-rauben, und dieselben sich bald gen&ouml;thigt sehen, f&uuml;r eine
-Welt zu leben, die sie im Stillen verachten und satt haben,
-f&uuml;r eine Welt, die sie noch dazu mit Geringsch&auml;tzung
-betrachtet, weil sie nicht mit einer Unabh&auml;ngigkeit handeln
-d&uuml;rfen, die so wie sie sich &auml;u&szlig;ert, gleich zu Boden gedr&uuml;ckt
-werden w&uuml;rde.</p>
-
-<p>Ja ich mu&szlig; Ihnen offen bekennen, da&szlig; meine gegenw&auml;rtige
-Freiheit in diesem Lande ein gro&szlig;er Genu&szlig; f&uuml;r
-mich ist. Hier besitzen wir einen Vortheil vor Ihnen,
-so wie auch vor denjenigen, welche die St&auml;dte und D&ouml;rfer
-meines neuen Vaterlandes bewohnen, denn leider
-herrscht in diesen ein l&auml;cherliches Streben, einen Schein
-zu unterhalten, welcher der Lage derer, die ihn annehmen,
-durchaus nicht entspricht. Wenige, sehr wenige Emigranten
-kommen in die Colonien, au&szlig;er mit der Absicht,
-f&uuml;r sich und ihre Kinder Unabh&auml;ngigkeit zu erlangen.
-Diejenigen, welchen es nicht an Mitteln zu einem behaglichen
-Leben in der Heimath gebricht, w&uuml;rden sich
-wohl schwerlich jemals den Entbehrungen und Unannehmlichkeiten
- <span class="pagenum"><a id="Page_p303">[S. 303]</a></span>
-eines Ansiedler-Lebens in Canada aussetzen; der
-nat&uuml;rliche Schlu&szlig; aus allem diesem ist, da&szlig; der Emigrant
-mit dem Wunsche und der Hoffnung hierher gekommen,
-seinen Zustand zu verbessern und die Wohlfahrt
-einer Familie zu sichern, die er in der Heimath anst&auml;ndig
-zu versorgen, nicht die Mittel hatte. Es ist mithin
-wirklich n&auml;rrisch und ungereimt, eine Lebensweise anzunehmen,
-die, wie jeder wei&szlig;, nicht behauptet werden kann;
-dergleichen Leute sollten doch viel mehr in dem Bewu&szlig;tsein,
-da&szlig; sie, wenn es ihnen gef&auml;llt, ihren Umst&auml;nden gem&auml;&szlig;
-leben k&ouml;nnen, ohne wegen ihrer Sparsamkeit, Klugheit
-und Th&auml;tigkeit minder geachtet zu werden, ihre Gl&uuml;ckseligkeit
-suchen.</p>
-
-<p>Wir <em class="gesperrt">Buschsiedler</em> unsers Theils sind weit unabh&auml;ngiger,
-wir thun, was uns beliebt, wir kleiden uns, wie
-es uns am passendsten und bequemsten d&uuml;nkt; wir haben
-nichts von einem Mr. und einer Mrs. <em class="gesperrt">Grundy</em>
-zu f&uuml;rchten; und da wir die Fesseln des <em class="gesperrt">Grundyismus</em>
-abgesch&uuml;ttelt haben, so lachen wir &uuml;ber die Thorheit derjenigen,
-welche von neuem ihre Kette schmieden und
-gleichsam umarmen.</p>
-
-<p>Statten uns unsre Freunde einen unerwarteten Besuch
-ab, so nehmen wir sie unter unsern niedrigen Dache
-gastlich auf, und geben ihnen das Beste, was wir haben;
-und ist unsre Kost noch so gering, so tischen wir sie mit
-gutem Willen auf, und eine Entschuldigung wird weder
-gemacht noch erwartet; da Jedermann mit den mi&szlig;lichen
-Verh&auml;ltnissen einer neuen Ansiedlung bekannt ist; ja eine
-Apologie wegen Mangel an Vielf&auml;ltigkeit oder Leckereien
-der Tafel w&uuml;rde in dem Gaste einen Selbstvorwurf erzeugen,
-da&szlig; er unsre Gastfreundschaft zur ungelegnen
-Zeit auf die Probe gestellt.</p>
-
-<p>Unsre Gesellschaft besteht meist aus See- und Land-Offizieren,
-so da&szlig; wir in diesem Punkte in unsrer Sph&auml;re
-sind, und auf feinen Anstand und gute Sitten z&auml;hlen
-k&ouml;nnen, und an eine Abweichung von jenen Gesetzen,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p304">[S. 304]</a></span>
-die guter Geschmack, gesunder Verstand und ein richtiges
-moralisches Gef&uuml;hl unter Leuten unsers Standes begr&uuml;ndet
-haben, nicht zu denken ist.</p>
-
-<p>Inde&szlig; gereicht es hier zu Lande der Frau eines
-Offiziers oder Gentleman keineswegs zur Unehre, wenn
-sie in der Hauswirthschaft selbst Hand anlegt, oder alle
-h&auml;usliche Pflichten, sobald es die Gelegenheit erfordert, allein
-verrichtet. Erfahrenheit in den Geheimnissen der
-Seifen-, Lichter- und Zucker-Bereitung, im Brodbacken,
-Buttern und K&auml;semachen, im Melken der K&uuml;he, im
-Stricken, Spinnen und der Zubereitung der Wolle f&uuml;r
-den Webstuhl, ist f&uuml;r sie von unendlichem Werth und
-macht sie zu einem ehrenwerthen Mitgliede der Gesellschaft.
-In dergleichen Dingen strafen wir <em class="gesperrt">Busch-Damen</em>, die,
-welche die Nasen r&uuml;mpfen und die vornehmen Bemerkungen,
-welche ein Mr. oder eine Mrs. N. N. in der Heimath
-machen w&uuml;rde, mit geb&uuml;hrender Verachtung. Wir
-r&uuml;hmen uns unsrer F&uuml;gung in die Umst&auml;nde; und da
-ein brittischer Offizier nothwendiger Weise ein feiner, gebildeter
-Mann, und seine Gattin eine feine Dame sein
-mu&szlig;, so tr&ouml;sten wir uns mit dem Besitz dieser Eigenschaften
-als dem unwiederleglichen Beweis einer h&ouml;heren Bildung,
-und lassen uns in unsrer nutzvollen Th&auml;tigkeit
-nicht im mindesten st&ouml;ren, da hierdurch unsre Sittenfeinheit
-keinen Abbruch erleiden kann.</p>
-
-<p>Unsre Gatten verfolgen eine &auml;hnliche Lebensweise;
-der Offizier vertauscht seinen Degen mit dem Pflugschaar,
-seine Lanze mit der Sichel, und wer ihn zwischen den
-Baumstummeln den Boden aufhacken, oder auf seinem
-Grundst&uuml;ck B&auml;ume f&auml;llen sieht, denkt deswegen nicht geringer
-von ihm und seinem Stande, oder h&auml;lt ihn darum
-weniger f&uuml;r einen Gentleman, wie fr&uuml;her, als er
-noch in allem Glanze und aller W&uuml;rde militairischer
-Etiquette, mit Feldbinde, Degen und Epauletten auf dem
-Paradeplatze erschien. Es ist alles ganz so, wie es in
-einem Lande sein mu&szlig;, wo Unabh&auml;ngigkeit von Betriebsamkeit
- <span class="pagenum"><a id="Page_p305">[S. 305]</a></span>
-und Flei&szlig; unzertrennlich ist, und gerade dieser
-Umstand macht es mir so sch&auml;tzenswerth.</p>
-
-<p>Unter mehren Vortheilen, deren wir uns in diesem
-Gemeinde-Bezirk erfreuen, halte ich den nicht f&uuml;r unbetr&auml;chtlich,
-da&szlig; die niedere arbeitende Ansiedler-Klasse aus
-ordentlichen, gutwilligen und von den widrigen Yankie-Sitten,
-wodurch sich manche der fr&uuml;her angesiedelten Gemeinde-Bezirke
-zu ihrem Nachtheil unterscheiden, v&ouml;llig
-freien Leuten besteht. Unsre Dienstboten sind eben so
-oder fast eben so ehrerbietig, als die in der Heimath;
-auch werden sie nicht an unsere Tische gezogen oder auf
-gleichen Fu&szlig; mit uns gestellt, ausgenommen als &raquo;<em class="gesperrt">Bienen</em>&laquo;
-und bei &auml;hnlichen &ouml;ffentlichen Versammlungen;
-wobei sie sich in der Regel anst&auml;ndig und geziemend benehmen,
-so da&szlig; sie manchen, die sich Gentleman nennen,
-n&auml;mlich jungen Leuten, die willk&uuml;hrlich jene Beschr&auml;nkungen
-auf die Seite setzen, welche die Gesellschaft von solchen,
-die einen achtbaren Posten ausf&uuml;llen, erwartet, als
-Muster dienen k&ouml;nnten.</p>
-
-<p>Unm&auml;&szlig;igkeit ist leider ein nur zu vorherrschendes
-Laster unter allen Volks-Klassen in diesem Lande; allein
-ich err&ouml;the, indem ich es sage, da&szlig; sich vorz&uuml;glich diejenigen
-desselben schuldig machen, welche dem bessern Stande
-angeh&ouml;ren wollen. Solche m&ouml;gen doch ja nicht &uuml;ber die
-Freiheiten klagen, welche sich die arbeitende Klasse gegen
-sie heraus nimmt, und da&szlig; sie ihnen auf eine Weise
-begegnet, als w&auml;re sie ihres Gleichen, denn sie stellen sich
-ja selbst durch ihr Betragen unter den anst&auml;ndigen, n&uuml;chternen,
-wenn auch armen Ansiedler. Wenn sich die
-S&ouml;hne von Gentlemen selbst erniedrigen, so darf es ja
-gar nicht befremden, da&szlig; die S&ouml;hne armer Leute in einem
-Lande, wo alle einander auf gleichem Boden begegnen,
-und nur ein anst&auml;ndiges feines Benehmen Unterschiede
-zwischen den verschiednen Klassen bildet, sich &uuml;ber
-sie zu erheben suchen.</p>
-
-<p>Als ich vor einigen Monaten bei einer Freundin
- <span class="pagenum"><a id="Page_p306">[S. 306]</a></span>
-in einem entfernten Theile des Landes zum Besuch war, begleitete
-ich sie in die Wohnung eines Geistlichen, des Predigers
-in einem bl&uuml;henden Dorfe in dem Gemeinde-Bezirk,
-wo sie einige Tage bleiben wollte &mdash; die patriarchialische
-Einfachheit des Hauses und seiner Bewohner &uuml;berraschte
-mich. Wir wurden in das kleine Familien-Zimmer
-gef&uuml;hrt, dessen Fu&szlig;boden nach der unter den Yankies &uuml;blichen
-Sitte angestrichen war, die W&auml;nde hatten keine
-Tapeten, sondern bestanden aus Tannenholz ohne alle
-Verzierung, das Hausger&auml;the entsprach der allgemeinen
-Einfachheit. Ein gro&szlig;es Spinnrad schnurrte unter den
-flei&szlig;igen H&auml;nden einer sauber gekleideten Matrone von
-milden, feine Bildung verrathenden Z&uuml;gen; ihre kleinen
-T&ouml;chter sa&szlig;en mit ihren Strickstr&uuml;mpfen am Kaminfeuer,
-w&auml;hrend der Vater mit Unterrichtung von zwei seiner
-S&ouml;hne besch&auml;ftigt war; ein dritter sa&szlig; behaglich auf einem
-kleinen Strohstuhl zwischen seinen F&uuml;&szlig;en, und ein vierter
-schwang seine Axt mit nervigen Armen im Hofe und
-warf von Zeit zu Zeit durch das Stubenfenster sehnsuchtsvolle
-Blicke nach dem traulichen Familienkreise im Innern.</p>
-
-<p>Die Kleidung der Kinder bestand aus einer groben
-Art Zeug, einem Gemisch von Wolle und Flachs
-(Zwirn), dem Erzeugni&szlig; der kleinen Meierei und des
-r&uuml;hmlichen Flei&szlig;es ihrer Mutter. Str&uuml;mpfe, Socken,
-M&uuml;ffchen und warme Umschlaget&uuml;cher waren s&auml;mmtlich
-Haus-Fabrikate. M&auml;dchen sowohl als Knaben trugen
-Mocassins, die sie selbst gefertigt hatten. Gesunder Verstand,
-Flei&szlig; und Ordnung herrschten unter den Gliedern
-dieses kleinen Haushaltes.</p>
-
-<p>M&auml;dchen und Knaben handelten, wie es schien, nach
-dem Grundsatz, da&szlig; nichts entehrend sei, als was unmoralisch
-und unschicklich ist.</p>
-
-<p>Gastfreundschaft ohne Uebertreibung, Freundlichkeit
-ohne geheuchelte Sprache bezeichneten das Benehmen unsrer
-w&uuml;rdigen Freunde. Alles und Jedes im Hauswesen
-geschah mit R&uuml;cksichtsnahme auf Ordnung und
- <span class="pagenum"><a id="Page_p307">[S. 307]</a></span>
-Bequemlichkeit, das Besitzthum (ich sollte wohl lieber sagen,
-das Einkommen) der Familie war nur gering; sie besa&szlig;
-einige Acker an das kleine H&auml;uschen sto&szlig;endes
-Torf-Land, aber durch Th&auml;tigkeit und Flei&szlig; au&szlig;er und
-im Hause, so wie durch Sparsamkeit und gute Wirthschaft
-sah sie sich im Stande, zwar einfach aber doch auf
-anst&auml;ndigem Fu&szlig;e zu leben; mit einem Wort, wir erfreuten
-uns w&auml;hrend unsres Aufenthaltes bei diesen guten
-Menschen mancher von jenen Gen&uuml;ssen, die eine
-v&ouml;llig urbare canadische Meierei darbieten kann; Gefl&uuml;gel
-aller Art, hausschlachtenes Rindfleisch, treffliches Sch&ouml;psenfleisch
-und Ger&auml;uchertes waren in Ueberflu&szlig; vorhanden;
-zum Thee hatten wir mancherlei Delicatessen: Eingemachtes,
-Honig in Scheiben, treffliche Butter und guten K&auml;se
-nebst verschiednen Sorten Kuchen; eine Art kleine Pfann-Kuchen
-von Buchweizen-Mehl, in einer kleinen Pfanne
-mit Hefen geknetet und nachmals in hei&szlig;en Speck gest&uuml;rzt
-und gebacken; ein Pr&auml;parat von indianischem Korn-Mehl,
-Namens Supporne-Kuchen (<em class="antiqua">Supporne-cake</em>), in
-Schnitzeln geschmort und gebacken und mit Ahorn-Syrup
-gegessen, geh&ouml;rten ebenfalls unter die Rarit&auml;ten unsers
-Fr&uuml;hst&uuml;cks.</p>
-
-<p>Als ich eines Morgens ein V&ouml;lkchen sehr sch&ouml;nen
-Gefl&uuml;gels im H&uuml;hnerhofe bewunderte, sagte meine Wirthin
-l&auml;chelnd zu mir, &raquo;ich wei&szlig; nicht, ob Sie glauben,
-da&szlig; ich auf rechtlichem Wege dazu gekommen bin.&laquo;</p>
-
-<p>&raquo;O ich bin gewi&szlig;, Sie erlangten die h&uuml;bschen Thierchen
-nicht durch unerlaubte Mittel,&laquo; erwiederte ich
-lachend, &raquo;f&uuml;r Ihre Grunds&auml;tze in dieser Hinsicht will ich
-b&uuml;rgen.&laquo;</p>
-
-<p>&raquo;Sch&ouml;n,&laquo; sagte meine Wirthin, &raquo;sie sind mir weder
-gegeben noch verkauft worden, und doch habe ich sie
-auch nicht gestohlen. Ich fand den urspr&uuml;nglichen Stamm
-auf folgende Weise. Eine alte schwarze Henne erschien
-eines Morgens ganz unerwartet vor unsrer Th&uuml;r; wir
-begr&uuml;&szlig;ten den Ank&ouml;mmling mit Staunen und Freude;
- <span class="pagenum"><a id="Page_p308">[S. 308]</a></span>
-denn wir konnten zu dieser Zeit unter unsrer kleinen
-Colonie keinen einzigen Haus-Vogel aufweisen. Wir haben
-nie recht erfahren k&ouml;nnen, wie die Henne in unsern
-Besitz kam, vermuthen aber, da&szlig; eine landeinw&auml;rts reisende
-Auswandrer-Familie dieselbe unterwegs verloren haben
-mu&szlig;; diese Henne legte zehn Eier und br&uuml;tete sie
-gl&uuml;cklich aus; die kleine Brut war der Stamm von
-unsern H&uuml;hnern, und wir konnten bald unsre Nachbarn
-mit dergleichen Gefl&uuml;gel versorgen. Wir sch&auml;tzen diese
-V&ouml;gel nicht blos wegen ihrer vorz&uuml;glichen Gr&ouml;&szlig;e, sondern
-auch wegen der eigenth&uuml;mlichen Weise, auf die wir sie
-erhalten haben, und die uns als ein Beweis von Gottes
-F&uuml;rsorge f&uuml;r unsre Angelegenheiten erschien.&laquo;</p>
-
-<p>Sehr viel Unterhaltung gew&auml;hrte mir die leichte
-Skitze, welche uns der Prediger eines Abends zum besten
-gab, als wir alle um ein prasselndes Holzfeuer herum
-sa&szlig;en, das in dem, mit seinem steinernen Mauerwerk
-weit vorspringenden und zu beiden Seiten ziemlich
-tiefe Winkel bildenden Kamin hoch emporloderte.</p>
-
-<p>Er bezog sich auf seine erste Ansiedlung und bemerkte
-Nachstehendes: &mdash;</p>
-
-<p>&raquo;Es herrschte eine trostlose Wildni&szlig; von finstern
-dichtstehenden Waldb&auml;umen, als wir zuerst unser Zelt hier
-aufschlugen, zu dieser Zeit war noch keine Axt an die
-Wurzel auch nur eines einzigen Baumes gelegt worden,
-noch kein Feuer, au&szlig;er von umherstreifenden Indianern,
-war in diesen W&auml;ldern angez&uuml;ndet worden.</p>
-
-<p>&raquo;Ich kann immer noch den Ort zeigen, wo mein
-Weib und meine Kleinen ihr erstes Mal verzehrten und
-ihre schwachen Stimmen mit dankerf&uuml;llten Herzen zu
-jenem allm&auml;chtigen und barmherzigen Wesen erhoben, welches
-sie gl&uuml;cklich und wohlbehalten mitten durch die Gefahren
-des Oceans hierher gef&uuml;hrt hatte.</p>
-
-<p>&raquo;Wir glichen einer kleinen, in einer gro&szlig;en W&uuml;ste,
-unter dem besondern Schutze eines m&auml;chtigen Hirten,
-wandernden Heerde.&laquo;</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p309">[S. 309]</a></span></p>
-
-<p>&raquo;Ich habe Sie meine liebe junge Freundin,&laquo; (diese
-Worte galten meiner Gef&auml;hrtin,) von den Entbehrungen
-und M&uuml;hseligkeiten im Busche sprechen h&ouml;ren; aber glauben
-Sie mir, Sie haben im Vergleich mit denen, die vor
-einigen Jahren hierher kamen, nur wenig davon erfahren.</p>
-
-<p>&raquo;Fragen Sie nur meine &auml;ltern Kinder und meine Frau,
-wie beschaffen die Beschwerden und M&uuml;hseligkeiten des Buschsiedler-Lebens
-noch vor zehn Jahren waren, sie werden Ihnen
-sagen, da&szlig; sie Hunger und K&auml;lte, und alle damit verbundne
-Uebel zu erdulden hatten, da&szlig; es zu Zeiten an jedem
-n&ouml;thigsten Nahrungs-Artikel fehlte. Was die feinen Lebensgen&uuml;sse
-und Luxus-Artikel anlangt, so wu&szlig;ten wir
-nichts davon; und wie konnten wir auch? wir waren
-weit von jeder Gelegenheit entfernt, dergleichen Dinge
-zu erlangen; Kartoffeln, Schweinfleisch und Mehl waren
-unsre einzigen Vorr&auml;the, und oft gingen uns die beiden
-letztern aus, und es dauerte eine ziemliche Weile, ehe
-wir neue erlangen konnten. Die n&auml;chsten M&uuml;hlen waren
-dreizehn (englische) Meilen von uns entfernt, und
-der Weg dahin f&uuml;hrte durch blos angedeutete Wald-Pfade;
-und &uuml;berdies hatten wir keinen einzigen Ansiedler in der
-N&auml;he. Jetzt sehen Sie uns in einer gelichteten, v&ouml;llig urbar
-gemachten Gegend, umgeben von bl&uuml;henden Meiereien
-und entstehenden D&ouml;rfern; aber zu der Zeit, wovon ich
-spreche, war es nicht so; damals gab es weder Gew&uuml;rzl&auml;den,
-noch Vorraths-H&auml;user, wir hatten keine Fleischb&auml;nke,
-keine gelichteten Meierein, keine Milcherei, keine Obstg&auml;rten;
-auf diese Dinge mu&szlig;ten wir geduldig warten,
-bis Flei&szlig; und Betriebsamkeit sie herbeif&uuml;hren w&uuml;rden.</p>
-
-<p>&raquo;Unsre Kost bestand in nichts anderm, als eingep&ouml;ckeltem
-Schweinfleisch, Kartoffeln und bisweilen in
-Brod zum Fr&uuml;hst&uuml;ck; Schweinfleisch und Kartoffeln bildeten
-unser Mittagsmahl, Kartoffeln und Schweinfleisch
-unsern Abendtisch, nebst einem Brei aus indianischem
-Korn f&uuml;r die Kinder. Bisweilen mu&szlig;ten wir uns mit
-Kartoffeln ohne Schweinfleisch, bisweilen mit Schweinefleisch
- <span class="pagenum"><a id="Page_p310">[S. 310]</a></span>
-ohne Kartoffeln begn&uuml;gen; dies war unsre t&auml;gliche
-Kost im ersten Jahre. Nach und nach erhielten wir etwas
-Korn von unserm eignen Boden, woraus wir uns
-mittels einer Handm&uuml;hle ein grobes Mehl bereiteten;
-denn wir hatten weder Wasser- noch Wind-M&uuml;hlen in
-unsrer Colonie, und gutes Brod war in der That ein
-Luxus-Artikel f&uuml;r uns, den wir nicht oft hatten.</p>
-
-<p>&raquo;Wir brachten eine Kuh mit, die uns w&auml;hrend
-des Fr&uuml;hlings und Sommers mit Milch versorgte; aber
-wegen des wilden Knoblauchs (ein in unsern W&auml;ldern
-sehr h&auml;ufiges Unkraut), welchen sie fra&szlig;, war ihre Milch
-kaum genie&szlig;bar, sie starb im folgenden Winter, zu unserm
-nicht geringen Kummer; wir lernten, da&szlig; Erfahrung in
-dieser so wie in vielen andern Angelegenheiten, hoch zu
-stehen kommt, jetzt aber genie&szlig;en wir den Vortheil davon.&laquo;</p>
-
-<p>&raquo;Bestimmten sie die Schwierigkeiten, worauf sie
-damals stie&szlig;en, nicht bisweilen zu Mi&szlig;muth und zur
-Reue &uuml;ber die freiwillige Wahl einer von ihrer fr&uuml;hern
-so verschiednen Lebensweise?&laquo; fragte ich.</p>
-
-<p>&raquo;Sie d&uuml;rften diese Wirkung wohl herbeigef&uuml;hrt haben,
-h&auml;tte nicht ein h&ouml;herer Beweggrund, als bloser weltlicher
-Vortheil mich veranla&szlig;t, meiner Heimath Lebwohl zu
-sagen und hierher zu kommen. Sehen Sie, die Sache
-verhielt sich so: ich war mehre Jahre Prediger eines kleinen
-D&ouml;rfchens in den Gruben-Distrikten von Cumberland
-gewesen. Ich war den Herzen meiner Gemeinde
-theuer, sie war meine Freude und meine Krone. Eine
-Anzahl meiner Kirchg&auml;nger, durch Armuth und schlechte
-Zeiten gedr&uuml;ckt, beschlo&szlig;, nach Canada auszuwandern.</p>
-
-<p>&raquo;Getrieben von dem nat&uuml;rlichen und nicht ungesetzm&auml;&szlig;igen
-Verlangen, ihre Lage zu verbessern, erschien
-ihnen eine Reise &uuml;ber das atlantische Meer das beste
-Mittel dazu, und &uuml;berdies ermuthigte sie das Versprechen,
-da&szlig; ihnen ein betr&auml;chtlicher Fl&auml;chenraum wilden
-Bodens bewilligt werden sollte; denn damals war die
- <span class="pagenum"><a id="Page_p311">[S. 311]</a></span>
-Regierung in dergleichen Schenkungen an Leute, welche
-Colonisten werden wollten, sehr freigebig.</p>
-
-<p>&raquo;Allein vor Ausf&uuml;hrung dieses Unternehmens kamen
-mehre der achtbarsten von ihnen zu mir und setzten mich
-von ihrem Plan und ihren Gr&uuml;nden zu einem so wichtigen
-Schritt, den sie im Begriff zu thun waren, in
-Kenntni&szlig;; und zu gleicher Zeit baten sie mich in den
-r&uuml;hrendsten Ausdr&uuml;cken, im Namen der ganzen Gesellschaft,
-die sich zur Auswanderung bestimmt hatte, sie
-in die Wildnisse des Westens zu begleiten, damit sie
-nicht Gefahr liefen, ihren Herrn und Erl&ouml;ser zu vergessen,
-wenn sie sich von ihrem geistigen F&uuml;hrer und Beistand
-verlassen s&auml;hen.</p>
-
-<p>&raquo;Anfangs verursachte mir der Vorschlag keine geringe
-Best&uuml;rzung; es schien mir ein wildes und abentheuerliches
-Unternehmen; allein nach und nach begann ich, mit Vergn&uuml;gen
-bei der Sache zu verweilen. Ich hatte, au&szlig;er
-in meinem Geburts-Dorfe, wenige Bekannte, die mich an
-das Heimathsland fesselten; das Einkommen von meiner
-Predigerstelle war so gering, das es kein gro&szlig;es Hinderni&szlig;
-abgeben konnte; gleich <em class="gesperrt">Goldsmith</em>'s Pastor galt ich
-&raquo;<em class="gesperrt">f&uuml;r reich, mit vierzig Pfund das Jahr</em>.&laquo;
-Mein Herz hing mit inniger Liebe an meiner kleinen
-Heerde; zehn Jahr hindurch war ich ihr F&uuml;hrer und
-Seelsorger gewesen; ich war der Freund der Alten und
-der Lehrer der Jugend. Meine <em class="gesperrt">Marie</em> hatte ich aus
-ihrer Mitte gew&auml;hlt; sie hatte keine fremden Banden,
-um sie in weiter Ferne mit Reue und Bedauern auf
-die Bewohner der Heimath blicken zu machen, ihre Jugend
-und ihre Reife hatte sie unter ihnen erlebt, so da&szlig;
-sie mir, als ich ihr den Vorschlag meiner Pfarrkinder
-mitgetheilt und zugleich meine W&uuml;nsche zu erkennen gegeben
-hatte, nach Unterdr&uuml;ckung eines bangen schmerzlichen
-Gef&uuml;hls in ihrer Brust, mit <em class="gesperrt">Ruth</em>'s Worten erwiederte
-&mdash;</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p312">[S. 312]</a></span></p>
-
-<p>&raquo;Dein Land soll mein Land, dein Volk das meinige
-sein; wo du stirbst, will auch ich sterben und begraben
-sein; der Herr thue mir so und so, wenn mich etwas
-anderes als der Tod trennen sollte.&laquo;</p>
-
-<p>&raquo;Eine liebreiche z&auml;rtliche Lebensgef&auml;hrtin bist Du
-mir immer gewesen, meine <em class="gesperrt">Marie</em>,&laquo; schaltete der gute
-Mann hier ein, indem er seine Augen voll Z&auml;rtlichkeit
-auf das milde Antlitz der w&uuml;rdigen Matrone richtete,
-deren ausdrucksvolle Miene besser als Worte die Gef&uuml;hle
-ausdr&uuml;ckten, welche ihre Brust bewegten. Sie erwiederte
-nicht mit Worten, aber ich sah die dicken gl&auml;nzenden Thr&auml;nen
-auf die Arbeit in ihrer Hand fallen. Sie entsprangen
-von Bewegungen, die zu heilig waren, um durch neugierige
-Augen gest&ouml;rt zu werden, und ich wendete eilig
-meinen Blick von ihrem Gesicht; w&auml;hrend der Prediger
-in Erz&auml;hlung der Umst&auml;nde, die sein Scheiden von der
-Heimath, seine Reise und endlich seine Ankunft in dem
-Lande begleitet, welches der kleinen Colonie in dem noch
-ungelichteten Theile des Gemeinde-Bezirks bewilligt worden
-war, fortfuhr.</p>
-
-<p>&raquo;Wir hatten vor unsrer Ankunft in diesem Distrikte
-viele n&uuml;tzliche Rathschl&auml;ge und allen n&uuml;tzlichen Beistand
-von den Regierungs-Agenten erhalten, und auch einige
-Holzspeller gegen hohe L&ouml;hne gemiethet, um uns in der
-Kunst, B&auml;ume zu f&auml;llen, aufzuschichten, zu verbrennen
-und den Boden zu reinigen, zu unterrichten; da es unser
-Hauptziel war, irgend eine Feldfrucht zu erbauen und
-einzuernten, so legten wir ohne weitern Aufschub, als
-den die Errichtung eines einstweiligen Obdachs f&uuml;r Weib
-und Kind erheischte, sogleich Hand ans Werk, und bereiteten
-den Boden zur Aufnahme von Fr&uuml;hlings-Saat vor,
-wobei wir einer dem andern mit Zugvieh und Arbeit beistanden.
-Und hier mu&szlig; ich bemerken, da&szlig; mir jede Aufmerksamkeit
-und Unterst&uuml;tzung von meinen Freunden zu
-Theil ward. Meine Mittel waren gering, und meine Familie
- <span class="pagenum"><a id="Page_p313">[S. 313]</a></span>
-war zu jung, um mir einige Dienste leisten zu k&ouml;nnen.
-Inde&szlig; fehlte es mir nicht an H&uuml;lfe, und bald hatte ich
-die Freude, ein kleines Fleckchen zur Erbauung von Kartoffeln
-und Korn gelichtet und gereinigt zu sehen, ein
-Resultat, das ich durch meine alleinigen Anstrengungen
-nimmermehr herbeigef&uuml;hrt haben w&uuml;rde.</p>
-
-<p>&raquo;Mein &auml;ltester Sohn <em class="gesperrt">Johann</em> war erst neun Jahr
-alt, <em class="gesperrt">Willie</em> sieben und die andern alle noch h&uuml;lfloser;
-die beiden Kleinen, die Sie hier sehen, sind erst nach meiner
-Ankunft in diesem Lande geboren worden. Die blonde
-Dirne, welche neben Ihnen sitzt und strickt, war noch ein
-S&auml;ugling, ein h&uuml;lflos weinendes Kind, so schwach und
-kr&auml;nklich, ehe wir hier eintrafen, da&szlig; sie selten aus den
-Armen ihrer Mutter kam; allein sie wuchs und gedieh
-unter der abh&auml;rtenden Behandlung einer Buschsiedler-Familie
-zusehends.</p>
-
-<p>&raquo;Wir hatten kein Haus, keine Art von Obdach zu
-unsrer Aufnahme, als wir an dem Orte unsrer zuk&uuml;nftigen
-Bestimmung anlangen; und die ersten beiden N&auml;chte
-brachten wir auf den Ufern der Einbucht am Fu&szlig;e des
-Berges in einer H&uuml;tte von Cedern- und Schierlingstannen-Aesten
-zu, die ich mit meiner Axt und mit H&uuml;lfe
-einiger meiner Gef&auml;hrten zum Schutz meiner Gattin und
-der Kleinen errichtete.</p>
-
-<p>&raquo;Obgleich in der Mitte Mai's, waren die N&auml;chte
-doch noch sehr kalt, und wir waren froh, als ein t&uuml;chtiges
-Holzfeuer vor dem Eingange der H&uuml;tte loderte, welches
-uns nicht nur gegen die K&auml;lte, sondern auch vor
-den Stichen der Musquitos sicherte, die in Myriaden
-vom Flusse her &uuml;ber uns herfielen, und uns das Ufer
-weiter hinauftrieben.</p>
-
-<p>&raquo;Sobald als m&ouml;glich, errichteten wir eine Shanty,
-die jetzt als Schuppen f&uuml;r das junge Vieh dient; ich
- <span class="pagenum"><a id="Page_p314">[S. 314]</a></span>
-wollte sie nicht niederrei&szlig;en, wiewohl ich oft gedr&auml;ngt
-wurde, dies zu thun, da sie eine angenehme Aussicht
-vom Fenster aus verhindert; allein ich blicke gar zu gern
-darauf und erinnere mich dabei an die ersten Jahre,
-die ich unter ihrem niedrigen Dache verlebt habe. Wir
-bed&uuml;rfen solcher Gegenst&auml;nde, um uns an unsre ehemalige
-Lage zu erinnern; denn wir werden nur zu leicht stolz
-und h&ouml;ren dann auf, unsre gegenw&auml;rtigen Annehmlichkeiten
-geb&uuml;hrend zu sch&auml;tzen.</p>
-
-<p>&raquo;Unser erster Sabath wurde unter freiem Himmel
-gefeiert; meine Kanzel war ein aus rohen Baumst&auml;mmen
-aufgeschichteter Pfeiler, meine Kirche der tiefe Schatten
-des Waldes, unter welchem wir uns versammelten;
-aber von einer aufrichtigeren Fr&ouml;mmigkeit und Inbrunst,
-als an diesem Tage, bin ich nie Zeuge gewesen. Ich
-erinnere mich noch recht gut an den von mir gew&auml;hlten
-Text; ich entlehnte ihn aus dem achten Capitel des f&uuml;nften
-Buches Mosis, Vers 6, 7, und 9, die mir auf
-unsre damaligen Umst&auml;nde anwendbar zu sein schienen.</p>
-
-<p>&raquo;Im folgenden Jahre errichteten wir ein kleines
-Blockhaus, das uns als Schule und Kirche diente. Anfangs
-waren unsre Fortschritte in Lichtung des Bodens
-nur langsam; denn wir mu&szlig;ten erst Lehrgeld bezahlen
-und Erfahrung kaufen, und mancherlei und gro&szlig; waren
-die T&auml;uschungen und Entbehrungen, denen wir in den
-ersten f&uuml;nf Jahren zu begegnen hatten. Zu einer Zeit
-litten wir alle am Fieber, und keiner war im Stande,
-dem andern beizustehen; dies war eine traurige Zeit; allein
-bessere Tage warteten unser. Die Anzahl der Auswandrer
-nahm fortan zu, und die kleine Niederlassung, welche
-wir begr&uuml;ndet, stand in gutem Rufe. Ein neuer Ank&ouml;mmling
-erbaute eine S&auml;ge-M&uuml;hle; ein andrer eine
-Korn-M&uuml;hle; bald folgte auch ein Magazin, und diesem
-ein zweites und drittes, bis wir ein bl&uuml;hendes Dorf
- <span class="pagenum"><a id="Page_p315">[S. 315]</a></span>
-um uns her empor steigen sahen. Nun fing das Land
-an Werth an zu gewinnen, und manche von den alten
-Ansiedlern verkauften die ihnen zugefallnen Parcellen mit
-Vortheil und zogen weiter waldeinw&auml;rts.</p>
-
-<p>&raquo;In demselben Verh&auml;ltni&szlig;, als das Dorf wuchs,
-nahmen nat&uuml;rlicher Weise auch meine amtlichen Pflichten
-zu, die mir in den ersten Jahren meine kleine Heerde
-durch freiwillige Liebesdienste und Geschenke vergalt;
-jetzt genie&szlig;e ich die Zufriedenheit, meinen Lohn zu ernten,
-ohne da&szlig; ich meinen Pfarrkindern zur Last falle.
-Mein Grundst&uuml;ck nimmt an Werth zu, und au&szlig;er meinem
-Honorar als Prediger erhalte ich noch f&uuml;r die Schule
-eine kleine Zulage, welche die Regierung zahlt. Wir
-k&ouml;nnen uns jetzt gl&uuml;cklich preisen, da&szlig; wir hier sind; denn
-Gott hat unsre Bem&uuml;hungen gesegnet.&laquo;</p>
-
-<p>Ich habe manche interessante Umst&auml;nde vergessen,
-die mit den Pr&uuml;fungen und Entbehrungen, welchen diese
-Familie ausgesetzt war, in Verbindung standen; inde&szlig;
-erz&auml;hlte uns der Prediger genug, um mich mit meiner
-Lage auszus&ouml;hnen, und ich kehrte nach einem angenehmen
-mehrt&auml;gigen Aufenthalte bei diesen liebensw&uuml;rdigen Menschen,
-mit erh&ouml;hter Zufriedenheit und einigen n&uuml;tzlichen
-praktischen Lehren, die mich mein ganzes Leben hindurch
-begleiten werden, nach Hause zur&uuml;ck.</p>
-
-<p>Ich interessire mich gegenw&auml;rtig nicht wenig f&uuml;r
-einen jungen Schotten, der von England hierher gekommen
-ist, um die canadische Feldwirthschaft zu lernen;
-der arme Junge hatte sich h&ouml;chst romantische Vorstellungen
-von dem Leben eines Ansiedlers gebildet, und zwar
-theils aus den Berichten, die er gelesen, theils durch eine
-lebhafte Phantasie verf&uuml;hrt, welche die T&auml;uschung vollendet
-und in ihm den Glauben erzeugt hatte, da&szlig; er seine
-Zeit haupts&auml;chlich mit den bezaubernden Vergn&uuml;gungen
-und Abentheuern, welche die Jagd auf Rehe und andres
- <span class="pagenum"><a id="Page_p316">[S. 316]</a></span>
-Wild, das Schie&szlig;en nach Tauben und Enten, das Erlegen
-des Fuchses mit dem Speer, bei Fackellicht, das
-Umhersteuern auf den Seen in einem Canoe von Birkenrinde
-w&auml;hrend des Sommers, das Schlittschuhlaufen oder
-Schlittenfahren, nach Art der Lappl&auml;nder, &uuml;ber den gefrornen
-Schnee, mit einer Schnelligkeit von zw&ouml;lf (englischen)
-Meilen, und unter dem muntern Gel&auml;ute von
-Gl&ouml;ckchen und Schellen u. s. w. darbieten, zubringen
-werde. Welch anmuthiges Leben, um einen Knaben von
-vierzehn Jahren f&uuml;r sich einzunehmen, der eben erst den
-l&auml;stigen Beschr&auml;nkungen einer Pensions-Anstalt entflohen
-ist.</p>
-
-<p>Wie wenig mochte ihn von den Plackerein und
-M&uuml;hseligkeiten tr&auml;umen, welche von den Pflichten eines
-Burschen seines Alters in einem Lande, wo Alt und
-Jung, Herr und Diener in gleichem Grade, und ohne
-R&uuml;cksicht auf fr&uuml;here Lage und Rang, Hand ans Werk
-legen m&uuml;ssen, unzertrennlich sind.</p>
-
-<p>Hier mu&szlig; der Sohn eines Gentleman selbst Holz
-spellen und Wasser hohlen; er lernt hier B&auml;ume f&auml;llen,
-Holzpfeiler errichten, Gitterwerk zuschneiden, das Feuer
-w&auml;hrend der Brenn-Zeit bewachen, und ist dabei in einen
-groben Ueberwurf von hanfnem Zeuge (<em class="antiqua">logging-shirt</em>) und
-entsprechende Pantalons gekleidet, und mit einem Yankie-Strohhut
-auf dem Kopfe und einem Spie&szlig; zur Handhabung
-der lodernden Feuerbr&auml;ndte versehen. Beschicken, Anschirren
-und F&uuml;hren des Zugviehs, Pfl&uuml;gen, S&auml;en, das Pflanzen
-von indianischem Korn und K&uuml;rbissen, das Legen von
-Kartoffeln geh&ouml;rt unter die Verrichtungen des jungen
-Emigranten. Seine Erholungen sind vergleichungsweise
-nur wenige, allein eben wegen ihrer Seltenheit haben sie
-einen um so viel gr&ouml;&szlig;eren Reiz, und gew&auml;hren einen um
-so gr&ouml;&szlig;eren Genu&szlig;.</p>
-
-<p>Sie k&ouml;nnen sich denken, wie der arme Junge niedergeschlagen
-sein mu&szlig;te, als er seine sch&ouml;nen Tr&auml;ume
- <span class="pagenum"><a id="Page_p317">[S. 317]</a></span>
-von Belustigungen aller Art, vor der ernsten, n&uuml;chternen
-Wirklichkeit und der m&uuml;hseligen Gesch&auml;ftigkeit, welche einem
-jungen Ansiedler in den Urw&auml;ldern obliegt, in Nichts
-zerrinnen sah.</p>
-
-<p>Jugend ist inde&szlig; das passendste Alter zur Auswanderung
-in dieses Land; der Mensch f&uuml;gt sich dann bald
-in seine neue Lage und vers&ouml;hnt sich nicht nur im Verlauf
-der Zeit mit der Ver&auml;nderung seiner Lebens-Verh&auml;ltnisse,
-sondern gewinnt sie sogar lieb. Einen Trost
-gew&auml;hrt es ihm auch, wenn er sieht, da&szlig; er nicht mehr
-thut, als andre von gleichen Anspr&uuml;chen auf Rang und
-Erziehung verrichten m&uuml;ssen, wenn sie fortkommen und
-gedeihen wollen; und vielleicht wird er in der Zukunft
-das Land segnen und preisen, welches ihn von einem
-Theil jenes dummen Stolzes befreit hat, welcher ihn mit
-Verachtung auf diejenigen herabblicken machte, deren
-Besch&auml;ftigungen von niedrer Art waren.</p>
-
-<p>Es w&auml;re ein himmelschreiendes Unrecht, wenn man
-Leute, welche auszuwandern w&uuml;nschen, mit falschen und
-schmeichelnden Gem&auml;lden von den in diesem Lande zu
-erwartenden Vortheilen vors&auml;tzlich hintergehen wollte.
-Man mache sie in seinen Berichten mit dem F&uuml;r und
-Wider genau bekannt; und der Leser brauche seinen besten,
-von Vorurtheilen oder Gewinnsucht in einer Sache
-von solcher Wichtigkeit nicht sowohl f&uuml;r ihn selbst, sondern
-auch f&uuml;r diejenigen, zu deren F&uuml;hrer und Besch&uuml;tzer
-ihn die Natur bestimmt hat, unbehinderten Verstand.
-Es ist inde&szlig; weit schwieriger &uuml;ber Auswanderung und
-die damit verbundnen Umst&auml;nde zu schreiben, als viele
-sich einbilden; der Gegenstand umfa&szlig;t ein so weites Feld,
-da&szlig;, was in Bezug auf einen Theil der Provinz vollkommen
-richtig sein mag, dieses hinsichtlich eines andern
-keineswegs sein d&uuml;rfte. Ein Distrikt unterscheidet sich
-von dem andern, ein Gemeinde-Bezirk von dem andern,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p318">[S. 318]</a></span>
-je nach seinen nat&uuml;rlichen Vortheilen; es fr&auml;gt sich hier,
-ob er seit langer Zeit angesiedelt ist oder nicht, ob er
-Wasser besitzt oder nicht; der Boden, ja selbst das Klima
-sind je nach Lage und andern Umst&auml;nden verschieden.</p>
-
-<p>Viel, sehr viel h&auml;ngt hier von dem Temperament,
-der Gewohnheit und dem Charakter der Emigrantin selbst
-ab. Was dem einen frommt, pa&szlig;t nicht auch f&uuml;r den
-andern; eine Familie wird gedeihen, und alle Bequemlichkeiten
-um ihre Wohnst&auml;tte her versammeln, w&auml;hrend
-andere in Armuth und Mi&szlig;muth leben. Es w&uuml;rden
-ganze B&auml;nde n&ouml;thig sein, um jedes Argument f&uuml;r und
-wider zu er&ouml;rtern, und genau anzugeben, welche Personen
-sich zur Auswanderung eignen, und welche nicht.</p>
-
-<p>Haben Sie <em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Dunlop's</em> geistreich und witzig
-geschriebnen &raquo;<em class="antiqua">Backwoodsman</em>&laquo; gelesen? Sollte dies
-nicht der Fall sein, so suchen Sie ihn so bald als m&ouml;glich
-zu bekommen, er wird Sie unterhalten. Ich denke eine
-Urwaldsiedlerin (<em class="antiqua">Backwoodswoman</em>) k&ouml;nnte in demselben
-Tone geschrieben werden; einige Seiten, die Geschichte von
-dergleichen Damen enthaltend, w&uuml;rden als Beispiel f&uuml;r
-unser Geschlecht dienen. In der That bed&uuml;rfen wir einiger
-heilsamen Ermahnungen hinsichtlich unsrer Pflichten
-so wie der Thorheit, zu bereuen, da&szlig; wir unsern Gatten
-gefolgt sind und ihr Loos mit ihnen theilen, da&szlig; wir
-denen gefolgt sind, welchen wir einst in gl&uuml;cklichern Stunden
-ewige Liebe und Treue &mdash; in Reichthum und Armuth,
-in Leiden und Freuden, Gesundheit und Krankheit
-&mdash; angelobt haben. Nur zu viele thun dieses Gel&uuml;bde,
-ohne seine Wichtigkeit zu bedenken und ohne die Zuf&auml;lligkeiten
-zu berechnen, welche ihre Treue auf eine harte
-Probe setzen d&uuml;rften, wie z. B. wenn es sich darum
-handelt, Verwandte, Freunde und Vaterland zu verlassen
-und sich dem harten Loose eines Ansiedler-Lebens zu unterziehen;
-gewi&szlig; kein geringes Opfer; allein die treue
- <span class="pagenum"><a id="Page_p319">[S. 319]</a></span>
-liebende Gattin wird es bringen, ja sie wird sich zu noch
-gr&ouml;&szlig;eren Schwierigkeiten verstehen, wenn es der Mann
-ihrer Wahl von ihr fordert.</p>
-
-<p class="pmb3">Allein es ist Zeit, da&szlig; ich Ihnen Lebewohl sage;
-mein Brief ist zu einem furchtbaren Packet angeschwollen,
-er wird Sie gewi&szlig; langweilen, und Sie werden ihn auf
-den Boden des atlantischen Oceans herabw&uuml;nschen.</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<div class="block0">
-<div class="footnotes"><b>Fu&szlig;noten:</b>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_57_57"></a><a href="#FNanchor_57_57"><span class="label">[57]</span></a> Siehe den Anhang.</p>
-</div>
-</div>
-</div>
-
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p320">[S. 320]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="no-break" id="Sechszehnter_Brief">Sechszehnter Brief.</h2>
-</div>
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-<blockquote>
-<p class="p1 font09">Indianische J&auml;ger. &mdash; Segel auf einem Canoe. &mdash; Mangel
-an Bibliotheken in den Urw&auml;ldern. &mdash; Neues Dorf. &mdash;
-Fortschritte und Verbesserungen. &mdash; Leuchtende Insekten (Johannisw&uuml;rmchen.)</p>
-</blockquote>
-
-
-<p>Ich habe Ihnen in einem fr&uuml;heren Briefe von einem
-Winter-Besuch bei den Indianern erz&auml;hlt; ich will
-Ihnen jetzt Einiges &uuml;ber ihr Sommer-Lager mittheilen,
-das ich an einem sch&ouml;nen Juni-Nachmittage in Begleitung
-meines Gatten und einiger Freunde, die zu uns
-kamen, um den Tag mit uns zuzubringen, in Augenschein
-genommen habe.</p>
-
-<p>Die Indianer hatten ihr Lager auf einer kleinen,
-zwischen den beiden Seen hervorspringenden Halbinsel
-aufgeschlagen; unser n&auml;chster Weg dahin w&uuml;rde durch
-den Busch gef&uuml;hrt haben, allein der Boden war so mit
-umgest&uuml;rzten B&auml;umen bestreut, da&szlig; wir eine Fahrt im
-Canoe vorzogen. Der Tag war warm, ohne dr&uuml;ckend
-hei&szlig; zu sein, wie dies nur zu oft w&auml;hrend der Sommer-Monate
-der Fall ist; und o Wunder! die Musquitos
-und schwarzen Stechfliegen waren so h&ouml;flich, da&szlig; sie uns
-gar nicht beschwerlich fielen. Unsre leichte Barke glitt
-leicht und ruhig &uuml;ber die ruhige Wasserfl&auml;che im Schatten
-der &uuml;berh&auml;ngenden Aeste von Cedern, Schierlingstannen
-und Balsampappeln, welche k&ouml;stliche Wohlger&uuml;che
-verbreiten, wenn die wehenden L&uuml;fte durch ihre Laubkrone
- <span class="pagenum"><a id="Page_p321">[S. 321]</a></span>
-streichen. Ein Beet blauer Schwertlilien (<em class="antiqua">iris</em>),
-untermengt mit schneewei&szlig;en Nymph&auml;en, &uuml;ber die unser
-Canoe wegsegelte, entz&uuml;ckte mein Auge. Als wir um
-einen felsigen Ufervorsprung gesteuert waren, sahen wir
-den d&uuml;nnen bl&auml;ulichen Rauch aus dem Indianer-Lager
-sich &uuml;ber die B&auml;ume kr&auml;useln, und bald war unser Canoe
-sicher an einem derselben, auf der Seite des Indianer-Lagers,
-angelegt, und mit H&uuml;lfe der weitspreizigen Zweige
-und des Unterholzes gelang es mir, mich einen steilen
-Pfad hinan zu arbeiten, und bald stand ich gerade vor
-dem Zelte. Es war Sonntag Nachmittags; s&auml;mmtliche
-M&auml;nner waren zu Hause; einige der j&uuml;ngern Familien-Glieder
-(drei Familien bewohnten den Wigwam) warfen
-zum Zeitvertreib den Tomahawk nach einer Kerbe, die
-in die Rinde eines fern stehenden Baums gehauen war,
-oder schossen mit ihren Bogen und Pfeilen nach dem
-Ziele, w&auml;hrend die &auml;ltern theils auf ihren Bettdecken im
-Schatten schliefen, theils lasen, theils rauchten und die
-Geschicklichkeit der jungen, mit einander wetteifernden
-Sch&uuml;tzen ernsten Auges pr&uuml;ften.</p>
-
-<p>Blos eine von den Squaws war zu Hause, und
-zwar meine alte Freundin, die Gattin des J&auml;gers, die
-auf einer Bettdecke sa&szlig;; ihr j&uuml;ngstes Kind, der kleine
-<em class="gesperrt">David</em>, eine Papouse von drei Jahren, die noch nicht
-entw&ouml;hnt war, ruhte zwischen ihren F&uuml;&szlig;en; sie be&auml;ugelte
-ihn oft mit liebevollen z&auml;rtlichen Blicken, und klopfte ihn
-von Zeit zu Zeit sanft auf das zottige K&ouml;pfchen. <em class="gesperrt">Peter</em>,
-der eine Art angesehner Mann, wenn auch gerade
-kein H&auml;uptling ist, sa&szlig; neben seiner Frau, in einen h&uuml;bschen
-blauen Schlafrock gekleidet, den eine rothe gewirkte
-Binde &uuml;ber der H&uuml;fte zusammen hielt. Er rauchte aus
-einer kurzen Pfeife und betrachtete die vor der Th&uuml;r des
-Zeltes versammelte Gesellschaft mit einem Ausdruck ruhiger
-Theilnahme; bisweilen nahm er seine Pfeife auf einige
-Augenblicke aus dem Munde und bezeichnete durch
-eine Art innern Ausruf den Erfolg oder das Fehlschlagen
- <span class="pagenum"><a id="Page_p322">[S. 322]</a></span>
-der Versuche seiner S&ouml;hne, das Ziel am Baume zu treffen.
-Die alte Squaw, winkte mir, sobald sie meiner ansichtig
-wurde, zu, n&auml;her zu treten und gab mir mit wohlmeinendem
-L&auml;cheln zu verstehen, indem sie auf eine freie
-Stelle ihrer Bettdecke hinwie&szlig;, da&szlig; ich neben ihr Platz
-nehmen m&ouml;chte, was ich auch that. Die Durchmusterung
-des Wigwams und seiner Bewohner machten mir viel Unterhaltung.
-Das Geb&auml;ude war von l&auml;nglicher Form, und
-an beiden Enden offen, jedoch wurden die Oeffnungen,
-wie man mir sagte, des Nachts durch T&uuml;cher oder Matten
-verschlossen; der obere Theil des Dachs war ebenfalls
-offen; die Seitenw&auml;nde bestanden aus rohem Pfahlwerk
-mit gro&szlig;en Schichten zwischen die St&ouml;cke, welche das
-Gerippe des Zeltes bildeten, gezogner Birkenrinde; eine
-lange d&uuml;nne Stange von Eisenholz bildet einen niedern
-Tragbalken, woran verschiedne eiserne und kupferne T&ouml;pfe
-und Kessel, desgleichen einige Keulen frisch get&ouml;dteten
-Wildbrets und ged&ouml;rrte Fische hingen; das Feuer nahm
-den Mittelpunkt der H&uuml;tte ein, und um die gl&uuml;hende
-Asche her lagen mehre friedliche Jagdhunde; sie zeigten
-etwas von der ruhigen Apathie ihrer Herren, sie &ouml;ffneten
-beim Eintreten der Fremdlinge blos die Augen, und
-als sie bemerkten, da&szlig; alles in Ordnung war, &uuml;berlie&szlig;en
-sie sich wieder ihrem Schlummer und k&uuml;mmerten sich
-nicht weiter um uns.</p>
-
-<p>Die J&auml;ger-Familie nahm eine ganze Seite des Geb&auml;udes
-ein, w&auml;hrend <em class="gesperrt">Joseph Muskrat</em> mit seiner
-Familie, und <em class="gesperrt">Joseph Bolans</em> und seine Squaw die
-entgegengesetzte Wand theilten; die verschiednen Abtheilungen
-waren durch Bettdecken, Fischerspeere, lange Flinten,
-Tomahawks und andres Eigenthum bezeichnet und
-geschieden; das Kochger&auml;the anlangend, so schien es mir
-wegen seiner Sp&auml;rlichkeit allen gemeinschaftlich anzugeh&ouml;ren;
-es herrschte vollkommne Freundschaft und Einigkeit
-zwischen den drei Familien, und, nach dem &auml;u&szlig;ern Anschein
-zu urtheilen, waren alle gl&uuml;cklich und zufrieden.
- <span class="pagenum"><a id="Page_p323">[S. 323]</a></span>
-Ein Blick auf die B&uuml;cher in den H&auml;nden der jungen
-M&auml;nner &uuml;berzeugte mich, da&szlig; es fromme Lieder und Abhandlungen
-waren; die eine Seite enthielt den englischen
-Text, die andere die indianische Uebersetzung. Auf unsre
-Bitten sangen die M&auml;nner eins von den Liedern, welches
-recht gut klang, allein wir vermi&szlig;ten die s&uuml;&szlig;en Stimmen
-der indianischen M&auml;dchen, die ich vor dem Hause gelassen
-hatte, wo sie auf einem Fichtenstamme sa&szlig;en und
-sich mit meinem Kn&auml;bchen unterhielten, welches ihnen
-nebst seiner W&auml;rterin sehr zu gefallen schien.</p>
-
-<p>An der Au&szlig;enseite des Zeltes zeigte mir die Squaw
-ein Canoe von Birkenrinde, dessen Bau noch nicht vollendet
-war. Die Gestalt des kleinen Fahrzeugs war
-durch eine Anzahl in regelm&auml;&szlig;igen Abst&auml;nden von einander
-in die Erde gesteckte St&ouml;cke angedeutet; die Birkenrinden-Schichten
-waren angefeuchtet, und jede an dem geeigneten
-Platze durch Cedern-Latten befestigt, die so gekr&uuml;mmt
-sind, da&szlig; sie als Rippen oder Fachwerk dienen;
-die Rindenschichten sind mit den z&auml;hen Wurzeln des Tamarack
-(L&auml;rchenbaum) zusammengestrickt; und die R&auml;nder
-des Canoes sind mit demselben Material bes&auml;umt
-oder umflochten; das Ganze wird, ist es so weit vollendet,
-mit dickem Gummi &uuml;berzogen.</p>
-
-<p>Ich hatte die Ehre, von Mrs. <em class="gesperrt">Peter</em> nach Hause
-gerudert zu werden, und zwar in einem neuen Canoe,
-das eben erst von Stapel gelassen worden war; die Bewegung
-war in h&ouml;chstem Grade angenehm, ich sa&szlig; auf
-dem Boden des kleinen Fahrzeugs auf einigen leichten
-Schierlingstannen-Zweigen und meine Heimfahrt war
-sehr erg&ouml;tzlich und angenehm. Das Canoe, durch den
-Arm der schw&auml;rzlichen Amazone in Bewegung setzt, flog
-schnell &uuml;ber das Wasser, und bald landeten wir in einer
-kleinen Bucht in geringer Entfernung von meinem Hause.
-Zur Vergeltung der mir von der Squaw erwiesnen Aufmerksamkeit,
-erfreute ich sie durch das Geschenk einiger
-Perlen zum Einwirken in Messerscheiden und Mokassins
- <span class="pagenum"><a id="Page_p324">[S. 324]</a></span>
-womit sie sehr zufrieden zu sein schien; sie verbarg ihren
-Schatz sorgf&auml;ltig im Busentuche, und befestigte ihn noch
-&uuml;berdie&szlig; mit einem St&uuml;ckchen Bande.</p>
-
-<p>Gepaart mit einer eigenth&uuml;mlichen Zur&uuml;ckgehaltenheit
-und ernstem Temperament zeigen die Indianer in
-einigen St&uuml;cken zu gleicher Zeit einen Grad von kindischem
-Wesen. Ich gab dem J&auml;ger und seinem Sohne
-eines Tages einige colorirte Kupferstiche, die ihnen viel
-Spa&szlig; zu machen schienen, denn sie lachten gewaltig &uuml;ber
-die modisch gekleideten Figuren. Nachdem sie das Haus
-verlassen, setzten sie sich auf einen gefallenen Baum, versammelten
-ihre Hunde um sich und breiteren vor jedem
-besonders die Gem&auml;lde aus.</p>
-
-<p>Die armen Thiere, anstatt die bunt gekleideten
-Herren und Damen aufmerksam zu betrachten, streckten
-ihre K&ouml;pfe in die H&ouml;he und leckten ihren Herren H&auml;nde
-und Gesicht; allein der alte <em class="gesperrt">Peter</em> hatte sich einmal vorgenommen,
-da&szlig; die Hunde das Vergn&uuml;gen der Gem&auml;ldeschau
-theilen sollten, daher dr&uuml;ckte er sie mit der Nase
-auf die Kupferstiche, und hielt sie an ihren langen Ohren
-fest, wenn sie Miene machten, zu entweichen. Ich h&auml;tte
-den alten ernsten Indianer eines so kindischen albernen
-Benehmens kaum f&uuml;r f&auml;hig gehalten.</p>
-
-<p>Diese halbcivilisirten Wilden scheinen gegenw&auml;rtig
-nicht mehr so eingenommen f&uuml;r bunten gl&auml;nzenden Putz
-wie fr&uuml;her, und beobachten in ihrer Kleidung mehr einen
-europ&auml;ischen Styl; es ist nichts Ungew&ouml;hnliches, einen
-Indianer in einen feinen Tuchoberrock und Pantalons
-gekleidet zu sehen, wiewohl ich gestehen mu&szlig;, da&szlig; die
-weiten Ueberhemden, womit die Regierung sie versorgt,
-und die einen Theil ihrer j&auml;hrlichen Geschenke bilden,
-ihnen weit besser stehen und bequemer sind. Die Squaws
-ziehen baumwollene oder wollene R&ouml;cke, Sch&uuml;rzen und
-T&uuml;cher, und andre dergleichen n&uuml;tzliche Artikel vor; wiewohl
-sie ihre Kleinen gern recht herausputzen, und ihre
-Wiegen-Decken mit Seide und Perlen sticken und an
- <span class="pagenum"><a id="Page_p325">[S. 325]</a></span>
-ihren Schultern Fl&uuml;gel von V&ouml;geln befestigen. Wie
-viel Vergn&uuml;gen machte mir die Erscheinung eines dieser
-indianischen Cupidos, der mit den Fittigen des amerikanischen
-Streitvogels, eines sehr sch&ouml;nen Thieres, geschm&uuml;ckt
-war. Der erw&auml;hnte Vogel ist unserm brittischen Buchfinken
-nicht un&auml;hnlich, nur da&szlig; die Farben seines Gefieders
-lebhafter sind; Brust und Unter-Federn der Fl&uuml;gel
-schm&uuml;ckt das gl&auml;nzendste Carminroth, das mit Schwarz
-und Wei&szlig; schattirt ist. Man hat diesen Vogel deshalb
-Streit- oder Kriegs-Vogel genannt, weil er zuerst w&auml;hrend
-des letzten amerikanischen Krieges in Canada erschienen
-ist, ein Umstand, der, meines Bed&uuml;nkens, wohl
-verb&uuml;rgt ist oder wenigstens allgemein Glauben gefunden
-hat.</p>
-
-<p>Ueber Ihre Bemerkung, da&szlig; wir in den Urw&auml;ldern
-leicht zu einer Leibibliothek unsre Zuflucht nehmen d&uuml;rften,
-konnte ich mich kaum des L&auml;chelns enthalten. In
-einer Hinsicht, sind Sie in der That nicht so weit von
-der Wahrheit entfernt; denn die Bibliothek eines jeden
-Ansiedlers kann eine circulirende genannt werden, insofern
-die B&uuml;cher von einem Freund zum andern wandern;
-und gl&uuml;cklicher Weise haben wir einige recht wohl bestellte
-und reichhaltige Bibliotheken in unsrer Nachbarschaft,
-die uns stets offen stehen. Zu York ist eine &ouml;ffentliche
-Bibliothek, allein von dieser k&ouml;nnen wir eben so
-wenig Gebrauch machen, als wenn sie sich auf der andern
-Seite des atlantischen Ozeans bef&auml;nde.</p>
-
-<p>Ich wei&szlig; recht gut, wie sich die Sache verh&auml;lt; in
-der Heimath hat man dieselbe Vorstellung von der Leichtigkeit,
-in diesem Lande zu reisen, die ich ehemals hatte;
-jetzt aber wei&szlig; ich, was Busch-Stra&szlig;en sind, eine Reise
-von nur wenigen Stunden scheint ein abentheuerliches
-verh&auml;ngni&szlig;volles Unternehmen. Erinnern Sie sich wohl
-meines Berichtes von einer Tagereise durch den Wald?
-Es thut mir leid, sagen zu m&uuml;ssen, da&szlig; sich die Wege seitdem
-nur wenig verbessert haben. Ich habe nur noch einmal
- <span class="pagenum"><a id="Page_p326">[S. 326]</a></span>
-eine &auml;hnliche Fahrt gewagt, die mir mehre sehr beschwerdevolle
-Stunden verursachte, und mehr durch gutes Gl&uuml;ck
-als in Folge eines andern Umstandes langte ich ganzbeinig
-an dem Orte meiner Bestimmung an. Ich mu&szlig;te
-dabei &uuml;ber die h&auml;ufigen Betheuerungen des Wagenlenkers,
-eines schlauen Burschen aus Yorkshire, lachen: &raquo;&mdash; O!
-wenn ich nur seine Excellenz den Gouverneur &uuml;ber diese
-Stra&szlig;e zu fahren h&auml;tte, wie wollte ich die Pferde &uuml;ber
-diese Stummel und Steine traben lassen;&laquo; aber bald darauf
-schrie er wieder: &raquo;Ich wette, er w&uuml;rde alles daf&uuml;r
-thun, ehe er wieder darauf f&uuml;hre.&laquo;</p>
-
-<p>Ungl&uuml;cklicher Weise haben wir auf dieser Seite des
-Flusses keine von der Regierung angelegte Stra&szlig;e; sie ist
-blos von den Ansiedlern zu gr&ouml;&szlig;rer Bequemlichkeit durch
-den Wald gehauen worden, daher ich f&uuml;rchte, da&szlig; nichts
-zu ihrer Verbesserung gethan werden d&uuml;rfte, wofern die
-Einwohner nicht selbst Hand anlegen.</p>
-
-<p>Wir hoffen bald einen n&auml;hern Markt f&uuml;r unser
-Getraide zu haben, als Peterborough ist; eine Kornm&uuml;hle
-ist erst k&uuml;rzlich in dem neuen Dorfe errichtet worden.
-Dies wird ein gro&szlig;er Vortheil f&uuml;r uns sein. Die Herbeischaffung
-von Mehl auf den schlechten Fahrwegen verursacht
-gro&szlig;en Kostenaufwand, und der Zeitverlust, den
-diejenigen erleiden, welche ihren Weizen zum Mahlen
-nach der Stadt senden m&uuml;ssen, ist ein gro&szlig;es Uebel;
-allein das wird bald anders werden, zur gro&szlig;en Freude
-der ganzen Nachbarschaft.</p>
-
-<p>Sie k&ouml;nnen sich gar nicht vorstellen, wie wichtig
-dergleichen Verbesserungen sind, und welchen Einflu&szlig; sie
-auf Ermuthigung des Emigranten haben, wozu noch
-kommt, da&szlig; sie den Werth seines Besitzthums in keinem
-geringen Grade vermehren; wir haben uns bereits von
-den Vortheilen &uuml;berzeugt, welche die N&auml;he der S&auml;gem&uuml;hle
-f&uuml;r uns hat, indem wir nunmehr nicht nur billiger
-bauen sondern auch rohe St&auml;mme gegen zugeschnittnes
-Holz austauschen k&ouml;nnen. Die gro&szlig;en Fichtenst&auml;mme,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p327">[S. 327]</a></span>
-welche unter andern Umst&auml;nden nichts als ein Hinderni&szlig;
-bei Lichtung des Bodens sein w&uuml;rden, sind, wenn sie in
-der f&uuml;r die Behandlung auf der S&auml;gem&uuml;hle erforderlichen
-Form gef&auml;llt werden, was sich leicht thun l&auml;&szlig;t, wo sie
-in der N&auml;he des Wassers stehen, sehr gewinnbringend,
-die St&auml;mme m&uuml;ssen eine gewisse L&auml;nge haben und werden
-von Ochsen w&auml;hrend des Winters, wenn der Boden
-fest gefroren ist, hart an den Rand des Sees geschleift;
-sobald das Eis aufbricht, schwimmen die Baumst&auml;mme
-mit der Fluth stromabw&auml;rts und gelangen so in den
-M&uuml;hlgraben; ich habe den See unsern Fenstern gegen&uuml;ber
-mit dergleichen schwimmenden, auf seinem Wege
-zur S&auml;gem&uuml;hle begriffnen Holze bedeckt gesehen.</p>
-
-<p>Wie sch&auml;tzbar w&uuml;rden die gro&szlig;en Eichen und riesenhaften
-Fichten in einem englischen Besitzthum sein; w&auml;hrend
-man sie hier nicht mehr achtet, als man in der
-Heimath kleine unbedeutende B&auml;umchen achtet. Einige
-Jahre sp&auml;ter d&uuml;rfte man inde&szlig; die gewaltigen St&auml;mme
-welche jetzt verbrannt werden, im Bauwesen vermissen.
-Die Eichen eignen sich vorz&uuml;glich zu Umpf&auml;hlungen
-und Gitterwerk, weil ihr Holz sehr dauerhaft ist; Fichten,
-Cedern und wei&szlig;e Aeschen werden vorz&uuml;glich zu
-Schlagb&auml;umen und dergleichen verwendet; Ahorn und
-Buchen liefern das beste Brenn-Holz; wei&szlig;e Aesche brennt
-gut. Zur Bereitung von Seifenlauge nimmt man keine
-andre, als Asche von hartem Holz: als Eiche, Aesche,
-Ahorn und Buche; alle harzhaltige B&auml;ume taugen nicht
-zu diesem Behuf, die Lauge von dergleichen Asche verbindet
-sich beim Sieden nicht mit dem Fett, zum gro&szlig;en
-Verdru&szlig; des nicht eingeweihten Seifensieders, der, h&auml;tte
-er den eben erw&auml;hnten Umstand gekannt, viel Zeit und
-M&uuml;he, und, was das Wichtigste ist, viel von dem seit
-Monaten sorgf&auml;ltig gesammelten Material erspart haben
-w&uuml;rde.</p>
-
-<p>Die Frau eines amerikanischen Ansiedlers erz&auml;hlte
-mir dies und rieth mir, bei Bereitung meiner Seifenlauge
- <span class="pagenum"><a id="Page_p328">[S. 328]</a></span>
-sorgf&auml;ltig alle Fichten-Asche auszuschlie&szlig;en. Und
-hier mu&szlig; ich bemerken, da&szlig; unter allen Ansiedlern die
-Yankies, wie sie genannt werden, die flei&szlig;igsten und erfindungsreichsten
-sind; sie sind nie wegen eines Auskunftsmittels
-in Verlegenheit; wenn ihnen der eine Plan
-fehl schl&auml;gt, so ergreifen sie mit einer Gedankenschnelligkeit,
-die mich mit Staunen erf&uuml;llt, w&auml;hrend sie bei ihnen
-ganz nat&uuml;rlich zu sein scheint, einen andern. Sie scheinen
-eine Art angeborner Geistesgegenwart zu besitzen, und,
-anstatt ihre Energie in Worten darzuthun, <em class="gesperrt">handeln</em> sie.</p>
-
-<p>Die alten Ansiedler, welche lange unter ihnen gewesen,
-scheinen sich dieselben Gewohnheiten anzueignen,
-so da&szlig; es schwer h&auml;lt, sie von den Yankies zu unterscheiden.
-Ich habe die Amerikaner ein geschw&auml;tziges Volk
-nennen h&ouml;ren; allein, so weit meine Bekanntschaft mit
-ihnen reicht, m&ouml;chte ich sie vielmehr f&uuml;r laconisch halten,
-und wenn ich sie nicht recht leiden kann, so ist vielmehr
-ihr kaltes kurzangebundnes Benehmen daran schuld, welches
-eine Schranke zwischen uns zu ziehen scheint.</p>
-
-<p>Die Bemerkungen eines wandernden Uhrmachers,
-aus dem Staate Ohio geb&uuml;rtig, befremdete mich ein wenig.
-Nachdem er n&auml;mlich die Vorz&uuml;glichkeit des Ohio-Klimas
-in Vergleich mit dem unsrigen (in Canada) ger&uuml;hmt,
-sagte er, in Beantwortung einiger von meinem
-Gatten an ihn gerichteten Fragen; er wundre sich, da&szlig;
-alle Leute von feiner Bildung Canada, besonders den
-Busch, wo sie manches liebe Jahr hindurch alle h&ouml;heren
-Annehmlichkeiten und verfeinerten Gen&uuml;sse des Lebens
-entbehren m&uuml;&szlig;ten; den reichen, halbcultivirten und fruchtbaren
-Ohio-Staat, wo man noch dazu Land, sowohl wildes
-als gelichtetes, weit billiger kaufen k&ouml;nne, vorz&ouml;gen.</p>
-
-<p>Hierauf antworteten wir, da&szlig; erstens brittische Unterthanen
-lieber unter brittischer Botm&auml;&szlig;igkeit st&auml;nden,
-und da&szlig; dieselben &uuml;berdies den Sitten seiner Landsleute
-abgeneigt w&auml;ren. Er erkannte freim&uuml;thig den ersten Einwurf
-als richtig, bemerkte aber hinsichtlich des andern
- <span class="pagenum"><a id="Page_p329">[S. 329]</a></span>
-da&szlig; man die Amerikaner im Allgemeinen nicht nach den
-einzelnen, in den brittischen Colonien vorkommenden Beispielen
-beurtheilen d&uuml;rfe. Da letztere in der Regel Leute
-von eben nicht sonderlichem Ruf w&auml;ren, viele derselben
-h&auml;tten sich Schulden oder andrer schlechter Streiche wegen,
-nach Canada gefl&uuml;chtet; &raquo;es w&auml;re hart,&laquo; f&uuml;gte er
-hinzu, &raquo;wenn man die Engl&auml;nder nach den nach Botany-Bay
-transportirten Verbrechern beurtheilen wollte.&laquo;</p>
-
-<p>Nun war nichts Ungef&auml;lliges oder Rohes in dem
-Benehmen dieses Fremden, und die Vertheidigung seiner
-Nation war ruhig und vern&uuml;nftig, mit einem Wort von
-der Art, da&szlig; jeder Vorurtheilsfreie ihn deswegen nur achten
-mu&szlig;te.</p>
-
-<p>So eben unterbricht mich ein Freund und sagt mir,
-da&szlig; er Gelegenheit habe, eine portofreie Sendung nach
-London oder Liverpool zu machen, und da&szlig; er in der
-Kiste, die er f&uuml;r England packe, ein Packet von mir einschlie&szlig;en
-wolle.</p>
-
-<p>Das Anerbieten ist mir sehr willkommen, nur bedaure
-ich, da&szlig; ich nichts als einige Blumen-Samen, einige
-indianische Fabrikate und etliche Schmetterlinge zu
-senden habe &mdash; die letzten sind f&uuml;r <em class="gesperrt">Jane</em> bestimmt.
-Ich hoffe, da&szlig; nicht alle das Schicksal der letzten theilen
-werden. <em class="gesperrt">Sarah</em> hat mir geschrieben, da&szlig; sie von
-der gr&uuml;nen Nacht-Eule, die ich das letzte Mal in der
-kleinen Schachtel mitgeschickt, nichts weiter gefunden
-habe, als etwas Staub und einige rothe F&uuml;&szlig;e. Es ist
-mir, jedoch nicht ohne Schwierigkeit gegl&uuml;ckt, ein andres
-und sch&ouml;neres Exemplar zu erlangen; aber, aus Furcht,
-da&szlig; ihm ein &auml;hnliches Schicksal widerfahren k&ouml;nnte, will
-ich wenigstens durch nachstehende Beschreibung das Andenken
-seiner Sch&ouml;nheit zu erhalten suchen.</p>
-
-<p>Er mi&szlig;t von einer Fl&uuml;gelspitze zur andern gerade
-f&uuml;nf Zoll; der Leib ist so dick, wie mein kleiner Finger,
-schneewei&szlig; und mit langem seidnen Haar bedeckt; die
-Beine und F&uuml;hlh&ouml;rner sind hellroth, letztere sind auf den
- <span class="pagenum"><a id="Page_p330">[S. 330]</a></span>
-beiden Seiten gezahnt wie ein Kamm; beide Fl&uuml;gel, Ober-
-und Unter-Fl&uuml;gel zeichnen sich durch sch&ouml;nes Bla&szlig;gr&uuml;n
-aus, und haben an den R&auml;ndern goldne Franzen; jeden
-Fl&uuml;gel schm&uuml;ckt ein kleiner Halbmond von Bla&szlig;blau, Roth
-und Orangenfarben; das Blau nimmt die Mitte ein,
-wie ein halbgeschlo&szlig;nes Auge; die untern Fl&uuml;gel sind tief
-ausgeschnitten, sie bilden dergestalt zwei lange Schw&auml;nze,
-wie bei dem sogenannten Schwalbenschwanz (Schmetterling)
-von ungef&auml;hr einem vollen Zoll in L&auml;nge, und sind
-tief gefranzt; mit einem Wort, dieser Schmetterling ist
-das reizendste Insekt, welches ich je gesehn habe.</p>
-
-<p>Wir besitzen eine gro&szlig;e Mannigfaltigkeit an Pfauenaugen
-(Schmetterlinge), die sich durch Farbenpracht und
-unz&auml;hlige Augen auf den Fl&uuml;geln auszeichnen. Der gelbe
-Schwalbenschwanz, der schwarz und blaue Admiral, und
-der roth, wei&szlig; und schwarze Admiral, nebst manchen
-andern pr&auml;chtigen Variet&auml;ten, die ich nicht beschreiben
-kann, sind ebenfalls sehr gemein. Der gr&ouml;&szlig;te Schmetterling,
-den ich bis jetzt gesehn, zeichnet sich durch ein muntres
-Vermilion aus, welches durch ein &uuml;ber seine gro&szlig;en
-Schwingen verbreitetes Netz von schwarzen Linien noch
-mehr hervorgehoben wird.</p>
-
-<p>Das Libellen-Geschlecht anlangend, so haben wir
-dergleichen von jeder Gr&ouml;&szlig;e, Gestalt und Farbe. Vorz&uuml;glich
-erfreute mich ein P&auml;rchen pr&auml;chtig blauer, die ich
-h&auml;ufig auf meinen Spazierg&auml;ngen sah, wenn ich meine
-Schwester besuchte. Sie waren so gro&szlig; wie Schmetterlinge,
-mit schwarzen Flor-Fl&uuml;geln, auf jedem Fl&uuml;gelpaar
-prangte ein mit Scharlachroth schattirter Halbmond vom
-gl&auml;nzendsten Azurblau; der Leib dieser sch&ouml;nen Thierchen
-war ebenfalls blau. Au&szlig;erdem bin ich auf scharlachfarbne
-und schwarze, gelb und schwarze, kupferfarbne,
-gr&uuml;ne und braune gesto&szlig;en; letztere sind gro&szlig;e Feinde der
-Musquitos und andrer kleiner Insekten und schw&auml;rmen
- <span class="pagenum"><a id="Page_p331">[S. 331]</a></span>
-des Abends in Aufsuchung von Beute in gro&szlig;en Schaaren
-&uuml;berall umher.</p>
-
-<p>Die Feuerfliegen d&uuml;rfen nicht vergessen werden, denn
-unter allen andern sind sie die merkw&uuml;rdigsten, ihre Erscheinung
-k&uuml;ndet gemeiniglich Regen an; man sieht sie oft,
-nach Eintritt der Dunkelheit, an milden feuchten Abenden,
-zwischen den Cedern am Saume der W&auml;lder, und besonders
-in der N&auml;he von Lachen und S&uuml;mpfen umherschw&auml;rmen,
-und sie erleuchten die Luft mit ihrem gl&auml;nzenden
-tanzenden Lichte. Bisweilen sieht man sie in
-Gruppen, gleich Sternschnuppen in der mittlern Luftregion
-schweben, oder so tief herabsteigen, da&szlig; sie in die
-Zimmer gerathen und um die Bett- und Fenster-Vorh&auml;nge
-herumgaukeln; das Licht, welches sie verbreiten
-ist heller und gl&auml;nzender als das des Johannisw&uuml;rmchens,
-aber es geht auf dieselbe Weise, wie bei diesem von
-dem untern Theile des Leibes aus. Auch das Johannisw&uuml;rmchen
-ist keine seltne Erscheinung, man sieht es sogar
-noch im September, versteht sich in milden, warmen,
-thauigen N&auml;chten.</p>
-
-<p>Wir haben Ueberflu&szlig; an gro&szlig;en und kleinen K&auml;fern,
-einige sind sehr prachtvoll gr&uuml;n und golden, rosenfarben,
-roth und schwarz; einige v&ouml;llig schwarz, furchtbar gro&szlig;,
-mit weitspreizigen &auml;stigen H&ouml;rnern. Wespen sind nicht
-so l&auml;stig wie in England, allein ich glaube, dies ist blos
-darum der Fall, weil wir diesen r&auml;uberischen Insekten
-nicht die n&auml;mlichen Lockungen darbieten k&ouml;nnen, wie unsre
-heimathlichen G&auml;rten.</p>
-
-<p>Einer unsrer Holzf&auml;ller brachte mir eines Tages ein
-Hornissen-Nest, wie er es nannte, es war jedenfalls ein
-sch&ouml;nes und zartes Werk f&uuml;r ein so gro&szlig;es Insekt; und
-ich vermuthe vielmehr, da&szlig; es einem sch&ouml;nen goldfarbigen
-Insekt, Wespen-Fliege (<em class="antiqua">wasp-fly</em>) genannt, angeh&ouml;rt, inde&szlig;
-wei&szlig; ich dies nicht gewi&szlig;. Das Nest glich in Gr&ouml;&szlig;e
- <span class="pagenum"><a id="Page_p332">[S. 332]</a></span>
-und Gestalt einem Truthahn-Ei und bestand aus sechs papiernen
-Bechern, die einer in den andern geschoben, und
-immer einer kleiner als der zun&auml;chst vorhergehende &auml;u&szlig;ere
-waren, und der innerste erschien nicht viel gr&ouml;&szlig;er als ein
-Tauben-Ei. Ein pr&uuml;fender Blick durch die Oeffnung
-des letzten Bechers, lie&szlig; mich im Innern eine kleine
-Scheibe mit zw&ouml;lf Zellen von vorz&uuml;glicher Nettigkeit und
-von weit gr&ouml;&szlig;rer Regelm&auml;&szlig;igkeit, als die Zellen der gemeinen
-Hausbiene zu sein pflegen, wahrnehmen; in Gr&ouml;&szlig;e
-glich eine Zelle nur dem dritten Theil von denen der
-Honig-Biene. Die Substanz, woraus die Becher bestanden,
-war ein feines, silbergraues, seidenartiges Gewebe,
-so fein als das feinste chinesische Seiden-Papier
-und &auml;u&szlig;erst spr&ouml;de; wenn man es schwach netzte, so
-wurde es klebrig und haftete etwas an dem ber&uuml;hrenden
-Finger; das Ganze war sorgf&auml;ltig an einen Stock befestigt,
-ich habe seitdem ein dergleichen Netz an eine rohe
-Gitterstange befestigt gesehen. Ich konnte nicht umhin,
-die instinktm&auml;&szlig;ige Sorgfalt zu bewundern, welche in der
-Bildung dieses Meisterst&uuml;cks von Insekten-Baukunst zur
-Sch&uuml;tzung des Embryos gegen sch&auml;dliche Einfl&uuml;sse, namentlich
-gegen die Gefr&auml;&szlig;igkeit von V&ouml;geln, so wie gegen
-Regen und Unwetter zu Tage lag; der Regen konnte
-wohl kaum einen Eingang in das Innere finden.</p>
-
-<p>Ich hatte &mdash; wenigstens glaubte ich so &mdash; meinen
-Schatz sorgf&auml;ltig in einem Tischkasten verwahrt, allein
-ein ruchloser kleiner Spitzbube von Maus machte ihn
-ausfindig und zerri&szlig; ihn in St&uuml;cke, um des Bischen
-Honigs willen, das in einer oder zwei Zellen enthalten
-war. Ich war sehr &auml;rgerlich dar&uuml;ber, denn ich hatte mir
-fest vorgenommen, das h&uuml;bsche Nest bei g&uuml;nstiger Gelegenheit
-einem lieben Freunde in Gloucester Place zu senden,
-der ein gro&szlig;er Freund von dergleichen Naturmerkw&uuml;rdigkeiten
-ist, und mir einst ein Nest von &auml;hnlicher
-Form zeigte, welches in einem Bienenstock gefunden worden
- <span class="pagenum"><a id="Page_p333">[S. 333]</a></span>
-war; doch war bei diesem das Material weit gr&ouml;ber,
-auch hatte es, erinnere ich mich recht, nicht sechs, sondern
-nur zwei Zellen.</p>
-
-<p>Ich bin stets sehr begierig darauf gewesen, das Nest
-eines Kolibris zu sehen, war aber bisher nicht so gl&uuml;cklich,
-meinen Wunsch befriedigen zu k&ouml;nnen. Diesen Sommer
-hatte ich einige Beete mit Kart&auml;user-Nelken und andern
-Blumen, besonders einigen pr&auml;chtigen Convolvolus-Arten
-(<em class="antiqua">morning gloves</em>), wie sie die Amerikaner nennen, bepflanzt;
-diese lieblichen Blumen lockten die Kolibris an,
-meinen Garten zu besuchen, und ich hatte das Vergn&uuml;gen,
-ein P&auml;rchen dieser sch&ouml;nen V&ouml;gel zu sehen, allein
-ihr Flug ist so eigenth&uuml;mlich, da&szlig; man kaum einen vollkommnen
-Anblick ihrer mannigfaltigen Farben erlangen
-kann; ihre Bewegung, wenn sie auf dem Flittig schweben,
-gleicht dem Umkreisen eines Spinnrades, und das
-Ger&auml;usch, das sie dabei erregen, dem Schnarren oder
-Sumsen eines im Gange begriffnen Rades; ich will jetzt
-recht viel Blumen anpflanzen, um die niedlichen Thiere
-zum Nisten in unsrer N&auml;he zu bestimmen.</p>
-
-<p>Ich f&uuml;rchte bisweilen, da&szlig; ich Ihnen mit meinem
-langen uninteressanten Briefe beschwerlich falle; die einzige
-Quelle, woraus ich sch&ouml;pfen kann, ist das Hauswesen
-und die Naturgeschichte des Landes, und hiervon
-theile ich Ihnen alles dasjenige mit, was durch seine
-Neuheit Ihre Aufmerksamkeit fesseln d&uuml;rfte. Wahrscheinlich
-mag ich bisweilen Ihre Erwartung t&auml;uschen, indem
-ich Ihnen Dinge erz&auml;hle, welche den Zustand eines
-Emigranten in ein ung&uuml;nstiges Licht setzen; allein ich
-trage die Sachen ganz so vor, wie ich sie gesehen oder
-geh&ouml;rt habe. Ich k&ouml;nnte Ihnen manche g&uuml;nstig lautende
-Berichte von den Ansiedlern in diesem Lande geben; ich
-k&ouml;nnte das Gem&auml;lde auch umkehren, und Sie w&uuml;rden
-endlich zu dem Schlusse gelangen, da&szlig; es an Gr&uuml;nden
- <span class="pagenum"><a id="Page_p334">[S. 334]</a></span>
-f&uuml;r und wider Auswanderung nicht fehle. Der erste
-und wichtigste Grund inde&szlig; ist und bleibt <em class="gesperrt">Nothwendigkeit</em>,
-und dieser wird stets die Wagschale zu Gunsten
-der Auswanderung kehren; und dieselbe befehlshaberische
-und herrische Dame <em class="gesperrt">Nothwendigkeit</em> sagt mir,
-da&szlig; es <em class="gesperrt">nothwendig</em> sei, meinen Brief zu schlie&szlig;en.</p>
-
-<p>Leben Sie wohl, ich unterzeichne mich in Liebe
-und Achtung Ihre</p>
-
-<p class="p1 rright">
-ergebenste Freundin.</p>
-<p class="pmb3" />
-
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p335">[S. 335]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="no-break" id="Siebzehnter_Brief">Siebzehnter Brief.</h2>
-</div>
-
-<blockquote>
-<p class="p1 font09">Kaltes Fieber. &mdash; Unwohlsein der Familie. &mdash; Wahrscheinliche
-Ursache. &mdash; Wurzel-Haus. &mdash; Eintritt des Winters. &mdash;
-Insekt, der S&auml;ger genannt. &mdash; Einstweilige Kirche. &mdash;</p>
-</blockquote>
-
-
-<p class="p1 rright font09">
-November 28, 1834.<br />
-</p>
-
-<p>Mein mehrmonatliches Stillschweigen wird Sie gewi&szlig;
-befremdet haben, allein wenn ich Ihnen erz&auml;hle,
-da&szlig; Krankheit daran Schuld war, so werden Sie sich
-nicht mehr dar&uuml;ber wundern, da&szlig; ich nicht eher als
-heute wieder geschrieben habe.</p>
-
-<p>Mein guter Mann, meine Magd, mein armer Kleiner
-und ich selbst wurden alle zu gleicher Zeit vom Fieber
-befallen und ans Bett gefesselt. Sie wissen nur zu
-gut, wie mich das kalte Fieber stets zu Hause gequ&auml;lt
-hat, und d&uuml;rfen sich daher nicht wundern, wenn ich Ihnen
-sage, da&szlig; meine Leiden, in einem Lande, wo Sumpffieber
-und alle Arten von Wechselfiebern zu Hause sind,
-nicht gering waren.</p>
-
-<p>Wenige Emigranten kommen durch das erste Jahr,
-ohne von diesen Uebeln heimgesucht zu werden; die
-Behandlungs-Weise besteht in wiederholten Gaben Calomel
-(vers&uuml;&szlig;tes Quecksilber) nebst Biber-Oel oder Salzen,
-worauf China angewendet wird. Diejenigen, welche dabei
-von &auml;rztlicher Behandlung nichts wissen wollen, curiren
-sich mit Wachholder- oder starken Aufg&uuml;ssen von
- <span class="pagenum"><a id="Page_p336">[S. 336]</a></span>
-Hyson oder einem andern starken gr&uuml;nen Thee, Pfeffer
-und Branntwein, nebst manchen andern Mittelchen, denen
-Gewohnheit oder Quacksalberei das Wort redet.</p>
-
-<p>Ich will nicht l&auml;nger bei dieser traurigen Zeit stehen
-bleiben, als n&ouml;thig ist, um Ihnen zu sagen, da&szlig; wir die
-Ursache unsers Erkrankens in einer &uuml;beln Ausd&uuml;nstung
-suchen, die wohl von einem Keller unter der K&uuml;che ausgehen
-mochte. Als der Schnee schmolz, f&uuml;llte sich dieser
-Keller zur H&auml;lfte mit Wasser, entweder in Folge der
-N&auml;sse, welche durch den schwammigen Boden eindrang,
-oder aus einem Quell, der unter dem Hause entspringen
-mochte; wie dem auch sei, die Hitze des Koch- und
-Brat-Ofens in der K&uuml;che bewirkte eine G&auml;hrung in der
-stockenden Fl&uuml;ssigkeit, ehe sie entfernt werden konnte; die
-sch&auml;dlichen D&uuml;nste, welche sich aus dieser Masse fauligen
-Wassers entwickelten, waren uns allen nachtheilig; die
-Hausmagd, welche dem sch&auml;dlichen Einflu&szlig; am meisten
-ausgesetzt war, erkrankte zuerst &mdash;, und kurz darauf
-folgten wir alle nach, so da&szlig; bald keiner mehr dem andern
-Beistand leisten konnte. Ich glaube, meine Krankheit
-steigerte sich noch dadurch, da&szlig; ich die Leiden meines
-guten Gatten und meines theuren Kindes mit ansehen
-mu&szlig;te.</p>
-
-<p>Das Fieber, Dank sei es dem Calomel und dem
-Quinin, verlie&szlig; mich nach Verlauf von vierzehn Tagen
-wieder; und eben so mein Kind und seine W&auml;rterin.
-Meinem Gatten aber hing es den ganzen Sommer hindurch
-an, hemmte ihn in seiner Th&auml;tigkeit und stimmte
-ihn mi&szlig;muthig und verdrie&szlig;lich; letztres ist eine unausbleibliche
-Folge des Fiebers, es macht eben so kleinm&uuml;thich
-und verzagt, und stimmt die Lebens-Geister eben so
-sehr herab, wie ein Nervenfieber. Mein Knabe ist, seitdem
-er am Wechselfieber gelitten, noch nie wieder recht
-gesund gewesen, und sieht sehr bla&szlig; und grillig aus.</p>
-
-<p>Wir w&uuml;rden uns, da weder eine Magd, noch eine
-Wartefrau, noch sonst ein dergleichen Dienstbote zu erlangen
- <span class="pagenum"><a id="Page_p337">[S. 337]</a></span>
-war, in einer sehr schlimmen Lage befunden haben,
-wofern uns nicht <em class="gesperrt">Marie</em> und <em class="gesperrt">Susanne</em> beigestanden
-h&auml;tten. Ich wu&szlig;te wirklich nicht, was unter so
-mi&szlig;lichen Umst&auml;nden, ohne diese H&uuml;lfe, aus uns h&auml;tte
-werden sollen.</p>
-
-<p>Dieser Sommer ist ausnehmend hei&szlig; und trocken
-gewesen; das Wasser in den Seen und Fl&uuml;ssen war ausgetrocknet,
-mehre Wochen hindurch fiel auch nicht ein
-Tropfen Regen. Die &auml;u&szlig;erste D&uuml;rre vernichtete die Kartoffel-Ernte
-v&ouml;llig. Unser indianisches Korn dagegen
-stand sehr sch&ouml;n, desgleichen geriethen die K&uuml;rbisse gut.
-Wir hatten einige sch&ouml;ne Gem&uuml;se im Garten, vorz&uuml;glich
-Erbsen und Melonen, die letztern waren sehr gro&szlig; und
-zart. Die Cultur der Melone ist sehr einfach; man
-h&auml;uft zuerst vermittelst einer breiten Hacke die umgebende
-Erde zusammen; die Mitte dieses Haufens wird dann
-leicht ausgeh&ouml;hlt, so da&szlig; sie gleichsam ein Becken bildet,
-und die Erde am Rande wird noch etwas gehoben; in
-diese H&ouml;hlung steckt man mehre Melonen-Samen und
-&uuml;berl&auml;&szlig;t sie dann der Sonnenhitze, inde&szlig; ist es gut, wenn
-man den Pflanzen von Zeit zu Zeit etwas Wasser giebt;
-der Boden mu&szlig; wo m&ouml;glich in sch&ouml;ner schwarzer Damm-Erde
-bestehen; und wenn die kleinen H&uuml;gelchen eine Niedrigung
-einnehmen, so da&szlig; immer etwas Wasser im Umkreise
-stehen bleibt, desto besser gerathen die Melonen. Es ist
-die Meinung mehrer praktischer Leute, welche durch mehrj&auml;hrige
-Bekanntschaft mit dem Lande, Erfahrung eingeerntet
-haben, da&szlig; man bei Anlegung und Anpflanzung
-eines Gartens die Beete nicht empor heben soll, wie dies
-gew&ouml;hnlich der Fall ist; sie geben als Grund daf&uuml;r an,
-da&szlig; die Sonnen-Hitze die Feuchtigkeit, wenn das Beet
-hoch ist, leichter vom Erdreich wegziehe, als im entgegengesetzten
-Fall, und da&szlig; in Folge der D&uuml;rre des Bodens
-die Pflanzen welken.</p>
-
-<p>Da einige Wahrheit in dieser Bemerkung zu sein
-scheint, so bin ich geneigt, das Verfahren anzunehmen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p338">[S. 338]</a></span></p>
-
-<p>Gem&uuml;se sind im Allgemeinen gut und gelangen
-schnell zur Reife, wenn man bedenkt, wie sp&auml;t im Jahre
-sie gepflanzt werden. Erbsen sind stets gut, besonders die
-gro&szlig;en englischen Erbsen (<em class="antiqua">marrowfats</em>), welche bisweilen
-auf den Feldern in gelichtetem Boden, welcher unter
-dem Pfluge ist, gezogen werden. Wir haben eine gro&szlig;e
-Mannigfaltigkeit an Bohnen, alle der franz&ouml;sischen Sorte
-(Schminkbohne) angeh&ouml;rig; von einer sehr ergiebigen
-Laufbohne lege ich einige Samen f&uuml;r sie bei; das Verfahren
-beim Legen derselben besteht k&uuml;rzlich in Folgendem:
-man macht einen kleinen H&uuml;gel von Damm-Erde
-indem man die Erde mittels einer Hacke zusammen h&auml;uft;
-dr&uuml;ckt ihn an der Spitze platt oder h&ouml;hlt ihn etwas aus,
-so da&szlig; die Vertiefung gerade die Mitte einnimmt, und
-legt l&auml;ngs den R&auml;ndern vier oder f&uuml;nf Samen hinein;
-sobald die Bohne aufgeht und Ranken treibt, steckt man
-in die Mitte des kleinen H&uuml;gels eine f&uuml;nf bis sechs Fu&szlig;
-lange Stange; s&auml;mtliche Pflanzen vereinigen sich an der
-Stange, winden sich um dieselbe empor, und tragen
-eine zahllose Menge Schoten (Bohnen), welche wie die
-Scharlachbohnen geschnitten und gekocht oder auch in ihrem
-trocknen und reifen Zustande benutzt, n&auml;mlich geschmort
-und mit eingesalznem Fleische genossen werden;
-letztres ist, glaube ich, das gew&ouml;hnliche Verfahren. Die
-zeitige Buschbohne ist eine Zwerg-Art mit gl&auml;nzendgelben
-Samen.</p>
-
-<p>Unser Salat ist gut und leicht zu erbauen, man
-erh&auml;lt ihn sehr zeitig, wenn man die Saatlinge verpflanzt,
-welche, gleich nachdem der Schnee gewichen ist, &uuml;ber
-der Erde erscheinen. Kraut, und alle Wurzel-Arten werden
-den Winter &uuml;ber in Kellern oder Wurzel-H&auml;usern
-aufbewahrt; aber von der nachtheiligen Gewohnheit,
-gr&uuml;ne Gem&uuml;se in den seichten feuchten Kellern unter der
-K&uuml;che aufzuheben, m&ouml;gen manche Krankheiten herr&uuml;hren,
-wovon die Ansiedler, unter der Form von Sumpf-,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p339">[S. 339]</a></span>
-Wechsel- und andern nachlassenden Fiebern heimgesucht
-werden.</p>
-
-<p>Manche, besonders von der niedern Klasse sind nicht
-hinreichend sorgsam in Befreiung dieser Keller von den
-verwitternden Ueberbleibseln vegetabilischen Stoffes, die
-man oft Jahrelang sich anh&auml;ufen l&auml;&szlig;t, und hierdurch
-mu&szlig; nat&uuml;rlicher Weise die Atmosph&auml;re in den H&auml;usern
-verdorben werden. Ist das Haus klein und die Familie
-zahlreich, und mithin den sch&auml;dlichen Einfl&uuml;ssen w&auml;hrend
-der Nacht ausgesetzt, so kann man sich die traurigen
-Folgen leicht vorstellen.</p>
-
-<p>&raquo;Man spreche nur nicht von Seen und Mor&auml;sten,
-als der Ursache von Fiebern und Rheumatismen; man
-richte sein Augenmerk hierbei besonders auf die Keller,&laquo;
-war der Ausspruch eines erfahrnen Yankie-Doctors. Und
-wirklich glaube ich, da&szlig; der Keller unsers Hauses schuld
-an unserm Erkranken war, und da&szlig; seine Ausd&uuml;nstungen
-das Uebel den ganzen Fr&uuml;hling und Sommer hindurch
-unterhielten.</p>
-
-<p>Ein Wurzel-Haus ist zur Bequemlichkeit einer Ansiedler-Familie
-durchaus erforderlich; bei geh&ouml;riger Construction,
-mit doppelten Blockw&auml;nden, und bei geh&ouml;riger
-Verwahrung des Daches gegen das Durchsickern des Regens
-oder schmelzenden Schnees, kann man darin Gem&uuml;se,
-Fleisch und Milch lange und unversehrt aufbewahren.
-Sie werden fragen, warum, wenn der Nutzen wirklich
-so gro&szlig; und die Bequemlichkeit so wesentlich ist,
-nicht jeder Ansiedler ein dergleichen Nebengeb&auml;ude errichtet?</p>
-
-<p>Das, liebe Mutter, ist gerade die Bemerkung, welche
-jeder neue Ank&ouml;mmling macht; allein er &uuml;berzeugt sich
-nur zu bald von den Schwierigkeiten, welche einer Einrichtung
-der Art zu Anfange entgegen stehen; er m&uuml;&szlig;te
-denn, was aber leider nicht oft der Fall ist, bares Geld
-in Ueberflu&szlig; besitzen, um die erforderliche Arbeiter-Zahl
-miethen zu k&ouml;nnen. Arbeits-L&ouml;hne sind so kostspielig,
-und die Zeit zur Arbeit ist so kurz, das die Auff&uuml;hrung
- <span class="pagenum"><a id="Page_p340">[S. 340]</a></span>
-manches n&uuml;tzlichen, zur Bequemlichkeit dienenden Geb&auml;udes
-f&uuml;r die Zukunft aufgespart werden mu&szlig;; ein Keller,
-den ein Mann, vorausgesetzt, da&szlig; er flei&szlig;ig arbeitet, in
-zwei Tagen graben kann, ist alles, worauf man vor der
-Hand z&auml;hlen darf, bis die Zeit kommt, wo man mehr
-Mu&szlig;e hat, oder die Nothwendigkeit ein Wurzel-Haus
-erheischt. Wir selbst k&ouml;nnen uns als Beispiel dieses eben
-nicht willkommnen Aufschubs anf&uuml;hren; allein nunmehr
-sind die Bl&ouml;cke dazu geschnitten, und wir werden in n&auml;chstem
-Fr&uuml;hjahr eine so n&uuml;tzliche Anstalt besitzen. Ich
-w&uuml;rde aber doch jedem rathen, gleich von vornherein oder
-doch so bald als m&ouml;glich ein Wurzel-Haus zu bauen,
-so wie auch einen Brunnen zu graben; das nur wenige
-Fu&szlig; unter der Erde befindliche Quellwasser machen letztre
-Arbeit weder schwierig noch sehr kostspielig. Die B&auml;che
-und kleinen Wasser-Beh&auml;lter versiegen bei sehr trocknem
-Wetter nicht selten, und das See- und Flu&szlig;-Wasser
-wird im Fr&uuml;hjahr und Sommer warm und ekelhaft.
-Das Quell-Wasser ist in der Regel kalt, &mdash; selbst in der
-hei&szlig;esten Jahreszeit, &mdash; und in hohem Grade erfrischend.</p>
-
-<p>Der Winter scheint jetzt in seiner ganzen Strenge
-einzutreten. Schnee ist seit Mitte Oktobers bereits zweimal
-gefallen, aber eben so oft wieder verschwunden, allein
-jetzt ist der Boden steinhart gefroren; der k&uuml;hne
-Nordwestwind bl&auml;st eiskalt &uuml;ber die &ouml;de Flur, und Alles
-und Jedes um uns her erscheint frostig und winterhaft.
-Die dunkle Fichten-Linie, welche die entgegengesetzte Seite
-des Sees begrenzt, ist bereits mit Reif und Schnee bedeckt,
-und der halbgefrorne See zeigt eine dunkle Bleifarbe,
-deren Einf&ouml;rmigkeit blos die in langen Spitzen
-hervorschie&szlig;enden Eismassen, welche gleichsam Baien und
-Halbinseln bilden, unterbrechen. Die Mitte des Stroms,
-wo die Gewalt des Wassers am gr&ouml;&szlig;ten ist, ist noch nicht
-ganz mit Eis belegt, sondern flie&szlig;t in dunkeln Wogen
-dahin, wie ein Flu&szlig; zwischen seinen gefrornen Ufern.
-An einigen Stellen, wo die Ufer absch&uuml;ssig und mit
- <span class="pagenum"><a id="Page_p341">[S. 341]</a></span>
-Wurzeln und Strauch-Werk &uuml;berwachsen sind, nehmen
-der gefallne Schnee und das Wasser die seltsamsten Formen
-an.</p>
-
-<p>Ich bin an heitern Winter-Tagen stundenlang stehen
-geblieben und habe meine Augen mit namenlosem
-Entz&uuml;cken auf den mimischen Wasserf&auml;llen weilen lassen,
-die l&auml;ngs dem Ufer zu festen Eismassen erstarrt sind,
-und als ich von dem M&uuml;hlendamm aus diese niedlichen
-Spielereien Vater Frosts betrachtete, malte ich mir im
-Geiste die erhabne Scenerei der arktischen Welt.</p>
-
-<p>Trotz seiner sehr langen Dauer und &auml;u&szlig;ersten Strenge
-habe ich doch den canadischen Winter gern; er ist entschieden
-die gesundeste Jahreszeit; und es ist kein kleiner
-Genu&szlig;, von den Plagen der Insekten-Schw&auml;rme befreit
-zu sein, die der Annehmlichkeit der sch&ouml;nen Sommer-Monate
-keinen geringen Abbruch thun.</p>
-
-<p>Wir haben so eben Ihr letztes Packet erhalten; &mdash;
-tausend, tausend Dank f&uuml;r den Inhalt! Wir alle freuen
-uns &uuml;ber Ihre n&uuml;tzlichen Geschenke, vorz&uuml;glich &uuml;ber die
-warmen Shawls und Merinos. Mein kleiner <em class="gesperrt">James</em>
-(<em class="gesperrt">Jacob</em>) nimmt sich in seinem neuen R&ouml;ckchen ganz
-allerliebst aus, es wird ihn recht gut gegen die K&auml;lte
-sch&uuml;tzen; er k&uuml;&szlig;te die sch&ouml;nen mit Pelz gef&uuml;tterten Pantoffeln,
-die Sie f&uuml;r mich beigelegt haben, und sagte
-&raquo;Pussy, Pussy;&laquo; bei dieser Gelegenheit will ich erw&auml;hnen,
-da&szlig; wir eine h&uuml;bsche Katze haben, welche <em class="gesperrt">Nora Crena</em>
-hei&szlig;t, und die Abschiedsgabe unsrer Freundin *** ist, die
-sie meinem Knaben zum Andenken hinterlie&szlig;. <em class="gesperrt">James</em> ist
-ganz vernarrt in das Thier; und ich mu&szlig; Ihnen sagen,
-da&szlig; ich sie fast als eine zweite <em class="gesperrt">Wittington's</em> Katze
-betrachte; weder Maus noch Tschitmunk hat sich seit
-ihrer Gegenwart in unsre vier Pf&auml;hle gewagt; selbst die
-Heimchen, welche uns mit ihrem ewigen Gezirp von
-fr&uuml;h bis in die sinkende Nacht beschwerlich fielen, haben
-ihre alte Behausung verlassen. Au&szlig;er den Heimchen,
-die oft in solcher Menge umher schwirren, da&szlig; sie
- <span class="pagenum"><a id="Page_p342">[S. 342]</a></span>
-eine wahre Plage abgeben, und tuchene und wollene
-Kleider verderben, werden wir von gro&szlig;en schwarzen
-Ameisen heimgesucht, die &uuml;berall umher galloppiren, und
-Zucker, Eingemachtes, Kuchen, kurz jede Leckerei, wozu
-sie nur immer gelangen k&ouml;nnen, verzehren; diese Insekten
-sind dreimal so gro&szlig; als die schwarzen Ameisen in England,
-und haben einen entsetzlichen Appetit; wenn sie
-keine bessere Beute finden k&ouml;nnen, so t&ouml;dtet die eine die
-andre, und dies mit dem Ingrimm und der Geschicklichkeit
-der Spinne. Sie scheinen in ihrer Lebensweise weniger
-gesellig zu sein als andre Ameisen; wiewohl ich
-mich, bei Ber&uuml;cksichtigung der betr&auml;chtlichen Anzahl, die in
-unser Zimmer dringt, zu dem Schlusse geneigt f&uuml;hle, da&szlig;
-sie eben so, wie die &uuml;brigen Arten der Gattung, einen
-Verein bilden und in Gemeinschaft mit einander leben.</p>
-
-<p>W&auml;hrend des ersten Jahres seines Aufenthalts in
-einem neuen Blockhause wird man durch ein best&auml;ndiges
-knarrendes, den Ohren &auml;u&szlig;erst unangenehmes Ger&auml;usch
-bel&auml;stigt, bis man sich daran gew&ouml;hnt hat; dies wird
-durch ein Insekt, gew&ouml;hnlich der <em class="gesperrt">S&auml;ger</em> genannt, verursacht.
-Es sind die Larven einer Fliege, die ihre Eier
-in die Rinde der Fichten-B&auml;ume legt, das Thierchen in
-seinem unreifen Zustande ist von wei&szlig;licher Farbe, der
-K&ouml;rper besteht aus elf Ringen; der Kopf ist mit einer
-kurzen harten Zange bewaffnet, die Haut des S&auml;gers
-ist so rauh, da&szlig; man beim Dar&uuml;berwegfahren mit dem
-Finger eine Raspel zu ber&uuml;hren scheint, und doch erscheint
-sie dem Auge v&ouml;llig glatt und eben. Sie w&uuml;rden sich
-wundern, wenn Sie den Haufen feiner S&auml;gesp&auml;ne unter
-dem Loche s&auml;hen, woran er die ganze Nacht hindurch gearbeitet
-hat. Diese S&auml;ger sind ein gutes Futter f&uuml;r die
-Baumhacker, und in Gemeinschaft mit einander tragen
-sie zur schnellen Zerst&ouml;rung der gigantischen Waldb&auml;ume
-bei, die andernfalls die Erde Jahrhunderte hindurch belasten
-w&uuml;rden. Wie unendlich gro&szlig; ist die Weisheit,
-welche die physische Welt regelt und beherrscht! Wie oft
- <span class="pagenum"><a id="Page_p343">[S. 343]</a></span>
-sehen wir gro&szlig;e, gewaltige Ereignisse, die durch scheinbar
-unbedeutende Umst&auml;nde herbeigef&uuml;hrt werden! aber alle,
-so klein sie auch erscheinen m&ouml;gen, sind Diener, welche
-den Willen ihres Herrn und Gebieters vollstrecken. Einem
-gro&szlig;en Mangel, n&auml;mlich dem Mangel an &ouml;ffentlichem
-Gottesdienst an Sonn- und Festtagen wird nun
-bald abgeholfen werden. Man geht damit um, eine
-Subscription unter den Ansiedlern dieses und eines Theils
-der benachbarten Gemeinde zur Auff&uuml;hrung eines kleinen
-Geb&auml;udes zu er&ouml;ffnen, welches zugleich den Zwecken einer
-Kirche und eines Schul-Hauses entsprechen und &uuml;berdies
-die Besoldung eines Predigers f&uuml;r seine Bem&uuml;hungen
-decken soll. &mdash; Er hat sein Gesellschaftszimmer zur
-einstweiligen Versammlung der And&auml;chtigen hergegeben,
-und ein sehr achtbarer junger schottischer Geistlicher hat
-schon verschiedne Male darin Gottesdienst gehalten; ich
-kann Ihnen versichern, da&szlig; unsre religi&ouml;sen Versammlungen,
-trotz dem, da&szlig; die Emigranten theils der katholischen,
-theils der bisch&ouml;flichen u. s. w. Kirche angeh&ouml;ren,
-ziemlich zahlreich ausfallen.</p>
-
-<p>Die Unterschiede zwischen den verschiednen Glaubensgenossen
-fallen in diesem Lande nicht so in die Augen,
-als in der Heimath; besonders weil man den Mangel
-an religi&ouml;sen Zusammenk&uuml;nften nur zu merklich f&uuml;hlt,
-und mehr den gro&szlig;en allgemeinen Zweck aufrichtiger und
-inniger Gottesverehrung ins Auge fa&szlig;t. Das Wort
-&raquo;<em class="gesperrt">Gott</em>&laquo; ist ein Wohlklang f&uuml;r das Ohr. M&ouml;ge der
-Segen des Himmels denjenigen zu Theil werden, welche
-in Geist und Wahrheit bestrebt sind, die &ouml;ffentlichen Gebr&auml;uche
-des Sabaths wieder herzustellen, die, wenn sie
-unsrer eignen Leitung &uuml;berlassen blieben, nur zu leicht in
-Vergessenheit gerathen d&uuml;rften.</p>
-
-<p>
-Leben Sie wohl!<br />
-</p>
-<p class="pmb3" />
-
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p344">[S. 344]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="no-break" id="Achtzehnter_Brief">Achtzehnter Brief.</h2>
-</div>
-
-<blockquote>
-<p class="p1 font09">Gesch&auml;ftreiches Fr&uuml;hjahr. &mdash; Zunahme der Gesellschaft und
-Bequemlichkeit. &mdash; Erinnerungen an die Heimath. &mdash; Nordlicht.</p>
-</blockquote>
-
-
-<p>Dies ist ein gesch&auml;ftreiches Fr&uuml;hjahr f&uuml;r uns gewesen;
-zuerst hatten wir Zucker zu sieden, und diesmal in
-gr&ouml;&szlig;erer Menge als fr&uuml;her, als wir unsern ersten Versuch
-machten. &mdash; Alsdann hatten wir Werkleute, indem unser
-Haus mancher Erweiterung bedurfte; wir haben eine
-gro&szlig;e und bequeme K&uuml;che bauen lassen, die alte dient jetzt
-als Schlafgemach; das Wurzel-Haus und die Milcherei
-sind ziemlich vollendet. &mdash; Wir haben einen Brunnen
-mit trefflichem Wasser gleich vor der Th&uuml;r, und eine
-h&uuml;bsche h&ouml;lzerne Scheune ist diese Woche fertig geworden,
-sie enth&auml;lt zugleich einen Getraideboden und einen Stall,
-mit einer Abtheilung f&uuml;r das Federvieh, welches mir viel
-Unterhaltung und Freude gew&auml;hrt.</p>
-
-<p>Au&szlig;er einem h&uuml;bschen H&uuml;hner-V&ouml;lkchen, den Abk&ouml;mmlingen
-von zwei Hennen und einem Hahn oder
-Rooster, wie die Yankies diesen Vogel nennen, habe ich
-einige Enten, wozu diesen Sommer auch Truth&uuml;hner
-und G&auml;nse kommen werden. Ich verlor etliche meiner
-besten V&ouml;gel nicht durch den St&ouml;&szlig;er, sondern durch ein
-sehr sch&auml;dliches Thier, welches unserm Ilti&szlig; genau verwandt
-ist und hier Scunck genannt wird; es ist weit
-r&auml;uberischer, und richtet gr&ouml;&szlig;ere Verheerungen an als
-Fuchs und Habicht; denn es kommt wie ein Dieb in
- <span class="pagenum"><a id="Page_p345">[S. 345]</a></span>
-der Nacht, dringt in den H&uuml;hnerhof ein und hinterl&auml;&szlig;t
-furchtbare Spuren seiner Raubgier und seines Blutdurstes.</p>
-
-<p>Unser Garten, der bisher weiter nichts als eine viereckige
-Einfriedigung f&uuml;r Gem&uuml;se war, erh&auml;lt eine andre,
-dem Auge gef&auml;lligere Form; zwei halbkreisf&ouml;rmige Fl&uuml;gel
-laufen vom Eingange nach beiden Seiten des Hauses;
-der Zaun ist eine Art rohes Korb- oder H&uuml;rden-Werk,
-wie Sie dergleichen in England h&auml;ufig sehen k&ouml;nnen,
-und welches die Bauern geflochtnen Zaun nennen;
-jedenfalls nimmt sich eine dergleichen Einfriedigung weit
-malerischer aus als die von gespaltnen Holzscheiten.</p>
-
-<p>Entlang dieser kleinen Einfriedigung habe ich angefangen,
-eine Art Blumen-Hecke nebst einigen der einheimischen
-Str&auml;ucher anzupflanzen, wovon unsre W&auml;lder
-und Seeufer strotzen.</p>
-
-<p>Unter den bereits eingef&uuml;hrten sind zwei Gei&szlig;blatt-Arten
-mit wei&szlig;en und rosenfarbnen Bl&uuml;then; die amerikanischen
-Botaniker nennen dieselben <em class="antiqua">Quilostium</em>.</p>
-
-<p>Dann habe ich die wei&szlig;e <em class="antiqua">Spiraea</em>, (ein strauchartiges
-Gew&auml;chs), welches in Ueberflu&szlig; auf dem See-Ufer
-w&auml;chst, die canadische wilde Rose, die rothe bl&uuml;hende
-Himbeere (<em class="antiqua">rubus spectabilis</em>), Leder-Holz (<em class="antiqua">dircas</em>) auch
-amerikanisches Mezereon- oder Moos-Holz genannt, dies
-ist ein sehr h&uuml;bscher und zu gleicher Zeit n&uuml;tzlicher Strauch;
-die Rinde wird von den Landleuten als ein Substitut
-f&uuml;r Stricke, zum Zubinden von S&auml;cken u. s. w. gebraucht;
-die Indianer n&auml;hen ihre Weidenrinden-K&ouml;rbe
-gelegentlich damit.</p>
-
-<p>Milde Stachelbeeren, rothe und schwarze Johannisbeeren,
-Apfelb&auml;ume und hier und da ein Wei&szlig;dorn-Strauch,
-und einige andre dergleichen Gew&auml;chse sind alles,
-was ich bisher habe einf&uuml;hren k&ouml;nnen.</p>
-
-<p>Der Stoup (Verandah) ist errichtet, und ich habe
-erst k&uuml;rzlich am Fu&szlig;e der h&ouml;lzernen S&auml;ulen Hopfen gepflanzt.
-Ich habe auch zwei tragende Ableger einer
- <span class="pagenum"><a id="Page_p346">[S. 346]</a></span>
-purpurfarbnen wilden Traube von der Insel in unsrer N&auml;he
-aufgezogen und bin neugierig, ihre Fr&uuml;chte zu sehen.</p>
-
-<p>Mein Gatte ist gegenw&auml;rtig frisch und wohlgemuth;
-unser geliebtes Kind befindet sich ebenfalls wohl und l&auml;uft
-&uuml;berall umher. Wir erfreuen uns einer angenehmen und
-freundlichen Gesellschaft, die im Verlauf der letzten zwei
-Jahre so zugenommen hat, da&szlig; wir uns &uuml;ber unsre Entfernung
-von der volkreichern Stadt kaum beklagen k&ouml;nnen.</p>
-
-<p>Meine theure Schwester und ihr Gatte f&uuml;hlen sich
-in ihrer neuen Wohnst&auml;tte sehr behaglich und haben ein
-sch&ouml;nes St&uuml;ck Land gelichtet und angebaut. Wir besuchen
-sie h&auml;ufig und plaudern dann manches liebe St&uuml;ndchen
-von der Heimath, der s&uuml;&szlig;en unverge&szlig;lichen Heimath,
-und schmeicheln uns dabei mit dem angenehmen Wahne,
-da&szlig; wir in einer nicht allzufernen Zeit ihre fruchtbaren
-Felder und blumigen Th&auml;ler einmal wieder sehen werden.</p>
-
-<p>Mit welchem Entz&uuml;cken w&uuml;rden wir unsre jungen
-Canadier ihren Gro&szlig;m&uuml;ttern und Tanten vorf&uuml;hren; mein
-kleiner Buschmann soll zeitig die Namen dieser unbekannten
-aber theuren Freunde aussprechen und das Land verehren
-und lieben lernen, wo seine Aeltern das Licht der
-Welt erblickten, die herrlichen H&uuml;gel des Nordens und
-mein eignes geliebtes England.</p>
-
-<p>Verursachte mir die Entfernung von meinem Geburtslande,
-und noch dazu von einem so sch&ouml;nen und gesegneten
-Lande gar kein Bedauern, gar kein Weh, so
-w&uuml;rde dies nur ein f&uuml;hlloses Herz verrathen; dennoch
-aber mu&szlig; ich gestehen, da&szlig; ich Canada trotz all seiner
-Rauhigkeit liebe und mich in meinem niedrigen Block-Hause
-eben so froh und gl&uuml;cklich f&uuml;hle, als dies in einem
-reich geschm&uuml;ckten Palaste nur der Fall sein k&ouml;nnte; Gewohnheit
-vers&ouml;hnt uns mit manchen Dingen, die uns
-anfangs nicht recht zusagen wollen. Es ist stets mein
-Bestreben gewesen, lieber das S&uuml;&szlig;e als das Bittre in
-den Becher des Lebens zu tr&auml;ufeln, und gewi&szlig; ist dies
-das Beste und kl&uuml;gste, was man thun kann. In einem
- <span class="pagenum"><a id="Page_p347">[S. 347]</a></span>
-Lande, wo alles &mdash; Jung und Alt, Vornehm und Gering
-&mdash; sich zur Th&auml;tigkeit aufgefordert f&uuml;hlt, w&uuml;rde es
-h&ouml;chst ungereimt und th&ouml;rigt sein, seine Lebensgeister durch
-unn&uuml;tzes Trauern und Klagen zu d&auml;mpfen und im Hause
-durch Niedergeschlagenheit und unaufh&ouml;rliche Klagelieder
-&uuml;ber die Trennung von so vielen theuren Gegenst&auml;nden
-in der alten Heimath, eine d&uuml;stre Stimmung zu verbreiten.
-Da wir nun einmal hier sind, m&uuml;ssen wir uns
-so gut als m&ouml;glich in die Umst&auml;nde schicken und mit
-heitrem Muthe das Loos ertragen, welches wir uns selbst
-gew&auml;hlt haben. Die F&auml;higkeit, das Gute, welches wir
-besitzen, zu genie&szlig;en, scheint mir ein Haupterforderni&szlig; zur
-menschlichen Gl&uuml;ckseligkeit zu sein.</p>
-
-<p>Wiewohl wir von vorn herein manche Widerw&auml;rtigkeiten
-erfuhren, manche unvorhergesehne Kosten zu bestreiten
-hatten, uns manchen unangenehmen Aufschub gefallen
-lassen mu&szlig;ten und viele Entbehrungen, die uns
-sehr dr&uuml;ckend erschienen, zu erdulden hatten, so k&ouml;nnen
-wir doch, im Ganzen genommen, von gutem Gl&uuml;ck
-sagen; vorz&uuml;glich, was die Lage unsers Grundst&uuml;cks betrifft,
-welches seitdem in Werth bedeutend gestiegen ist;
-die Hauptschwierigkeiten haben wir jetzt &uuml;berwunden, wenigstens
-hoffen wir so, und bald werden wir alle Annehmlichkeiten
-einer wohl eingerichteten Meierei genie&szlig;en.</p>
-
-<p>Mein Gatte s&ouml;hnt sich von Tage zu Tage mehr
-mit dem Lande aus, und auch ich f&uuml;hle mich t&auml;glich fester
-daran gebunden. Sogar die Baumstummel, welche
-mir Anfangs so sehr zuwieder waren, scheinen etwas von
-ihrer H&auml;&szlig;lichkeit zu verlieren; das Auge gew&ouml;hnt sich sogar
-an die unangenehmsten Gegenst&auml;nde, bis sie fast gar
-nicht mehr beachtet werden. Wie ganz verschieden von
-seiner gegenw&auml;rtigen Erscheinung wird sich dieser Fleck
-nach Verlauf einiger Jahrhunderte ausnehmen! meine
-Einbildungskraft malt es mir mit fruchtbaren Feldern und
-Fluren, schattigen Hainen und geschmackvoll angepflanzten
-B&auml;umen vor; alles wird anders sein; unsre gegenw&auml;rtigen
- <span class="pagenum"><a id="Page_p348">[S. 348]</a></span>
-rohen Wohnungen werden andern bequemern
-und sch&ouml;nern Platz gemacht haben, und Anmuth und
-Behaglichkeit wird die Landschaft umfangen, welche gegenw&auml;rtig
-eine Waldwildni&szlig; ist.</p>
-
-<p>Sie fragen mich, ob mir das Klima von Ober-Canada
-gef&auml;llt; aufrichtig zu reden, so glaube ich nicht,
-da&szlig; es alle die Lobspr&uuml;che verdient, welche ihm Reisende
-gezollt haben. Die Sommerhitze im letzten Jahre war
-sehr dr&uuml;ckend, die D&uuml;rre au&szlig;erordentlich gro&szlig;, und erwies
-sich in mancher Hinsicht nachtheilig, vorz&uuml;glich schadete
-sie der Kartoffel-Ernte. Die Fr&ouml;ste traten zeitig ein, und
-eben so fiel zeitig Schnee; den gepriesnen indianischen
-Nachsommer betreffend, so scheint er vor der Hand Abschied
-von dem Lande genommen zu haben, denn seit
-unserm dreij&auml;hrigen Aufenthalte daselbst haben wir nur
-wenig davon gesehn. Letztverflo&szlig;nes Jahr war auch nicht
-ein Schein davon wahrzunehmen, und in diesem Jahre
-wurde ein abscheulich d&uuml;strer tr&uuml;ber Tag, der mich gewaltsam
-an einen Londoner Nebel erinnerte, und der ganz
-eben so niederschlagend und geistl&auml;hmend wirkte, von
-den alten Bewohnern f&uuml;r den Anfang des indianischen
-Sommers erkl&auml;rt; die Sonne schien d&uuml;ster und roth,
-und ein gelber graulicher Nebel verdunkelte die Atmosph&auml;re,
-so da&szlig; es fast n&ouml;thig wurde, am Mittage
-Licht anzuz&uuml;nden. Wenn dies der indianische Sommer
-ist, so k&ouml;nnte man eine Reihe auf einander folgender
-londoner Nebeltage den &raquo;Londoner-Sommer&laquo; nennen,
-dachte ich bei mir, als ich den lieben langen Tag in einer
-Art bewilderndem d&uuml;stern Lichtschimmer umhertappte;
-und, froh war ich, als nach ein- oder zweit&auml;gigem heftigen
-Regen, Frost und Schnee eintraten.</p>
-
-<p>So weit unsre Erfahrung reicht, ist dieses Klima in
-hohem Grade ver&auml;nderlich; nicht zwei Jahre sind sich
-einander nur einigerma&szlig;en gleich gewesen; und wie man
-glaubt, wird diese Ver&auml;nderlichkeit in demselben Verh&auml;ltni&szlig;
-zunehmen, als die Lichtung des Bodens von Jahr
- <span class="pagenum"><a id="Page_p349">[S. 349]</a></span>
-zu Jahr vorw&auml;rts schreitet. In der N&auml;he der Fl&uuml;sse und
-gro&szlig;en Seen ist das Klima weit milder und gleichf&ouml;rmiger;
-mehr landeinw&auml;rts f&auml;llt der Schnee selten so hoch,
-um das Schlittenfahren, nachdem es allgemein geworden,
-mehre Wochen hindurch zu verstatten; dies ist inde&szlig;,
-wenn wir den Zustand unsrer Buschstra&szlig;en ber&uuml;cksichtigen,
-mehr ein Umstand zu unsern Gunsten, insofern das Reisen
-minder schwierig wird, obgleich die Wege immer
-noch ziemlich holperig bleiben.</p>
-
-<p>Ich habe das Nordlicht mehre Mal, gesehn; desgleichen
-eine gl&auml;nzende meteorische Erscheinung, gl&auml;nzender
-und gro&szlig;artiger als alles, was ich der Art je zuvor beobachtet.
-Gro&szlig;en Spa&szlig; machten mir die Worte eines jungen
-Burschen, der einem Herrn die Erscheinung einer
-Reihe Sternschnuppen, wie sie schnell &uuml;ber den Himmel
-weggeschossen, erkl&auml;rte, &raquo;Sir,&laquo; sagte der Bursche, &raquo;ich habe
-nie zuvor etwas Aehnliches gesehn, und ich kann die Kette
-von Sternen mit der Block-Kette (<em class="antiqua">logging-chain</em>) vergleichen,&laquo;
-gewi&szlig; ein h&ouml;chst nat&uuml;rlicher und einziger Vergleich,
-ganz in Einklang mit der Besch&auml;ftigung des Burschen,
-der es h&auml;ufig mit den Ochsen und ihrer Block-Kette,
-(der Fortschaffung von gef&auml;llten B&auml;umen) zu thun
-hatte, &mdash; und am Ende nicht b&auml;urischer, wenn ich so sagen
-darf, als die gew&ouml;hnlichen Namen, welche mehre unsrer
-pr&auml;chtigsten Sternbilder f&uuml;hren &mdash; z. B. Pflug, Sichel
-u. s. w.</p>
-
-<p>Als ich letzte Weihnachten eines Abends von einem
-Besuche bei einer Freundin nach Hause kehrte, &uuml;berraschte
-mich eine gl&auml;nzende bla&szlig;gr&uuml;nliche Lichts&auml;ule im Westen;
-sie erhob sich zu einiger H&ouml;he &uuml;ber die dunkle Fichten-Linie,
-womit die jenseitigen Ufer des Otanabee bekr&auml;nzt
-waren, und erleuchtete den Himmel auf beiden Seiten
-mit einem keuschen reinen Lichte, dem nicht un&auml;hnlich,
-welches der Mond bei seinem Auf- und Untergang verbreitet;
-sie war nicht ganz pyramidal, jedoch an der
-Basis um vieles breiter als an der Spitze; sie erbleichte
- <span class="pagenum"><a id="Page_p350">[S. 350]</a></span>
-allm&auml;lig, bis nur noch ein wei&szlig;es flimmerndes Licht die
-Stelle bezeichnete, die sie am Himmel eingenommen, und
-auch dieser schwache Lichtschimmer verschwand ungef&auml;hr
-nach einer halben Stunde. Es war eine so sch&ouml;ne und
-liebliche Erscheinung, da&szlig; ich ordentlich trauerte, als sie
-in die d&uuml;nnen L&uuml;fte zerrann; ja bisweilen bestimmte mich
-meine Phantasie zu dem Glauben, als s&auml;he ich das Gewand
-eines glanzvollen Besuches aus einer andern und
-bessern Welt; &mdash; aber weg mit dergleichen Tr&auml;umereien!
-&mdash; war es vielleicht eine phosphorische Ausd&uuml;nstung von
-einem unsrer zahlreichen Mor&auml;ste oder Binnen-Seen,
-oder stand sie vielleicht mit dem Nordlicht in Verbindung,
-welches so h&auml;ufig an unserm Himmel gesehn wird?</p>
-
-<p>Ich mu&szlig; jetzt diesen Brief schlie&szlig;en; denn ich habe
-noch an einige Freunde zu schreiben, denen ich blos bei
-g&uuml;nstiger Gelegenheit etwas von meiner Hand zufertigen
-kann, denn das Porto ist sehr hoch, und man mu&szlig; f&uuml;r
-alles, was man nach New York sendet, oder von daher
-erh&auml;lt, theuer bezahlen.</p>
-
-<p class="pmb3">Leben Sie wohl Meine G&uuml;tigste und Beste Freundin.</p>
-
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p351">[S. 351]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-
-<p class="p3 center"><b><span class="font24">Erster Anhang.</span></b></p>
-</div>
-
-
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p352"></a></span></p>
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p353">[S. 353]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="no-break" id="Erster_Anhang">Erster Anhang.</h2>
-</div>
-
-<blockquote>
-<p class="pmb2">(Folgende Mittheilungen sind von der Verfasserin
-dieses Werkes w&auml;hrend dessen Druck eingegangen.)</p>
-</blockquote>
-
-
-<div class="chapter">
-
-<h3 class="no-break" id="Ahorn_Zucker"><em class="gesperrt">Ahorn-Zucker.</em></h3>
-</div>
-
-<p>Dieses Fr&uuml;hjahr habe ich Ahorn-Zucker von weit
-feinerem Korn und besserer Farbe bereitet, als er mir jemals
-zu Gesicht gekommen ist; und mehre alte Ansiedler
-haben mir versichert, es sei der beste oder ziemlich der
-beste, den man nur immer erhalten k&ouml;nne; diese Lobspr&uuml;che
-bestimmen mich, das von mir bei seiner Bereitung verfolgte
-Verfahren hier mitzutheilen: Sobald der Saft in
-dem Zucker-Kessel von ungef&auml;hr sechszehn Eimern bis auf
-zwei eingekocht war, go&szlig; ich ihn zun&auml;chst durch einen
-d&uuml;nnen Flanell-Beutel, der ungef&auml;hr so beschaffen sein
-mu&szlig; wie ein Sack zum Durchseihen von Gel&eacute;es, und befreite
-ihn dergestalt von den ersten Unreinigkeiten, die
-ziemlich gro&szlig; sind. Hierauf lie&szlig; ich ihn durch dickeren
-Flanell in den eisernen Topf laufen, der zu seiner Eindickung
-zu Zucker bestimmt war, schlug, als er noch kalt
-oder h&ouml;chstens nur lau war, das Wei&szlig;e eines Eies zu
-Schaum und verbreitete es behutsam &uuml;ber die Oberfl&auml;che
-der Fl&uuml;ssigkeit, wobei ich den Topf, als er durch das
-Feuer hei&szlig; zu werden anfing, sorgf&auml;ltig in den Augen
-behielt, damit der Schaum nicht in den Zucker kochen
-m&ouml;chte. Einige Minuten bevor der eingedickte, auf die
-eben geschilderte Weise behandelte Saft zum Kochen
-kommt, mu&szlig; der Schaum, der sich oben absetzt,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p354">[S. 354]</a></span>
-mit einem h&ouml;lzernen Sch&ouml;pfl&ouml;ffel sorgf&auml;ltig abgenommen
-und entfernt werden. Meines Erachtens h&auml;ngt die Wei&szlig;e
-und Reinheit des Zuckers zum gro&szlig;en Theil von der
-sorgf&auml;ltigen Entfernung jedes Schaumtheilchens ab. Die
-beste Vorschrift, welche ich hierzu (dem Absch&auml;umen des
-Zuckers<a id="FNanchor_58_58"></a><a href="#Footnote_58_58" class="fnanchor">[58]</a>), ertheilen kann, ist, den Saft fortw&auml;hrend in
-schnellem Kochen zu erhalten, nur mu&szlig; man dabei sorgf&auml;ltig
-sein Ueberlaufen verhindern, indem man etwas von
-der Fl&uuml;ssigkeit in dem R&uuml;hrl&ouml;ffel beh&auml;lt, und wenn die
-Masse nach dem Rande aufsteigt oder zu schnell aufwallt,
-von Zeit zu Zeit etwas hinein tropfen l&auml;&szlig;t, um
-sie nieder zu halten; oder siedet man die Masse in einem
-Koch-Ofen, so verhindert die Oeffnung einer oder aller
-Th&uuml;ren das Ueberlaufen. Die, welche ihren Zucker au&szlig;er
-dem Hause bereiten, befestigen einen h&ouml;lzernen Krahn in
-einen Baumstummel, das Feuer wird hierauf angez&uuml;ndet,
-und der Kessel an dem Krahne aufgeh&auml;ngt; durch
-diese einfache Vorrichtung, &mdash; jeder Knabe kann damit zu
-Stande kommen, &mdash; kann man, bei nur einiger Aufmerksamkeit
-auf das Kochen, jedes Ueberlaufen vermeiden; allein
-das Auge darf nicht vom Kessel weggewendet werden,
-eine Unachtsamkeit, ein eitler Blick kann einen gro&szlig;en
-Verlust des kostbaren Saftes bewirken. Ich hatte blos
-einen kleinen Koch-Ofen zur Bereitung meines Zuckers;
-die dazu geh&ouml;rigen T&ouml;pfe hielt man f&uuml;r zu klein, und
-ihre Form f&uuml;r ungeeignet, so da&szlig; ich anfangs den Versuch
-aufgeben zu m&uuml;ssen f&uuml;rchtete; allein ich beharrte
-bei meinem Vorsatz, und meine Erfahrung hat mich gelehrt,
-da&szlig; mein Ofen ein trefflicher Apparat zu dieser
-Art von Fabrikation ist, da sich die Hitze nach Belieben
-reguliren l&auml;&szlig;t.</p>
-
-<p>Eine der &auml;ngstlichsten Perioden beim Zuckersieden
-ist, nach meiner Erfahrung, wenn der Saft zuerst anf&auml;ngt,
-ein gelbliches, schaumiges Ansehn anzunehmen,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p355">[S. 355]</a></span>
-und eine so gro&szlig;e Dampf-Menge von seiner Oberfl&auml;che
-aufzuwerfen, da&szlig; man den Inhalt des Kessels nicht sieht;
-in welchem Fall er, selbst bei der gr&ouml;&szlig;ten Aufmerksamkeit,
-unvermerkt &uuml;berlaufen kann. Sobald sich der
-Saft zu Syrup (Molasse) verdickt, nimmt er eine sch&ouml;n
-gelbe Farbe an und scheint nichts als ein dicker Schaum
-zu sein. Wenn er ziemlich tief eingekocht ist, fangen
-die Tropfen an, klar und z&auml;he vom L&ouml;ffel zu fallen; und
-wenn man kleine gl&auml;nzende k&ouml;rnig aussehende Bl&auml;schen
-darin wahrnimmt, so tr&ouml;pfele man einige auf eine kalte
-Platte und fahre fort, ihn umzur&uuml;hren oder zu reiben,
-bis er ganz erkaltet ist; sobald er bereit ist, zu granuliren,
-findet man ihn griesig, eine wei&szlig;liche oder bla&szlig;strohgelbe
-Farbe annehmend und steif. Alsdann kann man
-den Zucker unbesorgt in eine zinnerne Sch&uuml;ssel, in einen
-Eimer, ein Becken oder irgend ein andres passendes Gef&auml;&szlig;
-aussch&uuml;tten. Ich versuchte zwei verschiedne Methoden,
-nachdem ich den Zucker vom Feuer genommen, konnte
-aber in seinem Aussehn keine Verschiedenheit wahrnehmen,
-ausgenommen da&szlig; bei der einen der Zucker mehr
-zerbrochen erschien, bei der andern dagegen in gro&szlig;en
-Klumpen blieb; &uuml;brigens aber war weder in Reinheit noch
-Funkeln ein Unterschied bemerkbar. Was die erste Methode
-anlangt, so r&uuml;hrte ich den Zucker fortw&auml;hrend um,
-bis er anfing, zu erkalten, und eine wei&szlig;lich dicke Substanz
-zu bilden, und die K&ouml;rner gut krystallisirten; bei
-dem andern Verfahren, &mdash; das ich f&uuml;r vorz&uuml;glicher halte,
-da es die wenigste M&uuml;he verursacht, &mdash; wartete ich, bis
-die Molasse zu Zucker verh&auml;rtet war, hierauf durchl&ouml;cherte
-ich die Cruste an mehren Stellen, und st&uuml;rzte die Masse
-in einen Durchschlag &uuml;ber einem Gef&auml;&szlig;e, bestimmt, die
-vom Zucker abtropfende Molasse aufzunehmen. Im Verlauf
-des Tages oder zweier Tage, r&uuml;hrte ich den Zucker
-h&auml;ufig um, der so von aller Feuchtigkeit befreit ward,
-und ein sch&ouml;nes funkelndes Korn annahm; er schmeckte
-genau wie Zuckerkant; vom Geschmack des Ahorn-Saftes
- <span class="pagenum"><a id="Page_p356">[S. 356]</a></span>
-konnte man keine Spur daran bemerken, kurz man konnte
-ihn zu allem gebrauchen.</p>
-
-<p class="pmb2">Ich habe die Bemerkung gemacht, da&szlig; im Allgemeinen
-Ahorn-Zucker, wie er gew&ouml;hnlich bereitet wird, hart
-und derb ist, wenig Korn zeigt, und im Verh&auml;ltni&szlig; zu seinem
-Umfange sehr ins Gewicht f&auml;llt. Gerade das Gegentheil aber
-kann ich von meinem Fabrikat sagen, er ist im Verh&auml;ltni&szlig;
-zu seinem Volumen au&szlig;erordentlich leicht, indem die
-schwere Molasse, statt in ihn einzutrocknen, vollkommen
-davon getrennt ist. W&auml;re das gegenw&auml;rtige Fr&uuml;hjahr
-nur g&uuml;nstig genug gewesen, was es nicht war, so w&uuml;rden
-wir eine gute Quantit&auml;t trefflichen Zuckers bereitet haben.</p>
-
-
-<div class="chapter">
-
-<h3 class="no-break" id="Weinessig"><em class="gesperrt">Weinessig.</em></h3>
-</div>
-
-<p>Kocht man f&uuml;nf Gallonen Saft auf eine ein, setzt
-man, wenn er gerade die Temperatur frisch gemolkner
-Milch ein wenig &uuml;bersteigt, ein Weinglas Hefen hinzu,
-und l&auml;&szlig;t man das Gef&auml;&szlig; w&auml;hrend des Sommers in der
-K&uuml;che nahe am Heerde stehen, so erh&auml;lt man einen guten,
-wohlfeilen, angenehm schmeckenden starken und sehr
-brauchbaren Essig. Diesen Plan habe ich zwei Jahre
-hindurch mit Gl&uuml;ck verfolgt. Das Fa&szlig; oder die Butte
-mu&szlig; geh&ouml;rig ausgepicht und wasserdicht sein, ehe der Essig
-hinein gethan werden kann; denn andernfalls w&uuml;rde
-es durch die Sonnenhitze einschrumpfen und leck werden.
-Ist es gut gearbeitet, so &uuml;berstreicht man die Fugen und
-den innern Rand am obern Theil des Fasses mit Theer
-oder auch mit gelber Seife, wodurch es gegen etwaige
-Oeffnungen gesichert wird. Erfahrne Hausfrauen geben
-der gleichf&ouml;rmigern K&uuml;chen-Temperatur, was den Standort
-des Essigs anlangt, den Vorzug vor der freien Luft;
-denn die in diesem Lande h&auml;ufig eintretenden kalten N&auml;chte
-sollen dem Vorgange nachtheilig sein, der, wenn er kein
-dergleichen Hinderni&szlig; erf&auml;hrt, schneller zur Vollendung
-kommt. Diejenigen, welche in der Bereitung einheimischer
- <span class="pagenum"><a id="Page_p357">[S. 357]</a></span>
-Weine und Biere gut bewandert sind, d&uuml;rften mit
-geringem Aufwande, von Zeit und Arbeit einen trefflichen
-Ahorn-Wein oder Ahorn-Bier bereiten.</p>
-
-<p class="pmb2">Jeder Ansiedler zieht, als ein Ziergew&auml;chs, in seinem
-Garten (oder sollte dies thun) Hopfen, welcher einen
-der Haupt-Bestandtheile des Ahorn-Bieres bildet, nachdem
-man ihn dem Safte zugesetzt hat.</p>
-
-
-<div class="chapter">
-
-<h3 class="no-break" id="Hopfen_Hefen"><em class="gesperrt">Hopfen-Hefen.</em></h3>
-</div>
-
-<p>Dieser treffliche, und ich m&ouml;chte sagen, unentbehrliche
-Artikel in jedem Ansiedler-Hause, ist ein sch&auml;tzbares
-Substitut f&uuml;r Ale- oder Bier-Hefen, und wird auf folgende
-einfache Weise bereitet: &mdash; Man nimmt zwei
-H&auml;nde voll Hopfen, kocht diese Quantit&auml;t in einer Gallone
-weichen Wassers, wenn man dergleichen bekommen
-kann, bis der Hopfen zu Boden des Gef&auml;&szlig;es sinkt; bereitet
-einen Teig, indem man eine Dessert-Sch&uuml;ssel voll
-Mehl und kaltes Wasser so lange zusammen r&uuml;hrt, bis
-sie eine weiche und ziemliche dicke Masse bilden; filtrirt
-die Hopfen-Fl&uuml;ssigkeit, w&auml;hrend sie noch siedend hei&szlig; ist,
-in das Gef&auml;&szlig;, welches den Teig enth&auml;lt, und l&auml;&szlig;t einen
-Geh&uuml;lfen die Hopfen-Fl&uuml;ssigkeit abgie&szlig;en, w&auml;hrend man
-den Teig umr&uuml;hrt. Sobald sie bis zu einer gelinden
-W&auml;rme abgek&uuml;hlt ist, so da&szlig; man den Finger ohne unangenehme
-Empfindung hinein halten kann, f&uuml;ge man
-ein Glas von den fr&uuml;hern Hefen, oder etwas weniges
-Sauerteig hinzu, um sie g&auml;hren zu machen; ist auch dies
-geschehn, so l&auml;&szlig;t man sie ruhig stehen, bis sie geh&ouml;rig
-gegohren hat, f&uuml;llt sie dann auf Flaschen und verkorkt sie
-sorgf&auml;ltig. Den Sommer &uuml;ber mu&szlig; sie im Keller oder an
-einem k&uuml;hlen Ort stehen, und im Winter mu&szlig; man daf&uuml;r
-sorgen, da&szlig; sie nicht friert. Einige f&uuml;gen zwei oder
-drei mehlige, wohl gekochte und fein gesto&szlig;ne Kartoffeln
-hinzu, was w&auml;hrend der kalten Monate des Jahres sich
-sehr vortheilhaft erweist. Ein Zusatz von Kartoffeln zu
- <span class="pagenum"><a id="Page_p358">[S. 358]</a></span>
-Brodmehl ist ebenfalls h&ouml;chst zweckm&auml;&szlig;ig und meines
-Erachtens f&uuml;r neue Ank&ouml;mmlinge, die alle ihr Mehl kaufen
-m&uuml;ssen, jedenfalls ein gro&szlig;es Ersparni&szlig;.</p>
-
-<p class="pmb2">Folgende Methode liefert mir ein schmackhafteres,
-leichteres Brod als das auf dem gew&ouml;hnlichen Wege gemischte
-Mehl: &mdash; Angenommen, ich wollte ungef&auml;hr
-anderthalb Stein Mehl verbacken, so koche ich, (versteht
-sich, nachdem sie v&ouml;llig rein gesch&auml;lt sind,) etwa drei
-Dutzend ziemlich gro&szlig;e Kartoffeln, in ungef&auml;hr drei Quart
-oder einer Gallone Wasser, bis die Fl&uuml;ssigkeit das Ansehn
-einer d&uuml;nnen Gr&uuml;tzsuppe zeigt, und die Kartoffeln sich
-mit dem Wasser fast ganz verk&ouml;rpert haben. Mit dieser
-Kartoffel-Gr&uuml;tze wurde das Mehl vermischt, Wasser
-war nicht erforderlich, au&szlig;er wenn ich zuf&auml;llig nicht genug
-von der Mischung hatte, um mein Mehl hinl&auml;nglich
-anzufeuchten. Dieselbe Methode, zu kneten, die G&auml;hrung
-durch Hefen zu bewirken u. s. w., wird bei anderm Teige
-und Brode angewendet. W&auml;hrend des Backens nimmt
-es eine gl&auml;nzend hellbraune Farbe an und ist leichter als
-das auf gew&ouml;hnlichem Wege bereitete Brod, daher eine
-Kenntni&szlig; des besprochnen Verfahrens den Emigranten-Familien
-n&uuml;tzlich sein d&uuml;rfte.</p>
-
-
-<div class="chapter">
-
-<h3 class="no-break" id="Salz_Sauerteig"><em class="gesperrt">Salz-Sauerteig.</em></h3>
-</div>
-
-<p>Dies ist ein Sauerteig wovon die Yankie-Ansiedler
-h&auml;ufig Gebrauch machen; allein obgleich das damit bereitete
-Brod entschieden wei&szlig;er, und von besserem Aussehn
-ist, als das auf andre Weise ges&auml;uerte. So macht es
-doch der eigenth&uuml;mliche Geschmack, den es dadurch erh&auml;lt,
-manchen Leuten &auml;u&szlig;erst widrig. Ein andrer Nachtheil
-ist, da&szlig; es w&auml;hrend des Winters &auml;u&szlig;erst schwer h&auml;lt, diesen
-Sauerteig zum Gehen (G&auml;hren) zu bringen, da er eine
-Temperatur erfordert, die man an einem canadischen
-Wintertage nicht leicht erhalten kann, dazu kommt noch,
-da&szlig; der fragliche Sauerteig, nachdem er einmal seine
- <span class="pagenum"><a id="Page_p359">[S. 359]</a></span>
-H&ouml;he erreicht hat, wofern man nicht sogleich davon Gebrauch
-macht, wieder f&auml;llt, und dann nicht wieder steigt;
-eine sorgsame Hausfrau, welche diesen Umstand kennt,
-giebt daher sorgf&auml;ltig Acht, da sie andernfalls schweres
-schliffiges Geb&auml;ck erhalten oder gar kein Brod sondern eine
-Art Geb&auml;cke wie Haferkuchen im Hause haben w&uuml;rde.</p>
-
-<p>So viel als ich mich erinnern kann, wird der
-Salz-Sauer auf folgende Weise gemacht: &mdash; Zu einem
-kleinen Geb&auml;cke, also etwa zwei oder drei Broden oder
-einem gro&szlig;en Backkessel-Brode (ungef&auml;hr so gro&szlig; wie ein
-englisches Metzen-Brod) nimmt man eine Pinte m&auml;&szlig;ig
-warmen Wassers, (es mu&szlig; der hineingesteckten Hand angenehm
-sein) und r&uuml;hrt in den Krug oder Topf, der es
-enth&auml;lt, so viel Mehl, als zur Bildung eines guten Teiges
-n&ouml;thig ist, der aber nicht zu dick sein darf; hierzu
-f&uuml;ge man einen halben Theel&ouml;ffel voll Salz und setze
-das Gef&auml;&szlig;, in einer Sch&uuml;ssel m&auml;&szlig;ig warmen Wassers,
-in eine kleine Entfernung vom Feuer oder an die Sonne;
-das den Topf, worin der Sauer enthalten ist, umgebende
-Wasser darf sich nie viel &uuml;ber seine urspr&uuml;ngliche
-W&auml;rme abk&uuml;hlen, daher man von Zeit zu Zeit etwas
-warmes Wasser zugie&szlig;en mu&szlig;, (nicht aber in den Sauer,
-sondern in die Sch&uuml;ssel,) bis das Ganze in einen lebhaften
-Zustand von G&auml;hrung ger&auml;th, was in Zeit von
-sechs bis acht Stunden geschieht, worauf man den Brodteig
-damit vermischen und, so viel als n&ouml;thig, warmes
-Wasser oder warme Milch zugie&szlig;en mu&szlig;. Hierauf knete
-man die Masse, bis sie hinreichend steif ist und nicht
-mehr am Troge h&auml;ngen bleibt. Man wirke nun seine
-Brode auf, und decke sie in der N&auml;he des Feuers warm
-zu, bis sie gehen, wenn dieses zweite Anschwellen statt
-findet, m&uuml;ssen sie sogleich gebacken werden.</p>
-
-<p>Diejenigen, welche Shanty-Brode, wie ich sie nenne,
-in eisernen, auf gl&uuml;hende Kohlen gestellten Back-T&ouml;pfen
-oder Kesseln backen, setzen den Teig zum Gehen &uuml;ber sehr
-wenige Kohlen, oder in die N&auml;he des hei&szlig;en Herdes,
- <span class="pagenum"><a id="Page_p360">[S. 360]</a></span>
-und drehen, w&auml;hrend das Brod steigt, den Topf oder die
-Pfanne von Zeit zu Zeit; sobald alles gleichf&ouml;rmig in die
-H&ouml;he gegangen ist, legt man hei&szlig;e Asche unter und
-auf den Deckel, wobei man Sorge tragen mu&szlig;, da&szlig; die
-Hitze anfangs nicht zu heftig werde. Da diese Methode
-zu backen die allgemeinste und erste ist, welche ein Ansiedler
-aus&uuml;ben sieht, so halte ich es f&uuml;r zweckm&auml;&szlig;ig, ihn
-im Voraus damit bekannt zu machen. Anfangs f&uuml;hlte
-ich mich geneigt, gegen die Back-Sch&uuml;sseln oder Back-Kessel
-zu eifern; allein da Koch-Oefen, eiserne Oefen, ja auch
-nur Ziegel- oder Lehm-Oefen nicht wie Pilze auf unser Gehei&szlig;
-im Busche aus der Erde aufschie&szlig;en, so sind diese Substitute
-sehr sch&auml;tzbar, und dienen vielen n&uuml;tzlichen Zwecken.</p>
-
-<p>Ich habe vorz&uuml;glich lockeres Brod genossen, welches
-auf dem Emigranten-Herde in einem dergleichen Kessel
-gebacken war, ich habe Kartoffeln, gebacknes Fleisch, treffliches
-Geschmortes und gute Suppen gegessen, die alle
-zu verschiedner Zeit in diesem allgemein n&uuml;tzlichen Ger&auml;the
-zubereitet waren. Es ist eins von jenen Dingen, die sich
-f&uuml;r die Umst&auml;nde des Ansiedlers im Walde ganz vorz&uuml;glich
-eignen; denn es ist unm&ouml;glich, da&szlig; dieser gleich von
-Vornherein alle Bequemlichkeiten und Haushaltsartikel in
-und au&szlig;er seiner Wohnst&auml;tte vereinigen kann, welche gleichsam
-der Lohn mehrj&auml;hriger und vielf&auml;ltiger Anstrengung
-und M&uuml;he sind.</p>
-
-<p class="pmb2">Es giebt noch verschiedne Sorten Sauerteig, z. B.
-&raquo;<em class="gesperrt">Milch-Sauer</em>,&laquo; der mit Milch, warm von der
-Kuh weg, und ungef&auml;hr einem Drittel warmen Wassers
-vermischt wird; und Kleien-Sauer, wozu man Kleien
-anstatt des Mehles nimmt, und den manche den zuvor
-erw&auml;hnten Arten vorziehen.</p>
-
-
-<div class="chapter">
-
-<h3 class="no-break" id="Weiche_Seife"><em class="gesperrt">Weiche Seife.</em></h3>
-</div>
-
-<p class="pmb2">Von der Bereitung weicher Seife kann ich nur
-wenig oder keine genaue Auskunft geben, da mir niemals
- <span class="pagenum"><a id="Page_p361">[S. 361]</a></span>
-eine <em class="gesperrt">gewisse</em> Regel mitgetheilt worden, und
-meine eigne Erfahrung zu beschr&auml;nkt ist. Inde&szlig; sind mir
-von einem sachkundigen Mann einige Winke gegeben
-worden, worauf ich zu fu&szlig;en gedenke. Anstatt die Seife
-zu sieden, was mit einigen Umst&auml;nden verbunden ist,
-versicherte man mir, der beste Plan sei, die Lauge von
-einem Fa&szlig; Asche ablaufen zu lassen, in diese Lauge vier
-oder f&uuml;nf Pfund Fett zu thun, z. B. abgesch&ouml;pften Talg,
-Speckrinden oder Ueberbleibsel von Unschlitt; kurz jede
-Art von dergleichen Abg&auml;ngen. Das Fa&szlig; mit seinem
-Inhalt soll man hierauf an einen sichern Ort im Garten
-oder Hofe stellen, wo es der Einwirkung von Sonne
-und Luft ausgesetzt ist. Im Verlauf der Zeit verk&ouml;rpern
-sich Lauge und Fett mit einander; herrscht das
-Fett vor, so sieht man es an der Oberfl&auml;che herumschwimmen;
-will sich die Mischung nicht geh&ouml;rig verdicken,
-so mu&szlig; man mehr Fett hinzuf&uuml;gen. Dies ist der einfachste,
-verst&auml;ndlichste und beste Bericht, den ich bisher
-&uuml;ber Seifen-Bereitung habe erhalten k&ouml;nnen, ein Proze&szlig;,
-der mir bisher als ein Geheimni&szlig; erschien, wiewohl eine
-von meinen M&auml;gden im letzten Fr&uuml;hjahr eine ansehnliche
-Quantit&auml;t Seife, und zwar mit dem g&uuml;nstigsten
-Erfolg, fabricirt hat; allein sie konnte den Grund des
-Gelingens nicht angeben, indem sie sich des Prinzipes,
-wovon sie sich bei ihrer Arbeit leiten lie&szlig;, nicht bewu&szlig;t war.</p>
-
-
-<div class="chapter">
-
-<h3 class="no-break" id="Lichte"><em class="gesperrt">Lichte.</em></h3>
-</div>
-
-<p>Jedermann machte hier zu Lande seine Lichte selbst,
-(das hei&szlig;t, sobald er in Besitz der dazu erforderlichen
-Materialien ist). Die gro&szlig;e Schwierigkeit, und meines
-Bed&uuml;nkens die einzige, bei dieser Fabrikation ist die Herbeischaffung
-von Talg, den der Buschsiedler, so lange er
-nicht seine eignen Rinder, Schafe und Schweine schlachten
-kann, nicht leicht aufzutreiben vermag, wofern er
-ihn nicht kauft; und ein Ansiedler kauft, wenn er es
- <span class="pagenum"><a id="Page_p362">[S. 362]</a></span>
-umgehen kann, nicht so leicht etwas. Eine Kuh inde&szlig;,
-welche nichts einbringt, alt ist oder aller Wahrscheinlichkeit
-nach der Strenge des Winters nicht Trotz bieten kann,
-l&auml;&szlig;t man oft den Sommer &uuml;ber trocken gehen, und ihr
-Futter selbst suchen, bis sie im Herbste zum Schlachten
-geschickt ist. Ein dergleichen Thier wird oft mit gro&szlig;em
-Vortheil geschlachtet, vorz&uuml;glich wenn der Ansiedler wenig
-Futter f&uuml;r sein Vieh hat. Das Fleisch (<em class="antiqua">beef</em>) ist oft
-trefflich, und das Fett der innern Theile liefert treffliche
-Lichte und gute Seife. Lichte, die man aus drei
-Theilen Rindstalg und einem Theil Schweinfett bereitet,
-brennen besser als die, welche man bei den Vorraths-H&auml;ndlern
-kauft, und kosten nicht halb so viel. Der Talg
-wird ganz einfach in einem Topfe oder einer Sch&uuml;ssel,
-die dazu geeignet ist, zerlassen, und hat man Baumwollen-Dochte
-in die Formen gezogen, (zinnerne oder blecherne
-Formen f&uuml;r sechs Lichte kosten das St&uuml;ck bei den
-Vorraths-H&auml;ndlern drei Schillinge, und halten viele, viele
-Jahre aus,) so steckt man einen Stock oder Spie&szlig; durch
-die Docht-Schleifen, die &uuml;ber den obersten Theil der
-Form hinausragen und dazu dienen, die Lichte aus den
-Formen zu ziehen.</p>
-
-<p class="pmb2">Das zerla&szlig;ne Fett, nicht zu hei&szlig;, aber in fl&uuml;ssigem
-Zustande, wird dann in die Formen gegossen, bis sie voll
-sind; so wie das Fett erkaltet, schrumpft es zusammen,
-und l&auml;&szlig;t oben in der Form eine H&ouml;hlung zur&uuml;ck;
-diese mu&szlig; nach seinem v&ouml;lligen Erkalten ausgef&uuml;llt werden.
-Lassen sich die Lichte nicht gut aus den Formen
-ziehen, so tauche man letztre auf einen Augenblick in hei&szlig;es
-Wasser, worauf erstere leicht herausgehen. Manche
-ziehen es vor, Lichte f&uuml;r den K&uuml;chengebrauch durch Eintauchen
-der Dochte in zerla&szlig;nen Talg zu bereiten; allein
-was mich betrifft, so halte ich die M&uuml;he f&uuml;r fast eben
-so gro&szlig;, und gebe daher, in Ansehung des saubern Aeu&szlig;eren,
-den Formen den Vorzug. Es kann wohl sein, da&szlig;
- <span class="pagenum"><a id="Page_p363">[S. 363]</a></span>
-mir und meinem M&auml;dchen das erste Verfahren weniger gel&auml;ufig
-ist, als das letzte.</p>
-
-
-<div class="chapter">
-
-<h3 class="no-break" id="Einlegen_von_Gurken"><em class="gesperrt">Einlegen von Gurken u. s. w.</em></h3>
-</div>
-
-<p class="pmb3">Der gro&szlig;e Mangel an Fr&uuml;hlings-Gem&uuml;sen macht
-Eingelegtes zu einer sch&auml;tzbaren Zugabe f&uuml;r die Tafel,
-und zwar zu einer Zeit, wo Kartoffeln nichts mehr taugen
-und ihren guten Geschmack verloren haben. Ist
-man mit dem Ahorn-Essig gl&uuml;cklich gewesen, so kann
-man in der letzten H&auml;lfte des Sommers Gurken, Bohnen
-und Kraut zu Winter-Vorr&auml;then einlegen; sollte jedoch
-der Weinessig zu dieser Zeit noch nichts taugen, so
-stehen zu dem fraglichen Behuf zwei Wege offen, einmal
-n&auml;mlich kann man aus gekochtem Salz und Wasser
-eine gute Br&uuml;he zur Aufnahme der Gurken u. s. w.
-bereiten, das Kraut, was ich nebenbei bemerken will,
-l&auml;&szlig;t sich im Wurzel-Hause oder Keller ganz gut aufbewahren,
-33333oder man versenkt es in Brunnen, die geh&ouml;rig
-bedeckt werden m&uuml;ssen; will man etwas davon einlegen,
-so mu&szlig; man zun&auml;chst die oberste Schicht, die
-nichts taugt, entfernen, und hat man den Essig mit Gew&uuml;rzen
-gekocht, so setzt man ihn zum Erkalten hin. Die
-Gurken m&uuml;ssen vorher geh&ouml;rig gewaschen, zwei oder dreimal
-in frischem Wasser gesp&uuml;lt und abgetrocknet werden,
-alsdann in einen irdnen Topf oder ein Einmache-Glas
-gethan und mit dem Essig &uuml;bergossen werden. Der
-Vortheil hiervon liegt am Tage, man kann zu jeder beliebigen
-Zeit einlegen. Ein andres Verfahren, welches
-ich sehr habe preisen h&ouml;ren, besteht darin, da&szlig; man die
-Gurken in ein Gemisch von Branntwein<a id="FNanchor_59_59"></a><a href="#Footnote_59_59" class="fnanchor">[59]</a> und Wasser
- <span class="pagenum"><a id="Page_p364">[S. 364]</a></span>
-legt, welches mit der Zeit zu einem guten Essig wird,
-die Farbe und das &auml;u&szlig;ere frische Ansehn der Vegetabilien
-erh&auml;lt und sie zu gleicher Zeit zart und weich macht, besonders
-wenn man es siedend hei&szlig; darauf gie&szlig;t, welches
-das gew&ouml;hnliche Verfahren ist.</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-
-<div class="block0">
-<div class="footnotes"><b>Fu&szlig;noten:</b>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_58_58"></a><a href="#FNanchor_58_58"><span class="label">[58]</span></a> <em class="antiqua">Sugaring-off</em>, wie die Canadier diese Operation nennen.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_59_59"></a><a href="#FNanchor_59_59"><span class="label">[59]</span></a> In dem &raquo;<em class="antiqua">Backwoodsman</em>&laquo; wird dieses Whisky-Recept
-als eine abscheuliche Mischung erw&auml;hnt; vielleicht hat der witzige
-Verfasser, von den darin eingelegten Vegetabilien in noch unvollendetem
-Zustande gekostet. Er giebt eine kl&auml;gliche Schilderung
-von amerikanischer Kocherei, erkl&auml;rt aber, da&szlig; dieser schlechte
-Zustand auf Mangel an guten Vorschriften beruhe. Die von
-mir beigef&uuml;gten Recepte zur Hefen-Bereitung und S&auml;uerung
-des Brodes d&uuml;rften in England von gro&szlig;em Nutzen sein, vorz&uuml;glich
-auf dem Lande, wo es oft an guten frischen Hefen fehlt.</p>
-</div>
-</div>
-</div>
-
-<p class="pmb3" />
-
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p365">[S. 365]</a></span></p>
-
-
-<div class="chapter">
-<p class="p3 center"><b><span class="font24">Zweiter Anhang.</span></b></p>
-</div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p366"></a></span></p>
-
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p367">[S. 367]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-<h2 class="no-break" id="Zweiter_Anhang">Zweiter Anhang.</h2>
-</div>
-
-<div class="block1">
-<p class="pmb3 font09">Da es der Wunsch der Herausgeber ist, vorliegendes
-Werk f&uuml;r Auswandrer so gemeinn&uuml;tzig als m&ouml;glich zu machen,
-so f&uuml;gen wir, unter nachstehenden Titeln, einige officielle Nachrichten
-und Fingerzeige hinzu: &mdash;</p>
-</div>
-
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p368">[S. 368]</a></span></p>
-
-<p>Statistische Angaben, die Auswanderung
-nach Canada betreffend: &mdash;</p>
-
-<p class="ind3"><em class="antiqua">I.</em> <em class="gesperrt">Anzahl der Verk&auml;ufe und Bewilligungen
-von Kronl&auml;ndereien, Geistlichkeits-Vorbehalt,
-(das ist Parcellen, die f&uuml;r die Geistlichkeit
-vorbehalten werden,) Bedingungen
-u. s. w.</em></p>
-
-<p class="ind3"><em class="antiqua">II.</em> <em class="gesperrt">Anweisung f&uuml;r Emigranten; Anzahl
-der angelangten Emigranten, nebst Ausz&uuml;gen
-aus Papieren von Agenten, welche von der
-Regierung zur Beaufsichtigung der Emigranten-Angelegenheiten
-angestellt sind.</em></p>
-
-<p class="ind3"><em class="antiqua">III.</em> <em class="gesperrt">Auszug aus dem in der Sitzung von 1835
-erla&szlig;nen amerikanischen Passagier-Gesetz.</em></p>
-
-<p class="ind3"><em class="antiqua">IV.</em> <em class="gesperrt">Uebertragung von Capitalien.</em></p>
-
-<p class="ind3"><em class="antiqua">V.</em> <em class="gesperrt">Canadisches Courant.</em></p>
-
-<p class="ind3"><em class="antiqua">VI.</em> <em class="gesperrt">Canadische Compagnie.</em></p>
-
-<p class="ind3 pmb3"><em class="antiqua">VII.</em> <em class="gesperrt">Brittisch-Amerikanische Land-Compagnie.</em></p>
-
-
-
-<hr class="chap" />
-
-
-<p class="center"><em class="gesperrt">Kron-L&auml;ndereien</em>, die seit 1828 bis 1833 verkauft worden sind.</p>
-
-<p class="center font14 pmb1"><em class="gesperrt">Unter-Canada.</em></p>
-
-<p class="pmb2" />
-<table border="0" cellspacing="4" cellpadding="2" class="tdc" summary="Verkauf Kronlaendereien, Unter-Canada">
- <tr>
- <td valign="top">
- <span class="font08">Jahr.</span>
- </td>
- <td valign="top">
- <span class="font08">Betrag des<br />verkauften<br />Bodens nach<br />Aeckern.</span>
- </td>
- <td colspan="2" valign="top">
- <span class="font08">Durchschnitts<br />Preis f&uuml;r<br />den Acker</span>
- </td>
- <td colspan="3" valign="top">
- <span class="font08">Betrag des<br />eingegangenen<br />Kaufgeldes<br />im ersten<br />Jahre.</span>
- </td>
- <td colspan="4" valign="top">
- <span class="font08">Betrag des Kaufgeldes,<br />welches den K&auml;ufern<br />vom Militairstande<br />erlassen worden<br />ist im ersten<br />Jahre</span>
- </td>
- <td colspan="4" valign="top">
- <span class="font08">Betrag des<br />eingegangenen<br />Erbzinses,<br />zu f&uuml;nf pCt.<br />vom Kaufgelde,<br />im ersten Jahre.</span>
- </td>
- <td colspan="3" valign="top">
- <span class="font08">Gesammt-Betrag<br />des Kaufgeldes.</span>
- </td>
- </tr>
-
- <tr>
- <td colspan="2"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">S.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">D.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">Pfd. Sterl.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">S.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">D.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">Pfd.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">Sterl.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">S.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">D.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">Pfd.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">Sterl.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">S.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">D.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">Pfd. Sterl.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">S.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">D.</span></td>
- </tr>
-
- <tr>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">1828</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">20,011</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">4</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">11</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1,255</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">14</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">10</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">39</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">12</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">5,044</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">9</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">9</span></td>
- </tr>
-
- <tr>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">1829</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">31,366</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">4</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">2<sup>3</sup>/<sub>4</sub></span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">466</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">2</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">11</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">307</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">11</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">7,469</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">17</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">7</span></td>
- </tr>
-
- <tr>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">1830</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">28,077</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">5</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">8<sup>3</sup>/<sub>4</sub></span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">273</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">10</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">5</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">322</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">3</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">7,461</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">13</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">5</span></td>
- </tr>
-
- <tr>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">1831</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">51,357</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1<sup>3</sup>/<sub>4</sub></span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">816</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">19</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">8</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">484</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">14</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">7</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">12,442</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">8</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td>
- </tr>
-
- <tr>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">1832</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">24,074</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">9<sup>1</sup>/<sub>4</sub></span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1,013</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">11</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">555</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">10</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">119</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">2</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">7</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">6,139</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">10</span></td>
- </tr>
-
- <tr>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">1833</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">42,570</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">4</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">2</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1,975</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">10</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">11</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1,936</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">9</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">3</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">7,549</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">5</span></td>
- </tr>
-
-</table>
-
-<div class="block1">
-<p class="ind3 pmb3"><span class="font08">Die Bedingungen, unter welchen die L&auml;ndereien verkauft wurden, waren, da&szlig; bei K&auml;ufen mit terminlicher
-Abzahlung, letztere in drei Jahren vollendet sein mu&szlig;te; dagegen bei K&auml;ufen mit Entrichtung von
-Erbzins zu 5 Procent, das Capital nach Belieben gezahlt werden konnte. <em class="antiqua">N. B.</em> Verk&auml;ufe mit Erbzins haben im
-Jahr 1832 aufgeh&ouml;rt.</span></p>
-</div>
-
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p369">[S. 369]</a></span></p>
-
-
-<p class="center">Verkauf von Kron-L&auml;ndereien seit 1828 bis 1833.</p>
-
-<p class="center font14"><em class="gesperrt">Ober-Canada.</em></p>
-
-<p class="pmb2" />
-<table border="0" cellspacing="4" cellpadding="2" class="tdc" summary="Verkauf Kronlaendereien, Ober-Canada">
- <tr>
- <td valign="top"><span class="font08">Jahr.</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">Anzahl der<br />verkauften<br />Aecker.</span></td>
- <td colspan="2" valign="top"><span class="font08">Durchschnitts-<br />Preis f&uuml;r den<br />Acker.</span></td>
- <td colspan="3" valign="top"><span class="font08">Betrag des<br />Verkaufsgeldes<br />im ersten Jahre.</span></td>
- <td colspan="3" valign="top"><span class="font08">Gesammtbetrag<br />des Verkaufsgeldes.</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td colspan="2"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">S.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">D.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">Pfd. Sterl.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">S.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">D.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">Pfd. Sterl.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">S.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">D.</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">1829</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">3,883</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">15</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1<sup>3</sup>/<sub>4</sub></span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">760</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">10</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">2,940</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">17</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">3</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">1830</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">6,135</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">13</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">8<sup>1</sup>/<sub>2</sub></span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1,350</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">16</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">4,209</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">3</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">1831</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">4,357</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">11</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">3<sup>1</sup>/<sub>2</sub></span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1,626</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">15</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">2,458</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">8</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">1832</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">10,323</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">9</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1<sup>1</sup>/<sub>2</sub></span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">2,503</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">3</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">5</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">11,578</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">19</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">3</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">1833</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">26,376</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">8</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">9<sup>1</sup>/<sub>4</sub></span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">5,660</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">8</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">3</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;&mdash;&mdash;</span></td>
- <td colspan="2"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td colspan="3"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td colspan="3" align="right"><span class="font08">&mdash;&mdash;&mdash;&mdash;&mdash;&mdash;</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">Summa</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">51,074</span></td>
- <td colspan="2"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td colspan="3"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">25,898</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">3</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">11</span></td>
- </tr>
-</table>
-
-<div class="block1">
-<p class="ind3 pmb3"><span class="font08">Die Zinsen werden jetzt an den Zahlungsterminen entrichtet. Drei
-Jahr ist die Frist, nach Ablauf welcher die ganze Kauf-Summe bezahlt
-werden mu&szlig;. Die Verk&auml;ufe von Stadt-Parcellen, Wasser-Parcellen und
-Park-Parcellen, in Ober-Canada, sind auf dieser Tabelle nicht mit begriffen,
-wegen der unverh&auml;ltni&szlig;m&auml;&szlig;igen Wirkung, welche die vergleichungsweise
-gro&szlig;en, f&uuml;r diese kleinen Parcellen bezahlten Summen auf den Durchschnitts-Preis
-per Acker haben w&uuml;rden, sie werden daher besonders auf der n&auml;chsten
-Tabelle angegeben. &mdash;</span></p>
-</div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p370">[S. 370]</a></span></p>
-
-<p class="center"><em class="gesperrt">Stadt- und Park-Parcellen, verkauft in</em><br />
-<em class="gesperrt">Ober-Canada von 1828 bis 1833.</em></p>
-
-
-<table border="0" cellspacing="4" cellpadding="2" class="tdc" summary="Verkauf Stadt- und Park-Parcellen">
- <tr>
- <td valign="top"><span class="font08">Jahr.</span></td>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">Anzahl der<br />verkauften<br />Aecker.</span></td>
- <td colspan="3" valign="top" align="center"><span class="font08">Durchschnitts-<br />Preis f&uuml;r den<br />Acker.</span></td>
- <td colspan="3" valign="top" align="center"><span class="font08">Betrag des<br />eingegangnen<br />Kaufgeldes<br />im ersten Jahre.</span></td>
- <td colspan="3" valign="top" align="center"><span class="font08">Gesammtbetrag<br />des Verkaufsgeldes.</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">Pfd. Sterl.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">S.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">D.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">Pfd. Sterl.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">S.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">D.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">Pfd. Sterl.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">S.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">D.</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1828</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">2</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">126</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">63</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">252</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1829</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash; &mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">63</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1830</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">19</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">10</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">10</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">6<sup>1</sup>/<sub>4</sub></span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">55</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">200</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1831</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">3</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">8</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">7</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">6<sup>1</sup>/<sub>2</sub></span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08"><a id="FNanchor_60_60"></a><a href="#Footnote_60_60" class="fnanchor">[60]</a> 95</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">12</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">8</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">25</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">2</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">8</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1832</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">30</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">15</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">18</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">6<sup>1</sup>/<sub>4</sub></span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">81</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">18</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">9</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">327</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">15</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1833</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">114</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">14</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">13</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">9<sup>1</sup>/<sub>4</sub></span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">634</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">8</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1,674</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">9</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td align="right"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td align="right"><span class="font08">&mdash;&mdash;&mdash;</span></td>
- <td colspan="3"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td colspan="3"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td colspan="3" align="right"><span class="font08">&mdash;&mdash;&mdash;&mdash;&mdash;&mdash;</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">Summa</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">168</span></td>
- <td colspan="3"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td colspan="3"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">2,497</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">8</span></td>
- </tr>
-</table>
-<p class="pmb2" />
-
-
-<div class="block1">
-<p class="ind3 pmb3"><span class="font08">Im Jahr 1829 haben keine Verk&auml;ufe stattgefunden; doch gingen
-in demselben Gelder f&uuml;r die im vorhergehenden Jahre verkauften Parcellen ein.</span></p>
-</div>
-
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p371">[S. 371]</a></span></p>
-
-<p class="center">Nachstehende Tabelle enth&auml;lt die Summe der bewilligten Kron-L&auml;ndereien und die<br />
-Bedingungen, unter welchen die Bewilligungen statt gefunden, &mdash; von 1823 bis 1832.<br />
-<span class="font14"><em class="gesperrt">Unter-Canada.</em></span></p>
-
-<table border="0" cellspacing="4" cellpadding="2" class="tdc" summary="Bewilligte Kronlandereien, Unter-Canada">
- <tr>
- <td valign="top"><span class="font08">Jahr.</span></td>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">Ansiedlern vom<br />Militairstande<br />bewilligte<br />Ackerzahl.</span></td>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">Entla&szlig;nen Soldaten<br />und Pensionairs<br />bewilligte<br />Ackerzahl.</span></td>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">Offizieren bewilligte<br />Ackerzahl.</span></td>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">Bewilligte Ackerzahl,<br />welche unter keine<br />der vorhergehenden<br />Rubriken geh&ouml;rt.</span></td>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">Gesammtzahl der<br />bewilligten Aecker.</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1824</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">51,810</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash; &mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">4,100</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">34,859</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">90,769</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1825</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">32,620</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash; &mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1,000</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">16,274</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">49,894</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1826</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">3,525</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">5,500</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash; &mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">48,224</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">57,249</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1827</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">7,640</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">6,300</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">800</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">38,378</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">53,118</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1828</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">7,300</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash; &mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">4,504</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">9,036</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">20,840</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1829</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">3,200</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash; &mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash; &mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">5,282</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">8,482</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1830</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">18,425</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash; &mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">2,000</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">10,670</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">94,059</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1831</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">9,400</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">8,273</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">3,408</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">9,990</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">30,981</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1832</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">10,116</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">19,000</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">4,000</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">4,000</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">37,116</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1833</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">5,200</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">22,500</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1,200</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash; &mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">28,900</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;&mdash;&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;&mdash;&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;&mdash;&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;&mdash;&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;&mdash;&mdash;</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">Summa</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">212,236</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">61,573</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">21,012</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">176,623</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">471,444</span></td>
- </tr>
-</table>
-<p class="pmb3" />
-
-
-<div class="block1">
-<p class="ind3"><span class="font08"><em class="gesperrt">Bedingungen</em>, die der Ansiedler zu erf&uuml;llen hat: &mdash; er mu&szlig; binnen neunzig Tagen zwanzig
-Fu&szlig; Stra&szlig;e auf seiner Parcelle lichten.</span></p>
-</div>
-
-<div class="block1">
-<p class="ind3 pmb3"><span class="font08"><em class="gesperrt">Bedingungen</em> f&uuml;r den Ansiedler vom Militairstande: &mdash; er ist verpflichtet, in einem Zeitraum
-von drei Jahren vier Acker seiner Parcelle zu lichten und zu cultiviren und ein Wohnhaus darauf zu erbauen.</span></p>
-</div>
-
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p372">[S. 372]</a></span></p>
-
-
-<p class="center font14"><em class="gesperrt">Ober-Canada.</em></p>
-
-<table border="0" cellspacing="4" cellpadding="2" class="tdc" summary="Bewilligte Kronlandereien, Ober-Canada">
- <tr>
- <td valign="top"><span class="font08">Jahr.</span></td>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">An Emigranten vom<br />Militairstande<br />vertheilte<br />Ackerzahl.</span></td>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">Entla&szlig;nen Soldaten<br />und Pensionairs<br />bewilligte<br />Ackerzahl.</span></td>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">Offizieren bewilligte<br />Ackerzahl.</span></td>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">Bewilligte Acker,<br />welche in keine der<br />vorhergehenden<br />Rubriken geh&ouml;ren.</span></td>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">Loyalisten<a id="FNanchor_61_61"></a><a href="#Footnote_61_61" class="fnanchor">[61]</a><br />bewilligte<br />Ackerzahl.</span></td>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">Gesammtzahl der<br />bewilligten Aecker.</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1824</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">11,100</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">5,800</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">5,500</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">134,500</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">30,200</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">187,800</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1825</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">20,300</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">5,700</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">8,100</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">149,060</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">45,000</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">228,160</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1826</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">16,600</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">3,100</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">4,700</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">19,390,500</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">24,800</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">69,590</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1827</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">10,900</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">4,200</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">7,200</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">33,600,500</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">20,200</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">76,100</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1828</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">10,800</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">900</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">3,000</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">4,304</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">30,800</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">49,804</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1829</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">5,300</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">7,500</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">8,400</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">3,230</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">22,600</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">47,030</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1830</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">6,400</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">12,500</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">12,600</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">9,336</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">27,400</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">68,236</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1831</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">5,500</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">58,400</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">7,200</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">8,000</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">34,200</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">113,300</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1832</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">19,300</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">97,800</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">7,600</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">6,100</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">62,600</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">193,400</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1833</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">35,200</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">46,000</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash; &mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">9,100</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">135,600</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">225,900</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">Summa.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">142,100</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">241,900</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">64,300</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">376,620</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">433,400</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1,258,320</span></td>
- </tr>
-</table>
-<p class="pmb3" />
-
-
-<div class="block1">
-<p class="ind3 pmb3"><span class="font08"><em class="gesperrt">Bedingung</em>: wirkliche Ansiedlung.</span></p>
-</div>
-
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p373">[S. 373]</a></span></p>
-
-<p><em class="gesperrt">I. Verk&auml;ufe und Bewilligungen von Kron-L&auml;ndereien.</em></p>
-
-<p>Folgende Tabellen, aus parlamentarischen Urkunden
-entlehnt, zeigen:</p>
-
-<p>1) Die Menge der in Ober- und Unter-Canada seit
-1828 bis 1833 (einschlie&szlig;lich) <em class="gesperrt">verkauften</em> Kronl&auml;nder,
-nebst dem Durchschnitts-Preis f&uuml;r den Acker.</p>
-
-<p>2) Stadt und Park-Parzellen, die w&auml;hrend der
-n&auml;mlichen Periode in Ober-Canada verkauft worden sind.</p>
-
-<p>3) Die Menge von Kronl&auml;ndereien, die seit 1824
-bis 1833, (einschlie&szlig;lich) ohne Kauf bewilligt worden
-sind, nebst den Bedingungen, unter welchen diese Bewilligungen
-erfolgt sind.</p>
-
-<p>4) Betrag der f&uuml;r die Geistlichkeit vorbehaltnen
-L&auml;ndereien, welche in jedem Jahre nach Beginn der Verk&auml;ufe
-unter Act 7 und 8 <em class="antiqua">Geo. IV. c.</em> 62. ver&auml;u&szlig;ert
-worden sind.</p>
-
-<p>Die im Jahr 1824, der Zeit, von welcher an die
-Zahlungen ihren Anfang nehmen, in G&uuml;ltigkeit tretenden
-Bedingungen, wurden in der Versammlung vom 20.
-October, 1818 und vom 21. Februar 1820 auf gesetzlichem
-Wege festgestellt und auf alle Klassen von Privilegirten
-ausgedehnt.</p>
-
-<p>Die Bedingungen waren folgende: &mdash; Jeder Belehnte
-soll von je hundert bewilligten Ackern, f&uuml;nf Acker
-v&ouml;llig lichten und einfriedigen; auf dem gelichteten Boden
-ein Haus 16 Fu&szlig; tief und zwanzig Fu&szlig; breit bauen;
-und die eine H&auml;lfte der Stra&szlig;e (auf der Seite seines
-Besitzthums, und so weit als dieses reicht) lichten, desgleichen
-einen Weg von seinem Hause nach der Stra&szlig;e
-f&uuml;hren. Diese Stra&szlig;en-Pflichten sollen als ein Theil
-<em class="gesperrt">der f&uuml;nf Acker von hundert</em> (s. oben) betrachtet
-werden. Das Ganze mu&szlig; binnen zwei Jahren, vom
-Tage der Belehnung an gerechnet, vollendet, und nach
- <span class="pagenum"><a id="Page_p374">[S. 374]</a></span>
-dargethaner Erf&uuml;llung der verzeichneten Bedingungen ein
-Patent ausgefertigt werden.</p>
-
-<p>&raquo;Am 14. Mai 1830 wurde bei Schenkungen an
-verabschiedete Soldaten hierzu noch eine Bedingung gef&uuml;gt,
-welche den wirklichen pers&ouml;nlichen Aufenthalt des
-Betheiligten auf der ihm bewilligten Stelle erforderlich
-macht, bevor er sein Patent ausgefertigt erhalten kann.</p>
-
-<p>&raquo;Am 14. November, 1830 wurden die damals hinsichtlich
-der Ansiedler Pflichten bestehenden Verordnungen
-in voller Versammlung aufgehoben, und dagegen der Befehl
-erlassen, da&szlig; jeder Belehnte die Stra&szlig;en-H&auml;lfte vor seiner
-Parcelle lichten und auf einer Strecke von zehn Fu&szlig;,
-in der Mitte der Stra&szlig;e, die Baumstummel so tief wegschneiden
-soll, da&szlig; Wagenr&auml;der dar&uuml;ber wegpassiren k&ouml;nnen.
-Der Nachwei&szlig; sowohl dieser Pflichterf&uuml;llung als
-eines zweij&auml;hrigen Aufenthaltes auf dem bewilligten Grundst&uuml;ck
-berechtigt zu einem Patent.</p>
-
-<p>&raquo;Blos verabschiedeten Soldaten und Seeleuten, unter
-diesem Gesetz, ist es zur unerl&auml;&szlig;lichen Pflicht gemacht,
-drei Jahr vor Ausfertigung des Patentes ihr respectives
-Grundst&uuml;ck zu bewohnen und zu verbessern.</p>
-
-<p>&raquo;Am 24. Mai 1832 erlie&szlig; die Versammlung einen
-Befehl, welcher in allen F&auml;llen, au&szlig;er in dem, welcher
-verabschiedete Soldaten und Seeleute betrifft, die bestehenden
-Anordnungen au&szlig;er Kraft erkl&auml;rte; und bestimmte, da&szlig; wofern
-nachgewiesen w&uuml;rde, da&szlig; sich ein Ansiedler auf einer
-Parcelle th&auml;tig niedergelassen, ein Patent ohne weiteres
-ausgefertigt werden solle.</p>
-
-<p>Nachfolgender Auszug ist aus einem officiellen, von
-Mr. <em class="gesperrt">Buchanan</em> und andern von der Regierung verpflichteten
-Emigrations-Agenten in Canada in Umlauf
-gebrachten Bericht entlehnt: &mdash;</p>
-
-<p>&raquo;Emigranten, welche in den beiden Canadas fruchtbaren
-Boden in wildem Zustand k&auml;uflich von der Krone
- <span class="pagenum"><a id="Page_p375">[S. 375]</a></span>
-zu erlangen w&uuml;nschen, d&uuml;rfen auf jede nur m&ouml;gliche Erleichterung
-und jeden Vorschub von Seiten der &ouml;ffentlichen
-Autorit&auml;ten z&auml;hlen. Betr&auml;chtliche Boden-Strecken
-werden in Ober-Canada monatlich vermessen und zum
-Verkauf ausgeboten, desgleichen h&auml;ufig auch aller zehn
-oder vierzehn Tage, von den f&uuml;r die Kron-L&auml;ndereien installirten
-Commissionairs, und zwar zu festgesetzten Preisen,
-die, je nach Lage und andern Umst&auml;nden, sich bald
-auf zehn, bald auf funfzehn Schillinge per Acker belaufen,
-ausgenommen in den Gemeinde-Bezirken Sunnidale
-und Nottawasaga, wo der f&uuml;r Kron-L&auml;ndereien festgestellte
-Preis blos f&uuml;nf Schillinge betr&auml;gt. In Unter-Canada
-bietet der Commissair f&uuml;r Kron-L&auml;ndereien zu Quebec zu
-bestimmten Perioden, in verschiednen Gemeinde-Bezirken,
-den Acker zu 2 Schil. 6 D. bis 12 Schil. 6 D. (Halifax-Courant),
-unter der Bedingung terminlicher Zahlungen,
-zum Verkauf aus. Auch von der Ober-Canada-Compagnie
-kann man unter sehr annehmlichen Bedingungen
-wilden Boden kaufen; und solche, welche sich nach
-dem Besitz eintr&auml;glicher Pachte sehnen, k&ouml;nnen dergleichen
-ohne gro&szlig;e Schwierigkeiten von Privat-Grundeigenth&uuml;mern
-erlangen. Man gehe in keinem Fall ohne <em class="gesperrt">pers&ouml;nliche
-Untersuchung</em> einen Kauf oder Pacht ein
-und sehe dabei ins besondre auf nachstehende Eigenschaften:
-&mdash;</p>
-
-<p>1) <em class="gesperrt">Eine gesunde Lage.</em></p>
-
-<p>2) <em class="gesperrt">Guten Boden.</em></p>
-
-<p>3) <em class="gesperrt">Reines Quell- oder flie&szlig;endes Wasser.</em></p>
-
-<p>4) <em class="gesperrt">Eine gute moralische und religi&ouml;se
-Nachbarschaft, und die N&auml;he von Schulen
-zur Erziehung der Kinder.</em></p>
-
-<p>5) <em class="gesperrt">Auf die m&ouml;glichste N&auml;he von guten
-Fahrstra&szlig;en und Wasser-Transport, so wie
-von S&auml;ge und Gr&uuml;tzm&uuml;hlen.</em></p>
-
-<p class="pmb3">6) <em class="gesperrt">Einen guten Titel.</em></p>
-
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p376">[S. 376]</a></span></p>
-
-<p class="center">F&uuml;r die Geistlichkeit vorbehaltne, in jedem Jahr seit Er&ouml;ffnung der Verk&auml;ufe<br />
-unter den Gesetzen 7 und 8 <em class="antiqua">Geo. IV. c.</em> 62 verkaufte L&auml;ndereien, nach Ackern.</p>
-
-<p class="center font14"><em class="gesperrt">Unter-Canada.</em></p>
-
-
-<table border="0" cellspacing="4" cellpadding="2" class="tdc" summary="Landereien f&uuml;r die Geistlichkeit, Unter-Canada">
- <tr>
- <td valign="top"><span class="font08">Jahr.</span></td>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">Anzahl der<br />verkauften Acker.</span></td>
- <td colspan="2" valign="top" align="center"><span class="font08">Durchschnitts-Preis<br />f&uuml;r den Acker.</span></td>
- <td colspan="3" valign="top" align="center"><span class="font08">Betrag des im<br />ersten Jahr<br />eingegangenen<br />Kaufgeldes.</span></td>
- <td colspan="3" valign="top" align="center"><span class="font08">Gesammtbetrag der<br />Kaufsumme.</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">Shl.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">D.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">Pfd.St.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">S.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">D.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">Pfd.St.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">S.</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">D.</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1829</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1,100</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">4</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">10</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">230</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1830</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">9,956</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">4</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">9<sup>3</sup>/<sub>4</sub></span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">543</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">17</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1,610</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">3</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">0</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1831</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">11,332</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">7</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">2<sup>1</sup>/<sub>2</sub></span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">541</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">7</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">2,665</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">9</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">3</span><a id="FNanchor_62_62"></a><a href="#Footnote_62_62" class="fnanchor">[62]</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1832</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">6,878</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">5</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">8</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">533</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">2</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">2</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1,278</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">11</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">8</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1833</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">37,278</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">8</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">2<sup>1</sup>/<sub>4</sub></span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">3,454</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">11</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">6</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">12,791</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">17</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">5</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right">&nbsp;</td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">&mdash;&mdash;&mdash;&mdash;&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="right">&nbsp;</td>
- <td valign="top" align="right">&nbsp;</td>
- <td valign="top" align="right">&nbsp;</td>
- <td valign="top" align="right">&nbsp;</td>
- <td valign="top" align="right">&nbsp;</td>
- <td colspan="3" valign="top" align="right"><span class="font08">&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">Summa</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">66,539</span></td>
- <td valign="top" colspan="2" align="right">&nbsp;</td>
- <td valign="top" colspan="3" align="right">&nbsp;</td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">18,576</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">1</span></td>
- <td valign="top" align="right"><span class="font08">4</span></td>
- </tr>
-</table>
-<p class="pmb3" />
-
-<div class="block1">
-<p class="ind3 pmb3"><span class="font08">Drei Jahr sind die Frist, binnen welcher die ganze Kaufsumme bezahlt werden mu&szlig;.</span></p>
-</div>
-
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p377">[S. 377]</a></span></p>
-
-
-<p class="center"><span class="font14"><em class="gesperrt">Ober-Canada.</em></span></p>
-
-<table border="0" cellspacing="4" cellpadding="2" class="tdr" summary="Landereien f&uuml;r die Geistlichkeit, Ober-Canada">
- <tr>
- <td valign="top"><span class="font08">Jahr.</span></td>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">Anzahl der<br />verkauften Acker.</span></td>
- <td colspan="2" valign="top" align="center"><span class="font08">Durchschnitts-Preis<br />f&uuml;r den Acker.</span></td>
- <td colspan="3" valign="top" align="center"><span class="font08">Betrag des im<br />ersten Jahr<br />eingegangenen<br />Kaufgeldes.</span></td>
- <td colspan="3" valign="top" align="center"><span class="font08">Gesammtbetrag der<br />Kaufsumme.</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">Shl.</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">D.</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">Pfd.St.</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">S.</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">D.</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">Pfd.St.</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">S.</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">D.</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top"><span class="font08">1829</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">18,014</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">14</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">8<sup>1</sup>/<sub>4</sub></span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">2,464</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">14</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">0</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">13,229</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">0</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">0</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top"><span class="font08">1830</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">34,705</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">13</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">6</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">6,153</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">5</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">9</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">23,452</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">4</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">0</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top"><span class="font08">1831</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">25,563</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">12</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">1<sup>3</sup>/<sub>4</sub></span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">8,010</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">2</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">11</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">17,362</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">12</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">1</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top"><span class="font08">1832</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">48,484</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">13</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">3<sup>2</sup>/<sub>4</sub></span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">10,239</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">9</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">7</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">32,287</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">19</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">8</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top"><span class="font08">1833</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">62,282</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">14</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">4<sup>1</sup>/<sub>2</sub></span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">14,080</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">16</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">8</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">44,747</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">9</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">9</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;&mdash;&mdash;&mdash;&mdash;</span></td>
- <td colspan="2" valign="top"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td colspan="3" valign="top"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td colspan="3" valign="top"><span class="font08">&mdash;&mdash;&mdash;&mdash;&mdash;</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top"><span class="font08">Summa</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">192,049</span></td>
- <td colspan="2" valign="top"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td colspan="3" valign="top"><span class="font08">&nbsp;</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">131,079</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">14</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">10</span></td>
- </tr>
-</table>
-
-<p class="pmb2" />
-
-<div class="block1">
-<p class="ind3 pmb3"><span class="font08">Das ganze Kaufgeld mu&szlig; nach Ablauf von neun Jahren bezahlt sein. Au&szlig;er der
-Kaufsumme sind bei jedem Termin auch die Interessen bezahlt worden; wie sich aus nachstehender Uebersicht
-ergiebt.</span></p>
-</div>
-
-<table border="0" cellspacing="4" cellpadding="2" class="tdr" summary="Kaufpreise, Ober-Canada">
- <tr>
- <td valign="top"><span class="font08">Eingelaufne Interessen im Jahr</span></td>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">1829</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">Pfd. St.</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">1</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">7</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">3</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">Courant.</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;&nbsp;&nbsp;&mdash;&nbsp;&nbsp;&mdash;&nbsp;&nbsp;&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">1830</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;&nbsp;&nbsp;&mdash;</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">62</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">16</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">1</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;&nbsp;&nbsp;&mdash;&nbsp;&nbsp;&mdash;&nbsp;&nbsp;&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">1831</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;&nbsp;&nbsp;&mdash;</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">259</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">14</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">9</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;&nbsp;&nbsp;&mdash;&nbsp;&nbsp;&mdash;&nbsp;&nbsp;&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">1832</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;&nbsp;&nbsp;&mdash;</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">473</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">17</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">2</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;&nbsp;&nbsp;&mdash;&nbsp;&nbsp;&mdash;&nbsp;&nbsp;&mdash;</span></td>
- <td valign="top" align="center"><span class="font08">1833</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;&nbsp;&nbsp;&mdash;</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">854</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">4</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">3</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- </tr>
-</table>
-<p class="pmb3" />
-
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p378">[S. 378]</a></span></p>
-
-
-<p><span class="font12"><em class="gesperrt">II. Nachrichten f&uuml;r Emigranten.</em></span></p>
-
-<p>Im Jahr 1832 erlie&szlig; der f&uuml;r Auswanderung von
-Sr. Majest&auml;t ernannte &ouml;ffentliche Ausschu&szlig; eine kleine
-Schrift<a id="FNanchor_63_63"></a><a href="#Footnote_63_63" class="fnanchor">[63]</a>, die in gedr&auml;ngter K&uuml;rze einige n&uuml;tzliche Belehrung
-enth&auml;lt. Der Ausschu&szlig; besteht nicht mehr. An
-seine Stelle ist von der Regierung <em class="gesperrt">J. Denham Pinnock</em>,
-Esq. als seiner Majest&auml;t Agent zur Bef&ouml;rderung der
-Auswanderung von England nach den brittischen Colonien
-ernannt. An diesen Herrn hat man sich in Auswanderungs-Angelegenheiten
-beim Colonial-Bureau brieflich,
-unter der Adresse: An den Colonial-Staatssecretair,
-zu wenden. Ein Hauptgegenstand seines Postens ist, den
-Beh&ouml;rden der Kirchsprengel und Landeigenth&uuml;mern, welche
-das Auswandern von Arbeitern, H&auml;uslern und dergl. aus
-ihren respectiven Distrikten zu bef&ouml;rdern w&uuml;nschen, die
-gen&uuml;gende Auskunft zu ertheilen und die m&ouml;glichsten Erleichterungen
-zu verschaffen, und zwar besonders mit R&uuml;cksichtsnahme
-auf die Emigrations-Clausel der Armen-Gesetz-Amendements-Acte.
-Nachverzeichnete Agenten sind
-in den namhaft gemachten H&auml;fen von der Regierung
-ebenfalls mit F&ouml;rderung der Auswandrer-Angelegenheiten
-beauftragt.</p>
-
-<table border="0" cellspacing="4" cellpadding="2" class="tdr" summary="Agenten f. Auswandrer">
- <tr>
- <td valign="top"><span class="font08">Liverpool</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">Lieut.</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08"><em class="gesperrt">Low</em>,</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08"><em class="antiqua">R. N.</em></span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top"><span class="font08">Bristol</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">Lieut.</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08"><em class="gesperrt">Henry</em>,</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08"><em class="antiqua">R. N.</em></span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top"><span class="font08">Leith</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">Lieut.</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08"><em class="gesperrt">Forrest</em>,</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08"><em class="antiqua">R. N.</em></span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top"><span class="font08">Greenock</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">Lieut.</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08"><em class="gesperrt">Hemmans</em>,</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08"><em class="antiqua">R. N.</em></span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top"><span class="font08">Dublin</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">Lieut.</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08"><em class="gesperrt">Hodder</em>,</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08"><em class="antiqua">R. N.</em></span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top"><span class="font08">Cork</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">Lieut.</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08"><em class="gesperrt">Friend</em>,</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08"><em class="antiqua">R. N.</em></span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top"><span class="font08">Limerick</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">Lieut.</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08"><em class="gesperrt">Lynch</em>,</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08"><em class="antiqua">R. N.</em></span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top"><span class="font08">Belfast</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">Lieut.</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08"><em class="gesperrt">Millar</em>,</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08"><em class="antiqua">R. N.</em></span></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top"><span class="font08">Sligo</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">&mdash;</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08">Lieut.</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08"><em class="gesperrt">Shuttleworth</em>,</span></td>
- <td valign="top"><span class="font08"><em class="antiqua">R. N.</em></span></td>
- </tr>
-</table>
-<p class="pmb3" />
-
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p379">[S. 379]</a></span></p>
-
-<p>Zu Quebec, ist Herr A. C. <em class="gesperrt">Buchanan</em>, Esq.,
-Hauptagent der Regierung in Auswanderungs-Angelegenheiten,
-stets bereit, jedem Emigranten, der um seinen Rath
-nachsucht, die gen&uuml;gende Auskunft zu ertheilen.</p>
-
-<p>Nachstehendes ist ein Auszug aus der im Jahr
-1832 ver&ouml;ffentlichten kleinen Schrift: &mdash;</p>
-
-<p>&raquo;Ueberfahrten nach Quebec oder Neu-Braunschweig
-k&ouml;nnen entweder mit oder ohne Mundvorr&auml;the ausbedungen
-werden, in letzterem Fall erh&auml;lt der Passagier nichts au&szlig;er
-Wasser, Brennmaterial und Bettstelle, aber kein Gebett.
-Kinder unter 14 Jahren zahlen nur die H&auml;lfte, und unter
-7 Jahren nur das Drittel der vollen Summe; Kinder
-unter 12 Monaten werden unentgeldlich mitgenommen.
-Unter diesen Bedingungen betr&auml;gt das Passagiergeld
-von London, oder von Pl&auml;tzen an der Ostk&uuml;ste
-Britanniens, mit Mundvorr&auml;then, gew&ouml;hnlich 6 Pfund
-Sterl., und ohne Mundvorr&auml;the, 3 Pfd. Sterl. Von
-Liverpool, Greenock und den Haupth&auml;fen Irlands ist der
-Preis, in Folge seltner eintretender Verz&ouml;gerungen etwas
-niedriger; in diesem Jahre (1832) wird er wahrscheinlich
-2 Pfd. Sterl. bis 2 Pfd. Sterl. 10 Shl. (ohne
-Mundvorr&auml;the), und mit diesen 4 Pfd. Sterl. bis 5
-Pfd. Sterl. betragen. M&ouml;glicher Weise d&uuml;rften im M&auml;rz
-und April von Dublin aus Ueberfahrten zu 1 Pfd. Sterl.
-15 Shl. oder gar zu 1 Pfd. Sterl. 10 Shl. zu erlangen
-sein; aber mit dem Vorr&uuml;cken der Jahreszeit werden
-die Preise stets h&ouml;her. In Schiffen, die von Schottland
-oder Irland aussegeln ist es meist &uuml;blich gewesen, da&szlig;
-die Passagiere selbst f&uuml;r ihre Mundvorr&auml;the sorgten; allein
-in London ist diese Verfahrungsweise nicht so allgemein;
-und einige Schiffseigenth&uuml;mer, wohlbekannt mit den gef&auml;hrlichen
-Mi&szlig;griffen, welche in dieser Angelegenheit
-aus Unkenntni&szlig; gethan werden k&ouml;nnen, stemmen sich sehr
-gegen die Aufnahme von Fremden, welche ihre Mundvorr&auml;the
-nicht vom Schiffe beziehen wollen. Diejenigen,
-welche durchaus selbst daf&uuml;r sorgen wollen, sollten darauf
- <span class="pagenum"><a id="Page_p380">[S. 380]</a></span>
-bedacht sein, nicht zu wenig mitzunehmen; funfzig Tage
-sind die k&uuml;rzeste Periode, auf welche man sich mit Mundvorr&auml;then
-versehen mu&szlig;, und von London aus dauert dieselbe
-bisweilen f&uuml;nfundsiebzig Tage. Die besten Monate,
-England zu verlassen, sind jedenfalls M&auml;rz und April;
-sp&auml;tere Auswandrer finden selten Besch&auml;ftigung und haben
-in der Colonie vor Eintritt des Winters weniger Zeit
-vor sich.&laquo;</p>
-
-<p>Aus einem gedruckten, von Mr. <em class="gesperrt">Buchanan</em> zu
-Quebec abgefa&szlig;ten Aufsatz entlehnen wir folgende Bemerkungen,
-(der Aufsatz datirt sich vom Juli 1835).</p>
-
-<p>&raquo;Nichts ist f&uuml;r den Emigranten bei seiner Ankunft
-in Quebec wichtiger, als genaue Erkundigung &uuml;ber die
-Hauptpunkte seines fernern Thun's. Manche haben Mangels
-an Behutsamkeit halber, und weil sie den Ansichten
-und Meinungen selbsts&uuml;chtige Nebenabsichten im Schilde
-f&uuml;hrender Personen, die h&auml;ufig unaufgefordert ihren Rath
-ertheilen, und die man gew&ouml;hnlich an den von Fremden
-besuchten Kaien und Landungspl&auml;tzen findet, Geh&ouml;r schenkten,
-schwer b&uuml;&szlig;en m&uuml;ssen. Um sich gegen dergleichen
-Fehlschritte zu sichern, sollte jeder Emigrant, gleich nach
-seiner Ankunft zu Quebec, sich an das Bureau des
-Haupt-Agenten f&uuml;r Auswandrer, in Sault-au-Matelot-Street
-(Unterstadt) wenden, wo er jede f&uuml;r seine ferneren
-Unternehmungen, es mag sich nun um Ansiedlung oder
-Anstellung in Ober- oder Unter-Canada handeln, erforderliche
-Nachweisung <em class="gesperrt">gratis</em> erh&auml;lt. Auf dem Wege
-von Quebec nach dem Ort seiner Bestimmung werden
-dem Auswandrer manche Entw&uuml;rfe und Pl&auml;ne zur
-Erw&auml;gung vorgelegt, allein er mag sich ja davon abwenden,
-wofern sich nicht die Reinheit der Absicht und
-die Richtigkeit der Angaben nachweisen l&auml;&szlig;t: in jedem
-Fall nehme man, wenn man Rath und Belehrung bedarf,
-seine Zuflucht zu den Regierungs-Agenten, welche
-die genaueste Auskunft <em class="gesperrt">gratis</em> ertheilen.</p>
-
-<p>&raquo;Emigranten thun wohl, nach ihrer Ankunft
- <span class="pagenum"><a id="Page_p381">[S. 381]</a></span>
-achtundvierzig Stunden an Bord des Schiffs zu bleiben,
-auch k&ouml;nnen sie w&auml;hrend dieser Zeit keiner ihrer gew&ouml;hnlichen
-Bequemlichkeiten, als da sind Schlafstellen, Koch-Apparate
-u. s. w. beraubt werden, und der Schiffsmeister
-ist gebunden, die Auswandrer und ihr Gep&auml;ck <em class="gesperrt">kostenfrei</em>
-an den gew&ouml;hnlichen Landungspl&auml;tzen und zu
-entsprechenden Stunden auszuschiffen. <em class="gesperrt">Vorz&uuml;glich m&ouml;gen
-sie sich h&uuml;ten, Wasser aus dem Lawrence
-Flu&szlig; zu trinken, denn sein Genu&szlig; erzeugt
-bei Fremden leicht Leibschneiden und andre
-Unterleibsbeschwerden.</em></p>
-
-<p>&raquo;Will man sein englisches Geld umwechseln, so gehe
-man zu einem achtbaren Kaufmann oder Kr&auml;mer, oder
-an die Banken: der Dollar Courant (Halifax Courant),
-in den beiden Canadas, ist gleich f&uuml;nf Shilingen
-(engl. Geld); gegenw&auml;rtig gilt der Gold-Souverain zu
-Quebec und Montreal ungef&auml;hr 1 Pfd. Sterl. 4 S. 1
-D. Courant. In New-York ist der Dollar gleich 8
-Shl., daher sich manche t&auml;uschen, wenn sie von den Arbeitsl&ouml;hnen
-u. s. w. h&ouml;ren. &mdash; 5 Shl. in Canada sind
-gleich 8 Shl. in New-York; demgem&auml;&szlig; sind 8 Shl.
-New-Yorker Courant gleich 5 Shl. Halifax Courant.</p>
-
-<p>&raquo;Emigranten, die sich in Unter-Canada anzusiedeln
-oder Anstellung zu erhalten w&uuml;nschen, k&ouml;nnen auf manche
-w&uuml;nschenswerthe Lage z&auml;hlen. Wilder Boden kann durch
-Kauf von dem mit dem Verkauf der Kronl&auml;nder bevollm&auml;chtigten
-Commissair in verschiednen Gemeinde-Bezirken
-der Provinz erlangt werden, und die Brittisch-amerikanische
-Land-Compagnie trifft die ausgedehntesten Vorbereitungen,
-um in den &ouml;stlichen Gemeinde-Bezirken
-L&auml;ndereien an Emigranten zu verkaufen.</p>
-
-<p>&raquo;L&auml;ndliche Arbeiter sind in allen Distrikten von
-Ober-Canada sehr gesucht und k&ouml;nnen bei geh&ouml;rigem
-Flei&szlig; sehr hohe L&ouml;hne erhalten; Handwerker fast jeder
-Art, und gute Dienstboten, sowohl m&auml;nnliche als <em class="gesperrt">weibliche</em>,
-finden ebenfalls sogleich Anstellung.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p382">[S. 382]</a></span></p>
-
-<p>&raquo;Emigranten, welche entweder auf der Ottawa oder
-St. Lawrence Stra&szlig;e nach Ober-Canada reisen, thun
-wohl, sich zu Montreal mit Mundvorr&auml;then, als da sind
-Brod, Thee und Butter zu versorgen, indem sie diese
-Artikel, daselbst billiger und <em class="gesperrt">besser</em> kaufen k&ouml;nnen als
-unterwegs, bis sie Kingston erreichen. Desgleichen m&ouml;gen
-sie sich so sehr als m&ouml;glich vor dem Genu&szlig; <em class="gesperrt">spiritu&ouml;ser
-Fl&uuml;ssigkeiten und dem Trinken kalten
-Flu&szlig;-Wassers</em> oder dem Lagern auf den Flu&szlig;-Ufern,
-der feuchten Nachtluft ausgesetzt, h&uuml;ten; es ist gut, wenn
-sie sogleich vom Dampfbote zu Montreal ihren Weg nach
-dem <em class="gesperrt">Eingang des Cannals</em> oder Lachine nehmen, von
-wo aus t&auml;glich die Dampf- und Durham-B&ouml;te nach Prescott
-und Bytown abgehen. Die ganzen Unkosten f&uuml;r den
-Transport eines erwachsenen Emigranten von Quebec
-nach Toronto, und dem Ursprung des Sees Ontario auf
-Dampf- und Durham-B&ouml;ten betragen nicht &uuml;ber 1 Pfd.
-Sterl. 1 Shl. &mdash; Kingston, Belleville, die Bai von Quinte
-hinauf, Cobourgh und Port Hope, im Newcastle Distrikt,
-Hamilton und Niagara am Ursprunge des Sees
-Ontario, sind bequeme Rastpl&auml;tze f&uuml;r Familien, welche
-sich in Ober-Canada ankaufen wollen.</p>
-
-<p>Unter den zur F&ouml;rderung der Auswandrer zu Montreal
-gebildeten Gesellschaften herrscht gro&szlig;e Eifersucht;
-daher der Emigrant wohl thut, etwas vorsichtig zu verfahren,
-ehe er hinsichtlich seines Transports nach Prescott
-oder Kingston abschlie&szlig;t, vorz&uuml;glich mu&szlig; er diejenigen
-Personen vermeiden, die sich um die Dampfb&ouml;te
-bei deren Ankunft zu Montreal dr&auml;ngen und ihre Dienste
-zur weiteren Bef&ouml;rderung der Passagiere u. s. w. anbieten.
-Eben so ist zu Prescott oder Kingston bei Auswahl
-eines regelm&auml;&szlig;igen Transports, den See Ontario
-hinauf, einige Vorsicht n&ouml;thig. Vorz&uuml;glich rathe ich den
-Emigranten, welche sich in Ober-Canada niederlassen wollen,
-sich in Montreal nicht aufzuhalten und Geld f&uuml;r
- <span class="pagenum"><a id="Page_p383">[S. 383]</a></span>
-Logis wegzugeben, sondern gleich nach Ankunft des
-Dampfbootes nach Bytown oder Prescott aufzubrechen.</p>
-
-<p>Tagel&ouml;hner oder Handwerker, die hinsichtlich ihres
-Lebensunterhaltes von sofortiger Anstellung abh&auml;ngen,
-d&uuml;rfen nicht s&auml;umen, gleich nach ihrer Ankunft ihren
-Weg in das Innere zu nehmen. Der Haupt-Agent
-pflegt diejenigen, welche &uuml;ber <em class="gesperrt">vier Tage</em> nach ihrem
-Eintreffen an den Landungs-Pl&auml;tzen umherzaudern, als
-jedes Anspruchs auf den Schutz der k&ouml;niglichen Agenten
-zu seiner Bef&ouml;rderung oder Anstellung ledig zu erachten,
-es m&uuml;&szlig;te denn Krankheit oder eine andre gen&uuml;gende Ursache
-dieses Z&ouml;gern n&ouml;thig machen.</p>
-
-
-<p class="center pmb1"><span class="font11"><em class="gesperrt">Vergleichende Tabelle, die Anzahl von Auswandrern<br />
-betreffend, welche seit 1829<br />
-bis 1834 (einschlie&szlig;lich) zu Quebec<br />
-angelangt sind.</em></span></p>
-
-<table border="1" cellspacing="0" cellpadding="0" class="tdr" summary="Auswandrer, Quebec 1829-1834">
- <tr>
- <td valign="top">&nbsp;</td>
- <td valign="top" align="center">1829</td>
- <td valign="top" align="center">1830</td>
- <td valign="top" align="center">1831</td>
- <td valign="top" align="center">1832</td>
- <td valign="top" align="center">1833</td>
- <td valign="top" align="center">1834</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top">England und<br />Wales</td>
- <td valign="top">3,565</td>
- <td valign="top">6,799</td>
- <td valign="top">10,343</td>
- <td valign="top">17,481</td>
- <td valign="top">5,198</td>
- <td valign="top">6,799</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top">Irland</td>
- <td valign="top">9,614</td>
- <td valign="top">18,300</td>
- <td valign="top">34,133</td>
- <td valign="top">28,204</td>
- <td valign="top">12,013</td>
- <td valign="top">19,206</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top">Schottland</td>
- <td valign="top">2,643</td>
- <td valign="top">2,450</td>
- <td valign="top">5,354</td>
- <td valign="top">5,500</td>
- <td valign="top">4,196</td>
- <td valign="top">4,590</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top">Hamburg und<br />Gibraltar</td>
- <td valign="top">&mdash;</td>
- <td valign="top">&mdash;</td>
- <td valign="top">&mdash;</td>
- <td valign="top">15</td>
- <td valign="top">&mdash;</td>
- <td valign="top">&mdash;</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top">Neuschottland,<br />Neufundland,<br />West-Indien<br />u. s. w.</td>
- <td valign="top">123</td>
- <td valign="top">451</td>
- <td valign="top">424</td>
- <td valign="top">546</td>
- <td valign="top">345</td>
- <td valign="top">339</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top">Summa.</td>
- <td valign="top">15,945</td>
- <td valign="top">28,000</td>
- <td valign="top">50,254</td>
- <td valign="top">51,746</td>
- <td valign="top">21,752</td>
- <td valign="top">30,935</td>
- </tr>
-</table>
-<p class="pmb3" />
-
-<p>Die Gesammtzahl der zu Quebec seit 1829 bis
-1834 angelangten Emigranten bel&auml;uft sich auf 198,632
-K&ouml;pfe. Man wird bemerken, das die Anzahl in den
- <span class="pagenum"><a id="Page_p384">[S. 384]</a></span>
-Jahren 1831 und 1832 ihre H&ouml;he erreicht hat, und dann
-(1833) wieder sehr tief gefallen ist.</p>
-
-<p>Vertheilung der 30,935, im Jahr 1834 zu Quebec
-angelangten Emigranten: &mdash;</p>
-
-
-<p class="center pmb1"><span class="font11"><em class="gesperrt">Unter-Canada.</em></span></p>
-
-<table border="0" cellspacing="2" cellpadding="2" class="tdr" summary="Emigranten Unter-Canada, Quebec 1834">
- <tr>
- <td valign="top" align="left">Stadt und Distrikt Quebec</td>
- <td valign="top" align="right">1,500</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="left">Distrikt Three Rivers (drei Fl&uuml;sse)</td>
- <td valign="top" align="right">350</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="left">Distrikt St. Francis und &ouml;stliche Gemeinde-Bezirke</td>
- <td valign="top" align="right">640</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="left">Stadt und Distrikt Montreal</td>
- <td valign="top" align="right">1,200</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="left">Ottawa Distrikt</td>
- <td valign="top" align="right">400</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="left"> </td>
- <td valign="top" align="right">--------</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="left"> </td>
- <td valign="top" align="right">4,090</td>
- </tr>
-</table>
-<p class="pmb3" />
-
-<p class="p1 center pmb1"><span class="font11"><em class="gesperrt">Ober-Canada.</em></span></p>
-
-<table border="0" cellspacing="2" cellpadding="2" class="tdr" summary="Emigranten Ober-Canada, Quebec 1834">
- <tr>
- <td valign="top" align="left">Ottawa, Bathurst, Midland und &ouml;stliche Distrikte<br />
- bis Kingston, einschlie&szlig;lich</td>
- <td valign="top" align="right">1,000</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="left">Distrikt Newcastle, und Stadtbezirke in der Nachbarschaft<br />
- der Bai von Quinte</td>
- <td valign="top" align="right">2,650</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="left">Toronto und der Home Distrikt, welcher die Niederlassungen<br />
- um den See Simco in sich schlie&szlig;t.</td>
- <td valign="top" align="right">8,000</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="left">Hamilton, Guelph und Huronen-Gebiet nebst den<br />
- angrenzenden L&auml;ndereien</td>
- <td valign="top" align="right">2,600</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="left">Niagara Grenze und Distrikt, welche die Linie<br />
- des Welland Canals und nur den Anfang des<br />
- Sees Ontario bis Hamilton in sich begreift.</td>
- <td valign="top" align="right">3,300</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="left">Niederlassungen, welche an den Erie-See grenzen<br />
- und den London Distrikt, die Adelaide-Ansiedlung<br />
- und das Land bis zum See St. Clair in sich<br />
- begreifen</td>
- <td valign="top" align="right">4,600</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="left"> </td>
- <td valign="top" align="right">--------</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="left">Summa (f&uuml;r Ober-Canada)</td>
- <td valign="top" align="right">22,210<br /><br /></td>
- </tr>
-
- <tr>
- <td valign="top" align="left">An der Cholera in Ober- und Unter-Canada<br />
- gestorben</td>
- <td valign="top" align="right">800</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="left">Nach dem Vereinigten K&ouml;nigreich zur&uuml;ckgekehrt</td>
- <td valign="top" align="right">350</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="left">Nach den Vereinigten Staaten gegangen</td>
- <td valign="top" align="right">3,485</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="left"> </td>
- <td valign="top" align="right">--------</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="left"> </td>
- <td valign="top" align="right">4,635</td>
- </tr>
-</table>
-<p class="pmb3" />
-
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p385">[S. 385]</a></span></p>
-
-<p>Von 30,935 Emigranten, welche im Jahr 1834
-zu Quebec anlangten, waren:</p>
-
-<table border="0" cellspacing="2" cellpadding="2" class="tdr" summary="Emigranten, Quebec 1834">
- <tr>
- <td valign="top" align="left">Freiwillige Emigranten</td>
- <td valign="top" align="right">29,041</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="left">Von ihren Kirchsprengeln unterst&uuml;tzt</td>
- <td valign="top" align="right">1,892</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="left">M&auml;nner</td>
- <td valign="top" align="right">13,565</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="left">Weiber</td>
- <td valign="top" align="right">9,685</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="left">Kinder unter vierzehn Jahren</td>
- <td valign="top" align="right">7,681</td>
- </tr>
-</table>
-<p class="pmb3" />
-
-<p>Emigranten, welche es vorziehen, &uuml;ber New-York
-nach Canada zu gehen, k&ouml;nnen sich bei dem brittischen
-Consul zu New-York (<em class="gesperrt">James Buchanan</em>, Esq.)
-Rath in ihren Angelegenheiten erholen. Vormals konnte
-dieser f&uuml;r Emigranten, welche fest entschlossen waren,
-sich in Canada niederzulassen, Erlaubni&szlig; auswirken, ihre
-Baggage und Effecten zollfrei zu landen; aber in einem
-Briefe vom 16 M&auml;rz 1835 sagt er: &mdash;</p>
-
-<p>&raquo;Zufolge einer Ab&auml;nderung in dem wirklich lieberalen,
-bisher in diesem Hafen &uuml;blichen Verfahren, wonach es
-den hierselbst landenden Emigranten erlaubt war, ihr
-Gep&auml;ck, bestehend in Haus und Ackerger&auml;th, ohne Umpacken
-oder Abgabe durch New-York nach seiner Majest&auml;t
-Provinzen zu transportiren, vorausgesetzt da&szlig; dieses Gep&auml;ck
-nichts au&szlig;er den namhaft gemachten Artikeln enthielt,
-betrachte ich es f&uuml;r meine Pflicht, bekannt zu machen,
-da&szlig; gegenw&auml;rtig alle in diesem Hafen anlangenden Artikel
-von Emigranten, auf ihrem Durchwege nach Canada, der
-n&auml;mlichen Inspection unterworfen werden, als wenn dieselben
-in den Vereinigten Staaten zur&uuml;ckbleiben, und die
-n&auml;mlichen Z&ouml;lle, wie diese, zu entrichten haben. Ich will
-bei dieser Gelegenheit noch bemerken, da&szlig; alle Artikel,
-deren ein neuer Ansiedler bedarf, in Canada zu billigern
-Preisen zu haben sind, als sie vom Vaterlande hierher
-transportirt werden k&ouml;nnen, wozu noch kommt, da&szlig; sie
-der neuen Heimath angemessen sind.&laquo;</p>
-
-<p>Der Unterschied zwischen den beiden Routen, wovon
-die eine &uuml;ber Quebec, die andre &uuml;ber New-York nach
-Ober-Canada f&uuml;hrt, besteht haupts&auml;chlich darin, da&szlig; der
- <span class="pagenum"><a id="Page_p386">[S. 386]</a></span>
-Hafen von New-York das ganze Jahr hindurch offen
-ist, w&auml;hrend die Fahrt auf dem St. Lawrence nach Quebec
-und Montreal langweilig, und der Flu&szlig; blos acht
-Monate im Jahre offen ist. Inde&szlig; ist letztre die billigere
-Route. Wer es aber nur einigerma&szlig;en daran wenden
-kann, zieht den Weg &uuml;ber New-York vor, weil er
-nicht nur der bequemste sondern auch der f&ouml;rdersamste nach
-Ober-Canada ist.</p>
-
-<p>Die Reise-Route f&uuml;hrt nach einer gedruckten, von dem
-brittischen Consul zu New-York herausgegebnen Bestimmung
-und Albanien von New-York durch den
-Erie-Canal nach allen Theilen von Ober-Canada, westlich
-von Kingston &uuml;ber Oswego und Buffalo: &mdash;</p>
-
-<table border="0" cellspacing="2" cellpadding="2" class="tdr" summary="Reise-Route n. Buffalo">
- <tr>
- <td valign="top" align="left">Von New-York nach Albanien</td>
- <td valign="top" align="right">160</td>
- <td rowspan="5" valign="middle" align="center">(engl.) Meilen<br />
- mittels Canalfahrt,<br />
- auf<br />
- Dampfbooten<br />
- oder Postwagen.</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="left">Von Albanien nach Utica</td>
- <td valign="top" align="right">110</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="left">Von Utica nach Syrakus</td>
- <td valign="top" align="right">55</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="left">Von Syrakus nach Rochester</td>
- <td valign="top" align="right">99</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="top" align="left">Von Rochester nach Buffalo</td>
- <td valign="top" align="right">93</td>
- </tr>
-</table>
-<p class="pmb3" />
-
-
-<p>Gesammt-Unkosten von Albanien nach Buffalo, auf
-dem Canal, mit Ausschlu&szlig; von Lebensmitteln, f&uuml;r einen
-erwachsnen Passagier (die Fahrt dauert gew&ouml;hnlich sieben
-oder acht Tage) 3 Dollars, 63 Cents mittels Packet-B&ouml;ten;
-mit Einschlu&szlig; von Lebensmitteln, bei einer Fahrt
-von sechs Tagen 12-1/4 Dollars.</p>
-
-<p>&raquo;Ditto mittels der Postkutsche, binnen 3-1/2 und vier
-Tagen &mdash; 13 bis 15 Dollars.</p>
-
-<p>&raquo;Ditto von Albanien nach Oswego auf Can&auml;len,
-bei einer Fahrt von 5 Tagen &mdash; 2-1/2 Dollars.</p>
-
-<p>&raquo;Ditto mittels der Postkutsche, (zweit&auml;gige Fahrt) &mdash;
-6-1/2 bis 7 Dollars.</p>
-
-<p>&raquo;Eine m&auml;&szlig;ige Menge Gep&auml;ck wird unentgeldlich
-mitgenommen.</p>
-
-<p>Reise-Route von New-York nach Montreal, Quebec
-und allen Theilen von Unter-Canada: &mdash;</p>
-
-<p>&raquo;Von New-York nach Albanien, 160 (engl.) Meilen
- <span class="pagenum"><a id="Page_p387">[S. 387]</a></span>
-mittels Dampfboot, 1 bis 3 Dollars, mit Ausschlu&szlig;
-Von Lebensmitteln.</p>
-
-<p>&raquo;Von Albanien nach Whitehall, auf Can&auml;len, 73
-engl. Meilen, 1 Dollar; auf dem Postwagen 3 Dollars.</p>
-
-<p>&raquo;Von Whitehall nach St. John's, mittels Dampfboot,
-der Lebensunterhalt eingerechnet, in der Caj&uuml;te 5
-Dollars; Deck-Passage, ohne Lebensunterhalt 2 Dollars.</p>
-
-<p>&raquo;Von St. John's nach Laprairie, 16 engl. Meilen,
-mittels Postwagen, 5 bis 7 Schl. 6 D.</p>
-
-<p>&raquo;Von Laprairie nach Montreal, auf dem F&auml;hr-Dampfboote,
-(8 engl. Meilen) 6 D.</p>
-
-<p>&raquo;Von Montreal nach Quebec mittels Dampfboot,
-180 (engl.) Meilen, in der Caj&uuml;te (mit Kost) 1 Pfd.
-St. 5 Schl. Deck-Passage, ohne Kost 7 Schl. 6 D.</p>
-
-<p>&raquo;Diejenigen, welche nach den &ouml;stlichen Gemeinde-Bezirken
-von Unter-Canada, in der Nachbarschaft von
-Sherbrooke, Standstead u. s. w. wandern wollen, m&uuml;ssen
-ihren Weg nach St. John's nehmen, von woaus gute
-Stra&szlig;en nach s&auml;mtlichen &ouml;stlichen Ansiedlungen f&uuml;hren;
-nehmen sie ihren Weg nach dem Flu&szlig; Ottawa, so m&uuml;ssen
-sie von Montreal und Lachine ausgehen, indem von
-hier aus Postwagen, Dampfb&ouml;te und andre kleine Fahrzeuge
-(K&auml;hne) nach Granville, Hull und Bytown, so
-wie auch nach Chateauguay, Glengary, Cornwall, Prescott
-und s&auml;mmtlichen Theilen unterhalb Kingston segeln.</p>
-
-<p class="pmb3">&raquo;Die Emigranten k&ouml;nnen sich des Rathes und Beistandes
-folgender Herren bedienen: &mdash; zu Montreal <em class="gesperrt">Carlisle
-Buchanan's</em> Esq.; zu Prescott, <em class="gesperrt">John Patton's</em>
-Esq.&laquo;</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p388">[S. 388]</a></span></p>
-
-
-<p>Emigranten-Zahl, welche im Verlauf von
-sechs Jahren, n&auml;mlich seit 1829 bis 1834 von
-dem Vereinigten K&ouml;nigreich zu New-York
-angelangt ist.</p>
-
-<table border="0" cellspacing="2" cellpadding="2" class="tdr" summary="Emigranten, UK-New York 1829-1834">
- <tr>
- <td valign="middle" align="left">Jahr.</td>
- <td valign="middle" align="right">England.</td>
- <td valign="middle" align="right">Irland.</td>
- <td valign="middle" align="right">Schottland.</td>
- <td valign="middle" align="right">Gesammtzahl</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="middle" align="left">1829</td>
- <td valign="middle" align="right">8,110</td>
- <td valign="middle" align="right">2,443</td>
- <td valign="middle" align="right">948</td>
- <td valign="middle" align="right">11,501</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="middle" align="left">1830</td>
- <td valign="middle" align="right">16,350</td>
- <td valign="middle" align="right">3,497</td>
- <td valign="middle" align="right">1,584</td>
- <td valign="middle" align="right">21,433</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="middle" align="left">1831</td>
- <td valign="middle" align="right">13,808</td>
- <td valign="middle" align="right">6,721</td>
- <td valign="middle" align="right">2,078</td>
- <td valign="middle" align="right">22,607</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="middle" align="left">1832</td>
- <td valign="middle" align="right">18,947</td>
- <td valign="middle" align="right">6,050</td>
- <td valign="middle" align="right">3,286</td>
- <td valign="middle" align="right">28,283</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="middle" align="left">1833</td>
- <td valign="middle" align="right">&mdash; &mdash;</td>
- <td valign="middle" align="right">&mdash; &mdash;</td>
- <td valign="middle" align="right">&mdash; &mdash;</td>
- <td valign="middle" align="right">16,000</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="middle" align="left">1834<a name="FNanchor_64_64" id="FNanchor_64_64"></a><a href="#Footnote_64_64" class="fnanchor">[64]</a></td>
- <td valign="middle" align="right">&mdash;&nbsp;&mdash;</td>
- <td valign="middle" align="right">&mdash;&nbsp;&mdash;</td>
- <td valign="middle" align="right">&mdash;&nbsp;&mdash;</td>
- <td valign="middle" align="right">26,540</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="middle" align="left">&nbsp;</td>
- <td valign="middle" align="right">&nbsp;</td>
- <td valign="middle" align="right" colspan="2">Gesammtzahl.</td>
- <td valign="middle" align="right">126,464</td>
- </tr>
-</table>
-<p class="pmb3" />
-
-
-<p><span class="font12"><em class="gesperrt">III. Amerikanische Passagier-Acte.</em></span></p>
-
-<p>Der 9. <em class="antiqua">Geo. IV. c.</em> 21, gemeiniglich die amerikanische
-Passagier-Acte genannt, wurde w&auml;hrend der Session
-1835 widerrufen, und an ihrer Stelle eine neue Verordnung
-(5 und 6 <em class="antiqua">Will. IV., c.</em> 53.) erlassen. Diese
-neue Acte hat zum Zweck, so sehr als m&ouml;glich und wirksamer
-als die fr&uuml;here, die Gesundheit und das Gedeihen
-der Auswandrer an Bord von Passagier-Schiffen zu sichern.
-Zufolge einer Clausel m&uuml;ssen Copien oder Ausz&uuml;ge
-auf dergleichen Schiffen zur Einsicht der Passagiere unterhalten
-werden, damit diese hierdurch Gelegenheit haben,
-sich von der Erf&uuml;llung des Gesetzes zu &uuml;berzeugen;
- <span class="pagenum"><a id="Page_p389">[S. 389]</a></span>
-allein die Entdeckung irgend einer Verletzung der gesetzlichen
-Verordnungen d&uuml;rfte zu einer Zeit gemacht werden,
-wo es in dem besondern, gerade vorliegenden Falle, zu
-sp&auml;t ist, insofern es sich um die Bequemlichkeit oder gar um
-die Gesundheit der Passagiere handelt, Abh&uuml;lfe zu leisten.
-Es steht daher zu hoffen, da&szlig; die menschenfreundlichen
-Absichten der Gesetzgebung durch keine Nachl&auml;ssigkeit von
-Seiten derjenigen (vorz&uuml;glich der Zoll-Beamten) vereitelt
-werden, welchen die Pflicht obliegt, daf&uuml;r zu sorgen, da&szlig;
-den Bestimmungen der Acte gen&uuml;gt werde, ehe das Passagier-Schiff
-den Hafen verl&auml;&szlig;t.</p>
-
-<p>Kein Passagier-Schiff darf mehr als drei Personen
-auf jede f&uuml;nf Tonnen einregistrirte Last am Bord enthalten.
-Desgleichen d&uuml;rfen sich, was auch immer der Tonnengehalt
-sein mag, nicht mehr Passagiere an Bord befinden,
-als die gesetzliche Bestimmung des Raums gestattet,
-nach welcher auf je zehn Fu&szlig; Fl&auml;chengehalt des
-untern Decks, die nicht von G&uuml;tern oder Vorr&auml;then,
-au&szlig;er dem Gep&auml;ck der Reisenden, eingenommen sind, eine
-Person gerechnet wird.</p>
-
-<p>Schiffe mit mehr als einem Deck m&uuml;ssen mindestens
-f&uuml;nf und einen halben Fu&szlig; Zwischendeckraum haben;
-und hat ein Schiff blos ein Deck, so mu&szlig; unter
-das Deck eine Plattform dergestalt gelegt werden, da&szlig;
-dazwischen ein Raum von wenigstens f&uuml;nf und einem
-halben Fu&szlig; H&ouml;he &uuml;brig bleibt; auch darf ein solches
-Schiff nicht mehr als zwei Reihen Schlafstellen haben.
-Schiffe mit einer doppelten Reihe Schlafstellen m&uuml;ssen
-einen Zwischenraum von mindestens sechs Zoll zwischen
-dem Deck oder der Plattform und dem Boden der untern
-Reihe in ihrer ganzen Ausdehnung haben.</p>
-
-<p>Passagier-Schiffe m&uuml;ssen folgende Vorr&auml;the und in
-folgendem Verh&auml;ltni&szlig; f&uuml;hren: &mdash;</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p390">[S. 390]</a></span></p>
-
-<p>Reines Wasser, f&uuml;r jeden Passagier gegen f&uuml;nf Gallonen
-auf jede Woche der Reise. Das Wasser mu&szlig; in
-Tanks oder verkohlten (Frischwasser-) F&auml;ssern aufbewahrt
-werden.</p>
-
-<p>Sieben Pfund Brod, Schiffszwieback, Hafermehl
-oder andre Brodstoffe, auf jede Woche f&uuml;r jeden Passagier;
-Kartoffeln k&ouml;nnen bis zu einem Drittel des gesammten
-Mundvorrathes hinzugef&uuml;gt, aber sieben Pfund Kartoffeln
-m&uuml;ssen einem Pfund Brod oder Brodmehl gleich
-gerechnet werden. Die Dauer der Reise nach Nord-Amerika
-wird auf zehn Wochen gesch&auml;tzt, demgem&auml;&szlig; m&uuml;ssen
-f&uuml;r jeden Passagier funfzig Gallonen Wasser und
-siebzig Pfund Brod oder Brodmehl mitgenommen werden.</p>
-
-<p>Bel&auml;uft sich die Anzahl der Passagiere auf hundert
-K&ouml;pfe, so mu&szlig; der Schiffseigner f&uuml;r einen praktischen
-Arzt sorgen; wenn darunter, so m&uuml;ssen Arzneimittel
-in hinreichender Menge und von den erforderlichen
-Arten, als ein Theil der nothwendigen Vorr&auml;the, mitgenommen
-werden.</p>
-
-<p>Passagier-Schiffen ist nicht erlaubt, an spiritu&ouml;sen
-Getr&auml;nken, als Waare, &uuml;ber ein Zehntel von derjenigen
-Quantit&auml;t auszuf&uuml;hren, welche, ohne diese Beschr&auml;nkung,
-die Zollbeamten, den Proviantlisten eines solchen
-Schiffs gem&auml;&szlig;, blos f&uuml;r den Gebrauch der Passagiere
-(und je nach deren Anzahl,) mitzunehmen verstatten w&uuml;rden.
-Gewi&szlig; eine wichtige Ma&szlig;regel, welche buchst&auml;blich befolgt
-werden sollte. Die starke Versuchung, wovon die an einen
-engen Raum gefesselten Passagiere in Folge der
-Langenweile, welche eine dergleichen Seereise erzeugt, ergriffen
-werden, hat h&auml;ufig den Verm&ouml;gensumst&auml;nden, der
-Behaglichkeit und Gesundheit manches Emigranten bedeutenden
-Nachtheil gebracht, besonders wenn der Schiffsmeister
-f&uuml;r einen t&uuml;chtigen Branntwein-Vorrath gesorgt
-hatte.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p391">[S. 391]</a></span></p>
-
-<p>Bei Aufz&auml;hlung der Passagiere werden <em class="gesperrt">zwei</em> Kinder
-&uuml;ber sieben aber unter vierzehn, oder <em class="gesperrt">drei</em> unter sieben
-Jahren f&uuml;r einen Passagier gerechnet. Kinder unter
-<em class="gesperrt">zw&ouml;lf Monaten</em> werden nicht mit gez&auml;hlt.</p>
-
-<p>Jeder Passagier ist berechtigt, achtundvierzig Stunden
-hindurch, nachdem das Schiff an dem Orte seiner
-Bestimmung angelangt ist, an Bord zu bleiben, und
-mu&szlig; f&uuml;r diese Zeit mit den erforderlichen Mundvorr&auml;then
-versorgt werden. Emigranten mit beschr&auml;nkten Mitteln
-k&ouml;nnen auf diese Weise viele Unannehmlichkeiten und
-Kosten vermeiden, indem sie sich &uuml;ber die Marschroute,
-welche sie zu nehmen gedenken, berathen, anstatt zu landen
-und in den theuern Wirthsh&auml;usern und Restaurationen
-eines See-Hafens Zeit und Geld zu verschwenden.</p>
-
-<p>Schiffsmeister m&uuml;ssen Cautionen von 1,000 Pfd.
-St. zahlen, als Garantie f&uuml;r die treue Erf&uuml;llung der
-ihnen durch die Acte auferlegten Pflichten. Die wegen
-einer Uebertretung des Gesetzes zu zahlende Strafe bel&auml;uft
-sich nicht unter <em class="gesperrt">f&uuml;nf</em>, und nicht &uuml;ber <em class="gesperrt">zwanzig</em>
-Pfd. Sterl.</p>
-
-<p>Die von der Regierung in den verschiednen H&auml;fen
-angestellten Agenten, oder die Zoll-Beamten werden ohne
-Zweifel Passagieren, welche um ihren Rath hinsichtlich
-einer Verletzung der Bestimmungen der Acte nachsuchen,
-jeden Verschub leisten, und die zu ergreifenden Ma&szlig;regeln
-anzeigen.</p>
-
-<p class="pmb3">Herrscht hinsichtlich der T&uuml;chtigkeit eines zum Absegeln
-bereiten Schiffes irgend ein Zweifel, so sind die
-Zoll-Einnehmer und Zoll-Controlleurs erm&auml;chtigt, dasselbe
-besichtigen zu lassen. Passagiere, welche &uuml;ber die Zeit
-hinaus, wo das Schiff der Verabredung gem&auml;&szlig; auslaufen
-sollte, aufgehalten werden, mu&szlig; der Schiffsmeister auf
-seine Unkosten unterhalten; sorgen sie selbst f&uuml;r ihre Mundvorr&auml;the,
-so ist er gehalten, jedem f&uuml;r einen Tag Aufschub,
-den nicht Unwetter oder eine andre unvermeidliche
-Ursache erheischt, einen Schilling zu zahlen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p392">[S. 392]</a></span></p>
-
-
-<p><span class="font12"><em class="gesperrt">IV. Uebertragung von Capitalien.</em></span></p>
-
-<p class="pmb3">Es ist, wie sich von selbst versteht, f&uuml;r Emigranten
-von gro&szlig;er Wichtigkeit, was sie irgend an Capital
-&uuml;ber die erforderlichen Unkosten der Reise u. s. w. besitzen,
-auf dem sichersten und vortheilhaftesten Wege nach
-Canada zu senden, sowohl die Brittisch-Amerikanische
-Land-Compagnie als die Canada-Compagnie sind hierin
-den Emigranten beh&uuml;lflich, indem sie Pf&auml;nder und Credit-Briefe
-auf ihre Agenten in Canada annehmen. Es
-ist unsicher und unklug eine gr&ouml;&szlig;ere Summe bares Geld
-bei sich zu f&uuml;hren, als gerade zur Bestreitung der nothwendigen
-Reisekosten hinreicht, indem man eine doppelte
-Gefahr l&auml;uft, n&auml;mlich sein Geld zu verlieren, oder es zu
-vergeuden. Emigranten, die sich in ihren Geldangelegenheiten
-nicht an eine der beiden zuvor erw&auml;hnten Compagnien
-wenden wollen, w&uuml;rden daher wohl thun, sich
-von einem achtbaren Hause in dem Vereinigten K&ouml;nigreiche
-einen Credit-Brief auf die Bank zu Montreal
-ausstellen zu lassen.</p>
-
-
-<p><span class="font12"><em class="gesperrt">V. Canadisches Courant.</em></span></p>
-
-<p>In s&auml;mmtlichen Brittisch-Nord-Amerikanischen Colonien
-werden Rechnungen und Preise, eben so wie in
-England, in Pfunden, Schillingen und Pence ausgedr&uuml;ckt.
-Man unterscheidet &uuml;brigens zwischen Courant oder Halifax
-Courant, und Sterling oder Brittisch Sterling.</p>
-
-<p>Ein Pfund Halifax-Courant oder Courant, wie es
-schlecht weg genannt wird, besteht aus vier spanischen
-Dollars. Der Dollar zerf&auml;llt in f&uuml;nf Theile &mdash; im
-Spanischen Pistoreens genannt, wovon jeder ein Schilling
-genannt wird. Jeder dieser Schillinge oder Pistoreens
-ist wiederum in zw&ouml;lf Theile, Pence genannt, getheilt,
-aber uneigentlich, da es keine M&uuml;nze giebt, die
-einer solchen Unterabtheilung entspr&auml;che. Um dem
- <span class="pagenum"><a id="Page_p393">[S. 393]</a></span>
-Bed&uuml;rfni&szlig; abzuhelfen, sind eine gro&szlig;e Anzahl Kupferm&uuml;nzen
-im Umlauf, wozu der alte englische Halfpenny, der Halfpenny
-neuern Gepr&auml;ges, der Penny, der Farthing und
-der amerikanische Cent geh&ouml;ren; alle und jede gelten als
-der vierundzwanzigste Theil des Pistoreen oder Colonial-Schillings.
-Pence sind in der That nicht bekannt, wiewohl
-fast jede Art von Kupferm&uuml;nze als der vierundzwanzigste
-Theil des Pistoreen genommen wird<a id="FNanchor_65_65"></a><a href="#Footnote_65_65" class="fnanchor">[65]</a>.</p>
-
-<p class="pmb3">Zu einer Zeit, als der spanische Dollar, das Achtelst&uuml;ck,
-wie es damals hie&szlig;, feiner und schwerer als die
-jetzt im Umlauf befindliche M&uuml;nze war, betrug sein Werth
-nach dem M&uuml;nz-Silber-Preise 4 Schl. 6 D. Sterling,
-und 90 Pfd. Sterl. waren gleich 100 Pfd. Courant.</p>
-
-
-<p><span class="font12"><em class="gesperrt">VI. Die Canada Compagnie.</em></span></p>
-
-<p>Die Canada-Compagnie wurde im Jahr 1826 durch
-einen k&ouml;niglichen Freibrief und eine Parlaments-Acte confirmirt.
-Nachstehendes sind Ausz&uuml;ge aus dem Prospect
-der Compagnie: &mdash;</p>
-
-<p>&raquo;Die Canada-Compagnie hat in fast jedem Theil
-von Ober-Canada L&auml;ndereien zum Verkauf bereit, unter
- <span class="pagenum"><a id="Page_p394">[S. 394]</a></span>
-Bedingungen, welche jedenfalls h&ouml;chst vortheilhaft f&uuml;r den
-Emigranten sind, da er beim Abschlu&szlig; des Kaufs blos
-ein F&uuml;nftel vom Kaufgelde an die Compagnie baar zu
-entrichten braucht, und das Uebrige in f&uuml;nf einj&auml;hrigen,
-auf einander folgenden Terminen, (also in einem Zeitraum
-von f&uuml;nf Jahren) nebst Interessen entrichten kann, so
-da&szlig; er bei geh&ouml;riger Betriebsamkeit den Saldo von den
-Erzeugnissen des Bodens abzutragen vermag.</p>
-
-<p>&raquo;L&auml;ndereien der Canada-Compagnie sind von dreierlei
-Art, n&auml;mlich: &mdash;</p>
-
-<p>Hier und da ausgestreute Reserve-L&auml;ndereien.</p>
-
-<p>L&auml;nder-Striche (<em class="antiqua">Blocks or tracts of land</em>) jeder
-von 1,000 bis 40,000 Aecker.</p>
-
-<p>Der Huronen-Tract, welcher &uuml;ber 1,000,000 Aecker
-enth&auml;lt.</p>
-
-<p>&raquo;<em class="gesperrt">Zerstreut liegende Reserve-L&auml;ndereien.</em>
-Die zerstreuten Kron-L&auml;ndereien sind Parcellen von hundert
-bis zweihundert Acker eine jede, durch fast jeden Gemeinde-Bezirk
-in der Provinz vertheilt, und an der Boden-,
-Klima-Beschaffenheit u. s. w. jedes besondern Gemeinde-Bezirks
-Theil habend. Dergleichen L&auml;ndereien sind
-vorz&uuml;glich denjenigen zu empfehlen, welche Freunde und
-Verwandte in ihrer Nachbarschaft angesiedelt zu sehen
-w&uuml;nschen, und kann der Acker zu 8 Schl. 9 D. bis zu
-25 Schl. gekauft werden.</p>
-
-<p>&raquo;<em class="gesperrt">L&auml;nder-Bl&ouml;cke oder Trakte</em> (<em class="antiqua">Blocks of Land</em>).
-Die Bl&ouml;cke oder Trakte liegen ganz in dem Theil der
-Provinz, der sich westw&auml;rts vom Ursprunge des Sees
-Ontario hindehnt, und enthalten Fluren, die, was Boden,
-Klima, Ergiebigkeit u. s. w. anlangt, jedem andern
-Theil des Festlandes von Amerika gleichen, wo
-nicht &uuml;berlegen sind. Diese verdienen mithin die Aufmerksamkeit
-von Emigranten-Gemeinden, die als Landsleute,
-oder durch Verwandtschaft, Freundschaft, Religion
-oder andre Banden mit einander verkn&uuml;pft, sich zusammen
-niederzulassen w&uuml;nschen.</p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p395">[S. 395]</a></span></p>
-
-<p>Der gr&ouml;&szlig;te Block dieser Art im Besitz der Compagnie
-ist der Stadt-Bezirk Guelph, der &uuml;ber 40,000
-Acker enth&auml;lt, wovon die gr&ouml;&szlig;ere H&auml;lfte bereits verkauft
-ist; und hier hat sich im Verlauf nur weniger Jahre
-eine Stadt erhoben, welche Kirchen, Schulen, Magazine,
-Wirthsh&auml;user und M&uuml;hlen in sich begreift, und wo man
-Handwerker und Gewerbtreibende jeder Art und eine sehr
-achtbare Gesellschaft finden kann.</p>
-
-<p>&raquo;<em class="gesperrt">Das Huronen-Gebiet.</em> Dies ist ein Strich
-des besten Landes in Amerika, durch welches die Canada-Compagnie
-zwei Stra&szlig;en, so gut als es nur ein neu
-urbar gemachtes Land zul&auml;&szlig;t, &uuml;ber hundert englische Meilen
-weit gehauen hat.</p>
-
-<p>&raquo;Die Bev&ouml;lkerung daselbst nimmt von Tag zu
-Tag zu.</p>
-
-<p>&raquo;Die Stadt Goderich, an der M&uuml;ndung des Flusses
-Maitland, am Huronen-See, ist sehr bl&uuml;hend und
-enth&auml;lt verschiedne treffliche Vorraths-H&auml;user und Kaufl&auml;den,
-worin der Emigrant die ihm nothwendigen Artikel zu
-billigen Preisen erhalten kann. Es ist daselbst eine gute
-Schule errichtet worden, die stark besucht wird; desgleichen
-eine englische Kirche, worin ein presbyterianischer Geistlicher
-Gottesdienst h&auml;lt; und da die Kirchen in Ober-Canada
-gegenw&auml;rtig besonders durch freiwillige Beitr&auml;ge ihrer respectiven
-Versammlungen unterhalten werden, so kann
-man sich von dem achtbaren Charakter der Bewohner dieser
-Ansiedlung und der Nachbarschaft eine Vorstellung
-machen.</p>
-
-<p>&raquo;Die Stadt und der Stadt-Bezirk Goderich enthalten
-ungef&auml;hr tausend Einwohner; und seit dem das von
-der Compagnie zur Bequemlichkeit ihrer Ansiedler erbaute
-Dampfboot seinen Lauf zwischen Goderich und Sandwich
-begonnen hat, ist eine bedeutende Zunahme in dem Verkehr
-und dem Gedeihen der Niederlassung wahrzunehmen.</p>
-
-<p>In diesem Distrikt sind vier gute S&auml;ge-M&uuml;hlen,
-drei Gr&uuml;tz-M&uuml;hlen, und in der Nachbarschaft einer jeden
- <span class="pagenum"><a id="Page_p396">[S. 396]</a></span>
-findet man gut gef&uuml;llte Vorraths-H&auml;user. Und da das
-ganze Gebiet vier Millionen Acker enth&auml;lt, wovon die
-gr&ouml;&szlig;ere H&auml;lfte dem Verkehr offen ist, so kann ein Emigrant
-oder eine Emigranten-Gesellschaft, wie gro&szlig; sie auch
-sein mag, in Auswahl einer je f&uuml;r ihre Zwecke, wie verschiedenartig
-diese auch sein m&ouml;gen, g&uuml;nstigen Lage auf
-keine Schwierigkeit sto&szlig;en. Der Preis dieser L&auml;ndereien
-bel&auml;uft sich von 11 Schl. 3 D. bis auf 15 Schl. Provinzial-Courant,
-oder auf 11 Schl. bis 13 Schl. 6.
-D. Sterl. <em class="antiqua">per</em> Acker.&laquo;</p>
-
-<p class="pmb3">Emigranten, welche sich mit der Compagnie zu besprechen
-w&uuml;nschen, m&uuml;ssen sich an den Secretair, John
-Perry Esq., St. Helen'splace, Bishopsgate-Street, London,
-oder an die Agenten der Compagnie der H&auml;fen
-wenden.</p>
-
-
-<p><span class="font12"><em class="gesperrt">VII. Brittisch-amerikanische Land-Compagnie.</em></span></p>
-
-<p>Die brittisch-amerikanische Land-Compagnie berichtet
-in ihrem Prospect, da&szlig; sie von der brittischen Regierung
-ziemlich eine Million Acker in den Grafschaften Shefford,
-Stanstead und Sherbrooke, und zwar in den sogenannten
-&ouml;stlichen Gemeinde-Bezirken von Unter-Canada gekauft
-habe. Diese Gemeinde-Bezirke begreifen einen Strich
-Landes in sich, der auf der S&uuml;dseite des St. Lawrence,
-zwischen 45&deg; und 46-1/2&deg; n&ouml;rdlicher Breite und 71&deg; und
-73&deg; westlicher L&auml;nge liegt. Dieser Tract, welcher zwischen
-f&uuml;nf und sechs Millionen Acker enth&auml;lt, ist in acht
-Grafschaften, und diese sind wiederum in ungef&auml;hr hundert
-Stadt- oder Gemeinde-Bezirke getheilt. Besagte
-Gemeinde-Bezirke erfreuen sich eines wichtigen Vortheils
-in ihrer geographischen Lage. Auf der einen Seite haben
-sie einen leichten Zugang von Montreal, Quebec und
-Three Rivers, den Schiffer-Hafen und gro&szlig;en M&auml;rkten
-der beiden Canadas; auf der andern von New-York den
-Hudson River hinauf und durch den See Champlain, so
-wie auch von Boston und andern Theilen der atlantischen
-K&uuml;ste. Zufolge ihrer gedr&auml;ngten und zusammenh&auml;ngenden
- <span class="pagenum"><a id="Page_p397">[S. 397]</a></span>
-Lage k&ouml;nnen sie durchg&auml;ngig sowohl auf leichten Verkehr
-und gegenseitige Unterst&uuml;tzung als auch auf allgemeine
-Theilnahme an allen &ouml;rtlichen Verbesserungen z&auml;hlen.</p>
-
-<p>&raquo;Die Bedingungen, unter welchen die Compagnie
-ihre L&auml;ndereien ver&auml;u&szlig;ert, sind, je nach Lage, Beschaffenheit
-und besondre Vortheile, welche die verschiednen Parcellen
-besitzen m&ouml;gen, verschieden; im Allgemeinen inde&szlig;
-sind sie zu 4 Schl. bis 6 Schl. Courant <em class="antiqua">per</em> Acker
-k&auml;uflich, und in allen F&auml;llen mu&szlig; ein Theil der Kaufsumme
-als Unterpfand angezahlt werden, und zwar bei
-den h&ouml;her gesch&auml;tzten Parcellen der f&uuml;nfte, und bei den
-niedriger gesch&auml;tzten der vierte Theil.</p>
-
-<p>&raquo;Der Saldo mu&szlig; alsdann nach und nach in sechs
-auf einander folgenden einj&auml;hrigen Terminen, nebst den
-in der Provinz gesetzm&auml;&szlig;igen Zinsen, und zwar vom Tage
-des Kaufabschlusses an gerechnet, abgetragen werden; sollten
-inde&szlig; K&auml;ufer geneigt sein, die Zahlungen fr&uuml;her zu
-leisten, so d&uuml;rfen sie sich die Zeit dazu nur w&auml;hlen.</p>
-
-<p>&raquo;Der Preis f&uuml;r einen Bauplatz zu Port St. Francis
-im laufenden Jahre (1835) ist 12 Pfd. Sterl. 10
-Schl., mit Anzahlung von 5 Pfd. Sterl. in baarem Gelde,
-und der Saldo ist nebst Interessen in Jahres-Frist abzutragen.</p>
-
-<p>&raquo;Anzahlungen f&uuml;r Grund und Boden, den der Emigrant
-bei seiner Ankunft im Lande w&auml;hlen kann, nimmt
-die Compagnie in London an.</p>
-
-<p>&raquo;Nach der zwischen der k&ouml;niglichen Regierung und
-der Compagnie geschlo&szlig;nen Uebereinkunft sind 50,000
-Pfd. Sterl. von dem Kaufgelde, welches letztre bezahlt
-hat, von derselben auf &ouml;ffentliche Werke und Verbesserungen,
-als z. B. Landstra&szlig;en, Br&uuml;cken, Can&auml;le, Schulh&auml;user,
-M&auml;rkte, H&auml;user, Kirchen und Prediger-Wohnungen
-zu verwenden. Dies ist eine h&ouml;chst wichtige Bestimmung,
-die sich f&uuml;r den Ansiedler nothwendiger Weise in hohem
-Grade wohlth&auml;tig erweisen mu&szlig;, insofern sie ihm die
-Verbesserung und das Gedeihen des Distrikts zusichert.
- <span class="pagenum"><a id="Page_p398">[S. 398]</a></span>
-Die Anlegung von Stra&szlig;en und andern leichten Communicationen
-ist das gr&ouml;&szlig;te Bed&uuml;rfni&szlig; eines neuen Landes;
-und die Verwendung von Capital auf Werke dieser
-Art, welche die Kr&auml;fte und Mittel von Privatleuten &uuml;bersteigen,
-ist der beste Weg, auf welchem eine erfolgreiche
-Niederlassung bef&ouml;rdert und vollendet werden kann.</p>
-
-<p>&raquo;Die Verwendung der oben namhaft gemachten ansehnlichen
-Summe sichert zu gleicher Zeit dem redlichen
-und flei&szlig;igen Arbeiter, unmittelbar nach seiner Ankunft,
-Anstellung und Erwerb.&laquo;</p>
-
-<p class="pmb2">Das Verwaltungs-Bureau der Brittisch-amerikanischen
-Land-Compagnie ist zu London, (Barge-Yard,
-Bucklersbury); dieselbe hat auch Agenten an den verschiednen
-Hafen-Orten.</p>
-
- <div class="figcenter">
- <img src="images/a001-a_100.jpg" alt="Dekoration" />
- </div>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p399">[S. 399]</a></span></p>
-
- <div class="figcenter" id="p399i">
- <img src="images/p399i.jpg" alt="Charte, worauf die Binnen-Schifffahrt der
-Distrikte Newcastle und Ober-Canada verzeichnet ist." />
- </div>
-
-
-<hr class="tb" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p400"></a></span></p>
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_i">[S. I]</a></span></p>
-
-
-<p><a id="Erlauterung_der_Charte">Erl&auml;uterung der Charte.</a></p>
-
-
-<p>Da wir den englischen Stock beibehalten haben, so
-f&uuml;gen wir f&uuml;r den Leser folgende Nachweisungen hinzu: &mdash;</p>
-
-<p class="i3">
-<em class="antiqua">L.</em> (<em class="antiqua">lake</em>) bedeutet <em class="gesperrt">See</em>.<br />
-<em class="antiqua">Part</em>, <em class="gesperrt">Theil</em>.<br />
-<em class="antiqua">Bridge</em>, <em class="gesperrt">Br&uuml;cke</em>.<br />
-<em class="antiqua">Channel</em>, <em class="gesperrt">Canal</em>.<br />
-<em class="antiqua">R.</em> (<em class="antiqua">River</em>), <em class="gesperrt">Flu&szlig;</em>.<br />
-</p>
-
-
-<p>Erkl&auml;rung der auf der Charte vorkommenden
-Zahlen.</p>
-
-<p class="i2">1) Beabsichtigte Eisenbahn, 6 (engl.) Meilen.</p>
-
-<p class="i2">2) In Vorschlag gebrachte Eisenbahn, 13 (engl.)
-Meilen.</p>
-
-<p class="i2">3) 36 (engl.) Meilen Dampf-Schifffahrt bis Heel-Falls.</p>
-
-<p class="i2">4) Abri&szlig; der M&uuml;ndungen des Flusses Otanabee
-und eines Theils des Reis-Sees.</p>
-
-<p class="i2">5) Abri&szlig; des kleinen Sees, eines Theils des Flusses
-Otanabee und der Stadt Peterborough.</p>
-
-
-<hr class="tb" />
-
-
-<div class="block0">
-<div class="footnotes"><b>Fu&szlig;noten:</b>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_60_60"></a><a href="#FNanchor_60_60"><span class="label">[60]</span></a> Diese Summe ist in dem Parlaments-Rechnungs-Abschlu&szlig; angegeben,
-aber wahrscheinlich soll anstatt 9, 1 stehen.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_61_61"></a><a href="#FNanchor_61_61"><span class="label">[61]</span></a> V. E. (<em class="antiqua">U. E.</em>) Loyalisten bedeutet: vereinigte englische Loyalisten, das ist solche, die beim Ausbruch des
-amerikanischen Freiheits-Krieges aus den Vereinigten Staaten flohen. Die in obigen Rubriken verzeichneten
-Schenkungen gehen meistentheils die Kinder dieser Individuen an.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_62_62"></a><a href="#FNanchor_62_62"><span class="label">[62]</span></a> Bei Verk&auml;ufen auf Erbzins zu 5 pCt., kann das Capital (Kaufsumme) nach Belieben abgezahlt
-werden.
-</p>
-<p>
-<em class="antiqua">N. B.</em> Verk&auml;ufe auf Erbzins haben im Jahr 1832 aufgeh&ouml;rt.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_63_63"></a><a href="#FNanchor_63_63"><span class="label">[63]</span></a> <em class="antiqua">Information published by His Majesty's Commissioners
-for Emigration, respecting the Brittish Colonies in North America,
-Lond. C. Knight, 1832.</em></p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p><a id="Footnote_64_64"></a><a href="#FNanchor_64_64"><span class="label">[64]</span></a> Die Angaben f&uuml;r 1834 reichen blos bis zum 20. November
-selbigen Jahres.</p>
-</div>
-
-<div class="footnote">
-<p class="pmb3"><a id="Footnote_65_65"></a><a href="#FNanchor_65_65"><span class="label">[65]</span></a> Die Amerikaner haben auch ihren 1. <em class="antiqua">s.</em> (Schilling),
-welcher dem achten Theil eines Dollars oder 12-1/2 Cent. gleich
-ist. Es ist nichts Ungew&ouml;hnliches, den Emigranten sich r&uuml;hmen
-zu h&ouml;ren, da&szlig; er in New-York t&auml;glich 10 Schillinge verdienen
-k&ouml;nne. Er wei&szlig; nicht, da&szlig; ein Dollar, welcher acht dergleichen
-Schillingen gleich ist, in England nur 4 Schilling, 2 D.
-gilt, und da&szlig; mithin der amerikanische Schilling, im Vergleich
-mit dem englischen nur 6-1/4 D. gilt, und da&szlig; daher ein Arbeitslohn
-von 10 Schillingen, t&auml;glich in der That nicht mehr als
-zehn mal 6 und 1/4 D. oder 5 Schillinge 2 und 1/2 D. nach
-englischer Werthbestimmung betr&auml;gt. Inde&szlig; ist ein Tagelohn
-von 5 Schillingen 2 und 1/2 D. immer noch betr&auml;chtlich zu nennen,
-nur aber kann es der Arbeiter nicht h&auml;ufig erlangen;
-und erh&auml;lt er es, so ist es f&uuml;r &uuml;berm&auml;&szlig;ige schwere Arbeit unter
-einer brennenden Sonne in Seehafen-St&auml;dten w&auml;hrend der gesch&auml;ftsreichen
-Schifffahrt-Zeit.</p>
-</div>
-</div>
-</div>
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p402">[S. 402]</a></span></p>
-
-
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="no-break" id="Anmerkung">Anmerkung.</h2>
-</div>
-
-
-<p class="pmb3">Seite 158. Die Moosbeere (<em class="antiqua">Cranberry</em>), wovon
-es, wie aus dem Text hervorgeht, in Canada zwei Spiel-Arten
-giebt, geh&ouml;rt der Gattung <em class="antiqua">Vaccinium</em> an; diese
-Beere oder Frucht ist, nach erlangter Reife, roth und
-von der Gr&ouml;&szlig;e einer kleinen Kirsche oder Schlehe und sitzt
-an einem d&uuml;nnen gebognen Stiel. (<em class="antiqua">V. exycoccus</em>). Die
-Pflanze hei&szlig;t auch Moorbeere, weil sie auf Moorboden
-und an sumpfigen Stellen w&auml;chst. Eine verschiedne Art
-davon ist <em class="antiqua">Vaccinium macrocarpon</em> (gro&szlig;fr&uuml;chtige Moosbeere).</p>
-
-<hr class="tb" />
-
-<p class="p3 center pmb3"><em class="gesperrt">Leipzig</em>, gedruckt bei <em class="gesperrt">W. Haack</em>.</p>
-
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p403">[S. 403]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="no-break" id="Inhalts-Verzeichniss">Inhalts-Verzeichni&szlig;.</h2>
-</div>
-
-<table border="0" cellspacing="2" cellpadding="2" class="tdr" summary="Inhalts-Verzeichni&szlig;">
- <tr>
- <td valign="bottom" align="right"> </td>
- <td valign="bottom" align="right">Seite.</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Erster Brief.</em></td>
- <td valign="bottom" align="right"> </td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Abfahrt von Greenock in der Brig <em class="gesperrt">Laurel</em>. &mdash; Beschaffenheit<br />
- der Kaj&uuml;te. &mdash; Reise-Gef&auml;hrte. &mdash; Mangel an Besch&auml;ftigung<br />
- und Unterhaltung. &mdash; Des Capitains Goldfinke</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p009">9</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Zweiter Brief.</em></td>
- <td valign="bottom" align="right"> </td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Ankunft an der K&uuml;ste von Neufundland. &mdash; Der Goldfinke<br />
- singt kurz vor Entdeckung des Landes. &mdash; Der Meerbusen<br />
- St. Lawrence. &mdash; Schwierige Fahrt auf dem<br />
- Flusse. &mdash; Ein franz&ouml;sischer Fischer wird als Lootse angestellt.<br />
- &mdash; Die Insel Bic. &mdash; Gr&uuml;n-Eiland. &mdash; Anstellung<br />
- eines regelm&auml;&szlig;igen Lootsen. &mdash; Scenerei von<br />
- Gr&uuml;n-Eiland. &mdash; Gros-Eiland. &mdash; Quarantaine-Gesetze.<br />
- &mdash; Emigranten auf Gros-Eiland. &mdash; Ankunft vor<br />
- Quebek. &mdash; Anblick der Stadt und ihrer Umgebungen</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p013">13</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Dritter Brief.</em></td>
- <td valign="bottom" align="right"> </td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Abfahrt von Quebek. &mdash; Wir werden von einem Dampfschiffe<br />
- <span class="pagenum"><a name="Page_p404" id="Page_p404">[S. 404]</a></span>bugsirt. &mdash; Fruchtbarkeit des Landes. &mdash; Verschiedne<br />
- Gegenst&auml;nde, die sich uns beim Hinaufsteuern des<br />
- Flusses darbieten. &mdash; Ankunft vor Montreal. &mdash; Die<br />
- Stromschnellen (Rapids).</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p031">31</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Vierter Brief.</em></td>
- <td valign="bottom" align="right"> </td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Landung zu Montreal. &mdash; Erscheinung der Stadt. &mdash; Verheerungen<br />
- der Cholera. &mdash; Wohlth&auml;tigkeits-Anstalten zu<br />
- Montreal. &mdash; Katholische Cathedrale. &mdash; Unter- und<br />
- Ober-Stadt, Gesellschaft und Unterhaltung im Hotel. &mdash;<br />
- Die Verfasserin wird von der Cholera befallen. &mdash; Abreise<br />
- von Montreal im Postwagen. &mdash; Einschiffung zu<br />
- Lachine am Bord eines Dampf-Schiffes. &mdash; Abwechselndes<br />
- Reisen in Dampfschiffen und Postwagen. &mdash; Erscheinung<br />
- des Landes. &mdash; Manufacturen. &mdash; Oefen, in<br />
- einiger Entfernung von den H&uuml;tten. &mdash; Zieh-Brunnen.<br />
- &mdash; Ankunft zu Cornwall. &mdash; Bedienung im Gasthause.<br />
- &mdash; Abreise von Cornwall, und Ankunft zu Prescott.<br />
- &mdash; Ankunft zu Brookville. &mdash; Dasiger Stapelplatz.<br />
- &mdash; Reise durch den See Ontario. &mdash; Ankunft zu<br />
- Cobourg.</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p037">38</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">F&uuml;nfter Brief.</em></td>
- <td valign="bottom" align="right"> </td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Reise von Cobourg nach Amherst. &mdash; Schwierigkeiten denen<br />
- man bei seiner ersten Ansiedlung in den Urw&auml;ldern zu<br />
- begegnen hat. &mdash; Erscheinung des Landes. &mdash; Reis-See.<br />
- &mdash; Indianische Lebensweise und Gebr&auml;uche. &mdash;<br />
- Fahrt den Otanabee hinauf. &mdash; Log-Haus (<em class="antiqua">Log-house</em>)<br />
- und seine Inhaber. &mdash; Passagier Boot. &mdash; Fu&szlig;reise nach<br />
- <span class="pagenum"><a id="Page_p405">[S. 405]</a></span>Peterborough.</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p062">62</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Sechster Brief.</em></td>
- <td valign="bottom" align="right"> </td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Peterborough. &mdash; Sitten und Sprache der Amerikaner. &mdash;<br />
- Schottischer Maschinenbauer. &mdash; Schilderung Peterboroughs<br />
- und seiner Umgebungen. &mdash; Canadische Blumen.<br />
- &mdash; Shanties. &mdash; Beschwerden und Strapazen,<br />
- welche die ersten Ansiedler zu ertragen haben. &mdash; Verfahren<br />
- bei Anlegung einer Meierei.</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p091">91</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Siebenter Brief.</em></td>
- <td valign="bottom" align="right"> </td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Abreise von Peterborough. &mdash; Canadische W&auml;lder. &mdash; Wagen<br />
- und Gespann. &mdash; Ankunft bei einem Log-Hause an<br />
- den Ufern des Sees. &mdash; Niederlassung und erste Besch&auml;ftigungen.</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Siebenter_Brief">120</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Achter Brief.</em></td>
- <td valign="bottom" align="right"> </td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Unannehmlichkeiten, die mit einer noch neuen Ansiedelung<br />
- verbunden sind. &mdash; Schwierigkeit, Nahrungsmittel und<br />
- andre n&ouml;thige Artikel zu erlangen. &mdash; Schneesturm und<br />
- Orkan. &mdash; Indianischer Sommer und Eintritt des Winters.<br />
- &mdash; Verfahren bei Lichtung des Bodens.</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p137">137</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Neunter Brief.</em></td>
- <td valign="bottom" align="right"> </td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Verlust eines Ochsen-Gespanns. &mdash; Errichtung eines Log-Hauses.<br />
- &mdash; Glaser- und Zimmermanns-Arbeit. &mdash; Beschreibung<br />
- eines neuen Log-Hauses. &mdash; Spaziergang auf<br />
- dem Eise. &mdash; Lage des Hauses. &mdash; See und umgebende<br />
- <span class="pagenum"><a id="Page_p406">[S. 406]</a></span>Scenerei.</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p148">148</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Zehnter Brief.</em></td>
- <td valign="bottom" align="right"> </td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Abwechselung in Temperatur und Wetter. &mdash; Electrische<br />
- Erscheinung. &mdash; Canadischer Winter. &mdash; Mangel an poetischen<br />
- Ankl&auml;ngen in diesem Lande. &mdash; Zuckerbereitung. &mdash;<br />
- Zeit zum Fischfang. &mdash; Art des Fischfangs. &mdash; Entenschie&szlig;en.<br />
- &mdash; Indianer-Familien. &mdash; Papousen und ihre<br />
- Windeln- und Wickelb&auml;nder. &mdash; Indianische Manufacturen.<br />
- &mdash; Fr&ouml;sche.</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p164">164</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Elfter Brief.</em></td>
- <td valign="bottom" align="right"> </td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Welche Emigranten f&uuml;r Canada passen. &mdash; Eigenschaften,<br />
- die man besitzen mu&szlig;, um eines g&uuml;nstigen Erfolgs gewi&szlig;<br />
- zu sein. &mdash; Capital-Anlage. &mdash; Welche Artikel man wo<br />
- m&ouml;glich mit sich bringen mu&szlig;. &mdash; Eigenschaften und Besch&auml;ftigungen<br />
- einer Ansiedler-Familie. &mdash; Mangel an Geduld<br />
- und Energie bei einigen Frauen. &mdash; Besorgung<br />
- der Milchwirthschaft. &mdash; K&auml;se. &mdash; Indianisches Korn;<br />
- seine Cultur. &mdash; Kartoffeln. &mdash; Arbeitsl&ouml;hne.</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p190">190</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Zw&ouml;lfter Brief.</em></td>
- <td valign="bottom" align="right"> </td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Eine &raquo;Klafter-Biene.&laquo; &mdash; Verbrennung der geklafterten<br />
- Haufen. &mdash; Wirthschafts-System. &mdash; Preis des Weizens<br />
- im Vergleich zu dem Arbeitslohn. &mdash; Wahl des Bodens<br />
- und verh&auml;ltni&szlig;m&auml;&szlig;ige Vortheile. &mdash; Lichtung des Bodens.<br />
- &mdash; Orcan in den W&auml;ldern. &mdash; Ver&auml;nderliche Witterung.<br />
- <span class="pagenum"><a id="Page_p407">[S. 407]</a></span>&mdash; Insekten.</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p208">208</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Dreizehnter Brief.</em></td>
- <td valign="bottom" align="right"> </td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Gesundheits-Gef&uuml;hl inmitten der strengsten Winter-Monate.<br />
- &mdash; Unannehmlichkeit, welche die gl&auml;nzende Wei&szlig;e<br />
- des Schnees verursacht. - Schlittenfahrt. &mdash; Indianische<br />
- Orthographie. &mdash; Besuch in einem Indianer-Lager. &mdash;<br />
- Ein indianischer Kr&uuml;pel. &mdash; Canadische Ornithologie.</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p220">220</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Vierzehnter Brief.</em></td>
- <td valign="bottom" align="right"> </td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Nutzen botanischer Kenntnisse. &mdash; Das Feuerkraut (<em class="antiqua">fireweed</em>),<br />
- Sarsaparilla-Pflanzen. &mdash; Pr&auml;chtige Wasser-Lilie.<br />
- &mdash; Reis-Beete. &mdash; Indianische Erdbeere. &mdash;<br />
- Scharlachfarbner Akelei (<em class="antiqua">Colombine</em>.) &mdash; Farnkr&auml;uter. &mdash;<br />
- Gr&auml;ser.</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p262">262</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">F&uuml;nfzehnter Brief.</em></td>
- <td valign="bottom" align="right"> </td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Nochmalige Betrachtung verschiedner Punkte. &mdash; Fortschritte<br />
- der Ansiedlungen. &mdash; Canada, das Land der Hoffnung. &mdash;<br />
- Besuch bei der Familie eines See-Offiziers. &mdash; Eichh&ouml;rnchen.<br />
- &mdash; Besuch bei einem ausgewanderten Geistlichen;<br />
- seine Geschichte. &mdash; Schwierigkeiten, womit er anfangs<br />
- zu k&auml;mpfen hatte. &mdash; Temperament, Charakter<br />
- und Gewohnheiten der Emigranten sind von gro&szlig;em Einflu&szlig;<br />
- auf das Gedeihen oder Nichtgedeihen ihrer Ansiedlung.</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p286">286</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Sechszehnter Brief.</em></td>
- <td valign="bottom" align="right"> </td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Indianische J&auml;ger. &mdash; Segel auf einem Canoe. &mdash; Mangel<br />
- <span class="pagenum"><a id="Page_p408">[S. 408]</a></span>
- an Bibliotheken in den Urw&auml;ldern. &mdash; Neues Dorf. &mdash;<br />
- Fortschritte und Verbesserungen. &mdash; Leuchtende Insekten<br />
- (Johannisw&uuml;rmchen.)</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p320">320</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Siebzehnter Brief.</em></td>
- <td valign="bottom" align="right"> </td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Kaltes Fieber. &mdash; Unwohlsein der Familie. &mdash; Wahrscheinliche<br />
- Ursache. &mdash; Wurzel-Haus. &mdash; Eintritt des Winters.<br />
- &mdash; Insekt, der S&auml;ger genannt. &mdash; Einstweilige<br />
- Kirche.</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p335">336</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="center"><em class="gesperrt">Achtzehnter Brief.</em></td>
- <td valign="bottom" align="right"> </td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Gesch&auml;ftreiches Fr&uuml;hjahr. &mdash; Zunahme der Gesellschaft und<br />
- Bequemlichkeit. &mdash; Erinnerungen an die Heimath. &mdash;<br />
- Nordlicht.</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p344">344</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="center"><br /><em class="gesperrt">Erster Anhang.</em></td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p353">353</a></td>
- <td valign="bottom" align="right"> </td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Ahorn-Zucker.</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Ahorn_Zucker">353</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Weinessig.</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Weinessig">356</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Hopfen-Hefen.</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Hopfen_Hefen">357</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Salz-Sauerteig.</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Salz_Sauerteig">358</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Weiche Seife.</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Weiche_Seife">360</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Lichte.</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Lichte">361</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Einlegen von Gurken u. s. w.</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Einlegen_von_Gurken">363</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="center"><br /><em class="gesperrt">Zweiter Anhang.</em></td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p367">367</a></td>
- <td valign="bottom" align="right"> </td>
- </tr>
-</table>
-<p class="pmb3" />
-
-
-
-<hr class="chap" />
-
-<p><span class="pagenum"><a id="Page_p409">[S. 409]</a></span></p>
-
-<div class="chapter">
-
-<h2 class="no-break" id="Verzeichniss_der_Abbildungen">Verzeichni&szlig; der Abbildungen.</h2>
-</div>
-
-
-<table border="0" cellspacing="2" cellpadding="2" class="tdr" summary="Verzeichni&szlig; der Abbildungen">
- <tr>
- <td valign="bottom" align="right"> </td>
- <td valign="bottom" align="right">Seite.</td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Katarakt zu Montmorenci</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p027">27</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Reis-Boden</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p067">67</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Amerikanischer Schlitten</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p077">77</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Amerikanische Silber-Tanne</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p081">81</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Canadische Fichte</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p099">99</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Log-Haus</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p107">107</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">H&ouml;lzernes Dorf. (Log-Dorf und Ankunft eines Postwagens.)</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p109">109</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Ein durch die Urw&auml;lder gehauener Pfad</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p123">123</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Neu gelichtetes Land</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p143">143</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Papousen</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p179">179</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Gr&uuml;ne Fr&ouml;sche</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p185">185</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Ochsen-Frosch</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p187">187</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Die Prairie</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p225">225</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Peter, der J&auml;ger</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p229">229</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Der rothe Sommer-Vogel</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p241">241</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Der blaue Vogel</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p243">243</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Schnee-Ammer</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p247">247</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Der Baltimore-Feuervogel</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p257">257</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Rothe Eichh&ouml;rnchen</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p295">295</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Fliegendes Eichh&ouml;rnchen</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p299">299</a></td>
- </tr>
- <tr>
- <td valign="bottom" align="left">Charte, worauf die Binnen-Schifffahrt der Distrikte Newcastle<br />
- und Ober-Canada verzeichnet ist</td>
- <td valign="bottom" align="right"><a href="#Page_p399">399</a></td>
- </tr>
-</table>
-
-<p class="pmb3" />
-
-<p class="break" />
-<hr class="chap" />
-
-<p class="pmb3" />
-
-<div class="transnote">
-
-<p><b>Notizen des Bearbeiters:</b><br /></p>
-
-<p>&mdash; Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.</p>
-
-<p>&mdash; Altert&uuml;mliche Schreibweisen wurden beibehalten.</p>
-
-<p>&mdash; Im Original ist gedruckt: 'Siebenter Brief' (S. 190) an Stelle von: 'Elfter Brief'. Dies wurde
-korrigiert.</p>
-<p>&mdash; Im Original ist gedruckt: 'Zw&ouml;lfter Brief' (S. 262) an Stelle von: 'Vierzehnter Brief'. Dies wurde
-korrigiert.</p>
-
-</div>
-
-
-
-
-<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK ANSIEDLUNGEN IN DEN URWÄLDERN VON CANADA. ***</div>
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-Defect you cause.
-</div>
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-<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg&#8482;
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Project Gutenberg&#8482; is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of
-computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
-exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
-from people in all walks of life.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg&#8482;&#8217;s
-goals and ensuring that the Project Gutenberg&#8482; collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg&#8482; and future
-generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
-Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org.
-</div>
-
-<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation&#8217;s EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
-U.S. federal laws and your state&#8217;s laws.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-The Foundation&#8217;s business office is located at 809 North 1500 West,
-Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up
-to date contact information can be found at the Foundation&#8217;s website
-and official page at www.gutenberg.org/contact
-</div>
-
-<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Project Gutenberg&#8482; depends upon and cannot survive without widespread
-public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine-readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To SEND
-DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state
-visit <a href="https://www.gutenberg.org/donate/">www.gutenberg.org/donate</a>.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Please check the Project Gutenberg web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations. To
-donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-</div>
-
-<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'>
-Section 5. General Information About Project Gutenberg&#8482; electronic works
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
-Gutenberg&#8482; concept of a library of electronic works that could be
-freely shared with anyone. For forty years, he produced and
-distributed Project Gutenberg&#8482; eBooks with only a loose network of
-volunteer support.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Project Gutenberg&#8482; eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in
-the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not
-necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper
-edition.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-Most people start at our website which has the main PG search
-facility: <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>.
-</div>
-
-<div style='display:block; margin:1em 0'>
-This website includes information about Project Gutenberg&#8482;,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
-</div>
-
-</body>
-</html>
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--- a/old/64383-h/images/p123i.jpg
+++ /dev/null
Binary files differ
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deleted file mode 100644
index 846fb6a..0000000
--- a/old/64383-h/images/p143i.jpg
+++ /dev/null
Binary files differ
diff --git a/old/64383-h/images/p179i.jpg b/old/64383-h/images/p179i.jpg
deleted file mode 100644
index aa39e2d..0000000
--- a/old/64383-h/images/p179i.jpg
+++ /dev/null
Binary files differ
diff --git a/old/64383-h/images/p185i.jpg b/old/64383-h/images/p185i.jpg
deleted file mode 100644
index 330ced8..0000000
--- a/old/64383-h/images/p185i.jpg
+++ /dev/null
Binary files differ
diff --git a/old/64383-h/images/p187i.jpg b/old/64383-h/images/p187i.jpg
deleted file mode 100644
index b2ae9ac..0000000
--- a/old/64383-h/images/p187i.jpg
+++ /dev/null
Binary files differ
diff --git a/old/64383-h/images/p225i.jpg b/old/64383-h/images/p225i.jpg
deleted file mode 100644
index e48f334..0000000
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+++ /dev/null
Binary files differ
diff --git a/old/64383-h/images/p229i.jpg b/old/64383-h/images/p229i.jpg
deleted file mode 100644
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Binary files differ
diff --git a/old/64383-h/images/p241i.jpg b/old/64383-h/images/p241i.jpg
deleted file mode 100644
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Binary files differ
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Binary files differ
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Binary files differ
diff --git a/old/64383-h/images/p257i.jpg b/old/64383-h/images/p257i.jpg
deleted file mode 100644
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Binary files differ
diff --git a/old/64383-h/images/p295i.jpg b/old/64383-h/images/p295i.jpg
deleted file mode 100644
index 73a22cb..0000000
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Binary files differ
diff --git a/old/64383-h/images/p299i.jpg b/old/64383-h/images/p299i.jpg
deleted file mode 100644
index 1975b0e..0000000
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Binary files differ
diff --git a/old/64383-h/images/p399i.jpg b/old/64383-h/images/p399i.jpg
deleted file mode 100644
index b2ef3d3..0000000
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Binary files differ