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| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-15 05:26:52 -0700 |
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Included is +important information about your specific rights and restrictions in +how the file may be used. You can also find out about how to make a +donation to Project Gutenberg, and how to get involved. + + +**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts** + +**eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971** + +*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!***** + + +Title: Deutschland. Ein Wintermaerchen + +Author: Heinrich Heine + +Release Date: July, 2004 [EBook #6079] +[Yes, we are more than one year ahead of schedule] +[This file was first posted on November 3, 2002] + +Edition: 10 + +Language: German + +Character set encoding: Latin1 + +*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, DEUTSCHLAND. EIN WINTERMAERCHEN *** + + + + +This eBook was from Project Gutenberg of Germany. Reformatting by Gunther +Olesch and Andrew Sly. + + + + +"Deutschland. Ein Wintermärchen" (Germany. A winter tale) by Heinrich +Heine [in German] + + + +Heinrich Heine + +Deutschland. Ein Wintermärchen + + + + +VORWORT + +Das nachstehende Gedicht schrieb ich im diesjährigen Monat Januar zu +Paris, und die freie Luft des Ortes wehete in manche Strophe weit +schärfer hinein, als mir eigentlich lieb war. Ich unterließ nicht, +schon gleich zu mildern und auszuscheiden, was mit dem deutschen Klima +unverträglich schien. Nichtsdestoweniger, als ich das Manuskript im +Monat März an meinen Verleger nach Hamburg schickte, wurden mir noch +mannigfache Bedenklichkeiten in Erwägung gestellt. Ich mußte mich dem +fatalen Geschäfte des Umarbeitens nochmals unterziehen, und da mag es +wohl geschehen sein, daß die ernsten Töne mehr als nötig abgedämpft +oder von den Schellen des Humors gar zu heiter überklingelt wurden. +Einigen nackten Gedanken habe ich im hastigen Unmut ihre Feigenblätter +wieder abgerissen, und zimperlich spröde Ohren habe ich vielleicht +verletzt. Es ist mir leid, aber ich tröste mich mit dem Bewußtsein, +daß größere Autoren sich ähnliche Vergehen zuschulden kommen ließen. +Des Aristophanes will ich zu solcher Beschönigung gar nicht erwähnen, +denn der war ein blinder Heide, und sein Publikum zu Athen hatte zwar +eine klassische Erziehung genossen, wußte aber wenig von Sittlichkeit. +Auf Cervantes und Molière könnte ich mich schon viel besser berufen; +und ersterer schrieb für den hohen Adel beider Kastilien, letzterer +für den großen König und den großen Hof von Versailles! Ach, ich +vergesse, daß wir in einer sehr bürgerlichen Zeit leben, und ich sehe +leider voraus, daß viele Töchter gebildeter Stände an der Spree, wo +nicht gar an der Alster, über mein armes Gedicht die mehr oder minder +gebogenen Näschen rümpfen werden! Was ich aber mit noch größerem +Leidwesen voraussehe, das ist das Zetern jener Pharisäer der +Nationalität, die jetzt mit den Antipathien der Regierungen Hand in +Hand gehen, auch die volle Liebe und Hochachtung der Zensur genießen +und in der Tagespresse den Ton angeben können, wo es gilt, jene +Gegner zu befehden, die auch zugleich die Gegner ihrer allerhöchsten +Herrschaften sind. Wir sind im Herzen gewappnet gegen das Mißfallen +dieser heldenmütigen Lakaien in schwarzrotgoldner Livree. Ich höre +schon ihre Bierstimmen: »Du lästerst sogar unsere Farben, Verächter +des Vaterlands, Freund der Franzosen, denen du den freien Rhein +abtreten willst!« Beruhigt euch. Ich werde eure Farben achten und +ehren, wenn sie es verdienen, wenn sie nicht mehr eine müßige oder +knechtische Spielerei sind. Pflanzt die schwarzrotgoldne Fahne auf +die Höhe des deutschen Gedankens, macht sie zur Standarte des freien +Menschtums, und ich will mein bestes Herzblut für sie hingeben. +Beruhigt euch, ich liebe das Vaterland ebensosehr wie ihr. Wegen +dieser Liebe habe ich dreizehn Lebensjahre im Exile verlebt, und +wegen ebendieser Liebe kehre ich wieder zurück ins Exil, vielleicht +für immer, jedenfalls ohne zu flennen oder eine schiefmäulige +Duldergrimasse zu schneiden. Ich bin der Freund der Franzosen, wie +ich der Freund aller Menschen bin, wenn sie vernünftig und gut sind, +und weil ich selber nicht so dumm oder so schlecht bin, als daß ich +wünschen sollte, daß meine Deutschen und die Franzosen, die beiden +auserwählten Völker der Humanität, sich die Hälse brächen zum Besten +von England und Rußland und zur Schadenfreude aller Junker und Pfaffen +dieses Erdballs. Seid ruhig, ich werde den Rhein nimmermehr den +Franzosen abtreten, schon aus dem ganz einfachen Grunde: weil mir der +Rhein gehört. Ja, mir gehört er, durch unveräußerliches Geburtsrecht, +ich bin des freien Rheins noch weit freierer Sohn, an seinem Ufer +stand meine Wiege, und ich sehe gar nicht ein, warum der Rhein +irgendeinem andern gehören soll als den Landeskindern. Elsaß und +Lothringen kann ich freilich dem deutschen Reiche nicht so leicht +einverleiben, wie ihr es tut, denn die Leute in jenen Landen hängen +fest an Frankreich wegen der Rechte, die sie durch die französische +Staatsumwälzung gewonnen, wegen jener Gleichheitsgesetze und freien +Institutionen, die dem bürgerlichen Gemüte sehr angenehm sind, aber +dem Magen der großen Menge dennoch vieles zu wünschen übriglassen. +Indessen, die Elsasser und Lothringer werden sich wieder an +Deutschland anschließen, wenn wir das vollenden, was die Franzosen +begonnen haben, wenn wir diese überflügeln in der Tat, wie wir es +schon getan im Gedanken, wenn wir uns bis zu den letzten Folgerungen +desselben emporschwingen, wenn wir die Dienstbarkeit bis in ihrem +letzten Schlupfwinkel, dem Himmel, zerstören, wenn wir den Gott, der +auf Erden im Menschen wohnt, aus seiner Erniedrigung retten, wenn wir +die Erlöser Gottes werden, wenn wir das arme, glückenterbte Volk und +den verhöhnten Genius und die geschändete Schönheit wieder in ihre +Würde einsetzen, wie unsere großen Meister gesagt und gesungen und wie +wir es wollen, wir, die Jünger - ja, nicht bloß Elsaß und Lothringen, +sondern ganz Frankreich wird uns alsdann zufallen, ganz Europa, die +ganze Welt - die ganze Welt wird deutsch werden! Von dieser Sendung +und Universalherrschaft Deutschlands träume ich oft, wenn ich unter +Eichen wandle. Das ist _mein_ Patriotismus. + +Ich werde in einem nächsten Buche auf dieses Thema zurückkommen, mit +letzter Entschlossenheit, mit strenger Rücksichtslosigkeit, jedenfalls +mit Loyalität. Den entschiedensten Widerspruch werde ich zu achten +wissen, wenn er aus einer Überzeugung hervorgeht. Selbst der rohesten +Feindseligkeit will ich alsdann geduldig verzeihen; ich will sogar der +Dummheit Rede stehen, wenn sie nur ehrlich gemeint ist. Meine ganze +schweigende Verachtung widme ich hingegen dem gesinnungslosen Wichte, +der aus leidiger Scheelsucht oder unsauberer Privatgiftigkeit meinen +guten Leumund in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen sucht und +dabei die Maske des Patriotismus, wo nicht gar die der Religion und +der Moral, benutzt. Der anarchische Zustand der deutschen politischen +und literarischen Zeitungsblätterwelt ward in solcher Beziehung +zuweilen mit einem Talente ausgebeutet, das ich schier bewundern +mußte. Wahrhaftig, Schufterle ist nicht tot, er lebt noch immer und +steht seit Jahren an der Spitze einer wohlorganisierten Bande von +literarischen Strauchdieben, die in den böhmischen Wäldern unserer +Tagespresse ihr Wesen treiben, hinter jedem Busch, hinter jedem Blatt, +versteckt liegen und dem leisesten Pfiff ihres würdigen Hauptmanns +gehorchen. + +Noch ein Wort. Das »Wintermärchen« bildet den Schluß der »Neuen +Gedichte«, die in diesem Augenblick bei Hoffmann und Campe erscheinen. +Um den Einzeldruck veranstalten zu können, mußte mein Verleger das +Gedicht den überwachenden Behörden zu besonderer Sorgfalt überliefern, +und neue Varianten und Ausmerzungen sind das Ergebnis dieser höheren +Kritik. + +Hamburg, den 17. September 1844 Heinrich Heine + + + + +CAPUT I + +Im traurigen Monat November war's, +Die Tage wurden trüber, +Der Wind riß von den Bäumen das Laub, +Da reist ich nach Deutschland hinüber. + +Und als ich an die Grenze kam, +Da fühlt ich ein stärkeres Klopfen +In meiner Brust, ich glaube sogar +Die Augen begunnen zu tropfen. + +Und als ich die deutsche Sprache vernahm, +Da ward mir seltsam zumute; +Ich meinte nicht anders, als ob das Herz +Recht angenehm verblute. + +Ein kleines Harfenmädchen sang. +Sie sang mit wahrem Gefühle +Und falscher Stimme, doch ward ich sehr +Gerühret von ihrem Spiele. + +Sie sang von Liebe und Liebesgram, +Aufopfrung und Wiederfinden +Dort oben, in jener besseren Welt, +Wo alle Leiden schwinden. + +Sie sang vom irdischen Jammertal, +Von Freuden, die bald zerronnen, +Vom Jenseits, wo die Seele schwelgt +Verklärt in ew'gen Wonnen. + +Sie sang das alte Entsagungslied, +Das Eiapopeia vom Himmel, +Womit man einlullt, wenn es greint, +Das Volk, den großen Lümmel. + +Ich kenne die Weise, ich kenne den Text, +Ich kenn auch die Herren Verfasser; +Ich weiß, sie tranken heimlich Wein +Und predigten öffentlich Wasser. + +Ein neues Lied, ein besseres Lied, +O Freunde, will ich euch dichten! +Wir wollen hier auf Erden schon +Das Himmelreich errichten. + +Wir wollen auf Erden glücklich sein, +Und wollen nicht mehr darben; +Verschlemmen soll nicht der faule Bauch, +Was fleißige Hände erwarben. + +Es wächst hienieden Brot genug +Für alle Menschenkinder, +Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust, +Und Zuckererbsen nicht minder. + +Ja, Zuckererbsen für jedermann, +Sobald die Schoten platzen! +Den Himmel überlassen wir +Den Engeln und den Spatzen. + +Und wachsen uns Flügel nach dem Tod, +So wollen wir euch besuchen +Dort oben, und wir, wir essen mit euch +Die seligsten Torten und Kuchen. + +Ein neues Lied, ein besseres Lied! +Es klingt wie Flöten und Geigen! +Das Miserere ist vorbei, +Die Sterbeglocken schweigen. + +Die Jungfer Europa ist verlobt +Mit dem schönen Geniusse +Der Freiheit, sie liegen einander im Arm, +Sie schwelgen im ersten Kusse. + +Und fehlt der Pfaffensegen dabei, +Die Ehe wird gültig nicht minder - +Es lebe Bräutigam und Braut, +Und ihre zukünftigen Kinder! + +Ein Hochzeitkarmen ist mein Lied, +Das bessere, das neue! +In meiner Seele gehen auf +Die Sterne der höchsten Weihe - + +Begeisterte Sterne, sie lodern wild, +Zerfließen in Flammenbächen - +Ich fühle mich wunderbar erstarkt, +Ich könnte Eichen zerbrechen! + +Seit ich auf deutsche Erde trat, +Durchströmen mich Zaubersäfte - +Der Riese hat wieder die Mutter berührt, +Und es wuchsen ihm neu die Kräfte. + + + +CAPUT II + +Während die Kleine von Himmelslust +Getrillert und musizieret, +Ward von den preußischen Douaniers +Mein Koffer visitieret. + +Beschnüffelten alles, kramten herum +In Hemden, Hosen, Schnupftüchern; +Sie suchten nach Spitzen, nach Bijouterien, +Auch nach verbotenen Büchern. + +Ihr Toren, die ihr im Koffer sucht! +Hier werdet ihr nichts entdecken! +Die Konterbande, die mit mir reist, +Die hab ich im Kopfe stecken. + +Hier hab ich Spitzen, die feiner sind +Als die von Brüssel und Mecheln, +Und pack ich einst meine Spitzen aus, +Sie werden euch sticheln und hecheln. + +Im Kopfe trage ich Bijouterien, +Der Zukunft Krondiamanten, +Die Tempelkleinodien des neuen Gotts, +Des großen Unbekannten. + +Und viele Bücher trag ich im Kopf! +Ich darf es euch versichern, +Mein Kopf ist ein zwitscherndes Vogelnest +Von konfiszierlichen Büchern. + +Glaubt mir, in Satans Bibliothek +Kann es nicht schlimmere geben; +Sie sind gefährlicher noch als die +Von Hoffmann von Fallersleben! - + +Ein Passagier, der neben mir stand, +Bemerkte mir, ich hätte +Jetzt vor mir den preußischen Zollverein, +Die große Douanenkette. + +»Der Zollverein« - bemerkte er - +»Wird unser Volkstum begründen, +Er wird das zersplitterte Vaterland +Zu einem Ganzen verbinden. + +Er gibt die äußere Einheit uns, +Die sogenannt materielle; +Die geistige Einheit gibt uns die Zensur, +Die wahrhaft ideelle - + +Sie gibt die innere Einheit uns, +Die Einheit im Denken und Sinnen; +Ein einiges Deutschland tut uns not, +Einig nach außen und innen.« + + + +CAPUT III + +Zu Aachen, im alten Dome, liegt +Carolus Magnus begraben. +(Man muß ihn nicht verwechseln mit Karl +Mayer, der lebt in Schwaben.) + +Ich möchte nicht tot und begraben sein +Als Kaiser zu Aachen im Dome; +Weit lieber lebt' ich als kleinster Poet +Zu Stukkert am Neckarstrome. + +Zu Aachen langweilen sich auf der Straß' +Die Hunde, sie flehn untertänig: +»Gib uns einen Fußtritt, o Fremdling, das wird +Vielleicht uns zerstreuen ein wenig.« + +Ich bin in diesem langweil'gen Nest +Ein Stündchen herumgeschlendert. +Sah wieder preußisches Militär, +Hat sich nicht sehr verändert. + +Es sind die grauen Mäntel noch +Mit dem hohen, roten Kragen - +(Das Rot bedeutet Franzosenblut, +Sang Körner in früheren Tagen.) + +Noch immer das hölzern pedantische Volk, +Noch immer ein rechter Winkel +In jeder Bewegung, und im Gesicht +Der eingefrorene Dünkel. + +Sie stelzen noch immer so steif herum, +So kerzengerade geschniegelt, +Als hätten sie verschluckt den Stock, +Womit man sie einst geprügelt. + +Ja, ganz verschwand die Fuchtel nie, +Sie tragen sie jetzt im Innern; +Das trauliche Du wird immer noch +An das alte Er erinnern. + +Der lange Schnurrbart ist eigentlich nur +Des Zopftums neuere Phase: +Der Zopf, der ehmals hinten hing, +Der hängt jetzt unter der Nase. + +Nicht übel gefiel mir das neue Kostüm +Der Reuter, das muß ich loben, +Besonders die Pickelhaube, den Helm +Mit der stählernen Spitze nach oben. + +Das ist so rittertümlich und mahnt +An der Vorzeit holde Romantik, +An die Burgfrau Johanna von Montfaucon, +An den Freiherrn Fouqué, Uhland, Tieck. + +Das mahnt an das Mittelalter so schön, +An Edelknechte und Knappen, +Die in dem Herzen getragen die Treu +Und auf dem Hintern ein Wappen. + +Das mahnt an Kreuzzug und Turnei, +An Minne und frommes Dienen, +An die ungedruckte Glaubenszeit, +Wo noch keine Zeitung erschienen. + +Ja, ja, der Helm gefällt mir, er zeugt +Vom allerhöchsten Witze! +Ein königlicher Einfall war's! +Es fehlt nicht die Pointe, die Spitze! + +Nur fürcht ich, wenn ein Gewitter entsteht, +Zieht leicht so eine Spitze +Herab auf euer romantisches Haupt +Des Himmels modernste Blitze! - - + +Zu Aachen, auf dem Posthausschild, +Sah ich den Vogel wieder, +Der mir so tief verhaßt! Voll Gift +Schaute er auf mich nieder. + +Du häßlicher Vogel, wirst du einst +Mir in die Hände fallen, +So rupfe ich dir die Federn aus +Und hacke dir ab die Krallen. + +Du sollst mir dann, in luft'ger Höh', +Auf einer Stange sitzen, +Und ich rufe zum lustigen Schießen herbei +Die rheinischen Vogelschützen. + +Wer mir den Vogel herunterschießt, +Mit Zepter und Krone belehn ich +Den wackern Mann! Wir blasen Tusch +Und rufen: »Es lebe der König!« + + + +CAPUT IV + +Zu Köllen kam ich spätabends an, +Da hörte ich rauschen den Rheinfluß, +Da fächelte mich schon deutsche Luft, +Da fühlt ich ihren Einfluß - + +Auf meinen Appetit. Ich aß +Dort Eierkuchen mit Schinken, +Und da er sehr gesalzen war, +Mußt ich auch Rheinwein trinken. + +Der Rheinwein glänzt noch immer wie Gold +Im grünen Römerglase, +Und trinkst du etwelche Schoppen zuviel, +So steigt er dir in die Nase. + +In die Nase steigt ein Prickeln so süß, +Man kann sich vor Wonne nicht lassen! +Es trieb mich hinaus in die dämmernde Nacht, +In die widerhallenden Gassen. + +Die steinernen Häuser schauten mich an, +Als wollten sie mir berichten +Legenden aus altverschollener Zeit, +Der heil'gen Stadt Köllen Geschichten. + +Ja, hier hat einst die Klerisei +Ihr frommes Wesen getrieben, +Hier haben die Dunkelmänner geherrscht, +Die Ulrich von Hutten beschrieben. + +Der Cancan des Mittelalters ward hier +Getanzt von Nonnen und Mönchen; +Hier schrieb Hochstraaten, der Menzel von Köln, +Die gift'gen Denunziatiönchen. + +Die Flamme des Scheiterhaufens hat hier +Bücher und Menschen verschlungen; +Die Glocken wurden geläutet dabei +Und Kyrie eleison gesungen. + +Dummheit und Bosheit buhlten hier +Gleich Hunden auf freier Gasse; +Die Enkelbrut erkennt man noch heut +An ihrem Glaubenshasse. - + +Doch siehe! dort im Mondenschein +Den kolossalen Gesellen! +Er ragt verteufelt schwarz empor, +Das ist der Dom von Köllen. + +Er sollte des Geistes Bastille sein, +Und die listigen Römlinge dachten: +In diesem Riesenkerker wird +Die deutsche Vernunft verschmachten! + +Da kam der Luther, und er hat +Sein großes »Halt!« gesprochen - +Seit jenem Tage blieb der Bau +Des Domes unterbrochen. + +Er ward nicht vollendet - und das ist gut. +Denn eben die Nichtvollendung +Macht ihn zum Denkmal von Deutschlands Kraft +Und protestantischer Sendung. + +Ihr armen Schelme vom Domverein, +Ihr wollt mit schwachen Händen +Fortsetzen das unterbrochene Werk, +Und die alte Zwingburg vollenden! + +O törichter Wahn! Vergebens wird +Geschüttelt der Klingelbeutel, +Gebettelt bei Ketzern und Juden sogar; +Ist alles fruchtlos und eitel. + +Vergebens wird der große Franz Liszt +Zum Besten des Doms musizieren, +Und ein talentvoller König wird +Vergebens deklamieren! + +Er wird nicht vollendet, der Kölner Dom, +Obgleich die Narren in Schwaben +Zu seinem Fortbau ein ganzes Schiff +Voll Steine gesendet haben. + +Er wird nicht vollendet, trotz allem Geschrei +Der Raben und der Eulen, +Die, altertümlich gesinnt, so gern +In hohen Kirchtürmen weilen. + +Ja, kommen wird die Zeit sogar, +Wo man, statt ihn zu vollenden, +Die inneren Räume zu einem Stall +Für Pferde wird verwenden. + +»Und wird der Dom ein Pferdestall, +Was sollen wir dann beginnen +Mit den Heil'gen Drei Kön'gen, die da ruhn +Im Tabernakel da drinnen?« + +So höre ich fragen. Doch brauchen wir uns +In unserer Zeit zu genieren? +Die Heil'gen Drei Kön'ge aus Morgenland, +Sie können woanders logieren. + +Folgt meinem Rat und steckt sie hinein +In jene drei Körbe von Eisen, +Die hoch zu Münster hängen am Turm, +Der Sankt Lamberti geheißen. + +Der Schneiderkönig saß darin +Mit seinen beiden Räten, +Wir aber benutzen die Körbe jetzt +Für andre Majestäten. + +Zur Rechten soll Herr Balthasar, +Zur Linken Herr Melchior schweben, +In der Mitte Herr Gaspar - Gott weiß, wie einst +Die drei gehaust im Leben! + +Die Heil'ge Allianz des Morgenlands, +Die jetzt kanonisieret, +Sie hat vielleicht nicht immer schön +Und fromm sich aufgeführet. + +Der Balthasar und der Melchior, +Das waren vielleicht zwei Gäuche, +Die in der Not eine Konstitution +Versprochen ihrem Reiche, + +Und später nicht Wort gehalten - Es hat +Herr Gaspar, der König der Mohren, +Vielleicht mit schwarzem Undank sogar +Belohnt sein Volk, die Toren! + + + +CAPUT V + +Und als ich an die Rheinbrück' kam, +Wohl an die Hafenschanze, +Da sah ich fließen den Vater Rhein +Im stillen Mondenglanze. + +»Sei mir gegrüßt, mein Vater Rhein, +Wie ist es dir ergangen? +Ich habe oft an dich gedacht +Mit Sehnsucht und Verlangen.« + +So sprach ich, da hört ich im Wasser tief +Gar seltsam grämliche Töne, +Wie Hüsteln eines alten Manns, +Ein Brümmeln und weiches Gestöhne: + +»Willkommen, mein Junge, das ist mir lieb, +Daß du mich nicht vergessen; +Seit dreizehn Jahren sah ich dich nicht, +Mir ging es schlecht unterdessen. + +Zu Biberich hab ich Steine verschluckt, +Wahrhaftig, sie schmeckten nicht lecker! +Doch schwerer liegen im Magen mir +Die Verse von Niklas Becker. + +Er hat mich besungen, als ob ich noch +Die reinste Jungfer wäre, +Die sich von niemand rauben läßt +Das Kränzlein ihrer Ehre. + +Wenn ich es höre, das dumme Lied, +Dann möcht ich mir zerraufen +Den weißen Bart, ich möchte fürwahr +Mich in mir selbst ersaufen! + +Daß ich keine reine Jungfer bin, +Die Franzosen wissen es besser, +Sie haben mit meinem Wasser so oft +Vermischt ihr Siegergewässer. + +Das dumme Lied und der dumme Kerl! +Er hat mich schmählich blamieret, +Gewissermaßen hat er mich auch +Politisch kompromittieret. + +Denn kehren jetzt die Franzosen zurück, +So muß ich vor ihnen erröten, +Ich, der um ihre Rückkehr so oft +Mit Tränen zum Himmel gebeten. + +Ich habe sie immer so liebgehabt, +Die lieben kleinen Französchen - +Singen und springen sie noch wie sonst? +Tragen noch weiße Höschen? + +Ich möchte sie gerne wiedersehn, +Doch fürcht ich die Persiflage, +Von wegen des verwünschten Lieds, +Von wegen der Blamage. + +Der Alfred de Musset, der Gassenbub', +Der kommt an ihrer Spitze +Vielleicht als Tambour, und trommelt mir vor +All seine schlechten Witze.« + +So klagte der arme Vater Rhein, +Konnt sich nicht zufriedengeben. +Ich sprach zu ihm manch tröstendes Wort, +Um ihm das Herz zu heben: + +»O fürchte nicht, mein Vater Rhein, +Den spöttelnden Scherz der Franzosen; +Sie sind die alten Franzosen nicht mehr, +Auch tragen sie andere Hosen. + +Die Hosen sind rot und nicht mehr weiß, +Sie haben auch andere Knöpfe, +Sie singen nicht mehr, sie springen nicht mehr, +Sie senken nachdenklich die Köpfe. + +Sie philosophieren und sprechen jetzt +Von Kant, von Fichte und Hegel, +Sie rauchen Tabak, sie trinken Bier, +Und manche schieben auch Kegel. + +Sie werden Philister ganz wie wir, +Und treiben es endlich noch ärger; +Sie sind keine Voltairianer mehr, +Sie werden Hengstenberger. + +Der Alfred de Musset, das ist wahr, +Ist noch ein Gassenjunge; +Doch fürchte nichts, wir fesseln ihm +Die schändliche Spötterzunge. + +Und trommelt er dir einen schlechten Witz, +So pfeifen wir ihm einen schlimmern, +Wir pfeifen ihm vor, was ihm passiert +Bei schönen Frauenzimmern. + +Gib dich zufrieden, Vater Rhein, +Denk nicht an schlechte Lieder, +Ein besseres Lied vernimmst du bald - +Leb wohl, wir sehen uns wieder.« + + + +CAPUT VI + +Den Paganini begleitete stets +Ein Spiritus familiaris, +Manchmal als Hund, manchmal in Gestalt +Des seligen Georg Harrys. + +Napoleon sah einen roten Mann +Vor jedem wicht'gen Ereignis. +Sokrates hatte seinen Dämon, +Das war kein Hirnerzeugnis. + +Ich selbst, wenn ich am Schreibtisch saß +Des Nachts, hab ich gesehen +Zuweilen einen vermummten Gast +Unheimlich hinter mir stehen. + +Unter dem Mantel hielt er etwas +Verborgen, das seltsam blinkte, +Wenn es zum Vorschein kam, und ein Beil, +Ein Richtbeil, zu sein mir dünkte. + +Er schien von untersetzter Statur, +Die Augen wie zwei Sterne; +Er störte mich im Schreiben nie, +Blieb ruhig stehn in der Ferne. + +Seit Jahren hatte ich nicht gesehn +Den sonderbaren Gesellen, +Da fand ich ihn plötzlich wieder hier +In der stillen Mondnacht zu Köllen. + +Ich schlenderte sinnend die Straßen entlang, +Da sah ich ihn hinter mir gehen, +Als ob er mein Schatten wäre, und stand +Ich still, so blieb er stehen. + +Blieb stehen, als wartete er auf was, +Und förderte ich die Schritte, +Dann folgte er wieder. So kamen wir +Bis auf des Domplatz' Mitte. + +Es ward mir unleidlich, ich drehte mich um +Und sprach: »Jetzt steh mir Rede, +Was folgst du mir auf Weg und Steg +Hier in der nächtlichen Öde? + +Ich treffe dich immer in der Stund', +Wo Weltgefühle sprießen +In meiner Brust und durch das Hirn +Die Geistesblitze schießen. + +Du siehst mich an so stier und fest - +Steh Rede: Was verhüllst du +Hier unter dem Mantel, das heimlich blinkt? +Wer bist du und was willst du?« + +Doch jener erwiderte trockenen Tons, +Sogar ein bißchen phlegmatisch: +»Ich bitte dich, exorziere mich nicht, +Und werde nur nicht emphatisch! + +Ich bin kein Gespenst der Vergangenheit, +Kein grabentstiegener Strohwisch, +Und von Rhetorik bin ich kein Freund, +Bin auch nicht sehr philosophisch. + +Ich bin von praktischer Natur, +Und immer schweigsam und ruhig. +Doch wisse: was du ersonnen im Geist, +Das führ ich aus, das tu ich. + +Und gehn auch Jahre drüber hin, +Ich raste nicht, bis ich verwandle +In Wirklichkeit, was du gedacht; +Du denkst, und ich, ich handle. + +Du bist der Richter, der Büttel bin ich, +Und mit dem Gehorsam des Knechtes +Vollstreck' ich das Urteil, das du gefällt, +Und sei es ein ungerechtes. + +Dem Konsul trug man ein Beil voran +Zu Rom, in alten Tagen. +Auch du hast deinen Liktor, doch wird +Das Beil dir nachgetragen. + +Ich bin dein Liktor, und ich geh +Beständig mit dem blanken +Richtbeile hinter dir - ich bin +Die Tat von deinem Gedanken.« + + + +CAPUT VII + +Ich ging nach Haus und schlief, als ob +Die Engel gewiegt mich hätten. +Man ruht in deutschen Betten so weich, +Denn das sind Federbetten. + +Wie sehnt ich mich oft nach der Süßigkeit +Des vaterländischen Pfühles, +Wenn ich auf harten Matratzen lag, +In der schlaflosen Nacht des Exiles! + +Man schläft sehr gut und träumt auch gut +In unseren Federbetten. +Hier fühlt die deutsche Seele sich frei +Von allen Erdenketten. + +Sie fühlt sich frei und schwingt sich empor +Zu den höchsten Himmelsräumen. +O deutsche Seele, wie stolz ist dein Flug +In deinen nächtlichen Träumen! + +Die Götter erbleichen, wenn du nahst! +Du hast auf deinen Wegen +Gar manches Sternlein ausgeputzt +Mit deinen Flügelschlägen! + +Franzosen und Russen gehört das Land, +Das Meer gehört den Briten, +Wir aber besitzen im Luftreich des Traums +Die Herrschaft unbestritten. + +Hier üben wir die Hegemonie, +Hier sind wir unzerstückelt; +Die andern Völker haben sich +Auf platter Erde entwickelt. - - + +Und als ich einschlief, da träumte mir, +Ich schlenderte wieder im hellen +Mondschein die hallenden Straßen entlang, +In dem altertümlichen Köllen. + +Und hinter mir ging wieder einher +Mein schwarzer, vermummter Begleiter. +Ich war so müde, mir brachen die Knie, +Doch immer gingen wir weiter. + +Wir gingen weiter. Mein Herz in der Brust +War klaffend aufgeschnitten, +Und aus der Herzenswunde hervor +Die roten Tropfen glitten. + +Ich tauchte manchmal die Finger hinein, +Und manchmal ist es geschehen, +Daß ich die Haustürpfosten bestrich +Mit dem Blut im Vorübergehen. + +Und jedesmal, wenn ich ein Haus +Bezeichnet in solcher Weise, +Ein Sterbeglöckchen erscholl fernher, +Wehmütig wimmernd und leise. + +Am Himmel aber erblich der Mond, +Er wurde immer trüber; +Gleich schwarzen Rossen jagten an ihm +Die wilden Wolken vorüber. + +Und immer ging hinter mir einher +Mit seinem verborgenen Beile +Die dunkle Gestalt - so wanderten wir +Wohl eine gute Weile. + +Wir gehen und gehen, bis wir zuletzt +Wieder zum Domplatz gelangen; +Weit offen standen die Pforten dort, +Wir sind hineingegangen. + +Es herrschte im ungeheuren Raum +Nur Tod und Nacht und Schweigen; +Es brannten Ampeln hie und da, +Um die Dunkelheit recht zu zeigen. + +Ich wandelte lange den Pfeilern entlang +Und hörte nur die Tritte +Von meinem Begleiter, er folgte mir +Auch hier bei jedem Schritte. + +Wir kamen endlich zu einem Ort, +Wo funkelnde Kerzenhelle +Und blitzendes Gold und Edelstein; +Das war die Drei-Königs-Kapelle. + +Die Heil'gen Drei Könige jedoch, +Die sonst so still dort lagen, +O Wunder! sie saßen aufrecht jetzt +Auf ihren Sarkophagen. + +Drei Totengerippe, phantastisch geputzt, +Mit Kronen auf den elenden +Vergilbten Schädeln, sie trugen auch +Das Zepter in knöchernen Händen. + +Wie Hampelmänner bewegten sie +Die längstverstorbenen Knochen; +Die haben nach Moder und zugleich +Nach Weihrauchduft gerochen. + +Der eine bewegte sogar den Mund +Und hielt eine Rede, sehr lange; +Er setzte mir auseinander, warum +Er meinen Respekt verlange. + +Zuerst weil er ein Toter sei, +Und zweitens weil er ein König, +Und drittens weil er ein Heil'ger sei - +Das alles rührte mich wenig. + +Ich gab ihm zur Antwort lachenden Muts: +»Vergebens ist deine Bemühung! +Ich sehe, daß du der Vergangenheit +Gehörst in jeder Beziehung. + +Fort! fort von hier! im tiefen Grab +Ist eure natürliche Stelle. +Das Leben nimmt jetzt in Beschlag +Die Schätze dieser Kapelle. + +Der Zukunft fröhliche Kavallerie +Soll hier im Dome hausen, +Und weicht ihr nicht willig, so brauch ich Gewalt +Und laß euch mit Kolben lausen!« + +So sprach ich, und ich drehte mich um, +Da sah ich furchtbar blinken +Des stummen Begleiters furchtbares Beil - +Und er verstand mein Winken. + +Er nahte sich, und mit dem Beil +Zerschmetterte er die armen +Skelette des Aberglaubens, er schlug +Sie nieder ohn' Erbarmen. + +Es dröhnte der Hiebe Widerhall +Aus allen Gewölben, entsetzlich! - +Blutströme schossen aus meiner Brust, +Und ich erwachte plötzlich. + + + +CAPUT VIII + +Von Köllen bis Hagen kostet die Post +Fünf Taler sechs Groschen preußisch. +Die Diligence war leider besetzt, +Und ich kam in die offene Beichais'. + +Ein Spätherbstmorgen, feucht und grau, +Im Schlamme keuchte der Wagen; +Doch trotz des schlechten Wetters und Wegs +Durchströmte mich süßes Behagen. + +Das ist ja meine Heimatluft! +Die glühende Wange empfand es! +Und dieser Landstraßenkot, er ist +Der Dreck meines Vaterlandes! + +Die Pferde wedelten mit dem Schwanz +So traulich wie alte Bekannte, +Und ihre Mistküchlein dünkten mir schön +Wie die Äpfel der Atalante! + +Wir fuhren durch Mühlheim. Die Stadt ist nett, +Die Menschen still und fleißig. +War dort zuletzt im Monat Mai +Des Jahres einunddreißig. + +Damals stand alles im Blütenschmuck, +Und die Sonnenlichter lachten, +Die Vögel sangen sehnsuchtvoll, +Und die Menschen hofften und dachten - + +Sie dachten: 'Die magere Ritterschaft +Wird bald von hinnen reisen, +Und der Abschiedstrunk wird ihnen kredenzt +Aus langen Flaschen von Eisen! + +Und die Freiheit kommt mit Spiel und Tanz, +Mit der Fahne, der weißblauroten; +Vielleicht holt sie sogar aus dem Grab +Den Bonaparte, den Toten!' + +Ach Gott! die Ritter sind immer noch hier, +Und manche dieser Gäuche, +Die spindeldürre gekommen ins Land, +Die haben jetzt dicke Bäuche. + +Die blassen Kanaillen, die ausgesehn +Wie Liebe, Glauben und Hoffen, +Sie haben seitdem in unserm Wein +Sich rote Nasen gesoffen - - - + +Und die Freiheit hat sich den Fuß verrenkt, +Kann nicht mehr springen und stürmen; +Die Trikolore in Paris +Schaut traurig herab von den Türmen. + +Der Kaiser ist auferstanden seitdem, +Doch die englischen Würmer haben +Aus ihm einen stillen Mann gemacht, +Und er ließ sich wieder begraben. + +Hab selber sein Leichenbegängnis gesehn, +Ich sah den goldenen Wagen +Und die goldenen Siegesgöttinnen drauf, +Die den goldenen Sarg getragen. + +Den Elysäischen Feldern entlang, +Durch des Triumphes Bogen, +Wohl durch den Nebel, wohl über den Schnee +Kam langsam der Zug gezogen. + +Mißtönend schauerlich war die Musik. +Die Musikanten starrten +Vor Kälte. Wehmütig grüßten mich +Die Adler der Standarten. + +Die Menschen schauten so geisterhaft +In alter Erinnrung verloren - +Der imperiale Märchentraum +War wieder heraufbeschworen. + +Ich weinte an jenem Tag. Mir sind +Die Tränen ins Auge gekommen, +Als ich den verschollenen Liebesruf, +Das »Vive l'Empereur!«, vernommen. + + + +CAPUT IX + +Von Köllen war ich drei Viertel auf acht +Des Morgens fortgereiset; +Wir kamen nach Hagen schon gegen drei, +Da wird zu Mittag gespeiset. + +Der Tisch war gedeckt. Hier fand ich ganz +Die altgermanische Küche. +Sei mir gegrüßt, mein Sauerkraut, +Holdselig sind deine Gerüche! + +Gestovte Kastanien im grünen Kohl! +So aß ich sie einst bei der Mutter! +Ihr heimischen Stockfische, seid mir gegrüßt! +Wie schwimmt ihr klug in der Butter! + +Jedwedem fühlenden Herzen bleibt +Das Vaterland ewig teuer - +Ich liebe auch recht braun geschmort +Die Bücklinge und Eier. + +Wie jauchzten die Würste im spritzelnden Fett! +Die Krammetsvögel, die frommen +Gebratenen Englein mit Apfelmus, +Sie zwitscherten mir: »Willkommen!« + +»Willkommen, Landsmann« - zwitscherten sie - +»Bist lange ausgeblieben, +Hast dich mit fremdem Gevögel so lang +In der Fremde herumgetrieben!« + +Es stand auf dem Tische eine Gans, +Ein stilles, gemütliches Wesen. +Sie hat vielleicht mich einst geliebt, +Als wir beide noch jung gewesen. + +Sie blickte mich an so bedeutungsvoll, +So innig, so treu, so wehe! +Besaß eine schöne Seele gewiß, +Doch war das Fleisch sehr zähe. + +Auch einen Schweinskopf trug man auf +In einer zinnernen Schüssel; +Noch immer schmückt man den Schweinen bei uns +Mit Lorbeerblättern den Rüssel. + + + +CAPUT X + +Dicht hinter Hagen ward es Nacht, +Und ich fühlte in den Gedärmen +Ein seltsames Frösteln. Ich konnte mich erst +Zu Unna, im Wirtshaus, erwärmen. + +Ein hübsches Mädchen fand ich dort, +Die schenkte mir freundlich den Punsch ein; +Wie gelbe Seide das Lockenhaar, +Die Augen sanft wie Mondschein. + +Den lispelnd westfälischen Akzent +Vernahm ich mit Wollust wieder. +Viel süße Erinnerung dampfte der Punsch, +Ich dachte der lieben Brüder, + +Der lieben Westfalen, womit ich so oft +In Göttingen getrunken, +Bis wir gerührt einander ans Herz +Und unter die Tische gesunken! + +Ich habe sie immer so liebgehabt, +Die lieben, guten Westfalen, +Ein Volk, so fest, so sicher, so treu, +Ganz ohne Gleißen und Prahlen. + +Wie standen sie prächtig auf der Mensur +Mit ihren Löwenherzen! +Es fielen so grade, so ehrlich gemeint, +Die Quarten und die Terzen. + +Sie fechten gut, sie trinken gut, +Und wenn sie die Hand dir reichen +Zum Freundschaftsbündnis, dann weinen sie; +Sind sentimentale Eichen. + +Der Himmel erhalte dich, wackres Volk, +Er segne deine Saaten, +Bewahre dich vor Krieg und Ruhm, +Vor Helden und Heldentaten. + +Er schenke deinen Söhnen stets +Ein sehr gelindes Examen, +Und deine Töchter bringe er hübsch +Unter die Haube - Amen! + + + +CAPUT XI + +Das ist der Teutoburger Wald, +Den Tacitus beschrieben, +Das ist der klassische Morast, +Wo Varus steckengeblieben. + +Hier schlug ihn der Cheruskerfürst, +Der Hermann, der edle Recke; +Die deutsche Nationalität, +Die siegte in diesem Drecke. + +Wenn Hermann nicht die Schlacht gewann, +Mit seinen blonden Horden, +So gäb es deutsche Freiheit nicht mehr, +Wir wären römisch geworden! + +In unserem Vaterland herrschten jetzt +Nur römische Sprache und Sitten, +Vestalen gäb es in München sogar, +Die Schwaben hießen Quiriten! + +Der Hengstenberg wär ein Haruspex +Und grübelte in den Gedärmen +Von Ochsen. Neander wär ein Augur +Und schaute nach Vögelschwärmen. + +Birch-Pfeiffer söffe Terpentin, +Wie einst die römischen Damen. +(Man sagt, daß sie dadurch den Urin +Besonders wohlriechend bekamen.) + +Der Raumer wäre kein deutscher Lump, +Er wäre ein röm'scher Lumpacius. +Der Freiligrath dichtete ohne Reim, +Wie weiland Flaccus Horatius. + +Der grobe Bettler, Vater Jahn, +Der hieße jetzt Grobianus. +Me hercule! Maßmann spräche Latein, +Der Marcus Tullius Maßmanus! + +Die Wahrheitsfreunde würden jetzt +Mit Löwen, Hyänen, Schakalen +Sich raufen in der Arena, anstatt +Mit Hunden in kleinen Journalen. + +Wir hätten _einen_ Nero jetzt, +Statt Landesväter drei Dutzend. +Wir schnitten uns die Adern auf, +Den Schergen der Knechtschaft trutzend. + +Der Schelling wär ganz ein Seneca, +Und käme in solchem Konflikt um. +Zu unsrem Cornelius sagten wir: +»Cacatum non est pictum.« + +Gottlob! Der Hermann gewann die Schlacht, +Die Römer wurden vertrieben, +Varus mit seinen Legionen erlag, +Und wir sind Deutsche geblieben! + +Wir blieben deutsch, wir sprechen deutsch, +Wie wir es gesprochen haben; +Der Esel heißt Esel, nicht asinus, +Die Schwaben blieben Schwaben. + +Der Raumer blieb ein deutscher Lump +In unserm deutschen Norden. +In Reimen dichtet Freiligrath, +Ist kein Horaz geworden. + +Gottlob, der Maßmann spricht kein Latein, +Birch-Pfeiffer schreibt nur Dramen, +Und säuft nicht schnöden Terpentin +Wie Roms galante Damen. + +O Hermann, dir verdanken wir das! +Drum wird dir, wie sich gebühret, +Zu Detmold ein Monument gesetzt; +Hab selber subskribieret. + + + +CAPUT XII + +Im nächtlichen Walde humpelt dahin +Die Chaise. Da kracht es plötzlich - +Ein Rad ging los. Wir halten still. +Das ist nicht sehr ergötzlich. + +Der Postillion steigt ab und eilt +Ins Dorf, und ich verweile +Um Mitternacht allein im Wald. +Ringsum ertönt ein Geheule. + +Das sind die Wölfe, die heulen so wild, +Mit ausgehungerten Stimmen. +Wie Lichter in der Dunkelheit +Die feurigen Augen glimmen. + +Sie hörten von meiner Ankunft gewiß, +Die Bestien, und mir zur Ehre +Illuminierten sie den Wald +Und singen sie ihre Chöre. + +Das ist ein Ständchen, ich merke es jetzt, +Ich soll gefeiert werden! +Ich warf mich gleich in Positur +Und sprach mit gerührten Gebärden: + +»Mitwölfe! Ich bin glücklich, heut +In eurer Mitte zu weilen, +Wo soviel edle Gemüter mir +Mit Liebe entgegenheulen. + +Was ich in diesem Augenblick +Empfinde, ist unermeßlich; +Ach, diese schöne Stunde bleibt +Mir ewig unvergeßlich. + +Ich danke euch für das Vertraun, +Womit ihr mich beehret +Und das ihr in jeder Prüfungszeit +Durch treue Beweise bewähret. + +Mitwölfe! Ihr zweifeltet nie an mir, +Ihr ließet euch nicht fangen +Von Schelmen, die euch gesagt, ich sei +Zu den Hunden übergegangen, + +Ich sei abtrünnig und werde bald +Hofrat in der Lämmerhürde - +Dergleichen zu widersprechen war +Ganz unter meiner Würde. + +Der Schafpelz, den ich umgehängt +Zuweilen, um mich zu wärmen, +Glaubt mir's, er brachte mich nie dahin, +Für das Glück der Schafe zu schwärmen. + +Ich bin kein Schaf, ich bin kein Hund, +Kein Hofrat und kein Schellfisch - +Ich bin ein Wolf geblieben, mein Herz +Und meine Zähne sind wölfisch. + +Ich bin ein Wolf und werde stets +Auch heulen mit den Wölfen - +Ja, zählt auf mich und helft euch selbst, +Dann wird auch Gott euch helfen!« + +Das war die Rede, die ich hielt, +Ganz ohne Vorbereitung; +Verstümmelt hat Kolb sie abgedruckt +In der »Allgemeinen Zeitung«. + + + +CAPUT XIII + +Die Sonne ging auf bei Paderborn, +Mit sehr verdroßner Gebärde. +Sie treibt in der Tat ein verdrießlich Geschäft - +Beleuchten die dumme Erde! + +Hat sie die eine Seite erhellt, +Und bringt sie mit strahlender Eile +Der andern ihr Licht, so verdunkelt schon +Sich jene mittlerweile. + +Der Stein entrollt dem Sisyphus, +Der Danaiden Tonne +Wird nie gefüllt, und den Erdenball +Beleuchtet vergeblich die Sonne! - + +Und als der Morgennebel zerrann, +Da sah ich am Wege ragen, +Im Frührotschein, das Bild des Manns, +Der an das Kreuz geschlagen. + +Mit Wehmut erfüllt mich jedesmal +Dein Anblick, mein armer Vetter, +Der du die Welt erlösen gewollt, +Du Narr, du Menschheitsretter! + +Sie haben dir übel mitgespielt, +Die Herren vom hohen Rate. +Wer hieß dich auch reden so rücksichtslos +Von der Kirche und vom Staate! + +Zu deinem Malheur war die Buchdruckerei +Noch nicht in jenen Tagen +Erfunden; du hättest geschrieben ein Buch +Über die Himmelsfragen. + +Der Zensor hätte gestrichen darin, +Was etwa anzüglich auf Erden, +Und liebend bewahrte dich die Zensur +Vor dem Gekreuzigtwerden. + +Ach! hättest du nur einen andern Text +Zu deiner Bergpredigt genommen, +Besaßest ja Geist und Talent genug, +Und konntest schonen die Frommen! + +Geldwechsler, Bankiers, hast du sogar +Mit der Peitsche gejagt aus dem Tempel - +Unglücklicher Schwärmer, jetzt hängst du am Kreuz +Als warnendes Exempel! + + + +CAPUT XIV + +Ein feuchter Wind, ein kahles Land, +Die Chaise wackelt im Schlamme; +Doch singt es und klingt es in meinem Gemüt: +»Sonne, du klagende Flamme!« + +Das ist der Schlußreim des alten Lieds, +Das oft meine Amme gesungen - +»Sonne, du klagende Flamme!« Das hat +Wie Waldhornruf geklungen. + +Es kommt im Lied ein Mörder vor, +Der lebt' in Lust und Freude; +Man findet ihn endlich im Walde gehenkt +An einer grauen Weide. + +Des Mörders Todesurteil war +Genagelt am Weidenstamme; +Das haben die Rächer der Feme getan - +»Sonne, du klagende Flamme!« + +Die Sonne war Kläger, sie hatte bewirkt, +Daß man den Mörder verdamme. +Ottilie hatte sterbend geschrien: +»Sonne, du klagende Flamme!« + +Und denk ich des Liedes, so denk ich auch +Der Amme, der lieben Alten; +Ich sehe wieder ihr braunes Gesicht, +Mit allen Runzeln und Falten. + +Sie war geboren im Münsterland, +Und wußte, in großer Menge, +Gespenstergeschichten, grausenhaft, +Und Märchen und Volksgesänge. + +Wie pochte mein Herz, wenn die alte Frau +Von der Königstochter erzählte, +Die einsam auf der Heide saß +Und die goldnen Haare strählte. + +Die Gänse mußte sie hüten dort +Als Gänsemagd, und trieb sie +Am Abend die Gänse wieder durchs Tor, +Gar traurig stehen blieb sie. + +Denn angenagelt über dem Tor +Sah sie ein Roßhaupt ragen, +Das war der Kopf des armen Pferds, +Das sie in die Fremde getragen. + +Die Königstochter seufzte tief: +»O Falada, daß du hangest!« +Der Pferdekopf herunterrief: +»O wehe! daß du gangest!« + +Die Königstochter seufzte tief: +»Wenn das meine Mutter wüßte!« +Der Pferdekopf herunterrief: +»Ihr Herze brechen müßte!« + +Mit stockendem Atem horchte ich hin, +Wenn die Alte ernster und leiser +Zu sprechen begann und vom Rotbart sprach, +Von unserem heimlichen Kaiser. + +Sie hat mir versichert, er sei nicht tot, +Wie da glauben die Gelehrten, +Er hause versteckt in einem Berg +Mit seinen Waffengefährten. + +Kyffhäuser ist der Berg genannt, +Und drinnen ist eine Höhle; +Die Ampeln erhellen so geisterhaft +Die hochgewölbten Säle. + +Ein Marstall ist der erste Saal, +Und dorten kann man sehen +Viel tausend Pferde, blankgeschirrt, +Die an den Krippen stehen. + +Sie sind gesattelt und gezäumt, +Jedoch von diesen Rossen +Kein einziges wiehert, kein einziges stampft, +Sind still, wie aus Eisen gegossen. + +Im zweiten Saale, auf der Streu, +Sieht man Soldaten liegen, +Viel tausend Soldaten, bärtiges Volk, +Mit kriegerisch trotzigen Zügen. + +Sie sind gerüstet von Kopf bis Fuß, +Doch alle diese Braven, +Sie rühren sich nicht, bewegen sich nicht, +Sie liegen fest und schlafen. + +Hochaufgestapelt im dritten Saal +Sind Schwerter, Streitäxte, Speere, +Harnische, Helme, von Silber und Stahl, +Altfränkische Feuergewehre. + +Sehr wenig Kanonen, jedoch genug, +Um eine Trophäe zu bilden. +Hoch ragt daraus eine Fahne hervor, +Die Farbe ist schwarzrotgülden. + +Der Kaiser bewohnt den vierten Saal. +Schon seit Jahrhunderten sitzt er +Auf steinernem Stuhl, am steinernen Tisch, +Das Haupt auf den Armen stützt er. + +Sein Bart, der bis zur Erde wuchs, +Ist rot wie Feuerflammen, +Zuweilen zwinkert er mit dem Aug', +Zieht manchmal die Braunen zusammen. + +Schläft er oder denkt er nach? +Man kann's nicht genau ermitteln; +Doch wenn die rechte Stunde kommt, +Wird er gewaltig sich rütteln. + +Die gute Fahne ergreift er dann +Und ruft: »Zu Pferd! zu Pferde!« +Sein reisiges Volk erwacht und springt +Lautrasselnd empor von der Erde. + +Ein jeder schwingt sich auf sein Roß, +Das wiehert und stampft mit den Hufen! +Sie reiten hinaus in die klirrende Welt, +Und die Trompeten rufen. + +Sie reiten gut, sie schlagen gut, +Sie haben ausgeschlafen. +Der Kaiser hält ein strenges Gericht, +Er will die Mörder bestrafen - + +Die Mörder, die gemeuchelt einst +Die teure, wundersame, +Goldlockichte Jungfrau Germania - +»Sonne, du klagende Flamme!« + +Wohl mancher, der sich geborgen geglaubt, +Und lachend auf seinem Schloß saß, +Er wird nicht entgehen dem rächenden Strang, +Dem Zorne Barbarossas! - - - + +Wie klingen sie lieblich, wie klingen sie süß, +Die Märchen der alten Amme! +Mein abergläubisches Herze jauchzt: +»Sonne, du klagende Flamme!« + + + +CAPUT XV + +Ein feiner Regen prickelt herab, +Eiskalt, wie Nähnadelspitzen. +Die Pferde bewegen traurig den Schwanz, +Sie waten im Kot und schwitzen. + +Der Postillion stößt in sein Horn, +Ich kenne das alte Getute - +»Es reiten drei Reiter zum Tor hinaus!« +Es wird mir so dämmrig zumute. + +Mich schläferte und ich entschlief, +Und siehe! mir träumte am Ende, +Daß ich mich in dem Wunderberg +Beim Kaiser Rotbart befände. + +Er saß nicht mehr auf steinernem Stuhl, +Am steinernen Tisch, wie ein Steinbild; +Auch sah er nicht so ehrwürdig aus, +Wie man sich gewöhnlich einbildt. + +Er watschelte durch die Säle herum +Mit mir im trauten Geschwätze. +Er zeigte wie ein Antiquar +Mir seine Kuriosa und Schätze. + +Im Saale der Waffen erklärte er mir, +Wie man sich der Kolben bediene, +Von einigen Schwertern rieb er den Rost +Mit seinem Hermeline. + +Er nahm ein Pfauenwedel zur Hand, +Und reinigte vom Staube +Gar manchen Harnisch, gar manchen Helm, +Auch manche Pickelhaube. + +Die Fahne stäubte er gleichfalls ab, +Und er sprach: »Mein größter Stolz ist, +Daß noch keine Motte die Seide zerfraß, +Und auch kein Wurm im Holz ist.« + +Und als wir kamen in den Saal, +Wo schlafend am Boden liegen +Viel tausend Krieger, kampfbereit, +Der Alte sprach mit Vergnügen: + +»Hier müssen wir leiser reden und gehn, +Damit wir nicht wecken die Leute; +Wieder verflossen sind hundert Jahr', +Und Löhnungstag ist heute.« + +Und siehe! der Kaiser nahte sich sacht +Den schlafenden Soldaten, +Und steckte heimlich in die Tasch' +Jedwedem einen Dukaten. + +Er sprach mit schmunzelndem Gesicht, +Als ich ihn ansah verwundert: +»Ich zahle einen Dukaten per Mann, +Als Sold, nach jedem Jahrhundert.« + +Im Saale, wo die Pferde stehn +In langen, schweigenden Reihen, +Da rieb der Kaiser sich die Händ', +Schien sonderbar sich zu freuen. + +Er zählte die Gäule, Stück vor Stück, +Und klätschelte ihnen die Rippen; +Er zählte und zählte, mit ängstlicher Hast +Bewegten sich seine Lippen. + +»Das ist noch nicht die rechte Zahl« - +Sprach er zuletzt verdrossen -, +»Soldaten und Waffen hab ich genung, +Doch fehlt es noch an Rossen. + +Roßkämme hab ich ausgeschickt +In alle Welt, die kaufen +Für mich die besten Pferde ein, +Hab schon einen guten Haufen. + +Ich warte, bis die Zahl komplett, +Dann schlag ich los und befreie +Mein Vaterland, mein deutsches Volk, +Das meiner harret mit Treue.« + +So sprach der Kaiser, ich aber rief: +»Schlag los, du alter Geselle, +Schlag los, und hast du nicht Pferde genug, +Nimm Esel an ihrer Stelle.« + +Der Rotbart erwiderte lächelnd: »Es hat +Mit dem Schlagen gar keine Eile, +Man baute nicht Rom an einem Tag, +Gut Ding will haben Weile. + +Wer heute nicht kommt, kommt morgen gewiß, +Nur langsam wächst die Eiche, +Und chi va piano, va sano, so heißt +Das Sprüchwort im römischen Reiche.« + + + +CAPUT XVI + +Das Stoßen des Wagens weckte mich auf, +Doch sanken die Augenlider +Bald wieder zu, und ich entschlief +Und träumte vom Rotbart wieder. + +Ging wieder schwatzend mit ihm herum +Durch alle die hallenden Säle; +Er frug mich dies, er frug mich das, +Verlangte, daß ich erzähle. + +Er hatte aus der Oberwelt +Seit vielen, vielen Jahren, +Wohl seit dem Siebenjährigen Krieg, +Kein Sterbenswort erfahren. + +Er frug nach Moses Mendelssohn, +Nach der Karschin, mit Intresse +Frug er nach der Gräfin Dubarry, +Des fünfzehnten Ludwigs Mätresse. + +»O Kaiser«, rief ich, »wie bist du zurück! +Der Moses ist längst gestorben, +Nebst seiner Rebekka, auch Abraham, +Der Sohn, ist gestorben, verdorben. + +Der Abraham hatte mit Lea erzeugt +Ein Bübchen, Felix heißt er, +Der brachte es weit im Christentum, +Ist schon Kapellenmeister. + +Die alte Karschin ist gleichfalls tot, +Auch die Tochter ist tot, die Klenke; +Helmine Chézy, die Enkelin, +Ist noch am Leben, ich denke. + +Die Dubarry lebte lustig und flott, +Solange Ludwig regierte, +Der Fünfzehnte nämlich, sie war schon alt, +Als man sie guillotinierte. + +Der König Ludwig der Fünfzehnte starb +Ganz ruhig in seinem Bette, +Der Sechzehnte aber ward guillotiniert +Mit der Königin Antoinette. + +Die Königin zeigte großen Mut, +Ganz wie es sich gebührte, +Die Dubarry aber weinte und schrie, +Als man sie guillotinierte.« - - + +Der Kaiser blieb plötzlich stillestehn, +Und sah mich an mit den stieren +Augen und sprach: »Um Gottes will'n, +Was ist das, guillotinieren?« + +»Das Guillotinieren« - erklärte ich ihm - +»Ist eine neue Methode, +Womit man die Leute jeglichen Stands +Vom Leben bringt zu Tode. + +Bei dieser Methode bedient man sich +Auch einer neuen Maschine, +Die hat erfunden Herr Guillotin, +Drum nennt man sie Guillotine. + +Du wirst hier an ein Brett geschnallt; - +Das senkt sich; - du wirst geschoben +Geschwinde zwischen zwei Pfosten; - es hängt +Ein dreieckig Beil ganz oben; - + +Man zieht eine Schnur, dann schießt herab +Das Beil, ganz lustig und munter; - +Bei dieser Gelegenheit fällt dein Kopf +In einen Sack hinunter.« + +Der Kaiser fiel mir in die Red': +»Schweig still, von deiner Maschine +Will ich nichts wissen, Gott bewahr', +Daß ich mich ihrer bediene! + +Der König und die Königin! +Geschnallt! an einem Brette! +Das ist ja gegen allen Respekt +Und alle Etikette! + +Und du, wer bist du, daß du es wagst, +Mich so vertraulich zu duzen? +Warte, du Bürschchen, ich werde dir schon +Die kecken Flügel stutzen! + +Es regt mir die innerste Galle auf, +Wenn ich dich höre sprechen, +Dein Odem schon ist Hochverrat +Und Majestätsverbrechen!« + +Als solchermaßen in Eifer geriet +Der Alte und sonder Schranken +Und Schonung mich anschnob, da platzten heraus +Auch mir die geheimsten Gedanken. + +»Herr Rotbart« - rief ich laut -, »du bist +Ein altes Fabelwesen, +Geh, leg dich schlafen, wir werden uns +Auch ohne dich erlösen. + +Die Republikaner lachen uns aus, +Sehn sie an unserer Spitze +So ein Gespenst mit Zepter und Kron'; +Sie rissen schlechte Witze. + +Auch deine Fahne gefällt mir nicht mehr, +Die altdeutschen Narren verdarben +Mir schon in der Burschenschaft die Lust +An den schwarzrotgoldnen Farben. + +Das beste wäre, du bliebest zu Haus, +Hier in dem alten Kyffhäuser - +Bedenk ich die Sache ganz genau, +So brauchen wir gar keinen Kaiser.« + + + +CAPUT XVII + +Ich habe mich mit dem Kaiser gezankt +Im Traum, im Traum versteht sich - +Im wachenden Zustand sprechen wir nicht +Mit Fürsten so widersetzig. + +Nur träumend, im idealen Traum, +Wagt ihnen der Deutsche zu sagen +Die deutsche Meinung, die er so tief +Im treuen Herzen getragen. + +Als ich erwacht', fuhr ich einem Wald +Vorbei, der Anblick der Bäume, +Der nackten hölzernen Wirklichkeit, +Verscheuchte meine Träume. + +Die Eichen schüttelten ernsthaft das Haupt, +Die Birken und Birkenreiser, +Sie nickten so warnend - und ich rief: +»Vergib mir, mein teurer Kaiser! + +Vergib mir, o Rotbart, das rasche Wort! +Ich weiß, du bist viel weiser +Als ich, ich habe sowenig Geduld - +Doch komme du bald, mein Kaiser! + +Behagt dir das Guillotinieren nicht, +So bleib bei den alten Mitteln: +Das Schwert für Edelleute, der Strick +Für Bürger und Bauern in Kitteln. + +Nur manchmal wechsle ab, und laß +Den Adel hängen, und köpfe +Ein bißchen die Bürger und Bauern, wir sind +Ja alle Gottesgeschöpfe. + +Stell wieder her das Halsgericht, +Das peinliche Karls des Fünften, +Und teile wieder ein das Volk +Nach Ständen, Gilden und Zünften. + +Das alte Heilige Römische Reich, +Stell's wieder her, das ganze, +Gib uns den modrigsten Plunder zurück +Mit allem Firlifanze. + +Das Mittelalter, immerhin, +Das wahre, wie es gewesen, +Ich will es ertragen - erlöse uns nur +Von jenem Zwitterwesen, + +Von jenem Kamaschenrittertum, +Das ekelhaft ein Gemisch ist +Von gotischem Wahn und modernem Lug, +Das weder Fleisch noch Fisch ist. + +Jag fort das Komödiantenpack, +Und schließe die Schauspielhäuser, +Wo man die Vorzeit parodiert - +Komme du bald, o Kaiser!« + + + +CAPUT XVIII + +Minden ist eine feste Burg, +Hat gute Wehr und Waffen! +Mit preußischen Festungen hab ich jedoch +Nicht gerne was zu schaffen. + +Wir kamen dort an zur Abendzeit. +Die Planken der Zugbrück' stöhnten +So schaurig, als wir hinübergerollt; +Die dunklen Gräben gähnten. + +Die hohen Bastionen schauten mich an, +So drohend und verdrossen; +Das große Tor ging rasselnd auf, +Ward rasselnd wieder geschlossen. + +Ach! meine Seele ward betrübt, +Wie des Odysseus Seele, +Als er gehört, daß Polyphem +Den Felsblock schob vor die Höhle. + +Es trat an den Wagen ein Korporal +Und frug uns: wie wir hießen? +»Ich heiße Niemand, bin Augenarzt +Und steche den Star den Riesen.« + +Im Wirtshaus ward mir noch schlimmer zumut, +Das Essen wollt mir nicht schmecken. +Ging schlafen sogleich, doch schlief ich nicht, +Mich drückten so schwer die Decken. + +Es war ein breites Federbett, +Gardinen von rotem Damaste, +Der Himmel von verblichenem Gold, +Mit einem schmutzigen Quaste. + +Verfluchter Quast! der die ganze Nacht +Die liebe Ruhe mir raubte! +Er hing mir, wie des Damokles Schwert, +So drohend über dem Haupte! + +Schien manchmal ein Schlangenkopf zu sein, +Und ich hörte ihn heimlich zischen: +»Du bist und bleibst in der Festung jetzt, +Du kannst nicht mehr entwischen!« + +»Oh, daß ich wäre« - seufzte ich - +»Daß ich zu Hause wäre, +Bei meiner lieben Frau in Paris, +Im Faubourg Poissonnière!« + +Ich fühlte, wie über die Stirne mir +Auch manchmal etwas gestrichen, +Gleich einer kalten Zensorhand, +Und meine Gedanken wichen - + +Gendarmen in Leichenlaken gehüllt, +Ein weißes Spukgewirre, +Umringte mein Bett, ich hörte auch +Unheimliches Kettengeklirre. + +Ach! die Gespenster schleppten mich fort, +Und ich hab mich endlich befunden +An einer steilen Felsenwand; +Dort war ich festgebunden. + +Der böse schmutzige Betthimmelquast! +Ich fand ihn gleichfalls wieder, +Doch sah er jetzt wie ein Geier aus, +Mit Krallen und schwarzem Gefieder. + +Er glich dem preußischen Adler jetzt, +Und hielt meinen Leib umklammert; +Er fraß mir die Leber aus der Brust, +Ich habe gestöhnt und gejammert. + +Ich jammerte lange - da krähte der Hahn, +Und der Fiebertraum erblaßte. +Ich lag zu Minden im schwitzenden Bett, +Der Adler ward wieder zum Quaste. + +Ich reiste fort mit Extrapost, +Und schöpfte freien Odem +Erst draußen in der freien Natur, +Auf bückeburg'schem Boden. + + + +CAPUT XIX + +Oh, Danton, du hast dich sehr geirrt +Und mußtest den Irrtum büßen! +Mitnehmen kann man das Vaterland +An den Sohlen, an den Füßen. + +Das halbe Fürstentum Bückeburg +Blieb mir an den Stiefeln kleben; +So lehmichte Wege habe ich wohl +Noch nie gesehen im Leben. + +Zu Bückeburg stieg ich ab in der Stadt, +Um dort zu betrachten die Stammburg, +Wo mein Großvater geboren ward; +Die Großmutter war aus Hamburg. + +Ich kam nach Hannover um Mittagzeit, +Und ließ mir die Stiefel putzen. +Ich ging sogleich, die Stadt zu besehn, +Ich reise gern mit Nutzen. + +Mein Gott! da sieht es sauber aus! +Der Kot liegt nicht auf den Gassen. +Viel Prachtgebäude sah ich dort, +Sehr imponierende Massen. + +Besonders gefiel mir ein großer Platz, +Umgeben von stattlichen Häusern; +Dort wohnt der König, dort steht sein Palast, +Er ist von schönem Äußern + +(Nämlich der Palast). Vor dem Portal +Zu jeder Seite ein Schildhaus. +Rotröcke mit Flinten halten dort Wacht, +Sie sehen drohend und wild aus. + +Mein Cicerone sprach: »Hier wohnt +Der Ernst Augustus, ein alter, +Hochtoryscher Lord, ein Edelmann, +Sehr rüstig für sein Alter. + +Idyllisch sicher haust er hier, +Denn besser als alle Trabanten +Beschützet ihn der mangelnde Mut +Von unseren lieben Bekannten. + +Ich seh ihn zuweilen, er klagt alsdann, +Wie gar langweilig das Amt sei, +Das Königsamt, wozu er jetzt +Hier in Hannover verdammt sei. + +An großbritannisches Leben gewöhnt, +Sei es ihm hier zu enge, +Ihn plage der Spleen, er fürchte schier, +Daß er sich mal erhänge. + +Vorgestern fand ich ihn traurig gebückt +Am Kamin, in der Morgenstunde; +Er kochte höchstselbst ein Lavement +Für seine kranken Hunde.« + + + +CAPUT XX + +Von Harburg fuhr ich in einer Stund' +Nach Hamburg. Es war schon Abend. +Die Sterne am Himmel grüßten mich, +Die Luft war lind und labend. + +Und als ich zu meiner Frau Mutter kam, +Erschrak sie fast vor Freude; +Sie rief: »Mein liebes Kind!« und schlug +Zusammen die Hände beide. + +»Mein liebes Kind, wohl dreizehn Jahr' +Verflossen unterdessen! +Du wirst gewiß sehr hungrig sein - +Sag an, was willst du essen? + +Ich habe Fisch und Gänsefleisch +Und schöne Apfelsinen.« +»So gib mir Fisch und Gänsefleisch +Und schöne Apfelsinen.« + +Und als ich aß mit großem App'tit, +Die Mutter ward glücklich und munter, +Sie frug wohl dies, sie frug wohl das, +Verfängliche Fragen mitunter. + +»Mein liebes Kind! und wirst du auch +Recht sorgsam gepflegt in der Fremde? +Versteht deine Frau die Haushaltung, +Und flickt sie dir Strümpfe und Hemde?« + +»Der Fisch ist gut, lieb Mütterlein, +Doch muß man ihn schweigend verzehren; +Man kriegt so leicht eine Grät' in den Hals, +Du darfst mich jetzt nicht stören.« + +Und als ich den braven Fisch verzehrt, +Die Gans ward aufgetragen. +Die Mutter frug wieder wohl dies, wohl das, +Mitunter verfängliche Fragen. + +»Mein liebes Kind! in welchem Land +Läßt sich am besten leben? +Hier oder in Frankreich? und welchem Volk +Wirst du den Vorzug geben?« + +»Die deutsche Gans, lieb Mütterlein, +Ist gut, jedoch die Franzosen, +Sie stopfen die Gänse besser als wir, +Auch haben sie bessere Saucen.« - + +Und als die Gans sich wieder empfahl, +Da machten ihre Aufwartung +Die Apfelsinen, sie schmeckten so süß, +Ganz über alle Erwartung. + +Die Mutter aber fing wieder an +Zu fragen sehr vergnüglich, +Nach tausend Dingen, mitunter sogar +Nach Dingen, die sehr anzüglich. + +»Mein liebes Kind! Wie denkst du jetzt? +Treibst du noch immer aus Neigung +Die Politik? Zu welcher Partei +Gehörst du mit Überzeugung?« + +»Die Apfelsinen, lieb Mütterlein, +Sind gut, und mit wahrem Vergnügen +Verschlucke ich den süßen Saft, +Und ich lasse die Schalen liegen.« + + + +CAPUT XXI + +Die Stadt, zur Hälfte abgebrannt, +Wird aufgebaut allmählich; +Wie 'n Pudel, der halb geschoren ist, +Sieht Hamburg aus, trübselig. + +Gar manche Gassen fehlen mir, +Die ich nur ungern vermisse - +Wo ist das Haus, wo ich geküßt +Der Liebe erste Küsse? + +Wo ist die Druckerei, wo ich +Die »Reisebilder« druckte? +Wo ist der Austerkeller, wo ich +Die ersten Austern schluckte? + +Und der Dreckwall, wo ist der Dreckwall hin? +Ich kann ihn vergeblich suchen! +Wo ist der Pavillon, wo ich +Gegessen so manchen Kuchen? + +Wo ist das Rathaus, worin der Senat +Und die Bürgerschaft gethronet? +Ein Raub der Flammen! Die Flamme hat +Das Heiligste nicht verschonet. + +Die Leute seufzten noch vor Angst, +Und mit wehmüt'gem Gesichte +Erzählten sie mir vom großen Brand +Die schreckliche Geschichte: + +»Es brannte an allen Ecken zugleich, +Man sah nur Rauch und Flammen! +Die Kirchentürme loderten auf +Und stürzten krachend zusammen. + +Die alte Börse ist verbrannt, +Wo unsere Väter gewandelt, +Und miteinander jahrhundertelang +So redlich als möglich gehandelt. + +Die Bank, die silberne Seele der Stadt, +Und die Bücher, wo eingeschrieben +Jedweden Mannes Banko-Wert, +Gottlob! sie sind uns geblieben! + +Gottlob! man kollektierte für uns +Selbst bei den fernsten Nationen - +Ein gutes Geschäft - die Kollekte betrug +Wohl an die acht Millionen. + +Aus allen Ländern floß das Geld +In unsre offnen Hände, +Auch Viktualien nahmen wir an, +Verschmähten keine Spende. + +Man schickte uns Kleider und Betten genug, +Auch Brot und Fleisch und Suppen! +Der König von Preußen wollte sogar +Uns schicken seine Truppen. + +Der materielle Schaden ward +Vergütet, das ließ sich schätzen - +Jedoch den Schrecken, unseren Schreck, +Den kann uns niemand ersetzen!« + +Aufmunternd sprach ich: »Ihr lieben Leut', +Ihr müßt nicht jammern und flennen; +Troja war eine bessere Stadt +Und mußte doch verbrennen. + +Baut eure Häuser wieder auf +Und trocknet eure Pfützen, +Und schafft euch beßre Gesetze an +Und beßre Feuerspritzen. + +Gießt nicht zuviel Cayenne-Piment +In eure Mockturtlesuppen, +Auch eure Karpfen sind euch nicht gesund, +Ihr kocht sie so fett mit den Schuppen. + +Kalkuten schaden euch nicht viel, +Doch hütet euch vor der Tücke +Des Vogels, der sein Ei gelegt +In des Bürgermeisters Perücke. - - + +Wer dieser fatale Vogel ist, +Ich brauch es euch nicht zu sagen - +Denk ich an ihn, so dreht sich herum +Das Essen in meinem Magen.« + + + +CAPUT XXII + +Noch mehr verändert als die Stadt +Sind mir die Menschen erschienen, +Sie gehn so betrübt und gebrochen herum, +Wie wandelnde Ruinen. + +Die Mageren sind noch dünner jetzt, +Noch fetter sind die Feisten, +Die Kinder sind alt, die Alten sind +Kindisch geworden, die meisten. + +Gar manche, die ich als Kälber verließ, +Fand ich als Ochsen wieder; +Gar manches kleine Gänschen ward +Zur Gans mit stolzem Gefieder. + +Die alte Gudel fand ich geschminkt +Und geputzt wie eine Sirene; +Hat schwarze Locken sich angeschafft +Und blendendweiße Zähne. + +Am besten hat sich konserviert +Mein Freund, der Papierverkäufer; +Sein Haar ward gelb und umwallt sein Haupt, +Sieht aus wie Johannes der Täufer. + +Den ***, den sah ich nur von fern, +Er huschte mir rasch vorüber; +Ich höre, sein Geist ist abgebrannt +Und war versichert bei Bieber. + +Auch meinen alten Zensor sah +Ich wieder. Im Nebel, gebücket, +Begegnet' er mir auf dem Gänsemarkt, +Schien sehr darniedergedrücket. + +Wir schüttelten uns die Hände, es schwamm +Im Auge des Manns eine Träne. +Wie freute er sich, mich wiederzusehn! +Es war eine rührende Szene. - + +Nicht alle fand ich. Mancher hat +Das Zeitliche gesegnet. +Ach! meinem Gumpelino sogar +Bin ich nicht mehr begegnet. + +Der Edle hatte ausgehaucht +Die große Seele soeben, +Und wird als verklärter Seraph jetzt +Am Throne Jehovas schweben. + +Vergebens suchte ich überall +Den krummen Adonis, der Tassen +Und Nachtgeschirr von Porzellan +Feilbot in Hamburgs Gassen. + +Sarras, der treue Pudel, ist tot. +Ein großer Verlust! Ich wette, +Daß Campe lieber ein ganzes Schock +Schriftsteller verloren hätte. - - + +Die Population des Hamburger Staats +Besteht, seit Menschengedenken, +Aus Juden und Christen; es pflegen auch +Die letztren nicht viel zu verschenken. + +Die Christen sind alle ziemlich gut, +Auch essen sie gut zu Mittag, +Und ihre Wechsel bezahlen sie prompt, +Noch vor dem letzten Respittag. + +Die Juden teilen sich wieder ein +In zwei verschiedne Parteien; +Die Alten gehn in die Synagog', +Und in den Tempel die Neuen. + +Die Neuen essen Schweinefleisch, +Zeigen sich widersetzig, +Sind Demokraten; die Alten sind +Vielmehr aristokrätzig. + +Ich liebe die Alten, ich liebe die Neu'n - +Doch schwör ich, beim ewigen Gotte, +Ich liebe gewisse Fischchen noch mehr, +Man heißt sie geräucherte Sprotte. + + + +CAPUT XXIII + +Als Republik war Hamburg nie +So groß wie Venedig und Florenz, +Doch Hamburg hat bessere Austern; man speist +Die besten im Keller von Lorenz. + +Es war ein schöner Abend, als ich +Mich hinbegab mit Campen; +Wir wollten miteinander dort +In Rheinwein und Austern schlampampen. + +Auch gute Gesellschaft fand ich dort, +Mit Freude sah ich wieder +Manch alten Genossen, zum Beispiel Chaufepié, +Auch manche neue Brüder. + +Da war der Wille, dessen Gesicht +Ein Stammbuch, worin mit Hieben +Die akademischen Feinde sich +Recht leserlich eingeschrieben. + +Da war der Fucks, ein blinder Heid' +Und persönlicher Feind des Jehova, +Glaubt nur an Hegel und etwa noch +An die Venus des Canova. + +Mein Campe war Amphitryo +Und lächelte vor Wonne; +Sein Auge strahlte Seligkeit, +Wie eine verklärte Madonne. + +Ich aß und trank, mit gutem App'tit, +Und dachte in meinem Gemüte: +'Der Campe ist wirklich ein großer Mann, +Ist aller Verleger Blüte. + +Ein andrer Verleger hätte mich +Vielleicht verhungern lassen, +Der aber gibt mir zu trinken sogar; +Werde ihn niemals verlassen. + +Ich danke dem Schöpfer in der Höh', +Der diesen Saft der Reben +Erschuf, und zum Verleger mir +Den Julius Campe gegeben! + +Ich danke dem Schöpfer in der Höh', +Der, durch sein großes Werde, +Die Austern erschaffen in der See +Und den Rheinwein auf der Erde! + +Der auch Zitronen wachsen ließ, +Die Austern zu betauen - +Nun laß mich, Vater, diese Nacht +Das Essen gut verdauen!' + +Der Rheinwein stimmt mich immer weich +Und löst jedwedes Zerwürfnis +In meiner Brust, entzündet darin +Der Menschenliebe Bedürfnis. + +Es treibt mich aus dem Zimmer hinaus, +Ich muß in den Straßen schlendern; +Die Seele sucht eine Seele und späht +Nach zärtlich weißen Gewändern. + +In solchen Momenten zerfließe ich fast +Vor Wehmut und vor Sehnen; +Die Katzen scheinen mir alle grau, +Die Weiber alle Helenen. - - - + +Und als ich auf die Drehbahn kam, +Da sah ich im Mondenschimmer +Ein hehres Weib, ein wunderbar +Hochbusiges Frauenzimmer. + +Ihr Antlitz war rund und kerngesund, +Die Augen wie blaue Turkoasen, +Die Wangen wie Rosen, wie Kirschen der Mund, +Auch etwas rötlich die Nase. + +Ihr Haupt bedeckte eine Mütz' +Von weißem gesteiftem Linnen, +Gefältelt wie eine Mauerkron', +Mit Türmchen und zackigen Zinnen. + +Sie trug eine weiße Tunika, +Bis an die Waden reichend. +Und welche Waden! Das Fußgestell +Zwei dorischen Säulen gleichend. + +Die weltlichste Natürlichkeit +Konnt man in den Zügen lesen; +Doch das übermenschliche Hinterteil +Verriet ein höheres Wesen. + +Sie trat zu mir heran und sprach: +»Willkommen an der Elbe +Nach dreizehnjähr'ger Abwesenheit - +Ich sehe, du bist noch derselbe! + +Du suchst die schönen Seelen vielleicht, +Die dir so oft begegent +Und mit dir geschwärmt die Nacht hindurch, +In dieser schönen Gegend. + +Das Leben verschlang sie, das Ungetüm, +Die hundertköpfige Hyder; +Du findest nicht die alte Zeit +Und die Zeitgenössinnen wieder! + +Du findest die holden Blumen nicht mehr, +Die das junge Herz vergöttert; +Hier blühten sie - jetzt sind sie verwelkt, +Und der Sturm hat sie entblättert. + +Verwelkt, entblättert, zertreten sogar +Von rohen Schicksalsfüßen - +Mein Freund, das ist auf Erden das Los +Von allem Schönen und Süßen!« + +»Wer bist du?« - rief ich - »du schaust mich an +Wie'n Traum aus alten Zeiten - +Wo wohnst du, großes Frauenbild? +Und darf ich dich begleiten?« + +Da lächelte das Weib und sprach: +»Du irrst dich, ich bin eine feine, +Anständ'ge, moralische Person; +Du irrst dich, ich bin nicht so eine. + +Ich bin nicht so eine kleine Mamsell, +So eine welsche Lorettin - +Denn wisse: ich bin Hammonia, +Hamburgs beschützende Göttin! + +Du stutzest und erschreckst sogar, +Du sonst so mutiger Sänger! +Willst du mich noch begleiten jetzt? +Wohlan, so zögre nicht länger.« + +Ich aber lachte laut und rief: +»Ich folge auf der Stelle - +Schreit du voran, ich folge dir, +Und ging' es in die Hölle!« + + + +CAPUT XXIV + +Wie ich die enge Sahltrepp' hinauf +Gekommen, ich kann es nicht sagen; +Es haben unsichtbare Geister mich +Vielleicht hinaufgetragen. + +Hier, in Hammonias Kämmerlein, +Verflossen mir schnell die Stunden. +Die Göttin gestand die Sympathie, +Die sie immer für mich empfunden. + +»Siehst du« - sprach sie -, »in früherer Zeit +War mir am meisten teuer +Der Sänger, der den Messias besang +Auf seiner frommen Leier. + +Dort auf der Kommode steht noch jetzt +Die Büste von meinem Klopstock, +Jedoch seit Jahren dient sie mir +Nur noch als Haubenkopfstock. + +Du bist mein Liebling jetzt, es hängt +Dein Bildnis zu Häupten des Bettes; +Und, siehst du, ein frischer Lorbeer umkränzt +Den Rahmen des holden Porträtes. + +Nur daß du meine Söhne so oft +Genergelt, ich muß es gestehen, +Hat mich zuweilen tief verletzt; +Das darf nicht mehr geschehen. + +Es hat die Zeit dich hoffentlich +Von solcher Unart geheilet, +Und dir eine größere Toleranz +Sogar für Narren erteilet. + +Doch sprich, wie kam der Gedanke dir, +Zu reisen nach dem Norden +In solcher Jahrzeit? Das Wetter ist +Schon winterlich geworden!« + +»Oh, meine Göttin!« - erwiderte ich - +»Es schlafen tief im Grunde +Des Menschenherzens Gedanken, die oft +Erwachen zur unrechten Stunde. + +Es ging mir äußerlich ziemlich gut, +Doch innerlich war ich beklommen, +Und die Beklemmnis täglich wuchs - +Ich hatte das Heimweh bekommen. + +Die sonst so leichte französische Luft, +Sie fing mich an zu drücken; +Ich mußte Atem schöpfen hier +In Deutschland, um nicht zu ersticken. + +Ich sehnte mich nach Torfgeruch, +Nach deutschem Tabaksdampfe; +Es bebte mein Fuß vor Ungeduld, +Daß er deutschen Boden stampfe. + +Ich seufzte des Nachts, und sehnte mich, +Daß ich sie wiedersähe, +Die alte Frau, die am Dammtor wohnt; +Das Lottchen wohnt in der Nähe. + +Auch jenem edlen alten Herrn, +Der immer mich ausgescholten +Und immer großmütig beschützt, auch ihm +Hat mancher Seufzer gegolten. + +Ich wollte wieder aus seinem Mund +Vernehmen den 'dummen Jungen', +Das hat mir immer wie Musik +Im Herzen nachgeklungen. + +Ich sehnte mich nach dem blauen Rauch, +Der aufsteigt aus deutschen Schornsteinen, +Nach niedersächsischen Nachtigall'n, +Nach stillen Buchenhainen. + +Ich sehnte mich nach den Plätzen sogar, +Nach jenen Leidensstationen, +Wo ich geschleppt das Jugendkreuz +Und meine Dornenkronen. + +Ich wollte weinen, wo ich einst +Geweint die bittersten Tränen - +Ich glaube, Vaterlandsliebe nennt +Man dieses törichte Sehnen. + +Ich spreche nicht gern davon; es ist +Nur eine Krankheit im Grunde. +Verschämten Gemütes, verberge ich stets +Dem Publiko meine Wunde. + +Fatal ist mir das Lumpenpack, +Das, um die Herzen zu rühren, +Den Patriotismus trägt zur Schau +Mit allen seinen Geschwüren. + +Schamlose schäbige Bettler sind's, +Almosen wollen sie haben - +Ein'n Pfennig Popularität +Für Menzel und seine Schwaben! + +Oh, meine Göttin, du hast mich heut +In weicher Stimmung gefunden; +Bin etwas krank, doch pfleg ich mich, +Und ich werde bald gesunden. + +Ja, ich bin krank, und du könntest mir +Die Seele sehr erfrischen +Durch eine gute Tasse Tee; +Du mußt ihn mit Rum vermischen.« + + + +CAPUT XXV + +Die Göttin hat mir Tee gekocht +Und Rum hineingegossen; +Sie selber aber hat den Rum +Ganz ohne Tee genossen. + +An meine Schulter lehnte sie +Ihr Haupt (die Mauerkrone, +Die Mütze, ward etwas zerknittert davon), +Und sie sprach mit sanftem Tone: + +»Ich dachte manchmal mit Schrecken dran, +Daß du in dem sittenlosen +Paris so ganz ohne Aufsicht lebst, +Bei jenen frivolen Franzosen. + +Du schlenderst dort herum und hast +Nicht mal an deiner Seite +Einen treuen deutschen Verleger, der dich +Als Mentor warne und leite. + +Und die Verführung ist dort so groß, +Dort gibt es so viele Sylphiden, +Die ungesund, und gar zu leicht +Verliert man den Seelenfrieden. + +Geh nicht zurück und bleib bei uns; +Hier herrschen noch Zucht und Sitte, +Und manches stille Vergnügen blüht +Auch hier, in unserer Mitte. + +Bleib bei uns in Deutschland, es wird dir hier +Jetzt besser als ehmals munden; +Wir schreiten fort, du hast gewiß +Den Fortschritt selbst gefunden. + +Auch die Zensur ist nicht mehr streng, +Hoffmann wird älter und milder +Und streicht nicht mehr mit Jugendzorn +Dir deine 'Reisebilder'. + +Du selbst bist älter und milder jetzt, +Wirst dich in manches schicken, +Und wirst sogar die Vergangenheit +In besserem Lichte erblicken. + +Ja, daß es uns früher so schrecklich ging, +In Deutschland, ist Übertreibung; +Man konnte entrinnen der Knechtschaft, wie einst +In Rom, durch Selbstentleibung. + +Gedankenfreiheit genoß das Volk, +Sie war für die großen Massen, +Beschränkung traf nur die g'ringe Zahl +Derjen'gen, die drucken lassen. + +Gesetzlose Willkür herrschte nie, +Dem schlimmsten Demagogen +Ward niemals ohne Urteilspruch +Die Staatskokarde entzogen. + +So übel war es in Deutschland nie, +Trotz aller Zeitbedrängnis - +Glaub mir, verhungert ist nie ein Mensch +In einem deutschen Gefängnis. + +Es blühte in der Vergangenheit +So manche schöne Erscheinung +Des Glaubens und der Gemütlichkeit; +Jetzt herrscht nur Zweifel, Verneinung. + +Die praktische äußere Freiheit wird einst +Das Ideal vertilgen, +Das wir im Busen getragen - es war +So rein wie der Traum der Liljen! + +Auch unsre schöne Poesie +Erlischt, sie ist schon ein wenig +Erloschen; mit andern Königen stirbt +Auch Freiligraths Mohrenkönig. + +Der Enkel wird essen und trinken genug, +Doch nicht in beschaulicher Stille; +Es poltert heran ein Spektakelstück, +Zu Ende geht die Idylle. + +Oh, könntest du schweigen, ich würde dir +Das Buch des Schicksals entsiegeln, +Ich ließe dir spätere Zeiten sehn +In meinen Zauberspiegeln. + +Was ich den sterblichen Menschen nie +Gezeigt, ich möcht es dir zeigen: +Die Zukunft deines Vaterlands - +Doch ach! du kannst nicht schweigen!« + +»Mein Gott, o Göttin!« - rief ich entzückt - +»Das wäre mein größtes Vergnügen, +Laß mich das künftige Deutschland sehn - +Ich bin ein Mann und verschwiegen. + +Ich will dir schwören jeden Eid, +Den du nur magst begehren, +Mein Schweigen zu verbürgen dir - +Sag an, wie soll ich schwören?« + +Doch jene erwiderte: »Schwöre mir +In Vater Abrahams Weise, +Wie er Eliesern schwören ließ, +Als dieser sich gab auf die Reise. + +Heb auf das Gewand und lege die Hand +Hier unten an meine Hüften, +Und schwöre mir Verschwiegenheit +In Reden und in Schriften!« + +Ein feierlicher Moment! Ich war +Wie angeweht vom Hauche +Der Vorzeit, als ich schwur den Eid, +Nach uraltem Erzväterbrauche. + +Ich hob das Gewand der Göttin auf, +Und legte an ihre Hüften +Die Hand, gelobend Verschwiegenheit +In Reden und in Schriften. + + + +CAPUT XXVI + +Die Wangen der Göttin glühten so rot +(Ich glaube, in die Krone +Stieg ihr der Rum), und sie sprach zu mir +In sehr wehmütigem Tone: + +»Ich werde alt. Geboren bin ich +Am Tage von Hamburgs Begründung. +Die Mutter war Schellfischkönigin +Hier an der Elbe Mündung. + +Mein Vater war ein großer Monarch, +Carolus Magnus geheißen, +Er war noch mächt'ger und klüger sogar +Als Friedrich der Große von Preußen. + +Der Stuhl ist zu Aachen, auf welchem er +Am Tage der Krönung ruhte; +Den Stuhl, worauf er saß in der Nacht, +Den erbte die Mutter, die gute. + +Die Mutter hinterließ ihn mir, +Ein Möbel von scheinlosem Äußern, +Doch böte mir Rothschild all sein Geld, +Ich würde ihn nicht veräußern. + +Siehst du, dort in dem Winkel steht +Ein alter Sessel, zerrissen +Das Leder der Lehne, von Mottenfraß +Zernagt das Polsterkissen. + +Doch gehe hin und hebe auf +Das Kissen von dem Sessel, +Du schaust eine runde Öffnung dann, +Darunter einen Kessel - + +Das ist ein Zauberkessel, worin +Die magischen Kräfte brauen, +Und steckst du in die Ründung den Kopf, +So wirst du die Zukunft schauen - + +Die Zukunft Deutschlands erblickst du hier, +Gleich wogenden Phantasmen, +Doch schaudre nicht, wenn aus dem Wust +Aufsteigen die Miasmen!« + +Sie sprach's und lachte sonderbar, +Ich aber ließ mich nicht schrecken, +Neugierig eilte ich, den Kopf +In die furchtbare Ründung zu stecken. + +Was ich gesehn, verrate ich nicht, +Ich habe zu schweigen versprochen, +Erlaubt ist mir zu sagen kaum, +O Gott! was ich gerochen! - - - + +Ich denke mit Widerwillen noch +An jene schnöden, verfluchten +Vorspielgerüche, das schien ein Gemisch +Von altem Kohl und Juchten. + +Entsetzlich waren die Düfte, o Gott! +Die sich nachher erhuben; +Es war, als fegte man den Mist +Aus sechsunddreißig Gruben. - - - + +Ich weiß wohl, was Saint-Just gesagt +Weiland im Wohlfahrtsausschuß: +Man heile die große Krankheit nicht +Mit Rosenöl und Moschus - + +Doch dieser deutsche Zukunftsduft +Mocht alles überragen, +Was meine Nase je geahnt - +Ich konnt es nicht länger ertragen - - - + +Mir schwanden die Sinne, und als ich aufschlug +Die Augen, saß ich an der Seite +Der Göttin noch immer, es lehnte mein Haupt +An ihre Brust, die breite. + +Es blitzte ihr Blick, es glühte ihr Mund, +Es zuckten die Nüstern der Nase, +Bacchantisch umschlang sie den Dichter und sang +Mit schauerlich wilder Ekstase: + +»Bleib bei mir in Hamburg, ich liebe dich, +Wir wollen trinken und essen +Den Wein und die Austern der Gegenwart, +Und die dunkle Zukunft vergessen. + +Den Deckel darauf! damit uns nicht +Der Mißduft die Freude vertrübet - +Ich liebe dich, wie je ein Weib +Einen deutschen Poeten geliebet! + +Ich küsse dich, und ich fühle, wie mich +Dein Genius begeistert; +Es hat ein wunderbarer Rausch +Sich meiner Seele bemeistert. + +Mir ist, als ob ich auf der Straß' +Die Nachtwächter singen hörte - +Es sind Hymenäen, Hochzeitmusik, +Mein süßer Lustgefährte! + +Jetzt kommen die reitenden Diener auch +Mit üppig lodernden Fackeln, +Sie tanzen ehrbar den Fackeltanz, +Sie springen und hüpfen und wackeln. + +Es kommt der hoch- und wohlweise Senat, +Es kommen die Oberalten; +Der Bürgermeister räuspert sich +Und will eine Rede halten. + +In glänzender Uniform erscheint +Das Korps der Diplomaten; +Sie gratulieren mit Vorbehalt +Im Namen der Nachbarstaaten. + +Es kommt die geistliche Deputation, +Rabbiner und Pastöre - +Doch ach! da kommt der Hoffmann auch +Mit seiner Zensorschere! + +Die Schere klirrt in seiner Hand, +Es rückt der wilde Geselle +Dir auf den Leib - er schneidet ins Fleisch - +Es war die beste Stelle.« + + + +CAPUT XXVII + +Was sich in jener Wundernacht +Des weitern zugetragen, +Erzähl ich euch ein andermal, +In warmen Sommertagen. + +Das alte Geschlecht der Heuchelei +Verschwindet, Gott sei Dank, heut, +Es sinkt allmählich ins Grab, es stirbt +An seiner Lügenkrankheit. + +Es wächst heran ein neues Geschlecht, +Ganz ohne Schminke und Sünden, +Mit freien Gedanken, mit freier Lust - +Dem werde ich alles verkünden. + +Schon knospet die Jugend, welche versteht +Des Dichters Stolz und Güte, +Und sich an seinem Herzen wärmt, +An seinem Sonnengemüte. + +Mein Herz ist liebend wie das Licht, +Und rein und keusch wie das Feuer; +Die edelsten Grazien haben gestimmt +Die Saiten meiner Leier. + +Es ist dieselbe Leier, die einst +Mein Vater ließ ertönen, +Der selige Herr Aristophanes, +Der Liebling der Kamönen. + +Es ist die Leier, worauf er einst +Den Paisteteros besungen, +Der um die Basileia gefreit, +Mit ihr sich emporgeschwungen. + +Im letzten Kapitel hab ich versucht, +Ein bißchen nachzuahmen +Den Schluß der »Vögel«, die sind gewiß +Das beste von Vaters Dramen. + +Die »Frösche« sind auch vortrefflich. Man gibt +In deutscher Übersetzung +Sie jetzt auf der Bühne von Berlin, +Zu königlicher Ergetzung. + +Der König liebt das Stück. Das zeugt +Von gutem antiken Geschmacke; +Den Alten amüsierte weit mehr +Modernes Froschgequacke. + +Der König liebt das Stück. Jedoch +Wär noch der Autor am Leben, +Ich riete ihm nicht, sich in Person +Nach Preußen zu begeben. + +Dem wirklichen Aristophanes, +Dem ginge es schlecht, dem Armen; +Wir würden ihn bald begleitet sehn +Mit Chören von Gendarmen. + +Der Pöbel bekäm die Erlaubnis bald, +Zu schimpfen statt zu wedeln; +Die Polizei erhielte Befehl, +Zu fahnden auf den Edeln. + +O König! Ich meine es gut mit dir, +Und will einen Rat dir geben: +Die toten Dichter, verehre sie nur, +Doch schone, die da leben. + +Beleid'ge lebendige Dichter nicht, +Sie haben Flammen und Waffen, +Die furchtbarer sind als Jovis Blitz, +Den ja der Poet erschaffen. + +Beleid'ge die Götter, die alten und neu'n, +Des ganzen Olymps Gelichter, +Und den höchsten Jehova obendrein - +Beleid'ge nur nicht den Dichter! + +Die Götter bestrafen freilich sehr hart +Des Menschen Missetaten, +Das Höllenfeuer ist ziemlich heiß, +Dort muß man schmoren und braten - + +Doch Heilige gibt es, die aus der Glut +Losbeten den Sünder; durch Spenden +An Kirchen und Seelenmessen wird +Erworben ein hohes Verwenden. + +Und am Ende der Tage kommt Christus herab +Und bricht die Pforten der Hölle; +Und hält er auch ein strenges Gericht, +Entschlüpfen wird mancher Geselle. + +Doch gibt es Höllen, aus deren Haft +Unmöglich jede Befreiung; +Hier hilft kein Beten, ohnmächtig ist hier +Des Welterlösers Verzeihung. + +Kennst du die Hölle des Dante nicht, +Die schrecklichen Terzetten? +Wen da der Dichter hineingesperrt, +Den kann kein Gott mehr retten - + +Kein Gott, kein Heiland erlöst ihn je +Aus diesen singenden Flammen! +Nimm dich in acht, daß wir dich nicht +Zu solcher Hölle verdammen. + + +---------------------------------------------------------------------- +End of "Deutschland. Ein Wintermärchen" by Heinrich Heine + + + + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, DEUTSCHLAND. EIN WINTERMAERCHEN *** + +This file should be named 6079-8.txt or 6079-8.zip + +Project Gutenberg eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US +unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + +We are now trying to release all our eBooks one year in advance +of the official release dates, leaving time for better editing. +Please be encouraged to tell us about any error or corrections, +even years after the official publication date. + +Please note neither this listing nor its contents are final til +midnight of the last day of the month of any such announcement. +The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at +Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. 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This is +also a good way to get them instantly upon announcement, as the +indexes our cataloguers produce obviously take a while after an +announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter. + +http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext04 or +ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext04 + +Or /etext03, 02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, 91 or 90 + +Just search by the first five letters of the filename you want, +as it appears in our Newsletters. + + +Information about Project Gutenberg (one page) + +We produce about two million dollars for each hour we work. The +time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours +to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright +searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our +projected audience is one hundred million readers. If the value +per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2 +million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text +files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+ +We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002 +If they reach just 1-2% of the world's population then the total +will reach over half a trillion eBooks given away by year's end. + +The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks! +This is ten thousand titles each to one hundred million readers, +which is only about 4% of the present number of computer users. + +Here is the briefest record of our progress (* means estimated): + +eBooks Year Month + + 1 1971 July + 10 1991 January + 100 1994 January + 1000 1997 August + 1500 1998 October + 2000 1999 December + 2500 2000 December + 3000 2001 November + 4000 2001 October/November + 6000 2002 December* + 9000 2003 November* +10000 2004 January* + + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created +to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium. + +We need your donations more than ever! + +As of February, 2002, contributions are being solicited from people +and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut, +Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois, +Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts, +Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New +Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio, +Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South +Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West +Virginia, Wisconsin, and Wyoming. + +We have filed in all 50 states now, but these are the only ones +that have responded. + +As the requirements for other states are met, additions to this list +will be made and fund raising will begin in the additional states. +Please feel free to ask to check the status of your state. + +In answer to various questions we have received on this: + +We are constantly working on finishing the paperwork to legally +request donations in all 50 states. 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