summaryrefslogtreecommitdiff
diff options
context:
space:
mode:
authorRoger Frank <rfrank@pglaf.org>2025-10-15 05:26:52 -0700
committerRoger Frank <rfrank@pglaf.org>2025-10-15 05:26:52 -0700
commit20fcf1e4503226b5d76c74ba02ae6ebc99d57be6 (patch)
treed826498ff3664cae48b2511fa9a51771a5d7b667
initial commit of ebook 6079HEADmain
-rw-r--r--.gitattributes3
-rw-r--r--6079-8.txt3140
-rw-r--r--6079-8.zipbin0 -> 39847 bytes
-rw-r--r--LICENSE.txt11
-rw-r--r--README.md2
5 files changed, 3156 insertions, 0 deletions
diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes
new file mode 100644
index 0000000..6833f05
--- /dev/null
+++ b/.gitattributes
@@ -0,0 +1,3 @@
+* text=auto
+*.txt text
+*.md text
diff --git a/6079-8.txt b/6079-8.txt
new file mode 100644
index 0000000..fa5f4e0
--- /dev/null
+++ b/6079-8.txt
@@ -0,0 +1,3140 @@
+The Project Gutenberg EBook of Deutschland. Ein Wintermaerchen, by Heinrich Heine
+(#6 in our series by Heinrich Heine)
+
+Copyright laws are changing all over the world. Be sure to check the
+copyright laws for your country before downloading or redistributing
+this or any other Project Gutenberg eBook.
+
+This header should be the first thing seen when viewing this Project
+Gutenberg file. Please do not remove it. Do not change or edit the
+header without written permission.
+
+Please read the "legal small print," and other information about the
+eBook and Project Gutenberg at the bottom of this file. Included is
+important information about your specific rights and restrictions in
+how the file may be used. You can also find out about how to make a
+donation to Project Gutenberg, and how to get involved.
+
+
+**Welcome To The World of Free Plain Vanilla Electronic Texts**
+
+**eBooks Readable By Both Humans and By Computers, Since 1971**
+
+*****These eBooks Were Prepared By Thousands of Volunteers!*****
+
+
+Title: Deutschland. Ein Wintermaerchen
+
+Author: Heinrich Heine
+
+Release Date: July, 2004 [EBook #6079]
+[Yes, we are more than one year ahead of schedule]
+[This file was first posted on November 3, 2002]
+
+Edition: 10
+
+Language: German
+
+Character set encoding: Latin1
+
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, DEUTSCHLAND. EIN WINTERMAERCHEN ***
+
+
+
+
+This eBook was from Project Gutenberg of Germany. Reformatting by Gunther
+Olesch and Andrew Sly.
+
+
+
+
+"Deutschland. Ein Wintermärchen" (Germany. A winter tale) by Heinrich
+Heine [in German]
+
+
+
+Heinrich Heine
+
+Deutschland. Ein Wintermärchen
+
+
+
+
+VORWORT
+
+Das nachstehende Gedicht schrieb ich im diesjährigen Monat Januar zu
+Paris, und die freie Luft des Ortes wehete in manche Strophe weit
+schärfer hinein, als mir eigentlich lieb war. Ich unterließ nicht,
+schon gleich zu mildern und auszuscheiden, was mit dem deutschen Klima
+unverträglich schien. Nichtsdestoweniger, als ich das Manuskript im
+Monat März an meinen Verleger nach Hamburg schickte, wurden mir noch
+mannigfache Bedenklichkeiten in Erwägung gestellt. Ich mußte mich dem
+fatalen Geschäfte des Umarbeitens nochmals unterziehen, und da mag es
+wohl geschehen sein, daß die ernsten Töne mehr als nötig abgedämpft
+oder von den Schellen des Humors gar zu heiter überklingelt wurden.
+Einigen nackten Gedanken habe ich im hastigen Unmut ihre Feigenblätter
+wieder abgerissen, und zimperlich spröde Ohren habe ich vielleicht
+verletzt. Es ist mir leid, aber ich tröste mich mit dem Bewußtsein,
+daß größere Autoren sich ähnliche Vergehen zuschulden kommen ließen.
+Des Aristophanes will ich zu solcher Beschönigung gar nicht erwähnen,
+denn der war ein blinder Heide, und sein Publikum zu Athen hatte zwar
+eine klassische Erziehung genossen, wußte aber wenig von Sittlichkeit.
+Auf Cervantes und Molière könnte ich mich schon viel besser berufen;
+und ersterer schrieb für den hohen Adel beider Kastilien, letzterer
+für den großen König und den großen Hof von Versailles! Ach, ich
+vergesse, daß wir in einer sehr bürgerlichen Zeit leben, und ich sehe
+leider voraus, daß viele Töchter gebildeter Stände an der Spree, wo
+nicht gar an der Alster, über mein armes Gedicht die mehr oder minder
+gebogenen Näschen rümpfen werden! Was ich aber mit noch größerem
+Leidwesen voraussehe, das ist das Zetern jener Pharisäer der
+Nationalität, die jetzt mit den Antipathien der Regierungen Hand in
+Hand gehen, auch die volle Liebe und Hochachtung der Zensur genießen
+und in der Tagespresse den Ton angeben können, wo es gilt, jene
+Gegner zu befehden, die auch zugleich die Gegner ihrer allerhöchsten
+Herrschaften sind. Wir sind im Herzen gewappnet gegen das Mißfallen
+dieser heldenmütigen Lakaien in schwarzrotgoldner Livree. Ich höre
+schon ihre Bierstimmen: »Du lästerst sogar unsere Farben, Verächter
+des Vaterlands, Freund der Franzosen, denen du den freien Rhein
+abtreten willst!« Beruhigt euch. Ich werde eure Farben achten und
+ehren, wenn sie es verdienen, wenn sie nicht mehr eine müßige oder
+knechtische Spielerei sind. Pflanzt die schwarzrotgoldne Fahne auf
+die Höhe des deutschen Gedankens, macht sie zur Standarte des freien
+Menschtums, und ich will mein bestes Herzblut für sie hingeben.
+Beruhigt euch, ich liebe das Vaterland ebensosehr wie ihr. Wegen
+dieser Liebe habe ich dreizehn Lebensjahre im Exile verlebt, und
+wegen ebendieser Liebe kehre ich wieder zurück ins Exil, vielleicht
+für immer, jedenfalls ohne zu flennen oder eine schiefmäulige
+Duldergrimasse zu schneiden. Ich bin der Freund der Franzosen, wie
+ich der Freund aller Menschen bin, wenn sie vernünftig und gut sind,
+und weil ich selber nicht so dumm oder so schlecht bin, als daß ich
+wünschen sollte, daß meine Deutschen und die Franzosen, die beiden
+auserwählten Völker der Humanität, sich die Hälse brächen zum Besten
+von England und Rußland und zur Schadenfreude aller Junker und Pfaffen
+dieses Erdballs. Seid ruhig, ich werde den Rhein nimmermehr den
+Franzosen abtreten, schon aus dem ganz einfachen Grunde: weil mir der
+Rhein gehört. Ja, mir gehört er, durch unveräußerliches Geburtsrecht,
+ich bin des freien Rheins noch weit freierer Sohn, an seinem Ufer
+stand meine Wiege, und ich sehe gar nicht ein, warum der Rhein
+irgendeinem andern gehören soll als den Landeskindern. Elsaß und
+Lothringen kann ich freilich dem deutschen Reiche nicht so leicht
+einverleiben, wie ihr es tut, denn die Leute in jenen Landen hängen
+fest an Frankreich wegen der Rechte, die sie durch die französische
+Staatsumwälzung gewonnen, wegen jener Gleichheitsgesetze und freien
+Institutionen, die dem bürgerlichen Gemüte sehr angenehm sind, aber
+dem Magen der großen Menge dennoch vieles zu wünschen übriglassen.
+Indessen, die Elsasser und Lothringer werden sich wieder an
+Deutschland anschließen, wenn wir das vollenden, was die Franzosen
+begonnen haben, wenn wir diese überflügeln in der Tat, wie wir es
+schon getan im Gedanken, wenn wir uns bis zu den letzten Folgerungen
+desselben emporschwingen, wenn wir die Dienstbarkeit bis in ihrem
+letzten Schlupfwinkel, dem Himmel, zerstören, wenn wir den Gott, der
+auf Erden im Menschen wohnt, aus seiner Erniedrigung retten, wenn wir
+die Erlöser Gottes werden, wenn wir das arme, glückenterbte Volk und
+den verhöhnten Genius und die geschändete Schönheit wieder in ihre
+Würde einsetzen, wie unsere großen Meister gesagt und gesungen und wie
+wir es wollen, wir, die Jünger - ja, nicht bloß Elsaß und Lothringen,
+sondern ganz Frankreich wird uns alsdann zufallen, ganz Europa, die
+ganze Welt - die ganze Welt wird deutsch werden! Von dieser Sendung
+und Universalherrschaft Deutschlands träume ich oft, wenn ich unter
+Eichen wandle. Das ist _mein_ Patriotismus.
+
+Ich werde in einem nächsten Buche auf dieses Thema zurückkommen, mit
+letzter Entschlossenheit, mit strenger Rücksichtslosigkeit, jedenfalls
+mit Loyalität. Den entschiedensten Widerspruch werde ich zu achten
+wissen, wenn er aus einer Überzeugung hervorgeht. Selbst der rohesten
+Feindseligkeit will ich alsdann geduldig verzeihen; ich will sogar der
+Dummheit Rede stehen, wenn sie nur ehrlich gemeint ist. Meine ganze
+schweigende Verachtung widme ich hingegen dem gesinnungslosen Wichte,
+der aus leidiger Scheelsucht oder unsauberer Privatgiftigkeit meinen
+guten Leumund in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen sucht und
+dabei die Maske des Patriotismus, wo nicht gar die der Religion und
+der Moral, benutzt. Der anarchische Zustand der deutschen politischen
+und literarischen Zeitungsblätterwelt ward in solcher Beziehung
+zuweilen mit einem Talente ausgebeutet, das ich schier bewundern
+mußte. Wahrhaftig, Schufterle ist nicht tot, er lebt noch immer und
+steht seit Jahren an der Spitze einer wohlorganisierten Bande von
+literarischen Strauchdieben, die in den böhmischen Wäldern unserer
+Tagespresse ihr Wesen treiben, hinter jedem Busch, hinter jedem Blatt,
+versteckt liegen und dem leisesten Pfiff ihres würdigen Hauptmanns
+gehorchen.
+
+Noch ein Wort. Das »Wintermärchen« bildet den Schluß der »Neuen
+Gedichte«, die in diesem Augenblick bei Hoffmann und Campe erscheinen.
+Um den Einzeldruck veranstalten zu können, mußte mein Verleger das
+Gedicht den überwachenden Behörden zu besonderer Sorgfalt überliefern,
+und neue Varianten und Ausmerzungen sind das Ergebnis dieser höheren
+Kritik.
+
+Hamburg, den 17. September 1844 Heinrich Heine
+
+
+
+
+CAPUT I
+
+Im traurigen Monat November war's,
+Die Tage wurden trüber,
+Der Wind riß von den Bäumen das Laub,
+Da reist ich nach Deutschland hinüber.
+
+Und als ich an die Grenze kam,
+Da fühlt ich ein stärkeres Klopfen
+In meiner Brust, ich glaube sogar
+Die Augen begunnen zu tropfen.
+
+Und als ich die deutsche Sprache vernahm,
+Da ward mir seltsam zumute;
+Ich meinte nicht anders, als ob das Herz
+Recht angenehm verblute.
+
+Ein kleines Harfenmädchen sang.
+Sie sang mit wahrem Gefühle
+Und falscher Stimme, doch ward ich sehr
+Gerühret von ihrem Spiele.
+
+Sie sang von Liebe und Liebesgram,
+Aufopfrung und Wiederfinden
+Dort oben, in jener besseren Welt,
+Wo alle Leiden schwinden.
+
+Sie sang vom irdischen Jammertal,
+Von Freuden, die bald zerronnen,
+Vom Jenseits, wo die Seele schwelgt
+Verklärt in ew'gen Wonnen.
+
+Sie sang das alte Entsagungslied,
+Das Eiapopeia vom Himmel,
+Womit man einlullt, wenn es greint,
+Das Volk, den großen Lümmel.
+
+Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
+Ich kenn auch die Herren Verfasser;
+Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
+Und predigten öffentlich Wasser.
+
+Ein neues Lied, ein besseres Lied,
+O Freunde, will ich euch dichten!
+Wir wollen hier auf Erden schon
+Das Himmelreich errichten.
+
+Wir wollen auf Erden glücklich sein,
+Und wollen nicht mehr darben;
+Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
+Was fleißige Hände erwarben.
+
+Es wächst hienieden Brot genug
+Für alle Menschenkinder,
+Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
+Und Zuckererbsen nicht minder.
+
+Ja, Zuckererbsen für jedermann,
+Sobald die Schoten platzen!
+Den Himmel überlassen wir
+Den Engeln und den Spatzen.
+
+Und wachsen uns Flügel nach dem Tod,
+So wollen wir euch besuchen
+Dort oben, und wir, wir essen mit euch
+Die seligsten Torten und Kuchen.
+
+Ein neues Lied, ein besseres Lied!
+Es klingt wie Flöten und Geigen!
+Das Miserere ist vorbei,
+Die Sterbeglocken schweigen.
+
+Die Jungfer Europa ist verlobt
+Mit dem schönen Geniusse
+Der Freiheit, sie liegen einander im Arm,
+Sie schwelgen im ersten Kusse.
+
+Und fehlt der Pfaffensegen dabei,
+Die Ehe wird gültig nicht minder -
+Es lebe Bräutigam und Braut,
+Und ihre zukünftigen Kinder!
+
+Ein Hochzeitkarmen ist mein Lied,
+Das bessere, das neue!
+In meiner Seele gehen auf
+Die Sterne der höchsten Weihe -
+
+Begeisterte Sterne, sie lodern wild,
+Zerfließen in Flammenbächen -
+Ich fühle mich wunderbar erstarkt,
+Ich könnte Eichen zerbrechen!
+
+Seit ich auf deutsche Erde trat,
+Durchströmen mich Zaubersäfte -
+Der Riese hat wieder die Mutter berührt,
+Und es wuchsen ihm neu die Kräfte.
+
+
+
+CAPUT II
+
+Während die Kleine von Himmelslust
+Getrillert und musizieret,
+Ward von den preußischen Douaniers
+Mein Koffer visitieret.
+
+Beschnüffelten alles, kramten herum
+In Hemden, Hosen, Schnupftüchern;
+Sie suchten nach Spitzen, nach Bijouterien,
+Auch nach verbotenen Büchern.
+
+Ihr Toren, die ihr im Koffer sucht!
+Hier werdet ihr nichts entdecken!
+Die Konterbande, die mit mir reist,
+Die hab ich im Kopfe stecken.
+
+Hier hab ich Spitzen, die feiner sind
+Als die von Brüssel und Mecheln,
+Und pack ich einst meine Spitzen aus,
+Sie werden euch sticheln und hecheln.
+
+Im Kopfe trage ich Bijouterien,
+Der Zukunft Krondiamanten,
+Die Tempelkleinodien des neuen Gotts,
+Des großen Unbekannten.
+
+Und viele Bücher trag ich im Kopf!
+Ich darf es euch versichern,
+Mein Kopf ist ein zwitscherndes Vogelnest
+Von konfiszierlichen Büchern.
+
+Glaubt mir, in Satans Bibliothek
+Kann es nicht schlimmere geben;
+Sie sind gefährlicher noch als die
+Von Hoffmann von Fallersleben! -
+
+Ein Passagier, der neben mir stand,
+Bemerkte mir, ich hätte
+Jetzt vor mir den preußischen Zollverein,
+Die große Douanenkette.
+
+»Der Zollverein« - bemerkte er -
+»Wird unser Volkstum begründen,
+Er wird das zersplitterte Vaterland
+Zu einem Ganzen verbinden.
+
+Er gibt die äußere Einheit uns,
+Die sogenannt materielle;
+Die geistige Einheit gibt uns die Zensur,
+Die wahrhaft ideelle -
+
+Sie gibt die innere Einheit uns,
+Die Einheit im Denken und Sinnen;
+Ein einiges Deutschland tut uns not,
+Einig nach außen und innen.«
+
+
+
+CAPUT III
+
+Zu Aachen, im alten Dome, liegt
+Carolus Magnus begraben.
+(Man muß ihn nicht verwechseln mit Karl
+Mayer, der lebt in Schwaben.)
+
+Ich möchte nicht tot und begraben sein
+Als Kaiser zu Aachen im Dome;
+Weit lieber lebt' ich als kleinster Poet
+Zu Stukkert am Neckarstrome.
+
+Zu Aachen langweilen sich auf der Straß'
+Die Hunde, sie flehn untertänig:
+»Gib uns einen Fußtritt, o Fremdling, das wird
+Vielleicht uns zerstreuen ein wenig.«
+
+Ich bin in diesem langweil'gen Nest
+Ein Stündchen herumgeschlendert.
+Sah wieder preußisches Militär,
+Hat sich nicht sehr verändert.
+
+Es sind die grauen Mäntel noch
+Mit dem hohen, roten Kragen -
+(Das Rot bedeutet Franzosenblut,
+Sang Körner in früheren Tagen.)
+
+Noch immer das hölzern pedantische Volk,
+Noch immer ein rechter Winkel
+In jeder Bewegung, und im Gesicht
+Der eingefrorene Dünkel.
+
+Sie stelzen noch immer so steif herum,
+So kerzengerade geschniegelt,
+Als hätten sie verschluckt den Stock,
+Womit man sie einst geprügelt.
+
+Ja, ganz verschwand die Fuchtel nie,
+Sie tragen sie jetzt im Innern;
+Das trauliche Du wird immer noch
+An das alte Er erinnern.
+
+Der lange Schnurrbart ist eigentlich nur
+Des Zopftums neuere Phase:
+Der Zopf, der ehmals hinten hing,
+Der hängt jetzt unter der Nase.
+
+Nicht übel gefiel mir das neue Kostüm
+Der Reuter, das muß ich loben,
+Besonders die Pickelhaube, den Helm
+Mit der stählernen Spitze nach oben.
+
+Das ist so rittertümlich und mahnt
+An der Vorzeit holde Romantik,
+An die Burgfrau Johanna von Montfaucon,
+An den Freiherrn Fouqué, Uhland, Tieck.
+
+Das mahnt an das Mittelalter so schön,
+An Edelknechte und Knappen,
+Die in dem Herzen getragen die Treu
+Und auf dem Hintern ein Wappen.
+
+Das mahnt an Kreuzzug und Turnei,
+An Minne und frommes Dienen,
+An die ungedruckte Glaubenszeit,
+Wo noch keine Zeitung erschienen.
+
+Ja, ja, der Helm gefällt mir, er zeugt
+Vom allerhöchsten Witze!
+Ein königlicher Einfall war's!
+Es fehlt nicht die Pointe, die Spitze!
+
+Nur fürcht ich, wenn ein Gewitter entsteht,
+Zieht leicht so eine Spitze
+Herab auf euer romantisches Haupt
+Des Himmels modernste Blitze! - -
+
+Zu Aachen, auf dem Posthausschild,
+Sah ich den Vogel wieder,
+Der mir so tief verhaßt! Voll Gift
+Schaute er auf mich nieder.
+
+Du häßlicher Vogel, wirst du einst
+Mir in die Hände fallen,
+So rupfe ich dir die Federn aus
+Und hacke dir ab die Krallen.
+
+Du sollst mir dann, in luft'ger Höh',
+Auf einer Stange sitzen,
+Und ich rufe zum lustigen Schießen herbei
+Die rheinischen Vogelschützen.
+
+Wer mir den Vogel herunterschießt,
+Mit Zepter und Krone belehn ich
+Den wackern Mann! Wir blasen Tusch
+Und rufen: »Es lebe der König!«
+
+
+
+CAPUT IV
+
+Zu Köllen kam ich spätabends an,
+Da hörte ich rauschen den Rheinfluß,
+Da fächelte mich schon deutsche Luft,
+Da fühlt ich ihren Einfluß -
+
+Auf meinen Appetit. Ich aß
+Dort Eierkuchen mit Schinken,
+Und da er sehr gesalzen war,
+Mußt ich auch Rheinwein trinken.
+
+Der Rheinwein glänzt noch immer wie Gold
+Im grünen Römerglase,
+Und trinkst du etwelche Schoppen zuviel,
+So steigt er dir in die Nase.
+
+In die Nase steigt ein Prickeln so süß,
+Man kann sich vor Wonne nicht lassen!
+Es trieb mich hinaus in die dämmernde Nacht,
+In die widerhallenden Gassen.
+
+Die steinernen Häuser schauten mich an,
+Als wollten sie mir berichten
+Legenden aus altverschollener Zeit,
+Der heil'gen Stadt Köllen Geschichten.
+
+Ja, hier hat einst die Klerisei
+Ihr frommes Wesen getrieben,
+Hier haben die Dunkelmänner geherrscht,
+Die Ulrich von Hutten beschrieben.
+
+Der Cancan des Mittelalters ward hier
+Getanzt von Nonnen und Mönchen;
+Hier schrieb Hochstraaten, der Menzel von Köln,
+Die gift'gen Denunziatiönchen.
+
+Die Flamme des Scheiterhaufens hat hier
+Bücher und Menschen verschlungen;
+Die Glocken wurden geläutet dabei
+Und Kyrie eleison gesungen.
+
+Dummheit und Bosheit buhlten hier
+Gleich Hunden auf freier Gasse;
+Die Enkelbrut erkennt man noch heut
+An ihrem Glaubenshasse. -
+
+Doch siehe! dort im Mondenschein
+Den kolossalen Gesellen!
+Er ragt verteufelt schwarz empor,
+Das ist der Dom von Köllen.
+
+Er sollte des Geistes Bastille sein,
+Und die listigen Römlinge dachten:
+In diesem Riesenkerker wird
+Die deutsche Vernunft verschmachten!
+
+Da kam der Luther, und er hat
+Sein großes »Halt!« gesprochen -
+Seit jenem Tage blieb der Bau
+Des Domes unterbrochen.
+
+Er ward nicht vollendet - und das ist gut.
+Denn eben die Nichtvollendung
+Macht ihn zum Denkmal von Deutschlands Kraft
+Und protestantischer Sendung.
+
+Ihr armen Schelme vom Domverein,
+Ihr wollt mit schwachen Händen
+Fortsetzen das unterbrochene Werk,
+Und die alte Zwingburg vollenden!
+
+O törichter Wahn! Vergebens wird
+Geschüttelt der Klingelbeutel,
+Gebettelt bei Ketzern und Juden sogar;
+Ist alles fruchtlos und eitel.
+
+Vergebens wird der große Franz Liszt
+Zum Besten des Doms musizieren,
+Und ein talentvoller König wird
+Vergebens deklamieren!
+
+Er wird nicht vollendet, der Kölner Dom,
+Obgleich die Narren in Schwaben
+Zu seinem Fortbau ein ganzes Schiff
+Voll Steine gesendet haben.
+
+Er wird nicht vollendet, trotz allem Geschrei
+Der Raben und der Eulen,
+Die, altertümlich gesinnt, so gern
+In hohen Kirchtürmen weilen.
+
+Ja, kommen wird die Zeit sogar,
+Wo man, statt ihn zu vollenden,
+Die inneren Räume zu einem Stall
+Für Pferde wird verwenden.
+
+»Und wird der Dom ein Pferdestall,
+Was sollen wir dann beginnen
+Mit den Heil'gen Drei Kön'gen, die da ruhn
+Im Tabernakel da drinnen?«
+
+So höre ich fragen. Doch brauchen wir uns
+In unserer Zeit zu genieren?
+Die Heil'gen Drei Kön'ge aus Morgenland,
+Sie können woanders logieren.
+
+Folgt meinem Rat und steckt sie hinein
+In jene drei Körbe von Eisen,
+Die hoch zu Münster hängen am Turm,
+Der Sankt Lamberti geheißen.
+
+Der Schneiderkönig saß darin
+Mit seinen beiden Räten,
+Wir aber benutzen die Körbe jetzt
+Für andre Majestäten.
+
+Zur Rechten soll Herr Balthasar,
+Zur Linken Herr Melchior schweben,
+In der Mitte Herr Gaspar - Gott weiß, wie einst
+Die drei gehaust im Leben!
+
+Die Heil'ge Allianz des Morgenlands,
+Die jetzt kanonisieret,
+Sie hat vielleicht nicht immer schön
+Und fromm sich aufgeführet.
+
+Der Balthasar und der Melchior,
+Das waren vielleicht zwei Gäuche,
+Die in der Not eine Konstitution
+Versprochen ihrem Reiche,
+
+Und später nicht Wort gehalten - Es hat
+Herr Gaspar, der König der Mohren,
+Vielleicht mit schwarzem Undank sogar
+Belohnt sein Volk, die Toren!
+
+
+
+CAPUT V
+
+Und als ich an die Rheinbrück' kam,
+Wohl an die Hafenschanze,
+Da sah ich fließen den Vater Rhein
+Im stillen Mondenglanze.
+
+»Sei mir gegrüßt, mein Vater Rhein,
+Wie ist es dir ergangen?
+Ich habe oft an dich gedacht
+Mit Sehnsucht und Verlangen.«
+
+So sprach ich, da hört ich im Wasser tief
+Gar seltsam grämliche Töne,
+Wie Hüsteln eines alten Manns,
+Ein Brümmeln und weiches Gestöhne:
+
+»Willkommen, mein Junge, das ist mir lieb,
+Daß du mich nicht vergessen;
+Seit dreizehn Jahren sah ich dich nicht,
+Mir ging es schlecht unterdessen.
+
+Zu Biberich hab ich Steine verschluckt,
+Wahrhaftig, sie schmeckten nicht lecker!
+Doch schwerer liegen im Magen mir
+Die Verse von Niklas Becker.
+
+Er hat mich besungen, als ob ich noch
+Die reinste Jungfer wäre,
+Die sich von niemand rauben läßt
+Das Kränzlein ihrer Ehre.
+
+Wenn ich es höre, das dumme Lied,
+Dann möcht ich mir zerraufen
+Den weißen Bart, ich möchte fürwahr
+Mich in mir selbst ersaufen!
+
+Daß ich keine reine Jungfer bin,
+Die Franzosen wissen es besser,
+Sie haben mit meinem Wasser so oft
+Vermischt ihr Siegergewässer.
+
+Das dumme Lied und der dumme Kerl!
+Er hat mich schmählich blamieret,
+Gewissermaßen hat er mich auch
+Politisch kompromittieret.
+
+Denn kehren jetzt die Franzosen zurück,
+So muß ich vor ihnen erröten,
+Ich, der um ihre Rückkehr so oft
+Mit Tränen zum Himmel gebeten.
+
+Ich habe sie immer so liebgehabt,
+Die lieben kleinen Französchen -
+Singen und springen sie noch wie sonst?
+Tragen noch weiße Höschen?
+
+Ich möchte sie gerne wiedersehn,
+Doch fürcht ich die Persiflage,
+Von wegen des verwünschten Lieds,
+Von wegen der Blamage.
+
+Der Alfred de Musset, der Gassenbub',
+Der kommt an ihrer Spitze
+Vielleicht als Tambour, und trommelt mir vor
+All seine schlechten Witze.«
+
+So klagte der arme Vater Rhein,
+Konnt sich nicht zufriedengeben.
+Ich sprach zu ihm manch tröstendes Wort,
+Um ihm das Herz zu heben:
+
+»O fürchte nicht, mein Vater Rhein,
+Den spöttelnden Scherz der Franzosen;
+Sie sind die alten Franzosen nicht mehr,
+Auch tragen sie andere Hosen.
+
+Die Hosen sind rot und nicht mehr weiß,
+Sie haben auch andere Knöpfe,
+Sie singen nicht mehr, sie springen nicht mehr,
+Sie senken nachdenklich die Köpfe.
+
+Sie philosophieren und sprechen jetzt
+Von Kant, von Fichte und Hegel,
+Sie rauchen Tabak, sie trinken Bier,
+Und manche schieben auch Kegel.
+
+Sie werden Philister ganz wie wir,
+Und treiben es endlich noch ärger;
+Sie sind keine Voltairianer mehr,
+Sie werden Hengstenberger.
+
+Der Alfred de Musset, das ist wahr,
+Ist noch ein Gassenjunge;
+Doch fürchte nichts, wir fesseln ihm
+Die schändliche Spötterzunge.
+
+Und trommelt er dir einen schlechten Witz,
+So pfeifen wir ihm einen schlimmern,
+Wir pfeifen ihm vor, was ihm passiert
+Bei schönen Frauenzimmern.
+
+Gib dich zufrieden, Vater Rhein,
+Denk nicht an schlechte Lieder,
+Ein besseres Lied vernimmst du bald -
+Leb wohl, wir sehen uns wieder.«
+
+
+
+CAPUT VI
+
+Den Paganini begleitete stets
+Ein Spiritus familiaris,
+Manchmal als Hund, manchmal in Gestalt
+Des seligen Georg Harrys.
+
+Napoleon sah einen roten Mann
+Vor jedem wicht'gen Ereignis.
+Sokrates hatte seinen Dämon,
+Das war kein Hirnerzeugnis.
+
+Ich selbst, wenn ich am Schreibtisch saß
+Des Nachts, hab ich gesehen
+Zuweilen einen vermummten Gast
+Unheimlich hinter mir stehen.
+
+Unter dem Mantel hielt er etwas
+Verborgen, das seltsam blinkte,
+Wenn es zum Vorschein kam, und ein Beil,
+Ein Richtbeil, zu sein mir dünkte.
+
+Er schien von untersetzter Statur,
+Die Augen wie zwei Sterne;
+Er störte mich im Schreiben nie,
+Blieb ruhig stehn in der Ferne.
+
+Seit Jahren hatte ich nicht gesehn
+Den sonderbaren Gesellen,
+Da fand ich ihn plötzlich wieder hier
+In der stillen Mondnacht zu Köllen.
+
+Ich schlenderte sinnend die Straßen entlang,
+Da sah ich ihn hinter mir gehen,
+Als ob er mein Schatten wäre, und stand
+Ich still, so blieb er stehen.
+
+Blieb stehen, als wartete er auf was,
+Und förderte ich die Schritte,
+Dann folgte er wieder. So kamen wir
+Bis auf des Domplatz' Mitte.
+
+Es ward mir unleidlich, ich drehte mich um
+Und sprach: »Jetzt steh mir Rede,
+Was folgst du mir auf Weg und Steg
+Hier in der nächtlichen Öde?
+
+Ich treffe dich immer in der Stund',
+Wo Weltgefühle sprießen
+In meiner Brust und durch das Hirn
+Die Geistesblitze schießen.
+
+Du siehst mich an so stier und fest -
+Steh Rede: Was verhüllst du
+Hier unter dem Mantel, das heimlich blinkt?
+Wer bist du und was willst du?«
+
+Doch jener erwiderte trockenen Tons,
+Sogar ein bißchen phlegmatisch:
+»Ich bitte dich, exorziere mich nicht,
+Und werde nur nicht emphatisch!
+
+Ich bin kein Gespenst der Vergangenheit,
+Kein grabentstiegener Strohwisch,
+Und von Rhetorik bin ich kein Freund,
+Bin auch nicht sehr philosophisch.
+
+Ich bin von praktischer Natur,
+Und immer schweigsam und ruhig.
+Doch wisse: was du ersonnen im Geist,
+Das führ ich aus, das tu ich.
+
+Und gehn auch Jahre drüber hin,
+Ich raste nicht, bis ich verwandle
+In Wirklichkeit, was du gedacht;
+Du denkst, und ich, ich handle.
+
+Du bist der Richter, der Büttel bin ich,
+Und mit dem Gehorsam des Knechtes
+Vollstreck' ich das Urteil, das du gefällt,
+Und sei es ein ungerechtes.
+
+Dem Konsul trug man ein Beil voran
+Zu Rom, in alten Tagen.
+Auch du hast deinen Liktor, doch wird
+Das Beil dir nachgetragen.
+
+Ich bin dein Liktor, und ich geh
+Beständig mit dem blanken
+Richtbeile hinter dir - ich bin
+Die Tat von deinem Gedanken.«
+
+
+
+CAPUT VII
+
+Ich ging nach Haus und schlief, als ob
+Die Engel gewiegt mich hätten.
+Man ruht in deutschen Betten so weich,
+Denn das sind Federbetten.
+
+Wie sehnt ich mich oft nach der Süßigkeit
+Des vaterländischen Pfühles,
+Wenn ich auf harten Matratzen lag,
+In der schlaflosen Nacht des Exiles!
+
+Man schläft sehr gut und träumt auch gut
+In unseren Federbetten.
+Hier fühlt die deutsche Seele sich frei
+Von allen Erdenketten.
+
+Sie fühlt sich frei und schwingt sich empor
+Zu den höchsten Himmelsräumen.
+O deutsche Seele, wie stolz ist dein Flug
+In deinen nächtlichen Träumen!
+
+Die Götter erbleichen, wenn du nahst!
+Du hast auf deinen Wegen
+Gar manches Sternlein ausgeputzt
+Mit deinen Flügelschlägen!
+
+Franzosen und Russen gehört das Land,
+Das Meer gehört den Briten,
+Wir aber besitzen im Luftreich des Traums
+Die Herrschaft unbestritten.
+
+Hier üben wir die Hegemonie,
+Hier sind wir unzerstückelt;
+Die andern Völker haben sich
+Auf platter Erde entwickelt. - -
+
+Und als ich einschlief, da träumte mir,
+Ich schlenderte wieder im hellen
+Mondschein die hallenden Straßen entlang,
+In dem altertümlichen Köllen.
+
+Und hinter mir ging wieder einher
+Mein schwarzer, vermummter Begleiter.
+Ich war so müde, mir brachen die Knie,
+Doch immer gingen wir weiter.
+
+Wir gingen weiter. Mein Herz in der Brust
+War klaffend aufgeschnitten,
+Und aus der Herzenswunde hervor
+Die roten Tropfen glitten.
+
+Ich tauchte manchmal die Finger hinein,
+Und manchmal ist es geschehen,
+Daß ich die Haustürpfosten bestrich
+Mit dem Blut im Vorübergehen.
+
+Und jedesmal, wenn ich ein Haus
+Bezeichnet in solcher Weise,
+Ein Sterbeglöckchen erscholl fernher,
+Wehmütig wimmernd und leise.
+
+Am Himmel aber erblich der Mond,
+Er wurde immer trüber;
+Gleich schwarzen Rossen jagten an ihm
+Die wilden Wolken vorüber.
+
+Und immer ging hinter mir einher
+Mit seinem verborgenen Beile
+Die dunkle Gestalt - so wanderten wir
+Wohl eine gute Weile.
+
+Wir gehen und gehen, bis wir zuletzt
+Wieder zum Domplatz gelangen;
+Weit offen standen die Pforten dort,
+Wir sind hineingegangen.
+
+Es herrschte im ungeheuren Raum
+Nur Tod und Nacht und Schweigen;
+Es brannten Ampeln hie und da,
+Um die Dunkelheit recht zu zeigen.
+
+Ich wandelte lange den Pfeilern entlang
+Und hörte nur die Tritte
+Von meinem Begleiter, er folgte mir
+Auch hier bei jedem Schritte.
+
+Wir kamen endlich zu einem Ort,
+Wo funkelnde Kerzenhelle
+Und blitzendes Gold und Edelstein;
+Das war die Drei-Königs-Kapelle.
+
+Die Heil'gen Drei Könige jedoch,
+Die sonst so still dort lagen,
+O Wunder! sie saßen aufrecht jetzt
+Auf ihren Sarkophagen.
+
+Drei Totengerippe, phantastisch geputzt,
+Mit Kronen auf den elenden
+Vergilbten Schädeln, sie trugen auch
+Das Zepter in knöchernen Händen.
+
+Wie Hampelmänner bewegten sie
+Die längstverstorbenen Knochen;
+Die haben nach Moder und zugleich
+Nach Weihrauchduft gerochen.
+
+Der eine bewegte sogar den Mund
+Und hielt eine Rede, sehr lange;
+Er setzte mir auseinander, warum
+Er meinen Respekt verlange.
+
+Zuerst weil er ein Toter sei,
+Und zweitens weil er ein König,
+Und drittens weil er ein Heil'ger sei -
+Das alles rührte mich wenig.
+
+Ich gab ihm zur Antwort lachenden Muts:
+»Vergebens ist deine Bemühung!
+Ich sehe, daß du der Vergangenheit
+Gehörst in jeder Beziehung.
+
+Fort! fort von hier! im tiefen Grab
+Ist eure natürliche Stelle.
+Das Leben nimmt jetzt in Beschlag
+Die Schätze dieser Kapelle.
+
+Der Zukunft fröhliche Kavallerie
+Soll hier im Dome hausen,
+Und weicht ihr nicht willig, so brauch ich Gewalt
+Und laß euch mit Kolben lausen!«
+
+So sprach ich, und ich drehte mich um,
+Da sah ich furchtbar blinken
+Des stummen Begleiters furchtbares Beil -
+Und er verstand mein Winken.
+
+Er nahte sich, und mit dem Beil
+Zerschmetterte er die armen
+Skelette des Aberglaubens, er schlug
+Sie nieder ohn' Erbarmen.
+
+Es dröhnte der Hiebe Widerhall
+Aus allen Gewölben, entsetzlich! -
+Blutströme schossen aus meiner Brust,
+Und ich erwachte plötzlich.
+
+
+
+CAPUT VIII
+
+Von Köllen bis Hagen kostet die Post
+Fünf Taler sechs Groschen preußisch.
+Die Diligence war leider besetzt,
+Und ich kam in die offene Beichais'.
+
+Ein Spätherbstmorgen, feucht und grau,
+Im Schlamme keuchte der Wagen;
+Doch trotz des schlechten Wetters und Wegs
+Durchströmte mich süßes Behagen.
+
+Das ist ja meine Heimatluft!
+Die glühende Wange empfand es!
+Und dieser Landstraßenkot, er ist
+Der Dreck meines Vaterlandes!
+
+Die Pferde wedelten mit dem Schwanz
+So traulich wie alte Bekannte,
+Und ihre Mistküchlein dünkten mir schön
+Wie die Äpfel der Atalante!
+
+Wir fuhren durch Mühlheim. Die Stadt ist nett,
+Die Menschen still und fleißig.
+War dort zuletzt im Monat Mai
+Des Jahres einunddreißig.
+
+Damals stand alles im Blütenschmuck,
+Und die Sonnenlichter lachten,
+Die Vögel sangen sehnsuchtvoll,
+Und die Menschen hofften und dachten -
+
+Sie dachten: 'Die magere Ritterschaft
+Wird bald von hinnen reisen,
+Und der Abschiedstrunk wird ihnen kredenzt
+Aus langen Flaschen von Eisen!
+
+Und die Freiheit kommt mit Spiel und Tanz,
+Mit der Fahne, der weißblauroten;
+Vielleicht holt sie sogar aus dem Grab
+Den Bonaparte, den Toten!'
+
+Ach Gott! die Ritter sind immer noch hier,
+Und manche dieser Gäuche,
+Die spindeldürre gekommen ins Land,
+Die haben jetzt dicke Bäuche.
+
+Die blassen Kanaillen, die ausgesehn
+Wie Liebe, Glauben und Hoffen,
+Sie haben seitdem in unserm Wein
+Sich rote Nasen gesoffen - - -
+
+Und die Freiheit hat sich den Fuß verrenkt,
+Kann nicht mehr springen und stürmen;
+Die Trikolore in Paris
+Schaut traurig herab von den Türmen.
+
+Der Kaiser ist auferstanden seitdem,
+Doch die englischen Würmer haben
+Aus ihm einen stillen Mann gemacht,
+Und er ließ sich wieder begraben.
+
+Hab selber sein Leichenbegängnis gesehn,
+Ich sah den goldenen Wagen
+Und die goldenen Siegesgöttinnen drauf,
+Die den goldenen Sarg getragen.
+
+Den Elysäischen Feldern entlang,
+Durch des Triumphes Bogen,
+Wohl durch den Nebel, wohl über den Schnee
+Kam langsam der Zug gezogen.
+
+Mißtönend schauerlich war die Musik.
+Die Musikanten starrten
+Vor Kälte. Wehmütig grüßten mich
+Die Adler der Standarten.
+
+Die Menschen schauten so geisterhaft
+In alter Erinnrung verloren -
+Der imperiale Märchentraum
+War wieder heraufbeschworen.
+
+Ich weinte an jenem Tag. Mir sind
+Die Tränen ins Auge gekommen,
+Als ich den verschollenen Liebesruf,
+Das »Vive l'Empereur!«, vernommen.
+
+
+
+CAPUT IX
+
+Von Köllen war ich drei Viertel auf acht
+Des Morgens fortgereiset;
+Wir kamen nach Hagen schon gegen drei,
+Da wird zu Mittag gespeiset.
+
+Der Tisch war gedeckt. Hier fand ich ganz
+Die altgermanische Küche.
+Sei mir gegrüßt, mein Sauerkraut,
+Holdselig sind deine Gerüche!
+
+Gestovte Kastanien im grünen Kohl!
+So aß ich sie einst bei der Mutter!
+Ihr heimischen Stockfische, seid mir gegrüßt!
+Wie schwimmt ihr klug in der Butter!
+
+Jedwedem fühlenden Herzen bleibt
+Das Vaterland ewig teuer -
+Ich liebe auch recht braun geschmort
+Die Bücklinge und Eier.
+
+Wie jauchzten die Würste im spritzelnden Fett!
+Die Krammetsvögel, die frommen
+Gebratenen Englein mit Apfelmus,
+Sie zwitscherten mir: »Willkommen!«
+
+»Willkommen, Landsmann« - zwitscherten sie -
+»Bist lange ausgeblieben,
+Hast dich mit fremdem Gevögel so lang
+In der Fremde herumgetrieben!«
+
+Es stand auf dem Tische eine Gans,
+Ein stilles, gemütliches Wesen.
+Sie hat vielleicht mich einst geliebt,
+Als wir beide noch jung gewesen.
+
+Sie blickte mich an so bedeutungsvoll,
+So innig, so treu, so wehe!
+Besaß eine schöne Seele gewiß,
+Doch war das Fleisch sehr zähe.
+
+Auch einen Schweinskopf trug man auf
+In einer zinnernen Schüssel;
+Noch immer schmückt man den Schweinen bei uns
+Mit Lorbeerblättern den Rüssel.
+
+
+
+CAPUT X
+
+Dicht hinter Hagen ward es Nacht,
+Und ich fühlte in den Gedärmen
+Ein seltsames Frösteln. Ich konnte mich erst
+Zu Unna, im Wirtshaus, erwärmen.
+
+Ein hübsches Mädchen fand ich dort,
+Die schenkte mir freundlich den Punsch ein;
+Wie gelbe Seide das Lockenhaar,
+Die Augen sanft wie Mondschein.
+
+Den lispelnd westfälischen Akzent
+Vernahm ich mit Wollust wieder.
+Viel süße Erinnerung dampfte der Punsch,
+Ich dachte der lieben Brüder,
+
+Der lieben Westfalen, womit ich so oft
+In Göttingen getrunken,
+Bis wir gerührt einander ans Herz
+Und unter die Tische gesunken!
+
+Ich habe sie immer so liebgehabt,
+Die lieben, guten Westfalen,
+Ein Volk, so fest, so sicher, so treu,
+Ganz ohne Gleißen und Prahlen.
+
+Wie standen sie prächtig auf der Mensur
+Mit ihren Löwenherzen!
+Es fielen so grade, so ehrlich gemeint,
+Die Quarten und die Terzen.
+
+Sie fechten gut, sie trinken gut,
+Und wenn sie die Hand dir reichen
+Zum Freundschaftsbündnis, dann weinen sie;
+Sind sentimentale Eichen.
+
+Der Himmel erhalte dich, wackres Volk,
+Er segne deine Saaten,
+Bewahre dich vor Krieg und Ruhm,
+Vor Helden und Heldentaten.
+
+Er schenke deinen Söhnen stets
+Ein sehr gelindes Examen,
+Und deine Töchter bringe er hübsch
+Unter die Haube - Amen!
+
+
+
+CAPUT XI
+
+Das ist der Teutoburger Wald,
+Den Tacitus beschrieben,
+Das ist der klassische Morast,
+Wo Varus steckengeblieben.
+
+Hier schlug ihn der Cheruskerfürst,
+Der Hermann, der edle Recke;
+Die deutsche Nationalität,
+Die siegte in diesem Drecke.
+
+Wenn Hermann nicht die Schlacht gewann,
+Mit seinen blonden Horden,
+So gäb es deutsche Freiheit nicht mehr,
+Wir wären römisch geworden!
+
+In unserem Vaterland herrschten jetzt
+Nur römische Sprache und Sitten,
+Vestalen gäb es in München sogar,
+Die Schwaben hießen Quiriten!
+
+Der Hengstenberg wär ein Haruspex
+Und grübelte in den Gedärmen
+Von Ochsen. Neander wär ein Augur
+Und schaute nach Vögelschwärmen.
+
+Birch-Pfeiffer söffe Terpentin,
+Wie einst die römischen Damen.
+(Man sagt, daß sie dadurch den Urin
+Besonders wohlriechend bekamen.)
+
+Der Raumer wäre kein deutscher Lump,
+Er wäre ein röm'scher Lumpacius.
+Der Freiligrath dichtete ohne Reim,
+Wie weiland Flaccus Horatius.
+
+Der grobe Bettler, Vater Jahn,
+Der hieße jetzt Grobianus.
+Me hercule! Maßmann spräche Latein,
+Der Marcus Tullius Maßmanus!
+
+Die Wahrheitsfreunde würden jetzt
+Mit Löwen, Hyänen, Schakalen
+Sich raufen in der Arena, anstatt
+Mit Hunden in kleinen Journalen.
+
+Wir hätten _einen_ Nero jetzt,
+Statt Landesväter drei Dutzend.
+Wir schnitten uns die Adern auf,
+Den Schergen der Knechtschaft trutzend.
+
+Der Schelling wär ganz ein Seneca,
+Und käme in solchem Konflikt um.
+Zu unsrem Cornelius sagten wir:
+»Cacatum non est pictum.«
+
+Gottlob! Der Hermann gewann die Schlacht,
+Die Römer wurden vertrieben,
+Varus mit seinen Legionen erlag,
+Und wir sind Deutsche geblieben!
+
+Wir blieben deutsch, wir sprechen deutsch,
+Wie wir es gesprochen haben;
+Der Esel heißt Esel, nicht asinus,
+Die Schwaben blieben Schwaben.
+
+Der Raumer blieb ein deutscher Lump
+In unserm deutschen Norden.
+In Reimen dichtet Freiligrath,
+Ist kein Horaz geworden.
+
+Gottlob, der Maßmann spricht kein Latein,
+Birch-Pfeiffer schreibt nur Dramen,
+Und säuft nicht schnöden Terpentin
+Wie Roms galante Damen.
+
+O Hermann, dir verdanken wir das!
+Drum wird dir, wie sich gebühret,
+Zu Detmold ein Monument gesetzt;
+Hab selber subskribieret.
+
+
+
+CAPUT XII
+
+Im nächtlichen Walde humpelt dahin
+Die Chaise. Da kracht es plötzlich -
+Ein Rad ging los. Wir halten still.
+Das ist nicht sehr ergötzlich.
+
+Der Postillion steigt ab und eilt
+Ins Dorf, und ich verweile
+Um Mitternacht allein im Wald.
+Ringsum ertönt ein Geheule.
+
+Das sind die Wölfe, die heulen so wild,
+Mit ausgehungerten Stimmen.
+Wie Lichter in der Dunkelheit
+Die feurigen Augen glimmen.
+
+Sie hörten von meiner Ankunft gewiß,
+Die Bestien, und mir zur Ehre
+Illuminierten sie den Wald
+Und singen sie ihre Chöre.
+
+Das ist ein Ständchen, ich merke es jetzt,
+Ich soll gefeiert werden!
+Ich warf mich gleich in Positur
+Und sprach mit gerührten Gebärden:
+
+»Mitwölfe! Ich bin glücklich, heut
+In eurer Mitte zu weilen,
+Wo soviel edle Gemüter mir
+Mit Liebe entgegenheulen.
+
+Was ich in diesem Augenblick
+Empfinde, ist unermeßlich;
+Ach, diese schöne Stunde bleibt
+Mir ewig unvergeßlich.
+
+Ich danke euch für das Vertraun,
+Womit ihr mich beehret
+Und das ihr in jeder Prüfungszeit
+Durch treue Beweise bewähret.
+
+Mitwölfe! Ihr zweifeltet nie an mir,
+Ihr ließet euch nicht fangen
+Von Schelmen, die euch gesagt, ich sei
+Zu den Hunden übergegangen,
+
+Ich sei abtrünnig und werde bald
+Hofrat in der Lämmerhürde -
+Dergleichen zu widersprechen war
+Ganz unter meiner Würde.
+
+Der Schafpelz, den ich umgehängt
+Zuweilen, um mich zu wärmen,
+Glaubt mir's, er brachte mich nie dahin,
+Für das Glück der Schafe zu schwärmen.
+
+Ich bin kein Schaf, ich bin kein Hund,
+Kein Hofrat und kein Schellfisch -
+Ich bin ein Wolf geblieben, mein Herz
+Und meine Zähne sind wölfisch.
+
+Ich bin ein Wolf und werde stets
+Auch heulen mit den Wölfen -
+Ja, zählt auf mich und helft euch selbst,
+Dann wird auch Gott euch helfen!«
+
+Das war die Rede, die ich hielt,
+Ganz ohne Vorbereitung;
+Verstümmelt hat Kolb sie abgedruckt
+In der »Allgemeinen Zeitung«.
+
+
+
+CAPUT XIII
+
+Die Sonne ging auf bei Paderborn,
+Mit sehr verdroßner Gebärde.
+Sie treibt in der Tat ein verdrießlich Geschäft -
+Beleuchten die dumme Erde!
+
+Hat sie die eine Seite erhellt,
+Und bringt sie mit strahlender Eile
+Der andern ihr Licht, so verdunkelt schon
+Sich jene mittlerweile.
+
+Der Stein entrollt dem Sisyphus,
+Der Danaiden Tonne
+Wird nie gefüllt, und den Erdenball
+Beleuchtet vergeblich die Sonne! -
+
+Und als der Morgennebel zerrann,
+Da sah ich am Wege ragen,
+Im Frührotschein, das Bild des Manns,
+Der an das Kreuz geschlagen.
+
+Mit Wehmut erfüllt mich jedesmal
+Dein Anblick, mein armer Vetter,
+Der du die Welt erlösen gewollt,
+Du Narr, du Menschheitsretter!
+
+Sie haben dir übel mitgespielt,
+Die Herren vom hohen Rate.
+Wer hieß dich auch reden so rücksichtslos
+Von der Kirche und vom Staate!
+
+Zu deinem Malheur war die Buchdruckerei
+Noch nicht in jenen Tagen
+Erfunden; du hättest geschrieben ein Buch
+Über die Himmelsfragen.
+
+Der Zensor hätte gestrichen darin,
+Was etwa anzüglich auf Erden,
+Und liebend bewahrte dich die Zensur
+Vor dem Gekreuzigtwerden.
+
+Ach! hättest du nur einen andern Text
+Zu deiner Bergpredigt genommen,
+Besaßest ja Geist und Talent genug,
+Und konntest schonen die Frommen!
+
+Geldwechsler, Bankiers, hast du sogar
+Mit der Peitsche gejagt aus dem Tempel -
+Unglücklicher Schwärmer, jetzt hängst du am Kreuz
+Als warnendes Exempel!
+
+
+
+CAPUT XIV
+
+Ein feuchter Wind, ein kahles Land,
+Die Chaise wackelt im Schlamme;
+Doch singt es und klingt es in meinem Gemüt:
+»Sonne, du klagende Flamme!«
+
+Das ist der Schlußreim des alten Lieds,
+Das oft meine Amme gesungen -
+»Sonne, du klagende Flamme!« Das hat
+Wie Waldhornruf geklungen.
+
+Es kommt im Lied ein Mörder vor,
+Der lebt' in Lust und Freude;
+Man findet ihn endlich im Walde gehenkt
+An einer grauen Weide.
+
+Des Mörders Todesurteil war
+Genagelt am Weidenstamme;
+Das haben die Rächer der Feme getan -
+»Sonne, du klagende Flamme!«
+
+Die Sonne war Kläger, sie hatte bewirkt,
+Daß man den Mörder verdamme.
+Ottilie hatte sterbend geschrien:
+»Sonne, du klagende Flamme!«
+
+Und denk ich des Liedes, so denk ich auch
+Der Amme, der lieben Alten;
+Ich sehe wieder ihr braunes Gesicht,
+Mit allen Runzeln und Falten.
+
+Sie war geboren im Münsterland,
+Und wußte, in großer Menge,
+Gespenstergeschichten, grausenhaft,
+Und Märchen und Volksgesänge.
+
+Wie pochte mein Herz, wenn die alte Frau
+Von der Königstochter erzählte,
+Die einsam auf der Heide saß
+Und die goldnen Haare strählte.
+
+Die Gänse mußte sie hüten dort
+Als Gänsemagd, und trieb sie
+Am Abend die Gänse wieder durchs Tor,
+Gar traurig stehen blieb sie.
+
+Denn angenagelt über dem Tor
+Sah sie ein Roßhaupt ragen,
+Das war der Kopf des armen Pferds,
+Das sie in die Fremde getragen.
+
+Die Königstochter seufzte tief:
+»O Falada, daß du hangest!«
+Der Pferdekopf herunterrief:
+»O wehe! daß du gangest!«
+
+Die Königstochter seufzte tief:
+»Wenn das meine Mutter wüßte!«
+Der Pferdekopf herunterrief:
+»Ihr Herze brechen müßte!«
+
+Mit stockendem Atem horchte ich hin,
+Wenn die Alte ernster und leiser
+Zu sprechen begann und vom Rotbart sprach,
+Von unserem heimlichen Kaiser.
+
+Sie hat mir versichert, er sei nicht tot,
+Wie da glauben die Gelehrten,
+Er hause versteckt in einem Berg
+Mit seinen Waffengefährten.
+
+Kyffhäuser ist der Berg genannt,
+Und drinnen ist eine Höhle;
+Die Ampeln erhellen so geisterhaft
+Die hochgewölbten Säle.
+
+Ein Marstall ist der erste Saal,
+Und dorten kann man sehen
+Viel tausend Pferde, blankgeschirrt,
+Die an den Krippen stehen.
+
+Sie sind gesattelt und gezäumt,
+Jedoch von diesen Rossen
+Kein einziges wiehert, kein einziges stampft,
+Sind still, wie aus Eisen gegossen.
+
+Im zweiten Saale, auf der Streu,
+Sieht man Soldaten liegen,
+Viel tausend Soldaten, bärtiges Volk,
+Mit kriegerisch trotzigen Zügen.
+
+Sie sind gerüstet von Kopf bis Fuß,
+Doch alle diese Braven,
+Sie rühren sich nicht, bewegen sich nicht,
+Sie liegen fest und schlafen.
+
+Hochaufgestapelt im dritten Saal
+Sind Schwerter, Streitäxte, Speere,
+Harnische, Helme, von Silber und Stahl,
+Altfränkische Feuergewehre.
+
+Sehr wenig Kanonen, jedoch genug,
+Um eine Trophäe zu bilden.
+Hoch ragt daraus eine Fahne hervor,
+Die Farbe ist schwarzrotgülden.
+
+Der Kaiser bewohnt den vierten Saal.
+Schon seit Jahrhunderten sitzt er
+Auf steinernem Stuhl, am steinernen Tisch,
+Das Haupt auf den Armen stützt er.
+
+Sein Bart, der bis zur Erde wuchs,
+Ist rot wie Feuerflammen,
+Zuweilen zwinkert er mit dem Aug',
+Zieht manchmal die Braunen zusammen.
+
+Schläft er oder denkt er nach?
+Man kann's nicht genau ermitteln;
+Doch wenn die rechte Stunde kommt,
+Wird er gewaltig sich rütteln.
+
+Die gute Fahne ergreift er dann
+Und ruft: »Zu Pferd! zu Pferde!«
+Sein reisiges Volk erwacht und springt
+Lautrasselnd empor von der Erde.
+
+Ein jeder schwingt sich auf sein Roß,
+Das wiehert und stampft mit den Hufen!
+Sie reiten hinaus in die klirrende Welt,
+Und die Trompeten rufen.
+
+Sie reiten gut, sie schlagen gut,
+Sie haben ausgeschlafen.
+Der Kaiser hält ein strenges Gericht,
+Er will die Mörder bestrafen -
+
+Die Mörder, die gemeuchelt einst
+Die teure, wundersame,
+Goldlockichte Jungfrau Germania -
+»Sonne, du klagende Flamme!«
+
+Wohl mancher, der sich geborgen geglaubt,
+Und lachend auf seinem Schloß saß,
+Er wird nicht entgehen dem rächenden Strang,
+Dem Zorne Barbarossas! - - -
+
+Wie klingen sie lieblich, wie klingen sie süß,
+Die Märchen der alten Amme!
+Mein abergläubisches Herze jauchzt:
+»Sonne, du klagende Flamme!«
+
+
+
+CAPUT XV
+
+Ein feiner Regen prickelt herab,
+Eiskalt, wie Nähnadelspitzen.
+Die Pferde bewegen traurig den Schwanz,
+Sie waten im Kot und schwitzen.
+
+Der Postillion stößt in sein Horn,
+Ich kenne das alte Getute -
+»Es reiten drei Reiter zum Tor hinaus!«
+Es wird mir so dämmrig zumute.
+
+Mich schläferte und ich entschlief,
+Und siehe! mir träumte am Ende,
+Daß ich mich in dem Wunderberg
+Beim Kaiser Rotbart befände.
+
+Er saß nicht mehr auf steinernem Stuhl,
+Am steinernen Tisch, wie ein Steinbild;
+Auch sah er nicht so ehrwürdig aus,
+Wie man sich gewöhnlich einbildt.
+
+Er watschelte durch die Säle herum
+Mit mir im trauten Geschwätze.
+Er zeigte wie ein Antiquar
+Mir seine Kuriosa und Schätze.
+
+Im Saale der Waffen erklärte er mir,
+Wie man sich der Kolben bediene,
+Von einigen Schwertern rieb er den Rost
+Mit seinem Hermeline.
+
+Er nahm ein Pfauenwedel zur Hand,
+Und reinigte vom Staube
+Gar manchen Harnisch, gar manchen Helm,
+Auch manche Pickelhaube.
+
+Die Fahne stäubte er gleichfalls ab,
+Und er sprach: »Mein größter Stolz ist,
+Daß noch keine Motte die Seide zerfraß,
+Und auch kein Wurm im Holz ist.«
+
+Und als wir kamen in den Saal,
+Wo schlafend am Boden liegen
+Viel tausend Krieger, kampfbereit,
+Der Alte sprach mit Vergnügen:
+
+»Hier müssen wir leiser reden und gehn,
+Damit wir nicht wecken die Leute;
+Wieder verflossen sind hundert Jahr',
+Und Löhnungstag ist heute.«
+
+Und siehe! der Kaiser nahte sich sacht
+Den schlafenden Soldaten,
+Und steckte heimlich in die Tasch'
+Jedwedem einen Dukaten.
+
+Er sprach mit schmunzelndem Gesicht,
+Als ich ihn ansah verwundert:
+»Ich zahle einen Dukaten per Mann,
+Als Sold, nach jedem Jahrhundert.«
+
+Im Saale, wo die Pferde stehn
+In langen, schweigenden Reihen,
+Da rieb der Kaiser sich die Händ',
+Schien sonderbar sich zu freuen.
+
+Er zählte die Gäule, Stück vor Stück,
+Und klätschelte ihnen die Rippen;
+Er zählte und zählte, mit ängstlicher Hast
+Bewegten sich seine Lippen.
+
+»Das ist noch nicht die rechte Zahl« -
+Sprach er zuletzt verdrossen -,
+»Soldaten und Waffen hab ich genung,
+Doch fehlt es noch an Rossen.
+
+Roßkämme hab ich ausgeschickt
+In alle Welt, die kaufen
+Für mich die besten Pferde ein,
+Hab schon einen guten Haufen.
+
+Ich warte, bis die Zahl komplett,
+Dann schlag ich los und befreie
+Mein Vaterland, mein deutsches Volk,
+Das meiner harret mit Treue.«
+
+So sprach der Kaiser, ich aber rief:
+»Schlag los, du alter Geselle,
+Schlag los, und hast du nicht Pferde genug,
+Nimm Esel an ihrer Stelle.«
+
+Der Rotbart erwiderte lächelnd: »Es hat
+Mit dem Schlagen gar keine Eile,
+Man baute nicht Rom an einem Tag,
+Gut Ding will haben Weile.
+
+Wer heute nicht kommt, kommt morgen gewiß,
+Nur langsam wächst die Eiche,
+Und chi va piano, va sano, so heißt
+Das Sprüchwort im römischen Reiche.«
+
+
+
+CAPUT XVI
+
+Das Stoßen des Wagens weckte mich auf,
+Doch sanken die Augenlider
+Bald wieder zu, und ich entschlief
+Und träumte vom Rotbart wieder.
+
+Ging wieder schwatzend mit ihm herum
+Durch alle die hallenden Säle;
+Er frug mich dies, er frug mich das,
+Verlangte, daß ich erzähle.
+
+Er hatte aus der Oberwelt
+Seit vielen, vielen Jahren,
+Wohl seit dem Siebenjährigen Krieg,
+Kein Sterbenswort erfahren.
+
+Er frug nach Moses Mendelssohn,
+Nach der Karschin, mit Intresse
+Frug er nach der Gräfin Dubarry,
+Des fünfzehnten Ludwigs Mätresse.
+
+»O Kaiser«, rief ich, »wie bist du zurück!
+Der Moses ist längst gestorben,
+Nebst seiner Rebekka, auch Abraham,
+Der Sohn, ist gestorben, verdorben.
+
+Der Abraham hatte mit Lea erzeugt
+Ein Bübchen, Felix heißt er,
+Der brachte es weit im Christentum,
+Ist schon Kapellenmeister.
+
+Die alte Karschin ist gleichfalls tot,
+Auch die Tochter ist tot, die Klenke;
+Helmine Chézy, die Enkelin,
+Ist noch am Leben, ich denke.
+
+Die Dubarry lebte lustig und flott,
+Solange Ludwig regierte,
+Der Fünfzehnte nämlich, sie war schon alt,
+Als man sie guillotinierte.
+
+Der König Ludwig der Fünfzehnte starb
+Ganz ruhig in seinem Bette,
+Der Sechzehnte aber ward guillotiniert
+Mit der Königin Antoinette.
+
+Die Königin zeigte großen Mut,
+Ganz wie es sich gebührte,
+Die Dubarry aber weinte und schrie,
+Als man sie guillotinierte.« - -
+
+Der Kaiser blieb plötzlich stillestehn,
+Und sah mich an mit den stieren
+Augen und sprach: »Um Gottes will'n,
+Was ist das, guillotinieren?«
+
+»Das Guillotinieren« - erklärte ich ihm -
+»Ist eine neue Methode,
+Womit man die Leute jeglichen Stands
+Vom Leben bringt zu Tode.
+
+Bei dieser Methode bedient man sich
+Auch einer neuen Maschine,
+Die hat erfunden Herr Guillotin,
+Drum nennt man sie Guillotine.
+
+Du wirst hier an ein Brett geschnallt; -
+Das senkt sich; - du wirst geschoben
+Geschwinde zwischen zwei Pfosten; - es hängt
+Ein dreieckig Beil ganz oben; -
+
+Man zieht eine Schnur, dann schießt herab
+Das Beil, ganz lustig und munter; -
+Bei dieser Gelegenheit fällt dein Kopf
+In einen Sack hinunter.«
+
+Der Kaiser fiel mir in die Red':
+»Schweig still, von deiner Maschine
+Will ich nichts wissen, Gott bewahr',
+Daß ich mich ihrer bediene!
+
+Der König und die Königin!
+Geschnallt! an einem Brette!
+Das ist ja gegen allen Respekt
+Und alle Etikette!
+
+Und du, wer bist du, daß du es wagst,
+Mich so vertraulich zu duzen?
+Warte, du Bürschchen, ich werde dir schon
+Die kecken Flügel stutzen!
+
+Es regt mir die innerste Galle auf,
+Wenn ich dich höre sprechen,
+Dein Odem schon ist Hochverrat
+Und Majestätsverbrechen!«
+
+Als solchermaßen in Eifer geriet
+Der Alte und sonder Schranken
+Und Schonung mich anschnob, da platzten heraus
+Auch mir die geheimsten Gedanken.
+
+»Herr Rotbart« - rief ich laut -, »du bist
+Ein altes Fabelwesen,
+Geh, leg dich schlafen, wir werden uns
+Auch ohne dich erlösen.
+
+Die Republikaner lachen uns aus,
+Sehn sie an unserer Spitze
+So ein Gespenst mit Zepter und Kron';
+Sie rissen schlechte Witze.
+
+Auch deine Fahne gefällt mir nicht mehr,
+Die altdeutschen Narren verdarben
+Mir schon in der Burschenschaft die Lust
+An den schwarzrotgoldnen Farben.
+
+Das beste wäre, du bliebest zu Haus,
+Hier in dem alten Kyffhäuser -
+Bedenk ich die Sache ganz genau,
+So brauchen wir gar keinen Kaiser.«
+
+
+
+CAPUT XVII
+
+Ich habe mich mit dem Kaiser gezankt
+Im Traum, im Traum versteht sich -
+Im wachenden Zustand sprechen wir nicht
+Mit Fürsten so widersetzig.
+
+Nur träumend, im idealen Traum,
+Wagt ihnen der Deutsche zu sagen
+Die deutsche Meinung, die er so tief
+Im treuen Herzen getragen.
+
+Als ich erwacht', fuhr ich einem Wald
+Vorbei, der Anblick der Bäume,
+Der nackten hölzernen Wirklichkeit,
+Verscheuchte meine Träume.
+
+Die Eichen schüttelten ernsthaft das Haupt,
+Die Birken und Birkenreiser,
+Sie nickten so warnend - und ich rief:
+»Vergib mir, mein teurer Kaiser!
+
+Vergib mir, o Rotbart, das rasche Wort!
+Ich weiß, du bist viel weiser
+Als ich, ich habe sowenig Geduld -
+Doch komme du bald, mein Kaiser!
+
+Behagt dir das Guillotinieren nicht,
+So bleib bei den alten Mitteln:
+Das Schwert für Edelleute, der Strick
+Für Bürger und Bauern in Kitteln.
+
+Nur manchmal wechsle ab, und laß
+Den Adel hängen, und köpfe
+Ein bißchen die Bürger und Bauern, wir sind
+Ja alle Gottesgeschöpfe.
+
+Stell wieder her das Halsgericht,
+Das peinliche Karls des Fünften,
+Und teile wieder ein das Volk
+Nach Ständen, Gilden und Zünften.
+
+Das alte Heilige Römische Reich,
+Stell's wieder her, das ganze,
+Gib uns den modrigsten Plunder zurück
+Mit allem Firlifanze.
+
+Das Mittelalter, immerhin,
+Das wahre, wie es gewesen,
+Ich will es ertragen - erlöse uns nur
+Von jenem Zwitterwesen,
+
+Von jenem Kamaschenrittertum,
+Das ekelhaft ein Gemisch ist
+Von gotischem Wahn und modernem Lug,
+Das weder Fleisch noch Fisch ist.
+
+Jag fort das Komödiantenpack,
+Und schließe die Schauspielhäuser,
+Wo man die Vorzeit parodiert -
+Komme du bald, o Kaiser!«
+
+
+
+CAPUT XVIII
+
+Minden ist eine feste Burg,
+Hat gute Wehr und Waffen!
+Mit preußischen Festungen hab ich jedoch
+Nicht gerne was zu schaffen.
+
+Wir kamen dort an zur Abendzeit.
+Die Planken der Zugbrück' stöhnten
+So schaurig, als wir hinübergerollt;
+Die dunklen Gräben gähnten.
+
+Die hohen Bastionen schauten mich an,
+So drohend und verdrossen;
+Das große Tor ging rasselnd auf,
+Ward rasselnd wieder geschlossen.
+
+Ach! meine Seele ward betrübt,
+Wie des Odysseus Seele,
+Als er gehört, daß Polyphem
+Den Felsblock schob vor die Höhle.
+
+Es trat an den Wagen ein Korporal
+Und frug uns: wie wir hießen?
+»Ich heiße Niemand, bin Augenarzt
+Und steche den Star den Riesen.«
+
+Im Wirtshaus ward mir noch schlimmer zumut,
+Das Essen wollt mir nicht schmecken.
+Ging schlafen sogleich, doch schlief ich nicht,
+Mich drückten so schwer die Decken.
+
+Es war ein breites Federbett,
+Gardinen von rotem Damaste,
+Der Himmel von verblichenem Gold,
+Mit einem schmutzigen Quaste.
+
+Verfluchter Quast! der die ganze Nacht
+Die liebe Ruhe mir raubte!
+Er hing mir, wie des Damokles Schwert,
+So drohend über dem Haupte!
+
+Schien manchmal ein Schlangenkopf zu sein,
+Und ich hörte ihn heimlich zischen:
+»Du bist und bleibst in der Festung jetzt,
+Du kannst nicht mehr entwischen!«
+
+»Oh, daß ich wäre« - seufzte ich -
+»Daß ich zu Hause wäre,
+Bei meiner lieben Frau in Paris,
+Im Faubourg Poissonnière!«
+
+Ich fühlte, wie über die Stirne mir
+Auch manchmal etwas gestrichen,
+Gleich einer kalten Zensorhand,
+Und meine Gedanken wichen -
+
+Gendarmen in Leichenlaken gehüllt,
+Ein weißes Spukgewirre,
+Umringte mein Bett, ich hörte auch
+Unheimliches Kettengeklirre.
+
+Ach! die Gespenster schleppten mich fort,
+Und ich hab mich endlich befunden
+An einer steilen Felsenwand;
+Dort war ich festgebunden.
+
+Der böse schmutzige Betthimmelquast!
+Ich fand ihn gleichfalls wieder,
+Doch sah er jetzt wie ein Geier aus,
+Mit Krallen und schwarzem Gefieder.
+
+Er glich dem preußischen Adler jetzt,
+Und hielt meinen Leib umklammert;
+Er fraß mir die Leber aus der Brust,
+Ich habe gestöhnt und gejammert.
+
+Ich jammerte lange - da krähte der Hahn,
+Und der Fiebertraum erblaßte.
+Ich lag zu Minden im schwitzenden Bett,
+Der Adler ward wieder zum Quaste.
+
+Ich reiste fort mit Extrapost,
+Und schöpfte freien Odem
+Erst draußen in der freien Natur,
+Auf bückeburg'schem Boden.
+
+
+
+CAPUT XIX
+
+Oh, Danton, du hast dich sehr geirrt
+Und mußtest den Irrtum büßen!
+Mitnehmen kann man das Vaterland
+An den Sohlen, an den Füßen.
+
+Das halbe Fürstentum Bückeburg
+Blieb mir an den Stiefeln kleben;
+So lehmichte Wege habe ich wohl
+Noch nie gesehen im Leben.
+
+Zu Bückeburg stieg ich ab in der Stadt,
+Um dort zu betrachten die Stammburg,
+Wo mein Großvater geboren ward;
+Die Großmutter war aus Hamburg.
+
+Ich kam nach Hannover um Mittagzeit,
+Und ließ mir die Stiefel putzen.
+Ich ging sogleich, die Stadt zu besehn,
+Ich reise gern mit Nutzen.
+
+Mein Gott! da sieht es sauber aus!
+Der Kot liegt nicht auf den Gassen.
+Viel Prachtgebäude sah ich dort,
+Sehr imponierende Massen.
+
+Besonders gefiel mir ein großer Platz,
+Umgeben von stattlichen Häusern;
+Dort wohnt der König, dort steht sein Palast,
+Er ist von schönem Äußern
+
+(Nämlich der Palast). Vor dem Portal
+Zu jeder Seite ein Schildhaus.
+Rotröcke mit Flinten halten dort Wacht,
+Sie sehen drohend und wild aus.
+
+Mein Cicerone sprach: »Hier wohnt
+Der Ernst Augustus, ein alter,
+Hochtoryscher Lord, ein Edelmann,
+Sehr rüstig für sein Alter.
+
+Idyllisch sicher haust er hier,
+Denn besser als alle Trabanten
+Beschützet ihn der mangelnde Mut
+Von unseren lieben Bekannten.
+
+Ich seh ihn zuweilen, er klagt alsdann,
+Wie gar langweilig das Amt sei,
+Das Königsamt, wozu er jetzt
+Hier in Hannover verdammt sei.
+
+An großbritannisches Leben gewöhnt,
+Sei es ihm hier zu enge,
+Ihn plage der Spleen, er fürchte schier,
+Daß er sich mal erhänge.
+
+Vorgestern fand ich ihn traurig gebückt
+Am Kamin, in der Morgenstunde;
+Er kochte höchstselbst ein Lavement
+Für seine kranken Hunde.«
+
+
+
+CAPUT XX
+
+Von Harburg fuhr ich in einer Stund'
+Nach Hamburg. Es war schon Abend.
+Die Sterne am Himmel grüßten mich,
+Die Luft war lind und labend.
+
+Und als ich zu meiner Frau Mutter kam,
+Erschrak sie fast vor Freude;
+Sie rief: »Mein liebes Kind!« und schlug
+Zusammen die Hände beide.
+
+»Mein liebes Kind, wohl dreizehn Jahr'
+Verflossen unterdessen!
+Du wirst gewiß sehr hungrig sein -
+Sag an, was willst du essen?
+
+Ich habe Fisch und Gänsefleisch
+Und schöne Apfelsinen.«
+»So gib mir Fisch und Gänsefleisch
+Und schöne Apfelsinen.«
+
+Und als ich aß mit großem App'tit,
+Die Mutter ward glücklich und munter,
+Sie frug wohl dies, sie frug wohl das,
+Verfängliche Fragen mitunter.
+
+»Mein liebes Kind! und wirst du auch
+Recht sorgsam gepflegt in der Fremde?
+Versteht deine Frau die Haushaltung,
+Und flickt sie dir Strümpfe und Hemde?«
+
+»Der Fisch ist gut, lieb Mütterlein,
+Doch muß man ihn schweigend verzehren;
+Man kriegt so leicht eine Grät' in den Hals,
+Du darfst mich jetzt nicht stören.«
+
+Und als ich den braven Fisch verzehrt,
+Die Gans ward aufgetragen.
+Die Mutter frug wieder wohl dies, wohl das,
+Mitunter verfängliche Fragen.
+
+»Mein liebes Kind! in welchem Land
+Läßt sich am besten leben?
+Hier oder in Frankreich? und welchem Volk
+Wirst du den Vorzug geben?«
+
+»Die deutsche Gans, lieb Mütterlein,
+Ist gut, jedoch die Franzosen,
+Sie stopfen die Gänse besser als wir,
+Auch haben sie bessere Saucen.« -
+
+Und als die Gans sich wieder empfahl,
+Da machten ihre Aufwartung
+Die Apfelsinen, sie schmeckten so süß,
+Ganz über alle Erwartung.
+
+Die Mutter aber fing wieder an
+Zu fragen sehr vergnüglich,
+Nach tausend Dingen, mitunter sogar
+Nach Dingen, die sehr anzüglich.
+
+»Mein liebes Kind! Wie denkst du jetzt?
+Treibst du noch immer aus Neigung
+Die Politik? Zu welcher Partei
+Gehörst du mit Überzeugung?«
+
+»Die Apfelsinen, lieb Mütterlein,
+Sind gut, und mit wahrem Vergnügen
+Verschlucke ich den süßen Saft,
+Und ich lasse die Schalen liegen.«
+
+
+
+CAPUT XXI
+
+Die Stadt, zur Hälfte abgebrannt,
+Wird aufgebaut allmählich;
+Wie 'n Pudel, der halb geschoren ist,
+Sieht Hamburg aus, trübselig.
+
+Gar manche Gassen fehlen mir,
+Die ich nur ungern vermisse -
+Wo ist das Haus, wo ich geküßt
+Der Liebe erste Küsse?
+
+Wo ist die Druckerei, wo ich
+Die »Reisebilder« druckte?
+Wo ist der Austerkeller, wo ich
+Die ersten Austern schluckte?
+
+Und der Dreckwall, wo ist der Dreckwall hin?
+Ich kann ihn vergeblich suchen!
+Wo ist der Pavillon, wo ich
+Gegessen so manchen Kuchen?
+
+Wo ist das Rathaus, worin der Senat
+Und die Bürgerschaft gethronet?
+Ein Raub der Flammen! Die Flamme hat
+Das Heiligste nicht verschonet.
+
+Die Leute seufzten noch vor Angst,
+Und mit wehmüt'gem Gesichte
+Erzählten sie mir vom großen Brand
+Die schreckliche Geschichte:
+
+»Es brannte an allen Ecken zugleich,
+Man sah nur Rauch und Flammen!
+Die Kirchentürme loderten auf
+Und stürzten krachend zusammen.
+
+Die alte Börse ist verbrannt,
+Wo unsere Väter gewandelt,
+Und miteinander jahrhundertelang
+So redlich als möglich gehandelt.
+
+Die Bank, die silberne Seele der Stadt,
+Und die Bücher, wo eingeschrieben
+Jedweden Mannes Banko-Wert,
+Gottlob! sie sind uns geblieben!
+
+Gottlob! man kollektierte für uns
+Selbst bei den fernsten Nationen -
+Ein gutes Geschäft - die Kollekte betrug
+Wohl an die acht Millionen.
+
+Aus allen Ländern floß das Geld
+In unsre offnen Hände,
+Auch Viktualien nahmen wir an,
+Verschmähten keine Spende.
+
+Man schickte uns Kleider und Betten genug,
+Auch Brot und Fleisch und Suppen!
+Der König von Preußen wollte sogar
+Uns schicken seine Truppen.
+
+Der materielle Schaden ward
+Vergütet, das ließ sich schätzen -
+Jedoch den Schrecken, unseren Schreck,
+Den kann uns niemand ersetzen!«
+
+Aufmunternd sprach ich: »Ihr lieben Leut',
+Ihr müßt nicht jammern und flennen;
+Troja war eine bessere Stadt
+Und mußte doch verbrennen.
+
+Baut eure Häuser wieder auf
+Und trocknet eure Pfützen,
+Und schafft euch beßre Gesetze an
+Und beßre Feuerspritzen.
+
+Gießt nicht zuviel Cayenne-Piment
+In eure Mockturtlesuppen,
+Auch eure Karpfen sind euch nicht gesund,
+Ihr kocht sie so fett mit den Schuppen.
+
+Kalkuten schaden euch nicht viel,
+Doch hütet euch vor der Tücke
+Des Vogels, der sein Ei gelegt
+In des Bürgermeisters Perücke. - -
+
+Wer dieser fatale Vogel ist,
+Ich brauch es euch nicht zu sagen -
+Denk ich an ihn, so dreht sich herum
+Das Essen in meinem Magen.«
+
+
+
+CAPUT XXII
+
+Noch mehr verändert als die Stadt
+Sind mir die Menschen erschienen,
+Sie gehn so betrübt und gebrochen herum,
+Wie wandelnde Ruinen.
+
+Die Mageren sind noch dünner jetzt,
+Noch fetter sind die Feisten,
+Die Kinder sind alt, die Alten sind
+Kindisch geworden, die meisten.
+
+Gar manche, die ich als Kälber verließ,
+Fand ich als Ochsen wieder;
+Gar manches kleine Gänschen ward
+Zur Gans mit stolzem Gefieder.
+
+Die alte Gudel fand ich geschminkt
+Und geputzt wie eine Sirene;
+Hat schwarze Locken sich angeschafft
+Und blendendweiße Zähne.
+
+Am besten hat sich konserviert
+Mein Freund, der Papierverkäufer;
+Sein Haar ward gelb und umwallt sein Haupt,
+Sieht aus wie Johannes der Täufer.
+
+Den ***, den sah ich nur von fern,
+Er huschte mir rasch vorüber;
+Ich höre, sein Geist ist abgebrannt
+Und war versichert bei Bieber.
+
+Auch meinen alten Zensor sah
+Ich wieder. Im Nebel, gebücket,
+Begegnet' er mir auf dem Gänsemarkt,
+Schien sehr darniedergedrücket.
+
+Wir schüttelten uns die Hände, es schwamm
+Im Auge des Manns eine Träne.
+Wie freute er sich, mich wiederzusehn!
+Es war eine rührende Szene. -
+
+Nicht alle fand ich. Mancher hat
+Das Zeitliche gesegnet.
+Ach! meinem Gumpelino sogar
+Bin ich nicht mehr begegnet.
+
+Der Edle hatte ausgehaucht
+Die große Seele soeben,
+Und wird als verklärter Seraph jetzt
+Am Throne Jehovas schweben.
+
+Vergebens suchte ich überall
+Den krummen Adonis, der Tassen
+Und Nachtgeschirr von Porzellan
+Feilbot in Hamburgs Gassen.
+
+Sarras, der treue Pudel, ist tot.
+Ein großer Verlust! Ich wette,
+Daß Campe lieber ein ganzes Schock
+Schriftsteller verloren hätte. - -
+
+Die Population des Hamburger Staats
+Besteht, seit Menschengedenken,
+Aus Juden und Christen; es pflegen auch
+Die letztren nicht viel zu verschenken.
+
+Die Christen sind alle ziemlich gut,
+Auch essen sie gut zu Mittag,
+Und ihre Wechsel bezahlen sie prompt,
+Noch vor dem letzten Respittag.
+
+Die Juden teilen sich wieder ein
+In zwei verschiedne Parteien;
+Die Alten gehn in die Synagog',
+Und in den Tempel die Neuen.
+
+Die Neuen essen Schweinefleisch,
+Zeigen sich widersetzig,
+Sind Demokraten; die Alten sind
+Vielmehr aristokrätzig.
+
+Ich liebe die Alten, ich liebe die Neu'n -
+Doch schwör ich, beim ewigen Gotte,
+Ich liebe gewisse Fischchen noch mehr,
+Man heißt sie geräucherte Sprotte.
+
+
+
+CAPUT XXIII
+
+Als Republik war Hamburg nie
+So groß wie Venedig und Florenz,
+Doch Hamburg hat bessere Austern; man speist
+Die besten im Keller von Lorenz.
+
+Es war ein schöner Abend, als ich
+Mich hinbegab mit Campen;
+Wir wollten miteinander dort
+In Rheinwein und Austern schlampampen.
+
+Auch gute Gesellschaft fand ich dort,
+Mit Freude sah ich wieder
+Manch alten Genossen, zum Beispiel Chaufepié,
+Auch manche neue Brüder.
+
+Da war der Wille, dessen Gesicht
+Ein Stammbuch, worin mit Hieben
+Die akademischen Feinde sich
+Recht leserlich eingeschrieben.
+
+Da war der Fucks, ein blinder Heid'
+Und persönlicher Feind des Jehova,
+Glaubt nur an Hegel und etwa noch
+An die Venus des Canova.
+
+Mein Campe war Amphitryo
+Und lächelte vor Wonne;
+Sein Auge strahlte Seligkeit,
+Wie eine verklärte Madonne.
+
+Ich aß und trank, mit gutem App'tit,
+Und dachte in meinem Gemüte:
+'Der Campe ist wirklich ein großer Mann,
+Ist aller Verleger Blüte.
+
+Ein andrer Verleger hätte mich
+Vielleicht verhungern lassen,
+Der aber gibt mir zu trinken sogar;
+Werde ihn niemals verlassen.
+
+Ich danke dem Schöpfer in der Höh',
+Der diesen Saft der Reben
+Erschuf, und zum Verleger mir
+Den Julius Campe gegeben!
+
+Ich danke dem Schöpfer in der Höh',
+Der, durch sein großes Werde,
+Die Austern erschaffen in der See
+Und den Rheinwein auf der Erde!
+
+Der auch Zitronen wachsen ließ,
+Die Austern zu betauen -
+Nun laß mich, Vater, diese Nacht
+Das Essen gut verdauen!'
+
+Der Rheinwein stimmt mich immer weich
+Und löst jedwedes Zerwürfnis
+In meiner Brust, entzündet darin
+Der Menschenliebe Bedürfnis.
+
+Es treibt mich aus dem Zimmer hinaus,
+Ich muß in den Straßen schlendern;
+Die Seele sucht eine Seele und späht
+Nach zärtlich weißen Gewändern.
+
+In solchen Momenten zerfließe ich fast
+Vor Wehmut und vor Sehnen;
+Die Katzen scheinen mir alle grau,
+Die Weiber alle Helenen. - - -
+
+Und als ich auf die Drehbahn kam,
+Da sah ich im Mondenschimmer
+Ein hehres Weib, ein wunderbar
+Hochbusiges Frauenzimmer.
+
+Ihr Antlitz war rund und kerngesund,
+Die Augen wie blaue Turkoasen,
+Die Wangen wie Rosen, wie Kirschen der Mund,
+Auch etwas rötlich die Nase.
+
+Ihr Haupt bedeckte eine Mütz'
+Von weißem gesteiftem Linnen,
+Gefältelt wie eine Mauerkron',
+Mit Türmchen und zackigen Zinnen.
+
+Sie trug eine weiße Tunika,
+Bis an die Waden reichend.
+Und welche Waden! Das Fußgestell
+Zwei dorischen Säulen gleichend.
+
+Die weltlichste Natürlichkeit
+Konnt man in den Zügen lesen;
+Doch das übermenschliche Hinterteil
+Verriet ein höheres Wesen.
+
+Sie trat zu mir heran und sprach:
+»Willkommen an der Elbe
+Nach dreizehnjähr'ger Abwesenheit -
+Ich sehe, du bist noch derselbe!
+
+Du suchst die schönen Seelen vielleicht,
+Die dir so oft begegent
+Und mit dir geschwärmt die Nacht hindurch,
+In dieser schönen Gegend.
+
+Das Leben verschlang sie, das Ungetüm,
+Die hundertköpfige Hyder;
+Du findest nicht die alte Zeit
+Und die Zeitgenössinnen wieder!
+
+Du findest die holden Blumen nicht mehr,
+Die das junge Herz vergöttert;
+Hier blühten sie - jetzt sind sie verwelkt,
+Und der Sturm hat sie entblättert.
+
+Verwelkt, entblättert, zertreten sogar
+Von rohen Schicksalsfüßen -
+Mein Freund, das ist auf Erden das Los
+Von allem Schönen und Süßen!«
+
+»Wer bist du?« - rief ich - »du schaust mich an
+Wie'n Traum aus alten Zeiten -
+Wo wohnst du, großes Frauenbild?
+Und darf ich dich begleiten?«
+
+Da lächelte das Weib und sprach:
+»Du irrst dich, ich bin eine feine,
+Anständ'ge, moralische Person;
+Du irrst dich, ich bin nicht so eine.
+
+Ich bin nicht so eine kleine Mamsell,
+So eine welsche Lorettin -
+Denn wisse: ich bin Hammonia,
+Hamburgs beschützende Göttin!
+
+Du stutzest und erschreckst sogar,
+Du sonst so mutiger Sänger!
+Willst du mich noch begleiten jetzt?
+Wohlan, so zögre nicht länger.«
+
+Ich aber lachte laut und rief:
+»Ich folge auf der Stelle -
+Schreit du voran, ich folge dir,
+Und ging' es in die Hölle!«
+
+
+
+CAPUT XXIV
+
+Wie ich die enge Sahltrepp' hinauf
+Gekommen, ich kann es nicht sagen;
+Es haben unsichtbare Geister mich
+Vielleicht hinaufgetragen.
+
+Hier, in Hammonias Kämmerlein,
+Verflossen mir schnell die Stunden.
+Die Göttin gestand die Sympathie,
+Die sie immer für mich empfunden.
+
+»Siehst du« - sprach sie -, »in früherer Zeit
+War mir am meisten teuer
+Der Sänger, der den Messias besang
+Auf seiner frommen Leier.
+
+Dort auf der Kommode steht noch jetzt
+Die Büste von meinem Klopstock,
+Jedoch seit Jahren dient sie mir
+Nur noch als Haubenkopfstock.
+
+Du bist mein Liebling jetzt, es hängt
+Dein Bildnis zu Häupten des Bettes;
+Und, siehst du, ein frischer Lorbeer umkränzt
+Den Rahmen des holden Porträtes.
+
+Nur daß du meine Söhne so oft
+Genergelt, ich muß es gestehen,
+Hat mich zuweilen tief verletzt;
+Das darf nicht mehr geschehen.
+
+Es hat die Zeit dich hoffentlich
+Von solcher Unart geheilet,
+Und dir eine größere Toleranz
+Sogar für Narren erteilet.
+
+Doch sprich, wie kam der Gedanke dir,
+Zu reisen nach dem Norden
+In solcher Jahrzeit? Das Wetter ist
+Schon winterlich geworden!«
+
+»Oh, meine Göttin!« - erwiderte ich -
+»Es schlafen tief im Grunde
+Des Menschenherzens Gedanken, die oft
+Erwachen zur unrechten Stunde.
+
+Es ging mir äußerlich ziemlich gut,
+Doch innerlich war ich beklommen,
+Und die Beklemmnis täglich wuchs -
+Ich hatte das Heimweh bekommen.
+
+Die sonst so leichte französische Luft,
+Sie fing mich an zu drücken;
+Ich mußte Atem schöpfen hier
+In Deutschland, um nicht zu ersticken.
+
+Ich sehnte mich nach Torfgeruch,
+Nach deutschem Tabaksdampfe;
+Es bebte mein Fuß vor Ungeduld,
+Daß er deutschen Boden stampfe.
+
+Ich seufzte des Nachts, und sehnte mich,
+Daß ich sie wiedersähe,
+Die alte Frau, die am Dammtor wohnt;
+Das Lottchen wohnt in der Nähe.
+
+Auch jenem edlen alten Herrn,
+Der immer mich ausgescholten
+Und immer großmütig beschützt, auch ihm
+Hat mancher Seufzer gegolten.
+
+Ich wollte wieder aus seinem Mund
+Vernehmen den 'dummen Jungen',
+Das hat mir immer wie Musik
+Im Herzen nachgeklungen.
+
+Ich sehnte mich nach dem blauen Rauch,
+Der aufsteigt aus deutschen Schornsteinen,
+Nach niedersächsischen Nachtigall'n,
+Nach stillen Buchenhainen.
+
+Ich sehnte mich nach den Plätzen sogar,
+Nach jenen Leidensstationen,
+Wo ich geschleppt das Jugendkreuz
+Und meine Dornenkronen.
+
+Ich wollte weinen, wo ich einst
+Geweint die bittersten Tränen -
+Ich glaube, Vaterlandsliebe nennt
+Man dieses törichte Sehnen.
+
+Ich spreche nicht gern davon; es ist
+Nur eine Krankheit im Grunde.
+Verschämten Gemütes, verberge ich stets
+Dem Publiko meine Wunde.
+
+Fatal ist mir das Lumpenpack,
+Das, um die Herzen zu rühren,
+Den Patriotismus trägt zur Schau
+Mit allen seinen Geschwüren.
+
+Schamlose schäbige Bettler sind's,
+Almosen wollen sie haben -
+Ein'n Pfennig Popularität
+Für Menzel und seine Schwaben!
+
+Oh, meine Göttin, du hast mich heut
+In weicher Stimmung gefunden;
+Bin etwas krank, doch pfleg ich mich,
+Und ich werde bald gesunden.
+
+Ja, ich bin krank, und du könntest mir
+Die Seele sehr erfrischen
+Durch eine gute Tasse Tee;
+Du mußt ihn mit Rum vermischen.«
+
+
+
+CAPUT XXV
+
+Die Göttin hat mir Tee gekocht
+Und Rum hineingegossen;
+Sie selber aber hat den Rum
+Ganz ohne Tee genossen.
+
+An meine Schulter lehnte sie
+Ihr Haupt (die Mauerkrone,
+Die Mütze, ward etwas zerknittert davon),
+Und sie sprach mit sanftem Tone:
+
+»Ich dachte manchmal mit Schrecken dran,
+Daß du in dem sittenlosen
+Paris so ganz ohne Aufsicht lebst,
+Bei jenen frivolen Franzosen.
+
+Du schlenderst dort herum und hast
+Nicht mal an deiner Seite
+Einen treuen deutschen Verleger, der dich
+Als Mentor warne und leite.
+
+Und die Verführung ist dort so groß,
+Dort gibt es so viele Sylphiden,
+Die ungesund, und gar zu leicht
+Verliert man den Seelenfrieden.
+
+Geh nicht zurück und bleib bei uns;
+Hier herrschen noch Zucht und Sitte,
+Und manches stille Vergnügen blüht
+Auch hier, in unserer Mitte.
+
+Bleib bei uns in Deutschland, es wird dir hier
+Jetzt besser als ehmals munden;
+Wir schreiten fort, du hast gewiß
+Den Fortschritt selbst gefunden.
+
+Auch die Zensur ist nicht mehr streng,
+Hoffmann wird älter und milder
+Und streicht nicht mehr mit Jugendzorn
+Dir deine 'Reisebilder'.
+
+Du selbst bist älter und milder jetzt,
+Wirst dich in manches schicken,
+Und wirst sogar die Vergangenheit
+In besserem Lichte erblicken.
+
+Ja, daß es uns früher so schrecklich ging,
+In Deutschland, ist Übertreibung;
+Man konnte entrinnen der Knechtschaft, wie einst
+In Rom, durch Selbstentleibung.
+
+Gedankenfreiheit genoß das Volk,
+Sie war für die großen Massen,
+Beschränkung traf nur die g'ringe Zahl
+Derjen'gen, die drucken lassen.
+
+Gesetzlose Willkür herrschte nie,
+Dem schlimmsten Demagogen
+Ward niemals ohne Urteilspruch
+Die Staatskokarde entzogen.
+
+So übel war es in Deutschland nie,
+Trotz aller Zeitbedrängnis -
+Glaub mir, verhungert ist nie ein Mensch
+In einem deutschen Gefängnis.
+
+Es blühte in der Vergangenheit
+So manche schöne Erscheinung
+Des Glaubens und der Gemütlichkeit;
+Jetzt herrscht nur Zweifel, Verneinung.
+
+Die praktische äußere Freiheit wird einst
+Das Ideal vertilgen,
+Das wir im Busen getragen - es war
+So rein wie der Traum der Liljen!
+
+Auch unsre schöne Poesie
+Erlischt, sie ist schon ein wenig
+Erloschen; mit andern Königen stirbt
+Auch Freiligraths Mohrenkönig.
+
+Der Enkel wird essen und trinken genug,
+Doch nicht in beschaulicher Stille;
+Es poltert heran ein Spektakelstück,
+Zu Ende geht die Idylle.
+
+Oh, könntest du schweigen, ich würde dir
+Das Buch des Schicksals entsiegeln,
+Ich ließe dir spätere Zeiten sehn
+In meinen Zauberspiegeln.
+
+Was ich den sterblichen Menschen nie
+Gezeigt, ich möcht es dir zeigen:
+Die Zukunft deines Vaterlands -
+Doch ach! du kannst nicht schweigen!«
+
+»Mein Gott, o Göttin!« - rief ich entzückt -
+»Das wäre mein größtes Vergnügen,
+Laß mich das künftige Deutschland sehn -
+Ich bin ein Mann und verschwiegen.
+
+Ich will dir schwören jeden Eid,
+Den du nur magst begehren,
+Mein Schweigen zu verbürgen dir -
+Sag an, wie soll ich schwören?«
+
+Doch jene erwiderte: »Schwöre mir
+In Vater Abrahams Weise,
+Wie er Eliesern schwören ließ,
+Als dieser sich gab auf die Reise.
+
+Heb auf das Gewand und lege die Hand
+Hier unten an meine Hüften,
+Und schwöre mir Verschwiegenheit
+In Reden und in Schriften!«
+
+Ein feierlicher Moment! Ich war
+Wie angeweht vom Hauche
+Der Vorzeit, als ich schwur den Eid,
+Nach uraltem Erzväterbrauche.
+
+Ich hob das Gewand der Göttin auf,
+Und legte an ihre Hüften
+Die Hand, gelobend Verschwiegenheit
+In Reden und in Schriften.
+
+
+
+CAPUT XXVI
+
+Die Wangen der Göttin glühten so rot
+(Ich glaube, in die Krone
+Stieg ihr der Rum), und sie sprach zu mir
+In sehr wehmütigem Tone:
+
+»Ich werde alt. Geboren bin ich
+Am Tage von Hamburgs Begründung.
+Die Mutter war Schellfischkönigin
+Hier an der Elbe Mündung.
+
+Mein Vater war ein großer Monarch,
+Carolus Magnus geheißen,
+Er war noch mächt'ger und klüger sogar
+Als Friedrich der Große von Preußen.
+
+Der Stuhl ist zu Aachen, auf welchem er
+Am Tage der Krönung ruhte;
+Den Stuhl, worauf er saß in der Nacht,
+Den erbte die Mutter, die gute.
+
+Die Mutter hinterließ ihn mir,
+Ein Möbel von scheinlosem Äußern,
+Doch böte mir Rothschild all sein Geld,
+Ich würde ihn nicht veräußern.
+
+Siehst du, dort in dem Winkel steht
+Ein alter Sessel, zerrissen
+Das Leder der Lehne, von Mottenfraß
+Zernagt das Polsterkissen.
+
+Doch gehe hin und hebe auf
+Das Kissen von dem Sessel,
+Du schaust eine runde Öffnung dann,
+Darunter einen Kessel -
+
+Das ist ein Zauberkessel, worin
+Die magischen Kräfte brauen,
+Und steckst du in die Ründung den Kopf,
+So wirst du die Zukunft schauen -
+
+Die Zukunft Deutschlands erblickst du hier,
+Gleich wogenden Phantasmen,
+Doch schaudre nicht, wenn aus dem Wust
+Aufsteigen die Miasmen!«
+
+Sie sprach's und lachte sonderbar,
+Ich aber ließ mich nicht schrecken,
+Neugierig eilte ich, den Kopf
+In die furchtbare Ründung zu stecken.
+
+Was ich gesehn, verrate ich nicht,
+Ich habe zu schweigen versprochen,
+Erlaubt ist mir zu sagen kaum,
+O Gott! was ich gerochen! - - -
+
+Ich denke mit Widerwillen noch
+An jene schnöden, verfluchten
+Vorspielgerüche, das schien ein Gemisch
+Von altem Kohl und Juchten.
+
+Entsetzlich waren die Düfte, o Gott!
+Die sich nachher erhuben;
+Es war, als fegte man den Mist
+Aus sechsunddreißig Gruben. - - -
+
+Ich weiß wohl, was Saint-Just gesagt
+Weiland im Wohlfahrtsausschuß:
+Man heile die große Krankheit nicht
+Mit Rosenöl und Moschus -
+
+Doch dieser deutsche Zukunftsduft
+Mocht alles überragen,
+Was meine Nase je geahnt -
+Ich konnt es nicht länger ertragen - - -
+
+Mir schwanden die Sinne, und als ich aufschlug
+Die Augen, saß ich an der Seite
+Der Göttin noch immer, es lehnte mein Haupt
+An ihre Brust, die breite.
+
+Es blitzte ihr Blick, es glühte ihr Mund,
+Es zuckten die Nüstern der Nase,
+Bacchantisch umschlang sie den Dichter und sang
+Mit schauerlich wilder Ekstase:
+
+»Bleib bei mir in Hamburg, ich liebe dich,
+Wir wollen trinken und essen
+Den Wein und die Austern der Gegenwart,
+Und die dunkle Zukunft vergessen.
+
+Den Deckel darauf! damit uns nicht
+Der Mißduft die Freude vertrübet -
+Ich liebe dich, wie je ein Weib
+Einen deutschen Poeten geliebet!
+
+Ich küsse dich, und ich fühle, wie mich
+Dein Genius begeistert;
+Es hat ein wunderbarer Rausch
+Sich meiner Seele bemeistert.
+
+Mir ist, als ob ich auf der Straß'
+Die Nachtwächter singen hörte -
+Es sind Hymenäen, Hochzeitmusik,
+Mein süßer Lustgefährte!
+
+Jetzt kommen die reitenden Diener auch
+Mit üppig lodernden Fackeln,
+Sie tanzen ehrbar den Fackeltanz,
+Sie springen und hüpfen und wackeln.
+
+Es kommt der hoch- und wohlweise Senat,
+Es kommen die Oberalten;
+Der Bürgermeister räuspert sich
+Und will eine Rede halten.
+
+In glänzender Uniform erscheint
+Das Korps der Diplomaten;
+Sie gratulieren mit Vorbehalt
+Im Namen der Nachbarstaaten.
+
+Es kommt die geistliche Deputation,
+Rabbiner und Pastöre -
+Doch ach! da kommt der Hoffmann auch
+Mit seiner Zensorschere!
+
+Die Schere klirrt in seiner Hand,
+Es rückt der wilde Geselle
+Dir auf den Leib - er schneidet ins Fleisch -
+Es war die beste Stelle.«
+
+
+
+CAPUT XXVII
+
+Was sich in jener Wundernacht
+Des weitern zugetragen,
+Erzähl ich euch ein andermal,
+In warmen Sommertagen.
+
+Das alte Geschlecht der Heuchelei
+Verschwindet, Gott sei Dank, heut,
+Es sinkt allmählich ins Grab, es stirbt
+An seiner Lügenkrankheit.
+
+Es wächst heran ein neues Geschlecht,
+Ganz ohne Schminke und Sünden,
+Mit freien Gedanken, mit freier Lust -
+Dem werde ich alles verkünden.
+
+Schon knospet die Jugend, welche versteht
+Des Dichters Stolz und Güte,
+Und sich an seinem Herzen wärmt,
+An seinem Sonnengemüte.
+
+Mein Herz ist liebend wie das Licht,
+Und rein und keusch wie das Feuer;
+Die edelsten Grazien haben gestimmt
+Die Saiten meiner Leier.
+
+Es ist dieselbe Leier, die einst
+Mein Vater ließ ertönen,
+Der selige Herr Aristophanes,
+Der Liebling der Kamönen.
+
+Es ist die Leier, worauf er einst
+Den Paisteteros besungen,
+Der um die Basileia gefreit,
+Mit ihr sich emporgeschwungen.
+
+Im letzten Kapitel hab ich versucht,
+Ein bißchen nachzuahmen
+Den Schluß der »Vögel«, die sind gewiß
+Das beste von Vaters Dramen.
+
+Die »Frösche« sind auch vortrefflich. Man gibt
+In deutscher Übersetzung
+Sie jetzt auf der Bühne von Berlin,
+Zu königlicher Ergetzung.
+
+Der König liebt das Stück. Das zeugt
+Von gutem antiken Geschmacke;
+Den Alten amüsierte weit mehr
+Modernes Froschgequacke.
+
+Der König liebt das Stück. Jedoch
+Wär noch der Autor am Leben,
+Ich riete ihm nicht, sich in Person
+Nach Preußen zu begeben.
+
+Dem wirklichen Aristophanes,
+Dem ginge es schlecht, dem Armen;
+Wir würden ihn bald begleitet sehn
+Mit Chören von Gendarmen.
+
+Der Pöbel bekäm die Erlaubnis bald,
+Zu schimpfen statt zu wedeln;
+Die Polizei erhielte Befehl,
+Zu fahnden auf den Edeln.
+
+O König! Ich meine es gut mit dir,
+Und will einen Rat dir geben:
+Die toten Dichter, verehre sie nur,
+Doch schone, die da leben.
+
+Beleid'ge lebendige Dichter nicht,
+Sie haben Flammen und Waffen,
+Die furchtbarer sind als Jovis Blitz,
+Den ja der Poet erschaffen.
+
+Beleid'ge die Götter, die alten und neu'n,
+Des ganzen Olymps Gelichter,
+Und den höchsten Jehova obendrein -
+Beleid'ge nur nicht den Dichter!
+
+Die Götter bestrafen freilich sehr hart
+Des Menschen Missetaten,
+Das Höllenfeuer ist ziemlich heiß,
+Dort muß man schmoren und braten -
+
+Doch Heilige gibt es, die aus der Glut
+Losbeten den Sünder; durch Spenden
+An Kirchen und Seelenmessen wird
+Erworben ein hohes Verwenden.
+
+Und am Ende der Tage kommt Christus herab
+Und bricht die Pforten der Hölle;
+Und hält er auch ein strenges Gericht,
+Entschlüpfen wird mancher Geselle.
+
+Doch gibt es Höllen, aus deren Haft
+Unmöglich jede Befreiung;
+Hier hilft kein Beten, ohnmächtig ist hier
+Des Welterlösers Verzeihung.
+
+Kennst du die Hölle des Dante nicht,
+Die schrecklichen Terzetten?
+Wen da der Dichter hineingesperrt,
+Den kann kein Gott mehr retten -
+
+Kein Gott, kein Heiland erlöst ihn je
+Aus diesen singenden Flammen!
+Nimm dich in acht, daß wir dich nicht
+Zu solcher Hölle verdammen.
+
+
+----------------------------------------------------------------------
+End of "Deutschland. Ein Wintermärchen" by Heinrich Heine
+
+
+
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK, DEUTSCHLAND. EIN WINTERMAERCHEN ***
+
+This file should be named 6079-8.txt or 6079-8.zip
+
+Project Gutenberg eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the US
+unless a copyright notice is included. Thus, we usually do not
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+We are now trying to release all our eBooks one year in advance
+of the official release dates, leaving time for better editing.
+Please be encouraged to tell us about any error or corrections,
+even years after the official publication date.
+
+Please note neither this listing nor its contents are final til
+midnight of the last day of the month of any such announcement.
+The official release date of all Project Gutenberg eBooks is at
+Midnight, Central Time, of the last day of the stated month. A
+preliminary version may often be posted for suggestion, comment
+and editing by those who wish to do so.
+
+Most people start at our Web sites at:
+https://gutenberg.org or
+http://promo.net/pg
+
+These Web sites include award-winning information about Project
+Gutenberg, including how to donate, how to help produce our new
+eBooks, and how to subscribe to our email newsletter (free!).
+
+
+Those of you who want to download any eBook before announcement
+can get to them as follows, and just download by date. This is
+also a good way to get them instantly upon announcement, as the
+indexes our cataloguers produce obviously take a while after an
+announcement goes out in the Project Gutenberg Newsletter.
+
+http://www.ibiblio.org/gutenberg/etext04 or
+ftp://ftp.ibiblio.org/pub/docs/books/gutenberg/etext04
+
+Or /etext03, 02, 01, 00, 99, 98, 97, 96, 95, 94, 93, 92, 92, 91 or 90
+
+Just search by the first five letters of the filename you want,
+as it appears in our Newsletters.
+
+
+Information about Project Gutenberg (one page)
+
+We produce about two million dollars for each hour we work. The
+time it takes us, a rather conservative estimate, is fifty hours
+to get any eBook selected, entered, proofread, edited, copyright
+searched and analyzed, the copyright letters written, etc. Our
+projected audience is one hundred million readers. If the value
+per text is nominally estimated at one dollar then we produce $2
+million dollars per hour in 2002 as we release over 100 new text
+files per month: 1240 more eBooks in 2001 for a total of 4000+
+We are already on our way to trying for 2000 more eBooks in 2002
+If they reach just 1-2% of the world's population then the total
+will reach over half a trillion eBooks given away by year's end.
+
+The Goal of Project Gutenberg is to Give Away 1 Trillion eBooks!
+This is ten thousand titles each to one hundred million readers,
+which is only about 4% of the present number of computer users.
+
+Here is the briefest record of our progress (* means estimated):
+
+eBooks Year Month
+
+ 1 1971 July
+ 10 1991 January
+ 100 1994 January
+ 1000 1997 August
+ 1500 1998 October
+ 2000 1999 December
+ 2500 2000 December
+ 3000 2001 November
+ 4000 2001 October/November
+ 6000 2002 December*
+ 9000 2003 November*
+10000 2004 January*
+
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been created
+to secure a future for Project Gutenberg into the next millennium.
+
+We need your donations more than ever!
+
+As of February, 2002, contributions are being solicited from people
+and organizations in: Alabama, Alaska, Arkansas, Connecticut,
+Delaware, District of Columbia, Florida, Georgia, Hawaii, Illinois,
+Indiana, Iowa, Kansas, Kentucky, Louisiana, Maine, Massachusetts,
+Michigan, Mississippi, Missouri, Montana, Nebraska, Nevada, New
+Hampshire, New Jersey, New Mexico, New York, North Carolina, Ohio,
+Oklahoma, Oregon, Pennsylvania, Rhode Island, South Carolina, South
+Dakota, Tennessee, Texas, Utah, Vermont, Virginia, Washington, West
+Virginia, Wisconsin, and Wyoming.
+
+We have filed in all 50 states now, but these are the only ones
+that have responded.
+
+As the requirements for other states are met, additions to this list
+will be made and fund raising will begin in the additional states.
+Please feel free to ask to check the status of your state.
+
+In answer to various questions we have received on this:
+
+We are constantly working on finishing the paperwork to legally
+request donations in all 50 states. If your state is not listed and
+you would like to know if we have added it since the list you have,
+just ask.
+
+While we cannot solicit donations from people in states where we are
+not yet registered, we know of no prohibition against accepting
+donations from donors in these states who approach us with an offer to
+donate.
+
+International donations are accepted, but we don't know ANYTHING about
+how to make them tax-deductible, or even if they CAN be made
+deductible, and don't have the staff to handle it even if there are
+ways.
+
+Donations by check or money order may be sent to:
+
+Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+PMB 113
+1739 University Ave.
+Oxford, MS 38655-4109
+
+Contact us if you want to arrange for a wire transfer or payment
+method other than by check or money order.
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation has been approved by
+the US Internal Revenue Service as a 501(c)(3) organization with EIN
+[Employee Identification Number] 64-622154. Donations are
+tax-deductible to the maximum extent permitted by law. As fund-raising
+requirements for other states are met, additions to this list will be
+made and fund-raising will begin in the additional states.
+
+We need your donations more than ever!
+
+You can get up to date donation information online at:
+
+https://www.gutenberg.org/donation.html
+
+
+***
+
+If you can't reach Project Gutenberg,
+you can always email directly to:
+
+Michael S. Hart <hart@pobox.com>
+
+Prof. Hart will answer or forward your message.
+
+We would prefer to send you information by email.
+
+
+**The Legal Small Print**
+
+
+(Three Pages)
+
+***START**THE SMALL PRINT!**FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS**START***
+Why is this "Small Print!" statement here? You know: lawyers.
+They tell us you might sue us if there is something wrong with
+your copy of this eBook, even if you got it for free from
+someone other than us, and even if what's wrong is not our
+fault. So, among other things, this "Small Print!" statement
+disclaims most of our liability to you. It also tells you how
+you may distribute copies of this eBook if you want to.
+
+*BEFORE!* YOU USE OR READ THIS EBOOK
+By using or reading any part of this PROJECT GUTENBERG-tm
+eBook, you indicate that you understand, agree to and accept
+this "Small Print!" statement. If you do not, you can receive
+a refund of the money (if any) you paid for this eBook by
+sending a request within 30 days of receiving it to the person
+you got it from. If you received this eBook on a physical
+medium (such as a disk), you must return it with your request.
+
+ABOUT PROJECT GUTENBERG-TM EBOOKS
+This PROJECT GUTENBERG-tm eBook, like most PROJECT GUTENBERG-tm eBooks,
+is a "public domain" work distributed by Professor Michael S. Hart
+through the Project Gutenberg Association (the "Project").
+Among other things, this means that no one owns a United States copyright
+on or for this work, so the Project (and you!) can copy and
+distribute it in the United States without permission and
+without paying copyright royalties. Special rules, set forth
+below, apply if you wish to copy and distribute this eBook
+under the "PROJECT GUTENBERG" trademark.
+
+Please do not use the "PROJECT GUTENBERG" trademark to market
+any commercial products without permission.
+
+To create these eBooks, the Project expends considerable
+efforts to identify, transcribe and proofread public domain
+works. Despite these efforts, the Project's eBooks and any
+medium they may be on may contain "Defects". Among other
+things, Defects may take the form of incomplete, inaccurate or
+corrupt data, transcription errors, a copyright or other
+intellectual property infringement, a defective or damaged
+disk or other eBook medium, a computer virus, or computer
+codes that damage or cannot be read by your equipment.
+
+LIMITED WARRANTY; DISCLAIMER OF DAMAGES
+But for the "Right of Replacement or Refund" described below,
+[1] Michael Hart and the Foundation (and any other party you may
+receive this eBook from as a PROJECT GUTENBERG-tm eBook) disclaims
+all liability to you for damages, costs and expenses, including
+legal fees, and [2] YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE OR
+UNDER STRICT LIABILITY, OR FOR BREACH OF WARRANTY OR CONTRACT,
+INCLUDING BUT NOT LIMITED TO INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE
+OR INCIDENTAL DAMAGES, EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE
+POSSIBILITY OF SUCH DAMAGES.
+
+If you discover a Defect in this eBook within 90 days of
+receiving it, you can receive a refund of the money (if any)
+you paid for it by sending an explanatory note within that
+time to the person you received it from. If you received it
+on a physical medium, you must return it with your note, and
+such person may choose to alternatively give you a replacement
+copy. If you received it electronically, such person may
+choose to alternatively give you a second opportunity to
+receive it electronically.
+
+THIS EBOOK IS OTHERWISE PROVIDED TO YOU "AS-IS". NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, ARE MADE TO YOU AS
+TO THE EBOOK OR ANY MEDIUM IT MAY BE ON, INCLUDING BUT NOT
+LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR A
+PARTICULAR PURPOSE.
+
+Some states do not allow disclaimers of implied warranties or
+the exclusion or limitation of consequential damages, so the
+above disclaimers and exclusions may not apply to you, and you
+may have other legal rights.
+
+INDEMNITY
+You will indemnify and hold Michael Hart, the Foundation,
+and its trustees and agents, and any volunteers associated
+with the production and distribution of Project Gutenberg-tm
+texts harmless, from all liability, cost and expense, including
+legal fees, that arise directly or indirectly from any of the
+following that you do or cause: [1] distribution of this eBook,
+[2] alteration, modification, or addition to the eBook,
+or [3] any Defect.
+
+DISTRIBUTION UNDER "PROJECT GUTENBERG-tm"
+You may distribute copies of this eBook electronically, or by
+disk, book or any other medium if you either delete this
+"Small Print!" and all other references to Project Gutenberg,
+or:
+
+[1] Only give exact copies of it. Among other things, this
+ requires that you do not remove, alter or modify the
+ eBook or this "small print!" statement. You may however,
+ if you wish, distribute this eBook in machine readable
+ binary, compressed, mark-up, or proprietary form,
+ including any form resulting from conversion by word
+ processing or hypertext software, but only so long as
+ *EITHER*:
+
+ [*] The eBook, when displayed, is clearly readable, and
+ does *not* contain characters other than those
+ intended by the author of the work, although tilde
+ (~), asterisk (*) and underline (_) characters may
+ be used to convey punctuation intended by the
+ author, and additional characters may be used to
+ indicate hypertext links; OR
+
+ [*] The eBook may be readily converted by the reader at
+ no expense into plain ASCII, EBCDIC or equivalent
+ form by the program that displays the eBook (as is
+ the case, for instance, with most word processors);
+ OR
+
+ [*] You provide, or agree to also provide on request at
+ no additional cost, fee or expense, a copy of the
+ eBook in its original plain ASCII form (or in EBCDIC
+ or other equivalent proprietary form).
+
+[2] Honor the eBook refund and replacement provisions of this
+ "Small Print!" statement.
+
+[3] Pay a trademark license fee to the Foundation of 20% of the
+ gross profits you derive calculated using the method you
+ already use to calculate your applicable taxes. If you
+ don't derive profits, no royalty is due. Royalties are
+ payable to "Project Gutenberg Literary Archive Foundation"
+ the 60 days following each date you prepare (or were
+ legally required to prepare) your annual (or equivalent
+ periodic) tax return. Please contact us beforehand to
+ let us know your plans and to work out the details.
+
+WHAT IF YOU *WANT* TO SEND MONEY EVEN IF YOU DON'T HAVE TO?
+Project Gutenberg is dedicated to increasing the number of
+public domain and licensed works that can be freely distributed
+in machine readable form.
+
+The Project gratefully accepts contributions of money, time,
+public domain materials, or royalty free copyright licenses.
+Money should be paid to the:
+"Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+If you are interested in contributing scanning equipment or
+software or other items, please contact Michael Hart at:
+hart@pobox.com
+
+[Portions of this eBook's header and trailer may be reprinted only
+when distributed free of all fees. Copyright (C) 2001, 2002 by
+Michael S. Hart. Project Gutenberg is a TradeMark and may not be
+used in any sales of Project Gutenberg eBooks or other materials be
+they hardware or software or any other related product without
+express permission.]
+
+*END THE SMALL PRINT! FOR PUBLIC DOMAIN EBOOKS*Ver.02/11/02*END*
+
diff --git a/6079-8.zip b/6079-8.zip
new file mode 100644
index 0000000..2299f53
--- /dev/null
+++ b/6079-8.zip
Binary files differ
diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt
new file mode 100644
index 0000000..6312041
--- /dev/null
+++ b/LICENSE.txt
@@ -0,0 +1,11 @@
+This eBook, including all associated images, markup, improvements,
+metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be
+in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES.
+
+Procedures for determining public domain status are described in
+the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org.
+
+No investigation has been made concerning possible copyrights in
+jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize
+this eBook outside of the United States should confirm copyright
+status under the laws that apply to them.
diff --git a/README.md b/README.md
new file mode 100644
index 0000000..891e1bf
--- /dev/null
+++ b/README.md
@@ -0,0 +1,2 @@
+Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for
+eBook #6079 (https://www.gutenberg.org/ebooks/6079)