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+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 57967 ***
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+[Illustration:]
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+ Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, Stuttgart
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+Die Gesellschaft Kosmos will die Kenntnis der Naturwissenschaften und
+damit die Freude an der Natur und das Verständnis ihrer Erscheinungen in
+den weitesten Kreisen unseres Volkes verbreiten. -- Dieses Ziel glaubt
+die Gesellschaft durch Verbreitung guter naturwissenschaftlicher
+Literatur zu erreichen mittels des
+
+ $Kosmos$, Handweiser für Naturfreunde
+
+ Jährlich 12 Hefte. Preis M 2.80;
+
+ferner durch Herausgabe neuer, von ersten Autoren verfaßter, im guten
+Sinne gemeinverständlicher Werke naturwissenschaftlichen Inhalts. Es
+erscheinen im Vereinsjahr 1914 (Änderungen vorbehalten):
+
+Wilh. Bölsche, Tierwanderungen in der Urwelt.
+ Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h ö. W.
+
+Dr. Kurt Floericke, Meeresfische.
+ Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h ö. W.
+
+Dr. Alexander Lipschütz, Warum wir sterben.
+ Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h ö. W.
+
+Dr. Fritz Kahn, Die Milchstraße.
+ Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h ö. W.
+
+Dr. Oskar Nagel, Romantik der Chemie.
+ Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h ö. W.
+
+Diese Veröffentlichungen sind durch =alle Buchhandlungen= zu beziehen;
+daselbst werden Beitrittserklärungen (Jahresbeitrag nur M 4.80) zum
+$Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde$ (auch nachträglich noch für die
+Jahre 1904/13 unter den gleichen günstigen Bedingungen),
+entgegengenommen. (Satzung, Bestellkarte, Verzeichnis der erschienenen
+Werke usw. siehe am Schlusse dieses Werkes.)
+
+ Geschäftsstelle des Kosmos: Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart.
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+
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+ Meeresfische
+
+ Von
+
+ Dr. Kurt Floericke
+
+ Mit zahlreichen Abbildungen nach Originalaufnahmen
+ und Zeichnungen von Oberlehrer
+ W. Koehler, Fr. Ward, R. Oeffinger u. a.
+ und einem Umschlagbild von Willy Planck
+
+ [Illustration]
+
+ Stuttgart
+
+ Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde
+ Geschäftsstelle: Franckh'sche Verlagshandlung
+ 1914
+
+
+ Alle Rechte, besonders das Übersetzungsrecht, vorbehalten.
+
+
+ _Copyright 1914 by
+ Franckh'sche Verlagshandlung
+ Stuttgart_
+
+ STUTTGARTER SETZMASCHINEN-DRUCKEREI
+ HOLZINGER & Co., STUTTGART
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+ * * * * *
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+[Illustration]
+
+Furchtbar zugleich und fruchtbar ist das Meer. Mit heiliger Scheu
+erfüllt uns der endlose Ozean, wenn er, aufgewühlt und aufgepeitscht von
+heulenden Sturmwinden, tobend und brausend hohe, weißgekrönte Wogenkämme
+wie eine finstere, verderbenbringende Todesmauer zum Lande wälzt, Leichen
+auf seinem Rücken trägt und alles Lebende mit wuchtigem Wellenschlag zu
+vernichten droht; mit andächtiger Bewunderung aber, wenn er sich wieder
+besänftigt hat, wenn an der nur leicht gekräuselten, sanft und ruhig
+atmenden Oberfläche im glitzernden Sonnenschein Scharen silberner
+Fischlein in übermütigem Spiel sich tummeln und das kristallklare Wasser
+an felsiger Küste ungeahnte Einblicke tun läßt in die Tiefe mit ihrem so
+eigenartigen, geheimnisvollen, mannigfaltigen Weben und Leben; mit warmer
+Liebe endlich, wenn wir gedenken, wie unendlich viel von jeher der reiche
+Ozean beigetragen hat, die menschlichen Bewohner des Erdballs zu
+ernähren, die entlegensten Völker mit einander zu verbinden, ihnen einen
+leichten und bequemen Austausch ihrer Erzeugnisse zu ermöglichen, ihre
+Phantasie zu befruchten und ihre künstlerische Schaffenskraft anzuregen.
+Neptun gebietet über das weiteste und ausgedehnteste Reich auf unserem
+Planeten, und die Zahl und Mannigfaltigkeit der seinem strengen Szepter
+unterstehenden Tierwelt, ihre grotesken Formen, ihre erstaunliche
+Fruchtbarkeit und ihre weitgehenden biologischen Anpassungen an die
+Eigenart der verschiedenen Meeresteile finden auf dem Festlande kaum
+ihresgleichen. Voll ungeahnter Wunder ist des Meeres dunkler Schoß, aber
+nur langsam und zögernd enthüllen sie sich dem rastlos forschenden
+Menschengeiste. Kaum vermag unser Auge die verwirrende Fülle der
+Erscheinungen noch zu überschauen. Führen doch allein an 10000 Fischarten
+in all den Erdenmeeren ein unseren Blicken mehr oder minder verborgenes
+Dasein. Gerade dieser Umstand erscheint in hohem Maße geeignet, unsere
+Kenntnis von den Lebensgewohnheiten der Seefische zu erschweren; so sehr
+sie auch während der letzten Jahrzehnte durch die überraschenden
+Fortschritte der Meeresforschung gefördert worden ist, so wenig ist doch
+ausführlichere Kunde davon in die große Masse der heutigen
+Kulturmenschheit gedrungen, wenn auch anderseits die Fischerbevölkerung
+der Küstenländer schon im eigensten Lebensinteresse geradezu gezwungen
+war, praktische Fischkunde zu lernen. Aber wie viele sonst hoch
+gebildete Bewohner des Binnenlandes gibt es doch, die selbst die
+allergewöhnlichsten Seefische lediglich von genossenen Tafelfreuden oder
+aus den Bottichen der Marktweiber her kennen, von ihrer merkwürdigen
+Lebensführung dagegen kaum mehr wissen als von der hochinteressanten Art
+und Weise ihrer Erbeutung. Und doch ist diese von tief einschneidender
+Bedeutung nicht nur für das gesamte Wirtschaftsleben unserer
+Küstenprovinzen, sondern auch für die Fleischversorgung unseres gesamten
+Vaterlandes, da bei den ständig steigenden Schlachtviehpreisen einerseits
+und den erheblich verbesserten Transportmitteln anderseits (selbst aus
+Westafrika bringt man neuerdings in Kühlkammern oder auf Schneelagern in
+23tägiger Fahrt Plattfische und Seehechte in vollkommen gebrauchsfrischem
+Zustande nach Paris) der Verbrauch von Seefischfleisch auch im
+Binnenlande eine fortwährend zunehmende Wichtigkeit erhält.
+
+Die deutsche =Hochseefischerei=, die jetzt zumeist mit eigens dazu
+ausgerüsteten, besonders seetüchtigen Fischdampfern betrieben wird, ist
+denn auch in erfreulicher Aufwärtsentwicklung begriffen, obgleich es noch
+lange dauern wird, bis sie den ungeheuren Vorsprung, den namentlich die
+Engländer auf diesem Gebiete besitzen, einigermaßen wettgemacht haben
+wird. Sie beschäftigt über 30000 wettergestählte Männer, die in ihrem
+gefahrvollen und anstrengenden Berufe für den Ausbau eines Gewerbszweiges
+kämpfen, dessen ungeheure volkswirtschaftliche Bedeutung für Deutschland
+lange genug verkannt worden ist und auch jetzt noch nicht ganz die ihm
+gebührende Wertschätzung findet. Der Wert der ans Land gebrachten Fische
+belief sich im Jahre 1908 auf rund 29 Millionen Mark, aber trotzdem
+konnten von unseren 11 Fischereigesellschaften nur 4 eine Dividende
+zahlen (die Emdener Heringsfischerei 7%), ein Zeichen, daß die gesamte
+Organisation noch sehr in den Kinderschuhen steckt. Der Staat tut alles,
+um sie zu heben und bewilligte allein 400000 M an Bauprämien für
+Fischereifahrzeuge, während anderseits die Wissenschaft mit den
+wertvollen Ergebnissen ihrer Forschungen der Fischerei zu Hilfe kommt,
+überhaupt gerade auf diesem Gebiet ein inniger und sehr vorteilhafter
+Wechselverkehr zwischen Wissenschaft und Praxis besteht, der beiden in
+hohem Maße zum Vorteil gereicht. Wie weit bei guten Vorkehrungen die
+Erträge der Seefischerei gesteigert werden können, ersieht man aus der
+englischen Statistik. An den dortigen Küsten wurden beispielsweise im
+Jahre 1906 20-1/2 Millionen Zentner Fische erbeutet und daraus 11,326
+Millionen Pfd. St. erzielt. Die neuesten Errungenschaften der Technik
+kommen dort wie auch in Norwegen beim Fischfang zur Verwendung. Selbst
+das Telephon. Der hierbei benutzte Apparat besteht aus einem zur Aufnahme
+des Schalles dienenden Mikrophon, das in einer wasserdichten Stahlkapsel
+eingeschlossen und durch Leitungsdrähte ständig mit einem telephonischen
+Empfänger an Bord des Fangschiffes verbunden ist. Durch diese Vorrichtung
+werden die Fischer frühzeitig von dem Herannahen und der Richtung der
+großen Fischzüge in Kenntnis gesetzt, können auch gleich auf deren Art
+schließen, indem z. B. Heringe durch pfeifende, Dorsche durch grunzende
+Geräusche sich verraten. Hervorgerufen werden diese wahrscheinlich durch
+die unablässige Bewegung von Millionen von Flossen und Kiemen im Wasser.
+Leider ist unsere Seefischerei trotz aller Anstrengungen noch nicht
+imstande, den Eigenbedarf unseres Volkes an Fischfleisch zu decken. Noch
+müssen wir für nahezu 120 Millionen jährlich vom Ausland beziehen,
+während unsere Ausfuhr noch nicht 12 Millionen beträgt. Unter den
+eingeführten Fischen stehen obenan gesalzene Heringe mit 36,5, Bücklinge
+mit 2,3, Kaviar mit 9,5, Lachse mit 7,25, Sardellen mit 1,75 und frische
+Karpfen mit 1,8 Millionen Mark. Dabei nimmt in unserer Zeit der
+Fleischteuerung die Nachfrage nach Seefisch noch fortwährend zu,
+namentlich seit das frühere Vorurteil der Binnenländer gegen diese Kost
+zu schwinden beginnt, wenn auch leider nur sehr langsam und allmählich.
+Viel dazu beigetragen hat die Abhaltung von Seefisch-Kochkursen und die
+planvolle Organisierung des Fischverkaufs in den städtischen Markthallen.
+So wurden allein in Berlin vom Oktober 1911 bis Februar 1912 rund 230000
+kg frische Seefische durch die städtischen Verkaufsstellen abgesetzt. Im
+Vergleiche zu der Statistik des Pariser Fischmarktes erscheint diese Zahl
+freilich noch recht geringfügig. Dort kommen während der kühlen
+Jahreszeit Tag für Tag 110-115000 kg Meeresbewohner in die städtischen
+Markthallen, wobei allerdings Krebse und Muscheln mitgerechnet sind, ja
+an den Fastentagen steigert sich diese ungeheure Menge auf 200000 kg. Bei
+uns macht nach den Berechnungen von König und Splittgerber das
+Fischfleisch nur 1/8-1/10 des überhaupt genossenen Fleisches aus. Auf den
+Kopf der Bevölkerung kommen jährlich etwa 6,8 kg Fisch, wovon 6 kg auf
+Seefisch entfallen und 40-50% für den Abfall in Abzug zu bringen sind,
+sodaß nur 3,5-4 kg reines Fischfleisch übrig bleiben. Im allgemeinen ist
+dessen Nährwert und Verdaulichkeit dem des Fleisches der nutzbaren
+Haustiere gleichzusetzen, aber wenigstens das Seefischfleisch hat den
+großen Vorzug, wesentlich billiger zu sein, selbst wenn man dabei in
+Anschlag bringt, daß es an sich schon wasserreich ist und wegen der
+kurzen Kochdauer nur einen unwesentlichen Wasserverlust erleidet, daher
+zur Sättigung in größerer Menge genossen werden muß. Bei Räucherfischen
+kommt dieser Übelstand ohnedies in Wegfall, während bei eingemachten
+Fischen ein großer Teil der wertvollen Nährstoffe in die Laken und Saucen
+entweicht. Die Verdaulichkeit wird durch das Kochen in geringerem Maße
+beeinträchtigt als beim Rindfleisch. So vermag das Fischfleisch selbst
+körperlich stark angestrengten Menschen ein vollwertiger Ersatz für
+anderes Fleisch zu sein, und in Rußland erhält beispielsweise das Militär
+zweimal wöchentlich Fisch, während man bei uns in dieser Beziehung noch
+nicht weit über tastende Versuche hinausgekommen ist. Auch vorzügliche
+Eiweißpräparate stellt man neuerdings aus Fischfleisch her.
+
+So erscheint das Meer als der denkbar ergiebigste Acker, dessen
+planmäßige Bebauung und zielbewußte Bewirtschaftung sich durch reiche
+Erträge lohnt, aber leicht ist die Hebung seiner Schätze nicht, und vom
+Meeresgrunde bis zur Feinschmeckertafel in einem Berliner Luxushotel ist
+ein gar weiter Weg. Fabelhaft fast erscheinen die Fruchtbarkeit und der
+Reichtum der See, aber unerschöpflich sind sie nicht, und rücksichtsloser
+Raubbau muß sich schließlich auch hier bitter rächen wie überall.
+Namentlich in der Nordsee, wo heute alljährlich 600 Dampfer und 5000
+Segler auf Fischfang ausziehen, machen sich schon bedenkliche Anzeichen
+von Überfischerei bemerkbar, weil dem Meere zu viel unbrauchbare
+Jungfische entzogen oder diese, wenn man sie auch wieder ins Wasser
+wirft, doch nicht schonend genug behandelt werden. So sind große
+Seezungen und Schollen schon recht spärlich geworden, ja es steht zu
+befürchten, daß von den bevorzugten Speisefischen überhaupt nur noch
+wenige das laichfähige Alter erreichen und für die Fortpflanzung ihrer
+Art sorgen können. Eckert schätzt den Gesamtertrag der Weltfischerei auf
+4 Millionen Tonnen im Werte von 1 Milliarde Mark; das erscheint
+verhältnismäßig wenig, dabei ist aber zu berücksichtigen, daß ausgedehnte
+und zweifellos sehr ergiebige Fischereigründe in den afrikanischen,
+südamerikanischen und australischen Gewässern der Fischereiwirtschaft
+überhaupt noch nicht erschlossen sind. Nahezu 70% der ganzen Ausbeute
+entfallen auf den Atlantik, wobei die Nordsee mit 1/5-1/4 beteiligt ist,
+keine 30% auf den Stillen Ozean und kaum 1% auf den Indischen. Was die
+einzelnen Staaten anbelangt, so kommen auf die von Nordamerika 23%, auf
+England 22%, auf Kanada und Norwegen je 13%, auf Rußland 6%, auf
+Frankreich 4%, auf Holland 3%, auf Spanien und Portugal 2-1/2%, auf
+Italien 1-1/2%. Während das kleine Japan mit 10-1/2% recht stattlich
+dasteht, spielt Deutschland mit nur 2-1/2% in dieser Liste noch immer
+eine ziemlich klägliche Rolle, obgleich sich der Ertrag unserer
+Hochseefischerei durch die dankenswerten Bemühungen einer einsichtigen
+Regierung innerhalb 15 Jahren um das Zehnfache gesteigert hat. Auch
+Österreich-Ungarn erweist sich trotz der herrlichen, fischreichen Adria
+mit ihrem prächtigen Klima und ihren zahlreichen ruhigen Buchten in bezug
+auf die Entwicklung der Küsten- oder gar der Hochseefischerei noch als
+recht rückständig, wie ja fast auf allen Gebieten. Das Fett schöpfen dort
+die benachbarten Italiener ab, und die Küstenbevölkerung von Triest und
+Fiume ab bis nach Spalato und Cattaro hinunter begrüßt alljährlich mit
+Freuden die buntbemalten Segel der anfahrenden Chioggioten-Flottille,
+weil sie gesunde und wohlfeile Nahrung auf den Markt bringt. Tausende von
+ärmeren Familien in Istrien und Dalmatien leben dann nur von Fischen und
+Polenta und sehen äußerst selten anderes Fleisch in ihren Töpfen. Der auf
+Backhuhn und Gulasch eingeschworene Wiener dagegen, der selbst die
+köstliche Forelle barbarischerweise in gebackenem Zustande genießt, hat
+dem Seefischfleisch noch immer keinen Geschmack abzugewinnen vermocht,
+und daran sind alle Bemühungen zur Schaffung eines großzügig
+eingerichteten Seefischversands im Reiche des Doppeladlers mehr oder
+minder gescheitert.
+
+Glücklicherweise zählt unsere fast überall mit Grundnetzen erreichbare
+Nordsee nächst den nordamerikanischen Gestaden des Atlantik zu den
+fruchtbarsten Meeren der Erde, über ihren zahlreichen Bänken und Untiefen
+wimmelt es fast buchstäblich von Fischen, nur daß sich diesen Segen in
+früheren Zeiten fast ausschließlich die Engländer zunutze zu machen
+verstanden, während mehr als 2 Meilen von der Küste überhaupt kaum ein
+deutscher Fischkutter anzutreffen war. »Das deutsche Meer«, so heißt es
+in einem englischen Gutachten, »ist ertragsfähiger als unser Ackerland;
+unsere reichsten Felder sind weniger fruchtbar an Nahrungsstoffen, als
+diese Fischereigründe. Ein Morgen guten Landes liefert etwa 20 Zentner
+Getreide jährlich oder 3 Zentner Fleisch und Käse; auf einer ebenso
+großen Wasserfläche mit Fischereigrund aber kann man dasselbe Gewicht an
+Nahrungsmitteln jede Woche ernten. Fünf Fischereiboote zogen in einer
+einzigen Nacht aus einer kaum 50 Morgen großen Fläche des deutschen
+Meeres den Wert von 50 Ochsen und 300 Schafen in Form von leicht
+verdaulichen und schmackhaften Fischen. Und was das Wichtigste ist, diese
+Ochsen und Schafe sind kostenlos und ohne alle Mühe im Wasser entstanden,
+erzogen und gemästet worden.« Mag dieses Urteil auch ein übertriebenes
+und allzu optimistisches sein, Tatsache ist jedenfalls, daß man bei uns
+lange Jahrhunderte hindurch den Meeressegen nicht zu würdigen verstand
+und sich erst in neuester Zeit allmählich seiner ungeheuren
+volkswirtschaftlichen Bedeutung bewußt geworden ist. Selbst die der
+Nordsee angrenzenden Kleinstaaten waren und sind uns in dieser Beziehung
+weit über, denn Holland verdankt seinen Reichtum dem Heringsfange, und
+Norwegen, wo ein großer Teil der Bevölkerung ohne Fischerei gar nicht
+bestehen könnte, gewinnt aus ihr weit mehr Taler, als es Einwohner zählt.
+Nun ist ja endlich auch bei uns ein vielversprechender Anfang zur
+Ausbeutung der feuchten Schatzkammern gemacht worden, aber die ersten
+Jahre deutscher Hochseefischerei waren doch kaum etwas anderes als
+blindlings unternommene Plünderungszüge, Raubbau schlimmster Art,
+förmliche Seeräuberei, und erst neuerdings beginnt man sich eines
+Besseren zu besinnen und die Sache planmäßiger zu gestalten. Das ist auch
+dringend nötig. Wir müssen lernen, die flüssige, sich selbst befruchtende
+Fläche ebenso rationell zu bewirtschaften, wie den Acker, wir müssen hier
+wie dort pflügen, hegen und ernten lernen, müssen ebenso gute Wasser- wie
+Landwirte werden, um die von dem schaffungsfrohen Meere in Form von
+schmackhaften und leicht verdaulichen Fischen erzeugten
+Proteinverbindungen und Kohlehydrate all den Millionen zugänglich zu
+machen, denen anderes Fleisch nur sehr knapp zugemessen ist. Die rasch
+erblühte Wissenschaft der Meeresbiologie weist uns ja den Weg, wie wir
+die Billionen Lebenskeime, die die Natur in unverwüstlichem Übermut im
+Meere fortwährend auswirft, aber mit demselben Übermute ebenso massenhaft
+wieder verderben und verschlingen läßt, erhalten und zu einer
+unerschöpflich reichen Nahrungsquelle umwandeln können. Freilich geht die
+Zeugungskraft des Meeres über unsere kühnsten Vorstellungen hinaus, aber
+schon die ungeheure Zahl von Eiern, die weibliche Heringe oder gar
+Schellfische in ihrem Leibe bergen, ist Beweis dafür, daß eine so
+außerordentliche Fülle des Lebens unmöglich sich voll entfalten kann,
+denn sonst würde es sehr bald dem weiten Weltenmeere selbst an Raum
+fehlen zur Unterbringung so zahlloser Geschöpfe. Wenn auch jeder
+Augenblick das Leben im Meer millionenfach wieder erzeugt, so fällt es
+zum weitaus größeren Teil doch ebenso schnell der unersättlichen Gier der
+Meeresräuber zur Beute, sodaß nur ein geringer Bruchteil zur Entwicklung
+gelangt und dem Menschen später zur Speise dienen kann. Daher sichert uns
+auch die unerschöpflich erscheinende Fülle des Lebens im Meer nicht vor
+einem Ende mit Schrecken. Die Menschen haben auch einst gedacht, daß die
+Wälder nie alle werden und die Fruchtbarkeit der Erde nie abnehmen könne,
+und sind doch auf recht bittere Weise eines anderen belehrt worden. Aber
+trotz der gemachten herben Erfahrungen wüsten wir in der gleich tollen
+und rücksichtslosen Weise auf die Schätze des Meeres los, nach dem alten,
+leichtsinnigen Worte »Nach uns die Sintflut«. Erst in letzter Zeit machen
+sich Anzeichen zur Besserung geltend, denn die Wissenschaft hat ja durch
+Aufhellung der früher so rätselhaften Wanderzüge der Fische und die
+Erforschung ihrer Ernährungsverhältnisse, insbesondere durch die
+Planktonlehre, einen gangbaren Weg zur planmäßigen Bewirtschaftung des
+Meeres gewiesen. Schlägt man diesen zielbewußt und unter Zuhilfenahme
+aller technischen Behelfe der Neuzeit ein, so wird der Meeresacker auch
+in Zukunft ohne wirklichen Dünger und eigentliche Aussaat goldene Ernten
+bringen.
+
+Anstrengend und beschwerlich in hohem Maße wird die Seefischerei
+freilich immer bleiben, und auch nicht ungefährlich, denn mit dem
+trügerischen Gott der Wogen und Winde läßt sich ein festes Abkommen nun
+einmal nicht treffen. Aber die Beschäftigung auf dem Wasser ist gesund,
+stählt den Körper, schärft die Sinne, festigt den Charakter, erzeugt
+Selbstvertrauen, Entschlossenheit und Geistesgegenwart. Deshalb bildet --
+und diesem Umstand kommt eine hohe politische Bedeutung zu -- die
+Meeresfischerei zugleich die beste Pflanzschule für leistungsfähige
+Kriegs- und Handelsflotten. Wer von Jugend auf den Umgang mit dem Meere
+gewohnt, mit seinen Tücken vertraut, gegen seine Gefahren gewappnet ist,
+der wird auch einen vollwertigen Matrosen abgeben. Nicht umsonst sprechen
+die Engländer von ihrer »_Fishing-natured navy_« (der durch die Fischerei
+genährten Seemacht). Ganze Männer erfordert die Fischerei jederzeit, ganz
+besonders bei stürmischem Winterwetter, wenn die Taue mit Eis überzogen
+sind, die Segel vor Frost knarren und ächzen und der Wind die prickelnden
+Schneekristalle in die Augen bläst. Wie oft habe ich dann nicht unsere
+Nehrungsfischer nach mehrtägigem Aufenthalt auf See halb erfroren
+ankommen sehen, ohne daß sie auch nur einen Schwanz gefangen hätten. Aber
+ein andermal warf ihnen die Laune des Meeresgottes in wenigen Stunden ein
+kleines Vermögen in den Schoß. Fischerei ist eben Lotteriespiel. Freilich
+ein solches mit hohen Gewinnen, aber auch mit dem Einsatz des Lebens. Von
+so ausschlaggebender Bedeutung ist sie für alle Küstenvölker, daß sie
+nicht selten sogar in die Geschichte ihrer Staaten entscheidend
+eingegriffen hat. Holland z. B. verdankt die Grundlagen seiner ehemaligen
+Seeherrschaft den Heringszügen. Die Geschichte der Fischerei ist so alt
+fast wie das Menschengeschlecht selbst. Auch die Speisegesetze des Alten
+Testaments beschäftigen sich bereits mit den Meeresfischen, und
+unternehmende Händler aus Tyrus brachten eingesalzene oder getrocknete
+Seefische nach dem Fischtor an der Nordostecke Jerusalems. Vortreffliche
+Fischer und Fischkenner waren die Römer, und bei ihren üppigen
+Tafelgenüssen spielten die Schuppenträger eine große Rolle. Antonius und
+Kleopatra ergötzten sich an der Seefischerei, Trajan betrieb sie mit
+Leidenschaft, Ausonius besang in schwunghaften Versen die
+Schmackhaftigkeit der verschiedenen Fischarten, Lucullus ließ einen
+kleinen Berg abtragen, um seine Fischteiche mit Meereswasser versehen zu
+können, gewissenlose Schwelger mästeten ihre fetten Muränen mit dem
+Fleisch ins Wasser gestürzter Sklaven, und das Scheusal Heliogabal ließ
+die Fische lebend auf die Tafel bringen, um sich an ihren langsamen
+Todesqualen zu ergötzen, und würzte dann ihr Fleisch mit Pulver aus
+echten Perlen.
+
+Reizvoll, anregend und voll ungeahnter Abwechslung ist die Seefischerei,
+in ungleich höherem Grade jedenfalls als die Binnenfischerei, wo ja in
+weiten Kreisen namentlich der Angelsport als ein Ausbund von Langeweile
+gilt, wenn er es auch in Wirklichkeit keineswegs ist. Versetzen wir uns
+einmal im Geiste auf einen Fischdampfer! Schon beim ersten Morgengrauen
+erdröhnt donnerndes Gepolter auf dem Deck. Die Vorbereitungen zum
+Ausbringen des Netzes haben begonnen. Längs der Reeling liegen an Back-
+und Steuerbord zwei riesige Baumstämme, an denen das Fang- und das
+Reservenetz befestigt sind; an ihnen sind mächtige eiserne Bügel von über
+Mannesgröße angebracht, dazu bestimmt, beim Schleifen über Grund den Baum
+freizuhalten und seine Bewegungen zu erleichtern. Immer lebendiger wird
+das Bild, die Mannschaft steht bereit, der Kapitän ist auf seinem Posten
+am Ruder -- alles klar! Jetzt luvt er an, d. h. dreht das Schiff so, daß
+der Wind von ihm wegstreicht, (ehe dies geschehen, darf kein Manöver
+stattfinden, das Netz würde sonst in die Schraube geraten) -- kräftige
+Fäuste packen das Netz und werfen es über Bord, allmählich treibt es auf
+und seitwärts nach hinten, einige Mann erfassen den Bügel am Vorderende
+des Baumes, und polternd schlägt das Ungetüm über die Reeling in die hoch
+aufspritzende Flut, schnell abtreibend. In dem Augenblick, in dem der
+Baum quer steht, wird auch das hintere Ende mit seinem Bügel über Bord
+geworfen -- einige Schwingungen hin und wieder, dann liegt er wagerecht
+-- die Stahltrosse wird ausgesteckt und saust rasselnd hinaus -- das
+Schiff fällt ab und nimmt seinen alten Kurs wieder auf -- das Manöver ist
+beendigt, und es beginnt nun der eigentliche Fischzug, während dessen der
+Dampfer mit nur 2 Meilen Fahrt 6-8 Stunden lang vor seinem Netze durch
+die See zieht. Dieses wird also von einem etwa 16 Meter langen und
+sorgfältig für diesen Zweck ausgewählten Buchen- oder Eichenstamm
+geschleppt. An ihm ist ein 4 Zoll starkes Grundtau befestigt, daran eine
+sogenannte Bolzleine, und von dieser aus verlaufen fliegende, vierkantige
+Maschen, an die sich dann die eigentlichen Netzmaschen ansetzen. Nur der
+beste Manilahanf kommt dabei zur Verwendung, wird überdies noch mit
+Karbolineum getränkt, hält aber trotzdem selten länger als ein halbes
+Jahr aus. Das Netz hat eine Länge von etwa 75 Metern und ist nach Art der
+Mausefallen gebaut. In die durch den Baum weit ausgereckte Öffnung
+streichen die Fische hinein, bis in das Hinterende, den sogenannten Sack,
+den eigentlichen Behälter, der vorn durch einen lose aufliegenden
+Netzteil nach innen geschlossen wird, so daß die Fische wohl hinein,
+nicht aber heraus können. Die ganze Vorrichtung wird an einer Stahltrosse
+über den Grund geschleppt (Abb. 1).
+
+[Illustration: Abb. 1. Grundschleppnetz (durch Scherbretter
+offengehalten). Nach einer Zeichnung von R. Oeffinger.]
+
+Stunde um Stunde verstreicht in langweiligem Gleichmaß, und mit
+gespannter Erwartung sieht alles dem gegen Mittag stattfindenden Fischzug
+entgegen. Nichts hört man, als das einförmig träge, schwerfällig
+stampfende Getön der Maschine. Endlich naht die Entscheidung. Wieder
+steht der Kapitän am Ruder -- ein Zeichen -- der Dampfer luvt an, und die
+durch Dampf getriebene Winde beginnt ihr metallisch dröhnendes Getöse,
+indem sie die Stahltrosse einhievt (einholt), die, fast bis zum Springen
+gesteift, durch eine mit Kolben versehene Luke sich am Oberdeck
+hereinzwängt. Jetzt wird der Baum sichtbar, wagerecht hinten und vorn
+gehievt, dann eine »Taille« von mächtiger Stärke eingehakt, und nun heißt
+es, ihn hoch holen, was bei einem solchen Koloß natürlich auch nur die
+Dampfkraft zu schaffen vermag. Zunächst wird das Achterende vorgehievt,
+dann kommt das Vorderende dran, und nun steigt wie ein triefendes
+Seeungetüm Baum und Netz allmählich über Wasser, höher und höher, und
+endlich donnert, übergeholt, der eiserne Bügel auf Deck. Im gleichen
+Augenblick faßt die Mannschaft ins Netz. Weit nach hinten beugen sich die
+Leute über und holen mit Anstrengung aller Kräfte ruckweise Stück für
+Stück herauf. Rauher Gesang muß die saure Arbeit erleichtern, und ein
+graubärtiger Mecklenburger mit wetterhartem Ledergesicht gibt dabei den
+Takt an. Das Netz ist an Deck. Weit vorgebeugt stiert der Kapitän mit
+langgestrecktem Halse ins Wasser, nicht weniger gespannt die gesamte
+Mannschaft -- alle nach einer bestimmten Stelle. Plötzlich steigen an
+dieser ganze Massen von Blasen perlend an die Oberfläche, und darunter
+aus der Tiefe kommt es grünlich schimmernd höher und näher: es ist der
+Sack, der auftreibt, aber er tut dies nur, wenn er reichen Fischsegen
+birgt. Ein vergnügtes Schmunzeln wetterleuchtet über das zerknitterte
+Gesicht des Kapitäns; er hat guten Grund dazu, denn sein Einkommen
+besteht hauptsächlich in dem Gewinnanteil. Jetzt ist der Sack so hoch,
+daß man den weißschimmernden Inhalt erblickt, festgekeilt in gewölbter
+Masse, wobei aus den Maschen namentlich die schmalen Leiber der Seezungen
+herausragen. Wieder beginnt das Dröhnen der Winde, unendlich langsam und
+schwerfällig erhebt sich der pralle Sack triefend in die Lüfte, der
+Dampfer neigt sich merklich nach Steuerbord über unter der Last, die
+jetzt, hereingeschwungen, über dem Vorschiff schwebt. Vergeblich versucht
+man, den schürzenden Knoten zu lösen, die strotzende Masse im Netz
+bekneift ihn; erst als ein Mann aufs Tau springt und mit der ganzen
+Körperlast wippend auf und niederschwingt, gibt es nach, und nun -- ein
+dumpfer Schlag aufs Deck -- mit einem Ruck hat der Sack sich seines
+Inhalts entledigt, und plötzlich ist der Raum von einer weiß
+schimmernden, glitzernden Masse übergossen, die einen Augenblick, als
+schöpfe sie Atem nach der furchtbaren Pressung im gestrafften Netz, in
+Ruhe verharrt und dann zappelnd, springend, schlagend und glitschend,
+wirr durch- und übereinander drängend ein so verblüffendes Bild des
+Lebens oder eigentlich des Sterbens darbietet, daß es jeder Beschreibung
+spottet.
+
+Die Hauptmasse bildet der Schellfisch, der mit seinem weißen Leibe
+gewissermaßen den Untergrund des ganzen Bildes malt, und der gefräßige
+Kabeljau mit dem gierig glotzenden Auge und dem weit geöffneten Rachen.
+Daneben windet sich ein Steinbutt mit flachen Rändern, kurzem Schwänzchen
+und einem Kopf, der aussieht, als hätte der Schöpfer sich verzeichnet.
+Und was ist das hier? Ein Steinbutt nicht, aber ein ähnliches Getier mit
+starken Stacheln auf dem breiten, buntscheckig getigerten Rücken und
+einem ebenso fleckigen Stachelschwanze -- ein Rochen oder, wie der
+Fischer ihn nennt, ein »Franzose.« »Rrrruck, rrrruck« sagt es plötzlich
+neben uns -- das sind Knurrhähne. Dazwischen schimmert rot und goldfarben
+das Petermännchen -- »mecklenburgischer Ritter« heißt es in der
+Fischersprache, wohl kaum seiner hohen Denkerstirn, sondern eher der
+harten, scharfkantigen Rückenflosse wegen. Weiterhin zarte Seezungen mit
+schmächtigen Leibern und graue Schollen, Proletarier im Aussehen, aber
+nicht im Geschmack. Hallo -- ein Hai? Wahrhaftig -- die dreieckige
+Rückenflosse, der weiße Bauch, der zurückspringende Unterkiefer -- alles
+stimmt. In Sprüngen schiebt sich der meterlange Bursche über die anderen
+Fische hin. Immer neue Formen unterscheidet man in der wirren Masse, die
+wie mit einer Art Füllsel durchsetzt ist von schlammüberzogenen Muscheln
+und sonderbar traubenartig gestalteten Lebewesen eklen Aussehens,
+»Seehenne« benannt. Da schnellt es auf, ein großer, schlanker und
+schöner, man könnte sagen, eleganter Fisch von gut Meterlänge mit
+fadenförmigem Auswuchs am Unterkiefer -- der Lengfisch. Daneben ein
+Seehecht mit dem gefährlichen Gebiß, dem man besser im Bogen aus dem Wege
+geht. Wer zählt und nennt sie alle, edle und unedle, seltene und gemeine,
+Korksohlen, Schaben, Rotzungen, Makrelen und andere mehr? Dazwischen und
+darüber krabbelt und kriecht es -- Seespinnen mit gespenstigem Kopf und
+langen Beinen, Krebse von teilweise riesigen Ausmaßen, auf deren
+gepanzertem Rücken sich eine ganze Welt von Schmarotzern häuslich
+eingerichtet hat. Ein mächtiger Hummer öffnet die gewaltigen Scheren zum
+Angriff -- mitten aus dem glänzenden Weiß der Fischleiber hebt er sich
+funkelnd schwarz ab, und sein Panzer erinnert in der Wirkung überraschend
+an den eines japanischen Ritters. Einer der Matrosen befreit plötzlich
+mit erschrockenem Ruck seine Stiefel aus einer Umklammerung und fällt
+dabei ausglitschend mitten unter die Fische. »Ein Kater -- ein Kater!«
+Richtig -- ein Katfisch war gefangen und hatte den Stiefel eines Mannes
+erwischt, jedoch nur ein kleines Ende, sonst wäre der Matrose nicht so
+leicht losgekommen. Ein grauliches, halb mannslanges Tier mit dem
+Ausdruck gemeinster tierischer Roheit in dem riesigen Kopfe. Ihm
+entspricht auch alles übrige -- der Körper hat keine eigentlichen
+Schuppen, sondern eine faltige, schlammgraue Haut, der Rücken keine
+eigentliche Flosse, sondern mehr eine schlammgraue, handbreite Mähne. Das
+Maul aber ist mit richtigen, stumpfen Menschenzähnen besetzt, Zunge und
+Gaumen bilden eine harte Hornmasse. Was zwischen diese Zähne gerät, wird
+rettungslos zermalmt. Ein Mann steckt dem Katfisch einen Besenstiel ins
+Maul, in den er sich sofort derart verbeißt, daß er daran aufs Achterdeck
+geschleift werden kann. Auch das Fleisch dieses Untiers wird verkauft,
+aber in Kotelettenform und der Kopf vorher abgeschnitten, da es der
+Käufer sonst wohl mit dem Gruseln bekommen würde. Aus der gegerbten Haut
+werden in Norwegen Stiefel gemacht. Noch ein anderer merkwürdiger
+Schlingel ist da -- ein Seehase, jenes sonderbare, kugelig-stachelige
+Wesen mit den wulstigen Menschenlippen, das man als Dämon der
+Seekrankheit bezeichnen könnte, denn von Zeit zu Zeit speit er den
+wässerigen Inhalt seines Bauches mit dem ganzen Jammerausdruck eines von
+Poseidon geplagten Menschenkindes aus.
+
+Die Mannschaft beschäftigt sich zunächst mit dem Auslesen der Fische in
+eine große Anzahl weidengeflochtener Körbe, deren jeder 50-60 kg faßt.
+Hand in Hand damit geht auch das Abtöten und Ausweiden. Kreischende
+Geschwader von Möwen und Seeschwalben sowie ganze Züge von
+»Meerschweinen« (Delphinen) folgen dem leckeren Fraß versprechenden
+Schiffe und gieren nach den ins Wasser geworfenen Eingeweiden. Dann
+treten Männer mit Schlauch und Besen an, reinigen zunächst durch einen
+starken Wasserstrahl den Inhalt der Körbe und säubern dann das Deck,
+nachdem andere alle minderwertigen oder abgestandenen Fische, Muscheln
+und dgl. über Bord geschaufelt haben. So hält man heute durch strenge
+Reinlichkeit die widerwärtigen Ausdünstungen der Fischrückstände von den
+Dampfern fern, die früher für Menschen mit empfindsamen Geruchsorganen
+den Aufenthalt auf ihnen zur Qual machten. Schließlich wird der ganze
+Fang unter Bord verstaut, und mit vergnügtem Gesicht trägt der Kapitän
+die Anzahl der Körbe in sein Tagebuch ein.
+
+Nicht immer aber liefert der Fischzug eine so mannigfache Beute, nicht
+immer einen so reichen Ertrag. Gar nicht selten hängt der aufgezogene
+Netzbeutel schlaff und fast leer herab, oder sein Inhalt erweist sich als
+ein ärmlich-schrumpeliges Päckchen minderwertiger Fische. Das ist immer
+noch besser, als wenn das Netz zwischen die Trümmer eines Wracks gerät,
+wie es in der stark befahrenen Nordsee oft genug der Fall ist. Dann
+enthält es nur in Tang und Schlick gehülltes Trümmerwerk aller Art mit
+unkenntlichen, schlammigen Anhängseln, ist überdies meist zerrissen und
+macht langwierige und kostspielige Flickarbeit notwendig. So schraubt
+sich Tag für Tag ab in regelmäßigem Einerlei von Fischzug zu Fischzug.
+Man hört währenddem nur von Fischen, sieht nur Fische, ißt nur Fische,
+und so vermag man schließlich auch kaum noch etwas anderes zu denken als
+Fische. Jedermann begrüßt es deshalb als Erlösung und willkommene
+Abwechslung, wenn endlich alle Körbe gefüllt sind und der Kiel heimwärts
+gerichtet wird. Mit wehender Reederflagge holt der Fischdampfer durch die
+Schleusen und vertaut sich im alten Hafen von Bremerhaven, diesem
+Brennpunkte des deutschen Fischhandels. Hier beginnt sofort das Löschen.
+In den Fischschuppen ertönt das Getöse der Eismaschine, die die großen
+Blöcke zu Grus zermalmt. Gebückte Gestalten schichten in strohbelegte
+Körbe Fische und Eis, Fische und Eis, immerfort, mit erstaunlicher
+Schnelligkeit (Abb. 2). Draußen rollen schon die Eisenbahnwagen herbei,
+um das seefrische Meeresfleisch als Eilgut ins Binnenland zu tragen. Wenn
+es dort am nächsten Morgen auf dem Wochenmarkte angeboten wird, sind die
+Fischer längst wieder auf hoher See und werfen ihre Netze aus.
+
+[Illustration: Abb. 2. Korb zur Versendung von Seefischen. (Aus dem
+Flugblatt des Deutschen Seefischerei-Vereins.)]
+
+Seit Jahrhunderten ist der =Hering= (_Clúpea haréngus_) derjenige Fisch,
+dem seines massenhaften Auftretens, seiner Schmackhaftigkeit und seines
+hohen Nährwerts wegen von den Küstenbewohnern des nördlichen Europa am
+meisten nachgestellt wird; kein zweiter hat für die Ernährung breiter
+Volksschichten eine auch nur ähnliche Bedeutung erlangt wie er. Er ist
+der Fisch des Armen, ein Fleisch für alle, eine unentbehrliche Zukost für
+weite Kreise, ein wahrer Segen für unsere Küstenbevölkerung. Aber er
+bildet nicht nur, halb vertrocknet und mit einer Salzkruste überzogen, im
+Verein mit Pellkartoffeln oder Roggenbrot des armen Mannes ärmlichste
+Mahlzeit, sondern prangt auch frisch und fetttriefend auf üppiger Tafel
+und hat sich überdies auch noch das unerschütterliche Zutrauen aller
+feuchtfröhlichen Zecher erworben, die sich auf seinen Beistand verlassen,
+wenn sie dem Bacchus oder Gambrinus zu erliegen drohen. Geradezu
+kulturgeschichtliche Bedeutung kommt diesem unscheinbaren Fische zu.
+Selbst in der Kriegsgeschichte hat er mehr als einmal eine Rolle
+gespielt. So 1428, unmittelbar vor dem Auftreten der Jungfrau von
+Orleans, als die Engländer von den Franzosen hart bedrängt und
+ausgehungert wurden. Da erschien zu guter Stunde Sir John Falstaff mit
+Hilfstruppen und einer ungeheuren Ladung Heringe, durch die die
+Ermatteten wieder zu Kräften kamen und so den stürmenden Gegner vorerst
+erfolgreich zurückschlugen. Das war die berühmte »Heringsschlacht« bei
+Rouvray, auf der alten Walstatt zwischen Tours und Poitiers. Niemals aber
+hätte der Hering (der Name soll mit seinem »heerweisen« Erscheinen
+zusammenhängen, während ihn andere mit der altholländischen Handelsmarke
+des Rings [_hring_] in Verbindung bringen) eine so bedeutsame Stelle in
+der Rangordnung menschlicher Speisen errungen, wenn nicht zu seiner
+Wohlfeilheit noch seine ungewöhnlich mannigfaltige Zubereitungs- und
+Aufbewahrungsweise hinzugekommen wäre. Namentlich durch das Einsalzen
+wurde der Fisch auch für den Binnenländer erst recht nutzbar und damit zu
+einem wichtigen Handelsartikel für die ganze Welt, während früher sein
+Verbrauch auf kleine Küstenstriche beschränkt war. Ein schlichter
+holländischer Fischer, Willem Benkels oder Bökels (daher die Ausdrücke
+»einpökeln« und »Böklinge« = »Bücklinge«) soll in der 2. Hälfte des 14.
+Jahrhunderts diese wichtige Entdeckung gemacht und damit den Grundstein
+für den Reichtum und die Handelsmacht seines Vaterlandes gelegt haben.
+Die Chroniken berichten, daß selbst der weltgebietende Kaiser Karl V.,
+der im Gegensatze zu den heutigen Spaniern leidenschaftlich gern
+gesalzene Heringe aß und auch recht wohl wußte, daß »Amsterdam aus
+Heringsgräten gebaut« sei, 1536 von Brüssel aus in Begleitung seiner
+beiden Schwestern, der Königinnen von Ungarn und Frankreich eigens nach
+dem ärmlichen Fischerdörfchen Bieroliet (welch passender Name!) reiste,
+um das Grab des verdienten Mannes aus dem Volke durch seinen Besuch zu
+ehren. Nach anderen Quellen soll freilich schon der fromme Bischof Otto
+von Bamberg, der Bekehrer Pommerns ([gestorben] 1139) das Einsalzen der
+Heringe gekannt haben.
+
+Über die Naturgeschichte des Herings, der eines der friedfertigsten
+Geschöpfe ist und sich durch den ungemein zarten Bau seiner Kiemen
+auszeichnet, weshalb er nur schwer lebend zu versenden und kaum in
+Gefangenschaft zu halten ist, sind wir noch keineswegs so gut
+unterrichtet, wie es die ungeheure wirtschaftliche Bedeutung dieses
+Fisches wünschenswert machte; späteren Forschungen winkt hier noch ein
+weites und lohnendes Arbeitsfeld. Noch immer wissen wir nicht, worauf
+eigentlich das plötzliche Ausbleiben der großen Heringsschwärme aus
+Gegenden, wo sie Jahrhunderte lang zu Milliarden erschienen,
+zurückzuführen ist, wir können nur annehmen, daß allzu schonungsloser
+Fang oder uns unbekannte ozeanographische Veränderungen die wirksamen
+Faktoren dabei sind. Nur das steht fest, daß Perioden reichen und
+spärlichen Fangs mit einer gewissen Regelmäßigkeit in bestimmten
+Zeiträumen für die einzelnen Länder abwechseln. Während im verflossenen
+Jahrhundert Schotten und Norweger die Meistbegünstigten waren und sich an
+den deutschen Küsten nur ein wenig lohnender Fang ermöglichen ließ, ja
+die Ostsee nahezu ausgefischt erschien, will es scheinen, daß das neue
+Jahrhundert uns wieder einen stark vermehrten Heringssegen bescheren
+wird. So brachten schon die Jahre 1907 und 1909 ungeheure Heringsschwärme
+an unsere Küsten, und der reiche Fang war der hart geprüften
+Fischereibevölkerung wohl zu gönnen. Einzelne Fischerdörfer an der Kieler
+Föhrde erzielten in einer einzigen Nacht Fänge von 8 Millionen Stück und
+mehr. Es war kaum möglich, die Netze ordnungsgemäß einzuziehen, denn
+Rücken an Rücken gedrängt erfüllten die Fische in dichten Mengen die
+Flut. Der Preis für Räucherware, die beliebten Bücklinge, ging aber
+trotzdem nicht wesentlich herunter, da der Ring der Räucherer dafür
+sorgte, daß der Meeressegen dem Volke keine billige Nahrung bringen
+konnte. Dagegen wurde auf dem Lübecker Markt der Eimer frischer Heringe
+(150-200 Stück) mit zwanzig Pfennigen verkauft, ein Preis, der stark an
+die fast sagenhaft gewordenen Zeiten fabelhaften Fischreichtums unserer
+Meere erinnerte. Mit Vorliebe benutzen die Heringe neuerdings den
+Nordostseekanal selbst zum Laichen, bekamen hier aber zunächst infolge
+der starken Verunreinigung des Wassers einen widerlichen Karbolgeschmack,
+der jedoch verschwunden ist, seit man in richtiger Erkenntnis der
+Sachlage für eine möglichste Klärung und Unschädlichmachung der
+zahlreichen Abwässer Sorge getragen hat. Früher glaubte man, daß der
+Hering seinen eigentlichen Wohnsitz in den nördlichen Eismeeren habe und
+von da aus lediglich des Laichgeschäftes halber die südlicheren
+Meeresteile besuche. Diese Annahme hat sich jedoch als unhaltbar
+herausgestellt, es scheint vielmehr sicher zu sein, daß der Hering
+räumlich nur beschränkte Wanderungen vollführt, die mehr in einem
+Aufsteigen aus tieferen Schichten in flachere Meeresteile bestehen. So
+sollen große Heringsvölker ständig in den tiefen Teilen des Atlantik
+unmittelbar vor der Westküste Irlands und Schottlands wohnen, während die
+flache Ostsee von unserem Fisch wohl überhaupt nur zur Laichzeit
+aufgesucht wird. Diese ist nicht streng an eine bestimmte Jahreszeit
+gebunden, da alte und junge Heringe zu verschiedener Zeit zu laichen
+scheinen. Auch noch nicht fortpflanzungsfähige Heringe wandern schon und
+sind den Fischern als Jungfern- oder Matjesheringe bekannt; sie haben
+zartes Fleisch, sind aber wenig haltbar.
+
+Das geübte Auge der Fischer und der Fachgelehrten unterscheidet eine
+ganze Reihe von Lokalrassen, die ihre bestimmten Wanderstraßen einhalten,
+die sicherlich auch ihre bestimmten Wohnplätze haben und sich nicht
+leicht mit anderen Rassen vermischen. Simroth sucht ihre Entstehung in
+geistvoller Weise durch seine Pendulationstheorie zu begründen. Nach
+seiner Auffassung entstammt der Hering ursprünglich dem Süßwasser. Dies
+geht auch daraus hervor, daß die Charaktermerkmale der einzelnen Rassen
+sich umso mehr verwischen, je weiter sie in die ja sehr salzarme Ostsee
+vordringen. Ganz im Sinne des Darwinismus unterscheiden sich die
+Heringsrassen in der nur graduell verschiedenen Weise, wie die einzelnen
+Arten der Clupeiden, und man kann von der Entstehung der Varietäten auf
+die der Gruppen höherer Ordnung schließen. Deren Scheidung hat sich
+wahrscheinlich unter dem 42. Breitengrade vollzogen, also an der heutigen
+Südgrenze der Arten, wo die Geoidform der Erde am meisten von der Kugel
+abweicht, demnach die Beeinflussung der Organismen am stärksten sein muß.
+Von hier ist zuerst die Sardine, später die Sprotte ins offene
+Meer mit seinen gleichmäßigeren Temperatur- und reichlicheren
+Ernährungsverhältnissen abgewandert, während der Hering am längsten die
+Mitte zwischen Süßwasser- und Seefisch innehielt. Den genannten Arten am
+ähnlichsten ist übrigens der kleine Hering des Weißen Meeres, also die
+nördlichste Rasse. Die Herbstheringe sollen tiefer in die brackigen
+Buchten eindringen als die Frühjahrsheringe. Von der überwältigenden
+Massenhaftigkeit der einen wahren Himmelssegen für viele Küstenländer
+bildenden Heringsschwärme vermag sich derjenige, der dieses großartige
+Schauspiel nicht mit eigenen Augen geschaut hat, kaum einen richtigen
+Begriff zu machen. So dicht schwimmen die sich von verhältnismäßig
+kleinen Meeresorganismen nährenden Fische zusammen, daß ein dazwischen
+gestecktes langes Ruder aufrecht stehen bleibt, daß ein in diese
+fortpflanzungshungrige Massenprozession geratenes Boot emporgehoben wird
+und in Gefahr gerät, daß die »Milch« der Männchen weithin das Wasser
+trübt. Die Weibchen kleben ihre Eier entweder an Tang oder sie lassen sie
+einfach frei in die See fallen. Mit atemloser Spannung folgt man am
+Strande, wo außer Tausenden von Fischern auch ungezählte Salzhändler,
+Faßdaubenverkäufer, Mädchen, Gaukler, landstreichende Prediger und
+Seelenerwecker versammelt sind, der Bewegung der Heringszüge. »Wenn die
+wirkliche Fischzeit beginnt«, schildert Bertram, »bemächtigt sich eine
+Art Wahnsinn aller Versammelten: alles arbeitet, alles spricht, alles
+denkt nur vom Heringe.... Junge Herzen beten für den Erfolg der Boote
+ihrer Geliebten, weil dieser Erfolg ihnen des Herzens größtes Sehnen, den
+Ehering und die Haube bringen soll; aus des Sulzers Augen leuchten
+gehobene Stimmung und große Hoffnung hervor; die Besitzer noch
+unbenutzter Boote scheinen glücklich zu sein; kleine Kinder selbst nehmen
+an der Erregung vollen Anteil, auch sie sprechen von nichts als vom
+Heringe. Es wird verglichen und getüftelt, geweissagt und gewettet,
+geflucht und gebetet, gezweifelt und gehofft.« In Norwegen spannt man
+ganze Buchten, nachdem die Heringe ihren Einzug gehalten haben, mit
+riesigen Netzwänden ab und fischt dann die Meeresernte allmählich heraus.
+Dann kann es vorkommen, daß 100 Yachten und mehr mit je 100 Tonnen
+gefangener Heringe befrachtet werden. Oft ist der Segen so groß, daß auch
+die vielen Tausende fleißiger Hände ihn nicht in 2 bis 3 Wochen zu
+bewältigen vermögen, so daß ein großer Teil der eingeschlossenen Fische
+abstirbt und nun weithin Wasser und Luft verpestet, worauf die Heringe
+einen solchen Platz jahrelang meiden sollen.
+
+[Illustration: Abb. 3. Der Räucherofen in der Räucherei von H. A. Krantz
+in Kiel.]
+
+Obwohl oft auch Millionen Heringe lediglich zum Düngen der Felder
+verwendet werden müssen, ist die unter Umständen so ergiebige
+Heringsfischerei doch als eine Art Glücksspiel zu bezeichnen, denn es ist
+nicht selten, daß die Kutter in stürmischen Zeiten ohne einen einzigen
+Fisch zurückkehren müssen und vielleicht gar noch ihre wertvollen Netze
+verloren haben. Bei uns fischt man zumeist mit Netzfleethen, deren jeder
+Logger zwei führt und damit unter günstigen Umständen in einer Nacht
+70-80000 Heringe zu fangen vermag. Während der Nachmittage erfolgt das
+umständliche Auslegen der Netze, nur des Nachts fangen sich die Heringe,
+und am Morgen werden dann die Netze geleert. Ein besonders schnell
+segelndes Fahrzeug, »Jager« genannt, übernimmt die bereits an Bord
+zurechtgemachte Ausbeute der Logger und bringt sie gleich an Land. Kann
+sich auch die deutsche Heringsfischerei nach Umfang und Ausdehnung noch
+nicht mit der ausländischen messen, so zeichnet sie sich doch vorteilhaft
+durch die in ihren Betrieben herrschende Reinlichkeit und durch die
+sorgfältige Behandlung und Zubereitung der gefangenen Fische aus, deren
+Güte dadurch ganz wesentlich gewinnt. Unter Vollheringen versteht man die
+im Gegensatz zu den Matjesheringen geschlechtlich voll entwickelten,
+großen und fetten Fische, unter Ihlenhering die nach dem Ablaichen
+gefangenen, unter Wrackhering die Ware geringerer Güte, unter Bückling
+den geräucherten Hering. In England, dem Lande der Rücksichtslosigkeit,
+verwendet man leider zum Heringsfang vielfach zu engmaschige Netze, in
+denen sich auch die wertlosen Jungheringe zwecklos mitfangen, wodurch der
+Fischerei schwerer Schaden erwächst und die Meere von diesen nützlichen
+Fischen entvölkert zu werden drohen. Das englische Parlament plant
+deshalb jetzt strenge Maßregeln gegen eine derartig gemeingefährliche
+Raubfischerei.
+
+[Illustration: Abb. 4. Das Aufziehen der Sprotten auf die Spillen in der
+Räucherei von H. A. Krantz in Kiel.]
+
+Zarter im Fleisch und feiner im Geschmack als der Hering ist die
+kleinere Sprotte (_Clúpea spráttus_), die in ihrer Lebensweise ganz dem
+großen Vetter gleicht. Auch sie wird namentlich in der Kieler Föhrde
+massenhaft gefangen (die Eckernförder Fischer erbeuten allein
+durchschnittlich 16 Millionen im Jahr) und geräuchert als »Kieler
+Sprotte« in den Handel gebracht. In Norwegen dagegen salzt man denselben
+Fisch ein, und er erfreut sich dann als Anchovis eines guten Rufes. Auch
+die Sprottenfischerei hat an den guten Heringsfängen der letzten Jahre
+ihren vollgewichtigen Anteil gehabt, und es liegen darüber ganz
+begeisterte Berichte von der Ostseeküste vor. In der Kieler Föhrde
+konnten beim Erscheinen der riesigen Herings- und Sprottenschwärme die
+Fischer ihre Boote fast allnächtlich bis zum Rande füllen, oft die
+übermäßig schweren Netze gar nicht ziehen, die Bahn vermochte kaum den
+Transport zu bewältigen und mußte vor die besonders eingestellten
+»Fischzüge« noch Vorspannlokomotiven legen, die Kiste Heringe mit 600
+Stück erzielte im Großhandel nur 50 Pfennig, trotzdem mußten die Fische
+noch waggonweise als Dünger fortgefahren werden. Solche Tatsachen geben
+einen Begriff von dem unerschöpflichen Reichtum, von der wunderbaren
+Fruchtbarkeit des Meeres. Hauptsitz unserer Sprottenräucherei ist das
+unweit Kiel auf der anderen Seite der Bucht gelegene Dorf Ellerbeck. Von
+einem eigentlich fabriksmäßigen Betrieb ist aber auch hier kaum die Rede,
+denn die meisten Räuchereien haben trotz ihrer großen Leistungsfähigkeit
+nur recht bescheidenen Umfang. Auch geht das ganze Verfahren unglaublich
+rasch vor sich, zumal in den Betrieben eine weitgehende und praktische
+Arbeitsteilung herrscht. Das Sprichwort »Frische Fische -- gute Fische«
+gilt hier mehr als je, und es ist ein gewaltiger Unterschied zwischen den
+gold- und fettglänzenden Fischchen, die noch tags zuvor munter im Meere
+herumschwammen, und den verschrumpelten, eingetrockneten Sprotten, die in
+den bekannten flachen Holzkistchen in den Schaufenstern der
+Delikatessenhändler unserer Kleinstädte prangen. Oft genug sind es trotz
+ihrer unzweifelhaften Kieler Herkunft auch gar keine echten Sprotten,
+sondern andere kleine Meeresfische. Man kann sich leicht genug darüber
+vergewissern. Streicht man nämlich den Fischen mit dem Finger auf der
+Unterseite des Bauches vom Schwanz nach dem Kopf entlang, so muß es sich
+rauh anfühlen, weil dort kleine Stacheln vorhanden sind. Trifft das nicht
+zu, so sind es auch keine echten Sprotten. Die frisch gefangenen
+Fischchen werden zunächst für eine Stunde in Salzlake gelegt und dann in
+wassergefüllten Kübeln oder gemauerten Bassins durch Bearbeitung mit
+Reisbesen entschuppt und gewaschen. Dann kommt das »Aufspillen«, indem
+man die Sprotten auf stricknadelstarke Eisenstäbe reiht, und zwar so, daß
+der Stab durchs Kiemenloch eingeführt wird und aus dem Maule wieder
+hervortritt. Die mit Fischen behängten Stäbe kommen in rechteckige,
+hölzerne, blechbeschlagene, je 2400 Stück fassende Rahmen und diese auf
+die Räucheröfen, zunächst unten hin, nach einigen Stunden an die oberste
+Stelle. Innerhalb 10 Stunden können 2 der kaminartigen Öfen über 10000
+Sprotten räuchern. Die gleichmäßige Unterhaltung des Feuers ist wichtig
+für die Erzielung hervorragend guter Ware. Man verwendet mit Vorliebe
+Erlenholz, schüttet auch ab und zu Lohe auf oder begießt mit Wasser, um
+eine recht kräftige Rauchentwicklung hervorzurufen; über die Rahmen und
+Öfen gespannte Vorhänge und Leintücher sorgen dafür, daß der Rauch den
+Fischen auch in vollem Maße zugute kommt. Nach Beendigung des Räucherns
+werden diese für eine halbe Stunde abgekühlt, dann von den Drähten
+abgestrichen und können nun sofort zum Versand verpackt werden. Den
+entsprechenden Betrieb in einer größeren, mehr fabrikmäßig eingerichteten
+Kieler Räucherei veranschaulichen unsere Abbildungen 3 und 4.
+
+Was die Sprotte für unsere deutschen Meere bedeutet, das ist die
+=Sardine= (_Clúpea pilchárdus_) für die Gestade des Atlantik und des
+Mittelmeers. Ja sie ist in volkswirtschaftlicher Beziehung noch
+wichtiger, denn das Wohl und Wehe weiter Länderstrecken hängt von dem
+Erscheinen dieses kleinen Fisches ab. Und das pflegt durchaus kein
+regelmäßiges zu sein, obschon man sich über die Gründe des gelegentlichen
+Ausbleibens bisher noch nicht recht klar zu werden vermochte, wie wir
+überhaupt über die Naturgeschichte der Sardine und insbesondere über den
+Verlauf ihrer Massenwanderungen noch weniger gut unterrichtet sind, als
+beim Hering. Es fehlte bisher auch der Zwang der Not zu solchen Studien,
+denn da die großenteils noch unbekannten Laichplätze des Fisches so
+ziemlich unbehelligt bleiben, ist auch von einer Abnahme der
+Riesenschwärme einstweilen nichts zu spüren. So beschränkt sich unsere
+Kenntnis des Fisches -- abgesehen von seinem Verhalten auf der Wanderung
+-- fast nur darauf, daß er von noch zarterem Leibesbau ist als der Hering
+und deshalb von höchster Empfindlichkeit gegen Unbilden jeder Art, daß
+ihn dies aber nicht hindert an der Entwicklung einer großartigen
+Gefräßigkeit, die allerdings in der Hauptsache nur winzigen Krebstierchen
+gilt. Junge Sardinen scheinen ihrem grün gefärbten Darm- und Mageninhalte
+nach vielfach auch pflanzliche Stoffe zu sich zu nehmen; ferner Urtiere,
+kleine Ringelwürmer und gewisse, frei im Wasser schwimmende Wurmeier. Der
+Name soll damit zusammenhängen, daß früher an der Küste Sardiniens der
+ergiebigste Sardinenfang betrieben wurde, während heute entschieden die
+malerische Küste der Bretagne als der Hauptsitz dieser Fischerei
+bezeichnet werden muß. 8200 Boote und 32000 Fischer stehen dort ständig
+in ihren Diensten, und allein in dem Hafenplatze Concarneau verarbeiten
+60 Konservenfabriken alljährlich 1 Million Zentner Sardinen. Aber das ist
+noch lange nicht der ganze Fang. Es kommt vor, daß mit einem einzigen
+Zuge dem Meere Millionen der glitzernden Fischlein entrissen werden, doch
+es ist auch nichts Seltenes, daß die Boote vollkommen leer zurückkehren,
+was dann die düsterste Stimmung unter der Bevölkerung auslöst. So
+vermochten 1905 von 600 Sardinenbooten aus Douarnenez nur 50 einigermaßen
+Ladung zu erzielen. Auch überreiche Fänge sind den Fischern keineswegs
+erwünscht, denn das volkswirtschaftliche Gesetz von Angebot und Nachfrage
+trifft sie besonders hart, und die Preise sinken dann plötzlich derart
+(bis auf 2-1/2 Franken für das Tausend), daß sich das Hinausfahren und
+das Ausstreuen des kostspieligen Köders kaum noch verlohnt. Lustig genug
+sieht es ja aus, wenn die Boote mit den himmelblauen Netzen am Mast und
+mit geschwellten rabenschwarzen Segeln zum schmalen Hafenausgange
+hinaustreiben, während das Meer blausilbern schimmert, dabei rötlichgelbe
+und violette Tinten aufweist und weiße Spitzenhäubchen die kurzen,
+prallen Wogen krönen. Aber die Kehrseite der Medaille ist doch vielfach
+ein großes soziales Elend. Nur freiwillige Beschränkung der Fischerei und
+gesetzliche Festlegung eines Mindestpreises vermöchten dem Übel zu
+steuern. Die Sardine gilt als ein sehr scheuer Fisch, und ihr Fang
+erfordert deshalb große Vorsichtsmaßregeln. Daher auch die himmelblauen
+Netze, die für den Strand der Bretagne ebenso kennzeichnend sind, wie die
+roten Jakobinermützen der Fischer für den Golf von Neapel. Und da der
+Fang vielfach bei Nacht betrieben wird, verwendet man die schwarzen
+Segel, die den bretonischen Küsten ein so eigenes Gepräge geben. Am Tage
+machen sich die Sardinenschwärme oft schon von weitem bemerklich, da die
+Fischlein bei Sonnenschein, dicht aneinander gepreßt, gern zur Oberfläche
+emporsteigen, plätschern und springen und so die öde Wasserwüste in ein
+leuchtendes, blitzendes Silberfeld verwandeln. Der an Land gebrachte Fang
+wandert korbweise in die Fabriken, wo den Fischen zunächst der Kopf
+abgeschnitten und die Eingeweide ausgenommen werden. Dann werden sie eine
+Stunde lang in warmer Luft (am besten im Freien) getrocknet und für
+einige Minuten in siedendes Öl getan. Frauen und Mädchen in schwarzen
+Kleidern, mit großen Schürzen und zierlichen, weißen Häubchen sitzen an
+langen Tafeln und legen die Fischlein mit peinlichster Sorgfalt in
+Büchsen, worauf noch Öl mit verschiedenen Würzen und Zutaten (z. B.
+Tomaten) je nach dem Geschmack der Kundschaft, der in den einzelnen
+Ländern verschieden ist, nachgefüllt wird. Das schwierige Verlöten der
+Blechbüchsen dagegen ist Männerarbeit, denn es gehört eine sichere Hand
+und große Übung dazu, völligen Luftabschluß zu erzielen. Die verlöteten
+Büchsen werden nochmals in kochendes Wasser getan, dann etikettiert, und
+nunmehr sind die weltbekannten Blechdosen mit ihrem wohlschmeckenden
+Inhalt versandfertig. Was in der Bretagne gefangen wird, sind fast
+ausschließlich junge, noch nicht laichfähige Sommer- und Herbstsardinen.
+Die ausgewachsenen und fortpflanzungsfähigen Sardinen sind bedeutend
+größer, fetter und schwerer, haben aber ein viel gröberes Fleisch und
+werden als »Pilchards« hauptsächlich an den britischen Küsten gefischt.
+In den amerikanischen Gewässern wird die Sardine durch _Clúpea menháden_
+vertreten. Dieser Fisch ist noch feiner und zarter im Geschmack, aber
+dabei so grätenreich, daß der findige Yankeegeist erst eine besondere
+Entgrätungsmaschine für ihn austüfteln mußte, damit er als
+aussichtsreicher Mitbewerber auf dem Weltmarkte auftreten konnte.
+
+[Illustration: Abb. 5. Dorsch (_Gadus morrhua_).
+(Phot. von Oberl. W. Köhler, Tegel.)]
+
+Als letzter und zugleich kleinster Vertreter der individuenreichen
+Heringsfamilie sei endlich noch die =Sardelle= (_Engraúlis
+encrasichólus_) genannt. Auch dieses zarte Fischlein wohnt westlich und
+südlich von uns, ist im Mittelländischen Meere besonders häufig, dringt
+aber in manchen Jahren scharenweise auch in die Nordsee und gelegentlich
+selbst in die Ostsee ein. In stark gesalzenem Zustande hat es als
+Anchovis Weltberühmtheit erlangt. Die Fischerfrauen am Mittelmeer haben
+im Einmachen dieser kleinen Geschöpfe eine fabelhafte Geschicklichkeit
+erworben, indem sie ihnen mit ihrem zu diesem Zwecke sorgsam gepflegten
+Daumennagel den Kopf abkneifen und gleichzeitig die Eingeweide fassen und
+herausziehen.
+
+Die vielen Fischen in so ausgesprochenem Maße eigene Farbanpassung an
+Untergrund und Umgebung, die bei längerem Aufenthalt an den gleichen
+Örtlichkeiten zu scheinbar ständigen Farbenvarietäten zu führen vermag,
+ist in wissenschaftlicher Hinsicht sehr geeignet, den zoologischen
+Systematiker bei der Aufstellung der neuerdings so beliebt gewordenen
+Unterarten in hohem Maße zur Vorsicht zu mahnen. So sind die =Dorsche=
+(_Gádus morrhúa_) in der Umgebung Helgolands in Anpassung an das dortige
+rote Klippengestein von ausgesprochen rötlicher Färbung, sodaß man sie
+wohl für eine eigene Unterform halten könnte, wenn sie nicht bei
+Übertragung an andere Wohnorte alsbald auch eine andere, den neuen
+Verhältnissen entsprechende Färbung annehmen würden. Während der =Dorsch=
+(Abb. 5) oder =Kabeljau= (von unseren Ostseefischern Pomuchel genannt)
+eine Länge von 1-1/2 kg und ein Gewicht von 40 kg (das Stockholmer Museum
+besitzt sogar ein aus der Ostsee stammendes Riesenexemplar von 185 kg
+Gewicht) erreicht, bleibt der allbekannte, ihm sehr nahe stehende,
+silbergraue, mit kennzeichnendem schwarzem Schulterfleck gezierte
+=Schellfisch= (_Gádus aeglefínus_) stets wesentlich kleiner. Mit diesen
+beiden Formen, die nebst ihren zahlreichen Verwandten zu den Kehlflossern
+gehören und durch schnittigen Körperbau und einen eigenartigen Bartfaden
+an der Spitze der Unterkinnlade ausgezeichnet sind, lernen wir Fische
+kennen, die wegen ihrer ungeheuren Vermehrungsfähigkeit (jeder Rogner
+soll nach den Zählungen fleißiger Forscher 4, selbst 9 Millionen Eier im
+Leibe tragen!), ihres Auftretens in nur nach Hunderttausenden und
+Millionen zu schätzenden Heeren und wegen ihrer unersättlichen
+Gefräßigkeit eine hervorragende Rolle im Haushalt der Natur und
+namentlich im Stoffwechsel der nordischen Meere spielen. Wegen ihres gern
+gegessenen und billig zu erlangenden Fleisches haben sie aber auch eine
+große volkswirtschaftliche Bedeutung für den Menschen erlangt. Ganze
+Fischerflottillen und Zehntausende von Strandfischern in den
+verschiedensten Gegenden der nördlichen Halbkugel ernähren sich
+ausschließlich oder fast ausschließlich vom Dorschfang, und ihre Beute
+geht in getrocknetem Zustande weit in die Welt hinaus, ist selbst im
+sonnigen Süden Europas und auf den heißen Plantagen Brasiliens zum
+Nationalgericht geworden, weil keine andere gleich nahrhafte Fleischkost
+sich zu einem auch nur annähernd gleich billigen Preise beschaffen läßt.
+Obgleich die deutsche Dorschfischerei sich nicht entfernt mit derjenigen
+der Lofoten und Islands oder gar Neufundlands messen kann und obgleich
+auch in dieser Beziehung die weniger günstige Lebensbedingungen für
+ausgesprochene Meeresfische bietende Ostsee weit hinter der Nordsee
+zurücksteht, werden doch allein z. B. in der Bucht von Eckernförde
+alljährlich mehr als 300000 kg Dorsche gefangen. 240 deutsche
+Fischdampfer mit je 12-14 Mann Besatzung führen unablässig Krieg gegen
+den Kabeljau, ununterbrochen Sommer und Winter, Tag und Nacht, und doch
+vermögen sie kaum dem stets sich steigernden Bedürfnis zu genügen,
+freilich ebensowenig die unerschöpflich scheinenden Heere dieser Fische
+merklich zu vermindern. Brehm hat Recht, wenn er den Kabeljau bezeichnet
+als »einen der wichtigsten Fische der Erde, dem man seit mehr als drei
+Jahrhunderten unablässig nachgestellt hat, wegen dessen blutige Kriege
+geführt worden sind, von dem in jedem Jahre mehrere hundert Millionen
+Stück gefangen werden, und der dennoch diesem Vernichtungskriege Trotz
+geboten hat, weil seine unglaubliche Fruchtbarkeit die von den Menschen
+seinen unschätzbaren Heeren beigebrachten Lücken, bisher wenigstens,
+immer wieder ausfüllte.« Wahrlich, nicht jedes in ähnlicher Weise
+verfolgte Geschöpf ist in gleich glücklicher Lage! Sehr zustatten kommen
+mag den Schellfischen beim Kampfe ums Dasein auch der Umstand, daß sie
+nicht wie die meisten anderen Meeresfische auf bestimmte Tiefenschichten
+des Wassers angewiesen sind, obschon sie im allgemeinen eine mäßige Tiefe
+bevorzugen und nur zu der in die Fastenzeit fallenden, übrigens nicht
+wenig von den anregenden Wirkungen des Golfstroms abhängigen Laichperiode
+mehr in flachere Gewässer kommen. In diese Zeit fällt auch der Hauptfang,
+denn dann erscheinen die Fische über gewissen Bänken in dicht gedrängten
+Heeren, die mehrere Meter hoch und mehrere Kilometer lang im Wasser
+stehen und immer wieder von frischen abgelöst werden, sobald sie ihren
+Zweck erreicht haben. Aber auch während die Minne solchen
+Massenversammlungen ihre Freuden spendet, weicht die den Schellfischen
+eigene Freßgier nicht von diesen vortrefflichen Schwimmern, und es ist
+nur gut, daß sich um dieselbe Jahreszeit in den gleichen Gegenden auch
+unzählige Heringe, Tintenschnecken u. dgl. anzusammeln pflegen, die jenen
+zur Nahrung dienen müssen. Die blindwütige Gefräßigkeit der Dorsche und
+Schellfische erleichtert ihren Fang ungemein und macht namentlich auch
+die Verwendung der Grundangel sehr lohnend. Es ist dies eine etwa 2000 kg
+lange, starke Leine, an der etwa 1200 einzelne Angelschnüre angeknüpft
+sind, deren Haken mit Heringen, Tintenschnecken oder den Eingeweiden
+schon gefangener Schellfische beködert werden. Etwa alle 6 Stunden wird
+sie heraufgeholt, nach dem Auslösen des Fanges frisch beködert, und die
+Sache kann von neuem losgehen. In der Zwischenzeit handhaben die Fischer
+aber auch noch fleißig die Handangel und erzielen auch mit dieser bei der
+Menge der Fische ganz erstaunliche Erträge. Von den größeren
+Fischdampfern aus fischt man dagegen hauptsächlich mit dem schon
+beschriebenen Scherbretterschleppnetz. Wenn nun der Netzbeutel (vom
+Fischer »Steert« genannt) wie eine prall gefüllte Kugel über dem Deck
+schwebt, löst der Steuermann mit einem geschickten Griff den
+verschließenden Knoten, und das silbern wimmelnde Gezappel von Fischen
+ergießt sich wie ein lebender Strom über die schlüpfrig werdenden
+Planken. Die geübten Leute wissen aber auch mit den größten Massen bald
+fertig zu werden. Ein grausiges Schlachten beginnt. Ununterbrochen
+blitzen die blutbefleckten Messer, ein kurzer Schnitt trennt den Kopf vom
+Rumpfe, in einem Nu fliegen die Eingeweide heraus und der in zwei Hälften
+zerspaltene Fisch in den eisgekühlten Vorratsraum. Der Dorsch läßt sich
+in allen seinen Bestandteilen irgendwie verwerten, denn selbst die
+Eingeweide, soweit man sie nicht aus Zeitmangel den unter gierigem
+Kreischen die vielversprechende Stelle umschwärmenden Möwen überläßt,
+müssen ihrerseits wieder als Angelköder Verwendung finden oder werden zu
+Guano verarbeitet, während die Köpfe als Viehfutter dienen, das in Island
+merkwürdigerweise selbst die Rinder nicht verschmähen sollen. Die Lebern
+aber werden in großen Bottichen den Wirkungen der Sonnenstrahlen
+preisgegeben, verpesten dann faulend mit einem wahrhaft scheußlichen
+Geruch ganze Hafenstädte des Nordens, liefern aber den in der Heilkunde
+hochgeschätzten Lebertran, der sich als ein gelbliches Öl auf der
+Oberfläche der verwesenden Masse absetzt, in geringerer Güte auch durch
+Auskochen der Lebern gewonnen wird. Der Rogen geht in Blechbüchsen nach
+den Gestaden des Mittelmeers, wo er den Sardinenfischern als
+unentbehrlicher Witterungsköder dient. Der Fisch selbst wird auf die
+verschiedenste Weise zubereitet und in den Handel gebracht, führt auch
+demgemäß verschiedene Namen. Auf Stangen, Gerüsten oder in offenen
+Schuppen an der Luft klapperdürr getrocknet heißt er Stockfisch, gesalzen
+und auf den Strandklippen durch die Sonne gedörrt Klippfisch, in Fässern
+eingepökelt Laberdan. Besondere Delikatessen sind das nun freilich alles
+nicht, wohl aber nahrhafte, zuträgliche und billige Ersatzmittel für alle
+Gegenden, in denen frisches Fleisch ein seltener Artikel ist. Bedeutend
+wohlschmeckender ist das weiße, etwas derbe Fleisch des frischen
+Schellfisches, und wenn es selbst heute in der Zeit der Fleischteuerung
+noch nicht überall die ihm zukommende Beachtung errungen hat, so liegt
+dies wohl hauptsächlich daran, daß sich die Hausfrauen im Binnenlande
+größtenteils nicht auf die richtige Zubereitung verstehen. Wenn ihnen der
+Seefischgeschmack an sich zuwider ist, rate ich ihnen, es einmal mit der
+Zubereitung von Fleischklößchen (Frikadellen) aus Dorschfleisch zu
+versuchen. Sehr vorteilhaft ist es, daß sich die Schellfischarten bei
+ihrer großen Zähigkeit und Anspruchslosigkeit auf verhältnismäßig weite
+Entfernungen hin lebend versenden lassen, Eigenschaften, die es
+ermöglichen, die stattlichen Meeresbewohner auch jahrelang in räumlich
+arg beschränkten Seewasseraquarien besser zu erhalten als irgend einen
+anderen Seefisch. -- Es ist ein Verdienst des norwegischen Professors
+Sars (eines Schwagers Nansens), nachgewiesen zu haben, daß die 1-1-1/2
+mm großen Glaskügelchen, die frei im Meereswasser umherschwimmen, meist
+Kabeljau-Eier sind. Der sonst in großen Tiefen lebende Fisch sucht zur
+Laichzeit die seichten Stellen, die Hochplateaus des Meeres auf. Der
+Laich fällt nicht zu Boden, sondern erhält sich in einer Tiefe von
+höchstens 14 kg treibend. Diese Entdeckung führte weiter zu der
+Feststellung, daß sich die Eier unserer meisten anderen Nutzfische des
+Meeres ganz ebenso verhalten. Gerade das Plankton, über dessen Natur und
+Zusammensetzung wir durch Prof. Hensen-Kiel Klarheit erhalten haben,
+birgt zahllose solche Eier, die in ihrem ersten Entwicklungsstadium fast
+gar keine Artunterschiede aufweisen. So sind die Eier des Kabeljaus und
+des Schellfischs anfangs gar nicht zu unterscheiden. Es sind glashelle
+Kügelchen mit verhältnismäßig großem Dotter und einigen Fetttröpfchen.
+Diese Feststellungen haben nicht nur wissenschaftlichen Wert, sondern
+auch praktische Bedeutung, denn damit ist erwiesen, daß der Fischfang mit
+tief an den Boden gehenden Netzen die in der Entwicklung begriffene Brut
+nicht zu schädigen vermag, wie man früher wohl befürchtet hatte.
+
+[Illustration: Abb. 6. Thunfisch (_Thynnus thynnus_).]
+
+Einigermaßen Ersatz für Hering und Schellfisch bietet den Anwohnern
+des Mittelmeers der mächtige =Thun= (_Thynnus thynnus_), der
+durchschnittlich 2 kg lang und 120 kg schwer ist, oft aber auch bedeutend
+größer wird (Abb. 6). Der Eindruck wird noch verstärkt durch den breit
+ausgeladenen Leibesbau, den dicken Kopf und die ungemein kräftig
+entwickelten Schwanz- und Seitenflossen des Fisches. Man glaubte früher
+allgemein, daß der Thun eigentlich im Atlantischen Ozean beheimatet sei
+und von da lediglich zum Laichen durch die Straße von Gibraltar nach dem
+Mittelländischen, ja sogar von da durch Dardanellen und Bosporus zum
+Schwarzen Meer ziehe, bis in das Asowsche hinein. Neuere Untersuchungen
+haben jedoch gezeigt, daß er keine so weiten Wanderungen vollführt,
+sondern daß die Verhältnisse ähnlich liegen wie beim Hering, daß also der
+Thun in der Hauptsache Höhenwanderer ist. Er verbringt den größten Teil
+seines Lebens in den tiefsten Senkungen des Mittelmeers, anscheinend auch
+in der Bucht von Cadiz, und steigt im Frühjahr empor, um den flachsten
+Stellen zuzustreben. Dabei berührt er namentlich die Küsten Sardiniens
+und Siziliens, und hier wird denn auch der ergiebigste und großartigste
+Thunfang betrieben. Er erfordert wochen- und monatelange Vorbereitungen
+und Zurüstungen, denn er geschieht in ungeheuren Netzen, sogenannten
+Tonnaros, wahren Gebäuden aus zähestem Spartogras und bestem Hanf, die
+30-50 m Tiefe und bis zu 1 km Länge haben. Das Auslegen dieser
+Ungetüme kann nur bei vollkommen ruhiger See stattfinden und muß mit
+größter Sorgfalt erfolgen, da viel darauf ankommt, daß die Netzwände
+senkrecht stehen wie Mauern. Zu diesem Zwecke sind sie unten mit Blei-
+und Eisenstücken beschwert, während sie oben mit Korkschwimmern versehen
+sind. Das Ganze ist in eine Reihe von aneinander stoßenden Kammern
+geteilt, die durch Öffnungen in der Netzwand verbunden sind, aber nach
+Bedarf abgeschlossen werden können. Die vorderste Kammer ist die größte,
+von ihrem Eingang strahlen noch scherenartig zwei lange Netzflügel aus,
+um ein Entweichen der Fische nach dem Strande oder der offenen See hin zu
+verhindern. Die hinterste Netzkammer ist die kleinste, hat den engsten
+Eingang und ist im Gegensatze zu den anderen auch mit einem Netzboden aus
+dem engmaschigsten und zähesten Geflecht versehen. Das ist die »Kammer
+des Todes«. Ist endlich das ganze verwickelte Netzgebäude zur
+Zufriedenheit errichtet, so begeben sich die Fischer wieder an Land und
+lassen nur wenige Wachboote zurück, die den Einzug der Thune beobachten
+sollen: ein bei ungünstigem Wetter ebenso schwieriges wie undankbares
+Geschäft. Die Thune halten zäh an der einmal eingeschlagenen Richtung
+fest und entschließen sich nicht leicht zum Zurückschwimmen, begünstigen
+dadurch also noch die Arglist des Menschen, so vorsichtig und schlau sie
+sonst auch sind. Sie streichen in kleinen Trupps rasch durch die Wellen,
+oft in keilförmiger Schwimmordnung, aber diese Trupps folgen einander so
+rasch und ununterbrochen, daß man doch von einer Massenwanderung sprechen
+kann. Nicht selten stutzen sie beim Eintritt in die Netztore, und die
+Fischer sind dann genötigt, die furchtsamen Tiere durch Einschaufeln von
+Sand ins Wasser oder durch das Herablassen eines Schaffells weiter zu
+scheuchen. Sind ihrer genug in der vordersten, natürlich bis zum Boden
+reichenden Kammer, so wird der Eintritt in die zweite frei gegeben, damit
+in jener Platz für neue Ankömmlinge geschaffen werde. So geht es von
+Kammer zu Kammer und zuletzt in die des Todes. Der sonst so öde Strand
+dieser Gegenden ist inzwischen zum Schauplatz ausgelassenen Lebens
+geworden, denn der Thunfischfang ist hier das größte Volksfest, und
+allenthalben herrscht das bunte und lärmende Lustgetriebe eines
+Jahrmarkts. Aus flüchtig zusammen genagelten Häuschen und Bretterbuden
+ist eine ganze Stadt entstanden, und in ihren Gassen schiebt und drängt
+sich eine aufgeregte, unterhaltungsbedürftige Menschenmenge, Einheimische
+und Fremde, Fischer und Kaufleute, Handwerker, Wirte und allerlei
+fahrendes Volk, nicht zuletzt auch Priester, denn ohne den Segen der
+Heiligen würde ja kein Thunfisch ins Netz gehen. Überall Musik und
+Gesang, Lachen und Lärmen, Scherzen und Necken, Lieben und Raufen. Alles
+atmet Leidenschaft und Leben, Aufregung und Feuer, denn die »Tonnara« ist
+den Sizilianern das, was den Spaniern die Stiergefechte sind und dem
+Engländer der Derby-Tag. Endlich steigt als Zeichen dafür, daß die
+Totenkammer gefüllt ist, am Maste des Wachbootes eine rote Flagge auf,
+alles eilt nun in wirrem Gedräng unter Jauchzen, Schreien und Brüllen,
+Mützen- und Tücherschwenken wie besessen zu den harrenden Booten, um so
+rasch als möglich den Schauplatz zu erreichen. Dort wird unter großen
+Anstrengungen die Totenkammer heraufgezogen und schließlich ihr Netzboden
+in Mannestiefe festgelegt. Weißer Schaum bedeckt das Wasser, und die dem
+Tode geweihten großen Fische peitschen mit verzweiflungsvollen
+Schwanzschlägen die Oberfläche, rings umgeben von Fahrzeugen voller
+Menschen, denen die unverhüllte Mordgier und tierischer Fleischhunger aus
+den Augen blitzen. Die sehnigen, halbnackten, braunen Fischer werden zu
+erbarmungslosen Schlächtern. Wie Wahnsinnige stechen sie mit spitzen
+Harpunen blindlings in das weißschaumige, klatschende Fischgewimmel,
+schlagen mit nagelbesetzten Keulen auf ihre Opfer los, zerfetzen mit
+Schwertern und Dolchen die großen Fischleiber. Blutigrot färbt sich die
+blasige Flüssigkeit in der Totenkammer, blutigrot das Meer in weitem
+Umkreise, und Blut und Schweiß strömen über die vor Aufregung bebenden
+Menschenleiber, die von dem fanatischen Zujauchzen der blutlüsternen
+Zuschauermenge in den Booten zu immer neuem Morden angepeitscht werden,
+bis der letzte Thun verblutet ist oder der ermattete Arm die Harpune
+nicht mehr zu heben vermag. Es ist ein grausiges Bild bei goldenem
+Sonnenschein und lachend blauem Himmel, aber so abstoßend es auch auf
+feiner empfindende Gemüter wirkt, fahren doch reiche Leute genug eigens
+deshalb nach Sizilien. Als Ludwig XIII. Marseille besuchte, wurde ihm zu
+Ehren eine große Thunfischmetzelei veranstaltet, die diesem
+»geschmackvollen« Herrscher so trefflich gefiel, daß man später oftmals
+von ihm hören konnte, es sei dies einer der schönsten Tage seines Lebens
+gewesen. Widerwärtig sind die bluttriefenden Schlächtereien gewiß, aber
+doch von ungeheurer wirtschaftlicher Bedeutung für alle Länder am
+Mittelmeer, denn das Thunfleisch ist zwar etwas grob und reichlich
+trocken, aber nahrhaft und vor allem -- billig. Es erfreut sich deshalb
+in vornehmeren Kreisen keiner sonderlichen Beliebtheit, ist aber für
+weite Landstrecken das einzige Fleisch, dessen Genuß auch den ärmeren
+Volksschichten möglich ist, das so eine hochwillkommene Abwechslung
+zwischen dem ewigen Einerlei von Kaktusfeigen, Bohnen und Makkaroni
+bildet und damit der sonst unausbleiblichen Unterernährung der
+Bevölkerung entgegenwirkt. Die ersten jungen Thunfische kommen schon im
+Juli zum Vorschein und wachsen so rasch heran, daß sie bis zum Oktober
+bereits ein Gewicht von 1 kg erreichen.
+
+[Illustration: Abb. 7. Makrele (_Scomber scomber_).
+(Phot. von Oberl. W. Köhler, Tegel.)]
+
+Ein kleinerer, schlankerer und weit besseres Fleisch liefernder Vetter
+des plumpen Thun, die schnittig gebaute =Makrele= (_Scomber scomber_) mit
+der kunterbunten Zeichnung und dem wundervollen Opalschimmer auf dem
+zarten Schuppenkleid (Abb. 7) ist auch in unseren Meeren häufig.
+Massenhafter noch wird sie an den englischen und französischen Küsten
+gefangen und eingesalzen, ja es ist dort schon vorgekommen, daß man die
+allzu dicht gefüllten Netze ihres ungeheuren Gewichtes halber nicht
+wieder heraufzuziehen vermochte. Sehr gern folgt die gefräßige Makrele,
+an der das völlige Fehlen der Schwimmblase das Merkwürdigste ist, den
+großen Heringsheeren und zehntet sie nach Kräften. In England bildet auch
+das Angeln dieser wanderlustigen Fische vom Segelboot aus bei scharfer
+Brise einen beliebten Sport. Während die Makrele und noch mehr die fern
+von den Küsten im Atlantik Flugfische jagende und ihnen nachspringende
+=Bonite= (_Scomber pelamys_) vorzügliche Schwimmer sind, vermag der
+verwandte =Schiffshalter= (_Echenéis remora_) nur matte und plumpe
+Schwimmbewegungen zu vollführen. Er macht sich deshalb das Reisen gern
+bequem und läßt sich lieber von flinkeren Fischen fortschleppen, was ihm
+dadurch ermöglicht wird, daß seine vordere Rückenflosse zu einer breiten
+Haftscheibe umgewandelt ist, mit der er sich am Bauche seines
+Reisemarschalls festsaugt. Am liebsten wählt er dazu Haie, wohl weil
+deren rauhe Haut einen besonders sicheren Halt gewähren mag und weil sie
+weite Meeresstrecken durcheilen. Übrigens begnügt sich der Schiffshalter
+mit der Rolle des blinden Passagiers und wird nicht etwa zum Schmarotzer.
+Deshalb ist ihm auch ein Schiffsrumpf ebenso recht wie ein Fischleib,
+zumal ja immer allerlei nährstoffreiche Abfälle über Bord geworfen
+werden, worauf sich dann der Echeneis von seinem Platze löst und ihnen
+unter schlängelnden Bewegungen zustrebt.
+
+In weiterer Ausbildung werden solche Symbiosen nicht selten zu echtem
+Raumparasitismus. In allen Meeren der Erde werden kleine Seefische
+gefunden, die irgendwelchen Leibesteil eines besonders wehrhaften Tieres
+sich zur Zufluchtsstätte erkoren haben und ihren Wirt gewöhnlich zwar
+nicht merklich schädigen, ihm aber auch keine Gegendienste für das
+gewährte schützende Obdach leisten. Am bekanntesten in dieser Beziehung
+ist _Fierásfer acus_, ein kaum 20 kg langes, gelblichweißes Fischchen von
+fast durchsichtiger Zartheit ohne Bauchflossen und mit weit nach vorn
+gerückter Afteröffnung. Er benutzt als Wohnung die sogenannten
+Wasserlungen der Seegurken, dieser absonderlichen Geschöpfe, die die
+merkwürdige Gewohnheit haben, die eigenen Eingeweide auszuspeien, wenn
+sie gereizt werden. Der Fisch dringt mit dem Schwanzende in die
+Afteröffnung seines Wirtes ein, schiebt allmählich den ganzen Körper nach
+und sieht nur noch mit dem Kopfe heraus. Das Atemwasser der Seegurke, das
+abwechselnd ein- und ausströmt, versorgt den Fierasfer mit Nahrung in
+Gestalt kleiner Krebstierchen. Manchmal aber, wenn sich ihm ein besonders
+fetter und leckerer Bissen darbietet, schießt er, wie Bergmann beobachtet
+hat, aus seinem Verstecke hervor. Möglich, daß er seinen Wirt auch von
+schmarotzenden Krebstierchen befreit; jedenfalls verursacht er ihm
+gewöhnlich keinerlei Unbequemlichkeiten. Wohl aber ist dies der Fall,
+wenn sich mehrere Fischchen in der gleichen Seegurke ansiedeln, die
+dadurch sogar zugrunde gehen kann. Bisweilen findet sich Fierasfer auch
+in anderen Seetieren, wie Seesternen, Quallen und Muscheln. So besitzt
+das britische Museum einige Stücke, die aus echten Perlmuscheln stammen
+und von diesen mit einer glänzenden Perlmutterschicht überzogen wurden.
+Der durch seitliche Bepanzerung ausgezeichnete =Stöcker= (_Cáranx
+trachúrus_), auch Halbmakrele genannt, der bisweilen in ungeheuren
+Schwärmen an den englischen Küsten auftaucht, aber wegen seines
+minderwertigen Fleisches nur wenig Beachtung findet, gehört im
+Jugendzustande gleichfalls zu den Raumparasiten, denn er lebt dann
+zwischen den Mundarmen und Tentakeln von Quallen, die ihn durch ihre
+Nesselzellen gegen Feinde schützen. Die jungen Fischchen kommen nur aus
+den Quallen hervor, wenn alles ringsum sicher erscheint, während sie sich
+beim geringsten Anzeichen von Gefahr sofort in ihre Schlupfwinkel
+flüchten. Der prächtig gefärbte _Amphíprion bicínctus_ führt in ähnlicher
+Weise mit einer großen Seerose gemeinsamen Haushalt; stülpt sie sich ein,
+so läßt sich der Fisch ruhig von ihren Tentakeln bedecken, woraus sich
+schließen läßt, daß er gegen das Nesselgift unempfindlich sein muß. Auch
+stark bewehrte Seeigel müssen manchen kleinen Meeresfischen als Wohnung
+dienen. Plate fand während seines Aufenthaltes auf den Bahama-Inseln
+einen nur 3-6 kg langen, gelblich-weißen, schmutzig-braun gepunkteten
+Fisch, _Apogoníchthys strómbi_, in der Mantelhöhle von Riesenschnecken
+(_Strómbus gígas_), die dort als ein beliebtes Volksnahrungsmittel
+regelmäßig zu Markte gebracht werden. Wahrscheinlich verläßt hier der
+Einmieter das Wirtstier nur nachts, um auf Krebstierchen und Meeresasseln
+Jagd zu machen. Selbst in unseren nordischen Meeren fehlt es nicht an
+verwandten Erscheinungen. So konnte bei der Suche nach den Wohnplätzen
+der jungen =Schellfische= und =Kabeljaue= festgestellt werden, daß deren
+Auftreten auf das innigste mit dem mehr oder minder häufigen
+Vorhandensein von Kornblumenquallen zusammenhing. Bei ruhiger See ließ
+sich denn auch deutlich beobachten, wie die jungen Fische sich beständig
+zwischen den langen Nesselfäden der Quallen aufhielten, und wie ihre
+Eigenbewegung sich ganz darauf beschränkte, dem ruckweisen
+Weiterschwimmen der Quallen nachzukommen, die ihnen also zu Schirmherrn
+im wahrsten Sinne des Wortes geworden waren.
+
+[Illustration: Abb. 8. Scholle. (Phot. von F. Ward.)]
+
+Nächst den Heringen und Schellfischen sind die der großen Gruppe der
+=Plattfische= oder Schollen (Abb. 8) angehörenden Arten die wichtigsten
+Nutzfische unserer Meere. Naturgeschichtlich interessant sind sie schon
+durch ihre weitgehende Anpassungsfähigkeit an die Farbe des
+Untergrundes und durch ihr damit im engsten Zusammenhang stehendes
+Farbwechselvermögen. Aber selbst diese wunderbaren Eigenschaften
+erscheinen den Plattfischen noch nicht ausreichend, um sich gegen die
+Nachstellungen der gefräßigen Raubfische zu sichern und sich selbst vor
+den Augen ihrer Opfer zu verbergen. Der größeren Sicherheit halber wühlen
+sie sich vielmehr gleich ganz in den Sand ein, so daß nur ein Teil des
+Kopfes mit den gleich blaugrünen Perlen funkelnden Augen hervorsieht.
+Dieses Einpaddeln geschieht mit so fabelhafter Schnelligkeit, daß man die
+einzelnen Bewegungen dabei kaum festzustellen vermag. Man sieht nur ein
+Aufwirbeln des Sandes, hastig zitternde und flimmernde Bewegungen der
+langen Bauch- und Rückenflossen, und der Fisch ist auch schon fast
+spurlos verschwunden. In Wirklichkeit vollzieht sich die Sache nach den
+Beobachtungen E. Schmidts so, »daß die Flunder einmal fest mit dem ganzen
+Körper den Sand peitscht, der dadurch etwas ausgehöhlt wird. Zugleich
+schaufelt sie mit den großen Randflossen Sand auf die Körpermitte, der
+durch die dabei erzeugte Strömung gleichmäßig über den ganzen Fisch
+verteilt wird und diesen so dem Blick des Beobachters oder im Freien dem
+Auge des gierigen Raubfisches entzieht.« Das eben erwähnte Auge der
+Plattfische verdient in doppelter Beziehung noch eine kurze Würdigung.
+Einmal ist es das einzige mir aus eigener Anschauung bekannte Fischauge,
+das einen gewissen seelischen Ausdruck widerspiegelt: es schaut förmlich
+klug, ja schelmisch und listig in die von unliebsamen Gefahren aller Art
+erfüllte Unterwasserwelt. Zugleich sind diese prachtvoll gefärbten Augen,
+die durch eine stark entwickelte Nickhaut geschützt erscheinen, von einer
+höchst seltsamen Beweglichkeit, denn sie können nicht nur nach den
+verschiedensten Richtungen hin willkürlich gedreht, sondern auch wie die
+der Frösche aus ihren Höhlen hervorgehoben und wieder zurückgezogen
+werden. In diesem unausgesetzten Augenspiel spiegelt sich jede seelische
+Erregung des Fisches ebenso deutlich wieder wie die des Hundes in seinen
+Schwanzbewegungen oder die gewisser Vögel in dem verschiedenartigen
+Zucken mit den Flügeln. Das Allermerkwürdigste ist aber nun der Umstand,
+daß bei der ausgebildeten Scholle beide Augen auf ein und derselben
+Körperseite liegen, wie überhaupt ihre ganze Kopfbildung derart
+unsymmetrisch ist, ja so verschroben erscheint, daß sie in dieser
+Beziehung im gesamten Wirbeltierreiche geradezu einzig dasteht. Freilich
+ist dem nicht von allem Anfang an so. Die dem Ei entschlüpften und sich
+massenhaft an der Oberfläche des Meeres herumtreibenden jungen Schollen
+sind nämlich noch ganz nach dem regelrechten Fischtypus gebaut, schwimmen
+auch in der sonst allgemein üblichen Weise mit dem Rücken nach oben und
+dem Bauch nach unten, haben auf jeder Gesichtshälfte je ein Auge und
+bergen im Innern ihres überaus zarten, fast glashellen und durchsichtigen
+Körpers eine stark entwickelte Schwimmblase, während zugleich die
+sonstige Beschaffenheit der inneren Organe unverkennbar darauf hinweist,
+daß makrelenartige Hartflosser etwa vom Typus der Gattung Zëus
+(Petersfische) ihre dereinstigen Vorfahren gewesen sein müssen. Aber
+schon nach kurzer Frist gehen sie vom lockeren Herumschwärmen zu einer
+soliden und untätigen Lebensweise über, indem sie immer größere Zeiträume
+in träger Ruhe auf dem Boden verbringen und sich hierbei auf eine Seite
+legen. Dieser neuen Lebensart paßt sich nun ihr ganzer Organismus in
+einer ans Wunderbare streifenden Weise an. Der Körper wird immer flacher
+und platter, bis er schließlich die fast scheibenförmige Form erreicht,
+die uns von den geräucherten Flundern her so wohl vertraut ist. Die dem
+Sand aufliegende Unterseite bleibt mehr oder minder farblos, während die
+Oberseite das geschilderte Farbwechselvermögen erhält. Die überflüssig
+gewordene Schwimmblase verkümmert rasch und verschwindet schließlich
+gänzlich, ein Vorgang, der durch den starken Druck von Wasser und Sand
+und durch die Einengung der Bauchhöhle wesentlich beschleunigt wird. Das
+auf der Unterseite nutzlos gewordene Auge aber rückt allmählich über die
+Scheitelmitte hinweg, und bei solchen Arten, bei denen die Rückenflosse
+bis zum Scheitel reicht, sogar unter jener hindurch zur Oberseite
+hinüber, die auf diese Weise zwei wohl ausgebildete Augen erhält. Wie der
+absonderliche Vorgang eigentlich des näheren zu erklären ist, darüber
+herrscht unter den Gelehrten noch keineswegs völlige Einstimmigkeit.
+Während die einen von einem ungleichmäßigen Wachstum beider
+Schädelhälften sprechen, fassen andere die Augenwanderung als eine mehr
+aktive auf, wobei der Einfluß des Lichtes der wirksame Faktor sein soll.
+Jedenfalls erfolgt sie schon zu einem Zeitpunkte, wo die Schädelknochen
+noch weich und knorpelig sind, also keinen großen Widerstand
+entgegensetzen. Hand in Hand damit geht auch eine entsprechende
+Veränderung der Augenmuskeln, deren spätere, auffallend große
+Beweglichkeit damit im engsten Zusammenhange stehen mag. Ebenso wird das
+Maul vollständig nach oben verdreht, so daß der alte Gesner ganz recht
+hat, wenn er von einem »widerwärtig gesetzten Kopf« spricht. Da die
+jungen Schollen schon sehr frühzeitig zu der dem Meeresboden anklebenden
+Lebensweise übergehen und von ihren verschiedenen Schutzmitteln gar bald
+den besten Gebrauch zu machen wissen, sind sie weit weniger als andere
+Jungfische den Nachstellungen der Meeresräuber preisgegeben, und so
+erklärt es sich, daß die Menge der Plattfische in allen Meeresteilen mit
+geeignetem Untergrund (Schlamm und Schlick wird gemieden, Sand vor feinem
+Geröll und dieses vor grobem bevorzugt) eine gewaltig große ist, obschon
+die Zahl der im Spätfrühling oder Frühsommer abgesetzten, frei, nahe der
+Oberfläche, treibenden und deshalb nur wenig geschützten Eier nur eine
+verhältnismäßig geringe ist, jedenfalls der vieler anderer Fische weitaus
+nachsteht. So kommt es, daß die Plattfische, die sich durch ein
+außerordentlich schmackhaftes Fleisch auszeichnen, das bei seiner
+Haltbarkeit sich namentlich auch zum Versand nach dem Binnenlande eignet,
+volkswirtschaftlich eine große Rolle spielen und ihr Fang jahraus jahrein
+Tausende von Fischern an den Nord- und Ostseeküsten beschäftigt, wobei
+freilich die deutschen so ziemlich in letzter Reihe stehen oder doch
+wenigstens vor kurzem noch standen. Die schönen Zeiten allerdings, wo auf
+dem Londoner Markte das Dutzend dreipfündiger Goldbutten vergeblich um
+einen Penny ausgeboten wurden, sind leider wohl für immer vorüber, ja bei
+einigen besonders geschätzten Arten, wie bei der delikaten Seezunge,
+macht sich infolge allzu schonungsloser Nachstellungen schon eine so
+besorgniserregende Abnahme bemerkbar, daß man bereits auf das
+Aushilfsmittel der künstlichen Zucht verfallen, dabei über das Stadium
+der Versuche aber noch nicht viel hinausgekommen ist. Tagsüber ruhen die
+Schollen gewöhnlich träge im Sande, und erst gegen Abend beginnen sie zur
+Jagd auszuziehen, wobei sie sich unter wellenförmiger Streckung des auch
+jetzt flach liegenden Leibes und seiner sehr schmiegsamen Flossen recht
+zierlich vorwärts bewegen und dabei die Schwanzflosse gewissermaßen als
+die treibende Schiffsschraube benutzen. Die kleineren Arten begnügen sich
+mit allerlei Gewürm, Krebs- und Muscheltierchen, aber die großen sind
+tüchtige Räuber, die sich selbst an die wehrhaften Rochen wagen. Bedrohte
+Plattfische schießen blitzschnell im Zickzack durchs Wasser, um sich dann
+schleunigst wieder im schützenden Sande einzupaddeln.
+
+[Illustration: Abb. 9. Flunder (_Pleuronectes flesus._)
+(Phot. von Oberlehrer W. Köhler, Tegel.)]
+
+Die dem Binnenländer wenigstens von genossenen Tafelfreuden her
+bekanntesten Arten sind der stattliche =Steinbutt= (_Rhómbus máximus_),
+der eine Länge von 1 kg und ein Gewicht von 35 kg erreichen kann (Abb.
+10, Fig. 4), und die wesentlich kleinere =Flunder= (_Pleuronéctes
+flésus_), die häufig auch in unseren Binnengewässern gefangen wird, da
+sie sich mit Vorliebe in den Strommündungen aufhält und von hier gern
+weite Wanderungen stromaufwärts unternimmt (Abb. 9). Da sie sich also mit
+Leichtigkeit an Süßwasser gewöhnt, weshalb auch Zuchtversuche mit ihr
+viel aussichtsreicher wären, als mit anderen Arten, sind die
+allerliebsten kleinen Jungflundern geeignete Aquarienfische, die sehr
+viel Vergnügen gewähren, obschon ihre Eingewöhnung und Pflege doch nicht
+ganz so einfach ist, wie Brehm angibt. Eine häufige Erneuerung oder eine
+sehr starke Durchlüftung des Wassers und ein ganz niedriger Wasserstand
+scheinen in Verbindung mit durchaus sparsamer Fütterung die unerläßlichen
+Bedingungen für ihr Gedeihen zu sein. Weiter wären noch zu nennen der in
+den deutschen Meeren ziemlich seltene, mächtige =Heilbutt= (_Hippoglóssus
+vulgáris_), der doppelt so groß und schwer wird wie der Steinbutt, der
+=Goldbutt= (=Pleuronéctes platéssa=) und die feiste =Seezunge= (_Sólea
+vulgáris_), womit aber die Liste der regelmäßig oder gelegentlich bei uns
+vorkommenden Arten noch lange nicht erschöpft ist. Bei der durch
+besondere Trägheit ausgezeichneten Seezunge finden wir außer der
+Farbanpassung auch noch eine echte =Mimikry=-Erscheinung (Nachäffung
+eines giftigen oder sonstwie besonders gefährlichen Tieres durch eine an
+sich harmlose und wehrlose Art), wie sie sonst im Reiche der Fische nur
+selten vorkommt. Mastermann hat nämlich beobachtet, daß aufgestörte
+Seezungen, sobald ihnen das Versteckenspiel nichts mehr nützt, die stark
+ausgebildete und mit einem großen, tiefschwarzen Fleck versehene rechte
+Brustflosse scharf aufrichten und gleich einem düsteren Todesbanner
+ausbreiten, gerade so, wie es das =Petermännchen= (_Trachínus dráco_)
+macht, das bekanntlich giftig ist.
+
+[Illustration: Abb. 10. 1 Dornhai. 2 Nagelroche. 3 Scholl. 4 Steinbutt. 5
+Seeteufel. 6 Knurrhahn. 7 Seehase. 8 Seepferdchen.]
+
+Es gibt nämlich, obwohl man das früher stark angezweifelt hat,
+tatsächlich =giftige Fische=, und ihre Zahl ist sogar durchaus nicht
+gering, wenn auch die meisten davon in ihrer Verbreitung auf tropische
+und subtropische Gewässer beschränkt sind. Entweder sitzen die
+sackartigen Giftdrüsen im Maule und treten beim Bisse des Tieres in
+Wirksamkeit, wie es z. B. bei den von den Fischern des Mittelmeers
+deshalb sattsam gefürchteten Muränen der Fall ist, oder sie befinden sich
+am Grunde durchbohrter oder gefurchter, besonders harter und spitziger,
+bisweilen auch wie sprödes Glas abbrechender und in der Wunde stecken
+bleibender Stacheln an den Kiemendeckeln, Rücken- oder Schwanzflossen. So
+vermag auch das Petermännchen mit seinen scharfen Rückenstacheln recht
+empfindlich zu verletzen, und das dann in die Wunde eindringende Gift
+zieht etwa dieselben Folgen nach sich, wie ein tüchtiger Skorpionstich,
+während sie bei gewissen exotischen Formen noch weit unangenehmer sind.
+Obwohl das Fleisch des Petermännchens recht wohlschmeckend und auch
+durchaus bekömmlich ist, wollen deshalb die Fischer nicht viel von dem an
+sich recht hübschen Fisch wissen, sondern werfen ihn in vielen Gegenden,
+wenn er einmal zufällig mit in ihre Netze geriet, wieder ins Meer
+zurück, gewissermaßen als eine Art Opfergabe für Petrus, den
+Fischerschutzheiligen, wodurch sich auch der auffällige Name des
+eigentümlichen Geschöpfs erklären mag. Es bewohnt sandige, aber nicht zu
+flache Stellen unserer Meere und wühlt hier seinen stark
+zusammengepreßten, messerartigen Leib gewöhnlich so weit im Boden ein,
+daß nur die vorstehenden, nach oben gerichteten Augen herausragen. Sowie
+sich aber eine Garnele oder ein kleines Fischchen in der Nähe blicken
+läßt, schnellt der Räuber mit einem plötzlichen Ruck hervor, erhascht und
+verschlingt sein Opfer und läßt sich dann mit zierlichem, wellenförmigem
+Schwung wieder zum Boden herabtaumeln, indem er gleichzeitig durch
+hastige Bewegungen der langen Bauchflosse eine Sandwolke erzeugt und sich
+geschickt in diese einbettet. Gefürchteter noch als unser Petermännchen
+ist der gleichfalls zu den Panzerwangen gehörige =Zauberfisch=
+(_Synancéja verrucósa_), der im Roten, Indischen und Stillen Meere
+vorkommt. Wie das Petermännchen hält sich auch diese Art zwischen Steinen
+und Seetangen, halb im Schlamm vergraben, am Meeresgrunde versteckt und
+ist für die nackten Füße der zum Baden oder Schwimmen ins Wasser gehenden
+Strandbewohner um so gefährlicher, als seine warzige Haut in ihren
+Farbentönen so genau der Umgebung entspricht, daß auch das schärfste Auge
+ihn kaum von ihr zu unterscheiden vermag. Sobald aber jemand auf ihn
+tritt, erhebt er sich, spreizt die Rückenstacheln und bohrt sie tief in
+den Fuß des Unglücklichen. Klunzinger lernte Fälle kennen, wo ein solcher
+Stich sofortige Ohnmachtsanfälle zur Folge hatte, ja sogar Todesfälle
+sollen vorkommen, wenn auch wohl nicht unmittelbar durch den Stich,
+sondern wahrscheinlicher durch Brandigwerden der vielleicht schlecht
+behandelten Wunde. Bei diesen beiden Arten wie auch bei dem von den
+französischen Fischern bestgehaßten =Vipernfisch= (_Trachínus vípera_)
+stellt sich das Gift dar als eine bläuliche, leicht opalisierende
+Flüssigkeit, die namentlich auf Herz und Rückenmark einwirkt. Bei anderen
+Fischen scheint das ganze Blutwasser wenigstens zeitweise giftige
+Eigenschaften zu besitzen, weshalb auch ihr Genuß schwere
+Gesundheitsstörungen nach sich ziehen kann. Doch scheinen dabei auch
+örtliche Verhältnisse eine noch wenig aufgeklärte Rolle zu spielen, indem
+das Fleisch der gleichen Fischart je nach seiner Herkunft sehr gefährlich
+oder völlig unschädlich sein kann. So fand Johannes Müller auf den
+Marschallinseln einen von den Eingeborenen »=Langi=« genannten
+makrelenartigen Fisch, dessen Fleisch, wenn es in der Lagune erbeutet
+war, heftige Vergiftungserscheinungen zeitigte, sich dagegen als
+wohlbekömmlich erwies, wenn die Fische dem freien Meere entstammten. Auch
+die Lagunenfische verloren ihre unangenehme Eigenschaft, wenn man sie vor
+dem Abtöten für einige Wochen in Brackwasser setzte. Müller vermutet, daß
+das Stagnieren des Lagunenwassers mit der Giftwirkung in Zusammenhang
+stehe, die ihrerseits in ihren Erscheinungen stark an Alkoholgift
+erinnere. Die giftigsten Geschöpfe des Ozeans sind ohne Zweifel die
+verschiedenen Arten von Seeschlangen, die freilich nicht etwa mit den
+berüchtigten Seeschlangen seefahrender Münchhausens gleichbedeutend sind.
+Auch von dem üblen Rufe dieser gefürchteten Tiere haben gewisse Fische
+durch eine weit getriebene Mimikry Nutzen gezogen. Selbst ein so geübter
+Forscher wie Dahl hielt den ersten derartigen Fisch aus dem Indischen
+Ozean, der ihm zu Gesichte kam, zunächst für eine Seeschlange und
+erkannte erst bei näherer Untersuchung seine Fischnatur. Der Körper war
+ganz schlangenartig, das Flossenwerk bis auf einen schmalen, kaum
+wahrnehmbaren Saum rückgebildet, und auch die prachtvolle Färbung der in
+den gleichen Meeresteilen lebenden Seeschlangen, hellblau mit
+tiefschwarzer Ringelung, fehlte nicht.
+
+Die oben erwähnten =Muränen=, die den römischen Schlemmern als ein
+ausgesuchter Leckerbissen galten und auch heute noch auf den Fischmärkten
+der Mittelmeerländer sich großer Beliebtheit erfreuen, haben auf ihrem
+glatten, aalartigen und schuppenlosen Fettleib gleichfalls recht hübsche
+Zeichnungen aufzuweisen. So ist =Muraéna hélena=, die häufigste Art, auf
+gelblichem Untergrunde in reizender Musterung dunkelbraun marmoriert.
+Über den Charakter dieser am Meeresgrund in zerklüftetem Gefels und
+zwischen Steinblöcken in der Nähe der Küste hausenden Fische ist aber
+wenig Rühmliches zu sagen, denn sie gehören zu den zänkischsten,
+boshaftesten und gefräßigsten Tieren, worauf schon ihr tief gespaltener,
+zahnstarrender Rachen hinweist. Ungeschickte Fischer (man pflegt die
+Muränen zu angeln) haben schon oft durch die langen und spitzen Zähne der
+wütenden und sich nach Kräften wehrenden Gefangenen empfindliche
+Verwundungen davongetragen. Das offene, sich unablässig bewegende Maul
+sieht aus, als ob es beständig keife, und es klingt ganz glaubhaft, daß
+diese Biester, wenn sie nicht genug Tintenschnecken und Krebse zur
+Stillung ihres gewaltigen Hungers finden, sich gegenseitig die Schwänze
+abknabbern. Noch aalartiger als die dazu etwas zu hoch gebauten Muränen
+sieht der 3 kg lang und 50 kg schwer werdende =Meeraal= (_Cónger
+vulgáris_) aus, der gleich unserem Flußaal ein jugendliches Larvenstadium
+als Leptocephalus durchmachen muß und schon dadurch seine nahe
+Verwandtschaft zu ihm erweist. Auch der Meeraal ist ein gefräßiger
+Raubfisch, selbst jedoch wenig schmackhaft, hält sich aber dafür gut im
+Aquarium. Gefangen wird er hauptsächlich in dunklen Nächten an mit
+Pilchards geköderten Legangeln, und da sein Fleisch sehr niedrig im
+Preise zu stehen pflegt, findet es immerhin willige Abnehmer.
+
+Nicht so häufig wie des Giftes bedienen sich einzelne Fische der
+=elektrischen Kraft= zur Abwehr oder zur Lähmung ihrer Beute, und sie
+stehen in dieser Beziehung im Tierreiche einzig da. Am meisten ist die
+Fähigkeit, elektrische Schläge auszuteilen, bei zwei Süßwasserfischen
+ausgebildet, dem südamerikanischen, von Humboldt so glänzend
+geschilderten Zitteraal und dem afrikanischen Zitterwels, aber auch einer
+der gewöhnlichsten Charakterfische des Mittelländischen Meeres, nämlich
+der =Zitterrochen= (_Torpédo marmoráta_) gehört hierher. Dieser flach,
+plump und breit gebaute, 1-1/2 kg lang, 1 kg breit und 30 kg schwer
+werdende Fisch war gerade seiner allerdings nicht richtig gedeuteten
+elektrischen Eigenschaften wegen schon den Alten bekannt und spielte in
+ihrer Arzneikunst eine nicht geringe Rolle; namentlich Claudius Galenus,
+nächst Hippokrates der berühmteste Arzt des Altertums, empfahl im 2.
+Jahrhundert n. Chr. das Auflegen von Zitterrochen auf den kranken
+Körperteil, weil sie eine heilsame magnetische Wirkung ausüben sollten.
+Die Griechen nannten den Zitterrochen wegen der durch seinen Schlag
+hervorgerufenen Lahmlegung des ihn berührenden menschlichen oder
+tierischen Körpers Narke, d. h. der Betäubende (daher auch narkotisieren
+= betäuben), die Römer Torpedo, d. i. der Lahmleger. In der Tat vermag
+ein kräftiger alter Zitterrochen durch seinen Schlag den Arm eines Mannes
+zu lähmen, wenn seine elektrische Kraft auch nicht an die des Zitteraals
+heranreicht, und es ist deshalb beim Baden in an Zitterrochen reichen
+Meeresteilen immerhin eine gewisse Vorsicht angebracht. Nach mehreren,
+kurz aufeinander folgenden Entladungen läßt aber die Kraft des Fisches
+nach, und schließlich vermag er nur noch ein leises Zittern hervorzurufen
+und bedarf dann geraumer Zeit, um seine elektrische Batterie wieder in
+leistungsfähigen Zustand zu versetzen. Im Wasser wirkt der Schlag stärker
+als in der Luft, und er wird um so heftiger empfunden, je größer die
+berührte Fläche ist. Um ihn auszulösen, müssen die positiv-elektrische
+Rücken- und die negativ-elektrische Bauchseite des Fisches gleichzeitig
+berührt werden, wobei aber schon die Herstellung einer mittelbaren
+Verbindung durch ein Stück Tau oder dergleichen genügt, und zwar ist die
+Wirkung an der dicksten Körperstelle des Fischleibes am merklichsten. Die
+Entladung ist aber auch vom Willen des Tieres abhängig, stellt sich also
+erst dann ein, wenn man es genügend reizt. Daß es sich bei alledem
+wirklich um elektrische Erscheinungen handelt, ist nicht nur durch die
+physiologischen Wirkungen, sondern auch durch chemische Versuche
+(Wasserzersetzung, Zerlegung von Jodkalium, Wärmeentwicklung)
+unzweifelhaft nachgewiesen. Erzeugt wird die Elektrizität in einem
+besonderen, sehr umfangreichen Organ, das zu beiden Seiten des
+Rückenmarkes einen beträchtlichen Raum im vorderen Teile des Fischkörpers
+ausfüllt und aus zahlreichen, nach Art der Bienenzellen
+aneinandergereihten Scheiben oder Platten besteht, die heute von den
+meisten Gelehrten als abgeändertes Muskelgewebe gedeutet werden. Vom
+vierten Lappen des Kleinhirns entsendet der lobus electricus eine Reihe
+von Nervenpaaren in dieses Organ, die sich daselbst rasch aufs feinste
+verzweigen, und als eine körnig-schleimige Masse in Form kleiner
+Kugelzellen endigen. Die einzelnen Scheibchen sind zu Säulen
+zusammengestellt, und zwar beim Zitterrochen so, daß ihre Achsen von der
+Rücken- zur Bauchseite gerichtet sind, während sie beim Zitteraal und
+Zitterwels in der Längsrichtung des Fischkörpers verlaufen. D'Arsonval,
+dem wir die wohl beste und einleuchtendste Erklärung der ganzen, in ihren
+Einzelheiten noch rätselhaften Erscheinung verdanken, ist der Ansicht,
+daß die Tausende von Zellen im elektrischen Organ bei einer stärkeren
+Reizung des Tieres einer augenblicklichen Formveränderung des
+Protoplasmas unterliegen, und wenn auch der Spannungsunterschied jeder
+einzelnen noch so gering ist, muß doch ihre Gesamtheit eine immerhin
+bedeutende Wirkungskraft hervorrufen, wie sie nach den Untersuchungen
+Lippmanns stark genug ist, den elektrischen Strom auszulösen. Die
+erzeugten Wechselströme verdanken also ihre Entstehung molekularen
+Formveränderungen, und damit ist auch ihre Abhängigkeit vom Willen des
+Tieres erklärt. Du Bois-Reymond, der sich viel mit den »galvanischen
+Batterien« dieser Fische beschäftigte, hat die ganz begründete Frage
+aufgeworfen, wie es wohl kommen möge, daß die Zitterfische nicht selbst
+die ersten Opfer ihrer Entladungen werden. Eine befriedigende Erklärung
+für diese merkwürdige Erscheinung konnte noch nicht gefunden werden, man
+muß sich daher einstweilen mit der auch durch Versuche nachgewiesenen
+Tatsache begnügen, daß diese merkwürdigen Geschöpfe nicht nur gegen ihre
+eigenen, sondern auch gegen von außen zugeführte elektrische Entladungen
+gänzlich unempfindlich sind.
+
+[Illustration: Abb. 11. Nagelrochen (_Raja clavata_), einen Monat alt.
+(Phot. von F. Ward.)]
+
+Die sehr kleinen Jungen des Zitterrochens kommen lebend zur Welt und
+gleichen nach Körperbau und Bewegungsart jungen Haien, haben also noch
+nicht die flache Rochengestalt. Deren Wirkung wird noch dadurch stark
+gesteigert, daß die paarigen Flossen mächtig entwickelt und seitlich weit
+ausgebreitet sind, fast wie Fledermausflügel, während Schwanz- und
+Afterflosse fehlen und die verkümmerten Rückenflossen dem dünnen, langen
+Schwanze aufsitzen, der als ein schmächtiges Anhängsel dem breiten Leibe
+entwächst. Der quergestreckte Mund ist ganz auf die Unterseite gerückt,
+noch etwas rückwärts und seitwärts von ihm liegen die großen
+Kiemenspalten. Über die Lebensweise, die derart gestaltete Fische führen
+müssen, kann von vornherein kein Zweifel sein. Es sind träge Bodenfische,
+die meist ruhig auf oder im Sande ruhen und nur plötzlich hervorschießen,
+wenn sich ihren spähenden Augen etwas Genießbares beut. Zumeist ist
+übrigens die Nahrung der Rochen auf Krebstiere und Jungfische beschränkt,
+da sie trotz ihrer Größe wegen des eigenartigen Mund- und Zahnbaues
+umfangreichere Bissen nicht zu bewältigen vermögen. Wohl aber schwimmen
+sie mit ihren breiten Seitenflossen vorzüglich und schießen durchs Wasser
+wie Vögel durch die Luft. Das Gebiß ist furchtbar, denn auch die
+härtesten Panzerkrebse werden zwischen den kraftvollen Kiefern ohne
+Umstände zermalmt. Hauptwaffe der Rochen ist ihr langer Schwanz, mit dem
+sie bei Gefahr nach allen Richtungen hin wütend die Fluten durchpeitschen
+und dem Gegner die empfindlichsten Verletzungen beibringen, zumal bei
+manchen Arten dieses Glied noch mit spitzen, angelartigen Stacheln
+besetzt ist, nicht selten sogar hinzutretende Blutvergiftung die
+geschlagenen Wunden lebensgefährlich macht. Dies wird schon von dem
+kleinen, kaum meterlangen =Nagelrochen= (_Rája claváta_) unserer Küsten
+berichtet, bei dem sich die dräuenden Stacheln auch auf der Mittellinie
+des Rückens noch fortsetzen (Abb. 11). Diese Art, deren Fleisch im
+südlichen England während der Wintermonate gern gegessen wird, pflanzt
+sich durch Eier fort, doch ist deren Zahl auf 6-10 beschränkt, und das
+ist gut so, denn wenn die geringe Fortpflanzungsfähigkeit der Rochen
+nicht wäre, würden diese schädlichen Raubfische vermöge ihrer furchtbaren
+Bewaffnung bald ein schädliches Übergewicht in den Meeren erlangen. So
+aber schafft die Natur immer wieder den nötigen Ausgleich und stellt das
+harmonische Gleichgewicht her. Bei der Nahrungssuche schweift der
+Nagelrochen unter wellenförmigen Schaukelbewegungen niedrig über dem
+Meeresboden dahin, und sowie seine äußerst empfindliche Unterseite etwas
+Genießbares berührt, deckt er es mit seinem breiten Leibe und den großen
+Seitenflossen und zermalmt es zwischen seinen harten Kiefern. Im Spielen
+kommen diese seltsamen Fische bisweilen aber auch an die Oberfläche
+empor, indem sie senkrecht auf- und niedertauchen und dabei zierlich
+tänzelnde Bewegungen vollführen. Der gefürchtete =Stechrochen= (_Trygon
+pastináca_) der tropischen Küsten hat an seinem langen, dünnen Schwanze
+zwar nur einen einzigen Stachel, aber dieser ist sägeartig gezähnt. Kommt
+dem gewöhnlich im Sande oder Schlamm bis an die Augen vergrabenen Fisch
+etwas Verdächtiges zu nahe, so schwingt er seine Waffe wie eine Peitsche,
+und der Stachel verursacht dann gar böse und schmerzhafte, sehr schwer
+heilende Wunden. Die sagenumwobenen =Teufelsrochen= (im Mittelmeer findet
+sich noch am ehesten _Diceróbatis giórnae_) haben zwar auch den Schwanz
+zu einer Peitschenschnur ausgezogen, aber die Stacheln fehlen, denn für
+diese Meerungeheuer ist schon ihre fabelhafte Größe genügender Schutz.
+Hat man doch schon solche »Seeteufel« von 3-5000 kg Gewicht gefangen, in
+deren Maule ein sitzender Mensch bequem Platz hatte und deren Breite 6-9
+kg betrug. Dabei schießen diese mit schier dämonischer Kraft begabten
+Ungetüme doch außerordentlich behend durchs Wasser und bewegen sich in
+ihm mit Hilfe ihrer zu riesenhaften Fledermausflügeln umgewandelten
+Seitenflossen in förmlichen Raubtiersprüngen vorwärts. Harpunierte
+Teufelsrochen schnellen sich sogar im Sprung aus dem Wasser heraus, und
+wenn sie dann auf das Boot niederfallen, wird dieses durch ihr ungeheures
+Gewicht unrettbar zerschmettert. Man verwendet deshalb bei dieser
+gefährlichen Jagd ganz besonders gebaute und ausgerüstete Boote mit
+luftgefüllten Zinnbehältern. Kennzeichnend für die in kleinen Trupps
+zusammenlebenden Teufelsrochen sind zwei armsdicke, meterlange,
+fleischige, beständig in Bewegung befindliche Taster am Kopf in der Nähe
+der Augen. Vielleicht hat Schiller an dieses so vorsintflutlich anmutende
+Scheusal des Meeres gedacht, als er in seinem »Taucher« von »scheußlichen
+Klumpen« sang, denn der unförmlich breite Leib mit dem langen
+Peitschenschwanz und der widerwärtige Schleimüberzug der schmutzig
+gefärbten Haut machen diese furchtbaren Riesenrochen in der Tat zu höchst
+abschreckenden Erscheinungen.
+
+Die Rochen gehören wie die Haie zu den Knorpelfischen; den Übergang
+zwischen diesen beiden großen Gruppen mögen uns »des Hammers greuliche
+Ungestalt« und der abenteuerlich geformte =Sägefisch= (_Prístis
+antiquórum_) vermitteln. Dieser gehört seinem Aussehen nach zu den Haien,
+nach seinem inneren Körperbau aber zu den Rochen und ist sehr
+ausgezeichnet durch den zu einer bis 2 kg langen Doppelsäge ausgezogenen
+Oberkiefer. Mit dieser furchtbaren Waffe soll der Sägefisch kleinere
+Fische förmlich zersäbeln, aber auch größeren, selbst Delphinen und Walen
+bei lebendem Leibe ganze Stücke Fleisch herausreißen oder die Eingeweide
+zum Hervorquellen bringen, um sie zu verschlingen. Sicheres darüber
+wissen wir nicht, sind überhaupt über die Lebensweise dieser
+absonderlichen Fische erst höchst dürftig unterrichtet. Kann man den
+Sägefisch als einen Rochen in Haigestalt bezeichnen, so darf umgekehrt
+der auch in der Nordsee gelegentlich vorkommende =Meerengel= (_Rhína
+squátina_) ein Hai in Rochengestalt genannt werden. Er ist ein
+stumpfsinniger und träger Bodenfisch, ein wahres Faultier des Meeres und
+macht seinem schönen Namen wenig Ehre. In diesem Zusammenhange sei auch
+gleich noch die verwandte =Seekatze=, Chimäre oder Spöke (_Chimaéra
+monstrósa_) erwähnt, ein gar absonderlicher Fisch mit mächtigem Dickkopf,
+kegelförmiger Schnauze, aufrichtbarem, gestacheltem Stirnfortsatz (daher
+auch »Königsfisch«), dünnem Fadenschwanz (»Seeratte«), flügelartigen
+Brustflossen, auffallend stark ausgeprägter Seitenlinie und in
+metallischem Grün funkelnden Augen. Sie hat schon im Devon,
+wahrscheinlich sogar schon im Silur unmittelbare Vorfahren gehabt, stellt
+also ein uraltes Geschlecht dar. Heute fürchten die Fischer ihr
+zermalmendes Gebiß, schätzen aber ihre ölreiche Leber zur Bereitung von
+Wundsalben. Der =Hammerfisch= (_Zygaéna málleus_) endlich konnte kaum
+einen anderen Namen erhalten, weil sein ungefüger Kopf unwiderstehlich an
+die Hammergestalt erinnert und um so auffallender wirkt, als die Augen an
+den äußersten Enden der knorpeligen Seitenvorsprünge sitzen. Diese wilde
+und verwegene scharfbezahnte Bestie wird über 4 kg lang, 2-300 kg schwer
+und hält sich zumeist auf schlammigem Meeresboden auf, wo sie heißhungrig
+auf die kleineren Rochenarten Jagd macht.
+
+Die =Haie= selbst gelten als die »Hyänen des Meeres«, und noch
+treffender könnte man sie als die »Wölfe der Salzflut« bezeichnen. Ihre
+Raubgier und Unersättlichkeit, ihre Hinterlist und Verwegenheit sind
+sprichwörtlich geworden. Sie sind eine wahre Geißel der warmen Meere und
+werden nicht selten auch dem Menschen gefährlich, verleiden ihm das
+erquickende Bad und erschweren ihm das Tauchen nach Perlen und anderen
+Meeresschätzen. Immerhin ist auch viel über sie gefabelt, und ihre
+Menschenfresserei stark übertrieben und aufgebauscht worden. So viel
+dürfte sicher sein, daß die große Mehrzahl der Menschenteile, die man in
+erlegten Haien vorfindet, von den Leichen Ertrunkener herrührt.
+Vielleicht bilden sich auch unter den Haien in ähnlicher Weise bestimmte
+Menschenfresser heraus wie unter den Löwen und Tigern, während anderseits
+sowohl aus den nordischen wie aus den tropischen Meeren Beispiele genug
+dafür bekannt sind, daß sich Menschen beim Baden oder gelegentlich
+irgendwelcher Verrichtungen unbesorgt und ungestraft stundenlang unter
+ganzen Scharen von Haifischen tummelten. Natürlich macht Gelegenheit
+Diebe, auch im Wasser, und es steht fest, daß Schiffskatastrophen,
+Seeschlachten und Erdbeben in Küstenländern immer auch mehr oder minder
+auffallende Ansammlungen von Haifischen zur Folge haben, die bei solchen
+Gelegenheiten bequem Beute machen und den ins Wasser gefallenen
+Menschenkindern ein lebendes Grab bereiten. Besonders arg sollen sie's
+während und nach der Seeschlacht von Abukir getrieben haben, und ebenso
+zeigten sich nach dem Erdbeben von Messina ungewöhnlich viele Haie. Ein
+dort einige Wochen später gefangener _Carchárodon carchárias_ z. B. hatte
+die traurigen Reste von nicht weniger als 3 Menschen im Leibe, und zwar
+ergab sich aus den genauen Untersuchungen Prof. Condorellis, daß das
+Ungetüm die Unglückseligen, die wohl während des Bebens von einer
+Flutwelle in die See hinausgespült worden waren, noch lebend verschluckt
+haben mußte. Die einzelnen Leichenteile waren noch ganz frisch, wieder
+ein Beweis dafür, wie auffallend langsam die Verdauungstätigkeit im
+Haifischmagen vor sich geht. Der Seeminenkrieg mit seinen starken
+Erschütterungen des Wassers scheint dagegen weniger nach dem Geschmack
+der Haie zu sein. Wenigstens wird behauptet, daß die vielen Seeminen im
+russisch-japanischen Kriege eine ersichtliche Abwanderung der gerade in
+den chinesischen Gewässern sonst sehr zahlreichen Haie bewirkt hätten und
+daß die greulichen Raubfische dafür in der Adria ungewöhnlich zahlreich
+aufgetreten seien. Letzteres ist nicht zu leugnen und steht wohl damit im
+Zusammenhang, daß seit Eröffnung des Kanals von Suez den Haien das
+Einwandern vom Indischen Ozean zum Mittelmeer sehr erleichtert worden
+ist, weshalb auch am schönen Strande der Riviera manchmal der
+Schreckensruf »Ein Hai!« das sorglose Badeleben stört. Im Jahre 1908
+wurde dort ein riesiger Menschenhai gefangen, und selbst in unseren
+Meeren kommt dies gelegentlich vor, namentlich bei Helgoland, wo ein im
+Januar 1907 mit dem Grundnetz erbeuteter Hai nicht weniger als 3 Zentner
+Heringe im Leibe hatte. Die Freßgier dieser Tiere leistet eben
+Unglaubliches, und beständig scheint sie nagender Heißhunger zu quälen
+und zum gierigen, wahllosen Verschlingen auch der scheinbar
+ungeeignetsten Gegenstände anzuspornen. Deshalb findet man in
+Haifischmägen oft die absonderlichsten Dinge, namentlich oft Sardinen-
+und Konservenbüchsen, wie sie von Bord der Schiffe ins Meer geworfen
+werden. Denn die Haie folgen mit Vorliebe den Schiffen, weil es da immer
+etwas für sie zu ergattern gibt. Trotz ihrer glänzenden Schwimmleistungen
+vermögen sie freilich das Wettrennen mit einem modernen Ozeandampfer
+nicht lange auszuhalten, sondern bleiben bald zurück, während sie die
+langsamen Segelschiffe tage- und wochenlang umkreisen und sich dann wenig
+daraus machen, wenn die Reise von einem Meere in ein anderes geht und von
+den Tropen zu den Eisbergen führt oder umgekehrt, weshalb die
+Verbreitungsbezirke der einzelnen Arten so schwer gegen einander
+abzugrenzen sind. Fangen die Matrosen bei eintretender Windstille an,
+sich zu langweilen, dann bietet ihnen der Haifischfang erwünschte
+Abwechslung in ihrem eintönigen Dasein. Denn so scharfsinnig, klug und
+verschlagen der Hai sonst auch ist, seine grimmige Freßgier verleitet ihn
+doch zu den törichtsten Streichen; blindlings schnappt er auch auf den
+plumpsten Köder los, und namentlich der Lockung eines tüchtigen
+Speckbrockens vermag er nur in den seltensten Fällen zu widerstehen. Um
+ihn mit dem unterständigen Maule zu fassen, muß er sich erst auf den
+Rücken oder doch auf die Seite wälzen. Unter dem Triumphgeschrei der
+Matrosen wird dann das überlistete Meeresungetüm an einer starken Kette
+aufs Schiff gezogen, dessen Deck alsbald von seinen dröhnenden, mit
+unheimlicher Kraft geführten Schwanzschlägen erzittert. Der Seemann haßt
+den Hai mit glühendem Herzen und sucht sich an ihm für das traurige
+Schicksal manches Kameraden durch ausgesuchte Grausamkeit zu rächen.
+Hageldicht sausen die Hiebe auf den Gefangenen hernieder, Dutzende von
+Messern zerwühlen seinen zuckenden Leib, spitze Harpunen durchbohren
+seinen Kopf, die riesige Leber fliegt in den bereitgestellten Bottich,
+und doch will die gehaßte Bestie nicht verenden, denn die Lebenszähigkeit
+der Haie streift ans Unglaubliche. Das Herz soll noch 20 Minuten lang
+schlagen, nachdem es dem Körper entnommen wurde. Während die Leber zur
+Trangewinnung benutzt wird und die körnige Haut als »Chagrin« mancherlei
+Verwendung erfährt, findet das übelriechende Fleisch nur selten einen
+Liebhaber, soll aber in unserer Zeit der Fleischteuerung unter der Flagge
+des Seeaals doch hin und wieder auf die Fischmärkte eingeschmuggelt
+werden. Die Chinesen, die ja von jeher ihre absonderlichen
+Geschmackseigenheiten gehabt haben, erblicken aber wenigstens in den
+Haifischflossen einen großen Leckerbissen, der es wert ist, mit Gold
+aufgewogen zu werden, und der, zu einer Art Gelee verkocht, bei keinem
+vornehmen Prunkmahle fehlen darf. Unserem Gaumen aber würde dies klebrige
+Gericht kaum sonderlich behagen, denn besser als zum Essen eignen sich
+die Haiflossen sicherlich zum -- Leimkochen. Wäre die abstoßende Freßgier
+der Haifische und ihre blindwütende Raubsucht nicht, man könnte sie fast
+lieb gewinnen, denn sie gehören zweifellos zu den körperlich am besten
+ausgerüsteten und zu den geistig am höchsten begabten aller Fische.
+Pfeilgeschwind durchschneidet ihr langgestreckter Körper mit der
+kraftvollen Schwanzflosse die Wogen, oft so nahe an der Wasseroberfläche,
+daß die Rückenflosse über diese hervorsieht; auf weite Entfernungen hin
+wittert ihre scharfe Nase Heringsheere und Schellfischzüge, förmlich
+planmäßig umstellen sie diese und brechen dann von allen Seiten
+gleichzeitig auf die Verwirrten los, jäh im Angriff, blitzschnell im
+Zufahren, selbst nicht ganz ungelenk in raschen Wendungen. Ortsgedächtnis
+ist den Haien nicht abzustreiten, und auch das sanfte Gefühl der
+Elternliebe ist diesen blutdürstigen »Hyänen des Meeres« nicht fremd.
+Viele sind vielmehr sorgsame Mütter, und der weite Rachen mit den
+mehrfachen Reihen spitz dreieckiger »Drachenzähne« der sichere
+Zufluchtsort, in den sich die Jungen beim geringsten Anzeichen von Gefahr
+flüchten.
+
+Die größten Haifischarten sind durchaus nicht zugleich auch die
+gefährlichsten. Vielmehr sind gerade der bis 15 kg lang werdende
+=Riesenhai= (_Seláche máxima_) der Nordmeere und der ihn noch
+übertreffende =Rauhhai= (_Rhínodon typicus_), überhaupt die größte
+lebende Fischart, verhältnismäßig harmlose Gesellen, die nach Art der
+Wale von allerlei kleinerem Meeresgetier leben und natürlich einer
+ungeheuren Menge davon zu ihrer Sättigung bedürfen. Den Walfischjägern
+helfen sie auch beim Entspecken der erlegten Meeresriesen mit, kümmern
+sich aber nicht im geringsten um den Matrosen, der etwa bei dieser
+unangenehmen Arbeit von dem schlüpfrigen Riesenkadaver herab ins Meer
+sauste. Vielmehr stellen die mittelgroßen Haie die gefürchteten
+Menschenfresser vor. Als ein solcher gilt mit Recht der noch keine 5 kg
+lang werdende, sehr schlank gebaute und oberseits schön graublau gefärbte
+=Blauhai= (_Carchárias gláucus_), der auch durch Abfressen der
+Köderfische und Zerreißen der wertvollen Netze den Fischern im Mittelmeer
+Verdrießlichkeiten genug macht, deshalb grimmig von ihnen gehaßt und bei
+jeder sich bietenden Gelegenheit schonungslos verfolgt wird. Aber gerade
+sein Fang mißglückt oft genug, indem der Fisch das Angeltau durchbeißt
+oder mit einem gewaltsamen Ruck zerreißt, nachdem er es sich vorher durch
+Herumwälzen mehrfach um den Leib gewickelt hat. Selbst der an Bord
+gezogene Blauhai ist durch seine fürchterlichen Schwanzschläge noch ein
+sehr achtbarer Gegner, und die Matrosen suchen daher auch immer zuerst
+durch Axthiebe den gefährlichen Schwanz vom Rumpfe zu trennen. Noch
+furchtbarer ist der stärkere =Weißhai= (_Carchárodon rondeléti_), der mit
+einem einzigen Schnapp seiner schrecklich bezahnten Kiefer einen
+Menschenleib mitten auseinander zu beißen vermag. Ein solches Ungetüm von
+10 kg Länge, 3 kg Körperumfang und 3000 kg Gewicht wurde unlängst an der
+kalifornischen Küste gefangen; sein gewaltiger Rachen zeigte eine Breite
+von 3/4 kg und eine Spannhöhe von mehr als 1 kg, so daß 2 Kinder bequem
+auf dem Unterkiefer sitzen konnten, ohne mit den Köpfen den Gaumen zu
+berühren. Auch die kleinen Haie unserer Meere sind verhältnismäßig recht
+grimmige Bursche. So schon der nur halbmeterlange =Hundshai= (_Scyllium
+canícula_) und der doppelte Größe erreichende, hübsch gefleckte
+=Katzenhai= (_Scyllium cátulus_), deren rauhe Haut gern zur Bekleidung
+von Säbel- und Degengriffen benutzt wird, da sie der umschließenden Hand
+einen festen und sicheren Halt gewährt. Der aufmerksame Strandwanderer
+findet zur Zeit der Heringszüge öfters die von den Wogen an den Strand
+geworfenen Kadaver dieser kleinen Haie oder auch ihre merkwürdigen, der
+Fischerbevölkerung als »Seemäuse« bekannten Eier (Abb. 13). Diese
+wunderlichen Dinger sind gestreckt viereckige Hornkapseln von
+gelblichbrauner Farbe und an jeder Ecke mit einem langen, gewundenen
+Anhang versehen, der wie eine verdorrte Weinranke aussieht und zur festen
+Verankerung des Eis an Meeresgewächsen dient. Durch einen schmalen Spalt
+an jedem Eiende kann Wasser zu den Kiemen des eingeschlossenen Embryos
+gelangen, und der Abschluß der Eischale ist auf eine sinnreiche Weise
+derart eingerichtet, daß der reife Junghai zwar leicht einen Ausweg, kein
+Feind aber den Zutritt finden kann. Ähnlich sehen auch die Eier der
+Rochen aus (Abb. 12). Dagegen gehört der etwa gleichgroße =Dornhai=
+(_Acánthias vulgáris_, siehe Abb. 10, Fig. 1) zu den lebend gebärenden
+Arten und ist zugleich der geselligste aller Haie. In großen Schwärmen
+folgt er den Heringszügen und richtet als einer der freßgierigsten Räuber
+gewaltige Verwüstungen unter ihnen an. Seinen Namen führt er deshalb,
+weil der vorderste Strahl der beiden Rückenflossen zu einem starken Dorn
+entwickelt ist.
+
+[Illustration: Abb. 12. Rochen-Ei.]
+
+[Illustration: Abb. 13. Ein Haifisch-Ei (geöffnet).]
+
+Merkwürdig ist das Verhältnis der größeren Haie zu dem der Makrelengruppe
+angehörigen, hübsch gebänderten =Lotsenfisch= (_Naucrátes dúctor_).
+Selten nur sieht man einen Hai ohne diese anhänglichen Begleiter. Nach
+den Erzählungen der Seeleute sollen die flinken Lotsenfische für den Hai
+auf Kundschaft ausziehen und ihn dann zu einem erspähten Bissen
+hinführen, von dem sie auch ihren Anteil erhalten. In Wirklichkeit wird
+sich die Sache wohl so verhalten, daß sich der Lotsenfisch in der Nähe
+des großen Räubers, von dessen Tafel ja auch manches für ihn abfallen
+mag, vor anderen Raubfischen sicher fühlt und selbst zu gewandt ist, als
+daß ihn sein freßgieriger Freund erhaschen könnte. Also eine auf
+Einseitigkeit beruhende Symbiose! -- Diese Erklärung erscheint um so
+wahrscheinlicher, als der Lotsenfisch ganz die gleiche Anhänglichkeit
+auch gegen Schiffe und Wracks bekundet, immer in der Hoffnung, bei diesen
+besonders reichlich und mühelos Nahrung zu finden.
+
+Während sich mit einem erlegten Hai im allgemeinen nur wenig anfangen
+läßt, und der aus ihm gewonnene Ertrag in gar keinem Verhältnis zur Mühe
+und Gefahr der Erbeutung steht, gehört ein anderer Riesenfisch des
+Meeres, der =Stör= (_Acipénser stúrio_), zu den volkswirtschaftlich
+wichtigsten Arten. An ihm ist fast alles verwendbar. Das wohlschmeckende
+und nährkräftige Störfleisch wurde schon von den Römern als ein
+besonderer Leckerbissen gewürdigt, der mit großer Feierlichkeit unter
+Musikbegleitung auf die Tafel gesetzt zu werden pflegte, und erfreut sich
+auch bei uns, nachdem man es früher wenig beachtet hatte, steigender
+Beliebtheit, seitdem dieser edle Fisch durch den schonungslos betriebenen
+Fang so selten geworden ist, daß das Pfund Störfleisch mit 3 Mark und
+mehr bezahlt werden muß, also nur noch den wohlhabenden Kreisen
+zugänglich ist. Mehr als frisches kommt neuerdings geräuchertes
+Störfleisch aus Rußland in den Handel, und auch dieses hat so vielseitige
+Eigenschaften, daß ein geschickter Koch es nach Belieben in Schinken,
+Beefsteak, Lammsbraten oder Geflügel umwandeln kann. In noch höherem
+Ansehen aber steht der aus dem Rogen des Weibchens gewonnene Kaviar, eine
+köstliche, aber auch sündenteure Delikatesse, in Güte und Preis nach
+Gewinnungs- und Zubereitungsart sehr verschieden. Der billige und
+minderwertige, nur oberflächlich gereinigte und unter starkem Salzzusatz
+auf Matten an der Sonne getrocknete, dann mit Öl vermengte und mit den
+Füßen in Holzfässer eingetretene Preßkaviar ist wenigstens in Rußland
+noch Volksnahrungsmittel; in den von mir besuchten Gegenden am Kaspi
+vertrat er geradezu die Stelle des Käses. Körniger Kaviar, der in
+durchwässerten Sieben durch Peitschen mit Ruten sorgfältig von
+anhaftenden Häutchen und sonstigen Unreinlichkeiten befreit und in langen
+Trögen schwach durchgesalzen wird, ist bedeutend teurer. Am höchsten
+stehen diejenigen Sorten im Preise, die nach dem Abkörnen in leinene
+Säckchen kommen und in diesen in Salzlauge gehängt, dann schwach
+ausgedrückt und an der Luft getrocknet, nach dem Verpacken in die
+bekannten kleinen Holzfäßchen aber beständig unter Eis gehalten werden.
+Ein weiteres wichtiges Nebenerzeugnis der Störfischerei ist der aus der
+Schwimmblase der Fische gewonnene Leim, der auch beim Stärken der Wäsche
+und zur Herstellung von Gelees Verwendung findet. Endlich liefert auch
+noch die die Wirbelsäule vertretende Rückenseite des Störs ein Gericht,
+das als Wjasiga das Entzücken aller Petersburger und Moskauer Schlemmer
+bildet und aus dem sich auch eine wundervolle Pastetenfüllung herstellen
+läßt. Im Meere werden gewöhnlich nur vereinzelte Störe erbeutet, ein
+Massenfang ist nur im Unterlauf der Ströme möglich, in denen diese Fische
+zu Beginn der Laichzeit emporsteigen, wobei die Rogner derart mit Eiern
+vollgepfropft sind, daß sie sich nur mühsam fortzubewegen vermögen,
+während sonst der Stör zu den flinken Raubfischen zählt. Leider ist seine
+Abnahme bei uns infolge lange betriebener Überfischerei eine derart
+rasche, unaufhaltsame und allgemeine, daß man in sehr absehbarer Zeit mit
+dem völligen Aussterben dieses wertvollen Nutzfisches in unseren
+Gewässern zu rechnen haben wird, falls die bisher gescheiterten
+Züchtungsversuche nicht schließlich doch noch zu einem Erfolge führen. So
+wurden im Weichseldelta 1900 noch 27000 kg Störfleisch erbeutet, 1906 nur
+noch 9800 und 1908 gar nur mehr wenige 100 kg. Dagegen hat der
+Fischreichtum der russischen Gewässer (es handelt sich dort zumeist nicht
+um den eigentlichen Stör, sondern um seinen größeren Vetter, den bis 9 m
+lang und bis 1500 kg schwer werdenden =Hausen= [_Acipénser húso_]) bisher
+allen Verfolgungen Trotz geboten, wobei aber schwer ins Gewicht fällt,
+daß gerade der Störfang dort von altersher aufs strengste geregelt ist
+und mit Maß und Vernunft betrieben wird, besonders erfolgreich auch unter
+dem Eise der zugefrorenen Wolga. Gerade deshalb aber vermag Rußland
+allein aus dem Störfleisch einen Gewinn von mindestens 12 Millionen Rubel
+jährlich zu erzielen, und die Bevölkerung ganzer Landstriche findet durch
+diesen einzigen Fisch einen guten Lebensunterhalt. Wenn man bedenkt, daß
+ein erwachsenes Hausenweibchen bis zu 3 Zentner Kaviar liefert, und das
+Pfund davon schon an Ort und Stelle mit 8 Mark bezahlt wird, so wird man
+ermessen können, welchen Glücks- und Freudentag der Fang eines solchen
+Riesenfisches für den armen Fischersmann bedeutet.
+
+Der Stör ist jedoch nicht nur ein wirtschaftlich hochwichtiger Fisch,
+sondern auch ein naturgeschichtlich besonders interessanter, da er als
+letzter Rest eine der ältesten und sonst ausgestorbenen Ordnungen aus dem
+Reich der Fische verkörpert und uns lebende Kunde gibt vom Aussehen und
+Bau der Wirbeltiere in den Urzeiten der Tierwelt. Sein Körper ist
+schlank, die unterständige Schnauze gestreckt und vorgezogen, die Kiefer
+zahnlos, und das Schuppenkleid wird ersetzt durch 5 Längsreihen
+eigenartiger Knochenschilder, die aussehen wie chinesische Hütchen und
+bei jungen Stücken schärfer gekantet sind als bei alten. Auch haben die
+dem Laich schon nach 3 Tagen entschlüpfenden Jungen während ihrer ersten
+Lebensmonate noch Zähne. Sie streben schon frühzeitig dem Meere wieder
+zu, aber über das dortige Leben und Treiben der Störe wissen wir
+eigentlich herzlich wenig.
+
+Ähnliches gilt auch von dem größten und zugleich wehrhaftesten aller
+Knochenfische, dem sagenumwobenen, in unzähligen Seefahrergeschichten
+verherrlichten =Schwertfisch= (_Xíphias gládius_), dem Todfeinde des
+Thuns, dessen Wanderscharen er durch seine ungestümen Angriffe öfters
+auseinandersprengt oder von ihrem Wege abdrängt. Da er überdies auch
+häufig die wertvollen Riesennetze der Mittelmeerfischer zerreißt, ist er
+ihnen verhaßt, und sie jagen ihn deshalb, wo sie nur können. Andere
+betreiben diese Jagd aus rein sportlichen Gründen, weil ihr in hohem Maße
+der Reiz des Gefährlichen innewohnt. Denn das Schwert, d. h. der
+degenförmig bis auf 1-1/2 kg verlängerte Oberkiefer des Xiphias ist in
+der Tat eine furchtbare Waffe, deren Wirkung durch das pfeilschnelle
+Vorstoßen des großen und kraftvollen Fisches noch wesentlich gesteigert
+wird. Mit unwiderstehlicher Gewalt rennt er diese Lanze dem Gegner tief
+in den Leib, oder er gebraucht seine Waffe kleineren Beutefischen
+gegenüber als Schwert, indem er sie durch seitliche Bewegungen rechts und
+links niedersäbelt oder mitten durchschneidet und mit diesem blutigen
+Werke nicht aufhört, bis eine ganze Reihe von Schlachtopfern die Walstatt
+bedeckt, worauf sich der Raubritter daran macht, sie in aller Ruhe und
+Behaglichkeit zu verzehren. Ashby konnte einmal an der Stelle, wo ein
+Schwertfisch vor seinen Augen in einem Heringsschwarm gewütet hatte, noch
+einen ganzen Scheffel getöteter Heringe aufsammeln. Der Schwertfisch ist
+sich seiner Wehrhaftigkeit denn auch gar wohl bewußt und scheut keinen
+Gegner, wagt sich erwiesenermaßen sogar an Wale und Haie und ficht mit
+ihnen grimmige Kämpfe aus, die zu den großartigsten Schauspielen des
+Weltmeeres gehören und bei denen unserem Fisch auch seine ungewöhnliche
+Gewandtheit und Schnelligkeit sehr zustatten kommen. Dem Menschen geht er
+gewöhnlich scheu aus dem Wege, aber bisweilen scheinen einzelne
+Schwertfische nach Nashornart von einer wahren Berserkerwut befallen zu
+werden und rennen dann rücksichtslos alles an, was ihnen begegnet, sei es
+selbst ein großes Schiff. So erklären sich die gelegentlichen und nicht
+selten tragisch endenden Angriffe von Schwertfischen auf Badende oder auf
+bemannte Boote, die er durch und durch zu stoßen, so leck zu machen und
+zum Sinken zu bringen vermag. Von der furchtbaren Wucht seines Stoßes
+kann man sich einen Begriff machen, wenn man z. B. im Britischen Museum
+den Kiel eines Ostindienfahrers betrachtet, durch dessen Metallbeschlag
+und Holzwerk ein Schwertfisch seine Waffe 55 kg tief hineingetrieben
+hatte. Ja es ist sogar ein Fall verbürgt, wo ein in einem Boote sitzender
+Matrose von einem Schwertfisch getötet wurde, indem dieser sich aus dem
+Wasser emporschnellte und dem Unglücklichen seine Lanze mitten durch den
+Leib rannte. Aus alledem läßt sich entnehmen, daß die Jagd auf den
+Schwertfisch, von dem nur die umfangreiche Schwanzmuskulatur als
+genießbar gilt, ganze Männer verlangt. Sie wird trotzdem von
+amerikanischen Sportsmen mit wahrer Leidenschaft betrieben, und zwar
+ausschließlich mit der Harpune, da der Fisch auch die stärksten Netze
+glatt durchschneidet. Die von sinnloser Angriffslust und wütender
+Kampflust ruhelos durchs Meer getriebenen Schwertfische sind gewöhnlich
+ganz alte Stücke. Die Jungen führen das gefährliche Schwert überhaupt
+noch nicht, sondern dieses bildet sich erst mit zunehmendem Alter ganz
+allmählich aus.
+
+Den Riesen der Meeresfische seien nun auch gleich noch die Zwerge unter
+ihnen gegenübergestellt. Will man die Lanzettfischchen schon zu den
+echten Wirbeltieren rechnen, so muß hier zunächst _Asymmetron lucayánum_
+erwähnt werden, der bei den Bahamainseln vorkommt und nur 19 mm mißt,
+während unser kleinster Süßwasserfisch, der Zwergstichling, immerhin über
+50 mm lang wird. Sodann ist nach Krause namentlich das formenreiche
+Geschlecht der =Meergrundeln= reich an winzigen, nicht über 25 mm
+hinauswachsenden Arten. So durchstreift das durchsichtige =Seeräuberchen=
+(_Latrúnculus perlúcidus_) fast unsichtbar die Fluten bei den britischen
+Inseln und an einigen anderen europäischen Küsten. Dieses Geschöpfchen
+ist um so merkwürdiger, als es nach den Untersuchungen Colletts wie die
+meisten Insekten und viele Pflanzen nur ein Jahr lebt und somit das
+einzige bekannte Beispiel eines einjährigen Wirbeltiers vorstellt. Im
+August entschlüpfen die Jungen dem im Juni oder Juli abgesetzten Laich,
+sind schon im Dezember völlig ausgewachsen, bekommen im April die
+geschlechtlichen Unterscheidungsmerkmale und sterben sofort nach der
+Laichabgabe im Sommer ausnahmslos ab, so daß man in den Herbstmonaten
+stets nur junge Seeräuberchen antreffen kann. Die allerkleinste Art ist
+aber der =Luzonfisch= (_Mistíchthys luzonénsis_) von den Philippinen, bei
+dem die Weibchen durchschnittlich nur 13,5, die Männchen gar nur 10-11
+mm lang werden. Auch diese wahrscheinlich lebend gebärenden Tierchen
+sind im Leben bis auf einige schwarze Flecken fast durchsichtig und
+werden nach Zeller trotz ihrer Winzigkeit als Speisefische genützt. Sie
+werden in besonders eng gewobenen Netzen gefangen, mit Pfeffer und
+anderen Gewürzen zubereitet und natürlich mit Stumpf und Stiel verzehrt,
+etwa wie bei uns die Stinte, deren übler Geruch ihnen aber abgeht, so daß
+sich auch die Europäer sehr mit diesem »Badi« genannten Gericht
+befreundet haben. Übrigens hat es auch schon in grauen Urzeiten derart
+winzige Fische gegeben. So fand man im roten Sandstein Schottlands
+wohlerhaltene Devonfische (_Palaeospóndylus_), die auch nur 12-15 mm
+messen und einen ähnlichen Saugmund besitzen, wie unsere Neunaugen, wobei
+es freilich einstweilen noch dahingestellt bleiben muß, ob es sich nicht
+vielleicht um die Larvenformen eines Panzerfisches handelt.
+
+Um nochmals auf die zur Überlistung der Beutetiere und zum Verbergen
+vor Feinden dienende Farbenanpassung der Fische zurückzukommen, so gibt
+es außer der auf den Bodenuntergrund bezüglichen vielfach auch eine
+solche, die sich der umgebenden Pflanzenwelt, also den in langen Bändern
+wogenden Tangen des Meeres oder den Rohrstrünken und Halmen des
+Süßwassers anschmiegt. Geradezu verblüffende Beispiele für die erstere
+Gruppe finden wir namentlich unter den Fischen warmer Meere, so den
+berühmten =Fetzenfisch= (_Phyllópteryx éques_) der australischen Gewässer
+mit seinen zahlreichen Dornfortsätzen und bandartigen Anhängseln, aber
+auch schon der bereits in der Nordsee auftretende =Seeteufel= oder
+=Angler= (_Lóphius piscatórius_, s. Abb. 10, Fig. 5) sieht wahrlich
+abenteuerlich genug aus. »Ein sonder scheußlich, heßlich Tier sollen
+diese Meerkrotten sein«, sagt schon der alte Gesner, der eine im
+wesentlichen ganz richtige Lebensbeschreibung des Seeteufels gegeben hat,
+und in der Tat wird man den absonderlichen Burschen, dessen einer platten
+Keule gleichender Leib fast nur aus dem unflätigen, zahnstarrenden
+Riesenmaul, dem ungeheuerlichen Dickkopf und dem weiten Magensack zu
+bestehen scheint, beim besten Willen nicht schön finden können. Zwischen
+den Krautwäldern der Meeresküste liegt er tückisch verborgen, wobei er
+sich oft noch mit Hilfe der seehundsartigen Brustflossen in den Sand
+eingräbt, und läßt unablässig die merkwürdigen angelartigen Fortsätze auf
+Kopf und Rücken im Wasser spielen, die recht gut Würmer vorzutäuschen
+vermögen und so hungrige Kleinfische anlocken,[1] denen dann durch
+einfaches Aufreißen des gewaltigen Rachens ein frühes Grab in dem
+unersättlichen Magen des Anglers bereitet wird. Das Eingraben hat dieser
+dabei eigentlich kaum nötig, denn wie Franz bei den Klippen Helgolands
+beobachtete, ist die sehr wechselnde Färbung seiner Oberseite, die durch
+zahllose, vielfach gezackte und gelappte Linien in der Art, wie wir sie
+von den Ammoniten her kennen, ausgezeichnet wird, eine fabelhaft genaue
+und bis in die kleinsten Einzelheiten gehende Nachahmung all der
+Farbenwirkungen und mannigfaltigen Abschattierungen von Dunkelolivenbraun
+und Gelbbraun, die wir bei klarem Wasser in dem von Tangen durchwucherten
+Klippenmeer sehen. Erhöht wird diese Wirkung noch dadurch, daß Maul und
+Seiten des Fisches mit kleinen grünbraunen Bartelfortsätzen besetzt sind,
+die in ihrer lappigen Gestalt täuschend den umgebenden Algen gleichen.
+Wenn auch der wehrhafte Angler Feinde nur wenig zu fürchten hat, so kommt
+diese ganze Ausrüstung dem trägen Gesellen doch sehr zustatten beim
+Überlisten und Fangen seiner Beute, und diese pflegt deshalb bei seinem
+ständig regen Heißhunger so reichlich auszufallen, daß die Fischer, die
+den an sich fast ungenießbaren Seeteufel erwischen, ihm wenigstens den
+Bauch aufschneiden, um sich die von ihm zahlreich verschluckten und oft
+noch ganz frischen Fische anzueignen.
+
+ [1] Guitel bestreitet auf Grund von Aquariumsbeobachtungen diese bisher
+ allgemein verbreitete Ansicht und glaubt, daß der Angler seine
+ Opfer durch rasche Vorstöße nach oben erhasche, sich aber
+ überwiegend von Aas und unbeweglichen Seetieren nähte (?).
+
+Wo eine weitgehende Farbenanpassung fehlt, hat die erfinderische Natur
+durch mannigfache anderweitige Mittel dafür gesorgt, ihre Kinder
+wenigstens zeitweise den Nachstellungen ihrer Feinde zu entziehen oder
+ihnen das Erhaschen ihrer Beute zu erleichtern. Hierher gehört z. B. das
+Schießvermögen mancher Fische, auf der anderen Seite dagegen alle
+diejenigen Fälle, wo Fische den Räubern des Meeres dadurch ein
+Schnippchen schlagen, daß sie das feuchte Element für mehr oder minder
+kurze Zeit verlassen und mit dem Aufenthalte auf festem Erdboden oder in
+freier Luft vertauschen können, und damit kommen wir auf die viel
+erörterte Frage der =fliegenden Fische=. Einen ebenso überraschenden wie
+fesselnden Eindruck gewährt es, wenn plötzlich zu beiden Seiten des
+Schiffes Scharen von Flugfischen aus dem Wasser emporschießen,
+silberglitzernd auseinanderstieben, sich in langem, flachem Bogen über
+die Wellen schwingen und endlich ermattet wieder in das gewohnte Element
+zurückfallen, oder wenn man in finsterer Nacht das leise Knistern ihrer
+Flugflossen hört, das Anprallen einzelner an die Schiffswand merkt und
+andere klatschend auf das Deck des hochbordigen Schiffes selbst
+herniederfallen -- ihrer Schmackhaftigkeit halber eine hochwillkommene
+Zugabe für den Küchentopf der Matrosen. Alle Flugfische sind Kinder der
+wärmeren Meere, einige kommen aber schon im Mittelmeer regelmäßig vor,
+und deshalb berichten schon die Beobachter aus dem klassischen Altertum
+eingehend über dieses Naturwunder, und auch später haben die Forscher
+aller Zeiten und Völker die damit zusammenhängenden wissenschaftlichen
+Fragen zu lösen und zu lichten versucht, ohne sich doch darüber bis zum
+heutigen Tage einig geworden zu sein. So herrscht denn auch heute noch
+keine völlige Klarheit auch nur über die Grundfragen, keine Klarheit
+darüber, was die Fische eigentlich veranlaßt oder zwingt, das Wasser mit
+der Luft zu vertauschen, darüber, ob sie während des Fluges die Richtung
+abändern können oder nicht, darüber, ob sie währenddem flügelartig mit
+den Flossen schlagen oder diese lediglich als Fall- oder Gleitschirm
+benutzen, darüber, was sie nachts so hoch emporträgt, daß sie auf das
+Deck der Schiffe niederfallen können, während sich am Tage ihre Flugbahn
+stets nur in sehr mäßiger Höhe fortbewegt. Allerdings sind alle solche
+Beobachtungen bei der Schnelligkeit und Plötzlichkeit der Erscheinung,
+bei dem ungünstigen Stande des auf dem Schiffe befindlichen Beobachters
+von oben her und bei der unsicheren Beleuchtung, die das »Atmen« der
+Wellenberge und das glitzernde Silberkleid der Fische mit sich bringt,
+äußerst schwieriger Art, aber hier wäre ein sehr dankbares Feld für die
+wissenschaftliche Tätigkeit des Kinematographen, dem die endgültige
+Lösung dieser viel umstrittenen Frage nicht schwer fallen könnte. Suchen
+wir aus all den zahllosen, sich oft widersprechenden Berichten und
+Streitschriften den wesentlichen Kern herauszuschälen, vergleichen wir
+das so Gewonnene miteinander und wägen es sorgsam gegeneinander ab, so
+erhalten wir etwa folgendes Bild vom gegenwärtigen Stande unseres Wissens
+über das Rätsel der Flugfische.
+
+Der Fisch schnellt sich pfeilgeschwind und mit großer Wucht aus dem
+Wasser empor, und zwar hauptsächlich mit Hilfe des rasche
+Schraubenbewegungen vollführenden, kräftigen Schwanzes und durch
+Zusammenpressen der ungemein stark entwickelten Seitenmuskulatur. Es ist
+also ganz derselbe Vorgang, wie er sich beim wandernden Lachse vollzieht,
+wenn er ein Wehr überspringen will. Aber der Flugfisch schießt nicht so
+steil, nahezu senkrecht aus dem Wasser wie der verliebte Salmonide, weil
+es für ihn ja weniger darauf ankommt, eine möglichst große Höhe zu
+erreichen, als vielmehr darauf, sich eine möglichst weite Flugbahn zu
+schaffen. Das Herausspringen vollzieht sich daher in mehr oder minder
+spitzem Winkel zur Wasserfläche, höchstens in einem solchen von 45°, und
+in schräger Richtung, in die der Fisch wahrscheinlich schon vorher im
+Wasser seinen Körper eingestellt hat. Sehr erleichtert wird ihm das
+Emporschnellen jedenfalls auch noch dadurch, daß er eine ganz
+ungewöhnlich große Schwimmblase besitzt, die z. B. bei einer 16 cm langen
+Art 9 kg lang und 2-1/2 kg breit ist, so daß für sie durch ringförmige
+Ausbuchtungen im Knochengerüst noch besonders Raum geschaffen werden muß,
+und 44 _ccm_ Luft faßt, also den Fisch sehr leicht macht und ihm demnach
+wohl mehr als Flug-, denn als Schwimmorgan dient. Das Herausschießen
+vollzieht sich ohne Rücksicht auf die Bewegung des Windes oder die
+Richtung der Wellen, obwohl feststeht, daß es bei völliger Windstille und
+spiegelglatter See überhaupt nie stattfindet, demnach die Unterstützung
+des Windes an sich zum Flug dieser Geschöpfe unerläßlich erscheint.
+Wahrscheinlich fördern auch hastige Schläge mit den mächtigen, zu
+Flugorganen umgewandelten Brustflossen das Emporheben in die Luft, denn
+wenn man sich in unmittelbarer Nähe befindet, hört man deutlich das
+raschelnde und knisternde Geräusch der Flossen. Seitz berechnet die Zahl
+der derart vollführten Flatterschläge auf 10-30 in der Sekunde. Ich
+selbst habe trotz angestrengtester Aufmerksamkeit und vorzüglichem
+Krimstecher solche Flügelschläge mit den Flossen, deren Möglichkeit von
+Moebius und du Bois-Reymond überhaupt geleugnet wird, nie zu erkennen
+vermocht, gebe aber bei der Schwierigkeit der Beobachtung und der
+Kurzsichtigkeit meiner Augen gerne die Möglichkeit einer Selbsttäuschung
+zu. Jedenfalls breitet der Fisch, sobald er erst einmal eine gewisse Höhe
+erreicht hat, seine Flugflossen wagrecht oder mit einer geringen Neigung
+nach oben aus und läßt sich nun durch sie passiv vom Luftstrom tragen.
+Soviel scheint sicher zu sein, daß er während des eigentlichen Fluges,
+der freilich gar kein echter Flug ist, sondern nur ein fallschirmartiges
+Schweben und Gleiten, keine Flatterbewegungen vollführt, daß demnach die
+Erscheinung nicht mit dem Flattern der Fledermäuse, dem Gaukeln der
+Schmetterlinge oder dem Schwirren der Bienen verglichen werden kann,
+sondern höchstens mit dem Schweben der Flughörnchen und Flugechsen oder
+mit dem Aufschwirren der Heuschrecken aus dem Wiesengras. Eigentlich ist
+es nur ein künstlich verlängerter Sprung. Von einem wirklichen Fliegen,
+dieser »Poesie der Bewegung« kann schon deshalb gar keine Rede sein, weil
+dazu der Flächeninhalt der Brustflossen trotz ihrer auffallenden Länge zu
+gering und vor allem die sie bewegende Muskulatur viel zu schwach ist.
+Denn während das Gewicht der Brustmuskulatur zum Gesamtgewichte des
+Körpers bei Vögeln sich durchschnittlich wie 1: 6,22 verhält und auch bei
+Fledermäusen noch wie 1: 13,6, ist dasselbe Verhältnis bei den besten
+Flugfischen nach den Wägungen von Moebius wie 1: 32,4. Ihre Brustmuskeln
+müßten also 5,2mal so viel Kraft entwickeln, als die der Vögel oder
+2,45mal so viel als die der Fledermäuse, wenn sie den Körper durch
+Flossenschläge erheben und in der Luft fortführen sollten. Es ist nun
+aber nicht das geringste bekannt, aus dem auf eine solche ausnahmsweise
+Steigerung der Muskelkräfte bei Flugfischen geschlossen werden könnte,
+die im ganzen Wirbeltierreiche einzig dastehen würde. Allerdings scheint
+mir Moebius bei seinen fleißigen und grundlegenden Untersuchungen die
+ausgleichende, das Körpergewicht unter Umständen stark erleichternde
+Wirkung der ungeheuerlichen Schwimmblase der Flugfische nicht genügend in
+Rechnung gezogen zu haben, da er ja nur mit Spiritusexemplaren arbeitete.
+Jedenfalls hat er aber darin recht, wenn er auch die Flossenlänge als für
+eine wirkliche Flugleistung ungenügend erklärt. Die relative Flächengröße
+der Brustflossen ist zwar nur wenig geringer als die der Vogelflügel,
+allein ihre relative Länge ist viel kleiner, oft nur halb so groß. Und
+doch hängt gerade von ihr hauptsächlich das Maß der Flügelarbeit ab, denn
+der Widerstand der Luft wächst im Hundert der Geschwindigkeit, mit der
+der Flügel gegen sie schlägt. Da nun die Geschwindigkeit so zunimmt, wie
+die Entfernung des in Bewegung gesetzten Flügelpunktes vom
+Schultergelenk, so hebt ein Flügelstück, das doppelt so weit entfernt
+ist, den Körper mit vierfach größerer Kraft als ein anderes Flügelstück
+von gleicher Größe in einfacher Entfernung vom Schultergelenk. Mögen
+daher die Brustflossen der Flugfische als Träger der Körperlast fast
+ebenso viel leisten wie die Flügel der Vögel, so sind sie doch ihrer
+Kürze wegen zum wirklichen Fliegen nicht geeignet. Ich möchte dem noch
+hinzufügen, daß ja auch die eigenartig gewölbte Form des Vogelflügels und
+seine Fähigkeit zum Verkürzen oder Vergrößern der Fläche während des
+Fluges den Brustflossen abgeht, was ebenfalls keine geringe Rolle spielen
+dürfte. Es handelt sich bei den Flugfischen nur um starre Gleitflächen,
+die ein vorzügliches Schweben, nicht aber ein wechselvolles Fliegen
+ermöglichen. Läßt sich demnach die Erscheinung auch nicht mit dem
+herrlichen Flugvermögen der Vögel vergleichen, so steht sie als bloßer
+Gleit- und Schwebeflug doch entschieden über dem der Flughörnchen und
+Flugechsen, sowohl was die Länge der Flugbahn, als auch was ihre
+Schnelligkeit anbelangt, wozu freilich der Umstand das meiste beitragen
+mag, daß über bewegter See ständig ungleich stärkere Luftströmungen
+herrschen, als im stillen Blättermeer des Urwaldes. Die
+Fluggeschwindigkeit beträgt immerhin 7-14 Sekundenmeter, die Flugdauer
+10-20 Sekunden und (wenn man die kurzen Unterbrechungen beim Eintauchen
+in die Wellenkämme nicht mitzählt) selbst bis zu 1 Minute, die
+zurückgelegte Strecke bis zu 200 kg und mehr, allerdings gewöhnlich nur
+in einer Höhe von kaum einem Meter über dem Meeresspiegel. Also immerhin
+ganz ansehnliche Leistungen, die den angestrebten Zweck, nämlich die
+Flieger dem gierigen Rachen der Raubfische zu entziehen, vollkommen
+erreichen dürften. Der zurückgelegte Weg stellt keine eigentliche
+Flugbahn vor, sondern eine parabelähnliche Wurfbahn, deren Form und Länge
+abhängt von der Größe der Anfangsgeschwindigkeit, von der Körperlast und
+von der Ausdehnung und Neigung der tragenden Flächen; als Werfer des
+Körpers dienen, wie schon erwähnt, die stark ausgebildeten
+Rumpfseitenmuskeln und der kräftige Schwanz, dessen untere Hälfte gerade
+bei den besten Fliegern sehr bezeichnender Weise weit mehr entwickelt ist
+als die obere. Anfänglich halten die fliegenden Fische, deren große klare
+Augen so vorteilhaft von den bleifarbigen anderer abstechen, den Körper
+fast wagrecht, aber allmählich senkt sich das Schwanzende, die
+Körperhaltung wird immer schräger und steiler, bis endlich der Schwanz in
+einen Wellenkamm eintaucht und nun entweder der ganze Fisch wieder in
+seinem eigentlichen Element verschwindet oder aber sich sofort von neuem
+abstößt und in gleicher Weise einen zweiten und dritten Flug unternimmt.
+In solchen Augenblicken helfen auch die Flügelflossen vielleicht nochmals
+durch Flatterbewegungen beim Aufsteigen mit, und in solchen Augenblicken
+ist der Fisch auch imstande, die seitherige Flugrichtung willkürlich zu
+ändern, was ihm in der Flugbahn selbst bei der rein passiven Art seines
+»Fliegens« kaum möglich ist, da er dann als ein mehr oder weniger
+willenloses Spielzeug der Windströmungen zu gelten hat. Humboldt hat ganz
+recht, wenn er die Fortbewegung der Flugfische mit der eines flach über
+das Wasser hingeworfenen Steines vergleicht, der aufschlagend und wieder
+abprallend meterhoch über dem Wasser einhersaust. Nun stimmen aber alle
+aufmerksamen Beobachter darin überein, daß die Flugbahn sich nicht in
+gleichmäßiger Höhe halte, sondern sich mit der Wellenatmung des Meeres
+abwechselnd hebe und senke, ähnlich wie der Flug der Möwen und anderer
+Wasservögel. Moebius sucht auch diese Eigentümlichkeit auf rein
+mechanischem Wege zu erklären und macht dafür die von den Wellen
+aufsteigenden dynamischen Luftströmungen verantwortlich. Der wagerecht
+über die Wogen hinstreichende Fisch muß emporgehoben werden, sobald er
+den höheren Teil der Wellenböschungen erreicht, weil er hier jedesmal dem
+von diesen aufsteigenden Luftstrom so nahe kommt, daß dessen Wirkung sich
+merklich geltend machen kann, und zwar übernehmen dabei die Furchen der
+Brustflossen die Rolle von prächtigen Windfängen. Ihre Form und Lage ist
+nämlich derart, daß der aufsteigende Luftstrom, wenn er sie füllt, den
+Fisch höher und zugleich vorwärts schieben muß. Sehr gut hiermit stimmt
+überein, daß besonders scharfäugige Beobachter gesehen haben wollen, daß
+die Brustflossen beim Fluge doch nicht ganz ruhig liegen, vielmehr in
+ständiger zitternder Bewegung sich befinden. Es ist eben die von den
+Wellen aufsteigende Luft, die diese Zitterbewegung hervorruft. In
+ähnlicher Weise erklärt sich auch das Niederfallen von Flugfischen zur
+Nachtzeit auf dem Schiffsdeck, während sie doch bei Tage stets wesentlich
+niedriger fliegen. Aber sie sehen dann eben das Schiff und nehmen ihre
+Flugrichtung von ihm weg und nicht zu ihm hin. Anders bei Nacht, wo sie
+in der Finsternis blindlings aus dem Wasser herausfahren und dann von der
+Windströmung leicht gegen die Schiffswände getragen werden können. Hier
+aber weht, wovon man sich experimentell leicht überzeugen kann, der
+anprallende Wind lebhaft nach oben, und in dem Augenblicke, wo die
+Flossen in diesen aufsteigenden Luftstrom eintreten, fährt er in ihre
+Windfänge und führt den Fisch aufwärts und dann im Bogen über die
+Schanzbekleidung hinüber; währenddem hat die eigene Schwere des Fisches
+seine Schwebegeschwindigkeit bedeutend vermindert, auf dem Schiffe fährt
+ihm nichts mehr hebend unter die Flossen, und so stürzt er denn
+unbehilflich und schwerfällig auf das Verdeck nieder, denn -- wirklich
+fliegen kann er ja gar nicht. Seeleute werden sich freilich durch diese
+einfache und einleuchtende Erklärung nicht irre machen lassen in ihrer
+alteingewurzelten Überzeugung, daß das helle Licht der Schiffe es sei,
+das in dunkler Nacht die Flugfische unwiderstehlich anziehe und ins
+Verderben locke. Im Einklang mit alledem steht es endlich auch, daß in
+die Höhe geworfene oder aus der Höhe fallen gelassene Flugfische nicht
+den geringsten Versuch zum Fliegen machen, sondern zu Boden fallen wie
+jeder andere Fisch.
+
+Der Umstand, daß Flugfische nur in den warmen Meeren vorkommen, muß zu
+der Vermutung führen, daß die dortigen klimatischen Verhältnisse die
+Ausbildung des Flugvermögens irgendwie besonders zu begünstigen
+vermochten, und vielleicht haben wir wenigstens einen dieser Faktoren in
+der Gleichmäßigkeit zwischen Luft- und Wasserwärme zu suchen, durch
+welche auch bei empfindlichen Geschöpfen der plötzliche Übergang von
+einem Medium ins andere wesentlich erleichtert wurde. Die Frage nach den
+äußeren Gründen und treibenden Ursachen, die zur allmählichen Ausbildung
+des Flugvermögens bei Fischen geführt haben, ist von den Forschern sehr
+verschieden beantwortet worden. Manche meinen, daß dadurch nur
+überschäumender Freude am Dasein Ausdruck gegeben werden solle, daß es
+sich also nur um eine Art Spiel handle, andere glauben, daß das zeitweise
+Bedürfnis nach sauerstoffreicherer Atemluft die Fische zu den Ausflügen
+in ein fremdes Element veranlasse. Ich möchte es aber doch mit denen
+halten, die in dem Auffliegen nichts als eine Flucht vor größeren
+Raubfischen erblicken, denn das ganze Benehmen der Tiere spricht zu
+deutlich und zu unverkennbar für diese Auffassung, und das ganze Leben
+der Fische ist ja ein ewiger Krieg, ein unablässiges Würgen und
+Gewürgtwerden. Dann aber ist das plötzliche Verschwinden in einer anderen
+Welt, in die der Gegner nicht zu folgen vermag, sicherlich ein
+prächtiges, in seiner naiven Einfachheit schier verblüffendes
+Ausfluchtsmittel, und nachdem die Natur einmal darauf verfallen war,
+leuchtet es ein, daß unter dem Einflusse der natürlichen Zuchtwahl das
+Flugvermögen rasch bis zu einem gewissen notwendigen Grade sich
+entwickeln mußte. Wenn die Fische dabei manchmal aus dem Regen in die
+Traufe geraten, indem nun Scharen von Möwen, Albatrossen, Fregattvögeln
+und anderen beschwingten Fischfressern in der Luft sich über sie
+hermachen, so ist dies doch noch lange kein Gegenbeweis, denn einmal ist
+die zunächst gegenwärtige Not doch immer die größte und ausschlaggebende,
+und sodann sind derartige Fälle doch nicht allzu häufig, indem die
+fischfressenden Vögel im allgemeinen mehr in der Nähe der Küsten sich
+aufhalten, die Flugfische dagegen meistens in freier See sich tummeln.
+
+Bei Beurteilung all der angeregten Fragen müssen wir uns immer vor Augen
+halten, daß es nicht nur eine Art von Flugfischen gibt, sondern ihrer
+vier Dutzende, daß jede davon wieder ihre besonderen Eigentümlichkeiten
+hat und daß insbesondere das Flugvermögen verschieden entwickelt sein
+wird, so daß sich hier unmöglich alles über einen Leisten schlagen läßt.
+Als die besten Flieger dürfen wohl die zur Gruppe der Makrelenhechte
+gehörigen Hochflieger mit den ungleich entwickelten Schwanzlappen gelten,
+und unter ihnen leistet wiederum der =Schwalbenfisch= (_Exocoétus
+vólitans_) das Höchste, was der streng für das Wasserleben zugeschnittene
+Fischtypus überhaupt zu leisten vermag. Die zierliche, schlank-rassige
+Gestalt, die zartblaue Färbung der Oberseite, die ausdrucksvollen Augen
+und die großen durchsichtigen Flügelflossen machen diese Art zu einem
+sehr schönen Fisch. Während er mehr der südlichen Tropenzone eigen ist,
+wird er in der nördlichen durch den etwas größeren =Springfisch= oder
+fliegenden Hering (_Exocoétus exsíliens_) vertreten, der sich durch eine
+über die Brustflossen verlaufende braune Binde auszeichnet. Im Mittelmeer
+sind namentlich der =Flughahn= (_Dactylópterus vólitans_) und die
+=Meerschwalbe= (_Trígla lucérna_) häufig. Der in den indischen Gewässern
+heimische fliegende Stachelbarsch oder =Flugdrache= (_Ptérois vólitans_),
+der steif wie ein Papierdrachen über die Wogen gleitet, zählt selbst zu
+den gefährlichsten Räubern, denn er zerfleischt Fische, die ihn an Größe
+um das zwanzigfache übertreffen. Doch nicht nur fliegende Fische gibt es
+im Ozean, sondern auch hüpfende und tanzende lehrt er uns kennen. Schon
+ehe man die Tropenzone erreicht, sieht man nicht selten halbmeterlange
+Fische von ziemlich hohem, aber schmalem Körperbau senkrecht aus dem
+Wasser herausspringen, in der Luft sich überschlagen und mit dem Kopfe
+voran wieder ins Meer zurückfallen. Es ist dies die allen Seefahrern
+wohlbekannte =Bonite= (_Scomber pelamys_), ein Mitglied der
+Thunfischgruppe, silberglänzend von Farbe mit schwarzgrauen
+Rückenstreifen und Flossen. Ihre Bewegungsart überrascht nicht minder als
+der Flug der Schwalbenfische, weil das Aufsteigen aus dem Meere ebenso
+senkrecht erfolgt wie das Herabfallen, weil das kobolzartige Umdrehen in
+der Luft auch dem oberflächlichsten Beobachter auffällt und weil sie fast
+genau auf derselben Stelle wieder ins Meer taucht, von wo sie
+aufgestiegen war. Den Grund für diese absonderlichen Turnübungen weiß man
+nicht recht anzugeben, vermutet aber, daß es sich bloß um eine Art
+Belustigung für den Fisch handelt, daß lediglich spielerischer Übermut
+ihn aus dem Wasser heraustreibt, zumal das Tanzen der Boniten nur bei
+schönem Wetter, ruhiger See und heiterem Himmel beobachtet wird.
+
+Als ein Beispiel derjenigen Fische, die den Aufenthalt im Wasser
+zeitweise mit dem auf dem Erdboden vertauschen, sei hier der schleimig
+aussehende =Schlammspringer= (_Periophthálmus koelreúteri_) genannt, ein
+unansehnliches, nur 15 kg langes, aber in mehr als einer Hinsicht höchst
+merkwürdiges Geschöpfchen. Nicht nur für Sekunden oder Minuten, sondern
+für lange Stunden vermag er das feuchte Element zu verlassen, und er tut
+es weniger aus Furcht vor Feinden, als vielmehr in der Absicht, selbst
+Beute zu machen und auf dem Festlande nach Kerfen und Schnecken zu jagen.
+Ermöglicht wird ihm das durch die außerordentlich enge Beschaffenheit
+seiner Kiemenspalten, die die Verdunstung des in den Kiemenhöhlen
+befindlichen Wassers lange hintanhält. Schon rein äußerlich hat das an
+den tropischen Küsten Afrikas und namentlich im Brackwasser der
+Mangrovenwaldungen lebende Tierchen mancherlei Absonderlichkeiten
+aufzuweisen. Seine drolligen Froschaugen stehen nämlich dicht beieinander
+oben auf dem Kopfe und können in wunderlicher Weise etwas herausgeschoben
+oder zurückgezogen werden, sind überhaupt sehr beweglich und sogar mit
+Lidern versehen. Die weit nach vorn gerückten Bauchflossen sind
+miteinander verwachsen und zeigen ein starkes Haftvermögen, die
+Brustflossen sind mit kräftigen Muskelstielen ausgerüstet und können so
+am Lande als Beine dienen. Oder der ausruhende Schlammspringer stützt
+sich auf sie wie ein Seehund, und wenn er dann mit seinen roten
+Glotzaugen gierig nach den im Wurzelwerk der Mangroven herumlaufenden
+Fliegen späht, sieht er aus wie ein alter Mann, der sich am
+Wirtshaustisch auf beiden Ellbogen lümmelt und sehnsüchtig dem bestellten
+Getränk entgegenblickt. Vorsichtig wie eine Katze schleicht dann der
+Fisch seinem auserkorenen Opfer Schrittchen für Schrittchen näher, -- ein
+mächtiger Satz, und das Kerbtier ist von dem breiten Maule erfaßt. Nicht
+selten springt bei solchen Jagden das Tier auch selbst dünne
+Mangrovenwurzeln an und klettert geschickt meterhoch an ihnen empor,
+indem es sie mit den Fußflossen umklammert und sich mit dem Schwanze
+nachschiebt. Gewöhnlich bewegen sich die Tiere auf dem Schlamme in
+froschartigen Sprüngen ziemlich langsam und schwerfällig fort, wobei sie
+eine sehr bezeichnende Fährte hinterlassen, aber bei nahender Gefahr
+rennen sie fast so schnell wie Eidechsen davon und flüchten entweder ins
+nahe Wasser oder vergraben sich mit verblüffender Geschwindigkeit im
+Schlamme. Sie sind scharfsinnig, aufmerksam und scheu, und es ist deshalb
+gar nicht so leicht, einen unversehrten Schlammspringer zu erhaschen,
+obwohl sie an geeigneten Örtlichkeiten massenhaft herumwimmeln. Trotzdem
+gelangen sie neuerdings öfters lebend nach Deutschland und in die Hände
+unserer Liebhaber, halten sich bei geeigneter Pflege in einem größeren
+=Aquaterrarium= vortrefflich und geben hier reichlich Gelegenheit zu den
+anziehendsten und dankbarsten Beobachtungen. Wer jemals auch nur eine
+Stunde lang ihrem unterhaltenden, munteren Tun und Treiben zugeschaut
+hat, der wird zu der Überzeugung gelangt sein, hier ein Tier vor sich zu
+haben, das biologisch weit mehr Amphibium ist, denn Fisch. Besonders
+merkwürdige Beziehungen zwischen den Schlammhüpfern und gewissen
+Nacktschnecken (Onchidien) hat Semper aufgedeckt. Diese Onchidien sind
+nämlich entsetzlich langsame Geschöpfe, die ihren Feinden rettungslos
+verfallen wären, wenn sie nicht außer ihren gewöhnlichen, zum Aufsuchen
+der Nahrung dienenden Kopfaugen noch eine ganze Anzahl (wohl an 100)
+anderer Augen auf dem Rücken besäßen, die auffallenderweise und im
+Gegensätze zu den Kopfaugen ziemlich genau nach dem Typus des
+Wirbeltierauges gebaut sind. Keine andere Schneckengattung kann sich
+solcher Rückenaugen rühmen. Semper glaubt nun, daß sich die Schnecke,
+indem sie mit ihren Rückenaugen die heranhüpfenden Schlammspringer
+rechtzeitig wahrnimmt, oft noch sichern kann, freilich nicht durch die
+Flucht, sondern dadurch, daß sie den Körper rasch zusammenzieht und aus
+gewissen Drüsen, mit denen ihr ganzer Rücken besät erscheint, in Form
+unzähliger kleiner Kügelchen ein Sekret herausschleudert, das auf die
+Fischhaut eine unangenehme Wirkung auszuüben scheint, denn der von diesem
+Sprühregen getroffene Angreifer entfleucht alsbald, und die Schnecke ist
+gerettet. Jedenfalls ist es sehr auffällig, daß solche Nacktschnecken mit
+Rückenaugen nur da zu finden sind, wo auch Schlammspringer vorkommen, und
+daß da, wo diese fehlen, die Onchidien-Arten auch keine Rückenaugen
+haben. Nicht alle Schlammspringer scheinen in der geschilderten Weise zu
+leben. Wenigstens fand Hickson am Strande von Celebes eine Art, die den
+Schwanz immer ins Wasser getaucht hielt, auch wenn sich der Körper
+außerhalb desselben befand. Haddon untersuchte die Sache später näher und
+stieß auf die merkwürdige Tatsache, daß dieser Fisch mit seiner
+entsprechend eingerichteten Schwanzflosse zu atmen vermag, ja so sehr
+darauf angewiesen ist, daß er mit der regelrechten Kiemenatmung gar nicht
+mehr auskommen kann. Schon mit einer guten Lupe läßt sich ein überaus
+lebhafter Blutumlauf in dieser sonderbarsten aller Schwanzflossen
+erkennen. Also ein erster Ansatz zu der amphibischen Lebensweise, die
+dann bei den afrikanischen Formen zu ungleich größerer Vollkommenheit
+gediehen ist.
+
+[Illustration: Abb. 14. Schützenfisch (_Toxotes jaculator_).]
+
+Wohl kein Fisch erlangt aber seine Beute auf eine so merkwürdige Weise
+wie der =Schützenfisch= (_Toxótes jaculátor_, Abb. 14) und der
+=Spritzfisch= (_Chaétodon rostrátus_), jener an den Küsten und in den
+Flüssen Hinterindiens, dieser an denen Javas zu Hause. Wo das Ufer
+üppigen Pflanzenwuchs aufweist und einzelne Zweige über das Wasser
+herüberhangen, da nähern sich ihm diese hübschen Fischchen in kleinen
+Trupps und spähen mit großen, lebhaften Augen begehrlich nach den Fliegen
+aus, die im Gezweige sitzen. Dann nehmen sie eine bestimmte genau aufs
+Korn und spritzen plötzlich aus ihrem Maule einen kleinen Wasserstrahl
+nach ihr, und zwar bis meterhoch und mit so unübertrefflicher Sicherheit,
+daß das Kerbtier fast regelmäßig getroffen wird, herabfällt und nun
+schleunigst verzehrt wird. Ging aber der Schuß daneben, so schwimmt der
+Fisch einigemale aufgeregt und verärgert im Kreise herum, wählt sich
+einen günstigeren Standpunkt aus und versucht dann sein Weidmannsheil von
+neuem. Merkwürdigerweise ist der Schießmechanismus dieser Wasserflinten
+wissenschaftlich noch gar nicht näher untersucht, und man weiß eigentlich
+nur, daß im Augenblicke des Schießens der Unterkiefer plötzlich
+vorgestreckt wird, und daß beim Spritzfisch das Maul überhaupt zu einer
+dünnen Röhre verlängert ist. Es ist dies um so verwunderlicher, als die
+interessanten Fische nicht nur neuerdings ihren Einzug in die Aquarien
+unserer Liebhaber gehalten haben, sondern auch schon von altersher in
+ihrer Heimat vielfach zu Hausgenossen des Menschen gemacht wurden, indem
+man sich daran ergötzte, ihnen Stäbe mit eingeklemmten Fliegen ins Wasser
+zu stellen, um die Geschicklichkeit zu bewundern, mit der sie alsbald die
+Kerfe herabschossen. Beim Spritzfisch, der viel seltener in die Flüsse
+kommt, wird die Fliegenjagd wohl nur einen Nebenerwerb bilden, denn die
+schnabelartige Verlängerung seiner Kiefer, die in so sonderbarem
+Gegensatze steht zu der fast kreisförmigen Gestalt seines Körpers und zu
+der scharf abgeschnürten Schwanzflosse, weist deutlich darauf hin, daß
+seine Hauptnahrung in kleinen Schaltieren besteht, die er eben mit diesem
+Schnabel selbst aus engen und tiefen Höhlungen herauszuholen versteht,
+wobei ihn seine borstenartige Zahnbildung noch wesentlich unterstützt,
+denn der einmal erfaßten Beute ist ein Entrinnen nicht mehr möglich.
+
+Beide Arten gehören zu der formenreichen und farbenprächtigen Gruppe
+der auf die tropischen Meere beschränkten =Schuppenflosser=, die ihren
+Namen davon haben, daß das Schuppenkleid bei ihnen auch auf das reich
+entwickelte Flossenwerk übergreift, namentlich auf Rücken- und
+Afterflosse, und so den sonst im Fischreiche so scharf ausgeprägten
+Unterschied zwischen Flossen und Rumpf mehr oder minder verwischt. Es
+sind durchgängig kleine Fischchen, die zumeist zwischen den
+Korallenbänken ihr lustiges Wesen treiben und die Korallenstämmchen
+scharenweise förmlich abweiden, sei es, daß sie die herausschauenden
+Korallenpolypen selbst verzehren, sei es die ihnen anhaftende
+Kleinlebewelt oder die auf ihnen wuchernden Algen. Ihnen allen gemeinsam
+ist ein hoch gebauter, aber seitlich stark zusammengepreßter Rumpf von
+nahezu Sphäroidform, aus der auch die kleine, sehr bewegliche Schnauze
+und die kurze, scharf abgesetzte Schwanzflosse kaum heraustreten, während
+die üppig ausgestalteten anderen Flossen sich ihr sogar unverkennbar
+anschmiegen. Ist schon der Spritzfisch mit seinen 5 Querbinden und dem
+netten Pfauenaugenfleck auf der Afterflosse ein sehr hübscher Fisch, so
+übertreffen seine Verwandten an Metallglanz, Farbenpracht und Eigenart
+der Zeichnung doch alles, was wir aus dem Reich der Fische kennen. Sie
+sind die Kolibris des Meeres und schwirren wie diese gaukelnd und
+farbenschimmernd von Blume zu Blume, sie sind die Paradiesvögel der
+Korallenwaldungen und verhalten sich als solche lange still, um dann
+plötzlich ihre Farbenpracht in den wundervollsten Gold- und
+Silberreflexen aufblitzen, in den lieblichsten Schattierungen aufleuchten
+und in den kühnsten Zeichnungen auffunkeln zu lassen, sie sammeln alle
+Farben des Regenbogens, alle Lichter des Prismas und alle Schönheit der
+kostbarsten Edelsteine in den kristallklaren Fluten Neptuns, bieten dem
+entzückten Auge immer neue, immer überraschendere und immer glänzendere
+Farbenzusammenstellungen, zeigen sich stets und überall als eine wahre
+Farbenorgie der schaffenden Natur im bunten Korallengarten des tropischen
+Meeres. Keine Feder vermag diese Schönheit zu beschreiben, kein Pinsel
+sie auch nur annähernd wiederzugeben, und wo ein gottbegnadeter Künstler
+es doch versucht hat, wird der Laie und überhaupt jeder, der nicht selbst
+einen Blick in die Herrlichkeit der Tropen werfen durfte, rasch mit dem
+Urteil fertig sein, daß das doch tolle Übertreibung, daß dergleichen in
+Wirklichkeit gar nicht möglich sei, daß solch ebenso raffinierte wie
+unvermittelte Zusammenstellungen von Rosenrot, Himmelblau, Sammetschwarz,
+Schwefelgelb, Grasgrün und Purpurleuchten auf dem reinsten Gold- oder
+Silbergrunde doch gar nicht vorkommen könnten, am allerwenigsten in Form
+so künstlerisch ausgeklügelter Flecken, Bänder, Streifen, Ringe und
+Augen. Es sind eben die reinsten und glänzendsten Farben, die die Natur
+überhaupt hervorgebracht hat, und ihre Wirkung wird noch stark erhöht
+durch die bewunderungswürdige Art und Weise ihrer Verteilung. Die
+glänzendsten Vögel, die buntesten Schmetterlinge, die schimmerndsten
+Echsen vermögen damit nicht zu wetteifern. Dazu kommt noch die oft höchst
+abenteuerliche Entwicklung des Flossenwerkes, das nicht selten in der
+ungewöhnlichsten Weise verlängert und verzerrt ist, seltsam geformte
+Stacheln, lang nachschleppende Peitschenschnüre oder aufleuchtende
+Schwefelfäden aufweist. Es könnte bei all dieser Buntheit in Form und
+Farbe höchst gewagt erscheinen, auch bei den Schuppenflossern noch von
+einer Art Schutzkleid sprechen zu wollen, und doch hat man dazu volle
+Berechtigung. Das Leben im Korallenwalde ist ja an sich schon so bunt,
+daß einfach gefärbte Geschöpfe darin fast mehr auffallen würden, als
+lebhaft gezeichnete. Aber der Schutz soll hier auch gar nicht durch eine
+Anschmiegung an die Farben der Umgebung erreicht werden, sondern vielmehr
+dadurch, daß unvermittelt nebeneinander gestellte Bänder oder
+geometrische Figuren in den lebhaftesten Kontrastfarben die natürlichen
+Körperumrisse gewissermaßen auflösen, die Form des tierischen Leibes für
+das Auge verschwinden lassen. Der Naturforscher bezeichnet diese
+absonderliche, aber oft sehr wirksame Art der Schutzfärbung als
+=Somatolyse= und kennt sie z. B. auch aus der Vogelwelt her von den
+Spechten und von den schönen Hochzeitskleidern gewisser Entenmännchen.
+Heuglin erzählt uns, daß man zwischen den Korallenriffen zunächst meist
+nichts sehe als ein mattes Schimmern und ein ungewisses Farbenflimmern,
+bis es dann plötzlich wie sprühende Funken auseinanderstiebt. Die
+anmutigen Bewegungen der Flossenschupper im Korallenwalde vergleicht er
+mit denen der lieblichen Laubsänger im grünen Blättermeere des
+Buchendoms. Viele Schuppenflosser sind durch ein dunkles Band über Stirn
+und Augen ausgezeichnet, so der =Fahnenfisch= (_Chaétodon sétifer_) des
+Roten Meeres mit bedeutend verlängertem fünftem Strahl der Rückenflosse
+und herrlichem Pfauenaugenfleck auf ihr, der =Korallenfisch= (_Ch.
+flávus_) des Indischen Ozeans, tiefgelb mit braunschwarzem Streifen, und
+der prachtvolle =Kaiserfisch= (_Ch. imperátor_) des Stillen Ozeans, der
+aus veilchenblauem Leibe gelbe, bogige Längsstreifen aufweist und über
+der Brustflosse einen sammetschwarzen, schwefelfarb umrandeten Flecken.
+Um noch einige der bekanntesten Arten anzuführen, seien weiter kurz
+genannt: der =Klippfisch= (_Ch. vitáttus_) der ostafrikanischen Gewässer,
+zitronengelb mit schwarzer Streifung, der =Geißler= (_Ch.
+macrolepidótus_) mit zwei mächtigen Querbinden und langer Peitschenschnur
+an der Rückenflosse, der =Herzogsfisch= (_Ch. diacánthus_) mit azurblauer
+Zeichnung auf gelbem, _Ch. semicirculátus_ mit silberweißer auf
+dunkelblauem und _Ch. lamárcki_ mit glühend roter auf hellblauem Leibe.
+Der =Korallenfisch= (_Scatophágus árgus_) erscheint über und über fein
+getüpfelt (Abb. 15).
+
+[Illustration: Abb. 15. Korallenfisch (_Scatophagus argus_).
+(Phot. von Oberl. W. Köhler, Tegel.)]
+
+Wenigstens eine annähernde Vorstellung dessen, was die Natur an
+Farbenpracht in der Welt der Fische zu leisten vermag, kann uns auch ein
+Bewohner des Mittelmeeres geben, nämlich die =Seebarbe= (_Múllus
+barbátus_). Unbeschreiblich schön ist sie mit ihrem leuchtenden Leibe und
+den prunkvollen Goldstreifen schon im Leben, schöner noch im Sterben.
+»Nichts Schöneres«, ruft selbst der ernste Seneca aus, »als eine
+sterbende Seebarbe! Sie wehrt sich gegen den nahenden Tod, und diese
+Anstrengungen verbreiten über ihren Leib das glänzendste Purpurrot, das
+später in eine allgemeine Blässe übergeht, während des Sterbens die
+wunderherrlichsten Schattierungen durchlaufend.« Die schwelgerischen
+Römer der Kaiserzeit verzehrten denn auch die von ihnen höher als alle
+anderen Fische geschätzten Seebarben nie, ohne sich vorher an dem
+wechselvollen Farbenspiel ihres Todes zu ergötzen. Man legte eigene
+Wasserleitungen von den Fischteichen bis zu den Lagerpolstern der Gäste,
+damit diese die herrlichen Fische erst lebend bewundern konnten, worauf
+die rotgoldenen Barben in den weißen Händen schöner Frauen ihr Leben
+aushauchen mußten, um dann schleunigst zu sofortiger Zubereitung in die
+Küche zu wandern. Wenigstens darin lag Sinn, denn kaum ein anderer Fisch
+steht nach dem Tode so schnell und gründlich ab, wie die feinschuppige
+Seebarbe. Obwohl sie kaum 2 kg Gewicht erreicht, sind damals doch
+geradezu wahnsinnige Summen für diesen nach Ansicht der Römer
+köstlichsten aller Fische bezahlt worden, bis zu 5000, ja selbst 8000
+Sesterzen für das Stück. Auch heute noch bildet die Seebarbe ein
+beliebtes und gern gekauftes Schaustück der italienischen und
+gelegentlich auch der westenglischen Fischmärkte, und ihr zartes Fleisch
+soll in der Tat vortrefflich munden. Wer aber weiß, daß diese Barben sich
+von den ekelsten Abfallstoffen des Meeres ernähren und mit Vorliebe die
+Leichen der Schiffbrüchigen benagen, wird wenig Appetit darauf verspüren.
+Die durch eine auffallend hohe Stirn und zwei Bartfäden an der Unterlippe
+ausgezeichnete, im übrigen schlank und regelrecht gebaute Seebarbe hält
+sich gewöhnlich auf schlammigem Meeresgrunde auf, den sie mit ihrer
+stumpfen Schnauze auf der Suche nach etwas Genießbarem nach Schweineart
+gehörig durchwühlt und dadurch oft weithin das Wasser trübt. Ein
+hervorragend schöner Bewohner des Atlantik, der sich gelegentlich bis in
+unsere Gewässer verstreicht, ist der nur 1 kg schwer werdende und
+ebenfalls ein ziemlich schmackhaftes Fleisch liefernde =Lippfisch=
+(_Lábrus míxtus_), das Weibchen am ganzen Körper prachtvoll zinnoberrot
+mit wenigen himmelblauen Zeichnungen, das Männchen oberseits herrlich
+dunkelblau. Zur Laichzeit wird dieses wundervolle Gewand noch leuchtender
+und glühender, ist aber wie bei unserem Stichling augenblicklichem
+Wechsel und Farbenverschiebungen unterworfen, die von der jeweiligen
+Gemütsstimmung des Tieres abhängig zu sein scheinen. Liebeswerben
+verschönt, Eifersucht verhäßlicht ihn. Jenes übergießt seinen Leib mit
+schimmernden Tinten, dieses mit mißtönigem Grau. Der Fisch ist nämlich
+ebenso eifersüchtig, rauflustig und kampfwütig wie unser Stechbüttel und
+soll auch gleich diesem eine Art Brutpflege ausüben. Eine andere
+Lippfischart, _L. maculátus_, ist am ganzen Körper prächtig smaragdgrün,
+wozu eine blaßgelbe Zeichnung kommt. Ihren Namen haben die sich durch
+Munterkeit und Anmut auszeichnenden Lippfische von ihren sehr beweglichen
+Wulstlippen, mit denen sie Muscheln von den Meerespflanzen ablesen.
+
+[Illustration: Abb. 16. Kugelfisch (_Tetrodon fahaka_).]
+
+Ein weiteres, in seiner Eigenart höchst wirksames Verteidigungsmittel
+lernen wir bei dem sonderbaren =Igelfisch= (_Díodon maculátus_) kennen.
+Er hat einen kräftigen Papageischnabel, dessen Kinnladen mit einer
+elfenbeinartigen, sich je nach der Abnutzung immer wieder ersetzenden
+Masse überzogen sind, eine sehr große Schwimmblase, gedrungene Gestalt
+und den ganzen Körper mit spitzen Dornen und Stacheln besetzt. Gerät er
+in Gefahr, so zieht er hastig Luft ein, füllt damit den ungeheuren,
+dünngewebigen, die ganze Bauchhöhle einnehmenden Kropf an, während eine
+den Schlund umgebende Muskelschicht das Entweichen der eingepumpten Luft
+verhindert, bläst sie so zu einer vollkommenen Kugel auf und wirft sich
+gleichzeitig auf den Rücken, so daß die Bauchseite an der
+Wasseroberfläche schwimmt. Dabei gebärdet sich der kleine Kerl wie ein
+zorniger Truthahn, schwimmt immer im Kreise herum, richtet seine Stacheln
+drohend auf und ist in diesem Zustande in der Tat fast völlig geschützt
+gegen jeden Raubfisch. Wo immer dieser zubeißen will, trifft er auf die
+ihm entgleitende, unverschlingbare Kugel und verletzt sich an den spitzen
+Stacheln die Lippen, bis er endlich von allen weiteren Versuchen abläßt
+und davonschwimmt, worauf der Igelfisch unter vernehmlichem Geräusch die
+eingepumpte Luft wieder ausströmen läßt, seine gewöhnliche Gestalt
+annimmt und damit auch den Gebrauch seiner Flossen wieder erlangt. Plehn
+führt einen Fall an, daß ein von einem Hai verschluckter Igelfisch sich
+durch dessen Magen- und Leibeswand hindurchbiß und unbeschädigt ins Freie
+gelangte, während der Räuber an den furchtbaren Verletzungen zugrunde
+ging. Das geschilderte Gaukelspiel ist nämlich durchaus nicht das einzige
+Verteidigungsmittel des tapferen Igelfisches; er vermag vielmehr auch
+noch recht empfindlich zu beißen, Wasser von sich zu spritzen, sich
+plötzlich schlaff zu machen und zu versenken und auch eine tief
+karminrote Absonderung von sich zu geben, über deren Natur und Wirkung
+wir allerdings noch völlig im Unklaren sind. Dasselbe Kunststück wie der
+Igelfisch bekommen auch die =Kugelfische= (_Tétrodon_) fertig, deren eine
+Art, der =Fahak= (_T. fáhaka_), vom Mittelmeer aus in den Nil und seine
+Kanäle aufzusteigen pflegt (Abb. 16). Obwohl dieses Tier nicht mit einem
+Stachelpanzer prunken kann, trotzt es in der aufgeblasenen Kugelform doch
+gleichfalls allen Feinden, denn die Zähne der Raubfische gleiten an
+dieser glatten Schweinsblase ab, und die Vögel werden sie von oben her
+eher für eine zusammengewehte Schaumblase als für ein eßbares Lebewesen
+halten. Nimmt man einen solchen Fisch aus dem Wasser und legt ihn auf die
+Handfläche, so bemüht er sich ängstlich, immer noch mehr Luft
+einzupumpen, und tut dabei mitunter des Guten zuviel, so daß er
+schließlich mit lautem Knall zerplatzt. Die Araberkinder spielen mit
+diesen merkwürdigen Fischen wie die unsrigen mit den Maikäfern und
+benutzen die aufgeblasenen und ausgetrockneten Tiere als Bälle oder taten
+dies doch früher, denn heute werden die Kugelfische als Reiseerinnerung
+von den Orientfahrern zu gern gekauft und zu hoch bezahlt, als daß sie
+noch der Schar kleiner, braunhäutiger und schönäugiger Rangen zum
+Spielzeug dienen könnten. Mit den Igel- und Kugelfischen verwandt ist
+noch ein anderer höchst sonderbarer Geselle, der plumpe =Klump-= oder
+=Mondfisch= (_Móla móla_), der sie allerdings an Größe um das Vielfache
+übertrifft, da er eine Länge von 2-1/2 kg und ein Gewicht von mehr als
+300 kg erreicht. Das ungeschlachte Ungetüm sieht mit seiner eines
+richtigen Abschlusses entbehrenden Hinterfront fast aus, als wäre es nur
+der abgeschnittene Kopf eines noch riesigeren Seeungeheuers. Ein großer
+Geistesheld kann der schwerfällige, dunkel olivgrün gefärbte Fisch
+unmöglich sein, denn seine Hirnmasse beträgt nur 1/7000 des
+Körpergewichts und sein Rückenmark stellt nur ein kurzes, kegelförmiges
+Anhängsel zu diesem Zwerghirn vor. Das rauhhäutige, aber schuppenlose
+Geschöpf scheint zwar eine weite Verbreitung zu haben, aber doch überall
+nur selten vorzukommen. Am ehesten trifft man es noch an sonnigen Tagen
+in seitlicher Schlafstellung auf der Oberfläche des Meeres treibend an.
+Seiner geringen Beweglichkeit entspricht die Auswahl seiner Nahrung:
+Meerespflanzen und allerlei niederes Meeresgetier mit geringer
+Eigenbewegung. So unheimlich dieser schwimmende Kopf also auch aussieht,
+so harmlos ist er doch, und die Fischer kümmern sich auch nicht viel um
+ihn, da das Klumpfischfleisch beim Kochen zu einer leimigen Kleistermasse
+zerfällt und sich deshalb mehr als Klebemittel, denn als Speise eignet.
+Den Namen Mondfisch haben sie dem Tiere gegeben, weil es ihrer Behauptung
+nach bei Nacht einen sanften Mondesglanz ausstrahlen soll. Wahrscheinlich
+handelt es sich dabei lediglich um anhaftende Leuchtbakterien, wie der
+Klumpfisch überhaupt in besonders hohem Maße von Parasiten bevölkert
+wird, denn die anatomische Zergliederung vermochte das Vorhandensein
+besonderer Leuchtapparate bisher noch nicht nachzuweisen. Wenn Mondfische
+aus dem Wasser genommen werden, so lassen sie einen eigentümlich
+stöhnenden Ton hören, von dem man aber noch nicht weiß, wie er zustande
+gebracht wird.
+
+[Illustration: Abb. 17. Knurrhahn (_Trigla hirundo_).
+(Phot. von Oberl. W. Köhler, Tegel.)]
+
+Das bringt uns auf die Lautäußerungen der Fische. Um eine gute Stufe
+höher als die unbestimmten und jedenfalls unfreiwilligen Töne des
+Mondfisches stehen die Lautäußerungen des in der Nord- und Ostsee
+lebenden =Knurrhahns= (_Trígla hirúndo_), die auch freiwillig im Wasser
+zum besten gegeben werden (Abb. 17). Unsere Fischer behaupten sogar, daß
+bei schwülem Wetter und namentlich vor dem Ausbruch von Gewittern die
+Knurrhähne scharenweise an die Oberfläche kämen und dann förmliche
+Knurrkonzerte veranstalteten. Mindestens der erste Teil dieser Behauptung
+ist richtig, denn es ist an manchen Küsten ein beliebter Sport, solche
+auftauchende Knurrhähne mit dem Teschin zu schießen, obwohl ihr trockenes
+Fleisch nicht viel wert ist. Erzeugt werden solche Töne durch das
+Aneinanderreiben der Kiemendeckelknochen oder verschiedener harter und
+nervenreicher Muskeln in der Wand der verhältnismäßig sehr großen
+Schwimmblase, die zugleich als wirksamer Resonanzboden dient, so daß eine
+ganze Tonstufe zustande kommt, die zwischen dem behaglichen Schnurren
+einer Hauskatze und hell quiekenden Tönen auf und nieder führt und es
+begreiflich erscheinen läßt, wenn schon Aristoteles von einem
+»Meerkuckuck« sprach und unsre Fischer von »Meerpapageien« erzählen. Auch
+sonst ist der Knurrhahn ein recht interessanter Fisch. Schon der
+groteske, fast viereckige Dickkopf mit dem zahnstarrenden Froschmaul und
+den durch Panzerplatten geschützten Glotzaugen, der feinschuppige, nach
+hinten zu jäh kegelförmig zugespitzte Rumpf mit dem schmächtigen
+Hinterleibe, die prächtige Rosafärbung des Bauches und die mächtig
+entwickelten, fast an die Flügel von Nachtschmetterlingen erinnernden
+Brustschuppen vereinigen sich zu einem Gesamtbilde von höchster Eigenart.
+Das merkwürdigste aber sind je drei lange, fingerartig gegliederte
+Anhängsel vor den Brustflossen, die es dem Tiere ermöglichen, auf dem
+Meeresgrunde fortzukriechen, ja förmlich zu gehen, wobei der Hinterleib
+etwas in die Höhe gehoben wird und seitliche Bewegungen der roten
+Schwanzflosse nachhelfen. Im Schwimmen sieht dieser Fisch hochelegant
+aus, denn es gleicht einem Fliegen im Wasser, indem die großen, blauen,
+metallisch schimmernden Brustflossen wie Flügel abwechselnd ausgebreitet
+und zusammengelegt werden. Sie ermöglichen es dem Knurrhahn, der ja mit
+seiner artenreichen Sippe der nächste Verwandte der bekannten tropischen
+Flughähne ist, sich auch für kurze Strecken aus dem Wasser in die Luft zu
+erheben, und wirken dann beim Herablassen als Fallschirme.
+
+Wenn auch im allgemeinen das Sprichwort »Stumm wie ein Fisch« heute
+noch zu Recht besteht, so hat es doch im Laufe der Zeit schon mancherlei
+Einschränkungen erfahren, und fast steht zu erwarten, daß wir uns in
+dieser Beziehung in Zukunft auf noch größere Überraschungen gefaßt machen
+dürfen. Können wir ahnen, welche Offenbarungen der Meeresgrund noch für
+uns birgt, sobald wir nur einmal gelernt haben, unser Ohr und unsere
+anderen Sinne dort unten frei und ungehindert zu gebrauchen! Sollte im
+dunklen Meeresschoße wirklich nur unentwegt das eisige Schweigen des
+Todes herrschen, gibt es nicht vielleicht auch für diese abgeschlossene
+Tierwelt ein Singen und Klingen, dessen Tonfülle teilnimmt an der großen,
+ewig-schönen Symphonie der Natur? So viel wissen wir wenigstens heute
+schon sicher, daß es auch lustige Musikanten unter dem Volk der Fische
+gibt, Orgelspieler, Leiermänner, Pfeifer, Raßler, Grunzer und Trommler.
+Fischer, die das Ohr auf den Rand ihres Bootes legen, können bisweilen
+ganz deutlich diese Fischkonzerte aus Tiefen von 10-12 kg herauftönen
+hören. Am besten ist das Trommlerkorps ausgebildet. Es sind stattliche,
+barschartig gebaute Burschen, diese =Trommelfische= (_Pogónias chrómis_),
+die namentlich in den verschiedenen Teilen des Atlantik zu Hause sind.
+Die erzeugten Töne klingen bei den einzelnen Arten verschieden. Mit dem
+Klange einer Orgel oder Harmonika, selbst mit einem Orchester von Bässen
+und Cellis, am passendsten aber wohl mit dem Klange von Maultrommeln hat
+man sie verglichen. Die Laute der einzelnen Fische würden für das
+menschliche Ohr wohl verloren gehen, aber die Gesamtheit vieler gibt ein
+Gelärm von nicht zu beschreibender Eigenart, ein stundenlang
+ununterbrochenes, dumpfes, schier unheimlich anmutendes Getrommel,
+durchsetzt von hellerem Gurgeln und Glucksen. »Es besteht«, so schreibt
+Pechuel-Loesche, »keine Spur von Ähnlichkeit mit Glocken- oder
+Harfenklängen, und doch sind die Laute wunderbar genug. Will man sie
+recht scharf unterscheiden, so muß man das Ohr fest an den Schiffsbord
+drücken. Besser ist es, im Boote ein breites Ruder ins Wasser zu senken
+und das freie Ende mit den Zähnen zu beißen, am besten vom Boote aus
+gleich den Kopf bis über die Ohren ins Meer zu tauchen, rückwärts
+natürlich, um atmen zu können. Da vernimmt man dann in der dunklen Flut
+ein allseitig wirr durcheinander gehendes Knurren und Murksen, mit einem
+leichten Knirschen und Knarren vermischt.« Die Trommel der geschuppten
+Musikanten ist nichts anderes als ihre merkwürdig verzweigte und durch
+Zwischenhäute in verschiedene Kammern geteilte Schwimmblase, in die Luft
+eingepumpt wird, wodurch die durchlöcherten Trommelfelle in Schwingungen
+versetzt werden und die verschiedenartigen Töne zustande kommen. Zu
+diesem Zwecke sind auch besondere Trommelmuskeln von auffallend roter
+Färbung am Unterleibe eingelagert, die rasche Zusammenziehungen und
+Ausdehnungen der Schwimmblase bewirken können. Da sich dabei natürlich
+auch das spezifische Gewicht des Fisches verändert und sein Schwerpunkt
+sich verrückt, so gerät der Tonkünstler ganz von selbst in tanzende
+Bewegung. Ein Tanzliedchen zur Minnezeit im dunklen Meeresschoße! Ja,
+wenn Fische reden könnten! Der Umstand, daß bei vielen Arten nur die
+Männchen Trommelorgane besitzen, weist darauf hin, daß die Töne in
+irgendwelchen Beziehungen zum Geschlechtsleben stehen müssen, also
+vielleicht Trommelständchen darstellen, die der verliebte Fisch seiner
+Auserkorenen darbringt. Wahrscheinlich werden die erzeugten
+Lautäußerungen doch auch irgendwelchen Zweck haben, und die Vermutung
+liegt nahe, daß sie der gegenseitigen Verständigung dienen. Sicherlich
+darf man aber aus beiden Mutmaßungen die Folgerung ableiten, daß diese
+Fische auch ein gewisses, wenn auch modifiziertes Hörvermögen besitzen
+müssen, denn sonst hätten ja die Trommelkonzerte gar keinen Sinn. Von dem
+2 kg lang werdenden und seines schmackhaften Fleisches halber
+hochgeschätzten =Adlerfisch= (_Sciaéna áquila_) behaupten die Fischer,
+daß sie seinen Gesang selbst noch aus Tiefen von 50 kg vernehmen und
+dadurch die Standplätze dieses scheuen und schwer zu fangenden
+Raubfisches feststellen könnten. Prinz Bonaparte nennt das laut tönende
+Geräusch, das ein schwimmender Trupp dieser kraftvollen Fische hören
+läßt, »fast eine Art Brüllen«.
+
+Auch das =Fortpflanzungsgeschäft= der Seefische bietet dem denkenden
+Beobachter eine Fülle hochinteressanter Ausblicke, zumal verschiedene
+Formen der aufopferungsvollsten Brutpflege bei diesen als kaltblütig und
+teilnahmslos verschrieenen Geschöpfen weit häufiger vorkommen, als sich
+der Laie träumen läßt. Meist ist freilich das Männchen derjenige Teil,
+dem die Sorge um die Bewachung, Verteidigung und Aufzucht der
+Nachkommenschaft zufällt. So legt das Weibchen des =Seeteufels= seinen
+Rogen an Felsen ab, und das Männchen setzt sich dann bis zur völligen
+Reife der Eier so fest und ausdauernd auf sie, daß in dem Eierhaufen ein
+Abdruck seiner Unterseite verbleibt; die kleinen Zähnchen auf der
+Innenseite seiner Bauchflossen dienen wahrscheinlich zum Festhalten der
+Eier. Der =Lump= oder =Seehase= (_Cyclópterus lúmpus_, siehe Abb. 10,
+Fig. 7), der zur Laichzeit einen rotgefärbten Bauch bekommt, setzt die
+Eier unter Klippen ab, wo sie dann das Männchen nach geschehener
+Befruchtung mit der Schnauze fest gegen das Gestein drückt und sich
+selbst daneben verankert, um den hoffnungsschwangeren Schatz zu bewachen.
+Erleichtert wird ihm sein Amt dadurch, daß das die Eier umhüllende Sekret
+bald verhärtet und so den Rogen festhält. Fremdkörper, die das Wasser
+zwischen die Eier treibt, fängt der Lump mit dem Maule auf und schafft
+sie fort. Gegenüber solchen Geschöpfen aber, die sich mit Raubgelüsten
+nahen, versteht der Lump keinen Spaß, sondern greift sie tapfer an und
+scheut selbst einen Kampf mit dem grimmen Seewolf nicht, den er durch
+wütende Bisse oft genug in die Flucht schlägt. In der biologischen
+Anstalt auf Helgoland wurde ein Beobachter des brutpflegenden Fisches von
+ihm derart in den Finger gebissen, daß Blut floß. Sind die Jungen endlich
+glücklich ausgeschlüpft, so heften sie sich auf dem Rücken des besorgten
+Vaters fest, und dieser trägt nun die teure Bürde zufrieden nach tieferen
+und sichereren Gründen. Der hochrückige, dickköpfige und breitmaulige
+Seehase mit der klebrigen, knotenbesetzten Haut ist aber auch noch in
+einer anderen Beziehung merkwürdig. Die brustständigen Bauchflossen sind
+nämlich zu einer Scheibe verschmolzen, die als Schröpfkopf wirkt, so daß
+sich der Fisch, der ein ebenso träger wie schlechter Schwimmer ist, damit
+an beliebigen Gegenständen festsaugen kann, selbst an glatten
+Glasscheiben, und zwar so innig, daß nach den Berechnungen von Hannox 36
+kg Gewicht erforderlich sind, um einen 20 kg langen Seehasen wieder
+loszureißen. Faul liegt das auch in der Nord- und Ostsee häufige Tier so
+wochenlang vor Anker und wartet geduldig, bis der Zufall etwas
+Genießbares an seinem gefräßigen Maule vorüberführt. Die jungen Seehasen
+sind zwar sehr klein, aber doch schon recht vierschrötig gebaut, von
+grasgrüner Farbe, und folgen ihrem Vater wie Kücken der Henne. Droht
+Gefahr, so saugen sie sich auf dem Rücken und an den Seiten ihres
+Beschützers fest und lassen sich von ihm davontragen. Das weichliche und
+wässerige Fleisch des Seehasen wird bei uns nur wenig gegessen; anders
+ist es aber in nordischen Ländern. Eine ähnliche Lebensweise wie der Lump
+führt die =Meergrundel= (_Góbius níger_), einer unserer gemeinsten
+Seefische, zeichnet sich aber zugleich als vorzügliche Nestbauerin aus.
+Auch sie vermag sich mit den zu einer Saugscheibe verwachsenen
+Bauchflossen an Steinen und dergleichen festzusaugen und tut das im
+Aquarium auch an der Glasscheibe, durch die sie dann den Beobachter
+anstarrt. Nach Eintritt der Ebbe finden sich immer viele Grundeln in den
+zurückbleibenden Tümpeln und werden dann von der Jugend mit Handnetzen
+herausgefischt, soweit sie nicht den Möwen und Krähen zum Opfer fallen.
+Eine Grundelart benutzt nach den Beobachtungen Marshalls zur Nestanlage
+die eine Klappe einer abgestorbenen Herzmuschel. Sie legt diese mit der
+hohlen Seite nach unten, entfernt den Sand unter ihr, schmiert die
+Höhlung der Muschelschale mit ihrem eigenen Körperschleim aus und streut
+lockeren Sand über das Ganze, um die Schale so zu beschweren, daß sie an
+Ort und Stelle bleibt. Zuletzt scharrt sie einen kurzen Gang in den Sand,
+der in den Hohlraum unter der Muschelschale führt. Alle diese Arbeiten
+verrichtet allein das Männchen. Erst wenn das Bauwerk nahezu fertig ist,
+erscheint das Weibchen und legt seine Eierchen hinein, die vom Männchen
+wacker bewacht werden und nach 8-9 Tagen die Jungen entschlüpfen lassen.
+Für die Fischerei haben die nur 20 kg langen Meergrundeln keine
+Bedeutung. Dies gilt auch vom =Seeskorpion= (_Cóttus scórpius_), obwohl
+er beträchtlich größer wird. Nicht gerade zur Freude unserer Fischer
+findet er sich oft massenhaft in ihren Netzen. Nur die Leber wird
+gelegentlich verzehrt, das Fleisch gilt als ungenießbar und findet
+höchstens als Angelköder Verwendung. Überdies fürchten die Fischer den
+Stich des häßlichen Fisches, während dieser für den Forscher dadurch von
+Interesse ist, daß seine sehr wechselnde Färbung bei aller scheinbaren
+Auffälligkeit eine weitgehende Anpassung an den steinigen Meeresgrund
+darstellt (Abb. 18).
+
+[Illustration: Abb. 18. Seeskorpion (_Cottus scorpius_).
+(Phot. von Oberl. W. Köhler, Tegel.)]
+
+[Illustration: Abb. 19. Schlangennadel (_Nerophis aequoreus_) (links
+Männchen mit Eiern.)
+(Phot. von Oberl. W. Köhler, Tegel.)]
+
+Höchst eigenartige Formen der Brutpflege finden wir bei den bekannten
+=Seepferdchen= (_Hippocámpus antiquórum_, s. Abb. 10, Fig. 8), diesen
+lebenden Skeletten, die dem Springer im Schachspiel so ähnlich sehen, auf
+den ersten Blick so wenig Fischartiges haben und in den Seewasseraquarien
+durch ihr absonderliches Aussehen, die bestechende Anmut ihrer
+Bewegungen, ihr lautloses Auf- und Niederschweben, ihr lebhaftes Spielen
+und durch die seltsame Beweglichkeit des nach vorn eingerollten Schwanzes
+immer zuerst die Aufmerksamkeit der Besucher auf das von ihnen bewohnte
+Becken lenken. Schade nur, daß sich die zarten Geschöpfchen im engen
+Gewahrsam so schlecht halten, denn sonst wären wir wahrscheinlich über
+ihre Lebensweise besser unterrichtet, als es heute trotz ihrer Häufigkeit
+der Fall ist. Das verknöcherte Aussehen des Tieres kommt daher, daß die
+Haut keine Schuppen führt, sondern mit Knochenplatten ausgelegt ist. Das
+Flossenwerk hat eine starke Verminderung erfahren. Während die
+Bauchflossen ganz fehlen, sitzen die Brustflossen am Kopfe hinter der
+Schnauze, da, wo man die Ohren vermuten sollte. Zur Fortbewegung tragen
+sie nur wenig bei, sondern diese wird fast ausschließlich durch die
+einzige Rückenflosse bewirkt, die ganz nach Art einer Dampferschraube
+arbeitet und das Tier mit einer gewissen feierlichen Langsamkeit durch
+die Fluten treibt. Das Seepferdchen ist ein schlechter und unbeholfener
+Schwimmer und wird deshalb oft von den Wogen an den Strand geworfen, wo
+man dann den kleinen, vertrockneten Leichnam findet und als Andenken an
+den schönen Aufenthalt im Nordseebade mit nach Hause nimmt. Der
+gewöhnliche Aufenthalt der Seepferdchen ist zwischen Seegräsern und
+Tangen, wo sie auch ihre aus allerhand winzigem Getier bestehende Nahrung
+finden. Ausruhend legen sie sich an den Wasserpflanzen vor Anker, indem
+sie deren Stengel mit ihrem putzigen Schwänzchen umwickeln, das sie also
+in ganz ähnlicher Weise gebrauchen wie die Kletteraffen ihren
+Rollschwanz. Gewiß sind die Seepferdchen in ihrer steifen Haltung und mit
+dem possierlichen, starren Gesichtsausdruck höchst niedliche Tierchen,
+aber von besonderer Klugheit, von der die älteren Naturgeschichtsbücher
+fabeln, kann keine Rede sein, ihr ganzes Gebaren atmet vielmehr
+Eintönigkeit und Langeweile. Allerdings spielen sie ganz hübsch
+miteinander, umwickeln sich gegenseitig mit den Schwänzen, was aber auf
+rein mechanische Berührungsreize zurückzuführen sein dürfte, und zur
+Fortpflanzungszeit scheint es sogar zum Austausch gewisser Zärtlichkeiten
+zwischen den verliebten Paaren zu kommen. Das Weibchen klebt seine Eier
+auf den Bauch des Männchens, das sie hier befruchtet, worauf dann die
+Oberhaut von beiden Seiten her über sie hinwegwuchert und sie in eine
+schützende Tasche so lange einschließt, bis die Jungen entschlüpfen, die
+sich zunächst still verhalten, später aber durch ihre Unruhe dem Vater
+lästig fallen, so daß er sich ihrer zu entledigen sucht und sie durch
+eigentümlich knickende Körperbewegungen zur Bruttasche hinaus befördert.
+Sie sind dann etwa 1/2 kg lang. Die Weibchen sind bei diesen Fischen
+merkwürdigerweise stets lebhafter und auffallender gefärbt als die
+Männchen. Also auch das Hochzeitskleid hat der gutmütige, offenbar stark
+unter dem Pantoffel stehende Gemahl seiner Holden überlassen. Übrigens
+ist den Seepferdchen auch ein nicht unbeträchtliches Farbwechselvermögen
+eigen, und noch in anderer Beziehung erinnern sie an die Chamäleons,
+indem sie nämlich jedes ihrer wunderlichen Gespensteraugen unabhängig vom
+anderen bewegen können. Ganz ähnliche Brutverhältnisse hat auch die ihrem
+Namen entsprechend lang und dünn gebaute =Seenadel= (_Syngnáthus ácus_)
+aufzuweisen. Auch hier trägt das Männchen die Eier bis zu ihrer völligen
+Entwicklung in einer aus zwei fleischigen Längsfalten gebildeten
+Bauchtasche mit sich herum, die später eine Klappe zur Entlassung der
+jungen Fischchen öffnet. Man hat auch behauptet, daß die kleinen, frei
+herumschwärmenden Seenadeln während ihrer ersten Lebenszeit bei Gefahr in
+die Bauchtasche des Vaters zurückflüchteten wie die jungen Känguruhs in
+den Brutbeutel ihrer Mutter. Nachgewiesen ist das aber nicht. Bei der
+ungepanzerten und deshalb mehr wurmartig aussehenden =Schlangennadel=
+(_Neróphis aequoreus_) kommt es überhaupt nicht zur Bildung des
+Brutbeutels, sondern die Eier bleiben lediglich in 2-3 Reihen dem Bauche
+des Männchens angeklebt (Abb. 19). Auch der =Seestichling= (_Gastrósteus
+spináchia_) gehört gleich seinem allbekannten Vetter aus dem Süßwasser zu
+den Brutpflege treibenden Arten. Er legt seine Nester im Algengewirr an,
+ist beträchtlich größer als der Stechbüttel und besitzt 15 freie
+Rückenstacheln (Abb. 20). Merkwürdigerweise soll er in Einehe leben und
+auch das Weibchen am Brutgeschäft sich beteiligen.
+
+[Illustration: Abb. 20. Seestichling (_Gastrosteus spinachia_).
+(Phot. von E. Steuder, Hamburg.)]
+
+[Illustration: Abb. 21. Tiefseefisch (_Stomias boa_).]
+
+Die allergrößten Wunder des Fischreiches aber birgt die =Tiefsee=, und
+in ihrem geheimnisvollen Schoße harren noch unzählige Rätsel des
+menschlichen Forschergeistes. Noch bringt aus ihr jede Forscherfahrt neue
+Formen mit heim, und sie alle bergen eine Unzahl neuer Ausblicke, eine
+überraschende Fülle wertvollster Anregungen. Nirgends hat die
+schöpferische Natur so schrankenlos in der launenhaften Hervorbringung
+absonderlicher, verzerrter, einseitiger und abenteuerlicher Formen
+geschwelgt wie gerade hier, und auch die kühnste Phantasie des
+schwärmendsten Künstlers vermöchte Gleiches oder auch nur Ähnliches nicht
+zu schaffen. Schier ratlos steht der Systematiker dieser erdrückenden
+Menge gänzlich von einander abweichender Formen gegenüber, und der
+Biologe weiß nicht, an welchem Ende er diese Flut von Rätseln zuerst
+anpacken soll. Was heute mühsam genug aufgeklärt erscheint, wird morgen
+durch neue, noch seltsamere Entdeckungen wieder über den Haufen geworfen.
+Die verwirrende Mannigfaltigkeit der Formen läßt sich oft zurückführen
+auf die einseitige Bevorzugung und Ausbildung bestimmter Organe, die bei
+verwandten Formen wieder verkümmert und durch die Umbildung anderer
+ersetzt sind, wie ja die Natur oftmals den gleichen Zweck auf die
+verschiedenste Weise zu erreichen weiß. So kennen wir Tiefseefische mit
+gewaltigen Glotzaugen, die bei anderen zur Größe von Stecknadelköpfen
+zusammengeschrumpft sind und bei nicht wenigen überhaupt fehlen. Diese
+werden aber für ihre Blindheit durch mächtige Fühler entschädigt, die oft
+doppelt so lang sind als der ganze Körper. Der =Großschweif= (_Gigantúra
+chúni_) hat röhrenförmige Teleskopaugen mit geteilter Netzhaut; dabei hat
+die Hauptretina ein wohlentwickeltes Sehvermögen, während die Nebenretina
+als ein vorzüglicher Signalapparat, als ein »Sucher« aufgefaßt werden
+muß. Bei dem wurmförmigen =Stylophthálmus paradóxus= stehen die Augen auf
+fabelhaft langen und dünnen Stielen, die sich erst im Laufe des
+Larvenlebens allmählich entwickeln. Das eherne Gesetz des Fressens und
+Gefressenwerdens, das fast überall die Gestaltung der Fischwelt
+beherrscht, kommt nirgends so scharf und unerbittlich zum Ausdruck, wie
+in der scheinbar recht stillen und friedlichen Tiefsee, die in
+Wirklichkeit von einem fürchterlichen und erbarmungslosen Kampfe ums
+Dasein durchtobt wird. Hier sind so schaudererregende Hechelgebisse am
+Platze, wie sie der =Schwarzfisch= (_Melanocétus kréchi_) in seinem
+breiten Froschmaule führt, oder _Stomias boa_ (Abb. 21) in seinem
+Riesenschlangenkopf, hier kann es zur Bildung von Tieren kommen, die, wie
+das =Großmaul= (_Macrophárynx_) oder wie _Eurypharynx pelecanoides_ (Abb.
+22) mit dem Pelikanschnabel, eigentlich nur noch aus einem riesenhaften
+Rachen mit etlichen unbedeutenden Anhängseln zu bestehen scheinen, oder
+bei denen ein gewaltiger, höchst ausdehnungsfähiger Magensack alle
+anderen Organe in den Hintergrund drängt. Dies ist z. B. bei _Melanocétus
+johnsóni_ der Fall, und infolgedessen kann dieses Fischchen Tiere
+verschlingen, die es an Körpergröße gut um das Doppelte übertreffen. Zu
+ihrer Herbeilockung trägt es über der Schnauze noch eine lange Angelrute,
+in deren Spitze ein Leuchtorgan sitzt. Gegenüber solchen Untieren darf
+ein nach Art des _Cerátias uranóscopus_ gebauter Tiefseefisch (Abb. 23)
+wohl als eine ausnehmend reguläre und anmutige Erscheinung gelten.
+
+[Illustration: Abb. 22. Tiefseefisch (_Eurypharynx pelecanoides_).]
+
+[Illustration: Abb. 23. Tiefseefisch (_Ceratias uranoscopus_).]
+
+So außerordentlich verschieden und mannigfaltig auch Form und Lage
+solcher =Leuchtkörper= sind, so sind sie histologisch nach den schönen
+Untersuchungen Brauers doch ausnahmslos zurückzuführen auf mit
+Sekretkörnern angefüllte Drüsenzellen, die als die eigentlichen
+Lichterzeuger anzusehen sind, während alle übrigen Bestandteile der
+Leuchtorgane nur nebensächliche Bedeutung haben, so der Pigmentmantel und
+der Reflektor, deren Rolle ja ohne weiteres kenntlich ist, wie auch
+gewisse lichtbrechende Teile des Innenkörpers aller Wahrscheinlichkeit
+nach als Linsen wirksam sein dürften. Meist sind die Leuchtdrüsen
+geschlossen, und der Leuchtvorgang verläuft demgemäß intrazellulär
+(zwischenzellig). Aber es gibt auch Leuchtdrüsen (z. B. bei den
+Gonostomiden), die unmittelbar ins Wasser ausmünden, und wo der
+Leuchtvorgang erst einsetzt, sobald das Drüsensekret mit dem Wasser in
+Berührung kommt, so daß es sich hier unbedingt um einen rein chemischen
+Vorgang handelt, der deshalb auch noch nach dem Ableben des Tieres vor
+sich gehen kann. Solche Geschöpfe verfügen also über hochmodern
+ausgerüstete Scheinwerfer, deren sie sich zum Erkennen und Anlocken von
+Beutetieren wie auch zur Abschreckung von Feinden bedienen, wobei aber
+noch dahingestellt werden muß, ob die Lichterzeugung vom Willen des
+Tieres abhängig ist oder nicht. Die vielfach vorhandenen Vorrichtungen
+zum Abblenden machen eigentlich das erstere wahrscheinlicher. Außer
+diesen eigentlichen Leuchtorganen sind aber bei Tiefseefischen nicht
+selten noch andere, kleinere, zu Hunderten und Tausenden über den ganzen
+Rumpf zerstreut, die offensichtlich eine andere biologische Bedeutung
+haben müssen. Brauer und andere Forscher neigen der Ansicht zu, daß diese
+oft zu hübschen Mustern angeordneten Organe ein vielfarbiges Licht
+aussenden, mithin in ihrer Gesamtheit die charakteristische Zeichnung des
+Tieres darstellen und somit dieselbe Rolle spielen wie die Pigmente oder
+Färbestoffe bei den im Bereich des Sonnenlichtes lebenden Tieren.
+Biologisch würden sie demgemäß zum Erkennen der Artgenossen und zum
+gegenseitigen Aufsuchen der Geschlechter dienen. In schönster
+Übereinstimmung mit dieser Auffassung steht die Tatsache, daß sie sich
+nur bei solchen Tiefseefischen finden, die mehr vereinzelt leben und
+große Strecken durchschwimmen, während sie bei den seßhaften Grundfischen
+und gesellig lebenden Arten als überflüssig nicht zur Ausbildung
+gelangen. Etwa ein Fünftel aller Tiefseefische ist im Besitze von
+Leuchtorganen, und zwar nimmt deren Leuchtvermögen mit zunehmender
+Meerestiefe wieder ab, woraus Brauer folgern möchte, daß sie sich in der
+Dämmerungszone ausgebildet haben und hauptsächlich für diese
+kennzeichnend sind.
+
+Die Farben, Sehwerkzeuge, Leuchtlaternen und phosphoreszierenden Organe
+der Fische in den verschiedenen Meeresschichten stehen offenbar im
+engsten Zusammenhange mit der Verteilung und dem Hinabreichen der
+Sonnenstrahlen ins Meereswasser. Es ist also im Meere eine unverkennbare,
+wenn natürlich auch Übergänge aufweisende Trennung der Fauna
+nach Tiefenschichten und in engster Abhängigkeit von den
+Belichtungsverhältnissen durchgeführt. Außerdem haben aber auch die
+Tiefseefische noch ihre geographische Verbreitung, denn die Annahme wäre
+grundfalsch, daß etwa in den tieferen Wasserschichten annähernd gleiche
+Verhältnisse herrschen und deshalb auch ihre Bewohner mehr oder minder
+gleichmäßig über den ganzen Meeresboden verbreitet seien. Vielmehr gibt
+es auch in der Tiefsee verhältnismäßig eng begrenzte faunistische Bezirke
+mit scharfen Schranken in Temperatur, Salzgehalt, Nahrungsverhältnissen
+und Bodenbeschaffenheit, die dem Ausdehnungsbestreben und der Vermischung
+der einzelnen Arten Grenzen setzen. Die auffallende Tatsache, daß manche
+Tiefseefische an beiden Polen vorkommen, ist wohl dahin zu erklären, daß
+diese Formen ursprünglich wärmeren Gegenden entstammen und beim Übergang
+ins kältere Gebiet, sei es nach diesem, sei es nach jenem Pole hin, durch
+gleiche Einflüsse auch die gleiche Umbildung erfuhren.
+
+ * * * * *
+
+
+
+
+ Sachregister.
+
+
+Die mit einem Sternchen (*) bezeichneten Ziffern verweisen auf eine
+Abbildung im Text.
+
+ _Acanthias vulgaris_ 58
+ _Acipénser huso_ 60
+ -- _sturio_ 59
+ Adlerfisch 86
+ _Amphiprion bicinctus_ 39
+ Anchovis 25
+ Angler 64, 65
+ _Apogonichthys strombi_ 39
+ _Asymmetron lucayanum_ 63
+
+ Blauhai 57
+ Bonite 38, 72
+ Bremerhaven, Brennpunkt des deutschen Fischhandels 18
+ Bücklinge 20
+
+ _Caranx trachurus_ 39
+ _Carcharias glaucus_ 57
+ _Carcharodon carcharias_ 54
+ -- _rondeleti_ 57
+ _Ceratias uranoscopus_ 93, 94*
+ _Chaetodon diacanthus_ 78
+ -- _flavus_ 78
+ -- _imperator_ 78
+ -- _lamarcki_ 78
+ -- _macrolepidotus_ 78
+ -- rostratus_ 75
+ -- _semicirculatus_ 78
+ -- _setifer_ 78
+ -- _vitattus_ 78
+ _Chimaera monstrosa_ 53
+ Chimäre 53
+ _Clupea harengus_ 19
+ -- _menhaden_ 29
+ -- _pilchardus_ 27
+ -- _sprattus_ 25
+ _Conger vulgaris_ 48
+ _Cottus scorpius_ 88, 89*
+ _Cyclopterus lumpus_ 86
+
+ _Dactylopterus volitans_ 72
+ Delphine 18
+ Devonfische 63
+ _Dicerobatis giornae_ 52
+ _Diodon maculatus_ 80
+ Dornhai 45*, 58
+ Dorsch 29*, 30-33
+
+ _Echeneis remora_ 38
+ Ellerbeck, Hauptsitz der Sprottenräucherei 26
+ _Engraulis encrasicholus_ 29
+ _Eurypharynx pelecanoides_ 93*
+ _Exocoetus exsiliens_ 72
+ -- _volitans_ 72
+
+ Fahnenfisch 78
+ Fetzenfisch 64
+ _Fierasfer acus_ 38
+ Fischmarkt 7, 8
+ Fische, fliegende 65
+ Fischereiwirtschaft 9
+ Flugdrache 72
+ Flugfische 65-71
+ Flughahn 72
+ Flunder 40, 42, 43*
+
+ _Gadus aeglefinus_ 30
+ -- _morrhua_ 29*, 30
+ _Gastrosteus spinachia_ 91*
+ Geißler 78
+ _Gigantura chuni_ 92
+ _Gobius niger_ 87
+ Goldbutt 44
+ Gonostomiden 94
+ Großmaul 93
+ Großschweif 92
+ Grundschleppnetz 14*
+
+ Hai 16, 38, 54-57, 62
+ Haifisch-Ei 58*
+ Halbmakrele 39
+ Hammerfisch 53
+ Hausen 60
+ Heilbutt 44
+ Hering 19-24
+ --, fliegender 72
+ Heringsräucherei, Räucherofen 24*, 26
+ Herzogsfisch 78
+ _Hippocampus antiquorum_ 88
+ _Hippoglossus vulgaris_ 44
+ Hochseefischerei 6, 12
+ Hundshai 57
+
+ Igelfisch 80, 81
+
+ Kabeljau 16, 30, 31, 33, 39
+ Kaiserfisch 78
+ Katfisch 17
+ Katzenhai 57
+ Kaviar 60, 61
+ Kieler Sprotten 25
+ Klippfisch 33, 78
+ Klumpfisch 82, 83
+ Königsfisch 53
+ Korallenfisch 78
+ Korksohlen 17
+ Knurrhahn 16, 45*, 83*, 84
+ Kugelfisch 81*, 82
+
+ Laberdan 33
+ _Labrus maculatus_ 80
+ -- _mixtus_ 80
+ Lanzettfischchen 63
+ _Latrunculus perlucidus_ 63
+ Lebertran 32
+ Lengfisch 16
+ Lippfisch 80
+ _Lophius piscatorius_ 64
+ Lotsenfisch 59
+ Lump 86, 87
+ Luzonfisch 63
+
+ _Macropharynx_ 93
+ Makrele 17, 37*, 38
+ Meeraal 48
+ Meerengel 53
+ Meeresforschung 6
+ Meergrundel 63, 87
+ Meerpapageien 84
+ Meerschwalbe 72
+ Meerschweine 18
+ _Melanocetus johnsoni_ 93
+ -- _krechi_ 93
+ _Mistichthys luzonensis_ 63
+ _Mola mola_ 82
+ Mondfisch 82, 83
+ _Mullus barbatus_ 78
+ _Muraena helena_ 48
+ Muränen 46-48
+
+ Nagelrochen 45*, 51*, 52
+ _Naucratus ductor_ 59
+ _Nerophis aequoreus_ 90*, 91
+
+ _Palaeospondylus_ 63
+ _Periophthalmus koelreuteri_ 72
+ Petermännchen 16, 44, 46
+ Petersfische 41
+ Pilchards 29, 48
+ Plattfische 40-43
+ _Pleuronectes flesus_ 43*, 44
+ -- _platessa_ 44
+ _Pogonias chromis_ 85
+ _Pristis antiquorum_ 53
+ _Pterois volitans_ 72
+ _Phyllopteryx eques_ 64
+
+ _Raja clavata_ 51*
+ Rauhhai 57
+ _Rhina squatina_ 53
+ _Rhinodon typicus_ 57
+ _Rhombus maximus_ 44
+ Riesenhai 57
+ Rochen 51, 53
+ -- -Ei 58*
+ Rotzungen 17
+
+ Sägefisch 53
+ Sardelle 29
+ Sardine 27
+ _Scatophagus argus_ 78, 79*
+ Schellfische 16, 30, 32, 33, 39
+ Scherbretterschleppnetz 32
+ Schiffshalter 38
+ Schlammspringer 72
+ Schlangennadel 90*, 91
+ Schollen 40*, 41, 45*
+ Schuppenflosser 76
+ Schützenfisch 75
+ Schutzfärbung 78
+ Schwalbenfisch 72
+ Schwarzfisch 93
+ Schwertfisch 61, 62
+ _Sciaena aquila_ 86
+ _Scomber pelamys_ 38, 72
+ -- _scomber_ 37*
+ _Scyllium canicula_ 57
+ -- _catulus_ 57
+ Seebarbe 78
+ Seefisch-Versand 19
+ Seegurke 38, 39
+ Seehase 17, 45*, 86, 87
+ Seehenne 16
+ Seekatze 53
+ Seenadel 90
+ Seepferdchen 45*, 88-90
+ Seeratte 53
+ Seeräuberchen 63
+ Seeskorpion 88, 89*
+ Seestichling 91*
+ Seeteufel 45*, 64, 65, 86
+ Seezunge 44
+ _Selache maxima_ 57
+ _Solea vulgaris_ 44
+ Somatolyse 78
+ Spöke 53
+ Springfisch 72
+ Spritzfisch 75, 76
+ Sprotten, Aufziehen der 25*
+ Stachelbarsch, fliegender 72
+ Stechrochen 52
+ Steinbutt 16, 44, 45*
+ Stöcker 39
+ Stockfisch 33
+ _Stomias boa_ 92*, 93
+ Stör 59, 60, 61
+ _Strombus gigas_ 39
+ _Stylophthalmus paradoxus_ 92
+ _Synanceja verrucosa_ 46
+ _Syngnathus acus_ 90
+
+ _Tetrodon fahaka_ 81*, 82
+ Teufelsrochen 52
+ Thunfisch 34*-37
+ _Thynnus thynnus_ 34*
+ Tiefseefische 92*, 93*, 94*
+ _Torpedo marmorata_ 48
+ _Toxotes jaculator_ 75*
+ _Trachinus draco_ 44
+ -- _vipera_ 47
+ _Trigla hirundo_ 83*
+ -- _lucerna_ 72
+ Trommelfische 85
+ _Trygon pastinaca_ 52
+
+ Vipernfisch 47
+
+ Weißhai 57
+ Weltfischerei 9
+
+ _Xiphias gladius_ 61
+
+ Zauberfisch 46
+ Zitteraal 48, 49
+ Zitterrochen 48-50
+ Zitterwels 48
+ _Zygaena malleus_ 53
+
+ * * * * *
+
+
+ Naturwissenschaftliche Bildung ist die Forderung des Tages!
+
+
+ Zum Beitritt in den »Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde«, laden wir
+
+ alle Naturfreunde
+
+jeden Standes, sowie alle Schulen, Volksbüchereien, Vereine usw. ein. --
+Außer dem geringen
+
+ _Jahresbeitrag von nur M 4.80_
+
+(Beim Bezug durch den Buchhandel 20 Pf. Bestellgeld, durch die Post Porto
+besonders.)
+
+= K 5.80 h. ö. W. = Frs 6.40 erwachsen dem Mitglied $keinerlei$
+Verpflichtungen, dagegen werden ihm folgende große Vorteile geboten:
+
+Die Mitglieder erhalten laut § 5 als Gegenleistung für ihren
+Jahresbeitrag im Jahre 1914 $kostenlos$:
+
+ I. $Die Monatschrift Kosmos, Handweiser für Naturfreunde.$
+ Reich illustr.
+ Mit mehreren Beiblättern (siehe S. 3 des Prospektes). Preis für
+ Nichtmitglieder M 2.80.
+
+ II. $Die ordentlichen Veröffentlichungen.$ Nichtmitglieder zahlen den
+ Einzelpreis von M 1.-- pro Band.
+
+ Wilhelm Boelsche, Tierwanderungen in der Urwelt.
+ Dr. Kurt Floericke, Meeresfische.
+ Dr. Alexander Lipschütz, Warum wir sterben.
+ Dr. Fritz Kahn, Die Milchstraße.
+ Dr. Oskar Nagel, Die Romantik der Chemie.
+
+ Änderungen vorbehalten. (Näheres wird im Kosmos-Handweiser
+ bekanntgegeben.)
+
+III. $Vergünstigungen beim Bezuge von hervorragenden
+naturwissenschaftlichen Werken$ (siehe Seite 7 des Prospektes).
+
+[Zeigefinger] =Jede Buchhandlung= nimmt Beitrittserklärungen entgegen und
+besorgt die Zusendung. Gegebenenfalls wende man sich an die
+Geschäftsstelle des Kosmos in Stuttgart.
+
+ Jedermann kann jederzeit Mitglied werden.
+ Bereits Erschienenes wird nachgeliefert.
+
+ * * * * *
+
+
+ Satzung
+
+ $ 1. Die Gesellschaft Kosmos (eine freie Vereinigung der Naturfreunde
+ auf geschäftlicher Grundlage) will in erster Linie die Kenntnis
+ der Naturwissenschaften und damit die Freude an der Natur und das
+ Verständnis ihrer Erscheinungen in den weitesten Kreisen unseres
+ Volkes verbreiten.
+
+ $ 2. Dieses Ziel sucht die Gesellschaft zu erreichen: durch die
+ Herausgabe eines den Mitgliedern $kostenlos$ zur Verfügung
+ gestellten naturwissenschaftlichen Handweisers (§ 5); durch
+ Herausgabe neuer, von hervorragenden Autoren verfaßter, im guten
+ Sinne gemeinverständlicher Werke naturwissenschaftlichen Inhalts,
+ die sie ihren Mitgliedern $unentgeltlich$ oder zu $einem besonders
+ billigen Preise$ zugänglich macht, usw.
+
+ $ 3. Die Gründer der Gesellschaft bilden den geschäftsführenden
+ Ausschuß, den Vorstand usw.
+
+ $ 4. $Mitglied kann jeder werden$, der sich zu einem Jahresbeitrag von
+ M 4.80 = K 5.80 h. ö. W. = Frs 6.40 (exkl. Porto) verpflichtet.
+ Andere Verpflichtungen und Rechte, als in dieser Satzung angegeben
+ sind, erwachsen den Mitgliedern nicht. Der Eintritt kann
+ $jederzeit$ erfolgen; bereits Erschienenes wird nachgeliefert. Der
+ Austritt ist gegebenenfalls bis 1. Oktober des Jahres anzuzeigen,
+ womit alle weiteren Ansprüche an die Gesellschaft erlöschen.
+
+ § 5. Siehe vorige Seite.
+
+ § 6. Die Geschäftsstelle befindet sich bei der $Franckh'schen
+ Verlagshandlung, Stuttgart$, Pfizerstraße 5. Alle Zuschriften,
+ Sendungen und Zahlungen (vgl. § 5) sind, soweit sie nicht durch
+ eine Buchhandlung Erledigung finden konnten, dahin zu richten.
+
+ * * * * *
+
+
+ Kosmos
+
+ Handweiser für Naturfreunde
+
+ Erscheint jährlich zwölfmal -- 2 bis 3 Bogen stark --
+ und enthält:
+
+$Originalaufsätze$ von allgemeinem Interesse aus sämtlichen Gebieten der
+Naturwissenschaften. Reich illustriert.
+
+$Regelmäßig orientierende Berichte$ über Fortschritte und neue
+Forschungen auf allen Gebieten der Naturwissenschaft.
+
+$Auskunftsstelle -- Interessante kleine Mitteilungen.$
+
+$Mitteilungen über Naturbeobachtungen$, Vorschläge und Anfragen aus dem
+Leserkreise.
+
+$Bibliographische Notizen$ über bemerkenswerte neue Erscheinungen der
+deutschen naturwissenschaftlichen Literatur.
+
+ * * * * *
+
+
+ Der Handweiser mit seinen illustr. Beiblättern:
+
+ Wandern und Reisen / Aus Wald und Heide / Photographie und
+ Naturwissenschaft / Technik und Naturwissenschaft / Haus, Garten und
+ Feld / Die Natur in der Kunst / Natur und Heimatschutz /
+
+ kostet für Mitglieder nichts, während Nichtmitglieder ohne Buchbeilage
+ jährlich M 2.80 zahlen.
+
+ $Probehefte durch jede Buchhandlung oder direkt.$
+
+ * * * * *
+
+
+ Buchbeigaben für das Jahr 1914:
+
+ Tierwanderungen in der Urwelt.
+
+ Von $Wilhelm Bölsche$.
+
+
+Mit vielen hochinteressanten Bildern und einem farbigen Umschlag nach
+Originalzeichnungen von Prof. =Heinrich Harder= in Berlin.
+
+$Für Nichtmitgl.: In farb. Umschlag M 1.--, K. 1.20 h. ö. W., Frs. 1.35.
+In Leinen geb. M 1.80, K. 2.20 h. ö. W., Frs. 2.35.$
+
+[Illustration]
+
+Die Entdeckungen großer und auffälliger, die Erde heute noch bevölkernder
+Tierformen haben allmählich stark nachgelassen. Dafür sind der Tierkunde
+neue und bedeutsame Aufgaben erwachsen. Eine der brennendsten betrifft
+die Verbreitung der Tiere auf der Erde. Warum sind die Säugetiere des
+tropischen Amerika grundverschieden von den unter gleicher Zone wohnenden
+Säugetieren des tropischen Afrika? Warum leben in Australien noch viele
+urweltliche Tiere fort, die sonst überall ausgestorben sind? Diese und
+viele andere Rätsel können aber nicht gelöst werden durch die Annahme
+einfacher Anpassung an die heutigen Verhältnisse. Geologische Ausblicke
+sind dazu nötig; die Tierwelt muß betrachtet werden in ihrer Einordnung
+in die andersartigen Landgebiete der Urwelt. Geheimnisvolle Wanderungen
+der Tierarten in der vorgeschichtlichen Zeit müssen berücksichtigt
+werden. In dieses hochinteressante neue Gebiet führt Bölsches neues Werk,
+das zugleich eine Fortsetzung von des Verfassers bekannter Schrift über
+Festländer und Meere im Wechsel der Zeiten ist.
+
+ * * * * *
+
+
+ Meeresfische.
+
+ Von $_Dr._ Kurt Floericke$.
+
+ =Mit zahlreichen Abbildungen= / $Für Nichtmitglieder: in farbigem
+ Umschlag geheftet M 1.--, K. 1.20 h. ö. W., Frs. 1.35.$
+
+ $In Leinen gebunden M 1.80, K. 2.20 h. ö. W., Frs. 2.35.$
+
+[Illustration]
+
+Das Bändchen schließt sich an das des bekannten Autors über die
+»Einheimischen Fische« an. Er schildert hier in packender Weise die
+wichtigsten Arten der Fische des Meeres und berücksichtigt dabei
+besonders die eßbaren Seefische, nicht nur zoologisch, sondern auch in
+ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung als wichtiges Volks-Nahrungsmittel.
+Der Fang, die weitere Behandlung und der Handel dieser Seefische werden
+eingehend beschrieben. Die vielen Abbildungen, die größten Teils nach
+Photographien lebender Fische angefertigt sind, erhöhen den Wert des
+Buches.
+
+ * * * * *
+
+
+ Warum wir sterben?
+
+ Von $_Dr._ Alexander Lipschütz.$
+
+ =Mit zahlreichen Abbildungen.=
+
+$Für Nichtmitglieder: In farbigem Umschlag geh. M 1.--, K. 1.20 h. ö. W.,
+ Frs. 1.35 / In Leinwand geb. M 1.80, K. 2.20 h. ö. W., Frs. 2.35.$
+
+[Illustration]
+
+Das Bändchen behandelt ein für jeden denkenden Menschen sehr
+interessantes Thema. Der Verfasser geht darin der Frage nach, ob es für
+uns Menschen einen natürlichen, nicht durch Krankheit bedingten Tod gibt
+und führt dann den Tod als eine natürliche Erscheinung des Alters vor.
+Seine naturwissenschaftliche Analyse des Todes läßt der Verfasser in
+einen Hymnus auf das schaffende Leben ausklingen.
+
+ * * * * *
+
+
+ Die Milchstraße.
+
+ Von $Dr. Fritz Kahn.$
+
+ =Mit zahlreichen Abbildungen.=
+
+$Für Nichtmitglieder: In farbigem Umschlag M 1.--, K. 1.20 h. ö. W. Frs.
+ 1.35:: In Leinen geb. M 1.80 K. 2.20 h. ö. W. Frs. 2.35.$
+
+[Illustration]
+
+Ausgehend vom Weltbild der Alten zeigt der Verfasser, wie durch die
+Erfindung des Fernrohrs, der Spektralanalyse und schließlich durch die
+Anwendung der Photographie das Weltbild immer mehr erweitert wurde, und
+wie man in den letzten Jahrzehnten immer mehr dahin kam, die
+systematischen Begriffe des Planetensystems auch auf die Fixsternwelt zu
+übertragen. Die Spektralanalyse läßt uns die chemische Natur der Sterne
+erkennen, die photographische Platte die Gesetzmäßigkeit der
+Sternbewegungen. Diese Forschungen ergeben eine großartige
+Entwicklungsgeschichte des Weltalls, in dem man Weltsysteme auf allen
+Stufen der Entwicklung vom Urnebel an bis herauf zum höchsten Gebilde,
+der Milchstraße, vorfand. Als höchstentwickelte Einheit erscheint uns die
+Milchstraße, deren Bau, Größe, Anordnung der Sterne, Sterngruppen
+anschaulich geschildert werden. Die Sterne befinden sich im
+Milchstraßenstaat in einem Kreislauf, wie unser Blut im Körper. Von der
+Peripherie des Systems kreisen kosmische Staubmassen in Spiralbahnen der
+Mitte zu, nähern sich gegenseitig und zerschellen in der Nähe des
+Zentrums. Dieses Schicksal bot die Nova Persei vor einigen Jahren. Auch
+uns widerfährt es einst und wir beginnen dann von neuem den ewigen
+Kreislauf des Stoffes und der Kraft, wie wir ihn wahrscheinlich schon
+millionenmal durchlaufen haben und finden darin eine großartige ungeahnte
+naturwissenschaftliche Auslegung des Unsterblichkeitsgedankens.
+
+ * * * * *
+
+
+ Die Romantik der Chemie.
+
+ Von $Dr. Oskar Nagel.$
+
+ =Mit zahlreichen Abbildungen.= / $Für Nichtmitglieder: In farbigem
+ Umschlag geheftet M 1.--, K. 1.20 h. ö. W., Frs. 1.35.$
+
+ $In Leinwand gebunden M 1.80, K. 2.20 h. ö. W., Frs. 2.35.$
+
+Kein Wissensgebiet der Menschheit ist so durchaus romantisch und zugleich
+vom größten praktischen Nutzen wie die Chemie. Eine unendliche Menge von
+neuartigen Stoffen, von denen vergangene Jahrzehnte kaum zu träumen
+wagten, ist von der Chemie hergestellt worden. Tausende gelehrter
+Chemiker sind in ihren stillen Laboratorien für den weiteren Ausbau
+dieser Wissenschaft tätig, tausende von Fabriksschloten erzeugen den Zug,
+um das Feuer der chemischen Fabriköfen zu unterhalten. Aus unscheinbaren
+Rohprodukten und Abfällen aller Art werden wertvolle Erzeugnisse für
+Technik und Industrie, das Heilwesen und das tägliche Leben hergestellt.
+Sprengstoffe von fabelhafter Stärke, Farbstoffe von wunderbarer Pracht,
+Ersatzstoffe in größter Mannigfaltigkeit, wie Kunstseide, Zelluloid usw.
+werden massenweise für den täglichen Gebrauch hergestellt, während die
+viele tausend von Grad starke Glut der elektrischen Öfen die Gewinnung
+der edelsten und seltensten Stoffe möglich macht.
+
+[Illustration]
+
+All dies behandelt in leicht verständlicher, äußerst anregender Weise
+»Die Romantik der Chemie«. Der Leser wird, wie auf einem phantastischen
+Spaziergange, durch die wunderbaren Werkstätten der Praxis und
+Wissenschaft geführt. Mit der Gewinnung des Goldes in den großen
+überseeischen Goldfeldern beginnend, durchwandert der Verfasser das ganze
+Gebiet der chemischen Industrien, erklärt das Wesen des Erfindens und
+Entdeckens und beschließt sein Werkchen mit hochinteressanten Ausblicken
+auf die Chemie der Erde und über die Chemie des Lebens.
+
+ * * * * *
+
+
+ Wer ein Leser des Kosmos ist, der hat auch
+ Interesse für seine beiden Gegenstücke:
+
+
+ Technische Monatshefte.
+
+Sie wollen dem Laien, dem Fachmann u. der strebsamen Jugend in Wort und
+Bild und in gemeinverständlicher Darstellung Anleitung zum Verständnis
+des gesamten Gebietes der modernen Technik bieten.
+
+ $Halbjährlich für 6 Hefte nebst 2 Buchbeilagen
+ nur M 3.50 / K. 4.20 h. ö. W. / Frs. 4.70.$
+
+
+ Zeiten und Völker.
+
+Diese Monatsschrift, die interessante reich illustrierte Aufsätze aus dem
+Gebiet der Geschichte, Kulturgeschichte, Völkerkunde usw. bringt, ist ein
+Familienblatt im besten Sinne des Wortes; sie will Sinn und Verständnis
+für geschichtliche Zusammenhänge wecken und gediegene historische
+Kenntnisse in anschaulicher Weise vermitteln.
+
+ $Jährlich für 12 Hefte nebst 2 Buchbeilagen
+ nur M 4.80 / K. 5.80 h. ö. W. / Fr. 6.40.$
+
+ Probehefte durch jede Buchhandlung oder direkt von der
+
+ $Franckh'schen Verlagshandlung in Stuttgart$
+
+ * * * * *
+
+
+Die Mitglieder des =Kosmos= haben bekanntlich nach Paragraph 5 III das
+Recht, außerordentliche Veröffentlichungen und die den Mitgliedern
+angebotenen Bücher zu =einem Ausnahmepreis= zu beziehen. Es befinden sich
+u. a. darunter folgende Werke:
+
+ +===========+======
+ | Preis | Mit-
+ |f. Nicht-|glieder-
+ | mitgl. | preis
+ +---------+--------
+ $Altpeter, ABC der Chemie$ | 2.40 | 1.--
+ $Bergmiller, Erfahr. a. u. Gebiete d. hoh. Jagd.$ | |
+ Geb. | 4.50 | 3.50
+ $Bölsche, W., Der Sieg des Lebens.$ Fein gebunden | 1.80 | 1.50
+ $Diezels Erfahrungen a. d. Gebiete d. Niederjagd.$ | |
+ Geb. | 4.50 | 2.90
+ $Ewald, Mutter Natur erzählt.$ Gebunden | 4.80 | 3.60
+ $ " Der Zweifüssler.$ Gebunden | 4.80 | 3.60
+ $ " Vier feine Freunde.$ Gebunden | 4.80 | 3.60
+ $Fabre, J. H. Sternhimmel$. Gebunden | 4.80 | 3.60
+ $ " Bilder a. d. Insektenwelt.$ I/II, III/IV. | |
+ 2 Bde. geb. je | 4.50 | 3.40
+ $ " Blick ins Käferleben.$ Broschiert | 1.-- |--.50
+ $Floericke, Dr. Kurt, Deutsches Vogelbuch.$ Gebunden| 10.-- | 8.40
+ $ " Taschenbuch zum Vogelbestimmem.$ Geb.| 3.80 | 2.90
+ $Fruwirth, Die Pflanzen der Feldwirtschaft.$ Geb. | 3.80 | 2.90
+ $Gräbner, Taschenbuch zum Pflanzenbestimmen.$ Geb. | 3.80 | 2.90
+ $Hepner, Cl., 100 neue Tiergeschichten.$ Gebunden | 3.60 | 2.80
+ $Jaeger, Prof. Dr. Gust., Das Leben im Wasser.$ | |
+ Kart. | 4.50 | 1.70
+ $Kuhlmann, Wunderwelt des Wassertropfens.$ Brosch. | 1.-- |--.50
+ $Lange, Der Garten und seine Bepflanzung.$ Geb. | 4.50 | 3.50
+ $Leben der Pflanze.$ Bd. I, II, III, IV, V, VI, VII,| |
+ VIII, geb. je | 15.-- |13.50
+ $Lindemann, Die Erde.$ Bd. I. Gebunden | 9.-- | 8.--
+ $ " " "$ Bd. II. Gebunden | 9.-- | 8.--
+ $Meyer. Dr. M. Wilh., Die ägyptische Finsternis.$ | |
+ Geb. | 3.-- | 1.90
+ $Monographien unserer Haustiere$: Bd. I Schumann, | |
+ Kaninchen; Bd. II Schuster, Hauskatze; Bd. III | |
+ Morgan, Hund; Bd. IV Schwind, Haushuhn à | 1.40 | 1.05
+ $Sauer, Prof. Dr. A., Mineralkunde.$ Gebunden | 13.60 |12.20
+ $Schrader, Liebesleben der Tiere.$ Broschiert | 1.40 | 1.10
+ $Schroeder-Rothe, Handbuch f. Naturfreunde.$ Bd. I | |
+ geb. | 4.20 | 3.60
+ $ " --"--$ " II | |
+ geb. | 3.80 | 3.30
+ $Schwind-Gemen, Rosenbüchlein.$ Gebunden | 1.50 | 1.25
+ $Stevens, Frank, Ausflüge ins Ameisenreich.$ Geb. | 2.50 | 1.85
+ $ " " Die Reise ins Bienenland.$ Geb. | 2.50 | 1.85
+ $Strandbüchlein.$ Gebunden | 1.25 | 1.--
+ $Stridde, Allgemeine Zoologie.$ Gebunden | 7.-- | 6.20
+ $Thompson, E. S., Bingo u. a. Tiergeschichten.$ Geb.| 4.80 | 3.60
+ $ " Prärietiere und ihre | |
+ Schicksale.$ Fein geb. | 4.80 | 3.60
+ $ " Tierhelden.$ Fein gebunden | 4.80 | 3.60
+ $Wurm, Waldgeheimnisse.$ Gebunden | 4.80 | 3.60
+
+ und zahlreiche andere Werke mehr.
+
+ * * * * *
+
+
+ Die ordentlichen Veröffentlichungen
+
+früherer Jahre erhalten Mitglieder, solange vorrätig, zu Ausnahmepreisen:
+
+:1904:
+
+(Handweiser vergriffen) zusammen für M 4.-- (Preis für Nichtmitglieder
+M 5.--), geb. für M 6.20 (für Nichtmitglieder M 8.40):
+
+ $Bölsche, W., Abstammung des Menschen.$
+ $Meyer, Dr. M. Wilh. (Urania-Meyer), Weltuntergang.$
+ $Zell, Dr. Th., Ist das Tier unvernünftig?$ (Doppelband)
+ $Meyer, Dr. M. Wilh., Weltschöpfung.$
+
+
+:1905:
+
+(Handweiser vergriffen) zusammen für M 4.-- (Preis für Nichtmitglieder
+M 5.--), geb. für M 6.75 (für Nichtmitglieder M 9.--):
+
+ $Bölsche, W., Stammbaum der Tiere.$
+ $Welten, Die Sinne der Pflanzen.$
+ $Zell, Dr. Th., Tierfabeln.$
+ $Teichmann, Dr. E., Leben und Tod.$
+ $Meyer (Urania), Sonne und Sterne.$
+
+
+:1906:
+
+(Handweiser vergriffen) zusammen M 4.-- (für Nichtmitglieder M 5.--) und
+geb. für M 6.75 (für Nichtmitglieder M 9.--):
+
+ $Welten, Wie die Pflanzen lieben.$
+ $Meyer, Dr. M. Wilh., Rätsel d. Erdpole.$
+ $Zell, Dr. Th., Streifzüge durch d. Tierwelt.$
+ $Bölsche, Wilh., Im Steinkohlenwald.$
+ $Ament, Dr. W., Die Seele des Kindes.$
+
+
+:1907:
+
+ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden für
+M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--):
+
+ $Kuhlmann, Aus der Wunderwelt des Wassertropfens.$
+ $Zell, Dr. Th., Straußenpolitik.$
+ $Meyer, Dr. M. W., Kometen und Meteore.$
+ $Teichmann, Dr. E., Fortpflanzung und Zeugung.$
+ $Floericke, Dr. K., Die Vögel des deutschen Waldes.$
+
+
+:1908:
+
+ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden für
+M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--):
+
+ $Meyer, Dr. M. W., Erdbeben und Vulkane.$
+ $Teichmann, Dr. E., Die Vererbung.$
+ $Sajó, Krieg u. Frieden im Ameisenstaat.$
+ $Dekker, Naturgeschichte des Kindes.$
+ $Floericke, Dr. K., Säugetiere des deutschen Waldes.$
+
+
+:1909:
+
+ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden für
+M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--):
+
+ $Unruh, Leben mit Tieren.$
+ $Meyer, Dr. M. Wilh., Der Mond.$
+ $Sajó, Prof. K., Die Honigbiene.$
+ $Floericke, Kriechtiere u. Lurche Deutschl.$
+ $Bölsche, Wilh., Der Mensch in der Tertiärzeit und im Diluvium.$
+
+
+:1910:
+
+ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden für
+M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--):
+
+ $Koelsch, Pflanzen zwisch. Dorf u. Trift.$
+ $Dekker, Fühlen und Hören.$
+ $Meyer, Welt der Planeten.$
+ $Floericke, Säugetiere fremder Länder.$
+ $Weule, Kultur der Kulturlosen.$
+
+
+:1911:
+
+ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden für
+M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--):
+
+ $Koelsch, Durch Heide und Moor.$
+ $Dekker, Sehen, Riechen und Schmecken.$
+ $Bölsche, Der Mensch der Pfahlbauzeit.$
+ $Floericke, Vögel fremder Länder.$
+ $Weule, Kulturelemente der Menschheit.$
+
+
+:1912:
+
+ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden für
+M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--):
+
+ $Gibson-Günther, Was ist Elektrizität?$
+ $Dannemann, Wie uns. Weltbild entstand.$
+ $Floericke, Fremde Kriechtiere u. Lurche.$
+ $Weule, Die Urgesellschaft und ihre Lebensfürsorge.$
+ $Koelsch, Würger im Pflanzenreich.$
+
+
+:1913:
+
+ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden für
+M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--):
+
+ $Bölsche, Festländer und Meere.$
+ $Floericke, Einheimische Fische.$
+ $Koelsch, Der blühende See.$
+ $Zart, Bausteine des Weltalls.$
+ $Dekker, Vom sieghaften Zellenstaat.$
+
+ _Allen Jahrgängen außer 1904, 1905 u. 1906 werden
+ die 12 Hefte des betr. Handweiser-Jahrganges beigefügt._
+
+Sämtl. noch vorhand. Jahrgänge der Kosmos-Veröffentlichungen (s. obige
+Zusammenstellung) liefern wir an Mitgl.: geh. für M 38.-- (Preis für
+Nichtmitgl. 96.--), geb. (auch Handw.) für M 62.-- (Preis für Nichtmitgl.
+113.80) $auch gegen kleine monatl. Ratenzahlungen$.
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+Antiqua gesetzt sind, sind kursiv dargestellt.
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+mit Gleichheitszeichen (=Text=) und kursiver Text wurde mit
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+End of the Project Gutenberg EBook of Meeresfische, by Kurt Floericke
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+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 57967 ***
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-The Project Gutenberg EBook of Meeresfische, by Kurt Floericke
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
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-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
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-
-Title: Meeresfische
-
-Author: Kurt Floericke
-
-Release Date: September 24, 2018 [EBook #57967]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK MEERESFISCHE ***
-
-
-
-
-Produced by The Online Distributed Proofreading Team at
-http://www.pgdp.net
-
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-[Illustration:]
-
-
- * * * * *
-
- Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, Stuttgart
-
-Die Gesellschaft Kosmos will die Kenntnis der Naturwissenschaften und
-damit die Freude an der Natur und das Verständnis ihrer Erscheinungen in
-den weitesten Kreisen unseres Volkes verbreiten. -- Dieses Ziel glaubt
-die Gesellschaft durch Verbreitung guter naturwissenschaftlicher
-Literatur zu erreichen mittels des
-
- $Kosmos$, Handweiser für Naturfreunde
-
- Jährlich 12 Hefte. Preis M 2.80;
-
-ferner durch Herausgabe neuer, von ersten Autoren verfaßter, im guten
-Sinne gemeinverständlicher Werke naturwissenschaftlichen Inhalts. Es
-erscheinen im Vereinsjahr 1914 (Änderungen vorbehalten):
-
-Wilh. Bölsche, Tierwanderungen in der Urwelt.
- Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h ö. W.
-
-Dr. Kurt Floericke, Meeresfische.
- Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h ö. W.
-
-Dr. Alexander Lipschütz, Warum wir sterben.
- Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h ö. W.
-
-Dr. Fritz Kahn, Die Milchstraße.
- Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h ö. W.
-
-Dr. Oskar Nagel, Romantik der Chemie.
- Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h ö. W.
-
-Diese Veröffentlichungen sind durch =alle Buchhandlungen= zu beziehen;
-daselbst werden Beitrittserklärungen (Jahresbeitrag nur M 4.80) zum
-$Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde$ (auch nachträglich noch für die
-Jahre 1904/13 unter den gleichen günstigen Bedingungen),
-entgegengenommen. (Satzung, Bestellkarte, Verzeichnis der erschienenen
-Werke usw. siehe am Schlusse dieses Werkes.)
-
- Geschäftsstelle des Kosmos: Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart.
-
- * * * * *
-
-
-
-
- Meeresfische
-
- Von
-
- Dr. Kurt Floericke
-
- Mit zahlreichen Abbildungen nach Originalaufnahmen
- und Zeichnungen von Oberlehrer
- W. Koehler, Fr. Ward, R. Oeffinger u. a.
- und einem Umschlagbild von Willy Planck
-
- [Illustration]
-
- Stuttgart
-
- Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde
- Geschäftsstelle: Franckh'sche Verlagshandlung
- 1914
-
-
- Alle Rechte, besonders das Übersetzungsrecht, vorbehalten.
-
-
- _Copyright 1914 by
- Franckh'sche Verlagshandlung
- Stuttgart_
-
- STUTTGARTER SETZMASCHINEN-DRUCKEREI
- HOLZINGER & Co., STUTTGART
-
- * * * * *
-
-
-
-
-[Illustration]
-
-Furchtbar zugleich und fruchtbar ist das Meer. Mit heiliger Scheu
-erfüllt uns der endlose Ozean, wenn er, aufgewühlt und aufgepeitscht von
-heulenden Sturmwinden, tobend und brausend hohe, weißgekrönte Wogenkämme
-wie eine finstere, verderbenbringende Todesmauer zum Lande wälzt, Leichen
-auf seinem Rücken trägt und alles Lebende mit wuchtigem Wellenschlag zu
-vernichten droht; mit andächtiger Bewunderung aber, wenn er sich wieder
-besänftigt hat, wenn an der nur leicht gekräuselten, sanft und ruhig
-atmenden Oberfläche im glitzernden Sonnenschein Scharen silberner
-Fischlein in übermütigem Spiel sich tummeln und das kristallklare Wasser
-an felsiger Küste ungeahnte Einblicke tun läßt in die Tiefe mit ihrem so
-eigenartigen, geheimnisvollen, mannigfaltigen Weben und Leben; mit warmer
-Liebe endlich, wenn wir gedenken, wie unendlich viel von jeher der reiche
-Ozean beigetragen hat, die menschlichen Bewohner des Erdballs zu
-ernähren, die entlegensten Völker mit einander zu verbinden, ihnen einen
-leichten und bequemen Austausch ihrer Erzeugnisse zu ermöglichen, ihre
-Phantasie zu befruchten und ihre künstlerische Schaffenskraft anzuregen.
-Neptun gebietet über das weiteste und ausgedehnteste Reich auf unserem
-Planeten, und die Zahl und Mannigfaltigkeit der seinem strengen Szepter
-unterstehenden Tierwelt, ihre grotesken Formen, ihre erstaunliche
-Fruchtbarkeit und ihre weitgehenden biologischen Anpassungen an die
-Eigenart der verschiedenen Meeresteile finden auf dem Festlande kaum
-ihresgleichen. Voll ungeahnter Wunder ist des Meeres dunkler Schoß, aber
-nur langsam und zögernd enthüllen sie sich dem rastlos forschenden
-Menschengeiste. Kaum vermag unser Auge die verwirrende Fülle der
-Erscheinungen noch zu überschauen. Führen doch allein an 10000 Fischarten
-in all den Erdenmeeren ein unseren Blicken mehr oder minder verborgenes
-Dasein. Gerade dieser Umstand erscheint in hohem Maße geeignet, unsere
-Kenntnis von den Lebensgewohnheiten der Seefische zu erschweren; so sehr
-sie auch während der letzten Jahrzehnte durch die überraschenden
-Fortschritte der Meeresforschung gefördert worden ist, so wenig ist doch
-ausführlichere Kunde davon in die große Masse der heutigen
-Kulturmenschheit gedrungen, wenn auch anderseits die Fischerbevölkerung
-der Küstenländer schon im eigensten Lebensinteresse geradezu gezwungen
-war, praktische Fischkunde zu lernen. Aber wie viele sonst hoch
-gebildete Bewohner des Binnenlandes gibt es doch, die selbst die
-allergewöhnlichsten Seefische lediglich von genossenen Tafelfreuden oder
-aus den Bottichen der Marktweiber her kennen, von ihrer merkwürdigen
-Lebensführung dagegen kaum mehr wissen als von der hochinteressanten Art
-und Weise ihrer Erbeutung. Und doch ist diese von tief einschneidender
-Bedeutung nicht nur für das gesamte Wirtschaftsleben unserer
-Küstenprovinzen, sondern auch für die Fleischversorgung unseres gesamten
-Vaterlandes, da bei den ständig steigenden Schlachtviehpreisen einerseits
-und den erheblich verbesserten Transportmitteln anderseits (selbst aus
-Westafrika bringt man neuerdings in Kühlkammern oder auf Schneelagern in
-23tägiger Fahrt Plattfische und Seehechte in vollkommen gebrauchsfrischem
-Zustande nach Paris) der Verbrauch von Seefischfleisch auch im
-Binnenlande eine fortwährend zunehmende Wichtigkeit erhält.
-
-Die deutsche =Hochseefischerei=, die jetzt zumeist mit eigens dazu
-ausgerüsteten, besonders seetüchtigen Fischdampfern betrieben wird, ist
-denn auch in erfreulicher Aufwärtsentwicklung begriffen, obgleich es noch
-lange dauern wird, bis sie den ungeheuren Vorsprung, den namentlich die
-Engländer auf diesem Gebiete besitzen, einigermaßen wettgemacht haben
-wird. Sie beschäftigt über 30000 wettergestählte Männer, die in ihrem
-gefahrvollen und anstrengenden Berufe für den Ausbau eines Gewerbszweiges
-kämpfen, dessen ungeheure volkswirtschaftliche Bedeutung für Deutschland
-lange genug verkannt worden ist und auch jetzt noch nicht ganz die ihm
-gebührende Wertschätzung findet. Der Wert der ans Land gebrachten Fische
-belief sich im Jahre 1908 auf rund 29 Millionen Mark, aber trotzdem
-konnten von unseren 11 Fischereigesellschaften nur 4 eine Dividende
-zahlen (die Emdener Heringsfischerei 7%), ein Zeichen, daß die gesamte
-Organisation noch sehr in den Kinderschuhen steckt. Der Staat tut alles,
-um sie zu heben und bewilligte allein 400000 M an Bauprämien für
-Fischereifahrzeuge, während anderseits die Wissenschaft mit den
-wertvollen Ergebnissen ihrer Forschungen der Fischerei zu Hilfe kommt,
-überhaupt gerade auf diesem Gebiet ein inniger und sehr vorteilhafter
-Wechselverkehr zwischen Wissenschaft und Praxis besteht, der beiden in
-hohem Maße zum Vorteil gereicht. Wie weit bei guten Vorkehrungen die
-Erträge der Seefischerei gesteigert werden können, ersieht man aus der
-englischen Statistik. An den dortigen Küsten wurden beispielsweise im
-Jahre 1906 20-1/2 Millionen Zentner Fische erbeutet und daraus 11,326
-Millionen Pfd. St. erzielt. Die neuesten Errungenschaften der Technik
-kommen dort wie auch in Norwegen beim Fischfang zur Verwendung. Selbst
-das Telephon. Der hierbei benutzte Apparat besteht aus einem zur Aufnahme
-des Schalles dienenden Mikrophon, das in einer wasserdichten Stahlkapsel
-eingeschlossen und durch Leitungsdrähte ständig mit einem telephonischen
-Empfänger an Bord des Fangschiffes verbunden ist. Durch diese Vorrichtung
-werden die Fischer frühzeitig von dem Herannahen und der Richtung der
-großen Fischzüge in Kenntnis gesetzt, können auch gleich auf deren Art
-schließen, indem z. B. Heringe durch pfeifende, Dorsche durch grunzende
-Geräusche sich verraten. Hervorgerufen werden diese wahrscheinlich durch
-die unablässige Bewegung von Millionen von Flossen und Kiemen im Wasser.
-Leider ist unsere Seefischerei trotz aller Anstrengungen noch nicht
-imstande, den Eigenbedarf unseres Volkes an Fischfleisch zu decken. Noch
-müssen wir für nahezu 120 Millionen jährlich vom Ausland beziehen,
-während unsere Ausfuhr noch nicht 12 Millionen beträgt. Unter den
-eingeführten Fischen stehen obenan gesalzene Heringe mit 36,5, Bücklinge
-mit 2,3, Kaviar mit 9,5, Lachse mit 7,25, Sardellen mit 1,75 und frische
-Karpfen mit 1,8 Millionen Mark. Dabei nimmt in unserer Zeit der
-Fleischteuerung die Nachfrage nach Seefisch noch fortwährend zu,
-namentlich seit das frühere Vorurteil der Binnenländer gegen diese Kost
-zu schwinden beginnt, wenn auch leider nur sehr langsam und allmählich.
-Viel dazu beigetragen hat die Abhaltung von Seefisch-Kochkursen und die
-planvolle Organisierung des Fischverkaufs in den städtischen Markthallen.
-So wurden allein in Berlin vom Oktober 1911 bis Februar 1912 rund 230000
-kg frische Seefische durch die städtischen Verkaufsstellen abgesetzt. Im
-Vergleiche zu der Statistik des Pariser Fischmarktes erscheint diese Zahl
-freilich noch recht geringfügig. Dort kommen während der kühlen
-Jahreszeit Tag für Tag 110-115000 kg Meeresbewohner in die städtischen
-Markthallen, wobei allerdings Krebse und Muscheln mitgerechnet sind, ja
-an den Fastentagen steigert sich diese ungeheure Menge auf 200000 kg. Bei
-uns macht nach den Berechnungen von König und Splittgerber das
-Fischfleisch nur 1/8-1/10 des überhaupt genossenen Fleisches aus. Auf den
-Kopf der Bevölkerung kommen jährlich etwa 6,8 kg Fisch, wovon 6 kg auf
-Seefisch entfallen und 40-50% für den Abfall in Abzug zu bringen sind,
-sodaß nur 3,5-4 kg reines Fischfleisch übrig bleiben. Im allgemeinen ist
-dessen Nährwert und Verdaulichkeit dem des Fleisches der nutzbaren
-Haustiere gleichzusetzen, aber wenigstens das Seefischfleisch hat den
-großen Vorzug, wesentlich billiger zu sein, selbst wenn man dabei in
-Anschlag bringt, daß es an sich schon wasserreich ist und wegen der
-kurzen Kochdauer nur einen unwesentlichen Wasserverlust erleidet, daher
-zur Sättigung in größerer Menge genossen werden muß. Bei Räucherfischen
-kommt dieser Übelstand ohnedies in Wegfall, während bei eingemachten
-Fischen ein großer Teil der wertvollen Nährstoffe in die Laken und Saucen
-entweicht. Die Verdaulichkeit wird durch das Kochen in geringerem Maße
-beeinträchtigt als beim Rindfleisch. So vermag das Fischfleisch selbst
-körperlich stark angestrengten Menschen ein vollwertiger Ersatz für
-anderes Fleisch zu sein, und in Rußland erhält beispielsweise das Militär
-zweimal wöchentlich Fisch, während man bei uns in dieser Beziehung noch
-nicht weit über tastende Versuche hinausgekommen ist. Auch vorzügliche
-Eiweißpräparate stellt man neuerdings aus Fischfleisch her.
-
-So erscheint das Meer als der denkbar ergiebigste Acker, dessen
-planmäßige Bebauung und zielbewußte Bewirtschaftung sich durch reiche
-Erträge lohnt, aber leicht ist die Hebung seiner Schätze nicht, und vom
-Meeresgrunde bis zur Feinschmeckertafel in einem Berliner Luxushotel ist
-ein gar weiter Weg. Fabelhaft fast erscheinen die Fruchtbarkeit und der
-Reichtum der See, aber unerschöpflich sind sie nicht, und rücksichtsloser
-Raubbau muß sich schließlich auch hier bitter rächen wie überall.
-Namentlich in der Nordsee, wo heute alljährlich 600 Dampfer und 5000
-Segler auf Fischfang ausziehen, machen sich schon bedenkliche Anzeichen
-von Überfischerei bemerkbar, weil dem Meere zu viel unbrauchbare
-Jungfische entzogen oder diese, wenn man sie auch wieder ins Wasser
-wirft, doch nicht schonend genug behandelt werden. So sind große
-Seezungen und Schollen schon recht spärlich geworden, ja es steht zu
-befürchten, daß von den bevorzugten Speisefischen überhaupt nur noch
-wenige das laichfähige Alter erreichen und für die Fortpflanzung ihrer
-Art sorgen können. Eckert schätzt den Gesamtertrag der Weltfischerei auf
-4 Millionen Tonnen im Werte von 1 Milliarde Mark; das erscheint
-verhältnismäßig wenig, dabei ist aber zu berücksichtigen, daß ausgedehnte
-und zweifellos sehr ergiebige Fischereigründe in den afrikanischen,
-südamerikanischen und australischen Gewässern der Fischereiwirtschaft
-überhaupt noch nicht erschlossen sind. Nahezu 70% der ganzen Ausbeute
-entfallen auf den Atlantik, wobei die Nordsee mit 1/5-1/4 beteiligt ist,
-keine 30% auf den Stillen Ozean und kaum 1% auf den Indischen. Was die
-einzelnen Staaten anbelangt, so kommen auf die von Nordamerika 23%, auf
-England 22%, auf Kanada und Norwegen je 13%, auf Rußland 6%, auf
-Frankreich 4%, auf Holland 3%, auf Spanien und Portugal 2-1/2%, auf
-Italien 1-1/2%. Während das kleine Japan mit 10-1/2% recht stattlich
-dasteht, spielt Deutschland mit nur 2-1/2% in dieser Liste noch immer
-eine ziemlich klägliche Rolle, obgleich sich der Ertrag unserer
-Hochseefischerei durch die dankenswerten Bemühungen einer einsichtigen
-Regierung innerhalb 15 Jahren um das Zehnfache gesteigert hat. Auch
-Österreich-Ungarn erweist sich trotz der herrlichen, fischreichen Adria
-mit ihrem prächtigen Klima und ihren zahlreichen ruhigen Buchten in bezug
-auf die Entwicklung der Küsten- oder gar der Hochseefischerei noch als
-recht rückständig, wie ja fast auf allen Gebieten. Das Fett schöpfen dort
-die benachbarten Italiener ab, und die Küstenbevölkerung von Triest und
-Fiume ab bis nach Spalato und Cattaro hinunter begrüßt alljährlich mit
-Freuden die buntbemalten Segel der anfahrenden Chioggioten-Flottille,
-weil sie gesunde und wohlfeile Nahrung auf den Markt bringt. Tausende von
-ärmeren Familien in Istrien und Dalmatien leben dann nur von Fischen und
-Polenta und sehen äußerst selten anderes Fleisch in ihren Töpfen. Der auf
-Backhuhn und Gulasch eingeschworene Wiener dagegen, der selbst die
-köstliche Forelle barbarischerweise in gebackenem Zustande genießt, hat
-dem Seefischfleisch noch immer keinen Geschmack abzugewinnen vermocht,
-und daran sind alle Bemühungen zur Schaffung eines großzügig
-eingerichteten Seefischversands im Reiche des Doppeladlers mehr oder
-minder gescheitert.
-
-Glücklicherweise zählt unsere fast überall mit Grundnetzen erreichbare
-Nordsee nächst den nordamerikanischen Gestaden des Atlantik zu den
-fruchtbarsten Meeren der Erde, über ihren zahlreichen Bänken und Untiefen
-wimmelt es fast buchstäblich von Fischen, nur daß sich diesen Segen in
-früheren Zeiten fast ausschließlich die Engländer zunutze zu machen
-verstanden, während mehr als 2 Meilen von der Küste überhaupt kaum ein
-deutscher Fischkutter anzutreffen war. »Das deutsche Meer«, so heißt es
-in einem englischen Gutachten, »ist ertragsfähiger als unser Ackerland;
-unsere reichsten Felder sind weniger fruchtbar an Nahrungsstoffen, als
-diese Fischereigründe. Ein Morgen guten Landes liefert etwa 20 Zentner
-Getreide jährlich oder 3 Zentner Fleisch und Käse; auf einer ebenso
-großen Wasserfläche mit Fischereigrund aber kann man dasselbe Gewicht an
-Nahrungsmitteln jede Woche ernten. Fünf Fischereiboote zogen in einer
-einzigen Nacht aus einer kaum 50 Morgen großen Fläche des deutschen
-Meeres den Wert von 50 Ochsen und 300 Schafen in Form von leicht
-verdaulichen und schmackhaften Fischen. Und was das Wichtigste ist, diese
-Ochsen und Schafe sind kostenlos und ohne alle Mühe im Wasser entstanden,
-erzogen und gemästet worden.« Mag dieses Urteil auch ein übertriebenes
-und allzu optimistisches sein, Tatsache ist jedenfalls, daß man bei uns
-lange Jahrhunderte hindurch den Meeressegen nicht zu würdigen verstand
-und sich erst in neuester Zeit allmählich seiner ungeheuren
-volkswirtschaftlichen Bedeutung bewußt geworden ist. Selbst die der
-Nordsee angrenzenden Kleinstaaten waren und sind uns in dieser Beziehung
-weit über, denn Holland verdankt seinen Reichtum dem Heringsfange, und
-Norwegen, wo ein großer Teil der Bevölkerung ohne Fischerei gar nicht
-bestehen könnte, gewinnt aus ihr weit mehr Taler, als es Einwohner zählt.
-Nun ist ja endlich auch bei uns ein vielversprechender Anfang zur
-Ausbeutung der feuchten Schatzkammern gemacht worden, aber die ersten
-Jahre deutscher Hochseefischerei waren doch kaum etwas anderes als
-blindlings unternommene Plünderungszüge, Raubbau schlimmster Art,
-förmliche Seeräuberei, und erst neuerdings beginnt man sich eines
-Besseren zu besinnen und die Sache planmäßiger zu gestalten. Das ist auch
-dringend nötig. Wir müssen lernen, die flüssige, sich selbst befruchtende
-Fläche ebenso rationell zu bewirtschaften, wie den Acker, wir müssen hier
-wie dort pflügen, hegen und ernten lernen, müssen ebenso gute Wasser- wie
-Landwirte werden, um die von dem schaffungsfrohen Meere in Form von
-schmackhaften und leicht verdaulichen Fischen erzeugten
-Proteinverbindungen und Kohlehydrate all den Millionen zugänglich zu
-machen, denen anderes Fleisch nur sehr knapp zugemessen ist. Die rasch
-erblühte Wissenschaft der Meeresbiologie weist uns ja den Weg, wie wir
-die Billionen Lebenskeime, die die Natur in unverwüstlichem Übermut im
-Meere fortwährend auswirft, aber mit demselben Übermute ebenso massenhaft
-wieder verderben und verschlingen läßt, erhalten und zu einer
-unerschöpflich reichen Nahrungsquelle umwandeln können. Freilich geht die
-Zeugungskraft des Meeres über unsere kühnsten Vorstellungen hinaus, aber
-schon die ungeheure Zahl von Eiern, die weibliche Heringe oder gar
-Schellfische in ihrem Leibe bergen, ist Beweis dafür, daß eine so
-außerordentliche Fülle des Lebens unmöglich sich voll entfalten kann,
-denn sonst würde es sehr bald dem weiten Weltenmeere selbst an Raum
-fehlen zur Unterbringung so zahlloser Geschöpfe. Wenn auch jeder
-Augenblick das Leben im Meer millionenfach wieder erzeugt, so fällt es
-zum weitaus größeren Teil doch ebenso schnell der unersättlichen Gier der
-Meeresräuber zur Beute, sodaß nur ein geringer Bruchteil zur Entwicklung
-gelangt und dem Menschen später zur Speise dienen kann. Daher sichert uns
-auch die unerschöpflich erscheinende Fülle des Lebens im Meer nicht vor
-einem Ende mit Schrecken. Die Menschen haben auch einst gedacht, daß die
-Wälder nie alle werden und die Fruchtbarkeit der Erde nie abnehmen könne,
-und sind doch auf recht bittere Weise eines anderen belehrt worden. Aber
-trotz der gemachten herben Erfahrungen wüsten wir in der gleich tollen
-und rücksichtslosen Weise auf die Schätze des Meeres los, nach dem alten,
-leichtsinnigen Worte »Nach uns die Sintflut«. Erst in letzter Zeit machen
-sich Anzeichen zur Besserung geltend, denn die Wissenschaft hat ja durch
-Aufhellung der früher so rätselhaften Wanderzüge der Fische und die
-Erforschung ihrer Ernährungsverhältnisse, insbesondere durch die
-Planktonlehre, einen gangbaren Weg zur planmäßigen Bewirtschaftung des
-Meeres gewiesen. Schlägt man diesen zielbewußt und unter Zuhilfenahme
-aller technischen Behelfe der Neuzeit ein, so wird der Meeresacker auch
-in Zukunft ohne wirklichen Dünger und eigentliche Aussaat goldene Ernten
-bringen.
-
-Anstrengend und beschwerlich in hohem Maße wird die Seefischerei
-freilich immer bleiben, und auch nicht ungefährlich, denn mit dem
-trügerischen Gott der Wogen und Winde läßt sich ein festes Abkommen nun
-einmal nicht treffen. Aber die Beschäftigung auf dem Wasser ist gesund,
-stählt den Körper, schärft die Sinne, festigt den Charakter, erzeugt
-Selbstvertrauen, Entschlossenheit und Geistesgegenwart. Deshalb bildet --
-und diesem Umstand kommt eine hohe politische Bedeutung zu -- die
-Meeresfischerei zugleich die beste Pflanzschule für leistungsfähige
-Kriegs- und Handelsflotten. Wer von Jugend auf den Umgang mit dem Meere
-gewohnt, mit seinen Tücken vertraut, gegen seine Gefahren gewappnet ist,
-der wird auch einen vollwertigen Matrosen abgeben. Nicht umsonst sprechen
-die Engländer von ihrer »_Fishing-natured navy_« (der durch die Fischerei
-genährten Seemacht). Ganze Männer erfordert die Fischerei jederzeit, ganz
-besonders bei stürmischem Winterwetter, wenn die Taue mit Eis überzogen
-sind, die Segel vor Frost knarren und ächzen und der Wind die prickelnden
-Schneekristalle in die Augen bläst. Wie oft habe ich dann nicht unsere
-Nehrungsfischer nach mehrtägigem Aufenthalt auf See halb erfroren
-ankommen sehen, ohne daß sie auch nur einen Schwanz gefangen hätten. Aber
-ein andermal warf ihnen die Laune des Meeresgottes in wenigen Stunden ein
-kleines Vermögen in den Schoß. Fischerei ist eben Lotteriespiel. Freilich
-ein solches mit hohen Gewinnen, aber auch mit dem Einsatz des Lebens. Von
-so ausschlaggebender Bedeutung ist sie für alle Küstenvölker, daß sie
-nicht selten sogar in die Geschichte ihrer Staaten entscheidend
-eingegriffen hat. Holland z. B. verdankt die Grundlagen seiner ehemaligen
-Seeherrschaft den Heringszügen. Die Geschichte der Fischerei ist so alt
-fast wie das Menschengeschlecht selbst. Auch die Speisegesetze des Alten
-Testaments beschäftigen sich bereits mit den Meeresfischen, und
-unternehmende Händler aus Tyrus brachten eingesalzene oder getrocknete
-Seefische nach dem Fischtor an der Nordostecke Jerusalems. Vortreffliche
-Fischer und Fischkenner waren die Römer, und bei ihren üppigen
-Tafelgenüssen spielten die Schuppenträger eine große Rolle. Antonius und
-Kleopatra ergötzten sich an der Seefischerei, Trajan betrieb sie mit
-Leidenschaft, Ausonius besang in schwunghaften Versen die
-Schmackhaftigkeit der verschiedenen Fischarten, Lucullus ließ einen
-kleinen Berg abtragen, um seine Fischteiche mit Meereswasser versehen zu
-können, gewissenlose Schwelger mästeten ihre fetten Muränen mit dem
-Fleisch ins Wasser gestürzter Sklaven, und das Scheusal Heliogabal ließ
-die Fische lebend auf die Tafel bringen, um sich an ihren langsamen
-Todesqualen zu ergötzen, und würzte dann ihr Fleisch mit Pulver aus
-echten Perlen.
-
-Reizvoll, anregend und voll ungeahnter Abwechslung ist die Seefischerei,
-in ungleich höherem Grade jedenfalls als die Binnenfischerei, wo ja in
-weiten Kreisen namentlich der Angelsport als ein Ausbund von Langeweile
-gilt, wenn er es auch in Wirklichkeit keineswegs ist. Versetzen wir uns
-einmal im Geiste auf einen Fischdampfer! Schon beim ersten Morgengrauen
-erdröhnt donnerndes Gepolter auf dem Deck. Die Vorbereitungen zum
-Ausbringen des Netzes haben begonnen. Längs der Reeling liegen an Back-
-und Steuerbord zwei riesige Baumstämme, an denen das Fang- und das
-Reservenetz befestigt sind; an ihnen sind mächtige eiserne Bügel von über
-Mannesgröße angebracht, dazu bestimmt, beim Schleifen über Grund den Baum
-freizuhalten und seine Bewegungen zu erleichtern. Immer lebendiger wird
-das Bild, die Mannschaft steht bereit, der Kapitän ist auf seinem Posten
-am Ruder -- alles klar! Jetzt luvt er an, d. h. dreht das Schiff so, daß
-der Wind von ihm wegstreicht, (ehe dies geschehen, darf kein Manöver
-stattfinden, das Netz würde sonst in die Schraube geraten) -- kräftige
-Fäuste packen das Netz und werfen es über Bord, allmählich treibt es auf
-und seitwärts nach hinten, einige Mann erfassen den Bügel am Vorderende
-des Baumes, und polternd schlägt das Ungetüm über die Reeling in die hoch
-aufspritzende Flut, schnell abtreibend. In dem Augenblick, in dem der
-Baum quer steht, wird auch das hintere Ende mit seinem Bügel über Bord
-geworfen -- einige Schwingungen hin und wieder, dann liegt er wagerecht
--- die Stahltrosse wird ausgesteckt und saust rasselnd hinaus -- das
-Schiff fällt ab und nimmt seinen alten Kurs wieder auf -- das Manöver ist
-beendigt, und es beginnt nun der eigentliche Fischzug, während dessen der
-Dampfer mit nur 2 Meilen Fahrt 6-8 Stunden lang vor seinem Netze durch
-die See zieht. Dieses wird also von einem etwa 16 Meter langen und
-sorgfältig für diesen Zweck ausgewählten Buchen- oder Eichenstamm
-geschleppt. An ihm ist ein 4 Zoll starkes Grundtau befestigt, daran eine
-sogenannte Bolzleine, und von dieser aus verlaufen fliegende, vierkantige
-Maschen, an die sich dann die eigentlichen Netzmaschen ansetzen. Nur der
-beste Manilahanf kommt dabei zur Verwendung, wird überdies noch mit
-Karbolineum getränkt, hält aber trotzdem selten länger als ein halbes
-Jahr aus. Das Netz hat eine Länge von etwa 75 Metern und ist nach Art der
-Mausefallen gebaut. In die durch den Baum weit ausgereckte Öffnung
-streichen die Fische hinein, bis in das Hinterende, den sogenannten Sack,
-den eigentlichen Behälter, der vorn durch einen lose aufliegenden
-Netzteil nach innen geschlossen wird, so daß die Fische wohl hinein,
-nicht aber heraus können. Die ganze Vorrichtung wird an einer Stahltrosse
-über den Grund geschleppt (Abb. 1).
-
-[Illustration: Abb. 1. Grundschleppnetz (durch Scherbretter
-offengehalten). Nach einer Zeichnung von R. Oeffinger.]
-
-Stunde um Stunde verstreicht in langweiligem Gleichmaß, und mit
-gespannter Erwartung sieht alles dem gegen Mittag stattfindenden Fischzug
-entgegen. Nichts hört man, als das einförmig träge, schwerfällig
-stampfende Getön der Maschine. Endlich naht die Entscheidung. Wieder
-steht der Kapitän am Ruder -- ein Zeichen -- der Dampfer luvt an, und die
-durch Dampf getriebene Winde beginnt ihr metallisch dröhnendes Getöse,
-indem sie die Stahltrosse einhievt (einholt), die, fast bis zum Springen
-gesteift, durch eine mit Kolben versehene Luke sich am Oberdeck
-hereinzwängt. Jetzt wird der Baum sichtbar, wagerecht hinten und vorn
-gehievt, dann eine »Taille« von mächtiger Stärke eingehakt, und nun heißt
-es, ihn hoch holen, was bei einem solchen Koloß natürlich auch nur die
-Dampfkraft zu schaffen vermag. Zunächst wird das Achterende vorgehievt,
-dann kommt das Vorderende dran, und nun steigt wie ein triefendes
-Seeungetüm Baum und Netz allmählich über Wasser, höher und höher, und
-endlich donnert, übergeholt, der eiserne Bügel auf Deck. Im gleichen
-Augenblick faßt die Mannschaft ins Netz. Weit nach hinten beugen sich die
-Leute über und holen mit Anstrengung aller Kräfte ruckweise Stück für
-Stück herauf. Rauher Gesang muß die saure Arbeit erleichtern, und ein
-graubärtiger Mecklenburger mit wetterhartem Ledergesicht gibt dabei den
-Takt an. Das Netz ist an Deck. Weit vorgebeugt stiert der Kapitän mit
-langgestrecktem Halse ins Wasser, nicht weniger gespannt die gesamte
-Mannschaft -- alle nach einer bestimmten Stelle. Plötzlich steigen an
-dieser ganze Massen von Blasen perlend an die Oberfläche, und darunter
-aus der Tiefe kommt es grünlich schimmernd höher und näher: es ist der
-Sack, der auftreibt, aber er tut dies nur, wenn er reichen Fischsegen
-birgt. Ein vergnügtes Schmunzeln wetterleuchtet über das zerknitterte
-Gesicht des Kapitäns; er hat guten Grund dazu, denn sein Einkommen
-besteht hauptsächlich in dem Gewinnanteil. Jetzt ist der Sack so hoch,
-daß man den weißschimmernden Inhalt erblickt, festgekeilt in gewölbter
-Masse, wobei aus den Maschen namentlich die schmalen Leiber der Seezungen
-herausragen. Wieder beginnt das Dröhnen der Winde, unendlich langsam und
-schwerfällig erhebt sich der pralle Sack triefend in die Lüfte, der
-Dampfer neigt sich merklich nach Steuerbord über unter der Last, die
-jetzt, hereingeschwungen, über dem Vorschiff schwebt. Vergeblich versucht
-man, den schürzenden Knoten zu lösen, die strotzende Masse im Netz
-bekneift ihn; erst als ein Mann aufs Tau springt und mit der ganzen
-Körperlast wippend auf und niederschwingt, gibt es nach, und nun -- ein
-dumpfer Schlag aufs Deck -- mit einem Ruck hat der Sack sich seines
-Inhalts entledigt, und plötzlich ist der Raum von einer weiß
-schimmernden, glitzernden Masse übergossen, die einen Augenblick, als
-schöpfe sie Atem nach der furchtbaren Pressung im gestrafften Netz, in
-Ruhe verharrt und dann zappelnd, springend, schlagend und glitschend,
-wirr durch- und übereinander drängend ein so verblüffendes Bild des
-Lebens oder eigentlich des Sterbens darbietet, daß es jeder Beschreibung
-spottet.
-
-Die Hauptmasse bildet der Schellfisch, der mit seinem weißen Leibe
-gewissermaßen den Untergrund des ganzen Bildes malt, und der gefräßige
-Kabeljau mit dem gierig glotzenden Auge und dem weit geöffneten Rachen.
-Daneben windet sich ein Steinbutt mit flachen Rändern, kurzem Schwänzchen
-und einem Kopf, der aussieht, als hätte der Schöpfer sich verzeichnet.
-Und was ist das hier? Ein Steinbutt nicht, aber ein ähnliches Getier mit
-starken Stacheln auf dem breiten, buntscheckig getigerten Rücken und
-einem ebenso fleckigen Stachelschwanze -- ein Rochen oder, wie der
-Fischer ihn nennt, ein »Franzose.« »Rrrruck, rrrruck« sagt es plötzlich
-neben uns -- das sind Knurrhähne. Dazwischen schimmert rot und goldfarben
-das Petermännchen -- »mecklenburgischer Ritter« heißt es in der
-Fischersprache, wohl kaum seiner hohen Denkerstirn, sondern eher der
-harten, scharfkantigen Rückenflosse wegen. Weiterhin zarte Seezungen mit
-schmächtigen Leibern und graue Schollen, Proletarier im Aussehen, aber
-nicht im Geschmack. Hallo -- ein Hai? Wahrhaftig -- die dreieckige
-Rückenflosse, der weiße Bauch, der zurückspringende Unterkiefer -- alles
-stimmt. In Sprüngen schiebt sich der meterlange Bursche über die anderen
-Fische hin. Immer neue Formen unterscheidet man in der wirren Masse, die
-wie mit einer Art Füllsel durchsetzt ist von schlammüberzogenen Muscheln
-und sonderbar traubenartig gestalteten Lebewesen eklen Aussehens,
-»Seehenne« benannt. Da schnellt es auf, ein großer, schlanker und
-schöner, man könnte sagen, eleganter Fisch von gut Meterlänge mit
-fadenförmigem Auswuchs am Unterkiefer -- der Lengfisch. Daneben ein
-Seehecht mit dem gefährlichen Gebiß, dem man besser im Bogen aus dem Wege
-geht. Wer zählt und nennt sie alle, edle und unedle, seltene und gemeine,
-Korksohlen, Schaben, Rotzungen, Makrelen und andere mehr? Dazwischen und
-darüber krabbelt und kriecht es -- Seespinnen mit gespenstigem Kopf und
-langen Beinen, Krebse von teilweise riesigen Ausmaßen, auf deren
-gepanzertem Rücken sich eine ganze Welt von Schmarotzern häuslich
-eingerichtet hat. Ein mächtiger Hummer öffnet die gewaltigen Scheren zum
-Angriff -- mitten aus dem glänzenden Weiß der Fischleiber hebt er sich
-funkelnd schwarz ab, und sein Panzer erinnert in der Wirkung überraschend
-an den eines japanischen Ritters. Einer der Matrosen befreit plötzlich
-mit erschrockenem Ruck seine Stiefel aus einer Umklammerung und fällt
-dabei ausglitschend mitten unter die Fische. »Ein Kater -- ein Kater!«
-Richtig -- ein Katfisch war gefangen und hatte den Stiefel eines Mannes
-erwischt, jedoch nur ein kleines Ende, sonst wäre der Matrose nicht so
-leicht losgekommen. Ein grauliches, halb mannslanges Tier mit dem
-Ausdruck gemeinster tierischer Roheit in dem riesigen Kopfe. Ihm
-entspricht auch alles übrige -- der Körper hat keine eigentlichen
-Schuppen, sondern eine faltige, schlammgraue Haut, der Rücken keine
-eigentliche Flosse, sondern mehr eine schlammgraue, handbreite Mähne. Das
-Maul aber ist mit richtigen, stumpfen Menschenzähnen besetzt, Zunge und
-Gaumen bilden eine harte Hornmasse. Was zwischen diese Zähne gerät, wird
-rettungslos zermalmt. Ein Mann steckt dem Katfisch einen Besenstiel ins
-Maul, in den er sich sofort derart verbeißt, daß er daran aufs Achterdeck
-geschleift werden kann. Auch das Fleisch dieses Untiers wird verkauft,
-aber in Kotelettenform und der Kopf vorher abgeschnitten, da es der
-Käufer sonst wohl mit dem Gruseln bekommen würde. Aus der gegerbten Haut
-werden in Norwegen Stiefel gemacht. Noch ein anderer merkwürdiger
-Schlingel ist da -- ein Seehase, jenes sonderbare, kugelig-stachelige
-Wesen mit den wulstigen Menschenlippen, das man als Dämon der
-Seekrankheit bezeichnen könnte, denn von Zeit zu Zeit speit er den
-wässerigen Inhalt seines Bauches mit dem ganzen Jammerausdruck eines von
-Poseidon geplagten Menschenkindes aus.
-
-Die Mannschaft beschäftigt sich zunächst mit dem Auslesen der Fische in
-eine große Anzahl weidengeflochtener Körbe, deren jeder 50-60 kg faßt.
-Hand in Hand damit geht auch das Abtöten und Ausweiden. Kreischende
-Geschwader von Möwen und Seeschwalben sowie ganze Züge von
-»Meerschweinen« (Delphinen) folgen dem leckeren Fraß versprechenden
-Schiffe und gieren nach den ins Wasser geworfenen Eingeweiden. Dann
-treten Männer mit Schlauch und Besen an, reinigen zunächst durch einen
-starken Wasserstrahl den Inhalt der Körbe und säubern dann das Deck,
-nachdem andere alle minderwertigen oder abgestandenen Fische, Muscheln
-und dgl. über Bord geschaufelt haben. So hält man heute durch strenge
-Reinlichkeit die widerwärtigen Ausdünstungen der Fischrückstände von den
-Dampfern fern, die früher für Menschen mit empfindsamen Geruchsorganen
-den Aufenthalt auf ihnen zur Qual machten. Schließlich wird der ganze
-Fang unter Bord verstaut, und mit vergnügtem Gesicht trägt der Kapitän
-die Anzahl der Körbe in sein Tagebuch ein.
-
-Nicht immer aber liefert der Fischzug eine so mannigfache Beute, nicht
-immer einen so reichen Ertrag. Gar nicht selten hängt der aufgezogene
-Netzbeutel schlaff und fast leer herab, oder sein Inhalt erweist sich als
-ein ärmlich-schrumpeliges Päckchen minderwertiger Fische. Das ist immer
-noch besser, als wenn das Netz zwischen die Trümmer eines Wracks gerät,
-wie es in der stark befahrenen Nordsee oft genug der Fall ist. Dann
-enthält es nur in Tang und Schlick gehülltes Trümmerwerk aller Art mit
-unkenntlichen, schlammigen Anhängseln, ist überdies meist zerrissen und
-macht langwierige und kostspielige Flickarbeit notwendig. So schraubt
-sich Tag für Tag ab in regelmäßigem Einerlei von Fischzug zu Fischzug.
-Man hört währenddem nur von Fischen, sieht nur Fische, ißt nur Fische,
-und so vermag man schließlich auch kaum noch etwas anderes zu denken als
-Fische. Jedermann begrüßt es deshalb als Erlösung und willkommene
-Abwechslung, wenn endlich alle Körbe gefüllt sind und der Kiel heimwärts
-gerichtet wird. Mit wehender Reederflagge holt der Fischdampfer durch die
-Schleusen und vertaut sich im alten Hafen von Bremerhaven, diesem
-Brennpunkte des deutschen Fischhandels. Hier beginnt sofort das Löschen.
-In den Fischschuppen ertönt das Getöse der Eismaschine, die die großen
-Blöcke zu Grus zermalmt. Gebückte Gestalten schichten in strohbelegte
-Körbe Fische und Eis, Fische und Eis, immerfort, mit erstaunlicher
-Schnelligkeit (Abb. 2). Draußen rollen schon die Eisenbahnwagen herbei,
-um das seefrische Meeresfleisch als Eilgut ins Binnenland zu tragen. Wenn
-es dort am nächsten Morgen auf dem Wochenmarkte angeboten wird, sind die
-Fischer längst wieder auf hoher See und werfen ihre Netze aus.
-
-[Illustration: Abb. 2. Korb zur Versendung von Seefischen. (Aus dem
-Flugblatt des Deutschen Seefischerei-Vereins.)]
-
-Seit Jahrhunderten ist der =Hering= (_Clúpea haréngus_) derjenige Fisch,
-dem seines massenhaften Auftretens, seiner Schmackhaftigkeit und seines
-hohen Nährwerts wegen von den Küstenbewohnern des nördlichen Europa am
-meisten nachgestellt wird; kein zweiter hat für die Ernährung breiter
-Volksschichten eine auch nur ähnliche Bedeutung erlangt wie er. Er ist
-der Fisch des Armen, ein Fleisch für alle, eine unentbehrliche Zukost für
-weite Kreise, ein wahrer Segen für unsere Küstenbevölkerung. Aber er
-bildet nicht nur, halb vertrocknet und mit einer Salzkruste überzogen, im
-Verein mit Pellkartoffeln oder Roggenbrot des armen Mannes ärmlichste
-Mahlzeit, sondern prangt auch frisch und fetttriefend auf üppiger Tafel
-und hat sich überdies auch noch das unerschütterliche Zutrauen aller
-feuchtfröhlichen Zecher erworben, die sich auf seinen Beistand verlassen,
-wenn sie dem Bacchus oder Gambrinus zu erliegen drohen. Geradezu
-kulturgeschichtliche Bedeutung kommt diesem unscheinbaren Fische zu.
-Selbst in der Kriegsgeschichte hat er mehr als einmal eine Rolle
-gespielt. So 1428, unmittelbar vor dem Auftreten der Jungfrau von
-Orleans, als die Engländer von den Franzosen hart bedrängt und
-ausgehungert wurden. Da erschien zu guter Stunde Sir John Falstaff mit
-Hilfstruppen und einer ungeheuren Ladung Heringe, durch die die
-Ermatteten wieder zu Kräften kamen und so den stürmenden Gegner vorerst
-erfolgreich zurückschlugen. Das war die berühmte »Heringsschlacht« bei
-Rouvray, auf der alten Walstatt zwischen Tours und Poitiers. Niemals aber
-hätte der Hering (der Name soll mit seinem »heerweisen« Erscheinen
-zusammenhängen, während ihn andere mit der altholländischen Handelsmarke
-des Rings [_hring_] in Verbindung bringen) eine so bedeutsame Stelle in
-der Rangordnung menschlicher Speisen errungen, wenn nicht zu seiner
-Wohlfeilheit noch seine ungewöhnlich mannigfaltige Zubereitungs- und
-Aufbewahrungsweise hinzugekommen wäre. Namentlich durch das Einsalzen
-wurde der Fisch auch für den Binnenländer erst recht nutzbar und damit zu
-einem wichtigen Handelsartikel für die ganze Welt, während früher sein
-Verbrauch auf kleine Küstenstriche beschränkt war. Ein schlichter
-holländischer Fischer, Willem Benkels oder Bökels (daher die Ausdrücke
-»einpökeln« und »Böklinge« = »Bücklinge«) soll in der 2. Hälfte des 14.
-Jahrhunderts diese wichtige Entdeckung gemacht und damit den Grundstein
-für den Reichtum und die Handelsmacht seines Vaterlandes gelegt haben.
-Die Chroniken berichten, daß selbst der weltgebietende Kaiser Karl V.,
-der im Gegensatze zu den heutigen Spaniern leidenschaftlich gern
-gesalzene Heringe aß und auch recht wohl wußte, daß »Amsterdam aus
-Heringsgräten gebaut« sei, 1536 von Brüssel aus in Begleitung seiner
-beiden Schwestern, der Königinnen von Ungarn und Frankreich eigens nach
-dem ärmlichen Fischerdörfchen Bieroliet (welch passender Name!) reiste,
-um das Grab des verdienten Mannes aus dem Volke durch seinen Besuch zu
-ehren. Nach anderen Quellen soll freilich schon der fromme Bischof Otto
-von Bamberg, der Bekehrer Pommerns ([gestorben] 1139) das Einsalzen der
-Heringe gekannt haben.
-
-Über die Naturgeschichte des Herings, der eines der friedfertigsten
-Geschöpfe ist und sich durch den ungemein zarten Bau seiner Kiemen
-auszeichnet, weshalb er nur schwer lebend zu versenden und kaum in
-Gefangenschaft zu halten ist, sind wir noch keineswegs so gut
-unterrichtet, wie es die ungeheure wirtschaftliche Bedeutung dieses
-Fisches wünschenswert machte; späteren Forschungen winkt hier noch ein
-weites und lohnendes Arbeitsfeld. Noch immer wissen wir nicht, worauf
-eigentlich das plötzliche Ausbleiben der großen Heringsschwärme aus
-Gegenden, wo sie Jahrhunderte lang zu Milliarden erschienen,
-zurückzuführen ist, wir können nur annehmen, daß allzu schonungsloser
-Fang oder uns unbekannte ozeanographische Veränderungen die wirksamen
-Faktoren dabei sind. Nur das steht fest, daß Perioden reichen und
-spärlichen Fangs mit einer gewissen Regelmäßigkeit in bestimmten
-Zeiträumen für die einzelnen Länder abwechseln. Während im verflossenen
-Jahrhundert Schotten und Norweger die Meistbegünstigten waren und sich an
-den deutschen Küsten nur ein wenig lohnender Fang ermöglichen ließ, ja
-die Ostsee nahezu ausgefischt erschien, will es scheinen, daß das neue
-Jahrhundert uns wieder einen stark vermehrten Heringssegen bescheren
-wird. So brachten schon die Jahre 1907 und 1909 ungeheure Heringsschwärme
-an unsere Küsten, und der reiche Fang war der hart geprüften
-Fischereibevölkerung wohl zu gönnen. Einzelne Fischerdörfer an der Kieler
-Föhrde erzielten in einer einzigen Nacht Fänge von 8 Millionen Stück und
-mehr. Es war kaum möglich, die Netze ordnungsgemäß einzuziehen, denn
-Rücken an Rücken gedrängt erfüllten die Fische in dichten Mengen die
-Flut. Der Preis für Räucherware, die beliebten Bücklinge, ging aber
-trotzdem nicht wesentlich herunter, da der Ring der Räucherer dafür
-sorgte, daß der Meeressegen dem Volke keine billige Nahrung bringen
-konnte. Dagegen wurde auf dem Lübecker Markt der Eimer frischer Heringe
-(150-200 Stück) mit zwanzig Pfennigen verkauft, ein Preis, der stark an
-die fast sagenhaft gewordenen Zeiten fabelhaften Fischreichtums unserer
-Meere erinnerte. Mit Vorliebe benutzen die Heringe neuerdings den
-Nordostseekanal selbst zum Laichen, bekamen hier aber zunächst infolge
-der starken Verunreinigung des Wassers einen widerlichen Karbolgeschmack,
-der jedoch verschwunden ist, seit man in richtiger Erkenntnis der
-Sachlage für eine möglichste Klärung und Unschädlichmachung der
-zahlreichen Abwässer Sorge getragen hat. Früher glaubte man, daß der
-Hering seinen eigentlichen Wohnsitz in den nördlichen Eismeeren habe und
-von da aus lediglich des Laichgeschäftes halber die südlicheren
-Meeresteile besuche. Diese Annahme hat sich jedoch als unhaltbar
-herausgestellt, es scheint vielmehr sicher zu sein, daß der Hering
-räumlich nur beschränkte Wanderungen vollführt, die mehr in einem
-Aufsteigen aus tieferen Schichten in flachere Meeresteile bestehen. So
-sollen große Heringsvölker ständig in den tiefen Teilen des Atlantik
-unmittelbar vor der Westküste Irlands und Schottlands wohnen, während die
-flache Ostsee von unserem Fisch wohl überhaupt nur zur Laichzeit
-aufgesucht wird. Diese ist nicht streng an eine bestimmte Jahreszeit
-gebunden, da alte und junge Heringe zu verschiedener Zeit zu laichen
-scheinen. Auch noch nicht fortpflanzungsfähige Heringe wandern schon und
-sind den Fischern als Jungfern- oder Matjesheringe bekannt; sie haben
-zartes Fleisch, sind aber wenig haltbar.
-
-Das geübte Auge der Fischer und der Fachgelehrten unterscheidet eine
-ganze Reihe von Lokalrassen, die ihre bestimmten Wanderstraßen einhalten,
-die sicherlich auch ihre bestimmten Wohnplätze haben und sich nicht
-leicht mit anderen Rassen vermischen. Simroth sucht ihre Entstehung in
-geistvoller Weise durch seine Pendulationstheorie zu begründen. Nach
-seiner Auffassung entstammt der Hering ursprünglich dem Süßwasser. Dies
-geht auch daraus hervor, daß die Charaktermerkmale der einzelnen Rassen
-sich umso mehr verwischen, je weiter sie in die ja sehr salzarme Ostsee
-vordringen. Ganz im Sinne des Darwinismus unterscheiden sich die
-Heringsrassen in der nur graduell verschiedenen Weise, wie die einzelnen
-Arten der Clupeiden, und man kann von der Entstehung der Varietäten auf
-die der Gruppen höherer Ordnung schließen. Deren Scheidung hat sich
-wahrscheinlich unter dem 42. Breitengrade vollzogen, also an der heutigen
-Südgrenze der Arten, wo die Geoidform der Erde am meisten von der Kugel
-abweicht, demnach die Beeinflussung der Organismen am stärksten sein muß.
-Von hier ist zuerst die Sardine, später die Sprotte ins offene
-Meer mit seinen gleichmäßigeren Temperatur- und reichlicheren
-Ernährungsverhältnissen abgewandert, während der Hering am längsten die
-Mitte zwischen Süßwasser- und Seefisch innehielt. Den genannten Arten am
-ähnlichsten ist übrigens der kleine Hering des Weißen Meeres, also die
-nördlichste Rasse. Die Herbstheringe sollen tiefer in die brackigen
-Buchten eindringen als die Frühjahrsheringe. Von der überwältigenden
-Massenhaftigkeit der einen wahren Himmelssegen für viele Küstenländer
-bildenden Heringsschwärme vermag sich derjenige, der dieses großartige
-Schauspiel nicht mit eigenen Augen geschaut hat, kaum einen richtigen
-Begriff zu machen. So dicht schwimmen die sich von verhältnismäßig
-kleinen Meeresorganismen nährenden Fische zusammen, daß ein dazwischen
-gestecktes langes Ruder aufrecht stehen bleibt, daß ein in diese
-fortpflanzungshungrige Massenprozession geratenes Boot emporgehoben wird
-und in Gefahr gerät, daß die »Milch« der Männchen weithin das Wasser
-trübt. Die Weibchen kleben ihre Eier entweder an Tang oder sie lassen sie
-einfach frei in die See fallen. Mit atemloser Spannung folgt man am
-Strande, wo außer Tausenden von Fischern auch ungezählte Salzhändler,
-Faßdaubenverkäufer, Mädchen, Gaukler, landstreichende Prediger und
-Seelenerwecker versammelt sind, der Bewegung der Heringszüge. »Wenn die
-wirkliche Fischzeit beginnt«, schildert Bertram, »bemächtigt sich eine
-Art Wahnsinn aller Versammelten: alles arbeitet, alles spricht, alles
-denkt nur vom Heringe.... Junge Herzen beten für den Erfolg der Boote
-ihrer Geliebten, weil dieser Erfolg ihnen des Herzens größtes Sehnen, den
-Ehering und die Haube bringen soll; aus des Sulzers Augen leuchten
-gehobene Stimmung und große Hoffnung hervor; die Besitzer noch
-unbenutzter Boote scheinen glücklich zu sein; kleine Kinder selbst nehmen
-an der Erregung vollen Anteil, auch sie sprechen von nichts als vom
-Heringe. Es wird verglichen und getüftelt, geweissagt und gewettet,
-geflucht und gebetet, gezweifelt und gehofft.« In Norwegen spannt man
-ganze Buchten, nachdem die Heringe ihren Einzug gehalten haben, mit
-riesigen Netzwänden ab und fischt dann die Meeresernte allmählich heraus.
-Dann kann es vorkommen, daß 100 Yachten und mehr mit je 100 Tonnen
-gefangener Heringe befrachtet werden. Oft ist der Segen so groß, daß auch
-die vielen Tausende fleißiger Hände ihn nicht in 2 bis 3 Wochen zu
-bewältigen vermögen, so daß ein großer Teil der eingeschlossenen Fische
-abstirbt und nun weithin Wasser und Luft verpestet, worauf die Heringe
-einen solchen Platz jahrelang meiden sollen.
-
-[Illustration: Abb. 3. Der Räucherofen in der Räucherei von H. A. Krantz
-in Kiel.]
-
-Obwohl oft auch Millionen Heringe lediglich zum Düngen der Felder
-verwendet werden müssen, ist die unter Umständen so ergiebige
-Heringsfischerei doch als eine Art Glücksspiel zu bezeichnen, denn es ist
-nicht selten, daß die Kutter in stürmischen Zeiten ohne einen einzigen
-Fisch zurückkehren müssen und vielleicht gar noch ihre wertvollen Netze
-verloren haben. Bei uns fischt man zumeist mit Netzfleethen, deren jeder
-Logger zwei führt und damit unter günstigen Umständen in einer Nacht
-70-80000 Heringe zu fangen vermag. Während der Nachmittage erfolgt das
-umständliche Auslegen der Netze, nur des Nachts fangen sich die Heringe,
-und am Morgen werden dann die Netze geleert. Ein besonders schnell
-segelndes Fahrzeug, »Jager« genannt, übernimmt die bereits an Bord
-zurechtgemachte Ausbeute der Logger und bringt sie gleich an Land. Kann
-sich auch die deutsche Heringsfischerei nach Umfang und Ausdehnung noch
-nicht mit der ausländischen messen, so zeichnet sie sich doch vorteilhaft
-durch die in ihren Betrieben herrschende Reinlichkeit und durch die
-sorgfältige Behandlung und Zubereitung der gefangenen Fische aus, deren
-Güte dadurch ganz wesentlich gewinnt. Unter Vollheringen versteht man die
-im Gegensatz zu den Matjesheringen geschlechtlich voll entwickelten,
-großen und fetten Fische, unter Ihlenhering die nach dem Ablaichen
-gefangenen, unter Wrackhering die Ware geringerer Güte, unter Bückling
-den geräucherten Hering. In England, dem Lande der Rücksichtslosigkeit,
-verwendet man leider zum Heringsfang vielfach zu engmaschige Netze, in
-denen sich auch die wertlosen Jungheringe zwecklos mitfangen, wodurch der
-Fischerei schwerer Schaden erwächst und die Meere von diesen nützlichen
-Fischen entvölkert zu werden drohen. Das englische Parlament plant
-deshalb jetzt strenge Maßregeln gegen eine derartig gemeingefährliche
-Raubfischerei.
-
-[Illustration: Abb. 4. Das Aufziehen der Sprotten auf die Spillen in der
-Räucherei von H. A. Krantz in Kiel.]
-
-Zarter im Fleisch und feiner im Geschmack als der Hering ist die
-kleinere Sprotte (_Clúpea spráttus_), die in ihrer Lebensweise ganz dem
-großen Vetter gleicht. Auch sie wird namentlich in der Kieler Föhrde
-massenhaft gefangen (die Eckernförder Fischer erbeuten allein
-durchschnittlich 16 Millionen im Jahr) und geräuchert als »Kieler
-Sprotte« in den Handel gebracht. In Norwegen dagegen salzt man denselben
-Fisch ein, und er erfreut sich dann als Anchovis eines guten Rufes. Auch
-die Sprottenfischerei hat an den guten Heringsfängen der letzten Jahre
-ihren vollgewichtigen Anteil gehabt, und es liegen darüber ganz
-begeisterte Berichte von der Ostseeküste vor. In der Kieler Föhrde
-konnten beim Erscheinen der riesigen Herings- und Sprottenschwärme die
-Fischer ihre Boote fast allnächtlich bis zum Rande füllen, oft die
-übermäßig schweren Netze gar nicht ziehen, die Bahn vermochte kaum den
-Transport zu bewältigen und mußte vor die besonders eingestellten
-»Fischzüge« noch Vorspannlokomotiven legen, die Kiste Heringe mit 600
-Stück erzielte im Großhandel nur 50 Pfennig, trotzdem mußten die Fische
-noch waggonweise als Dünger fortgefahren werden. Solche Tatsachen geben
-einen Begriff von dem unerschöpflichen Reichtum, von der wunderbaren
-Fruchtbarkeit des Meeres. Hauptsitz unserer Sprottenräucherei ist das
-unweit Kiel auf der anderen Seite der Bucht gelegene Dorf Ellerbeck. Von
-einem eigentlich fabriksmäßigen Betrieb ist aber auch hier kaum die Rede,
-denn die meisten Räuchereien haben trotz ihrer großen Leistungsfähigkeit
-nur recht bescheidenen Umfang. Auch geht das ganze Verfahren unglaublich
-rasch vor sich, zumal in den Betrieben eine weitgehende und praktische
-Arbeitsteilung herrscht. Das Sprichwort »Frische Fische -- gute Fische«
-gilt hier mehr als je, und es ist ein gewaltiger Unterschied zwischen den
-gold- und fettglänzenden Fischchen, die noch tags zuvor munter im Meere
-herumschwammen, und den verschrumpelten, eingetrockneten Sprotten, die in
-den bekannten flachen Holzkistchen in den Schaufenstern der
-Delikatessenhändler unserer Kleinstädte prangen. Oft genug sind es trotz
-ihrer unzweifelhaften Kieler Herkunft auch gar keine echten Sprotten,
-sondern andere kleine Meeresfische. Man kann sich leicht genug darüber
-vergewissern. Streicht man nämlich den Fischen mit dem Finger auf der
-Unterseite des Bauches vom Schwanz nach dem Kopf entlang, so muß es sich
-rauh anfühlen, weil dort kleine Stacheln vorhanden sind. Trifft das nicht
-zu, so sind es auch keine echten Sprotten. Die frisch gefangenen
-Fischchen werden zunächst für eine Stunde in Salzlake gelegt und dann in
-wassergefüllten Kübeln oder gemauerten Bassins durch Bearbeitung mit
-Reisbesen entschuppt und gewaschen. Dann kommt das »Aufspillen«, indem
-man die Sprotten auf stricknadelstarke Eisenstäbe reiht, und zwar so, daß
-der Stab durchs Kiemenloch eingeführt wird und aus dem Maule wieder
-hervortritt. Die mit Fischen behängten Stäbe kommen in rechteckige,
-hölzerne, blechbeschlagene, je 2400 Stück fassende Rahmen und diese auf
-die Räucheröfen, zunächst unten hin, nach einigen Stunden an die oberste
-Stelle. Innerhalb 10 Stunden können 2 der kaminartigen Öfen über 10000
-Sprotten räuchern. Die gleichmäßige Unterhaltung des Feuers ist wichtig
-für die Erzielung hervorragend guter Ware. Man verwendet mit Vorliebe
-Erlenholz, schüttet auch ab und zu Lohe auf oder begießt mit Wasser, um
-eine recht kräftige Rauchentwicklung hervorzurufen; über die Rahmen und
-Öfen gespannte Vorhänge und Leintücher sorgen dafür, daß der Rauch den
-Fischen auch in vollem Maße zugute kommt. Nach Beendigung des Räucherns
-werden diese für eine halbe Stunde abgekühlt, dann von den Drähten
-abgestrichen und können nun sofort zum Versand verpackt werden. Den
-entsprechenden Betrieb in einer größeren, mehr fabrikmäßig eingerichteten
-Kieler Räucherei veranschaulichen unsere Abbildungen 3 und 4.
-
-Was die Sprotte für unsere deutschen Meere bedeutet, das ist die
-=Sardine= (_Clúpea pilchárdus_) für die Gestade des Atlantik und des
-Mittelmeers. Ja sie ist in volkswirtschaftlicher Beziehung noch
-wichtiger, denn das Wohl und Wehe weiter Länderstrecken hängt von dem
-Erscheinen dieses kleinen Fisches ab. Und das pflegt durchaus kein
-regelmäßiges zu sein, obschon man sich über die Gründe des gelegentlichen
-Ausbleibens bisher noch nicht recht klar zu werden vermochte, wie wir
-überhaupt über die Naturgeschichte der Sardine und insbesondere über den
-Verlauf ihrer Massenwanderungen noch weniger gut unterrichtet sind, als
-beim Hering. Es fehlte bisher auch der Zwang der Not zu solchen Studien,
-denn da die großenteils noch unbekannten Laichplätze des Fisches so
-ziemlich unbehelligt bleiben, ist auch von einer Abnahme der
-Riesenschwärme einstweilen nichts zu spüren. So beschränkt sich unsere
-Kenntnis des Fisches -- abgesehen von seinem Verhalten auf der Wanderung
--- fast nur darauf, daß er von noch zarterem Leibesbau ist als der Hering
-und deshalb von höchster Empfindlichkeit gegen Unbilden jeder Art, daß
-ihn dies aber nicht hindert an der Entwicklung einer großartigen
-Gefräßigkeit, die allerdings in der Hauptsache nur winzigen Krebstierchen
-gilt. Junge Sardinen scheinen ihrem grün gefärbten Darm- und Mageninhalte
-nach vielfach auch pflanzliche Stoffe zu sich zu nehmen; ferner Urtiere,
-kleine Ringelwürmer und gewisse, frei im Wasser schwimmende Wurmeier. Der
-Name soll damit zusammenhängen, daß früher an der Küste Sardiniens der
-ergiebigste Sardinenfang betrieben wurde, während heute entschieden die
-malerische Küste der Bretagne als der Hauptsitz dieser Fischerei
-bezeichnet werden muß. 8200 Boote und 32000 Fischer stehen dort ständig
-in ihren Diensten, und allein in dem Hafenplatze Concarneau verarbeiten
-60 Konservenfabriken alljährlich 1 Million Zentner Sardinen. Aber das ist
-noch lange nicht der ganze Fang. Es kommt vor, daß mit einem einzigen
-Zuge dem Meere Millionen der glitzernden Fischlein entrissen werden, doch
-es ist auch nichts Seltenes, daß die Boote vollkommen leer zurückkehren,
-was dann die düsterste Stimmung unter der Bevölkerung auslöst. So
-vermochten 1905 von 600 Sardinenbooten aus Douarnenez nur 50 einigermaßen
-Ladung zu erzielen. Auch überreiche Fänge sind den Fischern keineswegs
-erwünscht, denn das volkswirtschaftliche Gesetz von Angebot und Nachfrage
-trifft sie besonders hart, und die Preise sinken dann plötzlich derart
-(bis auf 2-1/2 Franken für das Tausend), daß sich das Hinausfahren und
-das Ausstreuen des kostspieligen Köders kaum noch verlohnt. Lustig genug
-sieht es ja aus, wenn die Boote mit den himmelblauen Netzen am Mast und
-mit geschwellten rabenschwarzen Segeln zum schmalen Hafenausgange
-hinaustreiben, während das Meer blausilbern schimmert, dabei rötlichgelbe
-und violette Tinten aufweist und weiße Spitzenhäubchen die kurzen,
-prallen Wogen krönen. Aber die Kehrseite der Medaille ist doch vielfach
-ein großes soziales Elend. Nur freiwillige Beschränkung der Fischerei und
-gesetzliche Festlegung eines Mindestpreises vermöchten dem Übel zu
-steuern. Die Sardine gilt als ein sehr scheuer Fisch, und ihr Fang
-erfordert deshalb große Vorsichtsmaßregeln. Daher auch die himmelblauen
-Netze, die für den Strand der Bretagne ebenso kennzeichnend sind, wie die
-roten Jakobinermützen der Fischer für den Golf von Neapel. Und da der
-Fang vielfach bei Nacht betrieben wird, verwendet man die schwarzen
-Segel, die den bretonischen Küsten ein so eigenes Gepräge geben. Am Tage
-machen sich die Sardinenschwärme oft schon von weitem bemerklich, da die
-Fischlein bei Sonnenschein, dicht aneinander gepreßt, gern zur Oberfläche
-emporsteigen, plätschern und springen und so die öde Wasserwüste in ein
-leuchtendes, blitzendes Silberfeld verwandeln. Der an Land gebrachte Fang
-wandert korbweise in die Fabriken, wo den Fischen zunächst der Kopf
-abgeschnitten und die Eingeweide ausgenommen werden. Dann werden sie eine
-Stunde lang in warmer Luft (am besten im Freien) getrocknet und für
-einige Minuten in siedendes Öl getan. Frauen und Mädchen in schwarzen
-Kleidern, mit großen Schürzen und zierlichen, weißen Häubchen sitzen an
-langen Tafeln und legen die Fischlein mit peinlichster Sorgfalt in
-Büchsen, worauf noch Öl mit verschiedenen Würzen und Zutaten (z. B.
-Tomaten) je nach dem Geschmack der Kundschaft, der in den einzelnen
-Ländern verschieden ist, nachgefüllt wird. Das schwierige Verlöten der
-Blechbüchsen dagegen ist Männerarbeit, denn es gehört eine sichere Hand
-und große Übung dazu, völligen Luftabschluß zu erzielen. Die verlöteten
-Büchsen werden nochmals in kochendes Wasser getan, dann etikettiert, und
-nunmehr sind die weltbekannten Blechdosen mit ihrem wohlschmeckenden
-Inhalt versandfertig. Was in der Bretagne gefangen wird, sind fast
-ausschließlich junge, noch nicht laichfähige Sommer- und Herbstsardinen.
-Die ausgewachsenen und fortpflanzungsfähigen Sardinen sind bedeutend
-größer, fetter und schwerer, haben aber ein viel gröberes Fleisch und
-werden als »Pilchards« hauptsächlich an den britischen Küsten gefischt.
-In den amerikanischen Gewässern wird die Sardine durch _Clúpea menháden_
-vertreten. Dieser Fisch ist noch feiner und zarter im Geschmack, aber
-dabei so grätenreich, daß der findige Yankeegeist erst eine besondere
-Entgrätungsmaschine für ihn austüfteln mußte, damit er als
-aussichtsreicher Mitbewerber auf dem Weltmarkte auftreten konnte.
-
-[Illustration: Abb. 5. Dorsch (_Gadus morrhua_).
-(Phot. von Oberl. W. Köhler, Tegel.)]
-
-Als letzter und zugleich kleinster Vertreter der individuenreichen
-Heringsfamilie sei endlich noch die =Sardelle= (_Engraúlis
-encrasichólus_) genannt. Auch dieses zarte Fischlein wohnt westlich und
-südlich von uns, ist im Mittelländischen Meere besonders häufig, dringt
-aber in manchen Jahren scharenweise auch in die Nordsee und gelegentlich
-selbst in die Ostsee ein. In stark gesalzenem Zustande hat es als
-Anchovis Weltberühmtheit erlangt. Die Fischerfrauen am Mittelmeer haben
-im Einmachen dieser kleinen Geschöpfe eine fabelhafte Geschicklichkeit
-erworben, indem sie ihnen mit ihrem zu diesem Zwecke sorgsam gepflegten
-Daumennagel den Kopf abkneifen und gleichzeitig die Eingeweide fassen und
-herausziehen.
-
-Die vielen Fischen in so ausgesprochenem Maße eigene Farbanpassung an
-Untergrund und Umgebung, die bei längerem Aufenthalt an den gleichen
-Örtlichkeiten zu scheinbar ständigen Farbenvarietäten zu führen vermag,
-ist in wissenschaftlicher Hinsicht sehr geeignet, den zoologischen
-Systematiker bei der Aufstellung der neuerdings so beliebt gewordenen
-Unterarten in hohem Maße zur Vorsicht zu mahnen. So sind die =Dorsche=
-(_Gádus morrhúa_) in der Umgebung Helgolands in Anpassung an das dortige
-rote Klippengestein von ausgesprochen rötlicher Färbung, sodaß man sie
-wohl für eine eigene Unterform halten könnte, wenn sie nicht bei
-Übertragung an andere Wohnorte alsbald auch eine andere, den neuen
-Verhältnissen entsprechende Färbung annehmen würden. Während der =Dorsch=
-(Abb. 5) oder =Kabeljau= (von unseren Ostseefischern Pomuchel genannt)
-eine Länge von 1-1/2 kg und ein Gewicht von 40 kg (das Stockholmer Museum
-besitzt sogar ein aus der Ostsee stammendes Riesenexemplar von 185 kg
-Gewicht) erreicht, bleibt der allbekannte, ihm sehr nahe stehende,
-silbergraue, mit kennzeichnendem schwarzem Schulterfleck gezierte
-=Schellfisch= (_Gádus aeglefínus_) stets wesentlich kleiner. Mit diesen
-beiden Formen, die nebst ihren zahlreichen Verwandten zu den Kehlflossern
-gehören und durch schnittigen Körperbau und einen eigenartigen Bartfaden
-an der Spitze der Unterkinnlade ausgezeichnet sind, lernen wir Fische
-kennen, die wegen ihrer ungeheuren Vermehrungsfähigkeit (jeder Rogner
-soll nach den Zählungen fleißiger Forscher 4, selbst 9 Millionen Eier im
-Leibe tragen!), ihres Auftretens in nur nach Hunderttausenden und
-Millionen zu schätzenden Heeren und wegen ihrer unersättlichen
-Gefräßigkeit eine hervorragende Rolle im Haushalt der Natur und
-namentlich im Stoffwechsel der nordischen Meere spielen. Wegen ihres gern
-gegessenen und billig zu erlangenden Fleisches haben sie aber auch eine
-große volkswirtschaftliche Bedeutung für den Menschen erlangt. Ganze
-Fischerflottillen und Zehntausende von Strandfischern in den
-verschiedensten Gegenden der nördlichen Halbkugel ernähren sich
-ausschließlich oder fast ausschließlich vom Dorschfang, und ihre Beute
-geht in getrocknetem Zustande weit in die Welt hinaus, ist selbst im
-sonnigen Süden Europas und auf den heißen Plantagen Brasiliens zum
-Nationalgericht geworden, weil keine andere gleich nahrhafte Fleischkost
-sich zu einem auch nur annähernd gleich billigen Preise beschaffen läßt.
-Obgleich die deutsche Dorschfischerei sich nicht entfernt mit derjenigen
-der Lofoten und Islands oder gar Neufundlands messen kann und obgleich
-auch in dieser Beziehung die weniger günstige Lebensbedingungen für
-ausgesprochene Meeresfische bietende Ostsee weit hinter der Nordsee
-zurücksteht, werden doch allein z. B. in der Bucht von Eckernförde
-alljährlich mehr als 300000 kg Dorsche gefangen. 240 deutsche
-Fischdampfer mit je 12-14 Mann Besatzung führen unablässig Krieg gegen
-den Kabeljau, ununterbrochen Sommer und Winter, Tag und Nacht, und doch
-vermögen sie kaum dem stets sich steigernden Bedürfnis zu genügen,
-freilich ebensowenig die unerschöpflich scheinenden Heere dieser Fische
-merklich zu vermindern. Brehm hat Recht, wenn er den Kabeljau bezeichnet
-als »einen der wichtigsten Fische der Erde, dem man seit mehr als drei
-Jahrhunderten unablässig nachgestellt hat, wegen dessen blutige Kriege
-geführt worden sind, von dem in jedem Jahre mehrere hundert Millionen
-Stück gefangen werden, und der dennoch diesem Vernichtungskriege Trotz
-geboten hat, weil seine unglaubliche Fruchtbarkeit die von den Menschen
-seinen unschätzbaren Heeren beigebrachten Lücken, bisher wenigstens,
-immer wieder ausfüllte.« Wahrlich, nicht jedes in ähnlicher Weise
-verfolgte Geschöpf ist in gleich glücklicher Lage! Sehr zustatten kommen
-mag den Schellfischen beim Kampfe ums Dasein auch der Umstand, daß sie
-nicht wie die meisten anderen Meeresfische auf bestimmte Tiefenschichten
-des Wassers angewiesen sind, obschon sie im allgemeinen eine mäßige Tiefe
-bevorzugen und nur zu der in die Fastenzeit fallenden, übrigens nicht
-wenig von den anregenden Wirkungen des Golfstroms abhängigen Laichperiode
-mehr in flachere Gewässer kommen. In diese Zeit fällt auch der Hauptfang,
-denn dann erscheinen die Fische über gewissen Bänken in dicht gedrängten
-Heeren, die mehrere Meter hoch und mehrere Kilometer lang im Wasser
-stehen und immer wieder von frischen abgelöst werden, sobald sie ihren
-Zweck erreicht haben. Aber auch während die Minne solchen
-Massenversammlungen ihre Freuden spendet, weicht die den Schellfischen
-eigene Freßgier nicht von diesen vortrefflichen Schwimmern, und es ist
-nur gut, daß sich um dieselbe Jahreszeit in den gleichen Gegenden auch
-unzählige Heringe, Tintenschnecken u. dgl. anzusammeln pflegen, die jenen
-zur Nahrung dienen müssen. Die blindwütige Gefräßigkeit der Dorsche und
-Schellfische erleichtert ihren Fang ungemein und macht namentlich auch
-die Verwendung der Grundangel sehr lohnend. Es ist dies eine etwa 2000 kg
-lange, starke Leine, an der etwa 1200 einzelne Angelschnüre angeknüpft
-sind, deren Haken mit Heringen, Tintenschnecken oder den Eingeweiden
-schon gefangener Schellfische beködert werden. Etwa alle 6 Stunden wird
-sie heraufgeholt, nach dem Auslösen des Fanges frisch beködert, und die
-Sache kann von neuem losgehen. In der Zwischenzeit handhaben die Fischer
-aber auch noch fleißig die Handangel und erzielen auch mit dieser bei der
-Menge der Fische ganz erstaunliche Erträge. Von den größeren
-Fischdampfern aus fischt man dagegen hauptsächlich mit dem schon
-beschriebenen Scherbretterschleppnetz. Wenn nun der Netzbeutel (vom
-Fischer »Steert« genannt) wie eine prall gefüllte Kugel über dem Deck
-schwebt, löst der Steuermann mit einem geschickten Griff den
-verschließenden Knoten, und das silbern wimmelnde Gezappel von Fischen
-ergießt sich wie ein lebender Strom über die schlüpfrig werdenden
-Planken. Die geübten Leute wissen aber auch mit den größten Massen bald
-fertig zu werden. Ein grausiges Schlachten beginnt. Ununterbrochen
-blitzen die blutbefleckten Messer, ein kurzer Schnitt trennt den Kopf vom
-Rumpfe, in einem Nu fliegen die Eingeweide heraus und der in zwei Hälften
-zerspaltene Fisch in den eisgekühlten Vorratsraum. Der Dorsch läßt sich
-in allen seinen Bestandteilen irgendwie verwerten, denn selbst die
-Eingeweide, soweit man sie nicht aus Zeitmangel den unter gierigem
-Kreischen die vielversprechende Stelle umschwärmenden Möwen überläßt,
-müssen ihrerseits wieder als Angelköder Verwendung finden oder werden zu
-Guano verarbeitet, während die Köpfe als Viehfutter dienen, das in Island
-merkwürdigerweise selbst die Rinder nicht verschmähen sollen. Die Lebern
-aber werden in großen Bottichen den Wirkungen der Sonnenstrahlen
-preisgegeben, verpesten dann faulend mit einem wahrhaft scheußlichen
-Geruch ganze Hafenstädte des Nordens, liefern aber den in der Heilkunde
-hochgeschätzten Lebertran, der sich als ein gelbliches Öl auf der
-Oberfläche der verwesenden Masse absetzt, in geringerer Güte auch durch
-Auskochen der Lebern gewonnen wird. Der Rogen geht in Blechbüchsen nach
-den Gestaden des Mittelmeers, wo er den Sardinenfischern als
-unentbehrlicher Witterungsköder dient. Der Fisch selbst wird auf die
-verschiedenste Weise zubereitet und in den Handel gebracht, führt auch
-demgemäß verschiedene Namen. Auf Stangen, Gerüsten oder in offenen
-Schuppen an der Luft klapperdürr getrocknet heißt er Stockfisch, gesalzen
-und auf den Strandklippen durch die Sonne gedörrt Klippfisch, in Fässern
-eingepökelt Laberdan. Besondere Delikatessen sind das nun freilich alles
-nicht, wohl aber nahrhafte, zuträgliche und billige Ersatzmittel für alle
-Gegenden, in denen frisches Fleisch ein seltener Artikel ist. Bedeutend
-wohlschmeckender ist das weiße, etwas derbe Fleisch des frischen
-Schellfisches, und wenn es selbst heute in der Zeit der Fleischteuerung
-noch nicht überall die ihm zukommende Beachtung errungen hat, so liegt
-dies wohl hauptsächlich daran, daß sich die Hausfrauen im Binnenlande
-größtenteils nicht auf die richtige Zubereitung verstehen. Wenn ihnen der
-Seefischgeschmack an sich zuwider ist, rate ich ihnen, es einmal mit der
-Zubereitung von Fleischklößchen (Frikadellen) aus Dorschfleisch zu
-versuchen. Sehr vorteilhaft ist es, daß sich die Schellfischarten bei
-ihrer großen Zähigkeit und Anspruchslosigkeit auf verhältnismäßig weite
-Entfernungen hin lebend versenden lassen, Eigenschaften, die es
-ermöglichen, die stattlichen Meeresbewohner auch jahrelang in räumlich
-arg beschränkten Seewasseraquarien besser zu erhalten als irgend einen
-anderen Seefisch. -- Es ist ein Verdienst des norwegischen Professors
-Sars (eines Schwagers Nansens), nachgewiesen zu haben, daß die 1-1-1/2
-mm großen Glaskügelchen, die frei im Meereswasser umherschwimmen, meist
-Kabeljau-Eier sind. Der sonst in großen Tiefen lebende Fisch sucht zur
-Laichzeit die seichten Stellen, die Hochplateaus des Meeres auf. Der
-Laich fällt nicht zu Boden, sondern erhält sich in einer Tiefe von
-höchstens 14 kg treibend. Diese Entdeckung führte weiter zu der
-Feststellung, daß sich die Eier unserer meisten anderen Nutzfische des
-Meeres ganz ebenso verhalten. Gerade das Plankton, über dessen Natur und
-Zusammensetzung wir durch Prof. Hensen-Kiel Klarheit erhalten haben,
-birgt zahllose solche Eier, die in ihrem ersten Entwicklungsstadium fast
-gar keine Artunterschiede aufweisen. So sind die Eier des Kabeljaus und
-des Schellfischs anfangs gar nicht zu unterscheiden. Es sind glashelle
-Kügelchen mit verhältnismäßig großem Dotter und einigen Fetttröpfchen.
-Diese Feststellungen haben nicht nur wissenschaftlichen Wert, sondern
-auch praktische Bedeutung, denn damit ist erwiesen, daß der Fischfang mit
-tief an den Boden gehenden Netzen die in der Entwicklung begriffene Brut
-nicht zu schädigen vermag, wie man früher wohl befürchtet hatte.
-
-[Illustration: Abb. 6. Thunfisch (_Thynnus thynnus_).]
-
-Einigermaßen Ersatz für Hering und Schellfisch bietet den Anwohnern
-des Mittelmeers der mächtige =Thun= (_Thynnus thynnus_), der
-durchschnittlich 2 kg lang und 120 kg schwer ist, oft aber auch bedeutend
-größer wird (Abb. 6). Der Eindruck wird noch verstärkt durch den breit
-ausgeladenen Leibesbau, den dicken Kopf und die ungemein kräftig
-entwickelten Schwanz- und Seitenflossen des Fisches. Man glaubte früher
-allgemein, daß der Thun eigentlich im Atlantischen Ozean beheimatet sei
-und von da lediglich zum Laichen durch die Straße von Gibraltar nach dem
-Mittelländischen, ja sogar von da durch Dardanellen und Bosporus zum
-Schwarzen Meer ziehe, bis in das Asowsche hinein. Neuere Untersuchungen
-haben jedoch gezeigt, daß er keine so weiten Wanderungen vollführt,
-sondern daß die Verhältnisse ähnlich liegen wie beim Hering, daß also der
-Thun in der Hauptsache Höhenwanderer ist. Er verbringt den größten Teil
-seines Lebens in den tiefsten Senkungen des Mittelmeers, anscheinend auch
-in der Bucht von Cadiz, und steigt im Frühjahr empor, um den flachsten
-Stellen zuzustreben. Dabei berührt er namentlich die Küsten Sardiniens
-und Siziliens, und hier wird denn auch der ergiebigste und großartigste
-Thunfang betrieben. Er erfordert wochen- und monatelange Vorbereitungen
-und Zurüstungen, denn er geschieht in ungeheuren Netzen, sogenannten
-Tonnaros, wahren Gebäuden aus zähestem Spartogras und bestem Hanf, die
-30-50 m Tiefe und bis zu 1 km Länge haben. Das Auslegen dieser
-Ungetüme kann nur bei vollkommen ruhiger See stattfinden und muß mit
-größter Sorgfalt erfolgen, da viel darauf ankommt, daß die Netzwände
-senkrecht stehen wie Mauern. Zu diesem Zwecke sind sie unten mit Blei-
-und Eisenstücken beschwert, während sie oben mit Korkschwimmern versehen
-sind. Das Ganze ist in eine Reihe von aneinander stoßenden Kammern
-geteilt, die durch Öffnungen in der Netzwand verbunden sind, aber nach
-Bedarf abgeschlossen werden können. Die vorderste Kammer ist die größte,
-von ihrem Eingang strahlen noch scherenartig zwei lange Netzflügel aus,
-um ein Entweichen der Fische nach dem Strande oder der offenen See hin zu
-verhindern. Die hinterste Netzkammer ist die kleinste, hat den engsten
-Eingang und ist im Gegensatze zu den anderen auch mit einem Netzboden aus
-dem engmaschigsten und zähesten Geflecht versehen. Das ist die »Kammer
-des Todes«. Ist endlich das ganze verwickelte Netzgebäude zur
-Zufriedenheit errichtet, so begeben sich die Fischer wieder an Land und
-lassen nur wenige Wachboote zurück, die den Einzug der Thune beobachten
-sollen: ein bei ungünstigem Wetter ebenso schwieriges wie undankbares
-Geschäft. Die Thune halten zäh an der einmal eingeschlagenen Richtung
-fest und entschließen sich nicht leicht zum Zurückschwimmen, begünstigen
-dadurch also noch die Arglist des Menschen, so vorsichtig und schlau sie
-sonst auch sind. Sie streichen in kleinen Trupps rasch durch die Wellen,
-oft in keilförmiger Schwimmordnung, aber diese Trupps folgen einander so
-rasch und ununterbrochen, daß man doch von einer Massenwanderung sprechen
-kann. Nicht selten stutzen sie beim Eintritt in die Netztore, und die
-Fischer sind dann genötigt, die furchtsamen Tiere durch Einschaufeln von
-Sand ins Wasser oder durch das Herablassen eines Schaffells weiter zu
-scheuchen. Sind ihrer genug in der vordersten, natürlich bis zum Boden
-reichenden Kammer, so wird der Eintritt in die zweite frei gegeben, damit
-in jener Platz für neue Ankömmlinge geschaffen werde. So geht es von
-Kammer zu Kammer und zuletzt in die des Todes. Der sonst so öde Strand
-dieser Gegenden ist inzwischen zum Schauplatz ausgelassenen Lebens
-geworden, denn der Thunfischfang ist hier das größte Volksfest, und
-allenthalben herrscht das bunte und lärmende Lustgetriebe eines
-Jahrmarkts. Aus flüchtig zusammen genagelten Häuschen und Bretterbuden
-ist eine ganze Stadt entstanden, und in ihren Gassen schiebt und drängt
-sich eine aufgeregte, unterhaltungsbedürftige Menschenmenge, Einheimische
-und Fremde, Fischer und Kaufleute, Handwerker, Wirte und allerlei
-fahrendes Volk, nicht zuletzt auch Priester, denn ohne den Segen der
-Heiligen würde ja kein Thunfisch ins Netz gehen. Überall Musik und
-Gesang, Lachen und Lärmen, Scherzen und Necken, Lieben und Raufen. Alles
-atmet Leidenschaft und Leben, Aufregung und Feuer, denn die »Tonnara« ist
-den Sizilianern das, was den Spaniern die Stiergefechte sind und dem
-Engländer der Derby-Tag. Endlich steigt als Zeichen dafür, daß die
-Totenkammer gefüllt ist, am Maste des Wachbootes eine rote Flagge auf,
-alles eilt nun in wirrem Gedräng unter Jauchzen, Schreien und Brüllen,
-Mützen- und Tücherschwenken wie besessen zu den harrenden Booten, um so
-rasch als möglich den Schauplatz zu erreichen. Dort wird unter großen
-Anstrengungen die Totenkammer heraufgezogen und schließlich ihr Netzboden
-in Mannestiefe festgelegt. Weißer Schaum bedeckt das Wasser, und die dem
-Tode geweihten großen Fische peitschen mit verzweiflungsvollen
-Schwanzschlägen die Oberfläche, rings umgeben von Fahrzeugen voller
-Menschen, denen die unverhüllte Mordgier und tierischer Fleischhunger aus
-den Augen blitzen. Die sehnigen, halbnackten, braunen Fischer werden zu
-erbarmungslosen Schlächtern. Wie Wahnsinnige stechen sie mit spitzen
-Harpunen blindlings in das weißschaumige, klatschende Fischgewimmel,
-schlagen mit nagelbesetzten Keulen auf ihre Opfer los, zerfetzen mit
-Schwertern und Dolchen die großen Fischleiber. Blutigrot färbt sich die
-blasige Flüssigkeit in der Totenkammer, blutigrot das Meer in weitem
-Umkreise, und Blut und Schweiß strömen über die vor Aufregung bebenden
-Menschenleiber, die von dem fanatischen Zujauchzen der blutlüsternen
-Zuschauermenge in den Booten zu immer neuem Morden angepeitscht werden,
-bis der letzte Thun verblutet ist oder der ermattete Arm die Harpune
-nicht mehr zu heben vermag. Es ist ein grausiges Bild bei goldenem
-Sonnenschein und lachend blauem Himmel, aber so abstoßend es auch auf
-feiner empfindende Gemüter wirkt, fahren doch reiche Leute genug eigens
-deshalb nach Sizilien. Als Ludwig XIII. Marseille besuchte, wurde ihm zu
-Ehren eine große Thunfischmetzelei veranstaltet, die diesem
-»geschmackvollen« Herrscher so trefflich gefiel, daß man später oftmals
-von ihm hören konnte, es sei dies einer der schönsten Tage seines Lebens
-gewesen. Widerwärtig sind die bluttriefenden Schlächtereien gewiß, aber
-doch von ungeheurer wirtschaftlicher Bedeutung für alle Länder am
-Mittelmeer, denn das Thunfleisch ist zwar etwas grob und reichlich
-trocken, aber nahrhaft und vor allem -- billig. Es erfreut sich deshalb
-in vornehmeren Kreisen keiner sonderlichen Beliebtheit, ist aber für
-weite Landstrecken das einzige Fleisch, dessen Genuß auch den ärmeren
-Volksschichten möglich ist, das so eine hochwillkommene Abwechslung
-zwischen dem ewigen Einerlei von Kaktusfeigen, Bohnen und Makkaroni
-bildet und damit der sonst unausbleiblichen Unterernährung der
-Bevölkerung entgegenwirkt. Die ersten jungen Thunfische kommen schon im
-Juli zum Vorschein und wachsen so rasch heran, daß sie bis zum Oktober
-bereits ein Gewicht von 1 kg erreichen.
-
-[Illustration: Abb. 7. Makrele (_Scomber scomber_).
-(Phot. von Oberl. W. Köhler, Tegel.)]
-
-Ein kleinerer, schlankerer und weit besseres Fleisch liefernder Vetter
-des plumpen Thun, die schnittig gebaute =Makrele= (_Scomber scomber_) mit
-der kunterbunten Zeichnung und dem wundervollen Opalschimmer auf dem
-zarten Schuppenkleid (Abb. 7) ist auch in unseren Meeren häufig.
-Massenhafter noch wird sie an den englischen und französischen Küsten
-gefangen und eingesalzen, ja es ist dort schon vorgekommen, daß man die
-allzu dicht gefüllten Netze ihres ungeheuren Gewichtes halber nicht
-wieder heraufzuziehen vermochte. Sehr gern folgt die gefräßige Makrele,
-an der das völlige Fehlen der Schwimmblase das Merkwürdigste ist, den
-großen Heringsheeren und zehntet sie nach Kräften. In England bildet auch
-das Angeln dieser wanderlustigen Fische vom Segelboot aus bei scharfer
-Brise einen beliebten Sport. Während die Makrele und noch mehr die fern
-von den Küsten im Atlantik Flugfische jagende und ihnen nachspringende
-=Bonite= (_Scomber pelamys_) vorzügliche Schwimmer sind, vermag der
-verwandte =Schiffshalter= (_Echenéis remora_) nur matte und plumpe
-Schwimmbewegungen zu vollführen. Er macht sich deshalb das Reisen gern
-bequem und läßt sich lieber von flinkeren Fischen fortschleppen, was ihm
-dadurch ermöglicht wird, daß seine vordere Rückenflosse zu einer breiten
-Haftscheibe umgewandelt ist, mit der er sich am Bauche seines
-Reisemarschalls festsaugt. Am liebsten wählt er dazu Haie, wohl weil
-deren rauhe Haut einen besonders sicheren Halt gewähren mag und weil sie
-weite Meeresstrecken durcheilen. Übrigens begnügt sich der Schiffshalter
-mit der Rolle des blinden Passagiers und wird nicht etwa zum Schmarotzer.
-Deshalb ist ihm auch ein Schiffsrumpf ebenso recht wie ein Fischleib,
-zumal ja immer allerlei nährstoffreiche Abfälle über Bord geworfen
-werden, worauf sich dann der Echeneis von seinem Platze löst und ihnen
-unter schlängelnden Bewegungen zustrebt.
-
-In weiterer Ausbildung werden solche Symbiosen nicht selten zu echtem
-Raumparasitismus. In allen Meeren der Erde werden kleine Seefische
-gefunden, die irgendwelchen Leibesteil eines besonders wehrhaften Tieres
-sich zur Zufluchtsstätte erkoren haben und ihren Wirt gewöhnlich zwar
-nicht merklich schädigen, ihm aber auch keine Gegendienste für das
-gewährte schützende Obdach leisten. Am bekanntesten in dieser Beziehung
-ist _Fierásfer acus_, ein kaum 20 kg langes, gelblichweißes Fischchen von
-fast durchsichtiger Zartheit ohne Bauchflossen und mit weit nach vorn
-gerückter Afteröffnung. Er benutzt als Wohnung die sogenannten
-Wasserlungen der Seegurken, dieser absonderlichen Geschöpfe, die die
-merkwürdige Gewohnheit haben, die eigenen Eingeweide auszuspeien, wenn
-sie gereizt werden. Der Fisch dringt mit dem Schwanzende in die
-Afteröffnung seines Wirtes ein, schiebt allmählich den ganzen Körper nach
-und sieht nur noch mit dem Kopfe heraus. Das Atemwasser der Seegurke, das
-abwechselnd ein- und ausströmt, versorgt den Fierasfer mit Nahrung in
-Gestalt kleiner Krebstierchen. Manchmal aber, wenn sich ihm ein besonders
-fetter und leckerer Bissen darbietet, schießt er, wie Bergmann beobachtet
-hat, aus seinem Verstecke hervor. Möglich, daß er seinen Wirt auch von
-schmarotzenden Krebstierchen befreit; jedenfalls verursacht er ihm
-gewöhnlich keinerlei Unbequemlichkeiten. Wohl aber ist dies der Fall,
-wenn sich mehrere Fischchen in der gleichen Seegurke ansiedeln, die
-dadurch sogar zugrunde gehen kann. Bisweilen findet sich Fierasfer auch
-in anderen Seetieren, wie Seesternen, Quallen und Muscheln. So besitzt
-das britische Museum einige Stücke, die aus echten Perlmuscheln stammen
-und von diesen mit einer glänzenden Perlmutterschicht überzogen wurden.
-Der durch seitliche Bepanzerung ausgezeichnete =Stöcker= (_Cáranx
-trachúrus_), auch Halbmakrele genannt, der bisweilen in ungeheuren
-Schwärmen an den englischen Küsten auftaucht, aber wegen seines
-minderwertigen Fleisches nur wenig Beachtung findet, gehört im
-Jugendzustande gleichfalls zu den Raumparasiten, denn er lebt dann
-zwischen den Mundarmen und Tentakeln von Quallen, die ihn durch ihre
-Nesselzellen gegen Feinde schützen. Die jungen Fischchen kommen nur aus
-den Quallen hervor, wenn alles ringsum sicher erscheint, während sie sich
-beim geringsten Anzeichen von Gefahr sofort in ihre Schlupfwinkel
-flüchten. Der prächtig gefärbte _Amphíprion bicínctus_ führt in ähnlicher
-Weise mit einer großen Seerose gemeinsamen Haushalt; stülpt sie sich ein,
-so läßt sich der Fisch ruhig von ihren Tentakeln bedecken, woraus sich
-schließen läßt, daß er gegen das Nesselgift unempfindlich sein muß. Auch
-stark bewehrte Seeigel müssen manchen kleinen Meeresfischen als Wohnung
-dienen. Plate fand während seines Aufenthaltes auf den Bahama-Inseln
-einen nur 3-6 kg langen, gelblich-weißen, schmutzig-braun gepunkteten
-Fisch, _Apogoníchthys strómbi_, in der Mantelhöhle von Riesenschnecken
-(_Strómbus gígas_), die dort als ein beliebtes Volksnahrungsmittel
-regelmäßig zu Markte gebracht werden. Wahrscheinlich verläßt hier der
-Einmieter das Wirtstier nur nachts, um auf Krebstierchen und Meeresasseln
-Jagd zu machen. Selbst in unseren nordischen Meeren fehlt es nicht an
-verwandten Erscheinungen. So konnte bei der Suche nach den Wohnplätzen
-der jungen =Schellfische= und =Kabeljaue= festgestellt werden, daß deren
-Auftreten auf das innigste mit dem mehr oder minder häufigen
-Vorhandensein von Kornblumenquallen zusammenhing. Bei ruhiger See ließ
-sich denn auch deutlich beobachten, wie die jungen Fische sich beständig
-zwischen den langen Nesselfäden der Quallen aufhielten, und wie ihre
-Eigenbewegung sich ganz darauf beschränkte, dem ruckweisen
-Weiterschwimmen der Quallen nachzukommen, die ihnen also zu Schirmherrn
-im wahrsten Sinne des Wortes geworden waren.
-
-[Illustration: Abb. 8. Scholle. (Phot. von F. Ward.)]
-
-Nächst den Heringen und Schellfischen sind die der großen Gruppe der
-=Plattfische= oder Schollen (Abb. 8) angehörenden Arten die wichtigsten
-Nutzfische unserer Meere. Naturgeschichtlich interessant sind sie schon
-durch ihre weitgehende Anpassungsfähigkeit an die Farbe des
-Untergrundes und durch ihr damit im engsten Zusammenhang stehendes
-Farbwechselvermögen. Aber selbst diese wunderbaren Eigenschaften
-erscheinen den Plattfischen noch nicht ausreichend, um sich gegen die
-Nachstellungen der gefräßigen Raubfische zu sichern und sich selbst vor
-den Augen ihrer Opfer zu verbergen. Der größeren Sicherheit halber wühlen
-sie sich vielmehr gleich ganz in den Sand ein, so daß nur ein Teil des
-Kopfes mit den gleich blaugrünen Perlen funkelnden Augen hervorsieht.
-Dieses Einpaddeln geschieht mit so fabelhafter Schnelligkeit, daß man die
-einzelnen Bewegungen dabei kaum festzustellen vermag. Man sieht nur ein
-Aufwirbeln des Sandes, hastig zitternde und flimmernde Bewegungen der
-langen Bauch- und Rückenflossen, und der Fisch ist auch schon fast
-spurlos verschwunden. In Wirklichkeit vollzieht sich die Sache nach den
-Beobachtungen E. Schmidts so, »daß die Flunder einmal fest mit dem ganzen
-Körper den Sand peitscht, der dadurch etwas ausgehöhlt wird. Zugleich
-schaufelt sie mit den großen Randflossen Sand auf die Körpermitte, der
-durch die dabei erzeugte Strömung gleichmäßig über den ganzen Fisch
-verteilt wird und diesen so dem Blick des Beobachters oder im Freien dem
-Auge des gierigen Raubfisches entzieht.« Das eben erwähnte Auge der
-Plattfische verdient in doppelter Beziehung noch eine kurze Würdigung.
-Einmal ist es das einzige mir aus eigener Anschauung bekannte Fischauge,
-das einen gewissen seelischen Ausdruck widerspiegelt: es schaut förmlich
-klug, ja schelmisch und listig in die von unliebsamen Gefahren aller Art
-erfüllte Unterwasserwelt. Zugleich sind diese prachtvoll gefärbten Augen,
-die durch eine stark entwickelte Nickhaut geschützt erscheinen, von einer
-höchst seltsamen Beweglichkeit, denn sie können nicht nur nach den
-verschiedensten Richtungen hin willkürlich gedreht, sondern auch wie die
-der Frösche aus ihren Höhlen hervorgehoben und wieder zurückgezogen
-werden. In diesem unausgesetzten Augenspiel spiegelt sich jede seelische
-Erregung des Fisches ebenso deutlich wieder wie die des Hundes in seinen
-Schwanzbewegungen oder die gewisser Vögel in dem verschiedenartigen
-Zucken mit den Flügeln. Das Allermerkwürdigste ist aber nun der Umstand,
-daß bei der ausgebildeten Scholle beide Augen auf ein und derselben
-Körperseite liegen, wie überhaupt ihre ganze Kopfbildung derart
-unsymmetrisch ist, ja so verschroben erscheint, daß sie in dieser
-Beziehung im gesamten Wirbeltierreiche geradezu einzig dasteht. Freilich
-ist dem nicht von allem Anfang an so. Die dem Ei entschlüpften und sich
-massenhaft an der Oberfläche des Meeres herumtreibenden jungen Schollen
-sind nämlich noch ganz nach dem regelrechten Fischtypus gebaut, schwimmen
-auch in der sonst allgemein üblichen Weise mit dem Rücken nach oben und
-dem Bauch nach unten, haben auf jeder Gesichtshälfte je ein Auge und
-bergen im Innern ihres überaus zarten, fast glashellen und durchsichtigen
-Körpers eine stark entwickelte Schwimmblase, während zugleich die
-sonstige Beschaffenheit der inneren Organe unverkennbar darauf hinweist,
-daß makrelenartige Hartflosser etwa vom Typus der Gattung Zëus
-(Petersfische) ihre dereinstigen Vorfahren gewesen sein müssen. Aber
-schon nach kurzer Frist gehen sie vom lockeren Herumschwärmen zu einer
-soliden und untätigen Lebensweise über, indem sie immer größere Zeiträume
-in träger Ruhe auf dem Boden verbringen und sich hierbei auf eine Seite
-legen. Dieser neuen Lebensart paßt sich nun ihr ganzer Organismus in
-einer ans Wunderbare streifenden Weise an. Der Körper wird immer flacher
-und platter, bis er schließlich die fast scheibenförmige Form erreicht,
-die uns von den geräucherten Flundern her so wohl vertraut ist. Die dem
-Sand aufliegende Unterseite bleibt mehr oder minder farblos, während die
-Oberseite das geschilderte Farbwechselvermögen erhält. Die überflüssig
-gewordene Schwimmblase verkümmert rasch und verschwindet schließlich
-gänzlich, ein Vorgang, der durch den starken Druck von Wasser und Sand
-und durch die Einengung der Bauchhöhle wesentlich beschleunigt wird. Das
-auf der Unterseite nutzlos gewordene Auge aber rückt allmählich über die
-Scheitelmitte hinweg, und bei solchen Arten, bei denen die Rückenflosse
-bis zum Scheitel reicht, sogar unter jener hindurch zur Oberseite
-hinüber, die auf diese Weise zwei wohl ausgebildete Augen erhält. Wie der
-absonderliche Vorgang eigentlich des näheren zu erklären ist, darüber
-herrscht unter den Gelehrten noch keineswegs völlige Einstimmigkeit.
-Während die einen von einem ungleichmäßigen Wachstum beider
-Schädelhälften sprechen, fassen andere die Augenwanderung als eine mehr
-aktive auf, wobei der Einfluß des Lichtes der wirksame Faktor sein soll.
-Jedenfalls erfolgt sie schon zu einem Zeitpunkte, wo die Schädelknochen
-noch weich und knorpelig sind, also keinen großen Widerstand
-entgegensetzen. Hand in Hand damit geht auch eine entsprechende
-Veränderung der Augenmuskeln, deren spätere, auffallend große
-Beweglichkeit damit im engsten Zusammenhange stehen mag. Ebenso wird das
-Maul vollständig nach oben verdreht, so daß der alte Gesner ganz recht
-hat, wenn er von einem »widerwärtig gesetzten Kopf« spricht. Da die
-jungen Schollen schon sehr frühzeitig zu der dem Meeresboden anklebenden
-Lebensweise übergehen und von ihren verschiedenen Schutzmitteln gar bald
-den besten Gebrauch zu machen wissen, sind sie weit weniger als andere
-Jungfische den Nachstellungen der Meeresräuber preisgegeben, und so
-erklärt es sich, daß die Menge der Plattfische in allen Meeresteilen mit
-geeignetem Untergrund (Schlamm und Schlick wird gemieden, Sand vor feinem
-Geröll und dieses vor grobem bevorzugt) eine gewaltig große ist, obschon
-die Zahl der im Spätfrühling oder Frühsommer abgesetzten, frei, nahe der
-Oberfläche, treibenden und deshalb nur wenig geschützten Eier nur eine
-verhältnismäßig geringe ist, jedenfalls der vieler anderer Fische weitaus
-nachsteht. So kommt es, daß die Plattfische, die sich durch ein
-außerordentlich schmackhaftes Fleisch auszeichnen, das bei seiner
-Haltbarkeit sich namentlich auch zum Versand nach dem Binnenlande eignet,
-volkswirtschaftlich eine große Rolle spielen und ihr Fang jahraus jahrein
-Tausende von Fischern an den Nord- und Ostseeküsten beschäftigt, wobei
-freilich die deutschen so ziemlich in letzter Reihe stehen oder doch
-wenigstens vor kurzem noch standen. Die schönen Zeiten allerdings, wo auf
-dem Londoner Markte das Dutzend dreipfündiger Goldbutten vergeblich um
-einen Penny ausgeboten wurden, sind leider wohl für immer vorüber, ja bei
-einigen besonders geschätzten Arten, wie bei der delikaten Seezunge,
-macht sich infolge allzu schonungsloser Nachstellungen schon eine so
-besorgniserregende Abnahme bemerkbar, daß man bereits auf das
-Aushilfsmittel der künstlichen Zucht verfallen, dabei über das Stadium
-der Versuche aber noch nicht viel hinausgekommen ist. Tagsüber ruhen die
-Schollen gewöhnlich träge im Sande, und erst gegen Abend beginnen sie zur
-Jagd auszuziehen, wobei sie sich unter wellenförmiger Streckung des auch
-jetzt flach liegenden Leibes und seiner sehr schmiegsamen Flossen recht
-zierlich vorwärts bewegen und dabei die Schwanzflosse gewissermaßen als
-die treibende Schiffsschraube benutzen. Die kleineren Arten begnügen sich
-mit allerlei Gewürm, Krebs- und Muscheltierchen, aber die großen sind
-tüchtige Räuber, die sich selbst an die wehrhaften Rochen wagen. Bedrohte
-Plattfische schießen blitzschnell im Zickzack durchs Wasser, um sich dann
-schleunigst wieder im schützenden Sande einzupaddeln.
-
-[Illustration: Abb. 9. Flunder (_Pleuronectes flesus._)
-(Phot. von Oberlehrer W. Köhler, Tegel.)]
-
-Die dem Binnenländer wenigstens von genossenen Tafelfreuden her
-bekanntesten Arten sind der stattliche =Steinbutt= (_Rhómbus máximus_),
-der eine Länge von 1 kg und ein Gewicht von 35 kg erreichen kann (Abb.
-10, Fig. 4), und die wesentlich kleinere =Flunder= (_Pleuronéctes
-flésus_), die häufig auch in unseren Binnengewässern gefangen wird, da
-sie sich mit Vorliebe in den Strommündungen aufhält und von hier gern
-weite Wanderungen stromaufwärts unternimmt (Abb. 9). Da sie sich also mit
-Leichtigkeit an Süßwasser gewöhnt, weshalb auch Zuchtversuche mit ihr
-viel aussichtsreicher wären, als mit anderen Arten, sind die
-allerliebsten kleinen Jungflundern geeignete Aquarienfische, die sehr
-viel Vergnügen gewähren, obschon ihre Eingewöhnung und Pflege doch nicht
-ganz so einfach ist, wie Brehm angibt. Eine häufige Erneuerung oder eine
-sehr starke Durchlüftung des Wassers und ein ganz niedriger Wasserstand
-scheinen in Verbindung mit durchaus sparsamer Fütterung die unerläßlichen
-Bedingungen für ihr Gedeihen zu sein. Weiter wären noch zu nennen der in
-den deutschen Meeren ziemlich seltene, mächtige =Heilbutt= (_Hippoglóssus
-vulgáris_), der doppelt so groß und schwer wird wie der Steinbutt, der
-=Goldbutt= (=Pleuronéctes platéssa=) und die feiste =Seezunge= (_Sólea
-vulgáris_), womit aber die Liste der regelmäßig oder gelegentlich bei uns
-vorkommenden Arten noch lange nicht erschöpft ist. Bei der durch
-besondere Trägheit ausgezeichneten Seezunge finden wir außer der
-Farbanpassung auch noch eine echte =Mimikry=-Erscheinung (Nachäffung
-eines giftigen oder sonstwie besonders gefährlichen Tieres durch eine an
-sich harmlose und wehrlose Art), wie sie sonst im Reiche der Fische nur
-selten vorkommt. Mastermann hat nämlich beobachtet, daß aufgestörte
-Seezungen, sobald ihnen das Versteckenspiel nichts mehr nützt, die stark
-ausgebildete und mit einem großen, tiefschwarzen Fleck versehene rechte
-Brustflosse scharf aufrichten und gleich einem düsteren Todesbanner
-ausbreiten, gerade so, wie es das =Petermännchen= (_Trachínus dráco_)
-macht, das bekanntlich giftig ist.
-
-[Illustration: Abb. 10. 1 Dornhai. 2 Nagelroche. 3 Scholl. 4 Steinbutt. 5
-Seeteufel. 6 Knurrhahn. 7 Seehase. 8 Seepferdchen.]
-
-Es gibt nämlich, obwohl man das früher stark angezweifelt hat,
-tatsächlich =giftige Fische=, und ihre Zahl ist sogar durchaus nicht
-gering, wenn auch die meisten davon in ihrer Verbreitung auf tropische
-und subtropische Gewässer beschränkt sind. Entweder sitzen die
-sackartigen Giftdrüsen im Maule und treten beim Bisse des Tieres in
-Wirksamkeit, wie es z. B. bei den von den Fischern des Mittelmeers
-deshalb sattsam gefürchteten Muränen der Fall ist, oder sie befinden sich
-am Grunde durchbohrter oder gefurchter, besonders harter und spitziger,
-bisweilen auch wie sprödes Glas abbrechender und in der Wunde stecken
-bleibender Stacheln an den Kiemendeckeln, Rücken- oder Schwanzflossen. So
-vermag auch das Petermännchen mit seinen scharfen Rückenstacheln recht
-empfindlich zu verletzen, und das dann in die Wunde eindringende Gift
-zieht etwa dieselben Folgen nach sich, wie ein tüchtiger Skorpionstich,
-während sie bei gewissen exotischen Formen noch weit unangenehmer sind.
-Obwohl das Fleisch des Petermännchens recht wohlschmeckend und auch
-durchaus bekömmlich ist, wollen deshalb die Fischer nicht viel von dem an
-sich recht hübschen Fisch wissen, sondern werfen ihn in vielen Gegenden,
-wenn er einmal zufällig mit in ihre Netze geriet, wieder ins Meer
-zurück, gewissermaßen als eine Art Opfergabe für Petrus, den
-Fischerschutzheiligen, wodurch sich auch der auffällige Name des
-eigentümlichen Geschöpfs erklären mag. Es bewohnt sandige, aber nicht zu
-flache Stellen unserer Meere und wühlt hier seinen stark
-zusammengepreßten, messerartigen Leib gewöhnlich so weit im Boden ein,
-daß nur die vorstehenden, nach oben gerichteten Augen herausragen. Sowie
-sich aber eine Garnele oder ein kleines Fischchen in der Nähe blicken
-läßt, schnellt der Räuber mit einem plötzlichen Ruck hervor, erhascht und
-verschlingt sein Opfer und läßt sich dann mit zierlichem, wellenförmigem
-Schwung wieder zum Boden herabtaumeln, indem er gleichzeitig durch
-hastige Bewegungen der langen Bauchflosse eine Sandwolke erzeugt und sich
-geschickt in diese einbettet. Gefürchteter noch als unser Petermännchen
-ist der gleichfalls zu den Panzerwangen gehörige =Zauberfisch=
-(_Synancéja verrucósa_), der im Roten, Indischen und Stillen Meere
-vorkommt. Wie das Petermännchen hält sich auch diese Art zwischen Steinen
-und Seetangen, halb im Schlamm vergraben, am Meeresgrunde versteckt und
-ist für die nackten Füße der zum Baden oder Schwimmen ins Wasser gehenden
-Strandbewohner um so gefährlicher, als seine warzige Haut in ihren
-Farbentönen so genau der Umgebung entspricht, daß auch das schärfste Auge
-ihn kaum von ihr zu unterscheiden vermag. Sobald aber jemand auf ihn
-tritt, erhebt er sich, spreizt die Rückenstacheln und bohrt sie tief in
-den Fuß des Unglücklichen. Klunzinger lernte Fälle kennen, wo ein solcher
-Stich sofortige Ohnmachtsanfälle zur Folge hatte, ja sogar Todesfälle
-sollen vorkommen, wenn auch wohl nicht unmittelbar durch den Stich,
-sondern wahrscheinlicher durch Brandigwerden der vielleicht schlecht
-behandelten Wunde. Bei diesen beiden Arten wie auch bei dem von den
-französischen Fischern bestgehaßten =Vipernfisch= (_Trachínus vípera_)
-stellt sich das Gift dar als eine bläuliche, leicht opalisierende
-Flüssigkeit, die namentlich auf Herz und Rückenmark einwirkt. Bei anderen
-Fischen scheint das ganze Blutwasser wenigstens zeitweise giftige
-Eigenschaften zu besitzen, weshalb auch ihr Genuß schwere
-Gesundheitsstörungen nach sich ziehen kann. Doch scheinen dabei auch
-örtliche Verhältnisse eine noch wenig aufgeklärte Rolle zu spielen, indem
-das Fleisch der gleichen Fischart je nach seiner Herkunft sehr gefährlich
-oder völlig unschädlich sein kann. So fand Johannes Müller auf den
-Marschallinseln einen von den Eingeborenen »=Langi=« genannten
-makrelenartigen Fisch, dessen Fleisch, wenn es in der Lagune erbeutet
-war, heftige Vergiftungserscheinungen zeitigte, sich dagegen als
-wohlbekömmlich erwies, wenn die Fische dem freien Meere entstammten. Auch
-die Lagunenfische verloren ihre unangenehme Eigenschaft, wenn man sie vor
-dem Abtöten für einige Wochen in Brackwasser setzte. Müller vermutet, daß
-das Stagnieren des Lagunenwassers mit der Giftwirkung in Zusammenhang
-stehe, die ihrerseits in ihren Erscheinungen stark an Alkoholgift
-erinnere. Die giftigsten Geschöpfe des Ozeans sind ohne Zweifel die
-verschiedenen Arten von Seeschlangen, die freilich nicht etwa mit den
-berüchtigten Seeschlangen seefahrender Münchhausens gleichbedeutend sind.
-Auch von dem üblen Rufe dieser gefürchteten Tiere haben gewisse Fische
-durch eine weit getriebene Mimikry Nutzen gezogen. Selbst ein so geübter
-Forscher wie Dahl hielt den ersten derartigen Fisch aus dem Indischen
-Ozean, der ihm zu Gesichte kam, zunächst für eine Seeschlange und
-erkannte erst bei näherer Untersuchung seine Fischnatur. Der Körper war
-ganz schlangenartig, das Flossenwerk bis auf einen schmalen, kaum
-wahrnehmbaren Saum rückgebildet, und auch die prachtvolle Färbung der in
-den gleichen Meeresteilen lebenden Seeschlangen, hellblau mit
-tiefschwarzer Ringelung, fehlte nicht.
-
-Die oben erwähnten =Muränen=, die den römischen Schlemmern als ein
-ausgesuchter Leckerbissen galten und auch heute noch auf den Fischmärkten
-der Mittelmeerländer sich großer Beliebtheit erfreuen, haben auf ihrem
-glatten, aalartigen und schuppenlosen Fettleib gleichfalls recht hübsche
-Zeichnungen aufzuweisen. So ist =Muraéna hélena=, die häufigste Art, auf
-gelblichem Untergrunde in reizender Musterung dunkelbraun marmoriert.
-Über den Charakter dieser am Meeresgrund in zerklüftetem Gefels und
-zwischen Steinblöcken in der Nähe der Küste hausenden Fische ist aber
-wenig Rühmliches zu sagen, denn sie gehören zu den zänkischsten,
-boshaftesten und gefräßigsten Tieren, worauf schon ihr tief gespaltener,
-zahnstarrender Rachen hinweist. Ungeschickte Fischer (man pflegt die
-Muränen zu angeln) haben schon oft durch die langen und spitzen Zähne der
-wütenden und sich nach Kräften wehrenden Gefangenen empfindliche
-Verwundungen davongetragen. Das offene, sich unablässig bewegende Maul
-sieht aus, als ob es beständig keife, und es klingt ganz glaubhaft, daß
-diese Biester, wenn sie nicht genug Tintenschnecken und Krebse zur
-Stillung ihres gewaltigen Hungers finden, sich gegenseitig die Schwänze
-abknabbern. Noch aalartiger als die dazu etwas zu hoch gebauten Muränen
-sieht der 3 kg lang und 50 kg schwer werdende =Meeraal= (_Cónger
-vulgáris_) aus, der gleich unserem Flußaal ein jugendliches Larvenstadium
-als Leptocephalus durchmachen muß und schon dadurch seine nahe
-Verwandtschaft zu ihm erweist. Auch der Meeraal ist ein gefräßiger
-Raubfisch, selbst jedoch wenig schmackhaft, hält sich aber dafür gut im
-Aquarium. Gefangen wird er hauptsächlich in dunklen Nächten an mit
-Pilchards geköderten Legangeln, und da sein Fleisch sehr niedrig im
-Preise zu stehen pflegt, findet es immerhin willige Abnehmer.
-
-Nicht so häufig wie des Giftes bedienen sich einzelne Fische der
-=elektrischen Kraft= zur Abwehr oder zur Lähmung ihrer Beute, und sie
-stehen in dieser Beziehung im Tierreiche einzig da. Am meisten ist die
-Fähigkeit, elektrische Schläge auszuteilen, bei zwei Süßwasserfischen
-ausgebildet, dem südamerikanischen, von Humboldt so glänzend
-geschilderten Zitteraal und dem afrikanischen Zitterwels, aber auch einer
-der gewöhnlichsten Charakterfische des Mittelländischen Meeres, nämlich
-der =Zitterrochen= (_Torpédo marmoráta_) gehört hierher. Dieser flach,
-plump und breit gebaute, 1-1/2 kg lang, 1 kg breit und 30 kg schwer
-werdende Fisch war gerade seiner allerdings nicht richtig gedeuteten
-elektrischen Eigenschaften wegen schon den Alten bekannt und spielte in
-ihrer Arzneikunst eine nicht geringe Rolle; namentlich Claudius Galenus,
-nächst Hippokrates der berühmteste Arzt des Altertums, empfahl im 2.
-Jahrhundert n. Chr. das Auflegen von Zitterrochen auf den kranken
-Körperteil, weil sie eine heilsame magnetische Wirkung ausüben sollten.
-Die Griechen nannten den Zitterrochen wegen der durch seinen Schlag
-hervorgerufenen Lahmlegung des ihn berührenden menschlichen oder
-tierischen Körpers Narke, d. h. der Betäubende (daher auch narkotisieren
-= betäuben), die Römer Torpedo, d. i. der Lahmleger. In der Tat vermag
-ein kräftiger alter Zitterrochen durch seinen Schlag den Arm eines Mannes
-zu lähmen, wenn seine elektrische Kraft auch nicht an die des Zitteraals
-heranreicht, und es ist deshalb beim Baden in an Zitterrochen reichen
-Meeresteilen immerhin eine gewisse Vorsicht angebracht. Nach mehreren,
-kurz aufeinander folgenden Entladungen läßt aber die Kraft des Fisches
-nach, und schließlich vermag er nur noch ein leises Zittern hervorzurufen
-und bedarf dann geraumer Zeit, um seine elektrische Batterie wieder in
-leistungsfähigen Zustand zu versetzen. Im Wasser wirkt der Schlag stärker
-als in der Luft, und er wird um so heftiger empfunden, je größer die
-berührte Fläche ist. Um ihn auszulösen, müssen die positiv-elektrische
-Rücken- und die negativ-elektrische Bauchseite des Fisches gleichzeitig
-berührt werden, wobei aber schon die Herstellung einer mittelbaren
-Verbindung durch ein Stück Tau oder dergleichen genügt, und zwar ist die
-Wirkung an der dicksten Körperstelle des Fischleibes am merklichsten. Die
-Entladung ist aber auch vom Willen des Tieres abhängig, stellt sich also
-erst dann ein, wenn man es genügend reizt. Daß es sich bei alledem
-wirklich um elektrische Erscheinungen handelt, ist nicht nur durch die
-physiologischen Wirkungen, sondern auch durch chemische Versuche
-(Wasserzersetzung, Zerlegung von Jodkalium, Wärmeentwicklung)
-unzweifelhaft nachgewiesen. Erzeugt wird die Elektrizität in einem
-besonderen, sehr umfangreichen Organ, das zu beiden Seiten des
-Rückenmarkes einen beträchtlichen Raum im vorderen Teile des Fischkörpers
-ausfüllt und aus zahlreichen, nach Art der Bienenzellen
-aneinandergereihten Scheiben oder Platten besteht, die heute von den
-meisten Gelehrten als abgeändertes Muskelgewebe gedeutet werden. Vom
-vierten Lappen des Kleinhirns entsendet der lobus electricus eine Reihe
-von Nervenpaaren in dieses Organ, die sich daselbst rasch aufs feinste
-verzweigen, und als eine körnig-schleimige Masse in Form kleiner
-Kugelzellen endigen. Die einzelnen Scheibchen sind zu Säulen
-zusammengestellt, und zwar beim Zitterrochen so, daß ihre Achsen von der
-Rücken- zur Bauchseite gerichtet sind, während sie beim Zitteraal und
-Zitterwels in der Längsrichtung des Fischkörpers verlaufen. D'Arsonval,
-dem wir die wohl beste und einleuchtendste Erklärung der ganzen, in ihren
-Einzelheiten noch rätselhaften Erscheinung verdanken, ist der Ansicht,
-daß die Tausende von Zellen im elektrischen Organ bei einer stärkeren
-Reizung des Tieres einer augenblicklichen Formveränderung des
-Protoplasmas unterliegen, und wenn auch der Spannungsunterschied jeder
-einzelnen noch so gering ist, muß doch ihre Gesamtheit eine immerhin
-bedeutende Wirkungskraft hervorrufen, wie sie nach den Untersuchungen
-Lippmanns stark genug ist, den elektrischen Strom auszulösen. Die
-erzeugten Wechselströme verdanken also ihre Entstehung molekularen
-Formveränderungen, und damit ist auch ihre Abhängigkeit vom Willen des
-Tieres erklärt. Du Bois-Reymond, der sich viel mit den »galvanischen
-Batterien« dieser Fische beschäftigte, hat die ganz begründete Frage
-aufgeworfen, wie es wohl kommen möge, daß die Zitterfische nicht selbst
-die ersten Opfer ihrer Entladungen werden. Eine befriedigende Erklärung
-für diese merkwürdige Erscheinung konnte noch nicht gefunden werden, man
-muß sich daher einstweilen mit der auch durch Versuche nachgewiesenen
-Tatsache begnügen, daß diese merkwürdigen Geschöpfe nicht nur gegen ihre
-eigenen, sondern auch gegen von außen zugeführte elektrische Entladungen
-gänzlich unempfindlich sind.
-
-[Illustration: Abb. 11. Nagelrochen (_Raja clavata_), einen Monat alt.
-(Phot. von F. Ward.)]
-
-Die sehr kleinen Jungen des Zitterrochens kommen lebend zur Welt und
-gleichen nach Körperbau und Bewegungsart jungen Haien, haben also noch
-nicht die flache Rochengestalt. Deren Wirkung wird noch dadurch stark
-gesteigert, daß die paarigen Flossen mächtig entwickelt und seitlich weit
-ausgebreitet sind, fast wie Fledermausflügel, während Schwanz- und
-Afterflosse fehlen und die verkümmerten Rückenflossen dem dünnen, langen
-Schwanze aufsitzen, der als ein schmächtiges Anhängsel dem breiten Leibe
-entwächst. Der quergestreckte Mund ist ganz auf die Unterseite gerückt,
-noch etwas rückwärts und seitwärts von ihm liegen die großen
-Kiemenspalten. Über die Lebensweise, die derart gestaltete Fische führen
-müssen, kann von vornherein kein Zweifel sein. Es sind träge Bodenfische,
-die meist ruhig auf oder im Sande ruhen und nur plötzlich hervorschießen,
-wenn sich ihren spähenden Augen etwas Genießbares beut. Zumeist ist
-übrigens die Nahrung der Rochen auf Krebstiere und Jungfische beschränkt,
-da sie trotz ihrer Größe wegen des eigenartigen Mund- und Zahnbaues
-umfangreichere Bissen nicht zu bewältigen vermögen. Wohl aber schwimmen
-sie mit ihren breiten Seitenflossen vorzüglich und schießen durchs Wasser
-wie Vögel durch die Luft. Das Gebiß ist furchtbar, denn auch die
-härtesten Panzerkrebse werden zwischen den kraftvollen Kiefern ohne
-Umstände zermalmt. Hauptwaffe der Rochen ist ihr langer Schwanz, mit dem
-sie bei Gefahr nach allen Richtungen hin wütend die Fluten durchpeitschen
-und dem Gegner die empfindlichsten Verletzungen beibringen, zumal bei
-manchen Arten dieses Glied noch mit spitzen, angelartigen Stacheln
-besetzt ist, nicht selten sogar hinzutretende Blutvergiftung die
-geschlagenen Wunden lebensgefährlich macht. Dies wird schon von dem
-kleinen, kaum meterlangen =Nagelrochen= (_Rája claváta_) unserer Küsten
-berichtet, bei dem sich die dräuenden Stacheln auch auf der Mittellinie
-des Rückens noch fortsetzen (Abb. 11). Diese Art, deren Fleisch im
-südlichen England während der Wintermonate gern gegessen wird, pflanzt
-sich durch Eier fort, doch ist deren Zahl auf 6-10 beschränkt, und das
-ist gut so, denn wenn die geringe Fortpflanzungsfähigkeit der Rochen
-nicht wäre, würden diese schädlichen Raubfische vermöge ihrer furchtbaren
-Bewaffnung bald ein schädliches Übergewicht in den Meeren erlangen. So
-aber schafft die Natur immer wieder den nötigen Ausgleich und stellt das
-harmonische Gleichgewicht her. Bei der Nahrungssuche schweift der
-Nagelrochen unter wellenförmigen Schaukelbewegungen niedrig über dem
-Meeresboden dahin, und sowie seine äußerst empfindliche Unterseite etwas
-Genießbares berührt, deckt er es mit seinem breiten Leibe und den großen
-Seitenflossen und zermalmt es zwischen seinen harten Kiefern. Im Spielen
-kommen diese seltsamen Fische bisweilen aber auch an die Oberfläche
-empor, indem sie senkrecht auf- und niedertauchen und dabei zierlich
-tänzelnde Bewegungen vollführen. Der gefürchtete =Stechrochen= (_Trygon
-pastináca_) der tropischen Küsten hat an seinem langen, dünnen Schwanze
-zwar nur einen einzigen Stachel, aber dieser ist sägeartig gezähnt. Kommt
-dem gewöhnlich im Sande oder Schlamm bis an die Augen vergrabenen Fisch
-etwas Verdächtiges zu nahe, so schwingt er seine Waffe wie eine Peitsche,
-und der Stachel verursacht dann gar böse und schmerzhafte, sehr schwer
-heilende Wunden. Die sagenumwobenen =Teufelsrochen= (im Mittelmeer findet
-sich noch am ehesten _Diceróbatis giórnae_) haben zwar auch den Schwanz
-zu einer Peitschenschnur ausgezogen, aber die Stacheln fehlen, denn für
-diese Meerungeheuer ist schon ihre fabelhafte Größe genügender Schutz.
-Hat man doch schon solche »Seeteufel« von 3-5000 kg Gewicht gefangen, in
-deren Maule ein sitzender Mensch bequem Platz hatte und deren Breite 6-9
-kg betrug. Dabei schießen diese mit schier dämonischer Kraft begabten
-Ungetüme doch außerordentlich behend durchs Wasser und bewegen sich in
-ihm mit Hilfe ihrer zu riesenhaften Fledermausflügeln umgewandelten
-Seitenflossen in förmlichen Raubtiersprüngen vorwärts. Harpunierte
-Teufelsrochen schnellen sich sogar im Sprung aus dem Wasser heraus, und
-wenn sie dann auf das Boot niederfallen, wird dieses durch ihr ungeheures
-Gewicht unrettbar zerschmettert. Man verwendet deshalb bei dieser
-gefährlichen Jagd ganz besonders gebaute und ausgerüstete Boote mit
-luftgefüllten Zinnbehältern. Kennzeichnend für die in kleinen Trupps
-zusammenlebenden Teufelsrochen sind zwei armsdicke, meterlange,
-fleischige, beständig in Bewegung befindliche Taster am Kopf in der Nähe
-der Augen. Vielleicht hat Schiller an dieses so vorsintflutlich anmutende
-Scheusal des Meeres gedacht, als er in seinem »Taucher« von »scheußlichen
-Klumpen« sang, denn der unförmlich breite Leib mit dem langen
-Peitschenschwanz und der widerwärtige Schleimüberzug der schmutzig
-gefärbten Haut machen diese furchtbaren Riesenrochen in der Tat zu höchst
-abschreckenden Erscheinungen.
-
-Die Rochen gehören wie die Haie zu den Knorpelfischen; den Übergang
-zwischen diesen beiden großen Gruppen mögen uns »des Hammers greuliche
-Ungestalt« und der abenteuerlich geformte =Sägefisch= (_Prístis
-antiquórum_) vermitteln. Dieser gehört seinem Aussehen nach zu den Haien,
-nach seinem inneren Körperbau aber zu den Rochen und ist sehr
-ausgezeichnet durch den zu einer bis 2 kg langen Doppelsäge ausgezogenen
-Oberkiefer. Mit dieser furchtbaren Waffe soll der Sägefisch kleinere
-Fische förmlich zersäbeln, aber auch größeren, selbst Delphinen und Walen
-bei lebendem Leibe ganze Stücke Fleisch herausreißen oder die Eingeweide
-zum Hervorquellen bringen, um sie zu verschlingen. Sicheres darüber
-wissen wir nicht, sind überhaupt über die Lebensweise dieser
-absonderlichen Fische erst höchst dürftig unterrichtet. Kann man den
-Sägefisch als einen Rochen in Haigestalt bezeichnen, so darf umgekehrt
-der auch in der Nordsee gelegentlich vorkommende =Meerengel= (_Rhína
-squátina_) ein Hai in Rochengestalt genannt werden. Er ist ein
-stumpfsinniger und träger Bodenfisch, ein wahres Faultier des Meeres und
-macht seinem schönen Namen wenig Ehre. In diesem Zusammenhange sei auch
-gleich noch die verwandte =Seekatze=, Chimäre oder Spöke (_Chimaéra
-monstrósa_) erwähnt, ein gar absonderlicher Fisch mit mächtigem Dickkopf,
-kegelförmiger Schnauze, aufrichtbarem, gestacheltem Stirnfortsatz (daher
-auch »Königsfisch«), dünnem Fadenschwanz (»Seeratte«), flügelartigen
-Brustflossen, auffallend stark ausgeprägter Seitenlinie und in
-metallischem Grün funkelnden Augen. Sie hat schon im Devon,
-wahrscheinlich sogar schon im Silur unmittelbare Vorfahren gehabt, stellt
-also ein uraltes Geschlecht dar. Heute fürchten die Fischer ihr
-zermalmendes Gebiß, schätzen aber ihre ölreiche Leber zur Bereitung von
-Wundsalben. Der =Hammerfisch= (_Zygaéna málleus_) endlich konnte kaum
-einen anderen Namen erhalten, weil sein ungefüger Kopf unwiderstehlich an
-die Hammergestalt erinnert und um so auffallender wirkt, als die Augen an
-den äußersten Enden der knorpeligen Seitenvorsprünge sitzen. Diese wilde
-und verwegene scharfbezahnte Bestie wird über 4 kg lang, 2-300 kg schwer
-und hält sich zumeist auf schlammigem Meeresboden auf, wo sie heißhungrig
-auf die kleineren Rochenarten Jagd macht.
-
-Die =Haie= selbst gelten als die »Hyänen des Meeres«, und noch
-treffender könnte man sie als die »Wölfe der Salzflut« bezeichnen. Ihre
-Raubgier und Unersättlichkeit, ihre Hinterlist und Verwegenheit sind
-sprichwörtlich geworden. Sie sind eine wahre Geißel der warmen Meere und
-werden nicht selten auch dem Menschen gefährlich, verleiden ihm das
-erquickende Bad und erschweren ihm das Tauchen nach Perlen und anderen
-Meeresschätzen. Immerhin ist auch viel über sie gefabelt, und ihre
-Menschenfresserei stark übertrieben und aufgebauscht worden. So viel
-dürfte sicher sein, daß die große Mehrzahl der Menschenteile, die man in
-erlegten Haien vorfindet, von den Leichen Ertrunkener herrührt.
-Vielleicht bilden sich auch unter den Haien in ähnlicher Weise bestimmte
-Menschenfresser heraus wie unter den Löwen und Tigern, während anderseits
-sowohl aus den nordischen wie aus den tropischen Meeren Beispiele genug
-dafür bekannt sind, daß sich Menschen beim Baden oder gelegentlich
-irgendwelcher Verrichtungen unbesorgt und ungestraft stundenlang unter
-ganzen Scharen von Haifischen tummelten. Natürlich macht Gelegenheit
-Diebe, auch im Wasser, und es steht fest, daß Schiffskatastrophen,
-Seeschlachten und Erdbeben in Küstenländern immer auch mehr oder minder
-auffallende Ansammlungen von Haifischen zur Folge haben, die bei solchen
-Gelegenheiten bequem Beute machen und den ins Wasser gefallenen
-Menschenkindern ein lebendes Grab bereiten. Besonders arg sollen sie's
-während und nach der Seeschlacht von Abukir getrieben haben, und ebenso
-zeigten sich nach dem Erdbeben von Messina ungewöhnlich viele Haie. Ein
-dort einige Wochen später gefangener _Carchárodon carchárias_ z. B. hatte
-die traurigen Reste von nicht weniger als 3 Menschen im Leibe, und zwar
-ergab sich aus den genauen Untersuchungen Prof. Condorellis, daß das
-Ungetüm die Unglückseligen, die wohl während des Bebens von einer
-Flutwelle in die See hinausgespült worden waren, noch lebend verschluckt
-haben mußte. Die einzelnen Leichenteile waren noch ganz frisch, wieder
-ein Beweis dafür, wie auffallend langsam die Verdauungstätigkeit im
-Haifischmagen vor sich geht. Der Seeminenkrieg mit seinen starken
-Erschütterungen des Wassers scheint dagegen weniger nach dem Geschmack
-der Haie zu sein. Wenigstens wird behauptet, daß die vielen Seeminen im
-russisch-japanischen Kriege eine ersichtliche Abwanderung der gerade in
-den chinesischen Gewässern sonst sehr zahlreichen Haie bewirkt hätten und
-daß die greulichen Raubfische dafür in der Adria ungewöhnlich zahlreich
-aufgetreten seien. Letzteres ist nicht zu leugnen und steht wohl damit im
-Zusammenhang, daß seit Eröffnung des Kanals von Suez den Haien das
-Einwandern vom Indischen Ozean zum Mittelmeer sehr erleichtert worden
-ist, weshalb auch am schönen Strande der Riviera manchmal der
-Schreckensruf »Ein Hai!« das sorglose Badeleben stört. Im Jahre 1908
-wurde dort ein riesiger Menschenhai gefangen, und selbst in unseren
-Meeren kommt dies gelegentlich vor, namentlich bei Helgoland, wo ein im
-Januar 1907 mit dem Grundnetz erbeuteter Hai nicht weniger als 3 Zentner
-Heringe im Leibe hatte. Die Freßgier dieser Tiere leistet eben
-Unglaubliches, und beständig scheint sie nagender Heißhunger zu quälen
-und zum gierigen, wahllosen Verschlingen auch der scheinbar
-ungeeignetsten Gegenstände anzuspornen. Deshalb findet man in
-Haifischmägen oft die absonderlichsten Dinge, namentlich oft Sardinen-
-und Konservenbüchsen, wie sie von Bord der Schiffe ins Meer geworfen
-werden. Denn die Haie folgen mit Vorliebe den Schiffen, weil es da immer
-etwas für sie zu ergattern gibt. Trotz ihrer glänzenden Schwimmleistungen
-vermögen sie freilich das Wettrennen mit einem modernen Ozeandampfer
-nicht lange auszuhalten, sondern bleiben bald zurück, während sie die
-langsamen Segelschiffe tage- und wochenlang umkreisen und sich dann wenig
-daraus machen, wenn die Reise von einem Meere in ein anderes geht und von
-den Tropen zu den Eisbergen führt oder umgekehrt, weshalb die
-Verbreitungsbezirke der einzelnen Arten so schwer gegen einander
-abzugrenzen sind. Fangen die Matrosen bei eintretender Windstille an,
-sich zu langweilen, dann bietet ihnen der Haifischfang erwünschte
-Abwechslung in ihrem eintönigen Dasein. Denn so scharfsinnig, klug und
-verschlagen der Hai sonst auch ist, seine grimmige Freßgier verleitet ihn
-doch zu den törichtsten Streichen; blindlings schnappt er auch auf den
-plumpsten Köder los, und namentlich der Lockung eines tüchtigen
-Speckbrockens vermag er nur in den seltensten Fällen zu widerstehen. Um
-ihn mit dem unterständigen Maule zu fassen, muß er sich erst auf den
-Rücken oder doch auf die Seite wälzen. Unter dem Triumphgeschrei der
-Matrosen wird dann das überlistete Meeresungetüm an einer starken Kette
-aufs Schiff gezogen, dessen Deck alsbald von seinen dröhnenden, mit
-unheimlicher Kraft geführten Schwanzschlägen erzittert. Der Seemann haßt
-den Hai mit glühendem Herzen und sucht sich an ihm für das traurige
-Schicksal manches Kameraden durch ausgesuchte Grausamkeit zu rächen.
-Hageldicht sausen die Hiebe auf den Gefangenen hernieder, Dutzende von
-Messern zerwühlen seinen zuckenden Leib, spitze Harpunen durchbohren
-seinen Kopf, die riesige Leber fliegt in den bereitgestellten Bottich,
-und doch will die gehaßte Bestie nicht verenden, denn die Lebenszähigkeit
-der Haie streift ans Unglaubliche. Das Herz soll noch 20 Minuten lang
-schlagen, nachdem es dem Körper entnommen wurde. Während die Leber zur
-Trangewinnung benutzt wird und die körnige Haut als »Chagrin« mancherlei
-Verwendung erfährt, findet das übelriechende Fleisch nur selten einen
-Liebhaber, soll aber in unserer Zeit der Fleischteuerung unter der Flagge
-des Seeaals doch hin und wieder auf die Fischmärkte eingeschmuggelt
-werden. Die Chinesen, die ja von jeher ihre absonderlichen
-Geschmackseigenheiten gehabt haben, erblicken aber wenigstens in den
-Haifischflossen einen großen Leckerbissen, der es wert ist, mit Gold
-aufgewogen zu werden, und der, zu einer Art Gelee verkocht, bei keinem
-vornehmen Prunkmahle fehlen darf. Unserem Gaumen aber würde dies klebrige
-Gericht kaum sonderlich behagen, denn besser als zum Essen eignen sich
-die Haiflossen sicherlich zum -- Leimkochen. Wäre die abstoßende Freßgier
-der Haifische und ihre blindwütende Raubsucht nicht, man könnte sie fast
-lieb gewinnen, denn sie gehören zweifellos zu den körperlich am besten
-ausgerüsteten und zu den geistig am höchsten begabten aller Fische.
-Pfeilgeschwind durchschneidet ihr langgestreckter Körper mit der
-kraftvollen Schwanzflosse die Wogen, oft so nahe an der Wasseroberfläche,
-daß die Rückenflosse über diese hervorsieht; auf weite Entfernungen hin
-wittert ihre scharfe Nase Heringsheere und Schellfischzüge, förmlich
-planmäßig umstellen sie diese und brechen dann von allen Seiten
-gleichzeitig auf die Verwirrten los, jäh im Angriff, blitzschnell im
-Zufahren, selbst nicht ganz ungelenk in raschen Wendungen. Ortsgedächtnis
-ist den Haien nicht abzustreiten, und auch das sanfte Gefühl der
-Elternliebe ist diesen blutdürstigen »Hyänen des Meeres« nicht fremd.
-Viele sind vielmehr sorgsame Mütter, und der weite Rachen mit den
-mehrfachen Reihen spitz dreieckiger »Drachenzähne« der sichere
-Zufluchtsort, in den sich die Jungen beim geringsten Anzeichen von Gefahr
-flüchten.
-
-Die größten Haifischarten sind durchaus nicht zugleich auch die
-gefährlichsten. Vielmehr sind gerade der bis 15 kg lang werdende
-=Riesenhai= (_Seláche máxima_) der Nordmeere und der ihn noch
-übertreffende =Rauhhai= (_Rhínodon typicus_), überhaupt die größte
-lebende Fischart, verhältnismäßig harmlose Gesellen, die nach Art der
-Wale von allerlei kleinerem Meeresgetier leben und natürlich einer
-ungeheuren Menge davon zu ihrer Sättigung bedürfen. Den Walfischjägern
-helfen sie auch beim Entspecken der erlegten Meeresriesen mit, kümmern
-sich aber nicht im geringsten um den Matrosen, der etwa bei dieser
-unangenehmen Arbeit von dem schlüpfrigen Riesenkadaver herab ins Meer
-sauste. Vielmehr stellen die mittelgroßen Haie die gefürchteten
-Menschenfresser vor. Als ein solcher gilt mit Recht der noch keine 5 kg
-lang werdende, sehr schlank gebaute und oberseits schön graublau gefärbte
-=Blauhai= (_Carchárias gláucus_), der auch durch Abfressen der
-Köderfische und Zerreißen der wertvollen Netze den Fischern im Mittelmeer
-Verdrießlichkeiten genug macht, deshalb grimmig von ihnen gehaßt und bei
-jeder sich bietenden Gelegenheit schonungslos verfolgt wird. Aber gerade
-sein Fang mißglückt oft genug, indem der Fisch das Angeltau durchbeißt
-oder mit einem gewaltsamen Ruck zerreißt, nachdem er es sich vorher durch
-Herumwälzen mehrfach um den Leib gewickelt hat. Selbst der an Bord
-gezogene Blauhai ist durch seine fürchterlichen Schwanzschläge noch ein
-sehr achtbarer Gegner, und die Matrosen suchen daher auch immer zuerst
-durch Axthiebe den gefährlichen Schwanz vom Rumpfe zu trennen. Noch
-furchtbarer ist der stärkere =Weißhai= (_Carchárodon rondeléti_), der mit
-einem einzigen Schnapp seiner schrecklich bezahnten Kiefer einen
-Menschenleib mitten auseinander zu beißen vermag. Ein solches Ungetüm von
-10 kg Länge, 3 kg Körperumfang und 3000 kg Gewicht wurde unlängst an der
-kalifornischen Küste gefangen; sein gewaltiger Rachen zeigte eine Breite
-von 3/4 kg und eine Spannhöhe von mehr als 1 kg, so daß 2 Kinder bequem
-auf dem Unterkiefer sitzen konnten, ohne mit den Köpfen den Gaumen zu
-berühren. Auch die kleinen Haie unserer Meere sind verhältnismäßig recht
-grimmige Bursche. So schon der nur halbmeterlange =Hundshai= (_Scyllium
-canícula_) und der doppelte Größe erreichende, hübsch gefleckte
-=Katzenhai= (_Scyllium cátulus_), deren rauhe Haut gern zur Bekleidung
-von Säbel- und Degengriffen benutzt wird, da sie der umschließenden Hand
-einen festen und sicheren Halt gewährt. Der aufmerksame Strandwanderer
-findet zur Zeit der Heringszüge öfters die von den Wogen an den Strand
-geworfenen Kadaver dieser kleinen Haie oder auch ihre merkwürdigen, der
-Fischerbevölkerung als »Seemäuse« bekannten Eier (Abb. 13). Diese
-wunderlichen Dinger sind gestreckt viereckige Hornkapseln von
-gelblichbrauner Farbe und an jeder Ecke mit einem langen, gewundenen
-Anhang versehen, der wie eine verdorrte Weinranke aussieht und zur festen
-Verankerung des Eis an Meeresgewächsen dient. Durch einen schmalen Spalt
-an jedem Eiende kann Wasser zu den Kiemen des eingeschlossenen Embryos
-gelangen, und der Abschluß der Eischale ist auf eine sinnreiche Weise
-derart eingerichtet, daß der reife Junghai zwar leicht einen Ausweg, kein
-Feind aber den Zutritt finden kann. Ähnlich sehen auch die Eier der
-Rochen aus (Abb. 12). Dagegen gehört der etwa gleichgroße =Dornhai=
-(_Acánthias vulgáris_, siehe Abb. 10, Fig. 1) zu den lebend gebärenden
-Arten und ist zugleich der geselligste aller Haie. In großen Schwärmen
-folgt er den Heringszügen und richtet als einer der freßgierigsten Räuber
-gewaltige Verwüstungen unter ihnen an. Seinen Namen führt er deshalb,
-weil der vorderste Strahl der beiden Rückenflossen zu einem starken Dorn
-entwickelt ist.
-
-[Illustration: Abb. 12. Rochen-Ei.]
-
-[Illustration: Abb. 13. Ein Haifisch-Ei (geöffnet).]
-
-Merkwürdig ist das Verhältnis der größeren Haie zu dem der Makrelengruppe
-angehörigen, hübsch gebänderten =Lotsenfisch= (_Naucrátes dúctor_).
-Selten nur sieht man einen Hai ohne diese anhänglichen Begleiter. Nach
-den Erzählungen der Seeleute sollen die flinken Lotsenfische für den Hai
-auf Kundschaft ausziehen und ihn dann zu einem erspähten Bissen
-hinführen, von dem sie auch ihren Anteil erhalten. In Wirklichkeit wird
-sich die Sache wohl so verhalten, daß sich der Lotsenfisch in der Nähe
-des großen Räubers, von dessen Tafel ja auch manches für ihn abfallen
-mag, vor anderen Raubfischen sicher fühlt und selbst zu gewandt ist, als
-daß ihn sein freßgieriger Freund erhaschen könnte. Also eine auf
-Einseitigkeit beruhende Symbiose! -- Diese Erklärung erscheint um so
-wahrscheinlicher, als der Lotsenfisch ganz die gleiche Anhänglichkeit
-auch gegen Schiffe und Wracks bekundet, immer in der Hoffnung, bei diesen
-besonders reichlich und mühelos Nahrung zu finden.
-
-Während sich mit einem erlegten Hai im allgemeinen nur wenig anfangen
-läßt, und der aus ihm gewonnene Ertrag in gar keinem Verhältnis zur Mühe
-und Gefahr der Erbeutung steht, gehört ein anderer Riesenfisch des
-Meeres, der =Stör= (_Acipénser stúrio_), zu den volkswirtschaftlich
-wichtigsten Arten. An ihm ist fast alles verwendbar. Das wohlschmeckende
-und nährkräftige Störfleisch wurde schon von den Römern als ein
-besonderer Leckerbissen gewürdigt, der mit großer Feierlichkeit unter
-Musikbegleitung auf die Tafel gesetzt zu werden pflegte, und erfreut sich
-auch bei uns, nachdem man es früher wenig beachtet hatte, steigender
-Beliebtheit, seitdem dieser edle Fisch durch den schonungslos betriebenen
-Fang so selten geworden ist, daß das Pfund Störfleisch mit 3 Mark und
-mehr bezahlt werden muß, also nur noch den wohlhabenden Kreisen
-zugänglich ist. Mehr als frisches kommt neuerdings geräuchertes
-Störfleisch aus Rußland in den Handel, und auch dieses hat so vielseitige
-Eigenschaften, daß ein geschickter Koch es nach Belieben in Schinken,
-Beefsteak, Lammsbraten oder Geflügel umwandeln kann. In noch höherem
-Ansehen aber steht der aus dem Rogen des Weibchens gewonnene Kaviar, eine
-köstliche, aber auch sündenteure Delikatesse, in Güte und Preis nach
-Gewinnungs- und Zubereitungsart sehr verschieden. Der billige und
-minderwertige, nur oberflächlich gereinigte und unter starkem Salzzusatz
-auf Matten an der Sonne getrocknete, dann mit Öl vermengte und mit den
-Füßen in Holzfässer eingetretene Preßkaviar ist wenigstens in Rußland
-noch Volksnahrungsmittel; in den von mir besuchten Gegenden am Kaspi
-vertrat er geradezu die Stelle des Käses. Körniger Kaviar, der in
-durchwässerten Sieben durch Peitschen mit Ruten sorgfältig von
-anhaftenden Häutchen und sonstigen Unreinlichkeiten befreit und in langen
-Trögen schwach durchgesalzen wird, ist bedeutend teurer. Am höchsten
-stehen diejenigen Sorten im Preise, die nach dem Abkörnen in leinene
-Säckchen kommen und in diesen in Salzlauge gehängt, dann schwach
-ausgedrückt und an der Luft getrocknet, nach dem Verpacken in die
-bekannten kleinen Holzfäßchen aber beständig unter Eis gehalten werden.
-Ein weiteres wichtiges Nebenerzeugnis der Störfischerei ist der aus der
-Schwimmblase der Fische gewonnene Leim, der auch beim Stärken der Wäsche
-und zur Herstellung von Gelees Verwendung findet. Endlich liefert auch
-noch die die Wirbelsäule vertretende Rückenseite des Störs ein Gericht,
-das als Wjasiga das Entzücken aller Petersburger und Moskauer Schlemmer
-bildet und aus dem sich auch eine wundervolle Pastetenfüllung herstellen
-läßt. Im Meere werden gewöhnlich nur vereinzelte Störe erbeutet, ein
-Massenfang ist nur im Unterlauf der Ströme möglich, in denen diese Fische
-zu Beginn der Laichzeit emporsteigen, wobei die Rogner derart mit Eiern
-vollgepfropft sind, daß sie sich nur mühsam fortzubewegen vermögen,
-während sonst der Stör zu den flinken Raubfischen zählt. Leider ist seine
-Abnahme bei uns infolge lange betriebener Überfischerei eine derart
-rasche, unaufhaltsame und allgemeine, daß man in sehr absehbarer Zeit mit
-dem völligen Aussterben dieses wertvollen Nutzfisches in unseren
-Gewässern zu rechnen haben wird, falls die bisher gescheiterten
-Züchtungsversuche nicht schließlich doch noch zu einem Erfolge führen. So
-wurden im Weichseldelta 1900 noch 27000 kg Störfleisch erbeutet, 1906 nur
-noch 9800 und 1908 gar nur mehr wenige 100 kg. Dagegen hat der
-Fischreichtum der russischen Gewässer (es handelt sich dort zumeist nicht
-um den eigentlichen Stör, sondern um seinen größeren Vetter, den bis 9 m
-lang und bis 1500 kg schwer werdenden =Hausen= [_Acipénser húso_]) bisher
-allen Verfolgungen Trotz geboten, wobei aber schwer ins Gewicht fällt,
-daß gerade der Störfang dort von altersher aufs strengste geregelt ist
-und mit Maß und Vernunft betrieben wird, besonders erfolgreich auch unter
-dem Eise der zugefrorenen Wolga. Gerade deshalb aber vermag Rußland
-allein aus dem Störfleisch einen Gewinn von mindestens 12 Millionen Rubel
-jährlich zu erzielen, und die Bevölkerung ganzer Landstriche findet durch
-diesen einzigen Fisch einen guten Lebensunterhalt. Wenn man bedenkt, daß
-ein erwachsenes Hausenweibchen bis zu 3 Zentner Kaviar liefert, und das
-Pfund davon schon an Ort und Stelle mit 8 Mark bezahlt wird, so wird man
-ermessen können, welchen Glücks- und Freudentag der Fang eines solchen
-Riesenfisches für den armen Fischersmann bedeutet.
-
-Der Stör ist jedoch nicht nur ein wirtschaftlich hochwichtiger Fisch,
-sondern auch ein naturgeschichtlich besonders interessanter, da er als
-letzter Rest eine der ältesten und sonst ausgestorbenen Ordnungen aus dem
-Reich der Fische verkörpert und uns lebende Kunde gibt vom Aussehen und
-Bau der Wirbeltiere in den Urzeiten der Tierwelt. Sein Körper ist
-schlank, die unterständige Schnauze gestreckt und vorgezogen, die Kiefer
-zahnlos, und das Schuppenkleid wird ersetzt durch 5 Längsreihen
-eigenartiger Knochenschilder, die aussehen wie chinesische Hütchen und
-bei jungen Stücken schärfer gekantet sind als bei alten. Auch haben die
-dem Laich schon nach 3 Tagen entschlüpfenden Jungen während ihrer ersten
-Lebensmonate noch Zähne. Sie streben schon frühzeitig dem Meere wieder
-zu, aber über das dortige Leben und Treiben der Störe wissen wir
-eigentlich herzlich wenig.
-
-Ähnliches gilt auch von dem größten und zugleich wehrhaftesten aller
-Knochenfische, dem sagenumwobenen, in unzähligen Seefahrergeschichten
-verherrlichten =Schwertfisch= (_Xíphias gládius_), dem Todfeinde des
-Thuns, dessen Wanderscharen er durch seine ungestümen Angriffe öfters
-auseinandersprengt oder von ihrem Wege abdrängt. Da er überdies auch
-häufig die wertvollen Riesennetze der Mittelmeerfischer zerreißt, ist er
-ihnen verhaßt, und sie jagen ihn deshalb, wo sie nur können. Andere
-betreiben diese Jagd aus rein sportlichen Gründen, weil ihr in hohem Maße
-der Reiz des Gefährlichen innewohnt. Denn das Schwert, d. h. der
-degenförmig bis auf 1-1/2 kg verlängerte Oberkiefer des Xiphias ist in
-der Tat eine furchtbare Waffe, deren Wirkung durch das pfeilschnelle
-Vorstoßen des großen und kraftvollen Fisches noch wesentlich gesteigert
-wird. Mit unwiderstehlicher Gewalt rennt er diese Lanze dem Gegner tief
-in den Leib, oder er gebraucht seine Waffe kleineren Beutefischen
-gegenüber als Schwert, indem er sie durch seitliche Bewegungen rechts und
-links niedersäbelt oder mitten durchschneidet und mit diesem blutigen
-Werke nicht aufhört, bis eine ganze Reihe von Schlachtopfern die Walstatt
-bedeckt, worauf sich der Raubritter daran macht, sie in aller Ruhe und
-Behaglichkeit zu verzehren. Ashby konnte einmal an der Stelle, wo ein
-Schwertfisch vor seinen Augen in einem Heringsschwarm gewütet hatte, noch
-einen ganzen Scheffel getöteter Heringe aufsammeln. Der Schwertfisch ist
-sich seiner Wehrhaftigkeit denn auch gar wohl bewußt und scheut keinen
-Gegner, wagt sich erwiesenermaßen sogar an Wale und Haie und ficht mit
-ihnen grimmige Kämpfe aus, die zu den großartigsten Schauspielen des
-Weltmeeres gehören und bei denen unserem Fisch auch seine ungewöhnliche
-Gewandtheit und Schnelligkeit sehr zustatten kommen. Dem Menschen geht er
-gewöhnlich scheu aus dem Wege, aber bisweilen scheinen einzelne
-Schwertfische nach Nashornart von einer wahren Berserkerwut befallen zu
-werden und rennen dann rücksichtslos alles an, was ihnen begegnet, sei es
-selbst ein großes Schiff. So erklären sich die gelegentlichen und nicht
-selten tragisch endenden Angriffe von Schwertfischen auf Badende oder auf
-bemannte Boote, die er durch und durch zu stoßen, so leck zu machen und
-zum Sinken zu bringen vermag. Von der furchtbaren Wucht seines Stoßes
-kann man sich einen Begriff machen, wenn man z. B. im Britischen Museum
-den Kiel eines Ostindienfahrers betrachtet, durch dessen Metallbeschlag
-und Holzwerk ein Schwertfisch seine Waffe 55 kg tief hineingetrieben
-hatte. Ja es ist sogar ein Fall verbürgt, wo ein in einem Boote sitzender
-Matrose von einem Schwertfisch getötet wurde, indem dieser sich aus dem
-Wasser emporschnellte und dem Unglücklichen seine Lanze mitten durch den
-Leib rannte. Aus alledem läßt sich entnehmen, daß die Jagd auf den
-Schwertfisch, von dem nur die umfangreiche Schwanzmuskulatur als
-genießbar gilt, ganze Männer verlangt. Sie wird trotzdem von
-amerikanischen Sportsmen mit wahrer Leidenschaft betrieben, und zwar
-ausschließlich mit der Harpune, da der Fisch auch die stärksten Netze
-glatt durchschneidet. Die von sinnloser Angriffslust und wütender
-Kampflust ruhelos durchs Meer getriebenen Schwertfische sind gewöhnlich
-ganz alte Stücke. Die Jungen führen das gefährliche Schwert überhaupt
-noch nicht, sondern dieses bildet sich erst mit zunehmendem Alter ganz
-allmählich aus.
-
-Den Riesen der Meeresfische seien nun auch gleich noch die Zwerge unter
-ihnen gegenübergestellt. Will man die Lanzettfischchen schon zu den
-echten Wirbeltieren rechnen, so muß hier zunächst _Asymmetron lucayánum_
-erwähnt werden, der bei den Bahamainseln vorkommt und nur 19 mm mißt,
-während unser kleinster Süßwasserfisch, der Zwergstichling, immerhin über
-50 mm lang wird. Sodann ist nach Krause namentlich das formenreiche
-Geschlecht der =Meergrundeln= reich an winzigen, nicht über 25 mm
-hinauswachsenden Arten. So durchstreift das durchsichtige =Seeräuberchen=
-(_Latrúnculus perlúcidus_) fast unsichtbar die Fluten bei den britischen
-Inseln und an einigen anderen europäischen Küsten. Dieses Geschöpfchen
-ist um so merkwürdiger, als es nach den Untersuchungen Colletts wie die
-meisten Insekten und viele Pflanzen nur ein Jahr lebt und somit das
-einzige bekannte Beispiel eines einjährigen Wirbeltiers vorstellt. Im
-August entschlüpfen die Jungen dem im Juni oder Juli abgesetzten Laich,
-sind schon im Dezember völlig ausgewachsen, bekommen im April die
-geschlechtlichen Unterscheidungsmerkmale und sterben sofort nach der
-Laichabgabe im Sommer ausnahmslos ab, so daß man in den Herbstmonaten
-stets nur junge Seeräuberchen antreffen kann. Die allerkleinste Art ist
-aber der =Luzonfisch= (_Mistíchthys luzonénsis_) von den Philippinen, bei
-dem die Weibchen durchschnittlich nur 13,5, die Männchen gar nur 10-11
-mm lang werden. Auch diese wahrscheinlich lebend gebärenden Tierchen
-sind im Leben bis auf einige schwarze Flecken fast durchsichtig und
-werden nach Zeller trotz ihrer Winzigkeit als Speisefische genützt. Sie
-werden in besonders eng gewobenen Netzen gefangen, mit Pfeffer und
-anderen Gewürzen zubereitet und natürlich mit Stumpf und Stiel verzehrt,
-etwa wie bei uns die Stinte, deren übler Geruch ihnen aber abgeht, so daß
-sich auch die Europäer sehr mit diesem »Badi« genannten Gericht
-befreundet haben. Übrigens hat es auch schon in grauen Urzeiten derart
-winzige Fische gegeben. So fand man im roten Sandstein Schottlands
-wohlerhaltene Devonfische (_Palaeospóndylus_), die auch nur 12-15 mm
-messen und einen ähnlichen Saugmund besitzen, wie unsere Neunaugen, wobei
-es freilich einstweilen noch dahingestellt bleiben muß, ob es sich nicht
-vielleicht um die Larvenformen eines Panzerfisches handelt.
-
-Um nochmals auf die zur Überlistung der Beutetiere und zum Verbergen
-vor Feinden dienende Farbenanpassung der Fische zurückzukommen, so gibt
-es außer der auf den Bodenuntergrund bezüglichen vielfach auch eine
-solche, die sich der umgebenden Pflanzenwelt, also den in langen Bändern
-wogenden Tangen des Meeres oder den Rohrstrünken und Halmen des
-Süßwassers anschmiegt. Geradezu verblüffende Beispiele für die erstere
-Gruppe finden wir namentlich unter den Fischen warmer Meere, so den
-berühmten =Fetzenfisch= (_Phyllópteryx éques_) der australischen Gewässer
-mit seinen zahlreichen Dornfortsätzen und bandartigen Anhängseln, aber
-auch schon der bereits in der Nordsee auftretende =Seeteufel= oder
-=Angler= (_Lóphius piscatórius_, s. Abb. 10, Fig. 5) sieht wahrlich
-abenteuerlich genug aus. »Ein sonder scheußlich, heßlich Tier sollen
-diese Meerkrotten sein«, sagt schon der alte Gesner, der eine im
-wesentlichen ganz richtige Lebensbeschreibung des Seeteufels gegeben hat,
-und in der Tat wird man den absonderlichen Burschen, dessen einer platten
-Keule gleichender Leib fast nur aus dem unflätigen, zahnstarrenden
-Riesenmaul, dem ungeheuerlichen Dickkopf und dem weiten Magensack zu
-bestehen scheint, beim besten Willen nicht schön finden können. Zwischen
-den Krautwäldern der Meeresküste liegt er tückisch verborgen, wobei er
-sich oft noch mit Hilfe der seehundsartigen Brustflossen in den Sand
-eingräbt, und läßt unablässig die merkwürdigen angelartigen Fortsätze auf
-Kopf und Rücken im Wasser spielen, die recht gut Würmer vorzutäuschen
-vermögen und so hungrige Kleinfische anlocken,[1] denen dann durch
-einfaches Aufreißen des gewaltigen Rachens ein frühes Grab in dem
-unersättlichen Magen des Anglers bereitet wird. Das Eingraben hat dieser
-dabei eigentlich kaum nötig, denn wie Franz bei den Klippen Helgolands
-beobachtete, ist die sehr wechselnde Färbung seiner Oberseite, die durch
-zahllose, vielfach gezackte und gelappte Linien in der Art, wie wir sie
-von den Ammoniten her kennen, ausgezeichnet wird, eine fabelhaft genaue
-und bis in die kleinsten Einzelheiten gehende Nachahmung all der
-Farbenwirkungen und mannigfaltigen Abschattierungen von Dunkelolivenbraun
-und Gelbbraun, die wir bei klarem Wasser in dem von Tangen durchwucherten
-Klippenmeer sehen. Erhöht wird diese Wirkung noch dadurch, daß Maul und
-Seiten des Fisches mit kleinen grünbraunen Bartelfortsätzen besetzt sind,
-die in ihrer lappigen Gestalt täuschend den umgebenden Algen gleichen.
-Wenn auch der wehrhafte Angler Feinde nur wenig zu fürchten hat, so kommt
-diese ganze Ausrüstung dem trägen Gesellen doch sehr zustatten beim
-Überlisten und Fangen seiner Beute, und diese pflegt deshalb bei seinem
-ständig regen Heißhunger so reichlich auszufallen, daß die Fischer, die
-den an sich fast ungenießbaren Seeteufel erwischen, ihm wenigstens den
-Bauch aufschneiden, um sich die von ihm zahlreich verschluckten und oft
-noch ganz frischen Fische anzueignen.
-
- [1] Guitel bestreitet auf Grund von Aquariumsbeobachtungen diese bisher
- allgemein verbreitete Ansicht und glaubt, daß der Angler seine
- Opfer durch rasche Vorstöße nach oben erhasche, sich aber
- überwiegend von Aas und unbeweglichen Seetieren nähte (?).
-
-Wo eine weitgehende Farbenanpassung fehlt, hat die erfinderische Natur
-durch mannigfache anderweitige Mittel dafür gesorgt, ihre Kinder
-wenigstens zeitweise den Nachstellungen ihrer Feinde zu entziehen oder
-ihnen das Erhaschen ihrer Beute zu erleichtern. Hierher gehört z. B. das
-Schießvermögen mancher Fische, auf der anderen Seite dagegen alle
-diejenigen Fälle, wo Fische den Räubern des Meeres dadurch ein
-Schnippchen schlagen, daß sie das feuchte Element für mehr oder minder
-kurze Zeit verlassen und mit dem Aufenthalte auf festem Erdboden oder in
-freier Luft vertauschen können, und damit kommen wir auf die viel
-erörterte Frage der =fliegenden Fische=. Einen ebenso überraschenden wie
-fesselnden Eindruck gewährt es, wenn plötzlich zu beiden Seiten des
-Schiffes Scharen von Flugfischen aus dem Wasser emporschießen,
-silberglitzernd auseinanderstieben, sich in langem, flachem Bogen über
-die Wellen schwingen und endlich ermattet wieder in das gewohnte Element
-zurückfallen, oder wenn man in finsterer Nacht das leise Knistern ihrer
-Flugflossen hört, das Anprallen einzelner an die Schiffswand merkt und
-andere klatschend auf das Deck des hochbordigen Schiffes selbst
-herniederfallen -- ihrer Schmackhaftigkeit halber eine hochwillkommene
-Zugabe für den Küchentopf der Matrosen. Alle Flugfische sind Kinder der
-wärmeren Meere, einige kommen aber schon im Mittelmeer regelmäßig vor,
-und deshalb berichten schon die Beobachter aus dem klassischen Altertum
-eingehend über dieses Naturwunder, und auch später haben die Forscher
-aller Zeiten und Völker die damit zusammenhängenden wissenschaftlichen
-Fragen zu lösen und zu lichten versucht, ohne sich doch darüber bis zum
-heutigen Tage einig geworden zu sein. So herrscht denn auch heute noch
-keine völlige Klarheit auch nur über die Grundfragen, keine Klarheit
-darüber, was die Fische eigentlich veranlaßt oder zwingt, das Wasser mit
-der Luft zu vertauschen, darüber, ob sie während des Fluges die Richtung
-abändern können oder nicht, darüber, ob sie währenddem flügelartig mit
-den Flossen schlagen oder diese lediglich als Fall- oder Gleitschirm
-benutzen, darüber, was sie nachts so hoch emporträgt, daß sie auf das
-Deck der Schiffe niederfallen können, während sich am Tage ihre Flugbahn
-stets nur in sehr mäßiger Höhe fortbewegt. Allerdings sind alle solche
-Beobachtungen bei der Schnelligkeit und Plötzlichkeit der Erscheinung,
-bei dem ungünstigen Stande des auf dem Schiffe befindlichen Beobachters
-von oben her und bei der unsicheren Beleuchtung, die das »Atmen« der
-Wellenberge und das glitzernde Silberkleid der Fische mit sich bringt,
-äußerst schwieriger Art, aber hier wäre ein sehr dankbares Feld für die
-wissenschaftliche Tätigkeit des Kinematographen, dem die endgültige
-Lösung dieser viel umstrittenen Frage nicht schwer fallen könnte. Suchen
-wir aus all den zahllosen, sich oft widersprechenden Berichten und
-Streitschriften den wesentlichen Kern herauszuschälen, vergleichen wir
-das so Gewonnene miteinander und wägen es sorgsam gegeneinander ab, so
-erhalten wir etwa folgendes Bild vom gegenwärtigen Stande unseres Wissens
-über das Rätsel der Flugfische.
-
-Der Fisch schnellt sich pfeilgeschwind und mit großer Wucht aus dem
-Wasser empor, und zwar hauptsächlich mit Hilfe des rasche
-Schraubenbewegungen vollführenden, kräftigen Schwanzes und durch
-Zusammenpressen der ungemein stark entwickelten Seitenmuskulatur. Es ist
-also ganz derselbe Vorgang, wie er sich beim wandernden Lachse vollzieht,
-wenn er ein Wehr überspringen will. Aber der Flugfisch schießt nicht so
-steil, nahezu senkrecht aus dem Wasser wie der verliebte Salmonide, weil
-es für ihn ja weniger darauf ankommt, eine möglichst große Höhe zu
-erreichen, als vielmehr darauf, sich eine möglichst weite Flugbahn zu
-schaffen. Das Herausspringen vollzieht sich daher in mehr oder minder
-spitzem Winkel zur Wasserfläche, höchstens in einem solchen von 45°, und
-in schräger Richtung, in die der Fisch wahrscheinlich schon vorher im
-Wasser seinen Körper eingestellt hat. Sehr erleichtert wird ihm das
-Emporschnellen jedenfalls auch noch dadurch, daß er eine ganz
-ungewöhnlich große Schwimmblase besitzt, die z. B. bei einer 16 cm langen
-Art 9 kg lang und 2-1/2 kg breit ist, so daß für sie durch ringförmige
-Ausbuchtungen im Knochengerüst noch besonders Raum geschaffen werden muß,
-und 44 _ccm_ Luft faßt, also den Fisch sehr leicht macht und ihm demnach
-wohl mehr als Flug-, denn als Schwimmorgan dient. Das Herausschießen
-vollzieht sich ohne Rücksicht auf die Bewegung des Windes oder die
-Richtung der Wellen, obwohl feststeht, daß es bei völliger Windstille und
-spiegelglatter See überhaupt nie stattfindet, demnach die Unterstützung
-des Windes an sich zum Flug dieser Geschöpfe unerläßlich erscheint.
-Wahrscheinlich fördern auch hastige Schläge mit den mächtigen, zu
-Flugorganen umgewandelten Brustflossen das Emporheben in die Luft, denn
-wenn man sich in unmittelbarer Nähe befindet, hört man deutlich das
-raschelnde und knisternde Geräusch der Flossen. Seitz berechnet die Zahl
-der derart vollführten Flatterschläge auf 10-30 in der Sekunde. Ich
-selbst habe trotz angestrengtester Aufmerksamkeit und vorzüglichem
-Krimstecher solche Flügelschläge mit den Flossen, deren Möglichkeit von
-Moebius und du Bois-Reymond überhaupt geleugnet wird, nie zu erkennen
-vermocht, gebe aber bei der Schwierigkeit der Beobachtung und der
-Kurzsichtigkeit meiner Augen gerne die Möglichkeit einer Selbsttäuschung
-zu. Jedenfalls breitet der Fisch, sobald er erst einmal eine gewisse Höhe
-erreicht hat, seine Flugflossen wagrecht oder mit einer geringen Neigung
-nach oben aus und läßt sich nun durch sie passiv vom Luftstrom tragen.
-Soviel scheint sicher zu sein, daß er während des eigentlichen Fluges,
-der freilich gar kein echter Flug ist, sondern nur ein fallschirmartiges
-Schweben und Gleiten, keine Flatterbewegungen vollführt, daß demnach die
-Erscheinung nicht mit dem Flattern der Fledermäuse, dem Gaukeln der
-Schmetterlinge oder dem Schwirren der Bienen verglichen werden kann,
-sondern höchstens mit dem Schweben der Flughörnchen und Flugechsen oder
-mit dem Aufschwirren der Heuschrecken aus dem Wiesengras. Eigentlich ist
-es nur ein künstlich verlängerter Sprung. Von einem wirklichen Fliegen,
-dieser »Poesie der Bewegung« kann schon deshalb gar keine Rede sein, weil
-dazu der Flächeninhalt der Brustflossen trotz ihrer auffallenden Länge zu
-gering und vor allem die sie bewegende Muskulatur viel zu schwach ist.
-Denn während das Gewicht der Brustmuskulatur zum Gesamtgewichte des
-Körpers bei Vögeln sich durchschnittlich wie 1: 6,22 verhält und auch bei
-Fledermäusen noch wie 1: 13,6, ist dasselbe Verhältnis bei den besten
-Flugfischen nach den Wägungen von Moebius wie 1: 32,4. Ihre Brustmuskeln
-müßten also 5,2mal so viel Kraft entwickeln, als die der Vögel oder
-2,45mal so viel als die der Fledermäuse, wenn sie den Körper durch
-Flossenschläge erheben und in der Luft fortführen sollten. Es ist nun
-aber nicht das geringste bekannt, aus dem auf eine solche ausnahmsweise
-Steigerung der Muskelkräfte bei Flugfischen geschlossen werden könnte,
-die im ganzen Wirbeltierreiche einzig dastehen würde. Allerdings scheint
-mir Moebius bei seinen fleißigen und grundlegenden Untersuchungen die
-ausgleichende, das Körpergewicht unter Umständen stark erleichternde
-Wirkung der ungeheuerlichen Schwimmblase der Flugfische nicht genügend in
-Rechnung gezogen zu haben, da er ja nur mit Spiritusexemplaren arbeitete.
-Jedenfalls hat er aber darin recht, wenn er auch die Flossenlänge als für
-eine wirkliche Flugleistung ungenügend erklärt. Die relative Flächengröße
-der Brustflossen ist zwar nur wenig geringer als die der Vogelflügel,
-allein ihre relative Länge ist viel kleiner, oft nur halb so groß. Und
-doch hängt gerade von ihr hauptsächlich das Maß der Flügelarbeit ab, denn
-der Widerstand der Luft wächst im Hundert der Geschwindigkeit, mit der
-der Flügel gegen sie schlägt. Da nun die Geschwindigkeit so zunimmt, wie
-die Entfernung des in Bewegung gesetzten Flügelpunktes vom
-Schultergelenk, so hebt ein Flügelstück, das doppelt so weit entfernt
-ist, den Körper mit vierfach größerer Kraft als ein anderes Flügelstück
-von gleicher Größe in einfacher Entfernung vom Schultergelenk. Mögen
-daher die Brustflossen der Flugfische als Träger der Körperlast fast
-ebenso viel leisten wie die Flügel der Vögel, so sind sie doch ihrer
-Kürze wegen zum wirklichen Fliegen nicht geeignet. Ich möchte dem noch
-hinzufügen, daß ja auch die eigenartig gewölbte Form des Vogelflügels und
-seine Fähigkeit zum Verkürzen oder Vergrößern der Fläche während des
-Fluges den Brustflossen abgeht, was ebenfalls keine geringe Rolle spielen
-dürfte. Es handelt sich bei den Flugfischen nur um starre Gleitflächen,
-die ein vorzügliches Schweben, nicht aber ein wechselvolles Fliegen
-ermöglichen. Läßt sich demnach die Erscheinung auch nicht mit dem
-herrlichen Flugvermögen der Vögel vergleichen, so steht sie als bloßer
-Gleit- und Schwebeflug doch entschieden über dem der Flughörnchen und
-Flugechsen, sowohl was die Länge der Flugbahn, als auch was ihre
-Schnelligkeit anbelangt, wozu freilich der Umstand das meiste beitragen
-mag, daß über bewegter See ständig ungleich stärkere Luftströmungen
-herrschen, als im stillen Blättermeer des Urwaldes. Die
-Fluggeschwindigkeit beträgt immerhin 7-14 Sekundenmeter, die Flugdauer
-10-20 Sekunden und (wenn man die kurzen Unterbrechungen beim Eintauchen
-in die Wellenkämme nicht mitzählt) selbst bis zu 1 Minute, die
-zurückgelegte Strecke bis zu 200 kg und mehr, allerdings gewöhnlich nur
-in einer Höhe von kaum einem Meter über dem Meeresspiegel. Also immerhin
-ganz ansehnliche Leistungen, die den angestrebten Zweck, nämlich die
-Flieger dem gierigen Rachen der Raubfische zu entziehen, vollkommen
-erreichen dürften. Der zurückgelegte Weg stellt keine eigentliche
-Flugbahn vor, sondern eine parabelähnliche Wurfbahn, deren Form und Länge
-abhängt von der Größe der Anfangsgeschwindigkeit, von der Körperlast und
-von der Ausdehnung und Neigung der tragenden Flächen; als Werfer des
-Körpers dienen, wie schon erwähnt, die stark ausgebildeten
-Rumpfseitenmuskeln und der kräftige Schwanz, dessen untere Hälfte gerade
-bei den besten Fliegern sehr bezeichnender Weise weit mehr entwickelt ist
-als die obere. Anfänglich halten die fliegenden Fische, deren große klare
-Augen so vorteilhaft von den bleifarbigen anderer abstechen, den Körper
-fast wagrecht, aber allmählich senkt sich das Schwanzende, die
-Körperhaltung wird immer schräger und steiler, bis endlich der Schwanz in
-einen Wellenkamm eintaucht und nun entweder der ganze Fisch wieder in
-seinem eigentlichen Element verschwindet oder aber sich sofort von neuem
-abstößt und in gleicher Weise einen zweiten und dritten Flug unternimmt.
-In solchen Augenblicken helfen auch die Flügelflossen vielleicht nochmals
-durch Flatterbewegungen beim Aufsteigen mit, und in solchen Augenblicken
-ist der Fisch auch imstande, die seitherige Flugrichtung willkürlich zu
-ändern, was ihm in der Flugbahn selbst bei der rein passiven Art seines
-»Fliegens« kaum möglich ist, da er dann als ein mehr oder weniger
-willenloses Spielzeug der Windströmungen zu gelten hat. Humboldt hat ganz
-recht, wenn er die Fortbewegung der Flugfische mit der eines flach über
-das Wasser hingeworfenen Steines vergleicht, der aufschlagend und wieder
-abprallend meterhoch über dem Wasser einhersaust. Nun stimmen aber alle
-aufmerksamen Beobachter darin überein, daß die Flugbahn sich nicht in
-gleichmäßiger Höhe halte, sondern sich mit der Wellenatmung des Meeres
-abwechselnd hebe und senke, ähnlich wie der Flug der Möwen und anderer
-Wasservögel. Moebius sucht auch diese Eigentümlichkeit auf rein
-mechanischem Wege zu erklären und macht dafür die von den Wellen
-aufsteigenden dynamischen Luftströmungen verantwortlich. Der wagerecht
-über die Wogen hinstreichende Fisch muß emporgehoben werden, sobald er
-den höheren Teil der Wellenböschungen erreicht, weil er hier jedesmal dem
-von diesen aufsteigenden Luftstrom so nahe kommt, daß dessen Wirkung sich
-merklich geltend machen kann, und zwar übernehmen dabei die Furchen der
-Brustflossen die Rolle von prächtigen Windfängen. Ihre Form und Lage ist
-nämlich derart, daß der aufsteigende Luftstrom, wenn er sie füllt, den
-Fisch höher und zugleich vorwärts schieben muß. Sehr gut hiermit stimmt
-überein, daß besonders scharfäugige Beobachter gesehen haben wollen, daß
-die Brustflossen beim Fluge doch nicht ganz ruhig liegen, vielmehr in
-ständiger zitternder Bewegung sich befinden. Es ist eben die von den
-Wellen aufsteigende Luft, die diese Zitterbewegung hervorruft. In
-ähnlicher Weise erklärt sich auch das Niederfallen von Flugfischen zur
-Nachtzeit auf dem Schiffsdeck, während sie doch bei Tage stets wesentlich
-niedriger fliegen. Aber sie sehen dann eben das Schiff und nehmen ihre
-Flugrichtung von ihm weg und nicht zu ihm hin. Anders bei Nacht, wo sie
-in der Finsternis blindlings aus dem Wasser herausfahren und dann von der
-Windströmung leicht gegen die Schiffswände getragen werden können. Hier
-aber weht, wovon man sich experimentell leicht überzeugen kann, der
-anprallende Wind lebhaft nach oben, und in dem Augenblicke, wo die
-Flossen in diesen aufsteigenden Luftstrom eintreten, fährt er in ihre
-Windfänge und führt den Fisch aufwärts und dann im Bogen über die
-Schanzbekleidung hinüber; währenddem hat die eigene Schwere des Fisches
-seine Schwebegeschwindigkeit bedeutend vermindert, auf dem Schiffe fährt
-ihm nichts mehr hebend unter die Flossen, und so stürzt er denn
-unbehilflich und schwerfällig auf das Verdeck nieder, denn -- wirklich
-fliegen kann er ja gar nicht. Seeleute werden sich freilich durch diese
-einfache und einleuchtende Erklärung nicht irre machen lassen in ihrer
-alteingewurzelten Überzeugung, daß das helle Licht der Schiffe es sei,
-das in dunkler Nacht die Flugfische unwiderstehlich anziehe und ins
-Verderben locke. Im Einklang mit alledem steht es endlich auch, daß in
-die Höhe geworfene oder aus der Höhe fallen gelassene Flugfische nicht
-den geringsten Versuch zum Fliegen machen, sondern zu Boden fallen wie
-jeder andere Fisch.
-
-Der Umstand, daß Flugfische nur in den warmen Meeren vorkommen, muß zu
-der Vermutung führen, daß die dortigen klimatischen Verhältnisse die
-Ausbildung des Flugvermögens irgendwie besonders zu begünstigen
-vermochten, und vielleicht haben wir wenigstens einen dieser Faktoren in
-der Gleichmäßigkeit zwischen Luft- und Wasserwärme zu suchen, durch
-welche auch bei empfindlichen Geschöpfen der plötzliche Übergang von
-einem Medium ins andere wesentlich erleichtert wurde. Die Frage nach den
-äußeren Gründen und treibenden Ursachen, die zur allmählichen Ausbildung
-des Flugvermögens bei Fischen geführt haben, ist von den Forschern sehr
-verschieden beantwortet worden. Manche meinen, daß dadurch nur
-überschäumender Freude am Dasein Ausdruck gegeben werden solle, daß es
-sich also nur um eine Art Spiel handle, andere glauben, daß das zeitweise
-Bedürfnis nach sauerstoffreicherer Atemluft die Fische zu den Ausflügen
-in ein fremdes Element veranlasse. Ich möchte es aber doch mit denen
-halten, die in dem Auffliegen nichts als eine Flucht vor größeren
-Raubfischen erblicken, denn das ganze Benehmen der Tiere spricht zu
-deutlich und zu unverkennbar für diese Auffassung, und das ganze Leben
-der Fische ist ja ein ewiger Krieg, ein unablässiges Würgen und
-Gewürgtwerden. Dann aber ist das plötzliche Verschwinden in einer anderen
-Welt, in die der Gegner nicht zu folgen vermag, sicherlich ein
-prächtiges, in seiner naiven Einfachheit schier verblüffendes
-Ausfluchtsmittel, und nachdem die Natur einmal darauf verfallen war,
-leuchtet es ein, daß unter dem Einflusse der natürlichen Zuchtwahl das
-Flugvermögen rasch bis zu einem gewissen notwendigen Grade sich
-entwickeln mußte. Wenn die Fische dabei manchmal aus dem Regen in die
-Traufe geraten, indem nun Scharen von Möwen, Albatrossen, Fregattvögeln
-und anderen beschwingten Fischfressern in der Luft sich über sie
-hermachen, so ist dies doch noch lange kein Gegenbeweis, denn einmal ist
-die zunächst gegenwärtige Not doch immer die größte und ausschlaggebende,
-und sodann sind derartige Fälle doch nicht allzu häufig, indem die
-fischfressenden Vögel im allgemeinen mehr in der Nähe der Küsten sich
-aufhalten, die Flugfische dagegen meistens in freier See sich tummeln.
-
-Bei Beurteilung all der angeregten Fragen müssen wir uns immer vor Augen
-halten, daß es nicht nur eine Art von Flugfischen gibt, sondern ihrer
-vier Dutzende, daß jede davon wieder ihre besonderen Eigentümlichkeiten
-hat und daß insbesondere das Flugvermögen verschieden entwickelt sein
-wird, so daß sich hier unmöglich alles über einen Leisten schlagen läßt.
-Als die besten Flieger dürfen wohl die zur Gruppe der Makrelenhechte
-gehörigen Hochflieger mit den ungleich entwickelten Schwanzlappen gelten,
-und unter ihnen leistet wiederum der =Schwalbenfisch= (_Exocoétus
-vólitans_) das Höchste, was der streng für das Wasserleben zugeschnittene
-Fischtypus überhaupt zu leisten vermag. Die zierliche, schlank-rassige
-Gestalt, die zartblaue Färbung der Oberseite, die ausdrucksvollen Augen
-und die großen durchsichtigen Flügelflossen machen diese Art zu einem
-sehr schönen Fisch. Während er mehr der südlichen Tropenzone eigen ist,
-wird er in der nördlichen durch den etwas größeren =Springfisch= oder
-fliegenden Hering (_Exocoétus exsíliens_) vertreten, der sich durch eine
-über die Brustflossen verlaufende braune Binde auszeichnet. Im Mittelmeer
-sind namentlich der =Flughahn= (_Dactylópterus vólitans_) und die
-=Meerschwalbe= (_Trígla lucérna_) häufig. Der in den indischen Gewässern
-heimische fliegende Stachelbarsch oder =Flugdrache= (_Ptérois vólitans_),
-der steif wie ein Papierdrachen über die Wogen gleitet, zählt selbst zu
-den gefährlichsten Räubern, denn er zerfleischt Fische, die ihn an Größe
-um das zwanzigfache übertreffen. Doch nicht nur fliegende Fische gibt es
-im Ozean, sondern auch hüpfende und tanzende lehrt er uns kennen. Schon
-ehe man die Tropenzone erreicht, sieht man nicht selten halbmeterlange
-Fische von ziemlich hohem, aber schmalem Körperbau senkrecht aus dem
-Wasser herausspringen, in der Luft sich überschlagen und mit dem Kopfe
-voran wieder ins Meer zurückfallen. Es ist dies die allen Seefahrern
-wohlbekannte =Bonite= (_Scomber pelamys_), ein Mitglied der
-Thunfischgruppe, silberglänzend von Farbe mit schwarzgrauen
-Rückenstreifen und Flossen. Ihre Bewegungsart überrascht nicht minder als
-der Flug der Schwalbenfische, weil das Aufsteigen aus dem Meere ebenso
-senkrecht erfolgt wie das Herabfallen, weil das kobolzartige Umdrehen in
-der Luft auch dem oberflächlichsten Beobachter auffällt und weil sie fast
-genau auf derselben Stelle wieder ins Meer taucht, von wo sie
-aufgestiegen war. Den Grund für diese absonderlichen Turnübungen weiß man
-nicht recht anzugeben, vermutet aber, daß es sich bloß um eine Art
-Belustigung für den Fisch handelt, daß lediglich spielerischer Übermut
-ihn aus dem Wasser heraustreibt, zumal das Tanzen der Boniten nur bei
-schönem Wetter, ruhiger See und heiterem Himmel beobachtet wird.
-
-Als ein Beispiel derjenigen Fische, die den Aufenthalt im Wasser
-zeitweise mit dem auf dem Erdboden vertauschen, sei hier der schleimig
-aussehende =Schlammspringer= (_Periophthálmus koelreúteri_) genannt, ein
-unansehnliches, nur 15 kg langes, aber in mehr als einer Hinsicht höchst
-merkwürdiges Geschöpfchen. Nicht nur für Sekunden oder Minuten, sondern
-für lange Stunden vermag er das feuchte Element zu verlassen, und er tut
-es weniger aus Furcht vor Feinden, als vielmehr in der Absicht, selbst
-Beute zu machen und auf dem Festlande nach Kerfen und Schnecken zu jagen.
-Ermöglicht wird ihm das durch die außerordentlich enge Beschaffenheit
-seiner Kiemenspalten, die die Verdunstung des in den Kiemenhöhlen
-befindlichen Wassers lange hintanhält. Schon rein äußerlich hat das an
-den tropischen Küsten Afrikas und namentlich im Brackwasser der
-Mangrovenwaldungen lebende Tierchen mancherlei Absonderlichkeiten
-aufzuweisen. Seine drolligen Froschaugen stehen nämlich dicht beieinander
-oben auf dem Kopfe und können in wunderlicher Weise etwas herausgeschoben
-oder zurückgezogen werden, sind überhaupt sehr beweglich und sogar mit
-Lidern versehen. Die weit nach vorn gerückten Bauchflossen sind
-miteinander verwachsen und zeigen ein starkes Haftvermögen, die
-Brustflossen sind mit kräftigen Muskelstielen ausgerüstet und können so
-am Lande als Beine dienen. Oder der ausruhende Schlammspringer stützt
-sich auf sie wie ein Seehund, und wenn er dann mit seinen roten
-Glotzaugen gierig nach den im Wurzelwerk der Mangroven herumlaufenden
-Fliegen späht, sieht er aus wie ein alter Mann, der sich am
-Wirtshaustisch auf beiden Ellbogen lümmelt und sehnsüchtig dem bestellten
-Getränk entgegenblickt. Vorsichtig wie eine Katze schleicht dann der
-Fisch seinem auserkorenen Opfer Schrittchen für Schrittchen näher, -- ein
-mächtiger Satz, und das Kerbtier ist von dem breiten Maule erfaßt. Nicht
-selten springt bei solchen Jagden das Tier auch selbst dünne
-Mangrovenwurzeln an und klettert geschickt meterhoch an ihnen empor,
-indem es sie mit den Fußflossen umklammert und sich mit dem Schwanze
-nachschiebt. Gewöhnlich bewegen sich die Tiere auf dem Schlamme in
-froschartigen Sprüngen ziemlich langsam und schwerfällig fort, wobei sie
-eine sehr bezeichnende Fährte hinterlassen, aber bei nahender Gefahr
-rennen sie fast so schnell wie Eidechsen davon und flüchten entweder ins
-nahe Wasser oder vergraben sich mit verblüffender Geschwindigkeit im
-Schlamme. Sie sind scharfsinnig, aufmerksam und scheu, und es ist deshalb
-gar nicht so leicht, einen unversehrten Schlammspringer zu erhaschen,
-obwohl sie an geeigneten Örtlichkeiten massenhaft herumwimmeln. Trotzdem
-gelangen sie neuerdings öfters lebend nach Deutschland und in die Hände
-unserer Liebhaber, halten sich bei geeigneter Pflege in einem größeren
-=Aquaterrarium= vortrefflich und geben hier reichlich Gelegenheit zu den
-anziehendsten und dankbarsten Beobachtungen. Wer jemals auch nur eine
-Stunde lang ihrem unterhaltenden, munteren Tun und Treiben zugeschaut
-hat, der wird zu der Überzeugung gelangt sein, hier ein Tier vor sich zu
-haben, das biologisch weit mehr Amphibium ist, denn Fisch. Besonders
-merkwürdige Beziehungen zwischen den Schlammhüpfern und gewissen
-Nacktschnecken (Onchidien) hat Semper aufgedeckt. Diese Onchidien sind
-nämlich entsetzlich langsame Geschöpfe, die ihren Feinden rettungslos
-verfallen wären, wenn sie nicht außer ihren gewöhnlichen, zum Aufsuchen
-der Nahrung dienenden Kopfaugen noch eine ganze Anzahl (wohl an 100)
-anderer Augen auf dem Rücken besäßen, die auffallenderweise und im
-Gegensätze zu den Kopfaugen ziemlich genau nach dem Typus des
-Wirbeltierauges gebaut sind. Keine andere Schneckengattung kann sich
-solcher Rückenaugen rühmen. Semper glaubt nun, daß sich die Schnecke,
-indem sie mit ihren Rückenaugen die heranhüpfenden Schlammspringer
-rechtzeitig wahrnimmt, oft noch sichern kann, freilich nicht durch die
-Flucht, sondern dadurch, daß sie den Körper rasch zusammenzieht und aus
-gewissen Drüsen, mit denen ihr ganzer Rücken besät erscheint, in Form
-unzähliger kleiner Kügelchen ein Sekret herausschleudert, das auf die
-Fischhaut eine unangenehme Wirkung auszuüben scheint, denn der von diesem
-Sprühregen getroffene Angreifer entfleucht alsbald, und die Schnecke ist
-gerettet. Jedenfalls ist es sehr auffällig, daß solche Nacktschnecken mit
-Rückenaugen nur da zu finden sind, wo auch Schlammspringer vorkommen, und
-daß da, wo diese fehlen, die Onchidien-Arten auch keine Rückenaugen
-haben. Nicht alle Schlammspringer scheinen in der geschilderten Weise zu
-leben. Wenigstens fand Hickson am Strande von Celebes eine Art, die den
-Schwanz immer ins Wasser getaucht hielt, auch wenn sich der Körper
-außerhalb desselben befand. Haddon untersuchte die Sache später näher und
-stieß auf die merkwürdige Tatsache, daß dieser Fisch mit seiner
-entsprechend eingerichteten Schwanzflosse zu atmen vermag, ja so sehr
-darauf angewiesen ist, daß er mit der regelrechten Kiemenatmung gar nicht
-mehr auskommen kann. Schon mit einer guten Lupe läßt sich ein überaus
-lebhafter Blutumlauf in dieser sonderbarsten aller Schwanzflossen
-erkennen. Also ein erster Ansatz zu der amphibischen Lebensweise, die
-dann bei den afrikanischen Formen zu ungleich größerer Vollkommenheit
-gediehen ist.
-
-[Illustration: Abb. 14. Schützenfisch (_Toxotes jaculator_).]
-
-Wohl kein Fisch erlangt aber seine Beute auf eine so merkwürdige Weise
-wie der =Schützenfisch= (_Toxótes jaculátor_, Abb. 14) und der
-=Spritzfisch= (_Chaétodon rostrátus_), jener an den Küsten und in den
-Flüssen Hinterindiens, dieser an denen Javas zu Hause. Wo das Ufer
-üppigen Pflanzenwuchs aufweist und einzelne Zweige über das Wasser
-herüberhangen, da nähern sich ihm diese hübschen Fischchen in kleinen
-Trupps und spähen mit großen, lebhaften Augen begehrlich nach den Fliegen
-aus, die im Gezweige sitzen. Dann nehmen sie eine bestimmte genau aufs
-Korn und spritzen plötzlich aus ihrem Maule einen kleinen Wasserstrahl
-nach ihr, und zwar bis meterhoch und mit so unübertrefflicher Sicherheit,
-daß das Kerbtier fast regelmäßig getroffen wird, herabfällt und nun
-schleunigst verzehrt wird. Ging aber der Schuß daneben, so schwimmt der
-Fisch einigemale aufgeregt und verärgert im Kreise herum, wählt sich
-einen günstigeren Standpunkt aus und versucht dann sein Weidmannsheil von
-neuem. Merkwürdigerweise ist der Schießmechanismus dieser Wasserflinten
-wissenschaftlich noch gar nicht näher untersucht, und man weiß eigentlich
-nur, daß im Augenblicke des Schießens der Unterkiefer plötzlich
-vorgestreckt wird, und daß beim Spritzfisch das Maul überhaupt zu einer
-dünnen Röhre verlängert ist. Es ist dies um so verwunderlicher, als die
-interessanten Fische nicht nur neuerdings ihren Einzug in die Aquarien
-unserer Liebhaber gehalten haben, sondern auch schon von altersher in
-ihrer Heimat vielfach zu Hausgenossen des Menschen gemacht wurden, indem
-man sich daran ergötzte, ihnen Stäbe mit eingeklemmten Fliegen ins Wasser
-zu stellen, um die Geschicklichkeit zu bewundern, mit der sie alsbald die
-Kerfe herabschossen. Beim Spritzfisch, der viel seltener in die Flüsse
-kommt, wird die Fliegenjagd wohl nur einen Nebenerwerb bilden, denn die
-schnabelartige Verlängerung seiner Kiefer, die in so sonderbarem
-Gegensatze steht zu der fast kreisförmigen Gestalt seines Körpers und zu
-der scharf abgeschnürten Schwanzflosse, weist deutlich darauf hin, daß
-seine Hauptnahrung in kleinen Schaltieren besteht, die er eben mit diesem
-Schnabel selbst aus engen und tiefen Höhlungen herauszuholen versteht,
-wobei ihn seine borstenartige Zahnbildung noch wesentlich unterstützt,
-denn der einmal erfaßten Beute ist ein Entrinnen nicht mehr möglich.
-
-Beide Arten gehören zu der formenreichen und farbenprächtigen Gruppe
-der auf die tropischen Meere beschränkten =Schuppenflosser=, die ihren
-Namen davon haben, daß das Schuppenkleid bei ihnen auch auf das reich
-entwickelte Flossenwerk übergreift, namentlich auf Rücken- und
-Afterflosse, und so den sonst im Fischreiche so scharf ausgeprägten
-Unterschied zwischen Flossen und Rumpf mehr oder minder verwischt. Es
-sind durchgängig kleine Fischchen, die zumeist zwischen den
-Korallenbänken ihr lustiges Wesen treiben und die Korallenstämmchen
-scharenweise förmlich abweiden, sei es, daß sie die herausschauenden
-Korallenpolypen selbst verzehren, sei es die ihnen anhaftende
-Kleinlebewelt oder die auf ihnen wuchernden Algen. Ihnen allen gemeinsam
-ist ein hoch gebauter, aber seitlich stark zusammengepreßter Rumpf von
-nahezu Sphäroidform, aus der auch die kleine, sehr bewegliche Schnauze
-und die kurze, scharf abgesetzte Schwanzflosse kaum heraustreten, während
-die üppig ausgestalteten anderen Flossen sich ihr sogar unverkennbar
-anschmiegen. Ist schon der Spritzfisch mit seinen 5 Querbinden und dem
-netten Pfauenaugenfleck auf der Afterflosse ein sehr hübscher Fisch, so
-übertreffen seine Verwandten an Metallglanz, Farbenpracht und Eigenart
-der Zeichnung doch alles, was wir aus dem Reich der Fische kennen. Sie
-sind die Kolibris des Meeres und schwirren wie diese gaukelnd und
-farbenschimmernd von Blume zu Blume, sie sind die Paradiesvögel der
-Korallenwaldungen und verhalten sich als solche lange still, um dann
-plötzlich ihre Farbenpracht in den wundervollsten Gold- und
-Silberreflexen aufblitzen, in den lieblichsten Schattierungen aufleuchten
-und in den kühnsten Zeichnungen auffunkeln zu lassen, sie sammeln alle
-Farben des Regenbogens, alle Lichter des Prismas und alle Schönheit der
-kostbarsten Edelsteine in den kristallklaren Fluten Neptuns, bieten dem
-entzückten Auge immer neue, immer überraschendere und immer glänzendere
-Farbenzusammenstellungen, zeigen sich stets und überall als eine wahre
-Farbenorgie der schaffenden Natur im bunten Korallengarten des tropischen
-Meeres. Keine Feder vermag diese Schönheit zu beschreiben, kein Pinsel
-sie auch nur annähernd wiederzugeben, und wo ein gottbegnadeter Künstler
-es doch versucht hat, wird der Laie und überhaupt jeder, der nicht selbst
-einen Blick in die Herrlichkeit der Tropen werfen durfte, rasch mit dem
-Urteil fertig sein, daß das doch tolle Übertreibung, daß dergleichen in
-Wirklichkeit gar nicht möglich sei, daß solch ebenso raffinierte wie
-unvermittelte Zusammenstellungen von Rosenrot, Himmelblau, Sammetschwarz,
-Schwefelgelb, Grasgrün und Purpurleuchten auf dem reinsten Gold- oder
-Silbergrunde doch gar nicht vorkommen könnten, am allerwenigsten in Form
-so künstlerisch ausgeklügelter Flecken, Bänder, Streifen, Ringe und
-Augen. Es sind eben die reinsten und glänzendsten Farben, die die Natur
-überhaupt hervorgebracht hat, und ihre Wirkung wird noch stark erhöht
-durch die bewunderungswürdige Art und Weise ihrer Verteilung. Die
-glänzendsten Vögel, die buntesten Schmetterlinge, die schimmerndsten
-Echsen vermögen damit nicht zu wetteifern. Dazu kommt noch die oft höchst
-abenteuerliche Entwicklung des Flossenwerkes, das nicht selten in der
-ungewöhnlichsten Weise verlängert und verzerrt ist, seltsam geformte
-Stacheln, lang nachschleppende Peitschenschnüre oder aufleuchtende
-Schwefelfäden aufweist. Es könnte bei all dieser Buntheit in Form und
-Farbe höchst gewagt erscheinen, auch bei den Schuppenflossern noch von
-einer Art Schutzkleid sprechen zu wollen, und doch hat man dazu volle
-Berechtigung. Das Leben im Korallenwalde ist ja an sich schon so bunt,
-daß einfach gefärbte Geschöpfe darin fast mehr auffallen würden, als
-lebhaft gezeichnete. Aber der Schutz soll hier auch gar nicht durch eine
-Anschmiegung an die Farben der Umgebung erreicht werden, sondern vielmehr
-dadurch, daß unvermittelt nebeneinander gestellte Bänder oder
-geometrische Figuren in den lebhaftesten Kontrastfarben die natürlichen
-Körperumrisse gewissermaßen auflösen, die Form des tierischen Leibes für
-das Auge verschwinden lassen. Der Naturforscher bezeichnet diese
-absonderliche, aber oft sehr wirksame Art der Schutzfärbung als
-=Somatolyse= und kennt sie z. B. auch aus der Vogelwelt her von den
-Spechten und von den schönen Hochzeitskleidern gewisser Entenmännchen.
-Heuglin erzählt uns, daß man zwischen den Korallenriffen zunächst meist
-nichts sehe als ein mattes Schimmern und ein ungewisses Farbenflimmern,
-bis es dann plötzlich wie sprühende Funken auseinanderstiebt. Die
-anmutigen Bewegungen der Flossenschupper im Korallenwalde vergleicht er
-mit denen der lieblichen Laubsänger im grünen Blättermeere des
-Buchendoms. Viele Schuppenflosser sind durch ein dunkles Band über Stirn
-und Augen ausgezeichnet, so der =Fahnenfisch= (_Chaétodon sétifer_) des
-Roten Meeres mit bedeutend verlängertem fünftem Strahl der Rückenflosse
-und herrlichem Pfauenaugenfleck auf ihr, der =Korallenfisch= (_Ch.
-flávus_) des Indischen Ozeans, tiefgelb mit braunschwarzem Streifen, und
-der prachtvolle =Kaiserfisch= (_Ch. imperátor_) des Stillen Ozeans, der
-aus veilchenblauem Leibe gelbe, bogige Längsstreifen aufweist und über
-der Brustflosse einen sammetschwarzen, schwefelfarb umrandeten Flecken.
-Um noch einige der bekanntesten Arten anzuführen, seien weiter kurz
-genannt: der =Klippfisch= (_Ch. vitáttus_) der ostafrikanischen Gewässer,
-zitronengelb mit schwarzer Streifung, der =Geißler= (_Ch.
-macrolepidótus_) mit zwei mächtigen Querbinden und langer Peitschenschnur
-an der Rückenflosse, der =Herzogsfisch= (_Ch. diacánthus_) mit azurblauer
-Zeichnung auf gelbem, _Ch. semicirculátus_ mit silberweißer auf
-dunkelblauem und _Ch. lamárcki_ mit glühend roter auf hellblauem Leibe.
-Der =Korallenfisch= (_Scatophágus árgus_) erscheint über und über fein
-getüpfelt (Abb. 15).
-
-[Illustration: Abb. 15. Korallenfisch (_Scatophagus argus_).
-(Phot. von Oberl. W. Köhler, Tegel.)]
-
-Wenigstens eine annähernde Vorstellung dessen, was die Natur an
-Farbenpracht in der Welt der Fische zu leisten vermag, kann uns auch ein
-Bewohner des Mittelmeeres geben, nämlich die =Seebarbe= (_Múllus
-barbátus_). Unbeschreiblich schön ist sie mit ihrem leuchtenden Leibe und
-den prunkvollen Goldstreifen schon im Leben, schöner noch im Sterben.
-»Nichts Schöneres«, ruft selbst der ernste Seneca aus, »als eine
-sterbende Seebarbe! Sie wehrt sich gegen den nahenden Tod, und diese
-Anstrengungen verbreiten über ihren Leib das glänzendste Purpurrot, das
-später in eine allgemeine Blässe übergeht, während des Sterbens die
-wunderherrlichsten Schattierungen durchlaufend.« Die schwelgerischen
-Römer der Kaiserzeit verzehrten denn auch die von ihnen höher als alle
-anderen Fische geschätzten Seebarben nie, ohne sich vorher an dem
-wechselvollen Farbenspiel ihres Todes zu ergötzen. Man legte eigene
-Wasserleitungen von den Fischteichen bis zu den Lagerpolstern der Gäste,
-damit diese die herrlichen Fische erst lebend bewundern konnten, worauf
-die rotgoldenen Barben in den weißen Händen schöner Frauen ihr Leben
-aushauchen mußten, um dann schleunigst zu sofortiger Zubereitung in die
-Küche zu wandern. Wenigstens darin lag Sinn, denn kaum ein anderer Fisch
-steht nach dem Tode so schnell und gründlich ab, wie die feinschuppige
-Seebarbe. Obwohl sie kaum 2 kg Gewicht erreicht, sind damals doch
-geradezu wahnsinnige Summen für diesen nach Ansicht der Römer
-köstlichsten aller Fische bezahlt worden, bis zu 5000, ja selbst 8000
-Sesterzen für das Stück. Auch heute noch bildet die Seebarbe ein
-beliebtes und gern gekauftes Schaustück der italienischen und
-gelegentlich auch der westenglischen Fischmärkte, und ihr zartes Fleisch
-soll in der Tat vortrefflich munden. Wer aber weiß, daß diese Barben sich
-von den ekelsten Abfallstoffen des Meeres ernähren und mit Vorliebe die
-Leichen der Schiffbrüchigen benagen, wird wenig Appetit darauf verspüren.
-Die durch eine auffallend hohe Stirn und zwei Bartfäden an der Unterlippe
-ausgezeichnete, im übrigen schlank und regelrecht gebaute Seebarbe hält
-sich gewöhnlich auf schlammigem Meeresgrunde auf, den sie mit ihrer
-stumpfen Schnauze auf der Suche nach etwas Genießbarem nach Schweineart
-gehörig durchwühlt und dadurch oft weithin das Wasser trübt. Ein
-hervorragend schöner Bewohner des Atlantik, der sich gelegentlich bis in
-unsere Gewässer verstreicht, ist der nur 1 kg schwer werdende und
-ebenfalls ein ziemlich schmackhaftes Fleisch liefernde =Lippfisch=
-(_Lábrus míxtus_), das Weibchen am ganzen Körper prachtvoll zinnoberrot
-mit wenigen himmelblauen Zeichnungen, das Männchen oberseits herrlich
-dunkelblau. Zur Laichzeit wird dieses wundervolle Gewand noch leuchtender
-und glühender, ist aber wie bei unserem Stichling augenblicklichem
-Wechsel und Farbenverschiebungen unterworfen, die von der jeweiligen
-Gemütsstimmung des Tieres abhängig zu sein scheinen. Liebeswerben
-verschönt, Eifersucht verhäßlicht ihn. Jenes übergießt seinen Leib mit
-schimmernden Tinten, dieses mit mißtönigem Grau. Der Fisch ist nämlich
-ebenso eifersüchtig, rauflustig und kampfwütig wie unser Stechbüttel und
-soll auch gleich diesem eine Art Brutpflege ausüben. Eine andere
-Lippfischart, _L. maculátus_, ist am ganzen Körper prächtig smaragdgrün,
-wozu eine blaßgelbe Zeichnung kommt. Ihren Namen haben die sich durch
-Munterkeit und Anmut auszeichnenden Lippfische von ihren sehr beweglichen
-Wulstlippen, mit denen sie Muscheln von den Meerespflanzen ablesen.
-
-[Illustration: Abb. 16. Kugelfisch (_Tetrodon fahaka_).]
-
-Ein weiteres, in seiner Eigenart höchst wirksames Verteidigungsmittel
-lernen wir bei dem sonderbaren =Igelfisch= (_Díodon maculátus_) kennen.
-Er hat einen kräftigen Papageischnabel, dessen Kinnladen mit einer
-elfenbeinartigen, sich je nach der Abnutzung immer wieder ersetzenden
-Masse überzogen sind, eine sehr große Schwimmblase, gedrungene Gestalt
-und den ganzen Körper mit spitzen Dornen und Stacheln besetzt. Gerät er
-in Gefahr, so zieht er hastig Luft ein, füllt damit den ungeheuren,
-dünngewebigen, die ganze Bauchhöhle einnehmenden Kropf an, während eine
-den Schlund umgebende Muskelschicht das Entweichen der eingepumpten Luft
-verhindert, bläst sie so zu einer vollkommenen Kugel auf und wirft sich
-gleichzeitig auf den Rücken, so daß die Bauchseite an der
-Wasseroberfläche schwimmt. Dabei gebärdet sich der kleine Kerl wie ein
-zorniger Truthahn, schwimmt immer im Kreise herum, richtet seine Stacheln
-drohend auf und ist in diesem Zustande in der Tat fast völlig geschützt
-gegen jeden Raubfisch. Wo immer dieser zubeißen will, trifft er auf die
-ihm entgleitende, unverschlingbare Kugel und verletzt sich an den spitzen
-Stacheln die Lippen, bis er endlich von allen weiteren Versuchen abläßt
-und davonschwimmt, worauf der Igelfisch unter vernehmlichem Geräusch die
-eingepumpte Luft wieder ausströmen läßt, seine gewöhnliche Gestalt
-annimmt und damit auch den Gebrauch seiner Flossen wieder erlangt. Plehn
-führt einen Fall an, daß ein von einem Hai verschluckter Igelfisch sich
-durch dessen Magen- und Leibeswand hindurchbiß und unbeschädigt ins Freie
-gelangte, während der Räuber an den furchtbaren Verletzungen zugrunde
-ging. Das geschilderte Gaukelspiel ist nämlich durchaus nicht das einzige
-Verteidigungsmittel des tapferen Igelfisches; er vermag vielmehr auch
-noch recht empfindlich zu beißen, Wasser von sich zu spritzen, sich
-plötzlich schlaff zu machen und zu versenken und auch eine tief
-karminrote Absonderung von sich zu geben, über deren Natur und Wirkung
-wir allerdings noch völlig im Unklaren sind. Dasselbe Kunststück wie der
-Igelfisch bekommen auch die =Kugelfische= (_Tétrodon_) fertig, deren eine
-Art, der =Fahak= (_T. fáhaka_), vom Mittelmeer aus in den Nil und seine
-Kanäle aufzusteigen pflegt (Abb. 16). Obwohl dieses Tier nicht mit einem
-Stachelpanzer prunken kann, trotzt es in der aufgeblasenen Kugelform doch
-gleichfalls allen Feinden, denn die Zähne der Raubfische gleiten an
-dieser glatten Schweinsblase ab, und die Vögel werden sie von oben her
-eher für eine zusammengewehte Schaumblase als für ein eßbares Lebewesen
-halten. Nimmt man einen solchen Fisch aus dem Wasser und legt ihn auf die
-Handfläche, so bemüht er sich ängstlich, immer noch mehr Luft
-einzupumpen, und tut dabei mitunter des Guten zuviel, so daß er
-schließlich mit lautem Knall zerplatzt. Die Araberkinder spielen mit
-diesen merkwürdigen Fischen wie die unsrigen mit den Maikäfern und
-benutzen die aufgeblasenen und ausgetrockneten Tiere als Bälle oder taten
-dies doch früher, denn heute werden die Kugelfische als Reiseerinnerung
-von den Orientfahrern zu gern gekauft und zu hoch bezahlt, als daß sie
-noch der Schar kleiner, braunhäutiger und schönäugiger Rangen zum
-Spielzeug dienen könnten. Mit den Igel- und Kugelfischen verwandt ist
-noch ein anderer höchst sonderbarer Geselle, der plumpe =Klump-= oder
-=Mondfisch= (_Móla móla_), der sie allerdings an Größe um das Vielfache
-übertrifft, da er eine Länge von 2-1/2 kg und ein Gewicht von mehr als
-300 kg erreicht. Das ungeschlachte Ungetüm sieht mit seiner eines
-richtigen Abschlusses entbehrenden Hinterfront fast aus, als wäre es nur
-der abgeschnittene Kopf eines noch riesigeren Seeungeheuers. Ein großer
-Geistesheld kann der schwerfällige, dunkel olivgrün gefärbte Fisch
-unmöglich sein, denn seine Hirnmasse beträgt nur 1/7000 des
-Körpergewichts und sein Rückenmark stellt nur ein kurzes, kegelförmiges
-Anhängsel zu diesem Zwerghirn vor. Das rauhhäutige, aber schuppenlose
-Geschöpf scheint zwar eine weite Verbreitung zu haben, aber doch überall
-nur selten vorzukommen. Am ehesten trifft man es noch an sonnigen Tagen
-in seitlicher Schlafstellung auf der Oberfläche des Meeres treibend an.
-Seiner geringen Beweglichkeit entspricht die Auswahl seiner Nahrung:
-Meerespflanzen und allerlei niederes Meeresgetier mit geringer
-Eigenbewegung. So unheimlich dieser schwimmende Kopf also auch aussieht,
-so harmlos ist er doch, und die Fischer kümmern sich auch nicht viel um
-ihn, da das Klumpfischfleisch beim Kochen zu einer leimigen Kleistermasse
-zerfällt und sich deshalb mehr als Klebemittel, denn als Speise eignet.
-Den Namen Mondfisch haben sie dem Tiere gegeben, weil es ihrer Behauptung
-nach bei Nacht einen sanften Mondesglanz ausstrahlen soll. Wahrscheinlich
-handelt es sich dabei lediglich um anhaftende Leuchtbakterien, wie der
-Klumpfisch überhaupt in besonders hohem Maße von Parasiten bevölkert
-wird, denn die anatomische Zergliederung vermochte das Vorhandensein
-besonderer Leuchtapparate bisher noch nicht nachzuweisen. Wenn Mondfische
-aus dem Wasser genommen werden, so lassen sie einen eigentümlich
-stöhnenden Ton hören, von dem man aber noch nicht weiß, wie er zustande
-gebracht wird.
-
-[Illustration: Abb. 17. Knurrhahn (_Trigla hirundo_).
-(Phot. von Oberl. W. Köhler, Tegel.)]
-
-Das bringt uns auf die Lautäußerungen der Fische. Um eine gute Stufe
-höher als die unbestimmten und jedenfalls unfreiwilligen Töne des
-Mondfisches stehen die Lautäußerungen des in der Nord- und Ostsee
-lebenden =Knurrhahns= (_Trígla hirúndo_), die auch freiwillig im Wasser
-zum besten gegeben werden (Abb. 17). Unsere Fischer behaupten sogar, daß
-bei schwülem Wetter und namentlich vor dem Ausbruch von Gewittern die
-Knurrhähne scharenweise an die Oberfläche kämen und dann förmliche
-Knurrkonzerte veranstalteten. Mindestens der erste Teil dieser Behauptung
-ist richtig, denn es ist an manchen Küsten ein beliebter Sport, solche
-auftauchende Knurrhähne mit dem Teschin zu schießen, obwohl ihr trockenes
-Fleisch nicht viel wert ist. Erzeugt werden solche Töne durch das
-Aneinanderreiben der Kiemendeckelknochen oder verschiedener harter und
-nervenreicher Muskeln in der Wand der verhältnismäßig sehr großen
-Schwimmblase, die zugleich als wirksamer Resonanzboden dient, so daß eine
-ganze Tonstufe zustande kommt, die zwischen dem behaglichen Schnurren
-einer Hauskatze und hell quiekenden Tönen auf und nieder führt und es
-begreiflich erscheinen läßt, wenn schon Aristoteles von einem
-»Meerkuckuck« sprach und unsre Fischer von »Meerpapageien« erzählen. Auch
-sonst ist der Knurrhahn ein recht interessanter Fisch. Schon der
-groteske, fast viereckige Dickkopf mit dem zahnstarrenden Froschmaul und
-den durch Panzerplatten geschützten Glotzaugen, der feinschuppige, nach
-hinten zu jäh kegelförmig zugespitzte Rumpf mit dem schmächtigen
-Hinterleibe, die prächtige Rosafärbung des Bauches und die mächtig
-entwickelten, fast an die Flügel von Nachtschmetterlingen erinnernden
-Brustschuppen vereinigen sich zu einem Gesamtbilde von höchster Eigenart.
-Das merkwürdigste aber sind je drei lange, fingerartig gegliederte
-Anhängsel vor den Brustflossen, die es dem Tiere ermöglichen, auf dem
-Meeresgrunde fortzukriechen, ja förmlich zu gehen, wobei der Hinterleib
-etwas in die Höhe gehoben wird und seitliche Bewegungen der roten
-Schwanzflosse nachhelfen. Im Schwimmen sieht dieser Fisch hochelegant
-aus, denn es gleicht einem Fliegen im Wasser, indem die großen, blauen,
-metallisch schimmernden Brustflossen wie Flügel abwechselnd ausgebreitet
-und zusammengelegt werden. Sie ermöglichen es dem Knurrhahn, der ja mit
-seiner artenreichen Sippe der nächste Verwandte der bekannten tropischen
-Flughähne ist, sich auch für kurze Strecken aus dem Wasser in die Luft zu
-erheben, und wirken dann beim Herablassen als Fallschirme.
-
-Wenn auch im allgemeinen das Sprichwort »Stumm wie ein Fisch« heute
-noch zu Recht besteht, so hat es doch im Laufe der Zeit schon mancherlei
-Einschränkungen erfahren, und fast steht zu erwarten, daß wir uns in
-dieser Beziehung in Zukunft auf noch größere Überraschungen gefaßt machen
-dürfen. Können wir ahnen, welche Offenbarungen der Meeresgrund noch für
-uns birgt, sobald wir nur einmal gelernt haben, unser Ohr und unsere
-anderen Sinne dort unten frei und ungehindert zu gebrauchen! Sollte im
-dunklen Meeresschoße wirklich nur unentwegt das eisige Schweigen des
-Todes herrschen, gibt es nicht vielleicht auch für diese abgeschlossene
-Tierwelt ein Singen und Klingen, dessen Tonfülle teilnimmt an der großen,
-ewig-schönen Symphonie der Natur? So viel wissen wir wenigstens heute
-schon sicher, daß es auch lustige Musikanten unter dem Volk der Fische
-gibt, Orgelspieler, Leiermänner, Pfeifer, Raßler, Grunzer und Trommler.
-Fischer, die das Ohr auf den Rand ihres Bootes legen, können bisweilen
-ganz deutlich diese Fischkonzerte aus Tiefen von 10-12 kg herauftönen
-hören. Am besten ist das Trommlerkorps ausgebildet. Es sind stattliche,
-barschartig gebaute Burschen, diese =Trommelfische= (_Pogónias chrómis_),
-die namentlich in den verschiedenen Teilen des Atlantik zu Hause sind.
-Die erzeugten Töne klingen bei den einzelnen Arten verschieden. Mit dem
-Klange einer Orgel oder Harmonika, selbst mit einem Orchester von Bässen
-und Cellis, am passendsten aber wohl mit dem Klange von Maultrommeln hat
-man sie verglichen. Die Laute der einzelnen Fische würden für das
-menschliche Ohr wohl verloren gehen, aber die Gesamtheit vieler gibt ein
-Gelärm von nicht zu beschreibender Eigenart, ein stundenlang
-ununterbrochenes, dumpfes, schier unheimlich anmutendes Getrommel,
-durchsetzt von hellerem Gurgeln und Glucksen. »Es besteht«, so schreibt
-Pechuel-Loesche, »keine Spur von Ähnlichkeit mit Glocken- oder
-Harfenklängen, und doch sind die Laute wunderbar genug. Will man sie
-recht scharf unterscheiden, so muß man das Ohr fest an den Schiffsbord
-drücken. Besser ist es, im Boote ein breites Ruder ins Wasser zu senken
-und das freie Ende mit den Zähnen zu beißen, am besten vom Boote aus
-gleich den Kopf bis über die Ohren ins Meer zu tauchen, rückwärts
-natürlich, um atmen zu können. Da vernimmt man dann in der dunklen Flut
-ein allseitig wirr durcheinander gehendes Knurren und Murksen, mit einem
-leichten Knirschen und Knarren vermischt.« Die Trommel der geschuppten
-Musikanten ist nichts anderes als ihre merkwürdig verzweigte und durch
-Zwischenhäute in verschiedene Kammern geteilte Schwimmblase, in die Luft
-eingepumpt wird, wodurch die durchlöcherten Trommelfelle in Schwingungen
-versetzt werden und die verschiedenartigen Töne zustande kommen. Zu
-diesem Zwecke sind auch besondere Trommelmuskeln von auffallend roter
-Färbung am Unterleibe eingelagert, die rasche Zusammenziehungen und
-Ausdehnungen der Schwimmblase bewirken können. Da sich dabei natürlich
-auch das spezifische Gewicht des Fisches verändert und sein Schwerpunkt
-sich verrückt, so gerät der Tonkünstler ganz von selbst in tanzende
-Bewegung. Ein Tanzliedchen zur Minnezeit im dunklen Meeresschoße! Ja,
-wenn Fische reden könnten! Der Umstand, daß bei vielen Arten nur die
-Männchen Trommelorgane besitzen, weist darauf hin, daß die Töne in
-irgendwelchen Beziehungen zum Geschlechtsleben stehen müssen, also
-vielleicht Trommelständchen darstellen, die der verliebte Fisch seiner
-Auserkorenen darbringt. Wahrscheinlich werden die erzeugten
-Lautäußerungen doch auch irgendwelchen Zweck haben, und die Vermutung
-liegt nahe, daß sie der gegenseitigen Verständigung dienen. Sicherlich
-darf man aber aus beiden Mutmaßungen die Folgerung ableiten, daß diese
-Fische auch ein gewisses, wenn auch modifiziertes Hörvermögen besitzen
-müssen, denn sonst hätten ja die Trommelkonzerte gar keinen Sinn. Von dem
-2 kg lang werdenden und seines schmackhaften Fleisches halber
-hochgeschätzten =Adlerfisch= (_Sciaéna áquila_) behaupten die Fischer,
-daß sie seinen Gesang selbst noch aus Tiefen von 50 kg vernehmen und
-dadurch die Standplätze dieses scheuen und schwer zu fangenden
-Raubfisches feststellen könnten. Prinz Bonaparte nennt das laut tönende
-Geräusch, das ein schwimmender Trupp dieser kraftvollen Fische hören
-läßt, »fast eine Art Brüllen«.
-
-Auch das =Fortpflanzungsgeschäft= der Seefische bietet dem denkenden
-Beobachter eine Fülle hochinteressanter Ausblicke, zumal verschiedene
-Formen der aufopferungsvollsten Brutpflege bei diesen als kaltblütig und
-teilnahmslos verschrieenen Geschöpfen weit häufiger vorkommen, als sich
-der Laie träumen läßt. Meist ist freilich das Männchen derjenige Teil,
-dem die Sorge um die Bewachung, Verteidigung und Aufzucht der
-Nachkommenschaft zufällt. So legt das Weibchen des =Seeteufels= seinen
-Rogen an Felsen ab, und das Männchen setzt sich dann bis zur völligen
-Reife der Eier so fest und ausdauernd auf sie, daß in dem Eierhaufen ein
-Abdruck seiner Unterseite verbleibt; die kleinen Zähnchen auf der
-Innenseite seiner Bauchflossen dienen wahrscheinlich zum Festhalten der
-Eier. Der =Lump= oder =Seehase= (_Cyclópterus lúmpus_, siehe Abb. 10,
-Fig. 7), der zur Laichzeit einen rotgefärbten Bauch bekommt, setzt die
-Eier unter Klippen ab, wo sie dann das Männchen nach geschehener
-Befruchtung mit der Schnauze fest gegen das Gestein drückt und sich
-selbst daneben verankert, um den hoffnungsschwangeren Schatz zu bewachen.
-Erleichtert wird ihm sein Amt dadurch, daß das die Eier umhüllende Sekret
-bald verhärtet und so den Rogen festhält. Fremdkörper, die das Wasser
-zwischen die Eier treibt, fängt der Lump mit dem Maule auf und schafft
-sie fort. Gegenüber solchen Geschöpfen aber, die sich mit Raubgelüsten
-nahen, versteht der Lump keinen Spaß, sondern greift sie tapfer an und
-scheut selbst einen Kampf mit dem grimmen Seewolf nicht, den er durch
-wütende Bisse oft genug in die Flucht schlägt. In der biologischen
-Anstalt auf Helgoland wurde ein Beobachter des brutpflegenden Fisches von
-ihm derart in den Finger gebissen, daß Blut floß. Sind die Jungen endlich
-glücklich ausgeschlüpft, so heften sie sich auf dem Rücken des besorgten
-Vaters fest, und dieser trägt nun die teure Bürde zufrieden nach tieferen
-und sichereren Gründen. Der hochrückige, dickköpfige und breitmaulige
-Seehase mit der klebrigen, knotenbesetzten Haut ist aber auch noch in
-einer anderen Beziehung merkwürdig. Die brustständigen Bauchflossen sind
-nämlich zu einer Scheibe verschmolzen, die als Schröpfkopf wirkt, so daß
-sich der Fisch, der ein ebenso träger wie schlechter Schwimmer ist, damit
-an beliebigen Gegenständen festsaugen kann, selbst an glatten
-Glasscheiben, und zwar so innig, daß nach den Berechnungen von Hannox 36
-kg Gewicht erforderlich sind, um einen 20 kg langen Seehasen wieder
-loszureißen. Faul liegt das auch in der Nord- und Ostsee häufige Tier so
-wochenlang vor Anker und wartet geduldig, bis der Zufall etwas
-Genießbares an seinem gefräßigen Maule vorüberführt. Die jungen Seehasen
-sind zwar sehr klein, aber doch schon recht vierschrötig gebaut, von
-grasgrüner Farbe, und folgen ihrem Vater wie Kücken der Henne. Droht
-Gefahr, so saugen sie sich auf dem Rücken und an den Seiten ihres
-Beschützers fest und lassen sich von ihm davontragen. Das weichliche und
-wässerige Fleisch des Seehasen wird bei uns nur wenig gegessen; anders
-ist es aber in nordischen Ländern. Eine ähnliche Lebensweise wie der Lump
-führt die =Meergrundel= (_Góbius níger_), einer unserer gemeinsten
-Seefische, zeichnet sich aber zugleich als vorzügliche Nestbauerin aus.
-Auch sie vermag sich mit den zu einer Saugscheibe verwachsenen
-Bauchflossen an Steinen und dergleichen festzusaugen und tut das im
-Aquarium auch an der Glasscheibe, durch die sie dann den Beobachter
-anstarrt. Nach Eintritt der Ebbe finden sich immer viele Grundeln in den
-zurückbleibenden Tümpeln und werden dann von der Jugend mit Handnetzen
-herausgefischt, soweit sie nicht den Möwen und Krähen zum Opfer fallen.
-Eine Grundelart benutzt nach den Beobachtungen Marshalls zur Nestanlage
-die eine Klappe einer abgestorbenen Herzmuschel. Sie legt diese mit der
-hohlen Seite nach unten, entfernt den Sand unter ihr, schmiert die
-Höhlung der Muschelschale mit ihrem eigenen Körperschleim aus und streut
-lockeren Sand über das Ganze, um die Schale so zu beschweren, daß sie an
-Ort und Stelle bleibt. Zuletzt scharrt sie einen kurzen Gang in den Sand,
-der in den Hohlraum unter der Muschelschale führt. Alle diese Arbeiten
-verrichtet allein das Männchen. Erst wenn das Bauwerk nahezu fertig ist,
-erscheint das Weibchen und legt seine Eierchen hinein, die vom Männchen
-wacker bewacht werden und nach 8-9 Tagen die Jungen entschlüpfen lassen.
-Für die Fischerei haben die nur 20 kg langen Meergrundeln keine
-Bedeutung. Dies gilt auch vom =Seeskorpion= (_Cóttus scórpius_), obwohl
-er beträchtlich größer wird. Nicht gerade zur Freude unserer Fischer
-findet er sich oft massenhaft in ihren Netzen. Nur die Leber wird
-gelegentlich verzehrt, das Fleisch gilt als ungenießbar und findet
-höchstens als Angelköder Verwendung. Überdies fürchten die Fischer den
-Stich des häßlichen Fisches, während dieser für den Forscher dadurch von
-Interesse ist, daß seine sehr wechselnde Färbung bei aller scheinbaren
-Auffälligkeit eine weitgehende Anpassung an den steinigen Meeresgrund
-darstellt (Abb. 18).
-
-[Illustration: Abb. 18. Seeskorpion (_Cottus scorpius_).
-(Phot. von Oberl. W. Köhler, Tegel.)]
-
-[Illustration: Abb. 19. Schlangennadel (_Nerophis aequoreus_) (links
-Männchen mit Eiern.)
-(Phot. von Oberl. W. Köhler, Tegel.)]
-
-Höchst eigenartige Formen der Brutpflege finden wir bei den bekannten
-=Seepferdchen= (_Hippocámpus antiquórum_, s. Abb. 10, Fig. 8), diesen
-lebenden Skeletten, die dem Springer im Schachspiel so ähnlich sehen, auf
-den ersten Blick so wenig Fischartiges haben und in den Seewasseraquarien
-durch ihr absonderliches Aussehen, die bestechende Anmut ihrer
-Bewegungen, ihr lautloses Auf- und Niederschweben, ihr lebhaftes Spielen
-und durch die seltsame Beweglichkeit des nach vorn eingerollten Schwanzes
-immer zuerst die Aufmerksamkeit der Besucher auf das von ihnen bewohnte
-Becken lenken. Schade nur, daß sich die zarten Geschöpfchen im engen
-Gewahrsam so schlecht halten, denn sonst wären wir wahrscheinlich über
-ihre Lebensweise besser unterrichtet, als es heute trotz ihrer Häufigkeit
-der Fall ist. Das verknöcherte Aussehen des Tieres kommt daher, daß die
-Haut keine Schuppen führt, sondern mit Knochenplatten ausgelegt ist. Das
-Flossenwerk hat eine starke Verminderung erfahren. Während die
-Bauchflossen ganz fehlen, sitzen die Brustflossen am Kopfe hinter der
-Schnauze, da, wo man die Ohren vermuten sollte. Zur Fortbewegung tragen
-sie nur wenig bei, sondern diese wird fast ausschließlich durch die
-einzige Rückenflosse bewirkt, die ganz nach Art einer Dampferschraube
-arbeitet und das Tier mit einer gewissen feierlichen Langsamkeit durch
-die Fluten treibt. Das Seepferdchen ist ein schlechter und unbeholfener
-Schwimmer und wird deshalb oft von den Wogen an den Strand geworfen, wo
-man dann den kleinen, vertrockneten Leichnam findet und als Andenken an
-den schönen Aufenthalt im Nordseebade mit nach Hause nimmt. Der
-gewöhnliche Aufenthalt der Seepferdchen ist zwischen Seegräsern und
-Tangen, wo sie auch ihre aus allerhand winzigem Getier bestehende Nahrung
-finden. Ausruhend legen sie sich an den Wasserpflanzen vor Anker, indem
-sie deren Stengel mit ihrem putzigen Schwänzchen umwickeln, das sie also
-in ganz ähnlicher Weise gebrauchen wie die Kletteraffen ihren
-Rollschwanz. Gewiß sind die Seepferdchen in ihrer steifen Haltung und mit
-dem possierlichen, starren Gesichtsausdruck höchst niedliche Tierchen,
-aber von besonderer Klugheit, von der die älteren Naturgeschichtsbücher
-fabeln, kann keine Rede sein, ihr ganzes Gebaren atmet vielmehr
-Eintönigkeit und Langeweile. Allerdings spielen sie ganz hübsch
-miteinander, umwickeln sich gegenseitig mit den Schwänzen, was aber auf
-rein mechanische Berührungsreize zurückzuführen sein dürfte, und zur
-Fortpflanzungszeit scheint es sogar zum Austausch gewisser Zärtlichkeiten
-zwischen den verliebten Paaren zu kommen. Das Weibchen klebt seine Eier
-auf den Bauch des Männchens, das sie hier befruchtet, worauf dann die
-Oberhaut von beiden Seiten her über sie hinwegwuchert und sie in eine
-schützende Tasche so lange einschließt, bis die Jungen entschlüpfen, die
-sich zunächst still verhalten, später aber durch ihre Unruhe dem Vater
-lästig fallen, so daß er sich ihrer zu entledigen sucht und sie durch
-eigentümlich knickende Körperbewegungen zur Bruttasche hinaus befördert.
-Sie sind dann etwa 1/2 kg lang. Die Weibchen sind bei diesen Fischen
-merkwürdigerweise stets lebhafter und auffallender gefärbt als die
-Männchen. Also auch das Hochzeitskleid hat der gutmütige, offenbar stark
-unter dem Pantoffel stehende Gemahl seiner Holden überlassen. Übrigens
-ist den Seepferdchen auch ein nicht unbeträchtliches Farbwechselvermögen
-eigen, und noch in anderer Beziehung erinnern sie an die Chamäleons,
-indem sie nämlich jedes ihrer wunderlichen Gespensteraugen unabhängig vom
-anderen bewegen können. Ganz ähnliche Brutverhältnisse hat auch die ihrem
-Namen entsprechend lang und dünn gebaute =Seenadel= (_Syngnáthus ácus_)
-aufzuweisen. Auch hier trägt das Männchen die Eier bis zu ihrer völligen
-Entwicklung in einer aus zwei fleischigen Längsfalten gebildeten
-Bauchtasche mit sich herum, die später eine Klappe zur Entlassung der
-jungen Fischchen öffnet. Man hat auch behauptet, daß die kleinen, frei
-herumschwärmenden Seenadeln während ihrer ersten Lebenszeit bei Gefahr in
-die Bauchtasche des Vaters zurückflüchteten wie die jungen Känguruhs in
-den Brutbeutel ihrer Mutter. Nachgewiesen ist das aber nicht. Bei der
-ungepanzerten und deshalb mehr wurmartig aussehenden =Schlangennadel=
-(_Neróphis aequoreus_) kommt es überhaupt nicht zur Bildung des
-Brutbeutels, sondern die Eier bleiben lediglich in 2-3 Reihen dem Bauche
-des Männchens angeklebt (Abb. 19). Auch der =Seestichling= (_Gastrósteus
-spináchia_) gehört gleich seinem allbekannten Vetter aus dem Süßwasser zu
-den Brutpflege treibenden Arten. Er legt seine Nester im Algengewirr an,
-ist beträchtlich größer als der Stechbüttel und besitzt 15 freie
-Rückenstacheln (Abb. 20). Merkwürdigerweise soll er in Einehe leben und
-auch das Weibchen am Brutgeschäft sich beteiligen.
-
-[Illustration: Abb. 20. Seestichling (_Gastrosteus spinachia_).
-(Phot. von E. Steuder, Hamburg.)]
-
-[Illustration: Abb. 21. Tiefseefisch (_Stomias boa_).]
-
-Die allergrößten Wunder des Fischreiches aber birgt die =Tiefsee=, und
-in ihrem geheimnisvollen Schoße harren noch unzählige Rätsel des
-menschlichen Forschergeistes. Noch bringt aus ihr jede Forscherfahrt neue
-Formen mit heim, und sie alle bergen eine Unzahl neuer Ausblicke, eine
-überraschende Fülle wertvollster Anregungen. Nirgends hat die
-schöpferische Natur so schrankenlos in der launenhaften Hervorbringung
-absonderlicher, verzerrter, einseitiger und abenteuerlicher Formen
-geschwelgt wie gerade hier, und auch die kühnste Phantasie des
-schwärmendsten Künstlers vermöchte Gleiches oder auch nur Ähnliches nicht
-zu schaffen. Schier ratlos steht der Systematiker dieser erdrückenden
-Menge gänzlich von einander abweichender Formen gegenüber, und der
-Biologe weiß nicht, an welchem Ende er diese Flut von Rätseln zuerst
-anpacken soll. Was heute mühsam genug aufgeklärt erscheint, wird morgen
-durch neue, noch seltsamere Entdeckungen wieder über den Haufen geworfen.
-Die verwirrende Mannigfaltigkeit der Formen läßt sich oft zurückführen
-auf die einseitige Bevorzugung und Ausbildung bestimmter Organe, die bei
-verwandten Formen wieder verkümmert und durch die Umbildung anderer
-ersetzt sind, wie ja die Natur oftmals den gleichen Zweck auf die
-verschiedenste Weise zu erreichen weiß. So kennen wir Tiefseefische mit
-gewaltigen Glotzaugen, die bei anderen zur Größe von Stecknadelköpfen
-zusammengeschrumpft sind und bei nicht wenigen überhaupt fehlen. Diese
-werden aber für ihre Blindheit durch mächtige Fühler entschädigt, die oft
-doppelt so lang sind als der ganze Körper. Der =Großschweif= (_Gigantúra
-chúni_) hat röhrenförmige Teleskopaugen mit geteilter Netzhaut; dabei hat
-die Hauptretina ein wohlentwickeltes Sehvermögen, während die Nebenretina
-als ein vorzüglicher Signalapparat, als ein »Sucher« aufgefaßt werden
-muß. Bei dem wurmförmigen =Stylophthálmus paradóxus= stehen die Augen auf
-fabelhaft langen und dünnen Stielen, die sich erst im Laufe des
-Larvenlebens allmählich entwickeln. Das eherne Gesetz des Fressens und
-Gefressenwerdens, das fast überall die Gestaltung der Fischwelt
-beherrscht, kommt nirgends so scharf und unerbittlich zum Ausdruck, wie
-in der scheinbar recht stillen und friedlichen Tiefsee, die in
-Wirklichkeit von einem fürchterlichen und erbarmungslosen Kampfe ums
-Dasein durchtobt wird. Hier sind so schaudererregende Hechelgebisse am
-Platze, wie sie der =Schwarzfisch= (_Melanocétus kréchi_) in seinem
-breiten Froschmaule führt, oder _Stomias boa_ (Abb. 21) in seinem
-Riesenschlangenkopf, hier kann es zur Bildung von Tieren kommen, die, wie
-das =Großmaul= (_Macrophárynx_) oder wie _Eurypharynx pelecanoides_ (Abb.
-22) mit dem Pelikanschnabel, eigentlich nur noch aus einem riesenhaften
-Rachen mit etlichen unbedeutenden Anhängseln zu bestehen scheinen, oder
-bei denen ein gewaltiger, höchst ausdehnungsfähiger Magensack alle
-anderen Organe in den Hintergrund drängt. Dies ist z. B. bei _Melanocétus
-johnsóni_ der Fall, und infolgedessen kann dieses Fischchen Tiere
-verschlingen, die es an Körpergröße gut um das Doppelte übertreffen. Zu
-ihrer Herbeilockung trägt es über der Schnauze noch eine lange Angelrute,
-in deren Spitze ein Leuchtorgan sitzt. Gegenüber solchen Untieren darf
-ein nach Art des _Cerátias uranóscopus_ gebauter Tiefseefisch (Abb. 23)
-wohl als eine ausnehmend reguläre und anmutige Erscheinung gelten.
-
-[Illustration: Abb. 22. Tiefseefisch (_Eurypharynx pelecanoides_).]
-
-[Illustration: Abb. 23. Tiefseefisch (_Ceratias uranoscopus_).]
-
-So außerordentlich verschieden und mannigfaltig auch Form und Lage
-solcher =Leuchtkörper= sind, so sind sie histologisch nach den schönen
-Untersuchungen Brauers doch ausnahmslos zurückzuführen auf mit
-Sekretkörnern angefüllte Drüsenzellen, die als die eigentlichen
-Lichterzeuger anzusehen sind, während alle übrigen Bestandteile der
-Leuchtorgane nur nebensächliche Bedeutung haben, so der Pigmentmantel und
-der Reflektor, deren Rolle ja ohne weiteres kenntlich ist, wie auch
-gewisse lichtbrechende Teile des Innenkörpers aller Wahrscheinlichkeit
-nach als Linsen wirksam sein dürften. Meist sind die Leuchtdrüsen
-geschlossen, und der Leuchtvorgang verläuft demgemäß intrazellulär
-(zwischenzellig). Aber es gibt auch Leuchtdrüsen (z. B. bei den
-Gonostomiden), die unmittelbar ins Wasser ausmünden, und wo der
-Leuchtvorgang erst einsetzt, sobald das Drüsensekret mit dem Wasser in
-Berührung kommt, so daß es sich hier unbedingt um einen rein chemischen
-Vorgang handelt, der deshalb auch noch nach dem Ableben des Tieres vor
-sich gehen kann. Solche Geschöpfe verfügen also über hochmodern
-ausgerüstete Scheinwerfer, deren sie sich zum Erkennen und Anlocken von
-Beutetieren wie auch zur Abschreckung von Feinden bedienen, wobei aber
-noch dahingestellt werden muß, ob die Lichterzeugung vom Willen des
-Tieres abhängig ist oder nicht. Die vielfach vorhandenen Vorrichtungen
-zum Abblenden machen eigentlich das erstere wahrscheinlicher. Außer
-diesen eigentlichen Leuchtorganen sind aber bei Tiefseefischen nicht
-selten noch andere, kleinere, zu Hunderten und Tausenden über den ganzen
-Rumpf zerstreut, die offensichtlich eine andere biologische Bedeutung
-haben müssen. Brauer und andere Forscher neigen der Ansicht zu, daß diese
-oft zu hübschen Mustern angeordneten Organe ein vielfarbiges Licht
-aussenden, mithin in ihrer Gesamtheit die charakteristische Zeichnung des
-Tieres darstellen und somit dieselbe Rolle spielen wie die Pigmente oder
-Färbestoffe bei den im Bereich des Sonnenlichtes lebenden Tieren.
-Biologisch würden sie demgemäß zum Erkennen der Artgenossen und zum
-gegenseitigen Aufsuchen der Geschlechter dienen. In schönster
-Übereinstimmung mit dieser Auffassung steht die Tatsache, daß sie sich
-nur bei solchen Tiefseefischen finden, die mehr vereinzelt leben und
-große Strecken durchschwimmen, während sie bei den seßhaften Grundfischen
-und gesellig lebenden Arten als überflüssig nicht zur Ausbildung
-gelangen. Etwa ein Fünftel aller Tiefseefische ist im Besitze von
-Leuchtorganen, und zwar nimmt deren Leuchtvermögen mit zunehmender
-Meerestiefe wieder ab, woraus Brauer folgern möchte, daß sie sich in der
-Dämmerungszone ausgebildet haben und hauptsächlich für diese
-kennzeichnend sind.
-
-Die Farben, Sehwerkzeuge, Leuchtlaternen und phosphoreszierenden Organe
-der Fische in den verschiedenen Meeresschichten stehen offenbar im
-engsten Zusammenhange mit der Verteilung und dem Hinabreichen der
-Sonnenstrahlen ins Meereswasser. Es ist also im Meere eine unverkennbare,
-wenn natürlich auch Übergänge aufweisende Trennung der Fauna
-nach Tiefenschichten und in engster Abhängigkeit von den
-Belichtungsverhältnissen durchgeführt. Außerdem haben aber auch die
-Tiefseefische noch ihre geographische Verbreitung, denn die Annahme wäre
-grundfalsch, daß etwa in den tieferen Wasserschichten annähernd gleiche
-Verhältnisse herrschen und deshalb auch ihre Bewohner mehr oder minder
-gleichmäßig über den ganzen Meeresboden verbreitet seien. Vielmehr gibt
-es auch in der Tiefsee verhältnismäßig eng begrenzte faunistische Bezirke
-mit scharfen Schranken in Temperatur, Salzgehalt, Nahrungsverhältnissen
-und Bodenbeschaffenheit, die dem Ausdehnungsbestreben und der Vermischung
-der einzelnen Arten Grenzen setzen. Die auffallende Tatsache, daß manche
-Tiefseefische an beiden Polen vorkommen, ist wohl dahin zu erklären, daß
-diese Formen ursprünglich wärmeren Gegenden entstammen und beim Übergang
-ins kältere Gebiet, sei es nach diesem, sei es nach jenem Pole hin, durch
-gleiche Einflüsse auch die gleiche Umbildung erfuhren.
-
- * * * * *
-
-
-
-
- Sachregister.
-
-
-Die mit einem Sternchen (*) bezeichneten Ziffern verweisen auf eine
-Abbildung im Text.
-
- _Acanthias vulgaris_ 58
- _Acipénser huso_ 60
- -- _sturio_ 59
- Adlerfisch 86
- _Amphiprion bicinctus_ 39
- Anchovis 25
- Angler 64, 65
- _Apogonichthys strombi_ 39
- _Asymmetron lucayanum_ 63
-
- Blauhai 57
- Bonite 38, 72
- Bremerhaven, Brennpunkt des deutschen Fischhandels 18
- Bücklinge 20
-
- _Caranx trachurus_ 39
- _Carcharias glaucus_ 57
- _Carcharodon carcharias_ 54
- -- _rondeleti_ 57
- _Ceratias uranoscopus_ 93, 94*
- _Chaetodon diacanthus_ 78
- -- _flavus_ 78
- -- _imperator_ 78
- -- _lamarcki_ 78
- -- _macrolepidotus_ 78
- -- rostratus_ 75
- -- _semicirculatus_ 78
- -- _setifer_ 78
- -- _vitattus_ 78
- _Chimaera monstrosa_ 53
- Chimäre 53
- _Clupea harengus_ 19
- -- _menhaden_ 29
- -- _pilchardus_ 27
- -- _sprattus_ 25
- _Conger vulgaris_ 48
- _Cottus scorpius_ 88, 89*
- _Cyclopterus lumpus_ 86
-
- _Dactylopterus volitans_ 72
- Delphine 18
- Devonfische 63
- _Dicerobatis giornae_ 52
- _Diodon maculatus_ 80
- Dornhai 45*, 58
- Dorsch 29*, 30-33
-
- _Echeneis remora_ 38
- Ellerbeck, Hauptsitz der Sprottenräucherei 26
- _Engraulis encrasicholus_ 29
- _Eurypharynx pelecanoides_ 93*
- _Exocoetus exsiliens_ 72
- -- _volitans_ 72
-
- Fahnenfisch 78
- Fetzenfisch 64
- _Fierasfer acus_ 38
- Fischmarkt 7, 8
- Fische, fliegende 65
- Fischereiwirtschaft 9
- Flugdrache 72
- Flugfische 65-71
- Flughahn 72
- Flunder 40, 42, 43*
-
- _Gadus aeglefinus_ 30
- -- _morrhua_ 29*, 30
- _Gastrosteus spinachia_ 91*
- Geißler 78
- _Gigantura chuni_ 92
- _Gobius niger_ 87
- Goldbutt 44
- Gonostomiden 94
- Großmaul 93
- Großschweif 92
- Grundschleppnetz 14*
-
- Hai 16, 38, 54-57, 62
- Haifisch-Ei 58*
- Halbmakrele 39
- Hammerfisch 53
- Hausen 60
- Heilbutt 44
- Hering 19-24
- --, fliegender 72
- Heringsräucherei, Räucherofen 24*, 26
- Herzogsfisch 78
- _Hippocampus antiquorum_ 88
- _Hippoglossus vulgaris_ 44
- Hochseefischerei 6, 12
- Hundshai 57
-
- Igelfisch 80, 81
-
- Kabeljau 16, 30, 31, 33, 39
- Kaiserfisch 78
- Katfisch 17
- Katzenhai 57
- Kaviar 60, 61
- Kieler Sprotten 25
- Klippfisch 33, 78
- Klumpfisch 82, 83
- Königsfisch 53
- Korallenfisch 78
- Korksohlen 17
- Knurrhahn 16, 45*, 83*, 84
- Kugelfisch 81*, 82
-
- Laberdan 33
- _Labrus maculatus_ 80
- -- _mixtus_ 80
- Lanzettfischchen 63
- _Latrunculus perlucidus_ 63
- Lebertran 32
- Lengfisch 16
- Lippfisch 80
- _Lophius piscatorius_ 64
- Lotsenfisch 59
- Lump 86, 87
- Luzonfisch 63
-
- _Macropharynx_ 93
- Makrele 17, 37*, 38
- Meeraal 48
- Meerengel 53
- Meeresforschung 6
- Meergrundel 63, 87
- Meerpapageien 84
- Meerschwalbe 72
- Meerschweine 18
- _Melanocetus johnsoni_ 93
- -- _krechi_ 93
- _Mistichthys luzonensis_ 63
- _Mola mola_ 82
- Mondfisch 82, 83
- _Mullus barbatus_ 78
- _Muraena helena_ 48
- Muränen 46-48
-
- Nagelrochen 45*, 51*, 52
- _Naucratus ductor_ 59
- _Nerophis aequoreus_ 90*, 91
-
- _Palaeospondylus_ 63
- _Periophthalmus koelreuteri_ 72
- Petermännchen 16, 44, 46
- Petersfische 41
- Pilchards 29, 48
- Plattfische 40-43
- _Pleuronectes flesus_ 43*, 44
- -- _platessa_ 44
- _Pogonias chromis_ 85
- _Pristis antiquorum_ 53
- _Pterois volitans_ 72
- _Phyllopteryx eques_ 64
-
- _Raja clavata_ 51*
- Rauhhai 57
- _Rhina squatina_ 53
- _Rhinodon typicus_ 57
- _Rhombus maximus_ 44
- Riesenhai 57
- Rochen 51, 53
- -- -Ei 58*
- Rotzungen 17
-
- Sägefisch 53
- Sardelle 29
- Sardine 27
- _Scatophagus argus_ 78, 79*
- Schellfische 16, 30, 32, 33, 39
- Scherbretterschleppnetz 32
- Schiffshalter 38
- Schlammspringer 72
- Schlangennadel 90*, 91
- Schollen 40*, 41, 45*
- Schuppenflosser 76
- Schützenfisch 75
- Schutzfärbung 78
- Schwalbenfisch 72
- Schwarzfisch 93
- Schwertfisch 61, 62
- _Sciaena aquila_ 86
- _Scomber pelamys_ 38, 72
- -- _scomber_ 37*
- _Scyllium canicula_ 57
- -- _catulus_ 57
- Seebarbe 78
- Seefisch-Versand 19
- Seegurke 38, 39
- Seehase 17, 45*, 86, 87
- Seehenne 16
- Seekatze 53
- Seenadel 90
- Seepferdchen 45*, 88-90
- Seeratte 53
- Seeräuberchen 63
- Seeskorpion 88, 89*
- Seestichling 91*
- Seeteufel 45*, 64, 65, 86
- Seezunge 44
- _Selache maxima_ 57
- _Solea vulgaris_ 44
- Somatolyse 78
- Spöke 53
- Springfisch 72
- Spritzfisch 75, 76
- Sprotten, Aufziehen der 25*
- Stachelbarsch, fliegender 72
- Stechrochen 52
- Steinbutt 16, 44, 45*
- Stöcker 39
- Stockfisch 33
- _Stomias boa_ 92*, 93
- Stör 59, 60, 61
- _Strombus gigas_ 39
- _Stylophthalmus paradoxus_ 92
- _Synanceja verrucosa_ 46
- _Syngnathus acus_ 90
-
- _Tetrodon fahaka_ 81*, 82
- Teufelsrochen 52
- Thunfisch 34*-37
- _Thynnus thynnus_ 34*
- Tiefseefische 92*, 93*, 94*
- _Torpedo marmorata_ 48
- _Toxotes jaculator_ 75*
- _Trachinus draco_ 44
- -- _vipera_ 47
- _Trigla hirundo_ 83*
- -- _lucerna_ 72
- Trommelfische 85
- _Trygon pastinaca_ 52
-
- Vipernfisch 47
-
- Weißhai 57
- Weltfischerei 9
-
- _Xiphias gladius_ 61
-
- Zauberfisch 46
- Zitteraal 48, 49
- Zitterrochen 48-50
- Zitterwels 48
- _Zygaena malleus_ 53
-
- * * * * *
-
-
- Naturwissenschaftliche Bildung ist die Forderung des Tages!
-
-
- Zum Beitritt in den »Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde«, laden wir
-
- alle Naturfreunde
-
-jeden Standes, sowie alle Schulen, Volksbüchereien, Vereine usw. ein. --
-Außer dem geringen
-
- _Jahresbeitrag von nur M 4.80_
-
-(Beim Bezug durch den Buchhandel 20 Pf. Bestellgeld, durch die Post Porto
-besonders.)
-
-= K 5.80 h. ö. W. = Frs 6.40 erwachsen dem Mitglied $keinerlei$
-Verpflichtungen, dagegen werden ihm folgende große Vorteile geboten:
-
-Die Mitglieder erhalten laut § 5 als Gegenleistung für ihren
-Jahresbeitrag im Jahre 1914 $kostenlos$:
-
- I. $Die Monatschrift Kosmos, Handweiser für Naturfreunde.$
- Reich illustr.
- Mit mehreren Beiblättern (siehe S. 3 des Prospektes). Preis für
- Nichtmitglieder M 2.80.
-
- II. $Die ordentlichen Veröffentlichungen.$ Nichtmitglieder zahlen den
- Einzelpreis von M 1.-- pro Band.
-
- Wilhelm Boelsche, Tierwanderungen in der Urwelt.
- Dr. Kurt Floericke, Meeresfische.
- Dr. Alexander Lipschütz, Warum wir sterben.
- Dr. Fritz Kahn, Die Milchstraße.
- Dr. Oskar Nagel, Die Romantik der Chemie.
-
- Änderungen vorbehalten. (Näheres wird im Kosmos-Handweiser
- bekanntgegeben.)
-
-III. $Vergünstigungen beim Bezuge von hervorragenden
-naturwissenschaftlichen Werken$ (siehe Seite 7 des Prospektes).
-
-[Zeigefinger] =Jede Buchhandlung= nimmt Beitrittserklärungen entgegen und
-besorgt die Zusendung. Gegebenenfalls wende man sich an die
-Geschäftsstelle des Kosmos in Stuttgart.
-
- Jedermann kann jederzeit Mitglied werden.
- Bereits Erschienenes wird nachgeliefert.
-
- * * * * *
-
-
- Satzung
-
- $ 1. Die Gesellschaft Kosmos (eine freie Vereinigung der Naturfreunde
- auf geschäftlicher Grundlage) will in erster Linie die Kenntnis
- der Naturwissenschaften und damit die Freude an der Natur und das
- Verständnis ihrer Erscheinungen in den weitesten Kreisen unseres
- Volkes verbreiten.
-
- $ 2. Dieses Ziel sucht die Gesellschaft zu erreichen: durch die
- Herausgabe eines den Mitgliedern $kostenlos$ zur Verfügung
- gestellten naturwissenschaftlichen Handweisers (§ 5); durch
- Herausgabe neuer, von hervorragenden Autoren verfaßter, im guten
- Sinne gemeinverständlicher Werke naturwissenschaftlichen Inhalts,
- die sie ihren Mitgliedern $unentgeltlich$ oder zu $einem besonders
- billigen Preise$ zugänglich macht, usw.
-
- $ 3. Die Gründer der Gesellschaft bilden den geschäftsführenden
- Ausschuß, den Vorstand usw.
-
- $ 4. $Mitglied kann jeder werden$, der sich zu einem Jahresbeitrag von
- M 4.80 = K 5.80 h. ö. W. = Frs 6.40 (exkl. Porto) verpflichtet.
- Andere Verpflichtungen und Rechte, als in dieser Satzung angegeben
- sind, erwachsen den Mitgliedern nicht. Der Eintritt kann
- $jederzeit$ erfolgen; bereits Erschienenes wird nachgeliefert. Der
- Austritt ist gegebenenfalls bis 1. Oktober des Jahres anzuzeigen,
- womit alle weiteren Ansprüche an die Gesellschaft erlöschen.
-
- § 5. Siehe vorige Seite.
-
- § 6. Die Geschäftsstelle befindet sich bei der $Franckh'schen
- Verlagshandlung, Stuttgart$, Pfizerstraße 5. Alle Zuschriften,
- Sendungen und Zahlungen (vgl. § 5) sind, soweit sie nicht durch
- eine Buchhandlung Erledigung finden konnten, dahin zu richten.
-
- * * * * *
-
-
- Kosmos
-
- Handweiser für Naturfreunde
-
- Erscheint jährlich zwölfmal -- 2 bis 3 Bogen stark --
- und enthält:
-
-$Originalaufsätze$ von allgemeinem Interesse aus sämtlichen Gebieten der
-Naturwissenschaften. Reich illustriert.
-
-$Regelmäßig orientierende Berichte$ über Fortschritte und neue
-Forschungen auf allen Gebieten der Naturwissenschaft.
-
-$Auskunftsstelle -- Interessante kleine Mitteilungen.$
-
-$Mitteilungen über Naturbeobachtungen$, Vorschläge und Anfragen aus dem
-Leserkreise.
-
-$Bibliographische Notizen$ über bemerkenswerte neue Erscheinungen der
-deutschen naturwissenschaftlichen Literatur.
-
- * * * * *
-
-
- Der Handweiser mit seinen illustr. Beiblättern:
-
- Wandern und Reisen / Aus Wald und Heide / Photographie und
- Naturwissenschaft / Technik und Naturwissenschaft / Haus, Garten und
- Feld / Die Natur in der Kunst / Natur und Heimatschutz /
-
- kostet für Mitglieder nichts, während Nichtmitglieder ohne Buchbeilage
- jährlich M 2.80 zahlen.
-
- $Probehefte durch jede Buchhandlung oder direkt.$
-
- * * * * *
-
-
- Buchbeigaben für das Jahr 1914:
-
- Tierwanderungen in der Urwelt.
-
- Von $Wilhelm Bölsche$.
-
-
-Mit vielen hochinteressanten Bildern und einem farbigen Umschlag nach
-Originalzeichnungen von Prof. =Heinrich Harder= in Berlin.
-
-$Für Nichtmitgl.: In farb. Umschlag M 1.--, K. 1.20 h. ö. W., Frs. 1.35.
-In Leinen geb. M 1.80, K. 2.20 h. ö. W., Frs. 2.35.$
-
-[Illustration]
-
-Die Entdeckungen großer und auffälliger, die Erde heute noch bevölkernder
-Tierformen haben allmählich stark nachgelassen. Dafür sind der Tierkunde
-neue und bedeutsame Aufgaben erwachsen. Eine der brennendsten betrifft
-die Verbreitung der Tiere auf der Erde. Warum sind die Säugetiere des
-tropischen Amerika grundverschieden von den unter gleicher Zone wohnenden
-Säugetieren des tropischen Afrika? Warum leben in Australien noch viele
-urweltliche Tiere fort, die sonst überall ausgestorben sind? Diese und
-viele andere Rätsel können aber nicht gelöst werden durch die Annahme
-einfacher Anpassung an die heutigen Verhältnisse. Geologische Ausblicke
-sind dazu nötig; die Tierwelt muß betrachtet werden in ihrer Einordnung
-in die andersartigen Landgebiete der Urwelt. Geheimnisvolle Wanderungen
-der Tierarten in der vorgeschichtlichen Zeit müssen berücksichtigt
-werden. In dieses hochinteressante neue Gebiet führt Bölsches neues Werk,
-das zugleich eine Fortsetzung von des Verfassers bekannter Schrift über
-Festländer und Meere im Wechsel der Zeiten ist.
-
- * * * * *
-
-
- Meeresfische.
-
- Von $_Dr._ Kurt Floericke$.
-
- =Mit zahlreichen Abbildungen= / $Für Nichtmitglieder: in farbigem
- Umschlag geheftet M 1.--, K. 1.20 h. ö. W., Frs. 1.35.$
-
- $In Leinen gebunden M 1.80, K. 2.20 h. ö. W., Frs. 2.35.$
-
-[Illustration]
-
-Das Bändchen schließt sich an das des bekannten Autors über die
-»Einheimischen Fische« an. Er schildert hier in packender Weise die
-wichtigsten Arten der Fische des Meeres und berücksichtigt dabei
-besonders die eßbaren Seefische, nicht nur zoologisch, sondern auch in
-ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung als wichtiges Volks-Nahrungsmittel.
-Der Fang, die weitere Behandlung und der Handel dieser Seefische werden
-eingehend beschrieben. Die vielen Abbildungen, die größten Teils nach
-Photographien lebender Fische angefertigt sind, erhöhen den Wert des
-Buches.
-
- * * * * *
-
-
- Warum wir sterben?
-
- Von $_Dr._ Alexander Lipschütz.$
-
- =Mit zahlreichen Abbildungen.=
-
-$Für Nichtmitglieder: In farbigem Umschlag geh. M 1.--, K. 1.20 h. ö. W.,
- Frs. 1.35 / In Leinwand geb. M 1.80, K. 2.20 h. ö. W., Frs. 2.35.$
-
-[Illustration]
-
-Das Bändchen behandelt ein für jeden denkenden Menschen sehr
-interessantes Thema. Der Verfasser geht darin der Frage nach, ob es für
-uns Menschen einen natürlichen, nicht durch Krankheit bedingten Tod gibt
-und führt dann den Tod als eine natürliche Erscheinung des Alters vor.
-Seine naturwissenschaftliche Analyse des Todes läßt der Verfasser in
-einen Hymnus auf das schaffende Leben ausklingen.
-
- * * * * *
-
-
- Die Milchstraße.
-
- Von $Dr. Fritz Kahn.$
-
- =Mit zahlreichen Abbildungen.=
-
-$Für Nichtmitglieder: In farbigem Umschlag M 1.--, K. 1.20 h. ö. W. Frs.
- 1.35:: In Leinen geb. M 1.80 K. 2.20 h. ö. W. Frs. 2.35.$
-
-[Illustration]
-
-Ausgehend vom Weltbild der Alten zeigt der Verfasser, wie durch die
-Erfindung des Fernrohrs, der Spektralanalyse und schließlich durch die
-Anwendung der Photographie das Weltbild immer mehr erweitert wurde, und
-wie man in den letzten Jahrzehnten immer mehr dahin kam, die
-systematischen Begriffe des Planetensystems auch auf die Fixsternwelt zu
-übertragen. Die Spektralanalyse läßt uns die chemische Natur der Sterne
-erkennen, die photographische Platte die Gesetzmäßigkeit der
-Sternbewegungen. Diese Forschungen ergeben eine großartige
-Entwicklungsgeschichte des Weltalls, in dem man Weltsysteme auf allen
-Stufen der Entwicklung vom Urnebel an bis herauf zum höchsten Gebilde,
-der Milchstraße, vorfand. Als höchstentwickelte Einheit erscheint uns die
-Milchstraße, deren Bau, Größe, Anordnung der Sterne, Sterngruppen
-anschaulich geschildert werden. Die Sterne befinden sich im
-Milchstraßenstaat in einem Kreislauf, wie unser Blut im Körper. Von der
-Peripherie des Systems kreisen kosmische Staubmassen in Spiralbahnen der
-Mitte zu, nähern sich gegenseitig und zerschellen in der Nähe des
-Zentrums. Dieses Schicksal bot die Nova Persei vor einigen Jahren. Auch
-uns widerfährt es einst und wir beginnen dann von neuem den ewigen
-Kreislauf des Stoffes und der Kraft, wie wir ihn wahrscheinlich schon
-millionenmal durchlaufen haben und finden darin eine großartige ungeahnte
-naturwissenschaftliche Auslegung des Unsterblichkeitsgedankens.
-
- * * * * *
-
-
- Die Romantik der Chemie.
-
- Von $Dr. Oskar Nagel.$
-
- =Mit zahlreichen Abbildungen.= / $Für Nichtmitglieder: In farbigem
- Umschlag geheftet M 1.--, K. 1.20 h. ö. W., Frs. 1.35.$
-
- $In Leinwand gebunden M 1.80, K. 2.20 h. ö. W., Frs. 2.35.$
-
-Kein Wissensgebiet der Menschheit ist so durchaus romantisch und zugleich
-vom größten praktischen Nutzen wie die Chemie. Eine unendliche Menge von
-neuartigen Stoffen, von denen vergangene Jahrzehnte kaum zu träumen
-wagten, ist von der Chemie hergestellt worden. Tausende gelehrter
-Chemiker sind in ihren stillen Laboratorien für den weiteren Ausbau
-dieser Wissenschaft tätig, tausende von Fabriksschloten erzeugen den Zug,
-um das Feuer der chemischen Fabriköfen zu unterhalten. Aus unscheinbaren
-Rohprodukten und Abfällen aller Art werden wertvolle Erzeugnisse für
-Technik und Industrie, das Heilwesen und das tägliche Leben hergestellt.
-Sprengstoffe von fabelhafter Stärke, Farbstoffe von wunderbarer Pracht,
-Ersatzstoffe in größter Mannigfaltigkeit, wie Kunstseide, Zelluloid usw.
-werden massenweise für den täglichen Gebrauch hergestellt, während die
-viele tausend von Grad starke Glut der elektrischen Öfen die Gewinnung
-der edelsten und seltensten Stoffe möglich macht.
-
-[Illustration]
-
-All dies behandelt in leicht verständlicher, äußerst anregender Weise
-»Die Romantik der Chemie«. Der Leser wird, wie auf einem phantastischen
-Spaziergange, durch die wunderbaren Werkstätten der Praxis und
-Wissenschaft geführt. Mit der Gewinnung des Goldes in den großen
-überseeischen Goldfeldern beginnend, durchwandert der Verfasser das ganze
-Gebiet der chemischen Industrien, erklärt das Wesen des Erfindens und
-Entdeckens und beschließt sein Werkchen mit hochinteressanten Ausblicken
-auf die Chemie der Erde und über die Chemie des Lebens.
-
- * * * * *
-
-
- Wer ein Leser des Kosmos ist, der hat auch
- Interesse für seine beiden Gegenstücke:
-
-
- Technische Monatshefte.
-
-Sie wollen dem Laien, dem Fachmann u. der strebsamen Jugend in Wort und
-Bild und in gemeinverständlicher Darstellung Anleitung zum Verständnis
-des gesamten Gebietes der modernen Technik bieten.
-
- $Halbjährlich für 6 Hefte nebst 2 Buchbeilagen
- nur M 3.50 / K. 4.20 h. ö. W. / Frs. 4.70.$
-
-
- Zeiten und Völker.
-
-Diese Monatsschrift, die interessante reich illustrierte Aufsätze aus dem
-Gebiet der Geschichte, Kulturgeschichte, Völkerkunde usw. bringt, ist ein
-Familienblatt im besten Sinne des Wortes; sie will Sinn und Verständnis
-für geschichtliche Zusammenhänge wecken und gediegene historische
-Kenntnisse in anschaulicher Weise vermitteln.
-
- $Jährlich für 12 Hefte nebst 2 Buchbeilagen
- nur M 4.80 / K. 5.80 h. ö. W. / Fr. 6.40.$
-
- Probehefte durch jede Buchhandlung oder direkt von der
-
- $Franckh'schen Verlagshandlung in Stuttgart$
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- * * * * *
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-
-Die Mitglieder des =Kosmos= haben bekanntlich nach Paragraph 5 III das
-Recht, außerordentliche Veröffentlichungen und die den Mitgliedern
-angebotenen Bücher zu =einem Ausnahmepreis= zu beziehen. Es befinden sich
-u. a. darunter folgende Werke:
-
- +===========+======
- | Preis | Mit-
- |f. Nicht-|glieder-
- | mitgl. | preis
- +---------+--------
- $Altpeter, ABC der Chemie$ | 2.40 | 1.--
- $Bergmiller, Erfahr. a. u. Gebiete d. hoh. Jagd.$ | |
- Geb. | 4.50 | 3.50
- $Bölsche, W., Der Sieg des Lebens.$ Fein gebunden | 1.80 | 1.50
- $Diezels Erfahrungen a. d. Gebiete d. Niederjagd.$ | |
- Geb. | 4.50 | 2.90
- $Ewald, Mutter Natur erzählt.$ Gebunden | 4.80 | 3.60
- $ " Der Zweifüssler.$ Gebunden | 4.80 | 3.60
- $ " Vier feine Freunde.$ Gebunden | 4.80 | 3.60
- $Fabre, J. H. Sternhimmel$. Gebunden | 4.80 | 3.60
- $ " Bilder a. d. Insektenwelt.$ I/II, III/IV. | |
- 2 Bde. geb. je | 4.50 | 3.40
- $ " Blick ins Käferleben.$ Broschiert | 1.-- |--.50
- $Floericke, Dr. Kurt, Deutsches Vogelbuch.$ Gebunden| 10.-- | 8.40
- $ " Taschenbuch zum Vogelbestimmem.$ Geb.| 3.80 | 2.90
- $Fruwirth, Die Pflanzen der Feldwirtschaft.$ Geb. | 3.80 | 2.90
- $Gräbner, Taschenbuch zum Pflanzenbestimmen.$ Geb. | 3.80 | 2.90
- $Hepner, Cl., 100 neue Tiergeschichten.$ Gebunden | 3.60 | 2.80
- $Jaeger, Prof. Dr. Gust., Das Leben im Wasser.$ | |
- Kart. | 4.50 | 1.70
- $Kuhlmann, Wunderwelt des Wassertropfens.$ Brosch. | 1.-- |--.50
- $Lange, Der Garten und seine Bepflanzung.$ Geb. | 4.50 | 3.50
- $Leben der Pflanze.$ Bd. I, II, III, IV, V, VI, VII,| |
- VIII, geb. je | 15.-- |13.50
- $Lindemann, Die Erde.$ Bd. I. Gebunden | 9.-- | 8.--
- $ " " "$ Bd. II. Gebunden | 9.-- | 8.--
- $Meyer. Dr. M. Wilh., Die ägyptische Finsternis.$ | |
- Geb. | 3.-- | 1.90
- $Monographien unserer Haustiere$: Bd. I Schumann, | |
- Kaninchen; Bd. II Schuster, Hauskatze; Bd. III | |
- Morgan, Hund; Bd. IV Schwind, Haushuhn à | 1.40 | 1.05
- $Sauer, Prof. Dr. A., Mineralkunde.$ Gebunden | 13.60 |12.20
- $Schrader, Liebesleben der Tiere.$ Broschiert | 1.40 | 1.10
- $Schroeder-Rothe, Handbuch f. Naturfreunde.$ Bd. I | |
- geb. | 4.20 | 3.60
- $ " --"--$ " II | |
- geb. | 3.80 | 3.30
- $Schwind-Gemen, Rosenbüchlein.$ Gebunden | 1.50 | 1.25
- $Stevens, Frank, Ausflüge ins Ameisenreich.$ Geb. | 2.50 | 1.85
- $ " " Die Reise ins Bienenland.$ Geb. | 2.50 | 1.85
- $Strandbüchlein.$ Gebunden | 1.25 | 1.--
- $Stridde, Allgemeine Zoologie.$ Gebunden | 7.-- | 6.20
- $Thompson, E. S., Bingo u. a. Tiergeschichten.$ Geb.| 4.80 | 3.60
- $ " Prärietiere und ihre | |
- Schicksale.$ Fein geb. | 4.80 | 3.60
- $ " Tierhelden.$ Fein gebunden | 4.80 | 3.60
- $Wurm, Waldgeheimnisse.$ Gebunden | 4.80 | 3.60
-
- und zahlreiche andere Werke mehr.
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- * * * * *
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- Die ordentlichen Veröffentlichungen
-
-früherer Jahre erhalten Mitglieder, solange vorrätig, zu Ausnahmepreisen:
-
-:1904:
-
-(Handweiser vergriffen) zusammen für M 4.-- (Preis für Nichtmitglieder
-M 5.--), geb. für M 6.20 (für Nichtmitglieder M 8.40):
-
- $Bölsche, W., Abstammung des Menschen.$
- $Meyer, Dr. M. Wilh. (Urania-Meyer), Weltuntergang.$
- $Zell, Dr. Th., Ist das Tier unvernünftig?$ (Doppelband)
- $Meyer, Dr. M. Wilh., Weltschöpfung.$
-
-
-:1905:
-
-(Handweiser vergriffen) zusammen für M 4.-- (Preis für Nichtmitglieder
-M 5.--), geb. für M 6.75 (für Nichtmitglieder M 9.--):
-
- $Bölsche, W., Stammbaum der Tiere.$
- $Welten, Die Sinne der Pflanzen.$
- $Zell, Dr. Th., Tierfabeln.$
- $Teichmann, Dr. E., Leben und Tod.$
- $Meyer (Urania), Sonne und Sterne.$
-
-
-:1906:
-
-(Handweiser vergriffen) zusammen M 4.-- (für Nichtmitglieder M 5.--) und
-geb. für M 6.75 (für Nichtmitglieder M 9.--):
-
- $Welten, Wie die Pflanzen lieben.$
- $Meyer, Dr. M. Wilh., Rätsel d. Erdpole.$
- $Zell, Dr. Th., Streifzüge durch d. Tierwelt.$
- $Bölsche, Wilh., Im Steinkohlenwald.$
- $Ament, Dr. W., Die Seele des Kindes.$
-
-
-:1907:
-
-ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden für
-M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--):
-
- $Kuhlmann, Aus der Wunderwelt des Wassertropfens.$
- $Zell, Dr. Th., Straußenpolitik.$
- $Meyer, Dr. M. W., Kometen und Meteore.$
- $Teichmann, Dr. E., Fortpflanzung und Zeugung.$
- $Floericke, Dr. K., Die Vögel des deutschen Waldes.$
-
-
-:1908:
-
-ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden für
-M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--):
-
- $Meyer, Dr. M. W., Erdbeben und Vulkane.$
- $Teichmann, Dr. E., Die Vererbung.$
- $Sajó, Krieg u. Frieden im Ameisenstaat.$
- $Dekker, Naturgeschichte des Kindes.$
- $Floericke, Dr. K., Säugetiere des deutschen Waldes.$
-
-
-:1909:
-
-ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden für
-M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--):
-
- $Unruh, Leben mit Tieren.$
- $Meyer, Dr. M. Wilh., Der Mond.$
- $Sajó, Prof. K., Die Honigbiene.$
- $Floericke, Kriechtiere u. Lurche Deutschl.$
- $Bölsche, Wilh., Der Mensch in der Tertiärzeit und im Diluvium.$
-
-
-:1910:
-
-ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden für
-M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--):
-
- $Koelsch, Pflanzen zwisch. Dorf u. Trift.$
- $Dekker, Fühlen und Hören.$
- $Meyer, Welt der Planeten.$
- $Floericke, Säugetiere fremder Länder.$
- $Weule, Kultur der Kulturlosen.$
-
-
-:1911:
-
-ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden für
-M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--):
-
- $Koelsch, Durch Heide und Moor.$
- $Dekker, Sehen, Riechen und Schmecken.$
- $Bölsche, Der Mensch der Pfahlbauzeit.$
- $Floericke, Vögel fremder Länder.$
- $Weule, Kulturelemente der Menschheit.$
-
-
-:1912:
-
-ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden für
-M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--):
-
- $Gibson-Günther, Was ist Elektrizität?$
- $Dannemann, Wie uns. Weltbild entstand.$
- $Floericke, Fremde Kriechtiere u. Lurche.$
- $Weule, Die Urgesellschaft und ihre Lebensfürsorge.$
- $Koelsch, Würger im Pflanzenreich.$
-
-
-:1913:
-
-ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden für
-M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--):
-
- $Bölsche, Festländer und Meere.$
- $Floericke, Einheimische Fische.$
- $Koelsch, Der blühende See.$
- $Zart, Bausteine des Weltalls.$
- $Dekker, Vom sieghaften Zellenstaat.$
-
- _Allen Jahrgängen außer 1904, 1905 u. 1906 werden
- die 12 Hefte des betr. Handweiser-Jahrganges beigefügt._
-
-Sämtl. noch vorhand. Jahrgänge der Kosmos-Veröffentlichungen (s. obige
-Zusammenstellung) liefern wir an Mitgl.: geh. für M 38.-- (Preis für
-Nichtmitgl. 96.--), geb. (auch Handw.) für M 62.-- (Preis für Nichtmitgl.
-113.80) $auch gegen kleine monatl. Ratenzahlungen$.
-
- * * * * *
-
-Anmerkungen zur Transkription:
-
-Rechtschreibung und Zeichensetzung des Originaltextes wurden übernommen,
-und offensichtliche Druckfehler korrigiert.
-
-Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Passagen, die im Original in
-Antiqua gesetzt sind, sind kursiv dargestellt.
-
-Der Schmutztitel wurde entfernt.
-
-Fett gedruckter Text wurde mit Dollarzeichen ($Text$), gesperrter Text
-mit Gleichheitszeichen (=Text=) und kursiver Text wurde mit
-Unterstrich (_text_) markiert.
-
-Das Symbol gestorben wurde als [gestorben] dargestellt.
-
-Das Symbol Zeigefinger wurde als [Zeigefinger] dargestellt.
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Meeresfische, by Kurt Floericke
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK MEERESFISCHE ***
-
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-be renamed.
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-States without permission and without paying copyright
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-of this license, apply to copying and distributing Project
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-used on or associated in any way with an electronic work by people who
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-things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
-even without complying with the full terms of this agreement. See
-paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
-Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this
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-electronic works. See paragraph 1.E below.
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-Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection
-of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual
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-States. If an individual work is unprotected by copyright law in the
-United States and you are located in the United States, we do not
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-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
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-The Project Gutenberg EBook of Meeresfische, by Kurt Floericke
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-Title: Meeresfische
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-Author: Kurt Floericke
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-Release Date: September 24, 2018 [EBook #57967]
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-Language: German
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-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK MEERESFISCHE ***
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-Produced by The Online Distributed Proofreading Team at
-http://www.pgdp.net
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+<div>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 57967 ***</div>
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@@ -4508,379 +4474,7 @@ im Original in Antiqua gesetzt sind, sind kursiv dargestellt.</p>
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-End of the Project Gutenberg EBook of Meeresfische, by Kurt Floericke
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-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK MEERESFISCHE ***
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-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
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