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| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-02-08 10:33:52 -0800 |
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W. + +Dr. Kurt Floericke, Meeresfische. + Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h ö. W. + +Dr. Alexander Lipschütz, Warum wir sterben. + Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h ö. W. + +Dr. Fritz Kahn, Die Milchstraße. + Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h ö. W. + +Dr. Oskar Nagel, Romantik der Chemie. + Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h ö. W. + +Diese Veröffentlichungen sind durch =alle Buchhandlungen= zu beziehen; +daselbst werden Beitrittserklärungen (Jahresbeitrag nur M 4.80) zum +$Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde$ (auch nachträglich noch für die +Jahre 1904/13 unter den gleichen günstigen Bedingungen), +entgegengenommen. (Satzung, Bestellkarte, Verzeichnis der erschienenen +Werke usw. siehe am Schlusse dieses Werkes.) + + Geschäftsstelle des Kosmos: Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart. + + * * * * * + + + + + Meeresfische + + Von + + Dr. Kurt Floericke + + Mit zahlreichen Abbildungen nach Originalaufnahmen + und Zeichnungen von Oberlehrer + W. Koehler, Fr. Ward, R. Oeffinger u. a. + und einem Umschlagbild von Willy Planck + + [Illustration] + + Stuttgart + + Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde + Geschäftsstelle: Franckh'sche Verlagshandlung + 1914 + + + Alle Rechte, besonders das Übersetzungsrecht, vorbehalten. + + + _Copyright 1914 by + Franckh'sche Verlagshandlung + Stuttgart_ + + STUTTGARTER SETZMASCHINEN-DRUCKEREI + HOLZINGER & Co., STUTTGART + + * * * * * + + + + +[Illustration] + +Furchtbar zugleich und fruchtbar ist das Meer. Mit heiliger Scheu +erfüllt uns der endlose Ozean, wenn er, aufgewühlt und aufgepeitscht von +heulenden Sturmwinden, tobend und brausend hohe, weißgekrönte Wogenkämme +wie eine finstere, verderbenbringende Todesmauer zum Lande wälzt, Leichen +auf seinem Rücken trägt und alles Lebende mit wuchtigem Wellenschlag zu +vernichten droht; mit andächtiger Bewunderung aber, wenn er sich wieder +besänftigt hat, wenn an der nur leicht gekräuselten, sanft und ruhig +atmenden Oberfläche im glitzernden Sonnenschein Scharen silberner +Fischlein in übermütigem Spiel sich tummeln und das kristallklare Wasser +an felsiger Küste ungeahnte Einblicke tun läßt in die Tiefe mit ihrem so +eigenartigen, geheimnisvollen, mannigfaltigen Weben und Leben; mit warmer +Liebe endlich, wenn wir gedenken, wie unendlich viel von jeher der reiche +Ozean beigetragen hat, die menschlichen Bewohner des Erdballs zu +ernähren, die entlegensten Völker mit einander zu verbinden, ihnen einen +leichten und bequemen Austausch ihrer Erzeugnisse zu ermöglichen, ihre +Phantasie zu befruchten und ihre künstlerische Schaffenskraft anzuregen. +Neptun gebietet über das weiteste und ausgedehnteste Reich auf unserem +Planeten, und die Zahl und Mannigfaltigkeit der seinem strengen Szepter +unterstehenden Tierwelt, ihre grotesken Formen, ihre erstaunliche +Fruchtbarkeit und ihre weitgehenden biologischen Anpassungen an die +Eigenart der verschiedenen Meeresteile finden auf dem Festlande kaum +ihresgleichen. Voll ungeahnter Wunder ist des Meeres dunkler Schoß, aber +nur langsam und zögernd enthüllen sie sich dem rastlos forschenden +Menschengeiste. Kaum vermag unser Auge die verwirrende Fülle der +Erscheinungen noch zu überschauen. Führen doch allein an 10000 Fischarten +in all den Erdenmeeren ein unseren Blicken mehr oder minder verborgenes +Dasein. Gerade dieser Umstand erscheint in hohem Maße geeignet, unsere +Kenntnis von den Lebensgewohnheiten der Seefische zu erschweren; so sehr +sie auch während der letzten Jahrzehnte durch die überraschenden +Fortschritte der Meeresforschung gefördert worden ist, so wenig ist doch +ausführlichere Kunde davon in die große Masse der heutigen +Kulturmenschheit gedrungen, wenn auch anderseits die Fischerbevölkerung +der Küstenländer schon im eigensten Lebensinteresse geradezu gezwungen +war, praktische Fischkunde zu lernen. Aber wie viele sonst hoch +gebildete Bewohner des Binnenlandes gibt es doch, die selbst die +allergewöhnlichsten Seefische lediglich von genossenen Tafelfreuden oder +aus den Bottichen der Marktweiber her kennen, von ihrer merkwürdigen +Lebensführung dagegen kaum mehr wissen als von der hochinteressanten Art +und Weise ihrer Erbeutung. Und doch ist diese von tief einschneidender +Bedeutung nicht nur für das gesamte Wirtschaftsleben unserer +Küstenprovinzen, sondern auch für die Fleischversorgung unseres gesamten +Vaterlandes, da bei den ständig steigenden Schlachtviehpreisen einerseits +und den erheblich verbesserten Transportmitteln anderseits (selbst aus +Westafrika bringt man neuerdings in Kühlkammern oder auf Schneelagern in +23tägiger Fahrt Plattfische und Seehechte in vollkommen gebrauchsfrischem +Zustande nach Paris) der Verbrauch von Seefischfleisch auch im +Binnenlande eine fortwährend zunehmende Wichtigkeit erhält. + +Die deutsche =Hochseefischerei=, die jetzt zumeist mit eigens dazu +ausgerüsteten, besonders seetüchtigen Fischdampfern betrieben wird, ist +denn auch in erfreulicher Aufwärtsentwicklung begriffen, obgleich es noch +lange dauern wird, bis sie den ungeheuren Vorsprung, den namentlich die +Engländer auf diesem Gebiete besitzen, einigermaßen wettgemacht haben +wird. Sie beschäftigt über 30000 wettergestählte Männer, die in ihrem +gefahrvollen und anstrengenden Berufe für den Ausbau eines Gewerbszweiges +kämpfen, dessen ungeheure volkswirtschaftliche Bedeutung für Deutschland +lange genug verkannt worden ist und auch jetzt noch nicht ganz die ihm +gebührende Wertschätzung findet. Der Wert der ans Land gebrachten Fische +belief sich im Jahre 1908 auf rund 29 Millionen Mark, aber trotzdem +konnten von unseren 11 Fischereigesellschaften nur 4 eine Dividende +zahlen (die Emdener Heringsfischerei 7%), ein Zeichen, daß die gesamte +Organisation noch sehr in den Kinderschuhen steckt. Der Staat tut alles, +um sie zu heben und bewilligte allein 400000 M an Bauprämien für +Fischereifahrzeuge, während anderseits die Wissenschaft mit den +wertvollen Ergebnissen ihrer Forschungen der Fischerei zu Hilfe kommt, +überhaupt gerade auf diesem Gebiet ein inniger und sehr vorteilhafter +Wechselverkehr zwischen Wissenschaft und Praxis besteht, der beiden in +hohem Maße zum Vorteil gereicht. Wie weit bei guten Vorkehrungen die +Erträge der Seefischerei gesteigert werden können, ersieht man aus der +englischen Statistik. An den dortigen Küsten wurden beispielsweise im +Jahre 1906 20-1/2 Millionen Zentner Fische erbeutet und daraus 11,326 +Millionen Pfd. St. erzielt. Die neuesten Errungenschaften der Technik +kommen dort wie auch in Norwegen beim Fischfang zur Verwendung. Selbst +das Telephon. Der hierbei benutzte Apparat besteht aus einem zur Aufnahme +des Schalles dienenden Mikrophon, das in einer wasserdichten Stahlkapsel +eingeschlossen und durch Leitungsdrähte ständig mit einem telephonischen +Empfänger an Bord des Fangschiffes verbunden ist. Durch diese Vorrichtung +werden die Fischer frühzeitig von dem Herannahen und der Richtung der +großen Fischzüge in Kenntnis gesetzt, können auch gleich auf deren Art +schließen, indem z. B. Heringe durch pfeifende, Dorsche durch grunzende +Geräusche sich verraten. Hervorgerufen werden diese wahrscheinlich durch +die unablässige Bewegung von Millionen von Flossen und Kiemen im Wasser. +Leider ist unsere Seefischerei trotz aller Anstrengungen noch nicht +imstande, den Eigenbedarf unseres Volkes an Fischfleisch zu decken. Noch +müssen wir für nahezu 120 Millionen jährlich vom Ausland beziehen, +während unsere Ausfuhr noch nicht 12 Millionen beträgt. Unter den +eingeführten Fischen stehen obenan gesalzene Heringe mit 36,5, Bücklinge +mit 2,3, Kaviar mit 9,5, Lachse mit 7,25, Sardellen mit 1,75 und frische +Karpfen mit 1,8 Millionen Mark. Dabei nimmt in unserer Zeit der +Fleischteuerung die Nachfrage nach Seefisch noch fortwährend zu, +namentlich seit das frühere Vorurteil der Binnenländer gegen diese Kost +zu schwinden beginnt, wenn auch leider nur sehr langsam und allmählich. +Viel dazu beigetragen hat die Abhaltung von Seefisch-Kochkursen und die +planvolle Organisierung des Fischverkaufs in den städtischen Markthallen. +So wurden allein in Berlin vom Oktober 1911 bis Februar 1912 rund 230000 +kg frische Seefische durch die städtischen Verkaufsstellen abgesetzt. Im +Vergleiche zu der Statistik des Pariser Fischmarktes erscheint diese Zahl +freilich noch recht geringfügig. Dort kommen während der kühlen +Jahreszeit Tag für Tag 110-115000 kg Meeresbewohner in die städtischen +Markthallen, wobei allerdings Krebse und Muscheln mitgerechnet sind, ja +an den Fastentagen steigert sich diese ungeheure Menge auf 200000 kg. Bei +uns macht nach den Berechnungen von König und Splittgerber das +Fischfleisch nur 1/8-1/10 des überhaupt genossenen Fleisches aus. Auf den +Kopf der Bevölkerung kommen jährlich etwa 6,8 kg Fisch, wovon 6 kg auf +Seefisch entfallen und 40-50% für den Abfall in Abzug zu bringen sind, +sodaß nur 3,5-4 kg reines Fischfleisch übrig bleiben. Im allgemeinen ist +dessen Nährwert und Verdaulichkeit dem des Fleisches der nutzbaren +Haustiere gleichzusetzen, aber wenigstens das Seefischfleisch hat den +großen Vorzug, wesentlich billiger zu sein, selbst wenn man dabei in +Anschlag bringt, daß es an sich schon wasserreich ist und wegen der +kurzen Kochdauer nur einen unwesentlichen Wasserverlust erleidet, daher +zur Sättigung in größerer Menge genossen werden muß. Bei Räucherfischen +kommt dieser Übelstand ohnedies in Wegfall, während bei eingemachten +Fischen ein großer Teil der wertvollen Nährstoffe in die Laken und Saucen +entweicht. Die Verdaulichkeit wird durch das Kochen in geringerem Maße +beeinträchtigt als beim Rindfleisch. So vermag das Fischfleisch selbst +körperlich stark angestrengten Menschen ein vollwertiger Ersatz für +anderes Fleisch zu sein, und in Rußland erhält beispielsweise das Militär +zweimal wöchentlich Fisch, während man bei uns in dieser Beziehung noch +nicht weit über tastende Versuche hinausgekommen ist. Auch vorzügliche +Eiweißpräparate stellt man neuerdings aus Fischfleisch her. + +So erscheint das Meer als der denkbar ergiebigste Acker, dessen +planmäßige Bebauung und zielbewußte Bewirtschaftung sich durch reiche +Erträge lohnt, aber leicht ist die Hebung seiner Schätze nicht, und vom +Meeresgrunde bis zur Feinschmeckertafel in einem Berliner Luxushotel ist +ein gar weiter Weg. Fabelhaft fast erscheinen die Fruchtbarkeit und der +Reichtum der See, aber unerschöpflich sind sie nicht, und rücksichtsloser +Raubbau muß sich schließlich auch hier bitter rächen wie überall. +Namentlich in der Nordsee, wo heute alljährlich 600 Dampfer und 5000 +Segler auf Fischfang ausziehen, machen sich schon bedenkliche Anzeichen +von Überfischerei bemerkbar, weil dem Meere zu viel unbrauchbare +Jungfische entzogen oder diese, wenn man sie auch wieder ins Wasser +wirft, doch nicht schonend genug behandelt werden. So sind große +Seezungen und Schollen schon recht spärlich geworden, ja es steht zu +befürchten, daß von den bevorzugten Speisefischen überhaupt nur noch +wenige das laichfähige Alter erreichen und für die Fortpflanzung ihrer +Art sorgen können. Eckert schätzt den Gesamtertrag der Weltfischerei auf +4 Millionen Tonnen im Werte von 1 Milliarde Mark; das erscheint +verhältnismäßig wenig, dabei ist aber zu berücksichtigen, daß ausgedehnte +und zweifellos sehr ergiebige Fischereigründe in den afrikanischen, +südamerikanischen und australischen Gewässern der Fischereiwirtschaft +überhaupt noch nicht erschlossen sind. Nahezu 70% der ganzen Ausbeute +entfallen auf den Atlantik, wobei die Nordsee mit 1/5-1/4 beteiligt ist, +keine 30% auf den Stillen Ozean und kaum 1% auf den Indischen. Was die +einzelnen Staaten anbelangt, so kommen auf die von Nordamerika 23%, auf +England 22%, auf Kanada und Norwegen je 13%, auf Rußland 6%, auf +Frankreich 4%, auf Holland 3%, auf Spanien und Portugal 2-1/2%, auf +Italien 1-1/2%. Während das kleine Japan mit 10-1/2% recht stattlich +dasteht, spielt Deutschland mit nur 2-1/2% in dieser Liste noch immer +eine ziemlich klägliche Rolle, obgleich sich der Ertrag unserer +Hochseefischerei durch die dankenswerten Bemühungen einer einsichtigen +Regierung innerhalb 15 Jahren um das Zehnfache gesteigert hat. Auch +Österreich-Ungarn erweist sich trotz der herrlichen, fischreichen Adria +mit ihrem prächtigen Klima und ihren zahlreichen ruhigen Buchten in bezug +auf die Entwicklung der Küsten- oder gar der Hochseefischerei noch als +recht rückständig, wie ja fast auf allen Gebieten. Das Fett schöpfen dort +die benachbarten Italiener ab, und die Küstenbevölkerung von Triest und +Fiume ab bis nach Spalato und Cattaro hinunter begrüßt alljährlich mit +Freuden die buntbemalten Segel der anfahrenden Chioggioten-Flottille, +weil sie gesunde und wohlfeile Nahrung auf den Markt bringt. Tausende von +ärmeren Familien in Istrien und Dalmatien leben dann nur von Fischen und +Polenta und sehen äußerst selten anderes Fleisch in ihren Töpfen. Der auf +Backhuhn und Gulasch eingeschworene Wiener dagegen, der selbst die +köstliche Forelle barbarischerweise in gebackenem Zustande genießt, hat +dem Seefischfleisch noch immer keinen Geschmack abzugewinnen vermocht, +und daran sind alle Bemühungen zur Schaffung eines großzügig +eingerichteten Seefischversands im Reiche des Doppeladlers mehr oder +minder gescheitert. + +Glücklicherweise zählt unsere fast überall mit Grundnetzen erreichbare +Nordsee nächst den nordamerikanischen Gestaden des Atlantik zu den +fruchtbarsten Meeren der Erde, über ihren zahlreichen Bänken und Untiefen +wimmelt es fast buchstäblich von Fischen, nur daß sich diesen Segen in +früheren Zeiten fast ausschließlich die Engländer zunutze zu machen +verstanden, während mehr als 2 Meilen von der Küste überhaupt kaum ein +deutscher Fischkutter anzutreffen war. »Das deutsche Meer«, so heißt es +in einem englischen Gutachten, »ist ertragsfähiger als unser Ackerland; +unsere reichsten Felder sind weniger fruchtbar an Nahrungsstoffen, als +diese Fischereigründe. Ein Morgen guten Landes liefert etwa 20 Zentner +Getreide jährlich oder 3 Zentner Fleisch und Käse; auf einer ebenso +großen Wasserfläche mit Fischereigrund aber kann man dasselbe Gewicht an +Nahrungsmitteln jede Woche ernten. Fünf Fischereiboote zogen in einer +einzigen Nacht aus einer kaum 50 Morgen großen Fläche des deutschen +Meeres den Wert von 50 Ochsen und 300 Schafen in Form von leicht +verdaulichen und schmackhaften Fischen. Und was das Wichtigste ist, diese +Ochsen und Schafe sind kostenlos und ohne alle Mühe im Wasser entstanden, +erzogen und gemästet worden.« Mag dieses Urteil auch ein übertriebenes +und allzu optimistisches sein, Tatsache ist jedenfalls, daß man bei uns +lange Jahrhunderte hindurch den Meeressegen nicht zu würdigen verstand +und sich erst in neuester Zeit allmählich seiner ungeheuren +volkswirtschaftlichen Bedeutung bewußt geworden ist. Selbst die der +Nordsee angrenzenden Kleinstaaten waren und sind uns in dieser Beziehung +weit über, denn Holland verdankt seinen Reichtum dem Heringsfange, und +Norwegen, wo ein großer Teil der Bevölkerung ohne Fischerei gar nicht +bestehen könnte, gewinnt aus ihr weit mehr Taler, als es Einwohner zählt. +Nun ist ja endlich auch bei uns ein vielversprechender Anfang zur +Ausbeutung der feuchten Schatzkammern gemacht worden, aber die ersten +Jahre deutscher Hochseefischerei waren doch kaum etwas anderes als +blindlings unternommene Plünderungszüge, Raubbau schlimmster Art, +förmliche Seeräuberei, und erst neuerdings beginnt man sich eines +Besseren zu besinnen und die Sache planmäßiger zu gestalten. Das ist auch +dringend nötig. Wir müssen lernen, die flüssige, sich selbst befruchtende +Fläche ebenso rationell zu bewirtschaften, wie den Acker, wir müssen hier +wie dort pflügen, hegen und ernten lernen, müssen ebenso gute Wasser- wie +Landwirte werden, um die von dem schaffungsfrohen Meere in Form von +schmackhaften und leicht verdaulichen Fischen erzeugten +Proteinverbindungen und Kohlehydrate all den Millionen zugänglich zu +machen, denen anderes Fleisch nur sehr knapp zugemessen ist. Die rasch +erblühte Wissenschaft der Meeresbiologie weist uns ja den Weg, wie wir +die Billionen Lebenskeime, die die Natur in unverwüstlichem Übermut im +Meere fortwährend auswirft, aber mit demselben Übermute ebenso massenhaft +wieder verderben und verschlingen läßt, erhalten und zu einer +unerschöpflich reichen Nahrungsquelle umwandeln können. Freilich geht die +Zeugungskraft des Meeres über unsere kühnsten Vorstellungen hinaus, aber +schon die ungeheure Zahl von Eiern, die weibliche Heringe oder gar +Schellfische in ihrem Leibe bergen, ist Beweis dafür, daß eine so +außerordentliche Fülle des Lebens unmöglich sich voll entfalten kann, +denn sonst würde es sehr bald dem weiten Weltenmeere selbst an Raum +fehlen zur Unterbringung so zahlloser Geschöpfe. Wenn auch jeder +Augenblick das Leben im Meer millionenfach wieder erzeugt, so fällt es +zum weitaus größeren Teil doch ebenso schnell der unersättlichen Gier der +Meeresräuber zur Beute, sodaß nur ein geringer Bruchteil zur Entwicklung +gelangt und dem Menschen später zur Speise dienen kann. Daher sichert uns +auch die unerschöpflich erscheinende Fülle des Lebens im Meer nicht vor +einem Ende mit Schrecken. Die Menschen haben auch einst gedacht, daß die +Wälder nie alle werden und die Fruchtbarkeit der Erde nie abnehmen könne, +und sind doch auf recht bittere Weise eines anderen belehrt worden. Aber +trotz der gemachten herben Erfahrungen wüsten wir in der gleich tollen +und rücksichtslosen Weise auf die Schätze des Meeres los, nach dem alten, +leichtsinnigen Worte »Nach uns die Sintflut«. Erst in letzter Zeit machen +sich Anzeichen zur Besserung geltend, denn die Wissenschaft hat ja durch +Aufhellung der früher so rätselhaften Wanderzüge der Fische und die +Erforschung ihrer Ernährungsverhältnisse, insbesondere durch die +Planktonlehre, einen gangbaren Weg zur planmäßigen Bewirtschaftung des +Meeres gewiesen. Schlägt man diesen zielbewußt und unter Zuhilfenahme +aller technischen Behelfe der Neuzeit ein, so wird der Meeresacker auch +in Zukunft ohne wirklichen Dünger und eigentliche Aussaat goldene Ernten +bringen. + +Anstrengend und beschwerlich in hohem Maße wird die Seefischerei +freilich immer bleiben, und auch nicht ungefährlich, denn mit dem +trügerischen Gott der Wogen und Winde läßt sich ein festes Abkommen nun +einmal nicht treffen. Aber die Beschäftigung auf dem Wasser ist gesund, +stählt den Körper, schärft die Sinne, festigt den Charakter, erzeugt +Selbstvertrauen, Entschlossenheit und Geistesgegenwart. Deshalb bildet -- +und diesem Umstand kommt eine hohe politische Bedeutung zu -- die +Meeresfischerei zugleich die beste Pflanzschule für leistungsfähige +Kriegs- und Handelsflotten. Wer von Jugend auf den Umgang mit dem Meere +gewohnt, mit seinen Tücken vertraut, gegen seine Gefahren gewappnet ist, +der wird auch einen vollwertigen Matrosen abgeben. Nicht umsonst sprechen +die Engländer von ihrer »_Fishing-natured navy_« (der durch die Fischerei +genährten Seemacht). Ganze Männer erfordert die Fischerei jederzeit, ganz +besonders bei stürmischem Winterwetter, wenn die Taue mit Eis überzogen +sind, die Segel vor Frost knarren und ächzen und der Wind die prickelnden +Schneekristalle in die Augen bläst. Wie oft habe ich dann nicht unsere +Nehrungsfischer nach mehrtägigem Aufenthalt auf See halb erfroren +ankommen sehen, ohne daß sie auch nur einen Schwanz gefangen hätten. Aber +ein andermal warf ihnen die Laune des Meeresgottes in wenigen Stunden ein +kleines Vermögen in den Schoß. Fischerei ist eben Lotteriespiel. Freilich +ein solches mit hohen Gewinnen, aber auch mit dem Einsatz des Lebens. Von +so ausschlaggebender Bedeutung ist sie für alle Küstenvölker, daß sie +nicht selten sogar in die Geschichte ihrer Staaten entscheidend +eingegriffen hat. Holland z. B. verdankt die Grundlagen seiner ehemaligen +Seeherrschaft den Heringszügen. Die Geschichte der Fischerei ist so alt +fast wie das Menschengeschlecht selbst. Auch die Speisegesetze des Alten +Testaments beschäftigen sich bereits mit den Meeresfischen, und +unternehmende Händler aus Tyrus brachten eingesalzene oder getrocknete +Seefische nach dem Fischtor an der Nordostecke Jerusalems. Vortreffliche +Fischer und Fischkenner waren die Römer, und bei ihren üppigen +Tafelgenüssen spielten die Schuppenträger eine große Rolle. Antonius und +Kleopatra ergötzten sich an der Seefischerei, Trajan betrieb sie mit +Leidenschaft, Ausonius besang in schwunghaften Versen die +Schmackhaftigkeit der verschiedenen Fischarten, Lucullus ließ einen +kleinen Berg abtragen, um seine Fischteiche mit Meereswasser versehen zu +können, gewissenlose Schwelger mästeten ihre fetten Muränen mit dem +Fleisch ins Wasser gestürzter Sklaven, und das Scheusal Heliogabal ließ +die Fische lebend auf die Tafel bringen, um sich an ihren langsamen +Todesqualen zu ergötzen, und würzte dann ihr Fleisch mit Pulver aus +echten Perlen. + +Reizvoll, anregend und voll ungeahnter Abwechslung ist die Seefischerei, +in ungleich höherem Grade jedenfalls als die Binnenfischerei, wo ja in +weiten Kreisen namentlich der Angelsport als ein Ausbund von Langeweile +gilt, wenn er es auch in Wirklichkeit keineswegs ist. Versetzen wir uns +einmal im Geiste auf einen Fischdampfer! Schon beim ersten Morgengrauen +erdröhnt donnerndes Gepolter auf dem Deck. Die Vorbereitungen zum +Ausbringen des Netzes haben begonnen. Längs der Reeling liegen an Back- +und Steuerbord zwei riesige Baumstämme, an denen das Fang- und das +Reservenetz befestigt sind; an ihnen sind mächtige eiserne Bügel von über +Mannesgröße angebracht, dazu bestimmt, beim Schleifen über Grund den Baum +freizuhalten und seine Bewegungen zu erleichtern. Immer lebendiger wird +das Bild, die Mannschaft steht bereit, der Kapitän ist auf seinem Posten +am Ruder -- alles klar! Jetzt luvt er an, d. h. dreht das Schiff so, daß +der Wind von ihm wegstreicht, (ehe dies geschehen, darf kein Manöver +stattfinden, das Netz würde sonst in die Schraube geraten) -- kräftige +Fäuste packen das Netz und werfen es über Bord, allmählich treibt es auf +und seitwärts nach hinten, einige Mann erfassen den Bügel am Vorderende +des Baumes, und polternd schlägt das Ungetüm über die Reeling in die hoch +aufspritzende Flut, schnell abtreibend. In dem Augenblick, in dem der +Baum quer steht, wird auch das hintere Ende mit seinem Bügel über Bord +geworfen -- einige Schwingungen hin und wieder, dann liegt er wagerecht +-- die Stahltrosse wird ausgesteckt und saust rasselnd hinaus -- das +Schiff fällt ab und nimmt seinen alten Kurs wieder auf -- das Manöver ist +beendigt, und es beginnt nun der eigentliche Fischzug, während dessen der +Dampfer mit nur 2 Meilen Fahrt 6-8 Stunden lang vor seinem Netze durch +die See zieht. Dieses wird also von einem etwa 16 Meter langen und +sorgfältig für diesen Zweck ausgewählten Buchen- oder Eichenstamm +geschleppt. An ihm ist ein 4 Zoll starkes Grundtau befestigt, daran eine +sogenannte Bolzleine, und von dieser aus verlaufen fliegende, vierkantige +Maschen, an die sich dann die eigentlichen Netzmaschen ansetzen. Nur der +beste Manilahanf kommt dabei zur Verwendung, wird überdies noch mit +Karbolineum getränkt, hält aber trotzdem selten länger als ein halbes +Jahr aus. Das Netz hat eine Länge von etwa 75 Metern und ist nach Art der +Mausefallen gebaut. In die durch den Baum weit ausgereckte Öffnung +streichen die Fische hinein, bis in das Hinterende, den sogenannten Sack, +den eigentlichen Behälter, der vorn durch einen lose aufliegenden +Netzteil nach innen geschlossen wird, so daß die Fische wohl hinein, +nicht aber heraus können. Die ganze Vorrichtung wird an einer Stahltrosse +über den Grund geschleppt (Abb. 1). + +[Illustration: Abb. 1. Grundschleppnetz (durch Scherbretter +offengehalten). Nach einer Zeichnung von R. Oeffinger.] + +Stunde um Stunde verstreicht in langweiligem Gleichmaß, und mit +gespannter Erwartung sieht alles dem gegen Mittag stattfindenden Fischzug +entgegen. Nichts hört man, als das einförmig träge, schwerfällig +stampfende Getön der Maschine. Endlich naht die Entscheidung. Wieder +steht der Kapitän am Ruder -- ein Zeichen -- der Dampfer luvt an, und die +durch Dampf getriebene Winde beginnt ihr metallisch dröhnendes Getöse, +indem sie die Stahltrosse einhievt (einholt), die, fast bis zum Springen +gesteift, durch eine mit Kolben versehene Luke sich am Oberdeck +hereinzwängt. Jetzt wird der Baum sichtbar, wagerecht hinten und vorn +gehievt, dann eine »Taille« von mächtiger Stärke eingehakt, und nun heißt +es, ihn hoch holen, was bei einem solchen Koloß natürlich auch nur die +Dampfkraft zu schaffen vermag. Zunächst wird das Achterende vorgehievt, +dann kommt das Vorderende dran, und nun steigt wie ein triefendes +Seeungetüm Baum und Netz allmählich über Wasser, höher und höher, und +endlich donnert, übergeholt, der eiserne Bügel auf Deck. Im gleichen +Augenblick faßt die Mannschaft ins Netz. Weit nach hinten beugen sich die +Leute über und holen mit Anstrengung aller Kräfte ruckweise Stück für +Stück herauf. Rauher Gesang muß die saure Arbeit erleichtern, und ein +graubärtiger Mecklenburger mit wetterhartem Ledergesicht gibt dabei den +Takt an. Das Netz ist an Deck. Weit vorgebeugt stiert der Kapitän mit +langgestrecktem Halse ins Wasser, nicht weniger gespannt die gesamte +Mannschaft -- alle nach einer bestimmten Stelle. Plötzlich steigen an +dieser ganze Massen von Blasen perlend an die Oberfläche, und darunter +aus der Tiefe kommt es grünlich schimmernd höher und näher: es ist der +Sack, der auftreibt, aber er tut dies nur, wenn er reichen Fischsegen +birgt. Ein vergnügtes Schmunzeln wetterleuchtet über das zerknitterte +Gesicht des Kapitäns; er hat guten Grund dazu, denn sein Einkommen +besteht hauptsächlich in dem Gewinnanteil. Jetzt ist der Sack so hoch, +daß man den weißschimmernden Inhalt erblickt, festgekeilt in gewölbter +Masse, wobei aus den Maschen namentlich die schmalen Leiber der Seezungen +herausragen. Wieder beginnt das Dröhnen der Winde, unendlich langsam und +schwerfällig erhebt sich der pralle Sack triefend in die Lüfte, der +Dampfer neigt sich merklich nach Steuerbord über unter der Last, die +jetzt, hereingeschwungen, über dem Vorschiff schwebt. Vergeblich versucht +man, den schürzenden Knoten zu lösen, die strotzende Masse im Netz +bekneift ihn; erst als ein Mann aufs Tau springt und mit der ganzen +Körperlast wippend auf und niederschwingt, gibt es nach, und nun -- ein +dumpfer Schlag aufs Deck -- mit einem Ruck hat der Sack sich seines +Inhalts entledigt, und plötzlich ist der Raum von einer weiß +schimmernden, glitzernden Masse übergossen, die einen Augenblick, als +schöpfe sie Atem nach der furchtbaren Pressung im gestrafften Netz, in +Ruhe verharrt und dann zappelnd, springend, schlagend und glitschend, +wirr durch- und übereinander drängend ein so verblüffendes Bild des +Lebens oder eigentlich des Sterbens darbietet, daß es jeder Beschreibung +spottet. + +Die Hauptmasse bildet der Schellfisch, der mit seinem weißen Leibe +gewissermaßen den Untergrund des ganzen Bildes malt, und der gefräßige +Kabeljau mit dem gierig glotzenden Auge und dem weit geöffneten Rachen. +Daneben windet sich ein Steinbutt mit flachen Rändern, kurzem Schwänzchen +und einem Kopf, der aussieht, als hätte der Schöpfer sich verzeichnet. +Und was ist das hier? Ein Steinbutt nicht, aber ein ähnliches Getier mit +starken Stacheln auf dem breiten, buntscheckig getigerten Rücken und +einem ebenso fleckigen Stachelschwanze -- ein Rochen oder, wie der +Fischer ihn nennt, ein »Franzose.« »Rrrruck, rrrruck« sagt es plötzlich +neben uns -- das sind Knurrhähne. Dazwischen schimmert rot und goldfarben +das Petermännchen -- »mecklenburgischer Ritter« heißt es in der +Fischersprache, wohl kaum seiner hohen Denkerstirn, sondern eher der +harten, scharfkantigen Rückenflosse wegen. Weiterhin zarte Seezungen mit +schmächtigen Leibern und graue Schollen, Proletarier im Aussehen, aber +nicht im Geschmack. Hallo -- ein Hai? Wahrhaftig -- die dreieckige +Rückenflosse, der weiße Bauch, der zurückspringende Unterkiefer -- alles +stimmt. In Sprüngen schiebt sich der meterlange Bursche über die anderen +Fische hin. Immer neue Formen unterscheidet man in der wirren Masse, die +wie mit einer Art Füllsel durchsetzt ist von schlammüberzogenen Muscheln +und sonderbar traubenartig gestalteten Lebewesen eklen Aussehens, +»Seehenne« benannt. Da schnellt es auf, ein großer, schlanker und +schöner, man könnte sagen, eleganter Fisch von gut Meterlänge mit +fadenförmigem Auswuchs am Unterkiefer -- der Lengfisch. Daneben ein +Seehecht mit dem gefährlichen Gebiß, dem man besser im Bogen aus dem Wege +geht. Wer zählt und nennt sie alle, edle und unedle, seltene und gemeine, +Korksohlen, Schaben, Rotzungen, Makrelen und andere mehr? Dazwischen und +darüber krabbelt und kriecht es -- Seespinnen mit gespenstigem Kopf und +langen Beinen, Krebse von teilweise riesigen Ausmaßen, auf deren +gepanzertem Rücken sich eine ganze Welt von Schmarotzern häuslich +eingerichtet hat. Ein mächtiger Hummer öffnet die gewaltigen Scheren zum +Angriff -- mitten aus dem glänzenden Weiß der Fischleiber hebt er sich +funkelnd schwarz ab, und sein Panzer erinnert in der Wirkung überraschend +an den eines japanischen Ritters. Einer der Matrosen befreit plötzlich +mit erschrockenem Ruck seine Stiefel aus einer Umklammerung und fällt +dabei ausglitschend mitten unter die Fische. »Ein Kater -- ein Kater!« +Richtig -- ein Katfisch war gefangen und hatte den Stiefel eines Mannes +erwischt, jedoch nur ein kleines Ende, sonst wäre der Matrose nicht so +leicht losgekommen. Ein grauliches, halb mannslanges Tier mit dem +Ausdruck gemeinster tierischer Roheit in dem riesigen Kopfe. Ihm +entspricht auch alles übrige -- der Körper hat keine eigentlichen +Schuppen, sondern eine faltige, schlammgraue Haut, der Rücken keine +eigentliche Flosse, sondern mehr eine schlammgraue, handbreite Mähne. Das +Maul aber ist mit richtigen, stumpfen Menschenzähnen besetzt, Zunge und +Gaumen bilden eine harte Hornmasse. Was zwischen diese Zähne gerät, wird +rettungslos zermalmt. Ein Mann steckt dem Katfisch einen Besenstiel ins +Maul, in den er sich sofort derart verbeißt, daß er daran aufs Achterdeck +geschleift werden kann. Auch das Fleisch dieses Untiers wird verkauft, +aber in Kotelettenform und der Kopf vorher abgeschnitten, da es der +Käufer sonst wohl mit dem Gruseln bekommen würde. Aus der gegerbten Haut +werden in Norwegen Stiefel gemacht. Noch ein anderer merkwürdiger +Schlingel ist da -- ein Seehase, jenes sonderbare, kugelig-stachelige +Wesen mit den wulstigen Menschenlippen, das man als Dämon der +Seekrankheit bezeichnen könnte, denn von Zeit zu Zeit speit er den +wässerigen Inhalt seines Bauches mit dem ganzen Jammerausdruck eines von +Poseidon geplagten Menschenkindes aus. + +Die Mannschaft beschäftigt sich zunächst mit dem Auslesen der Fische in +eine große Anzahl weidengeflochtener Körbe, deren jeder 50-60 kg faßt. +Hand in Hand damit geht auch das Abtöten und Ausweiden. Kreischende +Geschwader von Möwen und Seeschwalben sowie ganze Züge von +»Meerschweinen« (Delphinen) folgen dem leckeren Fraß versprechenden +Schiffe und gieren nach den ins Wasser geworfenen Eingeweiden. Dann +treten Männer mit Schlauch und Besen an, reinigen zunächst durch einen +starken Wasserstrahl den Inhalt der Körbe und säubern dann das Deck, +nachdem andere alle minderwertigen oder abgestandenen Fische, Muscheln +und dgl. über Bord geschaufelt haben. So hält man heute durch strenge +Reinlichkeit die widerwärtigen Ausdünstungen der Fischrückstände von den +Dampfern fern, die früher für Menschen mit empfindsamen Geruchsorganen +den Aufenthalt auf ihnen zur Qual machten. Schließlich wird der ganze +Fang unter Bord verstaut, und mit vergnügtem Gesicht trägt der Kapitän +die Anzahl der Körbe in sein Tagebuch ein. + +Nicht immer aber liefert der Fischzug eine so mannigfache Beute, nicht +immer einen so reichen Ertrag. Gar nicht selten hängt der aufgezogene +Netzbeutel schlaff und fast leer herab, oder sein Inhalt erweist sich als +ein ärmlich-schrumpeliges Päckchen minderwertiger Fische. Das ist immer +noch besser, als wenn das Netz zwischen die Trümmer eines Wracks gerät, +wie es in der stark befahrenen Nordsee oft genug der Fall ist. Dann +enthält es nur in Tang und Schlick gehülltes Trümmerwerk aller Art mit +unkenntlichen, schlammigen Anhängseln, ist überdies meist zerrissen und +macht langwierige und kostspielige Flickarbeit notwendig. So schraubt +sich Tag für Tag ab in regelmäßigem Einerlei von Fischzug zu Fischzug. +Man hört währenddem nur von Fischen, sieht nur Fische, ißt nur Fische, +und so vermag man schließlich auch kaum noch etwas anderes zu denken als +Fische. Jedermann begrüßt es deshalb als Erlösung und willkommene +Abwechslung, wenn endlich alle Körbe gefüllt sind und der Kiel heimwärts +gerichtet wird. Mit wehender Reederflagge holt der Fischdampfer durch die +Schleusen und vertaut sich im alten Hafen von Bremerhaven, diesem +Brennpunkte des deutschen Fischhandels. Hier beginnt sofort das Löschen. +In den Fischschuppen ertönt das Getöse der Eismaschine, die die großen +Blöcke zu Grus zermalmt. Gebückte Gestalten schichten in strohbelegte +Körbe Fische und Eis, Fische und Eis, immerfort, mit erstaunlicher +Schnelligkeit (Abb. 2). Draußen rollen schon die Eisenbahnwagen herbei, +um das seefrische Meeresfleisch als Eilgut ins Binnenland zu tragen. Wenn +es dort am nächsten Morgen auf dem Wochenmarkte angeboten wird, sind die +Fischer längst wieder auf hoher See und werfen ihre Netze aus. + +[Illustration: Abb. 2. Korb zur Versendung von Seefischen. (Aus dem +Flugblatt des Deutschen Seefischerei-Vereins.)] + +Seit Jahrhunderten ist der =Hering= (_Clúpea haréngus_) derjenige Fisch, +dem seines massenhaften Auftretens, seiner Schmackhaftigkeit und seines +hohen Nährwerts wegen von den Küstenbewohnern des nördlichen Europa am +meisten nachgestellt wird; kein zweiter hat für die Ernährung breiter +Volksschichten eine auch nur ähnliche Bedeutung erlangt wie er. Er ist +der Fisch des Armen, ein Fleisch für alle, eine unentbehrliche Zukost für +weite Kreise, ein wahrer Segen für unsere Küstenbevölkerung. Aber er +bildet nicht nur, halb vertrocknet und mit einer Salzkruste überzogen, im +Verein mit Pellkartoffeln oder Roggenbrot des armen Mannes ärmlichste +Mahlzeit, sondern prangt auch frisch und fetttriefend auf üppiger Tafel +und hat sich überdies auch noch das unerschütterliche Zutrauen aller +feuchtfröhlichen Zecher erworben, die sich auf seinen Beistand verlassen, +wenn sie dem Bacchus oder Gambrinus zu erliegen drohen. Geradezu +kulturgeschichtliche Bedeutung kommt diesem unscheinbaren Fische zu. +Selbst in der Kriegsgeschichte hat er mehr als einmal eine Rolle +gespielt. So 1428, unmittelbar vor dem Auftreten der Jungfrau von +Orleans, als die Engländer von den Franzosen hart bedrängt und +ausgehungert wurden. Da erschien zu guter Stunde Sir John Falstaff mit +Hilfstruppen und einer ungeheuren Ladung Heringe, durch die die +Ermatteten wieder zu Kräften kamen und so den stürmenden Gegner vorerst +erfolgreich zurückschlugen. Das war die berühmte »Heringsschlacht« bei +Rouvray, auf der alten Walstatt zwischen Tours und Poitiers. Niemals aber +hätte der Hering (der Name soll mit seinem »heerweisen« Erscheinen +zusammenhängen, während ihn andere mit der altholländischen Handelsmarke +des Rings [_hring_] in Verbindung bringen) eine so bedeutsame Stelle in +der Rangordnung menschlicher Speisen errungen, wenn nicht zu seiner +Wohlfeilheit noch seine ungewöhnlich mannigfaltige Zubereitungs- und +Aufbewahrungsweise hinzugekommen wäre. Namentlich durch das Einsalzen +wurde der Fisch auch für den Binnenländer erst recht nutzbar und damit zu +einem wichtigen Handelsartikel für die ganze Welt, während früher sein +Verbrauch auf kleine Küstenstriche beschränkt war. Ein schlichter +holländischer Fischer, Willem Benkels oder Bökels (daher die Ausdrücke +»einpökeln« und »Böklinge« = »Bücklinge«) soll in der 2. Hälfte des 14. +Jahrhunderts diese wichtige Entdeckung gemacht und damit den Grundstein +für den Reichtum und die Handelsmacht seines Vaterlandes gelegt haben. +Die Chroniken berichten, daß selbst der weltgebietende Kaiser Karl V., +der im Gegensatze zu den heutigen Spaniern leidenschaftlich gern +gesalzene Heringe aß und auch recht wohl wußte, daß »Amsterdam aus +Heringsgräten gebaut« sei, 1536 von Brüssel aus in Begleitung seiner +beiden Schwestern, der Königinnen von Ungarn und Frankreich eigens nach +dem ärmlichen Fischerdörfchen Bieroliet (welch passender Name!) reiste, +um das Grab des verdienten Mannes aus dem Volke durch seinen Besuch zu +ehren. Nach anderen Quellen soll freilich schon der fromme Bischof Otto +von Bamberg, der Bekehrer Pommerns ([gestorben] 1139) das Einsalzen der +Heringe gekannt haben. + +Über die Naturgeschichte des Herings, der eines der friedfertigsten +Geschöpfe ist und sich durch den ungemein zarten Bau seiner Kiemen +auszeichnet, weshalb er nur schwer lebend zu versenden und kaum in +Gefangenschaft zu halten ist, sind wir noch keineswegs so gut +unterrichtet, wie es die ungeheure wirtschaftliche Bedeutung dieses +Fisches wünschenswert machte; späteren Forschungen winkt hier noch ein +weites und lohnendes Arbeitsfeld. Noch immer wissen wir nicht, worauf +eigentlich das plötzliche Ausbleiben der großen Heringsschwärme aus +Gegenden, wo sie Jahrhunderte lang zu Milliarden erschienen, +zurückzuführen ist, wir können nur annehmen, daß allzu schonungsloser +Fang oder uns unbekannte ozeanographische Veränderungen die wirksamen +Faktoren dabei sind. Nur das steht fest, daß Perioden reichen und +spärlichen Fangs mit einer gewissen Regelmäßigkeit in bestimmten +Zeiträumen für die einzelnen Länder abwechseln. Während im verflossenen +Jahrhundert Schotten und Norweger die Meistbegünstigten waren und sich an +den deutschen Küsten nur ein wenig lohnender Fang ermöglichen ließ, ja +die Ostsee nahezu ausgefischt erschien, will es scheinen, daß das neue +Jahrhundert uns wieder einen stark vermehrten Heringssegen bescheren +wird. So brachten schon die Jahre 1907 und 1909 ungeheure Heringsschwärme +an unsere Küsten, und der reiche Fang war der hart geprüften +Fischereibevölkerung wohl zu gönnen. Einzelne Fischerdörfer an der Kieler +Föhrde erzielten in einer einzigen Nacht Fänge von 8 Millionen Stück und +mehr. Es war kaum möglich, die Netze ordnungsgemäß einzuziehen, denn +Rücken an Rücken gedrängt erfüllten die Fische in dichten Mengen die +Flut. Der Preis für Räucherware, die beliebten Bücklinge, ging aber +trotzdem nicht wesentlich herunter, da der Ring der Räucherer dafür +sorgte, daß der Meeressegen dem Volke keine billige Nahrung bringen +konnte. Dagegen wurde auf dem Lübecker Markt der Eimer frischer Heringe +(150-200 Stück) mit zwanzig Pfennigen verkauft, ein Preis, der stark an +die fast sagenhaft gewordenen Zeiten fabelhaften Fischreichtums unserer +Meere erinnerte. Mit Vorliebe benutzen die Heringe neuerdings den +Nordostseekanal selbst zum Laichen, bekamen hier aber zunächst infolge +der starken Verunreinigung des Wassers einen widerlichen Karbolgeschmack, +der jedoch verschwunden ist, seit man in richtiger Erkenntnis der +Sachlage für eine möglichste Klärung und Unschädlichmachung der +zahlreichen Abwässer Sorge getragen hat. Früher glaubte man, daß der +Hering seinen eigentlichen Wohnsitz in den nördlichen Eismeeren habe und +von da aus lediglich des Laichgeschäftes halber die südlicheren +Meeresteile besuche. Diese Annahme hat sich jedoch als unhaltbar +herausgestellt, es scheint vielmehr sicher zu sein, daß der Hering +räumlich nur beschränkte Wanderungen vollführt, die mehr in einem +Aufsteigen aus tieferen Schichten in flachere Meeresteile bestehen. So +sollen große Heringsvölker ständig in den tiefen Teilen des Atlantik +unmittelbar vor der Westküste Irlands und Schottlands wohnen, während die +flache Ostsee von unserem Fisch wohl überhaupt nur zur Laichzeit +aufgesucht wird. Diese ist nicht streng an eine bestimmte Jahreszeit +gebunden, da alte und junge Heringe zu verschiedener Zeit zu laichen +scheinen. Auch noch nicht fortpflanzungsfähige Heringe wandern schon und +sind den Fischern als Jungfern- oder Matjesheringe bekannt; sie haben +zartes Fleisch, sind aber wenig haltbar. + +Das geübte Auge der Fischer und der Fachgelehrten unterscheidet eine +ganze Reihe von Lokalrassen, die ihre bestimmten Wanderstraßen einhalten, +die sicherlich auch ihre bestimmten Wohnplätze haben und sich nicht +leicht mit anderen Rassen vermischen. Simroth sucht ihre Entstehung in +geistvoller Weise durch seine Pendulationstheorie zu begründen. Nach +seiner Auffassung entstammt der Hering ursprünglich dem Süßwasser. Dies +geht auch daraus hervor, daß die Charaktermerkmale der einzelnen Rassen +sich umso mehr verwischen, je weiter sie in die ja sehr salzarme Ostsee +vordringen. Ganz im Sinne des Darwinismus unterscheiden sich die +Heringsrassen in der nur graduell verschiedenen Weise, wie die einzelnen +Arten der Clupeiden, und man kann von der Entstehung der Varietäten auf +die der Gruppen höherer Ordnung schließen. Deren Scheidung hat sich +wahrscheinlich unter dem 42. Breitengrade vollzogen, also an der heutigen +Südgrenze der Arten, wo die Geoidform der Erde am meisten von der Kugel +abweicht, demnach die Beeinflussung der Organismen am stärksten sein muß. +Von hier ist zuerst die Sardine, später die Sprotte ins offene +Meer mit seinen gleichmäßigeren Temperatur- und reichlicheren +Ernährungsverhältnissen abgewandert, während der Hering am längsten die +Mitte zwischen Süßwasser- und Seefisch innehielt. Den genannten Arten am +ähnlichsten ist übrigens der kleine Hering des Weißen Meeres, also die +nördlichste Rasse. Die Herbstheringe sollen tiefer in die brackigen +Buchten eindringen als die Frühjahrsheringe. Von der überwältigenden +Massenhaftigkeit der einen wahren Himmelssegen für viele Küstenländer +bildenden Heringsschwärme vermag sich derjenige, der dieses großartige +Schauspiel nicht mit eigenen Augen geschaut hat, kaum einen richtigen +Begriff zu machen. So dicht schwimmen die sich von verhältnismäßig +kleinen Meeresorganismen nährenden Fische zusammen, daß ein dazwischen +gestecktes langes Ruder aufrecht stehen bleibt, daß ein in diese +fortpflanzungshungrige Massenprozession geratenes Boot emporgehoben wird +und in Gefahr gerät, daß die »Milch« der Männchen weithin das Wasser +trübt. Die Weibchen kleben ihre Eier entweder an Tang oder sie lassen sie +einfach frei in die See fallen. Mit atemloser Spannung folgt man am +Strande, wo außer Tausenden von Fischern auch ungezählte Salzhändler, +Faßdaubenverkäufer, Mädchen, Gaukler, landstreichende Prediger und +Seelenerwecker versammelt sind, der Bewegung der Heringszüge. »Wenn die +wirkliche Fischzeit beginnt«, schildert Bertram, »bemächtigt sich eine +Art Wahnsinn aller Versammelten: alles arbeitet, alles spricht, alles +denkt nur vom Heringe.... Junge Herzen beten für den Erfolg der Boote +ihrer Geliebten, weil dieser Erfolg ihnen des Herzens größtes Sehnen, den +Ehering und die Haube bringen soll; aus des Sulzers Augen leuchten +gehobene Stimmung und große Hoffnung hervor; die Besitzer noch +unbenutzter Boote scheinen glücklich zu sein; kleine Kinder selbst nehmen +an der Erregung vollen Anteil, auch sie sprechen von nichts als vom +Heringe. Es wird verglichen und getüftelt, geweissagt und gewettet, +geflucht und gebetet, gezweifelt und gehofft.« In Norwegen spannt man +ganze Buchten, nachdem die Heringe ihren Einzug gehalten haben, mit +riesigen Netzwänden ab und fischt dann die Meeresernte allmählich heraus. +Dann kann es vorkommen, daß 100 Yachten und mehr mit je 100 Tonnen +gefangener Heringe befrachtet werden. Oft ist der Segen so groß, daß auch +die vielen Tausende fleißiger Hände ihn nicht in 2 bis 3 Wochen zu +bewältigen vermögen, so daß ein großer Teil der eingeschlossenen Fische +abstirbt und nun weithin Wasser und Luft verpestet, worauf die Heringe +einen solchen Platz jahrelang meiden sollen. + +[Illustration: Abb. 3. Der Räucherofen in der Räucherei von H. A. Krantz +in Kiel.] + +Obwohl oft auch Millionen Heringe lediglich zum Düngen der Felder +verwendet werden müssen, ist die unter Umständen so ergiebige +Heringsfischerei doch als eine Art Glücksspiel zu bezeichnen, denn es ist +nicht selten, daß die Kutter in stürmischen Zeiten ohne einen einzigen +Fisch zurückkehren müssen und vielleicht gar noch ihre wertvollen Netze +verloren haben. Bei uns fischt man zumeist mit Netzfleethen, deren jeder +Logger zwei führt und damit unter günstigen Umständen in einer Nacht +70-80000 Heringe zu fangen vermag. Während der Nachmittage erfolgt das +umständliche Auslegen der Netze, nur des Nachts fangen sich die Heringe, +und am Morgen werden dann die Netze geleert. Ein besonders schnell +segelndes Fahrzeug, »Jager« genannt, übernimmt die bereits an Bord +zurechtgemachte Ausbeute der Logger und bringt sie gleich an Land. Kann +sich auch die deutsche Heringsfischerei nach Umfang und Ausdehnung noch +nicht mit der ausländischen messen, so zeichnet sie sich doch vorteilhaft +durch die in ihren Betrieben herrschende Reinlichkeit und durch die +sorgfältige Behandlung und Zubereitung der gefangenen Fische aus, deren +Güte dadurch ganz wesentlich gewinnt. Unter Vollheringen versteht man die +im Gegensatz zu den Matjesheringen geschlechtlich voll entwickelten, +großen und fetten Fische, unter Ihlenhering die nach dem Ablaichen +gefangenen, unter Wrackhering die Ware geringerer Güte, unter Bückling +den geräucherten Hering. In England, dem Lande der Rücksichtslosigkeit, +verwendet man leider zum Heringsfang vielfach zu engmaschige Netze, in +denen sich auch die wertlosen Jungheringe zwecklos mitfangen, wodurch der +Fischerei schwerer Schaden erwächst und die Meere von diesen nützlichen +Fischen entvölkert zu werden drohen. Das englische Parlament plant +deshalb jetzt strenge Maßregeln gegen eine derartig gemeingefährliche +Raubfischerei. + +[Illustration: Abb. 4. Das Aufziehen der Sprotten auf die Spillen in der +Räucherei von H. A. Krantz in Kiel.] + +Zarter im Fleisch und feiner im Geschmack als der Hering ist die +kleinere Sprotte (_Clúpea spráttus_), die in ihrer Lebensweise ganz dem +großen Vetter gleicht. Auch sie wird namentlich in der Kieler Föhrde +massenhaft gefangen (die Eckernförder Fischer erbeuten allein +durchschnittlich 16 Millionen im Jahr) und geräuchert als »Kieler +Sprotte« in den Handel gebracht. In Norwegen dagegen salzt man denselben +Fisch ein, und er erfreut sich dann als Anchovis eines guten Rufes. Auch +die Sprottenfischerei hat an den guten Heringsfängen der letzten Jahre +ihren vollgewichtigen Anteil gehabt, und es liegen darüber ganz +begeisterte Berichte von der Ostseeküste vor. In der Kieler Föhrde +konnten beim Erscheinen der riesigen Herings- und Sprottenschwärme die +Fischer ihre Boote fast allnächtlich bis zum Rande füllen, oft die +übermäßig schweren Netze gar nicht ziehen, die Bahn vermochte kaum den +Transport zu bewältigen und mußte vor die besonders eingestellten +»Fischzüge« noch Vorspannlokomotiven legen, die Kiste Heringe mit 600 +Stück erzielte im Großhandel nur 50 Pfennig, trotzdem mußten die Fische +noch waggonweise als Dünger fortgefahren werden. Solche Tatsachen geben +einen Begriff von dem unerschöpflichen Reichtum, von der wunderbaren +Fruchtbarkeit des Meeres. Hauptsitz unserer Sprottenräucherei ist das +unweit Kiel auf der anderen Seite der Bucht gelegene Dorf Ellerbeck. Von +einem eigentlich fabriksmäßigen Betrieb ist aber auch hier kaum die Rede, +denn die meisten Räuchereien haben trotz ihrer großen Leistungsfähigkeit +nur recht bescheidenen Umfang. Auch geht das ganze Verfahren unglaublich +rasch vor sich, zumal in den Betrieben eine weitgehende und praktische +Arbeitsteilung herrscht. Das Sprichwort »Frische Fische -- gute Fische« +gilt hier mehr als je, und es ist ein gewaltiger Unterschied zwischen den +gold- und fettglänzenden Fischchen, die noch tags zuvor munter im Meere +herumschwammen, und den verschrumpelten, eingetrockneten Sprotten, die in +den bekannten flachen Holzkistchen in den Schaufenstern der +Delikatessenhändler unserer Kleinstädte prangen. Oft genug sind es trotz +ihrer unzweifelhaften Kieler Herkunft auch gar keine echten Sprotten, +sondern andere kleine Meeresfische. Man kann sich leicht genug darüber +vergewissern. Streicht man nämlich den Fischen mit dem Finger auf der +Unterseite des Bauches vom Schwanz nach dem Kopf entlang, so muß es sich +rauh anfühlen, weil dort kleine Stacheln vorhanden sind. Trifft das nicht +zu, so sind es auch keine echten Sprotten. Die frisch gefangenen +Fischchen werden zunächst für eine Stunde in Salzlake gelegt und dann in +wassergefüllten Kübeln oder gemauerten Bassins durch Bearbeitung mit +Reisbesen entschuppt und gewaschen. Dann kommt das »Aufspillen«, indem +man die Sprotten auf stricknadelstarke Eisenstäbe reiht, und zwar so, daß +der Stab durchs Kiemenloch eingeführt wird und aus dem Maule wieder +hervortritt. Die mit Fischen behängten Stäbe kommen in rechteckige, +hölzerne, blechbeschlagene, je 2400 Stück fassende Rahmen und diese auf +die Räucheröfen, zunächst unten hin, nach einigen Stunden an die oberste +Stelle. Innerhalb 10 Stunden können 2 der kaminartigen Öfen über 10000 +Sprotten räuchern. Die gleichmäßige Unterhaltung des Feuers ist wichtig +für die Erzielung hervorragend guter Ware. Man verwendet mit Vorliebe +Erlenholz, schüttet auch ab und zu Lohe auf oder begießt mit Wasser, um +eine recht kräftige Rauchentwicklung hervorzurufen; über die Rahmen und +Öfen gespannte Vorhänge und Leintücher sorgen dafür, daß der Rauch den +Fischen auch in vollem Maße zugute kommt. Nach Beendigung des Räucherns +werden diese für eine halbe Stunde abgekühlt, dann von den Drähten +abgestrichen und können nun sofort zum Versand verpackt werden. Den +entsprechenden Betrieb in einer größeren, mehr fabrikmäßig eingerichteten +Kieler Räucherei veranschaulichen unsere Abbildungen 3 und 4. + +Was die Sprotte für unsere deutschen Meere bedeutet, das ist die +=Sardine= (_Clúpea pilchárdus_) für die Gestade des Atlantik und des +Mittelmeers. Ja sie ist in volkswirtschaftlicher Beziehung noch +wichtiger, denn das Wohl und Wehe weiter Länderstrecken hängt von dem +Erscheinen dieses kleinen Fisches ab. Und das pflegt durchaus kein +regelmäßiges zu sein, obschon man sich über die Gründe des gelegentlichen +Ausbleibens bisher noch nicht recht klar zu werden vermochte, wie wir +überhaupt über die Naturgeschichte der Sardine und insbesondere über den +Verlauf ihrer Massenwanderungen noch weniger gut unterrichtet sind, als +beim Hering. Es fehlte bisher auch der Zwang der Not zu solchen Studien, +denn da die großenteils noch unbekannten Laichplätze des Fisches so +ziemlich unbehelligt bleiben, ist auch von einer Abnahme der +Riesenschwärme einstweilen nichts zu spüren. So beschränkt sich unsere +Kenntnis des Fisches -- abgesehen von seinem Verhalten auf der Wanderung +-- fast nur darauf, daß er von noch zarterem Leibesbau ist als der Hering +und deshalb von höchster Empfindlichkeit gegen Unbilden jeder Art, daß +ihn dies aber nicht hindert an der Entwicklung einer großartigen +Gefräßigkeit, die allerdings in der Hauptsache nur winzigen Krebstierchen +gilt. Junge Sardinen scheinen ihrem grün gefärbten Darm- und Mageninhalte +nach vielfach auch pflanzliche Stoffe zu sich zu nehmen; ferner Urtiere, +kleine Ringelwürmer und gewisse, frei im Wasser schwimmende Wurmeier. Der +Name soll damit zusammenhängen, daß früher an der Küste Sardiniens der +ergiebigste Sardinenfang betrieben wurde, während heute entschieden die +malerische Küste der Bretagne als der Hauptsitz dieser Fischerei +bezeichnet werden muß. 8200 Boote und 32000 Fischer stehen dort ständig +in ihren Diensten, und allein in dem Hafenplatze Concarneau verarbeiten +60 Konservenfabriken alljährlich 1 Million Zentner Sardinen. Aber das ist +noch lange nicht der ganze Fang. Es kommt vor, daß mit einem einzigen +Zuge dem Meere Millionen der glitzernden Fischlein entrissen werden, doch +es ist auch nichts Seltenes, daß die Boote vollkommen leer zurückkehren, +was dann die düsterste Stimmung unter der Bevölkerung auslöst. So +vermochten 1905 von 600 Sardinenbooten aus Douarnenez nur 50 einigermaßen +Ladung zu erzielen. Auch überreiche Fänge sind den Fischern keineswegs +erwünscht, denn das volkswirtschaftliche Gesetz von Angebot und Nachfrage +trifft sie besonders hart, und die Preise sinken dann plötzlich derart +(bis auf 2-1/2 Franken für das Tausend), daß sich das Hinausfahren und +das Ausstreuen des kostspieligen Köders kaum noch verlohnt. Lustig genug +sieht es ja aus, wenn die Boote mit den himmelblauen Netzen am Mast und +mit geschwellten rabenschwarzen Segeln zum schmalen Hafenausgange +hinaustreiben, während das Meer blausilbern schimmert, dabei rötlichgelbe +und violette Tinten aufweist und weiße Spitzenhäubchen die kurzen, +prallen Wogen krönen. Aber die Kehrseite der Medaille ist doch vielfach +ein großes soziales Elend. Nur freiwillige Beschränkung der Fischerei und +gesetzliche Festlegung eines Mindestpreises vermöchten dem Übel zu +steuern. Die Sardine gilt als ein sehr scheuer Fisch, und ihr Fang +erfordert deshalb große Vorsichtsmaßregeln. Daher auch die himmelblauen +Netze, die für den Strand der Bretagne ebenso kennzeichnend sind, wie die +roten Jakobinermützen der Fischer für den Golf von Neapel. Und da der +Fang vielfach bei Nacht betrieben wird, verwendet man die schwarzen +Segel, die den bretonischen Küsten ein so eigenes Gepräge geben. Am Tage +machen sich die Sardinenschwärme oft schon von weitem bemerklich, da die +Fischlein bei Sonnenschein, dicht aneinander gepreßt, gern zur Oberfläche +emporsteigen, plätschern und springen und so die öde Wasserwüste in ein +leuchtendes, blitzendes Silberfeld verwandeln. Der an Land gebrachte Fang +wandert korbweise in die Fabriken, wo den Fischen zunächst der Kopf +abgeschnitten und die Eingeweide ausgenommen werden. Dann werden sie eine +Stunde lang in warmer Luft (am besten im Freien) getrocknet und für +einige Minuten in siedendes Öl getan. Frauen und Mädchen in schwarzen +Kleidern, mit großen Schürzen und zierlichen, weißen Häubchen sitzen an +langen Tafeln und legen die Fischlein mit peinlichster Sorgfalt in +Büchsen, worauf noch Öl mit verschiedenen Würzen und Zutaten (z. B. +Tomaten) je nach dem Geschmack der Kundschaft, der in den einzelnen +Ländern verschieden ist, nachgefüllt wird. Das schwierige Verlöten der +Blechbüchsen dagegen ist Männerarbeit, denn es gehört eine sichere Hand +und große Übung dazu, völligen Luftabschluß zu erzielen. Die verlöteten +Büchsen werden nochmals in kochendes Wasser getan, dann etikettiert, und +nunmehr sind die weltbekannten Blechdosen mit ihrem wohlschmeckenden +Inhalt versandfertig. Was in der Bretagne gefangen wird, sind fast +ausschließlich junge, noch nicht laichfähige Sommer- und Herbstsardinen. +Die ausgewachsenen und fortpflanzungsfähigen Sardinen sind bedeutend +größer, fetter und schwerer, haben aber ein viel gröberes Fleisch und +werden als »Pilchards« hauptsächlich an den britischen Küsten gefischt. +In den amerikanischen Gewässern wird die Sardine durch _Clúpea menháden_ +vertreten. Dieser Fisch ist noch feiner und zarter im Geschmack, aber +dabei so grätenreich, daß der findige Yankeegeist erst eine besondere +Entgrätungsmaschine für ihn austüfteln mußte, damit er als +aussichtsreicher Mitbewerber auf dem Weltmarkte auftreten konnte. + +[Illustration: Abb. 5. Dorsch (_Gadus morrhua_). +(Phot. von Oberl. W. Köhler, Tegel.)] + +Als letzter und zugleich kleinster Vertreter der individuenreichen +Heringsfamilie sei endlich noch die =Sardelle= (_Engraúlis +encrasichólus_) genannt. Auch dieses zarte Fischlein wohnt westlich und +südlich von uns, ist im Mittelländischen Meere besonders häufig, dringt +aber in manchen Jahren scharenweise auch in die Nordsee und gelegentlich +selbst in die Ostsee ein. In stark gesalzenem Zustande hat es als +Anchovis Weltberühmtheit erlangt. Die Fischerfrauen am Mittelmeer haben +im Einmachen dieser kleinen Geschöpfe eine fabelhafte Geschicklichkeit +erworben, indem sie ihnen mit ihrem zu diesem Zwecke sorgsam gepflegten +Daumennagel den Kopf abkneifen und gleichzeitig die Eingeweide fassen und +herausziehen. + +Die vielen Fischen in so ausgesprochenem Maße eigene Farbanpassung an +Untergrund und Umgebung, die bei längerem Aufenthalt an den gleichen +Örtlichkeiten zu scheinbar ständigen Farbenvarietäten zu führen vermag, +ist in wissenschaftlicher Hinsicht sehr geeignet, den zoologischen +Systematiker bei der Aufstellung der neuerdings so beliebt gewordenen +Unterarten in hohem Maße zur Vorsicht zu mahnen. So sind die =Dorsche= +(_Gádus morrhúa_) in der Umgebung Helgolands in Anpassung an das dortige +rote Klippengestein von ausgesprochen rötlicher Färbung, sodaß man sie +wohl für eine eigene Unterform halten könnte, wenn sie nicht bei +Übertragung an andere Wohnorte alsbald auch eine andere, den neuen +Verhältnissen entsprechende Färbung annehmen würden. Während der =Dorsch= +(Abb. 5) oder =Kabeljau= (von unseren Ostseefischern Pomuchel genannt) +eine Länge von 1-1/2 kg und ein Gewicht von 40 kg (das Stockholmer Museum +besitzt sogar ein aus der Ostsee stammendes Riesenexemplar von 185 kg +Gewicht) erreicht, bleibt der allbekannte, ihm sehr nahe stehende, +silbergraue, mit kennzeichnendem schwarzem Schulterfleck gezierte +=Schellfisch= (_Gádus aeglefÃnus_) stets wesentlich kleiner. Mit diesen +beiden Formen, die nebst ihren zahlreichen Verwandten zu den Kehlflossern +gehören und durch schnittigen Körperbau und einen eigenartigen Bartfaden +an der Spitze der Unterkinnlade ausgezeichnet sind, lernen wir Fische +kennen, die wegen ihrer ungeheuren Vermehrungsfähigkeit (jeder Rogner +soll nach den Zählungen fleißiger Forscher 4, selbst 9 Millionen Eier im +Leibe tragen!), ihres Auftretens in nur nach Hunderttausenden und +Millionen zu schätzenden Heeren und wegen ihrer unersättlichen +Gefräßigkeit eine hervorragende Rolle im Haushalt der Natur und +namentlich im Stoffwechsel der nordischen Meere spielen. Wegen ihres gern +gegessenen und billig zu erlangenden Fleisches haben sie aber auch eine +große volkswirtschaftliche Bedeutung für den Menschen erlangt. Ganze +Fischerflottillen und Zehntausende von Strandfischern in den +verschiedensten Gegenden der nördlichen Halbkugel ernähren sich +ausschließlich oder fast ausschließlich vom Dorschfang, und ihre Beute +geht in getrocknetem Zustande weit in die Welt hinaus, ist selbst im +sonnigen Süden Europas und auf den heißen Plantagen Brasiliens zum +Nationalgericht geworden, weil keine andere gleich nahrhafte Fleischkost +sich zu einem auch nur annähernd gleich billigen Preise beschaffen läßt. +Obgleich die deutsche Dorschfischerei sich nicht entfernt mit derjenigen +der Lofoten und Islands oder gar Neufundlands messen kann und obgleich +auch in dieser Beziehung die weniger günstige Lebensbedingungen für +ausgesprochene Meeresfische bietende Ostsee weit hinter der Nordsee +zurücksteht, werden doch allein z. B. in der Bucht von Eckernförde +alljährlich mehr als 300000 kg Dorsche gefangen. 240 deutsche +Fischdampfer mit je 12-14 Mann Besatzung führen unablässig Krieg gegen +den Kabeljau, ununterbrochen Sommer und Winter, Tag und Nacht, und doch +vermögen sie kaum dem stets sich steigernden Bedürfnis zu genügen, +freilich ebensowenig die unerschöpflich scheinenden Heere dieser Fische +merklich zu vermindern. Brehm hat Recht, wenn er den Kabeljau bezeichnet +als »einen der wichtigsten Fische der Erde, dem man seit mehr als drei +Jahrhunderten unablässig nachgestellt hat, wegen dessen blutige Kriege +geführt worden sind, von dem in jedem Jahre mehrere hundert Millionen +Stück gefangen werden, und der dennoch diesem Vernichtungskriege Trotz +geboten hat, weil seine unglaubliche Fruchtbarkeit die von den Menschen +seinen unschätzbaren Heeren beigebrachten Lücken, bisher wenigstens, +immer wieder ausfüllte.« Wahrlich, nicht jedes in ähnlicher Weise +verfolgte Geschöpf ist in gleich glücklicher Lage! Sehr zustatten kommen +mag den Schellfischen beim Kampfe ums Dasein auch der Umstand, daß sie +nicht wie die meisten anderen Meeresfische auf bestimmte Tiefenschichten +des Wassers angewiesen sind, obschon sie im allgemeinen eine mäßige Tiefe +bevorzugen und nur zu der in die Fastenzeit fallenden, übrigens nicht +wenig von den anregenden Wirkungen des Golfstroms abhängigen Laichperiode +mehr in flachere Gewässer kommen. In diese Zeit fällt auch der Hauptfang, +denn dann erscheinen die Fische über gewissen Bänken in dicht gedrängten +Heeren, die mehrere Meter hoch und mehrere Kilometer lang im Wasser +stehen und immer wieder von frischen abgelöst werden, sobald sie ihren +Zweck erreicht haben. Aber auch während die Minne solchen +Massenversammlungen ihre Freuden spendet, weicht die den Schellfischen +eigene Freßgier nicht von diesen vortrefflichen Schwimmern, und es ist +nur gut, daß sich um dieselbe Jahreszeit in den gleichen Gegenden auch +unzählige Heringe, Tintenschnecken u. dgl. anzusammeln pflegen, die jenen +zur Nahrung dienen müssen. Die blindwütige Gefräßigkeit der Dorsche und +Schellfische erleichtert ihren Fang ungemein und macht namentlich auch +die Verwendung der Grundangel sehr lohnend. Es ist dies eine etwa 2000 kg +lange, starke Leine, an der etwa 1200 einzelne Angelschnüre angeknüpft +sind, deren Haken mit Heringen, Tintenschnecken oder den Eingeweiden +schon gefangener Schellfische beködert werden. Etwa alle 6 Stunden wird +sie heraufgeholt, nach dem Auslösen des Fanges frisch beködert, und die +Sache kann von neuem losgehen. In der Zwischenzeit handhaben die Fischer +aber auch noch fleißig die Handangel und erzielen auch mit dieser bei der +Menge der Fische ganz erstaunliche Erträge. Von den größeren +Fischdampfern aus fischt man dagegen hauptsächlich mit dem schon +beschriebenen Scherbretterschleppnetz. Wenn nun der Netzbeutel (vom +Fischer »Steert« genannt) wie eine prall gefüllte Kugel über dem Deck +schwebt, löst der Steuermann mit einem geschickten Griff den +verschließenden Knoten, und das silbern wimmelnde Gezappel von Fischen +ergießt sich wie ein lebender Strom über die schlüpfrig werdenden +Planken. Die geübten Leute wissen aber auch mit den größten Massen bald +fertig zu werden. Ein grausiges Schlachten beginnt. Ununterbrochen +blitzen die blutbefleckten Messer, ein kurzer Schnitt trennt den Kopf vom +Rumpfe, in einem Nu fliegen die Eingeweide heraus und der in zwei Hälften +zerspaltene Fisch in den eisgekühlten Vorratsraum. Der Dorsch läßt sich +in allen seinen Bestandteilen irgendwie verwerten, denn selbst die +Eingeweide, soweit man sie nicht aus Zeitmangel den unter gierigem +Kreischen die vielversprechende Stelle umschwärmenden Möwen überläßt, +müssen ihrerseits wieder als Angelköder Verwendung finden oder werden zu +Guano verarbeitet, während die Köpfe als Viehfutter dienen, das in Island +merkwürdigerweise selbst die Rinder nicht verschmähen sollen. Die Lebern +aber werden in großen Bottichen den Wirkungen der Sonnenstrahlen +preisgegeben, verpesten dann faulend mit einem wahrhaft scheußlichen +Geruch ganze Hafenstädte des Nordens, liefern aber den in der Heilkunde +hochgeschätzten Lebertran, der sich als ein gelbliches Öl auf der +Oberfläche der verwesenden Masse absetzt, in geringerer Güte auch durch +Auskochen der Lebern gewonnen wird. Der Rogen geht in Blechbüchsen nach +den Gestaden des Mittelmeers, wo er den Sardinenfischern als +unentbehrlicher Witterungsköder dient. Der Fisch selbst wird auf die +verschiedenste Weise zubereitet und in den Handel gebracht, führt auch +demgemäß verschiedene Namen. Auf Stangen, Gerüsten oder in offenen +Schuppen an der Luft klapperdürr getrocknet heißt er Stockfisch, gesalzen +und auf den Strandklippen durch die Sonne gedörrt Klippfisch, in Fässern +eingepökelt Laberdan. Besondere Delikatessen sind das nun freilich alles +nicht, wohl aber nahrhafte, zuträgliche und billige Ersatzmittel für alle +Gegenden, in denen frisches Fleisch ein seltener Artikel ist. Bedeutend +wohlschmeckender ist das weiße, etwas derbe Fleisch des frischen +Schellfisches, und wenn es selbst heute in der Zeit der Fleischteuerung +noch nicht überall die ihm zukommende Beachtung errungen hat, so liegt +dies wohl hauptsächlich daran, daß sich die Hausfrauen im Binnenlande +größtenteils nicht auf die richtige Zubereitung verstehen. Wenn ihnen der +Seefischgeschmack an sich zuwider ist, rate ich ihnen, es einmal mit der +Zubereitung von Fleischklößchen (Frikadellen) aus Dorschfleisch zu +versuchen. Sehr vorteilhaft ist es, daß sich die Schellfischarten bei +ihrer großen Zähigkeit und Anspruchslosigkeit auf verhältnismäßig weite +Entfernungen hin lebend versenden lassen, Eigenschaften, die es +ermöglichen, die stattlichen Meeresbewohner auch jahrelang in räumlich +arg beschränkten Seewasseraquarien besser zu erhalten als irgend einen +anderen Seefisch. -- Es ist ein Verdienst des norwegischen Professors +Sars (eines Schwagers Nansens), nachgewiesen zu haben, daß die 1-1-1/2 +mm großen Glaskügelchen, die frei im Meereswasser umherschwimmen, meist +Kabeljau-Eier sind. Der sonst in großen Tiefen lebende Fisch sucht zur +Laichzeit die seichten Stellen, die Hochplateaus des Meeres auf. Der +Laich fällt nicht zu Boden, sondern erhält sich in einer Tiefe von +höchstens 14 kg treibend. Diese Entdeckung führte weiter zu der +Feststellung, daß sich die Eier unserer meisten anderen Nutzfische des +Meeres ganz ebenso verhalten. Gerade das Plankton, über dessen Natur und +Zusammensetzung wir durch Prof. Hensen-Kiel Klarheit erhalten haben, +birgt zahllose solche Eier, die in ihrem ersten Entwicklungsstadium fast +gar keine Artunterschiede aufweisen. So sind die Eier des Kabeljaus und +des Schellfischs anfangs gar nicht zu unterscheiden. Es sind glashelle +Kügelchen mit verhältnismäßig großem Dotter und einigen Fetttröpfchen. +Diese Feststellungen haben nicht nur wissenschaftlichen Wert, sondern +auch praktische Bedeutung, denn damit ist erwiesen, daß der Fischfang mit +tief an den Boden gehenden Netzen die in der Entwicklung begriffene Brut +nicht zu schädigen vermag, wie man früher wohl befürchtet hatte. + +[Illustration: Abb. 6. Thunfisch (_Thynnus thynnus_).] + +Einigermaßen Ersatz für Hering und Schellfisch bietet den Anwohnern +des Mittelmeers der mächtige =Thun= (_Thynnus thynnus_), der +durchschnittlich 2 kg lang und 120 kg schwer ist, oft aber auch bedeutend +größer wird (Abb. 6). Der Eindruck wird noch verstärkt durch den breit +ausgeladenen Leibesbau, den dicken Kopf und die ungemein kräftig +entwickelten Schwanz- und Seitenflossen des Fisches. Man glaubte früher +allgemein, daß der Thun eigentlich im Atlantischen Ozean beheimatet sei +und von da lediglich zum Laichen durch die Straße von Gibraltar nach dem +Mittelländischen, ja sogar von da durch Dardanellen und Bosporus zum +Schwarzen Meer ziehe, bis in das Asowsche hinein. Neuere Untersuchungen +haben jedoch gezeigt, daß er keine so weiten Wanderungen vollführt, +sondern daß die Verhältnisse ähnlich liegen wie beim Hering, daß also der +Thun in der Hauptsache Höhenwanderer ist. Er verbringt den größten Teil +seines Lebens in den tiefsten Senkungen des Mittelmeers, anscheinend auch +in der Bucht von Cadiz, und steigt im Frühjahr empor, um den flachsten +Stellen zuzustreben. Dabei berührt er namentlich die Küsten Sardiniens +und Siziliens, und hier wird denn auch der ergiebigste und großartigste +Thunfang betrieben. Er erfordert wochen- und monatelange Vorbereitungen +und Zurüstungen, denn er geschieht in ungeheuren Netzen, sogenannten +Tonnaros, wahren Gebäuden aus zähestem Spartogras und bestem Hanf, die +30-50 m Tiefe und bis zu 1 km Länge haben. Das Auslegen dieser +Ungetüme kann nur bei vollkommen ruhiger See stattfinden und muß mit +größter Sorgfalt erfolgen, da viel darauf ankommt, daß die Netzwände +senkrecht stehen wie Mauern. Zu diesem Zwecke sind sie unten mit Blei- +und Eisenstücken beschwert, während sie oben mit Korkschwimmern versehen +sind. Das Ganze ist in eine Reihe von aneinander stoßenden Kammern +geteilt, die durch Öffnungen in der Netzwand verbunden sind, aber nach +Bedarf abgeschlossen werden können. Die vorderste Kammer ist die größte, +von ihrem Eingang strahlen noch scherenartig zwei lange Netzflügel aus, +um ein Entweichen der Fische nach dem Strande oder der offenen See hin zu +verhindern. Die hinterste Netzkammer ist die kleinste, hat den engsten +Eingang und ist im Gegensatze zu den anderen auch mit einem Netzboden aus +dem engmaschigsten und zähesten Geflecht versehen. Das ist die »Kammer +des Todes«. Ist endlich das ganze verwickelte Netzgebäude zur +Zufriedenheit errichtet, so begeben sich die Fischer wieder an Land und +lassen nur wenige Wachboote zurück, die den Einzug der Thune beobachten +sollen: ein bei ungünstigem Wetter ebenso schwieriges wie undankbares +Geschäft. Die Thune halten zäh an der einmal eingeschlagenen Richtung +fest und entschließen sich nicht leicht zum Zurückschwimmen, begünstigen +dadurch also noch die Arglist des Menschen, so vorsichtig und schlau sie +sonst auch sind. Sie streichen in kleinen Trupps rasch durch die Wellen, +oft in keilförmiger Schwimmordnung, aber diese Trupps folgen einander so +rasch und ununterbrochen, daß man doch von einer Massenwanderung sprechen +kann. Nicht selten stutzen sie beim Eintritt in die Netztore, und die +Fischer sind dann genötigt, die furchtsamen Tiere durch Einschaufeln von +Sand ins Wasser oder durch das Herablassen eines Schaffells weiter zu +scheuchen. Sind ihrer genug in der vordersten, natürlich bis zum Boden +reichenden Kammer, so wird der Eintritt in die zweite frei gegeben, damit +in jener Platz für neue Ankömmlinge geschaffen werde. So geht es von +Kammer zu Kammer und zuletzt in die des Todes. Der sonst so öde Strand +dieser Gegenden ist inzwischen zum Schauplatz ausgelassenen Lebens +geworden, denn der Thunfischfang ist hier das größte Volksfest, und +allenthalben herrscht das bunte und lärmende Lustgetriebe eines +Jahrmarkts. Aus flüchtig zusammen genagelten Häuschen und Bretterbuden +ist eine ganze Stadt entstanden, und in ihren Gassen schiebt und drängt +sich eine aufgeregte, unterhaltungsbedürftige Menschenmenge, Einheimische +und Fremde, Fischer und Kaufleute, Handwerker, Wirte und allerlei +fahrendes Volk, nicht zuletzt auch Priester, denn ohne den Segen der +Heiligen würde ja kein Thunfisch ins Netz gehen. Überall Musik und +Gesang, Lachen und Lärmen, Scherzen und Necken, Lieben und Raufen. Alles +atmet Leidenschaft und Leben, Aufregung und Feuer, denn die »Tonnara« ist +den Sizilianern das, was den Spaniern die Stiergefechte sind und dem +Engländer der Derby-Tag. Endlich steigt als Zeichen dafür, daß die +Totenkammer gefüllt ist, am Maste des Wachbootes eine rote Flagge auf, +alles eilt nun in wirrem Gedräng unter Jauchzen, Schreien und Brüllen, +Mützen- und Tücherschwenken wie besessen zu den harrenden Booten, um so +rasch als möglich den Schauplatz zu erreichen. Dort wird unter großen +Anstrengungen die Totenkammer heraufgezogen und schließlich ihr Netzboden +in Mannestiefe festgelegt. Weißer Schaum bedeckt das Wasser, und die dem +Tode geweihten großen Fische peitschen mit verzweiflungsvollen +Schwanzschlägen die Oberfläche, rings umgeben von Fahrzeugen voller +Menschen, denen die unverhüllte Mordgier und tierischer Fleischhunger aus +den Augen blitzen. Die sehnigen, halbnackten, braunen Fischer werden zu +erbarmungslosen Schlächtern. Wie Wahnsinnige stechen sie mit spitzen +Harpunen blindlings in das weißschaumige, klatschende Fischgewimmel, +schlagen mit nagelbesetzten Keulen auf ihre Opfer los, zerfetzen mit +Schwertern und Dolchen die großen Fischleiber. Blutigrot färbt sich die +blasige Flüssigkeit in der Totenkammer, blutigrot das Meer in weitem +Umkreise, und Blut und Schweiß strömen über die vor Aufregung bebenden +Menschenleiber, die von dem fanatischen Zujauchzen der blutlüsternen +Zuschauermenge in den Booten zu immer neuem Morden angepeitscht werden, +bis der letzte Thun verblutet ist oder der ermattete Arm die Harpune +nicht mehr zu heben vermag. Es ist ein grausiges Bild bei goldenem +Sonnenschein und lachend blauem Himmel, aber so abstoßend es auch auf +feiner empfindende Gemüter wirkt, fahren doch reiche Leute genug eigens +deshalb nach Sizilien. Als Ludwig XIII. Marseille besuchte, wurde ihm zu +Ehren eine große Thunfischmetzelei veranstaltet, die diesem +»geschmackvollen« Herrscher so trefflich gefiel, daß man später oftmals +von ihm hören konnte, es sei dies einer der schönsten Tage seines Lebens +gewesen. Widerwärtig sind die bluttriefenden Schlächtereien gewiß, aber +doch von ungeheurer wirtschaftlicher Bedeutung für alle Länder am +Mittelmeer, denn das Thunfleisch ist zwar etwas grob und reichlich +trocken, aber nahrhaft und vor allem -- billig. Es erfreut sich deshalb +in vornehmeren Kreisen keiner sonderlichen Beliebtheit, ist aber für +weite Landstrecken das einzige Fleisch, dessen Genuß auch den ärmeren +Volksschichten möglich ist, das so eine hochwillkommene Abwechslung +zwischen dem ewigen Einerlei von Kaktusfeigen, Bohnen und Makkaroni +bildet und damit der sonst unausbleiblichen Unterernährung der +Bevölkerung entgegenwirkt. Die ersten jungen Thunfische kommen schon im +Juli zum Vorschein und wachsen so rasch heran, daß sie bis zum Oktober +bereits ein Gewicht von 1 kg erreichen. + +[Illustration: Abb. 7. Makrele (_Scomber scomber_). +(Phot. von Oberl. W. Köhler, Tegel.)] + +Ein kleinerer, schlankerer und weit besseres Fleisch liefernder Vetter +des plumpen Thun, die schnittig gebaute =Makrele= (_Scomber scomber_) mit +der kunterbunten Zeichnung und dem wundervollen Opalschimmer auf dem +zarten Schuppenkleid (Abb. 7) ist auch in unseren Meeren häufig. +Massenhafter noch wird sie an den englischen und französischen Küsten +gefangen und eingesalzen, ja es ist dort schon vorgekommen, daß man die +allzu dicht gefüllten Netze ihres ungeheuren Gewichtes halber nicht +wieder heraufzuziehen vermochte. Sehr gern folgt die gefräßige Makrele, +an der das völlige Fehlen der Schwimmblase das Merkwürdigste ist, den +großen Heringsheeren und zehntet sie nach Kräften. In England bildet auch +das Angeln dieser wanderlustigen Fische vom Segelboot aus bei scharfer +Brise einen beliebten Sport. Während die Makrele und noch mehr die fern +von den Küsten im Atlantik Flugfische jagende und ihnen nachspringende +=Bonite= (_Scomber pelamys_) vorzügliche Schwimmer sind, vermag der +verwandte =Schiffshalter= (_Echenéis remora_) nur matte und plumpe +Schwimmbewegungen zu vollführen. Er macht sich deshalb das Reisen gern +bequem und läßt sich lieber von flinkeren Fischen fortschleppen, was ihm +dadurch ermöglicht wird, daß seine vordere Rückenflosse zu einer breiten +Haftscheibe umgewandelt ist, mit der er sich am Bauche seines +Reisemarschalls festsaugt. Am liebsten wählt er dazu Haie, wohl weil +deren rauhe Haut einen besonders sicheren Halt gewähren mag und weil sie +weite Meeresstrecken durcheilen. Übrigens begnügt sich der Schiffshalter +mit der Rolle des blinden Passagiers und wird nicht etwa zum Schmarotzer. +Deshalb ist ihm auch ein Schiffsrumpf ebenso recht wie ein Fischleib, +zumal ja immer allerlei nährstoffreiche Abfälle über Bord geworfen +werden, worauf sich dann der Echeneis von seinem Platze löst und ihnen +unter schlängelnden Bewegungen zustrebt. + +In weiterer Ausbildung werden solche Symbiosen nicht selten zu echtem +Raumparasitismus. In allen Meeren der Erde werden kleine Seefische +gefunden, die irgendwelchen Leibesteil eines besonders wehrhaften Tieres +sich zur Zufluchtsstätte erkoren haben und ihren Wirt gewöhnlich zwar +nicht merklich schädigen, ihm aber auch keine Gegendienste für das +gewährte schützende Obdach leisten. Am bekanntesten in dieser Beziehung +ist _Fierásfer acus_, ein kaum 20 kg langes, gelblichweißes Fischchen von +fast durchsichtiger Zartheit ohne Bauchflossen und mit weit nach vorn +gerückter Afteröffnung. Er benutzt als Wohnung die sogenannten +Wasserlungen der Seegurken, dieser absonderlichen Geschöpfe, die die +merkwürdige Gewohnheit haben, die eigenen Eingeweide auszuspeien, wenn +sie gereizt werden. Der Fisch dringt mit dem Schwanzende in die +Afteröffnung seines Wirtes ein, schiebt allmählich den ganzen Körper nach +und sieht nur noch mit dem Kopfe heraus. Das Atemwasser der Seegurke, das +abwechselnd ein- und ausströmt, versorgt den Fierasfer mit Nahrung in +Gestalt kleiner Krebstierchen. Manchmal aber, wenn sich ihm ein besonders +fetter und leckerer Bissen darbietet, schießt er, wie Bergmann beobachtet +hat, aus seinem Verstecke hervor. Möglich, daß er seinen Wirt auch von +schmarotzenden Krebstierchen befreit; jedenfalls verursacht er ihm +gewöhnlich keinerlei Unbequemlichkeiten. Wohl aber ist dies der Fall, +wenn sich mehrere Fischchen in der gleichen Seegurke ansiedeln, die +dadurch sogar zugrunde gehen kann. Bisweilen findet sich Fierasfer auch +in anderen Seetieren, wie Seesternen, Quallen und Muscheln. So besitzt +das britische Museum einige Stücke, die aus echten Perlmuscheln stammen +und von diesen mit einer glänzenden Perlmutterschicht überzogen wurden. +Der durch seitliche Bepanzerung ausgezeichnete =Stöcker= (_Cáranx +trachúrus_), auch Halbmakrele genannt, der bisweilen in ungeheuren +Schwärmen an den englischen Küsten auftaucht, aber wegen seines +minderwertigen Fleisches nur wenig Beachtung findet, gehört im +Jugendzustande gleichfalls zu den Raumparasiten, denn er lebt dann +zwischen den Mundarmen und Tentakeln von Quallen, die ihn durch ihre +Nesselzellen gegen Feinde schützen. Die jungen Fischchen kommen nur aus +den Quallen hervor, wenn alles ringsum sicher erscheint, während sie sich +beim geringsten Anzeichen von Gefahr sofort in ihre Schlupfwinkel +flüchten. Der prächtig gefärbte _AmphÃprion bicÃnctus_ führt in ähnlicher +Weise mit einer großen Seerose gemeinsamen Haushalt; stülpt sie sich ein, +so läßt sich der Fisch ruhig von ihren Tentakeln bedecken, woraus sich +schließen läßt, daß er gegen das Nesselgift unempfindlich sein muß. Auch +stark bewehrte Seeigel müssen manchen kleinen Meeresfischen als Wohnung +dienen. Plate fand während seines Aufenthaltes auf den Bahama-Inseln +einen nur 3-6 kg langen, gelblich-weißen, schmutzig-braun gepunkteten +Fisch, _ApogonÃchthys strómbi_, in der Mantelhöhle von Riesenschnecken +(_Strómbus gÃgas_), die dort als ein beliebtes Volksnahrungsmittel +regelmäßig zu Markte gebracht werden. Wahrscheinlich verläßt hier der +Einmieter das Wirtstier nur nachts, um auf Krebstierchen und Meeresasseln +Jagd zu machen. Selbst in unseren nordischen Meeren fehlt es nicht an +verwandten Erscheinungen. So konnte bei der Suche nach den Wohnplätzen +der jungen =Schellfische= und =Kabeljaue= festgestellt werden, daß deren +Auftreten auf das innigste mit dem mehr oder minder häufigen +Vorhandensein von Kornblumenquallen zusammenhing. Bei ruhiger See ließ +sich denn auch deutlich beobachten, wie die jungen Fische sich beständig +zwischen den langen Nesselfäden der Quallen aufhielten, und wie ihre +Eigenbewegung sich ganz darauf beschränkte, dem ruckweisen +Weiterschwimmen der Quallen nachzukommen, die ihnen also zu Schirmherrn +im wahrsten Sinne des Wortes geworden waren. + +[Illustration: Abb. 8. Scholle. (Phot. von F. Ward.)] + +Nächst den Heringen und Schellfischen sind die der großen Gruppe der +=Plattfische= oder Schollen (Abb. 8) angehörenden Arten die wichtigsten +Nutzfische unserer Meere. Naturgeschichtlich interessant sind sie schon +durch ihre weitgehende Anpassungsfähigkeit an die Farbe des +Untergrundes und durch ihr damit im engsten Zusammenhang stehendes +Farbwechselvermögen. Aber selbst diese wunderbaren Eigenschaften +erscheinen den Plattfischen noch nicht ausreichend, um sich gegen die +Nachstellungen der gefräßigen Raubfische zu sichern und sich selbst vor +den Augen ihrer Opfer zu verbergen. Der größeren Sicherheit halber wühlen +sie sich vielmehr gleich ganz in den Sand ein, so daß nur ein Teil des +Kopfes mit den gleich blaugrünen Perlen funkelnden Augen hervorsieht. +Dieses Einpaddeln geschieht mit so fabelhafter Schnelligkeit, daß man die +einzelnen Bewegungen dabei kaum festzustellen vermag. Man sieht nur ein +Aufwirbeln des Sandes, hastig zitternde und flimmernde Bewegungen der +langen Bauch- und Rückenflossen, und der Fisch ist auch schon fast +spurlos verschwunden. In Wirklichkeit vollzieht sich die Sache nach den +Beobachtungen E. Schmidts so, »daß die Flunder einmal fest mit dem ganzen +Körper den Sand peitscht, der dadurch etwas ausgehöhlt wird. Zugleich +schaufelt sie mit den großen Randflossen Sand auf die Körpermitte, der +durch die dabei erzeugte Strömung gleichmäßig über den ganzen Fisch +verteilt wird und diesen so dem Blick des Beobachters oder im Freien dem +Auge des gierigen Raubfisches entzieht.« Das eben erwähnte Auge der +Plattfische verdient in doppelter Beziehung noch eine kurze Würdigung. +Einmal ist es das einzige mir aus eigener Anschauung bekannte Fischauge, +das einen gewissen seelischen Ausdruck widerspiegelt: es schaut förmlich +klug, ja schelmisch und listig in die von unliebsamen Gefahren aller Art +erfüllte Unterwasserwelt. Zugleich sind diese prachtvoll gefärbten Augen, +die durch eine stark entwickelte Nickhaut geschützt erscheinen, von einer +höchst seltsamen Beweglichkeit, denn sie können nicht nur nach den +verschiedensten Richtungen hin willkürlich gedreht, sondern auch wie die +der Frösche aus ihren Höhlen hervorgehoben und wieder zurückgezogen +werden. In diesem unausgesetzten Augenspiel spiegelt sich jede seelische +Erregung des Fisches ebenso deutlich wieder wie die des Hundes in seinen +Schwanzbewegungen oder die gewisser Vögel in dem verschiedenartigen +Zucken mit den Flügeln. Das Allermerkwürdigste ist aber nun der Umstand, +daß bei der ausgebildeten Scholle beide Augen auf ein und derselben +Körperseite liegen, wie überhaupt ihre ganze Kopfbildung derart +unsymmetrisch ist, ja so verschroben erscheint, daß sie in dieser +Beziehung im gesamten Wirbeltierreiche geradezu einzig dasteht. Freilich +ist dem nicht von allem Anfang an so. Die dem Ei entschlüpften und sich +massenhaft an der Oberfläche des Meeres herumtreibenden jungen Schollen +sind nämlich noch ganz nach dem regelrechten Fischtypus gebaut, schwimmen +auch in der sonst allgemein üblichen Weise mit dem Rücken nach oben und +dem Bauch nach unten, haben auf jeder Gesichtshälfte je ein Auge und +bergen im Innern ihres überaus zarten, fast glashellen und durchsichtigen +Körpers eine stark entwickelte Schwimmblase, während zugleich die +sonstige Beschaffenheit der inneren Organe unverkennbar darauf hinweist, +daß makrelenartige Hartflosser etwa vom Typus der Gattung Zëus +(Petersfische) ihre dereinstigen Vorfahren gewesen sein müssen. Aber +schon nach kurzer Frist gehen sie vom lockeren Herumschwärmen zu einer +soliden und untätigen Lebensweise über, indem sie immer größere Zeiträume +in träger Ruhe auf dem Boden verbringen und sich hierbei auf eine Seite +legen. Dieser neuen Lebensart paßt sich nun ihr ganzer Organismus in +einer ans Wunderbare streifenden Weise an. Der Körper wird immer flacher +und platter, bis er schließlich die fast scheibenförmige Form erreicht, +die uns von den geräucherten Flundern her so wohl vertraut ist. Die dem +Sand aufliegende Unterseite bleibt mehr oder minder farblos, während die +Oberseite das geschilderte Farbwechselvermögen erhält. Die überflüssig +gewordene Schwimmblase verkümmert rasch und verschwindet schließlich +gänzlich, ein Vorgang, der durch den starken Druck von Wasser und Sand +und durch die Einengung der Bauchhöhle wesentlich beschleunigt wird. Das +auf der Unterseite nutzlos gewordene Auge aber rückt allmählich über die +Scheitelmitte hinweg, und bei solchen Arten, bei denen die Rückenflosse +bis zum Scheitel reicht, sogar unter jener hindurch zur Oberseite +hinüber, die auf diese Weise zwei wohl ausgebildete Augen erhält. Wie der +absonderliche Vorgang eigentlich des näheren zu erklären ist, darüber +herrscht unter den Gelehrten noch keineswegs völlige Einstimmigkeit. +Während die einen von einem ungleichmäßigen Wachstum beider +Schädelhälften sprechen, fassen andere die Augenwanderung als eine mehr +aktive auf, wobei der Einfluß des Lichtes der wirksame Faktor sein soll. +Jedenfalls erfolgt sie schon zu einem Zeitpunkte, wo die Schädelknochen +noch weich und knorpelig sind, also keinen großen Widerstand +entgegensetzen. Hand in Hand damit geht auch eine entsprechende +Veränderung der Augenmuskeln, deren spätere, auffallend große +Beweglichkeit damit im engsten Zusammenhange stehen mag. Ebenso wird das +Maul vollständig nach oben verdreht, so daß der alte Gesner ganz recht +hat, wenn er von einem »widerwärtig gesetzten Kopf« spricht. Da die +jungen Schollen schon sehr frühzeitig zu der dem Meeresboden anklebenden +Lebensweise übergehen und von ihren verschiedenen Schutzmitteln gar bald +den besten Gebrauch zu machen wissen, sind sie weit weniger als andere +Jungfische den Nachstellungen der Meeresräuber preisgegeben, und so +erklärt es sich, daß die Menge der Plattfische in allen Meeresteilen mit +geeignetem Untergrund (Schlamm und Schlick wird gemieden, Sand vor feinem +Geröll und dieses vor grobem bevorzugt) eine gewaltig große ist, obschon +die Zahl der im Spätfrühling oder Frühsommer abgesetzten, frei, nahe der +Oberfläche, treibenden und deshalb nur wenig geschützten Eier nur eine +verhältnismäßig geringe ist, jedenfalls der vieler anderer Fische weitaus +nachsteht. So kommt es, daß die Plattfische, die sich durch ein +außerordentlich schmackhaftes Fleisch auszeichnen, das bei seiner +Haltbarkeit sich namentlich auch zum Versand nach dem Binnenlande eignet, +volkswirtschaftlich eine große Rolle spielen und ihr Fang jahraus jahrein +Tausende von Fischern an den Nord- und Ostseeküsten beschäftigt, wobei +freilich die deutschen so ziemlich in letzter Reihe stehen oder doch +wenigstens vor kurzem noch standen. Die schönen Zeiten allerdings, wo auf +dem Londoner Markte das Dutzend dreipfündiger Goldbutten vergeblich um +einen Penny ausgeboten wurden, sind leider wohl für immer vorüber, ja bei +einigen besonders geschätzten Arten, wie bei der delikaten Seezunge, +macht sich infolge allzu schonungsloser Nachstellungen schon eine so +besorgniserregende Abnahme bemerkbar, daß man bereits auf das +Aushilfsmittel der künstlichen Zucht verfallen, dabei über das Stadium +der Versuche aber noch nicht viel hinausgekommen ist. Tagsüber ruhen die +Schollen gewöhnlich träge im Sande, und erst gegen Abend beginnen sie zur +Jagd auszuziehen, wobei sie sich unter wellenförmiger Streckung des auch +jetzt flach liegenden Leibes und seiner sehr schmiegsamen Flossen recht +zierlich vorwärts bewegen und dabei die Schwanzflosse gewissermaßen als +die treibende Schiffsschraube benutzen. Die kleineren Arten begnügen sich +mit allerlei Gewürm, Krebs- und Muscheltierchen, aber die großen sind +tüchtige Räuber, die sich selbst an die wehrhaften Rochen wagen. Bedrohte +Plattfische schießen blitzschnell im Zickzack durchs Wasser, um sich dann +schleunigst wieder im schützenden Sande einzupaddeln. + +[Illustration: Abb. 9. Flunder (_Pleuronectes flesus._) +(Phot. von Oberlehrer W. Köhler, Tegel.)] + +Die dem Binnenländer wenigstens von genossenen Tafelfreuden her +bekanntesten Arten sind der stattliche =Steinbutt= (_Rhómbus máximus_), +der eine Länge von 1 kg und ein Gewicht von 35 kg erreichen kann (Abb. +10, Fig. 4), und die wesentlich kleinere =Flunder= (_Pleuronéctes +flésus_), die häufig auch in unseren Binnengewässern gefangen wird, da +sie sich mit Vorliebe in den Strommündungen aufhält und von hier gern +weite Wanderungen stromaufwärts unternimmt (Abb. 9). Da sie sich also mit +Leichtigkeit an Süßwasser gewöhnt, weshalb auch Zuchtversuche mit ihr +viel aussichtsreicher wären, als mit anderen Arten, sind die +allerliebsten kleinen Jungflundern geeignete Aquarienfische, die sehr +viel Vergnügen gewähren, obschon ihre Eingewöhnung und Pflege doch nicht +ganz so einfach ist, wie Brehm angibt. Eine häufige Erneuerung oder eine +sehr starke Durchlüftung des Wassers und ein ganz niedriger Wasserstand +scheinen in Verbindung mit durchaus sparsamer Fütterung die unerläßlichen +Bedingungen für ihr Gedeihen zu sein. Weiter wären noch zu nennen der in +den deutschen Meeren ziemlich seltene, mächtige =Heilbutt= (_Hippoglóssus +vulgáris_), der doppelt so groß und schwer wird wie der Steinbutt, der +=Goldbutt= (=Pleuronéctes platéssa=) und die feiste =Seezunge= (_Sólea +vulgáris_), womit aber die Liste der regelmäßig oder gelegentlich bei uns +vorkommenden Arten noch lange nicht erschöpft ist. Bei der durch +besondere Trägheit ausgezeichneten Seezunge finden wir außer der +Farbanpassung auch noch eine echte =Mimikry=-Erscheinung (Nachäffung +eines giftigen oder sonstwie besonders gefährlichen Tieres durch eine an +sich harmlose und wehrlose Art), wie sie sonst im Reiche der Fische nur +selten vorkommt. Mastermann hat nämlich beobachtet, daß aufgestörte +Seezungen, sobald ihnen das Versteckenspiel nichts mehr nützt, die stark +ausgebildete und mit einem großen, tiefschwarzen Fleck versehene rechte +Brustflosse scharf aufrichten und gleich einem düsteren Todesbanner +ausbreiten, gerade so, wie es das =Petermännchen= (_TrachÃnus dráco_) +macht, das bekanntlich giftig ist. + +[Illustration: Abb. 10. 1 Dornhai. 2 Nagelroche. 3 Scholl. 4 Steinbutt. 5 +Seeteufel. 6 Knurrhahn. 7 Seehase. 8 Seepferdchen.] + +Es gibt nämlich, obwohl man das früher stark angezweifelt hat, +tatsächlich =giftige Fische=, und ihre Zahl ist sogar durchaus nicht +gering, wenn auch die meisten davon in ihrer Verbreitung auf tropische +und subtropische Gewässer beschränkt sind. Entweder sitzen die +sackartigen Giftdrüsen im Maule und treten beim Bisse des Tieres in +Wirksamkeit, wie es z. B. bei den von den Fischern des Mittelmeers +deshalb sattsam gefürchteten Muränen der Fall ist, oder sie befinden sich +am Grunde durchbohrter oder gefurchter, besonders harter und spitziger, +bisweilen auch wie sprödes Glas abbrechender und in der Wunde stecken +bleibender Stacheln an den Kiemendeckeln, Rücken- oder Schwanzflossen. So +vermag auch das Petermännchen mit seinen scharfen Rückenstacheln recht +empfindlich zu verletzen, und das dann in die Wunde eindringende Gift +zieht etwa dieselben Folgen nach sich, wie ein tüchtiger Skorpionstich, +während sie bei gewissen exotischen Formen noch weit unangenehmer sind. +Obwohl das Fleisch des Petermännchens recht wohlschmeckend und auch +durchaus bekömmlich ist, wollen deshalb die Fischer nicht viel von dem an +sich recht hübschen Fisch wissen, sondern werfen ihn in vielen Gegenden, +wenn er einmal zufällig mit in ihre Netze geriet, wieder ins Meer +zurück, gewissermaßen als eine Art Opfergabe für Petrus, den +Fischerschutzheiligen, wodurch sich auch der auffällige Name des +eigentümlichen Geschöpfs erklären mag. Es bewohnt sandige, aber nicht zu +flache Stellen unserer Meere und wühlt hier seinen stark +zusammengepreßten, messerartigen Leib gewöhnlich so weit im Boden ein, +daß nur die vorstehenden, nach oben gerichteten Augen herausragen. Sowie +sich aber eine Garnele oder ein kleines Fischchen in der Nähe blicken +läßt, schnellt der Räuber mit einem plötzlichen Ruck hervor, erhascht und +verschlingt sein Opfer und läßt sich dann mit zierlichem, wellenförmigem +Schwung wieder zum Boden herabtaumeln, indem er gleichzeitig durch +hastige Bewegungen der langen Bauchflosse eine Sandwolke erzeugt und sich +geschickt in diese einbettet. Gefürchteter noch als unser Petermännchen +ist der gleichfalls zu den Panzerwangen gehörige =Zauberfisch= +(_Synancéja verrucósa_), der im Roten, Indischen und Stillen Meere +vorkommt. Wie das Petermännchen hält sich auch diese Art zwischen Steinen +und Seetangen, halb im Schlamm vergraben, am Meeresgrunde versteckt und +ist für die nackten Füße der zum Baden oder Schwimmen ins Wasser gehenden +Strandbewohner um so gefährlicher, als seine warzige Haut in ihren +Farbentönen so genau der Umgebung entspricht, daß auch das schärfste Auge +ihn kaum von ihr zu unterscheiden vermag. Sobald aber jemand auf ihn +tritt, erhebt er sich, spreizt die Rückenstacheln und bohrt sie tief in +den Fuß des Unglücklichen. Klunzinger lernte Fälle kennen, wo ein solcher +Stich sofortige Ohnmachtsanfälle zur Folge hatte, ja sogar Todesfälle +sollen vorkommen, wenn auch wohl nicht unmittelbar durch den Stich, +sondern wahrscheinlicher durch Brandigwerden der vielleicht schlecht +behandelten Wunde. Bei diesen beiden Arten wie auch bei dem von den +französischen Fischern bestgehaßten =Vipernfisch= (_TrachÃnus vÃpera_) +stellt sich das Gift dar als eine bläuliche, leicht opalisierende +Flüssigkeit, die namentlich auf Herz und Rückenmark einwirkt. Bei anderen +Fischen scheint das ganze Blutwasser wenigstens zeitweise giftige +Eigenschaften zu besitzen, weshalb auch ihr Genuß schwere +Gesundheitsstörungen nach sich ziehen kann. Doch scheinen dabei auch +örtliche Verhältnisse eine noch wenig aufgeklärte Rolle zu spielen, indem +das Fleisch der gleichen Fischart je nach seiner Herkunft sehr gefährlich +oder völlig unschädlich sein kann. So fand Johannes Müller auf den +Marschallinseln einen von den Eingeborenen »=Langi=« genannten +makrelenartigen Fisch, dessen Fleisch, wenn es in der Lagune erbeutet +war, heftige Vergiftungserscheinungen zeitigte, sich dagegen als +wohlbekömmlich erwies, wenn die Fische dem freien Meere entstammten. Auch +die Lagunenfische verloren ihre unangenehme Eigenschaft, wenn man sie vor +dem Abtöten für einige Wochen in Brackwasser setzte. Müller vermutet, daß +das Stagnieren des Lagunenwassers mit der Giftwirkung in Zusammenhang +stehe, die ihrerseits in ihren Erscheinungen stark an Alkoholgift +erinnere. Die giftigsten Geschöpfe des Ozeans sind ohne Zweifel die +verschiedenen Arten von Seeschlangen, die freilich nicht etwa mit den +berüchtigten Seeschlangen seefahrender Münchhausens gleichbedeutend sind. +Auch von dem üblen Rufe dieser gefürchteten Tiere haben gewisse Fische +durch eine weit getriebene Mimikry Nutzen gezogen. Selbst ein so geübter +Forscher wie Dahl hielt den ersten derartigen Fisch aus dem Indischen +Ozean, der ihm zu Gesichte kam, zunächst für eine Seeschlange und +erkannte erst bei näherer Untersuchung seine Fischnatur. Der Körper war +ganz schlangenartig, das Flossenwerk bis auf einen schmalen, kaum +wahrnehmbaren Saum rückgebildet, und auch die prachtvolle Färbung der in +den gleichen Meeresteilen lebenden Seeschlangen, hellblau mit +tiefschwarzer Ringelung, fehlte nicht. + +Die oben erwähnten =Muränen=, die den römischen Schlemmern als ein +ausgesuchter Leckerbissen galten und auch heute noch auf den Fischmärkten +der Mittelmeerländer sich großer Beliebtheit erfreuen, haben auf ihrem +glatten, aalartigen und schuppenlosen Fettleib gleichfalls recht hübsche +Zeichnungen aufzuweisen. So ist =Muraéna hélena=, die häufigste Art, auf +gelblichem Untergrunde in reizender Musterung dunkelbraun marmoriert. +Über den Charakter dieser am Meeresgrund in zerklüftetem Gefels und +zwischen Steinblöcken in der Nähe der Küste hausenden Fische ist aber +wenig Rühmliches zu sagen, denn sie gehören zu den zänkischsten, +boshaftesten und gefräßigsten Tieren, worauf schon ihr tief gespaltener, +zahnstarrender Rachen hinweist. Ungeschickte Fischer (man pflegt die +Muränen zu angeln) haben schon oft durch die langen und spitzen Zähne der +wütenden und sich nach Kräften wehrenden Gefangenen empfindliche +Verwundungen davongetragen. Das offene, sich unablässig bewegende Maul +sieht aus, als ob es beständig keife, und es klingt ganz glaubhaft, daß +diese Biester, wenn sie nicht genug Tintenschnecken und Krebse zur +Stillung ihres gewaltigen Hungers finden, sich gegenseitig die Schwänze +abknabbern. Noch aalartiger als die dazu etwas zu hoch gebauten Muränen +sieht der 3 kg lang und 50 kg schwer werdende =Meeraal= (_Cónger +vulgáris_) aus, der gleich unserem Flußaal ein jugendliches Larvenstadium +als Leptocephalus durchmachen muß und schon dadurch seine nahe +Verwandtschaft zu ihm erweist. Auch der Meeraal ist ein gefräßiger +Raubfisch, selbst jedoch wenig schmackhaft, hält sich aber dafür gut im +Aquarium. Gefangen wird er hauptsächlich in dunklen Nächten an mit +Pilchards geköderten Legangeln, und da sein Fleisch sehr niedrig im +Preise zu stehen pflegt, findet es immerhin willige Abnehmer. + +Nicht so häufig wie des Giftes bedienen sich einzelne Fische der +=elektrischen Kraft= zur Abwehr oder zur Lähmung ihrer Beute, und sie +stehen in dieser Beziehung im Tierreiche einzig da. Am meisten ist die +Fähigkeit, elektrische Schläge auszuteilen, bei zwei Süßwasserfischen +ausgebildet, dem südamerikanischen, von Humboldt so glänzend +geschilderten Zitteraal und dem afrikanischen Zitterwels, aber auch einer +der gewöhnlichsten Charakterfische des Mittelländischen Meeres, nämlich +der =Zitterrochen= (_Torpédo marmoráta_) gehört hierher. Dieser flach, +plump und breit gebaute, 1-1/2 kg lang, 1 kg breit und 30 kg schwer +werdende Fisch war gerade seiner allerdings nicht richtig gedeuteten +elektrischen Eigenschaften wegen schon den Alten bekannt und spielte in +ihrer Arzneikunst eine nicht geringe Rolle; namentlich Claudius Galenus, +nächst Hippokrates der berühmteste Arzt des Altertums, empfahl im 2. +Jahrhundert n. Chr. das Auflegen von Zitterrochen auf den kranken +Körperteil, weil sie eine heilsame magnetische Wirkung ausüben sollten. +Die Griechen nannten den Zitterrochen wegen der durch seinen Schlag +hervorgerufenen Lahmlegung des ihn berührenden menschlichen oder +tierischen Körpers Narke, d. h. der Betäubende (daher auch narkotisieren += betäuben), die Römer Torpedo, d. i. der Lahmleger. In der Tat vermag +ein kräftiger alter Zitterrochen durch seinen Schlag den Arm eines Mannes +zu lähmen, wenn seine elektrische Kraft auch nicht an die des Zitteraals +heranreicht, und es ist deshalb beim Baden in an Zitterrochen reichen +Meeresteilen immerhin eine gewisse Vorsicht angebracht. Nach mehreren, +kurz aufeinander folgenden Entladungen läßt aber die Kraft des Fisches +nach, und schließlich vermag er nur noch ein leises Zittern hervorzurufen +und bedarf dann geraumer Zeit, um seine elektrische Batterie wieder in +leistungsfähigen Zustand zu versetzen. Im Wasser wirkt der Schlag stärker +als in der Luft, und er wird um so heftiger empfunden, je größer die +berührte Fläche ist. Um ihn auszulösen, müssen die positiv-elektrische +Rücken- und die negativ-elektrische Bauchseite des Fisches gleichzeitig +berührt werden, wobei aber schon die Herstellung einer mittelbaren +Verbindung durch ein Stück Tau oder dergleichen genügt, und zwar ist die +Wirkung an der dicksten Körperstelle des Fischleibes am merklichsten. Die +Entladung ist aber auch vom Willen des Tieres abhängig, stellt sich also +erst dann ein, wenn man es genügend reizt. Daß es sich bei alledem +wirklich um elektrische Erscheinungen handelt, ist nicht nur durch die +physiologischen Wirkungen, sondern auch durch chemische Versuche +(Wasserzersetzung, Zerlegung von Jodkalium, Wärmeentwicklung) +unzweifelhaft nachgewiesen. Erzeugt wird die Elektrizität in einem +besonderen, sehr umfangreichen Organ, das zu beiden Seiten des +Rückenmarkes einen beträchtlichen Raum im vorderen Teile des Fischkörpers +ausfüllt und aus zahlreichen, nach Art der Bienenzellen +aneinandergereihten Scheiben oder Platten besteht, die heute von den +meisten Gelehrten als abgeändertes Muskelgewebe gedeutet werden. Vom +vierten Lappen des Kleinhirns entsendet der lobus electricus eine Reihe +von Nervenpaaren in dieses Organ, die sich daselbst rasch aufs feinste +verzweigen, und als eine körnig-schleimige Masse in Form kleiner +Kugelzellen endigen. Die einzelnen Scheibchen sind zu Säulen +zusammengestellt, und zwar beim Zitterrochen so, daß ihre Achsen von der +Rücken- zur Bauchseite gerichtet sind, während sie beim Zitteraal und +Zitterwels in der Längsrichtung des Fischkörpers verlaufen. D'Arsonval, +dem wir die wohl beste und einleuchtendste Erklärung der ganzen, in ihren +Einzelheiten noch rätselhaften Erscheinung verdanken, ist der Ansicht, +daß die Tausende von Zellen im elektrischen Organ bei einer stärkeren +Reizung des Tieres einer augenblicklichen Formveränderung des +Protoplasmas unterliegen, und wenn auch der Spannungsunterschied jeder +einzelnen noch so gering ist, muß doch ihre Gesamtheit eine immerhin +bedeutende Wirkungskraft hervorrufen, wie sie nach den Untersuchungen +Lippmanns stark genug ist, den elektrischen Strom auszulösen. Die +erzeugten Wechselströme verdanken also ihre Entstehung molekularen +Formveränderungen, und damit ist auch ihre Abhängigkeit vom Willen des +Tieres erklärt. Du Bois-Reymond, der sich viel mit den »galvanischen +Batterien« dieser Fische beschäftigte, hat die ganz begründete Frage +aufgeworfen, wie es wohl kommen möge, daß die Zitterfische nicht selbst +die ersten Opfer ihrer Entladungen werden. Eine befriedigende Erklärung +für diese merkwürdige Erscheinung konnte noch nicht gefunden werden, man +muß sich daher einstweilen mit der auch durch Versuche nachgewiesenen +Tatsache begnügen, daß diese merkwürdigen Geschöpfe nicht nur gegen ihre +eigenen, sondern auch gegen von außen zugeführte elektrische Entladungen +gänzlich unempfindlich sind. + +[Illustration: Abb. 11. Nagelrochen (_Raja clavata_), einen Monat alt. +(Phot. von F. Ward.)] + +Die sehr kleinen Jungen des Zitterrochens kommen lebend zur Welt und +gleichen nach Körperbau und Bewegungsart jungen Haien, haben also noch +nicht die flache Rochengestalt. Deren Wirkung wird noch dadurch stark +gesteigert, daß die paarigen Flossen mächtig entwickelt und seitlich weit +ausgebreitet sind, fast wie Fledermausflügel, während Schwanz- und +Afterflosse fehlen und die verkümmerten Rückenflossen dem dünnen, langen +Schwanze aufsitzen, der als ein schmächtiges Anhängsel dem breiten Leibe +entwächst. Der quergestreckte Mund ist ganz auf die Unterseite gerückt, +noch etwas rückwärts und seitwärts von ihm liegen die großen +Kiemenspalten. Über die Lebensweise, die derart gestaltete Fische führen +müssen, kann von vornherein kein Zweifel sein. Es sind träge Bodenfische, +die meist ruhig auf oder im Sande ruhen und nur plötzlich hervorschießen, +wenn sich ihren spähenden Augen etwas Genießbares beut. Zumeist ist +übrigens die Nahrung der Rochen auf Krebstiere und Jungfische beschränkt, +da sie trotz ihrer Größe wegen des eigenartigen Mund- und Zahnbaues +umfangreichere Bissen nicht zu bewältigen vermögen. Wohl aber schwimmen +sie mit ihren breiten Seitenflossen vorzüglich und schießen durchs Wasser +wie Vögel durch die Luft. Das Gebiß ist furchtbar, denn auch die +härtesten Panzerkrebse werden zwischen den kraftvollen Kiefern ohne +Umstände zermalmt. Hauptwaffe der Rochen ist ihr langer Schwanz, mit dem +sie bei Gefahr nach allen Richtungen hin wütend die Fluten durchpeitschen +und dem Gegner die empfindlichsten Verletzungen beibringen, zumal bei +manchen Arten dieses Glied noch mit spitzen, angelartigen Stacheln +besetzt ist, nicht selten sogar hinzutretende Blutvergiftung die +geschlagenen Wunden lebensgefährlich macht. Dies wird schon von dem +kleinen, kaum meterlangen =Nagelrochen= (_Rája claváta_) unserer Küsten +berichtet, bei dem sich die dräuenden Stacheln auch auf der Mittellinie +des Rückens noch fortsetzen (Abb. 11). Diese Art, deren Fleisch im +südlichen England während der Wintermonate gern gegessen wird, pflanzt +sich durch Eier fort, doch ist deren Zahl auf 6-10 beschränkt, und das +ist gut so, denn wenn die geringe Fortpflanzungsfähigkeit der Rochen +nicht wäre, würden diese schädlichen Raubfische vermöge ihrer furchtbaren +Bewaffnung bald ein schädliches Übergewicht in den Meeren erlangen. So +aber schafft die Natur immer wieder den nötigen Ausgleich und stellt das +harmonische Gleichgewicht her. Bei der Nahrungssuche schweift der +Nagelrochen unter wellenförmigen Schaukelbewegungen niedrig über dem +Meeresboden dahin, und sowie seine äußerst empfindliche Unterseite etwas +Genießbares berührt, deckt er es mit seinem breiten Leibe und den großen +Seitenflossen und zermalmt es zwischen seinen harten Kiefern. Im Spielen +kommen diese seltsamen Fische bisweilen aber auch an die Oberfläche +empor, indem sie senkrecht auf- und niedertauchen und dabei zierlich +tänzelnde Bewegungen vollführen. Der gefürchtete =Stechrochen= (_Trygon +pastináca_) der tropischen Küsten hat an seinem langen, dünnen Schwanze +zwar nur einen einzigen Stachel, aber dieser ist sägeartig gezähnt. Kommt +dem gewöhnlich im Sande oder Schlamm bis an die Augen vergrabenen Fisch +etwas Verdächtiges zu nahe, so schwingt er seine Waffe wie eine Peitsche, +und der Stachel verursacht dann gar böse und schmerzhafte, sehr schwer +heilende Wunden. Die sagenumwobenen =Teufelsrochen= (im Mittelmeer findet +sich noch am ehesten _Diceróbatis giórnae_) haben zwar auch den Schwanz +zu einer Peitschenschnur ausgezogen, aber die Stacheln fehlen, denn für +diese Meerungeheuer ist schon ihre fabelhafte Größe genügender Schutz. +Hat man doch schon solche »Seeteufel« von 3-5000 kg Gewicht gefangen, in +deren Maule ein sitzender Mensch bequem Platz hatte und deren Breite 6-9 +kg betrug. Dabei schießen diese mit schier dämonischer Kraft begabten +Ungetüme doch außerordentlich behend durchs Wasser und bewegen sich in +ihm mit Hilfe ihrer zu riesenhaften Fledermausflügeln umgewandelten +Seitenflossen in förmlichen Raubtiersprüngen vorwärts. Harpunierte +Teufelsrochen schnellen sich sogar im Sprung aus dem Wasser heraus, und +wenn sie dann auf das Boot niederfallen, wird dieses durch ihr ungeheures +Gewicht unrettbar zerschmettert. Man verwendet deshalb bei dieser +gefährlichen Jagd ganz besonders gebaute und ausgerüstete Boote mit +luftgefüllten Zinnbehältern. Kennzeichnend für die in kleinen Trupps +zusammenlebenden Teufelsrochen sind zwei armsdicke, meterlange, +fleischige, beständig in Bewegung befindliche Taster am Kopf in der Nähe +der Augen. Vielleicht hat Schiller an dieses so vorsintflutlich anmutende +Scheusal des Meeres gedacht, als er in seinem »Taucher« von »scheußlichen +Klumpen« sang, denn der unförmlich breite Leib mit dem langen +Peitschenschwanz und der widerwärtige Schleimüberzug der schmutzig +gefärbten Haut machen diese furchtbaren Riesenrochen in der Tat zu höchst +abschreckenden Erscheinungen. + +Die Rochen gehören wie die Haie zu den Knorpelfischen; den Übergang +zwischen diesen beiden großen Gruppen mögen uns »des Hammers greuliche +Ungestalt« und der abenteuerlich geformte =Sägefisch= (_PrÃstis +antiquórum_) vermitteln. Dieser gehört seinem Aussehen nach zu den Haien, +nach seinem inneren Körperbau aber zu den Rochen und ist sehr +ausgezeichnet durch den zu einer bis 2 kg langen Doppelsäge ausgezogenen +Oberkiefer. Mit dieser furchtbaren Waffe soll der Sägefisch kleinere +Fische förmlich zersäbeln, aber auch größeren, selbst Delphinen und Walen +bei lebendem Leibe ganze Stücke Fleisch herausreißen oder die Eingeweide +zum Hervorquellen bringen, um sie zu verschlingen. Sicheres darüber +wissen wir nicht, sind überhaupt über die Lebensweise dieser +absonderlichen Fische erst höchst dürftig unterrichtet. Kann man den +Sägefisch als einen Rochen in Haigestalt bezeichnen, so darf umgekehrt +der auch in der Nordsee gelegentlich vorkommende =Meerengel= (_RhÃna +squátina_) ein Hai in Rochengestalt genannt werden. Er ist ein +stumpfsinniger und träger Bodenfisch, ein wahres Faultier des Meeres und +macht seinem schönen Namen wenig Ehre. In diesem Zusammenhange sei auch +gleich noch die verwandte =Seekatze=, Chimäre oder Spöke (_Chimaéra +monstrósa_) erwähnt, ein gar absonderlicher Fisch mit mächtigem Dickkopf, +kegelförmiger Schnauze, aufrichtbarem, gestacheltem Stirnfortsatz (daher +auch »Königsfisch«), dünnem Fadenschwanz (»Seeratte«), flügelartigen +Brustflossen, auffallend stark ausgeprägter Seitenlinie und in +metallischem Grün funkelnden Augen. Sie hat schon im Devon, +wahrscheinlich sogar schon im Silur unmittelbare Vorfahren gehabt, stellt +also ein uraltes Geschlecht dar. Heute fürchten die Fischer ihr +zermalmendes Gebiß, schätzen aber ihre ölreiche Leber zur Bereitung von +Wundsalben. Der =Hammerfisch= (_Zygaéna málleus_) endlich konnte kaum +einen anderen Namen erhalten, weil sein ungefüger Kopf unwiderstehlich an +die Hammergestalt erinnert und um so auffallender wirkt, als die Augen an +den äußersten Enden der knorpeligen Seitenvorsprünge sitzen. Diese wilde +und verwegene scharfbezahnte Bestie wird über 4 kg lang, 2-300 kg schwer +und hält sich zumeist auf schlammigem Meeresboden auf, wo sie heißhungrig +auf die kleineren Rochenarten Jagd macht. + +Die =Haie= selbst gelten als die »Hyänen des Meeres«, und noch +treffender könnte man sie als die »Wölfe der Salzflut« bezeichnen. Ihre +Raubgier und Unersättlichkeit, ihre Hinterlist und Verwegenheit sind +sprichwörtlich geworden. Sie sind eine wahre Geißel der warmen Meere und +werden nicht selten auch dem Menschen gefährlich, verleiden ihm das +erquickende Bad und erschweren ihm das Tauchen nach Perlen und anderen +Meeresschätzen. Immerhin ist auch viel über sie gefabelt, und ihre +Menschenfresserei stark übertrieben und aufgebauscht worden. So viel +dürfte sicher sein, daß die große Mehrzahl der Menschenteile, die man in +erlegten Haien vorfindet, von den Leichen Ertrunkener herrührt. +Vielleicht bilden sich auch unter den Haien in ähnlicher Weise bestimmte +Menschenfresser heraus wie unter den Löwen und Tigern, während anderseits +sowohl aus den nordischen wie aus den tropischen Meeren Beispiele genug +dafür bekannt sind, daß sich Menschen beim Baden oder gelegentlich +irgendwelcher Verrichtungen unbesorgt und ungestraft stundenlang unter +ganzen Scharen von Haifischen tummelten. Natürlich macht Gelegenheit +Diebe, auch im Wasser, und es steht fest, daß Schiffskatastrophen, +Seeschlachten und Erdbeben in Küstenländern immer auch mehr oder minder +auffallende Ansammlungen von Haifischen zur Folge haben, die bei solchen +Gelegenheiten bequem Beute machen und den ins Wasser gefallenen +Menschenkindern ein lebendes Grab bereiten. Besonders arg sollen sie's +während und nach der Seeschlacht von Abukir getrieben haben, und ebenso +zeigten sich nach dem Erdbeben von Messina ungewöhnlich viele Haie. Ein +dort einige Wochen später gefangener _Carchárodon carchárias_ z. B. hatte +die traurigen Reste von nicht weniger als 3 Menschen im Leibe, und zwar +ergab sich aus den genauen Untersuchungen Prof. Condorellis, daß das +Ungetüm die Unglückseligen, die wohl während des Bebens von einer +Flutwelle in die See hinausgespült worden waren, noch lebend verschluckt +haben mußte. Die einzelnen Leichenteile waren noch ganz frisch, wieder +ein Beweis dafür, wie auffallend langsam die Verdauungstätigkeit im +Haifischmagen vor sich geht. Der Seeminenkrieg mit seinen starken +Erschütterungen des Wassers scheint dagegen weniger nach dem Geschmack +der Haie zu sein. Wenigstens wird behauptet, daß die vielen Seeminen im +russisch-japanischen Kriege eine ersichtliche Abwanderung der gerade in +den chinesischen Gewässern sonst sehr zahlreichen Haie bewirkt hätten und +daß die greulichen Raubfische dafür in der Adria ungewöhnlich zahlreich +aufgetreten seien. Letzteres ist nicht zu leugnen und steht wohl damit im +Zusammenhang, daß seit Eröffnung des Kanals von Suez den Haien das +Einwandern vom Indischen Ozean zum Mittelmeer sehr erleichtert worden +ist, weshalb auch am schönen Strande der Riviera manchmal der +Schreckensruf »Ein Hai!« das sorglose Badeleben stört. Im Jahre 1908 +wurde dort ein riesiger Menschenhai gefangen, und selbst in unseren +Meeren kommt dies gelegentlich vor, namentlich bei Helgoland, wo ein im +Januar 1907 mit dem Grundnetz erbeuteter Hai nicht weniger als 3 Zentner +Heringe im Leibe hatte. Die Freßgier dieser Tiere leistet eben +Unglaubliches, und beständig scheint sie nagender Heißhunger zu quälen +und zum gierigen, wahllosen Verschlingen auch der scheinbar +ungeeignetsten Gegenstände anzuspornen. Deshalb findet man in +Haifischmägen oft die absonderlichsten Dinge, namentlich oft Sardinen- +und Konservenbüchsen, wie sie von Bord der Schiffe ins Meer geworfen +werden. Denn die Haie folgen mit Vorliebe den Schiffen, weil es da immer +etwas für sie zu ergattern gibt. Trotz ihrer glänzenden Schwimmleistungen +vermögen sie freilich das Wettrennen mit einem modernen Ozeandampfer +nicht lange auszuhalten, sondern bleiben bald zurück, während sie die +langsamen Segelschiffe tage- und wochenlang umkreisen und sich dann wenig +daraus machen, wenn die Reise von einem Meere in ein anderes geht und von +den Tropen zu den Eisbergen führt oder umgekehrt, weshalb die +Verbreitungsbezirke der einzelnen Arten so schwer gegen einander +abzugrenzen sind. Fangen die Matrosen bei eintretender Windstille an, +sich zu langweilen, dann bietet ihnen der Haifischfang erwünschte +Abwechslung in ihrem eintönigen Dasein. Denn so scharfsinnig, klug und +verschlagen der Hai sonst auch ist, seine grimmige Freßgier verleitet ihn +doch zu den törichtsten Streichen; blindlings schnappt er auch auf den +plumpsten Köder los, und namentlich der Lockung eines tüchtigen +Speckbrockens vermag er nur in den seltensten Fällen zu widerstehen. Um +ihn mit dem unterständigen Maule zu fassen, muß er sich erst auf den +Rücken oder doch auf die Seite wälzen. Unter dem Triumphgeschrei der +Matrosen wird dann das überlistete Meeresungetüm an einer starken Kette +aufs Schiff gezogen, dessen Deck alsbald von seinen dröhnenden, mit +unheimlicher Kraft geführten Schwanzschlägen erzittert. Der Seemann haßt +den Hai mit glühendem Herzen und sucht sich an ihm für das traurige +Schicksal manches Kameraden durch ausgesuchte Grausamkeit zu rächen. +Hageldicht sausen die Hiebe auf den Gefangenen hernieder, Dutzende von +Messern zerwühlen seinen zuckenden Leib, spitze Harpunen durchbohren +seinen Kopf, die riesige Leber fliegt in den bereitgestellten Bottich, +und doch will die gehaßte Bestie nicht verenden, denn die Lebenszähigkeit +der Haie streift ans Unglaubliche. Das Herz soll noch 20 Minuten lang +schlagen, nachdem es dem Körper entnommen wurde. Während die Leber zur +Trangewinnung benutzt wird und die körnige Haut als »Chagrin« mancherlei +Verwendung erfährt, findet das übelriechende Fleisch nur selten einen +Liebhaber, soll aber in unserer Zeit der Fleischteuerung unter der Flagge +des Seeaals doch hin und wieder auf die Fischmärkte eingeschmuggelt +werden. Die Chinesen, die ja von jeher ihre absonderlichen +Geschmackseigenheiten gehabt haben, erblicken aber wenigstens in den +Haifischflossen einen großen Leckerbissen, der es wert ist, mit Gold +aufgewogen zu werden, und der, zu einer Art Gelee verkocht, bei keinem +vornehmen Prunkmahle fehlen darf. Unserem Gaumen aber würde dies klebrige +Gericht kaum sonderlich behagen, denn besser als zum Essen eignen sich +die Haiflossen sicherlich zum -- Leimkochen. Wäre die abstoßende Freßgier +der Haifische und ihre blindwütende Raubsucht nicht, man könnte sie fast +lieb gewinnen, denn sie gehören zweifellos zu den körperlich am besten +ausgerüsteten und zu den geistig am höchsten begabten aller Fische. +Pfeilgeschwind durchschneidet ihr langgestreckter Körper mit der +kraftvollen Schwanzflosse die Wogen, oft so nahe an der Wasseroberfläche, +daß die Rückenflosse über diese hervorsieht; auf weite Entfernungen hin +wittert ihre scharfe Nase Heringsheere und Schellfischzüge, förmlich +planmäßig umstellen sie diese und brechen dann von allen Seiten +gleichzeitig auf die Verwirrten los, jäh im Angriff, blitzschnell im +Zufahren, selbst nicht ganz ungelenk in raschen Wendungen. Ortsgedächtnis +ist den Haien nicht abzustreiten, und auch das sanfte Gefühl der +Elternliebe ist diesen blutdürstigen »Hyänen des Meeres« nicht fremd. +Viele sind vielmehr sorgsame Mütter, und der weite Rachen mit den +mehrfachen Reihen spitz dreieckiger »Drachenzähne« der sichere +Zufluchtsort, in den sich die Jungen beim geringsten Anzeichen von Gefahr +flüchten. + +Die größten Haifischarten sind durchaus nicht zugleich auch die +gefährlichsten. Vielmehr sind gerade der bis 15 kg lang werdende +=Riesenhai= (_Seláche máxima_) der Nordmeere und der ihn noch +übertreffende =Rauhhai= (_RhÃnodon typicus_), überhaupt die größte +lebende Fischart, verhältnismäßig harmlose Gesellen, die nach Art der +Wale von allerlei kleinerem Meeresgetier leben und natürlich einer +ungeheuren Menge davon zu ihrer Sättigung bedürfen. Den Walfischjägern +helfen sie auch beim Entspecken der erlegten Meeresriesen mit, kümmern +sich aber nicht im geringsten um den Matrosen, der etwa bei dieser +unangenehmen Arbeit von dem schlüpfrigen Riesenkadaver herab ins Meer +sauste. Vielmehr stellen die mittelgroßen Haie die gefürchteten +Menschenfresser vor. Als ein solcher gilt mit Recht der noch keine 5 kg +lang werdende, sehr schlank gebaute und oberseits schön graublau gefärbte +=Blauhai= (_Carchárias gláucus_), der auch durch Abfressen der +Köderfische und Zerreißen der wertvollen Netze den Fischern im Mittelmeer +Verdrießlichkeiten genug macht, deshalb grimmig von ihnen gehaßt und bei +jeder sich bietenden Gelegenheit schonungslos verfolgt wird. Aber gerade +sein Fang mißglückt oft genug, indem der Fisch das Angeltau durchbeißt +oder mit einem gewaltsamen Ruck zerreißt, nachdem er es sich vorher durch +Herumwälzen mehrfach um den Leib gewickelt hat. Selbst der an Bord +gezogene Blauhai ist durch seine fürchterlichen Schwanzschläge noch ein +sehr achtbarer Gegner, und die Matrosen suchen daher auch immer zuerst +durch Axthiebe den gefährlichen Schwanz vom Rumpfe zu trennen. Noch +furchtbarer ist der stärkere =Weißhai= (_Carchárodon rondeléti_), der mit +einem einzigen Schnapp seiner schrecklich bezahnten Kiefer einen +Menschenleib mitten auseinander zu beißen vermag. Ein solches Ungetüm von +10 kg Länge, 3 kg Körperumfang und 3000 kg Gewicht wurde unlängst an der +kalifornischen Küste gefangen; sein gewaltiger Rachen zeigte eine Breite +von 3/4 kg und eine Spannhöhe von mehr als 1 kg, so daß 2 Kinder bequem +auf dem Unterkiefer sitzen konnten, ohne mit den Köpfen den Gaumen zu +berühren. Auch die kleinen Haie unserer Meere sind verhältnismäßig recht +grimmige Bursche. So schon der nur halbmeterlange =Hundshai= (_Scyllium +canÃcula_) und der doppelte Größe erreichende, hübsch gefleckte +=Katzenhai= (_Scyllium cátulus_), deren rauhe Haut gern zur Bekleidung +von Säbel- und Degengriffen benutzt wird, da sie der umschließenden Hand +einen festen und sicheren Halt gewährt. Der aufmerksame Strandwanderer +findet zur Zeit der Heringszüge öfters die von den Wogen an den Strand +geworfenen Kadaver dieser kleinen Haie oder auch ihre merkwürdigen, der +Fischerbevölkerung als »Seemäuse« bekannten Eier (Abb. 13). Diese +wunderlichen Dinger sind gestreckt viereckige Hornkapseln von +gelblichbrauner Farbe und an jeder Ecke mit einem langen, gewundenen +Anhang versehen, der wie eine verdorrte Weinranke aussieht und zur festen +Verankerung des Eis an Meeresgewächsen dient. Durch einen schmalen Spalt +an jedem Eiende kann Wasser zu den Kiemen des eingeschlossenen Embryos +gelangen, und der Abschluß der Eischale ist auf eine sinnreiche Weise +derart eingerichtet, daß der reife Junghai zwar leicht einen Ausweg, kein +Feind aber den Zutritt finden kann. Ähnlich sehen auch die Eier der +Rochen aus (Abb. 12). Dagegen gehört der etwa gleichgroße =Dornhai= +(_Acánthias vulgáris_, siehe Abb. 10, Fig. 1) zu den lebend gebärenden +Arten und ist zugleich der geselligste aller Haie. In großen Schwärmen +folgt er den Heringszügen und richtet als einer der freßgierigsten Räuber +gewaltige Verwüstungen unter ihnen an. Seinen Namen führt er deshalb, +weil der vorderste Strahl der beiden Rückenflossen zu einem starken Dorn +entwickelt ist. + +[Illustration: Abb. 12. Rochen-Ei.] + +[Illustration: Abb. 13. Ein Haifisch-Ei (geöffnet).] + +Merkwürdig ist das Verhältnis der größeren Haie zu dem der Makrelengruppe +angehörigen, hübsch gebänderten =Lotsenfisch= (_Naucrátes dúctor_). +Selten nur sieht man einen Hai ohne diese anhänglichen Begleiter. Nach +den Erzählungen der Seeleute sollen die flinken Lotsenfische für den Hai +auf Kundschaft ausziehen und ihn dann zu einem erspähten Bissen +hinführen, von dem sie auch ihren Anteil erhalten. In Wirklichkeit wird +sich die Sache wohl so verhalten, daß sich der Lotsenfisch in der Nähe +des großen Räubers, von dessen Tafel ja auch manches für ihn abfallen +mag, vor anderen Raubfischen sicher fühlt und selbst zu gewandt ist, als +daß ihn sein freßgieriger Freund erhaschen könnte. Also eine auf +Einseitigkeit beruhende Symbiose! -- Diese Erklärung erscheint um so +wahrscheinlicher, als der Lotsenfisch ganz die gleiche Anhänglichkeit +auch gegen Schiffe und Wracks bekundet, immer in der Hoffnung, bei diesen +besonders reichlich und mühelos Nahrung zu finden. + +Während sich mit einem erlegten Hai im allgemeinen nur wenig anfangen +läßt, und der aus ihm gewonnene Ertrag in gar keinem Verhältnis zur Mühe +und Gefahr der Erbeutung steht, gehört ein anderer Riesenfisch des +Meeres, der =Stör= (_Acipénser stúrio_), zu den volkswirtschaftlich +wichtigsten Arten. An ihm ist fast alles verwendbar. Das wohlschmeckende +und nährkräftige Störfleisch wurde schon von den Römern als ein +besonderer Leckerbissen gewürdigt, der mit großer Feierlichkeit unter +Musikbegleitung auf die Tafel gesetzt zu werden pflegte, und erfreut sich +auch bei uns, nachdem man es früher wenig beachtet hatte, steigender +Beliebtheit, seitdem dieser edle Fisch durch den schonungslos betriebenen +Fang so selten geworden ist, daß das Pfund Störfleisch mit 3 Mark und +mehr bezahlt werden muß, also nur noch den wohlhabenden Kreisen +zugänglich ist. Mehr als frisches kommt neuerdings geräuchertes +Störfleisch aus Rußland in den Handel, und auch dieses hat so vielseitige +Eigenschaften, daß ein geschickter Koch es nach Belieben in Schinken, +Beefsteak, Lammsbraten oder Geflügel umwandeln kann. In noch höherem +Ansehen aber steht der aus dem Rogen des Weibchens gewonnene Kaviar, eine +köstliche, aber auch sündenteure Delikatesse, in Güte und Preis nach +Gewinnungs- und Zubereitungsart sehr verschieden. Der billige und +minderwertige, nur oberflächlich gereinigte und unter starkem Salzzusatz +auf Matten an der Sonne getrocknete, dann mit Öl vermengte und mit den +Füßen in Holzfässer eingetretene Preßkaviar ist wenigstens in Rußland +noch Volksnahrungsmittel; in den von mir besuchten Gegenden am Kaspi +vertrat er geradezu die Stelle des Käses. Körniger Kaviar, der in +durchwässerten Sieben durch Peitschen mit Ruten sorgfältig von +anhaftenden Häutchen und sonstigen Unreinlichkeiten befreit und in langen +Trögen schwach durchgesalzen wird, ist bedeutend teurer. Am höchsten +stehen diejenigen Sorten im Preise, die nach dem Abkörnen in leinene +Säckchen kommen und in diesen in Salzlauge gehängt, dann schwach +ausgedrückt und an der Luft getrocknet, nach dem Verpacken in die +bekannten kleinen Holzfäßchen aber beständig unter Eis gehalten werden. +Ein weiteres wichtiges Nebenerzeugnis der Störfischerei ist der aus der +Schwimmblase der Fische gewonnene Leim, der auch beim Stärken der Wäsche +und zur Herstellung von Gelees Verwendung findet. Endlich liefert auch +noch die die Wirbelsäule vertretende Rückenseite des Störs ein Gericht, +das als Wjasiga das Entzücken aller Petersburger und Moskauer Schlemmer +bildet und aus dem sich auch eine wundervolle Pastetenfüllung herstellen +läßt. Im Meere werden gewöhnlich nur vereinzelte Störe erbeutet, ein +Massenfang ist nur im Unterlauf der Ströme möglich, in denen diese Fische +zu Beginn der Laichzeit emporsteigen, wobei die Rogner derart mit Eiern +vollgepfropft sind, daß sie sich nur mühsam fortzubewegen vermögen, +während sonst der Stör zu den flinken Raubfischen zählt. Leider ist seine +Abnahme bei uns infolge lange betriebener Überfischerei eine derart +rasche, unaufhaltsame und allgemeine, daß man in sehr absehbarer Zeit mit +dem völligen Aussterben dieses wertvollen Nutzfisches in unseren +Gewässern zu rechnen haben wird, falls die bisher gescheiterten +Züchtungsversuche nicht schließlich doch noch zu einem Erfolge führen. So +wurden im Weichseldelta 1900 noch 27000 kg Störfleisch erbeutet, 1906 nur +noch 9800 und 1908 gar nur mehr wenige 100 kg. Dagegen hat der +Fischreichtum der russischen Gewässer (es handelt sich dort zumeist nicht +um den eigentlichen Stör, sondern um seinen größeren Vetter, den bis 9 m +lang und bis 1500 kg schwer werdenden =Hausen= [_Acipénser húso_]) bisher +allen Verfolgungen Trotz geboten, wobei aber schwer ins Gewicht fällt, +daß gerade der Störfang dort von altersher aufs strengste geregelt ist +und mit Maß und Vernunft betrieben wird, besonders erfolgreich auch unter +dem Eise der zugefrorenen Wolga. Gerade deshalb aber vermag Rußland +allein aus dem Störfleisch einen Gewinn von mindestens 12 Millionen Rubel +jährlich zu erzielen, und die Bevölkerung ganzer Landstriche findet durch +diesen einzigen Fisch einen guten Lebensunterhalt. Wenn man bedenkt, daß +ein erwachsenes Hausenweibchen bis zu 3 Zentner Kaviar liefert, und das +Pfund davon schon an Ort und Stelle mit 8 Mark bezahlt wird, so wird man +ermessen können, welchen Glücks- und Freudentag der Fang eines solchen +Riesenfisches für den armen Fischersmann bedeutet. + +Der Stör ist jedoch nicht nur ein wirtschaftlich hochwichtiger Fisch, +sondern auch ein naturgeschichtlich besonders interessanter, da er als +letzter Rest eine der ältesten und sonst ausgestorbenen Ordnungen aus dem +Reich der Fische verkörpert und uns lebende Kunde gibt vom Aussehen und +Bau der Wirbeltiere in den Urzeiten der Tierwelt. Sein Körper ist +schlank, die unterständige Schnauze gestreckt und vorgezogen, die Kiefer +zahnlos, und das Schuppenkleid wird ersetzt durch 5 Längsreihen +eigenartiger Knochenschilder, die aussehen wie chinesische Hütchen und +bei jungen Stücken schärfer gekantet sind als bei alten. Auch haben die +dem Laich schon nach 3 Tagen entschlüpfenden Jungen während ihrer ersten +Lebensmonate noch Zähne. Sie streben schon frühzeitig dem Meere wieder +zu, aber über das dortige Leben und Treiben der Störe wissen wir +eigentlich herzlich wenig. + +Ähnliches gilt auch von dem größten und zugleich wehrhaftesten aller +Knochenfische, dem sagenumwobenen, in unzähligen Seefahrergeschichten +verherrlichten =Schwertfisch= (_XÃphias gládius_), dem Todfeinde des +Thuns, dessen Wanderscharen er durch seine ungestümen Angriffe öfters +auseinandersprengt oder von ihrem Wege abdrängt. Da er überdies auch +häufig die wertvollen Riesennetze der Mittelmeerfischer zerreißt, ist er +ihnen verhaßt, und sie jagen ihn deshalb, wo sie nur können. Andere +betreiben diese Jagd aus rein sportlichen Gründen, weil ihr in hohem Maße +der Reiz des Gefährlichen innewohnt. Denn das Schwert, d. h. der +degenförmig bis auf 1-1/2 kg verlängerte Oberkiefer des Xiphias ist in +der Tat eine furchtbare Waffe, deren Wirkung durch das pfeilschnelle +Vorstoßen des großen und kraftvollen Fisches noch wesentlich gesteigert +wird. Mit unwiderstehlicher Gewalt rennt er diese Lanze dem Gegner tief +in den Leib, oder er gebraucht seine Waffe kleineren Beutefischen +gegenüber als Schwert, indem er sie durch seitliche Bewegungen rechts und +links niedersäbelt oder mitten durchschneidet und mit diesem blutigen +Werke nicht aufhört, bis eine ganze Reihe von Schlachtopfern die Walstatt +bedeckt, worauf sich der Raubritter daran macht, sie in aller Ruhe und +Behaglichkeit zu verzehren. Ashby konnte einmal an der Stelle, wo ein +Schwertfisch vor seinen Augen in einem Heringsschwarm gewütet hatte, noch +einen ganzen Scheffel getöteter Heringe aufsammeln. Der Schwertfisch ist +sich seiner Wehrhaftigkeit denn auch gar wohl bewußt und scheut keinen +Gegner, wagt sich erwiesenermaßen sogar an Wale und Haie und ficht mit +ihnen grimmige Kämpfe aus, die zu den großartigsten Schauspielen des +Weltmeeres gehören und bei denen unserem Fisch auch seine ungewöhnliche +Gewandtheit und Schnelligkeit sehr zustatten kommen. Dem Menschen geht er +gewöhnlich scheu aus dem Wege, aber bisweilen scheinen einzelne +Schwertfische nach Nashornart von einer wahren Berserkerwut befallen zu +werden und rennen dann rücksichtslos alles an, was ihnen begegnet, sei es +selbst ein großes Schiff. So erklären sich die gelegentlichen und nicht +selten tragisch endenden Angriffe von Schwertfischen auf Badende oder auf +bemannte Boote, die er durch und durch zu stoßen, so leck zu machen und +zum Sinken zu bringen vermag. Von der furchtbaren Wucht seines Stoßes +kann man sich einen Begriff machen, wenn man z. B. im Britischen Museum +den Kiel eines Ostindienfahrers betrachtet, durch dessen Metallbeschlag +und Holzwerk ein Schwertfisch seine Waffe 55 kg tief hineingetrieben +hatte. Ja es ist sogar ein Fall verbürgt, wo ein in einem Boote sitzender +Matrose von einem Schwertfisch getötet wurde, indem dieser sich aus dem +Wasser emporschnellte und dem Unglücklichen seine Lanze mitten durch den +Leib rannte. Aus alledem läßt sich entnehmen, daß die Jagd auf den +Schwertfisch, von dem nur die umfangreiche Schwanzmuskulatur als +genießbar gilt, ganze Männer verlangt. Sie wird trotzdem von +amerikanischen Sportsmen mit wahrer Leidenschaft betrieben, und zwar +ausschließlich mit der Harpune, da der Fisch auch die stärksten Netze +glatt durchschneidet. Die von sinnloser Angriffslust und wütender +Kampflust ruhelos durchs Meer getriebenen Schwertfische sind gewöhnlich +ganz alte Stücke. Die Jungen führen das gefährliche Schwert überhaupt +noch nicht, sondern dieses bildet sich erst mit zunehmendem Alter ganz +allmählich aus. + +Den Riesen der Meeresfische seien nun auch gleich noch die Zwerge unter +ihnen gegenübergestellt. Will man die Lanzettfischchen schon zu den +echten Wirbeltieren rechnen, so muß hier zunächst _Asymmetron lucayánum_ +erwähnt werden, der bei den Bahamainseln vorkommt und nur 19 mm mißt, +während unser kleinster Süßwasserfisch, der Zwergstichling, immerhin über +50 mm lang wird. Sodann ist nach Krause namentlich das formenreiche +Geschlecht der =Meergrundeln= reich an winzigen, nicht über 25 mm +hinauswachsenden Arten. So durchstreift das durchsichtige =Seeräuberchen= +(_Latrúnculus perlúcidus_) fast unsichtbar die Fluten bei den britischen +Inseln und an einigen anderen europäischen Küsten. Dieses Geschöpfchen +ist um so merkwürdiger, als es nach den Untersuchungen Colletts wie die +meisten Insekten und viele Pflanzen nur ein Jahr lebt und somit das +einzige bekannte Beispiel eines einjährigen Wirbeltiers vorstellt. Im +August entschlüpfen die Jungen dem im Juni oder Juli abgesetzten Laich, +sind schon im Dezember völlig ausgewachsen, bekommen im April die +geschlechtlichen Unterscheidungsmerkmale und sterben sofort nach der +Laichabgabe im Sommer ausnahmslos ab, so daß man in den Herbstmonaten +stets nur junge Seeräuberchen antreffen kann. Die allerkleinste Art ist +aber der =Luzonfisch= (_MistÃchthys luzonénsis_) von den Philippinen, bei +dem die Weibchen durchschnittlich nur 13,5, die Männchen gar nur 10-11 +mm lang werden. Auch diese wahrscheinlich lebend gebärenden Tierchen +sind im Leben bis auf einige schwarze Flecken fast durchsichtig und +werden nach Zeller trotz ihrer Winzigkeit als Speisefische genützt. Sie +werden in besonders eng gewobenen Netzen gefangen, mit Pfeffer und +anderen Gewürzen zubereitet und natürlich mit Stumpf und Stiel verzehrt, +etwa wie bei uns die Stinte, deren übler Geruch ihnen aber abgeht, so daß +sich auch die Europäer sehr mit diesem »Badi« genannten Gericht +befreundet haben. Übrigens hat es auch schon in grauen Urzeiten derart +winzige Fische gegeben. So fand man im roten Sandstein Schottlands +wohlerhaltene Devonfische (_Palaeospóndylus_), die auch nur 12-15 mm +messen und einen ähnlichen Saugmund besitzen, wie unsere Neunaugen, wobei +es freilich einstweilen noch dahingestellt bleiben muß, ob es sich nicht +vielleicht um die Larvenformen eines Panzerfisches handelt. + +Um nochmals auf die zur Überlistung der Beutetiere und zum Verbergen +vor Feinden dienende Farbenanpassung der Fische zurückzukommen, so gibt +es außer der auf den Bodenuntergrund bezüglichen vielfach auch eine +solche, die sich der umgebenden Pflanzenwelt, also den in langen Bändern +wogenden Tangen des Meeres oder den Rohrstrünken und Halmen des +Süßwassers anschmiegt. Geradezu verblüffende Beispiele für die erstere +Gruppe finden wir namentlich unter den Fischen warmer Meere, so den +berühmten =Fetzenfisch= (_Phyllópteryx éques_) der australischen Gewässer +mit seinen zahlreichen Dornfortsätzen und bandartigen Anhängseln, aber +auch schon der bereits in der Nordsee auftretende =Seeteufel= oder +=Angler= (_Lóphius piscatórius_, s. Abb. 10, Fig. 5) sieht wahrlich +abenteuerlich genug aus. »Ein sonder scheußlich, heßlich Tier sollen +diese Meerkrotten sein«, sagt schon der alte Gesner, der eine im +wesentlichen ganz richtige Lebensbeschreibung des Seeteufels gegeben hat, +und in der Tat wird man den absonderlichen Burschen, dessen einer platten +Keule gleichender Leib fast nur aus dem unflätigen, zahnstarrenden +Riesenmaul, dem ungeheuerlichen Dickkopf und dem weiten Magensack zu +bestehen scheint, beim besten Willen nicht schön finden können. Zwischen +den Krautwäldern der Meeresküste liegt er tückisch verborgen, wobei er +sich oft noch mit Hilfe der seehundsartigen Brustflossen in den Sand +eingräbt, und läßt unablässig die merkwürdigen angelartigen Fortsätze auf +Kopf und Rücken im Wasser spielen, die recht gut Würmer vorzutäuschen +vermögen und so hungrige Kleinfische anlocken,[1] denen dann durch +einfaches Aufreißen des gewaltigen Rachens ein frühes Grab in dem +unersättlichen Magen des Anglers bereitet wird. Das Eingraben hat dieser +dabei eigentlich kaum nötig, denn wie Franz bei den Klippen Helgolands +beobachtete, ist die sehr wechselnde Färbung seiner Oberseite, die durch +zahllose, vielfach gezackte und gelappte Linien in der Art, wie wir sie +von den Ammoniten her kennen, ausgezeichnet wird, eine fabelhaft genaue +und bis in die kleinsten Einzelheiten gehende Nachahmung all der +Farbenwirkungen und mannigfaltigen Abschattierungen von Dunkelolivenbraun +und Gelbbraun, die wir bei klarem Wasser in dem von Tangen durchwucherten +Klippenmeer sehen. Erhöht wird diese Wirkung noch dadurch, daß Maul und +Seiten des Fisches mit kleinen grünbraunen Bartelfortsätzen besetzt sind, +die in ihrer lappigen Gestalt täuschend den umgebenden Algen gleichen. +Wenn auch der wehrhafte Angler Feinde nur wenig zu fürchten hat, so kommt +diese ganze Ausrüstung dem trägen Gesellen doch sehr zustatten beim +Überlisten und Fangen seiner Beute, und diese pflegt deshalb bei seinem +ständig regen Heißhunger so reichlich auszufallen, daß die Fischer, die +den an sich fast ungenießbaren Seeteufel erwischen, ihm wenigstens den +Bauch aufschneiden, um sich die von ihm zahlreich verschluckten und oft +noch ganz frischen Fische anzueignen. + + [1] Guitel bestreitet auf Grund von Aquariumsbeobachtungen diese bisher + allgemein verbreitete Ansicht und glaubt, daß der Angler seine + Opfer durch rasche Vorstöße nach oben erhasche, sich aber + überwiegend von Aas und unbeweglichen Seetieren nähte (?). + +Wo eine weitgehende Farbenanpassung fehlt, hat die erfinderische Natur +durch mannigfache anderweitige Mittel dafür gesorgt, ihre Kinder +wenigstens zeitweise den Nachstellungen ihrer Feinde zu entziehen oder +ihnen das Erhaschen ihrer Beute zu erleichtern. Hierher gehört z. B. das +Schießvermögen mancher Fische, auf der anderen Seite dagegen alle +diejenigen Fälle, wo Fische den Räubern des Meeres dadurch ein +Schnippchen schlagen, daß sie das feuchte Element für mehr oder minder +kurze Zeit verlassen und mit dem Aufenthalte auf festem Erdboden oder in +freier Luft vertauschen können, und damit kommen wir auf die viel +erörterte Frage der =fliegenden Fische=. Einen ebenso überraschenden wie +fesselnden Eindruck gewährt es, wenn plötzlich zu beiden Seiten des +Schiffes Scharen von Flugfischen aus dem Wasser emporschießen, +silberglitzernd auseinanderstieben, sich in langem, flachem Bogen über +die Wellen schwingen und endlich ermattet wieder in das gewohnte Element +zurückfallen, oder wenn man in finsterer Nacht das leise Knistern ihrer +Flugflossen hört, das Anprallen einzelner an die Schiffswand merkt und +andere klatschend auf das Deck des hochbordigen Schiffes selbst +herniederfallen -- ihrer Schmackhaftigkeit halber eine hochwillkommene +Zugabe für den Küchentopf der Matrosen. Alle Flugfische sind Kinder der +wärmeren Meere, einige kommen aber schon im Mittelmeer regelmäßig vor, +und deshalb berichten schon die Beobachter aus dem klassischen Altertum +eingehend über dieses Naturwunder, und auch später haben die Forscher +aller Zeiten und Völker die damit zusammenhängenden wissenschaftlichen +Fragen zu lösen und zu lichten versucht, ohne sich doch darüber bis zum +heutigen Tage einig geworden zu sein. So herrscht denn auch heute noch +keine völlige Klarheit auch nur über die Grundfragen, keine Klarheit +darüber, was die Fische eigentlich veranlaßt oder zwingt, das Wasser mit +der Luft zu vertauschen, darüber, ob sie während des Fluges die Richtung +abändern können oder nicht, darüber, ob sie währenddem flügelartig mit +den Flossen schlagen oder diese lediglich als Fall- oder Gleitschirm +benutzen, darüber, was sie nachts so hoch emporträgt, daß sie auf das +Deck der Schiffe niederfallen können, während sich am Tage ihre Flugbahn +stets nur in sehr mäßiger Höhe fortbewegt. Allerdings sind alle solche +Beobachtungen bei der Schnelligkeit und Plötzlichkeit der Erscheinung, +bei dem ungünstigen Stande des auf dem Schiffe befindlichen Beobachters +von oben her und bei der unsicheren Beleuchtung, die das »Atmen« der +Wellenberge und das glitzernde Silberkleid der Fische mit sich bringt, +äußerst schwieriger Art, aber hier wäre ein sehr dankbares Feld für die +wissenschaftliche Tätigkeit des Kinematographen, dem die endgültige +Lösung dieser viel umstrittenen Frage nicht schwer fallen könnte. Suchen +wir aus all den zahllosen, sich oft widersprechenden Berichten und +Streitschriften den wesentlichen Kern herauszuschälen, vergleichen wir +das so Gewonnene miteinander und wägen es sorgsam gegeneinander ab, so +erhalten wir etwa folgendes Bild vom gegenwärtigen Stande unseres Wissens +über das Rätsel der Flugfische. + +Der Fisch schnellt sich pfeilgeschwind und mit großer Wucht aus dem +Wasser empor, und zwar hauptsächlich mit Hilfe des rasche +Schraubenbewegungen vollführenden, kräftigen Schwanzes und durch +Zusammenpressen der ungemein stark entwickelten Seitenmuskulatur. Es ist +also ganz derselbe Vorgang, wie er sich beim wandernden Lachse vollzieht, +wenn er ein Wehr überspringen will. Aber der Flugfisch schießt nicht so +steil, nahezu senkrecht aus dem Wasser wie der verliebte Salmonide, weil +es für ihn ja weniger darauf ankommt, eine möglichst große Höhe zu +erreichen, als vielmehr darauf, sich eine möglichst weite Flugbahn zu +schaffen. Das Herausspringen vollzieht sich daher in mehr oder minder +spitzem Winkel zur Wasserfläche, höchstens in einem solchen von 45°, und +in schräger Richtung, in die der Fisch wahrscheinlich schon vorher im +Wasser seinen Körper eingestellt hat. Sehr erleichtert wird ihm das +Emporschnellen jedenfalls auch noch dadurch, daß er eine ganz +ungewöhnlich große Schwimmblase besitzt, die z. B. bei einer 16 cm langen +Art 9 kg lang und 2-1/2 kg breit ist, so daß für sie durch ringförmige +Ausbuchtungen im Knochengerüst noch besonders Raum geschaffen werden muß, +und 44 _ccm_ Luft faßt, also den Fisch sehr leicht macht und ihm demnach +wohl mehr als Flug-, denn als Schwimmorgan dient. Das Herausschießen +vollzieht sich ohne Rücksicht auf die Bewegung des Windes oder die +Richtung der Wellen, obwohl feststeht, daß es bei völliger Windstille und +spiegelglatter See überhaupt nie stattfindet, demnach die Unterstützung +des Windes an sich zum Flug dieser Geschöpfe unerläßlich erscheint. +Wahrscheinlich fördern auch hastige Schläge mit den mächtigen, zu +Flugorganen umgewandelten Brustflossen das Emporheben in die Luft, denn +wenn man sich in unmittelbarer Nähe befindet, hört man deutlich das +raschelnde und knisternde Geräusch der Flossen. Seitz berechnet die Zahl +der derart vollführten Flatterschläge auf 10-30 in der Sekunde. Ich +selbst habe trotz angestrengtester Aufmerksamkeit und vorzüglichem +Krimstecher solche Flügelschläge mit den Flossen, deren Möglichkeit von +Moebius und du Bois-Reymond überhaupt geleugnet wird, nie zu erkennen +vermocht, gebe aber bei der Schwierigkeit der Beobachtung und der +Kurzsichtigkeit meiner Augen gerne die Möglichkeit einer Selbsttäuschung +zu. Jedenfalls breitet der Fisch, sobald er erst einmal eine gewisse Höhe +erreicht hat, seine Flugflossen wagrecht oder mit einer geringen Neigung +nach oben aus und läßt sich nun durch sie passiv vom Luftstrom tragen. +Soviel scheint sicher zu sein, daß er während des eigentlichen Fluges, +der freilich gar kein echter Flug ist, sondern nur ein fallschirmartiges +Schweben und Gleiten, keine Flatterbewegungen vollführt, daß demnach die +Erscheinung nicht mit dem Flattern der Fledermäuse, dem Gaukeln der +Schmetterlinge oder dem Schwirren der Bienen verglichen werden kann, +sondern höchstens mit dem Schweben der Flughörnchen und Flugechsen oder +mit dem Aufschwirren der Heuschrecken aus dem Wiesengras. Eigentlich ist +es nur ein künstlich verlängerter Sprung. Von einem wirklichen Fliegen, +dieser »Poesie der Bewegung« kann schon deshalb gar keine Rede sein, weil +dazu der Flächeninhalt der Brustflossen trotz ihrer auffallenden Länge zu +gering und vor allem die sie bewegende Muskulatur viel zu schwach ist. +Denn während das Gewicht der Brustmuskulatur zum Gesamtgewichte des +Körpers bei Vögeln sich durchschnittlich wie 1: 6,22 verhält und auch bei +Fledermäusen noch wie 1: 13,6, ist dasselbe Verhältnis bei den besten +Flugfischen nach den Wägungen von Moebius wie 1: 32,4. Ihre Brustmuskeln +müßten also 5,2mal so viel Kraft entwickeln, als die der Vögel oder +2,45mal so viel als die der Fledermäuse, wenn sie den Körper durch +Flossenschläge erheben und in der Luft fortführen sollten. Es ist nun +aber nicht das geringste bekannt, aus dem auf eine solche ausnahmsweise +Steigerung der Muskelkräfte bei Flugfischen geschlossen werden könnte, +die im ganzen Wirbeltierreiche einzig dastehen würde. Allerdings scheint +mir Moebius bei seinen fleißigen und grundlegenden Untersuchungen die +ausgleichende, das Körpergewicht unter Umständen stark erleichternde +Wirkung der ungeheuerlichen Schwimmblase der Flugfische nicht genügend in +Rechnung gezogen zu haben, da er ja nur mit Spiritusexemplaren arbeitete. +Jedenfalls hat er aber darin recht, wenn er auch die Flossenlänge als für +eine wirkliche Flugleistung ungenügend erklärt. Die relative Flächengröße +der Brustflossen ist zwar nur wenig geringer als die der Vogelflügel, +allein ihre relative Länge ist viel kleiner, oft nur halb so groß. Und +doch hängt gerade von ihr hauptsächlich das Maß der Flügelarbeit ab, denn +der Widerstand der Luft wächst im Hundert der Geschwindigkeit, mit der +der Flügel gegen sie schlägt. Da nun die Geschwindigkeit so zunimmt, wie +die Entfernung des in Bewegung gesetzten Flügelpunktes vom +Schultergelenk, so hebt ein Flügelstück, das doppelt so weit entfernt +ist, den Körper mit vierfach größerer Kraft als ein anderes Flügelstück +von gleicher Größe in einfacher Entfernung vom Schultergelenk. Mögen +daher die Brustflossen der Flugfische als Träger der Körperlast fast +ebenso viel leisten wie die Flügel der Vögel, so sind sie doch ihrer +Kürze wegen zum wirklichen Fliegen nicht geeignet. Ich möchte dem noch +hinzufügen, daß ja auch die eigenartig gewölbte Form des Vogelflügels und +seine Fähigkeit zum Verkürzen oder Vergrößern der Fläche während des +Fluges den Brustflossen abgeht, was ebenfalls keine geringe Rolle spielen +dürfte. Es handelt sich bei den Flugfischen nur um starre Gleitflächen, +die ein vorzügliches Schweben, nicht aber ein wechselvolles Fliegen +ermöglichen. Läßt sich demnach die Erscheinung auch nicht mit dem +herrlichen Flugvermögen der Vögel vergleichen, so steht sie als bloßer +Gleit- und Schwebeflug doch entschieden über dem der Flughörnchen und +Flugechsen, sowohl was die Länge der Flugbahn, als auch was ihre +Schnelligkeit anbelangt, wozu freilich der Umstand das meiste beitragen +mag, daß über bewegter See ständig ungleich stärkere Luftströmungen +herrschen, als im stillen Blättermeer des Urwaldes. Die +Fluggeschwindigkeit beträgt immerhin 7-14 Sekundenmeter, die Flugdauer +10-20 Sekunden und (wenn man die kurzen Unterbrechungen beim Eintauchen +in die Wellenkämme nicht mitzählt) selbst bis zu 1 Minute, die +zurückgelegte Strecke bis zu 200 kg und mehr, allerdings gewöhnlich nur +in einer Höhe von kaum einem Meter über dem Meeresspiegel. Also immerhin +ganz ansehnliche Leistungen, die den angestrebten Zweck, nämlich die +Flieger dem gierigen Rachen der Raubfische zu entziehen, vollkommen +erreichen dürften. Der zurückgelegte Weg stellt keine eigentliche +Flugbahn vor, sondern eine parabelähnliche Wurfbahn, deren Form und Länge +abhängt von der Größe der Anfangsgeschwindigkeit, von der Körperlast und +von der Ausdehnung und Neigung der tragenden Flächen; als Werfer des +Körpers dienen, wie schon erwähnt, die stark ausgebildeten +Rumpfseitenmuskeln und der kräftige Schwanz, dessen untere Hälfte gerade +bei den besten Fliegern sehr bezeichnender Weise weit mehr entwickelt ist +als die obere. Anfänglich halten die fliegenden Fische, deren große klare +Augen so vorteilhaft von den bleifarbigen anderer abstechen, den Körper +fast wagrecht, aber allmählich senkt sich das Schwanzende, die +Körperhaltung wird immer schräger und steiler, bis endlich der Schwanz in +einen Wellenkamm eintaucht und nun entweder der ganze Fisch wieder in +seinem eigentlichen Element verschwindet oder aber sich sofort von neuem +abstößt und in gleicher Weise einen zweiten und dritten Flug unternimmt. +In solchen Augenblicken helfen auch die Flügelflossen vielleicht nochmals +durch Flatterbewegungen beim Aufsteigen mit, und in solchen Augenblicken +ist der Fisch auch imstande, die seitherige Flugrichtung willkürlich zu +ändern, was ihm in der Flugbahn selbst bei der rein passiven Art seines +»Fliegens« kaum möglich ist, da er dann als ein mehr oder weniger +willenloses Spielzeug der Windströmungen zu gelten hat. Humboldt hat ganz +recht, wenn er die Fortbewegung der Flugfische mit der eines flach über +das Wasser hingeworfenen Steines vergleicht, der aufschlagend und wieder +abprallend meterhoch über dem Wasser einhersaust. Nun stimmen aber alle +aufmerksamen Beobachter darin überein, daß die Flugbahn sich nicht in +gleichmäßiger Höhe halte, sondern sich mit der Wellenatmung des Meeres +abwechselnd hebe und senke, ähnlich wie der Flug der Möwen und anderer +Wasservögel. Moebius sucht auch diese Eigentümlichkeit auf rein +mechanischem Wege zu erklären und macht dafür die von den Wellen +aufsteigenden dynamischen Luftströmungen verantwortlich. Der wagerecht +über die Wogen hinstreichende Fisch muß emporgehoben werden, sobald er +den höheren Teil der Wellenböschungen erreicht, weil er hier jedesmal dem +von diesen aufsteigenden Luftstrom so nahe kommt, daß dessen Wirkung sich +merklich geltend machen kann, und zwar übernehmen dabei die Furchen der +Brustflossen die Rolle von prächtigen Windfängen. Ihre Form und Lage ist +nämlich derart, daß der aufsteigende Luftstrom, wenn er sie füllt, den +Fisch höher und zugleich vorwärts schieben muß. Sehr gut hiermit stimmt +überein, daß besonders scharfäugige Beobachter gesehen haben wollen, daß +die Brustflossen beim Fluge doch nicht ganz ruhig liegen, vielmehr in +ständiger zitternder Bewegung sich befinden. Es ist eben die von den +Wellen aufsteigende Luft, die diese Zitterbewegung hervorruft. In +ähnlicher Weise erklärt sich auch das Niederfallen von Flugfischen zur +Nachtzeit auf dem Schiffsdeck, während sie doch bei Tage stets wesentlich +niedriger fliegen. Aber sie sehen dann eben das Schiff und nehmen ihre +Flugrichtung von ihm weg und nicht zu ihm hin. Anders bei Nacht, wo sie +in der Finsternis blindlings aus dem Wasser herausfahren und dann von der +Windströmung leicht gegen die Schiffswände getragen werden können. Hier +aber weht, wovon man sich experimentell leicht überzeugen kann, der +anprallende Wind lebhaft nach oben, und in dem Augenblicke, wo die +Flossen in diesen aufsteigenden Luftstrom eintreten, fährt er in ihre +Windfänge und führt den Fisch aufwärts und dann im Bogen über die +Schanzbekleidung hinüber; währenddem hat die eigene Schwere des Fisches +seine Schwebegeschwindigkeit bedeutend vermindert, auf dem Schiffe fährt +ihm nichts mehr hebend unter die Flossen, und so stürzt er denn +unbehilflich und schwerfällig auf das Verdeck nieder, denn -- wirklich +fliegen kann er ja gar nicht. Seeleute werden sich freilich durch diese +einfache und einleuchtende Erklärung nicht irre machen lassen in ihrer +alteingewurzelten Überzeugung, daß das helle Licht der Schiffe es sei, +das in dunkler Nacht die Flugfische unwiderstehlich anziehe und ins +Verderben locke. Im Einklang mit alledem steht es endlich auch, daß in +die Höhe geworfene oder aus der Höhe fallen gelassene Flugfische nicht +den geringsten Versuch zum Fliegen machen, sondern zu Boden fallen wie +jeder andere Fisch. + +Der Umstand, daß Flugfische nur in den warmen Meeren vorkommen, muß zu +der Vermutung führen, daß die dortigen klimatischen Verhältnisse die +Ausbildung des Flugvermögens irgendwie besonders zu begünstigen +vermochten, und vielleicht haben wir wenigstens einen dieser Faktoren in +der Gleichmäßigkeit zwischen Luft- und Wasserwärme zu suchen, durch +welche auch bei empfindlichen Geschöpfen der plötzliche Übergang von +einem Medium ins andere wesentlich erleichtert wurde. Die Frage nach den +äußeren Gründen und treibenden Ursachen, die zur allmählichen Ausbildung +des Flugvermögens bei Fischen geführt haben, ist von den Forschern sehr +verschieden beantwortet worden. Manche meinen, daß dadurch nur +überschäumender Freude am Dasein Ausdruck gegeben werden solle, daß es +sich also nur um eine Art Spiel handle, andere glauben, daß das zeitweise +Bedürfnis nach sauerstoffreicherer Atemluft die Fische zu den Ausflügen +in ein fremdes Element veranlasse. Ich möchte es aber doch mit denen +halten, die in dem Auffliegen nichts als eine Flucht vor größeren +Raubfischen erblicken, denn das ganze Benehmen der Tiere spricht zu +deutlich und zu unverkennbar für diese Auffassung, und das ganze Leben +der Fische ist ja ein ewiger Krieg, ein unablässiges Würgen und +Gewürgtwerden. Dann aber ist das plötzliche Verschwinden in einer anderen +Welt, in die der Gegner nicht zu folgen vermag, sicherlich ein +prächtiges, in seiner naiven Einfachheit schier verblüffendes +Ausfluchtsmittel, und nachdem die Natur einmal darauf verfallen war, +leuchtet es ein, daß unter dem Einflusse der natürlichen Zuchtwahl das +Flugvermögen rasch bis zu einem gewissen notwendigen Grade sich +entwickeln mußte. Wenn die Fische dabei manchmal aus dem Regen in die +Traufe geraten, indem nun Scharen von Möwen, Albatrossen, Fregattvögeln +und anderen beschwingten Fischfressern in der Luft sich über sie +hermachen, so ist dies doch noch lange kein Gegenbeweis, denn einmal ist +die zunächst gegenwärtige Not doch immer die größte und ausschlaggebende, +und sodann sind derartige Fälle doch nicht allzu häufig, indem die +fischfressenden Vögel im allgemeinen mehr in der Nähe der Küsten sich +aufhalten, die Flugfische dagegen meistens in freier See sich tummeln. + +Bei Beurteilung all der angeregten Fragen müssen wir uns immer vor Augen +halten, daß es nicht nur eine Art von Flugfischen gibt, sondern ihrer +vier Dutzende, daß jede davon wieder ihre besonderen Eigentümlichkeiten +hat und daß insbesondere das Flugvermögen verschieden entwickelt sein +wird, so daß sich hier unmöglich alles über einen Leisten schlagen läßt. +Als die besten Flieger dürfen wohl die zur Gruppe der Makrelenhechte +gehörigen Hochflieger mit den ungleich entwickelten Schwanzlappen gelten, +und unter ihnen leistet wiederum der =Schwalbenfisch= (_Exocoétus +vólitans_) das Höchste, was der streng für das Wasserleben zugeschnittene +Fischtypus überhaupt zu leisten vermag. Die zierliche, schlank-rassige +Gestalt, die zartblaue Färbung der Oberseite, die ausdrucksvollen Augen +und die großen durchsichtigen Flügelflossen machen diese Art zu einem +sehr schönen Fisch. Während er mehr der südlichen Tropenzone eigen ist, +wird er in der nördlichen durch den etwas größeren =Springfisch= oder +fliegenden Hering (_Exocoétus exsÃliens_) vertreten, der sich durch eine +über die Brustflossen verlaufende braune Binde auszeichnet. Im Mittelmeer +sind namentlich der =Flughahn= (_Dactylópterus vólitans_) und die +=Meerschwalbe= (_TrÃgla lucérna_) häufig. Der in den indischen Gewässern +heimische fliegende Stachelbarsch oder =Flugdrache= (_Ptérois vólitans_), +der steif wie ein Papierdrachen über die Wogen gleitet, zählt selbst zu +den gefährlichsten Räubern, denn er zerfleischt Fische, die ihn an Größe +um das zwanzigfache übertreffen. Doch nicht nur fliegende Fische gibt es +im Ozean, sondern auch hüpfende und tanzende lehrt er uns kennen. Schon +ehe man die Tropenzone erreicht, sieht man nicht selten halbmeterlange +Fische von ziemlich hohem, aber schmalem Körperbau senkrecht aus dem +Wasser herausspringen, in der Luft sich überschlagen und mit dem Kopfe +voran wieder ins Meer zurückfallen. Es ist dies die allen Seefahrern +wohlbekannte =Bonite= (_Scomber pelamys_), ein Mitglied der +Thunfischgruppe, silberglänzend von Farbe mit schwarzgrauen +Rückenstreifen und Flossen. Ihre Bewegungsart überrascht nicht minder als +der Flug der Schwalbenfische, weil das Aufsteigen aus dem Meere ebenso +senkrecht erfolgt wie das Herabfallen, weil das kobolzartige Umdrehen in +der Luft auch dem oberflächlichsten Beobachter auffällt und weil sie fast +genau auf derselben Stelle wieder ins Meer taucht, von wo sie +aufgestiegen war. Den Grund für diese absonderlichen Turnübungen weiß man +nicht recht anzugeben, vermutet aber, daß es sich bloß um eine Art +Belustigung für den Fisch handelt, daß lediglich spielerischer Übermut +ihn aus dem Wasser heraustreibt, zumal das Tanzen der Boniten nur bei +schönem Wetter, ruhiger See und heiterem Himmel beobachtet wird. + +Als ein Beispiel derjenigen Fische, die den Aufenthalt im Wasser +zeitweise mit dem auf dem Erdboden vertauschen, sei hier der schleimig +aussehende =Schlammspringer= (_Periophthálmus koelreúteri_) genannt, ein +unansehnliches, nur 15 kg langes, aber in mehr als einer Hinsicht höchst +merkwürdiges Geschöpfchen. Nicht nur für Sekunden oder Minuten, sondern +für lange Stunden vermag er das feuchte Element zu verlassen, und er tut +es weniger aus Furcht vor Feinden, als vielmehr in der Absicht, selbst +Beute zu machen und auf dem Festlande nach Kerfen und Schnecken zu jagen. +Ermöglicht wird ihm das durch die außerordentlich enge Beschaffenheit +seiner Kiemenspalten, die die Verdunstung des in den Kiemenhöhlen +befindlichen Wassers lange hintanhält. Schon rein äußerlich hat das an +den tropischen Küsten Afrikas und namentlich im Brackwasser der +Mangrovenwaldungen lebende Tierchen mancherlei Absonderlichkeiten +aufzuweisen. Seine drolligen Froschaugen stehen nämlich dicht beieinander +oben auf dem Kopfe und können in wunderlicher Weise etwas herausgeschoben +oder zurückgezogen werden, sind überhaupt sehr beweglich und sogar mit +Lidern versehen. Die weit nach vorn gerückten Bauchflossen sind +miteinander verwachsen und zeigen ein starkes Haftvermögen, die +Brustflossen sind mit kräftigen Muskelstielen ausgerüstet und können so +am Lande als Beine dienen. Oder der ausruhende Schlammspringer stützt +sich auf sie wie ein Seehund, und wenn er dann mit seinen roten +Glotzaugen gierig nach den im Wurzelwerk der Mangroven herumlaufenden +Fliegen späht, sieht er aus wie ein alter Mann, der sich am +Wirtshaustisch auf beiden Ellbogen lümmelt und sehnsüchtig dem bestellten +Getränk entgegenblickt. Vorsichtig wie eine Katze schleicht dann der +Fisch seinem auserkorenen Opfer Schrittchen für Schrittchen näher, -- ein +mächtiger Satz, und das Kerbtier ist von dem breiten Maule erfaßt. Nicht +selten springt bei solchen Jagden das Tier auch selbst dünne +Mangrovenwurzeln an und klettert geschickt meterhoch an ihnen empor, +indem es sie mit den Fußflossen umklammert und sich mit dem Schwanze +nachschiebt. Gewöhnlich bewegen sich die Tiere auf dem Schlamme in +froschartigen Sprüngen ziemlich langsam und schwerfällig fort, wobei sie +eine sehr bezeichnende Fährte hinterlassen, aber bei nahender Gefahr +rennen sie fast so schnell wie Eidechsen davon und flüchten entweder ins +nahe Wasser oder vergraben sich mit verblüffender Geschwindigkeit im +Schlamme. Sie sind scharfsinnig, aufmerksam und scheu, und es ist deshalb +gar nicht so leicht, einen unversehrten Schlammspringer zu erhaschen, +obwohl sie an geeigneten Örtlichkeiten massenhaft herumwimmeln. Trotzdem +gelangen sie neuerdings öfters lebend nach Deutschland und in die Hände +unserer Liebhaber, halten sich bei geeigneter Pflege in einem größeren +=Aquaterrarium= vortrefflich und geben hier reichlich Gelegenheit zu den +anziehendsten und dankbarsten Beobachtungen. Wer jemals auch nur eine +Stunde lang ihrem unterhaltenden, munteren Tun und Treiben zugeschaut +hat, der wird zu der Überzeugung gelangt sein, hier ein Tier vor sich zu +haben, das biologisch weit mehr Amphibium ist, denn Fisch. Besonders +merkwürdige Beziehungen zwischen den Schlammhüpfern und gewissen +Nacktschnecken (Onchidien) hat Semper aufgedeckt. Diese Onchidien sind +nämlich entsetzlich langsame Geschöpfe, die ihren Feinden rettungslos +verfallen wären, wenn sie nicht außer ihren gewöhnlichen, zum Aufsuchen +der Nahrung dienenden Kopfaugen noch eine ganze Anzahl (wohl an 100) +anderer Augen auf dem Rücken besäßen, die auffallenderweise und im +Gegensätze zu den Kopfaugen ziemlich genau nach dem Typus des +Wirbeltierauges gebaut sind. Keine andere Schneckengattung kann sich +solcher Rückenaugen rühmen. Semper glaubt nun, daß sich die Schnecke, +indem sie mit ihren Rückenaugen die heranhüpfenden Schlammspringer +rechtzeitig wahrnimmt, oft noch sichern kann, freilich nicht durch die +Flucht, sondern dadurch, daß sie den Körper rasch zusammenzieht und aus +gewissen Drüsen, mit denen ihr ganzer Rücken besät erscheint, in Form +unzähliger kleiner Kügelchen ein Sekret herausschleudert, das auf die +Fischhaut eine unangenehme Wirkung auszuüben scheint, denn der von diesem +Sprühregen getroffene Angreifer entfleucht alsbald, und die Schnecke ist +gerettet. Jedenfalls ist es sehr auffällig, daß solche Nacktschnecken mit +Rückenaugen nur da zu finden sind, wo auch Schlammspringer vorkommen, und +daß da, wo diese fehlen, die Onchidien-Arten auch keine Rückenaugen +haben. Nicht alle Schlammspringer scheinen in der geschilderten Weise zu +leben. Wenigstens fand Hickson am Strande von Celebes eine Art, die den +Schwanz immer ins Wasser getaucht hielt, auch wenn sich der Körper +außerhalb desselben befand. Haddon untersuchte die Sache später näher und +stieß auf die merkwürdige Tatsache, daß dieser Fisch mit seiner +entsprechend eingerichteten Schwanzflosse zu atmen vermag, ja so sehr +darauf angewiesen ist, daß er mit der regelrechten Kiemenatmung gar nicht +mehr auskommen kann. Schon mit einer guten Lupe läßt sich ein überaus +lebhafter Blutumlauf in dieser sonderbarsten aller Schwanzflossen +erkennen. Also ein erster Ansatz zu der amphibischen Lebensweise, die +dann bei den afrikanischen Formen zu ungleich größerer Vollkommenheit +gediehen ist. + +[Illustration: Abb. 14. Schützenfisch (_Toxotes jaculator_).] + +Wohl kein Fisch erlangt aber seine Beute auf eine so merkwürdige Weise +wie der =Schützenfisch= (_Toxótes jaculátor_, Abb. 14) und der +=Spritzfisch= (_Chaétodon rostrátus_), jener an den Küsten und in den +Flüssen Hinterindiens, dieser an denen Javas zu Hause. Wo das Ufer +üppigen Pflanzenwuchs aufweist und einzelne Zweige über das Wasser +herüberhangen, da nähern sich ihm diese hübschen Fischchen in kleinen +Trupps und spähen mit großen, lebhaften Augen begehrlich nach den Fliegen +aus, die im Gezweige sitzen. Dann nehmen sie eine bestimmte genau aufs +Korn und spritzen plötzlich aus ihrem Maule einen kleinen Wasserstrahl +nach ihr, und zwar bis meterhoch und mit so unübertrefflicher Sicherheit, +daß das Kerbtier fast regelmäßig getroffen wird, herabfällt und nun +schleunigst verzehrt wird. Ging aber der Schuß daneben, so schwimmt der +Fisch einigemale aufgeregt und verärgert im Kreise herum, wählt sich +einen günstigeren Standpunkt aus und versucht dann sein Weidmannsheil von +neuem. Merkwürdigerweise ist der Schießmechanismus dieser Wasserflinten +wissenschaftlich noch gar nicht näher untersucht, und man weiß eigentlich +nur, daß im Augenblicke des Schießens der Unterkiefer plötzlich +vorgestreckt wird, und daß beim Spritzfisch das Maul überhaupt zu einer +dünnen Röhre verlängert ist. Es ist dies um so verwunderlicher, als die +interessanten Fische nicht nur neuerdings ihren Einzug in die Aquarien +unserer Liebhaber gehalten haben, sondern auch schon von altersher in +ihrer Heimat vielfach zu Hausgenossen des Menschen gemacht wurden, indem +man sich daran ergötzte, ihnen Stäbe mit eingeklemmten Fliegen ins Wasser +zu stellen, um die Geschicklichkeit zu bewundern, mit der sie alsbald die +Kerfe herabschossen. Beim Spritzfisch, der viel seltener in die Flüsse +kommt, wird die Fliegenjagd wohl nur einen Nebenerwerb bilden, denn die +schnabelartige Verlängerung seiner Kiefer, die in so sonderbarem +Gegensatze steht zu der fast kreisförmigen Gestalt seines Körpers und zu +der scharf abgeschnürten Schwanzflosse, weist deutlich darauf hin, daß +seine Hauptnahrung in kleinen Schaltieren besteht, die er eben mit diesem +Schnabel selbst aus engen und tiefen Höhlungen herauszuholen versteht, +wobei ihn seine borstenartige Zahnbildung noch wesentlich unterstützt, +denn der einmal erfaßten Beute ist ein Entrinnen nicht mehr möglich. + +Beide Arten gehören zu der formenreichen und farbenprächtigen Gruppe +der auf die tropischen Meere beschränkten =Schuppenflosser=, die ihren +Namen davon haben, daß das Schuppenkleid bei ihnen auch auf das reich +entwickelte Flossenwerk übergreift, namentlich auf Rücken- und +Afterflosse, und so den sonst im Fischreiche so scharf ausgeprägten +Unterschied zwischen Flossen und Rumpf mehr oder minder verwischt. Es +sind durchgängig kleine Fischchen, die zumeist zwischen den +Korallenbänken ihr lustiges Wesen treiben und die Korallenstämmchen +scharenweise förmlich abweiden, sei es, daß sie die herausschauenden +Korallenpolypen selbst verzehren, sei es die ihnen anhaftende +Kleinlebewelt oder die auf ihnen wuchernden Algen. Ihnen allen gemeinsam +ist ein hoch gebauter, aber seitlich stark zusammengepreßter Rumpf von +nahezu Sphäroidform, aus der auch die kleine, sehr bewegliche Schnauze +und die kurze, scharf abgesetzte Schwanzflosse kaum heraustreten, während +die üppig ausgestalteten anderen Flossen sich ihr sogar unverkennbar +anschmiegen. Ist schon der Spritzfisch mit seinen 5 Querbinden und dem +netten Pfauenaugenfleck auf der Afterflosse ein sehr hübscher Fisch, so +übertreffen seine Verwandten an Metallglanz, Farbenpracht und Eigenart +der Zeichnung doch alles, was wir aus dem Reich der Fische kennen. Sie +sind die Kolibris des Meeres und schwirren wie diese gaukelnd und +farbenschimmernd von Blume zu Blume, sie sind die Paradiesvögel der +Korallenwaldungen und verhalten sich als solche lange still, um dann +plötzlich ihre Farbenpracht in den wundervollsten Gold- und +Silberreflexen aufblitzen, in den lieblichsten Schattierungen aufleuchten +und in den kühnsten Zeichnungen auffunkeln zu lassen, sie sammeln alle +Farben des Regenbogens, alle Lichter des Prismas und alle Schönheit der +kostbarsten Edelsteine in den kristallklaren Fluten Neptuns, bieten dem +entzückten Auge immer neue, immer überraschendere und immer glänzendere +Farbenzusammenstellungen, zeigen sich stets und überall als eine wahre +Farbenorgie der schaffenden Natur im bunten Korallengarten des tropischen +Meeres. Keine Feder vermag diese Schönheit zu beschreiben, kein Pinsel +sie auch nur annähernd wiederzugeben, und wo ein gottbegnadeter Künstler +es doch versucht hat, wird der Laie und überhaupt jeder, der nicht selbst +einen Blick in die Herrlichkeit der Tropen werfen durfte, rasch mit dem +Urteil fertig sein, daß das doch tolle Übertreibung, daß dergleichen in +Wirklichkeit gar nicht möglich sei, daß solch ebenso raffinierte wie +unvermittelte Zusammenstellungen von Rosenrot, Himmelblau, Sammetschwarz, +Schwefelgelb, Grasgrün und Purpurleuchten auf dem reinsten Gold- oder +Silbergrunde doch gar nicht vorkommen könnten, am allerwenigsten in Form +so künstlerisch ausgeklügelter Flecken, Bänder, Streifen, Ringe und +Augen. Es sind eben die reinsten und glänzendsten Farben, die die Natur +überhaupt hervorgebracht hat, und ihre Wirkung wird noch stark erhöht +durch die bewunderungswürdige Art und Weise ihrer Verteilung. Die +glänzendsten Vögel, die buntesten Schmetterlinge, die schimmerndsten +Echsen vermögen damit nicht zu wetteifern. Dazu kommt noch die oft höchst +abenteuerliche Entwicklung des Flossenwerkes, das nicht selten in der +ungewöhnlichsten Weise verlängert und verzerrt ist, seltsam geformte +Stacheln, lang nachschleppende Peitschenschnüre oder aufleuchtende +Schwefelfäden aufweist. Es könnte bei all dieser Buntheit in Form und +Farbe höchst gewagt erscheinen, auch bei den Schuppenflossern noch von +einer Art Schutzkleid sprechen zu wollen, und doch hat man dazu volle +Berechtigung. Das Leben im Korallenwalde ist ja an sich schon so bunt, +daß einfach gefärbte Geschöpfe darin fast mehr auffallen würden, als +lebhaft gezeichnete. Aber der Schutz soll hier auch gar nicht durch eine +Anschmiegung an die Farben der Umgebung erreicht werden, sondern vielmehr +dadurch, daß unvermittelt nebeneinander gestellte Bänder oder +geometrische Figuren in den lebhaftesten Kontrastfarben die natürlichen +Körperumrisse gewissermaßen auflösen, die Form des tierischen Leibes für +das Auge verschwinden lassen. Der Naturforscher bezeichnet diese +absonderliche, aber oft sehr wirksame Art der Schutzfärbung als +=Somatolyse= und kennt sie z. B. auch aus der Vogelwelt her von den +Spechten und von den schönen Hochzeitskleidern gewisser Entenmännchen. +Heuglin erzählt uns, daß man zwischen den Korallenriffen zunächst meist +nichts sehe als ein mattes Schimmern und ein ungewisses Farbenflimmern, +bis es dann plötzlich wie sprühende Funken auseinanderstiebt. Die +anmutigen Bewegungen der Flossenschupper im Korallenwalde vergleicht er +mit denen der lieblichen Laubsänger im grünen Blättermeere des +Buchendoms. Viele Schuppenflosser sind durch ein dunkles Band über Stirn +und Augen ausgezeichnet, so der =Fahnenfisch= (_Chaétodon sétifer_) des +Roten Meeres mit bedeutend verlängertem fünftem Strahl der Rückenflosse +und herrlichem Pfauenaugenfleck auf ihr, der =Korallenfisch= (_Ch. +flávus_) des Indischen Ozeans, tiefgelb mit braunschwarzem Streifen, und +der prachtvolle =Kaiserfisch= (_Ch. imperátor_) des Stillen Ozeans, der +aus veilchenblauem Leibe gelbe, bogige Längsstreifen aufweist und über +der Brustflosse einen sammetschwarzen, schwefelfarb umrandeten Flecken. +Um noch einige der bekanntesten Arten anzuführen, seien weiter kurz +genannt: der =Klippfisch= (_Ch. vitáttus_) der ostafrikanischen Gewässer, +zitronengelb mit schwarzer Streifung, der =Geißler= (_Ch. +macrolepidótus_) mit zwei mächtigen Querbinden und langer Peitschenschnur +an der Rückenflosse, der =Herzogsfisch= (_Ch. diacánthus_) mit azurblauer +Zeichnung auf gelbem, _Ch. semicirculátus_ mit silberweißer auf +dunkelblauem und _Ch. lamárcki_ mit glühend roter auf hellblauem Leibe. +Der =Korallenfisch= (_Scatophágus árgus_) erscheint über und über fein +getüpfelt (Abb. 15). + +[Illustration: Abb. 15. Korallenfisch (_Scatophagus argus_). +(Phot. von Oberl. W. Köhler, Tegel.)] + +Wenigstens eine annähernde Vorstellung dessen, was die Natur an +Farbenpracht in der Welt der Fische zu leisten vermag, kann uns auch ein +Bewohner des Mittelmeeres geben, nämlich die =Seebarbe= (_Múllus +barbátus_). Unbeschreiblich schön ist sie mit ihrem leuchtenden Leibe und +den prunkvollen Goldstreifen schon im Leben, schöner noch im Sterben. +»Nichts Schöneres«, ruft selbst der ernste Seneca aus, »als eine +sterbende Seebarbe! Sie wehrt sich gegen den nahenden Tod, und diese +Anstrengungen verbreiten über ihren Leib das glänzendste Purpurrot, das +später in eine allgemeine Blässe übergeht, während des Sterbens die +wunderherrlichsten Schattierungen durchlaufend.« Die schwelgerischen +Römer der Kaiserzeit verzehrten denn auch die von ihnen höher als alle +anderen Fische geschätzten Seebarben nie, ohne sich vorher an dem +wechselvollen Farbenspiel ihres Todes zu ergötzen. Man legte eigene +Wasserleitungen von den Fischteichen bis zu den Lagerpolstern der Gäste, +damit diese die herrlichen Fische erst lebend bewundern konnten, worauf +die rotgoldenen Barben in den weißen Händen schöner Frauen ihr Leben +aushauchen mußten, um dann schleunigst zu sofortiger Zubereitung in die +Küche zu wandern. Wenigstens darin lag Sinn, denn kaum ein anderer Fisch +steht nach dem Tode so schnell und gründlich ab, wie die feinschuppige +Seebarbe. Obwohl sie kaum 2 kg Gewicht erreicht, sind damals doch +geradezu wahnsinnige Summen für diesen nach Ansicht der Römer +köstlichsten aller Fische bezahlt worden, bis zu 5000, ja selbst 8000 +Sesterzen für das Stück. Auch heute noch bildet die Seebarbe ein +beliebtes und gern gekauftes Schaustück der italienischen und +gelegentlich auch der westenglischen Fischmärkte, und ihr zartes Fleisch +soll in der Tat vortrefflich munden. Wer aber weiß, daß diese Barben sich +von den ekelsten Abfallstoffen des Meeres ernähren und mit Vorliebe die +Leichen der Schiffbrüchigen benagen, wird wenig Appetit darauf verspüren. +Die durch eine auffallend hohe Stirn und zwei Bartfäden an der Unterlippe +ausgezeichnete, im übrigen schlank und regelrecht gebaute Seebarbe hält +sich gewöhnlich auf schlammigem Meeresgrunde auf, den sie mit ihrer +stumpfen Schnauze auf der Suche nach etwas Genießbarem nach Schweineart +gehörig durchwühlt und dadurch oft weithin das Wasser trübt. Ein +hervorragend schöner Bewohner des Atlantik, der sich gelegentlich bis in +unsere Gewässer verstreicht, ist der nur 1 kg schwer werdende und +ebenfalls ein ziemlich schmackhaftes Fleisch liefernde =Lippfisch= +(_Lábrus mÃxtus_), das Weibchen am ganzen Körper prachtvoll zinnoberrot +mit wenigen himmelblauen Zeichnungen, das Männchen oberseits herrlich +dunkelblau. Zur Laichzeit wird dieses wundervolle Gewand noch leuchtender +und glühender, ist aber wie bei unserem Stichling augenblicklichem +Wechsel und Farbenverschiebungen unterworfen, die von der jeweiligen +Gemütsstimmung des Tieres abhängig zu sein scheinen. Liebeswerben +verschönt, Eifersucht verhäßlicht ihn. Jenes übergießt seinen Leib mit +schimmernden Tinten, dieses mit mißtönigem Grau. Der Fisch ist nämlich +ebenso eifersüchtig, rauflustig und kampfwütig wie unser Stechbüttel und +soll auch gleich diesem eine Art Brutpflege ausüben. Eine andere +Lippfischart, _L. maculátus_, ist am ganzen Körper prächtig smaragdgrün, +wozu eine blaßgelbe Zeichnung kommt. Ihren Namen haben die sich durch +Munterkeit und Anmut auszeichnenden Lippfische von ihren sehr beweglichen +Wulstlippen, mit denen sie Muscheln von den Meerespflanzen ablesen. + +[Illustration: Abb. 16. Kugelfisch (_Tetrodon fahaka_).] + +Ein weiteres, in seiner Eigenart höchst wirksames Verteidigungsmittel +lernen wir bei dem sonderbaren =Igelfisch= (_DÃodon maculátus_) kennen. +Er hat einen kräftigen Papageischnabel, dessen Kinnladen mit einer +elfenbeinartigen, sich je nach der Abnutzung immer wieder ersetzenden +Masse überzogen sind, eine sehr große Schwimmblase, gedrungene Gestalt +und den ganzen Körper mit spitzen Dornen und Stacheln besetzt. Gerät er +in Gefahr, so zieht er hastig Luft ein, füllt damit den ungeheuren, +dünngewebigen, die ganze Bauchhöhle einnehmenden Kropf an, während eine +den Schlund umgebende Muskelschicht das Entweichen der eingepumpten Luft +verhindert, bläst sie so zu einer vollkommenen Kugel auf und wirft sich +gleichzeitig auf den Rücken, so daß die Bauchseite an der +Wasseroberfläche schwimmt. Dabei gebärdet sich der kleine Kerl wie ein +zorniger Truthahn, schwimmt immer im Kreise herum, richtet seine Stacheln +drohend auf und ist in diesem Zustande in der Tat fast völlig geschützt +gegen jeden Raubfisch. Wo immer dieser zubeißen will, trifft er auf die +ihm entgleitende, unverschlingbare Kugel und verletzt sich an den spitzen +Stacheln die Lippen, bis er endlich von allen weiteren Versuchen abläßt +und davonschwimmt, worauf der Igelfisch unter vernehmlichem Geräusch die +eingepumpte Luft wieder ausströmen läßt, seine gewöhnliche Gestalt +annimmt und damit auch den Gebrauch seiner Flossen wieder erlangt. Plehn +führt einen Fall an, daß ein von einem Hai verschluckter Igelfisch sich +durch dessen Magen- und Leibeswand hindurchbiß und unbeschädigt ins Freie +gelangte, während der Räuber an den furchtbaren Verletzungen zugrunde +ging. Das geschilderte Gaukelspiel ist nämlich durchaus nicht das einzige +Verteidigungsmittel des tapferen Igelfisches; er vermag vielmehr auch +noch recht empfindlich zu beißen, Wasser von sich zu spritzen, sich +plötzlich schlaff zu machen und zu versenken und auch eine tief +karminrote Absonderung von sich zu geben, über deren Natur und Wirkung +wir allerdings noch völlig im Unklaren sind. Dasselbe Kunststück wie der +Igelfisch bekommen auch die =Kugelfische= (_Tétrodon_) fertig, deren eine +Art, der =Fahak= (_T. fáhaka_), vom Mittelmeer aus in den Nil und seine +Kanäle aufzusteigen pflegt (Abb. 16). Obwohl dieses Tier nicht mit einem +Stachelpanzer prunken kann, trotzt es in der aufgeblasenen Kugelform doch +gleichfalls allen Feinden, denn die Zähne der Raubfische gleiten an +dieser glatten Schweinsblase ab, und die Vögel werden sie von oben her +eher für eine zusammengewehte Schaumblase als für ein eßbares Lebewesen +halten. Nimmt man einen solchen Fisch aus dem Wasser und legt ihn auf die +Handfläche, so bemüht er sich ängstlich, immer noch mehr Luft +einzupumpen, und tut dabei mitunter des Guten zuviel, so daß er +schließlich mit lautem Knall zerplatzt. Die Araberkinder spielen mit +diesen merkwürdigen Fischen wie die unsrigen mit den Maikäfern und +benutzen die aufgeblasenen und ausgetrockneten Tiere als Bälle oder taten +dies doch früher, denn heute werden die Kugelfische als Reiseerinnerung +von den Orientfahrern zu gern gekauft und zu hoch bezahlt, als daß sie +noch der Schar kleiner, braunhäutiger und schönäugiger Rangen zum +Spielzeug dienen könnten. Mit den Igel- und Kugelfischen verwandt ist +noch ein anderer höchst sonderbarer Geselle, der plumpe =Klump-= oder +=Mondfisch= (_Móla móla_), der sie allerdings an Größe um das Vielfache +übertrifft, da er eine Länge von 2-1/2 kg und ein Gewicht von mehr als +300 kg erreicht. Das ungeschlachte Ungetüm sieht mit seiner eines +richtigen Abschlusses entbehrenden Hinterfront fast aus, als wäre es nur +der abgeschnittene Kopf eines noch riesigeren Seeungeheuers. Ein großer +Geistesheld kann der schwerfällige, dunkel olivgrün gefärbte Fisch +unmöglich sein, denn seine Hirnmasse beträgt nur 1/7000 des +Körpergewichts und sein Rückenmark stellt nur ein kurzes, kegelförmiges +Anhängsel zu diesem Zwerghirn vor. Das rauhhäutige, aber schuppenlose +Geschöpf scheint zwar eine weite Verbreitung zu haben, aber doch überall +nur selten vorzukommen. Am ehesten trifft man es noch an sonnigen Tagen +in seitlicher Schlafstellung auf der Oberfläche des Meeres treibend an. +Seiner geringen Beweglichkeit entspricht die Auswahl seiner Nahrung: +Meerespflanzen und allerlei niederes Meeresgetier mit geringer +Eigenbewegung. So unheimlich dieser schwimmende Kopf also auch aussieht, +so harmlos ist er doch, und die Fischer kümmern sich auch nicht viel um +ihn, da das Klumpfischfleisch beim Kochen zu einer leimigen Kleistermasse +zerfällt und sich deshalb mehr als Klebemittel, denn als Speise eignet. +Den Namen Mondfisch haben sie dem Tiere gegeben, weil es ihrer Behauptung +nach bei Nacht einen sanften Mondesglanz ausstrahlen soll. Wahrscheinlich +handelt es sich dabei lediglich um anhaftende Leuchtbakterien, wie der +Klumpfisch überhaupt in besonders hohem Maße von Parasiten bevölkert +wird, denn die anatomische Zergliederung vermochte das Vorhandensein +besonderer Leuchtapparate bisher noch nicht nachzuweisen. Wenn Mondfische +aus dem Wasser genommen werden, so lassen sie einen eigentümlich +stöhnenden Ton hören, von dem man aber noch nicht weiß, wie er zustande +gebracht wird. + +[Illustration: Abb. 17. Knurrhahn (_Trigla hirundo_). +(Phot. von Oberl. W. Köhler, Tegel.)] + +Das bringt uns auf die Lautäußerungen der Fische. Um eine gute Stufe +höher als die unbestimmten und jedenfalls unfreiwilligen Töne des +Mondfisches stehen die Lautäußerungen des in der Nord- und Ostsee +lebenden =Knurrhahns= (_TrÃgla hirúndo_), die auch freiwillig im Wasser +zum besten gegeben werden (Abb. 17). Unsere Fischer behaupten sogar, daß +bei schwülem Wetter und namentlich vor dem Ausbruch von Gewittern die +Knurrhähne scharenweise an die Oberfläche kämen und dann förmliche +Knurrkonzerte veranstalteten. Mindestens der erste Teil dieser Behauptung +ist richtig, denn es ist an manchen Küsten ein beliebter Sport, solche +auftauchende Knurrhähne mit dem Teschin zu schießen, obwohl ihr trockenes +Fleisch nicht viel wert ist. Erzeugt werden solche Töne durch das +Aneinanderreiben der Kiemendeckelknochen oder verschiedener harter und +nervenreicher Muskeln in der Wand der verhältnismäßig sehr großen +Schwimmblase, die zugleich als wirksamer Resonanzboden dient, so daß eine +ganze Tonstufe zustande kommt, die zwischen dem behaglichen Schnurren +einer Hauskatze und hell quiekenden Tönen auf und nieder führt und es +begreiflich erscheinen läßt, wenn schon Aristoteles von einem +»Meerkuckuck« sprach und unsre Fischer von »Meerpapageien« erzählen. Auch +sonst ist der Knurrhahn ein recht interessanter Fisch. Schon der +groteske, fast viereckige Dickkopf mit dem zahnstarrenden Froschmaul und +den durch Panzerplatten geschützten Glotzaugen, der feinschuppige, nach +hinten zu jäh kegelförmig zugespitzte Rumpf mit dem schmächtigen +Hinterleibe, die prächtige Rosafärbung des Bauches und die mächtig +entwickelten, fast an die Flügel von Nachtschmetterlingen erinnernden +Brustschuppen vereinigen sich zu einem Gesamtbilde von höchster Eigenart. +Das merkwürdigste aber sind je drei lange, fingerartig gegliederte +Anhängsel vor den Brustflossen, die es dem Tiere ermöglichen, auf dem +Meeresgrunde fortzukriechen, ja förmlich zu gehen, wobei der Hinterleib +etwas in die Höhe gehoben wird und seitliche Bewegungen der roten +Schwanzflosse nachhelfen. Im Schwimmen sieht dieser Fisch hochelegant +aus, denn es gleicht einem Fliegen im Wasser, indem die großen, blauen, +metallisch schimmernden Brustflossen wie Flügel abwechselnd ausgebreitet +und zusammengelegt werden. Sie ermöglichen es dem Knurrhahn, der ja mit +seiner artenreichen Sippe der nächste Verwandte der bekannten tropischen +Flughähne ist, sich auch für kurze Strecken aus dem Wasser in die Luft zu +erheben, und wirken dann beim Herablassen als Fallschirme. + +Wenn auch im allgemeinen das Sprichwort »Stumm wie ein Fisch« heute +noch zu Recht besteht, so hat es doch im Laufe der Zeit schon mancherlei +Einschränkungen erfahren, und fast steht zu erwarten, daß wir uns in +dieser Beziehung in Zukunft auf noch größere Überraschungen gefaßt machen +dürfen. Können wir ahnen, welche Offenbarungen der Meeresgrund noch für +uns birgt, sobald wir nur einmal gelernt haben, unser Ohr und unsere +anderen Sinne dort unten frei und ungehindert zu gebrauchen! Sollte im +dunklen Meeresschoße wirklich nur unentwegt das eisige Schweigen des +Todes herrschen, gibt es nicht vielleicht auch für diese abgeschlossene +Tierwelt ein Singen und Klingen, dessen Tonfülle teilnimmt an der großen, +ewig-schönen Symphonie der Natur? So viel wissen wir wenigstens heute +schon sicher, daß es auch lustige Musikanten unter dem Volk der Fische +gibt, Orgelspieler, Leiermänner, Pfeifer, Raßler, Grunzer und Trommler. +Fischer, die das Ohr auf den Rand ihres Bootes legen, können bisweilen +ganz deutlich diese Fischkonzerte aus Tiefen von 10-12 kg herauftönen +hören. Am besten ist das Trommlerkorps ausgebildet. Es sind stattliche, +barschartig gebaute Burschen, diese =Trommelfische= (_Pogónias chrómis_), +die namentlich in den verschiedenen Teilen des Atlantik zu Hause sind. +Die erzeugten Töne klingen bei den einzelnen Arten verschieden. Mit dem +Klange einer Orgel oder Harmonika, selbst mit einem Orchester von Bässen +und Cellis, am passendsten aber wohl mit dem Klange von Maultrommeln hat +man sie verglichen. Die Laute der einzelnen Fische würden für das +menschliche Ohr wohl verloren gehen, aber die Gesamtheit vieler gibt ein +Gelärm von nicht zu beschreibender Eigenart, ein stundenlang +ununterbrochenes, dumpfes, schier unheimlich anmutendes Getrommel, +durchsetzt von hellerem Gurgeln und Glucksen. »Es besteht«, so schreibt +Pechuel-Loesche, »keine Spur von Ähnlichkeit mit Glocken- oder +Harfenklängen, und doch sind die Laute wunderbar genug. Will man sie +recht scharf unterscheiden, so muß man das Ohr fest an den Schiffsbord +drücken. Besser ist es, im Boote ein breites Ruder ins Wasser zu senken +und das freie Ende mit den Zähnen zu beißen, am besten vom Boote aus +gleich den Kopf bis über die Ohren ins Meer zu tauchen, rückwärts +natürlich, um atmen zu können. Da vernimmt man dann in der dunklen Flut +ein allseitig wirr durcheinander gehendes Knurren und Murksen, mit einem +leichten Knirschen und Knarren vermischt.« Die Trommel der geschuppten +Musikanten ist nichts anderes als ihre merkwürdig verzweigte und durch +Zwischenhäute in verschiedene Kammern geteilte Schwimmblase, in die Luft +eingepumpt wird, wodurch die durchlöcherten Trommelfelle in Schwingungen +versetzt werden und die verschiedenartigen Töne zustande kommen. Zu +diesem Zwecke sind auch besondere Trommelmuskeln von auffallend roter +Färbung am Unterleibe eingelagert, die rasche Zusammenziehungen und +Ausdehnungen der Schwimmblase bewirken können. Da sich dabei natürlich +auch das spezifische Gewicht des Fisches verändert und sein Schwerpunkt +sich verrückt, so gerät der Tonkünstler ganz von selbst in tanzende +Bewegung. Ein Tanzliedchen zur Minnezeit im dunklen Meeresschoße! Ja, +wenn Fische reden könnten! Der Umstand, daß bei vielen Arten nur die +Männchen Trommelorgane besitzen, weist darauf hin, daß die Töne in +irgendwelchen Beziehungen zum Geschlechtsleben stehen müssen, also +vielleicht Trommelständchen darstellen, die der verliebte Fisch seiner +Auserkorenen darbringt. Wahrscheinlich werden die erzeugten +Lautäußerungen doch auch irgendwelchen Zweck haben, und die Vermutung +liegt nahe, daß sie der gegenseitigen Verständigung dienen. Sicherlich +darf man aber aus beiden Mutmaßungen die Folgerung ableiten, daß diese +Fische auch ein gewisses, wenn auch modifiziertes Hörvermögen besitzen +müssen, denn sonst hätten ja die Trommelkonzerte gar keinen Sinn. Von dem +2 kg lang werdenden und seines schmackhaften Fleisches halber +hochgeschätzten =Adlerfisch= (_Sciaéna áquila_) behaupten die Fischer, +daß sie seinen Gesang selbst noch aus Tiefen von 50 kg vernehmen und +dadurch die Standplätze dieses scheuen und schwer zu fangenden +Raubfisches feststellen könnten. Prinz Bonaparte nennt das laut tönende +Geräusch, das ein schwimmender Trupp dieser kraftvollen Fische hören +läßt, »fast eine Art Brüllen«. + +Auch das =Fortpflanzungsgeschäft= der Seefische bietet dem denkenden +Beobachter eine Fülle hochinteressanter Ausblicke, zumal verschiedene +Formen der aufopferungsvollsten Brutpflege bei diesen als kaltblütig und +teilnahmslos verschrieenen Geschöpfen weit häufiger vorkommen, als sich +der Laie träumen läßt. Meist ist freilich das Männchen derjenige Teil, +dem die Sorge um die Bewachung, Verteidigung und Aufzucht der +Nachkommenschaft zufällt. So legt das Weibchen des =Seeteufels= seinen +Rogen an Felsen ab, und das Männchen setzt sich dann bis zur völligen +Reife der Eier so fest und ausdauernd auf sie, daß in dem Eierhaufen ein +Abdruck seiner Unterseite verbleibt; die kleinen Zähnchen auf der +Innenseite seiner Bauchflossen dienen wahrscheinlich zum Festhalten der +Eier. Der =Lump= oder =Seehase= (_Cyclópterus lúmpus_, siehe Abb. 10, +Fig. 7), der zur Laichzeit einen rotgefärbten Bauch bekommt, setzt die +Eier unter Klippen ab, wo sie dann das Männchen nach geschehener +Befruchtung mit der Schnauze fest gegen das Gestein drückt und sich +selbst daneben verankert, um den hoffnungsschwangeren Schatz zu bewachen. +Erleichtert wird ihm sein Amt dadurch, daß das die Eier umhüllende Sekret +bald verhärtet und so den Rogen festhält. Fremdkörper, die das Wasser +zwischen die Eier treibt, fängt der Lump mit dem Maule auf und schafft +sie fort. Gegenüber solchen Geschöpfen aber, die sich mit Raubgelüsten +nahen, versteht der Lump keinen Spaß, sondern greift sie tapfer an und +scheut selbst einen Kampf mit dem grimmen Seewolf nicht, den er durch +wütende Bisse oft genug in die Flucht schlägt. In der biologischen +Anstalt auf Helgoland wurde ein Beobachter des brutpflegenden Fisches von +ihm derart in den Finger gebissen, daß Blut floß. Sind die Jungen endlich +glücklich ausgeschlüpft, so heften sie sich auf dem Rücken des besorgten +Vaters fest, und dieser trägt nun die teure Bürde zufrieden nach tieferen +und sichereren Gründen. Der hochrückige, dickköpfige und breitmaulige +Seehase mit der klebrigen, knotenbesetzten Haut ist aber auch noch in +einer anderen Beziehung merkwürdig. Die brustständigen Bauchflossen sind +nämlich zu einer Scheibe verschmolzen, die als Schröpfkopf wirkt, so daß +sich der Fisch, der ein ebenso träger wie schlechter Schwimmer ist, damit +an beliebigen Gegenständen festsaugen kann, selbst an glatten +Glasscheiben, und zwar so innig, daß nach den Berechnungen von Hannox 36 +kg Gewicht erforderlich sind, um einen 20 kg langen Seehasen wieder +loszureißen. Faul liegt das auch in der Nord- und Ostsee häufige Tier so +wochenlang vor Anker und wartet geduldig, bis der Zufall etwas +Genießbares an seinem gefräßigen Maule vorüberführt. Die jungen Seehasen +sind zwar sehr klein, aber doch schon recht vierschrötig gebaut, von +grasgrüner Farbe, und folgen ihrem Vater wie Kücken der Henne. Droht +Gefahr, so saugen sie sich auf dem Rücken und an den Seiten ihres +Beschützers fest und lassen sich von ihm davontragen. Das weichliche und +wässerige Fleisch des Seehasen wird bei uns nur wenig gegessen; anders +ist es aber in nordischen Ländern. Eine ähnliche Lebensweise wie der Lump +führt die =Meergrundel= (_Góbius nÃger_), einer unserer gemeinsten +Seefische, zeichnet sich aber zugleich als vorzügliche Nestbauerin aus. +Auch sie vermag sich mit den zu einer Saugscheibe verwachsenen +Bauchflossen an Steinen und dergleichen festzusaugen und tut das im +Aquarium auch an der Glasscheibe, durch die sie dann den Beobachter +anstarrt. Nach Eintritt der Ebbe finden sich immer viele Grundeln in den +zurückbleibenden Tümpeln und werden dann von der Jugend mit Handnetzen +herausgefischt, soweit sie nicht den Möwen und Krähen zum Opfer fallen. +Eine Grundelart benutzt nach den Beobachtungen Marshalls zur Nestanlage +die eine Klappe einer abgestorbenen Herzmuschel. Sie legt diese mit der +hohlen Seite nach unten, entfernt den Sand unter ihr, schmiert die +Höhlung der Muschelschale mit ihrem eigenen Körperschleim aus und streut +lockeren Sand über das Ganze, um die Schale so zu beschweren, daß sie an +Ort und Stelle bleibt. Zuletzt scharrt sie einen kurzen Gang in den Sand, +der in den Hohlraum unter der Muschelschale führt. Alle diese Arbeiten +verrichtet allein das Männchen. Erst wenn das Bauwerk nahezu fertig ist, +erscheint das Weibchen und legt seine Eierchen hinein, die vom Männchen +wacker bewacht werden und nach 8-9 Tagen die Jungen entschlüpfen lassen. +Für die Fischerei haben die nur 20 kg langen Meergrundeln keine +Bedeutung. Dies gilt auch vom =Seeskorpion= (_Cóttus scórpius_), obwohl +er beträchtlich größer wird. Nicht gerade zur Freude unserer Fischer +findet er sich oft massenhaft in ihren Netzen. Nur die Leber wird +gelegentlich verzehrt, das Fleisch gilt als ungenießbar und findet +höchstens als Angelköder Verwendung. Überdies fürchten die Fischer den +Stich des häßlichen Fisches, während dieser für den Forscher dadurch von +Interesse ist, daß seine sehr wechselnde Färbung bei aller scheinbaren +Auffälligkeit eine weitgehende Anpassung an den steinigen Meeresgrund +darstellt (Abb. 18). + +[Illustration: Abb. 18. Seeskorpion (_Cottus scorpius_). +(Phot. von Oberl. W. Köhler, Tegel.)] + +[Illustration: Abb. 19. Schlangennadel (_Nerophis aequoreus_) (links +Männchen mit Eiern.) +(Phot. von Oberl. W. Köhler, Tegel.)] + +Höchst eigenartige Formen der Brutpflege finden wir bei den bekannten +=Seepferdchen= (_Hippocámpus antiquórum_, s. Abb. 10, Fig. 8), diesen +lebenden Skeletten, die dem Springer im Schachspiel so ähnlich sehen, auf +den ersten Blick so wenig Fischartiges haben und in den Seewasseraquarien +durch ihr absonderliches Aussehen, die bestechende Anmut ihrer +Bewegungen, ihr lautloses Auf- und Niederschweben, ihr lebhaftes Spielen +und durch die seltsame Beweglichkeit des nach vorn eingerollten Schwanzes +immer zuerst die Aufmerksamkeit der Besucher auf das von ihnen bewohnte +Becken lenken. Schade nur, daß sich die zarten Geschöpfchen im engen +Gewahrsam so schlecht halten, denn sonst wären wir wahrscheinlich über +ihre Lebensweise besser unterrichtet, als es heute trotz ihrer Häufigkeit +der Fall ist. Das verknöcherte Aussehen des Tieres kommt daher, daß die +Haut keine Schuppen führt, sondern mit Knochenplatten ausgelegt ist. Das +Flossenwerk hat eine starke Verminderung erfahren. Während die +Bauchflossen ganz fehlen, sitzen die Brustflossen am Kopfe hinter der +Schnauze, da, wo man die Ohren vermuten sollte. Zur Fortbewegung tragen +sie nur wenig bei, sondern diese wird fast ausschließlich durch die +einzige Rückenflosse bewirkt, die ganz nach Art einer Dampferschraube +arbeitet und das Tier mit einer gewissen feierlichen Langsamkeit durch +die Fluten treibt. Das Seepferdchen ist ein schlechter und unbeholfener +Schwimmer und wird deshalb oft von den Wogen an den Strand geworfen, wo +man dann den kleinen, vertrockneten Leichnam findet und als Andenken an +den schönen Aufenthalt im Nordseebade mit nach Hause nimmt. Der +gewöhnliche Aufenthalt der Seepferdchen ist zwischen Seegräsern und +Tangen, wo sie auch ihre aus allerhand winzigem Getier bestehende Nahrung +finden. Ausruhend legen sie sich an den Wasserpflanzen vor Anker, indem +sie deren Stengel mit ihrem putzigen Schwänzchen umwickeln, das sie also +in ganz ähnlicher Weise gebrauchen wie die Kletteraffen ihren +Rollschwanz. Gewiß sind die Seepferdchen in ihrer steifen Haltung und mit +dem possierlichen, starren Gesichtsausdruck höchst niedliche Tierchen, +aber von besonderer Klugheit, von der die älteren Naturgeschichtsbücher +fabeln, kann keine Rede sein, ihr ganzes Gebaren atmet vielmehr +Eintönigkeit und Langeweile. Allerdings spielen sie ganz hübsch +miteinander, umwickeln sich gegenseitig mit den Schwänzen, was aber auf +rein mechanische Berührungsreize zurückzuführen sein dürfte, und zur +Fortpflanzungszeit scheint es sogar zum Austausch gewisser Zärtlichkeiten +zwischen den verliebten Paaren zu kommen. Das Weibchen klebt seine Eier +auf den Bauch des Männchens, das sie hier befruchtet, worauf dann die +Oberhaut von beiden Seiten her über sie hinwegwuchert und sie in eine +schützende Tasche so lange einschließt, bis die Jungen entschlüpfen, die +sich zunächst still verhalten, später aber durch ihre Unruhe dem Vater +lästig fallen, so daß er sich ihrer zu entledigen sucht und sie durch +eigentümlich knickende Körperbewegungen zur Bruttasche hinaus befördert. +Sie sind dann etwa 1/2 kg lang. Die Weibchen sind bei diesen Fischen +merkwürdigerweise stets lebhafter und auffallender gefärbt als die +Männchen. Also auch das Hochzeitskleid hat der gutmütige, offenbar stark +unter dem Pantoffel stehende Gemahl seiner Holden überlassen. Übrigens +ist den Seepferdchen auch ein nicht unbeträchtliches Farbwechselvermögen +eigen, und noch in anderer Beziehung erinnern sie an die Chamäleons, +indem sie nämlich jedes ihrer wunderlichen Gespensteraugen unabhängig vom +anderen bewegen können. Ganz ähnliche Brutverhältnisse hat auch die ihrem +Namen entsprechend lang und dünn gebaute =Seenadel= (_Syngnáthus ácus_) +aufzuweisen. Auch hier trägt das Männchen die Eier bis zu ihrer völligen +Entwicklung in einer aus zwei fleischigen Längsfalten gebildeten +Bauchtasche mit sich herum, die später eine Klappe zur Entlassung der +jungen Fischchen öffnet. Man hat auch behauptet, daß die kleinen, frei +herumschwärmenden Seenadeln während ihrer ersten Lebenszeit bei Gefahr in +die Bauchtasche des Vaters zurückflüchteten wie die jungen Känguruhs in +den Brutbeutel ihrer Mutter. Nachgewiesen ist das aber nicht. Bei der +ungepanzerten und deshalb mehr wurmartig aussehenden =Schlangennadel= +(_Neróphis aequoreus_) kommt es überhaupt nicht zur Bildung des +Brutbeutels, sondern die Eier bleiben lediglich in 2-3 Reihen dem Bauche +des Männchens angeklebt (Abb. 19). Auch der =Seestichling= (_Gastrósteus +spináchia_) gehört gleich seinem allbekannten Vetter aus dem Süßwasser zu +den Brutpflege treibenden Arten. Er legt seine Nester im Algengewirr an, +ist beträchtlich größer als der Stechbüttel und besitzt 15 freie +Rückenstacheln (Abb. 20). Merkwürdigerweise soll er in Einehe leben und +auch das Weibchen am Brutgeschäft sich beteiligen. + +[Illustration: Abb. 20. Seestichling (_Gastrosteus spinachia_). +(Phot. von E. Steuder, Hamburg.)] + +[Illustration: Abb. 21. Tiefseefisch (_Stomias boa_).] + +Die allergrößten Wunder des Fischreiches aber birgt die =Tiefsee=, und +in ihrem geheimnisvollen Schoße harren noch unzählige Rätsel des +menschlichen Forschergeistes. Noch bringt aus ihr jede Forscherfahrt neue +Formen mit heim, und sie alle bergen eine Unzahl neuer Ausblicke, eine +überraschende Fülle wertvollster Anregungen. Nirgends hat die +schöpferische Natur so schrankenlos in der launenhaften Hervorbringung +absonderlicher, verzerrter, einseitiger und abenteuerlicher Formen +geschwelgt wie gerade hier, und auch die kühnste Phantasie des +schwärmendsten Künstlers vermöchte Gleiches oder auch nur Ähnliches nicht +zu schaffen. Schier ratlos steht der Systematiker dieser erdrückenden +Menge gänzlich von einander abweichender Formen gegenüber, und der +Biologe weiß nicht, an welchem Ende er diese Flut von Rätseln zuerst +anpacken soll. Was heute mühsam genug aufgeklärt erscheint, wird morgen +durch neue, noch seltsamere Entdeckungen wieder über den Haufen geworfen. +Die verwirrende Mannigfaltigkeit der Formen läßt sich oft zurückführen +auf die einseitige Bevorzugung und Ausbildung bestimmter Organe, die bei +verwandten Formen wieder verkümmert und durch die Umbildung anderer +ersetzt sind, wie ja die Natur oftmals den gleichen Zweck auf die +verschiedenste Weise zu erreichen weiß. So kennen wir Tiefseefische mit +gewaltigen Glotzaugen, die bei anderen zur Größe von Stecknadelköpfen +zusammengeschrumpft sind und bei nicht wenigen überhaupt fehlen. Diese +werden aber für ihre Blindheit durch mächtige Fühler entschädigt, die oft +doppelt so lang sind als der ganze Körper. Der =Großschweif= (_Gigantúra +chúni_) hat röhrenförmige Teleskopaugen mit geteilter Netzhaut; dabei hat +die Hauptretina ein wohlentwickeltes Sehvermögen, während die Nebenretina +als ein vorzüglicher Signalapparat, als ein »Sucher« aufgefaßt werden +muß. Bei dem wurmförmigen =Stylophthálmus paradóxus= stehen die Augen auf +fabelhaft langen und dünnen Stielen, die sich erst im Laufe des +Larvenlebens allmählich entwickeln. Das eherne Gesetz des Fressens und +Gefressenwerdens, das fast überall die Gestaltung der Fischwelt +beherrscht, kommt nirgends so scharf und unerbittlich zum Ausdruck, wie +in der scheinbar recht stillen und friedlichen Tiefsee, die in +Wirklichkeit von einem fürchterlichen und erbarmungslosen Kampfe ums +Dasein durchtobt wird. Hier sind so schaudererregende Hechelgebisse am +Platze, wie sie der =Schwarzfisch= (_Melanocétus kréchi_) in seinem +breiten Froschmaule führt, oder _Stomias boa_ (Abb. 21) in seinem +Riesenschlangenkopf, hier kann es zur Bildung von Tieren kommen, die, wie +das =Großmaul= (_Macrophárynx_) oder wie _Eurypharynx pelecanoides_ (Abb. +22) mit dem Pelikanschnabel, eigentlich nur noch aus einem riesenhaften +Rachen mit etlichen unbedeutenden Anhängseln zu bestehen scheinen, oder +bei denen ein gewaltiger, höchst ausdehnungsfähiger Magensack alle +anderen Organe in den Hintergrund drängt. Dies ist z. B. bei _Melanocétus +johnsóni_ der Fall, und infolgedessen kann dieses Fischchen Tiere +verschlingen, die es an Körpergröße gut um das Doppelte übertreffen. Zu +ihrer Herbeilockung trägt es über der Schnauze noch eine lange Angelrute, +in deren Spitze ein Leuchtorgan sitzt. Gegenüber solchen Untieren darf +ein nach Art des _Cerátias uranóscopus_ gebauter Tiefseefisch (Abb. 23) +wohl als eine ausnehmend reguläre und anmutige Erscheinung gelten. + +[Illustration: Abb. 22. Tiefseefisch (_Eurypharynx pelecanoides_).] + +[Illustration: Abb. 23. Tiefseefisch (_Ceratias uranoscopus_).] + +So außerordentlich verschieden und mannigfaltig auch Form und Lage +solcher =Leuchtkörper= sind, so sind sie histologisch nach den schönen +Untersuchungen Brauers doch ausnahmslos zurückzuführen auf mit +Sekretkörnern angefüllte Drüsenzellen, die als die eigentlichen +Lichterzeuger anzusehen sind, während alle übrigen Bestandteile der +Leuchtorgane nur nebensächliche Bedeutung haben, so der Pigmentmantel und +der Reflektor, deren Rolle ja ohne weiteres kenntlich ist, wie auch +gewisse lichtbrechende Teile des Innenkörpers aller Wahrscheinlichkeit +nach als Linsen wirksam sein dürften. Meist sind die Leuchtdrüsen +geschlossen, und der Leuchtvorgang verläuft demgemäß intrazellulär +(zwischenzellig). Aber es gibt auch Leuchtdrüsen (z. B. bei den +Gonostomiden), die unmittelbar ins Wasser ausmünden, und wo der +Leuchtvorgang erst einsetzt, sobald das Drüsensekret mit dem Wasser in +Berührung kommt, so daß es sich hier unbedingt um einen rein chemischen +Vorgang handelt, der deshalb auch noch nach dem Ableben des Tieres vor +sich gehen kann. Solche Geschöpfe verfügen also über hochmodern +ausgerüstete Scheinwerfer, deren sie sich zum Erkennen und Anlocken von +Beutetieren wie auch zur Abschreckung von Feinden bedienen, wobei aber +noch dahingestellt werden muß, ob die Lichterzeugung vom Willen des +Tieres abhängig ist oder nicht. Die vielfach vorhandenen Vorrichtungen +zum Abblenden machen eigentlich das erstere wahrscheinlicher. Außer +diesen eigentlichen Leuchtorganen sind aber bei Tiefseefischen nicht +selten noch andere, kleinere, zu Hunderten und Tausenden über den ganzen +Rumpf zerstreut, die offensichtlich eine andere biologische Bedeutung +haben müssen. Brauer und andere Forscher neigen der Ansicht zu, daß diese +oft zu hübschen Mustern angeordneten Organe ein vielfarbiges Licht +aussenden, mithin in ihrer Gesamtheit die charakteristische Zeichnung des +Tieres darstellen und somit dieselbe Rolle spielen wie die Pigmente oder +Färbestoffe bei den im Bereich des Sonnenlichtes lebenden Tieren. +Biologisch würden sie demgemäß zum Erkennen der Artgenossen und zum +gegenseitigen Aufsuchen der Geschlechter dienen. In schönster +Übereinstimmung mit dieser Auffassung steht die Tatsache, daß sie sich +nur bei solchen Tiefseefischen finden, die mehr vereinzelt leben und +große Strecken durchschwimmen, während sie bei den seßhaften Grundfischen +und gesellig lebenden Arten als überflüssig nicht zur Ausbildung +gelangen. Etwa ein Fünftel aller Tiefseefische ist im Besitze von +Leuchtorganen, und zwar nimmt deren Leuchtvermögen mit zunehmender +Meerestiefe wieder ab, woraus Brauer folgern möchte, daß sie sich in der +Dämmerungszone ausgebildet haben und hauptsächlich für diese +kennzeichnend sind. + +Die Farben, Sehwerkzeuge, Leuchtlaternen und phosphoreszierenden Organe +der Fische in den verschiedenen Meeresschichten stehen offenbar im +engsten Zusammenhange mit der Verteilung und dem Hinabreichen der +Sonnenstrahlen ins Meereswasser. Es ist also im Meere eine unverkennbare, +wenn natürlich auch Übergänge aufweisende Trennung der Fauna +nach Tiefenschichten und in engster Abhängigkeit von den +Belichtungsverhältnissen durchgeführt. Außerdem haben aber auch die +Tiefseefische noch ihre geographische Verbreitung, denn die Annahme wäre +grundfalsch, daß etwa in den tieferen Wasserschichten annähernd gleiche +Verhältnisse herrschen und deshalb auch ihre Bewohner mehr oder minder +gleichmäßig über den ganzen Meeresboden verbreitet seien. Vielmehr gibt +es auch in der Tiefsee verhältnismäßig eng begrenzte faunistische Bezirke +mit scharfen Schranken in Temperatur, Salzgehalt, Nahrungsverhältnissen +und Bodenbeschaffenheit, die dem Ausdehnungsbestreben und der Vermischung +der einzelnen Arten Grenzen setzen. Die auffallende Tatsache, daß manche +Tiefseefische an beiden Polen vorkommen, ist wohl dahin zu erklären, daß +diese Formen ursprünglich wärmeren Gegenden entstammen und beim Übergang +ins kältere Gebiet, sei es nach diesem, sei es nach jenem Pole hin, durch +gleiche Einflüsse auch die gleiche Umbildung erfuhren. + + * * * * * + + + + + Sachregister. + + +Die mit einem Sternchen (*) bezeichneten Ziffern verweisen auf eine +Abbildung im Text. + + _Acanthias vulgaris_ 58 + _Acipénser huso_ 60 + -- _sturio_ 59 + Adlerfisch 86 + _Amphiprion bicinctus_ 39 + Anchovis 25 + Angler 64, 65 + _Apogonichthys strombi_ 39 + _Asymmetron lucayanum_ 63 + + Blauhai 57 + Bonite 38, 72 + Bremerhaven, Brennpunkt des deutschen Fischhandels 18 + Bücklinge 20 + + _Caranx trachurus_ 39 + _Carcharias glaucus_ 57 + _Carcharodon carcharias_ 54 + -- _rondeleti_ 57 + _Ceratias uranoscopus_ 93, 94* + _Chaetodon diacanthus_ 78 + -- _flavus_ 78 + -- _imperator_ 78 + -- _lamarcki_ 78 + -- _macrolepidotus_ 78 + -- rostratus_ 75 + -- _semicirculatus_ 78 + -- _setifer_ 78 + -- _vitattus_ 78 + _Chimaera monstrosa_ 53 + Chimäre 53 + _Clupea harengus_ 19 + -- _menhaden_ 29 + -- _pilchardus_ 27 + -- _sprattus_ 25 + _Conger vulgaris_ 48 + _Cottus scorpius_ 88, 89* + _Cyclopterus lumpus_ 86 + + _Dactylopterus volitans_ 72 + Delphine 18 + Devonfische 63 + _Dicerobatis giornae_ 52 + _Diodon maculatus_ 80 + Dornhai 45*, 58 + Dorsch 29*, 30-33 + + _Echeneis remora_ 38 + Ellerbeck, Hauptsitz der Sprottenräucherei 26 + _Engraulis encrasicholus_ 29 + _Eurypharynx pelecanoides_ 93* + _Exocoetus exsiliens_ 72 + -- _volitans_ 72 + + Fahnenfisch 78 + Fetzenfisch 64 + _Fierasfer acus_ 38 + Fischmarkt 7, 8 + Fische, fliegende 65 + Fischereiwirtschaft 9 + Flugdrache 72 + Flugfische 65-71 + Flughahn 72 + Flunder 40, 42, 43* + + _Gadus aeglefinus_ 30 + -- _morrhua_ 29*, 30 + _Gastrosteus spinachia_ 91* + Geißler 78 + _Gigantura chuni_ 92 + _Gobius niger_ 87 + Goldbutt 44 + Gonostomiden 94 + Großmaul 93 + Großschweif 92 + Grundschleppnetz 14* + + Hai 16, 38, 54-57, 62 + Haifisch-Ei 58* + Halbmakrele 39 + Hammerfisch 53 + Hausen 60 + Heilbutt 44 + Hering 19-24 + --, fliegender 72 + Heringsräucherei, Räucherofen 24*, 26 + Herzogsfisch 78 + _Hippocampus antiquorum_ 88 + _Hippoglossus vulgaris_ 44 + Hochseefischerei 6, 12 + Hundshai 57 + + Igelfisch 80, 81 + + Kabeljau 16, 30, 31, 33, 39 + Kaiserfisch 78 + Katfisch 17 + Katzenhai 57 + Kaviar 60, 61 + Kieler Sprotten 25 + Klippfisch 33, 78 + Klumpfisch 82, 83 + Königsfisch 53 + Korallenfisch 78 + Korksohlen 17 + Knurrhahn 16, 45*, 83*, 84 + Kugelfisch 81*, 82 + + Laberdan 33 + _Labrus maculatus_ 80 + -- _mixtus_ 80 + Lanzettfischchen 63 + _Latrunculus perlucidus_ 63 + Lebertran 32 + Lengfisch 16 + Lippfisch 80 + _Lophius piscatorius_ 64 + Lotsenfisch 59 + Lump 86, 87 + Luzonfisch 63 + + _Macropharynx_ 93 + Makrele 17, 37*, 38 + Meeraal 48 + Meerengel 53 + Meeresforschung 6 + Meergrundel 63, 87 + Meerpapageien 84 + Meerschwalbe 72 + Meerschweine 18 + _Melanocetus johnsoni_ 93 + -- _krechi_ 93 + _Mistichthys luzonensis_ 63 + _Mola mola_ 82 + Mondfisch 82, 83 + _Mullus barbatus_ 78 + _Muraena helena_ 48 + Muränen 46-48 + + Nagelrochen 45*, 51*, 52 + _Naucratus ductor_ 59 + _Nerophis aequoreus_ 90*, 91 + + _Palaeospondylus_ 63 + _Periophthalmus koelreuteri_ 72 + Petermännchen 16, 44, 46 + Petersfische 41 + Pilchards 29, 48 + Plattfische 40-43 + _Pleuronectes flesus_ 43*, 44 + -- _platessa_ 44 + _Pogonias chromis_ 85 + _Pristis antiquorum_ 53 + _Pterois volitans_ 72 + _Phyllopteryx eques_ 64 + + _Raja clavata_ 51* + Rauhhai 57 + _Rhina squatina_ 53 + _Rhinodon typicus_ 57 + _Rhombus maximus_ 44 + Riesenhai 57 + Rochen 51, 53 + -- -Ei 58* + Rotzungen 17 + + Sägefisch 53 + Sardelle 29 + Sardine 27 + _Scatophagus argus_ 78, 79* + Schellfische 16, 30, 32, 33, 39 + Scherbretterschleppnetz 32 + Schiffshalter 38 + Schlammspringer 72 + Schlangennadel 90*, 91 + Schollen 40*, 41, 45* + Schuppenflosser 76 + Schützenfisch 75 + Schutzfärbung 78 + Schwalbenfisch 72 + Schwarzfisch 93 + Schwertfisch 61, 62 + _Sciaena aquila_ 86 + _Scomber pelamys_ 38, 72 + -- _scomber_ 37* + _Scyllium canicula_ 57 + -- _catulus_ 57 + Seebarbe 78 + Seefisch-Versand 19 + Seegurke 38, 39 + Seehase 17, 45*, 86, 87 + Seehenne 16 + Seekatze 53 + Seenadel 90 + Seepferdchen 45*, 88-90 + Seeratte 53 + Seeräuberchen 63 + Seeskorpion 88, 89* + Seestichling 91* + Seeteufel 45*, 64, 65, 86 + Seezunge 44 + _Selache maxima_ 57 + _Solea vulgaris_ 44 + Somatolyse 78 + Spöke 53 + Springfisch 72 + Spritzfisch 75, 76 + Sprotten, Aufziehen der 25* + Stachelbarsch, fliegender 72 + Stechrochen 52 + Steinbutt 16, 44, 45* + Stöcker 39 + Stockfisch 33 + _Stomias boa_ 92*, 93 + Stör 59, 60, 61 + _Strombus gigas_ 39 + _Stylophthalmus paradoxus_ 92 + _Synanceja verrucosa_ 46 + _Syngnathus acus_ 90 + + _Tetrodon fahaka_ 81*, 82 + Teufelsrochen 52 + Thunfisch 34*-37 + _Thynnus thynnus_ 34* + Tiefseefische 92*, 93*, 94* + _Torpedo marmorata_ 48 + _Toxotes jaculator_ 75* + _Trachinus draco_ 44 + -- _vipera_ 47 + _Trigla hirundo_ 83* + -- _lucerna_ 72 + Trommelfische 85 + _Trygon pastinaca_ 52 + + Vipernfisch 47 + + Weißhai 57 + Weltfischerei 9 + + _Xiphias gladius_ 61 + + Zauberfisch 46 + Zitteraal 48, 49 + Zitterrochen 48-50 + Zitterwels 48 + _Zygaena malleus_ 53 + + * * * * * + + + Naturwissenschaftliche Bildung ist die Forderung des Tages! + + + Zum Beitritt in den »Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde«, laden wir + + alle Naturfreunde + +jeden Standes, sowie alle Schulen, Volksbüchereien, Vereine usw. ein. -- +Außer dem geringen + + _Jahresbeitrag von nur M 4.80_ + +(Beim Bezug durch den Buchhandel 20 Pf. Bestellgeld, durch die Post Porto +besonders.) + += K 5.80 h. ö. W. = Frs 6.40 erwachsen dem Mitglied $keinerlei$ +Verpflichtungen, dagegen werden ihm folgende große Vorteile geboten: + +Die Mitglieder erhalten laut § 5 als Gegenleistung für ihren +Jahresbeitrag im Jahre 1914 $kostenlos$: + + I. $Die Monatschrift Kosmos, Handweiser für Naturfreunde.$ + Reich illustr. + Mit mehreren Beiblättern (siehe S. 3 des Prospektes). Preis für + Nichtmitglieder M 2.80. + + II. $Die ordentlichen Veröffentlichungen.$ Nichtmitglieder zahlen den + Einzelpreis von M 1.-- pro Band. + + Wilhelm Boelsche, Tierwanderungen in der Urwelt. + Dr. Kurt Floericke, Meeresfische. + Dr. Alexander Lipschütz, Warum wir sterben. + Dr. Fritz Kahn, Die Milchstraße. + Dr. Oskar Nagel, Die Romantik der Chemie. + + Änderungen vorbehalten. (Näheres wird im Kosmos-Handweiser + bekanntgegeben.) + +III. $Vergünstigungen beim Bezuge von hervorragenden +naturwissenschaftlichen Werken$ (siehe Seite 7 des Prospektes). + +[Zeigefinger] =Jede Buchhandlung= nimmt Beitrittserklärungen entgegen und +besorgt die Zusendung. Gegebenenfalls wende man sich an die +Geschäftsstelle des Kosmos in Stuttgart. + + Jedermann kann jederzeit Mitglied werden. + Bereits Erschienenes wird nachgeliefert. + + * * * * * + + + Satzung + + $ 1. Die Gesellschaft Kosmos (eine freie Vereinigung der Naturfreunde + auf geschäftlicher Grundlage) will in erster Linie die Kenntnis + der Naturwissenschaften und damit die Freude an der Natur und das + Verständnis ihrer Erscheinungen in den weitesten Kreisen unseres + Volkes verbreiten. + + $ 2. Dieses Ziel sucht die Gesellschaft zu erreichen: durch die + Herausgabe eines den Mitgliedern $kostenlos$ zur Verfügung + gestellten naturwissenschaftlichen Handweisers (§ 5); durch + Herausgabe neuer, von hervorragenden Autoren verfaßter, im guten + Sinne gemeinverständlicher Werke naturwissenschaftlichen Inhalts, + die sie ihren Mitgliedern $unentgeltlich$ oder zu $einem besonders + billigen Preise$ zugänglich macht, usw. + + $ 3. Die Gründer der Gesellschaft bilden den geschäftsführenden + Ausschuß, den Vorstand usw. + + $ 4. $Mitglied kann jeder werden$, der sich zu einem Jahresbeitrag von + M 4.80 = K 5.80 h. ö. W. = Frs 6.40 (exkl. Porto) verpflichtet. + Andere Verpflichtungen und Rechte, als in dieser Satzung angegeben + sind, erwachsen den Mitgliedern nicht. Der Eintritt kann + $jederzeit$ erfolgen; bereits Erschienenes wird nachgeliefert. Der + Austritt ist gegebenenfalls bis 1. Oktober des Jahres anzuzeigen, + womit alle weiteren Ansprüche an die Gesellschaft erlöschen. + + § 5. Siehe vorige Seite. + + § 6. Die Geschäftsstelle befindet sich bei der $Franckh'schen + Verlagshandlung, Stuttgart$, Pfizerstraße 5. Alle Zuschriften, + Sendungen und Zahlungen (vgl. § 5) sind, soweit sie nicht durch + eine Buchhandlung Erledigung finden konnten, dahin zu richten. + + * * * * * + + + Kosmos + + Handweiser für Naturfreunde + + Erscheint jährlich zwölfmal -- 2 bis 3 Bogen stark -- + und enthält: + +$Originalaufsätze$ von allgemeinem Interesse aus sämtlichen Gebieten der +Naturwissenschaften. Reich illustriert. + +$Regelmäßig orientierende Berichte$ über Fortschritte und neue +Forschungen auf allen Gebieten der Naturwissenschaft. + +$Auskunftsstelle -- Interessante kleine Mitteilungen.$ + +$Mitteilungen über Naturbeobachtungen$, Vorschläge und Anfragen aus dem +Leserkreise. + +$Bibliographische Notizen$ über bemerkenswerte neue Erscheinungen der +deutschen naturwissenschaftlichen Literatur. + + * * * * * + + + Der Handweiser mit seinen illustr. Beiblättern: + + Wandern und Reisen / Aus Wald und Heide / Photographie und + Naturwissenschaft / Technik und Naturwissenschaft / Haus, Garten und + Feld / Die Natur in der Kunst / Natur und Heimatschutz / + + kostet für Mitglieder nichts, während Nichtmitglieder ohne Buchbeilage + jährlich M 2.80 zahlen. + + $Probehefte durch jede Buchhandlung oder direkt.$ + + * * * * * + + + Buchbeigaben für das Jahr 1914: + + Tierwanderungen in der Urwelt. + + Von $Wilhelm Bölsche$. + + +Mit vielen hochinteressanten Bildern und einem farbigen Umschlag nach +Originalzeichnungen von Prof. =Heinrich Harder= in Berlin. + +$Für Nichtmitgl.: In farb. Umschlag M 1.--, K. 1.20 h. ö. W., Frs. 1.35. +In Leinen geb. M 1.80, K. 2.20 h. ö. W., Frs. 2.35.$ + +[Illustration] + +Die Entdeckungen großer und auffälliger, die Erde heute noch bevölkernder +Tierformen haben allmählich stark nachgelassen. Dafür sind der Tierkunde +neue und bedeutsame Aufgaben erwachsen. Eine der brennendsten betrifft +die Verbreitung der Tiere auf der Erde. Warum sind die Säugetiere des +tropischen Amerika grundverschieden von den unter gleicher Zone wohnenden +Säugetieren des tropischen Afrika? Warum leben in Australien noch viele +urweltliche Tiere fort, die sonst überall ausgestorben sind? Diese und +viele andere Rätsel können aber nicht gelöst werden durch die Annahme +einfacher Anpassung an die heutigen Verhältnisse. Geologische Ausblicke +sind dazu nötig; die Tierwelt muß betrachtet werden in ihrer Einordnung +in die andersartigen Landgebiete der Urwelt. Geheimnisvolle Wanderungen +der Tierarten in der vorgeschichtlichen Zeit müssen berücksichtigt +werden. In dieses hochinteressante neue Gebiet führt Bölsches neues Werk, +das zugleich eine Fortsetzung von des Verfassers bekannter Schrift über +Festländer und Meere im Wechsel der Zeiten ist. + + * * * * * + + + Meeresfische. + + Von $_Dr._ Kurt Floericke$. + + =Mit zahlreichen Abbildungen= / $Für Nichtmitglieder: in farbigem + Umschlag geheftet M 1.--, K. 1.20 h. ö. W., Frs. 1.35.$ + + $In Leinen gebunden M 1.80, K. 2.20 h. ö. W., Frs. 2.35.$ + +[Illustration] + +Das Bändchen schließt sich an das des bekannten Autors über die +»Einheimischen Fische« an. Er schildert hier in packender Weise die +wichtigsten Arten der Fische des Meeres und berücksichtigt dabei +besonders die eßbaren Seefische, nicht nur zoologisch, sondern auch in +ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung als wichtiges Volks-Nahrungsmittel. +Der Fang, die weitere Behandlung und der Handel dieser Seefische werden +eingehend beschrieben. Die vielen Abbildungen, die größten Teils nach +Photographien lebender Fische angefertigt sind, erhöhen den Wert des +Buches. + + * * * * * + + + Warum wir sterben? + + Von $_Dr._ Alexander Lipschütz.$ + + =Mit zahlreichen Abbildungen.= + +$Für Nichtmitglieder: In farbigem Umschlag geh. M 1.--, K. 1.20 h. ö. W., + Frs. 1.35 / In Leinwand geb. M 1.80, K. 2.20 h. ö. W., Frs. 2.35.$ + +[Illustration] + +Das Bändchen behandelt ein für jeden denkenden Menschen sehr +interessantes Thema. Der Verfasser geht darin der Frage nach, ob es für +uns Menschen einen natürlichen, nicht durch Krankheit bedingten Tod gibt +und führt dann den Tod als eine natürliche Erscheinung des Alters vor. +Seine naturwissenschaftliche Analyse des Todes läßt der Verfasser in +einen Hymnus auf das schaffende Leben ausklingen. + + * * * * * + + + Die Milchstraße. + + Von $Dr. Fritz Kahn.$ + + =Mit zahlreichen Abbildungen.= + +$Für Nichtmitglieder: In farbigem Umschlag M 1.--, K. 1.20 h. ö. W. Frs. + 1.35:: In Leinen geb. M 1.80 K. 2.20 h. ö. W. Frs. 2.35.$ + +[Illustration] + +Ausgehend vom Weltbild der Alten zeigt der Verfasser, wie durch die +Erfindung des Fernrohrs, der Spektralanalyse und schließlich durch die +Anwendung der Photographie das Weltbild immer mehr erweitert wurde, und +wie man in den letzten Jahrzehnten immer mehr dahin kam, die +systematischen Begriffe des Planetensystems auch auf die Fixsternwelt zu +übertragen. Die Spektralanalyse läßt uns die chemische Natur der Sterne +erkennen, die photographische Platte die Gesetzmäßigkeit der +Sternbewegungen. Diese Forschungen ergeben eine großartige +Entwicklungsgeschichte des Weltalls, in dem man Weltsysteme auf allen +Stufen der Entwicklung vom Urnebel an bis herauf zum höchsten Gebilde, +der Milchstraße, vorfand. Als höchstentwickelte Einheit erscheint uns die +Milchstraße, deren Bau, Größe, Anordnung der Sterne, Sterngruppen +anschaulich geschildert werden. Die Sterne befinden sich im +Milchstraßenstaat in einem Kreislauf, wie unser Blut im Körper. Von der +Peripherie des Systems kreisen kosmische Staubmassen in Spiralbahnen der +Mitte zu, nähern sich gegenseitig und zerschellen in der Nähe des +Zentrums. Dieses Schicksal bot die Nova Persei vor einigen Jahren. Auch +uns widerfährt es einst und wir beginnen dann von neuem den ewigen +Kreislauf des Stoffes und der Kraft, wie wir ihn wahrscheinlich schon +millionenmal durchlaufen haben und finden darin eine großartige ungeahnte +naturwissenschaftliche Auslegung des Unsterblichkeitsgedankens. + + * * * * * + + + Die Romantik der Chemie. + + Von $Dr. Oskar Nagel.$ + + =Mit zahlreichen Abbildungen.= / $Für Nichtmitglieder: In farbigem + Umschlag geheftet M 1.--, K. 1.20 h. ö. W., Frs. 1.35.$ + + $In Leinwand gebunden M 1.80, K. 2.20 h. ö. W., Frs. 2.35.$ + +Kein Wissensgebiet der Menschheit ist so durchaus romantisch und zugleich +vom größten praktischen Nutzen wie die Chemie. Eine unendliche Menge von +neuartigen Stoffen, von denen vergangene Jahrzehnte kaum zu träumen +wagten, ist von der Chemie hergestellt worden. Tausende gelehrter +Chemiker sind in ihren stillen Laboratorien für den weiteren Ausbau +dieser Wissenschaft tätig, tausende von Fabriksschloten erzeugen den Zug, +um das Feuer der chemischen Fabriköfen zu unterhalten. Aus unscheinbaren +Rohprodukten und Abfällen aller Art werden wertvolle Erzeugnisse für +Technik und Industrie, das Heilwesen und das tägliche Leben hergestellt. +Sprengstoffe von fabelhafter Stärke, Farbstoffe von wunderbarer Pracht, +Ersatzstoffe in größter Mannigfaltigkeit, wie Kunstseide, Zelluloid usw. +werden massenweise für den täglichen Gebrauch hergestellt, während die +viele tausend von Grad starke Glut der elektrischen Öfen die Gewinnung +der edelsten und seltensten Stoffe möglich macht. + +[Illustration] + +All dies behandelt in leicht verständlicher, äußerst anregender Weise +»Die Romantik der Chemie«. Der Leser wird, wie auf einem phantastischen +Spaziergange, durch die wunderbaren Werkstätten der Praxis und +Wissenschaft geführt. Mit der Gewinnung des Goldes in den großen +überseeischen Goldfeldern beginnend, durchwandert der Verfasser das ganze +Gebiet der chemischen Industrien, erklärt das Wesen des Erfindens und +Entdeckens und beschließt sein Werkchen mit hochinteressanten Ausblicken +auf die Chemie der Erde und über die Chemie des Lebens. + + * * * * * + + + Wer ein Leser des Kosmos ist, der hat auch + Interesse für seine beiden Gegenstücke: + + + Technische Monatshefte. + +Sie wollen dem Laien, dem Fachmann u. der strebsamen Jugend in Wort und +Bild und in gemeinverständlicher Darstellung Anleitung zum Verständnis +des gesamten Gebietes der modernen Technik bieten. + + $Halbjährlich für 6 Hefte nebst 2 Buchbeilagen + nur M 3.50 / K. 4.20 h. ö. W. / Frs. 4.70.$ + + + Zeiten und Völker. + +Diese Monatsschrift, die interessante reich illustrierte Aufsätze aus dem +Gebiet der Geschichte, Kulturgeschichte, Völkerkunde usw. bringt, ist ein +Familienblatt im besten Sinne des Wortes; sie will Sinn und Verständnis +für geschichtliche Zusammenhänge wecken und gediegene historische +Kenntnisse in anschaulicher Weise vermitteln. + + $Jährlich für 12 Hefte nebst 2 Buchbeilagen + nur M 4.80 / K. 5.80 h. ö. W. / Fr. 6.40.$ + + Probehefte durch jede Buchhandlung oder direkt von der + + $Franckh'schen Verlagshandlung in Stuttgart$ + + * * * * * + + +Die Mitglieder des =Kosmos= haben bekanntlich nach Paragraph 5 III das +Recht, außerordentliche Veröffentlichungen und die den Mitgliedern +angebotenen Bücher zu =einem Ausnahmepreis= zu beziehen. Es befinden sich +u. a. darunter folgende Werke: + + +===========+====== + | Preis | Mit- + |f. Nicht-|glieder- + | mitgl. | preis + +---------+-------- + $Altpeter, ABC der Chemie$ | 2.40 | 1.-- + $Bergmiller, Erfahr. a. u. Gebiete d. hoh. Jagd.$ | | + Geb. | 4.50 | 3.50 + $Bölsche, W., Der Sieg des Lebens.$ Fein gebunden | 1.80 | 1.50 + $Diezels Erfahrungen a. d. Gebiete d. Niederjagd.$ | | + Geb. | 4.50 | 2.90 + $Ewald, Mutter Natur erzählt.$ Gebunden | 4.80 | 3.60 + $ " Der Zweifüssler.$ Gebunden | 4.80 | 3.60 + $ " Vier feine Freunde.$ Gebunden | 4.80 | 3.60 + $Fabre, J. H. Sternhimmel$. Gebunden | 4.80 | 3.60 + $ " Bilder a. d. Insektenwelt.$ I/II, III/IV. | | + 2 Bde. geb. je | 4.50 | 3.40 + $ " Blick ins Käferleben.$ Broschiert | 1.-- |--.50 + $Floericke, Dr. Kurt, Deutsches Vogelbuch.$ Gebunden| 10.-- | 8.40 + $ " Taschenbuch zum Vogelbestimmem.$ Geb.| 3.80 | 2.90 + $Fruwirth, Die Pflanzen der Feldwirtschaft.$ Geb. | 3.80 | 2.90 + $Gräbner, Taschenbuch zum Pflanzenbestimmen.$ Geb. | 3.80 | 2.90 + $Hepner, Cl., 100 neue Tiergeschichten.$ Gebunden | 3.60 | 2.80 + $Jaeger, Prof. Dr. Gust., Das Leben im Wasser.$ | | + Kart. | 4.50 | 1.70 + $Kuhlmann, Wunderwelt des Wassertropfens.$ Brosch. | 1.-- |--.50 + $Lange, Der Garten und seine Bepflanzung.$ Geb. | 4.50 | 3.50 + $Leben der Pflanze.$ Bd. I, II, III, IV, V, VI, VII,| | + VIII, geb. je | 15.-- |13.50 + $Lindemann, Die Erde.$ Bd. I. Gebunden | 9.-- | 8.-- + $ " " "$ Bd. II. Gebunden | 9.-- | 8.-- + $Meyer. Dr. M. Wilh., Die ägyptische Finsternis.$ | | + Geb. | 3.-- | 1.90 + $Monographien unserer Haustiere$: Bd. I Schumann, | | + Kaninchen; Bd. II Schuster, Hauskatze; Bd. III | | + Morgan, Hund; Bd. IV Schwind, Haushuhn à | 1.40 | 1.05 + $Sauer, Prof. Dr. A., Mineralkunde.$ Gebunden | 13.60 |12.20 + $Schrader, Liebesleben der Tiere.$ Broschiert | 1.40 | 1.10 + $Schroeder-Rothe, Handbuch f. Naturfreunde.$ Bd. I | | + geb. | 4.20 | 3.60 + $ " --"--$ " II | | + geb. | 3.80 | 3.30 + $Schwind-Gemen, Rosenbüchlein.$ Gebunden | 1.50 | 1.25 + $Stevens, Frank, Ausflüge ins Ameisenreich.$ Geb. | 2.50 | 1.85 + $ " " Die Reise ins Bienenland.$ Geb. | 2.50 | 1.85 + $Strandbüchlein.$ Gebunden | 1.25 | 1.-- + $Stridde, Allgemeine Zoologie.$ Gebunden | 7.-- | 6.20 + $Thompson, E. S., Bingo u. a. Tiergeschichten.$ Geb.| 4.80 | 3.60 + $ " Prärietiere und ihre | | + Schicksale.$ Fein geb. | 4.80 | 3.60 + $ " Tierhelden.$ Fein gebunden | 4.80 | 3.60 + $Wurm, Waldgeheimnisse.$ Gebunden | 4.80 | 3.60 + + und zahlreiche andere Werke mehr. + + * * * * * + + + Die ordentlichen Veröffentlichungen + +früherer Jahre erhalten Mitglieder, solange vorrätig, zu Ausnahmepreisen: + +:1904: + +(Handweiser vergriffen) zusammen für M 4.-- (Preis für Nichtmitglieder +M 5.--), geb. für M 6.20 (für Nichtmitglieder M 8.40): + + $Bölsche, W., Abstammung des Menschen.$ + $Meyer, Dr. M. Wilh. (Urania-Meyer), Weltuntergang.$ + $Zell, Dr. Th., Ist das Tier unvernünftig?$ (Doppelband) + $Meyer, Dr. M. Wilh., Weltschöpfung.$ + + +:1905: + +(Handweiser vergriffen) zusammen für M 4.-- (Preis für Nichtmitglieder +M 5.--), geb. für M 6.75 (für Nichtmitglieder M 9.--): + + $Bölsche, W., Stammbaum der Tiere.$ + $Welten, Die Sinne der Pflanzen.$ + $Zell, Dr. Th., Tierfabeln.$ + $Teichmann, Dr. E., Leben und Tod.$ + $Meyer (Urania), Sonne und Sterne.$ + + +:1906: + +(Handweiser vergriffen) zusammen M 4.-- (für Nichtmitglieder M 5.--) und +geb. für M 6.75 (für Nichtmitglieder M 9.--): + + $Welten, Wie die Pflanzen lieben.$ + $Meyer, Dr. M. Wilh., Rätsel d. Erdpole.$ + $Zell, Dr. Th., Streifzüge durch d. Tierwelt.$ + $Bölsche, Wilh., Im Steinkohlenwald.$ + $Ament, Dr. W., Die Seele des Kindes.$ + + +:1907: + +ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden für +M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--): + + $Kuhlmann, Aus der Wunderwelt des Wassertropfens.$ + $Zell, Dr. Th., Straußenpolitik.$ + $Meyer, Dr. M. W., Kometen und Meteore.$ + $Teichmann, Dr. E., Fortpflanzung und Zeugung.$ + $Floericke, Dr. K., Die Vögel des deutschen Waldes.$ + + +:1908: + +ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden für +M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--): + + $Meyer, Dr. M. W., Erdbeben und Vulkane.$ + $Teichmann, Dr. E., Die Vererbung.$ + $Sajó, Krieg u. Frieden im Ameisenstaat.$ + $Dekker, Naturgeschichte des Kindes.$ + $Floericke, Dr. K., Säugetiere des deutschen Waldes.$ + + +:1909: + +ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden für +M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--): + + $Unruh, Leben mit Tieren.$ + $Meyer, Dr. M. Wilh., Der Mond.$ + $Sajó, Prof. K., Die Honigbiene.$ + $Floericke, Kriechtiere u. Lurche Deutschl.$ + $Bölsche, Wilh., Der Mensch in der Tertiärzeit und im Diluvium.$ + + +:1910: + +ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden für +M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--): + + $Koelsch, Pflanzen zwisch. Dorf u. Trift.$ + $Dekker, Fühlen und Hören.$ + $Meyer, Welt der Planeten.$ + $Floericke, Säugetiere fremder Länder.$ + $Weule, Kultur der Kulturlosen.$ + + +:1911: + +ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden für +M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--): + + $Koelsch, Durch Heide und Moor.$ + $Dekker, Sehen, Riechen und Schmecken.$ + $Bölsche, Der Mensch der Pfahlbauzeit.$ + $Floericke, Vögel fremder Länder.$ + $Weule, Kulturelemente der Menschheit.$ + + +:1912: + +ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden für +M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--): + + $Gibson-Günther, Was ist Elektrizität?$ + $Dannemann, Wie uns. Weltbild entstand.$ + $Floericke, Fremde Kriechtiere u. Lurche.$ + $Weule, Die Urgesellschaft und ihre Lebensfürsorge.$ + $Koelsch, Würger im Pflanzenreich.$ + + +:1913: + +ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden für +M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--): + + $Bölsche, Festländer und Meere.$ + $Floericke, Einheimische Fische.$ + $Koelsch, Der blühende See.$ + $Zart, Bausteine des Weltalls.$ + $Dekker, Vom sieghaften Zellenstaat.$ + + _Allen Jahrgängen außer 1904, 1905 u. 1906 werden + die 12 Hefte des betr. Handweiser-Jahrganges beigefügt._ + +Sämtl. noch vorhand. Jahrgänge der Kosmos-Veröffentlichungen (s. obige +Zusammenstellung) liefern wir an Mitgl.: geh. für M 38.-- (Preis für +Nichtmitgl. 96.--), geb. (auch Handw.) für M 62.-- (Preis für Nichtmitgl. +113.80) $auch gegen kleine monatl. Ratenzahlungen$. + + * * * * * + +Anmerkungen zur Transkription: + +Rechtschreibung und Zeichensetzung des Originaltextes wurden übernommen, +und offensichtliche Druckfehler korrigiert. + +Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Passagen, die im Original in +Antiqua gesetzt sind, sind kursiv dargestellt. + +Der Schmutztitel wurde entfernt. + +Fett gedruckter Text wurde mit Dollarzeichen ($Text$), gesperrter Text +mit Gleichheitszeichen (=Text=) und kursiver Text wurde mit +Unterstrich (_text_) markiert. + +Das Symbol gestorben wurde als [gestorben] dargestellt. + +Das Symbol Zeigefinger wurde als [Zeigefinger] dargestellt. + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Meeresfische, by Kurt Floericke + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 57967 *** diff --git a/57967-8.txt b/57967-8.txt deleted file mode 100644 index 0eeb8a9..0000000 --- a/57967-8.txt +++ /dev/null @@ -1,4207 +0,0 @@ -The Project Gutenberg EBook of Meeresfische, by Kurt Floericke - -This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most -other parts of the world at no cost and with almost no restrictions -whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of -the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Meeresfische - -Author: Kurt Floericke - -Release Date: September 24, 2018 [EBook #57967] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK MEERESFISCHE *** - - - - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - - - - - - - - -[Illustration:] - - - * * * * * - - Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, Stuttgart - -Die Gesellschaft Kosmos will die Kenntnis der Naturwissenschaften und -damit die Freude an der Natur und das Verständnis ihrer Erscheinungen in -den weitesten Kreisen unseres Volkes verbreiten. -- Dieses Ziel glaubt -die Gesellschaft durch Verbreitung guter naturwissenschaftlicher -Literatur zu erreichen mittels des - - $Kosmos$, Handweiser für Naturfreunde - - Jährlich 12 Hefte. Preis M 2.80; - -ferner durch Herausgabe neuer, von ersten Autoren verfaßter, im guten -Sinne gemeinverständlicher Werke naturwissenschaftlichen Inhalts. Es -erscheinen im Vereinsjahr 1914 (Änderungen vorbehalten): - -Wilh. Bölsche, Tierwanderungen in der Urwelt. - Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h ö. W. - -Dr. Kurt Floericke, Meeresfische. - Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h ö. W. - -Dr. Alexander Lipschütz, Warum wir sterben. - Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h ö. W. - -Dr. Fritz Kahn, Die Milchstraße. - Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h ö. W. - -Dr. Oskar Nagel, Romantik der Chemie. - Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h ö. W. - -Diese Veröffentlichungen sind durch =alle Buchhandlungen= zu beziehen; -daselbst werden Beitrittserklärungen (Jahresbeitrag nur M 4.80) zum -$Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde$ (auch nachträglich noch für die -Jahre 1904/13 unter den gleichen günstigen Bedingungen), -entgegengenommen. (Satzung, Bestellkarte, Verzeichnis der erschienenen -Werke usw. siehe am Schlusse dieses Werkes.) - - Geschäftsstelle des Kosmos: Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart. - - * * * * * - - - - - Meeresfische - - Von - - Dr. Kurt Floericke - - Mit zahlreichen Abbildungen nach Originalaufnahmen - und Zeichnungen von Oberlehrer - W. Koehler, Fr. Ward, R. Oeffinger u. a. - und einem Umschlagbild von Willy Planck - - [Illustration] - - Stuttgart - - Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde - Geschäftsstelle: Franckh'sche Verlagshandlung - 1914 - - - Alle Rechte, besonders das Übersetzungsrecht, vorbehalten. - - - _Copyright 1914 by - Franckh'sche Verlagshandlung - Stuttgart_ - - STUTTGARTER SETZMASCHINEN-DRUCKEREI - HOLZINGER & Co., STUTTGART - - * * * * * - - - - -[Illustration] - -Furchtbar zugleich und fruchtbar ist das Meer. Mit heiliger Scheu -erfüllt uns der endlose Ozean, wenn er, aufgewühlt und aufgepeitscht von -heulenden Sturmwinden, tobend und brausend hohe, weißgekrönte Wogenkämme -wie eine finstere, verderbenbringende Todesmauer zum Lande wälzt, Leichen -auf seinem Rücken trägt und alles Lebende mit wuchtigem Wellenschlag zu -vernichten droht; mit andächtiger Bewunderung aber, wenn er sich wieder -besänftigt hat, wenn an der nur leicht gekräuselten, sanft und ruhig -atmenden Oberfläche im glitzernden Sonnenschein Scharen silberner -Fischlein in übermütigem Spiel sich tummeln und das kristallklare Wasser -an felsiger Küste ungeahnte Einblicke tun läßt in die Tiefe mit ihrem so -eigenartigen, geheimnisvollen, mannigfaltigen Weben und Leben; mit warmer -Liebe endlich, wenn wir gedenken, wie unendlich viel von jeher der reiche -Ozean beigetragen hat, die menschlichen Bewohner des Erdballs zu -ernähren, die entlegensten Völker mit einander zu verbinden, ihnen einen -leichten und bequemen Austausch ihrer Erzeugnisse zu ermöglichen, ihre -Phantasie zu befruchten und ihre künstlerische Schaffenskraft anzuregen. -Neptun gebietet über das weiteste und ausgedehnteste Reich auf unserem -Planeten, und die Zahl und Mannigfaltigkeit der seinem strengen Szepter -unterstehenden Tierwelt, ihre grotesken Formen, ihre erstaunliche -Fruchtbarkeit und ihre weitgehenden biologischen Anpassungen an die -Eigenart der verschiedenen Meeresteile finden auf dem Festlande kaum -ihresgleichen. Voll ungeahnter Wunder ist des Meeres dunkler Schoß, aber -nur langsam und zögernd enthüllen sie sich dem rastlos forschenden -Menschengeiste. Kaum vermag unser Auge die verwirrende Fülle der -Erscheinungen noch zu überschauen. Führen doch allein an 10000 Fischarten -in all den Erdenmeeren ein unseren Blicken mehr oder minder verborgenes -Dasein. Gerade dieser Umstand erscheint in hohem Maße geeignet, unsere -Kenntnis von den Lebensgewohnheiten der Seefische zu erschweren; so sehr -sie auch während der letzten Jahrzehnte durch die überraschenden -Fortschritte der Meeresforschung gefördert worden ist, so wenig ist doch -ausführlichere Kunde davon in die große Masse der heutigen -Kulturmenschheit gedrungen, wenn auch anderseits die Fischerbevölkerung -der Küstenländer schon im eigensten Lebensinteresse geradezu gezwungen -war, praktische Fischkunde zu lernen. Aber wie viele sonst hoch -gebildete Bewohner des Binnenlandes gibt es doch, die selbst die -allergewöhnlichsten Seefische lediglich von genossenen Tafelfreuden oder -aus den Bottichen der Marktweiber her kennen, von ihrer merkwürdigen -Lebensführung dagegen kaum mehr wissen als von der hochinteressanten Art -und Weise ihrer Erbeutung. Und doch ist diese von tief einschneidender -Bedeutung nicht nur für das gesamte Wirtschaftsleben unserer -Küstenprovinzen, sondern auch für die Fleischversorgung unseres gesamten -Vaterlandes, da bei den ständig steigenden Schlachtviehpreisen einerseits -und den erheblich verbesserten Transportmitteln anderseits (selbst aus -Westafrika bringt man neuerdings in Kühlkammern oder auf Schneelagern in -23tägiger Fahrt Plattfische und Seehechte in vollkommen gebrauchsfrischem -Zustande nach Paris) der Verbrauch von Seefischfleisch auch im -Binnenlande eine fortwährend zunehmende Wichtigkeit erhält. - -Die deutsche =Hochseefischerei=, die jetzt zumeist mit eigens dazu -ausgerüsteten, besonders seetüchtigen Fischdampfern betrieben wird, ist -denn auch in erfreulicher Aufwärtsentwicklung begriffen, obgleich es noch -lange dauern wird, bis sie den ungeheuren Vorsprung, den namentlich die -Engländer auf diesem Gebiete besitzen, einigermaßen wettgemacht haben -wird. Sie beschäftigt über 30000 wettergestählte Männer, die in ihrem -gefahrvollen und anstrengenden Berufe für den Ausbau eines Gewerbszweiges -kämpfen, dessen ungeheure volkswirtschaftliche Bedeutung für Deutschland -lange genug verkannt worden ist und auch jetzt noch nicht ganz die ihm -gebührende Wertschätzung findet. Der Wert der ans Land gebrachten Fische -belief sich im Jahre 1908 auf rund 29 Millionen Mark, aber trotzdem -konnten von unseren 11 Fischereigesellschaften nur 4 eine Dividende -zahlen (die Emdener Heringsfischerei 7%), ein Zeichen, daß die gesamte -Organisation noch sehr in den Kinderschuhen steckt. Der Staat tut alles, -um sie zu heben und bewilligte allein 400000 M an Bauprämien für -Fischereifahrzeuge, während anderseits die Wissenschaft mit den -wertvollen Ergebnissen ihrer Forschungen der Fischerei zu Hilfe kommt, -überhaupt gerade auf diesem Gebiet ein inniger und sehr vorteilhafter -Wechselverkehr zwischen Wissenschaft und Praxis besteht, der beiden in -hohem Maße zum Vorteil gereicht. Wie weit bei guten Vorkehrungen die -Erträge der Seefischerei gesteigert werden können, ersieht man aus der -englischen Statistik. An den dortigen Küsten wurden beispielsweise im -Jahre 1906 20-1/2 Millionen Zentner Fische erbeutet und daraus 11,326 -Millionen Pfd. St. erzielt. Die neuesten Errungenschaften der Technik -kommen dort wie auch in Norwegen beim Fischfang zur Verwendung. Selbst -das Telephon. Der hierbei benutzte Apparat besteht aus einem zur Aufnahme -des Schalles dienenden Mikrophon, das in einer wasserdichten Stahlkapsel -eingeschlossen und durch Leitungsdrähte ständig mit einem telephonischen -Empfänger an Bord des Fangschiffes verbunden ist. Durch diese Vorrichtung -werden die Fischer frühzeitig von dem Herannahen und der Richtung der -großen Fischzüge in Kenntnis gesetzt, können auch gleich auf deren Art -schließen, indem z. B. Heringe durch pfeifende, Dorsche durch grunzende -Geräusche sich verraten. Hervorgerufen werden diese wahrscheinlich durch -die unablässige Bewegung von Millionen von Flossen und Kiemen im Wasser. -Leider ist unsere Seefischerei trotz aller Anstrengungen noch nicht -imstande, den Eigenbedarf unseres Volkes an Fischfleisch zu decken. Noch -müssen wir für nahezu 120 Millionen jährlich vom Ausland beziehen, -während unsere Ausfuhr noch nicht 12 Millionen beträgt. Unter den -eingeführten Fischen stehen obenan gesalzene Heringe mit 36,5, Bücklinge -mit 2,3, Kaviar mit 9,5, Lachse mit 7,25, Sardellen mit 1,75 und frische -Karpfen mit 1,8 Millionen Mark. Dabei nimmt in unserer Zeit der -Fleischteuerung die Nachfrage nach Seefisch noch fortwährend zu, -namentlich seit das frühere Vorurteil der Binnenländer gegen diese Kost -zu schwinden beginnt, wenn auch leider nur sehr langsam und allmählich. -Viel dazu beigetragen hat die Abhaltung von Seefisch-Kochkursen und die -planvolle Organisierung des Fischverkaufs in den städtischen Markthallen. -So wurden allein in Berlin vom Oktober 1911 bis Februar 1912 rund 230000 -kg frische Seefische durch die städtischen Verkaufsstellen abgesetzt. Im -Vergleiche zu der Statistik des Pariser Fischmarktes erscheint diese Zahl -freilich noch recht geringfügig. Dort kommen während der kühlen -Jahreszeit Tag für Tag 110-115000 kg Meeresbewohner in die städtischen -Markthallen, wobei allerdings Krebse und Muscheln mitgerechnet sind, ja -an den Fastentagen steigert sich diese ungeheure Menge auf 200000 kg. Bei -uns macht nach den Berechnungen von König und Splittgerber das -Fischfleisch nur 1/8-1/10 des überhaupt genossenen Fleisches aus. Auf den -Kopf der Bevölkerung kommen jährlich etwa 6,8 kg Fisch, wovon 6 kg auf -Seefisch entfallen und 40-50% für den Abfall in Abzug zu bringen sind, -sodaß nur 3,5-4 kg reines Fischfleisch übrig bleiben. Im allgemeinen ist -dessen Nährwert und Verdaulichkeit dem des Fleisches der nutzbaren -Haustiere gleichzusetzen, aber wenigstens das Seefischfleisch hat den -großen Vorzug, wesentlich billiger zu sein, selbst wenn man dabei in -Anschlag bringt, daß es an sich schon wasserreich ist und wegen der -kurzen Kochdauer nur einen unwesentlichen Wasserverlust erleidet, daher -zur Sättigung in größerer Menge genossen werden muß. Bei Räucherfischen -kommt dieser Übelstand ohnedies in Wegfall, während bei eingemachten -Fischen ein großer Teil der wertvollen Nährstoffe in die Laken und Saucen -entweicht. Die Verdaulichkeit wird durch das Kochen in geringerem Maße -beeinträchtigt als beim Rindfleisch. So vermag das Fischfleisch selbst -körperlich stark angestrengten Menschen ein vollwertiger Ersatz für -anderes Fleisch zu sein, und in Rußland erhält beispielsweise das Militär -zweimal wöchentlich Fisch, während man bei uns in dieser Beziehung noch -nicht weit über tastende Versuche hinausgekommen ist. Auch vorzügliche -Eiweißpräparate stellt man neuerdings aus Fischfleisch her. - -So erscheint das Meer als der denkbar ergiebigste Acker, dessen -planmäßige Bebauung und zielbewußte Bewirtschaftung sich durch reiche -Erträge lohnt, aber leicht ist die Hebung seiner Schätze nicht, und vom -Meeresgrunde bis zur Feinschmeckertafel in einem Berliner Luxushotel ist -ein gar weiter Weg. Fabelhaft fast erscheinen die Fruchtbarkeit und der -Reichtum der See, aber unerschöpflich sind sie nicht, und rücksichtsloser -Raubbau muß sich schließlich auch hier bitter rächen wie überall. -Namentlich in der Nordsee, wo heute alljährlich 600 Dampfer und 5000 -Segler auf Fischfang ausziehen, machen sich schon bedenkliche Anzeichen -von Überfischerei bemerkbar, weil dem Meere zu viel unbrauchbare -Jungfische entzogen oder diese, wenn man sie auch wieder ins Wasser -wirft, doch nicht schonend genug behandelt werden. So sind große -Seezungen und Schollen schon recht spärlich geworden, ja es steht zu -befürchten, daß von den bevorzugten Speisefischen überhaupt nur noch -wenige das laichfähige Alter erreichen und für die Fortpflanzung ihrer -Art sorgen können. Eckert schätzt den Gesamtertrag der Weltfischerei auf -4 Millionen Tonnen im Werte von 1 Milliarde Mark; das erscheint -verhältnismäßig wenig, dabei ist aber zu berücksichtigen, daß ausgedehnte -und zweifellos sehr ergiebige Fischereigründe in den afrikanischen, -südamerikanischen und australischen Gewässern der Fischereiwirtschaft -überhaupt noch nicht erschlossen sind. Nahezu 70% der ganzen Ausbeute -entfallen auf den Atlantik, wobei die Nordsee mit 1/5-1/4 beteiligt ist, -keine 30% auf den Stillen Ozean und kaum 1% auf den Indischen. Was die -einzelnen Staaten anbelangt, so kommen auf die von Nordamerika 23%, auf -England 22%, auf Kanada und Norwegen je 13%, auf Rußland 6%, auf -Frankreich 4%, auf Holland 3%, auf Spanien und Portugal 2-1/2%, auf -Italien 1-1/2%. Während das kleine Japan mit 10-1/2% recht stattlich -dasteht, spielt Deutschland mit nur 2-1/2% in dieser Liste noch immer -eine ziemlich klägliche Rolle, obgleich sich der Ertrag unserer -Hochseefischerei durch die dankenswerten Bemühungen einer einsichtigen -Regierung innerhalb 15 Jahren um das Zehnfache gesteigert hat. Auch -Österreich-Ungarn erweist sich trotz der herrlichen, fischreichen Adria -mit ihrem prächtigen Klima und ihren zahlreichen ruhigen Buchten in bezug -auf die Entwicklung der Küsten- oder gar der Hochseefischerei noch als -recht rückständig, wie ja fast auf allen Gebieten. Das Fett schöpfen dort -die benachbarten Italiener ab, und die Küstenbevölkerung von Triest und -Fiume ab bis nach Spalato und Cattaro hinunter begrüßt alljährlich mit -Freuden die buntbemalten Segel der anfahrenden Chioggioten-Flottille, -weil sie gesunde und wohlfeile Nahrung auf den Markt bringt. Tausende von -ärmeren Familien in Istrien und Dalmatien leben dann nur von Fischen und -Polenta und sehen äußerst selten anderes Fleisch in ihren Töpfen. Der auf -Backhuhn und Gulasch eingeschworene Wiener dagegen, der selbst die -köstliche Forelle barbarischerweise in gebackenem Zustande genießt, hat -dem Seefischfleisch noch immer keinen Geschmack abzugewinnen vermocht, -und daran sind alle Bemühungen zur Schaffung eines großzügig -eingerichteten Seefischversands im Reiche des Doppeladlers mehr oder -minder gescheitert. - -Glücklicherweise zählt unsere fast überall mit Grundnetzen erreichbare -Nordsee nächst den nordamerikanischen Gestaden des Atlantik zu den -fruchtbarsten Meeren der Erde, über ihren zahlreichen Bänken und Untiefen -wimmelt es fast buchstäblich von Fischen, nur daß sich diesen Segen in -früheren Zeiten fast ausschließlich die Engländer zunutze zu machen -verstanden, während mehr als 2 Meilen von der Küste überhaupt kaum ein -deutscher Fischkutter anzutreffen war. »Das deutsche Meer«, so heißt es -in einem englischen Gutachten, »ist ertragsfähiger als unser Ackerland; -unsere reichsten Felder sind weniger fruchtbar an Nahrungsstoffen, als -diese Fischereigründe. Ein Morgen guten Landes liefert etwa 20 Zentner -Getreide jährlich oder 3 Zentner Fleisch und Käse; auf einer ebenso -großen Wasserfläche mit Fischereigrund aber kann man dasselbe Gewicht an -Nahrungsmitteln jede Woche ernten. Fünf Fischereiboote zogen in einer -einzigen Nacht aus einer kaum 50 Morgen großen Fläche des deutschen -Meeres den Wert von 50 Ochsen und 300 Schafen in Form von leicht -verdaulichen und schmackhaften Fischen. Und was das Wichtigste ist, diese -Ochsen und Schafe sind kostenlos und ohne alle Mühe im Wasser entstanden, -erzogen und gemästet worden.« Mag dieses Urteil auch ein übertriebenes -und allzu optimistisches sein, Tatsache ist jedenfalls, daß man bei uns -lange Jahrhunderte hindurch den Meeressegen nicht zu würdigen verstand -und sich erst in neuester Zeit allmählich seiner ungeheuren -volkswirtschaftlichen Bedeutung bewußt geworden ist. Selbst die der -Nordsee angrenzenden Kleinstaaten waren und sind uns in dieser Beziehung -weit über, denn Holland verdankt seinen Reichtum dem Heringsfange, und -Norwegen, wo ein großer Teil der Bevölkerung ohne Fischerei gar nicht -bestehen könnte, gewinnt aus ihr weit mehr Taler, als es Einwohner zählt. -Nun ist ja endlich auch bei uns ein vielversprechender Anfang zur -Ausbeutung der feuchten Schatzkammern gemacht worden, aber die ersten -Jahre deutscher Hochseefischerei waren doch kaum etwas anderes als -blindlings unternommene Plünderungszüge, Raubbau schlimmster Art, -förmliche Seeräuberei, und erst neuerdings beginnt man sich eines -Besseren zu besinnen und die Sache planmäßiger zu gestalten. Das ist auch -dringend nötig. Wir müssen lernen, die flüssige, sich selbst befruchtende -Fläche ebenso rationell zu bewirtschaften, wie den Acker, wir müssen hier -wie dort pflügen, hegen und ernten lernen, müssen ebenso gute Wasser- wie -Landwirte werden, um die von dem schaffungsfrohen Meere in Form von -schmackhaften und leicht verdaulichen Fischen erzeugten -Proteinverbindungen und Kohlehydrate all den Millionen zugänglich zu -machen, denen anderes Fleisch nur sehr knapp zugemessen ist. Die rasch -erblühte Wissenschaft der Meeresbiologie weist uns ja den Weg, wie wir -die Billionen Lebenskeime, die die Natur in unverwüstlichem Übermut im -Meere fortwährend auswirft, aber mit demselben Übermute ebenso massenhaft -wieder verderben und verschlingen läßt, erhalten und zu einer -unerschöpflich reichen Nahrungsquelle umwandeln können. Freilich geht die -Zeugungskraft des Meeres über unsere kühnsten Vorstellungen hinaus, aber -schon die ungeheure Zahl von Eiern, die weibliche Heringe oder gar -Schellfische in ihrem Leibe bergen, ist Beweis dafür, daß eine so -außerordentliche Fülle des Lebens unmöglich sich voll entfalten kann, -denn sonst würde es sehr bald dem weiten Weltenmeere selbst an Raum -fehlen zur Unterbringung so zahlloser Geschöpfe. Wenn auch jeder -Augenblick das Leben im Meer millionenfach wieder erzeugt, so fällt es -zum weitaus größeren Teil doch ebenso schnell der unersättlichen Gier der -Meeresräuber zur Beute, sodaß nur ein geringer Bruchteil zur Entwicklung -gelangt und dem Menschen später zur Speise dienen kann. Daher sichert uns -auch die unerschöpflich erscheinende Fülle des Lebens im Meer nicht vor -einem Ende mit Schrecken. Die Menschen haben auch einst gedacht, daß die -Wälder nie alle werden und die Fruchtbarkeit der Erde nie abnehmen könne, -und sind doch auf recht bittere Weise eines anderen belehrt worden. Aber -trotz der gemachten herben Erfahrungen wüsten wir in der gleich tollen -und rücksichtslosen Weise auf die Schätze des Meeres los, nach dem alten, -leichtsinnigen Worte »Nach uns die Sintflut«. Erst in letzter Zeit machen -sich Anzeichen zur Besserung geltend, denn die Wissenschaft hat ja durch -Aufhellung der früher so rätselhaften Wanderzüge der Fische und die -Erforschung ihrer Ernährungsverhältnisse, insbesondere durch die -Planktonlehre, einen gangbaren Weg zur planmäßigen Bewirtschaftung des -Meeres gewiesen. Schlägt man diesen zielbewußt und unter Zuhilfenahme -aller technischen Behelfe der Neuzeit ein, so wird der Meeresacker auch -in Zukunft ohne wirklichen Dünger und eigentliche Aussaat goldene Ernten -bringen. - -Anstrengend und beschwerlich in hohem Maße wird die Seefischerei -freilich immer bleiben, und auch nicht ungefährlich, denn mit dem -trügerischen Gott der Wogen und Winde läßt sich ein festes Abkommen nun -einmal nicht treffen. Aber die Beschäftigung auf dem Wasser ist gesund, -stählt den Körper, schärft die Sinne, festigt den Charakter, erzeugt -Selbstvertrauen, Entschlossenheit und Geistesgegenwart. Deshalb bildet -- -und diesem Umstand kommt eine hohe politische Bedeutung zu -- die -Meeresfischerei zugleich die beste Pflanzschule für leistungsfähige -Kriegs- und Handelsflotten. Wer von Jugend auf den Umgang mit dem Meere -gewohnt, mit seinen Tücken vertraut, gegen seine Gefahren gewappnet ist, -der wird auch einen vollwertigen Matrosen abgeben. Nicht umsonst sprechen -die Engländer von ihrer »_Fishing-natured navy_« (der durch die Fischerei -genährten Seemacht). Ganze Männer erfordert die Fischerei jederzeit, ganz -besonders bei stürmischem Winterwetter, wenn die Taue mit Eis überzogen -sind, die Segel vor Frost knarren und ächzen und der Wind die prickelnden -Schneekristalle in die Augen bläst. Wie oft habe ich dann nicht unsere -Nehrungsfischer nach mehrtägigem Aufenthalt auf See halb erfroren -ankommen sehen, ohne daß sie auch nur einen Schwanz gefangen hätten. Aber -ein andermal warf ihnen die Laune des Meeresgottes in wenigen Stunden ein -kleines Vermögen in den Schoß. Fischerei ist eben Lotteriespiel. Freilich -ein solches mit hohen Gewinnen, aber auch mit dem Einsatz des Lebens. Von -so ausschlaggebender Bedeutung ist sie für alle Küstenvölker, daß sie -nicht selten sogar in die Geschichte ihrer Staaten entscheidend -eingegriffen hat. Holland z. B. verdankt die Grundlagen seiner ehemaligen -Seeherrschaft den Heringszügen. Die Geschichte der Fischerei ist so alt -fast wie das Menschengeschlecht selbst. Auch die Speisegesetze des Alten -Testaments beschäftigen sich bereits mit den Meeresfischen, und -unternehmende Händler aus Tyrus brachten eingesalzene oder getrocknete -Seefische nach dem Fischtor an der Nordostecke Jerusalems. Vortreffliche -Fischer und Fischkenner waren die Römer, und bei ihren üppigen -Tafelgenüssen spielten die Schuppenträger eine große Rolle. Antonius und -Kleopatra ergötzten sich an der Seefischerei, Trajan betrieb sie mit -Leidenschaft, Ausonius besang in schwunghaften Versen die -Schmackhaftigkeit der verschiedenen Fischarten, Lucullus ließ einen -kleinen Berg abtragen, um seine Fischteiche mit Meereswasser versehen zu -können, gewissenlose Schwelger mästeten ihre fetten Muränen mit dem -Fleisch ins Wasser gestürzter Sklaven, und das Scheusal Heliogabal ließ -die Fische lebend auf die Tafel bringen, um sich an ihren langsamen -Todesqualen zu ergötzen, und würzte dann ihr Fleisch mit Pulver aus -echten Perlen. - -Reizvoll, anregend und voll ungeahnter Abwechslung ist die Seefischerei, -in ungleich höherem Grade jedenfalls als die Binnenfischerei, wo ja in -weiten Kreisen namentlich der Angelsport als ein Ausbund von Langeweile -gilt, wenn er es auch in Wirklichkeit keineswegs ist. Versetzen wir uns -einmal im Geiste auf einen Fischdampfer! Schon beim ersten Morgengrauen -erdröhnt donnerndes Gepolter auf dem Deck. Die Vorbereitungen zum -Ausbringen des Netzes haben begonnen. Längs der Reeling liegen an Back- -und Steuerbord zwei riesige Baumstämme, an denen das Fang- und das -Reservenetz befestigt sind; an ihnen sind mächtige eiserne Bügel von über -Mannesgröße angebracht, dazu bestimmt, beim Schleifen über Grund den Baum -freizuhalten und seine Bewegungen zu erleichtern. Immer lebendiger wird -das Bild, die Mannschaft steht bereit, der Kapitän ist auf seinem Posten -am Ruder -- alles klar! Jetzt luvt er an, d. h. dreht das Schiff so, daß -der Wind von ihm wegstreicht, (ehe dies geschehen, darf kein Manöver -stattfinden, das Netz würde sonst in die Schraube geraten) -- kräftige -Fäuste packen das Netz und werfen es über Bord, allmählich treibt es auf -und seitwärts nach hinten, einige Mann erfassen den Bügel am Vorderende -des Baumes, und polternd schlägt das Ungetüm über die Reeling in die hoch -aufspritzende Flut, schnell abtreibend. In dem Augenblick, in dem der -Baum quer steht, wird auch das hintere Ende mit seinem Bügel über Bord -geworfen -- einige Schwingungen hin und wieder, dann liegt er wagerecht --- die Stahltrosse wird ausgesteckt und saust rasselnd hinaus -- das -Schiff fällt ab und nimmt seinen alten Kurs wieder auf -- das Manöver ist -beendigt, und es beginnt nun der eigentliche Fischzug, während dessen der -Dampfer mit nur 2 Meilen Fahrt 6-8 Stunden lang vor seinem Netze durch -die See zieht. Dieses wird also von einem etwa 16 Meter langen und -sorgfältig für diesen Zweck ausgewählten Buchen- oder Eichenstamm -geschleppt. An ihm ist ein 4 Zoll starkes Grundtau befestigt, daran eine -sogenannte Bolzleine, und von dieser aus verlaufen fliegende, vierkantige -Maschen, an die sich dann die eigentlichen Netzmaschen ansetzen. Nur der -beste Manilahanf kommt dabei zur Verwendung, wird überdies noch mit -Karbolineum getränkt, hält aber trotzdem selten länger als ein halbes -Jahr aus. Das Netz hat eine Länge von etwa 75 Metern und ist nach Art der -Mausefallen gebaut. In die durch den Baum weit ausgereckte Öffnung -streichen die Fische hinein, bis in das Hinterende, den sogenannten Sack, -den eigentlichen Behälter, der vorn durch einen lose aufliegenden -Netzteil nach innen geschlossen wird, so daß die Fische wohl hinein, -nicht aber heraus können. Die ganze Vorrichtung wird an einer Stahltrosse -über den Grund geschleppt (Abb. 1). - -[Illustration: Abb. 1. Grundschleppnetz (durch Scherbretter -offengehalten). Nach einer Zeichnung von R. Oeffinger.] - -Stunde um Stunde verstreicht in langweiligem Gleichmaß, und mit -gespannter Erwartung sieht alles dem gegen Mittag stattfindenden Fischzug -entgegen. Nichts hört man, als das einförmig träge, schwerfällig -stampfende Getön der Maschine. Endlich naht die Entscheidung. Wieder -steht der Kapitän am Ruder -- ein Zeichen -- der Dampfer luvt an, und die -durch Dampf getriebene Winde beginnt ihr metallisch dröhnendes Getöse, -indem sie die Stahltrosse einhievt (einholt), die, fast bis zum Springen -gesteift, durch eine mit Kolben versehene Luke sich am Oberdeck -hereinzwängt. Jetzt wird der Baum sichtbar, wagerecht hinten und vorn -gehievt, dann eine »Taille« von mächtiger Stärke eingehakt, und nun heißt -es, ihn hoch holen, was bei einem solchen Koloß natürlich auch nur die -Dampfkraft zu schaffen vermag. Zunächst wird das Achterende vorgehievt, -dann kommt das Vorderende dran, und nun steigt wie ein triefendes -Seeungetüm Baum und Netz allmählich über Wasser, höher und höher, und -endlich donnert, übergeholt, der eiserne Bügel auf Deck. Im gleichen -Augenblick faßt die Mannschaft ins Netz. Weit nach hinten beugen sich die -Leute über und holen mit Anstrengung aller Kräfte ruckweise Stück für -Stück herauf. Rauher Gesang muß die saure Arbeit erleichtern, und ein -graubärtiger Mecklenburger mit wetterhartem Ledergesicht gibt dabei den -Takt an. Das Netz ist an Deck. Weit vorgebeugt stiert der Kapitän mit -langgestrecktem Halse ins Wasser, nicht weniger gespannt die gesamte -Mannschaft -- alle nach einer bestimmten Stelle. Plötzlich steigen an -dieser ganze Massen von Blasen perlend an die Oberfläche, und darunter -aus der Tiefe kommt es grünlich schimmernd höher und näher: es ist der -Sack, der auftreibt, aber er tut dies nur, wenn er reichen Fischsegen -birgt. Ein vergnügtes Schmunzeln wetterleuchtet über das zerknitterte -Gesicht des Kapitäns; er hat guten Grund dazu, denn sein Einkommen -besteht hauptsächlich in dem Gewinnanteil. Jetzt ist der Sack so hoch, -daß man den weißschimmernden Inhalt erblickt, festgekeilt in gewölbter -Masse, wobei aus den Maschen namentlich die schmalen Leiber der Seezungen -herausragen. Wieder beginnt das Dröhnen der Winde, unendlich langsam und -schwerfällig erhebt sich der pralle Sack triefend in die Lüfte, der -Dampfer neigt sich merklich nach Steuerbord über unter der Last, die -jetzt, hereingeschwungen, über dem Vorschiff schwebt. Vergeblich versucht -man, den schürzenden Knoten zu lösen, die strotzende Masse im Netz -bekneift ihn; erst als ein Mann aufs Tau springt und mit der ganzen -Körperlast wippend auf und niederschwingt, gibt es nach, und nun -- ein -dumpfer Schlag aufs Deck -- mit einem Ruck hat der Sack sich seines -Inhalts entledigt, und plötzlich ist der Raum von einer weiß -schimmernden, glitzernden Masse übergossen, die einen Augenblick, als -schöpfe sie Atem nach der furchtbaren Pressung im gestrafften Netz, in -Ruhe verharrt und dann zappelnd, springend, schlagend und glitschend, -wirr durch- und übereinander drängend ein so verblüffendes Bild des -Lebens oder eigentlich des Sterbens darbietet, daß es jeder Beschreibung -spottet. - -Die Hauptmasse bildet der Schellfisch, der mit seinem weißen Leibe -gewissermaßen den Untergrund des ganzen Bildes malt, und der gefräßige -Kabeljau mit dem gierig glotzenden Auge und dem weit geöffneten Rachen. -Daneben windet sich ein Steinbutt mit flachen Rändern, kurzem Schwänzchen -und einem Kopf, der aussieht, als hätte der Schöpfer sich verzeichnet. -Und was ist das hier? Ein Steinbutt nicht, aber ein ähnliches Getier mit -starken Stacheln auf dem breiten, buntscheckig getigerten Rücken und -einem ebenso fleckigen Stachelschwanze -- ein Rochen oder, wie der -Fischer ihn nennt, ein »Franzose.« »Rrrruck, rrrruck« sagt es plötzlich -neben uns -- das sind Knurrhähne. Dazwischen schimmert rot und goldfarben -das Petermännchen -- »mecklenburgischer Ritter« heißt es in der -Fischersprache, wohl kaum seiner hohen Denkerstirn, sondern eher der -harten, scharfkantigen Rückenflosse wegen. Weiterhin zarte Seezungen mit -schmächtigen Leibern und graue Schollen, Proletarier im Aussehen, aber -nicht im Geschmack. Hallo -- ein Hai? Wahrhaftig -- die dreieckige -Rückenflosse, der weiße Bauch, der zurückspringende Unterkiefer -- alles -stimmt. In Sprüngen schiebt sich der meterlange Bursche über die anderen -Fische hin. Immer neue Formen unterscheidet man in der wirren Masse, die -wie mit einer Art Füllsel durchsetzt ist von schlammüberzogenen Muscheln -und sonderbar traubenartig gestalteten Lebewesen eklen Aussehens, -»Seehenne« benannt. Da schnellt es auf, ein großer, schlanker und -schöner, man könnte sagen, eleganter Fisch von gut Meterlänge mit -fadenförmigem Auswuchs am Unterkiefer -- der Lengfisch. Daneben ein -Seehecht mit dem gefährlichen Gebiß, dem man besser im Bogen aus dem Wege -geht. Wer zählt und nennt sie alle, edle und unedle, seltene und gemeine, -Korksohlen, Schaben, Rotzungen, Makrelen und andere mehr? Dazwischen und -darüber krabbelt und kriecht es -- Seespinnen mit gespenstigem Kopf und -langen Beinen, Krebse von teilweise riesigen Ausmaßen, auf deren -gepanzertem Rücken sich eine ganze Welt von Schmarotzern häuslich -eingerichtet hat. Ein mächtiger Hummer öffnet die gewaltigen Scheren zum -Angriff -- mitten aus dem glänzenden Weiß der Fischleiber hebt er sich -funkelnd schwarz ab, und sein Panzer erinnert in der Wirkung überraschend -an den eines japanischen Ritters. Einer der Matrosen befreit plötzlich -mit erschrockenem Ruck seine Stiefel aus einer Umklammerung und fällt -dabei ausglitschend mitten unter die Fische. »Ein Kater -- ein Kater!« -Richtig -- ein Katfisch war gefangen und hatte den Stiefel eines Mannes -erwischt, jedoch nur ein kleines Ende, sonst wäre der Matrose nicht so -leicht losgekommen. Ein grauliches, halb mannslanges Tier mit dem -Ausdruck gemeinster tierischer Roheit in dem riesigen Kopfe. Ihm -entspricht auch alles übrige -- der Körper hat keine eigentlichen -Schuppen, sondern eine faltige, schlammgraue Haut, der Rücken keine -eigentliche Flosse, sondern mehr eine schlammgraue, handbreite Mähne. Das -Maul aber ist mit richtigen, stumpfen Menschenzähnen besetzt, Zunge und -Gaumen bilden eine harte Hornmasse. Was zwischen diese Zähne gerät, wird -rettungslos zermalmt. Ein Mann steckt dem Katfisch einen Besenstiel ins -Maul, in den er sich sofort derart verbeißt, daß er daran aufs Achterdeck -geschleift werden kann. Auch das Fleisch dieses Untiers wird verkauft, -aber in Kotelettenform und der Kopf vorher abgeschnitten, da es der -Käufer sonst wohl mit dem Gruseln bekommen würde. Aus der gegerbten Haut -werden in Norwegen Stiefel gemacht. Noch ein anderer merkwürdiger -Schlingel ist da -- ein Seehase, jenes sonderbare, kugelig-stachelige -Wesen mit den wulstigen Menschenlippen, das man als Dämon der -Seekrankheit bezeichnen könnte, denn von Zeit zu Zeit speit er den -wässerigen Inhalt seines Bauches mit dem ganzen Jammerausdruck eines von -Poseidon geplagten Menschenkindes aus. - -Die Mannschaft beschäftigt sich zunächst mit dem Auslesen der Fische in -eine große Anzahl weidengeflochtener Körbe, deren jeder 50-60 kg faßt. -Hand in Hand damit geht auch das Abtöten und Ausweiden. Kreischende -Geschwader von Möwen und Seeschwalben sowie ganze Züge von -»Meerschweinen« (Delphinen) folgen dem leckeren Fraß versprechenden -Schiffe und gieren nach den ins Wasser geworfenen Eingeweiden. Dann -treten Männer mit Schlauch und Besen an, reinigen zunächst durch einen -starken Wasserstrahl den Inhalt der Körbe und säubern dann das Deck, -nachdem andere alle minderwertigen oder abgestandenen Fische, Muscheln -und dgl. über Bord geschaufelt haben. So hält man heute durch strenge -Reinlichkeit die widerwärtigen Ausdünstungen der Fischrückstände von den -Dampfern fern, die früher für Menschen mit empfindsamen Geruchsorganen -den Aufenthalt auf ihnen zur Qual machten. Schließlich wird der ganze -Fang unter Bord verstaut, und mit vergnügtem Gesicht trägt der Kapitän -die Anzahl der Körbe in sein Tagebuch ein. - -Nicht immer aber liefert der Fischzug eine so mannigfache Beute, nicht -immer einen so reichen Ertrag. Gar nicht selten hängt der aufgezogene -Netzbeutel schlaff und fast leer herab, oder sein Inhalt erweist sich als -ein ärmlich-schrumpeliges Päckchen minderwertiger Fische. Das ist immer -noch besser, als wenn das Netz zwischen die Trümmer eines Wracks gerät, -wie es in der stark befahrenen Nordsee oft genug der Fall ist. Dann -enthält es nur in Tang und Schlick gehülltes Trümmerwerk aller Art mit -unkenntlichen, schlammigen Anhängseln, ist überdies meist zerrissen und -macht langwierige und kostspielige Flickarbeit notwendig. So schraubt -sich Tag für Tag ab in regelmäßigem Einerlei von Fischzug zu Fischzug. -Man hört währenddem nur von Fischen, sieht nur Fische, ißt nur Fische, -und so vermag man schließlich auch kaum noch etwas anderes zu denken als -Fische. Jedermann begrüßt es deshalb als Erlösung und willkommene -Abwechslung, wenn endlich alle Körbe gefüllt sind und der Kiel heimwärts -gerichtet wird. Mit wehender Reederflagge holt der Fischdampfer durch die -Schleusen und vertaut sich im alten Hafen von Bremerhaven, diesem -Brennpunkte des deutschen Fischhandels. Hier beginnt sofort das Löschen. -In den Fischschuppen ertönt das Getöse der Eismaschine, die die großen -Blöcke zu Grus zermalmt. Gebückte Gestalten schichten in strohbelegte -Körbe Fische und Eis, Fische und Eis, immerfort, mit erstaunlicher -Schnelligkeit (Abb. 2). Draußen rollen schon die Eisenbahnwagen herbei, -um das seefrische Meeresfleisch als Eilgut ins Binnenland zu tragen. Wenn -es dort am nächsten Morgen auf dem Wochenmarkte angeboten wird, sind die -Fischer längst wieder auf hoher See und werfen ihre Netze aus. - -[Illustration: Abb. 2. Korb zur Versendung von Seefischen. (Aus dem -Flugblatt des Deutschen Seefischerei-Vereins.)] - -Seit Jahrhunderten ist der =Hering= (_Clúpea haréngus_) derjenige Fisch, -dem seines massenhaften Auftretens, seiner Schmackhaftigkeit und seines -hohen Nährwerts wegen von den Küstenbewohnern des nördlichen Europa am -meisten nachgestellt wird; kein zweiter hat für die Ernährung breiter -Volksschichten eine auch nur ähnliche Bedeutung erlangt wie er. Er ist -der Fisch des Armen, ein Fleisch für alle, eine unentbehrliche Zukost für -weite Kreise, ein wahrer Segen für unsere Küstenbevölkerung. Aber er -bildet nicht nur, halb vertrocknet und mit einer Salzkruste überzogen, im -Verein mit Pellkartoffeln oder Roggenbrot des armen Mannes ärmlichste -Mahlzeit, sondern prangt auch frisch und fetttriefend auf üppiger Tafel -und hat sich überdies auch noch das unerschütterliche Zutrauen aller -feuchtfröhlichen Zecher erworben, die sich auf seinen Beistand verlassen, -wenn sie dem Bacchus oder Gambrinus zu erliegen drohen. Geradezu -kulturgeschichtliche Bedeutung kommt diesem unscheinbaren Fische zu. -Selbst in der Kriegsgeschichte hat er mehr als einmal eine Rolle -gespielt. So 1428, unmittelbar vor dem Auftreten der Jungfrau von -Orleans, als die Engländer von den Franzosen hart bedrängt und -ausgehungert wurden. Da erschien zu guter Stunde Sir John Falstaff mit -Hilfstruppen und einer ungeheuren Ladung Heringe, durch die die -Ermatteten wieder zu Kräften kamen und so den stürmenden Gegner vorerst -erfolgreich zurückschlugen. Das war die berühmte »Heringsschlacht« bei -Rouvray, auf der alten Walstatt zwischen Tours und Poitiers. Niemals aber -hätte der Hering (der Name soll mit seinem »heerweisen« Erscheinen -zusammenhängen, während ihn andere mit der altholländischen Handelsmarke -des Rings [_hring_] in Verbindung bringen) eine so bedeutsame Stelle in -der Rangordnung menschlicher Speisen errungen, wenn nicht zu seiner -Wohlfeilheit noch seine ungewöhnlich mannigfaltige Zubereitungs- und -Aufbewahrungsweise hinzugekommen wäre. Namentlich durch das Einsalzen -wurde der Fisch auch für den Binnenländer erst recht nutzbar und damit zu -einem wichtigen Handelsartikel für die ganze Welt, während früher sein -Verbrauch auf kleine Küstenstriche beschränkt war. Ein schlichter -holländischer Fischer, Willem Benkels oder Bökels (daher die Ausdrücke -»einpökeln« und »Böklinge« = »Bücklinge«) soll in der 2. Hälfte des 14. -Jahrhunderts diese wichtige Entdeckung gemacht und damit den Grundstein -für den Reichtum und die Handelsmacht seines Vaterlandes gelegt haben. -Die Chroniken berichten, daß selbst der weltgebietende Kaiser Karl V., -der im Gegensatze zu den heutigen Spaniern leidenschaftlich gern -gesalzene Heringe aß und auch recht wohl wußte, daß »Amsterdam aus -Heringsgräten gebaut« sei, 1536 von Brüssel aus in Begleitung seiner -beiden Schwestern, der Königinnen von Ungarn und Frankreich eigens nach -dem ärmlichen Fischerdörfchen Bieroliet (welch passender Name!) reiste, -um das Grab des verdienten Mannes aus dem Volke durch seinen Besuch zu -ehren. Nach anderen Quellen soll freilich schon der fromme Bischof Otto -von Bamberg, der Bekehrer Pommerns ([gestorben] 1139) das Einsalzen der -Heringe gekannt haben. - -Über die Naturgeschichte des Herings, der eines der friedfertigsten -Geschöpfe ist und sich durch den ungemein zarten Bau seiner Kiemen -auszeichnet, weshalb er nur schwer lebend zu versenden und kaum in -Gefangenschaft zu halten ist, sind wir noch keineswegs so gut -unterrichtet, wie es die ungeheure wirtschaftliche Bedeutung dieses -Fisches wünschenswert machte; späteren Forschungen winkt hier noch ein -weites und lohnendes Arbeitsfeld. Noch immer wissen wir nicht, worauf -eigentlich das plötzliche Ausbleiben der großen Heringsschwärme aus -Gegenden, wo sie Jahrhunderte lang zu Milliarden erschienen, -zurückzuführen ist, wir können nur annehmen, daß allzu schonungsloser -Fang oder uns unbekannte ozeanographische Veränderungen die wirksamen -Faktoren dabei sind. Nur das steht fest, daß Perioden reichen und -spärlichen Fangs mit einer gewissen Regelmäßigkeit in bestimmten -Zeiträumen für die einzelnen Länder abwechseln. Während im verflossenen -Jahrhundert Schotten und Norweger die Meistbegünstigten waren und sich an -den deutschen Küsten nur ein wenig lohnender Fang ermöglichen ließ, ja -die Ostsee nahezu ausgefischt erschien, will es scheinen, daß das neue -Jahrhundert uns wieder einen stark vermehrten Heringssegen bescheren -wird. So brachten schon die Jahre 1907 und 1909 ungeheure Heringsschwärme -an unsere Küsten, und der reiche Fang war der hart geprüften -Fischereibevölkerung wohl zu gönnen. Einzelne Fischerdörfer an der Kieler -Föhrde erzielten in einer einzigen Nacht Fänge von 8 Millionen Stück und -mehr. Es war kaum möglich, die Netze ordnungsgemäß einzuziehen, denn -Rücken an Rücken gedrängt erfüllten die Fische in dichten Mengen die -Flut. Der Preis für Räucherware, die beliebten Bücklinge, ging aber -trotzdem nicht wesentlich herunter, da der Ring der Räucherer dafür -sorgte, daß der Meeressegen dem Volke keine billige Nahrung bringen -konnte. Dagegen wurde auf dem Lübecker Markt der Eimer frischer Heringe -(150-200 Stück) mit zwanzig Pfennigen verkauft, ein Preis, der stark an -die fast sagenhaft gewordenen Zeiten fabelhaften Fischreichtums unserer -Meere erinnerte. Mit Vorliebe benutzen die Heringe neuerdings den -Nordostseekanal selbst zum Laichen, bekamen hier aber zunächst infolge -der starken Verunreinigung des Wassers einen widerlichen Karbolgeschmack, -der jedoch verschwunden ist, seit man in richtiger Erkenntnis der -Sachlage für eine möglichste Klärung und Unschädlichmachung der -zahlreichen Abwässer Sorge getragen hat. Früher glaubte man, daß der -Hering seinen eigentlichen Wohnsitz in den nördlichen Eismeeren habe und -von da aus lediglich des Laichgeschäftes halber die südlicheren -Meeresteile besuche. Diese Annahme hat sich jedoch als unhaltbar -herausgestellt, es scheint vielmehr sicher zu sein, daß der Hering -räumlich nur beschränkte Wanderungen vollführt, die mehr in einem -Aufsteigen aus tieferen Schichten in flachere Meeresteile bestehen. So -sollen große Heringsvölker ständig in den tiefen Teilen des Atlantik -unmittelbar vor der Westküste Irlands und Schottlands wohnen, während die -flache Ostsee von unserem Fisch wohl überhaupt nur zur Laichzeit -aufgesucht wird. Diese ist nicht streng an eine bestimmte Jahreszeit -gebunden, da alte und junge Heringe zu verschiedener Zeit zu laichen -scheinen. Auch noch nicht fortpflanzungsfähige Heringe wandern schon und -sind den Fischern als Jungfern- oder Matjesheringe bekannt; sie haben -zartes Fleisch, sind aber wenig haltbar. - -Das geübte Auge der Fischer und der Fachgelehrten unterscheidet eine -ganze Reihe von Lokalrassen, die ihre bestimmten Wanderstraßen einhalten, -die sicherlich auch ihre bestimmten Wohnplätze haben und sich nicht -leicht mit anderen Rassen vermischen. Simroth sucht ihre Entstehung in -geistvoller Weise durch seine Pendulationstheorie zu begründen. Nach -seiner Auffassung entstammt der Hering ursprünglich dem Süßwasser. Dies -geht auch daraus hervor, daß die Charaktermerkmale der einzelnen Rassen -sich umso mehr verwischen, je weiter sie in die ja sehr salzarme Ostsee -vordringen. Ganz im Sinne des Darwinismus unterscheiden sich die -Heringsrassen in der nur graduell verschiedenen Weise, wie die einzelnen -Arten der Clupeiden, und man kann von der Entstehung der Varietäten auf -die der Gruppen höherer Ordnung schließen. Deren Scheidung hat sich -wahrscheinlich unter dem 42. Breitengrade vollzogen, also an der heutigen -Südgrenze der Arten, wo die Geoidform der Erde am meisten von der Kugel -abweicht, demnach die Beeinflussung der Organismen am stärksten sein muß. -Von hier ist zuerst die Sardine, später die Sprotte ins offene -Meer mit seinen gleichmäßigeren Temperatur- und reichlicheren -Ernährungsverhältnissen abgewandert, während der Hering am längsten die -Mitte zwischen Süßwasser- und Seefisch innehielt. Den genannten Arten am -ähnlichsten ist übrigens der kleine Hering des Weißen Meeres, also die -nördlichste Rasse. Die Herbstheringe sollen tiefer in die brackigen -Buchten eindringen als die Frühjahrsheringe. Von der überwältigenden -Massenhaftigkeit der einen wahren Himmelssegen für viele Küstenländer -bildenden Heringsschwärme vermag sich derjenige, der dieses großartige -Schauspiel nicht mit eigenen Augen geschaut hat, kaum einen richtigen -Begriff zu machen. So dicht schwimmen die sich von verhältnismäßig -kleinen Meeresorganismen nährenden Fische zusammen, daß ein dazwischen -gestecktes langes Ruder aufrecht stehen bleibt, daß ein in diese -fortpflanzungshungrige Massenprozession geratenes Boot emporgehoben wird -und in Gefahr gerät, daß die »Milch« der Männchen weithin das Wasser -trübt. Die Weibchen kleben ihre Eier entweder an Tang oder sie lassen sie -einfach frei in die See fallen. Mit atemloser Spannung folgt man am -Strande, wo außer Tausenden von Fischern auch ungezählte Salzhändler, -Faßdaubenverkäufer, Mädchen, Gaukler, landstreichende Prediger und -Seelenerwecker versammelt sind, der Bewegung der Heringszüge. »Wenn die -wirkliche Fischzeit beginnt«, schildert Bertram, »bemächtigt sich eine -Art Wahnsinn aller Versammelten: alles arbeitet, alles spricht, alles -denkt nur vom Heringe.... Junge Herzen beten für den Erfolg der Boote -ihrer Geliebten, weil dieser Erfolg ihnen des Herzens größtes Sehnen, den -Ehering und die Haube bringen soll; aus des Sulzers Augen leuchten -gehobene Stimmung und große Hoffnung hervor; die Besitzer noch -unbenutzter Boote scheinen glücklich zu sein; kleine Kinder selbst nehmen -an der Erregung vollen Anteil, auch sie sprechen von nichts als vom -Heringe. Es wird verglichen und getüftelt, geweissagt und gewettet, -geflucht und gebetet, gezweifelt und gehofft.« In Norwegen spannt man -ganze Buchten, nachdem die Heringe ihren Einzug gehalten haben, mit -riesigen Netzwänden ab und fischt dann die Meeresernte allmählich heraus. -Dann kann es vorkommen, daß 100 Yachten und mehr mit je 100 Tonnen -gefangener Heringe befrachtet werden. Oft ist der Segen so groß, daß auch -die vielen Tausende fleißiger Hände ihn nicht in 2 bis 3 Wochen zu -bewältigen vermögen, so daß ein großer Teil der eingeschlossenen Fische -abstirbt und nun weithin Wasser und Luft verpestet, worauf die Heringe -einen solchen Platz jahrelang meiden sollen. - -[Illustration: Abb. 3. Der Räucherofen in der Räucherei von H. A. Krantz -in Kiel.] - -Obwohl oft auch Millionen Heringe lediglich zum Düngen der Felder -verwendet werden müssen, ist die unter Umständen so ergiebige -Heringsfischerei doch als eine Art Glücksspiel zu bezeichnen, denn es ist -nicht selten, daß die Kutter in stürmischen Zeiten ohne einen einzigen -Fisch zurückkehren müssen und vielleicht gar noch ihre wertvollen Netze -verloren haben. Bei uns fischt man zumeist mit Netzfleethen, deren jeder -Logger zwei führt und damit unter günstigen Umständen in einer Nacht -70-80000 Heringe zu fangen vermag. Während der Nachmittage erfolgt das -umständliche Auslegen der Netze, nur des Nachts fangen sich die Heringe, -und am Morgen werden dann die Netze geleert. Ein besonders schnell -segelndes Fahrzeug, »Jager« genannt, übernimmt die bereits an Bord -zurechtgemachte Ausbeute der Logger und bringt sie gleich an Land. Kann -sich auch die deutsche Heringsfischerei nach Umfang und Ausdehnung noch -nicht mit der ausländischen messen, so zeichnet sie sich doch vorteilhaft -durch die in ihren Betrieben herrschende Reinlichkeit und durch die -sorgfältige Behandlung und Zubereitung der gefangenen Fische aus, deren -Güte dadurch ganz wesentlich gewinnt. Unter Vollheringen versteht man die -im Gegensatz zu den Matjesheringen geschlechtlich voll entwickelten, -großen und fetten Fische, unter Ihlenhering die nach dem Ablaichen -gefangenen, unter Wrackhering die Ware geringerer Güte, unter Bückling -den geräucherten Hering. In England, dem Lande der Rücksichtslosigkeit, -verwendet man leider zum Heringsfang vielfach zu engmaschige Netze, in -denen sich auch die wertlosen Jungheringe zwecklos mitfangen, wodurch der -Fischerei schwerer Schaden erwächst und die Meere von diesen nützlichen -Fischen entvölkert zu werden drohen. Das englische Parlament plant -deshalb jetzt strenge Maßregeln gegen eine derartig gemeingefährliche -Raubfischerei. - -[Illustration: Abb. 4. Das Aufziehen der Sprotten auf die Spillen in der -Räucherei von H. A. Krantz in Kiel.] - -Zarter im Fleisch und feiner im Geschmack als der Hering ist die -kleinere Sprotte (_Clúpea spráttus_), die in ihrer Lebensweise ganz dem -großen Vetter gleicht. Auch sie wird namentlich in der Kieler Föhrde -massenhaft gefangen (die Eckernförder Fischer erbeuten allein -durchschnittlich 16 Millionen im Jahr) und geräuchert als »Kieler -Sprotte« in den Handel gebracht. In Norwegen dagegen salzt man denselben -Fisch ein, und er erfreut sich dann als Anchovis eines guten Rufes. Auch -die Sprottenfischerei hat an den guten Heringsfängen der letzten Jahre -ihren vollgewichtigen Anteil gehabt, und es liegen darüber ganz -begeisterte Berichte von der Ostseeküste vor. In der Kieler Föhrde -konnten beim Erscheinen der riesigen Herings- und Sprottenschwärme die -Fischer ihre Boote fast allnächtlich bis zum Rande füllen, oft die -übermäßig schweren Netze gar nicht ziehen, die Bahn vermochte kaum den -Transport zu bewältigen und mußte vor die besonders eingestellten -»Fischzüge« noch Vorspannlokomotiven legen, die Kiste Heringe mit 600 -Stück erzielte im Großhandel nur 50 Pfennig, trotzdem mußten die Fische -noch waggonweise als Dünger fortgefahren werden. Solche Tatsachen geben -einen Begriff von dem unerschöpflichen Reichtum, von der wunderbaren -Fruchtbarkeit des Meeres. Hauptsitz unserer Sprottenräucherei ist das -unweit Kiel auf der anderen Seite der Bucht gelegene Dorf Ellerbeck. Von -einem eigentlich fabriksmäßigen Betrieb ist aber auch hier kaum die Rede, -denn die meisten Räuchereien haben trotz ihrer großen Leistungsfähigkeit -nur recht bescheidenen Umfang. Auch geht das ganze Verfahren unglaublich -rasch vor sich, zumal in den Betrieben eine weitgehende und praktische -Arbeitsteilung herrscht. Das Sprichwort »Frische Fische -- gute Fische« -gilt hier mehr als je, und es ist ein gewaltiger Unterschied zwischen den -gold- und fettglänzenden Fischchen, die noch tags zuvor munter im Meere -herumschwammen, und den verschrumpelten, eingetrockneten Sprotten, die in -den bekannten flachen Holzkistchen in den Schaufenstern der -Delikatessenhändler unserer Kleinstädte prangen. Oft genug sind es trotz -ihrer unzweifelhaften Kieler Herkunft auch gar keine echten Sprotten, -sondern andere kleine Meeresfische. Man kann sich leicht genug darüber -vergewissern. Streicht man nämlich den Fischen mit dem Finger auf der -Unterseite des Bauches vom Schwanz nach dem Kopf entlang, so muß es sich -rauh anfühlen, weil dort kleine Stacheln vorhanden sind. Trifft das nicht -zu, so sind es auch keine echten Sprotten. Die frisch gefangenen -Fischchen werden zunächst für eine Stunde in Salzlake gelegt und dann in -wassergefüllten Kübeln oder gemauerten Bassins durch Bearbeitung mit -Reisbesen entschuppt und gewaschen. Dann kommt das »Aufspillen«, indem -man die Sprotten auf stricknadelstarke Eisenstäbe reiht, und zwar so, daß -der Stab durchs Kiemenloch eingeführt wird und aus dem Maule wieder -hervortritt. Die mit Fischen behängten Stäbe kommen in rechteckige, -hölzerne, blechbeschlagene, je 2400 Stück fassende Rahmen und diese auf -die Räucheröfen, zunächst unten hin, nach einigen Stunden an die oberste -Stelle. Innerhalb 10 Stunden können 2 der kaminartigen Öfen über 10000 -Sprotten räuchern. Die gleichmäßige Unterhaltung des Feuers ist wichtig -für die Erzielung hervorragend guter Ware. Man verwendet mit Vorliebe -Erlenholz, schüttet auch ab und zu Lohe auf oder begießt mit Wasser, um -eine recht kräftige Rauchentwicklung hervorzurufen; über die Rahmen und -Öfen gespannte Vorhänge und Leintücher sorgen dafür, daß der Rauch den -Fischen auch in vollem Maße zugute kommt. Nach Beendigung des Räucherns -werden diese für eine halbe Stunde abgekühlt, dann von den Drähten -abgestrichen und können nun sofort zum Versand verpackt werden. Den -entsprechenden Betrieb in einer größeren, mehr fabrikmäßig eingerichteten -Kieler Räucherei veranschaulichen unsere Abbildungen 3 und 4. - -Was die Sprotte für unsere deutschen Meere bedeutet, das ist die -=Sardine= (_Clúpea pilchárdus_) für die Gestade des Atlantik und des -Mittelmeers. Ja sie ist in volkswirtschaftlicher Beziehung noch -wichtiger, denn das Wohl und Wehe weiter Länderstrecken hängt von dem -Erscheinen dieses kleinen Fisches ab. Und das pflegt durchaus kein -regelmäßiges zu sein, obschon man sich über die Gründe des gelegentlichen -Ausbleibens bisher noch nicht recht klar zu werden vermochte, wie wir -überhaupt über die Naturgeschichte der Sardine und insbesondere über den -Verlauf ihrer Massenwanderungen noch weniger gut unterrichtet sind, als -beim Hering. Es fehlte bisher auch der Zwang der Not zu solchen Studien, -denn da die großenteils noch unbekannten Laichplätze des Fisches so -ziemlich unbehelligt bleiben, ist auch von einer Abnahme der -Riesenschwärme einstweilen nichts zu spüren. So beschränkt sich unsere -Kenntnis des Fisches -- abgesehen von seinem Verhalten auf der Wanderung --- fast nur darauf, daß er von noch zarterem Leibesbau ist als der Hering -und deshalb von höchster Empfindlichkeit gegen Unbilden jeder Art, daß -ihn dies aber nicht hindert an der Entwicklung einer großartigen -Gefräßigkeit, die allerdings in der Hauptsache nur winzigen Krebstierchen -gilt. Junge Sardinen scheinen ihrem grün gefärbten Darm- und Mageninhalte -nach vielfach auch pflanzliche Stoffe zu sich zu nehmen; ferner Urtiere, -kleine Ringelwürmer und gewisse, frei im Wasser schwimmende Wurmeier. Der -Name soll damit zusammenhängen, daß früher an der Küste Sardiniens der -ergiebigste Sardinenfang betrieben wurde, während heute entschieden die -malerische Küste der Bretagne als der Hauptsitz dieser Fischerei -bezeichnet werden muß. 8200 Boote und 32000 Fischer stehen dort ständig -in ihren Diensten, und allein in dem Hafenplatze Concarneau verarbeiten -60 Konservenfabriken alljährlich 1 Million Zentner Sardinen. Aber das ist -noch lange nicht der ganze Fang. Es kommt vor, daß mit einem einzigen -Zuge dem Meere Millionen der glitzernden Fischlein entrissen werden, doch -es ist auch nichts Seltenes, daß die Boote vollkommen leer zurückkehren, -was dann die düsterste Stimmung unter der Bevölkerung auslöst. So -vermochten 1905 von 600 Sardinenbooten aus Douarnenez nur 50 einigermaßen -Ladung zu erzielen. Auch überreiche Fänge sind den Fischern keineswegs -erwünscht, denn das volkswirtschaftliche Gesetz von Angebot und Nachfrage -trifft sie besonders hart, und die Preise sinken dann plötzlich derart -(bis auf 2-1/2 Franken für das Tausend), daß sich das Hinausfahren und -das Ausstreuen des kostspieligen Köders kaum noch verlohnt. Lustig genug -sieht es ja aus, wenn die Boote mit den himmelblauen Netzen am Mast und -mit geschwellten rabenschwarzen Segeln zum schmalen Hafenausgange -hinaustreiben, während das Meer blausilbern schimmert, dabei rötlichgelbe -und violette Tinten aufweist und weiße Spitzenhäubchen die kurzen, -prallen Wogen krönen. Aber die Kehrseite der Medaille ist doch vielfach -ein großes soziales Elend. Nur freiwillige Beschränkung der Fischerei und -gesetzliche Festlegung eines Mindestpreises vermöchten dem Übel zu -steuern. Die Sardine gilt als ein sehr scheuer Fisch, und ihr Fang -erfordert deshalb große Vorsichtsmaßregeln. Daher auch die himmelblauen -Netze, die für den Strand der Bretagne ebenso kennzeichnend sind, wie die -roten Jakobinermützen der Fischer für den Golf von Neapel. Und da der -Fang vielfach bei Nacht betrieben wird, verwendet man die schwarzen -Segel, die den bretonischen Küsten ein so eigenes Gepräge geben. Am Tage -machen sich die Sardinenschwärme oft schon von weitem bemerklich, da die -Fischlein bei Sonnenschein, dicht aneinander gepreßt, gern zur Oberfläche -emporsteigen, plätschern und springen und so die öde Wasserwüste in ein -leuchtendes, blitzendes Silberfeld verwandeln. Der an Land gebrachte Fang -wandert korbweise in die Fabriken, wo den Fischen zunächst der Kopf -abgeschnitten und die Eingeweide ausgenommen werden. Dann werden sie eine -Stunde lang in warmer Luft (am besten im Freien) getrocknet und für -einige Minuten in siedendes Öl getan. Frauen und Mädchen in schwarzen -Kleidern, mit großen Schürzen und zierlichen, weißen Häubchen sitzen an -langen Tafeln und legen die Fischlein mit peinlichster Sorgfalt in -Büchsen, worauf noch Öl mit verschiedenen Würzen und Zutaten (z. B. -Tomaten) je nach dem Geschmack der Kundschaft, der in den einzelnen -Ländern verschieden ist, nachgefüllt wird. Das schwierige Verlöten der -Blechbüchsen dagegen ist Männerarbeit, denn es gehört eine sichere Hand -und große Übung dazu, völligen Luftabschluß zu erzielen. Die verlöteten -Büchsen werden nochmals in kochendes Wasser getan, dann etikettiert, und -nunmehr sind die weltbekannten Blechdosen mit ihrem wohlschmeckenden -Inhalt versandfertig. Was in der Bretagne gefangen wird, sind fast -ausschließlich junge, noch nicht laichfähige Sommer- und Herbstsardinen. -Die ausgewachsenen und fortpflanzungsfähigen Sardinen sind bedeutend -größer, fetter und schwerer, haben aber ein viel gröberes Fleisch und -werden als »Pilchards« hauptsächlich an den britischen Küsten gefischt. -In den amerikanischen Gewässern wird die Sardine durch _Clúpea menháden_ -vertreten. Dieser Fisch ist noch feiner und zarter im Geschmack, aber -dabei so grätenreich, daß der findige Yankeegeist erst eine besondere -Entgrätungsmaschine für ihn austüfteln mußte, damit er als -aussichtsreicher Mitbewerber auf dem Weltmarkte auftreten konnte. - -[Illustration: Abb. 5. Dorsch (_Gadus morrhua_). -(Phot. von Oberl. W. Köhler, Tegel.)] - -Als letzter und zugleich kleinster Vertreter der individuenreichen -Heringsfamilie sei endlich noch die =Sardelle= (_Engraúlis -encrasichólus_) genannt. Auch dieses zarte Fischlein wohnt westlich und -südlich von uns, ist im Mittelländischen Meere besonders häufig, dringt -aber in manchen Jahren scharenweise auch in die Nordsee und gelegentlich -selbst in die Ostsee ein. In stark gesalzenem Zustande hat es als -Anchovis Weltberühmtheit erlangt. Die Fischerfrauen am Mittelmeer haben -im Einmachen dieser kleinen Geschöpfe eine fabelhafte Geschicklichkeit -erworben, indem sie ihnen mit ihrem zu diesem Zwecke sorgsam gepflegten -Daumennagel den Kopf abkneifen und gleichzeitig die Eingeweide fassen und -herausziehen. - -Die vielen Fischen in so ausgesprochenem Maße eigene Farbanpassung an -Untergrund und Umgebung, die bei längerem Aufenthalt an den gleichen -Örtlichkeiten zu scheinbar ständigen Farbenvarietäten zu führen vermag, -ist in wissenschaftlicher Hinsicht sehr geeignet, den zoologischen -Systematiker bei der Aufstellung der neuerdings so beliebt gewordenen -Unterarten in hohem Maße zur Vorsicht zu mahnen. So sind die =Dorsche= -(_Gádus morrhúa_) in der Umgebung Helgolands in Anpassung an das dortige -rote Klippengestein von ausgesprochen rötlicher Färbung, sodaß man sie -wohl für eine eigene Unterform halten könnte, wenn sie nicht bei -Übertragung an andere Wohnorte alsbald auch eine andere, den neuen -Verhältnissen entsprechende Färbung annehmen würden. Während der =Dorsch= -(Abb. 5) oder =Kabeljau= (von unseren Ostseefischern Pomuchel genannt) -eine Länge von 1-1/2 kg und ein Gewicht von 40 kg (das Stockholmer Museum -besitzt sogar ein aus der Ostsee stammendes Riesenexemplar von 185 kg -Gewicht) erreicht, bleibt der allbekannte, ihm sehr nahe stehende, -silbergraue, mit kennzeichnendem schwarzem Schulterfleck gezierte -=Schellfisch= (_Gádus aeglefínus_) stets wesentlich kleiner. Mit diesen -beiden Formen, die nebst ihren zahlreichen Verwandten zu den Kehlflossern -gehören und durch schnittigen Körperbau und einen eigenartigen Bartfaden -an der Spitze der Unterkinnlade ausgezeichnet sind, lernen wir Fische -kennen, die wegen ihrer ungeheuren Vermehrungsfähigkeit (jeder Rogner -soll nach den Zählungen fleißiger Forscher 4, selbst 9 Millionen Eier im -Leibe tragen!), ihres Auftretens in nur nach Hunderttausenden und -Millionen zu schätzenden Heeren und wegen ihrer unersättlichen -Gefräßigkeit eine hervorragende Rolle im Haushalt der Natur und -namentlich im Stoffwechsel der nordischen Meere spielen. Wegen ihres gern -gegessenen und billig zu erlangenden Fleisches haben sie aber auch eine -große volkswirtschaftliche Bedeutung für den Menschen erlangt. Ganze -Fischerflottillen und Zehntausende von Strandfischern in den -verschiedensten Gegenden der nördlichen Halbkugel ernähren sich -ausschließlich oder fast ausschließlich vom Dorschfang, und ihre Beute -geht in getrocknetem Zustande weit in die Welt hinaus, ist selbst im -sonnigen Süden Europas und auf den heißen Plantagen Brasiliens zum -Nationalgericht geworden, weil keine andere gleich nahrhafte Fleischkost -sich zu einem auch nur annähernd gleich billigen Preise beschaffen läßt. -Obgleich die deutsche Dorschfischerei sich nicht entfernt mit derjenigen -der Lofoten und Islands oder gar Neufundlands messen kann und obgleich -auch in dieser Beziehung die weniger günstige Lebensbedingungen für -ausgesprochene Meeresfische bietende Ostsee weit hinter der Nordsee -zurücksteht, werden doch allein z. B. in der Bucht von Eckernförde -alljährlich mehr als 300000 kg Dorsche gefangen. 240 deutsche -Fischdampfer mit je 12-14 Mann Besatzung führen unablässig Krieg gegen -den Kabeljau, ununterbrochen Sommer und Winter, Tag und Nacht, und doch -vermögen sie kaum dem stets sich steigernden Bedürfnis zu genügen, -freilich ebensowenig die unerschöpflich scheinenden Heere dieser Fische -merklich zu vermindern. Brehm hat Recht, wenn er den Kabeljau bezeichnet -als »einen der wichtigsten Fische der Erde, dem man seit mehr als drei -Jahrhunderten unablässig nachgestellt hat, wegen dessen blutige Kriege -geführt worden sind, von dem in jedem Jahre mehrere hundert Millionen -Stück gefangen werden, und der dennoch diesem Vernichtungskriege Trotz -geboten hat, weil seine unglaubliche Fruchtbarkeit die von den Menschen -seinen unschätzbaren Heeren beigebrachten Lücken, bisher wenigstens, -immer wieder ausfüllte.« Wahrlich, nicht jedes in ähnlicher Weise -verfolgte Geschöpf ist in gleich glücklicher Lage! Sehr zustatten kommen -mag den Schellfischen beim Kampfe ums Dasein auch der Umstand, daß sie -nicht wie die meisten anderen Meeresfische auf bestimmte Tiefenschichten -des Wassers angewiesen sind, obschon sie im allgemeinen eine mäßige Tiefe -bevorzugen und nur zu der in die Fastenzeit fallenden, übrigens nicht -wenig von den anregenden Wirkungen des Golfstroms abhängigen Laichperiode -mehr in flachere Gewässer kommen. In diese Zeit fällt auch der Hauptfang, -denn dann erscheinen die Fische über gewissen Bänken in dicht gedrängten -Heeren, die mehrere Meter hoch und mehrere Kilometer lang im Wasser -stehen und immer wieder von frischen abgelöst werden, sobald sie ihren -Zweck erreicht haben. Aber auch während die Minne solchen -Massenversammlungen ihre Freuden spendet, weicht die den Schellfischen -eigene Freßgier nicht von diesen vortrefflichen Schwimmern, und es ist -nur gut, daß sich um dieselbe Jahreszeit in den gleichen Gegenden auch -unzählige Heringe, Tintenschnecken u. dgl. anzusammeln pflegen, die jenen -zur Nahrung dienen müssen. Die blindwütige Gefräßigkeit der Dorsche und -Schellfische erleichtert ihren Fang ungemein und macht namentlich auch -die Verwendung der Grundangel sehr lohnend. Es ist dies eine etwa 2000 kg -lange, starke Leine, an der etwa 1200 einzelne Angelschnüre angeknüpft -sind, deren Haken mit Heringen, Tintenschnecken oder den Eingeweiden -schon gefangener Schellfische beködert werden. Etwa alle 6 Stunden wird -sie heraufgeholt, nach dem Auslösen des Fanges frisch beködert, und die -Sache kann von neuem losgehen. In der Zwischenzeit handhaben die Fischer -aber auch noch fleißig die Handangel und erzielen auch mit dieser bei der -Menge der Fische ganz erstaunliche Erträge. Von den größeren -Fischdampfern aus fischt man dagegen hauptsächlich mit dem schon -beschriebenen Scherbretterschleppnetz. Wenn nun der Netzbeutel (vom -Fischer »Steert« genannt) wie eine prall gefüllte Kugel über dem Deck -schwebt, löst der Steuermann mit einem geschickten Griff den -verschließenden Knoten, und das silbern wimmelnde Gezappel von Fischen -ergießt sich wie ein lebender Strom über die schlüpfrig werdenden -Planken. Die geübten Leute wissen aber auch mit den größten Massen bald -fertig zu werden. Ein grausiges Schlachten beginnt. Ununterbrochen -blitzen die blutbefleckten Messer, ein kurzer Schnitt trennt den Kopf vom -Rumpfe, in einem Nu fliegen die Eingeweide heraus und der in zwei Hälften -zerspaltene Fisch in den eisgekühlten Vorratsraum. Der Dorsch läßt sich -in allen seinen Bestandteilen irgendwie verwerten, denn selbst die -Eingeweide, soweit man sie nicht aus Zeitmangel den unter gierigem -Kreischen die vielversprechende Stelle umschwärmenden Möwen überläßt, -müssen ihrerseits wieder als Angelköder Verwendung finden oder werden zu -Guano verarbeitet, während die Köpfe als Viehfutter dienen, das in Island -merkwürdigerweise selbst die Rinder nicht verschmähen sollen. Die Lebern -aber werden in großen Bottichen den Wirkungen der Sonnenstrahlen -preisgegeben, verpesten dann faulend mit einem wahrhaft scheußlichen -Geruch ganze Hafenstädte des Nordens, liefern aber den in der Heilkunde -hochgeschätzten Lebertran, der sich als ein gelbliches Öl auf der -Oberfläche der verwesenden Masse absetzt, in geringerer Güte auch durch -Auskochen der Lebern gewonnen wird. Der Rogen geht in Blechbüchsen nach -den Gestaden des Mittelmeers, wo er den Sardinenfischern als -unentbehrlicher Witterungsköder dient. Der Fisch selbst wird auf die -verschiedenste Weise zubereitet und in den Handel gebracht, führt auch -demgemäß verschiedene Namen. Auf Stangen, Gerüsten oder in offenen -Schuppen an der Luft klapperdürr getrocknet heißt er Stockfisch, gesalzen -und auf den Strandklippen durch die Sonne gedörrt Klippfisch, in Fässern -eingepökelt Laberdan. Besondere Delikatessen sind das nun freilich alles -nicht, wohl aber nahrhafte, zuträgliche und billige Ersatzmittel für alle -Gegenden, in denen frisches Fleisch ein seltener Artikel ist. Bedeutend -wohlschmeckender ist das weiße, etwas derbe Fleisch des frischen -Schellfisches, und wenn es selbst heute in der Zeit der Fleischteuerung -noch nicht überall die ihm zukommende Beachtung errungen hat, so liegt -dies wohl hauptsächlich daran, daß sich die Hausfrauen im Binnenlande -größtenteils nicht auf die richtige Zubereitung verstehen. Wenn ihnen der -Seefischgeschmack an sich zuwider ist, rate ich ihnen, es einmal mit der -Zubereitung von Fleischklößchen (Frikadellen) aus Dorschfleisch zu -versuchen. Sehr vorteilhaft ist es, daß sich die Schellfischarten bei -ihrer großen Zähigkeit und Anspruchslosigkeit auf verhältnismäßig weite -Entfernungen hin lebend versenden lassen, Eigenschaften, die es -ermöglichen, die stattlichen Meeresbewohner auch jahrelang in räumlich -arg beschränkten Seewasseraquarien besser zu erhalten als irgend einen -anderen Seefisch. -- Es ist ein Verdienst des norwegischen Professors -Sars (eines Schwagers Nansens), nachgewiesen zu haben, daß die 1-1-1/2 -mm großen Glaskügelchen, die frei im Meereswasser umherschwimmen, meist -Kabeljau-Eier sind. Der sonst in großen Tiefen lebende Fisch sucht zur -Laichzeit die seichten Stellen, die Hochplateaus des Meeres auf. Der -Laich fällt nicht zu Boden, sondern erhält sich in einer Tiefe von -höchstens 14 kg treibend. Diese Entdeckung führte weiter zu der -Feststellung, daß sich die Eier unserer meisten anderen Nutzfische des -Meeres ganz ebenso verhalten. Gerade das Plankton, über dessen Natur und -Zusammensetzung wir durch Prof. Hensen-Kiel Klarheit erhalten haben, -birgt zahllose solche Eier, die in ihrem ersten Entwicklungsstadium fast -gar keine Artunterschiede aufweisen. So sind die Eier des Kabeljaus und -des Schellfischs anfangs gar nicht zu unterscheiden. Es sind glashelle -Kügelchen mit verhältnismäßig großem Dotter und einigen Fetttröpfchen. -Diese Feststellungen haben nicht nur wissenschaftlichen Wert, sondern -auch praktische Bedeutung, denn damit ist erwiesen, daß der Fischfang mit -tief an den Boden gehenden Netzen die in der Entwicklung begriffene Brut -nicht zu schädigen vermag, wie man früher wohl befürchtet hatte. - -[Illustration: Abb. 6. Thunfisch (_Thynnus thynnus_).] - -Einigermaßen Ersatz für Hering und Schellfisch bietet den Anwohnern -des Mittelmeers der mächtige =Thun= (_Thynnus thynnus_), der -durchschnittlich 2 kg lang und 120 kg schwer ist, oft aber auch bedeutend -größer wird (Abb. 6). Der Eindruck wird noch verstärkt durch den breit -ausgeladenen Leibesbau, den dicken Kopf und die ungemein kräftig -entwickelten Schwanz- und Seitenflossen des Fisches. Man glaubte früher -allgemein, daß der Thun eigentlich im Atlantischen Ozean beheimatet sei -und von da lediglich zum Laichen durch die Straße von Gibraltar nach dem -Mittelländischen, ja sogar von da durch Dardanellen und Bosporus zum -Schwarzen Meer ziehe, bis in das Asowsche hinein. Neuere Untersuchungen -haben jedoch gezeigt, daß er keine so weiten Wanderungen vollführt, -sondern daß die Verhältnisse ähnlich liegen wie beim Hering, daß also der -Thun in der Hauptsache Höhenwanderer ist. Er verbringt den größten Teil -seines Lebens in den tiefsten Senkungen des Mittelmeers, anscheinend auch -in der Bucht von Cadiz, und steigt im Frühjahr empor, um den flachsten -Stellen zuzustreben. Dabei berührt er namentlich die Küsten Sardiniens -und Siziliens, und hier wird denn auch der ergiebigste und großartigste -Thunfang betrieben. Er erfordert wochen- und monatelange Vorbereitungen -und Zurüstungen, denn er geschieht in ungeheuren Netzen, sogenannten -Tonnaros, wahren Gebäuden aus zähestem Spartogras und bestem Hanf, die -30-50 m Tiefe und bis zu 1 km Länge haben. Das Auslegen dieser -Ungetüme kann nur bei vollkommen ruhiger See stattfinden und muß mit -größter Sorgfalt erfolgen, da viel darauf ankommt, daß die Netzwände -senkrecht stehen wie Mauern. Zu diesem Zwecke sind sie unten mit Blei- -und Eisenstücken beschwert, während sie oben mit Korkschwimmern versehen -sind. Das Ganze ist in eine Reihe von aneinander stoßenden Kammern -geteilt, die durch Öffnungen in der Netzwand verbunden sind, aber nach -Bedarf abgeschlossen werden können. Die vorderste Kammer ist die größte, -von ihrem Eingang strahlen noch scherenartig zwei lange Netzflügel aus, -um ein Entweichen der Fische nach dem Strande oder der offenen See hin zu -verhindern. Die hinterste Netzkammer ist die kleinste, hat den engsten -Eingang und ist im Gegensatze zu den anderen auch mit einem Netzboden aus -dem engmaschigsten und zähesten Geflecht versehen. Das ist die »Kammer -des Todes«. Ist endlich das ganze verwickelte Netzgebäude zur -Zufriedenheit errichtet, so begeben sich die Fischer wieder an Land und -lassen nur wenige Wachboote zurück, die den Einzug der Thune beobachten -sollen: ein bei ungünstigem Wetter ebenso schwieriges wie undankbares -Geschäft. Die Thune halten zäh an der einmal eingeschlagenen Richtung -fest und entschließen sich nicht leicht zum Zurückschwimmen, begünstigen -dadurch also noch die Arglist des Menschen, so vorsichtig und schlau sie -sonst auch sind. Sie streichen in kleinen Trupps rasch durch die Wellen, -oft in keilförmiger Schwimmordnung, aber diese Trupps folgen einander so -rasch und ununterbrochen, daß man doch von einer Massenwanderung sprechen -kann. Nicht selten stutzen sie beim Eintritt in die Netztore, und die -Fischer sind dann genötigt, die furchtsamen Tiere durch Einschaufeln von -Sand ins Wasser oder durch das Herablassen eines Schaffells weiter zu -scheuchen. Sind ihrer genug in der vordersten, natürlich bis zum Boden -reichenden Kammer, so wird der Eintritt in die zweite frei gegeben, damit -in jener Platz für neue Ankömmlinge geschaffen werde. So geht es von -Kammer zu Kammer und zuletzt in die des Todes. Der sonst so öde Strand -dieser Gegenden ist inzwischen zum Schauplatz ausgelassenen Lebens -geworden, denn der Thunfischfang ist hier das größte Volksfest, und -allenthalben herrscht das bunte und lärmende Lustgetriebe eines -Jahrmarkts. Aus flüchtig zusammen genagelten Häuschen und Bretterbuden -ist eine ganze Stadt entstanden, und in ihren Gassen schiebt und drängt -sich eine aufgeregte, unterhaltungsbedürftige Menschenmenge, Einheimische -und Fremde, Fischer und Kaufleute, Handwerker, Wirte und allerlei -fahrendes Volk, nicht zuletzt auch Priester, denn ohne den Segen der -Heiligen würde ja kein Thunfisch ins Netz gehen. Überall Musik und -Gesang, Lachen und Lärmen, Scherzen und Necken, Lieben und Raufen. Alles -atmet Leidenschaft und Leben, Aufregung und Feuer, denn die »Tonnara« ist -den Sizilianern das, was den Spaniern die Stiergefechte sind und dem -Engländer der Derby-Tag. Endlich steigt als Zeichen dafür, daß die -Totenkammer gefüllt ist, am Maste des Wachbootes eine rote Flagge auf, -alles eilt nun in wirrem Gedräng unter Jauchzen, Schreien und Brüllen, -Mützen- und Tücherschwenken wie besessen zu den harrenden Booten, um so -rasch als möglich den Schauplatz zu erreichen. Dort wird unter großen -Anstrengungen die Totenkammer heraufgezogen und schließlich ihr Netzboden -in Mannestiefe festgelegt. Weißer Schaum bedeckt das Wasser, und die dem -Tode geweihten großen Fische peitschen mit verzweiflungsvollen -Schwanzschlägen die Oberfläche, rings umgeben von Fahrzeugen voller -Menschen, denen die unverhüllte Mordgier und tierischer Fleischhunger aus -den Augen blitzen. Die sehnigen, halbnackten, braunen Fischer werden zu -erbarmungslosen Schlächtern. Wie Wahnsinnige stechen sie mit spitzen -Harpunen blindlings in das weißschaumige, klatschende Fischgewimmel, -schlagen mit nagelbesetzten Keulen auf ihre Opfer los, zerfetzen mit -Schwertern und Dolchen die großen Fischleiber. Blutigrot färbt sich die -blasige Flüssigkeit in der Totenkammer, blutigrot das Meer in weitem -Umkreise, und Blut und Schweiß strömen über die vor Aufregung bebenden -Menschenleiber, die von dem fanatischen Zujauchzen der blutlüsternen -Zuschauermenge in den Booten zu immer neuem Morden angepeitscht werden, -bis der letzte Thun verblutet ist oder der ermattete Arm die Harpune -nicht mehr zu heben vermag. Es ist ein grausiges Bild bei goldenem -Sonnenschein und lachend blauem Himmel, aber so abstoßend es auch auf -feiner empfindende Gemüter wirkt, fahren doch reiche Leute genug eigens -deshalb nach Sizilien. Als Ludwig XIII. Marseille besuchte, wurde ihm zu -Ehren eine große Thunfischmetzelei veranstaltet, die diesem -»geschmackvollen« Herrscher so trefflich gefiel, daß man später oftmals -von ihm hören konnte, es sei dies einer der schönsten Tage seines Lebens -gewesen. Widerwärtig sind die bluttriefenden Schlächtereien gewiß, aber -doch von ungeheurer wirtschaftlicher Bedeutung für alle Länder am -Mittelmeer, denn das Thunfleisch ist zwar etwas grob und reichlich -trocken, aber nahrhaft und vor allem -- billig. Es erfreut sich deshalb -in vornehmeren Kreisen keiner sonderlichen Beliebtheit, ist aber für -weite Landstrecken das einzige Fleisch, dessen Genuß auch den ärmeren -Volksschichten möglich ist, das so eine hochwillkommene Abwechslung -zwischen dem ewigen Einerlei von Kaktusfeigen, Bohnen und Makkaroni -bildet und damit der sonst unausbleiblichen Unterernährung der -Bevölkerung entgegenwirkt. Die ersten jungen Thunfische kommen schon im -Juli zum Vorschein und wachsen so rasch heran, daß sie bis zum Oktober -bereits ein Gewicht von 1 kg erreichen. - -[Illustration: Abb. 7. Makrele (_Scomber scomber_). -(Phot. von Oberl. W. Köhler, Tegel.)] - -Ein kleinerer, schlankerer und weit besseres Fleisch liefernder Vetter -des plumpen Thun, die schnittig gebaute =Makrele= (_Scomber scomber_) mit -der kunterbunten Zeichnung und dem wundervollen Opalschimmer auf dem -zarten Schuppenkleid (Abb. 7) ist auch in unseren Meeren häufig. -Massenhafter noch wird sie an den englischen und französischen Küsten -gefangen und eingesalzen, ja es ist dort schon vorgekommen, daß man die -allzu dicht gefüllten Netze ihres ungeheuren Gewichtes halber nicht -wieder heraufzuziehen vermochte. Sehr gern folgt die gefräßige Makrele, -an der das völlige Fehlen der Schwimmblase das Merkwürdigste ist, den -großen Heringsheeren und zehntet sie nach Kräften. In England bildet auch -das Angeln dieser wanderlustigen Fische vom Segelboot aus bei scharfer -Brise einen beliebten Sport. Während die Makrele und noch mehr die fern -von den Küsten im Atlantik Flugfische jagende und ihnen nachspringende -=Bonite= (_Scomber pelamys_) vorzügliche Schwimmer sind, vermag der -verwandte =Schiffshalter= (_Echenéis remora_) nur matte und plumpe -Schwimmbewegungen zu vollführen. Er macht sich deshalb das Reisen gern -bequem und läßt sich lieber von flinkeren Fischen fortschleppen, was ihm -dadurch ermöglicht wird, daß seine vordere Rückenflosse zu einer breiten -Haftscheibe umgewandelt ist, mit der er sich am Bauche seines -Reisemarschalls festsaugt. Am liebsten wählt er dazu Haie, wohl weil -deren rauhe Haut einen besonders sicheren Halt gewähren mag und weil sie -weite Meeresstrecken durcheilen. Übrigens begnügt sich der Schiffshalter -mit der Rolle des blinden Passagiers und wird nicht etwa zum Schmarotzer. -Deshalb ist ihm auch ein Schiffsrumpf ebenso recht wie ein Fischleib, -zumal ja immer allerlei nährstoffreiche Abfälle über Bord geworfen -werden, worauf sich dann der Echeneis von seinem Platze löst und ihnen -unter schlängelnden Bewegungen zustrebt. - -In weiterer Ausbildung werden solche Symbiosen nicht selten zu echtem -Raumparasitismus. In allen Meeren der Erde werden kleine Seefische -gefunden, die irgendwelchen Leibesteil eines besonders wehrhaften Tieres -sich zur Zufluchtsstätte erkoren haben und ihren Wirt gewöhnlich zwar -nicht merklich schädigen, ihm aber auch keine Gegendienste für das -gewährte schützende Obdach leisten. Am bekanntesten in dieser Beziehung -ist _Fierásfer acus_, ein kaum 20 kg langes, gelblichweißes Fischchen von -fast durchsichtiger Zartheit ohne Bauchflossen und mit weit nach vorn -gerückter Afteröffnung. Er benutzt als Wohnung die sogenannten -Wasserlungen der Seegurken, dieser absonderlichen Geschöpfe, die die -merkwürdige Gewohnheit haben, die eigenen Eingeweide auszuspeien, wenn -sie gereizt werden. Der Fisch dringt mit dem Schwanzende in die -Afteröffnung seines Wirtes ein, schiebt allmählich den ganzen Körper nach -und sieht nur noch mit dem Kopfe heraus. Das Atemwasser der Seegurke, das -abwechselnd ein- und ausströmt, versorgt den Fierasfer mit Nahrung in -Gestalt kleiner Krebstierchen. Manchmal aber, wenn sich ihm ein besonders -fetter und leckerer Bissen darbietet, schießt er, wie Bergmann beobachtet -hat, aus seinem Verstecke hervor. Möglich, daß er seinen Wirt auch von -schmarotzenden Krebstierchen befreit; jedenfalls verursacht er ihm -gewöhnlich keinerlei Unbequemlichkeiten. Wohl aber ist dies der Fall, -wenn sich mehrere Fischchen in der gleichen Seegurke ansiedeln, die -dadurch sogar zugrunde gehen kann. Bisweilen findet sich Fierasfer auch -in anderen Seetieren, wie Seesternen, Quallen und Muscheln. So besitzt -das britische Museum einige Stücke, die aus echten Perlmuscheln stammen -und von diesen mit einer glänzenden Perlmutterschicht überzogen wurden. -Der durch seitliche Bepanzerung ausgezeichnete =Stöcker= (_Cáranx -trachúrus_), auch Halbmakrele genannt, der bisweilen in ungeheuren -Schwärmen an den englischen Küsten auftaucht, aber wegen seines -minderwertigen Fleisches nur wenig Beachtung findet, gehört im -Jugendzustande gleichfalls zu den Raumparasiten, denn er lebt dann -zwischen den Mundarmen und Tentakeln von Quallen, die ihn durch ihre -Nesselzellen gegen Feinde schützen. Die jungen Fischchen kommen nur aus -den Quallen hervor, wenn alles ringsum sicher erscheint, während sie sich -beim geringsten Anzeichen von Gefahr sofort in ihre Schlupfwinkel -flüchten. Der prächtig gefärbte _Amphíprion bicínctus_ führt in ähnlicher -Weise mit einer großen Seerose gemeinsamen Haushalt; stülpt sie sich ein, -so läßt sich der Fisch ruhig von ihren Tentakeln bedecken, woraus sich -schließen läßt, daß er gegen das Nesselgift unempfindlich sein muß. Auch -stark bewehrte Seeigel müssen manchen kleinen Meeresfischen als Wohnung -dienen. Plate fand während seines Aufenthaltes auf den Bahama-Inseln -einen nur 3-6 kg langen, gelblich-weißen, schmutzig-braun gepunkteten -Fisch, _Apogoníchthys strómbi_, in der Mantelhöhle von Riesenschnecken -(_Strómbus gígas_), die dort als ein beliebtes Volksnahrungsmittel -regelmäßig zu Markte gebracht werden. Wahrscheinlich verläßt hier der -Einmieter das Wirtstier nur nachts, um auf Krebstierchen und Meeresasseln -Jagd zu machen. Selbst in unseren nordischen Meeren fehlt es nicht an -verwandten Erscheinungen. So konnte bei der Suche nach den Wohnplätzen -der jungen =Schellfische= und =Kabeljaue= festgestellt werden, daß deren -Auftreten auf das innigste mit dem mehr oder minder häufigen -Vorhandensein von Kornblumenquallen zusammenhing. Bei ruhiger See ließ -sich denn auch deutlich beobachten, wie die jungen Fische sich beständig -zwischen den langen Nesselfäden der Quallen aufhielten, und wie ihre -Eigenbewegung sich ganz darauf beschränkte, dem ruckweisen -Weiterschwimmen der Quallen nachzukommen, die ihnen also zu Schirmherrn -im wahrsten Sinne des Wortes geworden waren. - -[Illustration: Abb. 8. Scholle. (Phot. von F. Ward.)] - -Nächst den Heringen und Schellfischen sind die der großen Gruppe der -=Plattfische= oder Schollen (Abb. 8) angehörenden Arten die wichtigsten -Nutzfische unserer Meere. Naturgeschichtlich interessant sind sie schon -durch ihre weitgehende Anpassungsfähigkeit an die Farbe des -Untergrundes und durch ihr damit im engsten Zusammenhang stehendes -Farbwechselvermögen. Aber selbst diese wunderbaren Eigenschaften -erscheinen den Plattfischen noch nicht ausreichend, um sich gegen die -Nachstellungen der gefräßigen Raubfische zu sichern und sich selbst vor -den Augen ihrer Opfer zu verbergen. Der größeren Sicherheit halber wühlen -sie sich vielmehr gleich ganz in den Sand ein, so daß nur ein Teil des -Kopfes mit den gleich blaugrünen Perlen funkelnden Augen hervorsieht. -Dieses Einpaddeln geschieht mit so fabelhafter Schnelligkeit, daß man die -einzelnen Bewegungen dabei kaum festzustellen vermag. Man sieht nur ein -Aufwirbeln des Sandes, hastig zitternde und flimmernde Bewegungen der -langen Bauch- und Rückenflossen, und der Fisch ist auch schon fast -spurlos verschwunden. In Wirklichkeit vollzieht sich die Sache nach den -Beobachtungen E. Schmidts so, »daß die Flunder einmal fest mit dem ganzen -Körper den Sand peitscht, der dadurch etwas ausgehöhlt wird. Zugleich -schaufelt sie mit den großen Randflossen Sand auf die Körpermitte, der -durch die dabei erzeugte Strömung gleichmäßig über den ganzen Fisch -verteilt wird und diesen so dem Blick des Beobachters oder im Freien dem -Auge des gierigen Raubfisches entzieht.« Das eben erwähnte Auge der -Plattfische verdient in doppelter Beziehung noch eine kurze Würdigung. -Einmal ist es das einzige mir aus eigener Anschauung bekannte Fischauge, -das einen gewissen seelischen Ausdruck widerspiegelt: es schaut förmlich -klug, ja schelmisch und listig in die von unliebsamen Gefahren aller Art -erfüllte Unterwasserwelt. Zugleich sind diese prachtvoll gefärbten Augen, -die durch eine stark entwickelte Nickhaut geschützt erscheinen, von einer -höchst seltsamen Beweglichkeit, denn sie können nicht nur nach den -verschiedensten Richtungen hin willkürlich gedreht, sondern auch wie die -der Frösche aus ihren Höhlen hervorgehoben und wieder zurückgezogen -werden. In diesem unausgesetzten Augenspiel spiegelt sich jede seelische -Erregung des Fisches ebenso deutlich wieder wie die des Hundes in seinen -Schwanzbewegungen oder die gewisser Vögel in dem verschiedenartigen -Zucken mit den Flügeln. Das Allermerkwürdigste ist aber nun der Umstand, -daß bei der ausgebildeten Scholle beide Augen auf ein und derselben -Körperseite liegen, wie überhaupt ihre ganze Kopfbildung derart -unsymmetrisch ist, ja so verschroben erscheint, daß sie in dieser -Beziehung im gesamten Wirbeltierreiche geradezu einzig dasteht. Freilich -ist dem nicht von allem Anfang an so. Die dem Ei entschlüpften und sich -massenhaft an der Oberfläche des Meeres herumtreibenden jungen Schollen -sind nämlich noch ganz nach dem regelrechten Fischtypus gebaut, schwimmen -auch in der sonst allgemein üblichen Weise mit dem Rücken nach oben und -dem Bauch nach unten, haben auf jeder Gesichtshälfte je ein Auge und -bergen im Innern ihres überaus zarten, fast glashellen und durchsichtigen -Körpers eine stark entwickelte Schwimmblase, während zugleich die -sonstige Beschaffenheit der inneren Organe unverkennbar darauf hinweist, -daß makrelenartige Hartflosser etwa vom Typus der Gattung Zëus -(Petersfische) ihre dereinstigen Vorfahren gewesen sein müssen. Aber -schon nach kurzer Frist gehen sie vom lockeren Herumschwärmen zu einer -soliden und untätigen Lebensweise über, indem sie immer größere Zeiträume -in träger Ruhe auf dem Boden verbringen und sich hierbei auf eine Seite -legen. Dieser neuen Lebensart paßt sich nun ihr ganzer Organismus in -einer ans Wunderbare streifenden Weise an. Der Körper wird immer flacher -und platter, bis er schließlich die fast scheibenförmige Form erreicht, -die uns von den geräucherten Flundern her so wohl vertraut ist. Die dem -Sand aufliegende Unterseite bleibt mehr oder minder farblos, während die -Oberseite das geschilderte Farbwechselvermögen erhält. Die überflüssig -gewordene Schwimmblase verkümmert rasch und verschwindet schließlich -gänzlich, ein Vorgang, der durch den starken Druck von Wasser und Sand -und durch die Einengung der Bauchhöhle wesentlich beschleunigt wird. Das -auf der Unterseite nutzlos gewordene Auge aber rückt allmählich über die -Scheitelmitte hinweg, und bei solchen Arten, bei denen die Rückenflosse -bis zum Scheitel reicht, sogar unter jener hindurch zur Oberseite -hinüber, die auf diese Weise zwei wohl ausgebildete Augen erhält. Wie der -absonderliche Vorgang eigentlich des näheren zu erklären ist, darüber -herrscht unter den Gelehrten noch keineswegs völlige Einstimmigkeit. -Während die einen von einem ungleichmäßigen Wachstum beider -Schädelhälften sprechen, fassen andere die Augenwanderung als eine mehr -aktive auf, wobei der Einfluß des Lichtes der wirksame Faktor sein soll. -Jedenfalls erfolgt sie schon zu einem Zeitpunkte, wo die Schädelknochen -noch weich und knorpelig sind, also keinen großen Widerstand -entgegensetzen. Hand in Hand damit geht auch eine entsprechende -Veränderung der Augenmuskeln, deren spätere, auffallend große -Beweglichkeit damit im engsten Zusammenhange stehen mag. Ebenso wird das -Maul vollständig nach oben verdreht, so daß der alte Gesner ganz recht -hat, wenn er von einem »widerwärtig gesetzten Kopf« spricht. Da die -jungen Schollen schon sehr frühzeitig zu der dem Meeresboden anklebenden -Lebensweise übergehen und von ihren verschiedenen Schutzmitteln gar bald -den besten Gebrauch zu machen wissen, sind sie weit weniger als andere -Jungfische den Nachstellungen der Meeresräuber preisgegeben, und so -erklärt es sich, daß die Menge der Plattfische in allen Meeresteilen mit -geeignetem Untergrund (Schlamm und Schlick wird gemieden, Sand vor feinem -Geröll und dieses vor grobem bevorzugt) eine gewaltig große ist, obschon -die Zahl der im Spätfrühling oder Frühsommer abgesetzten, frei, nahe der -Oberfläche, treibenden und deshalb nur wenig geschützten Eier nur eine -verhältnismäßig geringe ist, jedenfalls der vieler anderer Fische weitaus -nachsteht. So kommt es, daß die Plattfische, die sich durch ein -außerordentlich schmackhaftes Fleisch auszeichnen, das bei seiner -Haltbarkeit sich namentlich auch zum Versand nach dem Binnenlande eignet, -volkswirtschaftlich eine große Rolle spielen und ihr Fang jahraus jahrein -Tausende von Fischern an den Nord- und Ostseeküsten beschäftigt, wobei -freilich die deutschen so ziemlich in letzter Reihe stehen oder doch -wenigstens vor kurzem noch standen. Die schönen Zeiten allerdings, wo auf -dem Londoner Markte das Dutzend dreipfündiger Goldbutten vergeblich um -einen Penny ausgeboten wurden, sind leider wohl für immer vorüber, ja bei -einigen besonders geschätzten Arten, wie bei der delikaten Seezunge, -macht sich infolge allzu schonungsloser Nachstellungen schon eine so -besorgniserregende Abnahme bemerkbar, daß man bereits auf das -Aushilfsmittel der künstlichen Zucht verfallen, dabei über das Stadium -der Versuche aber noch nicht viel hinausgekommen ist. Tagsüber ruhen die -Schollen gewöhnlich träge im Sande, und erst gegen Abend beginnen sie zur -Jagd auszuziehen, wobei sie sich unter wellenförmiger Streckung des auch -jetzt flach liegenden Leibes und seiner sehr schmiegsamen Flossen recht -zierlich vorwärts bewegen und dabei die Schwanzflosse gewissermaßen als -die treibende Schiffsschraube benutzen. Die kleineren Arten begnügen sich -mit allerlei Gewürm, Krebs- und Muscheltierchen, aber die großen sind -tüchtige Räuber, die sich selbst an die wehrhaften Rochen wagen. Bedrohte -Plattfische schießen blitzschnell im Zickzack durchs Wasser, um sich dann -schleunigst wieder im schützenden Sande einzupaddeln. - -[Illustration: Abb. 9. Flunder (_Pleuronectes flesus._) -(Phot. von Oberlehrer W. Köhler, Tegel.)] - -Die dem Binnenländer wenigstens von genossenen Tafelfreuden her -bekanntesten Arten sind der stattliche =Steinbutt= (_Rhómbus máximus_), -der eine Länge von 1 kg und ein Gewicht von 35 kg erreichen kann (Abb. -10, Fig. 4), und die wesentlich kleinere =Flunder= (_Pleuronéctes -flésus_), die häufig auch in unseren Binnengewässern gefangen wird, da -sie sich mit Vorliebe in den Strommündungen aufhält und von hier gern -weite Wanderungen stromaufwärts unternimmt (Abb. 9). Da sie sich also mit -Leichtigkeit an Süßwasser gewöhnt, weshalb auch Zuchtversuche mit ihr -viel aussichtsreicher wären, als mit anderen Arten, sind die -allerliebsten kleinen Jungflundern geeignete Aquarienfische, die sehr -viel Vergnügen gewähren, obschon ihre Eingewöhnung und Pflege doch nicht -ganz so einfach ist, wie Brehm angibt. Eine häufige Erneuerung oder eine -sehr starke Durchlüftung des Wassers und ein ganz niedriger Wasserstand -scheinen in Verbindung mit durchaus sparsamer Fütterung die unerläßlichen -Bedingungen für ihr Gedeihen zu sein. Weiter wären noch zu nennen der in -den deutschen Meeren ziemlich seltene, mächtige =Heilbutt= (_Hippoglóssus -vulgáris_), der doppelt so groß und schwer wird wie der Steinbutt, der -=Goldbutt= (=Pleuronéctes platéssa=) und die feiste =Seezunge= (_Sólea -vulgáris_), womit aber die Liste der regelmäßig oder gelegentlich bei uns -vorkommenden Arten noch lange nicht erschöpft ist. Bei der durch -besondere Trägheit ausgezeichneten Seezunge finden wir außer der -Farbanpassung auch noch eine echte =Mimikry=-Erscheinung (Nachäffung -eines giftigen oder sonstwie besonders gefährlichen Tieres durch eine an -sich harmlose und wehrlose Art), wie sie sonst im Reiche der Fische nur -selten vorkommt. Mastermann hat nämlich beobachtet, daß aufgestörte -Seezungen, sobald ihnen das Versteckenspiel nichts mehr nützt, die stark -ausgebildete und mit einem großen, tiefschwarzen Fleck versehene rechte -Brustflosse scharf aufrichten und gleich einem düsteren Todesbanner -ausbreiten, gerade so, wie es das =Petermännchen= (_Trachínus dráco_) -macht, das bekanntlich giftig ist. - -[Illustration: Abb. 10. 1 Dornhai. 2 Nagelroche. 3 Scholl. 4 Steinbutt. 5 -Seeteufel. 6 Knurrhahn. 7 Seehase. 8 Seepferdchen.] - -Es gibt nämlich, obwohl man das früher stark angezweifelt hat, -tatsächlich =giftige Fische=, und ihre Zahl ist sogar durchaus nicht -gering, wenn auch die meisten davon in ihrer Verbreitung auf tropische -und subtropische Gewässer beschränkt sind. Entweder sitzen die -sackartigen Giftdrüsen im Maule und treten beim Bisse des Tieres in -Wirksamkeit, wie es z. B. bei den von den Fischern des Mittelmeers -deshalb sattsam gefürchteten Muränen der Fall ist, oder sie befinden sich -am Grunde durchbohrter oder gefurchter, besonders harter und spitziger, -bisweilen auch wie sprödes Glas abbrechender und in der Wunde stecken -bleibender Stacheln an den Kiemendeckeln, Rücken- oder Schwanzflossen. So -vermag auch das Petermännchen mit seinen scharfen Rückenstacheln recht -empfindlich zu verletzen, und das dann in die Wunde eindringende Gift -zieht etwa dieselben Folgen nach sich, wie ein tüchtiger Skorpionstich, -während sie bei gewissen exotischen Formen noch weit unangenehmer sind. -Obwohl das Fleisch des Petermännchens recht wohlschmeckend und auch -durchaus bekömmlich ist, wollen deshalb die Fischer nicht viel von dem an -sich recht hübschen Fisch wissen, sondern werfen ihn in vielen Gegenden, -wenn er einmal zufällig mit in ihre Netze geriet, wieder ins Meer -zurück, gewissermaßen als eine Art Opfergabe für Petrus, den -Fischerschutzheiligen, wodurch sich auch der auffällige Name des -eigentümlichen Geschöpfs erklären mag. Es bewohnt sandige, aber nicht zu -flache Stellen unserer Meere und wühlt hier seinen stark -zusammengepreßten, messerartigen Leib gewöhnlich so weit im Boden ein, -daß nur die vorstehenden, nach oben gerichteten Augen herausragen. Sowie -sich aber eine Garnele oder ein kleines Fischchen in der Nähe blicken -läßt, schnellt der Räuber mit einem plötzlichen Ruck hervor, erhascht und -verschlingt sein Opfer und läßt sich dann mit zierlichem, wellenförmigem -Schwung wieder zum Boden herabtaumeln, indem er gleichzeitig durch -hastige Bewegungen der langen Bauchflosse eine Sandwolke erzeugt und sich -geschickt in diese einbettet. Gefürchteter noch als unser Petermännchen -ist der gleichfalls zu den Panzerwangen gehörige =Zauberfisch= -(_Synancéja verrucósa_), der im Roten, Indischen und Stillen Meere -vorkommt. Wie das Petermännchen hält sich auch diese Art zwischen Steinen -und Seetangen, halb im Schlamm vergraben, am Meeresgrunde versteckt und -ist für die nackten Füße der zum Baden oder Schwimmen ins Wasser gehenden -Strandbewohner um so gefährlicher, als seine warzige Haut in ihren -Farbentönen so genau der Umgebung entspricht, daß auch das schärfste Auge -ihn kaum von ihr zu unterscheiden vermag. Sobald aber jemand auf ihn -tritt, erhebt er sich, spreizt die Rückenstacheln und bohrt sie tief in -den Fuß des Unglücklichen. Klunzinger lernte Fälle kennen, wo ein solcher -Stich sofortige Ohnmachtsanfälle zur Folge hatte, ja sogar Todesfälle -sollen vorkommen, wenn auch wohl nicht unmittelbar durch den Stich, -sondern wahrscheinlicher durch Brandigwerden der vielleicht schlecht -behandelten Wunde. Bei diesen beiden Arten wie auch bei dem von den -französischen Fischern bestgehaßten =Vipernfisch= (_Trachínus vípera_) -stellt sich das Gift dar als eine bläuliche, leicht opalisierende -Flüssigkeit, die namentlich auf Herz und Rückenmark einwirkt. Bei anderen -Fischen scheint das ganze Blutwasser wenigstens zeitweise giftige -Eigenschaften zu besitzen, weshalb auch ihr Genuß schwere -Gesundheitsstörungen nach sich ziehen kann. Doch scheinen dabei auch -örtliche Verhältnisse eine noch wenig aufgeklärte Rolle zu spielen, indem -das Fleisch der gleichen Fischart je nach seiner Herkunft sehr gefährlich -oder völlig unschädlich sein kann. So fand Johannes Müller auf den -Marschallinseln einen von den Eingeborenen »=Langi=« genannten -makrelenartigen Fisch, dessen Fleisch, wenn es in der Lagune erbeutet -war, heftige Vergiftungserscheinungen zeitigte, sich dagegen als -wohlbekömmlich erwies, wenn die Fische dem freien Meere entstammten. Auch -die Lagunenfische verloren ihre unangenehme Eigenschaft, wenn man sie vor -dem Abtöten für einige Wochen in Brackwasser setzte. Müller vermutet, daß -das Stagnieren des Lagunenwassers mit der Giftwirkung in Zusammenhang -stehe, die ihrerseits in ihren Erscheinungen stark an Alkoholgift -erinnere. Die giftigsten Geschöpfe des Ozeans sind ohne Zweifel die -verschiedenen Arten von Seeschlangen, die freilich nicht etwa mit den -berüchtigten Seeschlangen seefahrender Münchhausens gleichbedeutend sind. -Auch von dem üblen Rufe dieser gefürchteten Tiere haben gewisse Fische -durch eine weit getriebene Mimikry Nutzen gezogen. Selbst ein so geübter -Forscher wie Dahl hielt den ersten derartigen Fisch aus dem Indischen -Ozean, der ihm zu Gesichte kam, zunächst für eine Seeschlange und -erkannte erst bei näherer Untersuchung seine Fischnatur. Der Körper war -ganz schlangenartig, das Flossenwerk bis auf einen schmalen, kaum -wahrnehmbaren Saum rückgebildet, und auch die prachtvolle Färbung der in -den gleichen Meeresteilen lebenden Seeschlangen, hellblau mit -tiefschwarzer Ringelung, fehlte nicht. - -Die oben erwähnten =Muränen=, die den römischen Schlemmern als ein -ausgesuchter Leckerbissen galten und auch heute noch auf den Fischmärkten -der Mittelmeerländer sich großer Beliebtheit erfreuen, haben auf ihrem -glatten, aalartigen und schuppenlosen Fettleib gleichfalls recht hübsche -Zeichnungen aufzuweisen. So ist =Muraéna hélena=, die häufigste Art, auf -gelblichem Untergrunde in reizender Musterung dunkelbraun marmoriert. -Über den Charakter dieser am Meeresgrund in zerklüftetem Gefels und -zwischen Steinblöcken in der Nähe der Küste hausenden Fische ist aber -wenig Rühmliches zu sagen, denn sie gehören zu den zänkischsten, -boshaftesten und gefräßigsten Tieren, worauf schon ihr tief gespaltener, -zahnstarrender Rachen hinweist. Ungeschickte Fischer (man pflegt die -Muränen zu angeln) haben schon oft durch die langen und spitzen Zähne der -wütenden und sich nach Kräften wehrenden Gefangenen empfindliche -Verwundungen davongetragen. Das offene, sich unablässig bewegende Maul -sieht aus, als ob es beständig keife, und es klingt ganz glaubhaft, daß -diese Biester, wenn sie nicht genug Tintenschnecken und Krebse zur -Stillung ihres gewaltigen Hungers finden, sich gegenseitig die Schwänze -abknabbern. Noch aalartiger als die dazu etwas zu hoch gebauten Muränen -sieht der 3 kg lang und 50 kg schwer werdende =Meeraal= (_Cónger -vulgáris_) aus, der gleich unserem Flußaal ein jugendliches Larvenstadium -als Leptocephalus durchmachen muß und schon dadurch seine nahe -Verwandtschaft zu ihm erweist. Auch der Meeraal ist ein gefräßiger -Raubfisch, selbst jedoch wenig schmackhaft, hält sich aber dafür gut im -Aquarium. Gefangen wird er hauptsächlich in dunklen Nächten an mit -Pilchards geköderten Legangeln, und da sein Fleisch sehr niedrig im -Preise zu stehen pflegt, findet es immerhin willige Abnehmer. - -Nicht so häufig wie des Giftes bedienen sich einzelne Fische der -=elektrischen Kraft= zur Abwehr oder zur Lähmung ihrer Beute, und sie -stehen in dieser Beziehung im Tierreiche einzig da. Am meisten ist die -Fähigkeit, elektrische Schläge auszuteilen, bei zwei Süßwasserfischen -ausgebildet, dem südamerikanischen, von Humboldt so glänzend -geschilderten Zitteraal und dem afrikanischen Zitterwels, aber auch einer -der gewöhnlichsten Charakterfische des Mittelländischen Meeres, nämlich -der =Zitterrochen= (_Torpédo marmoráta_) gehört hierher. Dieser flach, -plump und breit gebaute, 1-1/2 kg lang, 1 kg breit und 30 kg schwer -werdende Fisch war gerade seiner allerdings nicht richtig gedeuteten -elektrischen Eigenschaften wegen schon den Alten bekannt und spielte in -ihrer Arzneikunst eine nicht geringe Rolle; namentlich Claudius Galenus, -nächst Hippokrates der berühmteste Arzt des Altertums, empfahl im 2. -Jahrhundert n. Chr. das Auflegen von Zitterrochen auf den kranken -Körperteil, weil sie eine heilsame magnetische Wirkung ausüben sollten. -Die Griechen nannten den Zitterrochen wegen der durch seinen Schlag -hervorgerufenen Lahmlegung des ihn berührenden menschlichen oder -tierischen Körpers Narke, d. h. der Betäubende (daher auch narkotisieren -= betäuben), die Römer Torpedo, d. i. der Lahmleger. In der Tat vermag -ein kräftiger alter Zitterrochen durch seinen Schlag den Arm eines Mannes -zu lähmen, wenn seine elektrische Kraft auch nicht an die des Zitteraals -heranreicht, und es ist deshalb beim Baden in an Zitterrochen reichen -Meeresteilen immerhin eine gewisse Vorsicht angebracht. Nach mehreren, -kurz aufeinander folgenden Entladungen läßt aber die Kraft des Fisches -nach, und schließlich vermag er nur noch ein leises Zittern hervorzurufen -und bedarf dann geraumer Zeit, um seine elektrische Batterie wieder in -leistungsfähigen Zustand zu versetzen. Im Wasser wirkt der Schlag stärker -als in der Luft, und er wird um so heftiger empfunden, je größer die -berührte Fläche ist. Um ihn auszulösen, müssen die positiv-elektrische -Rücken- und die negativ-elektrische Bauchseite des Fisches gleichzeitig -berührt werden, wobei aber schon die Herstellung einer mittelbaren -Verbindung durch ein Stück Tau oder dergleichen genügt, und zwar ist die -Wirkung an der dicksten Körperstelle des Fischleibes am merklichsten. Die -Entladung ist aber auch vom Willen des Tieres abhängig, stellt sich also -erst dann ein, wenn man es genügend reizt. Daß es sich bei alledem -wirklich um elektrische Erscheinungen handelt, ist nicht nur durch die -physiologischen Wirkungen, sondern auch durch chemische Versuche -(Wasserzersetzung, Zerlegung von Jodkalium, Wärmeentwicklung) -unzweifelhaft nachgewiesen. Erzeugt wird die Elektrizität in einem -besonderen, sehr umfangreichen Organ, das zu beiden Seiten des -Rückenmarkes einen beträchtlichen Raum im vorderen Teile des Fischkörpers -ausfüllt und aus zahlreichen, nach Art der Bienenzellen -aneinandergereihten Scheiben oder Platten besteht, die heute von den -meisten Gelehrten als abgeändertes Muskelgewebe gedeutet werden. Vom -vierten Lappen des Kleinhirns entsendet der lobus electricus eine Reihe -von Nervenpaaren in dieses Organ, die sich daselbst rasch aufs feinste -verzweigen, und als eine körnig-schleimige Masse in Form kleiner -Kugelzellen endigen. Die einzelnen Scheibchen sind zu Säulen -zusammengestellt, und zwar beim Zitterrochen so, daß ihre Achsen von der -Rücken- zur Bauchseite gerichtet sind, während sie beim Zitteraal und -Zitterwels in der Längsrichtung des Fischkörpers verlaufen. D'Arsonval, -dem wir die wohl beste und einleuchtendste Erklärung der ganzen, in ihren -Einzelheiten noch rätselhaften Erscheinung verdanken, ist der Ansicht, -daß die Tausende von Zellen im elektrischen Organ bei einer stärkeren -Reizung des Tieres einer augenblicklichen Formveränderung des -Protoplasmas unterliegen, und wenn auch der Spannungsunterschied jeder -einzelnen noch so gering ist, muß doch ihre Gesamtheit eine immerhin -bedeutende Wirkungskraft hervorrufen, wie sie nach den Untersuchungen -Lippmanns stark genug ist, den elektrischen Strom auszulösen. Die -erzeugten Wechselströme verdanken also ihre Entstehung molekularen -Formveränderungen, und damit ist auch ihre Abhängigkeit vom Willen des -Tieres erklärt. Du Bois-Reymond, der sich viel mit den »galvanischen -Batterien« dieser Fische beschäftigte, hat die ganz begründete Frage -aufgeworfen, wie es wohl kommen möge, daß die Zitterfische nicht selbst -die ersten Opfer ihrer Entladungen werden. Eine befriedigende Erklärung -für diese merkwürdige Erscheinung konnte noch nicht gefunden werden, man -muß sich daher einstweilen mit der auch durch Versuche nachgewiesenen -Tatsache begnügen, daß diese merkwürdigen Geschöpfe nicht nur gegen ihre -eigenen, sondern auch gegen von außen zugeführte elektrische Entladungen -gänzlich unempfindlich sind. - -[Illustration: Abb. 11. Nagelrochen (_Raja clavata_), einen Monat alt. -(Phot. von F. Ward.)] - -Die sehr kleinen Jungen des Zitterrochens kommen lebend zur Welt und -gleichen nach Körperbau und Bewegungsart jungen Haien, haben also noch -nicht die flache Rochengestalt. Deren Wirkung wird noch dadurch stark -gesteigert, daß die paarigen Flossen mächtig entwickelt und seitlich weit -ausgebreitet sind, fast wie Fledermausflügel, während Schwanz- und -Afterflosse fehlen und die verkümmerten Rückenflossen dem dünnen, langen -Schwanze aufsitzen, der als ein schmächtiges Anhängsel dem breiten Leibe -entwächst. Der quergestreckte Mund ist ganz auf die Unterseite gerückt, -noch etwas rückwärts und seitwärts von ihm liegen die großen -Kiemenspalten. Über die Lebensweise, die derart gestaltete Fische führen -müssen, kann von vornherein kein Zweifel sein. Es sind träge Bodenfische, -die meist ruhig auf oder im Sande ruhen und nur plötzlich hervorschießen, -wenn sich ihren spähenden Augen etwas Genießbares beut. Zumeist ist -übrigens die Nahrung der Rochen auf Krebstiere und Jungfische beschränkt, -da sie trotz ihrer Größe wegen des eigenartigen Mund- und Zahnbaues -umfangreichere Bissen nicht zu bewältigen vermögen. Wohl aber schwimmen -sie mit ihren breiten Seitenflossen vorzüglich und schießen durchs Wasser -wie Vögel durch die Luft. Das Gebiß ist furchtbar, denn auch die -härtesten Panzerkrebse werden zwischen den kraftvollen Kiefern ohne -Umstände zermalmt. Hauptwaffe der Rochen ist ihr langer Schwanz, mit dem -sie bei Gefahr nach allen Richtungen hin wütend die Fluten durchpeitschen -und dem Gegner die empfindlichsten Verletzungen beibringen, zumal bei -manchen Arten dieses Glied noch mit spitzen, angelartigen Stacheln -besetzt ist, nicht selten sogar hinzutretende Blutvergiftung die -geschlagenen Wunden lebensgefährlich macht. Dies wird schon von dem -kleinen, kaum meterlangen =Nagelrochen= (_Rája claváta_) unserer Küsten -berichtet, bei dem sich die dräuenden Stacheln auch auf der Mittellinie -des Rückens noch fortsetzen (Abb. 11). Diese Art, deren Fleisch im -südlichen England während der Wintermonate gern gegessen wird, pflanzt -sich durch Eier fort, doch ist deren Zahl auf 6-10 beschränkt, und das -ist gut so, denn wenn die geringe Fortpflanzungsfähigkeit der Rochen -nicht wäre, würden diese schädlichen Raubfische vermöge ihrer furchtbaren -Bewaffnung bald ein schädliches Übergewicht in den Meeren erlangen. So -aber schafft die Natur immer wieder den nötigen Ausgleich und stellt das -harmonische Gleichgewicht her. Bei der Nahrungssuche schweift der -Nagelrochen unter wellenförmigen Schaukelbewegungen niedrig über dem -Meeresboden dahin, und sowie seine äußerst empfindliche Unterseite etwas -Genießbares berührt, deckt er es mit seinem breiten Leibe und den großen -Seitenflossen und zermalmt es zwischen seinen harten Kiefern. Im Spielen -kommen diese seltsamen Fische bisweilen aber auch an die Oberfläche -empor, indem sie senkrecht auf- und niedertauchen und dabei zierlich -tänzelnde Bewegungen vollführen. Der gefürchtete =Stechrochen= (_Trygon -pastináca_) der tropischen Küsten hat an seinem langen, dünnen Schwanze -zwar nur einen einzigen Stachel, aber dieser ist sägeartig gezähnt. Kommt -dem gewöhnlich im Sande oder Schlamm bis an die Augen vergrabenen Fisch -etwas Verdächtiges zu nahe, so schwingt er seine Waffe wie eine Peitsche, -und der Stachel verursacht dann gar böse und schmerzhafte, sehr schwer -heilende Wunden. Die sagenumwobenen =Teufelsrochen= (im Mittelmeer findet -sich noch am ehesten _Diceróbatis giórnae_) haben zwar auch den Schwanz -zu einer Peitschenschnur ausgezogen, aber die Stacheln fehlen, denn für -diese Meerungeheuer ist schon ihre fabelhafte Größe genügender Schutz. -Hat man doch schon solche »Seeteufel« von 3-5000 kg Gewicht gefangen, in -deren Maule ein sitzender Mensch bequem Platz hatte und deren Breite 6-9 -kg betrug. Dabei schießen diese mit schier dämonischer Kraft begabten -Ungetüme doch außerordentlich behend durchs Wasser und bewegen sich in -ihm mit Hilfe ihrer zu riesenhaften Fledermausflügeln umgewandelten -Seitenflossen in förmlichen Raubtiersprüngen vorwärts. Harpunierte -Teufelsrochen schnellen sich sogar im Sprung aus dem Wasser heraus, und -wenn sie dann auf das Boot niederfallen, wird dieses durch ihr ungeheures -Gewicht unrettbar zerschmettert. Man verwendet deshalb bei dieser -gefährlichen Jagd ganz besonders gebaute und ausgerüstete Boote mit -luftgefüllten Zinnbehältern. Kennzeichnend für die in kleinen Trupps -zusammenlebenden Teufelsrochen sind zwei armsdicke, meterlange, -fleischige, beständig in Bewegung befindliche Taster am Kopf in der Nähe -der Augen. Vielleicht hat Schiller an dieses so vorsintflutlich anmutende -Scheusal des Meeres gedacht, als er in seinem »Taucher« von »scheußlichen -Klumpen« sang, denn der unförmlich breite Leib mit dem langen -Peitschenschwanz und der widerwärtige Schleimüberzug der schmutzig -gefärbten Haut machen diese furchtbaren Riesenrochen in der Tat zu höchst -abschreckenden Erscheinungen. - -Die Rochen gehören wie die Haie zu den Knorpelfischen; den Übergang -zwischen diesen beiden großen Gruppen mögen uns »des Hammers greuliche -Ungestalt« und der abenteuerlich geformte =Sägefisch= (_Prístis -antiquórum_) vermitteln. Dieser gehört seinem Aussehen nach zu den Haien, -nach seinem inneren Körperbau aber zu den Rochen und ist sehr -ausgezeichnet durch den zu einer bis 2 kg langen Doppelsäge ausgezogenen -Oberkiefer. Mit dieser furchtbaren Waffe soll der Sägefisch kleinere -Fische förmlich zersäbeln, aber auch größeren, selbst Delphinen und Walen -bei lebendem Leibe ganze Stücke Fleisch herausreißen oder die Eingeweide -zum Hervorquellen bringen, um sie zu verschlingen. Sicheres darüber -wissen wir nicht, sind überhaupt über die Lebensweise dieser -absonderlichen Fische erst höchst dürftig unterrichtet. Kann man den -Sägefisch als einen Rochen in Haigestalt bezeichnen, so darf umgekehrt -der auch in der Nordsee gelegentlich vorkommende =Meerengel= (_Rhína -squátina_) ein Hai in Rochengestalt genannt werden. Er ist ein -stumpfsinniger und träger Bodenfisch, ein wahres Faultier des Meeres und -macht seinem schönen Namen wenig Ehre. In diesem Zusammenhange sei auch -gleich noch die verwandte =Seekatze=, Chimäre oder Spöke (_Chimaéra -monstrósa_) erwähnt, ein gar absonderlicher Fisch mit mächtigem Dickkopf, -kegelförmiger Schnauze, aufrichtbarem, gestacheltem Stirnfortsatz (daher -auch »Königsfisch«), dünnem Fadenschwanz (»Seeratte«), flügelartigen -Brustflossen, auffallend stark ausgeprägter Seitenlinie und in -metallischem Grün funkelnden Augen. Sie hat schon im Devon, -wahrscheinlich sogar schon im Silur unmittelbare Vorfahren gehabt, stellt -also ein uraltes Geschlecht dar. Heute fürchten die Fischer ihr -zermalmendes Gebiß, schätzen aber ihre ölreiche Leber zur Bereitung von -Wundsalben. Der =Hammerfisch= (_Zygaéna málleus_) endlich konnte kaum -einen anderen Namen erhalten, weil sein ungefüger Kopf unwiderstehlich an -die Hammergestalt erinnert und um so auffallender wirkt, als die Augen an -den äußersten Enden der knorpeligen Seitenvorsprünge sitzen. Diese wilde -und verwegene scharfbezahnte Bestie wird über 4 kg lang, 2-300 kg schwer -und hält sich zumeist auf schlammigem Meeresboden auf, wo sie heißhungrig -auf die kleineren Rochenarten Jagd macht. - -Die =Haie= selbst gelten als die »Hyänen des Meeres«, und noch -treffender könnte man sie als die »Wölfe der Salzflut« bezeichnen. Ihre -Raubgier und Unersättlichkeit, ihre Hinterlist und Verwegenheit sind -sprichwörtlich geworden. Sie sind eine wahre Geißel der warmen Meere und -werden nicht selten auch dem Menschen gefährlich, verleiden ihm das -erquickende Bad und erschweren ihm das Tauchen nach Perlen und anderen -Meeresschätzen. Immerhin ist auch viel über sie gefabelt, und ihre -Menschenfresserei stark übertrieben und aufgebauscht worden. So viel -dürfte sicher sein, daß die große Mehrzahl der Menschenteile, die man in -erlegten Haien vorfindet, von den Leichen Ertrunkener herrührt. -Vielleicht bilden sich auch unter den Haien in ähnlicher Weise bestimmte -Menschenfresser heraus wie unter den Löwen und Tigern, während anderseits -sowohl aus den nordischen wie aus den tropischen Meeren Beispiele genug -dafür bekannt sind, daß sich Menschen beim Baden oder gelegentlich -irgendwelcher Verrichtungen unbesorgt und ungestraft stundenlang unter -ganzen Scharen von Haifischen tummelten. Natürlich macht Gelegenheit -Diebe, auch im Wasser, und es steht fest, daß Schiffskatastrophen, -Seeschlachten und Erdbeben in Küstenländern immer auch mehr oder minder -auffallende Ansammlungen von Haifischen zur Folge haben, die bei solchen -Gelegenheiten bequem Beute machen und den ins Wasser gefallenen -Menschenkindern ein lebendes Grab bereiten. Besonders arg sollen sie's -während und nach der Seeschlacht von Abukir getrieben haben, und ebenso -zeigten sich nach dem Erdbeben von Messina ungewöhnlich viele Haie. Ein -dort einige Wochen später gefangener _Carchárodon carchárias_ z. B. hatte -die traurigen Reste von nicht weniger als 3 Menschen im Leibe, und zwar -ergab sich aus den genauen Untersuchungen Prof. Condorellis, daß das -Ungetüm die Unglückseligen, die wohl während des Bebens von einer -Flutwelle in die See hinausgespült worden waren, noch lebend verschluckt -haben mußte. Die einzelnen Leichenteile waren noch ganz frisch, wieder -ein Beweis dafür, wie auffallend langsam die Verdauungstätigkeit im -Haifischmagen vor sich geht. Der Seeminenkrieg mit seinen starken -Erschütterungen des Wassers scheint dagegen weniger nach dem Geschmack -der Haie zu sein. Wenigstens wird behauptet, daß die vielen Seeminen im -russisch-japanischen Kriege eine ersichtliche Abwanderung der gerade in -den chinesischen Gewässern sonst sehr zahlreichen Haie bewirkt hätten und -daß die greulichen Raubfische dafür in der Adria ungewöhnlich zahlreich -aufgetreten seien. Letzteres ist nicht zu leugnen und steht wohl damit im -Zusammenhang, daß seit Eröffnung des Kanals von Suez den Haien das -Einwandern vom Indischen Ozean zum Mittelmeer sehr erleichtert worden -ist, weshalb auch am schönen Strande der Riviera manchmal der -Schreckensruf »Ein Hai!« das sorglose Badeleben stört. Im Jahre 1908 -wurde dort ein riesiger Menschenhai gefangen, und selbst in unseren -Meeren kommt dies gelegentlich vor, namentlich bei Helgoland, wo ein im -Januar 1907 mit dem Grundnetz erbeuteter Hai nicht weniger als 3 Zentner -Heringe im Leibe hatte. Die Freßgier dieser Tiere leistet eben -Unglaubliches, und beständig scheint sie nagender Heißhunger zu quälen -und zum gierigen, wahllosen Verschlingen auch der scheinbar -ungeeignetsten Gegenstände anzuspornen. Deshalb findet man in -Haifischmägen oft die absonderlichsten Dinge, namentlich oft Sardinen- -und Konservenbüchsen, wie sie von Bord der Schiffe ins Meer geworfen -werden. Denn die Haie folgen mit Vorliebe den Schiffen, weil es da immer -etwas für sie zu ergattern gibt. Trotz ihrer glänzenden Schwimmleistungen -vermögen sie freilich das Wettrennen mit einem modernen Ozeandampfer -nicht lange auszuhalten, sondern bleiben bald zurück, während sie die -langsamen Segelschiffe tage- und wochenlang umkreisen und sich dann wenig -daraus machen, wenn die Reise von einem Meere in ein anderes geht und von -den Tropen zu den Eisbergen führt oder umgekehrt, weshalb die -Verbreitungsbezirke der einzelnen Arten so schwer gegen einander -abzugrenzen sind. Fangen die Matrosen bei eintretender Windstille an, -sich zu langweilen, dann bietet ihnen der Haifischfang erwünschte -Abwechslung in ihrem eintönigen Dasein. Denn so scharfsinnig, klug und -verschlagen der Hai sonst auch ist, seine grimmige Freßgier verleitet ihn -doch zu den törichtsten Streichen; blindlings schnappt er auch auf den -plumpsten Köder los, und namentlich der Lockung eines tüchtigen -Speckbrockens vermag er nur in den seltensten Fällen zu widerstehen. Um -ihn mit dem unterständigen Maule zu fassen, muß er sich erst auf den -Rücken oder doch auf die Seite wälzen. Unter dem Triumphgeschrei der -Matrosen wird dann das überlistete Meeresungetüm an einer starken Kette -aufs Schiff gezogen, dessen Deck alsbald von seinen dröhnenden, mit -unheimlicher Kraft geführten Schwanzschlägen erzittert. Der Seemann haßt -den Hai mit glühendem Herzen und sucht sich an ihm für das traurige -Schicksal manches Kameraden durch ausgesuchte Grausamkeit zu rächen. -Hageldicht sausen die Hiebe auf den Gefangenen hernieder, Dutzende von -Messern zerwühlen seinen zuckenden Leib, spitze Harpunen durchbohren -seinen Kopf, die riesige Leber fliegt in den bereitgestellten Bottich, -und doch will die gehaßte Bestie nicht verenden, denn die Lebenszähigkeit -der Haie streift ans Unglaubliche. Das Herz soll noch 20 Minuten lang -schlagen, nachdem es dem Körper entnommen wurde. Während die Leber zur -Trangewinnung benutzt wird und die körnige Haut als »Chagrin« mancherlei -Verwendung erfährt, findet das übelriechende Fleisch nur selten einen -Liebhaber, soll aber in unserer Zeit der Fleischteuerung unter der Flagge -des Seeaals doch hin und wieder auf die Fischmärkte eingeschmuggelt -werden. Die Chinesen, die ja von jeher ihre absonderlichen -Geschmackseigenheiten gehabt haben, erblicken aber wenigstens in den -Haifischflossen einen großen Leckerbissen, der es wert ist, mit Gold -aufgewogen zu werden, und der, zu einer Art Gelee verkocht, bei keinem -vornehmen Prunkmahle fehlen darf. Unserem Gaumen aber würde dies klebrige -Gericht kaum sonderlich behagen, denn besser als zum Essen eignen sich -die Haiflossen sicherlich zum -- Leimkochen. Wäre die abstoßende Freßgier -der Haifische und ihre blindwütende Raubsucht nicht, man könnte sie fast -lieb gewinnen, denn sie gehören zweifellos zu den körperlich am besten -ausgerüsteten und zu den geistig am höchsten begabten aller Fische. -Pfeilgeschwind durchschneidet ihr langgestreckter Körper mit der -kraftvollen Schwanzflosse die Wogen, oft so nahe an der Wasseroberfläche, -daß die Rückenflosse über diese hervorsieht; auf weite Entfernungen hin -wittert ihre scharfe Nase Heringsheere und Schellfischzüge, förmlich -planmäßig umstellen sie diese und brechen dann von allen Seiten -gleichzeitig auf die Verwirrten los, jäh im Angriff, blitzschnell im -Zufahren, selbst nicht ganz ungelenk in raschen Wendungen. Ortsgedächtnis -ist den Haien nicht abzustreiten, und auch das sanfte Gefühl der -Elternliebe ist diesen blutdürstigen »Hyänen des Meeres« nicht fremd. -Viele sind vielmehr sorgsame Mütter, und der weite Rachen mit den -mehrfachen Reihen spitz dreieckiger »Drachenzähne« der sichere -Zufluchtsort, in den sich die Jungen beim geringsten Anzeichen von Gefahr -flüchten. - -Die größten Haifischarten sind durchaus nicht zugleich auch die -gefährlichsten. Vielmehr sind gerade der bis 15 kg lang werdende -=Riesenhai= (_Seláche máxima_) der Nordmeere und der ihn noch -übertreffende =Rauhhai= (_Rhínodon typicus_), überhaupt die größte -lebende Fischart, verhältnismäßig harmlose Gesellen, die nach Art der -Wale von allerlei kleinerem Meeresgetier leben und natürlich einer -ungeheuren Menge davon zu ihrer Sättigung bedürfen. Den Walfischjägern -helfen sie auch beim Entspecken der erlegten Meeresriesen mit, kümmern -sich aber nicht im geringsten um den Matrosen, der etwa bei dieser -unangenehmen Arbeit von dem schlüpfrigen Riesenkadaver herab ins Meer -sauste. Vielmehr stellen die mittelgroßen Haie die gefürchteten -Menschenfresser vor. Als ein solcher gilt mit Recht der noch keine 5 kg -lang werdende, sehr schlank gebaute und oberseits schön graublau gefärbte -=Blauhai= (_Carchárias gláucus_), der auch durch Abfressen der -Köderfische und Zerreißen der wertvollen Netze den Fischern im Mittelmeer -Verdrießlichkeiten genug macht, deshalb grimmig von ihnen gehaßt und bei -jeder sich bietenden Gelegenheit schonungslos verfolgt wird. Aber gerade -sein Fang mißglückt oft genug, indem der Fisch das Angeltau durchbeißt -oder mit einem gewaltsamen Ruck zerreißt, nachdem er es sich vorher durch -Herumwälzen mehrfach um den Leib gewickelt hat. Selbst der an Bord -gezogene Blauhai ist durch seine fürchterlichen Schwanzschläge noch ein -sehr achtbarer Gegner, und die Matrosen suchen daher auch immer zuerst -durch Axthiebe den gefährlichen Schwanz vom Rumpfe zu trennen. Noch -furchtbarer ist der stärkere =Weißhai= (_Carchárodon rondeléti_), der mit -einem einzigen Schnapp seiner schrecklich bezahnten Kiefer einen -Menschenleib mitten auseinander zu beißen vermag. Ein solches Ungetüm von -10 kg Länge, 3 kg Körperumfang und 3000 kg Gewicht wurde unlängst an der -kalifornischen Küste gefangen; sein gewaltiger Rachen zeigte eine Breite -von 3/4 kg und eine Spannhöhe von mehr als 1 kg, so daß 2 Kinder bequem -auf dem Unterkiefer sitzen konnten, ohne mit den Köpfen den Gaumen zu -berühren. Auch die kleinen Haie unserer Meere sind verhältnismäßig recht -grimmige Bursche. So schon der nur halbmeterlange =Hundshai= (_Scyllium -canícula_) und der doppelte Größe erreichende, hübsch gefleckte -=Katzenhai= (_Scyllium cátulus_), deren rauhe Haut gern zur Bekleidung -von Säbel- und Degengriffen benutzt wird, da sie der umschließenden Hand -einen festen und sicheren Halt gewährt. Der aufmerksame Strandwanderer -findet zur Zeit der Heringszüge öfters die von den Wogen an den Strand -geworfenen Kadaver dieser kleinen Haie oder auch ihre merkwürdigen, der -Fischerbevölkerung als »Seemäuse« bekannten Eier (Abb. 13). Diese -wunderlichen Dinger sind gestreckt viereckige Hornkapseln von -gelblichbrauner Farbe und an jeder Ecke mit einem langen, gewundenen -Anhang versehen, der wie eine verdorrte Weinranke aussieht und zur festen -Verankerung des Eis an Meeresgewächsen dient. Durch einen schmalen Spalt -an jedem Eiende kann Wasser zu den Kiemen des eingeschlossenen Embryos -gelangen, und der Abschluß der Eischale ist auf eine sinnreiche Weise -derart eingerichtet, daß der reife Junghai zwar leicht einen Ausweg, kein -Feind aber den Zutritt finden kann. Ähnlich sehen auch die Eier der -Rochen aus (Abb. 12). Dagegen gehört der etwa gleichgroße =Dornhai= -(_Acánthias vulgáris_, siehe Abb. 10, Fig. 1) zu den lebend gebärenden -Arten und ist zugleich der geselligste aller Haie. In großen Schwärmen -folgt er den Heringszügen und richtet als einer der freßgierigsten Räuber -gewaltige Verwüstungen unter ihnen an. Seinen Namen führt er deshalb, -weil der vorderste Strahl der beiden Rückenflossen zu einem starken Dorn -entwickelt ist. - -[Illustration: Abb. 12. Rochen-Ei.] - -[Illustration: Abb. 13. Ein Haifisch-Ei (geöffnet).] - -Merkwürdig ist das Verhältnis der größeren Haie zu dem der Makrelengruppe -angehörigen, hübsch gebänderten =Lotsenfisch= (_Naucrátes dúctor_). -Selten nur sieht man einen Hai ohne diese anhänglichen Begleiter. Nach -den Erzählungen der Seeleute sollen die flinken Lotsenfische für den Hai -auf Kundschaft ausziehen und ihn dann zu einem erspähten Bissen -hinführen, von dem sie auch ihren Anteil erhalten. In Wirklichkeit wird -sich die Sache wohl so verhalten, daß sich der Lotsenfisch in der Nähe -des großen Räubers, von dessen Tafel ja auch manches für ihn abfallen -mag, vor anderen Raubfischen sicher fühlt und selbst zu gewandt ist, als -daß ihn sein freßgieriger Freund erhaschen könnte. Also eine auf -Einseitigkeit beruhende Symbiose! -- Diese Erklärung erscheint um so -wahrscheinlicher, als der Lotsenfisch ganz die gleiche Anhänglichkeit -auch gegen Schiffe und Wracks bekundet, immer in der Hoffnung, bei diesen -besonders reichlich und mühelos Nahrung zu finden. - -Während sich mit einem erlegten Hai im allgemeinen nur wenig anfangen -läßt, und der aus ihm gewonnene Ertrag in gar keinem Verhältnis zur Mühe -und Gefahr der Erbeutung steht, gehört ein anderer Riesenfisch des -Meeres, der =Stör= (_Acipénser stúrio_), zu den volkswirtschaftlich -wichtigsten Arten. An ihm ist fast alles verwendbar. Das wohlschmeckende -und nährkräftige Störfleisch wurde schon von den Römern als ein -besonderer Leckerbissen gewürdigt, der mit großer Feierlichkeit unter -Musikbegleitung auf die Tafel gesetzt zu werden pflegte, und erfreut sich -auch bei uns, nachdem man es früher wenig beachtet hatte, steigender -Beliebtheit, seitdem dieser edle Fisch durch den schonungslos betriebenen -Fang so selten geworden ist, daß das Pfund Störfleisch mit 3 Mark und -mehr bezahlt werden muß, also nur noch den wohlhabenden Kreisen -zugänglich ist. Mehr als frisches kommt neuerdings geräuchertes -Störfleisch aus Rußland in den Handel, und auch dieses hat so vielseitige -Eigenschaften, daß ein geschickter Koch es nach Belieben in Schinken, -Beefsteak, Lammsbraten oder Geflügel umwandeln kann. In noch höherem -Ansehen aber steht der aus dem Rogen des Weibchens gewonnene Kaviar, eine -köstliche, aber auch sündenteure Delikatesse, in Güte und Preis nach -Gewinnungs- und Zubereitungsart sehr verschieden. Der billige und -minderwertige, nur oberflächlich gereinigte und unter starkem Salzzusatz -auf Matten an der Sonne getrocknete, dann mit Öl vermengte und mit den -Füßen in Holzfässer eingetretene Preßkaviar ist wenigstens in Rußland -noch Volksnahrungsmittel; in den von mir besuchten Gegenden am Kaspi -vertrat er geradezu die Stelle des Käses. Körniger Kaviar, der in -durchwässerten Sieben durch Peitschen mit Ruten sorgfältig von -anhaftenden Häutchen und sonstigen Unreinlichkeiten befreit und in langen -Trögen schwach durchgesalzen wird, ist bedeutend teurer. Am höchsten -stehen diejenigen Sorten im Preise, die nach dem Abkörnen in leinene -Säckchen kommen und in diesen in Salzlauge gehängt, dann schwach -ausgedrückt und an der Luft getrocknet, nach dem Verpacken in die -bekannten kleinen Holzfäßchen aber beständig unter Eis gehalten werden. -Ein weiteres wichtiges Nebenerzeugnis der Störfischerei ist der aus der -Schwimmblase der Fische gewonnene Leim, der auch beim Stärken der Wäsche -und zur Herstellung von Gelees Verwendung findet. Endlich liefert auch -noch die die Wirbelsäule vertretende Rückenseite des Störs ein Gericht, -das als Wjasiga das Entzücken aller Petersburger und Moskauer Schlemmer -bildet und aus dem sich auch eine wundervolle Pastetenfüllung herstellen -läßt. Im Meere werden gewöhnlich nur vereinzelte Störe erbeutet, ein -Massenfang ist nur im Unterlauf der Ströme möglich, in denen diese Fische -zu Beginn der Laichzeit emporsteigen, wobei die Rogner derart mit Eiern -vollgepfropft sind, daß sie sich nur mühsam fortzubewegen vermögen, -während sonst der Stör zu den flinken Raubfischen zählt. Leider ist seine -Abnahme bei uns infolge lange betriebener Überfischerei eine derart -rasche, unaufhaltsame und allgemeine, daß man in sehr absehbarer Zeit mit -dem völligen Aussterben dieses wertvollen Nutzfisches in unseren -Gewässern zu rechnen haben wird, falls die bisher gescheiterten -Züchtungsversuche nicht schließlich doch noch zu einem Erfolge führen. So -wurden im Weichseldelta 1900 noch 27000 kg Störfleisch erbeutet, 1906 nur -noch 9800 und 1908 gar nur mehr wenige 100 kg. Dagegen hat der -Fischreichtum der russischen Gewässer (es handelt sich dort zumeist nicht -um den eigentlichen Stör, sondern um seinen größeren Vetter, den bis 9 m -lang und bis 1500 kg schwer werdenden =Hausen= [_Acipénser húso_]) bisher -allen Verfolgungen Trotz geboten, wobei aber schwer ins Gewicht fällt, -daß gerade der Störfang dort von altersher aufs strengste geregelt ist -und mit Maß und Vernunft betrieben wird, besonders erfolgreich auch unter -dem Eise der zugefrorenen Wolga. Gerade deshalb aber vermag Rußland -allein aus dem Störfleisch einen Gewinn von mindestens 12 Millionen Rubel -jährlich zu erzielen, und die Bevölkerung ganzer Landstriche findet durch -diesen einzigen Fisch einen guten Lebensunterhalt. Wenn man bedenkt, daß -ein erwachsenes Hausenweibchen bis zu 3 Zentner Kaviar liefert, und das -Pfund davon schon an Ort und Stelle mit 8 Mark bezahlt wird, so wird man -ermessen können, welchen Glücks- und Freudentag der Fang eines solchen -Riesenfisches für den armen Fischersmann bedeutet. - -Der Stör ist jedoch nicht nur ein wirtschaftlich hochwichtiger Fisch, -sondern auch ein naturgeschichtlich besonders interessanter, da er als -letzter Rest eine der ältesten und sonst ausgestorbenen Ordnungen aus dem -Reich der Fische verkörpert und uns lebende Kunde gibt vom Aussehen und -Bau der Wirbeltiere in den Urzeiten der Tierwelt. Sein Körper ist -schlank, die unterständige Schnauze gestreckt und vorgezogen, die Kiefer -zahnlos, und das Schuppenkleid wird ersetzt durch 5 Längsreihen -eigenartiger Knochenschilder, die aussehen wie chinesische Hütchen und -bei jungen Stücken schärfer gekantet sind als bei alten. Auch haben die -dem Laich schon nach 3 Tagen entschlüpfenden Jungen während ihrer ersten -Lebensmonate noch Zähne. Sie streben schon frühzeitig dem Meere wieder -zu, aber über das dortige Leben und Treiben der Störe wissen wir -eigentlich herzlich wenig. - -Ähnliches gilt auch von dem größten und zugleich wehrhaftesten aller -Knochenfische, dem sagenumwobenen, in unzähligen Seefahrergeschichten -verherrlichten =Schwertfisch= (_Xíphias gládius_), dem Todfeinde des -Thuns, dessen Wanderscharen er durch seine ungestümen Angriffe öfters -auseinandersprengt oder von ihrem Wege abdrängt. Da er überdies auch -häufig die wertvollen Riesennetze der Mittelmeerfischer zerreißt, ist er -ihnen verhaßt, und sie jagen ihn deshalb, wo sie nur können. Andere -betreiben diese Jagd aus rein sportlichen Gründen, weil ihr in hohem Maße -der Reiz des Gefährlichen innewohnt. Denn das Schwert, d. h. der -degenförmig bis auf 1-1/2 kg verlängerte Oberkiefer des Xiphias ist in -der Tat eine furchtbare Waffe, deren Wirkung durch das pfeilschnelle -Vorstoßen des großen und kraftvollen Fisches noch wesentlich gesteigert -wird. Mit unwiderstehlicher Gewalt rennt er diese Lanze dem Gegner tief -in den Leib, oder er gebraucht seine Waffe kleineren Beutefischen -gegenüber als Schwert, indem er sie durch seitliche Bewegungen rechts und -links niedersäbelt oder mitten durchschneidet und mit diesem blutigen -Werke nicht aufhört, bis eine ganze Reihe von Schlachtopfern die Walstatt -bedeckt, worauf sich der Raubritter daran macht, sie in aller Ruhe und -Behaglichkeit zu verzehren. Ashby konnte einmal an der Stelle, wo ein -Schwertfisch vor seinen Augen in einem Heringsschwarm gewütet hatte, noch -einen ganzen Scheffel getöteter Heringe aufsammeln. Der Schwertfisch ist -sich seiner Wehrhaftigkeit denn auch gar wohl bewußt und scheut keinen -Gegner, wagt sich erwiesenermaßen sogar an Wale und Haie und ficht mit -ihnen grimmige Kämpfe aus, die zu den großartigsten Schauspielen des -Weltmeeres gehören und bei denen unserem Fisch auch seine ungewöhnliche -Gewandtheit und Schnelligkeit sehr zustatten kommen. Dem Menschen geht er -gewöhnlich scheu aus dem Wege, aber bisweilen scheinen einzelne -Schwertfische nach Nashornart von einer wahren Berserkerwut befallen zu -werden und rennen dann rücksichtslos alles an, was ihnen begegnet, sei es -selbst ein großes Schiff. So erklären sich die gelegentlichen und nicht -selten tragisch endenden Angriffe von Schwertfischen auf Badende oder auf -bemannte Boote, die er durch und durch zu stoßen, so leck zu machen und -zum Sinken zu bringen vermag. Von der furchtbaren Wucht seines Stoßes -kann man sich einen Begriff machen, wenn man z. B. im Britischen Museum -den Kiel eines Ostindienfahrers betrachtet, durch dessen Metallbeschlag -und Holzwerk ein Schwertfisch seine Waffe 55 kg tief hineingetrieben -hatte. Ja es ist sogar ein Fall verbürgt, wo ein in einem Boote sitzender -Matrose von einem Schwertfisch getötet wurde, indem dieser sich aus dem -Wasser emporschnellte und dem Unglücklichen seine Lanze mitten durch den -Leib rannte. Aus alledem läßt sich entnehmen, daß die Jagd auf den -Schwertfisch, von dem nur die umfangreiche Schwanzmuskulatur als -genießbar gilt, ganze Männer verlangt. Sie wird trotzdem von -amerikanischen Sportsmen mit wahrer Leidenschaft betrieben, und zwar -ausschließlich mit der Harpune, da der Fisch auch die stärksten Netze -glatt durchschneidet. Die von sinnloser Angriffslust und wütender -Kampflust ruhelos durchs Meer getriebenen Schwertfische sind gewöhnlich -ganz alte Stücke. Die Jungen führen das gefährliche Schwert überhaupt -noch nicht, sondern dieses bildet sich erst mit zunehmendem Alter ganz -allmählich aus. - -Den Riesen der Meeresfische seien nun auch gleich noch die Zwerge unter -ihnen gegenübergestellt. Will man die Lanzettfischchen schon zu den -echten Wirbeltieren rechnen, so muß hier zunächst _Asymmetron lucayánum_ -erwähnt werden, der bei den Bahamainseln vorkommt und nur 19 mm mißt, -während unser kleinster Süßwasserfisch, der Zwergstichling, immerhin über -50 mm lang wird. Sodann ist nach Krause namentlich das formenreiche -Geschlecht der =Meergrundeln= reich an winzigen, nicht über 25 mm -hinauswachsenden Arten. So durchstreift das durchsichtige =Seeräuberchen= -(_Latrúnculus perlúcidus_) fast unsichtbar die Fluten bei den britischen -Inseln und an einigen anderen europäischen Küsten. Dieses Geschöpfchen -ist um so merkwürdiger, als es nach den Untersuchungen Colletts wie die -meisten Insekten und viele Pflanzen nur ein Jahr lebt und somit das -einzige bekannte Beispiel eines einjährigen Wirbeltiers vorstellt. Im -August entschlüpfen die Jungen dem im Juni oder Juli abgesetzten Laich, -sind schon im Dezember völlig ausgewachsen, bekommen im April die -geschlechtlichen Unterscheidungsmerkmale und sterben sofort nach der -Laichabgabe im Sommer ausnahmslos ab, so daß man in den Herbstmonaten -stets nur junge Seeräuberchen antreffen kann. Die allerkleinste Art ist -aber der =Luzonfisch= (_Mistíchthys luzonénsis_) von den Philippinen, bei -dem die Weibchen durchschnittlich nur 13,5, die Männchen gar nur 10-11 -mm lang werden. Auch diese wahrscheinlich lebend gebärenden Tierchen -sind im Leben bis auf einige schwarze Flecken fast durchsichtig und -werden nach Zeller trotz ihrer Winzigkeit als Speisefische genützt. Sie -werden in besonders eng gewobenen Netzen gefangen, mit Pfeffer und -anderen Gewürzen zubereitet und natürlich mit Stumpf und Stiel verzehrt, -etwa wie bei uns die Stinte, deren übler Geruch ihnen aber abgeht, so daß -sich auch die Europäer sehr mit diesem »Badi« genannten Gericht -befreundet haben. Übrigens hat es auch schon in grauen Urzeiten derart -winzige Fische gegeben. So fand man im roten Sandstein Schottlands -wohlerhaltene Devonfische (_Palaeospóndylus_), die auch nur 12-15 mm -messen und einen ähnlichen Saugmund besitzen, wie unsere Neunaugen, wobei -es freilich einstweilen noch dahingestellt bleiben muß, ob es sich nicht -vielleicht um die Larvenformen eines Panzerfisches handelt. - -Um nochmals auf die zur Überlistung der Beutetiere und zum Verbergen -vor Feinden dienende Farbenanpassung der Fische zurückzukommen, so gibt -es außer der auf den Bodenuntergrund bezüglichen vielfach auch eine -solche, die sich der umgebenden Pflanzenwelt, also den in langen Bändern -wogenden Tangen des Meeres oder den Rohrstrünken und Halmen des -Süßwassers anschmiegt. Geradezu verblüffende Beispiele für die erstere -Gruppe finden wir namentlich unter den Fischen warmer Meere, so den -berühmten =Fetzenfisch= (_Phyllópteryx éques_) der australischen Gewässer -mit seinen zahlreichen Dornfortsätzen und bandartigen Anhängseln, aber -auch schon der bereits in der Nordsee auftretende =Seeteufel= oder -=Angler= (_Lóphius piscatórius_, s. Abb. 10, Fig. 5) sieht wahrlich -abenteuerlich genug aus. »Ein sonder scheußlich, heßlich Tier sollen -diese Meerkrotten sein«, sagt schon der alte Gesner, der eine im -wesentlichen ganz richtige Lebensbeschreibung des Seeteufels gegeben hat, -und in der Tat wird man den absonderlichen Burschen, dessen einer platten -Keule gleichender Leib fast nur aus dem unflätigen, zahnstarrenden -Riesenmaul, dem ungeheuerlichen Dickkopf und dem weiten Magensack zu -bestehen scheint, beim besten Willen nicht schön finden können. Zwischen -den Krautwäldern der Meeresküste liegt er tückisch verborgen, wobei er -sich oft noch mit Hilfe der seehundsartigen Brustflossen in den Sand -eingräbt, und läßt unablässig die merkwürdigen angelartigen Fortsätze auf -Kopf und Rücken im Wasser spielen, die recht gut Würmer vorzutäuschen -vermögen und so hungrige Kleinfische anlocken,[1] denen dann durch -einfaches Aufreißen des gewaltigen Rachens ein frühes Grab in dem -unersättlichen Magen des Anglers bereitet wird. Das Eingraben hat dieser -dabei eigentlich kaum nötig, denn wie Franz bei den Klippen Helgolands -beobachtete, ist die sehr wechselnde Färbung seiner Oberseite, die durch -zahllose, vielfach gezackte und gelappte Linien in der Art, wie wir sie -von den Ammoniten her kennen, ausgezeichnet wird, eine fabelhaft genaue -und bis in die kleinsten Einzelheiten gehende Nachahmung all der -Farbenwirkungen und mannigfaltigen Abschattierungen von Dunkelolivenbraun -und Gelbbraun, die wir bei klarem Wasser in dem von Tangen durchwucherten -Klippenmeer sehen. Erhöht wird diese Wirkung noch dadurch, daß Maul und -Seiten des Fisches mit kleinen grünbraunen Bartelfortsätzen besetzt sind, -die in ihrer lappigen Gestalt täuschend den umgebenden Algen gleichen. -Wenn auch der wehrhafte Angler Feinde nur wenig zu fürchten hat, so kommt -diese ganze Ausrüstung dem trägen Gesellen doch sehr zustatten beim -Überlisten und Fangen seiner Beute, und diese pflegt deshalb bei seinem -ständig regen Heißhunger so reichlich auszufallen, daß die Fischer, die -den an sich fast ungenießbaren Seeteufel erwischen, ihm wenigstens den -Bauch aufschneiden, um sich die von ihm zahlreich verschluckten und oft -noch ganz frischen Fische anzueignen. - - [1] Guitel bestreitet auf Grund von Aquariumsbeobachtungen diese bisher - allgemein verbreitete Ansicht und glaubt, daß der Angler seine - Opfer durch rasche Vorstöße nach oben erhasche, sich aber - überwiegend von Aas und unbeweglichen Seetieren nähte (?). - -Wo eine weitgehende Farbenanpassung fehlt, hat die erfinderische Natur -durch mannigfache anderweitige Mittel dafür gesorgt, ihre Kinder -wenigstens zeitweise den Nachstellungen ihrer Feinde zu entziehen oder -ihnen das Erhaschen ihrer Beute zu erleichtern. Hierher gehört z. B. das -Schießvermögen mancher Fische, auf der anderen Seite dagegen alle -diejenigen Fälle, wo Fische den Räubern des Meeres dadurch ein -Schnippchen schlagen, daß sie das feuchte Element für mehr oder minder -kurze Zeit verlassen und mit dem Aufenthalte auf festem Erdboden oder in -freier Luft vertauschen können, und damit kommen wir auf die viel -erörterte Frage der =fliegenden Fische=. Einen ebenso überraschenden wie -fesselnden Eindruck gewährt es, wenn plötzlich zu beiden Seiten des -Schiffes Scharen von Flugfischen aus dem Wasser emporschießen, -silberglitzernd auseinanderstieben, sich in langem, flachem Bogen über -die Wellen schwingen und endlich ermattet wieder in das gewohnte Element -zurückfallen, oder wenn man in finsterer Nacht das leise Knistern ihrer -Flugflossen hört, das Anprallen einzelner an die Schiffswand merkt und -andere klatschend auf das Deck des hochbordigen Schiffes selbst -herniederfallen -- ihrer Schmackhaftigkeit halber eine hochwillkommene -Zugabe für den Küchentopf der Matrosen. Alle Flugfische sind Kinder der -wärmeren Meere, einige kommen aber schon im Mittelmeer regelmäßig vor, -und deshalb berichten schon die Beobachter aus dem klassischen Altertum -eingehend über dieses Naturwunder, und auch später haben die Forscher -aller Zeiten und Völker die damit zusammenhängenden wissenschaftlichen -Fragen zu lösen und zu lichten versucht, ohne sich doch darüber bis zum -heutigen Tage einig geworden zu sein. So herrscht denn auch heute noch -keine völlige Klarheit auch nur über die Grundfragen, keine Klarheit -darüber, was die Fische eigentlich veranlaßt oder zwingt, das Wasser mit -der Luft zu vertauschen, darüber, ob sie während des Fluges die Richtung -abändern können oder nicht, darüber, ob sie währenddem flügelartig mit -den Flossen schlagen oder diese lediglich als Fall- oder Gleitschirm -benutzen, darüber, was sie nachts so hoch emporträgt, daß sie auf das -Deck der Schiffe niederfallen können, während sich am Tage ihre Flugbahn -stets nur in sehr mäßiger Höhe fortbewegt. Allerdings sind alle solche -Beobachtungen bei der Schnelligkeit und Plötzlichkeit der Erscheinung, -bei dem ungünstigen Stande des auf dem Schiffe befindlichen Beobachters -von oben her und bei der unsicheren Beleuchtung, die das »Atmen« der -Wellenberge und das glitzernde Silberkleid der Fische mit sich bringt, -äußerst schwieriger Art, aber hier wäre ein sehr dankbares Feld für die -wissenschaftliche Tätigkeit des Kinematographen, dem die endgültige -Lösung dieser viel umstrittenen Frage nicht schwer fallen könnte. Suchen -wir aus all den zahllosen, sich oft widersprechenden Berichten und -Streitschriften den wesentlichen Kern herauszuschälen, vergleichen wir -das so Gewonnene miteinander und wägen es sorgsam gegeneinander ab, so -erhalten wir etwa folgendes Bild vom gegenwärtigen Stande unseres Wissens -über das Rätsel der Flugfische. - -Der Fisch schnellt sich pfeilgeschwind und mit großer Wucht aus dem -Wasser empor, und zwar hauptsächlich mit Hilfe des rasche -Schraubenbewegungen vollführenden, kräftigen Schwanzes und durch -Zusammenpressen der ungemein stark entwickelten Seitenmuskulatur. Es ist -also ganz derselbe Vorgang, wie er sich beim wandernden Lachse vollzieht, -wenn er ein Wehr überspringen will. Aber der Flugfisch schießt nicht so -steil, nahezu senkrecht aus dem Wasser wie der verliebte Salmonide, weil -es für ihn ja weniger darauf ankommt, eine möglichst große Höhe zu -erreichen, als vielmehr darauf, sich eine möglichst weite Flugbahn zu -schaffen. Das Herausspringen vollzieht sich daher in mehr oder minder -spitzem Winkel zur Wasserfläche, höchstens in einem solchen von 45°, und -in schräger Richtung, in die der Fisch wahrscheinlich schon vorher im -Wasser seinen Körper eingestellt hat. Sehr erleichtert wird ihm das -Emporschnellen jedenfalls auch noch dadurch, daß er eine ganz -ungewöhnlich große Schwimmblase besitzt, die z. B. bei einer 16 cm langen -Art 9 kg lang und 2-1/2 kg breit ist, so daß für sie durch ringförmige -Ausbuchtungen im Knochengerüst noch besonders Raum geschaffen werden muß, -und 44 _ccm_ Luft faßt, also den Fisch sehr leicht macht und ihm demnach -wohl mehr als Flug-, denn als Schwimmorgan dient. Das Herausschießen -vollzieht sich ohne Rücksicht auf die Bewegung des Windes oder die -Richtung der Wellen, obwohl feststeht, daß es bei völliger Windstille und -spiegelglatter See überhaupt nie stattfindet, demnach die Unterstützung -des Windes an sich zum Flug dieser Geschöpfe unerläßlich erscheint. -Wahrscheinlich fördern auch hastige Schläge mit den mächtigen, zu -Flugorganen umgewandelten Brustflossen das Emporheben in die Luft, denn -wenn man sich in unmittelbarer Nähe befindet, hört man deutlich das -raschelnde und knisternde Geräusch der Flossen. Seitz berechnet die Zahl -der derart vollführten Flatterschläge auf 10-30 in der Sekunde. Ich -selbst habe trotz angestrengtester Aufmerksamkeit und vorzüglichem -Krimstecher solche Flügelschläge mit den Flossen, deren Möglichkeit von -Moebius und du Bois-Reymond überhaupt geleugnet wird, nie zu erkennen -vermocht, gebe aber bei der Schwierigkeit der Beobachtung und der -Kurzsichtigkeit meiner Augen gerne die Möglichkeit einer Selbsttäuschung -zu. Jedenfalls breitet der Fisch, sobald er erst einmal eine gewisse Höhe -erreicht hat, seine Flugflossen wagrecht oder mit einer geringen Neigung -nach oben aus und läßt sich nun durch sie passiv vom Luftstrom tragen. -Soviel scheint sicher zu sein, daß er während des eigentlichen Fluges, -der freilich gar kein echter Flug ist, sondern nur ein fallschirmartiges -Schweben und Gleiten, keine Flatterbewegungen vollführt, daß demnach die -Erscheinung nicht mit dem Flattern der Fledermäuse, dem Gaukeln der -Schmetterlinge oder dem Schwirren der Bienen verglichen werden kann, -sondern höchstens mit dem Schweben der Flughörnchen und Flugechsen oder -mit dem Aufschwirren der Heuschrecken aus dem Wiesengras. Eigentlich ist -es nur ein künstlich verlängerter Sprung. Von einem wirklichen Fliegen, -dieser »Poesie der Bewegung« kann schon deshalb gar keine Rede sein, weil -dazu der Flächeninhalt der Brustflossen trotz ihrer auffallenden Länge zu -gering und vor allem die sie bewegende Muskulatur viel zu schwach ist. -Denn während das Gewicht der Brustmuskulatur zum Gesamtgewichte des -Körpers bei Vögeln sich durchschnittlich wie 1: 6,22 verhält und auch bei -Fledermäusen noch wie 1: 13,6, ist dasselbe Verhältnis bei den besten -Flugfischen nach den Wägungen von Moebius wie 1: 32,4. Ihre Brustmuskeln -müßten also 5,2mal so viel Kraft entwickeln, als die der Vögel oder -2,45mal so viel als die der Fledermäuse, wenn sie den Körper durch -Flossenschläge erheben und in der Luft fortführen sollten. Es ist nun -aber nicht das geringste bekannt, aus dem auf eine solche ausnahmsweise -Steigerung der Muskelkräfte bei Flugfischen geschlossen werden könnte, -die im ganzen Wirbeltierreiche einzig dastehen würde. Allerdings scheint -mir Moebius bei seinen fleißigen und grundlegenden Untersuchungen die -ausgleichende, das Körpergewicht unter Umständen stark erleichternde -Wirkung der ungeheuerlichen Schwimmblase der Flugfische nicht genügend in -Rechnung gezogen zu haben, da er ja nur mit Spiritusexemplaren arbeitete. -Jedenfalls hat er aber darin recht, wenn er auch die Flossenlänge als für -eine wirkliche Flugleistung ungenügend erklärt. Die relative Flächengröße -der Brustflossen ist zwar nur wenig geringer als die der Vogelflügel, -allein ihre relative Länge ist viel kleiner, oft nur halb so groß. Und -doch hängt gerade von ihr hauptsächlich das Maß der Flügelarbeit ab, denn -der Widerstand der Luft wächst im Hundert der Geschwindigkeit, mit der -der Flügel gegen sie schlägt. Da nun die Geschwindigkeit so zunimmt, wie -die Entfernung des in Bewegung gesetzten Flügelpunktes vom -Schultergelenk, so hebt ein Flügelstück, das doppelt so weit entfernt -ist, den Körper mit vierfach größerer Kraft als ein anderes Flügelstück -von gleicher Größe in einfacher Entfernung vom Schultergelenk. Mögen -daher die Brustflossen der Flugfische als Träger der Körperlast fast -ebenso viel leisten wie die Flügel der Vögel, so sind sie doch ihrer -Kürze wegen zum wirklichen Fliegen nicht geeignet. Ich möchte dem noch -hinzufügen, daß ja auch die eigenartig gewölbte Form des Vogelflügels und -seine Fähigkeit zum Verkürzen oder Vergrößern der Fläche während des -Fluges den Brustflossen abgeht, was ebenfalls keine geringe Rolle spielen -dürfte. Es handelt sich bei den Flugfischen nur um starre Gleitflächen, -die ein vorzügliches Schweben, nicht aber ein wechselvolles Fliegen -ermöglichen. Läßt sich demnach die Erscheinung auch nicht mit dem -herrlichen Flugvermögen der Vögel vergleichen, so steht sie als bloßer -Gleit- und Schwebeflug doch entschieden über dem der Flughörnchen und -Flugechsen, sowohl was die Länge der Flugbahn, als auch was ihre -Schnelligkeit anbelangt, wozu freilich der Umstand das meiste beitragen -mag, daß über bewegter See ständig ungleich stärkere Luftströmungen -herrschen, als im stillen Blättermeer des Urwaldes. Die -Fluggeschwindigkeit beträgt immerhin 7-14 Sekundenmeter, die Flugdauer -10-20 Sekunden und (wenn man die kurzen Unterbrechungen beim Eintauchen -in die Wellenkämme nicht mitzählt) selbst bis zu 1 Minute, die -zurückgelegte Strecke bis zu 200 kg und mehr, allerdings gewöhnlich nur -in einer Höhe von kaum einem Meter über dem Meeresspiegel. Also immerhin -ganz ansehnliche Leistungen, die den angestrebten Zweck, nämlich die -Flieger dem gierigen Rachen der Raubfische zu entziehen, vollkommen -erreichen dürften. Der zurückgelegte Weg stellt keine eigentliche -Flugbahn vor, sondern eine parabelähnliche Wurfbahn, deren Form und Länge -abhängt von der Größe der Anfangsgeschwindigkeit, von der Körperlast und -von der Ausdehnung und Neigung der tragenden Flächen; als Werfer des -Körpers dienen, wie schon erwähnt, die stark ausgebildeten -Rumpfseitenmuskeln und der kräftige Schwanz, dessen untere Hälfte gerade -bei den besten Fliegern sehr bezeichnender Weise weit mehr entwickelt ist -als die obere. Anfänglich halten die fliegenden Fische, deren große klare -Augen so vorteilhaft von den bleifarbigen anderer abstechen, den Körper -fast wagrecht, aber allmählich senkt sich das Schwanzende, die -Körperhaltung wird immer schräger und steiler, bis endlich der Schwanz in -einen Wellenkamm eintaucht und nun entweder der ganze Fisch wieder in -seinem eigentlichen Element verschwindet oder aber sich sofort von neuem -abstößt und in gleicher Weise einen zweiten und dritten Flug unternimmt. -In solchen Augenblicken helfen auch die Flügelflossen vielleicht nochmals -durch Flatterbewegungen beim Aufsteigen mit, und in solchen Augenblicken -ist der Fisch auch imstande, die seitherige Flugrichtung willkürlich zu -ändern, was ihm in der Flugbahn selbst bei der rein passiven Art seines -»Fliegens« kaum möglich ist, da er dann als ein mehr oder weniger -willenloses Spielzeug der Windströmungen zu gelten hat. Humboldt hat ganz -recht, wenn er die Fortbewegung der Flugfische mit der eines flach über -das Wasser hingeworfenen Steines vergleicht, der aufschlagend und wieder -abprallend meterhoch über dem Wasser einhersaust. Nun stimmen aber alle -aufmerksamen Beobachter darin überein, daß die Flugbahn sich nicht in -gleichmäßiger Höhe halte, sondern sich mit der Wellenatmung des Meeres -abwechselnd hebe und senke, ähnlich wie der Flug der Möwen und anderer -Wasservögel. Moebius sucht auch diese Eigentümlichkeit auf rein -mechanischem Wege zu erklären und macht dafür die von den Wellen -aufsteigenden dynamischen Luftströmungen verantwortlich. Der wagerecht -über die Wogen hinstreichende Fisch muß emporgehoben werden, sobald er -den höheren Teil der Wellenböschungen erreicht, weil er hier jedesmal dem -von diesen aufsteigenden Luftstrom so nahe kommt, daß dessen Wirkung sich -merklich geltend machen kann, und zwar übernehmen dabei die Furchen der -Brustflossen die Rolle von prächtigen Windfängen. Ihre Form und Lage ist -nämlich derart, daß der aufsteigende Luftstrom, wenn er sie füllt, den -Fisch höher und zugleich vorwärts schieben muß. Sehr gut hiermit stimmt -überein, daß besonders scharfäugige Beobachter gesehen haben wollen, daß -die Brustflossen beim Fluge doch nicht ganz ruhig liegen, vielmehr in -ständiger zitternder Bewegung sich befinden. Es ist eben die von den -Wellen aufsteigende Luft, die diese Zitterbewegung hervorruft. In -ähnlicher Weise erklärt sich auch das Niederfallen von Flugfischen zur -Nachtzeit auf dem Schiffsdeck, während sie doch bei Tage stets wesentlich -niedriger fliegen. Aber sie sehen dann eben das Schiff und nehmen ihre -Flugrichtung von ihm weg und nicht zu ihm hin. Anders bei Nacht, wo sie -in der Finsternis blindlings aus dem Wasser herausfahren und dann von der -Windströmung leicht gegen die Schiffswände getragen werden können. Hier -aber weht, wovon man sich experimentell leicht überzeugen kann, der -anprallende Wind lebhaft nach oben, und in dem Augenblicke, wo die -Flossen in diesen aufsteigenden Luftstrom eintreten, fährt er in ihre -Windfänge und führt den Fisch aufwärts und dann im Bogen über die -Schanzbekleidung hinüber; währenddem hat die eigene Schwere des Fisches -seine Schwebegeschwindigkeit bedeutend vermindert, auf dem Schiffe fährt -ihm nichts mehr hebend unter die Flossen, und so stürzt er denn -unbehilflich und schwerfällig auf das Verdeck nieder, denn -- wirklich -fliegen kann er ja gar nicht. Seeleute werden sich freilich durch diese -einfache und einleuchtende Erklärung nicht irre machen lassen in ihrer -alteingewurzelten Überzeugung, daß das helle Licht der Schiffe es sei, -das in dunkler Nacht die Flugfische unwiderstehlich anziehe und ins -Verderben locke. Im Einklang mit alledem steht es endlich auch, daß in -die Höhe geworfene oder aus der Höhe fallen gelassene Flugfische nicht -den geringsten Versuch zum Fliegen machen, sondern zu Boden fallen wie -jeder andere Fisch. - -Der Umstand, daß Flugfische nur in den warmen Meeren vorkommen, muß zu -der Vermutung führen, daß die dortigen klimatischen Verhältnisse die -Ausbildung des Flugvermögens irgendwie besonders zu begünstigen -vermochten, und vielleicht haben wir wenigstens einen dieser Faktoren in -der Gleichmäßigkeit zwischen Luft- und Wasserwärme zu suchen, durch -welche auch bei empfindlichen Geschöpfen der plötzliche Übergang von -einem Medium ins andere wesentlich erleichtert wurde. Die Frage nach den -äußeren Gründen und treibenden Ursachen, die zur allmählichen Ausbildung -des Flugvermögens bei Fischen geführt haben, ist von den Forschern sehr -verschieden beantwortet worden. Manche meinen, daß dadurch nur -überschäumender Freude am Dasein Ausdruck gegeben werden solle, daß es -sich also nur um eine Art Spiel handle, andere glauben, daß das zeitweise -Bedürfnis nach sauerstoffreicherer Atemluft die Fische zu den Ausflügen -in ein fremdes Element veranlasse. Ich möchte es aber doch mit denen -halten, die in dem Auffliegen nichts als eine Flucht vor größeren -Raubfischen erblicken, denn das ganze Benehmen der Tiere spricht zu -deutlich und zu unverkennbar für diese Auffassung, und das ganze Leben -der Fische ist ja ein ewiger Krieg, ein unablässiges Würgen und -Gewürgtwerden. Dann aber ist das plötzliche Verschwinden in einer anderen -Welt, in die der Gegner nicht zu folgen vermag, sicherlich ein -prächtiges, in seiner naiven Einfachheit schier verblüffendes -Ausfluchtsmittel, und nachdem die Natur einmal darauf verfallen war, -leuchtet es ein, daß unter dem Einflusse der natürlichen Zuchtwahl das -Flugvermögen rasch bis zu einem gewissen notwendigen Grade sich -entwickeln mußte. Wenn die Fische dabei manchmal aus dem Regen in die -Traufe geraten, indem nun Scharen von Möwen, Albatrossen, Fregattvögeln -und anderen beschwingten Fischfressern in der Luft sich über sie -hermachen, so ist dies doch noch lange kein Gegenbeweis, denn einmal ist -die zunächst gegenwärtige Not doch immer die größte und ausschlaggebende, -und sodann sind derartige Fälle doch nicht allzu häufig, indem die -fischfressenden Vögel im allgemeinen mehr in der Nähe der Küsten sich -aufhalten, die Flugfische dagegen meistens in freier See sich tummeln. - -Bei Beurteilung all der angeregten Fragen müssen wir uns immer vor Augen -halten, daß es nicht nur eine Art von Flugfischen gibt, sondern ihrer -vier Dutzende, daß jede davon wieder ihre besonderen Eigentümlichkeiten -hat und daß insbesondere das Flugvermögen verschieden entwickelt sein -wird, so daß sich hier unmöglich alles über einen Leisten schlagen läßt. -Als die besten Flieger dürfen wohl die zur Gruppe der Makrelenhechte -gehörigen Hochflieger mit den ungleich entwickelten Schwanzlappen gelten, -und unter ihnen leistet wiederum der =Schwalbenfisch= (_Exocoétus -vólitans_) das Höchste, was der streng für das Wasserleben zugeschnittene -Fischtypus überhaupt zu leisten vermag. Die zierliche, schlank-rassige -Gestalt, die zartblaue Färbung der Oberseite, die ausdrucksvollen Augen -und die großen durchsichtigen Flügelflossen machen diese Art zu einem -sehr schönen Fisch. Während er mehr der südlichen Tropenzone eigen ist, -wird er in der nördlichen durch den etwas größeren =Springfisch= oder -fliegenden Hering (_Exocoétus exsíliens_) vertreten, der sich durch eine -über die Brustflossen verlaufende braune Binde auszeichnet. Im Mittelmeer -sind namentlich der =Flughahn= (_Dactylópterus vólitans_) und die -=Meerschwalbe= (_Trígla lucérna_) häufig. Der in den indischen Gewässern -heimische fliegende Stachelbarsch oder =Flugdrache= (_Ptérois vólitans_), -der steif wie ein Papierdrachen über die Wogen gleitet, zählt selbst zu -den gefährlichsten Räubern, denn er zerfleischt Fische, die ihn an Größe -um das zwanzigfache übertreffen. Doch nicht nur fliegende Fische gibt es -im Ozean, sondern auch hüpfende und tanzende lehrt er uns kennen. Schon -ehe man die Tropenzone erreicht, sieht man nicht selten halbmeterlange -Fische von ziemlich hohem, aber schmalem Körperbau senkrecht aus dem -Wasser herausspringen, in der Luft sich überschlagen und mit dem Kopfe -voran wieder ins Meer zurückfallen. Es ist dies die allen Seefahrern -wohlbekannte =Bonite= (_Scomber pelamys_), ein Mitglied der -Thunfischgruppe, silberglänzend von Farbe mit schwarzgrauen -Rückenstreifen und Flossen. Ihre Bewegungsart überrascht nicht minder als -der Flug der Schwalbenfische, weil das Aufsteigen aus dem Meere ebenso -senkrecht erfolgt wie das Herabfallen, weil das kobolzartige Umdrehen in -der Luft auch dem oberflächlichsten Beobachter auffällt und weil sie fast -genau auf derselben Stelle wieder ins Meer taucht, von wo sie -aufgestiegen war. Den Grund für diese absonderlichen Turnübungen weiß man -nicht recht anzugeben, vermutet aber, daß es sich bloß um eine Art -Belustigung für den Fisch handelt, daß lediglich spielerischer Übermut -ihn aus dem Wasser heraustreibt, zumal das Tanzen der Boniten nur bei -schönem Wetter, ruhiger See und heiterem Himmel beobachtet wird. - -Als ein Beispiel derjenigen Fische, die den Aufenthalt im Wasser -zeitweise mit dem auf dem Erdboden vertauschen, sei hier der schleimig -aussehende =Schlammspringer= (_Periophthálmus koelreúteri_) genannt, ein -unansehnliches, nur 15 kg langes, aber in mehr als einer Hinsicht höchst -merkwürdiges Geschöpfchen. Nicht nur für Sekunden oder Minuten, sondern -für lange Stunden vermag er das feuchte Element zu verlassen, und er tut -es weniger aus Furcht vor Feinden, als vielmehr in der Absicht, selbst -Beute zu machen und auf dem Festlande nach Kerfen und Schnecken zu jagen. -Ermöglicht wird ihm das durch die außerordentlich enge Beschaffenheit -seiner Kiemenspalten, die die Verdunstung des in den Kiemenhöhlen -befindlichen Wassers lange hintanhält. Schon rein äußerlich hat das an -den tropischen Küsten Afrikas und namentlich im Brackwasser der -Mangrovenwaldungen lebende Tierchen mancherlei Absonderlichkeiten -aufzuweisen. Seine drolligen Froschaugen stehen nämlich dicht beieinander -oben auf dem Kopfe und können in wunderlicher Weise etwas herausgeschoben -oder zurückgezogen werden, sind überhaupt sehr beweglich und sogar mit -Lidern versehen. Die weit nach vorn gerückten Bauchflossen sind -miteinander verwachsen und zeigen ein starkes Haftvermögen, die -Brustflossen sind mit kräftigen Muskelstielen ausgerüstet und können so -am Lande als Beine dienen. Oder der ausruhende Schlammspringer stützt -sich auf sie wie ein Seehund, und wenn er dann mit seinen roten -Glotzaugen gierig nach den im Wurzelwerk der Mangroven herumlaufenden -Fliegen späht, sieht er aus wie ein alter Mann, der sich am -Wirtshaustisch auf beiden Ellbogen lümmelt und sehnsüchtig dem bestellten -Getränk entgegenblickt. Vorsichtig wie eine Katze schleicht dann der -Fisch seinem auserkorenen Opfer Schrittchen für Schrittchen näher, -- ein -mächtiger Satz, und das Kerbtier ist von dem breiten Maule erfaßt. Nicht -selten springt bei solchen Jagden das Tier auch selbst dünne -Mangrovenwurzeln an und klettert geschickt meterhoch an ihnen empor, -indem es sie mit den Fußflossen umklammert und sich mit dem Schwanze -nachschiebt. Gewöhnlich bewegen sich die Tiere auf dem Schlamme in -froschartigen Sprüngen ziemlich langsam und schwerfällig fort, wobei sie -eine sehr bezeichnende Fährte hinterlassen, aber bei nahender Gefahr -rennen sie fast so schnell wie Eidechsen davon und flüchten entweder ins -nahe Wasser oder vergraben sich mit verblüffender Geschwindigkeit im -Schlamme. Sie sind scharfsinnig, aufmerksam und scheu, und es ist deshalb -gar nicht so leicht, einen unversehrten Schlammspringer zu erhaschen, -obwohl sie an geeigneten Örtlichkeiten massenhaft herumwimmeln. Trotzdem -gelangen sie neuerdings öfters lebend nach Deutschland und in die Hände -unserer Liebhaber, halten sich bei geeigneter Pflege in einem größeren -=Aquaterrarium= vortrefflich und geben hier reichlich Gelegenheit zu den -anziehendsten und dankbarsten Beobachtungen. Wer jemals auch nur eine -Stunde lang ihrem unterhaltenden, munteren Tun und Treiben zugeschaut -hat, der wird zu der Überzeugung gelangt sein, hier ein Tier vor sich zu -haben, das biologisch weit mehr Amphibium ist, denn Fisch. Besonders -merkwürdige Beziehungen zwischen den Schlammhüpfern und gewissen -Nacktschnecken (Onchidien) hat Semper aufgedeckt. Diese Onchidien sind -nämlich entsetzlich langsame Geschöpfe, die ihren Feinden rettungslos -verfallen wären, wenn sie nicht außer ihren gewöhnlichen, zum Aufsuchen -der Nahrung dienenden Kopfaugen noch eine ganze Anzahl (wohl an 100) -anderer Augen auf dem Rücken besäßen, die auffallenderweise und im -Gegensätze zu den Kopfaugen ziemlich genau nach dem Typus des -Wirbeltierauges gebaut sind. Keine andere Schneckengattung kann sich -solcher Rückenaugen rühmen. Semper glaubt nun, daß sich die Schnecke, -indem sie mit ihren Rückenaugen die heranhüpfenden Schlammspringer -rechtzeitig wahrnimmt, oft noch sichern kann, freilich nicht durch die -Flucht, sondern dadurch, daß sie den Körper rasch zusammenzieht und aus -gewissen Drüsen, mit denen ihr ganzer Rücken besät erscheint, in Form -unzähliger kleiner Kügelchen ein Sekret herausschleudert, das auf die -Fischhaut eine unangenehme Wirkung auszuüben scheint, denn der von diesem -Sprühregen getroffene Angreifer entfleucht alsbald, und die Schnecke ist -gerettet. Jedenfalls ist es sehr auffällig, daß solche Nacktschnecken mit -Rückenaugen nur da zu finden sind, wo auch Schlammspringer vorkommen, und -daß da, wo diese fehlen, die Onchidien-Arten auch keine Rückenaugen -haben. Nicht alle Schlammspringer scheinen in der geschilderten Weise zu -leben. Wenigstens fand Hickson am Strande von Celebes eine Art, die den -Schwanz immer ins Wasser getaucht hielt, auch wenn sich der Körper -außerhalb desselben befand. Haddon untersuchte die Sache später näher und -stieß auf die merkwürdige Tatsache, daß dieser Fisch mit seiner -entsprechend eingerichteten Schwanzflosse zu atmen vermag, ja so sehr -darauf angewiesen ist, daß er mit der regelrechten Kiemenatmung gar nicht -mehr auskommen kann. Schon mit einer guten Lupe läßt sich ein überaus -lebhafter Blutumlauf in dieser sonderbarsten aller Schwanzflossen -erkennen. Also ein erster Ansatz zu der amphibischen Lebensweise, die -dann bei den afrikanischen Formen zu ungleich größerer Vollkommenheit -gediehen ist. - -[Illustration: Abb. 14. Schützenfisch (_Toxotes jaculator_).] - -Wohl kein Fisch erlangt aber seine Beute auf eine so merkwürdige Weise -wie der =Schützenfisch= (_Toxótes jaculátor_, Abb. 14) und der -=Spritzfisch= (_Chaétodon rostrátus_), jener an den Küsten und in den -Flüssen Hinterindiens, dieser an denen Javas zu Hause. Wo das Ufer -üppigen Pflanzenwuchs aufweist und einzelne Zweige über das Wasser -herüberhangen, da nähern sich ihm diese hübschen Fischchen in kleinen -Trupps und spähen mit großen, lebhaften Augen begehrlich nach den Fliegen -aus, die im Gezweige sitzen. Dann nehmen sie eine bestimmte genau aufs -Korn und spritzen plötzlich aus ihrem Maule einen kleinen Wasserstrahl -nach ihr, und zwar bis meterhoch und mit so unübertrefflicher Sicherheit, -daß das Kerbtier fast regelmäßig getroffen wird, herabfällt und nun -schleunigst verzehrt wird. Ging aber der Schuß daneben, so schwimmt der -Fisch einigemale aufgeregt und verärgert im Kreise herum, wählt sich -einen günstigeren Standpunkt aus und versucht dann sein Weidmannsheil von -neuem. Merkwürdigerweise ist der Schießmechanismus dieser Wasserflinten -wissenschaftlich noch gar nicht näher untersucht, und man weiß eigentlich -nur, daß im Augenblicke des Schießens der Unterkiefer plötzlich -vorgestreckt wird, und daß beim Spritzfisch das Maul überhaupt zu einer -dünnen Röhre verlängert ist. Es ist dies um so verwunderlicher, als die -interessanten Fische nicht nur neuerdings ihren Einzug in die Aquarien -unserer Liebhaber gehalten haben, sondern auch schon von altersher in -ihrer Heimat vielfach zu Hausgenossen des Menschen gemacht wurden, indem -man sich daran ergötzte, ihnen Stäbe mit eingeklemmten Fliegen ins Wasser -zu stellen, um die Geschicklichkeit zu bewundern, mit der sie alsbald die -Kerfe herabschossen. Beim Spritzfisch, der viel seltener in die Flüsse -kommt, wird die Fliegenjagd wohl nur einen Nebenerwerb bilden, denn die -schnabelartige Verlängerung seiner Kiefer, die in so sonderbarem -Gegensatze steht zu der fast kreisförmigen Gestalt seines Körpers und zu -der scharf abgeschnürten Schwanzflosse, weist deutlich darauf hin, daß -seine Hauptnahrung in kleinen Schaltieren besteht, die er eben mit diesem -Schnabel selbst aus engen und tiefen Höhlungen herauszuholen versteht, -wobei ihn seine borstenartige Zahnbildung noch wesentlich unterstützt, -denn der einmal erfaßten Beute ist ein Entrinnen nicht mehr möglich. - -Beide Arten gehören zu der formenreichen und farbenprächtigen Gruppe -der auf die tropischen Meere beschränkten =Schuppenflosser=, die ihren -Namen davon haben, daß das Schuppenkleid bei ihnen auch auf das reich -entwickelte Flossenwerk übergreift, namentlich auf Rücken- und -Afterflosse, und so den sonst im Fischreiche so scharf ausgeprägten -Unterschied zwischen Flossen und Rumpf mehr oder minder verwischt. Es -sind durchgängig kleine Fischchen, die zumeist zwischen den -Korallenbänken ihr lustiges Wesen treiben und die Korallenstämmchen -scharenweise förmlich abweiden, sei es, daß sie die herausschauenden -Korallenpolypen selbst verzehren, sei es die ihnen anhaftende -Kleinlebewelt oder die auf ihnen wuchernden Algen. Ihnen allen gemeinsam -ist ein hoch gebauter, aber seitlich stark zusammengepreßter Rumpf von -nahezu Sphäroidform, aus der auch die kleine, sehr bewegliche Schnauze -und die kurze, scharf abgesetzte Schwanzflosse kaum heraustreten, während -die üppig ausgestalteten anderen Flossen sich ihr sogar unverkennbar -anschmiegen. Ist schon der Spritzfisch mit seinen 5 Querbinden und dem -netten Pfauenaugenfleck auf der Afterflosse ein sehr hübscher Fisch, so -übertreffen seine Verwandten an Metallglanz, Farbenpracht und Eigenart -der Zeichnung doch alles, was wir aus dem Reich der Fische kennen. Sie -sind die Kolibris des Meeres und schwirren wie diese gaukelnd und -farbenschimmernd von Blume zu Blume, sie sind die Paradiesvögel der -Korallenwaldungen und verhalten sich als solche lange still, um dann -plötzlich ihre Farbenpracht in den wundervollsten Gold- und -Silberreflexen aufblitzen, in den lieblichsten Schattierungen aufleuchten -und in den kühnsten Zeichnungen auffunkeln zu lassen, sie sammeln alle -Farben des Regenbogens, alle Lichter des Prismas und alle Schönheit der -kostbarsten Edelsteine in den kristallklaren Fluten Neptuns, bieten dem -entzückten Auge immer neue, immer überraschendere und immer glänzendere -Farbenzusammenstellungen, zeigen sich stets und überall als eine wahre -Farbenorgie der schaffenden Natur im bunten Korallengarten des tropischen -Meeres. Keine Feder vermag diese Schönheit zu beschreiben, kein Pinsel -sie auch nur annähernd wiederzugeben, und wo ein gottbegnadeter Künstler -es doch versucht hat, wird der Laie und überhaupt jeder, der nicht selbst -einen Blick in die Herrlichkeit der Tropen werfen durfte, rasch mit dem -Urteil fertig sein, daß das doch tolle Übertreibung, daß dergleichen in -Wirklichkeit gar nicht möglich sei, daß solch ebenso raffinierte wie -unvermittelte Zusammenstellungen von Rosenrot, Himmelblau, Sammetschwarz, -Schwefelgelb, Grasgrün und Purpurleuchten auf dem reinsten Gold- oder -Silbergrunde doch gar nicht vorkommen könnten, am allerwenigsten in Form -so künstlerisch ausgeklügelter Flecken, Bänder, Streifen, Ringe und -Augen. Es sind eben die reinsten und glänzendsten Farben, die die Natur -überhaupt hervorgebracht hat, und ihre Wirkung wird noch stark erhöht -durch die bewunderungswürdige Art und Weise ihrer Verteilung. Die -glänzendsten Vögel, die buntesten Schmetterlinge, die schimmerndsten -Echsen vermögen damit nicht zu wetteifern. Dazu kommt noch die oft höchst -abenteuerliche Entwicklung des Flossenwerkes, das nicht selten in der -ungewöhnlichsten Weise verlängert und verzerrt ist, seltsam geformte -Stacheln, lang nachschleppende Peitschenschnüre oder aufleuchtende -Schwefelfäden aufweist. Es könnte bei all dieser Buntheit in Form und -Farbe höchst gewagt erscheinen, auch bei den Schuppenflossern noch von -einer Art Schutzkleid sprechen zu wollen, und doch hat man dazu volle -Berechtigung. Das Leben im Korallenwalde ist ja an sich schon so bunt, -daß einfach gefärbte Geschöpfe darin fast mehr auffallen würden, als -lebhaft gezeichnete. Aber der Schutz soll hier auch gar nicht durch eine -Anschmiegung an die Farben der Umgebung erreicht werden, sondern vielmehr -dadurch, daß unvermittelt nebeneinander gestellte Bänder oder -geometrische Figuren in den lebhaftesten Kontrastfarben die natürlichen -Körperumrisse gewissermaßen auflösen, die Form des tierischen Leibes für -das Auge verschwinden lassen. Der Naturforscher bezeichnet diese -absonderliche, aber oft sehr wirksame Art der Schutzfärbung als -=Somatolyse= und kennt sie z. B. auch aus der Vogelwelt her von den -Spechten und von den schönen Hochzeitskleidern gewisser Entenmännchen. -Heuglin erzählt uns, daß man zwischen den Korallenriffen zunächst meist -nichts sehe als ein mattes Schimmern und ein ungewisses Farbenflimmern, -bis es dann plötzlich wie sprühende Funken auseinanderstiebt. Die -anmutigen Bewegungen der Flossenschupper im Korallenwalde vergleicht er -mit denen der lieblichen Laubsänger im grünen Blättermeere des -Buchendoms. Viele Schuppenflosser sind durch ein dunkles Band über Stirn -und Augen ausgezeichnet, so der =Fahnenfisch= (_Chaétodon sétifer_) des -Roten Meeres mit bedeutend verlängertem fünftem Strahl der Rückenflosse -und herrlichem Pfauenaugenfleck auf ihr, der =Korallenfisch= (_Ch. -flávus_) des Indischen Ozeans, tiefgelb mit braunschwarzem Streifen, und -der prachtvolle =Kaiserfisch= (_Ch. imperátor_) des Stillen Ozeans, der -aus veilchenblauem Leibe gelbe, bogige Längsstreifen aufweist und über -der Brustflosse einen sammetschwarzen, schwefelfarb umrandeten Flecken. -Um noch einige der bekanntesten Arten anzuführen, seien weiter kurz -genannt: der =Klippfisch= (_Ch. vitáttus_) der ostafrikanischen Gewässer, -zitronengelb mit schwarzer Streifung, der =Geißler= (_Ch. -macrolepidótus_) mit zwei mächtigen Querbinden und langer Peitschenschnur -an der Rückenflosse, der =Herzogsfisch= (_Ch. diacánthus_) mit azurblauer -Zeichnung auf gelbem, _Ch. semicirculátus_ mit silberweißer auf -dunkelblauem und _Ch. lamárcki_ mit glühend roter auf hellblauem Leibe. -Der =Korallenfisch= (_Scatophágus árgus_) erscheint über und über fein -getüpfelt (Abb. 15). - -[Illustration: Abb. 15. Korallenfisch (_Scatophagus argus_). -(Phot. von Oberl. W. Köhler, Tegel.)] - -Wenigstens eine annähernde Vorstellung dessen, was die Natur an -Farbenpracht in der Welt der Fische zu leisten vermag, kann uns auch ein -Bewohner des Mittelmeeres geben, nämlich die =Seebarbe= (_Múllus -barbátus_). Unbeschreiblich schön ist sie mit ihrem leuchtenden Leibe und -den prunkvollen Goldstreifen schon im Leben, schöner noch im Sterben. -»Nichts Schöneres«, ruft selbst der ernste Seneca aus, »als eine -sterbende Seebarbe! Sie wehrt sich gegen den nahenden Tod, und diese -Anstrengungen verbreiten über ihren Leib das glänzendste Purpurrot, das -später in eine allgemeine Blässe übergeht, während des Sterbens die -wunderherrlichsten Schattierungen durchlaufend.« Die schwelgerischen -Römer der Kaiserzeit verzehrten denn auch die von ihnen höher als alle -anderen Fische geschätzten Seebarben nie, ohne sich vorher an dem -wechselvollen Farbenspiel ihres Todes zu ergötzen. Man legte eigene -Wasserleitungen von den Fischteichen bis zu den Lagerpolstern der Gäste, -damit diese die herrlichen Fische erst lebend bewundern konnten, worauf -die rotgoldenen Barben in den weißen Händen schöner Frauen ihr Leben -aushauchen mußten, um dann schleunigst zu sofortiger Zubereitung in die -Küche zu wandern. Wenigstens darin lag Sinn, denn kaum ein anderer Fisch -steht nach dem Tode so schnell und gründlich ab, wie die feinschuppige -Seebarbe. Obwohl sie kaum 2 kg Gewicht erreicht, sind damals doch -geradezu wahnsinnige Summen für diesen nach Ansicht der Römer -köstlichsten aller Fische bezahlt worden, bis zu 5000, ja selbst 8000 -Sesterzen für das Stück. Auch heute noch bildet die Seebarbe ein -beliebtes und gern gekauftes Schaustück der italienischen und -gelegentlich auch der westenglischen Fischmärkte, und ihr zartes Fleisch -soll in der Tat vortrefflich munden. Wer aber weiß, daß diese Barben sich -von den ekelsten Abfallstoffen des Meeres ernähren und mit Vorliebe die -Leichen der Schiffbrüchigen benagen, wird wenig Appetit darauf verspüren. -Die durch eine auffallend hohe Stirn und zwei Bartfäden an der Unterlippe -ausgezeichnete, im übrigen schlank und regelrecht gebaute Seebarbe hält -sich gewöhnlich auf schlammigem Meeresgrunde auf, den sie mit ihrer -stumpfen Schnauze auf der Suche nach etwas Genießbarem nach Schweineart -gehörig durchwühlt und dadurch oft weithin das Wasser trübt. Ein -hervorragend schöner Bewohner des Atlantik, der sich gelegentlich bis in -unsere Gewässer verstreicht, ist der nur 1 kg schwer werdende und -ebenfalls ein ziemlich schmackhaftes Fleisch liefernde =Lippfisch= -(_Lábrus míxtus_), das Weibchen am ganzen Körper prachtvoll zinnoberrot -mit wenigen himmelblauen Zeichnungen, das Männchen oberseits herrlich -dunkelblau. Zur Laichzeit wird dieses wundervolle Gewand noch leuchtender -und glühender, ist aber wie bei unserem Stichling augenblicklichem -Wechsel und Farbenverschiebungen unterworfen, die von der jeweiligen -Gemütsstimmung des Tieres abhängig zu sein scheinen. Liebeswerben -verschönt, Eifersucht verhäßlicht ihn. Jenes übergießt seinen Leib mit -schimmernden Tinten, dieses mit mißtönigem Grau. Der Fisch ist nämlich -ebenso eifersüchtig, rauflustig und kampfwütig wie unser Stechbüttel und -soll auch gleich diesem eine Art Brutpflege ausüben. Eine andere -Lippfischart, _L. maculátus_, ist am ganzen Körper prächtig smaragdgrün, -wozu eine blaßgelbe Zeichnung kommt. Ihren Namen haben die sich durch -Munterkeit und Anmut auszeichnenden Lippfische von ihren sehr beweglichen -Wulstlippen, mit denen sie Muscheln von den Meerespflanzen ablesen. - -[Illustration: Abb. 16. Kugelfisch (_Tetrodon fahaka_).] - -Ein weiteres, in seiner Eigenart höchst wirksames Verteidigungsmittel -lernen wir bei dem sonderbaren =Igelfisch= (_Díodon maculátus_) kennen. -Er hat einen kräftigen Papageischnabel, dessen Kinnladen mit einer -elfenbeinartigen, sich je nach der Abnutzung immer wieder ersetzenden -Masse überzogen sind, eine sehr große Schwimmblase, gedrungene Gestalt -und den ganzen Körper mit spitzen Dornen und Stacheln besetzt. Gerät er -in Gefahr, so zieht er hastig Luft ein, füllt damit den ungeheuren, -dünngewebigen, die ganze Bauchhöhle einnehmenden Kropf an, während eine -den Schlund umgebende Muskelschicht das Entweichen der eingepumpten Luft -verhindert, bläst sie so zu einer vollkommenen Kugel auf und wirft sich -gleichzeitig auf den Rücken, so daß die Bauchseite an der -Wasseroberfläche schwimmt. Dabei gebärdet sich der kleine Kerl wie ein -zorniger Truthahn, schwimmt immer im Kreise herum, richtet seine Stacheln -drohend auf und ist in diesem Zustande in der Tat fast völlig geschützt -gegen jeden Raubfisch. Wo immer dieser zubeißen will, trifft er auf die -ihm entgleitende, unverschlingbare Kugel und verletzt sich an den spitzen -Stacheln die Lippen, bis er endlich von allen weiteren Versuchen abläßt -und davonschwimmt, worauf der Igelfisch unter vernehmlichem Geräusch die -eingepumpte Luft wieder ausströmen läßt, seine gewöhnliche Gestalt -annimmt und damit auch den Gebrauch seiner Flossen wieder erlangt. Plehn -führt einen Fall an, daß ein von einem Hai verschluckter Igelfisch sich -durch dessen Magen- und Leibeswand hindurchbiß und unbeschädigt ins Freie -gelangte, während der Räuber an den furchtbaren Verletzungen zugrunde -ging. Das geschilderte Gaukelspiel ist nämlich durchaus nicht das einzige -Verteidigungsmittel des tapferen Igelfisches; er vermag vielmehr auch -noch recht empfindlich zu beißen, Wasser von sich zu spritzen, sich -plötzlich schlaff zu machen und zu versenken und auch eine tief -karminrote Absonderung von sich zu geben, über deren Natur und Wirkung -wir allerdings noch völlig im Unklaren sind. Dasselbe Kunststück wie der -Igelfisch bekommen auch die =Kugelfische= (_Tétrodon_) fertig, deren eine -Art, der =Fahak= (_T. fáhaka_), vom Mittelmeer aus in den Nil und seine -Kanäle aufzusteigen pflegt (Abb. 16). Obwohl dieses Tier nicht mit einem -Stachelpanzer prunken kann, trotzt es in der aufgeblasenen Kugelform doch -gleichfalls allen Feinden, denn die Zähne der Raubfische gleiten an -dieser glatten Schweinsblase ab, und die Vögel werden sie von oben her -eher für eine zusammengewehte Schaumblase als für ein eßbares Lebewesen -halten. Nimmt man einen solchen Fisch aus dem Wasser und legt ihn auf die -Handfläche, so bemüht er sich ängstlich, immer noch mehr Luft -einzupumpen, und tut dabei mitunter des Guten zuviel, so daß er -schließlich mit lautem Knall zerplatzt. Die Araberkinder spielen mit -diesen merkwürdigen Fischen wie die unsrigen mit den Maikäfern und -benutzen die aufgeblasenen und ausgetrockneten Tiere als Bälle oder taten -dies doch früher, denn heute werden die Kugelfische als Reiseerinnerung -von den Orientfahrern zu gern gekauft und zu hoch bezahlt, als daß sie -noch der Schar kleiner, braunhäutiger und schönäugiger Rangen zum -Spielzeug dienen könnten. Mit den Igel- und Kugelfischen verwandt ist -noch ein anderer höchst sonderbarer Geselle, der plumpe =Klump-= oder -=Mondfisch= (_Móla móla_), der sie allerdings an Größe um das Vielfache -übertrifft, da er eine Länge von 2-1/2 kg und ein Gewicht von mehr als -300 kg erreicht. Das ungeschlachte Ungetüm sieht mit seiner eines -richtigen Abschlusses entbehrenden Hinterfront fast aus, als wäre es nur -der abgeschnittene Kopf eines noch riesigeren Seeungeheuers. Ein großer -Geistesheld kann der schwerfällige, dunkel olivgrün gefärbte Fisch -unmöglich sein, denn seine Hirnmasse beträgt nur 1/7000 des -Körpergewichts und sein Rückenmark stellt nur ein kurzes, kegelförmiges -Anhängsel zu diesem Zwerghirn vor. Das rauhhäutige, aber schuppenlose -Geschöpf scheint zwar eine weite Verbreitung zu haben, aber doch überall -nur selten vorzukommen. Am ehesten trifft man es noch an sonnigen Tagen -in seitlicher Schlafstellung auf der Oberfläche des Meeres treibend an. -Seiner geringen Beweglichkeit entspricht die Auswahl seiner Nahrung: -Meerespflanzen und allerlei niederes Meeresgetier mit geringer -Eigenbewegung. So unheimlich dieser schwimmende Kopf also auch aussieht, -so harmlos ist er doch, und die Fischer kümmern sich auch nicht viel um -ihn, da das Klumpfischfleisch beim Kochen zu einer leimigen Kleistermasse -zerfällt und sich deshalb mehr als Klebemittel, denn als Speise eignet. -Den Namen Mondfisch haben sie dem Tiere gegeben, weil es ihrer Behauptung -nach bei Nacht einen sanften Mondesglanz ausstrahlen soll. Wahrscheinlich -handelt es sich dabei lediglich um anhaftende Leuchtbakterien, wie der -Klumpfisch überhaupt in besonders hohem Maße von Parasiten bevölkert -wird, denn die anatomische Zergliederung vermochte das Vorhandensein -besonderer Leuchtapparate bisher noch nicht nachzuweisen. Wenn Mondfische -aus dem Wasser genommen werden, so lassen sie einen eigentümlich -stöhnenden Ton hören, von dem man aber noch nicht weiß, wie er zustande -gebracht wird. - -[Illustration: Abb. 17. Knurrhahn (_Trigla hirundo_). -(Phot. von Oberl. W. Köhler, Tegel.)] - -Das bringt uns auf die Lautäußerungen der Fische. Um eine gute Stufe -höher als die unbestimmten und jedenfalls unfreiwilligen Töne des -Mondfisches stehen die Lautäußerungen des in der Nord- und Ostsee -lebenden =Knurrhahns= (_Trígla hirúndo_), die auch freiwillig im Wasser -zum besten gegeben werden (Abb. 17). Unsere Fischer behaupten sogar, daß -bei schwülem Wetter und namentlich vor dem Ausbruch von Gewittern die -Knurrhähne scharenweise an die Oberfläche kämen und dann förmliche -Knurrkonzerte veranstalteten. Mindestens der erste Teil dieser Behauptung -ist richtig, denn es ist an manchen Küsten ein beliebter Sport, solche -auftauchende Knurrhähne mit dem Teschin zu schießen, obwohl ihr trockenes -Fleisch nicht viel wert ist. Erzeugt werden solche Töne durch das -Aneinanderreiben der Kiemendeckelknochen oder verschiedener harter und -nervenreicher Muskeln in der Wand der verhältnismäßig sehr großen -Schwimmblase, die zugleich als wirksamer Resonanzboden dient, so daß eine -ganze Tonstufe zustande kommt, die zwischen dem behaglichen Schnurren -einer Hauskatze und hell quiekenden Tönen auf und nieder führt und es -begreiflich erscheinen läßt, wenn schon Aristoteles von einem -»Meerkuckuck« sprach und unsre Fischer von »Meerpapageien« erzählen. Auch -sonst ist der Knurrhahn ein recht interessanter Fisch. Schon der -groteske, fast viereckige Dickkopf mit dem zahnstarrenden Froschmaul und -den durch Panzerplatten geschützten Glotzaugen, der feinschuppige, nach -hinten zu jäh kegelförmig zugespitzte Rumpf mit dem schmächtigen -Hinterleibe, die prächtige Rosafärbung des Bauches und die mächtig -entwickelten, fast an die Flügel von Nachtschmetterlingen erinnernden -Brustschuppen vereinigen sich zu einem Gesamtbilde von höchster Eigenart. -Das merkwürdigste aber sind je drei lange, fingerartig gegliederte -Anhängsel vor den Brustflossen, die es dem Tiere ermöglichen, auf dem -Meeresgrunde fortzukriechen, ja förmlich zu gehen, wobei der Hinterleib -etwas in die Höhe gehoben wird und seitliche Bewegungen der roten -Schwanzflosse nachhelfen. Im Schwimmen sieht dieser Fisch hochelegant -aus, denn es gleicht einem Fliegen im Wasser, indem die großen, blauen, -metallisch schimmernden Brustflossen wie Flügel abwechselnd ausgebreitet -und zusammengelegt werden. Sie ermöglichen es dem Knurrhahn, der ja mit -seiner artenreichen Sippe der nächste Verwandte der bekannten tropischen -Flughähne ist, sich auch für kurze Strecken aus dem Wasser in die Luft zu -erheben, und wirken dann beim Herablassen als Fallschirme. - -Wenn auch im allgemeinen das Sprichwort »Stumm wie ein Fisch« heute -noch zu Recht besteht, so hat es doch im Laufe der Zeit schon mancherlei -Einschränkungen erfahren, und fast steht zu erwarten, daß wir uns in -dieser Beziehung in Zukunft auf noch größere Überraschungen gefaßt machen -dürfen. Können wir ahnen, welche Offenbarungen der Meeresgrund noch für -uns birgt, sobald wir nur einmal gelernt haben, unser Ohr und unsere -anderen Sinne dort unten frei und ungehindert zu gebrauchen! Sollte im -dunklen Meeresschoße wirklich nur unentwegt das eisige Schweigen des -Todes herrschen, gibt es nicht vielleicht auch für diese abgeschlossene -Tierwelt ein Singen und Klingen, dessen Tonfülle teilnimmt an der großen, -ewig-schönen Symphonie der Natur? So viel wissen wir wenigstens heute -schon sicher, daß es auch lustige Musikanten unter dem Volk der Fische -gibt, Orgelspieler, Leiermänner, Pfeifer, Raßler, Grunzer und Trommler. -Fischer, die das Ohr auf den Rand ihres Bootes legen, können bisweilen -ganz deutlich diese Fischkonzerte aus Tiefen von 10-12 kg herauftönen -hören. Am besten ist das Trommlerkorps ausgebildet. Es sind stattliche, -barschartig gebaute Burschen, diese =Trommelfische= (_Pogónias chrómis_), -die namentlich in den verschiedenen Teilen des Atlantik zu Hause sind. -Die erzeugten Töne klingen bei den einzelnen Arten verschieden. Mit dem -Klange einer Orgel oder Harmonika, selbst mit einem Orchester von Bässen -und Cellis, am passendsten aber wohl mit dem Klange von Maultrommeln hat -man sie verglichen. Die Laute der einzelnen Fische würden für das -menschliche Ohr wohl verloren gehen, aber die Gesamtheit vieler gibt ein -Gelärm von nicht zu beschreibender Eigenart, ein stundenlang -ununterbrochenes, dumpfes, schier unheimlich anmutendes Getrommel, -durchsetzt von hellerem Gurgeln und Glucksen. »Es besteht«, so schreibt -Pechuel-Loesche, »keine Spur von Ähnlichkeit mit Glocken- oder -Harfenklängen, und doch sind die Laute wunderbar genug. Will man sie -recht scharf unterscheiden, so muß man das Ohr fest an den Schiffsbord -drücken. Besser ist es, im Boote ein breites Ruder ins Wasser zu senken -und das freie Ende mit den Zähnen zu beißen, am besten vom Boote aus -gleich den Kopf bis über die Ohren ins Meer zu tauchen, rückwärts -natürlich, um atmen zu können. Da vernimmt man dann in der dunklen Flut -ein allseitig wirr durcheinander gehendes Knurren und Murksen, mit einem -leichten Knirschen und Knarren vermischt.« Die Trommel der geschuppten -Musikanten ist nichts anderes als ihre merkwürdig verzweigte und durch -Zwischenhäute in verschiedene Kammern geteilte Schwimmblase, in die Luft -eingepumpt wird, wodurch die durchlöcherten Trommelfelle in Schwingungen -versetzt werden und die verschiedenartigen Töne zustande kommen. Zu -diesem Zwecke sind auch besondere Trommelmuskeln von auffallend roter -Färbung am Unterleibe eingelagert, die rasche Zusammenziehungen und -Ausdehnungen der Schwimmblase bewirken können. Da sich dabei natürlich -auch das spezifische Gewicht des Fisches verändert und sein Schwerpunkt -sich verrückt, so gerät der Tonkünstler ganz von selbst in tanzende -Bewegung. Ein Tanzliedchen zur Minnezeit im dunklen Meeresschoße! Ja, -wenn Fische reden könnten! Der Umstand, daß bei vielen Arten nur die -Männchen Trommelorgane besitzen, weist darauf hin, daß die Töne in -irgendwelchen Beziehungen zum Geschlechtsleben stehen müssen, also -vielleicht Trommelständchen darstellen, die der verliebte Fisch seiner -Auserkorenen darbringt. Wahrscheinlich werden die erzeugten -Lautäußerungen doch auch irgendwelchen Zweck haben, und die Vermutung -liegt nahe, daß sie der gegenseitigen Verständigung dienen. Sicherlich -darf man aber aus beiden Mutmaßungen die Folgerung ableiten, daß diese -Fische auch ein gewisses, wenn auch modifiziertes Hörvermögen besitzen -müssen, denn sonst hätten ja die Trommelkonzerte gar keinen Sinn. Von dem -2 kg lang werdenden und seines schmackhaften Fleisches halber -hochgeschätzten =Adlerfisch= (_Sciaéna áquila_) behaupten die Fischer, -daß sie seinen Gesang selbst noch aus Tiefen von 50 kg vernehmen und -dadurch die Standplätze dieses scheuen und schwer zu fangenden -Raubfisches feststellen könnten. Prinz Bonaparte nennt das laut tönende -Geräusch, das ein schwimmender Trupp dieser kraftvollen Fische hören -läßt, »fast eine Art Brüllen«. - -Auch das =Fortpflanzungsgeschäft= der Seefische bietet dem denkenden -Beobachter eine Fülle hochinteressanter Ausblicke, zumal verschiedene -Formen der aufopferungsvollsten Brutpflege bei diesen als kaltblütig und -teilnahmslos verschrieenen Geschöpfen weit häufiger vorkommen, als sich -der Laie träumen läßt. Meist ist freilich das Männchen derjenige Teil, -dem die Sorge um die Bewachung, Verteidigung und Aufzucht der -Nachkommenschaft zufällt. So legt das Weibchen des =Seeteufels= seinen -Rogen an Felsen ab, und das Männchen setzt sich dann bis zur völligen -Reife der Eier so fest und ausdauernd auf sie, daß in dem Eierhaufen ein -Abdruck seiner Unterseite verbleibt; die kleinen Zähnchen auf der -Innenseite seiner Bauchflossen dienen wahrscheinlich zum Festhalten der -Eier. Der =Lump= oder =Seehase= (_Cyclópterus lúmpus_, siehe Abb. 10, -Fig. 7), der zur Laichzeit einen rotgefärbten Bauch bekommt, setzt die -Eier unter Klippen ab, wo sie dann das Männchen nach geschehener -Befruchtung mit der Schnauze fest gegen das Gestein drückt und sich -selbst daneben verankert, um den hoffnungsschwangeren Schatz zu bewachen. -Erleichtert wird ihm sein Amt dadurch, daß das die Eier umhüllende Sekret -bald verhärtet und so den Rogen festhält. Fremdkörper, die das Wasser -zwischen die Eier treibt, fängt der Lump mit dem Maule auf und schafft -sie fort. Gegenüber solchen Geschöpfen aber, die sich mit Raubgelüsten -nahen, versteht der Lump keinen Spaß, sondern greift sie tapfer an und -scheut selbst einen Kampf mit dem grimmen Seewolf nicht, den er durch -wütende Bisse oft genug in die Flucht schlägt. In der biologischen -Anstalt auf Helgoland wurde ein Beobachter des brutpflegenden Fisches von -ihm derart in den Finger gebissen, daß Blut floß. Sind die Jungen endlich -glücklich ausgeschlüpft, so heften sie sich auf dem Rücken des besorgten -Vaters fest, und dieser trägt nun die teure Bürde zufrieden nach tieferen -und sichereren Gründen. Der hochrückige, dickköpfige und breitmaulige -Seehase mit der klebrigen, knotenbesetzten Haut ist aber auch noch in -einer anderen Beziehung merkwürdig. Die brustständigen Bauchflossen sind -nämlich zu einer Scheibe verschmolzen, die als Schröpfkopf wirkt, so daß -sich der Fisch, der ein ebenso träger wie schlechter Schwimmer ist, damit -an beliebigen Gegenständen festsaugen kann, selbst an glatten -Glasscheiben, und zwar so innig, daß nach den Berechnungen von Hannox 36 -kg Gewicht erforderlich sind, um einen 20 kg langen Seehasen wieder -loszureißen. Faul liegt das auch in der Nord- und Ostsee häufige Tier so -wochenlang vor Anker und wartet geduldig, bis der Zufall etwas -Genießbares an seinem gefräßigen Maule vorüberführt. Die jungen Seehasen -sind zwar sehr klein, aber doch schon recht vierschrötig gebaut, von -grasgrüner Farbe, und folgen ihrem Vater wie Kücken der Henne. Droht -Gefahr, so saugen sie sich auf dem Rücken und an den Seiten ihres -Beschützers fest und lassen sich von ihm davontragen. Das weichliche und -wässerige Fleisch des Seehasen wird bei uns nur wenig gegessen; anders -ist es aber in nordischen Ländern. Eine ähnliche Lebensweise wie der Lump -führt die =Meergrundel= (_Góbius níger_), einer unserer gemeinsten -Seefische, zeichnet sich aber zugleich als vorzügliche Nestbauerin aus. -Auch sie vermag sich mit den zu einer Saugscheibe verwachsenen -Bauchflossen an Steinen und dergleichen festzusaugen und tut das im -Aquarium auch an der Glasscheibe, durch die sie dann den Beobachter -anstarrt. Nach Eintritt der Ebbe finden sich immer viele Grundeln in den -zurückbleibenden Tümpeln und werden dann von der Jugend mit Handnetzen -herausgefischt, soweit sie nicht den Möwen und Krähen zum Opfer fallen. -Eine Grundelart benutzt nach den Beobachtungen Marshalls zur Nestanlage -die eine Klappe einer abgestorbenen Herzmuschel. Sie legt diese mit der -hohlen Seite nach unten, entfernt den Sand unter ihr, schmiert die -Höhlung der Muschelschale mit ihrem eigenen Körperschleim aus und streut -lockeren Sand über das Ganze, um die Schale so zu beschweren, daß sie an -Ort und Stelle bleibt. Zuletzt scharrt sie einen kurzen Gang in den Sand, -der in den Hohlraum unter der Muschelschale führt. Alle diese Arbeiten -verrichtet allein das Männchen. Erst wenn das Bauwerk nahezu fertig ist, -erscheint das Weibchen und legt seine Eierchen hinein, die vom Männchen -wacker bewacht werden und nach 8-9 Tagen die Jungen entschlüpfen lassen. -Für die Fischerei haben die nur 20 kg langen Meergrundeln keine -Bedeutung. Dies gilt auch vom =Seeskorpion= (_Cóttus scórpius_), obwohl -er beträchtlich größer wird. Nicht gerade zur Freude unserer Fischer -findet er sich oft massenhaft in ihren Netzen. Nur die Leber wird -gelegentlich verzehrt, das Fleisch gilt als ungenießbar und findet -höchstens als Angelköder Verwendung. Überdies fürchten die Fischer den -Stich des häßlichen Fisches, während dieser für den Forscher dadurch von -Interesse ist, daß seine sehr wechselnde Färbung bei aller scheinbaren -Auffälligkeit eine weitgehende Anpassung an den steinigen Meeresgrund -darstellt (Abb. 18). - -[Illustration: Abb. 18. Seeskorpion (_Cottus scorpius_). -(Phot. von Oberl. W. Köhler, Tegel.)] - -[Illustration: Abb. 19. Schlangennadel (_Nerophis aequoreus_) (links -Männchen mit Eiern.) -(Phot. von Oberl. W. Köhler, Tegel.)] - -Höchst eigenartige Formen der Brutpflege finden wir bei den bekannten -=Seepferdchen= (_Hippocámpus antiquórum_, s. Abb. 10, Fig. 8), diesen -lebenden Skeletten, die dem Springer im Schachspiel so ähnlich sehen, auf -den ersten Blick so wenig Fischartiges haben und in den Seewasseraquarien -durch ihr absonderliches Aussehen, die bestechende Anmut ihrer -Bewegungen, ihr lautloses Auf- und Niederschweben, ihr lebhaftes Spielen -und durch die seltsame Beweglichkeit des nach vorn eingerollten Schwanzes -immer zuerst die Aufmerksamkeit der Besucher auf das von ihnen bewohnte -Becken lenken. Schade nur, daß sich die zarten Geschöpfchen im engen -Gewahrsam so schlecht halten, denn sonst wären wir wahrscheinlich über -ihre Lebensweise besser unterrichtet, als es heute trotz ihrer Häufigkeit -der Fall ist. Das verknöcherte Aussehen des Tieres kommt daher, daß die -Haut keine Schuppen führt, sondern mit Knochenplatten ausgelegt ist. Das -Flossenwerk hat eine starke Verminderung erfahren. Während die -Bauchflossen ganz fehlen, sitzen die Brustflossen am Kopfe hinter der -Schnauze, da, wo man die Ohren vermuten sollte. Zur Fortbewegung tragen -sie nur wenig bei, sondern diese wird fast ausschließlich durch die -einzige Rückenflosse bewirkt, die ganz nach Art einer Dampferschraube -arbeitet und das Tier mit einer gewissen feierlichen Langsamkeit durch -die Fluten treibt. Das Seepferdchen ist ein schlechter und unbeholfener -Schwimmer und wird deshalb oft von den Wogen an den Strand geworfen, wo -man dann den kleinen, vertrockneten Leichnam findet und als Andenken an -den schönen Aufenthalt im Nordseebade mit nach Hause nimmt. Der -gewöhnliche Aufenthalt der Seepferdchen ist zwischen Seegräsern und -Tangen, wo sie auch ihre aus allerhand winzigem Getier bestehende Nahrung -finden. Ausruhend legen sie sich an den Wasserpflanzen vor Anker, indem -sie deren Stengel mit ihrem putzigen Schwänzchen umwickeln, das sie also -in ganz ähnlicher Weise gebrauchen wie die Kletteraffen ihren -Rollschwanz. Gewiß sind die Seepferdchen in ihrer steifen Haltung und mit -dem possierlichen, starren Gesichtsausdruck höchst niedliche Tierchen, -aber von besonderer Klugheit, von der die älteren Naturgeschichtsbücher -fabeln, kann keine Rede sein, ihr ganzes Gebaren atmet vielmehr -Eintönigkeit und Langeweile. Allerdings spielen sie ganz hübsch -miteinander, umwickeln sich gegenseitig mit den Schwänzen, was aber auf -rein mechanische Berührungsreize zurückzuführen sein dürfte, und zur -Fortpflanzungszeit scheint es sogar zum Austausch gewisser Zärtlichkeiten -zwischen den verliebten Paaren zu kommen. Das Weibchen klebt seine Eier -auf den Bauch des Männchens, das sie hier befruchtet, worauf dann die -Oberhaut von beiden Seiten her über sie hinwegwuchert und sie in eine -schützende Tasche so lange einschließt, bis die Jungen entschlüpfen, die -sich zunächst still verhalten, später aber durch ihre Unruhe dem Vater -lästig fallen, so daß er sich ihrer zu entledigen sucht und sie durch -eigentümlich knickende Körperbewegungen zur Bruttasche hinaus befördert. -Sie sind dann etwa 1/2 kg lang. Die Weibchen sind bei diesen Fischen -merkwürdigerweise stets lebhafter und auffallender gefärbt als die -Männchen. Also auch das Hochzeitskleid hat der gutmütige, offenbar stark -unter dem Pantoffel stehende Gemahl seiner Holden überlassen. Übrigens -ist den Seepferdchen auch ein nicht unbeträchtliches Farbwechselvermögen -eigen, und noch in anderer Beziehung erinnern sie an die Chamäleons, -indem sie nämlich jedes ihrer wunderlichen Gespensteraugen unabhängig vom -anderen bewegen können. Ganz ähnliche Brutverhältnisse hat auch die ihrem -Namen entsprechend lang und dünn gebaute =Seenadel= (_Syngnáthus ácus_) -aufzuweisen. Auch hier trägt das Männchen die Eier bis zu ihrer völligen -Entwicklung in einer aus zwei fleischigen Längsfalten gebildeten -Bauchtasche mit sich herum, die später eine Klappe zur Entlassung der -jungen Fischchen öffnet. Man hat auch behauptet, daß die kleinen, frei -herumschwärmenden Seenadeln während ihrer ersten Lebenszeit bei Gefahr in -die Bauchtasche des Vaters zurückflüchteten wie die jungen Känguruhs in -den Brutbeutel ihrer Mutter. Nachgewiesen ist das aber nicht. Bei der -ungepanzerten und deshalb mehr wurmartig aussehenden =Schlangennadel= -(_Neróphis aequoreus_) kommt es überhaupt nicht zur Bildung des -Brutbeutels, sondern die Eier bleiben lediglich in 2-3 Reihen dem Bauche -des Männchens angeklebt (Abb. 19). Auch der =Seestichling= (_Gastrósteus -spináchia_) gehört gleich seinem allbekannten Vetter aus dem Süßwasser zu -den Brutpflege treibenden Arten. Er legt seine Nester im Algengewirr an, -ist beträchtlich größer als der Stechbüttel und besitzt 15 freie -Rückenstacheln (Abb. 20). Merkwürdigerweise soll er in Einehe leben und -auch das Weibchen am Brutgeschäft sich beteiligen. - -[Illustration: Abb. 20. Seestichling (_Gastrosteus spinachia_). -(Phot. von E. Steuder, Hamburg.)] - -[Illustration: Abb. 21. Tiefseefisch (_Stomias boa_).] - -Die allergrößten Wunder des Fischreiches aber birgt die =Tiefsee=, und -in ihrem geheimnisvollen Schoße harren noch unzählige Rätsel des -menschlichen Forschergeistes. Noch bringt aus ihr jede Forscherfahrt neue -Formen mit heim, und sie alle bergen eine Unzahl neuer Ausblicke, eine -überraschende Fülle wertvollster Anregungen. Nirgends hat die -schöpferische Natur so schrankenlos in der launenhaften Hervorbringung -absonderlicher, verzerrter, einseitiger und abenteuerlicher Formen -geschwelgt wie gerade hier, und auch die kühnste Phantasie des -schwärmendsten Künstlers vermöchte Gleiches oder auch nur Ähnliches nicht -zu schaffen. Schier ratlos steht der Systematiker dieser erdrückenden -Menge gänzlich von einander abweichender Formen gegenüber, und der -Biologe weiß nicht, an welchem Ende er diese Flut von Rätseln zuerst -anpacken soll. Was heute mühsam genug aufgeklärt erscheint, wird morgen -durch neue, noch seltsamere Entdeckungen wieder über den Haufen geworfen. -Die verwirrende Mannigfaltigkeit der Formen läßt sich oft zurückführen -auf die einseitige Bevorzugung und Ausbildung bestimmter Organe, die bei -verwandten Formen wieder verkümmert und durch die Umbildung anderer -ersetzt sind, wie ja die Natur oftmals den gleichen Zweck auf die -verschiedenste Weise zu erreichen weiß. So kennen wir Tiefseefische mit -gewaltigen Glotzaugen, die bei anderen zur Größe von Stecknadelköpfen -zusammengeschrumpft sind und bei nicht wenigen überhaupt fehlen. Diese -werden aber für ihre Blindheit durch mächtige Fühler entschädigt, die oft -doppelt so lang sind als der ganze Körper. Der =Großschweif= (_Gigantúra -chúni_) hat röhrenförmige Teleskopaugen mit geteilter Netzhaut; dabei hat -die Hauptretina ein wohlentwickeltes Sehvermögen, während die Nebenretina -als ein vorzüglicher Signalapparat, als ein »Sucher« aufgefaßt werden -muß. Bei dem wurmförmigen =Stylophthálmus paradóxus= stehen die Augen auf -fabelhaft langen und dünnen Stielen, die sich erst im Laufe des -Larvenlebens allmählich entwickeln. Das eherne Gesetz des Fressens und -Gefressenwerdens, das fast überall die Gestaltung der Fischwelt -beherrscht, kommt nirgends so scharf und unerbittlich zum Ausdruck, wie -in der scheinbar recht stillen und friedlichen Tiefsee, die in -Wirklichkeit von einem fürchterlichen und erbarmungslosen Kampfe ums -Dasein durchtobt wird. Hier sind so schaudererregende Hechelgebisse am -Platze, wie sie der =Schwarzfisch= (_Melanocétus kréchi_) in seinem -breiten Froschmaule führt, oder _Stomias boa_ (Abb. 21) in seinem -Riesenschlangenkopf, hier kann es zur Bildung von Tieren kommen, die, wie -das =Großmaul= (_Macrophárynx_) oder wie _Eurypharynx pelecanoides_ (Abb. -22) mit dem Pelikanschnabel, eigentlich nur noch aus einem riesenhaften -Rachen mit etlichen unbedeutenden Anhängseln zu bestehen scheinen, oder -bei denen ein gewaltiger, höchst ausdehnungsfähiger Magensack alle -anderen Organe in den Hintergrund drängt. Dies ist z. B. bei _Melanocétus -johnsóni_ der Fall, und infolgedessen kann dieses Fischchen Tiere -verschlingen, die es an Körpergröße gut um das Doppelte übertreffen. Zu -ihrer Herbeilockung trägt es über der Schnauze noch eine lange Angelrute, -in deren Spitze ein Leuchtorgan sitzt. Gegenüber solchen Untieren darf -ein nach Art des _Cerátias uranóscopus_ gebauter Tiefseefisch (Abb. 23) -wohl als eine ausnehmend reguläre und anmutige Erscheinung gelten. - -[Illustration: Abb. 22. Tiefseefisch (_Eurypharynx pelecanoides_).] - -[Illustration: Abb. 23. Tiefseefisch (_Ceratias uranoscopus_).] - -So außerordentlich verschieden und mannigfaltig auch Form und Lage -solcher =Leuchtkörper= sind, so sind sie histologisch nach den schönen -Untersuchungen Brauers doch ausnahmslos zurückzuführen auf mit -Sekretkörnern angefüllte Drüsenzellen, die als die eigentlichen -Lichterzeuger anzusehen sind, während alle übrigen Bestandteile der -Leuchtorgane nur nebensächliche Bedeutung haben, so der Pigmentmantel und -der Reflektor, deren Rolle ja ohne weiteres kenntlich ist, wie auch -gewisse lichtbrechende Teile des Innenkörpers aller Wahrscheinlichkeit -nach als Linsen wirksam sein dürften. Meist sind die Leuchtdrüsen -geschlossen, und der Leuchtvorgang verläuft demgemäß intrazellulär -(zwischenzellig). Aber es gibt auch Leuchtdrüsen (z. B. bei den -Gonostomiden), die unmittelbar ins Wasser ausmünden, und wo der -Leuchtvorgang erst einsetzt, sobald das Drüsensekret mit dem Wasser in -Berührung kommt, so daß es sich hier unbedingt um einen rein chemischen -Vorgang handelt, der deshalb auch noch nach dem Ableben des Tieres vor -sich gehen kann. Solche Geschöpfe verfügen also über hochmodern -ausgerüstete Scheinwerfer, deren sie sich zum Erkennen und Anlocken von -Beutetieren wie auch zur Abschreckung von Feinden bedienen, wobei aber -noch dahingestellt werden muß, ob die Lichterzeugung vom Willen des -Tieres abhängig ist oder nicht. Die vielfach vorhandenen Vorrichtungen -zum Abblenden machen eigentlich das erstere wahrscheinlicher. Außer -diesen eigentlichen Leuchtorganen sind aber bei Tiefseefischen nicht -selten noch andere, kleinere, zu Hunderten und Tausenden über den ganzen -Rumpf zerstreut, die offensichtlich eine andere biologische Bedeutung -haben müssen. Brauer und andere Forscher neigen der Ansicht zu, daß diese -oft zu hübschen Mustern angeordneten Organe ein vielfarbiges Licht -aussenden, mithin in ihrer Gesamtheit die charakteristische Zeichnung des -Tieres darstellen und somit dieselbe Rolle spielen wie die Pigmente oder -Färbestoffe bei den im Bereich des Sonnenlichtes lebenden Tieren. -Biologisch würden sie demgemäß zum Erkennen der Artgenossen und zum -gegenseitigen Aufsuchen der Geschlechter dienen. In schönster -Übereinstimmung mit dieser Auffassung steht die Tatsache, daß sie sich -nur bei solchen Tiefseefischen finden, die mehr vereinzelt leben und -große Strecken durchschwimmen, während sie bei den seßhaften Grundfischen -und gesellig lebenden Arten als überflüssig nicht zur Ausbildung -gelangen. Etwa ein Fünftel aller Tiefseefische ist im Besitze von -Leuchtorganen, und zwar nimmt deren Leuchtvermögen mit zunehmender -Meerestiefe wieder ab, woraus Brauer folgern möchte, daß sie sich in der -Dämmerungszone ausgebildet haben und hauptsächlich für diese -kennzeichnend sind. - -Die Farben, Sehwerkzeuge, Leuchtlaternen und phosphoreszierenden Organe -der Fische in den verschiedenen Meeresschichten stehen offenbar im -engsten Zusammenhange mit der Verteilung und dem Hinabreichen der -Sonnenstrahlen ins Meereswasser. Es ist also im Meere eine unverkennbare, -wenn natürlich auch Übergänge aufweisende Trennung der Fauna -nach Tiefenschichten und in engster Abhängigkeit von den -Belichtungsverhältnissen durchgeführt. Außerdem haben aber auch die -Tiefseefische noch ihre geographische Verbreitung, denn die Annahme wäre -grundfalsch, daß etwa in den tieferen Wasserschichten annähernd gleiche -Verhältnisse herrschen und deshalb auch ihre Bewohner mehr oder minder -gleichmäßig über den ganzen Meeresboden verbreitet seien. Vielmehr gibt -es auch in der Tiefsee verhältnismäßig eng begrenzte faunistische Bezirke -mit scharfen Schranken in Temperatur, Salzgehalt, Nahrungsverhältnissen -und Bodenbeschaffenheit, die dem Ausdehnungsbestreben und der Vermischung -der einzelnen Arten Grenzen setzen. Die auffallende Tatsache, daß manche -Tiefseefische an beiden Polen vorkommen, ist wohl dahin zu erklären, daß -diese Formen ursprünglich wärmeren Gegenden entstammen und beim Übergang -ins kältere Gebiet, sei es nach diesem, sei es nach jenem Pole hin, durch -gleiche Einflüsse auch die gleiche Umbildung erfuhren. - - * * * * * - - - - - Sachregister. - - -Die mit einem Sternchen (*) bezeichneten Ziffern verweisen auf eine -Abbildung im Text. - - _Acanthias vulgaris_ 58 - _Acipénser huso_ 60 - -- _sturio_ 59 - Adlerfisch 86 - _Amphiprion bicinctus_ 39 - Anchovis 25 - Angler 64, 65 - _Apogonichthys strombi_ 39 - _Asymmetron lucayanum_ 63 - - Blauhai 57 - Bonite 38, 72 - Bremerhaven, Brennpunkt des deutschen Fischhandels 18 - Bücklinge 20 - - _Caranx trachurus_ 39 - _Carcharias glaucus_ 57 - _Carcharodon carcharias_ 54 - -- _rondeleti_ 57 - _Ceratias uranoscopus_ 93, 94* - _Chaetodon diacanthus_ 78 - -- _flavus_ 78 - -- _imperator_ 78 - -- _lamarcki_ 78 - -- _macrolepidotus_ 78 - -- rostratus_ 75 - -- _semicirculatus_ 78 - -- _setifer_ 78 - -- _vitattus_ 78 - _Chimaera monstrosa_ 53 - Chimäre 53 - _Clupea harengus_ 19 - -- _menhaden_ 29 - -- _pilchardus_ 27 - -- _sprattus_ 25 - _Conger vulgaris_ 48 - _Cottus scorpius_ 88, 89* - _Cyclopterus lumpus_ 86 - - _Dactylopterus volitans_ 72 - Delphine 18 - Devonfische 63 - _Dicerobatis giornae_ 52 - _Diodon maculatus_ 80 - Dornhai 45*, 58 - Dorsch 29*, 30-33 - - _Echeneis remora_ 38 - Ellerbeck, Hauptsitz der Sprottenräucherei 26 - _Engraulis encrasicholus_ 29 - _Eurypharynx pelecanoides_ 93* - _Exocoetus exsiliens_ 72 - -- _volitans_ 72 - - Fahnenfisch 78 - Fetzenfisch 64 - _Fierasfer acus_ 38 - Fischmarkt 7, 8 - Fische, fliegende 65 - Fischereiwirtschaft 9 - Flugdrache 72 - Flugfische 65-71 - Flughahn 72 - Flunder 40, 42, 43* - - _Gadus aeglefinus_ 30 - -- _morrhua_ 29*, 30 - _Gastrosteus spinachia_ 91* - Geißler 78 - _Gigantura chuni_ 92 - _Gobius niger_ 87 - Goldbutt 44 - Gonostomiden 94 - Großmaul 93 - Großschweif 92 - Grundschleppnetz 14* - - Hai 16, 38, 54-57, 62 - Haifisch-Ei 58* - Halbmakrele 39 - Hammerfisch 53 - Hausen 60 - Heilbutt 44 - Hering 19-24 - --, fliegender 72 - Heringsräucherei, Räucherofen 24*, 26 - Herzogsfisch 78 - _Hippocampus antiquorum_ 88 - _Hippoglossus vulgaris_ 44 - Hochseefischerei 6, 12 - Hundshai 57 - - Igelfisch 80, 81 - - Kabeljau 16, 30, 31, 33, 39 - Kaiserfisch 78 - Katfisch 17 - Katzenhai 57 - Kaviar 60, 61 - Kieler Sprotten 25 - Klippfisch 33, 78 - Klumpfisch 82, 83 - Königsfisch 53 - Korallenfisch 78 - Korksohlen 17 - Knurrhahn 16, 45*, 83*, 84 - Kugelfisch 81*, 82 - - Laberdan 33 - _Labrus maculatus_ 80 - -- _mixtus_ 80 - Lanzettfischchen 63 - _Latrunculus perlucidus_ 63 - Lebertran 32 - Lengfisch 16 - Lippfisch 80 - _Lophius piscatorius_ 64 - Lotsenfisch 59 - Lump 86, 87 - Luzonfisch 63 - - _Macropharynx_ 93 - Makrele 17, 37*, 38 - Meeraal 48 - Meerengel 53 - Meeresforschung 6 - Meergrundel 63, 87 - Meerpapageien 84 - Meerschwalbe 72 - Meerschweine 18 - _Melanocetus johnsoni_ 93 - -- _krechi_ 93 - _Mistichthys luzonensis_ 63 - _Mola mola_ 82 - Mondfisch 82, 83 - _Mullus barbatus_ 78 - _Muraena helena_ 48 - Muränen 46-48 - - Nagelrochen 45*, 51*, 52 - _Naucratus ductor_ 59 - _Nerophis aequoreus_ 90*, 91 - - _Palaeospondylus_ 63 - _Periophthalmus koelreuteri_ 72 - Petermännchen 16, 44, 46 - Petersfische 41 - Pilchards 29, 48 - Plattfische 40-43 - _Pleuronectes flesus_ 43*, 44 - -- _platessa_ 44 - _Pogonias chromis_ 85 - _Pristis antiquorum_ 53 - _Pterois volitans_ 72 - _Phyllopteryx eques_ 64 - - _Raja clavata_ 51* - Rauhhai 57 - _Rhina squatina_ 53 - _Rhinodon typicus_ 57 - _Rhombus maximus_ 44 - Riesenhai 57 - Rochen 51, 53 - -- -Ei 58* - Rotzungen 17 - - Sägefisch 53 - Sardelle 29 - Sardine 27 - _Scatophagus argus_ 78, 79* - Schellfische 16, 30, 32, 33, 39 - Scherbretterschleppnetz 32 - Schiffshalter 38 - Schlammspringer 72 - Schlangennadel 90*, 91 - Schollen 40*, 41, 45* - Schuppenflosser 76 - Schützenfisch 75 - Schutzfärbung 78 - Schwalbenfisch 72 - Schwarzfisch 93 - Schwertfisch 61, 62 - _Sciaena aquila_ 86 - _Scomber pelamys_ 38, 72 - -- _scomber_ 37* - _Scyllium canicula_ 57 - -- _catulus_ 57 - Seebarbe 78 - Seefisch-Versand 19 - Seegurke 38, 39 - Seehase 17, 45*, 86, 87 - Seehenne 16 - Seekatze 53 - Seenadel 90 - Seepferdchen 45*, 88-90 - Seeratte 53 - Seeräuberchen 63 - Seeskorpion 88, 89* - Seestichling 91* - Seeteufel 45*, 64, 65, 86 - Seezunge 44 - _Selache maxima_ 57 - _Solea vulgaris_ 44 - Somatolyse 78 - Spöke 53 - Springfisch 72 - Spritzfisch 75, 76 - Sprotten, Aufziehen der 25* - Stachelbarsch, fliegender 72 - Stechrochen 52 - Steinbutt 16, 44, 45* - Stöcker 39 - Stockfisch 33 - _Stomias boa_ 92*, 93 - Stör 59, 60, 61 - _Strombus gigas_ 39 - _Stylophthalmus paradoxus_ 92 - _Synanceja verrucosa_ 46 - _Syngnathus acus_ 90 - - _Tetrodon fahaka_ 81*, 82 - Teufelsrochen 52 - Thunfisch 34*-37 - _Thynnus thynnus_ 34* - Tiefseefische 92*, 93*, 94* - _Torpedo marmorata_ 48 - _Toxotes jaculator_ 75* - _Trachinus draco_ 44 - -- _vipera_ 47 - _Trigla hirundo_ 83* - -- _lucerna_ 72 - Trommelfische 85 - _Trygon pastinaca_ 52 - - Vipernfisch 47 - - Weißhai 57 - Weltfischerei 9 - - _Xiphias gladius_ 61 - - Zauberfisch 46 - Zitteraal 48, 49 - Zitterrochen 48-50 - Zitterwels 48 - _Zygaena malleus_ 53 - - * * * * * - - - Naturwissenschaftliche Bildung ist die Forderung des Tages! - - - Zum Beitritt in den »Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde«, laden wir - - alle Naturfreunde - -jeden Standes, sowie alle Schulen, Volksbüchereien, Vereine usw. ein. -- -Außer dem geringen - - _Jahresbeitrag von nur M 4.80_ - -(Beim Bezug durch den Buchhandel 20 Pf. Bestellgeld, durch die Post Porto -besonders.) - -= K 5.80 h. ö. W. = Frs 6.40 erwachsen dem Mitglied $keinerlei$ -Verpflichtungen, dagegen werden ihm folgende große Vorteile geboten: - -Die Mitglieder erhalten laut § 5 als Gegenleistung für ihren -Jahresbeitrag im Jahre 1914 $kostenlos$: - - I. $Die Monatschrift Kosmos, Handweiser für Naturfreunde.$ - Reich illustr. - Mit mehreren Beiblättern (siehe S. 3 des Prospektes). Preis für - Nichtmitglieder M 2.80. - - II. $Die ordentlichen Veröffentlichungen.$ Nichtmitglieder zahlen den - Einzelpreis von M 1.-- pro Band. - - Wilhelm Boelsche, Tierwanderungen in der Urwelt. - Dr. Kurt Floericke, Meeresfische. - Dr. Alexander Lipschütz, Warum wir sterben. - Dr. Fritz Kahn, Die Milchstraße. - Dr. Oskar Nagel, Die Romantik der Chemie. - - Änderungen vorbehalten. (Näheres wird im Kosmos-Handweiser - bekanntgegeben.) - -III. $Vergünstigungen beim Bezuge von hervorragenden -naturwissenschaftlichen Werken$ (siehe Seite 7 des Prospektes). - -[Zeigefinger] =Jede Buchhandlung= nimmt Beitrittserklärungen entgegen und -besorgt die Zusendung. Gegebenenfalls wende man sich an die -Geschäftsstelle des Kosmos in Stuttgart. - - Jedermann kann jederzeit Mitglied werden. - Bereits Erschienenes wird nachgeliefert. - - * * * * * - - - Satzung - - $ 1. Die Gesellschaft Kosmos (eine freie Vereinigung der Naturfreunde - auf geschäftlicher Grundlage) will in erster Linie die Kenntnis - der Naturwissenschaften und damit die Freude an der Natur und das - Verständnis ihrer Erscheinungen in den weitesten Kreisen unseres - Volkes verbreiten. - - $ 2. Dieses Ziel sucht die Gesellschaft zu erreichen: durch die - Herausgabe eines den Mitgliedern $kostenlos$ zur Verfügung - gestellten naturwissenschaftlichen Handweisers (§ 5); durch - Herausgabe neuer, von hervorragenden Autoren verfaßter, im guten - Sinne gemeinverständlicher Werke naturwissenschaftlichen Inhalts, - die sie ihren Mitgliedern $unentgeltlich$ oder zu $einem besonders - billigen Preise$ zugänglich macht, usw. - - $ 3. Die Gründer der Gesellschaft bilden den geschäftsführenden - Ausschuß, den Vorstand usw. - - $ 4. $Mitglied kann jeder werden$, der sich zu einem Jahresbeitrag von - M 4.80 = K 5.80 h. ö. W. = Frs 6.40 (exkl. Porto) verpflichtet. - Andere Verpflichtungen und Rechte, als in dieser Satzung angegeben - sind, erwachsen den Mitgliedern nicht. Der Eintritt kann - $jederzeit$ erfolgen; bereits Erschienenes wird nachgeliefert. Der - Austritt ist gegebenenfalls bis 1. Oktober des Jahres anzuzeigen, - womit alle weiteren Ansprüche an die Gesellschaft erlöschen. - - § 5. Siehe vorige Seite. - - § 6. Die Geschäftsstelle befindet sich bei der $Franckh'schen - Verlagshandlung, Stuttgart$, Pfizerstraße 5. Alle Zuschriften, - Sendungen und Zahlungen (vgl. § 5) sind, soweit sie nicht durch - eine Buchhandlung Erledigung finden konnten, dahin zu richten. - - * * * * * - - - Kosmos - - Handweiser für Naturfreunde - - Erscheint jährlich zwölfmal -- 2 bis 3 Bogen stark -- - und enthält: - -$Originalaufsätze$ von allgemeinem Interesse aus sämtlichen Gebieten der -Naturwissenschaften. Reich illustriert. - -$Regelmäßig orientierende Berichte$ über Fortschritte und neue -Forschungen auf allen Gebieten der Naturwissenschaft. - -$Auskunftsstelle -- Interessante kleine Mitteilungen.$ - -$Mitteilungen über Naturbeobachtungen$, Vorschläge und Anfragen aus dem -Leserkreise. - -$Bibliographische Notizen$ über bemerkenswerte neue Erscheinungen der -deutschen naturwissenschaftlichen Literatur. - - * * * * * - - - Der Handweiser mit seinen illustr. Beiblättern: - - Wandern und Reisen / Aus Wald und Heide / Photographie und - Naturwissenschaft / Technik und Naturwissenschaft / Haus, Garten und - Feld / Die Natur in der Kunst / Natur und Heimatschutz / - - kostet für Mitglieder nichts, während Nichtmitglieder ohne Buchbeilage - jährlich M 2.80 zahlen. - - $Probehefte durch jede Buchhandlung oder direkt.$ - - * * * * * - - - Buchbeigaben für das Jahr 1914: - - Tierwanderungen in der Urwelt. - - Von $Wilhelm Bölsche$. - - -Mit vielen hochinteressanten Bildern und einem farbigen Umschlag nach -Originalzeichnungen von Prof. =Heinrich Harder= in Berlin. - -$Für Nichtmitgl.: In farb. Umschlag M 1.--, K. 1.20 h. ö. W., Frs. 1.35. -In Leinen geb. M 1.80, K. 2.20 h. ö. W., Frs. 2.35.$ - -[Illustration] - -Die Entdeckungen großer und auffälliger, die Erde heute noch bevölkernder -Tierformen haben allmählich stark nachgelassen. Dafür sind der Tierkunde -neue und bedeutsame Aufgaben erwachsen. Eine der brennendsten betrifft -die Verbreitung der Tiere auf der Erde. Warum sind die Säugetiere des -tropischen Amerika grundverschieden von den unter gleicher Zone wohnenden -Säugetieren des tropischen Afrika? Warum leben in Australien noch viele -urweltliche Tiere fort, die sonst überall ausgestorben sind? Diese und -viele andere Rätsel können aber nicht gelöst werden durch die Annahme -einfacher Anpassung an die heutigen Verhältnisse. Geologische Ausblicke -sind dazu nötig; die Tierwelt muß betrachtet werden in ihrer Einordnung -in die andersartigen Landgebiete der Urwelt. Geheimnisvolle Wanderungen -der Tierarten in der vorgeschichtlichen Zeit müssen berücksichtigt -werden. In dieses hochinteressante neue Gebiet führt Bölsches neues Werk, -das zugleich eine Fortsetzung von des Verfassers bekannter Schrift über -Festländer und Meere im Wechsel der Zeiten ist. - - * * * * * - - - Meeresfische. - - Von $_Dr._ Kurt Floericke$. - - =Mit zahlreichen Abbildungen= / $Für Nichtmitglieder: in farbigem - Umschlag geheftet M 1.--, K. 1.20 h. ö. W., Frs. 1.35.$ - - $In Leinen gebunden M 1.80, K. 2.20 h. ö. W., Frs. 2.35.$ - -[Illustration] - -Das Bändchen schließt sich an das des bekannten Autors über die -»Einheimischen Fische« an. Er schildert hier in packender Weise die -wichtigsten Arten der Fische des Meeres und berücksichtigt dabei -besonders die eßbaren Seefische, nicht nur zoologisch, sondern auch in -ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung als wichtiges Volks-Nahrungsmittel. -Der Fang, die weitere Behandlung und der Handel dieser Seefische werden -eingehend beschrieben. Die vielen Abbildungen, die größten Teils nach -Photographien lebender Fische angefertigt sind, erhöhen den Wert des -Buches. - - * * * * * - - - Warum wir sterben? - - Von $_Dr._ Alexander Lipschütz.$ - - =Mit zahlreichen Abbildungen.= - -$Für Nichtmitglieder: In farbigem Umschlag geh. M 1.--, K. 1.20 h. ö. W., - Frs. 1.35 / In Leinwand geb. M 1.80, K. 2.20 h. ö. W., Frs. 2.35.$ - -[Illustration] - -Das Bändchen behandelt ein für jeden denkenden Menschen sehr -interessantes Thema. Der Verfasser geht darin der Frage nach, ob es für -uns Menschen einen natürlichen, nicht durch Krankheit bedingten Tod gibt -und führt dann den Tod als eine natürliche Erscheinung des Alters vor. -Seine naturwissenschaftliche Analyse des Todes läßt der Verfasser in -einen Hymnus auf das schaffende Leben ausklingen. - - * * * * * - - - Die Milchstraße. - - Von $Dr. Fritz Kahn.$ - - =Mit zahlreichen Abbildungen.= - -$Für Nichtmitglieder: In farbigem Umschlag M 1.--, K. 1.20 h. ö. W. Frs. - 1.35:: In Leinen geb. M 1.80 K. 2.20 h. ö. W. Frs. 2.35.$ - -[Illustration] - -Ausgehend vom Weltbild der Alten zeigt der Verfasser, wie durch die -Erfindung des Fernrohrs, der Spektralanalyse und schließlich durch die -Anwendung der Photographie das Weltbild immer mehr erweitert wurde, und -wie man in den letzten Jahrzehnten immer mehr dahin kam, die -systematischen Begriffe des Planetensystems auch auf die Fixsternwelt zu -übertragen. Die Spektralanalyse läßt uns die chemische Natur der Sterne -erkennen, die photographische Platte die Gesetzmäßigkeit der -Sternbewegungen. Diese Forschungen ergeben eine großartige -Entwicklungsgeschichte des Weltalls, in dem man Weltsysteme auf allen -Stufen der Entwicklung vom Urnebel an bis herauf zum höchsten Gebilde, -der Milchstraße, vorfand. Als höchstentwickelte Einheit erscheint uns die -Milchstraße, deren Bau, Größe, Anordnung der Sterne, Sterngruppen -anschaulich geschildert werden. Die Sterne befinden sich im -Milchstraßenstaat in einem Kreislauf, wie unser Blut im Körper. Von der -Peripherie des Systems kreisen kosmische Staubmassen in Spiralbahnen der -Mitte zu, nähern sich gegenseitig und zerschellen in der Nähe des -Zentrums. Dieses Schicksal bot die Nova Persei vor einigen Jahren. Auch -uns widerfährt es einst und wir beginnen dann von neuem den ewigen -Kreislauf des Stoffes und der Kraft, wie wir ihn wahrscheinlich schon -millionenmal durchlaufen haben und finden darin eine großartige ungeahnte -naturwissenschaftliche Auslegung des Unsterblichkeitsgedankens. - - * * * * * - - - Die Romantik der Chemie. - - Von $Dr. Oskar Nagel.$ - - =Mit zahlreichen Abbildungen.= / $Für Nichtmitglieder: In farbigem - Umschlag geheftet M 1.--, K. 1.20 h. ö. W., Frs. 1.35.$ - - $In Leinwand gebunden M 1.80, K. 2.20 h. ö. W., Frs. 2.35.$ - -Kein Wissensgebiet der Menschheit ist so durchaus romantisch und zugleich -vom größten praktischen Nutzen wie die Chemie. Eine unendliche Menge von -neuartigen Stoffen, von denen vergangene Jahrzehnte kaum zu träumen -wagten, ist von der Chemie hergestellt worden. Tausende gelehrter -Chemiker sind in ihren stillen Laboratorien für den weiteren Ausbau -dieser Wissenschaft tätig, tausende von Fabriksschloten erzeugen den Zug, -um das Feuer der chemischen Fabriköfen zu unterhalten. Aus unscheinbaren -Rohprodukten und Abfällen aller Art werden wertvolle Erzeugnisse für -Technik und Industrie, das Heilwesen und das tägliche Leben hergestellt. -Sprengstoffe von fabelhafter Stärke, Farbstoffe von wunderbarer Pracht, -Ersatzstoffe in größter Mannigfaltigkeit, wie Kunstseide, Zelluloid usw. -werden massenweise für den täglichen Gebrauch hergestellt, während die -viele tausend von Grad starke Glut der elektrischen Öfen die Gewinnung -der edelsten und seltensten Stoffe möglich macht. - -[Illustration] - -All dies behandelt in leicht verständlicher, äußerst anregender Weise -»Die Romantik der Chemie«. Der Leser wird, wie auf einem phantastischen -Spaziergange, durch die wunderbaren Werkstätten der Praxis und -Wissenschaft geführt. Mit der Gewinnung des Goldes in den großen -überseeischen Goldfeldern beginnend, durchwandert der Verfasser das ganze -Gebiet der chemischen Industrien, erklärt das Wesen des Erfindens und -Entdeckens und beschließt sein Werkchen mit hochinteressanten Ausblicken -auf die Chemie der Erde und über die Chemie des Lebens. - - * * * * * - - - Wer ein Leser des Kosmos ist, der hat auch - Interesse für seine beiden Gegenstücke: - - - Technische Monatshefte. - -Sie wollen dem Laien, dem Fachmann u. der strebsamen Jugend in Wort und -Bild und in gemeinverständlicher Darstellung Anleitung zum Verständnis -des gesamten Gebietes der modernen Technik bieten. - - $Halbjährlich für 6 Hefte nebst 2 Buchbeilagen - nur M 3.50 / K. 4.20 h. ö. W. / Frs. 4.70.$ - - - Zeiten und Völker. - -Diese Monatsschrift, die interessante reich illustrierte Aufsätze aus dem -Gebiet der Geschichte, Kulturgeschichte, Völkerkunde usw. bringt, ist ein -Familienblatt im besten Sinne des Wortes; sie will Sinn und Verständnis -für geschichtliche Zusammenhänge wecken und gediegene historische -Kenntnisse in anschaulicher Weise vermitteln. - - $Jährlich für 12 Hefte nebst 2 Buchbeilagen - nur M 4.80 / K. 5.80 h. ö. W. / Fr. 6.40.$ - - Probehefte durch jede Buchhandlung oder direkt von der - - $Franckh'schen Verlagshandlung in Stuttgart$ - - * * * * * - - -Die Mitglieder des =Kosmos= haben bekanntlich nach Paragraph 5 III das -Recht, außerordentliche Veröffentlichungen und die den Mitgliedern -angebotenen Bücher zu =einem Ausnahmepreis= zu beziehen. Es befinden sich -u. a. darunter folgende Werke: - - +===========+====== - | Preis | Mit- - |f. Nicht-|glieder- - | mitgl. | preis - +---------+-------- - $Altpeter, ABC der Chemie$ | 2.40 | 1.-- - $Bergmiller, Erfahr. a. u. Gebiete d. hoh. Jagd.$ | | - Geb. | 4.50 | 3.50 - $Bölsche, W., Der Sieg des Lebens.$ Fein gebunden | 1.80 | 1.50 - $Diezels Erfahrungen a. d. Gebiete d. Niederjagd.$ | | - Geb. | 4.50 | 2.90 - $Ewald, Mutter Natur erzählt.$ Gebunden | 4.80 | 3.60 - $ " Der Zweifüssler.$ Gebunden | 4.80 | 3.60 - $ " Vier feine Freunde.$ Gebunden | 4.80 | 3.60 - $Fabre, J. H. Sternhimmel$. Gebunden | 4.80 | 3.60 - $ " Bilder a. d. Insektenwelt.$ I/II, III/IV. | | - 2 Bde. geb. je | 4.50 | 3.40 - $ " Blick ins Käferleben.$ Broschiert | 1.-- |--.50 - $Floericke, Dr. Kurt, Deutsches Vogelbuch.$ Gebunden| 10.-- | 8.40 - $ " Taschenbuch zum Vogelbestimmem.$ Geb.| 3.80 | 2.90 - $Fruwirth, Die Pflanzen der Feldwirtschaft.$ Geb. | 3.80 | 2.90 - $Gräbner, Taschenbuch zum Pflanzenbestimmen.$ Geb. | 3.80 | 2.90 - $Hepner, Cl., 100 neue Tiergeschichten.$ Gebunden | 3.60 | 2.80 - $Jaeger, Prof. Dr. Gust., Das Leben im Wasser.$ | | - Kart. | 4.50 | 1.70 - $Kuhlmann, Wunderwelt des Wassertropfens.$ Brosch. | 1.-- |--.50 - $Lange, Der Garten und seine Bepflanzung.$ Geb. | 4.50 | 3.50 - $Leben der Pflanze.$ Bd. I, II, III, IV, V, VI, VII,| | - VIII, geb. je | 15.-- |13.50 - $Lindemann, Die Erde.$ Bd. I. Gebunden | 9.-- | 8.-- - $ " " "$ Bd. II. Gebunden | 9.-- | 8.-- - $Meyer. Dr. M. Wilh., Die ägyptische Finsternis.$ | | - Geb. | 3.-- | 1.90 - $Monographien unserer Haustiere$: Bd. I Schumann, | | - Kaninchen; Bd. II Schuster, Hauskatze; Bd. III | | - Morgan, Hund; Bd. IV Schwind, Haushuhn à | 1.40 | 1.05 - $Sauer, Prof. Dr. A., Mineralkunde.$ Gebunden | 13.60 |12.20 - $Schrader, Liebesleben der Tiere.$ Broschiert | 1.40 | 1.10 - $Schroeder-Rothe, Handbuch f. Naturfreunde.$ Bd. I | | - geb. | 4.20 | 3.60 - $ " --"--$ " II | | - geb. | 3.80 | 3.30 - $Schwind-Gemen, Rosenbüchlein.$ Gebunden | 1.50 | 1.25 - $Stevens, Frank, Ausflüge ins Ameisenreich.$ Geb. | 2.50 | 1.85 - $ " " Die Reise ins Bienenland.$ Geb. | 2.50 | 1.85 - $Strandbüchlein.$ Gebunden | 1.25 | 1.-- - $Stridde, Allgemeine Zoologie.$ Gebunden | 7.-- | 6.20 - $Thompson, E. S., Bingo u. a. Tiergeschichten.$ Geb.| 4.80 | 3.60 - $ " Prärietiere und ihre | | - Schicksale.$ Fein geb. | 4.80 | 3.60 - $ " Tierhelden.$ Fein gebunden | 4.80 | 3.60 - $Wurm, Waldgeheimnisse.$ Gebunden | 4.80 | 3.60 - - und zahlreiche andere Werke mehr. - - * * * * * - - - Die ordentlichen Veröffentlichungen - -früherer Jahre erhalten Mitglieder, solange vorrätig, zu Ausnahmepreisen: - -:1904: - -(Handweiser vergriffen) zusammen für M 4.-- (Preis für Nichtmitglieder -M 5.--), geb. für M 6.20 (für Nichtmitglieder M 8.40): - - $Bölsche, W., Abstammung des Menschen.$ - $Meyer, Dr. M. Wilh. (Urania-Meyer), Weltuntergang.$ - $Zell, Dr. Th., Ist das Tier unvernünftig?$ (Doppelband) - $Meyer, Dr. M. Wilh., Weltschöpfung.$ - - -:1905: - -(Handweiser vergriffen) zusammen für M 4.-- (Preis für Nichtmitglieder -M 5.--), geb. für M 6.75 (für Nichtmitglieder M 9.--): - - $Bölsche, W., Stammbaum der Tiere.$ - $Welten, Die Sinne der Pflanzen.$ - $Zell, Dr. Th., Tierfabeln.$ - $Teichmann, Dr. E., Leben und Tod.$ - $Meyer (Urania), Sonne und Sterne.$ - - -:1906: - -(Handweiser vergriffen) zusammen M 4.-- (für Nichtmitglieder M 5.--) und -geb. für M 6.75 (für Nichtmitglieder M 9.--): - - $Welten, Wie die Pflanzen lieben.$ - $Meyer, Dr. M. Wilh., Rätsel d. Erdpole.$ - $Zell, Dr. Th., Streifzüge durch d. Tierwelt.$ - $Bölsche, Wilh., Im Steinkohlenwald.$ - $Ament, Dr. W., Die Seele des Kindes.$ - - -:1907: - -ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden für -M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--): - - $Kuhlmann, Aus der Wunderwelt des Wassertropfens.$ - $Zell, Dr. Th., Straußenpolitik.$ - $Meyer, Dr. M. W., Kometen und Meteore.$ - $Teichmann, Dr. E., Fortpflanzung und Zeugung.$ - $Floericke, Dr. K., Die Vögel des deutschen Waldes.$ - - -:1908: - -ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden für -M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--): - - $Meyer, Dr. M. W., Erdbeben und Vulkane.$ - $Teichmann, Dr. E., Die Vererbung.$ - $Sajó, Krieg u. Frieden im Ameisenstaat.$ - $Dekker, Naturgeschichte des Kindes.$ - $Floericke, Dr. K., Säugetiere des deutschen Waldes.$ - - -:1909: - -ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden für -M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--): - - $Unruh, Leben mit Tieren.$ - $Meyer, Dr. M. Wilh., Der Mond.$ - $Sajó, Prof. K., Die Honigbiene.$ - $Floericke, Kriechtiere u. Lurche Deutschl.$ - $Bölsche, Wilh., Der Mensch in der Tertiärzeit und im Diluvium.$ - - -:1910: - -ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden für -M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--): - - $Koelsch, Pflanzen zwisch. Dorf u. Trift.$ - $Dekker, Fühlen und Hören.$ - $Meyer, Welt der Planeten.$ - $Floericke, Säugetiere fremder Länder.$ - $Weule, Kultur der Kulturlosen.$ - - -:1911: - -ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden für -M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--): - - $Koelsch, Durch Heide und Moor.$ - $Dekker, Sehen, Riechen und Schmecken.$ - $Bölsche, Der Mensch der Pfahlbauzeit.$ - $Floericke, Vögel fremder Länder.$ - $Weule, Kulturelemente der Menschheit.$ - - -:1912: - -ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden für -M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--): - - $Gibson-Günther, Was ist Elektrizität?$ - $Dannemann, Wie uns. Weltbild entstand.$ - $Floericke, Fremde Kriechtiere u. Lurche.$ - $Weule, Die Urgesellschaft und ihre Lebensfürsorge.$ - $Koelsch, Würger im Pflanzenreich.$ - - -:1913: - -ungebunden zusammen M 4.80 (für Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden für -M 8.40 (für Nichtmitglieder M 13.--): - - $Bölsche, Festländer und Meere.$ - $Floericke, Einheimische Fische.$ - $Koelsch, Der blühende See.$ - $Zart, Bausteine des Weltalls.$ - $Dekker, Vom sieghaften Zellenstaat.$ - - _Allen Jahrgängen außer 1904, 1905 u. 1906 werden - die 12 Hefte des betr. Handweiser-Jahrganges beigefügt._ - -Sämtl. noch vorhand. Jahrgänge der Kosmos-Veröffentlichungen (s. obige -Zusammenstellung) liefern wir an Mitgl.: geh. für M 38.-- (Preis für -Nichtmitgl. 96.--), geb. (auch Handw.) für M 62.-- (Preis für Nichtmitgl. -113.80) $auch gegen kleine monatl. Ratenzahlungen$. - - * * * * * - -Anmerkungen zur Transkription: - -Rechtschreibung und Zeichensetzung des Originaltextes wurden übernommen, -und offensichtliche Druckfehler korrigiert. - -Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Passagen, die im Original in -Antiqua gesetzt sind, sind kursiv dargestellt. - -Der Schmutztitel wurde entfernt. - -Fett gedruckter Text wurde mit Dollarzeichen ($Text$), gesperrter Text -mit Gleichheitszeichen (=Text=) und kursiver Text wurde mit -Unterstrich (_text_) markiert. - -Das Symbol gestorben wurde als [gestorben] dargestellt. - -Das Symbol Zeigefinger wurde als [Zeigefinger] dargestellt. - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Meeresfische, by Kurt Floericke - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK MEERESFISCHE *** - -***** This file should be named 57967-8.txt or 57967-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/7/9/6/57967/ - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. 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Redistribution is subject to the -trademark license, especially commercial redistribution. - -START: FULL LICENSE - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. 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It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org - - - -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the -mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its -volunteers and employees are scattered throughout numerous -locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt -Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to -date contact information can be found at the Foundation's web site and -official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular -state visit www.gutenberg.org/donate - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works. - -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - diff --git a/57967-h/57967-h.htm b/57967-h/57967-h.htm index 5a3ca13..03b689d 100644 --- a/57967-h/57967-h.htm +++ b/57967-h/57967-h.htm @@ -168,41 +168,7 @@ em.gesperrt <body> -<pre> - -The Project Gutenberg EBook of Meeresfische, by Kurt Floericke - -This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most -other parts of the world at no cost and with almost no restrictions -whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of -the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have -to check the laws of the country where you are located before using this ebook. - -Title: Meeresfische - -Author: Kurt Floericke - -Release Date: September 24, 2018 [EBook #57967] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK MEERESFISCHE *** - - - - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - - - - - -</pre> +<div>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 57967 ***</div> <div class="figcenter"> @@ -4508,379 +4474,7 @@ im Original in Antiqua gesetzt sind, sind kursiv dargestellt.</p> -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Meeresfische, by Kurt Floericke - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK MEERESFISCHE *** - -***** This file should be named 57967-h.htm or 57967-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/7/9/6/57967/ - -Produced by The Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for the eBooks, unless you receive -specific permission. If you do not charge anything for copies of this -eBook, complying with the rules is very easy. You may use this eBook -for nearly any purpose such as creation of derivative works, reports, -performances and research. They may be modified and printed and given -away--you may do practically ANYTHING in the United States with eBooks -not protected by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the -trademark license, especially commercial redistribution. - -START: FULL LICENSE - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. 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It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org - - - -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is in Fairbanks, Alaska, with the -mailing address: PO Box 750175, Fairbanks, AK 99775, but its -volunteers and employees are scattered throughout numerous -locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt -Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to -date contact information can be found at the Foundation's web site and -official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular -state visit www.gutenberg.org/donate - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works. - -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - - - -</pre> +<div>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 57967 ***</div> </body> </html> |
